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| author | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-09 00:20:28 -0800 |
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| committer | nfenwick <nfenwick@pglaf.org> | 2025-03-09 00:20:28 -0800 |
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diff --git a/40218-0.txt b/40218-0.txt new file mode 100644 index 0000000..c63cf1d --- /dev/null +++ b/40218-0.txt @@ -0,0 +1,235 @@ +*** START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40218 *** + +EMMY HENNINGS + + +DIE LETZTE FREUDE + + +KURT WOLFF VERLAG · LEIPZIG + + +BÜCHEREI »DER JÜNGSTE TAG« BAND 5 +GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRÜCKNER, WEIMAR + + +KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG, COPYRIGHT 1913 + + + + + + +ÄTHERSTROPHEN + + + Jetzt muß ich aus der großen Kugel fallen. + Dabei ist in Paris ein schönes Fest. + Die Menschen sammeln sich am Gare de l'est + Und bunte Seidenfahnen wallen. + Ich aber bin nicht unter ihnen. + Ich fliege in dem großen Raum. + Ich mische mich in jeden Traum + Und lese in den tausend Mienen. + Es liegt ein kranker Mann in seinem Jammer. + Mich hypnotisiert sein letzter Blick. + Wir sehnen einen Sommertag zurück . . . + Ein schwarzes Kreuz erfüllt die Kammer . . . + +(Dieses Gedicht ist für Hardy) + + + + + + + + An die Scheiben schlägt der Regen. + Eine Blume leuchtet rot. + Kühle Luft weht mir entgegen. + Wach ich, oder bin ich tot? + + Eine Welt liegt weit, ganz weit, + Eine Uhr schlägt langsam vier. + Und ich weiß von keiner Zeit, + In die Arme fall ich dir . . . + +(Robert Jentzsch gewidmet) + + + + + + + + Und nachts in tiefer Dunkelheit, + Da fallen Bilder von den Wänden, + Und jemand lacht so frech und breit, + Man greift nach mir mit langen Händen. + Und eine Frau mit grünem Haar, + Die sieht mich traurig an + Und sagt, daß sie einst Mutter war, + Ihr Leid nicht tragen kann. + (Ich presse Dornen in mein Herz + Und halte ruhig still, + Und leiden will ich jeden Schmerz, + Weil man es von mir will.) + + + + +AN FRÄNZI + + + Einsam geh ich durch die Gassen, + Und der Abend senkt sich nieder. + Leise sing ich deine Lieder. + Ach, ich fühl mich so verlassen. + + In dem fahlen roten Licht, + O, wie war dein Mund so schmerzlich, + Süß und bleich dein Angesicht, + Und dein Volkslied klang so herzlich. + + Augen, die die Tränen kannten, + Die der Liebe Leid erfahren, + Die wie zwei dunkle Sterne waren, + In denen leise Feuer brannten . . . + + + + +EIN TRAUM + + + Wir liegen in einem tiefem See + Und wissen nichts von Leid und Weh. + Wir halten uns umfangen + Und Wasserrosen rings um uns her. + Wir streben und wünschen und wollen nichts mehr. + Wir haben kein Verlangen. + Geliebter, etwas fehlt mir doch, + Einen Wunsch, den hab ich noch: + Die Sehnsucht nach der Sehnsucht. + + + + +HYPNOSE + + + Mein Leib schmerzt, irgendwo in einem fremden Land, + Ich fühle meinen Körper längst nicht mehr, + Die Füße sind wie Blei so schwer, + Die Brust ist hohl und ausgebrannt. + Mir tut nichts weh und bin doch voller Schmerzen, + Ich seh in deine Augen wie gebannt. + Ich fall in Schlaf, es flammen Kerzen, + Sie leuchten mir ins unbekannte Land. + +(Für Siurlai) + + + + +BEI MIR ZU HAUSE + + + Meine Großmutter hielt die ganze Nacht + -- Im grünen Glase brannte ein Licht -- + Vor einem vergitterten Fenster Wacht, + Ich sah in ihr fahles Angesicht. + + Die Möbel in dem blauen Zimmer, + An ihnen haftet all unser Leid. + Und wenn jemand stirbt, um diese Zeit + Bleibt stehn die Uhr mit krankem Gewimmer. + + + + +IM KRANKENHAUSE + + + Alle Herbste gehn an mir vorüber. + Krank lieg ich im weißen Zimmer, + Tanzen möchte ich wohl lieber. + An die Geigen denk ich immer. + Und es flimmern tausend Lichter. + O, wie bin ich heute schön! + Bunt geschminkte Angesichter + Schnell im Tanz vorüberwehn. + O, die vielen welken Rosen, + Die ich nachts nach Haus getragen, + Die zerdrückt vom vielen Kosen + Morgens auf dem Tische lagen. + An die Mädchen denk ich wieder, + Die wie ich die Liebe machen. + Wenn wir sangen Heimatlieder, + Unter Weinen, unter Lachen. + Und jetzt lieg ich ganz verlassen + In dem stillen weißen Raum. + O, ihr Schwestern von den Gassen, + Kommt zu mir des Nachts im Traum! + + + + +NACH DEM KABARETT + + + Ich gehe morgens früh nach Haus. + Die Uhr schlägt fünf, es wird schon hell, + Doch brennt das Licht noch im Hotel. + Das Kabarett ist endlich aus. + In einer Ecke Kinder kauern, + Zum Markte fahren schon die Bauern, + Zur Kirche geht man still und alt. + Vom Turme läuten ernst die Glocken, + Und eine Dirne mit wilden Locken + Irrt noch umher, übernächtig und kalt. + + + + + + + + Schon zweimal wurde ich geboren, + Und damals sang ich auch für Geld, + Doch sonniger schien mir die Welt, + Und meine Munterkeit hab ich verloren. + Irgendwo in der Ferne vergeht die Zeit, + In meinem Arme fühl ich sie entrinnen. + Ich denke an mein erstes Beginnen. + Wie tief verwirrt mich die Unendlichkeit! + + + + + + + + Einsam irr ich durch die Nächte und denke an dich. + Manchmal sehe ich einen Mantel, der deinem gleicht. + Und dann rufe ich dich leise beim Namen. + Mein Herz steht still vor Trauer. + Müde lehne ich mich an die Mauer und schließe die Augen. + Langsam rinnen viele Tränen zur Erde. + Die Welt bleibt weit zurück. + Ich wehe durch weiße Wolken in offene Arme. + Ein Rosenregen fällt mir nach und kühlt meine kranken Augen. + Alles ist so weiß und zart. + Ach so süß. + +(Ferdinand Hardekopf gewidmet) + + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Die letzte Freude, by Emmy Hennings + +*** END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK 40218 *** |
