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+The Project Gutenberg EBook of Einheimische Fische, by Kurt Floericke
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Einheimische Fische
+ Die Süßwasserfische unsrer Heimat
+
+Author: Kurt Floericke
+
+Illustrator: E. Bade
+ W. Koehler
+ R. Oeffinger
+
+Release Date: May 22, 2012 [EBook #39763]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINHEIMISCHE FISCHE ***
+
+
+
+
+Produced by Bernd Meyer and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from BioLib (www.biolib.de) and the edocs server of
+University Frankfurt/Main Germany / Biology collection
+(ViFaBio))
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+[Transcriber's Note: =Bold= text is shown by =equal= signs, _letter
+spacing_ by _underscores_. Original spelling variations have not been
+been standardized.]
+
+[Zur Transkription: =Gleichheitszeichen= bedeuten =fett= gedruckten
+Text, _gesperrt_ gedruckter Text wird mit _Unterstrichen_ dargestellt.
+Originalschreibweisen wurden soweit möglich beibehalten.]
+
+
+
+Einheimische Fische
+
+Die Süßwasserfische unsrer Heimat
+
+Von
+
+Dr. Kurt Floericke
+
+Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen u. Zeichnungen von
+Dr. E. Bade, Oberlehrer W. Koehler, R. Oeffinger u. a. und einem
+Umschlagbild von R. Oeffinger
+
+Stuttgart
+
+Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde Geschäftsstelle: Franckh'sche
+Verlagshandlung Copyright 1913 by Franckh'sche Verlagshandlung
+Stuttgart
+
+Stuttgarter Setzmaschinen-Druckerei Holzinger & Co.
+
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+Einheimische Fische
+
+
+ »Ach, wüßtest du, wie's Fischlein ist
+ So wohlig auf dem Grund,
+ Du stiegst herunter wie du bist
+ Und würdest erst gesund!
+
+Ob Altmeister Goethe, der ja bekanntlich auch einen recht tiefen
+Einblick in das weite Reich der Natur getan hat, recht hat, wenn er in
+einem seiner formvollendetsten Gedichte, in dem fast italienischen
+Wohlklang atmenden »Fischer«, von dem Wohligsein der Fische spricht und
+den Menschen sie darum beneiden läßt? Der Naturforscher wird entschieden
+antworten, daß hier die Phantasie mit dem Dichter durchgegangen sei. Die
+Natur ist ja durchaus nicht die allgütige und allsorgende Mutter, als
+die eine sentimentale Weltauffassung sie hinzustellen beliebt, sondern
+vielmehr eine recht rauhe Erzieherin, die eine gar strenge und
+nachsichtslose, oft geradezu zu raffinierter Grausamkeit gesteigerte
+Auslese unter ihren »Kindern« hält, der das Schicksal des Individuums
+gleichgültig ist, wenn sich nur Aussicht bietet, den Bestand der Art zu
+erhalten. Und wenn aus diesen Gründen schon auf dem Festlande ein
+rücksichtsloser Kampf aller gegen alle tobt, so herrscht ein solcher in
+tausendfach vergrößerter und verbitterter Form im scheinbar so
+friedlichen Wasser, und besonders unter dessen höchst entwickelten
+Bewohnern, den Fischen, unter denen ja ausschließliche Pflanzenfresser
+eine Seltenheit sind, während grimmige Räuber in Unzahl das feuchte
+Element bevölkern. Das ganze Dasein der »wohligen« Fische ist ein fast
+ununterbrochenes Hetzen und Jagen, Verfolgen und Verfolgtwerden, alles
+dreht sich bei ihnen ums Fressen oder Gefressenwerden, solange nicht für
+mehr oder minder kurze Zeit der allmächtige Fortpflanzungsinstinkt alles
+andere in den Hintergrund drängt, die sonst Unersättlichen zu wochen-
+und monatelangem Fasten verurteilt und ganze Millionenheere zu weiten
+Wanderungen veranlaßt, die in der rücksichtslosen, fast brutalen Art
+ihrer Ausführung etwas geradezu Fanatisches und Hypnotisierendes an
+sich haben. Da also der Kampf ums Dasein in den Gewässern noch
+unerbittlicher tobt als auf dem Festlande, wird es ohne weiteres
+begreiflich erscheinen, wenn die einzelnen Arten ihm nach dieser oder
+jener Richtung hin in weitgehender Weise angepaßt wurden, und wir werden
+ja im folgenden verschiedentlich Gelegenheit haben, solche
+Anpassungserscheinungen und ihre tiefgehende Bedeutung und Wirksamkeit
+für die Biologie der Fische kennen zu lernen.
+
+Selbst dem Laien, der öfters vor einem Aquarium gestanden hat, wird bald
+auffallen, daß er die Fische eigentlich jedesmal und zu jeder Tages-
+oder Nachtzeit in mehr oder minder lebhafter Bewegung, jedenfalls fast
+nie ganz ohne solche vorfindet. Bei einigem Nachdenken muß er sich
+schließlich ganz von selbst fragen, ob denn diese unermüdlichen Tiere
+eigentlich überhaupt nicht schlafen. Diese Frage ist keineswegs so naiv,
+wie sie auf den ersten Anblick erscheinen mag, denn bis in die neueste
+Zeit hinein haben auch angesehene Fachgelehrte der Meinung zugeneigt,
+daß die Fische tatsächlich überhaupt keines Schlafes bedürfen. Daß diese
+Anschauung so lange Zeit hindurch sich behaupten konnte, wird
+erklärlicher, wenn wir bedenken, daß das Hauptzeichen echten Schlafes,
+das geschlossene Auge, bei der Mehrzahl der Fische in Wegfall kommt,
+indem sie keine Augenlider haben. Das sonst so bewegliche Fischauge
+bleibt aber im Schlafe starr und ruhig, ohne jedoch seine Funktion
+völlig auszusetzen. Und das ist auch nötig, denn da das Gehör bei der
+großen Mehrzahl der Fische fast völlig versagt, muß das offene Auge
+ihren Schlaf behüten, wohingegen bei dem schlafenden Menschen das Gehör
+nicht gänzlich außer Funktion tritt und ihm eine herannahende Gefahr oft
+noch rechtzeitig genug verrät. Doch gibt es auch Fische, die Augenlider
+haben, wie z. B. die _Haie_ und _Rochen_, und diese schließen im Schlafe
+auch das Auge fast völlig, während sich gleichzeitig die Pupille ganz
+wie bei uns Menschen verengt. Nur die ungemein schwierige Beobachtung
+solcher großen Meeresfische ist schuld daran, daß diese Tatsache so
+lange übersehen wurde, die man erst neuerdings an dem kleinen
+_Katzenhai_, der zu den gewöhnlichen Bewohnern der Schauaquarien gehört,
+festgestellt hat. Wir müssen übrigens zweierlei Arten von Schlaf bei den
+Fischen unterscheiden, nämlich einerseits den lethargischen
+Erstarrungszustand, in den gewisse Fische während der Winterkälte oder
+Sommerdürre für längere Zeit verfallen, der also ganz dem _Winter-_
+oder _Sommerschlaf_ gewisser Säuger, Kriechtiere und Lurche entspricht,
+und andrerseits den eigentlichen Nacht-, bezüglich Tagesschlaf. Der
+erstere ist ja schon seit längerer Zeit bekannt. Wir wissen, daß alle
+Fische, die bekanntlich zu den Kaltblütern gehören, nur innerhalb
+bestimmter Temperaturgrenzen zu existieren und nur bei einem gewissen
+Temperaturoptimum ihre volle Lebenstätigkeit zu entfalten vermögen.
+Freilich sind diese Temperaturzonen bei den einzelnen Arten
+außerordentlich verschieden, was ja nicht weiter Wunder nehmen kann,
+wenn wir bedenken, daß manche Fische zwischen den Eisschollen der
+Nordmeere sich tummeln, andere dagegen in den lauwarmen Wassern der
+tropischen Riesenströme oder gar in heißen Quellen wohnen, die wie
+diejenigen von Aix eine Wärme von 45 Grad Celsius aufweisen. Wenn auch
+die widerstandsfähigeren Fische sich im Aquarium allmählich an eine
+nicht unbeträchtlich kältere oder auch wärmere Temperatur gewöhnen
+lassen, als sie im Freileben gewohnt sind, so weiß doch jeder
+Aquarienbesitzer, wie überraschend empfindlich seine Pfleglinge sich
+gegen plötzliche Temperaturschwankungen selbst geringfügiger Art zu
+zeigen pflegen. So erklärt sich auch die merkwürdige Tatsache, daß
+Aquarienfische sich sehr leicht erkälten, obwohl sie doch im Wasser
+selbst leben, und vereinzelte Ausnahmefälle, wo Tropenfische bei einer
+Temperatur von nur wenigen Graden völlig erstarrten und schon für tot
+gehalten wurden, dann aber beim Erwärmen zu neuem Leben erwachten,
+bestätigen nur die Regel. In freier Natur dagegen dürften
+Erkältungserscheinungen bei Fischen nur äußerst selten vorkommen, da ja
+die natürlichen Gewässer sich nur ganz langsam erwärmen oder abkühlen.
+Wird aber dabei eine gewisse Grenze überschritten, so erleidet die
+aktive Lebenstätigkeit der Fische eine immer weiter gehende
+Herabminderung, die schließlich in unserem Klima zur Erscheinung des
+lethargischen Winterschlafes führt. Unsere Weißfische und _Karpfen_ z.
+B. fallen in einen solchen bei einer Wassertemperatur von + 4-6°_C_,
+nachdem sie sich vorher scharenweise im Schlamm eingewühlt und sich hier
+oft so dicht aneinander gedrängt haben, wie Pökelheringe in einer
+vollgepfropften Tonne. Während dieses Winterschlafes wird ganz wie bei
+Hamstern oder Fledermäusen die Tätigkeit des Herzens und sonstiger
+Muskeln, sowie die der Atmungs- und Ausscheidungsorgane auf ein Minimum
+herabgesetzt (bei _Weißfischen_ z. B. sinkt nach Haempel die Zahl der
+Herzschläge von 20-30 auf 1-2 in der Minute), und der Körper zehrt
+während dieser ganzen Zeit lediglich von seinem eigenen, vorher nach
+Möglichkeit aufgespeicherten Fett, so daß er während des Winterschlafes
+einen Gewichtsverlust von 5 v. H. und mehr erleidet. Die Wärme des
+Frühjahrs erweckt dann die schlafenden Fische zu neuem Leben, falls
+nicht die Temperatur zu tief unter den Gefrierpunkt gesunken war und
+dadurch den zeitlichen Schlaf in einen ewigen verwandelt hat. Es ist
+übrigens erstaunlich, was die Fische gerade in dieser Beziehung
+auszuhalten vermögen. So sind verbürgte Fälle bekannt, daß Karpfen bei
+einer Temperatur von -15 bis -20°_C_ vollständig in einen Eisblock
+eingefroren waren und sich dann bei ganz allmählichem und genügend
+vorsichtigem Auftauen doch völlig erholten. Während viele unserer
+Fische, wie der _Hecht_, auch während der rauhen Jahreszeit in Tätigkeit
+bleiben, bietet andrerseits unsre Fischwelt sogar manches bemerkenswerte
+Gegenstück zu dem Sommerschlaf der Tropenfische, der bei den in
+wissenschaftlicher Hinsicht so bemerkenswerten Lungenfischen seine
+höchste Vollendung erreicht und den Zweck verfolgt, beim Austrocknen der
+Wohngewässer die sommerliche Dürre ohne Schaden überdauern zu können. So
+erzählt Antipa aus dem Donaugebiete, daß er den _Schlammpeitzker_
+wiederholt in durchaus lebensfähigem Zustande tief im Schlamm vergraben
+angetroffen habe, während seine Wohntümpel so scharf ausgetrocknet
+waren, daß man mit beladenen Wagen darüber hinwegfahren konnte. Das wird
+erklärlich, wenn wir an die später noch näher zu besprechende Darmatmung
+dieses merkwürdigen Fisches denken.
+
+Viel weniger zahlreich sind aus dem schon erwähnten Grunde sichere
+Beobachtungen über den eigentlichen Schlaf der Fische, aber sie mehren
+sich in neuerer Zeit auffallend, so daß wir wohl annehmen dürfen, daß
+die Mehrzahl der Fische der süßen Wohltat des Schlafes nicht zu
+entbehren braucht, was ja auch physiologisch kaum denkbar wäre. Doch
+scheint soviel festzustehen, daß das Schlafbedürfnis der Fische ein
+ungleich geringeres ist, als das der übrigen Wirbeltiere und daß es sich
+noch am ehesten bei drückender Hitze und sauerstoffarmem Wasser geltend
+macht, bei den einzelnen Arten sehr verschieden stark ausgeprägt ist und
+auch individuelle Abweichungen nicht vermissen läßt. Insbesondere
+scheinen bestimmte _Schlafstellungen_ für die einzelnen Arten
+kennzeichnend zu sein. Viele Fische schlafen in der gewöhnlichen
+Schwimmstellung freischwebend im Wasser, andere begeben sich zum Boden
+herab, drehen hier den Kopf der Strömung entgegen und stützen sich auf
+Brust- und Bauch-, sowie auf den unteren Rand der Schwanzflosse. Der
+_Katzenhai_ steht senkrecht auf dieser, während er zugleich den Kopf an
+einen Stein oder an die Glaswand des Aquariums anlehnt, die _Lippfische_
+legen sich auf die Seite, nehmen also im Schlafen eine ähnliche Stellung
+ein wie der Mensch, und die _Panzerwelse_ des Nil legen sich nach den
+Beobachtungen Werners sogar auf den Rücken und treiben mit nach oben
+gekehrtem Bauche an der Oberfläche einher, so daß man sie unbedingt für
+abgestorbene Fische hält. Der von den Aquarienfreunden wegen seiner
+interessanten Brutpflege hochgeschätzte _Maulbrüter_ (das Weibchen
+schleppt den befruchteten Laich bis zu seiner völligen Entwicklung im
+Maule mit sich, das auch den Jungen während ihrer ersten Lebenstage noch
+als Zufluchtsstätte dient) schiebt sich zum Ausruhen flach auf ein
+geeignetes, oft nur wenig vom Wasser überspültes Pflanzenblatt, und die
+hübschen _Zwergwelse_ Nordamerikas hängen in halbmondförmig gekrümmter
+Stellung, wie wir sie von den gekocht auf unsere Tafel kommenden
+Schleien her kennen, dicht an der Wasseroberfläche. Eine ähnliche
+Schlafstellung nimmt nicht selten auch unser _Schlammpeitzker_ ein,
+indem er Kopf und Schwanz nach unten biegt, den schmiegsamen Leib aber
+nach oben krümmt. Auch den nahe verwandten _Steinbeißer_ kann man
+bisweilen in dieser merkwürdigen Lage überraschen. Vielleicht ist sie
+auch auf das bei den Schlafstellungen der höheren Wirbeltiere so
+deutlich ausgeprägte Bestreben des Organismus zurückzuführen, während
+des wehrlosen Schlummers nach Möglichkeit zur primitiven, die geringste
+Angriffsfläche bietenden Kugelform zurückzukehren, was den Fischen bei
+ihrem meist starren Leibe allerdings nur andeutungsweise möglich ist.
+Während des Schlafes erscheint die Reizempfänglichkeit der Fische stark
+herabgemindert. Man muß ihnen schon ziemlich grob kommen, um sie
+aufzustören. So reagieren sie auf Steinwürfe in der Regel erst dann,
+wenn sie unmittelbar getroffen werden. Versuche Schmids haben gezeigt,
+daß sich Fische durch Zusätze von Veronal oder Trional (beide Stoffe
+gelten ja auch beim Menschen als Schlafmittel) zum Wasser auch künstlich
+einschläfern lassen, wobei sie ihre Bewegungen ganz allmählich
+verlangsamen und schließlich selbst gegen unmittelbare Berührungsreize
+unempfindlich werden. Schleien nahmen dabei eine im Winkel von 45°
+schräg nach unten gerichtete Stellung ein. Auch die Vorstufe des
+Schlafes, das charakteristische Ermüdungszeichen des _Gähnens_, ist im
+Fischreiche keine unbekannte Erscheinung, so sonderbar uns das auch
+anmuten mag. Namentlich in warmem und sauerstoffarmem Wasser kann man
+die Fische häufig gähnen sehen, gerade wie auch bei uns Menschen
+weichliches Wetter leicht Ermüdungszustände hervorruft. Beim Gähnen
+öffnet der Fisch sein Maul sehr weit, spreizt die Kiemen, hebt seine
+Bauchflossen und stößt dann mit großer Geschwindigkeit das eingesogene
+Wasser teils durchs Maul, teils durch die Kiemen wieder aus. Die
+Stellung der Flossen während des Schlafes ist am eingehendsten beim
+Schlammpeitzker beobachtet worden; gewöhnlich werden sie dem Körper
+glatt angelegt, die Brustflossen nicht selten aber auch flach
+ausgespreizt.
+
+Bei dieser Gelegenheit sei gleich noch einiges über den
+_Schlammpeitzker_ oder _Schlammbeißer_ (_Cobítis fossílis_) gesagt,
+diesen wegen seiner leichten Erreichbarkeit bei der Jugend so beliebten,
+wegen seiner vielen merkwürdigen Eigenarten aber auch für den Forscher
+und Aquarienfreund hochinteressanten Bewohner unserer kleinen stehenden
+Gewässer mit schlammigem Untergrunde. Er lebt hier als ein echter
+Bodenfisch und als ein ausgesprochenes Nachttier, das tagsüber untätig
+dem schlammigen Untergrunde aufliegt und erst mit Einbruch der Dämmerung
+zu regerem Leben erwacht, um den Schlamm nach allerlei Gewürm, Schnecken
+und jungen Muscheln zu durchwühlen, nebenbei wohl auch vermodernde
+Pflanzenteile zu sich zu nehmen. Bekannt geworden ist der Schlammbeißer
+in weiteren Kreisen namentlich als Wetterprophet, weshalb er auch im
+Volksmunde vielfach den Namen Wetterfisch führt, und er verdient diesen
+Ruf sicher in höherem Grade als der zu Unrecht gepriesene Laubfrosch. Es
+ist Tatsache, daß der Schlammbeißer wenigstens gegen elektrische
+Veränderungen in der Atmosphäre sich überaus empfindlich erweist und
+namentlich das Herannahen von Gewitterbildungen viele Stunden vorher
+(angeblich sogar 24 Stunden vorher) mit fast untrüglicher Sicherheit
+anzeigt. Der sonst so träge Geselle gerät dann in lebhafte Unruhe und
+schwimmt rastlos unter kräftig schlängelnden Bewegungen hin und her,
+kommt auch mit sichtbarer Ängstlichkeit häufig an die Oberfläche, um
+Luft zu schnappen. Es erscheint daher zweifellos, daß er für Fluida
+elektrischer oder magnetischer oder vielleicht gar radioaktiver
+Herkunft besonders empfänglich ist, ohne daß wir jedoch bisher diese
+auffallende Erscheinung irgendwie befriedigend aufzuklären vermöchten.
+Diese Eigenschaft des Schlammbeißers bringt es mit sich, daß man ihn in
+manchen Gegenden als geschätzten Wetterpropheten in einfachen Fisch-
+oder Einmachegläsern mit Sandbelag hält, was für den sonst sehr
+widerstandsfähigen Fisch freilich nur einen langsamen und qualvollen Tod
+bedeutet. Da er ebenso wie der Steinbeißer sich von einer geschickten
+Hand im Wasser ohne allzu große Schwierigkeiten ergreifen läßt, muß er
+ferner in der Regel für die ersten Aquarienversuche der lieben Jugend
+herhalten. Das ist sehr zu bedauern, und es erscheint nachgerade
+angezeigt, auch in bezug auf unsere Fischfauna den Naturschutz in
+höherem Grade zu berücksichtigen, als es bisher geschah, denn auch die
+Fauna unserer Binnengewässer und namentlich der kleinen Tümpel und
+Teiche droht infolge rücksichtsloser Nachstellungen mehr und mehr zu
+veröden und zu verarmen. Dagegen sei den modernen Aquarienfreunden,
+deren praktische Kenntnisse in der Tierpflege groß genug sind, um jede
+Tierquälerei auszuschließen, bei dieser Gelegenheit die sachgemäße
+Haltung und Beobachtung unserer so anziehenden einheimischen Fische, die
+über der Sucht nach ausländischen Neueinführungen und -züchtungen nur
+allzu sehr vernachlässigt worden sind, wieder einmal dringend ans Herz
+gelegt. Gibt es doch gerade an unseren so charakteristischen
+einheimischen Formen, von denen nicht wenige ebenso schön und zierlich
+sind, wie die berühmtesten Exoten, biologisch noch ungeheuer viel und
+Hochinteressantes genug zu erforschen, wobei auch der bloße Liebhaber
+tüchtig mithelfen kann. Übrigens ist der Schlammbeißer durchaus nicht
+der einzige Wetterfisch, vielmehr scheint zahlreichen Arten eine mehr
+oder minder große Empfindlichkeit gegenüber den elektrischen Zuständen
+der Luft eigen zu sein, und sie zeigen sich deshalb beim Herannahen
+eines Gewitters vielfach beängstigt und unruhig, wenn sie es auch nicht
+auf so lange Zeit vorauszuempfinden vermögen wie der Schlammbeißer. Im
+Zusammenhang damit mag es stehen, daß Fische bei Gewittern so leicht
+absterben, was man auf die durch die starke Temperaturerhöhung bewirkte
+Verminderung des Sauerstoffs im Wasser und auf die durch die plötzliche
+Erniedrigung des Luftdrucks hervorgerufene Übersättigung des Wassers mit
+schädlichen Gasen aus dem Untergrunde zurückgeführt hat, ohne jedoch
+bisher völlig über diese rätselhafte Erscheinung und über die Rolle, die
+die Elektrizität selbst dabei spielt, sich klar geworden zu sein. Als
+sehr weitblickende Wetterpropheten gelten in gewissen Gegenden z. B.
+auch die _Forellen_. So unwahrscheinlich es auch klingt, so schwören
+doch viele alterfahrene Fischer darauf, daß man aus dem Verhalten dieser
+Fische beim Laichgeschäft sichere Schlüsse auf die Gestaltung des
+kommenden Winters ziehen könne. Wenn die Forellen ihre Eier an den
+tiefsten, starker Abkühlung des Wassers weniger ausgesetzten Stellen
+ablegen, soll ein harter und strenger Winter zu erwarten sein, der ja
+immer auch einen beträchtlichen Rückgang des Wasserstandes mit sich
+bringt. Laichen die Forellen aber an seichten Stellen nahe am Ufer, wo
+die Strömung weniger stark ist, so soll ein milder und regenreicher
+Winter bevorstehen.
+
+ [Illustration: Steinbeißer (Naturaufnahme von Oberlehrer W.
+ Koehler).]
+
+Der etwa 30 _cm_ lang werdende _Schlammbeißer_, um auf diesen
+zurückzukommen, kennzeichnet sich durch seinen langgestreckten
+zylindrischen Leib mit kleiner und spärlicher Beschuppung, die gut
+entwickelte, abgerundete Schwanzflosse, die zehn kurzen Bartfäden an dem
+kleinen, aber sehr beweglichen Maul und durch die eigenartige Färbung:
+oberseits schwärzlich mit fünf gelben und braunen Längsstreifen,
+unterseits orangegelb mit schwarzen Tüpfeln. Der beträchtlich kleinere
+_Steinbeißer_ (_Cobítis taénia_) hat nur sechs Bartfäden und auf
+ledergelbem Grunde großfleckige braune Binden an den Seiten und auf der
+Rückenmitte. Bei der dritten im Bunde, der zierlichen _Schmerle_ oder
+_Bartgrundel_ (_Cobítis barbátula_), die ebenfalls mit sechs Barteln
+ausgerüstet ist und nur wenig größer wird als der Steinbeißer, ist die
+Färbung viel unbestimmter, meist aber oben dunkelbraungrün mit
+regelloser Schwarzstreifung, unten hellgrau oder graugelblich. Während
+der Schlammbeißer hinsichtlich des Wohnsitzes seinem Namen alle Ehre
+macht, liebt der Steinbeißer klare Bäche und Wiesengräben mit sandigem
+Untergrund, und die Schmerle ist ein Kind des reinen, flachen, schnell
+über festen und steinigen Boden hinströmenden Wassers. Bei allen drei
+Arten dient also die buntfarbige Beschuppung zugleich als Schutzfärbung.
+Wenn die Frühjahrsregen Tümpel und Bäche neu aufgefüllt haben, schreiten
+die Cobitis-Formen zur Fortpflanzung an ruhigen und geschützten Stellen
+ihrer Wohngewässer, und zwar legt jedes Weibchen an Pflanzen oder
+Steinen 100-150000 Eierchen ab, von denen aber nur ein geringer
+Prozentsatz zur Entwicklung kommt. Die große Mehrzahl der Jungen fällt
+überdies den Raubfischen zur Beute, denen die Bartgrundeln vermöge ihrer
+mundgerechten Gestalt überhaupt ein besonders willkommener Bissen sind.
+Deshalb bleibt ihre Zahl allenthalben eine ziemlich beschränkte. Von
+einer Brutpflege durch das Männchen, die Leunis wahrgenommen haben will,
+wissen spätere Beobachter nichts mehr zu berichten. Der Steinbeißer
+besitzt wenigstens noch eine eigenartige Waffe gegen seine zahllosen
+Feinde, die bei den beiden anderen Arten nur in rudimentärem Zustande
+vorhanden ist. Es handelt sich um einen dem Suborbitalknochen
+aufsitzenden, frei beweglichen und feststellbaren Augendorn. Ergreift
+man den Fisch, so biegt er den Kopf nach der Hand herum und bohrt den
+aufgerichteten Dorn mit beträchtlichem Kraftaufwand in deren Fleisch
+ein. Giftig ist dieser Dorn aber nicht, wie man wohl gefabelt hat.
+Wirtschaftlich sind die Cobitis-Arten schon wegen ihrer Kleinheit ohne
+sonderliche Bedeutung, und das Fleisch des Steinbeißers ist überdies
+mager und zähe. Dagegen wird die Schmerle von ausgepichten
+Feinschmeckern als ein gar köstlicher Bissen hoch geschätzt, und schon
+der alte Gesner singt begeistert ihr Lob. Doch stehen diese Fischchen
+ungemein rasch ab und dürfen deshalb nur in ganz frischem Zustande
+Verwendung finden, wenn sie ihren vollen Wohlgeschmack entfalten sollen.
+Am besten behandelt man sie wie Neunaugen, brät sie also auf dem Rost
+oder mariniert sie ein.
+
+Auf gleiche Weise behandelte Schlammbeißer, die ein grätenarmes und
+nicht sehr fettes Fleisch haben, schmecken auch nicht übel, wenn man nur
+die Vorsicht gebraucht, sie erst einige Tage in klarem, fließendem
+Wasser zu halten, damit der ihnen sonst anhaftende Modergeruch und
+-geschmack sich verliert. Heutzutage führt man den vielen Fischen
+anhaftenden und ihre Verwendung für die Küche erschwerenden
+_Schlammgeschmack_ nicht mehr auf die Einwirkung der Armleuchtergewächse
+zurück, sondern vielmehr auf gewisse niedere Algen, die Oszillarien. Wo
+sie in großer Menge vorhanden sind, haftet dem Fischfleische auch mehr
+oder minder der fatale Schlammgeschmack an, der schließlich selbst bei
+Regenbogenforellen so stark werden kann, daß er sie fast ungenießbar
+macht. Wo die Oszillarien völlig fehlen, gibt es auch keinen
+Schlammgeschmack. Fische, deren Haut reichlich mit Schleimdrüsen
+versehen ist, wie es z. B. bei Aalen und Schleien der Fall ist, nehmen
+den Schlammgeschmack immer rascher und stärker an, aber völlig verschont
+bleibt unter gegebenen Verhältnissen keiner, selbst nicht die delikate
+Bachforelle.
+
+Daß der Schlammbeißer in seinen oft kleinen Wohntümpeln bei heißem und
+trockenem Wetter nicht massenhaft zugrunde geht, hat er der ihm eigenen
+und wissenschaftlich hochinteressanten Fähigkeit der _Darmatmung_ zu
+verdanken. Schon im Aquarium kann man häufig sehen, wie die
+Schlammbeißer von Zeit zu Zeit fast nach Art der Molche zur Oberfläche
+emporsteigen, hier einen tüchtigen Schluck voll Luft nehmen und dann
+langsam wieder zum Boden herabsinken, wie sie ja überhaupt keine Freunde
+überflüssiger Bewegung sind, sondern bei Gefahr immer nur rasch von
+einem Versteck nach dem andern schießen. Die mit dem Maul aufgenommene
+Luft preßt der Schlammbeißer unter krampfhaftem Schließen der
+Kiemendeckel durch seinen kurzen und fast gerade verlaufenden
+Verdauungsschlauch, wo der von feinsten Blutgefäßchen umsponnene
+Mitteldarm gewissermaßen als Lunge wirkt und der Luft gut die Hälfte
+ihres Sauerstoffes entzieht, um sie dann unter hörbar glucksendem
+Geräusch verbraucht durch den After wieder auszustoßen. Ein völliger
+Ersatz für die Kiemenatmung freilich ist mit alledem doch nicht gegeben,
+da nur durch diese die Ausscheidung der giftigen Kohlensäure bewirkt
+werden kann und deshalb ein lediglich auf die Darmatmung angewiesener
+Fisch doch zugrunde gehen muß. Diese Darmatmung, die sich ja auch bei
+der am tiefsten stehenden Fischform, bei dem Lanzettfischchen findet,
+ist wohl die ursprüngliche im Reich der Fische gewesen, und man kann
+deutlich eine Entwicklungsreihe verfolgen, die von da über die einfachen
+Kiemen der Rundmäuler, Haie und Rochen bis zu dem verwickelten
+_Kiemenapparat_ der Knochenfische hinführt.
+
+Der Fähigkeit der Darmatmung verdankt nun aber der Schlammbeißer noch
+eine weitere und in den Kreisen der heimischen Fischfauna höchst seltene
+Eigenschaft, indem er nämlich auch imstande ist, deutlich wahrnehmbare
+_Töne_ von sich zu geben. Nimmt man ihn nämlich aus dem Wasser heraus,
+so hört man ein Geräusch, das nach Johannes Müller die Mitte hält
+zwischen dem »Quieken einer Maus und dem Schall eines breiten Kusses.«
+Verursacht wird es offenbar durch das plötzliche und krampfhafte
+Ausstoßen der im Darm befindlichen Atemluft. Es ist also nicht eine
+freiwillige Lautäußerung, sondern vom Willen des Tieres völlig
+unabhängig, demnach nicht etwa ein Balz- oder Liebeslaut, sondern so
+ziemlich das gerade Gegenteil und eher mit dem Angstschrei der Vögel und
+Säuger zu vergleichen oder mit dem Vorgang, durch den sich nach einem
+derbdeutschen Sprichwort die »bleiche Furcht« bei Feiglingen zu erkennen
+gibt.
+
+ [Illustration: Groppe (_Cottus gobio_). (Naturaufnahme von Dr. E.
+ Bade.) (Aus: Bade, Die mitteleuropäischen Süßwasserfische.)]
+
+Wesentlich stimmbegabter ist der Knurrhahn unserer Meere, und dieser hat
+auch im Süßwasser eine allerdings stumme Verwandte in der allbekannten
+_Groppe_ (_Cóttus góbio_), der gefräßigen und unerwünschten Begleiterin
+der Forelle. Das sind zwei, die sich im wahrsten Sinne des Wortes »zum
+Fressen gern haben«. Freilich nicht gerade zur Freude des
+Forellenzüchters, der deshalb dem von ihm verfolgten buntschimmernden
+Eisvogel dankbar sein sollte, der neben Schmerlen hauptsächlich junge
+Groppen verzehrt, wenn sie sich mal aus ihrem Schlupfwinkel hervorwagen.
+Namentlich zur Laichzeit der Forellen entwickelt die Groppe eine recht
+fatale Tätigkeit. Durch das Plätschern der laichenden Forellen
+aufmerksam gemacht, erscheint sie alsbald auf dem Schauplatze und hält
+hier unbekümmert einen reichlichen Kaviarschmaus, weil Liebe auch die
+sonst so vorsichtige und wehrhafte Forelle blind macht. »Senkrecht im
+Wasser stehend, den Kopf zu unterst und den Schwanz nach oben, wirbelt
+sie mit den Brustflossen die leicht flottierenden Eier auf, um eines
+nach dem anderen zu verschlingen. Es ist keine Seltenheit, in dem Magen
+einer fingerlangen Groppe bis zu 30 Stück der erbsengroßen Forelleneier
+zu finden« (Jäger). Auch die ausgeschlüpften Jungforellen haben in der
+tückisch unter Steinen auf sie lauernden Groppe, die auch sonst alles zu
+überwältigende Getier und mit besonderer Vorliebe Libellenlarven gierig
+verschlingt, ihren schlimmsten Feind. Der Spieß wird aber umgedreht, und
+die Stunde der Rache erscheint, sobald die Groppe selbst im zeitigen
+Frühjahr zur Fortpflanzung schreitet. Dann ist es die raublustige
+Forelle, die hinter den jungen Groppen und dem Groppenlaich her ist und
+unnachsichtlich Vergeltung übt. Die Begegnung mit der alten Forelle hat
+auch die ausgewachsene Groppe zu scheuen, obwohl sie in solchen Fällen
+eine besondere Schreckstellung annimmt und den Kopf durch Aufsperren der
+Kiemenstrahlen drohend aufbläht. Von den in festen Klumpen von 100 bis
+300 Stück abgesetzten rötlichgelben Groppeneiern würden wahrscheinlich
+wenige übrig bleiben, wenn nicht das Männchen in der tapfersten Weise
+Brutpflege ausübte. Es verteidigt den zur Laichablage zwischen den
+Steinen ausgewählten Platz aufs heldenmütigste und ausdauerndste gegen
+jeden nahenden Feind, namentlich aber auch gegen die eigenen
+Geschlechtsgenossen, wobei es zu so erbitterten Kämpfen kommt, daß die
+Gegner sich bisweilen vollständig ineinander verbeißen und in diesem
+wehrlosen Zustande, der an den verkämpfter Hirsche erinnert, mit
+Leichtigkeit gefangen werden. Ohne selbst Nahrung zu sich zu nehmen,
+hält so das Männchen 4 bis 5 Wochen lang treulich Wacht. Um so
+schutzloser sind aber dann die ausgeschwärmten jungen Groppen ihren
+Feinden preisgegeben, zu denen außer den Eisvögeln und Forellen
+namentlich auch die alten Groppen selbst zählen, die bei ihrer
+unersättlichen Freßgier in ausgesprochenem Maße dem Kannibalismus
+huldigen. Gleich der Forelle bevorzugt die Groppe klares, schnell
+fließendes Wasser und einen mit Steinen und Kiesgeröll bedeckten
+Untergrund. Deshalb ist sie auch in Gebirgsgegenden häufig, ja in
+manchen hochgelegenen Gewässern der einzige vorkommende Fisch. Sie hält
+sich hier tagsüber unter Steinen verborgen und schießt aufgescheucht mit
+großer Schnelligkeit durchs Wasser, aber immer nur auf kurze Strecken
+und geradlinig, da ihr die Schwimmblase fehlt. Zu verkennen ist sie
+nicht, denn der spindelförmig zulaufende, platt gedrückte Leib, der
+mächtige Dickkopf mit dem Riesenmaul, die auffallend großen Brustflossen
+und die schuppenlose, schleimige Haut sind untrügliche Merkmale. Die im
+allgemeinen dunkle, mit Braun und Grau schattierte Färbung wechselt nach
+Wohnort, Untergrund und Individuum ganz außerordentlich, und es
+erscheint sicher, daß auch der Groppe das bei den Schollen so
+ausgeprägte und noch näher zu besprechende Farbwechselvermögen zukommt.
+Bei ihrer Lebensweise muß das ein großer Vorteil für sie sein. In der
+Tat gehört schon ein sehr gut geschultes Auge dazu, um eine auf kiesigem
+Untergrund ruhende und sich dabei regungslos verhaltende Groppe aus
+einiger Entfernung zu erkennen. Daß die Groppe trotz ihrer versteckten
+Lebensweise ein recht volkstümlicher Fisch ist, beweist die große Zahl
+ihrer Trivialnamen, deren manche recht drastisch anmuten. »Rotzkober«
+nannten wir Thüringer Jungen sie, wenn wir stolz zum Fischfang auszogen;
+Mühlkoppe, Breitschädel, Kaulquappe, Grotzfisch, Dick- und Kautzenkopf,
+Kaulhäuptlein, Kulheet und sogar Papst heißt sie in anderen Gegenden.
+Wirtschaftlich hat sie höchstens als Köderfisch einige Bedeutung,
+obschon sie gar nicht übel mundet. Wendet man die Steine im Bach
+vorsichtig um, so kann man bei einiger Übung den schlüpfrigen und
+großmäuligen Burschen ganz gut mit der Hand ergreifen und hat sich dabei
+nur vor Verletzungen durch die spitzen Flossenstrahlen zu hüten.
+
+Da oben von der vorzüglichen Schutzfärbung der Groppe und von ihrem
+ausgeprägten Farbwechselvermögen die Rede war, seien hier gleich noch
+einige allgemeine Betrachtungen über die _Färbung_ der Fische
+eingeschaltet. Es liegt auf der Hand, daß bei dem schonungslosen und
+ununterbrochenen Kampfe ums Dasein, der sich im Wasser abspielt,
+Schutzfärbungen fast noch wichtiger erscheinen und daher noch häufiger
+anzutreffen sein werden, als auf dem Festlande. Und in der Tat fehlen
+sie kaum einem unserer heimischen Fische, wenn sie uns auch nicht immer
+gleich als solche erscheinen wollen. Aber wir müssen bei der Beurteilung
+solcher Erscheinungen eben immer die eigentümlichen Beleuchtungs- und
+Färbungsverhältnisse im Wasser berücksichtigen. Dann werden wir es
+sofort verstehen, warum alle unsere Oberflächenfische eine dunkle
+Rückenfärbung und eine helle Bauchfärbung mit lebhaftem Silber- oder
+auch Goldglanz haben, der an den Seiten besonders lebhaft hervortritt.
+Beides ist eine ausgeprägte Schutzfärbung, die gerade diese Fische um so
+nötiger haben, als sie sich für gewöhnlich ja nicht in Schlupfwinkeln
+verstecken oder auf dem Boden liegen, sondern im freien Wasser nahe der
+Oberfläche ihr anziehendes Spiel treiben. Die dunkle Rückenfärbung
+schützt sie vor dem scharfen Auge solcher Feinde, die aus der Luft auf
+sie herabspähen, also der fischfressenden Vögel. Ein jeder von uns weiß
+ja aus eigener Erfahrung, wie schwer es hält, einen im Wasser stehenden
+Fisch von oben her zu erkennen. Umgekehrt schützt der Silberglanz des
+Bauches, der nach oberflächlicher Auffassung so leicht zum Verräter
+werden könnte, in vortrefflicher Weise vor den lüsternen Blicken der
+Raubfische, die ja gewöhnlich tiefer im Wasser stehen oder dem Boden
+aufliegend auf Beute lauern, diese also schräg von unten zu Gesicht
+bekommen werden. Von da aus erscheint aber der ganze Wasserspiegel
+selbst bei bedecktem Himmel in lebhaft metallischem Lichtglanz, und wenn
+gar funkelnde Sonnenstrahlen die Oberfläche treffen, zucken leuchtende
+Lichtbündel, die sich von dem Aufblitzen der hin und her schwimmenden
+Fische kaum unterscheiden lassen, allenthalben auf, wovon sich jeder
+leicht beim Baden überzeugen kann. Schon vor mehr als 40 Jahren hat
+Gustav Jäger diese Entdeckung gemacht, die dann aber in Vergessenheit
+geraten war und erst neuerdings ohne Namensnennung wieder ausgegraben
+wurde. Daß der nahe der Oberfläche befindliche Beutefisch auf silbrigem
+Grunde silbern erscheint, somit nur sehr schwer sichtbar ist, wird nach
+den Untersuchungen von Popoff und Kapelkin physikalisch dadurch erklärt,
+daß die Fische infolge der eigentümlichen Lage ihrer Augen die
+Wasseroberfläche höchstens unter einem Winkel von etwa 45° sehen, die
+in einem solchen Winkel auf die Wasserfläche fallenden Lichtstrahlen
+aber diese niemals durchdringen können, sondern völlig zurückgeworfen
+werden. Etwas abweichender Ansicht ist in neuester Zeit Franz, indem er
+glaubt, daß die silberne Bauchseite, wie sie bei Hering und Makrele
+besonders schön ausgebildet ist, als Spiegel wirke, wenn auch mit dem
+Unterschiede, daß sie das Licht meist nur sehr diffus (zerstreut)
+zurückwirft. Demgemäß würde also ein solcher Silberspiegel lediglich die
+Farbe des Wohngewässers selbst wiedergeben, gleichviel ob diese ins
+Bläuliche, Grünliche oder Bräunliche fällt, und die Natur hätte mit
+dieser automatischen Farbenanpassung durch Spiegelwirkung eine
+verblüffend einfache und doch äußerst wirkungsvolle Leistung vollbracht.
+Daß die uns Menschen so auffallende Silberfärbung aber zum mindesten als
+Schutzfärbung aufzufassen ist, geht schon daraus hervor, daß sie allen
+Bodenfischen, wie auch den Tiefseefischen als zwecklos völlig fehlt.
+Denn im Ozean verschwinden schon bei 500 _m_ Tiefe die Silberbäuche
+völlig, und Rot ist nun zur überwiegenden Schutzfarbe geworden, während
+mit 1000 _m_ Meerestiefe ein mehr oder minder tiefes oder getrübtes
+Schwarz diese Rolle fast ausschließlich übernimmt, da ja Schwarz in den
+schauerlich finsteren Tiefen des Weltmeers naturgemäß den besten Schutz
+gewährt, auch gegenüber den _Leuchtorganen_, mit denen viele Raubfische
+zum Aufsuchen oder Anlocken ihrer Beute ausgerüstet sind.
+
+Ganz besonders schön ausgeprägt ist die _Schutzfärbung_ bei den in
+erwachsenem Zustande auf dem Meeresgrunde lebenden _Plattfischen_, zu
+denen einige der schmackhaftesten Bewohner von Nord- und Ostsee zählen,
+und von denen die _Flunder_ (_Pleuronéctes flésus_) gelegentlich auch im
+Süßwasser vorkommt. Und sie wird hier noch in ganz großartiger Weise
+unterstützt durch das diesen merkwürdigen Fischen eigene
+_Farbwechselvermögen_, das in so überraschender Weise in Tätigkeit
+tritt, daß darob selbst das in dieser Hinsicht doch weltberühmt
+gewordene Chamäleon erröten müßte, wenn anders Rot auf seiner
+Farbenskala verzeichnet wäre. Ganz wie beim Chamäleon wird auch bei den
+Plattfischen die sich dem Untergrund anpassende Farbänderung
+hervorgerufen durch die Tätigkeit der unter der Oberhaut liegenden und
+mit verschiedenartigen Farbstoffen angefüllten Farbzellen oder
+Chromatophoren, die leicht und rasch zusammengezogen oder ausgedehnt
+werden können und dadurch eine Auflichtung oder ein Dunklerwerden der
+Gesamtfärbung sowie eine Vergrößerung oder Verkleinerung, ein Verblassen
+oder ein Hervortreten, wenn auch keine Verschiebung der Fleckung und
+Zeichnung bewirken. Danach wird ein auf gelblichem Sande ruhender
+Plattfisch ganz anders aussehen als ein auf dunklem Untergrunde
+liegender, ein auf grobem Kiesgeröll befindlicher ganz anders als ein
+auf feinem Gries gelagerter. So weit geht diese Anpassung, daß für das
+menschliche Auge oft förmliche Vexierbilder entstehen und das
+Herausfinden eines sich regungslos verhaltenden Plattfisches selbst im
+beschränkten Raume des Aquariums seine nicht geringen Schwierigkeiten
+hat. Besonders deutlich konnte Sumner in Neapel die Erscheinung dann
+verfolgen, wenn er den Fischen einen künstlichen Untergrund aus
+verschiedenartig karriertem oder geflecktem Papier gab, dem sie sich in
+überraschend kurzer Frist in weitgehender Weise anzupassen suchten. Bei
+alledem steht soviel unzweifelhaft fest, daß diese Farbanpassung vom
+Willen des Tieres völlig unabhängig und als ein rein reflektorischer Akt
+zu deuten ist, als dessen Ausgangspunkt wir die durch die Netzhaut des
+Auges wahrgenommenen Lichteindrücke anzusehen haben. Sumner hat dies
+auch durch Versuche nachgewiesen, indem die von ihm geblendeten
+Plattfische andauernd dunkel blieben und unter keinen Umständen mehr
+einen Farbwechsel vorzunehmen vermochten. Auf eine ungleich hübschere,
+weniger grausame und dabei eigentlich noch viel überzeugendere Weise ist
+Ward zu dem gleichen Ergebnis gelangt. Er teilte einen Wasserbehälter in
+zwei Hälften durch ein Stück Linoleum, in das er ein Loch hineinschnitt,
+gerade groß genug, um einen kleinen Hecht darin festzuhalten. Die eine
+Hälfte des Behälters war weiß und die andere schwarz austapeziert. Wurde
+nun der Hecht so hineingesetzt, daß sein Kopf sich in der dunklen
+Hälfte, Körper und Schwanz dagegen in der hellen Hälfte befanden, so
+blieben die Pigmentstellen entspannt, der ganze Fisch somit dunkel.
+Sobald man den Versuchsfisch aber herumdrehte und den Kopf in die helle
+Hälfte versetzte, so war schon nach drei Minuten der ganze Fischkörper
+bleich, weil sich die dunklen Pigmentzellen zusammengezogen hatten. Das
+die Färbung beeinflussende Licht wirkt also nicht unmittelbar, sondern
+durch die Vermittlung des Fischauges.
+
+Häufiger als aktive Giftwaffen (Petermännchen) ist in unserer Fischfauna
+eine oft nur zeitweise Giftigkeit gewisser Fischteile beim Genuß,
+selbst wenn wir von dem Fleisch erkrankter oder bereits in Fäulnis
+übergegangener Fische absehen. So entwickelt das Blut des _Aals_, sobald
+es in fremde Blutbahnen gebracht wird, stark giftige Eigenschaften, die
+allerdings schon durch gelindes Kochen völlig zum Verschwinden gebracht
+werden. Bei der schmackhaften und sonst so bekömmlichen _Barbe_ hat zur
+Laichzeit der Genuß des Rogens und (entgegen der Auffassung Blochs, nach
+einem aus neuester Zeit stammenden Bericht der Pariser _Société
+Zoologique_) auch des diesen umgebenden Fleisches bedenkliche
+Vergiftungserscheinungen im Gefolge, die sich namentlich in heftigem
+Durchfall und Erbrechen äußern. In noch verstärktem Maße finden wir die
+gleiche Erscheinung bei den merkwürdigen _Kugelfischen_ (_Tétrodon_) der
+japanischen Gewässer, weshalb auch deren Verkauf auf den Fischmärkten
+streng verboten ist, während andrerseits Kugelfischkaviar eine beliebte
+Delikatesse der dort aus den verschiedensten Gründen so häufigen
+Selbstmordkandidaten sein soll. Unsere, eine Länge von 70 _cm_ und ein
+Gewicht von 10 _kg_ und mehr erreichende _Flußbarbe_ (_Bárbus
+fluviátilis_) -- der verwandte, in Siebenbürgen und Ungarn heimische,
+aber auch schon im Oder- und Weichselgebiet vorkommende _Semling_
+(_Bárbus petényi_) bleibt stets beträchtlich kleiner -- verdient ihren
+Namen, denn sie fehlt den stehenden Gewässern ebenso wie dem Meere,
+während sie zu den charakteristischsten und häufigsten Bewohnern unserer
+Flüsse und Ströme zählt, soweit diese steinigen oder kiesigen oder
+wenigstens sandigen Untergrund haben, dem sie sich in ihrer Färbung
+ebenfalls in weitgehender Weise anzupassen vermag. Während die jungen,
+erst im vierten Jahre fortpflanzungsfähig werdenden Barben, die sich
+überhaupt durch eine reizvolle Beweglichkeit und große Spiellust
+auszeichnen, beständig unter zuckenden Flossenbewegungen umherschwimmen,
+werden die Alten mehr und mehr zu Nachttieren und Bodenfischen und
+schließlich zu richtigen Faulpelzen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit
+ziehen sie auf Nahrung aus, indem sie ganz nach Schweineart mit ihrer
+rüsselförmig verlängerten Schnauze den Boden nach allerlei Genießbarem
+durchwühlen. Da der nach Karpfenart gebaute, nur wesentlich schlankere
+Fisch dabei in der Aufnahme von Nahrung ebensowenig wählerisch und
+ebenso vielseitig ist, wie der grunzende Borstenträger, wird er in
+manchen Gegenden vom Volke gar nicht übel als »Sauchen« bezeichnet. Auch
+an Aas und selbst an menschliche Leichname geht die Barbe recht gern,
+und für Kot aller Art hat sie sogar eine ausgesprochene Vorliebe, mästet
+sich deshalb am besten da, wo Aborte und Kanäle ihren Inhalt in die
+Fluten entleeren, und wird aus ähnlichen Gründen auch in der Nähe von
+Badeanstalten nicht leicht vermißt. Indessen hat diese wenig
+appetitliche Ernährungsweise ebenso wenig wie der Grätenreichtum ihres
+sonst vorzüglichen Fleisches oder die Giftigkeit ihres Rogens zu
+verhindern vermocht, daß sie als Tafelfisch sich einer nicht geringen
+Wertschätzung erfreut. Der Angler weiß, daß sie am sichersten auf ein
+Stückchen Schweizerkäse anbeißt. Namentlich als »Bierfische« werden die
+Barben in manchen Gegenden sehr geschätzt, so daß man sie wegen ihrer
+verhältnismäßig geringen Vermehrungsfähigkeit sogar schon künstlich zu
+züchten versucht, dabei aber wegen der großen Klebrigkeit der Eier, die
+im Freien während der Frühlingsmonate an Steinen abgesetzt werden, keine
+sonderlich ermutigenden Erfolge erzielt hat. Zur Laichzeit sieht man die
+Barbenmännchen oft in langen Zügen wie im »Gänsemarsche« hinter den
+laichfähigen alten Weibchen einherziehen. Gerade die Barben erkranken
+sehr leicht an der Beulenpest, die durch einen einzelligen Schmarotzer
+aus der Klasse der Sporentierchen (_Nyxobólus pfeífferi_) verursacht
+wird und zu erbsen- bis nußgroßen Geschwülsten auf der Haut der
+befallenen Tiere führt. Die aus den eiternden Beulen austretenden Keime
+befallen auch Fische anderer Art, sind vielleicht auch für den badenden
+Menschen nicht ungefährlich und vermögen so ganze Gewässer zu verpesten.
+Die Barbenbestände selbst sterben dann fast völlig ab, wie es in den
+Jahren 1885 und 1886 in der Maas und Mosel der Fall war, wo man allein
+in Mézières täglich bis zu 2 Zentnern abgestandener Barben auffischen
+konnte. Ebenso sind krankhafte Farbenabweichungen gerade bei Barben
+keine besondere Seltenheit; selbst Stücke mit lebhaft goldgelben
+Schuppen, die stark an Goldfische erinnern, kommen gelegentlich vor.
+
+ [Illustration: Barsch (nach Naturaufnahmen von Fr. Ward [_Marvels
+ of fish life_] gezeichnet von R. Oeffinger).]
+
+Als ein gutes Beispiel für die Farbenanpassung an die Pflanzenwelt des
+Süßwassers wollen wir hier endlich noch den _Flußbarsch_ (_Pérca
+fluviátilis_) herausgreifen, dessen Name mit dem Begriff »Borste«
+zusammenhängen soll, und ein recht borstiger Bursche ist ja dieser
+stachelbewehrte Räuber tatsächlich in jeder Hinsicht, der im Fischreiche
+biologisch etwa dieselbe Rolle spielt wie der Sperber in der Vogelwelt.
+Von Schutzfärbung ist freilich bei ihm zunächst wenig zu merken, denn
+der Oberkörper ist messingglänzend, und diese Farbe geht auf den Seiten
+mehr ins Grünliche, auf dem Bauche ins Weißliche über, während quer über
+den Leib 5-9 mehr oder minder dunkle Zebrabinden verlaufen. Wir müssen
+aber berücksichtigen, daß der Barsch in der Regel unter einer
+überhängenden Uferstelle im ruhigen Wasser zwischen Rohrhalmen auf Beute
+lauert, und hier kommt ihm die den Rohr- und Pflanzenstengeln gleichende
+Körperzeichnung doch sehr zustatten, zumal sie sich den Belichtungs- und
+Schattierungsverhältnissen ebenfalls in wundersamer Weise anzupassen
+vermag. Je klarer und durchsichtiger das Wasser, in desto lebhafterer
+Färbung pflegt der Barsch zu prahlen. Nun kommt aber noch hinzu, daß
+auch sein jeweiliger Gemütszustand die Färbung ganz erheblich zu
+beeinflussen pflegt, wie ja die Fische trotz ihres kalten Bluts
+überhaupt keineswegs die leidenschaftslosen und »kaltblütigen« Geschöpfe
+sind, als die sie bei oberflächlicher Betrachtung erscheinen. Ganz im
+Gegenteil feiern glühende Liebe, brennender Haß und ungestümer
+Wanderdrang, kurz, rücksichtslose Leidenschaften aller Art gerade im
+Fischreiche wahre Orgien, und das kommt auch in der jeweiligen Färbung
+oft deutlich genug zum Ausdruck. So beweisen die einwandfreien
+Photographien des schon erwähnten englischen Forschers Ward, daß
+namentlich der Barsch nicht nur ein durch die verschiedene
+Flossenstellung vermitteltes, sehr ausdrucksvolles Mienen- und
+Geberdenspiel hat, sondern daß er auch aus Angst und Furcht oder bei
+plötzlichem Schreck die Farbe zu verändern, insbesondere bis zur
+Leichenblässe zu erbleichen vermag. Eben noch liegt der Fisch in
+behaglicher Ruhe auf dem Grunde, den Körper gestützt auf Schwanz- und
+Beckenflossen, während die übrigen Flossen sich ihm anschmiegen und die
+Zebrastreifen fast gar nicht sichtbar sind. Da -- eine leise
+Erschütterung des Glasbehälters, und der Barsch richtet sofort als
+Zeichen der Beunruhigung die zweite Rückenflosse steil auf. Eine zweite
+und dritte stärkere Erschütterung -- und der nun vollends erschreckte
+Barsch erhebt sich vom Boden, richtet auch die übrigen Flossen auf,
+spreizt die Kiemendeckel und -- erbleicht plötzlich vor Furcht, so daß
+die Zebrastreifen scharf und deutlich hervortreten. »Drei Minuten lang
+verharrte er in dieser Stellung und schwamm dann fort, andauernd seine
+großen Augen rollend, als ob er nach Gefahr ausschaute.« Gleichzeitig
+mit dem Erbleichen wird eine besondere Verteidigungsstellung
+eingenommen, und dabei werden namentlich die scharfen Stacheln der
+Rückenflossen gespreizt, denn sie sind die natürlichen Abwehrwaffen des
+Barsches. Doch stehen sie nicht wie beim Stichling in besonderen
+Sperrgelenken, und deshalb gewähren sie auch nicht einen so weitgehenden
+Schutz, obschon die größeren Raubfische in der Regel nur bei besonderem
+Hunger sich an den stacheligen Gesellen machen. Der Hecht z. B. packt
+den sich nach Kräften Sträubenden mit einer gewissen Vorsicht am Maul
+und läßt ihn sich nun erst so weit abmatten, bis die dräuend erhobenen
+Stacheln von selbst herabsinken und so das Opfer verschlungen werden
+kann. Seinerseits ist aber auch der Barsch ein gar grimmer Räuber, der
+blindgierig auf alles losschnappt, was er halbwegs bewältigen zu können
+glaubt, und dabei nicht selten üble Erfahrungen machen muß. In der
+Jugend zwar begnügt er sich mit Gewürm und Schnecken, im Alter aber wird
+er zum fast ausschließlichen Fischfresser. Lauernd lugt er dann aus
+seinem Versteck, und wie ein Sperber stößt er urplötzlich hervor unter
+das harmlos spielende Proletenvolk der Weißfischchen, die erschreckt
+auseinander stieben, wohl gar aus dem Wasser hervorschnellen, aber von
+dem Raubritter in schnellen, ruckweisen Schwimmstößen so lange verfolgt
+werden, bis einer erhascht ist, falls dies nicht schon auf den ersten
+Anhieb geschah. Auch der Fischbrut und den kleineren Krebsen tut der
+Barsch viel Schaden. So las ich erst unlängst, daß ein nur 16 _cm_
+langer Barsch nicht weniger als 3 noch frische, weichhäutige Krebse von
+5 bis 7-1/2 _cm_ Länge im Magen hatte, der dadurch ganz unförmlich
+aufgetrieben war. Selbst an kleineren Sängern und Vögeln vergreift sich
+dieser gierige Räuber, wenn sich ihm Gelegenheit dazu bietet. Da er
+blind nach allem Genießbaren schnappt, bildet er die Freude des
+angehenden Anglers, dessen Unerfahrenheit er oft mit einem unverhofften
+und wegen seines wohlschmeckenden Fleisches hochwillkommenen Erfolge
+krönt, der allerdings nicht selten mit einer schmerzhaften Verletzung
+der Hand durch die spitzigen Rückenstacheln bezahlt werden muß. Das gilt
+freilich nur von jungen und unerfahrenen Barschen, denn die alten sind
+recht scheu und mißtrauisch, und der Angler darf sich solchen gegenüber
+keineswegs unvorsichtig benehmen. Wer irgendwelche Barscharten längere
+Zeit hindurch im Aquarium gepflegt hat, wird mir beipflichten, wenn ich
+mich erkühne, diese Fische geradezu als nervöse Geschöpfe zu bezeichnen.
+An Heißblütigkeit und Ungestüm des Temperaments geben sie ihrem
+würdigen Vertreter in der Vogelwelt, dem Sperber, sicherlich nicht das
+geringste nach. Ja, ihre Erregung vermag sich wie beim Vogel derart zu
+steigern, daß sie in krampfhafte Zustände verfallen oder gar plötzlich
+tot zu Boden sinken. Auch mancher Exotenzüchter vermag von dieser noch
+wenig bekannten und erforschten Eigenschaft der als kaltblütig
+verschrieenen Fische ein Lied zu singen. So sind Fälle bekannt, wo
+Makropoden aus Erregung über die Zerstörung ihres Schaumnestes sofort
+verendeten; der Pfauenaugenbarsch wechselt aus Angst oder Schreck alle
+Farben, oder verfällt in Starrkrampf, der Diamantbarsch geberdet sich im
+Ärger genau so sinnlos wie ein Habicht oder Sperber und sucht sich mit
+weit abstehenden Kiemen in den Sand einzubohren. Unser Fluß- oder
+Rohrbarsch, der gewöhnlich 35-40 _cm_ lang und 1 _kg_ schwer wird
+(kürzlich wurde bei Zürich ein Exemplar von 2-1/4 _kg_ Gewicht
+gefangen), bewohnt sowohl stehende wie fließende Gewässer, bevorzugt in
+diesen jedoch die langsam fließenden Stellen mit sandigem, mergeligem
+oder lehmigem Grunde und gibt immer einem möglichst klaren Wasser den
+Vorzug. Die Laichzeit fällt in die Frühlingsmonate, und zwar werden die
+mohnkorngroßen Eier in mehr als meterlangen, schlauchartigen Schnüren
+netzartig um allerlei feste Gegenstände im Wasser geschlungen. Das
+Weibchen kriecht bei der Laichabgabe förmlich wie eine Schnecke über die
+Unterlage und unterstützt durch scharfes Anpressen des Bauches, also
+durch eine Art Selbstmassage das Austreten der zwar kleinen, aber sehr
+klebrigen und spezifisch auffallend schweren Eier. Künstliche
+Besamungsversuche in der Biologischen Versuchsanstalt zu Wien haben
+gezeigt, daß es sich bei einer bisher rätselhaften Barschform aus dem
+Donaugebiet um Bastarde zwischen Rohr- und Kaulbarsch handelt, die
+demgemäß auch in freier Natur vorkommen. Diese Mischlinge sind im
+allgemeinen mehr kaulbarschähnlich, aber hochrückiger und seitlich
+stärker zusammengedrückt, während die Zebrabinden nur dann hervortreten,
+wenn der Rohrbarsch die Mutter war; sie sind träger, aber zählebiger und
+schnellwüchsiger als beide Stammarten.
+
+Größere wirtschaftliche Bedeutung als der Flußbarsch besitzt
+sein äußerst wohlschmeckender und dabei grätenarmer größerer
+Vetter, der _Zander_ oder _Schill_ (_Luciopérca sándra_), dessen
+wisschenschaftlicher Name »Hechtbarsch« vortrefflich gewählt erscheint,
+denn in der Tat vereinigt dieser Fisch äußerlich wie biologisch die
+Eigenarten beider Familien in sich. Mehr noch als der Flußbarsch ist er
+auf recht sauerstoffreiches Wasser angewiesen, worauf schon der ungemein
+zarte Bau seiner Kiemen hindeutet. So findet er sich besonders zahlreich
+in weiten, aber flachen Wasserbecken, die durch stürmische Winde ab und
+zu gründlich aufgewühlt und dadurch mit dem Sauerstoff der Luft
+gesättigt werden, wie dies z. B. beim Kurischen Haff der Fall ist, wo
+deshalb auch ein sehr lohnender Zanderfang noch heute betrieben wird,
+wenn auch die Zeiten, wo man die massenhaft erbeuteten wertvollen Zander
+lediglich zum Trankochen benutzte, dort längst vorüber sind. Ebenso ist
+der Zander als »Fogosch« ein Charakterfisch des Plattensees und bildet,
+auf dem Rost gebraten, eine beliebte ungarische Nationalspeise. Die so
+zahlreich in die Berliner Markthallen gelangenden Zander dagegen
+entstammen größtenteils dem Wolgagebiet, wo eine besondere Art, der
+_Berschik_ (_Luciopérca volgénsis_) auftritt, die neuerdings auch durch
+das Schwarze Meer ins Donaugebiet einzuwandern beginnt. Auch der Zander
+ist ein ausgesprochener, überaus freßgieriger Raubfisch, der aber seines
+engen Schlundes und Magens wegen doch nur kleinere Fische zu bewältigen
+vermag. Der Angler wird ihm gegenüber nur dann Erfolg haben, wenn er
+einen lebenden Köder verwendet und auf die große Furchtsamkeit und
+Leckerhaftigkeit dieses Fisches genügend Rücksicht nimmt. Dann aber
+bietet gerade das Zanderangeln viel Anregung und hohen sportlichen
+Genuß. Gleich dem Flußbarsch treibt sich der Zander gern in kleinen
+Trupps umher, und es ist merkwürdig, wie diese im Wasser oft förmlich
+exerzieren und wie auf Kommando gemeinsame Schwenkungen vollführen. Die
+ganz jungen Zander fressen außer tierischen Substanzen auch massenhaft
+schwebende Algen, und selbst die Alten scheinen Pflanzenkost nicht
+völlig zu verschmähen. Jedenfalls ist es auffallend, daß die in
+Zandermägen vorgefundenen Fische fast immer in allerlei Pflanzengrün
+eingehüllt sind, wobei es einstweilen dahingestellt bleiben muß, ob
+dieses etwa zur Beförderung der Verdauung mit verschluckt wurde. Von
+anderweitigen Angehörigen der Barschfamilie, die sich durch das
+Vorhandensein von zwei selbständigen, stacheligen Rückenflossen
+kennzeichnet, seien hier noch kurz erwähnt der schlank gebaute _Streber_
+(_Aspro stréber_), der bei uns gleich dem _Zingel_ (_Aspro zíngel_) auf
+das Donaugebiet beschränkt ist, und der bisher nur in fließendem Wasser
+gefundene _Schrätzer_ (_Acerína schráetser_). Alle diese Arten sind zu
+klein und treten zu vereinzelt auf, als daß sie wirtschaftliche
+Bedeutung gewinnen könnten, obschon ihr Fleisch recht gut mundet. Beim
+Zingel hat Kammerer interessanterweise einen ganz verwickelten Nestbau
+beobachtet, indem das Tier eine kreisförmige Grube im Sande auswirft, in
+der Grubenmitte mit der Schnauze Steine zusammenschiebt, und zwischen
+die Steine mühselig herbeigeholte Algenwatte einklemmt. Durch
+Hineinarbeiten und Drehen des Körpers gewann diese Algenmasse
+mützenförmige Gestalt, die durch quergesteckte Reiser klaffend erhalten
+wurde. Der Schrätzerlaich erscheint zwar ebenfalls wie beim Flußbarsch
+zu Schnüren angeordnet, aber die Eier liegen nicht in einem gemeinsamen
+Schlauch, sondern sind nur reihenweise dicht nebeneinander auf dem Boden
+festgeklebt. Dieser stachelige Fisch, der dem etwas Besseres erhoffenden
+Angler manche Enttäuschung bereitet und ihm beim Auslösen manchen
+blutigen Stich beibringt, gilt bei den Donaufischern als ein arger
+Schädling der Fischbrut, während Streber und Zingel, die man in kleinen
+Geschwadern ruckweise durchs Wasser schießen sieht, völlig harmlos sind
+und sich lediglich von Mückenlarven, Wasserasseln, Flohkrebsen und
+Erbsenmuscheln, namentlich aber von Würmern ernähren. Sie schaufeln
+diese förmlich aus dem Boden hervor und drehen sich von großen
+Exemplaren maulgerechte Stücke ab, indem sie sich wie die Molche hin und
+her werfen und um die eigene Achse wälzen. Neuerdings sind auch zwei
+nordamerikanische Barscharten ihrer Schnellwüchsigkeit halber mit Erfolg
+in Deutschland eingebürgert worden, der _Schwarzbarsch_ und der
+_Forellenbarsch_, die sich namentlich in kleinen Teichen mit festem
+Untergrunde recht gut entwickeln und hier die Rolle des Hechts vertreten
+können. Wichtiger aber als sie alle ist trotz seiner Kleinheit (er
+bringt es höchstens auf 1/2 _kg_ Körpergewicht) der _Kaulbarsch_
+(_Acerína cvernua_), ein gelbbrauner oder olivengrüner Bursche mit
+feinen Pünktchen, die das Volk in Süddeutschland für Läuse hält und
+deshalb den Fisch, der von jeher gern in den Klöstern verspeist wurde,
+»Pfaffenlaus« getauft hat. Noch furchtbarer als andere Barscharten ist
+diese mit Stacheln bewehrt, so daß die Fischer von ihr sagen, man dürfe
+sie nur mit blechernen Handschuhen anfassen, und kenntlich wird der
+gedrungen gebaute Kaulbarsch sofort daran, daß die beiden Rückenflossen
+nicht scharf getrennt sind, sondern ineinander übergehen. Er führt eine
+zigeunerartige und nomadenhafte Lebensweise, erscheint aber zu
+bestimmten Jahreszeiten in gewissen Gegenden in ganz fabelhafter Menge.
+Als ich vor einer Reihe von Jahren am Kurischen Haff wohnte, wurden dort
+nicht selten solche Unmengen von Kaulbarschen gefangen, daß man mit dem
+Überfluß bisweilen nichts anderes anzufangen wußte, als ihn als Dung auf
+die Felder zu fahren. Heute wird das wohl auch anders geworden sein,
+denn Kaulbarsch gibt die leckerste Fischsuppe, die sich nur denken läßt.
+In den langen und harten Wintern lernte ich damals dort auch eine ganz
+eigentümliche Fangweise kennen, die besonders dem Kaulbarsch galt. Wenn
+das weite Kurische Haff zugefroren war, schoben die Fischer mit Stangen
+nebeneinander 12-15 Stecknetze von je 30 bis 50 _m_ Länge und 1/2 bis
+3/4 _m_ Höhe unter das Eis und ließen sie eine Weile stehen, unter
+Umständen tagelang. Dann wurde in der Nähe eine lange, bis auf den Grund
+reichende Stange, die an einem Gestelle mehrere eiserne Ringe trug,
+durch das Eis gestoßen und mit ihr ein möglichst großer Lärm vollführt.
+Die Folge war, daß sich die Netze dicht mit Kaulbarschen füllten, die
+nach den Behauptungen der Fischer durch das erzeugte Geräusch angelockt,
+richtiger vielleicht dadurch zu sinnloser Flucht aufgescheucht wurden.
+
+Dies führt uns zu der interessanten und neuerdings viel erörterten
+Frage, ob überhaupt und bis zu welchem Grade Fische zu _hören_ vermögen.
+Um über diese vielumstrittene Frage ins klare zu kommen, soweit dies der
+heutige Stand der Wissenschaft erlaubt, ist es nötig, daß wir uns
+zunächst den Bau des _Gehörorgans_ der Fische vergegenwärtigen.
+Bekanntlich besitzen diese kein äußeres Ohr, und auch von den inneren
+Teilen fehlt ihnen die sogenannte Schnecke, der Träger des Cortischen
+Organs, das wir seit Helmholtz als den eigentlichen Sitz des Gehörsinnes
+kennen. Wohl ist das sogenannte Labyrinth vorhanden und in ihm ein
+großer und zwei kleine Gehörknöchelchen oder Otolithen, die von kalkiger
+Struktur sind und deutlich ein Jahreswachstum erkennen lassen, aber
+diese Gebilde haben mit dem eigentlichen Gehörvermögen nichts mehr zu
+tun, sondern unterrichten, eingebettet in eine gallertige Masse und in
+Zusammenhang stehend mit seinen, in Nervenzellen endigenden Härchen, den
+Fisch lediglich über seine Lage, dienen insbesondere auch zur Erhaltung
+des so nötigen Gleichgewichts, sind also ein ausgesprochen statisches
+Organ, weshalb man die Otolithen auch besser und richtiger _Statolithen_
+nennen sollte. Fische, die dieses Organs beraubt sind, verlieren das
+Gleichgewicht und das Orientierungsvermögen und schwimmen auf der Seite
+oder auf dem Rücken sinnlos im Kreise herum. Um es kurz
+zusammenzufassen: während das Ohr der höheren Wirbeltiere zugleich als
+statisches und als Gehörorgan dient, kann seinem ganzen anatomischen und
+histologischen Bau nach bei den Fischen ausschließlich nur die erstere
+Funktion in Betracht kommen. Die Fische können also wegen des Fehlens
+eines vermittelnden Organs nicht hören, d. h. sie sind für
+Schallwirkungen an sich unempfänglich. Dem wird freilich der in der
+Praxis geschulte Fischer mit überlegenem Lächeln entgegenhalten, daß die
+meisten Fische doch sehr wohl auf starke Geräusche reagieren, der
+Tierfreund wird uns erzählen, daß er bei diesem oder jenem alten
+Klosterteiche gesehen habe, wie die fetten Mooskarpfen auf ein gegebenes
+Glockenzeichen, an das sie seit vielen Jahren gewöhnt seien, zur
+Fütterung herbeigeschwommen kamen, der Weltreisende wird uns versichern,
+daß das in Japan jedes Kind wisse, weil man in den Gartenteichen die
+Goldfische durch Pfeifen oder Glockensignale zur Fütterung herbeirufe.
+Auch der erfahrene Aquarienliebhaber wird uns mit bedenklicher Miene
+darauf aufmerksam machen, daß die trommelnden Laute der Guramis doch
+offenbar die Rolle eines geschlechtlichen Reizmittels spielten und
+demnach auch von dem anderen Teile vernommen werden müßten, wenn sie
+überhaupt einen Zweck haben sollten. Das ist alles ganz richtig, und
+doch liegen überall Trugschlüsse vor. Die hungrigen Karpfen hören nicht
+das Glockenläuten, wohl aber empfinden sie die durch die Schritte des
+nahenden Futterspenders der Erde mitgeteilte und sich im Wasser
+fortpflanzende Erschütterung, sehen und kennen vielleicht sogar die
+Gestalt ihres Wohltäters. Wartet dieser aber erst ruhig ein Stündchen
+und stellt er sich dann so auf, daß er beim Glockenläuten nicht gesehen
+werden kann, so kann er noch so lange und noch so schön bimmeln, keiner
+der faulen Karpfen wird sich die Mühe nehmen, lediglich des Glockentones
+wegen herbeizuschwimmen. Besonders bezeichnend ist es, daß Fische auf
+schwache Geräusche außerhalb des Wassers niemals achten, daß sie aber
+erschreckt zusammenfahren, wenn man unmittelbar neben einem Tümpel einen
+Gewehrschuß abfeuert oder wenn man über dem Aquarium stark in die Hände
+klatscht. Daraus dürfen wir ruhig schließen, daß sie nur für solche Töne
+sich empfänglich zeigen, die stark genug sind, um sich im Wasser als
+Erschütterungswellen fortzupflanzen, und damit haben wir zugleich des
+Rätsels Lösung. Nicht die Schallwellen sind es, die der Fisch wahrnimmt,
+sondern die durch sie im Wasser erzeugten Erschütterungswellen, und
+nicht oder doch nicht ausschließlich mit dem Ohre nimmt er sie auf,
+sondern mit seiner gesamten Körperoberfläche, in erster Linie mit der
+sogenannten _Seitenlinie_, diesem noch so geheimnisvollen sechsten
+Sinn. Wir dürfen also diese Art der Wahrnehmung nicht als Gehörsinn
+bezeichnen, sondern könnten sie etwa Erzitterungs- oder
+Erschütterungssinn nennen. Gewiß werden die umworbenen Weibchen
+bestimmter Fischarten die balzenden Knurr- oder Trommeltöne ihrer
+Verehrer zu würdigen wissen, aber mitgeteilt werden sie ihrem verliebten
+Hirn nicht durch das lediglich als statisches Organ dienende Ohr,
+sondern durch die hochempfindlichen Sinnesbecher, die durch die Löcher
+der Seitenlinie mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Im Wasser selbst
+und bei ganz kurzer Entfernung, wie sie ja in allen solchen Fällen
+allein in Betracht kommt, brauchen die Töne natürlich durchaus nicht
+sonderlich laut zu sein, um verstanden zu werden. Nun gibt es allerdings
+bekanntlich keine Regel ohne Ausnahme, und so will es in der Tat fast
+scheinen, als ob doch einige wenige Fische den Anfang zu einem echten
+Hörvermögen besäßen und wenigstens für ganz bestimmte Töne einigermaßen
+empfänglich wären. So hat Maier von dem nordamerikanischen Zwergwels
+neuerdings in einer anscheinend einwandfreien Weise festgestellt, daß er
+recht lebhaft auf Pfiffe reagierte. Seine Versuche sind von zuständiger
+Seite nachgeprüft und bestätigt worden. Und was dem Zwergwels recht ist,
+das sollte auch unserem Weller billig sein. Vielleicht haben wir also in
+der Gruppe der Welse den Beginn des Gehörvermögens bei den Fischen zu
+suchen. Immerhin könnten bei dieser höchst auffallenden Beobachtung doch
+Fehlerquellen mit unterlaufen sein, und völlige Gewißheit werden wir
+über sie erst dann gewinnen, wenn das Gehörvermögen der Welse mit
+Seziermesser und Mikroskop eingehend untersucht sein wird, was meines
+Wissens bisher noch nicht geschehen ist. Im Einklang mit den
+vorausgehenden Ausführungen stehen dagegen die Untersuchungen, die
+Edinger über das Fischhirn gemacht hat, und aus denen wir wissen, daß
+bei diesen Tieren das sogenannte Neenkephalon höchstens andeutungsweise
+zur Entwicklung gelangen kann, während sie im übrigen auf das lediglich
+Reflexe ermöglichende Paläenkephalon angewiesen sind. Sodann wollen wir
+nicht vergessen, daß ein Hören von außerhalb des Wassers verursachten
+Geräuschen für die Fische eigentlich wenig Sinn und Zweck hätte, und daß
+die schaffende Natur überflüssige Einrichtungen nicht liebt, sondern
+sich in weiser Sparsamkeit auf das Notwendige beschränkt, dieses aber
+dafür um so vollkommener auszubilden sucht.
