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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-08 23:30:24 -0800 |
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You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Rübezahl - Deutsche Volksmärchen vom Berggeist und Herrn des Riesengebirges - -Author: Rudolf Reichhardt - -Illustrator: Eugen Siegert - -Release Date: July 25, 2012 [EBook #40327] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK RÜBEZAHL *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - - - - -Rübezahl - - -Deutsche Volksmärchen -vom Berggeist und Herrn -des Riesengebirges - -Für die Jugend bearbeitet von -Rudolf Reichardt -Mit Illustrationen in Farbendruck -nach Originalen von Eugen Siegert - - - - -Meidinger's Jugendschriften Verlag G. m. b. H. -Berlin - - - - -Inhaltsverzeichnis. - - - 1. Rübezahl, der Berggeist und Herr des Riesengebirges - 2. Rübezahls erste Bekanntschaft mit den Menschen - 3. Wie Rübezahl zu seinem Namen kam - 4. Rübezahl und der Schneider Benedix - 5. Rübezahl und der Bauer Veit - 6. Der kleine Peter - 7. Glaser Steffen und sein Weib Ilse - 8. Susi und der Kräutermann - 9. Der geizige Bäcker -10. Das sonderbare Wirtshaus -11. Der Hexenstab -12. Der arme Weberlieb -13. Wünsche nicht zuviel -14. Fischbach -15. Meister Meckerling -16. Gräfin Cäcilie - - - - - - -1. Rübezahl, der Berggeist und Herr des Riesengebirges. - - -Im Südosten unseres lieben deutschen Vaterlandes breitet sich ein Gebirge -aus, das man seiner großartigen Naturbeschaffenheit und seiner Ausdehnung -halber das Riesengebirge nennt. Es bildet einen Teil der Sudeten und -scheidet Schlesien von Böhmen und Mähren. Mächtige Berge, wie die Riesen- -oder Schneekoppe, das Hohe Rad und die Sturmhaube, ragen weit in die Wolken -hinein, und zwischen den felsigen Höhen haben starke Flüsse, z. B. die Elbe -und der Bober, ihren Ursprung. In diesem Gebirge haust, wie sich das Volk -erzählt, ein Gnom oder Geist, der sich selbst als den »Herrn oder Berggeist -des Gebirges« bezeichnet, vom neckenden Volksmunde aber »Rübezahl« genannt -wird. - -Der Fürst der Berggeister besitzt zwar auf der Oberfläche der Erde nur ein -kleines Gebiet von wenig Meilen im Umfang, mit einer Kette von Bergen -umschlossen; aber wenige Klafter unter der urbaren Erdrinde hebt seine -Alleinherrschaft an, die ihm niemand schmälern kann, und erstreckt sich auf -achthundertsechzig Meilen in die Tiefe bis zum Mittelpunkt der Erde. -Zuweilen gefällt es dem unterirdischen Herrscher, seine weitgedehnten -Gebiete der Unterwelt zu durchkreuzen, die unerschöpflichen Schatzkammern -edler Metalle und Flötze zu beschauen, die Knappschaft der gnomenhaften -Bergleute zu mustern und in Arbeit zu setzen, teils um die Gewalt der -Feuerströme durch feste Dämme aufzuhalten, teils um taubes Gestein in edles -umzuwandeln. Zuweilen entschlägt er sich aller unterirdischen -Regierungssorgen, erhebt sich zur Erholung auf die Grenzfeste seines -Gebietes und hat sein Wesen auf dem Riesengebirge. Dann treibt er in frohem -Übermute sein Spiel und Spott mit den Menschenkindern; denn Freund -Rübezahl, müßt ihr wissen, hat eine sonderbare Natur. Er ist bald launisch, -ungestüm, unbescheiden; bald stolz, eitel, wankelmütig, heute der wärmste -Freund, morgen fremd und kalt; zuzeiten gutmütig, edel und empfindsam, aber -mit sich selbst in stetem Widerspruch, töricht und weise, oft weich und -hart in zwei Augenblicken, wie ein Ei, das in siedendes Wasser fällt; -schalkhaft und bieder, störrisch und beugsam, je nach der Stimmung, welche -ihn gerade beherrscht. - -Vor uralten Zeiten schon toste Rübezahl im wilden Gebirge, hetzte Bären und -Auerochsen aufeinander, daß sie zusammen kämpften, oder scheuchte mit -unheimlichem Getöse das scheue Wild vor sich her und stürzte es von den -steilen Felsenklippen hinab ins tiefe Tal. Dieser Jagden müde, zog er -wieder seine Straße durch die weiten Gebiete der Unterwelt und weilte da -Jahrhunderte, bis ihn von neuem die Lust anwandelte, sich an die Sonne zu -legen und sich des Anblicks der äußeren Schöpfung zu erfreuen. Wie nahm's -ihn wunder, als er einst bei seiner Rückkehr auf die Oberwelt, von dem -beschneiten Gipfel des Riesengebirges umherschauend, die Gegend ganz -verändert fand! Die düsteren, undurchdringlichen Wälder waren ausgerodet -und in fruchtbare Ackerfelder verwandelt, wo reiche Ernten reiften. -Zwischen den Pflanzungen blühender Obstbäume ragten die Strohdächer -geselliger Dörfer hervor, aus deren Schornsteinen friedlicher Hausrauch in -die Luft wirbelte; hier und da stand eine einsame Warte auf dem Abhange -eines Berges zu Schutz und Schirm des Landes; in den blumenreichen Auen -weideten Schaf- und Kuhherden und aus den lichtgrünen Wäldern tönten -melodische Schalmeien. - - - - -2. Rübezahls erste Bekanntschaft mit den Menschen. - - -Die Neuheit der Sache und die Annehmlichkeiten des ersten Anblicks -ergötzten den verwunderten Landesherrn so sehr, daß er über die -eigenmächtigen Ackerbauer, die ohne seine Erlaubnis und Einwilligung hier -wirtschafteten, nicht unwillig ward, auch nicht in ihrem Tun und Treiben -sie zu stören begehrte, sondern sie so ruhig im Besitz ihres angemaßten -Eigentums ließ, wie ein gutmütiger Hausvater der geselligen Schwalbe oder -selbst dem überlästigen Spatz unter seinem Obdach Aufenthalt gestattet. Er -ward sogar willens, mit den Menschen Bekanntschaft zu machen, ihre Art und -Natur zu erforschen und mit ihnen Umgang zu pflegen. Daher nahm er die -Gestalt eines rüstigen Ackerknechtes an und verdingte sich bei dem ersten -besten Landwirt in Arbeit. Alles, was er unternahm, gedieh wohl unter -seiner Hand und Rips, der Ackerknecht, war für den besten Arbeiter im Dorfe -bekannt. Aber sein Brotherr war ein Prasser und Schlemmer, der den Erwerb -des treuen Knechtes verschwendete und für seine Mühe und Arbeit wenig Dank -wußte; darum schied er von ihm und kam zu dessen Nachbar, der ihm seine -Schafherde anvertraute; er wartete dieser fleißig, trieb sie in Einöden und -auf steile Berge, wo gesunde Kräuter wuchsen. Die Herde gedieh gleichfalls -unter seiner Hand, kein Schaf stürzte vom Felsen herab und keins zerriß der -Wolf. Aber sein Brotherr war ein karger Filz, der seinen treuen Knecht -nicht lohnte, wie er sollte; denn er stahl den besten Widder aus der Heide -und kürzte dafür den Hirtenlohn. Darum entlief er dem Geizhals und diente -dem Dorfrichter. Hier bewährte er sich bei Ergreifung der Diebe und -Überwachung der Gesetze. Aber der Richter war ein ungerechter Mann, -richtete nach Gunst und spottete der Gesetze. Weil Rips nun nicht das -Werkzeug der Ungerechtigkeit sein wollte, kündigte er dem Richter den -Dienst auf und ward in den Kerker geworfen, aus welchem er jedoch auf dem -gewöhnlichen Wege der Geister, durchs Schlüsselloch, leicht einen Ausgang -fand. - -Dieser erste Versuch, die Menschen kennen zu lernen, konnte ihn unmöglich -zur Menschenliebe erwärmen; er kehrte mit Verdruß auf seine Felsenzinne im -Gebirge zurück, überschaute da die lachenden Gefilde, welche menschlicher -Fleiß verschönert hatte, und wunderte sich, daß die Mutter Natur ihre -Spenden an solche undankbaren Geschöpfe verlieh. Demungeachtet wagte er -noch einen Versuch, die Menschen zu beobachten, schlich unsichtbar herab -ins Tal und näherte sich den menschlichen Wohnstätten. - - - - -3. Wie Rübezahl zu seinem Namen kam. - - -So lauschte eines Tages Rübezahl, hinter Busch und Hecken verborgen, als -plötzlich die Gestalt eines anmutigen Mädchens vor ihm stand. Rings um sie -hatten sich ihre Gespielinnen ins Gras gelagert an einen Wasserfall, der -seine Silberflut in ein kunstloses Becken goß, und scherzten mit ihrer -Gebieterin in unschuldvoller Fröhlichkeit. Dieser Anblick wirkte so -wundersam auf den lauschenden Berggeist, daß er seiner geistigen Natur und -Eigenschaft vergaß und das Los der Sterblichen wünschte, um nach Art der -Menschen zu empfinden. Deshalb verwandelte er sich in einen schwarzen -Kolkraben und schwang sich auf einen hohen Eschenbaum, der das Wasserbecken -überschattete, um das anmutsvolle Schauspiel zu genießen. Doch dieser Plan -war nicht zum besten ausgedacht; er sah alles mit Rabenaugen und empfand -als Rabe; ein Nest Waldmäuse hatte jetzt für ihn mehr Anziehendes als das -Mädchen, denn die Seele wirkt in ihrem Denken und Wollen nie anders als in -Gemäßheit des Körpers, der sie umgibt. - -Diese Bemerkung war ebenso schnell gemacht, als der Fehler auch verbessert -war; der Rabe flog ins Gebüsch und verwandelte sich in einen blühenden -Jüngling. Das war der rechte Weg. - -Die schöne Maid war die Tochter des schlesischen Fürsten, der in der Gegend -des Riesengebirges damals herrschte. Sie pflegte oft mit den Jungfrauen -ihres Hofes in den Hainen und Gebüschen des Gebirges zu lustwandeln, Blumen -und duftende Kräuter zu sammeln oder für die Tafel ihres Vaters ein -Körbchen Waldkirschen oder Erdbeeren zu pflücken und, wenn der Tag heiß -war, sich bei der Felsenquelle am Wasserfalle zu erfrischen und darin zu -baden. Von diesem Augenblick an war der Berggeist an diesen Ort wie gebannt -und täglich harrte er der Wiederkehr der fröhlichen Gesellschaft. - -In der Mittagsstunde eines schwülen Sommertages besuchte sie wieder mit -ihrem Gefolge die kühlen Schatten am Wasserfalle. Ihre Verwunderung war -groß, als sie den Ort ganz verändert fand; die rohen Felsen waren mit -Marmor und Alabaster bekleidet, das Wasser stürzte nicht mehr in einem -wilden Strom von der steilen Bergwand, sondern rauschte, durch viele -Abstufungen gebrochen, mit sanftem Gemurmel in ein weites Marmorbecken -herunter, aus dessen Mitte ein rascher Wasserstrahl emporschoß und, in -einen dichten Platzregen verwandelt, den ein laues Lüftchen bald auf diese, -bald auf jene Seite warf, in den Wasserbehälter zurückplätscherte. -Sternblumen, Lilien und Vergißmeinnicht blühten an dessen Rande, -Rosenhecken, mit Jasmin und Silberblüten durchwunden, zogen sich in einiger -Entfernung durch den Raum dahin. Rechts und links des Springbrunnens -öffnete sich der doppelte Eingang einer prächtigen Grotte, deren Wände und -Bogengewölbe in buntfarbiger Bekleidung prangten, von Bergkristall und -Frauenglas, alles funkelnd und flimmernd, daß der Abglanz davon das Auge -blendete. In verschiedenen Nischen waren die mannigfaltigsten Erfrischungen -aufgetischt, deren Anblick zum Genuß einlud. - -Die Prinzessin stand lange in stummer Verwunderung da und wußte nicht, ob -sie ihren Augen trauen, diesen bezauberten Ort betreten oder fliehen -sollte. Aber sie konnte der Begierde nicht widerstehen, alles zu beschauen -und von den herrlichen Früchten zu kosten, die für sie aufgetragen zu sein -schienen. Nachdem sie sich mit ihrem Gefolge genug belustigt und alles -fleißig durchmustert hatte, kam sie Lust an, in dem Wasserbecken zu baden. - -Kaum aber war die liebliche Prinzessin über den glatten Rand des Beckens -hinabgeschlüpft, so sank sie in eine endlose Tiefe, obgleich der -betrügliche Silberkies, der aus dem seichten Grund hervorschien, keine -Gefahr vermuten ließ. Schneller als die herzueilenden Jungfrauen das -goldgelbe Haar der blonden Gebieterin erfassen konnten, hatte die gierige -Flut sie schon in die Tiefe gezogen. Laut klagte die bange Schar der -erschrockenen Mädchen, als die Herrin vor ihren sichtlichen Augen -dahinschwand; sie rangen und wanden die schneeweißen Hände und liefen -ängstlich am marmornen Gestade hin und her, indes der Springbrunnen sie -recht geflissentlich mit einem Platzregen nach dem andern übergoß. Doch -wagte es keine, der Entschwundenen nachzuspringen, außer Brünhild, ihrer -liebsten Gespielin, die nicht säumte, sich in den grundlosen Wirbelstrom zu -stürzen, gleiches Schicksal mit ihrer geliebten Gebieterin erwartend. Aber -sie schwamm wie ein leichter Kork auf dem Wasser und trotz aller Versuche -war sie nicht imstande, unterzutauchen. - -Hier war kein anderer Rat, als dem König das Unglück seiner Tochter -mitzuteilen. Wehklagend begegneten ihm die zagenden Mädchen, als er eben -mit seinem Jagdgefolge in den Wald zog. Der König zerriß sein Kleid vor -Betrübnis und Entsetzen, nahm die goldene Krone vom Haupte, verhüllte sein -Angesicht mit dem Purpurmantel und beklagte laut den Verlust seiner schönen -Tochter Emma. - -Nachdem er der Vaterliebe den ersten Tränenzoll entrichtet hatte, stärkte -er seinen Mut und machte sich auf, um den wunderbaren Wasserfall selbst zu -beschauen. Aber der Zauber war verschwunden, die rohe Natur stand wieder da -in ihrer vorherigen Wildheit; da war keine Grotte, kein Marmorbad, kein -Rosengehege, keine Jasminlaube. Der gute König ahnte zum Glück nicht eine -Verführung seiner Tochter, sondern er nahm den Bericht der Mädchen auf Treu -und Glauben an und meinte, einer der Götter sei bei dieser wunderbaren -Begebenheit mit im Spiel gewesen, setzte darauf die Jagd fort und tröstete -sich bald über seinen Verlust. Unterdessen befand sich die liebreizende -Emma in des Berggeistes Schlosse nicht übel. Er hatte sie durch eine -geschickte Versenkung nur den Augen ihres Gefolges entzogen und führte sie -durch einen unterirdischen Weg in einen prächtigen Palast, zu welchem die -väterliche Residenz in keinem Vergleich stand. Als sich die Lebensgeister -der Prinzessin wieder erholt hatten, befand sie sich auf einem gewöhnlichen -Sofa, angetan mit einem Gewand von rosenfarbener Seide und einem glänzenden -lichtblauen Gürtel. Ein Jüngling mit hübschem Antlitz lag zu ihren Füßen -und gestand ihr seine Liebe. Der Berggeist -- denn er war es -- -unterrichtete sie hierauf von seinem Stand und seiner Herkunft, von den -unterirdischen Staaten, die er beherrschte, führte sie durch die Zimmer und -Säle des Schlosses und zeigte ihr dessen Pracht und Reichtum. Ein -herrlicher Lustgarten, der mit seinen Blumenanlagen und Rasenplätzen dem -Fräulein ganz besonders zu behagen schien, umgab das Schloß von drei -Seiten. Alle Obstbäume trugen purpurrote, mit Gold gesprenkelte oder zur -Hälfte übergoldete Apfel, wie sie kein Gärtner zu ziehen vermag. Das -Gebüsch war mit Singvögeln angefüllt, die ihre hundertstimmigen Lieder -munter erschallen ließen. In den traulichen Bogengängen lustwandelte das -Paar; sein Blick hing an ihren Lippen und mit Freuden hörte er ihre -lieblichen Worte. - -Nicht gleiche Wonne empfand die reizende Emma; ein gewisser Trübsinn lag -auf ihrer Stirn und offenbarte genugsam, daß geheime Wünsche in ihrem -Herzen verborgen lagen, die mit den seinigen nicht übereinstimmten. Er -machte gar bald diese Entdeckung und bestrebte sich, durch tausend -Liebesbeweise diese Wolken zu zerstreuen und die Prinzessin aufzuheitern; -doch vergebens. Der Mensch -- so dachte er bei sich selbst -- ist gesellig -wie die Biene und die Ameise, der schönen Sterblichen gebricht's an -Unterhaltung. Wem soll sich das Mädchen mitteilen? Für wen ihren Putz -ordnen, mit wem darüber zu Rate gehen? Da kam ihm ein glücklicher Einfall. -Flugs ging er hinaus auf das Feld, zog auf einem Acker ein Dutzend Rüben -aus, legte sie in einen zierlich geflochtenen Korb und brachte diesen der -schönen Emma, welche einsam in der schattigen Laube eine Rose entblätterte. - -»Schönste der Erdentöchter,« redete sie der Berggeist an, »verbanne allen -Trübsinn aus deiner Seele und öffne dein Herz der geselligen Freude, du -sollst nicht mehr in meinem Heim einsam trauern. In diesem Korbe ist alles, -was du bedarfst, diesen Aufenthalt dir angenehm zu machen. Nimm den kleinen -buntgeschälten Stab und gib durch die Berührung mit ihm den Gewächsen im -Korbe die Gestalten, welche dir gefallen.« - -Hierauf verließ er die Prinzessin und sie zögerte nicht einen Augenblick, -mit dem Zauberstabe nach Vorschrift zu verfahren, nachdem sie den Korb -geöffnet hatte. »Brünhilde,« rief sie, »liebe Brünhilde, erscheine!« Und -Brünhilde lag zu ihren Füßen, umfaßte die Knie ihrer Gebieterin, benetzte -ihren Schoß mit Freudentränen und liebkoste sie freundlich, wie sie sonst -zu tun pflegte. Die Täuschung war so vollkommen, daß Emma selbst nicht -wußte, was sie von ihrer Schöpfung halten sollte; ob sie die wahre -Brünhilde hingezaubert hatte, oder ob ein Blendwerk das Auge betrog. Sie -überließ sich indessen ganz den Empfindungen der Freude, ihre liebste -Gespielin um sich zu haben, lustwandelte mit ihr Hand in Hand im Garten, -ließ sie dessen herrliche Anlagen bewundern und pflückte ihr -goldgesprenkelte Äpfel von den Bäumen. Hierauf führte sie ihre Gespielin -durch alle Zimmer im Palast, bis in die Kleiderkammer, wo sie soviel -Unterhaltung fanden, daß sie bis zum Abend darin verweilten. Alle Schleier, -Gürtel, Spangen wurden gemustert und anprobiert. Brünhilde wußte sich dabei -so gut zu benehmen und zeigte so viel Geschmack in der Wahl und Anordnung -des weiblichen Putzes, daß, wenn sie ihrer Natur und Wesen nach nichts als -eine Rübe war, ihr niemand den Ruhm absprechen konnte, die Krone ihres -Geschlechts zu sein. - -Der spähende Berggeist war entzückt über den tiefen Blick, den er in das -weibliche Herz getan hatte, und freute sich über den glücklichen Fortgang -in der Menschenkenntnis. Die Prinzessin dünkte ihm jetzt schöner, -freundlicher und heiterer zu sein als jemals. Sie unterließ nicht, ihren -ganzen Rübenvorrat mit dem Zauberstabe zu beleben, gab ihnen die Gestalt -der Jungfrauen, die ihr vordem aufzuwarten pflegten, und weil noch zwei -Rüben übrig waren, so verwandelte sie die eine in eine Cyperkatze und aus -der anderen schuf sie ein niedliches Hündchen. - -Sie richtete nun ihren Hofstaat wieder ein, teilte einer jeden der -aufwartenden Dienerinnen ein gewisses Geschäft zu und nie wurde eine -Herrschaft besser bedient. Die Mädchen kamen ihren Wünschen zuvor, -gehorchten auf den Wink und vollstreckten ihre Befehle ohne den mindesten -Widerspruch. Einige Wochen genoß sie die Wonne des gesellschaftlichen -Vergnügens ungestört; Reihentänze, Sang und Saitenspiel wechselten in dem -Schlosse des Berggeistes vom Morgen bis zum Abend; nur merkte die -Prinzessin nach Verlauf einiger Zeit, daß die frische Gesichtsfarbe ihrer -Gesellschafterinnen etwas abbleichte. Der Spiegel im Marmorsaal ließ sie -zuerst bemerken, daß sie allein wie eine Rose aus der Knospe hervorblühte, -während die geliebte Brünhild und die übrigen Jungfrauen welkenden Blumen -glichen; gleichwohl versicherten alle, daß sie sich wohl befänden, und der -freigebige Berggeist ließ sie an seiner Tafel auch keinen Mangel leiden. -Dennoch zehrten sie sichtbar ab, Leben und Tätigkeit schwand von Tag zu Tag -mehr dahin und alles Jugendfeuer erlosch. - -Als die Prinzessin an einem heiteren Morgen, durch gesunden Schlaf -gestärkt, fröhlich ins Gesellschaftszimmer trat, wie schauderte sie zurück, -als ihr ein Haufen eingeschrumpfter Matronen an Stäben und Krücken -entgegenzitterte, mit Keuchhusten beladen, unvermögend, sich aufrecht zu -erhalten. Das schäkernde Hündchen hatte alle viere von sich gestreckt und -der schmeichelnde Cyper konnte sich vor Kraftlosigkeit kaum noch bewegen. -Bestürzt eilte die Prinzessin aus dem Zimmer, der schaudervollen -Gesellschaft zu entfliehen, trat hinaus auf den Söller und rief laut den -Berggeist, welcher alsbald in demütiger Stellung auf ihr Geheiß erschien. - -»Boshafter Geist,« redete sie ihn zornig an, »warum mißgönnst du mir die -einzige Freude meines harmlosen Lebens, die Gesellschaft meiner ehemaligen -Gespielinnen? Ist die Einöde nicht genug, mich zu quälen, willst du sie -noch in ein Krankenhaus verwandeln? Augenblicklich gib meinen Mädchen -Jugend und Wohlgestalt wieder, oder Haß und Verachtung soll deinen Frevel -rächen.« »Schönste der Erdentöchter,« erwiderte der Berggeist, »zürne nicht -über die Gebühr. Alles, was in meiner Gewalt ist, steht in deiner Hand, -aber das Unmögliche fordere nicht von mir. Die Kräfte der Natur gehorchen -mir, doch vermag ich nichts gegen ihre unwandelbaren Gesetze. Solange Saft -und Kraft in den Rüben war, konnte der Zauberstab ihr Pflanzenleben nach -deinem Gefallen verwandeln; aber ihre Säfte sind nun vertrocknet und ihr -Wesen neigt sich nach der Zerstörung hin, denn der belebende Geist ist -verraucht. Jedoch das soll dich nicht kümmern: ein frisch gefüllter Korb -kann den Schaden leicht ersetzen; du wirst daraus alle die Gestalten wieder -hervorrufen, die du begehrst. Gib jetzt der Mutter Natur ihre Geschenke -zurück, die dich so angenehm unterhalten haben, auf dem großen Rasenplatz -im Garten wirst du bessere Gesellschaft finden.« Der Berggeist entfernte -sich darauf und Prinzessin Emma nahm ihren buntgeschälten Stab zur Hand, -berührte damit die gerunzelten Weiber, las die eingeschrumpften Rüben -zusammen und tat damit, was Kinder, die eines Spielzeuges müde sind, zu tun -pflegen: sie warf den Plunder in den Kehricht und dachte nicht mehr daran. -Leichtfüßig hüpfte sie über die grünen Matten dahin, den frisch gefüllten -Korb in Empfang zu nehmen, den sie aber nirgends fand. Sie ging in dem -Garten auf und nieder und spähte umher, aber es wollte kein Korb zum -Vorschein kommen. Am Traubengeländer kam ihr der Berggeist entgegen mit so -sichtbarer Verlegenheit, daß sie seine Bestürzung schon von ferne wahrnahm. - -»Du hast mich getäuscht,« sprach sie, »wo ist der Korb geblieben? Ich suche -ihn schon seit einer Stunde vergebens.« - -»Holde Gebieterin meines Herzens,« antwortete der Geist, »wirst du mir -meinen Unbedacht verzeihen? Ich versprach mehr, als ich geben konnte, ich -habe das Land durchzogen, Rüben aufzusuchen, aber sie sind längst geerntet -und welken in dumpfigen Kellern. Die Fluren trauern, unten im Tal ist's -Winter, nur deine Gegenwart hat den Frühling an diesen Felsen gefesselt und -unter deinem Fußtritte sprossen Blumen hervor. Harre nur drei Monate in -Geduld aus, dann soll dir's nie an Gelegenheit gebrechen, mit deinen Puppen -zu spielen.« - -Ehe noch der Berggeist mit dieser Rede zu Ende war, drehte ihm Prinzessin -Emma den Rücken zu und begab sich in ihr Zimmer, ohne ihn einer Antwort zu -würdigen. Er aber hob sich von dannen in die nächste Marktstadt innerhalb -seines Gebietes, kaufte, als ein Pachter gestaltet, einen Esel, den er mit -schweren Säcken Sämereien belud, und besäte damit einen ganzen Morgen -Landes. Dabei bestellte er einen seiner dienstbaren Geister als Hüter, dem -er aufgab, ein unterirdisches Feuer anzuschüren, um die Saat von unten -herauf mit linder Wärme zu treiben, wie Ananaspflanzen in einem Treibhause. - -Die Rübensaat schoß lustig auf und versprach in kurzer Zeit eine reiche -Ernte; Fräulein Emma ging täglich hinaus auf ihr Ackerfeld, welches zu -besehen sie mehr lüstete als die goldenen Äpfel in ihrem Garten. Aber -Mißmut trübte ihre Augen. Sie weilte am liebsten in einem düsteren -Tannenwäldchen am Rande eines Quellbaches, der sein silberhelles Gewässer -ins Tal rauschen ließ, und warf Blumen hinein, die in den Odergrund -hinabflossen. - -Der Berggeist sah wohl, daß bei allem Bestreben, durch tausend kleine -Gefälligkeiten der schönen Emma Herz zu gewinnen, kein Erfolg zu erwarten -war. Trotzdem ermüdete seine hartnäckige Geduld nicht, ihren spröden Sinn -zu überwinden. Er war zu unerfahren in der Menschenkenntnis, daß er sich -keine Vorstellung von der wahren Ursache der Widerspenstigkeit der -Prinzessin machen konnte. Er war der Meinung, sie gehöre nach allen Rechten -ihm als dem ersten Besitznehmer. - -Doch das war ein großer Irrtum. Ein junger Grenznachbar an den Gestaden der -Oder, Fürst Ratibor, hatte bereits das Herz der holden Emma gewonnen. Schon -sah das glückliche Paar dem Tage seiner Hochzeit entgegen, als die Braut -mit einmal verschwand. Diese Nachricht versetzte den jungen Fürsten in -große Aufregung. Er verließ seine Residenz, zog menschenscheu in einsamen -Wäldern umher und klagte den Felsen sein Unglück. Die treue Emma seufzte -unterdessen ihren geheimen Gram in dem anmutigen Gefängnis aus; sie bezwang -aber ihre Gefühle im Herzen so, daß der spähende Geist nicht enträtseln -konnte, was für Empfindungen sich darin regten. Lange schon hatte sie -darauf gesonnen, wie sie ihn überlisten und aus der lästigen Gefangenschaft -entfliehen möchte. Nach mancher durchwachten Nacht sann sie endlich einen -Plan aus, der des Versuchs würdig schien, ihn auszuführen. - -Der Lenz kehrte in die Gebirgstäler zurück, der Berggeist ließ das -unterirdische Feuer in seinem Treibhaus ausgehen und die Rüben, welche -durch die Einflüsse des Winters in ihrem Wachstum nicht gehindert worden -waren, gediehen zur Reife. Die schlaue Emma zog täglich einige davon aus -und machte damit Versuche, ihnen allerlei beliebige Gestalten zu geben, dem -Anschein nach, um sich damit zu belustigen; aber ihre Absicht ging weiter. -Sie ließ eines Tages eine kleine Rübe zur Biene werden, um sie -abzuschicken, Kundschaft von ihrem Verlobten einzuziehen. »Flieg', liebes -Bienchen,« sprach sie, »gegen Sonnenaufgang zu Ratibor, dem Fürsten des -Landes, und summe ihm sanft ins Ohr, daß Emma noch für ihn lebt, aber eine -Sklavin ist des Geistes vom Gebirge, verlier' kein Wort von diesem Gruße -und bring' mir Botschaft von seiner Liebe.« Die Biene flog alsbald vom -Finger ihrer Gebieterin, wohin sie beordert war; aber kaum hatte sie ihren -Flug begonnen, so schoß eine gierige Schwalbe auf sie herab und verschlang -zum großen Leidwesen der Prinzessin die Botschafterin der Liebe. Darauf -formte sie vermöge des wunderbaren Stabes eine Grille und gab ihr denselben -Auftrag. »Hüpfe, kleine Grille, über das Gebirge zu Ratibor, dem Fürsten -des Landes, und zirpe ihm ins Ohr, die getreue Emma begehre Lösung ihrer -Bande durch seinen starken Arm.« Die Grille flog und hüpfte so schnell als -sie konnte, auszurichten, was ihr befohlen war, aber ein langbeiniger -Storch promenierte eben an dem Wege, welchen die Grille zog, erfaßte sie -mit seinem langen Schnabel und versenkte sie in das Verlies seines weiten -Kropfes. - -Diese mißlungenen Versuche schreckten die entschlossene Emma nicht ab, -einen neuen zu wagen; sie gab der dritten Rübe die Gestalt einer Elster. -»Flieg' hin, beredsamer Vogel,« sprach sie, »von Baum zu Baum, bis du -gelangst zu Ratibor, meinem Verlobten, erzähle ihm von meiner -Gefangenschaft und gib ihm Bescheid, daß er meiner harre mit Rossen und -Mannen, den dritten Tag von heute, an der Grenze des Gebirges, im Maiental, -bereit, den Flüchtling aufzunehmen, der seine Ketten zu zerbrechen wagt und -Schutz von ihm begehrt.« Die Elster gehorchte, flatterte von einem -Ruheplatz zum andern und die sorgsame Emma begleitete ihren Flug, soweit -das Auge trug. Der harmvolle Ratibor irrte noch immer trüben Sinnes in den -Wäldern herum; die Rückkehr des Lenzes und die wiederauflebende Natur -hatten seinen Kummer nur gemehrt. Er saß unter einer schattigen Eiche, -dachte an seine Prinzessin und seufzte laut: Emma! Alsbald gab das -vielstimmige Echo ihm diesen geliebten Namen schmeichelnd zurück; aber -zugleich rief auch eine unbekannte Stimme den seinigen aus. Er horchte hoch -auf, sah niemand, wähnte eine Täuschung und hörte den nämlichen Ruf -wiederholen. Kurz darauf erblickte er eine Elster, die auf den Zweigen hin- -und herflog, und vernahm, daß der geschwätzige Vogel ihn beim Namen rief. -»Armer Schwätzer,« sprach er, »wer hat dich gelehrt, diesen Namen -auszusprechen, der einem Unglücklichen zugehört, welcher wünscht, von der -Erde vertilgt zu sein wie sein Gedächtnis?