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Zweiter Band. - -Author: Friedrich Gerstäcker - -Release Date: December 9, 2012 [EBook #41585] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK AMERIKANISCHE WALD- UND STROMBILDER *** - - - - -Produced by richyfourtytwo and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - - - - - - - - - Amerikanische Wald- und Strombilder - - - Von - - Friedrich Gerstäcker. - - - Dritte Auflage. - - Zweiter Band. - - - Leipzig, - Arnoldische Buchhandlung. - 1862. - - - - - Inhalt des zweiten Bandes. - - - Seite - Ein Versuch zur Ansiedlung, oder, wie's - dem Herrn von Sechingen im Urwald gefiel 219 - Cincinnati 292 - Der wunderbare Traum 327 - Eine Pantherjagd 369 - Wandernde Krämer 380 - Der amerikanische Urwald 405 - Die Bärenjagd am Bayou Meter in Arkansas 430 - - - - -Ein Versuch zur Ansiedlung, - -oder - -wie's dem Herrn von Sechingen im Urwald gefiel. - - -Amerika -- Urwald -- Indianer -- Tomahawk -- Scalpiren -- -Schlingpflanzen -- Panther -- »Oh, wer doch einmal im Urwald sein und -das Alles so recht in der Nähe mit ansehen könnte« -- ruft der entzückte -Leser, während vor seinem inneren Auge eine wunderliebliche =Camera -obscura= ihm all die obenerwähnten Sachen klein und zierlich, aber mit -dem vollen Zauber reicher Phantasie übergossen, vorspiegelt. - -»Da muß ich hin!« hatte auch »_von Sechingen_,« ein junger unabhängiger -deutscher Edelmann gesagt, als er Coopers »Ansiedler« auf's Sopha warf, -emporsprang, die an der Wand hängende Büchse ergriff und auf einen, im -Geist heraufbeschworenen Panther schnell und sicher anlegte. - -Er nahm sich kaum Zeit, das Buch auszulesen; noch in demselben Monat -ordnete er seine Geschäfte, und acht Wochen später trug ihn die wogende, -blaue See hinüber zu dem Lande seiner Hoffnungen und Träume. Dort, im -stillen Wald -- im rauschenden Schwanken der Urbäume, wollte er -sich seine Hütte bauen, den Bär und Panther jagen und mit den rothen -Eingeborenen verkehren; dort von allen Sorgen und Ärgernissen des alten -Vaterlandes entfernt, hoffte er die Ruhe zu finden, nach der er sich -gesehnt, und die Oberlippe warf er stolz und verächtlich empor, als -er jetzt an all das Complimenten- und Etikettenwesen der alten Welt -zurückdachte, was Gott sei Dank nun hinter ihm lag. - -Die Reise war höchst glücklich -- nach schneller Fahrt erreichte er -New-Orleans, hielt sich aber hier kaum lange genug auf, die Stadt -flüchtig anzusehen, sondern nahm, als am nächsten Morgen ein für den -Arkansas bestimmtes Dampfboot stromauf lief, auf diesem Passage, und -erreichte neun Tage später Little Rock, die Hauptstadt des Staates. - -Hier nun strömten, wie das stets bei ankommenden Booten der Fall -ist, eine Masse von Menschen an Bord, um vielleicht hie und da einen -Bekannten zu treffen oder Zeitungen und Briefe in Empfang zu nehmen, und -_von Sechingen_, dem das Treiben noch ganz neu und ungewohnt war, konnte -nicht umhin, einen kleinen freundlichen Mann zu bemerken, der, etwa -ein Achtunddreißiger, einen grauen, verschossenen Überrock mit -Messingknöpfen, ein paar dunkelfarbige Sommerbeinkleider, grobe Schuh, -ein hellblaues Halstuch und einen ziemlich mitgenommenen schwarzen -Seidenhut trug. - -Der kleine Mann trat nämlich mit einer unbeschreiblichen, -wohlbehaglichen Sicherheit auf, schien dabei Jeden auf dem Boot zu -kennen, und war auch wirklich von Allen gekannt, denn des Zunickens und -Handdrückens wurde gar kein Ende und »wie gehts Charley -- noch immer -munter, Charley? -- =bless me= Charley, wie dick Ihr geworden seid!« -tönte fast von jeder Lippe. -- Es war Charles Fischer, dessen Name bei -allen dort gewesenen oder reisenden Deutschen fast unzertrennlich von -dem Namen der Stadt selbst geworden, denn schon seit langen Jahren -wohnhaft in der Stadt, die er, wie er gern erzählte, »noch als ein Dorf -gekannt,« hatte er durch Fleiß und Sparsamkeit (er war ein Tischler) -und besonders durch Glück, bei allen seinen Unternehmungen eine hübsche -Summe gespart, später ein paar kleine Häuser gebaut, dann eine Art -Wirthshaus und Schenkstand angelegt und jetzt steigerte sich mehr und -mehr sein Verdienst, da er Alles, was er brauchte, von New-Orleans oder -Cincinnati -- wo Provisionen wie Getränke sehr billig sind -- bezog, und -dieses dann in Little Rock zu einem enormen Preis wieder verkaufte. Dazu -als eine gute, harmlose Seele beliebt, und schon so lange an jenem Ort -wohnend, daß ihn Hin- und Herreisende immer wieder auf derselben Stelle, -der Erste an Bord jedes anlangenden Bootes, und eine halbe Stunde später -hinter seinem Schenktisch fanden, wurde Charles Fischer gewissermaßen -die Hausnummer, die man auf alle nach Little Rock oder auch ganz -Arkansas addressirten Briefe setzte, wenn man nicht den Ort, wohin Brief -oder Passagier bestimmt war, ganz genau angeben konnte. - -Charles Fischer war also, und ist selbst jetzt noch, das Policeibüreau -für sämmtliche nach Little Rock kommende Deutsche, auf dem sie sich nach -jedem Interessanten erkundigen können, das aber dafür auch Alles, was -den Fragenden angeht, wissen will. Selbst übrigens selten oder nie, -seit er in Amerika ist, aus Little Rock herausgekommen, wechselt er auch -seine Ansichten nicht besonders, und wenn Jemand von ihm wissen will, wo -in Arkansas gutes Land liegt, so schickt er ihn seit funfzehn Jahren an -den =Fourche la fave=; wünscht man von ihm zu erfahren, wie die »Zeiten« -sind, so schimpft er und holt ein Paketchen kleiner Banknoten, die er -mit einem starken Bindfaden in einem Westenknopfloch befestigt hat, aus -der Tasche und sagt »man müsse in Little Rock das Geld anbinden, sonst -liefe es fort;« erkundigt man sich nach seiner politischen Meinung, -so ist er Demokrat mit Leib und Seele -- er ließe sich, behauptet er, -lieber todtschlagen, ehe er zu den Whigs überginge, läßt sich aber nie -auf nähere Erörterungen ein, da ihm der Unterschied zwischen Whigs und -Demokraten noch selbst in vielen Stücken sehr dunkel ist; fragt man ihn -aber, was seine Frau macht, so stößt er Einem den Zeigefinger in die -Rippen, blinzt das linke Auge zu, was verschmitzt aussehen soll, und -lacht. - -Außer Little Rock existirt weiter keine Welt für ihn, er verschmäht -jede Einladung, einmal auf das Land zu seinen Freunden zu kommen, und -behauptet bei solchen Gelegenheiten stets, sich mit innigem Behagen die -Hände reibend, »es gäbe doch nur _ein_ Little Rock,« und darin hat er -vollkommen recht, denn es wäre fürchterlich, wenn auf der Welt noch -solch ein zweiter Platz existirte. - -Eben hatte _Charley_, wie er von Allen freundschaftlich genannt wurde, -mehre Briefe vom Buchhalter in Empfang genommen, die zwar an ihn -adressirt, keineswegs aber für ihn bestimmt waren und wollte das Boot -wieder verlassen, als von Sechingen, der jetzt genug von ihm gesehn und -auch den Namen so oft gehört hatte, um ziemlich sicher zu sein, wer vor -ihm stehe, auf ihn zutrat, und freundlich grüßend fragte, ob er »das -Vergnügen habe, mit Herrn Carl Fischer zu sprechen?« - -»Charley -- =of course= -- gewiß --« sagte der Kleine, »eben von -Deutschland gekommen, eh? haben Sie dort auch letztes Jahr so nasses -Wetter gehabt, wie wir hier? aber apropos, was ich Sie fragen wollte, -wie weit sind Sie denn bei Stuttgart mit der Eisenbahn?« - -»Es thut mir leid, Ihnen darüber keine genaue Auskunft geben zu können,« -lächelte der Fremde »ich komme aber mit einer Bitte um Rath zu Ihnen, -Herr Fischer, indem ich von New-Orleans aus durch einen dort zufällig -getroffenen Freund an Sie gewiesen bin, mir die beste Gegend für Land -hier in Arkansas zu nennen. Ich beabsichtige mich anzukaufen und weiß -selbst noch nicht recht, ob ich meine Nachforschungen von hier aus -beginnen, oder mit dem Boot bis Fort Gibson hinauf gehen soll.« - -»Land kaufen?« sagte Charley, wie er sich selber nannte, »Land kaufen? -keine bessere Gegend in der Welt, als am =Fourche la fave= -- -_Land_ nicht _todt_ zu machen -- _Weide_, unverwüstlich -- _Wild_ -unmenschlich.« - -»Viel Wild? so?« frug der Fremde, und wurde aufmerksamer -- »und wo -liegt dieses paradiesische Land?« - -»Etwa vierzig Meilen von hier, über die Berge fort, Sie gehen jedoch am -Besten mit dem Boot bis an die Mündung des kleinen Flusses selbst, -und dann soll es noch etwa zwanzig Meilen von da bis zu der deutschen -Ansiedlung sein, Sie können nicht fehlen, immer am Fluß hinauf.« - -»Was fang ich aber indessen mit meinen Sachen an? denn wenn ich eine -Fußtour unternehmen soll, muß ich _die_ auf jeden Fall zurücklassen.« - -»Können Sie zu mir hinstellen,« sagte Charley, »ich habe ein kapitales -Lokal -- unten ein großes Barzimmer mit einem Schlafkabinet.« - -»Barzimmer?« frug der Fremde. - -»Nun ja -- Barzimmer, ach so, Sie wissen nicht was _Bar_ ist, nun -_Schenk_zimmer, das ist ja wohl deutsch -- eine Treppe hoch habe -ich einen Tanzsaal, sollen einmal den Tanzsaal sehen, wie ich den -herausgeputzt habe -- und auch ein Schlafkabinet, und oben unter dem -Dach noch zwei Schlafkammern, wo, wenn es ordentlich eingetheilt wird, -an die vierzehn Betten stehen können.« - -»Aber wo wohnen Sie denn da?« sagte erstaunt der Fremde. - -»Im Sommer wohn' ich im Tanzsaal und im Winter unten, neben dem -Barzimmer.« - -»Und vierzehn Betten in zwei Dachkammern?« - -»Ja, und wie viel meinen Sie, daß im letzten Winter, wo ich den großen -Ball hatte, dort oben in eilf Betten Menschen gelegen haben?« - -»Nun vielleicht gar zwei und zwanzig Personen?« lachte der Deutsche. - -»Zwei und zwanzig?« rief Charley die Nase rümpfend, »wegen denen wären -_die_ Umstände nicht nöthig gewesen -- _sieben und dreißig_.« - -»Aber wie ist das möglich?« - -»Möglich? in Amerika ist Alles möglich, das werden Sie auch wohl noch -erfahren, ehe Sie sechs Monate im Lande sind.« - -»Dann kann ich also Alles zu Ihnen in's Haus schaffen lassen?« - -»Ja wohl -- versteht sich, wollen gleich einen Mann rufen, hey -- Sam! -oh Sam! hierher!« - -Der Zuruf galt einem großen, breitschultrigen Mulatten, der neben seinem -zweirädrigen Güterkarren am Ufer stand und mit der Peitsche knallte -- -»hier ist ein Gentleman, der Sachen nach meinem Hause zu schaffen hat.« - -»Ay, ay, Mr. Charley,« rief der Mulatte, freundlich grinsend, während -er über die Planke an Bord lief, und in wenigen Augenblicken oben neben -ihnen stand, »soll richtig besorgt werden,« fuhr er fort, indem er den -getheerten Matrosenhut neben die Peitsche auf das Verdeck legte, »aber -_Mister_ Charley, nicht wahr, Sam bekommt dann auch einen Schluck von -dem =Peach brandy=.« - -»Ist der schwarze Teufel schon wieder durstig,« rief Charley erstaunt, -»hat er nicht erst vorgestern eine halbe Flasch voll ausgetrunken?« - -»Aber Mister Charley --« - -»Nun schon gut, schaff nur die Sachen ordentlich und schnell hinauf -- -ich komme gleich mit und da wollen wir sehen.« - -Drei Koffer, zwei Hutschachteln, mehrere Gewehrfutterale, ein Reisesack -und noch verschiedene andere kleine Kistchen und Kasten wurden jetzt von -dem geschäftigen Mulatten in fast unglaublich kurzer Zeit an's Ufer, -zu dem nur wenige hundert Schritt vom Wasserrande entfernten Hause Carl -Fischers befördert, und der Fremde, nachdem er das Fuhrlohn wie einen -Trunk für den Karrenführer bezahlt hatte, und Alles besorgt sah, wandte -sich hier zu seinem freundlichen Wirth und sagte: - -»Wenn es Ihnen recht ist, so möchte ich jetzt ein wenig Toilette machen, -denn in diesem Aufzug kann ich doch auf keinen Fall in den Urwald -dringen. Haben Sie Bären hier in der Nähe?« - -»Bären?« frug Charley verwundert, »die Leute da oben leben von weiter -Nichts als Bärenfleisch; wie die Schweine laufen sie im Walde herum, -nach den Hirschen schießen sie gar nicht mehr.« - -»Die Bären?« - -»Die Jäger, =of course=!« - -»Nun« rief der Fremde, »dann werde ich ja auch wohl noch heute Abend zum -Schuß kommen, will also doppelte Kugeln einladen.« - -Sie waren unterdessen in die Wohnung oder vielmehr das »Barzimmer« -des kleinen Charley, wie es dieser nannte, getreten, und in dem -daranstoßenden Kämmerchen verwandelte sich der junge Mann bald, was -wenigstens das Äußere betraf, aus einem Stutzer in einen Jäger, -mit grüner Pikesche, ledernen Beinkleidern, hohen Wasserstiefeln, -umgeschnalltem Hirschfänger, gewaltiger lederner Waidtasche, und -schöner Suhler Büchsflinte, dabei wohl ausgerüstet, was Schrotbeutel, -Pulverhorn, Zündhütchenaufsetzer, Messer, kurz Alles das betraf, was er -nach deutscher, richtiger Waidmannsart »fertig gerüstet« nennen konnte. - -»Nun kann's losgehen!« jubelte Charley und schlug vor Freuden in die -Hände, als er den Jäger erblickte. »Da sieht man' s doch auch, daß -es ein Jäger ist; -- hier zu Lande laufen sie mit ihren langen -Schießprügeln auf der Schulter, den Kolben nach hinten, in alten -ledernen Jacken und wollenen Fracks im Wald herum und haben dünne -hirschlederne Lappen an den Füßen, durch die man jedes Sandkorn fühlt. -Ich habe selbst einmal so ein paar Dinger angehabt, bin aber beinah lahm -geworden; weiß der Böse nur, wie sie noch 'was schießen, es muß aber -wohl so viel draußen sein, daß sie's selbst nicht ändern können.« - -»Gehen _Sie_ denn nie auf die Jagd?« frug der Fremde. - -»Ich? nein -- bewahre --« lachte Charley, »ich müßte mich auch gut mit -einer Flinte ausnehmen; ne, da draußen im nassen Walde herumzukriechen, -den ganzen Tag ein schweres Stück Eisen auf der Schulter zu schleppen -und dann auch noch d'raus zu schießen -- ne -- das ist meine Passion -nicht. Ich habe gern Alles in der gehörigen Ordnung, Abends mein gutes -Essen und ein warmes Bett, und am Tag -- aber sie läuten schon wieder -auf dem Boot -- daß Sie's nur nicht versäumen. Was mir aber noch -einfällt, es wäre doch eine Möglichkeit, daß Sie sich verliefen, denn -im Walde sieht ein Baum wie der andere aus, und hier neben an wohnt ein -Indianer, wenn Sie dem einen Dollar und einen Schluck Whiskey geben so -geht er mit Ihnen durch's Feuer.« - -»Ein Indianer?« rief der Fremde entzückt, »o rufen Sie ihn her, ich -will ihm geben was er haben will, der muß mit mir gehen, das ist zu -romantisch.« - -»Wie heißen Sie denn eigentlich?« frug Charley jetzt, dem der letzte -Ausdruck wahrscheinlich auffallen mochte. - -»Mein Name ist von Sechingen,« erwiederte der Fremde. - -»Ach Herr von Sechingen, ist mir sehr angenehm Ihre werthe Bekanntschaft --- aber der Teufel soll mich holen, wenn's da nicht schon zum zweiten -Male läutet -- laufen Sie auf's Boot, ich bringe den Indianer.« - -»Ja -- aber er muß sich doch erst zurecht machen.« - -»Ist immer zurecht gemacht,« erwiederte Charley, »nur fort, sonst -werden Sie noch zurückgelassen. Also wohl gemerkt -- an der Mündung -des =Fourche la fave= lassen Sie sich aussetzen, und wenn Sie Alles in -Richtigkeit haben, so kommen Sie nur her, und holen sich Ihre Sachen -- -apropos -- grüßen Sie mir die Deutschen oben.« - -Herr von Sechingen eilte jetzt auf das Boot, es dauerte jedoch gar nicht -lange, bis Charley mit dem versprochenen Indianer nachkam und ihn auch -kaum noch abliefern konnte, denn eben schellte die Glocke zum dritten -und letzten Mal, die Taue wurden eingenommen, ein flüchtiges Lebewohl -den am Ufer Bleibenden zurückgerufen, und fort schoß der Koloß, das -»schwimmende Gasthaus« gegen den Strom an, dem fernen, fernen Westen zu. - -Der Deutsche versuchte indessen mit dem Indianer ein Gespräch -anzuknüpfen, fand diesen aber zu einer langen Unterhaltung keineswegs -aufgelegt, und konnte auf seine Fragen, da dieser noch dazu sehr -gebrochen englisch sprach, nur kurze, und meistens unbefriedigende -Antworten erhalten, so daß er seine Erkundigungen endlich einstellte -und bei sich dachte, im Walde würde der rothe Sohn der Wälder auch wohl -gesprächiger werden. - -Dieser rothe Sohn der Wälder sah übrigens ganz anders aus, als -sich Sechingen eigentlich die Indianer, jene stolzen, kriegerischen -Häuptlinge gedacht hatte. Ein früher einmal blau gewesenes, baumwollenes -Jagdhemd hing ihm lose um die Schultern, die Beine staken in grau -wollenen Beinkleidern, die Füße in mächtigen groben Schuhen, auf dem -Kopf saß ihm, bis tief in die Augen hinein, ein alter zusammengedrückter -Strohhut, unter dem die langen, schwarzen Haare wild und unordentlich -hervorquollen, und im Gürtel, der sein Jagdhemd zusammenhielt, stak ein -kurzes, schmales Messer, während an seiner rechten Seite eine kleine -lederne Tasche, auf seiner linken Schulter eine zusammengewickelte -wollene Decke hing und eine lange, keineswegs prachtvoll aussehende -Büchse mit Feuerschloß, die Bewaffnung und Ausrüstung dieses sonderbaren -Wesens beendete. - -Dem jungen Sechingen blieb jedoch kaum Zeit, dieß Alles an seinem neuen -Reisegefährten und Begleiter zu bemerken, denn fast sämmtliche, sich -auf dem Dampfboot befindenden Amerikaner drängten sich um ihn her und -begannen mit der liebenswürdigsten Unbefangenheit von der Welt seine -Waffen und ganze Ausrüstung anzustaunen und zu betrachten. Einer nahm -ihm, mit einem freundlichen »=if you please=« (wenn Sie erlauben) -die Büchse aus der Hand und knackte unzählige Male die Schlösser, ein -Anderer zog, _ohne_ zu sagen »=if you please,=« den Hirschfänger aus der -Scheide und untersuchte die Schärfe desselben, ein Dritter zupfte an dem -Patentschrotbeutel, bis er die Kapsel glücklich herausbrachte und eine -ganze Ladung Schrot auf's Deck streute, kurz es fehlte nicht viel, so -hätten sie ihn wie eine Puppe aus- und wieder angezogen. - -Von Sechingen ließ sich im Anfang wirklich Alles mit vieler -Gutmüthigkeit gefallen, es schien sogar seiner Eitelkeit etwas zu -schmeicheln, von Jedem so bewundert zu werden; nach und nach ward ihm -die Sache aber doch ein wenig lästig und er nahm, ohne viele Umstände, -sein verschiedenes Eigenthum wieder an sich. Die Amerikaner frugen ihn -jedoch fast bei jedem Stück, wie er es verkaufen wolle und wunderten -sich sehr, als er ihnen sagte, daß er Nichts von alle dem veräußern -würde. Einer wünschte sogar zu wissen, wie er seine Stiefeln gegen ein -paar andere, erst wenige Wochen getragene vertauschen, d. h. ob er noch -Aufgeld haben wolle, denn daß er sie, wenn ihm der Handel gut schiene, -überhaupt vertauschen würde, verstände sich, glaubten die Leute, von -selbst. - -Sechingen bekam die Gesellschaft schon recht überdrüssig, als er endlich -zu seiner Freude den Ausruf des Indianers vernahm, der, mit dem Finger -vorwärts deutend, auf einen Anwuchs niederer Baumwollenholzschößlinge -hinwies. - -»Ist das die Mündung des Flusses,« rief er freudig -- »nun Gott sei Dank --- aber werden wir auch halten?« - -Die Bootsglocke beantwortete seine Frage, der Ruf des Lootsen sandte die -»Deckhands« oder Matrosen nach der, hinten am Boot befestigten Schaluppe --- der Deutsche und Indianer sprangen hinein und fanden sich, wenige -Minuten darauf, an der Spitze einer Sandbank, welche gerade überhalb -des Flusses Mündung eine kurze Strecke in den Arkansas hineinlief. -Das leichte Fahrzeug, was sie hierher gebracht, war indeß zum Boot -zurückgekehrt -- das Zeichen wurde gegeben, puffend und schnaubend -brauste der schöne Dampfer stromauf, und die beiden Männer standen -allein auf der kleinen, sandigen Landzunge. - -Sechingen blickte entzückt um sich her -- Alles -- Alles mahnte ihn -daran, daß er jetzt im Begriff sei, zum ersten Mal die Amerikanische -Wildniß, den _Urwald_ zu betreten, und von wonnigen Schauern durchbebt, -wandte er sich gegen den dunklen Wald. Zu seiner Linken, am andern Ufer -des kleinen Flusses, thürmten sich schroffe, mit Kiefern und Eichen -bedeckte Hügel empor, rechts von diesen, in der Richtung, die er -einzuschlagen gedachte, lag eine dichte grüne Baum- und Laubmasse und -hinter ihm wälzte sich der gewaltige Arkansas dem »Vater der Wasser«, -dem Mississippi zu, während der schmale Sandstreifen, auf dem sie -standen, etwa eine Meile lang bis zu dem wieder steiler werdenden Ufer -hinauflief. - -Noch war der Deutsche in staunender Bewunderung des Heiligthums -versunken, das er kaum zu betreten wagte, als der Indianer, dessen -christlicher »Robert« in den bequemeren »Bob« umgetauscht worden, das -Schweigen brach und dem jungen Mann mit wenigen Worten andeutete, wie er -nicht gesonnen sei, hier die ganze Nacht auf offener Sandbank halten zu -bleiben. - -»Wollen gehn --« sagte er, und drehte dabei den Kopf nach allen -vier Himmelsgegenden, um Wolken, Sonne und Luft genau und prüfend zu -betrachten -- »kaum noch eine Stunde Tag, besser an einen trockenen -Platz vor Abend -- Feuer anmachen -- groß.« - -»Und welchen Weg nehmen wir jetzt?« frug Sechingen. - -»Weg?« sagte der Indianer verwundert, »kein _Weg_ von hier -- lauter -Wald.« - -»Ha, desto besser!« rief der Deutsche, »das ist herrlich; lauter -dichter, finsterer Wald, und dann das Nachtlager, -- o das muß köstlich -werden.« - -»Will der Weiße die nächste Richtung, ganz durch den Wald gehen, oder -fünf Meilen um, über die Hügel -- weit oben läuft ein gebahnter Weg!« -sagte Bob. - -»Oh unbedingt den nächsten Weg durch den Wald, wie weit ist es wohl?« - -»Funfzehn Meilen -- aber viel naß,« sagte der Indianer, und zeigte mit -dem Finger gerade auf den Wald. - -»Ich habe große Stiefeln an,« lachte Sechingen, »und wenn _Sie_ sich -nichts daraus machen« -- - -»Bob kann schwimmen,« erwiederte dieser lakonisch, schritt jetzt, ohne -ein Wort weiter zu verlieren und die dünnen Baumwollenholzbäumchen -auseinander biegend, durch diese hinweg und betrat, von dem Deutschen -gefolgt, während sie die sandige, angewaschene Landzunge hinter sich -ließen, den eigentlichen dunklen Wald. - -Sechingen hatte vom ersten Augenblicke an, als er festen Grund und Boden -unter den Füßen fühlte, die Doppelbüchse von der Schulter genommen und -zum großen Ärgerniß Bob's, der fortwährend nach ihm hinschielte, beide -Hähne aufgezogen, ging auch jetzt, stets im Anschlag, vorsichtig und -aufmerksam umherspähend, hinter dem Indianer her, bis dieser endlich, -trotz dem ihm angeborenen stoischen Gleichmuth, das Gefühl nicht -länger ertragen konnte, in dem dichten Gewirre von Schlingpflanzen eine -gespannte Büchse hinter sich zu haben, und von nun an neben dem jungen -Mann blieb. - -Die Sonne sank indessen mehr und mehr und verschwand eben hinter den -gewaltigen Bäumen, nur noch hie und da einen der höchsten Wipfel mit -ihrem rosigen Schein übergießend. Im Walde herrschte tiefe Stille, die -nur selten durch das Quaken eines Frosches oder das Gezirpe einer -Grille unterbrochen wurde; es war ein wunderlieblicher, entzückender -Frühlingsabend, dem schönen Wald von Arkansas so eigenthümlich; dennoch -aber schien sich der Herr von Sechingen dieses langersehnten Genusses -nicht so recht zu erfreuen, oder wenigstens keine Zeit dafür zu haben, -denn bald schlug er sich mit der flachen Hand auf die Stirn, bald in den -Nacken, bald auf die andere Hand; oder nahm die Mütze ab, mit der er um -sich herumschlug, und endlich blieb er gar in allem Unmuth stehen und -rief aus: - -»Wo kommen denn nur um Gotteswillen alle diese verwünschten Mücken her? -das ist ja zum Rasendwerden.« - -»Mücken?« sagte Bob, »was das? _Mosquitos_ meint Ihr; nicht viele hier! -mehr davon weiter vorne; aber lagern jetzt -- gleich dunkel.« - -Damit, ohne weiter eine Antwort seines Begleiters abzuwarten, warf er -seine Decke und Kugeltasche ab, lehnte die Büchse an einen Baum und -schlug Feuer, das er bald mit Hülfe des dürren Laubes zu einer Flamme -anfachte, die, von trockenem Holz genährt, in wenigen Minuten zur hohen -Gluth emporloderte. - -»Hier also sollen wir bleiben?« sagte Sechingen etwas kleinlaut, indem -er sich an dem Orte, auf welchem sie sich befanden, umsah, »ja -- es -wäre recht hübsch hier, wenn die verdammten Mücken nur nicht wären. -Also _das_ sind Mosquitos?« -- fuhr er fort, als er eben wieder vier mit -einem Schlage auf dem Rücken seiner Hand vernichtet hatte -- »nun Gott -sei Dank, es sind doch wenigstens genug von ihnen da, um sich abzulösen, -wenn ein Theil satt oder müde werden sollte.« - -»Fremder legt sich auf diese Seite vom Feuer, unter den Rauch -- keine -Mosquitos!« -- bedeutete ihn Bob. Sechingen befolgte auch schnell den -guten Rath, und fand sich hier, in dem weichen, gelben Laub, das mehrere -Zoll hoch den Boden bedeckte, bald von seinen Quälgeistern verlassen, -die durch den über ihm hinweggehenden Rauch verscheucht wurden. Bob -schien sie gar nicht zu achten. - -»Lieber ein Dach machen -- kann regnen die Nacht,« sagte der Indianer -jetzt. - -»Regnen?« lachte Sechingen, »wo soll denn der Regen herkommen? es ist ja -keine Wolke am Himmel?« - -»Schadet Nichts,« meinte Bob -- »Regenfrosch gutes Zeichen.« - -»Ach nein -- hier ist's herrlich,« betheuerte Jener, der, von seinen -Plagegeistern für den Augenblick befreit, wieder das so lang gehegte und -genährte romantisch wilde Sehnen in sich erwachen fühlte -- »hier -ist's so wundervoll, mit dem grünen Laubdach über uns, dem blauen -sternbesäeten Himmel als Decke, und dem dunkelen, rauschenden Wald -um uns her; wozu da noch ein Dach, was uns doch nur den Anblick des -prachtvollen Firmamentes entziehen würde; kommen Sie hierher, Bob, legen -Sie sich neben mich und erzählen Sie mir etwas aus Ihrem Leben.« - -»Bob ist hungrig,« war die lakonische Antwort. - -»Nun ja, da es einmal erwähnt wird,« meinte der Deutsche, »so wäre -mir auch ein Bissen Warmes nicht so unerwünscht, ein Tasse Thee könnte -besonders gar Nichts schaden.« - -»Viel Thee im Wald,« sagte Bob. - -»Thee? grüner Thee?« - -»Gewiß grüner Thee -- will der Weiße Thee haben?« - -»Das wäre nicht so übel,« erwiederte Sechingen, »auf alle Fälle können -wir es versuchen.« - -Bob riß hierauf einen kleinen, neben ihm wachsenden grünen Strauch aus -der Erde, wischte die Wurzel so rein als möglich mit seinem Jagdhemd -ab, schnitt sie in dünne Spähne, that sie in den Blechbecher, den er an -seiner wollenen Decke hängend trug, füllte diesen dann voll Wasser und -setzte ihn auf die Kohlen. - -»Und das wird Thee?« frug Sechingen ungläubig. - -»Ahem,« war Bob's Antwort, der nur mit dem Kopfe nickte. - -»Es ist aber doch sonderbar,« sagte der Deutsche nach einer wohl -viertelstündigen Pause, in der er träumend zu den funkelnden Sternen -hinaufgeschaut hatte, »daß wir jetzt schon über eine Stunde durch -den dichtesten Wald gegangen sind, ohne eine Spur von Wild gesehen zu -haben.« - -»Sonderbar?« entgegnete die Rothhaut, »Bob hat drei Tage hier gejagt und -keine Klaue gefunden.« - -Das stimmte nun freilich nicht mit Charles Fischers Aussagen überein, -doch blieb ihm für den Augenblick keine weitere Zeit zu ferneren -Erörterungen, denn der Thee war fertig und wurde Sechingen dargereicht. - -»Etwas Zucker und Milch wäre jetzt sehr an seinem Platz,« meinte dieser --- »aber halt -- ich habe ja Rum bei mir; der mag den Dienst versehen,« -und aus einem kleinen Fläschchen, das er aus dem Jagdranzen nahm, goß er -etwa ein Spitzglas voll in den Becher, und reichte die Flasche dann an -Bob hinüber, der sie schon mit gierigen, verlangenden Blicken betrachtet -hatte und jetzt einen langen, langen Zug that. Mit augenscheinlichem -Widerwillen mußte er zuletzt absetzen, um Athem zu holen und Sechingen -schob sie wieder in den Ranzen zurück. Der Thee war indessen etwas kühl -geworden, -- aber welch entsetzliches Gebräu. - -»Pfui Teufel!« rief der junge Deutsche aus, indem er den Becher -zurückschob und aufsprang. »Bob, das können Sie allein trinken, das -schmeckt ja abscheulich.« - -»Indianer trinkt nur Thee, wenn krank ist.« - -»Ich bin aber nicht krank,« rief Sechingen. - -»Ich auch nicht,« sagte Bob und begann mit großer Ruhe die Lederriemen -aufzubinden, die seine Decke zusammenhielten. - -»Daß mich auch der Böse plagen mußte, mit keiner Sylbe an Lebensmittel -zu denken,« murmelte Sechingen ärgerlich vor sich hin, -- »ich glaubte -aber sicher, noch vor Dunkelwerden irgend ein Stück Wild erlegen zu -können.« - -»Bob kann warten,« brummte dieser und rollte die jetzt gelöste Decke -auf. - -»Nun so erzählen Sie mir wenigstens etwas,« bat ihn der Deutsche, »ich -möchte gar so gerne einige Skizzen aus dem Leben der Indianer, von den -Lippen eines Indianers hören, und da wir doch nun einmal im Wald sind, -so lassen Sie mich auch einige Anekdoten von Ihren Jagden mit Büffeln -oder Bären, von den Kämpfen mit anderen Stämmen, dem nächtlichen -Überfall, dem Schlachtschrei und den genommenen Scalpen hören -- was -hilft mir denn der Wald und der Indianer, wenn wir schlafen wollen?« - -»Weiß Nichts zu erzählen,« sagte Bob, indem er seine Decke nahe zum -Feuer ausbreitete und dieses dann wieder von Frischem aufschürte -- -»habe nie einen Büffel gesehen und noch keinen Bären geschossen; -- kam -vor sechs Jahren von Georgien mit ganzem Stamm.« - -»Und was haben Sie in den sechs Jahren getrieben? -- Jagd?« - -»Nein -- Schuhmachen!« - -»_Schuhmachen_?« frug Sechingen entsetzt -- »Schuhmachen? ein Indianer --- in Arkansas? aber Ihr Vater war doch ein Jäger und Krieger? fiel -vielleicht in der Schlacht -- in einem nächtlichen Überfall.« - -»Mein Vater starb in Georgien an den Blattern -- war ein Korbmacher.« - -Bob schien jetzt zu glauben, daß er über sich und seine -Familienangelegenheiten hinlängliche Auskunft gegeben habe, denn er -rollte sich in die Decke, und war wenige Minuten später, wie sein -lautes, regelmäßiges Athmen bewies, sanft eingeschlafen. Sechingen aber -spießte, auf den linken Ellbogen gelehnt, mit seinem Genickfänger höchst -mißvergnügt die vor ihm liegenden, gelben Blätter auf. - -Er hatte sich Alles so romantisch gedacht -- das Heulen der Wölfe, das -Geschrei des Panthers, die Erzählungen eines rothhäutigen Kriegers von -Jagden und Kriegszügen, und dazu das Rauschen des mächtigen Urwaldes --- Ja! Der Urwald umgab ihn, in all seiner Pracht und Herrlichkeit, -mit seinen Riesenstämmen und wild durchwachsenen Dickichten, mit den -gigantischen Weinreben, die sich von Stamm zu Stamm schlangen, und im -unzerreißbaren Netze die gewaltigen verbanden, den einzigen Laut aber, -den er vernehmen konnte, war das Summen der Mosquitos, die, von der -kühlen Nacht nicht eingeschüchtert, nach dem warmen Blute des Fremdlings -lüstern, dessen Lager umschwirrten. - -Höchst verdrießlich schob er sich endlich die Jagdtasche unter den Kopf, -und wollte ebenfalls schlafen, als er, wie von einer Natter gestochen, -wieder emporsprang, und nach der Büchse griff, denn dicht neben ihm --- es konnte kaum zwanzig Schritte entfernt sein -- vernahm er den -sonderbarsten, wildesten Laut, den sich seine Phantasie nur je gedacht, -nur je geträumt hatte. - -»Huhu, huhu -- -- huhu, huhu -- a -- h!« tönte es so klagend, so -schauerlich, daß er, sprachlos vor Jagdeifer und innerem Entsetzen, den -Arm seines schläfrigen Gefährten ergriff, und den Ruhenden mit aller -Macht schüttelte, während er dabei in der Rechten die schnell gespannte -Büchse fertig zum Schuß hielt. - -»Bob, -- Bob, -- Bob!« -- flüsterte er dabei mit unterdrückter Stimme -- -»ein Panther -- _Bob_!« - -»Ein was?« rief dieser, und sprang schnell auf die Füße, ergriff seine -Büchse und sah den Fremden groß an. »Wo? wo Panther?« - -»Pst!« winkte Sechingen -- »dort war's -- gleich in dem Busch da -- er -muß auf einen Baum geklettert sein, mir kam es hoch vor.« - -»Huhu, huhu -- -- huhu, huhu -- a -- h!« riefen die schauerlichen Töne -auf's Neue, diesmal aber auf der entgegengesetzten Seite. - -»Horch -- horch -- er hat uns umschlichen -- erst war er hier.« - -»Das der Panther?« frug Bob. - -»Nun? was soll es sonst sein? ein Wolf steigt doch nicht auf die Bäume?« - -»Eule!« sagte Bob, und legte sich wieder, ohne ein Wort zu verlieren, -nieder. - -»Teufel!« murmelte Sechingen ärgerlich vor sich hin, indem er den Hahn -seiner Büchse in Ruhe setzte, »das nur eine Eule, und hat eine Stimme -wie das stärkste, gewaltigste Thier.« Bob hatte aber ganz recht, es war -wirklich eine Eule, die ihr einsames Nachtlied krächzte, und unwillig -warf sich der in seinen schönsten Erwartungen Getäuschte in das gelbe -Laub zurück. - -Durch die ungewohnten Anstrengungen ermattet, schlief er lang und fest, -sein Erwachen war aber ein sehr trauriges, unbehagliches, denn, als er -von kalten Schauern durchschüttelt die Augen aufschlug, strömte von -dem dunkelen, nur dann und wann durch einzelne grelle Blitze erhellten -Nachthimmel der Regen in Fluthen hernieder, und fern grollender Donner -murmelte seinen gewaltigen Segen dazu. Das Feuer war niedergebrannt und -ausgelöscht, und tiefe Nacht umgab ihn. - -»Bob?« rief er -- »Bob! -- Bob!« wiederholte er stärker und ängstlicher, -als ihn auf einmal der Gedanke durchzuckte, sein rother Führer könne ihn -im Stiche gelassen haben -- »_Bob_!« -- kein Bob antwortete und »_Bob_« -schrie er jetzt in die Höhe springend aus Leibeskräften, daß er selbst -vor dem dumpfverhallenden Nothruf zurückbebte, der gar so schauerlich in -dem öden Walde wiederklang. - -»Ja!« sagte der Wilde, der, nur wenige Schritte von ihm entfernt und in -seine Decke gewickelt, unter demselben Baume mit ihm stand -- »wir werden -nassen Morgen bekommen.« - -»Warum antworten Sie denn gar nicht? ich glaubte Sie wären fort. --« - -»Und wohin!« frug Bob, »ein Baum so gut wie der andere -- ich schlief!« - -»Im Stehen?« - -»Bob kann überall schlafen.« - -»Was fangen wir denn jetzt um Gotteswillen an? ich bin durch und durch -naß, und muß mich erkälten -- wenn ich nur wenigstens eine Decke hätte.« - -»Wenn der Weiße Bob's Decke haben will,« sagte gutmüthig der Indianer, --- »so mag er sie nehmen, Bob kann ohne Decke naß werden.« - -Sechingen schämte sich im Anfang, den armen Burschen seines fast -einzigen Schutzes zu berauben, da der dünne Kattunlappen, den jener noch -darunter trug, sicherlich als kein wärmendes Kleidungsstück angesehen -werden konnte, doch überwog bald die Sorge um die eigene Gesundheit jede -andere Bedenklichkeit, und fest in die, wenn auch etwas feuchte doch -warme Umhüllung eingeschlagen, warf er sich wieder, die Waidtasche unter -dem Kopf, an der Wurzel der alten Eiche nieder, deren Blätter ihnen, -wenigstens jetzt noch, einigen Schutz gegen die immer stärker und -stürmischer niedertobenden Schauer gewährten. - -Bob kauerte sich dicht daneben, einen möglichst kleinen Raum einnehmend, -zusammen und ließ den Kopf auf die Brust hinuntersinken, wachte aber, -denn dann und wann lauschte er aufmerksam den Athemzügen des Weißen, -ob dieser schlafe oder nicht, bis er sich endlich von dessen -Bewußtlosigkeit hinlänglich überzeugt zu haben schien, und nun leise an -ihn hinkroch. - -Immer tobender raste indessen der Sturm, darum aber ganz unbekümmert, -befühlte Bob mit vorsichtiger Hand und geräuschlosen Bewegungen die -Waidtasche, und nach und nach, fast unmerklich seine Finger unter des -Schlummernden Kopf bringend, gelang es ihm nach mehreren Minuten, die -Flasche der Ledertasche zu entrücken. - -Wäre es Tageshelle gewesen, so hätte man des Indianers Gesicht wohl ein -triumphirendes Lächeln überfliegen sehen können, als er geräuschlos -und mit geübter Hand den Kork abzog, so aber ward nur gleich darauf der -leise, gluckende Laut gehört, wie der heiße erquickende Trank die Kehle -des Durstigen hinunterglitt, und lange, lange sogen seine Lippen an dem -engen Hals der Korbflasche. Endlich war auch der letzte Tropfen geleert, -und Bob setzte, tief Athem holend, ab, versuchte dann zwar noch einmal, -dem Boden einen vielleicht zurückgehaltenen Rest zu entziehen, die -Nachlese fiel aber wenig ergiebig aus, und er bemühte sich jetzt, die -entwendete Flasche wieder an ihren früheren Platz zurück zu schaffen. -Um jedoch keinen unnützen Verdacht zu erregen, schob er sie vorsichtiger -Weise verkehrt, mit der Öffnung nach unten, in die Tasche und ließ -den Kork daneben in das Laub fallen, dann kroch er auf seinen alten -Standpunkt zurück, und war bald ebenfalls, trotz stürmenden Unwetters -und heulender Windsbraut, sanft und ruhig eingeschlafen. - -Kalt und schaurig brach der Morgen an, die Gewitter hatten sich -verzogen, aber schwere, dunkele Wolkenschichten schienen in an einander -gepreßten Massen auf den Wipfeln der Bäume zu ruhen; ein feiner, dünner -Regen stäubte nieder und einzelne Windstöße schüttelten in Schauern -die großen Tropfen auf das fest an den Boden geschmiegte gelbe Laub -hernieder. - -Sechingen, obgleich schon seit längerer Zeit erwacht, fürchtete fast, -sich in den naßkalten Falten der Decke zu bewegen, und lag regungslos in -einander gekrümmt, bis es heller Tag geworden war; endlich ermannte er -sich, sprang, die Hülle von sich werfend, auf die Füße, und schaute mit -trostlosem, mattem Blick auf die ihn umgebende, keineswegs lächelnde -Natur. - -»Das also ist Urwald!