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HABERLAND IN LEIPZIG-R. - - -MEINEM BRUDER ALBERT - - - - -Und hundert Jahre nach dem Tode dessen, der kein Erlöser war, kam ich in -den Körper eines anderen Menschen. Der Träger meines Körpers wurde Caj Rolo -genannt. Er war in Sklaverei zur Sklaverei geboren. Von Geburt an bis zum -Tode kannte er nur Heulen und Zähneklappern. Mutter schlug ihn, Vater auch. -Aufseher stieß ihn. Kinder warfen ihn her und hin. Hunde bissen ihn, und -traurig fragte er sich immer: »Warum?« Als er so groß wie ein Spaten war, -mußte er einem solchen dienen. Bevor noch Sonne schien, und lange nachdem -sie erloschen war, ununterbrochen, hindurch den langen Zeitraum eines Tages -und einer halben Nacht, mußte er das Werkzeug bedienen. Und oft schlug ihn -da der Spaten auch. Einst, als er wieder von allen geschlagen war, weinte -der Knabe und dachte zu sich: »Soll ich Armer denn zeit meines Lebens, da -ich in Sklaverei geboren wurde, Sklave sein, gekränkt werden von Menschen, -Tieren, Dingen? Soll nie Sonne mich ruhend sehen, nie Freuden und Mädchen -mich freuen? Soll ich ewig arbeiten und nie leben? Kann ich das Leben nicht -finden, so will ich den Tod suchen!« Der Knabe ging aber aus, das Leben zu -finden, -- nicht den Tod zu suchen, doch kam er an ein weites Wasser, und -da setzte er über -- das Leben . . . - -Ich flog über das Wasser. Lange schwebte ich mit Vögeln in der Luft, bis -ich mich hinabließ, in dem Körper eines befruchteten Weibes zu landen. -Menschen kamen und töteten im Namen dessen, dessen Namen sie geraubt, und -dessen Worte: »Füget eurem Nächsten nicht Übles zu!« sie nicht erhört -hatten, das Weib . . . Ich entging der Frucht und flog in ein fernes Meer -zum Lande der schwarzen Menschen. Dort fand ich Leute vor, die sich -Missionäre der großen Seele nannten, die aber Missionäre nur des eigenen -Leibes waren. Sie verwirrten die Seelen der Eingeborenen, verwüsteten ihre -Körper und Länder. Ich war in den Körper eines Negers gekommen. Chwala -nannte ihn die Mutter, als sie ihn sah. Sie liebte ihn und tat ihm Gutes. - -Kamen die Weißen zu dieser Familie. Den Vater vergifteten sie mit heißem -Wasser, der Mutter zerschmetterten sie den Kopf mit einem eisernen Kreuz, -die Schwestern fesselten sie und nahmen sie in ihre Häuser, und Chwala und -seinen jungen Brüdern zerschnitten sie die Sehnen im Knie und warfen sie in -die Bergwerke zur Arbeit. In dauernder Nacht, unter der Erde, mußte Chwala -graben. Faules Wasser bekam er zu trinken, faule Überbleibsel zu essen. -Manchmal, wenn die Aufseher besonders stark mit dem heißen Wasser gefüllt -waren, bekam er nichts als Faustschläge. Seine Wunden im Knie eiterten. -Eiter fraß Fleisch und Knochen. Der Körper war aber stark und starb nicht. -Ein Aufseher war über Chwala sehr erbost. In einer Nacht verlangte er von -ihm, er möge ihm die Füße küssen. Chwala stand auf und stolperte. Da schlug -ihn der Aufseher mit dem Eisenknauf seiner Peitsche auf die Schläfe, in das -Hirn hinein. Chwala fiel hin, und der Tod kam zu ihm . . . Wieder flog ich -auf, flog über weites, weites Wasser und kam zu einem noch nicht von Weißen -bedreckten Lande. Ich kam zu einem hohen Volke. Sie liebten die Sonne und -den Frieden. Putamajo hieß meine Trägerin. Und wieder kamen jene, die sich -Diener nennen und machten sich das Volk zum Diener. Raubend vernichteten -sie Volk und Land. Mit Putamajos Körper belustigten sie sich, bis er -verging . . . Ich fliege weiter, komme an jemandem vorbei. Blut quillt ihm -aus den Seiten, Tränen aus den Augen, und ob der Schmerzen seiner Seele -weint er und sagt: »Ich habe noch umsonst gelebt und gelitten.« Ich aber -höre das Wort: noch -- und nehme es mit mir im Fluge . . . Ich fliege. -Weit? Ich will nicht mehr wandern, will ruhen. Wird einer müden Seele bald -eine weiße Taube von einer emporgekommenen Erde berichten? Ist noch immer -schlechtes Wasser über der Erde? Schreit niemand: »Land! Land!«? Ich will -nicht mehr wandern, will ruhen. - - * * * * * - -An einem Teiche ging ich vorbei, in dem schwammen Enten und quakten. Sie -schienen mit dieser ihrer Beschäftigung zufrieden zu sein, denn ihr Quaken -klang gesättigt. Manchmal kam jemand, tötete eine Ente und aß sie, und die -Ente schwamm nicht mehr und ließ auch das Quaken sein, und schien auch mit -ihrer jetzigen Beschäftigungslosigkeit zufrieden zu sein, denn ihr -Nichtquaken kam aus sattem Magen und klang mir gesättigt . . . - -Ein Land ging ich entlang, in dem waren Menschen und quakten. Sie schienen -mit dieser ihrer Beschäftigung zufrieden zu sein, denn ihr Quaken kam aus -vollem Magen und klang gesättigt. Manchmal kam jemand, ein Tod, tötete -einen Menschen und aß ihn. Der Mensch ließ dann das Quaken sein und war -auch damit zufrieden, denn sein Quaken der Ruhe klang mir gesättigt . . . - -Heute werde ich an den Teich gehen und die Enten fragen, warum sie -schwimmen, quaken und zufrieden sind. Heute werde ich in das Land gehen und -die Menschen fragen, warum sie sind, quaken und zufrieden sind. Heute werde -ich zum Tod gehen und ihn fragen, warum er ist, Dinge tötet, sie ißt und -dann zufrieden rülpst. Heute werde ich den Schreiber dieser Worte fragen, -warum er lebt, quakt und unzufrieden ist . . . - -Und sie alle werden mir sagen: »Wir quaken, weil wir quaken. Wir sind, weil -wir sind. Wir quaken, solange wir sind, sind wir nicht mehr, so lassen wir -es sein. Zufrieden oder unzufrieden quaken wir, sind wir, weil es uns so -gefällt und gut dünkt. Qua, qua . . .