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@@ -0,0 +1,1763 @@
+*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40221 ***
+
+GEORG TRAKL
+
+
+GEDICHTE
+
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+
+1913
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
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+COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913.
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+DIE RABEN
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+
+ Über den schwarzen Winkel hasten
+ Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.
+ Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei
+ Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.
+
+ O wie sie die braune Stille stören,
+ In der ein Acker sich verzückt,
+ Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,
+ Und manchmal kann man sie keifen hören
+
+ Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,
+ Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug
+ Und schwinden wie ein Leichenzug
+ In Lüften, die von Wollust zittern.
+
+
+
+
+DIE JUNGE MAGD
+
+
+Ludwig von Ficker zugeeignet
+
+
+1.
+
+ Oft am Brunnen, wenn es dämmert,
+ Sieht man sie verzaubert stehen
+ Wasser schöpfen, wenn es dämmert.
+ Eimer auf und niedergehen.
+
+ In den Buchen Dohlen flattern
+ Und sie gleichet einem Schatten.
+ Ihre gelben Haare flattern
+ Und im Hofe schrein die Ratten.
+
+ Und umschmeichelt von Verfalle
+ Senkt sie die entzundenen Lider.
+ Dürres Gras neigt im Verfalle
+ Sich zu ihren Füßen nieder.
+
+
+2.
+
+ Stille schafft sie in der Kammer
+ Und der Hof liegt längst verödet.
+ Im Hollunder vor der Kammer
+ Kläglich eine Amsel flötet.
+
+ Silbern schaut ihr Bild im Spiegel
+ Fremd sie an im Zwielichtscheine
+ Und verdämmert fahl im Spiegel
+ Und ihr graut vor seiner Reine.
+
+ Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel
+ Und sie starrt von Schmerz geschüttelt.
+ Röte träufelt durch das Dunkel.
+ Jäh am Tor der Südwind rüttelt.
+
+
+3.
+
+ Nächtens übern kahlen Anger
+ Gaukelt sie in Fieberträumen.
+ Mürrisch greint der Wind im Anger
+ Und der Mond lauscht aus den Bäumen.
+
+ Balde rings die Sterne bleichen
+ Und ermattet von Beschwerde
+ Wächsern ihre Wangen bleichen.
+ Fäulnis wittert aus der Erde.
+
+ Traurig rauscht das Rohr im Tümpel
+ Und sie friert in sich gekauert.
+ Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel
+ Hart und grau der Morgen schauert.
+
+
+4.
+
+ In der Schmiede dröhnt der Hammer
+ Und sie huscht am Tor vorüber.
+ Glührot schwingt der Knecht den Hammer
+ Und sie schaut wie tot hinüber.
+
+ Wie im Traum trifft sie ein Lachen;
+ Und sie taumelt in die Schmiede,
+ Scheu geduckt vor seinem Lachen,
+ Wie der Hammer hart und rüde.
+
+ Hell versprühn im Raum die Funken
+ Und mit hilfloser Geberde
+ Hascht sie nach den wilden Funken
+ Und sie stürzt betäubt zur Erde.
+
+
+5.
+
+ Schmächtig hingestreckt im Bette
+ Wacht sie auf voll süßem Bangen
+ Und sie sieht ihr schmutzig Bette
+ Ganz von goldnem Licht verhangen,
+
+ Die Reseden dort am Fenster
+ Und den bläulich hellen Himmel.
+ Manchmal trägt der Wind ans Fenster
+ Einer Glocke zag Gebimmel.
+
+ Schatten gleiten übers Kissen,
+ Langsam schlägt die Mittagsstunde
+ Und sie atmet schwer im Kissen
+ Und ihr Mund gleicht einer Wunde.
+
+
+6.
+
+ Abends schweben blutige Linnen,
+ Wolken über stummen Wäldern,
+ Die gehüllt in schwarze Linnen,
+ Spatzen lärmen auf den Feldern.
+
+ Und sie liegt ganz weiß im Dunkel.
+ Unterm Dach verhaucht ein Girren.
+ Wie ein Aas in Busch und Dunkel
+ Fliegen ihren Mund umschwirren.
+
+ Traumhaft klingt im braunen Weiler
+ Nach ein Klang von Tanz und Geigen,
+ Schwebt ihr Antlitz durch den Weiler,
+ Weht ihr Haar in kahlen Zweigen.
+
+
+
+
+ROMANZE ZUR NACHT
+
+
+ Einsamer unterm Sternenzelt
+ Geht durch die stille Mitternacht.
+ Der Knab aus Träumen wirr erwacht,
+ Sein Antlitz grau im Mond verfällt.
+
+ Die Närrin weint mit offnem Haar
+ Am Fenster, das vergittert starrt.
+ Im Teich vorbei auf süßer Fahrt
+ Ziehn Liebende sehr wunderbar.
+
+ Der Mörder lächelt bleich im Wein,
+ Die Kranken Todesgrausen packt.
+ Die Nonne betet wund und nackt
+ Vor des Heilands Kreuzespein.
+
+ Die Mutter leis' im Schlafe singt.
+ Sehr friedlich schaut zur Nacht das Kind
+ Mit Augen, die ganz wahrhaft sind.
+ Im Hurenhaus Gelächter klingt.
+
+ Beim Talglicht drunt' im Kellerloch
+ Der Tote malt mit weißer Hand
+ Ein grinsend Schweigen an die Wand.
+ Der Schläfer flüstert immer noch.
+
+
+
+
+IM ROTEN LAUBWERK VOLL GUITARREN . . .
+
+
+ Im roten Laubwerk voll Guitarren
+ Der Mädchen gelbe Haare wehen
+ Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.
+ Durch Wolken fährt ein goldner Karren.
+
+ In brauner Schatten Ruh verstummen
+ Die Alten, die sich blöd umschlingen.
+ Die Waisen süß zur Vesper singen.
+ In gelben Dünsten Fliegen summen.
+
+ Am Bache waschen noch die Frauen.
+ Die aufgehängten Linnen wallen.
+ Die Kleine, die mir lang gefallen,
+ Kommt wieder durch das Abendgrauen.
+
+ Vom lauen Himmel Spatzen stürzen
+ In grüne Löcher voll Verwesung.
+ Dem Hungrigen täuscht vor Genesung
+ Ein Duft von Brot und herben Würzen.
+
+
+
+
+MUSIK IM MIRABELL
+
+
+ Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn
+ Im klaren Blau, die weißen, zarten.
+ Bedächtig stille Menschen gehn
+ Am Abend durch den alten Garten.
+
+ Der Ahnen Marmor ist ergraut.
+ Ein Vogelzug streift in die Weiten.
+ Ein Faun mit toten Augen schaut
+ Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.
+
+ Das Laub fällt rot vom alten Baum
+ Und kreist herein durchs offne Fenster.
+ Ein Feuerschein glüht auf im Raum
+ Und malet trübe Angstgespenster.
+
+ Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.
+ Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.
+ Die Magd löscht eine Lampe aus,
+ Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.
+
+
+
+
+MELANCHOLIE DES ABENDS
+
+
+ -- Der Wald, der sich verstorben breitet --
+ Und Schatten sind um ihn, wie Hecken.
+ Das Wild kommt zitternd aus Verstecken,
+ Indes ein Bach ganz leise gleitet
+
+ Und Farnen folgt und alten Steinen
+ Und silbern glänzt aus Laubgewinden.
+ Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden --
+ Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.
+
+ Der dunkle Plan scheint ohne Massen,
+ Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,
+ Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.
+ Ein kalter Glanz huscht über Straßen.
+
+ Am Himmel ahnet man Bewegung,
+ Ein Heer von wilden Vögeln wandern
+ Nach jenen Ländern, schönen, andern.
+ Es steigt und sinkt des Rohres Regung.
+
+
+
+
+WINTERDÄMMERUNG
+
+
+An Max von Esterle
+
+ Schwarze Himmel von Metall.
+ Kreuz in roten Stürmen wehen
+ Abends hungertolle Krähen
+ Über Parken gram und fahl.
+
+ Im Gewölk erfriert ein Strahl;
+ Und vor Satans Flüchen drehen
+ Jene sich im Kreis und gehen
+ Nieder siebenfach an Zahl.
+
+ In Verfaultem süß und schal
+ Lautlos ihre Schnäbel mähen.
+ Häuser dräu'n aus stummen Nähen;
+ Helle im Theatersaal.
+
+ Kirchen, Brücken und Spital
+ Grauenvoll im Zwielicht stehen.
+ Blutbefleckte Linnen blähen
+ Segel sich auf dem Kanal.
+
+
+
+
+RONDEL
+
+
+ Verflossen ist das Gold der Tage,
+ Des Abends braun und blaue Farben:
+ Des Hirten sanfte Flöten starben
+ Des Abends blau und braune Farben
+ Verflossen ist das Gold der Tage.
+
+
+
+
+FRAUENSEGEN
+
+
+ Schreitest unter deinen Frau'n
+ Und du lächelst oft beklommen:
+ Sind so bange Tage kommen.
+ Weiß verblüht der Mohn am Zaun.
+
+ Wie dein Leib so schön geschwellt
+ Golden reift der Wein am Hügel.
+ Ferne glänzt des Weihers Spiegel
+ Und die Sense klirrt im Feld.
+
+ In den Büschen rollt der Tau,
+ Rot die Blätter niederfließen.
+ Seine liebe Frau zu grüßen
+ Naht ein Mohr dir braun und rauh.
+
+
+
+
+DIE SCHÖNE STADT
+
+
+ Alte Plätze sonnig schweigen.
+ Tief in Blau und Gold versponnen
+ Traumhaft hasten sanfte Nonnen
+ Unter schwüler Buchen Schweigen.
+
+ Aus den braun erhellten Kirchen
+ Schaun des Todes reine Bilder,
+ Großer Fürsten schöne Schilder.
+ Kronen schimmern in den Kirchen.
+
+ Rösser tauchen aus dem Brunnen.
+ Blütenkrallen drohn aus Bäumen.
+ Knaben spielen wirr von Träumen
+ Abends leise dort am Brunnen.
+
+ Mädchen stehen an den Toren,
+ Schauen scheu ins farbige Leben.
+ Ihre feuchten Lippen beben
+ Und sie warten an den Toren.
+
+ Zitternd flattern Glockenklänge,
+ Marschtakt hallt und Wacherufen.
+ Fremde lauschen auf den Stufen.
+ Hoch im Blau sind Orgelklänge.
+
+ Helle Instrumente singen.
+ Durch der Garten Blätterrahmen
+ Schwirrt das Lachen schöner Damen.
+ Leise junge Mütter singen.
+
+ Heimlich haucht an blumigen Fenstern
+ Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.
+ Silbern flimmern müde Lider
+ Durch die Blumen an den Fenstern.
+
+
+
+
+IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER
+
+
+ Fenster, bunte Blumenbeeten,
+ Eine Orgel spielt herein.
+ Schatten tanzen an Tapeten,
+ Wunderlich ein toller Reihn.
+
+ Lichterloh die Büsche wehen
+ Und ein Schwarm von Mücken schwingt,
+ Fern im Acker Sensen mähen
+ Und ein altes Wasser singt.
+
+ Wessen Atem kommt mich kosen?
+ Schwalben irre Zeichen ziehn.
+ Leise fließt im Grenzenlosen
+ Dort das goldne Waldland hin.
+
+ Flammen flackern in den Beeten.
+ Wirr verzückt der tolle Reihn
+ An den gelblichen Tapeten.
+ Jemand schaut zur Tür herein.
+
+ Weihrauch duftet süß und Birne
+ Und es dämmern Glas und Truh.
+ Langsam beugt die heiße Stirne
+ Sich den weißen Sternen zu.
+
+
+
+
+AN DEN KNABEN ELIS
+
+
+ Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,
+ Dieses ist dein Untergang.
+ Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.
+
+ Laß, wenn deine Stirne leise blutet
+ Uralte Legenden
+ Und dunkle Deutung des Vogelflugs.
+
+ Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,
+ Die voll purpurner Trauben hängt
+ Und du regst die Arme schöner im Blau.
+
+ Ein Dornenbusch tönt,
+ Wo deine mondenen Augen sind.
+ O, wie lange bist, Elis, du verstorben.
+
+ Dein Leib ist eine Hyazinthe,
+ In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.
+ Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,
+
+ Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt
+ Und langsam die schweren Lider senkt.
+ Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,
+
+ Das letzte Gold verfallener Sterne.
+
+
+
+
+DER GEWITTERABEND
+
+
+ O die roten Abendstunden!
+ Flimmernd schwankt am offenen Fenster
+ Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
+ Drinnen nisten Angstgespenster.
+
+ Staub tanzt im Gestank der Gossen.
+ Klirrend stößt der Wind in Scheiben.
+ Einen Zug von wilden Rossen
+ Blitze grelle Wolken treiben.
+
+ Laut zerspringt der Weiherspiegel.
+ Möven schrein am Fensterrahmen.
+ Feuerreiter sprengt vom Hügel
+ Und zerschellt im Tann zu Flammen.
+
+ Kranke kreischen im Spitale.
+ Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.
+ Glitzernd braust mit einem Male
+ Regen auf die Dächer nieder.
+
+
+
+
+ABENDMUSE
+
+
+ Ans Blumenfenster wieder kehrt des Kirchturms Schatten
+ Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen.
+ Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen --
+ Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten.
+
+ Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden.
+ Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge.
+ In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge,
+ Wo Freunde nach dem Mahle sich zusammenfinden.
+
+ Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne.
+ Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten.
+ Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten;
+ Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne.
+
+ Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider
+ Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen.
+ Endymion taucht aus dem Dunkel alter Eichen
+ Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder.
+
+
+
+
+TRAUM DES BÖSEN
+
+
+ Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge --
+ Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern
+ Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern.
+ Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.
+
+ Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.
+ Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern.
+ Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;
+ Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.
+
+ Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.
+ Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;
+ Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.
+
+ Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen
+ Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.
+ Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.
+
+
+
+
+GEISTLICHES LIED
+
+
+ Zeichen, seltne Stickerein
+ Malt ein flatternd Blumenbeet.
+ Gottes blauer Odem weht
+ In den Gartensaal herein,
+ Heiter ein.
+ Ragt ein Kreuz im wilden Wein.
+
+ Hör' im Dorf sich viele freun,
+ Gärtner an der Mauer mäht,
+ Leise eine Orgel geht,
+ Mischet Klang und goldenen Schein,
+ Klang und Schein.
+ Liebe segnet Brot und Wein.
+
+ Mädchen kommen auch herein
+ Und der Hahn zum letzten kräht.
+ Sacht ein morsches Gitter geht
+ Und in Rosen Kranz und Reihn,
+ Rosenreihn
+ Ruht Maria weiß und fein.
+
+ Bettler dort am alten Stein
+ Scheint verstorben im Gebet,
+ Sanft ein Hirt vom Hügel geht
+ Und ein Engel singt im Hain,
+ Nah am Hain
+ Kinder in den Schlaf hinein.
+
+
+
+
+IM HERBST
+
+
+ Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
+ Still sitzen Kranke im Sonnenschein.
+ Im Acker mühn sich singend die Frau'n,
+ Die Klosterglocken läuten darein.
+
+ Die Vögel sagen dir ferne Mär',
+ Die Klosterglocken läuten darein.
+ Vom Hof tönt sanft die Geige her.
+ Heut keltern sie den braunen Wein.
+
+ Da zeigt der Mensch sich froh und lind.
+ Heut keltern sie den braunen Wein.
+ Weit offen die Totenkammern sind
+ Und schön bemalt vom Sonnenschein.
+
+
+
+
+ZU ABEND MEIN HERZ
+
+
+ Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse.
+ Zwei Rappen springen auf der Wiese.
+ Der rote Ahorn rauscht.
+ Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg.
+ Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse.
+ Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald.
+ Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken.
+ Auf das Gesicht tropft Tau.
+
+
+
+
+DIE BAUERN
+
+
+ Vorm Fenster tönendes Grün und Rot.
+ Im schwarzverräucherten, niederen Saal
+ Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl;
+ Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.
+
+ Im tiefen Schweigen der Mittagszeit
+ Fällt bisweilen ein karges Wort.
+ Die Äcker flimmern in einem fort
+ Und der Himmel bleiern und weit.
+
+ Fratzenhaft flackert im Herd die Glut
+ Und ein Schwarm von Fliegen summt.
+ Die Mägde lauschen blöd und verstummt
+ Und ihre Schläfen hämmert das Blut.
+
+ Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier,
+ Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht.
+ Eintönig spricht ein Knecht das Gebet
+ Und ein Hahn kräht unter der Tür.
+
+ Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt
+ Sie oft im tosenden Ährengebraus
+ Und klirrend schwingen ein und aus
+ Die Sensen geisterhaft im Takt.
+
+
+
+
+ALLERSEELEN
+
+
+An Karl Hauer
+
+ Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,
+ Sie streuen heute Blumen blau und rot
+ Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.
+ Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.
+
+ O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,
+ Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.
+ Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,
+ Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.
+
+ Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen
+ Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.
+ Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen
+ Und wunderlich zerstreut im Abendwind.
+
+ Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.
+ Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual,
+ Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.
+ Einsame wandeln still im Sternensaal.
+
+
+
+
+MELANCHOLIE
+
+
+ Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,
+ Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.
+ Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten
+ Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.
+ Des Todes ernste Düsternis bereiten
+ Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen
+ Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
+ Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.
+
+
+
+
+SEELE DES LEBENS
+
+
+ Verfall, der weich das Laub umdüstert,
+ Es wohnt im Wald sein weites Schweigen.
+ Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen.
+ Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.
+
+ Der Einsame wird bald entgleiten,
+ Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden.
+ Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden,
+ Indes die Lider sich vor Gottheit weiten.
+
+ Der blaue Fluß rinnt schön hinunter,
+ Gewölke sich am Abend zeigen;
+ Die Seele auch in engelhaftem Schweigen.
+ Vergängliche Gebilde gehen unter.
+
+
+
+
+VERKLÄRTER HERBST
+
+
+ Gewaltig endet so das Jahr
+ Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
+ Rund schweigen Wälder wunderbar
+ Und sind des Einsamen Gefährten.
+
+ Da sagt der Landmann: Es ist gut.
+ Ihr Abendglocken lang und leise
+ Gebt noch zum Ende frohen Mut.
+ Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.
+
+ Es ist der Liebe milde Zeit.
+ Im Kahn den blauen Fluß hinunter
+ Wie schön sich Bild an Bildchen reiht --
+ Das geht in Ruh und Schweigen unter.
+
+
+
+
+WINKEL AM WALD
+
+
+An Karl Minnich
+
+ Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute
+ In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.
+ Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,
+ Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.
+
+ Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;
+ Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.
+ Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.
+ Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.
+
+ In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.
+ Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.
+ Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;
+ Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.
+
+ Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.
+ Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet.
+ Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet;
+ Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.
+
+
+
+
+IM WINTER
+
+
+ Der Acker leuchtet weiß und kalt.
+ Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
+ Dohlen kreisen über dem Weiher
+ Und Jäger steigen nieder vom Wald.
+
+ Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
+ Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
+ Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
+ Und langsam steigt der graue Mond.
+
+ Ein Wild verblutet sanft am Rain
+ Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
+ Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
+ Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.
+
+
+
+
+IN EIN ALTES STAMMBUCH
+
+
+ Immer wieder kehrst du, Melancholie,
+ O Sanftmut der einsamen Seele.
+ Zu Ende glüht ein goldener Tag.
+
+ Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige
+ Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.
+ Siehe! es dämmert schon.
+
+ Wieder kehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches
+ Und es leidet ein anderes mit.
+
+ Schaudernd unter herbstlichen Sternen
+ Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.
+
+
+
+
+VERWANDLUNG
+
+
+ Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt:
+ Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.
+ Des Menschen Hände tragen braune Reben,
+ Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.
+
+ Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land
+ Erscheinender in roter Buchen Schweigen.
+ Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen
+ Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.
+
+ Geruhiges vor einer Schenke spielt,
+ Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken.
+ Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken,
+ Resedenduft, der Weibliches umspült.
+
+
+
+
+KLEINES KONZERT
+
+
+ Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert --
+ Durch deine Hände scheint die Sonne.
+ Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne
+ Sich still zu einer Tat bereiten.
+
+ In Mittag strömen gelbe Felder.
+ Kaum hörst du noch der Grillen Singen,
+ Der Mäher hartes Sensenschwingen.
+ Einfältig schweigen goldene Wälder.