« Hierauf faßte er erregt einen -Stein und wollte ihn nach dem Vogel schleudern, als dieser den Namen Emma -hören ließ. Dies Zauberwort entkräftete den Arm des Prinzen; frohes -Entzücken durchschauerte alle seine Glieder und in seiner Seele bebte es -leise nach: Emma! Aber der Sprecher auf dem Baume begann mit der dem -Elsterngeschlecht eigenen Beredsamkeit den Spruch, den man ihm anvertraut. -Fürst Ratibor vernahm kaum die fröhliche Botschaft, da ward's hell in -seiner Seele; der tödliche Gram, der die Sinne gefangen hatte, verschwand; -er kam wieder zu Gefühl und Besinnung und forschte mit Fleiß von der -Glücksverkünderin nach dem Schicksal seiner Braut; aber die gesprächige -Elster konnte nur ihr Sprüchlein ohne Aufhören wiederholen und flatterte -davon. Schnellen Fußes eilte Ratibor zu seinem Hoflager zurück, rüstete -eilig das Geschwader der Reisigen, bestieg sein Roß und zog mit ihnen -hoffnungsfreudig zum Maientale, um das Abenteuer zu bestehen. - -Emma hatte unterdessen mit weiblicher Schlauheit alles vorbereitet, ihr -Vorhaben auszuführen. Sie ließ ab, den geduldigen Berggeist mit kränkender -Kälte zu behandeln, ihr Auge sprach Hoffnung und ihr spröder Sinn schien -beugsamer zu werden. Solche glücklichen Anzeichen ließ der Berggeist nicht -ungenützt. Er erneuerte seine Werbung und wurde nicht zurückgewiesen. Den -folgenden Morgen, kurz nach Sonnenaufgang, trat die schöne Emma, geschmückt -wie eine Braut, hervor, mit allem Geschmeide beladen, das sich in ihrem -Schmuckkästlein gefunden hatte. Ihr blondes Haar war in einen Knoten -geschlungen, welchen eine Myrtenkrone überschattete, von welcher ein -Schleier lang herabwallte; der Besatz ihres Kleides funkelte von Juwelen -und als der harrende Berggeist auf der großen Terrasse im Lustgarten ihr -entgegenwandelte, freute er sich dieses Anblickes. - -»Himmlisches Mädchen,« stammelte er ihr entgegen, »verweigere mir nicht -länger den bejahenden Blick, der mich zum glücklichsten Wesen macht, das -jemals die Sonne bestrahlt hat.« - -Die Prinzessin hüllte sich dichter in ihren Schleier und antwortete: -»Vermag eine Sterbliche dir zu widerstehen, mein Gebieter? Deine -Standhaftigkeit hat den Sieg davongetragen. Nimm dieses Geständnis von -meinen Lippen, aber laß meine Tränen diesen Schleier verhüllen.« - -»Warum Tränen, o Geliebte?« entgegnete ihr der beunruhigte Geist, »jede -deiner Tränen fällt wie ein brennender Tropfen auf mein Herz, ich will nur -deine Liebe, nicht aber Aufopferung.« - -»Ach,« erwiderte Emma, »warum mißdeutest du meine Tränen? Mein Herz lohnt -deine Freundschaft, aber bange Ahnung zerreißt meine Seele. Du alterst -nimmer, aber irdische Schönheit ist eine Blume, die bald dahinwelkt. Woran -soll ich erkennen, daß du ein liebevoller, gefälliger, duldsamer Gemahl -sein werdest?« - -Er antwortete: »Fordere einen Beweis meiner Treue oder des Gehorsams in -Ausrichtung deiner Befehle, oder stelle meine Geduld auf die Probe und -beurteile alsdann die Stärke meiner unwandelbaren Liebe.« - -»Es sei also!« antwortete die schlaue Emma, »ich fordere nur einen Beweis -deiner Gefälligkeit. Gehe hin und zähle die Rüben alle auf dem Acker; mein -Hochzeitstag soll nicht ohne Zeugen sein, ich will sie beleben, damit sie -mir zu Brautjungfrauen dienen; aber hüte dich, mich zu täuschen und -verzähle dich nicht um eine, denn das ist die Probe, woran ich deine Treue -prüfen will.« - -So ungern sich der Berggeist in diesem Augenblicke von seiner lieblichen -Braut trennte, so gehorchte er doch ohne Säumen, machte sich rasch an die -Arbeit und hüpfte hurtig wie ein Star unter den Rüben herum. Er kam durch -diese Geschäftigkeit mit seiner Zählung bald zustande; doch um der Sache -recht gewiß zu sein, wiederholte er seine Rechnung nochmals und fand zu -seinem Verdruß eine Abweichung bei Feststellung der Summen, welche ihn -nötigte, zum dritten Male die Rübenhäupter durchzumustern. Aber diesmal -ergab sich eine andere Summe. - -Die schlaue Emma hatte nicht sobald den Berggeist aus den Augen verloren, -als sie zur Flucht Anstalt machte. Sie hielt eine saftige, wohlgenährte -Rübe in Bereitschaft, welche sie flugs in ein mutiges Roß mit Sattel und -Zeug verwandelte. Rasch schwang sie sich in den Sattel, flog über die -Heiden und Steppen des Gebirges dahin und das flüchtige Roß brachte sie, -ohne zu straucheln, auf seinem sanften Rücken hinab ins Maiental, wo sie -dem geliebten Ratibor, welcher der Kommenden ängstlich entgegenharrte, sich -fröhlich in die Arme warf. - -Der geschäftige Berggeist hatte sich indessen so in seine Zahlen vertieft, -daß er nichts von dem, was um ihn und neben ihm geschah, wußte. Nach langer -Mühe und Anstrengung war's ihm endlich gelungen, die wahre Zahl der Rüben -auf dem Ackerfelde, klein und groß mit eingerechnet, zu finden. Er eilte -nun froh zurück, sie seiner Herzensgebieterin gewissenhaft zu berichten und -durch die pünktliche Erfüllung ihrer Pläne sie zu überzeugen, daß er ihr -ein gefälliger Gemahl sein werde. - -Mit Selbstzufriedenheit trat er auf den Rasenplatz, aber da fand er nicht, -was er suchte; er lief durch die bedeckten Lauben und Gänge, aber auch da -war nicht, was er begehrte; er kam in den Palast, durchspähte alle seine -Winkel, rief den teuren Namen Emma aus, den ihm die einsamen Hallen -zurücktönten, begehrte einen Laut von dem geliebten Munde zu hören; doch da -war weder Stimme noch Rede. Das fiel ihm auf, er merkte Unrat, flugs warf -er die schwerfällige Verkörperung ab, schwang sich hoch in die Luft und sah -die fliehende Emma in der Ferne, als eben das schnellfüßige Roß über die -Grenze setzte. Wütend ballte der ergrimmte Geist ein paar friedlich -vorüberziehende Wolken zusammen und schleuderte einen kräftigen Blitz der -Fliehenden nach, der eine tausendjährige Grenzeiche zersplitterte; aber -darüber hinaus war seine Rache kraftlos und die Donnerwolke zerfloß in -einen sanften Heiderauch. Nachdem er die oberen Luftregionen -verzweiflungsvoll durchkreuzt und seine stürmende Leidenschaft ausgetobt -hatte, kehrte er trübsinnig in den Palast zurück, schlich durch alle -Gemächer und erfüllte sie mit Seufzen und Stöhnen. Nachher besuchte er noch -einmal den Lustgarten, doch diese ganze Zauberschöpfung hatte keinen Reiz -mehr für ihn. Der Gedanke an die Tage, welche hier die Ungetreue verlebt -hatte, beschäftigte ihn mehr als die goldenen Äpfel und prächtigen Blumen. -Die Erinnerung an sie erwachte wieder an jedem Platze, wo sie vormals ging -und stand, wo sie Blumen gepflückt, wo er sie oft unsichtbar belauscht, oft -trauliche Unterredungen mit ihr gepflogen hatte. Alles das bedrückte ihn so -sehr, daß er unter der Last seiner Gefühle in dumpfes Hinbrüten versank. -Bald darauf brach sein Unmut in gräßliche Verwünschungen aus und er vermaß -sich hoch und teuer, der Menschenkenntnis ganz zu entsagen und von diesem -argen, betrüglichen Geschlechte fernerhin keine weitere Kenntnis zu nehmen. -In dieser Entschließung stampfte er dreimal auf die Erde und der ganze -Zauberpalast mit all seiner Herrlichkeit kehrte in sein ursprüngliches -Nichts zurück. Der Abgrund aber sperrte seinen weiten Rachen auf und der -Berggeist fuhr hinab in die Tiefe bis in die entgegengesetzte Grenze seines -Gebietes, in den Mittelpunkt der Erde, und nahm Bitterkeit und Menschenhaß -mit dahin. - -Während dieses Vorganges im Gebirge war Fürst Ratibor geschäftig, seine -Braut in Sicherheit zu bringen, und führte sie mit fürstlichem Gepränge an -den Hof ihres Vaters zurück. Daselbst wurde ihre Vermählung gefeiert. Er -teilte mit seiner Gattin den Thron seines Erbes und erbaute die Stadt -Ratibor, die noch seinen Namen trägt bis auf diesen Tag. Das sonderbare -Abenteuer der Prinzessin, welches ihr auf dem Riesengebirge begegnet war, -insbesondere ihre kühne Flucht, wurde das Märchen des Landes, pflanzte sich -von Geschlecht zu Geschlecht fort bis in die entferntesten Zeiten. Die -Bewohner der umliegenden Gegenden, die den Nachbar Berggeist bei seinem -Geisternamen nicht zu nennen wußten, legten ihm einen Spottnamen bei und -riefen ihn fortan »Rübezähler« oder kurzweg »Rübezahl«. - - - - -4. Rübezahl und der Schneider Benedix. - - -Der unmutsvolle Berggeist verließ die Oberwelt mit dem Entschluß, nie -wieder das Tageslicht zu schauen; doch die wohltätige Zeit verwischte nach -und nach die Eindrücke seines Grams; gleichwohl war ein Zeitraum von -neunhundertneunundneunzig Jahren erforderlich, ehe die alte Wunde -ausheilte. Endlich, da ihn die Beschwerde der Langeweile drückte und er -einstmals sehr übel aufgeräumt war, brachte sein Liebling und -Hofschalksnarr in der Unterwelt, ein drolliger Kobold, eine Lustpartie aufs -Riesengebirge in Vorschlag, welchem Rübezahl gern zustimmte. Es war nur -eine Minute nötig, so war die weite Reise vollendet und er befand sich -mitten auf dem großen Rasenplatz seines ehemaligen Lustgartens, dem er -nebst dem übrigen Zubehör die vorige Gestalt gab; doch blieb alles für -menschliche Augen verborgen; die Wanderer, die übers Gebirge zogen, sahen -nichts als eine fürchterliche Wildnis. - -Der Anblick dieser Gegenstände erneuerte alle Erinnerungen an die schöne -Emma, ihr Bild schwebte ihm noch so deutlich vor, als stünde sie neben ihm. -Aber die Vorstellung, wie sie ihn überlistet und hintergangen hatte, machte -seinen Groll gegen die ganze Menschheit wieder rege. »Unseliges -Erdengewürm,« rief er aus, indem er aufschaute und vom hohen Gebirge die -Türme der Kirchen und Klöster in Städten und Flecken erblickte, »du -treibst, sehe ich, dein Wesen noch immer unten im Tale. Hast mich geäfft -durch Tücke und Ränke, sollst mir nun büßen; will dich auch hetzen und -plagen, daß dir soll bange werden vor dem Treiben des Geistes im Gebirge.« - -Kaum hatte er dies Wort gesagt, so vernahm er in der Ferne Menschenstimmen. -Drei junge Gesellen wanderten durchs Gebirge und der keckste unter ihnen -rief ohne Unterlaß: »Rübezahl, komm herab! Rübezahl, Mädchendieb!« Von -undenklichen Jahren her hatte der Volksmund die Entführungsgeschichte des -Berggeistes getreulich aufbewahrt, sie wie gewöhnlich mit lügenhaften -Zusätzen vermehrt und jeder Reisende, der das Riesengebirge betrat, -unterhielt sich mit seinen Gefährten von den Abenteuern desselben. Man trug -sich mit unzähligen Spukgeschichten, die sich niemals begeben hatten, -machte damit zaghafte Wanderer fürchten und die starken Geister und -Witzlinge, die an keine Gespenster glaubten, machten sich darüber lustig, -pflegten aus Übermut oder um ihre Herzhaftigkeit zu beweisen, den Geist oft -zu rufen, aus Schäkerei bei seinem Spottnamen zu nennen und auf ihn zu -schimpfen. Man hat nie gehört, daß dergleichen Beleidigungen von dem -friedsamen Berggeiste wären gerügt worden; denn in den Tiefen des Abgrundes -erfuhr er von diesem mutwilligen Hohn kein Wort. Desto mehr war er -betroffen, da er sein ganzes Abenteuer mit der Prinzessin jetzt so kurz und -bündig ausrufen hörte. Wie der Sturmwind raste er durch den düsteren -Fichtenwald und war schon im Begriff, den armen Tropf, der sich ohne -Absicht über ihn lustig gemacht hatte, zu erdrosseln, als er in dem -Augenblick bedachte, daß eine so empfindliche Rache großes Geschrei im -Lande erregen, alle Wanderer aus dem Gebirge wegbannen und ihm die -Gelegenheit rauben würde, sein Spiel mit den Menschen zu treiben. Darum -ließ er ihn und seine Gefährten ruhig ihre Straße ziehen, mit dem -Vorbehalt, seinen verübten Mutwillen ihm doch nicht ungestraft hingehen zu -lassen. - -Auf dem nächsten Scheidewege trennte sich der Hohnsprecher von seinen -Kameraden und gelangte diesmal mit heiler Haut in Hirschberg, seiner -Heimat, an. Aber als unsichtbarer Geleitsmann war ihm Rübezahl bis zur -Herberge gefolgt, um ihn zu gelegener Zeit dort zu finden. Jetzt trat er -seinen Rückweg ins Gebirge an und sann auf ein Mittel, sich zu rächen. Da -begegnete ihm auf der Landstraße ein reicher alter Handelsmann, der nach -Hirschberg wollte; da kam ihm in den Sinn, diesen zum Werkzeug seiner Rache -zu gebrauchen. Er gesellte sich also zu ihm in Gestalt des losen Gesellen, -der ihn gefoppt hatte, und plauderte freundlich mit ihm, führte ihn -unbemerkt seitab von der Straße und da sie ins Gebüsch kamen, fiel er dem -Händler mörderisch in den Bart, zauste ihn weidlich, riß ihn zu Boden, -knebelte ihn und raubte ihm seinen Säckel, worin er viel Geld und -Geschmeide trug. Nachdem er ihn mit Faustschlägen und Fußtritten zum -Abschied noch gar übel zugerichtet hatte, ging er davon und ließ den armen -geplünderten Mann halbtot im Busche liegen. - -Als sich der Händler von seinem Schrecken erholt hatte und wieder Leben in -ihm war, fing er an zu wimmern und laut um Hilfe zu rufen; denn er -fürchtete in der grausenvollen Einöde zu verschmachten. Da trat ein feiner, -ehrbarer Mann zu ihm, dem Ansehen nach ein Bürger aus einer der umliegenden -Städte, fragte, warum er so stöhne, und als er ihn geknebelt fand, löste er -ihm die Bande von Händen und Füßen und leistete ihm alles das, was der -barmherzige Samariter im Evangelium dem Manne tat, der unter die Mörder -gefallen war. Nachher labte er ihn mit einem kräftigen Schluck -Lebenswasser, das er bei sich trug, führte ihn wieder auf die Landstraße -und geleitete ihn freundlich bis nach Hirschberg an die Tür der Herberge; -dort reichte er ihm einen Zehrpfennig und schied von ihm. Wie erstaunte der -Händler, als er beim Eintritt in den Krug seinen Räuber am Zechtisch -erblickte, so frei und unbefangen als ein Mensch sein kann, der sich keiner -Übeltat bewußt ist! Er saß hinter einem Schoppen Landwein, trieb Scherz und -gute Schwänke mit anderen lustigen Zechbrüdern und neben ihm lag der -nämliche Rucksack, in welchen er den geraubten Säckel geborgen hatte. Der -bestürzte Händler wußte nicht, ob er seinen Augen trauen sollte, schlich -sich in einen Winkel und ging mit sich selbst zu Rate, wie er wieder zu -seinem Eigentum gelangen möchte. Es schien ihm unmöglich, sich in der -Person geirrt zu haben; darum schlich er sich unbemerkt zur Tür hinaus, -ging zum Richter und machte ihm Mitteilung von dem räuberischen Überfall. - -Das Hirschberger Gericht stand damals in dem Rufe, daß es schnell und tätig -sei, Recht und Gerechtigkeit zu handhaben. Häscher bewaffneten sich mit -Spießen und Stangen, umringten das Schenkhaus, griffen den unschuldigen -Verbrecher und führten ihn vor die Schranken der Ratsstube, wo sich die -weisen Väter indes versammelt hatten. - -»Wer bist du?« fragte der ernsthafte Stadtrichter, als der Angeklagte -hereintrat, »und von wannen kommst du?« Er antwortete freimütig und -unerschrocken: »Ich bin ein ehrlicher Schneider meines Handwerks, Benedix -genannt, komme von Liebenau und stehe hier in Arbeit bei meinem Meister.« - -»Hast du nicht diesen Mann im Walde mörderisch überfallen, übel geschlagen, -gebunden und seines Säckels beraubt?« - -»Ich habe diesen Mann nie mit Augen gesehen, hab' ihn auch weder -geschlagen, noch gebunden, noch seines Säckels beraubt. Ich bin ein -ehrlicher Zünftler und kein Straßenräuber.« - -»Womit kannst du deine Ehrlichkeit beweisen?« - -»Mit dem Ausweis über meine Kundschaft und dem Zeugnis meines guten -Gewissens.« - -»Weis' auf deine Kundschaft.« - -Benedix öffnete getrost den Rucksack; denn er wußte wohl, daß er nichts als -sein wohlerworbenes Eigentum darin verwahrte. Doch wie er ihn ausleerte, -sieh da! da klingelt's unter dem herausstürzenden Plunder wie Geld. Die -Häscher griffen hurtig zu, breiteten den Kram auseinander und zogen den -schweren Säckel hervor, welchen der erfreute Handelsmann alsbald als sein -Eigentum nach Feststellung des Tatbestandes zurückforderte. Der arme -Schneider stand da wie vom Donner gerührt, wollte vor Schrecken umsinken, -ward bleich, die Lippen bebten, die Knie wankten, er verstummte und sprach -kein Wort. Des Richters Stirn verfinsterte sich und eine drohende Gebärde -weissagte einen strengen Bescheid. - -»Wie nun, Bösewicht!« donnerte der Stadtvogt. »Erfrechst du dich noch, den -Raub zu leugnen?« - -»Erbarmung, gestrenger Herr Richter!« winselte der Angeklagte auf den -Knien, mit hochaufgehobenen Händen. »Alle Heiligen im Himmel ruf' ich zu -Zeugen an, daß ich unschuldig bin an dem Raube; ich weiß nicht, wie des -Händlers Säckel in meinen Rucksack gekommen ist, Gott weiß es.« - -»Du bist überwiesen,« fuhr der Richter fort, »der Säckel beweist genugsam -das Verbrechen, tue Gott und der Obrigkeit die Ehre, und bekenne -freiwillig, ehe der Peiniger kommt, dir das Geständnis der Wahrheit -abzufoltern.« - -Der geängstigte Benedix konnte nichts, als sich auf seine Unschuld berufen; -aber er predigte tauben Ohren: man hielt ihn für einen hartnäckigen -Gaudieb, der sich nur aus der Halsschlinge herausleugnen wollte. Meister -Hämmerling, der Foltermeister, wurde herbeigerufen, durch die stählernen -Gründe seiner Beredsamkeit ihn zu veranlassen, Gott und der Obrigkeit die -volle Wahrheit zu bekennen. Jetzt verließ den armen Wicht die standhafte -Freudigkeit seines guten Gewissens, er bebte zurück vor den Qualen, die -seiner warteten. Da der Folterer im Begriff war, ihm die Daumenschrauben -anzulegen, bedachte er, daß dies ihn untüchtig machen würde, jemals wieder -mit Ehren die Nadel zu führen, und ehe er wollte ein verdorbener Kerl -bleiben sein Leben lang, meinte er, es sei besser, der Marter mit einem -Male ledig zu werden, und gestand das Bubenstück ein, von welchem sein Herz -nichts wußte. Die Verhandlung wurde nun kurzerhand abgetan und der -Angeklagte, ohne daß sich das Gericht teilte, von Richtern und Schöppen zum -Strange verurteilt, welcher Rechtsspruch zur Ersparung der -Verpflegungskosten gleich tags darauf bei frühem Morgen vollzogen werden -sollte. - -Alle Zuschauer, welche das hochnotpeinliche Halsgericht herbeigelockt -hatte, fanden das Urteil des wohlweisen Magistrats gerecht und billig; doch -keiner rief den Richtern lauteren Beifall zu, als der barmherzige -Samariter, der mit in die Gerichtsstube eingedrungen war und nicht satt -werden konnte, die Gerechtigkeitsliebe der Herren von Hirschberg zu -erheben; und in der Tat hatte auch niemand näheren Anteil an der Sache als -eben dieser Menschenfreund, der mit unsichtbarer Hand des Händlers Säckel -in des Schneiders Rucksack verborgen hatte und kein anderer als Rübezahl -selbst war. - -Schon am frühen Morgen lauerte er am Hochgericht in Rabengestalt auf den -Leichenzug, der das Opfer seiner Rache dahin begleiten sollte, und es regte -sich bereits in ihm der Rabenhunger, dem neuen Ankömmling die Augen -auszuhacken; aber diesmal harrte er vergebens. Ein frommer Ordensbruder, -der es sich angelegen sein ließ, die zum Tode Verurteilten zur -Sinnesänderung und Buße zu bekehren, fand den Schneidergesellen so -unwissend im Christenglauben, daß er den Magistrat um einen dreitägigen -Aufschub der Hinrichtung bat. Als Rübezahl davon hörte, flog er ins -Gebirge, die Vollstreckung des Urteils daselbst zu erwarten. - -In diesem Zeitraume durchstrich er nach seiner Gewohnheit die Wälder und -erblickte auf dieser Streiferei eine junge Dirne, die sich unter einem -schattenreichen Baum gelagert hatte. Ihr Haupt sank schwermütig auf die -Brust hinab, ihre Kleidung war nicht kostbar, aber reinlich und der -Zuschnitt daran bürgerlich. Von Zeit zu Zeit verwischte sie mit der Hand -eine herabrollende Zähre von den Wangen und schwere Seufzer entrangen sich -ihrer Brust. Schon ehemals hatte der Berggeist die mächtigen Eindrücke -jungfräulicher Tränen empfunden; auch jetzt war er so gerührt davon, daß er -von dem Vorsatz, welchen er sich auferlegt hatte, alle Menschenkinder, die -durchs Gebirge ziehen würden, zu tücken und zu quälen, zum ersten Male -abging, die Empfindung des Mitleids sogar als ein wohltuendes Gefühl -erkannte und Verlangen trug, das Mädchen zu trösten. Er verwandelte sich -wieder in einen ehrbaren Bürger, trat freundlich zu der jungen Dirne und -sprach: »Mägdlein, was trauerst du hier in der Wüste so einsam? Verhehle -mir nicht deinen Kummer, daß ich zusehe, wie dir zu helfen sei.« - -Das Mädchen, das ganz in Schwermut versunken war, schreckte auf, da sie -diese Stimme hörte, und erhob ihr gesenktes Haupt. Zwei helle Tränen -glänzten in ihren Augen und das holde, jungfräuliche Antlitz war mit dem -Ausdruck banger Schmerzensgefühle übergossen. Da sie den ehrsamen Mann vor -sich stehen sah, sprach sie: »Was kümmert Euch mein Schmerz, guter Mann, da -Ihr nicht helfen könnt? Ich bin eine Unglückliche, eine Mörderin, habe den -Mann meines Herzens gemordet und will abbüßen meine Schuld mit Jammer und -Tränen, bis mir der Tod das Herz bricht.« - -Der ehrbare Mann staunte. »Du eine Mörderin?« rief er, »bei diesem -freundlichen, lieben Gesicht trügst du die Hölle im Herzen? Unmöglich! -- -Zwar die Menschen sind aller Ränke und Bosheit fähig, das weiß ich; -gleichwohl ist mir's hier ein Rätsel.« - -»So will ich's Euch lösen,« erwiderte die trübsinnige Jungfrau, »wenn Ihr -es zu wissen begehrt.« - -Er sprach: »Sag' an!« - -»Ich hatte einen Gespielen von Jugend an, den Sohn meiner Nachbarin. Er war -so lieb und gut, so treu und bieder, liebte mich so standhaft und herzig, -daß ich ihm ewige Treue gelobte. Ach, das Herz des braven Menschen habe ich -vergiftet, hab' ihn der Tugendlehren seiner frommen Mutter vergessen -gemacht und ihn zu einer Übeltat verleitet, wofür er sein Leben verwirkt -hat!« - -Der Berggeist rief erstaunt: »Du?« - -»Ja, Herr,« sprach sie, »ich bin seine Mörderin, hab' ihn gereizt, einen -Straßenraub zu begehen und einen Handelsmann zu plündern; da haben ihn die -Herren von Hirschberg gegriffen, Halsgericht über ihn gehalten und, o -Herzeleid! morgen wird er abgetan!« - -»Und was hast du verschuldet?« fragte verwundert Rübezahl. - -»Ja, Herr! Ich habe sein junges Leben auf meinem Gewissen.« - -»Wie das?« - -»Er zog auf die Wanderschaft übers Gebirge und als es zum Abschied ging, -sprach er: >Feins Liebchen, bleib mir treu. Wenn der Apfelbaum zum dritten -Male blüht und die Schwalbe zum Nest trägt, kehr' ich von der Wanderschaft -zurück, dich heimzuholen als mein junges Weib;< und das gelobte ich ihm zu -werden durch einen teuren Eid. Nun blühte der Apfelbaum zum dritten Male -und die Schwalbe nistete, da kam Benedix wieder, erinnerte mich meiner -Zusage und wollte mich zur Trauung führen. Ich aber neckte und höhnte ihn -und sprach: >Dein Weib kann ich nicht werden, du hast weder Herd noch -Obdach. Schaff' dir erst blanke Taler an, dann frage wieder.< Der arme -Junge wurde durch diese Rede sehr betrübt. >Ach, Klärchen,< seufzte er -tief, mit einer Träne im Auge, >steht dir dein Sinn nach Geld und Gut, so -bist du nicht das biedere Mädchen mehr, das du vormals warst! Schlugst du -nicht ein in diese Hand, da du mir deine Treue schwurest? Und was hatte ich -mehr als diese Hand, dich einst damit zu ernähren? Woher dein Stolz und -spröder Sinn? Ach, Klärchen, ich verstehe dich; ein reicher Freier hat mir -dein Herz entwendet; lohnst du mir also, Ungetreue? Drei Jahre habe ich mit -Sehnsucht und Harren traurig verlebt, habe jede Stunde gezählt bis auf -diesen Tag, da ich kam, dich heimzuführen. Wie leicht und rasch machte -meinem Fuß Hoffnung und Freude, da ich übers Gebirge wandelte, und nun -verschmähst du mich!< Er bat und flehte, doch ich blieb fest auf meinem -Sinn: >Mein Herz verschmäht dich nicht, o Benedix!< antwortete ich, >nur -meine Hand versag' ich dir für jetzt; zieh hin, erwirb dir Gut und Geld, -und hast du das, so komm, dann will ich dich gern zum Mann nehmen.< ->Wohlan,< sprach er mit Unmut, >du willst es so, ich gehe in die Welt, will -laufen, will rennen, will betteln, stehlen, sparen, sorgen und eher sollst -du mich nicht wiedersehen, bis ich erlange den schnöden Preis, um den ich -dich erwerben muß. Leb' wohl, ich fahre hin, Ade!< -- So hab' ich ihn -betört, den armen Benedix; er ging ergrimmt davon; da verließ ihn sein -guter Engel, daß er tat, was nicht recht war und was sein Herz gewiß -verabscheute.« - -Der ehrsame Mann schüttelte den Kopf über diese Rede und rief nach einer -Pause mit nachdenklicher Miene: »Wunderbar!« Hierauf wendete er sich zu der -Dirne: »Warum,« fragte er, »erfüllst du aber hier den leeren Wald mit -deinen Wehklagen, die dir und deinem Bräutigam nichts nützen und frommen -können?« - -»Lieber Herr,« fiel sie ihm ein, »ich war auf dem Wege nach Hirschberg, da -wollte mir der Jammer das Herz abdrücken, darum weilte ich unter diesem -Baume.« - -»Und was willst du in Hirschberg tun?« - -»Ich will dem Blutrichter zu Fuße fallen, will mit meinem Klagegeschrei die -Stadt erfüllen und die Töchter der Stadt sollen mir wehklagen helfen, ob -das die Herren erbarmen möchte, dem unschuldigen Blut das Leben zu -schenken; und so mir's nicht gelingt, meinen Benedix dem schmählichen Tode -zu entreißen, will ich freudig mit ihm sterben.« - -Rübezahl wurde durch diese Rede so bewegt, daß er von Stund' an seiner -Rache ganz vergaß und der Trostlosen ihren Bräutigam wiederzugeben -beschloß. »Trockne ab deine Tränen,« sprach er mit teilnehmender Gebärde, -»und laß deinen Kummer schwinden. Ehe die Sonne zur Rüste geht, soll dein -Benedix frank und frei sein. Morgen um den ersten Hahnenschrei sei wach und -aufmerksam und wenn ein Finger ans Fenster klopft, so tu auf die Tür deines -Hauses; denn es ist dein Benedix, der davor stehet. Hüte dich, ihn wieder -wild zu machen durch deinen spröden Sinn. -- Du sollst auch wissen, daß er -das Bubenstück nicht begangen hat, dessen du ihn zeihest, und du hast -gleichfalls keine Schuld; denn er hat sich durch deinen Eigensinn zu keiner -bösen Tat reizen lassen.« - -Das Mädchen, verwundert über diese Rede, sah ihm starr und steif ins -Gesicht und weil darin keine Schalkheit oder Trug sich zeigte, gewann sie -Zutrauen, ihre trübe Stirn klärte sich auf und sie sprach voll froher -Zuversicht: »Lieber Herr, wenn Ihr mein nicht spottet und es also ist, wie -Ihr sagt, so müßt Ihr ein Seher oder der gute Engel meines Benedix sein, -daß Ihr das alles so wißt.« - -»Sein guter Engel?« versetzte Rübezahl betroffen, »nein, der bin ich -wahrlich nicht; aber ich kann's werden und du sollst's erfahren! Ich bin -ein Bürger aus Hirschberg, habe mit zu Rate gesessen, als der arme Sünder -verurteilt wurde; aber seine Unschuld ist ans Licht gebracht, fürchte -nichts für sein Leben. Ich will hin, ihn seiner Bande zu entledigen, denn -ich vermag viel in der Stadt. Sei guten Muts und kehre heim in Frieden.« -Das Mädchen machte sich alsbald auf und gehorchte, obgleich Furcht und -Hoffnung in ihrer Seele kämpften. - -Der ehrwürdige Pater Graurock hatte sich's die drei Tage des Aufschubs -inzwischen blutsauer werden lassen, den Verurteilten gehörig zum Tode -vorzubereiten. Als er dem trostlosen Benedix zum letztem Male gute Nacht -gewünscht hatte, begegnete ihm Rübezahl unsichtbarerweise beim Eingange, -noch unentschlossen, wie er sein Vorhaben, den armen Schneider in Freiheit -zu setzen, auszuführen vermöchte. In dem Augenblick geriet er auf den -Einfall, der recht nach seinem Sinn war. Er schlich dem Mönche ins Kloster -nach, stahl aus der Kleiderkammer ein Ordenskleid, fuhr hinein und begab -sich in Gestalt des Bruders Graurock ins Gefängnis, welches ihm der -Kerkermeister ehrerbietig öffnete. - -»Das Heil deiner Seele,« redete er den Gefangenen an, »treibt mich nochmals -hierher, da ich dich kaum verlassen habe. Doch hatte ich vorher vergessen, -dich nach etwas zu fragen. Sag' an, denkst du auch noch an Klärchen? Liebst -du sie noch als deine Braut? Hast du ihr etwas vor deiner Hinfahrt zu -sagen, so vertraue es mir.« Benedix staunte bei diesem Namen noch mehr; der -Gedanke an sie, den er mit großer Gewissenhaftigkeit in seiner Seele zu -ersticken bemüht gewesen war, wurde auf einmal wieder so heftig angefacht, -besonders da vom Abschiedsgruße die Rede war, daß er überlaut anfing zu -weinen und zu schluchzen und kein Wort vorzubringen vermochte. Diese -herzbrechende Gebärdung jammerte den mitleidigen Mönch also, daß er -beschloß, dem Spiel ein Ende zu machen. - -»Armer Benedix,« sprach er, »gib dich zufrieden und sei getrost und -unverzagt, du sollst nicht sterben. Ich habe in Erfahrung gebracht, daß du -unschuldig bist an dem Raube und deine Hand mit keinem Laster befleckt -hast, darum bin ich gekommen, dich aus dem Kerker zu entführen und der -Bande zu entledigen.« Er zog einen Schlüssel aus der Tasche. »Laß sehen,« -fuhr er fort, »ob er schließe.« Der Versuch gelang, der Entfesselte stand -da, frank und frei, die Ketten fielen ab von Händen und Füßen. Hierauf -wechselte der gutmütige Ordensbruder mit ihm die Kleider und sprach: »Gehe -gemachsam wie ein frommer Mönch durch die Schar der Wächter vor der Tür des -Gefängnisses und durch die Straßen, bis du der Stadt Weichbild hinter dir -hast; dann schürze dich hurtig und schreite rüstig zu, daß du gelangst ins -Gebirge, und raste nicht, bis du in Liebenau vor Klärchens Tür stehst, -klopfe leise an, dein Liebchen harret deiner mit ängstlichem Verlangen.