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Bevor noch Sonne schien, und lange nachdem +sie erloschen war, ununterbrochen, hindurch den langen Zeitraum eines Tages +und einer halben Nacht, mußte er das Werkzeug bedienen. Und oft schlug ihn +da der Spaten auch. Einst, als er wieder von allen geschlagen war, weinte +der Knabe und dachte zu sich: »Soll ich Armer denn zeit meines Lebens, da +ich in Sklaverei geboren wurde, Sklave sein, gekränkt werden von Menschen, +Tieren, Dingen? Soll nie Sonne mich ruhend sehen, nie Freuden und Mädchen +mich freuen? Soll ich ewig arbeiten und nie leben? Kann ich das Leben nicht +finden, so will ich den Tod suchen!« Der Knabe ging aber aus, das Leben zu +finden, -- nicht den Tod zu suchen, doch kam er an ein weites Wasser, und +da setzte er über -- das Leben . . . + +Ich flog über das Wasser. Lange schwebte ich mit Vögeln in der Luft, bis +ich mich hinabließ, in dem Körper eines befruchteten Weibes zu landen. +Menschen kamen und töteten im Namen dessen, dessen Namen sie geraubt, und +dessen Worte: »Füget eurem Nächsten nicht Übles zu!« sie nicht erhört +hatten, das Weib . . . Ich entging der Frucht und flog in ein fernes Meer +zum Lande der schwarzen Menschen. Dort fand ich Leute vor, die sich +Missionäre der großen Seele nannten, die aber Missionäre nur des eigenen +Leibes waren. Sie verwirrten die Seelen der Eingeborenen, verwüsteten ihre +Körper und Länder. Ich war in den Körper eines Negers gekommen. Chwala +nannte ihn die Mutter, als sie ihn sah. Sie liebte ihn und tat ihm Gutes. + +Kamen die Weißen zu dieser Familie. Den Vater vergifteten sie mit heißem +Wasser, der Mutter zerschmetterten sie den Kopf mit einem eisernen Kreuz, +die Schwestern fesselten sie und nahmen sie in ihre Häuser, und Chwala und +seinen jungen Brüdern zerschnitten sie die Sehnen im Knie und warfen sie in +die Bergwerke zur Arbeit. In dauernder Nacht, unter der Erde, mußte Chwala +graben. Faules Wasser bekam er zu trinken, faule Überbleibsel zu essen. +Manchmal, wenn die Aufseher besonders stark mit dem heißen Wasser gefüllt +waren, bekam er nichts als Faustschläge. Seine Wunden im Knie eiterten. +Eiter fraß Fleisch und Knochen. Der Körper war aber stark und starb nicht. +Ein Aufseher war über Chwala sehr erbost. In einer Nacht verlangte er von +ihm, er möge ihm die Füße küssen. Chwala stand auf und stolperte. Da schlug +ihn der Aufseher mit dem Eisenknauf seiner Peitsche auf die Schläfe, in das +Hirn hinein. Chwala fiel hin, und der Tod kam zu ihm . . . Wieder flog ich +auf, flog über weites, weites Wasser und kam zu einem noch nicht von Weißen +bedreckten Lande. Ich kam zu einem hohen Volke. Sie liebten die Sonne und +den Frieden. Putamajo hieß meine Trägerin. Und wieder kamen jene, die sich +Diener nennen und machten sich das Volk zum Diener. Raubend vernichteten +sie Volk und Land. Mit Putamajos Körper belustigten sie sich, bis er +verging . . . Ich fliege weiter, komme an jemandem vorbei. Blut quillt ihm +aus den Seiten, Tränen aus den Augen, und ob der Schmerzen seiner Seele +weint er und sagt: »Ich habe noch umsonst gelebt und gelitten.« Ich aber +höre das Wort: noch -- und nehme es mit mir im Fluge . . . Ich fliege. +Weit? Ich will nicht mehr wandern, will ruhen. Wird einer müden Seele bald +eine weiße Taube von einer emporgekommenen Erde berichten? Ist noch immer +schlechtes Wasser über der Erde? Schreit niemand: »Land! Land!«? Ich will +nicht mehr wandern, will ruhen. + + * * * * * + +An einem Teiche ging ich vorbei, in dem schwammen Enten und quakten. Sie +schienen mit dieser ihrer Beschäftigung zufrieden zu sein, denn ihr Quaken +klang gesättigt. Manchmal kam jemand, tötete eine Ente und aß sie, und die +Ente schwamm nicht mehr und ließ auch das Quaken sein, und schien auch mit +ihrer jetzigen Beschäftigungslosigkeit zufrieden zu sein, denn ihr +Nichtquaken kam aus sattem Magen und klang mir gesättigt . . . + +Ein Land ging ich entlang, in dem waren Menschen und quakten. Sie schienen +mit dieser ihrer Beschäftigung zufrieden zu sein, denn ihr Quaken kam aus +vollem Magen und klang gesättigt. Manchmal kam jemand, ein Tod, tötete +einen Menschen und aß ihn. Der Mensch ließ dann das Quaken sein und war +auch damit zufrieden, denn sein Quaken der Ruhe klang mir gesättigt . . . + +Heute werde ich an den Teich gehen und die Enten fragen, warum sie +schwimmen, quaken und zufrieden sind. Heute werde ich in das Land gehen und +die Menschen fragen, warum sie sind, quaken und zufrieden sind. Heute werde +ich zum Tod gehen und ihn fragen, warum er ist, Dinge tötet, sie ißt und +dann zufrieden rülpst. Heute werde ich den Schreiber dieser Worte fragen, +warum er lebt, quakt und unzufrieden ist . . . + +Und sie alle werden mir sagen: »Wir quaken, weil wir quaken. Wir sind, weil +wir sind. Wir quaken, solange wir sind, sind wir nicht mehr, so lassen wir +es sein. Zufrieden oder unzufrieden quaken wir, sind wir, weil es uns so +gefällt und gut dünkt. Qua, qua . . .« . . . + + * * * * * + +Mich schmerzt mein Kopf, mein Körper ist müde, ich möchte mich auf den +Boden fallen lassen und aufhören, mich aufrecht zu erhalten. Doch ich darf +es nicht, der Lehrer scheint mit mir sprechen zu wollen, ich muß +»Aufmerken« markieren, und deshalb nicke ich des Öfteren mit dem Kopf und +lächle, als wäre das, wovon der Lehrer spricht, mir sehr einleuchtend und +als würde ich ihm großes Interesse entgegenbringen. Gut ist es, daß ich +dabei nicht direkt auf den Lehrer schaue, die Leere und Starre meiner Augen +müßte dem Lehrer sagen, daß mein Lächeln eine Lüge ist. Doch weiß ich, im +Notfalle könnte ich auch meine Augen aus ihrer Starre reißen, mit ihnen +lächeln, mit ihnen lügen. Es scheint, der Lehrer will es, er spricht mich +an. Ich muß seine Worte erst in meinem Hirn aufnehmen, denn sinnlose Laute +hört bisher nur mein Ohr. Es ist mir endlich geglückt, und schon sagt mir +mein hilfreicher Nachbar, was der Lehrer zu hören wünscht. Gut, daß der +Lehrer schon von mir abläßt, sonst hätte ich ihn noch gefragt -- was die +ganze Zeit mich schon bedrückt -- wozu das alles ist, wozu ich im +Trauerspiel »Schule«, dessen Dauer ohne erlösendes Ende zu sein scheint, +mitspielen muß, weshalb das Stück überhaupt aufgeführt wird, und warum es +durch so viele tote Saisons geschleppt wird. Doch ich weiß, nie werde ich +den Lehrer fragen, denn aufschreiend würde ich ihm auf seine Lügenantwort +antworten: »Non vitae, sed scholae discimus!!!