+
+ Im grünen Tümpel glüht Verwesung.
+ Die Fische stehen still. Gottes Odem
+ Weckt sacht ein Saitenspiel im Brodem.
+ Aussätzigen winkt die Flut Genesung.
+
+ Geist Dädals schwebt in blauen Schatten,
+ Ein Duft von Milch in Haselzweigen.
+ Man hört noch lang den Lehrer geigen,
+ Im leeren Hof den Schrei der Ratten.
+
+ Im Krug an scheußlichen Tapeten
+ Blühn kühlere Violenfarben.
+ Im Hader dunkle Stimmen starben,
+ Narziß im Endakkord von Flöten.
+
+
+
+
+MENSCHHEIT
+
+
+ Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,
+ Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,
+ Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt,
+ Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen:
+ Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld.
+ Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.
+ Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen
+ Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.
+ Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;
+ Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal.
+
+
+
+
+DER SPAZIERGANG
+
+
+
+1.
+
+ Musik summt im Gehölz am Nachmittag.
+ Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn.
+ Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn;
+ Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag.
+
+ In Goldnem schwebt ein Duft von Thymian,
+ Auf einem Stein steht eine heitere Zahl.
+ Auf einer Wiese spielen Kinder Ball,
+ Dann hebt ein Baum vor dir zu kreisen an.
+
+ Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar,
+ Auch schreibt ein ferner Freund dir einen Brief.
+ Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief
+ Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar.
+
+
+2.
+
+ Die Zeit verrinnt. O süßer Helios!
+ O Bild im Krötentümpel süß und klar;
+ Im Sand versinkt ein Eden wunderbar.
+ Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß.
+
+ Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land
+ Und stählern schaun dich deine Augen an.
+ In Goldnem dort ein Duft von Thymian.
+ Ein Knabe legt am Weiler einen Brand.
+
+ Die Liebenden in Faltern neu erglühn
+ Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl.
+ Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl
+ Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün.
+
+ Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.
+ Nachgleitet dir ein heller Kindertag,
+ Der graue Wind, der flatterhaft und vag
+ Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült.
+
+
+3.
+
+ Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang.
+ Am Wegrand fromm ein Weib ihr Kindlein stillt.
+ Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt.
+ Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang.
+
+ Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn.
+ Nach Früchten tastet silbern deine Hand.
+ Die tote Rahel geht durchs Ackerland.
+ Mit friedlicher Geberde winkt das Grün.
+
+ Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß,
+ Die träumend dort am alten Brunnen stehn.
+ Einsame froh auf stillen Pfaden gehn
+ Mit Gottes Kreaturen sündelos.
+
+
+
+
+DE PROFUNDIS
+
+
+ Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
+ Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
+ Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist
+ Wie traurig dieser Abend.
+
+ Am Weiler vorbei
+ Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
+ Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
+ Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.
+
+ Bei der Heimkehr
+ Fanden die Hirten den süßen Leib
+ Verwest im Dornenbusch.
+
+ Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
+ Gottes Schweigen
+ Trank ich aus dem Brunnen des Hains.
+
+ Auf meine Stirne tritt kaltes Metall
+ Spinnen suchen mein Herz.
+ Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.
+
+ Nachts fand ich mich auf einer Heide,
+ Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
+ Im Haselgebüsch
+ Klangen wieder kristallne Engel.
+
+
+
+
+TROMPETEN
+
+
+ Unter verschnittenen Weiden, wo braune Kinder spielen
+ Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer.
+ Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer,
+ Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen.
+
+ Oder Hirten singen nachts und Hirsche treten
+ In den Kreis ihrer Feuer, des Hains uralte Trauer,
+ Tanzende heben sich von einer schwarzen Mauer;
+ Fahnen von Scharlach, Lachen, Wahnsinn, Trompeten.
+
+
+
+
+DÄMMERUNG
+
+
+ Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,
+ Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.
+ Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,
+ Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.
+
+ Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein.
+ Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.
+ Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,
+ Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.
+
+ Formlose Spottgestalten huschen, kauern
+ Und flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden.
+ O! trauervolle Schatten an den Mauern.
+
+ Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;
+ Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern
+ Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden.
+
+
+
+
+HEITERER FRÜHLING
+
+
+
+1.
+
+ Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,
+ Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.
+ Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,
+ Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.
+
+ An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,
+ Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.
+ Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt,
+ Ein Kind steht in Konturen weich und lind.
+
+ Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch,
+ Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.
+ Hell Grünes blüht und anderes verwest
+ Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch.
+
+
+2.
+
+ Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.
+ Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.
+ Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;
+ Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.
+
+ In Gärten sinken Glocken lang und leis
+ Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt.
+ Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt
+ Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.
+
+ Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!
+ In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.
+ Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl
+ Und Knospen knistern heiter dann und wann.
+
+
+3.
+
+ Wie scheint doch alles Werdende so krank!
+ Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist;
+ Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist
+ Und öffnet das Gemüte weit und bang.
+
+ Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht
+ Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh.
+ Die Liebenden blühn ihren Sternen zu
+ Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.
+
+ So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt;
+ Und leise rührt dich an ein alter Stein:
+ Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein.
+ O Mund! der durch die Silberweide bebt.
+
+
+
+
+VORSTADT IM FÖHN
+
+
+ Am Abend liegt die Stätte öd und braun,
+ Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.
+ Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen --
+ Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.
+
+ Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,
+ In Gärten Durcheinander und Bewegung,
+ Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,
+ In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.
+
+ Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.
+ In Körben tragen Frauen Eingeweide,
+ Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,
+ Kommen sie aus der Dämmerung hervor.
+
+ Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut
+ Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.
+ Die Föhne färben karge Stauden bunter
+ Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.
+
+ Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.
+ Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,
+ Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,
+ Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.
+
+ Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,
+ Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.
+ Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern
+ Und manchmal rosenfarbene Moscheen.
+
+
+
+
+DIE RATTEN
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+
+ In Hof scheint weiß der herbstliche Mond.
+ Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.
+ Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;
+ Da tauchen leise herauf die Ratten
+
+ Und huschen pfeifend hier und dort
+ Und ein gräulicher Dunsthauch wittert
+ Ihnen nach aus dem Abort,
+ Den geisterhaft der Mondschein durchzittert
+
+ Und sie keifen vor Gier wie toll
+ Und erfüllen Haus und Scheunen,
+ Die von Korn und Früchten voll.
+ Eisige Winde im Dunkel greinen.
+
+
+
+
+TRÜBSINN
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+
+ Weltunglück geistert durch den Nachmittag.
+ Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.
+ Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist,
+ Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.
+
+ Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind
+ Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt.
+ Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.
+ Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind.
+
+ Am Abend wieder über meinem Haupt
+ Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick.
+ Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück
+ Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt.
+
+ Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach;
+ Und leise rührt des toten Freundes Hand
+ Und glättet liebend Stirne und Gewand.
+ Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach.
+
+
+
+
+IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT
+
+
+ Sonne, herbstlich dünn und zag,
+ Und das Obst fällt von den Bäumen
+ Stille wohnt in blauen Räumen.
+ Einen langen Nachmittag.
+
+ Sterbeklänge von Metall;
+ Und ein weißes Tier bricht nieder.
+ Brauner Mädchen rauhe Lieder
+ Sind verweht im Blätterfall.
+
+ Stirne Gottes Farben träumt,
+ Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.
+ Schatten drehen sich am Hügel
+ Von Verwesung schwarz umsäumt.
+
+ Dämmerung voll Ruh und Wein;
+ Traurige Guitarren rinnen.
+ Und zur milden Lampe drinnen
+ Kehrst du wie im Traume ein.
+
+
+
+
+PSALM
+
+
+Karl Kraus zugeeignet
+
+ Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat.
+ Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt.
+ Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen.
+ Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben.
+ Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee,
+ Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln.
+ Die Männer führen kriegerische Tänze auf.
+ Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen,
+ Wenn das Meer singt. O unser verlorenes Paradies.
+
+ * * * * *
+
+ Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen.
+ Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an.
+ Der Sohn des Pan erscheint in Gestalt eines Erdarbeiters,
+ Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft.
+ Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut!
+ Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten.
+ Es sind Schatten, die sich vor einem erblindeten Spiegel umarmen.
+ An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende.
+ Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf.
+
+ * * * * *
+
+ Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen.
+ Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen.
+ Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach.
+ Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe herab.
+ Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen.
+ Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher.
+ Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels.
+ Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee,
+ Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden.
+
+ * * * * *
+
+ Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt.
+ In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.
+ Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer.
+ Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln.
+ Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.
+ Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der Kindheit.
+ Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei
+ Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder.
+ In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen.
+
+ * * * * *
+
+ Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen.
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+
+
+
+ROSENKRANZLIEDER
+
+
+
+AN DIE SCHWESTER
+
+ Wo du gehst wird Herbst und Abend,
+ Blaues Wild, das unter Bäumen tönt,
+ Einsamer Weiher am Abend.
+
+ Leise der Flug der Vögel tönt,
+ Die Schwermut über deinen Augenbogen.
+ Dein schmales Lächeln tönt.
+
+ Gott hat deine Lider verbogen.
+ Sterne suchen nachts, Karfreitagskind,
+ Deinen Stirnenbogen.
+
+
+NÄHE DES TODES
+
+ O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht.
+ Der Weiher unter den Weiden
+ Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.
+
+ O der Wald, der leise die braunen Augen senkt,
+ Da aus des Einsamen knöchernen Händen
+ Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.
+
+ O die Nähe des Todes. Laß uns beten.
+ In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen
+ Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder.
+
+
+AMEN
+
+ Verwestes gleitend durch die morsche Stube;
+ Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt
+ Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit.
+
+ Braune Perlen rinnen durch die erstorbenen Finger.
+ In der Stille
+ Tun sich eines Engels blaue Mohnaugen auf.
+
+ Blau ist auch der Abend;
+ Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten,
+ Der ein braunes Gärtchen verdunkelt.
+
+
+
+
+VERFALL
+
+
+ Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
+ Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
+ Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
+ Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.
+
+ Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
+ Träum ich nach ihren helleren Geschicken
+ Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
+ So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
+
+ Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
+ Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
+ Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
+
+ Indes wie blasser Kinder Todesreigen
+ Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
+ Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.
+
+
+
+
+IN DER HEIMAT
+
+
+ Resedenduft durchs kranke Fenster irrt;
+ Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst.
+ Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt
+ Auf die Geschwister traumhaft und verwirrt.
+
+ Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt
+ Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt
+ Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt.
+ Durch blaue Luft der Ruf der Wache klirrt.
+
+ Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl.
+ Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt
+ In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült.
+
+ Der Katze Schatten gleitet blau und schmal
+ Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt,
+ Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt.
+
+
+
+
+EIN HERBSTABEND
+
+
+An Karl Röck
+
+ Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten
+ Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn,
+ Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn
+ In kühlen Stuben jener Bett bereiten.
+
+ Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten
+ Sich über braune Jauche. Mägde gehn
+ Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn
+ Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten.
+
+ Für Einsames ist eine Schenke da;
+ Das säumt geduldig unter dunklen Bogen,
+ Von goldenem Tabaksgewölk umzogen.
+
+ Doch immer ist das Eigne schwarz und nah.
+ Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen
+ Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen.
+
+
+
+
+MENSCHLICHES ELEND
+
+
+ Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt --
+ Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen,
+ Im Abendgarten kahle Bäume sausen.
+ Des Toten Antlitz sich am Fenster regt.
+
+ Vielleicht, daß diese Stunde stille steht.
+ Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln
+ Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln.
+ Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht.
+
+ Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind,
+ Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen.
+ Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen,
+ Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind.
+
+ Aus Händen sinken Astern blau und rot,
+ Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise;
+ Und Lider flattern angstverwirrt und leise;
+ Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot.
+
+ Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei;
+ Gebeine durch verfallne Mauern schimmern.
+ Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern;
+ An einem Träumer läuft ein Hund vorbei.
+
+ Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert.
+ Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen,
+ Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen.
+ Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert.
+
+
+
+
+IM DORF
+
+
+
+1.
+
+ Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld.
+ Ein Hirt verwest auf einem alten Stein.
+ Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein,
+ Das sanfte Laub, das in die Stille fällt.
+
+ Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt
+ Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch,
+ Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch
+ Die kühle Stube, die der Tod versöhnt.
+
+ Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt
+ Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt;
+ Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt
+ Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt.
+
+
+2.
+
+ Der Arme, der im Geiste einsam starb,
+ Steigt wächsern über einen alten Pfad.
+ Die Apfelbäume sinken kahl und stad
+ Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb.
+
+ Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh
+ Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd
+ Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt;
+ Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor.
+
+ Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort
+ Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt,
+ Wo jene steht in schmaler Traumgestalt.
+ Der Abend tönt in feuchter Bläue fort.
+
+
+3.
+
+ Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt.
+ Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh.
+ Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee;
+ Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt.
+
+ Die Mauern starren kahl und grauverdreckt
+ Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert
+ Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert.
+ Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt.
+
+ Drei Männer treten finster durch das Tor
+ Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind.
+ Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind;
+ Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor.
+
+
+
+
+ABENDLIED
+
+
+ Am Abend, wenn wir auf dunklen Pfaden gehn,
+ Erscheinen unsere bleichen Gestalten vor uns.
+
+ Wenn uns dürstet,
+ Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,
+ Die Süße unserer traurigen Kindheit.
+
+ Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch,
+ Schaun den grauen Möven zu.
+
+ Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,
+ Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.
+
+ Da ich deine schmalen Hände nahm
+ Schlugst du leise die runden Augen auf,
+ Dieses ist lange her.
+
+ Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht,
+ Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft.
+
+
+
+
+DREI BLICKE IN EINEN OPAL
+
+
+An Erhard Buschbeck
+
+
+1.
+
+ Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein,
+ Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel
+ Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel
+ Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein.
+
+ Des Herbstes Weg und Kreuze gehn in Abend ein,
+ Singende Pilger und die blutbefleckten Linnen.
+ Des Einsamen Gestalt kehrt also sich nach innen
+ Und geht, ein bleicher Engel, durch den leeren Hain.
+
+ Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein
+ Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester,
+ Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster
+ Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein.
+
+
+2.
+
+ Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau
+ Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen,
+ Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen.
+ Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau.
+
+ In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau,
+ Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen,
+ Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen
+ Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh.
+
+ Durchs Bogenfenster sinkt ein Abend lind und lau.
+ Ein Heiliger tritt aus seinen schwarzen Wundenmalen.
+ Die Purpurschnecken kriechen aus zerbrochenen Schalen
+ Und speien Blut in Dorngewinde starr und grau.
+
+
+3.
+
+ Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch.
+ Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen;
+ Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.
+ Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch.
+
+ Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch
+ Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer;
+ Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer
+ Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch.
+
+ O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch;
+ Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern.
+ Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern
+ Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch.
+
+
+
+
+NACHTLIED
+
+
+ Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht
+ Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.
+ Gewaltig ist das Schweigen im Stein;
+
+ Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang
+ Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz
+ Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.
+
+ O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit.
+ An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe
+ Erscheint der Abglanz gefallener Engel.
+
+
+
+
+HELIAN
+
+
+ In den einsamen Stunden des Geistes
+ Ist es schön, in der Sonne zu gehn
+ An den gelben Mauern des Sommers hin.
+ Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft
+ Der Sohn des Pan im grauen Marmor.
+
+ Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein.
+ Rötlich glüht der Pfirsich im Laub;
+ Sanfte Sonate, frohes Lachen.
+
+ Schön ist die Stille der Nacht.
+ Auf dunklem Plan
+ Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen.
+
+ Wenn es Herbst geworden ist
+ Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain.
+ Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin
+ Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel.
+ Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen.
+
+ In kahlen Gezweigen feiert der Himmel.
+ In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein
+ Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer.
+
+ O wie ernst ist das Antlitz der teueren Toten.
+ Doch die Seele erfreut gerechtes Anschaun.
+
+ Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens
+ Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt,
+ Sein Odem eisiges Gold trinkt.
+
+ Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser
+ Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern.
+
+ Leise und harmonisch ist ein Gang an freundlichen Zimmern hin,
+ Wo Einsamkeit ist und das Rauschen des Ahorns,
+ Wo vielleicht noch die Drossel singt.
+
+ Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel,
+ Wenn er staunend Arme und Beine bewegt,
+ Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen.
+
+ Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung,
+ Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin,
+ Wo vordem der heilige Bruder gegangen,
+ Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns,
+
+ O wie einsam endet der Abendwind.
+ Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums.
+
+ Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.
+ In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden
+ Mit dem Gold seiner Sterne.
+
+ Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt
+ Verfallen die schwarzen Mauern am Platz,
+ Ruft der tote Soldat zum Gebet.
+
+ Ein bleicher Engel
+ Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter.
+
+ Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen
+ Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur,
+ Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften.
+
+ O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar,
+ Da er darein mit silbernen Füßen steht,
+ Und jene verstorben aus kahlen Zimmern treten.
+
+ O ihr Psalmen in feurigen Mitternachtsregen,
+ Da die Knechte mit Nesseln die sanften Augen schlugen,
+ Die kindlichen Früchte des Holunders
+ Sich staunend neigen über ein leeres Grab.
+
+ Leise rollen vergilbte Monde
+ Über die Fieberlinnen des Jünglings,
+ Eh dem Schweigen des Winters folgt.
+
+ Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab,
+ Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf,
+ Sich unter den blauen Brauen des Vaters entfaltet,
+ Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt.
+ Oder es sind Schreie im Schlaf,
+ Wenn ein eherner Engel im Hain den Menschen antritt,
+ Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt.
+
+ Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein,
+ Tönende Bündel vergilbten Korns,
+ Das Summen der Bienen, der Flug des Kranichs.
+ Am Abend begegnen sich Auferstandene auf Felsenpfaden.
+
+ In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige;
+ Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder
+ Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht.
+
+ Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht,
+ Ob sie den liebenden Hirten fänden.
+ Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang.
+
+ Lasset das Lied auch des Knaben gedenken,
+ Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs
+ Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt.
+ O wie traurig ist dieses Wiedersehn.
+
+ Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern,
+ Die Schatten der Alten unter der offenen Tür,
+ Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut
+ Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken.
+
+ An den Wänden sind die Sterne erloschen
+ Und die weißen Gestalten des Lichts.
+
+ Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber,
+ Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel,
+ Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind.
+
+ O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern,
+ Da der Enkel in sanfter Umnachtung
+ Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt,
+ Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt.
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+
+Dies Buch wurde
+gedruckt im Mai 1913 als siebenter und achter
+Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei
+Poeschel & Trepte in Leipzig
+
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+IN DER BÜCHEREI
+
+DER
+JÜNGSTE TAG
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+NEUE DICHTUNGEN
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+erschienen bisher:
+
+FRANZ WERFEL: Die Versuchung ·
+Ein Gespräch
+
+WALTER HASENCLEVER: Das
+unendliche Gespräch · Eine nächtliche
+Szene
+
+FRANZ KAFKA: Der Heizer · Eine
+Erzählung
+
+FERDINAND HARDEKOPF: Der
+Abend · Ein Dialog
+
+EMMY HENNINGS: Die letzte
+Freude · Gedichte
+
+CARL EHRENSTEIN: Klagen eines
+Knaben · Skizzen
+
+Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet.
+-- Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige,
+gebunden je M 1.50 und sind durch alle Buchhandlungen
+zu beziehen.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+
+
+GEORG HEYM
+
+
+DER EWIGE TAG
+
+Zweite Auflage
+
+Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
+
+_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft
+bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges
+Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
+u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
+und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
+deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
+
+
+UMBRA VITAE
+
+GEDICHTE AUS DEM NACHLASS
+
+Zweite Auflage
+
+Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
+
+_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem
+ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
+feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
+zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
+der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym,
+dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
+
+
+
+
+FRANZ WERFEL · WIR SIND
+
+NEUE GEDICHTE
+
+In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
+
+Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.50
+
+Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare
+auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.--
+
+_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz großer Dichter, mit
+allem Ernste sei das gesagt.
+
+_Neue Rundschau:_ . . . Whitmans kosmische Liebe und
+Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel
+durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht.
+
+KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl
+
+*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40221 ***
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-The Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl
-
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-
-
-Title: Gedichte
-
-Author: Georg Trakl
-
-Release Date: July 13, 2012 [EBook #40221]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
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-
-
-GEORG TRAKL
-
-
-GEDICHTE
-
-
-
-
-1913
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-
-COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913.
-
-
-
-
-
-DIE RABEN
-
-
- Über den schwarzen Winkel hasten
- Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.
- Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei
- Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.
-
- O wie sie die braune Stille stören,
- In der ein Acker sich verzückt,
- Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,
- Und manchmal kann man sie keifen hören
-
- Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,
- Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug
- Und schwinden wie ein Leichenzug
- In Lüften, die von Wollust zittern.
-
-
-
-
-DIE JUNGE MAGD
-
-
-Ludwig von Ficker zugeeignet
-
-
-1.
-
- Oft am Brunnen, wenn es dämmert,
- Sieht man sie verzaubert stehen
- Wasser schöpfen, wenn es dämmert.
