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diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes new file mode 100644 index 0000000..6833f05 --- /dev/null +++ b/.gitattributes @@ -0,0 +1,3 @@ +* text=auto +*.txt text +*.md text diff --git a/39762-8.txt b/39762-8.txt new file mode 100644 index 0000000..b8cfb4f --- /dev/null +++ b/39762-8.txt @@ -0,0 +1,24069 @@ +The Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der deutschen +Seemannssprache, by Gustav Goedel + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache + +Author: Gustav Goedel + +Release Date: May 22, 2012 [EBook #39762] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH *** + + + + +Produced by Heiko Evermann and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was +produced from scanned images of public domain material +from the Google Print project.) + + + + + +[Zur Transkription: *Sternsymbole* bedeuten *fett* gedruckten Text des +Originals, _gesperrt_ gedruckter Text wurde mit _Unterstrichen_ +dargestellt. Varianten der Schreibweise und Interpunktion des Originals +wurden nicht angeglichen (Ausnahme: Waghenaer, "Spiegel der Zeewaerdt"). +Die im Druckfehler-Verzeichnis des Originals genannten Fehler wurden für +diese Transkription korrigiert.] + +[Transcriber's Note: Original *bold* text has been indicated by *star* +signs, _letter spacing_ is shown by _underscores_. Original spelling and +punctuation variations have not been been standardized except for title +and author of "Spiegel der Zeewaerdt" by Waghenaer. Errors mentioned in +the original "Druckfehler-Verzeichnis" (errata) have been corrected by +the transcriber.] + + +Etymologisches Wörterbuch + +der + +deutschen Seemannssprache. + +Von + +Gustav Goedel. + +Kiel und Leipzig. + +Verlag von Lipsius & Tischer. + +1902. + + + + +A. + + +*A.* + +Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur +Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschätzung +seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach +deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschätzung zu +wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefügt ([Symbol]), deuten also +schon den höheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch +näher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen +kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je höher die Nummer, +desto größer der Wert. Im Übrigen s. Schiffsregister. + + +*a. m.* + +heißt ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist dem +Seemann diese Bezeichnung so geläufig, daß er sie auch am Lande gerne +als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem zugleich, +die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die Zeit von +mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) näher zu +bestimmen. Es heißt dann a. m. nicht bloß vormittags, sondern auch +morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heißt +nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p. +m. nachts 10 Minuten vor zwölf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und +kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her. + + +*abandonniren*, + +von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein verunglücktes oder vom +Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen Prozentsatz der +Versicherungssumme _überlassen_ und sich aller Ansprüche darauf +begeben. Ein Wort, das wir zwar in französischer Form gebrauchen, das +auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem französischen Seerecht zu +uns herübergekommen ist, das aber seinerseits doch wieder von dem echt +deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein Gebot oder Verbot unter +richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit und deren Gebiet bedeutet, +entsprechend dem angelsächsischen bann, englisch bann, Bann, Acht, +Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon früh entlehnten die Franzosen +das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der Merowingerzeit, und +machten das altfranzösische bandon, Befehl, Jurisdiction, öffentliche +Verkündigung daraus; in Verbindung mit dem Präfix a und der Endung er +ward es zu dem neufranzösischen Zeitwort abandonner ausgestaltet, mit +seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen aber der Begriff verlassen, +aufgeben gemein ist. + + +*abgewinnen.* + +Es gilt für ein Zeichen besonderer seemännischer Tüchtigkeit, wenn es +dem Kapitän eines Schiffes gelingt, einem anderen die Luv oder den Wind +abzugewinnen, d. h. sein Schiff so geschickt zu führen, daß es näher, +höher, dichter an den Wind kommt als das andere. Zu Zeiten der +Herrschaft des Segels konnte dies für Kriegsschiffe in der Seeschlacht +von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als einmal geworden; +jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemännischen Ehrenpunkt. Das +andere Schiff ist dann »unter dem Winde« und hat die Luv verloren. Man +sagt auch: einem den Wind _abkneifen_. + + +*abdichten* s. kalfatern. + + +*Abendwache* s. Wache. + + +*abentern* s. entern. + + +*abfallen* s. abhalten. + + +*Abfahrtssignal* s. Blauer Peter. + + +*abflauen* s. flau. + + +*abfieren* s. fieren. + + +*abhalten* + +1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren (s. d.) +Wind erhält, also »die Richtung des Schiffes dergestalt ändern, daß der +Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben +gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fällt« (Roeding). Natürlich +kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von +achtern kommt; würde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann würde +Anluven daraus (s. d. und »Halsen«). + +2. überhaupt eine Kursveränderung vornehmen, ohne Rücksicht auf die +Windrichtung, auch auf Dampfschiffen, wenn es gilt auf ein Ziel, das +außerhalb der bisher gesteuerten Richtung lag, loszusteuern, z. B. +abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein treibendes Boot. Das Wort +abhalten führt uns in die ältesten Zeiten germanischer Schiffahrt +zurück, in denen man mit einem Riemen steuerte, den man frei in der Hand +hatte und hielt; daher steuern im Althochdeutschen auch haban, halten +hieß; abhalten also wörtlich: das Schiff von seiner alten Richtung ab in +eine neue steuern. + +Die Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst +*abfallen*, das Schiff fällt ab; was freilich auch manchmal ohne +Abhalten, d. h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern +geschehen kann. + +Abfallen ist fälschlich mit Abtreiben (s. d.) für eins gehalten worden. + +Die Friesen gebrauchen affalle in übertragenem Sinne. »Wie täusche ich +mich«: »Ho falt my dat af« (Halbertsma). + + +*abkleiden* s. kleiden. + + +*abkneifen* s. abgewinnen. + + +*ablandig*, + +von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort wird schon +im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung für die französische +Küste: »Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe Kenninge; dat +Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt«. »Item wille gy tusschen den +sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen wint, so mote gy +tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln uppe 6 offte 7 +vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode«. (Eine Kenning war in +jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders eine gute +Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges gemeint, drei +oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote Kenning gemeint +war. leyden heißt vorbeifahren). + + +*Ablenkung* s. Variation. + + +*ablegen*, + +gleichbedeutend mit *absetzen* im Sinne von: ein Boot mit einem +Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe +entfernen, daß man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und +anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die +allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklärung +gemäß, mit dem Boot, nie mit dem Schiff«. »Das Boot legt um 6 Uhr von +der Mole ab.