summaryrefslogtreecommitdiff
path: root/40854-8.txt
diff options
context:
space:
mode:
Diffstat (limited to '40854-8.txt')
-rw-r--r--40854-8.txt3227
1 files changed, 0 insertions, 3227 deletions
diff --git a/40854-8.txt b/40854-8.txt
deleted file mode 100644
index e0461a2..0000000
--- a/40854-8.txt
+++ /dev/null
@@ -1,3227 +0,0 @@
-Project Gutenberg's Versuche über Pflanzenhybriden, by Gregor Mendel
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Versuche über Pflanzenhybriden
-
-Author: Gregor Mendel
-
-Release Date: September 24, 2012 [EBook #40854]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSUCHE ÜBER PFLANZENHYBRIDEN ***
-
-
-
-
-Produced by Frank van Drogen, Jens Nordmann and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-
-
-
-
-
-
-
- OSTWALD'S KLASSIKER
- DER EXAKTEN WISSENSCHAFTEN.
- Nr. 121.
-
-
- VERSUCHE
-
- ÜBER
-
- PFLANZENHYBRIDEN.
-
-
- Zwei Abhandlungen.
- (1866 und 1870.)
-
- Von
-
- GREGOR MENDEL.
-
-
- WILHELM ENGELMANN IN LEIPZIG
-
-
-
-
- Ankündigung.
-
-
-Der großartige Aufschwung, den die Naturwissenschaften in unsrer Zeit
-erfahren haben, ist, wie allgemein anerkannt wird, nicht zum kleinsten
-Teile durch Ausbildung und Verbreitung der =Unterrichtsmittel=, der
-Experimentalvorlesungen, Laboratorienarbeiten u. a. bedingt. Während durch
-die vorhandenen Einrichtungen zwar die Kenntnis des gegenwärtigen Inhaltes
-der Wissenschaft auf das erfolgreichste vermittelt wird, haben hochstehende
-und weitblickende Männer wiederholt auf einen Mangel der gegenwärtigen
-wissenschaftlichen Ausbildung jüngerer Kräfte hinweisen müssen. =Es ist
-dies das Fehlen historischen Sinnes und der Mangel an Kenntnis jener großen
-Arbeiten, auf denen das Gebäude der Wissenschaft ruht=.
-
-Diesem Mangel soll durch die Herausgabe der
-
-
- Klassiker der exakten Wissenschaften
-
-abgeholfen werden. In handlicher Form und zu billigem Preise sollen die
-grundlegenden Abhandlungen der gesamten exakten Wissenschaften den Kreisen
-der Lehrenden und Lernenden zugänglich gemacht werden. Es soll dadurch ein
-=Unterrichtsmittel= beschafft werden, das ein Eindringen in die
-Wissenschaft gleichzeitig belebt und vertieft. Es ist aber auch ein
-=Forschungsmittel= von großer Bedeutung. Denn in jenen grundlegenden
-Schriften ruhten nicht nur die Keime, die inzwischen sich entwickelt und
-Früchte getragen haben, sondern es ruhen in ihnen noch zahllose andre
-Keime, die noch der Entwicklung harren. Dem in der Wissenschaft Arbeitenden
-und Forschenden bilden jene Schriften eine unerschöpfliche Fundgrube von
-Anregungen und fördernden Gedanken.
-
-=Die Klassiker der exakten Wissenschaften= sollen die rationellen
-Naturwissenschaften, von der Mathematik bis zur Physiologie umfassen und
-werden Abhandlungen aus den Gebieten der =Mathematik=, =Astronomie=,
-=Physik=, =Chemie= (einschließlich =Kristallkunde=), =Botanik= und
-=Physiologie= enthalten.
-
-Die allgemeine Redaktion führt Professor Dr. =Arthur von Oettingen=
-(Leipzig); die einzelnen Ausgaben werden durch hervorragende Vertreter der
-betreffenden Wissenschaften besorgt. Die Leitung der einzelnen Abteilungen
-übernahmen: für Astronomie Prof. Dr. =Bruns= (Leipzig), für Mathematik
-Prof. Dr. =Wangerin= (Halle), für Kristallkunde Prof. Dr. =Groth=
-(München), für Pflanzenphysiologie Prof. Dr. W. =Pfeffer= (Leipzig), für
-Chemie Prof. Dr. R. =Abegg= (Breslau), für Physik Prof. Dr. A. v.
-=Oettingen= (Leipzig).
-
-Erschienen sind bis jetzt aus dem Gebiete der
-
-
- Botanik:
-
- Nr. 1. $H. Helmholtz,$ Erhalt. d. Kraft. (1847.) 6. Taus. (60 S.)
- _M_ --.80.
-
- » 15. $Théod. de Saussure,$ Chem. Untersuch. über d. Vegetation.
- (1804.) 1. =Hälfte=. Mit 1 Taf. Übersetzt von A. =Wieler=.
- (96 S.) _M_ 1.80.
-
- » 16. ---- ---- 2. =Hälfte=. Übersetzt v. A. =Wieler=. (113 S.)
- _M_ 1.80.
-
- » 26. $Justus Liebig,$ Über die Konstitution der organ. Säuren.
- (1838.) Herausgegeben von =Herm. Kopp=. (86 S.) _M_ 1.40.
-
- » 28. $L. Pasteur,$ Über die Asymmetrie bei natürlich vorkommenden
- organischen Verbindungen. (1860.) Übersetzt und herausgegeben
- von M. u. A. =Ladenburg=. (36 S.) _M_ --.60.
-
- » 39. $L. Pasteur,$ Die in der Atmosphäre vorhandenen organisierten
- Körperchen, Prüfung der Lehre von der Urzeugung. (1862.) Übers.
- v. A. =Wieler=. Mit 2 Tafeln. (98 S.) _M_ 1.80.
-
- » 41. $D. Joseph Gottlieb Kölreuters$ vorläufige Nachricht von
- einigen das Geschlecht der Pflanzen betreffenden Versuchen und
- Beobachtungen, nebst Fortsetzungen 1, 2 u. 3. (1761-1766.)
- Herausg. von W. =Pfeffer=. (266 S.) _M_ 4.--.
-
- » 48. $Christian Konrad Sprengel,$ Das entdeckte Geheimnis der Natur
- im Bau und in der Befruchtung der Blumen. (1793.) Herausg. von
- =Paul Knuth=. In 4 Bändchen. I. =Bändchen=. (184 S.) _M_ 2.--.
-
- » 49. ---- ---- II. =Bändchen=. (172 S.) _M_ 2.--.
-
- » 50. ---- ---- III. =Bändchen=. (180 S.) _M_ 2.--.
-
- » 51. ---- ---- IV. =Bändchen=. (7 S. u. 25 Tafeln.) _M_ 2.--.
-
- » 57. $Fahrenheit, Réaumur, Celsius,$ Thermometrie. (1724, 1730 bis
- 1733, 1742.) Herausgeg. von A. J. =von Oettingen=. Mit 17 Fig.
- im Text. (140 S.) _M_ 2.40.
-
- » 62. $Thomas Andrew Knight,$ Sechs pflanzenphysiologische Abhandlg.
- (1803-1812.) Übers. u. herausg. v. H. =Ambronn=. (63 S.)
- _M_ 1.--.
-
- » 84. $Caspar Friedrich Wolffs$ Theoria generationis. (1759.)
- I. =Teil=. (Entwicklung der Pflanzen.) Übersetzt und
- herausgegeben von =Paul Samassa=. Mit 1 Tafel. (96 S.) _M_ 1.20.
-
- » 85. ---- ---- (1759.) II. =Teil=. (Entwickl. der Tiere.
- Allgemeines.) Übers. u. herausg. v. =Paul Samassa=. Mit 1 Taf.
- (98 S.) _M_ 1.20.
-
- » 92. $H. Kolbe,$ Über den natürlichen Zusammenhang der organischen
- mit den unorganischen Verbindungen, die wissenschaftl. Grundlage
- zu einer naturgemäßen Klassifikation der organisch. chemischen
- Körper. (1859.) Herausg. von =Ernst von Meyer=. (42 S.)
- _M_ --.70.
-
- » 94. $E. Mitscherlich,$ Über das Verhältnis zwischen der chemischen
- Zusammensetz. u. der Kristallform arseniksaurer u.
- phosphorsaurer Salze. (1821.) Herausg. v. P. =Groth=. Mit 35
- Textfiguren. (59 S.) _M_ 1.--.
-
- » 95. $Ernst V. Brücke,$ Pflanzenphysiologische Abhandlungen.
- I. Blüthen des Rebstockes. II. Bewegungen der Mimosa pudica.
- III. Elementarorganismen. IV. Brennhaare von Urtica.
- (1844-1862.) Herausgeg. von A. =Fischer=. Mit 9 Textfiguren.
- (86 S.) _M_ 1.40.
-
- » 105. $R. J. Camerarius,$ Über das Geschlecht der Pflanzen. (De sexu
- plantarum epistola.) (1694.) Übersetzt u. herausg. von
- M. =Möbius=. Mit dem Bildnis von R. J. =Camerarius=. (78 S.)
- _M_ 1.50.
-
- » 120. $Marcellus Malpighi,$ Die Anatomie der Pflanzen. I. und
- II. Teil. (1675 u. 1679.) Bearb. v. M. =Möbius=. Mit 50 Abbild.
- (163 S.) _M_ 3.--.
-
- » 121. $Gregor Mendel,$ Versuche über Pflanzenhybriden. Zwei Abhandlg.
- (1866 u. 1870.) Herausgeg. von =Erich von Tschermak=. 2. Aufl.
- Mit einem Titelbild von G. Mendel. (68 S.) _M_ 2.80.
-
- » 154. $Henri Dutrochet,$ Physiologische Untersuchungen über die
- Beweglichkeit der Pflanzen. (1824.) Übersetzt und herausgegeben
- von =Alexander Nathansohn=. Mit 29 Textfiguren. (148 S.)
- _M_ 2.20.
-
- » 159. $A. S. Marggraf,$ Chymische Versuche, einen wahren Zucker aus
- verschiedenen Pflanzen, die in unseren Ländern wachsen, zu
- ziehen. -- $F. C. Achard,$ Anleitung zum Anbau der zur
- Zuckerfabrikation anwendbaren Runkelrüben und zur vorteilhaften
- Gewinnung des Zuckers aus denselben. -- Die beiden
- Grundschriften der Rübenzuckerfabrikation. Herausgeg. von
- =Edmund O. von Lippmann=. (72 S.) _M_ 1.20.
-
- » 176. $Th. Schwann,$ Mikroskopische Untersuchungen über die
- Übereinstimmung in der Struktur und dem Wachstume der Tiere und
- Pflanzen. Herausgeg. von F. =Hünseler=. Mit dem Bilde von
- Th. Schwann u. 4 Tafeln. (242 S.) _M_ 3.60.
-
- $Wilhelm Engelmann.$
-
-
-
-
-[Illustration: Gregor Mendel in der Zeit seiner Tätigkeit als Forscher und
-Lehrer (um 1862).]
-
-
-
-
- VERSUCHE
-
- ÜBER
-
- PFLANZENHYBRIDEN.
-
-
- Zwei Abhandlungen.
- (1866 und 1870.)
-
- Von
-
- GREGOR MENDEL.
-
- * * * * *
-
- Herausgegeben
-
- von
-
- $Erich von Tschermak.$
-
- =Zweite Auflage=.
-
- * * * * *
-
- LEIPZIG
- VERLAG VON WILHELM ENGELMANN
- 1911
-
-
-
-
- I.
-
- Versuche über Pflanzenhybriden.
-
- Von
-
- Gregor Mendel.
-
- (Vorgelegt in den Sitzungen vom 8. Februar und 8. März 1865.)
-
- Gedruckt in den Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brünn. IV.
- Band. Abhandlungen[A] 1865. Brünn, 1866. Im Verlage des Vereines.
- S. 3-47.
-
-
- Einleitende Bemerkungen.
-
-Künstliche Befruchtungen, welche an Zierpflanzen deshalb vorgenommen
-wurden, um neue Farbenvarianten zu erzielen, waren die Veranlassung zu den
-Versuchen, die hier besprochen werden sollen. Die auffallende
-Regelmässigkeit, mit welcher dieselben Hybridformen immer wiederkehrten, so
-oft die Befruchtung zwischen gleichen Arten geschah, gab die Anregung zu
-weiteren Experimenten, deren Aufgabe es war, die Entwicklung der Hybriden
-in ihren Nachkommen zu verfolgen.
-
-Dieser Aufgabe haben sorgfältige Beobachter, wie _Kölreuter_, _Gärtner_,
-_Herbert_, _Lecocq_, _Wichura_ u. A. einen Theil ihres Lebens mit
-unermüdlicher Ausdauer geopfert. Namentlich hat _Gärtner_ in seinem Werke
-»die Bastarderzeugung im Pflanzenreiche« sehr schätzbare Beobachtungen
-niedergelegt, und in neuester Zeit wurden von _Wichura_ gründliche
-Untersuchungen über die Bastarde der Weiden veröffentlicht. Wenn es noch
-nicht gelungen ist, ein allgemein gültiges Gesetz für die Bildung und
-Entwicklung der Hybriden aufzustellen[1], so kann das Niemanden Wunder
-nehmen, der den Umfang der Aufgabe kennt, und die Schwierigkeiten zu
-würdigen weiss, mit denen Versuche dieser Art zu kämpfen haben. Eine
-endgültige Entscheidung kann erst dann erfolgen, wenn =Detailversuche= aus
-den verschiedensten Pflanzenfamilien vorliegen. Wer die Arbeiten auf diesem
-Gebiete überblickt, wird zu der Ueberzeugung gelangen, dass unter den
-zahlreichen Versuchen keiner in dem Umfange und in der Weise durchgeführt
-ist, dass es möglich wäre, die Anzahl der verschiedenen Formen zu
-bestimmen, unter welchen die Nachkommen der Hybriden auftreten, dass man
-diese Formen mit Sicherheit in den einzelnen Generationen ordnen und die
-gegenseitigen numerischen Verhältnisse feststellen könnte. Es gehört
-allerdings einiger Muth dazu, sich einer so weit reichenden Arbeit zu
-unterziehen; indessen scheint es der einzig richtige Weg zu sein, auf dem
-endlich die Lösung einer Frage erreicht werden kann, welche für die
-Entwicklungsgeschichte der organischen Formen von nicht zu unterschätzender
-Bedeutung ist.
-
-Die vorliegende Abhandlung bespricht die Probe eines solchen
-Detailversuches. Derselbe wurde sachgemäss auf eine kleine Pflanzengruppe
-beschränkt und ist nun nach Verlauf von acht Jahren im Wesentlichen
-abgeschlossen. Ob der Plan, nach welchem die einzelnen Experimente geordnet
-und durchgeführt wurden, der gestellten Aufgabe entspricht, darüber möge
-eine wohlwollende Beurtheilung entscheiden.
-
- [A] Die in Klammern beigefügten Nummern bezeichnen die Seitenzahlen des
- Originals.
-
-
- Auswahl der Versuchspflanzen.
-
-Der Werth und die Geltung eines jeden Experimentes wird durch die
-Tauglichkeit der dazu benützten Hilfsmittel, sowie durch die zweckmässige
-Anwendung derselben bedingt. Auch in dem vorliegenden Falle kann es nicht
-gleichgültig sein, welche Pflanzenarten als Träger der Versuche gewählt und
-in welcher Weise diese durchgeführt wurden.
-
-Die Auswahl der Pflanzengruppe, welche für Versuche dieser Art dienen soll,
-muss mit möglichster Vorsicht geschehen, wenn man nicht im Vorhinein allen
-Erfolg in Frage stellen will.
-
-Die Versuchspflanzen müssen nothwendig
-
-1. Constant differirende Merkmale besitzen.
-
-2. Die Hybriden derselben müssen während der Blüthezeit vor der Einwirkung
-jedes fremdartigen Pollens geschützt sein oder leicht geschützt werden
-können.
-
-3. Dürfen die Hybriden und ihre Nachkommen in den aufeinander folgenden
-Generationen keine merkliche Störung in der Fruchtbarkeit erleiden.
-
-Fälschungen durch fremden Pollen, wenn solche im Verlaufe des Versuches
-vorkämen und nicht erkannt würden, müssten zu ganz irrigen Ansichten
-führen. Verminderte Fruchtbarkeit, oder gänzliche Sterilität einzelner
-Formen, wie sie unter den Nachkommen vieler Hybriden auftreten, würden die
-Versuche sehr erschweren oder ganz vereiteln. Um die Beziehungen zu
-erkennen, in welchen die Hybridformen zu einander selbst und zu ihren
-Stammarten stehen, erscheint es als nothwendig, dass die Glieder der
-Entwicklungsreihe in jeder einzelnen Generation =vollzählig= der
-Beobachtung unterzogen werden.
-
-Eine besondere Aufmerksamkeit wurde gleich Anfangs den =Leguminosen= wegen
-ihres eigenthümlichen Blüthenbaues zugewendet. Versuche, welche mit
-mehreren Gliedern dieser Familie angestellt wurden, führten zu dem
-Resultate, dass das Genus =Pisum= den gestellten Anforderungen hinreichend
-entspreche. Einige ganz selbständige Formen aus diesem Geschlechte
-besitzen constante, leicht und sicher zu unterscheidende Merkmale, und
-geben bei gegenseitiger Kreuzung in ihren Hybriden vollkommen fruchtbare
-Nachkommen. Auch kann eine Störung durch fremde Pollen nicht leicht
-eintreten, da die Befruchtungsorgane vom Schiffchen enge umschlossen sind
-und die Antheren schon in der Knospe platzen, wodurch die Narbe noch vor
-dem Aufblühen mit Pollen überdeckt wird. Dieser Umstand ist von besonderer
-Wichtigkeit. Als weitere Vorzüge verdienen noch Erwähnung die leichte
-Cultur dieser Pflanze im freien Lande und in Töpfen, sowie die
-verhältnissmässig kurze Vegetationsdauer derselben. Die künstliche
-Befruchtung ist allerdings etwas umständlich, gelingt jedoch fast immer. Zu
-diesem Zwecke wird die noch nicht vollkommen entwickelte Knospe geöffnet,
-das Schiffchen entfernt und jeder Staubfaden mittelst einer Pincette
-behutsam herausgenommen, worauf dann die Narbe sogleich mit dem fremden
-Pollen belegt werden kann.[2]
-
-Aus mehreren Samenhandlungen wurden im Ganzen 34 mehr oder weniger
-verschiedene Erbsensorten bezogen und einer zweijährigen Probe unterworfen.
-Bei einer Sorte wurden unter einer grösseren Anzahl gleicher Pflanzen
-einige bedeutend abweichende Formen bemerkt. Diese variirten jedoch im
-nächsten Jahre nicht und stimmten mit einer anderen, aus derselben
-Samenhandlung bezogenen Art vollständig überein; ohne Zweifel waren die
-Samen bloss zufällig beigemengt. Alle anderen Sorten gaben durchaus gleiche
-und constante Nachkommen, in den beiden Probejahren wenigstens war eine
-wesentliche Abänderung nicht zu bemerken. Für die Befruchtung wurden 22
-davon ausgewählt und jährlich, während der ganzen Versuchsdauer angebaut.
-Sie bewährten sich ohne alle Ausnahme.
-
-Die systematische Einreihung derselben ist schwierig und unsicher. Wollte
-man die schärfste Bestimmung des Artbegriffes in Anwendung bringen, nach
-welcher zu einer Art nur jene Individuen gehören, die unter völlig gleichen
-Verhältnissen auch völlig gleiche Merkmale zeigen, so könnten nicht zwei
-davon zu einer Art gezählt werden. Nach der Meinung der Fachgelehrten
-indessen gehört die Mehrzahl der Species Pisum sativum an, während die
-übrigen bald als Unterarten von P. sativum, bald als selbständige Arten
-angesehen und beschrieben wurden, wie P. quadratum, P. saccharatum, P.
-umbellatum. Uebrigens bleibt die Rangordnung, welche man denselben im
-Systeme giebt, für die in Rede stehenden Versuche völlig gleichgültig. So
-wenig man eine scharfe Unterscheidungslinie zwischen Species und Varietäten
-zu ziehen vermag, ebenso wenig ist es bis jetzt gelungen, einen gründlichen
-Unterschied zwischen den Hybriden der Species und Varietäten
-aufzustellen.[3]
-
-
- Eintheilung und Ordnung der Versuche.
-
-Werden zwei Pflanzen, welche in einem oder mehreren Merkmalen constant
-verschieden sind, durch Befruchtung verbunden, so gehen, wie zahlreiche
-Versuche beweisen, die gemeinsamen Merkmale unverändert auf die Hybriden
-und ihre Nachkommen über;[4] je zwei differirende hingegen vereinigen sich
-an der Hybride zu einem neuen Merkmale, welches gewöhnlich an den
-Nachkommen denselben Veränderungen unterworfen ist. Diese Veränderungen für
-je zwei differirende Merkmale zu beobachten und das Gesetz zu ermitteln,
-nach welchem dieselben in den aufeinander folgenden Generationen eintreten,
-war die Aufgabe des Versuches. Derselbe zerfällt daher in ebenso viele
-einzelne Experimente, als constant differirende Merkmale an den
-Versuchspflanzen vorkommen.
-
-Die verschiedenen, zur Befruchtung ausgewählten Erbsenformen zeigten
-Unterschiede in der Länge und Färbung des Stengels, in der Grösse und
-Gestalt der Blätter, in der Stellung, Farbe und Grösse der Blüthen, in der
-Länge der Blüthenstiele, in der Farbe, Gestalt und Grösse der Hülsen, in
-der Gestalt und Grösse der Samen, in der Färbung der Samenschale und des
-Albumens.[5] Ein Theil der angeführten Merkmale lässt jedoch eine sichere
-und scharfe Trennung nicht zu, indem der Unterschied auf einem oft
-schwierig zu bestimmenden »mehr oder weniger« beruht. Solche Merkmale waren
-für die Einzelversuche nicht verwendbar, diese konnten sich nur auf
-Charaktere beschränken, die an den Pflanzen deutlich und entschieden
-hervortreten. Der Erfolg musste endlich zeigen, ob sie in hybrider
-Vereinigung sämmtlich ein übereinstimmendes Verhalten beobachten, und ob
-daraus auch ein Urtheil über jene Merkmale möglich wird, welche eine
-untergeordnete typische Bedeutung haben.
-
-Die Merkmale, welche in die Versuche aufgenommen wurden, beziehen sich:
-
-1. auf den =Unterschied in der Gestalt der reifen Samen=. Diese sind
-entweder kugelrund oder rundlich, die Einsenkungen, wenn welche an der
-Oberfläche vorkommen, immer nur seicht, oder sie sind unregelmässig kantig,
-tief runzelig (P. quadratum);
-
-2. auf den =Unterschied in der Färbung des Samenalbumens= (Endosperm's).
-Das Albumen der reifen Samen ist entweder blassgelb, hellgelb oder orange
-gefärbt, oder es besitzt eine mehr oder weniger intensiv grüne Farbe.
-Dieser Farbenunterschied ist an den Samen deutlich zu erkennen, da ihre
-Schalen durchscheinend sind;[6]
-
-3. auf den =Unterschied in der Färbung der Samenschale=. Diese ist entweder
-weiss gefärbt, womit auch constant die weisse Blüthenfarbe verbunden ist,
-oder sie ist grau, graubraun, lederbraun mit oder ohne violetter
-Punctirung, dann erscheint die Farbe der Fahne violett, die der Flügel
-purpurn, und der Stengel an den Blattachseln röthlich gezeichnet. Die
-grauen Samenschalen werden im kochenden Wasser schwarzbraun;
-
-4. auf den =Unterschied in der Form der reifen Hülse=. Diese ist entweder
-einfach gewölbt, nie stellenweise verengt, oder sie ist zwischen den Samen
-tief eingeschnürt und mehr oder weniger runzelig (P. saccharatum);
-
-5. auf den =Unterschied in der Farbe der unreifen Hülse=. Sie ist entweder
-licht- bis dunkelgrün oder lebhaft gelb gefärbt, an welcher Färbung auch
-Stengel, Blattrippen und Kelch theilnehmen[B];
-
-6. auf den =Unterschied in der Stellung der Blüthen=. Sie sind entweder
-axenständig, d. i. längs der Axe vertheilt, oder sie sind endständig, am
-Ende der Axe gehäuft und fast in eine kurze Trugdolde gestellt; dabei ist
-der obere Theil des Stengels im Querschnitte mehr oder weniger erweitert
-(P. umbellatum);
-
-7. auf den =Unterschied in der Axenlänge=. Die Länge der Axe ist bei
-einzelnen Formen sehr verschieden, jedoch für jede insofern ein constantes
-Merkmal, als dieselbe bei gesunden Pflanzen, die in gleichem Boden gezogen
-werden, nur unbedeutenden Aenderungen unterliegt. Bei den Versuchen über
-dieses Merkmal wurde der sicheren Unterscheidung wegen stets die lange
-Axe von 6-7' mit der kurzen von ¾' bis 1½' verbunden.