« - -Der gute Benedix wähnte, das alles sei nur ein Traum, rieb sich die Augen, -zwickte sich in die Arme, um zu versuchen, ob er wache oder schlafe, und da -er inne ward, daß sich alles so verhalte, fiel er seinem Befreier zu Füßen -und umfing seine Knie, wollte eine Danksagung stammeln und lag da in -stummer Freude, denn die Worte versagten ihm. Der liebreiche Mönch trieb -ihn endlich fort und reichte ihm noch ein Laib Brot und eine Knackwurst zur -Zehrung auf den Weg. Mit wankendem Knie schritt Benedix über die Schwelle -des traurigen Kerkers und fürchtete immer, erkannt zu werden. Aber sein -ehrwürdiges Gewand gab ihm die Gewähr, daß keiner der Wächter in ihm einen -Verbrecher vermutete. - -Klärchen saß indessen bänglich einsam in ihrem Kämmerlein, horchte auf -jedes Rauschen des Windes und spähete nach jedem Fußtritt der -Vorübergehenden. Oft dünkte ihr, es rege sich was am Fensterladen, oder es -klinge der Pfortenring; sie schreckte auf mit Herzklopfen, sah durch die -Luke und es war Täuschung. Schon schüttelten die Hähne in der Nachbarschaft -die Flügel und verkündeten durch ihr Krähen den kommenden Tag; das -Glöcklein im Kloster läutete zur Frühmette, das ihr wie Totenruf und -Grabesklang tönte; der Wächter stieß zum letzten Male ins Horn und weckte -die schnarchenden Bäckermägde zu ihrem frühen Tagewerk. Klärchens Lampe -fing an, dunkel zu brennen, weil's ihm an Öl gebrach, ihre Unruhe mehrte -sich mit jedem Augenblick. Sie saß auf ihrer Bettlade, weinte bitterlich -und seufzte: »Benedix, Benedix! Was für ein banger Tag für dich und mich -dämmert jetzt heran!« Sie lief ans Fenster, ach! blutrot war der Himmel -nach Hirschberg hin und schwarze Nebelwolken webten wie Trauerflor und -Leichentücher hin und wieder am Horizonte. Ihre Seele bebte vor diesem -ahnungsvollen Anblick zurück, sie sank in dumpfes Hinbrüten und Totenstille -war um sie her. - -Da pocht's dreimal leise an das Fenster, als ob sich etwas rührte. Ein -froher Schauder durchlief ihre Glieder, sie sprang auf, tat einen lauten -Schrei; denn eine Stimme flüsterte durch die Luke: »Feins Liebchen, bist du -wach?« -- Husch war sie an der Tür. -- »Ach, Benedix, bist du's oder ist's -dein Geist?« Wie sie aber den Bruder Graurock erblickte, fiel sie zurück -und sank vor Entsetzen hin. Da umschlang sie sanft sein treuer Arm und der -Kuß der Liebe brachte sie bald wieder ins Leben. - -Nachdem Erstaunen und die Ergießungen der ersten freudigen Herzensgefühle -vorüber waren, erzählte ihr Benedix seine wunderbare Errettung aus dem -peinlichen Kerker; doch die Zunge klebte ihm am Gaumen vor großem Durst und -Ermattung. Klärchen ging, ihm einen Trunk frisches Wasser zu holen, und -nachdem er sich damit gelabt hatte, fühlte er Hunger; aber sie hatte nichts -zum Imbiß als Salz und Brot. Da gedachte Benedix an seine Knackwurst, zog -sie aus der Tasche und wunderte sich, daß sie schwerer als ein Hufeisen, -brach sie voneinander, sieh! da fielen eitel Goldstücke heraus, worüber -Klärchen nicht wenig erschrak; sie meinte, das Gold sei ein Rest von dem -Raube des Händlers und Benedix sei nicht so unschuldig, als ihn der ehrsame -Mann gemacht habe, der ihr im Gebirge erschienen war. Allein der truglose -Geselle beteuerte höchlich, daß der fromme Ordensmann ihm diesen -verborgenen Schatz vermutlich als eine Hochzeitssteuer verliehen habe, und -sie glaubte seinen Worten. Darauf segneten beide mit dankbarem Herzen den -edelmütigen Wohltäter, verließen ihre Vaterstadt und zogen gen Prag, wo -Meister Benedix mit Klärchen, seinem Weibe, lange Jahre als ein ehrsamer -Bürger und wohlhabender Mann in friedlicher Ehe lebte. - -In der frühen Morgenstunde, da Klärchen mit schauervoller Freude den Finger -ihres Benedix am Fenster vermerkte, klopfte auch in Hirschberg ein Finger -an die Tür des Gefängnisses. Das war der Bruder Graurock, der, von frommem -Eifer aufgeweckt, den Anbruch des Tages kaum erwarten konnte, die Bekehrung -des armen Sünders zu vollenden. Rübezahl hatte die Rolle des Verurteilten -übernommen und war entschlossen, sie auszuspielen. Er schien wohlgefaßt zum -Sterben zu sein und der fromme Mönch freute sich darüber und erkannte diese -Standhaftigkeit alsbald für die gesegnete Frucht seiner Zusprache an; darum -ermangelte er nicht, ihn in dieser Gemütsverfassung zu erhalten, und -beschloß seine Rede mit den Trostesworten: »So viel Menschen du bei deiner -Ausführung erblicken wirst, die dich an die Gerichtsstätte geleiten, sieh, -so viel Engel stehen schon bereit, deine Seele einzuführen ins schöne -Paradies.« Darauf ließ er ihn der Fesseln entledigen, hörte seine Beichte -und sprach ihn los von seinen Sünden. - -Die Zeit war darüber verlaufen, das peinliche Gericht hielt dafür, daß es -nun an der Stunde sei, den Leib zu töten. Auf dem Platze der Hinrichtung -verlas der Richter noch einmal das Urteil und brach zum Zeichen dessen, daß -er dem Tode verfallen sei, einen Stab über dem Kopfe des Verurteilten -entzwei. Danach führten ihn die Henker auf die Leiter am Galgen und legten -ihm die Schlinge des Strickes um den Hals. Als er nun von der Leiter -gestoßen wurde, zappelte er am Strange nach Herzenslust und trieb das Spiel -so arg, daß dem Henker dabei übel zumute ward; denn es erhob sich ein -plötzliches Getöse im Volk und einige schrien, man solle den Henker -steinigen, weil er den armen Sünder über die Gebühr martere. Um also -Unglück zu verhüten, streckte sich Rübezahl lang aus und stellte sich an, -als sei er tot. Da sich aber das Volk verlaufen hatte und nachher einige -Leute in der Gegend des Hochgerichts hin- und herwandelten, aus Vorwitz -hinzutraten und den Leichnam beschauen wollten, fing Rübezahl am Galgen -sein Spiel von neuem an und erschreckte die Beschauer durch fürchterliche -Grimassen. Daher lief gegen Abendzeit in der Stadt das Gerücht um, der -Gehangene könne nicht ersterben und tanze noch immer am Hochgericht. Das -bewog die Stadtbehörde, des Morgens in aller Frühe durch einige Abgeordnete -die Sache untersuchen zu lassen. Wie sie nun dahin kamen, fanden sie nichts -als einen Strohmann am Galgen, mit alten Lumpen bedeckt, wie man pflegt in -Erbsen zu stellen, die genäschigen Spatzen damit zu verscheuchen. Darüber -wunderten sich die Herren von Hirschberg gar sehr, ließen in aller Stille -den Strohmann abnehmen und breiteten aus, der große Wind habe zur Nachtzeit -den leichten Schneider vom Galgen über die Grenze geweht. - - - - -5. Rübezahl und der Bauer Veit. - - -Einen Bauer in der Amtspflege Reichenberg hatte ein böser Nachbar durch -einen Prozeß um Hab und Gut gebracht, und nachdem sich das Gericht seiner -letzten Kuh bemächtigt hatte, blieb ihm nichts übrig als ein abgehärmtes -Weib und ein halbes Dutzend Kinder. Zwar hatte er noch ein paar rüstige, -gesunde Arme, aber sie waren nicht hinreichend, sich und die Seinigen damit -zu ernähren. Es schnitt ihm durchs Herz, wenn die jungen Raben nach Brot -schrien und er nichts hatte, ihren quälenden Hunger zu stillen. - -»Mit hundert Talern,« sprach er zu dem kummervollen Weibe, »wäre uns -geholfen, unsern zerfallenen Haushalt wieder einzurichten und fern von dem -streitsüchtigen Nachbar ein neues Eigentum zu gewinnen. Du hast reiche -Vettern jenseits des Gebirges, ich will hin und ihnen unsere Not klagen; -vielleicht, daß sich einer erbarmet und aus gutem Herzen von seinem -Überfluß uns auf Zinsen leiht, so viel wir bedürfen.« - -Das niedergedrückte Weib willigte mit schwacher Hoffnung eines glücklichen -Erfolges in diesen Vorschlag, weil sie keinen besseren wußte. Der Mann aber -gürtete frühe seine Lenden und, indem er Weib und Kind verließ, sprach er -ihnen Trost ein: »Weinet nicht! Mein Herz sagt es mir, ich werde einen -Wohltäter finden, der uns helfen wird.« Hierauf steckte er eine harte -Brotrinde zur Zehrung in die Tasche und ging davon. - -Müde und matt von der Hitze des Tages und dem weiten Wege, gelangte er zur -Abendzeit in dem Dorfe an, wo die reichen Vettern wohnten; aber keiner -wollte ihn kennen, keiner wollte ihn beherbergen. Mit heißen Tränen klagte -er ihnen sein Elend; aber die hartherzigen Filze achteten nicht darauf, -kränkten den armen Mann mit Vorwürfen und beleidigenden Sprichwörtern. -Einer sprach: »Junges Blut, spar' dein Gut«; der andere: »Hoffart kommt vor -dem Fall«; der dritte: »Wie du's treibst, so geht's«; der vierte: »Jeder -ist seines Glückes Schmied.« So höhnten und spotteten sie seiner, nannten -ihn einen Prasser und Faulenzer und endlich stießen sie ihn sogar zur Tür -hinaus. Einer solchen Aufnahme hatte sich der arme Vetter von der reichen -Sippschaft seines Weibes nicht versehen, stumm und traurig schlich er von -dannen und weil er nichts hatte, um das Schlafgeld der Herberge zu -bezahlen, mußte er auf einem Heuschober im Felde übernachten. Hier wartete -er schlaflos des zögernden Tages, um sich auf den Heimweg zu begeben. - -Da er nun wieder ins Gebirge kam, überkam ihn Harm und Bekümmernis so sehr, -daß er der Verzweiflung nahe war. »Zwei Tage Arbeitslohn verloren,« dachte -er bei sich selber, matt und entkräftet von Gram und Hunger, ohne Trost, -ohne Hoffnung! Wenn du nun heimkehrst und die sechs Würmer dir -entgegenschmachten, ihre Hände aufheben, von dir Labsal zu begehren und du -für einen Bissen Brot ihnen einen Stein bieten mußt, Vaterherz! Vaterherz! -Wie kannst du's tragen! Brich entzwei, armes Herz, ehe du diesen Jammer -fühlst! Hierauf warf er sich unter einen Schlehenbusch, seinen -schwermütigen Gedanken weiter nachzuhängen. - -Wie aber am Rande des Verderbens die Seele noch die letzten Kräfte -anstrengt, ein Rettungsmittel auszukundschaften, Schutz oder Frist für den -hereinbrechenden Untergang zu suchen; gleich einem Bootsmann, der sein -Schiff sinken sieht, schnell die Strickleiter hinaufrennt, sich in den -Mastkorb zu bergen, oder wenn er unter Verdeck ist, aus der Luke springt, -in der Hoffnung, ein Brett oder eine ledige Tonne zu erhaschen, um sich -über Wasser zu halten: so verfiel unter tausend Anschlägen und Einfällen -der trostlose Veit auf den Gedanken, sich an den Geist des Gebirges in -seinem Anliegen zu wenden. Er hatte viel abenteuerliche Geschichten von ihm -gehört, wie er zuweilen die Reisenden geneckt und gefoppt, ihnen manchen -Streich und Schabernack gespielt, doch auch mitunter Gutes erwiesen habe. -Es war ihm nicht unbekannt, daß er sich bei seinem Spottnamen nicht -ungestraft rufen lasse; dennoch wußte er ihm auf keine andere Weise -beizukommen; also wagte er es auf eine Prügelei und rief so sehr er konnte: -»Rübezahl! Rübezahl!« - -Auf diesen Ruf erschien alsbald eine Gestalt gleich einem rußigen Köhler -mit einem fuchsroten Bart, der bis an den Gürtel reichte, feurigen, stieren -Augen und mit einer Schürstange bewaffnet, gleich einem Weberbaum, die er -mit Grimm erhob, den frechen Spötter zu erschlagen. - -»Mit Gunst, Herr Rübezahl,« sprach Veit ganz unerschrocken, »verzeiht, wenn -ich Euch nicht mit dem rechten Namen bezeichne, hört mich nur an, dann tut, -was Euch gefällt.« - -Diese dreiste Rede und die kummervolle Miene des Mannes, die weder auf -Mutwillen noch Vorwitz deutete, besänftigten den Zorn des Geistes etwas: - -»Erdenwurm,« sprach er, »was treibt dich, mich zu beunruhigen? Weißt du -auch, daß du mir mit Hals und Haut für deinen Frevel büßen mußt?« - -»Herr,« antwortete Veit, »die Not treibt mich zu Euch, habe eine Bitte, die -Ihr mir leicht gewähren könnt. Ihr sollt mir hundert Taler leihen, ich -zahle sie Euch mit landesüblichen Zinsen in drei Jahren wieder, so wahr ich -ehrlich bin!« - -»Tor,« sprach der Geist, »bin ich ein Wucherer, der auf Zinsen leiht? Gehe -hin zu deinen Menschenbrüdern und borge da so viel dir not tut, mich aber -laß in Ruhe.« - -»Ach!« erwiderte Veit, »mit der Menschenbrüderschaft ist's aus! Auf Mein -und Dein gilt keine Brüderschaft.« - -Hierauf erzählte er ihm seine Geschichte nach der Länge und schilderte ihm -sein drückendes Elend so rührend, daß ihm Rübezahl seine Bitte nicht -versagen konnte; und wenn der arme Tropf auch weniger Mitleid verdient -hätte, so schien doch dem Geist das Unterfangen, von ihm ein Kapital zu -leihen, so neu und sonderbar, daß er um des guten Zutrauens willen geneigt -war, des Mannes Bitte zu gewähren. - -»Komm, folge mir,« sprach er und führte ihn darauf waldeinwärts, in ein -abgelegenes Tal zu einem schroffen Felsen, dessen Fuß ein dichter Busch -bedeckte. - -Nachdem sich Veit neben seinem Begleiter mit Mühe durchs Gesträuch -gearbeitet hatte, gelangten sie zum Eingang einer finsteren Höhle. Dem -guten Veit war nicht wohl dabei zumute, da er so im Dunkeln tappen mußte; -es lief ihm ein kalter Schauer nach dem andern den Rücken herab und seine -Haare sträubten sich empor. Rübezahl hat schon manchen betrogen, dachte er, -wer weiß, was für ein Abgrund mir vor den Füßen liegt, in welchen ich beim -nächsten Schritt hinabstürze. Dabei hörte er ein fürchterliches Brausen als -eines Tagwassers, das sich in den tiefen Schacht ergoß. Je weiter er -fortschritt, je mehr engten ihm Furcht und Grausen das Herz ein. Doch bald -sah er zu seinem Trost in der Ferne ein blaues Flämmchen hüpfen, das -Berggewölbe erweiterte sich zu einem großen Saal, das Flämmchen brannte -hell und schwebte als ein Hängeleuchter in der Mitte der Felsenhalle. Auf -dem Pflaster fiel ihm eine kupferne Braupfanne in die Augen, mit lauter -harten Talern bis an den Rand gefüllt. - -Als Veit den Geldschatz erblickte, schwand alle seine Furcht dahin und das -Herz hüpfte ihm vor Freuden. - -»Nimm,« sprach der Geist, »was du bedarfst, es sei wenig oder viel, nur -stelle mir einen Schuldschein aus, wenn du überhaupt schreiben kannst.« - -Der Schuldner bejahte das und zählte sich gewissenhaft die hundert Taler -zu, nicht einen mehr und keinen weniger. Der Geist schien auf das -Zählungsgeschäft gar nicht zu achten, drehte sich weg und suchte indes -Feder und Tinte hervor. Veit schrieb den Schuldschein so bündig als ihm -möglich war; der Berggeist schloß ihn in einen eisernen Schatzkasten und -sagte zum Abschied: - -»Sieh hin, mein Freund, und nütze dein Geld mit arbeitsamer Hand. Vergiß -nicht, daß du mein Schuldner bist, und merke dir den Eingang ins Tal und -diese Felsenkluft genau! Sobald das dritte Jahr verflossen ist, zahlst du -mir Kapital und Zins zurück; ich bin ein strenger Gläubiger, hältst du -nicht ein, so fordere ich es mit Ungestüm.« - -Der ehrliche Veit versprach, auf den Tag richtig Zahlung zu leisten, -versprach's mit seiner biederen Hand, doch ohne Schwur; verpfändete nicht -seine Seele und Seligkeit, wie lose Bezahler zu tun pflegen, und schied mit -dankbarem Herzen von seinem Schuldherrn in der Felsenhöhle, aus der er -leicht den Ausgang fand. -- - -Die hundert Taler wirkten bei ihm mächtig auf Seele und Leib, daß ihm nicht -anders zumut war, als er das Tageslicht wieder erblickte, als ob er Balsam -des Lebens in der Felsenkluft eingesogen habe. Freudig und gestärkt an -allen Gliedern, schritt er nun seiner Wohnung zu und trat in die elende -Hütte, indem sich der Tag zu neigen begann. Sobald ihn die abgezehrten -Kinder erblickten, schrien sie ihm wie aus einem Munde entgegen: »Brot, -Vater, einen Bissen Brot! Hast uns lange darben lassen.« Das abgehärmte -Weib saß in einem Winkel und weinte, fürchtete verzagt und kleinmütig das -Schlimmste und vermutete, daß der Angekommene wieder das alte traurige Lied -anstimmen werde. Er aber bot ihr freundlich die Hand, hieß sie Feuer -anschüren auf dem Herde; denn er trug Grütze und Hirse aus Reichenberg im -Zwerchsack, wovon die Hausmutter einen steifen Brei kochen mußte, daß der -Löffel darin stand. Nachher berichtete er von dem guten Erfolg seines -Geschäfts. - -»Deine Vettern,« sprach er, »sind gar rechtliche Leute; sie haben mir nicht -meine Armut vorgerückt, haben mich nicht verkannt oder mich schimpflich vor -der Tür abgewiesen, sondern mich freundlich beherbergt, Herz und Hand mir -geöffnet und hundert bare Taler vorschußweise auf den Tisch gezählt.« - -Da fiel dem guten Weibe ein schwerer Stein vom Herzen, der sie lange -gedrückt hatte. - -»Wären wir,« sagte sie, »eher vor die rechte Schmiede gegangen, so hätten -wir uns manchen Kummer ersparen können.« Hierauf rühmte sie ihre -Freundschaft, von welcher sie vorher so wenig Gutes erwartet hatte, und tat -recht stolz auf die reichen Vettern. - -Der Mann ließ ihr nach so vielen Drangsalen gern die Freude, die ihrer -Eitelkeit so schmeichelhaft war. Da sie aber nicht aufhörte, von den -reichen Vettern zu sprechen, und das viele Tage so forttrieb, wurde Veit -des Lobposaunens der Geizdrachen satt und müde und sprach zum Weibe: »Als -ich vor der rechten Schmiede war, weißt du, was mir der Meister Schmied für -eine weise Lehre gab?« - -Sie sprach: »Welche?« - -»Jeder, sagte er, sei seines Glückes Schmied, und man müsse das Eisen -schmieden, so lange es heiß sei; drum laß' uns nun die Hände rühren und -unserm Beruf fleißig obliegen, daß wir was vor uns bringen, in drei Jahren -den Vorschuß nebst Zinsen abzahlen können und aller Schuld quitt und ledig -seien.« - -Darauf kaufte er einen Acker und eine Wiese, dann wieder einen und noch -einen, dann eine ganze Hufe; es war Segen in Rübezahls Gelde, als wenn ein -Hecktaler darunter wäre. Veit säete und erntete, wurde schon für einen -wohlhabenden Mann im Dorfe gehalten, und sein Säckel besaß noch immer ein -kleines Kapital zur Erweiterung seines Eigentums. Im dritten Sommer hatte -er schon zu seiner Hufe ein Herrengut gepachtet, das ihm reichen Ertrag -brachte; kurz, er war ein Mann, dem alles, was er tat, zu gutem Glück -gedieh. - -Der Zahlungstag kam nun heran und Veit hatte so viel erübrigt, daß er ohne -Beschwerde seine Schuld abtragen konnte; er legte das Geld zurecht und an -dem bestimmten Tage war er früh auf, weckte das Weib und alle seine Kinder, -hieß sie waschen und kämmen und ihre Sonntagskleider anziehen, auch die -neuen Schuhe und die scharlachenen Mieder und Brusttücher, die sie noch -nicht auf den Leib gebracht hatten. Er selbst holte seinen Feiertagsrock -herbei und rief zum Fenster hinaus: »Hans, spann' an!« - -»Mann, was hast du vor?« fragte die Frau, »es ist heute weder Feiertag noch -Kirchweihfest, was macht dich so guten Mutes, daß du uns ein Wohlleben -bereitet hast, und wo gedenkst du uns hinzuführen?« - -Er antwortete: »Ich will mit euch die reichen Vettern jenseits des Gebirges -heimsuchen und dem Gläubiger, der mir durch seinen Vorschub wieder -aufgeholfen hat, Schuld und Zins bezahlen, denn heute ist der Zahltag.« - -Das gefiel der Frau wohl; sie putzte sich und die Kinder stattlich heraus, -und damit die reichen Vettern eine gute Meinung von ihrem Wohlstande -bekämen und sich ihrer nicht schämen dürften, band sie eine Schnur -gekrümmter Dukaten um den Hals. Veit rüttelte den schweren Geldsack -zusammen, nahm ihn zu sich, und da alles in Bereitschaft war, saß er auf -mit Frau und Kind. Hans peitschte die vier Hengste an und sie trabten mutig -über das Blachfeld nach dem Riesengebirge zu. - -Vor einem steilen Hohlwege ließ Veit den Rollwagen halten, stieg ab und -ließ die anderen ein Gleiches tun, dann gebot er dem Knechte: »Hans, fahr' -gemachsam den Berg hinan, oben bei den drei Linden sollst du unser warten, -und ob's auch ein wenig lange dauert, so laß dich's nicht anfechten, laß -die Pferde verschnaufen und einstweilen grasen; ich weiß hier einen -Fußpfad, er ist etwas um, doch lustig zu wandeln!« - -Darauf schlug er sich in Geleitschaft des Weibes und der Kinder waldein -durch dicht verwachsenes Gebüsch und spähte hin und her, die Frau meinte, -ihr Mann habe sich verirrt; sie ermahnte ihn darum, zurückzukehren und der -Landstraße zu folgen. - -Veit aber hielt plötzlich still, versammelte seine sechs Kinder um sich her -und redete also: »Du wähnst, liebes Weib, daß wir zu deiner Freundschaft -ziehen; dahin steht jetzt nicht mein Sinn. Deine reichen Vettern sind -Knauser und Schurken, die, als ich damals in meiner Armut Trost und -Zuflucht bei ihnen suchte, mich gefoppt, gehöhnet und mit Übermut von sich -gestoßen haben. -- Hier wohnt der reiche Vetter, dem wir unsern Wohlstand -verdanken, der mir aufs Wort das Geld geliehen, das in den drei Jahren in -meiner Hand so wohl gewuchert hat. Auf heute hat er mich herbeschieden, -Zins und Kapital ihm wieder zu erstatten. Wißt ihr nun, wer unser -Schuldherr ist? Der Herr vom Berge, Rübezahl genannt!« - -Das Weib entsetzte sich heftig über diese Rede, schlug ein Kreuz vor sich, -und die Kinder bebten und gebärdeten sich ängstlich vor Furcht und -Schrecken, daß sie der Vater vor Rübezahl führen wollte. Sie hatten viel in -den Spinnstuben von ihm gehört, daß er ein scheußlicher Riese und -Menschenfresser sei. Veit erzählte ihnen sein ganzes Abenteuer, wie ihm der -Berggeist in Gestalt eines Köhlers auf sein Rufen erschienen sei, und was -er mit ihm verhandelt in der Höhle habe, pries seine Mildtätigkeit mit -dankbarem Herzen und so inniger Rührung, daß ihm die warmen Tränen über die -Backen herabträufelten. - -»Wartet hier,« fuhr er fort, »jetzt geh' ich hin in die Höhle, mein -Geschäft auszurichten. Fürchtet nichts, ich werde nicht lange ausbleiben -und wenn ich's vom Gebirgsherrn erlangen kann, so bring' ich ihn zu euch. -Scheuet euch nicht, eurem Wohltäter treuherzig die Hand zu schütteln, ob -sie gleich schwarz und rußig ist; er tut euch nichts zuleide und freut sich -seiner guten Tat und unsers Danks gewiß! Seid nur beherzt, er wird euch -goldene Äpfel und Pfeffernüsse austeilen.« - -Ob nun gleich das bängliche Weib viel gegen die Wallfahrt in die -Felsenhöhle einzuwenden hatte und auch die Kinder jammerten und weinten, -sich um den Vater herlagerten und, da er sie auf die Seite schob, ihn an -den Rockfalten zurückzuziehen sich abmühten, so riß er sich doch mit Gewalt -von ihnen, drang in den dicht verwachsenen Busch und gelangte zu dem -wohlbekannten Felsen. Er fand alle Merkzeichen der Gegend wieder, die er -sich wohl ins Gedächtnis geprägt hatte; die alte halberstorbene Eiche, an -deren Wurzel die Kluft sich öffnete, stand noch, wie sie vor drei Jahren -gestanden hatte, doch von einer Höhle war keine Spur mehr vorhanden. Veit -versuchte auf alle Weise, sich den Eingang in den Berg zu eröffnen, er nahm -einen Stein, klopfte an den Felsen; er sollte, meinte er, sich auftun; er -zog den schweren Geldsack hervor, klingelte mit den harten Talern und rief, -so laut er nur konnte: »Geist des Gebirges, nimm hin, was dein ist!« Doch -der Geist ließ sich weder hören noch sehen. Also mußte sich der ehrliche -Schuldner entschließen, mit seinem Säckel wieder umzukehren. - -Sobald ihn das Weib und die Kinder von ferne erblickten, eilten sie ihm -freudevoll entgegen; er war mißmutig und sehr bekümmert, daß er seine -Zahlung nicht an seinen Gläubiger abliefern konnte, setzte sich zu den -Seinen auf einen Rasenrain und überlegte, was nun zu tun sei. - -Da fiel ihm sein altes Wagestück wieder ein. »Ich will,« sprach er, »den -Geist bei seinem Spottnamen rufen; wenn's ihn auch verdrießt, mag er mich -bläuen und zupfen, wie er Lust hat, wenigstens hört er auf diesen Ruf -gewiß.« Darauf schrie er aus Leibeskräften: »Rübezahl! Rübezahl!« Das -angstvolle Weib bat ihn, zu schweigen, und wollte ihm den Mund zuhalten; er -ließ sich aber nicht wehren und trieb's immer ärger. Plötzlich drängte sich -jetzt der jüngste Bube an die Mutter an und schrie bänglich: »Ach, der -schwarze Mann!« Getrost fragte Veit: »Wo?« »Dort lauscht er hinter jenem -Baume hervor.« Und alle Kinder krochen in einen Haufen zusammen, bebten vor -Furcht und schrien jämmerlich. Der Vater blickte hin und sah nichts; es war -Täuschung, nur ein leerer Schatten; kurz Rübezahl kam nicht zum Vorschein -und alles Rufen war umsonst. - - - -Die Familie trat nun den Rückweg an und Vater Veit ging ganz betrübt und -schwermütig auf der breiten Landstraße vor sich hin. Da erhob sich vom -Walde her ein sanftes Rauschen in den Bäumen, die schlanken Birken neigten -ihre Wipfel, das bewegliche Laub der Espen zitterte, das Brausen kam näher -und der Wind schüttelte die weitausgestreckten Äste der Steineichen, trieb -dürres Laub und Grashalme vor sich her, kräuselte im Weg kleine Staubwolken -empor. An diesem lustigen Spiel vergnügten sich die Kinder, die nicht mehr -an Rübezahl dachten, und haschten nach den Blättern, mit welchen der -Wirbelwind spielte. Unter dem dürren Laube wurde auch ein Blatt Papier über -den Weg geweht, auf welches einer der Knaben Jagd machte; doch wenn er -danach griff, hob es der Wind auf und führte es weiter, daß er's nicht -erlangen konnte. Darum warf er seinen Hut danach, der's endlich bedeckte; -weil's nun ein schöner, weißer Bogen war und der sparsame Vater jede -Kleinigkeit in seinem Haushalte zu nutzen pflegte, so brachte ihm der Knabe -den Fund, um sich ein kleines Lob zu verdienen. Als dieser das -zusammengerollte Papier aufschlug, um zu sehen, was es wäre, fand er, daß -es der Schuldbrief war, den er an den Berggeist ausgestellt hatte; er war -von oben herein zerrissen und unten stand geschrieben: »Zu Dank bezahlt.« - -Wie das Veit las, rührte es ihn tief in der Seele und er rief mit freudigem -Entzücken: »Freue dich, liebes Weib und ihr Kinder allesamt, freuet euch; -er hat uns gesehen, hat unsern Dank gehört, unser guter Wohltäter, der uns -unsichtbar umschwebte, weiß, daß Veit ein ehrlicher Mann ist. Ich bin -meiner Zusage quitt und ledig, nun laßt uns mit frohem Herzen heimkehren!« - -Eltern und Kinder weinten noch viele Tränen der Freude und des Dankes, bis -sie wieder zu ihrem Fuhrwerk gelangten, und weil die Frau groß Verlangen -trug, ihre Freundschaft heimzusuchen, um durch ihren Wohlstand die filzigen -Vettern zu beschämen, so rollten sie frisch den Berg hinab, gelangten in -der Abendstunde in das Dorf und hielten bei dem nämlichen Bauernhofe an, -aus welchem Veit vor drei Jahren hinausgestoßen worden war. Er pochte -diesmal ganz herzhaft und fragte nach dem Wirte. Es kam ein unbekannter -Mann zum Vorschein, der gar nicht zur Freundschaft gehörte; von diesem -erfuhr Veit, daß die reichen Vettern ausgewirtschaftet hatten. Der eine war -gestorben, der andere verdorben, der dritte davongegangen und ihre Stätte -ward nicht mehr gefunden in der Gemeinde. Veit übernachtete mit seiner -Familie bei dem gastfreien Hauswirt, der ihm und seinem Weibe das alles -weitläufiger erzählte. Tags darauf kehrte er in seine Heimat und an seine -Berufsgeschäfte zurück, nahm zu an Reichtum und Gütern und blieb ein -rechtlicher, wohlhabender Mann sein lebelang. - - - - -6. Der kleine Peter. - - -In dem Dorfe Krumhübel, welches im Riesengebirge unweit der Schneekoppe -liegt, wohnte ein armer Holzhacker. Er nährte sich und seine Familie, -bestehend in seiner Frau und seinem kleinen Knaben Peter, nur kümmerlich. -Da starb ihm eines Tages seine Frau. Da er beim Holzhacken im Walde sein -Brot verdienen mußte, so hätte er sich der Erziehung und Pflege seines -Knaben nicht widmen können, wenn nicht eine Anverwandte von ihm, die Muhme -aus Fischbach, sich bereit erklärt hätte, ihm die Wirtschaft zu führen und -den Knaben in Aufsicht zu nehmen. Peter war ein kleiner aufgeweckter, -allezeit fröhlicher Bursche, der immer vergnügt sein Liedchen trällerte und -wohlgemut auf- und absprang. Die Muhme aber war durch mancherlei schwere -Lebenserfahrungen verbittert, sah mürrisch und scheel auf das aufgeweckte -Treiben des Knaben herab und setzte ihm, so oft sie ihn erblickte, mit -Zanken, Keifen und harten Worten zu. - -Sie schwärzte Peter auch bei dem Vater an, wenn er am Abend aus dem Walde -zurückkam, und dann tanzte der Haselstock oft auf Peterchens Rücken und die -Beteuerungen der Unschuld halfen dem armen kleinen Schelm nichts. - -Die Folge davon war, daß Peter den Tag über möglichst das Haus floh und am -liebsten auf dem Felde draußen sich aufhielt, wo er im Sommer die bunten -Blumen im Getreide pflückte oder dem Gesange der Vögel lauschte. Wie -lieblich klang das in seinen Ohren; ganz anders als das mürrische Gezänk -der Alten im engen Hause. Im Winter freilich mußte er im Stübchen bleiben, -dann ging's ihm schlecht. Dann war seine einzige Freude, hinaus vor die -Haustür zu treten und den zirpenden Sperlingen und Meisen Krumen von seinem -Stück trockenen Schwarzbrotes zu streuen. Denn Peter hatte ein mildes Herz, -er erbarmte sich, wie alle Kinder im Winter tun sollten, der frierenden, -hungernden Vögel; und obwohl er sich selbst etwas von seinem Frühstück -entzog, hatte er doch seine helle Freude an den gefiederten Gästen, wenn -sie, ehe er vor die Tür trat, ihn ungeduldig lockten, als ob sie sein -Kommen erwarteten. - -Eines Abends kündete der Vater der Muhme an, daß am nächsten Sonntage ein -Bruder von ihm zum Besuch kommen werde. Die Muhme kaufte am nächsten Tage -einen großen Hecht und setzte ihn einstweilen in einem kleinen Fischkasten -in das Wasser, damit er nicht stürbe, ehe sie ihn schlachtete. - -»Du armes Tier,« sagte Peter, als er an dem Kasten vorüberkam, »in diesem -kleinen Raume sollst du leben und atmen, du wirst sterben, wenn dir die -Freiheit nicht bald wiedergegeben wird.