« seufzte er leise vor sich hin, indem er einige -der, trotz der kühlen Morgenluft auf ihn einstürmenden Mosquitos von -sich abzuwehren suchte -- »das ist Urwald? -- eine sehr schöne Gegend -- -daß mich der Böse auch plagen mußte, dem Rath des Narren in Little-Rock -zu folgen; der Indianer schläft dabei in seinem dünnen, baumwollenen -Jagdhemd, als ob er im weichsten Federbett läge.« - -Die Wahrheit zu gestehen, schlief Bob aber eigentlich nicht, sondern -war schon, um sich zu erwärmen, seit einer Stunde hin- und hergelaufen, -hatte sich aber, um wegen der Flasche nicht befragt zu werden, schnell -wieder unter den Baum geworfen, sobald er das Munterwerden seines -Marschgefährten bemerkte. - -»Bob!« wollte dieser jetzt rufen, aber Du lieber Gott, keinen Ton -brachte er aus der Kehle, der Hals war ihm wie zugeschnürt und er konnte -sich selbst kaum vor Heiserkeit reden hören; nochmals versuchte er -»Bob!« zu sagen, aber vergebens und seine Worte wurden zu einem kaum -hörbaren Hauch. Er trat daher dicht neben den Indianer, und schüttelte -diesen, bis er auf die Füße sprang und sich nun langsam, wie eben erst -aus tiefem Schlaf erwacht, nach den Bäumen und Wolken umschaute. - -»Wie weit haben wir noch bis zum nächsten Haus?« frug Sechingen jetzt -mit seiner leisen, röchelnden Stimme. - -»Könnt laut reden,« sagte der Indianer, das Schloß seiner Büchse -abtrocknend und frisches Pulver auf die Pfanne streuend, »kein Wild -hier, finden aber welches; dieser Morgen guter Jagdtag.« - -»Ich _kann_ nicht laut reden -- ich habe mich ja erkältet,« flüsterte -Sechingen ärgerlich. - -»Erkältet!« rief verwundert die abgehärtete Rothhaut -- »erkältet? was -ist das?« - -»Wie weit haben wir noch bis zum nächsten Haus?« - -»Fünf Meilen!« sagte Bob. - -»So lassen Sie uns wenigstens eilen, daß wir dort hinkommen, ich bin -halb todt vor Hunger und Erschöpfung -- Pest!« rief er aber zu gleicher -Zeit, mit dem Fuße stampfend, aus, als er bei diesen Worten in die -Jagdtasche gegriffen hatte, und die jetzt leere Flasche hervorzog, »auch -das noch -- ausgelaufen -- bis auf den letzten Tropfen -- die einzige, -letzte Stärkung fort.« - -»Wie schade!« sagte Bob, und sah traurig die Flasche an. Doch hier half -kein weiteres Besinnen, beide Männer schulterten also ihre Gewehre, Bob -hing seine alte, nasse Decke, die er jedoch vorher so gut wie möglich -ausgerungen hatte, wieder auf den Rücken, und fort ging's auf's Neue -in den Wald hinein, oder eigentlich, besser gesagt, im Walde fort, denn -unbestreitbar waren sie darinnen. - -Hier zeigte sich übrigens der Nutzen, den des Indianers Ortssinn, ein -gewisser ihm angeborener Instinkt, dem Deutschen gewährte, denn ohne -Jenen hätte er sich im Leben nicht wieder aus den Dickichten und Sümpfen -herausgefunden, die, einander so ganz ähnlich, ihn nicht begreifen -ließen, wie man in einem solchen Labyrinth eine wirklich gerade Richtung -beibehalten konnte, ohne bei jeder Wendung irre zu werden. Immer -unwegsamer wurde hier der Wald, häufiger und häufiger kreuzten sie -schmale, kleine tiefe Bäche, und standen plötzlich an einem kleinen -Flusse (oder einer _Slew_, wie es der Indianer nannte), der seine -schlammigen Fluthen dem Fourche la fave zudrängte. - -»Bob!« sagte Sechingen erschrocken, als dieser ohne weiter eine Sylbe zu -äußern, hineintrat und durchwaten wollte, wobei ihm das Wasser bis unter -die Arme reichte -- »ist denn keine Fähre hier? wir sollen doch nicht -mitten durch?« - -»Ist der Weiße hungrig?« frug Bob, stehen bleibend. - -»Sehr!« - -»Und naß?« - -»Durch und durch!« - -Bob erwiederte nichts weiter, sondern badete gerade durch, während ihm -die Fluth bis zu den Schultern stieg, und war in wenigen Minuten am -anderen Ufer. Wehmüthig schaute ihm Sechingen nach, überzeugte sich aber -bald, daß hier nichts Anderes zu thun übrig bliebe als zu folgen, denn -allein zurück zu bleiben, ging doch auch nicht an. Das also, was er -nicht zu durchnässen wünschte, als Brieftasche, Zündhütchen, Pulverhorn -und Uhr in die Jagdtasche steckend und diese, nebst der Flinte, über -dem Kopf haltend, trat er seine unfreiwillige Wasserfahrt an, kam -auch glücklich hinüber, schüttelte sich hier, ließ das Wasser aus den -Wasserstiefeln laufen, indem er sich auf den Rücken legte und die Beine -an einem Baum in die Höhe reckte (im Anfang freilich etwas zu hoch) und -folgte dann dem Führer, der schweigend voranschritt. - -So großen Jagdeifer Sechingen aber beim Anfang ihrer Wanderung gezeigt -hatte, so abgestumpft war er jetzt gegen alles ihn Umgebende geworden -und schaute kaum vom Boden auf, um nicht fortwährend über die -unzähligen, überall umhergestreuten Äste und Stämme zu stolpern und zu -stürzen; die Flinte hing ihm, Hahn in Ruh und Sicherheit aufgesetzt, -über die Schulter, die Mütze saß ihm tief in der Stirne und der einzige -Laut, den er von sich gab, war dann und wann ein leise gemurmelter -Fluch, wenn ihm die nassen Zweige in's Gesicht schlugen, oder sich -sein Fuß, trotz aller Vorsicht und Aufmerksamkeit, in dem dichten -Schlingpflanzengewebe fing, das an vielen Stellen den Boden wie mit -einem festen Netze überzog. - -Da blieb Bob plötzlich stehen und hob schnell und lautlos die Büchse -an den Backen, und wie mit einem magischen Feuer durchgoß diese einzige -Bewegung den Körper des bis jetzt in fast gänzlicher Apathie versunkenen -Deutschen; blitzschnell riß er das eigene Gewehr von der Schulter -und schaute, hochaufgerichtet, die Augen in dem alten, keineswegs -erstorbenen Jagdeifer erglühend, spähend umher, das Wild zu entdecken, -das der Indianer auf's Korn genommen. Aber erst, als er der Richtung -von Bob's Büchse folgte, von deren Pfanne das Pulver schon zweimal -abgeblitzt war, sah er einen stattlichen Hirsch, der ruhig äste und -die Nähe zweier menschlichen Wesen gar nicht zu ahnen schien. Vor Eifer -zitternd, hob Sechingen das Doppelrohr, das, noch mit guten, deutschen -Zündhütchen versehen, dem Wetter Trotz geboten, und der Schuß krachte -dröhnend durch den stillen Wald. - -Hochauf sprang der Hirsch und setzte über einen, vor ihm liegenden -Baumstamm, blieb dann aber augenblicklich wieder stehen, äugte -verwundert umher, witterte zu gleicher Zeit die Feinde und sprang eben -in ein benachbartes Dickicht, als ihm Sechingens Rehposten nachsausten. -Wohl schüttelte er den schönen Kopf ein wenig, als ihm das Blei um's -Gehör pfiff, unverletzt aber warf er den Wedel in die Höhe und war mit -wenigen Sätzen verschwunden. - -»Ich muß ihn getroffen haben,« rief Sechingen, der dem Anschuß in wilder -Jagdlust zusprang; Bob folgte ihm jedoch sehr ruhig und bemerkte, die -Fährten keines Blickes würdigend: - -»Hirsch merkwürdig wohl, wenn er den weißen Fleck zeigt -- weiße Mann -Bockfieber!« - -Gar sehr wider Willen mußte es sich Sechingen zuletzt selbst gestehen, -daß er, auf kaum funfzig Schritt, mit beiden Läufen das Wild gefehlt -habe, denn auch nicht ein einziger Tropfen Schweiß war auf dem Laube zu -sehen. In hierdurch nicht gerade verbesserter Laune setzten also Beide, -nachdem der Deutsche zuerst wieder geladen, ihren Weg weiter fort, und -erreichten, nach etwa zweistündigem Marschiren, das Haus, von dem Bob -gesprochen, und Sechingen mehr todt als lebendig, begrüßte mit freudigem -Herzklopfen das trauliche, Schutz und Wärme versprechende Dach, aus -dessen Lehmschornstein eine dünne, blaue Rauchsäule emporwirbelte. - -Nachdem die beiden Männer zuerst noch eine niedere, die Wohnung -umgebende Fenz überklettert hatten, näherten sie sich dem Gebäude, -dessen Thür, nach Art all der andern fensterlosen Blockhäuser, offen -stand, um Licht und Luft zu gleicher Zeit einzulassen, und betraten den -inneren Raum, vor dessen breiten Kamin sie eine, dem Auge Sechingens -wenigstens, sehr sonderbar erscheinende Gruppe versammelt fanden. - -Es waren zwei Frauen und drei Kinder, die in malerischen Stellungen -das Feuer umsaßen und umlagerten, und durch den Eintritt der Fremden in -ihren verschiedenen Beschäftigungen weiter nicht gestört wurden, als daß -die eine der Frauen, wahrscheinlich die Wirthin, mit ihrem Sessel ein -wenig zur Seite rückte und sagte: - -»Nehmt einen Stuhl!« - -Nun wäre das zwar an und für sich schon eine recht freundliche Einladung -gewesen, denn das Feuer flackerte mächtig und erwärmend mit rother Zunge -die schwarz geräucherte Esse empor, wenn -- nur ein Stuhl dagewesen -wäre, vergebens schaute sich aber der Deutsche nach einem derartigen -Möbel in dem kleinen Raume um, lehnte daher vor allen Dingen die -Büchsflinte in die Ecke, legte die Jagdtasche daneben, welchem Beispiel -der Indianer ohne weitere besondere Einladung folgte, und trat dann in -den für sie freigemachten Raum an die linke Kaminecke. - -»Nehmt den Stuhl!« sagte die Frau zum zweiten Male, und winkte dabei mit -dem Kopf nach der gegenüber liegenden Ecke, aber kein Gegenstand, -der auch nur die entferntere Familienähnlichkeit mit einem derartigen -Hausgeräth gehabt, oder zu solchem hätte benutzt werden können, zeigte -sich dem Auge; die Ecke war, ein schmales, langes Bret was darin lehnte -ausgenommen, leer. Bob schien jedoch mit den Gelegenheiten der Wohnung -und ihren Gebräuchen schon etwas besser bekannt, oder ein gewisser -Instinkt mußte ihn leiten, denn kaum hatte er sich seiner nassen Decke -entledigt, als er eben jenes Bret vorholte, dieses dann, dicht neben -dem Kamin, zwischen zweien der die Wand bildenden Stämme hindurch, und -auswendig unter den, zu diesem Zweck in einen Pfirsichbaum geschlagenen -Pflock schob, und dem Deutschen mit der Hand zuwinkte, darauf Platz zu -nehmen, was dieser denn auch nach einigen, etwas ängstlichen Versuchen -zwar, befolgte, während Bob neben ihm stehen blieb und sich wie ein am -Spieße steckender Braten, langsam vor der Gluth im Kreise herumdrehte, -um seinem ganzen Körper einen gleichen Antheil von Wärme zukommen zu -lassen. Bald stieg von ihren nassen Kleidern der feuchte Dampf wie -eine Wolke zur Decke hinauf und drängte sich dort, durch aufgehangene -Schinken und Speckseiten, in's Freie. - -Die Beschäftigung der beiden Frauen zog jetzt, als das erste frostige -Schütteln vorüber war, was Jeden erfaßt, der naß und kalt zu einem -erwärmenden Feuer tritt, Sechingens neugierige Blicke auf sich. Die -Herrin des Hauses saß nämlich auf einem kleinen Sessel, dem Feuer gerade -gegenüber, hatte zwei Karden oder Wollkämme in der Hand, mit welchen sie -die klargezupfte Baumwolle spinngerecht in lange Streifen rollte und nur -dann und wann ihre Arbeit unterbrach, um eine kleine, kurze Pfeife aus -dem Mund zu nehmen und den Kopf derselben, diese am Stiel fassend, durch -die glühende Asche zu ziehen, wonach sie die dadurch herausgehobene -kleine Kohle in die Höhe hielt, und in langen Zügen den verlöschten -Tabak wieder zu entzünden suchte. In ihrem ganzen Wesen lag aber eine -gewisse Reinlichkeit und Ordnung, die, mit dem freundlichen, offenen -Gesicht der Matrone, einen höchst wohlthuenden Eindruck auf den jungen -Deutschen machte, denn er war durch seine letzte Wanderung besonders -empfänglich für alles Das geworden, was Behaglichkeit und häuslichen -Sinn verrieth. Sie war sehr einfach, aber höchst sauber in selbstgewebte -Stoffe gekleidet, und die größte Ordnung schien auch in dem kleinen, -wenn gleich ärmlich ausgestatteten Raume zu herrschen, den sie bewohnte. - -Keineswegs so günstig sprach ihn die Erscheinung der zweiten Gestalt an, -deren Haar, nach Art der irländischen Frauen, in einem breiten Scheitel -von dem rechten nach dem linken Ohr, quer über die Stirn hinüber gelegt -war, und die durch ihre, nichts weniger als reinliche Kleidung auf -eine um so auffallendere Art gegen die neben ihr sitzende Amerikanerin -abstach. Ihr Anzug bestand aus grell buntem Kattun, der seine besten -Tage schon gesehen hatte, und dessen große Pfauenaugen wehmüthig nach -einer Stange Seife hinüber zu blinzen schienen, die auf einem kleinen -Bretchen in der rechten Ecke des Zimmers ruhte. Sie kreuzte den einen -Fuß über den andern und stützte sich mit dem linken Arm auf das rechte -Knie, mit dem rechten Ellenbogen wieder auf den linken Arm, und paffte, -ohne die eben Angekommenen weiter viel zu beachten, den Rauch aus ihrer -kurzen Pfeife nach Herzenslust in den Kamin hinein. - -Desto aufmerksamer wurden aber dafür die beiden feuchten Gäste von den -drei Kindern beobachtet, deren ganzes, verwildertes, unsauberes Aussehen -sie als der Irländerin (denn eine solche war der Gast) zugehörig -bezeichnet hätten, wäre nicht diese stille Vermuthung Sechingens noch -durch den unwiderlegbaren Beweis eines eben solchen Stückes Kattun, -als Madame zum Kleid verwandt, bestärkt worden, das in verschiedenen -spitzwinkeligen und dreieckigen Stücken die Kehrseite des jüngsten -Kindes zusammenhielt. - -Mit weit aufgerissenen Augen und Sprech- oder Schreiwerkzeugen starrten -diese, nicht den Indianer, -- denn dergleichen hatten sie schon -genug gesehen, -- sondern den, ihrer Meinung nach, viel wunderbarer -bekleideten Deutschen an, und nur durch verschiedene Ermahnungen der -Wirthin des Hauses -- denn die eigene Mutter schien sich wenig oder gar -nicht um sie zu kümmern -- konnten sie zurückgehalten werden, sich -immer wieder auf's Neue zwischen den Fremden und das diesem so höchst -wohlthuende Feuer zu drängen. - -Auf Sechingens Bitte um etwas Warmes zu essen und zu trinken, ließ die -Amerikanerin jedoch augenblicklich mit freundlichem Eifer ihre beiden -Beschäftigungen, Rauchen und Karden, im Stich und es dauerte gar nicht -lange, bis ein Paar heiße Tassen Kaffee, nebst gebratenem Speck und -schnell gebackenem Maisbrod auf dem rohen, aber blank gescheuerten -Holztisch dampften, zu dem sich auch die Zwei nicht lange nöthigen -ließen, sondern mit wahrem Heißhunger über die so lang und schmerzlich -entbehrten Lebensmittel herfielen. - -Sechingens verwöhnter Gaumen möchte freilich, unter anderen -Verhältnissen, mit den vorgesetzten Gerichten schwerlich zufrieden -gewesen sein; er befand sich aber gegenwärtig nicht in der Laune, lange -zu betrachten und zu kosten, _was_ er aß, so er nur überhaupt etwas zu -verzehren hatte, und bald waren Teller und Schüssel leer und blank. - -Während der Mahlzeit hatten die Frauen sich nicht weiter um die -hungrigen Gäste bekümmert, als daß die Wirthin ihnen noch zweimal die -schnell geleerten Tassen mit dem heißen, erquickenden Trank füllte; da -sie aber jetzt gesättigt vom Tische aufstanden und wieder an's Feuer -traten, fingen sie an, die mit Schnüren und Troddeln besetzte Pikesche -des Deutschen zu bewundern, der, ihnen darin gern gefällig, sich von -allen Seiten genau betrachten und die Arbeit daran untersuchen ließ. - -Nun hatte aber Sechingen durch diese Aufmerksamkeit die moralische -Überzeugung gewonnen, daß die beiden Damen von dem zierlichen -Kleidungsstück ganz entzückt seien, und frug daher die Irländerin mit -freundlicher Stimme, ob sie vielleicht im Sinne habe, ihrem Ehegemahl -eine dieser ähnliche anzufertigen; die Frau rief aber verwundert: - -»Meinem Manne, Sir? Gott segne Euch, für eine erwachsene Person eine -solche Jacke? nein, aber ein hübsches Röckchen für das Jüngste gäb' es.« - -Sechingen biß sich auf die Lippen und sah von der Seite den Indianer an; -dieser schien jedoch in der Bemerkung nichts Auffallendes gefunden -oder sie gar nicht beachtet zu haben, sondern nahm, als Zeichen des -Aufbruchs, die Büchse wieder zur Hand, und nickte dem Deutschen zu. - -»Was sind wir Ihnen für Ihre Güte schuldig?« frug also Sechingen jetzt, -da es ihm nach dieser Äußerung nicht mehr so recht wohnlich bei den -Leuten war. - -»Oh ich weiß nicht« -- entgegnete die Amerikanerin, »das Wenige, was -ich Euch vorsetzen konnte, war gern gegeben und keiner Bezahlung werth. -Wohnten wir hier an der Straße, dann wär' es etwas anderes, man kann -nicht _alle_ Reisende umsonst beherbergen, wenn man selbst arm ist und -sich seine Lebensmittel schwer verdienen und erziehen muß, so aber -mag's gehen. Wir sitzen hier mitten im Wald, und in Alabama, von wo wir -herkommen, ist es auch nur an wenigen Stellen Sitte, daß man Bezahlung -von Reisenden nimmt, also geht mit Gott, Ihr seid Nichts schuldig.« - -Herzlich dankte ihr Sechingen, nicht allein für die gegebene Stärkung, -sondern auch für die freundlichen Worte, und bedeutend gekräftigt und -erfrischt, obgleich immer noch sehr durch die nassen Kleider belästigt, -folgte der Deutsche seinem rothen Führer einen schmalen Pfad entlang, -der sich von hier aus am Fuße einer jetzt erreichten niederen Hügelreihe -hinwand und die Wanderer wenigstens dem niederen Sumpflande entzog, -durch das sie bis dahin ihre Bahn hatten suchen müssen. Nicht viel Worte -wurden zwischen Ihnen gewechselt, denn Sechingen spähte, da sie den -etwas offeneren Wald betraten, scharf nach Wild umher, das der Führer -jedoch wenig zu beachten schien, denn er schritt mit gesenkten und fest -auf den Pfad gerichteten Blicken voran. Übrigens blieb des Deutschen -Aufmerksamkeit höchst nutzlos verschwendet, denn kein einziger Hirsch, -nicht einmal ein Truthahn, ließ sich sehen, und höchst mißmuthig und -unzufrieden mit der ganzen amerikanischen Jagd warf er sich endlich -die Büchsflinte wieder über die Schulter und schwur, daß -- undankbarer -Mensch -- Charley Fischer ein -- Aufschneider sei. - -Nicht mehr weit hatten sie von da aus zu gehen, bis sie zu der kleinen -Lichtung und Blockhütte kamen, die ihm von dem Indianer als die -»deutsche Niederlassung« bezeichnet wurde, und hier lag wieder, wo -Sechingen allerdings etwas ganz anderes erwartet hatte, ein solches -unausweichbares Blockhaus vor ihm, das keineswegs dem von einer -»_deutschen Niederlassung_« entworfenen Bilde glich; dennoch eilte er -mit freudigen und lebhafteren Schritten darauf zu, denn er sollte ja -jetzt Landsleute wiederfinden und durfte hoffen, nach der ausgestandenen -Schreckensnacht seine Glieder in etwas stärken und erfrischen zu können. - -Es ist aber eine eigene Sache mit den Deutschen in Amerika; in Arkansas, -und überhaupt im fernen Westen, mag es noch angehen; selten bekommen sie -hier einen Landsmann zu sehen, und freuen sich wirklich, wenn sie Einmal -einem begegnen, der ihnen etwas Neues aus der Heimath erzählen kann. -Anders, ach weit anders und weit trauriger ist es dagegen in den -östlichen Städten, wo alle neue Einwanderer von den, sich schon -dort befindenden Landsleuten als »Preisverderber und Eindringlinge« -betrachtet werden, wo der schon etwas Amerikanisirte zu stolz ist, den -früheren Freund _deutsch_ anzureden, weil ein zufällig daneben stehender -Amerikaner sonst sogleich wissen würde, daß er ebenfalls ein »Dutchman« -wäre, und wo sich der Deutsche wirklich nur _deßhalb_ mit dem Deutschen -einläßt, um ihn, sobald sich eine Gelegenheit dazu finden sollte, -tüchtig über's Ohr zu hauen und hinterher auszulachen. Das kannte v. -Sechingen freilich noch nicht, ein ganz anderer Empfang wartete aber -auch hier seiner, und mit offenen Armen und herzlichem, treugemeintem -Gruß wurde er von dem biedern Deutschen Klingelhöffer, der in der -einsamen Wildniß seine Wohnung aufgeschlagen hatte, empfangen. - -Er war gerade beschäftigt gewesen Feuerholz zum Haus zu fahren, spannte -jedoch augenblicklich aus und führte seine beiden Gäste in die kleine -Hütte, um ihnen dort nach den ausgestandenen Strapatzen jede mögliche -Bequemlichkeit gewähren zu können. Der Indianer war auch bald -entschlossen, wenigstens für diese Nacht sein Quartier hier -aufzuschlagen, und hing deshalb seine Decke ausgebreitet über die Fenz, -damit sie der Wind, der jetzt recht scharf aus Nordwest zu blasen anfing -abtrocknen könne, während Klingelhöffer, von Sechingen gefolgt, das -Haus betrat, in welchem ihnen des ersteren wackere Hausfrau, freundlich -grüßend, entgegen kam. - -Vor allen Dingen mußte er nun seine nassen Kleidungsstücke ab und -trockene anlegen, und bald vergaß er bei guter, nahrhafter Kost und -neben einem erquickenden Feuer die überstandenen Mühseligkeiten und -Entbehrungen. - -Jetzt bekam er aber auch Zeit, das Innere der einfachen Hütte, in -welcher die kleine Familie hauste, zu betrachten, und begriff in der -That nicht, wie Menschen, die früher schon einmal an mehr und größere -Bequemlichkeiten gewöhnt gewesen waren, hier und unter solchen -Verhältnissen existiren konnten. Das Haus bestand, nach der gewöhnlichen -Bauart des Landes, aus unbehauenen Stämmen, und die Spalten zwischen -diesen waren, um den rauhen Nordwind abzuhalten, an dieser und an der -Westseite mit lang gespaltenen Stücken Holz und Lehm ausgefüllt, dadurch -eine feste und ziemlich warme, dem Klima wenigstens angemessene Wand -bildend; die beiden anderen Wände jedoch ließen Licht und Luft ein, -soviel nur durch die oft handbreiten Ritzen und Spalten einströmen -konnten. In einer Ecke des Hauses standen zwei Betten, über denen -ein langes Bret mit -- einem seltenen Artikel in Arkansas -- Büchern -befestigt war, und an der gegenüber stehenden Wand befand sich ein -anderer Gegenstand, den der Deutsche hier im Walde am wenigsten gesucht -hätte und der auch von dem Indianer mit neugierig staunenden Augen -betrachtet wurde: nämlich ein Fortepiano. Drei oder vier rohgearbeitete -Holz- und Rohrstühle, der Tisch, dessen Platte ein früherer Kistendeckel -bildete, und mehrere Kasten mit Schlössern und Fächern, auf denen das -wenige Küchengeräth aufgestellt war, füllten den übrigen Raum, und -Sechingen, als er das Alles eine Zeitlang betrachtet hatte, wandte sich -endlich zu seinem Wirth, der eben wieder einen tüchtigen, lang gehauenen -Hickoryklotz in's Feuer trug, und fragte, noch immer etwas schüchtern: - -»Ist denn dieses wirklich der einzige Raum, den Sie mit Ihrer ganzen -Familie bewohnen?« - -»Nein,« sagte Klingelhöffer, »hier neben an steht noch ein kleines, -sogenanntes Rauchhaus, wo wir unser Fleisch und Fett, die Kartoffeln, -etwas zu Brod ausgesuchten Mais und andere zum Hausstand nöthige Sachen -aufbewahren.« - -»Und hier in diesem einzigen Zimmer wohnen und schlafen Sie?« - -»Nun, ist das nicht genug?« lachte der Farmer, »da sollten Sie einmal -hier sein, wenn Gerichtstag ist, und wir noch zwei oder drei Nachbarn -und ein paar Advokaten zu bewirthen und unterzubringen haben, dann -geht's freilich eng her.« - -»Die schlafen doch nicht mit in diesem Hause?« - -»Wo denn sonst? Alle mit einander.« - -»Das ist ja aber ganz unmöglich!« - -»Unmöglich?« lachte der Farmer, »unmöglich?« wiederholte er -kopfschüttelnd -- »das ist ein Wort, was wir hier in Arkansas nicht -kennen; _unmöglich_ ist gar Nichts auf der Welt, sobald es nur uns -selbst und unser eigenen Bedürfnisse betrifft.« - -»Sie Beide, mit Ihren drei Kindern (und die beiden Mädchen da draußen -können kaum noch Kinder genannt werden), schlafen und wohnen wirklich -fortwährend in diesem Zimmer? entbehren alle Bequemlichkeiten, die man -sich sonst bei einem Wohn- und Schlafzimmer als _un_entbehrlich denkt, -und existiren so gewissermaßen im Freien, auf offener Straße?« - -»Ja, ja,« lachte Klingelhöffer, »und das ist noch gar nichts, jetzt -haben wir doch Dach und Fach, werden nicht naß, wenn es draußen regnet, -und können, wenn es kalt wird, ein Feuer anmachen, ohne dabei fürchten -zu müssen, daß uns der Wind die Funken und Kohlen über das Bettzeug -wegtreibt, wie das im ersten Winter der Fall war, wo wir hierher zogen -und ich das Haus erst aufbauen mußte. Meine arme Frau war noch dazu -damals krank und mußte viel, sehr viel ausstehen. Doch was man gern -thut, wird Einem auch leicht, und wenn wir viel, ja fast Alles von dem -entbehren müssen, an das wir im alten Vaterlande gewöhnt oder durch das -wir _ver_wöhnt waren, so drückten uns auch keine von den Sorgen, die -wir dort kannten; wir arbeiten Beide, und dafür vermehrt sich auch -unser Wohlstand und ich bin jetzt schon im Stande, das nächste Jahr ein -bequemeres und geräumigeres Wohnhaus aufzuführen; bis dahin muß dies -freilich noch ausreichen.« - -»Ja, daß _Sie_ das Alles mit leichtem Muth ertragen können,« rief -Sechingen »finde ich sehr begreiflich! des drückenden europäischen -Zwanges enthoben, fühlt sich der Mann, auch wohl unter schlimmeren -Verhältnissen, kräftig genug, Alles zu bestehen und zu überwinden, was -ihm hemmend in den Weg tritt. Die schwache Frau aber, zarte Kinder, in -solcher Wildniß, den rauhen Stürmen der Jahreszeit, all den Entbehrungen -eines Lebens auszusetzen, das doch nur eigentlich für einen Indianer -passend scheint, da -- da weiß ich denn doch nicht, ob ich so etwas -über's Herz bringen könnte. Wenn nun die Frau krank wird und das Heimweh -bekommt, und sich ewig und ewig fortsehnt, zurück nach den verlassenen, -glücklicheren Verhältnissen?« - -»Lieber Herr von Sechingen,« entgegnete ihm freundlich Klingelhöffer, -indem er seine Hand ergriff, »wenn die Frau ihren Mann recht herzlich -lieb hat, dann wird sie sich schon nicht von ihm fortsehnen, weil -sie Bequemlichkeiten entbehren muß, an die sie früher gewöhnt war, -im Gegentheil wird sie bei ihm bleiben wollen und alles das, was er -ertragen muß, Freude wie Leid, _mit_ ihm tragen, wie es _meine_ Frau -gethan; hat sie ihn aber _nicht_ so recht von Herzen lieb, dann bleibt -sich's auch ziemlich gleich, wo er seinen Leidenskelch leert, in der -Stadt, oder im Walde. Mein liebes Weib hier ist nun einmal an mich und -meine Laune gewöhnt, Gewohnheit thut viel, sie möchte mich nicht mehr -entbehren, nicht wahr, Alte? und da harren wir denn schon hier im Walde -zusammen aus.« - -Er reichte bei diesen Worten der lächelnden, jungen Frau die Hand -hinüber, und diese erwiederte den herzlichen Druck und lehnte sich -vertrauend mit ihrem Köpfchen an seine Schulter. - -»Ja, das ist Alles recht gut,« meinte Sechingen kopfschüttelnd -- »Sie -Beide haben sich lieb, wie sich Eheleute haben sollten, und können durch -Sparsamkeit und Fleiß leicht ihr Auskommen, selbst in den widerwärtigen -Verhältnissen finden; _warum aber?_ ich bin fest überzeugt, daß Sie -das auch im alten Vaterlande ermöglichen würden, und viele Genüsse des -Lebens kennen Sie hier nur dem Namen nach, die dort eine natürliche -Folge Ihres ganzen Wirkens wären.« - -»Noch kennen Sie unser _Land_ nicht,« erwiederte ihm der Farmer -freundlich -- »Sie sind gewissermaßen erst _eine_ Nacht in Amerika, denn -den kurzen Aufenthalt in einem der besten Hotels von New-Orleans, wie -die kurze Reise auf bequemem, selbst mit jedem Luxus ausgestatteten -Dampfboot, dürfen Sie gar nicht rechnen; lernen Sie also das Land erst -ordentlich kennen, und ist das geschehen, dann wollen wir weiter über -dieses Kapitel reden; davon aber sein Sie überzeugt, daß es gewaltige -Vortheile sein müssen, die im Stande waren, einen Deutschen zu bewegen, -seinem Vaterlande für immer zu entsagen. - -Nicht alle Menschen lernen übrigens diese Vorzüge einsehen, und viele -von diesen schleppen dann entweder ein unglückliches Leben in dem -fremden, freundlosen Lande hin, oder sie kehren in die alte, aus Unmuth -oder Veränderungssucht verlassene Heimath zurück; keiner aber, der Sinn -für Freiheit und Unabhängigkeit in sich trägt, wird, wenn ihn nicht -Familienbande unaufhaltsam dorthin ziehen, weniger erbärmlicher, leicht -zu entbehrender Bequemlichkeiten und Luxusartikel wegen den freien Wald -wieder mit den Ketten des alten Vaterlandes vertauschen. Thät' er es -aber doch, schmiegte er sich bloß deshalb wieder unter das, einmal -gemiedene Joch, flög' er wieder in den goldenen Käfig zurück, weil er -sich nicht gern im Walde, in Sturm und Regen sein Futter selbst sucht, -nun dann ist das kein Verlust für Amerika, solche Leute gehören auch -nicht in den Wald, sie sind Futter für Bälle und Theater.« - -»Ich weiß nicht,« meinte Sechingen kopfschüttelnd, »man braucht gerade -kein Anhänger von Üppigkeit und Wohlleben zu sein, und mag doch die -Überzeugung haben, seine Zeit nützlicher und angenehmer verbringen zu -können, als im Walde bei einem Gewitterschauer. Mir zum Beispiel ist -die Kehle wie zugeschnürt, und ich werde die Erkältung in vierzehn Tagen -nicht wieder los.« - -»Glaub's wohl,« lachte Klingelhöffer, »Sie sind aber auch gleich mit -dem Kopf zuerst in das Schlimmste hineingefahren; was uns hier im Walde -passiren kann: Kälte, Hunger und Nässe auszustehen, ist ein freilich -etwas großer Abstand gegen die reich besetzte Tafel und das warme Bett -eines Dampfbootes. Doch jetzt sollen Sie, wie ich hoffe, auch einige von -den Annehmlichkeiten unseres Wald- und Farmerlebens kennen lernen, und -wenn diese Sie dann nicht ganz mit unserer rauhen Heimath aussöhnen, so -werden sie wenigstens viel dazu beitragen, Ihnen das Leben hier nicht -allein von seiner Schatten-, sondern auch von seiner Lichtseite zu -zeigen. Es giebt auch im Urwald glückliche Menschen.« - -»Der Urwald verliert aber doch sehr in der Nähe,« erwiederte Sechingen, -als er durch eine Spalte der Wohnung hinaus auf die, von grauen, -nassen Regenwolken überhangenen Baummassen blickte, während der Wind, -unheimlich pfeifend, durch ihre Wipfel brauste und ihnen die großen, -klaren Tropfen aus den schwankenden Häuptern schüttelte, »ich hatte mir -in mancher Hinsicht ein anderes Bild davon entworfen.« - -»Sie hatten nicht daran gedacht,« fiel ihm sein freundlicher Wirth -lachend in's Wort, »daß die gewaltigen, stattlichen Bäume auch im Sumpfe -stehen, oder gar quer über den Weg hin liegen könnten, und dann -die Passage eher versperren, als verschönern, daß nicht allein das -romantische Geheul der wilden Thiere, sondern auch das sehr prosaische -Gesumme der Mosquitos den Wald erfüllt, und daß sich eine Landschaft, wo -der Sturm auf den Flügeln der Windsbraut die Fläche durchsaust, wo tolle -Regengüsse aus den Wolken niederfluthen und trockene Wege zu Bächen und -Bäche zu Strömen werden, sehr hübsch und interessant auf der Leinwand, -keineswegs angenehm aber im wirklichen Leben, in der nüchternen -hausbackenen Wirklichkeit ausnehmen. Ja, das geht Manchem so, das giebt -sich aber, und zuletzt lernen wir selbst die Unannehmlichkeiten eines -wilden Lebens lieb gewinnen. Sehen Sie aber, wie sich der Indianer das -Fortepiano betrachtet, eine solche Maschine hat er im Leben noch nicht -gesehen, ich werde ihm etwas vorspielen.« - -Damit trat der Farmer zu dem Clavier, öffnete es, und präludirte ein -wenig; gar wunderbarer Weise hatte sich auch das Instrument, einige Töne -abgerechnet, noch ziemlich gut in Stimmung erhalten, trotz der feuchten -Luft, der es fortwährend ausgesetzt war. Der Deutsche ging also nach -einigen schnell gegriffenen Akkorden zu einem leichten Walzer über, und -das Erstaunen Bob's, der vom Öffnen des Instrumentes an bis jetzt, starr -von Überraschung und Verwunderung gestanden hatte, erreichte nun seinen -höchsten Grad. Bei den immer schneller und munterer folgenden Tönen -heiterten sich aber auch seine dunklen, bis jetzt fast ausdruckslos -gewesenen Gesichtszüge auf, und ein Paar Reihen Zähne wurden sichtbar, -die an Weiße dem frischgefallenen Schnee nichts nachgaben. Endlich -schloß Klingelhöffer, und vom Stuhle aufstehend, klopfte er dem Indianer -auf die Schulter und frug: »wie das klänge?« - -»=Bless my soul=,« sagte dieser, noch immer das früher nie gesehene, -wunderbare Gestell betrachtend -- »eine große Violine mit Zähnen und -Beinen wie ein Bär, die das Maul aufmachen kann -- Bob hat noch nie so -ein Ding gesehen!« - -»Und wie gefällt es Dir?« - -»Gut -- unmenschlich gut!« sagte Bob, indem er den Mund von einem Ohr -bis zum andern zog. - -»Sehen Sie, hier haben Sie gleich eine Naturbeschreibung des -Fortepianos,« lachte der Farmer, »der Bursche wird Wunderdinge davon -erzählen, wenn er wieder nach Little Rock kommt; aber apropos, da wir -von Little Rock reden, wo haben Sie denn Ihre Sachen gelassen, etwa -dort?« - -»Ja, bei Charles Fischer.« - -»Nun da stehn sie ziemlich sicher, sonst ist dem Neste gerade nicht viel -zu trauen; ich habe allen Respekt vor dieser Hauptstadt von Arkansas.« - -»Haben Sie von dem Staat eine eben solche Meinung, als von der Stadt?« - -»Dann blieb ich hier nicht wohnen, nein, ich halte Arkansas für den -besten Staat der Union, das heißt, er ist mir der liebste, ich möchte in -keinem anderen wohnen, und hoffentlich werden Sie dasselbe sagen, wenn -Sie erst einmal im Lande umhergestreift sind und die verschiedenen -Gegenden selbst besucht haben. Wohin gedenken Sie sich von hier aus zu -wenden?« - -»Aufrichtig gesagt,« erwiederte ihm Sechingen, »so hatte ich nach dem, -was ich von Herrn Fischer in Little Rock gehört, große Lust, mir -irgend ein Stück Land in dieser Gegend auszusuchen, und mich darauf -niederzulassen. Es ist dieß die Ursache, weßhalb ich nach Amerika -ausgewandert bin, ich -- ich hatte ein so gewaltiges Sehnen nach dem --- nach dem Urwald; seit letzter Nacht hat sich das freilich bedeutend -gegeben, und ich möchte doch nun erst die hiesigen Verhältnisse ein -wenig genauer kennen lernen, ehe ich mich bleibend festsetze. Ist es -Ihnen also recht, mein bester Herr Klingelhöffer, und fall' ich Ihnen -nicht zur Last, so bleib ich ein paar Tage bei Ihnen, wir durchziehen -dann die Nachbarschaft ein wenig, und ich kann mich im Laufe dieser -Woche fester und genauer bestimmen.« - -»Von Herzen gern,« sagte der wackere Farmer, ihm die Hand reichend, »Sie -sind mir so willkommen, wie die Blumen im Mai, und sehen Sie sich das -Land erst einmal an, dann gefällt es Ihnen auch. Wie wär's, wenn wir -Ihre Sachen indessen von Little Rock heraufkommen ließen? Das nächste -Dampfboot kann sie bis Bakers Landung am Arkansas bringen, und dort -holen wir sie in nächster Woche mit meinem Canoe ab.« - -»Wo aber soll ich bei Ihnen schlafen?« frug Sechingen mit komischem -Ernst, indem er sich überall im Hause umsah -- »wenn Ihre Frau und -Töchter --« - -»Thorheiten,« lachte Klingelhöffer -- »das fällt hier alle Tage vor, wir -machen Ihnen ein Lager auf der Erde -- ein wenig hart wird's sein, doch -daran müssen Sie sich gewöhnen; ein Jäger darf überhaupt nicht so sehr -viele Bedürfnisse haben.« - -»Jagen Sie viel?« - -»Nein, sehr selten, ich bin kein großer Freund mehr davon.« - -»Es ist wohl viel Wild in der Gegend?« - -»Ja, ziemlich viel Hirsche und Truthühner!« - -»Auch Bären, nich wahr?« - -»Dann und wann kommt uns einmal so ein alter Bursche zwischen die -Schweine, doch sind wir in solchem Falle schnell mit den Hunden dahinter -her, und fangen ihn entweder, oder treiben ihn doch wenigstens aus der -Nachbarschaft.« - -»Dann und wann?« frug Sechingen sehr erstaunt, »aber Charles Fischer hat -mir ja gesagt, daß sie hier fast nur von Bärenfleisch lebten.« - -»Dann müßten wir bald genug verhungern,« lachte der Farmer. -- -»Speck und Maisbrod, das ist die Kost, selten einmal Hirsch- oder -Truthahnfleisch, denn Bären fangen an zu den Seltenheiten zu gehören -- -ich habe in den sechs Jahren, die ich hier bin, erst drei geschossen.« - -»So hat Fischer also wohl auch mit dem Anpreisen des Landes nicht die -Wahrheit gesagt?« meinte schon etwas kleinlaut der junge Deutsche. - -»Das steht auf einem anderen Blatt!« rief der Farmer -- »davon sollen -Sie sich auch selbst überzeugen, denn wenn er nicht fürchterlich -aufgeschnitten hat, so werden Sie Ihre Erwartungen eher noch übertroffen -finden. Außerdem ist dieß eine Erfahrung, die Sie ebenfalls in Amerika -machen müssen: jeder Farmer preist _die_ Gegend, in der er selbst -lebt, am meisten, und ich sehe nicht ein, warum ich mich allein davon -ausschließen sollte, da ich noch dazu das gute Recht und vollkommene -Ursache auf meiner Seite habe. Aber wie ist's? wollen wir an Charles -nach Little Rock schreiben, daß er die Sachen heraufschicken soll? Der -Indianer könnte den Brief mitnehmen?