-
- [B] Eine Art besitzt eine schöne braunrothe Hülsenfarbe, welche gegen
- die Zeit der Reife hin in Violett und Blau übergeht. Der Versuch
- über dieses Merkmal wurde erst im verflossenen Jahre begonnen.
-
-In zwei von den angeführten differirenden Merkmalen wurden durch
-Befruchtung vereinigt. Für den
-
- 1. Vers. wurden 60 Befrucht. an 15 Pflanzen vorgenommen
- 2. » » 58 » » 10 » »
- 3. » » 35 » » 10 » »
- 4. » » 40 » » 10 » »
- 5. » » 23 » » 5 » »
- 6. » » 34 » » 10 » »
- 7. » » 37 » » 10 » »
-
-Von einer grösseren Anzahl Pflanzen derselben Art wurden zur Befruchtung
-nur die kräftigsten ausgewählt. Schwache Exemplare geben immer unsichere
-Resultate, weil schon in der ersten Generation der Hybriden und noch mehr
-in der folgenden manche Abkömmlinge entweder gar nicht zur Blüthe gelangen,
-oder doch wenige und schlechte Samen bilden.
-
-Ferner wurde bei sämmtlichen Versuchen die wechselseitige Kreuzung
-durchgeführt, in der Weise nämlich, dass jene der beiden Arten, welche bei
-einer Anzahl Befruchtungen als Samenpflanze diente, bei der anderen als
-Pollenpflanze verwendet wurde.
-
-Die Pflanzen wurden auf Gartenbeeten, ein kleiner Theil in Töpfen gezogen,
-und mittelst Stäben, Baumzweigen und gespannten Schnüren in der natürlichen
-aufrechten Stellung erhalten. Für jeden Versuch wurde eine Anzahl
-Topfpflanzen während der Blüthezeit in ein Gewächshaus gestellt, sie
-sollten für den Hauptversuch im Garten als Controlle dienen bezüglich
-möglicher Störungen durch Insecten. Unter jenen, welche die Erbsenpflanze
-besuchen, könnte die Käferspecies Bruchus pisi dem Versuche gefährlich
-werden, falls sie in grösserer Menge erscheint.[7] Das Weibchen dieser Art
-legt bekanntlich seine Eier in die Blüthe und öffnet dabei das Schiffchen;
-an den Tarsen eines Exemplares, welches in einer Blüthe gefangen wurde,
-konnten unter der Lupe deutlich einige Pollenzellen bemerkt werden. Es muss
-hier noch eines Umstandes Erwähnung geschehen, der möglicher Weise die
-Einmengung fremden Pollens veranlassen könnte. Es kommt nämlich in
-einzelnen seltenen Fällen vor, dass gewisse Theile der übrigens ganz normal
-entwickelten Blüthe verkümmern, wodurch eine theilweise Entblössung der
-Befruchtungsorgane herbeigeführt wird. So wurde eine mangelhafte
-Entwicklung des Schiffchens beobachtet, wobei Griffel und Antheren zum
-Theile unbedeckt blieben. Auch geschieht es bisweilen, dass der Pollen
-nicht zur vollen Ausbildung gelangt. In diesem Falle findet während des
-Blühens eine allmähliche Verlängerung des Griffels statt, bis die Narbe an
-der Spitze des Schiffchens hervortritt. Diese merkwürdige Erscheinung wurde
-auch an Hybriden von Phaseolus und Lathyrus beobachtet.
-
-Die Gefahr einer Fälschung durch den fremden Pollen ist jedoch bei Pisum
-eine sehr geringe und vermag keineswegs das Resultat im Grossen und Ganzen
-zu stören. Unter mehr als 10 000 Pflanzen, welche genauer untersucht
-wurden, kam der Fall nur einige wenige Male vor, dass eine Einmengung nicht
-zu bezweifeln war. Da im Gewächshause niemals eine solche Störung
-beobachtet wurde, liegt wohl die Vermuthung nahe, dass Bruchus pisi und
-vielleicht auch die angeführten Abnormitäten im Blüthenbau die Schuld daran
-tragen.
-
-
- Die Gestalt der Hybriden.[8]
-
-Schon die Versuche, welche in früheren Jahren an Zierpflanzen vorgenommen
-wurden, lieferten den Beweis, dass die Hybriden in der Regel nicht die
-genaue Mittelform zwischen den Stammarten darstellen. Bei einzelnen mehr in
-die Augen springenden Merkmalen, wie bei solchen, die sich auf die Gestalt
-und Grösse der Blätter, auf die Behaarung der einzelnen Theile u. s. w.
-beziehen, wird in der That die Mittelbildung fast immer ersichtlich;[9] in
-anderen Fällen hingegen besitzt das eine der beiden Stamm-Merkmale ein so
-grosses Uebergewicht, dass es schwierig oder ganz unmöglich ist, das andere
-an der Hybride aufzufinden.
-
-Ebenso verhält es sich mit den Hybriden bei Pisum. Jedes von den 7
-Hybridenmerkmalen gleicht dem einen der beiden Stamm-Merkmale entweder so
-vollkommen, dass das andere der Beobachtung entschwindet, oder ist
-demselben so ähnlich, dass eine sichere Unterscheidung nicht stattfinden
-kann. Dieser Umstand ist von grosser Wichtigkeit für die Bestimmung und
-Einreihung der Formen, unter welchen die Nachkommen der Hybriden
-erscheinen. In der weiteren Besprechung werden jene Merkmale, welche ganz
-oder fast unverändert in die Hybride-Verbindung übergehen, somit
-selbst die Hybridenmerkmale repräsentiren, als =dominirende= und jene,
-welche in der Verbindung latent werden, als =recessive= bezeichnet. Der
-Ausdruck »recessiv« wurde deshalb gewählt, weil die damit benannten
-Merkmale an den Hybriden zurücktreten oder ganz verschwinden, jedoch unter
-den Nachkommen derselben, wie später gezeigt wird, wieder unverändert zum
-Vorschein kommen.
-
-Es wurde ferner durch sämmtliche Versuche erwiesen, dass es völlig
-gleichgültig ist, ob das dominirende Merkmal der Samen- oder Pollenpflanze
-angehört;[10] die Hybridform bleibt in beiden Fällen genau dieselbe. Diese
-interessante Erscheinung wird auch von _Gärtner_ hervorgehoben, mit dem
-Bemerken, dass selbst der geübteste Kenner nicht im Stande ist, an einer
-Hybride zu unterscheiden, welche von den beiden verbundenen Arten die
-Samen- oder Pollenpflanze war.
-
-Von den differirenden Merkmalen, welche in die Versuche eingeführt wurden,
-sind nachfolgende dominirend:
-
-1. die runde oder rundliche Samenform mit oder ohne seichte Einsenkungen;
-
-2. die gelbe Färbung des Samenalbumens;
-
-3. die graue, graubraune oder lederbraune Farbe der Samenschale, in
-Verbindung mit violett-rother Blüthe und röthlicher Makel in den
-Blattachseln;
-
-4. die einfach gewölbte Form der Hülse;
-
-5. die grüne Färbung der unreifen Hülse, in Verbindung mit der gleichen
-Farbe des Stengels, der Blattrippen und des Kelches;
-
-6. die Vertheilung der Blüthen längs des Stengels;
-
-7. das Längenmaass der grösseren Axe.
-
-Was das letztere Merkmal anbelangt, muss bemerkt werden, dass die längere
-der beiden Stammaxen von der Hybride gewöhnlich noch übertroffen wird, was
-vielleicht nur der grossen Ueppigkeit zuzuschreiben ist, welche in allen
-Pflanzentheilen auftritt, wenn Axen von sehr verschiedener Länge verbunden
-sind. So z. B. gaben bei wiederholtem Versuche Axen von 1' und 6' Länge in
-hybrider Vereinigung ohne Ausnahmen Axen, deren Länge zwischen 6-7½'
-schwankte.[11] =Die Hybriden der Samenschale= sind öfters mehr punctirt,
-auch fliessen die Punkte bisweilen in kleinere bläulich-violette Flecke
-zusammen. Die Punctirung erscheint häufig auch dann, wenn sie selbst
-dem Stamm-Merkmale fehlt.[12]
-
-Die Hybridformen der =Samengestalt= und des =Albumens= entwickeln sich
-unmittelbar nach der künstlichen Befruchtung durch die blosse Einwirkung
-des fremden Pollens. Sie können daher schon im ersten Versuchsjahre
-beobachtet werden, während alle übrigen selbstverständlich erst im
-folgenden Jahre an jenen Pflanzen hervortreten, welche aus den befruchteten
-Samen gezogen werden.
-
-
- Die erste Generation der Hybriden.[13]
-
-In dieser Generation treten =nebst den dominirenden Merkmalen auch die
-recessiven= in ihrer vollen Eigenthümlichkeit wieder auf, und zwar in dem
-entschieden ausgesprochenen Durchschnittsverhältnisse 3 : 1, so dass unter
-je vier Pflanzen aus dieser Generation drei den dominirenden und eine den
-recessiven Charakter erhalten. Es gilt das ohne Ausnahme für alle Merkmale,
-welche in die Versuche aufgenommen waren. Die kantig runzelige Gestalt der
-Samen, die grüne Färbung des Albumens, die weisse Farbe der Samenschale und
-der Blüthe, die Einschnürungen an den Hülsen, die gelbe Farbe der unreifen
-Hülse, des Stengels, Kelches und der Blattrippen, der trugdoldenförmige
-Blüthenstand und die zwergartige Axe kommen in dem angeführten numerischen
-Verhältnisse wieder zum Vorschein ohne irgend eine wesentliche Abänderung.
-=Uebergangsformen wurden bei keinem Versuche beobachtet=.
-
-Da die Hybriden, welche aus wechselseitiger Kreuzung hervorgingen, eine
-völlig gleiche[C] Gestalt besassen und auch in ihrer Weiterentwicklung
-keine bemerkenswerthe Abweichung ersichtlich wurde, konnten die
-beiderseitigen Resultate für jeden Versuch unter eine Rechnung gebracht
-werden. Die Verhältnisszahlen, welche für je zwei differirende Merkmale
-gewonnen wurden, sind folgende:
-
-1. =Versuch=. Gestalt der Samen. Von 253 Hybriden wurden im zweiten
-Versuchsjahre 7324 Samen erhalten. Darunter waren rund oder rundlich 5474,
-und kantig runzelig 1850 Samen. Daraus ergiebt sich das Verhältniss
-2,96 : 1.
-
-2. =Versuch=. Färbung des Albumens. 258 Pflanzen gaben 8023 Samen, 6022
-gelbe und 2001 grüne; daher stehen jene zu diesen im Verhältnisse 3,01 : 1.
-
- [C] Nach eigenhändiger Korrektur =Mendels= in einem Separatabdruck des
- Wiener botanischen Institutes =gleiche= an Stelle des Wortes
- »völlige« gesetzt.
-
-Bei diesen beiden Versuchen erhält man gewöhnlich aus jeder Hülse
-beiderlei Samen. Bei gut ausgebildeten Hülsen, welche durchschnittlich 6-9
-Samen enthielten, kam es öfters vor, dass sämmtliche Samen rund (Versuch 1)
-oder sämmtliche gelb (Versuch 2) waren;[14] hingegen wurden mehr als 5
-kantige oder 5 grüne in einer Hülse niemals beobachtet. Es scheint keinen
-Unterschied zu machen, ob die Hülse sich früher oder später an der Hybride
-entwickelt, ob sie der Hauptaxe oder einer Nebenaxe angehört. An einigen
-wenigen Pflanzen kamen in den zuerst gebildeten Hülsen nur einzelne Samen
-zur Entwicklung, und diese besassen dann ausschliesslich das eine der
-beiden Merkmale; in den später gebildeten Hülsen blieb jedoch das
-Verhältniss normal. So wie in einzelnen Hülsen, ebenso variirt die
-Vertheilung der Merkmale auch bei einzelnen Pflanzen. Zur Veranschaulichung
-mögen die ersten 10 Glieder aus beiden Versuchsreihen dienen:
-
- 1. =Versuch= 2. =Versuch=
- Gestalt der Samen Färbung des Albumens
- Pflanze rund kantig gelb grün
- 1 45 12 25 11
- 2 27 8 32 7
- 3 24 7 14 5
- 4 19 10 70 27
- 5 32 11 24 13
- 6 26 6 20 6
- 7 88 24 32 13
- 8 22 10 44 9
- 9 28 6 50 14
- 10 25 7 44 18
-
-Als Extreme in der Vertheilung der beiden Samenmerkmale an =einer= Pflanze
-wurden beobachtet bei dem 1. Versuche 43 runde und nur 2 kantige, ferner 14
-runde und 15 kantige Samen. Bei dem 2. Versuche 32 gelbe und nur 1 grüner
-Same, aber auch 20 gelbe und 19 grüne.
-
-Diese beiden Versuche sind wichtig für die Feststellung der mittleren
-Verhältnisszahlen, weil sie bei einer geringeren Anzahl von
-Versuchspflanzen sehr bedeutende Durchschnitte möglich machen. Bei der
-Abzählung der Samen wird jedoch, namentlich beim 2. Versuche, einige
-Aufmerksamkeit erfordert, da bei einzelnen Samen mancher Pflanzen die
-grüne Färbung des Albumens weniger entwickelt wird und anfänglich leicht
-übersehen werden kann.[15] Die Ursache des theilweisen Verschwindens der
-grünen Färbung steht mit dem Hybriden-Charakter der Pflanzen in keinem
-Zusammenhange, indem dasselbe an der Stammpflanze ebenfalls vorkommt; auch
-beschränkt sich diese Eigenthümlichkeit nur auf das Individuum und vererbt
-sich nicht auf die Nachkommen. An luxurirenden Pflanzen wurde diese
-Erscheinung öfter beobachtet. Samen, welche während ihrer Entwicklung von
-Insecten beschädigt wurden, variiren oft in Farbe und Gestalt, jedoch sind
-bei einiger Uebung im Sortiren Fehler leicht zu vermeiden. Es ist fast
-überflüssig zu erwähnen, dass die Hülsen so lange an der Pflanze bleiben
-müssen, bis sie vollkommen ausgereift und trocken geworden sind, weil erst
-dann die Gestalt und Färbung der Samen vollständig entwickelt ist.
-
-3. =Versuch=. Farbe der Samenschale. Unter 929 Pflanzen brachten 705
-violett-rothe Blüthen und graubraune Samenschalen; 224 hatten weisse
-Blüthen und weisse Samenschalen. Daraus ergiebt sich das Verhältniss
-3,15 : 1.
-
-4. =Versuch=. Gestalt der Hülsen. Von 1181 Pflanzen hatten 882 einfach
-gewölbte, 299 eingeschnürte Hülsen. Daher das Verhältniss 2,95 : 1.
-
-5. =Versuch=. Färbung der unreifen Hülse. Die Zahl der Versuchspflanzen
-betrug 580, wovon 428 grüne und 152 gelbe Hülsen besassen. Daher stehen
-jene zu diesen in dem Verhältnisse 2,82 : 1.
-
-6. =Versuch=. Stellung der Blüthen. Unter 858 Fällen waren die Blüthen 651
-Mal axenständig und 207 Mal endständig. Daraus das Verhältniss 3,14 : 1.
-
-7. =Versuch=. Länge der Axe. Von 1064 Pflanzen hatten 787 die lange, 277
-die kurze Axe. Daher das gegenseitige Verhältniss 2,84 : 1. Bei diesem
-Versuche wurden die zwergartigen Pflanzen behutsam ausgehoben und auf
-eigene Beete versetzt. Diese Vorsicht war nothwendig, weil sie sonst mitten
-unter ihren hochrankenden Geschwistern hätten verkümmern müssen. Sie sind
-schon in der ersten Jugendzeit an dem gedrungenen Wuchse und den
-dunkelgrünen dicken Blättern leicht zu unterscheiden.
-
-Werden die Resultate sämmtlicher Versuche zusammengefasst, so ergibt sich
-zwischen der Anzahl der Formen mit dem dominirenden und recessiven
-Merkmale das Durchschnittsverhältniss 2,98 : 1 oder 3 : 1.
-
-Das dominirende Merkmal kann hier eine =doppelte Bedeutung= haben, nämlich
-die des Stammcharakters oder des Hybriden-Merkmales. In welcher von beiden
-Bedeutungen dasselbe in jedem einzelnen Falle vorkommt, darüber kann nur
-die nächste Generation entscheiden. Als Stamm-Merkmal muss dasselbe
-unverändert auf sämmtliche Nachkommen übergehen, als hybrides Merkmal
-hingegen ein gleiches Verhalten wie in der ersten Generation beobachten.
-
-
- Die zweite Generation der Hybriden.
-
-Jene Formen, welche in der ersten Generation den recessiven Charakter
-erhalten, variiren in der zweiten Generation in Bezug auf diesen Charakter
-nicht mehr, sie bleiben in ihren Nachkommen =constant=.
-
-Anders verhält es sich mit jenen, welche in der ersten Generation das
-dominirende Merkmal besitzen. Von diesen geben =zwei= Theile Nachkommen,
-welche in dem Verhältnisse 3 : 1 das dominirende und recessive Merkmal an
-sich tragen, somit genau dasselbe Verhalten zeigen, wie die Hybridformen;
-nur =ein= Theil bleibt mit dem dominirenden Merkmale constant.
-
-Die einzelnen Versuche lieferten nachfolgende Resultate:
-
-1. =Versuch=. Unter 565 Pflanzen, welche aus runden Samen der ersten
-Generation gezogen wurden, brachten 193 wieder nur runde Samen und blieben
-demnach in diesem Merkmale constant; 372 aber gaben runde und kantige Samen
-zugleich, in dem Verhältnisse 3 : 1. Die Anzahl der Hybriden verhielt sich
-daher zu der Zahl der Constanten wie 1,93 : 1.
-
-2. =Versuch=. Von 519 Pflanzen, welche aus Samen gezogen wurden, deren
-Albumen in der ersten Generation die gelbe Färbung hatte, gaben 166
-ausschliesslich gelbe, 353 aber gelbe und grüne Samen in dem Verhältnisse
-3 : 1. Es erfolgte daher eine Theilung in hybride und constante Formen nach
-dem Verhältnisse 2,13 : 1.
-
-Für jeden einzelnen von den nachfolgenden Versuchen wurden 100
-Pflanzen ausgewählt, welche in der ersten Generation das dominirende
-Merkmal besassen, und um die Bedeutung desselben zu prüfen, von jeder 10
-Samen angebaut.
-
-3. =Versuch=. Die Nachkommen von 36 Pflanzen brachten ausschliesslich
-graubraune Samenschalen; von 64 Pflanzen wurden theils graubraune theils
-weisse erhalten.
-
-4. =Versuch=. Die Nachkommen von 29 Pflanzen hatten nur einfach gewölbte
-Hülsen, von 71 hingegen theils gewölbte, theils eingeschnürte.
-
-5. =Versuch=. Die Nachkommen von 40 Pflanzen hatten bloss grüne Hülsen, die
-von 60 Pflanzen theils grüne, theils gelbe.
-
-6. =Versuch=. Die Nachkommen von 33 Pflanzen hatten bloss axenständige
-Blüthen, bei 67 hingegen waren sie theils axenständig, theils endständig.
-
-7. =Versuch=. Die Nachkommen von 28 Pflanzen erhielten die lange Axe, die
-von 72 Pflanzen theils die lange, theils die kurze.
-
-Bei jedem dieser Versuche wird eine bestimmte Anzahl Pflanzen mit dem
-dominirenden Merkmal constant. Für die Beurtheilung des Verhältnisses,
-in welchem die Ausscheidung der Formen mit dem constant bleibenden
-Merkmale erfolgt, sind die beiden ersten Versuche von besonderem
-Gewichte, weil bei diesen eine grössere Anzahl Pflanzen verglichen
-werden konnte. Die Verhältnisse 1,93 : 1 und 2,13 : 1 geben zusammen
-fast genau das Durchschnittsverhältniss 2 : 1. Der 6. Versuch hat ein
-ganz übereinstimmendes Resultat, bei den anderen schwankt das
-Verhältniss mehr oder weniger, wie es bei der geringen Anzahl von 100
-Versuchspflanzen nicht anders zu erwarten war. Der 5. Versuch, welcher
-die grösste Abweichung zeigte, wurde wiederholt, und dann, statt des
-Verhältnisses 60 : 40, das Verhältniss 65 : 35 erhalten. =Das
-Durchschnittsverhältniss 2 : 1 erscheint demnach als gesichert.= Es ist
-damit erwiesen, dass von jenen Formen, welche in der ersten Generation
-das dominirende Merkmal besitzen, zwei Theile den hybriden Charakter an
-sich tragen, ein Theil aber mit dem dominirenden Merkmale constant
-bleibt.
-
-Das Verhältniss 3 : 1, nach welchem die Vertheilung des dominirenden und
-recessiven Charakters in der ersten Generation erfolgt, löst sich
-demnach für alle Versuche in die Verhältnisse 2 : 1 : 1 auf, wenn man
-zugleich das dominirende Merkmal in seiner Bedeutung als hybrides
-Merkmal und als Stammcharakter unterscheidet. Da die Glieder der ersten
-Generation unmittelbar aus den Samen der Hybriden hervorgehen, =wird es
-nun ersichtlich, dass die Hybriden je zweier differirender Merkmale
-Samen bilden, von denen die eine Hälfte wieder die Hybridform
-entwickelt, während die andere Pflanzen giebt, welche constant bleiben
-und zu gleichen Theilen den dominirenden und recessiven Charakter
-erhalten=.
-
-
- Die weiteren Generationen der Hybriden.
-
-Die Verhältnisse, nach welchen sich die Abkömmlinge der Hybriden in der
-ersten und zweiten Generation entwickeln und theilen, gelten wahrscheinlich
-für alle weiteren Geschlechter. Der 1. und 2. Versuch sind nun schon durch
-6 Generationen, der 3. und 7. durch 5, der 4., 5., 6. durch 4 Generationen
-durchgeführt, obwohl von der 3. Generation angefangen mit einer kleinen
-Anzahl Pflanzen, ohne dass irgend welche Abweichung bemerkbar wäre. Die
-Nachkommen der Hybriden theilten sich in jeder Generation nach den
-Verhältnissen 2 : 1 : 1 in hybride und constante Formen.
-
-Bezeichnet _A_ das eine der beiden constanten Merkmale, z. B. das
-dominirende, _a_ das recessive, und _Aa_ die Hybridform, in welcher beide
-vereinigt sind, so ergiebt der Ausdruck:
-
- _A_ + 2 _Aa_ + _a_
-
-die Entwicklungsreihe für die Nachkommen der Hybriden je zweier
-differirender Merkmale.
-
-Die von _Gärtner_, _Kölreuter_ und Anderen gemachte Wahrnehmung, dass
-Hybriden die Neigung besitzen zu den Stammarten zurückzukehren, ist auch
-durch die besprochenen Versuche bestätigt. Es lässt sich zeigen, dass
-die Zahl der Hybriden, welche aus einer Befruchtung stammen, gegen die
-Anzahl der constant gewordenen Formen und ihrer Nachkommen von
-Generation zu Generation um ein Bedeutendes zurückbleibt, ohne dass sie
-jedoch ganz verschwinden könnten. Nimmt man durchschnittlich für alle
-Pflanzen in allen Generationen eine gleich grosse Fruchtbarkeit an,
-erwägt man ferner, dass jede Hybride Samen bildet, aus denen zur Hälfte
-wieder Hybriden hervorgehen, während die andere Hälfte mit beiden
-Merkmalen zu gleichen Theilen constant wird, so ergeben sich die
-Zahlenverhältnisse für die Nachkommen in jeder Generation aus folgender
-Zusammenstellung, wobei _A_ und _a_ wieder die beiden Stamm-Merkmale und
-_Aa_ die Hybridform bezeichnet. Der Kürze wegen möge die Annahme gelten,
-dass jede Pflanze in jeder Generation nur 4 Samen bildet.