« Von diesem Gedanken geleitet, -entnahm er dem Kasten den zappelnden Fisch und warf ihn in den Dorfbach. -Als nun tags darauf die Alte den Hecht schlachten wollte, da war er längst -von dannen geschwommen. Da sauste denn eine tüchtige Tracht Prügel auf -Peter hernieder und seine Freude über seine gute Tat sollte ihm bald -gründlich vergällt werden. - -»Habe ich dich denn, du nichtsnutziger Bursche, wieder einmal bei einem -Schabernack abgefaßt; nun warte nur, du Taugenichts, bis der Vater nach -Hause kommt, der soll dir den verlorenen Hecht mit dem Stocke wieder suchen -helfen.« Da gab's am Abend wieder hageldicke Hiebe und mit Weinen und -Schluchzen mußte Peter sein Lager aufsuchen. - -Als der Knabe am andern Morgen hinaus zum Spiel in den Wald gehen wollte, -rief ihm die Muhme kreischend nach: »Du Faulenzer, brauchst draußen nicht -umherzugaffen und dir die Sonne in den Mund scheinen zu lassen. Flugs nimm -den Sack hier, gehe hinaus auf die Getreidefelder und lies Ähren. Wage dich -aber nicht eher nach Hause, als bis du den Sack damit gefüllt hast.« -- - -Niedergeschlagen ging der Knabe auf das erste Kornfeld und suchte fleißig -Ähren auf, aber der Boden des Sackes war nach zwei Stunden kaum bedeckt. -Die fleißigen Ortsbewohner hatten auf dem Feld bereits Nachlese gehalten -und nur wenige Halme liegen gelassen. Auch auf den andern Feldern hatte er -denselben Erfolg und am Abend war der Sack noch nicht bis zur Hälfte -gefüllt. - -Die Sonne ging unter. Da traten dem kleinen Peter die Tränen in die Augen -und er wußte keinen Ausweg in seiner Not. - -»Warum weinst du, mein Sohn,« ließ sich plötzlich eine Stimme vernehmen und -ein alter Jägersmann stand an seiner Seite. - -Peter erzählte unter Tränen treuherzig sein Leid, wie die böse Muhme ihn -tagtäglich peinige und ihm das Leben sauer mache. - -»Dann müßte sie eine tüchtige Strafe erhalten, denn es ist grausam, dir -solche Aufträge zu erteilen, deren Ausführung unmöglich ist.« - -»Nein,« entgegnete der Knabe, »ich möchte nur, daß die Muhme einmal -fröhlich würde, den ganzen Tag lachte und vor Freude in die Luft spränge.« - -»Dann soll dir und ihr geholfen werden, mein Sohn,« war die Antwort des -Jägers. Er zog darauf ein kleines Pfeifchen hervor und pfiff so laut, daß -es in den Ohren gellte. Im Nu rauschte ein großer Schwarm Sperlinge -hernieder. Sie lasen die Halme mit ihren Schnäbeln auf, trugen sie auf ein -Häufchen zusammen und der Jäger wies darauf hin und sagte: »Hier, mein -Sohn, fülle den Sack damit an.« - -Peter gehorchte voller Freude und der Jäger legte hierauf den vollen Sack -auf seine Schulter, doch er war so leicht, als wenn gar nichts darin wäre. -Als er sich umwandte, seinem Wohltäter zu danken, war dieser verschwunden; -die Sperlinge aber begleiteten ihn bis ins Dorf und an ihrem Zwitschern -erkannte er, daß es seine Freunde vom Winter her waren. - -Die Muhme empfing ihn wieder mit mürrischem Gesicht, aber als sie ihm keine -Vorwürfe machte, meinte Peter, er habe sie versöhnt. - -Seine Annahme aber war ein Irrtum. Kaum graute der Morgen, so erschien die -Alte vor seinem Bett und rief laut: »Stehe fix auf und fang' ein Gericht -Fische im Teiche, daß ich sie deinem Vater, der krank geworden ist, kochen -kann. Kommst du mit leeren Händen zurück, so kann ich ihm nichts zu essen -geben und die Krankheit verschlimmert sich.« - -Peter nahm sein kleines Fischnetz und ging hinaus zum Teiche. Die Krankheit -des Vaters hatte ihn traurig gestimmt und er nahm sich vor, fleißig zu -fischen, um dem kranken Vater ein Gericht zu seiner Stärkung zu -verschaffen. Aber Stunde um Stunde verging, der Mittag kam und das Netz -blieb leer. Vor Angst weinend schaute er nach dem alten Jäger aus und -richtig! -- da stand er wieder am Bachesrand, der alte freundliche Mann. - -»Schon wieder Kummer, Peterchen, und Tränen im Auge, scheinst nahe ans -Wasser gebaut zu haben, oder hat dir die hartherzige Muhme wieder einen -Auftrag gegeben, der dir mißfällt,« begann der Jäger. - -»So ist's,« entgegnete der Knabe, »dies Netz voll Fische nach Hause zu -bringen, ist diesmal ihr Begehr.« - -Da pfiff der Jäger wieder auf seinem Pfeifchen. Da kam ein großer Hecht -herangeschwommen und trieb eine Menge kleiner Fische vor sich her, die -schlüpften alle in das Netz und Peter mußte es mehrmals ausleeren. Helle -Freude ging über sein Gesicht und mit inniger Freude dankte er seinem -Wohltäter. - -»Kennst du aber dort den großen Fisch nicht mehr? Es ist derselbe, den du -aus dem Fischkasten genommen und in den Bach getragen hast.« - -Verwundert schaute Peter dem Fische so lange als möglich nach, der jetzt -langsam im Teiche hinschwamm. Wieder war der rätselhafte Jägersmann -verschwunden und Peter lief glücklich und hocherfreut nach Hause; von dem -Fange konnte sich der Vater viele Tage lang satt essen. - -Als der Knabe die Aufträge der Muhme pünktlich ausgeführt hatte, beschlich -sie tödlicher Haß auf den Knaben und schon am andern Morgen hatte sie eine -neue Bosheit ersonnen. Sie wollte den Knaben gar zu gern los sein. Darum -herrschte sie ihn an: »Flugs, eile dich, deines Vaters Krankheit ist -ernster geworden, hier kann nur noch eine Pflanze, das Wurzelmännchen -genannt, helfen. Aber es wächst nur auf jenem Teil des Gebirges, wo der -Herr des Gebirges, Rübezahl, haust. Ruf' ihn und wenn er erscheint, so -bitte ihn um das Wurzelmännchen für deinen kranken Vater. Bleib aber so -lange im Gebirge und ruf ihn, bis er deine Bitte gewährt.« Dabei dachte sie -in ihrem arglistigen Herzen: »Nun bin ich den verwünschten Jungen los, denn -Rübezahl wird ihm den Hals umdrehen, wenn er ihn bei seinem Spottnamen -ruft.« - -Peter ergriff seinen Stab, pfiff sich ein lustiges Liedlein und trabte -wohlgemut dem Gebirge zu. Wohl hatte er von seinen Schulkameraden allerlei -Schauergeschichten von »Herrn Johannes«, wie sich Rübezahl selbst -bezeichnete, gehört, doch tröstete er sich mit der Überzeugung, daß auch -der Berggeist ihn nicht mehr Leides antun könne als die böse Muhme daheim. - -Eben wollte er, auf einer Anhöhe des Gebirges angekommen, seinen Mund zu -einem kräftigen »Rübezahl, Rübezahl!« öffnen, als eine Stimme hinter ihm -rief: »Nun, mein Peterchen, willst wohl verreisen? Oder hat dir die Muhme -den Laufpaß gegeben; willst du den alten kranken Vater verlassen?« - -»Nein,« antwortete der Knabe dem freundlichen Jäger -- denn dieser war es ---, »denkt Euch, ich soll Rübezahl aufsuchen und von ihm ein Wurzelmännchen -holen, davon wird der Vater gesund werden, sagt die Muhme.« - -»Aber fürchtest du dich nicht vor dem mächtigen Berggeist?« - -»Bewahre, wie wird er wohl! Der straft Leute, die ihn verhöhnen, ich aber -komme, daß er meinem kranken Vater helfen soll. Und wenn dabei ein paar -Püffe und Schläge abfallen, so sind sie mir nichts Neues, denn sie sitzen -in der Hand der Muhme immer gewaltig locker.« - -Belustigt entgegnete der fremde Jägersmann. »Du bist ein Prachtkerl, -kleiner Peter, aber vielleicht wird dir dein Rufen nichts helfen, der -Berggeist ist zuweilen verreist. Wir Forstleute bringen unsere Zeit meist -im Walde zu und kennen alle Kräuter und Wurzeln und sind wohlvertraut mit -ihren heilenden Wirkungen. Hier hast du ein Wurzelmännchen, hänge es deinem -Vater um den Hals, so wird er gesund werden.« - -Der Fremde verschwand vor Peters Augen. Dieser aber eilte, das -Wurzelmännchen fest in der Hand haltend, in seine väterliche Behausung. - -Die Muhme kam ihm schon in der Tür entgegen mit einem gar grimmigen Gesicht -und murmelte: »Unkraut vergeht nicht.« Da hielt ihr Peter den Wurzelmann -grade vor die Nase. Es war ein wunderliches Geschöpf mit dickem, boshaft -grinsendem Kopf und einem daran hängenden langen Zopf, dessen Länge -diejenige des ganzen Männchens bei weitem übertraf. In demselben -Augenblick, als der Knabe der Alten den Wurzelmann zeigt, ging mit dieser -eine wunderbare Wandlung vor, sie lachte und sprang hoch in die Luft vor -ausgelassener Freude den ganzen Tag über, so daß sie am Abend müde und -zerschlagen war von allem Toben und Tanzen. Aus Angst, daß sich diese -Vorgänge wiederholen würden, schnürte sie ihr Bündel und verschwand aus dem -Dorfe. - -Da fiel es dem kleinen Peter wieder ein, wie er gegen den Jägersmann, als -er ihm das erstemal begegnete, geäußert hatte, er wünsche, daß die Muhme -einen ganzen Tag lachen und springen müsse, und nun kam ihm die Erkenntnis, -daß Rübezahl selbst ihm unter jener Gestalt erschienen sei und dieser ihm -die Ähren, die Fische und das Wurzelmännchen geschenkt habe. - -Peter hatte nun gute Tage, denn der Vater wurde wieder gesund. Er ging mit -ihm fleißig auf die Arbeit und half ihm mit Rat und Tat, so daß sie bald -rüstig vorwärts kamen und der Vater viel Freude an seinem Sohn erlebte. Die -Muhme aber soll vor Neid und Mißgunst gestorben sein. - - - - -7. Glaser Steffen und sein Weib Ilse. - - -So sehr sich's auch der Bauer Veit, dessen Erlebnis wir früher behandelten, -hatte angelegen sein lassen, den wahren Ursprung seines Glückes zu -verhehlen, um nicht ungestüme Bittsteller anzureizen, den Berggeist um -ähnliche Spenden mit dreister Zudringlichkeit zu überlaufen, so wurde die -Sache doch endlich ruchbar; denn wenn das Geheimnis des Mannes der Frau -zwischen den Lippen schwebt, weht es das kleinste Lüftchen fort, wie eine -Seifenblase vom Strohhalm. Veits Frau vertraut's einer verschwiegenen -Nachbarin, diese ihrer Gevatterin, diese ihrem Herrn Paten, dem -Dorfbarbier, dieser allen seinen Bartkunden; so kam's im Dorfe und hernach -im ganzen Kirchspiele herum. Da spitzten die verdorbenen Hauswirte, die -Lungerer und Müßiggänger das Ohr, zogen scharenweise ins Gebirge, reizten -den Berggeist durch Zurufe und beschworen ihn, zu erscheinen. Zu ihnen -gesellten sich Schatzgräber und Landstreicher, die das Gebirge -durchkreuzten, allenthalben in die Erde gruben und den Schatz in der -Braupfanne zu heben vermeinten. Rübezahl ließ sie eine Zeitlang ihr Wesen -treiben, wie sie Lust hatten, achtete es der Mühe nicht wert, sich über die -Kerle zu erzürnen, trieb nur seinen Spott mit ihnen, ließ zur Nachtzeit da -und dort ein blaues Flämmchen auflodern und wenn die Laurer kamen, ihre -Hüte und Mützen darauf warfen, ließ er sie manchen schweren Geldtopf -ausgraben, den sie mit Freude heimtrugen, neun Tage lang stillschweigend -verwahrten, und wenn sie nun hinkamen, den Schatz zu besehen, fanden sie -Unrat im Topf oder Scherben und Steine. Gleichwohl ermüdeten sie nicht, das -alte Spiel wieder anzufangen und neuen Unfug zu treiben. Darüber wurde der -Geist endlich unwillig, stäupte das lose Gesindel durch einen kräftigen -Steinhagel aus seinem Gebiete hinaus und wurde gegen alle Wanderer so -barsch und ärgerlich, daß keiner ohne Furcht das Gebirge betrat, auch -selten ohne Staupe entrann und der Name Rübezahl wurde nicht mehr gehört im -Gebirge seit Menschengedenken. - -Eines Tages sonnte sich der Berggeist an der Hecke seines Gartens; da kam -ein Weib ihres Weges daher in großer Unbefangenheit, die durch ihren -sonderbaren Aufzug seine Aufmerksamkeit auf sich zog. Sie hatte ein Kind an -der Brust liegen, eines trug sie auf dem Rücken, eines leitete sie an der -Hand und ein etwas größerer Knabe trug einen leeren Korb nebst einem -Rechen; denn sie wollte eine Last Laub fürs Vieh laden. Eine Mutter, dachte -Rübezahl, ist doch wahrlich ein gutes Geschöpf, schleppt sich mit vier -Kindern, wartet dabei ihres Berufs ohne Murren und wird sich noch mit der -Bürde des Korbes belasten müssen. - -Diese Betrachtung versetzte ihn in eine gutmütige Stimmung, die ihn geneigt -machte, sich mit der Frau in Unterredung einzulassen. Sie setzte ihre -Kinder auf den Rasen und streifte Laub von den Büschen; indes wurde den -Kleinen die Zeit lang und sie fingen an, heftig zu schreien. Alsbald -verließ die Mutter ihre Geschäfte, spielte und tändelte mit den Kindern, -nahm sie auf, hüpfte mit ihnen singend und scherzend herum, wiegte sie in -Schlaf und ging wieder an ihre Arbeit. - -Bald darauf stachen die Mücken die kleinen Schläfer, sie fingen ihre -Schreierei von neuem an; die Mutter wurde darüber nicht ungeduldig, sie -lief ins Holz, pflückte Erdbeeren und Himbeeren und legte das kleinste Kind -an die Brust. Diese mütterliche Behandlung gefiel Rübezahl ungemein wohl. -Allein der Schreier, der vorher auf der Mutter Rücken ritt, wollte sich -durch nichts beruhigen lassen, er war ein störrischer, eigensinniger Junge, -der die Erdbeeren, die ihm die liebreiche Mutter darreichte, von sich warf -und dazu schrie, als wenn er am Spieß stäke. Darüber riß ihr doch endlich -die Geduld: »Rübezahl,« rief sie, »komm' und friß mir den Schreier!« - -Sofort stand der Berggeist in der Gestalt eines Köhlers vor dem Weibe und -sprach: »Hier bin ich, was ist dein Begehr?« Die Frau geriet über diese -Erscheinung in großen Schrecken; da sie aber ein frisches, herzhaftes Weib -war, sammelte sie sich bald und faßte Mut. »Ich rief dich nur,« sprach die -Mutter Ilse, »meine Kinder schweigsam zu machen; nun sie ruhig sind, bedarf -ich deiner nicht, sei bedankt für deinen guten Willen.« »Weißt du auch,« -entgegnete der Geist, »daß man mich hier nicht ungestraft ruft? Ich halte -dich beim Worte, gib mir deinen Schreier, daß ich ihn fresse; so ein -leckerer Bissen ist mir lange nicht vorgekommen.« - -Darauf streckte er die rußige Hand aus, den Knaben in Empfang zu nehmen. - -Wie eine Gluckhenne, wenn der Hühnerhabicht hoch über dem Dache in den -Lüften schwebt oder der schäkerhafte Spitz auf dem Hofe hetzt, mit -ängstlichem Glucksen vorerst ihre Küchlein in den sichern Hühnerkorb lockt, -dann ihr Gefieder emporsträubt, die Flügel ausbreitet und mit dem stärkeren -Feinde einen ungleichen Kampf beginnt, so fiel das Weib dem schwarzen -Köhler wütig in den Bart, ballte die kräftige Faust und rief: »Ungetüm, das -Mutterherz mußt du mir erst aus dem Leibe reißen, eh' du mir mein Kind -raubst.« - -Eines so mutvollen Angriffs hatte sich Rübezahl nicht versehen, er wich -gleichsam schüchtern zurück; dergleichen handfeste Erfahrung in der -Menschenkunde war ihm noch nie vorgekommen. Er lächelte das Weib freundlich -an: »Entrüste dich nicht! Ich bin kein Menschenfresser, wie du wähntest, -will dir und deinen Kindern auch kein Leides tun; aber laß mir den Knaben; -der Schreier gefällt mir, ich will ihn halten wie einen Junker, will ihn in -Samt und Seide kleiden und einen wackern Kerl aus ihm ziehen, der Vater und -Brüder einst nähren soll. Fordere hundert Schreckenberger,[A] ich zahle sie -dir.« - -[Fußnote A: Eine alte sächsische Silbermünze, nach heutigem Gelde etwa 25 -Pfennige im Werte.] - -»Ha!« lachte das rasche Weib, »gefällt Euch der Junge? Ja, das ist ein -Junge wie'n Daus, der wäre mir nicht um aller Welt Schätze feil.« - -»Törin!« versetzte Rübezahl, »hast du nicht noch drei Kinder, die dir Last -und Überdruß machen! Mußt sie kümmerlich nähren und dich mit ihnen plagen -Tag und Nacht.« - -»Wohl wahr, aber dafür bin ich Mutter und muß tun, was meines Berufes ist. -Kinder machen Überlast, aber auch manche Freude.« - -»Schöne Freude, sich mit den Bälgen tagtäglich zu schleppen, sie zu -gängeln, zu säubern, ihre Unart und ihr Geschrei zu ertragen!« - -»Wahrlich, Herr, Ihr kennt die Mutterfreuden wenig. Alle Arbeit und Mühe -versüßt ein einziger freundlicher Anblick, das holde Lächeln und Lallen der -kleinen unschuldigen Würmer. -- Seht mir nur den Goldjungen da, wie er an -mir hängt, der kleine Schmeichler! Nun ist er's nicht gewesen, der -geschrien hat. -- Ach, hätte ich doch hundert Hände, die euch heben und -tragen und für euch arbeiten könnten, ihr lieben Kleinen!« - -»So! Hat denn dein Mann keine Hände, die arbeiten können?« - -»O ja, die hat er! Er rührt sie auch, und ich fühl's zuweilen.« - -»Wie? Dein Mann erkühnt sich, die Hand gegen dich aufzuheben? Gegen solch -ein Weib? Das Genick will ich ihm brechen, dem Mörder!« - -»Da hättet Ihr traun viel Hälse zu brechen, wenn alle Männer mit dem Halse -büßen sollten, die sich an der Frau vergreifen. Die Männer sind eine -schlimme Nation; drum heißt's: Eh'stand, Weh'stand; muß mich drein ergeben, -warum hab' ich gefreit.« - -»Nun ja, wenn du wußtest, daß die Männer eine schlimme Nation sind, so -war's auch ein dummer Streich, daß du freitest.« - -»Möglich! Aber Steffen war ein flinker Kerl, der guten Erwerb hatte und ich -eine arme Dirne ohne Heiratsgut. Da kam er zu mir, begehrte mich zur Eh', -gab mir einen Wildemannstaler auf den Kauf und der Handel war gemacht. -Nachher hat er mir den Taler wieder abgenommen, aber den wilden Mann hab' -ich noch.« - -Der Geist lächelte: »Vielleicht hast du ihn wild gemacht durch deinen -Starrsinn.« - -»Oh, den hat er mir schon ausgetrieben! Aber Steffen ist ein Knauser; wenn -ich ihm einen Groschen abfordere, so rasaunt er im Hause ärger als Ihr zu -Zeiten im Gebirge, wirft mir meine Armut vor und da muß ich schweigen. Wenn -ich ihm eine Aussteuer zugebracht hätte, wollt' ich ihm schon den Daumen -aufs Auge halten.« - -»Was treibt dein Mann für ein Gewerbe?« - -»Er ist Glashändler, muß sich seinen Erwerb auch lassen sauer werden; -schleppt da der arme Tropf die schwere Bürde aus Böhmen herüber jahraus, -jahrein; wenn ihm nun unterwegs ein Glas zerbricht, muß ich's und die armen -Kinder freilich entgelten; aber ich ertrag's.« - -»Du kannst den Mann noch lieben, der dir so übel mitspielt?« - -»Warum nicht lieben? Ist er nicht der Vater meiner Kinder? Die werden alles -gut machen und uns wohl lohnen, wenn sie groß sind.« - -»Leidiger Trost! Die Kinder danken auch der Eltern Müh' und Sorgen! Die -Jungen werden dir noch den letzten Heller auspressen, wenn sie der Kaiser -zum Heere schickt ins ferne Ungarland, daß die Türken sie erschlagen.« - -»Ei nun, das kümmert mich auch nicht; werden sie erschlagen, so sterben sie -für den Kaiser und fürs Vaterland in ihrem Beruf; können aber auch Beute -machen und die armen Eltern pflegen.« - -Hierauf erneuerte der Geist den Knabenhandel nochmals; doch das Weib -würdigte ihn keiner Antwort, raffte das Laub in den Korb, band oben drauf -den kleinen Schreier mit der Leibschnur fest und Rübezahl wandte sich, als -wollte er weitergehen. Weil aber die Bürde zu schwer war, daß das Weib -nicht aufkommen konnte, rief sie ihn zurück: »Ich hab' Euch einmal -gerufen,« sprach sie, »helft mir nun auch auf, und wenn Ihr ein übriges tun -wollt, so schenkt dem Knaben, der Euch gefallen hat, ein -Gutfreitagsgröschel[A] zu einem Paar Semmeln; morgen kommt der Vater heim, -der wird uns Weißbrot aus Böhmen mitbringen.« Der Geist antwortete: -»Aufhelfen will ich dir wohl; aber gibst du mir den Knaben nicht, so soll -er auch keine Spende haben.« »Auch gut!« versetzte die Frau und ging ihres -Weges. - -[Fußnote A: Eine schlesische Münze, einen Dreier an Wert, welche ehedem die -Fürsten von Liegnitz prägen und auf den Karfreitag an die Armen zum Almosen -verteilen ließen.] - -Je weiter sie ging, je schwerer wurde der Korb, daß sie unter der Last -schier erlag und alle zehn Schritte verschnaufen mußte. Das schien ihr -nicht mit rechten Dingen zuzugehen; sie wähnte, Rübezahl habe ihr einen -Possen gespielt und eine Last Steine unter das Laub geschmuggelt; darum -setzte sie den Korb ab auf dem nächsten Rande und stürzte ihn um. Doch es -fielen eitel Laubblätter heraus und keine Steine. Also füllte sie ihn -wieder zur Hälfte und raffte noch so viel Laub in die Schürze, als sie -darein fassen konnte; aber bald war ihr die Last von neuem zu schwer und -sie mußte nochmals ausleeren, welches die rüstige Frau groß wunder nahm; -denn sie hatte gar oft hochgeschichtete Graslasten heimgetragen und solche -Mattigkeit noch nie gefühlt. Demungeachtet beschickte sie bei ihrer -Heimkunft den Haushalt, warf den Ziegen und den jungen Zicklein das Laub -vor, gab den Kindern das Abendbrot, brachte sie in Schlaf, betete ihren -Abendsegen und schlief flugs und fröhlich ein. - -Die frühe Morgenröte und der wache Säugling, der mit lauter Stimme sein -Frühstück verlangte, weckten das geschäftige Weib zu ihrem Tagewerk aus dem -gesunden Schlaf. Sie ging zuerst mit dem Melkeimer ihrer Gewohnheit nach -zum Ziegenstalle. Welch schreckensvoller Anblick! Das gute, nahrhafte -Haustier, die alte Ziege, lag da hart und steif, hatte alle viere von sich -gestreckt und war verschieden; die Zicklein aber verdrehten die Augen -gräßlich im Kopfe, steckten die Zunge von sich und gewaltsame Zuckungen -verrieten, daß sie der Tod ebenfalls schüttele. So ein Unglücksfall war der -guten Frau noch nicht begegnet, seitdem sie wirtschaftete; ganz betäubt von -Schreck sank sie auf ein Bündlein Stroh hin, hielt die Schürze vor die -Augen, denn sie konnte den Jammer der sterbenden Tiere nicht ansehen und -seufzte tief: »Ich unglückliches Weib, was fang' ich an! Und was wird mein -harter Mann beginnen, wenn er nach Hause kommt? Ach, hin ist mein ganzer -Gottessegen auf dieser Welt!« -- - -Augenblicklich strafte sie das Herz dieses Gedankens wegen. »Wenn das liebe -Vieh dein ganzer Gottessegen ist auf dieser Welt, was ist denn Steffen und -was sind deine Kinder?« Sie schämte sich ihrer Übereilung; laß fahren dahin -aller Welt Reichtum, dachte sie, hast du doch noch deinen Mann und deine -vier Kinder. Wenn's auch einen Strauß mit Steffen setzt und er mich übel -schlägt, was ist's mehr als ein böses Stündlein? Habe ich doch nichts -verwahrlost. Die Ernte steht bevor, da kann ich schneiden gehen und auf den -Winter will ich spinnen bis in die tiefe Mitternacht; eine Ziege wird ja -wohl wieder zu erwerben sein und habe ich die, so wird's auch nicht an -Zicklein fehlen. - -Indem sie das bei sich dachte, ward sie wieder frohen Mutes, trocknete ihre -Tränen ab und wie sie die Augen aufhob, lag da vor ihren Füßen ein -Blättlein, das flitterte und blinkte so hell, so hochgelb wie gediegen -Gold. Sie hob es auf, besah's und es war schwer wie Gold. Rasch sprang sie -auf, lief damit zu ihrer Nachbarin, der Trödlersfrau, zeigte ihr den Fund -mit großer Freude und diese erkannte es für reines Gold, handelte es ihr ab -und zählte ihr dafür zwei Dicktaler bar auf den Tisch. Vergessen war nun -all ihr Herzeleid. Solchen Schatz an Barschaft hatte das arme Weib noch nie -im Besitz gehabt. Sie lief zum Bäcker, kaufte Stietzel und Butterkringel -und eine Hammelkeule für Steffen, die sie zurichten wollte, wenn er müde -und hungrig auf den Abend von der Reise käme. Wie zappelten die Kleinen der -fröhlichen Mutter entgegen, da sie hereintrat und ihnen ein so ungewohntes -Frühstück austeilte! Sie überließ sich ganz der mütterlichen Freude, die -hungrige Kinderschar satt zu machen und nun war ihre erste Sorge, das ihrer -Meinung nach von einer Hexe verzauberte Vieh beiseite zu schaffen und -dieses häusliche Unglück vor dem Manne so lange als möglich zu -verheimlichen. Aber ihr Erstaunen ging über alles, als sie von ungefähr in -den Futtertrog sah und einen ganzen Haufen goldener Blätter darin -erblickte. Da schärfte sie geschwind das Küchenmesser, öffnete den Leib der -Ziege und fand im Magen einen Klumpen Gold, so groß als ein großer Apfel -und so auch nach Verhältnis in den Magen der Zicklein. - -Jetzt wußte sie ihres Reichtums kein Ende; doch damit empfand sie auch die -drückenden Sorgen desselben; sie wurde unruhig, scheu, fühlte Herzklopfen, -wußte nicht, ob sie den Schatz in die Lade verschließen oder in die Erde -vergraben sollte, fürchtete Diebe und Schatzgräber, wollte auch den Knauser -Steffen nicht gleich alles wissen lassen aus gerechter Besorgnis, daß er, -vom Wuchergeist angetrieben, den Mammon an sich nehmen und sie dennoch -nebst den Kindern darben lassen möchte. Sie sann lange, wie sie's klug -damit anstellen könnte und fand keinen Rat. - -Der Pfarrer im Dorfe nahm sich aller Bedrängten gern an und stand seinen -Pfarrkindern mit Rat und Tat zur Seite. Ungerechtigkeiten duldete er nicht -in der Gemeinde und auch den mürrischen Steffen hatte er schon wiederholt -zur Rede gestellt. Zu ihm nahm das Weib ihre Zuflucht, berichtete ihm -unverhohlen das Abenteuer mit Rübezahl, wie er ihr zu großem Reichtum -verholfen und was sie dabei für Anliegen habe und bezeugte auch die -Wahrheit der Sache mit dem ganzen Schatze, den sie bei sich trug. Der -Pfarrer wunderte sich aufs höchste über die Begebenheit, freute sich aber -zugleich über das Glück des armen Weibes und rückte darauf sein Käpplein -hin und her, für sie guten Rat zu suchen, um ohne Spuk und Aufsehen sie im -ruhigen Besitz ihres Reichtums zu erhalten und auch Mittel aufzufinden, daß -der zähe Steffen sich desselben nicht bemächtigen könnte. - -Nachdem er lange überlegt hatte, redete er also: »Hör' an, meine Tochter, -ich weiß guten Rat für alles. Wäge mir das Gold zu, daß ich dir's treulich -aufbewahre; dann will ich einen Brief schreiben in welscher Sprache, der -soll dahin lauten: Dein Bruder, der vor Jahren in die Fremde ging, sei in -der Venediger Dienst nach Indien geschifft und daselbst gestorben und habe -all sein Gut dir im Testament vermacht, mit dem Beding, daß der Pfarrer des -Kirchspiels dich bevormunde, damit es dir allein und keinem andern zunutze -komme. Ich begehre weder Lohn noch Dank von dir; nur gedenke, daß du der -heiligen Kirche einen Dank schuldig bist für den Segen, den dir der Himmel -beschert hat, und gelobe ein reiches Meßgewand in die Sakristei.