« . . . - - * * * * * - -Mich schmerzt mein Kopf, mein Körper ist müde, ich möchte mich auf den -Boden fallen lassen und aufhören, mich aufrecht zu erhalten. Doch ich darf -es nicht, der Lehrer scheint mit mir sprechen zu wollen, ich muß -»Aufmerken« markieren, und deshalb nicke ich des Öfteren mit dem Kopf und -lächle, als wäre das, wovon der Lehrer spricht, mir sehr einleuchtend und -als würde ich ihm großes Interesse entgegenbringen. Gut ist es, daß ich -dabei nicht direkt auf den Lehrer schaue, die Leere und Starre meiner Augen -müßte dem Lehrer sagen, daß mein Lächeln eine Lüge ist. Doch weiß ich, im -Notfalle könnte ich auch meine Augen aus ihrer Starre reißen, mit ihnen -lächeln, mit ihnen lügen. Es scheint, der Lehrer will es, er spricht mich -an. Ich muß seine Worte erst in meinem Hirn aufnehmen, denn sinnlose Laute -hört bisher nur mein Ohr. Es ist mir endlich geglückt, und schon sagt mir -mein hilfreicher Nachbar, was der Lehrer zu hören wünscht. Gut, daß der -Lehrer schon von mir abläßt, sonst hätte ich ihn noch gefragt -- was die -ganze Zeit mich schon bedrückt -- wozu das alles ist, wozu ich im -Trauerspiel »Schule«, dessen Dauer ohne erlösendes Ende zu sein scheint, -mitspielen muß, weshalb das Stück überhaupt aufgeführt wird, und warum es -durch so viele tote Saisons geschleppt wird. Doch ich weiß, nie werde ich -den Lehrer fragen, denn aufschreiend würde ich ihm auf seine Lügenantwort -antworten: »Non vitae, sed scholae discimus!!!« Er würde das aber nicht -verstehen, wie auch, wenn ich ihm sagen würde, daß die Schule und das -Leben, beides, Lügen sind. Unverständig würde mein Verstand seinem -Unverstand scheinen, deshalb unterlasse ich alles Sprechen und lebe weiter -in der Schule, wie ich im Leben weiterleben werde, eben weil ich noch nicht -tot bin. - - * * * * * - -Er war Repetent. Ich hatte Nachprüfung gehabt. Wir gefielen einander und -wurden Freunde. Gegenseitig schrieben wir die Schularbeiten von einander -ab, machten uns auf Fehler aufmerksam. Doch bei der lateinischen -Schularbeit zeigte er mir einen Fehler nicht, und als er die bessere Note -bekam, lächelte er. Zur Strafe dafür, daß er mir die Freundschaft -beschmutzt hatte, beschmutzte ich ihm das Lineal. Er verlangte, daß ich es -reinige, ich tat es nicht. Schulrecht und Schülerstolz hatte ich. Und als -er mir mit Klage beim Lehrer drohte, sagte ich ihm verächtlich, er möge -nach seinem Belieben verfahren, ich möge ihn nicht mehr. Ich wandte mich -von ihm ab und meiner Beschäftigung zu, verfolgte Harun al Raschid durch -tausendundeine Nacht. Der Verräter an meiner ersten Freundschaft zeigte -mich und meine Tat dem Lehrer an. Solche Schandtat verstand ich nicht und -nahm das Urteil des Lehrers wortlos entgegen. Der Lehrer hätte mich doch -nicht verstanden, wenn ich ihn über Schulrecht belehrt hätte. Nach dieser -Affäre sandte mir der Judas einen Unterfreund und bot mir neuerdings seine -Freundschaft an. Ich wies sie ab. Und wandelte allein, über dieses Vorgehen -meines Freundes a. D. nachdenkend. Und dieser Schurke ließ eine schurkische -Rachetat folgen. Am nächsten Morgen stand er auf und sagte dem Lehrer, sein -Reißzeug fehle ihm, noch vor dem Unterricht hätte er es besessen, wie -Augenzeugen bezeugen könnten. Und er wandte den Verdacht, ihm das Reißzeug -gestohlen zu haben, auf mich, und der Lehrer, der mir nicht gefiel, und dem -ich deshalb nicht gefiel, gab ihm recht und sagte zu mir: »Sie scheinen der -Dieb zu sein!« Der Lehrer hatte die Angelegenheit vorher nicht geprüft, -mich nicht sprechen lassen. Dieb hieß er mich vor der ganzen Klasse, Dieb -echoten die Schüler, und der Verräter grinste mich an. Ohne Träne, weinend, -fiel ich in die Bank . . . - - * * * * * - -Ich sitze vor der Uhr und starre sie an. Das ist meine tägliche -Beschäftigung. Ihr werdet sagen, das sei eine nutzlose Beschäftigung. O -nein, das ist nicht wahr, denn ich werde dafür bezahlt. Ja, etwas eintönig -ist sie, da die Uhr nur eine Gangart hat, in der sie seit ihrer Erschaffung -geht und in immer gleicher Tonlage und Tonart zu mir spricht. Aber das -macht mir nun nichts mehr. Ich habe mich damit abgefunden, d. h. ich mußte, -denn würde ich mit meiner Beschäftigung nicht zufrieden sein, so würde man -mir sie nehmen, ich würde nichts bezahlt bekommen, könnte nicht weiter -leben und arbeiten, um zu arbeiten. Es ist nämlich jetzt so schwer, Arbeit -zu finden, alle Arbeiten sind vergeben. Die Mondanstarrer brauchen keinen -neuen, und auch bei den Auf-die-Erde-Spuckern sind alle Posten besetzt. -Deshalb trachte ich, meinen Vorgesetzten keinen Anlaß zur Klage zu geben -und starre die Uhr gut an. Ich glaube, niemand kann das so gut wie ich. -Manchmal, um mich ein wenig zu unterhalten, folge ich den Sekunden- und -Minutenzeigern mit meinen Zeigefingern, obwohl das sehr strenge verboten -ist. Doch ich wurde noch nie auf diesen Abwegen betroffen, denn, kommt -jemand zu mir in meine Zelle, so gebe ich, bevor er noch bei mir ist, schon -wenn ich das geringste Geräusch von Tritten höre, schnell die Finger von -der Uhr und starre sie vorgeschriebenermaßen bewegungslos an. Doch immer, -wenn ich meine Finger denen der Uhr folgen lasse, schaut sie mich spottend -an, denn sie weiß, daß meine Finger nicht soviel aushalten können wie ihre -und daß ich meine Finger bald fallen lassen werde. Auch meine Augen halten -nicht soviel wie die Uhr aus, müde fallen mir oft die Lider über meine -Augen. Doch sofort reiße ich die Lider empor, und meine Augen starren die -Uhr an, denn ich will meine Pflicht erfüllen und will nicht die Leute, die -mich bezahlen, betrügen, indem ich ihnen für ihr Geld nicht den -vereinbarten Gegenwert leiste. - -Eigentlich: wozu ich die Uhr anstarren muß, weiß ich nicht. Aber dies weiß -mein Herr. Denn er spricht sehr groß davon, und ich ahne, auch ich werde -bald meine Arbeit verstehen und zu würdigen wissen. Sagte mir doch gestern -der Herr, wenn ich größer sein werde, würde ich all dies verstehen, und bis -dahin erfülle ich getreulich meine Pflicht, worob mich mein Herr auch lobt -und liebt. Und ich warte, daß meine Jahre kommen, mich älter und größer -machen, mir das Verständnis für Arbeit und andere Dinge geben. - - * * * * * - -Mein Wecker schrillt mir in die Ohren. Mein Tag fällt mich an. Ins -Gefängnis. Arbeite, Sklave! Ich der Herr, peitsche dich mit Befehlen. Du -bist meine Hur für Dirnenmonatslohn. Sklave, sklave mehr! Schneller, sonst -gibt es Peitsche! Hier nimm deinen Lohn! Leck mir die Hand! Sklave schufte! -Schneller! Diese Bücher auf deinen Kopf! Schleppe sie den Tag! Höre Sklave, -ich bin auch in der Nacht dein Herrdämon! Trage sie nachts in deine Träume -auch! Ich sitze auf deinem Bauch. Ich rauche dich an. Drossle und presse -dich. Fresse dich. Bei lebendem Leben. Stöhnst du Sklave? Mein Fuß ist auf -deinem Kopf. Ich reiße dich nieder an deinem Schopf. Werfe und schlage -dich. Denn du bist mein Sklave. Mir verkauft fürs tägliche Brot. Um -Schandenlohn. Ich gebe dir auch Hohn. Brichst du zusammen, werfe ich dich -fort. In den Ab-Ort des Lebens. In den Arbeitstod. Nicht in den wirklichen, -Törichter. Nein. Weiter renne du dann, aber als kranker Hund in der Mühle -deines Lebens, das du mir verkauft hast. Weiter gehe in deiner Krankheit. -In die Arbeit. Du entkommst mir nicht aus dem Gefängnis. Flüchtest du für -kurze Zeit, größre Last werfe ich auf dich. Langsam werde ich dein Licht -ausblasen. Und entzünden werde ich es mit der Peitsche. Sklave! sklave! - - * * * * * - -Gefangen bin ich, kann nicht entkommen, wo ich mich auch hinwende, sind -Tage. Enteile ich vorwärts, laufe ich hintwärts, ich komme zu Tagen. Sie -lassen mich nicht aus, eingekerkert bin ich von ihnen, von allen Seiten. -Bleibe ich ruhig, bewege ich mich nirgendhin, es hilft mir nichts, die Tage -kommen über mich. Ein böser Zauberer, dem etwas angetan zu haben ich mich -nicht entsinne, muß mich verflucht, zu ewigen Tagen verdammt haben. Die -Tage, sie sind ohne Unterschied, sie gleichen einander, wie ein Tag dem -andern. Ich kann sie nicht voneinander unterscheiden, auseinander halten, -sie sind Meer, das keinen Rand hat, Raum ohne Ende, greifen ineinander, -keine Marke zu merken, zu erkennen. In diese Tage bin ich gesetzt, kann -nicht aus ihnen. Es wird mich nicht von ihnen erretten, wenn ich vielleicht -nicht mehr wissen werde, daß ich bin, der ich bin, wenn ich tot sein werde, -wenn ich in andere Formen umgeformt werde. Der Kerker der Tage, der Kerker -der Zeiten und Räume wird weiter bestehen, ewig sein. Denn es ist keine -Aussicht dafür vorhanden, daß jemand käme und Zeit und Raum vernichte, -töte. - - * * * * * - -Einmal, ja, da muß es doch ganz anders gewesen sein als jetzt. Ich erinnere -mich. Die Lampe brannte hell, der Ofen war warm und im Zimmer war eine -zufriedene, gesättigte Stimmung. Der Vater kam lächelnd ins Zimmer, es war -abends, er kam aus der Fabrik, in der tagsüber er gearbeitet hatte. Die -Mutter empfing ihn mit guten Worten, und auch die andern begrüßten ihn -freudig. Im Zimmer war es wohnlich, ein runder Tisch, ein Teppich darunter, -Gardinen vor den Fenstern . . . Und neben der Mutter war eine Wiege, und in -der Wiege, da war ich. Und damals, als ich noch in der Wiege lag, da war -eben alles anders als jetzt. Jetzt ist es dunkel im Zimmer, keine Wärme ist -darinnen und keine Wohnlichkeit. Finster ist der Vater, kommt er nach -Hause, und finstre Worte bekommt er. Friede ging von denen im Zimmer, und -Haß kam zu ihnen. Und mir ist es kalt, so kalt. Ich bin nicht mehr in der -Wiege. Halberwachsen bin ich, und soll verdienen. Und dieses ist mein Tod, -denn als ich in der Wiege war, da wiegten mich andre Worte und Träume als: -Verdienen, Dienen. Und als ich noch ein Embryo war, da dachte ich nicht -daran, daß ich geboren werden würde, um zu dienen, und nicht um zu leben. -Und jetzt, da ich erwachsen bin, bin ich noch weniger als zuvor gesinnt zu -dienen, Herr will ich sein. - - * * * * * - -Ich warte auf Dinge. Und sie ereignen sich nicht. Ich weiß nicht, was für -Dinge sich da ereignen sollen. Aber ich warte. Will mir nicht sagen, daß es -nutzlos sei, zu warten. Kein Ereignis gab mir ein Stelldichein. Und deshalb -wird keines kommen. Leer läuft mein Leben. Ohne Inhalt. Warum werfe ich es -nicht wie ein inhaltloses Buch von mir? Warum gehe ich nicht aus dem -Theater, da mir das Stück nicht gefällt? Es ist in mir die Furcht des -Tieres vor dem Tode. Das fürchtet das Unbekannte. Und hängt an dem -Bekannten. Trotzdem, daß dies Bekannte das Schlechteste des zu Denkenden -ist, und das Unbekannte nur besser sein kann. Und das Tier stöhnt in mir. -Ich kann ihm nicht helfen. Es will mit dem Leben ringen. Doch das stellt -sich ihm nicht, und der Tod sich nicht mir. Das Tier in mir will leben. Und -kein Leben wird ihm gegeben. Ohnmächtig schlafft es durchs Leben. Und neben -dem Tier gehe ich einher. Es aber ist mein Treiber. Es treibt mich -schlecht. Es treibt mich allein. Und der Trieb ist für zwei. Ich will ein -zweites Tier. Will Wärme, Sonne. Ein Mädchen. Doch die Dinge wollen nicht -mich. Und so muß ich warten. - - * * * * * - -Mädchen, du, ich liebe dich. Sagen werde ich es dir nie, denn zu große -Trauer gebar dir Liebe schon, und du würdest meiner Liebe nicht glauben, -würdest nicht glauben, daß ich nur Mensch bin und daß mein Tier tot ist. -Wie geschah es, liebes Kind, daß dich Tierfeuer schon einmal sengte und du -trotzdem nochmals dem Feuer zu nahe kamst? Wolltest du, da du schon unten -warst, unten bleiben? Waren dir schon alle Dinge nebensächlich, so sich mit -dir ereigneten? Warum ließest du die Befleckung deines Körpers zu? -Sicherlich fandest du sie angenehm, wußtest noch nicht um das Erwachen zum -häßlichen Leben. So geschah es, daß du aus dir Nichtgewesenem Wesenheit -gabst. Nicht lieb wars dir, und trotzdem: nochmals hättest du, wäre es -wohlweislich nicht verhindert worden, unempfindlichem Nichtlebendem zum -Lebenstod verholfen. Warum ereigneten sich diese Dinge? Ließest du dich -denn vom Zeuger deiner Qualen gerne zu weiteren drängen? Wolltest du ihm -sagen und zeigen: »Sieh! welche Schmerzen du mir zufügst, und sieh: ich -ertrage sie!