-
- in Verhältniss gestellt:
- Generation _A_ _Aa_ _a_ _A_ : _Aa_: _a_
- 1 1 2 1 1 : 2 : 1
- 2 6 4 6 3 : 2 : 3
- 3 28 8 28 7 : 2 : 7
- 4 120 16 120 15 : 2 : 15
- 5 496 32 496 31 : 2 : 31
- _n_ 2^{_n_}-1 : 2 : 2^{_n_}-1
-
-In der 10. Generation z. B. ist 2^{_n_}-1 = 1023. Es giebt somit unter je
-2048 Pflanzen, welche aus dieser Generation hervorgehen, 1023 mit dem
-constanten dominirenden, 1023 mit dem recessiven Merkmale und nur 2
-Hybriden.
-
-
- Die Nachkommen der Hybriden, in welchen mehrere
- differirende Merkmale verbunden sind.
-
-Für die eben besprochenen Versuche wurden Pflanzen verwendet, welche nur
-in einem wesentlichen[16] Merkmale verschieden waren. Die nächste Aufgabe
-bestand darin, zu untersuchen, ob das gefundene Entwicklungsgesetz auch
-dann für je zwei differirende Merkmale gelte, wenn mehrere verschiedene
-Charaktere durch Befruchtung in der Hybride vereinigt sind.
-
-Was die Gestalt der Hybriden in diesem Falle anbelangt, zeigten die
-Versuche übereinstimmend, dass dieselbe stets jener der beiden
-Stammpflanzen näher steht, welche die grössere Anzahl von dominirenden
-Merkmalen besitzt. Hat z. B. die Samenpflanze eine kurze Axe,
-endständige weisse Blüthen und einfach gewölbte Hülsen; die
-Pollenpflanze hingegen eine lange Axe, axenständige violett-rothe
-Blüthen und eingeschnürte Hülsen, so erinnert die Hybride nur durch die
-Hülsenform an die Samenpflanze, in den übrigen Merkmalen stimmt sie mit
-der Pollenpflanze überein. Besitzt eine der beiden Stammarten nur
-dominirende Merkmale, dann ist die Hybride von derselben kaum oder gar
-nicht zu unterscheiden.
-
-Mit einer grösseren Anzahl Pflanzen wurden zwei Versuche durchgeführt. Bei
-dem ersten Versuche waren die Stammpflanzen in der Gestalt der Samen und in
-der Färbung des Albumens verschieden; bei dem zweiten in der Gestalt der
-Samen, in der Färbung des Albumens und in der Farbe der Samenschale.
-Versuche mit Samenmerkmalen führen am einfachsten und sichersten zum Ziele.
-
-Um eine leichtere Uebersicht zu gewinnen, werden bei diesen Versuchen die
-differirenden Merkmale der Samenpflanze mit _A_, _B_, _C_, jene der
-Pollenpflanze mit _a_, _b_, _c_ und die Hybridformen dieser Merkmale mit
-_Aa_, _Bb_, _Cc_ bezeichnet.
-
- =Erster Versuch=: _AB_ Samenpflanze, _ab_ Pollenpflanze,
- _A_ Gestalt rund, _a_ Gestalt kantig,
- _B_ Albumen gelb, _b_ Albumen grün.
-
-Die befruchteten Samen erschienen rund und gelb, jenen der Samenpflanze
-ähnlich. Die daraus gezogenen Pflanzen gaben Samen von viererlei Art,
-welche oft gemeinschaftlich in einer Hülse lagen. Im Ganzen wurden von 15
-Pflanzen 556 Samen erhalten, von diesen waren:
-
- 315 rund und gelb,
- 101 kantig und gelb,
- 108 rund und grün,
- 32 kantig und grün.
-
-Alle wurden im nächsten Jahre angebaut. Von den runden gelben Samen gingen
-11 nicht auf und 3 Pflanzen kamen nicht zur Fruchtbildung. Unter den
-übrigen Pflanzen hatten:
-
- 38 runde gelbe Samen _AB_
- 65 runde gelbe und grüne Samen _ABb_
- 60 runde gelbe und kantige gelbe Samen _AaB_
- 138 runde gelbe und grüne, kantige gelbe und grüne Samen _AaBb_
-
-Von den kantigen gelben Samen kamen 96 Pflanzen zur Fruchtbildung, wovon
-
- 28 nur kantige gelbe Samen hatten _aB_
- 68 kantige, gelbe und grüne Samen _aBb_
-
-Von 108 runden grünen Samen brachten 102 Pflanzen Früchte, davon hatten:
-
- 35 nur runde grüne Samen _Ab_
- 67 runde und kantige grüne Samen _Aab_
-
-Die kantigen grünen Samen gaben 30 Pflanzen mit durchaus
-gleichen Samen; sie blieben constant _ab_
-
-Die Nachkommen der Hybriden erscheinen demnach unter 9 verschiedenen Formen
-und zum Theile in sehr ungleicher Anzahl. Man erhält, wenn dieselben
-zusammengestellt und geordnet werden:
-
- 38 Pflanzen mit der Bezeichnung _AB_
- 35 » » » » _Ab_
- 28 » » » » _aB_
- 30 » » » » _ab_
- 65 » » » » _ABb_
- 68 » » » » _aBb_
- 60 » » » » _AaB_
- 67 » » » » _Aab_
- 138 » » » » _AaBb_
-
-Sämmtliche Formen lassen sich in drei wesentlich verschiedene Abtheilungen
-bringen. Die erste umfasst jene mit der Bezeichnung _AB_, _Ab_, _aB_, _ab_;
-sie besitzen nur constante Merkmale und ändern sich in den nächsten
-Generationen nicht mehr. Jede dieser Formen ist durchschnittlich 33 Mal
-vertreten. Die zweite Gruppe enthält die Formen _ABb_, _aBb_, _AaB_, _Aab_;
-diese sind in einem Merkmale constant, in dem anderen hybrid, und variiren
-in der nächsten Generation nur hinsichtlich des hybriden Merkmales. Jede
-davon erscheint im Durchschnitte 65 Mal. Die Form _AaBb_ kommt 138 Mal vor,
-ist in beiden Merkmalen hybrid, und verhält sich genau so, wie die Hybride,
-von der sie abstammt.
-
-Vergleicht man die Anzahl, in welcher die Formen dieser Abtheilungen
-vorkommen, so sind die Durchschnittsverhältnisse 1 : 2 : 4 nicht zu
-verkennen. Die Zahlen 33, 65, 138 geben ganz günstige Annäherungswerthe an
-die Verhältnisszahlen 33, 66, 132.
-
-Die Entwicklungsreihe besteht demnach aus 9 Gliedern. 4 davon kommen in
-derselben je einmal vor und sind in beiden Merkmalen constant; die Formen
-_AB_, _ab_ gleichen den Stammarten, die beiden anderen stellen die
-ausserdem noch möglichen constanten Combinationen zwischen den verbundenen
-Merkmalen _A_, _a_, _B_, _b_ vor. Vier Glieder kommen je 2 Mal vor und sind
-in einem Merkmale constant, in dem anderen hybrid. Ein Glied tritt 4 Mal
-auf und ist in beiden Merkmalen hybrid. Daher entwickeln sich die
-Nachkommen der Hybriden, wenn in denselben zweierlei differirende Merkmale
-verbunden sind, nach dem Ausdrucke:
-
- _AB_ + _Ab_ + _aB_ + _ab_ + 2_ABb_ + 2_aBb_ + 2_AaB_ + 2_Aab_ + 4_AaBb_.
-
-Diese Entwicklungsreihe ist unbestritten eine Combinationsreihe, in welcher
-die beiden Entwicklungsreihen für die Merkmale _A_ und _a_, _B_ und _b_
-gliedweise verbunden sind. Man erhält die Glieder der Reihe vollzählig
-durch die Combinirung der Ausdrücke:
-
- _A_ + 2_Aa_ + _a_
- _B_ + 2_Bb_ + _b_
-
- =Zweiter Versuch=: _ABC_ Samenpflanze, _abc_ Pollenpflanze,
- _A_ Gestalt rund, _a_ Gestalt kantig,
- _B_ Albumen gelb, _b_ Albumen grün,
- _C_ Schale graubraun, _c_ Schale weiss.
-
-Dieser Versuch wurde in ganz ähnlicher Weise wie der vorangehende
-durchgeführt. Er nahm unter allen Versuchen die meiste Zeit und Mühe in
-Anspruch. Von 24 Hybriden wurden im Ganzen 687 Samen erhalten, welche
-sämmtlich punktirt, graubraun oder graugrün gefärbt, rund oder kantig
-waren. Davon kamen im folgenden Jahre 639 Pflanzen zur Fruchtbildung, und
-wie die weiteren Untersuchungen zeigten, befanden sich darunter:
-
- 8 Pflanzen _ABC_ 22 Pflanzen _ABCc_ 45 Pflanzen _ABbCc_
- 14 » _ABc_ 17 » _AbCc_ 36 » _aBbCc_
- 9 » _AbC_ 25 » _aBCc_ 38 » _AaBCc_
- 11 » _Abc_ 20 » _abCc_ 40 » _AabCc_
- 8 » _aBC_ 15 » _ABbC_ 49 » _AaBbC_
- 10 » _aBc_ 18 » _ABbc_ 48 » _AaBbc_
- 10 » _abC_ 19 » _aBbC_
- 7 » _abc_ 24 » _aBbc_
- 14 » _AaBC_ 78 » _AaBbCc_
- 18 » _AaBc_
- 20 » _AabC_
- 16 » _Aabc_
-
-Die Entwicklungsreihe umfasst 27 Glieder, davon sind 8 in allen
-Merkmalen constant, und jede kommt durchschnittlich 10 Mal vor; 12 sind
-in zwei Merkmalen constant, in dem dritten hybrid, jede erscheint im
-Durchschnitte 19 Mal; 6 sind in einem Merkmale constant, in den beiden
-anderen hybrid, jede davon tritt durchschnittlich 43 Mal auf;
-eine Form kommt 78 Mal vor und ist in sämmtlichen Merkmalen hybrid.
-Die Verhältnisse 10 : 19 : 43 : 78 kommen den Verhältnissen
-10 : 20 : 40 : 80 oder 1 : 2 : 4 : 8 so nahe, dass letztere ohne
-Zweifel die richtigen Werthe darstellen.
-
-Die Entwicklung der Hybriden, wenn ihre Stammarten in drei Merkmalen
-verschieden sind, erfolgt daher nach dem Ausdrucke:
-
- _ABC_ + _ABc_ + _AbC_ + _Abc_ + _aBC_ + _aBc_ + _abC_ + _abc_
- + 2_ABCc_ + 2_AbCc_ + 2_aBCc_ + 2_abCc_ + 2_ABbC_ + 2_ABbc_
- + 2_aBbC_ + 2_aBbc_ + 2_AaBC_ + 2_AaBc_ + 2_AabC_ + 2_Aabc_
- + 4_ABbCc_ + 4_aBbCc_ + 4_AaBCc_ + 4_AabCc_ + 4_AaBbC_
- + 4_AaBbc_ + 8_AaBbCc_.
-
-Auch hier liegt eine Combinationsreihe vor, in welcher die
-Entwicklungsreihe für die Merkmale _A_ und _a_, _B_ und _b_, _C_ und _c_
-mit einander verbunden sind. Die Ausdrücke:
-
- _A_ + 2_Aa_ + _a_
- _B_ + 2_Bb_ + _b_
- _C_ + 2_Cc_ + _c_
-
-geben sämmtliche Glieder der Reihe. Die constanten Verbindungen, welche in
-derselben vorkommen, entsprechen allen Combinationen, welche zwischen den
-Merkmalen _A_, _B_, _C_, _a_, _b_, _c_ möglich sind; zwei davon, _ABC_ und
-_abc_ gleichen den beiden Stammpflanzen.
-
-Ausserdem wurden noch mehrere Experimente mit einer geringeren Anzahl
-Versuchspflanzen durchgeführt, bei welchen die übrigen Merkmale zu zwei und
-drei hybrid verbunden waren; alle lieferten annähernd gleiche Resultate. Es
-unterliegt daher keinem Zweifel, dass für sämmtliche in die Versuche
-aufgenommenen Merkmale der Satz Gültigkeit habe: =die Nachkommen der
-Hybriden, in welchen mehrere wesentlich verschiedene Merkmale vereinigt
-sind, stellen die Glieder einer Combinationsreihe vor, in welchen die
-Entwicklungsreihen für je zwei differirende Merkmale verbunden sind. Damit
-ist zugleich erwiesen, dass das Verhalten je zweier differirender Merkmale
-in hybrider Verbindung unabhängig ist von den anderweitigen Unterschieden
-an den beiden Stammpflanzen=.
-
-Bezeichnet _n_ die Anzahl der charakteristischen Unterschiede an den beiden
-Stammpflanzen, so giebt 3^_n_ die Gliederzahl der Combinationsreihe, 4^_n_
-die Anzahl der Individuen, welche in die Reihe gehören, und 2^_n_ die
-Zahl der Verbindungen, welche constant bleiben. So enthält z. B. die Reihe,
-wenn die Stammarten in 4 Merkmalen verschieden sind, 3^4 = 81 Glieder, 4^4
-= 256 Individuen und 2^4 = 16 constante Formen; oder was dasselbe ist,
-unter je 256 Nachkommen der Hybriden giebt es 81 verschiedene Verbindungen,
-von denen 16 constant sind.
-
-Alle constanten Verbindungen, welche bei Pisum durch Combinirung der
-angeführten 7 charakteristischen Merkmale möglich sind, wurden durch
-wiederholte Kreuzung auch wirklich erhalten. Ihre Zahl ist durch 2^7 = 128
-gegeben. Damit ist zugleich der faktische Beweis geliefert, =dass constante
-Merkmale, welche an verschiedenen Formen einer Pflanzensippe vorkommen, auf
-dem Wege der wiederholten künstlichen Befruchtung in alle Verbindungen
-treten können, welche nach den Regeln der Combination möglich sind=.
-
-Ueber die Blüthezeit der Hybriden sind die Versuche noch nicht
-abgeschlossen. Soviel kann indessen schon angegeben werden, dass dieselbe
-fast genau in der Mitte[17] zwischen jener der Samen- und Pollenpflanze
-steht, und die Entwicklung der Hybriden bezüglich dieses Merkmales
-wahrscheinlich in der nämlichen Weise erfolgt, wie es für die übrigen
-Merkmale der Fall ist. Die Formen, welche für Versuche dieser Art gewählt
-werden, müssen in der mittleren Blüthezeit wenigstens um 20 Tage
-verschieden sein; ferner ist nothwendig, dass die Samen beim Anbaue alle
-gleich tief in die Erde versenkt werden, um ein gleichzeitiges Keimen zu
-erzielen, dass ferner während der ganzen Blüthezeit grössere Schwankungen
-in der Temperatur und die dadurch bewirkte theilweise Beschleunigung oder
-Verzögerung des Aufblühens in Rechnung gezogen werden. Man sieht, dass
-dieser Versuch mancherlei Schwierigkeiten zu überwinden hat und grosse
-Aufmerksamkeit erfordert.
-
-Versuchen wir die gewonnenen Resultate kurz zusammenzufassen, so finden
-wir, dass jene differirenden Merkmale, welche an den Versuchspflanzen
-eine leichte und sichere Unterscheidung zulassen, in hybrider
-Vereinigung ein =völlig übereinstimmendes Verhalten beobachten=. Die
-Nachkommen der Hybriden je zweier differirender Merkmale sind zur Hälfte
-wieder Hybriden, während die andere Hälfte zu gleichen Theilen mit dem
-Charakter der Samen-und Pollenpflanze constant wird. Sind mehrere
-differirende Merkmale durch Befruchtung in einer Hybride vereinigt, so
-bilden die Nachkommen derselben die Glieder einer Combinationsreihe, in
-welcher die Entwicklungsreihen für je zwei differirende Merkmale
-vereinigt sind.
-
-Die vollkommene Uebereinstimmung, welche sämmtliche, dem Versuche
-unterzogenen Charaktere zeigen, erlaubt wohl und rechtfertigt die Annahme,
-dass auch ein gleiches Verhalten den übrigen Merkmalen zukomme, welche
-weniger scharf an den Pflanzen hervortreten und deshalb in die
-Einzelversuche nicht aufgenommen werden konnten. Ein Experiment über
-Blüthenstiele von verschiedener Länge gab im Ganzen ein ziemlich
-befriedigendes Resultat, obgleich die Unterscheidung und Einreihung der
-Formen nicht mit jener Sicherheit erfolgen konnte, welche für correcte
-Versuche unerlässlich ist.
-
-
- Die Befruchtungszellen der Hybriden.
-
-Die Resultate, zu welchen die vorausgeschickten Versuche führten,
-veranlassten weitere Experimente, deren Erfolg geeignet erscheint,
-Aufschlüsse über die Beschaffenheit der Keim- und Pollenzellen der Hybriden
-zu geben.[18] Einen wichtigen Anhaltspunkt bietet bei Pisum der Umstand,
-dass unter den Nachkommen der Hybriden constante Formen auftreten, und zwar
-in allen Combinirungen der verbundenen Merkmale. Soweit die Erfahrung
-reicht, finden wir es überall bestätigt, dass constante Nachkommen nur dann
-gebildet werden können, wenn die Keimzellen und der befruchtende Pollen
-gleichartig, somit beide mit der Anlage ausgerüstet sind, völlig gleiche
-Individuen zu beleben, wie das bei der normalen Befruchtung der reinen
-Arten der Fall ist. Wir müssen es daher als nothwendig erachten, dass auch
-bei Erzeugung der constanten Formen an der Hybridpflanze vollkommen gleiche
-Factoren zusammenwirken. Da die verschiedenen constanten Formen an =einer=
-Pflanze, ja in =einer= Blüthe derselben erzeugt werden, erscheint die
-Annahme folgerichtig, dass in den Fruchtknoten der Hybriden so vielerlei
-Keimzellen (Keimbläschen) und in den Antheren so vielerlei Pollenzellen
-gebildet werden, als =constante= Combinationsformen möglich sind, und dass
-diese Keim- und Pollenzellen ihrer inneren Beschaffenheit nach den
-einzelnen Formen entsprechen.
-
-In der That lässt sich auf theoretischem Wege zeigen, dass diese Annahme
-vollständig ausreichen würde, um die Entwicklung der Hybriden in den
-einzelnen Generationen zu erklären, wenn man zugleich voraussetzen
-dürfte, dass die verschiedenen Arten von Keim- und Pollenzellen an der
-Hybride durchschnittlich in gleicher Anzahl gebildet werden.
-
-Um diese Voraussetzungen auf experimentellem Wege einer Prüfung zu
-unterziehen, wurden folgende Versuche ausgewählt: Zwei Formen, welche in
-der Gestalt der Samen und in der Färbung des Albumens constant verschieden
-waren, wurden durch Befruchtung verbunden.
-
-Werden die differirenden Merkmale wieder mit _A_, _B_, _a_, _b_ bezeichnet,
-so war:
-
- _AB_ Samenpflanze, _ab_ Pollenpflanze,
- _A_ Gestalt rund, _a_ Gestalt kantig,
- _B_ Albumen gelb, _b_ Albumen grün.
-
-Die künstlich befruchteten Samen wurden sammt mehreren Samen der beiden
-Stammpflanzen angebaut, und davon die kräftigsten Exemplare für die
-wechselseitige Kreuzung bestimmt. Befruchtet wurde:
-
- 1. die Hybride mit dem Pollen von _AB_
- 2. die Hybride » » » » _ab_
- 3. _AB_ » » » » der Hybride
- 4. _ab_ » » » » der Hybride
-
-Für jeden von diesen 4 Versuchen wurden an 3 Pflanzen sämmtliche Blüthen
-befruchtet. War die obige Annahme richtig, so mussten sich an den Hybriden
-Keim- und Pollenzellen von den Formen _AB_, _Ab_, _aB_, _ab_ entwickeln und
-es wurden verbunden:
-
- 1. die Keimzellen _AB_, _Ab_, _aB_, _ab_ mit den Pollenzellen _AB_
- 2. » » _AB_, _Ab_, _aB_, _ab_ » » » _ab_
- 3. » » _AB_ » » »_AB_, _Ab_, _aB_, _ab_
- 4. » » _ab_ » » »_AB_, _Ab_, _aB_, _ab_
-
-Aus jedem von diesen Versuchen konnten dann nur folgende Formen
-hervorgehen:[19]
-
- 1. _AB_, _ABb_, _AaB_, _AaBb_
- 2. _AaBb_, _Aab_, _aBb_, _ab_
- 3. _AB_, _ABb_, _AaB_, _AaBb_
- 4. _AaBb_, _Aab_, _aBb_, _ab_.
-
-Wurden ferner die einzelnen Formen der Keim- und Pollenzellen von der
-Hybride durchschnittlich in gleicher Anzahl gebildet, so mussten bei
-jedem Versuche die angeführten vier Verbindungen in numerischer
-Beziehung gleich stehen. Eine vollkommene Uebereinstimmung der
-Zahlenverhältnisse war indessen nicht zu erwarten, da bei jeder
-Befruchtung, auch bei der normalen, einzelne Keimzellen unentwickelt
-bleiben oder später verkümmern, und selbst manche von den gut
-ausgebildeten Samen nach dem Anbaue nicht zum Keimen gelangen. Auch
-beschränkt sich die gemachte Voraussetzung darauf, dass bei der Bildung
-der verschiedenartigen Keim- und Pollenzellen die gleiche Anzahl
-angestrebt werde, ohne dass diese an jeder einzelnen Hybride mit
-mathematischer Genauigkeit erreicht werden müsste.
-
-Der =erste= und =zweite= Versuch hatten vorzugsweise den Zweck, die
-Beschaffenheit der hybriden Keimzellen zu prüfen, sowie der =dritte= und
-=vierte= Versuch über die Pollenzellen zu entscheiden hatte. Wie aus der
-obigen Zusammenstellung hervorgeht, mussten der erste und dritte Versuch,
-ebenso der zweite und vierte ganz gleiche Verbindungen liefern, auch sollte
-der Erfolg schon im zweiten Jahre an der Gestalt und Färbung der künstlich
-befruchteten Samen theilweise ersichtlich sein. Bei dem ersten und dritten
-Versuche kommen die dominirenden Merkmale der Gestalt und Farbe _A_ und _B_
-in jeder Verbindung vor, und zwar zum Theile constant, zum Theile in
-hybrider Vereinigung mit den recessiven Charakteren _a_ und _b_, weshalb
-sie sämmtlichen Samen ihre Eigenthümlichkeit aufprägen müssen. Alle Samen
-sollten daher, wenn die Voraussetzung eine richtige war, rund und gelb
-erscheinen. Bei dem zweiten und dritten Versuche hingegen ist eine
-Verbindung hybrid in Gestalt und Farbe, daher sind die Samen rund und gelb;
-eine andere ist hybrid in der Gestalt und constant in dem recessiven
-Merkmale der Farbe, daher die Samen rund und grün; die dritte ist constant
-in dem recessiven Merkmale der Gestalt und hybrid in der Farbe, daher die
-Samen kantig und gelb; die vierte ist constant in beiden recessiven
-Merkmalen, daher die Samen kantig und grün. Bei diesen beiden Versuchen
-waren daher viererlei Samen zu erwarten, nämlich runde gelbe, runde grüne,
-kantige gelbe, kantige grüne.
-
-Die Ernte entsprach den gestellten Anforderungen vollkommen.
-
-Es wurden erhalten bei dem
-
- 1. Versuche 98 ausschliesslich runde gelbe Samen;
- 3. » 94 » » » »
- 2. » 31 runde gelbe, 26 runde grüne, 27 kantige gelbe,
- 26 kantige grüne Samen;
- 4. » 24 runde gelbe, 25 runde grüne, 22 kantige gelbe,
- 27 kantige grüne Samen.
-
-An einem günstigen Erfolge war nun kaum mehr zu zweifeln, die nächste
-Generation musste die endgültige Entscheidung bringen. Von den angebauten
-Samen kamen im folgenden Jahre bei dem ersten Versuche 90, bei dem dritten
-87 Pflanzen zur Fruchtbildung; von diesen brachten bei dem
-
- Versuche
- 1. 3.