« Er würde das aber nicht +verstehen, wie auch, wenn ich ihm sagen würde, daß die Schule und das +Leben, beides, Lügen sind. Unverständig würde mein Verstand seinem +Unverstand scheinen, deshalb unterlasse ich alles Sprechen und lebe weiter +in der Schule, wie ich im Leben weiterleben werde, eben weil ich noch nicht +tot bin. + + * * * * * + +Er war Repetent. Ich hatte Nachprüfung gehabt. Wir gefielen einander und +wurden Freunde. Gegenseitig schrieben wir die Schularbeiten von einander +ab, machten uns auf Fehler aufmerksam. Doch bei der lateinischen +Schularbeit zeigte er mir einen Fehler nicht, und als er die bessere Note +bekam, lächelte er. Zur Strafe dafür, daß er mir die Freundschaft +beschmutzt hatte, beschmutzte ich ihm das Lineal. Er verlangte, daß ich es +reinige, ich tat es nicht. Schulrecht und Schülerstolz hatte ich. Und als +er mir mit Klage beim Lehrer drohte, sagte ich ihm verächtlich, er möge +nach seinem Belieben verfahren, ich möge ihn nicht mehr. Ich wandte mich +von ihm ab und meiner Beschäftigung zu, verfolgte Harun al Raschid durch +tausendundeine Nacht. Der Verräter an meiner ersten Freundschaft zeigte +mich und meine Tat dem Lehrer an. Solche Schandtat verstand ich nicht und +nahm das Urteil des Lehrers wortlos entgegen. Der Lehrer hätte mich doch +nicht verstanden, wenn ich ihn über Schulrecht belehrt hätte. Nach dieser +Affäre sandte mir der Judas einen Unterfreund und bot mir neuerdings seine +Freundschaft an. Ich wies sie ab. Und wandelte allein, über dieses Vorgehen +meines Freundes a. D. nachdenkend. Und dieser Schurke ließ eine schurkische +Rachetat folgen. Am nächsten Morgen stand er auf und sagte dem Lehrer, sein +Reißzeug fehle ihm, noch vor dem Unterricht hätte er es besessen, wie +Augenzeugen bezeugen könnten. Und er wandte den Verdacht, ihm das Reißzeug +gestohlen zu haben, auf mich, und der Lehrer, der mir nicht gefiel, und dem +ich deshalb nicht gefiel, gab ihm recht und sagte zu mir: »Sie scheinen der +Dieb zu sein!« Der Lehrer hatte die Angelegenheit vorher nicht geprüft, +mich nicht sprechen lassen. Dieb hieß er mich vor der ganzen Klasse, Dieb +echoten die Schüler, und der Verräter grinste mich an. Ohne Träne, weinend, +fiel ich in die Bank . . . + + * * * * * + +Ich sitze vor der Uhr und starre sie an. Das ist meine tägliche +Beschäftigung. Ihr werdet sagen, das sei eine nutzlose Beschäftigung. O +nein, das ist nicht wahr, denn ich werde dafür bezahlt. Ja, etwas eintönig +ist sie, da die Uhr nur eine Gangart hat, in der sie seit ihrer Erschaffung +geht und in immer gleicher Tonlage und Tonart zu mir spricht. Aber das +macht mir nun nichts mehr. Ich habe mich damit abgefunden, d. h. ich mußte, +denn würde ich mit meiner Beschäftigung nicht zufrieden sein, so würde man +mir sie nehmen, ich würde nichts bezahlt bekommen, könnte nicht weiter +leben und arbeiten, um zu arbeiten. Es ist nämlich jetzt so schwer, Arbeit +zu finden, alle Arbeiten sind vergeben. Die Mondanstarrer brauchen keinen +neuen, und auch bei den Auf-die-Erde-Spuckern sind alle Posten besetzt. +Deshalb trachte ich, meinen Vorgesetzten keinen Anlaß zur Klage zu geben +und starre die Uhr gut an. Ich glaube, niemand kann das so gut wie ich. +Manchmal, um mich ein wenig zu unterhalten, folge ich den Sekunden- und +Minutenzeigern mit meinen Zeigefingern, obwohl das sehr strenge verboten +ist. Doch ich wurde noch nie auf diesen Abwegen betroffen, denn, kommt +jemand zu mir in meine Zelle, so gebe ich, bevor er noch bei mir ist, schon +wenn ich das geringste Geräusch von Tritten höre, schnell die Finger von +der Uhr und starre sie vorgeschriebenermaßen bewegungslos an. Doch immer, +wenn ich meine Finger denen der Uhr folgen lasse, schaut sie mich spottend +an, denn sie weiß, daß meine Finger nicht soviel aushalten können wie ihre +und daß ich meine Finger bald fallen lassen werde. Auch meine Augen halten +nicht soviel wie die Uhr aus, müde fallen mir oft die Lider über meine +Augen. Doch sofort reiße ich die Lider empor, und meine Augen starren die +Uhr an, denn ich will meine Pflicht erfüllen und will nicht die Leute, die +mich bezahlen, betrügen, indem ich ihnen für ihr Geld nicht den +vereinbarten Gegenwert leiste. + +Eigentlich: wozu ich die Uhr anstarren muß, weiß ich nicht. Aber dies weiß +mein Herr. Denn er spricht sehr groß davon, und ich ahne, auch ich werde +bald meine Arbeit verstehen und zu würdigen wissen. Sagte mir doch gestern +der Herr, wenn ich größer sein werde, würde ich all dies verstehen, und bis +dahin erfülle ich getreulich meine Pflicht, worob mich mein Herr auch lobt +und liebt. Und ich warte, daß meine Jahre kommen, mich älter und größer +machen, mir das Verständnis für Arbeit und andere Dinge geben. + + * * * * * + +Mein Wecker schrillt mir in die Ohren. Mein Tag fällt mich an. Ins +Gefängnis. Arbeite, Sklave! Ich der Herr, peitsche dich mit Befehlen. Du +bist meine Hur für Dirnenmonatslohn. Sklave, sklave mehr! Schneller, sonst +gibt es Peitsche! Hier nimm deinen Lohn! Leck mir die Hand! Sklave schufte! +Schneller! Diese Bücher auf deinen Kopf! Schleppe sie den Tag! Höre Sklave, +ich bin auch in der Nacht dein Herrdämon! Trage sie nachts in deine Träume +auch! Ich sitze auf deinem Bauch. Ich rauche dich an. Drossle