« »Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab;« dabei ist die +für das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede +umgewandelt. Absetzen ist etwas gebräuchlicher als ablegen. + + +*abmallen*, + +auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stück Holz in eine +bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen sie +sich erst aus dünnen Brettern ein *Mall*, d. h. eine Art Modell. Nach +diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz +vor: das heißt ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das +Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck, +Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen. + +Mit dem weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl +kaum etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig, +unklug, töricht, verliebt, toll, verrückt, schlimm, schlecht u. s. w. + +Eine viel größere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen +Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten +und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist. +*Mallkante* der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem +Schnürboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst für die Bauausführung in +natürlicher Größe aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes +der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der +Spantenkanten wird das Mall angefertigt. + +*Gemallte Tiefe* ist die Tiefe eines Schiffes, welche gemessen, bezw. +berechnet wird um den Freibord (s. d.) festzustellen, oder die +Tieflade-Wasserlinie. Hier heißt mallen einfach messen. + +Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe läge, müßte man sich versucht +fühlen an das lateinische Wort für Maß modus zu denken, modulus, im +Altfranzösischen contrahirt zu molle; englisch mould. + + +*abmoien.* + +Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, Tante, +auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu bringende +Adjectiv *moi* scheint -- außer im seemännischen Gebrauch -- nicht über +Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es aber ganz +allgemein verbreitet und im Sinne von *schön* im Gebrauch; en moie meid +(holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer, schönes Wetter. +Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem Sprachgebiet durch frisches +Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein Bauer, der mühsam etliche +Schweine vor sich her trieb. »Dat is moier dan Swindriven,« meinte er +vom Radeln. + +Wenn das Wetter sehr trübe und stürmisch war und der Himmel wird klarer +(klart auf, siehe aufklaren 1.) und der Sturm nimmt ab, dann sagt der +Seemann »es moit ab.« Beide Begriffe, das Schönerwerden des Wetters und +das Abnehmen des Sturmes sind in abmoien sehr treffend vereinigt; +offenbar hat auf die Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi +gebildeten Zeitwort moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.) +des Windes eingewirkt. + +Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte Wort nach den +Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als Kenner weiblicher +Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, geschmückt, viel im Munde. + +Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die Natur schmückt, zusammenhängt, +muß bezweifelt werden. Das hat sich ein Dichter so zurechtgelegt; die +Sprache verfährt nüchterner. Hat doch »Wonnemonat« nicht einmal etwas +mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo nur die Herkunft aus dem +lateinischen majus, groß, hehr, ansehnlich, stattlich, übrig. + + +*abmustern* s. mustern. + + +*abreiten*, + +einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem Pferde zu +denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den hochgehenden +Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig stampfenden +und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses »reiten« +damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal sagt man +nicht bloß: »Das Schiff reitet einen Sturm ab«, sondern es reitet auch +bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker liegt. Sodann +müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten anginge, +niederdeutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von dem +niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein Schiff +liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um besseres +Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im Mittelniederdeutschen +gleich »vor Anker liegen«; wir würden also gut tun, größerer +Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu schreiben. +Althochdeutsch ritan. Das heißt übrigens nicht reiten in unserem +modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum anderen +bewegen, fahren zu Wagen oder *zu Schiff*, von einem Stamme rid mit dem +Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und so kommen +(wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das Reiten +auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben Ursprung +hinaus. Das Nähere unter Reede. + + +*abschaken* s. schaken. + + +*abschlagen.* + +1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben, +daß die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute +wegtreten können. + +2. Allgemein seemännisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im +Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein +Segel völlig von der Rahe loslösen und an Deck nehmen; das Gegenteil von +»ein Segel unterschlagen«. Der Gebrauch beider Wörter, wie auch von +Beschlag und beschlagen, erklärt sich aus dem unter *Schlag* Gesagten. + +3. = Abschnüren (s. d.) + + +*abschleppen* s. schleppen. + + +*abschlingern.* + +Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), daß von der Gewalt der +Schlingerbewegung ein Mast bricht und über Bord geht, so hat sich das +Schiff diesen Mast abgeschlingert. + + +*abschnüren.* + +(Vergl. abmallen und Schnürboden). Mit einer Meßschnur die Form und +Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im natürlichen +Maßstabe aufzeichnen. + + +*absegeln.* + +1. In See gehen. Ursprünglich von Segelschiffen gebraucht, erhielt es +die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird heutzutage in +diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine Segel führen. + +2. Einen Mast, gewöhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn +für die betreffende Windstärke zu viel Segel geführt werden oder wenn +bei plötzlich aufkommender Bö die Segel nicht schnell genug verkleinert +bezw. geborgen werden können. + +3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel +zurücklegen. + + +*abschricken* s. schricken. + + +*absetzen.* + +1. ein Boot s. *ablegen*. + +2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des Schiffes, an dem es sich nach der +Mittags- oder einer sonstigen Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.) +zur Zeit befindet, auf der Karte durch ein kleines Kreuz mit einem +Kreis darum ([Symbol: crosshairs]) bezeichnen. Setzen (Factitiv von +sitzen, urgermanisch aus der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch +sedere) verbunden mit ab, letzteres aus der Vorstellung heraus, daß das +Etmal, (s. d.) das abgesetzt wird, ein von der ganzen zurückzulegenden +Strecke abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist. + +3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber ähnliches +Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser +nicht nur oberflächlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun läßt, aus +den Decksplanken herausgedrückt und gepreßt wird, damit sie desto +rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf +Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht +unähnliches Stück Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war, +jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer +heißt. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberähnlichen +Gummiabsetzer. + +4. *Absetzdock* nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s. +d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend +konstruierte Helling abladen (absetzen) können, worauf sie dann sofort +ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch +depositing dock. + +5. Auf dem Schnürboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden +Schiffes in natürlicher Größe aufzeichnen. + + +*abstoppen*, Abstopper s. stoppen. + + +*abtakeln* s. takeln. + + +*Abtrift.