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diff --git a/40221-0.txt b/40221-0.txt new file mode 100644 index 0000000..15d030c --- /dev/null +++ b/40221-0.txt @@ -0,0 +1,1763 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40221 *** + +GEORG TRAKL + + +GEDICHTE + + + + +1913 +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + + +COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913. + + + + + +DIE RABEN + + + Über den schwarzen Winkel hasten + Am Mittag die Raben mit hartem Schrei. + Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei + Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten. + + O wie sie die braune Stille stören, + In der ein Acker sich verzückt, + Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt, + Und manchmal kann man sie keifen hören + + Um ein Aas, das sie irgendwo wittern, + Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug + Und schwinden wie ein Leichenzug + In Lüften, die von Wollust zittern. + + + + +DIE JUNGE MAGD + + +Ludwig von Ficker zugeeignet + + +1. + + Oft am Brunnen, wenn es dämmert, + Sieht man sie verzaubert stehen + Wasser schöpfen, wenn es dämmert. + Eimer auf und niedergehen. + + In den Buchen Dohlen flattern + Und sie gleichet einem Schatten. + Ihre gelben Haare flattern + Und im Hofe schrein die Ratten. + + Und umschmeichelt von Verfalle + Senkt sie die entzundenen Lider. + Dürres Gras neigt im Verfalle + Sich zu ihren Füßen nieder. + + +2. + + Stille schafft sie in der Kammer + Und der Hof liegt längst verödet. + Im Hollunder vor der Kammer + Kläglich eine Amsel flötet. + + Silbern schaut ihr Bild im Spiegel + Fremd sie an im Zwielichtscheine + Und verdämmert fahl im Spiegel + Und ihr graut vor seiner Reine. + + Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel + Und sie starrt von Schmerz geschüttelt. + Röte träufelt durch das Dunkel. + Jäh am Tor der Südwind rüttelt. + + +3. + + Nächtens übern kahlen Anger + Gaukelt sie in Fieberträumen. + Mürrisch greint der Wind im Anger + Und der Mond lauscht aus den Bäumen. + + Balde rings die Sterne bleichen + Und ermattet von Beschwerde + Wächsern ihre Wangen bleichen. + Fäulnis wittert aus der Erde. + + Traurig rauscht das Rohr im Tümpel + Und sie friert in sich gekauert. + Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel + Hart und grau der Morgen schauert. + + +4. + + In der Schmiede dröhnt der Hammer + Und sie huscht am Tor vorüber. + Glührot schwingt der Knecht den Hammer + Und sie schaut wie tot hinüber. + + Wie im Traum trifft sie ein Lachen; + Und sie taumelt in die Schmiede, + Scheu geduckt vor seinem Lachen, + Wie der Hammer hart und rüde. + + Hell versprühn im Raum die Funken + Und mit hilfloser Geberde + Hascht sie nach den wilden Funken + Und sie stürzt betäubt zur Erde. + + +5. + + Schmächtig hingestreckt im Bette + Wacht sie auf voll süßem Bangen + Und sie sieht ihr schmutzig Bette + Ganz von goldnem Licht verhangen, + + Die Reseden dort am Fenster + Und den bläulich hellen Himmel. + Manchmal trägt der Wind ans Fenster + Einer Glocke zag Gebimmel. + + Schatten gleiten übers Kissen, + Langsam schlägt die Mittagsstunde + Und sie atmet schwer im Kissen + Und ihr Mund gleicht einer Wunde. + + +6. + + Abends schweben blutige Linnen, + Wolken über stummen Wäldern, + Die gehüllt in schwarze Linnen, + Spatzen lärmen auf den Feldern. + + Und sie liegt ganz weiß im Dunkel. + Unterm Dach verhaucht ein Girren. + Wie ein Aas in Busch und Dunkel + Fliegen ihren Mund umschwirren. + + Traumhaft klingt im braunen Weiler + Nach ein Klang von Tanz und Geigen, + Schwebt ihr Antlitz durch den Weiler, + Weht ihr Haar in kahlen Zweigen. + + + + +ROMANZE ZUR NACHT + + + Einsamer unterm Sternenzelt + Geht durch die stille Mitternacht. + Der Knab aus Träumen wirr erwacht, + Sein Antlitz grau im Mond verfällt. + + Die Närrin weint mit offnem Haar + Am Fenster, das vergittert starrt. + Im Teich vorbei auf süßer Fahrt + Ziehn Liebende sehr wunderbar. + + Der Mörder lächelt bleich im Wein, + Die Kranken Todesgrausen packt. + Die Nonne betet wund und nackt + Vor des Heilands Kreuzespein. + + Die Mutter leis' im Schlafe singt. + Sehr friedlich schaut zur Nacht das Kind + Mit Augen, die ganz wahrhaft sind. + Im Hurenhaus Gelächter klingt. + + Beim Talglicht drunt' im Kellerloch + Der Tote malt mit weißer Hand + Ein grinsend Schweigen an die Wand. + Der Schläfer flüstert immer noch. + + + + +IM ROTEN LAUBWERK VOLL GUITARREN . . . + + + Im roten Laubwerk voll Guitarren + Der Mädchen gelbe Haare wehen + Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen. + Durch Wolken fährt ein goldner Karren. + + In brauner Schatten Ruh verstummen + Die Alten, die sich blöd umschlingen. + Die Waisen süß zur Vesper singen. + In gelben Dünsten Fliegen summen. + + Am Bache waschen noch die Frauen. + Die aufgehängten Linnen wallen. + Die Kleine, die mir lang gefallen, + Kommt wieder durch das Abendgrauen. + + Vom lauen Himmel Spatzen stürzen + In grüne Löcher voll Verwesung. + Dem Hungrigen täuscht vor Genesung + Ein Duft von Brot und herben Würzen. + + + + +MUSIK IM MIRABELL + + + Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn + Im klaren Blau, die weißen, zarten. + Bedächtig stille Menschen gehn + Am Abend durch den alten Garten. + + Der Ahnen Marmor ist ergraut. + Ein Vogelzug streift in die Weiten. + Ein Faun mit toten Augen schaut + Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten. + + Das Laub fällt rot vom alten Baum + Und kreist herein durchs offne Fenster. + Ein Feuerschein glüht auf im Raum + Und malet trübe Angstgespenster. + + Ein weißer Fremdling tritt ins Haus. + Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge. + Die Magd löscht eine Lampe aus, + Das Ohr hört nachts Sonatenklänge. + + + + +MELANCHOLIE DES ABENDS + + + -- Der Wald, der sich verstorben breitet -- + Und Schatten sind um ihn, wie Hecken. + Das Wild kommt zitternd aus Verstecken, + Indes ein Bach ganz leise gleitet + + Und Farnen folgt und alten Steinen + Und silbern glänzt aus Laubgewinden. + Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden -- + Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen. + + Der dunkle Plan scheint ohne Massen, + Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher, + Und etwas täuscht dir vor ein Feuer. + Ein kalter Glanz huscht über Straßen. + + Am Himmel ahnet man Bewegung, + Ein Heer von wilden Vögeln wandern + Nach jenen Ländern, schönen, andern. + Es steigt und sinkt des Rohres Regung. + + + + +WINTERDÄMMERUNG + + +An Max von Esterle + + Schwarze Himmel von Metall. + Kreuz in roten Stürmen wehen + Abends hungertolle Krähen + Über Parken gram und fahl. + + Im Gewölk erfriert ein Strahl; + Und vor Satans Flüchen drehen + Jene sich im Kreis und gehen + Nieder siebenfach an Zahl. + + In Verfaultem süß und schal + Lautlos ihre Schnäbel mähen. + Häuser dräu'n aus stummen Nähen; + Helle im Theatersaal. + + Kirchen, Brücken und Spital + Grauenvoll im Zwielicht stehen. + Blutbefleckte Linnen blähen + Segel sich auf dem Kanal. + + + + +RONDEL + + + Verflossen ist das Gold der Tage, + Des Abends braun und blaue Farben: + Des Hirten sanfte Flöten starben + Des Abends blau und braune Farben + Verflossen ist das Gold der Tage. + + + + +FRAUENSEGEN + + + Schreitest unter deinen Frau'n + Und du lächelst oft beklommen: + Sind so bange Tage kommen. + Weiß verblüht der Mohn am Zaun. + + Wie dein Leib so schön geschwellt + Golden reift der Wein am Hügel. + Ferne glänzt des Weihers Spiegel + Und die Sense klirrt im Feld. + + In den Büschen rollt der Tau, + Rot die Blätter niederfließen. + Seine liebe Frau zu grüßen + Naht ein Mohr dir braun und rauh. + + + + +DIE SCHÖNE STADT + + + Alte Plätze sonnig schweigen. + Tief in Blau und Gold versponnen + Traumhaft hasten sanfte Nonnen + Unter schwüler Buchen Schweigen. + + Aus den braun erhellten Kirchen + Schaun des Todes reine Bilder, + Großer Fürsten schöne Schilder. + Kronen schimmern in den Kirchen. + + Rösser tauchen aus dem Brunnen. + Blütenkrallen drohn aus Bäumen. + Knaben spielen wirr von Träumen + Abends leise dort am Brunnen. + + Mädchen stehen an den Toren, + Schauen scheu ins farbige Leben. + Ihre feuchten Lippen beben + Und sie warten an den Toren. + + Zitternd flattern Glockenklänge, + Marschtakt hallt und Wacherufen. + Fremde lauschen auf den Stufen. + Hoch im Blau sind Orgelklänge. + + Helle Instrumente singen. + Durch der Garten Blätterrahmen + Schwirrt das Lachen schöner Damen. + Leise junge Mütter singen. + + Heimlich haucht an blumigen Fenstern + Duft von Weihrauch, Teer und Flieder. + Silbern flimmern müde Lider + Durch die Blumen an den Fenstern. + + + + +IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER + + + Fenster, bunte Blumenbeeten, + Eine Orgel spielt herein. + Schatten tanzen an Tapeten, + Wunderlich ein toller Reihn. + + Lichterloh die Büsche wehen + Und ein Schwarm von Mücken schwingt, + Fern im Acker Sensen mähen + Und ein altes Wasser singt. + + Wessen Atem kommt mich kosen? + Schwalben irre Zeichen ziehn. + Leise fließt im Grenzenlosen + Dort das goldne Waldland hin. + + Flammen flackern in den Beeten. + Wirr verzückt der tolle Reihn + An den gelblichen Tapeten. + Jemand schaut zur Tür herein. + + Weihrauch duftet süß und Birne + Und es dämmern Glas und Truh. + Langsam beugt die heiße Stirne + Sich den weißen Sternen zu. + + + + +AN DEN KNABEN ELIS + + + Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft, + Dieses ist dein Untergang. + Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells. + + Laß, wenn deine Stirne leise blutet + Uralte Legenden + Und dunkle Deutung des Vogelflugs. + + Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht, + Die voll purpurner Trauben hängt + Und du regst die Arme schöner im Blau. + + Ein Dornenbusch tönt, + Wo deine mondenen Augen sind. + O, wie lange bist, Elis, du verstorben. + + Dein Leib ist eine Hyazinthe, + In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht. + Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen, + + Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt + Und langsam die schweren Lider senkt. + Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau, + + Das letzte Gold verfallener Sterne. + + + + +DER GEWITTERABEND + + + O die roten Abendstunden! + Flimmernd schwankt am offenen Fenster + Weinlaub wirr ins Blau gewunden, + Drinnen nisten Angstgespenster. + + Staub tanzt im Gestank der Gossen. + Klirrend stößt der Wind in Scheiben. + Einen Zug von wilden Rossen + Blitze grelle Wolken treiben. + + Laut zerspringt der Weiherspiegel. + Möven schrein am Fensterrahmen. + Feuerreiter sprengt vom Hügel + Und zerschellt im Tann zu Flammen. + + Kranke kreischen im Spitale. + Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder. + Glitzernd braust mit einem Male + Regen auf die Dächer nieder. + + + + +ABENDMUSE + + + Ans Blumenfenster wieder kehrt des Kirchturms Schatten + Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen. + Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen -- + Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten. + + Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden. + Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge. + In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge, + Wo Freunde nach dem Mahle sich zusammenfinden. + + Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne. + Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten. + Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten; + Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne. + + Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider + Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen. + Endymion taucht aus dem Dunkel alter Eichen + Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder. + + + + +TRAUM DES BÖSEN + + + Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge -- + Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern + Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern. + Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge. + + Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge. + Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern. + Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern; + Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge. + + Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen. + Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster; + Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster. + + Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen + Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen. + Im Park erblicken zitternd sich Geschwister. + + + + +GEISTLICHES LIED + + + Zeichen, seltne Stickerein + Malt ein flatternd Blumenbeet. + Gottes blauer Odem weht + In den Gartensaal herein, + Heiter ein. + Ragt ein Kreuz im wilden Wein. + + Hör' im Dorf sich viele freun, + Gärtner an der Mauer mäht, + Leise eine Orgel geht, + Mischet Klang und goldenen Schein, + Klang und Schein. + Liebe segnet Brot und Wein. + + Mädchen kommen auch herein + Und der Hahn zum letzten kräht. + Sacht ein morsches Gitter geht + Und in Rosen Kranz und Reihn, + Rosenreihn + Ruht Maria weiß und fein. + + Bettler dort am alten Stein + Scheint verstorben im Gebet, + Sanft ein Hirt vom Hügel geht + Und ein Engel singt im Hain, + Nah am Hain + Kinder in den Schlaf hinein. + + + + +IM HERBST + + + Die Sonnenblumen leuchten am Zaun, + Still sitzen Kranke im Sonnenschein. + Im Acker mühn sich singend die Frau'n, + Die Klosterglocken läuten darein. + + Die Vögel sagen dir ferne Mär', + Die Klosterglocken läuten darein. + Vom Hof tönt sanft die Geige her. + Heut keltern sie den braunen Wein. + + Da zeigt der Mensch sich froh und lind. + Heut keltern sie den braunen Wein. + Weit offen die Totenkammern sind + Und schön bemalt vom Sonnenschein. + + + + +ZU ABEND MEIN HERZ + + + Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse. + Zwei Rappen springen auf der Wiese. + Der rote Ahorn rauscht. + Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg. + Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse. + Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald. + Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken. + Auf das Gesicht tropft Tau. + + + + +DIE BAUERN + + + Vorm Fenster tönendes Grün und Rot. + Im schwarzverräucherten, niederen Saal + Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl; + Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot. + + Im tiefen Schweigen der Mittagszeit + Fällt bisweilen ein karges Wort. + Die Äcker flimmern in einem fort + Und der Himmel bleiern und weit. + + Fratzenhaft flackert im Herd die Glut + Und ein Schwarm von Fliegen summt. + Die Mägde lauschen blöd und verstummt + Und ihre Schläfen hämmert das Blut. + + Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier, + Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht. + Eintönig spricht ein Knecht das Gebet + Und ein Hahn kräht unter der Tür. + + Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt + Sie oft im tosenden Ährengebraus + Und klirrend schwingen ein und aus + Die Sensen geisterhaft im Takt. + + + + +ALLERSEELEN + + +An Karl Hauer + + Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen, + Sie streuen heute Blumen blau und rot + Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen. + Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod. + + O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen, + Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn. + Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen, + Auch sieht man Lichter in der Irre gehn. + + Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen + Und dort verwest die Mutter mit dem Kind. + Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen + Und wunderlich zerstreut im Abendwind. + + Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen. + Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual, + Und dieser hoffnungslosen Todesklagen. + Einsame wandeln still im Sternensaal. + + + + +MELANCHOLIE + + + Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen, + Die lang mich anschaun im Vorübergleiten. + Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten + Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen. + Des Todes ernste Düsternis bereiten + Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen + Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen + Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten. + + + + +SEELE DES LEBENS + + + Verfall, der weich das Laub umdüstert, + Es wohnt im Wald sein weites Schweigen. + Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen. + Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert. + + Der Einsame wird bald entgleiten, + Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden. + Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden, + Indes die Lider sich vor Gottheit weiten. + + Der blaue Fluß rinnt schön hinunter, + Gewölke sich am Abend zeigen; + Die Seele auch in engelhaftem Schweigen. + Vergängliche Gebilde gehen unter. + + + + +VERKLÄRTER HERBST + + + Gewaltig endet so das Jahr + Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. + Rund schweigen Wälder wunderbar + Und sind des Einsamen Gefährten. + + Da sagt der Landmann: Es ist gut. + Ihr Abendglocken lang und leise + Gebt noch zum Ende frohen Mut. + Ein Vogelzug grüßt auf der Reise. + + Es ist der Liebe milde Zeit. + Im Kahn den blauen Fluß hinunter + Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -- + Das geht in Ruh und Schweigen unter. + + + + +WINKEL AM WALD + + +An Karl Minnich + + Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute + In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter. + Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter, + Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite. + + Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern; + Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster. + Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster. + Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern. + + In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare. + Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne. + Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne; + Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre. + + Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle. + Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet. + Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet; + Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle. + + + + +IM WINTER + + + Der Acker leuchtet weiß und kalt. + Der Himmel ist einsam und ungeheuer. + Dohlen kreisen über dem Weiher + Und Jäger steigen nieder vom Wald. + + Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt. + Ein Feuerschein huscht aus den Hütten. + Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten + Und langsam steigt der graue Mond. + + Ein Wild verblutet sanft am Rain + Und Raben plätschern in blutigen Gossen. + Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen. + Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain. + + + + +IN EIN ALTES STAMMBUCH + + + Immer wieder kehrst du, Melancholie, + O Sanftmut der einsamen Seele. + Zu Ende glüht ein goldener Tag. + + Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige + Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn. + Siehe! es dämmert schon. + + Wieder kehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches + Und es leidet ein anderes mit. + + Schaudernd unter herbstlichen Sternen + Neigt sich jährlich tiefer das Haupt. + + + + +VERWANDLUNG + + + Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt: + Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben. + Des Menschen Hände tragen braune Reben, + Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt. + + Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land + Erscheinender in roter Buchen Schweigen. + Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen + Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand. + + Geruhiges vor einer Schenke spielt, + Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken. + Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken, + Resedenduft, der Weibliches umspült. + + + + +KLEINES KONZERT + + + Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert -- + Durch deine Hände scheint die Sonne. + Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne + Sich still zu einer Tat bereiten. + + In Mittag strömen gelbe Felder. + Kaum hörst du noch der Grillen Singen, + Der Mäher hartes Sensenschwingen. + Einfältig schweigen goldene Wälder. + + Im grünen Tümpel glüht Verwesung. + Die Fische stehen still. Gottes Odem + Weckt sacht ein Saitenspiel im Brodem. + Aussätzigen winkt die Flut Genesung. + + Geist Dädals schwebt in blauen Schatten, + Ein Duft von Milch in Haselzweigen. + Man hört noch lang den Lehrer geigen, + Im leeren Hof den Schrei der Ratten. + + Im Krug an scheußlichen Tapeten + Blühn kühlere Violenfarben. + Im Hader dunkle Stimmen starben, + Narziß im Endakkord von Flöten. + + + + +MENSCHHEIT + + + Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt, + Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen, + Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt, + Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen: + Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld. + Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl. + Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen + Und jene sind versammelt zwölf an Zahl. + Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen; + Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal. + + + + +DER SPAZIERGANG + + + +1. + + Musik summt im Gehölz am Nachmittag. + Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn. + Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn; + Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag. + + In Goldnem schwebt ein Duft von Thymian, + Auf einem Stein steht eine heitere Zahl. + Auf einer Wiese spielen Kinder Ball, + Dann hebt ein Baum vor dir zu kreisen an. + + Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar, + Auch schreibt ein ferner Freund dir einen Brief. + Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief + Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar. + + +2. + + Die Zeit verrinnt. O süßer Helios! + O Bild im Krötentümpel süß und klar; + Im Sand versinkt ein Eden wunderbar. + Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß. + + Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land + Und stählern schaun dich deine Augen an. + In Goldnem dort ein Duft von Thymian. + Ein Knabe legt am Weiler einen Brand. + + Die Liebenden in Faltern neu erglühn + Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl. + Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl + Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün. + + Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild. + Nachgleitet dir ein heller Kindertag, + Der graue Wind, der flatterhaft und vag + Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült. + + +3. + + Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang. + Am Wegrand fromm ein Weib ihr Kindlein stillt. + Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt. + Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang. + + Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn. + Nach Früchten tastet silbern deine Hand. + Die tote Rahel geht durchs Ackerland. + Mit friedlicher Geberde winkt das Grün. + + Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß, + Die träumend dort am alten Brunnen stehn. + Einsame froh auf stillen Pfaden gehn + Mit Gottes Kreaturen sündelos. + + + + +DE PROFUNDIS + + + Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt. + Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht. + Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist + Wie traurig dieser Abend. + + Am Weiler vorbei + Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein. + Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung + Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams. + + Bei der Heimkehr + Fanden die Hirten den süßen Leib + Verwest im Dornenbusch. + + Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern. + Gottes Schweigen + Trank ich aus dem Brunnen des Hains. + + Auf meine Stirne tritt kaltes Metall + Spinnen suchen mein Herz. + Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht. + + Nachts fand ich mich auf einer Heide, + Starrend von Unrat und Staub der Sterne. + Im Haselgebüsch + Klangen wieder kristallne Engel. + + + + +TROMPETEN + + + Unter verschnittenen Weiden, wo braune Kinder spielen + Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer. + Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer, + Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen. + + Oder Hirten singen nachts und Hirsche treten + In den Kreis ihrer Feuer, des Hains uralte Trauer, + Tanzende heben sich von einer schwarzen Mauer; + Fahnen von Scharlach, Lachen, Wahnsinn, Trompeten. + + + + +DÄMMERUNG + + + Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein, + Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten. + Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten, + Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein. + + Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein. + Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten. + Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten, + Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun. + + Formlose Spottgestalten huschen, kauern + Und flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden. + O! trauervolle Schatten an den Mauern. + + Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden; + Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern + Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden. + + + + +HEITERER FRÜHLING + + + +1. + + Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt, + Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr. + Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar, + Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist. + + An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind, + Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat. + Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt, + Ein Kind steht in Konturen weich und lind. + + Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch, + Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst. + Hell Grünes blüht und anderes verwest + Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch. + + +2. + + Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin. + Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last. + Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt; + Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin. + + In