- Eimer auf und niedergehen.
-
- In den Buchen Dohlen flattern
- Und sie gleichet einem Schatten.
- Ihre gelben Haare flattern
- Und im Hofe schrein die Ratten.
-
- Und umschmeichelt von Verfalle
- Senkt sie die entzundenen Lider.
- Dürres Gras neigt im Verfalle
- Sich zu ihren Füßen nieder.
-
-
-2.
-
- Stille schafft sie in der Kammer
- Und der Hof liegt längst verödet.
- Im Hollunder vor der Kammer
- Kläglich eine Amsel flötet.
-
- Silbern schaut ihr Bild im Spiegel
- Fremd sie an im Zwielichtscheine
- Und verdämmert fahl im Spiegel
- Und ihr graut vor seiner Reine.
-
- Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel
- Und sie starrt von Schmerz geschüttelt.
- Röte träufelt durch das Dunkel.
- Jäh am Tor der Südwind rüttelt.
-
-
-3.
-
- Nächtens übern kahlen Anger
- Gaukelt sie in Fieberträumen.
- Mürrisch greint der Wind im Anger
- Und der Mond lauscht aus den Bäumen.
-
- Balde rings die Sterne bleichen
- Und ermattet von Beschwerde
- Wächsern ihre Wangen bleichen.
- Fäulnis wittert aus der Erde.
-
- Traurig rauscht das Rohr im Tümpel
- Und sie friert in sich gekauert.
- Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel
- Hart und grau der Morgen schauert.
-
-
-4.
-
- In der Schmiede dröhnt der Hammer
- Und sie huscht am Tor vorüber.
- Glührot schwingt der Knecht den Hammer
- Und sie schaut wie tot hinüber.
-
- Wie im Traum trifft sie ein Lachen;
- Und sie taumelt in die Schmiede,
- Scheu geduckt vor seinem Lachen,
- Wie der Hammer hart und rüde.
-
- Hell versprühn im Raum die Funken
- Und mit hilfloser Geberde
- Hascht sie nach den wilden Funken
- Und sie stürzt betäubt zur Erde.
-
-
-5.
-
- Schmächtig hingestreckt im Bette
- Wacht sie auf voll süßem Bangen
- Und sie sieht ihr schmutzig Bette
- Ganz von goldnem Licht verhangen,
-
- Die Reseden dort am Fenster
- Und den bläulich hellen Himmel.
- Manchmal trägt der Wind ans Fenster
- Einer Glocke zag Gebimmel.
-
- Schatten gleiten übers Kissen,
- Langsam schlägt die Mittagsstunde
- Und sie atmet schwer im Kissen
- Und ihr Mund gleicht einer Wunde.
-
-
-6.
-
- Abends schweben blutige Linnen,
- Wolken über stummen Wäldern,
- Die gehüllt in schwarze Linnen,
- Spatzen lärmen auf den Feldern.
-
- Und sie liegt ganz weiß im Dunkel.
- Unterm Dach verhaucht ein Girren.
- Wie ein Aas in Busch und Dunkel
- Fliegen ihren Mund umschwirren.
-
- Traumhaft klingt im braunen Weiler
- Nach ein Klang von Tanz und Geigen,
- Schwebt ihr Antlitz durch den Weiler,
- Weht ihr Haar in kahlen Zweigen.
-
-
-
-
-ROMANZE ZUR NACHT
-
-
- Einsamer unterm Sternenzelt
- Geht durch die stille Mitternacht.
- Der Knab aus Träumen wirr erwacht,
- Sein Antlitz grau im Mond verfällt.
-
- Die Närrin weint mit offnem Haar
- Am Fenster, das vergittert starrt.
- Im Teich vorbei auf süßer Fahrt
- Ziehn Liebende sehr wunderbar.
-
- Der Mörder lächelt bleich im Wein,
- Die Kranken Todesgrausen packt.
- Die Nonne betet wund und nackt
- Vor des Heilands Kreuzespein.
-
- Die Mutter leis' im Schlafe singt.
- Sehr friedlich schaut zur Nacht das Kind
- Mit Augen, die ganz wahrhaft sind.
- Im Hurenhaus Gelächter klingt.
-
- Beim Talglicht drunt' im Kellerloch
- Der Tote malt mit weißer Hand
- Ein grinsend Schweigen an die Wand.
- Der Schläfer flüstert immer noch.
-
-
-
-
-IM ROTEN LAUBWERK VOLL GUITARREN . . .
-
-
- Im roten Laubwerk voll Guitarren
- Der Mädchen gelbe Haare wehen
- Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.
- Durch Wolken fährt ein goldner Karren.
-
- In brauner Schatten Ruh verstummen
- Die Alten, die sich blöd umschlingen.
- Die Waisen süß zur Vesper singen.
- In gelben Dünsten Fliegen summen.
-
- Am Bache waschen noch die Frauen.
- Die aufgehängten Linnen wallen.
- Die Kleine, die mir lang gefallen,
- Kommt wieder durch das Abendgrauen.
-
- Vom lauen Himmel Spatzen stürzen
- In grüne Löcher voll Verwesung.
- Dem Hungrigen täuscht vor Genesung
- Ein Duft von Brot und herben Würzen.
-
-
-
-
-MUSIK IM MIRABELL
-
-
- Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn
- Im klaren Blau, die weißen, zarten.
- Bedächtig stille Menschen gehn
- Am Abend durch den alten Garten.
-
- Der Ahnen Marmor ist ergraut.
- Ein Vogelzug streift in die Weiten.
- Ein Faun mit toten Augen schaut
- Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten.
-
- Das Laub fällt rot vom alten Baum
- Und kreist herein durchs offne Fenster.
- Ein Feuerschein glüht auf im Raum
- Und malet trübe Angstgespenster.
-
- Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.
- Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.
- Die Magd löscht eine Lampe aus,
- Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.
-
-
-
-
-MELANCHOLIE DES ABENDS
-
-
- -- Der Wald, der sich verstorben breitet --
- Und Schatten sind um ihn, wie Hecken.
- Das Wild kommt zitternd aus Verstecken,
- Indes ein Bach ganz leise gleitet
-
- Und Farnen folgt und alten Steinen
- Und silbern glänzt aus Laubgewinden.
- Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden --
- Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.
-
- Der dunkle Plan scheint ohne Massen,
- Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,
- Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.
- Ein kalter Glanz huscht über Straßen.
-
- Am Himmel ahnet man Bewegung,
- Ein Heer von wilden Vögeln wandern
- Nach jenen Ländern, schönen, andern.
- Es steigt und sinkt des Rohres Regung.
-
-
-
-
-WINTERDÄMMERUNG
-
-
-An Max von Esterle
-
- Schwarze Himmel von Metall.
- Kreuz in roten Stürmen wehen
- Abends hungertolle Krähen
- Über Parken gram und fahl.
-
- Im Gewölk erfriert ein Strahl;
- Und vor Satans Flüchen drehen
- Jene sich im Kreis und gehen
- Nieder siebenfach an Zahl.
-
- In Verfaultem süß und schal
- Lautlos ihre Schnäbel mähen.
- Häuser dräu'n aus stummen Nähen;
- Helle im Theatersaal.
-
- Kirchen, Brücken und Spital
- Grauenvoll im Zwielicht stehen.
- Blutbefleckte Linnen blähen
- Segel sich auf dem Kanal.
-
-
-
-
-RONDEL
-
-
- Verflossen ist das Gold der Tage,
- Des Abends braun und blaue Farben:
- Des Hirten sanfte Flöten starben
- Des Abends blau und braune Farben
- Verflossen ist das Gold der Tage.
-
-
-
-
-FRAUENSEGEN
-
-
- Schreitest unter deinen Frau'n
- Und du lächelst oft beklommen:
- Sind so bange Tage kommen.
- Weiß verblüht der Mohn am Zaun.
-
- Wie dein Leib so schön geschwellt
- Golden reift der Wein am Hügel.
- Ferne glänzt des Weihers Spiegel
- Und die Sense klirrt im Feld.
-
- In den Büschen rollt der Tau,
- Rot die Blätter niederfließen.
- Seine liebe Frau zu grüßen
- Naht ein Mohr dir braun und rauh.
-
-
-
-
-DIE SCHÖNE STADT
-
-
- Alte Plätze sonnig schweigen.
- Tief in Blau und Gold versponnen
- Traumhaft hasten sanfte Nonnen
- Unter schwüler Buchen Schweigen.
-
- Aus den braun erhellten Kirchen
- Schaun des Todes reine Bilder,
- Großer Fürsten schöne Schilder.
- Kronen schimmern in den Kirchen.
-
- Rösser tauchen aus dem Brunnen.
- Blütenkrallen drohn aus Bäumen.
- Knaben spielen wirr von Träumen
- Abends leise dort am Brunnen.
-
- Mädchen stehen an den Toren,
- Schauen scheu ins farbige Leben.
- Ihre feuchten Lippen beben
- Und sie warten an den Toren.
-
- Zitternd flattern Glockenklänge,
- Marschtakt hallt und Wacherufen.
- Fremde lauschen auf den Stufen.
- Hoch im Blau sind Orgelklänge.
-
- Helle Instrumente singen.
- Durch der Garten Blätterrahmen
- Schwirrt das Lachen schöner Damen.
- Leise junge Mütter singen.
-
- Heimlich haucht an blumigen Fenstern
- Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.
- Silbern flimmern müde Lider
- Durch die Blumen an den Fenstern.
-
-
-
-
-IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER
-
-
- Fenster, bunte Blumenbeeten,
- Eine Orgel spielt herein.
- Schatten tanzen an Tapeten,
- Wunderlich ein toller Reihn.
-
- Lichterloh die Büsche wehen
- Und ein Schwarm von Mücken schwingt,
- Fern im Acker Sensen mähen
- Und ein altes Wasser singt.
-
- Wessen Atem kommt mich kosen?
- Schwalben irre Zeichen ziehn.
- Leise fließt im Grenzenlosen
- Dort das goldne Waldland hin.
-
- Flammen flackern in den Beeten.
- Wirr verzückt der tolle Reihn
- An den gelblichen Tapeten.
- Jemand schaut zur Tür herein.
-
- Weihrauch duftet süß und Birne
- Und es dämmern Glas und Truh.
- Langsam beugt die heiße Stirne
- Sich den weißen Sternen zu.
-
-
-
-
-AN DEN KNABEN ELIS
-
-
- Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,
- Dieses ist dein Untergang.
- Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.
-
- Laß, wenn deine Stirne leise blutet
- Uralte Legenden
- Und dunkle Deutung des Vogelflugs.
-
- Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,
- Die voll purpurner Trauben hängt
- Und du regst die Arme schöner im Blau.
-
- Ein Dornenbusch tönt,
- Wo deine mondenen Augen sind.
- O, wie lange bist, Elis, du verstorben.
-
- Dein Leib ist eine Hyazinthe,
- In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.
- Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,
-
- Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt
- Und langsam die schweren Lider senkt.
- Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,
-
- Das letzte Gold verfallener Sterne.
-
-
-
-
-DER GEWITTERABEND
-
-
- O die roten Abendstunden!
- Flimmernd schwankt am offenen Fenster
- Weinlaub wirr ins Blau gewunden,
- Drinnen nisten Angstgespenster.
-
- Staub tanzt im Gestank der Gossen.
- Klirrend stößt der Wind in Scheiben.
- Einen Zug von wilden Rossen
- Blitze grelle Wolken treiben.
-
- Laut zerspringt der Weiherspiegel.
- Möven schrein am Fensterrahmen.
- Feuerreiter sprengt vom Hügel
- Und zerschellt im Tann zu Flammen.
-
- Kranke kreischen im Spitale.
- Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.
- Glitzernd braust mit einem Male
- Regen auf die Dächer nieder.
-
-
-
-
-ABENDMUSE
-
-
- Ans Blumenfenster wieder kehrt des Kirchturms Schatten
- Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen.
- Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen --
- Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten.
-
- Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden.
- Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge.
- In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge,
- Wo Freunde nach dem Mahle sich zusammenfinden.
-
- Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne.
- Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten.
- Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten;
- Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne.
-
- Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider
- Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen.
- Endymion taucht aus dem Dunkel alter Eichen
- Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder.
-
-
-
-
-TRAUM DES BÖSEN
-
-
- Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge --
- Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern
- Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern.
- Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.
-
- Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.
- Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern.
- Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;
- Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.
-
- Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.
- Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;
- Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.
-
- Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen
- Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.
- Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.
-
-
-
-
-GEISTLICHES LIED
-
-
- Zeichen, seltne Stickerein
- Malt ein flatternd Blumenbeet.
- Gottes blauer Odem weht
- In den Gartensaal herein,
- Heiter ein.
- Ragt ein Kreuz im wilden Wein.
-
- Hör' im Dorf sich viele freun,
- Gärtner an der Mauer mäht,
- Leise eine Orgel geht,
- Mischet Klang und goldenen Schein,
- Klang und Schein.
- Liebe segnet Brot und Wein.
-
- Mädchen kommen auch herein
- Und der Hahn zum letzten kräht.
- Sacht ein morsches Gitter geht
- Und in Rosen Kranz und Reihn,
- Rosenreihn
- Ruht Maria weiß und fein.
-
- Bettler dort am alten Stein
- Scheint verstorben im Gebet,
- Sanft ein Hirt vom Hügel geht
- Und ein Engel singt im Hain,
- Nah am Hain
- Kinder in den Schlaf hinein.
-
-
-
-
-IM HERBST
-
-
- Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,
- Still sitzen Kranke im Sonnenschein.
- Im Acker mühn sich singend die Frau'n,
- Die Klosterglocken läuten darein.
-
- Die Vögel sagen dir ferne Mär',
- Die Klosterglocken läuten darein.
- Vom Hof tönt sanft die Geige her.
- Heut keltern sie den braunen Wein.
-
- Da zeigt der Mensch sich froh und lind.
- Heut keltern sie den braunen Wein.
- Weit offen die Totenkammern sind
- Und schön bemalt vom Sonnenschein.
-
-
-
-
-ZU ABEND MEIN HERZ
-
-
- Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse.
- Zwei Rappen springen auf der Wiese.
- Der rote Ahorn rauscht.
- Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg.
- Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse.
- Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald.
- Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken.
- Auf das Gesicht tropft Tau.
-
-
-
-
-DIE BAUERN
-
-
- Vorm Fenster tönendes Grün und Rot.
- Im schwarzverräucherten, niederen Saal
- Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl;
- Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.
-
- Im tiefen Schweigen der Mittagszeit
- Fällt bisweilen ein karges Wort.
- Die Äcker flimmern in einem fort
- Und der Himmel bleiern und weit.
-
- Fratzenhaft flackert im Herd die Glut
- Und ein Schwarm von Fliegen summt.
- Die Mägde lauschen blöd und verstummt
- Und ihre Schläfen hämmert das Blut.
-
- Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier,
- Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht.
- Eintönig spricht ein Knecht das Gebet
- Und ein Hahn kräht unter der Tür.
-
- Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt
- Sie oft im tosenden Ährengebraus
- Und klirrend schwingen ein und aus
- Die Sensen geisterhaft im Takt.
-
-
-
-
-ALLERSEELEN
-
-
-An Karl Hauer
-
- Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,
- Sie streuen heute Blumen blau und rot
- Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.
- Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.
-
- O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,
- Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.
- Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,
- Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.
-
- Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen
- Und dort verwest die Mutter mit dem Kind.
- Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen
- Und wunderlich zerstreut im Abendwind.
-
- Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.
- Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual,
- Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.
- Einsame wandeln still im Sternensaal.
-
-
-
-
-MELANCHOLIE
-
-
- Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,
- Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.
- Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten
- Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.
- Des Todes ernste Düsternis bereiten
- Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen
- Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen
- Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.
-
-
-
-
-SEELE DES LEBENS
-
-
- Verfall, der weich das Laub umdüstert,
- Es wohnt im Wald sein weites Schweigen.
- Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen.
- Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.
-
- Der Einsame wird bald entgleiten,
- Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden.
- Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden,
- Indes die Lider sich vor Gottheit weiten.
-
- Der blaue Fluß rinnt schön hinunter,
- Gewölke sich am Abend zeigen;
- Die Seele auch in engelhaftem Schweigen.
- Vergängliche Gebilde gehen unter.
-
-
-
-
-VERKLÄRTER HERBST
-
-
- Gewaltig endet so das Jahr
- Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.
- Rund schweigen Wälder wunderbar
- Und sind des Einsamen Gefährten.
-
- Da sagt der Landmann: Es ist gut.
- Ihr Abendglocken lang und leise
- Gebt noch zum Ende frohen Mut.
- Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.
-
- Es ist der Liebe milde Zeit.
- Im Kahn den blauen Fluß hinunter
- Wie schön sich Bild an Bildchen reiht --
- Das geht in Ruh und Schweigen unter.
-
-
-
-
-WINKEL AM WALD
-
-
-An Karl Minnich
-
- Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute
- In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.
- Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,
- Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.
-
- Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;
- Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.
- Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.
- Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.
-
- In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.
- Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.
- Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;
- Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.
-
- Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.
- Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet.
- Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet;
- Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.
-
-
-
-
-IM WINTER
-
-
- Der Acker leuchtet weiß und kalt.
- Der Himmel ist einsam und ungeheuer.
- Dohlen kreisen über dem Weiher
- Und Jäger steigen nieder vom Wald.
-
- Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.
- Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.
- Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten
- Und langsam steigt der graue Mond.
-
- Ein Wild verblutet sanft am Rain
- Und Raben plätschern in blutigen Gossen.
- Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.
- Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.
-
-
-
-
-IN EIN ALTES STAMMBUCH
-
-
- Immer wieder kehrst du, Melancholie,
- O Sanftmut der einsamen Seele.
- Zu Ende glüht ein goldener Tag.
-
- Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige
- Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.
- Siehe! es dämmert schon.
-
- Wieder kehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches
- Und es leidet ein anderes mit.
-
- Schaudernd unter herbstlichen Sternen
- Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.
-
-
-
-
-VERWANDLUNG
-
-
- Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt:
- Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.
- Des Menschen Hände tragen braune Reben,
- Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.
-
- Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land
- Erscheinender in roter Buchen Schweigen.
- Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen
- Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.
-
- Geruhiges vor einer Schenke spielt,
- Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken.
- Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken,
- Resedenduft, der Weibliches umspült.
-
-
-
-
-KLEINES KONZERT
-
-
- Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert --
- Durch deine Hände scheint die Sonne.
- Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne
- Sich still zu einer Tat bereiten.
-
- In Mittag strömen gelbe Felder.
- Kaum hörst du noch der Grillen Singen,
- Der Mäher hartes Sensenschwingen.
- Einfältig schweigen goldene Wälder.
-
- Im grünen Tümpel glüht Verwesung.
- Die Fische stehen still. Gottes Odem
- Weckt sacht ein Saitenspiel im Brodem.
- Aussätzigen winkt die Flut Genesung.
-
- Geist Dädals schwebt in blauen Schatten,
- Ein Duft von Milch in Haselzweigen.
- Man hört noch lang den Lehrer geigen,
- Im leeren Hof den Schrei der Ratten.
-
- Im Krug an scheußlichen Tapeten
- Blühn kühlere Violenfarben.
- Im Hader dunkle Stimmen starben,
- Narziß im Endakkord von Flöten.
-
-
-
-
-MENSCHHEIT
-
-
- Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,
- Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,
- Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt,
- Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen:
- Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld.
- Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.
- Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen
- Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.
- Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;
- Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal.
-
-
-
-
-DER SPAZIERGANG
-
-
-
-1.
-
- Musik summt im Gehölz am Nachmittag.
- Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn.
- Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn;
- Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag.
-
- In Goldnem schwebt ein Duft von Thymian,
- Auf einem Stein steht eine heitere Zahl.
- Auf einer Wiese spielen Kinder Ball,
- Dann hebt ein Baum vor dir zu kreisen an.
-
- Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar,
- Auch schreibt ein ferner Freund dir einen Brief.
- Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief
- Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar.
-
-
-2.
-
- Die Zeit verrinnt. O süßer Helios!