* + +Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1. Viehweide, weil +man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben wird. 3. +Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von Schiffen und +Gütern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre 1565 sagt, +dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und guider der +hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines Schiffes an ein +anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man den anderen +anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift scal men +tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem Wasser +treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564: Jacob R. +sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se +beide thosamende drifftich gewurden unde inn grundt gedreuen weren. + +Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit Abfallen) ist zwar nicht so +schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift seiner schlimmsten Bedeutung +nach und nach verlustig gegangen ist und jetzt eigentlich nur noch den +Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch etwas Unangenehmes, weil nicht +genau Berechenbares dabei. Abtrift entsteht nämlich wenn ein Schiff beim +Winde segelt; dann kann die Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich +der Richtung des Kieles sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.), +nämlich nach der Seite hin abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher +bei Notierung des gesteuerten Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines +Kompaßstriches nach mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung +gebracht werden muß. + +Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee). + + +*abwracken*, s. Wrack. + + +*Ache*, die. + +Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die Ache, oft auch +der Achen, niederdeutsch ak und aak, französisch aque, acque. + +Früher hießen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so, in denen +der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am Rhein jedes +beliebige Ruderboot »Ache« nennen hören. In Ostfriesland heißt but-ak +ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von Lastschiffen +mit plattem Boden, eine »Kölnische« aak. Es ist unser allbekanntes +Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in seiner +Abstammung noch zweifelhaft. Kluge läßt die Verwandtschaft mit dem +lateinischen Worte navis, bezw. den Übergang des indogermanischen nav -- +in das germanische naq -- dahin gestellt. Doornkaat steht nicht an, +nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch vor +dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden sei. +Dann böte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen, eilen, +fließen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es wären +zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke und +der Schiffsname Schmacke erklärt, (ostfriesisch smak, holländisch smakk, +englisch, schwedisch smack) wovon französisch semaque, italienisch +semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, »ein Seeschiff oder +Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten sehr voll und +rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stück) hinten auf dem +Heck noch einen kleinen Besahn-Mast hat«. Dann wäre das Wort auch mit +dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch snake verwandt, +entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung. + + +*Achtknoten*, + +Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknüpft werden, ist +einem, der nicht in die Geheimnisse des »Splissens und Knotens« +eingeweiht ist, schwer verständlich zu machen. + + +*achter*, *achtern* + +steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des Hochdeutschen after, +*hinter*, *hinten*. Im Altniederdeutschen, z. B. noch im Heliand, hieß +es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach sich die +Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft und +Kracht, Graft mit gracht. + +Als Präposition, als Adjektiv, als Adverbium, stets bezieht sich achter +oder achtern auf das Hinterteil des Schiffes, allein oder in +Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten. *Achterebbe*, die letzte +Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit der Flut, kommen an der +Nordseeküste nachweislich schon um das Jahr 1400 vor. *Achtersteven* (s. +Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Duffläus zu finden, der puppis bald +mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald mit achtersteven +wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rückwärts bewegt weil die Segel »back« +(s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt: »wir segeln über +den Achtersteven«; wofür man auch sagen kann, »over stür«, oder noch +kürzer aber weniger fein »achterärs«, welcher Bezeichnung die alte +französische Redewendung culer ziemlich genau entspricht, um 1700 bei +Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt ächteraers für rückwärts +im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: »dat get ächteraers as de hane +krasset,« wie denn daselbst auch von einem, der zwei Fliegen mit einer +Klappe schlägt, gesagt wird: »vör bitt hä, ächter schitt hä«, von einem +Bauer hergenommen, der Birnenessen und seinen Behuf verrichten zu +vereinigen wußte. + +Die hintere Last (s. d.) im Schiffe heißt *Achterlast*; ist es hinten zu +schwer beladen, so ist es *achterlastig* (welches Wort man in der Gegend +von Groningen zur Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet). +Bekanntes Kommando: »Alle Mann *achteraus*!« wenn die Mannschaft eines +Kriegsschiffes sich auf dem *Achterdeck*, das sie nur dienstlich +betreten darf, versammeln soll. + +Auf größeren Schiffen hat der Kommandant außer einer mehr offiziellen +Vor- noch eine mehr private *Achterkajüte*. + +Edda: aptr, rückwärts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Beówulf: äfter, +darauf, nachher, zurück, in Folge; im Angelsächsischen blieb das f +unverschoben und ist so ins Englische übergegangen. + + +*Admiral*, der. + +»Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den man auff dem +Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen,« schreibt 1565 Leonhart +Frohnsperger, »Bürger zu Ulm«, in seinem Buch »Von Kayserlichen +Kriegßrechten etc. etc.: »Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem +fürgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt +sein, ein fürtrefflichen, erfahrnen, geübten, dergleichen der dazu von +hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem +Obersten über alle Schiff und Hauffen, zu Roß und Fuß, Geschütz, +Munition und was dern notturft mehr erheißt, haben, ordnen und dem +Kriegsvolck fürsetzen etc. etc.« Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein +bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See; +titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden: +Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit +dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors; +zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie +das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu +hissen. + +Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen +ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es bloß aus amir oder aus +amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heißt Befehlshaber zur See, +ersteres bloß Befehlshaber. Insofern wäre die Abstammung von +amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die älteste Form +des Wortes im Spanischen, das es uns übermittelt hat, almiraje *de la +mar* hieße, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus +amir-al-bahr entstanden wären, dann hießen sie ja schon allein für sich, +ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlaßt +sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar +hinzuzufügen, so folgt daraus, daß almiraje oder almirante für sich +allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus +amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch +annehmen kann, daß in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um +zu wissen, daß al-bahr = de la mar war. + +Zwar spricht wegen der Endung al in Admiral der erste Eindruck für die +Ableitung aus amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt +sich aber bei näherem Zusehen heraus, daß das al in der Endung mit der +arabischen Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten +Zeit der Übernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es +ist also nicht mit übernommen worden. Die Endung des Wortes hieß +vielmehr zunächst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich +hernach, offenbar in Anlehnung an die geläufigen Endungen von +commandante und imperante, ebenfalls in ante (almirante). Daß ein l +zwischen a und m gelangt ist, so daß zuerst der Anfang des Wortes so +lautete wie jetzt der Schluß, al, hat vielleicht in einer unbewußten +Huldigung an die arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber +kein allgemeines Bürgerrecht zu erwerben gewußt, nicht einmal im +Spanischen selbst, wo neben almirante sich immer wieder auch amirante +findet. + +In diesen beiden Formen ging das Wort auf die Wanderschaft. In der +Provence machte man amirat, dann amirant, daraus; im Altfranzösischen +amirant. In Italien nahm es zuerst die Form almiraglio an, assimiliert +in ammiraglio, ausgesprochen ammiralio. Nun ward es ins +Mittellateinische übersetzt: amiratus. Von hier aus erklärt sich die +Entstehung der Anfangssilbe ad. Man