und presse +dich. Fresse dich. Bei lebendem Leben. Stöhnst du Sklave? Mein Fuß ist auf +deinem Kopf. Ich reiße dich nieder an deinem Schopf. Werfe und schlage +dich. Denn du bist mein Sklave. Mir verkauft fürs tägliche Brot. Um +Schandenlohn. Ich gebe dir auch Hohn. Brichst du zusammen, werfe ich dich +fort. In den Ab-Ort des Lebens. In den Arbeitstod. Nicht in den wirklichen, +Törichter. Nein. Weiter renne du dann, aber als kranker Hund in der Mühle +deines Lebens, das du mir verkauft hast. Weiter gehe in deiner Krankheit. +In die Arbeit. Du entkommst mir nicht aus dem Gefängnis. Flüchtest du für +kurze Zeit, größre Last werfe ich auf dich. Langsam werde ich dein Licht +ausblasen. Und entzünden werde ich es mit der Peitsche. Sklave! sklave! + + * * * * * + +Gefangen bin ich, kann nicht entkommen, wo ich mich auch hinwende, sind +Tage. Enteile ich vorwärts, laufe ich hintwärts, ich komme zu Tagen. Sie +lassen mich nicht aus, eingekerkert bin ich von ihnen, von allen Seiten. +Bleibe ich ruhig, bewege ich mich nirgendhin, es hilft mir nichts, die Tage +kommen über mich. Ein böser Zauberer, dem etwas angetan zu haben ich mich +nicht entsinne, muß mich verflucht, zu ewigen Tagen verdammt haben. Die +Tage, sie sind ohne Unterschied, sie gleichen einander, wie ein Tag dem +andern. Ich kann sie nicht voneinander unterscheiden, auseinander halten, +sie sind Meer, das keinen Rand hat, Raum ohne Ende, greifen ineinander, +keine Marke zu merken, zu erkennen. In diese Tage bin ich gesetzt, kann +nicht aus ihnen. Es wird mich nicht von ihnen erretten, wenn ich vielleicht +nicht mehr wissen werde, daß ich bin, der ich bin, wenn ich tot sein werde, +wenn ich in andere Formen umgeformt werde. Der Kerker der Tage, der Kerker +der Zeiten und Räume wird weiter bestehen, ewig sein. Denn es ist keine +Aussicht dafür vorhanden, daß jemand käme und Zeit und Raum vernichte, +töte. + + * * * * * + +Einmal, ja, da muß es doch ganz anders gewesen sein als jetzt. Ich erinnere +mich. Die Lampe brannte hell, der Ofen war warm und im Zimmer war eine +zufriedene, gesättigte Stimmung. Der Vater kam lächelnd ins Zimmer, es war +abends, er kam aus der Fabrik, in der tagsüber er gearbeitet hatte. Die +Mutter empfing ihn mit guten Worten, und auch die andern begrüßten ihn +freudig. Im Zimmer war es wohnlich, ein runder Tisch, ein Teppich darunter, +Gardinen vor den Fenstern . . . Und neben der Mutter war eine Wiege, und in +der Wiege, da war ich. Und damals, als ich noch in der Wiege lag, da war +eben alles anders als jetzt. Jetzt ist es dunkel im Zimmer, keine Wärme ist +darinnen und keine Wohnlichkeit. Finster ist der Vater, kommt er nach +Hause, und finstre Worte bekommt er. Friede ging von denen im Zimmer, und +Haß kam zu ihnen. Und mir ist es kalt, so kalt. Ich bin nicht mehr in der +Wiege. Halberwachsen bin ich, und soll verdienen. Und dieses ist mein Tod, +denn als ich in der Wiege war, da wiegten mich andre Worte und Träume als: +Verdienen, Dienen. Und als ich noch ein Embryo war, da dachte ich nicht +daran, daß ich geboren werden würde, um zu dienen, und nicht um zu leben. +Und jetzt, da ich erwachsen bin, bin ich noch weniger als zuvor gesinnt zu +dienen, Herr will ich sein. + + * * * * * + +Ich warte auf Dinge. Und sie ereignen sich nicht. Ich weiß nicht, was für +Dinge sich da ereignen sollen. Aber ich warte. Will mir nicht sagen, daß es +nutzlos sei, zu warten. Kein Ereignis gab mir ein Stelldichein. Und deshalb +wird keines kommen. Leer läuft mein Leben. Ohne Inhalt. Warum werfe ich es +nicht wie ein inhaltloses Buch von mir? Warum gehe ich nicht aus dem +Theater, da mir das Stück nicht gefällt? Es ist in mir die Furcht des +Tieres vor dem Tode. Das fürchtet das Unbekannte. Und hängt an dem +Bekannten. Trotzdem, daß dies Bekannte das Schlechteste des zu Denkenden +ist, und das Unbekannte nur besser sein kann. Und das Tier stöhnt in mir. +Ich kann ihm nicht helfen. Es will mit dem Leben ringen. Doch das stellt +sich ihm nicht, und der Tod sich nicht mir. Das Tier in mir will leben. Und +kein Leben wird ihm gegeben. Ohnmächtig schlafft es durchs Leben. Und neben +dem Tier gehe ich einher. Es aber ist mein Treiber. Es treibt mich +schlecht. Es treibt mich allein. Und der Trieb ist für zwei. Ich will ein +zweites Tier. Will Wärme, Sonne. Ein Mädchen. Doch die Dinge wollen nicht +mich. Und so muß ich warten. + + * * * * * + +Mädchen, du, ich liebe dich. Sagen werde ich es dir nie, denn zu große +Trauer gebar dir Liebe schon, und du würdest meiner Liebe nicht glauben, +würdest nicht glauben, daß ich nur Mensch bin und daß mein Tier tot ist. +Wie geschah es, liebes Kind, daß dich Tierfeuer schon einmal sengte und du +trotzdem nochmals dem Feuer zu nahe kamst? Wolltest du, da du schon unten +warst, unten bleiben? Waren dir schon alle Dinge nebensächlich, so sich mit +dir ereigneten? Warum ließest du die Befleckung deines Körpers zu? +Sicherlich fandest du sie angenehm, wußtest noch nicht um das Erwachen zum +häßlichen Leben. So geschah es, daß du aus dir Nichtgewesenem Wesenheit +gabst. Nicht lieb wars dir, und trotzdem: nochmals hättest du, wäre es +wohlweislich nicht verhindert worden, unempfindlichem Nichtlebendem zum +Lebenstod verholfen. Warum ereigneten sich diese Dinge? Ließest du dich +denn vom Zeuger deiner Qualen gerne zu weiteren drängen? Wolltest du ihm +sagen und zeigen: »Sieh! welche Schmerzen du mir zufügst, und sieh: ich +ertrage sie!