- O Bild im Krötentümpel süß und klar;
- Im Sand versinkt ein Eden wunderbar.
- Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß.
-
- Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land
- Und stählern schaun dich deine Augen an.
- In Goldnem dort ein Duft von Thymian.
- Ein Knabe legt am Weiler einen Brand.
-
- Die Liebenden in Faltern neu erglühn
- Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl.
- Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl
- Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün.
-
- Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.
- Nachgleitet dir ein heller Kindertag,
- Der graue Wind, der flatterhaft und vag
- Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült.
-
-
-3.
-
- Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang.
- Am Wegrand fromm ein Weib ihr Kindlein stillt.
- Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt.
- Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang.
-
- Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn.
- Nach Früchten tastet silbern deine Hand.
- Die tote Rahel geht durchs Ackerland.
- Mit friedlicher Geberde winkt das Grün.
-
- Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß,
- Die träumend dort am alten Brunnen stehn.
- Einsame froh auf stillen Pfaden gehn
- Mit Gottes Kreaturen sündelos.
-
-
-
-
-DE PROFUNDIS
-
-
- Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.
- Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.
- Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist
- Wie traurig dieser Abend.
-
- Am Weiler vorbei
- Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.
- Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung
- Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.
-
- Bei der Heimkehr
- Fanden die Hirten den süßen Leib
- Verwest im Dornenbusch.
-
- Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.
- Gottes Schweigen
- Trank ich aus dem Brunnen des Hains.
-
- Auf meine Stirne tritt kaltes Metall
- Spinnen suchen mein Herz.
- Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.
-
- Nachts fand ich mich auf einer Heide,
- Starrend von Unrat und Staub der Sterne.
- Im Haselgebüsch
- Klangen wieder kristallne Engel.
-
-
-
-
-TROMPETEN
-
-
- Unter verschnittenen Weiden, wo braune Kinder spielen
- Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer.
- Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer,
- Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen.
-
- Oder Hirten singen nachts und Hirsche treten
- In den Kreis ihrer Feuer, des Hains uralte Trauer,
- Tanzende heben sich von einer schwarzen Mauer;
- Fahnen von Scharlach, Lachen, Wahnsinn, Trompeten.
-
-
-
-
-DÄMMERUNG
-
-
- Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,
- Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.
- Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,
- Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.
-
- Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein.
- Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.
- Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,
- Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.
-
- Formlose Spottgestalten huschen, kauern
- Und flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden.
- O! trauervolle Schatten an den Mauern.
-
- Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;
- Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern
- Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden.
-
-
-
-
-HEITERER FRÜHLING
-
-
-
-1.
-
- Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,
- Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.
- Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,
- Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.
-
- An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,
- Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.
- Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt,
- Ein Kind steht in Konturen weich und lind.
-
- Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch,
- Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.
- Hell Grünes blüht und anderes verwest
- Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch.
-
-
-2.
-
- Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.
- Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.
- Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;
- Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.
-
- In Gärten sinken Glocken lang und leis
- Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt.
- Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt
- Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.
-
- Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!
- In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.
- Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl
- Und Knospen knistern heiter dann und wann.
-
-
-3.
-
- Wie scheint doch alles Werdende so krank!
- Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist;
- Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist
- Und öffnet das Gemüte weit und bang.
-
- Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht
- Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh.
- Die Liebenden blühn ihren Sternen zu
- Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.
-
- So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt;
- Und leise rührt dich an ein alter Stein:
- Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein.
- O Mund! der durch die Silberweide bebt.
-
-
-
-
-VORSTADT IM FÖHN
-
-
- Am Abend liegt die Stätte öd und braun,
- Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.
- Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen --
- Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.
-
- Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,
- In Gärten Durcheinander und Bewegung,
- Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,
- In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.
-
- Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.
- In Körben tragen Frauen Eingeweide,
- Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,
- Kommen sie aus der Dämmerung hervor.
-
- Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut
- Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.
- Die Föhne färben karge Stauden bunter
- Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.
-
- Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.
- Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,
- Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,
- Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.
-
- Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,
- Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.
- Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern
- Und manchmal rosenfarbene Moscheen.
-
-
-
-
-DIE RATTEN
-
-
- In Hof scheint weiß der herbstliche Mond.
- Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.
- Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;
- Da tauchen leise herauf die Ratten
-
- Und huschen pfeifend hier und dort
- Und ein gräulicher Dunsthauch wittert
- Ihnen nach aus dem Abort,
- Den geisterhaft der Mondschein durchzittert
-
- Und sie keifen vor Gier wie toll
- Und erfüllen Haus und Scheunen,
- Die von Korn und Früchten voll.
- Eisige Winde im Dunkel greinen.
-
-
-
-
-TRÜBSINN
-
-
- Weltunglück geistert durch den Nachmittag.
- Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.
- Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist,
- Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.
-
- Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind
- Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt.
- Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.
- Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind.
-
- Am Abend wieder über meinem Haupt
- Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick.
- Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück
- Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt.
-
- Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach;
- Und leise rührt des toten Freundes Hand
- Und glättet liebend Stirne und Gewand.
- Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach.
-
-
-
-
-IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT
-
-
- Sonne, herbstlich dünn und zag,
- Und das Obst fällt von den Bäumen
- Stille wohnt in blauen Räumen.
- Einen langen Nachmittag.
-
- Sterbeklänge von Metall;
- Und ein weißes Tier bricht nieder.
- Brauner Mädchen rauhe Lieder
- Sind verweht im Blätterfall.
-
- Stirne Gottes Farben träumt,
- Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.
- Schatten drehen sich am Hügel
- Von Verwesung schwarz umsäumt.
-
- Dämmerung voll Ruh und Wein;
- Traurige Guitarren rinnen.
- Und zur milden Lampe drinnen
- Kehrst du wie im Traume ein.
-
-
-
-
-PSALM
-
-
-Karl Kraus zugeeignet
-
- Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat.
- Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt.
- Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen.
- Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben.
- Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee,
- Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln.
- Die Männer führen kriegerische Tänze auf.
- Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen,
- Wenn das Meer singt. O unser verlorenes Paradies.
-
- * * * * *
-
- Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen.
- Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an.
- Der Sohn des Pan erscheint in Gestalt eines Erdarbeiters,
- Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft.
- Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut!
- Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten.
- Es sind Schatten, die sich vor einem erblindeten Spiegel umarmen.
- An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende.
- Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf.
-
- * * * * *
-
- Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen.
- Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen.
- Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach.
- Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe herab.
- Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen.
- Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher.
- Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels.
- Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee,
- Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden.
-
- * * * * *
-
- Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt.
- In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.
- Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer.
- Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln.
- Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.
- Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der Kindheit.
- Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei
- Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder.
- In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen.
-
- * * * * *
-
- Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen.
-
-
-
-
-ROSENKRANZLIEDER
-
-
-
-AN DIE SCHWESTER
-
- Wo du gehst wird Herbst und Abend,
- Blaues Wild, das unter Bäumen tönt,
- Einsamer Weiher am Abend.
-
- Leise der Flug der Vögel tönt,
- Die Schwermut über deinen Augenbogen.
- Dein schmales Lächeln tönt.
-
- Gott hat deine Lider verbogen.
- Sterne suchen nachts, Karfreitagskind,
- Deinen Stirnenbogen.
-
-
-NÄHE DES TODES
-
- O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht.
- Der Weiher unter den Weiden
- Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.
-
- O der Wald, der leise die braunen Augen senkt,
- Da aus des Einsamen knöchernen Händen
- Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.
-
- O die Nähe des Todes. Laß uns beten.
- In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen
- Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder.
-
-
-AMEN
-
- Verwestes gleitend durch die morsche Stube;
- Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt
- Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit.
-
- Braune Perlen rinnen durch die erstorbenen Finger.
- In der Stille
- Tun sich eines Engels blaue Mohnaugen auf.
-
- Blau ist auch der Abend;
- Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten,
- Der ein braunes Gärtchen verdunkelt.
-
-
-
-
-VERFALL
-
-
- Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,
- Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,
- Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,
- Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.
-
- Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten
- Träum ich nach ihren helleren Geschicken
- Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.
- So folg ich über Wolken ihren Fahrten.
-
- Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern.
- Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen.
- Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern,
-
- Indes wie blasser Kinder Todesreigen
- Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,
- Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.
-
-
-
-
-IN DER HEIMAT
-
-
- Resedenduft durchs kranke Fenster irrt;
- Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst.
- Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt
- Auf die Geschwister traumhaft und verwirrt.
-
- Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt
- Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt
- Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt.
- Durch blaue Luft der Ruf der Wache klirrt.
-
- Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl.
- Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt
- In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült.
-
- Der Katze Schatten gleitet blau und schmal
- Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt,
- Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt.
-
-
-
-
-EIN HERBSTABEND
-
-
-An Karl Röck
-
- Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten
- Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn,
- Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn
- In kühlen Stuben jener Bett bereiten.
-
- Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten
- Sich über braune Jauche. Mägde gehn
- Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn
- Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten.
-
- Für Einsames ist eine Schenke da;
- Das säumt geduldig unter dunklen Bogen,
- Von goldenem Tabaksgewölk umzogen.
-
- Doch immer ist das Eigne schwarz und nah.
- Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen
- Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen.
-
-
-
-
-MENSCHLICHES ELEND
-
-
- Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt --
- Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen,
- Im Abendgarten kahle Bäume sausen.
- Des Toten Antlitz sich am Fenster regt.
-
- Vielleicht, daß diese Stunde stille steht.
- Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln
- Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln.
- Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht.
-
- Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind,
- Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen.
- Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen,
- Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind.
-
- Aus Händen sinken Astern blau und rot,
- Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise;
- Und Lider flattern angstverwirrt und leise;
- Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot.
-
- Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei;
- Gebeine durch verfallne Mauern schimmern.
- Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern;
- An einem Träumer läuft ein Hund vorbei.
-
- Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert.
- Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen,
- Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen.
- Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert.
-
-
-
-
-IM DORF
-
-
-
-1.
-
- Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld.
- Ein Hirt verwest auf einem alten Stein.
- Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein,
- Das sanfte Laub, das in die Stille fällt.
-
- Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt
- Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch,
- Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch
- Die kühle Stube, die der Tod versöhnt.
-
- Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt
- Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt;
- Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt
- Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt.
-
-
-2.
-
- Der Arme, der im Geiste einsam starb,
- Steigt wächsern über einen alten Pfad.
- Die Apfelbäume sinken kahl und stad
- Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb.
-
- Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh
- Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd
- Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt;
- Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor.
-
- Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort
- Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt,
- Wo jene steht in schmaler Traumgestalt.
- Der Abend tönt in feuchter Bläue fort.
-
-
-3.
-
- Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt.
- Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh.
- Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee;
- Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt.
-
- Die Mauern starren kahl und grauverdreckt
- Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert
- Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert.
- Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt.
-
- Drei Männer treten finster durch das Tor
- Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind.
- Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind;
- Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor.
-
-
-
-
-ABENDLIED
-
-
- Am Abend, wenn wir auf dunklen Pfaden gehn,
- Erscheinen unsere bleichen Gestalten vor uns.
-
- Wenn uns dürstet,
- Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,
- Die Süße unserer traurigen Kindheit.
-
- Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch,
- Schaun den grauen Möven zu.
-
- Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,
- Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.
-
- Da ich deine schmalen Hände nahm
- Schlugst du leise die runden Augen auf,
- Dieses ist lange her.
-
- Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht,
- Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft.
-
-
-
-
-DREI BLICKE IN EINEN OPAL
-
-
-An Erhard Buschbeck
-
-
-1.
-
- Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein,
- Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel
- Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel
- Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein.
-
- Des Herbstes Weg und Kreuze gehn in Abend ein,
- Singende Pilger und die blutbefleckten Linnen.
- Des Einsamen Gestalt kehrt also sich nach innen
- Und geht, ein bleicher Engel, durch den leeren Hain.
-
- Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein
- Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester,
- Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster
- Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein.
-
-
-2.
-
- Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau
- Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen,
- Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen.
- Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau.
-
- In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau,
- Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen,
- Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen
- Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh.
-
- Durchs Bogenfenster sinkt ein Abend lind und lau.
- Ein Heiliger tritt aus seinen schwarzen Wundenmalen.
- Die Purpurschnecken kriechen aus zerbrochenen Schalen
- Und speien Blut in Dorngewinde starr und grau.
-
-
-3.
-
- Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch.
- Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen;
- Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.
- Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch.
-
- Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch
- Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer;
- Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer
- Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch.
-
- O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch;
- Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern.
- Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern
- Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch.
-
-
-
-
-NACHTLIED
-
-
- Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht
- Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.
- Gewaltig ist das Schweigen im Stein;
-
- Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang
- Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz
- Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.
-
- O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit.
- An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe
- Erscheint der Abglanz gefallener Engel.
-
-
-
-
-HELIAN
-
-
- In den einsamen Stunden des Geistes
- Ist es schön, in der Sonne zu gehn
- An den gelben Mauern des Sommers hin.
- Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft
- Der Sohn des Pan im grauen Marmor.
-
- Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein.
- Rötlich glüht der Pfirsich im Laub;
- Sanfte Sonate, frohes Lachen.
-
- Schön ist die Stille der Nacht.
- Auf dunklem Plan
- Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen.
-
- Wenn es Herbst geworden ist
- Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain.
- Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin
- Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel.
- Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen.
-
- In kahlen Gezweigen feiert der Himmel.
- In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein
- Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer.
-
- O wie ernst ist das Antlitz der teueren Toten.
- Doch die Seele erfreut gerechtes Anschaun.
-
- Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens
- Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt,
- Sein Odem eisiges Gold trinkt.
-
- Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser
- Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern.
-
- Leise und harmonisch ist ein Gang an freundlichen Zimmern hin,
- Wo Einsamkeit ist und das Rauschen des Ahorns,
- Wo vielleicht noch die Drossel singt.
-
- Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel,
- Wenn er staunend Arme und Beine bewegt,
- Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen.
-
- Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung,
- Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin,
- Wo vordem der heilige Bruder gegangen,
- Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns,
-
- O wie einsam endet der Abendwind.
- Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums.
-
- Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.
- In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden
- Mit dem Gold seiner Sterne.
-
- Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt
- Verfallen die schwarzen Mauern am Platz,
- Ruft der tote Soldat zum Gebet.
-
- Ein bleicher Engel
- Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter.
-
- Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen
- Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur,
- Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften.
-
- O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar,
- Da er darein mit silbernen Füßen steht,
- Und jene verstorben aus kahlen Zimmern treten.
-
- O ihr Psalmen in feurigen Mitternachtsregen,
- Da die Knechte mit Nesseln die sanften Augen schlugen,
- Die kindlichen Früchte des Holunders
- Sich staunend neigen über ein leeres Grab.
-
- Leise rollen vergilbte Monde
- Über die Fieberlinnen des Jünglings,
- Eh dem Schweigen des Winters folgt.
-
- Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab,
- Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf,
- Sich unter den blauen Brauen des Vaters entfaltet,
- Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt.
- Oder es sind Schreie im Schlaf,
- Wenn ein eherner Engel im Hain den Menschen antritt,
- Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt.
-
- Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein,
- Tönende Bündel vergilbten Korns,
- Das Summen der Bienen, der Flug des Kranichs.
- Am Abend begegnen sich Auferstandene auf Felsenpfaden.
-
- In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige;
- Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder
- Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht.
-
- Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht,
- Ob sie den liebenden Hirten fänden.
- Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang.
-
- Lasset das Lied auch des Knaben gedenken,
- Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs
- Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt.
- O wie traurig ist dieses Wiedersehn.
-
- Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern,
- Die Schatten der Alten unter der offenen Tür,
- Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut
- Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken.
-
- An den Wänden sind die Sterne erloschen
- Und die weißen Gestalten des Lichts.
-
- Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber,
- Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel,
- Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind.
-
- O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern,
- Da der Enkel in sanfter Umnachtung
- Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt,
- Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt.
-
-
-
-
-
-
-Dies Buch wurde
-gedruckt im Mai 1913 als siebenter und achter
-Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei
-Poeschel & Trepte in Leipzig
-
-
-
-
-
-IN DER BÜCHEREI
-
-DER
-JÜNGSTE TAG
-
-
-NEUE DICHTUNGEN
-
-erschienen bisher:
-
-FRANZ WERFEL: Die Versuchung ·
-Ein Gespräch
-
-WALTER HASENCLEVER: Das
-unendliche Gespräch · Eine nächtliche
-Szene
-
-FRANZ KAFKA: Der Heizer · Eine
-Erzählung
-
-FERDINAND HARDEKOPF: Der
-Abend · Ein Dialog
-
-EMMY HENNINGS: Die letzte
-Freude · Gedichte
-
-CARL EHRENSTEIN: Klagen eines
-Knaben · Skizzen
-
-Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet.
--- Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige,
-gebunden je M 1.50 und sind durch alle Buchhandlungen
-zu beziehen.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-
-
-
-GEORG HEYM
-
-
-DER EWIGE TAG
-
-Zweite Auflage
-
-Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
-
-_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft
-bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges
-Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
-u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
-und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
-deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
-
-
-UMBRA VITAE
-
-GEDICHTE AUS DEM NACHLASS
-
-Zweite Auflage
-
-Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.--
-
-_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem
-ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
-feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
-zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
-der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym,
-dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
-
-
-
-
-FRANZ WERFEL · WIR SIND
-
-NEUE GEDICHTE
-
-In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
-
-Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.50
-
-Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare
-auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.--
-
-_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz großer Dichter, mit
-allem Ernste sei das gesagt.
-
-_Neue Rundschau:_ . . . Whitmans kosmische Liebe und
-Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel
-durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht.
-
-KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG
-
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
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-Foundation
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-501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
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@@ -2,7 +2,7 @@
"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
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-<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" />
+<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=UTF-8" />
<title>The Project Gutenberg eBook of Gedichte, by Georg Trakl</title>
<!-- TITLE="Gedichte" -->
<!-- AUTHOR="Georg Trakl" -->
@@ -108,41 +108,7 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; }
</head>
<body>
-
-
-<pre>
-
-The Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl
-
-This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
-almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
-re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
-with this eBook or online at www.gutenberg.org
-
-
-Title: Gedichte
-
-Author: Georg Trakl
-
-Release Date: July 13, 2012 [EBook #40221]
-
-Language: German
-
-Character set encoding: ISO-8859-1
-
-*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
-
-
-
-
-Produced by Jens Sadowski
-
-
-
-
-
-</pre>
-
+<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40221 ***</div>
<h1 style="line-height:1em; font-weight:normal; letter-spacing:0.2em; margin-bottom:10em; page-break-before:always">
<span style="font-size:0.7em;">GEORG TRAKL</span><br />
@@ -166,24 +132,24 @@ COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913.
DIE RABEN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Über den schwarzen Winkel hasten</p>
+<p class="line">Über den schwarzen Winkel hasten</p>
<p class="line">Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.</p>
<p class="line">Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei</p>
-<p class="line">Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.</p>
+<p class="line">Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O wie sie die braune Stille stören,</p>
-<p class="line">In der ein Acker sich verzückt,</p>
-<p class="line">Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,</p>
-<p class="line">Und manchmal kann man sie keifen hören</p>
+<p class="line">O wie sie die braune Stille stören,</p>
+<p class="line">In der ein Acker sich verzückt,</p>
+<p class="line">Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,</p>
+<p class="line">Und manchmal kann man sie keifen hören</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,</p>
-<p class="line">Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug</p>
+<p class="line">Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug</p>
<p class="line">Und schwinden wie ein Leichenzug</p>
-<p class="line">In Lüften, die von Wollust zittern.
+<p class="line">In Lüften, die von Wollust zittern.