brachte amiratus mit admiror in +Verbindung, etwa mit dem Gedankengang, daß ein Admiral ein -- nicht etwa +wunderlicher, sondern bewundernswerter Mann sei, wie denn wirklich im +Jahre 1508 Admiral mit »ein wunderer des Meeres Oceani«, 1534 mit +»verwunderer des Meeres« übersetzt ward. Aus admiratus, wie das Wort nun +hieß, bildete man in Erinnerung an ammiraglio die weitere Form +admiralius, welche sich bequem an bekannte Wörter wie general und +official anpaßte; daraus ist endlich durch Wegfallen der Endung ius +unser heutiges Wort Admiral entstanden. + +Für die Abstammung aus dem bloßen amir spricht auch der Umstand, daß in +der Tat das Wort Admiral in seinen verschiedenen Durch- und +Übergangsformen nur im Allgemeinen zur Bezeichnung eines Befehlshabers, +ohne Bezugnahme auf die See, im Gebrauch war; der Fürst der Sarazenen +hieß so; der Emir von Babylon wird im 13. Jahrhundert in dem nach einer +altfranzösischen Quelle bearbeiteten Gedichte »Flore und Blancheflur« so +genannt; sogar der deutsche Kaiser zur Zeit der Troubadoure. Es wird +behauptet, durch die Sicilianer und Genuesen sei das Wort zu seiner +jetzigen Bedeutung gekommen, wie auch, daß es durch die Kreuzzüge aus +der Levante gekommen sei. Sicher ist, daß in Spanien 1246 Ramon Bonifaz +aus Burgos vom König Ferdinand dem Heiligen zuerst mit der Würde eines +almirante im Sinne von Seebefehlshaber bekleidet wurde. Er war also der +erste *Admiral*. Lange blieb daselbst die Admiralswürde bei dem Hause +Enriquez; später wurde der Infant Don Felipe damit bekleidet. + +In Frankreich wurde das Amt dem Florent de Varenne 1270 beigelegt. Bis +dahin hieß auch der Befehlshaber einer Flotte capitaine. »La Charge +d'Amiral supprimée en France l'année 1626 fut rétablie en faveur de M. +le comte de Vermandois l'an 1669, aiant été suppléée pendant cet +intervalle, par la charge de Grand-maître, chef et Surintendant de la +navigation et commerce de France qui demeura éteinte, par la mort de M. +le duc de Beaufort, arivée la même année 1669.« (Aubin). Im 18. +Jahrhundert war die höchste Admiralswürde bei dem Hause der Herzöge von +Penthièvre erblich unter dem Titel »Amiral de France,« »das ist +Generalissimus der Flotten und Vorsteher des ganzen Seewesens«. + +In den Vereinigten Niederlanden war der Erbstatthalter Admiraal +Generaal, die Würde war im Hause der Prinzen von Oranien erblich und +konnte selbst auf den weiblichen Stamm fallen. + +In England kommt admiral schon 1300 in Robert of Gloucester's chronicle +vor. 1632 ward der Posten eines Lord high admiral mit der +Kommandobefugnis über die ganze britische Marine geschaffen. Der Herzog +von York, der spätere König Jakob II., bekleidete ihn eine Zeit lang. +Sonst ist er selten besetzt gewesen. + +Im Mittelniederdeutschen hieß das Wort amiral, ammiral, ammeral, war +aber so wenig titelhaft, daß in den Tagen der Hansa ein und derselbe +Mann bald ammeral bald scypper = Schiffer genannt wurde. Bei Kilianus +(1548) sehen wir zwei Versuche, das Wort ameral zu erklären, neben +einander her laufen. Er übersetzt es einmal mit praefectus, dominus, +patronus, ohne von der See zu reden, und leitet es von dem uralten +deutschen Worte ambaht, ambacht = Amt ab, indem er Ammann, Amtmann als +Übergangsglied in Anspruch nimmt. Sodann aber übersetzt er es auch mit +archithalassus, praefectus maris, praefectus classis, und kommt richtig +darauf: arabice amir, rex, sive imperator. + +Beinahe sieht es so aus als ob dem Verfasser der »Durchläuchtigsten +Seehelden« noch etwas davon vorgeschwebt hätte, daß Admiral +ursprünglich, dem Arabischen entsprechend, nur einen Befehlshaber +überhaupt bedeutete, denn er berichtet, Sultan Soliman habe den +Chaireddin Barbarossa zum »See-Admiral« ernannt. Er hatte zwar zur See +keine Seide gesponnen, »der Groß-Herr hat ihn dennoch mit einem sehr +guten Gesichte empfangen (wol wissend, daß alles mehr dem abwechselnden +Glück, als seinem Versaumnuß, oder dem Mangel seiner Tapferkeit und +Anführung zuzuschreiben) und hat ihn in Vergeltung seines guten Willens, +und in Erkändtnis seiner Tapferkeit und Anführung, zum See-Admiral +gemacht« ... Über die Aufnahme des Wortes ins Hochdeutsche sagt Kluge: +»Erasmus Alberus und Dasypodius 1540 und Frisius 1541 kennen es noch +nicht; Amiral findet sich 1561 bei Maaler, 1570 bei Hadr. Junius +Nomencl., 1582 bei Golius Onomast., Admiral 1562 bei Crusius Gramm. +Schon Henisch 1616 bevorzugt die Form Admiral.« + +Der Merkwürdigkeit halber sei angeführt, wie weit man mit Erklärungen +vorbeihauen kann. Das Groot Nederduitsch Taalkundig Woordenboek von +Weiland schreibt, Admiral komme »van het oude ital. miraglio dat den +spiegel van het schip beteekent; dewyl hier vorheen de plaats des +bevelhebbers was, en hy zyn bevelen al miraglio gaf.« + +»Der Admiral« wird auch oft kurzweg gesagt, wenn man das Admiralsschiff, +das Flaggschiff meint. »Wir folgen im Kielwasser des Admirals.« +»Durchläuchtigste Seehelden«: »Die Schiffe waren: Amsterdam groß 400 +Last als Admiral, und hatte 237 Mann auf, 20 Metalline und eiserne +Stücken Geschütz. Delft der Vice-Admiral war gleichfalls 400 Last groß, +mit 242 Köpffen bemannt« ... + +Auch ist Admiral eine nicht nur im Scherze, sondern in vollem Ernste +dienstlich gebrauchte Bezeichnung für Pütze (s. d.) = Eimer. Sie stammt +offenbar noch aus der Zeit wo man statt Admiral noch Ammeral sagte und +statt Eimer Ammer. Wie leicht konnte ein scherzhafter Matrose darauf +verfallen, einmal statt ammer ammeral zu sagen, und das bürgerte sich +hernach so ein, daß niemand mehr etwas dabei fand; Eimer, Emmer, Ammer, +Ambar, amphora. + + +*Admiralität* + +hieß bis etwa vor zehn Jahren die oberste kaiserliche Marine-Behörde, +als Oberkommando und Verwaltung noch in einer Hand lagen, in der Hand +des »Chefs der Admiralität.« Die Behörde ist aufgehoben, nur der Titel +*Admiralitätsrat* ist geblieben. *Admiralitätsanker* s. Anker. + + +*Ahoi!* + +Der Ruf mit dem ein Schiff oder ein Boot angerufen wird, »Schiff ahoi! +Boot ahoi!« Man muß sich hüten tiefere Bedeutungen suchen zu wollen wo +keine sind. Das Wort ist eine einfache Interjektion, weiter nichts, +gebildet und gewählt von dem Bedürfnis weithin gehört zu werden. Im +Englischen heißt es to hail a ship. Das hat man wohl übersetzt: einem +Schiffe Heil zurufen; ist aber auch nur eine Interjektion und hat mit +Heil nichts zu schaffen. Niederdeutsch halen, anhalen; es ist im Grunde +dasselbe Wort wie das im Hochdeutschen so häufig gebrauchte holen. Das +heißt niederdeutsch auch halen. Die Bedeutung der zu Grunde liegenden +Wurzel ist: einen Ton oder Laut von sich geben; tönen, rauschen, lauten, +schreien, rufen, hallen, Hallo machen, durch Halloschreien jemanden +herbeirufen, näher kommen machen, also herbeiholen, man könnte sagen: +einen herbeihalloen. + +Auch der Ruf Gut Heil! oder All Heil! hat mit Heil nichts zu tun, +sondern ist eben nur ein Ruf, ein Zuruf, ein Gruß, eine Interjektion. +Ebenso der alte Schlachtruf der freien Friesen: »Eala fria Fresena!« +Auch hier hat man eala mit Heil übersetzen wollen, da es doch nur eine +Interjektion ist, wie die angelsächsische Übersetzung von Luc. VII. 14: +»Jüngling, ich sage dir, stehe auf!« mit »eala geonge aris!« beweist. + +Wird bei Dunkelheit ein auf ein Kriegsschiff zukommendes Boot mit ahoi! +angerufen und die Antwort lautet nein! nein! so ist kein Offizier im +Boot; ja! ja! so ist ein Offizier oder im Offizierrang Stehender +darinnen; wird der Name des Schiffes geantwortet, so ist der Kommandant +im Boot; heißt es: »Flagge«! so kommt ein Flaggoffizier (Admiral). + + +*Ahming*, die. + +Auch kurzweg die Ahm genannt, bedeutet dieses Wort das vorn und hinten +am Schiff angemalte Maß, welches den Tiefgang desselben anzeigt; beruht +nach Kluge auf mittellateinischem Worte ama, Gefäß, Weinmaß, griechisch +ame, lat. ama, Feuereimer. Im Mittelhochdeutschen wurde, wie in Mond, +das a zu o, daher das neuhochdeutsche Ohm. Im Mittelniederdeutschen hieß +es ame und bedeutete »das bei der Obrigkeit aufbewahrte (gewöhnlich +kupferne) Richtmaß, nach welchem die im Verkehr zu gebrauchenden +Meßgefäße geprüft und alsdann mit einem Zeichen ihrer Richtigkeit vom +Eichmeister versehen wurden«. Auch dieses Zeichen hieß ame; die +Thätigkeit des Eichmeisters amen; hochdeutsch ahmen; daher das Wort +*nachahmen*, das einzige von der Sippe, das uns in der Umgangssprache +geblieben ist und alle Tage gebraucht wird: »nach Maßgabe eines Musters +sich ähnlich ausdrücken oder betragen«. Dieses Nachahmen hieß lange Zeit +einfach ahmen. + +Das Wort Ahming ist in Gefahr durch »*Tiefgangsmarke*« verdrängt zu +werden; es wäre schade, man könnte dann auch ebenso gut +Ausschlammungs-Maschine anstatt Bagger oder Holzglättungsinstrument +anstatt Hobel sagen. + + +*»Alle Mann!