+
+Es dürfte angebracht sein, bei dieser Gelegenheit auch noch der schon
+erwähnten _Seitenlinie_ der Fische einige Worte zu widmen. Daß sie ein
+Sinnesorgan ist und ihrem ganzen Bau nach nichts anderes sein kann,
+wissen wir, aber über die Art und Weise ihrer Wirksamkeit können wir uns
+eigentlich nur mehr oder minder gut begründeten Mutmaßungen hingeben.
+Schon Leydig erkannte 1851 die Seitenlinie als Sitz eines sechsten
+Sinnes, aber erst durch Hofers eingehende Untersuchungen sind wir über
+dessen Funktion einigermaßen klar geworden. Bald glaubte man, daß die
+Seitenlinie dem Fischkörper die Wellenbewegungen des Wassers mitteile,
+bald sollte sie ihm den Wasserdruck angeben oder ihn über die jeweilige
+Höhe und Tiefe orientieren, bald sah man in ihr ein Gleichgewichtsorgan,
+bald einen Wahrnehmungsapparat für leichte Erschütterungen, bald
+einen Regulator für die Gasproduktion, und sogar mit dem
+Fortpflanzungsgeschäft hat man sie in Beziehungen bringen wollen.
+Jedenfalls ist sie kein eigentlicher _Gefühls-_ oder Tastsinn, der beim
+Fische vielmehr durch die ganze Hautoberfläche und insbesondere durch
+die wulstigen Lippen sowie die oft vorhandenen Bartfäden oder sonstige
+Anhängsel vermittelt wird, übrigens in sehr verschieden hohem Grade
+ausgebildet ist. Soviel scheint jedoch festzustehen, daß die Fische eine
+auffallend geringe Schmerzempfindung besitzen, was ja auch mit den beim
+Angelsport gemachten Erfahrungen übereinstimmt, indem oft ein eben erst
+auf das empfindlichste durch den Angelhaken verletzter Fisch sofort
+wieder anbeißt, als ob nichts geschehen wäre. Die von tierschützerischer
+Seite so oft gegen das Angeln erhobenen Vorwürfe entbehren daher der
+physiologischen Begründung. Am wahrscheinlichsten und teilweise auch
+schon auf experimentellem Wege erwiesen ist es wohl, daß der Seitenlinie
+die Aufgabe zufällt, den Fisch über die jeweiligen Strömungen des
+Wassers und damit indirekt auch über seinem Weg entgegenstehende
+Hindernisse zu unterrichten. Diese Aufgabe ist wichtig genug, denn ohne
+ein derartiges Organ würde namentlich der in dunkler Tiefe lebende Fisch
+sich überhaupt nicht zurechtfinden können (deshalb ist auch die
+Seitenlinie bei Tiefseefischen besonders gut entwickelt), der
+Süßwasserfisch würde unweigerlich ins Meer geschwemmt werden, weil er
+sich nicht über die Strömung unterrichten könnte, er vermöchte auch
+nicht die einmündenden Bäche und Flüsse aufzufinden, auf seinen
+Wanderungen nicht die zu überwindenden Hindernisse wahrzunehmen und
+abzuschätzen. Gewöhnlich verläuft die Seitenlinie unter der
+Hautoberfläche und steht nur durch die durchbohrten Schuppen mit der
+Außenwelt in Verbindung, bisweilen (so bei den Seekatzen) liegt sie aber
+auch frei in einem häutigen, tief eingesenkten Kanal. Die
+knospenförmigen, eigentlichen Sinneszellen in ihr wechseln mit stark
+entwickelten Schleimzellen ab, weshalb man vor dem Auftreten Leydigs die
+ganze Anlage lediglich für ein Schleim absonderndes Organ hielt. Meist
+ist die Seitenlinie schon äußerlich gut zu erkennen, und zwar verläuft
+sie in der Regel in gerader oder sanft geschwungener Linie von den
+Kiemen über die ganze Körperseite bis zur Schwanzflosse. Indessen
+erleidet diese Regel viele Ausnahmen, und in solchen Fällen gibt
+die abweichende Gestaltung der Seitenlinie oft ein gutes
+Unterscheidungsmerkmal für nahestehende Arten ab. So ist das Organ nicht
+selten nur teilweise ausgebildet, wie z. B. beim _Moderlieschen_
+(_Leucáspius delineátus_), das von allen ähnlichen Fischchen sich sofort
+dadurch unterscheidet, daß die Seitenlinie schon dicht hinter dem Kopfe
+endigt.
+
+ [Illustration: Moderlieschen. (Nach einer Naturaufnahme von Dr. E.
+ Bade.) (Aus: Bade, Die mitteleuropäischen Süßwasserfische.)]
+
+Das gestreckt gebaute, aber in der Gestalt sehr wandelbare niedliche
+Tierchen mit dem steil nach oben gerichteten Mäulchen, der tief
+ausgeschnittenen Schwanzflosse, den großen Augen und den stark
+silberglänzenden Seiten, über dessen Verbreitungsbezirk wir noch
+keineswegs hinreichend unterrichtet sind, das aber im Osten entschieden
+häufiger ist, als im Westen, gehört zu unseren anspruchslosesten
+Fischen. Es findet sich nicht nur in Flüssen aller Art, sondern gar
+nicht selten in Torfausschachtungen und lehmigen Heidetümpeln.
+Interessant ist die Brutpflege des Moderlieschens. Das Männchen bewacht
+und verteidigt nämlich eifrig den Laich, der vom Weibchen
+manschettenförmig um die Stengel des Froschlöffels herumgelegt wird.
+Zugleich bemüht sich das wackere Männchen auch, die Eier dadurch vor
+Verpilzung zu schützen, daß es durch fortwährende Schwanzschläge den sie
+tragenden Pflanzenstengel in Bewegung erhält. Einen ganz eigenartigen,
+in unserer Fischwelt einzig dastehenden Verlauf nimmt die Seitenlinie
+bei dem durch stark zusammengedrückten Leibesbau, hervorgewölbten Bauch
+und lebhaften Silberglanz ausgezeichneten _Sichling_ (_Pélecus
+cultrátus_), auch Messerkarpfen, Zicke und Dünnbauch genannt. Sie biegt
+bei ihm gleich am Kopfe in flachem Bogen nach unten, geht dann fast
+senkrecht bis nahe zur Bauchkante, schwingt sich von hier in mäßigem
+Bogen bis zum unteren Körperdrittel empor, senkt sich hierauf zwischen
+Bauch- und Afterflosse wieder nach unten und steigt zuletzt in flachem
+Bogen aufwärts, um am Schwanz in der Körpermitte zu endigen. Dieser
+Fisch hat auch sonst mancherlei Merkwürdiges an sich. So ist schon seine
+Verbreitung auffallend genug, denn er findet sich einerseits in der
+Ostsee mit allen ihren Verzweigungen und Zuflüssen und andrerseits
+ebenso im Gebiete des Schwarzen Meeres, ohne doch irgendwo sonderlich
+häufig zu sein. Ja, im Donaugebiet erscheint er nach der Meinung der
+Fischer nur alle sieben Jahre, weshalb sie ihn als Unglücksfisch und
+Pestbringer betrachten, ähnlich wie die Vogelkundigen früherer Zeiten
+den Seidenschwanz. Von seiner Lebensweise wissen wir eigentlich nicht
+viel mehr, als daß er ein gesellig lebender Oberflächenfisch ist und
+zwischen Salz-, Brack- und Süßwasser kaum irgendwelchen Unterschied
+macht, sondern sich allenthalben gleich wohl zu fühlen scheint. Obgleich
+man ihm hier und da (so im Kurischen Haff) mit Netzen nachstellt und er
+immerhin bis zu 1 _kg_ schwer wird, hat er doch kaum irgendwelche
+wirtschaftliche Bedeutung, da er nirgends in Massen auftritt und
+überdies sein weichliches Fleisch sehr grätig ist.
+
+Es dürfte angezeigt sein, im Anschluß an die Betrachtung der Seitenlinie
+gleich auch noch den sonstigen Sinnesfähigkeiten der Fische einige Worte
+zu widmen. Über Geschmacks- und _Geruchssinn_ war man insofern lange im
+Unklaren, als man beide nicht recht auseinanderzuhalten vermochte. Lange
+Zeit hat man fast allgemein geglaubt, daß die Fische überhaupt nicht zu
+wittern vermögen, sondern daß bei ihnen der Geruch durch den stark
+entwickelten Geschmack ersetzt werde, obschon das Witterungsvermögen
+nicht von vornherein ausgeschlossen schien, da ja Gase bekanntlich auch
+im Wasser löslich sind und die meisten Fische paarige Nasenlöcher haben
+(nur das tiefstehende Lanzettfischchen und die Rundmäuler haben ein
+einziges Nasenloch), die mit einer strahlenförmig gefalteten und durch
+besondere Nerven mit dem Gehirn verbundenen Schleimhaut ausgekleidet
+sind. Bei den Haien und Rochen liegen diese Geruchsorgane
+merkwürdigerweise auf der Unterseite des Kopfes. Zur vorderen Öffnung
+strömt das Wasser herein, zur hinteren heraus, nachdem es mit den in der
+Schleimhaut enthaltenen Sinneszellen in Berührung gekommen ist, und es
+liegt auf der Hand, daß diese Strömung beim schwimmenden Fisch ungleich
+lebhafter sein muß, als beim ruhenden, daß demgemäß jener auch weit
+besser wittert, falls er dazu überhaupt imstande ist. Und dies ist nach
+den Untersuchungen des amerikanischen Zoologen Parker am Katzenwels wohl
+unzweifelhaft der Fall. Hängte der Genannte undurchsichtige
+Leinwandbeutel ins Aquarium, die teils leer, teils mit zerschnittenen
+Regenwürmern gefüllt waren, so kamen die Fische schon aus ziemlicher
+Entfernung auf letztere zugeschwommen, während erstere völlig unbeachtet
+blieben. Wurde dann auf experimentellem Wege das Geruchsorgan
+ausgeschaltet, so fanden auch die gefüllten Beutelchen keine Beachtung
+mehr. Der Einwand, daß dieses Geruchsvermögen vielleicht nur auf den
+Katzenwels oder auf die ja überhaupt manche Besonderheiten aufweisende
+Gruppe der Welse beschränkt sei, ist auch schon zum Teil hinfällig
+geworden, indem man bei Zahnkarpfen und anderen Fischen ganz dieselben
+Versuche mit dem gleichen Erfolge wiederholt hat. Im Einklange damit
+stehen ja auch die praktischen Erfahrungen der Seeleute, die
+übereinstimmend versichern, daß Haie ins Wasser geworfene Fleischbrocken
+auf große Entfernung hin zu wittern vermögen. Natürlich wird der
+Geruchssinn bei den einzelnen Fischgruppen in sehr verschieden hohem
+Maße entwickelt sein, worüber nähere Untersuchungen noch ausstehen, und
+das gleiche gilt auch von dem _Geschmackssinn_. Raubfische, die ihre
+Beute unzerkleinert verschlingen, werden einen weit geringeren
+Geschmackssinn haben als pflanzenfressende Fische, die ihre Nahrung
+ordentlich kauen. Wir können ja an jedem fressenden Karpfen sehen, wie
+er ihm nicht Zusagendes sofort wieder ausspuckt. Bei diesen Fischen ist
+der Geschmack anscheinend in einem am Gaumen sitzenden Paket von
+Sinneszellen konzentriert, während die harte und gewöhnlich mit Zähnen
+besetzte Zunge sich nur wenig zum Träger von Geschmacksempfindungen
+eignet. Wohl aber finden wir recht empfindliche Geschmackszellen an den
+wulstigen Lippen, an den Barteln und sonstigen Anhängseln, ja an
+Flossenstrahlen und überhaupt am ganzen Körper, namentlich auch an
+dessen Seiten. So erklärt es sich auch, daß ein Fisch begierig auch dann
+nach dem Köder schnappt, wenn dieser nicht seinen Mund, sondern nur
+seine seitliche Körperfläche berührt. Interessant ist es ferner, daß
+Maulbrüter, denen ihr Pfleger einmal einen ihnen unbekannten Wurm
+verfüttern wollte, zunächst freßlustig darauf zuschwammen, aber in 2
+_cm_ Entfernung blitzschnell umdrehten und dem Bissen mit allen Zeichen
+des Abscheus den Rücken kehrten, ohne daß genau festgestellt werden
+konnte, ob hier der Geruch- oder der Geschmacksinn der maßgebende Faktor
+war. Andere Versuche haben gezeigt, daß Fische gegen salzige, süße oder
+saure Flüssigkeiten sehr deutlich mit der gesamten Körperfläche
+reagierten.
+
+Das mehr ellipsoid wie kugelig gestaltete _Fischauge_ ist in hohem Grade
+kurzsichtig und etwa auf eine Entfernung von nur 1 _m_ eingestellt.
+Durch die Akkommodation vermittels »Sichelfortsatz« und »Glöckchen« kann
+aber die Linse derart verschoben werden, daß der Fisch noch auf
+Entfernungen von 10-12 _m_ einigermaßen deutlich zu sehen vermag. Eine
+noch weitergehende Fernsichtigkeit aber hätte für ihn keinen Zweck, da
+ja auch das klarste und reinste Wasser durch treibende Organismen und
+Stoffe immer derart getrübt ist, daß ein Sehen über 15 _m_ hinaus
+überhaupt kaum möglich ist. Alles über einen solchen Umkreis
+Hinausreichende wird also dem Fisch wie in tiefe Dunkelheit gehüllt
+erscheinen. Dagegen ist nicht einzusehen, warum es dem nahe der
+Oberfläche schwimmenden Fisch nicht möglich sein sollte, auch einen
+Blick in die Welt jenseits der Wasserfläche zu werfen, obschon diese
+Möglichkeit von guten Fischkennern oft bestritten worden ist. Freilich
+wird diese Welt sich im Fischauge in einer uns recht ungewohnt und
+seltsam anmutenden Weise widerspiegeln. Sehr hinderlich beim Sehen vom
+Wasser in die Luft ist nämlich der Umstand, daß jeder Lichtstrahl, der
+den Wasserspiegel in einem Winkel von mehr als etwa 48-1/2° trifft,
+nicht in die Luft übergehen kann, sondern ins Wasser zurückgeworfen,
+also »total reflektiert« wird. Infolgedessen wird der Fisch immer nur
+einen beschränkten, kreisförmigen Ausschnitt aus der Luftwelt
+überblicken können, dessen Grundfläche der eines Kegels von zweimal 48°
+entspricht und an Größe zu-, aber an Deutlichkeit abnimmt mit der Tiefe,
+in der sich das Fischauge befindet. Wood hat in sehr sinnreicher Weise
+auf photographischem Wege zu zeigen versucht, wie sich so wohl die Welt
+in einem Fischauge gestalten mag, wobei natürlich immer eine ruhige und
+spiegelglatte Wasserfläche vorausgesetzt wird, da schon eine geringe
+Wellenkräuselung die entstandenen Bilder bis zur Unkenntlichkeit zu
+verzerren vermag. So erhielt Wood mit seiner »Wasserkamera« an der
+Kreuzung von 3 Straßen, die sich in rechtem Winkel trafen, eine Ansicht
+längs jeder der drei Straßen, und gleichzeitig hatten sich der Boden und
+der Himmel vom Horizont bis zum Zenith abgebildet. In einem Zimmer wurde
+ein Bild gewonnen, auf dem drei Wände, die ganze Decke und der Fußboden
+sichtbar waren. Eine gerade Reihe von neun Männern auf einem geraden
+Gartenweg erschien im Halbkreis gebogen. Solche wunderbare Bilder von
+der Außenwelt muß also in ruhigem und klarem Wasser auch das Fischauge
+auf seiner Netzhaut empfangen. Im allgemeinen dürfen wir wohl annehmen,
+daß der Fisch von der Oberwelt den Eindruck hat, als ob die ganze
+Wasserfläche oben mit einem undurchsichtigen Dach verdeckt wäre, in das
+ein rundes Fenster eingeschnitten ist. Auch werden ihm die einzelnen
+Gegenstände stets etwas höher erscheinen, ein auf dem Erdboden gehender
+Mensch also etwa so, als ob er in der Luft schwebte. Es gibt sogar eine
+Zahnkarpfenart (_Anableps tetrophthálmus_), die es zu richtigen
+Doppelaugen gebracht hat, indem Hornhaut und Sehlöcher durch Zweiteilung
+je ein Luft- und ein Wasserauge entwickelten. Der Fisch schwimmt
+unmittelbar an der Oberfläche so, daß die Luftaugen aus dem Wasser
+heraussehen und ihrer Aufgabe ebensogut gerecht werden können, wie die
+tiefer liegenden Wasseraugen im feuchten Elemente selbst.
+
+ [Illustration: Bitterling mit Malermuschel. (Nach einer Zeichnung
+ von R. Oeffinger.)]
+
+Besonders gut entwickelte Augen gehen in der Regel parallel mit wenig
+entwickelten Tastorganen oder Seitenlinien, so daß wir bei den Fischen
+ähnlich unterscheiden können wie bei den Säugern, wo wir mit einer
+gewissen Berechtigung von Augen- und Nasentieren sprechen. Solche
+Fische, die in größeren Tiefen leben, in denen nur mattes
+Dämmerungslicht herrscht, haben oft ganz riesenhaft entwickelte Augen,
+um die wenigen sich nach dort verirrenden Lichtstrahlen sicher auffangen
+zu können. Dies ist auch die Region, in der man Fische mit Teleskop-
+oder beweglichen Stielaugen antrifft, und überhaupt hat gerade hier die
+Natur ihre ganze Erfindungsgabe und Schöpferkraft aufgeboten, um auch
+unter den ungünstigsten Bedingungen noch ein gewisses Sehen zu
+verschaffen, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. So haben gewisse
+Teleskopfische in dem über den Kopf hervorragenden Abschnitt der
+Augenröhre ein Fenster in der Farbstoffschicht, das die Rolle eines
+»Spion«-Spiegels spielt und das Gesichtsfeld des Tieres nicht
+unwesentlich erweitert. Noch raffinierter ist die Art und Weise, wie bei
+manchen Tiefseefischen Leuchtorgane und Augen zusammenwirken. So wirft
+bei der Gattung _Argyropélecus_ ein neben dem Teleskopauge sitzendes
+Leuchtorgan sein Licht unmittelbar ins Auge hinein, während es nach
+außen durch eine Farbstoffschicht abgeblendet ist. In noch größerer
+Tiefe, wo ewige Dunkelheit herrscht, werden die Augen schließlich
+überflüssig und verkümmern deshalb mehr und mehr. Ähnliche Verhältnisse
+treffen wir bei den Höhlenfischen an, und wir können sie in geringerem
+Maße auch künstlich erzielen, wenn wir Fische jahrelang im Dunkeln
+halten. Ebenso haben Fischlarven oft nur rudimentäre Augen. Viel
+umstritten worden ist auch die Frage, ob die Fische farbenempfindlich
+sind oder nicht. Heß ist bei seinen Untersuchungen mit dem Spektrum zu
+der Überzeugung gelangt, daß die Fische vollständig _farbenblind_ sind,
+daß sie also nicht verschiedene Farben, sondern lediglich verschiedene
+Helligkeitsgrade ein und derselben grauen Grundfarbe zu unterscheiden
+vermögen. Wenn sich das bewahrheiten würde, wäre es auch für die
+Fischerei von der größten Bedeutung. Aber wie so oft, steht auch hier
+wieder einmal die praktische Erfahrung den Ergebnissen des
+Laboratoriumsversuches schnurstracks entgegen. Obwohl die Versuche des
+berühmten Würzburger Ophtalmologen selbstverständlich in einer
+Fehlerquellen nach menschlichem Ermessen ausschließenden Weise
+ausgeführt sind, vermag ich mich mit dem Ergebnis doch nicht zu
+befreunden, da es feststeht, daß beim Angeln mit der künstlichen Fliege
+deren Färbung eine recht wesentliche Rolle spielt, und da sonst auch
+das prächtig schimmernde Hochzeitskleid so vieler Fischarten, das doch
+ersichtlich einen erregenden Reiz auf die Weibchen ausübt, gar keinen
+Sinn und Zweck hätte. Und die Geschichte der Zoologie hat ja schon recht
+häufig gezeigt, daß solche praktische Erfahrungen sich als zuverlässiger
+erwiesen haben als das gekünstelte Experiment und früher oder später
+auch in einer wissenschaftlich einwandfreien Weise begründet werden
+konnten. Jedenfalls möchte ich keinem Sportangler raten, nun auf Grund
+der Heßschen Untersuchungen etwa sein Petriheil lediglich mit hell- oder
+dunkelgrauen Kunstfliegen versuchen zu wollen, obschon solche Fangarten
+wissenschaftlich recht interessant wären. Auch ist der Heßschen
+Hypothese gegenüber zu bedenken, daß ja dann die so überraschenden und
+zahlreichen Fälle von Farbanpassung bei den Fischen jeder Erklärung
+entbehren würden, und daß bei anderen Versuchen z. B. Raubfische sehr
+wohl zu unterscheiden verstanden, wenn man ihre Beutetiere in
+verschiedener Weise färbte. Mir scheint aus den Spektrumsversuchen
+lediglich hervorzugehen, daß die verwendeten Fische sich am liebsten in
+den am besten belichteten Wasserschichten aufhalten, nicht aber, daß sie
+gänzlich farbenblind sind.
+
+ [Illustration: Der Stichling und sein Nest. (Nach der Natur
+ gezeichnet von R. Oeffinger.)]
+
+Daß, wie eben erwähnt wurde, manche Fische zur Laichzeit ein
+farbenschimmerndes _Hochzeitskleid_ anlegen, wird uns nicht weiter in
+Erstaunen setzen, nachdem wir bereits am Rohrbarsch gesehen haben, wie
+stark seelische Erregung die Färbung der Fische zu beeinflussen vermag,
+und nachdem wir wissen, daß die Allgewalt der Liebe auch bei den
+kaltblütigen Fischen nichts von ihrer Macht eingebüßt hat, sie vielmehr
+zu gewissen Zeiten mit einer so rückhaltlosen Leidenschaft beherrscht,
+daß ihr gegenüber selbst die Forderungen des ewig heißhungrigen Magens
+wochenlang völlig in den Hintergrund treten. Es ist nicht poetische
+Übertreibung, sondern es ist nackte Wahrheit, wenn man sagt: die Fische
+erglühen während der Fortpflanzungsperiode unter dem heißen Hauch der
+Liebe. Ein prächtiges Beispiel dafür bietet unser kleinster
+Karpfenfisch, der nur 6-7 _cm_ (in der Nahe fand Geysenheimer eine
+Riesenform von 10 _cm_ Länge) lang werdende, flinke und anmutige, ewig
+spiel- und necklustige _Bitterling_ (_Rhodéus amárus_) oder
+Schneiderkarpfen, der den Namen nach seinem bitteren und ungenießbaren
+Fleische hat. Außerhalb der Laichzeit weicht das zierliche Fischlein,
+das sich am liebsten scharenweise in toten, üppig bewachsenen Flußarmen
+aufhält und hier schlecht und recht von Gewürm und Pflanzenkost allerlei
+Art ernährt, nicht sonderlich von der üblichen Färbung anderer
+Kleinfische ab: blaugrün auf dem Rücken, silberglänzend an den Seiten,
+ein tiefgrüner Streif von der Körpermitte bis zur Schwanzwurzel. Aber
+mit Beginn der Laichzeit erstrahlt das sich dann sehr aufgeregt
+geberdende Männchen, das dann auch einen eigenartigen kreideweißen
+Warzenwulst an der Oberlippe bekommt, in herrlich schimmernden
+Regenbogenfarben. Prachtvoll smaragdgrün schillert dann der Streifen,
+glühend orangerot die Bauchseite, wunderbar stahlblau und violett der
+Rücken, während schwarze Säume das prächtige Rot der After- und
+Rückenflosse noch schärfer hervorheben, so daß das Tierchen in seiner
+feurigen Farbenglut der schönsten Goldfische und der buntesten Exoten
+spotten kann. Namentlich in Augenblicken geschlechtlicher Erregung
+scheint es förmlich aufzuleuchten, während unmittelbar nach der
+Milchabgabe die schönen Farben wieder für einige Zeit verblassen. Das
+Weibchen behält zwar seine schlichte Färbung bei, entwickelt aber dafür
+am After eine mehrere Zentimeter lange Legeröhre von rotgelber Färbung,
+die trotz ihrer Auffälligkeit erst 1857 durch Krauß beschrieben wurde,
+während ihre Bedeutung und Funktion erst 1869 durch Noll richtig erkannt
+wurde. Der Bitterling lebt nämlich in einer hochinteressanten
+Symbiose[1] mit der Malermuschel und benötigt die Legeröhre dazu, seine
+gelblichen Eierchen durch deren Ausfuhröffnung in das Innere der Muschel
+einzuführen, worauf dann das vor Erregung zitternd im Wasser stehende
+Männchen seine Milch über dem Atemschlitz der Muschel ergießt. Da die
+Samenfäden eine starke Eigenbewegung besitzen, werden sie nicht wie
+Nahrungspartikelchen zum Munde der Muschel fortgestrudelt, sondern
+bohren sich zwischen ihren Flimmerhärchen hindurch, bis sie in den
+inneren Kiemenfächern mit den inzwischen gleichfalls dorthin gelangten
+Eiern zusammentreffen, um sie hier zu befruchten. Hat ein
+Bitterlingspärchen erst einmal eine geeignete Muschel ausfindig gemacht,
+so sucht es sie wiederholt heim, um ihr seine Liebesbürde anzuvertrauen,
+da das Weibchen jedesmal nur 1-2 Eier austreten läßt, wobei sich die
+Legeröhre gewaltig steift, um gleich danach wieder zusammenzufallen und
+am Schluß der Laichperiode gänzlich einzuschrumpfen. Die Fischchen sind
+in ihrem Fortpflanzungsgeschäft gänzlich auf die Muschel angewiesen,
+denn die Jungen entschlüpfen den Eiern in einem so unreifen Zustande,
+daß sie außerhalb der schützenden und stets einen frischen Wasserstrom
+unterhaltenden Kiemen gar nicht zu leben vermöchten. Sie nähren sich
+aber nicht etwa von den Körpersäften ihres Wirtstieres, sondern sind
+vielmehr lediglich Raumparasiten, die der Muschel weiter keinen Schaden
+zufügen. Trotzdem mögen die ungebetenen Gäste dieser unbequem genug
+sein, und sie versucht auch, sich ihrer durch krampfhafte Bewegungen zu
+entledigen, was aber in der Regel nur großen und alten Muscheln gelingt.
+Erschwert wird das noch dadurch, daß sich bei den Jungfischen hinter dem
+Kopfe ein Querwulst mit zwei kegelförmigen Fortsätzen entwickelt, der es
+ihnen erlaubt, sich in der Kiemenkammer sehr solid zu verankern.
+Übrigens sind die Fischchen schon nach 14 Tagen so weit, durch den
+Kloakensipho ihrer Stiefmutter in ihr eigentliches Element auswandern zu
+können. Und die Muschel vergilt später Gleiches mit Gleichem. Die von
+ihr ausgestoßenen Larven sinken nämlich zu Boden, lassen aber ihren
+langen klebrigen Byssusfaden nach oben spielen, bis sich Gelegenheit
+bietet, ihn einem vorüberschwimmenden Fisch anzuheften (und das ist
+meist wieder ein Bitterling), worauf die Jungmuschel ihre mit Haken
+versehene Schale in die Haut des Fisches einschlägt. Dies gibt zu einer
+starken Wucherung Veranlassung, innerhalb derer die Muschellarve
+gemächlich und sicher 2-10 Wochen lang von den Säften des Fisches lebt,
+um erst als ausgebildete, wenn auch kaum größer gewordene Muschel die
+gastliche Stätte zu verlassen. Wahrlich, eine der wechselvollsten und
+anziehendsten Symbiosen, die die einheimische Natur uns zu bieten vermag
+und deren Beobachtung im Aquarium viel Freude bereitet.
+
+ [1] So nennt man das engere »Zusammenleben« von Lebewesen
+ verschiedener Art, die einander wechselseitig nützen.
+
+Mit dem Bitterling wetteifert der _Stichling_ (_Gasterósteus aculeátus_)
+in der Farbenpracht des Hochzeitskleides, und auch bei ihm kommt ein
+eigenartiger und hochinteressanter Brutverlauf hinzu. Die gewöhnliche
+Farbe ist olivgrünlich auf der Ober- und silberweiß auf der Unterseite.
+Aber zur Laichzeit im Frühjahr wird das Männchen zu einem wahren
+Prachtkerl, der mit den schönsten Exoten erfolgreich zu wetteifern
+vermag. Vom satten Schiefergrau über Grün zum tiefsten Blau erstrahlt
+sein Rücken, während die Bauchseite wie mit Blut übergossen aussieht und
+das Auge im feurigsten Smaragdgrün schimmert. Mehr noch als bei Barsch
+und Bitterling wirkt die jeweilige Erregung fördernd auf diese
+Farbenpracht ein, die geradezu als ein Gradmesser für den Seelenzustand
+des Fischchens angesehen werden kann. Namentlich bei Zorn und Kampflust
+leuchtet das Tierchen auf im feurigsten Rot und erscheint in solchen
+Augenblicken wie mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Denn unser
+Stechbüttel, wie er vom Volke gewöhnlich genannt wird, ist ein gar
+zornmütiger Gesell, dessen Raufsucht aller Beschreibung spottet. Die
+metallisch glänzenden Stacheln, von denen er drei auf dem Rücken und je
+einen an jeder Bauchseite trägt, bewähren sich selbst weit überlegenen
+Feinden gegenüber als eine gefährliche Waffe, und das Fischchen ist sich
+ihrer Furchtbarkeit auch wohl bewußt, scheut deshalb so leicht keinen
+Gegner, sondern greift jeden, namentlich zur Paarungszeit, mit wahrer
+Berserkerwut und bewundernswerter Tapferkeit an, wobei ihm seine große
+Schwimmgewandtheit auch nicht wenig zustatten kommt. Selbst die größeren
+Raubfische vergreifen sich nicht leicht an dem borstigen Gesellen,
+dessen Stacheln mit besonderen Sperrgelenken versehen und durch diese
+ebenso einfache wie sinnreiche und wirkungsvolle Einrichtung denen des
+Barsches weit über sind. Der Fisch hat also keine Muskelkraft nötig, um
+die Stacheln aufrecht zu erhalten, was ihn rasch ermüden müßte, sondern
+er braucht nur die Sperrvorrichtung am Gelenkkopf des Stachels
+einzuschalten, worauf dieser unverrückbar feststeht, so daß er selbst
+von einem Menschen nur unter Anwendung erheblicher Kraft und durch
+Zerbrechen des Sperrgelenkes niedergedrückt werden kann. Dagegen besorgt
+der Stichling selbst dieses Niederlegen der Stacheln mit Leichtigkeit
+durch einen einzigen Muskelzug, durch den der Gelenkkopf aus seiner Lage
+herausgehoben wird. Der russische Fischkundige Thilo ist übrigens der
+Ansicht, daß namentlich der Bauchstachel nicht nur als Waffe diene,
+sondern daß sich der Stechbüttel mit ihm durch Einstoßen in den
+Untergrund auch im reißenden Strome oder in der tosenden Brandung
+verankern könne und dadurch gleichfalls viel Muskelkraft erspare.
+Vielleicht halte das Tier auch in ähnlicher Stellung einen Winterschlaf.
+Die dem Stechbüttel von Natur aus schon jederzeit eigene Unruhe,
+Rastlosigkeit und Händelsucht steigert sich mit Beginn der Laichperiode
+zu einer wahrhaft heillosen Nervosität, die sich nicht selten in
+brutalen Mißhandlungen der schwächeren Weibchen durch ihre gestrengen
+Eheherren Luft macht. Aber gerade jetzt wird die Beobachtung der
+jähzornigen Zwerge (nur ausnahmsweise wird der Stichling über 8 _cm_
+lang) doppelt unterhaltend, denn der Stichling gehört ja zu denjenigen
+Fischen, die im Wasser richtige Nester bauen, wie die Vögel im grünen
+Gezweig. Zunächst höhlt das Männchen in einem recht stillen und
+traulichen Winkel und am liebsten in Anlehnung an einen stärkeren
+Wasserpflanzenstengel eine Grube im sandigen Boden aus, die etwa Form
+und Größe eines halben Hühnereies hat und durch eifriges Fächeln mit den
+Flossen sauber gereinigt und geglättet wird. Dann geht es mit geradezu
+rührendem Fleiße an das Herbeischleppen von allerlei Baumaterial, wie es
+sich im Wasser treibend findet oder mit großer Kraftanstrengung von den
+Pflanzen abgerissen wird. Hälmchen, Würzelchen, Blätter, Stengel aller
+Art und selbst Steinchen müssen dazu dienen. Zuerst wird eine solide
+Unterlage geschaffen und fest zusammengekittet, indem der darüber
+stehende Fisch aus seiner Afteröffnung tropfenweise ein äußerst
+klebriges Nierensekret austreten läßt, das ihm also als Mörtel dienen
+muß. Dann führt der kleine Baukünstler die Seitenwände und schließlich
+mit besonderer Sorgfalt die obere Wölbung auf, so daß das Ganze Form und
+Größe einer mäßigen, länglichen Kartoffel erhält. Nach Schaffung der
+Eingänge erinnert das Gebilde sehr an einen kleinen Muff. Zuletzt wird
+durch wiederholtes Einbohren mit der Schnauze eine nett gerundete
+Eingangsöffnung geschaffen. Gar nicht hübsch genug kann der um diese
+Zeit selbst die Suche nach Nahrung vergessende Stechbüttel seine
+Hochzeitskammer bekommen. Immer hat er noch daran zu bessern und zu
+runden und zu glätten, hier ein widerspenstiges Hälmchen
+zurechtzubiegen, dort noch ein besonders gefallendes Würzelchen
+einzubauen. Während der ganzen, etwa 2-3 Tage umfassenden Bauzeit
+befindet sich der kleine Kerl in der leidenschaftlichsten Erregung, vor
+allem beim Erscheinen eines männlichen Artgenossen, mit dem sofort ein
+ingrimmiges Duell ausgefochten wird. Auch die Weibchen, die sich etwa
+neugierig und voreilig dem geheimnisvollen Wasserschloß nähern, werden
+rücksichtslos weggebissen, solange dieses nicht völlig vollendet ist.
+Sobald aber das fertige Werk endlich zu seiner Zufriedenheit ausgefallen
+ist, wird aus dem unverträglichen Neidhammel mit einem Schlage ein
+galanter, wenn auch sehr stürmischer und leidenschaftlicher Liebhaber.
+Fast tänzelnd nähert sich das farbenglühende Männchen den verschüchtert
+in irgendeinem Winkel des Wasserpflanzenwustes zusammengedrängten
+Weibchen und sucht vor diesen seine Reize unter Aufbietung aller
+Schwimmkünste zu entfalten, wodurch er ihr Wohlgefallen in solchem Maße
+erregt, daß schließlich ein Exemplar mit reifem Laich seinen
+liebenswürdigen Werbungen und Einladungen nicht widerstehen kann,
+sondern ihm langsam und zögernd unter oftmaligem Ausreißen und
+Wiedergeholtwerden zu der so schön und sorgsam bereiteten
+Hochzeitskammer folgt. Zögert es, das kleine Heiligtum durch den engen
+Eingang zu betreten, so wird von dem seine Herrennatur auch jetzt nicht
+ganz verleugnenden Männchen durch Schläge mit der Schwanzflosse oder
+Stoßen mit dem Maule, im Notfalle selbst durch einen scharfen
+Sporenstich mit dem langen Mittelstachel gehörig nachgeholfen, und wenn
+die spröde Schöne erst einmal den Kopf ins Innere des Nestes gesteckt
+hat, legt sich das Männchen trotzig quer vor den Eingang und läßt seine
+Auserkorene nicht wieder heraus. Sie legt daher einige Eier ab, die eine
+Minute später von dem nachschwimmenden Männchen befruchtet werden, und
+bahnt sich dann mit der Schnauze auf der entgegengesetzten Seite einen
+Ausweg durch die Wandung, so daß also das Nest von diesem Augenblicke an
+zwei Öffnungen aufzuweisen hat. Nach einer Erholungspause begibt sich
+das Männchen abermals auf die Brautschau und wiederholt dieses Spiel so
+lange, bis ihm die Zahl der im Neste aufgespeicherten glashellen und
+mohnkorngroßen Eier genügend erscheint. Hat es so seinen Zweck erreicht,
+so wird es sofort wieder zum brutalen Tyrannen und verfolgt jedes sich
+nähernde Weibchen mit solcher Roheit, daß es nicht selten an den Folgen
+der erlittenen Mißhandlungen eingeht. Freilich hat der kleine Bosnickel
+dazu auch einen gewichtigen Grund, denn das Hochzeitsbett hat sich ja
+jetzt zur Kinderwiege gewandelt, und nun heißt es, Vaterpflichten zu
+erfüllen. Und die sind gerade im Stechbüttelleben wahrlich nicht leicht,
+erfordern vielmehr eine beispiellose Aufopferung und Selbstverleugnung.
+Fortwährend steht der Herr Papa vor seiner Kinderstube auf der Lauer und
+schießt wie ein schimmernder Pfeil auf jedes Lebewesen los, dem nur
+irgendwie Appetit auf Kaviar zuzutrauen wäre. Am meisten versessen auf
+die Eier sind die kannibalischen Stichlingsweibchen selbst, und so
+erklärt es sich wenigstens, daß der heißblütige Gemahl ihnen gegenüber
+so rauhe Saiten aufziehen muß. Ist er nicht gerade im Kampfe mit einem
+wirklichen oder vermeintlichen Feinde oder auf dessen Verfolgung
+begriffen, so steht er steil über der Eingangsöffnung und erzeugt in
+dieser durch beständiges Fächeln mit den Flossen und mit einer Ausdauer
+und Unermüdlichkeit, die uns die größte Achtung abnötigen müssen, einen
+frischen Wasserstrom kräftigster Art, so daß den Eiern immer genügend
+Sauerstoff zugeführt wird und sie nicht der Verpilzung anheimfallen
+können. Sind ihnen nach etwa 5-6 Tagen die winzigen Jungen entschlüpft,
+so beginnt für den vielgeplagten Vater erst recht eine schwere Zeit,
+denn er muß sich bemühen, dieses kribbelige hundertköpfige
+Kindergewimmel in Ordnung zu halten und die unbeholfenen und wehrlosen
+Kleinen vor einem vorzeitigen Verlassen des schützenden Nestes zu
+bewahren. Aber das fällt schwer genug, denn schon in diesen Liliputanern
+kreist das unruhige Stichlingsblut. Hier erwischt der Papa gerade noch
+einen der leichtsinnigen Ausreißer, verschluckt ihn und speit ihn dann
+behutsam wieder in das auch fortwährende Ausbesserungen nötig machende
+Nest zurück, und dort sind dafür schon wieder zwei andere in die fremde
+Welt hinausgestürmt. Erst wenn die Jungen nach etwa 14 Tagen
+einigermaßen selbständig geworden sind, erkaltet allmählich die
+treubesorgte Liebe des Stichlingsmännchens, und bald darauf kümmert es
+sich gar nicht mehr um seine Nachkommenschaft. Aber seine aufopfernde
+Brutpflege hat es doch fertig gebracht, daß die meisten Eier zu
+lebensfähigen Jungen wurden, und so erklärt es sich auch, daß der
+Stichling mit einer Eierzahl von nur 60-80 pro Jahr und Weibchen sein
+Auslangen findet, die doch dem Eierreichtum anderer Fische gegenüber
+verschwindend gering erscheint. Ja, die Vermehrung der Stichlinge ist
+bisweilen so stark, daß in ihren Wohngewässern Übervölkerung eintritt
+und dann ein großes Massensterben anhebt, so daß die verwesenden Kadaver
+von Hunderttausenden von Stechbütteln weithin die Gewässer verpesten.
+Auch unter Schmarotzern hat der Stichling vielfach zu leiden, und
+namentlich finden sich in seinem Leibe oft Eingeweidewürmer
+(_Schistocéphalus_) von solcher Größe und in solcher Zahl, daß sie ihm
+den Bauch unförmlich auftreiben und schließlich zum Platzen bringen.
+Wenn man den Stichling seinem Benehmen nach mit dem Kampfhahn unter den
+Vögeln vergleichen könnte, so hinsichtlich seiner Ernährungsweise
+sicherlich mit der Spitzmaus unter den Säugetieren. Mit unersättlicher
+Raubgier stürzt sich der stachlige Heißsporn auf alles, was er
+bewältigen zu können glaubt, und er hat ja von seinen eigenen Kräften
+keine geringe Vorstellung. Besäße er die Größe und Kraft eines Wellers,
+er würde in wenigen Jahren alle Gewässer der Erde entvölkern. Namentlich
+in Nord- und Ostdeutschland fehlt er keinem pflanzenreichen Teich, toten
+Flußarm oder auch nur Wassergraben, aber im ganzen Donaugebiet ist er
+eine unbekannte Erscheinung. Er gewöhnt sich auch an das Leben im
+Meerwasser und bildet dann die Panzerplatten an seinen Körperseiten noch
+stärker aus. Die Systematiker haben aus solchen Abänderungen eigne Arten
+machen wollen, sind aber dabei entschieden im Unrecht, wie die
+biologischen Forschungen erwiesen haben, da sich in einem Neste oft
+verschiedene dieser angeblichen Arten vereinigt finden. So hervorragend
+interessant und intelligent unser Fischchen dem Auge des Naturfreundes
+erscheint, so wenig will doch in der Regel der Berufsfischer von ihm
+wissen, der ihm nachsagt, daß er ein böser Feind des Fischlaiches und
+der Fischbrut, sowie ein arger und kaum aus dem Felde zu schlagender
+Nahrungswettbewerber für die wertvollen Speisefische sei. Auch in
+gesundheitlicher Beziehung bringe sein häufiges Massensterben nicht zu
+unterschätzende Gefahren mit sich. Das mag alles bis zu einem gewissen
+Grade seine Richtigkeit haben, aber wir wollen gerade in letzterer
+Beziehung nicht vergessen, daß eben der Stichling einer der wirksamsten
+Vertilger der Stechmückenlarven ist, also der Anópheles, die als
+Trägerin und Verbreiterin der gefürchteten Malaria-Blutparasiten gilt.
+Als Braten kann der Stechbüttel schon wegen seiner Kleinheit nicht in
+Betracht kommen, aber er wird doch bisweilen so massenhaft gefangen, daß
+man ihn als wertvollen Dung auf die Felder hinausfährt oder zum
+Tranauskochen benutzt. So wird allein im Pillauer Tief und den
+angrenzenden Gewässern aus Stichlingen alljährlich durchschnittlich für
+22000 Mark Tran gewonnen, in manchen Jahren sogar mehr als das
+Dreifache. Ein Vetter des Stechbüttels, der 7-11 Rückenstacheln führende
+_Zwergstichling_ (_Gasterósteus pungítius_) ist unser kleinster Fisch,
+da er 6 _cm_ Gesamtlänge kaum überschreitet (als winzigster Fisch der
+Erde gilt der nur 1-1/2 _cm_ lang werdende Luzonfisch der Philippinen).
+Sein Hochzeitsgewand ist nicht so farbenprächtig wie bei der größeren
+Art, wirkt aber dafür vornehmer: ein tiefes, gesättigtes Sammetschwarz,
+aus dem sich die smaragdgrün funkelnden Augen ganz wundersam
+herausheben. In der Nestanlage unterscheidet er sich insofern, als er
+seinen Bau stets schwebend an Wasserpflanzen frei befestigt.
+
+Weitaus nicht von der bestechenden Farbenschönheit wie bei Stechbüttel
+und Bitterling, aber dafür um so merkwürdiger und eigenartiger,
+jedenfalls viel dauerhafter und nicht fortwährenden Schwankungen und
+Gemütsaufwallungen unterworfen ist das hochzeitliche Gewand bei der
+Karpfengruppe. Hier erhalten nämlich die Männchen zu Beginn der
+Laichzeit am Vorderkörper einen weiß glänzenden Perlausschlag, der
+später gelblich wird und schließlich von selbst wieder abfällt. Der uns
+vertrauteste Fisch, der _Karpfen_ (_Cyprínus cárpio_), darf
+gewissermaßen als das Urbild der Fischgestalt gelten, sozusagen als der
+Fisch an sich, und doch ist es gar nicht so leicht, diese zur
+Weihnachtstafel so hochwillkommene Erscheinung naturgeschichtlich
+einigermaßen richtig zu kennzeichnen. Das hängt vor allem damit
+zusammen, daß der Karpfen wie jedes vom Menschen gezüchtete Haustier --
+und wenigstens als ein halbes Haustier muß er heute wohl bezeichnet
+werden -- im Laufe der Jahrhunderte eine Menge Varietäten ausgebildet
+hat, die ihrerseits wieder vielfach ineinander übergehen oder
+miteinander verbastardiert werden. Da gibt es z. B. die hochrückigen und
+schnellwüchsigen, durch delikates Fleisch ausgezeichneten, aber in der
+Nahrung wählerischen und auch sonst ziemlich empfindlichen Galizier,
+als Gegenstück zu ihnen die Lausitzer mit breitem und niedrigem
+Rücken, geringerem Fleisch, aber besonders stark entwickelten
+Geschlechtsprodukten, von langsamerem Wachstum, aber anspruchslos und
+unempfindlich, wie es nur ein Fisch sein kann, und so hat fast jede
+Karpfengegend ihre besonderen Eigenheiten aufzuweisen, die das geschulte
+Auge des Kundigen sofort erkennt und danach die Herkunft des Fisches mit
+erstaunlicher Sicherheit zu bestimmen vermag. In bezug auf die
+Beschuppung seien als bekannte Rassen genannt der schuppenlose
+Lederkarpfen und der hochgeschätzte Spiegelkarpfen, bei dem zwar auch
+größere Teile des Leibes nackt sind, während sich über andere
+streifenförmig angeordnete plattenförmige Schuppen von außerordentlicher
+Größe hinziehen, die ersichtlich aus der Verschmelzung mehrerer kleiner
+Einzelschuppen hervorgegangen sind. Diese Rassen lassen sich aber weder
+bisher rein durchzüchten, noch sind sie besonderen Gegenden
+eigentümlich. Auch an krankhaften Abnormitäten fehlt es gerade beim
+Karpfen keineswegs. So gibt es Zwitter, Gistlinge, Mopsmäuler,
+Albinismen mit Goldschuppen, schwanzlose Exemplare usw. Der behäbige
+Karpfen, der so viel sattes Behagen und eine so spießbürgerliche
+Selbstzufriedenheit zur Schau trägt, hat oft als der deutscheste Fisch
+gegolten, und doch ist er wahrscheinlich ebensogut ein Fremdling in
+unseren Gewässern, wie Fasan und Kaninchen in unseren Wäldern und
+Fluren, wenn er sich auch das Bürgerrecht schon längere Zeit ersessen
+hat. Zwar will Nehring in jungen, jedoch immerhin vormenschlichen
+norddeutschen Erdablagerungen versteinerte Karpfenreste gefunden haben,
+wonach also der Fisch von jeher bei uns ansässig gewesen sein müßte,
+aber ich möchte doch Marshall beipflichten, wenn er meint, daß hier wohl
+eine Verwechslung mit der Karausche vorliege, denn die Schuppen, Gräten
+und Kopfknöchelchen dieser beiden so ähnlichen und sich oft fruchtbar
+miteinander vermischenden Fische wird wohl auch der scharfsinnigste
+Gelehrte kaum mit Sicherheit voneinander zu unterscheiden vermögen, noch
+dazu in versteinertem Zustande. Wahrscheinlicher ist wohl, daß die
+Urheimat des Karpfens im fernen Orient zu suchen ist, von wo er durch
+die Römer, die übrigens gerade an diesem Fisch keinen besonderen
+Geschmack fanden, so lüsterne Fischesser sie sonst auch waren, zuerst
+nach Südeuropa und erst in karolingischer Zeit nach Deutschland gebracht
+wurde, während er heute fast in der ganzen Kulturwelt zu finden ist.
+Viererlei verlangt der Karpfen stets und überall von seinem
+Aufenthaltsorte, wenn er gedeihen und sich ordentlich fortpflanzen soll:
+schlammigen Untergrund, intensive Besonnung, weiches und ruhiges Wasser
+mit genügender Vegetation und zum Laichen geschützte und seichte
+Stellen. Rasch fließende Gebirgswasser mit sandigem oder kiesigem
+Untergrund meidet dieser Fisch durchaus. Er gehört zu den sogenannten
+Friedfischen, ist also kein grimmiger Räuber, sondern ein gemütlicher
+Allesfresser, der namentlich allerlei kleines Gewürm, aber auch
+Pflanzenteile verzehrt. Seinen endständigen, mit 4 Barteln versehenen,
+dicklippigen und sehr beweglichen Mund benutzt der Karpfen zwar nicht
+zum Küssen, wie Marshall launig bemerkt, obwohl er sich dazu wegen
+seines großen Nervenreichtums ganz hervorragend eignen würde, wohl aber
+zum fleißigen Durchwühlen des Bodenschlamms, dem er seine meiste und
+zusagendste Nahrung entnimmt. Bei seiner faulen Lebensweise schlägt sie
+ihm auch recht gut an, und so wird der Fisch als »bemoostes Haupt« ein
+großer Phlegmatiker, dem so leicht nichts seine beschauliche Lebensweise
+stört. Der Studentenausdruck »bemoostes Haupt« stammt übrigens gerade
+vom Karpfen her und ist bis zu einem gewissen Grade sogar wörtlich zu
+nehmen, wenn es auch nicht gerade Moos ist, das den ehrwürdigen Kopf
+eines solchen Methusalem, dem oft vor Altersschwäche sämtliche Schuppen
+ausgefallen sind, mit einem grünen Schleier überzieht, sondern lediglich
+gewisse, an ihm schmarotzende Parasiten. Solche alte Karpfen haben,
+obschon sie zuletzt kaum noch wachsen, natürlich auch eine entsprechende
+Länge und ein recht ansehnliches Gewicht, obschon im allgemeinen bereits
+40pfündige Karpfen zu den Seltenheiten gehören. Am schmackhaftesten sind
+sie bei Eintritt der Geschlechtsreife, also im dritten Lebensjahr,
+weshalb auch drei- und viersömmerige Karpfen im Gewicht von 1-1/2 bis 2
+_kg_ die gesuchteste und am besten bezahlte Marktware bilden. In einer
+Beziehung ist der gern gesellig lebende Karpfen den farbenschönen
+Fischarten, die vorher geschildert wurden, entschieden über, nämlich in
+bezug auf Fruchtbarkeit, worauf ja schon sein wissenschaftlicher Name
+(auch der deutsche dürfte auf eine Verstümmelung desselben
+zurückzuführen sein) hinweist, der an die zyprische Liebesgöttin als
+Beschützerin der Fruchtbarkeit erinnert. Es ist in der Tat erstaunlich,
+welche Unmenge von Eiern so ein Karpfenleib zu produzieren vermag.
+Während man früher auf 3-600000 Eier beim Rogner schloß, haben
+neuerdings genaue Schätzungen durch Staff ergeben, daß selbst diese
+ungeheuerlichen Zahlen noch weitaus zu niedrig gegriffen waren. Es
+kommen vielmehr auf jedes Kilo Fleischgewicht nahezu 400000 Eier, also
+auf einen halbwegs erwachsenen Mutterfisch etwa 1,6 bis 1,7 Millionen!
+Auf einer bayrischen Fischereiausstellung wurden kürzlich einem Karpfen,
+bei dem infolge Laichverhaltung eine Verflüssigung der Eierstöcke
+eingetreten war, nicht weniger als 1700 _ccm_ Flüssigkeit abgezapft. Es
+können also ungezählte Massen davon als Eier oder Jungfischchen zugrunde
+gehen, ohne den Bestand der Art im geringsten zu gefährden, denn es
+genügt vollkommen, wenn nur je 10000 Eier einen Fisch liefern. Die
+stecknadelkopfgroßen Eier werden an Wasserpflanzen angeklebt, und das
+Laichgeschäft vollzieht sich unter vielem Geplätscher an ganz seichten
+Stellen. Bei der Beliebtheit, deren sich das zarte Karpfenfleisch
+heutzutage allenthalben erfreut, und bei der großen Lebenszähigkeit
+dieses Fisches, die seine Versendung auf weite Entfernungen hin
+gestattet, wird Karpfenzucht in allen dazu geeigneten Gegenden mit viel
+Eifer und Erfolg betrieben, und der Karpfen ist der wichtigste Bewohner
+unserer Fischteiche geworden. Hauptbedingung für eine erfolgreiche
+Karpfenzucht im großen ist, daß man über verschiedene Arten von Teichen
+verfügt: kleine, sonnige, pflanzenreiche, flache Zuchtteiche, die erst
+unmittelbar vor der Laichperiode bespannt werden, um keine Parasiten
+aufkommen zu lassen, größere Zuwachsteiche mit reichlichem Naturfutter,
+die in der Mitte eine vertiefte, nie ausfrierende Mulde zum Überwintern
+der Fische haben müssen, und endlich Kaufgutteiche, in denen die Karpfen
+vollends die marktfähige Größe erreichen sollen. Um das zu
+beschleunigen, wird auch noch besonders gefüttert, und es kommt darauf
+an, Futtermittel zu wählen, die das in ihnen angelegte Geld möglichst
+rasch in möglichst viel gutes und wertvolles Fischfleisch verwandeln.
+Namentlich in Schlesien, Böhmen und Galizien befinden sich großartige
+Karpfenzuchtanstalten dieser Art. Gewonnen wird der weitaus größte Teil
+des auf den Markt gelangenden Karpfenfleisches durch Ablassen der
+Teiche, da der träge und alles Verschluckbare vorher vorsichtig
+betastende Fisch nur schlecht nach der Angel geht und auch seiner
+bodenständigen Lebensweise halber nicht gut in größerer Menge mit dem
+Netz zu fangen ist. Vor Weihnachten ist Hochsaison auf dem Karpfenmarkt.
+Dann tragen ganze, besonders dazu eingerichtete Eisenbahnzüge die
+schmackhaften Schuppenträger aus Galizien und Schlesien nach Norden,
+oder eigens für diesen Zweck zusammengestellte Flöße mit eingebauten
+Fischkästen bringen sie auf der Moldau und Elbe nach unserer
+Reichshauptstadt. Blau gesotten, gebacken, als Bierfisch oder mit
+Paprikatunke -- kurz, in jeder Form bildet dieser nützliche Fisch eine
+gesunde und fast allgemein beliebte Speise. Nur ist zwischen Karpfen und
+Karpfen ein großer Unterschied. Vor allem muß der Fisch ganz frisch
+sein, was die Hausfrau an den blanken und klaren Augen und daran
+erkennen kann, daß ein Fingerdruck auf das Rückenfleisch sofort wieder
+verschwindet. »Frische Fische -- gute Fische« sagt sehr richtig das
+Sprichwort. Leider hat sich bei uns die Karpfenzucht nachgerade fast zu
+einem Privileg des Großgrundbesitzes herausgebildet. Und doch läßt sich
+der Fisch selbst in den elendesten Dorfteichen mit großem Erfolg, wenn
+auch nicht züchten, so doch mästen. In dieser Beziehung geschieht noch
+viel zu wenig, denn so können sonst fast ertragslose Wasserflächen noch
+eine schöne Rente abwerfen.
+
+Gerade bei dem langsam durch die Fluten ziehenden Karpfen lassen sich
+sehr gut die _Schwimmbewegungen_ des Fisches beobachten und studieren.
+Bei aufmerksamer Betrachtung werden wir sehen, daß es nicht eigentlich
+die Flossen, oder diese doch nur in geringem Grade sind, die den Fisch
+fortbewegen. Das hauptsächliche Fortbewegungsorgan ist vielmehr der
+Schwanz, überhaupt die ganze hintere Körperhälfte. Sie ist mit zwei
+Reihen starker Muskelzüge ausgestattet, durch deren Zusammenziehen
+kräftige Schläge gegen das Wasser geführt werden, und zwar in einer
+derartigen Richtung, daß sie den Fisch vorwärts treiben müssen.
+Abwechselnde Biegungen der Schwanzflossenzipfel können allerdings auch
+nach Art einer Schiffsschraube wirken und den Fisch langsam vorwärts
+bringen. Die paarigen Flossen aber wirken lediglich regulierend und
+steuernd, während After- und Rückenflosse die Körperfläche vergrößern
+und ein Hin- und Hergeworfenwerden des Fisches bei den heftigen und
+wechselnden Schwanzschlägen verhindern. Experimentatoren haben
+nachgewiesen, daß ein der Rückenflosse beraubter Fisch im Zickzack
+schwimmt, daß er sich bei einseitiger Entfernung der das Gleichgewicht
+haltenden Brust- und Bauchflossen auf die Seite legt, daß bei Entfernung
+beider Brustflossen das Vorderende tief sinkt und daß nach Abschneiden
+sämtlicher paariger Flossen der Fisch auf dem Rücken schwimmt. Ein
+Vorwärtsschlagen der Brustflossen ermöglicht ein langsames
+Rückwärtsschwimmen. Der französische Gelehrte Houssay hat übrigens durch
+vergleichende Experimente mit einer großen Zahl künstlicher Modelle
+festgestellt, daß der Fischkörper, der ja auch für die menschliche
+Schiffstechnik vorbildlich und maßgebend gewesen ist, gerade in bezug
+auf die leichte Überwindung des Wasserwiderstandes heute von unseren
+Schiffsmodellen bereits überholt ist, daß er aber in bezug auf
+Stabilität, also das Vermögen, die richtige Lage im Wasser
+beizubehalten, noch unerreicht dasteht. In dieser Beziehung sind
+namentlich die paarigen Fischflossen ein ganz unübertreffliches
+Werkzeug. Weitere Versuche von Alliaud und Vles mit elektrisierten
+Fischen haben gezeigt, daß die Fische eine stete Muskelanstrengung
+aufwenden müssen, um sich in den Fluten ihre gewöhnliche Lage zu
+erhalten. Setzt man diese Muskelkraft durch den elektrischen Strom außer
+Tätigkeit, so dreht sich der Fisch sofort um und treibt hilflos auf dem
+Rücken. Er gleicht also nicht einem Schiff, sondern einem Radfahrer, der
+sich ja auch mit fortwährender Muskelarbeit im Gleichgewicht erhalten
+muß. Ein anderer französischer Gelehrter, Regnard, hat auf sinnreiche
+Weise Untersuchungen über die _Schnelligkeit_ der schwimmenden Fische
+angestellt. Er ließ kreisförmige Wasserrinnen herstellen, die durch
+einen elektrischen Motor gedreht wurden, worauf die eingesetzten
+Versuchsfische gegen den Strom zu schwimmen suchten. Wenn sie dann trotz
+aller Anstrengungen auf der gleichen Stelle stehen blieben, mußte ihre
+Geschwindigkeit gleich der Drehungsgeschwindigkeit des Apparates sein.
+Es ergab sich, daß die Schwimmgeschwindigkeit von Karpfen und
+Weißfischen etwa das Zehnfache ihrer Körperlänge in der Sekunde beträgt,
+daß aber ihre Ausdauer bei solch höchster Kraftanspannung nur gering
+ist, und bald Ermüdung eintritt. Die Schwimmgeschwindigkeit verminderte
+sich sofort auf ein Drittel, wenn man die Schwanzflosse abschnitt,
+während die Entfernung von Brust- oder Bauchflossen nur dann einen
+größeren Einfluß ausübte, wenn sie lediglich auf einer Seite geschah.
+Von der so ermittelten Schnelligkeit ist natürlich diejenige
+verschieden, die die Fische beim Rauben oder auf ihren Wanderungen
+entwickeln. Den Rekord soll die Forelle mit 35 _km_ in der Stunde
+halten; der Hecht soll 23-27, die Barbe 18, Karpfen, Schleie und Aal 12
+_km_ in der Stunde zurücklegen können. In Siam veranstaltet man in
+langen Aquarien sogar besondere Wettrennen zwischen verschiedenen
+Fischarten, und der auch in Europa wohlbekannte verstorbene König
+Chulalongkorn soll bei einem solchen Rennen einmal eine seiner Frauen
+verwettet haben.
+
+Im Zusammenhange mit diesen Betrachtungen seien auch gleich noch der für
+die Fische vielfach so kennzeichnenden _Schwimmblase_ und ihrer
+biologischen Bedeutung einige Worte gewidmet. Sie fehlt als zwecklos den
+echten Grundfischen, die keinen Druckschwankungen ausgesetzt sind, aber
+auch manchen guten Schwimmern, wie dem Hai und der Makrele, ohne daß wir
+bisher wissen, warum, und wodurch sie ihnen ersetzt wird. Sie ist ein
+aus luftdichten Häuten bestehender Sack zwischen Darm und Nieren, der
+sich oft durch die ganze Leibeshöhle erstreckt, aber nach Form und
+Ausdehnung sehr verschieden gestaltet ist. Beim Karpfen ist sie durch
+eine Einschnürung in zwei Teile zerlegt, die Flughähne haben zwei
+nebeneinander liegende Blasen, der Schlammbeißer eine in eine
+Knochenkapsel eingehüllte.
+
+ [Illustration: Karausche (_Carássius carássius_). (Naturaufnahme
+ von Oberlehrer W. Koehler.)]
+
+Im embryonalen Zustande hat die auf eine Darmausstülpung
+zurückzuführende Schwimmblase stets einen zu ihrer Füllung dienenden
+Luftgang, der z. B. den Ganoidfischen auch im Alter verbleibt, während
+er bei der Mehrzahl der erwachsenen Fische verschwunden ist. Das Organ
+dient einmal dazu, das spezifische Gewicht des Fisches durch Ausdehnung
+oder Zusammenziehung zu regeln und ihm damit ein leichtes Auf- oder
+Niedersteigen zu ermöglichen. Diese Zusammenziehungen geschehen in der
+Hauptsache passiv durch den Wasserdruck und nur zum geringen Teile aktiv
+durch die ziemlich schwach entwickelte Blasenmuskulatur, die mehr zur
+Verlegung des Schwerpunktes dient und besonders bei plötzlichem
+Höhenwechsel in Tätigkeit tritt. Die endgültige und für längere Zeit
+wirksame Einstellung der Schwimmblase auf ein bestimmtes Höhenniveau
+aber erfolgt unter Ersparung von Muskelkraft lediglich durch Abscheidung
+von Sauerstoff in ihren leeren Raum oder durch das Einsaugen von solchem
+aus ihm. Schon Moreau hat 1876 erkannt, daß das die Schwimmblase
+füllende Gas in der Hauptsache reiner Sauerstoff ist, aber erst 1903 hat
+uns Jäger-Gießen darüber aufgeklärt, wo und wie dessen Abscheidung
+geschieht. Er entdeckte an der unteren Wand der Schwimmblase eine sehr
+verschieden starke (bei Süßwasserfischen nur 2-4, bei Seewasserfischen
+20 und mehr Schichten) Anhäufung eigentümlicher Drüsenzellen, die durch
+eine vergiftende Tätigkeit die roten Blutkörperchen vernichten, wodurch
+der Sauerstoff frei wird, sich verdichtet und in das Innere der
+Schwimmblase strömt. Er nannte dieses Organ den »roten Körper«. Will der
+Fisch sich in einem höheren Niveau aufhalten, so muß das Gegenteil
+geschehen, der Sauerstoff muß wieder aus der Blase entweichen können.
+Diese Zurückleitung des Sauerstoffes in das Blut besorgt das im oberen
+Teile der Schwimmblase gelegene, durch Muskelwirkung zu öffnende oder zu
+schließende »Oval«, das auffallenderweise allen denjenigen Fischen
+fehlt, die einen Luftgang besitzen. Eingeleitet werden alle diese
+Vorgänge durch Nervenreizungen, und Thilo hat nachgewiesen, daß ein
+Druck auf die Schwimmblase Hebel in Bewegung setzt, die auf eine Platte
+im Rückenmark wirken, so daß Druckschwankungen den Fischen unmittelbar
+zum Bewußtsein gelangen. Man könnte also die Schwimmblase fast auch als
+ein Sinnesorgan ansehen, und jedenfalls erspart sie dem Fische sehr viel
+Muskelarbeit. -- Obwohl die Fische bei ihrem ständigen Aufenthalt in
+einem flüssigen Medium ein wirkliches _Durstgefühl_ kaum kennen werden,
+verschlucken sie doch schon rein zufällig eine Menge Wasser, und es ist
+auch kaum anzunehmen, daß dieses für den Aufbau ihres Körpers entbehrt
+werden könnte. Wenigstens haben Versuche mit gefärbtem Wasser, die die
+biologische Anstalt in Friedrichshafen anstellte, unzweifelhaft ergeben,
+daß die Fische Wasser auch in den Magen aufnehmen. Dadurch erklärt es
+sich auch, daß man bisweilen sogar betrunkene Fische findet, die die
+tollsten Kapriolen vollführen, nämlich da, wo Hefenfabriken den als
+Nebenprodukt bei der Hefenfabrikation gewonnenen Spiritus der
+Steuerersparnis halber einfach ins Wasser laufen lassen. Dann gibt es
+billige Hefe, aber dafür betrunkene Fische.
+
+ [Illustration: Gründling (_Góbio góbio_). (Nach einer Aufnahme von
+ Oberlehrer W. Koehler.)]
+
+Ein großer Teil unserer heimischen Fische gehört zur Verwandtschaft des
+Karpfens. Da ist zunächst die kleinköpfige und dünnlippige, selten mehr
+als 3/4 _kg_ schwer werdende _Karausche_ (_Carássius carássius_), die
+oft von Aquarienfreunden, die schon Hunderte wertvoller Exoten gezüchtet
+haben, mit dem Karpfen verwechselt wird, obschon bei aller Ähnlichkeit
+des Körperbaus ein einziger Blick auf den kleinen Mund genügt zur
+sofortigen Unterscheidung, indem der Karpfen stets Barteln besitzt, die
+Karausche aber niemals. Sie vermischt sich auch fruchtbar mit dem
+Karpfen und wird deshalb in Zuchtteichen nicht gern gesehen, da sie mit
+ihrem minderwertigen, grätigen Fleisch die ganze Nachzucht zu verderben
+vermag. Auch im schmutzigsten und modrigsten Wasser hält dieser zähe und
+anspruchslose Fisch aus, denn überall findet er seine unreinliche
+Nahrung. Die ältesten Tierzüchter der Welt, Chinesen und Japaner, haben
+aus der Karausche schon vor uralten Zeiten einen farbenschönen
+Sportfisch herangezüchtet, der fast eine ähnliche Rolle spielt, wie der
+allverbreitete Kanarienvogel, und der als _Goldfisch_ einen einzig
+dastehenden Siegeszug auch durch ganz Europa angetreten hat. Mancherlei
+absonderliche Spielarten, wie Teleskopfische und Schleierschwänze, sind
+dann weiter aus ihm hervorgegangen. Was den Goldfisch dem Laien so sehr
+empfiehlt, ist außer seiner bestechenden Farbenschönheit namentlich
+seine geradezu rührende Anspruchslosigkeit, die auch die ärgste
+Vernachlässigung und die naturwidrigste Behandlung geduldig hinnimmt,
+aber der echte Tierfreund wird an diesem Kunstprodukt doch nur wenig
+Gefallen finden; dazu ist der Goldfisch zu langweilig und zu
+stumpfsinnig. Ein ganz ausgesprochener Bodenfisch, der sich bei Gefahr
+geradezu in den Schlamm einzuwühlen pflegt und dadurch vielen
+Nachstellungen entgeht, ist die grünliche _Schleie_ (_Tínca tínca_).
+Ihre unglaubliche Genügsamkeit und sehr geringes Sauerstoffbedürfnis
+ermöglichen ihr das Dasein selbst in den verjauchtesten Tümpeln. Ihr
+fettes und zartes Fleisch gereicht der vornehmsten Tafel zur Zierde,
+wenn man nur die Vorsicht übte, den Fisch vor dem Schlachten einige
+Wochen in fließendem Wasser zu halten, damit er den ihm meist
+anhaftenden Modergeschmack verlieren konnte. Um die Teichwirtschaft
+macht sich der träge Fisch durch fleißiges Vertilgen der schädlichen
+Fischegel verdient, wenn er auch andrerseits als Wettbewerber um die
+Nahrung der wertvolleren Karpfen von den Fischzüchtern nur widerwillig
+in den Teichen geduldet wird. Auch von dieser Form ist eine prachtvolle
+Spielart als Goldschleie bekannt. Interessanter als diese langweiligen
+Gesellen ist der kleinere, gestreckter gebaute und mit zwei Bartfäden
+versehene _Gründling_ oder Greßling (_Góbio góbio_). Dieser sehr
+gesellige Fisch, dem man eine besondere Vorliebe für das Aas nachsagt,
+bevorzugt klares, fließendes Wasser mit sandigem oder kiesigem
+Untergrunde, findet sich aber auch an anderen Örtlichkeiten, selbst in
+unterirdischen Gewässern, so in der berühmten Adelsberger Grotte. Die
+bläulichen Eier werden im Kiesgeröll ganz seichter Bäche abgesetzt,
+worauf dann die Greßlinge wieder in ihre tieferen Wohngewässer
+zurückkehren. Beim Ablaichen reibt das vom Männchen an eine
+entsprechende Stelle getriebene Weibchen seine Bauchfläche am Kiese,
+wobei der Kopf und der ganze Rücken für 1/2-3/4 Minuten aus dem Wasser
+hervorsehen. Die Jungen schlüpfen bei genügender Wärme schon nach drei
+Tagen aus und hängen dann noch mehrere Tage wie kleine graue Kommas an
+Steinen und Pflanzen umher, ehe sie die ersten unbeholfenen
+Schwimmversuche beginnen. Auch im Aquarium, für das sich dieser
+bescheidene Fisch überhaupt gut eignet, ist er schon gezüchtet worden,
+und soll dabei, wie ein russischer Beobachter mitteilt, sich zum Laichen
+eine besondere Grube hergerichtet haben. Trotz seiner geringen Größe
+findet der Gründling auch für die Küche gern Verwendung, da sein zartes
+Fleisch von hervorragendem Wohlgeschmack ist. Im Donaugebiet wird unsere
+Art durch den _Steingreßling_ (_Góbio uranóscopus_) mit spitzerem Kopfe
+und längeren Bartfäden vertreten. Beide Fische, die gewöhnlich am Boden
+auf Beute lauern, bewegen sich zwar ruckweise, aber nicht mit
+übermäßiger Schnelligkeit fort. Da ist die niedliche und anmutige, stets
+zum Jagen und Spielen aufgelegte _Elritze_ (_Phoxínus laévis_) ein weit
+flinker Ding. Sie ist äußerst beweglich, namentlich sehr springfähig,
+aber dabei im Freien schüchtern und schreckhaft. Wenn sich im Sommer das
+Wasser zu sehr erwärmt, wandern die Elritzen oft in dichtgedrängten
+Scharen in die kühleren Gebirgswässer aus und überspringen dabei
+Hindernisse, die in gar keinem Verhältnis zu ihrer winzigen Körpergröße
+stehen. Bei solchen Gelegenheiten werden viele von ihnen gefangen und
+mariniert als »Pfrillen« oder »Rümpchen« trotz ihres etwas bitterlichen
+Geschmacks in manchen Gegenden sehr gern gegessen. Leider müssen bei
+dieser Fangart auch zahlreiche Junge der wertvollsten Speisefische mit
+dran glauben und sich als Rümpchen verzehren lassen. Der rundliche,
+unverhältnismäßig großköpfige _Döbel_ (_Leucíscus céphalus_), mit dem
+breiten Maule und dem blaßrot schimmernden Bauch hält sich in seiner
+Jugend massenhaft in kleinen kiesigen Bächen auf, während er im Alter
+mehr in die Flüsse und Seen der Ebene hinabzieht. Er ist pfeilschnell
+und räuberischer veranlagt als andere Karpfenfische. Selbst Mäusen soll
+er nachstellen und deshalb in manchen Gegenden geradezu »Mäusefresser«
+genannt werden. Bei solch reichlicher Kost erreicht er denn auch ein
+Gewicht von 4 _kg_ und darüber. Diesen Angaben stehen nun freilich die
+Magenuntersuchungen Sustas schnurstracks gegenüber, der den Döbel für
+einen echten und sich hauptsächlich an grobes Gras haltenden
+Grünweidefisch erklärt. Dieser Widerspruch erscheint noch völlig
+ungeklärt, denn es ist doch kaum denkbar, daß ein und dieselbe Art
+vielleicht an verschiedenen Örtlichkeiten so grundverschiedene
+Ernährungsweisen zeigen könnte. Eher möchte ich glauben, daß die
+betreffenden Fische von diesem oder jenem Forscher falsch bestimmt
+wurden. Auffallend ist die Vorliebe des Döbels für Stromschnellen,
+Mühlwehre, Brückenpfeiler und ähnliche Örtlichkeiten. Seiner vielen
+Gräten wegen ist er höchstens als Backfisch und auch dies nur in ganz
+frischem Zustande zu verwerten. Angler versichern, daß der Döbel auch an
+Beeren und süße Früchte geht, und im Aquarium sah man jüngere Exemplare
+sowohl animalische wie vegetabilische Kost zu sich nehmen. Die Angler
+haben von jeher eine gewisse Vorliebe für diesen jetzt sichtlich
+seltener werdenden Fisch gehabt, weil er auf alles anbeißt, so daß die
+Köderwahl geradezu zur Qual werden kann, und weil sich mit seiner
+stattlichen Größe prahlen läßt. Die süd- und ostdeutschen Angler
+bezeichnen den ziemlich proletenhaft anmutenden Fisch als Räuber, und
+die Rhein- und Elbefischer erklären ihn für den friedfertigsten Gesellen
+der Welt. Das Wahrscheinlichste ist wohl, daß Genosse Dickkopf
+Allesfresser geworden ist und seine Speisekarte um eine Reihe von
+Gerichten bereichert hat, die er früher nicht kannte und verschmähte.
