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authornfenwick <nfenwick@pglaf.org>2025-03-08 23:44:05 -0800
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+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40294 ***
+
+MAURICE BARRÈS
+
+
+DER MORD AN DER
+JUNGFRAU
+
+
+1913
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+Dies Buch wurde
+gedruckt im August 1913 als zehnter
+Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei
+Poeschel & Trepte in Leipzig
+
+Berechtigte Übersetzung von H. Lautensack
+COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913
+
+
+
+
+
+
+»Immerzu traurig, Amaryllis! sollten dich die jungen Herrn im Stich
+gelassen haben, deine Blüten welk, deine Wohlgerüche ausgehaucht sein? Ließ
+Atys, das göttliche Kind, von dir mit seinen eitlen Liebkosungen?
+Amaryllis, wünsch dir was, einen Gott oder ein Kleinod, wünsch dir alles,
+außer Liebe, die kann ich hinfort nicht mehr; -- obendrein, was vermöchte
+nicht ein Lächeln von einer, die Aphrodite zärtlich liebt?«
+
+So sprach Lucius gelinde mit Amaryllis, der sehr jungen Kurtisane mit den
+Goldaugen und dem goldenen Haar; und ihr Barkschiff gleitet dazu auf dem
+blauen Kanal hin, und die Seerosen rauschen.
+
+Von den schlafenden Bäumen wacht unbewegt das Spiegelbild auf der
+Oberfläche des tiefen Wassers. Das Ufer wartet prunkend auf mit seinen
+wollüstigen Landhäusern, seinen Pomeranzenhainen und seiner großen Stille.
+Zwischen dem grünen Gezweig leuchtet zuweilen der gelb gewordene Marmor
+einer Gottfigur auf, und das unveränderliche Verhalten dieser manchen
+Götter scheint wie eine Geringschätzung der veränderlichen, schillernden
+Reden der leichtblütigen Orientalin und ihres skeptischen Freunds. Weit,
+weit und in der Wärme blaßrosenfarben verfließend ist es nur die Linie der
+Berge, der Hort der Einsiedlerischen und der wilden Tiere, die ein wenig
+diesen Himmelstraum verstört. Und nun ist man schon dem Gestade sehr nah,
+an dem die Stadt wollüstig hingelagert ist, von den Lippen der Wellen und
+der Winde geschmeichelt, die Stadt, die die Arme über das Meer ausstreckt
+und das ganze All herbeizurufen scheint, herbei ans Duft ausströmende und
+fieberhaft durchwühlte Bett, der Agonie einer Welt zu Hilfe und zu der
+Geburt neuer Jahrhunderte.
+
+Mit einer müden, überdrüßigen Grazie ruht sich Amaryllis auf weißen
+Seidenpolstern aus. Der schwere Mantel aus Blattsilber -- als ob er
+verwundend eindränge auf den nachgebenden Mädchenleib. Die runden
+blaugeäderten Arme liegen wie eine Krone um das Gesicht der Jungfrau, das
+die Jünglinge auspeitscht. Und so geht das leise Lied ihrer Stimme:
+
+»Lach immer, Lucius, lach zu. Wenn ein Sterblicher meine Langeweile
+zerstreuen kann, bist du's, von dem ich's hoffe. Du hast geliebt, Lucius,
+man erzählt, daß du geweint hast vor Betten, die dich verschmähten oder die
+zu kalt waren. Heut, überdrüssig, lachst du über die Frau. Begreif' doch,
+daß mich dies ewige Geseufze der Männer zur Verzweiflung bringt. Ich bin
+jung und schön und langweile mich, ja, Lucius. Die Zärtlichkeiten dieses
+Atys, die Mysterien der Isis und wie groß Serapis sei, befriedigen meine
+Sehnsüchte nicht; was will mir Aphrodite? Ich bin es, die die Liebe erregt;
+ich weiß um ihre Leiden, und daß sie einen tot machen, denn Liebesgirren
+wird zur Gewohnheit. Ich bin eine Syrierin, die Tochter einer
+Freigelassenen, die eine Seherin war; du bist ein Römer, fast ein Hellene,
+du weißt dich lustig zu machen, Lucius, aber trösten wär ein Süßeres,
+Köstlicheres.«
+
+Der Römer lehnte an einem Schaft des purpurnen und schwarzen Baldachins und
+spielte mit den Goldquasten seiner gelbseidenen Tunika. Die Eleganz seiner
+Bewegungen erzählte, daß er ein Lebemann war, gewöhnt, es zu sein, und
+müde, es zu sein. Er meidet gern die ernsten Worte, die bald geschmacklos
+klingen.
+
+»Du, Amaryllis. Laß mich, bitte, ein wenig erstaunt sein, daß so ein
+kleines Herz soviel leiden mag, und was sich hinter so einer schmalen Stirn
+Merkwürdiges aufhält. Du hast junge reiche Liebhaber, hast Philosophen, ja,
+hast sogar Affen, die dich allzusamm' aufheitern können. Und da sehnst du
+Götter herbei und Dinge, die nicht einmal Namen haben!«
+
+Die bläuliche Seide ihres Obergewandes ließ den jungen Weibleib, in Brokat
+starrend, durchscheinen. Die schlanken Finger spielten mit der gelblichen
+Kristallkapsel, darin ihre Mutter dereinst Beschwörungsgebete verschloß.
+Nichts war hörbar als das Wasser unter der Barke; und von Zeit zu Zeit
+schoß ein Fisch auf, daß sein Leib ein silberner Blitz war. Aber das
+zermarterte Herz des Kindes war traurig.
+
+»In welches Theater, zu welcher Wundertäterin oder in was für einen Tempel
+geht unsere Amaryllis heute? Ich möchte sie doch gerne führen, wohin sie es
+treibt, ehe ich selber ins Serapeum gehe.«
+
+»Du bist von der Athene eingeladen?« fragte die Junge und erhob sich, und
+ihre Stimme klang aufgeweckter. »Athene! Sie weiß die Dinge, so sagt man,
+und die Götter beschützen sie. Einmal, mitten unter Blumen und jungen
+verliebten Leuten war ich, da hab' ich sie gesehen, auf einem Turme vom
+Serapeum, sie war verzückt und ganz in Weiß. Meine Freunde jauchzten ihr
+zu, aber ich war gar nicht eifersüchtig, weil sie doch eine keusche
+Gottheit ist. Und dann kamen von jenen Menschen dazu, die ein Kreuz anbeten
+und alle Gewißheit besitzen, und pfiffen sie aus. Über ihr erblaßte der
+Mond, hoch über aller Roheit. Aber jene andern wurden in Licht von der
+aufgehenden Sonne getaucht, wie in Blut, in Siegerblut, und ich muß denken,
+das sei eine Vorbedeutung. Sag, wie macht die sich denn die Seelen
+dienstbar? Ist sie schöner als ich, sag'? Vielleicht könnte sie mich
+heilen.«
+
+»Immerfort träumst du doch, Amaryllis. Deine Träume verderben dir die
+Freude am Leben. Lächle lieber, du meine liebe Lydierin, und zu deinem
+Munde werden die einen kommen und an deinem Kuß zerbrechen, die andern
+kommen und ihre letzten Täuschungen loswerden. Raub' du die Stunde aus, die
+gegenwärtig ist, leb' an den Liebesbränden der Jüngsten und an den
+Freundschaftsfeuern derer, die wollustmüde geworden sind -- und laß die
+Jungfrau vom Serapeum sich von Vergangenem nähren!«
+
+Und er beugte sich und hielt die Hand der Amaryllis in seinen Händen. Aber
+Amaryllis fing an zu weinen:
+
+»Bei unseren Lüsten, die dir noch gegenwärtig sind, bei deiner Liebe, die
+du zu meinen kleinen Grübchen empfandest, bei dem Haß, mit dem du die
+Christen hassest, die mich nicht mögen, bei meinem Weinen, das mich wieder
+häßlich machen wird, Lucius -- Lucius, bring mich zu der Athene!«
+
+Der junge Mann hielt sie mit seinen Armen auf und kniete vor ihr:
+
+»Du bist dazu ausersehen,« sagte er, »daß du einen gesunden und schönen
+Leib trägst. Wer möchte den öffnen und die Gedanken in ihn einlassen, die
+doch alles entstellen!«
+
+Indes, da sie nicht aufhörte zu jammern, und der froheste Tag durch Tränen
+einer Frau zu einem betrüblichen werden mag:
+
+»Nun, gut, Amaryllis. Lächle und gib mir die Hand, daß wir zur Athene gehen
+und daß ich dich weise, wie eine junge Schülerin.«
+
+Da hob das Kind den Kopf auf. Es erstrahlte das feine Gesicht, und ganz
+schnell richteten die Hände im Haar. Die Ruderstangen hielten an, und die
+Barke stieß leicht ans Ufer, wo eine Menge Volks promenierte.
+
+»Ins Serapeum!« sagte sie groß.
+
+In einer Sänfte und im Schatten der Säulengänge kamen sie langsam vorwärts,
+unter den Parfüms all der möglichen Stämme dieses durch allerlei seltsamste
+Prostitutionen des Weibes und junger Männer gesteigerten Orients. An einer
+Straßenecke, plötzlich, stürzte ihnen dann ein Pöbel mit Heulen entgegen,
+lauter wilde Gestalten und von etwas sehr begeistert. Christen warens, die
+so daherstürzten und die Juden erschlagen wollten. Die Kurtisane erzittert;
+duckt ihr feines Gesicht an die Draperien; und unter dem rieselnden
+Goldhaar will es ein wenig lächeln und sucht die Augen des Lucius. Da
+schrie einer aus der Flut, die sich daherwälzte, einer, der alles mit
+seinem Wuchs überragte und der sie alle aufreizte, schrie:
+
+»Das Weib der Gastmähler wird mit Weinen in den Tempel laufen! Der Gott ist
+gekommen, mit seinem Kuß von den Küssen des Menschen zu erlösen!«
+
+Und dann verschwand das alles, ein paar gekrümmte Straßen hin, Metzeleien
+entgegen.
+
+Mit der dreifachen Krone seiner zerfallenden Galerien und den hundert
+halbversunkenen Stufen seiner Treppe unterwarf sich das Serapeum
+sichtbarlich all den Glanz, all die Unzucht und all die Schwärmerei der
+Stadt. Auf seinen Mauern, die aus den Fugen gleiten wollten, nisteten wilde
+Kapernsträuche und blühten. Aber es war -- wie das Grab Hellas. Angefüllt
+mit den Bildern alten Ruhms und mit einer Bibliothek von mehr als
+siebenmalhunderttausend Bänden. Diese kostbaren Reliquien dankten ihr Leben
+dem frommen Eifer einer erhabenen Jungfrau, jener Athene . . . . gleich wie
+unser Heut-Empfinden, das sich verfolgt sieht, zum elfenbeinernen Turm
+flüchtet . . . .
+
+Athene waltete über die Satzungen und über die Lehren wie über ein Erbe und
+war allwöchentlich der Mittelpunkt des Kreises der Hellenen. Und hielt in
+den Herzen, die aus der Zeit und aus der Heimat verbannt waren, wach, daß
+Denken eine Würde sei und Erinnerung eine Tat. Und sie wurde sogar geliebt
+von denen, die sie nicht begreifen konnten.
+
+In dem großen Saal, der mit Mosaik ausgelegt war und strahlte, und der mit
+soviel Menschendenken und -geist prunkte, erschien Athene wie eine
+Herrscherin, von Römern, von Griechen und von vielen schweren Greisen
+umringt, ja auch von einigen Mondänen, die Gefallen fanden bei schönen
+Diskursen und an mutigen Sprüchen. Und Athenens Augen und Athenens Gesten
+hatten Harmonie und Frieden.
+
+Lucius folgte ihr, wie Amaryllis, unruhvoll und reizvoll zugleich, eintrat.
+
+»Schön bist du, Amaryllis. Und doch steht es dir an, daß du eine von den
+Unserigen seiest. Du sollst erfahren, was Griechenland war, was seine
+Portiken unter dem blauen Himmel und was seine immergrünen Olivenhaine
+waren, daß alles Götteratem lind bewegte, Heiterkeit die Leiber und die
+gesunden Seelen badete; und dein schnelles Blut wird leicht den
+Zusammenklang von Wunsch und Sein hören lernen. Plotinus, dem die Götter
+ihr Herz eröffneten, pflegte zu sagen: Wo die Liebe ging, da stellt sich
+der Verstand ein. Amaryllis, du, die in der Kypris Wohnung hatte, nimm
+deinen Platz unter uns wie eine Schwester, die es verdient, daß wir auf sie
+hören.«
+
+»Du Athene«, sagte ein Jüngling, »du magst die Liebe willkommen heißen?«
+
+Aber sie hielts nicht der Müh' für wert, auf solch flehentlichen Vorwurf zu
+hören, und bedeutete lieber, daß sie aufgehört habe zu sprechen.
+
+Stand einer auf, ein Redner; und brachte gar betrübliche Nachricht vor, wie
+jene Christensekte mit ihrer aufdringlichen Lehre sich ausbreite, sprach
+von dem Schaden jener weichlichen Religion, und wie die ehrwürdigsten
+Traditionen dabei zu Fall kommen mußten. Und er beschwor das unheilkündende
+Bild jener Ebene herauf, darin ein Kaiser und ein Philosoph inmitten einer
+großen und bestürzten Menge den Tod erlitt. Julianus! deinen Ruhm sang er,
+du Fahler, Gemeuchelter, du Opfer der neuen Lehre! du warst aus diesem
+Alexandrien hervorgegangen und trugst das Kleid des Weisen unter dem Purpur
+des Triumphators und trugst ein letztes Lächeln, wenn alle Männer so wie
+Weiber klagten -- und was auch zu den Stufen deines Thrones flehte und
+drohte, dir waren die hohen Worte und die stolzen Gedanken eigen, die
+nimmer knien und dienen . . . .
+
+Und da schrie alles Beifall zu solcher Glorie jenes gekrönten Bruders. Und
+als der Alte, an der Größe des Gegenstandes seiner Rede wachsend, in
+altehrwürdigen und glorreichen Sätzen die grüßte, die angesichts der
+Barbaren den Tod leiden um den Frieden der Welt, und die noch Edleren, die
+für die Macht des Geistes und um die Denk- und Grabmale zu kämpfen wissen,
+da sprangen alle auf, die Frauen wie die Männer, die Jünglinge mit dem
+siedenden Blut und die mit des Alters Frieren sprangen alle auf und
+lobpriesen den Redner und den Namen Julianus, und waren ganz eines Mundes
+darin, daß jetzt der Tag der berühmten Rede des Perikles neu gekommen sei.
+
+Aber der Redner war alt und wußte sich selber keine Grenze. So entstanden
+gesonderte Unterhaltungen.
+
+»Laßt uns auf die Götter und auf die Poesie vertrauen«, sagte ein Poet.
+»Wir werden über das gemeine Volk siegen wie unsere Väter dereinst über
+alle Barbaren siegten. Ein paar ihrer Anführer zählen doch zu den
+Unserigen!«
+
+»Vergessen wir nicht,« unterbrach ihn da ein Römer und einstiger
+Befehlshaber einer Legion »daß diese Anführer nichts tun können. Wir lieben
+und verstehen zuviel Dinge, die Menge haßt uns wie sie das Serapeum haßt
+und alles das sie nicht begreift, und wenn wir uns nicht als Barbaren
+aufspielen, werden uns diese Barbaren zermalmen.«
+
+Ein Gemurmel entstand, und Frauen verhüllten ihre Gesichter. Unterdessen
+sprach Amaryllis zu den Jünglingen, sehr singend und sehr leise:
+
+»Wir sind Hellenen -- aus Stolz. Aber wohin zielt unser Herz? . . . Von
+Phrygien, von Phönizien kamen sie uns her: Adonis, den die Frauen mit
+Küssen aufwecken, Isis, die Herrscherin, und die ewig gütige Große Artemis
+von Ephesus. Und vom Orient her kommen nun die Amulette, und die Namen
+ihrer Götter, die viel älter sind, erfreuen überdem die wahre Gottheit.«
+
+Ein anderer sagte Idyllen her; und eine süße Heiterkeit badete sein
+Antlitz.
+
+Schatten glitten jetzt in den Saal. Durch die offenen Türen zu den
+Terrassen drang ein wenig Kühlung ein. Auf dem Mosaik rückten die Jünglinge
+ihre Fußschemel aus Ebenholz näher zu den Polstern der Frauen. Die dunklen
+Linien der Truhen verschwammen mit Seide und Brokat; die Fresken löschten
+halb aus und sahen noch gläubig versunkener in diesem Helldunkel; der Saal
+schien höher und die marmornen Götter noch göttlicher.
+
+Die Jungfrau, die ragend stand, blickte auf diese kleine Welt, die einzige
+unter den gegenwärtigen, von der sie wußte und die sie begriff und in der
+sie lebte. Und wenn sie manchmal eitle Phrasen und Seichtheit aus dieser
+Umgebung zuließ oder wenn sie tief hineinsann in den Schoß des Seins,
+verriet ihre edle Erscheinung nichts von allem . . . .
+
+In diesem Augenblick quoll ein Geschrei von da unten auf und drang taumelnd
+ein in die Versammlung und fuhr über sie her, daß sie sich unruhig
+aufrichtete. Schmutziges Volk tobte am Fuße des Serapeums. Die Verwegensten
+hatten die ersten Stufen zum Tempel erstiegen. Da waren sie in widerlichen
+Lumpen, den Kopf hintübergeworfen, die Kehle und die Brust gebläht von
+Verwünschungen. Und der Name der Athene stieg hundertfach auf aus dem
+Haufen wie eine Blase aus einem giftigen Morast.
+
+Die Jungfrau mußte sich nicht halten, sie lehnte sich nur leicht gegen den
+abbröckelnden Marmor des Geländers. Und wie sie über die gleichförmige
+Ebene der Dächer hinsah, waren ihr die dunklen Einschnitte der ans Serapeum
+angrenzenden Straßen wie die Abläufe des Schmutzes der Stadt und dieses
+unsauberen Pöbels.
+
+Ein Alter nahm respektvoll die Hand des jungen Weibes und sagte:
+
+»Weder anhören noch fürchten sollst du sie.«
+
+Sie aber führte ihn sacht beiseit.
+
+Da fragte Amaryllis: »Ist es möglich, daß die Tempel derer da unten von
+Frauen voll sind? Welch unendlicher Reiz mag von dem schönen Jüngling
+ausströmen, dem sie dienen!« Und sie fühlte sich hingezogen zu jenem
+Unbekannten, und sie fühlte sich ungleich mehr Schwester zu jenen
+verwegenen und furchtbaren Männern als zu diesen stolzen Römern, diesen
+ewig Spöttischen und Überklugen.
+
+Und da hörte sie halb die ironische Rede des Lucius:
+
+»Schauen wir nicht auf sie! Sie übersehen ist noch ein Vergnügen. Aber sie
+verachten dürfen wir nicht. Verachten will rohes Angespanntsein und würde
+uns diesen unnatürlichen Fanatikern gleichmachen.«
+
+In diesem Augenblick wankte unter der Wucht der Menge eine der
+Anubis-Säulen, die den Platz schmückten, und stürzte hin -- und ein
+Triumphgeschrei flatterte hoch, höher als die Staubmassen.
+
+Athene wandte sich langsam um. Eine Hoheit ging aus von ihr, die die Wut
+eines Pöbels für nichts achtete, und sie stimmte eine heroische Hymne der
+Väter an und ihr Gesang über dem Sieggeschrei des Pöbels war wie ein
+königlicher Schwan auf bewegten Wogen.
+
+Und da sie innehielt, die Kehle gebläht, keichend fast und unter dem Kuß
+des Gestirns, das fernhin in Gold und Purpur sich neigte, sehr verwandelt,
+erbebten die Jünglinge vor Liebe zu ihrer Schönheit. Ein majestätisches
+Schweigen trat hinter ihren Worten ein. Sie stimmte die schlaffen Saiten
+der Seelen hoch. Lucius, der am irdischen Abbild irgendeines Unsterblichen
+lehnte genoß eine tiefe und köstliche Wehmut.