- 20 25 runde gelbe Samen _AB_
- 23 19 runde gelbe und grüne Samen _ABb_
- 25 22 runde und kantige gelbe Samen _AaB_
- 22 21 runde und kantige, gelbe und grüne Samen _AaBb_
-
- Bei dem zweiten und vierten Versuche gaben die
- runden und gelben Samen Pflanzen mit runden
- und kantigen, gelben und grünen Samen _AaBb_
-
- von den runden grünen Samen wurden Pflanzen
- erhalten mit runden und kantigen grünen Samen _Aab_
-
- die kantigen gelben Samen gaben Pflanzen mit
- kantigen gelben und grünen Samen _aBb_
-
- aus den kantigen grünen Samen wurden Pflanzen
- gezogen, die wieder nur kantige grüne Samen
- brachten _ab_
-
-Obwohl auch bei diesen beiden Versuchen einige Samen nicht keimten, konnte
-dadurch in den schon im vorhergehenden Jahre gefundenen Zahlen nichts
-geändert werden, da jede Samenart Pflanzen gab, die in Bezug auf die Samen
-unter sich gleich und von den anderen verschieden waren. Es brachten daher:
-
- 2. Versuch 4. Versuch
- 31 24 Pflanzen Samen von der Form _AaBb_
- 26 25 » » » » » _Aab_
- 27 22 » » » » » _aBb_
- 26 27 » » » » » _ab_
-
-Bei allen Versuchen erschienen daher sämmtliche Formen, welche die gemachte
-Voraussetzung verlangte, und zwar in nahezu gleicher Anzahl.
-
-Bei einer weiteren Probe wurden die Merkmale der =Blüthenfarbe= und
-=Axenlänge= in die Versuche aufgenommen und die Auswahl so getroffen,
-dass im dritten Versuchsjahre jedes Merkmal an der =Hälfte= sämmtlicher
-Pflanzen hervortreten musste, falls die obige Annahme ihre Richtigkeit
-hatte. _A_, _B_, _a_, _b_ dienen wieder zur Bezeichnung der
-verschiedenen Merkmale.
-
- _A_ Blüthen violett-roth, _a_ Blüthen weiss,
- _B_ Axe lang, _b_ Axe kurz.
-
-Die Form _Ab_ wurde befruchtet mit _ab_, woraus die Hybride _Aab_
-hervorging. Ferner wurde befruchtet _aB_ gleichfalls mit _ab_, daraus
-die Hybride _aBb_. Im zweiten Jahre wurde für die weitere Befruchtung
-die Hybride _Aab_ als Samenpflanze, die andere _aBb_ als Pollenpflanze
-verwendet.
-
- Samenpflanze _Aab_, Pollenpflanze _aBb_,
- mögliche Keimzellen _Ab_, _ab_, Pollenzellen _aB_, _ab_.
-
-Aus der Befruchtung zwischen den möglichen Keim- und Pollenzellen mussten
-vier Verbindungen hervorgehen, nämlich:
-
- _AaBb_ + _aBb_ + _Aab_ + _ab_.
-
-Daraus wird ersichtlich, dass nach obiger Voraussetzung im dritten
-Versuchsjahre von sämmtlichen Pflanzen
-
- die Hälfte violett-rothe Blüthen haben sollte (_Aa_) Glieder : 1,3
- » weisse Blüthe (_a_) » : 2,4
- » eine lange Axe (_Bb_) » : 1,2
- » eine kurze Axe (_b_) » : 3,4.
-
-Aus 45 Befruchtungen des zweiten Jahres wurden 187 Samen erhalten, wovon im
-dritten Jahre 166 Pflanzen zur Blüthe gelangten. Darunter erschienen die
-einzelnen Glieder in folgender Anzahl:
-
- Glied: Blüthenfarbe: Axe:
- 1 violett-roth lang 47 Mal
- 2 weiss lang 40 »
- 3 violett-roth kurz 38 »
- 4 weiss kurz 41 »
-
-Es kam daher
-
- die violett-rothe Blüthenfarbe (_Aa_) an 85 Pflanzen vor
- » weisse » (_a_) » 81 » »
- » lange Axe (_Bb_) » 87 » »
- » kurze » (_b_) » 79 » »
-
-Die aufgestellte Ansicht findet auch in diesem Versuche eine
-ausreichende Bestätigung.
-
-Für die Merkmale der =Hülsenform, Hülsenfarbe und Blüthenstellung= wurden
-ebenfalls Versuche im Kleinen angestellt und ganz gleich stimmende
-Resultate erhalten. Alle Verbindungen, welche durch die Vereinigung der
-verschiedenen Merkmale möglich wurden, erschienen pünktlich und in nahezu
-gleicher Anzahl.
-
-Es ist daher auf experimentellem Wege die Annahme gerechtfertigt, =dass die
-Erbsenhybriden Keim- und Pollenzellen bilden, welche ihrer Beschaffenheit
-nach in gleicher Anzahl allen constanten Formen entsprechen, welche aus der
-Combinirung der durch Befruchtung vereinigten Merkmale hervorgehen=.
-
-Die Verschiedenheit der Formen unter den Nachkommen der Hybriden, sowie
-die Zahlenverhältnisse, in welchen dieselben beobachtet werden, finden in
-dem eben erwiesenen Satze eine hinreichende Erklärung. Den einfachsten Fall
-bietet die Entwicklungsreihe für =je zwei differirende Merkmale=. Diese
-Reihe wird bekanntlich durch den Ausdruck: _A_ + 2_Aa_ + _a_ bezeichnet,
-wobei _A_ und _a_ die Formen mit den constant differirenden Merkmalen und
-_Aa_ die Hybridgestalt beider bedeuten. Sie enthält unter drei
-verschiedenen Gliedern vier Individuen. Bei der Bildung derselben werden
-Pollen- und Keimzellen von der Form _A_ und _a_ durchschnittlich zu
-gleichen Theilen in die Befruchtung treten, daher jede Form zweimal, da
-vier Individuen gebildet werden. Es nehmen demnach an der Befruchtung
-theil:
-
- die Pollenzellen _A_ + _A_ + _a_ + _a_
- die Keimzellen _A_ + _A_ + _a_ + _a_
-
-Es bleibt ganz dem Zufalle überlassen, welche von den beiden Pollenarten
-sich mit jeder einzelnen Keimzelle verbindet. Indessen wird es nach den
-Regeln der Wahrscheinlichkeit im Durchschnitte vieler Fälle immer
-geschehen, dass sich jede Pollenform _A_ und _a_ gleich oft mit jeder
-Keimzellform _A_ und _a_ vereinigt; es wird daher eine von den beiden
-Pollenzellen _A_ mit einer Keimzelle _A_, die andere mit einer Keimzelle
-_a_ bei der Befruchtung zusammentreffen, und ebenso eine Pollenzelle _a_
-mit einer Keimzelle _A_, die andere mit _a_ verbunden werden.
-
- Pollenzellen _A_ _A_ _a_ _a_
- | \ / |
- | X |
- | / \ |
- Keimzellen _A_ _A_ _a_ _a_
-
-Das Ergebniss der Befruchtung lässt sich dadurch anschaulich machen, dass
-die Bezeichnungen für die verbundenen Keim- und Pollenzellen in Bruchform
-angesetzt werden, und zwar für die Pollenzellen über, für die Keimzellen
-unter dem Striche. Man erhält in dem vorliegenden Falle:
-
- _A_/_A_ + _A_/_a_ + _a_/_A_ + _a_/_a_
-
-Bei dem ersten und vierten Gliede sind Keim- und Pollenzellen gleichartig,
-daher müssen die Producte ihrer Verbindung constant sein, nämlich _A_ und
-_a_; bei dem zweiten und dritten hingegen erfolgt abermals eine Vereinigung
-der beiden differirenden Stamm-Merkmale, daher auch die aus diesen
-Befruchtungen hervorgehenden Formen mit der Hybride, von welcher sie
-abstammen, ganz identisch sind. =Es findet demnach eine wiederholte
-Hybridisirung statt=. Daraus erklärt sich die auffallende Erscheinung, dass
-die Hybriden im Stande sind, nebst den beiden Stammformen auch Nachkommen
-zu erzeugen, die ihnen selbst gleich sind; _A_/_a_ und _a_/_A_ geben beide
-dieselbe Verbindung _Aa_, da es, wie schon früher angeführt wurde, für den
-Erfolg der Befruchtung keinen Unterschied macht, welches von den beiden
-Merkmalen der Pollen- oder Keimzelle angehört.[20] Es ist daher
-
- _A_/_A_ + _A_/_a_ + _a_/_A_ + _a_/_a_ = _A_ + 2_Aa_ + _a_.
-
-So gestaltet sich der =mittlere= Verlauf bei der Selbstbefruchtung der
-Hybriden, wenn in denselben zwei differirende Merkmale vereinigt sind.
-In einzelnen Blüthen und an einzelnen Pflanzen kann jedoch das
-Verhältniss, in welchem die Formen der Reihe gebildet werden, nicht
-unbedeutende Störungen erleiden. Abgesehen davon, dass die Anzahl, in
-welcher beiderlei Keimzellen im Fruchtknoten vorkommen, nur im
-Durchschnitte als gleich angenommen werden kann, bleibt es ganz dem
-Zufalle überlassen, welche von den beiden Pollenarten an jeder einzelnen
-Keimzelle die Befruchtung vollzieht. Deshalb müssen die Einzelwerthe
-nothwendig Schwankungen unterliegen, und es sind selbst extreme Fälle
-möglich, wie sie früher bei den Versuchen über die Gestalt der Samen und
-die Färbung des Albumens angeführt wurden. Die wahren Verhältnisszahlen
-können nur durch das Mittel gegeben werden, welches aus der Summe
-möglichst vieler Einzelwerthe gezogen wird; je grösser ihre Anzahl,
-desto genauer wird das bloss Zufällige eliminirt.
-
-Die Entwicklungsreihe für Hybriden, in denen =zweierlei differirende
-Merkmale= verbunden sind, enthält unter 16 Individuen 9 verschiedene
-Formen, nämlich _AB_ + _Ab_ + _aB_ + _ab_ + 2_ABb_ + 2_aBb_ + 2_AaB_ +
-2_Aab_ + 4_AaBb_. Zwischen den verschiedenen Merkmalen der Stammpflanzen
-_A_, _a_ und _B_, _b_ sind 4 constante Combinationen möglich, daher erzeugt
-auch die Hybride die entsprechenden 4 Formen von Keim- und Pollenzellen:
-_AB_, _Ab_, _aB_, _ab_ und jede davon wird im Durchschnitte 4 Mal in
-Befruchtung treten, da in der Reihe 16 Individuen enthalten sind. Daher
-nehmen an der Befruchtung theil die
-
- Pollenzellen: _AB_ + _AB_ + _AB_ + _AB_ + _Ab_ + _Ab_ + _Ab_
- + _Ab_ + _aB_ + _aB_ + _aB_ + _aB_ + _ab_
- + _ab_ + _ab_ + _ab_.
-
- Keimzellen: _AB_ + _AB_ + _AB_ + _AB_ + _Ab_ + _Ab_ + _Ab_
- + _Ab_ + _aB_ + _aB_ + _aB_ + _aB_ + _ab_
- + _ab_ + _ab_ + _ab_.
-
-Im mittleren Verlaufe der Befruchtung verbindet sich jede Pollenform gleich
-oft mit jeder Keimzellform, daher jede von den 4 Pollenzellen _AB_ einmal
-mit einer von den Keimzellarten _AB_, _Ab_, _aB_, _ab_. Genau ebenso
-erfolgt die Vereinigung der übrigen Pollenzellen von den Formen _Ab_, _aB_,
-_ab_ mit allen anderen Keimzellen. Man erhält demnach:
-
- _AB_/_AB_ + _AB_/_Ab_ + _AB_/_aB_ + _AB_/_ab_ + _Ab_/_AB_ + _Ab_/_Ab_
- + _Ab_/_aB_ + _Ab_/_ab_ + _aB_/_AB_ + _aB_/_Ab_ + _aB_/_aB_ + _aB_/_ab_
- + _ab_/_AB_ + _ab_/_Ab_ + _ab_/_aB_ + _ab_/_ab_,
-
-oder
-
- _AB_ + _ABb_ + _AaB_ + _AaBb_ + _ABb_ + _Ab_ + _AaBb_
- + _Aab_ + _AaB_ + _AaBb_ + _aB_ + _aBb_ + _AaBb_ + _Aab_
- + _aBb_ + _ab_ = _AB_ + _Ab_ + _aB_ + _ab_ + 2_ABb_ + 2_aBb_
- + 2_AaB_ + 2_Aab_ + 4_AaBb_.
-
-In ganz ähnlicher Weise erklärt sich die Entwicklungsreihe der Hybriden,
-wenn in denselben =dreierlei differirende Merkmale= verbunden sind. Die
-Hybride bildet acht verschiedene Formen von Keim- und Pollenzellen:
-_ABC_, _ABc_, _AbC_, _Abc_, _aBC_, _aBc_, _abC_, _abc_, und jede Pollenform
-vereinigt sich wieder durchschnittlich einmal mit jeder Keimzellform.
-
-Das Gesetz der Combinirung der differirenden Merkmale, nach welchem die
-Entwicklung der Hybriden erfolgt, findet demnach seine Begründung und
-Erklärung in dem erwiesenen Satze, dass die Hybriden Keim- und Pollenzellen
-erzeugen, welche in gleicher Anzahl allen constanten Formen entsprechen,
-die aus der Combinirung der durch Befruchtung vereinigten Merkmale
-hervorgehen.
-
-
- Versuche über die Hybriden anderer Pflanzenarten.
-
-Es wird die Aufgabe weiterer Versuche sein, zu ermitteln, ob das für Pisum
-gefundene Entwicklungsgesetz auch bei den Hybriden anderer Pflanzen Geltung
-habe. Zu diesem Zwecke wurden in der letzten Zeit mehrere Versuche
-eingeleitet. Beendet sind zwei kleinere Experimente mit Phaseolusarten,
-welche hier Erwähnung finden mögen.
-
-Ein Versuch mit Phaseolus vulgaris und Phaseolus nanus L. gab ein ganz
-übereinstimmendes Resultat. Ph. nanus hatte nebst der zwergartigen Axe
-grüne einfach gewölbte Hülsen, Ph. vulgaris hingegen eine 10-12' hohe Axe
-und gelb gefärbte, zur Zeit der Reife eingeschnürte Hülsen. Die
-Zahlenverhältnisse, in welchen die verschiedenen Formen in den einzelnen
-Generationen vorkamen, waren dieselben wie bei Pisum. Auch die Entwicklung
-der constanten Verbindungen erfolgte nach dem Gesetze der einfachen
-Combinirung der Merkmale, genau so, wie es bei Pisum der Fall ist. Es
-wurden erhalten:
-
- Constante Farbe der Form der
- Verbindung: Axe: unreifen Hülse: reifen Hülse:
- 1 lang grün gewölbt
- 2 » » eingeschnürt
- 3 » gelb gewölbt
- 4 » » eingeschnürt
- 5 kurz grün gewölbt
- 6 » » eingeschnürt
- 7 » gelb gewölbt
- 8 » » eingeschnürt.
-
-Die grüne Hülsenfarbe, die gewölbte Form der Hülse und die hohe Axe
-waren, wie bei Pisum, dominirende Merkmale.
-
-Ein anderer Versuch mit zwei sehr verschiedenen Phaseolusarten hatte nur
-einen theilweisen Erfolg. Als =Samenpflanze= diente Ph. nanus L., eine ganz
-constante Art mit weissen Blüthen in kurzen Trauben und kleinen weissen
-Samen in geraden, gewölbten und glatten Hülsen; als =Pollenpflanze= Ph.
-multiflorus W. mit hohem windenden Stengel, purpurrothen Blüthen in sehr
-langen Trauben, rauhen sichelförmig gekrümmten Hülsen und grossen Samen,
-welche auf pfirsichblüthrothem Grunde schwarz gefleckt und geflammt sind.
-
-Die Hybride hatte mit der Pollenpflanze die grösste Aehnlichkeit, nur die
-Blüthen erschienen weniger intensiv gefärbt.[21] Ihre Fruchtbarkeit war
-eine sehr beschränkte, von 17 Pflanzen, die zusammen viele hundert Blüthen
-entwickelten, wurden im Ganzen nur 49 Samen geerntet. Diese waren von
-mittlerer Grösse und besassen eine ähnliche Zeichnung wie Ph. multiflorus;
-auch die Grundfarbe war nicht wesentlich verschieden. Im nächsten Jahre
-wurden davon 44 Pflanzen erhalten, von denen nur 31 zur Blüthe gelangten.
-Die Merkmale von Ph. nanus, welche in der Hybride sämmtlich latent wurden,
-kamen in verschiedenen Combinirungen wieder zum Vorscheine, das Verhältniss
-derselben zu den dominirenden musste jedoch bei der geringen Anzahl von
-Versuchspflanzen sehr schwankend bleiben; bei einzelnen Merkmalen, wie bei
-jenen der Axe und der Hülsenform, war dasselbe indessen wie bei Pisum fast
-genau 1 : 3.
-
-So gering auch der Erfolg dieses Versuches für die Feststellung der
-Zahlenverhältnisse sein mag, in welchen die verschiedenen Formen vorkamen,
-so bietet er doch anderseits den Fall einer =merkwürdigen Farbenwandlung=
-an den Blüthen und Samen der Hybriden dar. Bei Pisum treten bekanntlich die
-Merkmale der Blüthen- und Samenfarbe in der ersten und den weiteren
-Generationen unverändert hervor und die Nachkommen der Hybriden tragen
-ausschliesslich das eine oder das andere der beiden Stamm-Merkmale an sich.
-Anders verhält sich die Sache bei dem vorliegenden Versuche. Die weisse
-Blumen- und Samenfarbe von Ph. nanus erschien allerdings gleich in der
-ersten Generation an einem ziemlich fruchtbaren Exemplare, allein die
-übrigen 30 Pflanzen entwickelten Blüthenfarben, die verschiedene
-Abstufungen von Purpurroth bis Blassviolett darstellen.[22] Die Färbung der
-Samenschale war nicht minder verschieden, als die der Blüthe. Keine
-Pflanze konnte als vollkommen fruchtbar gelten, manche setzten gar keine
-Früchte an, bei anderen entwickelten sich dieselben erst aus den letzten
-Blüthen und kamen nicht mehr zur Reife, nur von 15 Pflanzen wurden gut
-ausgebildete Samen geerntet. Die meiste Neigung zur Unfruchtbarkeit zeigten
-die Formen mit vorherrschend rother Blüthe, indem von 16 Pflanzen nur 4
-reife Samen gaben. Drei davon hatten eine ähnliche Samenzeichnung wie Ph.
-multiflorus, jedoch eine mehr oder weniger blasse Grundfarbe, die vierte
-Pflanze brachte nur einen Samen von einfach brauner Färbung. Die Formen mit
-überwiegend violetter Blüthenfarbe hatten dunkelbraune, schwarzbraune und
-ganz schwarze Samen.
-
-Der Versuch wurde noch durch zwei Generationen unter gleich ungünstigen
-Verhältnissen fortgeführt, da selbst unter den Nachkommen ziemlich
-fruchtbarer Pflanzen wieder ein Theil wenig fruchtbar oder ganz steril
-wurde. Andere Blüthen- und Samenfarben, als die angeführten, kamen weiter
-nicht vor. Die Formen, welche in der ersten Generation eines oder mehrere
-von den recessiven Merkmalen erhielten, blieben in Bezug auf diese ohne
-Ausnahme constant. Auch von jenen Pflanzen, welche violette Blüthen und
-braune oder schwarze Samen besassen, änderten einzelne in den nächsten
-Generationen die Blumen- und Samenfarbe nicht mehr, die Mehrzahl jedoch
-erzeugte nebst ganz gleichen Nachkommen auch solche, welche weisse Blüthen
-und eben so gefärbte Samenschalen erhielten. Die rothblühenden Pflanzen
-blieben so wenig fruchtbar, dass sich über ihre Weiterentwicklung nichts
-mit Bestimmtheit sagen lässt.
-
-Ungeachtet der vielen Störungen, mit welchen die Beobachtung zu kämpfen
-hatte, geht doch so viel aus diesem Versuche hervor, dass die
-Entwicklung der Hybriden in Bezug auf jene Merkmale, welche die Gestalt
-der Pflanze betreffen, nach demselben Gesetze wie bei Pisum erfolgt.
-Rücksichtlich der Farbenmerkmale scheint es allerdings schwierig zu
-sein, eine genügende Uebereinstimmung aufzufinden: Abgesehen davon, dass
-aus der Verbindung einer weissen und purpurrothen Färbung eine ganze
-Reihe von Farben hervorgeht, von Purpur bis Blassviolett und Weiss, muss
-auch der Umstand auffallen, dass unter 31 blühenden Pflanzen nur eine
-den recessiven Charakter der weissen Färbung erhielt, während das bei
-Pisum durchschnittlich schon an jeder vierten Pflanze der Fall ist.
-
-Aber auch diese räthselhaften Erscheinungen würden sich wahrscheinlich
-nach dem für Pisum geltenden Gesetze erklären lassen, wenn man voraussetzen
-dürfte, dass die Blumen- und Samenfarbe des Ph. multiflorus aus zwei oder
-mehreren ganz selbstständigen Farben zusammengesetzt sei, die sich einzeln
-ebenso verhalten, wie jedes andere constante Merkmal an der Pflanze. Wäre
-die Blüthenfarbe _A_ zusammengesetzt aus den selbstständigen Merkmalen
-_A__{1} + _A__{2} + ....., welche den Gesammteindruck der purpurrothen
-Färbung hervorrufen, so müssten durch Befruchtung mit dem differirenden
-Merkmale der weissen Farbe _a_ die hybriden Verbindungen _A__{1}_a_ +
-_A__{2}_a_ + .... gebildet werden, und ähnlich würde es sich mit der
-correspondirenden Färbung der Samenschale verhalten. Nach der obigen
-Voraussetzung wäre jede von diesen hybriden Farbenverbindungen
-selbstständig und würde sich demnach ganz unabhängig von den übrigen
-entwickeln. Man sieht dann leicht ein, dass aus der Combinirung der
-einzelnen Entwicklungsreihen eine vollständige Farbenreihe hervorgehen
-müsste. Wäre z. B. _A_ = _A__{1} + _A__{2}, so entsprechen den Hybriden
-_A__{1}_a_ und _A__{2}_a_ die Entwicklungsreihen
-
- _A__{1} + 2_A__{1}_a_ + _a_
- _A__{2} + 2_A__{2}_a_ + _a_.
-
-Die Glieder dieser Reihen können in 9 verschiedene Verbindungen treten und
-jede davon stellt die Bezeichnung für eine andere Farbe vor:
-
- 1_A__{1}_A__{2} 2_A__{1}_aA__{2} 1_A__{2}_a_
- 2_A__{1}_A__{2}_a_ 4_A__{1}_aA__{2}_a_ 2_A__{2}_aa_
- 1_A__{1}_a_ 2_A__{1}_aa_ 1_aa_.
-
-Die den einzelnen Verbindungen vorausgesetzten Zahlen geben zugleich an,
-wie viele Pflanzen mit der entsprechenden Färbung in die Reihe gehören. Da
-die Summe derselben 16 beträgt, so sind sämmtliche Farben im Durchschnitte
-auf je 16 Pflanzen vertheilt, jedoch, wie die Reihe selbst zeigt, in
-ungleichen Verhältnissen.
-
-Würde die Farbenentwicklung wirklich in dieser Weise erfolgen, so könnte
-auch der oben angeführte Fall eine Erklärung finden, dass nämlich die
-weisse Blüthen- und Hülsenfarbe unter 31 Pflanzen der ersten Generation
-nur einmal vorkam. Diese Färbung ist in der Reihe nur einmal enthalten,
-und könnte daher auch nur im Durchschnitte unter je 16, bei drei
-Farbenmerkmalen sogar nur unter 64 Pflanzen einmal entwickelt
-werden.[23]
-
-Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass die hier versuchte Erklärung
-auf einer blossen Vermuthung beruht, die weiter nichts für sich hat, als
-das sehr unvollständige Resultat des eben besprochenen Versuches. Es wäre
-übrigens eine lohnende Arbeit, die Farbenentwicklung der Hybriden durch
-ähnliche Versuche weiter zu verfolgen, da es wahrscheinlich ist, dass wir
-auf diesem Wege die ausserordentliche Mannigfaltigkeit in der =Färbung
-unserer Zierblumen= begreifen lernen.