« Dieser -Rat behagte dem Weibe herrlich; sie gelobte dem Pfarrer das Meßgewand; er -wog in ihrem Beisein das Gold gewissenhaft bis auf ein Quentchen aus, legte -es in den Kirchenschatz und das Weib schied mit frohem und leichtem Herzen -von ihm. - -Rübezahl haßte das ganze Geschlecht um eines Mädchens willen, das ihn -überlistet hatte, ob ihn gleich seine Laune zuweilen auf den milden Ton -stimmten, ein einzelnes Weiblein in Schutz zu nehmen und ihr gefällig zu -sein. So sehr die wackere Frau des Glasers mit ihren Gesinnungen und -Benehmen seine Gewogenheit erworben hatte, so ungehalten war er auf den -barschen Steffen und trug großes Verlangen, das biedere Weib an ihm zu -rächen, ihm einen Possen zu spielen, daß ihm angst und weh dabei würde, und -ihn dadurch so zahm zu machen, daß er der Frau untertan würde und sie ihm -nach Wunsche den Daumen aufs Auge halten könne. Zu diesem Behufe sattelte -er den raschen Morgenwind, saß auf und galoppierte über Berg und Tal, -spionierte wie ein Kundschafter auf allen Landstraßen und Kreuzwegen von -Böhmen umher und wo er einen Wanderer erblickte, der eine Bürde trug, war -er hinter ihm her und forschte nach seiner Ladung. Zum Glück führte kein -Wanderer, der diese Straße zog, Glaswaren, sonst hätte er für Schaden und -Spott nicht sorgen dürfen, ohne einen Ersatz zu hoffen, wenn er auch gleich -der Mann nicht gewesen wäre, den Rübezahl suchte. - -Bei diesen Anstalten konnte ihm der schwer beladene Steffen allerdings -nicht entgehen. Um die Vesperzeit kam ein rüstiger, frischer Mann -angeschritten, mit einer großen Bürde auf dem Rücken. Unter seinem festen, -sicheren Tritt ertönte jedesmal die Last, die er trug. Rübezahl freute -sich, sobald er ihn von der Ferne witterte, daß ihm nun seine Beute gewiß -war und rüstete sich, seinen Meisterstreich auszuführen. Der keuchende -Steffen hatte beinahe das Gebirge erstiegen; nur die letzte Anhöhe war noch -zu gewinnen, so ging es bergab nach der Heimat zu, darum sputete er sich, -den Gipfel zu erklimmen; aber der Berg war steil und die Last war schwer. -Er mußte mehr als einmal ruhen, stützte den knotigen Stab unter den Korb, -um das drückende Gewicht zu mindern, und trocknete den Schweiß, der ihm in -großen Tropfen vor der Stirn stand. Mit Anstrengung der letzten Kräfte -erreichte er endlich die Zinne des Berges und ein schöner gerader Pfad -führte zu dessen Abhang. - -Mitten am Wege lag ein abgesägter Fichtenbaum und der Überrest des Stammes -stand daneben, kerzengerade und aufrecht, oben geebnet wie ein Tischblatt. -Ringsumher grünten in großen Mengen Gräser und Kräuter. Dieser Anblick war -dem ermüdeten Lastträger so anlockend und zu einem Ruheplatz so bequem, daß -er alsbald den schweren Korb auf den Klotz absetzte und sich gegenüber im -Schatten auf das weiche Gras streckte. Hier übersann er, wieviel reinen -Gewinn ihm seine Ware diesmal einbringen würde und fand nach genauem -Überschlag, daß, wenn er keinen Groschen ins Haus verwendete und die -fleißige Hand seines Weibes für Nahrung und Kleidung sorgen ließe, er -gerade so viel lösen würde, um auf dem Markte zu Schmiedeberg sich einen -Esel zu kaufen und zu befrachten. Der Gedanke, wie er in Zukunft dem -Grauschimmel die Last aufbürden und gemächlich nebenher gehen würde, war -ihm zu der Zeit, wo seine Schultern eben wund gedrückt waren, so -herzerquickend, daß er ihm, wie es bei frohen Zukunftsbildern sehr -natürlich ist, weiter nachging. Ist einmal der Esel da, dachte er, so soll -mir bald ein Pferd draus werden, und hab' ich nun den Rappen im Stalle, so -wird sich auch ein Acker dazu finden, darauf sein Hafer wächst. Aus einem -Acker werden dann leicht zwei, aus zweien vier, mit der Zeit eine Hufe und -endlich ein Bauerngut und dann soll Ilse auch einen neuen Rock haben. - -Er war mit seinen Plänen beinahe so weit fertig, da tummelte Rübezahl -seinen Wirbelwind um den Holzklotz herum und stürzte mit einemmal den -Glaskorb herunter, daß der zerbrechliche Kram in tausend Stücke zerfiel. -Das war ein Donnerschlag in Steffens Herz; zugleich vernahm er in der Ferne -ein lautes Gelächter, wenn's anders nicht Täuschung war und das Echo den -Laut der zerschellten Gläser nur wiedergab. Er nahm's für Schadenfreude, -und weil ihm der unmäßige Windstoß unnatürlich schien, auch, da er recht -zusah, Klotz und Baum verschwunden waren, so riet er leicht auf den -Unglücksstifter. »Oh!« wehklagte er, »Rübezahl, du Schadenfroh, was habe -ich dir getan, daß du mein Stückchen Brot mir nimmst, meinen sauren Schweiß -und Blut! Ach, ich geschlagener Mann auf Lebenszeit!« Hierauf geriet er in -eine Art von Wut, stieß alle erdenklichen Schmähreden gegen den Berggeist -aus, um ihn zum Zorn zu reizen. »Halunke,« rief er, »komm und erwürge mich, -nachdem du mir mein alles auf der Welt genommen hast!« In der Tat war ihm -auch das Leben in dem Augenblick nicht mehr wert als ein zerbrochen Glas; -Rübezahl ließ indessen weiter nichts von sich sehen noch hören. - - - -Der verarmte Steffen mußte sich entschließen, wenn er nicht den leeren Korb -nach Hause tragen wollte, die Bruchstücke zusammenzulesen, um auf der -Glashütte wenigstens ein paar Spitzgläser zum Anfang eines neuen Gewerbes -dafür einzutauschen. Tiefsinnig wie ein Schiffsherr, dessen Schiff der -gefräßige Ozean mit Mann und Maus verschlungen hat, ging er das Gebirge -hinab, schlug sich mit tausend schwermütigen Gedanken, machte zwischendrein -dennoch auch allerlei Pläne, wie er den Schaden ersetzen und seinem Handel -wieder aufhelfen könne. Da fielen ihm die Ziegen ein, die seine Frau im -Stalle hatte; doch sie liebte sie schier wie ihre Kinder und im Guten, -wußte er, waren sie ihr nicht abzugewinnen. Darum erdachte er diesen Kniff, -sich seinen Verlust zu Hause gar nicht merken zu lassen, auch nicht bei -Tage in seine Wohnung zurückzukehren, sondern um Mitternacht sich ins Haus -zu schleichen, die Ziegen nach Schmiedeberg auf den Markt zu treiben und -das daraus gelöste Geld zum Ankauf neuer Ware zu verwenden, bei seiner -Zurückkunft aber mit dem Weibe zu hadern und sich ungebärdig zu stellen, -als habe sie durch Unachtsamkeit das Vieh in seiner Abwesenheit stehlen -lassen. - -Mit diesem wohlersonnenen Vorhaben schlich der unglückliche Scherbensammler -nahe beim Dorfe in einen Busch und wartete mit sehnlichem Verlangen die -Mitternachtsstunde, um sich selbst zu bestehlen. Mit dem Schlag zwölf -machte er sich auf den Diebsweg, kletterte über die niedrige Hoftür, -öffnete sie von innen und schlich mit Herzpochen zum Ziegenstalle; er hatte -doch Scheu und Furcht, vor seinem Weibe, auf einer unrechten Tat sich -ertappen zu lassen. Wider Gewohnheit war der Stall unverschlossen, was ihn -wunder nahm, ob's ihn gleich freute; denn er fand in dieser Fahrlässigkeit -einen Schein Rechtens, sein Vornehmen damit zu beschönigen. Aber im Stalle -fand er alles öde und wüste; da war nichts, was Leben und Odem hatte, weder -Ziege noch Böcklein. Im ersten Schrecken vermeinte er, es habe ihm bereits -ein Diebesgesell vorgegriffen, dem das Stehlen geläufiger sei als ihm; denn -ein Unglück kommt selten allein. Bestürzt sank er auf die Streu und -überließ sich, da ihm auch der letzte Versuch, seinen Handel wieder in Gang -zu bringen, mißlungen war, einer dumpfen Traurigkeit. - -Seitdem die geschäftige Ilse vom Pfarrer wieder zurück war, hatte sie mit -frohem Mute alles fleißig zugeschickt, ihren Mann mit einer guten Mahlzeit -zu empfangen, wozu sie den Pfarrer auch eingeladen hatte, welcher verhieß, -ein Kännlein Speisewein mitzubringen, um beim fröhlichen Gelag dem -aufgemunterten Steffen von der reichen Erbschaft des Weibes Bericht zu -geben und unter welcherlei Bedingungen er daran Genuß und Anteil haben -solle. Sie sah gegen Abend fleißig zum Fenster hinaus, ob Steffen käme, -lief aus Ungeduld hinaus vors Dorf, blickte mit ihren schwarzen Augen gegen -die Landstraße hin, war bekümmert, warum er so lange weile, und da die -Nacht hereinbrach, folgten ihr bange Sorgen und Ahnungen in die -Schlafkammer, ohne daß sie ans Abendbrot dachte. Lange kam ihr kein Schlaf -in die ausgeweinten Augen, bis sie gegen Morgen in einen unruhigen, matten -Schlummer fiel. - -Den armen Steffen quälten Verdruß und Langeweile im Ziegenstall nicht -minder; er war niedergedrückt und kleinlaut, daß er sich nicht getraute, an -die Tür zu klopfen. Endlich kam er doch hervor, pochte ganz verzagt an und -rief mit wehmütiger Stimme: »Liebes Weib, erwache und tu auf deinem Manne!« -Sobald Ilse seine Stimme vernahm, sprang sie flink vom Lager wie ein -munteres Reh, lief an die Tür und umhalste ihren Mann mit Freuden; er aber -erwiderte diese herzigen Liebkosungen gar kalt und frostig, setzte seinen -Korb ab und warf sich mißmutig auf die Ofenbank. Wie das fröhliche Weib das -Jammerbild sah, ging's ihr ans Herz. »Was fehlt dir, lieber Mann,« sprach -sie bestürzt, »was hast du?« Er antwortete nur durch Stöhnen und Seufzen; -dennoch fragte sie ihm bald die Ursache des Kummers ab und weil ihm das -Herz zu voll war, konnte er sein erlittenes Unglück dem trauten Weibe nicht -länger verhehlen. Da sie vernahm, daß Rübezahl den Schabernack verübt -hatte, erriet sie leicht die wohltätige Absicht des Geistes und konnte sich -des Lachens nicht erwehren, welches Steffen bei erregterer Gemütsverfassung -ihr übel würde gelohnt haben. Jetzt rügte er den scheinbaren Leichtsinn -nicht weiter und fragte nur ängstlich nach dem Ziegenvieh. Das reizte noch -mehr des Weibes Lachen, da sie bemerkte, daß der Hausvogt schon -allenthalben umherspioniert hatte. »Was kümmert dich mein Vieh?« sprach -sie, »hast du doch noch nicht nach den Kindern gefragt; das Vieh ist wohl -aufgehoben draußen auf der Weide. Laß dich auch den Tück von Rübezahl nicht -anfechten und gräme dich nicht; wer weiß, wo er oder ein anderer uns -reichen Ersatz dafür gibt.« »Da kannst du lange warten,« sprach der -Hoffnungslose. »Ei nun,« versetzte das Weib, »unverhofft kommt oft. Sei -unverzagt, Steffen! Hast du gleich keine Gläser und ich keine Ziegen mehr, -so haben wir doch vier gesunde Kinder und vier gesunde Arme, sie und uns zu -ernähren; das ist unser ganzer Reichtum.« »Ach, daß es Gott erbarme!« rief -der bedrängte Mann, »sind die Ziegen fort, so trage die vier Bälge nur -gleich ins Wasser, nähren kann ich sie nicht.« »Nun, so kann ich's,« sprach -Ilse. - -Bei diesen Worten trat der freundliche Pfarrer herein, hatte vor der Tür -schon die ganze Unterredung abgelauscht, nahm das Wort, hielt Steffen eine -lange Predigt über den Text, daß der Geiz eine Wurzel alles Übels sei; und -nachdem er ihm das Gesetz genugsam geschärft hatte, verkündigte er ihm nun -auch die frohe Botschaft von der reichen Erbschaft des Weibes, zog den -welschen Brief heraus und übersetzte ihm darauf, daß der zeitige Pfarrherr -in Kirsdorf zum Vollstrecker des Testaments bestellt sei und die -Hinterlassenschaft des abgeschiedenen Schwagers zu sicherer Hand bereits -empfangen habe. - -Steffen stand, da wie ein stummer Ölgötz, konnte nichts als sich dann und -wann verneigen, wenn bei Erwähnung der durchlauchten Republik Venedig der -Pfarrer ehrerbietig ans Käpplein griff. Nachdem er wieder ein wenig zur -Besinnung gelangt war, fiel er dem trauten Weibe herzig in die Arme und -versprach ihr, von jetzt ab sie nicht mehr rauh zu behandeln, sondern sie -in Ehre und Liebe zu halten. Steffen wurde der geschmeidigste, gefälligste -Ehemann, ein liebevoller Vater seiner Kinder und dabei ein fleißiger, -ordentlicher Wirt; denn Müßiggang war nicht seine Sache. - -Der redliche Pfarrer verwandelte nach und nach das Gold in klingende Münze -und kaufte davon ein großes Bauerngut, worauf Steffen und Ilse -wirtschafteten ihr Leben lang. Den Überschuß lieh er auf Zins und -verwaltete das Kapital so gewissenhaft wie den Kirchenschatz und nahm -keinen andern Lohn dafür als ein Meßgewand, das Ilse so prächtig machen -ließ, daß kein Erzbischof sich desselben hätte schämen dürfen. - -Die zärtliche, treue Mutter erlebte noch im Alter große Freude an ihren -Kindern und Rübezahls Günstling wurde gar ein wackerer Mann, diente im Heer -des Kaisers lange Zeit unter Wallenstein im Dreißigjährigen Kriege. - - - - -8. Susi und der Kräutermann. - - -Der alte Köhler Christoph saß mit seinem Weibe Else an einem lauen -Sommermorgen vor seinem Hüttchen. Vor ihnen führten Kinder ihren -Ringelreigen auf, aber die Alten achteten nicht auf das Kinderspiel, -sondern schienen einen schweren Kummer auf dem Herzen zu tragen. Vater -Christophs Glieder waren seit Jahren gelähmt, so daß es wenig Verdienst gab -und Armut und Entbehrung waren die ständigen Gäste in der armen, -baufälligen Hütte. Oft konnte die Frau tagelang nicht arbeiten und für den -Haushalt Geld schaffen, weil sie sich der Pflege ihres Mannes widmen mußte. -Auch ihre kleinen Einnahmen aus dem gesponnenen Garn waren ausgeblieben, da -Mutter Else bei ihrer Armut nicht imstande war, Flachs zu kaufen. - -Vater Christoph stöhnte ob all des Kreuzes und Tränen rannen ihm über die -Wangen. - -»Vater,« hob da Else an, »laß deinen Mut und deine Freudigkeit nicht -sinken. Kennst du nicht den herrlichen Liedervers aus dem Gesangbuche, der -mit den Worten beginnt: - - Denk nicht in deiner Drangsalshitze, - Daß du von Gott verlassen seist. - -Siehe, der Dichter des Liedes, aus welchem jener Vers stammt: >Wer nur den -lieben Gott läßt walten<, Georg Neumark, war, wie mir neulich unser lieber -Herr Pfarrer, der dich so oft in deiner Krankheit besucht und tröstet, -erzählte, in so bittere Not geraten, daß er seine liebe Geige versetzen -mußte. Da fand er in seiner Herzensangst, wie von Gott gesandt, einen -reichen Gönner, der ihm half. Aus Freude darüber sang er sein Lied: >Wer -nur den lieben Gott läßt walten<. Das hat seither schon manche Träne -getrocknet und manchen Kreuzesträger gestärkt.« Vater Christoph wurde ruhig -und in frommer Ergebung sprachen seine zitternden Lippen: - - »Denn welcher seine Zuversicht - Auf Gott setzt, den verläßt er nicht.« - -Da schritt auf der Landstraße ein hübsches Mädchen einher, dem Dorfe zu. Es -mußte einen weiten Weg zurückgelegt haben und schien ermüdet zu sein. Unter -dem Arme trug die Kleine ein Bündel Kleider. - -Als sie sich der Hütte näherte, rief sie den beiden Alten zu: »Grüß Gott! -Könnt ihr mir wohl sagen, wo in diesem Dorfe der alte Köhler Christoph -wohnt?« - -»Der bin ich selbst,« antwortete der Alte und im nächsten Augenblicke lag -das Mädchen an seinem Halse und schluchzte: »Ihr seid mein Oheim. Ich bin -Eure Nichte, die Mutter ist vor einer Woche gestorben, ihr letzter Gruß -galt Euch.« - -Da trat Mutter Else herbei, streichelte dem Kinde die Wangen und sprach: -»Sei uns herzlich willkommen, armes Kind, du bleibst von nun an bei uns. -Wir wollen dich hegen und pflegen und lieben als unser eigenes Kind.« -Christoph gab dem Kinde treuherzig die Hand und sprach: »Gott segne dich.« - -Nun mußte Susi -- so war ihr Name -- in die Hütte eintreten, daß sie sich -ausruhe und erfrische. Else bereitete ihr ein Lager von Heu und Blättern -und auf ihrem ärmlichen Lager ruhte Suschen so süß wie auf weichem Flaum -und liebliche Träume umgaukelten sie während der Nacht. - -Seit Susis Ankunft war es im Hause lebhafter geworden. Frühmorgens schon -sang sie mit silberheller Stimme ihre Lieder und begleitete sie am Abend -mit der Zither, fröhliche Geschichten erzählte sie dem Oheim, so daß ihm -zuweilen ein Lächeln ankam; aber Mutter Else blieb still und gedrückt. Sie -sann immer darüber nach, wie sie dem Mädchen Kleidungsstücke und ein -besseres Lager schaffen könnte, zumal der Winter im Anzuge war. Doch das -gute Mütterchen fand trotz allen Grübelns keinen Ausweg. - -So war sie denn eines Morgens in den Wald gegangen, um dürres Holz zum -Feuermachen zu sammeln, als sie plötzlich eine Männerstimme hinter sich -vernahm. Es war ein Kräutersammler, welcher einen Kasten mit Salben und -Kräutern für Kranke auf der Schulter trug. Er grüßte Else und bot ihr seine -Waren an. - -»Ach,« erwiderte diese, »das Kräutlein, dessen ich bedarf, habt Ihr gewiß -nicht in Eurem Kasten. Mein Mann ist schon jahrelang von der Gicht geplagt; -ich würde für das Kraut, das ihm helfen könnte, mein liebstes Andenken, -eine große Silbermünze, die mir mein Pate zur Einsegnung schenkte, mit -Freuden daran geben.« - -Der Fremde ging mit ihr zur Hütte. Dort hatte Susi schon fleißig -gewirtschaftet, das Bett des Kranken gemacht, die Stube gefegt und die -Fenster geöffnet. Der Kräutermann verwandte kein Auge von dem schmucken, -flinken Mädchen. - -»Ist das Eure Tochter?« fragte er Else. - -»Nein, lieber Herr,« antwortete diese, »sie ist meiner Schwägerin Kind aus -dem Böhmerlande, eine Waise, und erst seit kurzer Zeit bei uns.« - -Nun wandte sich der Kräutermann dem Kranken zu, fragte nach der Art seines -Leidens und nahm aus seiner Kräuterbüchse einen Büschel grünen, stark -riechenden Krautes. Das mußte Else kochen und mit dem Wasser die lahmen -Glieder des Kranken waschen. Eine Bezahlung wies der freundliche Mann -zurück und erklärte, er wolle nur ein Stündchen in der Hütte ausruhen. - -Inzwischen war Susi mit ihren Morgenarbeiten fertig geworden und fragte die -Base, was sie nun schaffen solle. - -»Kannst du spinnen, mein Kind?« erwiderte diese. Susi schüttelte den Kopf. - -»Nun, so will ich es dich lehren. Siehe, mit der einen Hand ziehe ich den -Faden, während die andere die Spindel dreht.« - -Der Fremde aber trat dazwischen und sprach: »Ich habe ein neues Spinngerät -zu Hause. Damit geht's weit flinker und geschickter, ich will es holen und -wette, daß Susi in kürzerer Zeit ihre Weife bezieht als Ihr, Mutter Else.« - -Schon wenige Stunden später kam der Kräutermann mit einem Spinnrade zurück, -dessen Gebrauch den alten Köhlersleuten noch ganz unbekannt war. Es war ein -zierlich gedrechseltes Gerät, oben stak auf dem Wockenstock ein Bündel -Flachs, welches von einem Wockenbrief gehalten wurde, auf welchem ein -sinniger Spruch stand. Flink drehte der Fremde das Rädchen, daß es summte -und brummte, und Susi sah aufmerksam zu, wie er mit den Füßen trat, den -Faden zog, befeuchtete, bis sich die Spindel mit Garn füllte. - -»Das Spinnrad schenke ich dir, Susi,« sagte der Kräutermann, »du wirst viel -Freude daran haben und mancher Gewinn wird deine Arbeit lohnen. Auch werde -ich dir einen Garnhändler zuschicken, der dir deine Arbeit gut bezahlt.« - -Nun spann das fröhliche Mädchen vom Morgen bis zum Abend, sang lustige -Liedchen dazu und drehte das Rädchen so flink, daß Oheim und Base ihre -helle Freude daran hatten. Der fremde Garnhändler kam jeden Sonnabend, um -das Gespinst zu kaufen. Er lobte die feine, gleichmäßige Arbeit und zahlte -reichlichen Lohn. - -Auch mit dem kranken Christoph wurde es von Tag zu Tag besser, bald wurden -die Glieder wieder gesund und kräftig und im nächsten Frühjahr hatte er -seine völlige Gesundheit wiedererlangt. - -Da versuchte er es, ein Spinnrad zu schnitzen, wie es Susi in Gebrauch -hatte und siehe da! In wenigen Tagen war das Werk gelungen und Else konnte -nun mit Susi um die Wette spinnen. Christophs Kunst wurde im Dorfe bekannt -und in kurzer Zeit wollten die Frauen nur noch mit der »neuen Erfindung«, -wie sie die Spinnräder nannten, spinnen. Durch die Anfertigung der Räder -verdiente Christoph so viel Geld, daß schon ein gewisser Wohlstand in die -arme kleine Hütte einkehrte. - -Der Gedanke, daß ihr liebes Pflegekind noch immer auf Stroh und Heu -schlafen müsse, beunruhigte Mutter Else indessen so, daß sie beschloß, auf -dem Jahrmarkt in der Stadt ein Federbett zu kaufen. Bald hatte sie eins -gefunden, das ihr gefiel, aber die kleine Summe, die sie dafür bestimmt -hatte, reichte nicht aus, so daß sie von dem Kaufe Abstand nehmen mußte. - -Gar traurig ging sie von dannen. Plötzlich stand der gute Kräutermann vor -ihr, überrascht erfaßte sie seine Hand, erzählte ihm, daß ihr Mann gesund -geworden sei und dankte ihm für seine Hilfe. Der Fremde aber antwortete -nicht, sondern drückte ihr ein Geldstück in die Hand, welches so viel galt, -daß sie das Federbett als Eigentum erwerben konnte. - -Mit fröhlichem Herzen kaufte die gute Else noch mancherlei Gerätschaften -und Bedürfnisse für den Haushalt ein und trug alle in ihre Herberge, von -welcher aus ein junger Bauer aus ihrem Dorfe sie und ihre Einkäufe auf -seinem Wagen nach Hause fuhr. Am offenen Fenster saß Susi, drehte ihr -flinkes Rädchen und sang ein munteres Liedchen, als der junge Bauer vor dem -Häuschen hielt. Verwundert hörte er dem Gesange der fleißigen Spinnerin zu. -Als sie die Base bemerkte, sprang sie fröhlich aus dem Hause und schickte -sich an, das Bett in das Haus zu tragen. - -Da ging dem jungen Landmann der Gedanke auf, wie glücklich er sein würde, -wenn einmal das liebevolle, muntere und fleißige Mädchen sein Weib würde. -Dem Gedanken folgte die Tat. Eines Sonntags kehrte er im Feiertagsgewand in -der Hütte des alten Christoph ein und bat ihn und sein Weib um die Hand -Susis. Er war ein guter, ordentlicher Bursche und darum erhielt er ihre -freudige Zustimmung. Susi knüpfte an ihr Jawort nur die eine Bedingung, daß -ihre lieben Pflegeeltern mit ihr zogen, um in ihrem neuen Heim einen -sorgenfreien Lebensabend zu verbringen. Darin willigte der junge Bauer mit -Freuden und die Hochzeit ward auf das Osterfest festgesetzt. - -Nur ein Gedanke trübte Susis Freude über ihr Glück; sie brachte keinen -Heller Geld, kein Heiratsgut, ja nicht einmal eine Webe Leinwand in die -neue Wirtschaft ein. Alles, was sie durch Spinnen verdient hatte, war für -die leibliche Pflege der alten Leute aufgewandt worden. - -So saß sie eines Tages in Nachdenken versunken am Fenster, als es leise an -die Scheiben pochte und draußen der Garnhändler stand, welcher ihr -freundlich zunickte. Eben wollte sie ihn einladen, einzutreten und mit ihr -die künftige Wirtschaft im Dorfe zu besichtigen, da war er verschwunden. - -Draußen aber im Hausflur lagen sechs Ballen feiner Leinwand und obenauf ein -Zettel, worauf geschrieben stand: »Der fleißigen Susi zum Brautschatz.« -Unter Lachen und Weinen zugleich zeigte Susi den Pflegeeltern das reiche -Hochzeitsgeschenk des Garnhändlers. Vor Freude fiel sie ihnen um den Hals -und jubelte wie ein Kind. - -So war der Hochzeitstag herangekommen. Es war ein lieblicher, sonniger -Ostertag. Wie die Erde draußen im sonnigen, jungfräulichen Frühlingskleide -prangte, so anmutig und überraschend lieblich war die Erscheinung der -jugendlichen Braut. Auf ihrem kunstvoll geflochtenen Haar lag ein blühender -Myrtenkranz, zur Seite ging der stattliche Bräutigam und ein stilles -Wohlgefallen ging über seine Züge, wenn er auf seine liebliche Braut -herabsah. - -Als die Trauung vorüber war und das Paar seinen Weg rückwärts nahm, da -stand plötzlich der alte gute Kräutermann vor ihnen und reichte Susi einen -frischen, blühenden Strauß, indem er sprach: »Die schönsten Tugenden eines -Weibes sind Fleiß, Gottvertrauen und Demut. Sie sind köstlicher und -wertvoller als alle Schätze der Welt. Sie bilden die beste Aussteuer, die -du deinem Mann in dein neues Heim einbringen kannst. So lange du dir die -Beobachtung dieser Tugenden angelegen sein lässest, wird dieser Strauß nie -welken und dein Glück wird stets vollkommen sein.« -- - -Nach diesen Worten zerfloß die Gestalt des Kräutermannes in Luft und -»Rübezahl« erscholl es durch die Reihen der Hochzeitsleute. Denn der -Berggeist war es gewesen, der in wechselnden Gestalten Kummer und Sorgen -armer Menschen in Glück und Freude verwandelt hatte. - - - - -9. Der geizige Bäcker. - - -Noch mehr als den Hochmut haßte Rübezahl den Geiz. Denn der Hochmut ist -vielfach erst die Folge des Geizes, wie denn das Schriftwort zu allen -Zeiten recht behalten wird: »Der Geiz ist eine Wurzel alles Übels.« - -In der Stadt Hirschberg lebte ein reicher Bäcker. Bei der Bürgerschaft -stand er in hohem Ansehen und mancherlei Ämter der Stadt vereinigte er in -seiner Person. Bei den Beratungen der Stadtbehörde gab seine Stimme oft den -Ausschlag, und wenn er im Ratskeller an dem großen, runden Bürgertische -saß, dann führte er das große Wort. Aber an seinem Gelde hing sein ganzes -Herz; es war ihm gleichgültig, wenn die Handwerker, welche für ihn -arbeiteten, oft empört auf ihn schalten, wenn er ihnen Abzüge von ihrem -Tagelohn machte. Zum Heizen seines Backofens gebrauchte er viel Holz, -welches die Bauern aus den benachbarten Dörfern lieferten. Von diesen -suchte er sich immer die ärmsten aus, machte ihnen einige Vorschüsse und -forderte dann das Geld zurück. Konnten sie dann nicht zahlen, dann stellte -er den Preis für das Holz möglichst niedrig und schädigte so die armen -Leute mit solch schändlichem Handel. - -Einst brachte ihm ein Bauer ein Fuder Holz, das er bei ihm bestellt hatte. -Es wurde im Hof abgeladen und der Bäcker zog ihm, wie das oft geschah, -einen Taler ab. - -»Lieber Herr,« bat da der arme Bauer, »zieht mir diesmal nichts ab. Der -Holzhandel bringt heuer so wenig ein. Ich bin arm und jeder Groschen ist zu -Ausgaben bestimmt. Meine Gläubiger warten schon auf die Zinsen und ich kann -den Verlust unmöglich tragen.« - -Was tat der Geizhals? In aller Ruhe erklärte er dem Bauer, er möge sein -Holz auf dem Hofe aufladen und wieder nach Hause fahren. Was tun? Ging der -Bauer darauf ein, dann hatten er und die Pferde einen Tag Arbeit verloren, -auch brauchte er das Geld zur Zinszahlung, deren Termin nahe bevorstand. So -blieb ihm nichts anderes übrig, als sich den Abzug gefallen zu lassen. -Traurig fuhr er aus der Stadt zurück. Unterwegs holte er einen -Handwerksburschen ein, der ermüdet seines Weges zog. Er ließ ihn aufsitzen -und nun hatte er jemand gefunden, dem er seinen Ärger erzählen konnte. Der -Handwerksbursche war kein anderer als der Berggeist. Aufmerksam hörte er -die Geschichte an und beschloß in seinem Innern, dem herzlosen Geizkragen -einen gründlichen Denkzettel zu verabfolgen. »Wenn er nur einmal in mein -Gehege käme,« dachte er bei sich, »ich wollte ihm schon beikommen, daß er -Zeit seines Lebens daran denken sollte.« Bald darauf stieg der Fremde ab, -dankte dem Bauer und schenkte ihm einen Taler. - -Am andern Morgen saß unser Bäcker behaglich in seinem Polsterstuhl, rauchte -sein Pfeifchen und blickte zufrieden und behäbig durch die Fensterscheiben -auf das geschäftige Treiben des Marktes. Da klopfte es an die Tür und auf -sein »Herein« erschien ein großer, kräftiger Mann vor ihm und sagte: - -»Ich habe gehört, Ihr habt Holz, das klein gehackt werden soll. Ich biete -Euch meine Dienste an. Zwar bin ich kein Holzhacker, der sein Handwerk -geschäftsmäßig betreibt, sondern ein Bürger aus Schweidnitz. Mir liegt -nicht am Geldverdienen, sondern daran, daß mir das Holzhacken meine -Gesundheit wiederbringen soll. Ich leide an der Leber und der Arzt hat mir -tüchtige Bewegung verordnet. Ich will kein Geld für die Arbeit von Euch, -wenn Ihr mir erlaubt, so viel gespaltenes Holz mit heimzunehmen, als ich in -einer Hocke forttragen kann.« - -»Das muß ein närrischer Kauz sein,« dachte der Bäcker im stillen und freute -sich schon, solch billigen Kaufs davonzukommen. Großmütig lud er den -Fremden ein, mit ihm ein Glas Wein zu trinken. Dieser bewunderte die -Ausschmückung der Stube und war besonders voller Erstaunens über die -prächtige Decke. - -»Dazu habt Ihr gewiß einen auswärtigen Maler kommen lassen, Meister,« -meinte er, was der Bäcker schmunzelnd bejahte. Dabei schlug er auf seine -geldgeschwollene Tasche, daß die Silber- und Goldmünzen darin Polka -tanzten. - -Am andern Morgen versprach der angebliche Schweidnitzer Bürger seine Arbeit -zu beginnen. - -Der Meister lag noch in den Federn, da hörte er es schon im Hofe klappern -und krachen, splittern und sausen, daß er erschreckt seinen Schlafrock -anzog und in den Hof ging, um zu sehen, was der Mann denn mit seinem Getöse -treibe. Ein solches Krachen und Dröhnen hatte er bei den andern Holzhackern -noch nicht vernommen. Aber mit weit offenem Munde blieb er in der Hoftür -stehen und sah mit Entsetzen, wie der Holzmacher sein linkes Bein aus der -Hüfte gezogen hatte und damit auf die Scheite einhackte, daß die Späne nur -so flogen und sich ein Donnern und Poltern erhob, daß das ganze Haus in -allen Fugen krachte. - -Dem Bäcker wurde es angst und bange und er rief dem Fremden zu, er möge -doch aufhören und sich fortscheren. Der aber tat, als hörte er es nicht und -hieb immer unbarmherzig darauf los und ehe eine Viertelstunde verging, war -das ganze Holz gespalten. Dann steckte er sein Bein wieder in die Hüfte, -als ob nichts geschehen wäre, und begann alles gespaltene Holz -zusammenzulesen und zu einer ungeheuren Hocke aufzuhäufen. Diese umschnürte -er mit einem langen Seil, hob sie wie einen Spielball auf den Rücken und -ging gleichgültig grüßend zum Tore hinaus. - -Da stand nun der dicke Bäcker und schrie Angst und Wehe, ballte die Faust -und stieß laute Verwünschungen hinter dem Abziehenden aus. Dieser -Denkzettel hatte aber bei ihm gefruchtet. Er war seit jener Zeit wie -umgewandelt, wurde mildherziger und entzog niemand mehr den verdienten -Lohn. Zeigte sich aber hin und wieder einmal die alte Neigung, so mußte er -stets an den merkwürdigen Holzhacker denken. Denn es war in ihm längst die -Ahnung aufgegangen, daß ihm kein anderer als Rübezahl den Streich gespielt -habe. - -Dieser aber hatte seine Hocke vor dem Hause des armen Bauern abgesetzt, der -höchst erstaunt war, als er plötzlich den Holzhaufen und noch dazu in -zerkleinertem Zustande wiedersah. So hatte er sein Geld und Holz wieder. Er -konnte sich auf lange Zeit eine warme Stube machen und seine Suppe dabei -kochen; ja er gab sogar seinem armen Nachbarn noch einen Teil von dem -reichlichen Holzvorrat. - - - - -10. Das sonderbare Wirtshaus. - - -Auf der Straße durch das Gebirge zogen drei muntere Studenten. Aus voller -Kehle und frischer Brust ließen sie das alte Studentenlied erschallen: - - Ich lobe mir das Burschenleben, - Ein jeder lobt sich seinen Stand, - Der Freiheit hab' ich mich ergeben, - Sie bleibt mein bestes Unterpfand. - Studenten sind fidele Brüder, - Kein Unfall schlägt sie ganz danieder. -- - -»Was Unfall,« meinte der eine, »was könnte uns wohl passieren; uns gehört -die Welt und wenn der Beutel auch in unserer alten Musenstadt Prag ein -wenig schmal geworden ist, was verschlägt's? Sind wir erst über das Gebirge -gelangt, dann lacht uns die Heimat entgegen und in den Ferien gibt's wieder -Geld in Vaters Haus.