«* + +Das Kommando demzufolge jeder an Bord, der an Manövern mit »Alle Mann« +oder an der »Alle Mann-Musterung« teilzunehmen verpflichtet ist, an +Deck, beziehungsweise an der ihm angewiesenen Stelle anzutreten hat, sei +es, daß das Manöver zur Übung geschehe, sei es, daß eine Bö so stark +einsetzt, daß ihr die Wache nicht gewachsen ist, daß ein »Mann über +Bord« fiel oder sonst eine Arbeit zu tun sei, die alle Hände (engl. »all +hands«!) erfordert, z. B. wenn ein Schiff auf einem Korallenriff +auffährt und nun alsbald die Bemühungen beginnen, wieder loszukommen; da +heißt es dann abwechselnd »Alle Mann an Steuerbord« und »Alle Mann +Backbord«, »Alle Mann voraus«, »Alle Mann achteraus«. + +Im Binnenlande rednerisch und dichterisch sehr oft, aber selten +seemännisch ganz richtig gebrauchte Wendung; oft hört man »Alle Mann auf +Deck!« sagen, was an Bord nicht gesagt wird, wo es bloß »Alle Mann!« +heißt, allenfalls noch: »Alle Mann auf!«, dann wird aber jedesmal +hinzugefügt: »Klar zum Manöver!« + + +*am Winde* + +segeln heißt so viel wie »beim Winde« segeln. Richtig am Winde liegen +oder beim Winde segeln heißt so steuern, daß bei richtiger +Segelstellung, bei welcher die unteren Segel etwas weiter angebraßt +werden als die oberen, der Wind so weit von vorne einkommt, daß das +Vorliek des Großoberbramsegels sich eben bewegt, oder, wie der Seemann +sagt, killt (s. d.), dann stehen die übrigen, niedrigeren und größeren +Segel alle voll Wind, weshalb auch beim Kreuzen das Kommando gegeben +wird: »Voll Segel halten« oder »voll und bei«. Wird zu hoch am Winde +gesteuert, so besteht die Gefahr, daß man »eine Eule fängt«, daß das +Schiff »durchdreht«. + + +*An Bord.* + +In dieser Wendung zeigt sichs besonders deutlich wie pars pro toto, +Bord für Schiff gebraucht wird. An Bord gehen, an Bord sein, sich an +Bord befinden, Bordkommando, Bordaufenthalt, Bordleben, Bordessen, +Bordkleidung u. s. w. Bei diesen und unzähligen anderen +Zusammensetzungen kann man für Bord Schiff einsetzen ohne den Sinn zu +ändern. Das Signal für diejenigen, die an Bord gehören, daß sie an Bord +kommen sollen, weil das Schiff in See zu gehen beabsichtigt, ist eine +blaue Flagge, genannt »*der blaue Peter*«. + + +*Anholen.* + +Wenn beim Bootssegeln beim Winde gesteuert werden soll, so muß der zu +Luvart sitzende Bootssteurer das Großsegelsschothörn (s. Schothörn) +möglichst nahe, oder wie der Seemann sagt möglichst hart, an sich +heranbringen; was geschieht, indem er die Großsegelsschot *anholt*. + +Bei Rahesegeln müssen, wenn vor dem Winde gefahren wird, beide Schoten +angeholt werden, damit das Segel möglichst steif steht und seine ganze +Fläche in möglichster Ausdehnung dem Winde darbietet. Schon Kilianus +(1547) hat das Wort, und zwar gebraucht er die Wendung: anhaelen het +seyl; aber er übersetzt das falsch mit stringere vela, es muß heißen +pandere vela. + + +*Anbrassen* s. brassen. + + +*Anker*, der. + +Lehnwort aus dem Lateinischen, ancora. Plinius schreibt die Erfindung +des Ankers den Tyrrheniern zu. »Aber schon die Griechen hatten +vervollkommnete Anker mit Armen und Zähnen daran, die in den Grund +fassen konnten«, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zähne genannt +wurden. Sehr früh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist +das Wort ins Deutsche übernommen worden, denn schon im »Béowulf« finden +wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ältere, einheimische Wort für +die Sache hieß im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die +Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der +Magellanstraße die Pescheräh-Frauen (die da alle Arbeit tun müssen) ein +Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines »verankern« +sah. Nach dem Bericht der ältesten Schriftsteller gebrauchten die ersten +Völker anstatt der Anker nur Körbe voller Steine und Säcke voller Sand, +die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die +Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke +gebundene Steine ins Meer, um sich damit festliegend zu machen, solcher +simplen Anker bedienen sich auch noch heutzutage manche Völker, bei +denen die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit ist«. Übrigens geschieht +solches auch bei anderen Völkern, man kann es selbst bei deutschen +Bootsführern oft genug sehen. + +Die althochdeutsche Form war ancher. Indessen scheint das Wort im +Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein, +wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000 +geschriebenen Übersetzung des Boëthius de consolatione philosophiae: +»anchorae daz sint suarin isen«. Das hätte nicht gesagt zu werden +brauchen, wenn man es als allgemein bekannt hätte voraussetzen können. + +Merkwürdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Lateinischen ist das +Wort weiblich, im Hochdeutschen männlich, der Seemann aber gebraucht es +gerne sächlich. + +Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Händen, +Spaten, Schaufeln oder Pflügen, der Ankerstock, durch das obere dünnere +Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schäckel d. h. der Röring. +(s. d.) + +Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren +Konstrukteuren: Admiralitäts- oder Normalanker, Inglefieldanker, +Hallanker, Martinsanker, Trotmannsanker, Smithanker, Porteranker, +Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schild- oder Minenanker, Dregganker. (s. +d.) + +Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker, +Warpanker, Rüst- oder Reserveanker, Not- oder Pflichtanker, (s. Pflicht) +Bootsanker. + +Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrücken, Baxterlagerung. + + +*Ankerboje*, die. + +Da das vor Anker liegende Schiff schwoit (s. schwoien), d. h. sich unter +dem Einfluß des Windes oder Stromes um seinen Anker herumbewegt, also +seinen Ort des Öfteren wechselt; da es aber nötig ist, stets zu wissen, +wo der Anker liegt, so wird ehe derselbe zu Wasser gelassen wird eine +Boje (s. d.) an ihm befestigt; die schwimmt dann über ihm auf dem +Wasser, zeigt seine Lage an und heißt Ankerboje. + + +*Ankerdobber*, der. + + +*Ankerflott*, das. + + +*Ankerkogert*, der. + +Alle drei Wörter bezeichnen einfachere Vorrichtungen mit demselben +Zwecke, der heutzutage hauptsächlich der Ankerboje zugewiesen ist, die +Stelle wo der Anker liegt kenntlich zu machen. + +*Dobber* ist ein schwimmendes Stück Holz, das seinen Namen daher hat, +daß es im bewegten Wasser stets in Bewegung ist, immer mit den Wellen +hin und her, auf und nieder geht. Im Ostfriesischen kommt das Wort in +der Form Dubber = Stößer vor, im niederländischen heißt das Zeitwort +dazu dobbern, ostfriesisch dubbern, Frequentativum zu dubben, zur Wurzel +dhu, sich heftig bewegen, gehörig. + +*Flotten* kommen gewöhnlich und hauptsächlich bei Fischernetzen vor. So +heißen die runden Holz- oder Korkstücke rings um das Netz herum, die es +flott (s. d.) d. h. schwimmend erhalten. + +*Kogert* dürfte mit Kogge (s. d.) zusammenhängen, sei es, daß etwa die +Kriegskoggen der Hansa zuerst solche Vorrichtung führten, sei es, daß +das Zeichen in Gestalt einer Kogge aus Holz oder Kork geschnitten war, +sei es, daß das Wort mit Kogge zusammen auf die Muschelgestalt +zurückgeht. Jedenfalls ist das Wort alt und stammt aus der Zeit der +Koggen, denn in dem »ältesten Stadt-, Schiff- und Landrecht Hamburgs« +steht die gesetzliche Verordnung: »unde licht enich anker sunder douwer +efte kogert, unde schade aff queme, den schall he half beteren.« (307,5, +herausgeg. v. Lappenberg, vergl. Schiller und Lübben, II, 513.) + + +*Ankergrund*, der. + +Die Stelle wo man zu Anker gehen kann. Wenn der Grund daselbst die +geeignete Tiefe hat, nicht zu weich (schliekig, s. d.) zum Festhalten +des Ankers ist, wenn er rein, d. h. ohne Klippen ist, so heißt er guter +Ankergrund. + +Es liegt auf der Hand, daß alles, was auf das wichtige Geschäft des +Ankerns Bezug hat, in der Gedankenwelt und demgemäß auch in der +gewöhnlichen Umgangssprache des täglichen Lebens der Seeleute und +Küstenbewohner auch am Lande eine große Rolle spielt. So ist der Anker +das Sinnbild der Hoffnung geworden, auch bei Binnenländern, so spricht +ein alter Seemann auch »am Wall«, daß er irgendwo vor Anker gehe, so +heißt es von einem ungeschickten Menschen, er sei wie ein Anker, der +immer ins Wasser komme und doch nicht schwimmen lerne und im Friesischen +(vergl. Halbertsma, Lex. Fris.) wird das Wort Ankergrund bildlich so +gebraucht: »Lien him nat; daer is nin ankergroun«, borg ihm nicht, er +kanns nicht wiedergeben. + +Im Mittelalter (Seebuch, 1400) sagte man: »dar is gud anckerholt«; ein +Grund, der den Anker gut »hält«. + + +*Ankern*, + +zu Anker gehen. Das ganze seemännische Ankermanöver wird damit +bezeichnet, von dem Kommando an: »Klar zum Ankern« bis zum Ausbringen +der Fallreepstreppe. Im Jahre 1400 ist im Niederdeutschen ancker setten +bezeugt, auch wohl kurzweg setten. Besonders auch Waghenaer, 1588, und +die »Beschriving van der Kunst der Zeevaerdt«, 1673, gebrauchen setten +oder setzen für ankern. + + +*Anlaufen* s. Anlegen. + + +*Anlegen.