« Wolltest du ihn so deinen Schmerz fühlen lassen? Auf alle -meine Fragen wird mir wahrscheinlich nicht Antwort werden, denn wir werden -einander wohl nie mehr sehen. Du Licht, das mir von ferne leuchtet, und so -mir nicht leuchtet, o, laß doch dich und deine Strahlen näher zu mir -kommen, auf daß mir Wärme werde. - -Warum ist wohl meine Liebe zu dir, Mädchen? Weil du mir wie eine Jüdin -schienst, die ich in England sah, mit rotem Haar, oder weil mein Auge Ruhe -fand an deinem, und an der Stille deines Körpers? Ich weiß nicht, warum -meine Liebe ist, aber sie ist. Nur eines gibt Schmerz meiner Liebe, daß du -vielleicht sie nicht willst. Und ich will dich nicht beleidigen durch das -Anbieten meiner Liebe. Und da ich dir nicht meine Liebe sagen werde, so -werde ich ohne deine sein, die du mir aber vielleicht auch nicht geben -würdest, wenn ich dir meine Liebe sagen würde. So ist mein Leben, -aussichtslos. Zu ewigem Nichtsprechen bin ich verurteilt. Und es gibt -keinen Richter, an den ich mich wegen ungerechten Rachspruchs wenden kann, -denn der Richter, der beim jüngsten Gericht amtieren und sich rächen wird, -der ist bis dahin still und tot. Und auch mein Leben kann nicht seinen -Spruch erwarten, denn dann wird es tot sein, wie jetzt Gott. - - * * * * * - -Regen, Wind, Sturm, ihr seid mir lieb . . . . Im Sturme kletterte ich auf -die hohe Föhre und ließ mich auf ihrem höchsten Aste nieder, und ließ mich -wiegen und werfen vom Sturm. Der Wind sauste durch den Wald über die Wiese -zu mir auf die Anhöhe, und ich, auf der Föhre stehend, sang und schrie im -Sturm . . . . Ich war Herrscher. Auf einem Schiff. Ich kämpfte mit dem -Feind. Ich besiegte alle. Der Sturm hörte auf. Die Sonne gab schöne Wärme. -Die Ameisen zogen wieder den Baum auf und ab. In ihre Höhlungen. Ich sah -ihnen lange zu. Ich stieg vom Baum, ging zu einem der Bergwerke der -Ameisen. Der Duft der Ameisen, der feuchten Wiese, des Waldes und des -nassen Heues war mir angenehm. Nachdem ich den Ameisen, den kleinen, -schwarzen, zugesehen, ging ich zum Ameisenbergwerk der roten. Bald waren -die Roten und Schwarzen im Kampf. Ich war die Ursache der Völkerschlacht. -Ein Heerführer der Schwarzen schrie unaufhörlich: »Rettet die Ungeborenen, -die Zukunft!« Mir ward dies bald zu eintönig, und zwei Ameisenvölker wurden -ausgerottet. Dann ging ich auf die Wiese und träumte vom Mädchen meiner -Träume. Ich bin mit ihr zusammen. Ich spreche zu ihr. Und sie ist mir gut -. . . Ich steuere ein starkes Schiff im großen Meer. Sie sitzt vor mir in -langen Gewändern, und ihre Augen leuchten schön zu mir . . . Friede habe -ich, Freude, Lilith . . . Lilith, darf ich mit dir sprechen und dir sagen, -daß ich dich liebe? . . . Keine Antwort werde ich erhalten, denn ich werde -nicht fragen, wissend und fürchtend, daß du mich ablehnen würdest . . . Und -so werde ich dir nie sagen können, wie wert du mir bist, daß du das Mädchen -meiner Träume und meines Denkens bist, daß ich seit den Tagnächten meiner -Kindheit immer deiner gedacht, daß ich die Augenblicke, da ich dich gesehen -habe, aufbewahre und sie mir immer hervorhole, um schön von dir zu träumen, -daß du der Anfangsgedanke meiner Träume bist, daß der Gedanke an dich -vielleicht mein letzter sein wird . . . . Dies alles werde ich dir nicht -sagen, denn du würdest es mir nicht glauben . . . . So werde ich von dir -nur immer träumen, denn ich werde nie mit dir sprechen . . . . Träumen, -träumen. Mein Leben ist träumen, mein Träumen mein Glück . . . . Und mein -Leben ist tot. Du wirst mir nicht helfen, denn du wirst niemals wissen um -meine Not . . . . Ich hungere nach deiner Liebe. Und ich werde verhungern, -denn ich werde nicht betteln. Ich kann mich nicht beugen und bitten. Das -Nein fürchtend. Und ich wüßte mich nicht zu benehmen, abgelehnt . . . Ohne -Denken würde ich vor dir stehen, dumm und lächerlich . . . Ich will keine -Niederlage, deshalb keinen Kampf. Du unterschätzest und geringschätzest -mich sicherlich als Gegner. Und so kann ich dir nicht sagen, daß ich der -Stärkere bin . . . Nur im Traum. - - * * * * * - -Lilith! Ich grüße dich, aber den Hut nehme ich nicht ab, so wirst du nicht -wissen, daß ich dich grüße. Und du staunst, wie auch darüber, daß ich mich -trotzdem neben dich setze und nicht mit dir spreche. Weißt du noch, wie vor -vielen Jahren, als wir wie heute in der Elektrischen fuhren, ich, da du -mich nicht sahst, dich berührte, grüßte und dann mit dir nichts sprach, -weil meine Zunge dumm ist. Wie du schnell auf dem Eise warst und ich immer -auf dem Boden. Aber Schnurspringen konnte ich besser als du. Du hast mich -Bier holen gesehen und Einkäufe mit der Markttasche besorgen. Wie fuhr ich -auf dem Velozipedkarussell so schnell -- und du lachtest. Und als ich -abstieg, bemerkte ich, daß die Sohle meines Schuhes im Begriffe war, ihn zu -verlassen, getrennt von ihm leben wollte, und rächender Richter war ich. -Uns hatte sie entzweit, in meinem Jähzorn tat ich mit ihr und dem Schuh -desgleichen. -- Es irrt der Mensch, solang' er richtet! - -Deiner Puppe brach ich lachend den Kopf ab, und als du weintest, da, nein, -ich will mich an meinen Gefühlsausdruck nicht erinnern, an mich verfärbende -Ereignisse. Ich kenne dich nicht, dein Denken und Dichten. In einem anderen -Hause wohnst du, und nur manchmal kamst du in unsern Hof und da verkroch -ich mich oft und spielte nicht mit dir. Ich kenne bloß deinen Namen, der -mir Fetisch ist, und ich liebe dich, weil ich von meiner Kindheit an von -dir geliebt sein wollte. Ich bin schwerkrank, morgen werde ich operiert -werden. Lilith, Todesengel, komm, küsse mich. - - * * * * * - -Einziges Mädchen meiner Kindheit, der wenigen Spiele, die wir selten -gespielt, Zeugin meiner Scheu und Furchtsamkeit, ich sah dich heute, und -wann werde ich dir wieder begegnen und dir sagen können, daß du mich lieben -sollst, daß ich bei dir Frieden suche, meinen Kopf an dir ruhen lassen -will, du mich küssen sollst und zu mir sprechen! Meine geliebten Sterne in -schwarzer Nacht über uns! oder am Meeresstrand im Sand, von den tönenden -Wogen nicht berührt, allein mit dir! Und ich werde zu dir weinen und du -wirst mich liebkosen, und wirst mir Mutter sein, denn meine Mutter war es -nicht. Freude, Liebe kenne ich nicht. Und ich bin doch so gut, Gott liebte -mich, das weiß ich, und er war der einzige. Wirst du es nun sein? Denn ihn -habe ich abgesetzt. Er ist Gottgeist und ich verlange nach Menschkörper. -Aber ich weiß, mein Wille wird nicht geschehen, wie überall auf Erden, mein -Wunsch wird Traum bleiben, ohne dich werde ich das Leben sein lassen, ohne -Leben und Lieben sterben. - - * * * * * - -Flieht eine Krähe und schreit: »Kahl, kalt, Tod.