« - -»Nun, so weit sind wir aber noch lange nicht,« meinte der zweite, ein -hochgewachsener, blonder Jüngling, »der Weg über das Gebirge wird uns sauer -werden, zumal meines Wissens kein Wirtshaus uns zur Erholung und Einkehr -einlädt, wie uns in der letzten Herberge versichert wurde.« - -»Das hat,« so nahm Philipp, der dritte der Studenten, welcher in Prag -Rechtswissenschaft studierte, das Wort, »darin seinen Grund, daß der Herr -des Gebirges, Rübezahl, die Errichtung eines Wirtshauses auf seinem Gebiet -verbietet.« - -»Tor,« erwiderte Hans, der erste der drei, »glaubst wohl noch an Spuken. -Das sind Kindermärchen, die man sich in den Spinnstuben erzählt. Geh zu den -alten Großmüttern und erzähle ihnen das, aber uns verschone mit solchem -albernen Geschwätz.« - -»Gemach,« warf Philipp ein, »lieber Freund. Weißt du nicht, daß vor vier -Jahren, also im Jahre 1607, auf dem Markte unserer Stadt vom Büchermann ein -Buch feilgeboten wurde, das von einem gelehrten Manne, namens -Schwenckfeldt, verfaßt war und reißenden Absatz fand? Es führt den Titel ->Hirschbergischen Warmen Bades in Schlesien unter dem Riesengebirge -gelegenen kurtze und einfältige Beschreibung<. Darin habe ich mancherlei -vom Rübezahl gelesen --« - -»Was nicht wahr ist« -- fiel ihm Georg, der blonde Jüngling, ins Wort -- -»denn Schwenckfeldt behauptet nirgends, daß er selbst den >Ribenzahl< oder ->Ribinzagel<, wie er ihn nennt, gesehen hat. Er gibt nur die Erzählungen -des Volkes wieder.« - -»Mir wär's schon recht, daß es einen Rübezahl gäbe,« brach Hans das -Gespräch ab, »wenn nur der alte Knabe schnell für uns hier oben ein -Wirtshaus baute, denn es ist ein wahres Elend, hier unter den Strahlen der -glühendsten Sonnenhitze einherstapfen zu müssen, ohne einen Trank oder -einen Imbiß zu finden. Mir ist unbegreiflich, daß sich hier kein Wirt -anbaut; er würde bei dem lebhaften Wanderverkehr sicherlich sein Geschäft -machen.« - -»Weil,« sagte Philipp, »wie ich bereits erwähnte, die Leute Furcht vor dem -Herrn des Gebirges haben.« - -»Nun höre mir aber endlich mit dem Popanz, dem Rübezahl, auf, lieber -Freund,« rief Hans ärgerlich. - -»Na -- wer sagt's denn,« jubelte da plötzlich Georg auf, »dort steht ja das -ersehnte Wirtshaus!« - -Die beiden andern Studenten trauten kaum ihren Augen, denn vor ihnen lag in -der Tat ein stattliches Gebäude, aus dessen Schornstein der Rauch über die -Tannen wirbelte. Vor dem Hause war ein Blumengarten angelegt, in welchem -Rosen, Nelken, Rittersporn, Astern und Sonnenblumen blühten, und eine -Kegelbahn lud zum Kegelspiel ein. Vor dem Hause stand der behäbige Wirt mit -kurzem Rock, kurzen, schwarzen Samthosen, roten Strümpfen und glänzenden -Schuhen. Ehrerbietig zog er sein Käppchen, verneigte sich vor den Studenten -und erklärte ihnen, daß es ihm eine besondere Ehre sein würde, die -Herrschaften in seinem bescheidenen Gasthof bewirten zu dürfen. Er würde -alles aufbieten, um ihren Ansprüchen in jeder Weise gerecht zu werden. - -»Nun, allzu lang wird Euer Speisezettel wohl nicht sein,« meinte Hans, den -die Anrede des Wirtes ein wenig übermütig gemacht hatte. - -»Befehlt nur, ihr Herren,« erwiderte der Wirt, »was Küche und Keller -bieten, soll euch werden.« - -»Wohlan,« sagte Hans, »so bringt uns drei gebratene Feldhühner in -Savoyerkohl, eine Schüssel schöngesottener Krebse und dazu eine Flasche des -ältesten Landweins, je älter desto besser.« - -Hierauf traten die Studenten ins Herrenstübchen ein, legten ihr Ränzel ab -und machten sich's bequem, während der Wirt in Küche und Keller eilte, das -Bestellte zu besorgen. - -Nach Verlauf einer Viertelstunde kehrte er zurück, deckte den Tisch mit -einem kostbaren Tischtuch, legte silberne Bestecke auf und tat so, als ob -er fürstliche Herrschaften zu bedienen habe. Während er alles ordnete, -meinte er: »Es hält jetzt schwer, Feldhühner zu bekommen und auch von den -Krebsen bringe ich heute die ersten auf den Tisch. Aber für gutes Geld wird -alles geschafft.« Er tat gar nicht, als ob er die Verlegenheit der jungen -Herren bemerkte, sondern brachte außer dem Landwein noch eine Flasche -Tokaier. - -Philipp wurde es unheimlich; ihm stieg eine Ahnung auf, daß das Wirtshaus -ein bezaubertes und der Wirt kein anderer sei als Rübezahl. - -Als dieser auf einige Zeit das Zimmer verließ, teilte er seine -Befürchtungen seinen Kommilitonen mit. Diese aber lachten ihn aus, der Wein -machte ihre Zunge immer geläufiger und ihr Herz mutiger. Hans rief den Wirt -und forderte ihn auf, für sich ein Glas mitzubringen, um mit ihnen anstoßen -zu können. Das geschah und Georg erhob sein Glas und sprach: »Ich will eine -Gesundheit ausbringen. Daß wir hier auf einsamer Höhe mit Speise und Trank -so vortrefflich erquickt wurden, verdanken wir gewiß dem Herrn des Berges, -er lebe hoch, hoch, hoch!« Der Wirt stieß mit den Studenten an. Aber sofort -saß Georg wieder der Schalk im Nacken und er rief noch einmal: »Ja, der -alte, gute Rübezahl soll leben, hoch!« - -Philipp stieß diesmal nicht mit seinen Gefährten an und auch der Wirt zog -seine Stirne kraus, machte eine gar ernste Miene, stellte sein Glas auf den -Tisch und sagte: »Wie Euer Genosse, so habe ich wohl auf die Gesundheit des -Herrn vom Berge angestoßen, nicht aber in das Hoch auf Rübezahl -eingestimmt, wie er auch tat, und zwar mit Recht. Ihr nennt ihn bei seinem -Spottnamen, auf diesen stoße ich nicht an, denn ich weiß, daß er sich an -denen rächt, die ihn damit an jene traurige Geschichte erinnern. Euer -Genosse scheint auch darum zu wissen.« - -Lautes Gelächter war die Antwort der beiden angeheiterten Studenten auf die -Mahnung des Wirtes. - -»Nun, Philipp,« meinte Hans, »da hast du ja einen Gesinnungsgenossen -gefunden, zu glauben, jenen Ammenmärchen von einem neckenden Kobold, der -auf dem Riesengebirge sein Unwesen treiben soll. Ich wünschte nichts -sehnlicher, als ihm in höchsteigener Person zu begegnen. Das wird aber nie -der Fall sein, weil es eben keinen Rübezahl gibt. Wir, mein lieber Herr -Wirt, von der hohen Schule atmen eine freie Luft und belächeln jene -Torheiten, die sich nur im Aberglauben des Volkes finden.« - -Der Wirt wollte antworten, aber es kam ihm ein besserer Gedanke in den Kopf -und er trat vor die Studenten mit der freundlichen Aufforderung: »Wollen -die Herren nicht vielleicht sich ein wenig im Freien Bewegung machen und -einen Stamm kegeln? Den Kegeljungen will ich selbst machen.« - -Der Vorschlag fand freudige Zustimmung. Hans und Georg begannen zu -schieben, aber merkwürdig: entweder kam ein »Sandhase« heraus, d. h. die -Kugel ging an den Kegeln vorbei, oder sie trafen eine »Methode«, d. h. die -zwei Gassenkegel. Besseren Erfolg hatte Philipp. Er warf dreimal -hintereinander acht um den König, was für den besten Wurf galt. Ärgerlich -brachen Hans und Georg das Spiel ab. - -Nun kam aber das Schlimmste, das Zahlen. Verlegen fragte Hans nach der -Schuld. Der Wirt rechnete nach, dann sprach er zu Philipp: - -»Von Euch, junger Herr, nehme ich nichts. Ihr habt Euch frei gekegelt, da -Ihr dreimal den König allein habt stehen lassen. Die Zeche der anderen -Herren beträgt vier Taler, zwei Taler auf jeden.« - -Da wurde die Barschaft noch einmal überrechnet und die beiden Studenten -brachten gerade noch die geforderte Summe zusammen. - -Als es zum Abschied ging, überreichte der höfliche Wirt Georg und Hans ein -Päckchen und meinte: »Bis zum nächsten Gasthause ist's noch weit, darum -habe ich den Herren einen kleinen Imbiß für den Weg eingewickelt. Euch -aber, junger Herr, schenke ich, da Ihr so vortrefflich gekegelt habt, den -Kegelkönig.« - -Dankend steckte Philipp den Kegel in die Tasche und die drei Burschen zogen -weiter ihres Wegs. Unterwegs mußte Philipp noch manchen Spott seiner -Kameraden hinnehmen, daß der Wirt ihm einen Kegel zur Zehrung auf den Weg -gegeben habe. - -»Laßt's gut sein,« meinte er, »ich habe so meine Gedanken über das Geschenk -und will es tragen als Andenken an unser Abenteuer im Gebirge.« - -»Der hat den Rübezahl immer noch im Kopf,« höhnte Hans. »Wir wollen uns -lieber in das Gras setzen und unser Vesperbrot verzehren. Du, Philipp, -magst ein Stück vom Kopfe deines Kegelkönigs abbeißen.« Als sie aber ihre -Päckchen öffnen wollten, sprang aus dem einen ein Frosch, aus dem andern -eine Eidechse heraus, so daß sie entsetzt zurückfuhren. So zogen sie -hungrig weiter und jeglicher Spott und Zweifel an dem Dasein des -Berggeistes verstummte. Philipps Kegel wurde immer schwerer und schwerer, -er zog ihn aus seiner Tasche, sieh! da leuchtete er wunderbar im -Mondschein. Er sah ihn näher an -- der Kegel war lauteres Gold, darum war -er auch so schwer. Philipp verkaufte den Kegel, konnte nun ohne Not seine -Studien vollenden und ist ein gelehrter Mann geworden. - - - - -11. Der Hexenstab. - - -Wer einmal jetzt im Riesengebirge reist, findet fast bei jedem -bemerkenswerten Punkte auf den Bergen und in den Tälern, besonders wo -gastliche Häuser den Wanderern zur Erholung und Erfrischung einladen, -Verkaufsstände, welche Andenken an das Gebirge feilhalten. In großer -Auswahl auf Bechern, Tassen, Karten, Bildern, Pfeifen und anderen Dingen -wird besonders auch Rübezahls gedacht. Man findet da manche seiner -Geschichten abgebildet und auf mancherlei Art seine äußere Erscheinung -dargestellt. Mit Vorliebe kaufen die Reisenden lange Bergstöcke mit einer -tüchtigen Spitze daran, die ihnen das Gehen erleichtern. Auf vielen steht -der Name »Rübezahl« und man nennt sie deshalb »Rübezahlstöcke«. Diese -Bezeichnung ist aber keine willkürliche, sondern steht im Zusammenhange mit -vielen Rübezahlmärchen, in welchen Wanderstäbe eine gewisse Rolle spielen. -Eins der schönsten will ich euch erzählen. - -In den Zeiten, wo die meisten unserer Geschichten spielen, gab es noch -keine Briefträger, welche Briefe und Pakete aus der Stadt auf das Land -trugen. Da hielt jedes Dorf seinen Botenmann, welcher in gewissen -Zeiträumen den Verkehr zwischen Dorf und Stadt vermittelte. Als solcher war -auch der alte Leopold aus Schreiberhau weit und breit im Gebirge bekannt. -Es wurde ihm nicht leicht, jahraus, jahrein bei Wind und Wetter unter der -Last des Gepäckes die gebirgigen Pfade zu gehen, aber die Herrschaften der -Rittersitze und die Kaufleute in der Stadt bezahlten ihm seine Mühe so gut, -daß er hätte zufrieden sein können. Aber das Pflänzlein Zufriedenheit ist -rar und auch von Leopold konnte man sagen: »Je mehr er hat, je mehr er -will.« - -Einst hatte er sich um die Mittagszeit in einer Baude niedergelassen und -war vor Ermüdung eingenickt. Da erschien ihm Rübezahl im Traume und führte -ihn zu seiner großen Braupfanne im Gestein, wo Gold- und Silberstücke ihm -entgegenfunkelten. Eben wollte er auf des Berggeists Geheiß zugreifen, da -war der Traum zu Ende -- und das Glück verflogen. - -»Rübezahl, Schabernacker,« rief er ärgerlich aus, »kannst du mir nicht -einmal helfen, damit ich Ruhe habe und meine letzten Lebenstage nicht in -Unruhe und den Beschwerden meiner Botenwege verbringen muß!« Damit ergriff -er seinen langen Botenstock und verließ mürrisch die Baude. - -Keine zwanzig Schritte war er gegangen, als ihm sein Stock entglitt, gerade -als er über einen kleinen Bach sich schwingen wollte. Da lag er, so lang er -war, und es war ein Glück, daß er nicht in den Bach gefallen war. Sein Fall -machte ihn noch verdrießlicher und unmutiger. Da flog ein Raubvogel vor ihm -auf und als er ihm nachsah, stieß sein Fuß an einen Stein, sein Stab geriet -ihm zwischen die Füße -- und pardauz! da machte er wieder mit dem Erdboden -Bekanntschaft. Schließlich geriet er am Bergesabhang durch Abgleiten so ins -Straucheln, daß er mit dem Kinn auf einen Stein aufschlug und ihm Wange und -Lippen bluteten. Da nahm er wütend seinen Stab, der ein Stück abwärts -gerollt war, und versuchte ihn am Felsen zu zerschmettern. - -Aber der Stab bog sich um, fuhr ihm zwischen die Beine und kaum war dies -geschehen, so ging's auch flott durch die Luft über die Wipfel der Bäume -hinweg im tollen Ritt, schneller wie der Wind. - -Leopold meinte, er sei der wilde Jäger geworden, welcher zur Strafe durch -die Luft reiten und in wildem Horrido und Hussasa über Land und Meer -dahinrasen muß; schauerlich gähnten die Abgründe unter ihm und von Minute -zu Minute glaubte er abzustürzen und zerschmettert am Boden anzukommen. Als -sich aber seine Befürchtungen als grundlos erwiesen, da wurde er mutiger, -ja er schmiedete auf seinem sonderbaren Reittier bereits Pläne, wie -vorteilhaft sich für die Zukunft auf diesem Wege seine Botengänge gestalten -würden. - -Wie er so dahinfuhr, nahm sein Stab plötzlich die Richtung auf die Stadt -Schmiedeberg. Dort war gerade Jahrmarkt. Als nun Roß und Reiter vom Himmel -herab mitten zwischen die Buden, Käufer und Verkäufer zur Erde -herniedersausten, da entsetzte sich die ganze Jahrmarktsgesellschaft. Die -Stadtknechte aber nahmen kurzerhand, da man allgemein meinte, solche -Luftfahrt ginge nicht mit rechten Dingen zu und Leopold sei ein -Hexenmeister, sein Stab aber ein Hexenstab, den Botenmann gefangen und -brachten ihn in sicheren Gewahrsam. - -Der Tag des hochnotpeinlichen Gerichtes kam heran, Leopold wurde als -Hexenmeister angeklagt und zum Tode auf dem Scheiterhaufen verurteilt. Da -geschah ein Wunder. Der Stadtrichter wollte dem Stadtknecht eben den -Hexenstab übergeben, als ihm dieser zwischen die Beine fuhr, ihn erhob, -durch das offene Fenster des Rathaussaales schob und ihn über die Häuser -der Stadt entführte. Da gab's eine große Aufregung unter den biederen -Bürgern, als ihr hochgelahrter Stadtrichter hoch oben im Ornat in den -Wolken schwebte -- aber sieh da! -- kurze Zeit später setzte der Hexenstab -seinen Reiter wieder auf dem Marktplatz behaglich und unversehrt ab. - -Als man Leopold ausfragte, wie er in den Besitz des wunderbaren Stabes -gekommen sei, und dieser sein Abenteuer erzählt hatte, da ließ ihn das -Gericht frei. Das Volk aber jubelte fröhlich und ausgelassen auf den -Straßen: »Ein Schelmenstreich von Rübezahl! Es lebe der Berggeist!« Mit den -Schmiedebergern hat's auch Rübezahl immer gehalten, weil sie seine Macht -fürchteten und ihn als Herrn des Gebirges anerkannten. - -Der alte Leopold hat aber von seinem Erlebnis keinen Vorteil gehabt, denn -sein Stab wurde wieder der alte. Die Zauberkraft war von ihm gewichen. - - - - -12. Der arme Weberlieb. - - -Der Winter schien in diesem Jahre kein Ende zu nehmen. Wochenlang lag eine -dichte Schneedecke auf der Erde und zwischen den Dörfern des Riesengebirges -hörte jeglicher Verkehr auf. Da ging für die Weberfamilien eine große Not -an und Entbehrung und Armut waren die beständigen Gäste des Hauses. Diese -Notlage der Weber benutzten gewissenlose Kaufleute in den Städten, indem -sie ihnen für die gelieferte Leinwand geringeren Lohn boten. Sie wußten -genau, daß die armen Leute unter allen Umständen Geld brauchten und -brachten so die Waren für einen Spottpreis an sich. - -»'s fast zum Verzweifeln,« so sprach eines Abends der Webergottfried zu -seinem Weibe, »erst muß man in Schnee und Kälte den jetzt so gefahrvollen -Weg zur Stadt machen und dann erhält man einen Hungerlohn, der kaum uns -beide sättigen kann, während doch noch acht Kinder wie die Orgelpfeifen um -den Tisch stehen und sehnsüchtig nach der spärlichen Mahlzeit ausschauen.« - -»Das wird ein trauriges Weihnachtsfest werden,« versetzte seufzend die -Frau, »Gott gebe nur, daß die Krankheit, welche in einigen Häusern -eingekehrt ist, nicht ansteckend ist und über alle Familien kommt.« - -Keinem gingen die Sorgen der Eltern mehr zu Herzen als dem ältesten Sohn, -dem Gottlieb, oder wie er im Dorfe von andern Trägern seines Namens -unterschieden wurde, dem Weberlieb. Das war ein braver, munterer Junge mit -einem Herzen voll Mitleid, der sein Stückchen Brot mit dem armen Manne -teilte, der hungrig und elend sich durchs Dorf schlich. Den Eltern ging er -unermüdlich zur Hand. Im Sommer suchte er im Walde Beeren und Pilze, im -Winter trug er trockenes Holz für den Ofen aus dem Walde herzu oder -verdiente sich ein paar Pfennige durch kleine Botenwege. Aber wie sollte er -nun bei diesem strengen, eiskalten Winter Arbeit sich verschaffen? - -Weihnachten stand vor der Tür, aber im Dorfe sah es nicht weihnachtlich -aus, denn wo die Armut wohnt, muß die Festfreude weichen. Dazu kam, daß die -Krankheit sich als die rote Ruhr entwickelt hatte, wohl als Folge des -Genusses von unnatürlicher Nahrung. Da standen die Webstühle still und fast -in jedem Hause lag ein Kranker. - -Auch den Weberfriedel hatte die Krankheit aufs Lager geworfen und eine -entsetzliche Not herrschte im Hause. Hungernd und frierend saßen die Kinder -um den Ofen herum. Das jammerte unsern Gottlieb so sehr, daß er vor seine -Mutter trat und sprach: - -»Hat nicht der Vater noch fertige Leinwand übrig, Mutter, welche wir -verkaufen könnten?« - -»Freilich, Lieb,« entgegnete diese, »dann hätten wir wohl auf einige Zeit -Brot, aber wer will denn die schwere Webe vier Stunden weit über das -verschneite Gebirge in die Stadt tragen?« - -Gottlieb war sogleich bereit. - -»Das geht nicht an,« antwortete die Mutter, »du bist schwach und -ausgehungert, Zehrung kann ich dir nicht auf den Weg geben und in deinem -dünnen Röckchen pfeift dir der kalte Wind bis auf die bloße Haut, daß du -zitterst und bebst.« - -»Aber es wird uns allen geholfen, liebe Mutter, laß mich in Gottes Namen -ziehen.« - -Gottlieb band sich ein Tuch über Kopf und Leib, legte den Reisesack mit der -Leinwand auf die Schulter und sagte seiner Mutter herzlich Lebewohl. Hinaus -ging's durch den schneidenden Nordwind; oft hatte der Schnee eine Bank über -den Weg geweht und der Knabe mußte sie Schritt für Schritt durchqueren, oft -glitt er am Rande mit Schnee bedeckter Gräben aus und sank tief ein, oft -mußte er sich ermüdet auf einen Stein setzen, um Atem zu schöpfen. Endlich -nach unsäglicher Mühe und Anstrengung schleppte er sich an sein Ziel und -kam in das Haus des Kaufmanns. Der kam ihm eben mit einem Reisepelz -entgegen und wies ihn aus seinem Hause. - -»Hat man nicht einmal am Heiligabend Ruhe vor dem Webergesindel. Marsch, -daß du hinauskommst, ich kann dir deine Leinwand nicht abnehmen,« so -klang's aus dem Munde des harten Mannes und dem armen Weberlieb liefen die -Tränen über die Backen. - -»Ach, Herr,« flehte der arme Junge, »erbarmt Euch diesmal meines armen -Vaters, er liegt an der Ruhr krank danieder. Nehmt mir die Leinwand, ich -muß wieder heim.« - -»Was, ansteckende Krankheiten bringt mir die Brut noch ins Haus, hinaus, -auf der Stelle!« schrie aufs höchste erregt der gefühllose Mann und befahl -dem Diener, den Jungen hinauszuführen. Dann warf er sich in seinen -Reisewagen und fuhr fort. Der Diener empfand Mitleid mit dem abgehärmten, -erschöpften Kinde und reichte ihm ein Stück Brot und ein wenig Wein. Dann -gab er ihm zwei Groschen, damit er auch für den Vater etwas Brot kaufen -könne. - -Der Wein hatte den Knaben gestärkt und so unternahm er es, die schwere Last -wieder auf den Rücken zu laden und den mühseligen Rückweg wieder -anzutreten. Am Abend nahm die Kälte zu, kleine scharfe Eisnadeln trug der -Wind über den Schnee; sie stachen dem kleinen Gottlieb in die Augen, daß er -kaum zu sehen vermochte. Da wurden seine Füße matter, seine Kraft erlahmte, -und stöhnend warf er sich auf einen beschneiten Baumstamm. - -»Hier werde ich sterben müssen,« murmelten seine Lippen. Da kam ihm -plötzlich der Gedanke an die vielen wunderbaren Geschichten, die man sich -von Rübezahls Freundlichkeit gegen die Kinder erzählte. - -Mag er mich umbringen oder mir helfen, ich wage es: »Rübezahl, Rübezahl! -Hilf du mir, die Menschen haben mich verlassen.« So rief er laut mit -Aufbietung aller Kräfte hinein in die beschneiten Bäume, Berge und Täler -und schaurig gab das Echo seinen Ruf zurück. - -Im nächsten Augenblick erhob sich ein starker Schneesturm, dem der Knabe -nicht standhalten konnte, er ward zurückgeworfen und vom Schnee -überschüttet. Da ward er von einer behaglichen Wärme durchströmt und süße -Träume gingen durch seine Gedanken. Es war Christabend. In der Dorfkirche -hielt man Christvesper. Die Kirche war hell erleuchtet, aus den Augen der -Kinder strahlte lichte Weihnachtsfreude. Der Pfarrer verkündigte der -atemlos lauschenden Menge die alte liebliche Geschichte von der Geburt des -Christkindleins auf Bethlehems Flur. Die Gemeinde sang: »Dies ist die -Nacht, da mir erschienen des großen Gottes Freundlichkeit« und nun war -Gottlieb an der Reihe, mit seinem hellen Stimmchen allein vor der Gemeinde -zu singen. So nahm er das lange Wachslicht in die Hand, trat vor das -Lesepult auf der Orgelbrüstung und begann erst leise, dann kräftiger und -mutiger: - - O du fröhliche, o du selige, - Gnadenbringende Weihnachtszeit. - Welt ging verloren, - Christ ist geboren, - Freue dich, o Christenheit! - -In demselben Augenblicke trat aus den Bäumen ein wohlgekleideter, -freundlich blickender Herr hervor, hüllte den armen Knaben liebevoll in -seinen Pelz, nahm auch die Webe Leinwand auf und trug ihn eine kurze -Wegstrecke zu seinem Schlitten. - -In einem hellerleuchteten Schloß angelangt, rief er seine Diener. Diese -nahmen ihm die Last ab, trugen den Knaben auf seinen Befehl in ein Bett und -legten ihn auf weiche, behaglich erwärmte Kissen nieder. - -Mittlerweile hatte der Herr die Webe Leinwand genommen und war damit auf -die Straße zurückgeeilt. In diesem Augenblicke kam der vierspännige -Reisewagen des hartherzigen Kaufmanns herangerollt. - -Plötzlich scheuten die vier Rosse, ein Ballen Leinwand wurde von oben unter -sie geworfen und ein markerschütterndes, entsetzliches Hohngelächter -erschallte. Wohl versuchte der Kutscher, die erschreckten Tiere im Zaume zu -halten, aber er selbst wurde mit einem Ruck von seinem Sitze in die Höhe -gehoben. Er flog ein Stück durch die Luft und wurde dann sanft vor einem -Gasthause niedergesetzt. Vor seinen Füßen aber lag ein Beutel mit -Goldstücken, auf welchem geschrieben stand: »Für die Angst!« Seine Pferde -hatten mittlerweile den Leinwandballen auseinandergeworfen und um den -ganzen Wagen gewickelt. Dadurch fielen sie zu Boden und der Wagen mit. Da -rief aus aller Angst der Kaufmann um Hilfe, denn die Tür der Kutsche war so -zugewickelt, daß ein Entweichen unmöglich war. - -Sofort tauchte eine furchtbare, riesengroße Gestalt vor seinen Augen auf, -welche ihm zornig mit der Faust drohte und schrie: - -»Ha, verwünschter Geizhals, wenn du nicht sofort zu sühnen versprichst, was -du mit deiner unmenschlichen Härte verschuldet hast, so mußt du sterben!« - -Da schlotterten dem Kaufmann die Knie und zitternd rief er aus: - -»Ich will alles geben und tun, wenn ich das Leben behalte.« - -»Erbärmlicher Erdenwurm,« entgegnete der Berggeist, »werde barmherzig und -mild. Wenn jetzt der Tod in den armen Weberdörfern so viele Opfer grausam -fordert und Wehklagen aus vielen Häusern erschallen, so sollten dir diese -Jammertöne in deine hartherzige Seele dringen. Du trägst die Schuld auf -deinem Gewissen, das sich kein Bedenken daraus macht, wenn jene armen, -ehrlichen Menschen Hungers sterben.« Da gelobte der Kaufmann in seiner -fürchterlichen Angst Besserung und gab dem Berggeiste -- denn dieser war es --- alles Geld, das er bei sich hatte, zur Verteilung unter die Darbenden. -Da nahm Rübezahl ihn beim Genick und setzte ihn unsanft vor seinem Hause -nieder. - -Verwundert öffnete Gottlieb die Augen und wußte nicht, wie er an diesen Ort -gekommen war. Die Diener brachten ihm Speise und Trank, aber er rührte -nichts an. Da trat ein freundlicher Herr ein und redete ihm zu, er solle -nur essen; er wolle ihn dann mit dem Schlitten nach Hause fahren. - -»Ich werde auch deinen Eltern und Geschwistern eine Labung bringen und -- -was dir sicherlich am meisten gefallen wird -- der Kaufmann ist anderes -Sinnes geworden, er hat dir und allen Webern in eurem Dorfe die Leinwand zu -gutem Preise abgekauft. Das Geld habe ich bereits in meiner Tasche.« Wer -war da froher als unser Weberlieb! Vor Freude küßte er die Hände des guten -Herrn. - -Nun ging's unter Peitschenknall und Schellengeläut zu Gottliebs Heimatsdorf -zurück. Das war ein seliger Christabend im ärmlichen Weberhäuschen! Der -Herr hatte Brot und Wein, Fleisch und Reis mitgebracht, außerdem Geld und -für die Kranken des Dorfes eine Flasche voll Arznei, welche augenblicklich -half. So war das Christfest in dem Weberdorfe zum Freudenfest geworden und -alle Kümmernis hatte ein Ende. Da wurde es allen klar, daß hier kein -anderer als Helfer in der Not erschienen war als Rübezahl, der mächtige -Berggeist des Riesengebirges. - - - - -13. Wünsche nicht zuviel. - - -»Und hoffe auf ihn, er wird es wohl machen.« Damit schlug sie ihre Bibel -zu, die vielgeplagte Mutter Bärbel und reichte sie ihrem Sohne Hans, der -auf einer Fußbank zu ihren Füßen saß. Dürftig, aber sauber sah es in der -Stube der kleinen Hütte aus. In einer Ecke stand eine Spindel, an welcher -die Mutter zu spinnen pflegte; das ging aber nur langsam und mühsam -vonstatten. Mutter Bärbel hatte viel zu leiden, weil sie in den Beinen von -der Gicht heimgesucht wurde. Sie konnte nicht gehen und stehen und auch das -surrende Spinnrad mußte zuletzt in die Ecke gestellt werden, so daß sie nur -noch die veraltete Spindel drehen konnte und dementsprechend das Gepinst -nur gering ausfiel. Als einziges Kind war ihr der Hans übrig geblieben, ein -starker, kräftiger Bursche. Eben war er zu seiner Freude aus der Schule -entlassen worden, denn dort hatte er nie sein Licht leuchten lassen können -und das Lernen war ihm blutsauer geworden. Die Fibel mit dem großen -Gockelhahn auf dem Titelblatte und die fünf Hauptstücke hatte er zur Not -bewältigt, aber darüber hinaus reichten seine Kenntnisse nicht. Aber willig -und brav war Hans und er machte sich darüber Gedanken, wie er wohl am -besten für seine Mutter Geld verdienen könne. - -Eines Sonntags stand sein Entschluß fest. Er nahm Abschied von seiner -Mutter und machte sich zum nächsten Dorfe auf. Im eigenen Orte wollte er -nicht Stellung nehmen, weil man ihm hier unfreundlich begegnet war. Bei -seinen Anfragen hatte er bald Glück, denn ein Bauer, welcher am Wege -pflügte, nahm ihn sofort als Hütejungen für sein Vieh an. Er war froh, -einen Fremden zu finden, weil einheimische Leute, Knechte und Mägde, das -Haus des Bauern, der als Geizhals verschrien war, mieden, über den Lohn -wurden sie bald einig: Hans sollte wöchentlich zwei Brote und einen Käse -bekommen und zu Weihnachten einen abgelegten Anzug des Bauern. Von Geld war -keine Rede. - -Als am nächsten Sonntag Hans vergnügt bei seiner Mutter einkehrte, meinte -diese, es sei doch solch ein Lohn gar zu niedrig und stehe in keinem -Verhältnis zu der Arbeit. - -»Von dem Bauer,« sprach sie, »bei welchem du in den Dienst gegangen bist, -habe ich schon öfters gehört. Er ist als geiziger Filz verschrien und der -abgelegte Anzug wird wohl kaum noch zu flicken sein.« - -»Laß mich, Mutter,« erwiderte der Knabe, »ich fange erst an zu verdienen; -wenn ich meine Arbeit gut verrichte, dann wird mir mein Herr auch einiges -Geld zulegen.