« Wolltest du ihn so deinen Schmerz fühlen lassen? Auf alle +meine Fragen wird mir wahrscheinlich nicht Antwort werden, denn wir werden +einander wohl nie mehr sehen. Du Licht, das mir von ferne leuchtet, und so +mir nicht leuchtet, o, laß doch dich und deine Strahlen näher zu mir +kommen, auf daß mir Wärme werde. + +Warum ist wohl meine Liebe zu dir, Mädchen? Weil du mir wie eine Jüdin +schienst, die ich in England sah, mit rotem Haar, oder weil mein Auge Ruhe +fand an deinem, und an der Stille deines Körpers? Ich weiß nicht, warum +meine Liebe ist, aber sie ist. Nur eines gibt Schmerz meiner Liebe, daß du +vielleicht sie nicht willst. Und ich will dich nicht beleidigen durch das +Anbieten meiner Liebe. Und da ich dir nicht meine Liebe sagen werde, so +werde ich ohne deine sein, die du mir aber vielleicht auch nicht geben +würdest, wenn ich dir meine Liebe sagen würde. So ist mein Leben, +aussichtslos. Zu ewigem Nichtsprechen bin ich verurteilt. Und es gibt +keinen Richter, an den ich mich wegen ungerechten Rachspruchs wenden kann, +denn der Richter, der beim jüngsten Gericht amtieren und sich rächen wird, +der ist bis dahin still und tot. Und auch mein Leben kann nicht seinen +Spruch erwarten, denn dann wird es tot sein, wie jetzt Gott. + + * * * * * + +Regen, Wind, Sturm, ihr seid mir lieb . . . . Im Sturme kletterte ich auf +die hohe Föhre und ließ mich auf ihrem höchsten Aste nieder, und ließ mich +wiegen und werfen vom Sturm. Der Wind sauste durch den Wald über die Wiese +zu mir auf die Anhöhe, und ich, auf der Föhre stehend, sang und schrie im +Sturm . . . . Ich war Herrscher. Auf einem Schiff. Ich kämpfte mit dem +Feind. Ich besiegte alle. Der Sturm hörte auf. Die Sonne gab schöne Wärme. +Die Ameisen zogen wieder den Baum auf und ab. In ihre Höhlungen. Ich sah +ihnen lange zu. Ich stieg vom Baum, ging zu einem der Bergwerke der +Ameisen. Der Duft der Ameisen, der feuchten Wiese, des Waldes und des +nassen Heues war mir angenehm. Nachdem ich den Ameisen, den kleinen, +schwarzen, zugesehen, ging ich zum Ameisenbergwerk der roten. Bald waren +die Roten und Schwarzen im Kampf. Ich war die Ursache der Völkerschlacht. +Ein Heerführer der Schwarzen schrie unaufhörlich: »Rettet die Ungeborenen, +die Zukunft!« Mir ward dies bald zu eintönig, und zwei Ameisenvölker wurden +ausgerottet. Dann ging ich auf die Wiese und träumte vom Mädchen meiner +Träume. Ich bin mit ihr zusammen. Ich spreche zu ihr. Und sie ist mir gut +. . . Ich steuere ein starkes Schiff im großen Meer. Sie sitzt vor mir in +langen Gewändern, und ihre Augen leuchten schön zu mir . . . Friede habe +ich, Freude, Lilith . . . Lilith, darf ich mit dir sprechen und dir sagen, +daß ich dich liebe? . . . Keine Antwort werde ich erhalten, denn ich werde +nicht fragen, wissend und fürchtend, daß du mich ablehnen würdest . . . Und +so werde ich dir nie sagen können, wie wert du mir bist, daß du das Mädchen +meiner Träume und meines Denkens bist, daß ich seit den Tagnächten meiner +Kindheit immer deiner gedacht, daß ich die Augenblicke, da ich dich gesehen +habe, aufbewahre und sie mir immer hervorhole, um schön von dir zu träumen, +daß du der Anfangsgedanke meiner Träume bist, daß der Gedanke an dich +vielleicht mein letzter sein wird . . . . Dies alles werde ich dir nicht +sagen, denn du würdest es mir nicht glauben . . . . So werde ich von dir +nur immer träumen, denn ich werde nie mit dir sprechen . . . . Träumen, +träumen. Mein Leben ist träumen, mein Träumen mein Glück . . . . Und mein +Leben ist tot. Du wirst mir nicht helfen, denn du wirst niemals wissen um +meine Not . . . . Ich hungere nach deiner Liebe. Und ich werde verhungern, +denn ich werde nicht betteln. Ich kann mich nicht beugen und bitten. Das +Nein fürchtend. Und ich wüßte mich nicht zu benehmen, abgelehnt . . . Ohne +Denken würde ich vor dir stehen, dumm und lächerlich . . . Ich will keine +Niederlage, deshalb keinen Kampf. Du unterschätzest und geringschätzest +mich sicherlich als Gegner. Und so kann ich dir nicht sagen, daß ich der +Stärkere bin . . . Nur im Traum. + + * * * * * + +Lilith! Ich grüße dich, aber den Hut nehme ich nicht ab, so wirst du nicht +wissen, daß ich dich grüße. Und du staunst, wie auch darüber, daß ich mich +trotzdem neben dich setze und nicht mit dir spreche. Weißt du noch, wie vor +vielen Jahren, als wir wie heute in der Elektrischen fuhren, ich, da du +mich nicht sahst, dich berührte, grüßte und dann mit dir nichts sprach, +weil meine Zunge dumm ist. Wie du schnell auf dem Eise warst und ich immer +auf dem Boden. Aber Schnurspringen konnte ich besser als du. Du hast mich +Bier holen gesehen und Einkäufe mit der Markttasche besorgen. Wie fuhr ich +auf dem Velozipedkarussell so schnell -- und du lachtest. Und als ich +abstieg, bemerkte ich, daß die Sohle meines Schuhes im Begriffe war, ihn zu +verlassen, getrennt von ihm leben wollte, und rächender Richter war ich. +Uns hatte sie entzweit, in meinem Jähzorn tat ich mit ihr und dem Schuh +desgleichen. -- Es irrt der Mensch, solang' er richtet! + +Deiner Puppe brach ich lachend den Kopf ab, und als du weintest, da, nein, +ich will mich an meinen Gefühlsausdruck nicht erinnern, an mich verfärbende +Ereignisse. Ich kenne dich nicht, dein Denken und Dichten. In einem anderen +Hause wohnst du, und nur manchmal kamst du in unsern Hof und da verkroch +ich mich oft und spielte nicht mit dir. Ich kenne bloß deinen Namen, der +mir Fetisch ist, und ich liebe dich, weil ich von meiner Kindheit an von +dir geliebt sein wollte. Ich bin schwerkrank, morgen werde ich operiert +werden. Lilith, Todesengel, komm, küsse mich. + + * * * * * + +Einziges Mädchen meiner Kindheit, der wenigen Spiele, die wir selten +gespielt, Zeugin meiner Scheu und Furchtsamkeit, ich sah dich heute, und +wann werde ich dir wieder begegnen und dir sagen können, daß du mich lieben +sollst, daß ich bei dir Frieden suche, meinen Kopf an dir ruhen lassen +will, du mich küssen sollst und zu mir sprechen! Meine geliebten Sterne in +schwarzer Nacht über uns! oder am Meeresstrand im Sand, von den tönenden +Wogen nicht berührt, allein mit dir! Und ich werde zu dir weinen und du +wirst mich liebkosen, und wirst mir Mutter sein, denn meine Mutter war es +nicht. Freude, Liebe kenne ich nicht. Und ich bin doch so gut, Gott liebte +mich, das weiß ich, und er war der einzige. Wirst du es nun sein? Denn ihn +habe ich abgesetzt. Er ist Gottgeist und ich verlange nach Menschkörper. +Aber ich weiß, mein Wille wird nicht geschehen, wie überall auf Erden, mein +Wunsch wird Traum bleiben, ohne dich werde ich das Leben sein lassen, ohne +Leben und Lieben sterben. + + * * * * * + +Flieht eine Krähe und schreit: »Kahl, kalt, Tod.