+
+Die Sonne sank an diesem Tag in einem großen Mal von Purpur und Blut, wie
+ein Sieger und wie ein Märtyrer. Sie war ins Meer untergetaucht das ganz
+blau herleuchtete, aber mit ihrem Widerschein setzte sie noch die Himmel in
+Brand . . . . Und Athene sah auf die Gärten, die brach lagen, und auf die
+zerstörten Laboratorien, und Bitteres und Ahnung zog in ihr Herz. Die Hand
+hob sie auf und mit einer leisen und eilen Stimme, während fern die Glocken
+von Mithra und die der Christen ihre Gläubigen zusammenriefen, die heulende
+Menge sich verlief und in der Kühle hier nur noch der Abend sang, redete
+sie also:
+
+»Ich schwöre, auf immer das schöne Wort und den hohen Gedanken zu lieben
+und lieber das Leben zu lassen als meine Freiheit.«
+
+Und ganz beruhigt und göttlich fast:
+
+»Schwört alle, ihr Brüder!«
+
+»Auf wen, Athene, willst du, daß wir schwören?«
+
+»Auf mich, denn ich bin Hellas.«
+
+Und sie alle hoben die Hände.
+
+Aber nun, da die Feier zu Ende war, beeilte ein jedes sich, die Tunika zu
+ordnen und den Mantel neu in Falten zu werfen, um zu den Gärten
+hinauszugehn.
+
+Amaryllis verhielt sich abseits und weinte. Dahin waren ihre Kräfte durch
+diesen Tag, an dem sie diese hohe Reine erlebte.
+
+An der Jungfrau aber verriet nichts die Sehnsucht nach Einsamkeit, die
+solch große Versammlungen bei ihr hinterließen. Sie sah lange über ihre
+Freunde hin, und als sie die Verstörtheit der lieblichen Lydierin gewahr
+ward, umarmte sie sie vor allen. Beifall rief man. Und die artistischen
+Söhne Griechenlands verglichen die göttliche Jungfrau in der Umklammerung
+der schmiegsamen Orientalin mit jenen Säulen auf Paros, um die sich die
+rauschschweren Weinranken schlingen . . . . .
+
+Und Lucius dachte bei sich: Wehe! Du hier, Athene, wolltest du uns nicht in
+die Sphäre reinsten Geistes erhöhen und uns alle die Illusionen rauben und
+verbieten, die unsere Tränen und die unsere Träume sind? Und sorgst du
+nicht, Athene, fürchtest du nicht, daß jener Einfältige uns noch viel mehr
+an sich reißt, Er, der die Werte unserer Weisen zutiefst zum Volk herabtrug
+und der, in seinem Tode wie in seinem Leben, die süßesten Qualen der
+höchsten Liebe auferstehen läßt . . . .
+
+Die Wühlereien geschahen fort und fort. Die Feinde der Athene wurden immer
+verwegener, da sie ja unbestraft blieben, und der Pöbel nahm daraus dieses
+für sich, daß er die haßte, die Tag für Tag beschimpft wurde.
+
+Den folgenden Versammlungstag brachte der Römer die Orientalin zur Jungfrau
+und spöttelte dazu:
+
+»Ich stellte sie dir als eine Dienerin des Adonis vor . . . . heute muß man
+sie eine Christin schelten.«
+
+Mit ihrer ganzen Weltfremdheit und Seelengröße antwortete Athene:
+
+»Was tut das viel, Lucius? Nicht träg seinen Lebenstag verträumen, sondern
+nach dem Unbekannten verlangen, das ist der reine schmerzhafte Adel des
+Geistes. Du bist von ihm, Amaryllis, oder können wir dir, die du von einer
+freigelassenen Orientalin geboren wardst, das Mißgeschick zum Vorwurf
+machen, daß dir die heitere und endliche Form unbekannt blieb, die unsere
+Vorfahren, die Denker von Hellas, allem Verängstenden des Lebens zu
+verleihen wußten?«
+
+Ein wenig Hochmut war in dieser Nachsicht; aber das blieb auch ihr ganzer
+Vorwurf dieser Christlichen gegenüber.
+
+Übrigens hatten sich die Freunde, die es am öffentlichsten waren,
+angesichts der ernsten Gefahr bei Athene entschuldigen lassen. Nur noch ein
+Greis traf sich heut' mit Amaryllis und Lucius bei der Jungfrau. Ein
+Dichter war's -- wie Dichter sind. Der beteuerte, das Volk, das wohl etwas
+in die Irre geführt sei, würde sich vorerst noch aller Ausschreitungen
+enthalten. So daß Lucius und Athene Amaryllis verhindern mußten, daß sie
+dem Alten die Augen öffnete.
+
+Nun hielt Athene nicht länger mehr zurück:
+
+»Ich rechnete auf euch, Freunde«, sagte sie zu den aufhorchenden dreien,
+»denn immer schien's mir, daß die Dichter und jene die der Lust fröhnen,
+die einen, weil sie über die Herzen der großen Heldinnen herrschen, die
+andern, weil ihnen die Herzen der Jünglinge und der schönen Frauen gehören,
+daß diese ihr eigenes Herz nicht an das eitle Nichtige des Tages hingeben
+und es so in schweren Stunden unversehrt in ihrer Brust anfinden. Und dann
+wissen sich die Poeten wie die Wollüstigen würdiger als alle andern im
+Anblick des Todes zu betragen: die einen, weil sie nie von ihm reden, und
+die andern, die Dichterseelen, weil sie ihn in reichen Bildern besingen,
+mit aller Gewalt der Sprache, die für die heiligen Dinge aufgespart ist.«
+
+»Der Tod ist die höchste Seligkeit. Jenes Unbekannte, das unserer
+Forschungen allein würdig ist. Das Land der Träume und der Traurigkeiten.
+Das einzige und wahrhaftige Glück. Die paar Perlen Angstschweiß und die
+wenigen Sekunden, in denen unsere Züge sich entstellen, die beiden Dinge,
+die ihm vorangehen, wollen es, daß man einen Schleier über ihn ausbreite,
+aber alsbald sind wir unverbrüchlich im Ewigen und alles Weh des Fleisches
+ist von uns abgetan; und ohne Bangen und ohne Wunsch versinken wir tief in
+Eins und alles . . . .«
+
+In Rhythmen ging ihre Rede und zu weilen schwoll sie an wie ein Lied an die
+Götter. Umbrandet vom Gebrüll des Pöbels ragte die Jungfrau, ein Ewiges,
+schön und jung, und breitete die Apotheose des Todes aus wie ein kostbares
+Leichentuch.
+
+Und da sie fand, daß der Greis mit tränennassen Augen in den leeren Saal
+sah und zu so hohen Worten die Verlassenheit und Öde nur um so bitterer
+verspürte, unterbrach sie sich:
+
+»Poet du! sieh dich vor und misch keine schlimmen Gedanken in dein Bedauern
+darüber, daß so viele abwesend sind. Es war nicht, sag' ich dir, daß es
+ihnen an Mut gefehlt hätte, als sie sich weigerten, dem Pöbel zu trotzen
+. . . .«
+
+Zu diesen Worten entstand da unten ein Getöse, wie ein Ansturm, und
+Schreckensschreie gellten: fern ballte sich eine Wolke Staubes, vom
+Heranmarsch einer Menschenherde: Die aus der Wüste nahen! . . . So war
+endlich das Wildeste an Menschen gegen eine Frau entfesselt.
+
+Lucius und die andern wollten Athene verbergen.
+
+Aber Athene sprach: »Diese da haben nur mich« und wies auf die Bibliotheken
+und die Gedenkbilder der Väter. »Und ich verlasse diese Ausgestoßenen
+nicht!« Amaryllis fiel auf die Knie und küßte der jungfräulichen Heldin die
+Hände.
+
+»Nie, nie verlasse ich sie!« wiederholte Athene.
+
+Und das Opfer machte sie groß zu dieser Stunde und umgab sie mit einer
+Schönheit, wie sie noch keines Lebenden Auge geschaut.
+
+Und sie sprach: »Verlaßt mich, Brüder. Euch ist der Ausgang zu den Gärten
+noch offen.«
+
+Und da sie erriet, daß jene sich weigern würden, willigten die Lippen, die
+jetzt der Tod versiegeln sollte, in eine Lüge:
+
+»Nur die christlichen Anführer können diese Fanatiker aufhalten. Die wissen
+uns schuldlos und gut . . . . eilt und benachrichtigt sie zuvor noch
+. . . . Wenn aber dennoch kommen sollte, was ihr kommen seht, bewahr du
+dich Lucius vor aller Bitterkeit. Bring meinen Brüdern mein letztes von
+mir; und daß sie stets der Väter eingedenk sein sollen. Und du, Amaryllis,
+die du so schön bist, tröste die Jünglinge. Wenn es sich fände, daß einer
+aus ihnen nach mir geschmachtet hätte und meine Kälte hätte ihn betrübt, so
+bitt' ich ihn, daß er mir's vergebe . . . und sag' ihm, die Liebe sei
+nichts verächtliches im Hause Jupiter, doch mir hätt' geschienen, daß es
+einer Letzten aus einem Geschlechte gut sei, Jungfrau zu bleiben und dem
+Ewigen nachzuhangen; meine Brust war nicht breit wie die Brust der
+Heldinnen, aber mein Herz zitterte für ganz Hellas . . . .«
+
+Amaryllis, die seit lange schon weinte, brach in Schluchzen aus und zerriß
+ihre Kleider und schrie. Und da fiel auch den Greis und Lucius das Weinen
+an.
+
+Athene sprach noch einmal sanft:
+
+»Ich bitt' euch, lieben Freunde.«
+
+Und Amaryllis erbebte am ganzen Leib.
+
+Dann war eine erdrückende Stille draußen. Du fühltest: eine ganze Stadt
+wartete auf etwas und ein ungeheueres Verbrechen lauerte im Hinterhalt.
+
+Und die Jungfrau sprach zum Greis, der jetzt nur noch bei ihr war:
+
+»Vater, laß mich.«
+
+Aber der schluchzte:
+
+»Ich hab, dich gekannt, als du klein warst . . . . Ich bin sehr alt, und du
+allein unter den Lebenden hast mich lieb . . . .«
+
+Plötzlich schwiegen sie.
+
+Was marschierte da unten auf, so dröhnend auf den Fließen?
+
+»Die Legionen!« rief der Alte.
+
+Eine ungeheure Freude packte die beiden und zugleich bekümmerte sie etwas
+wie der Verlust einer Märtyrerkrone . . . . Die Barbaren, die im Sold des
+Kaiserreichs, warens, die mit den ehernen Helmen, die mit den klingenden
+Schwertern bei jedem Schritt . . . . Aber wie denn! Wie stellen sie sich
+auf? Schmach! Die Stadt, nur die Stadt beschützen sie! Und Serapis, den
+opfern sie den Fanatischen, die da anstürmen, den Grausamen unter ihren
+Tierfellen und mit ihren Piken!
+
+Athene wiederholte:
+
+»Laß mich Vater! Wie soll ich Weib vor einem Manne sterben!«
+
+Der aber weinte nicht länger und rief gereckten Haupts:
+
+»Linus wurde von wütigen Hunden zerrissen, aber Orpheus sang und bezauberte
+die wilden Tiere. Den geringsten ihrer frommen Schüler verlangt nach einem
+Gleichen!« Da hielt ihn das junge Mädchen nicht mehr zurück. So sollen denn
+Verse singen vor dem Tode der Enkelin Platos und Homers!
+
+Von der Terrasse aus sah sie, wie der milde Greis dem Pöbel
+entgegenschritt. Jetzt tat der Alte den Mund auf -- und jetzt spaltete ein
+Stein die Stirn, dahinter der Genius thronte und sang. Und die Unbefleckte
+wandte den Blick ab von alldem und dem Volk, das in Tierheit watete, und
+tat die Augen hinauf zum Himmel, zu Gott Helios, der das unendliche Blau
+umschließt, darin nach dem Gang der Sternbilder die Seelen der Edelsten
+wandeln . . . .
+
+Und schwere Balken rennen gegen das würmige Holz der Türen an und Stimmen
+heulen Mord und Mord.
+
+So wie eine Priesterin feierlich-heiter an einem hohen Fest nach alten
+Riten die heiligen Vorschriften erfüllt, so wandte sich Athene gegen die
+Ferne und das heilige Land Hellas.
+
+»Lebwohl du meine Mutter und du meine Mutter unserer Väter! Fromme
+zerstörte Feste Athen, eh du willst, daß ich dies Leben hingebe, grüße ich
+dich mit meinem letzten Hauch!«
+
+»Du Süße meiner Jugend, du warst mir ruhmvoller Hort gegen das Gemeine, das
+Mittelmaß und alles Leid und du nur lehrtest mich die Seligkeit des
+Lächelns!«
+
+»All dein Hohes sprachst du zu mir, all deinen Frieden sangst du mir,
+. . . . und nun du willst, daß ich dies Leben ausliefere, lehr' mich,
+Mutter, das alte Geheimnis, lehr' mich den simplen Tod.«
+
+Und zu den Statuen Homers und Platos:
+
+»Einstmals, da ich bei euch geträumt, erfuhr ich in meinem Herzen dies:
+schöner als eine schöne Tat, schöner noch sei ein schöner Gedanke. Und soll
+nun dennoch sterben. Schön ist der Leib, aber es tut besser, daß er leide
+denn der Geist. Hätt' ich von euch gelassen, wie hätte das ewig meine Seele
+betrübt! Und mein Tod jetzt kann euere Heiterkeit nicht verdunkeln, denn
+nur den Vorhof eueres Tempels soll mein verschüttetes Blut färben . . . .«
+
+Und sie neigte sich nach den inneren Höfen, darin Tauben von Korn zu Korn
+sprangen; sah auf die Pflanzen, auf die Tiere und auf das Leben, das ihr
+nie etwas war, und diese letzte Sekunde schien ihr ein Köstliches.
+
+Und sie tat einen Schleier über ihr Antlitz und erschien vor den Augen des
+Volks auf der hohen Treppe.
+
+Die Menge flutete vor ihr zurück, denn ihr Schreiten war einer Göttin
+Schreiten, und keiner sah ihre Lippen von Blut leer. Und aber ihre Kräfte
+verließen sie vor ihrem Mut, und ohnmächtig stürzte sie auf die Steine.
+
+Und wie die Kinnladen eines reißenden Tiers schloß sich der Pöbel neu
+. . . . die Gliedmaßen der Jungfrau zermalmt . . . . und unter ihren Helmen
+und unter ihren Adlern grinsten die Barbaren zu dem Blutraub und Mord und
+besudelten die Majestät des Kaiserreichs und das Bahrtuch der Antike.
+
+Auf den Abend, während Alexandrien, die Verräterin der alten Jahrhunderte,
+sich in Fieberschrecken wälzte und schrie, wie mit dem Tode Ringende
+schrein oder Gebärende, lasen Amaryllis und Lucius die heiligen Gebeine der
+Jungfrau des Serapis auf.
+
+So ließ unter den Fäusten Fanatischer und angesichts der Barbaren die
+letzte der Hellenen ihr Leben für ihren Glauben; und nur eine Dirne und ein
+Wüstling waren es, die ihre letzten Minuten ehrten. . . . Doch was
+verschlägt das dir, du unvergänglich Reine! weit über jenen blinden Pöbel
+siegte und viele kommende peinliche Jahrhunderte überdauerte dein heiliges
+Sterben, und die Enkelkinder jener, die zu deinem Märtyrertum grinsten,
+knien vor dir -- schamrot über ihre Väter -- und beten zu dir um Vergebung
+. . . . und das Dunkle und Wirre, das jene von einst gegen deine Heiterkeit
+aufreizte, drängt die Edelsten von heut', zum elfenbeinernen Turm zu
+flüchten und dein Leben und deine Lehre anzuschaun.
+
+
+
+
+
+
+ARKADIA
+
+EIN JAHRBUCH FÜR DICHTKUNST
+
+HERAUSGEGEBEN VON MAX BROD
+
+BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS
+
+Geheftet M 4.50 · Gebunden M 6.--
+
+INHALT:
+
+DRAMATISCHES: _Robert Walser_, Tobold / _Franz Werfel_, Das Opfer / _Franz
+Blei_, Der Mäcen. EPISCHES: _Franz Kafka_, Das Urteil / _Otto Stoessl_, Aus
+der Villa Obweger / _Moritz Heimann_, Ein Begräbnis im November / _Max
+Mell_, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / _Oskar Baum_, Der
+Antrag / _Willy Speier_, Christus in den Weizenfeldern / _Martin Beradt_,
+Der Neurastheniker / _Max Brod_, Notwehr / _Alfred Wolfenstein_, Dika /
+_Hans Janowitz_, Ein Ausbruch / _Hans Janowitz_, Szene der Erfüllung /
+_Kurt Tucholsky_, Kindertheater / _Heinrich Eduard Jacob_, Fremder Schläfer
+im Kupee / _Robert Walser_, Zwei Aufsätze: Rinaldini -- Lenau. LYRISCHES:
+_Franz Blei_, Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / _Robert Walser_,
+Handharfe am Tage / _Max Brod_, Vier Gedichte / _Heinrich Lautensack_,
+Beichte / _Otto Pick_, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+GEORG HEYM
+
+_DER EWIGE TAG_
+
+Zweite Auflage
+
+Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
+
+_Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:_ Es ist der bedeutendste unter
+den wenigen von unsern jungen Lyrikern, die überhaupt heute in Frage
+kommen. -- Er hat die empfindlichsten Nerven und Sinne, die ein Dichter
+haben muß.
+
+_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher
+Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges Licht breitet er über jede
+Erscheinung der Wirklichkeit u. der Träume, über Leben u. Sterben,
+Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
+deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
+
+_UMBRA VITAE_
+
+_GEDICHTE AUS DEM NACHLASS_
+
+Zweite Auflage
+
+Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
+
+_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem ganz Besonderen,
+dem schier Unerhörten, das er in den feinsten Gefühl- und
+Vorstellungsnüancen ausdrücken will, zeigt der rasch Gereifte eine
+ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg
+Heym, dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
+
+_DER DIEB_
+
+_EIN NOVELLENBUCH_
+
+Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.--
+
+_Leipziger Tageblatt:_ . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual
+der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung erster Enttäuschung bis zu
+Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen
+Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
+erscheint.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
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+FRANZ WERFEL · WIR SIND
+
+_NEUE GEDICHTE_
+
+In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
+
+Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.50
+
+Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare auf schwerem
+Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.--
+
+_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei
+das gesagt.
+
+_Neue Rundschau:_ . . . Whitmans kosmische Liebe und Goethes unersättliche
+Lust zu fühlen hat sich Werfel durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen
+gemacht.
+
+ELSE LASKER-SCHÜLER
+
+_GESICHTE. Essays u. and. Geschichten_
+
+Geheftet M 4.-- · Gebunden M 5.--
+
+INHALT:
+
+Sterndeuterei / Handschrift / Johann Hansen und Ingeborg Coldstrup /
+Künstler / In der Morgenfrühe / Elberfeld im dreihundertjährigen
+Jubiläumsschmuck / Arme Kinder reicher Leute / Am Kurfürstendamm / Die
+beiden weißen Bänke vom Kurfürstendamm / Die Odenwaldschule /
+Lasker-Schüler kontra B. und Genossen / Coranna / Die schwere Stunde /
+Peter Hille / Karl Kraus / Loos / Oskar Kokoschka / Peter Baum / Franz
+Werfel / S. Lublinski / Paul Leppin / Richard Dehmel / Max Brod / Alfred
+Kerr / Bei Guy de Maupassant / Albert Heine / Karl Vogt / Paul Lindau / Bei
+Julius Lieban / Friedrich von Schennis / Tilla Durieux / Paul Zech / Rudolf
+Blümner / William Wauer / Wauer-Walden via München und so weiter / Emmy
+Destinn / Franziska Schultz / Kete Parsenow / Ruth / Unser Café / Marie
+Böhm / Der Alpenkönig und der Menschenfeind / Egon Adler / Ein Amen / Wenn
+mein Herz gesund wär -- / Der Eisenbahnräuber / Im neopathetischen Kabarett
+/ Kabarett Nachtlicht, Wien / Apollotheater / Tigerin, Affe und Kuckuck /
+Im Zirkus / Zirkuspferde / Zirkus Busch.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+MAX DAUTHENDEY
+
+_RELIQUIEN_
+
+Gedichte -- Buchausstattung von E. R. WEISS
+
+Geheftet M 2.50 · Dritte Auflage · Gebunden M 4.--
+
+_Das Literarische Echo:_ Die »Reliquien« beweisen die ganze starke,
+eigenartige Begabung des Dichters, seine sinnliche, farbige Sprache, seine
+schöpferische Kraft. Reif und schön glänzt es, inbrünstige Liebeslieder und
+Gedichte von jenen unheimlichen, mystischen Stimmungen, die Rilke mit
+soviel prunkender Spielerei zu erzwingen sucht, die Dauthendey aber in
+großer, fast starrer Einfachheit zeichnet. Sein Hauptthema bleibt immer die
+Liebe und die Freude an der Schönheit der Welt; die Lebenslust ist die
+typische Eigenart seiner Schöpfungen.