</p>
</div>
@@ -197,9 +163,9 @@ DIE JUNGE MAGD</h2>
<h3 class="no" id="no-2-1">1.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Oft am Brunnen, wenn es dämmert,</p>
+<p class="line">Oft am Brunnen, wenn es dämmert,</p>
<p class="line">Sieht man sie verzaubert stehen</p>
-<p class="line">Wasser schöpfen, wenn es dämmert.</p>
+<p class="line">Wasser schöpfen, wenn es dämmert.</p>
<p class="line">Eimer auf und niedergehen.</p>
</div>
@@ -213,31 +179,31 @@ DIE JUNGE MAGD</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Und umschmeichelt von Verfalle</p>
<p class="line">Senkt sie die entzundenen Lider.</p>
-<p class="line">Dürres Gras neigt im Verfalle</p>
-<p class="line">Sich zu ihren Füßen nieder.</p>
+<p class="line">Dürres Gras neigt im Verfalle</p>
+<p class="line">Sich zu ihren Füßen nieder.</p>
</div>
<h3 class="no" id="no-2-2">2.</h3>
<div class="poem">
<p class="line">Stille schafft sie in der Kammer</p>
-<p class="line">Und der Hof liegt längst verödet.</p>
+<p class="line">Und der Hof liegt längst verödet.</p>
<p class="line">Im Hollunder vor der Kammer</p>
-<p class="line">Kläglich eine Amsel flötet.</p>
+<p class="line">Kläglich eine Amsel flötet.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Silbern schaut ihr Bild im Spiegel</p>
<p class="line">Fremd sie an im Zwielichtscheine</p>
-<p class="line">Und verdämmert fahl im Spiegel</p>
+<p class="line">Und verdämmert fahl im Spiegel</p>
<p class="line">Und ihr graut vor seiner Reine.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel</p>
-<p class="line">Und sie starrt von Schmerz geschüttelt.</p>
-<p class="line">Röte träufelt durch das Dunkel.</p>
-<p class="line">Jäh am Tor der Südwind rüttelt.
+<p class="line">Und sie starrt von Schmerz geschüttelt.</p>
+<p class="line">Röte träufelt durch das Dunkel.</p>
+<p class="line">Jäh am Tor der Südwind rüttelt.
</p>
</div>
@@ -246,47 +212,47 @@ DIE JUNGE MAGD</h2>
3.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Nächtens übern kahlen Anger</p>
-<p class="line">Gaukelt sie in Fieberträumen.</p>
-<p class="line">Mürrisch greint der Wind im Anger</p>
-<p class="line">Und der Mond lauscht aus den Bäumen.</p>
+<p class="line">Nächtens übern kahlen Anger</p>
+<p class="line">Gaukelt sie in Fieberträumen.</p>
+<p class="line">Mürrisch greint der Wind im Anger</p>
+<p class="line">Und der Mond lauscht aus den Bäumen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Balde rings die Sterne bleichen</p>
<p class="line">Und ermattet von Beschwerde</p>
-<p class="line">Wächsern ihre Wangen bleichen.</p>
-<p class="line">Fäulnis wittert aus der Erde.</p>
+<p class="line">Wächsern ihre Wangen bleichen.</p>
+<p class="line">Fäulnis wittert aus der Erde.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Traurig rauscht das Rohr im Tümpel</p>
+<p class="line">Traurig rauscht das Rohr im Tümpel</p>
<p class="line">Und sie friert in sich gekauert.</p>
-<p class="line">Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel</p>
+<p class="line">Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel</p>
<p class="line">Hart und grau der Morgen schauert.</p>
</div>
<h3 class="no" id="no-2-4">4.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">In der Schmiede dröhnt der Hammer</p>
-<p class="line">Und sie huscht am Tor vorüber.</p>
-<p class="line">Glührot schwingt der Knecht den Hammer</p>
-<p class="line">Und sie schaut wie tot hinüber.</p>
+<p class="line">In der Schmiede dröhnt der Hammer</p>
+<p class="line">Und sie huscht am Tor vorüber.</p>
+<p class="line">Glührot schwingt der Knecht den Hammer</p>
+<p class="line">Und sie schaut wie tot hinüber.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wie im Traum trifft sie ein Lachen;</p>
<p class="line">Und sie taumelt in die Schmiede,</p>
<p class="line">Scheu geduckt vor seinem Lachen,</p>
-<p class="line">Wie der Hammer hart und rüde.</p>
+<p class="line">Wie der Hammer hart und rüde.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Hell versprühn im Raum die Funken</p>
+<p class="line">Hell versprühn im Raum die Funken</p>
<p class="line">Und mit hilfloser Geberde</p>
<p class="line">Hascht sie nach den wilden Funken</p>
-<p class="line">Und sie stürzt betäubt zur Erde.
+<p class="line">Und sie stürzt betäubt zur Erde.
</p>
</div>
@@ -295,22 +261,22 @@ DIE JUNGE MAGD</h2>
5.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Schmächtig hingestreckt im Bette</p>
-<p class="line">Wacht sie auf voll süßem Bangen</p>
+<p class="line">Schmächtig hingestreckt im Bette</p>
+<p class="line">Wacht sie auf voll süßem Bangen</p>
<p class="line">Und sie sieht ihr schmutzig Bette</p>
<p class="line">Ganz von goldnem Licht verhangen,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Reseden dort am Fenster</p>
-<p class="line">Und den bläulich hellen Himmel.</p>
-<p class="line">Manchmal trägt der Wind ans Fenster</p>
+<p class="line">Und den bläulich hellen Himmel.</p>
+<p class="line">Manchmal trägt der Wind ans Fenster</p>
<p class="line">Einer Glocke zag Gebimmel.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Schatten gleiten übers Kissen,</p>
-<p class="line">Langsam schlägt die Mittagsstunde</p>
+<p class="line">Schatten gleiten übers Kissen,</p>
+<p class="line">Langsam schlägt die Mittagsstunde</p>
<p class="line">Und sie atmet schwer im Kissen</p>
<p class="line">Und ihr Mund gleicht einer Wunde.</p>
</div>
@@ -319,13 +285,13 @@ DIE JUNGE MAGD</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Abends schweben blutige Linnen,</p>
-<p class="line">Wolken über stummen Wäldern,</p>
-<p class="line">Die gehüllt in schwarze Linnen,</p>
-<p class="line">Spatzen lärmen auf den Feldern.</p>
+<p class="line">Wolken über stummen Wäldern,</p>
+<p class="line">Die gehüllt in schwarze Linnen,</p>
+<p class="line">Spatzen lärmen auf den Feldern.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und sie liegt ganz weiß im Dunkel.</p>
+<p class="line">Und sie liegt ganz weiß im Dunkel.</p>
<p class="line">Unterm Dach verhaucht ein Girren.</p>
<p class="line">Wie ein Aas in Busch und Dunkel</p>
<p class="line">Fliegen ihren Mund umschwirren.</p>
@@ -346,19 +312,19 @@ ROMANZE ZUR NACHT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Einsamer unterm Sternenzelt</p>
<p class="line">Geht durch die stille Mitternacht.</p>
-<p class="line">Der Knab aus Träumen wirr erwacht,</p>
-<p class="line">Sein Antlitz grau im Mond verfällt.</p>
+<p class="line">Der Knab aus Träumen wirr erwacht,</p>
+<p class="line">Sein Antlitz grau im Mond verfällt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Närrin weint mit offnem Haar</p>
+<p class="line">Die Närrin weint mit offnem Haar</p>
<p class="line">Am Fenster, das vergittert starrt.</p>
-<p class="line">Im Teich vorbei auf süßer Fahrt</p>
+<p class="line">Im Teich vorbei auf süßer Fahrt</p>
<p class="line">Ziehn Liebende sehr wunderbar.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Mörder lächelt bleich im Wein,</p>
+<p class="line">Der Mörder lächelt bleich im Wein,</p>
<p class="line">Die Kranken Todesgrausen packt.</p>
<p class="line">Die Nonne betet wund und nackt</p>
<p class="line">Vor des Heilands Kreuzespein.</p>
@@ -368,14 +334,14 @@ ROMANZE ZUR NACHT</h2>
<p class="line">Die Mutter leis&rsquo; im Schlafe singt.</p>
<p class="line">Sehr friedlich schaut zur Nacht das Kind</p>
<p class="line">Mit Augen, die ganz wahrhaft sind.</p>
-<p class="line">Im Hurenhaus Gelächter klingt.</p>
+<p class="line">Im Hurenhaus Gelächter klingt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Beim Talglicht drunt&rsquo; im Kellerloch</p>
-<p class="line">Der Tote malt mit weißer Hand</p>
+<p class="line">Der Tote malt mit weißer Hand</p>
<p class="line">Ein grinsend Schweigen an die Wand.</p>
-<p class="line">Der Schläfer flüstert immer noch.
+<p class="line">Der Schläfer flüstert immer noch.
</p>
</div>
@@ -385,30 +351,30 @@ IM ROTEN LAUBWERK VOLL GUITARREN .&nbsp;.&nbsp;.</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Im roten Laubwerk voll Guitarren</p>
-<p class="line">Der Mädchen gelbe Haare wehen</p>
+<p class="line">Der Mädchen gelbe Haare wehen</p>
<p class="line">Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.</p>
-<p class="line">Durch Wolken fährt ein goldner Karren.</p>
+<p class="line">Durch Wolken fährt ein goldner Karren.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In brauner Schatten Ruh verstummen</p>
-<p class="line">Die Alten, die sich blöd umschlingen.</p>
-<p class="line">Die Waisen süß zur Vesper singen.</p>
-<p class="line">In gelben Dünsten Fliegen summen.</p>
+<p class="line">Die Alten, die sich blöd umschlingen.</p>
+<p class="line">Die Waisen süß zur Vesper singen.</p>
+<p class="line">In gelben Dünsten Fliegen summen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Am Bache waschen noch die Frauen.</p>
-<p class="line">Die aufgehängten Linnen wallen.</p>
+<p class="line">Die aufgehängten Linnen wallen.</p>
<p class="line">Die Kleine, die mir lang gefallen,</p>
<p class="line">Kommt wieder durch das Abendgrauen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Vom lauen Himmel Spatzen stürzen</p>
-<p class="line">In grüne Löcher voll Verwesung.</p>
-<p class="line">Dem Hungrigen täuscht vor Genesung</p>
-<p class="line">Ein Duft von Brot und herben Würzen.
+<p class="line">Vom lauen Himmel Spatzen stürzen</p>
+<p class="line">In grüne Löcher voll Verwesung.</p>
+<p class="line">Dem Hungrigen täuscht vor Genesung</p>
+<p class="line">Ein Duft von Brot und herben Würzen.
</p>
</div>
@@ -418,8 +384,8 @@ MUSIK IM MIRABELL</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn</p>
-<p class="line">Im klaren Blau, die weißen, zarten.</p>
-<p class="line">Bedächtig stille Menschen gehn</p>
+<p class="line">Im klaren Blau, die weißen, zarten.</p>
+<p class="line">Bedächtig stille Menschen gehn</p>
<p class="line">Am Abend durch den alten Garten.</p>
</div>
@@ -431,17 +397,17 @@ MUSIK IM MIRABELL</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Das Laub fällt rot vom alten Baum</p>
+<p class="line">Das Laub fällt rot vom alten Baum</p>
<p class="line">Und kreist herein durchs offne Fenster.</p>
-<p class="line">Ein Feuerschein glüht auf im Raum</p>
-<p class="line">Und malet trübe Angstgespenster.</p>
+<p class="line">Ein Feuerschein glüht auf im Raum</p>
+<p class="line">Und malet trübe Angstgespenster.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.</p>
-<p class="line">Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.</p>
-<p class="line">Die Magd löscht eine Lampe aus,</p>
-<p class="line">Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.
+<p class="line">Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.</p>
+<p class="line">Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.</p>
+<p class="line">Die Magd löscht eine Lampe aus,</p>
+<p class="line">Das Ohr hört nachts Sonatenklänge.
</p>
</div>
@@ -458,58 +424,58 @@ MELANCHOLIE DES ABENDS</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Und Farnen folgt und alten Steinen</p>
-<p class="line">Und silbern glänzt aus Laubgewinden.</p>
-<p class="line">Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden &mdash;</p>
-<p class="line">Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.</p>
+<p class="line">Und silbern glänzt aus Laubgewinden.</p>
+<p class="line">Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden &mdash;</p>
+<p class="line">Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Der dunkle Plan scheint ohne Massen,</p>
-<p class="line">Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,</p>
-<p class="line">Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.</p>
-<p class="line">Ein kalter Glanz huscht über Straßen.</p>
+<p class="line">Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,</p>
+<p class="line">Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.</p>
+<p class="line">Ein kalter Glanz huscht über Straßen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Am Himmel ahnet man Bewegung,</p>
-<p class="line">Ein Heer von wilden Vögeln wandern</p>
-<p class="line">Nach jenen Ländern, schönen, andern.</p>
+<p class="line">Ein Heer von wilden Vögeln wandern</p>
+<p class="line">Nach jenen Ländern, schönen, andern.</p>
<p class="line">Es steigt und sinkt des Rohres Regung.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-7">
<a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a>
-WINTERDÄMMERUNG</h2>
+WINTERDÄMMERUNG</h2>
<p class="dedication">An Max von Esterle
</p>
<div class="poem">
<p class="line">Schwarze Himmel von Metall.</p>
-<p class="line">Kreuz in roten Stürmen wehen</p>
-<p class="line">Abends hungertolle Krähen</p>
-<p class="line">Über Parken gram und fahl.</p>
+<p class="line">Kreuz in roten Stürmen wehen</p>
+<p class="line">Abends hungertolle Krähen</p>
+<p class="line">Über Parken gram und fahl.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Im Gewölk erfriert ein Strahl;</p>
-<p class="line">Und vor Satans Flüchen drehen</p>
+<p class="line">Im Gewölk erfriert ein Strahl;</p>
+<p class="line">Und vor Satans Flüchen drehen</p>
<p class="line">Jene sich im Kreis und gehen</p>
<p class="line">Nieder siebenfach an Zahl.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In Verfaultem süß und schal</p>
-<p class="line">Lautlos ihre Schnäbel mähen.</p>
-<p class="line">Häuser dräu&rsquo;n aus stummen Nähen;</p>
+<p class="line">In Verfaultem süß und schal</p>
+<p class="line">Lautlos ihre Schnäbel mähen.</p>
+<p class="line">Häuser dräu&rsquo;n aus stummen Nähen;</p>
<p class="line">Helle im Theatersaal.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Kirchen, Brücken und Spital</p>
+<p class="line">Kirchen, Brücken und Spital</p>
<p class="line">Grauenvoll im Zwielicht stehen.</p>
-<p class="line">Blutbefleckte Linnen blähen</p>
+<p class="line">Blutbefleckte Linnen blähen</p>
<p class="line">Segel sich auf dem Kanal.
</p>
</div>
@@ -521,7 +487,7 @@ RONDEL</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Verflossen ist das Gold der Tage,</p>
<p class="line">Des Abends braun und blaue Farben:</p>
-<p class="line">Des Hirten sanfte Flöten starben</p>
+<p class="line">Des Hirten sanfte Flöten starben</p>
<p class="line">Des Abends blau und braune Farben</p>
<p class="line">Verflossen ist das Gold der Tage.
</p>
@@ -533,76 +499,76 @@ FRAUENSEGEN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Schreitest unter deinen Frau&rsquo;n</p>
-<p class="line">Und du lächelst oft beklommen:</p>
+<p class="line">Und du lächelst oft beklommen:</p>
<p class="line">Sind so bange Tage kommen.</p>
-<p class="line">Weiß verblüht der Mohn am Zaun.</p>
+<p class="line">Weiß verblüht der Mohn am Zaun.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Wie dein Leib so schön geschwellt</p>
-<p class="line">Golden reift der Wein am Hügel.</p>
-<p class="line">Ferne glänzt des Weihers Spiegel</p>
+<p class="line">Wie dein Leib so schön geschwellt</p>
+<p class="line">Golden reift der Wein am Hügel.</p>
+<p class="line">Ferne glänzt des Weihers Spiegel</p>
<p class="line">Und die Sense klirrt im Feld.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In den Büschen rollt der Tau,</p>
-<p class="line">Rot die Blätter niederfließen.</p>
-<p class="line">Seine liebe Frau zu grüßen</p>
+<p class="line">In den Büschen rollt der Tau,</p>
+<p class="line">Rot die Blätter niederfließen.</p>
+<p class="line">Seine liebe Frau zu grüßen</p>
<p class="line">Naht ein Mohr dir braun und rauh.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-10">
<a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a>
-DIE SCHÖNE STADT</h2>
+DIE SCHÖNE STADT</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Alte Plätze sonnig schweigen.</p>
+<p class="line">Alte Plätze sonnig schweigen.</p>
<p class="line">Tief in Blau und Gold versponnen</p>
<p class="line">Traumhaft hasten sanfte Nonnen</p>
-<p class="line">Unter schwüler Buchen Schweigen.</p>
+<p class="line">Unter schwüler Buchen Schweigen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Aus den braun erhellten Kirchen</p>
<p class="line">Schaun des Todes reine Bilder,</p>
-<p class="line">Großer Fürsten schöne Schilder.</p>
+<p class="line">Großer Fürsten schöne Schilder.</p>
<p class="line">Kronen schimmern in den Kirchen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Rösser tauchen aus dem Brunnen.</p>
-<p class="line">Blütenkrallen drohn aus Bäumen.</p>
-<p class="line">Knaben spielen wirr von Träumen</p>
+<p class="line">Rösser tauchen aus dem Brunnen.</p>
+<p class="line">Blütenkrallen drohn aus Bäumen.</p>
+<p class="line">Knaben spielen wirr von Träumen</p>
<p class="line">Abends leise dort am Brunnen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Mädchen stehen an den Toren,</p>
+<p class="line">Mädchen stehen an den Toren,</p>
<p class="line">Schauen scheu ins farbige Leben.</p>
<p class="line">Ihre feuchten Lippen beben</p>
<p class="line">Und sie warten an den Toren.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Zitternd flattern Glockenklänge,</p>
+<p class="line">Zitternd flattern Glockenklänge,</p>
<p class="line">Marschtakt hallt und Wacherufen.</p>
<p class="line">Fremde lauschen auf den Stufen.</p>
-<p class="line">Hoch im Blau sind Orgelklänge.</p>
+<p class="line">Hoch im Blau sind Orgelklänge.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Helle Instrumente singen.</p>
-<p class="line">Durch der Garten Blätterrahmen</p>
-<p class="line">Schwirrt das Lachen schöner Damen.</p>
-<p class="line">Leise junge Mütter singen.</p>
+<p class="line">Durch der Garten Blätterrahmen</p>
+<p class="line">Schwirrt das Lachen schöner Damen.</p>
+<p class="line">Leise junge Mütter singen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Heimlich haucht an blumigen Fenstern</p>
<p class="line">Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.</p>
-<p class="line">Silbern flimmern müde Lider</p>
+<p class="line">Silbern flimmern müde Lider</p>
<p class="line">Durch die Blumen an den Fenstern.
</p>
</div>
@@ -619,31 +585,31 @@ IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Lichterloh die Büsche wehen</p>
-<p class="line">Und ein Schwarm von Mücken schwingt,</p>
-<p class="line">Fern im Acker Sensen mähen</p>
+<p class="line">Lichterloh die Büsche wehen</p>
+<p class="line">Und ein Schwarm von Mücken schwingt,</p>
+<p class="line">Fern im Acker Sensen mähen</p>
<p class="line">Und ein altes Wasser singt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wessen Atem kommt mich kosen?</p>
<p class="line">Schwalben irre Zeichen ziehn.</p>
-<p class="line">Leise fließt im Grenzenlosen</p>
+<p class="line">Leise fließt im Grenzenlosen</p>
<p class="line">Dort das goldne Waldland hin.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Flammen flackern in den Beeten.</p>
-<p class="line">Wirr verzückt der tolle Reihn</p>
+<p class="line">Wirr verzückt der tolle Reihn</p>
<p class="line">An den gelblichen Tapeten.</p>
-<p class="line">Jemand schaut zur Tür herein.</p>
+<p class="line">Jemand schaut zur Tür herein.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Weihrauch duftet süß und Birne</p>
-<p class="line">Und es dämmern Glas und Truh.</p>
-<p class="line">Langsam beugt die heiße Stirne</p>
-<p class="line">Sich den weißen Sternen zu.
+<p class="line">Weihrauch duftet süß und Birne</p>
+<p class="line">Und es dämmern Glas und Truh.</p>
+<p class="line">Langsam beugt die heiße Stirne</p>
+<p class="line">Sich den weißen Sternen zu.