+Ein unzweifelhafter Grünweidefisch ist dagegen der durch die kleine und
+schief aufwärts gerichtete Mundöffnung gekennzeichnete _Aland_
+(_Leucíscus ídus_), auch Silberorfe genannt. Eine besonders schöne Abart
+wird als _Goldorfe_ gern in warmen Teichen gezogen, und sie eignet sich
+als Zierfisch namentlich auch insofern gut, als sie sich beim Schwimmen
+beständig an der Oberfläche hält und so ihre Schönheit auch zur Geltung
+zu bringen weiß. Die wilde Stammform beansprucht reines, kaltes, tiefes,
+und schnellfließendes Wasser, ist auch selbst ein recht flinker
+Schwimmer. Der etwas dickköpfig aussehende Fisch, der bis 3 _kg_ schwer
+wird, hat ein zwar grätiges, aber doch recht wohlschmeckendes, rötlich
+aussehendes Fleisch, und wird deshalb gern geangelt. Unter dem
+Sammelnamen »Weißfisch« faßt der Naturfreund eine Anzahl
+karpfenähnlicher Fische zusammen, deren Jugendformen oft selbst der
+Fachmann nur schwer auseinanderhalten kann, und deren erwachsene Stücke
+wenigstens der Laie sehr häufig verwechselt. Es sind die Proleten
+unserer Fischwelt, die nach Handwerksburschenmanier in zahlreichen
+Trupps alle Wasserstraßen bevölkern. Hierher gehören z. B. zwei durch
+hübsch rote Flossenfarbe ausgezeichnete Fische, die _Plötze_
+(_Leucíscus rútilus_) und das _Rotauge_. Will man sie mit voller
+Sicherheit bestimmen, so muß man schon zu den ein untrügliches
+Unterscheidungsmerkmal abgebenden Schlundzähnen seine Zuflucht nehmen,
+die bei der Plötze in einfacher Reihe stehen, links 6 oder 5, rechts
+stets 5, während sie beim Rotauge in zwei Reihen zu 3 und 5 angeordnet
+sind. Die Plötze ist wohl der gemeinste deutsche Fisch und wird deshalb
+auch vielfach gefangen, obwohl ihr stark mit Gräten durchsetztes Fleisch
+eigentlich nicht viel wert ist. Immerhin gibt sie frisch noch einen
+leidlichen Backfisch ab. Während sie bei uns kaum schwerer als 1-1/2
+_kg_ wird, werden im Kaspischen Meere noch heute bisweilen wahre
+Riesenplötzen gefangen. Beide Arten sind lebhafte und scheue, aber nicht
+eben sonderlich kluge Grünweidefische und laichen unter vielem
+Geplätscher gesellig, nachdem sie in dichtgedrängten Scharen hierzu
+geeignete Plätze aufgesucht haben. Beim _Rotauge_ (_Leucíscus
+erythrophthálmus_), auch Rotfeder genannt, fällt außer dem roten Auge
+namentlich die ungewöhnlich harte und scharfe Beschuppung der
+Bauchgegend auf. Der stark messingglänzende Fisch, der seine beiden
+deutschen Namen vollauf rechtfertigt, ist eigentlich eine recht schöne
+Erscheinung und verdiente es, daß ihm die Aquarianer größere Beachtung
+als bisher zuwenden würden. Zwischen beiden Arten kommen auch Mischlinge
+vor, wie ja überhaupt bei dem geselligen Laichgeschäft der Karpfenfische
+oft genug ein zwar unbeabsichtigtes, aber fruchtbares Durcheinander
+entsteht, das der systematischen Forschung schon manche Schwierigkeiten
+in den Weg gestellt hat. Für die Küche taugt das Rotauge noch weniger
+als sein Vetter, und man verwertet sie deshalb am besten als
+Schweinefutter. Wichtiger für den menschlichen Haushalt ist der
+hochgebaute _Blei_ oder Brassen (_Abramis bráma_), da er ein Gewicht bis
+zu 6 _kg_ erreicht und sein Fleisch zwar auch ziemlich grätig, aber doch
+recht wohlschmeckend ist. Zur Laichzeit, bei der es sehr lebhaft zugeht,
+die großen Fische oft weit aus dem Wasser herausspringen und sich auch
+durch Beobachtung in unmittelbarer Nähe nicht stören lassen, nimmt der
+Blei eine fast hochgelbe Farbe an, und die Männchen sehen infolge des
+starken Hautausschlages wie zerkratzt und blutig zerschunden aus. Der
+stattliche Fisch mit dem schiefgestellten Mund bewohnt größere Ströme
+und tiefere Seen mit lehmigem Grund, den er beim geselligen Grasen oft
+derart aufwühlt, daß er weithin das Wasser trübt. Bei dieser
+schweineartigen Tätigkeit kommt ihm seine rüsselförmig ausgebildete
+Schnauze sehr zustatten. Die _Blikke_ oder der Güster (_Blícca björkna_)
+hat einen ähnlich hochrückigen Leibesbau wie die Abramisarten, und ein
+solcher darf in gewissem Sinne auch als eine Schutzmaßregel gelten, da
+die Raubfische sich nur ungern an so unbequem zu verschluckende Beute
+machen. Der Name dieses Fisches dürfte mit »blinken« zusammenhängen,
+ebenso wie »Pleinzen«[2] mit »blinzeln«. Die höchstens 1 _kg_ schwer
+werdende Blikke ist einer unserer gemeinsten Fische und bevorzugt
+langsam fließendes Wasser mit sandigem Untergrund. Sonst scheu und
+vorsichtig, gibt sie sich doch dem Laichgeschäft im Spätfrühling mit so
+rückhaltloser Inbrunst hin, daß man sie dabei geradezu mit Händen
+greifen kann. Auch sie ist ein ausgesprochener Friedfisch, aber dabei so
+gefräßig, daß sie sich leicht angeln läßt, was allerdings ihres
+schlechten und grätenreichen Fleisches halber kaum der Mühe verlohnt.
+Als ein halber Raubfisch muß dagegen der schon durch sein großes Maul
+gekennzeichnete _Rapfen_ (_Aspius áspius_) bezeichnet werden. Den
+kleinen Weißfischen stellt er mit solcher Gier nach, daß er dabei
+öfters versehentlich auf den Strand schießt und dann elend umkommen muß.
+In stillen Nächten betreibt er seine Jagden mit weithin vernehmbarem
+Geräusch, indem sowohl Verfolgte wie Verfolger dabei öfters hoch aus dem
+Wasser herausspringen. Trotzdem verrät der Rapfen immer eine gewisse
+Ungeschicklichkeit in der Ausübung seines räuberischen Handwerks und
+stößt viel öfters fehl als die echten Raubfische. Er ist ein
+Oberflächenfisch und bewohnt am liebsten langsam fließendes, aber reines
+Wasser. Da er 6 _kg_ schwer wird, könnte er für die Küche eine Rolle
+spielen, wenn sein an sich fettes und wohlschmeckendes Fleisch nicht so
+grätig wäre und beim Kochen nicht so leicht zerfiele. Wenn auch das
+Fleisch des niedlichen _Uckelei_ (_Albúrnus albúrnus_) ganz ähnliche
+Eigenschaften aufweist und dieses glitzernde Fischchen schon wegen
+seiner geringen Größe (es wird nur 15-20 _cm_ lang) noch weniger für die
+Küche in Betracht kommen kann, so beschäftigt es doch in anderer
+Beziehung eine ganze Industrie und wird deshalb in gewissen Gegenden
+Norddeutschlands, so namentlich am Frischen Haff, während der
+Wintermonate in großen Zugnetzen massenhaft gefangen. Aus seinen stark
+silberglänzenden, gegen jede unsanfte Berührung sehr empfindlichen
+Schuppen, gewinnt man nämlich die sogenannte Perlenessenz (_Essence de
+l'Orient_, deren Zusammensetzung und Herkunft früher ängstlich geheim
+gehalten wurde und die von einem französischen Rosenkranzfabrikanten
+entdeckt worden sein soll) zur Herstellung künstlicher Perlen. Die
+gefangenen und ans Land gebrachten Fische werden sofort geschuppt, und
+die gereinigten Schuppen in Kisten nach Paris oder Wien, neuerdings aber
+auch vielfach nach Thüringen verschickt. In der Fabrik werden die
+Schuppen zunächst 24 Stunden lang in Salzwasser gewässert, mit leinenen
+Lappen abgerieben, schwach gepreßt, für ein Stündchen in Alkohol gebadet
+und wieder getrocknet. Hierauf kommen sie in Ammoniak, in dem sich die
+anderen Bestandteile leicht lösen, während die den herrlichen
+Silberschimmer bedingenden Plättchen als kleine Kristalle sich am Boden
+niederschlagen. Nach einigen Stunden kann die wässerige Lösung behutsam
+abgegossen werden, und es bleibt nur ein silberiges, dickes Öl übrig
+-- die Perlenessenz. Sie wird in hohle und dann mit Wachs zu
+verschließende Glasperlen gefüllt, die dadurch einen prachtvollen,
+matten Perlenglanz erhalten. Die besten Sorten dieser künstlichen Perlen
+sind den echten derart ähnlich, daß nur eine genaue Prüfung durch einen
+Sachverständigen die Imitation nachzuweisen vermag. Übermäßig billig
+sind sie freilich auch nicht gerade, was erklärlich wird, wenn wir uns
+vergegenwärtigen, daß etwa 20000 Fischlein nötig sind, um nur 1/2 _kg_
+Perlenessenz anzufertigen. Man gewinnt aus den Uckeleischuppen wie aus
+denen verwandter Arten weiter auch noch die in der Malerei eine große
+Rolle spielende und ebenfalls teuer bezahlte Silbertinktur. Aber auch im
+Leben ist der sich hauptsächlich von Insekten und deren Larven
+ernährende Uckelei ein höchst anziehender und unterhaltender Fisch, der
+sich dem am Flußufer lustwandelnden Spaziergänger mehr bemerkbar macht,
+als irgendein anderer, da er häufig seinen silberglitzernden Leib aus
+dem Wasser herausschnellt, um eine über diesem tanzende Mücke oder
+Eintagsfliege zu erhaschen, und da er sich überhaupt gewöhnlich
+scharenweise dicht unter der Oberfläche herumtreibt und hier seine
+lustigen Spiele vollführt, überhaupt viel Frohsinn und Lebenslust
+bekundet, obgleich gerade er nicht nur den Raubfischen, sondern auch den
+Wasservögeln besonders häufig zur Beute fällt. Ängstliche Schüchternheit
+einerseits und eine unbezähmbare Neugier andrerseits sind seine
+hervorstechendsten Charaktereigenschaften. Gleich dem Uckelei gehören
+zur Gruppe der durch das schief nach oben gerichtete Maul
+ausgezeichneten _Lauben_ noch die bei uns auf die klaren und tiefen
+Gebirgsseen Oberbayerns beschränkte _Mairenke_ (_Albúrnus ménto_) und
+die fließendes Wasser bevorzugende _Alandblecke_ (_Albúrnus
+bipunctátus_). Letztere heißt im Volksmunde gewöhnlich »Schneider«, da
+ein zu beiden Seiten der Seitenlinie verlaufender Streifen schwarzer
+Pigmentpunkte wie eine Naht aussieht. Im Aquarium gemachten
+Beobachtungen zufolge soll sie eine Art Brutpflege ausüben, indem eines
+der Elterntiere den Laich bis kurz vor dem Ausschlüpfen bewacht und
+verteidigt und durch beständiges Flossenfächeln mit frischem,
+sauerstoffreichem Wasser umspült. An der sonderbar knorpeligen Schnauze,
+dem überragenden Oberkiefer und den harten, schneidenden Lippen ist die
+höchstens 1/2 _m_ lang werdende _Nase_ (_Chondóstroma násus_) sofort von
+anderen Süßwasserfischen zu unterscheiden. Auch biologisch hat sie
+mancherlei Eigentümlichkeiten aufzuweisen. Ihre scharfen Kiefernränder
+dienen dazu, den Algenüberzug von Steinen und dergleichen abzuweiden.
+Charakteristisch für sie ist, daß sie sich im seichten Wasser gern um
+sich selbst wälzt, so daß für Augenblicke die lichte Unterseite zum
+Vorschein kommt. Zur Laichzeit gewinnt ihr dunkler Rücken ein streifiges
+Ansehen, und an den Mundwinkeln zeigt sich ein lebhaftes Orangerot.
+
+ [2] Es ist dies der _Zobel_ (_Abramis sáha_) des Donaugebiets.
+
+Außer der Verfärbung zum Hochzeitskleid tritt mit Beginn der
+Laichfähigkeit bei vielen Fischen noch eine andere wunderbare
+Erscheinung auf: ihre mehr oder minder mit dem Fortpflanzungsgeschäft in
+Zusammenhang stehenden, durch rücksichtslose Kühnheit und erstaunliche
+Zähigkeit ausgezeichneten _Wanderungen_, die an geheimnisvollen Rätseln
+dem Vogelzug kaum nachstehen. Sehr oft sind ja die besten und sichersten
+Nährgründe nicht auch zugleich zum Absetzen des Laiches geeignet, und
+der Fisch ist deshalb gezwungen, eine weitgehende Ortsveränderung
+vorzunehmen, wenn er sich seiner Bürde entledigen und den Weiterbestand
+seiner Art sicher stellen will. Häufig kommt es vor, daß gewöhnlich im
+Meer lebende Fische zum Laichen hoch in die Flüsse hinaufsteigen oder
+umgekehrt das Süßwasser zum Laichen mit dem Meer vertauschen. Zu diesen
+gehört beispielsweise der Aal, zu jenen der Lachs. Wenn wir diese echten
+Wanderer etwa mit den Zugvögeln vergleichen können, so gibt es
+andrerseits auch noch eine Reihe beschränkter Wanderer, die den
+Strichvögeln entsprechen und nur im gleichen Stromsystem oder Meere hin
+und her ziehen, wobei Wärme- und Ernährungsverhältnisse, Salzgehalt des
+Wassers und Laichgelegenheiten als die maßgebenden Faktoren anzusehen
+sind. Hierher gehören z. B. von Süßwasserfischen die Forelle und von
+Seefischen die Flunder, die zwar Hunderte von Kilometern weit reist,
+nicht aber aus der Nordsee in die Ostsee zieht oder umgekehrt. Während
+man früher sich um die Fischwanderungen wenig gekümmert hat, ist ihnen
+in neuerer Zeit eine sehr eingehende und sorgfältige Beachtung
+zugewendet worden, und zwar nicht nur aus rein wissenschaftlichen,
+sondern namentlich auch aus praktischen und volkswirtschaftlichen
+Gründen. Nirgends und zu keiner Zeit drängen sich ja die Fische in
+solchen Massen zusammen wie auf ihren Wanderungen von und zu den
+Laichplätzen, und niemals sind sie so mühelos und in so lohnender Menge
+zu fangen wie bei solchen Gelegenheiten. Mit Sehnsucht warten ganze
+Dörfer und Städte auf das seit Jahrhunderten gewohnte Erscheinen der
+riesigen Fischheere, die reichen Verdienst mit sich bringen, und die
+Trauer und die Enttäuschung sind groß, wenn die geschuppten Geschwader
+einmal aus irgendwelchen Gründen ausbleiben, denn das bedeutet Elend
+und Verarmung. Da aber plötzliche Verlegungen der altbekannten
+Heeresstraßen gerade in den letzten Jahrzehnten öfters vorgekommen sind
+und dadurch mehrfach wirtschaftliche Katastrophen hervorgerufen wurden,
+während andrerseits unvermutet unendliche Fischzüge an ungewohnten
+Plätzen erschienen, wo sie nicht genügend verwertet werden konnten, und
+oft genug als Dung auf die Felder gefahren werden mußten, so liegt es
+auf der Hand, welch hohe praktische Bedeutung der Erforschung solcher
+Erscheinungen und dem Studium der Fischwanderungen überhaupt zukommt. So
+ist es zunächst sehr wichtig, zu wissen, was wohl die Fische auf ihren
+Wanderungen leitet. Da man in wissenschaftlichen Kreisen dem
+»stumpfsinnigen« Fisch irgendwelche an geistige Fähigkeiten anstreifende
+Handlungsweise nicht zutraute, so sollte auch die Wanderung ein rein
+reflektorischer Vorgang sein, der natürlich durch gewisse Reize
+ausgelöst werden mußte. Man dachte da namentlich an die sogenannte
+Phototaxis, d. h. an das Reagieren des Organismus gegen veränderte
+Belichtungs- und Bestrahlungsverhältnisse. Nun hat aber jüngst erst
+Franz in einer Reihe sehr eingehender Studien nachgewiesen, daß die
+durch gekünstelte Experimente gewonnene Vorstellung von der Phototaxis
+lediglich ein reiner Laboratoriumsbegriff ist, wenigstens soweit die
+Fische in Betracht kommen. Sie ist in Wirklichkeit nichts als ein unter
+ungünstigen Daseinsveränderungen und insbesondere bei anscheinender
+Gefahr ausgelöster Fluchtreflex, der bei Oberflächenfischen sich als
+»positiv«, bei Grundfischen dagegen als »negativ« erweisen wird, da
+diese bei Bedrohung ja instinktmäßig ins Dunkel flüchten. Will man von
+dem durch den Wechsel zwischen Tag und Nacht bedingten Aufsteigen und
+Niedersinken gewisser Meeresfische und ihrer Larven absehen, so gibt es
+eine Phototaxis bei erwachsenen Fischen in freier Natur überhaupt nicht,
+bei ihren Larven nur in ganz beschränktem, kaum angedeutetem Umfang.
+Deshalb kann die Phototaxis auch auf die Wanderungen der Fische nicht
+den allergeringsten Einfluß ausüben, sondern es müssen andere Faktoren
+zu ihrer Erklärung herangezogen werden. Einen solchen glaubt Franz
+zunächst einmal in dem _Ortssinn_ und in dem _Ortsgedächtnis_ der Fische
+gefunden zu haben, die er sorgsam auf ihre Leistungsfähigkeit hin
+geprüft und weit höher entwickelt gefunden hat, als sich dies unsere
+Schulweisheit bisher träumen ließ. Danach scheinen doch auch schon die
+Fische teilweise wenigstens keine absoluten Reflexmaschinen mehr zu
+sein, vielmehr bei ihnen schon wenigstens schüchterne Ansätze sich
+geltend zu machen zum Verwerten erlebter Erfahrungen und zum Verknüpfen
+von Assoziationen, so sehr man sich andrerseits vor Vermenschlichungen
+bei dieser immerhin tiefstehenden Tierklasse hüten muß, deren
+Lebensäußerungen zumeist durch mehr oder minder verwickelte und sich
+kreuzende Instinkte und Reflexe unschwer sich werden erklären lassen.
+Wie immer dem sei, jedenfalls beweisen schon die einfachsten
+Experimente, daß die Fische tatsächlich einigermaßen gemachte
+Erfahrungen zu ihrem Besten zu verwerten wissen. So stutzten Barsche,
+denen man als Futterfische Sardinen gab, als man einige derselben rot
+färbte, machten aber schließlich einen Versuch und verzehrten dann
+gefärbte und ungefärbte ohne Unterschied. Ähnlich ging es, als man noch
+einige blau gefärbte Sardinen dazu setzte. Als dann aber kleine Stücke
+von Seenesseln an den blauen Sardinen befestigt wurden und die Barsche
+sich beim Zugreifen tüchtig stachen, fuhren sie erschrocken zurück und
+mieden von da ab die blauen Sardinen. Freilich hielt in diesem Falle ihr
+Gedächtnis nur bis zum nächsten Tage vor; dann scheinen aber die
+Barsche besonders vergeßliche Bursche zu sein, denn vom Karpfen
+ist nachgewiesen, daß er mindestens vier Monate lang für
+Örtlichkeitsverhältnisse Gedächtnis hat, und bei anderen Fischen verhält
+es sich ähnlich. Dieser Auffassung steht nun allerdings die Tatsache
+entgegen, daß geangelte und dabei entkommene oder wieder ausgesetzte
+Fische oft schon nach kurzer Zeit sich zum zweiten oder dritten Male
+fangen lassen, also die gemachte böse Erfahrung anscheinend sehr rasch
+vergessen haben. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, daß einerseits die
+dem Fische beim Angeln zugefügte Schmerzempfindung aller
+Wahrscheinlichkeit nach eine nach menschlichem Maßstabe überraschend
+geringe, und daß andrerseits der Zuschnappreflex, wenn der Ausdruck
+statthaft ist, ein sehr stark entwickelter ist und eben in solchen
+Fällen den Sieg über die geringe Lernfähigkeit davonträgt. Edinger kommt
+auf Grund umfassender Untersuchungen geradezu zu dem Schlusse, daß der
+Fisch nicht zubeißt, weil er zubeißen will, sondern weil er zubeißen
+muß. Er schaltet also einen selbständigen Willen des Tieres dabei
+vollständig aus, und die praktischen Erfahrungen der Angler, die in
+England das Sprichwort haben »Wenn du der Forelle die rechte Fliege zur
+rechten Zeit gibst, fängst du sie sicher«, scheinen ihm darin nicht
+unrecht zu geben. Edinger glaubt demnach, daß infolge sich gegenseitig
+auslösender Reflexe ein hungriger Fisch unter bestimmten Umständen
+anbeißen _muß_, wenn die Nahrung ihm genau in der Weise zukommt, wie die
+naturgemäße, und störende Nebenumstände (Sichtbarkeit der Schnur,
+Schatten des Anglers usw.) vermieden werden. Die ganze Geschicklichkeit
+des Anglers bestehe deshalb lediglich darin, diesen richtigen Augenblick
+ausfindig zu machen. Übrigens gehen intelligentere Fische wie der Schill
+doch nicht leicht zum zweiten Male an die Angel, wenn sie schwer gereizt
+wurden. Wenn nun auch die Lernfähigkeit der Fische jedenfalls nur eine
+geringe ist, so ist das Ortsgedächtnis doch in nicht unerheblichem, wenn
+auch sehr verschieden hohem Grade vorhanden, und am besten ist es
+jedenfalls bei den Wanderfischen entwickelt. So hat man festgestellt,
+daß zwar Stichlinge ihr Nest nur auf 10 m Entfernung wieder fanden,
+Forellen dagegen trotz zwischengelegter Hindernisse aus 6 km Entfernung
+zu ihrem Standplatze zurückfanden. Ein derart gutes Ortsgedächtnis muß
+den Fischen natürlich auch auf ihren Wanderungen in hohem Maße zustatten
+kommen, und man könnte sich auch recht wohl vorstellen, daß die Kenntnis
+bestimmter Heeresstraßen sich ähnlich wie bei den Vögeln durch Tausende
+von Generationen vererbt habe, dadurch fixiert und zu einem bloßen
+Instinkt geworden sei. Aber dann hat ja der Fisch auch noch eine
+Seitenlinie, die ihn so genau über den jeweiligen Verlauf der Strömung
+unterrichtet, und es muß deshalb für ihn eine Kleinigkeit sein, sich in
+Strömen oder Flüssen zurechtzufinden, sei es nun, daß er abwärts ins
+Meer oder aufwärts ins Quellgebiet zu gelangen wünscht. Diese Faktoren
+reichen also wohl aus, um reine Süßwasserwanderungen zu erklären, aber
+ganz anders und viel geheimnisvoller gestaltet sich das Bild, wenn wir
+etwa an die Einwanderung der jungen Aale aus dem Meere in die Ströme
+denken. Man denke sich diese Fischchen, die noch nie eine Reise gemacht
+haben, in der unendlich einförmigen, in ewige Finsternis gehüllten
+Wassermasse, wo das Fischauge keine festen Anhaltspunkte gewinnen kann,
+sondern eine unbestimmte nebelige Ferne vor sich hat. Hier kann
+natürlich von irgendwelchem Ortsgedächtnis keine Rede sein. Franz ist
+der Meinung, daß es der abweichende Salzgehalt der verschiedenen
+Wasserschichten und Meeresteile ist, der den Tieren als Führer aus
+dieser Wüstenei dient. Wasserschichten verschiedenen Salzgehalts zeigen
+ja auch abweichende Temperaturen, und diese wiederum zeitigen
+Strömungserscheinungen. Freilich werden solche ganz gering sein und erst
+nach Zurücklegung weiterer Strecken sich deutlich bemerkbar machen, aber
+es ist wohl mit Recht anzunehmen, daß die gesteigerte nervöse
+Erregbarkeit der Fische zur Brunst- oder Wanderungszeit auch die
+Feinfühligkeit ihrer Sinnesorgane und namentlich der Seitenlinie erhöht.
+Und so ließe sich auch hier schließlich folgern, daß die Wanderung der
+Meeresfische mehr eine Art Zwangsbewegung darstellt. Vielleicht bringen
+die Markierungsversuche, die seit einigen Jahren von zahlreichen
+biologischen Stationen gemacht werden, allmählich mehr Licht in diese
+einstweilen noch ziemlich dunkle Seite des Fischlebens.
+
+ [Illustration: Aal. (Nach einer Aufnahme von Jacques Boyer.)]
+
+ [Illustration: Die Entwicklung des Aales. (Nach Grassi u.
+ Calandruiccio.)]
+
+Betrachten wir nun zunächst einmal als Beispiel für die ersterwähnte Art
+der Wanderung den _Aal_ (_Anguílla vulgáris_), bei dem ja gerade
+seine ausgedehnten Reisen sein ganzes Leben mit einem schier
+undurchdringlichen Schleier des Rätselhaften und Geheimnisvollen umhüllt
+haben, den zu lüften emsiger Forschung erst in jüngster Zeit gelungen
+ist. Fortpflanzung und Wanderung sind hier nicht nur in der innigsten,
+sondern auch in der seltsamsten Weise miteinander verknüpft. Lange
+tappte man diesbezüglich im dunkeln und erzählte sich mehr oder minder
+unsinnige Märchen nach, und daß die Forschung das große Aalproblem jetzt
+in seinen Hauptzügen, wenn freilich auch noch lange nicht erschöpfend
+gelöst hat, darf als einer der glänzendsten Triumphe der biologischen
+Wissenschaft angesehen werden. Viel hat zu der jahrhundertelangen
+Verwirrung der Umstand beigetragen, daß es lange nicht gelingen wollte,
+Geschlechtsorgane bei unseren Süßwasseraalen aufzufinden, so unzählige
+man auch dieserhalb untersuchte. Da kann es nicht Wunder nehmen, daß das
+uralte Märchen von der Urzeugung gerade beim Aal überraschend lange in
+Geltung blieb, um später durch die ebenso falsche Auffassung abgelöst zu
+werden, daß der Aal lebendige Junge gebäre. Wahrscheinlich wurde sie
+hervorgerufen durch die Auffindung von massenhaft im Leibe des Aals
+schmarotzenden Spulwürmern (Ascaris), die bei oberflächlicher
+Betrachtung wohl als Jungaale gelten konnten. Noch in den 70er Jahren
+ist ein strebsamer Naturgeschichtsprofessor auf eine ihm von einem
+Fischer gebrachte »Aalmutter« hereingefallen (es ist dies ein ganz
+anderer Fisch, _Zoarces vivipara_, der schon seit Jahrhunderten als
+lebendig gebärend bekannt ist) und hat einen sehr langen, sehr
+gelehrten und schön illustrierten Aufsatz darüber in der »Gartenlaube«
+veröffentlicht, um dadurch das Lebendgebären beim Aale zu beweisen. Auch
+über einen vermutlichen Generationswechsel bei diesem merkwürdigen
+Fische hat man viel gefabelt. In Wirklichkeit verhält sich aber die
+Sache so, daß alle in unseren Süßwassern lebenden Aale überhaupt noch
+nicht geschlechtsreif sind. Denn als man endlich mit Hilfe der
+gesteigerten Mikroskoptechnik die Geschlechtsorgane auffand, die in
+Fettmassen verborgen liegen, da stellte es sich heraus, daß sie noch
+völlig unentwickelt waren. Hatten doch die Eier in den weiblichen
+Geschlechtsteilen kaum einen Durchmesser von 0,1 _mm_, waren also mit
+bloßem Auge gar nicht sichtbar. Da man schon längst wußte, daß ein Teil
+unserer Aale im Herbst ins Meer wandert, lag die Folgerung nahe, daß die
+Tiere erst dort ihre volle Geschlechtsreife erlangen und zum Laichen
+schreiten. Von da an befand sich die Forschung auf dem richtigen Weg,
+und es ist namentlich das Verdienst des Italieners Grassi und des Dänen
+Schmidt, daß heute das Aalproblem den Nimbus des Unerklärlichen verloren
+hat. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, daß fast alle die großen Aale
+unserer Binnengewässer Weibchen, also Aaljungfern sind und sich durch
+silbergrauen Bauch auszeichnen, während die viel kleineren, gelb- oder
+braunbäuchigen Aale an den Strommündungen und Haffen fast nur aus
+Männchen bestehen. Im Alter von 3-7 Jahren -- je nach dem
+Ernährungszustand -- wird die Aaljungfrau, deren ganzes Dasein bis dahin
+lediglich aus Fressen und Schlafen bestand, von einer unüberwindlichen
+Sehnsucht nach dem fernen Meere gepackt, in dessen tiefsten Gründen
+einst ihre Kinderwiege stand. Sie begibt sich auf die Reise und findet
+unterwegs eine sich ständig vermehrende Zahl von Gefährtinnen, die die
+gleiche Sehnsucht vorwärts treibt. Die Wanderung vollzieht sich
+namentlich in recht dunklen, stürmischen und unfreundlichen Nächten, in
+denen etwa je 15 _km_ zurückgelegt werden, wird aber öfters durch Rast-
+und Erholungstage unterbrochen, so daß es geraume Zeit dauert, bis man
+am Ziele angelangt ist. Unzählige gehen unterwegs an der Tücke des
+Menschen oder an anderen Unbilden zugrunde, aber dafür treffen die
+Überlebenden in den Strommündungen mit den Männchen zusammen, so daß nun
+beide Geschlechter in traulichem Verein die Reise fortsetzen können, die
+noch gar weit ins Innere des Weltenmeeres hineinführt. Inzwischen haben
+die Eierchen, deren jedes Weibchen 1 bis 1-1/2 Millionen bergen soll,
+schon um das 2 bis 2-1/2fache an Größe zugenommen, aber erst durch die
+Berührung mit dem fruchtbringenden Meer entwickeln sich nun beider
+Geschlechter Organe zu derjenigen Vollkommenheit, die zur Ausübung des
+Laichaktes notwendig ist. Gleichzeitig wird der Aal zum Tiefseefisch,
+von Farbe dunkler und metallglänzend, mit spitzerem Kopf und weit
+größeren, 1 _cm_ im Durchmesser haltenden Augen. An seine Laichplätze
+stellt er ganz besondere, sehr spezifizierte Forderungen. Sie sollen in
+ungefähr 1000 _m_ Meerestiefe liegen, einen Salzgehalt von 3,52 Proz.
+und eine Durchschnittstemperatur von etwa 9° haben, was bei solch
+erheblicher Meerestiefe von vornherein nur in der Nähe des wärmenden
+Golfstroms möglich ist. Der Aal findet derartige Plätze erst weit
+draußen im offenen Atlantik, in einem halbmondförmigen Gebiet, das sich
+von den Faröern zur Küste Spaniens erstreckt. Hier wird also Hochzeit
+gefeiert in für das menschliche Auge undurchdringlichen Tiefen: die
+Binnengewässer sind des jungen Aales Tummelplatz, die Meerfahrt ist
+seine Brautfahrt, die Tiefe des Atlantik sein Hochzeitsbette und
+wahrscheinlich auch sein Grab. Wenigstens hat man keinen der so
+stürmisch zu den Freuden der Minne nach dem Meere strebenden Aale jemals
+wieder in die Ströme zurückkehren sehen. Vielleicht führen sie nach der
+Laichzeit noch ein unbeachtetes Dasein im grenzenlosen Ozean,
+wahrscheinlicher aber gehören sie zum Stamme jener Asra, »die da
+sterben, wenn sie lieben,« ähnlich wie die Neunaugen, deren Lebenslauf
+ja überhaupt manche Ähnlichkeit mit dem des Aales aufweist. Ihr Dasein
+hat ja auch keinen rechten Zweck mehr, denn für die Erhaltung ihrer Art
+haben sie überreichlich gesorgt. Die Myriaden kleiner Krebstierchen in
+der Tiefsee werden sich gierig über die Leichname herstürzen und diese
+nicht nur gründlich, sondern auch so rasch vertilgen, daß sie erst gar
+keine Zeit haben, durch Leichengase aufzuschwellen und an die Oberfläche
+emporzukommen. Da sich also die wichtigsten Lebensvorgänge des Aales im
+Meere abspielen, muß er unbedingt als ein Meeresfisch bezeichnet werden,
+der erst in zweiter Linie und nebenbei auch zum Süßwasserbewohner
+geworden ist. Beim Lachs verhält es sich gerade umgekehrt. Auch die
+abgelegten, auffällig kleinen Eier bleiben in der Tiefe, da ihnen ein
+flottierendes Element in Gestalt von beigegebenen Öltröpfchen, wie es
+viele andre Fischeier haben, fehlt, und dies ist ein Grund mehr dafür,
+daß sie so schwer und so selten aufgefunden werden. Ihnen entschlüpfen
+nun aber keineswegs fertige Jungaale, sondern gar seltsame Wesen, die
+eine Larvenform darstellen und wenigstens äußerlich so stark vom
+Aaltypus abweichen, daß man sie früher unter dem Namen Leptocéphalus
+breviróstris als eine eigene Art beschrieb, ohne ihren nahen
+Zusammenhang mit der heiß umstrittenen Fortpflanzungsgeschichte des
+Aales zu ahnen. Diese Wesen sind 6-8 _cm_ lang, haben die flache Form
+eines Weidenblatts, dazu einen winzigen Kopf und eine kleine
+Schwanzflosse und bestehen im übrigen fast ganz aus mächtigen
+Muskelzügen. Ihr Blut ist farblos, das ganze Geschöpf wasserhell und
+durchsichtig wie Glas, so daß man durch seinen Leib hindurch sogar lesen
+kann. Die Tierchen kommen später bei Nacht an die Oberfläche des Meeres,
+während sie sich bei Tage in Tiefen von 100-150 _m_ aufhalten.
+Allmählich wandeln sie sich zum Aal, wobei verschiedene Zwischenstadien
+durchlaufen werden. Der Leib wird dicker und runder, die Flossen bilden
+sich aus, und schließlich ist ein Geschöpf von echtem Aaltypus fertig,
+das aber etwas kürzer erscheint als die Larve (da diese zuletzt keine
+Nahrung zu sich nimmt) und zunächst auch noch glashell ist. Diese
+»Glasaale« begeben sich nun auf die Wanderschaft und suchen in dicht
+gedrängten Zügen Strommündungen zu erreichen. Zu Milliarden finden sie
+sich an geeigneten Plätzen ein, eine Erscheinung, die die Franzosen als
+»_montée_«, die Italiener als »_montada_« bezeichnen. Der Bristolkanal,
+der Ärmelkanal und der Busen von Biskaya sind ihre bevorzugten
+Einfallspforten. Wie riesenhafte Schlangen von 1-3 _m_ Breite und
+entsprechender Dicke wälzen sich diese Züge dicht an den Ufern der
+Ströme entlang, getreulich alle Windungen und Krümmungen des Flußbettes
+mitmachend. Hier machen sie zum ersten Male unwillkommene Bekanntschaft
+mit dem Menschen, der nur mit dem Kätscher aus diesem lebenden Strome zu
+schöpfen braucht, um Millionen junger Fischleben zu vernichten und sich
+selbst einen flüchtigen Gaumenkitzel zu bereiten, indem er die zarten
+Dinger mit Eiern zu recht wohlschmeckenden Omeletten verbäckt. Von der
+fabelhaften Menge, in der die Glasaale bei solchen Gelegenheiten
+auftreten, kann man sich einen ungefähren Begriff machen, wenn man hört,
+daß z. B. im Severnfluß pro Fischer und Nacht nicht selten 500 Pfund
+und mehr gefangen werden, wobei man etwa 1000 Jungaale auf das Pfund
+rechnen kann. Die Tierchen haben sich während der langen Reise auch
+schon etwas weiter entwickelt und sind jetzt namentlich stärker
+pigmentiert, und bald nach dem Eintritt in die Flüsse schwindet die
+Glasfarbe ganz. Der Entwicklungszustand, in dem die ihren Namen jetzt
+kaum noch verdienenden Glasaale in die Flüsse eintreten, ist naturgemäß
+ein sehr verschiedener, je nach der Entfernung, die sie vom
+Geburtsplatze aus bis dahin zurücklegen mußten und je nach der darüber
+vergangenen Zeit. Die zur Ostsee und deren Zuflüssen wandernden Jungaale
+sind naturgemäß schon sehr viel weiter in ihrer Entwicklung
+vorgeschritten. Meist treffen die Jungaale im Frühjahr an den Küsten
+ein, nachdem ihre Verwandlung aus dem _Leptocéphalus_ zum Glasaal etwa
+ein Jahr beansprucht hat. Die große Mehrzahl der Männchen bleibt in den
+Brackwässern und Strommündungen zurück, während die Weibchen weiter
+ziehen. Vielleicht verhält sich die Sache aber auch so, daß die
+Geschlechter bei den Glasaalen überhaupt noch nicht differenziert sind,
+sondern sich erst infolge der verschiedenen Ernährungsverhältnisse
+später herausbilden, wonach also die größeren Weibchen auf bessere
+Nahrungsverhältnisse hindeuten würden. In den Flüssen strebt die ganze
+Masse geschlossen vorwärts, aber bei jedem einmündenden Nebengewässer
+zweigt sich ein Teil ab, so daß die Hauptschar immer geringer wird und
+schließlich das ganze Heer sich verteilt wie der Blutstrom in den Adern
+eines Körpers. Entgegenstehende Hindernisse in Form von Wasserfällen
+oder Wehren überwinden die kaum bindfadendicken, schwächlichen Fischchen
+mit staunenswerter Rücksichtslosigkeit und Tatkraft. Mögen Tausende und
+Zehntausende dabei zugrunde gehen -- ihre feuchten und schlüpfrigen
+Leiber bilden dafür die Brücke, die den andern den Übergang ermöglicht.
+Selbst der gewaltige Rheinfall von Schaffhausen, den die muskelstarken
+Lachse nicht zu nehmen vermögen, wird von diesen zähen Fischchen
+überwunden, und so erklärt es sich, daß auch im Bodensee Aale vorkommen.
+Da die Anwohner der Flüsse und Binnenseen die Einwanderung der
+geschätzten Fische natürlich sehr gern sehen, bemüht man sich vielfach,
+den Aalen entgegenzukommen und ihnen den Aufstieg über schwer zu
+überwindende Hindernisse zu erleichtern, indem man sogenannte Aalleitern
+anbringt. Es sind dies im Zickzack verlaufende, feucht zu haltende
+Holzrinnen, die durch Moos- oder Sandbelag Halt gewähren, oft auch mit
+Rippen und Querwänden versehen sind. Auf diese Weise hat man es den
+Aalen z. B. neuerdings möglich gemacht, die großen schwedischen Gewässer
+oberhalb der Trollhättafälle zu besiedeln, über die sie früher nicht
+hinwegzukommen vermochten. In besonders raffinierter und geschickter
+Weise aber haben schon seit alten Zeiten italienische Fischer in dem im
+südlichen Podelta gelegenen Lagunenstädtchen Comacchio die eigenartige
+Naturgeschichte des Aales praktisch zu nutzen verstanden, sozusagen
+instinktiv, ohne doch jene zu kennen. Man hat dort in den ausgedehnten
+Lagunen ein großartiges System von Schleusen und Kanälen angelegt,
+derart, daß die eintretende »_montada_« durch Beeinflussung mit Licht
+usw. in die Becken gelockt wird, worauf man den Rückweg absperrt. Die
+jungen Aale entwickeln sich nun unter sorgfältiger Hege während der
+nächsten Jahre, aber wenn sie dann der Wandertrieb ergreift und sie zum
+Meere herabziehen wollen, geraten sie in die Sammelbecken, wo sie
+herausgenommen und geschlachtet werden. 500 Beamte beansprucht die
+Verwaltung dieses berühmten Aalstaates von Comacchio, liefert dafür aber
+auch jahraus jahrein durchschnittlich 5 Millionen Pfund vorzüglichsten
+Aalfleisches. Nicht nur die italienischen Großstädte werden von hier aus
+versorgt, sondern ein guter Teil der gefangenen Aale wandert sogar in
+die Räuchereien Norddeutschlands. Denn hier wird der schmackhafte Fisch
+leider immer seltener, besonders im Ostseegebiet, was ja erklärlich
+erscheint, wenn man berücksichtigt, welch unzählige Fährlichkeiten die
+vielverfolgten Aale auf den weiten Reisen von und nach den entlegenen
+Brutplätzen zu bestehen haben. Überdies ist man gerade in Westpreußen
+vielfach so töricht gewesen, die Abflüsse der Seen durch Dämme zu
+sperren und so den Aalen die Rückwanderung unmöglich zu machen, und sie
+sind dann dort natürlich ausgestorben. Unter diesen Umständen ist es mit
+großer Freude zu begrüßen, daß die preußische Regierung neuerdings
+Millionen von Glasaalen aus dem Bristolkanal lebend nach norddeutschen
+Gewässern überführen ließ, wobei freilich anfangs tüchtig Lehrgeld
+gezählt werden mußte. Nach all dem Gesagten ist es wohl klar, daß
+eingeborene Aale nur in solchen Gewässern vorkommen können, die in einer
+wenn auch noch so weitläufigen und verzweigten Verbindung mit dem Meere
+stehen. Der oft gehörte Einwand, daß auch in völlig abgeschlossenen
+Teichen Aale gefunden wurden, läßt sich leicht entkräften durch die
+Erfahrungstatsache, daß häufig junge Fischchen durch Wasservögel im
+Gefieder oder an den Rudern in fremde Gewässer verschleppt werden. Sie
+müssen dort aber ebenso wie künstlicher Einsatz wieder aussterben, falls
+nicht rechtzeitig für frische Zufuhr gesorgt wird. Die in solchen
+Gewässern eingesperrten oder auf der Reise verirrten Aale werden
+schließlich zu alten Jungfern mit verkümmerten Geschlechtsorganen,
+erreichen dafür aber eine riesenhafte Größe und ein Gewicht von 15 und
+mehr Kilogramm, während es sonst bei 3/4-1-1/2 _m_ Körperlänge nicht
+leicht über 5 _kg_ beträgt und die Männchen kaum länger als 45 _cm_
+werden, also für Küchenzwecke wenig in Betracht kommen. Das weiße
+Fleisch des Aals ist zwar nicht leicht verdaulich, aber sehr fett und
+äußerst wohlschmeckend, und wird sowohl in frischem Zustande wie
+geräuchert oder mariniert allenthalben hoch geschätzt. An seinen
+Wohnplätzen im Binnenlande führt der Aal ein recht beschauliches Leben
+und nimmt bei seiner Gefräßigkeit rasch zu. Am liebsten sind ihm etwas
+tiefere Gewässer mit weichem Untergrund, in den er sich bei Tage tief
+einwühlt. Doch kommt er auch an allen möglichen anderen Örtlichkeiten
+vor. So fand ich ihn auf Teneriffa in ganz kleinen Rinnsalen zwischen
+felsigem Gestein, wo man ihn mit der Hand greifen konnte, nachdem der
+Hund sein Versteck gemeldet hatte. Auch am Bristolkanal jagt man bei
+Ebbe die im Meeresschlick zurückbleibenden Aale mit Hilfe von besonders
+darauf dressierten Terriers. Bei uns ist die üblichste und ergiebigste
+Fangart für Aale diejenige mit Reusen. Der Aal ist ein ausgesprochenes
+Nachttier, verläßt also erst mit Einbruch der Dunkelheit seinen
+Schlupfwinkel, um Nahrung aufzusuchen. Wegen seines kleinen Maules kann
+er zwar große Bissen nicht bewältigen, hält sich aber dafür durch die
+Menge des Verzehrten schadlos. Auf Fischlaich ist er sehr erpicht und
+pfropft sich damit, wenn er ihn haben kann, bis zum Platzen voll, ist
+deshalb in Zuchtteichen ein sehr ungern gesehener Gast. Ebenso haben die
+frisch gehäuteten, also weichen Krebse in ihm einen bösen Feind, und er
+vermag die schmackhaften Kruster durch fortgesetzte Verfolgung noch
+gründlicher auszurotten als die gefürchtete Krebspest, zumal er sich mit
+seinem geschmeidigen Schlangenleib durch unglaublich enge Spalten und
+Ritzen hindurchzuzwängen, ja gewissermaßen hindurchzubohren vermag.
+Seine ungemein schlüpfrige und schleimige Haut, in der die kleinen
+Schuppen ganz versteckt sitzen, und die ihm bei Gefahr manchmal das
+Leben retten mag, kommt ihm dabei auch sehr zustatten. Daß er eine
+erstaunliche Lebenszähigkeit besitzt, hat wohl schon jede Köchin zu
+ihrem Leidwesen erfahren. Recht gern geht er auch an Aas. Immer und
+immer wieder liest oder hört man, daß die Aale in feuchten Nächten
+Spaziergänge auf die den Teichen benachbarten Felder unternehmen sollen,
+um sich an den Erbsen gütlich zu tun. Die moderne Wissenschaft erklärt
+das kurzweg für ein Märchen, aber es ist insofern etwas Richtiges daran,
+als der Aal in der Tat infolge besonderer Schutzvorrichtungen an den
+Kiemen (sie stehen nur durch 1-2 schmale Seitenspalten mit der Außenwelt
+in Verbindung, sind also nicht so leicht dem Austrocknen preisgegeben)
+ziemlich lange außerhalb des Wassers auszuhalten vermag, und dieses auch
+manchmal freiwillig verläßt, wenn ihm der Aufenthalt in dem feuchten
+Elemente aus irgendwelchen Gründen ungemütlich wird. Dies ist z. B. bei
+elektrischen Entladungen der Fall, gegen die alle niedrig stehenden
+Fische eine außerordentlich große Empfindlichkeit an den Tag legen.
+Merkwürdig ist weiter die große Lichtscheu des Aales. Durch grelle
+Beleuchtung kann man ihn an jeden beliebigen Platz scheuchen, und
+hierauf beruht auch der Vorschlag des genannten dänischen Forschers
+Schmidt, alle zum Meer wandernden Aale in den Ostseeländern mit Hilfe
+von Scheinwerfern abzufangen und dafür alljährlich frische Glasaale
+einzusetzen, ein Vorschlag, der glücklicherweise selbst der beteiligten
+Fischereibevölkerung zu radikal erschienen ist. Interessant wie alles am
+Aale ist endlich auch noch seine Verbreitung. Sie ist eine sehr große,
+aber in allen zum Kaspi oder zum Schwarzen Meere abwälzenden
+Stromsystemen (Donau!) fehlt er völlig. Es ist das auch ohne weiteres
+erklärlich, da der isolierte Kaspi viel zu seicht ist, als daß er den
+Aalen geeignete Laichplätze bieten könnte, und da das Schwarze Meer
+schon in einer Tiefe von 2-300 _m_ derart mit Schwefelwasserstoffgas
+gesättigt ist, daß die Larven darin gar nicht zu leben vermöchten.
+Allerdings hat man Jungaale mit Erfolg in der Donau eingebürgert, und es
+mögen auch einige durch die künstlichen Wasserstraßen vom Maingebiet her
+einwandern oder vom Mittelländischen Meere aus durch den Bosporus in die
+Donaumündung gelangen.
+
+ [Illustration: Kopf eines Rheinlachses mit schwach ausgebildeten
+ Haken. (Naturaufnahme von _Dr._ E. Bade.)]
+
+Ein gutes Gegenstück zum Aale in bezug auf Wanderung und Laichgeschäft
+ist der gleichfalls so hoch geschätzte _Lachs_ (_Sálmo sálar_). Wenn im
+zeitigen Frühjahr unsere Küsten eisfrei werden, erscheinen daselbst aus
+tieferen und mehr nördlich gelegenen Meeresteilen fortpflanzungsfähige
+Lachse in Trupps zu 30-40 und halten sich zunächst noch längere Zeit an
+den Strommündungen und in den Haffen, überhaupt möglichst im Brackwasser
+auf, um sich an den Übergang aus dem Salz- ins Süßwasser allmählich zu
+gewöhnen, da ein zu plötzlicher Wechsel ihrem Organismus nicht
+zuträglich ist, vielmehr oft ihren Tod zur Folge hat, wie auch durch
+Versuche nachgewiesen wurde. Nach dieser Übergangszeit aber steigen sie
+in den Flüssen selbst aufwärts als wohlgenährte, kraftstrotzende und
+lebensfrohe Tiere mit schiefergrauem Rücken, silberigen Seiten und weiß
+schimmerndem Bauch. In diesem Zustande heißen sie bei den Fischern Salme
+und werden besonders geschätzt, deshalb auch eifrig weggefangen. Manche
+bleiben auch ein ganzes Jahr im unteren Teil der Ströme, überspringen
+also eine Laichperiode und bekommen dann als sogenannte Winterlachse ein
+besonders zartes, schön rot gefärbtes Fleisch. Die große Mehrzahl aber
+wandert gleich weiter und legt nun unterwegs das Hochzeitskleid an, das
+bei ganz alten Milchnern in den herrlichsten Farben prangt: der Rücken
+wird tief schwarz mit Sammetglanz, die Flanken erscheinen übersät mit
+lose hingetupften, brennendroten, bisweilen zu Zickzacklinien
+verfließenden Flecken, der Bauch prangt in lebhaftem Orangerot, über die
+Seiten huschen grünliche Lichter, und die Flossen werden teilweise
+wunderbar chromgelb. Übrigens ändert die Gesamtfärbung bei allen
+lachsartigen Fischen ganz außerordentlich ab, wodurch ihre genaue
+Beschreibung sehr erschwert wird und dem Systematiker viele
+Verdrießlichkeiten erwachsen, zumal auch schon in freier Natur
+zahlreiche Verbastardierungen vorkommen, so daß bezüglich einer strengen
+Scheidung der einzelnen Arten auch heute noch vielfach Unklarheiten
+herrschen. Alter, Geschlecht, Jahreszeit, Ernährungsverhältnisse, Klima,
+Beschaffenheit des Wassers und des Untergrundes scheinen die dabei
+maßgebenden Faktoren zu sein. Selbst Skelett, Flossenstrahlen und
+Bezahnung, also Körperteile, die bei anderen Fischen als unverrückbar
+feststehend gelten, und deshalb sichere Artkennzeichen abgeben, sind
+mannigfachen Veränderungen unterworfen. Gleichzeitig mit dem Auftreten
+der prangenden Hochzeitsfarben verdickt sich beim männlichen Lachse die
+Oberkopf- und Nackenhaut schwartenartig, so daß die kleinen Schuppen
+völlig darin verschwinden, die Schnauze streckt sich, und der
+Unterkiefer wächst sich zu einem eberzahnartig nach oben gebogenen Haken
+aus, der 6 _cm_ lang werden und dann das Schließen des Maules unmöglich
+machen kann (Hakenlachs). Die bedeutsamsten Veränderungen gehen aber im
+Inneren des Körpers selbst vor, indem nach und nach die
+Geschlechtsorgane zu einer fabelhaften Mächtigkeit entwickelt werden.
+Machten sie vorher nur 1/2 Proz. des Körpergewichtes aus, so jetzt 25
+Proz. und mehr! Diese einseitige Bereicherung erfolgt ganz auf Kosten
+der feisten Rumpf- und namentlich Seitenmuskulatur, die förmlich
+zusammenschrumpft, und so wird aus dem wohlgenährten Salm in kurzer Zeit
+ein zwar bunter, aber klapperdürrer Geselle. Während bisher die Reise
+nur langsam und zögernd, im gemächlichen Bummeltempo vor sich ging,
+ergreift nun die von reifen Geschlechtsprodukten strotzenden Fische ein
+schier unbändiger Wandertrieb, der sie alle Hindernisse überwinden und
+rücksichtslos das Leben aufs Spiel setzen läßt, um das Ziel ihrer
+Sehnsucht baldmöglichst zu erreichen. Zur leichteren Überwindung des
+Wasserwiderstandes ordnen sie sich wie Kraniche oder Wildgänse zu
+keilförmigem Zuge, wobei das älteste und stärkste Exemplar die Spitze
+nimmt. Stellt sich ein Wehr oder Wasserfall entgegen, so schwimmen die
+Fische bis unmittelbar an seinen Fuß heran, stützen sich mit der
+Schwanzflosse auf einen Stein und schnellen sich dann durch einen
+gewaltigen Muskeldruck mit halbmondförmig gekrümmtem Körper aus dem
+Wasser heraus und über das Hindernis hinweg, wobei sie Sprünge von 3-4
+_m_ Höhe und 5-6 _m_ Weite im Bogen vollführen. Mißlingt der erste, so
+wird er unzählige Male wiederholt, bis das Wagnis endlich doch glückt
+oder der Lachs mit zerschundenem Leibe sterbend auf dem trockenen Felsen
+liegt. Nur sehr bedeutende Wasserfälle, wie der Schaffhausener, können
+vom Lachse nicht überwunden werden, der deshalb auch dem Bodensee fehlt.
+Das Allermerkwürdigste bei dieser harten und entbehrungsreichen
+Brautfahrt ist aber der Umstand, daß die Lachse während ihrer ganzen,
+sich über 4-6, ja selbst 10-12 Monate erstreckenden Dauer anscheinend
+keinerlei Nahrung zu sich nehmen, sich also förmlich als Hungerkünstler
+produzieren. Wenigstens hat man in ihrem Leibe noch niemals
+Nahrungsreste irgendwelcher Art gefunden, vielmehr die Beobachtung
+gemacht, daß Magen und Darm eintrocknen, keine Ausscheidungen mehr
+liefern und selbst das Gebiß durch Nichtgebrauch verkümmert. Und daß
+Lachse tatsächlich ein volles Jahr zu fasten vermögen, beweist ein von
+Paton 12 Monate lang gefangen gehaltenes, nur 5pfündiges Exemplar, das
+in dieser Zeit niemals gefüttert, wohl aber zweimal zum Befruchten von
+Rogen abgestrichen wurde. Unser Wanderfisch ohnegleichen, der sich allen
+Hindernissen zum Trotz im Kampf gegen Wehre, Schleusen und
+Stromschnellen den Weg vom Meer zum Fels bahnt, ist also auch ein
+Hungerkünstler, der Succi und Genossen weit übertrifft. Es handelt sich
+hier um eines der größten und interessantesten Fastenexperimente, das
+die Physiologie kennt. Bis in die kleinsten Gebirgsbäche hinauf wird die
+Reise ausgedehnt, und nicht selten erreicht der Lachs dabei Meereshöhen
+von 1000 _m_ und mehr. Wo reines, sauerstoffreiches Wasser flach über
+kiesigen Untergrund strömt, da erscheint den weitgereisten Wanderern
+endlich die Gelegenheit günstig, sich ihrer sie belastenden
+Geschlechtsprodukte zu entledigen. In der Regel steht ein Rogner mit
+einem alten und mehreren jungen Milchnern zusammen. Durch energisches
+Fegen mit der Schwanzflosse schafft sich das Weibchen eine Laichgrube
+und setzt in diese nach und nach seine 10-30000 rotbraunen Eier ab, die
+von dem daneben liegenden oder etwas oberhalb im Wasser stehenden
+Männchen sofort besamt und dann mit Sand oder Kies oberflächlich wieder
+verdeckt werden. Die Tiere gehen in ihrer Buhlschaft, die sich 8-14 Tage
+hinziehen kann, völlig auf, haben für nichts anderes mehr Sinn und
+lassen sich an seichten Plätzen sogar mit Händen greifen. Das alte
+Lachsmännchen ist während dieser Zeit eifersüchtig wie ein Türke, nimmt
+jede Störung furchtbar übel und schießt wie ein böser Bullenbeißer auf
+alles los, das seinen Unwillen erregt. Mit Geschlechtsgenossen der
+eigenen Art setzt es dann erbitterte Kämpfe ab, bei denen das Blut
+fließt und nicht selten einer der beiden Duellanten tot auf dem Platze
+bleibt, während die jungen »Spetzker« die günstige Gelegenheit benutzen,
+auch von den Freuden der Minne zu kosten, so daß wir hier ähnliche
+Verhältnisse vor uns haben, wie zwischen Platzhirsch und Spießer. Bei
+solchen Raufereien kommen dann Schwartenpanzer und Eberzahn zu ihrem
+Recht. Das anstrengende Laichgeschäft erschöpft die letzten Kräfte der
+vielgeprüften Fische. Zum Skelett abgemagert, todesmatt, mißfarbig
+treten sie den Rückweg zum fernen Meere an, lassen sich vielmehr fast
+ohne eigenes Zutun von der Strömung dorthin treiben, und nicht wenige
+gehen dabei vor Erschöpfung zugrunde. Das Fleisch solcher Lachse ist fad
+und weichlich geworden und durchaus kein Leckerbissen mehr, gilt
+vielmehr als nahezu ungenießbar. Wieder im nahrungsreichen Meere
+angekommen, erholen sie sich aber rasch, fressen nun tüchtig und nehmen
+dadurch in einer Weise zu, die selbst im Reich der Fische einzig
+dasteht. So wurde ein im Februar 1908 in England gefangener 8pfündiger
+Lachs gezeichnet, und nach genau einem Jahre als fetter 20pfündiger
+Bursche wieder gefangen. Der in den Gebirgswassern abgesetzte Laich
+braucht geraume Zeit bis zum Ausschlüpfen, nämlich je nach den
+Temperaturverhältnissen des Wassers 3-5 Monate. Die jungen Lachse leben
+dann im allgemeinen etwa zwei Jahre an ihrem Geburtsorte oder in dessen
+Nähe, bis sie gegen 40 _cm_ lang geworden sind und den schönen
+Silberglanz bekommen, worauf sie langsam die Wanderung nach dem Meere
+antreten, um sich hier tüchtig an Krebstieren, Gewürm, Muscheln und
+kleinen Fischen zu mästen und die Geschlechtsreife zu erhalten, worauf
+sie sich dann zum ersten Male auf die beschwerliche Brautfahrt begeben.
+Unbedingt notwendig ist übrigens für die Lachse der hier geschilderte
+fortwährende Wechsel zwischen Salz- und Süßwasser nicht, denn es gibt
+auch Lachse in völlig abgeschlossenen Wasserbecken, wo sie dann
+lediglich die seichte Uferzone zum Laichen aufsuchen. Über verschiedene
+andere mit der Wanderung zusammenhängende Fragen gibt am besten der
+Fisch selbst Auskunft, und zwar durch das Tagebuch, das er auf seine
+Schuppen schreibt. Wir wissen ja, daß die Schuppen der Fische sogenannte
+_Jahresringe_ aufweisen, nämlich regelmäßig abwechselnde Zonen
+schnelleren und langsameren Wachstums, die reichlichen oder spärlichen
+Ernährungsperioden entsprechen und sich mit den bekannteren Jahresringen
+der Bäume vergleichen lassen, wie man auch nach ihnen gerade wie bei
+diesen das Alter der Fische mit annähernder Sicherheit bestimmen kann.
+Hutton hat nun herausgefunden, daß der frisch ins Meer eingewanderte
+Junglachs auf der Schuppe deutlich zwei Zonen mit eng zusammengedrängten
+konzentrischen Linien erkennen läßt. Sie entsprechen je einem
+Winteraufenthalt im Süßwasser mit seiner knappen Ernährung. Später
+schließt sich dann eine Zone an, in der die Linien ganz auffallend weit
+auseinander stehen: der Fisch ist sehr rasch gewachsen, denn das Meer
+bot ihm seinen Nahrungsreichtum dar. Aber auch dieser wird im Winter
+spärlicher oder nicht in gleichem Maße ausgenutzt, und so markiert sich
+jeder im Meer zugebrachte Winter wieder durch eine Zone eng beisammen
+liegender Linien. Dadurch wird es ermöglicht, genau festzustellen, wie
+viel Winter, bzw. Jahre der Lachs im Meere verbringt, ehe er erstmals
+zum Laichen in die Flüsse emporsteigt, und es hat sich herausgestellt,
+daß die in die Flußmündungen eintretenden kleinsten Lachse 1-3
+Winterringe auf den Schuppen tragen. Die lange Fastenzeit im Süßwasser
+wird dadurch zum Ausdruck gebracht, daß die Schuppen sich auffasern und
+aussehen, als seien sie schadhaft geworden. Diese abgeriebene Zone
+bleibt stets erkennbar, auch wenn sich wieder neue Linien angesetzt
+haben, und es hat sich so ergeben, daß der Lachs seine entbehrungsreiche
+Brautfahrt nicht alljährlich unternimmt, sondern sich bisweilen ein Jahr
+der Ruhe und Kräftigung im Meere vergönnt. Zu seinem Wohlbefinden
+beansprucht der Lachs vor allem eins: reines, ungetrübtes Wasser, und er
+ist deshalb aus unseren durch die Industrie verseuchten Gewässern leider
+so leicht zu vertreiben wie kaum ein anderer Fisch. Fast wie eine Sage
+mutet es uns an, daß einst in Hamburg, Pommern, West- und Ostpreußen die
+Dienstboten sich verbaten, mehr als zweimal wöchentlich Lachsfleisch
+vorgesetzt zu erhalten, denn inzwischen ist der Lachsfang bei uns ganz
+gewaltig zurückgegangen und auch das Aussetzen künstlich erzielter Brut
+hat das köstliche Lachsfleisch, das in nordischen Ländern noch heute
+vielfach Volksnahrungsmittel ist, noch nicht wieder verbilligen können.
+Immerhin liefert der Lachsfang an der ostpreußischen Küste und der
+Salmfang am Niederrhein auch jetzt noch recht schöne Erträge. Im Norden
+ist der wertvolle Fisch, dessen Verbreitungsgebiet auch nach der Neuen
+Welt hinübergreift, weit zahlreicher als bei uns, fehlt dagegen südlich
+der Alpen, kommt also in allen sich ins Mittelmeer ergießenden Strömen
+nicht vor. Es ist wohl anzunehmen, daß die heutige Verbreitung der
+lachsartigen Fische auf die Einflüsse der letzten Eiszeit zurückzuführen
+ist. Ursprünglich im hohen Norden heimisch und an ein kaltes Klima
+gewöhnt, wanderten die Salmoniden mit den vorrückenden Gletschern nach
+Mitteleuropa, und als die Gletscher wieder wichen, blieb ein Teil der
+Einwanderer in den kühleren Gewässern zurück, und die dadurch
+entstehende Isolierung begünstigte die Entwicklung zahlreicher nahe
+verwandter Formen, während andere zu Wanderfischen wurden. So ist der
+Lachs und seine Sippschaft ein köstliches Geschenk, das uns die Eiszeit
+beschert hat. Der Fang des Lachses wird auf die verschiedenste Weise
+betrieben. Besonders aufregend und unterhaltend ist das Speeren bei
+Fackelschein. In England hat sich das Lachsangeln zu einem
+aristokratischen Sport herausgebildet, der geradezu fanatische, vor
+keinem Opfer zurückschreckende Anhänger zählt. Allenthalben in der
+nordischen Welt trifft man diese englischen Lachsangler an. »Hoch oben
+in der Nähe des Nordkaps habe ich sie sitzen sehen, diese
+unverwüstlichen Fischer, mit einem aus Mücken gebildeten Heiligenschein
+umgeben, eingehüllt in dichte Schleier, um sich vor den blutgierigen
+Kerfen wenigstens einigermaßen zu schützen. In der Nähe ansprechender
+Stromschnellen hatten sie Zelte aufgeschlagen, inmitten der
+Birkenwaldungen auf Wochen mit den notwendigsten Lebensbedürfnissen sich
+versehen, und standhaft wie Helden ertrugen sie Wind und Wetter,
+Einsamkeit und Mücken, schmale Kost und Mangel an Gesellschaft, zahlten
+auch ohne Widerrede den Besitzern eine Pacht von Tausenden von Mark für
+das Recht, sechs Wochen lang hier fischen zu dürfen, und gaben außerdem
+noch den größten Teil ihrer Beute unentgeltlich den Besitzern der
+benachbarten Höfe ab.« (Brehm.)
+
+Eine nahe Verwandte des Lachses ist das wertvollste Kleinod unserer
+Gebirgswässer, die vielgerühmte _Forelle_ (_Trútta fário_). Sie ist aber
+im Gegensatz zu ihm Standfisch oder wandert doch nur zur Laichzeit ein
+wenig flußaufwärts, wobei sich beide Geschlechter getrennt halten, sich
+schließlich aber doch wieder mit Sicherheit zusammenfinden. Erfahrene
+Fischer wollen sogar eine gewisse Zuneigung der einzelnen Individuen zu
+ganz bestimmten Artgenossen festgestellt haben und behaupten, daß die
+Paare innig zusammenhalten und die Laichgrube gegen fremde Eindringlinge
+gemeinsam auf das wütendste verteidigen. Bei diesen Eifersuchtskämpfen,
+die mit dem scharfen Gebiß ausgefochten werden, gibt es Wunden und
+Schrammen genug, und man findet deshalb nach Beendigung der Laichzeit
+selten eine ganz unverletzte Forelle. Eingeleitet wird der Laichakt
+durch reizende Schwimmspiele, wobei sich die Tiere in eleganten
+Wendungen gegenseitig umschwimmen, zart aneinander reiben und durch die
+gewagtesten Drehungen ihre schöne Färbung zur Geltung zu bringen suchen.
+Der Laichakt selbst vollzieht sich in ganz ähnlicher Weise wie beim
+Hecht. Das Weibchen bereitet das Laichbett, indem es sich rasch von
+einer Seite auf die andere wirft, durch kräftige Schwanzbewegungen die
+Kiesel beiseite fegt oder solche wohl auch mit dem Maule entfernt. Sind
+die orangefarbenen Eier abgelegt und befruchtet, so werden von beiden
+Gatten gemeinsam mit aller Kraft Kieselsteinchen auf das Laichbett
+geschleudert, die sich oft zu einem kleinen Hügel auftürmen. Die
+Gesamtzahl der Eier beträgt nur etwa 1000, und sie werden in größeren
+Zwischenräumen abgelegt, so daß sich das Laichgeschäft, das meist in die
+Wintermonate fällt, über eine volle Woche hinzieht. Erst nach frühestens
+zwei Monaten entschlüpfen die anfangs recht unbehilflichen und durch den
+großen Dottersack in ihren Bewegungen sehr behinderten Jungen. Da, wo
+klares, sauerstoffreiches Wasser über Moos, Kiesel und Felstrümmer rasch
+dahinströmt, dazwischen ruhigere Stellen mit tieferem Wasser sich
+finden, überhängende Uferränder gute Schlupfwinkel abgeben und am Rande
+stehende Bäume die Oberfläche beschatten, fühlt sich die Forelle am
+wohlsten, und sie steigt an solchen Örtlichkeiten selbst bis zur
+Schneegrenze aufwärts, bleibt dann allerdings wegen der knappen Nahrung
+stets auffällig klein. Doch vermag sie sich auch allen möglichen anderen
+Verhältnissen anzupassen, wenn nur durch lebhaften Wellenschlag für eine
+genügende Anreicherung des Wassers mit Sauerstoff gesorgt ist. So
+gedeiht sie recht gut in entsprechenden Teichen, die von kalten Quellen
+gespeist werden. Unsere Forellenbestände sind durch schonungslose
+Überfischerei und durch Vergiftung der Bäche mit Fabrikabwässern leider
+schon so stark zurückgegangen, daß der wohlschmeckende Fisch, für den
+namentlich in »modernen« Touristengegenden oft ganz märchenhafte Preise
+bezahlt werden müssen, heute nur noch die Tafel der Reichen schmückt.
+Ehemals war das ganz anders, und im östlichen Montenegro z. B. lernte
+ich die Forelle auch jetzt noch als ein billiges Volksnahrungsmittel
+kennen. Nebenbei gesagt, war in den betreffenden Gegenden auch die
+Wasseramsel überaus häufig, die von unseren Fischzüchtern so vielfach
+als die schlimmste Feindin der Forelle hingestellt wird. Wenige Fische
+sind so menschenscheu und vorsichtig wie die Forelle. Nur wenn ringsum
+alles ganz ruhig ist, kommt sie aus ihrem Versteck zwischen Baumwurzeln
+oder Steinen heraus und stellt sich mit dem Kopfe gegen die Strömung,
+indem sie sich durch richtig abgemessene Schläge der Brustflossen und
+schraubenartige Bewegungen der Schwanzflosse stundenlang auf der
+gleichen Stelle erhält und geduldig darauf lauert, ob nicht ein
+günstiger Zufall ein Beutetier vorüberführen oder ein Insekt ins Wasser
+wehen wird. Nach über dem Wasser tanzenden Mücken oder Eintagsfliegen
+springt der Fisch auch aus seinem Elemente heraus und erhascht die
+Ahnungslosen mit geschickter Wendung. Bei dem geringsten Anzeichen von
+Gefahr aber schießt die Forelle pfeilschnell ihrem Schlupfwinkel zu,
+tauscht diesen gleich darauf mit einem anderen und ist so gar nicht
+leicht ausfindig zu machen, obgleich sie als ein überaus zäher
+Standfisch bei Tage aus einem Gebiet von etwa 20 _m_ Bachlänge kaum
+herausgeht. Bei Nacht schweift sie auf der Nahrungssuche weiter umher
+und zeigt sich dann als ein tüchtiger Räuber, der selbst der eigenen
+Nachkommenschaft nicht schont. Wie gefräßig die Forellen sind, geht
+daraus hervor, daß man schon Stücke gefangen hat, denen noch das
+Schwanzende einer erst halb verdauten Ringelnatter zum Maule heraushing,
+da die verzehrte Schlange doppelt so lang war als der Fisch. Im
+allgemeinen gelten bei uns mehr als halbmeterlange Forellen als eine
+Seltenheit. Doch sind auch schon mehr als meterlange Exemplare mit
+entsprechendem Gewicht vorgekommen. Der Feinschmecker wird ihnen stets
+die kleinen Portionsforellen vorziehen. Die ansprechende Färbung mit der
+hübschen Tüpfelzeichnung wechselt fast in noch höherem Maße als beim
+Lachs, und diese Verschiedenheit erstreckt sich sogar auf das Aussehen
+des Fleisches, das alle Zwischenstufen vom reinsten Weiß bis zum schönen
+Lachsrot durchlaufen kann. Die englischen Sportfischer behaupten, daß
+das Fleisch um so röter werde, je mehr phosphorhaltige Nahrungsmittel
+der Fisch vertilge. Auch sollen die am schönsten gefärbten und am
+lebhaftesten gefleckten Forellen das weißeste Fleisch haben und
+umgekehrt, Teichforellen ein röteres als die in steinigen Bächen
+lebenden. In Torfgewässern trifft man fast schwarze Forellen, in
+unterirdischen Wasserläufen, so in von einem Bach durchströmten
+Tunneldurchschlägen, nicht eben selten Albinos oder auch blinde
+Exemplare, in kleinen Gebirgsbächen die am hübschesten gezeichneten. In
+seiner Jugend hat unser Fisch, dessen Farbstoffe auch in die Flossen
+eintreten, Bänderzeichnung aufzuweisen. Nach den Untersuchungen Wagners
+unterscheiden sich diese Jugendbänder ihrer Pigmentierung nach nicht
+quantitativ, sondern nur qualitativ von den übrigen Partien der
+Oberhaut; sie sind also nicht aus einer größeren Anzahl von
+Chromatophoren (Farbstoffzellen in der Haut) zusammengesetzt, sondern
+diese befinden sich in einem anderen Zustande der Ausdehnung, können
+unabhängig von denjenigen des übrigen Körpers tätig sein und werden auf
+besondere Art mit Nervenfasern versorgt. Das Plasma der orangeroten
+Zellen ist von einer ölartigen Masse erfüllt, die dem Dottersacköl der
+Embryonen sehr nahe steht, vielleicht sogar mit ihm gleichbedeutend
+ist. Sie bilden in ihrem Inneren die später außenzelligen
+Liptochromtröpfchen, die die roten Tupfen der älteren Forellen
+zusammensetzen. Zur Laichzeit werden diese auf dem Bauch mehr oder
+minder schwärzlich und besitzen jederzeit ein ziemlich starkes
+Farbanpassungsvermögen. Bei uns darf die Forelle (sie hieß früher
+»Fohre«, im Bayrischen jetzt noch »Föhrchen«, und in Mitteldeutschland
+wird ihr moderner Name vielfach noch auf der ersten Silbe betont) wohl
+als der beliebteste Angelfisch gelten, da sie in ihrer Raubgier gut auf
+den Insektenköder oder auf die künstliche Fliege geht. Ihr zartes, von
+den Alten merkwürdigerweise nicht gewürdigtes, fein nußartig
+schmeckendes Fleisch wird in Deutschland in der Regel blau gesotten, in
+Oesterreich dagegen meist gebacken --in meinen Augen eine Barbarei. In
+jüngster Zeit sind die Forellenbestände mancher Gegenden durch die
+eigenartige Taumelkrankheit arg mitgenommen und gefährdet worden.
+Verursacht wird diese Seuche durch einen in den inneren Geweben,
+besonders aber im Gehirn schmarotzenden, winzigen Algenpilz, den
+_Ichthyophonus hoferi_, wie er zu Ehren Hofers heißt, der die
+Taumelkrankheit 1893 erstmalig beschrieb. Merkwürdig ist, daß die Fische
+immer nur in einem gewissen Lebensalter von der sich zuerst durch
+Dunkelfärbung des Schwanzendes kenntlich machenden Krankheit ergriffen
+werden.
+
+Glücklicherweise ist gerade die Forelle in hohem Maße für die
+_künstliche Fischzucht_ geeignet. Hat diese auch nicht all die
+überschwenglichen Hoffnungen erfüllt, die man in der ersten Begeisterung
+auf sie gründete, so darf sie doch schon heute als ein
+volkswirtschaftlich nicht unbedeutender Faktor und als ein geeignetes
+und wirksames Mittel gelten, der drohenden Verödung unserer Gewässer
+entgegenzuwirken. Obwohl bereits zur Zeit des 7jährigen Krieges der
+Mathematiker, Landwirt und Landeshauptmann Jacobi im Lippeschen die
+Grundzüge der künstlichen Fischzucht und ihre Bedeutung richtig
+erkannte, geriet seine Entdeckung doch wieder in Vergessenheit, da die
+Zeiten zu bewegt, eine Presse zur raschen und allgemeinen Verbreitung
+gemeinnütziger Ideen kaum vorhanden war, und da es vor allem noch keinen
+Mangel an Fischen gab. Erst um die Mitte des vorigen Jahrhunderts kamen
+zwei einfache französische Fischer, Remy und Gehin, erneut auf den guten
+Gedanken, der nun in dem Pariser Professor Coste einen begeisterten
+Propheten und in Napoleon _III._ einen verständnisvollen Förderer fand.