* + +Ein *Boot* legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute nicht, daß +sie anlegen im Sinne von »irgendwo ankommen«. Es wird im Gegenteil als +unseemännisch belächelt und höchstens einer Dame verziehen, wenn sie +fragt: »Legen Sie auch in Montevideo an?« schon weil man daselbst gar +nicht »anlegen«, sondern nur ankern kann. Wird ein Hafen vorübergehend +besucht, so heißt es ihn anlaufen; »wir laufen Singapore an«. Wenn man +den Bestimmungshafen nennen will, sagt man: »Das Schiff geht nach Rio« +... »ist unterwegs nach Newyork«, »ist bestimmt nach Kalkutta«, »segelt +(auch von Dampfern) nach, oder besser noch: *auf* Valpareiso, fährt auf +Yokohama«. Englisch: bound for ... und das kommt nicht etwa von to bind, +binden, so daß das Schiff mit gebundener Segelordre führe, sondern heißt +eigentlich boun. Das d ist angehängt entsprechend dem d in sound, von +sonus; isländisch buinn, von bua, bearbeiten, vorbereiten, fertig +machen, verwandt mit »Bauer«. + + Willing wie sought your shores, and hither bound + The port so long desired at length we found. + + Dryden. + +Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich +längsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder »macht fest« an einem +Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen +gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: »Das Schiff legt an *das* +Bollwerk an«, während ein Boot an *dem* Bollwerk, an der Treppe, an dem +Fallreep anlegt. + + +*Anliegen.* + +»Was liegt an?« Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe wie: +»Welcher Kurs wird gesteuert?« Nur wird erstere mit größerer Genauigkeit +und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne der +Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene Kurs +auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde segelt, +nicht immer möglich ist. Das Wort erklärt sich aus der Einrichtung des +Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und der an seinem +festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird. Der dem zu +steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen Kompaßscheibe muß +»anliegen« d. h. an dem Strich liegen, genau dem Strich gegenüber +liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff verbundenen Kompaßdose +angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt. + +Französisch: »ou as-tu le cap?«; wohin ist der Bug, der Schnabel, oder +wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet? + + +*Anluven* s. luv. + + +*Anmustern* s. mustern. + + +*Anracken* s. Rack. + + +*Anschlagen.* + +Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines allgemeinen +Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu »Klar Schiff«, zum +Gottesdienst. + + +*Ansegeln.* + +1. Das Ansegeln, die Eröffnung der Segeljahreszeit beim K. »Yachtklub« +zu Kiel. + +2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm +segelnd nahen. Früher sagte man »antun«, sich dem Lande nähern, in Sicht +von Land kommen, soviel wie: + + +*Ansteuern.* + +Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen daß die Karten ungenau sind +oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im Ansegeln einer +Küste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem Schiffe voraus, +das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man, weil dabei die +Wassertiefe festgestellt wird: *Antiefen*. + + +*Arbeiten.* + +Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darüber hat sich der +Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem Etatsvorschlag +für die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: »Das Schlimmste aber +ist, daß auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein vollendeter +Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur Nebenkraft +und selbst bei voller Bemastung und Takelung läßt sich die feinere +Segelführung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand steuert, daß +es, wie das Pferd der bloßen Führung am Halse, dem leisesten Winke +gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten Dampfschiff niemals +gründlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann ein toter, äußerlich +bewegter Körper, dem nicht er, sondern der stets mit scheelen Augen +angesehene Maschinist und der mißachtete Heizer gebieten, während ihm +sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit dem er bald durch eine +geistige Zuneigung verwächst. Und dies in jeder Schilderung des +Seelebens als sein innerster Kern, als sein höchster Reiz hervortretende +eigene Verhältnis, das es dem Matrosen notwendig macht, sein Fahrzeug +als Femininum zu denken und benennen, ist keineswegs bloß ein schöner +Flitter des Seeberufs: es ist von der höchsten praktischen Bedeutung, es +bildet ein Hauptfundament der Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der +Gehorsam und die Pflichttreue bis zur Wagnis des Lebens für die +Erhaltung des Schiffes bloß ein abstraktes Gebot. So seltsam sich eine +solche Hinweisung auf ein so feines und phantastisches psychologisches +Moment in Gesellschaft der trockenen Zahlen einer Budgetvorlage +ausnehmen muß, kann ich doch nicht umhin, es als einen Hauptgrund mit +geltend zu machen für die Notwendigkeit, baldmöglichst auch einige +Segelschiffe auf den Stapel zu stellen«. + +Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: »das Schiff +arbeitet«, d. h. es bewegt sich schwer in stürmischer See. Es liegt dann +auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Geräusche als +Seufzen, Ächzen und Stöhnen zu bezeichnen. + +Daß Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem +althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht +einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed +heißt, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e, +(angelsächsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu +starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflüge, liegende +Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht (»im +Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen«), allein ein +anderer Gedanke liegt näher: In uralten Tagen überließ der freie +Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das +mit altslovenisch rabu = Knecht, mit böhmisch rabota = Arbeit, +Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhängt, +leider nicht der Begriff freier, fröhlicher Mannesarbeit, sondern der +der seufzenden Knechtesarbeit, der Mühe, der Beschwerde, der Not, und +der ist auch in der Redewendung »das Schiff arbeitet« vorhanden. + + +*Armada*, die. + +Das spanische Wort für Kriegsflotte kommt meines Wissens im Deutschen +zum ersten Male vor in dem 1565 zu »Frankfurt am Mayn« erschienenen +Buche von Leonhart Frohnsperger: »Von Kayßerlichen Kriegßrechten +Malefitz und Schuldhändeln, Ordnung und Regiment« x. x., aus welchem ein +Abdruck der die Kriegsführung zur See betreffenden Abschnitte in der +Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemännischen Anmerkungen erschienen +ist. + + +*Arsenal*, das, + +aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und durch den +damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und Spanien zu uns +gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere Mittelmeerwörter. Werkhaus +erinnert an die eigentliche Bedeutung von Werft (s. d.). Nach Roeding +(1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem Namen Arsenal nicht allein +die Gebäude, in welchen alle zur Ausrüstung einer Flotte erforderlichen +Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die Werftstellen, wo solche +verfertigt werden, als Reepschlägereien, Segelmachereien, +Stückgießereien, Ankerschmieden, Bäckereien, Schiffszimmerwerfte u. s. +w. Er schreibt: »Die ältesten Arsenäle, wovon wir Nachricht haben, sind +diejenigen, welche der König Salomo anlegen ließ. Eins derselben befand +sich zu Joppe für seine Schiffe auf der mittelländischen See, und das +andere zu Eziongeber, welches für seine Schiffe auf dem Roten Meer +bestimmt war. Die Griechen und Römer hatten ebenfalls Arsenäle, wovon +der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und Frejus, am Pontus Euxinus, +am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid. lib VII. Sueton in August. +c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berühmteste von allen See-Arsenälen ist +jetzt das Venezianische, wo sogar Linienschiffe unter Dach liegen«. + + +*Auf und nieder*, + +ein der Seemannssprache -- auch im Holländischen (op en neer), Dänischen +(op og ned) und Schwedischen (up och ned) eigentümlicher, aber die Sache +sehr deutlich und anschaulich treffender Ausdruck für die Richtung in +der sich ein Gegenstand befindet, die wir senkrecht oder lotrecht +nennen, die Rahe ist »auf und nieder« (zum Aufhissen), der Anker ist +»auf und nieder«, d. h. er hängt frei am Krahnbalken, bereit entweder +fallen gelassen oder gekattet zu werden. (s. Katten). + + +*»Auf Riemen!