+
+_SINGSANGBUCH_
+
+_LIEBESLIEDER_
+
+Vom Dichter neu durchgesehene Ausgabe / Zweite Auflage Einbandzeichnung von
+E. R. WEISS
+
+Geheftet M 2.-- · Gebunden M 3.50
+
+_Berliner Tageblatt:_ Hier könnte ich wirklich jedes Gedicht herausgreifen,
+um die Fülle eines schaffens-, liebes- und lebensfrohen Gemüts, einer
+unermüdlichen, unerschöpflichen Phantasie anzudeuten.
+
+_Ernst Lissauer:_ Da glänzt eine Heiterkeit, die an die lichte
+Liebenswürdigkeit fränkischer Landschaften mahnt, Weinduft ist darin.
+
+_DIE AMMENBALLADE_
+
+Acht Liebesabenteuer gedichtet von acht Ammen
+
+_NEUN PARISER MORITATEN_
+
+Vom Dichter neu durchgesehene Ausgabe
+
+Geheftet M 2.-- · Zweite Auflage · Gebunden M 3.50
+
+_Das Literarische Echo:_ Vorzügliche Karikaturen, grellbunte Spiegelbilder
+des Lebens auf einem ernsten dunklen Hintergrund.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der Mord an der Jungfrau, by Maurice Barrès
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40294 ***
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@@ -1,1142 +0,0 @@
-The Project Gutenberg EBook of Der Mord an der Jungfrau, by Maurice Barrès
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Der Mord an der Jungfrau
-
-Author: Maurice Barrès
-
-Translator: Heinrich Lautensack
-
-Release Date: July 22, 2012 [EBook #40294]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MORD AN DER JUNGFRAU ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-
-
-
-MAURICE BARRÈS
-
-
-DER MORD AN DER
-JUNGFRAU
-
-
-1913
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-
-Dies Buch wurde
-gedruckt im August 1913 als zehnter
-Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei
-Poeschel & Trepte in Leipzig
-
-Berechtigte Übersetzung von H. Lautensack
-COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913
-
-
-
-
-
-
-»Immerzu traurig, Amaryllis! sollten dich die jungen Herrn im Stich
-gelassen haben, deine Blüten welk, deine Wohlgerüche ausgehaucht sein? Ließ
-Atys, das göttliche Kind, von dir mit seinen eitlen Liebkosungen?
-Amaryllis, wünsch dir was, einen Gott oder ein Kleinod, wünsch dir alles,
-außer Liebe, die kann ich hinfort nicht mehr; -- obendrein, was vermöchte
-nicht ein Lächeln von einer, die Aphrodite zärtlich liebt?«
-
-So sprach Lucius gelinde mit Amaryllis, der sehr jungen Kurtisane mit den
-Goldaugen und dem goldenen Haar; und ihr Barkschiff gleitet dazu auf dem
-blauen Kanal hin, und die Seerosen rauschen.
-
-Von den schlafenden Bäumen wacht unbewegt das Spiegelbild auf der
-Oberfläche des tiefen Wassers. Das Ufer wartet prunkend auf mit seinen
-wollüstigen Landhäusern, seinen Pomeranzenhainen und seiner großen Stille.
-Zwischen dem grünen Gezweig leuchtet zuweilen der gelb gewordene Marmor
-einer Gottfigur auf, und das unveränderliche Verhalten dieser manchen
-Götter scheint wie eine Geringschätzung der veränderlichen, schillernden
-Reden der leichtblütigen Orientalin und ihres skeptischen Freunds. Weit,
-weit und in der Wärme blaßrosenfarben verfließend ist es nur die Linie der
-Berge, der Hort der Einsiedlerischen und der wilden Tiere, die ein wenig
-diesen Himmelstraum verstört. Und nun ist man schon dem Gestade sehr nah,
-an dem die Stadt wollüstig hingelagert ist, von den Lippen der Wellen und
-der Winde geschmeichelt, die Stadt, die die Arme über das Meer ausstreckt
-und das ganze All herbeizurufen scheint, herbei ans Duft ausströmende und
-fieberhaft durchwühlte Bett, der Agonie einer Welt zu Hilfe und zu der
-Geburt neuer Jahrhunderte.
-
-Mit einer müden, überdrüßigen Grazie ruht sich Amaryllis auf weißen
-Seidenpolstern aus. Der schwere Mantel aus Blattsilber -- als ob er
-verwundend eindränge auf den nachgebenden Mädchenleib. Die runden
-blaugeäderten Arme liegen wie eine Krone um das Gesicht der Jungfrau, das
-die Jünglinge auspeitscht. Und so geht das leise Lied ihrer Stimme:
-
-»Lach immer, Lucius, lach zu. Wenn ein Sterblicher meine Langeweile
-zerstreuen kann, bist du's, von dem ich's hoffe. Du hast geliebt, Lucius,
-man erzählt, daß du geweint hast vor Betten, die dich verschmähten oder die
-zu kalt waren. Heut, überdrüssig, lachst du über die Frau. Begreif' doch,
-daß mich dies ewige Geseufze der Männer zur Verzweiflung bringt. Ich bin
-jung und schön und langweile mich, ja, Lucius. Die Zärtlichkeiten dieses
-Atys, die Mysterien der Isis und wie groß Serapis sei, befriedigen meine
-Sehnsüchte nicht; was will mir Aphrodite? Ich bin es, die die Liebe erregt;
-ich weiß um ihre Leiden, und daß sie einen tot machen, denn Liebesgirren
-wird zur Gewohnheit. Ich bin eine Syrierin, die Tochter einer
-Freigelassenen, die eine Seherin war; du bist ein Römer, fast ein Hellene,
-du weißt dich lustig zu machen, Lucius, aber trösten wär ein Süßeres,
-Köstlicheres.«
-
-Der Römer lehnte an einem Schaft des purpurnen und schwarzen Baldachins und
-spielte mit den Goldquasten seiner gelbseidenen Tunika. Die Eleganz seiner
-Bewegungen erzählte, daß er ein Lebemann war, gewöhnt, es zu sein, und
-müde, es zu sein. Er meidet gern die ernsten Worte, die bald geschmacklos
-klingen.
-
-»Du, Amaryllis. Laß mich, bitte, ein wenig erstaunt sein, daß so ein
-kleines Herz soviel leiden mag, und was sich hinter so einer schmalen Stirn
-Merkwürdiges aufhält. Du hast junge reiche Liebhaber, hast Philosophen, ja,
-hast sogar Affen, die dich allzusamm' aufheitern können. Und da sehnst du
-Götter herbei und Dinge, die nicht einmal Namen haben!«
-
-Die bläuliche Seide ihres Obergewandes ließ den jungen Weibleib, in Brokat
-starrend, durchscheinen. Die schlanken Finger spielten mit der gelblichen
-Kristallkapsel, darin ihre Mutter dereinst Beschwörungsgebete verschloß.
-Nichts war hörbar als das Wasser unter der Barke; und von Zeit zu Zeit
-schoß ein Fisch auf, daß sein Leib ein silberner Blitz war. Aber das
-zermarterte Herz des Kindes war traurig.
-
-»In welches Theater, zu welcher Wundertäterin oder in was für einen Tempel
-geht unsere Amaryllis heute? Ich möchte sie doch gerne führen, wohin sie es
-treibt, ehe ich selber ins Serapeum gehe.«
-
-»Du bist von der Athene eingeladen?« fragte die Junge und erhob sich, und
-ihre Stimme klang aufgeweckter. »Athene! Sie weiß die Dinge, so sagt man,
-und die Götter beschützen sie. Einmal, mitten unter Blumen und jungen
-verliebten Leuten war ich, da hab' ich sie gesehen, auf einem Turme vom
-Serapeum, sie war verzückt und ganz in Weiß. Meine Freunde jauchzten ihr
-zu, aber ich war gar nicht eifersüchtig, weil sie doch eine keusche
-Gottheit ist. Und dann kamen von jenen Menschen dazu, die ein Kreuz anbeten
-und alle Gewißheit besitzen, und pfiffen sie aus. Über ihr erblaßte der
-Mond, hoch über aller Roheit. Aber jene andern wurden in Licht von der
-aufgehenden Sonne getaucht, wie in Blut, in Siegerblut, und ich muß denken,
-das sei eine Vorbedeutung. Sag, wie macht die sich denn die Seelen
-dienstbar? Ist sie schöner als ich, sag'? Vielleicht könnte sie mich
-heilen.«
-
-»Immerfort träumst du doch, Amaryllis. Deine Träume verderben dir die
-Freude am Leben. Lächle lieber, du meine liebe Lydierin, und zu deinem
-Munde werden die einen kommen und an deinem Kuß zerbrechen, die andern
-kommen und ihre letzten Täuschungen loswerden. Raub' du die Stunde aus, die
-gegenwärtig ist, leb' an den Liebesbränden der Jüngsten und an den
-Freundschaftsfeuern derer, die wollustmüde geworden sind -- und laß die
-Jungfrau vom Serapeum sich von Vergangenem nähren!«
-
-Und er beugte sich und hielt die Hand der Amaryllis in seinen Händen. Aber
-Amaryllis fing an zu weinen:
-
-»Bei unseren Lüsten, die dir noch gegenwärtig sind, bei deiner Liebe, die
-du zu meinen kleinen Grübchen empfandest, bei dem Haß, mit dem du die
-Christen hassest, die mich nicht mögen, bei meinem Weinen, das mich wieder
-häßlich machen wird, Lucius -- Lucius, bring mich zu der Athene!«
-
-Der junge Mann hielt sie mit seinen Armen auf und kniete vor ihr:
-
-»Du bist dazu ausersehen,« sagte er, »daß du einen gesunden und schönen
-Leib trägst. Wer möchte den öffnen und die Gedanken in ihn einlassen, die
-doch alles entstellen!«
-
-Indes, da sie nicht aufhörte zu jammern, und der froheste Tag durch Tränen
-einer Frau zu einem betrüblichen werden mag:
-
-»Nun, gut, Amaryllis. Lächle und gib mir die Hand, daß wir zur Athene gehen
-und daß ich dich weise, wie eine junge Schülerin.«
-
-Da hob das Kind den Kopf auf. Es erstrahlte das feine Gesicht, und ganz
-schnell richteten die Hände im Haar. Die Ruderstangen hielten an, und die
-Barke stieß leicht ans Ufer, wo eine Menge Volks promenierte.
-
-»Ins Serapeum!« sagte sie groß.
-
-In einer Sänfte und im Schatten der Säulengänge kamen sie langsam vorwärts,
-unter den Parfüms all der möglichen Stämme dieses durch allerlei seltsamste
-Prostitutionen des Weibes und junger Männer gesteigerten Orients. An einer
-Straßenecke, plötzlich, stürzte ihnen dann ein Pöbel mit Heulen entgegen,
-lauter wilde Gestalten und von etwas sehr begeistert. Christen warens, die
-so daherstürzten und die Juden erschlagen wollten. Die Kurtisane erzittert;
-duckt ihr feines Gesicht an die Draperien; und unter dem rieselnden
-Goldhaar will es ein wenig lächeln und sucht die Augen des Lucius. Da
-schrie einer aus der Flut, die sich daherwälzte, einer, der alles mit
-seinem Wuchs überragte und der sie alle aufreizte, schrie:
-
-»Das Weib der Gastmähler wird mit Weinen in den Tempel laufen! Der Gott ist
-gekommen, mit seinem Kuß von den Küssen des Menschen zu erlösen!«
-
-Und dann verschwand das alles, ein paar gekrümmte Straßen hin, Metzeleien
-entgegen.
-
-Mit der dreifachen Krone seiner zerfallenden Galerien und den hundert
-halbversunkenen Stufen seiner Treppe unterwarf sich das Serapeum
-sichtbarlich all den Glanz, all die Unzucht und all die Schwärmerei der
-Stadt. Auf seinen Mauern, die aus den Fugen gleiten wollten, nisteten wilde
-Kapernsträuche und blühten. Aber es war -- wie das Grab Hellas. Angefüllt
-mit den Bildern alten Ruhms und mit einer Bibliothek von mehr als
-siebenmalhunderttausend Bänden. Diese kostbaren Reliquien dankten ihr Leben
-dem frommen Eifer einer erhabenen Jungfrau, jener Athene . . . . gleich wie
-unser Heut-Empfinden, das sich verfolgt sieht, zum elfenbeinernen Turm
-flüchtet . . . .
-
-Athene waltete über die Satzungen und über die Lehren wie über ein Erbe und
-war allwöchentlich der Mittelpunkt des Kreises der Hellenen. Und hielt in
-den Herzen, die aus der Zeit und aus der Heimat verbannt waren, wach, daß
-Denken eine Würde sei und Erinnerung eine Tat. Und sie wurde sogar geliebt
-von denen, die sie nicht begreifen konnten.
-
-In dem großen Saal, der mit Mosaik ausgelegt war und strahlte, und der mit
-soviel Menschendenken und -geist prunkte, erschien Athene wie eine
-Herrscherin, von Römern, von Griechen und von vielen schweren Greisen
-umringt, ja auch von einigen Mondänen, die Gefallen fanden bei schönen
-Diskursen und an mutigen Sprüchen. Und Athenens Augen und Athenens Gesten
-hatten Harmonie und Frieden.
-
-Lucius folgte ihr, wie Amaryllis, unruhvoll und reizvoll zugleich, eintrat.
-
-»Schön bist du, Amaryllis. Und doch steht es dir an, daß du eine von den
-Unserigen seiest. Du sollst erfahren, was Griechenland war, was seine
-Portiken unter dem blauen Himmel und was seine immergrünen Olivenhaine
-waren, daß alles Götteratem lind bewegte, Heiterkeit die Leiber und die
-gesunden Seelen badete; und dein schnelles Blut wird leicht den
-Zusammenklang von Wunsch und Sein hören lernen. Plotinus, dem die Götter
-ihr Herz eröffneten, pflegte zu sagen: Wo die Liebe ging, da stellt sich
-der Verstand ein. Amaryllis, du, die in der Kypris Wohnung hatte, nimm
-deinen Platz unter uns wie eine Schwester, die es verdient, daß wir auf sie
-hören.«
-
-»Du Athene«, sagte ein Jüngling, »du magst die Liebe willkommen heißen?«
-
-Aber sie hielts nicht der Müh' für wert, auf solch flehentlichen Vorwurf zu
-hören, und bedeutete lieber, daß sie aufgehört habe zu sprechen.
-
-Stand einer auf, ein Redner; und brachte gar betrübliche Nachricht vor, wie
-jene Christensekte mit ihrer aufdringlichen Lehre sich ausbreite, sprach
-von dem Schaden jener weichlichen Religion, und wie die ehrwürdigsten
-Traditionen dabei zu Fall kommen mußten. Und er beschwor das unheilkündende
-Bild jener Ebene herauf, darin ein Kaiser und ein Philosoph inmitten einer
-großen und bestürzten Menge den Tod erlitt. Julianus! deinen Ruhm sang er,
-du Fahler, Gemeuchelter, du Opfer der neuen Lehre! du warst aus diesem
-Alexandrien hervorgegangen und trugst das Kleid des Weisen unter dem Purpur
-des Triumphators und trugst ein letztes Lächeln, wenn alle Männer so wie
-Weiber klagten -- und was auch zu den Stufen deines Thrones flehte und
-drohte, dir waren die hohen Worte und die stolzen Gedanken eigen, die
-nimmer knien und dienen . . . .
-
-Und da schrie alles Beifall zu solcher Glorie jenes gekrönten Bruders. Und
-als der Alte, an der Größe des Gegenstandes seiner Rede wachsend, in
-altehrwürdigen und glorreichen Sätzen die grüßte, die angesichts der
-Barbaren den Tod leiden um den Frieden der Welt, und die noch Edleren, die
-für die Macht des Geistes und um die Denk- und Grabmale zu kämpfen wissen,
-da sprangen alle auf, die Frauen wie die Männer, die Jünglinge mit dem
-siedenden Blut und die mit des Alters Frieren sprangen alle auf und
-lobpriesen den Redner und den Namen Julianus, und waren ganz eines Mundes
-darin, daß jetzt der Tag der berühmten Rede des Perikles neu gekommen sei.
-
-Aber der Redner war alt und wußte sich selber keine Grenze. So entstanden
-gesonderte Unterhaltungen.
-
-»Laßt uns auf die Götter und auf die Poesie vertrauen«, sagte ein Poet.
-»Wir werden über das gemeine Volk siegen wie unsere Väter dereinst über
-alle Barbaren siegten. Ein paar ihrer Anführer zählen doch zu den
-Unserigen!«
-
-»Vergessen wir nicht,« unterbrach ihn da ein Römer und einstiger
-Befehlshaber einer Legion »daß diese Anführer nichts tun können. Wir lieben
-und verstehen zuviel Dinge, die Menge haßt uns wie sie das Serapeum haßt
-und alles das sie nicht begreift, und wenn wir uns nicht als Barbaren
-aufspielen, werden uns diese Barbaren zermalmen.«
-
-Ein Gemurmel entstand, und Frauen verhüllten ihre Gesichter. Unterdessen
-sprach Amaryllis zu den Jünglingen, sehr singend und sehr leise:
-
-»Wir sind Hellenen -- aus Stolz. Aber wohin zielt unser Herz? . . . Von
-Phrygien, von Phönizien kamen sie uns her: Adonis, den die Frauen mit
-Küssen aufwecken, Isis, die Herrscherin, und die ewig gütige Große Artemis
-von Ephesus. Und vom Orient her kommen nun die Amulette, und die Namen
-ihrer Götter, die viel älter sind, erfreuen überdem die wahre Gottheit.«
-
-Ein anderer sagte Idyllen her; und eine süße Heiterkeit badete sein
-Antlitz.
-
-Schatten glitten jetzt in den Saal. Durch die offenen Türen zu den
-Terrassen drang ein wenig Kühlung ein. Auf dem Mosaik rückten die Jünglinge
-ihre Fußschemel aus Ebenholz näher zu den Polstern der Frauen. Die dunklen
-Linien der Truhen verschwammen mit Seide und Brokat; die Fresken löschten
-halb aus und sahen noch gläubig versunkener in diesem Helldunkel; der Saal
-schien höher und die marmornen Götter noch göttlicher.
-
-Die Jungfrau, die ragend stand, blickte auf diese kleine Welt, die einzige
-unter den gegenwärtigen, von der sie wußte und die sie begriff und in der
-sie lebte. Und wenn sie manchmal eitle Phrasen und Seichtheit aus dieser
-Umgebung zuließ oder wenn sie tief hineinsann in den Schoß des Seins,
-verriet ihre edle Erscheinung nichts von allem . . . .