-
-Bis jetzt ist mit Sicherheit kaum mehr bekannt, als dass die Blüthenfarbe
-bei den meisten Zierpflanzen ein äusserst veränderliches Merkmal ist. Man
-hat häufig die Meinung ausgesprochen, dass die Stabilität der Arten durch
-die Cultur in hohem Grade erschüttert oder ganz gebrochen werde, und ist
-sehr geneigt, die Entwicklung der Culturformen als eine regellose und
-zufällige hinzustellen; dabei wird gewöhnlich auf die Färbung der
-Zierpflanzen, als Muster aller Unbeständigkeit, hingewiesen. Es ist jedoch
-nicht einzusehen, warum das blosse Versetzen in den Gartengrund eine so
-durchgreifende und nachhaltige Revolution im Pflanzenorganismus zur Folge
-haben müsse. Niemand wird im Ernste behaupten wollen, dass die Entwicklung
-der Pflanze im freien Lande durch andere Gesetze geleitet wird, als im
-Gartenbeete. Hier wie dort müssen typische Abänderungen auftreten, wenn die
-Lebensbedingungen für eine Art geändert werden und diese die Fähigkeit
-besitzt, sich den neuen Verhältnissen anzupassen. Es wird gerne zugegeben,
-dass durch die Cultur die Entstehung neuer Varietäten begünstigt und durch
-die Hand des Menschen manche Abänderung erhalten wird, welche im freien
-Zustande unterliegen müsste, allein nichts berechtigt uns zu der Annahme,
-dass die Neigung zur Varietätenbildung so ausserordentlich gesteigert
-werde, dass die Arten bald alle Selbstständigkeit verlieren und ihre
-Nachkommen in einer endlosen Reihe höchst veränderlicher Formen aus
-einander gehen. Wäre die Aenderung in den Vegetationsbedingungen die
-alleinige Ursache der Variabilität, so dürfte man erwarten, dass jene
-Culturpflanzen, welche Jahrhunderte hindurch unter fast gleichen
-Verhältnissen angebaut wurden, wieder an Selbstständigkeit gewonnen hätten.
-Das ist bekanntlich nicht der Fall, da gerade unter diesen nicht bloss die
-verschiedensten, sondern auch die veränderlichsten Formen gefunden
-werden. Nur die Leguminosen wie Pisum, Phaseolus, Lens, deren
-Befruchtungsorgane durch das Schiffchen geschützt sind, machen davon eine
-bemerkenswerthe Ausnahme. Auch da sind während einer mehr als 1000jährigen
-Cultur unter den mannigfaltigsten Verhältnissen zahlreiche Varietäten
-entstanden, diese behaupten jedoch unter gleich bleibenden
-Lebensbedingungen eine Selbstständigkeit, wie sie wild wachsenden Arten
-zukommt.
-
-Es bleibt mehr als wahrscheinlich, dass für die Veränderlichkeit der
-Culturgewächse ein Factor thätig ist, dem bisher wenig Aufmerksamkeit
-zugewendet wurde. Verschiedene Erfahrungen drängen zu der Ansicht, dass
-unsere Culturpflanzen mit wenigen Ausnahmen =Glieder verschiedener
-Hybridreihen= sind, deren gesetzmässige Weiterentwicklung durch häufige
-Zwischenkreuzungen abgeändert und aufgehalten wird. Es ist der Umstand
-nicht zu übersehen, dass die cultivirten Gewächse meistens in grösserer
-Anzahl neben einander gezogen werden, wodurch für die wechselseitige
-Befruchtung zwischen den vorhandenen Varietäten und mit den Arten selbst
-die günstigste Gelegenheit geboten wird. Die Wahrscheinlichkeit dieser
-Ansicht wird durch die Thatsache unterstützt, dass unter dem grossen Heere
-veränderlicher Formen immer einzelne gefunden werden, welche in dem einen
-oder anderen Merkmale constant bleiben, wenn nur jeder fremde Einfluss
-sorgfältig abgehalten wird. Diese Formen entwickeln sich genau eben so, wie
-gewisse Glieder der zusammengesetzten Hybridreihen. Auch bei dem
-empfindlichsten aller Merkmale, bei jenem der Farbe, kann es der
-aufmerksamen Beobachtung nicht entgehen, dass an den einzelnen Formen die
-Neigung zur Veränderlichkeit in sehr verschiedenem Grade vorkommt. Unter
-Pflanzen, die aus =einer= spontanen Befruchtung stammen, giebt es oft
-solche, deren Nachkommen in Beschaffenheit und Anordnung der Farben weit
-auseinandergehen, während andere wenig abweichende Formen liefern, und
-unter einer grösseren Anzahl einzelne getroffen werden, welche ihre
-Blumenfarbe unverändert auf die Nachkommen übertragen. Die cultivirten
-Dianthusarten geben dafür einen lehrreichen Beleg. Ein weiss blühendes
-Exemplar von Dianthus Caryophyllus, welches selbst von einer weissblumigen
-Varietät abstammte, wurde während der Blüthezeit in einem Glashause
-abgesperrt; die zahlreich davon gewonnenen Samen gaben Pflanzen mit
-durchaus gleicher weisser Blüthenfarbe. Ein ähnliches Resultat wurde
-von einer rothen, etwas ins Violette schimmernden und einer weissen, roth
-gestreiften Abart erhalten. Viele andere hingegen, welche auf dieselbe
-Weise geschützt wurden, gaben mehr oder weniger verschieden gefärbte und
-gezeichnete Nachkommen.
-
-Wer die Färbungen, welche bei Zierpflanzen aus gleicher Befruchtung
-hervorgehen, überblickt, wird sich nicht leicht der Ueberzeugung
-verschliessen können, dass auch hier die Entwicklung nach einem bestimmten
-Gesetze erfolgt, welches möglicherweise seinen Ausdruck in der =Combinirung
-mehrerer selbstständiger Farbenmerkmale= findet.
-
-
- Schlussbemerkungen.
-
-Es dürfte nicht ohne Interesse sein, die bei Pisum gemachten Beobachtungen
-mit den Resultaten zu vergleichen, zu welchen die beiden Autoritäten in
-diesem Fache, _Kölreuter_ und _Gärtner_, bei ihren Forschungen gelangt
-sind. Nach der übereinstimmenden Ansicht beider halten die Hybriden der
-äusseren Erscheinung nach entweder die Mittelform zwischen den Stammarten,
-oder sie sind dem Typus der einen oder der anderen näher gerückt, manchmal
-von denselben kaum zu unterscheiden. Aus den Samen derselben gehen
-gewöhnlich, wenn die Befruchtung durch den eigenen Pollen geschah,
-verschiedene von dem normalen Typus abweichende Formen hervor. In der Regel
-behält die Mehrzahl der Individuen aus einer Befruchtung die Form der
-Hybride bei, während andere wenige der Samenpflanze ähnlicher werden und
-ein oder das andere Individuum der Pollenpflanze nahe kommt. Das gilt
-jedoch nicht von allen Hybriden ohne Ausnahme. Bei einzelnen sind die
-Nachkommen theils der einen theils der anderen Stammpflanze näher gerückt,
-oder sie neigen sich sämmtlich mehr nach der einen oder der anderen Seite
-hin; bei einigen aber =bleiben sie der Hybride vollkommen gleich= und
-pflanzen sich unverändert fort. Die Hybriden der Varietäten verhalten sich
-wie die Specieshybriden, nur besitzen sie eine noch grössere
-Veränderlichkeit der Gestalten und eine mehr ausgesprochene Neigung, zu den
-Stammformen zurück zu kehren.[24]
-
-In Bezug auf die =Gestalt= der Hybriden und ihre in der Regel erfolgende
-=Entwicklung= ist eine Uebereinstimmung mit den bei Pisum gemachten
-Beobachtungen nicht zu verkennen. Anders verhält es sich mit den erwähnten
-Ausnahmsfällen. _Gärtner_ gesteht selbst, dass die genaue Bestimmung,
-ob eine Form mehr der einen oder der anderen von den beiden Stammarten
-ähnlich sei, öfter grosse Schwierigkeiten habe, indem dabei sehr viel auf
-die subjective Anschauung des Beobachters ankommt. Es konnte jedoch auch
-ein anderer Umstand dazu beitragen, dass die Resultate trotz der
-sorgfältigsten Beobachtung und Unterscheidung schwankend und unsicher
-wurden. Für die Versuche dienten grösstentheils Pflanzen, welche als gute
-Arten gelten und in einer grösseren Anzahl von Merkmalen verschieden sind.
-Nebst den scharf hervortretenden Charakteren müssen da, wo es sich im
-Allgemeinen um eine grössere oder geringere Aehnlichkeit handelt, auch jene
-Merkmale eingerechnet werden, welche oft schwer mit Worten zu fassen sind,
-aber dennoch hinreichen, wie jeder Pflanzenkenner weiss, um den Formen ein
-fremdartiges Aussehen zu geben. Wird angenommen, dass die Entwicklung der
-Hybriden nach dem für Pisum geltenden Gesetze erfolgte, so musste die Reihe
-bei jedem einzelnen Versuche sehr viele Formen umfassen, da die Gliederzahl
-bekanntlich mit der Anzahl der differirenden Merkmale nach den Potenzen von
-3 zunimmt. Bei einer verhältnissmässig kleinen Anzahl von Versuchspflanzen
-konnte dann das Resultat nur annähernd richtig sein und in
-einzelnen Fällen nicht unbedeutend abweichen. Wären z. B. die beiden
-Stammarten in 7 Merkmalen verschieden und würden aus den Samen ihrer
-Hybriden zur Beurtheilung des Verwandtschaftsgrades der Nachkommen 100 bis
-200 Pflanzen gezogen, so sehen wir leicht ein, wie unsicher das Urtheil
-ausfallen müsste, da für 7 differirende Merkmale die Entwicklungsreihe
-16,384 Individuen unter 2187 verschiedenen Formen enthält. Es könnte sich
-bald die eine, bald die andere Verwandtschaft mehr geltend machen, je
-nachdem der Zufall dem Beobachter diese oder jene Formen in grösserer
-Anzahl in die Hand spielt.
-
-Kommen ferner unter den differirenden Merkmalen zugleich =dominirende=
-vor, welche ganz oder fast unverändert auf die Hybride übergehen, dann
-muss an den Gliedern der Entwicklungsreihe immer jene der beiden
-Stammarten mehr hervortreten, welche die grössere Anzahl der
-dominirenden Merkmale besitzt. In dem früher bei Pisum für dreierlei
-differirende Merkmale angeführten Versuche gehörten die dominirenden
-Charaktere sämmtlich der Samenpflanze an. Obwohl die Glieder der Reihe
-sich ihrer inneren Beschaffenheit nach gleichmässig zu beiden
-Stammpflanzen hinneigen, erhielt doch bei diesem Versuche der Typus der
-Samenpflanze ein so bedeutendes Uebergewicht, dass unter je 64 Pflanzen
-der ersten Generation 54 derselben ganz gleich kamen, oder nur in einem
-Merkmale verschieden waren. Man sieht, wie gewagt es unter Umständen
-sein kann, bei Hybriden aus der äusseren Uebereinstimmung Schlüsse auf
-ihre innere Verwandtschaft zu ziehen.
-
-_Gärtner_ erwähnt, dass in jenen Fällen, wo die Entwicklung eine
-regelmässige war, unter den Nachkommen der Hybriden nicht die beiden
-Stammarten selbst erhalten wurden, sondern nur einzelne ihnen näher
-verwandte Individuen. Bei nicht sehr ausgedehnten Entwicklungsreihen konnte
-es in der That nicht anders eintreffen. Für 7 differirende Merkmale z. B.
-kommen unter mehr als 16,000 Nachkommen der Hybride die beiden Stammformen
-nur je einmal vor. Es ist demnach nicht leicht möglich, dass dieselben
-schon unter einer geringen Anzahl von Versuchspflanzen erhalten werden; mit
-einiger Wahrscheinlichkeit darf man jedoch auf das Erscheinen einzelner
-Formen rechnen, die demselben in der Reihe nahe stehen.
-
-Einer =wesentlichen Verschiedenheit= begegnen wir bei jenen Hybriden,
-welche in ihren Nachkommen constant bleiben und sich eben so wie die reinen
-Arten fortpflanzen. Nach _Gärtner_ gehören hieher die =ausgezeichnet
-fruchtbaren= Hybriden: Aquilegia atropurpurea-canadensis, Lavatera
-pseudolbia-thuringiaca, Geum urbano-rivale und einige Dianthushybriden;
-nach _Wichura_ die Hybriden der Weidenarten. Für die Entwicklungsgeschichte
-der Pflanzen ist dieser Umstand von besonderer Wichtigkeit, weil constante
-Hybriden die Bedeutung =neuer Arten= erlangen[25]. Die Richtigkeit des
-Sachverhaltes ist durch vorzügliche Beobachter verbürgt und kann nicht in
-Zweifel gezogen werden. _Gärtner_ hatte Gelegenheit, den Dianthus
-Armeria-deltoides bis in die 10. Generation zu verfolgen, da sich derselbe
-regelmässig im Garten von selbst fortpflanzte.
-
-Bei Pisum wurde es durch Versuche erwiesen, dass die Hybriden
-=verschiedenartige= Keim- und Pollenzellen bilden, und dass hierin der
-Grund für die Veränderlichkeit ihrer Nachkommen liegt. Auch bei anderen
-Hybriden, deren Nachkommen sich ähnlich verhalten, dürfen wir eine gleiche
-Ursache voraussetzen; für jene hingegen, welche constant bleiben, scheint
-die Annahme zulässig, dass ihre Befruchtungszellen gleichartig sind und mit
-der Hybriden-Grundzelle übereinstimmen. Nach der Ansicht berühmter
-Physiologen vereinigen sich bei den Phanerogamen zu dem Zwecke der
-Fortpflanzung je eine Keim- und Pollenzelle zu einer einzigen Zelle[D],
-welche sich durch Stoffaufnahme und Bildung neuer Zellen zu einem
-selbstständigen Organismus weiter zu entwickeln vermag. Diese Entwicklung
-erfolgt nach einem constanten Gesetze, welches in der materiellen
-Beschaffenheit und Anordnung der Elemente begründet ist, die in der Zelle
-zur lebensfähigen Vereinigung gelangten. Sind die Fortpflanzungszellen
-gleichartig und stimmen dieselben mit der Grundzelle der Mutterpflanze
-überein, dann wird die Entwicklung des neuen Individuums durch dasselbe
-Gesetz geleitet, welches für die Mutterpflanze gilt. Gelingt es, eine
-Keimzelle mit einer =ungleichartigen= Pollenzelle zu verbinden, so müssen
-wir annehmen, dass zwischen jenen Elementen beider Zellen, welche die
-gegenseitigen Unterschiede bedingen, irgend eine Ausgleichung stattfindet.
-Die daraus hervorgehende Vermittlungszelle wird zur Grundlage des
-Hybriden-Organismus, dessen Entwicklung nothwendig nach einem anderen
-Gesetze erfolgt, als bei jeder der beiden Stammarten. Wird die Ausgleichung
-als eine vollständige angenommen, in dem Sinne nämlich, dass der hybride
-Embryo aus gleichartigen Zellen gebildet wird, in welchen die Differenzen
-=gänzlich und bleibend vermittelt= sind, so würde sich als weitere
-Folgerung ergeben, dass die Hybride, wie jede andere selbstständige
-Pflanzenart, in ihren Nachkommen constant bleiben werde. Die
-Fortpflanzungszellen, welche in dem Fruchtknoten und den Antheren derselben
-gebildet werden, sind gleichartig und stimmen mit der zu Grunde liegenden
-Vermittlungszelle überein.
-
- [D] Bei Pisum ist es wohl ausser Zweifel gestellt, dass zur Bildung des
- neuen Embryo eine vollständige Vereinigung der Elemente beider
- Befruchtungszellen stattfinden müsse. Wie wollte man es sonst
- erklären, dass unter den Nachkommen der Hybriden beide Stammformen
- in gleicher Anzahl und mit allen ihren Eigenthümlichkeiten wieder
- hervortreten? Wäre der Einfluss des Keimsackes auf die Pollenzelle
- nur ein äusserer, wäre demselben bloss die Rolle einer Amme
- zugetheilt, dann könnte der Erfolg einer jeden künstlichen
- Befruchtung kein anderer sein, als dass die entwickelte Hybride
- ausschliesslich der Pollenpflanze gleich käme, oder ihr doch sehr
- nahe stände. Das haben die bisherigen Versuche in keinerlei Weise
- bestätigt. Ein gründlicher Beweis für die vollkommene Vereinigung
- des Inhaltes beider Zellen liegt wohl in der allseitig bestätigten
- Erfahrung, dass es für die Gestalt der Hybride gleichgültig ist,
- welche von den Stammformen die Samen- oder Pollenpflanze war.
-
-Bezüglich jener Hybriden, deren Nachkommen =veränderlich= sind, dürfte
-man vielleicht annehmen, dass zwischen den differirenden Elementen der
-Keim- und Pollenzelle wohl insofern eine Vermittlung stattfindet, dass
-noch die Bildung einer Zelle als Grundlage der Hybride möglich wird,
-dass jedoch die Ausgleichung der widerstrebenden Elemente nur eine
-vorübergehende sei und nicht über das Leben der Hybridpflanze
-hinausreiche. Da in dem Habitus derselben während der ganzen
-Vegetationsdauer keine Aenderungen wahrnehmbar sind, müssten wir weiter
-folgern, dass es den differirenden Elementen erst bei der Entwicklung
-der Befruchtungszellen gelinge, aus der erzwungenen Verbindung
-herauszutreten. Bei der Bildung dieser Zellen betheiligen sich alle
-vorhandenen Elemente in völlig freier und gleichmässiger Anordnung,
-wobei nur die differirenden sich gegenseitig ausschliessen. Auf diese
-Weise würde die Entstehung so vielerlei Keim- und Pollenzellen
-ermöglicht, als die bildungsfähigen Elemente Combinationen zulassen.
-
-Die hier versuchte Zurückführung des wesentlichen Unterschiedes in der
-Entwicklung der Hybriden auf eine =dauernde oder vorübergehende Verbindung=
-der differirenden Zellelemente kann selbstverständlich nur den Werth einer
-Hypothese ansprechen, für welche bei dem Mangel an sicheren Daten noch ein
-weiterer Spielraum offen stände. Einige Berechtigung für die ausgesprochene
-Ansicht liegt in dem für Pisum geführten Beweise, dass das Verhalten je
-zweier differirender Merkmale in hybrider Vereinigung unabhängig ist von
-den anderweitigen Unterschieden zwischen den beiden Stammpflanzen, und
-ferner, dass die Hybride so vielerlei Keim- und Pollenzellen erzeugt, als
-constante Combinationsformen möglich sind. Die unterscheidenden Merkmale
-zweier Pflanzen können zuletzt doch nur auf Differenzen in der
-Beschaffenheit und Gruppirung der Elemente beruhen, welche in den
-Grundzellen derselben in lebendiger Wechselwirkung stehen.
-
-Die Geltung der für Pisum aufgestellten Sätze bedarf allerdings selbst
-noch der Bestätigung, und es wäre deshalb eine Wiederholung wenigstens
-der wichtigeren Versuche wünschenswerth, z. B. jener über die
-Beschaffenheit der hybriden Befruchtungszellen. Dem einzelnen Beobachter
-kann leicht ein Differentiale entgehen, welches, wenn es auch anfangs
-unbedeutend scheint, doch so anwachsen kann, dass es für das
-Gesammt-Resultat nicht vernachlässigt werden darf. Ob die veränderlichen
-Hybriden anderer Pflanzenarten ein ganz übereinstimmendes Verhalten
-beobachten, muss gleichfalls erst durch Versuche entschieden werden;
-indessen dürfte man vermuthen, dass in wichtigen Punkten eine
-principielle Verschiedenheit nicht vorkommen könne, da die =Einheit= im
-Entwicklungsplane des organischen Lebens ausser Frage steht.
-
-Zum Schlusse verdienen noch eine besondere Erwähnung die von _Kölreuter_,
-_Gärtner_ u. a. durchgeführten Versuche über die =Umwandlung einer Art in
-eine andere durch künstliche Befruchtung=. Diesen Experimenten wurde eine
-besondere Wichtigkeit beigelegt, _Gärtner_ rechnet dieselben zu den
-»allerschwierigsten in der Bastarderzeugung.«
-
-Sollte eine Art _A_ in eine andere _B_ verwandelt werden, so wurden beide
-durch Befruchtung verbunden und die erhaltenen Hybriden abermals mit dem
-Pollen von _B_ befruchtet; dann wurde aus den verschiedenen Abkömmlingen
-derselben jene Form ausgewählt, welche der Art _B_ am nächsten stand, und
-wiederholt mit dieser befruchtet, und so fort, bis man endlich eine Form
-erhielt, welche der _B_ gleichkam und in ihren Nachkommen constant blieb.
-Damit war die Art _A_ in die andere Art _B_ umgewandelt. _Gärtner_ allein
-hat 30 derartige Versuche mit Pflanzen aus den Geschlechtern: Aquilegia,
-Dianthus, Geum, Lavatera, Lychnis, Malva, Nicotiania und Oenothera
-durchgeführt. Die Umwandlungsdauer war nicht für alle Arten eine gleiche.
-Während bei einzelnen eine 3malige Befruchtung hinreichte, musste diese
-bei anderen 5-6mal wiederholt werden; auch für die nämlichen Arten wurden
-bei verschiedenen Versuchen Schwankungen beobachtet. _Gärtner_ schreibt
-diese Verschiedenheit dem Umstande zu, dass »die typische Kraft, womit eine
-Art bei der Zeugung zur Veränderung und Umbildung des mütterlichen Typus
-wirkt, bei den verschiedenen Gewächsen sehr verschieden ist, und dass
-folglich die Perioden, innerhalb welcher und die Anzahl der Generationen,
-durch welche die eine Art in die andere umgewandelt wird, auch verschieden
-sein müssen, und die Umwandlung bei manchen Arten durch mehr, bei anderen
-aber durch weniger Generationen vollbracht wird.« Ferner bemerkt derselbe
-Beobachter, »dass es auch bei dem Umwandlungsgeschäfte darauf ankommt,
-welcher Typus und welches Individuum zu der weiteren Umwandlung gewählt
-wird.«
-
-Dürfte man voraussetzen, dass bei diesen Versuchen die Entwicklung der
-Formen auf eine ähnliche Weise wie bei Pisum erfolgte, so würde der
-ganze Umwandlungsprocess eine ziemlich einfache Erklärung finden. Die
-Hybride bildet so vielerlei Keimzellen, als die in ihr vereinigten
-Merkmale constante Combinationen zulassen, und eine davon ist immer
-gleichartig mit den befruchtenden Pollenzellen. Demnach ist für alle
-derartigen Versuche die Möglichkeit vorhanden, dass schon aus der
-zweiten Befruchtung eine constante Form gewonnen wird, welche der
-Pollenpflanze gleich kommt. Ob dieselbe aber wirklich erhalten wird,
-hängt in jedem einzelnen Falle von der Zahl der Versuchspflanzen ab,
-sowie von der Anzahl der differirenden Merkmale, welche durch die
-Befruchtung vereinigt wurden. Nehmen wir z. B. an, die für den Versuch
-bestimmten Pflanzen wären in 3 Merkmalen verschieden und es sollte die
-Art _ABC_ in die andere _abc_ durch wiederholte Befruchtung mit dem
-Pollen derselben umgewandelt werden. Die aus der ersten Befruchtung
-hervorgehende Hybride bildet 8 verschiedene Arten von Keimzellen,
-nämlich:
-
- _ABC_, _ABc_, _AbC_, _aBC_, _Abc_, _aBc_, _abC_, _abc_.
-
-Diese werden im zweiten Versuchsjahre abermals mit dem Pollen _abc_
-verbunden und man erhält die Reihe:
-
- _AaBbCc_ + _AaBbc_ + _AabCc_ + _aBbCc_ + _Aabc_ + _aBbc_
- + _abCc_ + _abc_.
-
-Da die Form _abc_ in der 8 gliederigen Reihe einmal vorkommt, so ist es
-wenig wahrscheinlich, dass sie unter den Versuchspflanzen fehlen könnte,
-wenn diese auch nur in einer geringen Anzahl gezogen würden, und die
-Umwandlung wäre schon nach zweimaliger Befruchtung vollendet. Sollte sie
-zufällig nicht erhalten werden, so müsste die Befruchtung an einer der
-nächstverwandten Verbindungen _Aabc_, _aBbc_, _abCc_ wiederholt werden. Es
-wird ersichtlich, dass sich ein derartiges Experiment desto länger
-hinausziehen müsse, =je kleiner die Anzahl der Versuchspflanzen und je
-grösser die Zahl der differirenden Merkmale= an den beiden Stammarten ist,
-dass ferner bei den nämlichen Arten leicht eine Verschiebung um eine,
-selbst um zwei Generationen vorkommen könne, wie es _Gärtner_ beobachtet
-hat. Die Umwandlung weit abstehender Arten kann immerhin erst im 5. oder 6.
-Versuchsjahre beendet sein, indem die Anzahl der verschiedenen Keimzellen,
-welche an der Hybride gebildet werden, mit den differirenden Merkmalen nach
-den Potenzen von 2 zunimmt.