« . . . Ein nackter Baum +ist in meinem Garten. Die Winterkrankheit kam über ihn, und bar seiner +grünen Kleidung schauert er im Winde. Mein Garten ist leer, und ihn friert. +Eine Krähe flieht vor ihm und über ihn und schreit: »Kahl, kahl.« Auf dem +Baume ein leerer, umgestülpter Handschuh. Einst scheint er einem Mädchen +gehört zu haben, im Sommer dürfte er zum Baume geflogen sein. Baum, Garten, +Krähe, sie wissen von einem Frühling, einem Sommer, einem Herbst. Sie +wissen im Winter: Sommer wird sein. Der Handschuh weiß von einem Sommer, +einem Mädchen. Und ich, ich weiß nur von einem Winter. Der dauert nun schon +mein ganzes Leben. Kein Frühling kommt, keinen Frühling, keine Jugend hatte +ich, kein Sommer wird mir werden. Kalt, kalt, kräht es um mich. + +Ich bin im kahlkalten Zimmer, bin leer und umgestülpt, Handschuh auf dem +Baume. Doch in sein Sein griff ein Mädchen ein, warf sie ihn auch fort, so +weiß er doch von einem Mädchen, dem er gehörte, das ihm ward. Ich aber weiß +von keinem Mädchen, keines griff in mein leeres Leben ein, keines brachte +mir Sommer, Sonne, nein, sie lassen mich alle dem kalten Winter, lassen +mich frieren im Leben, allein sein. + +Außer meinem Winter kenne ich noch eins: einen Namen. Lilith, er ist der +Name eines Mädchens und eines Engels. Das Mädchen ist das Mädchen meiner +Märchen und Träume, der Engel Todesengel. Wenn es mir zu kalt ist, sage ich +mir den Namen des Mädchens und träume mir ein Märchen. Das Märchen wärmt +mich ein wenig. Wird es aber in meinem Winter zu kalt werden, so daß Blut +in meinem Thermometer gefriert, wird kein Märchenmädchen mich aus der Kälte +erlösen. Wird ein Engel kommen, Lilith, der Tod, mich befreien aus meiner +kalten Nacht. Der Winter wird zwar vorüber sein, aber keine andere Zeit +wird mir sein. Nichts wird mehr sein, kein Winter, kein Märchen, kein +Mädchen, kein Engel, kein Tod. + +Flieht eine Krähe und schreit: »Kahl, kalt, Tod.« + + * * * * * + +Mir als Abstämmling alter Priesterfamilie verbeut es das Gebot, mich dem +Acker Gottes, in den diesseitige Früchte für jenseitige Blüte gepflanzt +werden, zu nähern oder auf ihm zu weilen. Nicht des Verbotes halber war ich +gern dort, sondern weil der Friede des Ortes auch mir Frieden gab, Frieden +mit mir. Ich lag dort im Grase neben zwei Gräbern. Sah zur Sonne, gedeckt +durch ein Tuch, und schaute die schönsten Farbenwunder. Wirkliche +Pegasusse, geflügelte Heupferde ließen Musik aus sich ertönen. Grillen +vertrieben mir mit ihren Tönen meine Grillen. Bienen flogen zu Disteln, +Schmetterlinge schwärmten. Kein Mensch störte, die Tiere freuten mich. Und +ich war voll Ruhe und Friedens mit mir. Hie und da lagen Grasbüschel auf +den Steinen der Gräber, aber immer und überall konnte das Auge, nach und +nach, graue Grabschnecken von den grauen Steinen unterscheiden . . . Im +Grabe, neben dem ich lag, war seit geraumer Zeit ein Mädchen gefangen. Ich +hatte es einst, da es noch vom Leben gefangen war, beleidigt. Es kam einmal +in meinen Garten, Wind hatte ihm ein schönes Tüchlein, Kleid einer Puppe, +zu mir vertrieben. Mädchen verlangte das Tüchlein von mir, zaghaft. Ich hob +das Tüchlein von der Erde, unrein wie es war, und warf es auf das Mädchen, +sein Haar beschmutzend. Traurig sah das Mädchen auf mich ob meiner Untat, +traurig ging es von mir, ohne Wort, und des Mädchens Augen sagten mir, daß +sein Mund sich mir geöffnet und zu mir gesprochen hätte, wär ich nicht so +bös gewesen . . . + +Ihre klagenden Augen erschienen mir wieder. Ich sah sie, durch Glas +hindurch, das auf ihnen lag. Einen Einschnitt hatte sie auf der Stirne, +einen auf ihrer Brust. Damit die Seele aus ihr könne, glaube ich, wurde so +ihr Körper verletzt. Weshalb aber Glas ihre Augen deckte, weiß ich nicht. +Vielleicht auch, daß ich Glas und Schnitte sah, die nicht vorhanden waren. +Leute, die ein Recht auf das kleine Mädchen zu besitzen wähnten, wälzten +sich und heulten vor dem Mädchen, das traurig dalag auf der Bahre, vor +seinem Grabe. Ein Rabe krächzte über die Menschen und floh den Friedhof, +dessen Ruhe durch unruhige, lebende Menschen gestört war. Lange Zeit +nachher, als schon keine Spuren der Menschen mehr am Orte des Nichtseins zu +entdecken waren, ging ich hin und bat das Mädchen, mir die Untat zu +verzeihen. Ich opferte ihr, sie zu versöhnen, meine Gedanken und Worte. Und +ich glaube, sie nahm das Opfer an, selten lasse ich mir ihr trauriges +Gesicht, ihre trauernden Augen erscheinen. + + * * * * * + +Weite Ebene, ruhig wie See, wenn Wind nicht weht, ist. Tag ist tot. Nacht +lebt. Knabe ohne Schlaf traumwebt. Mädchen zu ihm kommt. Legt Körper zu +Körper. Knabe weint: »Du bist gut.« Liegen und träumen. Gedanken: Sterne +sind schön, wie Wunder herrlich. Ruhe ist groß. Knabe: »Mädchen, bist du +fraulich schon, oder noch jungfräulich? Bist du Frau: Deinen Körper, Wunder +will ich schauen. Bist du jungfräulich: Heiliger Tempel bist du, den ich +anbeten will.« Knabe wacht auf. Kälte und Tod. + +Ich habe dich oft gesehen und mit dir gesprochen. Habe von dir deinen +Körper verlangt. Aber du sagtest immer: »Nein.