-
-In diesem Augenblick quoll ein Geschrei von da unten auf und drang taumelnd
-ein in die Versammlung und fuhr über sie her, daß sie sich unruhig
-aufrichtete. Schmutziges Volk tobte am Fuße des Serapeums. Die Verwegensten
-hatten die ersten Stufen zum Tempel erstiegen. Da waren sie in widerlichen
-Lumpen, den Kopf hintübergeworfen, die Kehle und die Brust gebläht von
-Verwünschungen. Und der Name der Athene stieg hundertfach auf aus dem
-Haufen wie eine Blase aus einem giftigen Morast.
-
-Die Jungfrau mußte sich nicht halten, sie lehnte sich nur leicht gegen den
-abbröckelnden Marmor des Geländers. Und wie sie über die gleichförmige
-Ebene der Dächer hinsah, waren ihr die dunklen Einschnitte der ans Serapeum
-angrenzenden Straßen wie die Abläufe des Schmutzes der Stadt und dieses
-unsauberen Pöbels.
-
-Ein Alter nahm respektvoll die Hand des jungen Weibes und sagte:
-
-»Weder anhören noch fürchten sollst du sie.«
-
-Sie aber führte ihn sacht beiseit.
-
-Da fragte Amaryllis: »Ist es möglich, daß die Tempel derer da unten von
-Frauen voll sind? Welch unendlicher Reiz mag von dem schönen Jüngling
-ausströmen, dem sie dienen!« Und sie fühlte sich hingezogen zu jenem
-Unbekannten, und sie fühlte sich ungleich mehr Schwester zu jenen
-verwegenen und furchtbaren Männern als zu diesen stolzen Römern, diesen
-ewig Spöttischen und Überklugen.
-
-Und da hörte sie halb die ironische Rede des Lucius:
-
-»Schauen wir nicht auf sie! Sie übersehen ist noch ein Vergnügen. Aber sie
-verachten dürfen wir nicht. Verachten will rohes Angespanntsein und würde
-uns diesen unnatürlichen Fanatikern gleichmachen.«
-
-In diesem Augenblick wankte unter der Wucht der Menge eine der
-Anubis-Säulen, die den Platz schmückten, und stürzte hin -- und ein
-Triumphgeschrei flatterte hoch, höher als die Staubmassen.
-
-Athene wandte sich langsam um. Eine Hoheit ging aus von ihr, die die Wut
-eines Pöbels für nichts achtete, und sie stimmte eine heroische Hymne der
-Väter an und ihr Gesang über dem Sieggeschrei des Pöbels war wie ein
-königlicher Schwan auf bewegten Wogen.
-
-Und da sie innehielt, die Kehle gebläht, keichend fast und unter dem Kuß
-des Gestirns, das fernhin in Gold und Purpur sich neigte, sehr verwandelt,
-erbebten die Jünglinge vor Liebe zu ihrer Schönheit. Ein majestätisches
-Schweigen trat hinter ihren Worten ein. Sie stimmte die schlaffen Saiten
-der Seelen hoch. Lucius, der am irdischen Abbild irgendeines Unsterblichen
-lehnte genoß eine tiefe und köstliche Wehmut.
-
-Die Sonne sank an diesem Tag in einem großen Mal von Purpur und Blut, wie
-ein Sieger und wie ein Märtyrer. Sie war ins Meer untergetaucht das ganz
-blau herleuchtete, aber mit ihrem Widerschein setzte sie noch die Himmel in
-Brand . . . . Und Athene sah auf die Gärten, die brach lagen, und auf die
-zerstörten Laboratorien, und Bitteres und Ahnung zog in ihr Herz. Die Hand
-hob sie auf und mit einer leisen und eilen Stimme, während fern die Glocken
-von Mithra und die der Christen ihre Gläubigen zusammenriefen, die heulende
-Menge sich verlief und in der Kühle hier nur noch der Abend sang, redete
-sie also:
-
-»Ich schwöre, auf immer das schöne Wort und den hohen Gedanken zu lieben
-und lieber das Leben zu lassen als meine Freiheit.«
-
-Und ganz beruhigt und göttlich fast:
-
-»Schwört alle, ihr Brüder!«
-
-»Auf wen, Athene, willst du, daß wir schwören?«
-
-»Auf mich, denn ich bin Hellas.«
-
-Und sie alle hoben die Hände.
-
-Aber nun, da die Feier zu Ende war, beeilte ein jedes sich, die Tunika zu
-ordnen und den Mantel neu in Falten zu werfen, um zu den Gärten
-hinauszugehn.
-
-Amaryllis verhielt sich abseits und weinte. Dahin waren ihre Kräfte durch
-diesen Tag, an dem sie diese hohe Reine erlebte.
-
-An der Jungfrau aber verriet nichts die Sehnsucht nach Einsamkeit, die
-solch große Versammlungen bei ihr hinterließen. Sie sah lange über ihre
-Freunde hin, und als sie die Verstörtheit der lieblichen Lydierin gewahr
-ward, umarmte sie sie vor allen. Beifall rief man. Und die artistischen
-Söhne Griechenlands verglichen die göttliche Jungfrau in der Umklammerung
-der schmiegsamen Orientalin mit jenen Säulen auf Paros, um die sich die
-rauschschweren Weinranken schlingen . . . . .
-
-Und Lucius dachte bei sich: Wehe! Du hier, Athene, wolltest du uns nicht in
-die Sphäre reinsten Geistes erhöhen und uns alle die Illusionen rauben und
-verbieten, die unsere Tränen und die unsere Träume sind? Und sorgst du
-nicht, Athene, fürchtest du nicht, daß jener Einfältige uns noch viel mehr
-an sich reißt, Er, der die Werte unserer Weisen zutiefst zum Volk herabtrug
-und der, in seinem Tode wie in seinem Leben, die süßesten Qualen der
-höchsten Liebe auferstehen läßt . . . .
-
-Die Wühlereien geschahen fort und fort. Die Feinde der Athene wurden immer
-verwegener, da sie ja unbestraft blieben, und der Pöbel nahm daraus dieses
-für sich, daß er die haßte, die Tag für Tag beschimpft wurde.
-
-Den folgenden Versammlungstag brachte der Römer die Orientalin zur Jungfrau
-und spöttelte dazu:
-
-»Ich stellte sie dir als eine Dienerin des Adonis vor . . . . heute muß man
-sie eine Christin schelten.«
-
-Mit ihrer ganzen Weltfremdheit und Seelengröße antwortete Athene:
-
-»Was tut das viel, Lucius? Nicht träg seinen Lebenstag verträumen, sondern
-nach dem Unbekannten verlangen, das ist der reine schmerzhafte Adel des
-Geistes. Du bist von ihm, Amaryllis, oder können wir dir, die du von einer
-freigelassenen Orientalin geboren wardst, das Mißgeschick zum Vorwurf
-machen, daß dir die heitere und endliche Form unbekannt blieb, die unsere
-Vorfahren, die Denker von Hellas, allem Verängstenden des Lebens zu
-verleihen wußten?«
-
-Ein wenig Hochmut war in dieser Nachsicht; aber das blieb auch ihr ganzer
-Vorwurf dieser Christlichen gegenüber.
-
-Übrigens hatten sich die Freunde, die es am öffentlichsten waren,
-angesichts der ernsten Gefahr bei Athene entschuldigen lassen. Nur noch ein
-Greis traf sich heut' mit Amaryllis und Lucius bei der Jungfrau. Ein
-Dichter war's -- wie Dichter sind. Der beteuerte, das Volk, das wohl etwas
-in die Irre geführt sei, würde sich vorerst noch aller Ausschreitungen
-enthalten. So daß Lucius und Athene Amaryllis verhindern mußten, daß sie
-dem Alten die Augen öffnete.
-
-Nun hielt Athene nicht länger mehr zurück:
-
-»Ich rechnete auf euch, Freunde«, sagte sie zu den aufhorchenden dreien,
-»denn immer schien's mir, daß die Dichter und jene die der Lust fröhnen,
-die einen, weil sie über die Herzen der großen Heldinnen herrschen, die
-andern, weil ihnen die Herzen der Jünglinge und der schönen Frauen gehören,
-daß diese ihr eigenes Herz nicht an das eitle Nichtige des Tages hingeben
-und es so in schweren Stunden unversehrt in ihrer Brust anfinden. Und dann
-wissen sich die Poeten wie die Wollüstigen würdiger als alle andern im
-Anblick des Todes zu betragen: die einen, weil sie nie von ihm reden, und
-die andern, die Dichterseelen, weil sie ihn in reichen Bildern besingen,
-mit aller Gewalt der Sprache, die für die heiligen Dinge aufgespart ist.«
-
-»Der Tod ist die höchste Seligkeit. Jenes Unbekannte, das unserer
-Forschungen allein würdig ist. Das Land der Träume und der Traurigkeiten.
-Das einzige und wahrhaftige Glück. Die paar Perlen Angstschweiß und die
-wenigen Sekunden, in denen unsere Züge sich entstellen, die beiden Dinge,
-die ihm vorangehen, wollen es, daß man einen Schleier über ihn ausbreite,
-aber alsbald sind wir unverbrüchlich im Ewigen und alles Weh des Fleisches
-ist von uns abgetan; und ohne Bangen und ohne Wunsch versinken wir tief in
-Eins und alles . . . .«
-
-In Rhythmen ging ihre Rede und zu weilen schwoll sie an wie ein Lied an die
-Götter. Umbrandet vom Gebrüll des Pöbels ragte die Jungfrau, ein Ewiges,
-schön und jung, und breitete die Apotheose des Todes aus wie ein kostbares
-Leichentuch.
-
-Und da sie fand, daß der Greis mit tränennassen Augen in den leeren Saal
-sah und zu so hohen Worten die Verlassenheit und Öde nur um so bitterer
-verspürte, unterbrach sie sich:
-
-»Poet du! sieh dich vor und misch keine schlimmen Gedanken in dein Bedauern
-darüber, daß so viele abwesend sind. Es war nicht, sag' ich dir, daß es
-ihnen an Mut gefehlt hätte, als sie sich weigerten, dem Pöbel zu trotzen
-. . . .«
-
-Zu diesen Worten entstand da unten ein Getöse, wie ein Ansturm, und
-Schreckensschreie gellten: fern ballte sich eine Wolke Staubes, vom
-Heranmarsch einer Menschenherde: Die aus der Wüste nahen! . . . So war
-endlich das Wildeste an Menschen gegen eine Frau entfesselt.
-
-Lucius und die andern wollten Athene verbergen.
-
-Aber Athene sprach: »Diese da haben nur mich« und wies auf die Bibliotheken
-und die Gedenkbilder der Väter. »Und ich verlasse diese Ausgestoßenen
-nicht!« Amaryllis fiel auf die Knie und küßte der jungfräulichen Heldin die
-Hände.
-
-»Nie, nie verlasse ich sie!« wiederholte Athene.
-
-Und das Opfer machte sie groß zu dieser Stunde und umgab sie mit einer
-Schönheit, wie sie noch keines Lebenden Auge geschaut.
-
-Und sie sprach: »Verlaßt mich, Brüder. Euch ist der Ausgang zu den Gärten
-noch offen.«
-
-Und da sie erriet, daß jene sich weigern würden, willigten die Lippen, die
-jetzt der Tod versiegeln sollte, in eine Lüge:
-
-»Nur die christlichen Anführer können diese Fanatiker aufhalten. Die wissen
-uns schuldlos und gut . . . . eilt und benachrichtigt sie zuvor noch
-. . . . Wenn aber dennoch kommen sollte, was ihr kommen seht, bewahr du
-dich Lucius vor aller Bitterkeit. Bring meinen Brüdern mein letztes von
-mir; und daß sie stets der Väter eingedenk sein sollen. Und du, Amaryllis,
-die du so schön bist, tröste die Jünglinge. Wenn es sich fände, daß einer
-aus ihnen nach mir geschmachtet hätte und meine Kälte hätte ihn betrübt, so
-bitt' ich ihn, daß er mir's vergebe . . . und sag' ihm, die Liebe sei
-nichts verächtliches im Hause Jupiter, doch mir hätt' geschienen, daß es
-einer Letzten aus einem Geschlechte gut sei, Jungfrau zu bleiben und dem
-Ewigen nachzuhangen; meine Brust war nicht breit wie die Brust der
-Heldinnen, aber mein Herz zitterte für ganz Hellas . . . .«
-
-Amaryllis, die seit lange schon weinte, brach in Schluchzen aus und zerriß
-ihre Kleider und schrie. Und da fiel auch den Greis und Lucius das Weinen
-an.
-
-Athene sprach noch einmal sanft:
-
-»Ich bitt' euch, lieben Freunde.«
-
-Und Amaryllis erbebte am ganzen Leib.
-
-Dann war eine erdrückende Stille draußen. Du fühltest: eine ganze Stadt
-wartete auf etwas und ein ungeheueres Verbrechen lauerte im Hinterhalt.
-
-Und die Jungfrau sprach zum Greis, der jetzt nur noch bei ihr war:
-
-»Vater, laß mich.«
-
-Aber der schluchzte:
-
-»Ich hab, dich gekannt, als du klein warst . . . . Ich bin sehr alt, und du
-allein unter den Lebenden hast mich lieb . . . .«
-
-Plötzlich schwiegen sie.
-
-Was marschierte da unten auf, so dröhnend auf den Fließen?
-
-»Die Legionen!« rief der Alte.
-
-Eine ungeheure Freude packte die beiden und zugleich bekümmerte sie etwas
-wie der Verlust einer Märtyrerkrone . . . . Die Barbaren, die im Sold des
-Kaiserreichs, warens, die mit den ehernen Helmen, die mit den klingenden
-Schwertern bei jedem Schritt . . . . Aber wie denn! Wie stellen sie sich
-auf? Schmach! Die Stadt, nur die Stadt beschützen sie! Und Serapis, den
-opfern sie den Fanatischen, die da anstürmen, den Grausamen unter ihren
-Tierfellen und mit ihren Piken!
-
-Athene wiederholte:
-
-»Laß mich Vater! Wie soll ich Weib vor einem Manne sterben!«
-
-Der aber weinte nicht länger und rief gereckten Haupts:
-
-»Linus wurde von wütigen Hunden zerrissen, aber Orpheus sang und bezauberte
-die wilden Tiere. Den geringsten ihrer frommen Schüler verlangt nach einem
-Gleichen!« Da hielt ihn das junge Mädchen nicht mehr zurück. So sollen denn
-Verse singen vor dem Tode der Enkelin Platos und Homers!
-
-Von der Terrasse aus sah sie, wie der milde Greis dem Pöbel
-entgegenschritt. Jetzt tat der Alte den Mund auf -- und jetzt spaltete ein
-Stein die Stirn, dahinter der Genius thronte und sang. Und die Unbefleckte
-wandte den Blick ab von alldem und dem Volk, das in Tierheit watete, und
-tat die Augen hinauf zum Himmel, zu Gott Helios, der das unendliche Blau
-umschließt, darin nach dem Gang der Sternbilder die Seelen der Edelsten
-wandeln . . . .
-
-Und schwere Balken rennen gegen das würmige Holz der Türen an und Stimmen
-heulen Mord und Mord.
-
-So wie eine Priesterin feierlich-heiter an einem hohen Fest nach alten
-Riten die heiligen Vorschriften erfüllt, so wandte sich Athene gegen die
-Ferne und das heilige Land Hellas.
-
-»Lebwohl du meine Mutter und du meine Mutter unserer Väter! Fromme
-zerstörte Feste Athen, eh du willst, daß ich dies Leben hingebe, grüße ich
-dich mit meinem letzten Hauch!«
-
-»Du Süße meiner Jugend, du warst mir ruhmvoller Hort gegen das Gemeine, das
-Mittelmaß und alles Leid und du nur lehrtest mich die Seligkeit des
-Lächelns!«
-
-»All dein Hohes sprachst du zu mir, all deinen Frieden sangst du mir,
-. . . . und nun du willst, daß ich dies Leben ausliefere, lehr' mich,
-Mutter, das alte Geheimnis, lehr' mich den simplen Tod.«
-
-Und zu den Statuen Homers und Platos:
-
-»Einstmals, da ich bei euch geträumt, erfuhr ich in meinem Herzen dies:
-schöner als eine schöne Tat, schöner noch sei ein schöner Gedanke. Und soll
-nun dennoch sterben. Schön ist der Leib, aber es tut besser, daß er leide
-denn der Geist. Hätt' ich von euch gelassen, wie hätte das ewig meine Seele
-betrübt! Und mein Tod jetzt kann euere Heiterkeit nicht verdunkeln, denn
-nur den Vorhof eueres Tempels soll mein verschüttetes Blut färben . . . .«
-
-Und sie neigte sich nach den inneren Höfen, darin Tauben von Korn zu Korn
-sprangen; sah auf die Pflanzen, auf die Tiere und auf das Leben, das ihr
-nie etwas war, und diese letzte Sekunde schien ihr ein Köstliches.
-
-Und sie tat einen Schleier über ihr Antlitz und erschien vor den Augen des
-Volks auf der hohen Treppe.
-
-Die Menge flutete vor ihr zurück, denn ihr Schreiten war einer Göttin
-Schreiten, und keiner sah ihre Lippen von Blut leer. Und aber ihre Kräfte
-verließen sie vor ihrem Mut, und ohnmächtig stürzte sie auf die Steine.
-
-Und wie die Kinnladen eines reißenden Tiers schloß sich der Pöbel neu
-. . . . die Gliedmaßen der Jungfrau zermalmt . . . . und unter ihren Helmen
-und unter ihren Adlern grinsten die Barbaren zu dem Blutraub und Mord und
-besudelten die Majestät des Kaiserreichs und das Bahrtuch der Antike.
-
-Auf den Abend, während Alexandrien, die Verräterin der alten Jahrhunderte,
-sich in Fieberschrecken wälzte und schrie, wie mit dem Tode Ringende
-schrein oder Gebärende, lasen Amaryllis und Lucius die heiligen Gebeine der
-Jungfrau des Serapis auf.
-
-So ließ unter den Fäusten Fanatischer und angesichts der Barbaren die
-letzte der Hellenen ihr Leben für ihren Glauben; und nur eine Dirne und ein
-Wüstling waren es, die ihre letzten Minuten ehrten. . . . Doch was
-verschlägt das dir, du unvergänglich Reine! weit über jenen blinden Pöbel
-siegte und viele kommende peinliche Jahrhunderte überdauerte dein heiliges
-Sterben, und die Enkelkinder jener, die zu deinem Märtyrertum grinsten,
-knien vor dir -- schamrot über ihre Väter -- und beten zu dir um Vergebung
-. . . . und das Dunkle und Wirre, das jene von einst gegen deine Heiterkeit
-aufreizte, drängt die Edelsten von heut', zum elfenbeinernen Turm zu
-flüchten und dein Leben und deine Lehre anzuschaun.
-
-
-
-
-
-
-ARKADIA
-
-EIN JAHRBUCH FÜR DICHTKUNST
-
-HERAUSGEGEBEN VON MAX BROD
-
-BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS
-
-Geheftet M 4.50 · Gebunden M 6.--
-
-INHALT:
-
-DRAMATISCHES: _Robert Walser_, Tobold / _Franz Werfel_, Das Opfer / _Franz
-Blei_, Der Mäcen. EPISCHES: _Franz Kafka_, Das Urteil / _Otto Stoessl_, Aus
-der Villa Obweger / _Moritz Heimann_, Ein Begräbnis im November / _Max
-Mell_, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz / _Oskar Baum_, Der
-Antrag / _Willy Speier_, Christus in den Weizenfeldern / _Martin Beradt_,
-Der Neurastheniker / _Max Brod_, Notwehr / _Alfred Wolfenstein_, Dika /
-_Hans Janowitz_, Ein Ausbruch / _Hans Janowitz_, Szene der Erfüllung /
-_Kurt Tucholsky_, Kindertheater / _Heinrich Eduard Jacob_, Fremder Schläfer
-im Kupee / _Robert Walser_, Zwei Aufsätze: Rinaldini -- Lenau. LYRISCHES:
-_Franz Blei_, Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / _Robert Walser_,
-Handharfe am Tage / _Max Brod_, Vier Gedichte / _Heinrich Lautensack_,
-Beichte / _Otto Pick_, Gedichte / Franz Janowitz, Gedichte.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-GEORG HEYM
-
-_DER EWIGE TAG_
-
-Zweite Auflage
-
-Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
-
-_Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:_ Es ist der bedeutendste unter
-den wenigen von unsern jungen Lyrikern, die überhaupt heute in Frage
-kommen. -- Er hat die empfindlichsten Nerven und Sinne, die ein Dichter
-haben muß.