« - -Sechingen blickte unentschlossen vor sich nieder; er hatte sich das -Leben im Walde doch ganz anders gedacht -- sollte er hier -- in -einer solchen Wildniß von jedem Verkehr mit civilisirten Menschen -abgeschnitten (ein oder zwei Nachbarn höchstens ausgenommen) förmlich -versauern? -- sein Geld an todtes, mit ungeheueren Bäumen bewachsenes -Land wenden, das er vielleicht nachher nicht einmal bebauen konnte? -- - -»Hm« -- sagte er nach ziemlich langer Pause -- »ich weiß doch nicht -- -wenn ich nun wieder zurückginge nach Little Rock, so« -- - -»Ja, wenn Sie darüber noch nicht mit sich im Reinen sind,« unterbrach -ihn schnell der Farmer, »dann lassen Sie's lieber beim Alten -- ich sehe -schon wie's steht -- die Sachen mögen also unten bleiben und gefällt -Ihnen unsere Gegend gut genug, ei nun, dann wird auch Rath werden, die -paar Habseligkeiten mit Allem, was ein Farmer hier sonst noch im Walde -brauchen könnte, heraufzuschaffen. Morgen sollen Sie ein Stück von -unserer Gegend kennen lernen, und daß ich Ihnen nicht das schlechteste -zeigen werde, darauf mögen Sie sich ebenfalls verlassen.« - -Der Indianer, der indessen mit Speise und Trank und einem tüchtigen -Glase Whiskey hinlänglich gestärkt war, von Sechingen auch die Bezahlung -für seine Mühe empfangen hatte, rollte nun die an dem Feuer getrocknete -wollene Decke wieder zusammen, in deren Falten er vorher noch ein paar, -nicht unansehnliche Stücke Maisbrod und Speck barg, warf einen letzten, -sehnsüchtigen Blick nach der, wieder auf das Wandbret gestellten grünen -Flasche hinauf, murmelte einen kurzen Abschiedsgruß und schlug bald -darauf den schmalen, an der Fenz hin führenden Fußpfad ein, der der -Countystraße zulief. Über die Berge hin war er so im Stande, Little Rock -trockenen Fußes zu erreichen. - -Sechingen sah sich bald häuslich eingerichtet, und wider alles Erwarten -wurde sein, wenn auch etwas hartes Nachtlager, so vortheilhaft, und -selbst dem verwöhnten Körper des Europäers genügend hergestellt, daß er --- vielleicht auch noch durch die ungewohnten Anstrengungen mehr als je -ermüdet -- sanft und ruhig bis zum nächsten Morgen schlief, und sich bei -seinem Erwachen zum ersten Male gestehen mußte, es sei doch eigentlich -recht wenig, mit dem ein Mensch glücklich und zufrieden leben könne, -wenn er nur mit sich selbst im Reinen und ein freier Mann, seinem freien -Willen auch frisch und fröhlich folgen dürfe. - -Ein nach amerikanischer Art zubereitetes Frühstück wurde jetzt verzehrt, -und Sechingen glaubte, daß sie gleich nach Beendigung desselben -aufbrechen wollten; Klingelhöffer hatte aber die Absicht, seinem Gast, -ehe er ihn auf das Land selbst führe, auch die Schwierigkeiten zu -zeigen, die eine Urbarmachung desselben mit sich bringe. Unter dem -Vorwande also, noch Feuerholz schlagen zu müssen, nahm er den jungen -Mann etwa hundert Schritte mit in den Wald, zeigte ihm eine, hier unter -jenen Stämmen keineswegs stark aussehende Eiche von circa drei Fuß im -Durchmesser, und bat ihn, »den kleinen Stamm,« da er das doch Alles -lernen müsse, einmal zu fällen, er wolle dann in einem Viertelstündchen -wiederkommen, um ihn abzuholen. - -Von Sechingen, der sich lange danach gesehnt, einmal seine Kraft an den -Riesen des Waldes zu versuchen, griff freudig nach der schweren Axt, -und seine Schläge -- als ihm der Farmer erst gezeigt hatte, wie er das -Werkzeug am vortheilhaftesten halten müsse -- suchten sich bald ihr Echo -in den nahen Hügeln. - -Klingelhöffer, der wohl gemerkt, daß dem jungen Mann die Romantik des -Waldlebens noch zu sehr im Kopfe lag, und der ihn daher gern zu der -derben, hausbackenen Wirklichkeit zurück führen wollte, schritt, -still vor sich hinlächelnd, dem eigenen Hause wieder zu. Was er aber -vorausgesehen, traf auch und zwar in sehr kurzer Zeit ein; Sechingen -hackte allerdings eine ziemliche Weile an dem gewaltigen Baum herum, das -zähe Holz wollte jedoch seinen ungleich geführten Hieben nicht weichen, -nur hie und da sprang ein, durch einen Kreuzhieb gelöstes Spänchen ab -und er mußte sich endlich -- todesmüde und die Hände voller Blasen -- -gestehen, das Wort _urbarmachen_ klänge wohl ausgezeichnet und -nehme sich auch sehr schön auf dem Papiere aus, passe jedoch in der -Wirklichkeit ganz und gar nicht für ihn. So viel sah er ein, und wenn -er den ganzen Tag hier stehen geblieben wäre -- den Baum hätte er doch -nicht umgebracht. - -Klingelhöffer fand ihn ziemlich verstimmt am Fuß der Eiche sitzen, und -so versunken schien er im Anblick seiner Blut unterlaufenen Hände, das -er den Kommenden gar nicht hörte, bis er dicht neben ihm stand. -Dieser aber suchte ihn nun auch über das noch nicht Glücken und -Vorwärtsschreiten der Arbeit zu trösten und meinte, »es fiele kein -Meister vom Himmel und gut Ding wolle Weile haben -- solche Arbeit fände -ein Jeder schwer, der erst in den Wald zöge, und selbst Leute, die ihr -Lebelang Nichts gethan hätten als schwere Werkzeuge geführt, müßten -sich an die Führung der Axt gewöhnen, ehe sie im Stande wären, etwas -Tüchtiges zu leisten -- er solle deshalb auch ja nicht muthlos werden, -denn Lust zur Sache sei halb gewonnen Spiel, und wenn ein Mann einmal -recht ernstlich _wolle_, so könne er es auch durchführen, trotz allen -Schwierigkeiten und Hindernissen.« - -Das waren eine Menge Thatsachen und unbestreitbare Wahrheiten, die -Sechingen nicht gut wegläugnen konnte, das harte Eichenholz stand aber -auch wieder auf seiner Seite als ein _unfällbarer_ Beweis, und nur froh, -für jetzt durch eine gute Ausrede der fatalen Arbeit enthoben zu sein, -folgte er seinem freundlichen Wirth zum Haus, bestieg eines von den -Pferden und ritt nun mit ihm in den Wald hinein. - -Jetzt aber hatte auch das heitere Sonnenlicht all die dunklen, trüben -Regenschatten verscheucht und seine behebenden Strahlen fielen frisch -und fröhlich durch die glänzenden, glizernden Blätter der leise -rauschenden Wipfel zur Erde nieder -- der ganze Wald duftete so -lieblich, der klare Himmel hing so rein und lächelnd über der -wunderschönen Welt, daß Sechingen schon fast die überstandenen -Mühseligkeiten vergaß und endlich auch seinem Begleiter nicht länger -verschweigen konnte, welchen so ganz verschiedenen Eindruck der Urwald -_gestern_ und _heute_ auf ihn gemacht habe. - -»Das alte Lied,« lachte dieser, »bei trübem Wetter sehn wir auch die -ganze Welt mit trüben Gläsern an, und scheint dann die liebe Sonne und -zwitschern die muntern Vögel ihr Lied dazu, dann hängt der Himmel gleich -wieder voller Geigen. Wir wollen die Mittelstraße wählen -- ja -- es ist -schön hier im freien Wald, so schön, daß ich glaube, das Herz würde mir -brechen, müßt ich ihm einmal wieder ade sagen, aber -- er hat auch seine -großen Schattenseiten, von denen Sie bis dahin allerdings erst _sehr_ -wenige kennen gelernt haben. Vollkommen ist jedoch Nichts auf der Welt, -und so lange die guten Eigenschaften nicht von den bösen überdeckt -werden, ei nun, so lange dürfen wir uns dann auch nicht sonderlich -beklagen. Jetzt sehen Sie sich das Land erst einmal ordentlich von allen -Seiten an, und dann können Sie sich nach bestem Urtheil frisch und frei -entschließen, was Sie zu thun beabsichtigen.« -- - -Mehrere Stunden lang ritten die Beiden im Wald umher und Klingelhöffer -gab sich besondere Mühe, dem neuen Ankömmling die verschiedenen -Landarten und die Vegetation, durch welche sie sich unterscheiden, zu -zeigen; dieser aber, der sich in seinem ganzen Leben noch nicht um Land -oder Ackerbau bekümmert hatte, widmete dem Gegenstand keineswegs die -Aufmerksamkeit, die er verdiente, und die jener zu finden erwartete, -sondern sah sich jetzt vielmehr fortwährend nach Wild um und kam dadurch -nicht selten in die unangenehmsten Berührungen mit vorstehenden Ästen -und niederhängenden Schlingpflanzen. Dabei übersprang sein kleines -muthiges Pferd alle Augenblicke vor ihnen liegende Stämme und Äste, oder -Wassergräben und Sumpflöcher, und brachte den Reiter mehrere Male -sogar aus allem Gleichgewicht, daß er sich kaum noch im Sattel erhalten -konnte. - -Die Mittagszeit rückte so heran, noch immer aber machte Klingelhöffer -keine Anstalt heimzukehren, denn er behauptete, und auch ganz mit Recht, -sie wären nun doch einmal draußen im Wald und es sei nicht allein für -den Fremden gut, das Land und die Vegetation kennen zu lernen, sondern -er selbst wolle auch die Gelegenheit gleich benutzen, nach seinem Vieh -zu sehen, das hier in der Nähe seine Weideplätze hätte, denn apart -deswegen hierherzureiten, nähme ihm zu viel Zeit weg. - -Sechingen hatte nach und nach einen merkwürdigen Hunger bekommen, und -die Glieder schmerzten ihn ebenfalls von der so ganz ungewöhnlichen -Bewegung, Klingelhöffer schien aber von dem Allen Nichts zu spüren, -ritt durch tiefe Gräben, die steilen Ufer hinab und herauf, wich keinem -Dickicht aus, gallopirte an Stellen, wo Sechingen lieber abgestiegen -wäre und das Pferd geführt hätte und zeigte sich hier in dem wilden -pfadlosen Walde so zu Hause, als ob er in seiner eigenen Stube -umherginge. - -Da -- er hatte eben davon gesprochen, den Heimweg anzutreten, und der -müde Reiter athmete schon hoch auf -- schlugen nicht weit von ihnen -entfernt die Hunde an und der Farmer, sich hoch dabei im Sattel -emporrichtend, horchte den, ihm so wohl bekannten Tönen mit der -gespanntesten Aufmerksamkeit. -- Mehre Secunden lang war jetzt Alles -still -- da plötzlich ertönte der Lärm auf's Neue und der Farmer, -der jetzt wußte, daß seine Hunde irgend etwas im Walde gestellt oder -wenigstens aufgejagt hatten, fühlte im Nu den alten Jagdeifer in sich -erwachen. - -»Hurrah!« rief er, und wandte sich im Sattel nach seinem Begleiter um -- -»die Hunde sind fleißig, wir wollen die Pferde einmal laufen lassen, -das Bischen Bewegung wird ihnen Nichts schaden.« Und ohne weiter eine -Antwort abzuwarten, drückte er dem eigenen Thiere die Sporen in die -Seite und dieses, der Aufforderung nur zu gern Folge leistend, flog in -muthigen Sätzen der Richtung zu, aus der das Bellen und Toben der Hunde -jetzt immer deutlicher zu ihnen herüberschallte. Sechingen mußte, wollte -er hier nicht allein im fremden Wald zurückbleiben, folgen und sein -eigenes Pferd, das schon ungeduldig den Kameraden hatte davon gallopiren -sehen, fühlte kaum den leichten, fast unwillkührlichen Schenkeldruck, -als es fröhlich wiehernd hinten ausschlug und nun in tollen, -unaufhaltsamen Sätzen den Spuren des Vorangegangenen folgte. - -Nun war Sechingen zwar ein geübter Reiter, und saß besonders schön und -kunstgerecht im Sattel, verstand auch die Behandlung eines zugerittenen -Pferdes aus dem Grunde, durch solch wildverwachsenen Wald aber zu -gallopiren und noch dazu mit allem möglichen Schieß- und Jagdgeräth -behangen, das war mehr als er je versucht hatte, und bald blieb er -mit dem locker befestigten Pulverhorn, bald mit dem Griff seines -Hirschfängers, bald mit dem Gewehrriemen in den Zweigen und -Schlinggewächsen hängen, und endlich wurde er gar bei einem schnellen -Seitensprung des Pferdes, das einer vor ihm liegenden Schlange -auszuweichen suchte, unter einen vorragenden Ast gerissen und -- mit -Blitzesschnelle aus dem Sattel gestreift. »Das Roß, des Reiters ledig,« -schien weiter gar keine Notiz von ihm zu nehmen, und von Sechingen -befand sich bald darauf, als auch das Bellen der noch fernen Hunde -nachgelassen hatte, mitten im Wald, ohne Weg, ohne Steg -- jeder -Richtung, jeder Himmelsgegend unkundig -- allein. - -Eine volle Stunde wohl irrte er jetzt, mit immer steigender Angst und -jenem entsetzlichen beengenden Gefühl, das sich stets des Verirrten -bemächtigt, in der Wildniß umher -- seine feine Tuchpikesche war in den -scharfen Dornen zerrissen, die Pulverhornschnure abgesprengt und das -Pulverhorn verloren, den Hirschfänger hatte ebenfalls wahrscheinlich -irgend eine Ranke erfaßt und herausgerissen -- die Scheide hing ihm leer -an der Seite -- die Mütze mochte Gott weiß wo sein, Gesicht und Hände -bluteten ihm und die Rippen thaten ihm alle mit einander im Leibe weh. -Erschöpft warf er sich endlich unter einer alten Eiche nieder -- er -konnte nicht mehr vorwärts, er _mußte_ erst ausruhen. - -»Und hier soll man den Urwald sehen?« rief er endlich in vollem Unmuth -aus -- »hier wo man den Kopf nicht heben darf, ohne mit dem Gesicht in -irgend einem verwünschten Dornenbusch hängen zu bleiben -- und die Bäume --- großer Gott, es nähme ja ein Lebensalter, um nur ein halbes Dutzend -von diesen Kolossen umzuwerfen; und dann ist die Erde hier so mit -Wurzeln verwachsen, daß man kaum einen Stock hineinstoßen, geschweige -denn einen Pflug hindurchziehen könnte. Nein -- ich passe nicht -zu solchem Geschäft -- ich habe mir das viel romantischer gedacht. -Blüthenbäume -- blumige Ranken -- duftenden Wald -- zum Himmel strebende -Riesenstämme -- hol' sie alle mit einander der Teufel -- ich will Gott -danken, wenn ich erst wieder an einem gedeckten Tisch sitze, und eine -heiße Tasse Kaffee trinken kann -- und jetzt gar verirrt -- in dieser -fürchterlichen Wildniß. --« - -Er sprang in aller Verzweiflung wieder auf, um nur wenigstens einen -gangbaren Pfad zu finden, der ihn zu einer menschlichen Wohnung führe; -da hörte er plötzlich, nicht weit von sich entfernt, das laute »Hallo« -Klingelhöffers. Vor lauter Freude schoß er rasch die Büchse ab, das -verhinderte ihn aber nicht auch seiner, leider schon sehr angegriffenen -Kehle, noch eine letzte, außerordentliche Anstrengung zuzumuthen, um ja -die Stelle anzudeuten, wo er sich befinde. - -Klingelhöffer stand bald an seiner Seite, und wenn er auch im ersten -Augenblick nicht umhin konnte, recht herzlich über das tragikomische -Aussehen seines etwas arg mitgenommenen Gastfreundes zu lachen, so that -ihm dieser doch auch wieder, da er ja fremd und ein Neuling im Walde -war, leid, und er bot nun Alles, was in seinen Kräften stand, auf, um -ihn zu trösten und ihm Muth einzureden. - -Es war ein erster, wenn auch etwas böser Anfang, wie er sagte, und -hatte wenigstens das Gute, ihn alles Nachkommende so viel leichter und -bequemer ertragen zu lassen. Von Sechingen schien übrigens gar nicht -geneigt, irgend etwas _Nachkommendes_ abzuwarten, und zum Tode matt -ließ er fast willenlos mit sich geschehen, daß ihn der Farmer auf sein -eigenes Pferd setzte. Er hatte, seiner Versicherung nach, keinen ganzen -Knochen mehr im Leibe, dafür aber Hunger wie ein Wehrwolf, Kopf- und -Zahnschmerzen und noch außerdem verloren, was an seinem Körper nicht -niet- und nagelfest gewesen. - -In Klingelhöffers Wohnung endlich angelangt, stärkte er seinen -ermatteten Körper durch Speise, Trank und Ruhe. Nichts in der Welt -hätte ihn aber am nächsten Morgen vermögen können, eine zweite Tour zu -unternehmen, um erstlich die verlorenen Sachen wieder zu suchen und -dann auch, wie der Farmer lächelnd bemerkte, »das Land noch etwas besser -kennen zu lernen.« Er verschwor sich hoch und theuer, vom Lande mehr -zu wissen, als ihm lieb sei, und war, als der Morgen graute, fest -entschlossen nach Little Rock zurückzukehren. Als Ausrede meinte er -zwar, er wünsche erst die östlichen Städte und den Osten überhaupt -zu bereisen, ehe er sich ganz fest im Walde niederlasse; was aber die -Ursache dieser schnellen Sinnesänderung gewesen, ließ sich wohl leicht -genug erkennen. - -Weiteres Zureden blieb auch nutzlos, und Klingelhöffer erbot sich also, -ihn wenigstens mit einem Handpferd eine Strecke auf der Countystraße -hin zu begleiten, damit er nicht die ganze Strecke, etwa 44 englische -Meilen, zu marschiren hätte. Nach Mittag, als sich sein Gast von den -erduldeten Strapatzen ein wenig erholt, brachen sie auf, und der wackere -Farmer ritt so weit mit ihm, daß er eine, am Wege liegende deutsche -Ansiedelung noch bequem vor Dunkelwerden erreichen konnte, und nahm erst -dann, den Dank des Fremden für die ihm gewordene so freundliche Aufnahme -und Gastfreundschaft leicht übergehend, herzlichen Abschied von diesem. - -»Leid thut mir's nur,« sagte er, als er ihm noch vom Pferde herunter -derb und gutmüthig die Hand schüttelte, »daß Ihre Lust zur Ansiedelung -gleich beim ersten Anlauf einen solchen Stoß erhalten hat, aber -- -ich gebe noch nicht Alles verloren, suchen Sie den schönen Westen doch -später einmal wieder auf. Von Deutschland gleich ohne weiteres nach -Arkansas hineinzufallen, ist allerdings ein etwas zu großer Abstand, -haben Sie sich aber erst einmal eine Zeitlang in den östlichen Städten -herumgetrieben, so wird Sie's schon wieder in die gesunde Waldluft -zurückziehen. Vergessen Sie dann nicht, daß Sie in meiner Hütte immer -herzlich willkommen sind. So leben Sie denn wohl -- grüßen Sie mir die -Deutschen in Little Rock, und halten Sie sich nicht länger dort auf als -Sie müssen -- es giebt bessere Plätze in den Vereinigten Staaten.« - -Damit hatte er den Zügel des Handpferds um seinen Arm geschlungen, -winkte noch einmal einen letzten Gruß herüber, stieß dem eigenen Thiere -die Hacken in die Seite, und trabte pfeifend waldeinwärts. - -Von Sechingen blieb aber noch lange sinnend auf dem Wege stehen und sein -Auge ruhte schweigend auf den grünen Waldesschatten, hinter denen sein -Gastfreund soeben verschwunden war. Kopfschüttelnd dachte er dabei an -Alles, was er in so kurzer Zeit erlebt, zurück. - -»Das also,« sagte er endlich tief aufseufzend, »das ist das -stille freundliche Farmerleben -- _das_ ist die patriarchalische -Zurückgezogenheit der Wälder. Kaum zweimal vier und zwanzig Stunden bin -ich drin, und wie seh ich aus? Meine Kleider sind zerfetzt, den alten -Hut, den mir Klingelhöffer zum Nothbehelf gegeben hat, würde bei uns zu -Hause kein Lumpensammler aufheben, und ich muß noch froh sein, daß ich -ihn nur habe und nicht im bloßen Kopfe zu rennen brauche; Hirschfänger --- Taschentuch, Pulverhorn, Zündhütchenaufsetzer -- Alles bin ich -losgeworden, im Gesicht und an den Händen sehe ich so zerkratzt aus, als -ob ich die Nacht in einer Dornenhecke geschlafen hätte. Dazu schmerzen -mich alle Knochen -- ich habe einen fürchterlichen Schnupfen, und von -dem harten Lager Hühneraugen am ganzen Leibe. Nein, guter Sechingen, so -viel merk' ich, für den Wald paßt Du nicht -- ja, der Urwald sieht sich -recht gut an -- wenn man sich nicht gerade Bäume zum Umhacken aussucht --- es liest sich auch recht gut darüber, schläft sich aber nur höchst -mittelmäßig darin, und was das Reiten anbelangt, so soll mich Gott vor -einem zweiten Versuch bewahren. Nein, Du _mußt_ ja kein Farmer werden -- -Du kannst Coopers Romane lesen, für Indianer schwärmen -- wenn Dir Dein -_Schuster_ nicht die Ideale verdirbt -- und kannst auch meinetwegen -- -heißt das im Geist -- den wilden Bär und Büffel verfolgen -- so lange es -aber keine Chausseeen und Hotels hier giebt, gehe ich nach New-York oder -Philadelphia.« - -»Und meine jetzige Reise?« fuhr er leise murmelnd in seinem -Selbstgespräch fort, als er sich langsam dabei wandte und auf der -Countystraße hinschritt -- »ih nun -- es war doch immer eine ganz gute -Erfahrung und -- wenn weiter Nichts -- ein _Versuch_ zur _Ansiedelung_.« - - - - -Cincinnati. - - -Cincinnati, »die Königin des Westens,« wie sie in den Vereinigten -Staaten von Nordamerika allgemein genannt wird, liegt in der -südwestlichen Ecke Ohio's, dessen schönste und bedeutendste Stadt -sie ist. Erst seit einigen sechzig Jahren entstanden (denn noch leben -Männer, welche 1791 die erste Blockhütte dort bauen halfen), zählt sie -jetzt schon über 100,000 Einwohner und hat im Westen dieselbe Bedeutung -erlangt, deren sich New-Orleans im Süden und New-York im Osten rühmt. -Da Ohio selbst schon seit etwa 30 Jahren besonders von deutschen -Auswanderern angebaut wurde, so breitete sich auch Cincinnati immer mehr -und mehr aus, vertheilte nicht allein von dort die den Mississippi -und Ohio heraufkommenden Fremden in dem Staat, sondern ward auch zum -Mittelpunkt des Binnenhandels, der die Producte des Nordens, als Mais, -Mehl, Whiskey, eingepöckeltes Schweinefleisch, getrocknete Früchte, -Kartoffeln etc., nach dem Süden versandte und dafür die Erzeugnisse der -wärmeren Landstriche, als Zucker, Baumwolle, Tabak, Seesalz, Kaffee und -die übrigen Früchte der Tropenländer in Empfang nahm. Zur Erleichterung -dieses Zweckes stand es nicht allein durch den Ohio, einem großen, -schönen Strom, mit dem Osten, sondern auch durch den westlichen Canal -mit Buffalo und den nördlichen Seen, Erie, Michigan und Ontario in -Verbindung, und gute, nach europäischer Art angelegte Chausseen zweigten -sich durch das ganze Land. Durch die Erbauung eben dieser Wege und -Canäle, wie durch die gesunde Lage des Ortes selbst, wurde eine sehr -große Menge von Deutschen, meistens aus den ärmern Classen, veranlaßt, -die blühende Stadt aufzusuchen und sich in ihr oder wenigstens in der -Nähe derselben eine Existenz zu gründen. - -Besonders strömten von Norddeutschland, Oldenburg und Hannover dem -Eldorado des Westens Schiffsladungen voll Auswanderer zu. Die natürliche -Folge aber war, daß, wo so viele zusammentrafen, die den Platz nur -in der Hoffnung aufgesucht hatten, nicht allein »Geld zu verdienen,« -sondern auch »reich zu werden,« der größte Theil derselben sich -getäuscht sehen und entweder unter nicht gerade glänzenden Verhältnissen -ausharren, oder weiter westlich einen geeigneteren Wirkungskreis suchen -mußte. - -Natürlich war ein solcher Zusammenfluß von Menschen, die meistentheils -von allen Hülfsmitteln entblößt in Cincinnati eintrafen und nun, da sie -ihre Hoffnungen nicht realisirt, sich selbst obdach- und hülflos fanden, -sehr wenig dazu geeignet, den Amerikanern einen guten Begriff von -Deutschen und durch diese von Deutschland selbst zu geben, daher denn -auch wohl mancher, der mit dem schönen Glauben das fremde Land betritt, -schon durch sein Vaterland allein, wenn nicht freundlich angenommen, -doch geachtet zu werden, seinen Irrthum einsehen wird, wenn er findet, -daß der Name »Dutchman« nicht bloß bei den niedern Classen ein Spott-, -ja oft Schimpfname geworden. Das kann übrigens nur von den Städten -gelten, wo sich die rohe Hefe des Volkes concentrirte, im Lande selbst -ist der deutsche Landmann wegen seines eisernen, unermüdeten Fleißes -geschätzt und geachtet, wie denn auch die deutschen Ansiedlungen in den -nördlichen Staaten fast stets die bessern sind. Und doch muß eben der -Deutsche, selbst wenn er im alten Vaterlande den Ackerbau getrieben hat, -in Amerika wieder von vorn zu lernen anfangen, indem nicht allein Boden -und Erzeugnisse, sondern auch Ackergeräthschaften, wie die in jenem -Lande nöthigen Behandlungsarten der Felder ganz verschieden von den -unsern sind. Da die Arbeit dort aber leichter, der Humus selbst, -besonders in den westlichen Staaten so viel vorzüglicher als in den -alten, seit langen Jahren angebauten Landstrichen ist, so unterzieht -sich der Deutsche auch stets mit Lust und Liebe einer Lehrzeit, die -einen so reichhaltigen Erfolg verspricht, und sieht seinen Fleiß und -seine Ausdauer, welche letztere dem Amerikaner gänzlich fehlt, in kurzer -Zeit durch blühende Felder und üppige Vegetation belohnt. - -Der Amerikaner, d. h. der nördliche Amerikaner (denn der südliche -Pflanzer in den Sklavenstaaten ist wieder ein ganz anderer Mensch), ist -auch fleißig, und arbeitet mit einer Schnelle und Gewandtheit, in der -ihm der Ausländer vergebens gleichzukommen sucht, aber nur kurze Zeit -hält er aus, das Gleichförmige ermüdet ihn, eine schlechte Ernte macht -ihn gegen sein Land mißtrauisch; er hört von fruchtbarerem, ergiebigerem -Boden, von besserer Weide, üppigerer Vegetation und augenblicklich führt -er den schnell entworfenen Plan aus. Gerade in dem Zeitpunkt, in welchem -der ruhige Deutsche anfängt, die Früchte seines Fleißes zu ernten, -verkauft der Amerikaner den Platz, der seine Heimath war, packt sein -bewegliches Eigenthum auf Karren und Wägen, treibt sein Vieh zusammen -und zieht gen Westen. - -Etwas aber ist, was so vielen, ja man könnte sagen fast _allen_ -Deutschen den Anfang einer zu gründenden Existenz erschwert: die -zu großen Erwartungen, mit denen sie gewöhnlich das neue Vaterland -betreten. Durch Briefe oder Reisebeschreibungen von dem schnellen, fast -fabelhaften Glückswechsel Einzelner in Kenntniß gesetzt, malt sich ihre -Phantasie die dortigen Verhältnisse mit den buntesten, heitersten Farben -aus; das Wenige, was von Noth und Sorgen, von getäuschten Erwartungen -und vernichteten Hoffnungen zu ihnen herüberdringt, verliert durch die -große Entfernung die scharfen, schroffen Conturen, wird gemildert oder -tritt vielleicht ganz in den Schatten zurück; kein Wunder denn, daß -Viele, nach kurzem Aufenthalt in Amerika, von dem sie oft nur eine der -östlichen Städte gesehen haben, das erste heimwärts segelnde Schiff -benutzen, in ihr altes Vaterland zurückkehren, und nun nicht sich -selbst, sondern das Land anklagen, das so war, wie es einmal ist und -nicht wie sie es sich dachten. - -Von den Tausenden aber, die dort zurückbleiben, und hierzu nur zu -oft durch den Mangel an Mitteln, die zweite Seefahrt zu bestreiten, -gezwungen werden, sind doch auch, zur Ehre der Deutschen, recht Viele, -die mit männlichem Muthe das ertragen, was ihnen ihr Schicksal oder sie -vielmehr sich selbst aufgebürdet. Der englischen Sprache nicht mächtig -oder wenigstens nicht vertraut genug damit, um ihre Geistesfähigkeiten -geltend zu machen, sehen sie sich gezwungen zu Handarbeiten ihre -Zuflucht zu nehmen, und daher kommt es, daß man oft an Canälen, -Chausseen und Eisenbahnen, in Kohlengruben und auf Dampfbooten, -Doctoren und Geistliche, Offiziere und Kaufleute mit Hacken, Spaten -oder Schürstange, mit Schiebkarren und Handtrage beschäftigt findet, ihr -»tägliches Brod« zu verdienen. - -In Pennsylvanien hatten sich z. B. in frühern Jahren in einer der -dortigen einträglichen Kohlengruben viele wissenschaftlich gebildete -Männer zusammengefunden und duldeten, um die gewöhnliche Classe der -Handarbeiter von ihrer Gesellschaft und Unterhaltung fern zu halten, -keinen zwischen sich, _der nicht lateinisch sprach_ oder wenigstens -einige zu diesem Zweck an ihn gerichtete Fragen befriedigend beantworten -konnte. Jene Grube hieß in damaliger Zeit »die lateinische Kohlengrube!« - -Sehr natürlich findet sich am leichtesten jene Classe in die neuen -Verhältnisse, die schon im alten Vaterlande durch harte Arbeit ihr Brod -verdienen mußte, und nun in den Vereinigten Staaten einen etwas höhern -Lohn so wie bessere Nahrung erhält und doch freier und selbstständiger -dasteht. Diese Leute sammeln sich durch Fleiß und Sparsamkeit einige -hundert Dollars, kaufen nachher entweder ein Stückchen Land oder -gerathen in eine der größern Städte und beginnen hier ihre Carriere als -»Schenkwirth und Gastgeber;« daher die ungeheuere Menge dieser Trink- -und Wirths-, oder sogenannten Boarding-Häuser, von denen man, besonders -in Cincinnati, fast in jeder Straße einige findet, und die, ohne dem -Reisenden oder Fremden die geringste Bequemlichkeit zu bieten, ihm -eigentlich nur des Nachts in einem harten Bett ein Obdach gewähren und -ihn dreimal des Tages zu bestimmten Stunden abfüttern. - -Da diese Leute nun hauptsächlich auf deutsche Einwanderer angewiesen -sind, die, der englischen Sprache nicht mächtig, durch das deutsche -Wirthshausschild angezogen bei ihnen einkehren, so verlieren sie auch -gar bald das Mitgefühl, das sie vielleicht noch für ihre Landsleute -gehegt hatten; sie fragen nicht darnach, was der Neuangekommene treibt, -was er anzufangen gedenkt, sie wollen nur wissen, ob er noch -genug Eigenthum besitzt, für die nächste Woche das »Boarding-Geld« -pränumerando bezahlen zu können oder an dessen Statt wenigstens einen -Koffer in Versatz zu geben vermag. - -Überhaupt irrt man sich in Deutschland gewaltig, wenn man glaubt, der -Deutsche freue sich, im Ausland einen Landsmann zu finden. Im -Anfang, ja; noch nicht an die fremdtönenden Laute gewöhnt, klingt die -Muttersprache dem Ohre wie Musik; das verliert sich aber, man lernt -durch einen langen Aufenthalt unter den Fremden mit deren Augen sehen, -mit deren Gefühlen empfinden und legt nur zu oft mit den vaterländischen -Sitten auch das Gefühl für die ab, die diesen noch anhängen. - -Nirgends zeigt sich aber diese Entfremdung unter Landsleuten stärker, -als gerade in Cincinnati, wo der Parteigeist oft in die bittersten -Feindseligkeiten ausartet; und doch sollten sich gerade hier die -Deutschen durch Einigkeit und festes Zusammenhalten enger an einander -anschließen, da ihnen in jener Stadt die arbeitende Classe der -Amerikaner besonders gram ist, und in ihrer Art und Weise auch wohl -nicht so ganz Unrecht hat, denn die das Land überströmenden Deutschen, -von denen in jedem Jahre Tausende nach Cincinnati kamen, um dort Arbeit -und Beschäftigung zu finden, waren zuletzt genöthigt jedes Anerbieten, -das sich ihnen darbot, zu ergreifen, um nur Obdach und Nahrung zu -erhalten, und arbeiteten um einen Lohn, der ihnen zwar, noch mit den -deutschen Preisen im Gedächtniß, hoch schien, in der That aber die -bisher gegebenen »=wages=« oft auf ein Drittel herabsetzte. Statt also -nun in der fremden, sie umgebenden Welt unter Leuten, von denen sie -nicht geliebt werden, brüderlich bei einander zu stehen, spalten sie -sich nicht allein in politischer, sondern auch in religiöser Hinsicht in -vier Hauptparteien, die selbst wieder unter sich ihre eigenen Zwiste und -Streitigkeiten haben. - -Vor allen Dingen trennen sie sich in Katholiken und Protestanten, -und Nord- und Süd-, oder den dortigen Ausdrücken gemäß, »Hoch- und -Plattdeutsche,« die dann wieder als Whigs und Demokraten einander -feindlich gegenüberstehen, wobei die Protestanten noch ihre besondere -Malice als Lutheraner und Reformierte und Methodisten auf einander -haben, und sich aus diesen allen als letzter Kern ein Häufchen -Rationalisten aussondert. Als Organe dieser verschiedenen Parteien dient -den Katholiken der »Wahrheitsfreund,« ein ächt ultramontanes Blatt, den -Methodisten dagegen der »Christliche Apologete,« der mit schwärmerischem -Eifer seine Blitze gegen die Anhänger des Papstes, aber auch zu gleicher -Zeit gegen die Protestanten schleudert, aus deren Mitte im Jahre 1840 -»der Lichtfreund,« dem Rationalismus Bahn brechend entstand, und nun -die Zornausbrüche des Wahrheitsfreundes sowohl als des christlichen -Apologeten auf sich concentrirte. Selten oder nie religiöse Gegenstände -berührend, vertheidigte indessen das »Volksblatt« die Sache der -Demokraten und warb mit regem Eifer für den demokratischen Präsidenten, -bis nahe vor der Wahl die deutschen Whigs, von den amerikanischen dabei -unterstützt, den »deutschen Amerikaner« herausgaben und augenblicklich -als die erbittertsten Feinde des Volksblattes auftraten. Zu jener Zeit -hatte also Cincinnati fünf sich einander feindlich gegenüberstehende -deutsche Zeitungen, doch ging der »deutsche Amerikaner« nach der Wahl, -die bekanntlich zu Gunsten des Whigpräsidenten, General William -Harrison ausfiel, wieder ein. Später wurde auch der »Lichtfreund« -wegen Übersiedlung des Redacteurs, Herrn Eduard Mühls, nach Hermann in -Missouri verlegt, dafür entstand aber, als Opposition des Volksblattes -»der deutsche Republikaner.« - -Feinden sich aber in Cincinnati die Deutschen gar oft an und schimpfen -und schmähen sie einander, so existiren doch wenigstens nicht jene -Blutsauger unter ihnen, denen der eben von Deutschland Kommende in den -Seestädten nur zu oft in die Hände fällt. Ich selbst habe während eines -sehr kurzen Aufenthalts in New-York mehrere Deutsche kennen gelernt, -welche davon lebten, sich freundschaftlich an die in der fremden -Stadt unbekannten Landsleute anzuschließen, bis sie entweder den -letztmöglichen Cent aus ihnen herausgepreßt, oder von den wiederholt -Getäuschten durchschaut und gemieden worden waren. In Cincinnati gehen -sie offener und ehrlicher zu Werke, entweder mit der Feder oder -- geht -das nicht -- mit dem Munde, denn der Deutsche hat gewöhnlich noch vom -alten Vaterlande her eine Aversion gegen das »Zuschlagen.« - -Der später angelegte Theil Cincinnati's, welchen der westliche Canal -von der eigentlichen Stadt und dem Ohiofluß trennt, ist größtenteils -von Deutschen bewohnt und wird auch von den Amerikanern »Little Germany« -genannt. Fast über jeder Thür hängen Schilde deutscher Wirthshäuser, -Schuster, Schneider und anderer Handwerker, die, wenn sie auch wirklich -dann und wann englisch geschrieben sind, den deutschen Meister doch -stets verrathen. Besonders können sich die vaterländischen Schuster mit -ihrem gemalten Stiefel in der Mitte und einem rothen Schuh an der einen, -einem schwarzen Schuh an der andern Seite nimmermehr verläugnen, eben so -wenig die Leute selbst mit ihren langen, blauen, schmalkragigen Röcken -und den weißleinenen Taschen, mit dem hochausgeschweiften Hut und dem -rothgeblümten Halstuch. - -Das Elend aber, welches leider so oft unter jenen armen Familien -herrscht, die eben eingewandert, von allen Hülfsmitteln entblößt, -in kleinen, nackten, Kämmerchen mit großen Familien zusammengepreßt, -hungern und frieren, und vergebens nach Arbeit und dem verheißenen hohen -Lohn jammern, ist fürchterlich. Glücklich noch die, denen ein Freund -oder Verwandter im Anfang das Nothwendigste reichte, da nur zu oft schon -gerade _jene_ Stadt und Staat verlassen mußten, um irgendwo anders ein -Unterkommen zu suchen, die solch lockende, einladende Briefe, häufig nur -um zu prahlen, in die Heimath schrieben; der arme Einwanderer, welcher -fest auf die versprochene Hülfe baute, sieht sich nachher in dem fremden -Lande schutz- und freundlos, und ist nicht vermögend, sich selbst, viel -weniger seine zahlreiche Familie vor Mangel und Elend zu bewahren. - -Schwere und drückende Noth herrscht dann oft unter den armen Leuten, und -dieß mag wohl auch die Ursache sein, daß die wohlhabenderen Landsleute -endlich abgestumpft gegen ein mit jedem Jahre wiederkehrendes Elend -werden, dem sie doch nun einmal nicht abhelfen können. Durch diese -übergroße Anzahl von arbeitsfähigen Männern verringert sich natürlich -auch mehr und mehr der Lohn, den die dortigen Ansiedler in früheren -Zeiten gezwungen waren zu geben, weil sie nicht Leute genug bekommen -konnten. Im Jahre 1840 bezahlten die Farmer fünf bis sechs Dollar den -Monat für einen kräftigen Mann, was, wenn man die dortigen Verhältnisse -bedenkt, entsetzlich wenig ist; und dennoch boten sich ihnen viele, sehr -viele an, welche nur um die Kost zu erhalten bei ihnen arbeiten wollten. -Mit dem Kaufmannsstande ist es dasselbe, und am allerschlimmsten -befinden sich Gelehrte, die, vielleicht mit tüchtigen Kenntnissen -ausgestattet, geglaubt haben, dort verstanden oder anerkannt zu werden. -Die armen Leute finden sich, besonders in Cincinnati, arg getäuscht. - -Für die heimatliche Literatur sterben die Deutschen in Amerika ab. Die -gebildeteren Klassen lernen das Englische, und vernachlässigen schon -aus dem Grunde die Muttersprache, da sie zu selten Gelegenheit bekommen, -deutsche Schriften zu erhalten; die arbeitenden Classen aber lesen -einzig und allein Zeitungen, und nichts ist leichter, als eine solche -Zeitung zu redigiren. Der Redacteur muß nur dann und wann einen -Aufsatz schreiben, in welchem er aus Leibeskräften gegen die politische -Opposition zu Felde zieht; dabei dürfen natürlich die Wörter »deutscher -Freiheitssinn,« »deutsche Treue und Biederkeit« u. s. w. nicht fehlen. -Um das Blatt nachher zu füllen, erscheint im Anfang irgend ein Gedicht, -sei es von Goethe oder Schiller oder eignes Fabrikat, -- selbst -eingesandte werden mit Dank angenommen, -- dann eine kleine Novelle oder -Erzählung aus einer alten, vorsündfluthlichen Didascalia, hierauf einige -aus englischen, oder, ist es möglich, auch deutschen Blättern entnommene -Notizen, dann die Marktpreise und Ankündigungen, und die Nummer ist -versehen. Honorar ist nie zu fürchten. - -Nun ist das Blatt freilich gedruckt, muß aber auch noch an die -verschiedenen Subscribenten herumgetragen werden; zu diesem Zwecke -schließt der Redacteur einen Contract mit irgend einem Mann ab, dem er -wenigstens die einzucassirenden Wochengelder anvertrauen kann, und der -von jeder Zeitung, die er austrägt, etwas Bestimmtes per Woche erhält, -dessen Vortheil es also neben dem Austragen auch ist, noch so viel neue -Abonnenten als möglich zu seinen alten zu bekommen, indem sich durch -eine Vermehrung des Absatzes auch sein Gehalt oder Einkommen vermehrt, -wobei er für die täglichen Blätter an jedem Sonnabend, für die -wöchentlichen jeden Monat das Geld eincassirt, weil überhaupt in Amerika -nichtansässige Leute selten lange an einem Platze bleiben, und ein -Verfolgen der Schuldner, da keine Controle weder über Fremde noch -Reisende geführt wird, unmöglich ist. - -Cincinnati selbst liegt am nördlichen Ufer des Ohio, der von Pittsburg -aus, wo dieser durch den Zusammenfluß des Alleghany und Monongahela -seinen Namen erhält, sich östlich nach einem Lauf von circa 1000 -englischen Meilen in den Mississippi ergießt. Es ist ein stattlicher -Strom, dessen malerische Ufer ihm den Namen des »amerikanischen Rheines« -gewonnen haben; bei Cincinnati mag er etwa eine englische Meile breit -sein und trägt im Winter und Frühjahr die größten Dampfboote, wird -jedoch im Sommer und Herbst, nicht mehr durch die Bergströme der -Alleghany-Gebirge genährt, an mehreren Stellen sehr seicht und die -Schifffahrt hört dann für die größern Boote auf. Durch diesen »schönen -Strom« aber (der indianische Name der Senecas ist Oh-ey-o oder der -schöne Strom) erhielt Cincinnati seine Bedeutung und wuchs schnell zu -einer der größten Städte der Union an; zwar versuchten Speculanten -am gegenüberliegenden Ufer in Kentucky am Ausfluß des Licking, -Oppositionsstädte zu erbauen, und New-Port wie Covington entstanden: -Cincinnati aber überflügelte sie schnell und wurde die »Königin des -Westens.