« . . . Ein nackter Baum -ist in meinem Garten. Die Winterkrankheit kam über ihn, und bar seiner -grünen Kleidung schauert er im Winde. Mein Garten ist leer, und ihn friert. -Eine Krähe flieht vor ihm und über ihn und schreit: »Kahl, kahl.« Auf dem -Baume ein leerer, umgestülpter Handschuh. Einst scheint er einem Mädchen -gehört zu haben, im Sommer dürfte er zum Baume geflogen sein. Baum, Garten, -Krähe, sie wissen von einem Frühling, einem Sommer, einem Herbst. Sie -wissen im Winter: Sommer wird sein. Der Handschuh weiß von einem Sommer, -einem Mädchen. Und ich, ich weiß nur von einem Winter. Der dauert nun schon -mein ganzes Leben. Kein Frühling kommt, keinen Frühling, keine Jugend hatte -ich, kein Sommer wird mir werden. Kalt, kalt, kräht es um mich. - -Ich bin im kahlkalten Zimmer, bin leer und umgestülpt, Handschuh auf dem -Baume. Doch in sein Sein griff ein Mädchen ein, warf sie ihn auch fort, so -weiß er doch von einem Mädchen, dem er gehörte, das ihm ward. Ich aber weiß -von keinem Mädchen, keines griff in mein leeres Leben ein, keines brachte -mir Sommer, Sonne, nein, sie lassen mich alle dem kalten Winter, lassen -mich frieren im Leben, allein sein. - -Außer meinem Winter kenne ich noch eins: einen Namen. Lilith, er ist der -Name eines Mädchens und eines Engels. Das Mädchen ist das Mädchen meiner -Märchen und Träume, der Engel Todesengel. Wenn es mir zu kalt ist, sage ich -mir den Namen des Mädchens und träume mir ein Märchen. Das Märchen wärmt -mich ein wenig. Wird es aber in meinem Winter zu kalt werden, so daß Blut -in meinem Thermometer gefriert, wird kein Märchenmädchen mich aus der Kälte -erlösen. Wird ein Engel kommen, Lilith, der Tod, mich befreien aus meiner -kalten Nacht. Der Winter wird zwar vorüber sein, aber keine andere Zeit -wird mir sein. Nichts wird mehr sein, kein Winter, kein Märchen, kein -Mädchen, kein Engel, kein Tod. - -Flieht eine Krähe und schreit: »Kahl, kalt, Tod.« - - * * * * * - -Mir als Abstämmling alter Priesterfamilie verbeut es das Gebot, mich dem -Acker Gottes, in den diesseitige Früchte für jenseitige Blüte gepflanzt -werden, zu nähern oder auf ihm zu weilen. Nicht des Verbotes halber war ich -gern dort, sondern weil der Friede des Ortes auch mir Frieden gab, Frieden -mit mir. Ich lag dort im Grase neben zwei Gräbern. Sah zur Sonne, gedeckt -durch ein Tuch, und schaute die schönsten Farbenwunder. Wirkliche -Pegasusse, geflügelte Heupferde ließen Musik aus sich ertönen. Grillen -vertrieben mir mit ihren Tönen meine Grillen. Bienen flogen zu Disteln, -Schmetterlinge schwärmten. Kein Mensch störte, die Tiere freuten mich. Und -ich war voll Ruhe und Friedens mit mir. Hie und da lagen Grasbüschel auf -den Steinen der Gräber, aber immer und überall konnte das Auge, nach und -nach, graue Grabschnecken von den grauen Steinen unterscheiden . . . Im -Grabe, neben dem ich lag, war seit geraumer Zeit ein Mädchen gefangen. Ich -hatte es einst, da es noch vom Leben gefangen war, beleidigt. Es kam einmal -in meinen Garten, Wind hatte ihm ein schönes Tüchlein, Kleid einer Puppe, -zu mir vertrieben. Mädchen verlangte das Tüchlein von mir, zaghaft. Ich hob -das Tüchlein von der Erde, unrein wie es war, und warf es auf das Mädchen, -sein Haar beschmutzend. Traurig sah das Mädchen auf mich ob meiner Untat, -traurig ging es von mir, ohne Wort, und des Mädchens Augen sagten mir, daß -sein Mund sich mir geöffnet und zu mir gesprochen hätte, wär ich nicht so -bös gewesen . . . - -Ihre klagenden Augen erschienen mir wieder. Ich sah sie, durch Glas -hindurch, das auf ihnen lag. Einen Einschnitt hatte sie auf der Stirne, -einen auf ihrer Brust. Damit die Seele aus ihr könne, glaube ich, wurde so -ihr Körper verletzt. Weshalb aber Glas ihre Augen deckte, weiß ich nicht. -Vielleicht auch, daß ich Glas und Schnitte sah, die nicht vorhanden waren. -Leute, die ein Recht auf das kleine Mädchen zu besitzen wähnten, wälzten -sich und heulten vor dem Mädchen, das traurig dalag auf der Bahre, vor -seinem Grabe. Ein Rabe krächzte über die Menschen und floh den Friedhof, -dessen Ruhe durch unruhige, lebende Menschen gestört war. Lange Zeit -nachher, als schon keine Spuren der Menschen mehr am Orte des Nichtseins zu -entdecken waren, ging ich hin und bat das Mädchen, mir die Untat zu -verzeihen. Ich opferte ihr, sie zu versöhnen, meine Gedanken und Worte. Und -ich glaube, sie nahm das Opfer an, selten lasse ich mir ihr trauriges -Gesicht, ihre trauernden Augen erscheinen. - - * * * * * - -Weite Ebene, ruhig wie See, wenn Wind nicht weht, ist. Tag ist tot. Nacht -lebt. Knabe ohne Schlaf traumwebt. Mädchen zu ihm kommt. Legt Körper zu -Körper. Knabe weint: »Du bist gut.« Liegen und träumen. Gedanken: Sterne -sind schön, wie Wunder herrlich. Ruhe ist groß. Knabe: »Mädchen, bist du -fraulich schon, oder noch jungfräulich? Bist du Frau: Deinen Körper, Wunder -will ich schauen. Bist du jungfräulich: Heiliger Tempel bist du, den ich -anbeten will.« Knabe wacht auf. Kälte und Tod. - -Ich habe dich oft gesehen und mit dir gesprochen. Habe von dir deinen -Körper verlangt. Aber du sagtest immer: »Nein.