-
-_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher
-Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges Licht breitet er über jede
-Erscheinung der Wirklichkeit u. der Träume, über Leben u. Sterben,
-Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
-deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
-
-_UMBRA VITAE_
-
-_GEDICHTE AUS DEM NACHLASS_
-
-Zweite Auflage
-
-Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
-
-_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem ganz Besonderen,
-dem schier Unerhörten, das er in den feinsten Gefühl- und
-Vorstellungsnüancen ausdrücken will, zeigt der rasch Gereifte eine
-ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg
-Heym, dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
-
-_DER DIEB_
-
-_EIN NOVELLENBUCH_
-
-Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.--
-
-_Leipziger Tageblatt:_ . . . Novellen, in denen auf engstem Raume alle Qual
-der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung erster Enttäuschung bis zu
-Hunger, Entartung, Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen
-Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
-erscheint.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-FRANZ WERFEL · WIR SIND
-
-_NEUE GEDICHTE_
-
-In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
-
-Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.50
-
-Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare auf schwerem
-Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.--
-
-_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei
-das gesagt.
-
-_Neue Rundschau:_ . . . Whitmans kosmische Liebe und Goethes unersättliche
-Lust zu fühlen hat sich Werfel durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen
-gemacht.
-
-ELSE LASKER-SCHÜLER
-
-_GESICHTE. Essays u. and. Geschichten_
-
-Geheftet M 4.-- · Gebunden M 5.--
-
-INHALT:
-
-Sterndeuterei / Handschrift / Johann Hansen und Ingeborg Coldstrup /
-Künstler / In der Morgenfrühe / Elberfeld im dreihundertjährigen
-Jubiläumsschmuck / Arme Kinder reicher Leute / Am Kurfürstendamm / Die
-beiden weißen Bänke vom Kurfürstendamm / Die Odenwaldschule /
-Lasker-Schüler kontra B. und Genossen / Coranna / Die schwere Stunde /
-Peter Hille / Karl Kraus / Loos / Oskar Kokoschka / Peter Baum / Franz
-Werfel / S. Lublinski / Paul Leppin / Richard Dehmel / Max Brod / Alfred
-Kerr / Bei Guy de Maupassant / Albert Heine / Karl Vogt / Paul Lindau / Bei
-Julius Lieban / Friedrich von Schennis / Tilla Durieux / Paul Zech / Rudolf
-Blümner / William Wauer / Wauer-Walden via München und so weiter / Emmy
-Destinn / Franziska Schultz / Kete Parsenow / Ruth / Unser Café / Marie
-Böhm / Der Alpenkönig und der Menschenfeind / Egon Adler / Ein Amen / Wenn
-mein Herz gesund wär -- / Der Eisenbahnräuber / Im neopathetischen Kabarett
-/ Kabarett Nachtlicht, Wien / Apollotheater / Tigerin, Affe und Kuckuck /
-Im Zirkus / Zirkuspferde / Zirkus Busch.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-MAX DAUTHENDEY
-
-_RELIQUIEN_
-
-Gedichte -- Buchausstattung von E. R. WEISS
-
-Geheftet M 2.50 · Dritte Auflage · Gebunden M 4.--
-
-_Das Literarische Echo:_ Die »Reliquien« beweisen die ganze starke,
-eigenartige Begabung des Dichters, seine sinnliche, farbige Sprache, seine
-schöpferische Kraft. Reif und schön glänzt es, inbrünstige Liebeslieder und
-Gedichte von jenen unheimlichen, mystischen Stimmungen, die Rilke mit
-soviel prunkender Spielerei zu erzwingen sucht, die Dauthendey aber in
-großer, fast starrer Einfachheit zeichnet. Sein Hauptthema bleibt immer die
-Liebe und die Freude an der Schönheit der Welt; die Lebenslust ist die
-typische Eigenart seiner Schöpfungen.
-
-_SINGSANGBUCH_
-
-_LIEBESLIEDER_
-
-Vom Dichter neu durchgesehene Ausgabe / Zweite Auflage Einbandzeichnung von
-E. R. WEISS
-
-Geheftet M 2.-- · Gebunden M 3.50
-
-_Berliner Tageblatt:_ Hier könnte ich wirklich jedes Gedicht herausgreifen,
-um die Fülle eines schaffens-, liebes- und lebensfrohen Gemüts, einer
-unermüdlichen, unerschöpflichen Phantasie anzudeuten.
-
-_Ernst Lissauer:_ Da glänzt eine Heiterkeit, die an die lichte
-Liebenswürdigkeit fränkischer Landschaften mahnt, Weinduft ist darin.
-
-_DIE AMMENBALLADE_
-
-Acht Liebesabenteuer gedichtet von acht Ammen
-
-_NEUN PARISER MORITATEN_
-
-Vom Dichter neu durchgesehene Ausgabe
-
-Geheftet M 2.-- · Zweite Auflage · Gebunden M 3.50
-
-_Das Literarische Echo:_ Vorzügliche Karikaturen, grellbunte Spiegelbilder
-des Lebens auf einem ernsten dunklen Hintergrund.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
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diff --git a/40294-8.zip b/40294-8.zip
deleted file mode 100644
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--- a/40294-h.zip
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Binary files differ
diff --git a/40294-h/40294-h.htm b/40294-h/40294-h.htm
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@@ -2,10 +2,10 @@
"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml">
<head>
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-<title>The Project Gutenberg eBook of Der Mord an der Jungfrau, by Maurice Barrès</title>
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+<title>The Project Gutenberg eBook of Der Mord an der Jungfrau, by Maurice Barrès</title>
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+<!-- AUTHOR="Maurice Barrès" -->
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@@ -110,46 +110,10 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; }
</head>
<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Der Mord an der Jungfrau, by Maurice Barrès
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Der Mord an der Jungfrau
-
-Author: Maurice Barrès
-
-Translator: Heinrich Lautensack
-
-Release Date: July 22, 2012 [EBook #40294]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MORD AN DER JUNGFRAU ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-</pre>
-
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40294 ***</div>
<h1 style="line-height:1em; font-weight:normal; margin-bottom:8em;">
-<span style="font-size:0.7em; letter-spacing:0.1em;">MAURICE BARRÈS</span><br />
+<span style="font-size:0.7em; letter-spacing:0.1em;">MAURICE BARRÈS</span><br />
<span style="font-size:0.9em;">DER MORD AN DER<br />JUNGFRAU</span>
</h1>
@@ -162,12 +126,12 @@ KURT WOLFF VERLAG &bull; LEIPZIG<br />
<p class="center" style="page-break-before:always; font-size:0.8em; margin-top:5em; margin-bottom:5em;">
Dies Buch wurde<br />
gedruckt im August 1913 als zehnter<br />
-Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei<br />
+Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei<br />
Poeschel &amp; Trepte in Leipzig
</p>
<p class="center" style="font-size:0.8em;">
-Berechtigte Übersetzung von H. Lautensack<br />
+Berechtigte Übersetzung von H. Lautensack<br />
COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913
</p>
@@ -176,15 +140,15 @@ COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913
<p class="first">
<a id="page-7" class="pagenum" title="7"></a>
-<span class="firstword"><span class="hidden">»</span><span class="firstchar">I</span>mmerzu</span> traurig, Amaryllis! sollten dich die
-jungen Herrn im Stich gelassen haben, deine Blüten
-welk, deine Wohlgerüche ausgehaucht sein? Ließ
-Atys, das göttliche Kind, von dir mit seinen eitlen
-Liebkosungen? Amaryllis, wünsch dir was, einen
-Gott oder ein Kleinod, wünsch dir alles, außer
+<span class="firstword"><span class="hidden">»</span><span class="firstchar">I</span>mmerzu</span> traurig, Amaryllis! sollten dich die
+jungen Herrn im Stich gelassen haben, deine Blüten
+welk, deine Wohlgerüche ausgehaucht sein? Ließ
+Atys, das göttliche Kind, von dir mit seinen eitlen
+Liebkosungen? Amaryllis, wünsch dir was, einen
+Gott oder ein Kleinod, wünsch dir alles, außer
Liebe, die kann ich hinfort nicht mehr; &mdash; obendrein,
-was vermöchte nicht ein Lächeln von einer, die
-Aphrodite zärtlich liebt?«
+was vermöchte nicht ein Lächeln von einer, die
+Aphrodite zärtlich liebt?«
</p>
<p>So sprach Lucius gelinde mit Amaryllis, der sehr
@@ -193,241 +157,241 @@ goldenen Haar; und ihr Barkschiff gleitet dazu auf
dem blauen Kanal hin, und die Seerosen rauschen.
</p>
-<p>Von den schlafenden Bäumen wacht unbewegt
-das Spiegelbild auf der Oberfläche des tiefen
+<p>Von den schlafenden Bäumen wacht unbewegt
+das Spiegelbild auf der Oberfläche des tiefen
Wassers. Das Ufer wartet prunkend auf mit seinen
-wollüstigen Landhäusern, seinen Pomeranzenhainen
-und seiner großen Stille. Zwischen dem
-grünen Gezweig leuchtet zuweilen der gelb gewordene
+wollüstigen Landhäusern, seinen Pomeranzenhainen
+und seiner großen Stille. Zwischen dem
+grünen Gezweig leuchtet zuweilen der gelb gewordene
Marmor einer Gottfigur auf, und das
-unveränderliche Verhalten dieser manchen Götter
-scheint wie eine Geringschätzung der veränderlichen,
-schillernden Reden der leichtblütigen Orientalin
+unveränderliche Verhalten dieser manchen Götter
+scheint wie eine Geringschätzung der veränderlichen,
+schillernden Reden der leichtblütigen Orientalin
und ihres skeptischen Freunds. Weit, weit und
-in der Wärme blaßrosenfarben verfließend ist es
+in der Wärme blaßrosenfarben verfließend ist es
nur die Linie der Berge, der Hort der Einsiedlerischen
und der wilden Tiere, die ein wenig diesen
<a id="page-8" class="pagenum" title="8"></a>
-Himmelstraum verstört. Und nun ist man schon
-dem Gestade sehr nah, an dem die Stadt wollüstig
+Himmelstraum verstört. Und nun ist man schon
+dem Gestade sehr nah, an dem die Stadt wollüstig
hingelagert ist, von den Lippen der Wellen und
der Winde geschmeichelt, die Stadt, die die Arme
-über das Meer ausstreckt und das ganze All herbeizurufen
-scheint, herbei ans Duft ausströmende
-und fieberhaft durchwühlte Bett, der Agonie einer
+über das Meer ausstreckt und das ganze All herbeizurufen
+scheint, herbei ans Duft ausströmende
+und fieberhaft durchwühlte Bett, der Agonie einer
Welt zu Hilfe und zu der Geburt neuer Jahrhunderte.
</p>
-<p>Mit einer müden, überdrüßigen Grazie ruht
-sich Amaryllis auf weißen Seidenpolstern aus. Der
+<p>Mit einer müden, überdrüßigen Grazie ruht
+sich Amaryllis auf weißen Seidenpolstern aus. Der
schwere Mantel aus Blattsilber &mdash; als ob er verwundend
-eindränge auf den nachgebenden Mädchenleib.
-Die runden blaugeäderten Arme liegen wie
+eindränge auf den nachgebenden Mädchenleib.
+Die runden blaugeäderten Arme liegen wie
eine Krone um das Gesicht der Jungfrau, das die
-Jünglinge auspeitscht. Und so geht das leise Lied
+Jünglinge auspeitscht. Und so geht das leise Lied
ihrer Stimme:
</p>
-<p>»Lach immer, Lucius, lach zu. Wenn ein Sterblicher
+<p>»Lach immer, Lucius, lach zu. Wenn ein Sterblicher
meine Langeweile zerstreuen kann, bist du&rsquo;s,
von dem ich&rsquo;s hoffe. Du hast geliebt, Lucius, man
-erzählt, daß du geweint hast vor Betten, die dich verschmähten
-oder die zu kalt waren. Heut, überdrüssig,
-lachst du über die Frau. Begreif&rsquo; doch, daß mich
-dies ewige Geseufze der Männer zur Verzweiflung
-bringt. Ich bin jung und schön und langweile mich,
-ja, Lucius. Die Zärtlichkeiten dieses Atys, die
-Mysterien der Isis und wie groß Serapis sei, befriedigen
+erzählt, daß du geweint hast vor Betten, die dich verschmähten
+oder die zu kalt waren. Heut, überdrüssig,
+lachst du über die Frau. Begreif&rsquo; doch, daß mich
+dies ewige Geseufze der Männer zur Verzweiflung
+bringt. Ich bin jung und schön und langweile mich,
+ja, Lucius. Die Zärtlichkeiten dieses Atys, die
+Mysterien der Isis und wie groß Serapis sei, befriedigen
<a id="page-9" class="pagenum" title="9"></a>
-meine Sehnsüchte nicht; was will mir
-Aphrodite? Ich bin es, die die Liebe erregt; ich weiß
-um ihre Leiden, und daß sie einen tot machen, denn
+meine Sehnsüchte nicht; was will mir
+Aphrodite? Ich bin es, die die Liebe erregt; ich weiß
+um ihre Leiden, und daß sie einen tot machen, denn
Liebesgirren wird zur Gewohnheit. Ich bin eine
Syrierin, die Tochter einer Freigelassenen, die eine
-Seherin war; du bist ein Römer, fast ein Hellene,
-du weißt dich lustig zu machen, Lucius, aber trösten
-wär ein Süßeres, Köstlicheres.«
+Seherin war; du bist ein Römer, fast ein Hellene,
+du weißt dich lustig zu machen, Lucius, aber trösten
+wär ein Süßeres, Köstlicheres.«
</p>
-<p>Der Römer lehnte an einem Schaft des purpurnen
+<p>Der Römer lehnte an einem Schaft des purpurnen
und schwarzen Baldachins und spielte mit den
Goldquasten seiner gelbseidenen Tunika. Die Eleganz
-seiner Bewegungen erzählte, daß er ein Lebemann
-war, gewöhnt, es zu sein, und müde, es zu
+seiner Bewegungen erzählte, daß er ein Lebemann
+war, gewöhnt, es zu sein, und müde, es zu
sein. Er meidet gern die ernsten Worte, die bald
geschmacklos klingen.
</p>
-<p>»Du, Amaryllis. Laß mich, bitte, ein wenig erstaunt
-sein, daß so ein kleines Herz soviel leiden mag, und
-was sich hinter so einer schmalen Stirn Merkwürdiges
-aufhält. Du hast junge reiche Liebhaber,
+<p>»Du, Amaryllis. Laß mich, bitte, ein wenig erstaunt
+sein, daß so ein kleines Herz soviel leiden mag, und
+was sich hinter so einer schmalen Stirn Merkwürdiges
+aufhält. Du hast junge reiche Liebhaber,
hast Philosophen, ja, hast sogar Affen, die dich
-allzusamm&rsquo; aufheitern können. Und da sehnst du
-Götter herbei und Dinge, die nicht einmal Namen
-haben!«
+allzusamm&rsquo; aufheitern können. Und da sehnst du
+Götter herbei und Dinge, die nicht einmal Namen
+haben!«
</p>
-<p>Die bläuliche Seide ihres Obergewandes ließ den
+<p>Die bläuliche Seide ihres Obergewandes ließ den
jungen Weibleib, in Brokat starrend, durchscheinen.
Die schlanken Finger spielten mit der gelblichen
-Kristallkapsel, darin ihre Mutter dereinst Beschwörungsgebete
+Kristallkapsel, darin ihre Mutter dereinst Beschwörungsgebete
<a id="page-10" class="pagenum" title="10"></a>
-verschloß. Nichts war hörbar
+verschloß. Nichts war hörbar
als das Wasser unter der Barke; und von Zeit zu Zeit
-schoß ein Fisch auf, daß sein Leib ein silberner
+schoß ein Fisch auf, daß sein Leib ein silberner
Blitz war. Aber das zermarterte Herz des Kindes
war traurig.
</p>
-<p>»In welches Theater, zu welcher Wundertäterin
-oder in was für einen Tempel geht unsere Amaryllis
-heute? Ich möchte sie doch gerne führen,
-wohin sie es treibt, ehe ich selber ins Serapeum gehe.«
+<p>»In welches Theater, zu welcher Wundertäterin
+oder in was für einen Tempel geht unsere Amaryllis
+heute? Ich möchte sie doch gerne führen,
+wohin sie es treibt, ehe ich selber ins Serapeum gehe.«
</p>
-<p>»Du bist von der Athene eingeladen?« fragte
+<p>»Du bist von der Athene eingeladen?« fragte
die Junge und erhob sich, und ihre Stimme klang
-aufgeweckter. »Athene! Sie weiß die Dinge, so sagt
-man, und die Götter beschützen sie. Einmal, mitten
+aufgeweckter. »Athene! Sie weiß die Dinge, so sagt
+man, und die Götter beschützen sie. Einmal, mitten
unter Blumen und jungen verliebten Leuten war
ich, da hab&rsquo; ich sie gesehen, auf einem Turme vom
-Serapeum, sie war verzückt und ganz in Weiß.
+Serapeum, sie war verzückt und ganz in Weiß.
Meine Freunde jauchzten ihr zu, aber ich war gar
-nicht eifersüchtig, weil sie doch eine keusche Gottheit
+nicht eifersüchtig, weil sie doch eine keusche Gottheit
ist. Und dann kamen von jenen Menschen dazu,
-die ein Kreuz anbeten und alle Gewißheit
-besitzen, und pfiffen sie aus. Über ihr erblaßte der
-Mond, hoch über aller Roheit. Aber jene andern
+die ein Kreuz anbeten und alle Gewißheit
+besitzen, und pfiffen sie aus. Über ihr erblaßte der
+Mond, hoch über aller Roheit. Aber jene andern
wurden in Licht von der aufgehenden Sonne getaucht,
-wie in Blut, in Siegerblut, und ich muß
+wie in Blut, in Siegerblut, und ich muß
denken, das sei eine Vorbedeutung. Sag, wie macht
-die sich denn die Seelen dienstbar? Ist sie schöner
-als ich, sag&rsquo;? Vielleicht könnte sie mich heilen.«
+die sich denn die Seelen dienstbar? Ist sie schöner
+als ich, sag&rsquo;? Vielleicht könnte sie mich heilen.«
</p>
<p>
<a id="page-11" class="pagenum" title="11"></a>
-»Immerfort träumst du doch, Amaryllis. Deine
-Träume verderben dir die Freude am Leben.
-Lächle lieber, du meine liebe Lydierin, und zu deinem
+»Immerfort träumst du doch, Amaryllis. Deine
+Träume verderben dir die Freude am Leben.