+Sein etwas voreiliges Versprechen, in wenigen Jahren ganz Frankreich mit
+Edelfischen zu bevölkern und jedem Franzosen eine stattliche Forelle auf
+den Sonntagstisch zu zaubern, vermochte Coste freilich nicht einzulösen,
+wie überhaupt die ganze Sache in Deutschland bald kräftiger und
+praktischer entwickelt wurde. In sehr hoher Blüte steht sie heute in der
+Schweiz, wo 180 Brutanstalten in Betrieb sind und jährlich einige 50
+Millionen Jungfische verschiedener Art liefern. Früher brachte man Rogen
+und Milch, die durch sanftes Streichen an der Bauchseite der Tiere
+gewonnen werden, im Wasser zur Berührung, wobei sich eine Befruchtung
+von etwa 50 Proz. ergab, immerhin ein großer Fortschritt gegen die
+natürlichen Verhältnisse, wo nicht viel mehr als 10 Proz. der Eier
+wirklich befruchtet werden. Seit man aber dazu übergegangen ist, die
+Geschlechtsprodukte ohne Wasserzusatz trocken mit einer Gänsefeder zu
+verrühren und die Eier zunächst in ein Sieb zu entleeren, aus dem der
+mit ausfließende und sie schädigende Harn abfließen kann, hat man das
+sehr befriedigende Ergebnis von 90 Proz. Befruchtung erzielt. Die Eier
+quellen nämlich im Wasser rasch auf und sind dann für die Samenfäden
+nicht mehr zugänglich. Bei der ganzen Manipulation muß man fix
+verfahren, denn die Samenfäden der Fische haben nur eine sehr kurze
+Lebensdauer und Bewegungsfähigkeit. Sie soll bei der Forelle nur 40,
+beim Lachs nur 45 Sekunden betragen, beim Karpfen und Barsch größer sein
+und beim Hecht sich gar über vier Minuten erstrecken. Nachdem die Eier
+mit Wasser übergossen wurden (unbefruchtet gebliebene verraten sich bald
+durch weiße Farbe), kommen sie in die Brutkästen, die fortwährend von
+frischem, schlammfreiem und sauerstoffreichem Wasser durchspült werden,
+das ständig auf gleicher Temperatur zu halten ist. Vor Erschütterungen
+sind die Eier sorgsam zu bewahren, auch ab und zu abzubrausen, um eine
+Verschleimung zu verhüten, und täglich müssen abgestorbene oder
+verpilzte Eier ausgelesen und entfernt werden. Sobald dann erst die
+Augenpunkte der Embryonen sichtbar werden, sind die Eier weniger
+empfindlich. Die Milch eines Männchens genügt, um die Eier mehrerer
+Rogner zu befruchten. Trotzdem scheinen in freier Natur, wie überhaupt
+bei den meisten Fischen, mehr Männchen als Weibchen vorhanden zu sein,
+und man hat daraus schließen wollen, daß die Fische in Polyandrie
+(Vielmännerei) leben, soweit von einer solchen bei einer nur äußerlichen
+Vereinigung der Geschlechtsprodukte überhaupt die Rede sein kann.
+Bezüglich des Geschlechts der Nachzucht soll nach den Erfahrungen der
+Aquarienfreunde an ausländischen Zierfischen die Temperatur maßgebend
+sein, in der die Elterntiere gehalten wurden. Bei warmer Temperatur soll
+der Laich mehr Weibchen liefern, bei kalter mehr Männchen. Von der
+gerade bei Fischen leicht durchzuführenden Bastardzucht, von der man
+sich vor einigen Jahrzehnten wahre Wunder versprach, ist man jetzt so
+ziemlich wieder abgekommen. Sie hat im allgemeinen mehr geschadet als
+genützt, und in der Regel hat die freie Natur die Produkte allzu
+eifriger Züchter bald wieder fortgefegt. Ebenso sind die Gefahren der
+Inzucht bei der Fischzucht nicht gering anzuschlagen. Mit dem Schwanze
+voran, entschlüpfen die jungen Forellen nun endlich der Eihülle und
+müssen nach Aufzehrung ihres umfangreichen Dottersackes mit Daphnien,
+Mückenlarven, Eigelb, Quark, Kalbshirn und dergl. ernährt werden, worauf
+sie in die Streckteiche kommen, wo sie bei Fütterung mit
+Schellfischfleisch, Leber, mit Mehl oder Kleie verknetetem Blut rasch
+wachsen. Einjährig werden sie endlich in die freien Teiche oder
+Bachläufe eingesetzt und können dann schon nach 6-8 Monaten das
+Marktgewicht erreichen, ohne noch viel von ihren natürlichen Feinden,
+die ihnen ja im zarten Alter am gefährlichsten sind, leiden zu müssen.
+Gerade in Forellenbrutanstalten kann man sehr gut die _Entwicklung_ des
+Fisches im Ei beobachten. Die Furchung ist eine partielle, indem nur der
+Bildungsdotter eine Teilung erfährt, und die von der Seite her
+erfolgende Einstülpung bleibt unvollkommen: der dem Nahrungsdotter dann
+scheibenförmig aufliegende Keim wird zur zweischichtigen
+»Scheibengastrula«. Im weiteren Verlauf der Entwicklung bildet sich die
+Körperform immer deutlicher aus, indem die Keimscheibe durch Einrollung
+nach unten die Form eines umgekehrten Kahnes annimmt. Das Vorderende mit
+den stark hervortretenden Augen charakterisiert sich durch seine Dicke
+bald als Kopf, das Hinterende durch seine Schlankheit als Schwanz. Das
+Ganze umwächst den Nahrungsdotter, streckt sich in die Länge und hebt
+sich von seiner Unterlage ab. Augen und Schwanz vollführen zuckende
+Bewegungen, und letzterer bereitet dadurch das Ausschlüpfen vor. Die
+zwei ursprünglichen Keimhäute bilden nach unten offene Röhren, das Haut-
+und das Darmrohr, und als drittes kommt das Nervenrohr hinzu, das durch
+Einstülpung vom Rücken her mit nachfolgender Abschnürung entsteht und
+das spätere Rückenmark vorstellt. Von der inneren Keimhaut aus bildet
+sich die Grundlage der späteren Wirbelsäule, und ein sich neu
+einschiebendes drittes Keimblatt liefert die Stoffe zum Aufbau der
+Knochen und Muskeln. Sehr früh macht sich das mit roten Blutkörperchen
+erfüllte Herz bemerkbar. Am Halse zeigen sich Kiemenspalten und
+dazwischen Kiemenbögen, und außen setzen sich als einfache Stümpfe die
+Flossen an.
+
+ [Illustration: Embryonalentwicklung eines Knochenfisches. (Nach
+ Kennel gez. von Dr. E. Bade.)
+
+ _I._ Ei mit Keimscheibe, _k_ fixierte Randstelle derselben,
+ Hinterende des Embryo. _II._ Ausbreitung der Keimscheibe mit
+ Embryonal- oder Primitivwulst, _k_ fixierte Stelle. _III._ Stadium
+ mit stark nach vorn verlängerter und vortretender Embryonalanlage
+ der Rückenteile. _IV._ und _V._ Weitere Stadien, der Dotter ist
+ ganz von den Keimscheiben umwachsen, Kopf und Schwanz heben sich
+ ab, letzterer wächst nach hinten in die Länge. _VI._ Junger Fisch
+ mit Dottersack, in diesem die Blutgefäße und Fetttropfen.]
+
+Die Gruppe der lachsartigen Fische, die sich durch edlen Körperbau, das
+Vorhandensein einer kleinen, strahlenlosen Fettflosse zwischen Schwanz-
+und Rückenflosse, kleine Beschuppung und grätenarmes Fleisch
+auszeichnet, umfaßt noch eine ganze Reihe wirtschaftlich wichtiger
+Speisefische. Der _Huchen_ oder Donaulachs (_Sálmo húcho_) war früher
+wohl auch Wanderer, ist aber notgedrungen zum Standfisch geworden, da
+das Schwarze Meer, auf das er angewiesen wäre, wegen seines
+Schwefelwasserstoffgehaltes keine geeigneten Tiefen bietet. Er bummelt
+aber doch gerne -- schon der Ernährungsverhältnisse wegen -- ein wenig
+in der Welt herum, indem er sich im Hauptstrome oder in den Nebenflüssen
+sachte und allmählich nach aufwärts schiebt. Doch herrscht über die
+Wanderungen dieses stattlichen, 2 _m_ lang und 25 _kg_ schwer werdenden
+Fisches noch viel Unklarheit, was auch im wirtschaftlichen Interesse
+sehr zu bedauern ist, da er ein besonders wohlschmeckendes weißes
+Fleisch hat und die Ausübung des Angelsports auf ihn mancherlei
+interessante Momente und Erlebnisse zu zeitigen pflegt. Seiner Größe
+entsprechend ist der Huchen ein gewaltiger Räuber, der oft wie ein
+Windhund hinter seiner Beute dreinjagt und sich dabei als ein sehr
+gewandter Schwimmer zeigt, und der selbst Wasserratten und
+Wassergeflügel nicht verschont. Gewöhnlich steht er im tiefen, stark
+strömenden Wasser, und nur zur Laichzeit sucht er flache und kiesige
+Stellen auf. Diese fällt übrigens bei ihm im Gegensatz zu anderen
+Salmoniden in die Frühjahrsmonate. Ein Charaktertier der stillen und
+kalten Gebirgsseen unserer Alpen ist der _Saibling_ (_Sálmo
+salvelínus_), der von allen unsren Fischen das köstlichste Fleisch
+liefern soll und deshalb sehr teuer bezahlt wird, obschon sein
+durchschnittliches Gewicht nur 1/2 _kg_ beträgt. Da er willig
+künstliches Futter annimmt und sich überhaupt recht widerstandsfähig
+zeigt, eignet er sich auch gut zur Mast. Gewöhnlich hält sich dieser
+ausgesprochene Standfisch scharenweise in größeren Tiefen seiner
+Wohngewässer auf und steigt nur abends zum Mückenfang an die Oberfläche
+empor. Den in den Seen des Salzkammergutes und namentlich im Gosausee
+lebenden _Schwarzreiter_ möchte ich für eine Kümmerform des Saiblings
+halten. Die _Meer-_ oder _Lachsforelle_ (_Sálmo trútta_) verbringt den
+größten Teil ihres Daseins im Salzwasser unserer Küsten und vollführt
+von da aus des Laichgeschäftes halber ähnliche Wanderungen wie der
+Lachs, wird aber nicht so hoch geschätzt wie dieser. Als eine durch
+ständigen Aufenthalt im Süßwasser seßhaft gewordene Abart von ihr ist
+die _Schwebe-_ oder _Seeforelle_ (_Sálmo lacústris_) aufzufassen, die
+eine ähnliche Verbreitung hat, wie der Saibling, aber in etwas
+abgeänderter Form auch in den Seen Skandinaviens und Schottlands
+vorkommt. Zum Laichen steigt der stattliche, sich sonst in
+beträchtlicher Tiefe aufhaltende und hier fleißig auf Lauben und Renken
+jagende Fisch in den einmündenden Flüssen während des Winters aufwärts.
+Die von den alten Weibchen angelegten Laichgruben sind so umfangreich,
+daß sie bequem einen liegenden Mann aufnehmen können. Interessant ist,
+daß dieser wirtschaftlich wichtige Fisch in zwei verschiedenen Formen
+auftritt, die namentlich im Bodensee scharf differenziert sind. Es ist
+ja eine bekannte Tatsache, daß bei allen Salmoniden gewisse Individuen
+sich geschlechtlich nicht zur Reife entwickeln und auch äußerlich
+zeitlebens von den normalen Exemplaren verschieden bleiben. Wenigstens
+ist der berühmte Fischforscher v. Siebold der Ansicht, daß diese
+Unfruchtbarkeit für das ganze Leben anhalte und in den meisten Fällen
+auf die Abgeschlossenheit in zuflußlosen Seen zurückzuführen sei,
+während Widegren die Sterilität nur für eine vorübergehende Erscheinung
+hält, da die Fische in einer späteren oder auch sehr viel späteren
+Periode doch noch geschlechtlich vollreif würden. Vielleicht bringen die
+seit 1907 angestellten Markierungsversuche Klarheit in diese einstweilen
+noch recht dunkle Frage. Jedenfalls ist im Bodensee die behäbige,
+stumpfschnauzige, dunkle, geschlechtsreif werdende Form als
+»Grundforelle« ganz verschieden von der schlanken, spitzschnauzigen,
+silberigen, nur sehr spärlich gefleckten und stets kleiner bleibenden
+»Mai-«, »Silber-« oder »Schwebeforelle«, so daß der den ansässigen
+Fischern längst bekannte Unterschied beider auch dem Laien sofort
+auffällt. Ihrer Schnellwüchsigkeit und des dadurch bedingten
+wirtschaftlichen Wertes halber sind aus Nordamerika der _Bachsaibling_
+(_Sálmo fontinális_) und die _Regenbogenforelle_ (_Sálmo iridéus_) bei
+uns eingebürgert worden. Ein nur 15-30 _cm_ lang werdendes, stark
+silberglänzendes Fischchen mit tief gespaltenem Maul ist der sehr
+variable _Stint_ (_Osmérus eperlánus_), seines üblen Geruches halber
+auch »Stinkfisch« benannt. Namentlich in den Haffen der Ostsee tritt er
+zu gewissen Jahreszeiten in wahren Unmassen auf, so daß ein sehr
+lohnender Fang betrieben wird. Hat man sich einmal an den zum mindesten
+recht eigenartigen Geruch gewöhnt, so wird man das Stintfleisch und
+besonders die aus ihm bereitete delikate Suppe hoch zu schätzen wissen.
+Gewöhnlich wissen die Fischer mit dem übergroßen Stintsegen allerdings
+nichts anderes anzufangen, als ihn in die Schweinetröge zu schütten oder
+als Dung auf die Felder zu fahren, bestenfalls ihn zur Tranbereitung
+einzukochen. Die flüchtige, ungemein bewegliche, höchstens 1-1/2 _kg_
+schwer werdende _Äsche_ (_Thymállus vulgáris_) mit der prachtvoll
+purpurroten, durch schwarze Fleckenbinden noch gehobenen Rückenflosse
+darf wohl als einer der schönsten und anmutigsten deutschen Fische
+bezeichnet werden. Sie bevorzugt ähnliche Örtlichkeiten wie die
+Forelle, siedelt sich jedoch in der Regel etwas unterhalb der
+Forellenregion an. In bezug auf Reinheit und Sauerstoffgehalt des
+Wassers ist die Äsche noch anspruchsvoller als die Forelle, schweift
+auch mehr herum als diese und lebt geselliger. Neben Insekten verzehrt
+sie hauptsächlich Schnecken und kleine Muscheln und produziert ein das
+Entzücken aller Feinschmecker bildendes Fleisch, das angeblich nach
+Thymian riechen soll, wovon ich allerdings noch nichts wahrzunehmen
+vermochte. Die nur kleine oder mittelgroße Arten umfassende Gattung
+Coregonus zeichnet sich durch größere Schuppen und mehr weißfischartigen
+Körperbau vor den echten Lachsen aus. Zu ihr gehört die _große Maräne_
+(_Coregónus lavarétus_), die gleich ihren Verwandten in beträchtlichen
+Tiefen ein lichtscheues Dasein führt und nur zur Laichzeit in flacheres
+Wasser kommt. Ihre teilweise Isolierung in abgeschlossenen Binnenseen
+hat die Bildung zahlreicher Lokalformen begünstigt, von denen hier
+Wander-, Madü- und Edelmaräne genannt seien, denen sich die in alpinen
+Seen lebende Bodenrenke zugesellt. Alle Maränen, die für den Fang
+allerdings fast nur zur Laichzeit zugänglich sind, gelten ebenso wie die
+übrigen Angehörigen dieser Gruppe für äußerst wohlschmeckend. Besonders
+wichtig sind alle verschiedenen Renkenformen für die Stromfischerei
+Sibiriens, wo der Fang auf sie im großartigsten Maßstabe betrieben wird.
+Die in den Seen Norddeutschlands heimische _Zwergmaräne_ (_Coregónus
+álbula_), die nicht leicht über 35 _cm_ lang wird, nährt sich
+hauptsächlich von kleinen Krustern und zeigt sich in warmen
+Sommernächten unter vielem Geplätscher auch an der Oberfläche. In
+geräuchertem Zustande bildet sie eine hochgeschätzte Delikatesse und
+geht als solche in alle Welt hinaus. Das _Blaufelchen_ (_Coregónus
+wartmánni_) ist der bekannteste Speisefisch des Bodensees und kommt in
+etwas abgeänderter Form (Traunseemaräne, Pfäffikonmaräne usw.) auch in
+anderen Alpenseen vor. In tiefen und kühlen Wasserschichten führen diese
+sehr geselligen Fische ein unstetes Wanderleben, indem sie den frei im
+Wasser schwebenden Kleintieren folgen. Zur Laichzeit drängen sie sich an
+geeigneten Stellen derart zusammen, daß sie sich gegenseitig den das
+Hochzeitskleid bildenden Körnerausschlag abreiben, der dann weithin den
+Wasserspiegel bedeckt. Nach dem Zeugnisse Vogts sollen sie beim Laichakt
+paarweise meterhoch aus dem Wasser herausspringen und dabei, Bauch gegen
+Bauch gekehrt, gleichzeitig Milch und Rogen fahren lassen. Der sehr
+lohnende Fang der Blaufelchen, die 1886 mit Erfolg auch im Laacher See
+eingebürgert wurden und sich dort schon stark umgebildet haben, erfolgt
+zur Laichzeit in großen Zugnetzen, sonst mit tiefgehenden Angelschnüren.
+In der Hauptsache auf Boden- und Ammersee beschränkt ist das kleinere,
+durch kurzen Leibesbau und deutlich gebogenen Rücken ausgezeichnete
+_Kropffelchen_ (_Coregónus hiemális_) oder der _Kilch_. Von allen Renken
+ist diese Art der ausgesprochenste Tiefenfisch, so daß er bei raschem
+Heraufholen »trommelsüchtig« wird, indem die Schwimmblase sich infolge
+des plötzlich verminderten Atmosphärendrucks jäh ausdehnt, dadurch den
+Leib unförmlich auftreibt, die Eingeweide verschiebt und schließlich
+wohl gar den Leib mit lautem Knall zum Platzen bringt. Da der Kilch nur
+zur Laichzeit für wenige Tage in die Ufergewässer kommt, wissen wir über
+seine Naturgeschichte noch recht wenig, und auch sein Fang ist aus dem
+gleichen Grunde schwierig und wenig lohnend. Ganz das Gegenteil gilt vom
+_Schnäpel_ (_Coregónus oxyrhynchus_), einem sehr wanderlustigen
+Gesellen, der wie der Lachs zum Laichen aus der Nord- und Ostsee
+truppweise in die Flüsse steigt, hier allerdings seine Wanderungen nicht
+so weit ausdehnt, wie jener. Dafür beginnt die junge Schnäpelbrut schon
+dem Meere zuzustreben, wenn sie kaum erst den Dottersack aufgezehrt hat.
+
+Als den Wolf in unserer heimischen Fischwelt könnte man den _Hecht_
+(_Esox lúcius_) bezeichnen. Wie jenes grimmige Säugetier ist auch er von
+einer unbändigen Raublust beseelt, wie jener erscheint er beständig vom
+Hunger geplagt und wagt sich dann an größere Geschöpfe, wie jener ist er
+der Schrecken aller friedliebenden Tiere in seiner Umgebung. Der
+langgestreckte, walzenförmige Leib mit der weit nach hinten gestellten,
+der Afterflosse gerade gegenüber befindlichen Rückenflosse, der
+charakteristische Alligatorkopf mit der entenschnabelähnlichen Schnauze
+und den niederträchtig blickenden, starren Augen, das Überwiegen der
+grünen Farbe auf dem Oberkörper, das ungewöhnlich scharf abgesetzte
+Schwanzende mit der tief gegabelten Flosse machen den Hecht sofort
+kenntlich. Während die große Mehrzahl der Hechte bei uns nur meterlang
+wird, werden doch nicht allzu selten auch Stücke von doppelter Länge und
+bis zu 35 _kg_ Gewicht gefangen. Ja, es scheinen gerade bei diesem
+Fische wahre Goliaths vorzukommen. So berichteten die Tageszeitungen,
+daß im Juni 1908 im Ammersee durch den Wellenschlag eines Dampfers ein
+Hecht an den Strand geworfen worden sei, der nicht weniger als 60 _kg_
+gewogen habe und ganz von Moos überzogen gewesen sei. Eine freilich
+nicht genügend verbürgte Überlieferung erzählt, daß ein im Jahre 1250
+von Kaiser Friedrich _II._ eigenhändig bei Kaiserslautern ausgesetzter
+und gezeichneter Hecht im Alter von 267 Jahren wieder gefangen worden
+sei und dann 175 _kg_ (?!) gewogen habe. Jedenfalls steht soviel fest,
+daß Wachstum und Gewicht beim Hechte außerordentlich verschieden sind,
+je nach der Ergiebigkeit seiner Jagdgründe. Erscheinen ihm diese nicht
+reichhaltig genug, so entschließt er sich oft zur Auswanderung und
+scheut sich dabei nicht, kleinere Hindernisse nach Lachsart zu
+überspringen. Seine Raubgier ist unermeßlich, sein Heißhunger
+unersättlich, seine Tollkühnheit verblüffend, seine Kraft und
+Schnelligkeit bewundernswert, seinem ganzen Wesen haftet etwas von der
+brutalen Gewalt verschollener Zeiten an. Man hat berechnet, daß er zu
+seiner Erhaltung wöchentlich so viel Fischfleisch benötigt, als er
+selbst wiegt, und daß er, um 1 _kg_ Gewichtszunahme zu erzielen, 25 _kg_
+Fische verzehren muß. Wer selbst einmal Junghechte im Aquarium gehalten
+hat, dem werden diese Zahlen eher noch zu niedrig gegriffen erscheinen.
+So verzehrte ein nur 30 _cm_ langer Hecht im Aquarium täglich 15
+Weißfischchen. Die Jagdweise des Hechtes ist ein heimliches
+Heranschleichen und plötzliches Losschnellen. Oder er liegt stundenlang
+fast bewegungslos auf der Lauer. Dabei gewährt sein gleichzeitig kühner
+und hinterlistiger Gesichtsausdruck dem Beobachter einen hohen Reiz.
+Jede Gemütsregung des Fisches verrät sich in seinen Stellungen, seinem
+Augen- und Flossenspiel. Sehr hübsche Beobachtungen hierüber hat der
+mehrfach erwähnte Ward gemacht. Bewegungslos liegt der Hecht im
+Rohrbett, mit dem Körper gerade auf dem Boden, gestützt auf die Flossen,
+alle Muskeln sind schlaff, nur die Rückenlinie zeigt schwache Bewegung,
+aber die flach anliegende Rückenflosse offenbart die seelische Ruhe des
+Tieres. Nur der gierige Blick des Auges verrät, daß der Hecht trotz
+alledem ständig auf dem Posten ist. Plötzlich, als ein sicheres Zeichen
+von Erregung, richtet sich die Rückenflosse auf und entfaltet sich, ohne
+daß jedoch die übrigen Flossen und der Rumpf in Tätigkeit treten.
+Augenscheinlich hat der Fisch in einiger Entfernung einen Lichtstreif
+entdeckt, als ein Weißfisch sich zur Seite wandte und so seine Gegenwart
+verriet. In dem Maße, wie er sich nähert, wächst die Erregung des
+Hechtes, was sich deutlich an weiteren Bewegungen der Rückenflosse
+erkennen läßt, die herüber und hinüber schwankt, sich öffnet und
+schließt wie ein Fächer. Endlich entschließt sich der Hecht zum Angriff
+und nimmt sogleich eine Haltung an, die deutlich seine Absicht erkennen
+läßt: er erhebt sich auf den Flossen, alle Muskeln spannen sich, und die
+Rückenlinie wird infolgedessen gerade wie ein Pfeil. Diese
+Angriffsstellung ist im Augenblicke unveränderlich, kann aber nur einige
+Sekunden oder höchstens Minuten beibehalten werden. Verschwindet nun der
+Weißfisch wieder, so entspannen sich des Hechtes Muskeln, und die
+Rückenflosse sinkt allmählich herab. Wenn aber das Opfer auch noch
+weiterhin sich nähert, so schnellt der Hecht, durch eine schraubenartige
+Bewegung seiner Schwanzflosse getrieben, hervor und gleitet nun langsam
+vorwärts, indem er hinterlistig jeder Bewegung des Beutefisches folgt.
+Schöpft der Weißfisch Argwohn, so hält der Hecht inne, und »hängt«
+bewegungslos im Wasser, zitternd vor Unruhe. Ist aber endlich die
+richtige Entfernung erreicht, so schnellt der Hecht plötzlich vor und
+packt den Weißfisch in der Mitte des Körpers. Nur ein kleiner Wirbel auf
+dem Wasserspiegel gibt der Außenwelt Kunde von dem Drama, das sich
+soeben abgespielt hat. Mit einer ruckweisen Bewegung der Kinnbacken
+wirft der Räuber sein Opfer herum und verspeist es mit dem Kopfe voran.
+Manchmal sieht der Hecht beim Belauern oder Nachschleichen aber etwas,
+das ihm mißfällt. Dann überkommt ihn der Zweifel: seine Muskeln werden
+schlaff, der Rücken biegt sich, und der Fisch hängt bewegungslos im
+Wasser, unausgesetzt den Gegenstand seines Argwohns betrachtend. Fühlt
+er sich wieder sicher, so wird er abermals steif und schnellt zum
+Angriff vor, will sich aber sein Argwohn nicht zerstreuen, so schleicht
+er sich sachte fort. Ist der Angriff etwa fehlgeschlagen, so verändert
+sich das Bild abermals völlig: mit gebogenem Rücken und zornig
+schnappendem Rachen sinkt der Hecht enttäuscht zu Boden. Was er einmal
+mit seinen nach hinten gerichteten Hechelzähnen (der aus Westdeutschland
+stammende Name Hecht dürfte mit dem Zeitwort »hecheln« zusammenhängen)
+gepackt hat, das läßt er so leicht nicht wieder aus. Manchmal kann ihm
+aber gerade die Art seiner Bezahnung zum Verhängnis werden, indem er
+einen in der Gier gefaßten, allzu großen Bissen nicht loszuwerden vermag
+und nun elend ersticken muß. Raublustig ist er auch bei vollem Magen,
+und selbst wenn ihm das Schwanzende des zuletzt verschluckten Fisches
+noch unverdaut aus dem Maule ragt, schnappt er schon wieder nach neuer
+Beute, wie die Erfahrungen der Angler sattsam beweisen. Alles ist ihm
+recht, nur vor dem Stichling hat er einigen Respekt, aber sonst schont
+er nicht einmal jüngere und kleinere Angehörige der eigenen Art, ist
+vielmehr ein ausgesprochener Kannibale. Bilden auch Fische der
+verschiedensten Art seine Hauptnahrung, so erjagt er doch auch im Wasser
+sich tummelnde Säuger, Frösche, sich badende oder trinkende Vögel, junge
+Enten und Wasserhühner, wo immer sich ihm Gelegenheit bietet. Nagender
+Heißhunger verleitet ihn bisweilen zu den unglaublichsten Taten und zu
+ganz zwecklosen Angriffen. So berichtet Wagener aus Irland, daß ein am
+Flusse trinkendes Kalb plötzlich laut aufschrie, und als man hinzueilte,
+fand sichs, daß ihm ein größerer Hecht an der Nase hing, den das
+erschreckte Tier 50 Schritte weit mit forttrug, worauf ein wohlgezielter
+Steinwurf den Räuber zur Strecke brachte. Verbürgte Fälle sind bekannt,
+daß Schwäne von Hechten am Halse gepackt, unter Wasser gezogen und
+ertränkt wurden. Am Badestrand zu Rossatz in der Wachau verspürte
+unlängst ein junges Mädchen einen heftigen und schmerzhaften Anprall an
+der Hüfte. Es zeigte sich, daß sie einen tief eindringenden Biß
+davongetragen hatte, der aus einer ziemlichen Anzahl nadelstichartiger,
+im Halbkreis angeordneter Wunden bestand, so daß kaum ein Zweifel
+obwalten konnte, daß ein gewaltiger Donauhecht der Angreifer gewesen
+war. Dieses Exemplar scheint also eine Vorliebe für »Backfische«
+besessen zu haben. Über einen ganz unglaublichen Vorfall berichtete
+kürzlich die Wiesbadener Zeitung: aus einem See bei Wollstein suchte ein
+neunjähriger Knabe Hechte zu fangen, wozu er ein Loch in die Eisdecke
+schlug. In demselben Augenblicke schnellte ein 16pfündiger Hecht empor
+und verbiß sich in dem Arm des Knaben. Dieser wurde später samt dem
+Hecht erfroren auf dem Eise aufgefunden (?). Fischzüchter pflegen Hechte
+in die mit älteren Karpfen bevölkerten Teichen einzusetzen, damit
+sie Leben in diese faule Gesellschaft bringen und die als
+Nahrungsmitbewerber auftretenden Weißfische wegfangen sollen. Doch ist
+dabei immer eine gewisse Vorsicht am Platze, und man darf die Hechte
+keinesfalls zu groß werden lassen, damit sie sich nicht als »Wolf im
+Schafstall« entpuppen. Seine schrankenlose Freßgier verurteilt den Hecht
+zur Einsamkeit, und nur zur Laichzeit sucht er seinesgleichen auf. Schon
+ganz zeitig im Frühjahr, wenn noch Eisstücke auf den Wassern schwimmen,
+schreitet er zur Fortpflanzung und begibt sich dann an die seichtesten
+Stellen, selbst in kleine Gräben und auf überschwemmte Wiesen, wobei er
+nicht selten seine Lust mit dem Leben büßen muß. Hier kann er sogar mit
+Pfeil und Bogen oder mit der Schrotflinte erlegt oder mit der Hechtgabel
+gestochen werden, was namentlich nachts bei Fackelschein recht lohnend
+ist, und wobei nicht selten beide Gatten gleichzeitig durchbohrt werden.
+Eigentlich ist diese Fangart verpönt, wird aber doch in Norddeutschland
+vielfach ausgeübt. Auch der Angler hat am Hecht seine Freude, da er in
+seiner blinden Raubgier fast jeden Köder annimmt. Obgleich das
+Hechtfleisch etwas trocken und ziemlich grätig ist, findet es doch viele
+Liebhaber, ja begeisterte Lobredner. Aus eigener Erfahrung kann ich
+versichern, daß die jungen »Grashechte«, wenn man sie oberflächlich in
+der glimmenden Asche des Lagerfeuers röstet, eine treffliche Mahlzeit
+abgeben, aber bezüglich der Riesenhechte halte ich es mit Marshall, der
+den Genuß eines solchen mit demjenigen eines wohlgespickten Nadelkissens
+vergleicht. Mittelgroße Hechte munden am besten, wenn sie wie
+Hasenbraten gespickt und gebraten und mit saurer Sahnensauce begossen
+werden.
+
+Der Riese unter unseren Süßwasserfischen ist der massige, ungeschlachte,
+dickköpfige, breitmäulige, mit zwei langen und zwei kurzen Barteln
+versehene _Wels_ (_Silúrus glánis_) oder Waller, dessen Rückenflosse
+auffallend kurz, dessen Afterflosse dagegen ungewöhnlich umfangreich ist
+und dessen glatter und schlüpfriger Haut die Schuppen vollständig
+fehlen. Während der Bauch weißlich ist, hat der Rücken eine düstere
+Schlammfarbe, die in Anpassung an die Verstecke des mächtigen Tieres
+zwischen dem Wurzelwerk überhängender Ufer öfters in eigentümlich
+zerrissener Weise marmoriert erscheint. Hier liegt der Wels, der sich am
+liebsten in langsam fließendem Wasser mit reichem Pflanzenwuchs und
+morastigem Untergrunde aufhält, tagsüber in träger Ruhe und läßt
+lediglich seine Bartfäden spielen, um nach den dadurch angelockten
+Fischen zu schnappen. Er ist überwiegend Nachttier und ein ganz
+gewaltiger Räuber dazu. Bei seiner Größe (er wird über 3 _m_ lang und
+bis zu 250 _kg_ schwer) vermag er recht umfangreiche Bissen, wie Gänse,
+hinunterzuwürgen, und es ist durchaus keine Fabel, wenn man behauptet,
+daß sogar badende Kinder ernstlich durch ihn gefährdet werden können.
+Bei uns in Deutschland sind so große Welse freilich eine Seltenheit,
+zahlreich aber habe ich sie am Kaspi gesehen. Dort kamen die Fische
+Anfang April (alle mir zugänglichen Lehrbücher geben fälschlich Mai und
+Juni an) massenhaft zum Laichen in die flachen, rohrbewachsenen
+Uferbuchten, wo die Rogner ihre verhältnismäßig sehr kleinen und auch
+nicht übermäßig zahlreichen (etwa 20000) Eier, aus denen ein
+minderwertiger Kaviar gewonnen wird, an den Rohrstengeln abstrichen. Die
+fast wie Kaulquappen aussehenden Jungen schlüpfen schon nach acht Tagen
+aus. Während ich von dem für den Kaspi überall angegebenen
+Grundangelbetrieb nirgends etwas gesehen habe, sperrten die Fischer
+solche Buchten und Flußmündungen nach dem Eintreten der Welse mit großen
+und starken Netzen ab und trieben die Tiere durch Vorrücken derselben
+schließlich in einem Winkel zusammen. Auf kleinem Raum waren dann viele
+Tausende der mächtigen Fischleiber zusammengedrängt, und zwischen diesem
+wallenden Gewimmel fuhren die Tataren wagehalsig auf kleinen, schwanken
+Booten herum und harpunierten mit großen Stoßlanzen einen der
+gewichtigen Fische nach dem anderen heraus, um ihn dann mit gewaltigem
+Schwung an Bord des von Armeniern besetzten Fischkutters zu werfen. Oft
+mußten zwei oder drei Mann zugreifen, um die schweren Fische zu heben,
+und nicht selten geschah es dabei, daß sie trotzdem insgesamt das
+Übergewicht bekamen und in das aufspritzende Wasser mitten zwischen die
+geängstigten Fischriesen stürzten. Dazu der glührote Fackelschein, das
+Geschrei der aufgeregten Männer, das betäubende Gekreisch der unzähligen
+großen Möwen, die sich um die fortgeworfenen Eingeweide zankten, der
+gespenstige Anblick, den die auf dem Meer schaukelnden, abgeschnittenen
+und im unsicheren Mondeslicht wie Menschenhäupter aussehenden Welsköpfe
+boten -- das alles vereinigte sich zu einem so eigenartigen Bilde, daß
+ich es nie vergessen kann. Einmal habe ich auch selbst am lichten Tage
+einen in der Nähe des Ufers schwimmenden Wels mit Vogeldunst erlegt, der
+auf den Schuß hin sofort die weiße Bauchseite nach oben kehrte. Das
+weiße, fette Welsfleisch, auf das ich dort vielfach zu meiner Ernährung
+angewiesen war, habe ich besser befunden, als seinen Ruf, und nur bei
+sehr alten Stücken schmeckt es etwas tranig, ist dann auch für einen
+verwöhnten Gaumen zu zäh. Eine gewisse äußere Ähnlichkeit mit dem Wels
+besitzt die freilich nur 60 _cm_ lang und höchstens 8 _kg_ schwer
+werdende, äußerst räuberisch veranlagte _Quappe_ (_Lóta lóta_), auch
+Aalraupe oder Trüsche genannt. Walzenförmiger Leib, dicker Kopf, kleine
+Beschuppung und kurze Kinnbarteln bilden ihre hervorstechendsten
+Merkmale. Mit dem Wels hat sie an und für sich nichts zu tun, gehört
+vielmehr in die Verwandtschaft der weichstrahligen Schellfische, hat
+aber doch in der Lebensweise viel Gemeinsames mit dem Waller. Wie dieser
+ist sie ein ausgesprochener Nacht- und Bodenfisch, hält auch ähnliche
+Standorte ein, obschon sie mehr Wert auf reine Beschaffenheit des
+Wassers legt und deshalb hoch in den Gebirgsflüssen emporsteigt, wo dann
+Forellenbrut ihre Lieblingsnahrung bildet. Den geschmeidigen Leib
+schiebt sie mehr kriechend als schwimmend über den Boden hin, schießt
+aber blitzschnell durchs Wasser, wenn man sie durch Aufheben eines
+Steines aus ihrem Schlupfwinkel aufstöberte. Sonst sehr ungeselliger
+Natur vereinigt sie sich doch während der in die kälteste Jahreszeit
+fallenden Laichperiode zu wahren Knäueln. Steinbuch will beobachtet
+haben, daß während des Laichaktes eine innige Vereinigung beider
+Geschlechter stattfinde, die dabei durch ein von ausgeschiedenem
+Milchsaft gebildetes Band fest zusammengehalten würden, doch hat diese
+höchst auffällige Entdeckung eine spätere und einwandsfreie Bestätigung
+von anderer Seite meines Wissens bisher nicht erfahren. Die Quappenleber
+fand früher in der Arzneikunde Verwendung, und aus der Haut der
+zählebigen Tiere bereitet man in Sibirien nicht nur Kleidungsstücke,
+sondern sogar -- Fensterscheiben. Das Fleisch wird sehr verschieden
+beurteilt, im allgemeinen aber wenig gewürdigt. Mit Unrecht! Es ist
+zart, fett, grätenarm und von eigenartigem Wohlgeschmack. Wer es richtig
+schätzen lernen will, der lasse sich von seiner Eheliebsten einmal die
+Nationalspeise der ostpreußischen Haffischer »bunte Fische«, bereiten.
+Verschiedene Lagen zerschnittener Kartoffeln wechseln mit ebensoviel
+Schichten Fischfleisch ab. Je mehr, desto besser! Wichtig ist, daß die
+unterste Schicht durch einen recht fetten Fisch gebildet wird, und dazu
+eignet sich die Quappe mehr als jeder andere, wenn sie auch im Notfall
+durch Aal ersetzt werden kann. Nach Beigabe des nötigen Wassers und
+unter Zufügung der üblichen Gewürze, schraubt man dann den Topf zu und
+läßt das Ganze nach Art des Pichelsteiner Fleisches dünsten, wobei sich
+der köstliche Fischgeschmack in die zerfallenden Kartoffeln zieht.
+_Probatum est!_ Ab und zu wird in unseren Gewässern auch einmal ein
+Angehöriger der zu den Schmelzschuppern gehörigen Familie der _Störe_
+(_Acipénser_) gefangen, die durch ihren köstlichen Kaviar weltberühmt
+geworden sind, indessen betrachten wir diese eigenartige, mehr im Osten
+beheimatete Gruppe wohl besser erst im nächstjährigen Kosmosbändchen,
+das von den ausländischen Fischen handeln soll.
+
+ [Illustration: Mundscheibe des Neunauges.]
+
+Sehr tiefstehende, aber in mehr als einer Beziehung hochinteressante
+Fische -- wenn man sie überhaupt noch zu den Fischen zählen darf -- sind
+die wurmförmig gestalteten, als »Rundmäuler« eine besondere Ordnung
+bildenden _Neunaugen_. Ihren Namen haben sie davon, daß man die sieben
+Kiemenspalten jederseits und das unpaare Nasenloch als »Augen«
+mitgezählt hat. Das Auffallendste an diesen, der paarigen Flossen
+entbehrenden Geschöpfen ist der rüsselförmig vorgestreckte Mund mit
+seiner kreisrunden Saugscheibe, von deren Gestaltung unsere Abbildung
+eine gute Vorstellung gibt. Will sich das Tier damit irgendwo ansaugen,
+so braucht es bloß den Zungenstöpsel zu heben, dadurch einen luft-
+bezgl. wasserleeren Raum zu schaffen und die Saugscheibe fest gegen den
+erwählten Gegenstand zu drücken. Es haftet dann so fest, daß man z. B.
+eine dreipfündige Makrele samt einem zehnpfündigen Stein, an den sie
+sich angesogen hat, aus dem Wasser heben kann. Die Neunaugen machen von
+dieser Fähigkeit namentlich auch während des Laichgeschäftes Gebrauch,
+indem sie oberhalb der Laichstelle ziemlich große Steine ansaugen, sich
+mühsam mit ihnen erheben und sich dann langsam und absatzweise von der
+Strömung bis zu dem Hochzeitslager treiben lassen. Beide Geschlechter
+beteiligen sich fleißig an dieser beschwerlichen Arbeit, und unsere
+größte Art, die _Lamprete_ (_Petromyzon marínus_) schleppt dabei
+mehrpfündige Steine mit der Geschicklichkeit eines Ingenieurs fort, um
+sie schließlich zu einem Haufen von Armeslänge und 60 bis 80 _cm_ Höhe
+aufzutürmen, in den dann das Weibchen seine Eier hineinlegt, während die
+ausschlüpfenden Jungen in den engen Zwischenräumen zwischen den Steinen
+und in deren Spalten selbst geeignete Schlupfwinkel finden. Beim
+Bachneunauge oder der _Zwergbricke_ (_Petromyzon pláneri_) hat ein
+Aquarienfreund auch gesehen, daß sie sich im Bodensand aus Steinen
+förmliche Wohnröhren baute, in denen das lichtscheue Geschöpf tagsüber
+verborgen lag. Weiter dient die Saugscheibe den Neunaugen aber auch noch
+zum Nahrungserwerb. Bei der Lamprete und bei dem Flußneunauge oder der
+_Pricke_ (_Petromyzon fluviátilis_) wenigstens ist es zweifellos
+festgestellt, daß sie eine teilweise parasitäre Lebensweise führen,
+indem sie größere Fische ansaugen, ihnen mit den Raspelzähnen ihrer
+Zunge Haut und Fleisch durchsägen und sich den Nahrungsbrei einpumpen,
+während bezüglich der kleineren und harmloseren Zwergbricke die
+Untersuchungen über diesen Punkt noch nicht abgeschlossen sind. Man hat
+schon Fische gefunden, die von Neunaugen buchstäblich in zwei Stücke
+zersägt waren. So vermögen sie zu furchtbaren Quälern und Feinden
+anderer Fische zu werden, zumal sie auch viel Fischlaich verzehren, der
+neben allerlei Gewürm ihre bevorzugte Speise auszumachen scheint. Gar
+nicht unwahrscheinlich ist es, daß sie sich von ihren beschuppten
+Reitpferden auch auf ihren Wanderungen gern ein Stück Weges tragen
+lassen, da sie selbst mit ihren schlängelnden Bewegungen nur mühsam
+größere Strecken zurücklegen können. Auf diese Weise dürfte auch das
+vereinzelte Vorkommen von Lampreten in Gegenden zu erklären sein, die
+sie sonst nicht aufsuchen, so im Oberrhein, wohin sie wahrscheinlich
+durch Lachse verschleppt wurden. Interessant ist die Entwicklung der
+Neunaugen, die ein Gegenstück zu derjenigen des Aales darstellt. Denn
+wie bei diesem entschlüpft dem Ei nicht das fertige Tier, sondern eine
+unfertige Zwischenform, eine Art Larve, die unter dem Namen »Querder«
+schon lange bekannt ist, aber früher für eine besondere Fischart
+gehalten wurde. Zeitweise findet man nur solche Querder in den
+Gewässern, da die alten Neunaugen bald nach Beendigung des
+Laichgeschäftes absterben. Der wurmförmige Querder ist blind, von
+schmutzig gelblicher Farbe, ohne Metallglanz, ohne getrennte Flossen,
+ohne richtige Saugscheibe und ohne Geschlechtsorgane. Im Schlamm und
+Moder, den er freiwillig kaum verläßt und von dessen verwesenden
+Bestandteilen er sich nährt, führt er ein höchst stumpfsinniges Dasein.
+Nur ganz allmählich und langsam geht die tiefgreifende, mehrere Jahre
+beanspruchende Verwandlung zum geschlechtsreifen Neunauge vor sich.
+Während die Zwergbricke das Süßwasser zeitlebens nicht verläßt, sucht es
+die sonst im Meer hausende Lamprete nur zur Laichzeit auf, und die
+Pricke pendelt zwischen beiden hin und her, scheint sich aber am
+liebsten im Brackwasser aufzuhalten. Sicherlich sind alle drei Formen
+aus einem gemeinsamen Grundtypus in Anpassung an diese verschiedenen
+Wohnorte hervorgegangen. Am zahlreichsten treten die beiden größeren
+Formen an unserem Ostseestrande und in den dort einmündenden Strömen
+auf, so namentlich bei Elbing, bei Memel und in den sich ins Kurische
+Haff ergießenden Strömen, und nur in diesen Gegenden hat ihr Fang in
+besonderen Brickensäcken wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen vermocht.
+Die Feinschmecker in den genannten Städten warten aber mit großer
+Sehnsucht auf das Eintreffen der ersten Brickenfänger im Frühherbst. Ich
+erinnere mich, daß in Memel dieses frohe Ereignis durch einen
+Böllerschuß und das Aufziehen einer roten Flagge auf einer kleinen
+Strandkneipe _urbi et orbi_ verkündigt wurde. Dann eilten alle
+Leckermäuler dorthin und ließen sich die im eigenen Fett frisch auf dem
+Rost gebratenen Neunaugen trefflich schmecken. Man darf aber des Guten
+nicht zu viel tun, da sie schwer verdaulich sind, und handelt weise,
+wenn man einen Kümmel draufsetzt. Leider lassen sich so geröstete
+Bricken nicht verschicken, und der Binnenländer, der sie nur als
+marinierte Fische kennt, hat keine Ahnung von ihrem köstlichen
+Wohlgeschmack. Leider nehmen diese Schmarotzerfische rasch ab, und ihre
+ganze Organisation weist ja schon darauf hin, daß sie eigentlich in ein
+früheres Zeitalter hineingehören. Gegenwärtig sollen jährlich nur noch
+etwa 5-6000 Schock in Ost- und Westpreußen gefangen werden, und demgemäß
+ist auch der Preis gestiegen. Leider ist es noch nicht gelungen,
+Neunaugen zu züchten und uns so vielleicht einen Weg zu zeigen, auf dem
+wir unseren Feinschmeckern diesen sonderbaren »Fisch«, dieses Wirbeltier
+ohne Wirbelsäule, wenigstens künstlich erhalten könnten. Hier läge eine
+ebenso lohnende wie wissenschaftlich interessante Aufgabe für
+biologische Versuchsanstalten vor.
+
+Der _Maifisch_ oder die Alse (_Clúpea alósa_) mit dem tief gespaltenen
+Maul und den beiden merkwürdigen Flügelschuppen vor der Schwanzflosse
+kann uns zu der wirtschaftlich so hochwichtigen Gruppe der Heringe
+hinüberleiten, denn er läßt sich recht gut als der Hering des Süßwassers
+charakterisieren, und auch seine kleinere und etwas später erscheinende
+Abart, die Finte, verrät selbst dem Laien sofort ihre Zugehörigkeit zur
+großen Heringsfamilie. Auch der Maifisch verbringt den größten Teil
+seines Daseins im Meer und wandert nur zur Laichzeit in den Flüssen
+aufwärts, indem er sich mit seltener Pünktlichkeit an ihren Mündungen
+einstellt und dann in großen Scharen dicht unter der Oberfläche und mit
+vielem Gelärm, das durch fortwährende Schwanzschläge verursacht wird,
+sich aber wie Schweinegrunzen anhören soll, flußaufwärts zieht. So
+werden seine Wanderungen sehr auffällig und sind denn auch von jeher von
+den Fischern weidlich ausgenutzt worden. Zum Überspringen von
+Hindernissen entschließt sich dieser behäbige und phlegmatische Fisch
+aber nicht leicht, macht deshalb auch nur selten von den angelegten
+Fischleitern Gebrauch und fehlt daher heute schon vielfach wegen der
+vielen Wehre in Gewässern, wo er früher eine regelmäßige und gern
+gesehene Erscheinung war, wie im Main. Man sagt auch ihm nach, daß er
+während der ganzen Reise fasten soll, und jedenfalls sind die wenigen
+Maifische, die den Zähnen der Raubfische und den Netzen der Menschen
+entgingen und nach beendigtem Laichgeschäft wieder zum Meere
+zurückkehren, jämmerlich abgemagert und völlig erschöpft, so daß auch
+der sie mit Verachtung straft, dem im Frühjahr der feiste Fisch trotz
+seiner vielen Gräten als ein köstlicher Leckerbissen erschien. Dagegen
+soll der im Meere lebende Maifisch auch nichts wert sein, und es
+scheint, daß er erst eine Zeitlang Süßwasser kneipen müsse, um der
+menschlichen Tafel würdig zu werden. Bei der Rückkehr, die nach dem
+stolzen und geräuschvollen Frühlingseinzug anmutet wie die Rückkehr der
+großen Armee aus den Schneefeldern Rußlands, sterben viele vor
+Ermattung, und man sieht dann ihre Leichname oft massenhaft stromabwärts
+treiben. Leider wird auch dieser Fisch, der einst bei Speyer zu
+Tausenden mit Schaufeln dem Rhein entnommen werden konnte, bei uns immer
+seltener, wozu namentlich die Raubfischerei der Holländer beitragen mag,
+die die Rheinarme mit einer mehrfachen Netzwand ihrer ganzen Breite nach
+abzusperren pflegen, so daß der weitaus größte Teil der wandernden
+Fische schon hier ein frühzeitiges Ende findet.
+
+In richtiger Erkenntnis von der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung
+unserer Süßwasserfischerei, die durch die Verunreinigung der Gewässer
+vielfach zurückgegangen war, sich neuerdings aber mit Hilfe der
+künstlichen Fischzucht wieder gehoben hat, haben die Regierungen während
+der letzten Jahre die gesetzlichen Vorschriften zu ihrer Erhaltung
+beträchtlich ausgebaut und erweitert, die auf Fischfrevel gesetzten
+Strafen bedeutend verschärft. So begrüßenswert das ist, muß doch der
+Naturfreund bedauern, daß man dabei im Übereifer vielfach über das Ziel
+hinausgeschossen ist und insbesondere der systematischen Vernichtung der
+Fischfeinde eine ganz übertriebene Bedeutung beigelegt hat. Wohin soll
+es z. B. führen, wenn, wie der neue preußische Fischereigesetzentwurf
+vorsieht, künftig der Fischer das Recht haben soll, ohne Rücksicht auf
+den Jagdinhaber fischfressende Vögel zu vertilgen und sogar ihre Nester
+zu zerstören? Dann wären wir auch die letzten Reste von Reiherkolonien
+u. dgl. bald los, für Eisvogel und Wasseramsel hätte die Todesstunde
+geschlagen, und die traurige Verödung unserer einst so reichen Natur
+wäre wieder um einen Riesenschritt weiter. Nein, gerade der Fischer, der
+den unerschöpflichen Reichtum des Wassers kennt, wie kein anderer,
+sollte auch die Wahrheit des alten Spruches erkennen: Raum für alle hat
+die Erde!
+
+
+
+
+Register
+
+
+Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine
+Abbildung im Text
+
+ Aal 21, 67, *69
+ Aalleiter 72
+ Aalmutter 67
+ Aalraupe 97
+ _Abramis brama_ 60
+ _Acerina cernua_ 28
+ _Acerina schraetser_ 27
+ _Acipenser_ 98
+ Aland 59
+ Alandblecke 62
+ _Alburnus alburnus_ 61
+ _Alburnus bipunctatus_ 62
+ _Alburnus mento_ 62
+ Alse 101
+ _Anableps tetrophthalmus_ 37
+ _Anguilla vulgaris_ 67
+ Äsche 90
+ _Aspius aspius_ 60
+ _Aspro streber_ 27
+ _Aspro zingel_ 27
+
+
+ Bachneunauge 99
+ Bachsaibling 90
+ Barbe 21
+ _Barbus fluviatilis_ 21
+ _Barbus petenyl_ 21
+ Barsch 65
+ Bartgrundel 13
+ Berschik 27
+ Bitterling 39, 40
+ Blaufelchen 91
+ Blei 60
+ _Blicca björkna_ 60
+ Blikke 60
+ Brassen 60
+ Breitschädel 17
+
+
+ _Carassius carassius_ *55
+ _Chondostroma nasus_ 62
+ _Clupea alosa_ 101
+ _Cobitis barbatula_ 13
+ _Cobitis fossilis_ 10
+ _Cobitis taenia_ *12
+ _Coregonus albula_ 91
+ _Coregonus hiemalis_ 92
+ _Coregonus lavaretus_ 91
+ _Coregonus oxyrhynchus_ 92
+ _Coregonus wartmanni_ 91
+ _Cottus gobio_ 15, *16
+ _Cyprinus carpio_ 48
+
+
+ Darmatmung 14
+ Dickkopf 17
+ Döbel 58
+ Donaulachs 88
+ Dünnbauch 34
+ Durstgefühl 54
+
+
+ Elritze 57
+ Entwicklung des Eis 86, *87
+ _Esox lucius_ 92
+
+
+ Farbenblindheit 38
+ Färbung 17
+ Farbwechselvermögen 19
+ Finte 101
+ Fischauge 36
+ Fischzucht, künstliche 85
+ Flußbarbe 21
+ Flußbarsch 22, *23
+ Föhrchen 84
+ Forelle 12, 15, 66, 81
+ Forellenbarsch 28
+
+
+ Gähnen 10
+ _Gasterosteus aculeatus_ 42
+ _Gasterosteus pungitius_ 47
+ Gefühlssinn 32
+ Gehörorgan 29
+ Geruchssinn 35
+ Geschmackssinn 35, 36
+ Giftwaffen 20
+ Glasaal 71
+ Glöckchen 36
+ _Gobio gobio_ 56
+ _Gobio uranoscopus_ 57
+ Goldfisch 56
+ Goldorfe 59
+ Greßling 56
+ Groppe 15, *16
+ Grotzfisch 17
+ Grundforelle 90
+ Gründling 56, *57
+ Güster 60
+
+
+ Hai 6
+ Hakenlachs *77
+ Hecht 92
+ Hochzeitskleid 39
+ Huchen 88
+
+
+ Jahresringe 80
+ _Ichthyophonus hoferi_ 84
+
+
+ Karausche *55
+ Karpfen 7, 8, 48, 65
+ Katzenhai 6, 9
+ Katzenwels 35
+ Kaulbarsch 28
+ Kaulhäuptlein 17
+ Kaulquappe 17
+ Kautzenkopf 17
+ Kiemenapparate 15
+ Kiemenatmung 14
+ Kilch 92
+ Körper, »roter« 54
+ Kropffelchen 92
+ Kulheet 17
+
+
+ Lachs 70, 75
+ Lachsforelle 89
+ Lamprete 99
+ Lauben 62
+ Lederkarpfen 48
+ Legeröhre 40
+ _Leptocephalus brevirostris_ 70
+ Lernfähigkeit 66
+ _Leucaspius delineatus_ 33
+ Leuchtorgane 19
+ _Leuciscus cephalus_ 58
+ _Leuciscus erythrophthalmus_ 59
+ _Leuciscus idus_ 59
+ _Leuciscus rutilus_ 59
+ Lippfisch 9
+ _Lota lota_ 97
+ _Lucioperca sandra_ 26
+ _Lucioperca volgensis_ 27
+
+
+ Maifisch 101
+ Maiforelle 90
+ Mairenke 62
+ Makrele 99
+ Malermuschel *40, 41
+ Maräne, große 91
+ Maulbrüter 9
+ Mäusefresser 58
+ Meerforelle 89
+ Messerkarpfen 34
+ Moderlieschen *33
+ Mühlkoppe 17
+
+
+ Nase 62
+ Neunauge 99
+
+
+ _Osmerus eperlanus_ 90
+ Otolith 29
+ Oval 54
+
+
+ Panzerwels 9
+ Papst 17
+ _Pelecus cultratus_ 34
+ _Perca fluviatilis_ 22
+ _Petromyzon fluviatilis_ 100
+ _Petromyzon marinus_ 99
+ _Petromyzon planeri_ 99
+ Pfaffenlaus 28
+ Pfäffikonmaräne 91
+ Pfrillen 58
+ Phototaxis 64
+ _Phoxinus laevis_ 57
+ Plötze 59
+ Pricke 100
+
+
+ Quappe 97
+ Querder 100
+
+
+ Rapfen 60
+ Regenbogenforelle 90
+ _Rhodeus amarus_ 39
+ Roche 6
+ Rotauge 59
+ Rotzkober 17
+ Rümpchen 58
+
+
+ Saibling 89
+ Salm 76
+ _Salmo fontinalis_ 90
+ _Salmo hucho_ 88
+ _Salmo irideus_ 90
+ _Salmo lacustris_ 89
+ _Salmo salar_ 75, 76
+ _Salmo salvelinus_ 89
+ _Salmo trutta_ 89
+ Schill 26
+ Schlafstellung 8
+ Schlammbeißer 10, 12, 14
+ Schlammgeschmack 14
+ Schlammpeitzker 8, 9, 10, 12
+ Schleie 56
+ Schmerle 13
+ Schnäpel 92
+ Schneider 62
+ Schneiderkarpfen 39
+ Schnelligkeit 52
+ Schrätzer 27
+ Schutzfärbung 19
+ Schwarzbarsch 28
+ Schwarzreiter 89
+ Schwebeforelle 89
+ Schwimmbewegung 52
+ Schwimmblase 53
+ Seeforelle 89
+ Seitenlinie 31, 32
+ Semling 21
+ Sichelfortsatz 36
+ Sichling 34
+ Silberforelle 90
+ _Silurus glanis_ 96
+ Sommerschlaf 7
+ Spiegelkarpfen 48
+ Statolith 29
+ Stechbüttel 43
+ Steinbeißer 9, *12
+ Steingreßling 57
+ Stichling 42, 66
+ Stint 90
+ Stör 98
+ Streber 27
+ Symbiose 41
+
+
+ Taumelkrankheit 84
+ Tastsinn 32
+ _Thymallus vulgaris_ 90
+ _Tinca tinca_ 56
+ Töne 15
+ Traunseemaräne 91
+ Trüsche 97
+ _Trutta fario_ 81
+
+
+ Uckelei 61
+
+
+ Waller 96
+ Wanderung 63
+ Weißfisch 7
+ Wels 96
+ Winterschlaf 7
+
+
+ Zahnkarpfen 37
+ Zander 26
+ Zicke 34
+ Zingel 27
+ _Zoarces vivipara_ 67
+ Zwergbricke 99
+ Zwergmaräne 91
+ Zwergstichling 47
+ Zwergwels 9
+
+
+
+
+Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!
+
+ Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden
+ wir
+
+ alle Naturfreunde
+
+ jeden Standes, sowie alle _Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw._
+ ein. -- Außer dem geringen
+
+ _Jahresbeitrag von nur M 4.80_
+
+ (Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die
+ Post Porto besonders.)
+
+ = K 5.80 h ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied keinerlei
+ Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende _große Vorteile
+ geboten: _
+
+ Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren
+ Jahresbeitrag im Jahre 1913 kostenlos:
+
+ I. Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. _Reich
+ illustr. Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes)._
+
+ Preis für Nichtmitglieder M 2.80.
+
+ II. Die ordentlichen Veröffentlichungen.
+
+ Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.-- pro Band.
+
+ Dr. H. Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.
+
+ Dr. Ad. Koelsch, Der blühende See.
+
+ W. Boelsche, Festländer und Meere.
+
+ Dr. K. Floericke, Einheimische Fische.
+
+ Dr. A. Zart, Atome, Moleküle und andere naturwissenschaftliche
+ Hypothesen.
+
+ Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser
+ bekanntgegeben.)
+
+ III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
+ naturwissenschaftlichen Werken _(siehe Seite 6 des Prospektes)_.
+
+ [Symbol Hand]_Jede Buchhandlung_ nimmt Beitrittserklärungen
+ entgegen und besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich
+ an die Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart.
+
+ Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.
+
+ Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.
+
+
+Satzung
+
+ § 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der
+ Naturfreunde auf geschäftlicher Grundlage) will in erster Linie
+ die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der
+ Natur und das Verständnis ihrer Erscheinungen in den weitesten
+ Kreisen unseres Volkes verbreiten.
+
+ § 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
+ Herausgabe eines den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung
+ gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers (§ 5); durch
+ Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfaßter, im guten
+ Sinne gemeinverständlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts,
+ die sie ihren Mitgliedern unentgeltlich oder zu einem besonders
+ billigen Preise zugänglich macht, usw.
+
+ § 3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden
+ Ausschuß, den Vorstand usw.
+
+ § 4. Mitglied kann jeder werden, der sich zu einem Jahresbeitrag
+ von M 4.80 = K 5.80 h ö. W. = Frs 6.40 (exkl. Porto) verpflichtet.
+ Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben
+ sind, erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann jederzeit
+ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt
+ ist gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit
+ alle weiteren Ansprüche an die Gesellschaft erlöschen.
+
+ § 5. Siehe vorige Seite.
+
+ § 6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der =Franckh'schen
+ Verlagshandlung=, Stuttgart, Pfizerstraße 5. Alle Zuschriften,
+ Sendungen und Zahlungen (vgl. § 5) sind, soweit sie nicht durch
+ eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten.
+
+
+Kosmos
+
+ Handweiser für Naturfreunde
+
+ Erscheint jährlich zwölfmal -- 2 bis 3 Bogen stark --
+
+ und enthält:
+
+ =Originalaufsätze= von allgemeinem Interesse aus sämtlichen
+ Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert.
+
+ =Regelmäßig orientierende Berichte= über Fortschritte und neue
+ Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.
+
+ =Auskunftsstelle= -- Interessante kleine Mitteilungen.
+
+ =Mitteilungen über Naturbeobachtungen=, Vorschläge und Anfragen
+ aus dem Leserkreise.
+
+ =Bibliographische Notizen= über bemerkenswerte neue Erscheinungen
+ der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.
+
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Einheimische Fische, by Kurt Floericke
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINHEIMISCHE FISCHE ***
+
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+Produced by Bernd Meyer and the Online Distributed
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+produced from scanned images of public domain material
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+University Frankfurt/Main Germany / Biology collection
+(ViFaBio))
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+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
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+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
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+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
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+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
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+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
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+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
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+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
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+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
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+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
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+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
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+The Project Gutenberg EBook of Einheimische Fische, by Kurt Floericke
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+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Einheimische Fische
+ Die Süßwasserfische unsrer Heimat
+
+Author: Kurt Floericke
+
+Illustrator: E. Bade
+ W. Koehler
+ R. Oeffinger
+
+Release Date: May 22, 2012 [EBook #39763]
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+Language: German
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+Character set encoding: ISO-8859-1
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+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINHEIMISCHE FISCHE ***
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+
+Produced by Bernd Meyer and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
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+University Frankfurt/Main Germany / Biology collection
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+<p class="noindent">Zur Transkription: Variationen der Schreibweise und Interpunktion des Originals wurden nicht angeglichen.</p>
+<p class="noindent">Transcriber's Note: Original spelling and punctuation variations have not been been standardized.</p>
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+<span id="id3">Von</span>
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+</h1>
+
+
+<p class="center1 smaller">Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen u. Zeichnungen von
+Dr. E. Bade, Oberlehrer W. Koehler, R. Oeffinger u. a. und einem
+Umschlagbild von R. Oeffinger</p>
+
+<p class="center">
+
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+
+<p class="noindent center strong1">Stuttgart</p>
+
+<p class="noindent center x-small">Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde</p>
+
+<p class="noindent center"> Geschäftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung </p>
+
+
+<p class="noindent center x-small">Copyright 1913 by<br />
+ Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart</p>
+
+<p class="noindent center xx-small">Stuttgarter Setzmaschinen-Druckerei Holzinger &amp; Co.</p>
+
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+
+<h2><span class="larger">Einheimische Fische</span></h2>
+
+<div class="boxright">
+
+ <p> »Ach, wüßtest du, wie's Fischlein ist</p>
+ <p> So wohlig auf dem Grund,</p>
+ <p> Du stiegst herunter wie du bist</p>
+ <p> Und würdest erst gesund!«</p>
+
+</div>
+
+
+<p>Ob Altmeister Goethe, der ja bekanntlich auch einen recht tiefen
+Einblick in das weite Reich der Natur getan hat, recht hat, wenn er in
+einem seiner formvollendetsten Gedichte, in dem fast italienischen
+Wohlklang atmenden »Fischer«, von dem Wohligsein der Fische spricht und
+den Menschen sie darum beneiden läßt? Der Naturforscher wird entschieden
+antworten, daß hier die Phantasie mit dem Dichter durchgegangen sei. Die
+Natur ist ja durchaus nicht die allgütige und allsorgende Mutter, als
+die eine sentimentale Weltauffassung sie hinzustellen beliebt, sondern
+vielmehr eine recht rauhe Erzieherin, die eine gar strenge und
+nachsichtslose, oft geradezu zu raffinierter Grausamkeit gesteigerte
+Auslese unter ihren »Kindern« hält, der das Schicksal des Individuums
+gleichgültig ist, wenn sich nur Aussicht bietet, den Bestand der Art zu
+erhalten. Und wenn aus diesen Gründen schon auf dem Festlande ein
+rücksichtsloser Kampf aller gegen alle tobt, so herrscht ein solcher in
+tausendfach vergrößerter und verbitterter Form im scheinbar so
+friedlichen Wasser, und besonders unter dessen höchst entwickelten
+Bewohnern, den Fischen, unter denen ja ausschließliche Pflanzenfresser
+eine Seltenheit sind, während grimmige Räuber in Unzahl das feuchte
+Element bevölkern. Das ganze Dasein der »wohligen« Fische ist ein fast
+ununterbrochenes Hetzen und Jagen, Verfolgen und Verfolgtwerden, alles
+dreht sich bei ihnen ums Fressen oder Gefressenwerden, solange nicht für
+mehr oder minder kurze Zeit der allmächtige Fortpflanzungsinstinkt alles
+andere in den Hintergrund drängt, die sonst Unersättlichen zu wochen-
+und monatelangem Fasten verurteilt und ganze Millionenheere zu weiten
+Wanderungen veranlaßt, die in der rücksichtslosen, fast brutalen Art
+ihrer Ausführung etwas geradezu Fanatisches und<a id="Page_6"></a>
+ <span class="pagenum">[6]</span>
+ Hypnotisierendes an
+sich haben. Da also der Kampf ums Dasein in den Gewässern noch
+unerbittlicher tobt als auf dem Festlande, wird es ohne weiteres
+begreiflich erscheinen, wenn die einzelnen Arten ihm nach dieser oder
+jener Richtung hin in weitgehender Weise angepaßt wurden, und wir werden
+ja im folgenden verschiedentlich Gelegenheit haben, solche
+Anpassungserscheinungen und ihre tiefgehende Bedeutung und Wirksamkeit
+für die Biologie der Fische kennen zu lernen.</p>
+
+<p>Selbst dem Laien, der öfters vor einem Aquarium gestanden hat, wird bald
+auffallen, daß er die Fische eigentlich jedesmal und zu jeder Tages-
+oder Nachtzeit in mehr oder minder lebhafter Bewegung, jedenfalls fast
+nie ganz ohne solche vorfindet. Bei einigem Nachdenken muß er sich
+schließlich ganz von selbst fragen, ob denn diese unermüdlichen Tiere
+eigentlich überhaupt nicht schlafen. Diese Frage ist keineswegs so naiv,
+wie sie auf den ersten Anblick erscheinen mag, denn bis in die neueste
+Zeit hinein haben auch angesehene Fachgelehrte der Meinung zugeneigt,
+daß die Fische tatsächlich überhaupt keines Schlafes bedürfen. Daß diese
+Anschauung so lange Zeit hindurch sich behaupten konnte, wird
+erklärlicher, wenn wir bedenken, daß das Hauptzeichen echten Schlafes,
+das geschlossene Auge, bei der Mehrzahl der Fische in Wegfall kommt,
+indem sie keine Augenlider haben. Das sonst so bewegliche Fischauge
+bleibt aber im Schlafe starr und ruhig, ohne jedoch seine Funktion
+völlig auszusetzen. Und das ist auch nötig, denn da das Gehör bei der
+großen Mehrzahl der Fische fast völlig versagt, muß das offene Auge
+ihren Schlaf behüten, wohingegen bei dem schlafenden Menschen das Gehör
+nicht gänzlich außer Funktion tritt und ihm eine herannahende Gefahr oft
+noch rechtzeitig genug verrät. Doch gibt es auch Fische, die Augenlider
+haben, wie z. B. die <strong>Haie</strong> und <strong>Rochen</strong>, und diese schließen im Schlafe
+auch das Auge fast völlig, während sich gleichzeitig die Pupille ganz
+wie bei uns Menschen verengt. Nur die ungemein schwierige Beobachtung
+solcher großen Meeresfische ist schuld daran, daß diese Tatsache so
+lange übersehen wurde, die man erst neuerdings an dem kleinen <strong>Katzenhai</strong>,
+der zu den gewöhnlichen Bewohnern der Schauaquarien gehört, festgestellt
+hat. Wir müssen übrigens zweierlei Arten von Schlaf bei den Fischen
+unterscheiden, nämlich einerseits den lethargischen Erstarrungszustand,
+in den gewisse Fische während der Winterkälte oder Sommerdürre für<a id="Page_7"></a>
+ <span class="pagenum">[7]</span>
+längere Zeit verfallen, der also ganz dem <strong>Winter-</strong> oder <strong>Sommerschlaf</strong>
+gewisser Säuger, Kriechtiere und Lurche entspricht, und andrerseits den
+eigentlichen Nacht-, bezüglich Tagesschlaf. Der erstere ist ja schon
+seit längerer Zeit bekannt. Wir wissen, daß alle Fische, die bekanntlich
+zu den Kaltblütern gehören, nur innerhalb bestimmter Temperaturgrenzen
+zu existieren und nur bei einem gewissen Temperaturoptimum ihre volle
+Lebenstätigkeit zu entfalten vermögen. Freilich sind diese
+Temperaturzonen bei den einzelnen Arten außerordentlich verschieden, was
+ja nicht weiter Wunder nehmen kann, wenn wir bedenken, daß manche Fische
+zwischen den Eisschollen der Nordmeere sich tummeln, andere dagegen in
+den lauwarmen Wassern der tropischen Riesenströme oder gar in heißen
+Quellen wohnen, die wie diejenigen von Aix eine Wärme von 45 Grad
+Celsius aufweisen. Wenn auch die widerstandsfähigeren Fische sich im
+Aquarium allmählich an eine nicht unbeträchtlich kältere oder auch
+wärmere Temperatur gewöhnen lassen, als sie im Freileben gewohnt sind,
+so weiß doch jeder Aquarienbesitzer, wie überraschend empfindlich seine
+Pfleglinge sich gegen plötzliche Temperaturschwankungen selbst
+geringfügiger Art zu zeigen pflegen. So erklärt sich auch die
+merkwürdige Tatsache, daß Aquarienfische sich sehr leicht erkälten,
+obwohl sie doch im Wasser selbst leben, und vereinzelte Ausnahmefälle,
+wo Tropenfische bei einer Temperatur von nur wenigen Graden völlig
+erstarrten und schon für tot gehalten wurden, dann aber beim Erwärmen zu
+neuem Leben erwachten, bestätigen nur die Regel. In freier Natur dagegen
+dürften Erkältungserscheinungen bei Fischen nur äußerst selten
+vorkommen, da ja die natürlichen Gewässer sich nur ganz langsam erwärmen
+oder abkühlen. Wird aber dabei eine gewisse Grenze überschritten, so
+erleidet die aktive Lebenstätigkeit der Fische eine immer weiter gehende
+Herabminderung, die schließlich in unserem Klima zur Erscheinung des
+lethargischen Winterschlafes führt. Unsere Weißfische und <strong>Karpfen</strong> z. B.