</p>
</div>
@@ -654,37 +620,37 @@ AN DEN KNABEN ELIS</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,</p>
<p class="line">Dieses ist dein Untergang.</p>
-<p class="line">Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.</p>
+<p class="line">Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Laß, wenn deine Stirne leise blutet</p>
+<p class="line">Laß, wenn deine Stirne leise blutet</p>
<p class="line">Uralte Legenden</p>
<p class="line">Und dunkle Deutung des Vogelflugs.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,</p>
-<p class="line">Die voll purpurner Trauben hängt</p>
-<p class="line">Und du regst die Arme schöner im Blau.</p>
+<p class="line">Die voll purpurner Trauben hängt</p>
+<p class="line">Und du regst die Arme schöner im Blau.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein Dornenbusch tönt,</p>
+<p class="line">Ein Dornenbusch tönt,</p>
<p class="line">Wo deine mondenen Augen sind.</p>
<p class="line">O, wie lange bist, Elis, du verstorben.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Dein Leib ist eine Hyazinthe,</p>
-<p class="line">In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.</p>
-<p class="line">Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,</p>
+<p class="line">In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.</p>
+<p class="line">Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt</p>
<p class="line">Und langsam die schweren Lider senkt.</p>
-<p class="line">Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,</p>
+<p class="line">Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -705,23 +671,23 @@ DER GEWITTERABEND</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Staub tanzt im Gestank der Gossen.</p>
-<p class="line">Klirrend stößt der Wind in Scheiben.</p>
+<p class="line">Klirrend stößt der Wind in Scheiben.</p>
<p class="line">Einen Zug von wilden Rossen</p>
<p class="line">Blitze grelle Wolken treiben.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Laut zerspringt der Weiherspiegel.</p>
-<p class="line">Möven schrein am Fensterrahmen.</p>
-<p class="line">Feuerreiter sprengt vom Hügel</p>
+<p class="line">Möven schrein am Fensterrahmen.</p>
+<p class="line">Feuerreiter sprengt vom Hügel</p>
<p class="line">Und zerschellt im Tann zu Flammen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Kranke kreischen im Spitale.</p>
-<p class="line">Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.</p>
+<p class="line">Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.</p>
<p class="line">Glitzernd braust mit einem Male</p>
-<p class="line">Regen auf die Dächer nieder.
+<p class="line">Regen auf die Dächer nieder.
</p>
</div>
@@ -731,60 +697,60 @@ ABENDMUSE</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Ans Blumenfenster wieder kehrt des Kirchturms Schatten</p>
-<p class="line">Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen.</p>
-<p class="line">Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen &mdash;</p>
-<p class="line">Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten.</p>
+<p class="line">Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen.</p>
+<p class="line">Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen &mdash;</p>
+<p class="line">Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden.</p>
-<p class="line">Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge.</p>
-<p class="line">In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge,</p>
+<p class="line">Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden.</p>
+<p class="line">Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge.</p>
+<p class="line">In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge,</p>
<p class="line">Wo Freunde nach dem Mahle sich zusammenfinden.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne.</p>
-<p class="line">Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten.</p>
-<p class="line">Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten;</p>
-<p class="line">Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne.</p>
+<p class="line">Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne.</p>
+<p class="line">Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten.</p>
+<p class="line">Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten;</p>
+<p class="line">Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider</p>
-<p class="line">Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen.</p>
+<p class="line">Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider</p>
+<p class="line">Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen.</p>
<p class="line">Endymion taucht aus dem Dunkel alter Eichen</p>
-<p class="line">Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder.
+<p class="line">Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-15">
<a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a>
-TRAUM DES BÖSEN</h2>
+TRAUM DES BÖSEN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge &mdash;</p>
+<p class="line">Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge &mdash;</p>
<p class="line">Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern</p>
<p class="line">Die Wang&rsquo; an Flammen, die im Fenster flimmern.</p>
-<p class="line">Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.</p>
+<p class="line">Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.</p>
+<p class="line">Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.</p>
<p class="line">Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern.</p>
-<p class="line">Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;</p>
-<p class="line">Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.</p>
+<p class="line">Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;</p>
+<p class="line">Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.</p>
-<p class="line">Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;</p>
-<p class="line">Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.</p>
+<p class="line">Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.</p>
+<p class="line">Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;</p>
+<p class="line">Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen</p>
-<p class="line">Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.</p>
+<p class="line">Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.</p>
<p class="line">Im Park erblicken zitternd sich Geschwister.
</p>
</div>
@@ -803,8 +769,8 @@ GEISTLICHES LIED</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Hör&rsquo; im Dorf sich viele freun,</p>
-<p class="line">Gärtner an der Mauer mäht,</p>
+<p class="line">Hör&rsquo; im Dorf sich viele freun,</p>
+<p class="line">Gärtner an der Mauer mäht,</p>
<p class="line">Leise eine Orgel geht,</p>
<p class="line">Mischet Klang und goldenen Schein,</p>
<p class="line">Klang und Schein.</p>
@@ -812,18 +778,18 @@ GEISTLICHES LIED</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Mädchen kommen auch herein</p>
-<p class="line">Und der Hahn zum letzten kräht.</p>
+<p class="line">Mädchen kommen auch herein</p>
+<p class="line">Und der Hahn zum letzten kräht.</p>
<p class="line">Sacht ein morsches Gitter geht</p>
<p class="line">Und in Rosen Kranz und Reihn,</p>
<p class="line">Rosenreihn</p>
-<p class="line">Ruht Maria weiß und fein.</p>
+<p class="line">Ruht Maria weiß und fein.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bettler dort am alten Stein</p>
<p class="line">Scheint verstorben im Gebet,</p>
-<p class="line">Sanft ein Hirt vom Hügel geht</p>
+<p class="line">Sanft ein Hirt vom Hügel geht</p>
<p class="line">Und ein Engel singt im Hain,</p>
<p class="line">Nah am Hain</p>
<p class="line">Kinder in den Schlaf hinein.
@@ -837,14 +803,14 @@ IM HERBST</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,</p>
<p class="line">Still sitzen Kranke im Sonnenschein.</p>
-<p class="line">Im Acker mühn sich singend die Frau&rsquo;n,</p>
-<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p>
+<p class="line">Im Acker mühn sich singend die Frau&rsquo;n,</p>
+<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Vögel sagen dir ferne Mär&rsquo;,</p>
-<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p>
-<p class="line">Vom Hof tönt sanft die Geige her.</p>
+<p class="line">Die Vögel sagen dir ferne Mär&rsquo;,</p>
+<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p>
+<p class="line">Vom Hof tönt sanft die Geige her.</p>
<p class="line">Heut keltern sie den braunen Wein.</p>
</div>
@@ -852,7 +818,7 @@ IM HERBST</h2>
<p class="line">Da zeigt der Mensch sich froh und lind.</p>
<p class="line">Heut keltern sie den braunen Wein.</p>
<p class="line">Weit offen die Totenkammern sind</p>
-<p class="line">Und schön bemalt vom Sonnenschein.
+<p class="line">Und schön bemalt vom Sonnenschein.
</p>
</div>
@@ -861,13 +827,13 @@ IM HERBST</h2>
ZU ABEND MEIN HERZ</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse.</p>
+<p class="line">Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse.</p>
<p class="line">Zwei Rappen springen auf der Wiese.</p>
<p class="line">Der rote Ahorn rauscht.</p>
<p class="line">Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg.</p>
-<p class="line">Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse.</p>
-<p class="line">Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald.</p>
-<p class="line">Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken.</p>
+<p class="line">Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse.</p>
+<p class="line">Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald.</p>
+<p class="line">Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken.</p>
<p class="line">Auf das Gesicht tropft Tau.
</p>
</div>
@@ -877,36 +843,36 @@ ZU ABEND MEIN HERZ</h2>
DIE BAUERN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Vorm Fenster tönendes Grün und Rot.</p>
-<p class="line">Im schwarzverräucherten, niederen Saal</p>
-<p class="line">Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl;</p>
+<p class="line">Vorm Fenster tönendes Grün und Rot.</p>
+<p class="line">Im schwarzverräucherten, niederen Saal</p>
+<p class="line">Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl;</p>
<p class="line">Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Im tiefen Schweigen der Mittagszeit</p>
-<p class="line">Fällt bisweilen ein karges Wort.</p>
-<p class="line">Die Äcker flimmern in einem fort</p>
+<p class="line">Fällt bisweilen ein karges Wort.</p>
+<p class="line">Die Äcker flimmern in einem fort</p>
<p class="line">Und der Himmel bleiern und weit.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Fratzenhaft flackert im Herd die Glut</p>
<p class="line">Und ein Schwarm von Fliegen summt.</p>
-<p class="line">Die Mägde lauschen blöd und verstummt</p>
-<p class="line">Und ihre Schläfen hämmert das Blut.</p>
+<p class="line">Die Mägde lauschen blöd und verstummt</p>
+<p class="line">Und ihre Schläfen hämmert das Blut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier,</p>
<p class="line">Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht.</p>
-<p class="line">Eintönig spricht ein Knecht das Gebet</p>
-<p class="line">Und ein Hahn kräht unter der Tür.</p>
+<p class="line">Eintönig spricht ein Knecht das Gebet</p>
+<p class="line">Und ein Hahn kräht unter der Tür.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt</p>
-<p class="line">Sie oft im tosenden Ährengebraus</p>
+<p class="line">Sie oft im tosenden Ährengebraus</p>
<p class="line">Und klirrend schwingen ein und aus</p>
<p class="line">Die Sensen geisterhaft im Takt.
</p>
@@ -920,15 +886,15 @@ ALLERSEELEN</h2>
</p>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,</p>
+<p class="line">Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,</p>
<p class="line">Sie streuen heute Blumen blau und rot</p>
-<p class="line">Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.</p>
+<p class="line">Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.</p>
<p class="line">Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,</p>
-<p class="line">Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.</p>
+<p class="line">Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.</p>
<p class="line">Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,</p>
<p class="line">Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.</p>
</div>
@@ -941,8 +907,8 @@ ALLERSEELEN</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.</p>
-<p class="line">Erbarm&rsquo; dich Gott der Frauen Höll&rsquo; und Qual,</p>
+<p class="line">Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.</p>
+<p class="line">Erbarm&rsquo; dich Gott der Frauen Höll&rsquo; und Qual,</p>
<p class="line">Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.</p>
<p class="line">Einsame wandeln still im Sternensaal.
</p>
@@ -953,14 +919,14 @@ ALLERSEELEN</h2>
MELANCHOLIE</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,</p>
-<p class="line">Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.</p>
-<p class="line">Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten</p>
-<p class="line">Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.</p>
-<p class="line">Des Todes ernste Düsternis bereiten</p>
-<p class="line">Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen</p>
+<p class="line">Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,</p>
+<p class="line">Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.</p>
+<p class="line">Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten</p>
+<p class="line">Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.</p>
+<p class="line">Des Todes ernste Düsternis bereiten</p>
+<p class="line">Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen</p>
<p class="line">Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen</p>
-<p class="line">Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.
+<p class="line">Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten.
</p>
</div>
@@ -969,10 +935,10 @@ MELANCHOLIE</h2>
SEELE DES LEBENS</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Verfall, der weich das Laub umdüstert,</p>
+<p class="line">Verfall, der weich das Laub umdüstert,</p>
<p class="line">Es wohnt im Wald sein weites Schweigen.</p>
<p class="line">Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen.</p>
-<p class="line">Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.</p>
+<p class="line">Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -983,35 +949,35 @@ SEELE DES LEBENS</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der blaue Fluß rinnt schön hinunter,</p>
-<p class="line">Gewölke sich am Abend zeigen;</p>
+<p class="line">Der blaue Fluß rinnt schön hinunter,</p>
+<p class="line">Gewölke sich am Abend zeigen;</p>
<p class="line">Die Seele auch in engelhaftem Schweigen.</p>
-<p class="line">Vergängliche Gebilde gehen unter.
+<p class="line">Vergängliche Gebilde gehen unter.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-23">
<a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a>
-VERKLÄRTER HERBST</h2>
+VERKLÄRTER HERBST</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Gewaltig endet so das Jahr</p>
-<p class="line">Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.</p>
-<p class="line">Rund schweigen Wälder wunderbar</p>
-<p class="line">Und sind des Einsamen Gefährten.</p>
+<p class="line">Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.</p>
+<p class="line">Rund schweigen Wälder wunderbar</p>
+<p class="line">Und sind des Einsamen Gefährten.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Da sagt der Landmann: Es ist gut.</p>
<p class="line">Ihr Abendglocken lang und leise</p>
<p class="line">Gebt noch zum Ende frohen Mut.</p>
-<p class="line">Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.</p>
+<p class="line">Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Es ist der Liebe milde Zeit.</p>
-<p class="line">Im Kahn den blauen Fluß hinunter</p>
-<p class="line">Wie schön sich Bild an Bildchen reiht &mdash;</p>
+<p class="line">Im Kahn den blauen Fluß hinunter</p>
+<p class="line">Wie schön sich Bild an Bildchen reiht &mdash;</p>
<p class="line">Das geht in Ruh und Schweigen unter.
</p>
</div>
@@ -1025,28 +991,28 @@ WINKEL AM WALD</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute</p>
-<p class="line">In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.</p>
+<p class="line">In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.</p>
<p class="line">Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,</p>
<p class="line">Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;</p>
-<p class="line">Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.</p>
-<p class="line">Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.</p>
+<p class="line">Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.</p>
+<p class="line">Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.</p>
<p class="line">Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.</p>
-<p class="line">Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.</p>
-<p class="line">Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;</p>
+<p class="line">Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.</p>
+<p class="line">Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;</p>
<p class="line">Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.</p>
-<p class="line">Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet.</p>
+<p class="line">Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.</p>
+<p class="line">Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet.</p>
<p class="line">Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet;</p>
<p class="line">Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle.
</p>
@@ -1057,22 +1023,22 @@ WINKEL AM WALD</h2>
IM WINTER</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Acker leuchtet weiß und kalt.</p>
+<p class="line">Der Acker leuchtet weiß und kalt.</p>
<p class="line">Der Himmel ist einsam und ungeheuer.</p>
-<p class="line">Dohlen kreisen über dem Weiher</p>
-<p class="line">Und Jäger steigen nieder vom Wald.</p>
+<p class="line">Dohlen kreisen über dem Weiher</p>
+<p class="line">Und Jäger steigen nieder vom Wald.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.</p>
-<p class="line">Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.</p>
+<p class="line">Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.</p>
<p class="line">Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten</p>
<p class="line">Und langsam steigt der graue Mond.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Wild verblutet sanft am Rain</p>
-<p class="line">Und Raben plätschern in blutigen Gossen.</p>
+<p class="line">Und Raben plätschern in blutigen Gossen.</p>
<p class="line">Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.</p>
<p class="line">Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain.
</p>
@@ -1085,13 +1051,13 @@ IN EIN ALTES STAMMBUCH</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Immer wieder kehrst du, Melancholie,</p>
<p class="line">O Sanftmut der einsamen Seele.</p>
-<p class="line">Zu Ende glüht ein goldener Tag.</p>
+<p class="line">Zu Ende glüht ein goldener Tag.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige</p>
-<p class="line">Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.</p>
-<p class="line">Siehe! es dämmert schon.</p>
+<p class="line">Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.</p>
+<p class="line">Siehe! es dämmert schon.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1101,7 +1067,7 @@ IN EIN ALTES STAMMBUCH</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Schaudernd unter herbstlichen Sternen</p>
-<p class="line">Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.
+<p class="line">Neigt sich jährlich tiefer das Haupt.
</p>
</div>
@@ -1110,9 +1076,9 @@ IN EIN ALTES STAMMBUCH</h2>
VERWANDLUNG</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt:</p>
-<p class="line">Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.</p>
-<p class="line">Des Menschen Hände tragen braune Reben,</p>
+<p class="line">Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt:</p>
+<p class="line">Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.</p>
+<p class="line">Des Menschen Hände tragen braune Reben,</p>
<p class="line">Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.</p>
</div>
@@ -1120,14 +1086,14 @@ VERWANDLUNG</h2>
<p class="line">Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land</p>
<p class="line">Erscheinender in roter Buchen Schweigen.</p>
<p class="line">Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen</p>
-<p class="line">Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.</p>
+<p class="line">Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Geruhiges vor einer Schenke spielt,</p>
<p class="line">Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken.</p>
-<p class="line">Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken,</p>
-<p class="line">Resedenduft, der Weibliches umspült.
+<p class="line">Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken,</p>
+<p class="line">Resedenduft, der Weibliches umspült.
</p>
</div>
@@ -1136,38 +1102,38 @@ VERWANDLUNG</h2>
KLEINES KONZERT</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert &mdash;</p>
-<p class="line">Durch deine Hände scheint die Sonne.</p>
-<p class="line">Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne</p>
+<p class="line">Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert &mdash;</p>
+<p class="line">Durch deine Hände scheint die Sonne.</p>
+<p class="line">Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne</p>
<p class="line">Sich still zu einer Tat bereiten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In Mittag strömen gelbe Felder.</p>
-<p class="line">Kaum hörst du noch der Grillen Singen,</p>
-<p class="line">Der Mäher hartes Sensenschwingen.</p>
-<p class="line">Einfältig schweigen goldene Wälder.</p>
+<p class="line">In Mittag strömen gelbe Felder.</p>
+<p class="line">Kaum hörst du noch der Grillen Singen,</p>
+<p class="line">Der Mäher hartes Sensenschwingen.</p>
+<p class="line">Einfältig schweigen goldene Wälder.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Im grünen Tümpel glüht Verwesung.</p>
+<p class="line">Im grünen Tümpel glüht Verwesung.</p>
<p class="line">Die Fische stehen still. Gottes Odem</p>
<p class="line">Weckt sacht ein Saitenspiel im Brodem.</p>
-<p class="line">Aussätzigen winkt die Flut Genesung.</p>
+<p class="line">Aussätzigen winkt die Flut Genesung.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Geist Dädals schwebt in blauen Schatten,</p>
+<p class="line">Geist Dädals schwebt in blauen Schatten,</p>
<p class="line">Ein Duft von Milch in Haselzweigen.</p>
-<p class="line">Man hört noch lang den Lehrer geigen,</p>
+<p class="line">Man hört noch lang den Lehrer geigen,</p>
<p class="line">Im leeren Hof den Schrei der Ratten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Im Krug an scheußlichen Tapeten</p>
-<p class="line">Blühn kühlere Violenfarben.</p>
+<p class="line">Im Krug an scheußlichen Tapeten</p>
+<p class="line">Blühn kühlere Violenfarben.</p>
<p class="line">Im Hader dunkle Stimmen starben,</p>
-<p class="line">Narziß im Endakkord von Flöten.
+<p class="line">Narziß im Endakkord von Flöten.
</p>
</div>
@@ -1176,15 +1142,15 @@ KLEINES KONZERT</h2>
MENSCHHEIT</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,</p>
+<p class="line">Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,</p>
<p class="line">Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,</p>
<p class="line">Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt,</p>
<p class="line">Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen:</p>
<p class="line">Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld.</p>
-<p class="line">Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.</p>
+<p class="line">Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.</p>
<p class="line">Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen</p>
-<p class="line">Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.</p>
-<p class="line">Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;</p>
+<p class="line">Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.</p>
+<p class="line">Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;</p>
<p class="line">Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal.