« - -Hans mußte täglich die Kühe auf die Weide treiben. Hier war er den ganzen -Tag über mit dem Hunde für sich allein. Dann sang und jubelte er nach -Herzenslust und kein Mensch störte ihn in seiner fröhlichen Stimmung. Mit -den Bergen und Wiesen, Felsen und Bächen wurde er so vertraut, daß er große -Freude an seinem Berufe empfand. Jeden Sonnabend bekam er seine Brote und -den Käse und Sonntags brachte er seiner Mutter die Hälfte. - -So vergingen einige Jahre; die Leute im Dorfe wunderten sich, daß der -Hütejunge noch immer um solch kärglichen Lohn bei dem Bauer diene, da er -als Knecht anderwärts um einen guten Geldlohn sein Fortkommen finden könne. -Hans aber dachte in seiner Harmlosigkeit gar nicht an einen Wechsel; -draußen in den Bergen bei den Vögeln, die ihm ihre Lieder sangen, war sein -Herz, was kümmerte ihn da Geld oder das Gerede der Leute! - -Eines Sonntags aber sprach die Mutter zu ihm allen Ernstes: »Du bist nun, -mein Sohn, ein großer, starker Bursche geworden und dienst noch immer als -Hütejunge. Die Kleider, die dir dein Brotherr schenkte, wanderten bald in -die Lumpen. Bisher habe ich dich von den Gegenständen, die dein -verstorbener Vater hinterließ, gekleidet. Davon ist aber nichts mehr -vorhanden, Geld verdienst du nicht, von dem wir neue Kleider anschaffen -können. So bist du genötigt, den Bauer anzugehen, daß er dich als Knecht -mietet und dir einen ordentlichen Lohn gibt, wie er Burschen deines Alters -zukommt.« - -Diese Worte gingen Hans zu Herzen und am nächsten Tage bat er den Bauer um -einen besser bezahlten Dienst. Der aber wurde kirschrot vor Ärger, schlug -die Hände über dem Kopf zusammen und schrie ihn an: »Schämst du dich nicht, -an mich ein solches Verlangen zu stellen? Du hast mich bald arm gegessen; -ich habe dich durchgefüttert und deine Mutter dazu. So ist aber die heutige -Welt: wenig Arbeit und viel Lohn. Das ist also dein Dank, du habgieriger -Bursche?« - -Hans meinte in seiner Gutmütigkeit, der Bauer sei in seinem Recht und er -habe es doch eigentlich recht gut bei ihm. Verblüfft ging er wieder auf -seinen Weideplatz zu seiner Herde. Aber um seine fröhliche Laune war es -geschehen. Traurig saß er am Wiesenrain und grübelte und sann über sein -Geschick nach. Da trat plötzlich ein alter Schäfer auf ihn zu und fragte -ihn, warum er ein so trübseliges Gesicht mache. Ohne Scheu und Hinterhalt -erzählte ihm Hans seine Geschichte, wie er sich besonders um seine arme -gichtbrüchige Mutter sorge, deren Zustand immer bedenklicher würde. Da riet -ihm der Alte, sein Heil einmal in der Stadt Hirschberg zu versuchen, dort -brauche man stets kräftige und bescheidene Burschen und bezahle auch einen -guten Lohn. - -Halb träumend, halb staunend hörte Hans zu und ehe er dem Alten ein Wort -erwidern konnte, war dieser bereits dem Tannendickicht zugeeilt. Merkwürdig -war es, was für lange Schritte er machen konnte; bis an die Wegecke war es -eine gute Viertelstunde, jener war in einem Augenblick dort verschwunden. - -An demselben Abend trieb es ihn, seine Mutter aufzusuchen und ihr sein -Erlebnis mitzuteilen. - -»Der Alte hat dir einen guten Rat gegeben, Hans,« meinte die Mutter, »tu, -wie er dir anriet. Die Schäfer werden vielfach zu allerhand Wunderkuren -allenthalben geholt und kennen Land und Leute. So mache dich sauber und -ziehe deinen Weg. Gott geleite dich!« - -Es war der erste Gang des Burschen in eine Stadt. Darum pochte ihm das Herz -ein wenig. Er dachte an alle die Beschreibungen, welche man ihm von dem -städtischen Leben und Treiben gemacht hatte, aber als die Sonne ihre ersten -Strahlen herniedersandte, und Wiesen und Felder, Berge und Täler im -Morgenglanze strahlten und die Vögel ihre ersten Lieder anstimmten, da -wurde er wieder fröhlich und wohlgemut. Da fielen ihm wieder seine -Hirtenlieder ein und jubelnd sang er den Vers: - - Den lieben Gott laß ich nur walten, - Der Bächlein, Lerchen, Wald und Feld - Und Erd' und Himmel will erhalten, - Hat auch mein Sach' aufs best' bestellt. - -Plötzlich erscholl neben ihm ein lautes Gelächter, er drehte sich um, sah -aber niemand. Nachdenklich senkte er den Kopf und erblickte am Boden einen -rotseidenen gefüllten Geldbeutel. - -»Der Tausend,« entfuhr es da seinen Lippen, »der Anfang war gut; da scheint -einer noch früher aufgestanden zu sein als ich. Da sind ja lauter Dukaten -drin. Na, vielleicht finde ich den Pechvogel, der den Beutel verloren hat.« - -Er steckte die Börse ein und schritt fürbaß; da nahte auf einem Seitenwege -ein vornehmer Herr, der seine Augen wie suchend auf den Boden heftete. - -»Hat der Herr vielleicht etwas verloren?« fragte Hans. - -»Ja, freilich,« war die Antwort, »meine rotseidene Börse mit Geld.« - -»Hier ist sie,« entgegnete Hans freundlich, »gut, daß ich sie gefunden -habe.« - -»Du bist ein ehrlicher Bursche. Hier hast du eine Belohnung für den Fund.« - -Hans aber wehrte ab: »Das hat der Herr nicht nötig, ich habe die Börse ja -kaum zehn Schritte getragen, dann konnte ich sie schon wieder abliefern.« - -Der Fremde plauderte mit Hans noch eine Weile und fragte ihn zuletzt, was -er sich wohl wünschen würde, wenn ihm seine Wünsche erfüllt werden sollten. -Dem Burschen schwebte noch immer der Dukatenbeutel vor und so antwortete er -hastig: - -»I, so wollte ich, daß alles mein wäre, was mir heute auf dem Wege nach -Hirschberg begegnete.« - -Da brach der Herr in ein solch schallendes Gelächter aus, daß es die Berge -im Widerhall zurückgaben, dann rief er: - -»Sollst's haben, Hans, sollst's haben. Aber merke wohl: _Wünsche nicht zu -viel_, sei genügsam!« - -Hiermit war der Fremde verschwunden und nun stieg in Hans die Ahnung auf, -mit wem er gesprochen hatte. Er wandte sich den Bergen zu, zog seinen Hut -ab und rief: - -»Danke schön, Herr Berggeist!« - -Wieder erschallte von den Bergen her das Echo eines Gelächters. Hans setzte -seinen Weg fort. Da fiel plötzlich etwas vor seinen Füßen nieder; er hob es -auf -- es war derselbe Beutel mit Dukaten, den er heute schon einmal -gefunden hatte. - -»Hurra,« schrie Hans auf, »jetzt könnte ich eigentlich umkehren, für das -viele Geld kann ich mir bequem ein kleines Ackergut kaufen.« - -Auf einem Strauche saß ein Fink und sang sein Morgenlied nach der Melodie, -welcher das Volk den Text unterlegt: »Reit zu Schitzkebier«; er setzte sich -sogleich auf Hansens Schulter und blieb dort sitzen. Hans freute sich über -den munteren Gesellen, denn er hatte alle Tiere lieb. - -Aus einer Hecke kroch ein Kätzchen hervor, schmiegte sich schnurrend an -seine Beine und ging ihm nach, während ein großer zottiger Hofhund ihn -bellend umwedelte. Da kamen auf der Straße drei schwerbeladene Erntewagen -herangefahren; auf der Höhe des letzten saßen die Schnitter und hielten auf -einer Stange den Erntekranz, dessen bunte Bänder in der Luft flatterten. - -»Juchhei,« jubelte Hans, »nun bin ich ein reicher Mann, jetzt habe ich Geld -zum Hauskauf, Hund und Katze und einen Vogel, der mir seine Lieder singt, -und nun gar noch Pferde und Wagen und Getreide, das ich nicht einmal -ausgesäet habe. Was wird die Mutter dazu sagen, wenn ich heimkomme!« - -Er hatte gerade ausgeredet, da kam von einer andern Straße her ein Wagen, -hochbepackt mit Hausgeräten aller Art, und folgte dem Zuge, der immer -länger wurde. Da kamen Knechte und Mägde, den neuen Herrn grüßend, ein Hirt -trieb eine stattliche Herde Rinder, ein Schäfer einen großen Stamm fetter -Schafe einher. Außerdem folgten ihm alle Hühner, Enten, Gänse und Tauben, -welche sich auf seinem Wege befanden, einige Pfauhühner marschierten vor -ihm und ein Pfauhahn schlug ihm zu Ehren sein schillerndes, stolzes Rad. - -Das war ein Blöken, Wiehern, Brüllen, Schnattern, Krähen, Singen, Zanken -und Raufen, daß man sein eigenes Wort nicht verstehen konnte. - -Jetzt wurde Hirschberg sichtbar, Hans ließ seinen Besitz an sich -vorüberziehen; als blutarmer Bursche war er ausgezogen und als Großbauer -und reicher Mann kehrte er in seine Heimat zurück. Wie das aber so oft im -Menschenleben vorkommt, so erging es auch Hans: die Mahnung: »Wünsche nicht -zuviel« war in seinen Ohren verklungen. Das gesättigte Herz begehrte den -Überfluß. Nun wollte er erst vor den Toren Hirschbergs umkehren, um alles -zu gewinnen, was ihm bis dahin begegnen würde. - -Unterwegs fand er noch einen funkelnden, goldenen Ring. Er steckte ihn an -den Finger und blieb ein Weilchen vor dem Stadttore stehen, um zu sehen, ob -nicht noch etwas käme. Da kam ein Mädchen auf ihn zu, häßlich wie die -Nacht, alt, zahnlos, verwachsen, mit geröteten Augen und rief hell -auflachend: - -»Juchhei, jetzt kommt mein langersehnter Bräutigam. Und den Trauring hast -du auch schon am Finger. Beeile dich nur, der Herr Pfarrer erwartet uns -schon zur Trauung in der Kirche.« Hans sträubte sich und dachte bei sich: -»Wie kannst du ein Weib deiner Mutter zuführen, welches älter ist als -diese?« -- Sie aber hielt seine Hand in der ihren, an der ein ganz -ähnlicher Ring saß. - -»Lieber Hans,« sprach sie, »es ist gar nicht hübsch von dir, daß du so -lange zögerst. Bin ich auch nicht hübsch, so bin ich doch eine tüchtige -Wirtin. Du bist in den Besitz eines großen Hausrates gekommen und verstehst -von der Bauernwirtschaft gar wenig. Deine kranke Mutter will ich hegen und -pflegen und schaffen, daß unser Hausstand sich mehre.« - -Hans stand eine Weile stumm da. Durch seinen Kopf ging die warnende Mahnung -Rübezahls: »Wünsche nicht zuviel!« Er hatte sie überhört und nun gab es -kein Zurück mehr. - -Er kratzte sich hinter dem Ohr, machte gute Miene zum bösen Spiel, gab -seiner Zukünftigen die Hand und sprach: - -»Wenn's denn durchaus sein muß, so wollen wir den Pfarrer nicht länger -warten lassen.« - -Da sah sie ihn freundlich an und sprach: »Danke, lieber Hans, du sollst es -nicht zu bereuen haben.« - -So wurden sie in der Kirche getraut und unter dem Jubel des Gesindes zogen -sie mit ihren Wagen und Gerätschaften nach einem Dorfe, welches Hans noch -unbekannt war. Dort kauften sie sich einen Bauernhof und brachten die -mitgebrachte Habe unter der umsichtigen Leitung der Hausfrau in kurzer Zeit -in Ordnung. - -Hans gewann sein Weib schon am ersten Tage lieb und an jedem andern noch -lieber. Sie fuhren nun zu Hansens Mutter, um sie abzuholen. Diese wollte -sich jedoch gar nicht daran gewöhnen, daß ihr schmucker Junge eine so alte, -häßliche Frau bekommen hatte. Sie konnte daher der Schwiegertochter kein -freundliches Gesicht machen. Diese nahm das nicht übel, da sie wußte, von -Hans geliebt zu werden. Als Mutter Bärbel aber sah, daß ihre -Schwiegertochter Liese fleißig und unermüdlich im Haushalte tätig war und -ihr selbst in ihrer Krankheit mit Handreichungen zur Seite stand, so fand -sie sich zuletzt darein. - -Ein Jahr später lag in der großen Holzwiege, deren Bretter mit allerhand -Blumenverzierungen bemalt waren, ein prächtiger Junge, der aus -Leibeskräften schrie. Mit ihm war die Freude im Hause vollkommen geworden -und Bärbel schaukelte oft unter dem Gesange eines Schlummerliedchens die -Wiege hin und her, um den kleinen schreienden Enkelsohn zu beruhigen und in -süßen Schlummer zu wiegen. - -So war der Jahrestag der Hochzeit gekommen. Fröhlich saßen die drei -beieinander, als Liese zu sprechen begann: - -»Ja, heut' vor einem Jahre habe ich etwas Seltsames erlebt, aber ich darf -es nicht sagen, ehe es mir erlaubt wird.« - -Hans wurde neugierig und auch Bärbel wollte das Geheimnis wissen, aber -Liese blieb fest. - -Da klopfte es plötzlich ans Fenster und draußen stand -- der fremde Herr -vom vorigen Jahr und sprach: - -»Nun, Hans, siehst du nun, wie töricht es von dir war, zuviel zu wünschen? -Hättest du meinen Worten Gehör geliehen, dann wärest du nicht zu einem -solch häßlichen Weibe gekommen. Aber willst du sie nicht mehr, dann will -ich dich von der Plage sogleich befreien.« - -»Um keinen Preis,« schrie Hans entsetzt, »wie bin ich froh, daß Ihr sie mir -gabt. Sie hat uns erst das Glück und die rechte Zufriedenheit ins Haus -gebracht. Und dann seht einmal unsern Prachtbuben an, bei dem müßt Ihr Pate -stehen, ich bitte Euch recht sehr darum.« - -»Na, ihr Leutchen,« war die Antwort, »nun habe ich euch genug geneckt. Die -Patenschaft nehme ich an. Du, Liese, kannst deine Geschichte vom vorigen -Jahr erzählen.« - -Damit entschwand er. Dann schloß Hans das Fenster und drehte sich um, um -mit seiner Frau zu sprechen, doch er prallte zurück. War die blitzsaubere -Frau mit den rosigen Wangen und den treublickenden Augen, die den -zappelnden Buben auf ihren Armen hielt, Liese? Als sie anfing zu sprechen, -da war es ihre Stimme und nun erzählte sie ihre Geschichte. - -»Schau, Hans, vor einem Jahre sah ich gerade so aus, wie du mich jetzt -siehst. Ich war ein eitles Ding, das sich auf seine Schönheit viel -einbildete und alle Leute über die Schulter ansah. Meine Eltern waren mir -zeitig gestorben, ich war wohlhabend und besaß dieses schöne Gut. An dem -Sonntagmorgen, heute vor einem Jahre, ging ich auf die Wiese, um mir ein -Sträußchen Wiesenblumen zum Vorstecken zu pflücken, denn die anderen -Mädchen trugen Gartenblumen zu ihrem Kirchenstaat und ich mußte doch etwas -Besonderes haben. Ich steckte mein Sträußchen ans Mieder, lief zu einem -kleinen Teiche, welchen der Wiesenbach bildete, und betrachtete mich sehr -wohlgefällig. Mein Bild gefiel mir über die Maßen, ich drehte und wandte -mich nach allen Seiten und konnte mich gar nicht genug wundern über die -Schönheit meiner Gestalt. Auf einmal erscholl hinter mir ein lautes -Gelächter. Ich drehte mich um und erblickte einen Fremden und machte ihm -ein gar böses Gesicht. - ->Na, na, Jungfer,< rief er spöttisch, >entstelle sie doch ihr Lärvchen -nicht so. Vorher sah die Narrheit in den Teich hinein, jetzt schaut die -Bosheit aus dem Gesicht heraus.< - -Auf solche Grobheiten stemmte ich die Arme in die Seiten und schrie: - ->Was fällt Euch ein, Ihr einfältiger Tropf? Was geht's Euch an, wenn ich -mich im Wasser beschaue? Ich weiß, daß ich weit und breit im Gebirge als -die >schöne Liese< bekannt bin. Was habt Ihr Euch um mich zu kümmern?< - -Plötzlich reckte sich vor mir eine riesengroße Gestalt auf mit langem, -wehendem Haar und Bart und eine Donnerstimme ertönte: - ->Du hoffärtiges Ding, nun wirst du wohl merken, mit wem du es zu tun hast. -Von heute ab sollst du die Gestalt annehmen, welche deine Hoffart straft. -Statt der >schönsten< sollst du als >die häßlichste Liese weit und breit im -Gebirge bekannt< sein. Gehe hin an das Tor von Hirschberg. Wenn du dort -einen Burschen deiner wartend findest, so soll er sofort dein Mann werden. -Sagst du aber einem Menschen je ein Wörtchen von dem, was hier geschehen -ist, dann erhältst du nie deine frühere Gestalt wieder. Bringst du es aber -durch Demut, Fleiß und Geduld dahin, daß dich dein Mann behalten will trotz -deiner Häßlichkeit, dann sollst du deine Schönheit wiedererlangen. Gelingt -dir das nicht, so mag dich dein Mann fortschicken und ich werde dich -mitnehmen.< - -Damit verschwand er. Ich war entsetzt bei dem Gedanken an mein Schicksal. -Laut jammernd warf ich mich in das Gras, aber ich mußte gehorchen. Am Tore -zu Hirschberg wartete ich auf dich. Was habe ich dich bedauert, Hans, daß -du ein solches Schreckbild zur Frau nehmen solltest. Nun hat sich alles zum -Besten gekehrt.« - -Niemand war froher über Liesens Verwandlung als ihre Schwiegermutter. Als -Hans und Liese miteinander auf der Straße gingen, da riefen die Leute: »Die -schöne Liese ist wieder da!« -- - -Als nun der kleine Sohn getauft werden sollte, blieb der Taufpate Rübezahl -aus. Hans öffnete das Fenster, um nach ihm zu sehen, denn nur wenige -Minuten fehlten noch an der festgesetzten Zeit. Da erhob sich ein -Wirbelwind und wehte ein Päckchen in die Stube, darauf stand: »Der Herr vom -Berge sendet seinem lieben Patchen dies Taufgeschenk zum freundlichen -Gedenken.« Den Inhalt bildeten lauter neue Dukaten. - -Hans und Liese haben Rübezahl nicht wiedergesehen, wohl aber der kleine -Johannes. Ihm hat der Berggeist viel Gutes erwiesen sein Leben lang. - - - - -14. Fischbach. - - -Unweit des Riesengebirges liegt ein schönes Tal, auf dessen Höhenrändern -sich zwei hohe Granitkegel erheben. Das Volk nennt sie Falkenberge und die -geschwätzige Sage weiß zu erzählen, daß dort vor alten Zeiten eine Burg -stand. Dort hauste einst der gefürchtetste Raubritter des Landes, Herr -Wesso, genannt »der Falk vom Berge«. Nichts war vor seinen Falkenaugen -verborgen. Wenn die Kaufleute mit ihren Wagen und Waren zu den Märkten -zogen oder die Bauern ihr sauer erworbenes Getreide zur nächsten Stadt -fuhren, dann machte der Wächter von hoher Warte durch ein Sprachrohr seine -Meldung; im Nu waren Roß und Reisige zur Stelle und nun ging's im sausenden -Galopp zu Tal. Schnell vollzog sich die Plünderung der Wagen und -beutebeladen kehrten die räuberischen Spießgesellen auf ihre Burg zurück. -Die Beute wurde wieder verkauft und von dem Erlöse schmausten und zechten -Ritter und Mannen und führten bei Gesang und Würfelspiel ein lustiges -Leben. - -Eines Abends saß der Ritter wieder beim Gelage. Aber seine Stimmung schien -sehr getrübt zu sein. Gesenkten Blickes saß er in seinem Lehnstuhle und -achtete nicht auf die Fröhlichkeit seiner zechenden Genossen. Diese -spotteten darüber, aber er tat, als höre er sie nicht. Auch den vollen -Humpen, den man ihm zum Trinken darreichte, verschmähte er. Als sich -wiederum ein höhnendes Gelächter erhob, stand der Ritter auf und ein wilder -Blick machte die Spötter stumm. - -Da trat eilig ein Knappe herein und meldete, daß auf der Straße von -Schmiedeberg her ein schwer beladener Wagen in Sicht sei, der sicher eine -wertvolle Ladung mit sich führe. Mit wildem Geschrei sprangen die -Raubritter vom Gelage auf und griffen zu ihren Schwertern. Nur Wesso erhob -sich nicht und sah wie teilnahmslos den dahinstürmenden, rauhen Gesellen -nach. Nun war es still in dem weiten Gemach. Wesso blickte traurig vor sich -hin. Heute war der Todestag seiner Mutter. Das Andenken an sie hatte ihn -ernst gestimmt: darum kam heute kein Tropfen über seine Lippen, darum hatte -er nicht mit einstimmen können in die Zechlieder seiner Genossen, darum -hatte er nicht wie sie zu Schwert und Rüstung gegriffen. Das Bild seiner -Mutter in ihrer Sanftmut und Milde trat vor seine Seele; wie oft hatte sie -ihm die goldenen Worte der Schrift an das Herz gelegt: »Selig sind die -Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen, selig sind die -Sanftmütigen, die Friedfertigen.« Hatte er in seinem Leben sich an ihr Wort -und ihren Wandel gehalten? Oh, wie oft war er über die Reisenden -hergefallen, hatte sie um Hab und Gut und Leben gebracht und unsägliches -Herzeleid ihren Familien angetan! War das Barmherzigkeit, Sanftmut, -Friedfertigkeit! - -Mit raschem Schritt verließ er den Saal, befahl dem Knappen, schnell sein -Roß zu satteln und griff nach seinem Schwerte. In wenigen Minuten stürmte -er den Berg hinab zu der Schar seiner Ritter und Reisigen. - -»Gebt den Gefangenen frei!« rief er diesen laut entgegen, als er einen Mann -gebunden zwischen den Pferden sah. »Laßt ihn ziehen, oder ihr sollt meinen -Arm fühlen!« - -Die Raubritter murrten, aber Wesso stand in so hohem Ansehen bei ihnen, daß -sie nicht zu widersprechen wagten und die Bande des gefesselten Kaufmanns -lösten. Bleich und zitternd sank dieser zu Boden. Eine tiefe Wunde war am -Halse sichtbar und Blut bedeckte seinen Körper. - -Mitleidsvoll beugte sich Wesso über das Gesicht des Unglücklichen und es -war ihm so, als flüstere ihm eine sanfte Stimme in die Ohren: »Selig sind -die Barmherzigen, denn sie werden Barmherzigkeit erlangen.« »Tragt den Mann -auf euren Armen nach meiner Burg hinauf; dort soll er gepflegt und gewartet -werden. Auch den Wagen bringt hinauf. Wer es aber wagt, Hand an sein -Eigentum zu legen, der soll es mit mir zu tun haben.« - -Grollend und finsteren Antlitzes folgten ihm die Ritter. »Der Falke mausert -sich,« höhnten einige. »Seit wann ist es denn Sitte geworden, die Feinde in -die Burg einzuladen und die edlen Ritter rauh und hochmütig zu zwingen, daß -sie ihren Gegnern Hilfe leisten?« - -Schweigend und ohne auf die übermütigen Worte der Raubritter zu achten, -ritt Wesso in die Burg ein. Nun wurde dafür gesorgt, daß die Kisten mit den -Waren des Kaufmanns sicher und wohl aufbewahrt wurden, der Verwundete aber -erhielt eine gute Pflege in einem der Gemächer des Ritters. Oft überzeugte -sich dieser selbst von dem Zustande des Kranken und behandelte seine Wunde -wie im Gleichnis der barmherzige Samariter tat an dem Reisenden, der unter -die Mörder gefallen war. - -Wochen vergingen, ehe der Kranke genas und seine Reise weiter fortsetzen -konnte. Seine Waren ließ der Ritter auf einen Wagen laden und schenkte ihm -obendrein noch zwei seiner kräftigsten Pferde, damit er schneller vorwärts -käme und sein Ziel früher erreichte. - -Aber die Spießgesellen des Ritterz grollten ihm wegen seiner Großmut. Ihm -hatten sie es zu verdanken, daß ihnen die reiche Beute entgangen war. Nun -sannen sie auf Rache. - -Einer der Hauptgegner Wessos war der Herzog Bolko. Zu dessen Heerbann -gingen sie über und veranlaßten ihn, die Falkenburg zu erstürmen und den -Ritter gefangen zu nehmen. Das geschah. Eines Abends sah Wesso die Feinde, -welche einige Tage seine Burg belagert hatten, die Mauer ersteigen und -Feuerbrände in den Schloßhof werfen. Noch gab es einen Ausweg, einen -unterirdischen Gang. Diesen betrat der Ritter, während die Flammen schon -auf den Dächern der Schloßgebäude leuchteten. - -Verlassen und verraten von seinen Freunden, irrte der Flüchtige durch das -Dunkel der Nacht. Da vernahm er Tritte; schon wollte er sich, in der -Befürchtung auf seine Feinde zu stoßen, hinter einen Busch verstecken, als -eine Stimme ihn anredete. Die Sprache kam ihm bekannt vor und bald erkannte -er beim Scheine der Fackel, welche der Sprecher trug, den Kaufmann, welcher -in Fischertracht vor ihm stand. - -»Kommt mit mir in meine arme Hütte, Herr Ritter.« begann er zu reden, »sie -wird Euch sicher Schutz und Obdach gewähren. Seit jenem Tage, da Ihr mich -aus Eurer Burg geheilt entließet, hat mich das Unglück verfolgt. Ich bin -ein armer Mann geworden und lebe hier als Fischer. Kommt, bei mir seid Ihr -sicher vor Verfolgungen.« - -Mit Freuden nahm Wesso das Anerbieten an. Nach einer kurzen Wanderung lag -die Hütte vor ihren Augen. Der Fischer bereitete seinem Gaste ein kräftiges -Abendessen und unterhielt sich eine Weile mit ihm, bis dem Ritter infolge -der Aufregungen seiner Flucht die Augen zufielen. Auf ein weiches Lager -gebettet, fiel er in einen langen, erquickenden Schlaf. - -Als Wesso am andern Morgen erwachte, war der Fischer verschwunden. Er -suchte ihn in allen Winkeln und rief ihn bei seinem Namen, aber nirgends -war er zu finden. Da begann der Ritter, um sich seinen Unterhalt zu -verdienen, sich des Fischfanges zu befleißigen. Die Mannen des Herzogs -hatten seine Burg zerstört und waren abgezogen. Nun durfte er sich mehr aus -seinem Versteck wagen, um als Fischer seine Beute feilzubieten. Er konnte -zeitweise bei der allgemeinen Nachfrage nicht genug Fische liefern, obwohl -jeder Fang eine große Menge Fische einbrachte. - -So lebte er eine Zeitlang friedlich dahin, aber eine gewisse Sehnsucht nach -seinem früheren Leben konnte er in seinem Herzen nie unterdrücken. Wie gern -hätte er wieder sein streitbares Roß bestiegen, wie gern die Angelrute mit -dem Schwerte vertauscht! - -Eben war wieder der Todestag seiner Mutter und schwere Gedanken bewegten -Wessos Herz. Am Rande des Bächleins sitzend, senkte er traurig seine -Angelrute in das Wasser. Da zuckte es plötzlich am Haken und ein Fisch von -ungewöhnlicher Länge hing daran, den er nur mit der größten -Kraftanstrengung ans Land zu ziehen vermochte. Er mußte tief in den Bach -hineinwaten, um den Fang herauszuholen. Aber was für ein wunderbarer Fisch -hing an dem Haken! Er war von gediegenem Golde und nun erst wurde es dem -Ritter klar, daß jener Kaufmann, dem er einst das Leben gerettet hatte, -niemand anders, als der Berggeist des Riesengebirges, Rübezahl, gewesen -sei. - -Nun war er wieder reich. Er verließ die kleine Fischerhütte und baute ein -schönes Schloß an derselben Stelle, wo sein Zufluchtsort, die kleine -Fischerhütte, gestanden hatte. Mitten im Walde erhob sich bald die Burg des -Ritters; er gab ihr einen hohen Turm und mächtige Wälle und nannte sie zur -Erinnerung an den goldenen Fisch, den er im Bache gefangen hatte, -Fischbach. - -Um die Burg bauten sich im Tale Ansiedler an und wer heute zur schönen -Sommerszeit das Riesengebirge bereist, wird niemals verfehlen, auch das -herrlich gelegene, berühmt gewordene Fischbach aufzusuchen. - - - - -15. Meister Meckerling. - - -In der Stadt Landshut in Schlesien lebte ein Schneidermeister, namens -Samuel Meckerling. Sein Name war weit über das Weichbild der Stadt hinaus -bekannt, denn er galt für einen der geschicktesten Meister weit und breit -und es kam nicht selten vor, daß Edelleute, hohe Beamte und Gelehrte in -seinem Hause abstiegen und die Anfertigung ihrer Kleider bestellten. Einen -Fehler aber besaß der geschäftige Meister. Er pflegte von den kostbaren -Stoffen, aus welchen er die Kleider zuschnitt und anfertigte, immer einige -Stücken in die »Hölle« wandern zu lassen, das heißt für sich zu verwerten. -Auch kam es wiederholt vor, daß er gröbere Stoffe an Stelle der ihm -übergebenen feineren verarbeitete. - -Einst hielt ein herrschaftliches Geschirr vor seinem Hause und diesem -entstieg ein vornehmer Herr. Meckerling sprang von seinem Schneidertisch, -ging vor die Tür und begrüßte mit tiefer Verbeugung den Fremden. - -»Was verschafft mir, gnädiger Herr, die Ehre Eures Besuches?« redete er ihn -mit gewandten Worten an. - -»Ich wünsche von Euch innerhalb drei Tagen von diesem Tuche einen Rock -angefertigt zu haben. Gebt Euch rechte Mühe; er soll mein Staatsrock werden -und es wird für Euch kein Schaden sein, wenn das Werk den Meister lobt.« - -Meister Meckerling betrachtete mit Wohlgefallen den kostbaren Stoff und -machte sich daran, an der Gestalt des Fremden Maß zu nehmen. Da wiegte er -seinen Kopf wie bedenklich hin und her und sagte: - -»Der Stoff wird nicht reichen, gnädiger Herr, aus solchem kurzen Stück kann -ich den Rock, wie Ihr ihn wünscht, nicht anfertigen. Es fehlen noch fast -zwei Ellen.« - -Der Fremde aber, welcher wußte, daß er zwei Ellen zu viel beim Tuchhändler -gekauft hatte, antwortete nicht, sondern ging aus dem Hause. Als ihm -Meckerling das Geleit gab, verabschiedete er sich mit den kurzen Worten: -»In drei Tagen also wird mein Diener den fertigen Rock von Euch abholen.« - -So geschah es. Ein reichbetreßter Diener erschien, nahm den Rock in Empfang -und bezahlte die Rechnung. - -Meckerling lachte sich ins Fäustchen, als er die blanken Taler einstrich. - -»Das war ein feines Geschäft,« murmelte er vor sich hin, »einen honetten -Kunden mehr, eine reichliche Bezahlung und obendrein noch zwei Ellen des -kostbaren Stoffes für die >Hölle<.« - -Es war Sommer geworden und Meister Meckerling beschloß, drüben im -Böhmerlande seinen Bruder zu besuchen. Für die Schneiderei ist der Sommer -die stillste Zeit, darum war es ihm möglich, einen Ausflug zu unternehmen. - -Frisch und fröhlich ging er seinen Weg über das Gebirge. Da stand plötzlich -an einer engen Stelle der Straße ein Reiter vor ihm, der ihn am Weitergehen -hinderte. Von Kopf bis zu den Füßen war er feuerrot gekleidet und auf -seinem Hute prangte eine lange rote Feder. Sein Reittier bestand in einem -riesigen schwarzen Ziegenbock mit zwei gewaltigen Hörnern. - -»Nun, ehrsamer Meister Meckerling, das trifft sich ja herrlich,« schrie der -Rote, in welchem jener mit Schrecken seinen Kunden, den Edelmann, erkannte. -»Liegen denn noch die zwei Ellen gestohlenen Stoffes von meinem Rock in -Eurer Hölle? Ihr werdet mir gewiß davon mancherlei zu erzählen haben. Also -kommt, schwingt Euch auf meinen Ziegenbock, ich habe wenig Zeit.« - -Da fiel der Schneider in die Knie und hob flehentlich seine Hände auf. »Ach -Herr,« jammerte er, »macht keinen Ernst mit Euren Worten. Ich will Euch -alles gern wieder ersetzen, was ich veruntreut habe.« - -»Aufsitzen!« befahl wütend der Reiter, der kein anderer als Rübezahl war, -»oder ich schleudere dich den Abgrund hinunter, daß du kein Glied mehr -fühlst.