-
-_Gärtner_ fand durch wiederholte Versuche, dass die =wechselseitige=
-Umwandlungsdauer für manche Arten verschieden ist, so dass öfter eine Art
-_A_ in eine andere _B_ um eine Generation früher verwandelt werden kann,
-als die Art _B_ in die andere _A_. Er leitet daraus zugleich den Beweis ab,
-dass die Ansicht _Kölreuter_'s doch nicht ganz stichhaltig sei, nach
-welcher »die beiden Naturen bei den Bastarden einander das vollkommenste
-Gleichgewicht halten.« Es scheint jedoch, dass _Kölreuter_ diesen Tadel
-nicht verdient, dass vielmehr _Gärtner_ dabei ein wichtiges Moment
-übersehen hat, auf welches er an einer anderen Stelle selbst aufmerksam
-macht, dass es nämlich »darauf ankommt, welches Individuum zur weiteren
-Umwandlung gewählt wird«. Versuche, welche in dieser Beziehung mit zwei
-Pisum-Arten angestellt wurden, weisen darauf hin, dass es für die Auswahl
-der tauglichsten Individuen zu dem Zwecke der weiteren Befruchtung einen
-grossen Unterschied machen könne, =welche= von zwei Arten in die andere
-umgewandelt wird. Die beiden Versuchspflanzen waren in 5 Merkmalen
-verschieden, zugleich besass die Art _A_ sämmtliche dominirende, die andere
-_B_ sämmtliche recessive Merkmale. Für die wechselseitige Umwandlung wurde
-_A_ mit dem Pollen von _B_ und umgekehrt _B_ mit jenem von _A_ befruchtet,
-dann dasselbe an den beiderlei Hybriden im nächsten Jahre wiederholt. Bei
-dem ersten Versuche _B_/_A_ waren im 3. Versuchsjahre für die Auswahl der
-Individuen zur weiteren Befruchtung 87 Pflanzen vorhanden, und zwar =in den
-möglichen 32 Formen=; für den zweiten Versuch _A_/_B_ wurden 73 Pflanzen
-erhalten, welche in ihrem Habitus durchgehends =mit der Pollenpflanze
-übereinstimmten=, jedoch ihrer inneren Beschaffenheit nach eben so
-verschieden sein mussten, wie die Formen des anderen Versuches. Eine
-berechnete Auswahl war daher bloss bei dem ersten Versuche möglich, bei dem
-zweiten mussten auf den blossen Zufall hin einige Pflanzen ausgeschieden
-werden. Von den letzteren wurde nur ein Theil der Blüthen mit dem Pollen
-von _A_ befruchtet, der andere hingegen der Selbstbefruchtung überlassen.
-Unter je 5 Pflanzen, welche für die beiden Versuche zur Befruchtung
-verwendet waren, stimmten, wie der nächstjährige Anbau zeigte, mit der
-Pollenpflanze überein:
-
- Erster Zweiter
- Versuch Versuch
-
- 2 Pflanzen -- in allen Merkmalen
- 3 » -- » 4 »
- -- 2 Pflanzen » 3 »
- -- 2 » » 2 »
- -- 1 Pflanze » 1 Merkmal
-
-Für den ersten Versuch war damit die Umwandlung beendet, bei dem zweiten,
-der nicht weiter fortgesetzt wurde, hätte wahrscheinlich noch eine
-zweimalige Befruchtung stattfinden müssen.
-
-Wenn auch der Fall nicht häufig vorkommen dürfte, dass die dominirenden
-Merkmale ausschliesslich der einen oder der anderen Stammpflanze angehören,
-so wird es doch immer einen Unterschied machen, =welche= von beiden die
-grössere Anzahl besitzt. Kommt die Mehrzahl der dominirenden Merkmale der
-Pollenpflanze zu, dann wird die Auswahl der Formen für die weitere
-Befruchtung einen geringeren Grad von Sicherheit gewähren, als in dem
-umgekehrten Falle, was eine Verzögerung in der Umwandlungsdauer zur Folge
-haben muss, vorausgesetzt, dass man den Versuch erst dann als beendet
-ansieht, wenn eine Form erhalten wird, die nicht nur in ihrer Gestalt der
-Pollenpflanze gleich kommt, sondern auch wie diese in den Nachkommen
-constant bleibt.
-
-Durch den Erfolg der Umwandlungsversuche wurde _Gärtner_ bewogen, sich
-gegen die Meinung derjenigen Naturforscher zu kehren, welche die Stabilität
-der Pflanzenspecies bestreiten und eine stete Fortbildung der Gewächsarten
-annehmen. Er sieht in der vollendeten Umwandlung einer Art in die andere
-den unzweideutigen Beweis, dass der Species feste Grenzen gesteckt sind,
-über welche hinaus sie sich nicht zu ändern vermag. Wenn auch dieser
-Ansicht eine bedingungslose Geltung nicht zuerkannt werden kann, so findet
-sich doch anderseits in den von _Gärtner_ angestellten Versuchen eine
-beachtenswerthe Bestätigung der früher über die Veränderlichkeit der
-Culturpflanzen ausgesprochenen Vermuthung.
-
-Unter den Versuchsarten kommen cultivirte Gewächse vor, wie Aquilegia
-atropurpurea und canadensis, Dianthus Caryophyllus, chinensis und
-japonicus, Nicotiana rustica und paniculata, und auch diese hatten nach
-einer 4-5maligen hybriden Verbindung nichts von ihrer Selbstständigkeit
-verloren.
-
-
-
-
- II.
-
- Ueber einige aus künstlicher Befruchtung gewonnene Hieraciumbastarde.
-
- Von
-
- $Gregor Mendel$.
-
- (Mitgetheilt in der Sitzung vom 9. Juni 1869.)
-
- Gedruckt in den Verhandlungen des naturforschenden Vereines in
- Brünn. VIII. Bd. Abhandlungen. 1869. Brünn, 1870. Verlag des
- Vereins. S. 26-31.
-
-
-Wiewohl ich schon mehrfache Befruchtungsversuche zwischen verschiedenen
-Arten aus dem Genus Hieracium vorgenommen habe, ist es mir bis jetzt doch
-nur gelungen, folgende 6 Bastarde und diese bloss in einem bis drei
-Exemplaren zu erhalten:
-
- H. Auricula + H. aurantiacum[E],
- H. Auricula + H. Pilosella,
- H. Auricula + H. pratense,
- H. echioides[F] + H. aurantiacum,
- H. praealtum + H. flagellare Rchb.,
- H. praealtum + H. aurantiacum.
-
- [E] Durch diese Bezeichnung wird angedeutet, dass der Bastard aus der
- Befruchtung des H. Auricula mit dem Pollen des H. aurantiacum
- erhalten wurde.
-
- [F] Diese Versuchspflanze ist nicht genau das typische H. echioides. Sie
- scheint der Uebergangsreihe zu H. praealtum anzugehören, steht
- jedoch dem H. echioides näher, weshalb sie auch in den Formenkreis
- des letzteren eingestellt wurde.
-
-Die Schwierigkeit, Bastarde in einer grösseren Anzahl zu gewinnen, liegt
-in dem Umstande, dass es bei der Kleinheit der Blüthen und dem
-eigenthümlichen Baue derselben nur selten gelingt, die Antheren aus der zu
-befruchtenden Blüthe zu entfernen, ohne dass der eigene Pollen auf die
-Narbe gelangt, oder der Griffel verletzt wird und abstirbt. Bekanntlich
-sind die Antheren in ein Röhrchen verwachsen, welches den Griffel enge
-umschliesst. Sobald die Blüthe sich öffnet, tritt die Narbe schon mit
-Pollen überdeckt aus dem Röhrchen hervor. Um die Selbstbefruchtung zu
-verhüten, muss deshalb das Antherenröhrchen noch vor dem Aufblühen entfernt
-und zu diesem Zwecke die Knospe mittelst einer feinen Nadel aufgeschlitzt
-werden. Wird diese Operation zu einer Zeit vorgenommen, wo der Pollen schon
-Befruchtungsfähigkeit erlangt hat, was 2-3 Tage vor dem Aufblühen der Fall
-ist, so gelingt es nur selten, die Selbstbefruchtung zu hindern, da es bei
-aller Aufmerksamkeit nicht leicht möglich ist, zu verhüten, dass bei dem
-Aufschlitzen des Röhrchens einzelne Pollenkörner ausgestreut und der Narbe
-mitgetheilt werden. Keinen besseren Erfolg gewährte bis jetzt die
-Entfernung der Antheren in einem früheren Entwicklungsstadium. Vor dem
-Eintritte der Pollenreife sind nämlich die noch sehr zarten Griffel und
-Narben gegen Druck und Verletzungen äusserst empfindlich, und wenn sie auch
-nicht beschädigt wurden, welken und trocknen sie doch gewöhnlich nach
-kurzer Zeit ab, sobald sie ihrer schützenden Hüllen beraubt sind. Dem
-letzteren Uebelstande hoffe ich dadurch abzuhelfen, dass die Pflanze nach
-der Operation durch 2 bis 3 Tage der feuchten Atmosphäre des Warmhauses
-ausgesetzt wird. Ein Versuch, der vor Kurzem mit H. Auricula in dieser
-Weise angestellt wurde, lieferte ein gutes Resultat.
-
-Um den Zweck anzudeuten, zu welchem die Befruchtungsversuche unternommen
-wurden, erlaube ich mir einige Bemerkungen über das Genus Hieracium
-vorauszuschicken. Dieses Genus besitzt einen so ausserordentlichen
-Reichthum an selbstständigen Formen, wie ihn kein anderes
-Pflanzengeschlecht aufweisen kann. Einzelne davon sind durch besondere
-Eigenthümlichkeiten ausgezeichnet und werden als Hauptformen oder Arten
-betrachtet, während alle übrigen sich als Mittelbildungen oder
-Uebergangsformen darstellen, durch welche die Hauptformen mit einander
-zusammenhängen. Die Schwierigkeit in der Gliederung und Abgrenzung dieser
-Formen hat die Aufmerksamkeit der Fachgelehrten immer in Anspruch genommen.
-Ueber keine andere Gattung ist so viel geschrieben, sind so viele und
-heftige Kämpfe geführt worden, ohne dass es bis jetzt zu einem Abschlusse
-gekommen wäre. Es ist voraus zu sehen, dass eine Verständigung nicht zu
-erzielen sein wird, so lange nicht der Werth und die Bedeutung der
-Zwischen- oder Uebergangsformen erkannt ist.
-
-Bezüglich der Frage, ob und in welchem Umfange die Bastardbildung an dem
-Formenreichthum des genannten Geschlechtes Antheil nimmt, begegnen wir
-unter den ersten Pflanzenkennern sehr abweichenden, sogar völlig
-widersprechenden Ansichten. Während einige derselben einen weit
-reichenden Einfluss zugestehen, wollen andere, z. B. _Fries_, bei Hieracien
-von Bastarden überhaupt nichts wissen. Noch andere nehmen eine vermittelnde
-Stellung ein und geben zu, dass Bastarde unter den wildwachsenden Arten
-nicht selten gebildet werden, behaupten jedoch, dass denselben eine
-wichtigere Bedeutung aus dem Grunde nicht beizumessen sei, weil sie immer
-nur von kurzem Bestande sind. Die Ursache davon liege theils in der
-geringen Fruchtbarkeit oder gänzlichen Sterilität derselben, theils aber in
-der durch Versuche erwiesenen Erfahrung, dass bei Bastarden die
-Selbstbefruchtung immer ausgeschlossen werde, wenn der Pollen der
-Stammarten auf die Narben derselben gelangt. Es sei demnach undenkbar, dass
-Hieracienbastarde sich in der Nähe ihrer Stammeltern zu vollkommen
-fruchtbaren und constanten Formen herausbilden und behaupten könnten.
-
-Die Frage über den Ursprung der zahlreichen constanten Zwischenformen hat
-in neuester Zeit nicht wenig an Interesse gewonnen, seitdem ein berühmter
-Hieracienkenner im Geiste der _Darwin_'schen Lehre die Ansicht vertritt,
-dass dieselben aus der Transmutation untergegangener oder noch bestehender
-Arten herzuleiten seien.
-
-Es liegt in der Sache, um die es sich hier handelt, dass eine genaue
-Kenntnis der Bastarde in Bezug auf ihre Gestalt und Fruchtbarkeit, sowie
-auf das Verhalten ihrer Nachkommen durch mehrere Generationen unerlässlich
-ist, wenn man es unternehmen will, den Einfluss zu beurtheilen, den
-möglicherweise die Bastardbildung auf die Mannigfaltigkeit der
-Zwischenformen bei Hieracium ausübt. Das Verhalten der Hieracium-Bastarde
-in dem angedeuteten Umfange muss nothwendig durch Versuche ermittelt
-werden, da wir eine abgeschlossene Theorie der Bastardbildung nicht
-besitzen, und es zu irrigen Anschauungen führen könnte, wenn man die aus
-der Beobachtung einiger anderer Bastarde abgeleiteten Regeln schon für
-Gesetze der Bastardbildung ansehen und ohne weitere Kritik auf Hieracium
-ausdehnen wollte. Gelingt es auf dem Wege des Experimentes eine genügende
-Einsicht in die Bastardbildung der Hieracien zu erlangen, dann wird mit
-Zuhilfenahme der Erfahrungen, welche über die Vegetationsverhältnisse der
-verschiedenen wild wachsenden Formen gesammelt wurden, ein competentes
-Urtheil in dieser Frage möglich werden.
-
-Damit ist zugleich der Zweck ausgesprochen, den die in Rede stehenden
-Versuche anstreben. Ich erlaube mir nun mit Berücksichtigung dieses Zweckes
-die bisherigen noch sehr geringen Ergebnisse kurz zusammenzufassen.[26]
-
-1. Bezüglich der Gestalt der Bastarde haben wir die auffallende
-Erscheinung zu registriren, dass die bis jetzt aus gleicher Befruchtung
-erhaltenen Formen nicht identisch sind. Die Bastarde H. praealtum + H.
-aurantiacum und H. Auricula + H. aurantiacum sind durch je zwei, H.
-Auricula + H. pratense ist durch drei Exemplare vertreten, während von den
-übrigen bisher nur je eines erhalten wurde. Wenn wir die einzelnen Merkmale
-dieser Bastarde mit den correspondierenden Charakteren der beiden
-Stammeltern vergleichen, so finden wir, dass dieselben theils
-Mittelbildungen darstellen, theils aber dem einen der beiden Stamm-Merkmale
-so nahe stehen, dass das andere weit zurücktritt oder fast der Beobachtung
-entschwindet. So z. B. sehen wir an der einen der beiden Formen von H.
-Auricula + H. aurantiacum rein gelbe Scheibenblüthen, nur die Ligeln der
-Randblümchen sind an der Aussenseite kaum merklich roth angehaucht: bei der
-anderen hingegen kommt die Blüthenfarbe jener des H. aurantiacum sehr nahe,
-nur gegen die Mitte der Scheibe hin geht das Orangeroth in ein sattes
-Goldgelb über. Dieser Unterschied ist beachtenswerth, da die Blüthenfarbe
-bei Hieracien die Geltung eines constanten Merkmales besitzt. Andere
-ähnliche Fälle finden sich an den Blättern, Blüthenständen u. s. w.
-
-Vergleicht man die Bastarde mit den Stammeltern nach der Gesammtheit ihrer
-Merkmale, dann stellen die beiden Formen des H. praealtum + H. aurantiacum
-nahezu Mittelformen dar, die jedoch in einzelnen Merkmalen nicht
-übereinstimmen. Dagegen sehen wir bei H. Auricula + H. aurantiacum und H.
-Auricula + H. pratense die Formen weit auseinandergehen, so zwar, dass eine
-davon sich der einen, die andere der zweiten Stammpflanze nahe stellt,
-während bei dem zuletzt genannten Bastarde noch eine dritte vorhanden ist,
-welche zwischen beiden fast die Mitte hält.
-
-Es drängt sich von selbst die Vermuthung auf, dass wir hier nur einzelne
-Glieder aus noch unbekannten Reihen vor uns haben, welche durch die
-unmittelbare Einwirkung des Pollens der einen Art auf die Keimzellen einer
-anderen gebildet werden.
-
-2. Die besprochenen Bastarde bilden, mit Ausnahme eines einzigen,
-keimfähige Samen. Als vollkommen fruchtbar ist zu bezeichnen: H. echioides
-+ H. aurantiacum, als fruchtbar H. praealtum + H. flagellare, als
-theilweise fruchtbar H. praealtum + H. aurantiacum und H. Auricula + H.
-pratense, als wenig fruchtbar H. Auricula + H. Pilosella, als unfruchtbar
-H. Auricula + H. aurantiacum. Von den beiden Formen des zuletzt genannten
-Bastardes war die roth blühende ganz steril, von der gelb blühenden wurde
-ein einziger gut ausgebildeter Same erhalten. Ferner kann nicht unerwähnt
-bleiben, dass unter den Sämlingen des theilweise fruchtbaren Bastardes
-H. praealtum + H. aurantiacum eine Pflanze die vollkommene Fruchtbarkeit
-erlangt hat[27].
-
-3. Die aus Selbstbefruchtung hervorgegangenen Nachkommen der Bastarde
-haben bis jetzt nicht variirt, sie stimmen in ihren Merkmalen untereinander
-und mit der Bastardpflanze, von welcher sie abstammen, überein. Von H.
-praealtum + H. flagellare sind bis jetzt zwei Generationen, von H.
-echioides + H. aurantiacum, H. praealtum + H. aurantiacum, H. Auricula + H.
-Pilosella je eine Generation in 14 bis 112 Exemplaren zur Blüthe gelangt.
-
-4. Es ist die Thatsache zu constatiren, dass bei dem vollkommen fruchtbaren
-Bastarde H. echioides + H. aurantiacum der Pollen der Stammeltern nicht im
-Stande war, die Selbstbefruchtung zu hindern, obwohl derselbe den Narben,
-während sie beim Aufblühen der Antherenröhrchen hervortraten, in grosser
-Menge mitgetheilt wurde.
-
-Aus zwei auf diese Weise behandelten Blüthenköpfchen wurden durchaus mit
-der Bastardpflanze übereinstimmende Sämlinge erhalten. Ein ganz ähnlicher
-Versuch, der schon im heurigen Sommer an dem theilweise fruchtbaren
-Bastarde H. praealtum + H. aurantiacum vorgenommen wurde, hat zu dem
-Ergebnisse geführt, dass jene Blüthenköpfchen, an welchen die Narben mit
-dem Pollen der Stammeltern oder anderer Arten belegt wurden, eine merklich
-grössere Anzahl guter Samen entwickelten, als jene, welche der
-Selbstbefruchtung überlassen blieben. Die Erklärung dieser Erscheinung
-dürfte bei dem Umstande, dass ein grosser Theil der Pollenkörner des
-Bastardes unter dem Mikroskope eine mangelhafte Ausbildung zeigt, wohl nur
-darin zu suchen sein, dass bei dem natürlichen Verlaufe der
-Selbstbefruchtung ein Theil der conceptionsfähigen Eichen wegen schlechter
-Beschaffenheit des eigenen Pollens nicht befruchtet wird.
-
-Auch bei wild wachsenden, ganz fruchtbaren Arten kommt es nicht selten vor,
-dass in einzelnen Blüthenköpfchen die Pollenbildung fehlschlägt und in
-mancher Anthere auch nicht ein einziges gutes Körnchen entwickelt wird.
-Wenn in solchen Fällen dennoch Samen gebildet werden, so muss die
-Befruchtung durch fremde Pollen erfolgt sein. Dabei können leicht Bastarde
-entstehen, indem mancherlei Insekten, namentlich geschäftige Hymenopteren,
-die Hieracium-Blüthen mit grosser Vorliebe besuchen und sicherlich dafür
-Sorge tragen, dass der an ihrem haarigen Körper leicht anhängende Pollen
-benachbarter Pflanzen auf die Narben gelangt.
-
-Aus dem Wenigen, das ich hier mittheilen kann, wird ersichtlich, dass
-die Arbeit noch kaum über ihre ersten Anfänge hinausreicht. Ich musste
-wohl Bedenken tragen, an diesem Orte eben erst begonnene Versuche zu
-besprechen. Nur die Überzeugung, dass die Durchführung der projectirten
-Experimente noch eine Reihe von Jahren in Anspruch nehmen müsse, und die
-Ungewissheit, ob es mir vergönnt sein wird, dieselben zu Ende zu führen,
-konnten mich zu der heutigen Mittheilung bestimmen. Durch die Güte des
-Herrn Directors Dr. _Nägeli_ in München, welcher mir fehlende Arten,
-namentlich aus den Alpen freundlichst zugesendet hat, bin ich nun in den
-Stand gesetzt, eine grössere Anzahl von Formen in den Kreis der Versuche
-zu ziehen, und darf hoffen, schon im kommenden Jahre Einiges zur
-Ergänzung und Sicherstellung der heutigen Angaben nachholen zu
-können.[28]
-
-Wenn wir schliesslich die besprochenen, allerdings noch sehr unsicheren
-Resultate mit jenen vergleichen, welche aus Kreuzungen verschiedener
-Pisum-Formen erhalten wurden, und welche ich im Jahre 1865 hier
-mitzutheilen die Ehre hatte,[G] so begegnen wir einer sehr wesentlichen
-Verschiedenheit. Bei Pisum haben die Bastarde, welche unmittelbar aus der
-Kreuzung zweier Formen gewonnen werden, in allen Fällen den gleichen Typus,
-ihre Nachkommen dagegen sind veränderlich und variiren nach einem
-bestimmten Gesetze. Bei Hieracium scheint sich nach den bisherigen
-Versuchen das gerade Gegentheil davon herausstellen zu wollen. Schon bei
-Besprechung der Pisum-Versuche wurde darauf hingewiesen, dass es auch
-Bastarde gibt, deren Nachkommen nicht variiren, dass z. B. nach _Wichura_
-die Bastarde von Salix sich unverändert wie reine Arten fortpflanzen. Wir
-hätten demnach bei Hieracium einen analogen Fall. Ob man bei diesem
-Umstande die Vermuthung aussprechen dürfe, dass die Polymorphie der
-Gattungen Salix und Hieracium mit dem eigentlichen Verhalten ihrer Bastarde
-in Zusammenhang stehe, das ist bis jetzt noch eine Frage, die sich wohl
-anregen, nicht aber beantworten lässt.
-
- [G] Verhandlungen des naturforschenden Vereines in Brünn, IV. Bd.
- Abhandlungen p. 3.
-
-
-
-
- Anmerkungen.
-
-
-Die beiden Abhandlungen, welche durch diese Neuausgabe in zweiter Auflage
-einem weiteren Leserkreise zugänglich gemacht werden sollen, haben zur Zeit
-ihrer mündlichen Mitteilung (1865 und 1869) und ihres Erscheinens im Druck
-(1866 und 1870) lange nicht jene Würdigung gefunden, die sie als
-grundlegende Beiträge zur Lehre von der Bastarderzeugung, ja zur
-Konstitutionslehre und Entwicklungsgeschichte der organischen Formen
-überhaupt verdienten. Allerdings waren bereits vor _Mendel_ von
-_Kölreuter_, _Gärtner_, _Herbert_, _Lecocq_, _Wichura_ u. a. vielseitige
-Untersuchungen über die Bastarderzeugung im Pflanzenreiche angestellt
-worden, doch hatte keiner dieser Forscher auch nur versucht, Gesetze für
-die Gestaltungsweise der Hybriden aufzustellen. _Mendel_ hat als Erster in
-dieser Absicht höchst mühevolle Detailversuche, hauptsächlich an Erbsen (in
-über 10 000 Exemplaren), Bohnen und Hieracien angestellt, und zwar »in dem
-Umfange und der Weise, dass es möglich war, die Anzahl der verschiedenen
-Formen, unter welchen die Nachkommen der Hybriden auftreten, zu bestimmen,
-dass man diese Formen mit Sicherheit in den einzelnen Generationen ordnen
-und die gegenseitigen numerischen Verhältnisse feststellen konnte.«
-(_Mendel_). Den Ausgangspunkt für die experimentelle Feststellung von
-Vererbungsregeln -- im Gegensatze zu der bisherigen Auffassung, dass in der
-Bastarderzeugung jede Gesetzmässigkeit und damit jede Möglichkeit einer
-Vorhersage fehle -- bildete nicht die Verfolgung der grösseren oder
-geringeren Gesammtähnlichkeit der Hybriden mit ihren Eltern, sondern die
-Zerlegung der Gesammterscheinung beider Eltern in Einzeleigenschaften, die
-paarweise Gegenüberstellung der Unterscheidungsmerkmale und ihre gesonderte
-Verfolgung bezüglich der Vererbung an den Bastarden. Man kann diese von
-_Mendel_ begründete Methode »die systematische Merkmalanalyse oder die
-biologische Elementaranalyse der äusseren Erscheinung« nennen. Ihr
-wichtigstes Ergebnis ist die Feststellung, dass sich die einzelnen Merkmale
-bei der Vererbung im allgemeinen ganz selbständig verhalten, das heisst
-sich von einander trennen, bzw. sich frei nach allen Chancen des Zufalles
-kombinieren können, kurz, dass jede pflanzliche Form aus selbständigen
-biologischen Einheiten besteht. Neben der rein erfahrungsmässigen,
-phänomenologischen Auffassung und Darstellung spielt jedoch schon bei
-_Mendel_ der Gedanke eine erhebliche Rolle, dass die Einzeleigenschaften
-als selbständige Elemente oder Komponenten der äusseren Erscheinung
-ursächlich auf gesonderte selbständige Zellelemente zurückzuführen seien
-(vgl. S. 42). Diese kausale Betrachtungsweise vertieft die Merkmalanalyse,
-die Lehre von der äusserlichen oder scheinbaren Vererbung, zur Analyse der
-Einzelursachen, zur Lehre von der innerlichen oder wesentlichen Vererbung.