Gärten sinken Glocken lang und leis + Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt. + Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt + Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß. + + Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann! + In seine Hütte fällt ein lauer Strahl. + Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl + Und Knospen knistern heiter dann und wann. + + +3. + + Wie scheint doch alles Werdende so krank! + Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist; + Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist + Und öffnet das Gemüte weit und bang. + + Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht + Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh. + Die Liebenden blühn ihren Sternen zu + Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht. + + So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt; + Und leise rührt dich an ein alter Stein: + Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein. + O Mund! der durch die Silberweide bebt. + + + + +VORSTADT IM FÖHN + + + Am Abend liegt die Stätte öd und braun, + Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen. + Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen -- + Und Spatzen flattern über Busch und Zaun. + + Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut, + In Gärten Durcheinander und Bewegung, + Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung, + In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid. + + Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor. + In Körben tragen Frauen Eingeweide, + Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude, + Kommen sie aus der Dämmerung hervor. + + Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut + Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter. + Die Föhne färben karge Stauden bunter + Und langsam kriecht die Röte durch die Flut. + + Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt. + Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben, + Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben, + Die mit den warmen Winden steigt und sinkt. + + Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen, + Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern. + Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern + Und manchmal rosenfarbene Moscheen. + + + + +DIE RATTEN + + + In Hof scheint weiß der herbstliche Mond. + Vom Dachrand fallen phantastische Schatten. + Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt; + Da tauchen leise herauf die Ratten + + Und huschen pfeifend hier und dort + Und ein gräulicher Dunsthauch wittert + Ihnen nach aus dem Abort, + Den geisterhaft der Mondschein durchzittert + + Und sie keifen vor Gier wie toll + Und erfüllen Haus und Scheunen, + Die von Korn und Früchten voll. + Eisige Winde im Dunkel greinen. + + + + +TRÜBSINN + + + Weltunglück geistert durch den Nachmittag. + Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst. + Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist, + Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag. + + Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind + Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt. + Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt. + Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind. + + Am Abend wieder über meinem Haupt + Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick. + Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück + Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt. + + Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach; + Und leise rührt des toten Freundes Hand + Und glättet liebend Stirne und Gewand. + Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach. + + + + +IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT + + + Sonne, herbstlich dünn und zag, + Und das Obst fällt von den Bäumen + Stille wohnt in blauen Räumen. + Einen langen Nachmittag. + + Sterbeklänge von Metall; + Und ein weißes Tier bricht nieder. + Brauner Mädchen rauhe Lieder + Sind verweht im Blätterfall. + + Stirne Gottes Farben träumt, + Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel. + Schatten drehen sich am Hügel + Von Verwesung schwarz umsäumt. + + Dämmerung voll Ruh und Wein; + Traurige Guitarren rinnen. + Und zur milden Lampe drinnen + Kehrst du wie im Traume ein. + + + + +PSALM + + +Karl Kraus zugeeignet + + Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat. + Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt. + Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen. + Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben. + Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee, + Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln. + Die Männer führen kriegerische Tänze auf. + Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen, + Wenn das Meer singt. O unser verlorenes Paradies. + + * * * * * + + Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen. + Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an. + Der Sohn des Pan erscheint in Gestalt eines Erdarbeiters, + Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft. + Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut! + Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten. + Es sind Schatten, die sich vor einem erblindeten Spiegel umarmen. + An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende. + Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf. + + * * * * * + + Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen. + Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen. + Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach. + Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe herab. + Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen. + Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher. + Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels. + Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee, + Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden. + + * * * * * + + Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt. + In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen. + Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer. + Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln. + Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern. + Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der Kindheit. + Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei + Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder. + In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen. + + * * * * * + + Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen. + + + + +ROSENKRANZLIEDER + + + +AN DIE SCHWESTER + + Wo du gehst wird Herbst und Abend, + Blaues Wild, das unter Bäumen tönt, + Einsamer Weiher am Abend. + + Leise der Flug der Vögel tönt, + Die Schwermut über deinen Augenbogen. + Dein schmales Lächeln tönt. + + Gott hat deine Lider verbogen. + Sterne suchen nachts, Karfreitagskind, + Deinen Stirnenbogen. + + +NÄHE DES TODES + + O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht. + Der Weiher unter den Weiden + Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut. + + O der Wald, der leise die braunen Augen senkt, + Da aus des Einsamen knöchernen Händen + Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt. + + O die Nähe des Todes. Laß uns beten. + In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen + Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder. + + +AMEN + + Verwestes gleitend durch die morsche Stube; + Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt + Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit. + + Braune Perlen rinnen durch die erstorbenen Finger. + In der Stille + Tun sich eines Engels blaue Mohnaugen auf. + + Blau ist auch der Abend; + Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten, + Der ein braunes Gärtchen verdunkelt. + + + + +VERFALL + + + Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten, + Folg ich der Vögel wundervollen Flügen, + Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen, + Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten. + + Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten + Träum ich nach ihren helleren Geschicken + Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken. + So folg ich über Wolken ihren Fahrten. + + Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern. + Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen. + Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern, + + Indes wie blasser Kinder Todesreigen + Um dunkle Brunnenränder, die verwittern, + Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen. + + + + +IN DER HEIMAT + + + Resedenduft durchs kranke Fenster irrt; + Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst. + Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt + Auf die Geschwister traumhaft und verwirrt. + + Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt + Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt + Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt. + Durch blaue Luft der Ruf der Wache klirrt. + + Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl. + Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt + In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült. + + Der Katze Schatten gleitet blau und schmal + Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt, + Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt. + + + + +EIN HERBSTABEND + + +An Karl Röck + + Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten + Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn, + Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn + In kühlen Stuben jener Bett bereiten. + + Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten + Sich über braune Jauche. Mägde gehn + Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn + Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten. + + Für Einsames ist eine Schenke da; + Das säumt geduldig unter dunklen Bogen, + Von goldenem Tabaksgewölk umzogen. + + Doch immer ist das Eigne schwarz und nah. + Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen + Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen. + + + + +MENSCHLICHES ELEND + + + Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt -- + Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen, + Im Abendgarten kahle Bäume sausen. + Des Toten Antlitz sich am Fenster regt. + + Vielleicht, daß diese Stunde stille steht. + Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln + Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln. + Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht. + + Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind, + Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen. + Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen, + Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind. + + Aus Händen sinken Astern blau und rot, + Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise; + Und Lider flattern angstverwirrt und leise; + Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot. + + Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei; + Gebeine durch verfallne Mauern schimmern. + Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern; + An einem Träumer läuft ein Hund vorbei. + + Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert. + Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen, + Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen. + Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert. + + + + +IM DORF + + + +1. + + Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld. + Ein Hirt verwest auf einem alten Stein. + Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein, + Das sanfte Laub, das in die Stille fällt. + + Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt + Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch, + Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch + Die kühle Stube, die der Tod versöhnt. + + Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt + Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt; + Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt + Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt. + + +2. + + Der Arme, der im Geiste einsam starb, + Steigt wächsern über einen alten Pfad. + Die Apfelbäume sinken kahl und stad + Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb. + + Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh + Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd + Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt; + Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor. + + Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort + Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt, + Wo jene steht in schmaler Traumgestalt. + Der Abend tönt in feuchter Bläue fort. + + +3. + + Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt. + Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh. + Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee; + Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt. + + Die Mauern starren kahl und grauverdreckt + Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert + Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert. + Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt. + + Drei Männer treten finster durch das Tor + Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind. + Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind; + Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor. + + + + +ABENDLIED + + + Am Abend, wenn wir auf dunklen Pfaden gehn, + Erscheinen unsere bleichen Gestalten vor uns. + + Wenn uns dürstet, + Trinken wir die weißen Wasser des Teichs, + Die Süße unserer traurigen Kindheit. + + Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch, + Schaun den grauen Möven zu. + + Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt, + Die der Mönche edlere Zeiten schweigt. + + Da ich deine schmalen Hände nahm + Schlugst du leise die runden Augen auf, + Dieses ist lange her. + + Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht, + Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft. + + + + +DREI BLICKE IN EINEN OPAL + + +An Erhard Buschbeck + + +1. + + Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein, + Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel + Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel + Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein. + + Des Herbstes Weg und Kreuze gehn in Abend ein, + Singende Pilger und die blutbefleckten Linnen. + Des Einsamen Gestalt kehrt also sich nach innen + Und geht, ein bleicher Engel, durch den leeren Hain. + + Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein + Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester, + Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster + Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein. + + +2. + + Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau + Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen, + Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen. + Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau. + + In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau, + Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen, + Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen + Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh. + + Durchs Bogenfenster sinkt ein Abend lind und lau. + Ein Heiliger tritt aus seinen schwarzen Wundenmalen. + Die Purpurschnecken kriechen aus zerbrochenen Schalen + Und speien Blut in Dorngewinde starr und grau. + + +3. + + Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch. + Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen; + Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen. + Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch. + + Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch + Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer; + Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer + Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch. + + O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch; + Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern. + Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern + Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch. + + + + +NACHTLIED + + + Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht + Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit. + Gewaltig ist das Schweigen im Stein; + + Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang + Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz + Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser. + + O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit. + An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe + Erscheint der Abglanz gefallener Engel. + + + + +HELIAN + + + In den einsamen Stunden des Geistes + Ist es schön, in der Sonne zu gehn + An den gelben Mauern des Sommers hin. + Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft + Der Sohn des Pan im grauen Marmor. + + Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein. + Rötlich glüht der Pfirsich im Laub; + Sanfte Sonate, frohes Lachen. + + Schön ist die Stille der Nacht. + Auf dunklem Plan + Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen. + + Wenn es Herbst geworden ist + Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain. + Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin + Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel. + Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen. + + In kahlen Gezweigen feiert der Himmel. + In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein + Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer. + + O wie ernst ist das Antlitz der teueren Toten. + Doch die Seele erfreut gerechtes Anschaun. + + Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens + Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt, + Sein Odem eisiges Gold trinkt. + + Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser + Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern. + + Leise und harmonisch ist ein Gang an freundlichen Zimmern hin, + Wo Einsamkeit ist und das Rauschen des Ahorns, + Wo vielleicht noch die Drossel singt. + + Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel, + Wenn er staunend Arme und Beine bewegt, + Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen. + + Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung, + Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin, + Wo vordem der heilige Bruder gegangen, + Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns, + + O wie einsam endet der Abendwind. + Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums. + + Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts. + In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden + Mit dem Gold seiner Sterne. + + Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt + Verfallen die schwarzen Mauern am Platz, + Ruft der tote Soldat zum Gebet. + + Ein bleicher Engel + Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter. + + Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen + Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur, + Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften. + + O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar, + Da er darein mit silbernen Füßen steht, + Und jene verstorben aus kahlen Zimmern treten. + + O ihr Psalmen in feurigen Mitternachtsregen, + Da die Knechte mit Nesseln die sanften Augen schlugen, + Die kindlichen Früchte des Holunders + Sich staunend neigen über ein leeres Grab. + + Leise rollen vergilbte Monde + Über die Fieberlinnen des Jünglings, + Eh dem Schweigen des Winters folgt. + + Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab, + Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf, + Sich unter den blauen Brauen des Vaters entfaltet, + Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt. + Oder es sind Schreie im Schlaf, + Wenn ein eherner Engel im Hain den Menschen antritt, + Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt. + + Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein, + Tönende Bündel vergilbten Korns, + Das Summen der Bienen, der Flug des Kranichs. + Am Abend begegnen sich Auferstandene auf Felsenpfaden. + + In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige; + Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder + Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht. + + Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht, + Ob sie den liebenden Hirten fänden. + Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang. + + Lasset das Lied auch des Knaben gedenken, + Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs + Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt. + O wie traurig ist dieses Wiedersehn. + + Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern, + Die Schatten der Alten unter der offenen Tür, + Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut + Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken. + + An den Wänden sind die Sterne erloschen + Und die weißen Gestalten des Lichts. + + Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber, + Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel, + Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind. + + O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern, + Da der Enkel in sanfter Umnachtung + Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt, + Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt. + + + + + + +Dies Buch wurde +gedruckt im Mai 1913 als siebenter und achter +Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei +Poeschel & Trepte in Leipzig + + + + + +IN DER BÜCHEREI + +DER +JÜNGSTE TAG + + +NEUE DICHTUNGEN + +erschienen bisher: + +FRANZ WERFEL: Die Versuchung · +Ein Gespräch + +WALTER HASENCLEVER: Das +unendliche Gespräch · Eine nächtliche +Szene + +FRANZ KAFKA: Der Heizer · Eine +Erzählung + +FERDINAND HARDEKOPF: Der +Abend · Ein Dialog + +EMMY HENNINGS: Die letzte +Freude · Gedichte + +CARL EHRENSTEIN: Klagen eines +Knaben · Skizzen + +Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet. +-- Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige, +gebunden je M 1.50 und sind durch alle Buchhandlungen +zu beziehen. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + + + + +GEORG HEYM + + +DER EWIGE TAG + +Zweite Auflage + +Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- + +_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft +bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges +Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit +u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken +und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der +deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. + + +UMBRA VITAE + +GEDICHTE AUS DEM NACHLASS + +Zweite Auflage + +Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- + +_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem +ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den +feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will, +zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit +der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym, +dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. + + + + +FRANZ WERFEL · WIR SIND + +NEUE GEDICHTE + +In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin + +Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.50 + +Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare +auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.