« Ich verstand nie, weshalb -du nicht einwilligtest. Bin ich denn häßlich, dumm, nicht verlangenswert? -Ach so! da ich dich verlange, weisest du mich zurück. Was du haben kannst, -willst du nicht. Und hätte ich dir gezeigt, daß ich dich nicht will, du -würdest gewußt haben, daß ich Trauben, die ich nicht gekostet, sauer weiß. -Oder würdest, da ich dir dann nicht mehr begegnet wäre, mich bald vergessen -haben. Und ich bin ja auch nicht der einzige, der dich begehrt. Du findest -das Geschlecht unschön, willst Mädchen bleiben. Aber ich weiß, du wirst -heiraten. Einen Geistproleten, Geldbesitzer. Und ich, der ich ein armer -Geisteskapitalist bin, werde dich nicht kaufen können. Nur ein -goldbeladenes Kamel zieht durchs Öhr ins Himmelreich ein. Wenn ich deinen -Namen hörte, mein Herz, das schmerzte mich, der Hals war zugepreßt, und -ich, ich schmähte dich. Weil ich dich nicht küssen darf und kann, muß ich -dich schlagen, hassen. Aber ich will dich nicht hassen, ich will dir meine -Liebe zeigen. Und da du mich nicht läßt, verpanzere ich mich in mir, -hohnlächle. Und glaube, ich werde nie mehr lieben können. Da man mir meine -Liebe immer aufs neue zertrat, riß ich sie aus mir, verschloß die Wunde mit -Eis und Eisen. Kann nicht sagen: »Ich liebe dich«, denn ich glaube es nicht -mehr. Liebe, Leben und Glas, wie schwer bricht das. Und ihr, die ihr mich -gebrochen, an euch, an euch werde ich mich rächen. Rächender Richter werde -ich sein, Schrill wie Klavier, das zerstört, so grell schreit meine Liebe -nun. Ich hasse, mein Gesicht ist verzerrt, meine Zähne knirschen . . . - -Gott war es, der aus Luzifer Satan schuf . . . . - - * * * * * - -Merkwürdig ist es, eigentlich: Immer schreie ich nach einem Mädchen, nach -einem Tod, und verlange diese Dinge, obwohl ich mir diese Dinge doch, ohne -nach ihnen zu schreien, einfach nehmen könnte, ohne ein Wort darüber zu -verlieren. Und deshalb deucht mir, daß es mir eigentlich nicht um diese -Gegenstände zu tun ist, sondern daß mir das Schreien darnach behagt, Mittel -mir Zweck geworden. Denn wollte ich wirklich Mädchen, Tode, ich könnte doch -zu einem Mädchen gehen und für geringes Geld geringes Mädchen eine kleine -Dauer haben. Ist es die zu kurze Zeit des Besitzes, was mich davon abhält, -könnte mich ja die Dauer eines Todes, die von unbegrenzter Zeit ist, -entschädigen. Nein, es scheint, ich will es umgekehrt: Mädchen für -unbeschränkte Zeiten, Tode für begrenzte. Doch glaube ich nicht, daß die -Dinge, dem Gesetz der Trägheit folgend, meines Willens wegen aus ihrer Bahn -weichen werden in die, welche ich ihnen vorschreibe. Und so werde ich auch -des Ferneren schreien: »Ein Mädchen, einen Tod.« Man achte darauf, daß ich -Mädchen vor Tod schreie, denn ich könnte ja auch ungestört umgekehrt -schreien, aber ich brülle das nur so, weil ich auch sonst, um den Kellner -mit den Speisen an mich zu locken, schreie: »Kellner, zahlen!« Doch auch -durch diesen Kniff konnte ich bis jetzt noch keinen Kellner, kein Essen -ködern . . . - - * * * * * - -Schmerzen fühle ich. Und die Schmerzen freuen mich. Wenn Schmerz zu meinem -Herzen kommt, mich sticht, erhoffe ich den letzten Stich. Doch der Tod will -mich nicht einstechen. Ich scheine ihm zu wertlos . . . Der Tod spielt mit -mir Schach. Ich gab ihm die Dame vor. Und noch immer will er mich nicht -matt machen. Und davon bin ich matt. Will die Partie aufgeben. Er nimmt -aber nicht an. Will der Tod mich leben lassen, wo das Leben mich nicht -leben läßt? Gibt mir der, von dem ich nichts will? Ja. Denn so ist es -immer. Da ich das Leben will, will es mich nicht. Vor den Toren, zwischen -den Toren zweier Höllen bin ich, und kein Teufel läßt mich ein. Ich bitte -Gott, der Teufel möge mich erhören. Doch beide sind taub. Beleidigt, irgend -einer Tat wegen, die ich nicht mehr weiß. So ward ich aus allen Höllen der -Welten ausgeschlossen. Für die Dauer meiner Spielzeit. - - * * * * * - -Der Tod kommt auf einen Markt. Er gleicht einem Hausierer mit seinem Kram -und spricht wie ein solcher. »Billige Tode, noch nie dagewesene, -sensationelle Tode. Bei mir bekommen Sie jeden Tod. Prompte und reelle -Bedienung. Ich bin ohne Konkurrenz. Bei mir sterben Sie garantiert gut. Was -haben Sie davon, wenn Sie sich teures Leben, teure Krankheiten anschauen? -Das kostet Sie nur viel Geld. Heben Sie sich doch lieber das Geld und das -Leben für den Tod auf. Ich weiß überhaupt nicht, weshalb, wozu und wieso -Sie leben. Das Leben ist eine schlechte Gewohnheit. Hören Sie mir doch mit -dem Leben auf. Glauben Sie, es macht gar so einen schönen Eindruck, wenn -Sie unaufhörlich sich oder andern in der Nase bohren? Ich sage Ihnen, das -schönste und beste Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk ist z. B. so ein -Revolver. Sehr billig, und ein äußerst amüsantes Gesellschaftsspiel für -sechs Personen. Hier habe ich auch etwas für größere Gesellschaften: einen -Krieg mit drei Schlachten täglich. Kaufen Sie, kaufen Sie. Kaufen Sie nicht -heut', so morgen. Ich warte. Ich habe immer Zeit. Wenn Sie mich brauchen: --- Karte genügt, komme sofort.« Der Tod geht weiter, immerwährend, seine -Waren preisend und ausrufend. - - * * * * * - -Kälte dringt auf mich von allen Seiten ein. Schließt mich ein und will mich -erdrücken. Ich verkrieche mich in mich hinein, wie eine angegriffene -Schnecke in ihr Haus. Doch ich weiß: nutzlos ist es. Und ich fürchte den -Augenblick, da ich aus mir treten, die kraftlose Verschanzung aufgeben -werde, und mich, aufschreiend vor innerem, wesenlosem Weh, der Kälte -preisgeben werde. Ohnmächtig werde ich zusammensinken. Kälte wird wie ein -Vampyr Wärme, Leben aus mir saugen und mich leblos lassen. Wozu wurde ich -in den Kampf gesetzt? Nutzlos muß ich Kampf-Hasser kämpfen und fallen. Im -Tode lallen: Wozu? Wozu kriech' ich weiter? Warum? Warum laß' ich mich -nicht fallen? In den unbekannten Abgrund, ihn zu ergründen? Den grundlosen -Grund des Lebens zu finden. Und ich falle. Bin auf dem Grund. Und es ist -kein Grund. Der Abgrund, der ohne Grund ein Abgrund ist, wie jeder Grund -hier auf Erden ohne Grund ist, grundlos nimmt er mich nicht in sich auf. - - * * * * * - -Die Finger meiner linken Hand bewegten sich auf der Platte des Tisches. -Gingen an sein Ende. Stiegen von dort in die Luft, waren rastlos in -Bewegung und schrien rastlos: »Wir sind die fortschreitenden Finger. Wir -sind die Fortgeschrittenen. Wir gehen zur Sonne. Wir kommen zur Zukunft. -Wir werden immer weiter schreiten.