« - -Die eigentliche Stadt, -- denn sie zählt außer dem Städtchen Mohawk -noch mehrere Anbaue, -- liegt am Fuß einer Hügelreihe, die das Thal -des kleinen Miami einschließt, und hat mehrere Eisengießereien; dabei -versorgt sie fast die ganzen Vereinigten Staaten mit geschnittenen -eisernen Nägeln, die überall statt der geschmiedeten gebräuchlich sind. -In und um Cincinnati befinden sich auch die bedeutendsten Brauereien und -Whiskeybrennereien Amerika's, besonders aber Schlachthäuser, wie sie -auf keinem zweiten Platz in der Welt existiren; denn von hier aus -werden nicht allein die Vereinigten, sondern auch die südlich gelegenen -Staaten, Texas und Mexico, mit eingepökeltem Schweinefleisch versehen, -das sogar bis nach Südamerika verschifft wird. - -Nichts schildert den Charakter eines Menschen deutlicher als kleine -Anekdoten und Angewohnheiten aus seinem Leben; eben so ist es mit einer -Stadt, die man wohl am leichtesten durch kleinere Züge ihres innern -Treibens und Verkehrs kennen lernt und von denen ich versuchen will, dem -Leser einige, wie sie mir noch frisch im Gedächtniß sind, mitzutheilen. - - -Der Markt. - -Durch ganz Nordamerika haben die Marktplätze ein ziemlich ähnliches -Aussehen; ein sogenanntes »Markthaus« bildet den Mittelpunkt und besteht -aus einem auf einer doppelten Säulenreihe ruhenden Dach, unter dessen -Schutz die Fleischhauer oder Metzger den innern Raum einnehmen; um -diesen reihen sich die ein höheres Standgeld bezahlenden Gärtner an der -Außenseite, aber ebenfalls noch unter dem Schutz des Vorbaues an. In -Cincinnati sind drei solcher Marktplätze: der obere oder Flymarket, -der mittlere und der untere Markt; Montag und Donnerstag wird auf dem -ersten, Dienstag und Freitag auf dem zweiten und Mittwoch und Sonnabend -auf dem dritten Markt gehalten. Dort prädominiren die Deutschen -besonders, denn sie bilden nicht allein die Mehrzahl der Fleischer, -sondern haben auch mit wenigen Ausnahmen den alleinigen Verkauf der -Gartenfrüchte, und zwar schon aus dem Grunde, weil der Amerikaner in -dieser Hinsicht nun einmal ein Vorurtheil zu Gunsten der Deutschen hat, -die, wie er glaubt, Alle geborene Gärtner sind. Will ein Amerikaner im -Frühjahr seinen Garten herstellen lassen, so ruft er den ersten besten -Deutschen dazu und überträgt ihm die Arbeit, er fragt aber nie: »weißt -du mit einem Garten umzugehen?« sondern denkt, das verstehe sich von -selbst. Dabei haben unsere Landsleute das Monopol des Sauerkrautes, mit -dem es ihnen wie den Creolen mit ihrem Lieblingsgericht Gumbo geht: es -ist zum Spottnamen und zur Bezeichnung der Nation geworden, und nicht -selten hört man unter den niedern Classen der Amerikaner, wenn jemand -eine gemischte Versammlung bezeichnen will, den Ausdruck: »Es waren -Amerikaner, Gumbos und Sauerkrauts dort.« - -Da übrigens die meisten der zu Markte Kommenden ihre Producte von -meilenweit entfernten Farmen herbeischaffen, so lassen sie dieselben -auf ihren kleinen einspännigen, mit Leinwand überzogenen Fuhrwerken, -und fahren diese auf beiden Seiten des Marktplatzes so auf, daß die -Einkäufer an der Außenseite umhergehend den im Hintertheil des Wagens -ausgelegten Inhalt sehen und prüfen können. Oft stehen Hunderte -derselben in langer, die Straßen weit hinausreichender Reihe beisammen -und geben dem Ganzen ein eigenthümliches Ansehen; was aber dem Europäer -besonders auffällt, sind die Einkäufer selbst. Wie ich zum erstenmal auf -einen amerikanischen Markt kam, traute ich meinen Augen kaum, als ich -nicht allein anständige, sondern sogar elegant gekleidete Männer, oft -in schwarzem Frack, mit Ringen an den Fingern, goldenen Uhrketten und -blendend feiner Wäsche großmächtige Körbe am Arm tragend zu Markte gehen -oder gar reiten sah; es war etwas unsern deutschen Sitten und Gebräuchen -so ganz entgegengesetztes, daß ich nur mit vieler Mühe das Lachen -verbeißen konnte. Nichts macht sich dann komischer, als wenn es anfängt -zu regnen und der »Gentleman« den schon zur Vorsorge mitgenommenen -Regenschirm aufspannt, dem kleinen Poney die Hacken in die Seiten setzt -und mit kurzen Steigbügeln, daß die Knie fast den Sattelknopf berühren, -zu Hause galoppirt. - -Die Fleischer schmücken besonders bei feierlichen Gelegenheiten, als -am 4. July, dem Tage der Unabhängigkeitserklärung, an Washingtons -Geburtstag, an verschiedenen Dank- oder Bußtagen etc., ihre Stände und -das ausgeschlachtete Vieh auf das zierlichste, wobei sie etwas darin -suchen, alle möglichen Fleischarten zum Verkauf auszustellen; daher -findet man nicht selten bei einem Einzelnen neben den gewöhnlichen -Thierarten ganze Bären, Hirsche, Waschbären, Opossums und Eichhörnchen, -die durch Blumenguirlanden auf das freundschaftlichste mit einander -verbunden sind. - -Den Gemüseverkauf besorgen, wie schon gesagt, fast ausschließlich die -Deutschen, denen auch die besten und einträglichsten Farmen in der Nähe -von Cincinnati gehören und von welchen sogar schon Einige Weinberge -angelegt und einen erträglich guten Wein gekeltert haben. Die Amerikaner -schaffen hingegen mehr Käse, Eier, Butter und Geflügel zu Markt, -während die farbige Bevölkerung von Cincinnati meistens gedörrtes Obst, -Pfirsiche und Äpfel feil hält. Im Ganzen ist Cincinnati die billigste -Stadt des Westens, und ein einzelner Mann kann mit 400 Dollars (1 Dollar -1 Thlr. 10 Ngr.) das Jahr anständig leben. - - -Boardinghäuser. - -Das Wort »=boarding-house=« ist fast das erste, welches der Einwanderer -in Amerika lernt -- er muß ein Obdach und Nahrung haben, und dieß alles -findet er für einen verhältnißmäßig billigen Preis in solchen Kost- -oder Boardinghäusern. Ich rede hier nicht von den besser eingerichteten -Wirthschaften und Hotels, die dem Reisenden alle möglichen -Bequemlichkeiten bieten, und von denen, in Cincinnati besonders, eine -große Anzahl existirt, sondern von den Häusern, in welchen der Fremde, -dessen finanzielle Umstände ihm nicht erlauben sechs, acht, ja zwölf -Dollar die Woche für Kostgeld zu bezahlen, einkehrt, und wo er, wie der -deutsch-amerikanische Ausdruck ist, »boardet!« - -Diese Anstalten werden fast ausschließlich von Deutschen gehalten, sind -sich im Ganzen ziemlich ähnlich, und wir wollen dem Leser eines dieser -»Kaffeehäuser,« wie sie sich fast alle nennen, näher vorführen. Es ist -ein schmales, zweistöckiges, grün angestrichenes Brettergebäude, -das, selbst etwas windschief, zwischen zwei große Backsteinhäuser -hineingepreßt, scheinbar von diesen aufrecht gehalten wird. Ein breites -Glasfenster zeigt drei über einander angebrachte Reihen von Flaschen -mit Liqueur oder wenigstens einer liqueurfarbigen Flüssigkeit gefüllt, -zwischen denen, um den sonst etwas zu leeren Raum auszufüllen, einzelne -Citronen liegen, während in der unteren Reihe mehrere Glasgefäße mit -Candiszucker und anderen Näschereien prangen. Über der mit einer rothen -Gardine verhangenen Thür steht auf einem grünlackirten Schild mit -grellrothen Buchstaben, daß die Augen kaum das Verschwimmen der Farben -ertragen können, »=Battle of Bunkershill Coffee house=,« und darunter -»Deutsches Kosthaus von N. N.« - -Doch wir wollen hineingehen und das Innere des Heiligthums betrachten. -Es ist ein kleines, wahrscheinlich früher zum Vorsaal bestimmt gewesenes -Zimmer, das jetzt aber zur Schenkstube benutzt wird und zugleich das -Entrée des Hauses bildet. Rechts sind bis zur Decke hinauf Regale -angebracht, die mit Flaschen, Caraffen, Gläsern, Apfelsinen und -Zuckerwerk ausgeschmückt, die eine Wand verdecken, während Thür und -Fenster die zweite einnimmt, und riesenhafte Zettel, Ankündigungen von -Seiltänzern und Kunstreitern, mit Abbildungen der merkwürdigen Sachen, -welche diese auszuführen gedenken, die andern beiden überziehen. -Besonders hervorstechend zeigt sich noch, gerade am mittelsten Regale -befestigt, ein kleines Schild, auf dem mit größtmöglichen Buchstaben -die Worte »=No Credit!=« »Kein Credit!« zu lesen sind, und mit dem eine -zweite unter Glas und Rahmen gebrachte Tafel correspondirt, durch -welche dem Eintretenden in zierlichen Versen kund gethan wird, daß der -Eigenthümer seine Weine und Liqueure, seine Flaschen und Gläser, ferner -Hausrente und Taxen _bezahlen_ müsse, und deßwegen unendlich bedaure, -seinen geehrten Gästen unter keiner Bedingung borgen zu können. Eine Art -Ladentisch trennt den Ausschenker oder »Barkeeper« von den Gästen, zu -deren Bequemlichkeit nur eine kurze, grünlackirte Gartenbank an der -gegenüberstehenden Wand angebracht ist, die aber für den Augenblick -leider nicht benutzt werden kann, da ein Irländer, der ein wenig zu -schwer geladen, langgestreckt darauf liegt. - -»Wer tractirt?« ruft jetzt der Barkeeper, welcher sich schon fast eine -Viertelstunde lang die Anwesenden ungeduldig betrachtete. »Wer tractirt? -Boy's -- ihr steht ja so trocken da, wie die Pulverfässer -- wollen wir -drum würfeln?« - -Er hat bei den letzten Worten einen kleinen Lederbecher unter dem -Ladentisch vorgeholt und schüttelt denselben ein wenig; der Klang wirkt -wie bezaubernd, alle treten hinzu, und die drei niedrigsten Würfe -müssen den Trunk à Person mit einem Picayune (6¼ Cent. oder 2 gGr.) -bezahlen. Obgleich der Barkeeper selbst mitspielt, so ist es doch eher -zu erwarten, daß der niedrigste Wurf leicht einen der Gäste, von denen -sechse gegenwärtig sind, als ihn treffen wird, und schon auf solche Art -und Weise verdienen die Wirthe manchen Dollar. Jetzt öffnet sich aber -die Thür, und ein anständig gekleideter Mann tritt herein und erkundigt -sich bei dem Ausschenker, ob er hier eine oder mehrere Wochen »boarden« -könne. - -Dieser beschaut ihn zuerst sehr aufmerksam vom Kopf bis zum Fuß, und -fragt ihn dann vor allen Dingen, »ob er Gepäck bei sich habe?« - -»Nichts als dieses!« antwortete der Fremde und zeigt auf ein kleines, in -ein rothseidenes Schnupftuch eingeschlagenes Päckchen. - -»Hm,« sagt der Ausschenker, »dann müssen Sie pränumerando bezahlen, ich -kann Ihnen nicht helfen!« - -»Und wer hat Ihnen denn gesagt, daß ich das nicht werde,« entgegnete -pikirt der Fremde. - -»=Oh well!=« sagt der Ausschenker, keineswegs dadurch außer Fassung -gebracht, »dann ist alles in Richtigkeit.« - -»Und der Preis?« fragt der Fremde. - -»Drei Dollar die Woche!« - -Der Mann bezahlt und bittet den Barkeeper nun, ihm sein Zimmer zu -zeigen; dieser steigt mit ihm eine kleine, schmale Treppe hinauf, öffnet -die sich fast an der obersten Stufe befindende Thür, und weist den -Ebengekommenen hinein. - -Es ist ein ziemlich großer Raum, der die ganze Breite des Hauses -einnimmt, mit drei Fenstern und einem gewaltigen Kamin an der Seite, -das Ganze hat aber ein unfreundlich kaltes Aussehen, denn in dem Kamin -liegen Stiefeln, Stöcke, Hutschachteln, Pfeifen etc. etc., und beweisen -zur Genüge, wie wenig von dieser Seite auf ein gutes, erquickendes Feuer -zu hoffen sei. Des Fremden, den Raum schnell durchfliegende Augen zählen -fünfzehn zweischläfrige Betten, die eines neben dem andern an den -Wänden hin und in der Mitte stehen, und eine ziemlich zahlreiche -Schlafgenossenschaft versprechen. Nur ein Tisch und etwa acht oder -neun Stühle dienen dem Worte »Mobilien« zur Entschuldigung, und die -umherhängenden verschiedenartigen Kleidungsstücke sind nicht gerade -geeignet, dem Ganzen ein freundlicheres Aussehen zu geben. - -»Und hier soll ich schlafen?« fragt mit gerade nicht freudiger -Überraschung der Fremde. - -»Ja!« ist die Antwort -- »in diesem Bette hier, mit einem Amerikaner -- -es ist ein ganz ordentlicher Mann!« - -»Und kann ich kein Bett für mich allein bekommen?« - -»Unmöglich, wir haben jetzt kaum Platz für unsere Gäste -- alle -Boardinghäuser sind überfüllt.« - -Noch steht der Fremde unschlüssig am Eingang, er weiß aber, daß wenn er -auch zu einem andern Hause gehen wollte, sich die Verhältnisse ziemlich -gleich bleiben, wirft sein Päckchen auf das ihm angewiesene Bett und -- -ist eingezogen. - -»Haben Sie denn wohl einen ruhigen Platz, wo ich einen Brief schreiben -könnte?« fragt er jetzt nochmals den Barkeeper, der eben im Begriff ist -die steile Treppe wieder hinunter zu klettern. - -»Unten im Zimmer, wo die Übrigen sind!« sagt dieser, »das ist der -einzige Platz im ganzen Haus.« In jenes Zimmer führt er jetzt seinen -Gast und zeigt ihm in der einen Ecke einen Tisch, an welchem eben ein -freundlicher Oldenburger emsig beschäftigt ist, zu dem morgenden Sonntag -seine Stiefeln zu wichsen. - -»Du mußt damit hinausgehen!« fährt er diesen an, »das gehört sich nicht -in der Stube! wir sind nicht mehr auf dem Schiffe!« Schweigend räumt der -also Abgefertigte seinen Platz ein und der Fremde sieht sich vergebens -nach irgend einem Gegenstand um, mit welchem er den staubigen Tisch -abwischen könne! - -»Warten Sie, ich will Ihnen etwas bringen,« sagt der Barkeeper und geht -in das Schenkzimmer zurück; unterdessen hat jener aber vollkommen Zeit -den Raum zu betrachten, in welchem er sich jetzt befindet. - -Es ist ein geräumiges Zimmer mit einem großen, gußeisernen Gestell in -der Mitte, das ein Mittelding zwischen Ofen und Kamin zu sein scheint, -denn es hat wohl die Gestalt des erstern, entspricht aber ganz dem Zweck -des letztern, da es die Hitze nicht erst durch Röhren, sondern gleich -durch die vorn im Rost sichtbaren Kohlen verbreitet. Um dieses haben -sich in allen möglichen Stellungen und Lagen die verschiedenen Gäste -des »Kaffeehauses zur Schlacht am Bunkers Hill« versammelt, und befinden -sich alle in einer sehr heitern Stimmung, lachen und erzählen und machen -einen Lärm, daß die Gläser auf dem zweiten Tische zittern. Einige, die -im Anfang gekommen sein mochten, hatten noch Stühle gefunden, die später -Eintreffenden schon mit zwei grünlackirten Holzbänken, denen ähnlich, -die in der Schenkstube standen, vorlieb nehmen müssen, und die letzten -konnten einzig und allein stehend an der Gesellschaft und zu gleicher -Zeit am Ofen Theil nehmen. Unser Gast war gezwungen, sich auf irgend -eine Art einen Stuhl zu verschaffen, und mit den Sitten solcher Häuser -schon ziemlich vertraut, blieb er einige Minuten am Feuer, bis einer -der Sitzenden aufstand, welchem er dann ohne weitere Umstände den kaum -verlassenen Stuhl entführte und an seinen Tisch trug. Diesen mußte -er übrigens, da der Barkeeper nicht wiederkehrte, mit seinem eigenen -Taschentuche abstäuben. - -Jetzt klingelt es plötzlich im nächsten Zimmer, und der lang ersehnte -Ruf »=supper, supper!=« (Abendessen) übertönt und erstickt bald den -frühern Lärm; alles strömt in das Speisezimmer und der Barkeeper trägt -den Davondrängenden die zurückgelassenen Stühle nach, da an der Table -d'hote noch einige fehlen. Eine lange Tafel steht dort gedeckt, -an welcher etwa 30 Personen Raum und die mit mehrern Fleischarten, -Kartoffeln, Eiern, Butter und Käse besetzt ist. Jeder Gast findet neben -seinem Teller eine eingeschenkte Tasse Thee, die er, wenn geleert, bloß -empor zu heben braucht, um sie augenblicklich wieder von einem jungen -Mädchen, das die Aufwartung besorgt, gefüllt zu bekommen; doch sieht es -der Wirth nicht gern, wenn das öfter als zweimal geschieht. - -Das Essen ist gut und schmackhaft zubereitet, und nach der Mahlzeit, -von der jeder, sobald er fertig ist, aufsteht, ohne sich weiter mit Wort -oder Blick um seinen Nebenmann zu bekümmern, versammeln sich die Gäste -wieder um den kaum verlassenen Ofen, an welchem jene jetzt die besten -Plätze einnehmen, die am schnellsten essen konnten. - -Die Gesellschaft ist übrigens keineswegs uninteressant, denn nicht -allein verschiedene Nationen, sondern auch verschiedene Stände treffen -sich hier, und die gebildetere Classe der Deutschen, als Advocaten, -Ärzte, Theologen, Kaufleute etc., die größtentheils wenigstens für den -Augenblick noch gezwungen waren, eine ihren frühern Beschäftigungen -gerade nicht entsprechende Arbeit zu übernehmen, um ehrlich und -ordentlich in der neuen Welt durchzukommen, findet sich bald zusammen -und verplaudert die langen Abende. - -Die Zeit des Schlafengehens naht aber jetzt, und hie und da schleichen -einzelne mit abgebrannten Lichtendchen in der Hand die Treppe hinauf, -denen die übrigen ebenfalls bald folgen und ermüdet das harte Lager -suchen, welches nur aus einer Seegras-Matratze und zwei oder drei -wollenenen Decken besteht. Die Lichter verlöschen nach und nach, und -sobald sich die einzelnen Paare und Bettgenossenschaften verständigt -haben, ob sie »doppelt-Adler« oder »löffel-artig« liegen wollen, -herrscht für wenige Minuten tiefes Schweigen, das aber bald einem von -allen Seiten hertönenden Schnarchen weicht, bei dem sich der daran nicht -Gewöhnte oft stundenlang unruhig auf seinem Lager umherwälzt. - -Es existiren übrigens auch mehrere amerikanische Boarding-Houses in -Cincinnati, wo der Gast für 5 Dollars per Woche eine reinlichere und -freundlichere Umgebung hat, das Unangenehme des Zusammenschlafens mit -Mehrern findet sich in den meisten. - - -Money-Brokers. - -Die Geldwechsler spielen in allen Städten Amerika's eine bedeutende -Rolle, denn wo solch' unzählige Banken und Tausende von verschiedenen -Banknoten und Münzsorten circuliren, ist es unbedingt nöthig, Leute -zu haben, welche nicht allein die ächten von den nachgemachten -unterscheiden können, sondern auch den Reisenden mit den für ihn -brauchbarsten Münzsorten oder Tresorscheinen versehen. - -Hunderte von Banken streuen jährlich ihre Noten unter die Bevölkerung -der Vereinigten Staaten aus; viele bestehen fort und lösen später das -ausgegebene Papiergeld wieder mit Silber ein, die meisten aber machen -bankerott oder thun wenigstens was gleichbedeutend ist: sie nehmen nicht -einmal mehr ihr eigenes Geld für den vollen Werth an, so daß es 20, 30, -ja bei dem Mississippi-, Arkansas-, Atchafalaya- und Texas-Geld schon -bis zu 70 und 80 Procent gefallen ist. Am schlimmsten stehen sich bei -diesem fortwährenden Schwanken des Geldcurses die armen Leute, die -Arbeiter und Tagelöhner, welche am Ende des Monats ihre paar Thaler in -irgend einem Papiergeld ausbezahlt bekommen, das, wie ihnen der Broker -sagt, »gut« ist -- und wofür sie auch ihre Bedürfnisse an Kleidern und -Schuhwerk kaufen können; morgen aber vielleicht schon heißt es -- »die -und die Bank hat ihre Zahlungen eingestellt.« Niemand nimmt die Noten -mehr zu dem vollen Werth, und der Mann, welcher sich schwer und hart für -die wenigen Dollars geplagt hat, verliert noch 15 bis 20 Procent daran, -während die Bank von ihren eigenen Noten, so viel sie bekommen kann, -schnell zu dem gefallenen Preis aufkauft und nach ein paar Monaten, -nach deren Verlauf sie sich wieder für zahlungsfähig erklärt, Tausende -verdient hat. - -Ein fürchterlicher Mißbrauch wird mit diesem Papierwesen getrieben, -und daneben existirt fast keine Bank, von der nicht Verfälschungen -circuliren, zu deren Entdeckung wöchentlich Broschüren ausgegeben -werden, welche die Namen der sogenannten »=counterfeits=« und den -Werth der verfälschten Noten angeben. Auch hier ist es wieder der Arme, -welcher durch diese den meisten Schaden leidet, da er die ächten selten -von den unächten zu unterscheiden vermag. - -Das wenige Silber und Gold hat übrigens durch die ganze Union denselben -Werth und dasselbe Gepräge, wenn auch hie und da andere Namen, nur -ist Cincinnati die westlichste Stadt, in welcher Kupfergeld circulirt -(Cente, hundert auf einen Dollar); schon in Louisville, 150 Meilen -westlich, kennt man als kleinste Münzsorte nur Picayunes oder =half -dimes= (6¼ und 5 Centstücke), die von dort an einen andern Werth -haben, und mit denen gegen die aus den östlichen Staaten ein bedeutender -Handel getrieben wird, indem die =half dimes= dort, selbst noch -theilweise in Cincinnati, nur 5 Cent gelten, und weiter den Ohio -hinunter und am ganzen Mississippi für 6¼ angenommen werden. - -Die Broker haben ihre kleinen, zierlich ausgeputzten Locale gewöhnlich -an Straßenecken, um recht in die Augen zu fallen, und suchen etwas -darin, durch in den Fenstern ausgelegte Packete Banknoten und kleine -Haufen von Goldstücken die Augen der Vorübergehenden auf sich zu ziehen. - - -Auctionen. - -In einem Lande, wo so viel und so großartig speculirt wird, wie in -Amerika, ist es eine sehr natürliche Folge, daß sich auch Tausende in -ihren Erwartungen und Hoffnungen betrogen finden, deren Eigenthum und -Waare dann den Weg in die zahlreichen, durch die ganze Stadt zerstreuten -Auctionslocale findet, und hier auf eine oft unglaubliche Art unter dem -Werth verschleudert wird. - -Eine kleine hellrothe Fahne, über der Thür aufgesteckt, zeigt am Tage -den Ort an, wo Abends mit dem Glockenschlag sieben der Ausverkauf -beginnen wird, und Kauflustige oder Neugierige treiben sich, einander -ablösend, fortwährend vor und in diesen Localen herum, um die am Abend -vorkommenden Waaren zu betrachten und zu prüfen; mit einbrechender -Dämmerung jedoch, wo die blutrothe Flagge übersehen werden könnte, -stellt sich irgend ein Mann oder Knabe, sehr häufig ein besonders hierzu -gemietheter Neger, mit einer Handglocke vor das Auctionslocal, und -läutet pausenlos auf eine ohrenzerreißende Art, um die Bevölkerung -von Cincinnati darauf aufmerksam zu machen, daß die Versteigerung bald -beginnen werde. Es sind wohl zwölf bis funfzehn verschiedene Auctionen -an jedem Abend, und hier kaufen besonders die umherziehenden Krämer -ihre Waaren ein, mit denen sie später die Farmer im Innern des Landes -beglücken. - -Der Auctionator steht auf einer von dem Platz, welchen die Käufer -einnehmen, getrennten hohen Bühne, die es ihm möglich macht, alle -zu sehen, wie von allen gesehen zu werden, und die zu versteigernden -Gegenstände werden ihm durch einen zweiten von innen hinausgereicht. Von -dem Mittelpunkt dieser Bühne aus läuft ein schmaler, langer Tisch -bis fast zur Thür hin, um auf diesem vorkommende Ausschnittwaaren -aufzurollen und den Kauflustigen besehen zu lassen. Die Waaren selbst -sind übrigens sehr gemischter Art -- Tuche und Steingut, Bijouterien -und Glaswaaren, Kattune und Bücher, eiserne Geräthschaften und Porzellan, -Schuhe und Hüte, Weine, Liqueure, eingemachte Früchte und Austern, alles -wird wild durcheinander feil geboten, wobei sich der Auctionator durch -eine fast fabelhafte Zungenfertigkeit auszeichnet, mit welcher er das -ausbietende und aufmunternde =going, going, going, going=, ruft, daß das -Ohr dem Klange kaum zu folgen vermag, bis ein entscheidendes »=gone!=« -den Bietenden entweder erschreckt oder erfreut. - -Allerdings hat man öfters die Gelegenheit auf diesen Auctionen Waaren -zu einem Spottpreis einzukaufen, im Ganzen ist es aber doch sehr -gefährlich, denn entweder wird der mit den Gebräuchen nicht Bekannte -angeführt, oder kauft, durch den anscheinend billigen Preis bestochen, -eine Masse von Sachen, die er mit gutem Gelde bezahlen muß und nachher -nicht gebrauchen kann. - - -Kleiderladen - -sind in Amerika, wo alles so zauberhaft schnell geht und die Menschen -sich fast stets unterwegs befinden, unentbehrlich -- wie hätte der -Amerikaner Zeit, sich einen Rock anmessen und nachher machen zu lassen. -Oft Hunderte von Meilen verreisend, nimmt er gewöhnlich als einziges -Gepäck ein kleines Felleisen mit, in welchem er ein Hemd und mehrere -reine Vorhemdchen und Kragen führt, das ist das einzige, was er -waschen läßt, alles übrige wird, sobald getragen oder zerrissen, -neu angeschafft. Kleiderläden, in denen man jedes zum Anzug Nöthige -antrifft, findet man daher auch in jeder Stadt und besonders gleich an -den Dampfboot-Landungen in großer Anzahl, die fast alle, sei es nun im -Norden oder Süden, New-York oder New-Orleans, St. Louis, Cincinnati, -Buffalo oder Charlestown, von deutschen Juden gehalten werden. Wie -die Yankees den fast alleinigen Uhrenhandel an sich gerissen haben, so -verhält es sich mit den Israeliten und Kleiderläden, in keiner Stadt -aber mehr als in Cincinnati, das gewissermaßen den Mittelpunkt bildet, -von welchem sie sich in die ganzen westlichen Staaten zerstreuen, um -als wandernde Krämer mit Tragekasten oder Lastpferd ihre Waaren -feilzubieten, oder auch in der Stadt selbst bleiben und am Werft wie in -den Hauptstraßen vor ihren Läden förmlich auf die Vorbeigehenden lauern. -Gnade Gott dem armen Teufel, der mit etwas schäbigen Kleidern und einem -sehnsüchtigen Blick auf die zur Schau ausgehängten Anzüge vorüber -geht, er ist unrettbar verloren; der Verkäufer, ein auf das Eleganteste -angezogener Jüngling, der nie deutsch spricht, außer da, wo er sieht, -daß der, mit dem er es zu thun hat, auch kein Wort englisch versteht, -stürzt auf ihn zu, faßt ihn um die Taille, und zieht ihn unter den -zärtlichsten Vorwürfen, daß »so ein hübscher Mensch solch abgerissenes -Zeug trage,« in den Laden; hat dieser dann noch hinlänglich baares Geld, -und sei es nur genug, um ein Taschentuch zu kaufen, bei sich, so kommt -er selten ohne irgend einen aufgedrungenen Artikel fort. - -Freilich laufen diese Ladenjünglinge auch manchmal der unrechten -Person in den Weg und ernten Grobheiten oder gar Ohrfeigen für ihre -Zudringlichkeit; was thut's aber, sie leiden ja für die heilige Sache, -und der nächste Vorüberwandernde entgeht darum seinem Schicksal doch -nicht. - -Durch die in den Zuchthäusern gefertigten Schuhe und Kleidungsstücke, -wie durch den geringen, wahrhaft grausamen Preis, welchen arme -Nähmädchen für eine Tagesarbeit bekommen, sind Kleidungsstücke, was -nicht Seide oder Tuch ist, erstaunlich billig geworden, so daß man jetzt -selbst in New-Orleans ein baumwollenes Hemd mit leinenem Vorhemd und -Kragen für Einen Dollar kauft, ebenso recht gut aussehende Schuhe -und Beinkleider, Jacken und Westen für Einen Dollar das Stück. Wie -nachlässig übrigens diese Sachen gefertigt sind, kann man sich denken; -es soll aber alles schnell gehen, die Dauer und Solidität der Arbeit -kommt nicht in Betracht. So z. B. kündigte eine Wäscherin (Mulattin) vor -mehreren Jahren in Cincinnati, in Mainstreet, durch ihr Aushängeschild -an, daß sie jedes ihr anvertraute Kleidungsstück »in _einer_ Stunde -wasche und trockne;« auf welche Art der Stoff dabei behandelt wurde, -läßt sich denken. - - - - -Der wunderbare Traum. - - -Im Staat Pensylvanien, dicht am nordwestlichen Fuß der Alleghanies, -liegt oder lag vielmehr das kleine Städtchen Seneka, das damals, als man -es gründete, von Ansiedlern fast überschwemmt ward; denn jeder Einzelne -hoffte goldene Berge in dem neu entdeckten Eldorado zu finden und -Seneka bald als den Brennpunkt des Staates zu sehen, nach dem sich aller -Verkehr, wie die Blumen zur Sonne, hinwenden müsse. - -Jetzt sind freilich diese schönen Träume größtentheils in ihr -ursprüngliches Element _Luft_ zurückverschwommen, und ein allein -und einsam stehendes Farmhaus kündet die Wohnung des »_Letzten der -Senekaner_,« der hier, allen früheren Plänen und Hoffnungen von -gepflasterten Straßen und Gaßbeleuchtung entsagend, gar ehrsam Ackerbau -und Viehzucht treibt. - -Noch vor zwölf Jahren aber, und in derselben Zeit, von der ich hier -erzählen will, befand sich Alles in seiner Blüthe; mehre Wirthshäuser -waren angelegt, ein Gerichtshaus und ein Gefängniß standen fertig -aufgerichtet und wurden auch schon benutzt, denn es fehlte nur noch das -Dach zu beiden, mehre kleine Stores oder Läden waren etablirt, in denen -der fleißige Städter Whiskey beim Quart und Kaffee, Zucker und Kattun, -wie Schuh und Stiefel, Ackergeräth, Kochgeschirr etc. etc. etc., -kaufen konnte, und zwei Schul- und Kirchengebäude, das eine den -Presbyterianern, das andere den Baptisten gehörig, standen zum frommen -Dienst bereit und wurden von der gottesfürchtigen Gemeinde gar häufig -benutzt. - -Wie es nun aber stets bei so neuerrichteten und gegründeten Städtchen -geht, so sammelte sich auch dort ein buntes Gemisch von allerlei oft -recht wunderlichen Leuten, und wo viel gute und ordentliche Menschen -sind, da bleibt es fast nie aus, daß sich auch ein parr rauhe, wilde -und nichtsnutzige Gesellen mit einschwärzen, die dann so lange mit der -übrigen Bevölkerung auf einem Fuß stehen und mit ihr gleiche Achtung -und gleiche Rechte genießen, bis sie entweder selbst sehen, daß die Zeit -naht, wo sich jeder brave Mann von ihnen fern hält und sie ihr -Wesen nicht länger treiben können, oder die Gemeinde auch fest und -entschlossen auftritt und sie ausstößt. - -Ein solcher Bursche, zu allem Schlechten fähig und zu nichts Gutem zu -gebrauchen, war ein junger Kentuckier, Hills, der sich eine Zeitlang -auf dem Monongahelafluß als Flatbootmann herumgetrieben hatte, und nun -einmal versuchen wollte, ob er's nicht schneller und bequemer »in der -Stadt« zu etwas bringen könne. - -Er lebte oder »boardete« wie man dort sagt, im Hause eines Irländers, -eines braven fleißigen Mannes, der mit seiner jungen Frau erst kürzlich -aus dem alten Vaterlande herüber gekommen, und von einem der sogenannten -Landhaye in New-York auch gleich beredet worden war, sich hier in -Seneka, der künftigen Königin aller westlichen Städte anzukaufen und -niederzulassen. Hills aber, der an nichts Heiliges, weder im Himmel noch -auf Erden glaubte, fand Gefallen an der jungen Irländerin und suchte -sich ihr, wenn ihr fleißiger Mann sein kleines Grundstück bearbeitete, -zu nähern und sie sich geneigt zu machen. Diese aber wies ihn ernst und -strenge zurück und drohte endlich, als Alles das nichts half, ihren -Mann von dem nichtswürdigen Betragen seines Hausgenossen in Kenntniß zu -setzen. - -Eine Zeit lang schüchterte das den Kentuckier ein, denn der Irländer -war ein kräftiger Gesell und verstand sicherlich, was seine Hausrechte -betraf, keinen Spaß; eines Abends aber, als er der jungen Frau im Walde -begegnete, die gerade eine kranke, nicht sehr entfernt wohnende Freundin -besucht hatte, und nun zu Hause zurückkehren wollte, schloß er sich ihr -an und wurde nach wenigen miteinander gewechselten Worten so frech und -zudringlich, daß sie ihm mit lauter Stimme drohte, um Hülfe zu rufen, -wenn er sich nicht gleich entferne, als plötzlich mit zorngerötheten -Wangen und finster zusammengezogenen Braunen ihr Mann aus den -benachbarten Büschen sprang und im nächsten Augenblick neben dem -erbleichenden Kentuckier stand. - -Was an jenem Abend weiter vorgefallen hat nie ein Mensch erfahren, -am nächsten Morgen aber fand man, durch Blut in der Straße aufmerksam -gemacht, den Kentuckier mit zerschmettertem Schädel im Gebüsch liegen. -Er schien schon mehrere Stunden todt, und jede Hülfe kam zu spät. Noch -an demselben Abend wurde er begraben. - -Wüthend durchtobten aber indessen die Freunde des Ermordeten die kleine -Ansiedlung und forschten nach dem Mörder; ja selbst der stillere Theil -der Bevölkerung, die Baptisten und Presbyterianer, waren entrüstet, daß -in ihrer ruhigen und frommen Gemeinde so etwas vorgefallen war. Durch -einen kleinen Knaben ward endlich der Verdacht auf den Irländer gelenkt, -denn dieser hatte ihn noch spät Abends mit seiner Frau zu Hause kommen -gesehen, und zwar gerade aus jenem Weg, neben welchem die Leiche lag -und der kleine Bursche behauptete dabei steif und fest, der Irländer sei -blutig im Gesicht gewesen. - -Man forschte jetzt genauer nach, durchsuchte das Haus und fand -- -sorgfältig hinter einer großen Kiste versteckt, eine baumwollene Jacke, -an welcher noch frische Blutflecken nicht zu verkennen waren. Zwar -behauptete Mac Ferson (der Name des Iren), einen Hirsch erst an dem -Nachmittag erlegt und den Kentuckier wohl gesehen, aber keinen Streit -mit ihm gehabt zu haben; in seinem ganzen Wesen ließ sich aber dabei -eine gewisse Verlegenheit nicht verkennen, und weder seine Betheuerungen -»er sei unschuldig,« noch die Bitten seiner Frau halfen ihm etwas; er -wurde gebunden und in das Gefängniß -- ebenfalls ein aus starken Stämmen -errichtetes Blockhaus -- abgeführt. - -Dort blieb er den Tag seinen einsamen Betrachtungen überlassen, und -wurde am nächsten Morgen, da gerade Gerichtstag im Städtchen war, vor -seine Richter, vor die Geschworenen gestellt. Hier aber schien leider -Zeugniß auf Zeugniß _gegen_ den armen Teufel auftauchen zu wollen, denn -außer dem blutigen Kleidungsstück hatte man noch ganz nahe bei seiner -Wohnung einen ebenfalls mit Blut befleckten schweren Knittel gefunden, -und mehrere Einwohner sagten dabei aus, Mac Ferson habe sich mehre Male -gegen sie geäußert, er glaube, seine Frau gefalle dem Kentuckier, und er -wolle sich nur erst Beweise verschaffen, ehe er ihn fühlen lasse, was -es heiße, den Rechten eines Irländers zu nahe zu treten. Mac Ferson -leugnete dies auch nicht, blieb aber bei seiner Behauptung, an dem -Nachmittag keinen Streit mit dem Kentuckier gehabt, ja kein einziges -Wort mit ihm gewechselt zu haben und betheuerte nur in einem fort seine -Unschuld. - -Der Staatsanwalt versuchte jetzt ihn durch Kreuzfragen zu verwirren, Mac -Ferson war aber nicht der Mann, der sich, wenn wirklich schuldig, durch -einen Advokaten außer Fassung bringen ließ -- er blieb dabei, das an der -Jacke gefundene Blut sei von einem Hirsch, und man sah sich gezwungen, -ihn aufzufordern, die Männer zu der Stelle hinzuführen, wo er den Hirsch -geschossen habe. Der Ire war auch gern bereit dazu, aber erst seit -kurzer Zeit in Amerika, behauptete er mit dem Wandern im Walde nicht -recht vertraut zu sein, indem er nie genau wisse, nach welcher Richtung -er sich wenden solle, sobald er einmal mitten zwischen den Bäumen sei, -den Ort also auch nicht wiederfinden könne, wo er das Wild erlegt und -aufgebrochen hätte. Er bat daher die Richter nur, in dieser Gegend herum -mehrere Männer zu postiren, die dann bald aus dem Flug der Aasgeier -erkennen könnten, nach welcher Richtung zu die im Walde zurückgelassene -Beute läge. - -Er war dabei so ernst und ruhig, blieb sich in allen seinen Antworten so -gleich, und widersprach sich nicht ein einziges Mal, so daß die Männer, -die sein Urtheil sprechen sollten, wirklich anfingen, trotz allen -vorliegenden und fast unumstoßbaren Beweisen, an seine so fest -betheuerte Unschuld zu glauben und den Bitten des Gefangenen -willfahrten. Vergebens aber blieb ihr Suchen; alle Bussards und Adler -schienen die Gegend verlassen zu haben, und erst am dritten Tag, als -man auch noch ein kleines Scalpiermesser bei ihm gefunden hatte, was der -Ermordete an demselben Abend, wo er erschlagen worden, in dem nächsten -kleinen Laden aus der Scheide gezogen, um Brod damit abzuschneiden, -glaubte man hinlängliche Beweise (=circumstantial proofs=) zu besitzen, -ihn auch ohne sein Eingeständniß zum _Tode durch den Strang_ zu -verurtheilen. - -Er lauschte dem Spruch ruhig und ohne eine Miene zu verziehen, nur nahm -sein Gesicht eine fast noch bleichere, leichenähnlichere Farbe an und er -sagte dann, sich mit leiser aber doch deutlich klingender Stimme an die -Geschworenen wendend, »daß er sie nicht tadeln könne, sie haben ihre -Schuldigkeit gethan, Alles scheine gegen ihn zu sprechen und die -Menschen müßten ihn wohl für schuldig halten, Gott aber wisse, wie -er schuldlos sei, und wenn es mit seinen weisen Rathschlüssen -übereinstimme, so werde er ihn auch wohl noch zu retten und seine -Unschuld dazuthun wissen.