«* + +Kommando beim Bootsrudern, veranlaßt die Bootsruderer, ihre Riemen mit +dem Blatt so hoch aus dem Wasser zu nehmen, daß sie in der Richtung der +Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen, und sie in dieser Lage, +genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das Kommando »Ruder an!« +kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt, teils als +Ehrenbezeugung für Offiziere, während für Kommandanten und +Flagg-Offiziere »Riemen hoch!« kommandiert wird, worauf die Riemen +senkrecht »auf und nieder« gehalten werden. + + +*Aufbänken.* + +Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf gebraucht wird, +die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder in Gebrauch zu +treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebänkt, d. h. klein +gemacht, dadurch daß man sie nicht über den ganzen Rost ausgebreitet +brennen läßt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank aufhäuft, doch so, +daß sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum vollen Brennen +gebracht werden können. + + +*Aufbrassen*, s. brassen. + + +*Aufduven*, s. lenzen. + + +*Aufentern*, s. entern. + + +*Auffangen*, + +greifen, fassen, festmachen (skr. pàça, Strick, weil dieser »faßt!«). +Die seemännische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose ist, aber +nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist das Wort +in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im Winde oder +von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau, das man zu +fangen, zu erhaschen suchen muß; das ist die erste Bedeutung von +auffangen. Aber zur Tätigkeit des Fassens gehört die des Haltens, daß +das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch +Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich +dann dahin erweitert, daß man auch nichtschlagendes Tauwerk auffängt; +wenn z. B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk +nicht im Wege sein und nicht naß werden soll, wird es aufgefangen, d. h. +zusammengebunden und hoch gehängt. Von hier aus ist der Begriff noch +weiter und zwar so ausgedehnt worden, daß auffangen ganz allgemein für +aufhangen gebraucht wird, so daß man, wenn die niederdeutsche Form +opvangen dem nicht entgegen wäre, auf den Schluß kommen könnte, es müßte +auffangen dasselbe wie aufhangen sein. + + +*Auffrischen* + +ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht, wenn es sagt: +»Der Maler frischt das Bild auf,« nur daß es hier transitiv gebraucht +wird, während es im Seemännischen intransitiv ist: »Der Wind frischt +auf«. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist, frisches Obst, +frisches Gemüse. »Es frischt auf« heißt also: es kommt ein neuer und +zwar stärkerer Wind auf, es fängt stärker an zu wehen. + + +*Aufgeien.* + +Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die Segel unter +die Rahen holen, damit sie festgemacht werden können. Das Wort kommt nur +in der Seemannssprache vor, niederländisch opgyen, schwedisch giga up, +dänisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien gegeben. + + +*Aufhissen*, s. hissen. + + +*Aufholen.* + +Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird schwerlich ganz +genau festgehalten werden können. Sie bedeuten beide dasselbe, nur der +seemännische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine, wo das andere Wort +anzuwenden ist. Im Allgemeinen muß jedoch gesagt werden, daß aufholen +sich -- von den Fällen, in denen es sich um einen *Aufholer* handelt, +abgesehen -- auf die allereinfachste Tätigkeit mittels eines +allereinfachsten Werkzeuges, nämlich eines schlichten Taues bezieht. +Wenn z. B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben werden soll, +so läßt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und dann *holt* +er ihn Hand über Hand *hinauf*; hier könnte man nicht von aufhissen +sprechen. Doch darf man darum nicht denken, daß einer immer oben ist, +wenn er »aufholt«; wenn z. B. irgendwo ein Aufholer geschoren ist, der +durch einen oben befestigten Block an Deck läuft oder eine Talje +darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafür kann +man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines +Stagsegels, Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim +Stückpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach +nur von aufholen, nicht von hissen sprechen. + + +*Aufklaren.* + +1. Gleich »sich aufklären«, hell werden, besser Wetter werden. »Es klart +auf«, es wird schön. 2., »Klar Deck« machen d. h. nach einem Manöver +wieder alles aufräumen, wegbringen was im Wege ist, und alles so in +Stand setzen, daß es zu einem neuen Manöver gebrauchsfähig ist. Das +Kommando heißt »Deck aufklaren«. 3., Überhaupt: Ordnung machen, +aufräumen. Siehe klar. + + +*Aufkommen*, + +eigentlich in die Höhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einfluß, Stellung und +Geltung kommen; neu auf der Bildfläche erscheinen und näher kommen; +seemännisch: »Das eine Schiff kommt dem anderen auf«, es fährt +schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte +Ruderlage kommen, überhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut +gehorcht: »es kommt vor seinem Ruder auf«. + + +*aufmachen*, + +in der Verbindung »Dampf aufmachen«, heißt Dampf erzeugen und bereit +halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen könne. Dampf +»aufmachen« kommt nicht etwa daher, daß ein Absperrventil aufgemacht, +geöffnet würde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem der +verlorene Sohn sagte: »ich will mich aufmachen und zu meinem Vater +gehen«; auch nicht wie man sagt »eine Ware hübsch aufmachen«, zurichten, +zurechtmachen, sondern »Dampf aufmachen« ist falsch geschrieben, es muß +heißen »»Dampf auf!« machen«, so wie man sagt »»Alle Mann!« machen« +oder: »wir machen »Anker auf!«« Das Kommando heißt: »Dampf auf«. Wenn +das ausgeführt ist, dann hat das Schiff »Dampf auf«. Man kann aber eben +so gut sagen »das Schiff liegt »*unter* Dampf««. Die Präposition »auf« +ist also nicht so genau zu nehmen; man könnte sonst an das Aufsteigen +des Dampfes beim Sieden des Wassers denken. + + +*Aufkreuzen*, s. kreuzen. + + +*Aufkrimpen*, s. krimpen. + + +*Aufscheeren*, + +vergl. *scheeren*. Wenn ein seemännisches Manöver zu Ende ist und »klar +Deck« gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk »aufgeschoren«, d. h. +zu neuem Manöver in Ordnung gebracht (s. aufschießen). Aufscheeren ist +also der Teil des Deckaufklarens, der sich auf das Tauwerk bezieht. Das +letzte Kommando z. B. beim Wenden war früher nicht »Klar Deck«, sondern +»Scheert auf die Taue«. + +Aufscheeren bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff +einholen, ihm längsseit kommen. + + +*Aufschiessen*, + +im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht gebräuchlich, kommt +vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend bewegen. Eine solche +Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei »Klar Deck« das laufende Gut +aufklaren, aufscheeren oder aufschießen. Man unterscheidet: mit der +Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in Scheiben, in Buchten aufschießen. + + +*Aufpentern.* + +Das was jetzt Krahnbalken heißt (und auf Kriegsschiffen auch bereits »im +Verschwinden gepeilt« wird) hieß früher Penterbalken: der vorn am +Schiffe außenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei auf und +nieder hängen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet, aber das +Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder vielmehr +Krahnbalken hängenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem +Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und +festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederländisch penn, ostfriesisch +penne, niederdeutsch penn heißt Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum +Festhalten, zum Festmachen. Davon dürfte das Zeitwort, das ja festmachen +bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t +vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje +gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein. + + +*Aufschricken*, s. schricken. + + +*Aufstoppen*, s. stoppen. + + +*Auftakeln.