-Diese Grundgedanken _Mendels_ haben eine Weiterentwicklung gefunden,
-zunächst durch die Theorie von der Kryptomerie (Lehre vom Gehalt an
-unsichtbaren, latenten jedoch reaktionsfähigen, manifestablen Anlagen --
-_E. v. Tschermak_), dann speziell durch die Faktorentheorie. Die letztere
-sei charakterisiert als die Lehre von der Bewirkung der Merkmale durch
-selbständige Teilursachen oder Faktoren, welche entweder durch
-Zusammentreffen (Synthese, sei es in Form von Kombination, Hemmung,
-Verdrängung oder Verdeckung) oder durch Trennung aus dem bisherigen
-Zusammenhang (Analyse, sei es in Form von Dissolution, Freigabe, Auftauchen
-aus Verdrängung oder Verdeckung) charakteristische, die äussere Erscheinung
-bestimmende Beziehungen zu einander verraten können; bei der Analyse der
-beiden Elternformen werden ausschliesslich Besitz und Mangel desselben
-Faktors einander gegenüber gestellt, -- abgesehen vom beiderseitigen Besitz
-oder Mangel von Faktoren (_Correns_, _Cuénot_, _Bateson_, _Punnett_,
-_Shull_ u. a.).
-
-Auch die Bedeutung der gewonnenen Regeln für die Bildung neuer Formen sowie
-für die praktische Züchtung hat _Mendel_ wohl geahnt.
-
-Die beiden gedrängten Mitteilungen, welche _Mendel_ über die ihn durch
-lange Jahre beschäftigenden Fragen in kleinem Kreise gemacht und an einem
-schwer zugänglichen Orte veröffentlicht hatte (nur 30 Sonderabdrücke hat
-der bescheidene Gelehrte bestellt und versendet), führten zwar zu einer
-interessanten Korrespondenz mit _C. v. Nägeli_, gerieten jedoch bald in
-fast völlige Vergessenheit. Nur der Sammeleifer von _W. O. Focke_ bewahrte
-in seinem bekannten Buche: »Die Pflanzenmischlinge« (Berlin 1881), einen
-Hinweis auf. Er lautet auf Seite 110: »_Mendels_ zahlreiche
-Kreuzungsversuche ergaben Resultate, die dem _Knight_'schen ganz ähnlich
-waren, doch glaubte _Mendel_, konstante Zahlenverhältnisse zwischen den
-Typen der Mischlinge zu finden.« So kam es, dass das Wesentliche der
-bereits von _Mendel_ festgestellten Ergebnisse gleichzeitig und unabhängig
-von drei Forschern, _C. Correns_ (Münster), _E. v. Tschermak_ (Wien), _Hugo
-de Vries_ (Amsterdam) neu gewonnen werden musste, und die drei Genannten
-erst beim nachträglichen Durchsuchen der Litteratur auf _Mendels_
-grundlegende Vorarbeiten stiessen. Mit dieser Wiederentdeckung (1900) wurde
-für die experimentelle Biologie eine neue, überaus fruchtbare
-Arbeitsrichtung erschlossen, die heute bereits allgemein als »Mendelismus«
-bezeichnet wird. Dieselbe hat in England besonders durch ihre
-Hauptvertreter _W. Bateson_ und seine Schule (speziell _R. C. Punnett_,
-Miss _E. R. Saunders_ und _R. H. Lock_), ferner _C. Hurst_ und _Biffen_, in
-Amerika durch _Castle_, _Davenport_, _Shull_, _Emerson_ und _Spillman_, in
-Deutschland durch _C. Correns_, _V. Häcker_ und _E. Baur_, in Oesterreich
-durch _E. v. Tschermak_, in der Schweiz durch _A. Lang_, in Schweden durch
-_Nilsson-Ehle_, in Japan durch _K. Toyama_ sehr erfolgreiche Pflege
-gefunden. Auch auf dem Gebiete der landwirtschaftlichen Züchtung hat der
-»Mendelismus« neubelebend und richtunggebend gewirkt.
-
-Aus den nicht sehr reichen biographischen Daten lässt sich folgendes Bild
-gewinnen.
-
-Johann _Mendel_ wurde am 20. Juli 1822 zu Heinzendorf, einem kleinen,
-zwischen Odrau und Leipnik gelegenen Dörfchen an der mährisch-schlesischen
-Grenze als Sohn einfacher Bauersleute geboren. Von seinem Vater für den
-landwirtschaftlichen Beruf als zukünftiger Uebernehmer des kleinen Besitzes
-bestimmt, wurde der aufgeweckte Hans schon in jungen Jahren mit der
-Landwirtschaft und einigen gärtnerischen Handgriffen, wie Pfropfen,
-vertraut gemacht. Dem Zureden des Dorfschullehrers sowie Mendels Mutter
-gelang es, den anfangs widerstrebenden Vater zu bewegen, den Bitten des
-Knaben nachzugeben und ihn studieren zu lassen. Zunächst wurde er in die
-Bürgerschule nach Leipnik geschickt. Das Gymnasium absolvierte er binnen
-sechs Jahren unter grossen finanziellen Schwierigkeiten in Troppau und
-machte dann in Olmütz die zwei sogenannten philosophischen Jahrgänge durch,
-welche der 7. und 8. Klasse unserer heutigen Gymnasien entsprachen. Der
-Direktor des Gymnasiums, ein Augustinerpriester, mag den jungen Mann auf
-den Gedanken gebracht haben, sich dem geistlichen Stande zu widmen. Von
-seinem Physiklehrer, der ihn seinen besten Schüler nannte, an den Prälaten
-des Altbrünner Augustinerstiftes empfohlen, wurde er im Jahre 1843 als
-Novize mit dem Namen Gregor eingekleidet. Nach zwei Jahren studierte er
-1845-1848 in Brünn Theologie und war dann kurze Zeit in der Seelsorge
-tätig, von der er aber bald wieder enthoben wurde. Zwei Jahre verbrachte er
-hierauf als supplierender Lehrer am Znaimer Gymnasium, wo er Physik und
-Mathematik vorzutragen hatte und kehrte 1851 nach Brünn zurück als Lehrer
-am Vorbereitungskurs der technischen Lehranstalt, aus der sich später die
-technische Hochschule entwickelte. Vom Kloster im Oktober 1851 nach Wien an
-die Universität entsendet, war er hier durch fünf Semester
-ausserordentlicher Hörer. Von seinen Lehrern seien die Botaniker _Fenzl_
-und _Unger_, die Physiker _Doppler_ und _Ettinghausen_, sowie der Chemiker
-_Redtenbacher_ genannt. Im Jahre 1854 wurde _Mendel_ Lehrer für
-Naturgeschichte und Physik an der K. K. Oberrealschule in Brünn. Hier
-wirkte er 14 Jahre lang als ausgezeichnete, von seinen Kollegen und
-Schülern geliebte und verehrte Lehrkraft bis zu seiner am 13. Mai 1868
-erfolgten Wahl zum Abte seines Stiftes. Als solcher opferte er seine durch
-Kränklichkeit gefährdete Arbeitskraft so gut wie völlig der Leitung des
-Klosters (1869-1884) und verzehrte sich förmlich in schweren Kämpfen
-um die finanzielle Sicherung von dessen Zukunft gegenüber den
-Besteuerungsmassregeln der damaligen Regierung. Im Jahre 1869 war
-_Mendel_ einer der Vize-Präsidenten des Naturforschenden Vereines in
-Brünn. Er starb am 6. Jänner 1884.
-
-_Mendels_ naturwissenschaftliche Arbeiten fallen in die Jahre 1856-1872.
-Seine an Umfang und Zahl sehr reichen botanischen Versuche stellte er im
-Garten seines Klosters an. Nur die Resultate seiner Bastardierungsversuche
-mit Pisum- und Phaseolus-Rassen, ferner mit Hieracium-Arten legte er in
-schier allzu weit gehender Kürze 1865, bzw. 1866 und 1869 bzw. 1870 in den
-Schriften des Naturforschenden Vereines in Brünn nieder. Diese
-Mitteilungen, welche selbst schon eine publizistische Fortsetzung und eine
-Erweiterung durch _Mendel_ sehr wünschenswerth hätten erscheinen lassen,
-umfassen jedoch nur einen bescheidenen Teil dessen, was er beobachtet und
-gearbeitet hat. So erwähnen die Sitzungsberichte des Naturforschenden
-Vereins in Brünn (1866, S. 52), dass _Mendel_ in frischem Zustande zwei von
-ihm gezogene Bastarde, nämlich Verbascum phoeniceum × weissblühendem
-Verbascum Blattaria und Campanula media × pyramidalis zeigte. _Mendel_
-spricht ferner in der I. Abhandlung auch von einigen Versuchen an Lathyrus
-(S. 9) und Dianthus Caryophyllus (S. 37). In seinen Briefen an _C. v.
-Nägeli_, durch deren Herausgabe _C. Correns_ unsere Kenntnis von der
-Forschernatur _Mendels_ und von dem Umfange seiner Arbeiten in sehr
-dankenswerther Weise gefördert hat, erwähnt _Mendel_ auch eigene
-Bastardierungsversuche zwischen verschiedenfarbigen Levkojensippen, welche
-ihn mindestens 6 Jahre beschäftigten, an Geum, Cirsium, Aquilegia, Linaria,
-Mirabilis, Melandrium, Zea, Verbascum, Antirrhinum, Ipomaea, Tropaeolum,
-Calceolaria. Nach seiner Wahl zum Prälaten fand _Mendel_ leider nur mehr in
-den ersten 4 Jahren noch Zeit, seine Beobachtungen systematisch
-fortzusetzen. Auch zu einer Verarbeitung des bereits gewonnenen Materials
-für weitere Veröffentlichungen ist er nicht mehr gekommen. Seine gewiss mit
-höchster Genauigkeit geführten Beobachtungsjournale scheinen leider
-verloren gegangen zu sein. Die Anregungen zu den Untersuchungen über
-Pflanzenhybriden gab ihm allem Anscheine nach die in den 50er und 60er
-Jahren besonders lebhafte Diskussion über die Entstehung der Arten und
-speziell die Auffassungen, zu welchen _C. v. Nägeli_ für die Formenkreise
-von Hieracium gekommen war. _v. Nägeli_ gab _Mendel_ direkte briefliche
-Anleitung zur Kultur und Kastration der Hieraciumformen, von denen er
-einzelne _Mendel_ zusandte, hat jedoch die wesentliche Bedeutung der
-Forschungen _Mendels_ nicht erfasst. _Mendel_ hinwiederum überliess _v.
-Nägeli_ Proben seiner Hybriden von Pisum, Hieracium, Cirsium, Geum und
-Linaria.
-
-Für die Gärtnerei hatte _Mendel_ ein besonderes Interesse. Im
-Klostergarten nahm er Pfropfungen an Obstbäumen vor, und eine von ihm
-gezüchtete Fuchsie wurde von den Gärtnern seiner Zeit sehr geschätzt und
-Mendelfuchsie benannt. Es ist nicht bekannt, wie diese gefüllte Fuchsie
-gezüchtet wurde. Auf einem Gruppenbilde ist _Mendel_, einen Zweig dieser
-Fuchsie in der Hand haltend, abgebildet. -- Als eifriger Imker stellte
-_Mendel_ auch Bastardierungsversuche mit Bienen an. Er zeigte
-im Vereine der Bienenzüchter sowie manchen seiner Besucher
-solche Bastardierungsprodukte vor, leider ohne darüber etwas zu
-veröffentlichen. Am ausführlichsten berichtet über diese Versuche Dr.
-_M. Schindler_ in seiner Gedenkrede.
-
-Neben der Botanik gehört _Mendel's_ Interesse hauptsächlich der
-Meteorologie. Die Resultate seiner mehrjährigen Beobachtungen, die von
-allen Fachmännern als mustergültig bezeichnet werden, veröffentlichte er
-vom Jahre 1862 ab in den obengenannten Verhandlungen und gab durch
-dieselben Veranlassung zur Ausdehnung des meteorologischen
-Beobachtungsnetzes über ganz Mähren und Schlesien. _Mendel_ beschäftigte
-sich auch viele Jahre hindurch mit Grundwassermessungen sowie mit
-Beobachtungen über Sonnenflecken; doch sind leider in Folge seines zuletzt
-sehr leidenden Zustandes die Resultate unveröffentlicht geblieben, auch
-fand sich Niemand, der die im Kloster befindlichen Beobachtungsbücher zur
-Fortsetzung jener Studien benützt hätte. Gelegentlich einer Zyklone im
-Jahre 1870, die das Kloster arg beschädigte, trug _Mendel_ im
-Naturforschenden Vereine seine teils selbst gemachten, teils durch
-Erkundigungen und Nachforschungen in der Umgebung von Brünn gewonnenen
-Beobachtungen über jenes Phänomen vor und veröffentlichte einen Auszug
-seines Vortrages in den Vereinsschriften.
-
-Die ausserordentliche Wertschätzung, welche der Mendelismus in den letzten
-10 Jahren in allen biologischen Disziplinen gefunden, und seine
-epochemachende Bedeutung für das Gesamtgebiet der Vererbungsfragen kam so
-recht deutlich zum Ausdruck bei der am 2. Oktober 1910 erfolgten Enthüllung
-des Gregor Mendeldenkmales in Brünn, zu welcher Feier sich eine selten
-zahlreiche Versammlung von aus- und inländischen Gelehrten eingefunden
-hatte.
-
- * * * * *
-
-_Gregor Mendel_ hat folgende Arbeiten und zwar durchwegs in den
-Verhandlungen des Naturforschenden Vereines in Brünn veröffentlicht:
-
-Bemerkungen zu der graphisch-tabellarischen Uebersicht der
-meteorologischen Verhältnisse von Brünn. Bd. I. 1864. S. 246.
-
-Meteorologische Beobachtungen aus Mähren und Schlesien für die Jahre
-1864-1867. Bd. II-V; in den späteren Jahren mitbeteiligt.
-
-Versuche über Pflanzenhybriden. Bd. IV. 1866. S. 3-...
-
-Ueber einige aus künstlicher Befruchtung gewonnene Hieraciumbastarde.
-Bd. VIII. 1870. S. 26-31.
-
- (Die beiden Arbeiten _Gregor Mendels_ wurden bereits im Jahre 1900
- von _E. v. Tschermak_ zur Aufnahme in Ostwald's Klassiker der
- exakten Wissenschaften empfohlen, doch zögerte man längere Zeit mit
- der Annahme, so dass schließlich der von _C. Goebel_ besorgte
- Abdruck der ersten Abhandlung _Mendels_ in der _Flora_ (Erg.-Bd.
- 89. Jg. 1901), einige Wochen früher erschien. Eine englische
- Uebersetzung publizierte _W. Bateson_ im Journ. of the R. Hort.
- Society Bd. 1901, in _Mendels_ principles of heredity. A Defense.
- Cambridge 1902 und _Mendels_ principles of heredity. Cambridge
- 1909.)
-
-Die Windhose am 13. Oktober 1870. Bd. IX. S. 229. 1871.
-
-_Gregor Mendels_ Briefe an _Carl v. Nägeli_. Herausgegeben von _C.
-Correns_. Abh. der Kgl. Sächs. Ges. d. Wiss. Math.-phys. Kl. 29. Jg. III.
-Leipzig 1905. S. 189. -- Einige der Antwortschreiben _Carl v. Nägelis_
-wurden kürzlich in Brünn aufgefunden; ihre Ausgabe durch _Dr. H. Iltis_ ist
-zu erwarten.
-
-Biographische Daten über _Gregor Mendel_ finden sich an folgenden Orten:
-
-_A. Schindler_ (Stadtarzt in Zuckmantel, Schlesien) Gedenkrede auf
-Prälaten _Gr. J. Mendel_ anlässlich der Gedenktafel-Enthüllung in
-Heinzendorf, Schlesien, am 20. Juli 1902. (Selbstverlag.)
-
-_H. Iltis_. _Johann Gregor Mendel's_ Leben. Tagesbote aus Mähren und
-Schlesien, 21. Juli 1906. Nr. 337.
-
--- _Gregor Mendel_. Naturw. Wochenschrift Nr. 47. 1910.
-
-Aus der ungemein reichen Litteratur über den Mendelismus seien zunächst die
-Wiederentdeckungs-Publikationen angeführt:
-
-_C. Correns_. _Gregor Mendel's_ Regel über das Verhalten der
-Nachkommenschaft der Rassenbastarde. Ber. d. d. bot. Ges. Bd. XVIII.
-1900. Heft 4.
-
-_Erich Tschermak_. Ueber künstliche Kreuzung bei Pisum sativum.
-Zeitschr. f. d. landw. Versuchswesen in Oesterreich. 5. Heft. 1900 und
-Ber. d. d. bot. Ges. Bd. XVIII. 1900. Heft 6.
-
-_Hugo de Vries_. Ueber das Spaltungsgesetz der Bastarde. Ber. d. d. bot.
-Ges. Bd. XVIII. 1900. Heft 3. Vgl. auch: Sur la loi de disjonction des
-hybrides. Comptes rendus de l'Acad. des sciences. Paris 26. März 1900.
-
-Von anderen Schriften seien hier nur einige allgemein orientierende
-Arbeiten genannt, welche speziell zur Einführung in das Studium des
-Mendelismus geeignet erscheinen:
-
-_W. Bateson_. _Mendel's_ Principles of heredity. Cambridge at the
-University Press 1909.
-
-_C. Correns_. Ueber Vererbungsgesetze. Vortrag. Sept. 1905. Berlin.
-Bornträger.
-
-_R. C. Punnett_. Mendelism. Cambridge, Macmillan and Bowes. Second
-Edition 1907. Deutsche Uebersetzung von _W. R. v. Proskowetz_.
-Herausgegeben von _H. Iltis_. Brünn. Carl Winiker. 1910.
-
-_Erich von Tschermak_. Zusammenfassende Orientierung über den
-gegenwärtigen Stand des Mendelismus im Handbuche der Züchtung der
-landwirtschaftlichen Kulturpflanzen (von _C. Fruwirth_). 4. Bd. S.
-63-106. 2. Aufl. Berlin. Paul Parey. 1910.
-
- * * * * *
-
-[1] _Zu Seite 3._ Einzelne Züge der erst von _Gr. Mendel_ im
-Zusammenhang aufgedeckten und einer Erklärung zugeführten
-Gesetzmässigkeit hat schon _John Goß_ (On the variation in the colour of
-peas, occasioned by cross impregnation. Transact. of the Horticultural
-Society of London Vol. V. 1824. p. 234 bis 236) im Jahre 1822
-beobachtet. Derselbe ist als ein Vorläufer _Mendels_ zu bezeichnen. Er
-konstatirte bei Bastardirung der blaugrünen Erbsenrasse Prolific or
-Prussian blue und der gelbsamigen Dwarf Spanish Pea Alleinausprägung der
-gelben Samenfarbe der Vaterrasse an allen Bastardierungsprodukten,
-sodann Produktion gelber und grüner Samen als zweite Samengeneration,
-Konstantbleiben nur eines Teiles der gelben, Fortspalten der übrigen
-gelben, hingegen Konstanz aller grünen.
-
-[2] _Zu S. 5._ Recht zweckmässig erscheint es, das Schiffchen längs der
-Naht mit einer Lancette aufzuschneiden, durch Erweitern des
-Knospengrundes mittelst einer Pinzette die Staubbeutel vom Griffel zu
-entfernen, hierauf dieselben an den Staubfäden abzureissen und den
-Pollen mittelst Stahlschreibfedern auf die Narbe aufzutragen. Das
-Platzen der Antheren und hiermit im Zusammenhange die Selbstbestäubung
-der Narbe vor dem Oeffnen der Corolle erfolgt in den Blüthen der
-niedrigen Erbsenrassen früher als in jenen der höheren (_v. Tschermak_).
-
-[3] _Zu S. 6._ Auch heute muss die Frage nach einem Unterschied zwischen
-den Hybriden von Arten und von Varietäten, bzw. Rassen oder Sippen als
-unentschieden bezeichnet werden. Wenigstens hat der Versuch von _de
-Vries_ zu unterscheiden zwischen variativen Merkmalen mit bisexueller,
-d. h. mendelnder Vererbungsweise und mutativen oder spezifischen
-Merkmalen mit unisexueller d. h. nicht mendelnder Vererbungsweise mit
-anscheinendem Fehlen von Spaltung, und zwar entweder Mehrgestaltigkeit
-der ersten Generation und Konstanz der einzelnen Typen oder
-gleichförmige, jedoch dauernde Mittelstellung der Hybriden und ihrer
-Nachkommen (Beispiele: _Mendels_ Hieracienbastarde, zahlreiche von
-_Gärtner_ erzeugte Hybriden, Salixbastarde _Wichuras_, gewisse
-Oenotherabastarde von _de Vries_) vielfachen Widerspruch gefunden. Nicht
-wenige Forscher sind heute geneigt, eine typische Verschiedenheit der
-Vererbungsweise überhaupt in Abrede zu stellen.
-
-[4] _Zu S. 6._ Bezüglich der Ausnahmsfälle durch Verstärkung oder durch
-Auftreten neuer Merkmale siehe unten.
-
-[5] _Zu S. 7._ Heute würde man etwa Speicher- oder Cotylengewebe statt
-»Albumen« sagen, da bei Pisum ein eigentliches Endosperm fehlt. Während
-ein solches nach _Nawaschin_ und _Guignard_ von dem gleich der Eizelle
-gesondert befruchteten Embryosack geliefert wird, stellt jenes Gewebe
-eine Ersatzbildung seitens der Eizelle, bzw. des Embryos selbst dar.
-
-[6] _Zu S. 7._ Die Samenschale ist bei vielen Erbsenrassen nicht so
-dünn, dass die Farbe der Cotyledonen deutlich durchscheint; die
-dunkelbraunen und violett getupften Samenschalen von Pisum arvense sind
-geradezu undurchsichtig. Da Färbung der Samenschale und Farbe des
-Cotyledonengewebes getrennt beurteilt werden müssen, ist es häufig
-notwendig, die Samenschale mit einem Messer abzuheben.
-
-[7] _Zu S. 9._ Der Erbsenkäfer scheint tatsächlich, wenn er sehr
-zahlreich auftritt, so dass in einzelnen Blüthen oft zwei Käfer
-angetroffen werden, Fremdbestäubung bewirken zu können. In den Hülsen
-grünsamiger Erbsenrassen, deren ausgereifte Samen fast alle einen Käfer
-enthalten, finden sich ab und zu rein gelbe Samen, die ihre hybride
-Abkunft in der nächsten Generation durch Erzeugung mischsamiger Pflanzen
-beweisen. Von Hymenopteren scheinen bei uns die Erbsenblüten sehr selten
-besucht zu werden, weshalb verschiedene Rassen ohne Gefahr einer
-Bastardierung von den Samenzüchtern neben einander angebaut werden.
-Innerhalb von drei Jahren wurde von _v. Tschermak_ nur einmal Megachile
-apicalis [fem.] Spin. beobachtet, welche den komplizierten Mechanismus
-der Erbsenblüte ganz leicht in Bewegung zu setzen vermochte.
-
-[8] _Zu S. 9._ _Mendel_ bezeichnet die erste Generation der Mischlinge,
-welche durch künstliche Bastardierung erzeugt wurde, einfach als
-Hybriden. Vom praktisch-züchterischen Standpunkte kann die
-erste Generation als »Kreuzungsgeneration«, die zweite als
-»Spaltungsgeneration«, die dritte als »Prüfgeneration« bezeichnet
-werden. Die Merkmale: gelbe oder grüne Farbe, runde oder runzelige Form
-des Speichergewebes sind als »Cotyledonenmerkmale« der Hybriden
-unmittelbar an den Bastardierungsprodukten oder »Kreuzungssamen«
-abzulesen.