« - -So rückte der letzte Abend heran, und seine Frau, der man den Zutrit -zu ihm natürlich gestattete, blieb mehrere Stunden in der engen Zelle, -hielt sich aber sehr gefaßt und ruhig und sprach ihm sogar Muth ein -- -Gott werde ihn schon nicht in dem fremden Lande verlassen -- er solle -nur auf ihn bauen. Mac Ferson verlangte dann nach dem Priester; es war -aber in der ganzen Ansiedelung kein katholischer Geistlicher, und der -Ire bat dann, ihm einen Prediger der Baptisten zu senden, da er sich -nach dem Trost der Religion sehne, wenn dieser auch aus einem nicht -katholischen Munde käme. - -Das freute die Baptisten ungemein und machte ihm ihre Herzen sehr -geneigt. Der Prediger der kleinen Schaar, ein kleiner hagerer Mann, mit -einem etwas abgetragenen blauwollenen Frack, sehr eingefallenen Wangen -und etwas stieren gläsernen Augen, auf der scharfgebogenen Nase eine -gewaltige Brille, säumte denn auch nicht lange, und versicherte ihm -nach kurzer Unterredung, daß er, sei er nun des angeklagten Verbrechens -schuldig oder nicht, in wenigen Stunden am Throne des Höchsten -Verzeihung für seine Sünden und Gnade in den Augen des Allerbarmers -finden würde. - -Mac Ferson betete wohl bis zwölf Uhr in dieser Nacht mit dem frommen -Manne, beichtete ihm alle seine Sünden, gestand auch, wie er schon, -seit er das freie Land Amerika betreten, gewünscht habe dem katholischen -Glauben zu entsagen und sich den Baptisten anzuschließen, deren einfache -Formen ihm stets am meisten zugesagt, und bewies sich so zerknirscht, so -weich und religiös, daß der Prediger diesen Augenblick nicht ungenützt -vorüber lassen zu dürfen glaubte, und dem Verurtheilten noch einmal -dringend an's Herz legte, das letztverübte Verbrechen zu gestehen, damit -er vor Gott Nichts habe, was noch einen schwarzen Schatten auf seine -Seele werfen könne. Hier blieb der Unglückliche aber verstockt und -behauptete nur, der liebe Gott wollte ihn durch diesen unverschuldeten -Tod für all' seine früheren Sünden und Laster strafen, an dem -vergossenen Blute sei er jedoch unschuldig und der Kentuckier müsse von -einem Anderen erschlagen sein. - -»Ich habe einen Verdacht,« sagte er dann wie überlegend nach kurzer -Pause, »aber er ist zu weit hergeholt, zu unwahrscheinlich, als daß -ich es gewagt hätte, ihn vor den Geschworenen zu äußern; es würde meine -Sache vielleicht noch verschlimmert haben.« - -»Aber _mir_ könnt Ihr ihn entdecken, armer Mann,« sagte der Prediger -- -»meinem Herzen könnt Ihr ihn vertrauen; wer weiß, ob nicht vielleicht -dadurch noch Rettung für Euch möglich ist.« - -»Ach nein, ehrwürdiger Herr,« erwiederte der Ire -- »der Verdacht ist -zu wild, zu oberflächlich, doch _Ihr_ sollt ihn hören. Erst vorgestern -äußerte der Kentuckier -- wie auch allenfalls meine Frau bezeugen -könnte, denn wir saßen zusammen am Tisch -- daß er glaube einen Menschen -hier in der Gegend gesehen zu haben, der seinen Wohnort umschliche, und -dessen Anwesenheit er eigentlich fürchten solle, da er ihn früher einmal -tödtlich beleidigt habe. Damals achteten wir nicht sonderlich auf die -Worte, jetzt aber, da der Unglückliche erschlagen ist, kann ich kaum -umhin zu glauben, daß jener Fremde die That verübt hat.« - -»Aber weshalb erwähntet Ihr diesen so wichtigen Umstand nicht bei Euerem -ersten Verhör?« rief der Prediger aus. »Man hätte in der benachbarten -Gegend nachforschen und den Mörder, wenn es wirklich jener Fremde war, -vielleicht auffinden können.« - -»Ich wußte nicht gewiß, ob Jener der Thäter sei,« sagte der Ire mit -frommen zum Himmel gerichteten Blicken, »und wollte keinen Unschuldigen -in's Verderben bringen.« - -So lange blieben die beiden Männer nun noch im Gespräch und Gebet -zusammen, bis der Diener des Herrn fast wirklich von der Unschuld des -armen Irländers überzeugt war; das einmal gesprochene Urtheil ließ sich -aber einer solchen oberflächlichen Vermuthung nach nicht abändern, und -die Stunde rückte heran, in welcher der zum Tode Verdammte die Strafe -für ein Verbrechen erleiden sollte, das er, wie jetzt ein großer Theil -der Bewohner von Seneka zu glauben anfing, gar nicht begangen. Der -Baptist hatte nämlich seiner ganzen Gemeinde am nächsten Morgen das -in der Nacht erhaltene Geständniß des armen Iren mitgetheilt, wobei -er nicht zu erwähnen vergaß, mit welch frommem Herzen er sich ihrer -Religion zugeneigt und dem Papstthum entsagt habe, und wer weiß, ob -nicht schon aus diesem Grunde eine Art Gnadenakt zu seinen Gunsten -ausgeübt wäre, hätten sich die Presbyterianer dabei nicht in's Mittel -geschlagen, die schon das mit neidischen Augen betrachtet hatten, daß -der Katholik die Religion der Baptisten der ihren vorgezogen. - -Der Baptistenprediger suchte etwa zwei Stunden vor der Execution den -Verurtheilten wieder auf und frug ihn, ob er vielleicht noch wünsche, -seine Frau vor seinem Tode zum letzten Mal zu sehen; Mac Ferson -verneinte das aber, indem er sagte, er habe schon Abschied von ihr -genommen, und wolle sich das Sterben nicht durch eine zweite solche -Scene erschweren. Sein ganzes Benehmen war aber an diesem Morgen so -sonderbar, so eigenthümlich, daß es nicht umhin konnte, dem frommen -Manne aufzufallen, der dann natürlich gar eifrig in ihn drang, ihm das -zu entdecken, was seine Seele noch belaste, damit er rein und sündenfrei -vor den Thron des Höchsten treten könne. Der Baptist glaubte nicht -anders, als Mac Ferson fange an, durch die Nähe seiner letzten Stunde -geängstigt, sein bisheriges verstocktes Leugnen zu bereuen, und wolle -nun bekennen, daß er das Verbrechen doch begangen habe. - -Mac Fersons ganzes Benehmen schien ihn auch darin zu bestärken, denn -erst war er unruhig, ging mit etwas verstörten Blicken in dem engen -Raume auf und ab, und beantwortete fast alle an ihn gerichteten Fragen -zerstreut und wie mit ganz andern Dingen beschäftigt. Der Mann Gottes -bat ihn zwar mehrere Male, seine Blicke nun der Ewigkeit zuzuwenden, an -deren Pforten er in wenigen Minuten stehen würde; der Ire schien jedoch -das Alles nicht zu beachten, preßte aber oft die Hände gegen die Stirn, -als ob ihn ein wilder Traum schrecke oder irgend ein, vor seiner Seele -ansteigendes Bild ängstige, bis endlich die Stunde schlug, die zu seiner -Hinrichtung bestimmt war, und erst als er den nahenden Sheriff hörte, da -warf er sich auf die Kniee nieder, betete mit leiser flüsternder Stimme -ein kurzes Gebet, und gestand nun dem Prediger, er habe einen Traum -gehabt, von dem er nicht wisse, ob er ihm von Gott, oder von dem -Erzfeind, dem Teufel, gesandt sei. - -Der Prediger drang jetzt in ihn, ihm den Traum mitzutheilen, der -Gefangene wies aber auf den eben eintretenden Sheriff, der mit zwei -Constablen in der Thür erschien, und flüsterte leise: - -»Es ist zu spät!« - -»Nein Mann -- nein -- es ist _nicht_ zu spät,« rief der fromme -Geistliche entsetzt, »das wolle Gott verhüten, daß Ihr in Euerem letzten -Augenblick daran verhindert werden solltet mir mitzutheilen, was Euere -Seele peinigt -- nein -- der Sheriff ist ein braver Christ und wird -sicherlich nicht solche Verantwortung vor Gott auf sich nehmen wollen.« - -Dieser versicherte auch dem Geistlichen augenblicklich, daß er gern -bereit sei, noch eine Viertelstunde zu warten, die Zuschauer wären -aber versammelt, und länger dürfe er den Ausspruch des Gesetzes nicht -verzögern. Er zog sich dann nebst seinen Begleitern zurück und mehre -Sekunden sah ihm Mac Ferson sinnend und ernst nach; dann aber wandte er -sich an den frommen Mann und sagte mit fester, ruhiger Stimme: - -»Ich sehe, ich darf nicht länger zögern; der Augenblick, der mich mit -meinem Gott vereinen soll, ist gekommen. Vorher, ehrwürdiger Herr, -erfahren Sie aber noch einen Traum, den ich in letzter Nacht geträumt -und der mir in diesem Moment fast mehr als Traum scheint -- ich habe den -Mörder des Kentuckiers gesehen!« - -»Großer Gott -- wär' es möglich!« rief der Prediger, überrascht von -seinem Stuhle aufspringend, »hätte Euch Gott in seiner unendlichen Güte -den wahren Mörder gezeigt und wäret Ihr wirklich unschuldig? Wer war -es?« - -»Ich kenne ihn nicht.« - -»Keiner aus dieser Stadt?« - -»Nein!« - -»Und Ihr habt ihn früher nie gesehen?« - -»Nie!« - -»Aber was, um des Heilandes willen, soll Euch das nützen? wer wird Euch -glauben? wie wollt Ihr den Mann zur Stelle schaffen?« - -»Ich kenne seinen Aufenthalt« -- - -»Ihr? aber woher?« - -»Ich sah ihn im Traum -- doch hört mich und sagt mir nachher, was ich -thun, ob ich schweigen oder dem Volk den Traum bekannt machen soll. -Mir war, als ob ich langsam, mit meiner Axt auf der Schulter, durch -den Wald, und zwar auf demselben Fahrweg, auf dem der Mord geschehen, -hinschlenderte, als ich plötzlich um eine Ecke bog, die hier durch -dichtes Gestrüpp und einige umgestürzte Fichten gebildet wurde. Was ich -dort wollte, weiß ich nicht mehr, denn ich bin nie so weit mit der Axt -in dem Walde gewesen, aber mir war wunderbar leicht zu Muthe und ich -hätte von der Erde auffliegen und über die Baumwipfel dahinstreichen -mögen. Es kommt Einem ja manchmal im Traum ein ähnliches Gefühl. Da, wie -gesagt, bog ich um jenes Dickicht herum und sah ein Schauspiel vor mir, -das mir das Blut in den Adern zu Eis erstarren machte. Mitten im -Fahrweg lag die große, kräftige Gestalt des Kentuckiers, und über -sie hingebeugt, eben wieder zu erneutem Schlage ausholend, stand ein -schlanker, schmächtig gebauter Mann, mit rabenschwarzem Haar, einer -breiten Binde um das linke Auge, die sein halbes Gesicht verdeckte, und -einem gelben, breiträndigen Strohhut auf dem Kopfe. Er trug ebenfalls -einen hellen Rock, und wenn ich nicht irre, blaue Beinkleider und -Schuhe.« - -»Sie erstaunen vielleicht, daß ich das Alles so deutlich und genau -behalten konnte, aber als ich den Mörder gewahr wurde, stand er, wie aus -Stein gehauen, mit der gehobenen Waffe über seinem Opfer, und mehrere -Minuten lang verharrten wir Beide so, starr und regungslos, wie die uns -umgebenden Riesenstämme des Waldes.« - -»Da fand _ich_ zuerst Leben und Bewegung wieder und stieß einen lauten, -durchdringenden Hülferuf aus, denn jetzt durchzuckte mich wie mit -Blitzesschnelle der Gedanke: _dort_ steht der wirkliche Mörder und -_Dich_ wird man dafür bestrafen, wenn _Du_ ihn nicht ergreifst und -festhältst. In demselben Augenblick aber begann auch der finstere Fremde -sich zu regen; der schwere, keulenartige Stock fiel noch einmal mit -dumpfem Schall auf den schon zerschmetterten Schädel des unglücklichen -jungen Mannes nieder, und eilenden Laufes entfloh dann der feige Mörder -in das Dickicht. Mir aber ward es in diesem Augenblicke klar. »_Er oder -Du!_« rief ich mir zu, und mit einer Schnelle, die ich damals selber -nicht begreifen konnte, folgte ich dem Flüchtling in das wildeste -Dickicht der Niederung.« - -»Wohl erinnere ich mich, wie ich dabei über meine eigene Kenntniß der -Waldpfade erstaunte, ich, der ich sonst kaum zwanzig Schritte weit den -gebahnten Weg zu verlassen wagen durfte, aus Furcht, mich zu verirren. -So folgte ich dem Mörder, dessen leichte Gestalt immer in gleicher -Entfernung vor mir blieb, den ich aber nicht zu erreichen vermochte, bis -es mir endlich vorkam, als ob ich ihm, zwar langsam, aber doch sicher, -näher und näher rücke.« - -»Eine Stunde waren wir auf diese Art, wie mir träumte, gerannt, als wir -eine Gegend erreichten, die mir bekannt schien, und ich sah bald, daß -wir in einem weiten Bogen Seneka umlaufen hatten. Wir befanden uns nicht -weit von der großen Straße nach Pittsburg, gerade da, wo die beiden -tiefen Höhlen in den Berg hineingehen, und der Verfolgte mußte wohl in -einer derselben Schutz suchen wollen, denn ich war ihm jetzt dicht auf -den Fersen und hatte schon die Axt erhoben, um ihn vielleicht zu treffen -und nieder zu werfen -- -- als Sie, ehrwürdiger Herr, an die Thüre -klopften. Ich fuhr erschreckt empor und -- erwachte. Der Traum war -verschwunden und anstatt frei im Walde, auf der Spur des wirklichen -Thäters, fand ich mich wieder gebunden und eingekerkert, wie ein zur -Schlachtbank bereit gehaltenes Opferthier.« - -Mac Ferson warf sich stöhnend auf sein Lager zurück und der Prediger -stand tief erschüttert neben dem Unglücklichen, den er nicht einmal zu -trösten vermochte. Da mahnte ihn das wiederholte Klopfen des Sheriffs an -die ihres Opfers harrende Gerechtigkeit und er schritt schnell zur Thür, -diese zu öffnen. Rasch hatte er aber auch seinen Entschluß gefaßt, und -dem eintretenden Beamten den Gefangenen überlassend, rief er diesem nur -mit wenigen Worten zu, noch nicht zu verzagen, der alte Gott lebe noch, -und eilte dann flüchtigen Schrittes dem Executionsplatz zu, wo schon die -ungeduldig harrende Menge an zu murren, ja an zu toben fing, daß man die -versprochene Hinrichtung so lange -- verschiebe. -- Dieselben Männer, -die noch nicht einmal recht von der Schuld des Verurtheilten überzeugt -waren, murrten, daß sie eine Viertelstunde länger seinen _Tod_ erwarten -sollten. - -Da kam schnellen Schrittes der Prediger herbei -- er bestieg das -Schaffot, mit kurzgefaßten aber klaren und zum Herzen dringenden Worten -rief er von dem todmahnenden Gerüst seine Überzeugung herab, daß der -Angeschuldigte das Verbrechen _nicht_ begangen, Gott selbst aber ihm -durch einen wunderbaren Traum den Mann gezeigt, ja offenbaret habe, der -schuldig und zum Tode reif sei. - -Mit wenigen Worten erzählte er nun den ganzen Traum Mac Fersons, und -wenn auch zwei gerade anwesende presbyterianische Geistliche sehr -mitleidig darüber mit den Köpfen schüttelten, so war doch das Volk -selbst nur zu gern bereit, einer so geheimnißvollen Enthüllung eines -Verbrechens Glauben zu schenken und mit Jubelruf wurde der jetzt -herbeigeführte Gefangene empfangen. Zwar hielten die Constabel die Masse -zurück und ließen sich den ihnen Überlieferten nicht entreißen, aber dem -ganzen Andrang der Menge konnten sie nicht widerstehen. Alles tobte und -schrie: - -»Nach den Höhlen! -- nach dem Schlupfwinkel des Mörders! Gott selber -hat seinen Versteck dem rächenden Arme des Gerichts verrathen! nach den -Höhlen -- fort nach den Höhlen!« - -Und den Gefangenen in der Mitte, von dem Baptistenprediger angeführt, -wogte die Menge dem etwa drei Meilen entfernten Gebirgszweig zu, an -dessen Fuß sich jene, in der Ansiedlung genugsam bekannten Höhlen -befanden, in die, wie der Traum gesagt, der Verbrecher geflohen war. Die -breitausgehauene Countystraße führte auch in kaum fünfhundert Schritten -daran vorüber und auf dieser hin wälzte sich der Zug in unaufhaltsamer -Eile. Dort aber angelangt, wo die Männer die befahrene Straße -verlassen und die pfadlose Wildniß betreten mußten, hielt sie ein alter -Backwoodsman, ein Freund des erschlagenen Kentuckiers, auf und erklärte, -daß sie, wenn sie auf solche Art noch weiter vorrückten, den Flüchtling -im Leben nicht einholen würden, der ja schon eine halbe Stunde vor ihrer -Ankunft den Lärm hören mußte, den sie machten, und dann natürlich nicht -warten werde, bis sie herankämen und ihn einfingen. Er schlage daher -vor, daß man sechs oder acht Jäger voranschicke, die sich anschleichen -und das Terrain vorher recognosciren sollten; bemerkten diese dann vor -den Höhlen und in der Nachbarschaft derselben nichts Verdächtiges, dann -war es ja noch Zeit, die ganze Masse herbeizurufen. - -»Haben wir nachher den Raum umzingelt,« fuhr der rauhe Backwoodsman -in seiner Rede fort, »so kann uns nichts Lebendes, was in den Höhlen -steckt, entgehen, denn die mitgebrachten Fackeln werden Licht genug -geben; und finden wir ein solches Subject, wie unser Gefangener hier im -Traum gesehen haben will, nun gut, so mag der seine Stelle einnehmen, -denn wenn er ein gutes Gewissen hätte, triebe er sich nicht in den -Schluchten und Felsecken herum. Finden wir aber _Nichts_, wie es mir -fast am wahrscheinlichsten vorkommt, so schlag' ich vor, daß wir dann -mit dem Wunder sehenden Mosje keine weiteren Umstände machen, sondern -ihn an die erste beste Eiche aufhängen, denn umsonst soll er uns doch, -beim Teufel, nicht in den April geschickt haben.« - -Dieser Plan schien allgemein anzusprechen, schnell und geräuschlos -wurden die Männer ausgewählt, die den Grund und Boden vorher -recognosciren sollten, und der Sprecher, zum Führer ernannt, ordnete -systematisch, wie bei einer Treibjagd, den Plan zum Vordringen. - -Nach einigen, mit dem Gefangenen gewechselten Worten, hielt aber der -Baptist die eben aufbrechenden Männer noch zurück, und schärfte ihnen -besonders ein, den, den sie da treffen würden, lebendig einzufangen, -da sie sich ja sonst gar nicht von der Unschuld des Verurtheilten -überzeugen könnten; das sahen denn die einfachen Hinterwäldler auch -recht gut ein und versprachen, ihr Blei zurückzuhalten, so lange es -ginge. »Will er aber =in spite= auskratzen,« rief Einer, indem er seine -Büchse schulterte, »nun dann will ich von Grashüpfern zu Tode getreten -werden, wenn ich ihm nicht eins mit meiner langen Betsy auf den Pelz -brenne; fort kommt er nicht, wenn er Knochen genug zeigt, um darnach -zielen zu können.« - -Im nächsten Augenblick waren die Männer im Walde verschwunden und Mac -Ferson warf sich auf die Kniee nieder, preßte das Angesicht gegen die -Wurzel einer alten hochstämmigen Eiche und betete inbrünstig. Sein -Antlitz hatte eine wirklich unheimliche Leichenfarbe angenommen und -seine blutunterlaufenen Augen starrten, ehe er sich zum Gebet niederbog, -wild von einem der Zurückbleibenden zum andern. - -Doch wir wollen indessen den Kundschaftern folgen, die, ihre Büchsen -vorher untersuchend und die Messer in den Scheiden lockernd, langsam -vorrückten, um sich nicht vor der Zeit zu verrathen. Leslie, der Führer -der Schaar, gab endlich, an einer kleinen Waldblöße angelangt, das -Zeichen zum Halten, um seine Leute zu vertheilen, und versammelte diese -nun leise um sich, während er, erst nach allen Seiten einen scheuen -Blick hinüber werfend, flüsternd sagte: - -»Hört, Ihr Burschen, mir wird's ganz unheimlich und schauerlich zu -Muthe. -- Hol' mich Dieser und Jener, 's ist doch curios, einem Menschen -nachzujagen, den ein anderer im Traum gesehen hat -- es wird Einem ganz -grauslich dabei.« - -»Der Prediger hat aber doch auch gesagt, daß wir gehen sollten,« -bemerkte ein Anderer. - -»O der Prediger mag zu -- Grase gehn!« rief Leslie, »deshalb thu' -ich's beim Teufel nicht -- ich will nur sehen, ob so ein Schuft noch -da herumkriecht, der heimtückischer Weise einen Mann wie Hills zu -erschlagen gewagt. -- Oder ich will mich wenigstens selber überzeugen, -daß _Keiner_ da ist,« fuhr er, ärgerlich mit dem Fuße stampfend, fort, -»denn -- Tod und gelbes Fieber -- verdammt will ich sein, wenn ich ein -Wort von dem ganzen Unsinn glaube.« - -Der alte ehrliche Backwoodsman suchte durch halbunterdrücktes Fluchen -das unheimliche Gefühl zu ertödten, das sich ihm unwillkürlich aufdrang; -er selbst aber zweifelte keinen Augenblick, daß hier irgend ein böser -Geist, vielleicht gar der Teufel, sein Spiel treibe, und begriff nur -nicht recht, was die Prediger dabei zu thun hätten. - -So beschränkt aber auch seine Ideen in geistiger Hinsicht sein mochten, -so ganz war er am Platz, wo es galt, einen Feind zu beschleichen oder -irgend einen vermutheten Lagerplatz, wie es hier der Fall war, zu -umzingeln. Schnell und umsichtig traf er seine Maßregeln. Er kannte auch -das Terrain genau und wußte, nach welcher Richtung hin ein Mensch, der -sich hier wirklich verborgen halten wolle, entfliehen könne, sobald er -Gefahr ahne, und nur Einen deshalb auf einem Umwege dem steilen Bergkamm -zusendend, in dessen Fuß die Höhlen hineinliefen, postirte er die -Übrigen in einen weiten Halbkreis und gab, durch täuschend nachgemachten -Eulenruf, das Zeichen zum gemeinschaftlichen Vorrücken. - -Er selbst aber glitt, von einem jungen Hinterwäldler allein gefolgt, auf -einem schmalen Fußpfade, der gerade zu den Höhlen hinführte, weiter, -und eine kleine Anhöhe übersteigend, sah er plötzlich Rauch von dorther -durch die hohen Kiefernwipfel emporwirbeln. - -Ein zweiter Eulenruf fesselte Jeden an die Stelle, auf der er sich -befand, und Leslie kroch nun auf beiden Knieen und auf den linken -Ellbogen gestützt, während er die treue Büchse mit der Rechten fest auf -der rechten Schulter hielt, jenem Orte zu, von woher der Rauch zu kommen -schien. - -Der Wald bestand hier größtenteils aus Nadelholz, mit sehr wenig -Unterholz vermischt, der Boden war deshalb auch fast einzig und -allein mit Fichtennadeln bedeckt, und geräuschlos -- hier und da die -niedergebrochenen, trockenen kleinen Äste und Zweige vermeidend, um sich -nicht durch das Knacken derselben zu verrathen -- schlich der geübte -Jäger dem Eingang der ersten Höhle näher und immer näher. Gerade auf dem -Kamm der ziemlich flachen Anhöhe lag jedoch eine umgestürzte Fichte, mit -der Wurzel der verdächtigen Stelle zu, und sich vorsichtig um den Wipfel -herumbiegend, glitt er am Stamme hin und befand sich nun hinter dem -Erdwall, der in den durch den Sturz der Riesin mit ausgerissenen Wurzeln -hängen geblieben war. Hier aber kauerte er mehrere Sekunden lang laut- -und regungslos nieder -- das Herz schlug ihm schwer und ängstlich in der -Brust, und er getraute sich kaum den Kopf zu heben, um über das niedere -Bollwerk hinwegzuschauen. Dort sollte er ja das Wesen sehen, das er, er -wußte selbst nicht weshalb, zu den Überirdischen rechnete, weil seine -Existenz einem Sterblichen durch ihm unbegreifliche Mittel verrathen -war, und lange konnte er sich nicht entschließen, das mit eigenen Augen -zu erblicken, was zu glauben sein Verstand sich sträubte. Endlich faßte -er ein Herz, hob leise den Kopf empor und -- hätte vor Überraschung fast -laut aufgeschrieen, denn in kaum zweihundert Schritten Entfernung -- -das Gesicht ihm zugewandt -- saß -- Zug um Zug -- die von dem Gefangenen -beschriebene Gestalt. - -Ein schmächtiger, bleicher junger Mann, mit rabenschwarzem Haar, einer -breiten Binde um das linke Auge, die das halbe Gesicht verdeckte, und -mit einem gelben, breitrandigen Strohhut auf den dunkeln Locken -- -dazu der helle Rock und die blauen Beinkleider -- es war der im Traum -gesehene Mörder, bis auf das Kleinste, Unbedeutendste der Beschreibung -herab. Selbst seine Stellung verrieth die That, die er begangen, denn -ängstlich, halb vorgebeugt saß er, wie zum Sprunge bereit, neben dem -Feuer, und schien die Gegend, in welcher sich Leslie gerade befand, mit -seinem Blick zu überfliegen, als ob er von dorther Jemanden erwarte oder -zu sehen fürchte. - -»Weshalb, um aller guten Geister Willen, lagert das Menschenkind -hier?« frug sich Leslie unwillkürlich -- »und ist es überhaupt ein -Menschenkind?« fuhr er dann leise schaudernd fort. »Doch Alles eins -- -Mensch oder Teufel -- Du bist der, welcher meinen Freund erschlagen hat, -und fort kommst Du nicht mehr.« - -Mit dem Adlerblick des Jägers überflog er die ganze Gegend und sah bald, -daß der Flüchtling, nach dem wie er seine eigenen Leute postirt hatte, -ihnen nicht mehr entgehen konnte. Auf der einen Seite starrte steil -und kahl der nackte Felsenkamm empor, in dessen Fuß sich die -Höhlen befanden; zur Linken tobte der kleine, durch die Bergwasser -angeschwellte Strom; und hätte er diesen auch durchschwimmen wollen, -so erwarteten ihn doch drüben die wackeren Männer von Seneka, die bei -solchen Gelegenheiten gerade nicht mit sich spaßen ließen. Alle andern -Schluchten und Anhöhen waren ebenfalls von den Jägern und Backwoodsmen -besetzt, und Leslie, darüber beruhigt, schlich nun eben so leise zurück -als er gekommen, ließ den jungen Mann, der ihn begleitet hatte, die -Übrigen von seinem Plane in Kenntniß setzen, und auf sein gegebenes -Zeichen brachen von allen Seiten zugleich die in dunkles Hirschleder -gekleideten Gestalten aus dem Dickicht hervor und sprangen, flüchtigen -Panthern gleich, mit vorgehaltenen Büchsen auf den Fremden ein. Dieser -aber, durch das Plötzliche des Überfalls betäubt, stieß einen gellenden -Angstschrei aus und warf sich dann, ohne weiter einen Versuch zur Flucht -oder zum Widerstand zu machen, mit dem Antlitz auf die Erde nieder. Er -schien jeder Hoffnung auf Rettung entsagt zu haben und die Männer, -die ihn zuerst erfaßten und vom Boden emporrissen, fühlten, wie seine -Glieder zitterten und seine ganze Gestalt erbebte. - -»Hund!« schrie der kräftige Leslie aber jetzt, und hob die eiserne Faust -zum Schlage auf -- »Hund -- feiger -- nichtswürdiger Hund, der Du bist --- Du also hast es gewagt, die Hand an den kräftigsten Burschen zu -legen, den je Kentucky's Boden getragen? Du -- Gedanke von einem Manne, -den man erst _träumen_ muß, um seiner habhaft zu werden.« - -Der Fremde hob die Arme flehend empor und wimmerte »Gnade!« Leslie -aber schien wenig geneigt, ihm diese angedeihen zu lassen; denn seine -hammerartige Faust sollte eben auf seinen Schädel niederfallen, und -wer weiß, ob der Sheriff dann nicht bei der ganzen Verhandlung unnütz -gewesen wäre; der eine Constabel aber lenkte den Schlag des Erzürnten -zur Seite, daß er machtlos an der Schulter des Knieenden niederglitt, -und rief: - -»Schämt Euch, Leslie -- wollt uns Leute vom Gericht um das Unsrige -bringen -- der ist dem Strick verfallen -- so gönnt ihm den auch.« - -Ehe aber noch Leslie ein Wort darauf zu erwidern vermochte, drängte -sich die übrige Masse der Männer und Frauen herbei, die es nicht -länger ausgehalten hatten, das Resultat in Ungewißheit zu erwarten. -Den Gefangenen führten sie in ihrer Mitte und schon von weitem riefen -einzelne Stimmen: - -»Ist er es? ist es der Mörder, den Mac Ferson im Traum gesehen?« Kaum -aber hörten sie das antwortende »_Ja_« -- das »kommt schnell -- wir -haben ihn -- er fleht um Gnade!« da stieg ein wildes Jubelgeschrei in -die Luft und Alles drängte jetzt in wilder Eile vor, den zu sehen, -der durch Gott selbst den Gerichten überliefert worden. Den bisherigen -Gefangenen beachtete Keiner mehr; nur ein Knabe von zehn oder eilf -Jahren, auch ein Irländer, der mit Mac Ferson auf einem Schiff -herübergekommen war, hatte sich bis jetzt dicht zu ihm gehalten, und als -er nun, von Allen zurückgelassen, allein stehen blieb, da ihm seine -auf den Rücken zusammengebundenen Hände nicht verstatteten, so schnell -fortzukommen, glitt er schnell hinter ihn, schnitt ihm mit einem -haarscharfen Messer die Bande durch, drückte ihm in der nächsten Secunde -den Griff des Stahls in die Hand und folgte dann in flüchtigen Sätzen -den Übrigen. Mac Ferson aber, ohne die mindeste Neugierde zu bezeigen, -wie der Mann im wirklichen Leben aussähe, den er schon einmal im Traum -erblickt, warf sich, als er kaum seine Hände frei und zugleich bewaffnet -fühlte, hinter einem umgestürzten Baumstamm, der ihn den Blicken der -Übrigen entzog, lief gebückt, aber so schnell er konnte, hinter diesem -hin, kroch über den Kamm der Anhöhe hinweg, bis er diese zwischen sich -und seinen bisherigen Feinden wußte, rannte dann, so schnell ihn seine -Füße trugen, den Abhang hinunter in das angrenzende Dickicht, sah sich -hier einen Augenblick etwas ängstlich um, schien aber bald das, was -er suchte, gefunden zu haben -- ein Pferd, das hier gesattelt und -aufgezäumt, wie des Reiters harrend, stand, schwang sich auf dessen -Rücken und sprengte, ihm die Hacken in die Seiten bohrend, in vollem -Carriere gen Süden. - -Wie eine zürnende Fluth ergoß sich jetzt die wogende Menschenmasse der -Stelle zu, wo der so wunderbar Entdeckte noch immer wie in gräßlichster -Angst und Verzweiflung auf den Knieen lag. Man riß ihn vom Boden auf -und aus den wildverworrenen Fragen, die fast von jeder Lippe an ihn -gerichtet wurden, schien er nicht eine einzige verstehen zu können oder -zu wollen, denn er warf zuerst einen scheuen Blick im Kreis umher, und -barg dann auf's Neue das Antlitz in den Händen. - -Der Sheriff drängte die ihm zunächst Stehenden ein wenig zurück, bat -sie ihm Raum zu machen, um den Gefangenen zu examiniren, und das Volk, -willig gehorchend, beobachtete tiefes Schweigen. - -»Hast Du den Kentuckier erschlagen?« war jetzt des Sheriffs erste Frage, -der es nach all dem Vergangenen für ganz unmöglich hielt, daß der, den -sie hier so mitten im Walde gefunden, vielleicht gar Nichts von der -Sache wisse. »Hast Du den Kentuckier erschlagen? Gestehe es, und -vielleicht kann Dir noch Gnade werden!« - -»Gnade?« unterbrach ihn Leslie entrüstet, ehe der Gefangene auch nur -eine Sylbe zu erwidern vermochte -- »Gnade? den möcht' ich sehen, der -Hills Mörder begnadigen wollte. Tod und --« - -»Ruhe!« tönte es von allen Seiten. »Stört den Sheriff nicht und laßt ihn -thun, was seines Amtes ist -- Ruhe!« - -Eine augenblickliche Todtenstille folgte dem früheren Lärmen, und der -Sheriff berührte auf's Neue die Schulter des Unglücklichen und sagte mit -ernster und doch milder Stimme: - -»Hast Du den Kentuckier erschlagen, so gestehe es -- nur durch ein -offenes Geständniß kannst Du noch auf Gnade oder Mitleiden hoffen. Bist -Du der Mörder?« - -»Gnade -- Gnade!« schrie der Knieende und umklammerte die Knie des -Sheriffs -- »Gnade -- ich will Alles gestehen.« - -»Ein Wunder -- ein Wunder!« riefen die Baptisten im jubelnden Chor, und -der Prediger stimmte mit voller, lauttönender Stimme ein Loblied -des Herrn an, in das sämmtliche Mitglieder seiner Gemeinde jauchzend -einfielen. - -»Wo ist Mac Ferson?« sagte jetzt der Sheriff -- -- »bringt ihn her, daß -wir sehen, ob dies derselbe ist, der ihm im Traum erschienen.« - -Die Constabel sahen sich etwas verblüfft einander an, denn Keiner von -ihnen hatte mehr an Mac Ferson gedacht. Der war ja unschuldig, der in -Erfüllung gegangene Traum bewies das so sonnenklar wie nur möglich. -Schnell durcheilten sie jedoch die Menge, den Verlangten aufzufinden -und ihn, eigentlich im Triumph, zu dem hinzuführen, für dessen Schuld -er beinah hätte büßen müssen; aber vergebens schauten sie sich zu -ihrem Erstaunen nach dem bisherigen Gefangenen um, der war und blieb -verschwunden und sie sahen sich endlich genöthigt, dem Sheriff Anzeige -davon zu machen, der dann augenblicklich nach allen Richtungen hin -Botschafter ausschickte, den vermuthlichen Flüchtling zurückzubringen, -ihm aber zu sagen, daß er ohne Furcht folgen möge -- er sei frei; der, -den ihm Gott im Traum gezeigt, habe die Schuld schon gestanden. - -»Alle Wetter!« rief da der ehrliche Leslie aus, »jetzt läuft der fort, -weil er dem Frieden doch nicht so recht traut, und ist ein ehrlicher -Mann und ich habe ihm Unrecht gethan. Nein, Sheriff, der soll nicht -lange in der Welt umherirren und sich fürchten, einem ordentlichen Kerl -in's Auge zu schauen -- den müssen wir wieder finden, und mein bestes -Pferd soll er haben, wenn er's annehmen will, nur deshalb, weil ich ihn -für einen Schurken und Mörder gehalten. Gebt Ihr aber indessen wohl auf -den zitternden Hallunken acht -- gnade Gott dem, der ihn entspringen -läßt. Nun fort, Ihr Leute, laßt uns Mac Ferson wiederfinden -- er kann -noch nicht weit sein, und drüben an der Straße stehen ja alle unsere -Pferde.« - -Der ehrliche Backwoodsman suchte jetzt, von seinen Freunden gefolgt, den -ganzen Bezirk ab, und bald entdeckten auch ihre scharfen geübten Augen -die Fährten des Entflohenen; Andere waren indessen nach den Pferden -abgesandt, und Leslie schwang sich bald auf seinen feurigen Rappen und -sprengte mit verhängten Zügeln dem nach, dem er so entsetzliches Unrecht -gethan zu haben glaubte. Die Übrigen folgten zwar noch ebenfalls eine -Strecke, gaben aber die Jagd bald auf, da sie einsahen, daß sie mit dem -besser berittenen Leslie nicht Schritt halten konnten. - -Indessen hatte sich um den auf so wunderbare Art gefangenen jungen Mann -eine ganz eigene Gruppe gebildet; noch immer barg dieser nämlich sein -Gesicht in den Händen und die Frauen, die gar zu gern gewußt hätten, was -er denn eigentlich für Augen habe und wie er überhaupt aussähe, drängten -immer näher und näher herzu und hielten den Sheriff und den zitternden -Mörder fast allein umzingelt, während die kräftigen Gestalten der -zurückgebliebenen Hinterwäldler den äußeren Kreis um diesen Zirkel -bildeten. Der Sheriff aber winkte jetzt dem einen Constabel, den -Verbrecher aufzuheben, um ihn in die Stadt und seinem richterlichen -Verhör zuzuführen; erst nach langem Sträuben gehorchte der Unglückliche -aber seinen Wächtern, und mehre Male mußte ihm der Baptistenprediger -zureden, sich zu ermannen, seine Sünden zu bereuen und Gott wenigstens -mit seinem entsetzlichen Verbrechen auszusöhnen. - -»Wo ist Mac Ferson?« flüsterte dieser endlich mit leiser, kaum hörbarer -Stimme. - -»Hol' mich der Henker -- ob er den Namen nicht kennt,« sagte der -Constabel -- »der ist fort, sie werden ihn aber wohl wieder holen!« - -»Fort?« rief der Gefangene mit lauter freudiger Stimme und richtete sich -schnell und plötzlich hoch auf -- »fort? ist er wirklich fort?« - -»Jesus von Nazareth!« schrie die Frau des Presbyterianischen -Geistlichen, die dicht neben dem jungen Manne stand, und sich bis jetzt -vergeblich bemüht hatte, sein Gesicht zu sehen, während ihr dieser jetzt -starr in's Antlitz sah -- »Jesus von Nazareth, das ist ja Missis Mac -Ferson.« -- - -»Missis Ferson?« rief Alles erstaunt durcheinander; »die Frau des Iren? -seine eigene Frau? und das der Mörder?« - -Judith Mac Ferson aber, denn es war in der That die Frau des jetzt -glücklich Befreiten, sank wieder thränenden Auges auf ihre Kniee nieder -und sandte zu dem Allerbarmer ein heißes Dankgebet empor, daß ihr die -Rettung ihres Mannes so glücklich gelungen sei. - -Der Sheriff sammelte sich zuerst wieder, denn die Übrigen standen -wirklich alle so stumm und starr vor Überraschung, als ob sie der Schlag -getroffen habe; mit blitzenden Augen trat er der schönen jungen Frau, -die jetzt die entstellende Binde und den Strohhut von der dunklen -Lockenfülle abwarf, entgegen und rief mit finsterem Blick und drohender -Stimme: - -»Unglückliche, Du hast einem Verbrecher zur Flucht verholfen und mußt -nun selbst dafür seine Strafe leiden -- Du kanntest die Gesetze des -Landes nicht und bist in Dein eigenes Verderben gegangen. Ich verhafte -Dich hiermit im Namen der Gesetze -- Mrs. Mac Ferson,« fuhr er dann mit -ernster, tiefer Stimme fort, indem er seine Hand nach ihrer Schulter -ausstreckte -- »Mrs. Mac Ferson -- Sie sind meine Gefangene!« - -Judith Mac Ferson hatte aber, wenn auch erst kurze Zeit in Amerika, -die Charaktere der Frauen kennen gelernt, unter denen sie lebte und auf -deren Schutz vertrauend sie das gefährliche Spiel gewagt. Mit schnellem -Druck des Constabels Arm zurückschiebend, trat sie zwischen die erstaunt -zu ihr aufblickenden Frauen und rief: - -»Weg von mir, Sir -- weg von mir! Ihr habt keinen Theil an mir. Habe ich -ein Verbrechen begangen? Es war mein Mann -- der Vater meines Kindes, -den ich befreite; ist eine hier unter den Frauen von Pensylvanien, die -nicht unter gleichen Verhältnissen ein Gleiches gethan hätte? Ist Eine -hier von Müttern oder Weibern, die nicht willig ihr Leben daran setzen -würde, den Geliebten zu befreien? _Keine_ -- ich weiß es, und kein -Gericht des Landes wird mich deshalb strafen können. Werden aber die -Frauen von Pensylvanien zugeben, daß ich einem Gericht ausgeliefert -werde?