« Ich verstand nie, weshalb +du nicht einwilligtest. Bin ich denn häßlich, dumm, nicht verlangenswert? +Ach so! da ich dich verlange, weisest du mich zurück. Was du haben kannst, +willst du nicht. Und hätte ich dir gezeigt, daß ich dich nicht will, du +würdest gewußt haben, daß ich Trauben, die ich nicht gekostet, sauer weiß. +Oder würdest, da ich dir dann nicht mehr begegnet wäre, mich bald vergessen +haben. Und ich bin ja auch nicht der einzige, der dich begehrt. Du findest +das Geschlecht unschön, willst Mädchen bleiben. Aber ich weiß, du wirst +heiraten. Einen Geistproleten, Geldbesitzer. Und ich, der ich ein armer +Geisteskapitalist bin, werde dich nicht kaufen können. Nur ein +goldbeladenes Kamel zieht durchs Öhr ins Himmelreich ein. Wenn ich deinen +Namen hörte, mein Herz, das schmerzte mich, der Hals war zugepreßt, und +ich, ich schmähte dich. Weil ich dich nicht küssen darf und kann, muß ich +dich schlagen, hassen. Aber ich will dich nicht hassen, ich will dir meine +Liebe zeigen. Und da du mich nicht läßt, verpanzere ich mich in mir, +hohnlächle. Und glaube, ich werde nie mehr lieben können. Da man mir meine +Liebe immer aufs neue zertrat, riß ich sie aus mir, verschloß die Wunde mit +Eis und Eisen. Kann nicht sagen: »Ich liebe dich«, denn ich glaube es nicht +mehr. Liebe, Leben und Glas, wie schwer bricht das. Und ihr, die ihr mich +gebrochen, an euch, an euch werde ich mich rächen. Rächender Richter werde +ich sein, Schrill wie Klavier, das zerstört, so grell schreit meine Liebe +nun. Ich hasse, mein Gesicht ist verzerrt, meine Zähne knirschen . . . + +Gott war es, der aus Luzifer Satan schuf . . . . + + * * * * * + +Merkwürdig ist es, eigentlich: Immer schreie ich nach einem Mädchen, nach +einem Tod, und verlange diese Dinge, obwohl ich mir diese Dinge doch, ohne +nach ihnen zu schreien, einfach nehmen könnte, ohne ein Wort darüber zu +verlieren. Und deshalb deucht mir, daß es mir eigentlich nicht um diese +Gegenstände zu tun ist, sondern daß mir das Schreien darnach behagt, Mittel +mir Zweck geworden. Denn wollte ich wirklich Mädchen, Tode, ich könnte doch +zu einem Mädchen gehen und für geringes Geld geringes Mädchen eine kleine +Dauer haben. Ist es die zu kurze Zeit des Besitzes, was mich davon abhält, +könnte mich ja die Dauer eines Todes, die von unbegrenzter Zeit ist, +entschädigen. Nein, es scheint, ich will es umgekehrt: Mädchen für +unbeschränkte Zeiten, Tode für begrenzte. Doch glaube ich nicht, daß die +Dinge, dem Gesetz der Trägheit folgend, meines Willens wegen aus ihrer Bahn +weichen werden in die, welche ich ihnen vorschreibe. Und so werde ich auch +des Ferneren schreien: »Ein Mädchen, einen Tod.« Man achte darauf, daß ich +Mädchen vor Tod schreie, denn ich könnte ja auch ungestört umgekehrt +schreien, aber ich brülle das nur so, weil ich auch sonst, um den Kellner +mit den Speisen an mich zu locken, schreie: »Kellner, zahlen!« Doch auch +durch diesen Kniff konnte ich bis jetzt noch keinen Kellner, kein Essen +ködern . . . + + * * * * * + +Schmerzen fühle ich. Und die Schmerzen freuen mich. Wenn Schmerz zu meinem +Herzen kommt, mich sticht, erhoffe ich den letzten Stich. Doch der Tod will +mich nicht einstechen. Ich scheine ihm zu wertlos . . . Der Tod spielt mit +mir Schach. Ich gab ihm die Dame vor. Und noch immer will er mich nicht +matt machen. Und davon bin ich matt. Will die Partie aufgeben. Er nimmt +aber nicht an. Will der Tod mich leben lassen, wo das Leben mich nicht +leben läßt? Gibt mir der, von dem ich nichts will? Ja. Denn so ist es +immer. Da ich das Leben will, will es mich nicht. Vor den Toren, zwischen +den Toren zweier Höllen bin ich, und kein Teufel läßt mich ein. Ich bitte +Gott, der Teufel möge mich erhören. Doch beide sind taub. Beleidigt, irgend +einer Tat wegen, die ich nicht mehr weiß. So ward ich aus allen Höllen der +Welten ausgeschlossen. Für die Dauer meiner Spielzeit. + + * * * * * + +Der Tod kommt auf einen Markt. Er gleicht einem Hausierer mit seinem Kram +und spricht wie ein solcher. »Billige Tode, noch nie dagewesene, +sensationelle Tode. Bei mir bekommen Sie jeden Tod. Prompte und reelle +Bedienung. Ich bin ohne Konkurrenz. Bei mir sterben Sie garantiert gut. Was +haben Sie davon, wenn Sie sich teures Leben, teure Krankheiten anschauen? +Das kostet Sie nur viel Geld. Heben Sie sich doch lieber das Geld und das +Leben für den Tod auf. Ich weiß überhaupt nicht, weshalb, wozu und wieso +Sie leben. Das Leben ist eine schlechte Gewohnheit. Hören Sie mir doch mit +dem Leben auf. Glauben Sie, es macht gar so einen schönen Eindruck, wenn +Sie unaufhörlich sich oder andern in der Nase bohren? Ich sage Ihnen, das +schönste und beste Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk ist z. B. so ein +Revolver. Sehr billig, und ein äußerst amüsantes Gesellschaftsspiel für +sechs Personen. Hier habe ich auch etwas für größere Gesellschaften: einen +Krieg mit drei Schlachten täglich. Kaufen Sie, kaufen Sie. Kaufen Sie nicht +heut', so morgen. Ich warte. Ich habe immer Zeit. Wenn Sie mich brauchen: +-- Karte genügt, komme sofort.« Der Tod geht weiter, immerwährend, seine +Waren preisend und ausrufend. + + * * * * * + +Kälte dringt auf mich von allen Seiten ein. Schließt mich ein und will mich +erdrücken. Ich verkrieche mich in mich hinein, wie eine angegriffene +Schnecke in ihr Haus. Doch ich weiß: nutzlos ist es. Und ich fürchte den +Augenblick, da ich aus mir treten, die kraftlose Verschanzung aufgeben +werde, und mich, aufschreiend vor innerem, wesenlosem Weh, der Kälte +preisgeben werde. Ohnmächtig werde ich zusammensinken. Kälte wird wie ein +Vampyr Wärme, Leben aus mir saugen und mich leblos lassen. Wozu wurde ich +in den Kampf gesetzt? Nutzlos muß ich Kampf-Hasser kämpfen und fallen. Im +Tode lallen: Wozu? Wozu kriech' ich weiter? Warum? Warum laß' ich mich +nicht fallen? In den unbekannten Abgrund, ihn zu ergründen? Den grundlosen +Grund des Lebens zu finden. Und ich falle. Bin auf dem Grund. Und es ist +kein Grund. Der Abgrund, der ohne Grund ein Abgrund ist, wie jeder Grund +hier auf Erden ohne Grund ist, grundlos nimmt er mich nicht in sich auf. + + * * * * * + +Die Finger meiner linken Hand bewegten sich auf der Platte des Tisches. +Gingen an sein Ende. Stiegen von dort in die Luft, waren rastlos in +Bewegung und schrien rastlos: »Wir sind die fortschreitenden Finger. Wir +sind die Fortgeschrittenen. Wir gehen zur Sonne. Wir kommen zur Zukunft. +Wir werden immer weiter schreiten.