+fallen in einen solchen bei einer Wassertemperatur von + 4-6°<i>C</i>,
+nachdem sie sich vorher scharenweise im Schlamm eingewühlt und sich hier
+oft so dicht aneinander gedrängt haben, wie Pökelheringe in einer
+vollgepfropften Tonne. Während dieses Winterschlafes wird ganz wie bei
+Hamstern oder Fledermäusen die Tätigkeit des Herzens und sonstiger
+Muskeln, sowie die der Atmungs- und Ausscheidungsorgane auf ein Minimum
+herabgesetzt (bei <strong>Weißfischen</strong> z. B. sinkt nach<a id="Page_8"></a>
+ <span class="pagenum">[8]</span> Haempel die Zahl der
+Herzschläge von 20-30 auf 1-2 in der Minute), und der Körper zehrt
+während dieser ganzen Zeit lediglich von seinem eigenen, vorher nach
+Möglichkeit aufgespeicherten Fett, so daß er während des Winterschlafes
+einen Gewichtsverlust von 5 v. H. und mehr erleidet. Die Wärme des
+Frühjahrs erweckt dann die schlafenden Fische zu neuem Leben, falls
+nicht die Temperatur zu tief unter den Gefrierpunkt gesunken war und
+dadurch den zeitlichen Schlaf in einen ewigen verwandelt hat. Es ist
+übrigens erstaunlich, was die Fische gerade in dieser Beziehung
+auszuhalten vermögen. So sind verbürgte Fälle bekannt, daß Karpfen bei
+einer Temperatur von -15 bis -20°<i>C</i> vollständig in einen Eisblock
+eingefroren waren und sich dann bei ganz allmählichem und genügend
+vorsichtigem Auftauen doch völlig erholten. Während viele unserer
+Fische, wie der <strong>Hecht</strong>, auch während der rauhen Jahreszeit in Tätigkeit
+bleiben, bietet andrerseits unsre Fischwelt sogar manches bemerkenswerte
+Gegenstück zu dem Sommerschlaf der Tropenfische, der bei den in
+wissenschaftlicher Hinsicht so bemerkenswerten Lungenfischen seine
+höchste Vollendung erreicht und den Zweck verfolgt, beim Austrocknen der
+Wohngewässer die sommerliche Dürre ohne Schaden überdauern zu können. So
+erzählt Antipa aus dem Donaugebiete, daß er den <strong>Schlammpeitzker</strong>
+wiederholt in durchaus lebensfähigem Zustande tief im Schlamm vergraben
+angetroffen habe, während seine Wohntümpel so scharf ausgetrocknet
+waren, daß man mit beladenen Wagen darüber hinwegfahren konnte. Das wird
+erklärlich, wenn wir an die später noch näher zu besprechende Darmatmung
+dieses merkwürdigen Fisches denken.</p>
+
+<p>Viel weniger zahlreich sind aus dem schon erwähnten Grunde sichere
+Beobachtungen über den eigentlichen Schlaf der Fische, aber sie mehren
+sich in neuerer Zeit auffallend, so daß wir wohl annehmen dürfen, daß
+die Mehrzahl der Fische der süßen Wohltat des Schlafes nicht zu
+entbehren braucht, was ja auch physiologisch kaum denkbar wäre. Doch
+scheint soviel festzustehen, daß das Schlafbedürfnis der Fische ein
+ungleich geringeres ist, als das der übrigen Wirbeltiere und daß es sich
+noch am ehesten bei drückender Hitze und sauerstoffarmem Wasser geltend
+macht, bei den einzelnen Arten sehr verschieden stark ausgeprägt ist und
+auch individuelle Abweichungen nicht vermissen läßt. Insbesondere
+scheinen bestimmte <strong>Schlafstellungen</strong> für die einzelnen Arten
+kennzeichnend zu sein. Viele<a id="Page_9"></a>
+ <span class="pagenum">[9]</span> Fische schlafen in der gewöhnlichen
+Schwimmstellung freischwebend im Wasser, andere begeben sich zum Boden
+herab, drehen hier den Kopf der Strömung entgegen und stützen sich auf
+Brust- und Bauch-, sowie auf den unteren Rand der Schwanzflosse. Der
+<strong>Katzenhai</strong> steht senkrecht auf dieser, während er zugleich den Kopf an
+einen Stein oder an die Glaswand des Aquariums anlehnt, die <strong>Lippfische</strong>
+legen sich auf die Seite, nehmen also im Schlafen eine ähnliche Stellung
+ein wie der Mensch, und die <strong>Panzerwelse</strong> des Nil legen sich nach den
+Beobachtungen Werners sogar auf den Rücken und treiben mit nach oben
+gekehrtem Bauche an der Oberfläche einher, so daß man sie unbedingt für
+abgestorbene Fische hält. Der von den Aquarienfreunden wegen seiner
+interessanten Brutpflege hochgeschätzte <strong>Maulbrüter</strong> (das Weibchen
+schleppt den befruchteten Laich bis zu seiner völligen Entwicklung im
+Maule mit sich, das auch den Jungen während ihrer ersten Lebenstage noch
+als Zufluchtsstätte dient) schiebt sich zum Ausruhen flach auf ein
+geeignetes, oft nur wenig vom Wasser überspültes Pflanzenblatt, und die
+hübschen <strong>Zwergwelse</strong> Nordamerikas hängen in halbmondförmig gekrümmter
+Stellung, wie wir sie von den gekocht auf unsere Tafel kommenden
+Schleien her kennen, dicht an der Wasseroberfläche. Eine ähnliche
+Schlafstellung nimmt nicht selten auch unser <strong>Schlammpeitzker</strong> ein, indem
+er Kopf und Schwanz nach unten biegt, den schmiegsamen Leib aber nach
+oben krümmt. Auch den nahe verwandten <strong>Steinbeißer</strong> kann man bisweilen in
+dieser merkwürdigen Lage überraschen. Vielleicht ist sie auch auf das
+bei den Schlafstellungen der höheren Wirbeltiere so deutlich ausgeprägte
+Bestreben des Organismus zurückzuführen, während des wehrlosen
+Schlummers nach Möglichkeit zur primitiven, die geringste Angriffsfläche
+bietenden Kugelform zurückzukehren, was den Fischen bei ihrem meist
+starren Leibe allerdings nur andeutungsweise möglich ist. Während des
+Schlafes erscheint die Reizempfänglichkeit der Fische stark
+herabgemindert. Man muß ihnen schon ziemlich grob kommen, um sie
+aufzustören. So reagieren sie auf Steinwürfe in der Regel erst dann,
+wenn sie unmittelbar getroffen werden. Versuche Schmids haben gezeigt,
+daß sich Fische durch Zusätze von Veronal oder Trional (beide Stoffe
+gelten ja auch beim Menschen als Schlafmittel) zum Wasser auch künstlich
+einschläfern lassen, wobei sie ihre Bewegungen ganz allmählich
+verlangsamen und schließlich selbst gegen unmittelbare
+Berührungsreize<a id="Page_10"></a>
+ <span class="pagenum">[10]</span> unempfindlich werden. Schleien nahmen dabei eine
+im Winkel von 45° schräg nach unten gerichtete Stellung ein. Auch die
+Vorstufe des Schlafes, das charakteristische Ermüdungszeichen des
+<strong>Gähnens</strong>, ist im Fischreiche keine unbekannte Erscheinung, so sonderbar
+uns das auch anmuten mag. Namentlich in warmem und sauerstoffarmem
+Wasser kann man die Fische häufig gähnen sehen, gerade wie auch bei uns
+Menschen weichliches Wetter leicht Ermüdungszustände hervorruft. Beim
+Gähnen öffnet der Fisch sein Maul sehr weit, spreizt die Kiemen, hebt
+seine Bauchflossen und stößt dann mit großer Geschwindigkeit das
+eingesogene Wasser teils durchs Maul, teils durch die Kiemen wieder aus.
+Die Stellung der Flossen während des Schlafes ist am eingehendsten beim
+Schlammpeitzker beobachtet worden; gewöhnlich werden sie dem Körper
+glatt angelegt, die Brustflossen nicht selten aber auch flach
+ausgespreizt.</p>
+
+<p>Bei dieser Gelegenheit sei gleich noch einiges über den <strong>Schlammpeitzker</strong>
+oder <strong>Schlammbeißer</strong> (<i>Cobítis fossílis</i>) gesagt, diesen wegen seiner
+leichten Erreichbarkeit bei der Jugend so beliebten, wegen seiner vielen
+merkwürdigen Eigenarten aber auch für den Forscher und Aquarienfreund
+hochinteressanten Bewohner unserer kleinen stehenden Gewässer mit
+schlammigem Untergrunde. Er lebt hier als ein echter Bodenfisch und als
+ein ausgesprochenes Nachttier, das tagsüber untätig dem schlammigen
+Untergrunde aufliegt und erst mit Einbruch der Dämmerung zu regerem
+Leben erwacht, um den Schlamm nach allerlei Gewürm, Schnecken und jungen
+Muscheln zu durchwühlen, nebenbei wohl auch vermodernde Pflanzenteile zu
+sich zu nehmen. Bekannt geworden ist der Schlammbeißer in weiteren
+Kreisen namentlich als Wetterprophet, weshalb er auch im Volksmunde
+vielfach den Namen Wetterfisch führt, und er verdient diesen Ruf sicher
+in höherem Grade als der zu Unrecht gepriesene Laubfrosch. Es ist
+Tatsache, daß der Schlammbeißer wenigstens gegen elektrische
+Veränderungen in der Atmosphäre sich überaus empfindlich erweist und
+namentlich das Herannahen von Gewitterbildungen viele Stunden vorher
+(angeblich sogar 24 Stunden vorher) mit fast untrüglicher Sicherheit
+anzeigt. Der sonst so träge Geselle gerät dann in lebhafte Unruhe und
+schwimmt rastlos unter kräftig schlängelnden Bewegungen hin und her,
+kommt auch mit sichtbarer Ängstlichkeit häufig an die Oberfläche, um
+Luft zu schnappen. Es erscheint daher zweifellos, daß er für Fluida
+elektrischer<a id="Page_11"></a>
+ <span class="pagenum">[11]</span> oder magnetischer oder vielleicht gar radioaktiver
+Herkunft besonders empfänglich ist, ohne daß wir jedoch bisher diese
+auffallende Erscheinung irgendwie befriedigend aufzuklären vermöchten.
+Diese Eigenschaft des Schlammbeißers bringt es mit sich, daß man ihn in
+manchen Gegenden als geschätzten Wetterpropheten in einfachen Fisch-
+oder Einmachegläsern mit Sandbelag hält, was für den sonst sehr
+widerstandsfähigen Fisch freilich nur einen langsamen und qualvollen Tod
+bedeutet. Da er ebenso wie der Steinbeißer sich von einer geschickten
+Hand im Wasser ohne allzu große Schwierigkeiten ergreifen läßt, muß er
+ferner in der Regel für die ersten Aquarienversuche der lieben Jugend
+herhalten. Das ist sehr zu bedauern, und es erscheint nachgerade
+angezeigt, auch in bezug auf unsere Fischfauna den Naturschutz in
+höherem Grade zu berücksichtigen, als es bisher geschah, denn auch die
+Fauna unserer Binnengewässer und namentlich der kleinen Tümpel und
+Teiche droht infolge rücksichtsloser Nachstellungen mehr und mehr zu
+veröden und zu verarmen. Dagegen sei den modernen Aquarienfreunden,
+deren praktische Kenntnisse in der Tierpflege groß genug sind, um jede
+Tierquälerei auszuschließen, bei dieser Gelegenheit die sachgemäße
+Haltung und Beobachtung unserer so anziehenden einheimischen Fische, die
+über der Sucht nach ausländischen Neueinführungen und -züchtungen nur
+allzu sehr vernachlässigt worden sind, wieder einmal dringend ans Herz
+gelegt. Gibt es doch gerade an unseren so charakteristischen
+einheimischen Formen, von denen nicht wenige ebenso schön und zierlich
+sind, wie die berühmtesten Exoten, biologisch noch ungeheuer viel und
+Hochinteressantes genug zu erforschen, wobei auch der bloße Liebhaber
+tüchtig mithelfen kann. Übrigens ist der Schlammbeißer durchaus nicht
+der einzige Wetterfisch, vielmehr scheint zahlreichen Arten eine mehr
+oder minder große Empfindlichkeit gegenüber den elektrischen Zuständen
+der Luft eigen zu sein, und sie zeigen sich deshalb beim Herannahen
+eines Gewitters vielfach beängstigt und unruhig, wenn sie es auch nicht
+auf so lange Zeit vorauszuempfinden vermögen wie der Schlammbeißer. Im
+Zusammenhang damit mag es stehen, daß Fische bei Gewittern so leicht
+absterben, was man auf die durch die starke Temperaturerhöhung bewirkte
+Verminderung des Sauerstoffs im Wasser und auf die durch die plötzliche
+Erniedrigung des Luftdrucks hervorgerufene Übersättigung des Wassers mit
+schädlichen Gasen aus dem<a id="Page_12"></a>
+ <span class="pagenum">[12]</span> Untergrunde zurückgeführt hat, ohne
+jedoch bisher völlig über diese rätselhafte Erscheinung und über die
+Rolle, die die Elektrizität selbst dabei spielt, sich klar geworden zu
+sein. Als sehr weitblickende Wetterpropheten gelten in gewissen Gegenden
+z. B. auch die <strong>Forellen</strong>. So unwahrscheinlich es auch klingt, so schwören
+doch viele alterfahrene Fischer darauf, daß man aus dem Verhalten dieser
+Fische beim Laichgeschäft sichere Schlüsse auf die Gestaltung des
+kommenden Winters ziehen könne. Wenn die Forellen ihre Eier an den
+tiefsten, starker Abkühlung des Wassers weniger ausgesetzten Stellen
+ablegen, soll ein harter und strenger Winter zu erwarten sein, der ja
+immer auch einen beträchtlichen Rückgang des Wasserstandes mit sich
+bringt. Laichen die Forellen aber an seichten Stellen nahe am Ufer, wo
+die Strömung weniger stark ist, so soll ein milder und regenreicher
+Winter bevorstehen.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image03.jpg" width="450" height="202" alt="" /> <a id="Steinbeisser"></a> </p>
+
+<p class="caption">Steinbeißer (Naturaufnahme von Oberlehrer W. Koehler).</p>
+
+</div>
+
+<p>Der etwa 30 <i>cm</i> lang werdende <strong>Schlammbeißer</strong>, um auf diesen
+zurückzukommen, kennzeichnet sich durch seinen langgestreckten
+zylindrischen Leib mit kleiner und spärlicher Beschuppung, die gut
+entwickelte, abgerundete Schwanzflosse, die zehn kurzen Bartfäden an dem
+kleinen, aber sehr beweglichen Maul und durch die eigenartige Färbung:
+oberseits schwärzlich mit fünf gelben und braunen Längsstreifen,
+unterseits orangegelb mit schwarzen Tüpfeln. Der beträchtlich kleinere
+<strong>Steinbeißer</strong> (<i>Cobítis taénia</i>) hat nur sechs Bartfäden und auf
+ledergelbem Grunde großfleckige braune Binden an den Seiten und auf der
+Rückenmitte. Bei der dritten<a id="Page_13"></a>
+ <span class="pagenum">[13]</span> im Bunde, der zierlichen <strong>Schmerle</strong>
+oder <strong>Bartgrundel</strong> (<i>Cobítis barbátula</i>), die ebenfalls mit sechs Barteln
+ausgerüstet ist und nur wenig größer wird als der Steinbeißer, ist die
+Färbung viel unbestimmter, meist aber oben dunkelbraungrün mit
+regelloser Schwarzstreifung, unten hellgrau oder graugelblich. Während
+der Schlammbeißer hinsichtlich des Wohnsitzes seinem Namen alle Ehre
+macht, liebt der Steinbeißer klare Bäche und Wiesengräben mit sandigem
+Untergrund, und die Schmerle ist ein Kind des reinen, flachen, schnell
+über festen und steinigen Boden hinströmenden Wassers. Bei allen drei
+Arten dient also die buntfarbige Beschuppung zugleich als Schutzfärbung.
+Wenn die Frühjahrsregen Tümpel und Bäche neu aufgefüllt haben, schreiten
+die Cobitis-Formen zur Fortpflanzung an ruhigen und geschützten Stellen
+ihrer Wohngewässer, und zwar legt jedes Weibchen an Pflanzen oder
+Steinen 100-150_000 Eierchen ab, von denen aber nur ein geringer
+Prozentsatz zur Entwicklung kommt. Die große Mehrzahl der Jungen fällt
+überdies den Raubfischen zur Beute, denen die Bartgrundeln vermöge ihrer
+mundgerechten Gestalt überhaupt ein besonders willkommener Bissen sind.
+Deshalb bleibt ihre Zahl allenthalben eine ziemlich beschränkte. Von
+einer Brutpflege durch das Männchen, die Leunis wahrgenommen haben will,
+wissen spätere Beobachter nichts mehr zu berichten. Der Steinbeißer
+besitzt wenigstens noch eine eigenartige Waffe gegen seine zahllosen
+Feinde, die bei den beiden anderen Arten nur in rudimentärem Zustande
+vorhanden ist. Es handelt sich um einen dem Suborbitalknochen
+aufsitzenden, frei beweglichen und feststellbaren Augendorn. Ergreift
+man den Fisch, so biegt er den Kopf nach der Hand herum und bohrt den
+aufgerichteten Dorn mit beträchtlichem Kraftaufwand in deren Fleisch
+ein. Giftig ist dieser Dorn aber nicht, wie man wohl gefabelt hat.
+Wirtschaftlich sind die Cobitis-Arten schon wegen ihrer Kleinheit ohne
+sonderliche Bedeutung, und das Fleisch des Steinbeißers ist überdies
+mager und zähe. Dagegen wird die Schmerle von ausgepichten
+Feinschmeckern als ein gar köstlicher Bissen hoch geschätzt, und schon
+der alte Gesner singt begeistert ihr Lob. Doch stehen diese Fischchen
+ungemein rasch ab und dürfen deshalb nur in ganz frischem Zustande
+Verwendung finden, wenn sie ihren vollen Wohlgeschmack entfalten sollen.
+Am besten behandelt man sie wie Neunaugen, brät sie also auf dem Rost
+oder mariniert sie ein.<a id="Page_14"></a>
+ <span class="pagenum">[14]</span></p>
+
+<p>Auf gleiche Weise behandelte Schlammbeißer, die ein grätenarmes und
+nicht sehr fettes Fleisch haben, schmecken auch nicht übel, wenn man nur
+die Vorsicht gebraucht, sie erst einige Tage in klarem, fließendem
+Wasser zu halten, damit der ihnen sonst anhaftende Modergeruch und
+-geschmack sich verliert. Heutzutage führt man den vielen Fischen
+anhaftenden und ihre Verwendung für die Küche erschwerenden
+<strong>Schlammgeschmack</strong> nicht mehr auf die Einwirkung der Armleuchtergewächse
+zurück, sondern vielmehr auf gewisse niedere Algen, die Oszillarien. Wo
+sie in großer Menge vorhanden sind, haftet dem Fischfleische auch mehr
+oder minder der fatale Schlammgeschmack an, der schließlich selbst bei
+Regenbogenforellen so stark werden kann, daß er sie fast ungenießbar
+macht. Wo die Oszillarien völlig fehlen, gibt es auch keinen
+Schlammgeschmack. Fische, deren Haut reichlich mit Schleimdrüsen
+versehen ist, wie es z. B. bei Aalen und Schleien der Fall ist, nehmen
+den Schlammgeschmack immer rascher und stärker an, aber völlig verschont
+bleibt unter gegebenen Verhältnissen keiner, selbst nicht die delikate
+Bachforelle.</p>
+
+<p>Daß der Schlammbeißer in seinen oft kleinen Wohntümpeln bei heißem und
+trockenem Wetter nicht massenhaft zugrunde geht, hat er der ihm eigenen
+und wissenschaftlich hochinteressanten Fähigkeit der <strong>Darmatmung</strong> zu
+verdanken. Schon im Aquarium kann man häufig sehen, wie die
+Schlammbeißer von Zeit zu Zeit fast nach Art der Molche zur Oberfläche
+emporsteigen, hier einen tüchtigen Schluck voll Luft nehmen und dann
+langsam wieder zum Boden herabsinken, wie sie ja überhaupt keine Freunde
+überflüssiger Bewegung sind, sondern bei Gefahr immer nur rasch von
+einem Versteck nach dem andern schießen. Die mit dem Maul aufgenommene
+Luft preßt der Schlammbeißer unter krampfhaftem Schließen der
+Kiemendeckel durch seinen kurzen und fast gerade verlaufenden
+Verdauungsschlauch, wo der von feinsten Blutgefäßchen umsponnene
+Mitteldarm gewissermaßen als Lunge wirkt und der Luft gut die Hälfte
+ihres Sauerstoffes entzieht, um sie dann unter hörbar glucksendem
+Geräusch verbraucht durch den After wieder auszustoßen. Ein völliger
+Ersatz für die Kiemenatmung freilich ist mit alledem doch nicht gegeben,
+da nur durch diese die Ausscheidung der giftigen Kohlensäure bewirkt
+werden kann und deshalb ein lediglich auf die Darmatmung angewiesener
+Fisch doch zugrunde gehen muß. Diese<a id="Page_15"></a>
+ <span class="pagenum">[15]</span> Darmatmung, die sich ja auch
+bei der am tiefsten stehenden Fischform, bei dem Lanzettfischchen
+findet, ist wohl die ursprüngliche im Reich der Fische gewesen, und man
+kann deutlich eine Entwicklungsreihe verfolgen, die von da über die
+einfachen Kiemen der Rundmäuler, Haie und Rochen bis zu dem verwickelten
+<strong>Kiemenapparat</strong> der Knochenfische hinführt.</p>
+
+<p>Der Fähigkeit der Darmatmung verdankt nun aber der Schlammbeißer noch
+eine weitere und in den Kreisen der heimischen Fischfauna höchst seltene
+Eigenschaft, indem er nämlich auch imstande ist, deutlich wahrnehmbare
+<strong>Töne</strong> von sich zu geben. Nimmt man ihn nämlich aus dem Wasser heraus, so
+hört man ein Geräusch, das nach Johannes Müller die Mitte hält zwischen
+dem »Quieken einer Maus und dem Schall eines breiten Kusses.« Verursacht
+wird es offenbar durch das plötzliche und krampfhafte Ausstoßen der im
+Darm befindlichen Atemluft. Es ist also nicht eine freiwillige
+Lautäußerung, sondern vom Willen des Tieres völlig unabhängig, demnach
+nicht etwa ein Balz- oder Liebeslaut, sondern so ziemlich das gerade
+Gegenteil und eher mit dem Angstschrei der Vögel und Säuger zu
+vergleichen oder mit dem Vorgang, durch den sich nach einem
+derbdeutschen Sprichwort die »bleiche Furcht« bei Feiglingen zu erkennen
+gibt.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image04.jpg" width="450" height="228" alt="" /> <a id="Groppe"></a></p>
+
+<p class="caption"> Groppe (<i>Cottus gobio</i>). (Naturaufnahme von Dr. E. Bade.) (Aus: Bade, Die
+ mitteleuropäischen Süßwasserfische.)</p>
+
+</div>
+
+<p>Wesentlich stimmbegabter ist der Knurrhahn unserer Meere, und dieser hat
+auch im Süßwasser eine allerdings stumme Verwandte in der allbekannten
+<strong>Groppe</strong> (<i>Cóttus góbio</i>), der gefräßigen und unerwünschten Begleiterin
+der Forelle. Das sind zwei, die sich im wahrsten Sinne des Wortes »zum
+Fressen gern haben«. Freilich nicht gerade zur Freude des
+Forellenzüchters, der deshalb dem von ihm verfolgten buntschimmernden
+Eisvogel dankbar sein sollte, der neben Schmerlen hauptsächlich junge
+Groppen verzehrt, wenn sie sich mal aus ihrem Schlupfwinkel hervorwagen.
+Namentlich zur Laichzeit der Forellen entwickelt die Groppe eine recht
+fatale Tätigkeit. Durch das Plätschern der laichenden Forellen
+aufmerksam gemacht, erscheint sie alsbald auf dem Schauplatze und hält
+hier unbekümmert einen reichlichen Kaviarschmaus, weil Liebe auch die
+sonst so vorsichtige und wehrhafte Forelle blind macht. »Senkrecht im
+Wasser stehend, den Kopf zu unterst und den Schwanz nach oben, wirbelt
+sie mit den Brustflossen die leicht flottierenden Eier auf, um eines
+nach dem anderen zu verschlingen. Es ist keine Seltenheit, in dem
+Magen<a id="Page_16"></a>
+ <span class="pagenum">[16]</span> einer fingerlangen Groppe bis zu 30 Stück der erbsengroßen Forelleneier
+zu finden« (Jäger). Auch die ausgeschlüpften Jungforellen haben in der
+tückisch unter Steinen auf sie lauernden Groppe, die auch sonst alles zu
+überwältigende Getier und mit besonderer Vorliebe Libellenlarven gierig
+verschlingt, ihren schlimmsten Feind. Der Spieß wird aber umgedreht, und
+die Stunde der Rache erscheint, sobald die Groppe selbst im zeitigen
+Frühjahr zur Fortpflanzung schreitet. Dann ist es die raublustige
+Forelle, die hinter den jungen Groppen und dem Groppenlaich her ist und
+unnachsichtlich Vergeltung übt. Die Begegnung mit der alten Forelle hat
+auch die ausgewachsene Groppe zu scheuen, obwohl sie in solchen Fällen
+eine besondere Schreckstellung annimmt und den Kopf durch Aufsperren der
+Kiemenstrahlen drohend aufbläht. Von den in festen Klumpen von 100 bis
+300 Stück abgesetzten rötlichgelben Groppeneiern würden wahrscheinlich
+wenige übrig bleiben, wenn nicht das Männchen in der tapfersten Weise
+Brutpflege ausübte. Es verteidigt den zur Laichablage zwischen den
+Steinen ausgewählten Platz aufs heldenmütigste und ausdauerndste gegen
+jeden nahenden Feind, namentlich aber auch gegen die eigenen
+Geschlechtsgenossen, wobei es zu so erbitterten Kämpfen kommt, daß die
+Gegner sich bisweilen vollständig ineinander verbeißen und in diesem
+wehrlosen Zustande, der an den verkämpfter Hirsche erinnert, mit
+Leichtigkeit gefangen werden. Ohne selbst Nahrung zu sich zu nehmen,
+hält so das Männchen 4 bis 5<a id="Page_17"></a>
+ <span class="pagenum">[17]</span> Wochen lang treulich Wacht. Um so
+schutzloser sind aber dann die ausgeschwärmten jungen Groppen ihren
+Feinden preisgegeben, zu denen außer den Eisvögeln und Forellen
+namentlich auch die alten Groppen selbst zählen, die bei ihrer
+unersättlichen Freßgier in ausgesprochenem Maße dem Kannibalismus
+huldigen. Gleich der Forelle bevorzugt die Groppe klares, schnell
+fließendes Wasser und einen mit Steinen und Kiesgeröll bedeckten
+Untergrund. Deshalb ist sie auch in Gebirgsgegenden häufig, ja in
+manchen hochgelegenen Gewässern der einzige vorkommende Fisch. Sie hält
+sich hier tagsüber unter Steinen verborgen und schießt aufgescheucht mit
+großer Schnelligkeit durchs Wasser, aber immer nur auf kurze Strecken
+und geradlinig, da ihr die Schwimmblase fehlt. Zu verkennen ist sie
+nicht, denn der spindelförmig zulaufende, platt gedrückte Leib, der
+mächtige Dickkopf mit dem Riesenmaul, die auffallend großen Brustflossen
+und die schuppenlose, schleimige Haut sind untrügliche Merkmale. Die im
+allgemeinen dunkle, mit Braun und Grau schattierte Färbung wechselt nach
+Wohnort, Untergrund und Individuum ganz außerordentlich, und es
+erscheint sicher, daß auch der Groppe das bei den Schollen so
+ausgeprägte und noch näher zu besprechende Farbwechselvermögen zukommt.
+Bei ihrer Lebensweise muß das ein großer Vorteil für sie sein. In der
+Tat gehört schon ein sehr gut geschultes Auge dazu, um eine auf kiesigem
+Untergrund ruhende und sich dabei regungslos verhaltende Groppe aus
+einiger Entfernung zu erkennen. Daß die Groppe trotz ihrer versteckten
+Lebensweise ein recht volkstümlicher Fisch ist, beweist die große Zahl
+ihrer Trivialnamen, deren manche recht drastisch anmuten. »Rotzkober«
+nannten wir Thüringer Jungen sie, wenn wir stolz zum Fischfang auszogen;
+Mühlkoppe, Breitschädel, Kaulquappe, Grotzfisch, Dick- und Kautzenkopf,
+Kaulhäuptlein, Kulheet und sogar Papst heißt sie in anderen Gegenden.
+Wirtschaftlich hat sie höchstens als Köderfisch einige Bedeutung,
+obschon sie gar nicht übel mundet. Wendet man die Steine im Bach
+vorsichtig um, so kann man bei einiger Übung den schlüpfrigen und
+großmäuligen Burschen ganz gut mit der Hand ergreifen und hat sich dabei
+nur vor Verletzungen durch die spitzen Flossenstrahlen zu hüten.</p>
+
+<p>Da oben von der vorzüglichen Schutzfärbung der Groppe und von ihrem
+ausgeprägten Farbwechselvermögen die Rede war, seien hier gleich noch
+einige allgemeine Betrachtungen über die <strong>Färbung</strong><a id="Page_18"></a>
+ <span class="pagenum">[18]</span> der Fische
+eingeschaltet. Es liegt auf der Hand, daß bei dem schonungslosen und
+ununterbrochenen Kampfe ums Dasein, der sich im Wasser abspielt,
+Schutzfärbungen fast noch wichtiger erscheinen und daher noch häufiger
+anzutreffen sein werden, als auf dem Festlande. Und in der Tat fehlen
+sie kaum einem unserer heimischen Fische, wenn sie uns auch nicht immer
+gleich als solche erscheinen wollen. Aber wir müssen bei der Beurteilung
+solcher Erscheinungen eben immer die eigentümlichen Beleuchtungs- und
+Färbungsverhältnisse im Wasser berücksichtigen. Dann werden wir es
+sofort verstehen, warum alle unsere Oberflächenfische eine dunkle
+Rückenfärbung und eine helle Bauchfärbung mit lebhaftem Silber- oder
+auch Goldglanz haben, der an den Seiten besonders lebhaft hervortritt.
+Beides ist eine ausgeprägte Schutzfärbung, die gerade diese Fische um so
+nötiger haben, als sie sich für gewöhnlich ja nicht in Schlupfwinkeln
+verstecken oder auf dem Boden liegen, sondern im freien Wasser nahe der
+Oberfläche ihr anziehendes Spiel treiben. Die dunkle Rückenfärbung
+schützt sie vor dem scharfen Auge solcher Feinde, die aus der Luft auf
+sie herabspähen, also der fischfressenden Vögel. Ein jeder von uns weiß
+ja aus eigener Erfahrung, wie schwer es hält, einen im Wasser stehenden
+Fisch von oben her zu erkennen. Umgekehrt schützt der Silberglanz des
+Bauches, der nach oberflächlicher Auffassung so leicht zum Verräter
+werden könnte, in vortrefflicher Weise vor den lüsternen Blicken der
+Raubfische, die ja gewöhnlich tiefer im Wasser stehen oder dem Boden
+aufliegend auf Beute lauern, diese also schräg von unten zu Gesicht
+bekommen werden. Von da aus erscheint aber der ganze Wasserspiegel
+selbst bei bedecktem Himmel in lebhaft metallischem Lichtglanz, und wenn
+gar funkelnde Sonnenstrahlen die Oberfläche treffen, zucken leuchtende
+Lichtbündel, die sich von dem Aufblitzen der hin und her schwimmenden
+Fische kaum unterscheiden lassen, allenthalben auf, wovon sich jeder
+leicht beim Baden überzeugen kann. Schon vor mehr als 40 Jahren hat
+Gustav Jäger diese Entdeckung gemacht, die dann aber in Vergessenheit
+geraten war und erst neuerdings ohne Namensnennung wieder ausgegraben
+wurde. Daß der nahe der Oberfläche befindliche Beutefisch auf silbrigem
+Grunde silbern erscheint, somit nur sehr schwer sichtbar ist, wird nach
+den Untersuchungen von Popoff und Kapelkin physikalisch dadurch erklärt,
+daß die Fische infolge der eigentümlichen Lage ihrer Augen die
+Wasseroberfläche höchstens unter einem<a id="Page_19"></a>
+ <span class="pagenum">[19]</span> Winkel von etwa 45° sehen,
+die in einem solchen Winkel auf die Wasserfläche fallenden Lichtstrahlen
+aber diese niemals durchdringen können, sondern völlig zurückgeworfen
+werden. Etwas abweichender Ansicht ist in neuester Zeit Franz, indem er
+glaubt, daß die silberne Bauchseite, wie sie bei Hering und Makrele
+besonders schön ausgebildet ist, als Spiegel wirke, wenn auch mit dem
+Unterschiede, daß sie das Licht meist nur sehr diffus (zerstreut)
+zurückwirft. Demgemäß würde also ein solcher Silberspiegel lediglich die
+Farbe des Wohngewässers selbst wiedergeben, gleichviel ob diese ins
+Bläuliche, Grünliche oder Bräunliche fällt, und die Natur hätte mit
+dieser automatischen Farbenanpassung durch Spiegelwirkung eine
+verblüffend einfache und doch äußerst wirkungsvolle Leistung vollbracht.
+Daß die uns Menschen so auffallende Silberfärbung aber zum mindesten als
+Schutzfärbung aufzufassen ist, geht schon daraus hervor, daß sie allen
+Bodenfischen, wie auch den Tiefseefischen als zwecklos völlig fehlt.
+Denn im Ozean verschwinden schon bei 500 <i>m</i> Tiefe die Silberbäuche
+völlig, und Rot ist nun zur überwiegenden Schutzfarbe geworden, während
+mit 1000 <i>m</i> Meerestiefe ein mehr oder minder tiefes oder getrübtes
+Schwarz diese Rolle fast ausschließlich übernimmt, da ja Schwarz in den
+schauerlich finsteren Tiefen des Weltmeers naturgemäß den besten Schutz
+gewährt, auch gegenüber den <strong>Leuchtorganen</strong>, mit denen viele Raubfische
+zum Aufsuchen oder Anlocken ihrer Beute ausgerüstet sind.</p>
+
+<p>Ganz besonders schön ausgeprägt ist die <strong>Schutzfärbung</strong> bei den in
+erwachsenem Zustande auf dem Meeresgrunde lebenden <strong>Plattfischen</strong>, zu
+denen einige der schmackhaftesten Bewohner von Nord- und Ostsee zählen,
+und von denen die <strong>Flunder</strong> (<i>Pleuronéctes flésus</i>) gelegentlich auch im
+Süßwasser vorkommt. Und sie wird hier noch in ganz großartiger Weise
+unterstützt durch das diesen merkwürdigen Fischen eigene
+<strong>Farbwechselvermögen</strong>, das in so überraschender Weise in Tätigkeit tritt,
+daß darob selbst das in dieser Hinsicht doch weltberühmt gewordene
+Chamäleon erröten müßte, wenn anders Rot auf seiner Farbenskala
+verzeichnet wäre. Ganz wie beim Chamäleon wird auch bei den Plattfischen
+die sich dem Untergrund anpassende Farbänderung hervorgerufen durch die
+Tätigkeit der unter der Oberhaut liegenden und mit verschiedenartigen
+Farbstoffen angefüllten Farbzellen oder Chromatophoren, die leicht und
+rasch zusammengezogen oder ausgedehnt werden können und<a id="Page_20"></a>
+ <span class="pagenum">[20]</span> dadurch
+eine Auflichtung oder ein Dunklerwerden der Gesamtfärbung sowie eine
+Vergrößerung oder Verkleinerung, ein Verblassen oder ein Hervortreten,
+wenn auch keine Verschiebung der Fleckung und Zeichnung bewirken. Danach
+wird ein auf gelblichem Sande ruhender Plattfisch ganz anders aussehen
+als ein auf dunklem Untergrunde liegender, ein auf grobem Kiesgeröll
+befindlicher ganz anders als ein auf feinem Gries gelagerter. So weit
+geht diese Anpassung, daß für das menschliche Auge oft förmliche
+Vexierbilder entstehen und das Herausfinden eines sich regungslos
+verhaltenden Plattfisches selbst im beschränkten Raume des Aquariums
+seine nicht geringen Schwierigkeiten hat. Besonders deutlich konnte
+Sumner in Neapel die Erscheinung dann verfolgen, wenn er den Fischen
+einen künstlichen Untergrund aus verschiedenartig karriertem oder
+geflecktem Papier gab, dem sie sich in überraschend kurzer Frist in
+weitgehender Weise anzupassen suchten. Bei alledem steht soviel
+unzweifelhaft fest, daß diese Farbanpassung vom Willen des Tieres völlig
+unabhängig und als ein rein reflektorischer Akt zu deuten ist, als
+dessen Ausgangspunkt wir die durch die Netzhaut des Auges wahrgenommenen
+Lichteindrücke anzusehen haben. Sumner hat dies auch durch Versuche
+nachgewiesen, indem die von ihm geblendeten Plattfische andauernd dunkel
+blieben und unter keinen Umständen mehr einen Farbwechsel vorzunehmen
+vermochten. Auf eine ungleich hübschere, weniger grausame und dabei
+eigentlich noch viel überzeugendere Weise ist Ward zu dem gleichen
+Ergebnis gelangt. Er teilte einen Wasserbehälter in zwei Hälften durch
+ein Stück Linoleum, in das er ein Loch hineinschnitt, gerade groß genug,
+um einen kleinen Hecht darin festzuhalten. Die eine Hälfte des Behälters
+war weiß und die andere schwarz austapeziert. Wurde nun der Hecht so
+hineingesetzt, daß sein Kopf sich in der dunklen Hälfte, Körper und
+Schwanz dagegen in der hellen Hälfte befanden, so blieben die
+Pigmentstellen entspannt, der ganze Fisch somit dunkel. Sobald man den
+Versuchsfisch aber herumdrehte und den Kopf in die helle Hälfte
+versetzte, so war schon nach drei Minuten der ganze Fischkörper bleich,
+weil sich die dunklen Pigmentzellen zusammengezogen hatten. Das die
+Färbung beeinflussende Licht wirkt also nicht unmittelbar, sondern durch
+die Vermittlung des Fischauges.</p>
+
+<p>Häufiger als aktive Giftwaffen (Petermännchen) ist in unserer Fischfauna
+eine oft nur zeitweise Giftigkeit gewisser Fischteile beim<a id="Page_21"></a>
+ <span class="pagenum">[21]</span> Genuß,
+selbst wenn wir von dem Fleisch erkrankter oder bereits in Fäulnis
+übergegangener Fische absehen. So entwickelt das Blut des <strong>Aals</strong>, sobald
+es in fremde Blutbahnen gebracht wird, stark giftige Eigenschaften, die
+allerdings schon durch gelindes Kochen völlig zum Verschwinden gebracht
+werden. Bei der schmackhaften und sonst so bekömmlichen <strong>Barbe</strong> hat zur
+Laichzeit der Genuß des Rogens und (entgegen der Auffassung Blochs, nach
+einem aus neuester Zeit stammenden Bericht der Pariser <i>Société
+Zoologique</i>) auch des diesen umgebenden Fleisches bedenkliche
+Vergiftungserscheinungen im Gefolge, die sich namentlich in heftigem
+Durchfall und Erbrechen äußern. In noch verstärktem Maße finden wir die
+gleiche Erscheinung bei den merkwürdigen <strong>Kugelfischen</strong> (<i>Tétrodon</i>) der
+japanischen Gewässer, weshalb auch deren Verkauf auf den Fischmärkten
+streng verboten ist, während andrerseits Kugelfischkaviar eine beliebte
+Delikatesse der dort aus den verschiedensten Gründen so häufigen
+Selbstmordkandidaten sein soll. Unsere, eine Länge von 70 <i>cm</i> und ein
+Gewicht von 10 <i>kg</i> und mehr erreichende <strong>Flußbarbe</strong> (<i>Bárbus
+fluviátilis</i>) &nbsp;&mdash;&nbsp; der verwandte, in Siebenbürgen und Ungarn heimische,
+aber auch schon im Oder- und Weichselgebiet vorkommende <strong>Semling</strong> (<i>Bárbus
+petényi</i>) bleibt stets beträchtlich kleiner &nbsp;&mdash;&nbsp; verdient ihren Namen,
+denn sie fehlt den stehenden Gewässern ebenso wie dem Meere, während sie
+zu den charakteristischsten und häufigsten Bewohnern unserer Flüsse und
+Ströme zählt, soweit diese steinigen oder kiesigen oder wenigstens
+sandigen Untergrund haben, dem sie sich in ihrer Färbung ebenfalls in
+weitgehender Weise anzupassen vermag. Während die jungen, erst im
+vierten Jahre fortpflanzungsfähig werdenden Barben, die sich überhaupt
+durch eine reizvolle Beweglichkeit und große Spiellust auszeichnen,
+beständig unter zuckenden Flossenbewegungen umherschwimmen, werden die
+Alten mehr und mehr zu Nachttieren und Bodenfischen und schließlich zu
+richtigen Faulpelzen. Erst nach Einbruch der Dunkelheit ziehen sie auf
+Nahrung aus, indem sie ganz nach Schweineart mit ihrer rüsselförmig
+verlängerten Schnauze den Boden nach allerlei Genießbarem durchwühlen.
+Da der nach Karpfenart gebaute, nur wesentlich schlankere Fisch dabei in
+der Aufnahme von Nahrung ebensowenig wählerisch und ebenso vielseitig
+ist, wie der grunzende Borstenträger, wird er in manchen Gegenden vom
+Volke gar nicht übel als »Sauchen« bezeichnet. Auch an Aas und selbst an
+menschliche<a id="Page_22"></a>
+ <span class="pagenum">[22]</span> Leichname geht die Barbe recht gern, und für Kot aller
+Art hat sie sogar eine ausgesprochene Vorliebe, mästet sich deshalb am
+besten da, wo Aborte und Kanäle ihren Inhalt in die Fluten entleeren,
+und wird aus ähnlichen Gründen auch in der Nähe von Badeanstalten nicht
+leicht vermißt. Indessen hat diese wenig appetitliche Ernährungsweise
+ebenso wenig wie der Grätenreichtum ihres sonst vorzüglichen Fleisches
+oder die Giftigkeit ihres Rogens zu verhindern vermocht, daß sie als
+Tafelfisch sich einer nicht geringen Wertschätzung erfreut. Der Angler
+weiß, daß sie am sichersten auf ein Stückchen Schweizerkäse anbeißt.
+Namentlich als »Bierfische« werden die Barben in manchen Gegenden sehr
+geschätzt, so daß man sie wegen ihrer verhältnismäßig geringen
+Vermehrungsfähigkeit sogar schon künstlich zu züchten versucht, dabei
+aber wegen der großen Klebrigkeit der Eier, die im Freien während der
+Frühlingsmonate an Steinen abgesetzt werden, keine sonderlich
+ermutigenden Erfolge erzielt hat. Zur Laichzeit sieht man die
+Barbenmännchen oft in langen Zügen wie im »Gänsemarsche« hinter den
+laichfähigen alten Weibchen einherziehen. Gerade die Barben erkranken
+sehr leicht an der Beulenpest, die durch einen einzelligen Schmarotzer
+aus der Klasse der Sporentierchen (<i>Nyxobólus pfeífferi</i>) verursacht
+wird und zu erbsen- bis nußgroßen Geschwülsten auf der Haut der
+befallenen Tiere führt. Die aus den eiternden Beulen austretenden Keime
+befallen auch Fische anderer Art, sind vielleicht auch für den badenden
+Menschen nicht ungefährlich und vermögen so ganze Gewässer zu verpesten.
+Die Barbenbestände selbst sterben dann fast völlig ab, wie es in den
+Jahren 1885 und 1886 in der Maas und Mosel der Fall war, wo man allein
+in Mézières täglich bis zu 2 Zentnern abgestandener Barben auffischen
+konnte. Ebenso sind krankhafte Farbenabweichungen gerade bei Barben
+keine besondere Seltenheit; selbst Stücke mit lebhaft goldgelben
+Schuppen, die stark an Goldfische erinnern, kommen gelegentlich vor.<a id="Page_23"></a>
+ <span class="pagenum">[23]</span> </p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image05.jpg" width="436" height="665" alt="" /> <a id="Barsch"></a></p>
+
+<p class="caption"> Barsch (nach Naturaufnahmen von Fr. Ward [<i>Marvels of fish life</i>] gezeichnet von
+ R. Oeffinger).</p>
+
+</div>
+
+<p>Als ein gutes Beispiel für die Farbenanpassung an die Pflanzenwelt des
+Süßwassers wollen wir hier endlich noch den <strong>Flußbarsch</strong> (<i>Pérca
+fluviátilis</i>) herausgreifen, dessen Name mit dem Begriff »Borste«
+zusammenhängen soll, und ein recht borstiger Bursche ist ja dieser
+stachelbewehrte Räuber tatsächlich in jeder Hinsicht, der im Fischreiche
+biologisch etwa dieselbe Rolle spielt wie der Sperber in der Vogelwelt.
+Von Schutzfärbung ist freilich bei ihm zunächst<a id="Page_24"></a>
+ <span class="pagenum">[24]</span>
+wenig zu merken, denn der Oberkörper ist messingglänzend, und diese
+Farbe geht auf den Seiten mehr ins Grünliche, auf dem Bauche ins
+Weißliche über, während quer über den Leib 5-9 mehr oder minder dunkle
+Zebrabinden verlaufen. Wir müssen aber berücksichtigen, daß der Barsch
+in der Regel unter einer überhängenden Uferstelle im ruhigen Wasser
+zwischen Rohrhalmen auf Beute lauert, und hier kommt ihm die den Rohr-
+und Pflanzenstengeln gleichende Körperzeichnung doch sehr zustatten,
+zumal sie sich den Belichtungs-und Schattierungsverhältnissen ebenfalls
+in wundersamer Weise anzupassen vermag. Je klarer und durchsichtiger das
+Wasser, in desto lebhafterer Färbung pflegt der Barsch zu prahlen. Nun
+kommt aber noch hinzu, daß auch sein jeweiliger Gemütszustand die
+Färbung ganz erheblich zu beeinflussen pflegt, wie ja die Fische trotz
+ihres kalten Bluts überhaupt keineswegs die leidenschaftslosen und
+»kaltblütigen« Geschöpfe sind, als die sie bei oberflächlicher
+Betrachtung erscheinen. Ganz im Gegenteil feiern glühende Liebe,
+brennender Haß und ungestümer Wanderdrang, kurz, rücksichtslose
+Leidenschaften aller Art gerade im Fischreiche wahre Orgien, und das
+kommt auch in der jeweiligen Färbung oft deutlich genug zum Ausdruck. So
+beweisen die einwandfreien Photographien des schon erwähnten englischen
+Forschers Ward, daß namentlich der Barsch nicht nur ein durch die
+verschiedene Flossenstellung vermitteltes, sehr ausdrucksvolles Mienen-
+und Geberdenspiel hat, sondern daß er auch aus Angst und Furcht oder bei
+plötzlichem Schreck die Farbe zu verändern, insbesondere bis zur
+Leichenblässe zu erbleichen vermag. Eben noch liegt der Fisch in
+behaglicher Ruhe auf dem Grunde, den Körper gestützt auf Schwanz- und
+Beckenflossen, während die übrigen Flossen sich ihm anschmiegen und die
+Zebrastreifen fast gar nicht sichtbar sind. Da &nbsp;&mdash;&nbsp; eine leise
+Erschütterung des Glasbehälters, und der Barsch richtet sofort als
+Zeichen der Beunruhigung die zweite Rückenflosse steil auf. Eine zweite
+und dritte stärkere Erschütterung &nbsp;&mdash;&nbsp; und der nun vollends erschreckte
+Barsch erhebt sich vom Boden, richtet auch die übrigen Flossen auf,
+spreizt die Kiemendeckel und &nbsp;&mdash;&nbsp; erbleicht plötzlich vor Furcht, so daß
+die Zebrastreifen scharf und deutlich hervortreten. »Drei Minuten lang
+verharrte er in dieser Stellung und schwamm dann fort, andauernd seine
+großen Augen rollend, als ob er nach Gefahr ausschaute.« Gleichzeitig
+mit dem Erbleichen wird eine besondere Verteidigungsstellung
+eingenommen,
+<a id="Page_25"></a>
+ <span class="pagenum">[25]</span> und dabei werden namentlich die scharfen Stacheln der
+Rückenflossen gespreizt, denn sie sind die natürlichen Abwehrwaffen des
+Barsches. Doch stehen sie nicht wie beim Stichling in besonderen
+Sperrgelenken, und deshalb gewähren sie auch nicht einen so weitgehenden
+Schutz, obschon die größeren Raubfische in der Regel nur bei besonderem
+Hunger sich an den stacheligen Gesellen machen. Der Hecht z. B. packt
+den sich nach Kräften Sträubenden mit einer gewissen Vorsicht am Maul
+und läßt ihn sich nun erst so weit abmatten, bis die dräuend erhobenen
+Stacheln von selbst herabsinken und so das Opfer verschlungen werden
+kann. Seinerseits ist aber auch der Barsch ein gar grimmer Räuber, der
+blindgierig auf alles losschnappt, was er halbwegs bewältigen zu können
+glaubt, und dabei nicht selten üble Erfahrungen machen muß. In der
+Jugend zwar begnügt er sich mit Gewürm und Schnecken, im Alter aber wird
+er zum fast ausschließlichen Fischfresser. Lauernd lugt er dann aus
+seinem Versteck, und wie ein Sperber stößt er urplötzlich hervor unter
+das harmlos spielende Proletenvolk der Weißfischchen, die erschreckt
+auseinander stieben, wohl gar aus dem Wasser hervorschnellen, aber von
+dem Raubritter in schnellen, ruckweisen Schwimmstößen so lange verfolgt
+werden, bis einer erhascht ist, falls dies nicht schon auf den ersten
+Anhieb geschah. Auch der Fischbrut und den kleineren Krebsen tut der
+Barsch viel Schaden. So las ich erst unlängst, daß ein nur 16 <i>cm</i>
+langer Barsch nicht weniger als 3 noch frische, weichhäutige Krebse von
+5 bis 7-1/2 <i>cm</i> Länge im Magen hatte, der dadurch ganz unförmlich
+aufgetrieben war. Selbst an kleineren Sängern und Vögeln vergreift sich
+dieser gierige Räuber, wenn sich ihm Gelegenheit dazu bietet. Da er
+blind nach allem Genießbaren schnappt, bildet er die Freude des
+angehenden Anglers, dessen Unerfahrenheit er oft mit einem unverhofften
+und wegen seines wohlschmeckenden Fleisches hochwillkommenen Erfolge
+krönt, der allerdings nicht selten mit einer schmerzhaften Verletzung
+der Hand durch die spitzigen Rückenstacheln bezahlt werden muß. Das gilt
+freilich nur von jungen und unerfahrenen Barschen, denn die alten sind
+recht scheu und mißtrauisch, und der Angler darf sich solchen gegenüber
+keineswegs unvorsichtig benehmen. Wer irgendwelche Barscharten längere
+Zeit hindurch im Aquarium gepflegt hat, wird mir beipflichten, wenn ich
+mich erkühne, diese Fische geradezu als nervöse Geschöpfe zu bezeichnen.
+An Heißblütigkeit und Ungestüm des Temperaments<a id="Page_26"></a>
+ <span class="pagenum">[26]</span> geben sie ihrem
+würdigen Vertreter in der Vogelwelt, dem Sperber, sicherlich nicht das
+geringste nach. Ja, ihre Erregung vermag sich wie beim Vogel derart zu
+steigern, daß sie in krampfhafte Zustände verfallen oder gar plötzlich
+tot zu Boden sinken. Auch mancher Exotenzüchter vermag von dieser noch
+wenig bekannten und erforschten Eigenschaft der als kaltblütig
+verschrieenen Fische ein Lied zu singen. So sind Fälle bekannt, wo
+Makropoden aus Erregung über die Zerstörung ihres Schaumnestes sofort
+verendeten; der Pfauenaugenbarsch wechselt aus Angst oder Schreck alle
+Farben, oder verfällt in Starrkrampf, der Diamantbarsch geberdet sich im
+Ärger genau so sinnlos wie ein Habicht oder Sperber und sucht sich mit
+weit abstehenden Kiemen in den Sand einzubohren. Unser Fluß-oder
+Rohrbarsch, der gewöhnlich 35-40 <i>cm</i> lang und 1 <i>kg</i> schwer wird
+(kürzlich wurde bei Zürich ein Exemplar von 2-1/4 <i>kg</i> Gewicht
+gefangen), bewohnt sowohl stehende wie fließende Gewässer, bevorzugt in
+diesen jedoch die langsam fließenden Stellen mit sandigem, mergeligem
+oder lehmigem Grunde und gibt immer einem möglichst klaren Wasser den
+Vorzug. Die Laichzeit fällt in die Frühlingsmonate, und zwar werden die
+mohnkorngroßen Eier in mehr als meterlangen, schlauchartigen Schnüren
+netzartig um allerlei feste Gegenstände im Wasser geschlungen. Das
+Weibchen kriecht bei der Laichabgabe förmlich wie eine Schnecke über die
+Unterlage und unterstützt durch scharfes Anpressen des Bauches, also
+durch eine Art Selbstmassage das Austreten der zwar kleinen, aber sehr
+klebrigen und spezifisch auffallend schweren Eier. Künstliche
+Besamungsversuche in der Biologischen Versuchsanstalt zu Wien haben
+gezeigt, daß es sich bei einer bisher rätselhaften Barschform aus dem
+Donaugebiet um Bastarde zwischen Rohr- und Kaulbarsch handelt, die
+demgemäß auch in freier Natur vorkommen. Diese Mischlinge sind im
+allgemeinen mehr kaulbarschähnlich, aber hochrückiger und seitlich
+stärker zusammengedrückt, während die Zebrabinden nur dann hervortreten,
+wenn der Rohrbarsch die Mutter war; sie sind träger, aber zählebiger und
+schnellwüchsiger als beide Stammarten.</p>
+
+<p>Größere wirtschaftliche Bedeutung als der Flußbarsch besitzt sein
+äußerst wohlschmeckender und dabei grätenarmer größerer Vetter, der
+<strong>Zander</strong> oder <strong>Schill</strong> (<i>Luciopérca sándra</i>), dessen wisschenschaftlicher
+Name »Hechtbarsch« vortrefflich gewählt erscheint, denn in der Tat
+vereinigt dieser Fisch äußerlich wie biologisch die Eigenarten<a id="Page_27"></a>
+ <span class="pagenum">[27]</span>
+beider Familien in sich. Mehr noch als der Flußbarsch ist er auf recht
+sauerstoffreiches Wasser angewiesen, worauf schon der ungemein zarte Bau
+seiner Kiemen hindeutet. So findet er sich besonders zahlreich in
+weiten, aber flachen Wasserbecken, die durch stürmische Winde ab und zu
+gründlich aufgewühlt und dadurch mit dem Sauerstoff der Luft gesättigt
+werden, wie dies z. B. beim Kurischen Haff der Fall ist, wo deshalb auch
+ein sehr lohnender Zanderfang noch heute betrieben wird, wenn auch die
+Zeiten, wo man die massenhaft erbeuteten wertvollen Zander lediglich zum
+Trankochen benutzte, dort längst vorüber sind. Ebenso ist der Zander als
+»Fogosch« ein Charakterfisch des Plattensees und bildet, auf dem Rost
+gebraten, eine beliebte ungarische Nationalspeise. Die so zahlreich in
+die Berliner Markthallen gelangenden Zander dagegen entstammen
+größtenteils dem Wolgagebiet, wo eine besondere Art, der <strong>Berschik</strong>
+(<i>Luciopérca volgénsis</i>) auftritt, die neuerdings auch durch das
+Schwarze Meer ins Donaugebiet einzuwandern beginnt. Auch der Zander ist
+ein ausgesprochener, überaus freßgieriger Raubfisch, der aber seines
+engen Schlundes und Magens wegen doch nur kleinere Fische zu bewältigen
+vermag. Der Angler wird ihm gegenüber nur dann Erfolg haben, wenn er
+einen lebenden Köder verwendet und auf die große Furchtsamkeit und
+Leckerhaftigkeit dieses Fisches genügend Rücksicht nimmt. Dann aber
+bietet gerade das Zanderangeln viel Anregung und hohen sportlichen
+Genuß. Gleich dem Flußbarsch treibt sich der Zander gern in kleinen
+Trupps umher, und es ist merkwürdig, wie diese im Wasser oft förmlich
+exerzieren und wie auf Kommando gemeinsame Schwenkungen vollführen. Die
+ganz jungen Zander fressen außer tierischen Substanzen auch massenhaft
+schwebende Algen, und selbst die Alten scheinen Pflanzenkost nicht
+völlig zu verschmähen. Jedenfalls ist es auffallend, daß die in
+Zandermägen vorgefundenen Fische fast immer in allerlei Pflanzengrün
+eingehüllt sind, wobei es einstweilen dahingestellt bleiben muß, ob
+dieses etwa zur Beförderung der Verdauung mit verschluckt wurde. Von
+anderweitigen Angehörigen der Barschfamilie, die sich durch das
+Vorhandensein von zwei selbständigen, stacheligen Rückenflossen
+kennzeichnet, seien hier noch kurz erwähnt der schlank gebaute <strong>Streber</strong>
+(<i>Aspro stréber</i>), der bei uns gleich dem <strong>Zingel</strong> (<i>Aspro zíngel</i>) auf
+das Donaugebiet beschränkt ist, und der bisher nur in fließendem Wasser
+gefundene <strong>Schrätzer</strong> (<i>Acerína schráetser</i>). Alle diese<a id="Page_28"></a>
+ <span class="pagenum">[28]</span> Arten sind
+zu klein und treten zu vereinzelt auf, als daß sie wirtschaftliche
+Bedeutung gewinnen könnten, obschon ihr Fleisch recht gut mundet. Beim
+Zingel hat Kammerer interessanterweise einen ganz verwickelten Nestbau
+beobachtet, indem das Tier eine kreisförmige Grube im Sande auswirft, in
+der Grubenmitte mit der Schnauze Steine zusammenschiebt, und zwischen
+die Steine mühselig herbeigeholte Algenwatte einklemmt. Durch
+Hineinarbeiten und Drehen des Körpers gewann diese Algenmasse
+mützenförmige Gestalt, die durch quergesteckte Reiser klaffend erhalten
+wurde. Der Schrätzerlaich erscheint zwar ebenfalls wie beim Flußbarsch
+zu Schnüren angeordnet, aber die Eier liegen nicht in einem gemeinsamen
+Schlauch, sondern sind nur reihenweise dicht nebeneinander auf dem Boden
+festgeklebt. Dieser stachelige Fisch, der dem etwas Besseres erhoffenden
+Angler manche Enttäuschung bereitet und ihm beim Auslösen manchen
+blutigen Stich beibringt, gilt bei den Donaufischern als ein arger
+Schädling der Fischbrut, während Streber und Zingel, die man in kleinen
+Geschwadern ruckweise durchs Wasser schießen sieht, völlig harmlos sind
+und sich lediglich von Mückenlarven, Wasserasseln, Flohkrebsen und
+Erbsenmuscheln, namentlich aber von Würmern ernähren. Sie schaufeln
+diese förmlich aus dem Boden hervor und drehen sich von großen
+Exemplaren maulgerechte Stücke ab, indem sie sich wie die Molche hin und
+her werfen und um die eigene Achse wälzen. Neuerdings sind auch zwei
+nordamerikanische Barscharten ihrer Schnellwüchsigkeit halber mit Erfolg
+in Deutschland eingebürgert worden, der <strong>Schwarzbarsch</strong> und der
+<strong>Forellenbarsch</strong>, die sich namentlich in kleinen Teichen mit festem
+Untergrunde recht gut entwickeln und hier die Rolle des Hechts vertreten
+können. Wichtiger aber als sie alle ist trotz seiner Kleinheit (er
+bringt es höchstens auf 1/2 <i>kg</i> Körpergewicht) der <strong>Kaulbarsch</strong> (<i>Acerína
+cvernua</i>), ein gelbbrauner oder olivengrüner Bursche mit feinen
+Pünktchen, die das Volk in Süddeutschland für Läuse hält und deshalb den
+Fisch, der von jeher gern in den Klöstern verspeist wurde, »Pfaffenlaus«
+getauft hat. Noch furchtbarer als andere Barscharten ist diese mit
+Stacheln bewehrt, so daß die Fischer von ihr sagen, man dürfe sie nur
+mit blechernen Handschuhen anfassen, und kenntlich wird der gedrungen
+gebaute Kaulbarsch sofort daran, daß die beiden Rückenflossen nicht
+scharf getrennt sind, sondern ineinander übergehen. Er führt eine
+zigeunerartige und nomadenhafte Lebensweise,<a id="Page_29"></a>
+ <span class="pagenum">[29]</span> erscheint aber zu
+bestimmten Jahreszeiten in gewissen Gegenden in ganz fabelhafter Menge.
+Als ich vor einer Reihe von Jahren am Kurischen Haff wohnte, wurden dort
+nicht selten solche Unmengen von Kaulbarschen gefangen, daß man mit dem
+Überfluß bisweilen nichts anderes anzufangen wußte, als ihn als Dung auf
+die Felder zu fahren. Heute wird das wohl auch anders geworden sein,
+denn Kaulbarsch gibt die leckerste Fischsuppe, die sich nur denken läßt.
+In den langen und harten Wintern lernte ich damals dort auch eine ganz
+eigentümliche Fangweise kennen, die besonders dem Kaulbarsch galt. Wenn
+das weite Kurische Haff zugefroren war, schoben die Fischer mit Stangen
+nebeneinander 12-15 Stecknetze von je 30 bis 50 <i>m</i> Länge und 1/2 bis
+3/4 <i>m</i> Höhe unter das Eis und ließen sie eine Weile stehen, unter
+Umständen tagelang. Dann wurde in der Nähe eine lange, bis auf den Grund
+reichende Stange, die an einem Gestelle mehrere eiserne Ringe trug,
+durch das Eis gestoßen und mit ihr ein möglichst großer Lärm vollführt.
+Die Folge war, daß sich die Netze dicht mit Kaulbarschen füllten, die
+nach den Behauptungen der Fischer durch das erzeugte Geräusch angelockt,
+richtiger vielleicht dadurch zu sinnloser Flucht aufgescheucht wurden.</p>
+
+<p>Dies führt uns zu der interessanten und neuerdings viel erörterten
+Frage, ob überhaupt und bis zu welchem Grade Fische zu <strong>hören</strong> vermögen.
+Um über diese vielumstrittene Frage ins klare zu kommen, soweit dies der
+heutige Stand der Wissenschaft erlaubt, ist es nötig, daß wir uns
+zunächst den Bau des <strong>Gehörorgans</strong> der Fische vergegenwärtigen.
+Bekanntlich besitzen diese kein äußeres Ohr, und auch von den inneren
+Teilen fehlt ihnen die sogenannte Schnecke, der Träger des Cortischen
+Organs, das wir seit Helmholtz als den eigentlichen Sitz des Gehörsinnes
+kennen. Wohl ist das sogenannte Labyrinth vorhanden und in ihm ein
+großer und zwei kleine Gehörknöchelchen oder Otolithen, die von kalkiger
+Struktur sind und deutlich ein Jahreswachstum erkennen lassen, aber
+diese Gebilde haben mit dem eigentlichen Gehörvermögen nichts mehr zu
+tun, sondern unterrichten, eingebettet in eine gallertige Masse und in
+Zusammenhang stehend mit seinen, in Nervenzellen endigenden Härchen, den
+Fisch lediglich über seine Lage, dienen insbesondere auch zur Erhaltung
+des so nötigen Gleichgewichts, sind also ein ausgesprochen statisches
+Organ, weshalb man die Otolithen auch besser und richtiger <strong>Statolithen</strong>
+nennen sollte. Fische, die dieses Organs<a id="Page_30"></a>
+ <span class="pagenum">[30]</span> beraubt sind, verlieren
+das Gleichgewicht und das Orientierungsvermögen und schwimmen auf der
+Seite oder auf dem Rücken sinnlos im Kreise herum. Um es kurz
+zusammenzufassen: während das Ohr der höheren Wirbeltiere zugleich als
+statisches und als Gehörorgan dient, kann seinem ganzen anatomischen und
+histologischen Bau nach bei den Fischen ausschließlich nur die erstere
+Funktion in Betracht kommen. Die Fische können also wegen des Fehlens
+eines vermittelnden Organs nicht hören, d. h. sie sind für
+Schallwirkungen an sich unempfänglich. Dem wird freilich der in der
+Praxis geschulte Fischer mit überlegenem Lächeln entgegenhalten, daß die
+meisten Fische doch sehr wohl auf starke Geräusche reagieren, der
+Tierfreund wird uns erzählen, daß er bei diesem oder jenem alten
+Klosterteiche gesehen habe, wie die fetten Mooskarpfen auf ein gegebenes
+Glockenzeichen, an das sie seit vielen Jahren gewöhnt seien, zur
+Fütterung herbeigeschwommen kamen, der Weltreisende wird uns versichern,
+daß das in Japan jedes Kind wisse, weil man in den Gartenteichen die
+Goldfische durch Pfeifen oder Glockensignale zur Fütterung herbeirufe.
+Auch der erfahrene Aquarienliebhaber wird uns mit bedenklicher Miene
+darauf aufmerksam machen, daß die trommelnden Laute der Guramis doch
+offenbar die Rolle eines geschlechtlichen Reizmittels spielten und
+demnach auch von dem anderen Teile vernommen werden müßten, wenn sie
+überhaupt einen Zweck haben sollten. Das ist alles ganz richtig, und
+doch liegen überall Trugschlüsse vor. Die hungrigen Karpfen hören nicht
+das Glockenläuten, wohl aber empfinden sie die durch die Schritte des
+nahenden Futterspenders der Erde mitgeteilte und sich im Wasser
+fortpflanzende Erschütterung, sehen und kennen vielleicht sogar die
+Gestalt ihres Wohltäters. Wartet dieser aber erst ruhig ein Stündchen
+und stellt er sich dann so auf, daß er beim Glockenläuten nicht gesehen
+werden kann, so kann er noch so lange und noch so schön bimmeln, keiner
+der faulen Karpfen wird sich die Mühe nehmen, lediglich des Glockentones
+wegen herbeizuschwimmen. Besonders bezeichnend ist es, daß Fische auf
+schwache Geräusche außerhalb des Wassers niemals achten, daß sie aber
+erschreckt zusammenfahren, wenn man unmittelbar neben einem Tümpel einen
+Gewehrschuß abfeuert oder wenn man über dem Aquarium stark in die Hände
+klatscht. Daraus dürfen wir ruhig schließen, daß sie nur für solche Töne
+sich empfänglich zeigen, die stark genug sind, um sich im Wasser als
+Erschütterungswellen<a id="Page_31"></a>
+ <span class="pagenum">[31]</span> fortzupflanzen, und damit haben wir zugleich
+des Rätsels Lösung. Nicht die Schallwellen sind es, die der Fisch
+wahrnimmt, sondern die durch sie im Wasser erzeugten
+Erschütterungswellen, und nicht oder doch nicht ausschließlich mit dem
+Ohre nimmt er sie auf, sondern mit seiner gesamten Körperoberfläche, in
+erster Linie mit der sogenannten <strong>Seitenlinie</strong>, diesem noch so
+geheimnisvollen sechsten Sinn. Wir dürfen also diese Art der Wahrnehmung
+nicht als Gehörsinn bezeichnen, sondern könnten sie etwa Erzitterungs-
+oder Erschütterungssinn nennen. Gewiß werden die umworbenen Weibchen
+bestimmter Fischarten die balzenden Knurr- oder Trommeltöne ihrer
+Verehrer zu würdigen wissen, aber mitgeteilt werden sie ihrem verliebten
+Hirn nicht durch das lediglich als statisches Organ dienende Ohr,
+sondern durch die hochempfindlichen Sinnesbecher, die durch die Löcher
+der Seitenlinie mit der Außenwelt in Verbindung stehen. Im Wasser selbst
+und bei ganz kurzer Entfernung, wie sie ja in allen solchen Fällen
+allein in Betracht kommt, brauchen die Töne natürlich durchaus nicht
+sonderlich laut zu sein, um verstanden zu werden. Nun gibt es allerdings
+bekanntlich keine Regel ohne Ausnahme, und so will es in der Tat fast
+scheinen, als ob doch einige wenige Fische den Anfang zu einem echten
+Hörvermögen besäßen und wenigstens für ganz bestimmte Töne einigermaßen
+empfänglich wären. So hat Maier von dem nordamerikanischen Zwergwels
+neuerdings in einer anscheinend einwandfreien Weise festgestellt, daß er
+recht lebhaft auf Pfiffe reagierte. Seine Versuche sind von zuständiger
+Seite nachgeprüft und bestätigt worden. Und was dem Zwergwels recht ist,
+das sollte auch unserem Weller billig sein. Vielleicht haben wir also in
+der Gruppe der Welse den Beginn des Gehörvermögens bei den Fischen zu
+suchen. Immerhin könnten bei dieser höchst auffallenden Beobachtung doch
+Fehlerquellen mit unterlaufen sein, und völlige Gewißheit werden wir
+über sie erst dann gewinnen, wenn das Gehörvermögen der Welse mit
+Seziermesser und Mikroskop eingehend untersucht sein wird, was meines
+Wissens bisher noch nicht geschehen ist. Im Einklang mit den
+vorausgehenden Ausführungen stehen dagegen die Untersuchungen, die
+Edinger über das Fischhirn gemacht hat, und aus denen wir wissen, daß
+bei diesen Tieren das sogenannte Neenkephalon höchstens andeutungsweise
+zur Entwicklung gelangen kann, während sie im übrigen auf das lediglich
+Reflexe ermöglichende Paläenkephalon angewiesen sind. Sodann wollen
+wir<a id="Page_32"></a>
+ <span class="pagenum">[32]</span> nicht vergessen, daß ein Hören von außerhalb des Wassers
+verursachten Geräuschen für die Fische eigentlich wenig Sinn und Zweck
+hätte, und daß die schaffende Natur überflüssige Einrichtungen nicht
+liebt, sondern sich in weiser Sparsamkeit auf das Notwendige beschränkt,
+dieses aber dafür um so vollkommener auszubilden sucht.</p>
+
+<p>Es dürfte angebracht sein, bei dieser Gelegenheit auch noch der schon
+erwähnten <strong>Seitenlinie</strong> der Fische einige Worte zu widmen. Daß sie ein
+Sinnesorgan ist und ihrem ganzen Bau nach nichts anderes sein kann,
+wissen wir, aber über die Art und Weise ihrer Wirksamkeit können wir uns
+eigentlich nur mehr oder minder gut begründeten Mutmaßungen hingeben.
+Schon Leydig erkannte 1851 die Seitenlinie als Sitz eines sechsten
+Sinnes, aber erst durch Hofers eingehende Untersuchungen sind wir über
+dessen Funktion einigermaßen klar geworden. Bald glaubte man, daß die
+Seitenlinie dem Fischkörper die Wellenbewegungen des Wassers mitteile,
+bald sollte sie ihm den Wasserdruck angeben oder ihn über die jeweilige
+Höhe und Tiefe orientieren, bald sah man in ihr ein Gleichgewichtsorgan,
+bald einen Wahrnehmungsapparat für leichte Erschütterungen, bald einen
+Regulator für die Gasproduktion, und sogar mit dem
+Fortpflanzungsgeschäft hat man sie in Beziehungen bringen wollen.
+Jedenfalls ist sie kein eigentlicher <strong>Gefühls-</strong> oder Tastsinn, der beim
+Fische vielmehr durch die ganze Hautoberfläche und insbesondere durch
+die wulstigen Lippen sowie die oft vorhandenen Bartfäden oder sonstige
+Anhängsel vermittelt wird, übrigens in sehr verschieden hohem Grade
+ausgebildet ist. Soviel scheint jedoch festzustehen, daß die Fische eine
+auffallend geringe Schmerzempfindung besitzen, was ja auch mit den beim
+Angelsport gemachten Erfahrungen übereinstimmt, indem oft ein eben erst
+auf das empfindlichste durch den Angelhaken verletzter Fisch sofort
+wieder anbeißt, als ob nichts geschehen wäre. Die von tierschützerischer
+Seite so oft gegen das Angeln erhobenen Vorwürfe entbehren daher der
+physiologischen Begründung. Am wahrscheinlichsten und teilweise auch
+schon auf experimentellem Wege erwiesen ist es wohl, daß der Seitenlinie
+die Aufgabe zufällt, den Fisch über die jeweiligen Strömungen des
+Wassers und damit indirekt auch über seinem Weg entgegenstehende
+Hindernisse zu unterrichten. Diese Aufgabe ist wichtig genug, denn ohne
+ein derartiges Organ würde namentlich der in dunkler Tiefe lebende Fisch
+sich überhaupt nicht zurechtfinden können (deshalb ist auch die<a id="Page_33"></a>
+ <span class="pagenum">[33]</span>
+Seitenlinie bei Tiefseefischen besonders gut entwickelt), der
+Süßwasserfisch würde unweigerlich ins Meer geschwemmt werden, weil er
+sich nicht über die Strömung unterrichten könnte, er vermöchte auch
+nicht die einmündenden Bäche und Flüsse aufzufinden, auf seinen
+Wanderungen nicht die zu überwindenden Hindernisse wahrzunehmen und
+abzuschätzen. Gewöhnlich verläuft die Seitenlinie unter der
+Hautoberfläche und steht nur durch die durchbohrten Schuppen mit der
+Außenwelt in Verbindung, bisweilen (so bei den Seekatzen) liegt sie aber
+auch frei in einem häutigen, tief eingesenkten Kanal. Die
+knospenförmigen, eigentlichen Sinneszellen in ihr wechseln mit stark
+entwickelten Schleimzellen ab, weshalb man vor dem Auftreten Leydigs die
+ganze Anlage lediglich für ein Schleim absonderndes Organ hielt. Meist
+ist die Seitenlinie schon äußerlich gut zu erkennen, und zwar verläuft
+sie in der Regel in gerader oder sanft geschwungener Linie von den
+Kiemen über die ganze Körperseite bis zur Schwanzflosse. Indessen
+erleidet diese Regel viele Ausnahmen, und in solchen Fällen gibt die
+abweichende Gestaltung der Seitenlinie oft ein gutes
+Unterscheidungsmerkmal für nahestehende Arten ab. So ist das Organ nicht
+selten nur teilweise ausgebildet, wie z. B. beim <strong>Moderlieschen</strong>
+(<i>Leucáspius delineátus</i>), das von allen ähnlichen Fischchen sich sofort
+dadurch unterscheidet, daß die Seitenlinie schon dicht hinter dem Kopfe
+endigt.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image06.jpg" width="450" height="209" alt="" /> <a id="Moderlieschen"></a> </p>
+
+<p class="caption"> Moderlieschen. (Nach einer Naturaufnahme von Dr. E. Bade.) (Aus: Bade, Die
+ mitteleuropäischen Süßwasserfische.)</p>
+
+</div>
+
+<p>Das gestreckt gebaute, aber in der Gestalt sehr wandelbare niedliche
+Tierchen mit dem steil nach oben gerichteten Mäulchen, der<a id="Page_34"></a>
+ <span class="pagenum">[34]</span> tief
+ausgeschnittenen Schwanzflosse, den großen Augen und den stark
+silberglänzenden Seiten, über dessen Verbreitungsbezirk wir noch
+keineswegs hinreichend unterrichtet sind, das aber im Osten entschieden
+häufiger ist, als im Westen, gehört zu unseren anspruchslosesten
+Fischen. Es findet sich nicht nur in Flüssen aller Art, sondern gar
+nicht selten in Torfausschachtungen und lehmigen Heidetümpeln.
+Interessant ist die Brutpflege des Moderlieschens. Das Männchen bewacht
+und verteidigt nämlich eifrig den Laich, der vom Weibchen
+manschettenförmig um die Stengel des Froschlöffels herumgelegt wird.