« - -»Nein -- nimmermehr -- den wollen wir sehen, der ihr etwas zu Leide zu -thun sollte,« rief es von allen Seiten, und um das junge, heldenmüthige -Weib schaarten sich besonders die Presbyterianischen Frauen, voller -Freude, daß den Baptisten ein solcher Sieg mißlungen sei. - -»Ladies -- auf Ihre Verantwortung,« rief der Sheriff -- »Sie müssen -mir für die Dame haften, übrigens wird ihre Gefangennehmung wohl nicht -nöthig sein, denn Leslie ist mit seinem Rappen auf Mac Fersons Fährten, -und wir kennen Alle miteinander Leslie genug, um nicht zu wissen, daß -der nimmer zurückkehrt, ehe er den Flüchtigen eingeholt hat. Einen -besseren Renner giebt's in ganz Pensylvanien nicht, als sein Rappe.« - -Judith erbleichte, die Frauen aber ließen ihr gar keine Zeit sich zu -besinnen, nahmen sie in ihre Mitte und führten sie im Triumphe fort. So -eifrig sie früher die Hinrichtung Mac Fersons gewünscht hatten, so -sehr interessirten sie sich jetzt für seine Flucht, und selbst die -Baptistinnen konnten die Frau nicht tadeln, die ihren Mann befreit habe. - -Um so mehr eiferte der Baptisten_prediger_, der jetzt mit mehren -Anderen, mit denen er Mac Fersons Spuren aufgesucht, zurückkehrte, -dagegen. Er sah in dieser lügenhaften Eingebung eines rettenden Traumes, -zu dem sich die beiden Eheleute verabredet hatten, eine Blasphemie -des Göttlichen und forderte ernst und bestimmt die Auslieferung beider -Gotteslästerer. Der eine war aber, Niemand wußte wo, und die Andere -wurde, nun sich der Baptist so fest dagegen erklärte, von den -Presbyterianerinnen nur um so mehr vertheidigt und in Schutz -genommen. Bald erreichte man die Stadt wieder, und hier erboten sich -augenblicklich drei junge Leute, Mrs. Ferson mit ihrem Kinde, das -indessen bei einer Landsmännin geblieben war, hinzubegleiten, wohin -sie gebracht zu sein wünsche. Das nahm Judith mit herzlichem Danke an, -verschwieg aber natürlich den verabredeten Ort, wo sie ihren Mann wieder -zu treffen hoffte, denn der kleine Irländer, der Mac Fersons Bande -durchschnitten, hatte ihr ebenfalls zugeflüstert, wie dieser auf -schnellem Roß seine Flucht bewerkstelligt, und sie verlangte nur an den -Ohiofluß gebracht zu werden, von wo aus sie ihre Bahn selbst verfolgen -wolle. Das geschah denn auch noch an demselben Nachmittage, und während -der Sheriff mit den zwei Constabeln und dem Baptistenprediger berieth, -was in diesem Falle zu thun sei, und ob man erst die Rückkunft Leslie's -mit dem Entflohenen abwarten solle, sprengte Judith Mac Ferson, auf -einem schlanken Zelter, das Kind im Arm, die Begleiter an ihrer Seite, -die Fahrstraße hinunter, die dem schönen Ohioflusse zuführte. - -Doch jetzt wollen wir Mac Ferson folgen, der, sobald er das Pferd -erreicht und sich hinaufgeschwungen hatte, mit kaum unterdrücktem -Jubelschrei einen kleinen Holzpfad entlang flog, welcher ihn endlich -zu der Hauptstraße führen mußte. Er ritt ein wackeres Thier, und hatte -gegründete Ursache zu glauben, daß der von seinem treuen Weibe so -glücklich erdachte Plan gelingen müßte. Einige Meilen vom Ohio noch -entfernt, wollte er nämlich absteigen, das Pferd laufen lassen, um -etwaige Verfolger irre zu führen, und dann seinen eigenen Weg bis zu -einer Stelle am Ohiofluß fortsetzen, wo er früher schon einmal zwei -Nächte mit seiner kleinen Familie gelagert hatte. Dort sollte er Judith -erwarten, und dann konnten sie von da aus leicht eine neue Heimath im -fernen Westen aufsuchen, wohin ihre Verfolger schwerlich vordringen -würden, selbst wenn sie den Aufenthaltsort erfahren sollten. - -Fröhlich gallopirte daher Mac Ferson, von diesen Gedanken erfüllt, -die Straße entlang, und mochte etwa sechs oder sieben englische Meilen -zurückgelegt haben, als sein Pferd, das über einen im Wege liegenden, -umgestürzten Baumstamm wegsetzen wollte, in einer trockenen aber noch -zähen Schlingpflanze hängen blieb, stürzte, den Reiter weit ab gegen -einen Baum schleuderte und dann, unfähig sich wieder zu erheben, liegen -blieb. - -Wie lange diese Bewußtlosigkeit Mac Fersons gedauert haben konnte, wußte -er selber nicht, als er aber nach ziemlich langer Zeit wieder zu sich -kam, fühlte er, wie ihm Jemand die Schläfe mit kaltem Wasser wusch und -erkannte, als er die Augen aufschlug, _den_ Mann, der, wie er wußte, -sein grimmigster Feind war. - -Mit einem leisen Schmerzensruf sank er wieder zurück, Leslie aber, -der wohl ahnen mochte, was den Armen erschreckt habe, bog sich zu ihm -nieder, faßte seine Hand und sagte: - -»Fürchtet Nichts, Mac Ferson -- wir haben Euch Alle Unrecht gethan; der, -den Euch Gott im Traum gezeigt, hat das Verbrechen gestanden; Ihr -könnt frei zurückkehren, ich selbst bin Euch aber nachgeritten, um Euch -abzubitten, daß _ich_, vor allen Anderen, Euch so feindlich gesinnt war; -aber seht, Hills war mein Freund, und wenn auch sonst ein etwas roher -Gesell und vielleicht in manchen Stücken tadelnswerth genug, so mußt' -ich mich doch seiner im Tode annehmen, da er ja sonst fast Niemanden in -Seneka hatte, der seinen Mord rächen konnte. Kommt -- steht auf -- gebt -mir Euere Hand und laßt uns Freunde sein. Ihr habt Euch doch keinen -Schaden gethan?« - -Mac Ferson wußte kaum, ob er seinen eigenen Ohren trauen sollte. War -dies vielleicht ein Traum, der ihn befangen hielt, oder hatte er den -früheren wirklich geträumt? Die durch den Sturz angegriffenen Sinne -vermochten nicht gleich klar und deutlich seine jetzige Lage zu fassen, -und er schloß wieder auf mehrere Sekunden die Augen, um sich erst ganz -zu sammeln. Mac Ferson war übrigens nicht der Mann, einen sich ihm -bietenden Vortheil leicht hintanzusetzen. Leslie wußte augenscheinlich -noch nicht, daß der vermeintliche, von ihm im Traum gesehene Verbrecher -sein eigenes Weib, und das ganze ein abgekarteter Plan gewesen war; -dieser mußte ihn daher auch für unschuldig halten, und er beschloß nun, -seine Maßregeln darnach zu ergreifen. - -Er öffnete die Augen, richtete sich mit des Amerikaners Hülfe, indem -er sich schwächer stellte, als er wirklich war, vom Boden auf, und -ließ sich nun mit kurzen Worten erzählen, wie sie den von ihm so genau -bezeichneten Fremden gefunden hätten. Ehe er sich aber noch selbst über -seine eigene Flucht entschuldigen konnte, trat Leslie, der darauf weiter -gar nicht einging, zu Mac Fersons Pferd und fand, daß dieses das linke -Vorderbein gebrochen hatte. Jetzt war guter Rath theuer. Der Irländer -erklärte, er könne keine hundert Schritte weit gehen, alle seine Glieder -seien ihm wie zerschlagen, und ein Haus war ebenfalls nicht in der -Nachbarschaft, wo man vielleicht ein Pferd hätte borgen können; hier -blieb also keine andere Wahl, Leslie bot dem Irländer sein Pferd zum -Reiten an, versicherte ihm dabei nochmals, er könne unbesorgt mit ihm -zurückkehren, er würde von Allen auf das Freundlichste empfangen werden, -und half ihm dann selbst in den Sattel. Ob er aber dem Erschöpften doch -noch nicht so recht trauen mochte, oder ob ihm der scheue Blick mißfiel, -mit dem sich dieser nach der Straße umsah, als ihm Leslie den Sattel -und Zaum seines eigenen Thieres hinaufreichte, kurz, der Amerikaner nahm -eine lange Leine, die er in der Tasche trug, hervor, befestigte sie in -einer Schlinge um den Hals des Pferdes und trieb dieses nun langsam den -Weg zurück, den er eben gekommen war. - -Mac Ferson wußte aber, daß seine List jetzt entdeckt sein mußte -- -jeden Augenblick konnte ihnen ein neuer Bote begegnen, der den wahren -Sachbestand verkündete und ihm dann _jede_ Aussicht auf Rettung -abschnitt; sein Entschluß war also auch deshalb schnell und ohne -weiteres Zögern gefaßt, und eben, als sie auf die oben beschriebene Art -vielleicht eine Meile zurückgelegt hatten und an eine Stelle kamen, wo -der Pfad so schmal wurde, daß Leslie nicht mehr nebenher gehen konnte, -sondern voraus mußte, wobei er jedoch das Seil nicht losließ, zog Mac -Ferson schnell aber vorsichtig das von dem Knaben erhaltene Messer aus -dem Gürtel -- trennte mit raschem Schnitt die hänfene Schnur, die ihn -bis jetzt noch immer zum Gefangenen gemacht, riß in demselben Augenblick -den Rappen auf den Hinterfüßen herum, und ehe sich der bestürzte -Amerikaner nur besinnen konnte, ob er seine Büchse gebrauchen sollte -oder nicht, war der auf's Neue Befreite schon im dichten Gebüsch seinen -Blicken entschwunden. - -Acht Tage später erhielt Leslie, der vergebens den Räuber seines -Eigenthums zu Fuß verfolgt hatte und die Fährte gegen Abend, da ein -ziemlich starker Regen fiel, nicht mehr erkennen konnte, sein Pferd -durch einen, etwa zwanzig Meilen von Seneka wohnenden Farmer zurück, der -ihm auch zugleich einen kleinen Brief von Mac Ferson einhändigte, worin -ihm dieser für die geleistete Hülfe herzlich dankte, sich aber nochmals -entschuldigte, daß er zu einem frommen Betruge seine Zuflucht habe -nehmen müssen. - -»Da er jedoch,« so schloß er seine Zeilen, »bei weitem lieber in dem -kühlen Schatten der stolzen Eichen des Westens lagere, als -- mit -zugeschnürter Kehle an einem Chestnutast in Pensylvanien hänge -- so sei -ihm das wohl nicht so sehr zu verdenken gewesen.« Über den Mord sagte er -weiter Nichts. Sein wirklicher Aufenthaltsort wurde nie näher bekannt, -doch hieß es allgemein und vielleicht nicht unrichtig -- Mac Ferson ist -nach _Texas_. - - - - -Eine Pantherjagd. - - -Heulend und bellend liefen und sprangen drei kräftige, schlankgebaute -Hunde vom Geschlecht der Bracken, die Nasen im eifrigen Suchen dicht am -Boden haltend, durch den dicht verwachsenen Wald, oft die Spur in -den dürren Blättern verlassend und auf umgestürzten Bäumen und alten, -halbverfaulten Stämmen schnoppernd, auf denen sie hinliefen und von da -wieder kläffend ihre Verfolgung erneuerten; ein sicheres Zeichen, daß -ihre Jagd einem wilden Thier, sei es nun Bär oder Panther, und nicht -dem schnellfüßigen Hirsch galt, der sie wohl, wenn er ihre Bahn -durchschnitt, auf kurze Zeit von ihrer Fährte ablocken, nie aber ganz -der einmal aufgenommenen Spur untreu machen konnte. - -Jetzt hatten sie einen Platz erreicht, auf dem ihr Feind offenbar eine -Zeitlang verweilt, und seine Fährten gekreuzt haben mußte, denn heulend -standen sie oft einen Augenblick still und durchsuchten dann, mit -wildem Winseln hin und herspringend, desto eifriger den, von dicht -herabhängenden Schlingpflanzen fast wie mit einer lebendigen Mauer -umgebenen Raum, immer wieder zum Mittelpunkt zurückkehrend, um ihr -Heulen und Wehklagen dort wie früher zu beginnen. - -Plötzlich theilten sich die Büsche, und ein junger Mann auf einem -kleinen, schwarzen, indianischen Pony setzte, mit seinem breiten -Jagdmesser, das er bloß in der Hand trug, ein paar Schlingpflanzen in -kräftigem Zuge durchhauend, die ihn vom Pferde zu reißen drohten, gerade -zwischen die Hunde hinein, die bei seinem plötzlichen Erscheinen ihn -für einen Augenblick freundlich wedelnd umgaben, und dann wieder, mit -erneutem, durch die Nähe ihres Herrn belebten Eifer in ihrem Suchen -fortfuhren. - -»So recht, meine braven Thiere,« rief der junge Jäger, indem er sein -Pferd anhielt, das Messer in die Scheide zurücksteckte und die -lange Büchse, die er auf der linken Schulter trug, vor sich auf den -Sattelknopf legte, »so recht, -- sucht, sucht -- ihr seid einmal auf der -Fährte, und ich denke doch, daß wir dießmal den Ferkeldieb erwischen, -der mir schon so oft entgangen ist!« - -»Huhpih!« rief er, sich hoch im Sattel aufrichtend und seinen Jagdruf -ausstoßend, als er sah, daß der älteste der Hunde plötzlich die wieder -gefundene Fährte aufnahm und von den andern gefolgt, augenblicklich im -Dickicht verschwand. - -»Huhpih!« und die Büchse zurück auf die Schulter werfend, ergriff er -jetzt mit der rechten den Zügel, rannte dem hochaufbäumenden Pony die -Hacken in die Seite, und flog in wilden Sprüngen seinen dahineilenden -Hunden nach. - -Im Wege liegende Stämme, dicht verwachsenes Gebüsch, Sumpflöcher und -schlammige Canäle, Nichts konnte ihrem Eifer Schranken setzen, vorwärts -ging's, und schnaubend und schäumend folgte der Rappe mit seinem in -freudiger Lust hochaufjauchzenden Herrn. - -Da hielten die Hunde aufs Neue; dießmal hemmte aber nicht Ungewißheit -über die Richtung des Weges, den der verfolgte Feind eingeschlagen haben -konnte, die Wüthenden, nein, bellend und heulend sprangen sie an einer -starken Eiche in die Höhe, und bissen vor Grimm in die Wurzeln und die -rauhe Rinde des mächtigen Baumes, daß er ihrem Feinde Schutz verlieh, -und ihn seinen Verfolgern vorenthielt. - -Jetzt erschien auch der Jäger auf dem Wahlplatz, und sprang, ohne nur -das Anhalten seines feurigen Thieres abzuwarten, mit einem Satz aus dem -Sattel, das seiner Last enthobene Thier sich selbst überlassend; mit -spähendem Blick aber untersuchte er den dichtbelaubten Baum, an dem die -Hunde jetzt wieder jauchzend emporsprangen, und erkannte bald, zwischen -ein paar Ästen eingeschmiegt, die Gestalt eines lebendigen Wesens, das -dort sich, fest an einen der Äste angedrückt, versteckt und unbemerkt -glauben mochte. - -Zwar war es im Schatten des dichten Laubes ziemlich dunkel, und ein -weniger geübtes Auge als das unseres jungen Waldbewohners möchte wohl -lange über den Namen und die Art des Thieres, das sich so angelegentlich -den Blicken der Untenstehenden zu entziehen suchte, in Ungewißheit -geblieben sein; _Wistons_ scharfer Blick erkannte aber bald in der -zusammengepreßten Gestalt das Junge eines Panthers, das der lange -Schweif, den es nicht ganz verbergen konnte, leicht verrieth. - -Schon hob er die Büchse, um das sich sicher Glaubende aus seiner Höhe -herabzuholen, und athem- und lautlos schauten die Hunde ängstlich -und erwartend bald nach dem Lauf der Büchse, aus dem sie mit jedem -Augenblick den Feuerstrahl herausblitzen zu sehen hofften, bald nach dem -Gipfel der Eiche, in deren Laub sie ihren Feind wußten. - -Doch vergebens war dießmal ihr leises, flehendes Winseln, mit dem sie -den Schuß ihres Herrn zu beeilen glaubten; dieser schien sich plötzlich -anders besonnen zu haben, setzte die Büchse ab, und begann auf's -Neue den Baum, fast mit noch größerer Aufmerksamkeit als vorher, zu -untersuchen. - -Nach langem, bedächtigen Ausblicken schien er sich endlich von dem, was -er wissen wollte, überzeugt zu haben, stellte seine Büchse gegen einen -umgestürzten Stamm, der nicht weit vom Baume lag, schnallte seinen -Gürtel ab, in welchem Messer und Tomahawk staken, zog sein Jagdhemd -aus und kehrte dann mit dem Gürtel, den er in der Hand hielt, zur Eiche -zurück, welche die Hunde, die zwar aufmerksam allen Bewegungen ihres -Herrn gefolgt waren, dennoch nicht aus den Augen ließen. - -»Ich versuchs,« murmelte er endlich vor sich hin, »ich versuch's und -fang ihn lebendig; bringe ich den jungen Panther nach Little Rock, so -bekomme ich dort mit Leichtigkeit meine 10-15 Dollars für ihn, schieß -ich ihn dagegen, so ist das Fell keinen Bit werth. Die Alte muß überdieß -geflohen sein, denn ich kann sie nirgends im Baume sehen, und für -10 Dollars läßt man sich schon einmal von solch einem jungen Teufel -kratzen; also Pantherchen, paß auf, ich komme!« - -Mit diesen Worten ging er zu seinem Pferde, das ruhig graste, schlang -einen Strick, der um dessen Hals gewunden war, von demselben ab, -schnallte seinen eigenen Gürtel wieder um, in den er das Messer steckte, -den Tomahawk aber zurückließ, und begann den starken Baum, den er nicht -umklammern konnte, zu ersteigen, indem er das Seil, dreifach genommen, -um den Stamm warf, die beiden Enden desselben, und zwar so kurz, als er -sie fassen konnte, ergriff, und dann mit deren Hülfe, indem er bald mit -dem rechten, bald wieder mit dem linken Arme sich bedächtig am Baume in -die Höhe zog, denselben erstieg. - -Die Hunde verstanden augenblicklich, was er beabsichtige und umsprangen -winselnd und jauchzend die Wurzeln der Eiche. - -Langsam zwar, aber sicher klomm er an dem geraden, schlanken Stamm, wohl -40 Fuß empor, ehe er an die ersten Äste kam und dort einen Augenblick -Athem schöpfen und sich ausruhen konnte; hier fühlte er auch nach seinem -Messer, ob das noch fest stak, blickte zum jungen Panther, der noch -bewegungslos an demselben Ast wie früher angeschmiegt lag, empor, -schlang sich jetzt das Seil, dessen er nun, da er die Äste zum Anhalten -hatte, nicht mehr bedurfte, um die Schultern, und stieg, gewandt die -Zweige als Sprossen seiner natürlichen Leiter benutzend, schnell und -leicht zu dem jungen Panther hinauf, der zwar, ohne sich zu regen, -liegen blieb, aber dennoch die glühenden Blicke fest auf den nahenden -Feind geheftet hielt. - -Aber noch andere und wildere Blicke beobachteten und bewachten das -Fortschreiten des Jägers, der von solch grimmiger, gefährlicher Nähe -keine Ahnung hatte, und zwar Niemand anders als die Mutter des Jungen, -die auf einem dicht danebenstehenden verdorrten Baume, dessen Zweige in -die des andern hineinragten, auf einen Ast niedergeduckt, zum Sprunge -fertig da lag und mit dem Schwanze leise wedelnd nur die noch weitere -Annäherung des Jägers zu erwarten schien, um mit gewaltigem Satze sich -auf den Kühnen, der ihre Brut greifen wollte, zu werfen, und ihn mit -Zahn und Tatze zu vernichten. - -Sorglos schwang sich _Wiston_ von Ast zu Ast, und war schon dicht unter -dem Jungen, das sich jetzt leise erhob und nach Art der Katzen den -Rücken biegend auf dem Aste stand und nach dem Jäger herunterschaute, -die Gefahr, welche dessen Nähe mit sich brachte, noch nicht so recht -begreifend; da hielt der Jäger, wand das Seil von seinen Schultern, -machte schnell eine Schlinge daraus, um sie über den Kopf des Jungen zu -werfen, und schaute, sich auf zwei anderen Ästen feststellend, eben -zu diesem empor, um den rechten Zeitpunct abzuwarten, als er, gerade -gegenüber, kaum zehn Schritte von sich entfernt, in die glühenden -Augen der Pantherin blickte, die sich eben zum entscheidenden Sprunge -niederbog. - -Von Kindheit auf im Walde erzogen und mit den Gefahren, die den -einsamen Jäger so oft bedrohen, bekannt und vertraut, behielt er in -dem fürchterlichen Augenblick Besinnung genug, schnell und ehe der ihm -gegenüber liegende Feind seine Absicht errathen konnte, den Stamm der -Eiche, auf dem er stand, zwischen sich und die Bestie zu bringen, was -ihm durch eine rasche Bewegung gelang; es war aber die höchste Zeit -gewesen, denn in demselben Momente schnellte auch die dunkle Gestalt des -Panthers auf den Platz, den er eben verlassen hatte, herüber, und seine -glühenden Augen schauten in die des unerschrockenen Jägers, der den -linken Arm um einen Zweig gewunden, in der Rechten das blanke Messer, -mit jedem Athemzuge erwartete, das gereizte Thier auf sich herabspringen -zu sehen. - -Die Pantherin jedoch, durch das Auge, das Jener fest auf sie geheftet -hielt, eingeschüchtert, begnügte sich damit ihr Junges beschützt -zu wissen, und jede Bewegung ihres Feindes auf das Aufmerksamste zu -beobachten, während sie, kaum sechs Fuß von ihm entfernt, mit dem -Schweife wedelnd da lag. - -Zuerst glaubte sich _Wiston_ verloren, denn wenn auch sein Messer eine -gute und starke Waffe selbst gegen den grimmigsten Feind sein konnte, so -war doch schon der Platz allein, wo er stand, und wo ihn der geringste -Fehltritt zerschmettert in die Tiefe gesandt haben würde, nicht zu einem -Kampf mit solchem Feinde geeignet; kaum fand er daher, daß sein Gegner -sich damit begnügte, ihn zu bewachen, als er schnell, aber vorsichtig -und ohne irgend eine rasche Bewegung zu machen, die das Ungethüm hätte -reizen können, das Messer in die Scheide schob und langsam seinen -Rückzug antrat. - -Der Panther, als er sah, daß Jener sich mehr und mehr von ihm entfernte, -folgte ihm langsam, und mehreremal zuckte _Wiston's_ Hand nach dem -Stahl, wenn sich die schlanke Gestalt der Katze zum Sprung niederbog, -immer aber konnte sich diese nicht zu einem offenen Angriff, Aug' in -Aug, entschließen. - -So erreichte er den untersten Ast wieder, schlang das Seil um den Stamm, -erfaßte beide Ende desselben, und glitt bedächtig, aber doch so schnell -als möglich hinab. Die Hunde hatten aber indessen ihren Feind in den -Ästen bemerkt, wie er ihrem Herrn folgte, und in toller Wuth, fast zur -Verzweiflung getrieben, daß sie ihn nicht erreichen konnten, sprangen -sie empor und bellten und heulten auf eine herzbrechende Art. - -Endlich gewann _Wiston_ wieder den festen sicheren Boden; seine Kleider -waren zerrissen, das Blut tropfte von seinen Armen, denn die rauhe Rinde -des Stammes hatte sie zerschnitten, seine Kräfte waren erschöpft und -seine Kniee zitterten; aber nicht einen Augenblick vergönnte er sich -zum Ausruhen, sondern sprang zu dem Ort, wo seine Büchse lehnte, ergriff -diese und hob sie, um den Panther aus seiner sicher geträumten Höhe -herabzuholen; aber vergebens bemühte er sich das schwere Rohr auch -nur eine Secunde lang still und unbeweglich zu halten, seine Glieder -zitterten, und er war genöthigt sich niederzuwerfen, um auszuruhen. Aber -kein Auge wandte er von der, jetzt dicht an den Stamm angeschmiegten -Gestalt der Bestie, neben der das Junge, keine Gefahr weiter fürchtend, -mit emporgehobenem Schweife, auf einem etwas vortretenden Aste stand, -und sich behaglich an der Mutter strich. - -_Wiston_ erholte sich bald, faßte noch einmal seine Büchse, zielte lange -und sicher, und donnernd schallte das Echo von fernen Hügeln herüber. - -Die Bestie, vom tödtlichen Blei durchbohrt, zuckte zusammen, sprang -empor und kletterte in wilder Eile von Zweig zu Zweig in den Gipfel -des Baumes; die dünnen Äste schwankten unter ihr; jetzt hatte sie -den höchsten Punct erreicht -- höher hinauf wollte sie; das schwache -Laubwerk gab nach -- sie stürzte, faßte noch mit den gewaltigen Tatzen -im Herunterfallen nach den Blättern und Ranken und schmetterte, von den -Hunden heulend erwartet, verendet zu den Füßen _Wiston's_ nieder. - -Zwar stand diesem jetzt kein weiteres Hinderniß entgegen, das Junge -lebendig zu fangen, das ängstlich bis zu den niedrigsten Ästen des -Baumes der Mutter gefolgt war, doch hatte er das erste Mal seine Kräfte -zu sehr angestrengt, und vermochte nicht auf's Neue den beschwerlichen -Weg anzutreten; er lud daher seine Büchse wieder und brachte es mit -sicherem Schusse in den Bereich der Hunde, die mit grimmiger Wuth über -dasselbe herfielen. - -In wenigen Minuten waren die Felle abgestreift und auf den Pony -geworfen, und von den Hunden gefolgt, trabte der kühne Jäger neuer Beute -und neuen Gefahren entgegen. - - - - -Wandernde Krämer. - - -In den Vereinigten Staaten, wo die Farmer und Pflanzer nicht, wie in -Europa, in Dörfern und Marktflecken zusammen, sondern vereinzelt auf -ihrem eigenen Lande und von diesem umgeben wohnen, ist natürlich der -Handel und Verkehr zwischen den verschiedenen, isolirt liegenden und -oft meilenweit von einander getrennten Besitzungen, wenn auch nicht -gehindert, doch sehr erschwert, und feststehende Kaufläden könnten nur -denen zum Nutzen und zur Bequemlichkeit gereichen, deren Ansiedelung -sich gerade in ihrer Nähe befänden. - -Da nun aber der Farmer nicht gern sein Land verläßt, an das ihn -dringende Arbeiten fesseln, um irgend einen kleinen unbedeutenden -Gegenstand, den er vielleicht auch entbehren kann, einzukaufen, und -sich lieber einmal eine Zeitlang ohne solche Gegenstände behilft, die er -sich, wenn er sie eben bei der Hand hätte, wirklich anschaffen würde, so -fanden es die Handelsleute bald für nöthig, anstatt auf seinen Besuch zu -warten, ihn selbst aufzusuchen, und durchzogen nun entweder in eigener -Person mit ihren Waarenpäcken das Land oder schickten ihre Leute aus, -während sie dem Laden zu Hause vorstanden. - -Vorzüglich fanden die Deutschen an dieser Beschäftigung Geschmack, -besonders unter diesen die Israeliten, (denn von all den wandernden -_deutschen_ Krämern in ganz Amerika sind kaum ein Hundertstel -Christen) und von New-York und New-Orleans, später von Cincinnati aus -durchstreiften sie mit unermüdlicher Ausdauer jeden Winkel der Union. - -Der Handel ist das Lebensprincip der Israeliten, davon liefert Amerika -den unläugbaren Beweis; dort wird ihnen keine Schranke gesteckt, in der -sie sich bewegen müssen; dort sind sie durch Vorurtheile oder Gesetze an -keine Beschäftigung, an kein Gewerbe gebunden, sie stehen mit der ganzen -übrigen Bevölkerung auf Einer Stufe; was sie aber auch im Vaterlande -getrieben haben mögen, welches Handwerk, welche Kunst, es bleibt sich -gleich, in Amerika, wo sie wählen dürfen, greifen sie nach dem Handel -und werden mit sehr wenigen Ausnahmen Kaufleute, oder geht das nicht, -Krämer und Hausirer, wie man sie dort nennt, »Pedlars.« Zwar ist ein -kleiner Theil dieser Pedlar, wie schon gesagt, Christen; doch dieser -sind so wenige und sie verlieren sich so sehr unter der Masse, daß sie -kaum einer Erwähnung verdienen, und nur die wirklichen Yankees (die -Bewohner der nordöstlichen Staaten der Union) concurriren bedeutend mit -ihnen, und nehmen auch wirklich in diesem Geschäftszweig, selbst den -Juden gegenüber, den ersten Rang ein. Wir aber haben es hier erst -vor allen Dingen mit den Deutschen zu thun. -- In einem der Seehäfen -angekommen besteht die Baarschaft der wandernden Krämer, wenigstens die -der ärmern Classe, gewöhnlich noch aus wenigen Dollars, mit denen sie -denn auch nicht säumen, ohne weiteren Zeitverlust ein »Geschäft zu -beginnen.« Ein schmaler Korb (zum Umhängen) wird vor allen Dingen -angeschafft, dahinein ein kleiner Vorrath von etwas Band und Zwirn, -einige Kämme und Zahnbürsten, Hosenträger und Zahnstocher, wunderbar -schimmernde Hemdknöpfchen und Näh- und Stecknadeln und andere derartige -Sachen gekauft, und der Weg zu ihrem Glück ist gebahnt. - -Noch versteht der angehende Kaufmann keine Sylbe von der Sprache des -Landes, das er jetzt zu seiner Heimath gemacht hat, =yes= und =no= und -noch ein paar kleine Hülfswörter, wie =very cheap= (sehr billig) -und =very good= (sehr gut) ausgenommen, mit einer liebenswürdigen -Dreistigkeit aber sucht er vorzüglich die amerikanischen Häuser auf -(denn die Deutschen selbst sind schlechte Kunden), und knüpft hier -mit der Hülfe von solch barbarischen Wörtern und lebensgefährlichen -Gesticulationen ein Gespräch an, daß die Leute, wenn sie nicht den ohne -alles weitere Eintretenden beim ersten Anlauf aus der Thüre werfen, sehr -häufig geneigt sind eine Kleinigkeit zu kaufen, die sie natürlich im -Leben nicht benutzen können, blos um das Mienen- und Gebärdenspiel wie -die außerordentliche Unterhaltung des »jungen Amerikaners« eine kurze -Zeit zu genießen. - -Das dauert aber nur wenige Monate; in fast unglaublich kurzer Zeit -lernt der Pedlar die Landessprache wenigstens so weit, daß er sich -verständlich ausdrücken kann, und nun beginnt das eigentliche Leben -desselben. - -Wie der Schmetterling aus der Puppe, so kriecht er mit seinem mächtigen -Packen und einem tüchtigen Wanderstab versehen aus den Straßen der engen -Stadt hervor und flattert, wenn man überhaupt mit einem Waarenballen von -einigen 60 Pfund auf den Schultern flattern kann, hinaus ins Weite, den -fernwohnenden Farmern das an Herrlichkeiten zuzutragen, was er entweder -auf Auctionen mit baarem Gelde eingekauft, oder von bekannten Kaufleuten -auf Credit erhalten hat. - -In dem Staat, in welchem er Handel treibt, muß er freilich eine -bestimmte Taxe, sogenannte Licence entrichten, weiter ist er aber auch -in nichts gebunden, und kann an Waaren ausbieten, was ihm nur immer -und wo es ihm beliebt; deshalb haben sie sich auch über die ganzen -östlichen, südlichen und mittlern Staaten ausgebreitet, und nur die ganz -westlich liegenden größtentheils den Amerikanern überlassen, da dort die -Gegend noch zu unbebaut ist und ihnen der Anblick von wilden Thieren, -die, wenn auch einzeln, doch dann und wann umherstreifen, keineswegs zu -behagen scheint. - -Natürlich wählt sich der Pedlar stets _den_ Strich Landes, auf welchem -die meisten Ansiedlungen liegen und der noch am wenigsten von seinen -Collegen heimgesucht ist; dort geht er dann von Farm zu Farm und fragt, -ob die Inwohnenden etwas von Waaren nöthig haben. Gewöhnlich lautet -die Antwort »nein.« Da aber der Mann selten zu Hause ist und die Frauen -stets gerne sehen möchten, was der Krämer denn eigentlich in dem großen, -schweren Packen für Kostbarkeiten verborgen trägt, so erhält dieser -leicht die Erlaubniß seinen Ballen zu öffnen und seine Waaren -auszubreiten. Erhält er die übrigens auch nicht, so bleibt sich das im -Grunde gleich, denn öffnen thut er ihn doch, und seine Sachen zeigt -er auch vor, ehe er geht, Stück für Stück, ob er nun freundliche oder -mürrische Zuschauer um sich sieht. - -Das Ausbreiten der Waaren in einsamer, den Städten fernliegender Hütte, -hat aber seinen doppelten Nutzen; erstlich sehen die Bewohner derselben -so viele Sachen, welche sie gut gebrauchen können, ja deren sie wohl gar -nothwendig bedürfen, vor sich und werden dadurch an manche Kleinigkeit -erinnert, die sie sonst vergessen hätten; und dann gewinnt auch -die Waare selbst, in der unscheinbaren niedern Hütte, auf dem rohen -Holztisch, in der ganzen hausbackenen Umgebung zur Schau gestellt, ein -ganz anderes Ansehen. Wie verführerisch glänzen die schildpattähnlich -gemalten Hornkämme von dem schlauen Krämer gegen den dunkeln Scheitel -des neben ihm stehenden erröthenden Mägdeleins gehalten; wie feenhaft -zauberisch glitzern die mächtig großen Vorstecknadeln und Ohrgehänge -auf den sauber gebürsteten, schwarzen sammtmanchesternen Kissen und die -goldenen Ringe mit den Brillanten und Rubinen auf der schwarzen Rolle -aufgereiht wie Bretzeln am Fenster eines Bäckerladens; welche kaum -geahnte Pracht eröffnet sich nicht in den jetzt aufgeschlagenen Stücken -Kattun, dessen wunderliche Muster, mit den blitzähnlichen Zickzacks und -unzähligen Monden und Sternen selbst der ältern Farmersfrau ein -lautes »Ach« der Bewunderung entlocken; und dann erst gar die seidenen -Halstücher und Bänder, die Perlmutterknöpfe und Haarnadeln mit den -kleinen farbigen Glaskugeln oben drauf, die Haarschleifen und Armbänder, -die Ketten und feuerstrahlenden Ohrringe, das alles muß in einem solchen -Blockhaus, mitten im Walde gesehen werden, um ganz den, wenigstens für -den Verkäufer wünschenswerthen und günstigen Eindruck hervorzubringen. - -Der Pedlar läßt seine Waaren gewöhnlich nur für baar Geld aus den -Händen; kennt er aber seine Leute oder sieht er an der ganzen Umgebung, -daß er gerade nicht viel zu fürchten hat, so creditirt er wenigstens -einen Theil derselben, was ihm zu gleicher Zeit Entschuldigung für einen -zweiten Besuch gewährt. Ein anderes ist es mit den »Jewelry pedlars« -oder denen, die nur goldene Schmuckwaaren, einige Taschenuhren und -_silberne_ Löffel führen. Diese geben _nie_ Credit, weil sie aus sehr -vernünftigen Gründen nie ein und denselben Ort zweimal besuchen: sie -trauen dem Frieden nicht recht und sind selten geneigt, dem Mann wieder -unter die Augen zu treten, dem sie früher von ihren Waaren verkauft -haben. - -Der größte Betrug wird in dieser Hinsicht mit den Argentan-Löffeln -getrieben, die in den Städten unter dem Namen =german silver= -oder deutsches Silber bekannt sind und wo, besonders in Ohio, den -leichtgläubigen Farmern unter dem Vorwande, daß _deutsches_ Silber nur -eine andere Art, aber sonst eben so gut sei, das Dutzend Eßlöffel zu -18 und 20 Dollars verkauft wurde. Hätten die Gesetze in diesen Fällen -wirklich einschreiten wollen, so würden sie nichts haben ausrichten -können, denn die Waare war unter dem rechten Namen, »deutsches Silber,« -wenn auch zu einem übermäßigen Preise, verkauft, die Landleute selbst -aber, welche mit der Zeit, obgleich erst durch Schaden, klug wurden, -schwuren nachher freilich dem Pedlar, sobald er sich wieder blicken -lassen würde, furchtbare Strafe zu. Dieser jedoch trieb dann schon -in einem anderen Staat, entweder weiter westlich oder südlich, -- wer -konnte sagen wohin er gezogen, -- sein Wesen, und nur wenige Jahre -bedurfte es, so hatte sich der arme Packträger ein Pferd oder gar einen -kleinen Wagen angeschafft, auf dem er jetzt seine Waaren, in bedeutend -größerer und besserer Auswahl, durch das Land fuhr. - -Louisiana besonders wimmelt von diesen Leuten und es kommt dort vor, -daß mehrere derselben zusammenlegen und sich ein Pferd gemeinschaftlich -kaufen, um ihre Waarenballen fortzuschaffen; das arme Thier ist aber -dann wahrlich zu bedauern, denn erstens muß es die sicherlich übermäßige -Last, und gewöhnlich auch noch abwechselnd einen der hoffnungsvollen -Jünger Mercurs schleppen, und nicht selten geschieht es dann, daß solch -ein gequältes Geschöpf zusammenbricht und nicht weiter kann. - -In Louisiana besteht der Hauptnutzen des Pedlars in dem Verkehr mit den -Negern und besonders den Negerinnen, welche, da sie die Plantagen nicht -verlassen dürfen, für alles das, was sie gebrauchen, einzig und allein -auf diese wandernden Krämer angewiesen sind. Den jungen Mulattinnen und -Mestizen fehlt es dabei nicht an Geld, besonders wenn sie schön -sind, und sie wissen den Minnesold natürlich auf keine andere Art zu -verwenden, als daß sie Putz und Kleider dafür einkaufen, die ihnen -von den geschäftigen Deutschen in reicher Auswahl zugeführt werden. -Grellrothe Tücher, Glasperlen, auffallend bunte Kattune und alle Arten -von Schmuck finden hier einen ausgezeichneten Markt, und der Nutzen an -diesen Gegenständen, die spottbillig auf den Auctionen in New-Orleans -eingekauft werden, ist bedeutend. Am meisten verdienen diese Leute aber -mit dem verbotenen Handel, wie das fast stets der Fall ist. - -Den Negern dürfen sie nämlich keinen Whiskey verkaufen, wie überhaupt -kein Kaufmann in den Sklavenstaaten; und die Strafen, welche für -Übertretung dieses Gesetzes bestimmt sind, werden sehr streng -beobachtet; der Krämer weiß aber der Gefahr entdeckt zu werden, sehr gut -zu entgehen; Verrath ist von den Negern selbst nicht zu befürchten und -eine mittlere, doppelte Wand im Wagen birgt den geheimen Schatz, aus dem -sie heimlich die Flaschen der durstigen Sklaven füllen. - -Viel bedeutendere Geschäfte machen übrigens in diesem Artikel die großen -Flat- und Kielboote, welche für den heimlich ausgeschenkten Whiskey, -wenn sie einmal eine kurze Zeit am Ufer anlegen, Landesproducte -annehmen, als Hühner, Ferkel, Truthühner, Mais und was die Sklaven -sonst selber ziehen oder in der Geschwindigkeit stehlen können, welche -Gegenstände der wandernde Krämer freilich nicht im Handel annehmen kann, -da er keinen Ort hat, an dem es möglich wäre, diese Sachen zu verbergen, -auch bliebe ihm, im Fall es entdeckt würde, kein Weg zur Flucht -offen, während die Bootsleute weiter nichts zu thun haben, als ihr Tau -loszubinden, wo sie in wenigen Stunden mit dem Strome hinabtreibend -unter der Masse ähnlicher Fahrzeuge verschwinden und vielleicht zehn -Meilen weit unten denselben Handel auf's neue beginnen. - -Wunderbar ist es übrigens in der That, wie diese Pedlars, besonders in -einigen Staaten noch, ihren Lebensunterhalt verdienen können, denn -z. B. Louisiana, Ohio, Pennsylvanien und selbst Kentucky sind mit ihnen -ordentlich überschwemmt; die Amerikaner kennen sie aber schon, wissen, -daß es wirklich positive Unmöglichkeit ist, einen derselben loszuwerden, -ohne ihm eine Kleinigkeit abzukaufen und fügen sich dann auch meistens -mit vieler Ruhe in das doch einmal unvermeidliche Schicksal. - -Hat sich der Pedlar nun endlich nach langen, mühsam und auf der -Landstraße durchlebten Jahren etwas erspart, so giebt er das wandernde -Leben auf und wird »Storekeeper,« d. h. er miethet sich irgendwo an der -Dampfboot-Landung eines kleinen Städtchens oder einer Stadt, und ist das -nicht möglich, im Innern des Ortes selbst einen Laden, und beginnt ein -Geschäft mit fertigen Kleidungsstücken, inclusive Hüten, Mützen, Schuhen -und Stiefeln, Messern, Pistolen, goldenen Ringen und Vorstecknadeln. -Die sämmtlichen Kleiderläden der Vereinigten Staaten (es bestehen deren -Tausende) gehören auf diese Art, mit nur sehr wenig Ausnahmen, deutschen -Israeliten, von denen viele in kurzen Jahren ein recht anständiges -Vermögen zusammengescharrt haben, und sämmtliche Städte eben dieser -Staaten, die an einem Fluß oder sonstigen Wassercours liegen, sind -auf diese Art im wahren Sinne des Wortes mit wehenden und flatternden -Kleidungsstücken garnirt, zwischen denen unter jeder Thür ein mit