« - -Da faßte Meckerling in seiner Angst in das zottige Fell des Bockes, um sich -auf seinen Rücken zu schwingen. Aber in demselben Augenblick erhob sich das -Tier und nun schwebte der dürre Schneider angsterfüllt zwischen Himmel und -Erde und flog sausend durch die Luft. Mit einem steinerweichenden Schrei -bat er flehentlich den lachenden Reiter, ihn wieder zur Erde zu befördern. - -Endlich setzte ihn der Bock ab. Aber es war finster geworden und der arme -Tropf befand sich in einer wildfremden Gegend. Über Stock und Stein, durch -Dornen und Dickicht, durch Moor und Sumpf stapfte er dahin, bis er endlich -erschöpft auf der breiten Fahrstraße anlangte. Mit zerrissenen Kleidern, -ermatteten Gliedern und gedemütigtem Herzen traf er endlich wieder in -seiner Behausung ein. - -Der Lustritt aber hatte den Schneider geheilt. Nun wurde er ehrlich und -legte vor seiner Hölle für alle Zeiten ein Schloß. Das wurde allenthalben -bekannt und Meister Meckerling ein wohlhabender Mann. - - - - -16. Gräfin Cäcilie. - - -Nach allen diesen Geschichten ließ der Berggeist lange Zeit nichts wieder -von sich hören. Zwar trug sich das Volk mit allerlei Wundergeschichten, -welche die Einbildung der Hausmütter in geselligen Winterabenden so lang -und fein ausspann als den Faden am Rocken; es war eitel Fabelei, zur -Kurzweil ausgedacht. Der Gräfin Cäcilie war die letzte Begegnung mit dem -Berggeiste vorbehalten, bevor er seine letzte Hinabfahrt in die Unterwelt -antrat. - -Diese Dame, mit allerlei Gicht und Gebrechen beladen, machte nebst zwei -gesunden, blühenden Töchtern die Reise nach Karlsbad. Die Mutter verlangte -so sehr nach der Badekur und die Fräuleins nach den Lustbarkeiten des -Bades, daß sie sonder Rast Tag und Nacht reisten. Es traf sich, daß sie -gerade mit Sonnenuntergang ins Riesengebirge gelangten. Es war ein -wunderbar schöner, warmer Sommerabend, kein Lüftchen regte sich. Der -nächtliche Himmel mit funkelnden Sternen besät, die goldene Mondsichel, -deren milchfarbenes Licht die schwarzen Waldschatten der hohen Fichten -milderte, und die beweglichen Funken unzähliger, leuchtender Johanniskäfer, -die in den Gebüschen schwirrten, gaben die Beleuchtung zu einer der -schönsten Naturbilder, wiewohl die Reisegesellschaft wenig davon wahrnahm; -denn Mama war, da es gemächlich bergan ging, von der schaukelnden Bewegung -des Wagens in sanften Schlummer gewiegt worden und die Töchter nebst der -Zofe hatten sich jede in ein Eckchen gedrückt und schlummerten gleichfalls. -Nur dem wachsamen Johann kam auf der hohen Warte des Kutscherbockes kein -Schlaf in die Augen; alle Geschichten von Rübezahl, die er vor Zeiten so -gespannt angehört hatte, kamen ihm jetzt auf dem Schauplatz dieser -Abenteuer wieder in den Sinn und er hätte wohl gewünscht, nie etwas davon -gehört zu haben. Ach, wie sehnte er sich nach dem sicheren Breslau zurück, -wohin sich nicht leicht ein Gespenst wagte! Er sah schüchtern auf alle -Seiten umher und durchlief mit den Augen oft alle zweiunddreißig Richtungen -der Windrose in weniger als einer Minute, und wenn er etwas ansichtig -wurde, das ihm bedenklich schien, so lief ihm ein kalter Schauer den Rücken -herunter und die Haare stiegen ihm zu Berge. Zuweilen ließ er seine -Besorgnisse den Schwager Postillion merken und forschte mit Fleiß von ihm, -ob's auch geheuer sei im Gebirge. Wiewohl ihm dieser nun die heile Haut -durch einen kräftigen Fuhrmannsschwur versicherte, bangte ihm doch das Herz -unablässig. - -Nach einer langen Pause der Unterredung hielt der Postkutscher die Pferde -an, murmelte etwas zwischen den Zähnen und fuhr weiter, hielt nochmals an -und wechselte so verschiedentlich. Johann, der seine Augen fest geschlossen -hatte, ahnte nichts Gutes, blickte schüchtern auf und sah mit Entsetzen in -der Weite eines Steinwurfs vor dem Wagen eine pechrabenschwarze Gestalt -daherwandeln von übermenschlicher Größe mit einem weißen spanischen -Halskragen angetan, und das Bedenklichste bei der Sache war, daß der -Schwarzmantel keinen Kopf hatte. - -Hielt der Wagen, so stand der Wanderer still und regte Wipprecht die Pferde -an, so ging er auch weiter. »Schwager, siehst du was!« rief der zaghafte -Tropf vom hohen Kutschbock herab mit berganstehendem Haar. - -»Freilich seh' ich was,« antwortete dieser ganz kleinlaut; »aber schweig' -nur, daß es nichts merkt.« - -Johann waffnete sich mit allen Stoßgebetlein, die er wußte und schwitzte -dabei vor Angst kalten Todesschweiß. Und wie ein Blitz, wenn's in der Nacht -wetterleuchtet und der Donner noch in der Ferne rollt, schon das ganze Haus -rege macht, um sich durch die Gemeinschaft mit den Hausbewohnern vor der -gefürchteten Gefahr zu sichern, so suchte aus dem nämlichen Trieb der -verzagte Diener Trost und Schutz bei seiner schlummernden Herrschaft und -klopfte hastig ans Fenster. Die erwachende Gräfin, unwillig, daß sie aus -ihrem sanften Schlummer gestört wurde, fragte: »Was gibt's?« - -»Ihro Gnaden, schaun Sie einmal aus,« rief Johann mit zagender Stimme, -»dort geht ein Mann ohne Kopf.« - -»Dummkopf, der du bist,« antwortete die Gräfin, »was träumt deine Phantasie -für Fratzen! Und wenn dem so wäre,« fuhr sie scherzhaft fort, »so ist ja -ein Mann ohne Kopf keine Seltenheit, es gibt deren in Breslau und außerhalb -genug.« - -Die Fräuleins konnten indessen den Witz der gnädigen Mama diesmal nicht -schmackhaft finden, ihr Herz war beklommen vor Schrecken, sie schmiegten -sich schüchtern an die Mutter an, bebten und jammerten: »Ach, das ist -Rübezahl, der Bergmönch!« - -Die Dame aber, die an keine Geister glaubte, strafte die Fräuleins dieser -spießbürgerlichen Vorurteile halber, bewies, daß alle Gespenster- und -Spukgeschichten Ausgeburten einer kranken Einbildungskraft wären, und -erklärte die Geistererscheinungen samt und sonders aus natürlichen -Ursachen. - -Ihre Zunge war eben in vollem Gange, als der Schwarzmantel, der auf einige -Augenblicke dem Gespensterspäher aus dem Auge geschwunden war, wieder aus -dem Busch hervor auf den Weg trat. Da war nun deutlich wahrzunehmen, daß -Johann falsch gesehen hatte; der Wandersmann hatte allerdings einen Kopf, -nur daß er ihn nicht wie gewöhnlich zwischen den Schultern, sondern wie -einen Schoßhund im Arme trug. Dieses Schreckbild in der Weite von drei -Schritten erregte innerhalb und außerhalb des Wagens großes Entsetzen. Die -holden Fräuleins und die Zofe, welche sonst nicht gewohnt war, mit -einzureden, wenn ihre junge Herrschaft das Wort führte, taten aus einem -Munde einen lauten Schrei, ließen den seidenen Vorhang herabrollen, um -nichts zu sehen und verbargen ihr Angesicht wie der Vogel Strauß, wenn er -dem Jäger nicht mehr entrinnen kann. Mama schlug mit stummem Schrecken die -Hände zusammen. Johann, auf den der furchtbare Schwarzmantel es besonders -abgesehen zu haben schien, erhob in der Angst des Herzens das gewöhnliche -Feldgeschrei, womit die Gespenster begrüßt zu werden pflegen: »Alle guten -Geister loben Gott den Herrn!« Doch ehe er ausgeredet hatte, schleuderte -ihm das Ungetüm den abgehauenen Kopf gegen die Stirn, daß er von seinem -hohen Sitz herabstürzte; in dem nämlichen Augenblicke lag auch der -Postkutscher durch einen kräftigen Keulenschlag zu Boden gestreckt und die -Erscheinung keuchte aus hohler Brust in dumpfen Ton diese Worte aus: »Nimm -das von Rübezahl, dem Herrn des Gebirges, daß du ihm ins Gehege fuhrst! -Verfallen ist mir Schiff, Geschirr und Ladung.« Hierauf schwang sich das -Gespenst auf den Sattel, trieb die Pferde an und fuhr bergab, bergan, über -Stock und Stein, daß vor dem Rasseln der Räder und dem Schnauben der Rosse -von dem Angstgeschrei der Damen nichts hörbar war. - -Urplötzlich vermehrte sich die Gesellschaft um eine Person; ein Reiter -trabte ganz unbefangen neben dem Fuhrmann vorbei und schien es gar nicht zu -bemerken, daß diesem der Kopf fehle; er ritt vor dem Wagen her, als wenn er -dazu gedungen wäre. Dem Schwarzmantel schien diese Gesellschaft eben nicht -zu behagen, er lenkte nach einer andern Richtung um, der Reiter tat -dasselbe und so oft auch jener aus dem Weg bog, so konnte er den lästigen -Geleitsmann nicht los werden, der wie zum Wagen gebannt war. Das nahm den -Fuhrmann groß wunder, besonders da er deutlich wahrnahm, daß der Schimmel -des Reiters einen Fuß zu wenig hatte, obgleich die dreibeinige Rosinante -übrigens ganz schulgerecht trabte. Dabei wurde dem schwarzen Wagenlenker -auf dem Sattelgaule nicht wohl zumute und er fürchtete, seine -Rübezahlsrolle dürfte bald ausgespielt sein, da der wahre Rübezahl sich ins -Spiel zu mischen schien. -- - -Nach Verlauf einiger Zeit drehte sich der Reiter um, so daß er dicht neben -den Fuhrmann kam, und fragte ihn ganz traulich: »Landsmann ohne Kopf, wo -geht die Reise hin?« - -»Wo wird's hingehen,« antwortete das Kutschergespenst mit furchtsamem -Trotz, »wie Ihr seht, der Nase nach.« - -»Wohl!« sprach der Reiter, »laß sehen, Gesell, wo du die Nase hast!« - -Darauf fiel er den Pferden in die Zügel, packte den Schwarzmantel beim Leib -und warf ihn so kräftig zur Erde, daß ihm alle Glieder dröhnten; denn das -Gespenst hatte Fleisch und Bein, wie jeder Mensch. Behend war der Betrüger -entkleidet; da kam ein wohlgeformter Krauskopf zum Vorschein, der gestaltet -war wie ein gewöhnlicher Mensch. Weil sich nun der Schalk entdeckt sah und -die schwere Hand seines Gegners fürchtete, auch nicht zweifelte, der Reiter -sei der leibhaftige Rübezahl, den er nachzuäffen sich unterfangen hatte, -ergab er sich auf Gnade und Ungnade und bat flehentlich um sein Leben. - -»Gestrenger Gebirgsherr,« sprach er, »habt Erbarmen mit einem -Unglücklichen, der die Schläge des Schicksals von Jugend auf erfahren hat, -der nie sein durfte, was er wollte, der jederzeit aus dem Stand mit Gewalt -herausgestoßen wurde, in den er sich mit Mühe hineingearbeitet hatte, und -nachdem sein Aufenthalt unter den Menschen vernichtet ist, auch nicht -einmal Gespenst sein darf.« - -Diese Anrede war ein Wort zu seiner Zeit. Der Berggeist war gegen seinen -Doppelgänger so ergrimmt, daß er ihn erdrosselt haben würde, wenn nicht -seine Neugierde rege gemacht worden wäre, die Schicksale des Abenteurers zu -vernehmen. - -»Sitz' auf, Gesell,« sprach er, »und tu, was dir geheißen wird.« Darauf zog -er vorerst dem Schimmel den vierten Fuß zwischen den Rippen hervor, trat an -den Schlag, öffnete diesen und wollte die Reisegesellschaft freundlich -begrüßen. - -Aber drinnen war's stille wie in einer Totengruft; der übermäßige Schrecken -hatte die Insassen so gewaltsam erschüttert, daß alle, von der gnädigen -Frau bis auf die Zofe, in ohnmächtigem Hinbrüten dalagen. Der Reiter wußte -indessen bald Rat zu schaffen; er schöpfte aus dem vorüberrieselnden -Bächlein einer frischen Bergquelle seinen Hut voll Wasser, sprengte den -Damen davon ins Gesicht, hielt ihnen das Riechfläschchen vor, rieb ihnen -mit der duftenden Flüssigkeit die Schläfe und brachte sie wieder ins Leben. -Sie schlugen eine nach der andern die Augen auf und erblickten einen -wohlgestalteten Mann von unverdächtigem Aussehen, der durch seine -Dienstbeflissenheit sich bald Zutrauen erwarb. - -»Es tut mir leid, meine Damen,« redete er sie an, »daß Sie in meinem -Gerichtsbezirk von einem vermummten Bösewicht belästigt worden sind, der -ohne Zweifel die Absicht hatte, Sie zu bestehlen; aber Sie sind in -Sicherheit, ich bin der Oberst von Riesental. Erlauben Sie, daß ich Sie zu -meiner Wohnung geleite, die nicht fern von hier ist.« - -Diese Einladung kam der Gräfin sehr gelegen, sie nahm solche mit Freuden -an; der Krauskopf bekam Befehl, fortzufahren und gehorchte mit zagender -Bereitwilligkeit. Um den Damen Zeit zu lassen, sich von ihrem Schrecken zu -erholen, gesellte sich der Oberst wieder zum Fuhrmann, hieß ihn bald -rechts, bald links wenden und dieser bemerkte ganz deutlich, daß der Ritter -zuweilen eine von den herumschwirrenden Fledermäusen zu sich berief und ihr -geheime Befehle erteilte, was sein Grausen noch vermehrte. - -In Zeit von einer Stunde blinkte in der Ferne ein Lichtlein, daraus wurden -zwei und endlich vier; es kamen vier Jäger herangesprengt mit brennenden -Fackeln, die ihren Herrn, wie sie sagten, ängstlich gesucht hatten und -erfreut schienen, ihn zu finden. Die Gräfin war nun wieder in vollem -Gleichmute und da sie sich außer Gefahr sah, dachte sie an den ehrlichen -Johann und war um sein Schicksal bekümmert. Sie eröffnete ihrem Schutzherrn -dieses Anliegen, der alsbald zwei von den Jägern fortschickte, die beiden -Unglückskameraden aufzusuchen und ihnen benötigten Beistand zu leisten. -Bald darauf rollte der Wagen durchs düstere Burgtor in einen geräumigen -Vorhof hinein und hielt vor einem herrlichen Palast, der ganz erleuchtet -war. Der Oberst bot der Gräfin den Arm und führte sie in die Prachtgemächer -seines Hauses in eine große Gesellschaft ein, die daselbst versammelt war. -Die Fräuleins befanden sich in keiner geringen Verlegenheit, daß sie in -Reisekleidern in eine so glänzende Gesellschaft traten, ohne vorher die -Kleider gewechselt zu haben. - -Nach den ersten Höflichkeitsbezeigungen gruppierte sich die Gesellschaft -wieder in verschiedene kleine Kreise. Einige setzten sich zum Spiel, andere -unterhielten sich durch Gespräche. Das Abenteuer wurde viel beredet und, -wie es bei Erzählung überstandener Gefahren gewöhnlich der Fall ist, zu -einem kleinen Heldengedicht ausgebildet, in welchem Mama sich gern die -Rolle der Heldin zugeteilt hätte, wenn sich das Riechfläschchen des -hilfreichen Ritters hätte beseitigen lassen. Bald darauf führte der -aufmerksame Wirt einen Mann ein, der recht wie gerufen kam; es war ein -Arzt, der nach dem Gesundheitszustande der Gräfin und ihrer schönen Töchter -forschte, den Puls prüfte und mit bedeutender Miene mancherlei bedenkliche -Anzeichen ahnte. Obwohl sich die Dame so wohl als möglich befand, so machte -ihr doch die angedrohte Gefahr für das Leben bange; denn aller -Leibesbeschwerden ungeachtet, war ihr der gebrechliche Körper noch so lieb -wie ein langgewohntes Kleid, das man nicht gern entbehrt, ob es gleich -abgetragen ist. Auf Verordnung des Arztes verschluckte sie Pulver und -Tropfen, und die gesunden Töchter mußten wider Willen dem Beispiel der -besorgten Mutter folgen. - -Allzu nachgiebige Patienten machen strenge Ärzte; die ärztlichen -Verordnungen waren kaum befolgt, so begab man sich zur Tafel in den -Speisesaal, wo ein königliches Mahl aufgetischt wurde. Die Schenktische -waren mit Silberwerk aufgeputzt; es prangten da goldene und übergoldete -Pokale und riesige Willkommen nebst den dazugehörigen Schalen von -getriebener Arbeit. Eine herrliche Musik tönte aus den Nebenzimmern und -flötete den leckerhaften Schmaus und die feinen Weine den Gästen lieblich -hinunter. Nach Entfernung der Schüsseln ordnete der Speisemeister den -bunten Nachtisch, der aus Bergen und Felsen von gefärbtem Zucker bestand. -Das ganze Abenteuer der Gräfin war in niedlichen Figuren, wie sie auf den -Tafeln der Großen zu prangen pflegen, abgebildet. Die Gräfin unterließ -nicht, das alles in der Stille bei sich bewundernd zu beherzigen. Sie -wendete sich an ihren Stuhlnachbar, seiner Angabe nach einen böhmischen -Grafen, fragte neugierig, was für ein Festtag hier gefeiert werde, und -erhielt zur Antwort, daß nichts Außerordentliches vorgehe, es sei nur eine -freundschaftliche Begegnung von guten Bekannten, die hier zufälligerweise -zusammenträfen. Es nahm sie wunder, von dem wohlhabenden, gastfreien -Obersten von Riesental weder in noch außerhalb Breslau je ein Wort gehört -zu haben, und so emsig sie auch die Namen durchlief, wovon ihr Gedächtnis -einen reichen Vorrat aufbewahrte, konnte sie doch diesen Namen darunter -nicht ausfindig machen. Sie gedachte das von dem Wirt selbst zu erforschen -und begehrte von ihm Aufschluß und Belehrung; aber dieser wußte ihr so -geschickt auszuweichen, daß sie nie mit ihm zum Zwecke kam. Geflissentlich -riß er diesen Faden ab und zog die Unterredung in die lustigen Räume des -Geisterreiches hinüber. - -Einer der Gäste wußte viel wundersame Geschichten von Rübezahl zu erzählen; -man stritt für und wider die Wahrheit derselben; die Gräfin zog gegen das -Dasein des Geistes sehr zu Felde. - -»Meine eigene Geschichte,« so sprach sie, »ist ein augenscheinlicher -Beweis, daß alles, was man von dem erwähnten Berggeiste sagt, leere Träume -sind. Wenn er hier im Gebirge sein Wesen hätte und die edlen Eigenschaften -besäße, die ihm Fabler und müßige Köpfe zueignen, so würde er einem -Schurken nicht gestattet haben, solchen Unfug auf seine Rechnung mit uns zu -treiben. Aber das armselige Unding von Geist konnte seine Ehre nicht retten -und ohne den edelmütigen Beistand des Herrn von Riesental hätte der freche -Bube sein Spiel so weit mit uns treiben können, als er Lust hatte.« - -Der Herr vom Hause hatte an diesen Gesprächen bisher wenig Anteil genommen; -jetzt aber mischte er sich ins Gespräch und nahm das Wort: - -»Sie haben, gnädige Frau, mit vielem Geschick versucht, das -Nichtvorhandensein des Berggeistes mit mancherlei Gründen zu beweisen. -Dennoch dünkt mich, ließen sich gegen Ihren letzten Beweis noch einige -Einwürfe machen. Wie, wenn der fabelhafte Gebirgsgeist bei Ihrer Befreiung -aus der Hand des entlarvten Räubers dennoch mit im Spiel gewesen wäre? Wie, -wenn es ihm gefallen hätte, meine Gestalt anzunehmen, um Sie unter dieser -unverdächtigen Maske in Sicherheit zu bringen, und wenn ich Ihnen sagte, -daß ich von dieser Gesellschaft, als Wirt vom Hause, mich nicht einen Fuß -breit entfernt habe, daß Sie durch einen Unbekannten in meine Wohnung -eingeführt worden sind, der nicht mehr vorhanden ist? Sonach wär's doch -möglich, daß der Berggeist seine Ehre gerettet hätte, und daraus würde -folgen, daß er nicht ganz das Unding wäre, wofür Sie ihn halten.« - -Diese Rede brachte die Gräfin einigermaßen aus der Fassung und die schönen -Fräuleins legten vor Erstaunen die Gabel aus der Hand und sahen dem -Hausherrn starr ins Angesicht, um ihm aus den Augen zu lesen, ob das im -Scherz oder im Ernst gesagt sei. Die weitere Erörterung unterbrach die -Ankunft des wieder aufgefundenen Bedienten und des Postkutschers. Der -letztere war ebenso beglückt beim Anblick seiner vier Rappen im Stalle, wie -der erstere, als er frohlockend ins Tafelgemach eintrat und daselbst seine -Herrschaft vergnügt und wohlbehalten antraf. Triumphierend trug er das -ungeheure Riesenhaupt des Schwarzmantels einher, durch welches er wie von -einer Bombe zu Boden geschmettert worden war. Das Haupt wurde dem Arzte -übergeben, um es zu begutachten. Doch erkannte er es bald für einen -ausgehöhlten Kürbis, der mit Sand und Steinen angefüllt und durch den -Zusatz einer hölzernen Nase und eines langen Flachsbartes zu einem -abschreckenden Menschenantlitz aufgestutzt war. - -Nach aufgehobener Tafel ging die Gesellschaft auseinander, da der Morgen -bereits herandämmerte. Die Damen fanden ein köstlich zubereitetes -Nachtlager in seidenen Prunkbetten, wo sie der Schlaf so geschwind -überraschte, daß die Einbildungskraft nicht Zeit hatte, ihnen die -Schreckbilder der Gespenstergeschichte wieder vorzugaukeln und ängstliche -Träume anzuspinnen. Es war hoch am Tage, als Mama erwachte, der Zofe -klingelte und die Fräuleins weckte, die gern noch einen Versuch gemacht -hätten, in den weichen Federn auch auf dem andern Ohr zu schlafen. Allein -die Gräfin verlangte so sehr, die Heilkräfte des Bades aufs baldigste zu -versuchen, daß sie durch keine Einladung des gastfreien Hauswirtes zu -bewegen war, einen Tag zu verweilen, so gern auch die Fräuleins dem Ball -beigewohnt hätten, den er ihnen zu geben verhieß. Sobald das Frühstück -eingenommen war, schickten sich die Damen zur Abreise an. Gerührt durch die -freundschaftliche Aufnahme, die sie in dem Schlosse des Herrn von Riesental -genossen hatten, der auf die höflichste Art bis an die Grenzen seines -Gebietes ihnen das Geleite gab, beurlaubten sie sich mit der Verheißung, -auf der Rückkehr wieder einzusprechen. - -Kaum war Rübezahl in seiner Burg angelangt, so wurde der Krauskopf ins -Verhör geführt, der unter Furcht und Erwartung der Dinge, die da kommen -würden, die Nacht in einem unterirdischen Keller zugebracht hatte. - -»Elender Erdenwurm,« redete ihn der Geist an, »was hält mich ab, daß ich -dich nicht zertrete für die in meinem Eigentum mir zu Spott und Hohn -verübte Gaukelei? Büßen sollst du mir mit Haut und Haar für diese -Frechheit.« - -Der Krauskopf hielt eine lange Rede und suchte sein Verhalten mit seinen -unglücklichen Lebensschicksalen zu beschönigen. Das stimmte den Berggeist -milder und er sprach: - -»Geh, Schurke, so weit dich deine Füße tragen und ersteig den Gipfel deines -Glücks am Galgen!« Hierauf verabschiedete er seinen Gefangenen mit einem -kräftigen Fußtritte, und dieser war froh, daß er mit einer so gelinden -Strafe abkam und pries seine Beredsamkeit, die seiner Meinung nach ihn -diesmal aus einer sehr mißlichen Lage gezogen hatte. Er beeilte sich, dem -gestrengen Gebirgsherrn aus den Augen zu kommen. - -Die Gräfin Cäcilie war indessen mit ihrer Begleitung glücklich und -wohlbehalten in Karlsbad angelangt. Das erste, was sie tat, war, den -Badearzt zu sich zu berufen und ihn, wie gewöhnlich, über ihren -Gesundheitszustand und die Einrichtung der Kur zu befragen. Da trat herein -der weiland hochberühmte Arzt Doktor Springsfeld aus Merseburg, für welchen -das Bad eine Goldquelle war. - -»Seien Sie uns willkommen, lieber Doktor,« riefen Mama und die holden -Fräuleins ihm traulich und freundlich entgegen. - -»Sie sind uns zuvorgekommen,« fügte erstere hinzu, »wir vermuteten Sie noch -bei dem Herrn von Riesental; aber loser Mann, warum haben Sie uns dort -verschwiegen, daß Sie der Badearzt sind?« - -Der Arzt stutzte, sann lange hin und her und erinnerte sich nicht, die -Damen irgendwo gesehen zu haben. - -»Ihro Gnaden verwechseln ohne Zweifel mich mit einem andern,« sprach er, -»ich habe vorher nicht die Ehre gehabt, Ihnen persönlich bekannt zu sein; -der Herr von Riesental gehört auch nicht zu meiner Bekanntschaft, und -während der Kurzeit pflege ich mich nie von hier zu entfernen.« - -Die Gräfin konnte keinen anderen Grund von dieser Verstellung, welche der -Arzt so ernsthaft behauptete, sich geben, als daß er für die geleistete -Dienste nicht wollte belohnt sein. Sie erwiderte lächelnd: »Ich verstehe -Sie, lieber Doktor; Ihr Zartgefühl geht aber zu weit; es soll mich nicht -abhalten, mich für Ihre Schuldnerin zu bekennen und für Ihren guten -Beistand dankbar zu sein.« - -Sie nötigte ihm darauf eine goldene Dose mit Gewalt auf, die der Arzt -jedoch nur als Vorausbezahlung annahm und, um die Dame als eine gute -Kundschaft nicht unwillig zu machen, widersprach er ihr nicht weiter. Er -erklärte sich übrigens das Rätsel ganz leicht durch die Annahme, daß die -ganze gräfliche Familie von einer Art Kribbelkrankheit befallen sei, wobei -seltsame und unbegreifliche Wirkungen der Einbildungskraft nichts -Ungewöhnliches sind, und verordnete allerlei Mittel. - -Doktor Springsfeld suchte sich seinen Patienten lieb und angenehm zu -machen; er wußte seine Kunden mit artigen Geschichtchen, Stadtneuigkeiten -und kleinen Anekdoten wohl zu unterhalten und ihre Lebensgeister dadurch -aufzumuntern. Da er vom Besuch der Gräfin seine Ronde ging, gab er die -sonderbare Begegnung mit der neuen Kundschaft in jedem Krankenzimmer zum -besten, ließ bei der oftmaligen Wiederholung die Sache unvermerkt wachsen -und kündigte die Dame bald als eine Kranke, bald als Seherin an. Man war -begierig, eine so außerordentliche Bekanntschaft zu machen, und die Gräfin -Cäcilie wurde in Karlsbad das Märchen des Tages. Alles drängte sich zu ihr, -da sie mit ihren schönen Töchtern zum erstenmal erschien. Es war ihr und -den Fräuleins ein höchst überraschender Anblick, die ganze Gesellschaft -hier anzutreffen, in welche sie vor einigen Tagen in dem Schlosse des Herrn -von Riesental eingeführt worden waren. Der böhmische Graf fiel ihnen zuerst -in die Augen. Sie waren der steifen Formen überhoben, gegen Unbekannte sich -zu beknicksen; es war für sie kein fremdes Gesicht im Saale. Mit -freimütiger Unbefangenheit wendete sich die gesprächige Dame bald zu dem, -bald zu jenem von der Gesellschaft, nannte jeden bei seinem Namen und -Titel, sprach viel vom Herrn von Riesental, bezog sich auf die bei diesem -gastfreien Manne mit ihnen allerseits gepflogenen Unterredungen und wußte -sich nicht zu erklären, was das fremde und kalte Betragen aller der Herren -und Damen bedeuten sollte, die vor kurzem so viel Freundschaft und -Vertraulichkeit gegen sie geäußert hatten. Natürlich geriet sie auf den -Wahn, das sei eine abgeredete Sache, und der Herr von Riesental würde der -Schäkerei dadurch ein Ende machen, daß er unvermutet selbst zum Vorschein -käme. - -Alle diese Reden bewiesen nach der Meinung der Badegesellschaft so sehr -eine überspannte Einbildung, daß sie samt und sonders die Gräfin -bemitleideten, die nach dem Urteil aller Anwesenden eine sehr vernünftige -Frau zu sein schien und in ihren Reden und dem Gange der Gedanken nichts -Ausschweifendes verriet, wenn ihre Einbildung nicht den Weg über das -Riesengebirge nahm. Die Gräfin ihrerseits erriet aus den bedeutsamen -Gesichtszügen, Winken und Blicken der um sie her versammelten Herrschaften, -daß man sie schief beurteilte und daß man wähnte, ihre Krankheit habe sich -aus den Gliedern ins Hirn versetzt. Sie glaubte, die beste Wiederlegung -dieses kränkenden Vorurteils sei die aufrichtige Erzählung ihres Abenteuers -auf der schlesischen Grenze. Man hörte sie mit der Aufmerksamkeit, mit der -man ein Märchen anhört, das auf einige Augenblicke angenehm unterhält, -davon man aber kein Wort glaubt. - -»Wunderbar!« riefen alle Zuhörer aus einem Munde und sahen bedeutsam den -Doktor Springsfeld an, der verstohlen die Achsel zuckte und sich gelobte, -die Patientin nicht eher aus seiner Pflege zu entlassen, bis das heilende -Wasser des Bades das abenteuerliche Riesengebirge aus ihrer Einbildung rein -weggespült haben würde. Das Bad leistete indessen alles, was der Arzt und -die Kranke davon erwartet hatten. Da die Gräfin sah, daß ihre Geschichte -wenig Glauben fand und sogar ihren gesunden Menschenverstand verdächtig -machte, so redete sie nicht mehr davon und Doktor Springsfeld unterließ -nicht, dieses Schweigen den Heilkräften des Bades zuzuschreiben, das doch -auf eine ganz andere Art gewirkt und die Gräfin aller Gichten und -Gliederreißen entledigt hatte. - -Nachdem die Badekur beendigt war, die schönen Fräuleins sich genug hatten -bewundern lassen, den lieblichen Weihrauch der Schmeichelei reichlich -eingeatmet und sich satt und müde getanzt hatten, kehrten Mutter und -Töchter nach Breslau zurück. Sie nahmen mit gutem Vorbedacht den Weg wieder -durchs Riesengebirge, um dem gastfreien Obersten Wort zu halten und bei der -Rückreise bei ihm vorzusprechen; denn von ihm hoffte die Gräfin Auflösung -des ihr unbegreiflichen Rätsels, wie sie zur Bekanntschaft der -Badegesellschaft gelangt sei, die sich so wildfremd gegen sie gebärdete. -Aber niemand wußte den Weg nach dem Schlosse des Herrn von Riesental -nachzuweisen, noch war der Besitzer zu erfragen, dessen Name sogar weder -diesseits noch jenseits des Gebirges bekannt war. Dadurch wurde die -verwunderte Dame endlich überzeugt, daß der Unbekannte, der sie in Schutz -genommen und beherbergt hatte, kein anderer gewesen sei als Rübezahl, der -Berggeist. Sie gestand, daß er das Gastrecht auf eine edelmütige Art an ihr -ausgeübt hätte, verzieh ihm seine Neckerei mit der Badegesellschaft und -glaubte nun von ganzem Herzen an das Dasein des Geistes, obgleich sie um -der Spötter willen Bedenken trug, ihren Glauben vor der Welt offenbar -werden zu lassen. - -Seit dieser Begegnung mit der Gräfin Cäcilie hat Rübezahl nichts mehr von -sich hören lassen. Er kehrte in seine unterirdischen Staaten zurück, und da -bald nach dieser Begebenheit der große Erdbrand ausbrach, der Lissabon und -nachher Guatemala zerstörte, so fanden die Erdgeister so viel Arbeit in der -Tiefe, den Fortgang der Feuerströme zu hemmen, daß sich seitdem keiner mehr -auf der Oberfläche der Erde hat blicken lassen. - - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Rübezahl, by Rudolf Reichhardt - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK RÜBEZAHL *** - -***** This file should be named 40327-8.txt or 40327-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/3/2/40327/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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