+Lächle lieber, du meine liebe Lydierin, und zu deinem
Munde werden die einen kommen und an deinem
-Kuß zerbrechen, die andern kommen und ihre
-letzten Täuschungen loswerden. Raub&rsquo; du die Stunde
-aus, die gegenwärtig ist, leb&rsquo; an den Liebesbränden
-der Jüngsten und an den Freundschaftsfeuern derer,
-die wollustmüde geworden sind &mdash; und laß die
+Kuß zerbrechen, die andern kommen und ihre
+letzten Täuschungen loswerden. Raub&rsquo; du die Stunde
+aus, die gegenwärtig ist, leb&rsquo; an den Liebesbränden
+der Jüngsten und an den Freundschaftsfeuern derer,
+die wollustmüde geworden sind &mdash; und laß die
Jungfrau vom Serapeum sich von Vergangenem
-nähren!«
+nähren!«
</p>
<p>Und er beugte sich und hielt die Hand der Amaryllis
-in seinen Händen. Aber Amaryllis fing an
+in seinen Händen. Aber Amaryllis fing an
zu weinen:
</p>
-<p>»Bei unseren Lüsten, die dir noch gegenwärtig
+<p>»Bei unseren Lüsten, die dir noch gegenwärtig
sind, bei deiner Liebe, die du zu meinen kleinen
-Grübchen empfandest, bei dem Haß, mit dem du
-die Christen hassest, die mich nicht mögen, bei
-meinem Weinen, das mich wieder häßlich machen
-wird, Lucius &mdash; Lucius, bring mich zu der Athene!«
+Grübchen empfandest, bei dem Haß, mit dem du
+die Christen hassest, die mich nicht mögen, bei
+meinem Weinen, das mich wieder häßlich machen
+wird, Lucius &mdash; Lucius, bring mich zu der Athene!«
</p>
<p>Der junge Mann hielt sie mit seinen Armen
auf und kniete vor ihr:
</p>
-<p>»Du bist dazu ausersehen,« sagte er, »daß du einen
-gesunden und schönen Leib trägst. Wer möchte
-den öffnen und die Gedanken in ihn einlassen, die
-doch alles entstellen!«
+<p>»Du bist dazu ausersehen,« sagte er, »daß du einen
+gesunden und schönen Leib trägst. Wer möchte
+den öffnen und die Gedanken in ihn einlassen, die
+doch alles entstellen!«
</p>
-<p>Indes, da sie nicht aufhörte zu jammern, und
+<p>Indes, da sie nicht aufhörte zu jammern, und
<a id="page-12" class="pagenum" title="12"></a>
-der froheste Tag durch Tränen einer Frau zu einem
-betrüblichen werden mag:
+der froheste Tag durch Tränen einer Frau zu einem
+betrüblichen werden mag:
</p>
-<p>»Nun, gut, Amaryllis. Lächle und gib mir die
-Hand, daß wir zur Athene gehen und daß ich dich
-weise, wie eine junge Schülerin.«
+<p>»Nun, gut, Amaryllis. Lächle und gib mir die
+Hand, daß wir zur Athene gehen und daß ich dich
+weise, wie eine junge Schülerin.«
</p>
<p>Da hob das Kind den Kopf auf. Es erstrahlte
das feine Gesicht, und ganz schnell richteten die
-Hände im Haar. Die Ruderstangen hielten an, und
-die Barke stieß leicht ans Ufer, wo eine Menge
+Hände im Haar. Die Ruderstangen hielten an, und
+die Barke stieß leicht ans Ufer, wo eine Menge
Volks promenierte.
</p>
-<p>»Ins Serapeum!« sagte sie groß.
+<p>»Ins Serapeum!« sagte sie groß.
</p>
-<p>In einer Sänfte und im Schatten der Säulengänge
-kamen sie langsam vorwärts, unter den Parfüms
-all der möglichen Stämme dieses durch allerlei seltsamste
+<p>In einer Sänfte und im Schatten der Säulengänge
+kamen sie langsam vorwärts, unter den Parfüms
+all der möglichen Stämme dieses durch allerlei seltsamste
Prostitutionen des Weibes und junger
-Männer gesteigerten Orients. An einer Straßenecke,
-plötzlich, stürzte ihnen dann ein Pöbel mit
+Männer gesteigerten Orients. An einer Straßenecke,
+plötzlich, stürzte ihnen dann ein Pöbel mit
Heulen entgegen, lauter wilde Gestalten und von
-etwas sehr begeistert. Christen warens, die so daherstürzten
+etwas sehr begeistert. Christen warens, die so daherstürzten
und die Juden erschlagen wollten. Die
Kurtisane erzittert; duckt ihr feines Gesicht an die
Draperien; und unter dem rieselnden Goldhaar
-will es ein wenig lächeln und sucht die Augen des
-Lucius. Da schrie einer aus der Flut, die sich daherwälzte,
-einer, der alles mit seinem Wuchs überragte
+will es ein wenig lächeln und sucht die Augen des
+Lucius. Da schrie einer aus der Flut, die sich daherwälzte,
+einer, der alles mit seinem Wuchs überragte
und der sie alle aufreizte, schrie:
</p>
-<p>»Das Weib der Gastmähler wird mit Weinen
+<p>»Das Weib der Gastmähler wird mit Weinen
<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
in den Tempel laufen! Der Gott ist gekommen,
-mit seinem Kuß von den Küssen des Menschen
-zu erlösen!«
+mit seinem Kuß von den Küssen des Menschen
+zu erlösen!«
</p>
-<p>Und dann verschwand das alles, ein paar gekrümmte
-Straßen hin, Metzeleien entgegen.
+<p>Und dann verschwand das alles, ein paar gekrümmte
+Straßen hin, Metzeleien entgegen.
</p>
<p>Mit der dreifachen Krone seiner zerfallenden
Galerien und den hundert halbversunkenen Stufen
seiner Treppe unterwarf sich das Serapeum sichtbarlich
all den Glanz, all die Unzucht und all die
-Schwärmerei der Stadt. Auf seinen Mauern, die
-aus den Fugen gleiten wollten, nisteten wilde Kapernsträuche
-und blühten. Aber es war &mdash; wie das
-Grab Hellas. Angefüllt mit den Bildern alten Ruhms
+Schwärmerei der Stadt. Auf seinen Mauern, die
+aus den Fugen gleiten wollten, nisteten wilde Kapernsträuche
+und blühten. Aber es war &mdash; wie das
+Grab Hellas. Angefüllt mit den Bildern alten Ruhms
und mit einer Bibliothek von mehr als siebenmalhunderttausend
-Bänden. Diese kostbaren Reliquien
+Bänden. Diese kostbaren Reliquien
dankten ihr Leben dem frommen Eifer einer erhabenen
Jungfrau, jener Athene .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. gleich wie
unser Heut-Empfinden, das sich verfolgt sieht, zum
-elfenbeinernen Turm flüchtet .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
+elfenbeinernen Turm flüchtet .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
</p>
-<p>Athene waltete über die Satzungen und über
-die Lehren wie über ein Erbe und war allwöchentlich
+<p>Athene waltete über die Satzungen und über
+die Lehren wie über ein Erbe und war allwöchentlich
der Mittelpunkt des Kreises der Hellenen. Und
hielt in den Herzen, die aus der Zeit und aus der
-Heimat verbannt waren, wach, daß Denken eine
-Würde sei und Erinnerung eine Tat. Und sie
+Heimat verbannt waren, wach, daß Denken eine
+Würde sei und Erinnerung eine Tat. Und sie
wurde sogar geliebt von denen, die sie nicht begreifen
konnten.
</p>
<p>
<a id="page-14" class="pagenum" title="14"></a>
-In dem großen Saal, der mit Mosaik ausgelegt war
+In dem großen Saal, der mit Mosaik ausgelegt war
und strahlte, und der mit soviel Menschendenken
und -geist prunkte, erschien Athene wie eine Herrscherin,
-von Römern, von Griechen und von vielen
-schweren Greisen umringt, ja auch von einigen Mondänen,
-die Gefallen fanden bei schönen Diskursen
-und an mutigen Sprüchen. Und Athenens Augen und
+von Römern, von Griechen und von vielen
+schweren Greisen umringt, ja auch von einigen Mondänen,
+die Gefallen fanden bei schönen Diskursen
+und an mutigen Sprüchen. Und Athenens Augen und
Athenens Gesten hatten Harmonie und Frieden.
</p>
@@ -435,46 +399,46 @@ Athenens Gesten hatten Harmonie und Frieden.
reizvoll zugleich, eintrat.
</p>
-<p>»Schön bist du, Amaryllis. Und doch steht es
-dir an, daß du eine von den Unserigen seiest. Du
+<p>»Schön bist du, Amaryllis. Und doch steht es
+dir an, daß du eine von den Unserigen seiest. Du
sollst erfahren, was Griechenland war, was seine
Portiken unter dem blauen Himmel und was seine
-immergrünen Olivenhaine waren, daß alles Götteratem
+immergrünen Olivenhaine waren, daß alles Götteratem
lind bewegte, Heiterkeit die Leiber und die
gesunden Seelen badete; und dein schnelles Blut
wird leicht den Zusammenklang von Wunsch und
-Sein hören lernen. Plotinus, dem die Götter ihr
-Herz eröffneten, pflegte zu sagen: Wo die Liebe
+Sein hören lernen. Plotinus, dem die Götter ihr
+Herz eröffneten, pflegte zu sagen: Wo die Liebe
ging, da stellt sich der Verstand ein. Amaryllis,
du, die in der Kypris Wohnung hatte, nimm deinen
Platz unter uns wie eine Schwester, die es verdient,
-daß wir auf sie hören.«
+daß wir auf sie hören.«
</p>
-<p>»Du Athene«, sagte ein Jüngling, »du magst die
-Liebe willkommen heißen?«
+<p>»Du Athene«, sagte ein Jüngling, »du magst die
+Liebe willkommen heißen?«
</p>
-<p>Aber sie hielts nicht der Müh&rsquo; für wert, auf solch
+<p>Aber sie hielts nicht der Müh&rsquo; für wert, auf solch
<a id="page-15" class="pagenum" title="15"></a>
-flehentlichen Vorwurf zu hören, und bedeutete lieber,
-daß sie aufgehört habe zu sprechen.
+flehentlichen Vorwurf zu hören, und bedeutete lieber,
+daß sie aufgehört habe zu sprechen.
</p>
-<p>Stand einer auf, ein Redner; und brachte gar betrübliche
+<p>Stand einer auf, ein Redner; und brachte gar betrübliche
Nachricht vor, wie jene Christensekte
mit ihrer aufdringlichen Lehre sich ausbreite, sprach
von dem Schaden jener weichlichen Religion, und
-wie die ehrwürdigsten Traditionen dabei zu Fall
-kommen mußten. Und er beschwor das unheilkündende
+wie die ehrwürdigsten Traditionen dabei zu Fall
+kommen mußten. Und er beschwor das unheilkündende
Bild jener Ebene herauf, darin ein Kaiser
-und ein Philosoph inmitten einer großen und bestürzten
+und ein Philosoph inmitten einer großen und bestürzten
Menge den Tod erlitt. Julianus! deinen
Ruhm sang er, du Fahler, Gemeuchelter, du Opfer
der neuen Lehre! du warst aus diesem Alexandrien
hervorgegangen und trugst das Kleid des
Weisen unter dem Purpur des Triumphators und
-trugst ein letztes Lächeln, wenn alle Männer so
+trugst ein letztes Lächeln, wenn alle Männer so
wie Weiber klagten &mdash; und was auch zu den Stufen
deines Thrones flehte und drohte, dir waren die
hohen Worte und die stolzen Gedanken eigen, die
@@ -482,343 +446,343 @@ nimmer knien und dienen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
</p>
<p>Und da schrie alles Beifall zu solcher Glorie
-jenes gekrönten Bruders. Und als der Alte, an der
-Größe des Gegenstandes seiner Rede wachsend,
-in altehrwürdigen und glorreichen Sätzen die grüßte,
+jenes gekrönten Bruders. Und als der Alte, an der
+Größe des Gegenstandes seiner Rede wachsend,
+in altehrwürdigen und glorreichen Sätzen die grüßte,
die angesichts der Barbaren den Tod leiden um
den Frieden der Welt, und die noch Edleren, die
-für die Macht des Geistes und um die Denk- und
+für die Macht des Geistes und um die Denk- und
<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-Grabmale zu kämpfen wissen, da sprangen alle
-auf, die Frauen wie die Männer, die Jünglinge mit
+Grabmale zu kämpfen wissen, da sprangen alle
+auf, die Frauen wie die Männer, die Jünglinge mit
dem siedenden Blut und die mit des Alters Frieren
sprangen alle auf und lobpriesen den Redner und
den Namen Julianus, und waren ganz eines Mundes
-darin, daß jetzt der Tag der berühmten Rede des
+darin, daß jetzt der Tag der berühmten Rede des
Perikles neu gekommen sei.
</p>
-<p>Aber der Redner war alt und wußte sich selber
+<p>Aber der Redner war alt und wußte sich selber
keine Grenze. So entstanden gesonderte Unterhaltungen.
</p>
-<p>»Laßt uns auf die Götter und auf die Poesie
-vertrauen«, sagte ein Poet. »Wir werden über das
-gemeine Volk siegen wie unsere Väter dereinst
-über alle Barbaren siegten. Ein paar ihrer Anführer
-zählen doch zu den Unserigen!«
+<p>»Laßt uns auf die Götter und auf die Poesie
+vertrauen«, sagte ein Poet. »Wir werden über das
+gemeine Volk siegen wie unsere Väter dereinst
+über alle Barbaren siegten. Ein paar ihrer Anführer
+zählen doch zu den Unserigen!«
</p>
-<p>»Vergessen wir nicht,« unterbrach ihn da ein
-Römer und einstiger Befehlshaber einer Legion
-»daß diese Anführer nichts tun können. Wir lieben
-und verstehen zuviel Dinge, die Menge haßt uns
-wie sie das Serapeum haßt und alles das sie nicht
+<p>»Vergessen wir nicht,« unterbrach ihn da ein
+Römer und einstiger Befehlshaber einer Legion
+»daß diese Anführer nichts tun können. Wir lieben
+und verstehen zuviel Dinge, die Menge haßt uns
+wie sie das Serapeum haßt und alles das sie nicht
begreift, und wenn wir uns nicht als Barbaren aufspielen,
-werden uns diese Barbaren zermalmen.«
+werden uns diese Barbaren zermalmen.«
</p>
-<p>Ein Gemurmel entstand, und Frauen verhüllten
+<p>Ein Gemurmel entstand, und Frauen verhüllten
ihre Gesichter. Unterdessen sprach Amaryllis zu
-den Jünglingen, sehr singend und sehr leise:
+den Jünglingen, sehr singend und sehr leise:
</p>
-<p>»Wir sind Hellenen &mdash; aus Stolz. Aber wohin
-zielt unser Herz? .&nbsp;.&nbsp;. Von Phrygien, von Phönizien
+<p>»Wir sind Hellenen &mdash; aus Stolz. Aber wohin
+zielt unser Herz? .&nbsp;.&nbsp;. Von Phrygien, von Phönizien
<a id="page-17" class="pagenum" title="17"></a>
kamen sie uns her: Adonis, den die Frauen
-mit Küssen aufwecken, Isis, die Herrscherin, und
-die ewig gütige Große Artemis von Ephesus.
+mit Küssen aufwecken, Isis, die Herrscherin, und
+die ewig gütige Große Artemis von Ephesus.
Und vom Orient her kommen nun die Amulette,
-und die Namen ihrer Götter, die viel älter sind,
-erfreuen überdem die wahre Gottheit.«
+und die Namen ihrer Götter, die viel älter sind,
+erfreuen überdem die wahre Gottheit.«
</p>
-<p>Ein anderer sagte Idyllen her; und eine süße
+<p>Ein anderer sagte Idyllen her; und eine süße
Heiterkeit badete sein Antlitz.
</p>
<p>Schatten glitten jetzt in den Saal. Durch die
-offenen Türen zu den Terrassen drang ein wenig
-Kühlung ein. Auf dem Mosaik rückten die Jünglinge
-ihre Fußschemel aus Ebenholz näher zu den
+offenen Türen zu den Terrassen drang ein wenig
+Kühlung ein. Auf dem Mosaik rückten die Jünglinge
+ihre Fußschemel aus Ebenholz näher zu den
Polstern der Frauen. Die dunklen Linien der
Truhen verschwammen mit Seide und Brokat; die
-Fresken löschten halb aus und sahen noch gläubig
+Fresken löschten halb aus und sahen noch gläubig
versunkener in diesem Helldunkel; der Saal schien
-höher und die marmornen Götter noch göttlicher.
+höher und die marmornen Götter noch göttlicher.
</p>
<p>Die Jungfrau, die ragend stand, blickte auf diese
-kleine Welt, die einzige unter den gegenwärtigen,
-von der sie wußte und die sie begriff und in der
+kleine Welt, die einzige unter den gegenwärtigen,
+von der sie wußte und die sie begriff und in der
sie lebte. Und wenn sie manchmal eitle Phrasen
-und Seichtheit aus dieser Umgebung zuließ oder
-wenn sie tief hineinsann in den Schoß des Seins,
+und Seichtheit aus dieser Umgebung zuließ oder
+wenn sie tief hineinsann in den Schoß des Seins,
verriet ihre edle Erscheinung nichts von allem .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
</p>
<p>In diesem Augenblick quoll ein Geschrei von
da unten auf und drang taumelnd ein in die Versammlung
-und fuhr über sie her, daß sie sich unruhig
+und fuhr über sie her, daß sie sich unruhig
<a id="page-18" class="pagenum" title="18"></a>
-aufrichtete. Schmutziges Volk tobte am Fuße
+aufrichtete. Schmutziges Volk tobte am Fuße
des Serapeums. Die Verwegensten hatten die ersten
Stufen zum Tempel erstiegen. Da waren sie in
-widerlichen Lumpen, den Kopf hintübergeworfen,
-die Kehle und die Brust gebläht von Verwünschungen.
+widerlichen Lumpen, den Kopf hintübergeworfen,
+die Kehle und die Brust gebläht von Verwünschungen.
Und der Name der Athene stieg hundertfach
auf aus dem Haufen wie eine Blase aus
einem giftigen Morast.
</p>
-<p>Die Jungfrau mußte sich nicht halten, sie lehnte
-sich nur leicht gegen den abbröckelnden Marmor
-des Geländers. Und wie sie über die gleichförmige
-Ebene der Dächer hinsah, waren ihr die dunklen
-Einschnitte der ans Serapeum angrenzenden Straßen
-wie die Abläufe des Schmutzes der Stadt und dieses
-unsauberen Pöbels.
+<p>Die Jungfrau mußte sich nicht halten, sie lehnte
+sich nur leicht gegen den abbröckelnden Marmor
+des Geländers. Und wie sie über die gleichförmige
+Ebene der Dächer hinsah, waren ihr die dunklen
+Einschnitte der ans Serapeum angrenzenden Straßen
+wie die Abläufe des Schmutzes der Stadt und dieses
+unsauberen Pöbels.
</p>
<p>Ein Alter nahm respektvoll die Hand des jungen
Weibes und sagte:
</p>
-<p>»Weder anhören noch fürchten sollst du sie.«
+<p>»Weder anhören noch fürchten sollst du sie.«
</p>
-<p>Sie aber führte ihn sacht beiseit.
+<p>Sie aber führte ihn sacht beiseit.
</p>
-<p>Da fragte Amaryllis: »Ist es möglich, daß die
+<p>Da fragte Amaryllis: »Ist es möglich, daß die
Tempel derer da unten von Frauen voll sind? Welch
-unendlicher Reiz mag von dem schönen Jüngling
-ausströmen, dem sie dienen!« Und sie fühlte sich
-hingezogen zu jenem Unbekannten, und sie fühlte
+unendlicher Reiz mag von dem schönen Jüngling
+ausströmen, dem sie dienen!« Und sie fühlte sich
+hingezogen zu jenem Unbekannten, und sie fühlte
sich ungleich mehr Schwester zu jenen verwegenen
-und furchtbaren Männern als zu diesen stolzen
-Römern, diesen ewig Spöttischen und Überklugen.
+und furchtbaren Männern als zu diesen stolzen
+Römern, diesen ewig Spöttischen und Überklugen.
</p>
<p>
<a id="page-19" class="pagenum" title="19"></a>
-Und da hörte sie halb die ironische Rede des
+Und da hörte sie halb die ironische Rede des
Lucius:
</p>
-<p>»Schauen wir nicht auf sie! Sie übersehen ist noch
-ein Vergnügen. Aber sie verachten dürfen wir nicht.
-Verachten will rohes Angespanntsein und würde
-uns diesen unnatürlichen Fanatikern gleichmachen.«
+<p>»Schauen wir nicht auf sie! Sie übersehen ist noch
+ein Vergnügen. Aber sie verachten dürfen wir nicht.