-
-[9] _Zu S. 10._ Fälle von Mittelstellung oder Merkmalmischung (Zeatypus
-der äusseren Vererbungsweise nach _Correns_) im Gegensatze zu der rein
-alternierenden Ausprägung der später betrachteten sieben Merkmalpaare
-bei Pisum (Pisumtypus der äusseren Vererbungsweise nach _Mendel_).
-
-[10] _Zu S. 10._ Neuere Untersuchungen (_v. Tschermak_, _Correns_) haben
-gezeigt, dass das Geschlecht des sog. Ueberträgers oder die
-Verbindungsweise zweier Formen bei gewissen Rassen doch nicht
-bedeutungslos ist, und zwar zeigt hierbei die Mutterform grösseren
-Einfluss.
-
-[11] _Zu S. 11._ Einen solchen Vorteil von Fremdbestäubung gleicher
-Varietät (isomorphe Xenogamie) vor Selbstbestäubung hat _Darwin_ bei 57
-von 83 untersuchten Arten festgestellt. Bei Pisum fand _v. Tschermak_
-einen solchen Höhenzuwachs auf Verbindung gewisser Rassen beschränkt.
-
-[12] _Zu S. 11._ Das Auftreten von violetter Punktierung der
-Samenschale bei Bastardierung von Pisum arvense ohne Punktierung der
-braunen Samenschale mit P. sativum erfolgt, wie _E. v. Tschermak_
-weiterhin feststellte, als dominierendes Novum, d. h. an allen Gliedern
-der 1. Generation und in der 2. Generation im Verhältnis von 9 : 3 (nicht
-punktiert braun) : 4 (nicht punktiert farblos). Eine interessante
-Bedingung der Auslösung ist es, dass dieselbe nur erfolgt, wenn die
-benützte Form von Pisum sativum der Violettfärbung des Nabels entbehrt.
-Nach der Faktorentheorie ist das gesetzmässige Auftreten von
-Bastardierungsneuheiten, eben so wohl auch ein reguläres Auftreten von
-»Verstärkung« elterlicher Merkmale zurückzuführen auf eine im Anschlusse
-an die Bastardierung erfolgende Neugruppierung von Faktoren. Speciell
-ist das Auftreten in dominierender Stellung (9 : 3 : 3 : 1 bzw.
-9 : 3 : 4) zu beziehen auf die als »neu« erscheinende Kombination des
-Vorhandenseins, bzw. Zusammenwirkens von zwei bisher getrennten Faktoren
-(_AB_ aus den Eltern _Ab_ und _aB_), das Auftreten als »mitrezessiv«
-(9 : 3 : 3 : $1$ bzw. 12 : 3 : $1$) auf die neue Kombination des Fehlens
-der zwei Faktoren (_ab_ aus den Eltern _Ab_ und _aB_). Hingegen lässt
-das Auftreten als »mitdominierendes« (9 : 3 : $3$ : 1 bzw. 9 : $3$ : 4)
-oder als »rezessives Novum« (9 : 3 : $3$ : 1 bzw. 12 : $3$ : 1) auf eine
-als »neu« erscheinende Isolierung je eines von zwei bisher vereinten
-Faktoren (_Ab_ oder _aB_ aus den Eltern _AB_ und _ab_) schliessen.
-
-[13] _Zu S. 11._ Die direkten Deszendenten aus Selbstbefruchtung der
-Hybriden nennt _Mendel_ die erste Generation der Hybriden; deutlicher
-wäre Tochtergeneration der Hybriden oder »zweite Generation der
-Mischlinge« (vgl. Anm. 8 zu S. 9).
-
-[14] _Zu S. 12._ _v. Tschermak_ erhielt in analogen Versuchen
-durchschnittlich 25% rein gelbsamige Hülsen und bestätigte _Mendel's_
-Angabe, dass keineswegs in der einzelnen Hülse oder an der einzelnen
-Pflanze, sondern nur als Durchschnitt aus einer grösseren Anzahl von
-Individuen das Verhältnis 3 : 1 festzustellen ist.
-
-[15] _Zu S. 13._ Immerhin kommen vereinzelt auch zweifellose Fälle von
-Merkmalmischung, d. h. Uebergangsformen zwischen gelber und grüner
-Farbe, runder und runzeliger Form vor, die sich in weiteren Generationen
-wie dominantmerkmalige Mischlinge verhalten.
-
-[16] _Zu S. 17._ Angesichts der Unwahrscheinlichkeit, dass im konkreten
-Falle zwei wirklich nur in =einem einzigen= Merkmale verschiedene Formen
-gegeben sind, erscheint es zweckmässig, _Mendel's_ Bezeichnung »nur in
-=einem wesentlichen= Merkmale verschieden« zu deuten als »nur in einem
-als =wesentlich= betrachteten, d. h. zunächst unter Abstraktion von
-anderen Unterscheidungsmerkmalen =allein= ins Auge gefassten Merkmale
-verschieden«.
-
-[17] _Zu S. 22._ Vgl. Anmerkung 9 und 15.
-
-[18] _Zu S. 23._ Statt »Keimzellen« oder »Keimbläschen« wäre nach der
-heutigen Bezeichnungsweise »Eizellen« zu setzen und bei
-Verallgemeinerung auf Pflanzen mit echtem Endosperm dessen Herkunft aus
-dem gesondert befruchteten Embryosack zu berücksichtigen. Vgl. Anmerkung
-5. -- _Mendel_ macht dabei die Annahme einer völligen Reinheit der
-Befruchtungszellen oder Gameten d. h. einer alternativen Aufteilung der
-konkurrierenden Anlagen (_A_-_a_, _B_-_b_, _C_-_c_) an die in gleicher
-Zahl gebildeten Geschlechtszellen. Demgegenüber würde und wird die
-Möglichkeit einer allgemeinen oder fallweisen »Unreinheit« der Gameten
-durch spurweise oder latente Beimengung der konkurrierenden Anlagen von
-einer ganzen Anzahl von Forschern erörtert. Allerdings ist nicht zu
-verkennen, dass zahlreiche Argumente zu Gunsten der letzteren Auffassung
-durch die Faktorentheorie hinfällig oder wenigstens fraglich geworden
-sind. Immerhin ist die Frage als nicht absolut entschieden zu
-bezeichnen; es erschiene jedenfalls nicht zweckmässig, die These der
-Gametenreinheit als Fundament des Mendelismus zu betrachten.
-
-[19] _Zu S. 25._ (Zur 2. Formelgruppe.) Die Keimzellen bzw. Eizellen
-und die Pollenzellen werden nach der modernen Nomenklatur als »Gameten«,
-ihre Verschmelzungsprodukte als »Zygoten« bezeichnet, und zwar die
-Produkte gleichveranlagter Gameten als »Homozygoten«, jene
-verschiedenveranlagter als »Heterozygoten« (_W. Bateson_). Die daraus
-sich entwickelnden Individuen werden als innerlich homogen oder
-homozygotisch bezeichnet, somit als durchwegs gleichartige
-Geschlechtszellen produzierend, bzw. als innerlich inhomogen oder
-heterozygotisch, somit Geschlechtszellen verschiedener Art liefernd. Je
-nach der ungleichen Veranlagungsweise in einer oder in mehreren Anlagen
-unterscheidet man einfach heterozygotisch, zweifach heterozygotisch,
-dreifach heterozygotisch usw. Im allgemeinen verrät sich der
-heterozygotische Zustand durch sinnfällige Spaltung in der Deszendenz d.
-h. durch Hervorbringung einer verschiedengestaltigen Nachkommenschaft.
--- Die von _Mendel_ gewählte mathematische Bezeichnung wird seitens der
-Faktorentheorie in dem modifizierten Sinne verwendet, dass -- da
-ausschliesslich Besitz und Mangel eines Faktors, nicht zwei verschiedene
-positive Anlagen einander gegenübergestellt werden (Presence -- Absence
-Hypothese) -- mit grossen Buchstaben (_A_, _B_, _C_) der Besitz, mit
-kleinen (_a_, _b_, _c_) der Mangel bezeichnet wird. Demnach würde für
-das Beispiel _Mendel's_ (rund--kantig, gelb--grün) die moderne
-Formulierung lauten:
-
- Form I (Samenpflanze): Form II (Pollenpflanze):
-
- _A_ (Faktor für rund bzw. _a_ (betr. Faktor fehlend).
- Stärkebildung vorhanden,
- »epistatisch«).
-
- _B_ (Faktor für kantig bzw. sog. _B_ (betr. Faktor vorhanden).
- Zuckerbildung vorhanden,
- jedoch in verdrängtem
- »hypostatischen« Zustand).
-
- _C_ (Faktor für Gelb vorhanden, _c_ (betr. Faktor fehlend).
- »epistatisch«).
-
- _D_ (Faktor für Grün vorhanden, _D_ (betr. Faktor vorhanden).
- jedoch in verdrängtem
- »hypostatischen« Zustand).
-
-Heterozygoten:
-
-_ABCDaBcD_, die Hybriden = I. Mischlingsgeneration liefernd.
-
-Von dieser produzierte Gameten (32):
-
-_ABCD_, _ABcD_, _aBCD_, _aBcD_ -- je 4 [fem.] und je 4 [masc.].
-
-Davon gebildete Zygoten (16), die II. Mischlingsgeneration liefernd:
-
- _ABCDABCD_ | _aBCDaBCD_ | _ABcDABcD_ | _aBcDaBcD_
- homozygotisch | homozygotisch | homozygotisch | homozygotisch
- | | |
- 2 _ABCDABcD_ | 2 _aBCDaBcD_ | 2 _ABcDaBcD_ |
- einf. het. zyg. | einfach | einfach |
- | heterozygotisch | heterozygotisch |
- 2 _ABCDaBCD_ | | |
- einf. het. zyg. | | |
- | | |
- 4 _ABCDaBcD_ | | |
- zweif. het. zyg. | | |
- | | |
- Aussehen: | | |
- gelb rund | gelb kantig | grün rund | grün kantig
- 9 | 3 | 3 | 1
-
-[20] _Zu S. 30._ Vgl. Anmerkung 10.
-
-[21] _Zu S. 33._ Vgl. Anmerkung 9.
-
-[22] _Zu S. 33._ Vgl. Anmerkung 9.
-
-[23] _Zu S. 35._ Damit erscheint im Prinzipe die Zurückführung der sog.
-weiteren Spaltungsverhältnisse 15 : 1, 63 : 1, 255 : 1 auf eine
-Verschiedenheit in 2, 3, 4 Elementen oder Faktoren ausgesprochen, auf
-eine dihybride, trihybride, bzw. polyhybride Bastardierung -- im
-Gegensatze zu der durch die Spaltungsverhältnisse 3 : 1 oder 1 : 2 : 1
-charakterisierten einfaktorigen oder monohybriden Bastardierung (nach
-_Nilsson-Ehle_). Neben der Möglichkeit, dass von den im Text genannten
-Verbindungen »jede eine andere Farbe darstellt«, besteht die andere,
-dass die einzelnen Faktoren von wesentlich =gleich=artiger Wirkung sind,
-beispielsweise gleichartige Färbung von abgestufter Sättigung bewirken.
-Die faktorenführenden Individuen stellen dann eine Stufenreihe dar. Eine
-solche kann allerdings auch bei einfaktorigem Unterschied, also
-bei monohybrider Bastardierung mit dem charakteristischen
-Spaltungsverhältnis 3 : 1 vorkommen (von _Nilsson-Ehle_ auf eine
-Nebenwirkung anderer Faktoren bezogen).
-
-[24] _Zu S. 38._ Vgl. Anmerkung 3 und die Abhandlung II.
-
-[25] _Zu S. 40._ Hier sei daran erinnert, dass zuerst _A. v. Kerner_ die
-Theorie einer Vervielfältigung der Arten durch Erzeugung
-samenbeständiger Bastarde von unverminderter Fruchtbarkeit aufgestellt
-hat. Vgl. Pflanzenleben. Die Bedeutung der Bastardierung verschiedener
-Arten als einer der Faktoren für die Neubildung konstanter Formen
-erhellt aus den Arbeiten von _Focke_ über Rubus (1877), _Rosen_ über
-Erophila (1889), _Malinvaud_ über Mentha (1898), _v. Wettstein_
-bezüglich einzelner Fälle bei Euphrasia, Gentiana und Sempervivum (1896,
-1897, 1901) und von _Solms-Laubach_ über Tulpen (1899).
-
-[26] _Zu S. 50._ An der Bastardnatur der von _Mendel_ beobachteten,
-leider nicht detailliert beschriebenen Formen ist[H] -- trotz der
-Feststellung des Vorkommens von ungeschlechtlicher Fortpflanzung bei
-Hieracium durch _C. Ostenfeld_ und _C. Raunkiaer_ -- durchaus nicht zu
-zweifeln. Als Charakteristica seien nach _Mendel_ hervorgehoben: in
-erster Linie Mehrgestaltigkeit (Pleiotypie) der ersten Generation -- mit
-Ausnahme von 2 einförmigen Hieraciumbastarden --, teils Mittelstellung,
-teils Reinausprägung der konkurrierenden Elternmerkmale, jedoch
-selbständige Neukombinierung von Merkmalen. Nach der Faktorentheorie
-lässt echte Mehrgestaltigkeit, d. h. Bestehen der I. Generation aus
-differenten Typen mit charakteristischverschiedener Deszendenz auf einen
-heterozygotischen Charakter, bzw. auf Bastardierungsherkunft der einen
-oder gar beider Elternformen schliessen. Für Hieracium erscheint diese
-Deutung gestützt durch die sichtliche Neigung zur Bastardierung schon in
-der freien Natur. (Vgl. _H. Zahn_, Allg. bot. Zeitschr. v. A. Kneucker,
-Nov. 1904.) Daneben ist allerdings nach _Correns_, wenigstens für
-gewisse Fälle, an die Möglichkeit zu denken, dass _Mendel_ zwar
-äusserlich gleich erscheinende, jedoch innerlich oder kryptomer, bzw. in
-ihrem Faktorengehalte verschiedene Individuen, wie sie bei der normalen
-Aufspaltung in zahlreichen Fällen mehrfaktoriger Bastardierung bereits
-festgestellt sind, zur Pollengewinnung benützte. -- In zweiter Linie
-erscheinen _Mendel's_ Hieraciumbastarde charakterisiert durch
-Konstantbleiben der einzelnen Typen, also durch anscheinendes Fehlen von
-Spaltung. Dieses auffällige Verhalten könnte allerdings, z. T.
-wenigstens, durch ungeschlechtliche, bzw. apogame Fortpflanzung der
-einzelnen Typen der echten Bastarde erster Generation vorgetäuscht
-worden sein.
-
- [H] Von _Mendel_ selbst sind 6 veröffentlicht, von _A. Peter_ (Ueber
- spontane und künstliche Gartenbastarde der Piloselloiden etc. der
- Gattung Hieracium Sect. Piloseloides. Englers botan. Jahrb. Bd. V.
- J. 2, 3, 5 und Bd. VI. J. 2. 1884 -- Vgl. auch _C. v. Nägeli_ und
- _A. Peter_, die Hieracien Mitteleuropas, Monographische Bearbeitung.
- 1885) weitere 4, von _Mendel_ wirklich dargestellt 21, und zwar zum
- Theil in sehr zahlreichen Exemplaren, vgl. _C. Correns_ a. a. O.
- S. 248-252.
-
-[27] _Zu S. 51._ _A. v. Kerner_ hat -- was wohl zu weit geht -- eine
-besondere Beschränkung der Fruchtbarkeit für Bastarde überhaupt
-bestritten. Immerhin bleibt die Möglichkeit einer Steigerung der in
-gewissen Fällen zweifellos zu Anfang verminderten Fruchtbarkeit in
-späteren Generationen bestehen, worauf die obige Beobachtung _Mendel's_
-hinweist. Analoges haben _v. Wettstein_ an einem Bastard von Sempervivum
-alpinum × arachnoideum und _v. Tschermak_ am Bastarde Phaseolus vulgaris
-× multiflorus beobachtet.
-
-[28] _Zu S. 52._ Leider ist diese Absicht nicht zur Ausführung gekommen.
-
- * * * * *
-
- Druck Breitkopf & Härtel, Leipzig.
-
- * * * * *
-
-
-
-
-Anmerkungen zur Transkription:
-
-Die Originalschreibweise und kleinere Inkonsistenzen in der Schreibweise
-und Formatierung wurden prinzipiell beibehalten.
-
-Die Originalseitenzahlen wurden in der Textversion weggelassen und in der
-HTML Version belassen.
-
-Auf Seite 63 und 66 wurde das Symbol für "weiblich" ersetzt durch [fem.]
-und auf Seite 66 das Symbol für "männlich" durch [masc.]
-
-Gesperrter Text wurde mit Gleichheitszeichen (=Text=), kursiver Text mit
-Unterstrichen (_Text_) und fett gedruckter Text mit Dollarzeichen
-($Text$) markiert.
-
-Das Zeichen ^ wurde benutzt um hochgestellte Zeichen zu markieren.
-
-Die nachfolgende Tabelle enthält eine Auflistung aller gegenüber dem
-Originaltext vorgenommenen Korrekturen.
-
- S. III: Abhandlungen. I. Bluten -> Blüthen
- S. 3: endgültige Endscheidung -> Entscheidung
- S. 4: Vorgelegt in den -> (Vorgelegt in den
- S. 5: als nothwendig, daß -> dass
- S. 7: saccharatum). -> saccharatum);
- S. 10: Verbindung mit violettrother -> violett-rother
- S. 13: brachten 705 violettrothe -> violett-rothe
- S. 31: an der Befruchtung Theil -> theil
- S. 51: Die aus Selbstbefruchtung -> 3. Die aus Selbstbefruchtung
- S. 62: erfolgt in den Blüten -> Blüthen
- S. 63: in einzelnen Blüten -> Blüthen
- S. 66: epistatisch«.) -> epistatisch«).
- S. 66: epistastisch -> epistatisch
- S. 66: Möglichkeit, dass von dem -> den
-
-
-
-
-
-End of Project Gutenberg's Versuche über Pflanzenhybriden, by Gregor Mendel
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VERSUCHE ÜBER PFLANZENHYBRIDEN ***
-
-***** This file should be named 40854-8.txt or 40854-8.zip *****
-This and all associated files of various formats will be found in:
- http://www.gutenberg.org/4/0/8/5/40854/
-
-Produced by Frank van Drogen, Jens Nordmann and the Online
-Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
-
-
-Updated editions will replace the previous one--the old editions
-will be renamed.
-
-Creating the works from public domain print editions means that no
-one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
-(and you!) can copy and distribute it in the United States without
-permission and without paying copyright royalties. Special rules,
-set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
-copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
-protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
-Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
-charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
-do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
-rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
-such as creation of derivative works, reports, performances and
-research. They may be modified and printed and given away--you may do
-practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
-subject to the trademark license, especially commercial
-redistribution.
-
-
-
-*** START: FULL LICENSE ***
-
-THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
-PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
-
-To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
-distribution of electronic works, by using or distributing this work
-(or any other work associated in any way with the phrase "Project
-Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
-Gutenberg-tm License available with this file or online at
- www.gutenberg.org/license.
-
-
-Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
-electronic works
-
-1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
-electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
-and accept all the terms of this license and intellectual property
-(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
-the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
-all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
-If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
-Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
-terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
-entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
-
-1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
-used on or associated in any way with an electronic work by people who
-agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
-things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
-even without complying with the full terms of this agreement. See
-paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
-Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
-and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
-works. See paragraph 1.E below.
-
-1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
-or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
-Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
-collection are in the public domain in the United States. If an
-individual work is in the public domain in the United States and you are
-located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
-copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
-works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
-are removed. Of course, we hope that you will support the Project
-Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
-freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
-this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
-the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
-keeping this work in the same format with its attached full Project
-Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
-
-1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
-what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
-a constant state of change. If you are outside the United States, check
-the laws of your country in addition to the terms of this agreement
-before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
-creating derivative works based on this work or any other Project
-Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
-the copyright status of any work in any country outside the United
-States.
-
-1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
-
-1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
-access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
-whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
-phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
-Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
-copied or distributed:
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
-from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
-posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
-and distributed to anyone in the United States without paying any fees
-or charges. If you are redistributing or providing access to a work
-with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
-work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
-through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
-Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
-1.E.9.
-
-1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
-with the permission of the copyright holder, your use and distribution
-must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
-terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
-to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
-permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
-
-1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
-License terms from this work, or any files containing a part of this
-work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
-
-1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
-electronic work, or any part of this electronic work, without
-prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
-active links or immediate access to the full terms of the Project
-Gutenberg-tm License.
-
-1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
-compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
-word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
-distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
-"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
-posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
-you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
-copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
-request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
-form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
-License as specified in paragraph 1.E.1.
-
-1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
-performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
-unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
-
-1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
-access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
-that
-
-- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
- the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
- you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
- owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
- has agreed to donate royalties under this paragraph to the
- Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
- must be paid within 60 days following each date on which you
- prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
- returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
- sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
- address specified in Section 4, "Information about donations to
- the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
-
-- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
- you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
- does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
- License. You must require such a user to return or
- destroy all copies of the works possessed in a physical medium
- and discontinue all use of and all access to other copies of
- Project Gutenberg-tm works.
-
-- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
- money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
- electronic work is discovered and reported to you within 90 days
- of receipt of the work.
-
-- You comply with all other terms of this agreement for free
- distribution of Project Gutenberg-tm works.
-
-1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
-electronic work or group of works on different terms than are set
-forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
-both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
-Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
-Foundation as set forth in Section 3 below.
-
-1.F.
-
-1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
-effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
-public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
-collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
-works, and the medium on which they may be stored, may contain
-"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
-corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
-property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
-computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
-your equipment.
-
-1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
-of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
-Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
-Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
-liability to you for damages, costs and expenses, including legal
-fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
-LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
-PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
-TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
-LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
-INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
-DAMAGE.
-
-1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
-defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
-receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
-written explanation to the person you received the work from. If you
-received the work on a physical medium, you must return the medium with
-your written explanation. The person or entity that provided you with
-the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
-refund. If you received the work electronically, the person or entity
-providing it to you may choose to give you a second opportunity to
-receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
-is also defective, you may demand a refund in writing without further
-opportunities to fix the problem.
-
-1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
-in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
-WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
-WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
-
-1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
-warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
-If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
-law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
-interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
-the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
-provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
-
-1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
-trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
-providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
-with this agreement, and any volunteers associated with the production,
-promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
-harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
-that arise directly or indirectly from any of the following which you do
-or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
-work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
-Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
-
-
-Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
-
-Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
-electronic works in formats readable by the widest variety of computers
-including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
-because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
-people in all walks of life.
-
-Volunteers and financial support to provide volunteers with the
-assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
-goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
-remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
-Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
-and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
-To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
-and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
-and the Foundation information page at www.gutenberg.org
-
-
-Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
-Foundation
-
-The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
-state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
-Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
-number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
-permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
-
-The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
-Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
-throughout numerous locations. Its business office is located at 809
-North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
-contact links and up to date contact information can be found at the
-Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
-
-For additional contact information:
- Dr. Gregory B. Newby
- Chief Executive and Director
- gbnewby@pglaf.org
-
-Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
-Literary Archive Foundation
-
-Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
-spread public support and donations to carry out its mission of
-increasing the number of public domain and licensed works that can be
-freely distributed in machine readable form accessible by the widest
-array of equipment including outdated equipment. Many small donations
-($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
-status with the IRS.
-
-The Foundation is committed to complying with the laws regulating
-charities and charitable donations in all 50 states of the United
-States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
-considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
-with these requirements. We do not solicit donations in locations
-where we have not received written confirmation of compliance. To
-SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
-particular state visit www.gutenberg.org/donate
-
-While we cannot and do not solicit contributions from states where we
-have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
-against accepting unsolicited donations from donors in such states who
-approach us with offers to donate.
-
-International donations are gratefully accepted, but we cannot make
-any statements concerning tax treatment of donations received from
-outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
-
-Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
-methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
-ways including checks, online payments and credit card donations.
-To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
-
-
-Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
-works.
-
-Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
-concept of a library of electronic works that could be freely shared
-with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
-Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
-
-Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
-editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
-unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
-keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
-
-Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
-
- www.gutenberg.org
-
-This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
-including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
-Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
-subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.