+Zugleich bemüht sich das wackere Männchen auch, die Eier dadurch vor
+Verpilzung zu schützen, daß es durch fortwährende Schwanzschläge den sie
+tragenden Pflanzenstengel in Bewegung erhält. Einen ganz eigenartigen,
+in unserer Fischwelt einzig dastehenden Verlauf nimmt die Seitenlinie
+bei dem durch stark zusammengedrückten Leibesbau, hervorgewölbten Bauch
+und lebhaften Silberglanz ausgezeichneten <strong>Sichling</strong> (<i>Pélecus
+cultrátus</i>), auch Messerkarpfen, Zicke und Dünnbauch genannt. Sie biegt
+bei ihm gleich am Kopfe in flachem Bogen nach unten, geht dann fast
+senkrecht bis nahe zur Bauchkante, schwingt sich von hier in mäßigem
+Bogen bis zum unteren Körperdrittel empor, senkt sich hierauf zwischen
+Bauch- und Afterflosse wieder nach unten und steigt zuletzt in flachem
+Bogen aufwärts, um am Schwanz in der Körpermitte zu endigen. Dieser
+Fisch hat auch sonst mancherlei Merkwürdiges an sich. So ist schon seine
+Verbreitung auffallend genug, denn er findet sich einerseits in der
+Ostsee mit allen ihren Verzweigungen und Zuflüssen und andrerseits
+ebenso im Gebiete des Schwarzen Meeres, ohne doch irgendwo sonderlich
+häufig zu sein. Ja, im Donaugebiet erscheint er nach der Meinung der
+Fischer nur alle sieben Jahre, weshalb sie ihn als Unglücksfisch und
+Pestbringer betrachten, ähnlich wie die Vogelkundigen früherer Zeiten
+den Seidenschwanz. Von seiner Lebensweise wissen wir eigentlich nicht
+viel mehr, als daß er ein gesellig lebender Oberflächenfisch ist und
+zwischen Salz-, Brack- und Süßwasser kaum irgendwelchen Unterschied
+macht, sondern sich allenthalben gleich wohl zu fühlen scheint. Obgleich
+man ihm hier und da (so im Kurischen Haff) mit Netzen nachstellt und er
+immerhin bis zu 1 <i>kg</i> schwer wird, hat er doch kaum irgendwelche
+wirtschaftliche Bedeutung, da er nirgends in Massen auftritt und
+überdies sein weichliches Fleisch sehr grätig ist.<a id="Page_35"></a>
+ <span class="pagenum">[35]</span> </p>
+
+<p>Es dürfte angezeigt sein, im Anschluß an die Betrachtung der Seitenlinie
+gleich auch noch den sonstigen Sinnesfähigkeiten der Fische einige Worte
+zu widmen. Über Geschmacks- und <strong>Geruchssinn</strong> war man insofern lange im
+Unklaren, als man beide nicht recht auseinanderzuhalten vermochte. Lange
+Zeit hat man fast allgemein geglaubt, daß die Fische überhaupt nicht zu
+wittern vermögen, sondern daß bei ihnen der Geruch durch den stark
+entwickelten Geschmack ersetzt werde, obschon das Witterungsvermögen
+nicht von vornherein ausgeschlossen schien, da ja Gase bekanntlich auch
+im Wasser löslich sind und die meisten Fische paarige Nasenlöcher haben
+(nur das tiefstehende Lanzettfischchen und die Rundmäuler haben ein
+einziges Nasenloch), die mit einer strahlenförmig gefalteten und durch
+besondere Nerven mit dem Gehirn verbundenen Schleimhaut ausgekleidet
+sind. Bei den Haien und Rochen liegen diese Geruchsorgane
+merkwürdigerweise auf der Unterseite des Kopfes. Zur vorderen Öffnung
+strömt das Wasser herein, zur hinteren heraus, nachdem es mit den in der
+Schleimhaut enthaltenen Sinneszellen in Berührung gekommen ist, und es
+liegt auf der Hand, daß diese Strömung beim schwimmenden Fisch ungleich
+lebhafter sein muß, als beim ruhenden, daß demgemäß jener auch weit
+besser wittert, falls er dazu überhaupt imstande ist. Und dies ist nach
+den Untersuchungen des amerikanischen Zoologen Parker am Katzenwels wohl
+unzweifelhaft der Fall. Hängte der Genannte undurchsichtige
+Leinwandbeutel ins Aquarium, die teils leer, teils mit zerschnittenen
+Regenwürmern gefüllt waren, so kamen die Fische schon aus ziemlicher
+Entfernung auf letztere zugeschwommen, während erstere völlig unbeachtet
+blieben. Wurde dann auf experimentellem Wege das Geruchsorgan
+ausgeschaltet, so fanden auch die gefüllten Beutelchen keine Beachtung
+mehr. Der Einwand, daß dieses Geruchsvermögen vielleicht nur auf den
+Katzenwels oder auf die ja überhaupt manche Besonderheiten aufweisende
+Gruppe der Welse beschränkt sei, ist auch schon zum Teil hinfällig
+geworden, indem man bei Zahnkarpfen und anderen Fischen ganz dieselben
+Versuche mit dem gleichen Erfolge wiederholt hat. Im Einklange damit
+stehen ja auch die praktischen Erfahrungen der Seeleute, die
+übereinstimmend versichern, daß Haie ins Wasser geworfene Fleischbrocken
+auf große Entfernung hin zu wittern vermögen. Natürlich wird der
+Geruchssinn bei den einzelnen Fischgruppen in sehr verschieden hohem
+Maße entwickelt sein, worüber nähere Untersuchungen<a id="Page_36"></a>
+ <span class="pagenum">[36]</span> noch
+ausstehen, und das gleiche gilt auch von dem <strong>Geschmackssinn</strong>. Raubfische,
+die ihre Beute unzerkleinert verschlingen, werden einen weit geringeren
+Geschmackssinn haben als pflanzenfressende Fische, die ihre Nahrung
+ordentlich kauen. Wir können ja an jedem fressenden Karpfen sehen, wie
+er ihm nicht Zusagendes sofort wieder ausspuckt. Bei diesen Fischen ist
+der Geschmack anscheinend in einem am Gaumen sitzenden Paket von
+Sinneszellen konzentriert, während die harte und gewöhnlich mit Zähnen
+besetzte Zunge sich nur wenig zum Träger von Geschmacksempfindungen
+eignet. Wohl aber finden wir recht empfindliche Geschmackszellen an den
+wulstigen Lippen, an den Barteln und sonstigen Anhängseln, ja an
+Flossenstrahlen und überhaupt am ganzen Körper, namentlich auch an
+dessen Seiten. So erklärt es sich auch, daß ein Fisch begierig auch dann
+nach dem Köder schnappt, wenn dieser nicht seinen Mund, sondern nur
+seine seitliche Körperfläche berührt. Interessant ist es ferner, daß
+Maulbrüter, denen ihr Pfleger einmal einen ihnen unbekannten Wurm
+verfüttern wollte, zunächst freßlustig darauf zuschwammen, aber in 2
+<i>cm</i> Entfernung blitzschnell umdrehten und dem Bissen mit allen Zeichen
+des Abscheus den Rücken kehrten, ohne daß genau festgestellt werden
+konnte, ob hier der Geruch- oder der Geschmacksinn der maßgebende Faktor
+war. Andere Versuche haben gezeigt, daß Fische gegen salzige, süße oder
+saure Flüssigkeiten sehr deutlich mit der gesamten Körperfläche
+reagierten.</p>
+
+<p>Das mehr ellipsoid wie kugelig gestaltete <strong>Fischauge</strong> ist in hohem Grade
+kurzsichtig und etwa auf eine Entfernung von nur 1 <i>m</i> eingestellt.
+Durch die Akkommodation vermittels »Sichelfortsatz« und »Glöckchen« kann
+aber die Linse derart verschoben werden, daß der Fisch noch auf
+Entfernungen von 10-12 <i>m</i> einigermaßen deutlich zu sehen vermag. Eine
+noch weitergehende Fernsichtigkeit aber hätte für ihn keinen Zweck, da
+ja auch das klarste und reinste Wasser durch treibende Organismen und
+Stoffe immer derart getrübt ist, daß ein Sehen über 15 <i>m</i> hinaus
+überhaupt kaum möglich ist. Alles über einen solchen Umkreis
+Hinausreichende wird also dem Fisch wie in tiefe Dunkelheit gehüllt
+erscheinen. Dagegen ist nicht einzusehen, warum es dem nahe der
+Oberfläche schwimmenden Fisch nicht möglich sein sollte, auch einen
+Blick in die Welt jenseits der Wasserfläche zu werfen, obschon diese
+Möglichkeit von guten Fischkennern oft bestritten worden ist. Freilich
+wird diese Welt sich im Fischauge in<a id="Page_37"></a>
+ <span class="pagenum">[37]</span> einer uns recht ungewohnt und
+seltsam anmutenden Weise widerspiegeln. Sehr hinderlich beim Sehen vom
+Wasser in die Luft ist nämlich der Umstand, daß jeder Lichtstrahl, der
+den Wasserspiegel in einem Winkel von mehr als etwa 48-1/2° trifft,
+nicht in die Luft übergehen kann, sondern ins Wasser zurückgeworfen,
+also »total reflektiert« wird. Infolgedessen wird der Fisch immer nur
+einen beschränkten, kreisförmigen Ausschnitt aus der Luftwelt
+überblicken können, dessen Grundfläche der eines Kegels von zweimal 48°
+entspricht und an Größe zu-, aber an Deutlichkeit abnimmt mit der Tiefe,
+in der sich das Fischauge befindet. Wood hat in sehr sinnreicher Weise
+auf photographischem Wege zu zeigen versucht, wie sich so wohl die Welt
+in einem Fischauge gestalten mag, wobei natürlich immer eine ruhige und
+spiegelglatte Wasserfläche vorausgesetzt wird, da schon eine geringe
+Wellenkräuselung die entstandenen Bilder bis zur Unkenntlichkeit zu
+verzerren vermag. So erhielt Wood mit seiner »Wasserkamera« an der
+Kreuzung von 3 Straßen, die sich in rechtem Winkel trafen, eine Ansicht
+längs jeder der drei Straßen, und gleichzeitig hatten sich der Boden und
+der Himmel vom Horizont bis zum Zenith abgebildet. In einem Zimmer wurde
+ein Bild gewonnen, auf dem drei Wände, die ganze Decke und der Fußboden
+sichtbar waren. Eine gerade Reihe von neun Männern auf einem geraden
+Gartenweg erschien im Halbkreis gebogen. Solche wunderbare Bilder von
+der Außenwelt muß also in ruhigem und klarem Wasser auch das Fischauge
+auf seiner Netzhaut empfangen. Im allgemeinen dürfen wir wohl annehmen,
+daß der Fisch von der Oberwelt den Eindruck hat, als ob die ganze
+Wasserfläche oben mit einem undurchsichtigen Dach verdeckt wäre, in das
+ein rundes Fenster eingeschnitten ist. Auch werden ihm die einzelnen
+Gegenstände stets etwas höher erscheinen, ein auf dem Erdboden gehender
+Mensch also etwa so, als ob er in der Luft schwebte. Es gibt sogar eine
+Zahnkarpfenart (<i>Anableps tetrophthálmus</i>), die es zu richtigen
+Doppelaugen gebracht hat, indem Hornhaut und Sehlöcher durch Zweiteilung
+je ein Luft- und ein Wasserauge entwickelten. Der Fisch schwimmt
+unmittelbar an der Oberfläche so, daß die Luftaugen aus dem Wasser
+heraussehen und ihrer Aufgabe ebensogut gerecht werden können, wie die
+tiefer liegenden Wasseraugen im feuchten Elemente selbst.</p>
+
+<p>Besonders gut entwickelte Augen gehen in der Regel parallel mit wenig
+entwickelten Tastorganen oder Seitenlinien, so daß wir bei<a id="Page_38"></a>
+ <span class="pagenum">[38]</span> den
+Fischen ähnlich unterscheiden können wie bei den Säugern, wo wir mit
+einer gewissen Berechtigung von Augen- und Nasentieren sprechen. Solche
+Fische, die in größeren Tiefen leben, in denen nur mattes
+Dämmerungslicht herrscht, haben oft ganz riesenhaft entwickelte Augen,
+um die wenigen sich nach dort verirrenden Lichtstrahlen sicher auffangen
+zu können. Dies ist auch die Region, in der man Fische mit Teleskop-
+oder beweglichen Stielaugen antrifft, und überhaupt hat gerade hier die
+Natur ihre ganze Erfindungsgabe und Schöpferkraft aufgeboten, um auch
+unter den ungünstigsten Bedingungen noch ein gewisses Sehen zu
+verschaffen, scheinbar Unmögliches möglich zu machen. So haben gewisse
+Teleskopfische in dem über den Kopf hervorragenden Abschnitt der
+Augenröhre ein Fenster in der Farbstoffschicht, das die Rolle eines
+»Spion«-Spiegels spielt und das Gesichtsfeld des Tieres nicht
+unwesentlich erweitert. Noch raffinierter ist die Art und Weise, wie bei
+manchen Tiefseefischen Leuchtorgane und Augen zusammenwirken. So wirft
+bei der Gattung <i>Argyropélecus</i> ein neben dem Teleskopauge sitzendes
+Leuchtorgan sein Licht unmittelbar ins Auge hinein, während es nach
+außen durch eine Farbstoffschicht abgeblendet ist. In noch größerer
+Tiefe, wo ewige Dunkelheit herrscht, werden die Augen schließlich
+überflüssig und verkümmern deshalb mehr und mehr. Ähnliche Verhältnisse
+treffen wir bei den Höhlenfischen an, und wir können sie in geringerem
+Maße auch künstlich erzielen, wenn wir Fische jahrelang im Dunkeln
+halten. Ebenso haben Fischlarven oft nur rudimentäre Augen. Viel
+umstritten worden ist auch die Frage, ob die Fische farbenempfindlich
+sind oder nicht. Heß ist bei seinen Untersuchungen mit dem Spektrum zu
+der Überzeugung gelangt, daß die Fische vollständig <strong>farbenblind</strong> sind,
+daß sie also nicht verschiedene Farben, sondern lediglich verschiedene
+Helligkeitsgrade ein und derselben grauen Grundfarbe zu unterscheiden
+vermögen. Wenn sich das bewahrheiten würde, wäre es auch für die
+Fischerei von der größten Bedeutung. Aber wie so oft, steht auch hier
+wieder einmal die praktische Erfahrung den Ergebnissen des
+Laboratoriumsversuches schnurstracks entgegen. Obwohl die Versuche des
+berühmten Würzburger Ophtalmologen selbstverständlich in einer
+Fehlerquellen nach menschlichem Ermessen ausschließenden Weise
+ausgeführt sind, vermag ich mich mit dem Ergebnis doch nicht zu
+befreunden, da es feststeht, daß beim Angeln mit der künstlichen Fliege
+deren<a id="Page_39"></a>
+ <span class="pagenum">[39]</span> Färbung eine recht wesentliche Rolle spielt, und da sonst
+auch das prächtig schimmernde Hochzeitskleid so vieler Fischarten, das
+doch ersichtlich einen erregenden Reiz auf die Weibchen ausübt, gar
+keinen Sinn und Zweck hätte. Und die Geschichte der Zoologie hat ja
+schon recht häufig gezeigt, daß solche praktische Erfahrungen sich als
+zuverlässiger erwiesen haben als das gekünstelte Experiment und früher
+oder später auch in einer wissenschaftlich einwandfreien Weise begründet
+werden konnten. Jedenfalls möchte ich keinem Sportangler raten, nun auf
+Grund der Heßschen Untersuchungen etwa sein Petriheil lediglich mit
+hell- oder dunkelgrauen Kunstfliegen versuchen zu wollen, obschon solche
+Fangarten wissenschaftlich recht interessant wären. Auch ist der
+Heßschen Hypothese gegenüber zu bedenken, daß ja dann die so
+überraschenden und zahlreichen Fälle von Farbanpassung bei den Fischen
+jeder Erklärung entbehren würden, und daß bei anderen Versuchen z. B.
+Raubfische sehr wohl zu unterscheiden verstanden, wenn man ihre
+Beutetiere in verschiedener Weise färbte. Mir scheint aus den
+Spektrumsversuchen lediglich hervorzugehen, daß die verwendeten Fische
+sich am liebsten in den am besten belichteten Wasserschichten aufhalten,
+nicht aber, daß sie gänzlich farbenblind sind.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image07.jpg" width="450" height="242" alt="" /> <a id="Malermuschel"></a></p>
+
+<p class="caption"> Bitterling mit Malermuschel. (Nach einer Zeichnung von R.
+ Oeffinger.)</p>
+
+</div>
+
+<p>Daß, wie eben erwähnt wurde, manche Fische zur Laichzeit ein
+farbenschimmerndes <strong>Hochzeitskleid</strong> anlegen, wird uns nicht weiter in
+Erstaunen setzen, nachdem wir bereits am Rohrbarsch gesehen haben, wie
+stark seelische Erregung die Färbung der Fische zu beeinflussen vermag,
+und nachdem wir wissen, daß die Allgewalt der Liebe auch bei den
+kaltblütigen Fischen nichts von ihrer Macht eingebüßt hat, sie vielmehr
+zu gewissen Zeiten mit einer so rückhaltlosen Leidenschaft beherrscht,
+daß ihr gegenüber selbst die Forderungen des ewig heißhungrigen Magens
+wochenlang völlig in den Hintergrund treten. Es ist nicht poetische
+Übertreibung, sondern es ist nackte Wahrheit, wenn man sagt: die Fische
+erglühen während der Fortpflanzungsperiode unter dem heißen Hauch der
+Liebe. Ein prächtiges Beispiel dafür bietet unser kleinster
+Karpfenfisch, der nur 6-7 <i>cm</i> (in der Nahe fand Geysenheimer eine
+Riesenform von 10 <i>cm</i> Länge) lang werdende, flinke und anmutige, ewig
+spiel-und necklustige <strong>Bitterling</strong> (<i>Rhodéus amárus</i>) oder
+Schneiderkarpfen, der den Namen nach seinem bitteren und ungenießbaren
+Fleische hat. Außerhalb der Laichzeit weicht das zierliche
+Fischlein,<a id="Page_40"></a>
+ <span class="pagenum">[40]</span> das sich am liebsten scharenweise in toten, üppig
+bewachsenen Flußarmen aufhält und hier schlecht und recht von Gewürm und
+Pflanzenkost allerlei Art ernährt, nicht sonderlich von der üblichen
+Färbung anderer Kleinfische ab: blaugrün auf dem Rücken, silberglänzend
+an den Seiten, ein tiefgrüner Streif von der Körpermitte bis zur
+Schwanzwurzel. Aber mit Beginn der Laichzeit erstrahlt das sich dann
+sehr aufgeregt geberdende Männchen, das dann auch einen eigenartigen
+kreideweißen Warzenwulst an der Oberlippe bekommt, in herrlich
+schimmernden Regenbogenfarben. Prachtvoll smaragdgrün schillert dann der
+Streifen, glühend orangerot die Bauchseite, wunderbar stahlblau und
+violett der Rücken, während schwarze Säume das prächtige Rot der After-
+und Rückenflosse noch schärfer hervorheben, so daß das Tierchen in
+seiner feurigen Farbenglut der schönsten Goldfische und der buntesten
+Exoten spotten kann. Namentlich in Augenblicken geschlechtlicher
+Erregung scheint es förmlich aufzuleuchten, während unmittelbar nach der
+Milchabgabe die schönen Farben wieder für einige Zeit verblassen. Das
+Weibchen behält zwar seine schlichte Färbung bei, entwickelt aber dafür
+am After eine mehrere Zentimeter lange Legeröhre von rotgelber Färbung,
+die trotz ihrer Auffälligkeit erst 1857 durch Krauß beschrieben wurde,
+während ihre Bedeutung und Funktion erst 1869 durch Noll richtig erkannt
+wurde. Der Bitterling lebt nämlich in einer hochinteressanten<a id="Page_41"></a>
+ <span class="pagenum">[41]</span>
+Symbiose<a id="Sym1"></a><a title="Go to footnote 1." href="#fn1" class="fnanchor">[1]</a> mit der Malermuschel und benötigt die Legeröhre dazu, seine
+gelblichen Eierchen durch deren Ausfuhröffnung in das Innere der Muschel
+einzuführen, worauf dann das vor Erregung zitternd im Wasser stehende
+Männchen seine Milch über dem Atemschlitz der Muschel ergießt. Da die
+Samenfäden eine starke Eigenbewegung besitzen, werden sie nicht wie
+Nahrungspartikelchen zum Munde der Muschel fortgestrudelt, sondern
+bohren sich zwischen ihren Flimmerhärchen hindurch, bis sie in den
+inneren Kiemenfächern mit den inzwischen gleichfalls dorthin gelangten
+Eiern zusammentreffen, um sie hier zu befruchten. Hat ein
+Bitterlingspärchen erst einmal eine geeignete Muschel ausfindig gemacht,
+so sucht es sie wiederholt heim, um ihr seine Liebesbürde anzuvertrauen,
+da das Weibchen jedesmal nur 1-2 Eier austreten läßt, wobei sich die
+Legeröhre gewaltig steift, um gleich danach wieder zusammenzufallen und
+am Schluß der Laichperiode gänzlich einzuschrumpfen. Die Fischchen sind
+in ihrem Fortpflanzungsgeschäft gänzlich auf die Muschel angewiesen,
+denn die Jungen entschlüpfen den Eiern in einem so unreifen Zustande,
+daß sie außerhalb der schützenden und stets einen frischen Wasserstrom
+unterhaltenden Kiemen gar nicht zu leben vermöchten. Sie nähren sich
+aber nicht etwa von den Körpersäften ihres Wirtstieres, sondern sind
+vielmehr lediglich Raumparasiten, die der Muschel weiter keinen Schaden
+zufügen. Trotzdem mögen die ungebetenen Gäste dieser unbequem genug
+sein, und sie versucht auch, sich ihrer durch krampfhafte Bewegungen zu
+entledigen, was aber in der Regel nur großen und alten Muscheln gelingt.
+Erschwert wird das noch dadurch, daß sich bei den Jungfischen hinter dem
+Kopfe ein Querwulst mit zwei kegelförmigen Fortsätzen entwickelt, der es
+ihnen erlaubt, sich in der Kiemenkammer sehr solid zu verankern.
+Übrigens sind die Fischchen schon nach 14 Tagen so weit, durch den
+Kloakensipho ihrer Stiefmutter in ihr eigentliches Element auswandern zu
+können. Und die Muschel vergilt später Gleiches mit Gleichem. Die von
+ihr ausgestoßenen Larven sinken nämlich zu Boden, lassen aber ihren
+langen klebrigen Byssusfaden nach oben spielen, bis sich Gelegenheit
+bietet, ihn einem vorüberschwimmenden Fisch anzuheften (und das ist
+meist wieder ein Bitterling), worauf die Jungmuschel ihre mit Haken
+versehene<a id="Page_42"></a>
+ <span class="pagenum">[42]</span> Schale in die Haut des Fisches einschlägt. Dies gibt zu
+einer starken Wucherung Veranlassung, innerhalb derer die Muschellarve
+gemächlich und sicher 2-10 Wochen lang von den Säften des Fisches lebt,
+um erst als ausgebildete, wenn auch kaum größer gewordene Muschel die
+gastliche Stätte zu verlassen. Wahrlich, eine der wechselvollsten und
+anziehendsten Symbiosen, die die einheimische Natur uns zu bieten vermag
+und deren Beobachtung im Aquarium viel Freude bereitet.</p>
+
+<p class="footnote"><a id="fn1"></a><a title="Return to text." href="#Sym1" class="label">[1]</a> So nennt man das engere »Zusammenleben« von Lebewesen verschiedener
+Art, die einander wechselseitig nützen.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image08.jpg" width="450" height="328" alt="" /> </p>
+
+<p class="caption">Der Stichling und sein Nest. (Nach der Natur gezeichnet
+ von R. Oeffinger.)</p>
+
+</div>
+
+<p>Mit dem Bitterling wetteifert der <strong>Stichling</strong> (<i>Gasterósteus aculeátus</i>)
+in der Farbenpracht des Hochzeitskleides, und auch bei ihm kommt ein
+eigenartiger und hochinteressanter Brutverlauf hinzu. Die gewöhnliche
+Farbe ist olivgrünlich auf der Ober- und silberweiß auf der Unterseite.
+Aber zur Laichzeit im Frühjahr wird das Männchen zu einem wahren
+Prachtkerl, der mit den schönsten Exoten erfolgreich zu wetteifern
+vermag. Vom satten Schiefergrau über Grün zum tiefsten Blau erstrahlt
+sein Rücken, während die Bauchseite wie mit Blut übergossen aussieht und
+das Auge im feurigsten Smaragdgrün schimmert. Mehr noch als bei Barsch
+und<a id="Page_43"></a>
+ <span class="pagenum">[43]</span> Bitterling wirkt die jeweilige Erregung fördernd auf diese
+Farbenpracht ein, die geradezu als ein Gradmesser für den Seelenzustand
+des Fischchens angesehen werden kann. Namentlich bei Zorn und Kampflust
+leuchtet das Tierchen auf im feurigsten Rot und erscheint in solchen
+Augenblicken wie mit Röntgenstrahlen durchleuchtet. Denn unser
+Stechbüttel, wie er vom Volke gewöhnlich genannt wird, ist ein gar
+zornmütiger Gesell, dessen Raufsucht aller Beschreibung spottet. Die
+metallisch glänzenden Stacheln, von denen er drei auf dem Rücken und je
+einen an jeder Bauchseite trägt, bewähren sich selbst weit überlegenen
+Feinden gegenüber als eine gefährliche Waffe, und das Fischchen ist sich
+ihrer Furchtbarkeit auch wohl bewußt, scheut deshalb so leicht keinen
+Gegner, sondern greift jeden, namentlich zur Paarungszeit, mit wahrer
+Berserkerwut und bewundernswerter Tapferkeit an, wobei ihm seine große
+Schwimmgewandtheit auch nicht wenig zustatten kommt. Selbst die größeren
+Raubfische vergreifen sich nicht leicht an dem borstigen Gesellen,
+dessen Stacheln mit besonderen Sperrgelenken versehen und durch diese
+ebenso einfache wie sinnreiche und wirkungsvolle Einrichtung denen des
+Barsches weit über sind. Der Fisch hat also keine Muskelkraft nötig, um
+die Stacheln aufrecht zu erhalten, was ihn rasch ermüden müßte, sondern
+er braucht nur die Sperrvorrichtung am Gelenkkopf des Stachels
+einzuschalten, worauf dieser unverrückbar feststeht, so daß er selbst
+von einem Menschen nur unter Anwendung erheblicher Kraft und durch
+Zerbrechen des Sperrgelenkes niedergedrückt werden kann. Dagegen besorgt
+der Stichling selbst dieses Niederlegen der Stacheln mit Leichtigkeit
+durch einen einzigen Muskelzug, durch den der Gelenkkopf aus seiner Lage
+herausgehoben wird. Der russische Fischkundige Thilo ist übrigens der
+Ansicht, daß namentlich der Bauchstachel nicht nur als Waffe diene,
+sondern daß sich der Stechbüttel mit ihm durch Einstoßen in den
+Untergrund auch im reißenden Strome oder in der tosenden Brandung
+verankern könne und dadurch gleichfalls viel Muskelkraft erspare.
+Vielleicht halte das Tier auch in ähnlicher Stellung einen Winterschlaf.
+Die dem Stechbüttel von Natur aus schon jederzeit eigene Unruhe,
+Rastlosigkeit und Händelsucht steigert sich mit Beginn der Laichperiode
+zu einer wahrhaft heillosen Nervosität, die sich nicht selten in
+brutalen Mißhandlungen der schwächeren Weibchen durch ihre gestrengen
+Eheherren Luft macht. Aber gerade jetzt wird die Beobachtung<a id="Page_44"></a>
+ <span class="pagenum">[44]</span> der
+jähzornigen Zwerge (nur ausnahmsweise wird der Stichling über 8&nbsp;<i>cm</i>
+lang) doppelt unterhaltend, denn der Stichling gehört ja zu denjenigen
+Fischen, die im Wasser richtige Nester bauen, wie die Vögel im grünen
+Gezweig. Zunächst höhlt das Männchen in einem recht stillen und
+traulichen Winkel und am liebsten in Anlehnung an einen stärkeren
+Wasserpflanzenstengel eine Grube im sandigen Boden aus, die etwa Form
+und Größe eines halben Hühnereies hat und durch eifriges Fächeln mit den
+Flossen sauber gereinigt und geglättet wird. Dann geht es mit geradezu
+rührendem Fleiße an das Herbeischleppen von allerlei Baumaterial, wie es
+sich im Wasser treibend findet oder mit großer Kraftanstrengung von den
+Pflanzen abgerissen wird. Hälmchen, Würzelchen, Blätter, Stengel aller
+Art und selbst Steinchen müssen dazu dienen. Zuerst wird eine solide
+Unterlage geschaffen und fest zusammengekittet, indem der darüber
+stehende Fisch aus seiner Afteröffnung tropfenweise ein äußerst
+klebriges Nierensekret austreten läßt, das ihm also als Mörtel dienen
+muß. Dann führt der kleine Baukünstler die Seitenwände und schließlich
+mit besonderer Sorgfalt die obere Wölbung auf, so daß das Ganze Form und
+Größe einer mäßigen, länglichen Kartoffel erhält. Nach Schaffung der
+Eingänge erinnert das Gebilde sehr an einen kleinen Muff. Zuletzt wird
+durch wiederholtes Einbohren mit der Schnauze eine nett gerundete
+Eingangsöffnung geschaffen. Gar nicht hübsch genug kann der um diese
+Zeit selbst die Suche nach Nahrung vergessende Stechbüttel seine
+Hochzeitskammer bekommen. Immer hat er noch daran zu bessern und zu
+runden und zu glätten, hier ein widerspenstiges Hälmchen
+zurechtzubiegen, dort noch ein besonders gefallendes Würzelchen
+einzubauen. Während der ganzen, etwa 2-3 Tage umfassenden Bauzeit
+befindet sich der kleine Kerl in der leidenschaftlichsten Erregung, vor
+allem beim Erscheinen eines männlichen Artgenossen, mit dem sofort ein
+ingrimmiges Duell ausgefochten wird. Auch die Weibchen, die sich etwa
+neugierig und voreilig dem geheimnisvollen Wasserschloß nähern, werden
+rücksichtslos weggebissen, solange dieses nicht völlig vollendet ist.
+Sobald aber das fertige Werk endlich zu seiner Zufriedenheit ausgefallen
+ist, wird aus dem unverträglichen Neidhammel mit einem Schlage ein
+galanter, wenn auch sehr stürmischer und leidenschaftlicher Liebhaber.
+Fast tänzelnd nähert sich das farbenglühende Männchen den verschüchtert
+in irgendeinem Winkel des Wasserpflanzenwustes zusammengedrängten<a id="Page_45"></a>
+ <span class="pagenum">[45]</span>
+Weibchen und sucht vor diesen seine Reize unter Aufbietung aller
+Schwimmkünste zu entfalten, wodurch er ihr Wohlgefallen in solchem Maße
+erregt, daß schließlich ein Exemplar mit reifem Laich seinen
+liebenswürdigen Werbungen und Einladungen nicht widerstehen kann,
+sondern ihm langsam und zögernd unter oftmaligem Ausreißen und
+Wiedergeholtwerden zu der so schön und sorgsam bereiteten
+Hochzeitskammer folgt. Zögert es, das kleine Heiligtum durch den engen
+Eingang zu betreten, so wird von dem seine Herrennatur auch jetzt nicht
+ganz verleugnenden Männchen durch Schläge mit der Schwanzflosse oder
+Stoßen mit dem Maule, im Notfalle selbst durch einen scharfen
+Sporenstich mit dem langen Mittelstachel gehörig nachgeholfen, und wenn
+die spröde Schöne erst einmal den Kopf ins Innere des Nestes gesteckt
+hat, legt sich das Männchen trotzig quer vor den Eingang und läßt seine
+Auserkorene nicht wieder heraus. Sie legt daher einige Eier ab, die eine
+Minute später von dem nachschwimmenden Männchen befruchtet werden, und
+bahnt sich dann mit der Schnauze auf der entgegengesetzten Seite einen
+Ausweg durch die Wandung, so daß also das Nest von diesem Augenblicke an
+zwei Öffnungen aufzuweisen hat. Nach einer Erholungspause begibt sich
+das Männchen abermals auf die Brautschau und wiederholt dieses Spiel so
+lange, bis ihm die Zahl der im Neste aufgespeicherten glashellen und
+mohnkorngroßen Eier genügend erscheint. Hat es so seinen Zweck erreicht,
+so wird es sofort wieder zum brutalen Tyrannen und verfolgt jedes sich
+nähernde Weibchen mit solcher Roheit, daß es nicht selten an den Folgen
+der erlittenen Mißhandlungen eingeht. Freilich hat der kleine Bosnickel
+dazu auch einen gewichtigen Grund, denn das Hochzeitsbett hat sich ja
+jetzt zur Kinderwiege gewandelt, und nun heißt es, Vaterpflichten zu
+erfüllen. Und die sind gerade im Stechbüttelleben wahrlich nicht leicht,
+erfordern vielmehr eine beispiellose Aufopferung und Selbstverleugnung.
+Fortwährend steht der Herr Papa vor seiner Kinderstube auf der Lauer und
+schießt wie ein schimmernder Pfeil auf jedes Lebewesen los, dem nur
+irgendwie Appetit auf Kaviar zuzutrauen wäre. Am meisten versessen auf
+die Eier sind die kannibalischen Stichlingsweibchen selbst, und so
+erklärt es sich wenigstens, daß der heißblütige Gemahl ihnen gegenüber
+so rauhe Saiten aufziehen muß. Ist er nicht gerade im Kampfe mit einem
+wirklichen oder vermeintlichen Feinde oder auf dessen Verfolgung
+begriffen, so steht er steil<a id="Page_46"></a>
+ <span class="pagenum">[46]</span> über der Eingangsöffnung und erzeugt
+in dieser durch beständiges Fächeln mit den Flossen und mit einer
+Ausdauer und Unermüdlichkeit, die uns die größte Achtung abnötigen
+müssen, einen frischen Wasserstrom kräftigster Art, so daß den Eiern
+immer genügend Sauerstoff zugeführt wird und sie nicht der Verpilzung
+anheimfallen können. Sind ihnen nach etwa 5-6 Tagen die winzigen Jungen
+entschlüpft, so beginnt für den vielgeplagten Vater erst recht eine
+schwere Zeit, denn er muß sich bemühen, dieses kribbelige hundertköpfige
+Kindergewimmel in Ordnung zu halten und die unbeholfenen und wehrlosen
+Kleinen vor einem vorzeitigen Verlassen des schützenden Nestes zu
+bewahren. Aber das fällt schwer genug, denn schon in diesen Liliputanern
+kreist das unruhige Stichlingsblut. Hier erwischt der Papa gerade noch
+einen der leichtsinnigen Ausreißer, verschluckt ihn und speit ihn dann
+behutsam wieder in das auch fortwährende Ausbesserungen nötig machende
+Nest zurück, und dort sind dafür schon wieder zwei andere in die fremde
+Welt hinausgestürmt. Erst wenn die Jungen nach etwa 14 Tagen
+einigermaßen selbständig geworden sind, erkaltet allmählich die
+treubesorgte Liebe des Stichlingsmännchens, und bald darauf kümmert es
+sich gar nicht mehr um seine Nachkommenschaft. Aber seine aufopfernde
+Brutpflege hat es doch fertig gebracht, daß die meisten Eier zu
+lebensfähigen Jungen wurden, und so erklärt es sich auch, daß der
+Stichling mit einer Eierzahl von nur 60-80 pro Jahr und Weibchen sein
+Auslangen findet, die doch dem Eierreichtum anderer Fische gegenüber
+verschwindend gering erscheint. Ja, die Vermehrung der Stichlinge ist
+bisweilen so stark, daß in ihren Wohngewässern Übervölkerung eintritt
+und dann ein großes Massensterben anhebt, so daß die verwesenden Kadaver
+von Hunderttausenden von Stechbütteln weithin die Gewässer verpesten.
+Auch unter Schmarotzern hat der Stichling vielfach zu leiden, und
+namentlich finden sich in seinem Leibe oft Eingeweidewürmer
+(<i>Schistocéphalus</i>) von solcher Größe und in solcher Zahl, daß sie ihm
+den Bauch unförmlich auftreiben und schließlich zum Platzen bringen.
+Wenn man den Stichling seinem Benehmen nach mit dem Kampfhahn unter den
+Vögeln vergleichen könnte, so hinsichtlich seiner Ernährungsweise
+sicherlich mit der Spitzmaus unter den Säugetieren. Mit unersättlicher
+Raubgier stürzt sich der stachlige Heißsporn auf alles, was er
+bewältigen zu können glaubt, und er hat ja von seinen eigenen Kräften
+keine<a id="Page_47"></a>
+ <span class="pagenum">[47]</span> geringe Vorstellung. Besäße er die Größe und Kraft eines
+Wellers, er würde in wenigen Jahren alle Gewässer der Erde entvölkern.
+Namentlich in Nord- und Ostdeutschland fehlt er keinem pflanzenreichen
+Teich, toten Flußarm oder auch nur Wassergraben, aber im ganzen
+Donaugebiet ist er eine unbekannte Erscheinung. Er gewöhnt sich auch an
+das Leben im Meerwasser und bildet dann die Panzerplatten an seinen
+Körperseiten noch stärker aus. Die Systematiker haben aus solchen
+Abänderungen eigne Arten machen wollen, sind aber dabei entschieden im
+Unrecht, wie die biologischen Forschungen erwiesen haben, da sich in
+einem Neste oft verschiedene dieser angeblichen Arten vereinigt finden.
+So hervorragend interessant und intelligent unser Fischchen dem Auge des
+Naturfreundes erscheint, so wenig will doch in der Regel der
+Berufsfischer von ihm wissen, der ihm nachsagt, daß er ein böser Feind
+des Fischlaiches und der Fischbrut, sowie ein arger und kaum aus dem
+Felde zu schlagender Nahrungswettbewerber für die wertvollen
+Speisefische sei. Auch in gesundheitlicher Beziehung bringe sein
+häufiges Massensterben nicht zu unterschätzende Gefahren mit sich. Das
+mag alles bis zu einem gewissen Grade seine Richtigkeit haben, aber wir
+wollen gerade in letzterer Beziehung nicht vergessen, daß eben der
+Stichling einer der wirksamsten Vertilger der Stechmückenlarven ist,
+also der Anópheles, die als Trägerin und Verbreiterin der gefürchteten
+Malaria-Blutparasiten gilt. Als Braten kann der Stechbüttel schon wegen
+seiner Kleinheit nicht in Betracht kommen, aber er wird doch bisweilen
+so massenhaft gefangen, daß man ihn als wertvollen Dung auf die Felder
+hinausfährt oder zum Tranauskochen benutzt. So wird allein im Pillauer
+Tief und den angrenzenden Gewässern aus Stichlingen alljährlich
+durchschnittlich für 22000 Mark Tran gewonnen, in manchen Jahren sogar
+mehr als das Dreifache. Ein Vetter des Stechbüttels, der 7-11
+Rückenstacheln führende <strong>Zwergstichling</strong> (<i>Gasterósteus pungítius</i>) ist
+unser kleinster Fisch, da er 6 <i>cm</i> Gesamtlänge kaum überschreitet (als
+winzigster Fisch der Erde gilt der nur 1-1/2 <i>cm</i> lang werdende
+Luzonfisch der Philippinen). Sein Hochzeitsgewand ist nicht so
+farbenprächtig wie bei der größeren Art, wirkt aber dafür vornehmer: ein
+tiefes, gesättigtes Sammetschwarz, aus dem sich die smaragdgrün
+funkelnden Augen ganz wundersam herausheben. In der Nestanlage
+unterscheidet er sich insofern, als er seinen Bau stets schwebend an
+Wasserpflanzen frei befestigt.<a id="Page_48"></a>
+ <span class="pagenum">[48]</span></p>
+
+<p>Weitaus nicht von der bestechenden Farbenschönheit wie bei Stechbüttel
+und Bitterling, aber dafür um so merkwürdiger und eigenartiger,
+jedenfalls viel dauerhafter und nicht fortwährenden Schwankungen und
+Gemütsaufwallungen unterworfen ist das hochzeitliche Gewand bei der
+Karpfengruppe. Hier erhalten nämlich die Männchen zu Beginn der
+Laichzeit am Vorderkörper einen weiß glänzenden Perlausschlag, der
+später gelblich wird und schließlich von selbst wieder abfällt. Der uns
+vertrauteste Fisch, der <strong>Karpfen</strong> (<i>Cyprínus cárpio</i>), darf gewissermaßen
+als das Urbild der Fischgestalt gelten, sozusagen als der Fisch an sich,
+und doch ist es gar nicht so leicht, diese zur Weihnachtstafel so
+hochwillkommene Erscheinung naturgeschichtlich einigermaßen richtig zu
+kennzeichnen. Das hängt vor allem damit zusammen, daß der Karpfen wie
+jedes vom Menschen gezüchtete Haustier &nbsp;&mdash;&nbsp; und wenigstens als ein halbes
+Haustier muß er heute wohl bezeichnet werden &nbsp;&mdash;&nbsp; im Laufe der
+Jahrhunderte eine Menge Varietäten ausgebildet hat, die ihrerseits
+wieder vielfach ineinander übergehen oder miteinander verbastardiert
+werden. Da gibt es z. B. die hochrückigen und schnellwüchsigen, durch
+delikates Fleisch ausgezeichneten, aber in der Nahrung wählerischen und
+auch sonst ziemlich empfindlichen Galizier, als Gegenstück zu ihnen die
+Lausitzer mit breitem und niedrigem Rücken, geringerem Fleisch, aber
+besonders stark entwickelten Geschlechtsprodukten, von langsamerem
+Wachstum, aber anspruchslos und unempfindlich, wie es nur ein Fisch sein
+kann, und so hat fast jede Karpfengegend ihre besonderen Eigenheiten
+aufzuweisen, die das geschulte Auge des Kundigen sofort erkennt und
+danach die Herkunft des Fisches mit erstaunlicher Sicherheit zu
+bestimmen vermag. In bezug auf die Beschuppung seien als bekannte Rassen
+genannt der schuppenlose Lederkarpfen und der hochgeschätzte
+Spiegelkarpfen, bei dem zwar auch größere Teile des Leibes nackt sind,
+während sich über andere streifenförmig angeordnete plattenförmige
+Schuppen von außerordentlicher Größe hinziehen, die ersichtlich aus der
+Verschmelzung mehrerer kleiner Einzelschuppen hervorgegangen sind. Diese
+Rassen lassen sich aber weder bisher rein durchzüchten, noch sind sie
+besonderen Gegenden eigentümlich. Auch an krankhaften Abnormitäten fehlt
+es gerade beim Karpfen keineswegs. So gibt es Zwitter, Gistlinge,
+Mopsmäuler, Albinismen mit Goldschuppen, schwanzlose Exemplare usw. Der
+behäbige Karpfen, der so viel sattes Behagen und eine so
+spießbürgerliche<a id="Page_49"></a>
+ <span class="pagenum">[49]</span> Selbstzufriedenheit zur Schau trägt, hat oft als
+der deutscheste Fisch gegolten, und doch ist er wahrscheinlich ebensogut
+ein Fremdling in unseren Gewässern, wie Fasan und Kaninchen in unseren
+Wäldern und Fluren, wenn er sich auch das Bürgerrecht schon längere Zeit
+ersessen hat. Zwar will Nehring in jungen, jedoch immerhin
+vormenschlichen norddeutschen Erdablagerungen versteinerte Karpfenreste
+gefunden haben, wonach also der Fisch von jeher bei uns ansässig gewesen
+sein müßte, aber ich möchte doch Marshall beipflichten, wenn er meint,
+daß hier wohl eine Verwechslung mit der Karausche vorliege, denn die
+Schuppen, Gräten und Kopfknöchelchen dieser beiden so ähnlichen und sich
+oft fruchtbar miteinander vermischenden Fische wird wohl auch der
+scharfsinnigste Gelehrte kaum mit Sicherheit voneinander zu
+unterscheiden vermögen, noch dazu in versteinertem Zustande.
+Wahrscheinlicher ist wohl, daß die Urheimat des Karpfens im fernen
+Orient zu suchen ist, von wo er durch die Römer, die übrigens gerade an
+diesem Fisch keinen besonderen Geschmack fanden, so lüsterne Fischesser
+sie sonst auch waren, zuerst nach Südeuropa und erst in karolingischer
+Zeit nach Deutschland gebracht wurde, während er heute fast in der
+ganzen Kulturwelt zu finden ist. Viererlei verlangt der Karpfen stets
+und überall von seinem Aufenthaltsorte, wenn er gedeihen und sich
+ordentlich fortpflanzen soll: schlammigen Untergrund, intensive
+Besonnung, weiches und ruhiges Wasser mit genügender Vegetation und zum
+Laichen geschützte und seichte Stellen. Rasch fließende Gebirgswasser
+mit sandigem oder kiesigem Untergrund meidet dieser Fisch durchaus. Er
+gehört zu den sogenannten Friedfischen, ist also kein grimmiger Räuber,
+sondern ein gemütlicher Allesfresser, der namentlich allerlei kleines
+Gewürm, aber auch Pflanzenteile verzehrt. Seinen endständigen, mit 4
+Barteln versehenen, dicklippigen und sehr beweglichen Mund benutzt der
+Karpfen zwar nicht zum Küssen, wie Marshall launig bemerkt, obwohl er
+sich dazu wegen seines großen Nervenreichtums ganz hervorragend eignen
+würde, wohl aber zum fleißigen Durchwühlen des Bodenschlamms, dem er
+seine meiste und zusagendste Nahrung entnimmt. Bei seiner faulen
+Lebensweise schlägt sie ihm auch recht gut an, und so wird der Fisch als
+»bemoostes Haupt« ein großer Phlegmatiker, dem so leicht nichts seine
+beschauliche Lebensweise stört. Der Studentenausdruck »bemoostes Haupt«
+stammt übrigens gerade vom Karpfen her und ist<a id="Page_50"></a>
+ <span class="pagenum">[50]</span> bis zu einem
+gewissen Grade sogar wörtlich zu nehmen, wenn es auch nicht gerade Moos
+ist, das den ehrwürdigen Kopf eines solchen Methusalem, dem oft vor
+Altersschwäche sämtliche Schuppen ausgefallen sind, mit einem grünen
+Schleier überzieht, sondern lediglich gewisse, an ihm schmarotzende
+Parasiten. Solche alte Karpfen haben, obschon sie zuletzt kaum noch
+wachsen, natürlich auch eine entsprechende Länge und ein recht
+ansehnliches Gewicht, obschon im allgemeinen bereits 40pfündige Karpfen
+zu den Seltenheiten gehören. Am schmackhaftesten sind sie bei Eintritt
+der Geschlechtsreife, also im dritten Lebensjahr, weshalb auch drei- und
+viersömmerige Karpfen im Gewicht von 1-1/2 bis 2 <i>kg</i> die gesuchteste
+und am besten bezahlte Marktware bilden. In einer Beziehung ist der gern
+gesellig lebende Karpfen den farbenschönen Fischarten, die vorher
+geschildert wurden, entschieden über, nämlich in bezug auf
+Fruchtbarkeit, worauf ja schon sein wissenschaftlicher Name (auch der
+deutsche dürfte auf eine Verstümmelung desselben zurückzuführen sein)
+hinweist, der an die zyprische Liebesgöttin als Beschützerin der
+Fruchtbarkeit erinnert. Es ist in der Tat erstaunlich, welche Unmenge
+von Eiern so ein Karpfenleib zu produzieren vermag. Während man früher
+auf 3-600000 Eier beim Rogner schloß, haben neuerdings genaue
+Schätzungen durch Staff ergeben, daß selbst diese ungeheuerlichen Zahlen
+noch weitaus zu niedrig gegriffen waren. Es kommen vielmehr auf jedes
+Kilo Fleischgewicht nahezu 400000 Eier, also auf einen halbwegs
+erwachsenen Mutterfisch etwa 1,6 bis 1,7 Millionen! Auf einer bayrischen
+Fischereiausstellung wurden kürzlich einem Karpfen, bei dem infolge
+Laichverhaltung eine Verflüssigung der Eierstöcke eingetreten war, nicht
+weniger als 1700 <i>ccm</i> Flüssigkeit abgezapft. Es können also ungezählte
+Massen davon als Eier oder Jungfischchen zugrunde gehen, ohne den
+Bestand der Art im geringsten zu gefährden, denn es genügt vollkommen,
+wenn nur je 10000 Eier einen Fisch liefern. Die stecknadelkopfgroßen
+Eier werden an Wasserpflanzen angeklebt, und das Laichgeschäft vollzieht
+sich unter vielem Geplätscher an ganz seichten Stellen. Bei der
+Beliebtheit, deren sich das zarte Karpfenfleisch heutzutage allenthalben
+erfreut, und bei der großen Lebenszähigkeit dieses Fisches, die seine
+Versendung auf weite Entfernungen hin gestattet, wird Karpfenzucht in
+allen dazu geeigneten Gegenden mit viel Eifer und Erfolg betrieben, und
+der Karpfen ist der wichtigste Bewohner<a id="Page_51"></a>
+ <span class="pagenum">[51]</span> unserer Fischteiche
+geworden. Hauptbedingung für eine erfolgreiche Karpfenzucht im großen
+ist, daß man über verschiedene Arten von Teichen verfügt: kleine,
+sonnige, pflanzenreiche, flache Zuchtteiche, die erst unmittelbar vor
+der Laichperiode bespannt werden, um keine Parasiten aufkommen zu
+lassen, größere Zuwachsteiche mit reichlichem Naturfutter, die in der
+Mitte eine vertiefte, nie ausfrierende Mulde zum Überwintern der Fische
+haben müssen, und endlich Kaufgutteiche, in denen die Karpfen vollends
+die marktfähige Größe erreichen sollen. Um das zu beschleunigen, wird
+auch noch besonders gefüttert, und es kommt darauf an, Futtermittel zu
+wählen, die das in ihnen angelegte Geld möglichst rasch in möglichst
+viel gutes und wertvolles Fischfleisch verwandeln. Namentlich in
+Schlesien, Böhmen und Galizien befinden sich großartige
+Karpfenzuchtanstalten dieser Art. Gewonnen wird der weitaus größte Teil
+des auf den Markt gelangenden Karpfenfleisches durch Ablassen der
+Teiche, da der träge und alles Verschluckbare vorher vorsichtig
+betastende Fisch nur schlecht nach der Angel geht und auch seiner
+bodenständigen Lebensweise halber nicht gut in größerer Menge mit dem
+Netz zu fangen ist. Vor Weihnachten ist Hochsaison auf dem Karpfenmarkt.
+Dann tragen ganze, besonders dazu eingerichtete Eisenbahnzüge die
+schmackhaften Schuppenträger aus Galizien und Schlesien nach Norden,
+oder eigens für diesen Zweck zusammengestellte Flöße mit eingebauten
+Fischkästen bringen sie auf der Moldau und Elbe nach unserer
+Reichshauptstadt. Blau gesotten, gebacken, als Bierfisch oder mit
+Paprikatunke &nbsp;&mdash;&nbsp; kurz, in jeder Form bildet dieser nützliche Fisch eine
+gesunde und fast allgemein beliebte Speise. Nur ist zwischen Karpfen und
+Karpfen ein großer Unterschied. Vor allem muß der Fisch ganz frisch
+sein, was die Hausfrau an den blanken und klaren Augen und daran
+erkennen kann, daß ein Fingerdruck auf das Rückenfleisch sofort wieder
+verschwindet. »Frische Fische &nbsp;&mdash;&nbsp; gute Fische« sagt sehr richtig das
+Sprichwort. Leider hat sich bei uns die Karpfenzucht nachgerade fast zu
+einem Privileg des Großgrundbesitzes herausgebildet. Und doch läßt sich
+der Fisch selbst in den elendesten Dorfteichen mit großem Erfolg, wenn
+auch nicht züchten, so doch mästen. In dieser Beziehung geschieht noch
+viel zu wenig, denn so können sonst fast ertragslose Wasserflächen noch
+eine schöne Rente abwerfen.</p>
+
+<p>Gerade bei dem langsam durch die Fluten ziehenden Karpfen<a id="Page_52"></a>
+ <span class="pagenum">[52]</span> lassen
+sich sehr gut die <strong>Schwimmbewegungen</strong> des Fisches beobachten und
+studieren. Bei aufmerksamer Betrachtung werden wir sehen, daß es nicht
+eigentlich die Flossen, oder diese doch nur in geringem Grade sind, die
+den Fisch fortbewegen. Das hauptsächliche Fortbewegungsorgan ist
+vielmehr der Schwanz, überhaupt die ganze hintere Körperhälfte. Sie ist
+mit zwei Reihen starker Muskelzüge ausgestattet, durch deren
+Zusammenziehen kräftige Schläge gegen das Wasser geführt werden, und
+zwar in einer derartigen Richtung, daß sie den Fisch vorwärts treiben
+müssen. Abwechselnde Biegungen der Schwanzflossenzipfel können
+allerdings auch nach Art einer Schiffsschraube wirken und den Fisch
+langsam vorwärts bringen. Die paarigen Flossen aber wirken lediglich
+regulierend und steuernd, während After- und Rückenflosse die
+Körperfläche vergrößern und ein Hin- und Hergeworfenwerden des Fisches
+bei den heftigen und wechselnden Schwanzschlägen verhindern.
+Experimentatoren haben nachgewiesen, daß ein der Rückenflosse beraubter
+Fisch im Zickzack schwimmt, daß er sich bei einseitiger Entfernung der
+das Gleichgewicht haltenden Brust- und Bauchflossen auf die Seite legt,
+daß bei Entfernung beider Brustflossen das Vorderende tief sinkt und daß
+nach Abschneiden sämtlicher paariger Flossen der Fisch auf dem Rücken
+schwimmt. Ein Vorwärtsschlagen der Brustflossen ermöglicht ein langsames
+Rückwärtsschwimmen. Der französische Gelehrte Houssay hat übrigens durch
+vergleichende Experimente mit einer großen Zahl künstlicher Modelle
+festgestellt, daß der Fischkörper, der ja auch für die menschliche
+Schiffstechnik vorbildlich und maßgebend gewesen ist, gerade in bezug
+auf die leichte Überwindung des Wasserwiderstandes heute von unseren
+Schiffsmodellen bereits überholt ist, daß er aber in bezug auf
+Stabilität, also das Vermögen, die richtige Lage im Wasser
+beizubehalten, noch unerreicht dasteht. In dieser Beziehung sind
+namentlich die paarigen Fischflossen ein ganz unübertreffliches
+Werkzeug. Weitere Versuche von Alliaud und Vles mit elektrisierten
+Fischen haben gezeigt, daß die Fische eine stete Muskelanstrengung
+aufwenden müssen, um sich in den Fluten ihre gewöhnliche Lage zu
+erhalten. Setzt man diese Muskelkraft durch den elektrischen Strom außer
+Tätigkeit, so dreht sich der Fisch sofort um und treibt hilflos auf dem
+Rücken. Er gleicht also nicht einem Schiff, sondern einem Radfahrer, der
+sich ja auch mit fortwährender Muskelarbeit im Gleichgewicht erhalten
+muß. Ein anderer französischer<a id="Page_53"></a>
+ <span class="pagenum">[53]</span> Gelehrter, Regnard, hat auf
+sinnreiche Weise Untersuchungen über die <strong>Schnelligkeit</strong> der schwimmenden
+Fische angestellt. Er ließ kreisförmige Wasserrinnen herstellen, die
+durch einen elektrischen Motor gedreht wurden, worauf die eingesetzten
+Versuchsfische gegen den Strom zu schwimmen suchten. Wenn sie dann trotz
+aller Anstrengungen auf der gleichen Stelle stehen blieben, mußte ihre
+Geschwindigkeit gleich der Drehungsgeschwindigkeit des Apparates sein.
+Es ergab sich, daß die Schwimmgeschwindigkeit von Karpfen und
+Weißfischen etwa das Zehnfache ihrer Körperlänge in der Sekunde beträgt,
+daß aber ihre Ausdauer bei solch höchster Kraftanspannung nur gering
+ist, und bald Ermüdung eintritt. Die Schwimmgeschwindigkeit verminderte
+sich sofort auf ein Drittel, wenn man die Schwanzflosse abschnitt,
+während die Entfernung von Brust- oder Bauchflossen nur dann einen
+größeren Einfluß ausübte, wenn sie lediglich auf einer Seite geschah.
+Von der so ermittelten Schnelligkeit ist natürlich diejenige
+verschieden, die die Fische beim Rauben oder auf ihren Wanderungen
+entwickeln. Den Rekord soll die Forelle mit 35 <i>km</i> in der Stunde
+halten; der Hecht soll 23-27, die Barbe 18, Karpfen, Schleie und Aal 12
+<i>km</i> in der Stunde zurücklegen können. In Siam veranstaltet man in
+langen Aquarien sogar besondere Wettrennen zwischen verschiedenen
+Fischarten, und der auch in Europa wohlbekannte verstorbene König
+Chulalongkorn soll bei einem solchen Rennen einmal eine seiner Frauen
+verwettet haben.</p>
+
+<p>Im Zusammenhange mit diesen Betrachtungen seien auch gleich noch der für
+die Fische vielfach so kennzeichnenden <strong>Schwimmblase</strong> und ihrer
+biologischen Bedeutung einige Worte gewidmet. Sie fehlt als zwecklos den
+echten Grundfischen, die keinen Druckschwankungen ausgesetzt sind, aber
+auch manchen guten Schwimmern, wie dem Hai und der Makrele, ohne daß wir
+bisher wissen, warum, und wodurch sie ihnen ersetzt wird. Sie ist ein
+aus luftdichten Häuten bestehender Sack zwischen Darm und Nieren, der
+sich oft durch die ganze Leibeshöhle erstreckt, aber nach Form und
+Ausdehnung sehr verschieden gestaltet ist. Beim Karpfen ist sie durch
+eine Einschnürung in zwei Teile zerlegt, die Flughähne haben zwei
+nebeneinander liegende Blasen, der Schlammbeißer eine in eine
+Knochenkapsel eingehüllte.</p>
+
+<p>Im embryonalen Zustande hat die auf eine Darmausstülpung
+zurückzuführende Schwimmblase stets einen zu ihrer Füllung
+dienenden<a id="Page_54"></a>
+ <span class="pagenum">[54]</span> Luftgang, der z. B. den Ganoidfischen auch im Alter
+verbleibt, während er bei der Mehrzahl der erwachsenen Fische
+verschwunden ist. Das Organ dient einmal dazu, das spezifische Gewicht
+des Fisches durch Ausdehnung oder Zusammenziehung zu regeln und ihm
+damit ein leichtes Auf- oder Niedersteigen zu ermöglichen. Diese
+Zusammenziehungen geschehen in der Hauptsache passiv durch den
+Wasserdruck und nur zum geringen Teile aktiv durch die ziemlich schwach
+entwickelte Blasenmuskulatur, die mehr zur Verlegung des Schwerpunktes
+dient und besonders bei plötzlichem Höhenwechsel in Tätigkeit tritt. Die
+endgültige und für längere Zeit wirksame Einstellung der Schwimmblase
+auf ein bestimmtes Höhenniveau aber erfolgt unter Ersparung von
+Muskelkraft lediglich durch Abscheidung von Sauerstoff in ihren leeren
+Raum oder durch das Einsaugen von solchem aus ihm. Schon Moreau hat 1876
+erkannt, daß das die Schwimmblase füllende Gas in der Hauptsache reiner
+Sauerstoff ist, aber erst 1903 hat uns Jäger-Gießen darüber aufgeklärt,
+wo und wie dessen Abscheidung geschieht. Er entdeckte an der unteren
+Wand der Schwimmblase eine sehr verschieden starke (bei Süßwasserfischen
+nur 2-4, bei Seewasserfischen 20 und mehr Schichten) Anhäufung
+eigentümlicher Drüsenzellen, die durch eine vergiftende Tätigkeit die
+roten Blutkörperchen vernichten, wodurch der Sauerstoff frei wird, sich
+verdichtet und in das Innere der Schwimmblase strömt. Er nannte dieses
+Organ den »roten Körper«. Will der Fisch sich in einem höheren Niveau
+aufhalten, so muß das Gegenteil geschehen, der Sauerstoff muß wieder aus
+der Blase entweichen können. Diese Zurückleitung des Sauerstoffes in das
+Blut besorgt das im oberen Teile der Schwimmblase gelegene, durch
+Muskelwirkung zu öffnende oder zu schließende »Oval«, das
+auffallenderweise allen denjenigen Fischen fehlt, die einen Luftgang
+besitzen. Eingeleitet werden alle diese Vorgänge durch Nervenreizungen,
+und Thilo hat nachgewiesen, daß ein Druck auf die Schwimmblase Hebel in
+Bewegung setzt, die auf eine Platte im Rückenmark wirken, so daß
+Druckschwankungen den Fischen unmittelbar zum Bewußtsein gelangen. Man
+könnte also die Schwimmblase fast auch als ein Sinnesorgan ansehen, und
+jedenfalls erspart sie dem Fische sehr viel Muskelarbeit. &nbsp;&mdash;&nbsp; Obwohl die
+Fische bei ihrem ständigen Aufenthalt in einem flüssigen Medium ein
+wirkliches <strong>Durstgefühl</strong> kaum kennen werden, verschlucken sie doch schon
+rein zufällig eine Menge Wasser, und es ist auch kaum<a id="Page_55"></a>
+ <span class="pagenum">[55]</span> anzunehmen,
+daß dieses für den Aufbau ihres Körpers entbehrt werden könnte.
+Wenigstens haben Versuche mit gefärbtem Wasser, die die biologische
+Anstalt in Friedrichshafen anstellte, unzweifelhaft ergeben, daß die
+Fische Wasser auch in den Magen aufnehmen. Dadurch erklärt es sich auch,
+daß man bisweilen sogar betrunkene Fische findet, die die tollsten
+Kapriolen vollführen, nämlich da, wo Hefenfabriken den als Nebenprodukt
+bei der Hefenfabrikation gewonnenen Spiritus der Steuerersparnis halber
+einfach ins Wasser laufen lassen. Dann gibt es billige Hefe, aber dafür
+betrunkene Fische.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image09.jpg" width="450" height="296" alt="" /> <a id="Karausche"></a></p>
+
+<p class="caption"> Karausche (<i>Carássius carássius</i>). (Naturaufnahme von
+ Oberlehrer W. Koehler.)</p>
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image10.jpg" width="450" height="236" alt="" /> <a id="Grundling"></a> </p>
+
+<p class="caption"> Gründling (<i>Góbio góbio</i>). (Nach einer Aufnahme von
+ Oberlehrer W. Koehler.)</p>
+
+</div>
+
+<p>Ein großer Teil unserer heimischen Fische gehört zur Verwandtschaft des
+Karpfens. Da ist zunächst die kleinköpfige und dünnlippige, selten mehr
+als 3/4 <i>kg</i> schwer werdende <strong>Karausche</strong> (<i>Carássius carássius</i>), die oft
+von Aquarienfreunden, die schon Hunderte wertvoller Exoten gezüchtet
+haben, mit dem Karpfen verwechselt wird, obschon bei aller Ähnlichkeit
+des Körperbaus ein einziger Blick auf den kleinen Mund genügt zur
+sofortigen Unterscheidung, indem der Karpfen stets Barteln besitzt, die
+Karausche aber niemals. Sie vermischt sich auch fruchtbar mit dem
+Karpfen<a id="Page_56"></a>
+ <span class="pagenum">[56]</span> und wird deshalb in Zuchtteichen nicht gern gesehen, da
+sie mit ihrem minderwertigen, grätigen Fleisch die ganze Nachzucht zu
+verderben vermag. Auch im schmutzigsten und modrigsten Wasser hält
+dieser zähe und anspruchslose Fisch aus, denn überall findet er seine
+unreinliche Nahrung. Die ältesten Tierzüchter der Welt, Chinesen und
+Japaner, haben aus der Karausche schon vor uralten Zeiten einen
+farbenschönen Sportfisch herangezüchtet, der fast eine ähnliche Rolle
+spielt, wie der allverbreitete Kanarienvogel, und der als <strong>Goldfisch</strong>
+einen einzig dastehenden Siegeszug auch durch ganz Europa angetreten
+hat. Mancherlei absonderliche Spielarten, wie Teleskopfische und
+Schleierschwänze, sind dann weiter aus ihm hervorgegangen. Was den
+Goldfisch dem Laien so sehr empfiehlt, ist außer seiner bestechenden
+Farbenschönheit namentlich seine geradezu rührende Anspruchslosigkeit,
+die auch die ärgste Vernachlässigung und die naturwidrigste Behandlung
+geduldig hinnimmt, aber der echte Tierfreund wird an diesem Kunstprodukt
+doch nur wenig Gefallen finden; dazu ist der Goldfisch zu langweilig und
+zu stumpfsinnig. Ein ganz ausgesprochener Bodenfisch, der sich bei
+Gefahr geradezu in den Schlamm einzuwühlen pflegt und dadurch vielen
+Nachstellungen entgeht, ist die grünliche <strong>Schleie</strong> (<i>Tínca tínca</i>). Ihre
+unglaubliche Genügsamkeit und sehr geringes Sauerstoffbedürfnis
+ermöglichen ihr das Dasein selbst in den verjauchtesten Tümpeln. Ihr
+fettes und zartes Fleisch gereicht der vornehmsten Tafel zur Zierde,
+wenn man nur die Vorsicht übte, den Fisch vor dem Schlachten einige
+Wochen in fließendem Wasser zu halten, damit er den ihm meist
+anhaftenden Modergeschmack verlieren konnte. Um die Teichwirtschaft
+macht sich der träge Fisch durch fleißiges Vertilgen der schädlichen
+Fischegel verdient, wenn er auch andrerseits als Wettbewerber um die
+Nahrung der wertvolleren Karpfen von den Fischzüchtern nur widerwillig
+in den Teichen geduldet wird. Auch von dieser Form ist eine prachtvolle
+Spielart als Goldschleie bekannt. Interessanter als diese langweiligen
+Gesellen ist der kleinere, gestreckter gebaute und mit zwei Bartfäden
+versehene <strong>Gründling</strong> oder Greßling (<i>Góbio góbio</i>). Dieser sehr gesellige
+Fisch, dem man eine besondere Vorliebe für das Aas nachsagt, bevorzugt
+klares, fließendes Wasser mit sandigem oder kiesigem Untergrunde, findet
+sich aber auch an anderen Örtlichkeiten, selbst in unterirdischen
+Gewässern, so in der berühmten Adelsberger Grotte. Die bläulichen Eier
+werden im Kiesgeröll ganz seichter Bäche<a id="Page_57"></a>
+ <span class="pagenum">[57]</span> abgesetzt, worauf dann
+die Greßlinge wieder in ihre tieferen Wohngewässer zurückkehren. Beim
+Ablaichen reibt das vom Männchen an eine entsprechende Stelle getriebene
+Weibchen seine Bauchfläche am Kiese, wobei der Kopf und der ganze Rücken
+für 1/2-3/4 Minuten aus dem Wasser hervorsehen. Die Jungen schlüpfen bei
+genügender Wärme schon nach drei Tagen aus und hängen dann noch mehrere
+Tage wie kleine graue Kommas an Steinen und Pflanzen umher, ehe sie die
+ersten unbeholfenen Schwimmversuche beginnen. Auch im Aquarium, für das
+sich dieser bescheidene Fisch überhaupt gut eignet, ist er schon
+gezüchtet worden, und soll dabei, wie ein russischer Beobachter
+mitteilt, sich zum Laichen eine besondere Grube hergerichtet haben.
+Trotz seiner geringen Größe findet der Gründling auch für die Küche gern
+Verwendung, da sein zartes Fleisch von hervorragendem Wohlgeschmack ist.
+Im Donaugebiet wird unsere Art durch den <strong>Steingreßling</strong> (<i>Góbio
+uranóscopus</i>) mit spitzerem Kopfe und längeren Bartfäden vertreten.
+Beide Fische, die gewöhnlich am Boden auf Beute lauern, bewegen sich
+zwar ruckweise, aber nicht mit übermäßiger Schnelligkeit fort. Da ist
+die niedliche und anmutige, stets zum Jagen und Spielen aufgelegte
+<strong>Elritze</strong> (<i>Phoxínus laévis</i>) ein weit flinker Ding. Sie ist äußerst
+beweglich, namentlich sehr springfähig, aber dabei im Freien schüchtern
+und schreckhaft. Wenn sich im Sommer das Wasser zu sehr erwärmt, wandern
+die<a id="Page_58"></a>
+ <span class="pagenum">[58]</span> Elritzen oft in dichtgedrängten Scharen in die kühleren
+Gebirgswässer aus und überspringen dabei Hindernisse, die in gar keinem
+Verhältnis zu ihrer winzigen Körpergröße stehen. Bei solchen
+Gelegenheiten werden viele von ihnen gefangen und mariniert als
+»Pfrillen« oder »Rümpchen« trotz ihres etwas bitterlichen Geschmacks in
+manchen Gegenden sehr gern gegessen. Leider müssen bei dieser Fangart
+auch zahlreiche Junge der wertvollsten Speisefische mit dran glauben und
+sich als Rümpchen verzehren lassen. Der rundliche, unverhältnismäßig
+großköpfige <strong>Döbel</strong> (<i>Leucíscus céphalus</i>), mit dem breiten Maule und dem
+blaßrot schimmernden Bauch hält sich in seiner Jugend massenhaft in
+kleinen kiesigen Bächen auf, während er im Alter mehr in die Flüsse und
+Seen der Ebene hinabzieht. Er ist pfeilschnell und räuberischer
+veranlagt als andere Karpfenfische. Selbst Mäusen soll er nachstellen
+und deshalb in manchen Gegenden geradezu »Mäusefresser« genannt werden.
+Bei solch reichlicher Kost erreicht er denn auch ein Gewicht von 4 <i>kg</i>
+und darüber. Diesen Angaben stehen nun freilich die Magenuntersuchungen
+Sustas schnurstracks gegenüber, der den Döbel für einen echten und sich
+hauptsächlich an grobes Gras haltenden Grünweidefisch erklärt. Dieser
+Widerspruch erscheint noch völlig ungeklärt, denn es ist doch kaum
+denkbar, daß ein und dieselbe Art vielleicht an verschiedenen
+Örtlichkeiten so grundverschiedene Ernährungsweisen zeigen könnte. Eher
+möchte ich glauben, daß die betreffenden Fische von diesem oder jenem
+Forscher falsch bestimmt wurden. Auffallend ist die Vorliebe des Döbels
+für Stromschnellen, Mühlwehre, Brückenpfeiler und ähnliche
+Örtlichkeiten. Seiner vielen Gräten wegen ist er höchstens als Backfisch
+und auch dies nur in ganz frischem Zustande zu verwerten. Angler
+versichern, daß der Döbel auch an Beeren und süße Früchte geht, und im
+Aquarium sah man jüngere Exemplare sowohl animalische wie vegetabilische
+Kost zu sich nehmen. Die Angler haben von jeher eine gewisse Vorliebe
+für diesen jetzt sichtlich seltener werdenden Fisch gehabt, weil er auf
+alles anbeißt, so daß die Köderwahl geradezu zur Qual werden kann, und
+weil sich mit seiner stattlichen Größe prahlen läßt. Die süd- und
+ostdeutschen Angler bezeichnen den ziemlich proletenhaft anmutenden
+Fisch als Räuber, und die Rhein- und Elbefischer erklären ihn für den
+friedfertigsten Gesellen der Welt. Das Wahrscheinlichste ist wohl, daß
+Genosse Dickkopf Allesfresser geworden ist und seine Speisekarte um eine
+Reihe von<a id="Page_59"></a>
+ <span class="pagenum">[59]</span> Gerichten bereichert hat, die er früher nicht kannte und
+verschmähte. Ein unzweifelhafter Grünweidefisch ist dagegen der durch
+die kleine und schief aufwärts gerichtete Mundöffnung gekennzeichnete
+<strong>Aland</strong> (<i>Leucíscus ídus</i>), auch Silberorfe genannt. Eine besonders schöne
+Abart wird als <strong>Goldorfe</strong> gern in warmen Teichen gezogen, und sie eignet
+sich als Zierfisch namentlich auch insofern gut, als sie sich beim
+Schwimmen beständig an der Oberfläche hält und so ihre Schönheit auch
+zur Geltung zu bringen weiß. Die wilde Stammform beansprucht reines,
+kaltes, tiefes, und schnellfließendes Wasser, ist auch selbst ein recht
+flinker Schwimmer. Der etwas dickköpfig aussehende Fisch, der bis 3 <i>kg</i>
+schwer wird, hat ein zwar grätiges, aber doch recht wohlschmeckendes,
+rötlich aussehendes Fleisch, und wird deshalb gern geangelt. Unter dem
+Sammelnamen »Weißfisch« faßt der Naturfreund eine Anzahl
+karpfenähnlicher Fische zusammen, deren Jugendformen oft selbst der
+Fachmann nur schwer auseinanderhalten kann, und deren erwachsene Stücke
+wenigstens der Laie sehr häufig verwechselt. Es sind die Proleten
+unserer Fischwelt, die nach Handwerksburschenmanier in zahlreichen
+Trupps alle Wasserstraßen bevölkern. Hierher gehören z. B. zwei durch
+hübsch rote Flossenfarbe ausgezeichnete Fische, die <strong>Plötze</strong> (<i>Leucíscus
+rútilus</i>) und das <strong>Rotauge</strong>. Will man sie mit voller Sicherheit bestimmen,
+so muß man schon zu den ein untrügliches Unterscheidungsmerkmal
+abgebenden Schlundzähnen seine Zuflucht nehmen, die bei der Plötze in
+einfacher Reihe stehen, links 6 oder 5, rechts stets 5, während sie beim
+Rotauge in zwei Reihen zu 3 und 5 angeordnet sind. Die Plötze ist wohl
+der gemeinste deutsche Fisch und wird deshalb auch vielfach gefangen,
+obwohl ihr stark mit Gräten durchsetztes Fleisch eigentlich nicht viel
+wert ist. Immerhin gibt sie frisch noch einen leidlichen Backfisch ab.
+Während sie bei uns kaum schwerer als 1-1/2 <i>kg</i> wird, werden im
+Kaspischen Meere noch heute bisweilen wahre Riesenplötzen gefangen.
+Beide Arten sind lebhafte und scheue, aber nicht eben sonderlich kluge
+Grünweidefische und laichen unter vielem Geplätscher gesellig, nachdem
+sie in dichtgedrängten Scharen hierzu geeignete Plätze aufgesucht haben.
+Beim <strong>Rotauge</strong> (<i>Leucíscus erythrophthálmus</i>), auch Rotfeder genannt,
+fällt außer dem roten Auge namentlich die ungewöhnlich harte und scharfe
+Beschuppung der Bauchgegend auf. Der stark messingglänzende Fisch, der
+seine beiden deutschen Namen vollauf rechtfertigt, ist eigentlich eine
+recht schöne Erscheinung und verdiente<a id="Page_60"></a>
+ <span class="pagenum">[60]</span> es, daß ihm die Aquarianer
+größere Beachtung als bisher zuwenden würden. Zwischen beiden Arten
+kommen auch Mischlinge vor, wie ja überhaupt bei dem geselligen
+Laichgeschäft der Karpfenfische oft genug ein zwar unbeabsichtigtes,
+aber fruchtbares Durcheinander entsteht, das der systematischen
+Forschung schon manche Schwierigkeiten in den Weg gestellt hat. Für die
+Küche taugt das Rotauge noch weniger als sein Vetter, und man verwertet
+sie deshalb am besten als Schweinefutter. Wichtiger für den menschlichen
+Haushalt ist der hochgebaute <strong>Blei</strong> oder Brassen (<i>Abramis bráma</i>), da er
+ein Gewicht bis zu 6 <i>kg</i> erreicht und sein Fleisch zwar auch ziemlich
+grätig, aber doch recht wohlschmeckend ist. Zur Laichzeit, bei der es
+sehr lebhaft zugeht, die großen Fische oft weit aus dem Wasser
+herausspringen und sich auch durch Beobachtung in unmittelbarer Nähe
+nicht stören lassen, nimmt der Blei eine fast hochgelbe Farbe an, und
+die Männchen sehen infolge des starken Hautausschlages wie zerkratzt und
+blutig zerschunden aus. Der stattliche Fisch mit dem schiefgestellten
+Mund bewohnt größere Ströme und tiefere Seen mit lehmigem Grund, den er
+beim geselligen Grasen oft derart aufwühlt, daß er weithin das Wasser
+trübt. Bei dieser schweineartigen Tätigkeit kommt ihm seine rüsselförmig
+ausgebildete Schnauze sehr zustatten. Die <strong>Blikke</strong> oder der Güster
+(<i>Blícca björkna</i>) hat einen ähnlich hochrückigen Leibesbau wie die
+Abramisarten, und ein solcher darf in gewissem Sinne auch als eine
+Schutzmaßregel gelten, da die Raubfische sich nur ungern an so unbequem
+zu verschluckende Beute machen. Der Name dieses Fisches dürfte mit
+»blinken« zusammenhängen, ebenso wie »Pleinzen«<a id="Ple2"></a><a title="Go to footnote 2." href="#fn2" class="fnanchor">[2]</a> mit »blinzeln«. Die
+höchstens 1 <i>kg</i> schwer werdende Blikke ist einer unserer gemeinsten
+Fische und bevorzugt langsam fließendes Wasser mit sandigem Untergrund.