+Verachten will rohes Angespanntsein und würde
+uns diesen unnatürlichen Fanatikern gleichmachen.«
</p>
<p>In diesem Augenblick wankte unter der Wucht
-der Menge eine der Anubis-Säulen, die den Platz
-schmückten, und stürzte hin &mdash; und ein Triumphgeschrei
-flatterte hoch, höher als die Staubmassen.
+der Menge eine der Anubis-Säulen, die den Platz
+schmückten, und stürzte hin &mdash; und ein Triumphgeschrei
+flatterte hoch, höher als die Staubmassen.
</p>
<p>Athene wandte sich langsam um. Eine Hoheit
-ging aus von ihr, die die Wut eines Pöbels für
+ging aus von ihr, die die Wut eines Pöbels für
nichts achtete, und sie stimmte eine heroische Hymne
-der Väter an und ihr Gesang über dem Sieggeschrei
-des Pöbels war wie ein königlicher Schwan
+der Väter an und ihr Gesang über dem Sieggeschrei
+des Pöbels war wie ein königlicher Schwan
auf bewegten Wogen.
</p>
-<p>Und da sie innehielt, die Kehle gebläht, keichend
-fast und unter dem Kuß des Gestirns, das fernhin
+<p>Und da sie innehielt, die Kehle gebläht, keichend
+fast und unter dem Kuß des Gestirns, das fernhin
in Gold und Purpur sich neigte, sehr verwandelt,
-erbebten die Jünglinge vor Liebe zu ihrer
-Schönheit. Ein majestätisches Schweigen trat hinter
+erbebten die Jünglinge vor Liebe zu ihrer
+Schönheit. Ein majestätisches Schweigen trat hinter
ihren Worten ein. Sie stimmte die schlaffen Saiten
der Seelen hoch. Lucius, der am irdischen Abbild
-irgendeines Unsterblichen lehnte genoß eine tiefe
-und köstliche Wehmut.
+irgendeines Unsterblichen lehnte genoß eine tiefe
+und köstliche Wehmut.
</p>
-<p>Die Sonne sank an diesem Tag in einem großen
+<p>Die Sonne sank an diesem Tag in einem großen
Mal von Purpur und Blut, wie ein Sieger und
<a id="page-20" class="pagenum" title="20"></a>
-wie ein Märtyrer. Sie war ins Meer untergetaucht
+wie ein Märtyrer. Sie war ins Meer untergetaucht
das ganz blau herleuchtete, aber mit ihrem Widerschein
setzte sie noch die Himmel in Brand .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Und
-Athene sah auf die Gärten, die brach lagen, und
-auf die zerstörten Laboratorien, und Bitteres und
+Athene sah auf die Gärten, die brach lagen, und
+auf die zerstörten Laboratorien, und Bitteres und
Ahnung zog in ihr Herz. Die Hand hob sie auf
-und mit einer leisen und eilen Stimme, während
+und mit einer leisen und eilen Stimme, während
fern die Glocken von Mithra und die der Christen
-ihre Gläubigen zusammenriefen, die heulende
-Menge sich verlief und in der Kühle hier nur noch
+ihre Gläubigen zusammenriefen, die heulende
+Menge sich verlief und in der Kühle hier nur noch
der Abend sang, redete sie also:
</p>
-<p>»Ich schwöre, auf immer das schöne Wort und
+<p>»Ich schwöre, auf immer das schöne Wort und
den hohen Gedanken zu lieben und lieber das Leben
-zu lassen als meine Freiheit.«
+zu lassen als meine Freiheit.«
</p>
-<p>Und ganz beruhigt und göttlich fast:
+<p>Und ganz beruhigt und göttlich fast:
</p>
-<p>»Schwört alle, ihr Brüder!«
+<p>»Schwört alle, ihr Brüder!«
</p>
-<p>»Auf wen, Athene, willst du, daß wir schwören?«
+<p>»Auf wen, Athene, willst du, daß wir schwören?«
</p>
-<p>»Auf mich, denn ich bin Hellas.«
+<p>»Auf mich, denn ich bin Hellas.«
</p>
-<p>Und sie alle hoben die Hände.
+<p>Und sie alle hoben die Hände.
</p>
<p>Aber nun, da die Feier zu Ende war, beeilte
ein jedes sich, die Tunika zu ordnen und den
-Mantel neu in Falten zu werfen, um zu den Gärten
+Mantel neu in Falten zu werfen, um zu den Gärten
hinauszugehn.
</p>
<p>Amaryllis verhielt sich abseits und weinte. Dahin
-waren ihre Kräfte durch diesen Tag, an dem
+waren ihre Kräfte durch diesen Tag, an dem
sie diese hohe Reine erlebte.
</p>
<p>An der Jungfrau aber verriet nichts die Sehnsucht
<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-nach Einsamkeit, die solch große Versammlungen
-bei ihr hinterließen. Sie sah lange über ihre
-Freunde hin, und als sie die Verstörtheit der lieblichen
+nach Einsamkeit, die solch große Versammlungen
+bei ihr hinterließen. Sie sah lange über ihre
+Freunde hin, und als sie die Verstörtheit der lieblichen
Lydierin gewahr ward, umarmte sie sie vor
-allen. Beifall rief man. Und die artistischen Söhne
-Griechenlands verglichen die göttliche Jungfrau in
+allen. Beifall rief man. Und die artistischen Söhne
+Griechenlands verglichen die göttliche Jungfrau in
der Umklammerung der schmiegsamen Orientalin
-mit jenen Säulen auf Paros, um die sich die rauschschweren
+mit jenen Säulen auf Paros, um die sich die rauschschweren
Weinranken schlingen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
</p>
<p>Und Lucius dachte bei sich: Wehe! Du hier,
-Athene, wolltest du uns nicht in die Sphäre reinsten
-Geistes erhöhen und uns alle die Illusionen rauben
-und verbieten, die unsere Tränen und die unsere
-Träume sind? Und sorgst du nicht, Athene, fürchtest
-du nicht, daß jener Einfältige uns noch viel mehr
-an sich reißt, Er, der die Werte unserer Weisen
+Athene, wolltest du uns nicht in die Sphäre reinsten
+Geistes erhöhen und uns alle die Illusionen rauben
+und verbieten, die unsere Tränen und die unsere
+Träume sind? Und sorgst du nicht, Athene, fürchtest
+du nicht, daß jener Einfältige uns noch viel mehr
+an sich reißt, Er, der die Werte unserer Weisen
zutiefst zum Volk herabtrug und der, in seinem
-Tode wie in seinem Leben, die süßesten Qualen
-der höchsten Liebe auferstehen läßt .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
+Tode wie in seinem Leben, die süßesten Qualen
+der höchsten Liebe auferstehen läßt .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
</p>
-<p>Die Wühlereien geschahen fort und fort. Die
+<p>Die Wühlereien geschahen fort und fort. Die
Feinde der Athene wurden immer verwegener, da
-sie ja unbestraft blieben, und der Pöbel nahm daraus
-dieses für sich, daß er die haßte, die Tag für
+sie ja unbestraft blieben, und der Pöbel nahm daraus
+dieses für sich, daß er die haßte, die Tag für
Tag beschimpft wurde.
</p>
<p>Den folgenden Versammlungstag brachte der
-Römer die Orientalin zur Jungfrau und spöttelte dazu:
+Römer die Orientalin zur Jungfrau und spöttelte dazu:
</p>
-<p>»Ich stellte sie dir als eine Dienerin des Adonis
+<p>»Ich stellte sie dir als eine Dienerin des Adonis
<a id="page-22" class="pagenum" title="22"></a>
-vor .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. heute muß man sie eine Christin schelten.«
+vor .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. heute muß man sie eine Christin schelten.«
</p>
-<p>Mit ihrer ganzen Weltfremdheit und Seelengröße
+<p>Mit ihrer ganzen Weltfremdheit und Seelengröße
antwortete Athene:
</p>
-<p>»Was tut das viel, Lucius? Nicht träg seinen
-Lebenstag verträumen, sondern nach dem Unbekannten
+<p>»Was tut das viel, Lucius? Nicht träg seinen
+Lebenstag verträumen, sondern nach dem Unbekannten
verlangen, das ist der reine schmerzhafte
Adel des Geistes. Du bist von ihm, Amaryllis,
-oder können wir dir, die du von einer freigelassenen
-Orientalin geboren wardst, das Mißgeschick zum
-Vorwurf machen, daß dir die heitere und endliche
+oder können wir dir, die du von einer freigelassenen
+Orientalin geboren wardst, das Mißgeschick zum
+Vorwurf machen, daß dir die heitere und endliche
Form unbekannt blieb, die unsere Vorfahren, die
-Denker von Hellas, allem Verängstenden des
-Lebens zu verleihen wußten?«
+Denker von Hellas, allem Verängstenden des
+Lebens zu verleihen wußten?«
</p>
<p>Ein wenig Hochmut war in dieser Nachsicht;
aber das blieb auch ihr ganzer Vorwurf dieser
-Christlichen gegenüber.
+Christlichen gegenüber.
</p>
-<p>Übrigens hatten sich die Freunde, die es am
-öffentlichsten waren, angesichts der ernsten Gefahr
+<p>Übrigens hatten sich die Freunde, die es am
+öffentlichsten waren, angesichts der ernsten Gefahr
bei Athene entschuldigen lassen. Nur noch ein
Greis traf sich heut&rsquo; mit Amaryllis und Lucius bei
der Jungfrau. Ein Dichter war&rsquo;s &mdash; wie Dichter
sind. Der beteuerte, das Volk, das wohl etwas in
-die Irre geführt sei, würde sich vorerst noch aller
-Ausschreitungen enthalten. So daß Lucius und
-Athene Amaryllis verhindern mußten, daß sie dem
-Alten die Augen öffnete.
+die Irre geführt sei, würde sich vorerst noch aller
+Ausschreitungen enthalten. So daß Lucius und
+Athene Amaryllis verhindern mußten, daß sie dem
+Alten die Augen öffnete.
</p>
-<p>Nun hielt Athene nicht länger mehr zurück:
+<p>Nun hielt Athene nicht länger mehr zurück:
</p>
<p>
<a id="page-23" class="pagenum" title="23"></a>
-»Ich rechnete auf euch, Freunde«, sagte sie zu
-den aufhorchenden dreien, »denn immer schien&rsquo;s mir,
-daß die Dichter und jene die der Lust fröhnen, die
-einen, weil sie über die Herzen der großen Heldinnen
+»Ich rechnete auf euch, Freunde«, sagte sie zu
+den aufhorchenden dreien, »denn immer schien&rsquo;s mir,
+daß die Dichter und jene die der Lust fröhnen, die
+einen, weil sie über die Herzen der großen Heldinnen
herrschen, die andern, weil ihnen die Herzen der
-Jünglinge und der schönen Frauen gehören, daß
+Jünglinge und der schönen Frauen gehören, daß
diese ihr eigenes Herz nicht an das eitle Nichtige
des Tages hingeben und es so in schweren Stunden
unversehrt in ihrer Brust anfinden. Und dann
-wissen sich die Poeten wie die Wollüstigen würdiger
+wissen sich die Poeten wie die Wollüstigen würdiger
als alle andern im Anblick des Todes zu betragen:
die einen, weil sie nie von ihm reden, und
die andern, die Dichterseelen, weil sie ihn in reichen
Bildern besingen, mit aller Gewalt der Sprache, die
-für die heiligen Dinge aufgespart ist.«
-</p>
-
-<p>»Der Tod ist die höchste Seligkeit. Jenes Unbekannte,
-das unserer Forschungen allein würdig
-ist. Das Land der Träume und der Traurigkeiten.
-Das einzige und wahrhaftige Glück. Die paar
-Perlen Angstschweiß und die wenigen Sekunden, in
-denen unsere Züge sich entstellen, die beiden Dinge,
-die ihm vorangehen, wollen es, daß man einen
-Schleier über ihn ausbreite, aber alsbald sind wir
-unverbrüchlich im Ewigen und alles Weh des Fleisches
+für die heiligen Dinge aufgespart ist.«
+</p>
+
+<p>»Der Tod ist die höchste Seligkeit. Jenes Unbekannte,
+das unserer Forschungen allein würdig
+ist. Das Land der Träume und der Traurigkeiten.
+Das einzige und wahrhaftige Glück. Die paar
+Perlen Angstschweiß und die wenigen Sekunden, in
+denen unsere Züge sich entstellen, die beiden Dinge,
+die ihm vorangehen, wollen es, daß man einen
+Schleier über ihn ausbreite, aber alsbald sind wir
+unverbrüchlich im Ewigen und alles Weh des Fleisches
ist von uns abgetan; und ohne Bangen und
-ohne Wunsch versinken wir tief in Eins und alles .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
+ohne Wunsch versinken wir tief in Eins und alles .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
</p>
<p>In Rhythmen ging ihre Rede und zu weilen schwoll
<a id="page-24" class="pagenum" title="24"></a>
-sie an wie ein Lied an die Götter. Umbrandet vom
-Gebrüll des Pöbels ragte die Jungfrau, ein Ewiges,
-schön und jung, und breitete die Apotheose des
+sie an wie ein Lied an die Götter. Umbrandet vom
+Gebrüll des Pöbels ragte die Jungfrau, ein Ewiges,
+schön und jung, und breitete die Apotheose des
Todes aus wie ein kostbares Leichentuch.
</p>
-<p>Und da sie fand, daß der Greis mit tränennassen
+<p>Und da sie fand, daß der Greis mit tränennassen
Augen in den leeren Saal sah und zu so hohen
-Worten die Verlassenheit und Öde nur um so
-bitterer verspürte, unterbrach sie sich:
+Worten die Verlassenheit und Öde nur um so
+bitterer verspürte, unterbrach sie sich:
</p>
-<p>»Poet du! sieh dich vor und misch keine schlimmen
-Gedanken in dein Bedauern darüber, daß so viele
-abwesend sind. Es war nicht, sag&rsquo; ich dir, daß es
-ihnen an Mut gefehlt hätte, als sie sich weigerten,
-dem Pöbel zu trotzen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
+<p>»Poet du! sieh dich vor und misch keine schlimmen
+Gedanken in dein Bedauern darüber, daß so viele
+abwesend sind. Es war nicht, sag&rsquo; ich dir, daß es
+ihnen an Mut gefehlt hätte, als sie sich weigerten,
+dem Pöbel zu trotzen .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
</p>
-<p>Zu diesen Worten entstand da unten ein Getöse,
+<p>Zu diesen Worten entstand da unten ein Getöse,
wie ein Ansturm, und Schreckensschreie gellten:
fern ballte sich eine Wolke Staubes, vom Heranmarsch
-einer Menschenherde: Die aus der Wüste
+einer Menschenherde: Die aus der Wüste
nahen! .&nbsp;.&nbsp;. So war endlich das Wildeste an Menschen
gegen eine Frau entfesselt.
</p>
@@ -826,53 +790,53 @@ gegen eine Frau entfesselt.
<p>Lucius und die andern wollten Athene verbergen.
</p>
-<p>Aber Athene sprach: »Diese da haben nur mich«
+<p>Aber Athene sprach: »Diese da haben nur mich«
und wies auf die Bibliotheken und die Gedenkbilder
-der Väter. »Und ich verlasse diese Ausgestoßenen
-nicht!« Amaryllis fiel auf die Knie und küßte der
-jungfräulichen Heldin die Hände.
+der Väter. »Und ich verlasse diese Ausgestoßenen
+nicht!« Amaryllis fiel auf die Knie und küßte der
+jungfräulichen Heldin die Hände.
</p>
-<p>»Nie, nie verlasse ich sie!« wiederholte Athene.
+<p>»Nie, nie verlasse ich sie!« wiederholte Athene.
</p>
-<p>Und das Opfer machte sie groß zu dieser Stunde
+<p>Und das Opfer machte sie groß zu dieser Stunde
<a id="page-25" class="pagenum" title="25"></a>
-und umgab sie mit einer Schönheit, wie sie noch
+und umgab sie mit einer Schönheit, wie sie noch
keines Lebenden Auge geschaut.
</p>
-<p>Und sie sprach: »Verlaßt mich, Brüder. Euch
-ist der Ausgang zu den Gärten noch offen.«
+<p>Und sie sprach: »Verlaßt mich, Brüder. Euch
+ist der Ausgang zu den Gärten noch offen.«
</p>
-<p>Und da sie erriet, daß jene sich weigern würden,
+<p>Und da sie erriet, daß jene sich weigern würden,
willigten die Lippen, die jetzt der Tod versiegeln
-sollte, in eine Lüge:
+sollte, in eine Lüge:
</p>
-<p>»Nur die christlichen Anführer können diese
+<p>»Nur die christlichen Anführer können diese
Fanatiker aufhalten. Die wissen uns schuldlos und
gut .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. eilt und benachrichtigt sie zuvor noch .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
Wenn aber dennoch kommen sollte, was ihr kommen
seht, bewahr du dich Lucius vor aller Bitterkeit.
-Bring meinen Brüdern mein letztes von mir; und
-daß sie stets der Väter eingedenk sein sollen. Und
-du, Amaryllis, die du so schön bist, tröste die
-Jünglinge. Wenn es sich fände, daß einer aus ihnen
-nach mir geschmachtet hätte und meine Kälte hätte
-ihn betrübt, so bitt&rsquo; ich ihn, daß er mir&rsquo;s vergebe .&nbsp;.&nbsp;.
-und sag&rsquo; ihm, die Liebe sei nichts verächtliches im
-Hause Jupiter, doch mir hätt&rsquo; geschienen, daß es
+Bring meinen Brüdern mein letztes von mir; und
+daß sie stets der Väter eingedenk sein sollen. Und
+du, Amaryllis, die du so schön bist, tröste die
+Jünglinge. Wenn es sich fände, daß einer aus ihnen
+nach mir geschmachtet hätte und meine Kälte hätte
+ihn betrübt, so bitt&rsquo; ich ihn, daß er mir&rsquo;s vergebe .&nbsp;.&nbsp;.
+und sag&rsquo; ihm, die Liebe sei nichts verächtliches im
+Hause Jupiter, doch mir hätt&rsquo; geschienen, daß es
einer Letzten aus einem Geschlechte gut sei, Jungfrau
zu bleiben und dem Ewigen nachzuhangen;
meine Brust war nicht breit wie die Brust der
-Heldinnen, aber mein Herz zitterte für ganz Hellas
-.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
+Heldinnen, aber mein Herz zitterte für ganz Hellas
+.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
</p>
<p>Amaryllis, die seit lange schon weinte, brach in
-Schluchzen aus und zerriß ihre Kleider und schrie.
+Schluchzen aus und zerriß ihre Kleider und schrie.
<a id="page-26" class="pagenum" title="26"></a>
Und da fiel auch den Greis und Lucius das
Weinen an.
@@ -881,14 +845,14 @@ Weinen an.
<p>Athene sprach noch einmal sanft:
</p>
-<p>»Ich bitt&rsquo; euch, lieben Freunde.«
+<p>»Ich bitt&rsquo; euch, lieben Freunde.«
</p>
<p>Und Amaryllis erbebte am ganzen Leib.
</p>
-<p>Dann war eine erdrückende Stille draußen. Du
-fühltest: eine ganze Stadt wartete auf etwas und
+<p>Dann war eine erdrückende Stille draußen. Du
+fühltest: eine ganze Stadt wartete auf etwas und
ein ungeheueres Verbrechen lauerte im Hinterhalt.
</p>
@@ -896,165 +860,165 @@ ein ungeheueres Verbrechen lauerte im Hinterhalt.
nur noch bei ihr war:
</p>
-<p>»Vater, laß mich.«
+<p>»Vater, laß mich.«
</p>
<p>Aber der schluchzte:
</p>
-<p>»Ich hab, dich gekannt, als du klein warst .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
+<p>»Ich hab, dich gekannt, als du klein warst .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
Ich bin sehr alt, und du allein unter den Lebenden
-hast mich lieb .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
+hast mich lieb .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
</p>
-<p>Plötzlich schwiegen sie.
+<p>Plötzlich schwiegen sie.
</p>
-<p>Was marschierte da unten auf, so dröhnend auf
-den Fließen?
+<p>Was marschierte da unten auf, so dröhnend auf
+den Fließen?