-- + +_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz großer Dichter, mit +allem Ernste sei das gesagt. + +_Neue Rundschau:_ . . . Whitmans kosmische Liebe und +Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel +durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht. + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40221 *** diff --git a/40221-8.txt b/40221-8.txt deleted file mode 100644 index 38ad673..0000000 --- a/40221-8.txt +++ /dev/null @@ -1,2146 +0,0 @@ -The Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Gedichte - -Author: Georg Trakl - -Release Date: July 13, 2012 [EBook #40221] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - - - - -GEORG TRAKL - - -GEDICHTE - - - - -1913 -KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG - - -COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913. - - - - - -DIE RABEN - - - Über den schwarzen Winkel hasten - Am Mittag die Raben mit hartem Schrei. - Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei - Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten. - - O wie sie die braune Stille stören, - In der ein Acker sich verzückt, - Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt, - Und manchmal kann man sie keifen hören - - Um ein Aas, das sie irgendwo wittern, - Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug - Und schwinden wie ein Leichenzug - In Lüften, die von Wollust zittern. - - - - -DIE JUNGE MAGD - - -Ludwig von Ficker zugeeignet - - -1. - - Oft am Brunnen, wenn es dämmert, - Sieht man sie verzaubert stehen - Wasser schöpfen, wenn es dämmert. - Eimer auf und niedergehen. - - In den Buchen Dohlen flattern - Und sie gleichet einem Schatten. - Ihre gelben Haare flattern - Und im Hofe schrein die Ratten. - - Und umschmeichelt von Verfalle - Senkt sie die entzundenen Lider. - Dürres Gras neigt im Verfalle - Sich zu ihren Füßen nieder. - - -2. - - Stille schafft sie in der Kammer - Und der Hof liegt längst verödet. - Im Hollunder vor der Kammer - Kläglich eine Amsel flötet. - - Silbern schaut ihr Bild im Spiegel - Fremd sie an im Zwielichtscheine - Und verdämmert fahl im Spiegel - Und ihr graut vor seiner Reine. - - Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel - Und sie starrt von Schmerz geschüttelt. - Röte träufelt durch das Dunkel. - Jäh am Tor der Südwind rüttelt. - - -3. - - Nächtens übern kahlen Anger - Gaukelt sie in Fieberträumen. - Mürrisch greint der Wind im Anger - Und der Mond lauscht aus den Bäumen. - - Balde rings die Sterne bleichen - Und ermattet von Beschwerde - Wächsern ihre Wangen bleichen. - Fäulnis wittert aus der Erde. - - Traurig rauscht das Rohr im Tümpel - Und sie friert in sich gekauert. - Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel - Hart und grau der Morgen schauert. - - -4. - - In der Schmiede dröhnt der Hammer - Und sie huscht am Tor vorüber. - Glührot schwingt der Knecht den Hammer - Und sie schaut wie tot hinüber. - - Wie im Traum trifft sie ein Lachen; - Und sie taumelt in die Schmiede, - Scheu geduckt vor seinem Lachen, - Wie der Hammer hart und rüde. - - Hell versprühn im Raum die Funken - Und mit hilfloser Geberde - Hascht sie nach den wilden Funken - Und sie stürzt betäubt zur Erde. - - -5. - - Schmächtig hingestreckt im Bette - Wacht sie auf voll süßem Bangen - Und sie sieht ihr schmutzig Bette - Ganz von goldnem Licht verhangen, - - Die Reseden dort am Fenster - Und den bläulich hellen Himmel. - Manchmal trägt der Wind ans Fenster - Einer Glocke zag Gebimmel. - - Schatten gleiten übers Kissen, - Langsam schlägt die Mittagsstunde - Und sie atmet schwer im Kissen - Und ihr Mund gleicht einer Wunde. - - -6. - - Abends schweben blutige Linnen, - Wolken über stummen Wäldern, - Die gehüllt in schwarze Linnen, - Spatzen lärmen auf den Feldern. - - Und sie liegt ganz weiß im Dunkel. - Unterm Dach verhaucht ein Girren. - Wie ein Aas in Busch und Dunkel - Fliegen ihren Mund umschwirren. - - Traumhaft klingt im braunen Weiler - Nach ein Klang von Tanz und Geigen, - Schwebt ihr Antlitz durch den Weiler, - Weht ihr Haar in kahlen Zweigen. - - - - -ROMANZE ZUR NACHT - - - Einsamer unterm Sternenzelt - Geht durch die stille Mitternacht. - Der Knab aus Träumen wirr erwacht, - Sein Antlitz grau im Mond verfällt. - - Die Närrin weint mit offnem Haar - Am Fenster, das vergittert starrt. - Im Teich vorbei auf süßer Fahrt - Ziehn Liebende sehr wunderbar. - - Der Mörder lächelt bleich im Wein, - Die Kranken Todesgrausen packt. - Die Nonne betet wund und nackt - Vor des Heilands Kreuzespein. - - Die Mutter leis' im Schlafe singt. - Sehr friedlich schaut zur Nacht das Kind - Mit Augen, die ganz wahrhaft sind. - Im Hurenhaus Gelächter klingt. - - Beim Talglicht drunt' im Kellerloch - Der Tote malt mit weißer Hand - Ein grinsend Schweigen an die Wand. - Der Schläfer flüstert immer noch. - - - - -IM ROTEN LAUBWERK VOLL GUITARREN . . . - - - Im roten Laubwerk voll Guitarren - Der Mädchen gelbe Haare wehen - Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen. - Durch Wolken fährt ein goldner Karren. - - In brauner Schatten Ruh verstummen - Die Alten, die sich blöd umschlingen. - Die Waisen süß zur Vesper singen. - In gelben Dünsten Fliegen summen. - - Am Bache waschen noch die Frauen. - Die aufgehängten Linnen wallen. - Die Kleine, die mir lang gefallen, - Kommt wieder durch das Abendgrauen. - - Vom lauen Himmel Spatzen stürzen - In grüne Löcher voll Verwesung. - Dem Hungrigen täuscht vor Genesung - Ein Duft von Brot und herben Würzen. - - - - -MUSIK IM MIRABELL - - - Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn - Im klaren Blau, die weißen, zarten. - Bedächtig stille Menschen gehn - Am Abend durch den alten Garten. - - Der Ahnen Marmor ist ergraut. - Ein Vogelzug streift in die Weiten. - Ein Faun mit toten Augen schaut - Nach Schatten, die ins Dunkel gleiten. - - Das Laub fällt rot vom alten Baum - Und kreist herein durchs offne Fenster. - Ein Feuerschein glüht auf im Raum - Und malet trübe Angstgespenster. - - Ein weißer Fremdling tritt ins Haus. - Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge. - Die Magd löscht eine Lampe aus, - Das Ohr hört nachts Sonatenklänge. - - - - -MELANCHOLIE DES ABENDS - - - -- Der Wald, der sich verstorben breitet -- - Und Schatten sind um ihn, wie Hecken. - Das Wild kommt zitternd aus Verstecken, - Indes ein Bach ganz leise gleitet - - Und Farnen folgt und alten Steinen - Und silbern glänzt aus Laubgewinden. - Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden -- - Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen. - - Der dunkle Plan scheint ohne Massen, - Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher, - Und etwas täuscht dir vor ein Feuer. - Ein kalter Glanz huscht über Straßen. - - Am Himmel ahnet man Bewegung, - Ein Heer von wilden Vögeln wandern - Nach jenen Ländern, schönen, andern. - Es steigt und sinkt des Rohres Regung. - - - - -WINTERDÄMMERUNG - - -An Max von Esterle - - Schwarze Himmel von Metall. - Kreuz in roten Stürmen wehen - Abends hungertolle Krähen - Über Parken gram und fahl. - - Im Gewölk erfriert ein Strahl; - Und vor Satans Flüchen drehen - Jene sich im Kreis und gehen - Nieder siebenfach an Zahl. - - In Verfaultem süß und schal - Lautlos ihre Schnäbel mähen. - Häuser dräu'n aus stummen Nähen; - Helle im Theatersaal. - - Kirchen, Brücken und Spital - Grauenvoll im Zwielicht stehen. - Blutbefleckte Linnen blähen - Segel sich auf dem Kanal. - - - - -RONDEL - - - Verflossen ist das Gold der Tage, - Des Abends braun und blaue Farben: - Des Hirten sanfte Flöten starben - Des Abends blau und braune Farben - Verflossen ist das Gold der Tage. - - - - -FRAUENSEGEN - - - Schreitest unter deinen Frau'n - Und du lächelst oft beklommen: - Sind so bange Tage kommen. - Weiß verblüht der Mohn am Zaun. - - Wie dein Leib so schön geschwellt - Golden reift der Wein am Hügel. - Ferne glänzt des Weihers Spiegel - Und die Sense klirrt im Feld. - - In den Büschen rollt der Tau, - Rot die Blätter niederfließen. - Seine liebe Frau zu grüßen - Naht ein Mohr dir braun und rauh. - - - - -DIE SCHÖNE STADT - - - Alte Plätze sonnig schweigen. - Tief in Blau und Gold versponnen - Traumhaft hasten sanfte Nonnen - Unter schwüler Buchen Schweigen. - - Aus den braun erhellten Kirchen - Schaun des Todes reine Bilder, - Großer Fürsten schöne Schilder. - Kronen schimmern in den Kirchen. - - Rösser tauchen aus dem Brunnen. - Blütenkrallen drohn aus Bäumen. - Knaben spielen wirr von Träumen - Abends leise dort am Brunnen. - - Mädchen stehen an den Toren, - Schauen scheu ins farbige Leben. - Ihre feuchten Lippen beben - Und sie warten an den Toren. - - Zitternd flattern Glockenklänge, - Marschtakt hallt und Wacherufen. - Fremde lauschen auf den Stufen. - Hoch im Blau sind Orgelklänge. - - Helle Instrumente singen. - Durch der Garten Blätterrahmen - Schwirrt das Lachen schöner Damen. - Leise junge Mütter singen. - - Heimlich haucht an blumigen Fenstern - Duft von Weihrauch, Teer und Flieder. - Silbern flimmern müde Lider - Durch die Blumen an den Fenstern. - - - - -IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER - - - Fenster, bunte Blumenbeeten, - Eine Orgel spielt herein. - Schatten tanzen an Tapeten, - Wunderlich ein toller Reihn. - - Lichterloh die Büsche wehen - Und ein Schwarm von Mücken schwingt, - Fern im Acker Sensen mähen - Und ein altes Wasser singt. - - Wessen Atem kommt mich kosen? - Schwalben irre Zeichen ziehn. - Leise fließt im Grenzenlosen - Dort das goldne Waldland hin. - - Flammen flackern in den Beeten. - Wirr verzückt der tolle Reihn - An den gelblichen Tapeten. - Jemand schaut zur Tür herein. - - Weihrauch duftet süß und Birne - Und es dämmern Glas und Truh. - Langsam beugt die heiße Stirne - Sich den weißen Sternen zu. - - - - -AN DEN KNABEN ELIS - - - Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft, - Dieses ist dein Untergang. - Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells. - - Laß, wenn deine Stirne leise blutet - Uralte Legenden - Und dunkle Deutung des Vogelflugs. - - Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht, - Die voll purpurner Trauben hängt - Und du regst die Arme schöner im Blau. - - Ein Dornenbusch tönt, - Wo deine mondenen Augen sind. - O, wie lange bist, Elis, du verstorben. - - Dein Leib ist eine Hyazinthe, - In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht. - Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen, - - Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt - Und langsam die schweren Lider senkt. - Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau, - - Das letzte Gold verfallener Sterne. - - - - -DER GEWITTERABEND - - - O die roten Abendstunden! - Flimmernd schwankt am offenen Fenster - Weinlaub wirr ins Blau gewunden, - Drinnen nisten Angstgespenster. - - Staub tanzt im Gestank der Gossen. - Klirrend stößt der Wind in Scheiben. - Einen Zug von wilden Rossen - Blitze grelle Wolken treiben. - - Laut zerspringt der Weiherspiegel. - Möven schrein am Fensterrahmen. - Feuerreiter sprengt vom Hügel - Und zerschellt im Tann zu Flammen. - - Kranke kreischen im Spitale. - Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder. - Glitzernd braust mit einem Male - Regen auf die Dächer nieder. - - - - -ABENDMUSE - - - Ans Blumenfenster wieder kehrt des Kirchturms Schatten - Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen. - Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen -- - Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten. - - Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden. - Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge. - In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge, - Wo Freunde nach dem Mahle sich zusammenfinden. - - Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne. - Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten. - Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten; - Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne. - - Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider - Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen. - Endymion taucht aus dem Dunkel alter Eichen - Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder. - - - - -TRAUM DES BÖSEN - - - Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge -- - Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern - Die Wang' an Flammen, die im Fenster flimmern. - Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge. - - Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge. - Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern. - Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern; - Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge. - - Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen. - Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster; - Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster. - - Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen - Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen. - Im Park erblicken zitternd sich Geschwister. - - - - -GEISTLICHES LIED - - - Zeichen, seltne Stickerein - Malt ein flatternd Blumenbeet. - Gottes blauer Odem weht - In den Gartensaal herein, - Heiter ein. - Ragt ein Kreuz im wilden Wein. - - Hör' im Dorf sich viele freun, - Gärtner an der Mauer mäht, - Leise eine Orgel geht, - Mischet Klang und goldenen Schein, - Klang und Schein. - Liebe segnet Brot und Wein. - - Mädchen kommen auch herein - Und der Hahn zum letzten kräht. - Sacht ein morsches Gitter geht - Und in Rosen Kranz und Reihn, - Rosenreihn - Ruht Maria weiß und fein. - - Bettler dort am alten Stein - Scheint verstorben im Gebet, - Sanft ein Hirt vom Hügel geht - Und ein Engel singt im Hain, - Nah am Hain - Kinder in den Schlaf hinein. - - - - -IM HERBST - - - Die Sonnenblumen leuchten am Zaun, - Still sitzen Kranke im Sonnenschein. - Im Acker mühn sich singend die Frau'n, - Die Klosterglocken läuten darein. - - Die Vögel sagen dir ferne Mär', - Die Klosterglocken läuten darein. - Vom Hof tönt sanft die Geige her. - Heut keltern sie den braunen Wein. - - Da zeigt der Mensch sich froh und lind. - Heut keltern sie den braunen Wein. - Weit offen die Totenkammern sind - Und schön bemalt vom Sonnenschein. - - - - -ZU ABEND MEIN HERZ - - - Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse. - Zwei Rappen springen auf der Wiese. - Der rote Ahorn rauscht. - Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg. - Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse. - Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald. - Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken. - Auf das Gesicht tropft Tau. - - - - -DIE BAUERN - - - Vorm Fenster tönendes Grün und Rot. - Im schwarzverräucherten, niederen Saal - Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl; - Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot. - - Im tiefen Schweigen der Mittagszeit - Fällt bisweilen ein karges Wort. - Die Äcker flimmern in einem fort - Und der Himmel bleiern und weit. - - Fratzenhaft flackert im Herd die Glut - Und ein Schwarm von Fliegen summt. - Die Mägde lauschen blöd und verstummt - Und ihre Schläfen hämmert das Blut. - - Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier, - Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht. - Eintönig spricht ein Knecht das Gebet - Und ein Hahn kräht unter der Tür. - - Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt - Sie oft im tosenden Ährengebraus - Und klirrend schwingen ein und aus - Die Sensen geisterhaft im Takt. - - - - -ALLERSEELEN - - -An Karl Hauer - - Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen, - Sie streuen heute Blumen blau und rot - Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen. - Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod. - - O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen, - Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn. - Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen, - Auch sieht man Lichter in der Irre gehn. - - Das Seufzen Liebender haucht in Gezweigen - Und dort verwest die Mutter mit dem Kind. - Unwirklich scheinet der Lebendigen Reigen - Und wunderlich zerstreut im Abendwind. - - Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen. - Erbarm' dich Gott der Frauen Höll' und Qual, - Und dieser hoffnungslosen Todesklagen. - Einsame wandeln still im Sternensaal. - - - - -MELANCHOLIE - - - Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen, - Die lang mich anschaun im Vorübergleiten. - Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten - Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen. - Des Todes ernste Düsternis bereiten - Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen - Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen - Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten. - - - - -SEELE DES LEBENS - - - Verfall, der weich das Laub umdüstert, - Es wohnt im Wald sein weites Schweigen. - Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen. - Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert. - - Der Einsame wird bald entgleiten, - Vielleicht ein Hirt auf dunklen Pfaden. - Ein Tier tritt leise aus den Baumarkaden, - Indes die Lider sich vor Gottheit weiten. - - Der blaue Fluß rinnt schön hinunter, - Gewölke sich am Abend zeigen; - Die Seele auch in engelhaftem Schweigen. - Vergängliche Gebilde gehen unter. - - - - -VERKLÄRTER HERBST - - - Gewaltig endet so das Jahr - Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten. - Rund schweigen Wälder wunderbar - Und sind des Einsamen Gefährten. - - Da sagt der Landmann: Es ist gut. - Ihr Abendglocken lang und leise - Gebt noch zum Ende frohen Mut. - Ein Vogelzug grüßt auf der Reise. - - Es ist der Liebe milde Zeit. - Im Kahn den blauen Fluß hinunter - Wie schön sich Bild an Bildchen reiht -- - Das geht in Ruh und Schweigen unter. - - - - -WINKEL AM WALD - - -An Karl Minnich - - Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute - In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter. - Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter, - Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite. - - Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern; - Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster. - Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster. - Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern. - - In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare. - Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne. - Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne; - Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre. - - Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle. - Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet. - Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet; - Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle. - - - - -IM WINTER - - - Der Acker leuchtet weiß und kalt. - Der Himmel ist einsam und ungeheuer. - Dohlen kreisen über dem Weiher - Und Jäger steigen nieder vom Wald. - - Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt. - Ein Feuerschein huscht aus den Hütten. - Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten - Und langsam steigt der graue Mond. - - Ein Wild verblutet sanft am Rain - Und Raben plätschern in blutigen Gossen. - Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen. - Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain. - - - - -IN EIN ALTES STAMMBUCH - - - Immer wieder kehrst du, Melancholie, - O Sanftmut der einsamen Seele. - Zu Ende glüht ein goldener Tag. - - Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige - Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn. - Siehe! es dämmert schon. - - Wieder kehrt die Nacht und klagt ein Sterbliches - Und es leidet ein anderes mit. - - Schaudernd unter herbstlichen Sternen - Neigt sich jährlich tiefer das Haupt. - - - - -VERWANDLUNG - - - Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt: - Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben. - Des Menschen Hände tragen braune Reben, - Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt. - - Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land - Erscheinender in roter Buchen Schweigen. - Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen - Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand. - - Geruhiges vor einer Schenke spielt, - Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken. - Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken, - Resedenduft, der Weibliches umspült. - - - - -KLEINES KONZERT - - - Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert -- - Durch deine Hände scheint die Sonne. - Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne - Sich still zu einer Tat bereiten. - - In Mittag strömen gelbe Felder. - Kaum hörst du noch der Grillen Singen, - Der Mäher hartes Sensenschwingen. - Einfältig schweigen goldene Wälder. - - Im grünen Tümpel glüht Verwesung. - Die Fische stehen still. Gottes Odem - Weckt sacht ein Saitenspiel im Brodem. - Aussätzigen winkt die Flut Genesung. - - Geist Dädals schwebt in blauen Schatten, - Ein Duft von Milch in Haselzweigen. - Man hört noch lang den Lehrer geigen, - Im leeren Hof den Schrei der Ratten. - - Im Krug an scheußlichen Tapeten - Blühn kühlere Violenfarben. - Im Hader dunkle Stimmen starben, - Narziß im Endakkord von Flöten. - - - - -MENSCHHEIT - - - Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt, - Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen, - Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt, - Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen: - Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld. - Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl. - Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen - Und jene sind versammelt zwölf an Zahl. - Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen; - Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal. - - - - -DER SPAZIERGANG - - - -1. - - Musik summt im Gehölz am Nachmittag. - Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn. - Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn; - Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag. - - In Goldnem schwebt ein Duft von Thymian, - Auf einem Stein steht eine heitere Zahl. - Auf einer Wiese spielen Kinder Ball, - Dann hebt ein Baum vor dir zu kreisen an. - - Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar, - Auch schreibt ein ferner Freund dir einen Brief. - Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief - Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar. - - -2. - - Die Zeit verrinnt. O süßer Helios! - O Bild im Krötentümpel süß und klar; - Im Sand versinkt ein Eden wunderbar. - Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß. - - Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land - Und stählern schaun dich deine Augen an. - In Goldnem dort ein Duft von Thymian. - Ein Knabe legt am Weiler einen Brand. - - Die Liebenden in Faltern neu erglühn - Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl. - Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl - Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün. - - Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild. - Nachgleitet dir ein heller Kindertag, - Der graue Wind, der flatterhaft und vag - Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült. - - -3. - - Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang. - Am Wegrand fromm ein Weib ihr Kindlein stillt. - Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt. - Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang. - - Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn. - Nach Früchten tastet silbern deine Hand. - Die tote Rahel geht durchs Ackerland. - Mit friedlicher Geberde winkt das Grün. - - Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß, - Die träumend dort am alten Brunnen stehn. - Einsame froh auf stillen Pfaden gehn - Mit Gottes Kreaturen sündelos. - - - - -DE PROFUNDIS - - - Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt. - Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht. - Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist - Wie traurig dieser Abend. - - Am Weiler vorbei - Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein. - Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung - Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams. - - Bei der Heimkehr - Fanden die Hirten den süßen Leib - Verwest im Dornenbusch. - - Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern. - Gottes Schweigen - Trank ich aus dem Brunnen des Hains. - - Auf meine Stirne tritt kaltes Metall - Spinnen suchen mein Herz. - Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht. - - Nachts fand ich mich auf einer Heide, - Starrend von Unrat und Staub der Sterne. - Im Haselgebüsch - Klangen wieder kristallne Engel. - - - - -TROMPETEN - - - Unter verschnittenen Weiden, wo braune Kinder spielen - Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer. - Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer, - Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen. - - Oder Hirten singen nachts und Hirsche treten - In den Kreis ihrer Feuer, des Hains uralte Trauer, - Tanzende heben sich von einer schwarzen Mauer; - Fahnen von Scharlach, Lachen, Wahnsinn, Trompeten. - - - - -DÄMMERUNG - - - Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein, - Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten. - Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten, - Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein. - - Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein. - Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten. - Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten, - Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun. - - Formlose Spottgestalten huschen, kauern - Und flattern sie auf schwarz-gekreuzten Pfaden. - O! trauervolle Schatten an den Mauern. - - Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden; - Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern - Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden. - - - - -HEITERER FRÜHLING - - - -1. - - Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt, - Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr. - Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar, - Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist. - - An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind, - Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat. - Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt, - Ein Kind steht in Konturen weich und lind. - - Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch, - Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst. - Hell Grünes blüht und anderes verwest - Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch. - - -2. - - Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin. - Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last. - Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt; - Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin. - - In Gärten sinken Glocken lang und leis - Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt. - Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt - Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß. - - Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann! - In seine Hütte fällt ein lauer Strahl. - Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl - Und Knospen knistern heiter dann und wann. - - -3. - - Wie scheint doch alles Werdende so krank! - Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist; - Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist - Und öffnet das Gemüte weit und bang. - - Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht - Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh. - Die Liebenden blühn ihren Sternen zu - Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht. - - So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt; - Und leise rührt dich an ein alter Stein: - Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein. - O Mund! der durch die Silberweide bebt. - - - - -VORSTADT IM FÖHN - - - Am Abend liegt die Stätte öd und braun, - Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen. - Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen -- - Und Spatzen flattern über Busch und Zaun. - - Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut, - In Gärten Durcheinander und Bewegung, - Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung, - In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid. - - Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor. - In Körben tragen Frauen Eingeweide, - Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude, - Kommen sie aus der Dämmerung hervor. - - Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut - Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter. - Die Föhne färben karge Stauden bunter - Und langsam kriecht die Röte durch die Flut. - - Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt. - Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben, - Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben, - Die mit den warmen Winden steigt und sinkt. - - Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen, - Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern. - Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern - Und manchmal rosenfarbene Moscheen. - - - - -DIE RATTEN - - - In Hof scheint weiß der herbstliche Mond. - Vom Dachrand fallen phantastische Schatten. - Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt; - Da tauchen leise herauf die Ratten - - Und huschen pfeifend hier und dort - Und ein gräulicher Dunsthauch wittert - Ihnen nach aus dem Abort, - Den geisterhaft der Mondschein durchzittert - - Und sie keifen vor Gier wie toll - Und erfüllen Haus und Scheunen, - Die von Korn und Früchten voll. - Eisige Winde