« + +Die Finger meiner rechten Hand bewegten sich nicht. Schwer lagen sie auf +der Platte des Tisches. Und keine Worte kamen von ihnen. Und keine +Bewegung. + +Und ich, ich sah zu. Daß die Finger der linken Hand sich bewegten, die der +rechten aber nicht, beides war mir gleich, und beides gleich-gültig. Nutz- +und zwecklos beides mir. Denn sie werden tot sein, und würden sie auch +immer weiter leben, sich bewegen oder auch nicht, es wäre mir dieselbe +Gleichgültigkeit für diese Ereignisse. + +Doch wünsche ich meinerseits: Das mir Gleichgültige, und das sich +gleichbleibende Schauspiel, möge mich nicht mehr lange zum Zuschauer haben, +denn meine Augen schmerzen, ich will sie schließen. + + * * * * * + +Während des Seins der Tage zweier Jahre sah ich auf meinem Weg ins +Schulgefängnis stets ein Mädchen auf der Straße gehen, dem ich meine Liebe +geben mußte. Denn die Ruhe ihres Antlitzes, wie die ihres ganzen Wesens, +nahm mir meine Ruhe und gaben mir die Unruhe, das Leid, die Liebe. Ich traf +sie bei der Kirche des Ortes, in die sie verschwand, und ich neidete sie +Gott, der mir sie nahm, denn sicherlich, sie gab sich ihm, und deshalb wird +sie sich nicht mir geben. Der Körper des Mädchens war in ein blaues Kleid +gehüllt, und ich nannte sie deshalb, da mir ihr Name unbekannt war, in +meinen dichtenden Träumen Blaumädchen. Blaumädchen trug einen Hut, dessen +Farbe, wie auch die einer weithin sichtbaren Feder, ebenfalls die blaue +war. Und täglich auf meinem Gang zur Schulsklaverei freute mich der +Schmerz, Blaumädchen wieder zu sehen. Mich schien sie nie anzusehen, und +ich glaube deshalb, daß sie von mir nichts weiß. Nicht immer wagte ich sie +anzusehen, denn manchmal hielt mich eine Scham, deren ich mich schämte, +davon ab. Ich weiß nicht genau die Farbe ihres Haares. Ich weiß nur, daß +ihr Haar vom Winde zerzaust war. Nachdem ich schon viele Monate Blaumädchen +bei der Kirche gesehen hatte, wollte meine Neugier wissen, von wannen das +Mädchen zur Kirche komme und wohin sie sich hernach begebe. Und so raffte +mich einmal der Entschluß auf, dem Mädchen zu folgen. Und ihre Schritte +führten uns zu einer Fabrik, von wo sie nach elf Stunden in ein Haus ging, +das in einem anderen Viertel des Vorortes lag. Blaumädchen ist also ein +braves Bibelkind, betet und arbeitet. Als ich zu diesem Wissen kam, wurde +ich aus dem Schulgefängnis in ein überseeisches Geschäftsgefängnis +deportiert. Blaumädchen aber blieb, und nur in meinen Träumen konnte ich +sie sehen, bis ich nach einem Jahre wieder an ihren Ort zurückkam und das +Mädchen mir wieder in Wirklichkeit ward. Das heißt: sie wurde mir nicht, +denn als ich eines Tages meine Scheu und Feigheit überwand und Blaumädchen +höflich fragte, ob sie mir erlaube, sie und ihr Denken kennen lernen zu +dürfen, da verwies sie es mir. Und ich schäme mich, daß hernach sie mich +täglich sehen mußte, denn mein Weg in mein neues Gefängnis kreuzte den +ihren, einen andern Umweg gibt es nicht als den um das Leben, und diesen +werde ich begehen, denn ich will mit meiner Person niemanden in seinen +Wegen stören. + + * * * * * + +Es läutet. Wer will zu mir? Ich erwarte niemand, Ein Bettler wird es sein, +der von mir Armen Dinge verlangen wird, die ich nicht geben kann. +Vielleicht jemand, der fragt, wo oder ob hier Herr Meijar wohnt. Sonst +wüßte ich niemand, der es sein könnte, oder etwas von mir möchte. Kein +Briefträger bringt mir Botschaft, denn niemand ist, der mir sie senden +könnte. Niemand kann zu mir kommen, niemand von mir etwas wünschen, das ich +erfüllen könnte, und so werde ich nicht öffnen. Schreie. Ach so: Rauch +dringt in mein offenes Fenster. Das Haus wird wohl brennen. Mag es brennen +und ich. Leute versuchen die Tür aufzubrechen. Merkwürdig: wie ich lebe, +das ist den Leuten gleichgültig, wie ich aber sterbe, nicht. Um mein Leben +kümmerte sich niemand, niemand trat bei mir ein, obwohl ich gern geöffnet +hätte, und da nun der Tod zu mir kommen will, verhindern sie ihn am +Eintritt. Warum? Der Tod ist doch der einzige Besuch, den ich erwarten +kann. Da sind schon Leute. Sie haben mich »gerettet«. Wozu? Damit ich noch +einige Zeit warten soll, bis der Tod mich abholt und zu sich in sein Haus +nimmt, ohne daß die Leute einen Grund sehen werden, gegen den Tod +einzuschreiten, ihn zu verhindern, zu mir zu kommen. Ich werde dann nicht +verbrannt sein, sondern nur verhungert. + + * * * * * + +Die Tinte ist zur Neige gegangen, ein schmutziger Satz ist am Boden des +Tintenfasses übrig geblieben. Ich fühle: auch die Tinte in meinem Körper +ist zur Neige gegangen, nur ein schmutziger Satz ist übriggeblieben. Und +der Rest erstarrt. Und meine Finger erstarren. Und meine Augen erstarren. +Und keine Hilfe kommt, niemand giebt Tinte in mein Faß, und die Leere im +Faß schlägt ihm den Boden aus. Denn den Außendruck kann ich nicht mehr +ertragen. Ich falle in mir zusammen, erdrückt von der Leere meines Lebens. + + * * * * * + +Er tötete sich nicht, weil er dazu zu tapfer und gewiß auch zu feige war. +Ihr Kind aber tötete er, weil er es, weil er sie liebte. Das Kind war +schön, häßlich aber wäre sein Leben gewesen, seine nun niemals werdende +Zukunft wußte er aus den nicht materiellen Gütern der Mutter zu lesen. Und +das Kind wäre schwere Last der Mutter gewesen, wenn auch liebe, süße. So +befreite er die Mutter von der Last des Kindes und das Kind von der Last +des Lebens. Die Mutter wird ihm zürnen. Das Kind aber nicht, das weiß er, +denn er sah, wie ihm das Kind dankbar zulächelte. Mehrere Stunden saß er +nun bei der