</p>
</div>
@@ -1196,9 +1162,9 @@ DER SPAZIERGANG</h2>
<h3 class="no" id="no-30-1">1.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Musik summt im Gehölz am Nachmittag.</p>
+<p class="line">Musik summt im Gehölz am Nachmittag.</p>
<p class="line">Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn.</p>
-<p class="line">Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn;</p>
+<p class="line">Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn;</p>
<p class="line">Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag.</p>
</div>
@@ -1210,7 +1176,7 @@ DER SPAZIERGANG</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar,</p>
+<p class="line">Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar,</p>
<p class="line">Auch schreibt ein ferner Freund dir einen Brief.</p>
<p class="line">Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief</p>
<p class="line">Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar.</p>
@@ -1219,24 +1185,24 @@ DER SPAZIERGANG</h2>
<h3 class="no" id="no-30-2">2.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Zeit verrinnt. O süßer Helios!</p>
-<p class="line">O Bild im Krötentümpel süß und klar;</p>
+<p class="line">Die Zeit verrinnt. O süßer Helios!</p>
+<p class="line">O Bild im Krötentümpel süß und klar;</p>
<p class="line">Im Sand versinkt ein Eden wunderbar.</p>
-<p class="line">Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß.</p>
+<p class="line">Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land</p>
-<p class="line">Und stählern schaun dich deine Augen an.</p>
+<p class="line">Und stählern schaun dich deine Augen an.</p>
<p class="line">In Goldnem dort ein Duft von Thymian.</p>
<p class="line">Ein Knabe legt am Weiler einen Brand.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Liebenden in Faltern neu erglühn</p>
+<p class="line">Die Liebenden in Faltern neu erglühn</p>
<p class="line">Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl.</p>
-<p class="line">Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl</p>
-<p class="line">Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün.
+<p class="line">Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl</p>
+<p class="line">Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün.
</p>
</div>
@@ -1246,7 +1212,7 @@ DER SPAZIERGANG</h2>
Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.</p>
<p class="line">Nachgleitet dir ein heller Kindertag,</p>
<p class="line">Der graue Wind, der flatterhaft und vag</p>
-<p class="line">Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült.</p>
+<p class="line">Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült.</p>
</div>
<h3 class="no" id="no-30-3">3.</h3>
@@ -1254,22 +1220,22 @@ Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.</p>
<div class="poem">
<p class="line">Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang.</p>
<p class="line">Am Wegrand fromm ein Weib ihr Kindlein stillt.</p>
-<p class="line">Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt.</p>
-<p class="line">Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang.</p>
+<p class="line">Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt.</p>
+<p class="line">Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn.</p>
-<p class="line">Nach Früchten tastet silbern deine Hand.</p>
+<p class="line">Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn.</p>
+<p class="line">Nach Früchten tastet silbern deine Hand.</p>
<p class="line">Die tote Rahel geht durchs Ackerland.</p>
-<p class="line">Mit friedlicher Geberde winkt das Grün.</p>
+<p class="line">Mit friedlicher Geberde winkt das Grün.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß,</p>
-<p class="line">Die träumend dort am alten Brunnen stehn.</p>
+<p class="line">Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß,</p>
+<p class="line">Die träumend dort am alten Brunnen stehn.</p>
<p class="line">Einsame froh auf stillen Pfaden gehn</p>
-<p class="line">Mit Gottes Kreaturen sündelos.
+<p class="line">Mit Gottes Kreaturen sündelos.
</p>
</div>
@@ -1278,27 +1244,27 @@ Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.</p>
DE PROFUNDIS</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.</p>
+<p class="line">Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.</p>
<p class="line">Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.</p>
-<p class="line">Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist</p>
+<p class="line">Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist</p>
<p class="line">Wie traurig dieser Abend.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Am Weiler vorbei</p>
-<p class="line">Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.</p>
-<p class="line">Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung</p>
-<p class="line">Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.</p>
+<p class="line">Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.</p>
+<p class="line">Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung</p>
+<p class="line">Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Bei der Heimkehr</p>
-<p class="line">Fanden die Hirten den süßen Leib</p>
+<p class="line">Fanden die Hirten den süßen Leib</p>
<p class="line">Verwest im Dornenbusch.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.</p>
+<p class="line">Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.</p>
<p class="line">Gottes Schweigen</p>
<p class="line">Trank ich aus dem Brunnen des Hains.</p>
</div>
@@ -1306,13 +1272,13 @@ DE PROFUNDIS</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Auf meine Stirne tritt kaltes Metall</p>
<p class="line">Spinnen suchen mein Herz.</p>
-<p class="line">Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.</p>
+<p class="line">Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Nachts fand ich mich auf einer Heide,</p>
<p class="line">Starrend von Unrat und Staub der Sterne.</p>
-<p class="line">Im Haselgebüsch</p>
+<p class="line">Im Haselgebüsch</p>
<p class="line">Klangen wieder kristallne Engel.
</p>
</div>
@@ -1323,9 +1289,9 @@ TROMPETEN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Unter verschnittenen Weiden, wo braune Kinder spielen</p>
-<p class="line">Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer.</p>
-<p class="line">Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer,</p>
-<p class="line">Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen.</p>
+<p class="line">Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer.</p>
+<p class="line">Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer,</p>
+<p class="line">Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1338,19 +1304,19 @@ TROMPETEN</h2>
<h2 class="chapter" id="ch-33">
<a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a>
-DÄMMERUNG</h2>
+DÄMMERUNG</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,</p>
-<p class="line">Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.</p>
-<p class="line">Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,</p>
-<p class="line">Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.</p>
+<p class="line">Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,</p>
+<p class="line">Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.</p>
+<p class="line">Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,</p>
+<p class="line">Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein.</p>
-<p class="line">Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.</p>
-<p class="line">Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,</p>
+<p class="line">Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein.</p>
+<p class="line">Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.</p>
+<p class="line">Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,</p>
<p class="line">Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.</p>
</div>
@@ -1362,58 +1328,58 @@ DÄMMERUNG</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;</p>
-<p class="line">Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern</p>
-<p class="line">Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden.
+<p class="line">Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern</p>
+<p class="line">Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-34">
<a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a>
-HEITERER FRÜHLING</h2>
+HEITERER FRÜHLING</h2>
<h3 class="no" id="no-34-1">1.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,</p>
-<p class="line">Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.</p>
-<p class="line">Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,</p>
-<p class="line">Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.</p>
+<p class="line">Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,</p>
+<p class="line">Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.</p>
+<p class="line">Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,</p>
+<p class="line">Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,</p>
-<p class="line">Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.</p>
+<p class="line">An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,</p>
+<p class="line">Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.</p>
<p class="line">Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt,</p>
<p class="line">Ein Kind steht in Konturen weich und lind.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch,</p>
-<p class="line">Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.</p>
-<p class="line">Hell Grünes blüht und anderes verwest</p>
-<p class="line">Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch.</p>
+<p class="line">Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.</p>
+<p class="line">Hell Grünes blüht und anderes verwest</p>
+<p class="line">Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch.</p>
</div>
<h3 class="no" id="no-34-2">2.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.</p>
-<p class="line">Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.</p>
-<p class="line">Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;</p>
-<p class="line">Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.</p>
+<p class="line">Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.</p>
+<p class="line">Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.</p>
+<p class="line">Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;</p>
+<p class="line">Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In Gärten sinken Glocken lang und leis</p>
-<p class="line">Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt.</p>
-<p class="line">Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt</p>
-<p class="line">Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.</p>
+<p class="line">In Gärten sinken Glocken lang und leis</p>
+<p class="line">Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt.</p>
+<p class="line">Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt</p>
+<p class="line">Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!</p>
-<p class="line">In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.</p>
-<p class="line">Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl</p>
+<p class="line">Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!</p>
+<p class="line">In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.</p>
+<p class="line">Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl</p>
<p class="line">Und Knospen knistern heiter dann und wann.
</p>
</div>
@@ -1426,19 +1392,19 @@ HEITERER FRÜHLING</h2>
<p class="line">Wie scheint doch alles Werdende so krank!</p>
<p class="line">Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist;</p>
<p class="line">Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist</p>
-<p class="line">Und öffnet das Gemüte weit und bang.</p>
+<p class="line">Und öffnet das Gemüte weit und bang.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht</p>
+<p class="line">Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht</p>
<p class="line">Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh.</p>
-<p class="line">Die Liebenden blühn ihren Sternen zu</p>
-<p class="line">Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.</p>
+<p class="line">Die Liebenden blühn ihren Sternen zu</p>
+<p class="line">Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt;</p>
-<p class="line">Und leise rührt dich an ein alter Stein:</p>
+<p class="line">Und leise rührt dich an ein alter Stein:</p>
<p class="line">Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein.</p>
<p class="line">O Mund! der durch die Silberweide bebt.
</p>
@@ -1446,46 +1412,46 @@ HEITERER FRÜHLING</h2>
<h2 class="chapter" id="ch-35">
<a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a>
-VORSTADT IM FÖHN</h2>
+VORSTADT IM FÖHN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Am Abend liegt die Stätte öd und braun,</p>
-<p class="line">Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.</p>
-<p class="line">Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen &mdash;</p>
-<p class="line">Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.</p>
+<p class="line">Am Abend liegt die Stätte öd und braun,</p>
+<p class="line">Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.</p>
+<p class="line">Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen &mdash;</p>
+<p class="line">Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,</p>
-<p class="line">In Gärten Durcheinander und Bewegung,</p>
+<p class="line">Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,</p>
+<p class="line">In Gärten Durcheinander und Bewegung,</p>
<p class="line">Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,</p>
<p class="line">In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.</p>
-<p class="line">In Körben tragen Frauen Eingeweide,</p>
-<p class="line">Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,</p>
-<p class="line">Kommen sie aus der Dämmerung hervor.</p>
+<p class="line">In Körben tragen Frauen Eingeweide,</p>
+<p class="line">Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,</p>
+<p class="line">Kommen sie aus der Dämmerung hervor.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut</p>
-<p class="line">Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.</p>
-<p class="line">Die Föhne färben karge Stauden bunter</p>
-<p class="line">Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.</p>
+<p class="line">Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut</p>
+<p class="line">Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.</p>
+<p class="line">Die Föhne färben karge Stauden bunter</p>
+<p class="line">Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.</p>
-<p class="line">Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,</p>
-<p class="line">Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,</p>
+<p class="line">Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.</p>
+<p class="line">Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,</p>
+<p class="line">Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,</p>
<p class="line">Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,</p>
-<p class="line">Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.</p>
+<p class="line">Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.</p>
<p class="line">Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern</p>
<p class="line">Und manchmal rosenfarbene Moscheen.
</p>
@@ -1496,7 +1462,7 @@ VORSTADT IM FÖHN</h2>
DIE RATTEN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">In Hof scheint weiß der herbstliche Mond.</p>
+<p class="line">In Hof scheint weiß der herbstliche Mond.</p>
<p class="line">Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.</p>
<p class="line">Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;</p>
<p class="line">Da tauchen leise herauf die Ratten</p>
@@ -1504,79 +1470,79 @@ DIE RATTEN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Und huschen pfeifend hier und dort</p>
-<p class="line">Und ein gräulicher Dunsthauch wittert</p>
+<p class="line">Und ein gräulicher Dunsthauch wittert</p>
<p class="line">Ihnen nach aus dem Abort,</p>
<p class="line">Den geisterhaft der Mondschein durchzittert</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Und sie keifen vor Gier wie toll</p>
-<p class="line">Und erfüllen Haus und Scheunen,</p>
-<p class="line">Die von Korn und Früchten voll.</p>
+<p class="line">Und erfüllen Haus und Scheunen,</p>
+<p class="line">Die von Korn und Früchten voll.</p>
<p class="line">Eisige Winde im Dunkel greinen.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-37">
<a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a>
-TRÜBSINN</h2>
+TRÜBSINN</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Weltunglück geistert durch den Nachmittag.</p>
-<p class="line">Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.</p>
+<p class="line">Weltunglück geistert durch den Nachmittag.</p>
+<p class="line">Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.</p>
<p class="line">Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist,</p>
-<p class="line">Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.</p>
+<p class="line">Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind</p>
+<p class="line">Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind</p>
<p class="line">Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt.</p>
-<p class="line">Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.</p>
+<p class="line">Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.</p>
<p class="line">Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Am Abend wieder über meinem Haupt</p>
+<p class="line">Am Abend wieder über meinem Haupt</p>
<p class="line">Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick.</p>
-<p class="line">Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück</p>
+<p class="line">Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück</p>
<p class="line">Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach;</p>
-<p class="line">Und leise rührt des toten Freundes Hand</p>
-<p class="line">Und glättet liebend Stirne und Gewand.</p>
+<p class="line">Und leise rührt des toten Freundes Hand</p>
+<p class="line">Und glättet liebend Stirne und Gewand.</p>
<p class="line">Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach.
</p>
</div>
<h2 class="chapter" id="ch-38">
<a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a>
-IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT</h2>
+IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Sonne, herbstlich dünn und zag,</p>
-<p class="line">Und das Obst fällt von den Bäumen</p>
-<p class="line">Stille wohnt in blauen Räumen.</p>
+<p class="line">Sonne, herbstlich dünn und zag,</p>
+<p class="line">Und das Obst fällt von den Bäumen</p>
+<p class="line">Stille wohnt in blauen Räumen.</p>
<p class="line">Einen langen Nachmittag.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Sterbeklänge von Metall;</p>
-<p class="line">Und ein weißes Tier bricht nieder.</p>
-<p class="line">Brauner Mädchen rauhe Lieder</p>
-<p class="line">Sind verweht im Blätterfall.</p>
+<p class="line">Sterbeklänge von Metall;</p>
+<p class="line">Und ein weißes Tier bricht nieder.</p>
+<p class="line">Brauner Mädchen rauhe Lieder</p>
+<p class="line">Sind verweht im Blätterfall.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Stirne Gottes Farben träumt,</p>
-<p class="line">Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.</p>
-<p class="line">Schatten drehen sich am Hügel</p>
-<p class="line">Von Verwesung schwarz umsäumt.</p>
+<p class="line">Stirne Gottes Farben träumt,</p>
+<p class="line">Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.</p>
+<p class="line">Schatten drehen sich am Hügel</p>
+<p class="line">Von Verwesung schwarz umsäumt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Dämmerung voll Ruh und Wein;</p>
+<p class="line">Dämmerung voll Ruh und Wein;</p>
<p class="line">Traurige Guitarren rinnen.</p>
<p class="line">Und zur milden Lampe drinnen</p>
<p class="line">Kehrst du wie im Traume ein.
@@ -1591,66 +1557,66 @@ PSALM</h2>
</p>
<div class="poem">
-<p class="line">Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat.</p>
-<p class="line">Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt.</p>
-<p class="line">Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen.</p>
-<p class="line">Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben.</p>
-<p class="line">Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee,</p>
-<p class="line">Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln.</p>
-<p class="line">Die Männer führen kriegerische Tänze auf.</p>
-<p class="line">Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen,</p>
+<p class="line">Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat.</p>
+<p class="line">Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt.</p>
+<p class="line">Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen.</p>
+<p class="line">Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben.</p>
+<p class="line">Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee,</p>
+<p class="line">Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln.</p>
+<p class="line">Die Männer führen kriegerische Tänze auf.</p>
+<p class="line">Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen,</p>
<p class="line">Wenn das Meer singt. O unser verlorenes Paradies.</p>
</div>
<p class="tb">*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*</p>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen.</p>
-<p class="line">Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an.</p>
+<p class="line">Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen.</p>
+<p class="line">Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an.</p>
<p class="line">Der Sohn des Pan erscheint in Gestalt eines Erdarbeiters,</p>
-<p class="line">Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft.</p>
-<p class="line">Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut!</p>
-<p class="line">Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten.</p>
+<p class="line">Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft.</p>
+<p class="line">Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut!</p>
+<p class="line">Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten.</p>
<p class="line">Es sind Schatten, die sich vor einem erblindeten Spiegel umarmen.</p>
-<p class="line">An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende.</p>
-<p class="line">Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf.</p>
+<p class="line">An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende.</p>
+<p class="line">Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf.</p>
</div>
<p class="tb">*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*</p>
<div class="poem">
-<p class="line">Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen.</p>
-<p class="line">Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen.</p>
-<p class="line">Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach.
+<p class="line">Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen.</p>
+<p class="line">Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen.</p>
+<p class="line">Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach.
</p>
<p class="line">
<a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a>
Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe herab.</p>
-<p class="line">Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen.</p>
-<p class="line">Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher.</p>
-<p class="line">Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels.</p>
-<p class="line">Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee,</p>
-<p class="line">Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden.</p>
+<p class="line">Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen.</p>
+<p class="line">Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher.</p>
+<p class="line">Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels.</p>
+<p class="line">Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee,</p>
+<p class="line">Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden.</p>
</div>
<p class="tb">*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*</p>
<div class="poem">
<p class="line">Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt.</p>
-<p class="line">In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.</p>
+<p class="line">In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.</p>
<p class="line">Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer.</p>
-<p class="line">Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln.</p>
-<p class="line">Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.</p>
+<p class="line">Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln.</p>
+<p class="line">Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.</p>
<p class="line">Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der Kindheit.</p>
-<p class="line">Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei</p>
+<p class="line">Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei</p>
<p class="line">Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder.</p>
-<p class="line">In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen.</p>
+<p class="line">In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen.</p>
</div>
<p class="tb">*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;&nbsp;*</p>
<div class="poem">
-<p class="line">Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen.
+<p class="line">Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen.
</p>
</div>
@@ -1663,14 +1629,14 @@ ROSENKRANZLIEDER</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Wo du gehst wird Herbst und Abend,</p>
-<p class="line">Blaues Wild, das unter Bäumen tönt,</p>
+<p class="line">Blaues Wild, das unter Bäumen tönt,</p>
<p class="line">Einsamer Weiher am Abend.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Leise der Flug der Vögel tönt,</p>
-<p class="line">Die Schwermut über deinen Augenbogen.</p>
-<p class="line">Dein schmales Lächeln tönt.</p>
+<p class="line">Leise der Flug der Vögel tönt,</p>
+<p class="line">Die Schwermut über deinen Augenbogen.</p>
+<p class="line">Dein schmales Lächeln tönt.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1679,24 +1645,24 @@ ROSENKRANZLIEDER</h2>
<p class="line">Deinen Stirnenbogen.</p>
</div>
-<h3 class="sub" id="no-2">NÄHE DES TODES</h3>
+<h3 class="sub" id="no-2">NÄHE DES TODES</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht.</p>
+<p class="line">O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht.</p>
<p class="line">Der Weiher unter den Weiden</p>
-<p class="line">Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.</p>
+<p class="line">Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O der Wald, der leise die braunen Augen senkt,</p>
-<p class="line">Da aus des Einsamen knöchernen Händen</p>
-<p class="line">Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.</p>
+<p class="line">Da aus des Einsamen knöchernen Händen</p>
+<p class="line">Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O die Nähe des Todes. Laß uns beten.</p>
-<p class="line">In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen</p>
-<p class="line">Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder.
+<p class="line">O die Nähe des Todes. Laß uns beten.</p>
+<p class="line">In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen</p>
+<p class="line">Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder.
</p>
</div>
@@ -1706,8 +1672,8 @@ AMEN</h3>
<div class="poem">
<p class="line">Verwestes gleitend durch die morsche Stube;</p>
-<p class="line">Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt</p>
-<p class="line">Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit.</p>
+<p class="line">Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt</p>
+<p class="line">Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1719,7 +1685,7 @@ AMEN</h3>
<div class="poem">
<p class="line">Blau ist auch der Abend;</p>
<p class="line">Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten,</p>
-<p class="line">Der ein braunes Gärtchen verdunkelt.
+<p class="line">Der ein braunes Gärtchen verdunkelt.
</p>
</div>
@@ -1728,17 +1694,17 @@ AMEN</h3>
VERFALL</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,</p>
-<p class="line">Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,</p>
-<p class="line">Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,</p>
+<p class="line">Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,</p>
+<p class="line">Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,</p>
+<p class="line">Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,</p>
<p class="line">Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten</p>
-<p class="line">Träum ich nach ihren helleren Geschicken</p>
-<p class="line">Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.</p>
-<p class="line">So folg ich über Wolken ihren Fahrten.</p>
+<p class="line">Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten</p>
+<p class="line">Träum ich nach ihren helleren Geschicken</p>
+<p class="line">Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.</p>
+<p class="line">So folg ich über Wolken ihren Fahrten.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -1749,8 +1715,8 @@ VERFALL</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Indes wie blasser Kinder Todesreigen</p>
-<p class="line">Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,</p>
-<p class="line">Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.
+<p class="line">Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,</p>
+<p class="line">Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen.