im Dunkel greinen. - - - - -TRÜBSINN - - - Weltunglück geistert durch den Nachmittag. - Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst. - Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist, - Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag. - - Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind - Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt. - Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt. - Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind. - - Am Abend wieder über meinem Haupt - Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick. - Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück - Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt. - - Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach; - Und leise rührt des toten Freundes Hand - Und glättet liebend Stirne und Gewand. - Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach. - - - - -IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT - - - Sonne, herbstlich dünn und zag, - Und das Obst fällt von den Bäumen - Stille wohnt in blauen Räumen. - Einen langen Nachmittag. - - Sterbeklänge von Metall; - Und ein weißes Tier bricht nieder. - Brauner Mädchen rauhe Lieder - Sind verweht im Blätterfall. - - Stirne Gottes Farben träumt, - Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel. - Schatten drehen sich am Hügel - Von Verwesung schwarz umsäumt. - - Dämmerung voll Ruh und Wein; - Traurige Guitarren rinnen. - Und zur milden Lampe drinnen - Kehrst du wie im Traume ein. - - - - -PSALM - - -Karl Kraus zugeeignet - - Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat. - Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt. - Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen. - Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben. - Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee, - Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln. - Die Männer führen kriegerische Tänze auf. - Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen, - Wenn das Meer singt. O unser verlorenes Paradies. - - * * * * * - - Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen. - Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an. - Der Sohn des Pan erscheint in Gestalt eines Erdarbeiters, - Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft. - Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut! - Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten. - Es sind Schatten, die sich vor einem erblindeten Spiegel umarmen. - An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende. - Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf. - - * * * * * - - Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen. - Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen. - Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach. - Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe herab. - Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen. - Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher. - Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels. - Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee, - Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden. - - * * * * * - - Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt. - In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen. - Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer. - Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln. - Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern. - Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der Kindheit. - Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei - Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder. - In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen. - - * * * * * - - Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen. - - - - -ROSENKRANZLIEDER - - - -AN DIE SCHWESTER - - Wo du gehst wird Herbst und Abend, - Blaues Wild, das unter Bäumen tönt, - Einsamer Weiher am Abend. - - Leise der Flug der Vögel tönt, - Die Schwermut über deinen Augenbogen. - Dein schmales Lächeln tönt. - - Gott hat deine Lider verbogen. - Sterne suchen nachts, Karfreitagskind, - Deinen Stirnenbogen. - - -NÄHE DES TODES - - O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht. - Der Weiher unter den Weiden - Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut. - - O der Wald, der leise die braunen Augen senkt, - Da aus des Einsamen knöchernen Händen - Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt. - - O die Nähe des Todes. Laß uns beten. - In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen - Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder. - - -AMEN - - Verwestes gleitend durch die morsche Stube; - Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt - Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit. - - Braune Perlen rinnen durch die erstorbenen Finger. - In der Stille - Tun sich eines Engels blaue Mohnaugen auf. - - Blau ist auch der Abend; - Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten, - Der ein braunes Gärtchen verdunkelt. - - - - -VERFALL - - - Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten, - Folg ich der Vögel wundervollen Flügen, - Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen, - Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten. - - Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten - Träum ich nach ihren helleren Geschicken - Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken. - So folg ich über Wolken ihren Fahrten. - - Da macht ein Hauch mich von Verfall erzittern. - Die Amsel klagt in den entlaubten Zweigen. - Es schwankt der rote Wein an rostigen Gittern, - - Indes wie blasser Kinder Todesreigen - Um dunkle Brunnenränder, die verwittern, - Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen. - - - - -IN DER HEIMAT - - - Resedenduft durchs kranke Fenster irrt; - Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst. - Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt - Auf die Geschwister traumhaft und verwirrt. - - Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt - Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt - Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt. - Durch blaue Luft der Ruf der Wache klirrt. - - Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl. - Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt - In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült. - - Der Katze Schatten gleitet blau und schmal - Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt, - Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt. - - - - -EIN HERBSTABEND - - -An Karl Röck - - Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten - Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn, - Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn - In kühlen Stuben jener Bett bereiten. - - Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten - Sich über braune Jauche. Mägde gehn - Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn - Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten. - - Für Einsames ist eine Schenke da; - Das säumt geduldig unter dunklen Bogen, - Von goldenem Tabaksgewölk umzogen. - - Doch immer ist das Eigne schwarz und nah. - Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen - Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen. - - - - -MENSCHLICHES ELEND - - - Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt -- - Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen, - Im Abendgarten kahle Bäume sausen. - Des Toten Antlitz sich am Fenster regt. - - Vielleicht, daß diese Stunde stille steht. - Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln - Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln. - Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht. - - Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind, - Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen. - Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen, - Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind. - - Aus Händen sinken Astern blau und rot, - Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise; - Und Lider flattern angstverwirrt und leise; - Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot. - - Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei; - Gebeine durch verfallne Mauern schimmern. - Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern; - An einem Träumer läuft ein Hund vorbei. - - Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert. - Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen, - Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen. - Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert. - - - - -IM DORF - - - -1. - - Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld. - Ein Hirt verwest auf einem alten Stein. - Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein, - Das sanfte Laub, das in die Stille fällt. - - Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt - Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch, - Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch - Die kühle Stube, die der Tod versöhnt. - - Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt - Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt; - Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt - Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt. - - -2. - - Der Arme, der im Geiste einsam starb, - Steigt wächsern über einen alten Pfad. - Die Apfelbäume sinken kahl und stad - Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb. - - Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh - Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd - Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt; - Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor. - - Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort - Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt, - Wo jene steht in schmaler Traumgestalt. - Der Abend tönt in feuchter Bläue fort. - - -3. - - Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt. - Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh. - Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee; - Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt. - - Die Mauern starren kahl und grauverdreckt - Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert - Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert. - Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt. - - Drei Männer treten finster durch das Tor - Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind. - Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind; - Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor. - - - - -ABENDLIED - - - Am Abend, wenn wir auf dunklen Pfaden gehn, - Erscheinen unsere bleichen Gestalten vor uns. - - Wenn uns dürstet, - Trinken wir die weißen Wasser des Teichs, - Die Süße unserer traurigen Kindheit. - - Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch, - Schaun den grauen Möven zu. - - Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt, - Die der Mönche edlere Zeiten schweigt. - - Da ich deine schmalen Hände nahm - Schlugst du leise die runden Augen auf, - Dieses ist lange her. - - Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht, - Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft. - - - - -DREI BLICKE IN EINEN OPAL - - -An Erhard Buschbeck - - -1. - - Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein, - Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel - Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel - Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein. - - Des Herbstes Weg und Kreuze gehn in Abend ein, - Singende Pilger und die blutbefleckten Linnen. - Des Einsamen Gestalt kehrt also sich nach innen - Und geht, ein bleicher Engel, durch den leeren Hain. - - Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein - Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester, - Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster - Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein. - - -2. - - Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau - Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen, - Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen. - Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau. - - In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau, - Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen, - Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen - Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh. - - Durchs Bogenfenster sinkt ein Abend lind und lau. - Ein Heiliger tritt aus seinen schwarzen Wundenmalen. - Die Purpurschnecken kriechen aus zerbrochenen Schalen - Und speien Blut in Dorngewinde starr und grau. - - -3. - - Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch. - Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen; - Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen. - Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch. - - Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch - Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer; - Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer - Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch. - - O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch; - Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern. - Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern - Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch. - - - - -NACHTLIED - - - Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht - Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit. - Gewaltig ist das Schweigen im Stein; - - Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang - Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz - Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser. - - O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit. - An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe - Erscheint der Abglanz gefallener Engel. - - - - -HELIAN - - - In den einsamen Stunden des Geistes - Ist es schön, in der Sonne zu gehn - An den gelben Mauern des Sommers hin. - Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft - Der Sohn des Pan im grauen Marmor. - - Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein. - Rötlich glüht der Pfirsich im Laub; - Sanfte Sonate, frohes Lachen. - - Schön ist die Stille der Nacht. - Auf dunklem Plan - Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen. - - Wenn es Herbst geworden ist - Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain. - Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin - Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel. - Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen. - - In kahlen Gezweigen feiert der Himmel. - In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein - Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer. - - O wie ernst ist das Antlitz der teueren Toten. - Doch die Seele erfreut gerechtes Anschaun. - - Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens - Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt, - Sein Odem eisiges Gold trinkt. - - Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser - Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern. - - Leise und harmonisch ist ein Gang an freundlichen Zimmern hin, - Wo Einsamkeit ist und das Rauschen des Ahorns, - Wo vielleicht noch die Drossel singt. - - Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel, - Wenn er staunend Arme und Beine bewegt, - Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen. - - Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung, - Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin, - Wo vordem der heilige Bruder gegangen, - Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns, - - O wie einsam endet der Abendwind. - Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums. - - Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts. - In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden - Mit dem Gold seiner Sterne. - - Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt - Verfallen die schwarzen Mauern am Platz, - Ruft der tote Soldat zum Gebet. - - Ein bleicher Engel - Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter. - - Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen - Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur, - Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften. - - O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar, - Da er darein mit silbernen Füßen steht, - Und jene verstorben aus kahlen Zimmern treten. - - O ihr Psalmen in feurigen Mitternachtsregen, - Da die Knechte mit Nesseln die sanften Augen schlugen, - Die kindlichen Früchte des Holunders - Sich staunend neigen über ein leeres Grab. - - Leise rollen vergilbte Monde - Über die Fieberlinnen des Jünglings, - Eh dem Schweigen des Winters folgt. - - Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab, - Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf, - Sich unter den blauen Brauen des Vaters entfaltet, - Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt. - Oder es sind Schreie im Schlaf, - Wenn ein eherner Engel im Hain den Menschen antritt, - Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt. - - Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein, - Tönende Bündel vergilbten Korns, - Das Summen der Bienen, der Flug des Kranichs. - Am Abend begegnen sich Auferstandene auf Felsenpfaden. - - In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige; - Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder - Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht. - - Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht, - Ob sie den liebenden Hirten fänden. - Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang. - - Lasset das Lied auch des Knaben gedenken, - Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs - Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt. - O wie traurig ist dieses Wiedersehn. - - Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern, - Die Schatten der Alten unter der offenen Tür, - Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut - Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken. - - An den Wänden sind die Sterne erloschen - Und die weißen Gestalten des Lichts. - - Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber, - Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel, - Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind. - - O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern, - Da der Enkel in sanfter Umnachtung - Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt, - Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt. - - - - - - -Dies Buch wurde -gedruckt im Mai 1913 als siebenter und achter -Band der Bücherei »Der jüngste Tag« bei -Poeschel & Trepte in Leipzig - - - - - -IN DER BÜCHEREI - -DER -JÜNGSTE TAG - - -NEUE DICHTUNGEN - -erschienen bisher: - -FRANZ WERFEL: Die Versuchung · -Ein Gespräch - -WALTER HASENCLEVER: Das -unendliche Gespräch · Eine nächtliche -Szene - -FRANZ KAFKA: Der Heizer · Eine -Erzählung - -FERDINAND HARDEKOPF: Der -Abend · Ein Dialog - -EMMY HENNINGS: Die letzte -Freude · Gedichte - -CARL EHRENSTEIN: Klagen eines -Knaben · Skizzen - -Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet. --- Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige, -gebunden je M 1.50 und sind durch alle Buchhandlungen -zu beziehen. - -KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG - - - - -GEORG HEYM - - -DER EWIGE TAG - -Zweite Auflage - -Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- - -_Frankfurter Zeitung:_ Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft -bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges -Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit -u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken -und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der -deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. - - -UMBRA VITAE - -GEDICHTE AUS DEM NACHLASS - -Zweite Auflage - -Geheftet M 3.-- · Halbpergamentband M 4.-- - -_Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:_ Bei all dem -ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den -feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will, -zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit -der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym, -dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. - - - - -FRANZ WERFEL · WIR SIND - -NEUE GEDICHTE - -In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin - -Geheftet M 3.-- · Gebunden M 4.50 - -Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare -auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.-- - -_Frankfurter Zeitung:_ . . . ein ganz großer Dichter, mit -allem Ernste sei das gesagt. - -_Neue Rundschau:_ . . . Whitmans kosmische Liebe und -Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel -durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht. - -KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG - - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE *** - -***** This file should be named 40221-8.txt or 40221-8.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/2/2/40221/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Newby - Chief Executive and Director - gbnewby@pglaf.org - -Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg -Literary Archive Foundation - -Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide -spread public support and donations to carry out its mission of -increasing the number of public domain and licensed works that can be -freely distributed in machine readable form accessible by the widest -array of equipment including outdated equipment. Many small donations -($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt -status with the IRS. - -The Foundation is committed to complying with the laws regulating -charities and charitable donations in all 50 states of the United -States. Compliance requirements are not uniform and it takes a -considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up -with these requirements. We do not solicit donations in locations -where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. diff --git a/40221-8.zip b/40221-8.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index bab3bcf..0000000 --- a/40221-8.zip +++ /dev/null diff --git a/40221-h.zip b/40221-h.zip Binary files differdeleted file mode 100644 index cf5154a..0000000 --- a/40221-h.zip +++ /dev/null diff --git a/40221-h/40221-h.htm b/40221-h/40221-h.htm index 704bfba..0e95274 100644 --- a/40221-h/40221-h.htm +++ b/40221-h/40221-h.htm @@ -2,7 +2,7 @@ "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> <html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml"> <head> -<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> +<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=UTF-8" /> <title>The Project Gutenberg eBook of Gedichte, by Georg Trakl</title> <!-- TITLE="Gedichte" --> <!-- AUTHOR="Georg Trakl" --> @@ -108,41 +108,7 @@ hr.hr10 { margin-left:45%; width:10%; } </head> <body> - - -<pre> - -The Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl - -This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with -almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or -re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included -with this eBook or online at www.gutenberg.org - - -Title: Gedichte - -Author: Georg Trakl - -Release Date: July 13, 2012 [EBook #40221] - -Language: German - -Character set encoding: ISO-8859-1 - -*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE *** - - - - -Produced by Jens Sadowski - - - - - -</pre> - +<div>*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40221 ***</div> <h1 style="line-height:1em; font-weight:normal; letter-spacing:0.2em; margin-bottom:10em; page-break-before:always"> <span style="font-size:0.7em;">GEORG TRAKL</span><br /> @@ -166,24 +132,24 @@ COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG 1913. DIE RABEN</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Über den schwarzen Winkel hasten</p> +<p class="line">Über den schwarzen Winkel hasten</p> <p class="line">Am Mittag die Raben mit hartem Schrei.</p> <p class="line">Ihr Schatten streift an der Hirschkuh vorbei</p> -<p class="line">Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.</p> +<p class="line">Und manchmal sieht man sie mürrisch rasten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O wie sie die braune Stille stören,</p> -<p class="line">In der ein Acker sich verzückt,</p> -<p class="line">Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,</p> -<p class="line">Und manchmal kann man sie keifen hören</p> +<p class="line">O wie sie die braune Stille stören,</p> +<p class="line">In der ein Acker sich verzückt,</p> +<p class="line">Wie ein Weib, das schwere Ahnung berückt,</p> +<p class="line">Und manchmal kann man sie keifen hören</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Um ein Aas, das sie irgendwo wittern,</p> -<p class="line">Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug</p> +<p class="line">Und plötzlich richten nach Nord sie den Flug</p> <p class="line">Und schwinden wie ein Leichenzug</p> -<p class="line">In Lüften, die von Wollust zittern. +<p class="line">In Lüften, die von Wollust zittern. </p> </div> @@ -197,9 +163,9 @@ DIE JUNGE MAGD</h2> <h3 class="no" id="no-2-1">1.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Oft am Brunnen, wenn es dämmert,</p> +<p class="line">Oft am Brunnen, wenn es dämmert,</p> <p class="line">Sieht man sie verzaubert stehen</p> -<p class="line">Wasser schöpfen, wenn es dämmert.</p> +<p class="line">Wasser schöpfen, wenn es dämmert.</p> <p class="line">Eimer auf und niedergehen.</p> </div> @@ -213,31 +179,31 @@ DIE JUNGE MAGD</h2> <div class="poem"> <p class="line">Und umschmeichelt von Verfalle</p> <p class="line">Senkt sie die entzundenen Lider.</p> -<p class="line">Dürres Gras neigt im Verfalle</p> -<p class="line">Sich zu ihren Füßen nieder.</p> +<p class="line">Dürres Gras neigt im Verfalle</p> +<p class="line">Sich zu ihren Füßen nieder.</p> </div> <h3 class="no" id="no-2-2">2.</h3> <div class="poem"> <p class="line">Stille schafft sie in der Kammer</p> -<p class="line">Und der Hof liegt längst verödet.</p> +<p class="line">Und der Hof liegt längst verödet.</p> <p class="line">Im Hollunder vor der Kammer</p> -<p class="line">Kläglich eine Amsel flötet.</p> +<p class="line">Kläglich eine Amsel flötet.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Silbern schaut ihr Bild im Spiegel</p> <p class="line">Fremd sie an im Zwielichtscheine</p> -<p class="line">Und verdämmert fahl im Spiegel</p> +<p class="line">Und verdämmert fahl im Spiegel</p> <p class="line">Und ihr graut vor seiner Reine.