Kindesleiche. Der Mutter versprach er treue Hut, und sein Wort, +er hat es gehalten, hat das Kind vor dem Leben behütet. Bald nun müssen +sich Dinge ereignen, der Mutter Klagen und Weheschreie wird er hören, die +Leute, die sich das Unrecht hiezu nehmen, werden ihn greifen und gefangen +nehmen, werden ihn töten oder auch nicht. Er wird zu allem lächeln, weiß er +doch sein Recht. Nur die Mutter möchte er noch einmal küssen, denn er wird +mit ihr vielleicht nie mehr zusammen sein. Die Leiche lächelte ihn an, er +beugte sich zu ihr, küßte sie und schlief neben ihr ein. Den Schlaf des +Gerechten. + + * * * * * + +Ich will diesem meinem Leben, das kein Leben ist, ein Ende machen. +Selbstmörder will ich nicht werden. Obwohl ich mein Leben morde. Und die +mich töten, die anderen, töten, das will ich auch nicht. Weltverbesserer, +Antianarchist sein, das will ich auch nicht. Ich will nur mein Leben +bessern. Ich will nicht länger arbeiten, um dadurch in der Lage zu sein, +weiter arbeiten zu können. Mich widert die Eintönigkeit meiner Tage und +Nächte an. Mein Tun und Nichttun ist immer das gleiche. Mein Schlaf, mein +Essen, mein Nichtruhen immer dasselbe . . . Doch wenn mein Kopf voll sein +wird, wird mein Verstand überlaufen. Und ich komme vielleicht dann in eine +Körperbewahranstalt für Geistlose. Unselig bin ich. Reicher an Geist und +werde dann selig werden. Denn mein ist der Umnachteten Asyl. Warum entlaufe +ich nicht in einem Anfall von Geistesumtagung meinem Gefängnis: ins Freie? +Wann wird mich das Leben in den Tod lassen, da es mich nicht zu sich läßt? +Wann? Wann werde ich meinen Tod erleben, der mein erstes und letztes +Erlebnis sein wird? Wann? Kommt der Tod nicht zu mir, will ich ihm +entgegenkommen . . . Ich ging in einen Waffenladen und verlangte einen +Revolver mit Patronen, scharf geladen. Dann wünschte ich, ihn auf dem +Schießstand einzuschießen. Der Händler setzte mir ein Ziel. Ich schoß +versuchsweise nach der Scheibe. Und traf. Ich schoß nach dem Händler. Und +traf. Ich habe ihn getötet, um mein totes Leben zu töten. Denn nun werde +ich leben. Die Polizei wird nach mir jagen. Ich freue mich. Mein Leben wird +nicht mehr öde sein. Abwechslung werde ich endlich haben. Vor Gericht +gestellt, werde ich anklagen. In ein Gefängnis werde ich kommen. Oder in +eine Irrenaufbewahrungsanstalt. Und ich werde meinem alten Leben entgangen +sein. Ich werde Ruhe haben und in Ruhe denken können. Sollte es mir im +Gefängnis nicht behagen, so werde ich mir ein anderes suchen. Denn ich +weiß: solange ich im Lebens-Gefängnis bin, kann ich nicht frei sein . . . +Sie klagen mich an, weil, ich getötet habe. Ich klage euch an. Ihr habt +mein Leben getötet. Eure Weltordnung hat mich zum lebenslänglichen +Sklavendasein verurteilt. Und ich wollte mich befreien. Und es ist mir +geglückt. Denn glaubt nicht, daß mir eure Gefängnisse Gefängnisse sind. Ich +werde in ihnen kein Arbeitstier sein. Ich werde frei sein. Ich werde keine +Arbeit verrichten müssen, die mir fern und fremd ist. Ich werde keinen +haben, der sich vor mein Leben setzt. Keinen Vorgesetzten. Keinen Herrn. +Doch weiß ich, daß meine Freiheit im Gefängnis, obwohl sie größer sein wird +als in der bisherigen »Freiheit«, nur eine bedingte ist. Denn solange ich +im Leben gefangen bin, kann ich nicht freier Herr sein. Werde nicht mein +eigener Herr sein können. Andere werden mich immer daran verhindern . . . +Wird mein Leben, immer so grau und trüb sein, so trüb wie meine Kindheit, +wie meine ganze Jugend? . . . Meine Jugend hatte keine Jugend . . . Feuer +und Flamme wäre ich, hätte ich eine Flamme . . . Doch alles um mich her ist +erloschen. Ich auch. Alles ist kalte, graue Asche. Und ich bin gezwungen zu +warten, bis der Tod sie auseinandertreibt . . . Bis Wind kommt und mich in +alle Richtungen bläst . . . + + * * * * * + +Eine häßliche, mit vertrockneten Grasbüscheln -- die in großen +Zwischenräumen stehen, vielmehr halb auf der Erde liegen -- bewachsene +ebene Fläche dehnt sich entlang eines schmutzigen, tiefen Teiches aus. Beim +Wasser sitzt ein krankes Kind. Grind bedeckt seinen Kopf, Ausschlag sein +Gesicht, Rippen drohen den mit dürrer Haut überzogenen Körper zu zerreißen. +Aus verklebten Augen schielt das Kind. Die Leiden des Kindes machen mich +mitleiden. Die Häßlichkeiten der Natur um uns her, die des Kindes und +meine, sie lassen mich alles hassen. Ich wünsche, alles Garstige möge +vertilgt werden. Alles Leidende, das ohne Hoffnung auf Erlösung leidet, +alle, die nicht mehr vom kommenden Wunder etwas erwarten, da sie wissen, +daß keines kommen wird, und die deshalb auch nicht mehr träumen vom Wunder: +alle, die eine häßliche Wunde sind, die keine Zeit und kein Leben heilt, +sie alle sollen getötet werden. Ihre Wunde soll durch den Tod geheilt +werden. Das dachte ich und stieß das Kind mit dem Fuß ins Wasser. Rücklings +fiel es in den Teich, breitete seine Arme aus, schielte aus seinen armen +Augen auf mich, und versank stumm. Ich starrte auf das Wasser, auf die +Blasen, die zur Oberfläche kamen, starrte und sah dann nichts. Dann ließ +ich mich fallen. Nicht in das Wasser, nein, auf die gesprungene Erde, auf +das verdorrte Gras. Meine Augen starrten zum Himmel. Schwarze Wolken fuhren +rasend über dunklen Horizont. Donner krachten. Ein Blitz zerriß zerzackend +die Luft. Meine Augen starrten ungeblendet in das Wetterleuchten und +Blitzen. Ich zog eine halbvolle Flasche aus der Tasche, ließ sie fallen, +dann ein Messer, ließ es fallen, dann zog ich mich zum schmutzigen Wasser, +und ließ mich fallen . . . Nicht in den Tod . . . Stand auf. Ging weiter. +Dem Leben zu. Dem Tode entgangen, gehe ich. Wohin? Ins Unbekannte . . . + +ENDE + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Klagen eines Knaben, by Carl Ehrenstein + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40222 *** |