+Sonst scheu und vorsichtig, gibt sie sich doch dem Laichgeschäft im
+Spätfrühling mit so rückhaltloser Inbrunst hin, daß man sie dabei
+geradezu mit Händen greifen kann. Auch sie ist ein ausgesprochener
+Friedfisch, aber dabei so gefräßig, daß sie sich leicht angeln läßt, was
+allerdings ihres schlechten und grätenreichen Fleisches halber kaum der
+Mühe verlohnt. Als ein halber Raubfisch muß dagegen der schon durch sein
+großes Maul gekennzeichnete <strong>Rapfen</strong> (<i>Aspius áspius</i>) bezeichnet werden.
+Den kleinen Weißfischen stellt er mit<a id="Page_61"></a>
+ <span class="pagenum">[61]</span> solcher Gier nach, daß er
+dabei öfters versehentlich auf den Strand schießt und dann elend
+umkommen muß. In stillen Nächten betreibt er seine Jagden mit weithin
+vernehmbarem Geräusch, indem sowohl Verfolgte wie Verfolger dabei öfters
+hoch aus dem Wasser herausspringen. Trotzdem verrät der Rapfen immer
+eine gewisse Ungeschicklichkeit in der Ausübung seines räuberischen
+Handwerks und stößt viel öfters fehl als die echten Raubfische. Er ist
+ein Oberflächenfisch und bewohnt am liebsten langsam fließendes, aber
+reines Wasser. Da er 6 <i>kg</i> schwer wird, könnte er für die Küche eine
+Rolle spielen, wenn sein an sich fettes und wohlschmeckendes Fleisch
+nicht so grätig wäre und beim Kochen nicht so leicht zerfiele. Wenn auch
+das Fleisch des niedlichen <strong>Uckelei</strong> (<i>Albúrnus albúrnus</i>) ganz ähnliche
+Eigenschaften aufweist und dieses glitzernde Fischchen schon wegen
+seiner geringen Größe (es wird nur 15-20 <i>cm</i> lang) noch weniger für die
+Küche in Betracht kommen kann, so beschäftigt es doch in anderer
+Beziehung eine ganze Industrie und wird deshalb in gewissen Gegenden
+Norddeutschlands, so namentlich am Frischen Haff, während der
+Wintermonate in großen Zugnetzen massenhaft gefangen. Aus seinen stark
+silberglänzenden, gegen jede unsanfte Berührung sehr empfindlichen
+Schuppen, gewinnt man nämlich die sogenannte Perlenessenz (<i>Essence de
+l'Orient</i>, deren Zusammensetzung und Herkunft früher ängstlich geheim
+gehalten wurde und die von einem französischen Rosenkranzfabrikanten
+entdeckt worden sein soll) zur Herstellung künstlicher Perlen. Die
+gefangenen und ans Land gebrachten Fische werden sofort geschuppt, und
+die gereinigten Schuppen in Kisten nach Paris oder Wien, neuerdings aber
+auch vielfach nach Thüringen verschickt. In der Fabrik werden die
+Schuppen zunächst 24 Stunden lang in Salzwasser gewässert, mit leinenen
+Lappen abgerieben, schwach gepreßt, für ein Stündchen in Alkohol gebadet
+und wieder getrocknet. Hierauf kommen sie in Ammoniak, in dem sich die
+anderen Bestandteile leicht lösen, während die den herrlichen
+Silberschimmer bedingenden Plättchen als kleine Kristalle sich am Boden
+niederschlagen. Nach einigen Stunden kann die wässerige Lösung behutsam
+abgegossen werden, und es bleibt nur ein silberiges, dickes Öl übrig &nbsp;&mdash;&nbsp;
+die Perlenessenz. Sie wird in hohle und dann mit Wachs zu verschließende
+Glasperlen gefüllt, die dadurch einen prachtvollen, matten Perlenglanz
+erhalten. Die besten Sorten dieser künstlichen Perlen sind den echten
+derart ähnlich,<a id="Page_62"></a>
+ <span class="pagenum">[62]</span> daß nur eine genaue Prüfung durch einen
+Sachverständigen die Imitation nachzuweisen vermag. Übermäßig billig
+sind sie freilich auch nicht gerade, was erklärlich wird, wenn wir uns
+vergegenwärtigen, daß etwa 20000 Fischlein nötig sind, um nur 1/2 <i>kg</i>
+Perlenessenz anzufertigen. Man gewinnt aus den Uckeleischuppen wie aus
+denen verwandter Arten weiter auch noch die in der Malerei eine große
+Rolle spielende und ebenfalls teuer bezahlte Silbertinktur. Aber auch im
+Leben ist der sich hauptsächlich von Insekten und deren Larven
+ernährende Uckelei ein höchst anziehender und unterhaltender Fisch, der
+sich dem am Flußufer lustwandelnden Spaziergänger mehr bemerkbar macht,
+als irgendein anderer, da er häufig seinen silberglitzernden Leib aus
+dem Wasser herausschnellt, um eine über diesem tanzende Mücke oder
+Eintagsfliege zu erhaschen, und da er sich überhaupt gewöhnlich
+scharenweise dicht unter der Oberfläche herumtreibt und hier seine
+lustigen Spiele vollführt, überhaupt viel Frohsinn und Lebenslust
+bekundet, obgleich gerade er nicht nur den Raubfischen, sondern auch den
+Wasservögeln besonders häufig zur Beute fällt. Ängstliche Schüchternheit
+einerseits und eine unbezähmbare Neugier andrerseits sind seine
+hervorstechendsten Charaktereigenschaften. Gleich dem Uckelei gehören
+zur Gruppe der durch das schief nach oben gerichtete Maul
+ausgezeichneten <strong>Lauben</strong> noch die bei uns auf die klaren und tiefen
+Gebirgsseen Oberbayerns beschränkte <strong>Mairenke</strong> (<i>Albúrnus ménto</i>) und die
+fließendes Wasser bevorzugende <strong>Alandblecke</strong> (<i>Albúrnus bipunctátus</i>).
+Letztere heißt im Volksmunde gewöhnlich »Schneider«, da ein zu beiden
+Seiten der Seitenlinie verlaufender Streifen schwarzer Pigmentpunkte wie
+eine Naht aussieht. Im Aquarium gemachten Beobachtungen zufolge soll sie
+eine Art Brutpflege ausüben, indem eines der Elterntiere den Laich bis
+kurz vor dem Ausschlüpfen bewacht und verteidigt und durch beständiges
+Flossenfächeln mit frischem, sauerstoffreichem Wasser umspült. An der
+sonderbar knorpeligen Schnauze, dem überragenden Oberkiefer und den
+harten, schneidenden Lippen ist die höchstens 1/2 <i>m</i> lang werdende <strong>Nase</strong>
+(<i>Chondóstroma násus</i>) sofort von anderen Süßwasserfischen zu
+unterscheiden. Auch biologisch hat sie mancherlei Eigentümlichkeiten
+aufzuweisen. Ihre scharfen Kiefernränder dienen dazu, den Algenüberzug
+von Steinen und dergleichen abzuweiden. Charakteristisch für sie ist,
+daß sie sich im seichten Wasser gern um sich selbst wälzt, so daß für
+Augenblicke die lichte<a id="Page_63"></a>
+ <span class="pagenum">[63]</span> Unterseite zum Vorschein kommt. Zur
+Laichzeit gewinnt ihr dunkler Rücken ein streifiges Ansehen, und an den
+Mundwinkeln zeigt sich ein lebhaftes Orangerot.</p>
+
+<p class="footnote"><a id="fn2"></a><a title="Return to text." href="#Ple2" class="label">[2]</a> Es ist dies
+ der <strong>Zobel</strong> (<i>Abramis sáha</i>) des Donaugebiets.</p>
+
+<p>Außer der Verfärbung zum Hochzeitskleid tritt mit Beginn der
+Laichfähigkeit bei vielen Fischen noch eine andere wunderbare
+Erscheinung auf: ihre mehr oder minder mit dem Fortpflanzungsgeschäft in
+Zusammenhang stehenden, durch rücksichtslose Kühnheit und erstaunliche
+Zähigkeit ausgezeichneten <strong>Wanderungen</strong>, die an geheimnisvollen Rätseln
+dem Vogelzug kaum nachstehen. Sehr oft sind ja die besten und sichersten
+Nährgründe nicht auch zugleich zum Absetzen des Laiches geeignet, und
+der Fisch ist deshalb gezwungen, eine weitgehende Ortsveränderung
+vorzunehmen, wenn er sich seiner Bürde entledigen und den Weiterbestand
+seiner Art sicher stellen will. Häufig kommt es vor, daß gewöhnlich im
+Meer lebende Fische zum Laichen hoch in die Flüsse hinaufsteigen oder
+umgekehrt das Süßwasser zum Laichen mit dem Meer vertauschen. Zu diesen
+gehört beispielsweise der Aal, zu jenen der Lachs. Wenn wir diese echten
+Wanderer etwa mit den Zugvögeln vergleichen können, so gibt es
+andrerseits auch noch eine Reihe beschränkter Wanderer, die den
+Strichvögeln entsprechen und nur im gleichen Stromsystem oder Meere hin
+und her ziehen, wobei Wärme- und Ernährungsverhältnisse, Salzgehalt des
+Wassers und Laichgelegenheiten als die maßgebenden Faktoren anzusehen
+sind. Hierher gehören z. B. von Süßwasserfischen die Forelle und von
+Seefischen die Flunder, die zwar Hunderte von Kilometern weit reist,
+nicht aber aus der Nordsee in die Ostsee zieht oder umgekehrt. Während
+man früher sich um die Fischwanderungen wenig gekümmert hat, ist ihnen
+in neuerer Zeit eine sehr eingehende und sorgfältige Beachtung
+zugewendet worden, und zwar nicht nur aus rein wissenschaftlichen,
+sondern namentlich auch aus praktischen und volkswirtschaftlichen
+Gründen. Nirgends und zu keiner Zeit drängen sich ja die Fische in
+solchen Massen zusammen wie auf ihren Wanderungen von und zu den
+Laichplätzen, und niemals sind sie so mühelos und in so lohnender Menge
+zu fangen wie bei solchen Gelegenheiten. Mit Sehnsucht warten ganze
+Dörfer und Städte auf das seit Jahrhunderten gewohnte Erscheinen der
+riesigen Fischheere, die reichen Verdienst mit sich bringen, und die
+Trauer und die Enttäuschung sind groß, wenn die geschuppten Geschwader
+einmal aus irgendwelchen Gründen ausbleiben, denn das<a id="Page_64"></a>
+ <span class="pagenum">[64]</span> bedeutet
+Elend und Verarmung. Da aber plötzliche Verlegungen der altbekannten
+Heeresstraßen gerade in den letzten Jahrzehnten öfters vorgekommen sind
+und dadurch mehrfach wirtschaftliche Katastrophen hervorgerufen wurden,
+während andrerseits unvermutet unendliche Fischzüge an ungewohnten
+Plätzen erschienen, wo sie nicht genügend verwertet werden konnten, und
+oft genug als Dung auf die Felder gefahren werden mußten, so liegt es
+auf der Hand, welch hohe praktische Bedeutung der Erforschung solcher
+Erscheinungen und dem Studium der Fischwanderungen überhaupt zukommt. So
+ist es zunächst sehr wichtig, zu wissen, was wohl die Fische auf ihren
+Wanderungen leitet. Da man in wissenschaftlichen Kreisen dem
+»stumpfsinnigen« Fisch irgendwelche an geistige Fähigkeiten anstreifende
+Handlungsweise nicht zutraute, so sollte auch die Wanderung ein rein
+reflektorischer Vorgang sein, der natürlich durch gewisse Reize
+ausgelöst werden mußte. Man dachte da namentlich an die sogenannte
+Phototaxis, d. h. an das Reagieren des Organismus gegen veränderte
+Belichtungs- und Bestrahlungsverhältnisse. Nun hat aber jüngst erst
+Franz in einer Reihe sehr eingehender Studien nachgewiesen, daß die
+durch gekünstelte Experimente gewonnene Vorstellung von der Phototaxis
+lediglich ein reiner Laboratoriumsbegriff ist, wenigstens soweit die
+Fische in Betracht kommen. Sie ist in Wirklichkeit nichts als ein unter
+ungünstigen Daseinsveränderungen und insbesondere bei anscheinender
+Gefahr ausgelöster Fluchtreflex, der bei Oberflächenfischen sich als
+»positiv«, bei Grundfischen dagegen als »negativ« erweisen wird, da
+diese bei Bedrohung ja instinktmäßig ins Dunkel flüchten. Will man von
+dem durch den Wechsel zwischen Tag und Nacht bedingten Aufsteigen und
+Niedersinken gewisser Meeresfische und ihrer Larven absehen, so gibt es
+eine Phototaxis bei erwachsenen Fischen in freier Natur überhaupt nicht,
+bei ihren Larven nur in ganz beschränktem, kaum angedeutetem Umfang.
+Deshalb kann die Phototaxis auch auf die Wanderungen der Fische nicht
+den allergeringsten Einfluß ausüben, sondern es müssen andere Faktoren
+zu ihrer Erklärung herangezogen werden. Einen solchen glaubt Franz
+zunächst einmal in dem <strong>Ortssinn</strong> und in dem <strong>Ortsgedächtnis</strong> der Fische
+gefunden zu haben, die er sorgsam auf ihre Leistungsfähigkeit hin
+geprüft und weit höher entwickelt gefunden hat, als sich dies unsere
+Schulweisheit bisher träumen ließ. Danach scheinen doch auch schon die
+Fische teilweise<a id="Page_65"></a>
+ <span class="pagenum">[65]</span> wenigstens keine absoluten Reflexmaschinen mehr
+zu sein, vielmehr bei ihnen schon wenigstens schüchterne Ansätze sich
+geltend zu machen zum Verwerten erlebter Erfahrungen und zum Verknüpfen
+von Assoziationen, so sehr man sich andrerseits vor Vermenschlichungen
+bei dieser immerhin tiefstehenden Tierklasse hüten muß, deren
+Lebensäußerungen zumeist durch mehr oder minder verwickelte und sich
+kreuzende Instinkte und Reflexe unschwer sich werden erklären lassen.
+Wie immer dem sei, jedenfalls beweisen schon die einfachsten
+Experimente, daß die Fische tatsächlich einigermaßen gemachte
+Erfahrungen zu ihrem Besten zu verwerten wissen. So stutzten Barsche,
+denen man als Futterfische Sardinen gab, als man einige derselben rot
+färbte, machten aber schließlich einen Versuch und verzehrten dann
+gefärbte und ungefärbte ohne Unterschied. Ähnlich ging es, als man noch
+einige blau gefärbte Sardinen dazu setzte. Als dann aber kleine Stücke
+von Seenesseln an den blauen Sardinen befestigt wurden und die Barsche
+sich beim Zugreifen tüchtig stachen, fuhren sie erschrocken zurück und
+mieden von da ab die blauen Sardinen. Freilich hielt in diesem Falle ihr
+Gedächtnis nur bis zum nächsten Tage vor; dann scheinen aber die Barsche
+besonders vergeßliche Bursche zu sein, denn vom Karpfen ist
+nachgewiesen, daß er mindestens vier Monate lang für
+Örtlichkeitsverhältnisse Gedächtnis hat, und bei anderen Fischen verhält
+es sich ähnlich. Dieser Auffassung steht nun allerdings die Tatsache
+entgegen, daß geangelte und dabei entkommene oder wieder ausgesetzte
+Fische oft schon nach kurzer Zeit sich zum zweiten oder dritten Male
+fangen lassen, also die gemachte böse Erfahrung anscheinend sehr rasch
+vergessen haben. Hierbei ist aber zu berücksichtigen, daß einerseits die
+dem Fische beim Angeln zugefügte Schmerzempfindung aller
+Wahrscheinlichkeit nach eine nach menschlichem Maßstabe überraschend
+geringe, und daß andrerseits der Zuschnappreflex, wenn der Ausdruck
+statthaft ist, ein sehr stark entwickelter ist und eben in solchen
+Fällen den Sieg über die geringe Lernfähigkeit davonträgt. Edinger kommt
+auf Grund umfassender Untersuchungen geradezu zu dem Schlusse, daß der
+Fisch nicht zubeißt, weil er zubeißen will, sondern weil er zubeißen
+muß. Er schaltet also einen selbständigen Willen des Tieres dabei
+vollständig aus, und die praktischen Erfahrungen der Angler, die in
+England das Sprichwort haben »Wenn du der Forelle die rechte Fliege zur
+rechten Zeit gibst, fängst du sie<a id="Page_66"></a>
+ <span class="pagenum">[66]</span> sicher«, scheinen ihm darin
+nicht unrecht zu geben. Edinger glaubt demnach, daß infolge sich
+gegenseitig auslösender Reflexe ein hungriger Fisch unter bestimmten
+Umständen anbeißen <strong>muß</strong>, wenn die Nahrung ihm genau in der Weise zukommt,
+wie die naturgemäße, und störende Nebenumstände (Sichtbarkeit der
+Schnur, Schatten des Anglers usw.) vermieden werden. Die ganze
+Geschicklichkeit des Anglers bestehe deshalb lediglich darin, diesen
+richtigen Augenblick ausfindig zu machen. Übrigens gehen intelligentere
+Fische wie der Schill doch nicht leicht zum zweiten Male an die Angel,
+wenn sie schwer gereizt wurden. Wenn nun auch die Lernfähigkeit der
+Fische jedenfalls nur eine geringe ist, so ist das Ortsgedächtnis doch
+in nicht unerheblichem, wenn auch sehr verschieden hohem Grade
+vorhanden, und am besten ist es jedenfalls bei den Wanderfischen
+entwickelt. So hat man festgestellt, daß zwar Stichlinge ihr Nest nur
+auf 10 m Entfernung wieder fanden, Forellen dagegen trotz
+zwischengelegter Hindernisse aus 6 km Entfernung zu ihrem Standplatze
+zurückfanden. Ein derart gutes Ortsgedächtnis muß den Fischen natürlich
+auch auf ihren Wanderungen in hohem Maße zustatten kommen, und man
+könnte sich auch recht wohl vorstellen, daß die Kenntnis bestimmter
+Heeresstraßen sich ähnlich wie bei den Vögeln durch Tausende von
+Generationen vererbt habe, dadurch fixiert und zu einem bloßen Instinkt
+geworden sei. Aber dann hat ja der Fisch auch noch eine Seitenlinie, die
+ihn so genau über den jeweiligen Verlauf der Strömung unterrichtet, und
+es muß deshalb für ihn eine Kleinigkeit sein, sich in Strömen oder
+Flüssen zurechtzufinden, sei es nun, daß er abwärts ins Meer oder
+aufwärts ins Quellgebiet zu gelangen wünscht. Diese Faktoren reichen
+also wohl aus, um reine Süßwasserwanderungen zu erklären, aber ganz
+anders und viel geheimnisvoller gestaltet sich das Bild, wenn wir etwa
+an die Einwanderung der jungen Aale aus dem Meere in die Ströme denken.
+Man denke sich diese Fischchen, die noch nie eine Reise gemacht haben,
+in der unendlich einförmigen, in ewige Finsternis gehüllten Wassermasse,
+wo das Fischauge keine festen Anhaltspunkte gewinnen kann, sondern eine
+unbestimmte nebelige Ferne vor sich hat. Hier kann natürlich von
+irgendwelchem Ortsgedächtnis keine Rede sein. Franz ist der Meinung, daß
+es der abweichende Salzgehalt der verschiedenen Wasserschichten und
+Meeresteile ist, der den Tieren als Führer aus dieser Wüstenei dient.
+Wasserschichten verschiedenen<a id="Page_67"></a>
+ <span class="pagenum">[67]</span> Salzgehalts zeigen ja auch
+abweichende Temperaturen, und diese wiederum zeitigen
+Strömungserscheinungen. Freilich werden solche ganz gering sein und erst
+nach Zurücklegung weiterer Strecken sich deutlich bemerkbar machen, aber
+es ist wohl mit Recht anzunehmen, daß die gesteigerte nervöse
+Erregbarkeit der Fische zur Brunst- oder Wanderungszeit auch die
+Feinfühligkeit ihrer Sinnesorgane und namentlich der Seitenlinie erhöht.
+Und so ließe sich auch hier schließlich folgern, daß die Wanderung der
+Meeresfische mehr eine Art Zwangsbewegung darstellt. Vielleicht bringen
+die Markierungsversuche, die seit einigen Jahren von zahlreichen
+biologischen Stationen gemacht werden, allmählich mehr Licht in diese
+einstweilen noch ziemlich dunkle Seite des Fischlebens.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image11.jpg" width="450" height="355" alt="" /> <a id="Aal"></a></p>
+
+<p class="caption">Aal. (Nach einer Aufnahme von Jacques Boyer.)</p>
+
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image12.jpg" width="450" height="289" alt="" /> </p>
+
+<p class="caption"> Die Entwicklung des Aales. (Nach Grassi u. Calandruiccio.)</p>
+
+</div>
+
+<p>Betrachten wir nun zunächst einmal als Beispiel für die ersterwähnte Art
+der Wanderung den <strong>Aal</strong> (<i>Anguílla vulgáris</i>), bei dem ja gerade seine
+ausgedehnten Reisen sein ganzes Leben mit einem schier
+undurchdringlichen Schleier des Rätselhaften und Geheimnisvollen umhüllt
+haben, den zu lüften emsiger Forschung erst in jüngster Zeit gelungen
+ist. Fortpflanzung und Wanderung sind hier nicht nur in der innigsten,
+sondern auch in der seltsamsten Weise miteinander verknüpft. Lange
+tappte man diesbezüglich im dunkeln und erzählte sich mehr oder minder
+unsinnige Märchen nach, und daß die Forschung das große Aalproblem jetzt
+in seinen Hauptzügen, wenn freilich auch noch lange nicht erschöpfend
+gelöst hat, darf als einer der glänzendsten Triumphe der biologischen
+Wissenschaft angesehen werden. Viel hat zu der jahrhundertelangen
+Verwirrung der Umstand beigetragen, daß es lange nicht gelingen wollte,
+Geschlechtsorgane bei unseren Süßwasseraalen aufzufinden, so unzählige
+man auch dieserhalb untersuchte. Da kann es nicht Wunder nehmen, daß das
+uralte Märchen von der Urzeugung gerade beim Aal überraschend lange in
+Geltung blieb, um später durch die ebenso falsche Auffassung abgelöst zu
+werden, daß der Aal lebendige Junge gebäre. Wahrscheinlich wurde sie
+hervorgerufen durch die Auffindung von massenhaft im Leibe des Aals
+schmarotzenden Spulwürmern (Ascaris), die bei oberflächlicher
+Betrachtung wohl als Jungaale gelten konnten. Noch in den 70er Jahren
+ist ein strebsamer Naturgeschichtsprofessor auf eine ihm von einem
+Fischer gebrachte »Aalmutter« hereingefallen (es ist dies ein ganz
+anderer Fisch, <i>Zoarces vivipara</i>, der schon seit Jahrhunderten als
+lebendig gebärend bekannt ist) und<a id="Page_68"></a>
+ <span class="pagenum">[68]</span> hat einen sehr langen, sehr
+gelehrten und schön illustrierten Aufsatz darüber in der »Gartenlaube«
+veröffentlicht, um dadurch das Lebendgebären beim Aale zu beweisen. Auch
+über einen vermutlichen Generationswechsel bei diesem merkwürdigen
+Fische hat man viel gefabelt. In Wirklichkeit verhält sich aber die
+Sache so, daß alle in unseren Süßwassern lebenden Aale überhaupt noch
+nicht geschlechtsreif sind. Denn als man endlich mit Hilfe der
+gesteigerten Mikroskoptechnik die Geschlechtsorgane auffand, die in
+Fettmassen verborgen liegen, da stellte es sich heraus, daß sie noch
+völlig unentwickelt waren. Hatten doch die Eier in den weiblichen
+Geschlechtsteilen kaum einen Durchmesser von 0,1 <i>mm</i>, waren also mit
+bloßem Auge gar nicht sichtbar. Da man schon längst wußte, daß ein Teil
+unserer Aale im Herbst ins Meer wandert, lag die Folgerung nahe, daß die
+Tiere erst dort ihre volle Geschlechtsreife erlangen und zum Laichen
+schreiten. Von da an befand sich die Forschung auf dem richtigen Weg,
+und es ist namentlich das Verdienst des Italieners Grassi und des Dänen
+Schmidt, daß heute das Aalproblem den Nimbus des Unerklärlichen verloren
+hat. Weitere Untersuchungen haben gezeigt, daß fast alle die großen Aale
+unserer Binnengewässer Weibchen, also Aaljungfern sind und sich durch
+silbergrauen Bauch auszeichnen, während die viel kleineren, gelb- oder
+braunbäuchigen Aale an den Strommündungen und Haffen fast nur aus
+Männchen bestehen. Im Alter von 3-7 Jahren &nbsp;&mdash;&nbsp; je nach dem
+Ernährungszustand &nbsp;&mdash;&nbsp; wird die Aaljungfrau, deren ganzes Dasein bis dahin
+lediglich aus Fressen und Schlafen bestand, von einer unüberwindlichen
+Sehnsucht nach dem fernen Meere gepackt, in dessen tiefsten Gründen
+einst ihre Kinderwiege stand. Sie begibt sich auf die Reise und findet
+unterwegs eine sich ständig vermehrende Zahl von Gefährtinnen, die die
+gleiche Sehnsucht vorwärts treibt. Die Wanderung vollzieht sich
+namentlich in recht dunklen, stürmischen und unfreundlichen Nächten, in
+denen etwa je 15 <i>km</i> zurückgelegt werden, wird aber öfters durch Rast-
+und Erholungstage unterbrochen, so daß es geraume Zeit dauert, bis man
+am Ziele angelangt ist. Unzählige gehen unterwegs an der Tücke des
+Menschen oder an anderen Unbilden zugrunde, aber dafür treffen die
+Überlebenden in den Strommündungen mit den Männchen zusammen, so daß nun
+beide Geschlechter in traulichem Verein die Reise fortsetzen können, die
+noch gar weit ins Innere des Weltenmeeres hineinführt. Inzwischen haben
+die Eierchen, deren<a id="Page_69"></a>
+ <span class="pagenum">[69]</span> jedes Weibchen 1 bis 1-1/2 Millionen bergen
+soll, schon um das 2 bis 2-1/2fache an Größe zugenommen, aber erst durch
+die Berührung mit dem fruchtbringenden Meer entwickeln sich nun beider
+Geschlechter Organe zu derjenigen Vollkommenheit, die zur Ausübung des
+Laichaktes notwendig ist. Gleichzeitig wird der Aal zum Tiefseefisch,
+von Farbe dunkler und metallglänzend, mit spitzerem Kopf und weit
+größeren, 1 <i>cm</i> im Durchmesser haltenden Augen. An seine Laichplätze
+stellt er ganz besondere, sehr spezifizierte Forderungen. Sie sollen in
+ungefähr 1000 <i>m</i> Meerestiefe liegen, einen Salzgehalt von 3,52 Proz.
+und eine Durchschnittstemperatur von etwa 9° haben, was bei solch
+erheblicher Meerestiefe von vornherein nur in der Nähe des wärmenden
+Golfstroms möglich ist. Der Aal findet derartige Plätze erst weit
+draußen im offenen Atlantik, in einem halbmondförmigen Gebiet, das sich
+von den Faröern zur Küste Spaniens erstreckt. Hier wird also Hochzeit
+gefeiert in für das menschliche Auge undurchdringlichen Tiefen: die
+Binnengewässer sind<a id="Page_70"></a>
+ <span class="pagenum">[70]</span> des jungen Aales Tummelplatz, die Meerfahrt
+ist seine Brautfahrt, die Tiefe des Atlantik sein Hochzeitsbette und
+wahrscheinlich auch sein Grab. Wenigstens hat man keinen der so
+stürmisch zu den Freuden der Minne nach dem Meere strebenden Aale jemals
+wieder in die Ströme zurückkehren sehen. Vielleicht führen sie nach der
+Laichzeit noch ein unbeachtetes Dasein im grenzenlosen Ozean,
+wahrscheinlicher aber gehören sie zum Stamme jener Asra, »die da
+sterben, wenn sie lieben,« ähnlich wie die Neunaugen, deren Lebenslauf
+ja überhaupt manche Ähnlichkeit mit dem des Aales aufweist. Ihr Dasein
+hat ja auch keinen rechten Zweck mehr, denn für die Erhaltung ihrer Art
+haben sie überreichlich gesorgt. Die Myriaden kleiner Krebstierchen in
+der Tiefsee werden sich gierig über die Leichname herstürzen und diese
+nicht nur gründlich, sondern auch so rasch vertilgen, daß sie erst gar
+keine Zeit haben, durch Leichengase aufzuschwellen und an die Oberfläche
+emporzukommen. Da sich also die wichtigsten Lebensvorgänge des Aales im
+Meere abspielen, muß er unbedingt als ein Meeresfisch bezeichnet werden,
+der erst in zweiter Linie und nebenbei auch zum Süßwasserbewohner
+geworden ist. Beim Lachs verhält es sich gerade umgekehrt. Auch die
+abgelegten, auffällig kleinen Eier bleiben in der Tiefe, da ihnen ein
+flottierendes Element in Gestalt von beigegebenen Öltröpfchen, wie es
+viele andre Fischeier haben, fehlt, und dies ist ein Grund mehr dafür,
+daß sie so schwer und so selten aufgefunden werden. Ihnen entschlüpfen
+nun aber keineswegs fertige Jungaale, sondern gar seltsame Wesen, die
+eine Larvenform darstellen und wenigstens äußerlich so stark vom
+Aaltypus abweichen, daß man sie früher unter dem Namen Leptocéphalus
+breviróstris als eine eigene Art beschrieb, ohne ihren nahen
+Zusammenhang mit der heiß umstrittenen Fortpflanzungsgeschichte des
+Aales zu ahnen. Diese Wesen sind 6-8 <i>cm</i> lang, haben die flache Form
+eines Weidenblatts, dazu einen winzigen Kopf und eine kleine
+Schwanzflosse und bestehen im übrigen fast ganz aus mächtigen
+Muskelzügen. Ihr Blut ist farblos, das ganze Geschöpf wasserhell und
+durchsichtig wie Glas, so daß man durch seinen Leib hindurch sogar lesen
+kann. Die Tierchen kommen später bei Nacht an die Oberfläche des Meeres,
+während sie sich bei Tage in Tiefen von 100-150 <i>m</i> aufhalten.
+Allmählich wandeln sie sich zum Aal, wobei verschiedene Zwischenstadien
+durchlaufen werden. Der Leib wird dicker und runder, die Flossen bilden
+sich aus, und schließlich<a id="Page_71"></a>
+ <span class="pagenum">[71]</span> ist ein Geschöpf von echtem Aaltypus
+fertig, das aber etwas kürzer erscheint als die Larve (da diese zuletzt
+keine Nahrung zu sich nimmt) und zunächst auch noch glashell ist. Diese
+»Glasaale« begeben sich nun auf die Wanderschaft und suchen in dicht
+gedrängten Zügen Strommündungen zu erreichen. Zu Milliarden finden sie
+sich an geeigneten Plätzen ein, eine Erscheinung, die die Franzosen als
+»<i>montée</i>«, die Italiener als »<i>montada</i>« bezeichnen. Der Bristolkanal,
+der Ärmelkanal und der Busen von Biskaya sind ihre bevorzugten
+Einfallspforten. Wie riesenhafte Schlangen von 1-3 <i>m</i> Breite und
+entsprechender Dicke wälzen sich diese Züge dicht an den Ufern der
+Ströme entlang, getreulich alle Windungen und Krümmungen des Flußbettes
+mitmachend. Hier machen sie zum ersten Male unwillkommene Bekanntschaft
+mit dem Menschen, der nur mit dem Kätscher aus diesem lebenden Strome zu
+schöpfen braucht, um Millionen junger Fischleben zu vernichten und sich
+selbst einen flüchtigen Gaumenkitzel zu bereiten, indem er die zarten
+Dinger mit Eiern zu recht wohlschmeckenden Omeletten verbäckt. Von der
+fabelhaften Menge, in der die Glasaale bei solchen Gelegenheiten
+auftreten, kann man sich einen ungefähren Begriff machen, wenn man hört,
+daß z. B. im Severnfluß pro Fischer und Nacht nicht selten<a id="Page_72"></a>
+ <span class="pagenum">[72]</span> 500
+Pfund und mehr gefangen werden, wobei man etwa 1000 Jungaale auf das
+Pfund rechnen kann. Die Tierchen haben sich während der langen Reise
+auch schon etwas weiter entwickelt und sind jetzt namentlich stärker
+pigmentiert, und bald nach dem Eintritt in die Flüsse schwindet die
+Glasfarbe ganz. Der Entwicklungszustand, in dem die ihren Namen jetzt
+kaum noch verdienenden Glasaale in die Flüsse eintreten, ist naturgemäß
+ein sehr verschiedener, je nach der Entfernung, die sie vom
+Geburtsplatze aus bis dahin zurücklegen mußten und je nach der darüber
+vergangenen Zeit. Die zur Ostsee und deren Zuflüssen wandernden Jungaale
+sind naturgemäß schon sehr viel weiter in ihrer Entwicklung
+vorgeschritten. Meist treffen die Jungaale im Frühjahr an den Küsten
+ein, nachdem ihre Verwandlung aus dem <i>Leptocéphalus</i> zum Glasaal etwa
+ein Jahr beansprucht hat. Die große Mehrzahl der Männchen bleibt in den
+Brackwässern und Strommündungen zurück, während die Weibchen weiter
+ziehen. Vielleicht verhält sich die Sache aber auch so, daß die
+Geschlechter bei den Glasaalen überhaupt noch nicht differenziert sind,
+sondern sich erst infolge der verschiedenen Ernährungsverhältnisse
+später herausbilden, wonach also die größeren Weibchen auf bessere
+Nahrungsverhältnisse hindeuten würden. In den Flüssen strebt die ganze
+Masse geschlossen vorwärts, aber bei jedem einmündenden Nebengewässer
+zweigt sich ein Teil ab, so daß die Hauptschar immer geringer wird und
+schließlich das ganze Heer sich verteilt wie der Blutstrom in den Adern
+eines Körpers. Entgegenstehende Hindernisse in Form von Wasserfällen
+oder Wehren überwinden die kaum bindfadendicken, schwächlichen Fischchen
+mit staunenswerter Rücksichtslosigkeit und Tatkraft. Mögen Tausende und
+Zehntausende dabei zugrunde gehen &nbsp;&mdash;&nbsp; ihre feuchten und schlüpfrigen
+Leiber bilden dafür die Brücke, die den andern den Übergang ermöglicht.
+Selbst der gewaltige Rheinfall von Schaffhausen, den die muskelstarken
+Lachse nicht zu nehmen vermögen, wird von diesen zähen Fischchen
+überwunden, und so erklärt es sich, daß auch im Bodensee Aale vorkommen.
+Da die Anwohner der Flüsse und Binnenseen die Einwanderung der
+geschätzten Fische natürlich sehr gern sehen, bemüht man sich vielfach,
+den Aalen entgegenzukommen und ihnen den Aufstieg über schwer zu
+überwindende Hindernisse zu erleichtern, indem man sogenannte Aalleitern
+anbringt. Es sind dies im Zickzack verlaufende, feucht zu haltende
+Holzrinnen, die durch Moos- oder Sandbelag<a id="Page_73"></a>
+ <span class="pagenum">[73]</span> Halt gewähren, oft auch
+mit Rippen und Querwänden versehen sind. Auf diese Weise hat man es den
+Aalen z. B. neuerdings möglich gemacht, die großen schwedischen Gewässer
+oberhalb der Trollhättafälle zu besiedeln, über die sie früher nicht
+hinwegzukommen vermochten. In besonders raffinierter und geschickter
+Weise aber haben schon seit alten Zeiten italienische Fischer in dem im
+südlichen Podelta gelegenen Lagunenstädtchen Comacchio die eigenartige
+Naturgeschichte des Aales praktisch zu nutzen verstanden, sozusagen
+instinktiv, ohne doch jene zu kennen. Man hat dort in den ausgedehnten
+Lagunen ein großartiges System von Schleusen und Kanälen angelegt,
+derart, daß die eintretende »<i>montada</i>« durch Beeinflussung mit Licht
+usw. in die Becken gelockt wird, worauf man den Rückweg absperrt. Die
+jungen Aale entwickeln sich nun unter sorgfältiger Hege während der
+nächsten Jahre, aber wenn sie dann der Wandertrieb ergreift und sie zum
+Meere herabziehen wollen, geraten sie in die Sammelbecken, wo sie
+herausgenommen und geschlachtet werden. 500 Beamte beansprucht die
+Verwaltung dieses berühmten Aalstaates von Comacchio, liefert dafür aber
+auch jahraus jahrein durchschnittlich 5 Millionen Pfund vorzüglichsten
+Aalfleisches. Nicht nur die italienischen Großstädte werden von hier aus
+versorgt, sondern ein guter Teil der gefangenen Aale wandert sogar in
+die Räuchereien Norddeutschlands. Denn hier wird der schmackhafte Fisch
+leider immer seltener, besonders im Ostseegebiet, was ja erklärlich
+erscheint, wenn man berücksichtigt, welch unzählige Fährlichkeiten die
+vielverfolgten Aale auf den weiten Reisen von und nach den entlegenen
+Brutplätzen zu bestehen haben. Überdies ist man gerade in Westpreußen
+vielfach so töricht gewesen, die Abflüsse der Seen durch Dämme zu
+sperren und so den Aalen die Rückwanderung unmöglich zu machen, und sie
+sind dann dort natürlich ausgestorben. Unter diesen Umständen ist es mit
+großer Freude zu begrüßen, daß die preußische Regierung neuerdings
+Millionen von Glasaalen aus dem Bristolkanal lebend nach norddeutschen
+Gewässern überführen ließ, wobei freilich anfangs tüchtig Lehrgeld
+gezählt werden mußte. Nach all dem Gesagten ist es wohl klar, daß
+eingeborene Aale nur in solchen Gewässern vorkommen können, die in einer
+wenn auch noch so weitläufigen und verzweigten Verbindung mit dem Meere
+stehen. Der oft gehörte Einwand, daß auch in völlig abgeschlossenen
+Teichen Aale gefunden wurden, läßt sich leicht entkräften<a id="Page_74"></a>
+ <span class="pagenum">[74]</span> durch
+die Erfahrungstatsache, daß häufig junge Fischchen durch Wasservögel im
+Gefieder oder an den Rudern in fremde Gewässer verschleppt werden. Sie
+müssen dort aber ebenso wie künstlicher Einsatz wieder aussterben, falls
+nicht rechtzeitig für frische Zufuhr gesorgt wird. Die in solchen
+Gewässern eingesperrten oder auf der Reise verirrten Aale werden
+schließlich zu alten Jungfern mit verkümmerten Geschlechtsorganen,
+erreichen dafür aber eine riesenhafte Größe und ein Gewicht von 15 und
+mehr Kilogramm, während es sonst bei 3/4-1-1/2 <i>m</i> Körperlänge nicht
+leicht über 5 <i>kg</i> beträgt und die Männchen kaum länger als 45 <i>cm</i>
+werden, also für Küchenzwecke wenig in Betracht kommen. Das weiße
+Fleisch des Aals ist zwar nicht leicht verdaulich, aber sehr fett und
+äußerst wohlschmeckend, und wird sowohl in frischem Zustande wie
+geräuchert oder mariniert allenthalben hoch geschätzt. An seinen
+Wohnplätzen im Binnenlande führt der Aal ein recht beschauliches Leben
+und nimmt bei seiner Gefräßigkeit rasch zu. Am liebsten sind ihm etwas
+tiefere Gewässer mit weichem Untergrund, in den er sich bei Tage tief
+einwühlt. Doch kommt er auch an allen möglichen anderen Örtlichkeiten
+vor. So fand ich ihn auf Teneriffa in ganz kleinen Rinnsalen zwischen
+felsigem Gestein, wo man ihn mit der Hand greifen konnte, nachdem der
+Hund sein Versteck gemeldet hatte. Auch am Bristolkanal jagt man bei
+Ebbe die im Meeresschlick zurückbleibenden Aale mit Hilfe von besonders
+darauf dressierten Terriers. Bei uns ist die üblichste und ergiebigste
+Fangart für Aale diejenige mit Reusen. Der Aal ist ein ausgesprochenes
+Nachttier, verläßt also erst mit Einbruch der Dunkelheit seinen
+Schlupfwinkel, um Nahrung aufzusuchen. Wegen seines kleinen Maules kann
+er zwar große Bissen nicht bewältigen, hält sich aber dafür durch die
+Menge des Verzehrten schadlos. Auf Fischlaich ist er sehr erpicht und
+pfropft sich damit, wenn er ihn haben kann, bis zum Platzen voll, ist
+deshalb in Zuchtteichen ein sehr ungern gesehener Gast. Ebenso haben die
+frisch gehäuteten, also weichen Krebse in ihm einen bösen Feind, und er
+vermag die schmackhaften Kruster durch fortgesetzte Verfolgung noch
+gründlicher auszurotten als die gefürchtete Krebspest, zumal er sich mit
+seinem geschmeidigen Schlangenleib durch unglaublich enge Spalten und
+Ritzen hindurchzuzwängen, ja gewissermaßen hindurchzubohren vermag.
+Seine ungemein schlüpfrige und schleimige Haut, in der die kleinen
+Schuppen ganz versteckt<a id="Page_75"></a>
+ <span class="pagenum">[75]</span> sitzen, und die ihm bei Gefahr manchmal
+das Leben retten mag, kommt ihm dabei auch sehr zustatten. Daß er eine
+erstaunliche Lebenszähigkeit besitzt, hat wohl schon jede Köchin zu
+ihrem Leidwesen erfahren. Recht gern geht er auch an Aas. Immer und
+immer wieder liest oder hört man, daß die Aale in feuchten Nächten
+Spaziergänge auf die den Teichen benachbarten Felder unternehmen sollen,
+um sich an den Erbsen gütlich zu tun. Die moderne Wissenschaft erklärt
+das kurzweg für ein Märchen, aber es ist insofern etwas Richtiges daran,
+als der Aal in der Tat infolge besonderer Schutzvorrichtungen an den
+Kiemen (sie stehen nur durch 1-2 schmale Seitenspalten mit der Außenwelt
+in Verbindung, sind also nicht so leicht dem Austrocknen preisgegeben)
+ziemlich lange außerhalb des Wassers auszuhalten vermag, und dieses auch
+manchmal freiwillig verläßt, wenn ihm der Aufenthalt in dem feuchten
+Elemente aus irgendwelchen Gründen ungemütlich wird. Dies ist z. B. bei
+elektrischen Entladungen der Fall, gegen die alle niedrig stehenden
+Fische eine außerordentlich große Empfindlichkeit an den Tag legen.
+Merkwürdig ist weiter die große Lichtscheu des Aales. Durch grelle
+Beleuchtung kann man ihn an jeden beliebigen Platz scheuchen, und
+hierauf beruht auch der Vorschlag des genannten dänischen Forschers
+Schmidt, alle zum Meer wandernden Aale in den Ostseeländern mit Hilfe
+von Scheinwerfern abzufangen und dafür alljährlich frische Glasaale
+einzusetzen, ein Vorschlag, der glücklicherweise selbst der beteiligten
+Fischereibevölkerung zu radikal erschienen ist. Interessant wie alles am
+Aale ist endlich auch noch seine Verbreitung. Sie ist eine sehr große,
+aber in allen zum Kaspi oder zum Schwarzen Meere abwälzenden
+Stromsystemen (Donau!) fehlt er völlig. Es ist das auch ohne weiteres
+erklärlich, da der isolierte Kaspi viel zu seicht ist, als daß er den
+Aalen geeignete Laichplätze bieten könnte, und da das Schwarze Meer
+schon in einer Tiefe von 2-300 <i>m</i> derart mit Schwefelwasserstoffgas
+gesättigt ist, daß die Larven darin gar nicht zu leben vermöchten.
+Allerdings hat man Jungaale mit Erfolg in der Donau eingebürgert, und es
+mögen auch einige durch die künstlichen Wasserstraßen vom Maingebiet her
+einwandern oder vom Mittelländischen Meere aus durch den Bosporus in die
+Donaumündung gelangen.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image13.jpg" width="450" height="257" alt="" /> <a id="Haken"></a></p>
+
+<p class="caption">Kopf eines Rheinlachses mit schwach ausgebildeten Haken. (Naturaufnahme von <i>Dr.</i> E. Bade.)</p>
+
+</div>
+
+<p>Ein gutes Gegenstück zum Aale in bezug auf Wanderung und Laichgeschäft
+ist der gleichfalls so hoch geschätzte <strong>Lachs</strong> (<i>Sálmo sálar</i>).<a id="Page_76"></a>
+ <span class="pagenum">[76]</span> Wenn
+im zeitigen Frühjahr unsere Küsten eisfrei werden, erscheinen daselbst
+aus tieferen und mehr nördlich gelegenen Meeresteilen
+fortpflanzungsfähige Lachse in Trupps zu 30-40 und halten sich zunächst
+noch längere Zeit an den Strommündungen und in den Haffen, überhaupt
+möglichst im Brackwasser auf, um sich an den Übergang aus dem Salz- ins
+Süßwasser allmählich zu gewöhnen, da ein zu plötzlicher Wechsel ihrem
+Organismus nicht zuträglich ist, vielmehr oft ihren Tod zur Folge hat,
+wie auch durch Versuche nachgewiesen wurde. Nach dieser Übergangszeit
+aber steigen sie in den Flüssen selbst aufwärts als wohlgenährte,
+kraftstrotzende und lebensfrohe Tiere mit schiefergrauem Rücken,
+silberigen Seiten und weiß schimmerndem Bauch. In diesem Zustande heißen
+sie bei den Fischern Salme und werden besonders geschätzt, deshalb auch
+eifrig weggefangen. Manche bleiben auch ein ganzes Jahr im unteren Teil
+der Ströme, überspringen also eine Laichperiode und bekommen dann als
+sogenannte Winterlachse ein besonders zartes, schön rot gefärbtes
+Fleisch. Die große Mehrzahl aber wandert gleich weiter und legt nun
+unterwegs das Hochzeitskleid an, das bei ganz alten Milchnern in den
+herrlichsten Farben prangt: der Rücken wird tief schwarz mit
+Sammetglanz, die Flanken erscheinen übersät mit lose hingetupften,
+brennendroten, bisweilen zu Zickzacklinien verfließenden Flecken, der
+Bauch prangt in lebhaftem Orangerot, über die Seiten huschen grünliche
+Lichter, und die Flossen werden teilweise wunderbar chromgelb. Übrigens
+ändert die Gesamtfärbung bei allen lachsartigen Fischen ganz
+außerordentlich ab, wodurch ihre genaue Beschreibung sehr erschwert wird
+und dem Systematiker viele Verdrießlichkeiten erwachsen, zumal auch
+schon in freier Natur zahlreiche Verbastardierungen vorkommen, so daß
+bezüglich einer strengen Scheidung der einzelnen Arten auch heute noch
+vielfach Unklarheiten herrschen. Alter, Geschlecht, Jahreszeit,
+Ernährungsverhältnisse, Klima, Beschaffenheit des Wassers und des
+Untergrundes scheinen die dabei maßgebenden Faktoren zu sein. Selbst
+Skelett, Flossenstrahlen und Bezahnung, also Körperteile, die bei
+anderen Fischen als unverrückbar feststehend gelten, und deshalb sichere
+Artkennzeichen abgeben, sind mannigfachen Veränderungen unterworfen.
+Gleichzeitig mit dem Auftreten der prangenden Hochzeitsfarben verdickt
+sich beim männlichen Lachse die Oberkopf- und Nackenhaut schwartenartig,
+so daß die kleinen Schuppen völlig darin verschwinden,<a id="Page_77"></a>
+ <span class="pagenum">[77]</span> die
+Schnauze streckt sich, und der Unterkiefer wächst sich zu einem
+eberzahnartig nach oben gebogenen Haken aus, der 6 <i>cm</i> lang werden und
+dann das Schließen des Maules unmöglich machen kann (Hakenlachs). Die
+bedeutsamsten Veränderungen gehen aber im Inneren des Körpers selbst
+vor, indem nach und nach die Geschlechtsorgane zu einer fabelhaften
+Mächtigkeit entwickelt werden. Machten sie vorher nur 1/2 Proz. des
+Körpergewichtes aus, so jetzt 25 Proz. und mehr! Diese einseitige
+Bereicherung erfolgt ganz auf Kosten der feisten Rumpf- und namentlich
+Seitenmuskulatur, die förmlich zusammenschrumpft, und so wird aus dem
+wohlgenährten Salm in kurzer Zeit ein zwar bunter, aber klapperdürrer
+Geselle. Während bisher die Reise nur langsam und zögernd, im
+gemächlichen Bummeltempo vor sich ging, ergreift nun die von reifen
+Geschlechtsprodukten strotzenden Fische ein schier unbändiger
+Wandertrieb, der sie alle Hindernisse überwinden und rücksichtslos das
+Leben aufs Spiel setzen läßt, um das Ziel ihrer Sehnsucht baldmöglichst
+zu erreichen. Zur leichteren Überwindung des Wasserwiderstandes ordnen
+sie sich wie Kraniche oder Wildgänse zu keilförmigem Zuge, wobei das
+älteste und stärkste Exemplar die Spitze nimmt. Stellt sich ein Wehr
+oder Wasserfall entgegen, so schwimmen die Fische bis unmittelbar an
+seinen Fuß heran, stützen sich mit der Schwanzflosse auf einen Stein und
+schnellen sich dann durch einen gewaltigen Muskeldruck<a id="Page_78"></a>
+ <span class="pagenum">[78]</span> mit
+halbmondförmig gekrümmtem Körper aus dem Wasser heraus und über das
+Hindernis hinweg, wobei sie Sprünge von 3-4 <i>m</i> Höhe und 5-6 <i>m</i> Weite
+im Bogen vollführen. Mißlingt der erste, so wird er unzählige Male
+wiederholt, bis das Wagnis endlich doch glückt oder der Lachs mit
+zerschundenem Leibe sterbend auf dem trockenen Felsen liegt. Nur sehr
+bedeutende Wasserfälle, wie der Schaffhausener, können vom Lachse nicht
+überwunden werden, der deshalb auch dem Bodensee fehlt. Das
+Allermerkwürdigste bei dieser harten und entbehrungsreichen Brautfahrt
+ist aber der Umstand, daß die Lachse während ihrer ganzen, sich über
+4-6, ja selbst 10-12 Monate erstreckenden Dauer anscheinend keinerlei
+Nahrung zu sich nehmen, sich also förmlich als Hungerkünstler
+produzieren. Wenigstens hat man in ihrem Leibe noch niemals
+Nahrungsreste irgendwelcher Art gefunden, vielmehr die Beobachtung
+gemacht, daß Magen und Darm eintrocknen, keine Ausscheidungen mehr
+liefern und selbst das Gebiß durch Nichtgebrauch verkümmert. Und daß
+Lachse tatsächlich ein volles Jahr zu fasten vermögen, beweist ein von
+Paton 12 Monate lang gefangen gehaltenes, nur 5pfündiges Exemplar, das
+in dieser Zeit niemals gefüttert, wohl aber zweimal zum Befruchten von
+Rogen abgestrichen wurde. Unser Wanderfisch ohnegleichen, der sich allen
+Hindernissen zum Trotz im Kampf gegen Wehre, Schleusen und
+Stromschnellen den Weg vom Meer zum Fels bahnt, ist also auch ein
+Hungerkünstler, der Succi und Genossen weit übertrifft. Es handelt sich
+hier um eines der größten und interessantesten Fastenexperimente, das
+die Physiologie kennt. Bis in die kleinsten Gebirgsbäche hinauf wird die
+Reise ausgedehnt, und nicht selten erreicht der Lachs dabei Meereshöhen
+von 1000 <i>m</i> und mehr. Wo reines, sauerstoffreiches Wasser flach über
+kiesigen Untergrund strömt, da erscheint den weitgereisten Wanderern
+endlich die Gelegenheit günstig, sich ihrer sie belastenden
+Geschlechtsprodukte zu entledigen. In der Regel steht ein Rogner mit
+einem alten und mehreren jungen Milchnern zusammen. Durch energisches
+Fegen mit der Schwanzflosse schafft sich das Weibchen eine Laichgrube
+und setzt in diese nach und nach seine 10-30000 rotbraunen Eier ab, die
+von dem daneben liegenden oder etwas oberhalb im Wasser stehenden
+Männchen sofort besamt und dann mit Sand oder Kies oberflächlich wieder
+verdeckt werden. Die Tiere gehen in ihrer Buhlschaft, die sich 8-14 Tage
+hinziehen kann, völlig auf, haben für<a id="Page_79"></a>
+ <span class="pagenum">[79]</span> nichts anderes mehr Sinn und
+lassen sich an seichten Plätzen sogar mit Händen greifen. Das alte
+Lachsmännchen ist während dieser Zeit eifersüchtig wie ein Türke, nimmt
+jede Störung furchtbar übel und schießt wie ein böser Bullenbeißer auf
+alles los, das seinen Unwillen erregt. Mit Geschlechtsgenossen der
+eigenen Art setzt es dann erbitterte Kämpfe ab, bei denen das Blut
+fließt und nicht selten einer der beiden Duellanten tot auf dem Platze
+bleibt, während die jungen »Spetzker« die günstige Gelegenheit benutzen,
+auch von den Freuden der Minne zu kosten, so daß wir hier ähnliche
+Verhältnisse vor uns haben, wie zwischen Platzhirsch und Spießer. Bei
+solchen Raufereien kommen dann Schwartenpanzer und Eberzahn zu ihrem
+Recht. Das anstrengende Laichgeschäft erschöpft die letzten Kräfte der
+vielgeprüften Fische. Zum Skelett abgemagert, todesmatt, mißfarbig
+treten sie den Rückweg zum fernen Meere an, lassen sich vielmehr fast
+ohne eigenes Zutun von der Strömung dorthin treiben, und nicht wenige
+gehen dabei vor Erschöpfung zugrunde. Das Fleisch solcher Lachse ist fad
+und weichlich geworden und durchaus kein Leckerbissen mehr, gilt
+vielmehr als nahezu ungenießbar. Wieder im nahrungsreichen Meere
+angekommen, erholen sie sich aber rasch, fressen nun tüchtig und nehmen
+dadurch in einer Weise zu, die selbst im Reich der Fische einzig
+dasteht. So wurde ein im Februar 1908 in England gefangener 8pfündiger
+Lachs gezeichnet, und nach genau einem Jahre als fetter 20pfündiger
+Bursche wieder gefangen. Der in den Gebirgswassern abgesetzte Laich
+braucht geraume Zeit bis zum Ausschlüpfen, nämlich je nach den
+Temperaturverhältnissen des Wassers 3-5 Monate. Die jungen Lachse leben
+dann im allgemeinen etwa zwei Jahre an ihrem Geburtsorte oder in dessen
+Nähe, bis sie gegen 40 <i>cm</i> lang geworden sind und den schönen
+Silberglanz bekommen, worauf sie langsam die Wanderung nach dem Meere
+antreten, um sich hier tüchtig an Krebstieren, Gewürm, Muscheln und
+kleinen Fischen zu mästen und die Geschlechtsreife zu erhalten, worauf
+sie sich dann zum ersten Male auf die beschwerliche Brautfahrt begeben.
+Unbedingt notwendig ist übrigens für die Lachse der hier geschilderte
+fortwährende Wechsel zwischen Salz- und Süßwasser nicht, denn es gibt
+auch Lachse in völlig abgeschlossenen Wasserbecken, wo sie dann
+lediglich die seichte Uferzone zum Laichen aufsuchen. Über verschiedene
+andere mit der Wanderung zusammenhängende Fragen gibt am besten der
+Fisch selbst Auskunft, und zwar durch das Tagebuch,<a id="Page_80"></a>
+ <span class="pagenum">[80]</span> das er auf
+seine Schuppen schreibt. Wir wissen ja, daß die Schuppen der Fische
+sogenannte <strong>Jahresringe</strong> aufweisen, nämlich regelmäßig abwechselnde Zonen
+schnelleren und langsameren Wachstums, die reichlichen oder spärlichen
+Ernährungsperioden entsprechen und sich mit den bekannteren Jahresringen
+der Bäume vergleichen lassen, wie man auch nach ihnen gerade wie bei
+diesen das Alter der Fische mit annähernder Sicherheit bestimmen kann.
+Hutton hat nun herausgefunden, daß der frisch ins Meer eingewanderte
+Junglachs auf der Schuppe deutlich zwei Zonen mit eng zusammengedrängten
+konzentrischen Linien erkennen läßt. Sie entsprechen je einem
+Winteraufenthalt im Süßwasser mit seiner knappen Ernährung. Später
+schließt sich dann eine Zone an, in der die Linien ganz auffallend weit
+auseinander stehen: der Fisch ist sehr rasch gewachsen, denn das Meer
+bot ihm seinen Nahrungsreichtum dar. Aber auch dieser wird im Winter
+spärlicher oder nicht in gleichem Maße ausgenutzt, und so markiert sich
+jeder im Meer zugebrachte Winter wieder durch eine Zone eng beisammen
+liegender Linien. Dadurch wird es ermöglicht, genau festzustellen, wie
+viel Winter, bzw. Jahre der Lachs im Meere verbringt, ehe er erstmals
+zum Laichen in die Flüsse emporsteigt, und es hat sich herausgestellt,
+daß die in die Flußmündungen eintretenden kleinsten Lachse 1-3
+Winterringe auf den Schuppen tragen. Die lange Fastenzeit im Süßwasser
+wird dadurch zum Ausdruck gebracht, daß die Schuppen sich auffasern und
+aussehen, als seien sie schadhaft geworden. Diese abgeriebene Zone
+bleibt stets erkennbar, auch wenn sich wieder neue Linien angesetzt
+haben, und es hat sich so ergeben, daß der Lachs seine entbehrungsreiche
+Brautfahrt nicht alljährlich unternimmt, sondern sich bisweilen ein Jahr
+der Ruhe und Kräftigung im Meere vergönnt. Zu seinem Wohlbefinden
+beansprucht der Lachs vor allem eins: reines, ungetrübtes Wasser, und er
+ist deshalb aus unseren durch die Industrie verseuchten Gewässern leider
+so leicht zu vertreiben wie kaum ein anderer Fisch. Fast wie eine Sage
+mutet es uns an, daß einst in Hamburg, Pommern, West- und Ostpreußen die
+Dienstboten sich verbaten, mehr als zweimal wöchentlich Lachsfleisch
+vorgesetzt zu erhalten, denn inzwischen ist der Lachsfang bei uns ganz
+gewaltig zurückgegangen und auch das Aussetzen künstlich erzielter Brut
+hat das köstliche Lachsfleisch, das in nordischen Ländern noch heute
+vielfach Volksnahrungsmittel ist, noch nicht wieder verbilligen
+können.<a id="Page_81"></a>
+ <span class="pagenum">[81]</span> Immerhin liefert der Lachsfang an der ostpreußischen Küste
+und der Salmfang am Niederrhein auch jetzt noch recht schöne Erträge. Im
+Norden ist der wertvolle Fisch, dessen Verbreitungsgebiet auch nach der
+Neuen Welt hinübergreift, weit zahlreicher als bei uns, fehlt dagegen
+südlich der Alpen, kommt also in allen sich ins Mittelmeer ergießenden
+Strömen nicht vor. Es ist wohl anzunehmen, daß die heutige Verbreitung
+der lachsartigen Fische auf die Einflüsse der letzten Eiszeit
+zurückzuführen ist. Ursprünglich im hohen Norden heimisch und an ein
+kaltes Klima gewöhnt, wanderten die Salmoniden mit den vorrückenden
+Gletschern nach Mitteleuropa, und als die Gletscher wieder wichen, blieb
+ein Teil der Einwanderer in den kühleren Gewässern zurück, und die
+dadurch entstehende Isolierung begünstigte die Entwicklung zahlreicher
+nahe verwandter Formen, während andere zu Wanderfischen wurden. So ist
+der Lachs und seine Sippschaft ein köstliches Geschenk, das uns die
+Eiszeit beschert hat. Der Fang des Lachses wird auf die verschiedenste
+Weise betrieben. Besonders aufregend und unterhaltend ist das Speeren
+bei Fackelschein. In England hat sich das Lachsangeln zu einem
+aristokratischen Sport herausgebildet, der geradezu fanatische, vor
+keinem Opfer zurückschreckende Anhänger zählt. Allenthalben in der
+nordischen Welt trifft man diese englischen Lachsangler an. »Hoch oben
+in der Nähe des Nordkaps habe ich sie sitzen sehen, diese
+unverwüstlichen Fischer, mit einem aus Mücken gebildeten Heiligenschein
+umgeben, eingehüllt in dichte Schleier, um sich vor den blutgierigen
+Kerfen wenigstens einigermaßen zu schützen. In der Nähe ansprechender
+Stromschnellen hatten sie Zelte aufgeschlagen, inmitten der
+Birkenwaldungen auf Wochen mit den notwendigsten Lebensbedürfnissen sich
+versehen, und standhaft wie Helden ertrugen sie Wind und Wetter,
+Einsamkeit und Mücken, schmale Kost und Mangel an Gesellschaft, zahlten
+auch ohne Widerrede den Besitzern eine Pacht von Tausenden von Mark für
+das Recht, sechs Wochen lang hier fischen zu dürfen, und gaben außerdem
+noch den größten Teil ihrer Beute unentgeltlich den Besitzern der
+benachbarten Höfe ab.« (Brehm.)</p>
+
+<p>Eine nahe Verwandte des Lachses ist das wertvollste Kleinod unserer
+Gebirgswässer, die vielgerühmte <strong>Forelle</strong> (<i>Trútta fário</i>). Sie ist aber
+im Gegensatz zu ihm Standfisch oder wandert doch nur zur Laichzeit ein
+wenig flußaufwärts, wobei sich beide Geschlechter<a id="Page_82"></a>
+ <span class="pagenum">[82]</span> getrennt halten,
+sich schließlich aber doch wieder mit Sicherheit zusammenfinden.
+Erfahrene Fischer wollen sogar eine gewisse Zuneigung der einzelnen
+Individuen zu ganz bestimmten Artgenossen festgestellt haben und
+behaupten, daß die Paare innig zusammenhalten und die Laichgrube gegen
+fremde Eindringlinge gemeinsam auf das wütendste verteidigen. Bei diesen
+Eifersuchtskämpfen, die mit dem scharfen Gebiß ausgefochten werden, gibt
+es Wunden und Schrammen genug, und man findet deshalb nach Beendigung
+der Laichzeit selten eine ganz unverletzte Forelle. Eingeleitet wird der
+Laichakt durch reizende Schwimmspiele, wobei sich die Tiere in eleganten
+Wendungen gegenseitig umschwimmen, zart aneinander reiben und durch die
+gewagtesten Drehungen ihre schöne Färbung zur Geltung zu bringen suchen.
+Der Laichakt selbst vollzieht sich in ganz ähnlicher Weise wie beim
+Hecht. Das Weibchen bereitet das Laichbett, indem es sich rasch von
+einer Seite auf die andere wirft, durch kräftige Schwanzbewegungen die
+Kiesel beiseite fegt oder solche wohl auch mit dem Maule entfernt. Sind
+die orangefarbenen Eier abgelegt und befruchtet, so werden von beiden
+Gatten gemeinsam mit aller Kraft Kieselsteinchen auf das Laichbett
+geschleudert, die sich oft zu einem kleinen Hügel auftürmen. Die
+Gesamtzahl der Eier beträgt nur etwa 1000, und sie werden in größeren
+Zwischenräumen abgelegt, so daß sich das Laichgeschäft, das meist in die
+Wintermonate fällt, über eine volle Woche hinzieht. Erst nach frühestens
+zwei Monaten entschlüpfen die anfangs recht unbehilflichen und durch den
+großen Dottersack in ihren Bewegungen sehr behinderten Jungen. Da, wo
+klares, sauerstoffreiches Wasser über Moos, Kiesel und Felstrümmer rasch
+dahinströmt, dazwischen ruhigere Stellen mit tieferem Wasser sich
+finden, überhängende Uferränder gute Schlupfwinkel abgeben und am Rande
+stehende Bäume die Oberfläche beschatten, fühlt sich die Forelle am
+wohlsten, und sie steigt an solchen Örtlichkeiten selbst bis zur
+Schneegrenze aufwärts, bleibt dann allerdings wegen der knappen Nahrung
+stets auffällig klein. Doch vermag sie sich auch allen möglichen anderen
+Verhältnissen anzupassen, wenn nur durch lebhaften Wellenschlag für eine
+genügende Anreicherung des Wassers mit Sauerstoff gesorgt ist. So
+gedeiht sie recht gut in entsprechenden Teichen, die von kalten Quellen
+gespeist werden. Unsere Forellenbestände sind durch schonungslose
+Überfischerei und durch Vergiftung der Bäche mit Fabrikabwässern<a id="Page_83"></a>
+ <span class="pagenum">[83]</span>
+leider schon so stark zurückgegangen, daß der wohlschmeckende Fisch, für
+den namentlich in »modernen« Touristengegenden oft ganz märchenhafte
+Preise bezahlt werden müssen, heute nur noch die Tafel der Reichen
+schmückt. Ehemals war das ganz anders, und im östlichen Montenegro z. B.
+lernte ich die Forelle auch jetzt noch als ein billiges
+Volksnahrungsmittel kennen. Nebenbei gesagt, war in den betreffenden
+Gegenden auch die Wasseramsel überaus häufig, die von unseren
+Fischzüchtern so vielfach als die schlimmste Feindin der Forelle
+hingestellt wird. Wenige Fische sind so menschenscheu und vorsichtig wie
+die Forelle. Nur wenn ringsum alles ganz ruhig ist, kommt sie aus ihrem
+Versteck zwischen Baumwurzeln oder Steinen heraus und stellt sich mit
+dem Kopfe gegen die Strömung, indem sie sich durch richtig abgemessene
+Schläge der Brustflossen und schraubenartige Bewegungen der
+Schwanzflosse stundenlang auf der gleichen Stelle erhält und geduldig
+darauf lauert, ob nicht ein günstiger Zufall ein Beutetier vorüberführen
+oder ein Insekt ins Wasser wehen wird. Nach über dem Wasser tanzenden
+Mücken oder Eintagsfliegen springt der Fisch auch aus seinem Elemente
+heraus und erhascht die Ahnungslosen mit geschickter Wendung. Bei dem
+geringsten Anzeichen von Gefahr aber schießt die Forelle pfeilschnell
+ihrem Schlupfwinkel zu, tauscht diesen gleich darauf mit einem anderen
+und ist so gar nicht leicht ausfindig zu machen, obgleich sie als ein
+überaus zäher Standfisch bei Tage aus einem Gebiet von etwa 20 <i>m</i>
+Bachlänge kaum herausgeht. Bei Nacht schweift sie auf der Nahrungssuche
+weiter umher und zeigt sich dann als ein tüchtiger Räuber, der selbst
+der eigenen Nachkommenschaft nicht schont. Wie gefräßig die Forellen
+sind, geht daraus hervor, daß man schon Stücke gefangen hat, denen noch
+das Schwanzende einer erst halb verdauten Ringelnatter zum Maule
+heraushing, da die verzehrte Schlange doppelt so lang war als der Fisch.
+Im allgemeinen gelten bei uns mehr als halbmeterlange Forellen als eine
+Seltenheit. Doch sind auch schon mehr als meterlange Exemplare mit
+entsprechendem Gewicht vorgekommen. Der Feinschmecker wird ihnen stets
+die kleinen Portionsforellen vorziehen. Die ansprechende Färbung mit der
+hübschen Tüpfelzeichnung wechselt fast in noch höherem Maße als beim
+Lachs, und diese Verschiedenheit erstreckt sich sogar auf das Aussehen
+des Fleisches, das alle Zwischenstufen vom reinsten Weiß bis zum schönen
+Lachsrot durchlaufen kann. Die englischen Sportfischer behaupten,<a id="Page_84"></a>
+ <span class="pagenum">[84]</span>
+daß das Fleisch um so röter werde, je mehr phosphorhaltige
+Nahrungsmittel der Fisch vertilge. Auch sollen die am schönsten
+gefärbten und am lebhaftesten gefleckten Forellen das weißeste Fleisch
+haben und umgekehrt, Teichforellen ein röteres als die in steinigen
+Bächen lebenden. In Torfgewässern trifft man fast schwarze Forellen, in
+unterirdischen Wasserläufen, so in von einem Bach durchströmten
+Tunneldurchschlägen, nicht eben selten Albinos oder auch blinde
+Exemplare, in kleinen Gebirgsbächen die am hübschesten gezeichneten. In
+seiner Jugend hat unser Fisch, dessen Farbstoffe auch in die Flossen
+eintreten, Bänderzeichnung aufzuweisen. Nach den Untersuchungen Wagners
+unterscheiden sich diese Jugendbänder ihrer Pigmentierung nach nicht
+quantitativ, sondern nur qualitativ von den übrigen Partien der
+Oberhaut; sie sind also nicht aus einer größeren Anzahl von
+Chromatophoren (Farbstoffzellen in der Haut) zusammengesetzt, sondern
+diese befinden sich in einem anderen Zustande der Ausdehnung, können
+unabhängig von denjenigen des übrigen Körpers tätig sein und werden auf
+besondere Art mit Nervenfasern versorgt. Das Plasma der orangeroten
+Zellen ist von einer ölartigen Masse erfüllt, die dem Dottersacköl der
+Embryonen sehr nahe steht, vielleicht sogar mit ihm gleichbedeutend ist.
+Sie bilden in ihrem Inneren die später außenzelligen
+Liptochromtröpfchen, die die roten Tupfen der älteren Forellen
+zusammensetzen. Zur Laichzeit werden diese auf dem Bauch mehr oder
+minder schwärzlich und besitzen jederzeit ein ziemlich starkes
+Farbanpassungsvermögen. Bei uns darf die Forelle (sie hieß früher
+»Fohre«, im Bayrischen jetzt noch »Föhrchen«, und in Mitteldeutschland
+wird ihr moderner Name vielfach noch auf der ersten Silbe betont) wohl
+als der beliebteste Angelfisch gelten, da sie in ihrer Raubgier gut auf
+den Insektenköder oder auf die künstliche Fliege geht. Ihr zartes, von
+den Alten merkwürdigerweise nicht gewürdigtes, fein nußartig
+schmeckendes Fleisch wird in Deutschland in der Regel blau gesotten, in
+Oesterreich dagegen meist gebacken &nbsp;&mdash;&nbsp;in meinen Augen eine Barbarei. In
+jüngster Zeit sind die Forellenbestände mancher Gegenden durch die
+eigenartige Taumelkrankheit arg mitgenommen und gefährdet worden.
+Verursacht wird diese Seuche durch einen in den inneren Geweben,
+besonders aber im Gehirn schmarotzenden, winzigen Algenpilz, den
+<i>Ichthyophonus hoferi</i>, wie er zu Ehren Hofers heißt, der die
+Taumelkrankheit 1893 erstmalig beschrieb. Merkwürdig ist, daß die Fische
+immer nur<a id="Page_85"></a>
+ <span class="pagenum">[85]</span> in einem gewissen Lebensalter von der sich zuerst durch
+Dunkelfärbung des Schwanzendes kenntlich machenden Krankheit ergriffen
+werden.</p>
+
+<p>Glücklicherweise ist gerade die Forelle in hohem Maße für die <strong>künstliche
+Fischzucht</strong> geeignet. Hat diese auch nicht all die überschwenglichen
+Hoffnungen erfüllt, die man in der ersten Begeisterung auf sie gründete,
+so darf sie doch schon heute als ein volkswirtschaftlich nicht
+unbedeutender Faktor und als ein geeignetes und wirksames Mittel gelten,
+der drohenden Verödung unserer Gewässer entgegenzuwirken. Obwohl bereits
+zur Zeit des 7jährigen Krieges der Mathematiker, Landwirt und
+Landeshauptmann Jacobi im Lippeschen die Grundzüge der künstlichen
+Fischzucht und ihre Bedeutung richtig erkannte, geriet seine Entdeckung
+doch wieder in Vergessenheit, da die Zeiten zu bewegt, eine Presse zur
+raschen und allgemeinen Verbreitung gemeinnütziger Ideen kaum vorhanden
+war, und da es vor allem noch keinen Mangel an Fischen gab. Erst um die
+Mitte des vorigen Jahrhunderts kamen zwei einfache französische Fischer,
+Remy und Gehin, erneut auf den guten Gedanken, der nun in dem Pariser
+Professor Coste einen begeisterten Propheten und in Napoleon <i>III.</i>
+einen verständnisvollen Förderer fand. Sein etwas voreiliges
+Versprechen, in wenigen Jahren ganz Frankreich mit Edelfischen zu
+bevölkern und jedem Franzosen eine stattliche Forelle auf den
+Sonntagstisch zu zaubern, vermochte Coste freilich nicht einzulösen, wie
+überhaupt die ganze Sache in Deutschland bald kräftiger und praktischer
+entwickelt wurde. In sehr hoher Blüte steht sie heute in der Schweiz, wo
+180 Brutanstalten in Betrieb sind und jährlich einige 50 Millionen
+Jungfische verschiedener Art liefern. Früher brachte man Rogen und
+Milch, die durch sanftes Streichen an der Bauchseite der Tiere gewonnen
+werden, im Wasser zur Berührung, wobei sich eine Befruchtung von etwa 50
+Proz. ergab, immerhin ein großer Fortschritt gegen die natürlichen
+Verhältnisse, wo nicht viel mehr als 10 Proz. der Eier wirklich
+befruchtet werden. Seit man aber dazu übergegangen ist, die
+Geschlechtsprodukte ohne Wasserzusatz trocken mit einer Gänsefeder zu
+verrühren und die Eier zunächst in ein Sieb zu entleeren, aus dem der
+mit ausfließende und sie schädigende Harn abfließen kann, hat man das
+sehr befriedigende Ergebnis von 90 Proz. Befruchtung erzielt. Die Eier
+quellen nämlich im Wasser rasch<a id="Page_86"></a>
+ <span class="pagenum">[86]</span> auf und sind dann für die
+Samenfäden nicht mehr zugänglich. Bei der ganzen Manipulation muß man
+fix verfahren, denn die Samenfäden der Fische haben nur eine sehr kurze
+Lebensdauer und Bewegungsfähigkeit. Sie soll bei der Forelle nur 40,
+beim Lachs nur 45 Sekunden betragen, beim Karpfen und Barsch größer sein
+und beim Hecht sich gar über vier Minuten erstrecken. Nachdem die Eier
+mit Wasser übergossen wurden (unbefruchtet gebliebene verraten sich bald
+durch weiße Farbe), kommen sie in die Brutkästen, die fortwährend von
+frischem, schlammfreiem und sauerstoffreichem Wasser durchspült werden,
+das ständig auf gleicher Temperatur zu halten ist. Vor Erschütterungen
+sind die Eier sorgsam zu bewahren, auch ab und zu abzubrausen, um eine
+Verschleimung zu verhüten, und täglich müssen abgestorbene oder
+verpilzte Eier ausgelesen und entfernt werden. Sobald dann erst die
+Augenpunkte der Embryonen sichtbar werden, sind die Eier weniger
+empfindlich. Die Milch eines Männchens genügt, um die Eier mehrerer
+Rogner zu befruchten. Trotzdem scheinen in freier Natur, wie überhaupt
+bei den meisten Fischen, mehr Männchen als Weibchen vorhanden zu sein,
+und man hat daraus schließen wollen, daß die Fische in Polyandrie
+(Vielmännerei) leben, soweit von einer solchen bei einer nur äußerlichen
+Vereinigung der Geschlechtsprodukte überhaupt die Rede sein kann.