vieler -Aufmerksamkeit frisirter, sehr elegant gekleideter, und die rothen -Finger mit Ringen, die scheinende Weste mit Ketten und Vorstecknadeln -überladener junger Mann steht und die Vorübergehenden fortwährend -mit lauter Stimme einladet, sein »wohlassortirtes Lager« etc. etc. -in Augenschein zu nehmen; ja oft _sogar_ mit wahrer Todesverachtung -besonders ärmlich Gekleidete gewaltsam in das Heiligthum seines -Verkaufslocals hineinzerrt, wo er im düstern Schatten einer Unzahl -flatternder Beinkleider das unglückliche Opfer förmlich zu irgend einem -Handel zwingt. - -Diese Kaufleute übrigens, die einst wandernde Krämer gewesen, geben -ihren ärmern, noch umherstreifenden Collegen selten oder nie Credit; sie -mögen wohl wissen, wie sie es selbst in früheren Zeiten getrieben, -und wie oft ein solcher nomadischer Händler, wenn er eine Zeitlang -Kleinigkeiten im Vertrauen auf seine Redlichkeit erhalten und verkauft, -auch stets richtig bezahlt hat, mit dem ersten größeren Waarenballen -spurlos verschwindet, und erst wieder in einem andern Staat, wo möglich -5 bis 600 Meilen von dem ersten entfernt, auftaucht. Ihn durch die -Gesetze zu verfolgen, ist kaum möglich, der angeführte Kaufmann erfährt -vielleicht auch den neuen Aufenthaltsort seines Schuldners erst nach -geraumer Zeit, wenn die Schuld selbst schon lange verjährt ist. - -Ich war übrigens selbst einst Zeuge, wie mehrere Kleiderhändler in -New-Orleans eine wenn auch komische Art Lynchgesetz in Anwendung -brachten, um einen Pedlar zu bestrafen, der fünfe von ihnen, die sich -später alle zufällig in New-Orleans zusammengefunden und festgesetzt -hatten, in verschiedenen Städten der vereinigten Staaten um eine nicht -unbeträchtliche Summe in Waaren betrogen. Die Schuld war verjährt und -in einer Versammlung vor die er berufen, wurde ihm als Strafe von jeder -Hand (es hatten sich etwa 18 eingefunden, und ich war eigentlich nur ein -zufälliger Zeuge) zwanzig Stockschläge zuerkannt, denen er sich auch im -Gefühle seiner Schuld, geduldig unterwarf. Als aber der vierte, an dem -er vorzüglich gesündigt, seinen größern Verlust auch durch stärkere -Schläge, als sie der Delinquent wohl erwartet, wieder einzubringen -gedachte, lehnte sich dieser höchst unvorhergesehenermaßen gegen die -Gewalt auf, und faßte den Strafenden mit so schlauem Griff, daß dieser -erschreckt aufschrie, den Stock fallen ließ und froh war, dem kräftigen -Schuldner wieder entrissen zu werden. Das schreckte die andern ab, -und der Pedlar ward in Gnaden, aber mit entsetzlichen Schimpfworten -entlassen. - -Zwei Arten von Waaren giebt es übrigens, mit denen sich die Deutschen -nie oder wenigstens sehr selten befassen: es ist dies der Verkauf von -Wand- oder Standuhren und Medicinen. Zum ersten Geschäft sind sie nicht -gewandt, zum zweiten nicht unverschämt genug. Diesen Handel haben also -die Amerikaner fast allein an sich gerissen, vorzüglich die Yankees, -d. h. die Bewohner der nordöstlichen Staaten, als Maine, New-Hampshire, -Connecticut, Vermont, Massachusetts und Rhode-Island, deren »Clock -pedlar« oder Uhrenkrämer in der ganzen Welt berühmt sind. - -Sam Slick hat einen tiefen Blick in ihre Verhältnisse thun lassen und -ich will sie, da sie doch einmal in diese Rubrik gehören, nur kurz -erwähnen. - -Mit einem kleinen Wägelchen, vor das ein ziemlich gut aussehendes, sonst -aber gewöhnlich höchst nichtsnutziges Pferd gespannt ist, zieht der -Uhrenhändler oder Clockpedlar in die weite Welt, und zwar am liebsten -in die westlichen und süd-westlichen Staaten hinein; sein Zweck und Ziel -ist Uhren zu verkaufen und er verkauft sie auch, mag er nun willige oder -zähe Käufer finden. Leute, die früher nie auch nur an die Möglichkeit -gedacht haben, je eine Summe, die für sie ein Capital ist, an die -Anschaffung eines so leicht entbehrlichen Gegenstandes zu wenden, finden -sich plötzlich als Eigenthümer eines solchen Werkes, von dem es ihnen -fast wie Zauberei und schwarze Kunst erscheint, wie sie eigentlich und -so ganz gegen ihren positiv ausgesprochenen Willen zum Besitz -desselben gelangt sind. Da steht es aber jetzt, oben auf einem -groben, unbehobelten Bret zwischen dort aufgehangenen Hirsch- -und Waschbärenfällen so ruhig und gemüthlich mit seinem stillen, -selbstzufriedenen Ticktack, als sei es etwa 1500 Meilen von dort ganz -besonders zu dem Zweck angefertigt worden, in möglichst kurzer Zeit -hierher geschafft zu werden, und durch die Augen einer holdselig -lächelnden Dame in wunderbar schimmerndem, feuerfarbenem Kleid, die, auf -der Klappe der Uhr befindlich, in der einen Hand eine außergewöhnlich -große Rose, in der andern einen chinesischen Fächer hält, dem wirklich -verblüfften Farmer seine volle Zufriedenheit mit dessen trefflicher Wahl -zu erkennen zu geben. - -Der Yankee, eine stets sehr lange und sehr sorgfältig bis hoch hinauf -an die Schläfe rasirte Gestalt mit glatt gestrichenen Haaren und -grauen, lebhaften Augen, etwas vorstehenden Backenknochen und etwas -schiefgezogenen Gesichtszügen, wovon jedoch größtentheils ein in der -linken Backe ruhendes entsetzliches Stück Kautaback die Schuld trägt, -versichert indessen den Farmer schon zum drittenmal, daß er ihn erst -binnen Jahresfrist und vielleicht selbst dann noch nicht wiedersehen -solle, läßt sich jedoch »um Lebens oder Sterbens willen« einen kleinen -Wechsel nach Sicht schreiben, setzt sich am nächsten Morgen in sein -kleines, grün lackirtes Wägelchen, nickt noch einmal einen freundlichen -Gruß herüber und verschwindet in den Biegungen der durch den dichten -Wald führenden Straße. Er hält Wort -- er selbst kommt weder in -Jahresfrist noch jemals wieder in dieselbe Gegend, aber nach zwei -Monaten erscheint sein »Partner« oder Compagnon, präsentirt den Wechsel -und dringt auf die Bezahlung. Von jähriger Frist weiß er nichts, -sein College »hat ihm nichts davon gesagt,« der Wechsel lautet auf -augenblickliche Bezahlung und muß, wenn er unter 50 Dollar ist, dem -Vorzeiger bezahlt werden. Der arme Backwoodsman weiß das und schafft -seufzend Rath, der Pedlar aber, oder Einkassirer vielmehr, zieht -heimlich lachend von dannen. - -Die Hinterwäldler sind sonst so schlau und gewandt, im Geschäft sowohl -wie im wirklichen Leben; in den Händen eines Yankees aber ist es -ordentlich, als ob sie ihre bisherige That- und Denkkraft verlieren; -sie erkennen seine geistige Überlegenheit an und geben sich rettungslos -verloren. Kehrt der Händler in seine eigene Heimath zurück, so hat -er auch stets ein ausgezeichnet gutes Pferd vor dem Wagen, denn das -vortheilhafte Vertauschen desselben gehörte mit zu seinem Geschäft. - -Nur ein Beispiel weiß ich, wo ein Yankee und noch dazu einer der -pfiffigsten, von einem Backwoodsman mit seinen eigenen Waffen geschlagen -wurde und sehr betrübt abziehen mußte. Es war in Arkansas, und Jackson, -ein Ansiedler, der erst kürzlich von Tenessee herübergekommen, sein -letztes baares Geld für 40 Acker Land, zwei Milchkühe und ein Pferd, -da ihm das alte krank geworden und gestürzt war, ausgegeben hatte, saß -Abends in der ärmlichen Blockhütte beim frugalen Nachtmahl von Speck, -Maisbrod und Milch, als das kleine Fuhrwerk eines solchen Clockpedlars -vor seiner Thür hielt. - -Freundlich lud er den Krämer ein, bei ihm die Nacht und mit seinem -Mahl vorlieb zu nehmen, und dieser ließ sich auch nicht lange bitten, -besorgte sein Pferd selbst, trug, wobei ihm Jackson half, die Uhren -unter Dach und Fach und begann hier nun auf den Verkauf einer derselben -hinzuarbeiten; Jackson war aber »=an old hand=,« wie sie in Amerika -sagen, und durchschaute nicht allein seinen Plan, sondern hatte ihn -schon von dem ersten Anblick an vorausgesehen, sagte daher dem Pedlar -ganz freundlich, er sei zu arm eine Uhr zu kaufen, denn wenn er sie -wirklich kaufen wolle, könne er sie nicht bezahlen. Dies war übrigens -eine zu alltägliche Ausflucht, als daß sich der Yankee dadurch hätte -sollen abschrecken lassen; im Gegentheil gab ihm das ruhige Betragen -des Mannes die besten Hoffnungen zu einem guten Geschäft, und nicht eher -ruhte er, bis sämmtliche Uhren in Reih und Glied vor dem still vor sich -hin lächelnden Backwoodsman aufmarschirt standen, und jetzt handelte -es sich nach des Krämers Meinung nicht mehr darum, ob er eines der -herrlichen Kunstwerke, sondern nur _welches_ er kaufen solle. Vergebens -erwähnte der Arkansaner, daß er arm sei und keine Uhr kaufen könne, der -Pedlar ließ nicht locker, und jener richtete sich endlich entschlossen -auf und sagte: - -»Gut -- ich nehme eine -- Ihr bekommt aber kein Geld.« - -»Im ersten Jahr nicht,« lächelte der Krämer, »habt die Uhr nur einmal -ein Jahr, Ihr laßt sie nicht wieder fort.« - -»So will ich diese wählen -- was ist der Preis?« - -»Achtundvierzig Dollar.« (Er wußte recht gut, daß er bei einer Klage auf -mehr als 50 Dollar Jahre lang hinausgehalten werden konnte.) - -Jacksons Frau sah ängstlich zu ihm empor, er winkte ihr aber -lächelnd zu, ruhig zu sein, und ließ es, behaglich auf ein Bärenfell -ausgestreckt, geschehen, daß der Fremde die aufgedrungene Uhr über dem -Kamin auf einem durch hölzerne Pflöcke gehaltenen Bret befestigte und -aufzog. - -»Ihr bekommt aber kein Geld dafür,« sagte er dem Yankee. - -»Ich weiß es wohl,« erwiederte dieser, »aber doch Euern Wechsel, Ihr -wißt wohl, das ist so Sitte.« - -»Gut, dagegen habe ich nichts, den sollt Ihr haben,« sagte der Farmer, -und unterschrieb das schnell ausgestellte Papier. - -Der Pedlar zog am nächsten Morgen weiter, aber ehe sein Collecteur -mit dem fälligen, natürlich nach Sicht ausgefüllten Wechsel erscheinen -konnte, hatte Jackson die Uhr auf sein Pferd genommen, nach der nächsten -Stadt gebracht und dort verkauft. - -Der Compagnon des Yankees kam endlich nach drei Monaten, und erstaunte -zwar, keine Uhr in der Hütte des Farmers zu finden, äußerte jedoch -hierüber nichts, sondern präsentirte nur seinen Wechsel. Der Farmer -bedeutete ihn aber sehr kaltblütig, daß er dem Uhrenhändler aufrichtig -gesagt habe, er bekäme nie sein Geld und das wäre in der That wahr, denn -er sei nicht allein nicht gesonnen, sondern auch nicht im Stande, die 48 -Dollars jetzt oder jemals zu bezahlen; er hätte die Uhr nehmen müssen, -um den Krämer nur loszuwerden, und der Collecteur möge ihn jetzt, wenn -er sonst glaubte, etwas dabei verdienen zu können, verklagen. - -Als dieser endlich wirklich sah, der Farmer sei fest entschlossen, sein -Wort zu halten, so ging er zum nächsten Friedensrichter und klagte; der -gute Mann war jedoch zum erstenmal in Arkansas -- er hatte gut klagen, -das Erlangen seiner Schuld stand aber auf einem anderen Blatt, denn der -Farmer war -- nicht zahlungsfähig. - -Vergebens warf der Yankee ein, daß er eine Menge Hausgeräth, eine -Büchse, ein Pferd und zwei Kühe habe, es half ihm nichts; in Arkansas -kann einem Farmer weder die Büchse noch Handwerkszeug, weder zwei Kühe -noch zwei Pferde, noch alles nöthige Hausgeräth als Pfand weggenommen -werden, denn es giebt ein gewisses Eigenthum, welches er besitzen muß, -ehe das Gesetz ein Recht auf das übrige erhält, und da er das, was ihm -der Staat als unantastbar zugestand, noch nicht einmal alles besaß, -denn er hatte nur _ein_ Pferd und kaum die Hälfte des ihm verstatteten -Hausgeräthes, so war natürlich an eine gewaltsame Bezahlung gar nicht zu -denken. Als dies dem Yankee endlich in all seiner entsetzlichen Wahrheit -einleuchtete, versuchte er die Uhr zurückzuerhalten, aber auch das war -zu spät, und seit jener Zeit ist Jackson nie wieder eine Uhr zum Verkauf -angeboten worden. - -Ein anderer Handelszweig und keineswegs der unbedeutendste, mit dem die -Yankees fast gänzlich Monopol treiben, ist der Medicin-Handel. Ein alter -Yankee, der seine Söhne in die Welt schickt, damit sie Erfahrungen -- -die wichtigste Schule im menschlichen Leben -- sammeln, und einmal -von den Zwiebelbeeten erlöst werden, an die sie bis zu ihrem -einundzwanzigsten Jahr gefesselt gewesen, stellt ihnen die Wahl frei, -ob sie Clockpedlar oder -- _Doctor_ werden wollen, und wählen sie -das letztere, so bedarf es noch nicht einmal so vieler Warnungen und -Ermahnungen, als bei dem ersten Geschäft, um den jungen Mediciner mit -der Wirkung seiner Heilkräfte, die er in einem kleinen Felleisen bei -sich führt, bekannt zu machen. - -Die Mittel, deren er sich bedient, sind sehr einfach. Calomel ist die -Hauptcur, und macht, nebst irgend einer großnamigen Patentmedicin, den -Mittelpunkt, um den sich alles übrige dreht; sonst gebraucht er noch -etwas Opium (aufgelöst), Ricinusöl, Glaubersalz, etwas Ipecacuanha, -Chinarinde und Brechweinstein, und er hat alles, was er zu einer -ausgebreiteten Praxis bedarf. - -Schon fünf Meilen von seinem Heimathsort, wo er dem ersten fremden -Menschen begegnet, erhält er den Namen »Doctor,« und die können von -Glück sagen, die noch mit Salz oder andern unschädlichen Medicinen -abgefertigt werden, denn wo der junge Doctor Geld wittert, da müssen die -Leute von seiner Patent-Medicin kaufen, und Gnade ihnen Gott, wenn sie -das rothe, zusammengeknetete Zeug verschlucken. Sind sie vollkommen -gesund, so kommen sie vielleicht mit einer heilbaren Kolik oder einigen -gelinden Krämpfen und einem schwachen Anfall von Apoplexie davon; sind -sie aber ohnedies kränklich, dann ist ihnen selten mehr zu helfen, -und sie vermehren die Zahl der Schlachtopfer, die jährlich dem so -scheußlichen Götzen »Quacksalberei« geopfert werden. - -Manchmal betreiben auch diese wandernden Krämer oder »Doctoren,« wie sie -sich am liebsten genannt hören, ihr Geschäft humoristisch, im Fall sie -entweder zu gewissenhaft sind, den Farmern ihre Latwergen aufzudringen -oder darin eine leichtere und schnellere Art sehen, Geld zu verdienen; -so durchzogen z. B. im Jahre 1843 zwei Yankees die nördlichen oder -nordwestlichen Staaten mit solchem Glück, daß sie in wenigen Monaten -eine bedeutende Summe Geldes erübrigt hatten. Ihr Plan, oder vielmehr -ihre List, war die folgende gewesen. - -Der Eine von ihnen, ohne Waaren oder Gepäck, mit nur einer gewöhnlichen -amerikanischen Satteltasche von seinem kleinen, feurigen Pferde -getragen, war der erste auf der unter ihnen ausgemachten Marschroute, -und hielt bei jedem Haus, das auf seinem Wege lag, an, stieg ab, -schüttelte den Bewohnern desselben sehr freundlich und lang die Hand, -ging an den Wassereimer und trank aus dem langstieligen Flaschenkürbis, -der neben demselben an einem Haken aufgehangen war, unterhielt sich dann -noch eine Weile mit den Leuten, sprach über dies und jenes, schüttelte -ihnen noch einmal zum Abschied die Hand, kehrte wieder um und entdeckte -nun irgend einem der Männer, den er bei Seite nahm und um Verschweigen -des ihm Anvertrauten bat, daß er -- an einer sehr bösartigen -Hautkrankheit leide und frug ihn, ob er nicht irgend eine dieser -abhelfenden Salbe habe. Er hielt dabei die Hand des Farmers fest in der -seinen und sah ihm bittend in's Auge, bis dieser plötzlich den Sinn -der Worte begriff und schnell zurücktrat. Gewöhnlich wurde er hierauf -schnell und mit einigen kurzen, nicht besonders freundlichen Worten -abgefertigt; das that aber nichts, er hatte seinen Zweck erreicht, -schwang sich in den Sattel und trabte, wehmüthig zurückgrüßend, langsam -der nächsten Ansiedlung zu, um hier seine List zu wiederholen. - -Die Farmerfamilie blieb aber in größter Aufregung zurück -- was mußten -hiervon die Folgen sein? Der Mann mit der ekelhaften Krankheit hatte -allen und höchst warm und freundschaftlich die Hand gedrückt, hatte -aus demselben Trinkgeschirr mit ihnen getrunken und es war jetzt fast -unvermeidlich, daß sie angesteckt werden mußten. Da nähert sich auf -hohem, starkknochigem Roß ein Fremder, hält und steigt ab; die Familie -ist noch so bestürzt, daß sie kaum seiner achtet, er nimmt aber ohne -weiteres das kleine Felleisen, welches er hinter sich am Sattel trägt, -geht in's Haus und fragt, ob niemand etwas von seinen Medicinen bedürfe. - -Medicin? das war ein Wink des Himmels -- der Mann kam wie von Gott -gesandt, und welch ein Glück, daß er auch eine solche gerade für diese -Art Hautkrankheiten nützliche Salbe bei sich führte. Es ist seiner -Aussage nach das letzte, und wenn auch etwas viel für die _eine_ -Familie, so kann man ja doch nicht wissen, ob die Krankheit nicht -wirklich zum Ausbruch kommt und wie sie sich zeigen wird, gut oder -bösartig. Auch ist der Preis gerade für diesen Artikel sehr hoch, aber -was schadet das, beugt man denn nicht damit dem Unangenehmsten vor? Der -schlaue Krämer hat aber in der That seinen Mantelsack _nur_ mit dieser -Arznei gefüllt, welcher blos oben darauf zum Schein noch einige andere -beigefügt sind; er streicht daher fröhlich das Geld ein und folgt -schnell dem Compagnon, der indessen auf seiner Schrecken verbreitenden -Bahn weiter gegangen ist und neue Opfer gesammelt hat. Da sie ihren Weg -natürlich immer weiter und stets durch fremde Gegenden fortsetzten, so -war auch eine Entdeckung gar nicht zu befürchten, und nie haben wohl -zwei Yankees in so kurzer Zeit solche brillante Geschäfte gemacht, als -diese beiden wandernden Medicinkrämer. - -Zu dieser Menschenclasse gehören auch noch eigentlich streng genommen -die unzähligen Kiel- und Flatboote, welche mit den größeren Strömen -hinabtreiben; nur eine gewisse Art derselben legt aber an den einzelnen -Farmen und Plantagen an, die Mehrzahl schwimmt dem großen Markt des -Südens, dem gewaltigen New-Orleans zu. Diese Krämerboote zeichnen -sich vor den ersteren Kameraden durch eine kleine Stange und einen -flatternden Wimpel aus; sie landen an jeder größeren Ansiedlung und -führen theils Producte des Nordens, theils Ausschnitt- oder Blechwaaren, -ja manchmal sogar Schaubuden und Theater mit sich. Ist an dem einen Ort -ihr Geschäft beendet, so lösen sie das Tau und treiben weiter hinunter -zum nächsten Platz, wobei sie, wie schon oben erwähnt, besonders in den -südlichen Staaten vorzüglich gute Geschäfte machen, indem sie heimlich -an die Negersklaven Whiskey ausschenken und dafür von diesen Feldfrüchte -und selbstgezogenes oder gestohlenes Vieh eintauschen. - - - - -Der amerikanische Urwald. - - -Der deutsche Jäger, der Abends seine Jagdgeräthschaften für den nächsten -Tag in der freundlich-gemüthlichen Stube zurechtlegt, Pulverhorn wie -Korbflasche füllt und nun mit Tagesgrauen nichts weiter zu thun hat, -als den Hund zu füttern und für sich selbst ein Paar Butterbröde zu -schneiden, wenn nicht auch das die Frau schon besorgte; der dann sein -Schießzeug umhängt und mit dem klugen Ponto durch offene Felder sucht, -oder durch lichte Waldung pürscht, Nachts aber wieder ruhig in seinem -warmen, weichen Bette liegt: der weiß freilich nicht, wie es einem armen -Streifschützen zu Muthe ist, der, weit von jeder menschlichen Wohnung -entfernt, in Regen und Sturm, vielleicht in Schnee und Eis draußen im -Walde campirt, und hungert und friert. - -Das Leben in den amerikanischen Urwäldern hat aber stets einen -geheimnißvollen Reiz für den Europäer gehabt; schon der Name klingt -romantisch, man denkt dabei an die gewaltigen, riesigen Bäume, an das -schaurige Rauschen der mächtigen Wipfel, an die Schlingpflanzen und -an den wilden Wein, der in schweren, dunklen Trauben von den Ästen -herniederhängt, an das Wild, das leisen, bedächtigen Schrittes -hindurchzieht, an den finstern Bären, den stattlichen Hirsch, die -zahlreichen Völker wilder Truthühner, vielleicht gar an einen in den -Zweigen lauernden Panther; ja das ist Alles sehr schön und gut -- -existirt auch wirklich, nur ist es schlimm, daß die Sache, so recht in -der Nähe, aus der Mitte heraus, betrachtet, sehr, sehr viel an Reiz und -romantischem Zauber verliert. -- Es ist damit gerade so, wie mit einer -weidenden Heerde. - -Welch einen lieblichen Anblick gewährt es, wenn man, auf einem Hügel -gelagert, in der Ferne, auf grüner blumiger Wiese eine Heerde weiden -sieht, wo die einzelnen buntscheckigen Kühe nach dem duftigen Futter -umhersuchen, wo der Hirt, dessen Hund ihn spielend umspringt, an seinem -Hirtenstabe lehnt; wenn man das melodische Läuten der Glocken, das -weiche Blöken des Viehes selbst, das freundliche Klaffen des Hundes hört --- ein unendlicher Zauber liegt über dem anmuthigen Bilde; -- steigt -man aber von dem Hügel herunter und kommt in die Nähe, so wird aus der -blumigen Wiese ein mit ganz anderen Gegenständen als Blumen bedecktes -Brachfeld, die Glocken klingen nicht rein, die eine besonders, die einen -Sprung hat, und die man in der Ferne nicht hören konnte, vernichtet -den ganzen günstigen Eindruck. Der Hund läuft Einem schon von weitem -entgegen und weist knurrend die Zähne -- und kommt man nun gar noch -näher -- riecht erst die Heerde -- und den Hirten -- ja dann ist's mit -dem idyllischen Wesen vorbei -- der Zauber schwindet und wir haben eine -Heerde Rindvieh, mit Jürges Gottlieb, der daneben steht und an einem -außergewöhnlich schmutzigen Strumpfe strickt. - -Nun ist es freilich nicht ganz so arg mit dem Urwald; das einzelne -Schöne, aus dem er besteht, bleibt immer, ja gewinnt sogar noch in der -Nähe an Großartigkeit, wenn man es nämlich blos anzusehen brauchte; muß -sich aber der Jäger durch die Schlingpflanzen mit Messer und Tomahawk -Bahn brechen, dann findet er zu seinem Schrecken, daß jene malerischen -Geflechte voll Dornen und giftiger Blätter sind, die, wenn ihr Saft die -Haut berührt, Blasen ziehen und das Fleisch entzünden; der mit Blumen -und Kräutern bedeckte Boden giebt nach, und zäher Schlamm umschließt -Fuß und Knöchel, umgestürzte Riesenstämme versperren den Weg und sie -zu umgehen, ist unmöglich, denn in ihrem Sturz haben sie alles -Danebenstehende mit niedergerissen und undurchsichtige Brombeerhecken -sind aus den Wurzellöchern aufgewachsen; -- Schaaren von Mosquitos -stürmen auf den Geplagten ein, zahllose Holzböcke peinigen ihn auf eine -fast unerträgliche Art, und ist er im flachen Lande -- (denn nur dort -findet er den Urwald noch in seiner ganzen Majestät, da in den Hügeln -das dürre, trockene Laub zu oft angezündet wird, was die jungen Bäume -tödtet und die älteren im Wachsthum hindert), so darf er den Blick kaum -zu den herrlichen Stämmen aufheben, weil er fortwährend fürchten muß, -auf eine der zahlreichen Schlangen zu treten, die überall dort, wo die -Sonne durch's dichte Laubdach bricht, zusammengerollt liegen und dem -Unvorsichtigen leicht gefährlich werden können. - -Im Winter fallen nun allerdings eine Menge dieser Übelstände weg, -die giftigen Schlingpflanzen sind unschädlich, die Insekten fort, die -Schlangen liegen in Erdlöchern und hohlen Bäumen; -- das ist etwas; --- damit aber der deutsche Jäger einen Begriff davon bekommt, wie ein -amerikanischer Urwald im Winter beschaffen ist, so will ich hier ein -Paar Tage, freilich nicht die angenehmsten, aus meinem Jagdleben, aus -den Niederungen von Arkansas, beschreiben. - - * * * * * - -Im Januar 1840 hatte ich den Theil dieses Staates wieder aufgesucht, -der östlich vom Mississippi und westlich vom Whiteriver, zwischen diesen -beiden Strömen einen wohl hundert englische Meilen breiten und viele -hundert langen Landstrich einschließt und von zahlreichen anderen, aber -kleineren Flüssen durchschnitten wird. Wild gab es in den mächtigen -Wäldern genug, das entsetzlich ungesunde Klima aber hatte mich im Sommer -aus den Sümpfen getrieben, wo ich das kalte Fieber nicht los wurde, -jetzt jedoch, bei Frost und Schnee, war das nicht mehr, wenigstens nicht -anhaltend, zu befürchten, und ich beschloß, wo möglich eine Büffeljagd -auf meine eigne Hand anzustellen, denn dort ist der einzige Platz in den -vereinigten Staaten, wo sich noch Büffel aufhalten. - -Nun waren die Aussichten zur Jagd freilich nicht die lockendsten, denn -ich bekam die letzten Tage des Januar gar Nichts zu schießen und mußte -halb verhungert, als ich endlich nach einer glücklichen Schneenacht -einen Hirsch erlegte, den mich von meiner Beute trennenden, schmalen -Fluß durchschwimmen um diese zu erreichen, wo ich dann ein paar Tage -krank oder wenigstens unwohl im Schnee liegen blieb; das ist aber immer -noch nicht das Schlimmste aus jener Zeit, ich hatte wenigstens ein gutes -Feuer, eine wollene Decke und Hirschwildpret -- was will ein Jäger mehr? - -Am 2. Februar endlich brach ich auf, warf meine Decke zusammengerollt, -über den Rücken, und schritt südlich in den mächtigen Wald hinein, -oder besser gesagt, darin fort, denn ich war schon recht eigentlich -im strengsten Sinne des Worts darin. Bald kreuzte ich mehrere -Hirschfährten; das war aber das Wild nicht, dem ich zu begegnen -wünschte, und ich verfolgte meinen Weg. - -Der Wald war in dieser Gegend wahrhaft großartig, die gewaltigen -Riesenstämme, größtentheils sechzig bis achtzig Fuß vom Boden gerade -emporsteigend, ehe sie auszweigten, boten mit den schneebedeckten -Wipfeln einen wundervollen Anblick. Es hatte zu schneien aufgehört, und -eine heilige Stille herrschte rings umher, die nur dann und wann durch -das Herunterbrechen irgend eines zu schwer mit Schnee beladenen Astes, -oder das heisere Krächzen eines Raben unterbrochen wurde. Es ließ sich -auch sehr gut marschiren; lange schmale Streifen hohen Landes liefen -zwischen den zahlreichen Bächen und dem überschwemmten Boden der -Niederung hin, und auf diesem standen die meisten Schlingpflanzen und -Dornen; da es aber jetzt stark gefroren und geschneit hatte, so hielt -ich mich fortwährend auf dem Eis und wanderte so leicht und ungehindert -wie auf einer geebneten Landstraße darauf fort, denn der Schnee hinderte -mich wenig, da ich damals noch meine alten, deutschen Wasserstiefeln -trug. Mehre Male kreuzte ich auch die Spur von Wölfen, sah mich jedoch -nicht einmal darnach um, denn ich würde keinen Wolf geschossen haben, -selbst wenn er mich darum gebeten hätte, weil ich Pulver und Blei mehr -zusammen halten mußte. In einer Gegend, wo man seine Ammunition nicht -wieder ersetzen kann, geht man gewiß haushälterisch damit um; ich -verließ mich daher auch auf meine Stücken Hirschwildpret und zog an ein -paar Völker Truthühner ruhig vorüber, wobei diese ebenfalls sehr wenig -Notiz von mir zu nehmen schienen. - -Nach einigen Stunden vorsichtigen Pürschens jedoch, wobei ich immer noch -nicht die stille Hoffnung aufgab, einem alten Bären zu begegnen, -der seine Winterwohnung einmal verlassen haben konnte, obgleich dazu -eigentlich wenig Hoffnung war, erreichte ich plötzlich einen Platz, -wo in der vorigen Nacht etwa zwanzig Büffel gelagert haben mußten. -Die Betten waren vom Schnee entblößt, die Zweige der Büsche ringsumher -abgenagt und die Fährten sahen noch so frisch aus, als ob sie eben erst -der weißen Schneedecke eingepreßt worden wären. - -Das war Alles, was ich wollte -- Büffel -- und welche Fährten fand ich? -ein alter Bull besonders mußte ein unmenschlich starker Bursche sein. -Natürlich hoffte ich die Heerde, die, meiner Ansicht nach, nicht weit -konnte gewandert sein, in kurzer Zeit beim Äsen zu erwischen, und -schnell, aber so geräuschlos als möglich, folgte ich den breit -ausgetretenen Fährten eine Strecke am Fluß hinunter, und dann wieder, -westlich von diesem ab, als ob sie nach ihrem gewöhnlichen Sammelplatz, -den »=Cash=-« Sümpfen, hinüber gewollt hätten; auf einmal aber änderte -sich ihre ganze Richtung und sie waren wieder nordwestlich hinaufgerannt -und zwar diesmal, wie es schien, in wilder Eile. - -Erst konnte ich mir dieses schnelle Wenden nicht erklären, fand aber -bald die Auflösung in einer Masse Wolfsfährten, die wahrscheinlich die -Heerde, in der Hoffnung, ein Junges zu fangen, angefallen und zerstreut -hatten, obgleich sich der Büffel sonst nicht besonders vor dem Wolf -fürchtet. Jetzt ging auch für mich ein viel beschwerlicherer Marsch an, -denn da sich die schweren Thiere vereinzelt hatten, mußte ich mir -selbst meinen Weg hinter ihnen her bahnen. Unglücklicher Weise war -ein Schilfdickicht von ihnen durchbrochen worden und die Folge daher -erschrecklich beschwerlich gemacht, denn nichts ist dem Bärenjäger -hinderlicher, als eben diese Schilf- oder Rohrbrüche, in die sich -besonders der Bär augenblicklich flüchtet und nur zu oft dadurch -gerettet wird; denn wer einen solchen Bruch nie gesehen hat, kann sich -unmöglich einen richtigen Begriff davon machen. Das Schilf selbst ist -hart wie Holz, wird bis anderthalb und zwei Zoll im Durchmesser stark, -und oft dreißig und vierzig Fuß hoch, steht auch in dem fruchtbaren -und sumpfigen Thalland so dicht, daß man sich kaum dazwischen -hindurchdrängen kann; ein Fortschreiten in diesen Dickichten wird aber -nur zu häufig durch die Unmasse dorniger Schlingpflanzen, die mit einem -festen Gewebe ganze Strecken eng verbinden, fast unmöglich gemacht, wenn -der Jäger sich nicht, in der Rechten das schwere, breite Jagdmesser, -Bahn haut; kommt er aber zu einem in diesem Gewirre umgestürzten Baum -(und die umgestürzten Bäume liegen nicht etwa selten darin), so ist an -ein Weiterdringen in gerader Richtung gar nicht zu denken; junge Bäume, -Schlingpflanzen, Rohr und Dornen bilden dann eine Masse, durch die man -sich nicht einmal Bahn hauen kann, und man muß den Platz umgehen. - -Wie langsam aber in einem solchen Schilfbruch ein Vorrücken möglich -ist, habe ich einst im Mississippi-Thal erfahren, wo ich drei Stunden zu -einer Strecke von etwa 500 Schritt brauchte. Hier ging es jedoch etwas -besser, die Büffel hatten mir, wenigstens ein wenig, Bahn gebrochen, und -mit dem Messer nachhelfend folgte ich erträglich rasch. Der Tag war -aber auch jetzt sehr weit vorgerückt und die hereinbrechende Dämmerung -überraschte mich keineswegs angenehm. Das Schilf wollte gar kein Ende -nehmen; wenn ich daher auch, beim hellen Schein des Schnees, der Spur -in der Nacht hätte folgen wollen, so wäre dies schon wegen des dicken -Rohres nicht möglich gewesen, das, nach allen Richtungen hinaus stehend, -die ganze Aufmerksamkeit des Hindurchdringenden am hellen Tage in -Anspruch nahm, indem man sich bei jedem Schritt die Augen aus dem -Kopfe stoßen konnte; daher zündete ich ein Feuer an, was mit Hülfe des -Tomahawks und etwas trockenen Schwammes sehr bald gelang, reinigte einen -Platz vom Schnee und hatte mich bald behaglich genug eingerichtet. - -Ich lag gerade auf einer kleinen Erhöhung, mitten im Schilf, so daß ich -gegen den kalten Nordwind ziemlich geschützt war; der Platz hatte aber -das Unangenehme, auch nicht die mindeste Aussicht zu gewähren, nicht -zwei Schritte weit konnte ich sehen und fühlte mich durch die Nähe des -Dickichts, von dem ich förmlich umschlossen lag, beengt; die Sache ließ -sich jedoch nicht ändern, eine offene Stelle auszuhauen, dazu fühlte ich -mich zu ermüdet, Wirthshäuser waren auch nicht in der Nähe, also machte -ich gute Miene zum bösen Spiel und bekümmerte mich mehr um mein Feuer -als um das Dickicht. - -Weil ich doch noch nicht recht schläfrig war, holte ich, nachdem ich -mein frugales Abendbrod verzehrt hatte, den Compaß vor, und denselben -gerade in eine der Büffelfährten an meiner Seite stellend, vertrieb ich -mir damit die Zeit, zu rathen, auf welchem ganz genauen Strich nun die -Heimath läge, und dabei zu überlegen, wie mich hier, von diesem Punkt -aus, das Abweichen eines 32stel Zolles zur Rechten oder Linken, entweder -in die Wüste Sahara oder nach Sibirien hinaufbringen könnte. Diesem -Gedanken gesellten sich andere zu -- was sie jetzt wohl zu Hause -machten, ob sie auch an mich hierher dächten und noch viele, viele Dinge --- so daß ich endlich vom vielen Denken müde wurde und einnicken wollte. --- Da krachte ein kleiner Zweig -- dicht neben mir; -- zwar war der Laut -gedämpft -- der Zweig mußte unter dem Schnee gelegen haben, ich hatte es -aber deutlich gehört und hob schnell den Kopf, um wenigstens den kleinen -Raum, in dem ich lag, übersehen zu können; auch war ich in der Richtung -noch ungewiß, instinktartig hatte ich aber das Messer aus der Scheide -gezogen. - -Eine Weile blieb Alles ruhig und ich konnte das Schlagen meines Herzens -hören -- da krachte es wieder, ganz nahe; -- was es auch immer sein -mochte, es konnte sich keine zwölf Fuß von mir befinden; deutlich -vernahm ich auch jetzt die leisen Schritte im Schnee, wie das Thier trap --- trap -- trap -- trap -- mich langsam umschlich. O wie ich mir damals -einen Hund wünschte. - -Eine Zeit lang schien es still zu stehen, dann hörte ich es wieder in -der anderen Richtung, deutlicher noch als vorher. All' meine Sinne waren -aber jetzt auf das Peinlichste gespannt, denn jeden Augenblick erwartete -ich irgend eine Bestie, ob Panther oder Wolf konnte ich nicht wissen, -aus dem Dunkel hervorblinzen und mich anschnüffeln zu sehen. In -dieser angenehmen Hoffnung hatte ich nun freilich den Hahn der Büchse -aufgezogen, aber auch diesmal starb das Geräusch hinweg und das frühere, -lautlose Schweigen herrschte. - -Aus allem Vorhergegangenen mußte ich nun nach wohl Stunden langem Harren -vermuthen, daß mich mein Nachtbesuch verlassen habe, doch war ich zu -aufgeregt, um gleich einschlafen zu können und blieb noch lange wachend -liegen, indem ich einen vor mir stehenden alten Baum betrachtete, -der ein gar eigenthümliches Aussehen hatte. Es war ein ungeheuerer -Sassafrasstamm, der, von einem dichten Gewebe von Schlingpflanzen -umgeben, seiner Äste und Zweige beraubt, wie eine riesenmäßige -Säule gegen den dunkeln Nachthimmel emporstarrte. Eine hohe, breite -Schneekappe krönte den Gipfel. Im Sommer, wenn die Schlingpflanzen ihre -grünen Blätter bekommen, sehen diese Baumleichen herrlich aus, denn -dann ist von der alten, vertrockneten Rinde auch nicht die Spur mehr -zu erkennen, und nur die grüne, lebendige Säule steht wie ein Denkmal -vergangener Zeiten da, wo noch der Indianer die Wildniß durchzog, die -jetzt nur sein Grab umschließt. -- Ich schlief bald darauf ein und der -Morgenruf der Eulen weckte mich erst wieder. - -Vor allen Dingen untersuchte ich aber jetzt, wer mein nächtlicher Besuch -gewesen war, und fand auch dicht am Lager, einmal sogar bis auf drei -Schritte, die Spuren eines ziemlich starken Wolfes, was mich um so mehr -befremdete, da der Wolf sonst sehr menschenscheu ist und einem Lager -selten gern naht; -- später übrigens habe ich oft Beweise vom Gegentheil -erhalten, denn einmal, zwei Jahre darauf, holte mir eine solche -Bestie das Jagdmesser fort, das dicht neben mir lag und zerkaute den -schweißigen Griff; ich hatte erst an demselben Nachmittag einen Hirsch -damit aufgebrochen. - -Mit neuen Kräften verfolgte ich nun die jetzt wieder vereinigten -Fährten, die an manchen Stellen, wo kein besonderes Futter sie aus der -Bahn lockte, eine förmliche Straße bildeten; aber wie ich auch spähte, -immer noch konnte ich nicht das ersehnte Wild selbst entdecken, -hundertmal wohl ließ mich ein niederbrechender Ast, oder ein -aufgescheuchter Hirsch ihre Nähe hoffen, stets sah ich mich aber -getäuscht. Meine einzige Hoffnung blieb jetzt, als die Sonne wieder -blutigroth am Horizont verschwand, die Nacht; der Wald war offener als -am vorigen Abend, ich gedachte daher meinen Weg fortzusetzen, da die -Büffel auf keinen Fall nach einbrechender Dämmerung weiter wandern -würden. Das wäre auch recht gut gegangen, denn hell genug leuchtete der -Schnee, um die Fährten zu verfolgen, wieder aber stellte sich mir ein -solch unglückseliges Schilfdickicht in den Weg, dazu umwölkte sich der -Himmel und ich wurde auf's Neue gezwungen »beizulegen.