</p>
</div>
@@ -1760,28 +1726,28 @@ IN DER HEIMAT</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Resedenduft durchs kranke Fenster irrt;</p>
-<p class="line">Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst.</p>
-<p class="line">Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt</p>
+<p class="line">Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst.</p>
+<p class="line">Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt</p>
<p class="line">Auf die Geschwister traumhaft und verwirrt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt</p>
-<p class="line">Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt</p>
-<p class="line">Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt.</p>
+<p class="line">Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt</p>
+<p class="line">Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt</p>
+<p class="line">Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt.</p>
<p class="line">Durch blaue Luft der Ruf der Wache klirrt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl.</p>
-<p class="line">Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt</p>
-<p class="line">In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült.</p>
+<p class="line">Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl.</p>
+<p class="line">Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt</p>
+<p class="line">In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Der Katze Schatten gleitet blau und schmal</p>
-<p class="line">Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt,</p>
-<p class="line">Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt.
+<p class="line">Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt,</p>
+<p class="line">Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt.
</p>
</div>
@@ -1789,33 +1755,33 @@ IN DER HEIMAT</h2>
<a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a>
EIN HERBSTABEND</h2>
-<p class="dedication">An Karl Röck
+<p class="dedication">An Karl Röck
</p>
<div class="poem">
<p class="line">Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten</p>
<p class="line">Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn,</p>
<p class="line">Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn</p>
-<p class="line">In kühlen Stuben jener Bett bereiten.</p>
+<p class="line">In kühlen Stuben jener Bett bereiten.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten</p>
-<p class="line">Sich über braune Jauche. Mägde gehn</p>
-<p class="line">Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn</p>
-<p class="line">Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten.</p>
+<p class="line">Sich über braune Jauche. Mägde gehn</p>
+<p class="line">Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn</p>
+<p class="line">Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Für Einsames ist eine Schenke da;</p>
-<p class="line">Das säumt geduldig unter dunklen Bogen,</p>
-<p class="line">Von goldenem Tabaksgewölk umzogen.</p>
+<p class="line">Für Einsames ist eine Schenke da;</p>
+<p class="line">Das säumt geduldig unter dunklen Bogen,</p>
+<p class="line">Von goldenem Tabaksgewölk umzogen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Doch immer ist das Eigne schwarz und nah.</p>
<p class="line">Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen</p>
-<p class="line">Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen.
+<p class="line">Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen.
</p>
</div>
@@ -1824,45 +1790,45 @@ EIN HERBSTABEND</h2>
MENSCHLICHES ELEND</h2>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt &mdash;</p>
+<p class="line">Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt &mdash;</p>
<p class="line">Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen,</p>
-<p class="line">Im Abendgarten kahle Bäume sausen.</p>
+<p class="line">Im Abendgarten kahle Bäume sausen.</p>
<p class="line">Des Toten Antlitz sich am Fenster regt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Vielleicht, daß diese Stunde stille steht.</p>
-<p class="line">Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln</p>
+<p class="line">Vielleicht, daß diese Stunde stille steht.</p>
+<p class="line">Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln</p>
<p class="line">Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln.</p>
-<p class="line">Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht.</p>
+<p class="line">Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind,</p>
+<p class="line">Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind,</p>
<p class="line">Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen.</p>
-<p class="line">Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen,</p>
-<p class="line">Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind.</p>
+<p class="line">Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen,</p>
+<p class="line">Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Aus Händen sinken Astern blau und rot,</p>
-<p class="line">Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise;</p>
+<p class="line">Aus Händen sinken Astern blau und rot,</p>
+<p class="line">Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise;</p>
<p class="line">Und Lider flattern angstverwirrt und leise;</p>
-<p class="line">Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot.</p>
+<p class="line">Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei;</p>
+<p class="line">Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei;</p>
<p class="line">Gebeine durch verfallne Mauern schimmern.</p>
-<p class="line">Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern;</p>
-<p class="line">An einem Träumer läuft ein Hund vorbei.</p>
+<p class="line">Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern;</p>
+<p class="line">An einem Träumer läuft ein Hund vorbei.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert.</p>
-<p class="line">Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen,</p>
+<p class="line">Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen,</p>
<p class="line">Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen.</p>
-<p class="line">Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert.
+<p class="line">Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert.
</p>
</div>
@@ -1875,21 +1841,21 @@ IM DORF</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld.</p>
<p class="line">Ein Hirt verwest auf einem alten Stein.</p>
-<p class="line">Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein,</p>
-<p class="line">Das sanfte Laub, das in die Stille fällt.</p>
+<p class="line">Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein,</p>
+<p class="line">Das sanfte Laub, das in die Stille fällt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt</p>
-<p class="line">Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch,</p>
+<p class="line">Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt</p>
+<p class="line">Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch,</p>
<p class="line">Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch</p>
-<p class="line">Die kühle Stube, die der Tod versöhnt.</p>
+<p class="line">Die kühle Stube, die der Tod versöhnt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt</p>
+<p class="line">Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt</p>
<p class="line">Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt;</p>
-<p class="line">Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt</p>
+<p class="line">Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt</p>
<p class="line">Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt.</p>
</div>
@@ -1897,23 +1863,23 @@ IM DORF</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Der Arme, der im Geiste einsam starb,</p>
-<p class="line">Steigt wächsern über einen alten Pfad.</p>
-<p class="line">Die Apfelbäume sinken kahl und stad</p>
+<p class="line">Steigt wächsern über einen alten Pfad.</p>
+<p class="line">Die Apfelbäume sinken kahl und stad</p>
<p class="line">Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh</p>
-<p class="line">Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd</p>
+<p class="line">Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh</p>
+<p class="line">Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd</p>
<p class="line">Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt;</p>
-<p class="line">Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor.</p>
+<p class="line">Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort</p>
<p class="line">Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt,</p>
<p class="line">Wo jene steht in schmaler Traumgestalt.</p>
-<p class="line">Der Abend tönt in feuchter Bläue fort.
+<p class="line">Der Abend tönt in feuchter Bläue fort.
</p>
</div>
@@ -1922,21 +1888,21 @@ IM DORF</h2>
3.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt.</p>
-<p class="line">Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh.</p>
+<p class="line">Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt.</p>
+<p class="line">Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh.</p>
<p class="line">Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee;</p>
-<p class="line">Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt.</p>
+<p class="line">Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Die Mauern starren kahl und grauverdreckt</p>
-<p class="line">Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert</p>
+<p class="line">Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert</p>
<p class="line">Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert.</p>
<p class="line">Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Drei Männer treten finster durch das Tor</p>
+<p class="line">Drei Männer treten finster durch das Tor</p>
<p class="line">Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind.</p>
<p class="line">Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind;</p>
<p class="line">Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor.
@@ -1953,30 +1919,30 @@ ABENDLIED</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Wenn uns dürstet,</p>
-<p class="line">Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,</p>
-<p class="line">Die Süße unserer traurigen Kindheit.</p>
+<p class="line">Wenn uns dürstet,</p>
+<p class="line">Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,</p>
+<p class="line">Die Süße unserer traurigen Kindheit.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch,</p>
-<p class="line">Schaun den grauen Möven zu.</p>
+<p class="line">Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch,</p>
+<p class="line">Schaun den grauen Möven zu.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,</p>
-<p class="line">Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.</p>
+<p class="line">Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,</p>
+<p class="line">Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Da ich deine schmalen Hände nahm</p>
+<p class="line">Da ich deine schmalen Hände nahm</p>
<p class="line">Schlugst du leise die runden Augen auf,</p>
<p class="line">Dieses ist lange her.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht,</p>
-<p class="line">Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft.
+<p class="line">Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft.
</p>
</div>
@@ -1990,9 +1956,9 @@ DREI BLICKE IN EINEN OPAL</h2>
<h3 class="no" id="no-47-1">1.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein,</p>
-<p class="line">Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel</p>
-<p class="line">Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel</p>
+<p class="line">Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein,</p>
+<p class="line">Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel</p>
+<p class="line">Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel</p>
<p class="line">Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein.</p>
</div>
@@ -2004,25 +1970,25 @@ DREI BLICKE IN EINEN OPAL</h2>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein</p>
-<p class="line">Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester,</p>
-<p class="line">Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster</p>
-<p class="line">Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein.</p>
+<p class="line">Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein</p>
+<p class="line">Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester,</p>
+<p class="line">Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster</p>
+<p class="line">Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein.</p>
</div>
<h3 class="no" id="no-47-2">2.</h3>
<div class="poem">
-<p class="line">Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau</p>
-<p class="line">Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen,</p>
-<p class="line">Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen.</p>
-<p class="line">Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau.</p>
+<p class="line">Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau</p>
+<p class="line">Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen,</p>
+<p class="line">Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen.</p>
+<p class="line">Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau,</p>
-<p class="line">Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen,</p>
-<p class="line">Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen</p>
+<p class="line">Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen,</p>
+<p class="line">Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen</p>
<p class="line">Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh.</p>
</div>
@@ -2040,22 +2006,22 @@ DREI BLICKE IN EINEN OPAL</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch.</p>
-<p class="line">Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen;</p>
-<p class="line">Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.</p>
-<p class="line">Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch.</p>
+<p class="line">Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen;</p>
+<p class="line">Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.</p>
+<p class="line">Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch</p>
-<p class="line">Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer;</p>
+<p class="line">Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch</p>
+<p class="line">Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer;</p>
<p class="line">Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer</p>
<p class="line">Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch;</p>
-<p class="line">Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern.</p>
-<p class="line">Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern</p>
+<p class="line">O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch;</p>
+<p class="line">Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern.</p>
+<p class="line">Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern</p>
<p class="line">Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch.
</p>
</div>
@@ -2066,19 +2032,19 @@ NACHTLIED</h2>
<div class="poem">
<p class="line">Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht</p>
-<p class="line">Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.</p>
+<p class="line">Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.</p>
<p class="line">Gewaltig ist das Schweigen im Stein;</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang</p>
+<p class="line">Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang</p>
<p class="line">Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz</p>
-<p class="line">Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.</p>
+<p class="line">Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit.</p>
-<p class="line">An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe</p>
+<p class="line">An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe</p>
<p class="line">Erscheint der Abglanz gefallener Engel.
</p>
</div>
@@ -2089,36 +2055,36 @@ HELIAN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">In den einsamen Stunden des Geistes</p>
-<p class="line">Ist es schön, in der Sonne zu gehn</p>
+<p class="line">Ist es schön, in der Sonne zu gehn</p>
<p class="line">An den gelben Mauern des Sommers hin.</p>
-<p class="line">Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft</p>
+<p class="line">Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft</p>
<p class="line">Der Sohn des Pan im grauen Marmor.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein.</p>
-<p class="line">Rötlich glüht der Pfirsich im Laub;</p>
+<p class="line">Rötlich glüht der Pfirsich im Laub;</p>
<p class="line">Sanfte Sonate, frohes Lachen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Schön ist die Stille der Nacht.</p>
+<p class="line">Schön ist die Stille der Nacht.</p>
<p class="line">Auf dunklem Plan</p>
-<p class="line">Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen.</p>
+<p class="line">Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Wenn es Herbst geworden ist</p>
-<p class="line">Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain.</p>
-<p class="line">Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin</p>
-<p class="line">Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel.</p>
-<p class="line">Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen.</p>
+<p class="line">Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain.</p>
+<p class="line">Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin</p>
+<p class="line">Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel.</p>
+<p class="line">Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">In kahlen Gezweigen feiert der Himmel.</p>
-<p class="line">In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein</p>
-<p class="line">Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer.</p>
+<p class="line">In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein</p>
+<p class="line">Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -2130,14 +2096,14 @@ HELIAN</h2>
<div class="poem">
<p class="line">
<a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a>
-Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens</p>
-<p class="line">Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt,</p>
+Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens</p>
+<p class="line">Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt,</p>
<p class="line">Sein Odem eisiges Gold trinkt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser</p>
-<p class="line">Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern.</p>
+<p class="line">Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser</p>
+<p class="line">Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern.</p>
</div>
<div class="poem">
@@ -2147,65 +2113,65 @@ Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel,</p>
+<p class="line">Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel,</p>
<p class="line">Wenn er staunend Arme und Beine bewegt,</p>
-<p class="line">Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen.</p>
+<p class="line">Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung,</p>
-<p class="line">Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin,</p>
+<p class="line">Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung,</p>
+<p class="line">Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin,</p>
<p class="line">Wo vordem der heilige Bruder gegangen,</p>
<p class="line">Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns,</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O wie einsam endet der Abendwind.</p>
-<p class="line">Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums.
+<p class="line">Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums.
</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">
<a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a>
-Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.</p>
-<p class="line">In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden</p>
+Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.</p>
+<p class="line">In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden</p>
<p class="line">Mit dem Gold seiner Sterne.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt</p>
+<p class="line">Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt</p>
<p class="line">Verfallen die schwarzen Mauern am Platz,</p>
<p class="line">Ruft der tote Soldat zum Gebet.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Ein bleicher Engel</p>
-<p class="line">Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter.</p>
+<p class="line">Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen</p>
-<p class="line">Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur,</p>
-<p class="line">Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften.</p>
+<p class="line">Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen</p>
+<p class="line">Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur,</p>
+<p class="line">Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar,</p>
-<p class="line">Da er darein mit silbernen Füßen steht,</p>
+<p class="line">O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar,</p>
+<p class="line">Da er darein mit silbernen Füßen steht,</p>
<p class="line">Und jene verstorben aus kahlen Zimmern treten.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">O ihr Psalmen in feurigen Mitternachtsregen,</p>
<p class="line">Da die Knechte mit Nesseln die sanften Augen schlugen,</p>
-<p class="line">Die kindlichen Früchte des Holunders</p>
-<p class="line">Sich staunend neigen über ein leeres Grab.</p>
+<p class="line">Die kindlichen Früchte des Holunders</p>
+<p class="line">Sich staunend neigen über ein leeres Grab.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Leise rollen vergilbte Monde</p>
-<p class="line">Über die Fieberlinnen des Jünglings,</p>
+<p class="line">Über die Fieberlinnen des Jünglings,</p>
<p class="line">Eh dem Schweigen des Winters folgt.
</p>
</div>
@@ -2214,37 +2180,37 @@ Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.</p>
<p class="line">
<a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a>
Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab,</p>
-<p class="line">Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf,</p>
+<p class="line">Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf,</p>
<p class="line">Sich unter den blauen Brauen des Vaters entfaltet,</p>
-<p class="line">Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt.</p>
+<p class="line">Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt.</p>
<p class="line">Oder es sind Schreie im Schlaf,</p>
<p class="line">Wenn ein eherner Engel im Hain den Menschen antritt,</p>
-<p class="line">Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt.</p>
+<p class="line">Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein,</p>
-<p class="line">Tönende Bündel vergilbten Korns,</p>
+<p class="line">Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein,</p>
+<p class="line">Tönende Bündel vergilbten Korns,</p>
<p class="line">Das Summen der Bienen, der Flug des Kranichs.</p>
<p class="line">Am Abend begegnen sich Auferstandene auf Felsenpfaden.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige;</p>
-<p class="line">Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder</p>
-<p class="line">Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht.</p>
+<p class="line">In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige;</p>
+<p class="line">Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder</p>
+<p class="line">Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht,</p>
-<p class="line">Ob sie den liebenden Hirten fänden.</p>
-<p class="line">Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang.</p>
+<p class="line">Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht,</p>
+<p class="line">Ob sie den liebenden Hirten fänden.</p>
+<p class="line">Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang.</p>
</div>
<div class="poem">
<p class="line">Lasset das Lied auch des Knaben gedenken,</p>
-<p class="line">Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs</p>
-<p class="line">Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt.</p>
+<p class="line">Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs</p>
+<p class="line">Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt.</p>
<p class="line">O wie traurig ist dieses Wiedersehn.
</p>
</div>
@@ -2253,27 +2219,27 @@ Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab,</p>
<p class="line">
<a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a>
Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern,</p>
-<p class="line">Die Schatten der Alten unter der offenen Tür,</p>
+<p class="line">Die Schatten der Alten unter der offenen Tür,</p>
<p class="line">Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut</p>
<p class="line">Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">An den Wänden sind die Sterne erloschen</p>
-<p class="line">Und die weißen Gestalten des Lichts.</p>
+<p class="line">An den Wänden sind die Sterne erloschen</p>
+<p class="line">Und die weißen Gestalten des Lichts.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber,</p>
-<p class="line">Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel,</p>
-<p class="line">Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind.</p>
+<p class="line">Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber,</p>
+<p class="line">Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel,</p>
+<p class="line">Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind.</p>
</div>
<div class="poem">
-<p class="line">O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern,</p>
+<p class="line">O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern,</p>
<p class="line">Da der Enkel in sanfter Umnachtung</p>
<p class="line">Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt,</p>
-<p class="line">Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt.</p>
+<p class="line">Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt.</p>
</div>
</div>
@@ -2281,19 +2247,19 @@ Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern,</p>
<p class="center" style="line-height:1.5em; font-size:0.8em; margin-top:5em;margin-bottom:5em; page-break-before:always">
Dies Buch wurde<br />
gedruckt im Mai 1913 als siebenter und achter<br />
-Band der Bücherei &bdquo;Der jüngste Tag&ldquo; bei<br />
+Band der Bücherei &bdquo;Der jüngste Tag&ldquo; bei<br />
Poeschel &amp; Trepte in Leipzig
</p>
<div style="margin-left:auto; margin-right:auto; max-width:20em;">
<p class="center" style="font-size:1.4em; margin-bottom:0.5em; page-break-before:always">
-IN DER BÜCHEREI
+IN DER BÜCHEREI
</p>
<p class="center" style="font-size:1.8em; margin-bottom:0.5em;">
DER<br />
-JÜNGSTE TAG
+JÜNGSTE TAG
</p>
<p class="center" style="font-size:1.4em; margin-bottom:0.5em;">
@@ -2305,16 +2271,16 @@ erschienen bisher:
</p>
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">FRANZ WERFEL: Die Versuchung &bull;
-Ein Gespräch
+Ein Gespräch
</p>
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">WALTER HASENCLEVER: Das
-unendliche Gespräch &bull; Eine nächtliche
+unendliche Gespräch &bull; Eine nächtliche
Szene
</p>
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">FRANZ KAFKA: Der Heizer &bull; Eine
-Erzählung
+Erzählung
</p>
<p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">FERDINAND HARDEKOPF: Der
@@ -2329,8 +2295,8 @@ Freude &bull; Gedichte
Knaben &bull; Skizzen
</p>
-<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-left:3em; margin-right:3em; margin-bottom:1em;">Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet.
-&mdash; Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige,
+<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-left:3em; margin-right:3em; margin-bottom:1em;">Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet.
+&mdash; Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige,
gebunden je M 1.50 und sind durch alle Buchhandlungen
zu beziehen.
</p>
@@ -2359,10 +2325,10 @@ Geheftet M 3.&mdash; &bull; Halbpergamentband M 4.&mdash;
<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
<span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft
bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges
-Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
-u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
+Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit
+u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken
und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der
-deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
+deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte.
</p>
<p class="center" style="font-size:1em; letter-spacing:0.2em; font-style:italic; margin-bottom:0.5em;">
@@ -2382,12 +2348,12 @@ Geheftet M 3.&mdash; &bull; Halbpergamentband M 4.&mdash;
</p>
<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
-<span class="em">Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</span> Bei all dem
-ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
-feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
-zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
+<span class="em">Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</span> Bei all dem
+ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den
+feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will,
+zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit
der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym,
-dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
+dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit.
</p>
<p class="center" style="font-size:1.2em; margin-bottom:0.5em;">
@@ -2399,7 +2365,7 @@ NEUE GEDICHTE
</p>
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
-In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
+In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin
</p>
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
@@ -2408,17 +2374,17 @@ Geheftet M 3.&mdash; &bull; Gebunden M 4.50
<p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare
-auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.&mdash;
+auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.&mdash;
</p>
<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
-<span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> . . . ein ganz großer Dichter, mit
+<span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> . . . ein ganz großer Dichter, mit
allem Ernste sei das gesagt.
</p>
<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;">
<span class="em">Neue Rundschau:</span> . . . Whitmans kosmische Liebe und
-Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel
+Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel
durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht.
</p>
@@ -2429,378 +2395,6 @@ KURT WOLFF VERLAG &bull; LEIPZIG
</div>
-
-
-
-
-
-
-
-<pre>
-
-
-
-
-
-End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl
-
-*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE ***
-
-***** This file should be named 40221-h.htm or 40221-h.zip *****
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-
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