+Bezüglich des Geschlechts der Nachzucht soll nach den Erfahrungen der
+Aquarienfreunde an ausländischen Zierfischen die Temperatur maßgebend
+sein, in der die Elterntiere gehalten wurden. Bei warmer Temperatur soll
+der Laich mehr Weibchen liefern, bei kalter mehr Männchen. Von der
+gerade bei Fischen leicht durchzuführenden Bastardzucht, von der man
+sich vor einigen Jahrzehnten wahre Wunder versprach, ist man jetzt so
+ziemlich wieder abgekommen. Sie hat im allgemeinen mehr geschadet als
+genützt, und in der Regel hat die freie Natur die Produkte allzu
+eifriger Züchter bald wieder fortgefegt. Ebenso sind die Gefahren der
+Inzucht bei der Fischzucht nicht gering anzuschlagen. Mit dem Schwanze
+voran, entschlüpfen die jungen Forellen nun endlich der Eihülle und
+müssen nach Aufzehrung ihres umfangreichen Dottersackes mit Daphnien,
+Mückenlarven, Eigelb, Quark, Kalbshirn und dergl. ernährt werden, worauf
+sie in die Streckteiche kommen, wo sie bei Fütterung mit
+Schellfischfleisch, Leber,<a id="Page_87"></a>
+ <span class="pagenum">[87]</span> mit Mehl oder Kleie verknetetem Blut rasch
+wachsen. Einjährig werden sie endlich in die freien Teiche oder
+Bachläufe eingesetzt und können dann schon<a id="Page_88"></a>
+ <span class="pagenum">[88]</span> nach 6-8 Monaten das
+Marktgewicht erreichen, ohne noch viel von ihren natürlichen Feinden,
+die ihnen ja im zarten Alter am gefährlichsten sind, leiden zu müssen.
+Gerade in Forellenbrutanstalten kann man sehr gut die <strong>Entwicklung</strong> des
+Fisches im Ei beobachten. Die Furchung ist eine partielle, indem nur der
+Bildungsdotter eine Teilung erfährt, und die von der Seite her
+erfolgende Einstülpung bleibt unvollkommen: der dem Nahrungsdotter dann
+scheibenförmig aufliegende Keim wird zur zweischichtigen
+»Scheibengastrula«. Im weiteren Verlauf der Entwicklung bildet sich die
+Körperform immer deutlicher aus, indem die Keimscheibe durch Einrollung
+nach unten die Form eines umgekehrten Kahnes annimmt. Das Vorderende mit
+den stark hervortretenden Augen charakterisiert sich durch seine Dicke
+bald als Kopf, das Hinterende durch seine Schlankheit als Schwanz. Das
+Ganze umwächst den Nahrungsdotter, streckt sich in die Länge und hebt
+sich von seiner Unterlage ab. Augen und Schwanz vollführen zuckende
+Bewegungen, und letzterer bereitet dadurch das Ausschlüpfen vor. Die
+zwei ursprünglichen Keimhäute bilden nach unten offene Röhren, das Haut-
+und das Darmrohr, und als drittes kommt das Nervenrohr hinzu, das durch
+Einstülpung vom Rücken her mit nachfolgender Abschnürung entsteht und
+das spätere Rückenmark vorstellt. Von der inneren Keimhaut aus bildet
+sich die Grundlage der späteren Wirbelsäule, und ein sich neu
+einschiebendes drittes Keimblatt liefert die Stoffe zum Aufbau der
+Knochen und Muskeln. Sehr früh macht sich das mit roten Blutkörperchen
+erfüllte Herz bemerkbar. Am Halse zeigen sich Kiemenspalten und
+dazwischen Kiemenbögen, und außen setzen sich als einfache Stümpfe die
+Flossen an.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image14.jpg" width="325" height="450" alt="" /> <a id="Ei"></a></p>
+
+<p class="caption"> Embryonalentwicklung eines Knochenfisches. (Nach Kennel
+ gez. von Dr. E. Bade.)</p>
+
+<p class="legend"><i>I.</i>Ei mit Keimscheibe, <i>k</i> fixierte Randstelle derselben, Hinterende
+ des Embryo. <i>II.</i> Ausbreitung der Keimscheibe mit Embryonal- oder
+ Primitivwulst, <i>k</i> fixierte Stelle. <i>III.</i> Stadium mit stark nach vorn
+ verlängerter und vortretender Embryonalanlage der Rückenteile. <i>IV.</i> und
+ <i>V.</i> Weitere Stadien, der Dotter ist ganz von den Keimscheiben
+ umwachsen, Kopf und Schwanz heben sich ab, letzterer wächst nach hinten
+ in die Länge. <i>VI.</i> Junger Fisch mit Dottersack, in diesem die
+ Blutgefäße und Fetttropfen.</p>
+
+</div>
+
+<p>Die Gruppe der lachsartigen Fische, die sich durch edlen Körperbau, das
+Vorhandensein einer kleinen, strahlenlosen Fettflosse zwischen Schwanz-
+und Rückenflosse, kleine Beschuppung und grätenarmes Fleisch
+auszeichnet, umfaßt noch eine ganze Reihe wirtschaftlich wichtiger
+Speisefische. Der <strong>Huchen</strong> oder Donaulachs (<i>Sálmo húcho</i>) war früher wohl
+auch Wanderer, ist aber notgedrungen zum Standfisch geworden, da das
+Schwarze Meer, auf das er angewiesen wäre, wegen seines
+Schwefelwasserstoffgehaltes keine geeigneten Tiefen bietet. Er bummelt
+aber doch gerne &nbsp;&mdash;&nbsp; schon der Ernährungsverhältnisse wegen &nbsp;&mdash;&nbsp; ein wenig
+in der Welt herum, indem er sich im Hauptstrome oder in den Nebenflüssen
+sachte und allmählich nach aufwärts<a id="Page_89"></a>
+ <span class="pagenum">[89]</span> schiebt. Doch herrscht über
+die Wanderungen dieses stattlichen, 2 <i>m</i> lang und 25 <i>kg</i> schwer
+werdenden Fisches noch viel Unklarheit, was auch im wirtschaftlichen
+Interesse sehr zu bedauern ist, da er ein besonders wohlschmeckendes
+weißes Fleisch hat und die Ausübung des Angelsports auf ihn mancherlei
+interessante Momente und Erlebnisse zu zeitigen pflegt. Seiner Größe
+entsprechend ist der Huchen ein gewaltiger Räuber, der oft wie ein
+Windhund hinter seiner Beute dreinjagt und sich dabei als ein sehr
+gewandter Schwimmer zeigt, und der selbst Wasserratten und
+Wassergeflügel nicht verschont. Gewöhnlich steht er im tiefen, stark
+strömenden Wasser, und nur zur Laichzeit sucht er flache und kiesige
+Stellen auf. Diese fällt übrigens bei ihm im Gegensatz zu anderen
+Salmoniden in die Frühjahrsmonate. Ein Charaktertier der stillen und
+kalten Gebirgsseen unserer Alpen ist der <strong>Saibling</strong> (<i>Sálmo salvelínus</i>),
+der von allen unsren Fischen das köstlichste Fleisch liefern soll und
+deshalb sehr teuer bezahlt wird, obschon sein durchschnittliches Gewicht
+nur 1/2 <i>kg</i> beträgt. Da er willig künstliches Futter annimmt und sich
+überhaupt recht widerstandsfähig zeigt, eignet er sich auch gut zur
+Mast. Gewöhnlich hält sich dieser ausgesprochene Standfisch scharenweise
+in größeren Tiefen seiner Wohngewässer auf und steigt nur abends zum
+Mückenfang an die Oberfläche empor. Den in den Seen des Salzkammergutes
+und namentlich im Gosausee lebenden <strong>Schwarzreiter</strong> möchte ich für eine
+Kümmerform des Saiblings halten. Die <strong>Meer-</strong> oder <strong>Lachsforelle</strong> (<i>Sálmo
+trútta</i>) verbringt den größten Teil ihres Daseins im Salzwasser unserer
+Küsten und vollführt von da aus des Laichgeschäftes halber ähnliche
+Wanderungen wie der Lachs, wird aber nicht so hoch geschätzt wie dieser.
+Als eine durch ständigen Aufenthalt im Süßwasser seßhaft gewordene Abart
+von ihr ist die <strong>Schwebe-</strong> oder <strong>Seeforelle</strong> (<i>Sálmo lacústris</i>)
+aufzufassen, die eine ähnliche Verbreitung hat, wie der Saibling, aber
+in etwas abgeänderter Form auch in den Seen Skandinaviens und
+Schottlands vorkommt. Zum Laichen steigt der stattliche, sich sonst in
+beträchtlicher Tiefe aufhaltende und hier fleißig auf Lauben und Renken
+jagende Fisch in den einmündenden Flüssen während des Winters aufwärts.
+Die von den alten Weibchen angelegten Laichgruben sind so umfangreich,
+daß sie bequem einen liegenden Mann aufnehmen können. Interessant ist,
+daß dieser wirtschaftlich wichtige Fisch in zwei verschiedenen<a id="Page_90"></a>
+ <span class="pagenum">[90]</span>
+Formen auftritt, die namentlich im Bodensee scharf differenziert sind.
+Es ist ja eine bekannte Tatsache, daß bei allen Salmoniden gewisse
+Individuen sich geschlechtlich nicht zur Reife entwickeln und auch
+äußerlich zeitlebens von den normalen Exemplaren verschieden bleiben.
+Wenigstens ist der berühmte Fischforscher v. Siebold der Ansicht, daß
+diese Unfruchtbarkeit für das ganze Leben anhalte und in den meisten
+Fällen auf die Abgeschlossenheit in zuflußlosen Seen zurückzuführen sei,
+während Widegren die Sterilität nur für eine vorübergehende Erscheinung
+hält, da die Fische in einer späteren oder auch sehr viel späteren
+Periode doch noch geschlechtlich vollreif würden. Vielleicht bringen die
+seit 1907 angestellten Markierungsversuche Klarheit in diese einstweilen
+noch recht dunkle Frage. Jedenfalls ist im Bodensee die behäbige,
+stumpfschnauzige, dunkle, geschlechtsreif werdende Form als
+»Grundforelle« ganz verschieden von der schlanken, spitzschnauzigen,
+silberigen, nur sehr spärlich gefleckten und stets kleiner bleibenden
+»Mai-«, »Silber-« oder »Schwebeforelle«, so daß der den ansässigen
+Fischern längst bekannte Unterschied beider auch dem Laien sofort
+auffällt. Ihrer Schnellwüchsigkeit und des dadurch bedingten
+wirtschaftlichen Wertes halber sind aus Nordamerika der <strong>Bachsaibling</strong>
+(<i>Sálmo fontinális</i>) und die <strong>Regenbogenforelle</strong> (<i>Sálmo iridéus</i>) bei uns
+eingebürgert worden. Ein nur 15-30 <i>cm</i> lang werdendes, stark
+silberglänzendes Fischchen mit tief gespaltenem Maul ist der sehr
+variable <strong>Stint</strong> (<i>Osmérus eperlánus</i>), seines üblen Geruches halber auch
+»Stinkfisch« benannt. Namentlich in den Haffen der Ostsee tritt er zu
+gewissen Jahreszeiten in wahren Unmassen auf, so daß ein sehr lohnender
+Fang betrieben wird. Hat man sich einmal an den zum mindesten recht
+eigenartigen Geruch gewöhnt, so wird man das Stintfleisch und besonders
+die aus ihm bereitete delikate Suppe hoch zu schätzen wissen. Gewöhnlich
+wissen die Fischer mit dem übergroßen Stintsegen allerdings nichts
+anderes anzufangen, als ihn in die Schweinetröge zu schütten oder als
+Dung auf die Felder zu fahren, bestenfalls ihn zur Tranbereitung
+einzukochen. Die flüchtige, ungemein bewegliche, höchstens 1-1/2&nbsp;<i>kg</i>
+schwer werdende <strong>Äsche</strong> (<i>Thymállus vulgáris</i>) mit der prachtvoll
+purpurroten, durch schwarze Fleckenbinden noch gehobenen Rückenflosse
+darf wohl als einer der schönsten und anmutigsten deutschen Fische
+bezeichnet werden. Sie bevorzugt ähnliche Örtlichkeiten wie die<a id="Page_91"></a>
+ <span class="pagenum">[91]</span>
+Forelle, siedelt sich jedoch in der Regel etwas unterhalb der
+Forellenregion an. In bezug auf Reinheit und Sauerstoffgehalt des
+Wassers ist die Äsche noch anspruchsvoller als die Forelle, schweift
+auch mehr herum als diese und lebt geselliger. Neben Insekten verzehrt
+sie hauptsächlich Schnecken und kleine Muscheln und produziert ein das
+Entzücken aller Feinschmecker bildendes Fleisch, das angeblich nach
+Thymian riechen soll, wovon ich allerdings noch nichts wahrzunehmen
+vermochte. Die nur kleine oder mittelgroße Arten umfassende Gattung
+Coregonus zeichnet sich durch größere Schuppen und mehr weißfischartigen
+Körperbau vor den echten Lachsen aus. Zu ihr gehört die <strong>große Maräne</strong>
+(<i>Coregónus lavarétus</i>), die gleich ihren Verwandten in beträchtlichen
+Tiefen ein lichtscheues Dasein führt und nur zur Laichzeit in flacheres
+Wasser kommt. Ihre teilweise Isolierung in abgeschlossenen Binnenseen
+hat die Bildung zahlreicher Lokalformen begünstigt, von denen hier
+Wander-, Madü- und Edelmaräne genannt seien, denen sich die in alpinen
+Seen lebende Bodenrenke zugesellt. Alle Maränen, die für den Fang
+allerdings fast nur zur Laichzeit zugänglich sind, gelten ebenso wie die
+übrigen Angehörigen dieser Gruppe für äußerst wohlschmeckend. Besonders
+wichtig sind alle verschiedenen Renkenformen für die Stromfischerei
+Sibiriens, wo der Fang auf sie im großartigsten Maßstabe betrieben wird.
+Die in den Seen Norddeutschlands heimische <strong>Zwergmaräne</strong> (<i>Coregónus
+álbula</i>), die nicht leicht über 35 <i>cm</i> lang wird, nährt sich
+hauptsächlich von kleinen Krustern und zeigt sich in warmen
+Sommernächten unter vielem Geplätscher auch an der Oberfläche. In
+geräuchertem Zustande bildet sie eine hochgeschätzte Delikatesse und
+geht als solche in alle Welt hinaus. Das <strong>Blaufelchen</strong> (<i>Coregónus
+wartmánni</i>) ist der bekannteste Speisefisch des Bodensees und kommt in
+etwas abgeänderter Form (Traunseemaräne, Pfäffikonmaräne usw.) auch in
+anderen Alpenseen vor. In tiefen und kühlen Wasserschichten führen diese
+sehr geselligen Fische ein unstetes Wanderleben, indem sie den frei im
+Wasser schwebenden Kleintieren folgen. Zur Laichzeit drängen sie sich an
+geeigneten Stellen derart zusammen, daß sie sich gegenseitig den das
+Hochzeitskleid bildenden Körnerausschlag abreiben, der dann weithin den
+Wasserspiegel bedeckt. Nach dem Zeugnisse Vogts sollen sie beim Laichakt
+paarweise meterhoch aus dem Wasser herausspringen und dabei, Bauch gegen
+Bauch gekehrt, gleichzeitig Milch und Rogen fahren lassen. Der sehr
+lohnende Fang<a id="Page_92"></a>
+ <span class="pagenum">[92]</span> der Blaufelchen, die 1886 mit Erfolg auch im Laacher
+See eingebürgert wurden und sich dort schon stark umgebildet haben,
+erfolgt zur Laichzeit in großen Zugnetzen, sonst mit tiefgehenden
+Angelschnüren. In der Hauptsache auf Boden- und Ammersee beschränkt ist
+das kleinere, durch kurzen Leibesbau und deutlich gebogenen Rücken
+ausgezeichnete <strong>Kropffelchen</strong> (<i>Coregónus hiemális</i>) oder der <strong>Kilch</strong>. Von
+allen Renken ist diese Art der ausgesprochenste Tiefenfisch, so daß er
+bei raschem Heraufholen »trommelsüchtig« wird, indem die Schwimmblase
+sich infolge des plötzlich verminderten Atmosphärendrucks jäh ausdehnt,
+dadurch den Leib unförmlich auftreibt, die Eingeweide verschiebt und
+schließlich wohl gar den Leib mit lautem Knall zum Platzen bringt. Da
+der Kilch nur zur Laichzeit für wenige Tage in die Ufergewässer kommt,
+wissen wir über seine Naturgeschichte noch recht wenig, und auch sein
+Fang ist aus dem gleichen Grunde schwierig und wenig lohnend. Ganz das
+Gegenteil gilt vom <strong>Schnäpel</strong> (<i>Coregónus oxyrhynchus</i>), einem sehr
+wanderlustigen Gesellen, der wie der Lachs zum Laichen aus der Nord- und
+Ostsee truppweise in die Flüsse steigt, hier allerdings seine
+Wanderungen nicht so weit ausdehnt, wie jener. Dafür beginnt die junge
+Schnäpelbrut schon dem Meere zuzustreben, wenn sie kaum erst den
+Dottersack aufgezehrt hat.</p>
+
+<p>Als den Wolf in unserer heimischen Fischwelt könnte man den <strong>Hecht</strong> (<i>Esox
+lúcius</i>) bezeichnen. Wie jenes grimmige Säugetier ist auch er von einer
+unbändigen Raublust beseelt, wie jener erscheint er beständig vom Hunger
+geplagt und wagt sich dann an größere Geschöpfe, wie jener ist er der
+Schrecken aller friedliebenden Tiere in seiner Umgebung. Der
+langgestreckte, walzenförmige Leib mit der weit nach hinten gestellten,
+der Afterflosse gerade gegenüber befindlichen Rückenflosse, der
+charakteristische Alligatorkopf mit der entenschnabelähnlichen Schnauze
+und den niederträchtig blickenden, starren Augen, das Überwiegen der
+grünen Farbe auf dem Oberkörper, das ungewöhnlich scharf abgesetzte
+Schwanzende mit der tief gegabelten Flosse machen den Hecht sofort
+kenntlich. Während die große Mehrzahl der Hechte bei uns nur meterlang
+wird, werden doch nicht allzu selten auch Stücke von doppelter Länge und
+bis zu 35 <i>kg</i> Gewicht gefangen. Ja, es scheinen gerade bei diesem
+Fische wahre Goliaths vorzukommen. So berichteten die Tageszeitungen,
+daß im Juni 1908 im Ammersee durch den Wellenschlag eines Dampfers ein
+Hecht an den Strand geworfen worden sei, der nicht weniger als<a id="Page_93"></a>
+ <span class="pagenum">[93]</span> 60
+<i>kg</i> gewogen habe und ganz von Moos überzogen gewesen sei. Eine freilich
+nicht genügend verbürgte Überlieferung erzählt, daß ein im Jahre 1250
+von Kaiser Friedrich <i>II.</i> eigenhändig bei Kaiserslautern ausgesetzter
+und gezeichneter Hecht im Alter von 267 Jahren wieder gefangen worden
+sei und dann 175&nbsp;<i>kg</i> (?!) gewogen habe. Jedenfalls steht soviel fest,
+daß Wachstum und Gewicht beim Hechte außerordentlich verschieden sind,
+je nach der Ergiebigkeit seiner Jagdgründe. Erscheinen ihm diese nicht
+reichhaltig genug, so entschließt er sich oft zur Auswanderung und
+scheut sich dabei nicht, kleinere Hindernisse nach Lachsart zu
+überspringen. Seine Raubgier ist unermeßlich, sein Heißhunger
+unersättlich, seine Tollkühnheit verblüffend, seine Kraft und
+Schnelligkeit bewundernswert, seinem ganzen Wesen haftet etwas von der
+brutalen Gewalt verschollener Zeiten an. Man hat berechnet, daß er zu
+seiner Erhaltung wöchentlich so viel Fischfleisch benötigt, als er
+selbst wiegt, und daß er, um 1 <i>kg</i> Gewichtszunahme zu erzielen, 25 <i>kg</i>
+Fische verzehren muß. Wer selbst einmal Junghechte im Aquarium gehalten
+hat, dem werden diese Zahlen eher noch zu niedrig gegriffen erscheinen.
+So verzehrte ein nur 30 <i>cm</i> langer Hecht im Aquarium täglich 15
+Weißfischchen. Die Jagdweise des Hechtes ist ein heimliches
+Heranschleichen und plötzliches Losschnellen. Oder er liegt stundenlang
+fast bewegungslos auf der Lauer. Dabei gewährt sein gleichzeitig kühner
+und hinterlistiger Gesichtsausdruck dem Beobachter einen hohen Reiz.
+Jede Gemütsregung des Fisches verrät sich in seinen Stellungen, seinem
+Augen- und Flossenspiel. Sehr hübsche Beobachtungen hierüber hat der
+mehrfach erwähnte Ward gemacht. Bewegungslos liegt der Hecht im
+Rohrbett, mit dem Körper gerade auf dem Boden, gestützt auf die Flossen,
+alle Muskeln sind schlaff, nur die Rückenlinie zeigt schwache Bewegung,
+aber die flach anliegende Rückenflosse offenbart die seelische Ruhe des
+Tieres. Nur der gierige Blick des Auges verrät, daß der Hecht trotz
+alledem ständig auf dem Posten ist. Plötzlich, als ein sicheres Zeichen
+von Erregung, richtet sich die Rückenflosse auf und entfaltet sich, ohne
+daß jedoch die übrigen Flossen und der Rumpf in Tätigkeit treten.
+Augenscheinlich hat der Fisch in einiger Entfernung einen Lichtstreif
+entdeckt, als ein Weißfisch sich zur Seite wandte und so seine Gegenwart
+verriet. In dem Maße, wie er sich nähert, wächst die Erregung des
+Hechtes, was sich deutlich an weiteren Bewegungen der Rückenflosse
+erkennen läßt, die herüber<a id="Page_94"></a>
+ <span class="pagenum">[94]</span> und hinüber schwankt, sich öffnet und
+schließt wie ein Fächer. Endlich entschließt sich der Hecht zum Angriff
+und nimmt sogleich eine Haltung an, die deutlich seine Absicht erkennen
+läßt: er erhebt sich auf den Flossen, alle Muskeln spannen sich, und die
+Rückenlinie wird infolgedessen gerade wie ein Pfeil. Diese
+Angriffsstellung ist im Augenblicke unveränderlich, kann aber nur einige
+Sekunden oder höchstens Minuten beibehalten werden. Verschwindet nun der
+Weißfisch wieder, so entspannen sich des Hechtes Muskeln, und die
+Rückenflosse sinkt allmählich herab. Wenn aber das Opfer auch noch
+weiterhin sich nähert, so schnellt der Hecht, durch eine schraubenartige
+Bewegung seiner Schwanzflosse getrieben, hervor und gleitet nun langsam
+vorwärts, indem er hinterlistig jeder Bewegung des Beutefisches folgt.
+Schöpft der Weißfisch Argwohn, so hält der Hecht inne, und »hängt«
+bewegungslos im Wasser, zitternd vor Unruhe. Ist aber endlich die
+richtige Entfernung erreicht, so schnellt der Hecht plötzlich vor und
+packt den Weißfisch in der Mitte des Körpers. Nur ein kleiner Wirbel auf
+dem Wasserspiegel gibt der Außenwelt Kunde von dem Drama, das sich
+soeben abgespielt hat. Mit einer ruckweisen Bewegung der Kinnbacken
+wirft der Räuber sein Opfer herum und verspeist es mit dem Kopfe voran.
+Manchmal sieht der Hecht beim Belauern oder Nachschleichen aber etwas,
+das ihm mißfällt. Dann überkommt ihn der Zweifel: seine Muskeln werden
+schlaff, der Rücken biegt sich, und der Fisch hängt bewegungslos im
+Wasser, unausgesetzt den Gegenstand seines Argwohns betrachtend. Fühlt
+er sich wieder sicher, so wird er abermals steif und schnellt zum
+Angriff vor, will sich aber sein Argwohn nicht zerstreuen, so schleicht
+er sich sachte fort. Ist der Angriff etwa fehlgeschlagen, so verändert
+sich das Bild abermals völlig: mit gebogenem Rücken und zornig
+schnappendem Rachen sinkt der Hecht enttäuscht zu Boden. Was er einmal
+mit seinen nach hinten gerichteten Hechelzähnen (der aus Westdeutschland
+stammende Name Hecht dürfte mit dem Zeitwort »hecheln« zusammenhängen)
+gepackt hat, das läßt er so leicht nicht wieder aus. Manchmal kann ihm
+aber gerade die Art seiner Bezahnung zum Verhängnis werden, indem er
+einen in der Gier gefaßten, allzu großen Bissen nicht loszuwerden vermag
+und nun elend ersticken muß. Raublustig ist er auch bei vollem Magen,
+und selbst wenn ihm das Schwanzende des zuletzt verschluckten Fisches
+noch unverdaut aus dem Maule ragt, schnappt er schon wieder nach<a id="Page_95"></a>
+ <span class="pagenum">[95]</span>
+neuer Beute, wie die Erfahrungen der Angler sattsam beweisen. Alles ist
+ihm recht, nur vor dem Stichling hat er einigen Respekt, aber sonst
+schont er nicht einmal jüngere und kleinere Angehörige der eigenen Art,
+ist vielmehr ein ausgesprochener Kannibale. Bilden auch Fische der
+verschiedensten Art seine Hauptnahrung, so erjagt er doch auch im Wasser
+sich tummelnde Säuger, Frösche, sich badende oder trinkende Vögel, junge
+Enten und Wasserhühner, wo immer sich ihm Gelegenheit bietet. Nagender
+Heißhunger verleitet ihn bisweilen zu den unglaublichsten Taten und zu
+ganz zwecklosen Angriffen. So berichtet Wagener aus Irland, daß ein am
+Flusse trinkendes Kalb plötzlich laut aufschrie, und als man hinzueilte,
+fand sichs, daß ihm ein größerer Hecht an der Nase hing, den das
+erschreckte Tier 50 Schritte weit mit forttrug, worauf ein wohlgezielter
+Steinwurf den Räuber zur Strecke brachte. Verbürgte Fälle sind bekannt,
+daß Schwäne von Hechten am Halse gepackt, unter Wasser gezogen und
+ertränkt wurden. Am Badestrand zu Rossatz in der Wachau verspürte
+unlängst ein junges Mädchen einen heftigen und schmerzhaften Anprall an
+der Hüfte. Es zeigte sich, daß sie einen tief eindringenden Biß
+davongetragen hatte, der aus einer ziemlichen Anzahl nadelstichartiger,
+im Halbkreis angeordneter Wunden bestand, so daß kaum ein Zweifel
+obwalten konnte, daß ein gewaltiger Donauhecht der Angreifer gewesen
+war. Dieses Exemplar scheint also eine Vorliebe für »Backfische«
+besessen zu haben. Über einen ganz unglaublichen Vorfall berichtete
+kürzlich die Wiesbadener Zeitung: aus einem See bei Wollstein suchte ein
+neunjähriger Knabe Hechte zu fangen, wozu er ein Loch in die Eisdecke
+schlug. In demselben Augenblicke schnellte ein 16pfündiger Hecht empor
+und verbiß sich in dem Arm des Knaben. Dieser wurde später samt dem
+Hecht erfroren auf dem Eise aufgefunden (?). Fischzüchter pflegen Hechte
+in die mit älteren Karpfen bevölkerten Teichen einzusetzen, damit sie
+Leben in diese faule Gesellschaft bringen und die als
+Nahrungsmitbewerber auftretenden Weißfische wegfangen sollen. Doch ist
+dabei immer eine gewisse Vorsicht am Platze, und man darf die Hechte
+keinesfalls zu groß werden lassen, damit sie sich nicht als »Wolf im
+Schafstall« entpuppen. Seine schrankenlose Freßgier verurteilt den Hecht
+zur Einsamkeit, und nur zur Laichzeit sucht er seinesgleichen auf. Schon
+ganz zeitig im Frühjahr, wenn noch Eisstücke auf den Wassern schwimmen,
+schreitet er zur Fortpflanzung und begibt sich<a id="Page_96"></a>
+ <span class="pagenum">[96]</span> dann an die
+seichtesten Stellen, selbst in kleine Gräben und auf überschwemmte
+Wiesen, wobei er nicht selten seine Lust mit dem Leben büßen muß. Hier
+kann er sogar mit Pfeil und Bogen oder mit der Schrotflinte erlegt oder
+mit der Hechtgabel gestochen werden, was namentlich nachts bei
+Fackelschein recht lohnend ist, und wobei nicht selten beide Gatten
+gleichzeitig durchbohrt werden. Eigentlich ist diese Fangart verpönt,
+wird aber doch in Norddeutschland vielfach ausgeübt. Auch der Angler hat
+am Hecht seine Freude, da er in seiner blinden Raubgier fast jeden Köder
+annimmt. Obgleich das Hechtfleisch etwas trocken und ziemlich grätig
+ist, findet es doch viele Liebhaber, ja begeisterte Lobredner. Aus
+eigener Erfahrung kann ich versichern, daß die jungen »Grashechte«, wenn
+man sie oberflächlich in der glimmenden Asche des Lagerfeuers röstet,
+eine treffliche Mahlzeit abgeben, aber bezüglich der Riesenhechte halte
+ich es mit Marshall, der den Genuß eines solchen mit demjenigen eines
+wohlgespickten Nadelkissens vergleicht. Mittelgroße Hechte munden am
+besten, wenn sie wie Hasenbraten gespickt und gebraten und mit saurer
+Sahnensauce begossen werden.</p>
+
+<p>Der Riese unter unseren Süßwasserfischen ist der massige, ungeschlachte,
+dickköpfige, breitmäulige, mit zwei langen und zwei kurzen Barteln
+versehene <strong>Wels</strong> (<i>Silúrus glánis</i>) oder Waller, dessen Rückenflosse
+auffallend kurz, dessen Afterflosse dagegen ungewöhnlich umfangreich ist
+und dessen glatter und schlüpfriger Haut die Schuppen vollständig
+fehlen. Während der Bauch weißlich ist, hat der Rücken eine düstere
+Schlammfarbe, die in Anpassung an die Verstecke des mächtigen Tieres
+zwischen dem Wurzelwerk überhängender Ufer öfters in eigentümlich
+zerrissener Weise marmoriert erscheint. Hier liegt der Wels, der sich am
+liebsten in langsam fließendem Wasser mit reichem Pflanzenwuchs und
+morastigem Untergrunde aufhält, tagsüber in träger Ruhe und läßt
+lediglich seine Bartfäden spielen, um nach den dadurch angelockten
+Fischen zu schnappen. Er ist überwiegend Nachttier und ein ganz
+gewaltiger Räuber dazu. Bei seiner Größe (er wird über 3 <i>m</i> lang und
+bis zu 250 <i>kg</i> schwer) vermag er recht umfangreiche Bissen, wie Gänse,
+hinunterzuwürgen, und es ist durchaus keine Fabel, wenn man behauptet,
+daß sogar badende Kinder ernstlich durch ihn gefährdet werden können.
+Bei uns in Deutschland sind so große Welse freilich eine Seltenheit,
+zahlreich aber habe ich sie am Kaspi gesehen. Dort kamen die
+Fische<a id="Page_97"></a>
+ <span class="pagenum">[97]</span> Anfang April (alle mir zugänglichen Lehrbücher geben
+fälschlich Mai und Juni an) massenhaft zum Laichen in die flachen,
+rohrbewachsenen Uferbuchten, wo die Rogner ihre verhältnismäßig sehr
+kleinen und auch nicht übermäßig zahlreichen (etwa 20000) Eier, aus
+denen ein minderwertiger Kaviar gewonnen wird, an den Rohrstengeln
+abstrichen. Die fast wie Kaulquappen aussehenden Jungen schlüpfen schon
+nach acht Tagen aus. Während ich von dem für den Kaspi überall
+angegebenen Grundangelbetrieb nirgends etwas gesehen habe, sperrten die
+Fischer solche Buchten und Flußmündungen nach dem Eintreten der Welse
+mit großen und starken Netzen ab und trieben die Tiere durch Vorrücken
+derselben schließlich in einem Winkel zusammen. Auf kleinem Raum waren
+dann viele Tausende der mächtigen Fischleiber zusammengedrängt, und
+zwischen diesem wallenden Gewimmel fuhren die Tataren wagehalsig auf
+kleinen, schwanken Booten herum und harpunierten mit großen Stoßlanzen
+einen der gewichtigen Fische nach dem anderen heraus, um ihn dann mit
+gewaltigem Schwung an Bord des von Armeniern besetzten Fischkutters zu
+werfen. Oft mußten zwei oder drei Mann zugreifen, um die schweren Fische
+zu heben, und nicht selten geschah es dabei, daß sie trotzdem insgesamt
+das Übergewicht bekamen und in das aufspritzende Wasser mitten zwischen
+die geängstigten Fischriesen stürzten. Dazu der glührote Fackelschein,
+das Geschrei der aufgeregten Männer, das betäubende Gekreisch der
+unzähligen großen Möwen, die sich um die fortgeworfenen Eingeweide
+zankten, der gespenstige Anblick, den die auf dem Meer schaukelnden,
+abgeschnittenen und im unsicheren Mondeslicht wie Menschenhäupter
+aussehenden Welsköpfe boten &nbsp;&mdash;&nbsp; das alles vereinigte sich zu einem so
+eigenartigen Bilde, daß ich es nie vergessen kann. Einmal habe ich auch
+selbst am lichten Tage einen in der Nähe des Ufers schwimmenden Wels mit
+Vogeldunst erlegt, der auf den Schuß hin sofort die weiße Bauchseite
+nach oben kehrte. Das weiße, fette Welsfleisch, auf das ich dort
+vielfach zu meiner Ernährung angewiesen war, habe ich besser befunden,
+als seinen Ruf, und nur bei sehr alten Stücken schmeckt es etwas tranig,
+ist dann auch für einen verwöhnten Gaumen zu zäh. Eine gewisse äußere
+Ähnlichkeit mit dem Wels besitzt die freilich nur 60 <i>cm</i> lang und
+höchstens 8 <i>kg</i> schwer werdende, äußerst räuberisch veranlagte <strong>Quappe</strong>
+(<i>Lóta lóta</i>), auch Aalraupe oder Trüsche genannt. Walzenförmiger Leib,
+dicker Kopf, kleine Beschuppung und kurze Kinnbarteln<a id="Page_98"></a>
+ <span class="pagenum">[98]</span> bilden ihre
+hervorstechendsten Merkmale. Mit dem Wels hat sie an und für sich nichts
+zu tun, gehört vielmehr in die Verwandtschaft der weichstrahligen
+Schellfische, hat aber doch in der Lebensweise viel Gemeinsames mit dem
+Waller. Wie dieser ist sie ein ausgesprochener Nacht- und Bodenfisch,
+hält auch ähnliche Standorte ein, obschon sie mehr Wert auf reine
+Beschaffenheit des Wassers legt und deshalb hoch in den Gebirgsflüssen
+emporsteigt, wo dann Forellenbrut ihre Lieblingsnahrung bildet. Den
+geschmeidigen Leib schiebt sie mehr kriechend als schwimmend über den
+Boden hin, schießt aber blitzschnell durchs Wasser, wenn man sie durch
+Aufheben eines Steines aus ihrem Schlupfwinkel aufstöberte. Sonst sehr
+ungeselliger Natur vereinigt sie sich doch während der in die kälteste
+Jahreszeit fallenden Laichperiode zu wahren Knäueln. Steinbuch will
+beobachtet haben, daß während des Laichaktes eine innige Vereinigung
+beider Geschlechter stattfinde, die dabei durch ein von ausgeschiedenem
+Milchsaft gebildetes Band fest zusammengehalten würden, doch hat diese
+höchst auffällige Entdeckung eine spätere und einwandsfreie Bestätigung
+von anderer Seite meines Wissens bisher nicht erfahren. Die Quappenleber
+fand früher in der Arzneikunde Verwendung, und aus der Haut der
+zählebigen Tiere bereitet man in Sibirien nicht nur Kleidungsstücke,
+sondern sogar &nbsp;&mdash;&nbsp; Fensterscheiben. Das Fleisch wird sehr verschieden
+beurteilt, im allgemeinen aber wenig gewürdigt. Mit Unrecht! Es ist
+zart, fett, grätenarm und von eigenartigem Wohlgeschmack. Wer es richtig
+schätzen lernen will, der lasse sich von seiner Eheliebsten einmal die
+Nationalspeise der ostpreußischen Haffischer »bunte Fische«, bereiten.
+Verschiedene Lagen zerschnittener Kartoffeln wechseln mit ebensoviel
+Schichten Fischfleisch ab. Je mehr, desto besser! Wichtig ist, daß die
+unterste Schicht durch einen recht fetten Fisch gebildet wird, und dazu
+eignet sich die Quappe mehr als jeder andere, wenn sie auch im Notfall
+durch Aal ersetzt werden kann. Nach Beigabe des nötigen Wassers und
+unter Zufügung der üblichen Gewürze, schraubt man dann den Topf zu und
+läßt das Ganze nach Art des Pichelsteiner Fleisches dünsten, wobei sich
+der köstliche Fischgeschmack in die zerfallenden Kartoffeln zieht.
+<i>Probatum est!</i> Ab und zu wird in unseren Gewässern auch einmal ein
+Angehöriger der zu den Schmelzschuppern gehörigen Familie der <strong>Störe</strong>
+(<i>Acipénser</i>) gefangen, die durch ihren köstlichen Kaviar weltberühmt
+geworden sind, indessen betrachten wir diese<a id="Page_99"></a>
+ <span class="pagenum">[99]</span> eigenartige, mehr im
+Osten beheimatete Gruppe wohl besser erst im nächstjährigen
+Kosmosbändchen, das von den ausländischen Fischen handeln soll.</p>
+
+<div class="box1">
+
+<p class="center">
+
+<img src="images/image15.jpg" width="98" height="150" alt="" /> </p>
+
+<p class="caption"> Mundscheibe des Neunauges. </p>
+
+</div>
+
+<p>Sehr tiefstehende, aber in mehr als einer Beziehung hochinteressante
+Fische &nbsp;&mdash;&nbsp; wenn man sie überhaupt noch zu den Fischen zählen darf &nbsp;&mdash;&nbsp; sind
+die wurmförmig gestalteten, als »Rundmäuler« eine besondere Ordnung
+bildenden <strong>Neunaugen</strong>. Ihren Namen haben sie davon, daß man die sieben
+Kiemenspalten jederseits und das unpaare Nasenloch als »Augen«
+mitgezählt hat. Das Auffallendste an diesen, der paarigen Flossen
+entbehrenden Geschöpfen ist der rüsselförmig vorgestreckte Mund mit
+seiner kreisrunden Saugscheibe, von deren Gestaltung unsere Abbildung
+eine gute Vorstellung gibt. Will sich das Tier damit irgendwo ansaugen,
+so braucht es bloß den Zungenstöpsel zu heben, dadurch einen luft-
+bezgl. wasserleeren Raum zu schaffen und die Saugscheibe fest gegen den
+erwählten Gegenstand zu drücken. Es haftet dann so fest, daß man z. B.
+eine dreipfündige Makrele samt einem zehnpfündigen Stein, an den sie
+sich angesogen hat, aus dem Wasser heben kann. Die Neunaugen machen von
+dieser Fähigkeit namentlich auch während des Laichgeschäftes Gebrauch,
+indem sie oberhalb der Laichstelle ziemlich große Steine ansaugen, sich
+mühsam mit ihnen erheben und sich dann langsam und absatzweise von der
+Strömung bis zu dem Hochzeitslager treiben lassen. Beide Geschlechter
+beteiligen sich fleißig an dieser beschwerlichen Arbeit, und unsere
+größte Art, die <strong>Lamprete</strong> (<i>Petromyzon marínus</i>) schleppt dabei
+mehrpfündige Steine mit der Geschicklichkeit eines Ingenieurs fort, um
+sie schließlich zu einem Haufen von Armeslänge und 60 bis 80 <i>cm</i> Höhe
+aufzutürmen, in den dann das Weibchen seine Eier hineinlegt, während die
+ausschlüpfenden Jungen in den engen Zwischenräumen zwischen den Steinen
+und in deren Spalten selbst geeignete Schlupfwinkel finden. Beim
+Bachneunauge oder der <strong>Zwergbricke</strong> (<i>Petromyzon pláneri</i>) hat ein
+Aquarienfreund auch gesehen, daß sie sich im Bodensand aus Steinen
+förmliche Wohnröhren baute, in denen das lichtscheue Geschöpf tagsüber
+verborgen lag. Weiter dient die Saugscheibe den Neunaugen aber auch noch
+zum Nahrungserwerb.<a id="Page_100"></a>
+ <span class="pagenum">[100]</span> Bei der Lamprete und bei dem Flußneunauge
+oder der <strong>Pricke</strong> (<i>Petromyzon fluviátilis</i>) wenigstens ist es zweifellos
+festgestellt, daß sie eine teilweise parasitäre Lebensweise führen,
+indem sie größere Fische ansaugen, ihnen mit den Raspelzähnen ihrer
+Zunge Haut und Fleisch durchsägen und sich den Nahrungsbrei einpumpen,
+während bezüglich der kleineren und harmloseren Zwergbricke die
+Untersuchungen über diesen Punkt noch nicht abgeschlossen sind. Man hat
+schon Fische gefunden, die von Neunaugen buchstäblich in zwei Stücke
+zersägt waren. So vermögen sie zu furchtbaren Quälern und Feinden
+anderer Fische zu werden, zumal sie auch viel Fischlaich verzehren, der
+neben allerlei Gewürm ihre bevorzugte Speise auszumachen scheint. Gar
+nicht unwahrscheinlich ist es, daß sie sich von ihren beschuppten
+Reitpferden auch auf ihren Wanderungen gern ein Stück Weges tragen
+lassen, da sie selbst mit ihren schlängelnden Bewegungen nur mühsam
+größere Strecken zurücklegen können. Auf diese Weise dürfte auch das
+vereinzelte Vorkommen von Lampreten in Gegenden zu erklären sein, die
+sie sonst nicht aufsuchen, so im Oberrhein, wohin sie wahrscheinlich
+durch Lachse verschleppt wurden. Interessant ist die Entwicklung der
+Neunaugen, die ein Gegenstück zu derjenigen des Aales darstellt. Denn
+wie bei diesem entschlüpft dem Ei nicht das fertige Tier, sondern eine
+unfertige Zwischenform, eine Art Larve, die unter dem Namen »Querder«
+schon lange bekannt ist, aber früher für eine besondere Fischart
+gehalten wurde. Zeitweise findet man nur solche Querder in den
+Gewässern, da die alten Neunaugen bald nach Beendigung des
+Laichgeschäftes absterben. Der wurmförmige Querder ist blind, von
+schmutzig gelblicher Farbe, ohne Metallglanz, ohne getrennte Flossen,
+ohne richtige Saugscheibe und ohne Geschlechtsorgane. Im Schlamm und
+Moder, den er freiwillig kaum verläßt und von dessen verwesenden
+Bestandteilen er sich nährt, führt er ein höchst stumpfsinniges Dasein.
+Nur ganz allmählich und langsam geht die tiefgreifende, mehrere Jahre
+beanspruchende Verwandlung zum geschlechtsreifen Neunauge vor sich.
+Während die Zwergbricke das Süßwasser zeitlebens nicht verläßt, sucht es
+die sonst im Meer hausende Lamprete nur zur Laichzeit auf, und die
+Pricke pendelt zwischen beiden hin und her, scheint sich aber am
+liebsten im Brackwasser aufzuhalten. Sicherlich sind alle drei Formen
+aus einem gemeinsamen Grundtypus in Anpassung an diese verschiedenen
+Wohnorte hervorgegangen. Am zahlreichsten treten die<a id="Page_101"></a>
+ <span class="pagenum">[101]</span> beiden
+größeren Formen an unserem Ostseestrande und in den dort einmündenden
+Strömen auf, so namentlich bei Elbing, bei Memel und in den sich ins
+Kurische Haff ergießenden Strömen, und nur in diesen Gegenden hat ihr
+Fang in besonderen Brickensäcken wirtschaftliche Bedeutung zu erlangen
+vermocht. Die Feinschmecker in den genannten Städten warten aber mit
+großer Sehnsucht auf das Eintreffen der ersten Brickenfänger im
+Frühherbst. Ich erinnere mich, daß in Memel dieses frohe Ereignis durch
+einen Böllerschuß und das Aufziehen einer roten Flagge auf einer kleinen
+Strandkneipe <i>urbi et orbi</i> verkündigt wurde. Dann eilten alle
+Leckermäuler dorthin und ließen sich die im eigenen Fett frisch auf dem
+Rost gebratenen Neunaugen trefflich schmecken. Man darf aber des Guten
+nicht zu viel tun, da sie schwer verdaulich sind, und handelt weise,
+wenn man einen Kümmel draufsetzt. Leider lassen sich so geröstete
+Bricken nicht verschicken, und der Binnenländer, der sie nur als
+marinierte Fische kennt, hat keine Ahnung von ihrem köstlichen
+Wohlgeschmack. Leider nehmen diese Schmarotzerfische rasch ab, und ihre
+ganze Organisation weist ja schon darauf hin, daß sie eigentlich in ein
+früheres Zeitalter hineingehören. Gegenwärtig sollen jährlich nur noch
+etwa 5-6000 Schock in Ost- und Westpreußen gefangen werden, und demgemäß
+ist auch der Preis gestiegen. Leider ist es noch nicht gelungen,
+Neunaugen zu züchten und uns so vielleicht einen Weg zu zeigen, auf dem
+wir unseren Feinschmeckern diesen sonderbaren »Fisch«, dieses Wirbeltier
+ohne Wirbelsäule, wenigstens künstlich erhalten könnten. Hier läge eine
+ebenso lohnende wie wissenschaftlich interessante Aufgabe für
+biologische Versuchsanstalten vor.</p>
+
+<p>Der <strong>Maifisch</strong> oder die Alse (<i>Clúpea alósa</i>) mit dem tief gespaltenen
+Maul und den beiden merkwürdigen Flügelschuppen vor der Schwanzflosse
+kann uns zu der wirtschaftlich so hochwichtigen Gruppe der Heringe
+hinüberleiten, denn er läßt sich recht gut als der Hering des Süßwassers
+charakterisieren, und auch seine kleinere und etwas später erscheinende
+Abart, die Finte, verrät selbst dem Laien sofort ihre Zugehörigkeit zur
+großen Heringsfamilie. Auch der Maifisch verbringt den größten Teil
+seines Daseins im Meer und wandert nur zur Laichzeit in den Flüssen
+aufwärts, indem er sich mit seltener Pünktlichkeit an ihren Mündungen
+einstellt und dann in großen Scharen dicht unter der Oberfläche und mit
+vielem Gelärm, das durch fortwährende Schwanzschläge verursacht wird,
+sich aber wie<a id="Page_102"></a>
+ <span class="pagenum">[102]</span> Schweinegrunzen anhören soll, flußaufwärts zieht.
+So werden seine Wanderungen sehr auffällig und sind denn auch von jeher
+von den Fischern weidlich ausgenutzt worden. Zum Überspringen von
+Hindernissen entschließt sich dieser behäbige und phlegmatische Fisch
+aber nicht leicht, macht deshalb auch nur selten von den angelegten
+Fischleitern Gebrauch und fehlt daher heute schon vielfach wegen der
+vielen Wehre in Gewässern, wo er früher eine regelmäßige und gern
+gesehene Erscheinung war, wie im Main. Man sagt auch ihm nach, daß er
+während der ganzen Reise fasten soll, und jedenfalls sind die wenigen
+Maifische, die den Zähnen der Raubfische und den Netzen der Menschen
+entgingen und nach beendigtem Laichgeschäft wieder zum Meere
+zurückkehren, jämmerlich abgemagert und völlig erschöpft, so daß auch
+der sie mit Verachtung straft, dem im Frühjahr der feiste Fisch trotz
+seiner vielen Gräten als ein köstlicher Leckerbissen erschien. Dagegen
+soll der im Meere lebende Maifisch auch nichts wert sein, und es
+scheint, daß er erst eine Zeitlang Süßwasser kneipen müsse, um der
+menschlichen Tafel würdig zu werden. Bei der Rückkehr, die nach dem
+stolzen und geräuschvollen Frühlingseinzug anmutet wie die Rückkehr der
+großen Armee aus den Schneefeldern Rußlands, sterben viele vor
+Ermattung, und man sieht dann ihre Leichname oft massenhaft stromabwärts
+treiben. Leider wird auch dieser Fisch, der einst bei Speyer zu
+Tausenden mit Schaufeln dem Rhein entnommen werden konnte, bei uns immer
+seltener, wozu namentlich die Raubfischerei der Holländer beitragen mag,
+die die Rheinarme mit einer mehrfachen Netzwand ihrer ganzen Breite nach
+abzusperren pflegen, so daß der weitaus größte Teil der wandernden
+Fische schon hier ein frühzeitiges Ende findet.</p>
+
+<p>In richtiger Erkenntnis von der steigenden wirtschaftlichen Bedeutung
+unserer Süßwasserfischerei, die durch die Verunreinigung der Gewässer
+vielfach zurückgegangen war, sich neuerdings aber mit Hilfe der
+künstlichen Fischzucht wieder gehoben hat, haben die Regierungen während
+der letzten Jahre die gesetzlichen Vorschriften zu ihrer Erhaltung
+beträchtlich ausgebaut und erweitert, die auf Fischfrevel gesetzten
+Strafen bedeutend verschärft. So begrüßenswert das ist, muß doch der
+Naturfreund bedauern, daß man dabei im Übereifer vielfach über das Ziel
+hinausgeschossen ist und insbesondere der systematischen Vernichtung der
+Fischfeinde eine ganz übertriebene Bedeutung beigelegt hat. Wohin soll
+es z. B. führen,<a id="Page_103"></a>
+ <span class="pagenum">[103]</span> wenn, wie der neue preußische
+Fischereigesetzentwurf vorsieht, künftig der Fischer das Recht haben
+soll, ohne Rücksicht auf den Jagdinhaber fischfressende Vögel zu
+vertilgen und sogar ihre Nester zu zerstören? Dann wären wir auch die
+letzten Reste von Reiherkolonien u. dgl. bald los, für Eisvogel und
+Wasseramsel hätte die Todesstunde geschlagen, und die traurige Verödung
+unserer einst so reichen Natur wäre wieder um einen Riesenschritt
+weiter. Nein, gerade der Fischer, der den unerschöpflichen Reichtum des
+Wassers kennt, wie kein anderer, sollte auch die Wahrheit des alten
+Spruches erkennen: Raum für alle hat die Erde!</p>
+<hr />
+
+
+
+<h2><span>Register</span></h2>
+
+
+<p>Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine
+Abbildung im Text</p>
+
+<ul>
+<li>Aal <a href="#Page_21">21</a>, <a href="#Page_67">67</a>, *<a href="#Aal">69</a></li>
+
+<li>Aalleiter <a href="#Page_72">72</a></li>
+
+<li>Aalmutter <a href="#Page_67">67</a></li>
+
+<li>Aalraupe <a href="#Page_97">97</a></li>
+
+<li><i>Abramis brama</i> <a href="#Page_60">60</a></li>
+
+<li><i>Acerina cernua</i> <a href="#Page_28">28</a></li>
+
+<li><i>Acerina schraetser</i> <a href="#Page_27">27</a></li>
+
+<li><i>Acipenser</i> <a href="#Page_98">98</a></li>
+
+<li>Aland <a href="#Page_59">59</a></li>
+
+<li>Alandblecke <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li><i>Alburnus alburnus</i> <a href="#Page_61">61</a></li>
+
+<li><i>Alburnus bipunctatus</i> <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li><i>Alburnus mento</i> <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li>Alse <a href="#Page_101">101</a></li>
+
+<li><i>Anableps tetrophthalmus</i> <a href="#Page_37">37</a></li>
+
+<li><i>Anguilla vulgaris</i> <a href="#Page_67">67</a></li>
+
+<li>Äsche <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li><i>Aspius aspius</i> <a href="#Page_60">60</a></li>
+
+<li><i>Aspro streber</i> <a href="#Page_27">27</a></li>
+
+<li><i>Aspro zingel</i> <a href="#Page_27">27</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Bachneunauge <a href="#Page_99">99</a></li>
+
+<li>Bachsaibling <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li>Barbe <a href="#Page_21">21</a></li>
+
+<li><i>Barbus fluviatilis</i> <a href="#Page_21">21</a></li>
+
+<li><i>Barbus petenyl</i> <a href="#Page_21">21</a></li>
+
+<li>Barsch <a href="#Page_65">65</a></li>
+
+<li>Bartgrundel <a href="#Page_13">13</a></li>
+
+<li>Berschik <a href="#Page_27">27</a></li>
+
+<li>Bitterling <a href="#Page_39">39</a>, <a href="#Page_40">40</a></li>
+
+<li>Blaufelchen <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li>Blei <a href="#Page_60">60</a></li>
+
+<li><i>Blicca björkna</i> <a href="#Page_60">60</a></li>
+
+<li>Blikke <a href="#Page_60">60</a></li>
+
+<li>Brassen <a href="#Page_60">60</a></li>
+
+<li>Breitschädel <a href="#Page_17">17</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li><i>Carassius carassius</i> *<a href="#Karausche">55</a></li>
+
+<li><i>Chondostroma nasus</i> <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li><i>Clupea alosa</i> <a href="#Page_101">101</a></li>
+
+<li><i>Cobitis barbatula</i> <a href="#Page_13">13</a></li>
+
+<li><i>Cobitis fossilis</i> <a href="#Page_10">10</a></li>
+
+<li><i>Cobitis taenia</i> *<a href="#Steinbeisser">12</a></li>
+
+<li><i>Coregonus albula</i> <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li><i>Coregonus hiemalis</i> <a href="#Page_92">92</a></li>
+
+<li><i>Coregonus lavaretus</i> <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li><i>Coregonus oxyrhynchus</i> <a href="#Page_92">92</a></li>
+
+<li><i>Coregonus wartmanni</i> <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li><i>Cottus gobio</i> <a href="#Page_15">15</a>, *<a href="#Groppe">16</a></li>
+
+<li><i>Cyprinus carpio</i> <a href="#Page_48">48</a></li>
+</ul>
+
+
+
+<ul>
+<li>Darmatmung <a href="#Page_14">14</a></li>
+
+<li>Dickkopf <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li>Döbel <a href="#Page_58">58</a></li>
+
+<li>Donaulachs <a href="#Page_88">88</a></li>
+
+<li>Dünnbauch <a href="#Page_34">34</a></li>
+
+<li>Durstgefühl <a href="#Page_54">54</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Elritze <a href="#Page_57">57</a></li>
+
+<li>Entwicklung des Eis <a href="#Page_86">86</a>, *<a href="#Ei">87</a></li>
+
+<li><i>Esox lucius</i> <a href="#Page_92">92</a></li>
+</ul>
+
+
+
+<ul><li>Farbenblindheit <a href="#Page_38">38</a></li>
+
+<li>Färbung <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li>Farbwechselvermögen <a href="#Page_19">19</a></li>
+
+<li>Finte <a href="#Page_101">101</a></li>
+
+<li>Fischauge <a href="#Page_36">36</a></li>
+
+<li>Fischzucht, künstliche <a href="#Page_85">85</a></li>
+
+<li>Flußbarbe <a href="#Page_21">21</a></li>
+
+<li>Flußbarsch <a href="#Page_22">22</a>, *<a href="#Barsch">23</a></li>
+
+<li>Föhrchen <a href="#Page_84">84</a></li>
+
+<li>Forelle <a href="#Page_12">12</a>, <a href="#Page_15">15</a>, <a href="#Page_66">66</a>, <a href="#Page_81">81</a></li>
+
+<li>Forellenbarsch <a href="#Page_28">28</a></li>
+</ul>
+
+
+
+<ul><li>Gähnen <a href="#Page_10">10</a></li>
+
+<li><i>Gasterosteus aculeatus</i> <a href="#Page_42">42</a></li>
+
+<li><i>Gasterosteus pungitius</i> <a href="#Page_47">47</a></li>
+
+<li>Gefühlssinn <a href="#Page_32">32</a></li>
+
+<li>Gehörorgan <a href="#Page_29">29</a></li>
+
+<li>Geruchssinn <a href="#Page_35">35</a></li>
+
+<li>Geschmackssinn <a href="#Page_35">35</a>, <a href="#Page_36">36</a></li>
+
+<li>Giftwaffen <a href="#Page_20">20</a></li>
+
+<li>Glasaal <a href="#Page_71">71</a></li>
+
+<li>Glöckchen <a href="#Page_36">36</a></li>
+
+<li><i>Gobio gobio</i> <a href="#Page_56">56</a></li>
+
+<li><i>Gobio uranoscopus</i> <a href="#Page_57">57</a></li>
+
+<li>Goldfisch <a href="#Page_56">56</a></li>
+
+<li>Goldorfe <a href="#Page_59">59</a></li>
+
+<li>Greßling <a href="#Page_56">56</a></li>
+
+<li>Groppe <a href="#Page_15">15</a>, *<a href="#Groppe">16</a></li>
+
+<li>Grotzfisch <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li>Grundforelle <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li>Gründling <a href="#Page_56">56</a>, *<a href="#Grundling">57</a></li>
+
+<li>Güster <a href="#Page_60">60</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Hai <a href="#Page_6">6</a></li>
+
+<li>Hakenlachs *<a href="#Haken">77</a></li>
+
+<li>Hecht <a href="#Page_92">92</a></li>
+
+<li>Hochzeitskleid <a href="#Page_39">39</a></li>
+
+<li>Huchen <a href="#Page_88">88</a></li>
+
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Jahresringe <a href="#Page_80">80</a></li>
+
+<li><i>Ichthyophonus hoferi</i> <a href="#Page_84">84</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Karausche *<a href="#Karausche">55</a></li>
+
+<li>Karpfen <a href="#Page_7">7</a>, <a href="#Page_8">8</a>, <a href="#Page_48">48</a>, <a href="#Page_65">65</a></li>
+
+<li>Katzenhai <a href="#Page_6">6</a>, <a href="#Page_9">9</a></li>
+
+<li>Katzenwels <a href="#Page_35">35</a></li>
+
+<li>Kaulbarsch <a href="#Page_28">28</a></li>
+
+<li>Kaulhäuptlein <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li>Kaulquappe <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li>Kautzenkopf <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li>Kiemenapparate <a href="#Page_15">15</a></li>
+
+<li>Kiemenatmung <a href="#Page_14">14</a></li>
+
+<li>Kilch <a href="#Page_92">92</a></li>
+
+<li>Körper, »roter« <a href="#Page_54">54</a></li>
+
+<li>Kropffelchen <a href="#Page_92">92</a></li>
+
+<li>Kulheet <a href="#Page_17">17</a></li>
+</ul>
+
+
+
+<ul>
+<li>Lachs <a href="#Page_70">70</a>, <a href="#Page_75">75</a></li>
+
+<li>Lachsforelle <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li>Lamprete <a href="#Page_99">99</a></li>
+
+<li>Lauben <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li>Lederkarpfen <a href="#Page_48">48</a></li>
+
+<li>Legeröhre <a href="#Page_40">40</a></li>
+
+<li><i>Leptocephalus brevirostris</i> <a href="#Page_70">70</a></li>
+
+<li>Lernfähigkeit <a href="#Page_66">66</a></li>
+
+<li><i>Leucaspius delineatus</i> <a href="#Page_33">33</a></li>
+
+<li>Leuchtorgane <a href="#Page_19">19</a></li>
+
+<li><i>Leuciscus cephalus</i> <a href="#Page_58">58</a></li>
+
+<li><i>Leuciscus erythrophthalmus</i> <a href="#Page_59">59</a></li>
+
+<li><i>Leuciscus idus</i> <a href="#Page_59">59</a></li>
+
+<li><i>Leuciscus rutilus</i> <a href="#Page_59">59</a></li>
+
+<li>Lippfisch <a href="#Page_9">9</a></li>
+
+<li><i>Lota lota</i> <a href="#Page_97">97</a></li>
+
+<li><i>Lucioperca sandra</i> <a href="#Page_26">26</a></li>
+
+<li><i>Lucioperca volgensis</i> <a href="#Page_27">27</a></li>
+
+</ul>
+
+
+
+<ul>
+
+<li>Maifisch <a href="#Page_101">101</a></li>
+
+<li>Maiforelle <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li>Mairenke <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li>Makrele <a href="#Page_99">99</a></li>
+
+<li>Malermuschel *<a href="#Malermuschel">40</a>, <a href="#Page_41">41</a></li>
+
+<li>Maräne, große <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li>Maulbrüter <a href="#Page_9">9</a></li>
+
+<li>Mäusefresser <a href="#Page_58">58</a></li>
+
+<li>Meerforelle <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li>Messerkarpfen <a href="#Page_34">34</a></li>
+
+<li>Moderlieschen *<a href="#Moderlieschen">33</a></li>
+
+<li>Mühlkoppe <a href="#Page_17">17</a></li>
+</ul>
+
+
+
+<ul>
+<li>Nase <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li>Neunauge <a href="#Page_99">99</a></li>
+</ul>
+
+
+
+<ul><li><i>Osmerus eperlanus</i> <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li>Otolith <a href="#Page_29">29</a></li>
+
+<li>Oval <a href="#Page_54">54</a></li>
+</ul>
+
+
+
+
+<ul>
+<li>Panzerwels <a href="#Page_9">9</a></li>
+
+<li>Papst <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li><i>Pelecus cultratus</i> <a href="#Page_34">34</a></li>
+
+<li><i>Perca fluviatilis</i> <a href="#Page_22">22</a></li>
+
+<li><i>Petromyzon fluviatilis</i> <a href="#Page_100">100</a></li>
+
+<li><i>Petromyzon marinus</i> <a href="#Page_99">99</a></li>
+
+<li><i>Petromyzon planeri</i> <a href="#Page_99">99</a></li>
+
+<li>Pfaffenlaus <a href="#Page_28">28</a></li>
+
+<li>Pfäffikonmaräne <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li>Pfrillen <a href="#Page_58">58</a></li>
+
+<li>Phototaxis <a href="#Page_64">64</a></li>
+
+<li><i>Phoxinus laevis</i> <a href="#Page_57">57</a></li>
+
+<li>Plötze <a href="#Page_59">59</a></li>
+
+<li>Pricke <a href="#Page_100">100</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Quappe <a href="#Page_97">97</a></li>
+
+<li>Querder <a href="#Page_100">100</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Rapfen <a href="#Page_60">60</a></li>
+
+<li>Regenbogenforelle <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li><i>Rhodeus amarus</i> <a href="#Page_39">39</a></li>
+
+<li>Roche <a href="#Page_6">6</a></li>
+
+<li>Rotauge <a href="#Page_59">59</a></li>
+
+<li>Rotzkober <a href="#Page_17">17</a></li>
+
+<li>Rümpchen <a href="#Page_58">58</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul><li>Saibling <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li>Salm <a href="#Page_76">76</a></li>
+
+<li><i>Salmo fontinalis</i> <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li><i>Salmo hucho</i> <a href="#Page_88">88</a></li>
+
+<li><i>Salmo irideus</i> <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li><i>Salmo lacustris</i> <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li><i>Salmo salar</i> <a href="#Page_75">75</a>, <a href="#Page_76">76</a></li>
+
+<li><i>Salmo salvelinus</i> <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li><i>Salmo trutta</i> <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li>Schill <a href="#Page_26">26</a></li>
+
+<li>Schlafstellung <a href="#Page_8">8</a></li>
+
+<li>Schlammbeißer <a href="#Page_10">10</a>, <a href="#Page_12">12</a>, <a href="#Page_14">14</a></li>
+
+<li>Schlammgeschmack <a href="#Page_14">14</a></li>
+
+<li>Schlammpeitzker <a href="#Page_8">8</a>, <a href="#Page_9">9</a>, <a href="#Page_10">10</a>, <a href="#Page_12">12</a></li>
+
+<li>Schleie <a href="#Page_56">56</a></li>
+
+<li>Schmerle <a href="#Page_13">13</a></li>
+
+<li>Schnäpel <a href="#Page_92">92</a></li>
+
+<li>Schneider <a href="#Page_62">62</a></li>
+
+<li>Schneiderkarpfen <a href="#Page_39">39</a></li>
+
+<li>Schnelligkeit <a href="#Page_52">52</a></li>
+
+<li>Schrätzer <a href="#Page_27">27</a></li>
+
+<li>Schutzfärbung <a href="#Page_19">19</a></li>
+
+<li>Schwarzbarsch <a href="#Page_28">28</a></li>
+
+<li>Schwarzreiter <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li>Schwebeforelle <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li>Schwimmbewegung <a href="#Page_52">52</a></li>
+
+<li>Schwimmblase <a href="#Page_53">53</a></li>
+
+<li>Seeforelle <a href="#Page_89">89</a></li>
+
+<li>Seitenlinie <a href="#Page_31">31</a>, <a href="#Page_32">32</a></li>
+
+<li>Semling <a href="#Page_21">21</a></li>
+
+<li>Sichelfortsatz <a href="#Page_36">36</a></li>
+
+<li>Sichling <a href="#Page_34">34</a></li>
+
+<li>Silberforelle <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li><i>Silurus glanis</i> <a href="#Page_96">96</a></li>
+
+<li>Sommerschlaf <a href="#Page_7">7</a></li>
+
+<li>Spiegelkarpfen <a href="#Page_48">48</a></li>
+
+<li>Statolith <a href="#Page_29">29</a></li>
+
+<li>Stechbüttel <a href="#Page_43">43</a></li>
+
+<li>Steinbeißer <a href="#Page_9">9</a>, *<a href="#Steinbeisser">12</a></li>
+
+<li>Steingreßling <a href="#Page_57">57</a></li>
+
+<li>Stichling <a href="#Page_42">42</a>, <a href="#Page_66">66</a></li>
+
+<li>Stint <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li>Stör <a href="#Page_98">98</a></li>
+
+<li>Streber <a href="#Page_27">27</a></li>
+
+<li>Symbiose <a href="#Page_41">41</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul><li>Taumelkrankheit <a href="#Page_84">84</a></li>
+
+<li>Tastsinn <a href="#Page_32">32</a></li>
+
+<li><i>Thymallus vulgaris</i> <a href="#Page_90">90</a></li>
+
+<li><i>Tinca tinca</i> <a href="#Page_56">56</a></li>
+
+<li>Töne <a href="#Page_15">15</a></li>
+
+<li>Traunseemaräne <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li>Trüsche <a href="#Page_97">97</a></li>
+
+<li><i>Trutta fario</i> <a href="#Page_81">81</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul>
+<li>Uckelei <a href="#Page_61">61</a></li>
+</ul>
+
+
+
+<ul><li>Waller <a href="#Page_96">96</a></li>
+
+<li>Wanderung <a href="#Page_63">63</a></li>
+
+<li>Weißfisch <a href="#Page_7">7</a></li>
+
+<li>Wels <a href="#Page_96">96</a></li>
+
+<li>Winterschlaf <a href="#Page_7">7</a></li>
+</ul>
+
+
+<ul><li>Zahnkarpfen <a href="#Page_37">37</a></li>
+
+<li>Zander <a href="#Page_26">26</a></li>
+
+<li>Zicke <a href="#Page_34">34</a></li>
+
+<li>Zingel <a href="#Page_27">27</a></li>
+
+<li><i>Zoarces vivipara</i> <a href="#Page_67">67</a></li>
+
+<li>Zwergbricke <a href="#Page_99">99</a></li>
+
+<li>Zwergmaräne <a href="#Page_91">91</a></li>
+
+<li>Zwergstichling <a href="#Page_47">47</a></li>
+
+<li>Zwergwels <a href="#Page_9">9</a></li>
+</ul>
+
+
+
+
+
+
+<div class="boxad">
+
+
+<p class="noindent x-large cap">Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages!</p>
+
+<p>Zum Beitritt in den »Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde«, laden wir</p>
+
+<p class="center2 xx-large"> alle Naturfreunde</p>
+
+<p>jeden Standes, sowie alle <i>Schulen, Volksbüchereien, Vereine usw.</i> ein.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Außer dem geringen</p>
+
+<p class="center x-large"><i>Jahresbeitrag von nur M 4.80</i></p>
+
+<p class="center">(Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post
+Porto besonders.)</p>
+
+<p>= K 5.80 h ö. W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied keinerlei
+Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende <i>große Vorteile geboten: </i></p>
+
+<p class="smaller">Die Mitglieder erhalten laut § 5 als Gegenleistung für ihren
+Jahresbeitrag im Jahre 1913 <span class="strong1">kostenlos:</span></p>
+
+<p><span class="strong1">I. Die Monatschrift Kosmos, Handweiser für Naturfreunde. </span><span class="x-small"><i>Reich illustr.
+Mit mehreren Beiblättern (siehe S. 3 des Prospektes).</i></span></p>
+
+<p class="center x-small">Preis für Nichtmitglieder M 2.80.</p>
+
+
+<p class="strong1">II. Die ordentlichen Veröffentlichungen.</p>
+
+<p class="center x-small">Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.&nbsp;&mdash;&nbsp; pro Band.</p>
+
+<p class="indh4">Dr. H. Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.</p>
+
+<p class="indh4">Dr. Ad. Koelsch, Der blühende See.</p>
+
+<p class="indh4">W. Boelsche, Festländer und Meere.</p>
+
+<p class="indh4">Dr. K. Floericke, Einheimische Fische.</p>
+
+<p class="indh4">Dr. A. Zart, Atome, Moleküle und andere naturwissenschaftliche
+Hypothesen.</p>
+
+<p class="center x-small">Änderungen vorbehalten. (Näheres wird im Kosmos-Handweiser
+bekanntgegeben.)</p>
+
+
+<p> <span class="strong1">III. Vergünstigungen beim Bezuge von hervorragenden
+naturwissenschaftlichen Werken</span> <span class="x-small"><i>(siehe Seite 6 des Prospektes)</i></span>.</p>
+
+
+<p><span class="xx-large">&#9755;</span><span class="x-small"><strong>Jede Buchhandlung</strong> nimmt Beitrittserklärungen entgegen und
+besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die Geschäftsstelle des Kosmos in Stuttgart.</span></p>
+
+
+<p class="center strong1"> Jedermann kann jederzeit Mitglied werden.</p>
+
+<p class="center strong1">Bereits Erschienenes wird nachgeliefert.</p>
+
+</div>
+
+
+<div class="boxad">
+
+<p class="center x-large"> &#9552; Satzung &#9552; </p>
+
+<ul>
+
+<li class="smaller">§&nbsp;1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde auf geschäftlicher Grundlage) will
+ in erster Linie die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verständnis ihrer
+ Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten.</li>
+
+<li class="smaller">§&nbsp;2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die
+ Herausgabe eines den Mitgliedern kostenlos zur Verfügung gestellten
+ naturwissenschaftlichen Handweisers (§&nbsp;5); durch Herausgabe neuer, von
+ hervorragenden Autoren verfaßter, im guten Sinne gemeinverständlicher
+ Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie ihren Mitgliedern
+ unentgeltlich oder zu einem besonders billigen Preise zugänglich macht,
+ usw.</li>
+
+<li class="smaller">§&nbsp;3. Die Gründer der Gesellschaft bilden den geschäftsführenden Ausschuß, den Vorstand usw.</li>
+
+<li class="smaller">§&nbsp;4. Mitglied kann jeder werden, der sich zu einem Jahresbeitrag von M
+ 4.80 = K&nbsp;5.80 h&nbsp;ö.&nbsp;W. = Frs&nbsp;6.40 (exkl. Porto) verpflichtet. Andere
+ Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben sind,
+ erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann jederzeit erfolgen;
+ bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt ist gegebenenfalls
+ bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit alle weiteren Ansprüche an
+ die Gesellschaft erlöschen.</li>
+
+<li class="smaller">§&nbsp;5. Siehe vorige Seite.</li>
+
+<li class="smaller">§&nbsp;6. Die Geschäftsstelle befindet sich bei der <span class="strong1">Franckh'schen
+ Verlagshandlung</span>, Stuttgart, Pfizerstraße&nbsp;5. Alle Zuschriften, Sendungen
+ und Zahlungen (vgl. §&nbsp;5) sind, soweit sie nicht durch eine Buchhandlung
+ Erledigung finden konnten, dahin zu richten.</li>
+
+</ul>
+
+</div>
+
+
+<div class="boxad">
+
+<p class="center"> <span class="x-large strong1">Kosmos</span> </p>
+
+<p class="center x-large">Handweiser für Naturfreunde</p>
+
+<p class="center">Erscheint jährlich zwölfmal &nbsp;&mdash;&nbsp; 2 bis 3 Bogen stark &nbsp;&mdash;&nbsp;
+und enthält:</p>
+
+<ul>
+
+<li><span class="strong1">Originalaufsätze</span> von allgemeinem Interesse aus sämtlichen Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert.</li>
+</ul>
+<ul>
+<li><span class="strong1">Regelmäßig orientierende Berichte</span> über Fortschritte und neue Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft.</li>
+</ul>
+<ul>
+<li><span class="strong1">Auskunftsstelle &nbsp;&mdash;&nbsp; Interessante kleine Mitteilungen.</span></li>
+</ul>
+<ul>
+<li><span class="strong1">Mitteilungen über Naturbeobachtungen</span>, Vorschläge und Anfragen aus dem Leserkreise.</li>
+</ul>
+<ul>
+<li><span class="strong1">Bibliographische Notizen</span> über bemerkenswerte neue Erscheinungen der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur.</li>
+
+</ul>
+
+</div>
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Einheimische Fische, by Kurt Floericke
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK EINHEIMISCHE FISCHE ***
+
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+
+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
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+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
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+Literary Archive Foundation
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+
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+
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+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
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+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
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