</p>
-<p>»Die Legionen!« rief der Alte.
+<p>»Die Legionen!« rief der Alte.
</p>
<p>Eine ungeheure Freude packte die beiden und
-zugleich bekümmerte sie etwas wie der Verlust
-einer Märtyrerkrone .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Die Barbaren, die im
+zugleich bekümmerte sie etwas wie der Verlust
+einer Märtyrerkrone .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Die Barbaren, die im
Sold des Kaiserreichs, warens, die mit den ehernen
Helmen, die mit den klingenden Schwertern bei
jedem Schritt .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Aber wie denn! Wie stellen sie
-sich auf? Schmach! Die Stadt, nur die Stadt beschützen
+sich auf? Schmach! Die Stadt, nur die Stadt beschützen
sie! Und Serapis, den opfern sie den Fanatischen,
<a id="page-27" class="pagenum" title="27"></a>
-die da anstürmen, den Grausamen unter
+die da anstürmen, den Grausamen unter
ihren Tierfellen und mit ihren Piken!
</p>
<p>Athene wiederholte:
</p>
-<p>»Laß mich Vater! Wie soll ich Weib vor einem
-Manne sterben!«
+<p>»Laß mich Vater! Wie soll ich Weib vor einem
+Manne sterben!«
</p>
-<p>Der aber weinte nicht länger und rief gereckten
+<p>Der aber weinte nicht länger und rief gereckten
Haupts:
</p>
-<p>»Linus wurde von wütigen Hunden zerrissen,
+<p>»Linus wurde von wütigen Hunden zerrissen,
aber Orpheus sang und bezauberte die wilden Tiere.
-Den geringsten ihrer frommen Schüler verlangt
-nach einem Gleichen!« Da hielt ihn das junge
-Mädchen nicht mehr zurück. So sollen denn Verse
+Den geringsten ihrer frommen Schüler verlangt
+nach einem Gleichen!« Da hielt ihn das junge
+Mädchen nicht mehr zurück. So sollen denn Verse
singen vor dem Tode der Enkelin Platos und Homers!
</p>
<p>Von der Terrasse aus sah sie, wie der milde
-Greis dem Pöbel entgegenschritt. Jetzt tat der Alte
+Greis dem Pöbel entgegenschritt. Jetzt tat der Alte
den Mund auf &mdash; und jetzt spaltete ein Stein die
Stirn, dahinter der Genius thronte und sang. Und
die Unbefleckte wandte den Blick ab von alldem
und dem Volk, das in Tierheit watete, und tat
die Augen hinauf zum Himmel, zu Gott Helios,
-der das unendliche Blau umschließt, darin nach dem
+der das unendliche Blau umschließt, darin nach dem
Gang der Sternbilder die Seelen der Edelsten
wandeln .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.
</p>
-<p>Und schwere Balken rennen gegen das würmige
-Holz der Türen an und Stimmen heulen Mord
+<p>Und schwere Balken rennen gegen das würmige
+Holz der Türen an und Stimmen heulen Mord
und Mord.
</p>
<p>So wie eine Priesterin feierlich-heiter an einem
<a id="page-28" class="pagenum" title="28"></a>
hohen Fest nach alten Riten die heiligen Vorschriften
-erfüllt, so wandte sich Athene gegen die Ferne und
+erfüllt, so wandte sich Athene gegen die Ferne und
das heilige Land Hellas.
</p>
-<p>»Lebwohl du meine Mutter und du meine Mutter
-unserer Väter! Fromme zerstörte Feste Athen,
-eh du willst, daß ich dies Leben hingebe, grüße
-ich dich mit meinem letzten Hauch!«
+<p>»Lebwohl du meine Mutter und du meine Mutter
+unserer Väter! Fromme zerstörte Feste Athen,
+eh du willst, daß ich dies Leben hingebe, grüße
+ich dich mit meinem letzten Hauch!«
</p>
-<p>»Du Süße meiner Jugend, du warst mir ruhmvoller
-Hort gegen das Gemeine, das Mittelmaß und alles
-Leid und du nur lehrtest mich die Seligkeit des Lächelns!«
+<p>»Du Süße meiner Jugend, du warst mir ruhmvoller
+Hort gegen das Gemeine, das Mittelmaß und alles
+Leid und du nur lehrtest mich die Seligkeit des Lächelns!«
</p>
-<p>»All dein Hohes sprachst du zu mir, all deinen
+<p>»All dein Hohes sprachst du zu mir, all deinen
Frieden sangst du mir, .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. und nun du willst,
-daß ich dies Leben ausliefere, lehr&rsquo; mich, Mutter, das
-alte Geheimnis, lehr&rsquo; mich den simplen Tod.«
+daß ich dies Leben ausliefere, lehr&rsquo; mich, Mutter, das
+alte Geheimnis, lehr&rsquo; mich den simplen Tod.«
</p>
<p>Und zu den Statuen Homers und Platos:
</p>
-<p>»Einstmals, da ich bei euch geträumt, erfuhr
-ich in meinem Herzen dies: schöner als eine schöne
-Tat, schöner noch sei ein schöner Gedanke. Und
-soll nun dennoch sterben. Schön ist der Leib, aber
-es tut besser, daß er leide denn der Geist. Hätt&rsquo; ich
-von euch gelassen, wie hätte das ewig meine Seele
-betrübt! Und mein Tod jetzt kann euere Heiterkeit
+<p>»Einstmals, da ich bei euch geträumt, erfuhr
+ich in meinem Herzen dies: schöner als eine schöne
+Tat, schöner noch sei ein schöner Gedanke. Und
+soll nun dennoch sterben. Schön ist der Leib, aber
+es tut besser, daß er leide denn der Geist. Hätt&rsquo; ich
+von euch gelassen, wie hätte das ewig meine Seele
+betrübt! Und mein Tod jetzt kann euere Heiterkeit
nicht verdunkeln, denn nur den Vorhof eueres
-Tempels soll mein verschüttetes Blut färben .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
+Tempels soll mein verschüttetes Blut färben .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.«
</p>
-<p>Und sie neigte sich nach den inneren Höfen, darin
+<p>Und sie neigte sich nach den inneren Höfen, darin
Tauben von Korn zu Korn sprangen; sah
auf die Pflanzen, auf die Tiere und auf das Leben,
<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
das ihr nie etwas war, und diese letzte Sekunde
-schien ihr ein Köstliches.
+schien ihr ein Köstliches.
</p>
-<p>Und sie tat einen Schleier über ihr Antlitz und
+<p>Und sie tat einen Schleier über ihr Antlitz und
erschien vor den Augen des Volks auf der hohen
Treppe.
</p>
-<p>Die Menge flutete vor ihr zurück, denn ihr
-Schreiten war einer Göttin Schreiten, und keiner
+<p>Die Menge flutete vor ihr zurück, denn ihr
+Schreiten war einer Göttin Schreiten, und keiner
sah ihre Lippen von Blut leer. Und aber ihre
-Kräfte verließen sie vor ihrem Mut, und ohnmächtig
-stürzte sie auf die Steine.
+Kräfte verließen sie vor ihrem Mut, und ohnmächtig
+stürzte sie auf die Steine.
</p>
-<p>Und wie die Kinnladen eines reißenden Tiers
-schloß sich der Pöbel neu .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. die Gliedmaßen
+<p>Und wie die Kinnladen eines reißenden Tiers
+schloß sich der Pöbel neu .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. die Gliedmaßen
der Jungfrau zermalmt .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. und unter ihren Helmen
und unter ihren Adlern grinsten die Barbaren zu
dem Blutraub und Mord und besudelten die
-Majestät des Kaiserreichs und das Bahrtuch der
+Majestät des Kaiserreichs und das Bahrtuch der
Antike.
</p>
-<p>Auf den Abend, während Alexandrien, die Verräterin
+<p>Auf den Abend, während Alexandrien, die Verräterin
der alten Jahrhunderte, sich in Fieberschrecken
-wälzte und schrie, wie mit dem Tode Ringende schrein
-oder Gebärende, lasen Amaryllis und Lucius die
+wälzte und schrie, wie mit dem Tode Ringende schrein
+oder Gebärende, lasen Amaryllis und Lucius die
heiligen Gebeine der Jungfrau des Serapis auf.
</p>
-<p>So ließ unter den Fäusten Fanatischer und angesichts
+<p>So ließ unter den Fäusten Fanatischer und angesichts
der Barbaren die letzte der Hellenen ihr
-Leben für ihren Glauben; und nur eine Dirne und
-ein Wüstling waren es, die ihre letzten Minuten
-ehrten.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Doch was verschlägt das dir, du unvergänglich
+Leben für ihren Glauben; und nur eine Dirne und
+ein Wüstling waren es, die ihre letzten Minuten
+ehrten.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. Doch was verschlägt das dir, du unvergänglich
<a id="page-30" class="pagenum" title="30"></a>
-Reine! weit über jenen blinden Pöbel
+Reine! weit über jenen blinden Pöbel
siegte und viele kommende peinliche Jahrhunderte
-überdauerte dein heiliges Sterben, und die Enkelkinder
-jener, die zu deinem Märtyrertum grinsten,
-knien vor dir &mdash; schamrot über ihre Väter &mdash; und
+überdauerte dein heiliges Sterben, und die Enkelkinder
+jener, die zu deinem Märtyrertum grinsten,
+knien vor dir &mdash; schamrot über ihre Väter &mdash; und
beten zu dir um Vergebung .&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;. und das Dunkle
und Wirre, das jene von einst gegen deine Heiterkeit
-aufreizte, drängt die Edelsten von heut&rsquo;, zum
-elfenbeinernen Turm zu flüchten und dein Leben
+aufreizte, drängt die Edelsten von heut&rsquo;, zum
+elfenbeinernen Turm zu flüchten und dein Leben
und deine Lehre anzuschaun.
</p>
@@ -1069,7 +1033,7 @@ ARKADIA
<p class="center" style="font-size:1.2em; letter-spacing:0.3em;">
EIN JAHRBUCH<br />
-FÜR DICHTKUNST
+FÜR DICHTKUNST
</p>
<p class="center" style="font-size:1em;">
@@ -1085,18 +1049,18 @@ BUCHAUSSTATTUNG VON E. R. WEISS
<p class="noindent" style="font-size:0.8em;">
DRAMATISCHES: <span class="em">Robert Walser</span>, Tobold / <span class="em">Franz
-Werfel</span>, Das Opfer / <span class="em">Franz Blei</span>, Der Mäcen. EPISCHES:
+Werfel</span>, Das Opfer / <span class="em">Franz Blei</span>, Der Mäcen. EPISCHES:
<span class="em">Franz Kafka</span>, Das Urteil / <span class="em">Otto Stoessl</span>, Aus der Villa Obweger
-/ <span class="em">Moritz Heimann</span>, Ein Begräbnis im November /
+/ <span class="em">Moritz Heimann</span>, Ein Begräbnis im November /
<span class="em">Max Mell</span>, Jugendgeschichte Zeno Balderonis von Jeruditz /
<span class="em">Oskar Baum</span>, Der Antrag / <span class="em">Willy Speier</span>, Christus in den
Weizenfeldern / <span class="em">Martin Beradt</span>, Der Neurastheniker / <span class="em">Max
Brod</span>, Notwehr / <span class="em">Alfred Wolfenstein</span>, Dika / <span class="em">Hans Janowitz</span>,
-Ein Ausbruch / <span class="em">Hans Janowitz</span>, Szene der Erfüllung /
+Ein Ausbruch / <span class="em">Hans Janowitz</span>, Szene der Erfüllung /
<span class="em">Kurt Tucholsky</span>, Kindertheater / <span class="em">Heinrich Eduard Jacob</span>,
-Fremder Schläfer im Kupee / <span class="em">Robert Walser</span>, Zwei Aufsätze:
+Fremder Schläfer im Kupee / <span class="em">Robert Walser</span>, Zwei Aufsätze:
Rinaldini &mdash; Lenau. LYRISCHES: <span class="em">Franz Blei</span>,
-Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / <span class="em">Robert Walser</span>,
+Liebeslied des Sardinischen Seeräubers / <span class="em">Robert Walser</span>,
Handharfe am Tage / <span class="em">Max Brod</span>, Vier Gedichte / <span class="em">Heinrich
Lautensack</span>, Beichte / <span class="em">Otto Pick</span>, Gedichte /
Franz Janowitz, Gedichte.
@@ -1125,16 +1089,16 @@ GEORG HEYM
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Herbert Eulenberg in der B. Z. am Mittag:</span> Es ist der bedeutendste
unter den wenigen von unsern jungen Lyrikern,
-die überhaupt heute in Frage kommen. &mdash; Er hat die empfindlichsten
-Nerven und Sinne, die ein Dichter haben muß.
+die überhaupt heute in Frage kommen. &mdash; Er hat die empfindlichsten
+Nerven und Sinne, die ein Dichter haben muß.
</p>
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft
bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges
-Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
-u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
+Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
+u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
-deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
+deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
</p>
</div>
@@ -1153,12 +1117,12 @@ deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
<p class="center" style="margin-bottom:0.5em;">Geheftet M 3.&mdash; &bull; Halbpergamentband M 4.&mdash;
</p>
-<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</span> Bei all dem
-ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
-feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
-zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
+<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</span> Bei all dem
+ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
+feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
+zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym,
-dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
+dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
</p>
</div>
@@ -1176,9 +1140,9 @@ dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Leipziger Tageblatt:</span> .&nbsp;.&nbsp;. Novellen, in denen auf engstem
Raume alle Qual der Menschheit von der kindlichen Verzweiflung
-erster Enttäuschung bis zu Hunger, Entartung,
+erster Enttäuschung bis zu Hunger, Entartung,
Wahnsinn, Krankheit und Tod mit einer unheimlichen
-Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
+Klarheit und Kraft zu einer fürchterlichen Anklage zusammengepreßt
erscheint.
</p>
</div>
@@ -1198,7 +1162,7 @@ FRANZ WERFEL &bull; WIR SIND
</p>
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
-In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
+In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
</p>
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
@@ -1206,20 +1170,20 @@ Geheftet M 3.&mdash; &bull; Gebunden M 4.50
</p>
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare
-auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.&mdash;
+auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.&mdash;
</p>
-<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> .&nbsp;.&nbsp;. ein ganz großer Dichter, mit
+<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> .&nbsp;.&nbsp;. ein ganz großer Dichter, mit
allem Ernste sei das gesagt.
</p>
<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Neue Rundschau:</span> .&nbsp;.&nbsp;. Whitmans kosmische Liebe und
-Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel
+Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel
durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht.
</p>
-<p class="center" style="font-size:1.2em; margin-bottom:0.5em;">ELSE LASKER-SCHÜLER
+<p class="center" style="font-size:1.2em; margin-bottom:0.5em;">ELSE LASKER-SCHÜLER
</p>
<p class="center" style="font-size:1em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">GESICHTE. Essays u. and. Geschichten</span>
@@ -1233,22 +1197,22 @@ Geheftet M 4.&mdash; &bull; Gebunden M 5.&mdash;
</p>
<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">Sterndeuterei / Handschrift / Johann Hansen und Ingeborg
-Coldstrup / Künstler / In der Morgenfrühe / Elberfeld im
-dreihundertjährigen Jubiläumsschmuck / Arme Kinder
-reicher Leute / Am Kurfürstendamm / Die beiden weißen
-Bänke vom Kurfürstendamm / Die Odenwaldschule /
-Lasker-Schüler kontra B. und Genossen / Coranna / Die
+Coldstrup / Künstler / In der Morgenfrühe / Elberfeld im
+dreihundertjährigen Jubiläumsschmuck / Arme Kinder
+reicher Leute / Am Kurfürstendamm / Die beiden weißen
+Bänke vom Kurfürstendamm / Die Odenwaldschule /
+Lasker-Schüler kontra B. und Genossen / Coranna / Die
schwere Stunde / Peter Hille / Karl Kraus / Loos / Oskar
Kokoschka / Peter Baum / Franz Werfel / S. Lublinski /
Paul Leppin / Richard Dehmel / Max Brod / Alfred Kerr /
Bei Guy de Maupassant / Albert Heine / Karl Vogt / Paul
Lindau / Bei Julius Lieban / Friedrich von Schennis / Tilla
-Durieux / Paul Zech / Rudolf Blümner / William Wauer /
-Wauer-Walden via München und so weiter / Emmy
+Durieux / Paul Zech / Rudolf Blümner / William Wauer /
+Wauer-Walden via München und so weiter / Emmy
Destinn / Franziska Schultz / Kete Parsenow / Ruth /
-Unser Café / Marie Böhm / Der Alpenkönig und der
+Unser Café / Marie Böhm / Der Alpenkönig und der
Menschenfeind / Egon Adler / Ein Amen / Wenn mein
-Herz gesund wär &mdash; / Der Eisenbahnräuber / Im neopathetischen
+Herz gesund wär &mdash; / Der Eisenbahnräuber / Im neopathetischen
Kabarett / Kabarett Nachtlicht, Wien / Apollotheater /
Tigerin, Affe und Kuckuck / Im Zirkus / Zirkuspferde /
Zirkus Busch.
@@ -1276,14 +1240,14 @@ MAX DAUTHENDEY
<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Das Literarische Echo:</span> Die &bdquo;Reliquien&ldquo; beweisen die ganze
starke, eigenartige Begabung des Dichters, seine sinnliche,
-farbige Sprache, seine schöpferische Kraft. Reif und schön
-glänzt es, inbrünstige Liebeslieder und Gedichte von jenen
+farbige Sprache, seine schöpferische Kraft. Reif und schön
+glänzt es, inbrünstige Liebeslieder und Gedichte von jenen
unheimlichen, mystischen Stimmungen, die Rilke mit soviel
prunkender Spielerei zu erzwingen sucht, die Dauthendey
-aber in großer, fast starrer Einfachheit zeichnet.
+aber in großer, fast starrer Einfachheit zeichnet.
Sein Hauptthema bleibt immer die Liebe und die Freude
-an der Schönheit der Welt; die Lebenslust ist die typische
-Eigenart seiner Schöpfungen.
+an der Schönheit der Welt; die Lebenslust ist die typische
+Eigenart seiner Schöpfungen.
</p>
<p class="center" style="font-size:1em; letter-spacing:0.2em; margin-bottom: 0.5em;">
@@ -1300,14 +1264,14 @@ Einbandzeichnung von E. R. WEISS
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">Geheftet M 2.&mdash; &bull; Gebunden M 3.50
</p>
-<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Berliner Tageblatt:</span> Hier könnte ich wirklich jedes Gedicht
-herausgreifen, um die Fülle eines schaffens-, liebes- und
-lebensfrohen Gemüts, einer unermüdlichen, unerschöpflichen
+<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Berliner Tageblatt:</span> Hier könnte ich wirklich jedes Gedicht
+herausgreifen, um die Fülle eines schaffens-, liebes- und
+lebensfrohen Gemüts, einer unermüdlichen, unerschöpflichen
Phantasie anzudeuten.
</p>
-<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Ernst Lissauer:</span> Da glänzt eine Heiterkeit, die an die lichte
-Liebenswürdigkeit fränkischer Landschaften mahnt, Weinduft
+<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Ernst Lissauer:</span> Da glänzt eine Heiterkeit, die an die lichte
+Liebenswürdigkeit fränkischer Landschaften mahnt, Weinduft
ist darin.
</p>
@@ -1326,7 +1290,7 @@ ist darin.
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">Geheftet M 2.&mdash; &bull; Zweite Auflage &bull; Gebunden M 3.50
</p>
-<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Das Literarische Echo:</span> Vorzügliche Karikaturen, grellbunte
+<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"><span class="em">Das Literarische Echo:</span> Vorzügliche Karikaturen, grellbunte
Spiegelbilder des Lebens auf einem ernsten dunklen
Hintergrund.
</p>
@@ -1337,378 +1301,6 @@ Hintergrund.
</div>
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-<pre>
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-
-End of Project Gutenberg's Der Mord an der Jungfrau, by Maurice Barrès
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER MORD AN DER JUNGFRAU ***
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+<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40294 ***</div>
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