« - -Die Finger meiner rechten Hand bewegten sich nicht. Schwer lagen sie auf -der Platte des Tisches. Und keine Worte kamen von ihnen. Und keine -Bewegung. - -Und ich, ich sah zu. Daß die Finger der linken Hand sich bewegten, die der -rechten aber nicht, beides war mir gleich, und beides gleich-gültig. Nutz- -und zwecklos beides mir. Denn sie werden tot sein, und würden sie auch -immer weiter leben, sich bewegen oder auch nicht, es wäre mir dieselbe -Gleichgültigkeit für diese Ereignisse. - -Doch wünsche ich meinerseits: Das mir Gleichgültige, und das sich -gleichbleibende Schauspiel, möge mich nicht mehr lange zum Zuschauer haben, -denn meine Augen schmerzen, ich will sie schließen. - - * * * * * - -Während des Seins der Tage zweier Jahre sah ich auf meinem Weg ins -Schulgefängnis stets ein Mädchen auf der Straße gehen, dem ich meine Liebe -geben mußte. Denn die Ruhe ihres Antlitzes, wie die ihres ganzen Wesens, -nahm mir meine Ruhe und gaben mir die Unruhe, das Leid, die Liebe. Ich traf -sie bei der Kirche des Ortes, in die sie verschwand, und ich neidete sie -Gott, der mir sie nahm, denn sicherlich, sie gab sich ihm, und deshalb wird -sie sich nicht mir geben. Der Körper des Mädchens war in ein blaues Kleid -gehüllt, und ich nannte sie deshalb, da mir ihr Name unbekannt war, in -meinen dichtenden Träumen Blaumädchen. Blaumädchen trug einen Hut, dessen -Farbe, wie auch die einer weithin sichtbaren Feder, ebenfalls die blaue -war. Und täglich auf meinem Gang zur Schulsklaverei freute mich der -Schmerz, Blaumädchen wieder zu sehen. Mich schien sie nie anzusehen, und -ich glaube deshalb, daß sie von mir nichts weiß. Nicht immer wagte ich sie -anzusehen, denn manchmal hielt mich eine Scham, deren ich mich schämte, -davon ab. Ich weiß nicht genau die Farbe ihres Haares. Ich weiß nur, daß -ihr Haar vom Winde zerzaust war. Nachdem ich schon viele Monate Blaumädchen -bei der Kirche gesehen hatte, wollte meine Neugier wissen, von wannen das -Mädchen zur Kirche komme und wohin sie sich hernach begebe. Und so raffte -mich einmal der Entschluß auf, dem Mädchen zu folgen. Und ihre Schritte -führten uns zu einer Fabrik, von wo sie nach elf Stunden in ein Haus ging, -das in einem anderen Viertel des Vorortes lag. Blaumädchen ist also ein -braves Bibelkind, betet und arbeitet. Als ich zu diesem Wissen kam, wurde -ich aus dem Schulgefängnis in ein überseeisches Geschäftsgefängnis -deportiert. Blaumädchen aber blieb, und nur in meinen Träumen konnte ich -sie sehen, bis ich nach einem Jahre wieder an ihren Ort zurückkam und das -Mädchen mir wieder in Wirklichkeit ward. Das heißt: sie wurde mir nicht, -denn als ich eines Tages meine Scheu und Feigheit überwand und Blaumädchen -höflich fragte, ob sie mir erlaube, sie und ihr Denken kennen lernen zu -dürfen, da verwies sie es mir. Und ich schäme mich, daß hernach sie mich -täglich sehen mußte, denn mein Weg in mein neues Gefängnis kreuzte den -ihren, einen andern Umweg gibt es nicht als den um das Leben, und diesen -werde ich begehen, denn ich will mit meiner Person niemanden in seinen -Wegen stören. - - * * * * * - -Es läutet. Wer will zu mir? Ich erwarte niemand, Ein Bettler wird es sein, -der von mir Armen Dinge verlangen wird, die ich nicht geben kann. -Vielleicht jemand, der fragt, wo oder ob hier Herr Meijar wohnt. Sonst -wüßte ich niemand, der es sein könnte, oder etwas von mir möchte. Kein -Briefträger bringt mir Botschaft, denn niemand ist, der mir sie senden -könnte. Niemand kann zu mir kommen, niemand von mir etwas wünschen, das ich -erfüllen könnte, und so werde ich nicht öffnen. Schreie. Ach so: Rauch -dringt in mein offenes Fenster. Das Haus wird wohl brennen. Mag es brennen -und ich. Leute versuchen die Tür aufzubrechen. Merkwürdig: wie ich lebe, -das ist den Leuten gleichgültig, wie ich aber sterbe, nicht. Um mein Leben -kümmerte sich niemand, niemand trat bei mir ein, obwohl ich gern geöffnet -hätte, und da nun der Tod zu mir kommen will, verhindern sie ihn am -Eintritt. Warum? Der Tod ist doch der einzige Besuch, den ich erwarten -kann. Da sind schon Leute. Sie haben mich »gerettet«. Wozu? Damit ich noch -einige Zeit warten soll, bis der Tod mich abholt und zu sich in sein Haus -nimmt, ohne daß die Leute einen Grund sehen werden, gegen den Tod -einzuschreiten, ihn zu verhindern, zu mir zu kommen. Ich werde dann nicht -verbrannt sein, sondern nur verhungert. - - * * * * * - -Die Tinte ist zur Neige gegangen, ein schmutziger Satz ist am Boden des -Tintenfasses übrig geblieben. Ich fühle: auch die Tinte in meinem Körper -ist zur Neige gegangen, nur ein schmutziger Satz ist übriggeblieben. Und -der Rest erstarrt. Und meine Finger erstarren. Und meine Augen erstarren. -Und keine Hilfe kommt, niemand giebt Tinte in mein Faß, und die Leere im -Faß schlägt ihm den Boden aus. Denn den Außendruck kann ich nicht mehr -ertragen. Ich falle in mir zusammen, erdrückt von der Leere meines Lebens. - - * * * * * - -Er tötete sich nicht, weil er dazu zu tapfer und gewiß auch zu feige war. -Ihr Kind aber tötete er, weil er es, weil er sie liebte. Das Kind war -schön, häßlich aber wäre sein Leben gewesen, seine nun niemals werdende -Zukunft wußte er aus den nicht materiellen Gütern der Mutter zu lesen. Und -das Kind wäre schwere Last der Mutter gewesen, wenn auch liebe, süße. So -befreite er die Mutter von der Last des Kindes und das Kind von der Last -des Lebens. Die Mutter wird ihm zürnen. Das Kind aber nicht, das weiß er, -denn er sah, wie ihm das Kind dankbar zulächelte. Mehrere Stunden saß er -nun bei der Kindesleiche. Der Mutter versprach er treue Hut, und sein Wort, -er hat es gehalten, hat das Kind vor dem Leben behütet. Bald nun müssen -sich Dinge ereignen, der Mutter Klagen und Weheschreie wird er hören, die -Leute, die sich das Unrecht hiezu nehmen, werden ihn greifen und gefangen -nehmen, werden ihn töten oder