« - -Mein Nachtlager war ausgezeichnet, denn durch einen umgestürzten Stamm -gegen den kalten Luftzug geschützt, bei einem herrlichen Feuer, an dem -ein ansehnliches Stück Hirschwildpret schmorte, hätte ich mich sehr wohl -fühlen können, aber -- aber -- die aufsteigenden Wolken machten mich -besorgt, dazu wurde es merklich wärmer, und mir bangte vor Thauwetter. -Ich war viele Meilen in den Sumpf eingedrungen und die ganze Zeit fast -nur auf Eis marschirt, durfte daher wenig trockenen Boden hoffen, wenn -diese Schneemasse jetzt flüssig werden sollte. Doch was konnte ich thun? -ich mußte es abwarten, hüllte mich also in meine Decke und schlief bald -ein. Die Sonne mochte aber schon lange aufgegangen sein, als ich endlich -erwachte und zu meinem Entsetzen das, was für mich das Schrecklichste -war, bestätigt fand -- es regnete und die Luft war mild und warm wie im -Mai -- o wie ich mich jetzt nach einem tüchtigen Nord-Ostwind sehnte. - -Mit welchen Gefühlen ich übrigens meine nasse Decke zusammenrollte und -mich marschfertig machte, läßt sich denken; dabei kamen mir bedeutend -starke Gedanken an Umkehren und Büffel Büffel sein lassen; die Fährten -sahen aber gar zu lockend aus, noch blieb mir die Hoffnung, sie einholen -zu können, ja sogar die Wahrscheinlichkeit war vorhanden, daß sie bei -solchem Wetter nicht weiter ziehen, sondern ruhig äsen würden; fest -entschlossen also, da es jetzt doch auf eine Meile mehr oder weniger -nicht ankam, folgte ich auf's Neue den Fährten und trotzte dem Himmel, -der mir eine Wolke voll Wassers nach der andern auf den Pelz goß. Die -Büffel schienen auch ganz in der Nähe zu sein; in den Fährten stand das -schlammige Wasser, das ihre Tritte aufgerührt hatten, Losung sogar, -die ich fand, war noch warm -- ich mußte sie finden; -- da kam es mir -plötzlich vor, als ob der liebe Gott alle Zapfen aus den Schleußen dort -oben herausgezogen habe -- es regnete nicht mehr, es wasserfallte und -der Erdboden glich einer ungeheuern Eislimonade, nur fehlten Zucker und -Citronen. - -Es ist jedoch ein eigenes Ding um das Menschenherz; vor kleinen -Beschwerden und Gefahren bebt es zurück, stürmt aber alles wild und toll -darauf ein, kommt ein Schlag nach dem andern; dann wird es verstockt -und störrisch, wie ein wilder Stier, macht die Augen zu und stürmt -blindlings gegen Jedes an, was sich ihm in den Weg stellt. - -Etwas besser macht ich's doch, die Bäume umging ich, aber so erbittert -hatte mich dieser, für mich wahrhaft fürchterliche Witterungswechsel -gemacht, daß ich das Äußerste zu wagen beschloß. Der ganze Wald stand -unter Wasser, d. h. unter geschmolzenem Schnee, und ich mußte jetzt -schon auf das höhere, mit Dornen und Schlingpflanzen bewachsene Land, da -sich erstlich die Büffel hierher gewandt hatten und dann auch das Gehen -auf dem Eis fast zur Unmöglichkeit wurde, indem es unter dem Schnee -geschmolzen, wenigstens weich geworden war und beim zweiten oder dritten -Schritte stets einbrach. Noch konnte ich die Fährten erkennen und -folgte, oft bis an den Gürtel im Wasser, dem Wild -- ich war gegen Alles -gleichgültig geworden und hatte nur den einen Gedanken noch -- Büffel -- -ich wollte Büffel sehen -- ich wollte einen schießen und wäre dann mit -dem größtmöglichen Vergnügen gestorben, um nur nicht wieder den ganzen -Weg, den ich gekommen war, zurück machen zu müssen. - -Da wurde der Wald plötzlich licht und nach wenigen hundert Schritten -dehnte sich eine weite, öde Fläche vor mir aus -- es war ein See -- -wenigstens jetzt, er konnte aber nicht gefroren gewesen sein, denn es -lag nur eine dünne Decke geschmolzenen Schnees auf der Oberfläche, und -hier -- hier waren die Büffel hindurch. Deutlich konnte ich die langen, -dunkeln Streifen, die sich quer durch zum anderen Ufer zogen, erkennen; -vergebens aber spähte ich nach den Thieren selbst -- eine räthselhafte -Wanderlust trieb sie vorwärts und ich unglückseliges Menschenkind hatte -gerade diesen Zeitpunkt wählen müssen, um Jagd auf sie zu machen; doch -das Überlegen brachte mich nicht weiter; auf einem etwas trockenen Fleck -band ich alle meine Habseligkeiten in die Decke zusammen, nahm diese auf -die Schulter und -- folgte den Fährten. - -Noch jetzt, wenn ich an diese Jagd zurückdenke, kann ich nicht anders -glauben, als daß ich damals einen gelinden Anfall von Wahnsinn haben -mußte, denn wenn ich die Büffel wirklich überholte, so konnte -ich höchstens ein paar Pfund Fleisch und vielleicht ein Horn, als -Siegestrophäe, mitnehmen; ich fühlte aber jetzt nur den einen Trieb in -mir, hatte nur das eine Ziel im Auge und fand mich sehr bald bis unter -die Arme im Schneewasser, mitten im See. Als mir das Wasser über die -Brust stieg, verging mir der Athem, doch war der Boden glücklicherweise -fest, nicht schlammig, wie ich im Anfang gefürchtet hatte, und ich -erreichte das andere Ufer, -- oder, besser gesagt, das höhere Land, denn -von Ufer war keine Rede, -- ohne unterwegs erstarrt zu sein. Hier fand -ich das Wasser doch wenigstens nur knietief und athmete etwas freier. -Zu meiner großen Verwunderung schien es aber Abend zu werden, und kaum -konnte es, wie ich wenigstens glaubte, Mittagszeit sein. Sollten wir -eine Sonnenfinsterniß haben? dacht' ich einmal -- das war möglich, aber -immer dunkler wurde es, immer stiller im Wald -- in der Ferne ließ sich -ein einzelner Wolf hören -- es war kein Zweifel mehr, die Nacht brach -schon wieder herein, und noch ist es mir unbegreiflich, wie mir die Zeit -an jenem Tage verschwunden sein konnte. - -Der Regen, der am Nachmittag etwas nachgelassen hatte, fing wieder von -frischem an zu gießen, und als ich mich, mit gerade keinen freundlichen -Gefühlen, nach einem Platz zum Lager umsah, regnete es, wie man sagt, -Bindfaden; trotzdem gab ich die Fährten nicht auf -- an Feuermachen war -jedoch gar nicht zu denken; auf dem trockensten Platz, den ich finden -konnte, stand das Wasser anderthalb bis zwei Zoll, und Jedermann wird -eingestehen müssen, daß das immer noch _feucht_ war; ich kauerte mich -daher unter einem halbumgestürzten, schräg liegenden Baumstamm, der -wenigstens die fürchterlichsten Regengüsse von mir abhielt, nieder, -obgleich ich auch schon bessere Dächer, als er war, gesehen habe, und -versuchte zu schlafen. -- Zu schlafen? ja, wenn ich das einen Versuch -nennen will, daß ich einige Male die Augen zumachte; an wirkliches -Schlafen war aber natürlich unter solchen Verhältnissen nicht zu denken; -zwar trug ich noch ein Stück gebratenes Hirschwildpret bei mir, fühlte -aber nicht den mindesten Appetit, es zu verzehren, und erwartete sehnend -und vor Frost schüttelnd den anbrechenden Morgen. - -Mitternacht mochte es sein, als ich, seit der Dämmerung, die ersten -Wölfe wieder hörte -- sie schienen ganz in der Nähe zu sein und heulten -jämmerlich; die armen Bestien mochten wohl auch nasse Füße haben; so -gleichgültig war ich aber gegen ihre Nachbarschaft, so abgestumpft gegen -jede, nur erdenkliche Gefahr geworden, daß ich es nicht einmal der Mühe -werth hielt, das Messer aus der Scheide zu ziehen, sondern ruhig sitzen -blieb und abwartete, was sie thun würden, denn schon der Gedanke, mich -zu bewegen, war mir gräßlich. Es mochten sechs oder sieben Wölfe sein -- -so viel verschiedene Solosänger konnte ich wenigstens unterscheiden und -ich erinnere mich sogar noch recht deutlich, daß ich einmal _gelacht_ -habe, als ein junger Wolf, mit einer besonders dünnen Stimme, so gar -klägliche Töne ausstieß. Immer näher kamen sie, aber, und da es nicht -anders möglich sein konnte, als daß sie mich wittern mußten, denn der -Wolf wittert, wie bekannt, ungemein scharf, so begreife ich eigentlich -jetzt noch nicht, was sie, wenn es nicht ihre grenzenlose Feigheit war, -abhielt, über mich herzufallen, da ich ihre dunklen Gestalten deutlich -erkennen konnte, wie sie im Wasser hin und her wateten. - -Weil mir ihre Nähe aber doch jetzt fast etwas zu freundschaftlich wurde, -beschloß ich, der Sache auf einmal ein Ende zu machen, nahm die Büchse -an den Backen, zielte auf den größten Körper und drückte ab. -- Ja ich -hatte gut drücken -- es war Alles naß geworden; da blieb mir denn weiter -nichts übrig, ich lehnte die Büchse neben mich, und schloß die Augen; -die ganze Sache um mich her kam mir so ekelhaft und fatal vor, daß ich -sie gar nicht mehr sehen mochte. - -Endlich brach der so heiß ersehnte Morgen an -- aber wie -- grau und -feucht; der Regen hatte freilich nachgelassen, doch schien das Wetter -noch viel wärmer geworden zu sein -- der Schnee war jetzt vollkommen -geschmolzen und der ganze Wald eine flüssige Masse, in der jede Fußspur -zusammenlief -- Büffelfährten existirten nur noch in der Erinnerung. Da -stand ich nun, mit meiner Büffeljagd -- Gott weiß, wie viele Meilen von -irgend einer menschlichen Wohnung entfernt, in einem Wald, in dem sich -ein Frosch hätte erkälten müssen, mit einem Stückchen kalten, gebratenen -Hirschfleisch und einer Büchse, die nicht losgehen wollte; ich verzehrte -jedoch vor allen Dingen das erstere, wobei ich Pulver statt Salz -gebrauchen mußte, und stand dann auf, um meine Marschroute für diesen -Tag zu beschließen. - -Wie ich damals das Alles ausgehalten habe, ist mir jetzt noch ein -Räthsel; naß zum Ausringen, die ganze Nacht im Schneewasser, gekrümmt -unter einem Baumstamm gesessen, von Wölfen umheult, fühlte ich mich -jetzt so wohl und kräftig, als ob ich in einem warmen Bette geschlafen -hätte, nur waren mir die Kniegelenke etwas steif. - -Wenn ich aber auch, zu meiner Zeit, ein so eifriger Jäger gewesen -bin, als sich selten findet, so hatte meine Jagdlust durch die letzten -Begebenheiten dennoch einen bedeutenden Stoß erhalten, ich sehnte mich -nach Menschen -- nach Brod, nach Bergen -- denn ohne Berge konnte ich -mir gar keine Erlösung aus dieser Wasserwüste denken: schnell faßte ich -daher meinen Entschluß. -- Ich hatte mein Möglichstes gethan, hatte -bis auf den letzten Augenblick ausgeharrt, und brauchte mir nichts -vorzuwerfen; den Büffeln sagte ich also, mit einem halb traurigen, -halb ärgerlichen Blick nach Südwesten Lebewohl, und schlug die gerade -Richtung nach Nordost ein, um an den S. Francis-Fluß, an die breite -Fahrstraße, zu kommen und von dort den Mississippi zu erreichen, auf dem -ich in den Ohio und auf diesem nach Cincinnati zurückkehren wollte. - -Meiner Lust nach dem Urwald war für eine Zeit lang genügt, und ich -kann mit gutem Gewissen fragen, _wer_ hätte den Wald, unter solchen -Umständen, nicht satt bekommen? Das »Sattbekommen« allein half mir aber -noch nicht heraus und der vor mir liegende Weg erfüllte mich mit Grausen -und Schauder. -- Tagelang mußte ich noch in dem kalten Wasser fortwaten -und eine einzige Nacht Frost konnte meinen Untergang herbeiführen, denn -wenn sich jetzt auf dem Wasser eine dünne, scharfe Eisrinde sammelte, so -wär' ich verloren gewesen; glücklicher Weise blieb es aber warm und ich -trat meinen Marsch, wenn auch nicht mit Singen und Jubeln, aber doch -mit dem festen Entschluß an, Alles, auch das Schlimmste, ohne Murren, zu -ertragen. - -Unmöglich wäre es jedoch, den Weg zu beschreiben, den ich zu -durchwandern hatte. Nur wenige Streifen trockenen Landes fand ich, und -hielt auf dem ersten, um meine Büchse wieder in Stand zu setzen. Dann -aber durch Sumpf und Moor, durch Fluß und seegleiche Wasserstrecken -meine Bahn verfolgend, oft bis unter die Arme im Eiswasser (einige -Male mußte ich sogar schwimmen) erreichte ich gegen Abend einen hohen -indianischen Grabhügel und erquickte mich in dieser Nacht wieder bei -einem lodernden Feuer und einem am Spieß steckenden Truthahn, den -ich, wenige hundert Schritt von meinem Lager, von einem Baum herunter -geschossen hatte. - -Am nächsten Tage blieb mein Marsch nun zwar derselbe -- dieselbe öde -Wasserwüste, derselbe kalte, nasse Wald, mit seinen ungeheueren Bäumen; -doch interessirte mich an diesen jetzt nur noch das Moos, nach dem ich -meine Richtung beibehielt, denn in dem flachen Lande, an den geraden -Stämmen, ist das Moos an der Nordseite (ein klein wenig mehr westlich -als östlich) am stärksten, und man kann ziemlich sicher darnach gehen; -ich wenigstens habe meinen Weg stets sehr gut mit der Beobachtung -desselben gefunden. Wer beschreibt aber meine freudige Überraschung, als -ich gegen Mittag Spuren eines menschlichen Wesens fand und bald darauf -einen Schuß hörte; ich brauche wohl nicht erst zu sagen, wie ich eilte, -um mich diesem anzuschließen; nach nicht gar langem Marsch holte ich den -Jäger auch ein, wie er eben einen erlegten Hirsch aufgehangen hatte; er -war aber ebenfalls nicht wenig erstaunt, _mich_ und zwar an solchem -Ort und in solchem Aufzuge zu sehen. Wäre er nur ein Bischen mit -europäischer Civilisation bekannt gewesen, so würde er mich unbezweifelt -für einen Weinreisenden gehalten haben, so konnte ich ihm nur -versichern, daß ich ein »Pech-Reisender« sei und mich in den Sümpfen -hier zu meinem Vergnügen aufhalte; mein Aussehen mußte das auch -bestätigen. - -Ich hatte jedoch nun den schlimmsten Weg überstanden und erreichte -einige Tage darauf die Ansiedelungen; es bedurfte aber langer Monate, -ehe ich diese Jagd vergessen, wenigstens verschmerzen konnte; doch -durfte ich mich gar nicht beklagen; ich lernte dadurch nur _eine_ der -_vielen_ Schattenseiten kennen, die eine jede Sache haben muß, um nicht -durch Einförmigkeit allen Reiz zu verlieren; fand aber auch zu gleicher -Zeit, daß der _Urwald_ trotz all dem Zauber, der schon allein in dem -Worte liegt, recht sehr prosaisch, ja sogar recht sehr langweilig sein -konnte. Sind daher die deutschen Jagden auch weniger gefahrvoll, also -auch weniger interessant, als die amerikanischen, so ist der Jäger hier -doch auch nicht solchen erschrecklichen Lagen ausgesetzt, als es nur zu -oft dort der Fall ist, und wo einmal eine Sache Zwang wird, wo der im -Walde Lebende schießen _muß_, wenn er nicht verhungern will, hört sie -auf Vergnügen zu sein. - -Drum, -- haben wir auch hier in Deutschland keine Bären- und -Pantherjagden, so sind die Hasentreiben doch äußerst gemüthlich; und -liefern fette Bärrippen und Honig ein sehr leckeres Mahl, so schmeckt -ein gespickter Rehziemer auch nicht so übel. - - - - -Die Bärenjagd am Bayou Meter in Arkansas. - - -Eine reine, klare Julisonne sandte ihre glühenden Strahlen auf die -Sümpfe herab, welche die Bayou Meter am nördlichen Ufer des Arkansas -umgeben. Selbst die Frösche schwiegen, wie erdrückt von der schweren -Atmosphäre, und nur dann und wann unterbrach ein einzelner Ruf -derselben, oder das Zwitschern eines kleinen Waldvogels, die Stille, die -grabesähnlich auf der Wildniß lagerte. - -Da schallte aus weiter Ferne das Geheul einer Meute Hunde herüber, -schwieg wieder einen Augenblick, und erklang dann lauter und näher als -vorher. Jetzt konnte man schon die verschiedenen, tieferen und höheren -Töne einzelner Braken erkennen, und reißend schnell näherte sich die -Jagd der noch vor wenigen Augenblicken geräuschlosen Einsamkeit. -- Ein -Hirsch, der, um den Fliegen und Mosquito's zu entgehen, dicht versteckt -in einem kleinen Schilfdickicht gelegen hatte, sprang auf, streckte und -dehnte sich, horchte einige Sekunden lang dem näher und näher kommenden -Getos der Meute, und sprang dann mit langsamen aber weit gestreckten -graziösen Sätzen in's Gebüsch, einen stilleren, ungestörten Platz zu -seiner Ruhe zu wählen. - -Jetzt schallte das Gebell klar und deutlich, wie nur wenige Schritte -entfernt aus den, mit dornigen Schlingpflanzen dicht durchflochtenen -und durchwachsenen Büschen; dürre Äste krachten, das trockene Laub -raschelte, das ganze Gewirr von Schlinggewächsen kam in Bewegung, -und heraus stürzte mit offenem, dampfenden Rachen, aus dem die rothe, -lechzende Zunge hing, mit zurückgelegten Ohren, mit gesträubtem Haar, -ein gewaltiger Bär, und versuchte über die kleine offene Fläche hinweg -das gegenüber liegende Dickicht zu erreichen. Ihm auf den Fersen aber -folgten fünf mächtige Hunde, und kaum hatte er die Hälfte der kleinen -Waldprairie durchrannt, als der schnellste und kräftigste von ihnen, -ein schwarz und grau gestreifter Bursche mit rothen, glühenden Augen und -fürchterlichem Gebiß, an seiner Seite war und ihn faßte. - -Mit Blitzesschnelle wandte sich der Bär und versuchte seinen Verfolger -mit der Tatze zu erreichen und zu vernichten. Das kluge Thier aber, mit -dieser Jagd vertraut und die Gefahr kennend die in der, mit furchtbarer -Kraft geführten Tatze seines Feindes lag, entging durch einen gewandten -Seitensprung dem wohlgeführten Schlage. Ehe aber der Bär, der sich -augenblicklich wieder zur Flucht wandte, das Zurückprallen seines -Feindes benutzen konnte, das schützende Waldesdunkel zu erreichen, in -welchem wild über einander gestürzte Bäume der verfolgten Bestie den -größten Vorsprung gegeben haben würden, überholten die vier anderen -Rüden jetzt den Verfolgten und umzingelten im Nu das zur äußersten Wuth -gereizte Thier. Vergebens war's, daß sich dieses zur Wehr stellte, und -mit einer Gewandtheit, die Niemand dem anscheinend plumpen Geschöpfe -zugetraut haben würde, nach allen Seiten hin gegen die angreifenden -Hunde Front machte und sie zurückschlug; vergebens, daß schon drei der -kühnsten und unvorsichtigsten ihre Kampflust mit dem Tode gebüßt, und -erschlagen oder schwer verwundet am Boden zuckten; andere, die der Jagd -nicht so schnell hatten folgen können, nahmen die Plätze der Getödteten -ein, und griffen mit immer erneuerter Wuth den vom langen Lauf -erschöpften Bären an. - -Durch einige wohlgeführte und todbringende Schläge jedoch, die -wieder zweien der Meute das Leben kosteten, verschaffte er sich einen -Augenblick Luft und stand schnaufend, mit glühendroth unterlaufenen -Augen, die weißen Zähne bis über das Zahnfleisch hinauf entblößt, einen -frischen Angriff erwartend, da, während die Hunde bellend und heulend -ihn umsprangen. Oft aber, indem sie schon einen raschen Anlauf -versuchten, wurden sie nur durch eine schnelle zuckende Bewegung, ein -Drehen des Kopfes, ein Blinzeln des Auges ihres gefürchteten Feindes -zurückgescheucht, daß sie winselnd zur Seite sprangen, gleich darauf so -viel eifriger ihre Angriffe zu wiederholen. - -Da erscholl nahe und laut der Jagdruf ihres Herrn, des jungen Lobston. --- Sie horchten; noch einmal ertönte der ermunternde Zuruf des jungen -Mannes, der seinem Vater, mit dem er die Jagd begonnen, voraus geeilt -war. Sobald er die Hunde hörte, trieb er sie zu neuen Anstrengungen, den -Feind aufzuhalten, bis er selbst mit Kugel und Messer den Gefährlichen -abfangen und das Land von ihm befreien könne. Schweren Schaden hatte der -Gefräßige nämlich den Heerden der Nachbarschaft zugefügt, und mancher -Hund war schon in seiner Verfolgung geopfert worden, wobei er sich bis -jetzt jedesmal durch seine ungemeine Schnelle und fürchterliche Kraft -den Feinden entzogen und gewisse, sichere Dickichte erreicht hatte, in -die ihm weder Hund noch Pferd folgen konnte und wollte. - -Dießmal schien aber sein Schicksal besiegelt zu sein, denn mit Tigerwuth -und alle Gefahr verachtend, warfen sich jetzt die Hunde, von der Stimme -ihres Herrn gestachelt, auf den gemeinsamen Feind. Umsonst wüthete er -gegen sie mit Zahn und Tatze, umsonst erfaßte er den Lieblingshund des -jungen Lobston, gerade als dieser auf dem Kampfplatz erschien, in seine -tödtliche Umarmung, daß das gequälte Thier laut aufheulte und seinem -Herrn, den es schon dreimal aus Todesnoth gerettet hatte, wie Hilfe -rufend, entgegen schrie. Fang und Klaue verachtend, bedeckte die jetzt -zu rasender Wuth gereizte Meute den Bär, daß er mit ihnen, kämpfend und -um sich hauend, zu Boden stürzte. - -Der junge Lobston war nahe bei dem rollenden, wogenden Knäuel, den die -wüthenden Thiere bildeten, vom Pferde gesprungen, und hatte mehrere -Augenblicke vergebens gesucht, dem Bären eine Kugel beizubringen. Kaum -hie und da konnte er auf Augenblicke ein Stück von dessen Fell sehen, -so hielten ihn die Hunde bedeckt, und die Büchse hinwerfend, das Messer -herausreißend, stürzte er sich gegen den Niedergeworfenen. - -In demselben Augenblicke sprang dieser, wie durch Zauberei von den -Hunden befreit, die nach allen Himmelsrichtungen geschleudert von ihm -weg flogen, empor, und das erste, was sich seinen vernichtenden Blicken -zeigte, war sein grimmigster Feind, der mit geschwungenem Messer auf ihn -zustürzen wollte. - -Der Anblick des mit Schaum und Blut fast überzogenen Thieres war -fürchterlich, und mit solcher schrecklichen Mordgier im Blick sprang es -auf den erschrockenen Jäger zu, daß dieser, der noch nie einen gereizten -Bären in seiner ganzen Furchtbarkeit geschaut hatte, sich entsetzt -wandte und zu fliehen versuchte. - -Nur einen Angstschrei konnte er ausstoßen, als ihn die Bestie erreichte -und niederschlug; in demselben Augenblicke aber hatten sich auch die -Hunde wieder gesammelt, kamen ihrem jungen Herrn zu Hilfe, zwangen den -Bären, ihn loszulassen und folgten dem sich langsam Zurückziehenden in -den dichteren Wald. - -Da krachten wieder die Büsche und dürren Äste desselben Dickichts, aus -welchem vor wenigen Minuten der junge Lobston herauskam, und dessen -Vater, ein alter, weißhaariger Greis, sprengte auf den Wahlplatz. - -Sein Jagdhemd hing in Fetzen an ihm herunter, sein Gesicht war blutig -und zerrissen, und lang flatterten ihm die weißen Locken beim scharfen -Ritt um die Stirn. Auf der Hetze hatte er seine Mütze verloren, als -er im rasenden Sprung, bei dem Roß und Reiter in den unzerreißbaren -Schlingpflanzen hängen geblieben, über eine umgestürzte Eiche -hinweggesetzt, gestürzt und gegen einen Baum geschleudert war. Eben -wollte er, seinem Pferde die Hacken in die Seite setzend, über den -blutigen Fleck hinübersprengen, der Jagd zu folgen, als er seinen Sohn -ohnmächtig, das Gesicht der Erde zugekehrt, am Boden liegen sah, und -mit krampfhaftem Zucken das Pferd zurückriß, daß es hochaufbäumend sich -beinah mit dem wilden Reiter überschlagen hätte. - -»William!« rief er mit vor Angst erstickter Stimme, »William -- um -Gotteswillen antworte, bist Du verwundet?« und alles Andere vergessend, -sprang er vom Pferd, das schnaubend und keuchend stehen blieb, und -versuchte den Sohn aufzurichten. - -Dieser holte nur schwach Athem und schlug mit Mühe die Augen auf, den -Vater zu bewillkommnen. Sein Gesicht war todtenbleich und, wie seine -vorn ganz aufgerissenen Kleider, mit Blut überzogen. - -Der alte Mann kniete neben ihm und legte den Kopf des Kindes auf sein -Knie, während der Verwundete zu lächeln versuchte. Da schlugen, nicht -sehr weit entfernt, die Hunde wieder wie rasend an, und heulten und -jauchzten, daß der alte Jäger unwillkürlich seinen Kopf hob und den -bekannten Tönen lauschte. - -»Sie haben ihn auf einem Baume,« murmelte William leise. - -»Ich weiß wohl, ich weiß wohl,« sagte der Alte, »aber laß ihn da sitzen -und laß die Hunde darunter verhungern; ich kann Dich nicht verlassen.« - -»Geh -- geh,« bat der Sohn -- »o laß ihn dießmal nicht entkommen.« - -»Aber, William, Du liegst schwer verwundet hier, ich weiß nicht einmal -wie schwer und ich sollte Dich jetzt verlassen? nicht um alle Bären in -Arkansas -- laß mich lieber sehen, wo Dich die Bestie getroffen hat,« -und mit vorsichtiger Hand versuchte er die Kleider zu entfernen, um die -Wunde zu entdecken; aber ein Schmerzensschrei des Kindes hinderte ihn, -und besorgt zog er die helfende Hand zurück. - -»Es thut wohl recht weh?« fragte er ängstlich. - -»Vater -- schieß den Bär,« bat der Sohn, »ich sterbe hier vor Ungeduld --- höre nur, wie uns die Hunde rufen -- der alte Wolf ruft mich!« - -»Aber soll ich Dich hier allein lassen?« fragte der Alte, noch -unschlüssig. - -»Du bist in zehn Minuten wieder zurück, und wenn ich den Knall der -Büchse und den Sturz des Bären höre, werde ich wieder gesund!« - -Die Hunde heulten jetzt wirklich auf eine herzzerreißende Art, und der -alte Jäger, von den Bitten des Sohnes und seinem eignen Wunsche, ein -schwerverwundetes Kind zu rächen, gedrängt, winkte dem ihm freudig -Zulächelnden noch ein kurzes Lebewohl, sprang auf sein Pferd und seinen -Jagdruf ausstoßend, der von der Meute jubelnd beantwortet wurde, war er -in wenigen Sekunden im Waldesdunkel verschwunden. - -Bald darauf ließ das Bellen der Hunde nach, ein Augenblick ängstlichen -Stillschweigens, der früheren Todtenstille ähnlich, herrschte, und der -Verwundete hob sich mit unendlicher Mühe etwas auf seinem Ellbogen in -die Höhe, um sein Gesicht nach der Seite hin zu kehren, von welcher -her er den Schuß zu hören erwartete. Da krachte der scharfe Knall der -Büchse; die Hunde stießen einen Schrei aus, und gleich darauf schallte -der dumpfe Fall des schweren Thieres, das von seiner erklommenen Höhe -herabstürzte, zu dem jungen Mann herüber. Hochauf athmete der, und sank -zufrieden lächelnd auf die Wurzel des Baumes zurück, unter dem er lag. - -Wenige Minuten darauf aber sprengte auch schon in vollem Carriere sein -Vater wieder zurück, warf sich vom Pferde und kniete an der Seite des -todtmatten jungen Mannes nieder, der bleich, mit geschlossenen Augen, -aber leise athmend da lag. - -»William,« sagte er, leise seinen Arm berührend, »William -- schläfst -Du?« - -»Nein, Vater,« hauchte der Kranke, die Augen aufschlagend und ihn -freundlich anblickend -- »hast Du den Bär?« - -»Hier ist seine Tatze,« sagte der Alte, indem er dem Sohne die blutige, -abgeschnittene Tatze des Ungethüms hinhielt -- »der ist nicht mehr -schädlich.« - -»Nun sterb' ich gern,« hauchte der Jüngling, und erfaßte seines Vaters -Hand. - -»Sterben, William? Thorheit -- komm, sei ein Mann; steh' auf, komm, ich -helfe Dir,« und mit Todesangst im Blick, versuchte er den Verwundeten zu -unterstützen. - -»Vater, Du thust mir weh!« seufzte dieser. - -»Um Gotteswillen, wo fehlt es Dir denn?« fragte der alte Mann, jetzt -wirklich zum ersten Mal die Möglichkeit vor Augen sehend, daß sein Sohn -zum Tode verwundet sein könne. - -»Hier,« sagte dieser, indem er auf seine rechte Brust zeigte -- »hier -- -es ist Alles aufgerissen, im Rücken sticht es auch recht -- und -- die -Mosquito's sind so bös.« - -»William,« fragte der Vater in seiner Herzensangst, »kannst Du reiten?« - -Der Sohn schüttelte traurig den Kopf. - -In Todesangst rang der Vater die Hände und stöhnte endlich mit leiser, -drängender Stimme: - -»Aber hier kannst Du nicht liegen bleiben, William; die Insekten -brächten Dich um, kein Mensch könnte Dich pflegen und Du müßtest -verschmachten, wenn die Sonne morgen wieder so heiß wie heute brennt. -Wir sind aber kaum vier Meilen von unserem Haus, Du weißt, der Bär -wandte sich ganz wieder dem Flusse zu und es kann kaum 200 Schritt bis -zur Bayou sein. Ich will Dich aufnehmen und tragen; ich thue es gewiß -vorsichtig!« - -»Ach, ich bin zu schwer für Dich, Vater!« seufzte der junge Mann. - -»Nein, nein, William, ich habe Dich zu tausendmal getragen. Damals warst -Du freilich noch kleiner und ich war stärker, Du bist aber jetzt krank -und ich will Dich schon vorsichtig fortbringen.« - -Ohne eine weitere Antwort abzuwarten, beugte er sich nieder, hob leise -und sanft den Verwundeten auf, nahm ihn in seine Arme und wanderte mit -starken Schritten heimwärts, fortwährend in das bleiche Antlitz -seines Sohnes schauend, das bei jedem Fehltritt, bei der geringsten -Erschütterung schmerzhaft zusammenzuckte und dessen Farbe mit jedem -Augenblicke fahler und bleicher wurde. Zwei Meilen mochte der alte -Lobston den Sohn wie ein krankes Kind also getragen haben, als dieser -flehend bat ihn nieder zu legen und ruhen zu lassen, er könne es nicht -mehr aushalten. Der Vater willfahrte der Bitte und legte ihn in's -Gras, und brachte ihm in seinem Blechbecher, den er am Gürtel trug, zu -trinken; dann aber trieb er auch um so mehr, das schützende Obdach -des Hauses zu erreichen, aus der Nachbarschaft dort weibliche Pflege -herbeizuholen. - -Sanft nahm er den Verwundeten wieder auf und trug ihn mit unendlicher -Mühe durch die Unzahl hochaufwachsender Cypressenwurzeln, die den Weg -überall unterbrachen. Ängstlich vermied er dabei auch die kleinste -Erschütterung, während keiner von ihnen weiter ein Wort sprach, bis der -Vater endlich das, ihm peinlich werdende Schweigen brach und, sich zum -Sohne niederbeugend, lispelte: - -»Nur noch eine Viertelstunde, mein William, nur noch eine Viertelstunde, -dann lege ich Dich sanft auf Dein Bett und rufe Nachbar Spellens Anna. -Die soll Dich pflegen und dann wird Dir bald wieder besser werden. Zu -Hause nehmen wir auch die blutigen Kleider ab und -- aber William,« -unterbrach er sich ängstlich, indem er still stand. - -Der Sohn schlug noch einmal die Augen zu ihm auf, öffnete den Mund, als -wenn er reden wollte, streckte sich und athmete tief auf, während ein -tiefer Schmerz ihm durch das Antlitz zuckte. - -»William!« rief der Greis entsetzt, »William! so antworte doch -- thue -ich Dir weh? --« - -Der Sohn antwortete nicht mehr -- er war todt. - -Der Vater legte den Körper in's Gras, rieb ihm die Schläfe, nahm seinen -Kopf auf den Schooß, erfaßte seine Hände; es war nutzlos, sein Kind war -todt. - -Da übermannte ihn einen Augenblick sein Gefühl; er warf sich auf den -Leichnam und schluchzte laut; dann aber, sich gewaltsam sammelnd, stand -er ruhig auf, nahm die Leiche wieder in seine Arme, und trug sie, so -sorgfältig als er das verwundete Kind gehalten hatte, dem jetzt nur noch -wenige hundert Schritte entfernten Hause zu. Dort angekommen, legte er -die Leiche auf das Bett, rückte einen Sessel daneben und des Kindes Hand -in die seinige nehmend, legte er seinen Finger auf dessen Pulsader, um -den leisesten Schlag derselben zu vernehmen, das unbedeutendste Zucken -seiner Augenlider zu bemerken. Es war die letzte Hoffnung des Vaters, -dem starren unerbittlichen Tode gegenüber. - -Ruhig und geduldig, ja vielleicht ohne sie zu bemerken, hielt der Greis -die Stiche von ganzen Schaaren Mosquito's aus, die ihn umschwärmten, -beobachtete sogar mit fieberhafter Spannung die einzelnen der kleinen -Blutsauger, wenn sie sich auf das Gesicht der Leiche niederließen, zu -entdecken, ob noch nicht aller Lebenssaft aus den Adern des einzigen -Kindes gewichen sei. Die Mosquito's aber senkten ihren Stachel in die -Haut und tauchten umsonst mit der langen Spitze desselben nach der -warmen Nahrung, zogen ihn wieder heraus, versuchten an einer anderen -Stelle und verließen dann, summend und unmuthig, den blutlosen Leichnam. - -So kam die Nacht; der alte Mann stand auf und zündete ein Licht, von -Hirschtalg und Bienenwachs gegossen, an, das er auf den Tisch stellte -und denselben nahe zum Bett rückte. Dann setzte er sich selbst wieder -auf seine alte Stelle, und die Hand des Kindes in der seinigen, -erwartete er das erste Tageslicht. Als nun endlich der Morgen dämmerte, -die Sonne hinter den Baumwipfeln emportauchte, da stand er auf, -ging hinaus, nahm eine Hacke und fing an das Grab seines Erst- und -Einzig-Geborenen zu bereiten. - -Als die Grube tief genug war, wickelte er die Leiche in die wollene -Jagddecke, küßte noch einmal Lippe und Stirn des Kindes, senkte ihn -sanft hinab, legte dachartig lange Schindeln über ihn hinweg, daß ihn -die Erdschollen nicht berühren konnten und füllte das Grab aus. - -Das beendet, rollte er mit unsäglicher Mühe einen abgehauenen, zu -Fenzstangen bestimmten Eichenstamm auf das Grab, schlug die Rinde -oben ab, und grub mit seinem schweren Jagdmesser, das er meiselartig -gebrauchte, den Namen seines Sohnes in rohen Buchstaben auf den Stamm. - -An demselben Tag noch fing er die beiden Pferde wieder auf, die er an -dem gestrigen Unglücksabend im Walde verlassen hatte, bepackte sie mit -dem Nöthigsten, was er bei einer neuen Ansiedelung zunächst zu brauchen -glaubte, und zog über den Arkansas hinüber nach den Masserne-Gebirgen, -dort ungestört den Tod seines geliebten Kindes beweinen zu können. - -Das Haus stand verlassen und öde, der Stamm aber, der auf dem Grab des -Jägers lag, war jeden Sonntag Morgen mit frischen, bunten Waldblumen -geschmückt. Ein junges Mädchen kniete dann wohl eine Stunde lang, die -Stirne auf die rauhe Rinde gepreßt, still daneben und netzte mit ihren -Thränen die rauhe Decke des jungen Backwoodsman. - - -Druck von _Alexander Wiede_ in Leipzig. - - - - -[ -Hinweise zur Transkription - -Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Großgeschriebene -Umlaute waren im Original als Ae, Oe und Ue abgedruckt und wurden durch -Ä, Ö und Ü ersetzt. Offensichtliche Wortfehler wurden korrigiert, bei -Zweifeln der Originaltext beibehalten. Eine Liste der vorgenommenen -Änderungen befindet sich hier am Buchende, Änderungen in der Zeichensetzung -sind dort nicht aufgeführt. - -Textauszeichnungen wurden folgendermaßen ersetzt: - Sperrung: _gesperrter Text_ - Antiquaschrift: =Antiquatext= - - - - -Änderungen - - Seitenangabe - originaler Text - geänderter Text - - im Inhaltsverzeichnis - Herrn von Sechingen im Urwald gefiel 1 - Herrn von Sechingen im Urwald gefiel 219 - - Seite 261 - undankbarer Mensch -- Charleh Fischer ein -- Aufschneider sei. - undankbarer Mensch -- Charley Fischer ein -- Aufschneider sei. - - Seite 274 - Sie sind mir so wilkommen, wie die Blumen im Mai - Sie sind mir so willkommen, wie die Blumen im Mai - - Seite 281 - scheint dann die liebe Sonne und zwischern die muntern Vögel - scheint dann die liebe Sonne und zwitschern die muntern Vögel - - Seite 284 - mit allem möglichen Schies- und Jagdgeräth behangen - mit allem möglichen Schieß- und Jagdgeräth behangen - - Seite 293 - den Ohio, einen großen, schönen Strom - den Ohio, einem großen, schönen Strom - - Seite 315 - sich die Verhältnisse ziemlich gleich leiben, - sich die Verhältnisse ziemlich gleich bleiben, - - Seite 317 - bis einer der Sitzenden aufstand, welchen er dann - bis einer der Sitzenden aufstand, welchem er dann - - Seite 335 - an's Herz legte, das letzverübte Verbrechen zu gestehen, - an's Herz legte, das letztverübte Verbrechen zu gestehen, - - Seite 336 - das er glaube einen Menschen hier in der Gegend gesehen zu haben - daß er glaube einen Menschen hier in der Gegend gesehen zu haben - - Seite 366 - Der Irländer erkläre, er könne keine hundert Schritte - Der Irländer erklärte, er könne keine hundert Schritte - - Seite 368 - mit zugeschnürter Kehle an einem Chesnutast in Pensylvanien - mit zugeschnürter Kehle an einem Chestnutast in Pensylvanien - - Seite 388 - In Louisiana besteht der Haupnutzen des Pedlars - In Louisiana besteht der Hauptnutzen des Pedlars - - Seite 403 - Aus ist der Preis gerade für diesen Artikel - Auch ist der Preis gerade für diesen Artikel - - Seite 404 - Diese Krämerboote zeichnen sich vor den ernsteren Kameraden - Diese Krämerboote zeichnen sich vor den ersteren Kameraden -] - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Amerikanische Wald- und Strombilder. -Zweiter Band., by Friedrich Gerstäcker - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK AMERIKANISCHE WALD- UND STROMBILDER *** - -***** This file should be named 41585-8.txt or 41585-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/1/5/8/41585/ - -Produced by richyfourtytwo and the Online Distributed -Proofreading Team at http://www.pgdp.net - - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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It exists -because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from -people in all walks of life. - -Volunteers and financial support to provide volunteers with the -assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's -goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will -remain freely available for generations to come. In 2001, the Project -Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure -and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. -To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation -and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 -and the Foundation information page at www.gutenberg.org - - -Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive -Foundation - -The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit -501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the -state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal -Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification -number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent -permitted by U.S. federal laws and your state's laws. - -The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. -Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered -throughout numerous locations. Its business office is located at 809 -North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email -contact links and up to date contact information can be found at the -Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact - -For additional contact information: - Dr. Gregory B. Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - |