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Traumhaft singt ein Knecht im Dunkel</p> -<p class="line">Und sie starrt von Schmerz geschüttelt.</p> -<p class="line">Röte träufelt durch das Dunkel.</p> -<p class="line">Jäh am Tor der Südwind rüttelt. +<p class="line">Und sie starrt von Schmerz geschüttelt.</p> +<p class="line">Röte träufelt durch das Dunkel.</p> +<p class="line">Jäh am Tor der Südwind rüttelt. </p> </div> @@ -246,47 +212,47 @@ DIE JUNGE MAGD</h2> 3.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Nächtens übern kahlen Anger</p> -<p class="line">Gaukelt sie in Fieberträumen.</p> -<p class="line">Mürrisch greint der Wind im Anger</p> -<p class="line">Und der Mond lauscht aus den Bäumen.</p> +<p class="line">Nächtens übern kahlen Anger</p> +<p class="line">Gaukelt sie in Fieberträumen.</p> +<p class="line">Mürrisch greint der Wind im Anger</p> +<p class="line">Und der Mond lauscht aus den Bäumen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Balde rings die Sterne bleichen</p> <p class="line">Und ermattet von Beschwerde</p> -<p class="line">Wächsern ihre Wangen bleichen.</p> -<p class="line">Fäulnis wittert aus der Erde.</p> +<p class="line">Wächsern ihre Wangen bleichen.</p> +<p class="line">Fäulnis wittert aus der Erde.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Traurig rauscht das Rohr im Tümpel</p> +<p class="line">Traurig rauscht das Rohr im Tümpel</p> <p class="line">Und sie friert in sich gekauert.</p> -<p class="line">Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel</p> +<p class="line">Fern ein Hahn kräht. Übern Tümpel</p> <p class="line">Hart und grau der Morgen schauert.</p> </div> <h3 class="no" id="no-2-4">4.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">In der Schmiede dröhnt der Hammer</p> -<p class="line">Und sie huscht am Tor vorüber.</p> -<p class="line">Glührot schwingt der Knecht den Hammer</p> -<p class="line">Und sie schaut wie tot hinüber.</p> +<p class="line">In der Schmiede dröhnt der Hammer</p> +<p class="line">Und sie huscht am Tor vorüber.</p> +<p class="line">Glührot schwingt der Knecht den Hammer</p> +<p class="line">Und sie schaut wie tot hinüber.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wie im Traum trifft sie ein Lachen;</p> <p class="line">Und sie taumelt in die Schmiede,</p> <p class="line">Scheu geduckt vor seinem Lachen,</p> -<p class="line">Wie der Hammer hart und rüde.</p> +<p class="line">Wie der Hammer hart und rüde.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Hell versprühn im Raum die Funken</p> +<p class="line">Hell versprühn im Raum die Funken</p> <p class="line">Und mit hilfloser Geberde</p> <p class="line">Hascht sie nach den wilden Funken</p> -<p class="line">Und sie stürzt betäubt zur Erde. +<p class="line">Und sie stürzt betäubt zur Erde. </p> </div> @@ -295,22 +261,22 @@ DIE JUNGE MAGD</h2> 5.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Schmächtig hingestreckt im Bette</p> -<p class="line">Wacht sie auf voll süßem Bangen</p> +<p class="line">Schmächtig hingestreckt im Bette</p> +<p class="line">Wacht sie auf voll süßem Bangen</p> <p class="line">Und sie sieht ihr schmutzig Bette</p> <p class="line">Ganz von goldnem Licht verhangen,</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Die Reseden dort am Fenster</p> -<p class="line">Und den bläulich hellen Himmel.</p> -<p class="line">Manchmal trägt der Wind ans Fenster</p> +<p class="line">Und den bläulich hellen Himmel.</p> +<p class="line">Manchmal trägt der Wind ans Fenster</p> <p class="line">Einer Glocke zag Gebimmel.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Schatten gleiten übers Kissen,</p> -<p class="line">Langsam schlägt die Mittagsstunde</p> +<p class="line">Schatten gleiten übers Kissen,</p> +<p class="line">Langsam schlägt die Mittagsstunde</p> <p class="line">Und sie atmet schwer im Kissen</p> <p class="line">Und ihr Mund gleicht einer Wunde.</p> </div> @@ -319,13 +285,13 @@ DIE JUNGE MAGD</h2> <div class="poem"> <p class="line">Abends schweben blutige Linnen,</p> -<p class="line">Wolken über stummen Wäldern,</p> -<p class="line">Die gehüllt in schwarze Linnen,</p> -<p class="line">Spatzen lärmen auf den Feldern.</p> +<p class="line">Wolken über stummen Wäldern,</p> +<p class="line">Die gehüllt in schwarze Linnen,</p> +<p class="line">Spatzen lärmen auf den Feldern.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und sie liegt ganz weiß im Dunkel.</p> +<p class="line">Und sie liegt ganz weiß im Dunkel.</p> <p class="line">Unterm Dach verhaucht ein Girren.</p> <p class="line">Wie ein Aas in Busch und Dunkel</p> <p class="line">Fliegen ihren Mund umschwirren.</p> @@ -346,19 +312,19 @@ ROMANZE ZUR NACHT</h2> <div class="poem"> <p class="line">Einsamer unterm Sternenzelt</p> <p class="line">Geht durch die stille Mitternacht.</p> -<p class="line">Der Knab aus Träumen wirr erwacht,</p> -<p class="line">Sein Antlitz grau im Mond verfällt.</p> +<p class="line">Der Knab aus Träumen wirr erwacht,</p> +<p class="line">Sein Antlitz grau im Mond verfällt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Närrin weint mit offnem Haar</p> +<p class="line">Die Närrin weint mit offnem Haar</p> <p class="line">Am Fenster, das vergittert starrt.</p> -<p class="line">Im Teich vorbei auf süßer Fahrt</p> +<p class="line">Im Teich vorbei auf süßer Fahrt</p> <p class="line">Ziehn Liebende sehr wunderbar.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Der Mörder lächelt bleich im Wein,</p> +<p class="line">Der Mörder lächelt bleich im Wein,</p> <p class="line">Die Kranken Todesgrausen packt.</p> <p class="line">Die Nonne betet wund und nackt</p> <p class="line">Vor des Heilands Kreuzespein.</p> @@ -368,14 +334,14 @@ ROMANZE ZUR NACHT</h2> <p class="line">Die Mutter leis’ im Schlafe singt.</p> <p class="line">Sehr friedlich schaut zur Nacht das Kind</p> <p class="line">Mit Augen, die ganz wahrhaft sind.</p> -<p class="line">Im Hurenhaus Gelächter klingt.</p> +<p class="line">Im Hurenhaus Gelächter klingt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Beim Talglicht drunt’ im Kellerloch</p> -<p class="line">Der Tote malt mit weißer Hand</p> +<p class="line">Der Tote malt mit weißer Hand</p> <p class="line">Ein grinsend Schweigen an die Wand.</p> -<p class="line">Der Schläfer flüstert immer noch. +<p class="line">Der Schläfer flüstert immer noch. </p> </div> @@ -385,30 +351,30 @@ IM ROTEN LAUBWERK VOLL GUITARREN . . .</h2> <div class="poem"> <p class="line">Im roten Laubwerk voll Guitarren</p> -<p class="line">Der Mädchen gelbe Haare wehen</p> +<p class="line">Der Mädchen gelbe Haare wehen</p> <p class="line">Am Zaun, wo Sonnenblumen stehen.</p> -<p class="line">Durch Wolken fährt ein goldner Karren.</p> +<p class="line">Durch Wolken fährt ein goldner Karren.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">In brauner Schatten Ruh verstummen</p> -<p class="line">Die Alten, die sich blöd umschlingen.</p> -<p class="line">Die Waisen süß zur Vesper singen.</p> -<p class="line">In gelben Dünsten Fliegen summen.</p> +<p class="line">Die Alten, die sich blöd umschlingen.</p> +<p class="line">Die Waisen süß zur Vesper singen.</p> +<p class="line">In gelben Dünsten Fliegen summen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Am Bache waschen noch die Frauen.</p> -<p class="line">Die aufgehängten Linnen wallen.</p> +<p class="line">Die aufgehängten Linnen wallen.</p> <p class="line">Die Kleine, die mir lang gefallen,</p> <p class="line">Kommt wieder durch das Abendgrauen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Vom lauen Himmel Spatzen stürzen</p> -<p class="line">In grüne Löcher voll Verwesung.</p> -<p class="line">Dem Hungrigen täuscht vor Genesung</p> -<p class="line">Ein Duft von Brot und herben Würzen. +<p class="line">Vom lauen Himmel Spatzen stürzen</p> +<p class="line">In grüne Löcher voll Verwesung.</p> +<p class="line">Dem Hungrigen täuscht vor Genesung</p> +<p class="line">Ein Duft von Brot und herben Würzen. </p> </div> @@ -418,8 +384,8 @@ MUSIK IM MIRABELL</h2> <div class="poem"> <p class="line">Ein Brunnen singt. Die Wolken stehn</p> -<p class="line">Im klaren Blau, die weißen, zarten.</p> -<p class="line">Bedächtig stille Menschen gehn</p> +<p class="line">Im klaren Blau, die weißen, zarten.</p> +<p class="line">Bedächtig stille Menschen gehn</p> <p class="line">Am Abend durch den alten Garten.</p> </div> @@ -431,17 +397,17 @@ MUSIK IM MIRABELL</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Das Laub fällt rot vom alten Baum</p> +<p class="line">Das Laub fällt rot vom alten Baum</p> <p class="line">Und kreist herein durchs offne Fenster.</p> -<p class="line">Ein Feuerschein glüht auf im Raum</p> -<p class="line">Und malet trübe Angstgespenster.</p> +<p class="line">Ein Feuerschein glüht auf im Raum</p> +<p class="line">Und malet trübe Angstgespenster.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.</p> -<p class="line">Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.</p> -<p class="line">Die Magd löscht eine Lampe aus,</p> -<p class="line">Das Ohr hört nachts Sonatenklänge. +<p class="line">Ein weißer Fremdling tritt ins Haus.</p> +<p class="line">Ein Hund stürzt durch verfallene Gänge.</p> +<p class="line">Die Magd löscht eine Lampe aus,</p> +<p class="line">Das Ohr hört nachts Sonatenklänge. </p> </div> @@ -458,58 +424,58 @@ MELANCHOLIE DES ABENDS</h2> <div class="poem"> <p class="line">Und Farnen folgt und alten Steinen</p> -<p class="line">Und silbern glänzt aus Laubgewinden.</p> -<p class="line">Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden —</p> -<p class="line">Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.</p> +<p class="line">Und silbern glänzt aus Laubgewinden.</p> +<p class="line">Man hört ihn bald in schwarzen Schlünden —</p> +<p class="line">Vielleicht, daß auch schon Sterne scheinen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Der dunkle Plan scheint ohne Massen,</p> -<p class="line">Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,</p> -<p class="line">Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.</p> -<p class="line">Ein kalter Glanz huscht über Straßen.</p> +<p class="line">Verstreute Dörfer, Sumpf und Weiher,</p> +<p class="line">Und etwas täuscht dir vor ein Feuer.</p> +<p class="line">Ein kalter Glanz huscht über Straßen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Am Himmel ahnet man Bewegung,</p> -<p class="line">Ein Heer von wilden Vögeln wandern</p> -<p class="line">Nach jenen Ländern, schönen, andern.</p> +<p class="line">Ein Heer von wilden Vögeln wandern</p> +<p class="line">Nach jenen Ländern, schönen, andern.</p> <p class="line">Es steigt und sinkt des Rohres Regung. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-7"> <a id="page-13" class="pagenum" title="13"></a> -WINTERDÄMMERUNG</h2> +WINTERDÄMMERUNG</h2> <p class="dedication">An Max von Esterle </p> <div class="poem"> <p class="line">Schwarze Himmel von Metall.</p> -<p class="line">Kreuz in roten Stürmen wehen</p> -<p class="line">Abends hungertolle Krähen</p> -<p class="line">Über Parken gram und fahl.</p> +<p class="line">Kreuz in roten Stürmen wehen</p> +<p class="line">Abends hungertolle Krähen</p> +<p class="line">Über Parken gram und fahl.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Im Gewölk erfriert ein Strahl;</p> -<p class="line">Und vor Satans Flüchen drehen</p> +<p class="line">Im Gewölk erfriert ein Strahl;</p> +<p class="line">Und vor Satans Flüchen drehen</p> <p class="line">Jene sich im Kreis und gehen</p> <p class="line">Nieder siebenfach an Zahl.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">In Verfaultem süß und schal</p> -<p class="line">Lautlos ihre Schnäbel mähen.</p> -<p class="line">Häuser dräu’n aus stummen Nähen;</p> +<p class="line">In Verfaultem süß und schal</p> +<p class="line">Lautlos ihre Schnäbel mähen.</p> +<p class="line">Häuser dräu’n aus stummen Nähen;</p> <p class="line">Helle im Theatersaal.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Kirchen, Brücken und Spital</p> +<p class="line">Kirchen, Brücken und Spital</p> <p class="line">Grauenvoll im Zwielicht stehen.</p> -<p class="line">Blutbefleckte Linnen blähen</p> +<p class="line">Blutbefleckte Linnen blähen</p> <p class="line">Segel sich auf dem Kanal. </p> </div> @@ -521,7 +487,7 @@ RONDEL</h2> <div class="poem"> <p class="line">Verflossen ist das Gold der Tage,</p> <p class="line">Des Abends braun und blaue Farben:</p> -<p class="line">Des Hirten sanfte Flöten starben</p> +<p class="line">Des Hirten sanfte Flöten starben</p> <p class="line">Des Abends blau und braune Farben</p> <p class="line">Verflossen ist das Gold der Tage. </p> @@ -533,76 +499,76 @@ FRAUENSEGEN</h2> <div class="poem"> <p class="line">Schreitest unter deinen Frau’n</p> -<p class="line">Und du lächelst oft beklommen:</p> +<p class="line">Und du lächelst oft beklommen:</p> <p class="line">Sind so bange Tage kommen.</p> -<p class="line">Weiß verblüht der Mohn am Zaun.</p> +<p class="line">Weiß verblüht der Mohn am Zaun.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Wie dein Leib so schön geschwellt</p> -<p class="line">Golden reift der Wein am Hügel.</p> -<p class="line">Ferne glänzt des Weihers Spiegel</p> +<p class="line">Wie dein Leib so schön geschwellt</p> +<p class="line">Golden reift der Wein am Hügel.</p> +<p class="line">Ferne glänzt des Weihers Spiegel</p> <p class="line">Und die Sense klirrt im Feld.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">In den Büschen rollt der Tau,</p> -<p class="line">Rot die Blätter niederfließen.</p> -<p class="line">Seine liebe Frau zu grüßen</p> +<p class="line">In den Büschen rollt der Tau,</p> +<p class="line">Rot die Blätter niederfließen.</p> +<p class="line">Seine liebe Frau zu grüßen</p> <p class="line">Naht ein Mohr dir braun und rauh. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-10"> <a id="page-16" class="pagenum" title="16"></a> -DIE SCHÖNE STADT</h2> +DIE SCHÖNE STADT</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Alte Plätze sonnig schweigen.</p> +<p class="line">Alte Plätze sonnig schweigen.</p> <p class="line">Tief in Blau und Gold versponnen</p> <p class="line">Traumhaft hasten sanfte Nonnen</p> -<p class="line">Unter schwüler Buchen Schweigen.</p> +<p class="line">Unter schwüler Buchen Schweigen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Aus den braun erhellten Kirchen</p> <p class="line">Schaun des Todes reine Bilder,</p> -<p class="line">Großer Fürsten schöne Schilder.</p> +<p class="line">Großer Fürsten schöne Schilder.</p> <p class="line">Kronen schimmern in den Kirchen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Rösser tauchen aus dem Brunnen.</p> -<p class="line">Blütenkrallen drohn aus Bäumen.</p> -<p class="line">Knaben spielen wirr von Träumen</p> +<p class="line">Rösser tauchen aus dem Brunnen.</p> +<p class="line">Blütenkrallen drohn aus Bäumen.</p> +<p class="line">Knaben spielen wirr von Träumen</p> <p class="line">Abends leise dort am Brunnen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Mädchen stehen an den Toren,</p> +<p class="line">Mädchen stehen an den Toren,</p> <p class="line">Schauen scheu ins farbige Leben.</p> <p class="line">Ihre feuchten Lippen beben</p> <p class="line">Und sie warten an den Toren.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Zitternd flattern Glockenklänge,</p> +<p class="line">Zitternd flattern Glockenklänge,</p> <p class="line">Marschtakt hallt und Wacherufen.</p> <p class="line">Fremde lauschen auf den Stufen.</p> -<p class="line">Hoch im Blau sind Orgelklänge.</p> +<p class="line">Hoch im Blau sind Orgelklänge.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Helle Instrumente singen.</p> -<p class="line">Durch der Garten Blätterrahmen</p> -<p class="line">Schwirrt das Lachen schöner Damen.</p> -<p class="line">Leise junge Mütter singen.</p> +<p class="line">Durch der Garten Blätterrahmen</p> +<p class="line">Schwirrt das Lachen schöner Damen.</p> +<p class="line">Leise junge Mütter singen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Heimlich haucht an blumigen Fenstern</p> <p class="line">Duft von Weihrauch, Teer und Flieder.</p> -<p class="line">Silbern flimmern müde Lider</p> +<p class="line">Silbern flimmern müde Lider</p> <p class="line">Durch die Blumen an den Fenstern. </p> </div> @@ -619,31 +585,31 @@ IN EINEM VERLASSENEN ZIMMER</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Lichterloh die Büsche wehen</p> -<p class="line">Und ein Schwarm von Mücken schwingt,</p> -<p class="line">Fern im Acker Sensen mähen</p> +<p class="line">Lichterloh die Büsche wehen</p> +<p class="line">Und ein Schwarm von Mücken schwingt,</p> +<p class="line">Fern im Acker Sensen mähen</p> <p class="line">Und ein altes Wasser singt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wessen Atem kommt mich kosen?</p> <p class="line">Schwalben irre Zeichen ziehn.</p> -<p class="line">Leise fließt im Grenzenlosen</p> +<p class="line">Leise fließt im Grenzenlosen</p> <p class="line">Dort das goldne Waldland hin.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Flammen flackern in den Beeten.</p> -<p class="line">Wirr verzückt der tolle Reihn</p> +<p class="line">Wirr verzückt der tolle Reihn</p> <p class="line">An den gelblichen Tapeten.</p> -<p class="line">Jemand schaut zur Tür herein.</p> +<p class="line">Jemand schaut zur Tür herein.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Weihrauch duftet süß und Birne</p> -<p class="line">Und es dämmern Glas und Truh.</p> -<p class="line">Langsam beugt die heiße Stirne</p> -<p class="line">Sich den weißen Sternen zu. +<p class="line">Weihrauch duftet süß und Birne</p> +<p class="line">Und es dämmern Glas und Truh.</p> +<p class="line">Langsam beugt die heiße Stirne</p> +<p class="line">Sich den weißen Sternen zu. </p> </div> @@ -654,37 +620,37 @@ AN DEN KNABEN ELIS</h2> <div class="poem"> <p class="line">Elis, wenn die Amsel im schwarzen Wald ruft,</p> <p class="line">Dieses ist dein Untergang.</p> -<p class="line">Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.</p> +<p class="line">Deine Lippen trinken die Kühle des blauen Felsenquells.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Laß, wenn deine Stirne leise blutet</p> +<p class="line">Laß, wenn deine Stirne leise blutet</p> <p class="line">Uralte Legenden</p> <p class="line">Und dunkle Deutung des Vogelflugs.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Du aber gehst mit weichen Schritten in die Nacht,</p> -<p class="line">Die voll purpurner Trauben hängt</p> -<p class="line">Und du regst die Arme schöner im Blau.</p> +<p class="line">Die voll purpurner Trauben hängt</p> +<p class="line">Und du regst die Arme schöner im Blau.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ein Dornenbusch tönt,</p> +<p class="line">Ein Dornenbusch tönt,</p> <p class="line">Wo deine mondenen Augen sind.</p> <p class="line">O, wie lange bist, Elis, du verstorben.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Dein Leib ist eine Hyazinthe,</p> -<p class="line">In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.</p> -<p class="line">Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,</p> +<p class="line">In die ein Mönch die wächsernen Finger taucht.</p> +<p class="line">Eine schwarze Höhle ist unser Schweigen,</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Daraus bisweilen ein sanftes Tier tritt</p> <p class="line">Und langsam die schweren Lider senkt.</p> -<p class="line">Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,</p> +<p class="line">Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau,</p> </div> <div class="poem"> @@ -705,23 +671,23 @@ DER GEWITTERABEND</h2> <div class="poem"> <p class="line">Staub tanzt im Gestank der Gossen.</p> -<p class="line">Klirrend stößt der Wind in Scheiben.</p> +<p class="line">Klirrend stößt der Wind in Scheiben.</p> <p class="line">Einen Zug von wilden Rossen</p> <p class="line">Blitze grelle Wolken treiben.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Laut zerspringt der Weiherspiegel.</p> -<p class="line">Möven schrein am Fensterrahmen.</p> -<p class="line">Feuerreiter sprengt vom Hügel</p> +<p class="line">Möven schrein am Fensterrahmen.</p> +<p class="line">Feuerreiter sprengt vom Hügel</p> <p class="line">Und zerschellt im Tann zu Flammen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Kranke kreischen im Spitale.</p> -<p class="line">Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.</p> +<p class="line">Bläulich schwirrt der Nacht Gefieder.</p> <p class="line">Glitzernd braust mit einem Male</p> -<p class="line">Regen auf die Dächer nieder. +<p class="line">Regen auf die Dächer nieder. </p> </div> @@ -731,60 +697,60 @@ ABENDMUSE</h2> <div class="poem"> <p class="line">Ans Blumenfenster wieder kehrt des Kirchturms Schatten</p> -<p class="line">Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen.</p> -<p class="line">Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen —</p> -<p class="line">Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten.</p> +<p class="line">Und Goldnes. Die heiße Stirn verglüht in Ruh und Schweigen.</p> +<p class="line">Ein Brunnen fällt im Dunkel von Kastanienzweigen —</p> +<p class="line">Da fühlst du: es ist gut! in schmerzlichem Ermatten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden.</p> -<p class="line">Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge.</p> -<p class="line">In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge,</p> +<p class="line">Der Markt ist leer von Sommerfrüchten und Gewinden.</p> +<p class="line">Einträchtig stimmt der Tore schwärzliches Gepränge.</p> +<p class="line">In einem Garten tönen sanften Spieles Klänge,</p> <p class="line">Wo Freunde nach dem Mahle sich zusammenfinden.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne.</p> -<p class="line">Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten.</p> -<p class="line">Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten;</p> -<p class="line">Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne.</p> +<p class="line">Des weißen Magiers Märchen lauscht die Seele gerne.</p> +<p class="line">Rund saust das Korn, das Mäher nachmittags geschnitten.</p> +<p class="line">Geduldig schweigt das harte Leben in den Hütten;</p> +<p class="line">Der Kühe linden Schlaf bescheint die Stallaterne.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider</p> -<p class="line">Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen.</p> +<p class="line">Von Lüften trunken sinken balde ein die Lider</p> +<p class="line">Und öffnen leise sich zu fremden Sternenzeichen.</p> <p class="line">Endymion taucht aus dem Dunkel alter Eichen</p> -<p class="line">Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder. +<p class="line">Und beugt sich über trauervolle Wasser nieder. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-15"> <a id="page-21" class="pagenum" title="21"></a> -TRAUM DES BÖSEN</h2> +TRAUM DES BÖSEN</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge —</p> +<p class="line">Verhallend eines Gongs braungoldne Klänge —</p> <p class="line">Ein Liebender erwacht in schwarzen Zimmern</p> <p class="line">Die Wang’ an Flammen, die im Fenster flimmern.</p> -<p class="line">Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.</p> +<p class="line">Am Strome blitzen Segel, Masten, Stränge.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.</p> +<p class="line">Ein Mönch, ein schwangres Weib dort im Gedränge.</p> <p class="line">Guitarren klimpern, rote Kittel schimmern.</p> -<p class="line">Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;</p> -<p class="line">Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.</p> +<p class="line">Kastanien schwül in goldnem Glanz verkümmern;</p> +<p class="line">Schwarz ragt der Kirchen trauriges Gepränge.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.</p> -<p class="line">Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;</p> -<p class="line">Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.</p> +<p class="line">Aus bleichen Masken schaut der Geist des Bösen.</p> +<p class="line">Ein Platz verdämmert grauenvoll und düster;</p> +<p class="line">Am Abend regt auf Inseln sich Geflüster.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Des Vogelfluges wirre Zeichen lesen</p> -<p class="line">Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.</p> +<p class="line">Aussätzige, die zur Nacht vielleicht verwesen.</p> <p class="line">Im Park erblicken zitternd sich Geschwister. </p> </div> @@ -803,8 +769,8 @@ GEISTLICHES LIED</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Hör’ im Dorf sich viele freun,</p> -<p class="line">Gärtner an der Mauer mäht,</p> +<p class="line">Hör’ im Dorf sich viele freun,</p> +<p class="line">Gärtner an der Mauer mäht,</p> <p class="line">Leise eine Orgel geht,</p> <p class="line">Mischet Klang und goldenen Schein,</p> <p class="line">Klang und Schein.</p> @@ -812,18 +778,18 @@ GEISTLICHES LIED</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Mädchen kommen auch herein</p> -<p class="line">Und der Hahn zum letzten kräht.</p> +<p class="line">Mädchen kommen auch herein</p> +<p class="line">Und der Hahn zum letzten kräht.</p> <p class="line">Sacht ein morsches Gitter geht</p> <p class="line">Und in Rosen Kranz und Reihn,</p> <p class="line">Rosenreihn</p> -<p class="line">Ruht Maria weiß und fein.</p> +<p class="line">Ruht Maria weiß und fein.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Bettler dort am alten Stein</p> <p class="line">Scheint verstorben im Gebet,</p> -<p class="line">Sanft ein Hirt vom Hügel geht</p> +<p class="line">Sanft ein Hirt vom Hügel geht</p> <p class="line">Und ein Engel singt im Hain,</p> <p class="line">Nah am Hain</p> <p class="line">Kinder in den Schlaf hinein. @@ -837,14 +803,14 @@ IM HERBST</h2> <div class="poem"> <p class="line">Die Sonnenblumen leuchten am Zaun,</p> <p class="line">Still sitzen Kranke im Sonnenschein.</p> -<p class="line">Im Acker mühn sich singend die Frau’n,</p> -<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p> +<p class="line">Im Acker mühn sich singend die Frau’n,</p> +<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Vögel sagen dir ferne Mär’,</p> -<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p> -<p class="line">Vom Hof tönt sanft die Geige her.</p> +<p class="line">Die Vögel sagen dir ferne Mär’,</p> +<p class="line">Die Klosterglocken läuten darein.</p> +<p class="line">Vom Hof tönt sanft die Geige her.</p> <p class="line">Heut keltern sie den braunen Wein.</p> </div> @@ -852,7 +818,7 @@ IM HERBST</h2> <p class="line">Da zeigt der Mensch sich froh und lind.</p> <p class="line">Heut keltern sie den braunen Wein.</p> <p class="line">Weit offen die Totenkammern sind</p> -<p class="line">Und schön bemalt vom Sonnenschein. +<p class="line">Und schön bemalt vom Sonnenschein. </p> </div> @@ -861,13 +827,13 @@ IM HERBST</h2> ZU ABEND MEIN HERZ</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse.</p> +<p class="line">Am Abend hört man den Schrei der Fledermäuse.</p> <p class="line">Zwei Rappen springen auf der Wiese.</p> <p class="line">Der rote Ahorn rauscht.</p> <p class="line">Dem Wanderer erscheint die kleine Schenke am Weg.</p> -<p class="line">Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse.</p> -<p class="line">Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald.</p> -<p class="line">Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken.</p> +<p class="line">Herrlich schmecken junger Wein und Nüsse.</p> +<p class="line">Herrlich: betrunken zu taumeln in dämmernden Wald.</p> +<p class="line">Durch schwarzes Geäst tönen schmerzliche Glocken.</p> <p class="line">Auf das Gesicht tropft Tau. </p> </div> @@ -877,36 +843,36 @@ ZU ABEND MEIN HERZ</h2> DIE BAUERN</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Vorm Fenster tönendes Grün und Rot.</p> -<p class="line">Im schwarzverräucherten, niederen Saal</p> -<p class="line">Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl;</p> +<p class="line">Vorm Fenster tönendes Grün und Rot.</p> +<p class="line">Im schwarzverräucherten, niederen Saal</p> +<p class="line">Sitzen die Knechte und Mägde beim Mahl;</p> <p class="line">Und sie schenken den Wein und sie brechen das Brot.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Im tiefen Schweigen der Mittagszeit</p> -<p class="line">Fällt bisweilen ein karges Wort.</p> -<p class="line">Die Äcker flimmern in einem fort</p> +<p class="line">Fällt bisweilen ein karges Wort.</p> +<p class="line">Die Äcker flimmern in einem fort</p> <p class="line">Und der Himmel bleiern und weit.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Fratzenhaft flackert im Herd die Glut</p> <p class="line">Und ein Schwarm von Fliegen summt.</p> -<p class="line">Die Mägde lauschen blöd und verstummt</p> -<p class="line">Und ihre Schläfen hämmert das Blut.</p> +<p class="line">Die Mägde lauschen blöd und verstummt</p> +<p class="line">Und ihre Schläfen hämmert das Blut.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und manchmal treffen sich Blicke voll Gier,</p> <p class="line">Wenn tierischer Dunst die Stube durchweht.</p> -<p class="line">Eintönig spricht ein Knecht das Gebet</p> -<p class="line">Und ein Hahn kräht unter der Tür.</p> +<p class="line">Eintönig spricht ein Knecht das Gebet</p> +<p class="line">Und ein Hahn kräht unter der Tür.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und wieder ins Feld. Ein Grauen packt</p> -<p class="line">Sie oft im tosenden Ährengebraus</p> +<p class="line">Sie oft im tosenden Ährengebraus</p> <p class="line">Und klirrend schwingen ein und aus</p> <p class="line">Die Sensen geisterhaft im Takt. </p> @@ -920,15 +886,15 @@ ALLERSEELEN</h2> </p> <div class="poem"> -<p class="line">Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,</p> +<p class="line">Die Männlein, Weiblein, traurige Gesellen,</p> <p class="line">Sie streuen heute Blumen blau und rot</p> -<p class="line">Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.</p> +<p class="line">Auf ihre Grüfte, die sich zag erhellen.</p> <p class="line">Sie tun wie arme Puppen vor dem Tod.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">O! wie sie hier voll Angst und Demut scheinen,</p> -<p class="line">Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.</p> +<p class="line">Wie Schatten hinter schwarzen Büschen stehn.</p> <p class="line">Im Herbstwind klagt der Ungebornen Weinen,</p> <p class="line">Auch sieht man Lichter in der Irre gehn.</p> </div> @@ -941,8 +907,8 @@ ALLERSEELEN</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.</p> -<p class="line">Erbarm’ dich Gott der Frauen Höll’ und Qual,</p> +<p class="line">Ihr Leben ist so wirr, voll trüber Plagen.</p> +<p class="line">Erbarm’ dich Gott der Frauen Höll’ und Qual,</p> <p class="line">Und dieser hoffnungslosen Todesklagen.</p> <p class="line">Einsame wandeln still im Sternensaal. </p> @@ -953,14 +919,14 @@ ALLERSEELEN</h2> MELANCHOLIE</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,</p> -<p class="line">Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.</p> -<p class="line">Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten</p> -<p class="line">Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.</p> -<p class="line">Des Todes ernste Düsternis bereiten</p> -<p class="line">Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen</p> +<p class="line">Bläuliche Schatten. O ihr dunklen Augen,</p> +<p class="line">Die lang mich anschaun im Vorübergleiten.</p> +<p class="line">Guitarrenklänge sanft den Herbst begleiten</p> +<p class="line">Im Garten, aufgelöst in braunen Laugen.</p> +<p class="line">Des Todes ernste Düsternis bereiten</p> +<p class="line">Nymphische Hände, an roten Brüsten saugen</p> <p class="line">Verfallne Lippen und in schwarzen Laugen</p> -<p class="line">Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten. +<p class="line">Des Sonnenjünglings feuchte Locken gleiten. </p> </div> @@ -969,10 +935,10 @@ MELANCHOLIE</h2> SEELE DES LEBENS</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Verfall, der weich das Laub umdüstert,</p> +<p class="line">Verfall, der weich das Laub umdüstert,</p> <p class="line">Es wohnt im Wald sein weites Schweigen.</p> <p class="line">Bald scheint ein Dorf sich geisterhaft zu neigen.</p> -<p class="line">Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.</p> +<p class="line">Der Schwester Mund in schwarzen Zweigen flüstert.</p> </div> <div class="poem"> @@ -983,35 +949,35 @@ SEELE DES LEBENS</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Der blaue Fluß rinnt schön hinunter,</p> -<p class="line">Gewölke sich am Abend zeigen;</p> +<p class="line">Der blaue Fluß rinnt schön hinunter,</p> +<p class="line">Gewölke sich am Abend zeigen;</p> <p class="line">Die Seele auch in engelhaftem Schweigen.</p> -<p class="line">Vergängliche Gebilde gehen unter. +<p class="line">Vergängliche Gebilde gehen unter. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-23"> <a id="page-29" class="pagenum" title="29"></a> -VERKLÄRTER HERBST</h2> +VERKLÄRTER HERBST</h2> <div class="poem"> <p class="line">Gewaltig endet so das Jahr</p> -<p class="line">Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.</p> -<p class="line">Rund schweigen Wälder wunderbar</p> -<p class="line">Und sind des Einsamen Gefährten.</p> +<p class="line">Mit goldnem Wein und Frucht der Gärten.</p> +<p class="line">Rund schweigen Wälder wunderbar</p> +<p class="line">Und sind des Einsamen Gefährten.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Da sagt der Landmann: Es ist gut.</p> <p class="line">Ihr Abendglocken lang und leise</p> <p class="line">Gebt noch zum Ende frohen Mut.</p> -<p class="line">Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.</p> +<p class="line">Ein Vogelzug grüßt auf der Reise.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Es ist der Liebe milde Zeit.</p> -<p class="line">Im Kahn den blauen Fluß hinunter</p> -<p class="line">Wie schön sich Bild an Bildchen reiht —</p> +<p class="line">Im Kahn den blauen Fluß hinunter</p> +<p class="line">Wie schön sich Bild an Bildchen reiht —</p> <p class="line">Das geht in Ruh und Schweigen unter. </p> </div> @@ -1025,28 +991,28 @@ WINKEL AM WALD</h2> <div class="poem"> <p class="line">Braune Kastanien. Leise gleiten die alten Leute</p> -<p class="line">In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.</p> +<p class="line">In stilleren Abend; weich verwelken schöne Blätter.</p> <p class="line">Am Friedhof scherzt die Amsel mit dem toten Vetter,</p> <p class="line">Angelen gibt der blonde Lehrer das Geleite.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Des Todes reine Bilder schaun von Kirchenfenstern;</p> -<p class="line">Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.</p> -<p class="line">Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.</p> +<p class="line">Doch wirkt ein blutiger Grund sehr trauervoll und düster.</p> +<p class="line">Das Tor blieb heut verschlossen. Den Schlüssel hat der Küster.</p> <p class="line">Im Garten spricht die Schwester freundlich mit Gespenstern.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">In alten Kellern reift der Wein ins Goldne, Klare.</p> -<p class="line">Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.</p> -<p class="line">Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;</p> +<p class="line">Süß duften Äpfel. Freude glänzt nicht allzu ferne.</p> +<p class="line">Den langen Abend hören Kinder Märchen gerne;</p> <p class="line">Auch zeigt sich sanftem Wahnsinn oft das Goldne, Wahre.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.</p> -<p class="line">Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet.</p> +<p class="line">Das Blau fließt voll Reseden; in Zimmern Kerzenhelle.</p> +<p class="line">Bescheidenen ist ihre Stätte wohl bereitet.</p> <p class="line">Den Saum des Walds hinab ein einsam Schicksal gleitet;</p> <p class="line">Die Nacht erscheint, der Ruhe Engel, auf der Schwelle. </p> @@ -1057,22 +1023,22 @@ WINKEL AM WALD</h2> IM WINTER</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Der Acker leuchtet weiß und kalt.</p> +<p class="line">Der Acker leuchtet weiß und kalt.</p> <p class="line">Der Himmel ist einsam und ungeheuer.</p> -<p class="line">Dohlen kreisen über dem Weiher</p> -<p class="line">Und Jäger steigen nieder vom Wald.</p> +<p class="line">Dohlen kreisen über dem Weiher</p> +<p class="line">Und Jäger steigen nieder vom Wald.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein Schweigen in schwarzen Wipfeln wohnt.</p> -<p class="line">Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.</p> +<p class="line">Ein Feuerschein huscht aus den Hütten.</p> <p class="line">Bisweilen schellt sehr fern ein Schlitten</p> <p class="line">Und langsam steigt der graue Mond.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein Wild verblutet sanft am Rain</p> -<p class="line">Und Raben plätschern in blutigen Gossen.</p> +<p class="line">Und Raben plätschern in blutigen Gossen.</p> <p class="line">Das Rohr bebt gelb und aufgeschossen.</p> <p class="line">Frost, Rauch, ein Schritt im leeren Hain. </p> @@ -1085,13 +1051,13 @@ IN EIN ALTES STAMMBUCH</h2> <div class="poem"> <p class="line">Immer wieder kehrst du, Melancholie,</p> <p class="line">O Sanftmut der einsamen Seele.</p> -<p class="line">Zu Ende glüht ein goldener Tag.</p> +<p class="line">Zu Ende glüht ein goldener Tag.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Demutsvoll beugt sich dem Schmerz der Geduldige</p> -<p class="line">Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.</p> -<p class="line">Siehe! es dämmert schon.</p> +<p class="line">Tönend von Wohllaut und weichem Wahnsinn.</p> +<p class="line">Siehe! es dämmert schon.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1101,7 +1067,7 @@ IN EIN ALTES STAMMBUCH</h2> <div class="poem"> <p class="line">Schaudernd unter herbstlichen Sternen</p> -<p class="line">Neigt sich jährlich tiefer das Haupt. +<p class="line">Neigt sich jährlich tiefer das Haupt. </p> </div> @@ -1110,9 +1076,9 @@ IN EIN ALTES STAMMBUCH</h2> VERWANDLUNG</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt:</p> -<p class="line">Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.</p> -<p class="line">Des Menschen Hände tragen braune Reben,</p> +<p class="line">Entlang an Gärten, herbstlich, rotversengt:</p> +<p class="line">Hier zeigt im Stillen sich ein tüchtig Leben.</p> +<p class="line">Des Menschen Hände tragen braune Reben,</p> <p class="line">Indes der sanfte Schmerz im Blick sich senkt.</p> </div> @@ -1120,14 +1086,14 @@ VERWANDLUNG</h2> <p class="line">Am Abend: Schritte gehn durch schwarzes Land</p> <p class="line">Erscheinender in roter Buchen Schweigen.</p> <p class="line">Ein blaues Tier will sich vorm Tod verneigen</p> -<p class="line">Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.</p> +<p class="line">Und grauenvoll verfällt ein leer Gewand.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Geruhiges vor einer Schenke spielt,</p> <p class="line">Ein Antlitz ist berauscht ins Gras gesunken.</p> -<p class="line">Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken,</p> -<p class="line">Resedenduft, der Weibliches umspült. +<p class="line">Hollunderfrüchte, Flöten weich und trunken,</p> +<p class="line">Resedenduft, der Weibliches umspült. </p> </div> @@ -1136,38 +1102,38 @@ VERWANDLUNG</h2> KLEINES KONZERT</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert —</p> -<p class="line">Durch deine Hände scheint die Sonne.</p> -<p class="line">Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne</p> +<p class="line">Ein Rot, das traumhaft dich erschüttert —</p> +<p class="line">Durch deine Hände scheint die Sonne.</p> +<p class="line">Du fühlst dein Herz verrückt vor Wonne</p> <p class="line">Sich still zu einer Tat bereiten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">In Mittag strömen gelbe Felder.</p> -<p class="line">Kaum hörst du noch der Grillen Singen,</p> -<p class="line">Der Mäher hartes Sensenschwingen.</p> -<p class="line">Einfältig schweigen goldene Wälder.</p> +<p class="line">In Mittag strömen gelbe Felder.</p> +<p class="line">Kaum hörst du noch der Grillen Singen,</p> +<p class="line">Der Mäher hartes Sensenschwingen.</p> +<p class="line">Einfältig schweigen goldene Wälder.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Im grünen Tümpel glüht Verwesung.</p> +<p class="line">Im grünen Tümpel glüht Verwesung.</p> <p class="line">Die Fische stehen still. Gottes Odem</p> <p class="line">Weckt sacht ein Saitenspiel im Brodem.</p> -<p class="line">Aussätzigen winkt die Flut Genesung.</p> +<p class="line">Aussätzigen winkt die Flut Genesung.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Geist Dädals schwebt in blauen Schatten,</p> +<p class="line">Geist Dädals schwebt in blauen Schatten,</p> <p class="line">Ein Duft von Milch in Haselzweigen.</p> -<p class="line">Man hört noch lang den Lehrer geigen,</p> +<p class="line">Man hört noch lang den Lehrer geigen,</p> <p class="line">Im leeren Hof den Schrei der Ratten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Im Krug an scheußlichen Tapeten</p> -<p class="line">Blühn kühlere Violenfarben.</p> +<p class="line">Im Krug an scheußlichen Tapeten</p> +<p class="line">Blühn kühlere Violenfarben.</p> <p class="line">Im Hader dunkle Stimmen starben,</p> -<p class="line">Narziß im Endakkord von Flöten. +<p class="line">Narziß im Endakkord von Flöten. </p> </div> @@ -1176,15 +1142,15 @@ KLEINES KONZERT</h2> MENSCHHEIT</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,</p> +<p class="line">Menschheit vor Feuerschlünden aufgestellt,</p> <p class="line">Ein Trommelwirbel, dunkler Krieger Stirnen,</p> <p class="line">Schritte durch Blutnebel; schwarzes Eisen schellt,</p> <p class="line">Verzweiflung, Nacht in traurigen Gehirnen:</p> <p class="line">Hier Evas Schatten, Jagd und rotes Geld.</p> -<p class="line">Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.</p> +<p class="line">Gewölk, das Licht durchbricht, das Abendmahl.</p> <p class="line">Es wohnt in Brot und Wein ein sanftes Schweigen</p> -<p class="line">Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.</p> -<p class="line">Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;</p> +<p class="line">Und jene sind versammelt zwölf an Zahl.</p> +<p class="line">Nachts schrein im Schlaf sie unter Ölbaumzweigen;</p> <p class="line">Sankt Thomas taucht die Hand ins Wundenmal. </p> </div> @@ -1196,9 +1162,9 @@ DER SPAZIERGANG</h2> <h3 class="no" id="no-30-1">1.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Musik summt im Gehölz am Nachmittag.</p> +<p class="line">Musik summt im Gehölz am Nachmittag.</p> <p class="line">Im Korn sich ernste Vogelscheuchen drehn.</p> -<p class="line">Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn;</p> +<p class="line">Hollunderbüsche sacht am Weg verwehn;</p> <p class="line">Ein Haus zerflimmert wunderlich und vag.</p> </div> @@ -1210,7 +1176,7 @@ DER SPAZIERGANG</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar,</p> +<p class="line">Du träumst: die Schwester kämmt ihr blondes Haar,</p> <p class="line">Auch schreibt ein ferner Freund dir einen Brief.</p> <p class="line">Ein Schober flieht durchs Grau vergilbt und schief</p> <p class="line">Und manchmal schwebst du leicht und wunderbar.</p> @@ -1219,24 +1185,24 @@ DER SPAZIERGANG</h2> <h3 class="no" id="no-30-2">2.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Die Zeit verrinnt. O süßer Helios!</p> -<p class="line">O Bild im Krötentümpel süß und klar;</p> +<p class="line">Die Zeit verrinnt. O süßer Helios!</p> +<p class="line">O Bild im Krötentümpel süß und klar;</p> <p class="line">Im Sand versinkt ein Eden wunderbar.</p> -<p class="line">Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß.</p> +<p class="line">Goldammern wiegt ein Busch in seinem Schoß.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein Bruder stirbt dir in verwunschnem Land</p> -<p class="line">Und stählern schaun dich deine Augen an.</p> +<p class="line">Und stählern schaun dich deine Augen an.</p> <p class="line">In Goldnem dort ein Duft von Thymian.</p> <p class="line">Ein Knabe legt am Weiler einen Brand.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Liebenden in Faltern neu erglühn</p> +<p class="line">Die Liebenden in Faltern neu erglühn</p> <p class="line">Und schaukeln heiter hin um Stein und Zahl.</p> -<p class="line">Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl</p> -<p class="line">Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün. +<p class="line">Aufflattern Krähen um ein ekles Mahl</p> +<p class="line">Und deine Stirne tost durchs sanfte Grün. </p> </div> @@ -1246,7 +1212,7 @@ DER SPAZIERGANG</h2> Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.</p> <p class="line">Nachgleitet dir ein heller Kindertag,</p> <p class="line">Der graue Wind, der flatterhaft und vag</p> -<p class="line">Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült.</p> +<p class="line">Verfallne Düfte durch die Dämmerung spült.</p> </div> <h3 class="no" id="no-30-3">3.</h3> @@ -1254,22 +1220,22 @@ Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.</p> <div class="poem"> <p class="line">Ein altes Wiegenlied macht dich sehr bang.</p> <p class="line">Am Wegrand fromm ein Weib ihr Kindlein stillt.</p> -<p class="line">Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt.</p> -<p class="line">Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang.</p> +<p class="line">Traumwandelnd hörst du wie ihr Bronnen quillt.</p> +<p class="line">Aus Apfelzweigen fällt ein Weiheklang.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn.</p> -<p class="line">Nach Früchten tastet silbern deine Hand.</p> +<p class="line">Und Brot und Wein sind süß von harten Mühn.</p> +<p class="line">Nach Früchten tastet silbern deine Hand.</p> <p class="line">Die tote Rahel geht durchs Ackerland.</p> -<p class="line">Mit friedlicher Geberde winkt das Grün.</p> +<p class="line">Mit friedlicher Geberde winkt das Grün.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß,</p> -<p class="line">Die träumend dort am alten Brunnen stehn.</p> +<p class="line">Gesegnet auch blüht armer Mägde Schoß,</p> +<p class="line">Die träumend dort am alten Brunnen stehn.</p> <p class="line">Einsame froh auf stillen Pfaden gehn</p> -<p class="line">Mit Gottes Kreaturen sündelos. +<p class="line">Mit Gottes Kreaturen sündelos. </p> </div> @@ -1278,27 +1244,27 @@ Im Dornenstrauch verendet weich ein Wild.</p> DE PROFUNDIS</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.</p> +<p class="line">Es ist ein Stoppelfeld, in das ein schwarzer Regen fällt.</p> <p class="line">Es ist ein brauner Baum, der einsam dasteht.</p> -<p class="line">Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist</p> +<p class="line">Es ist ein Zischelwind, der leere Hütten umkreist</p> <p class="line">Wie traurig dieser Abend.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Am Weiler vorbei</p> -<p class="line">Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.</p> -<p class="line">Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung</p> -<p class="line">Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.</p> +<p class="line">Sammelt die sanfte Waise noch spärliche Ähren ein.</p> +<p class="line">Ihre Augen weiden rund und goldig in der Dämmerung</p> +<p class="line">Und ihr Schoß harrt des himmlischen Bräutigams.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Bei der Heimkehr</p> -<p class="line">Fanden die Hirten den süßen Leib</p> +<p class="line">Fanden die Hirten den süßen Leib</p> <p class="line">Verwest im Dornenbusch.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.</p> +<p class="line">Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern.</p> <p class="line">Gottes Schweigen</p> <p class="line">Trank ich aus dem Brunnen des Hains.</p> </div> @@ -1306,13 +1272,13 @@ DE PROFUNDIS</h2> <div class="poem"> <p class="line">Auf meine Stirne tritt kaltes Metall</p> <p class="line">Spinnen suchen mein Herz.</p> -<p class="line">Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.</p> +<p class="line">Es ist ein Licht, das in meinem Mund erlöscht.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Nachts fand ich mich auf einer Heide,</p> <p class="line">Starrend von Unrat und Staub der Sterne.</p> -<p class="line">Im Haselgebüsch</p> +<p class="line">Im Haselgebüsch</p> <p class="line">Klangen wieder kristallne Engel. </p> </div> @@ -1323,9 +1289,9 @@ TROMPETEN</h2> <div class="poem"> <p class="line">Unter verschnittenen Weiden, wo braune Kinder spielen</p> -<p class="line">Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer.</p> -<p class="line">Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer,</p> -<p class="line">Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen.</p> +<p class="line">Und Blätter treiben, tönen Trompeten. Ein Kirchhofsschauer.</p> +<p class="line">Fahnen von Scharlach stürzen durch des Ahorns Trauer,</p> +<p class="line">Reiter entlang an Roggenfeldern, leeren Mühlen.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1338,19 +1304,19 @@ TROMPETEN</h2> <h2 class="chapter" id="ch-33"> <a id="page-40" class="pagenum" title="40"></a> -DÄMMERUNG</h2> +DÄMMERUNG</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,</p> -<p class="line">Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.</p> -<p class="line">Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,</p> -<p class="line">Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.</p> +<p class="line">Im Hof, verhext von milchigem Dämmerschein,</p> +<p class="line">Durch Herbstgebräuntes weiche Kranke gleiten.</p> +<p class="line">Ihr wächsern-runder Blick sinnt goldner Zeiten,</p> +<p class="line">Erfüllt von Träumerei und Ruh und Wein.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein.</p> -<p class="line">Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.</p> -<p class="line">Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,</p> +<p class="line">Ihr Siechentum schließt geisterhaft sich ein.</p> +<p class="line">Die Sterne weiße Traurigkeit verbreiten.</p> +<p class="line">Im Grau, erfüllt von Täuschung und Geläuten,</p> <p class="line">Sieh, wie die Schrecklichen sich wirr zerstreun.</p> </div> @@ -1362,58 +1328,58 @@ DÄMMERUNG</h2> <div class="poem"> <p class="line">Die andern fliehn durch dunkelnde Arkaden;</p> -<p class="line">Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern</p> -<p class="line">Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden. +<p class="line">Und nächtens stürzen sie aus roten Schauern</p> +<p class="line">Des Sternenwinds, gleich rasenden Mänaden. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-34"> <a id="page-41" class="pagenum" title="41"></a> -HEITERER FRÜHLING</h2> +HEITERER FRÜHLING</h2> <h3 class="no" id="no-34-1">1.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,</p> -<p class="line">Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.</p> -<p class="line">Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,</p> -<p class="line">Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.</p> +<p class="line">Am Bach, der durch das gelbe Brachfeld fließt,</p> +<p class="line">Zieht noch das dürre Rohr vom vorigen Jahr.</p> +<p class="line">Durchs Graue gleiten Klänge wunderbar,</p> +<p class="line">Vorüberweht ein Hauch von warmem Mist.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,</p> -<p class="line">Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.</p> +<p class="line">An Weiden baumeln Kätzchen sacht im Wind,</p> +<p class="line">Sein traurig Lied singt träumend ein Soldat.</p> <p class="line">Ein Wiesenstreifen saust verweht und matt,</p> <p class="line">Ein Kind steht in Konturen weich und lind.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Die Birken dort, der schwarze Dornenstrauch,</p> -<p class="line">Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.</p> -<p class="line">Hell Grünes blüht und anderes verwest</p> -<p class="line">Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch.</p> +<p class="line">Auch fliehn im Rauch Gestalten aufgelöst.</p> +<p class="line">Hell Grünes blüht und anderes verwest</p> +<p class="line">Und Kröten schliefen durch den jungen Lauch.</p> </div> <h3 class="no" id="no-34-2">2.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.</p> -<p class="line">Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.</p> -<p class="line">Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;</p> -<p class="line">Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.</p> +<p class="line">Dich lieb ich treu du derbe Wäscherin.</p> +<p class="line">Noch trägt die Flut des Himmels goldene Last.</p> +<p class="line">Ein Fischlein blitzt vorüber und verblaßt;</p> +<p class="line">Ein wächsern Antlitz fließt durch Erlen hin.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">In Gärten sinken Glocken lang und leis</p> -<p class="line">Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt.</p> -<p class="line">Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt</p> -<p class="line">Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.</p> +<p class="line">In Gärten sinken Glocken lang und leis</p> +<p class="line">Ein kleiner Vogel trällert wie verrückt.</p> +<p class="line">Das sanfte Korn schwillt leise und verzückt</p> +<p class="line">Und Bienen sammeln noch mit ernstem Fleiß.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!</p> -<p class="line">In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.</p> -<p class="line">Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl</p> +<p class="line">Komm Liebe nun zum müden Arbeitsmann!</p> +<p class="line">In seine Hütte fällt ein lauer Strahl.</p> +<p class="line">Der Wald strömt durch den Abend herb und fahl</p> <p class="line">Und Knospen knistern heiter dann und wann. </p> </div> @@ -1426,19 +1392,19 @@ HEITERER FRÜHLING</h2> <p class="line">Wie scheint doch alles Werdende so krank!</p> <p class="line">Ein Fieberhauch um einen Weiler kreist;</p> <p class="line">Doch aus Gezweigen winkt ein sanfter Geist</p> -<p class="line">Und öffnet das Gemüte weit und bang.</p> +<p class="line">Und öffnet das Gemüte weit und bang.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht</p> +<p class="line">Ein blühender Erguß verrinnt sehr sacht</p> <p class="line">Und Ungebornes pflegt der eignen Ruh.</p> -<p class="line">Die Liebenden blühn ihren Sternen zu</p> -<p class="line">Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.</p> +<p class="line">Die Liebenden blühn ihren Sternen zu</p> +<p class="line">Und süßer fließt ihr Odem durch die Nacht.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">So schmerzlich gut und wahrhaft ist, was lebt;</p> -<p class="line">Und leise rührt dich an ein alter Stein:</p> +<p class="line">Und leise rührt dich an ein alter Stein:</p> <p class="line">Wahrlich! Ich werde immer bei euch sein.</p> <p class="line">O Mund! der durch die Silberweide bebt. </p> @@ -1446,46 +1412,46 @@ HEITERER FRÜHLING</h2> <h2 class="chapter" id="ch-35"> <a id="page-43" class="pagenum" title="43"></a> -VORSTADT IM FÖHN</h2> +VORSTADT IM FÖHN</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Am Abend liegt die Stätte öd und braun,</p> -<p class="line">Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.</p> -<p class="line">Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen —</p> -<p class="line">Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.</p> +<p class="line">Am Abend liegt die Stätte öd und braun,</p> +<p class="line">Die Luft von gräulichem Gestank durchzogen.</p> +<p class="line">Das Donnern eines Zugs vom Brückenbogen —</p> +<p class="line">Und Spatzen flattern über Busch und Zaun.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,</p> -<p class="line">In Gärten Durcheinander und Bewegung,</p> +<p class="line">Geduckte Hütten, Pfade wirr verstreut,</p> +<p class="line">In Gärten Durcheinander und Bewegung,</p> <p class="line">Bisweilen schwillt Geheul aus dumpfer Regung,</p> <p class="line">In einer Kinderschar fliegt rot ein Kleid.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Am Kehricht pfeift verliebt ein Rattenchor.</p> -<p class="line">In Körben tragen Frauen Eingeweide,</p> -<p class="line">Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,</p> -<p class="line">Kommen sie aus der Dämmerung hervor.</p> +<p class="line">In Körben tragen Frauen Eingeweide,</p> +<p class="line">Ein ekelhafter Zug voll Schmutz und Räude,</p> +<p class="line">Kommen sie aus der Dämmerung hervor.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut</p> -<p class="line">Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.</p> -<p class="line">Die Föhne färben karge Stauden bunter</p> -<p class="line">Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.</p> +<p class="line">Und ein Kanal speit plötzlich feistes Blut</p> +<p class="line">Vom Schlachthaus in den stillen Fluß hinunter.</p> +<p class="line">Die Föhne färben karge Stauden bunter</p> +<p class="line">Und langsam kriecht die Röte durch die Flut.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.</p> -<p class="line">Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,</p> -<p class="line">Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,</p> +<p class="line">Ein Flüstern, das in trübem Schlaf ertrinkt.</p> +<p class="line">Gebilde gaukeln auf aus Wassergräben,</p> +<p class="line">Vielleicht Erinnerung an ein früheres Leben,</p> <p class="line">Die mit den warmen Winden steigt und sinkt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Aus Wolken tauchen schimmernde Alleen,</p> -<p class="line">Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.</p> +<p class="line">Erfüllt von schönen Wägen, kühnen Reitern.</p> <p class="line">Dann sieht man auch ein Schiff auf Klippen scheitern</p> <p class="line">Und manchmal rosenfarbene Moscheen. </p> @@ -1496,7 +1462,7 @@ VORSTADT IM FÖHN</h2> DIE RATTEN</h2> <div class="poem"> -<p class="line">In Hof scheint weiß der herbstliche Mond.</p> +<p class="line">In Hof scheint weiß der herbstliche Mond.</p> <p class="line">Vom Dachrand fallen phantastische Schatten.</p> <p class="line">Ein Schweigen in leeren Fenstern wohnt;</p> <p class="line">Da tauchen leise herauf die Ratten</p> @@ -1504,79 +1470,79 @@ DIE RATTEN</h2> <div class="poem"> <p class="line">Und huschen pfeifend hier und dort</p> -<p class="line">Und ein gräulicher Dunsthauch wittert</p> +<p class="line">Und ein gräulicher Dunsthauch wittert</p> <p class="line">Ihnen nach aus dem Abort,</p> <p class="line">Den geisterhaft der Mondschein durchzittert</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Und sie keifen vor Gier wie toll</p> -<p class="line">Und erfüllen Haus und Scheunen,</p> -<p class="line">Die von Korn und Früchten voll.</p> +<p class="line">Und erfüllen Haus und Scheunen,</p> +<p class="line">Die von Korn und Früchten voll.</p> <p class="line">Eisige Winde im Dunkel greinen. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-37"> <a id="page-45" class="pagenum" title="45"></a> -TRÜBSINN</h2> +TRÜBSINN</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Weltunglück geistert durch den Nachmittag.</p> -<p class="line">Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.</p> +<p class="line">Weltunglück geistert durch den Nachmittag.</p> +<p class="line">Baraken fliehn durch Gärtchen braun und wüst.</p> <p class="line">Lichtschnuppen gaukeln um verbrannten Mist,</p> -<p class="line">Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.</p> +<p class="line">Zwei Schläfer schwanken heimwärts, grau und vag.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind</p> +<p class="line">Auf der verdorrten Wiese läuft ein Kind</p> <p class="line">Und spielt mit seinen Augen schwarz und glatt.</p> -<p class="line">Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.</p> +<p class="line">Das Gold tropft von den Büschen trüb und matt.</p> <p class="line">Ein alter Mann dreht traurig sich im Wind.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Am Abend wieder über meinem Haupt</p> +<p class="line">Am Abend wieder über meinem Haupt</p> <p class="line">Saturn lenkt stumm ein elendes Geschick.</p> -<p class="line">Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück</p> +<p class="line">Ein Baum, ein Hund tritt hinter sich zurück</p> <p class="line">Und schwarz schwankt Gottes Himmel und entlaubt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein Fischlein gleitet schnell hinab den Bach;</p> -<p class="line">Und leise rührt des toten Freundes Hand</p> -<p class="line">Und glättet liebend Stirne und Gewand.</p> +<p class="line">Und leise rührt des toten Freundes Hand</p> +<p class="line">Und glättet liebend Stirne und Gewand.</p> <p class="line">Ein Licht ruft Schatten in den Zimmern wach. </p> </div> <h2 class="chapter" id="ch-38"> <a id="page-46" class="pagenum" title="46"></a> -IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT</h2> +IN DEN NACHMITTAG GEFLÜSTERT</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Sonne, herbstlich dünn und zag,</p> -<p class="line">Und das Obst fällt von den Bäumen</p> -<p class="line">Stille wohnt in blauen Räumen.</p> +<p class="line">Sonne, herbstlich dünn und zag,</p> +<p class="line">Und das Obst fällt von den Bäumen</p> +<p class="line">Stille wohnt in blauen Räumen.</p> <p class="line">Einen langen Nachmittag.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Sterbeklänge von Metall;</p> -<p class="line">Und ein weißes Tier bricht nieder.</p> -<p class="line">Brauner Mädchen rauhe Lieder</p> -<p class="line">Sind verweht im Blätterfall.</p> +<p class="line">Sterbeklänge von Metall;</p> +<p class="line">Und ein weißes Tier bricht nieder.</p> +<p class="line">Brauner Mädchen rauhe Lieder</p> +<p class="line">Sind verweht im Blätterfall.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Stirne Gottes Farben träumt,</p> -<p class="line">Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.</p> -<p class="line">Schatten drehen sich am Hügel</p> -<p class="line">Von Verwesung schwarz umsäumt.</p> +<p class="line">Stirne Gottes Farben träumt,</p> +<p class="line">Spürt des Wahnsinns sanfte Flügel.</p> +<p class="line">Schatten drehen sich am Hügel</p> +<p class="line">Von Verwesung schwarz umsäumt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Dämmerung voll Ruh und Wein;</p> +<p class="line">Dämmerung voll Ruh und Wein;</p> <p class="line">Traurige Guitarren rinnen.</p> <p class="line">Und zur milden Lampe drinnen</p> <p class="line">Kehrst du wie im Traume ein. @@ -1591,66 +1557,66 @@ PSALM</h2> </p> <div class="poem"> -<p class="line">Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat.</p> -<p class="line">Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt.</p> -<p class="line">Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen.</p> -<p class="line">Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben.</p> -<p class="line">Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee,</p> -<p class="line">Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln.</p> -<p class="line">Die Männer führen kriegerische Tänze auf.</p> -<p class="line">Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen,</p> +<p class="line">Es ist ein Licht, das der Wind ausgelöscht hat.</p> +<p class="line">Es ist ein Heidekrug, den am Nachmittag ein Betrunkener verläßt.</p> +<p class="line">Es ist ein Weinberg, verbrannt und schwarz mit Löchern voll Spinnen.</p> +<p class="line">Es ist ein Raum, den sie mit Milch getüncht haben.</p> +<p class="line">Der Wahnsinnige ist gestorben. Es ist eine Insel der Südsee,</p> +<p class="line">Den Sonnengott zu empfangen. Man rührt die Trommeln.</p> +<p class="line">Die Männer führen kriegerische Tänze auf.</p> +<p class="line">Die Frauen wiegen die Hüften in Schlinggewächsen und Feuerblumen,</p> <p class="line">Wenn das Meer singt. O unser verlorenes Paradies.</p> </div> <p class="tb">* * *</p> <div class="poem"> -<p class="line">Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen.</p> -<p class="line">Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an.</p> +<p class="line">Die Nymphen haben die goldenen Wälder verlassen.</p> +<p class="line">Man begräbt den Fremden. Dann hebt ein Flimmerregen an.</p> <p class="line">Der Sohn des Pan erscheint in Gestalt eines Erdarbeiters,</p> -<p class="line">Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft.</p> -<p class="line">Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut!</p> -<p class="line">Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten.</p> +<p class="line">Der den Mittag am glühenden Asphalt verschläft.</p> +<p class="line">Es sind kleine Mädchen in einem Hof in Kleidchen voll herzzerreißender Armut!</p> +<p class="line">Es sind Zimmer, erfüllt von Akkorden und Sonaten.</p> <p class="line">Es sind Schatten, die sich vor einem erblindeten Spiegel umarmen.</p> -<p class="line">An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende.</p> -<p class="line">Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf.</p> +<p class="line">An den Fenstern des Spitals wärmen sich Genesende.</p> +<p class="line">Ein weißer Dampfer am Kanal trägt blutige Seuchen herauf.</p> </div> <p class="tb">* * *</p> <div class="poem"> -<p class="line">Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen.</p> -<p class="line">Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen.</p> -<p class="line">Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach. +<p class="line">Die fremde Schwester erscheint wieder in jemands bösen Träumen.</p> +<p class="line">Ruhend im Haselgebüsch spielt sie mit seinen Sternen.</p> +<p class="line">Der Student, vielleicht ein Doppelgänger, schaut ihr lange vom Fenster nach. </p> <p class="line"> <a id="page-48" class="pagenum" title="48"></a> Hinter ihm steht sein toter Bruder, oder er geht die alte Wendeltreppe herab.</p> -<p class="line">Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen.</p> -<p class="line">Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher.</p> -<p class="line">Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels.</p> -<p class="line">Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee,</p> -<p class="line">Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden.</p> +<p class="line">Im Dunkel brauner Kastanien verblaßt die Gestalt des jungen Novizen.</p> +<p class="line">Der Garten ist im Abend. Im Kreuzgang flattern die Fledermäuse umher.</p> +<p class="line">Die Kinder des Hausmeisters hören zu spielen auf und suchen das Gold des Himmels.</p> +<p class="line">Endakkorde eines Quartetts. Die kleine Blinde läuft zitternd durch die Allee,</p> +<p class="line">Und später tastet ihr Schatten an kalten Mauern hin, umgeben vom Märchen und heiligen Legenden.</p> </div> <p class="tb">* * *</p> <div class="poem"> <p class="line">Es ist ein leeres Boot, das am Abend den schwarzen Kanal heruntertreibt.</p> -<p class="line">In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.</p> +<p class="line">In der Düsternis des alten Asyls verfallen menschliche Ruinen.</p> <p class="line">Die toten Waisen liegen an der Gartenmauer.</p> -<p class="line">Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln.</p> -<p class="line">Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.</p> +<p class="line">Aus grauen Zimmern treten Engel mit kotgefleckten Flügeln.</p> +<p class="line">Würmer tropfen von ihren vergilbten Lidern.</p> <p class="line">Der Platz vor der Kirche ist finster und schweigsam, wie in den Tagen der Kindheit.</p> -<p class="line">Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei</p> +<p class="line">Auf silbernen Sohlen gleiten frühere Leben vorbei</p> <p class="line">Und die Schatten der Verdammten steigen zu den seufzenden Wassern nieder.</p> -<p class="line">In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen.</p> +<p class="line">In seinem Grab spielt der weiße Magier mit seinen Schlangen.</p> </div> <p class="tb">* * *</p> <div class="poem"> -<p class="line">Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen. +<p class="line">Schweigsam über der Schädelstätte öffnen sich Gottes goldene Augen. </p> </div> @@ -1663,14 +1629,14 @@ ROSENKRANZLIEDER</h2> <div class="poem"> <p class="line">Wo du gehst wird Herbst und Abend,</p> -<p class="line">Blaues Wild, das unter Bäumen tönt,</p> +<p class="line">Blaues Wild, das unter Bäumen tönt,</p> <p class="line">Einsamer Weiher am Abend.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Leise der Flug der Vögel tönt,</p> -<p class="line">Die Schwermut über deinen Augenbogen.</p> -<p class="line">Dein schmales Lächeln tönt.</p> +<p class="line">Leise der Flug der Vögel tönt,</p> +<p class="line">Die Schwermut über deinen Augenbogen.</p> +<p class="line">Dein schmales Lächeln tönt.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1679,24 +1645,24 @@ ROSENKRANZLIEDER</h2> <p class="line">Deinen Stirnenbogen.</p> </div> -<h3 class="sub" id="no-2">NÄHE DES TODES</h3> +<h3 class="sub" id="no-2">NÄHE DES TODES</h3> <div class="poem"> -<p class="line">O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht.</p> +<p class="line">O der Abend, der in die finsteren Dörfer der Kindheit geht.</p> <p class="line">Der Weiher unter den Weiden</p> -<p class="line">Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.</p> +<p class="line">Füllt sich mit den verpesteten Seufzern der Schwermut.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">O der Wald, der leise die braunen Augen senkt,</p> -<p class="line">Da aus des Einsamen knöchernen Händen</p> -<p class="line">Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.</p> +<p class="line">Da aus des Einsamen knöchernen Händen</p> +<p class="line">Der Purpur seiner verzückten Tage hinsinkt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O die Nähe des Todes. Laß uns beten.</p> -<p class="line">In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen</p> -<p class="line">Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder. +<p class="line">O die Nähe des Todes. Laß uns beten.</p> +<p class="line">In dieser Nacht lösen auf lauen Kissen</p> +<p class="line">Vergilbt von Weihrauch sich der Liebenden schmächtige Glieder. </p> </div> @@ -1706,8 +1672,8 @@ AMEN</h3> <div class="poem"> <p class="line">Verwestes gleitend durch die morsche Stube;</p> -<p class="line">Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt</p> -<p class="line">Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit.</p> +<p class="line">Schatten an gelben Tapeten; in dunklen Spiegeln wölbt</p> +<p class="line">Sich unserer Hände elfenbeinerne Traurigkeit.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1719,7 +1685,7 @@ AMEN</h3> <div class="poem"> <p class="line">Blau ist auch der Abend;</p> <p class="line">Die Stunde unseres Absterbens, Azraels Schatten,</p> -<p class="line">Der ein braunes Gärtchen verdunkelt. +<p class="line">Der ein braunes Gärtchen verdunkelt. </p> </div> @@ -1728,17 +1694,17 @@ AMEN</h3> VERFALL</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,</p> -<p class="line">Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,</p> -<p class="line">Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,</p> +<p class="line">Am Abend, wenn die Glocken Frieden läuten,</p> +<p class="line">Folg ich der Vögel wundervollen Flügen,</p> +<p class="line">Die lang geschart, gleich frommen Pilgerzügen,</p> <p class="line">Entschwinden in den herbstlich klaren Weiten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten</p> -<p class="line">Träum ich nach ihren helleren Geschicken</p> -<p class="line">Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.</p> -<p class="line">So folg ich über Wolken ihren Fahrten.</p> +<p class="line">Hinwandelnd durch den dämmervollen Garten</p> +<p class="line">Träum ich nach ihren helleren Geschicken</p> +<p class="line">Und fühl der Stunden Weiser kaum mehr rücken.</p> +<p class="line">So folg ich über Wolken ihren Fahrten.</p> </div> <div class="poem"> @@ -1749,8 +1715,8 @@ VERFALL</h2> <div class="poem"> <p class="line">Indes wie blasser Kinder Todesreigen</p> -<p class="line">Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,</p> -<p class="line">Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen. +<p class="line">Um dunkle Brunnenränder, die verwittern,</p> +<p class="line">Im Wind sich fröstelnd blaue Astern neigen. </p> </div> @@ -1760,28 +1726,28 @@ IN DER HEIMAT</h2> <div class="poem"> <p class="line">Resedenduft durchs kranke Fenster irrt;</p> -<p class="line">Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst.</p> -<p class="line">Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt</p> +<p class="line">Ein alter Platz, Kastanien schwarz und wüst.</p> +<p class="line">Das Dach durchbricht ein goldener Strahl und fließt</p> <p class="line">Auf die Geschwister traumhaft und verwirrt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt</p> -<p class="line">Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt</p> -<p class="line">Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt.</p> +<p class="line">Im Spülicht treibt Verfallnes, leise girrt</p> +<p class="line">Der Föhn im braunen Gärtchen; sehr still genießt</p> +<p class="line">Ihr Gold die Sonnenblume und zerfließt.</p> <p class="line">Durch blaue Luft der Ruf der Wache klirrt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl.</p> -<p class="line">Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt</p> -<p class="line">In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült.</p> +<p class="line">Resedenduft. Die Mauern dämmern kahl.</p> +<p class="line">Der Schwester Schlaf ist schwer. Der Nachtwind wühlt</p> +<p class="line">In ihrem Haar, das mondner Glanz umspült.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Der Katze Schatten gleitet blau und schmal</p> -<p class="line">Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt,</p> -<p class="line">Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt. +<p class="line">Vom morschen Dach, das nahes Unheil säumt,</p> +<p class="line">Die Kerzenflamme, die sich purpurn bäumt. </p> </div> @@ -1789,33 +1755,33 @@ IN DER HEIMAT</h2> <a id="page-53" class="pagenum" title="53"></a> EIN HERBSTABEND</h2> -<p class="dedication">An Karl Röck +<p class="dedication">An Karl Röck </p> <div class="poem"> <p class="line">Das braune Dorf. Ein Dunkles zeigt im Schreiten</p> <p class="line">Sich oft an Mauern, die im Herbste stehn,</p> <p class="line">Gestalten: Mann wie Weib, Verstorbene gehn</p> -<p class="line">In kühlen Stuben jener Bett bereiten.</p> +<p class="line">In kühlen Stuben jener Bett bereiten.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Hier spielen Knaben. Schwere Schatten breiten</p> -<p class="line">Sich über braune Jauche. Mägde gehn</p> -<p class="line">Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn</p> -<p class="line">Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten.</p> +<p class="line">Sich über braune Jauche. Mägde gehn</p> +<p class="line">Durch feuchte Bläue und bisweilen sehn</p> +<p class="line">Aus Augen sie, erfüllt von Nachtgeläuten.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Für Einsames ist eine Schenke da;</p> -<p class="line">Das säumt geduldig unter dunklen Bogen,</p> -<p class="line">Von goldenem Tabaksgewölk umzogen.</p> +<p class="line">Für Einsames ist eine Schenke da;</p> +<p class="line">Das säumt geduldig unter dunklen Bogen,</p> +<p class="line">Von goldenem Tabaksgewölk umzogen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Doch immer ist das Eigne schwarz und nah.</p> <p class="line">Der Trunkne sinnt im Schatten alter Bogen</p> -<p class="line">Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen. +<p class="line">Den wilden Vögeln nach, die ferngezogen. </p> </div> @@ -1824,45 +1790,45 @@ EIN HERBSTABEND</h2> MENSCHLICHES ELEND</h2> <div class="poem"> -<p class="line">Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt —</p> +<p class="line">Die Uhr, die vor der Sonne fünfe schlägt —</p> <p class="line">Einsame Menschen packt ein dunkles Grausen,</p> -<p class="line">Im Abendgarten kahle Bäume sausen.</p> +<p class="line">Im Abendgarten kahle Bäume sausen.</p> <p class="line">Des Toten Antlitz sich am Fenster regt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Vielleicht, daß diese Stunde stille steht.</p> -<p class="line">Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln</p> +<p class="line">Vielleicht, daß diese Stunde stille steht.</p> +<p class="line">Vor trüben Augen blaue Bilder gaukeln</p> <p class="line">Im Takt der Schiffe, die am Flusse schaukeln.</p> -<p class="line">Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht.</p> +<p class="line">Am Kai ein Schwesternzug vorüberweht.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind,</p> +<p class="line">Im Hasel spielen Mädchen blaß und blind,</p> <p class="line">Wie Liebende, die sich im Schlaf umschlingen.</p> -<p class="line">Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen,</p> -<p class="line">Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind.</p> +<p class="line">Vielleicht, daß um ein Aas dort Fliegen singen,</p> +<p class="line">Vielleicht auch weint im Mutterschoß ein Kind.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Aus Händen sinken Astern blau und rot,</p> -<p class="line">Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise;</p> +<p class="line">Aus Händen sinken Astern blau und rot,</p> +<p class="line">Des Jünglings Mund entgleitet fremd und weise;</p> <p class="line">Und Lider flattern angstverwirrt und leise;</p> -<p class="line">Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot.</p> +<p class="line">Durch Fieberschwärze weht ein Duft von Brot.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei;</p> +<p class="line">Es scheint, man hört auch gräßliches Geschrei;</p> <p class="line">Gebeine durch verfallne Mauern schimmern.</p> -<p class="line">Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern;</p> -<p class="line">An einem Träumer läuft ein Hund vorbei.</p> +<p class="line">Ein böses Herz lacht laut in schönen Zimmern;</p> +<p class="line">An einem Träumer läuft ein Hund vorbei.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein leerer Sarg im Dunkel sich verliert.</p> -<p class="line">Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen,</p> +<p class="line">Dem Mörder will ein Raum sich bleich erhellen,</p> <p class="line">Indes Laternen nachts im Sturm zerschellen.</p> -<p class="line">Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert. +<p class="line">Des Edlen weiße Schläfe Lorbeer ziert. </p> </div> @@ -1875,21 +1841,21 @@ IM DORF</h2> <div class="poem"> <p class="line">Aus braunen Mauern tritt ein Dorf, ein Feld.</p> <p class="line">Ein Hirt verwest auf einem alten Stein.</p> -<p class="line">Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein,</p> -<p class="line">Das sanfte Laub, das in die Stille fällt.</p> +<p class="line">Der Saum des Walds schließt blaue Tiere ein,</p> +<p class="line">Das sanfte Laub, das in die Stille fällt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt</p> -<p class="line">Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch,</p> +<p class="line">Der Bauern braune Stirnen. Lange tönt</p> +<p class="line">Die Abendglocke; schön ist frommer Brauch,</p> <p class="line">Des Heilands schwarzes Haupt im Dornenstrauch</p> -<p class="line">Die kühle Stube, die der Tod versöhnt.</p> +<p class="line">Die kühle Stube, die der Tod versöhnt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt</p> +<p class="line">Wie bleich die Mütter sind. Die Bläue sinkt</p> <p class="line">Auf Glas und Truh, die stolz ihr Sinn bewahrt;</p> -<p class="line">Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt</p> +<p class="line">Auch neigt ein weißes Haupt sich hochbejahrt</p> <p class="line">Aufs Enkelkind, das Milch und Sterne trinkt.</p> </div> @@ -1897,23 +1863,23 @@ IM DORF</h2> <div class="poem"> <p class="line">Der Arme, der im Geiste einsam starb,</p> -<p class="line">Steigt wächsern über einen alten Pfad.</p> -<p class="line">Die Apfelbäume sinken kahl und stad</p> +<p class="line">Steigt wächsern über einen alten Pfad.</p> +<p class="line">Die Apfelbäume sinken kahl und stad</p> <p class="line">Ins Farbige ihrer Frucht, die schwarz verdarb.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh</p> -<p class="line">Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd</p> +<p class="line">Noch immer wölbt das Dach aus dürrem Stroh</p> +<p class="line">Sich übern Schlaf der Kühe. Die blinde Magd</p> <p class="line">Erscheint im Hof; ein blaues Wasser klagt;</p> -<p class="line">Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor.</p> +<p class="line">Ein Pferdeschädel starrt vom morschen Tor.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Der Idiot spricht dunklen Sinns ein Wort</p> <p class="line">Der Liebe, das im schwarzen Busch verhallt,</p> <p class="line">Wo jene steht in schmaler Traumgestalt.</p> -<p class="line">Der Abend tönt in feuchter Bläue fort. +<p class="line">Der Abend tönt in feuchter Bläue fort. </p> </div> @@ -1922,21 +1888,21 @@ IM DORF</h2> 3.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt.</p> -<p class="line">Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh.</p> +<p class="line">Ans Fenster schlagen Äste föhnentlaubt.</p> +<p class="line">Im Schoß der Bäurin wächst ein wildes Weh.</p> <p class="line">Durch ihre Arme rieselt schwarzer Schnee;</p> -<p class="line">Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt.</p> +<p class="line">Goldäugige Eulen flattern um ihr Haupt.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Die Mauern starren kahl und grauverdreckt</p> -<p class="line">Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert</p> +<p class="line">Ins kühle Dunkel. Im Fieberbette friert</p> <p class="line">Der schwangere Leib, den frech der Mond bestiert.</p> <p class="line">Vor ihrer Kammer ist ein Hund verreckt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Drei Männer treten finster durch das Tor</p> +<p class="line">Drei Männer treten finster durch das Tor</p> <p class="line">Mit Sensen, die im Feld zerbrochen sind.</p> <p class="line">Durchs Fenster klirrt der rote Abendwind;</p> <p class="line">Ein schwarzer Engel tritt daraus hervor. @@ -1953,30 +1919,30 @@ ABENDLIED</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Wenn uns dürstet,</p> -<p class="line">Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,</p> -<p class="line">Die Süße unserer traurigen Kindheit.</p> +<p class="line">Wenn uns dürstet,</p> +<p class="line">Trinken wir die weißen Wasser des Teichs,</p> +<p class="line">Die Süße unserer traurigen Kindheit.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch,</p> -<p class="line">Schaun den grauen Möven zu.</p> +<p class="line">Erstorbene ruhen wir unterm Hollundergebüsch,</p> +<p class="line">Schaun den grauen Möven zu.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,</p> -<p class="line">Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.</p> +<p class="line">Frühlingsgewölke steigen über die finstere Stadt,</p> +<p class="line">Die der Mönche edlere Zeiten schweigt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Da ich deine schmalen Hände nahm</p> +<p class="line">Da ich deine schmalen Hände nahm</p> <p class="line">Schlugst du leise die runden Augen auf,</p> <p class="line">Dieses ist lange her.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Doch wenn dunkler Wohllaut die Seele heimsucht,</p> -<p class="line">Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft. +<p class="line">Erscheinst du Weiße in des Freundes herbstlicher Landschaft. </p> </div> @@ -1990,9 +1956,9 @@ DREI BLICKE IN EINEN OPAL</h2> <h3 class="no" id="no-47-1">1.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein,</p> -<p class="line">Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel</p> -<p class="line">Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel</p> +<p class="line">Blick in Opal: ein Dorf umkränzt von dürrem Wein,</p> +<p class="line">Der Stille grauer Wolken, gelber Felsenhügel</p> +<p class="line">Und abendlicher Quellen Kühle: Zwillingsspiegel</p> <p class="line">Umrahmt von Schatten und von schleimigem Gestein.</p> </div> @@ -2004,25 +1970,25 @@ DREI BLICKE IN EINEN OPAL</h2> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein</p> -<p class="line">Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester,</p> -<p class="line">Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster</p> -<p class="line">Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein.</p> +<p class="line">Aus Schwarzem bläst der Föhn. Mit Satyrn im Verein</p> +<p class="line">Sind schlanke Weiblein; Mönche der Wollust bleiche Priester,</p> +<p class="line">Ihr Wahnsinn schmückt mit Lilien sich schön und düster</p> +<p class="line">Und hebt die Hände auf zu Gottes goldenem Schrein.</p> </div> <h3 class="no" id="no-47-2">2.</h3> <div class="poem"> -<p class="line">Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau</p> -<p class="line">Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen,</p> -<p class="line">Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen.</p> -<p class="line">Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau.</p> +<p class="line">Der ihn befeuchtet, rosig hängt ein Tropfen Tau</p> +<p class="line">Im Rosmarin: hinfließt ein Hauch von Grabgerüchen,</p> +<p class="line">Spitälern, wirr erfüllt von Fieberschrein und Flüchen.</p> +<p class="line">Gebein steigt aus dem Erbbegräbnis morsch und grau.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">In blauem Schleim und Schleiern tanzt des Greisen Frau,</p> -<p class="line">Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen,</p> -<p class="line">Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen</p> +<p class="line">Das schmutzstarrende Haar erfüllt von schwarzen Tränen,</p> +<p class="line">Die Knaben träumen wirr in dürren Weidensträhnen</p> <p class="line">Und ihre Stirnen sind von Aussatz kahl und rauh.</p> </div> @@ -2040,22 +2006,22 @@ DREI BLICKE IN EINEN OPAL</h2> <div class="poem"> <p class="line">Die Blinden streuen in eiternde Wunden Weiherauch.</p> -<p class="line">Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen;</p> -<p class="line">Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.</p> -<p class="line">Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch.</p> +<p class="line">Rotgoldene Gewänder; Fackeln; Psalmensingen;</p> +<p class="line">Und Mädchen, die wie Gift den Leib des Herrn umschlingen.</p> +<p class="line">Gestalten schreiten wächsernstarr durch Glut und Rauch.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch</p> -<p class="line">Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer;</p> +<p class="line">Aussätziger mitternächtigen Tanz führt an ein Gauch</p> +<p class="line">Dürrknöchern. Garten wunderlicher Abenteuer;</p> <p class="line">Verzerrtes; Blumenfratzen, Lachen; Ungeheuer</p> <p class="line">Und rollendes Gestirn im schwarzen Dornenstrauch.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch;</p> -<p class="line">Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern.</p> -<p class="line">Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern</p> +<p class="line">O Armut, Bettelsuppe, Brot und süßer Lauch;</p> +<p class="line">Des Lebens Träumerei in Hütten vor den Wäldern.</p> +<p class="line">Grau härtet sich der Himmel über gelben Feldern</p> <p class="line">Und eine Abendglocke singt nach altem Brauch. </p> </div> @@ -2066,19 +2032,19 @@ NACHTLIED</h2> <div class="poem"> <p class="line">Des Unbewegten Odem. Ein Tiergesicht</p> -<p class="line">Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.</p> +<p class="line">Erstarrt vor Bläue, ihrer Heiligkeit.</p> <p class="line">Gewaltig ist das Schweigen im Stein;</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang</p> +<p class="line">Die Maske eines nächtlichen Vogels. Sanfter Dreiklang</p> <p class="line">Verklingt in einem. Elai! dein Antlitz</p> -<p class="line">Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.</p> +<p class="line">Beugt sich sprachlos über bläuliche Wasser.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">O! ihr stillen Spiegel der Wahrheit.</p> -<p class="line">An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe</p> +<p class="line">An des Einsamen elfenbeinerner Schläfe</p> <p class="line">Erscheint der Abglanz gefallener Engel. </p> </div> @@ -2089,36 +2055,36 @@ HELIAN</h2> <div class="poem"> <p class="line">In den einsamen Stunden des Geistes</p> -<p class="line">Ist es schön, in der Sonne zu gehn</p> +<p class="line">Ist es schön, in der Sonne zu gehn</p> <p class="line">An den gelben Mauern des Sommers hin.</p> -<p class="line">Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft</p> +<p class="line">Leise klingen die Schritte im Gras; doch immer schläft</p> <p class="line">Der Sohn des Pan im grauen Marmor.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Abends auf der Terrasse betranken wir uns mit braunem Wein.</p> -<p class="line">Rötlich glüht der Pfirsich im Laub;</p> +<p class="line">Rötlich glüht der Pfirsich im Laub;</p> <p class="line">Sanfte Sonate, frohes Lachen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Schön ist die Stille der Nacht.</p> +<p class="line">Schön ist die Stille der Nacht.</p> <p class="line">Auf dunklem Plan</p> -<p class="line">Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen.</p> +<p class="line">Begegnen wir uns mit Hirten und weißen Sternen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Wenn es Herbst geworden ist</p> -<p class="line">Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain.</p> -<p class="line">Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin</p> -<p class="line">Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel.</p> -<p class="line">Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen.</p> +<p class="line">Zeigt sich nüchterne Klarheit im Hain.</p> +<p class="line">Besänftigte wandeln wir an roten Mauern hin</p> +<p class="line">Und die runden Augen folgen dem Flug der Vögel.</p> +<p class="line">Am Abend sinkt das weiße Wasser in Graburnen.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">In kahlen Gezweigen feiert der Himmel.</p> -<p class="line">In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein</p> -<p class="line">Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer.</p> +<p class="line">In reinen Händen trägt der Landmann Brot und Wein</p> +<p class="line">Und friedlich reifen die Früchte in sonniger Kammer.</p> </div> <div class="poem"> @@ -2130,14 +2096,14 @@ HELIAN</h2> <div class="poem"> <p class="line"> <a id="page-62" class="pagenum" title="62"></a> -Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens</p> -<p class="line">Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt,</p> +Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens</p> +<p class="line">Da der junge Novize die Stirne mit braunem Laub bekränzt,</p> <p class="line">Sein Odem eisiges Gold trinkt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser</p> -<p class="line">Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern.</p> +<p class="line">Die Hände rühren das Alter bläulicher Wasser</p> +<p class="line">Oder in kalter Nacht die weißen Wangen der Schwestern.</p> </div> <div class="poem"> @@ -2147,65 +2113,65 @@ Gewaltig ist das Schweigen des verwüsteten Gartens</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel,</p> +<p class="line">Schön ist der Mensch und erscheinend im Dunkel,</p> <p class="line">Wenn er staunend Arme und Beine bewegt,</p> -<p class="line">Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen.</p> +<p class="line">Und in purpurnen Höhlen stille die Augen rollen.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung,</p> -<p class="line">Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin,</p> +<p class="line">Zur Vesper verliert sich der Fremdling in schwarzer Novemberzerstörung,</p> +<p class="line">Unter morschem Geäst, an Mauern voll Aussatz hin,</p> <p class="line">Wo vordem der heilige Bruder gegangen,</p> <p class="line">Versunken in das sanfte Saitenspiel seines Wahnsinns,</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">O wie einsam endet der Abendwind.</p> -<p class="line">Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums. +<p class="line">Ersterbend neigt sich das Haupt im Dunkel des Ölbaums. </p> </div> <div class="poem"> <p class="line"> <a id="page-63" class="pagenum" title="63"></a> -Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.</p> -<p class="line">In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden</p> +Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.</p> +<p class="line">In dieser Stunde füllen sich die Augen des Schauenden</p> <p class="line">Mit dem Gold seiner Sterne.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt</p> +<p class="line">Am Abend versinkt ein Glockenspiel, das nicht mehr tönt</p> <p class="line">Verfallen die schwarzen Mauern am Platz,</p> <p class="line">Ruft der tote Soldat zum Gebet.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Ein bleicher Engel</p> -<p class="line">Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter.</p> +<p class="line">Tritt der Sohn ins leere Haus seiner Väter.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen</p> -<p class="line">Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur,</p> -<p class="line">Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften.</p> +<p class="line">Die Schwestern sind ferne zu weißen Greisen gegangen</p> +<p class="line">Nachts fand sie der Schläfer unter den Säulen im Hausflur,</p> +<p class="line">Zurückgekehrt von traurigen Pilgerschaften.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar,</p> -<p class="line">Da er darein mit silbernen Füßen steht,</p> +<p class="line">O wie starrt von Kot und Würmern ihr Haar,</p> +<p class="line">Da er darein mit silbernen Füßen steht,</p> <p class="line">Und jene verstorben aus kahlen Zimmern treten.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">O ihr Psalmen in feurigen Mitternachtsregen,</p> <p class="line">Da die Knechte mit Nesseln die sanften Augen schlugen,</p> -<p class="line">Die kindlichen Früchte des Holunders</p> -<p class="line">Sich staunend neigen über ein leeres Grab.</p> +<p class="line">Die kindlichen Früchte des Holunders</p> +<p class="line">Sich staunend neigen über ein leeres Grab.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Leise rollen vergilbte Monde</p> -<p class="line">Über die Fieberlinnen des Jünglings,</p> +<p class="line">Über die Fieberlinnen des Jünglings,</p> <p class="line">Eh dem Schweigen des Winters folgt. </p> </div> @@ -2214,37 +2180,37 @@ Erschütternd ist der Untergang des Geschlechts.</p> <p class="line"> <a id="page-64" class="pagenum" title="64"></a> Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab,</p> -<p class="line">Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf,</p> +<p class="line">Wo die Zeder, ein weiches Geschöpf,</p> <p class="line">Sich unter den blauen Brauen des Vaters entfaltet,</p> -<p class="line">Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt.</p> +<p class="line">Über die Weide nachts ein Schäfer seine Herde führt.</p> <p class="line">Oder es sind Schreie im Schlaf,</p> <p class="line">Wenn ein eherner Engel im Hain den Menschen antritt,</p> -<p class="line">Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt.</p> +<p class="line">Das Fleisch des Heiligen auf glühendem Rost hinschmilzt.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein,</p> -<p class="line">Tönende Bündel vergilbten Korns,</p> +<p class="line">Um die Lehmhütten rankt purpurner Wein,</p> +<p class="line">Tönende Bündel vergilbten Korns,</p> <p class="line">Das Summen der Bienen, der Flug des Kranichs.</p> <p class="line">Am Abend begegnen sich Auferstandene auf Felsenpfaden.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige;</p> -<p class="line">Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder</p> -<p class="line">Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht.</p> +<p class="line">In schwarzen Wassern spiegeln sich Aussätzige;</p> +<p class="line">Oder sie öffnen die kotbefleckten Gewänder</p> +<p class="line">Weinend dem balsamischen Wind, der vom rosigen Hügel weht.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht,</p> -<p class="line">Ob sie den liebenden Hirten fänden.</p> -<p class="line">Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang.</p> +<p class="line">Schlanke Mägde tasten durch die Gassen der Nacht,</p> +<p class="line">Ob sie den liebenden Hirten fänden.</p> +<p class="line">Sonnabends tönt in den Hütten sanfter Gesang.</p> </div> <div class="poem"> <p class="line">Lasset das Lied auch des Knaben gedenken,</p> -<p class="line">Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs</p> -<p class="line">Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt.</p> +<p class="line">Seines Wahnsinns, und weißer Brauen und seines Hingangs</p> +<p class="line">Des Verwesten, der bläulich die Augen aufschlägt.</p> <p class="line">O wie traurig ist dieses Wiedersehn. </p> </div> @@ -2253,27 +2219,27 @@ Ein erhabenes Schicksal sinnt den Kidron hinab,</p> <p class="line"> <a id="page-65" class="pagenum" title="65"></a> Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern,</p> -<p class="line">Die Schatten der Alten unter der offenen Tür,</p> +<p class="line">Die Schatten der Alten unter der offenen Tür,</p> <p class="line">Da Helians Seele sich im rosigen Spiegel beschaut</p> <p class="line">Und Schnee und Aussatz von seiner Stirne sinken.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">An den Wänden sind die Sterne erloschen</p> -<p class="line">Und die weißen Gestalten des Lichts.</p> +<p class="line">An den Wänden sind die Sterne erloschen</p> +<p class="line">Und die weißen Gestalten des Lichts.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber,</p> -<p class="line">Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel,</p> -<p class="line">Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind.</p> +<p class="line">Dem Teppich entsteigt Gebein der Gräber,</p> +<p class="line">Das Schweigen verfallener Kreuze am Hügel,</p> +<p class="line">Des Weihrauchs Süße im purpurnen Nachtwind.</p> </div> <div class="poem"> -<p class="line">O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern,</p> +<p class="line">O ihr zerbrochenen Augen in schwarzen Mündern,</p> <p class="line">Da der Enkel in sanfter Umnachtung</p> <p class="line">Einsam dem dunkleren Ende nachsinnt,</p> -<p class="line">Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt.</p> +<p class="line">Der stille Gott die blauen Lider über ihn senkt.</p> </div> </div> @@ -2281,19 +2247,19 @@ Die Stufen des Wahnsinns in schwarzen Zimmern,</p> <p class="center" style="line-height:1.5em; font-size:0.8em; margin-top:5em;margin-bottom:5em; page-break-before:always"> Dies Buch wurde<br /> gedruckt im Mai 1913 als siebenter und achter<br /> -Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei<br /> +Band der Bücherei „Der jüngste Tag“ bei<br /> Poeschel & Trepte in Leipzig </p> <div style="margin-left:auto; margin-right:auto; max-width:20em;"> <p class="center" style="font-size:1.4em; margin-bottom:0.5em; page-break-before:always"> -IN DER BÜCHEREI +IN DER BÜCHEREI </p> <p class="center" style="font-size:1.8em; margin-bottom:0.5em;"> DER<br /> -JÜNGSTE TAG +JÜNGSTE TAG </p> <p class="center" style="font-size:1.4em; margin-bottom:0.5em;"> @@ -2305,16 +2271,16 @@ erschienen bisher: </p> <p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">FRANZ WERFEL: Die Versuchung • -Ein Gespräch +Ein Gespräch </p> <p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">WALTER HASENCLEVER: Das -unendliche Gespräch • Eine nächtliche +unendliche Gespräch • Eine nächtliche Szene </p> <p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">FRANZ KAFKA: Der Heizer • Eine -Erzählung +Erzählung </p> <p class="noindent" style="margin-bottom:0.5em;">FERDINAND HARDEKOPF: Der @@ -2329,8 +2295,8 @@ Freude • Gedichte Knaben • Skizzen </p> -<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-left:3em; margin-right:3em; margin-bottom:1em;">Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet. -— Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige, +<p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-left:3em; margin-right:3em; margin-bottom:1em;">Der Ausstattung wurde größte Sorgfalt gewidmet. +— Die Bücher kosten geheftet je 80 Pfennige, gebunden je M 1.50 und sind durch alle Buchhandlungen zu beziehen. </p> @@ -2359,10 +2325,10 @@ Geheftet M 3.— • Halbpergamentband M 4.— <p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"> <span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> Welch ein Anschauen, welche Leidenschaft bildlicher Gestaltung! Ewige Helligkeit, unbarmherziges -Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit -u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken +Licht breitet er über jede Erscheinung der Wirklichkeit +u. der Träume, über Leben u. Sterben, Schrecken und Beruhigung. Georg Heym war ein Dichter. Es gibt in der -deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. +deutschen Lyrik keinen, dem er irgendwie geglichen hätte. </p> <p class="center" style="font-size:1em; letter-spacing:0.2em; font-style:italic; margin-bottom:0.5em;"> @@ -2382,12 +2348,12 @@ Geheftet M 3.— • Halbpergamentband M 4.— </p> <p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"> -<span class="em">Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</span> Bei all dem -ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den -feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will, -zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit +<span class="em">Dr. Rudolf Fürst in der Vossischen Zeitung:</span> Bei all dem +ganz Besonderen, dem schier Unerhörten, das er in den +feinsten Gefühl- und Vorstellungsnüancen ausdrücken will, +zeigt der rasch Gereifte eine ungewöhnliche Beherrschtheit der Ausdrucksmittel. Wir haben viel in Georg Heym, -dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. +dem Fünfundzwanzigjährigen, verloren. Artifex periit. </p> <p class="center" style="font-size:1.2em; margin-bottom:0.5em;"> @@ -2399,7 +2365,7 @@ NEUE GEDICHTE </p> <p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"> -In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin +In vorzüglicher Ausstattung. Druck der Offizin W. Drugulin </p> <p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"> @@ -2408,17 +2374,17 @@ Geheftet M 3.— • Gebunden M 4.50 <p class="center" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"> Vorzugsausgabe 15 numerierte, vom Autor signierte Exemplare -auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.— +auf schwerem Japanbütten in Ganzlederbd. M 35.— </p> <p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"> -<span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> . . . ein ganz großer Dichter, mit +<span class="em">Frankfurter Zeitung:</span> . . . ein ganz großer Dichter, mit allem Ernste sei das gesagt. </p> <p class="noindent" style="font-size:0.8em; margin-bottom:0.5em;"> <span class="em">Neue Rundschau:</span> . . . Whitmans kosmische Liebe und -Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel +Goethes unersättliche Lust zu fühlen hat sich Werfel durch das Recht der Wiedergeburt zu eigen gemacht. </p> @@ -2429,378 +2395,6 @@ KURT WOLFF VERLAG • LEIPZIG </div> - - - - - - - -<pre> - - - - - -End of the Project Gutenberg EBook of Gedichte, by Georg Trakl - -*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GEDICHTE *** - -***** This file should be named 40221-h.htm or 40221-h.zip ***** -This and all associated files of various formats will be found in: - http://www.gutenberg.org/4/0/2/2/40221/ - -Produced by Jens Sadowski - -Updated editions will replace the previous one--the old editions -will be renamed. - -Creating the works from public domain print editions means that no -one owns a United States copyright in these works, so the Foundation -(and you!) can copy and distribute it in the United States without -permission and without paying copyright royalties. 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Redistribution is -subject to the trademark license, especially commercial -redistribution. - - - -*** START: FULL LICENSE *** - -THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE -PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK - -To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free -distribution of electronic works, by using or distributing this work -(or any other work associated in any way with the phrase "Project -Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project -Gutenberg-tm License available with this file or online at - www.gutenberg.org/license. - - -Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm -electronic works - -1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm -electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to -and accept all the terms of this license and intellectual property -(trademark/copyright) agreement. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm -concept of a library of electronic works that could be freely shared -with anyone. For forty years, he produced and distributed Project -Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. - -Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed -editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. -unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily -keep eBooks in compliance with any particular paper edition. - -Most people start at our Web site which has the main PG search facility: - - www.gutenberg.org - -This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, -including how to make donations to the Project Gutenberg Literary -Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to -subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. - - -</pre> - +<div>*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40221 ***</div> </body> </html> |