auch nicht. Er wird zu allem lächeln, weiß er -doch sein Recht. Nur die Mutter möchte er noch einmal küssen, denn er wird -mit ihr vielleicht nie mehr zusammen sein. Die Leiche lächelte ihn an, er -beugte sich zu ihr, küßte sie und schlief neben ihr ein. Den Schlaf des -Gerechten. - - * * * * * - -Ich will diesem meinem Leben, das kein Leben ist, ein Ende machen. -Selbstmörder will ich nicht werden. Obwohl ich mein Leben morde. Und die -mich töten, die anderen, töten, das will ich auch nicht. Weltverbesserer, -Antianarchist sein, das will ich auch nicht. Ich will nur mein Leben -bessern. Ich will nicht länger arbeiten, um dadurch in der Lage zu sein, -weiter arbeiten zu können. Mich widert die Eintönigkeit meiner Tage und -Nächte an. Mein Tun und Nichttun ist immer das gleiche. Mein Schlaf, mein -Essen, mein Nichtruhen immer dasselbe . . . Doch wenn mein Kopf voll sein -wird, wird mein Verstand überlaufen. Und ich komme vielleicht dann in eine -Körperbewahranstalt für Geistlose. Unselig bin ich. Reicher an Geist und -werde dann selig werden. Denn mein ist der Umnachteten Asyl. Warum entlaufe -ich nicht in einem Anfall von Geistesumtagung meinem Gefängnis: ins Freie? -Wann wird mich das Leben in den Tod lassen, da es mich nicht zu sich läßt? -Wann? Wann werde ich meinen Tod erleben, der mein erstes und letztes -Erlebnis sein wird? Wann? Kommt der Tod nicht zu mir, will ich ihm -entgegenkommen . . . Ich ging in einen Waffenladen und verlangte einen -Revolver mit Patronen, scharf geladen. Dann wünschte ich, ihn auf dem -Schießstand einzuschießen. Der Händler setzte mir ein Ziel. Ich schoß -versuchsweise nach der Scheibe. Und traf. Ich schoß nach dem Händler. Und -traf. Ich habe ihn getötet, um mein totes Leben zu töten. Denn nun werde -ich leben. Die Polizei wird nach mir jagen. Ich freue mich. Mein Leben wird -nicht mehr öde sein. Abwechslung werde ich endlich haben. Vor Gericht -gestellt, werde ich anklagen. In ein Gefängnis werde ich kommen. Oder in -eine Irrenaufbewahrungsanstalt. Und ich werde meinem alten Leben entgangen -sein. Ich werde Ruhe haben und in Ruhe denken können. Sollte es mir im -Gefängnis nicht behagen, so werde ich mir ein anderes suchen. Denn ich -weiß: solange ich im Lebens-Gefängnis bin, kann ich nicht frei sein . . . -Sie klagen mich an, weil, ich getötet habe. Ich klage euch an. Ihr habt -mein Leben getötet. Eure Weltordnung hat mich zum lebenslänglichen -Sklavendasein verurteilt. Und ich wollte mich befreien. Und es ist mir -geglückt. Denn glaubt nicht, daß mir eure Gefängnisse Gefängnisse sind. Ich -werde in ihnen kein Arbeitstier sein. Ich werde frei sein. Ich werde keine -Arbeit verrichten müssen, die mir fern und fremd ist. Ich werde keinen -haben, der sich vor mein Leben setzt. Keinen Vorgesetzten. Keinen Herrn. -Doch weiß ich, daß meine Freiheit im Gefängnis, obwohl sie größer sein wird -als in der bisherigen »Freiheit«, nur eine bedingte ist. Denn solange ich -im Leben gefangen bin, kann ich nicht freier Herr sein. Werde nicht mein -eigener Herr sein können. Andere werden mich immer daran verhindern . . . -Wird mein Leben, immer so grau und trüb sein, so trüb wie meine Kindheit, -wie meine ganze Jugend? . . . Meine Jugend hatte keine Jugend . . . Feuer -und Flamme wäre ich, hätte ich eine Flamme . . . Doch alles um mich her ist -erloschen. Ich auch. Alles ist kalte, graue Asche. Und ich bin gezwungen zu -warten, bis der Tod sie auseinandertreibt . . . Bis Wind kommt und mich in -alle Richtungen bläst . . . - - * * * * * - -Eine häßliche, mit vertrockneten Grasbüscheln -- die in großen -Zwischenräumen stehen, vielmehr halb auf der Erde liegen -- bewachsene -ebene Fläche dehnt sich entlang eines schmutzigen, tiefen Teiches aus. Beim -Wasser sitzt ein krankes Kind. Grind bedeckt seinen Kopf, Ausschlag sein -Gesicht, Rippen drohen den mit dürrer Haut überzogenen Körper zu zerreißen. -Aus verklebten Augen schielt das Kind. Die Leiden des Kindes machen mich -mitleiden. Die Häßlichkeiten der Natur um uns her, die des Kindes und -meine, sie lassen mich alles hassen. Ich wünsche, alles Garstige möge -vertilgt werden. Alles Leidende, das ohne Hoffnung auf Erlösung leidet, -alle, die nicht mehr vom kommenden Wunder etwas erwarten, da sie wissen, -daß keines kommen wird, und die deshalb auch nicht mehr träumen vom Wunder: -alle, die eine häßliche Wunde sind, die keine Zeit und kein Leben heilt, -sie alle sollen getötet werden. Ihre Wunde soll durch den Tod geheilt -werden. Das dachte ich und stieß das Kind mit dem Fuß ins Wasser. Rücklings -fiel es in den Teich, breitete seine Arme aus, schielte aus seinen armen -Augen auf mich, und versank stumm. Ich starrte auf das Wasser, auf die -Blasen, die zur Oberfläche kamen, starrte und sah dann nichts. Dann ließ -ich mich fallen. Nicht in das Wasser, nein, auf die gesprungene Erde, auf -das verdorrte Gras. Meine Augen starrten zum Himmel. Schwarze Wolken fuhren -rasend über dunklen Horizont. Donner krachten. Ein Blitz zerriß zerzackend -die Luft. Meine Augen starrten ungeblendet in das Wetterleuchten und -Blitzen. Ich zog eine halbvolle Flasche aus der Tasche, ließ sie fallen, -dann ein Messer, ließ es fallen, dann zog ich mich zum schmutzigen Wasser, -und ließ mich fallen . . . Nicht in den Tod . . . Stand auf. Ging weiter. -Dem Leben zu. Dem Tode entgangen, gehe ich. Wohin? Ins Unbekannte . . . - -ENDE - - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Klagen eines Knaben, by Carl Ehrenstein - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK KLAGEN EINES KNABEN *** - -***** This file should be named 40222-8.txt or 40222-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/2/2/40222/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. Special rules, -set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to -copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to -protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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