* + +Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemännisch zurüsten. Auch +in übertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der Seeleute, +Immermann im »Münchhausen« spricht von einem »ganz blümerant +aufgetakelten« Fräulein. Man erzählt sich einen Scherz, der von keiner +geringeren Stelle als von der allerhöchsten stammen soll. »Warum ist im +Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein männlicher +Schiffsname weiblich gebraucht (»die Moltke«)?« »Weil es so viel kostet +es aufzutakeln«. + + +*Auftun.* + +»Die Küste tut sich auf« heißt sie kommt in Sicht, bildlich gesprochen +wegen des allmählichen Höherkommens, Heraufkommens des angesteuerten +Landes; wohl auch im Gedanken daran, daß sich irgendwo eine vorerst dem +Auge noch nicht sichtbare Einfahrt öffnen, auftun wird. + + +*Auftoppen*, s. toppen. + + +*Auftuchen*, + +ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge +zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht +»aufgetucht« ist, so kann sie aufgetucht vorgehißt werden, um erst auf +ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort +auszuwehen. + + +*Aufziehen.* + +»Segel aufziehen« ist in der heutigen Seemannssprache nicht mehr +geläufig, man sagt dafür Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc., es +scheint aber früher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein, da +dieselbe in übertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet ist: +»Alle Segel aufziehen« um etwas zu erreichen, alle Minen springen +lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings: +etwas mit »Volldampf« betreiben. + + +*Auge*, das. + +Jede in ein Tau gemachte künstliche Schlinge, auch eine runde Öffnung in +einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher Augbolzen; +eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des Mastes liegt. +Immer ist die Erklärung aus der bildlichen Redeweise gegeben. Auch sonst +gebräuchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem Auge ähnlich sieht: +Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Würfel, Loch im Hammer für den +Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung; seemännisch bezeichnet es +eine kleine, runde Fensteröffnung; gastronomisch das was man gewöhnlich +Spiegeleier nennt. + +Augplatte und Augsplissung erklären sich hiernach von selbst. + + +*»Aus dem Ruder laufen«* + +ist eine in engem Fahrwasser, in Kanälen und Flußläufen sehr +gefährliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz aufgeklärte Erscheinung. +Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft) +sowohl bei Schraubendampfern als auch bei Raddampfern und Schleppzügen +und charakterisiert sich dadurch, daß ein seitlich der tiefen Fahrrinne +fahrendes Schiff plötzlich scharf nach der tieferen Seite des +Fahrwassers hinüberscheert und in dieser Bewegung auch durch Ruderlegen +hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort aufgehalten werden kann. +Fällt in diesem Fall nicht sofort ein Anker oder kann man der +Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen Schraubengang wirksam +entgegentreten, so läuft das Schiff in der Regel auf dem gegenüber +liegenden Ufer auf. Auch können unter solchen Umständen leicht +Kollisionen stattfinden. + + +*ausfahren.* + +1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich Ausreise, ein +Gegensatz zu Heimreise. + +2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an +Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend +eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill +festzumachen. Wird dasselbe dann weiter an einem andern Poller +festgemacht, so heißt diese Tätigkeit verholen. Über das Verholen eines +Schiffes s. verholen. + + +*Ausfracht*, s. Fracht. + + +*Ausguck*, der, + +nicht bloß seemännisch sondern auch sonst im Reich gebraucht für den +Ort, von wo aus einer Ausschau hält, für die Tätigkeit des Ausguckens +und für den Mann der ausguckt, (letzteres ähnlich wie der Posten, die +Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist das +Ausgucken nicht auf den Ausguck beschränkt, »sie hat sich schier die +Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten.« Die »Gucke« heißt in +Süddeutschland das Tuch, das die Mädchen und Frauen bei Feldarbeit so +weit über den Kopf gezogen haben, daß sie nur eben noch herausgucken +können. Der Ort hieß in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch +letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms). +Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heißt gucken lugen +und in der österreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg, +(s. Dabovich, nautisch. techn. Wörterbuch). + + +*Ausholer*, der, + +ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr mit dem etwas +ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so geholt, daß es +sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des Besansbaums ausdehnt, +ausbreitet, ausspannt. Auch der Klüver hat seinen Ausholer, das +Gegenteil des Klüverniederholers. Sogar der Klüverbaum kann einen +Ausholer haben, durch den er nach außen geschoben wird; hier vertritt +dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stängen Windreep heißt. + + +*ausklarieren*, s. verklaren und klar. + + +*auslegen.* + +Auf das Kommando »leg aus!« laufen die vorher aufgeenterten und bereit +stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die Rahe hinaus +und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Füße in die Pferde (s. +d.) stellend, den Rücken nach hinten, den Kopf und den Oberkörper nach +vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Händen festzuhalten, das +Gleichgewicht zu behalten. + + +*Ausleger* + +heißt ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum Ein- und +Ausholen; auf Wangerog utliger. + + +*Auslieger.* + +1. ein Schiff das »draußen« liegt oder fährt als Küstenwachtschiff. + +2. die eigenartige Vorrichtung der Südseeinsulaner bei ihren Booten, die +sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot +darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhütung des Kenterns. Durch +zahlreiche aus der Südsee mitgebrachte, von dortigen Fischern +verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt +geworden. + + +*auslothen* s. lothen. + + +*ausösen* s. ösen. + + +*ausscheiden*, + +aufhören mit einer Arbeit, aufhören zu reden u. s. w., ein sonst im +Deutschen in diesem Sinne ungewöhnliches Wort. Man sagt wohl »aus einer +Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden«, »einen Fall aus der +Verhandlung ausscheiden« u. s. w. »Ausscheiden mit Zeugflicken«, +»ausscheiden mit Deckwaschen«, »ausscheiden mit Unterricht« u. s. w. im +Sinne von aufhören ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache +gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, daß etwa ein Einzelner aus der +Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern daß das ganze +Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff +*trennen* der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen +trennen, so bedeutet das eben das Aufhören des Deckwaschens. Vergl. +*scheitern*. + + +*ausscheeren* s. scheeren. + + +*aussegeln.* + +1. in See gehen. + +2. ein Schiff aussegeln heißt schneller fahren als es, es ein- und +überholen (also mehr wie ihm »aufkommen«). Man kann auch den Wind +aussegeln, das müßte aber eigentlich ausdampfen heißen, denn es wird +gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel +Fahrt macht, daß der Wind nicht zu spüren ist, weil man vor ihm +herläuft. + + +*Aussenhaupt* s. Schleuse. + + +*Aussenschot* s. Schot. + + +*auswehen* s. auftuchen. + + +*Aviso*, der, + +engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca d'avviso, span. und +portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen, altital. viso, +provençalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht, Anzeige; also ein +Nachrichtenschiff. + + +*Axiometer*, der. + +Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitäns oder wachhabenden +Offiziers, ohne daß das Ruder sichtbar ist, doch ersehen werden kann, +wie dasselbe liegt, d. h. ob es *richtig* liegt, vom griech. axioo, ich +halte für wahr, für richtig. + + +*Azimuth*, der. + +Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem Mittagspunkt und dem +Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch as-semuta, die Wege. + + + + +B. + + +*Baas*, der. + +Seemännisch wird das Wort hauptsächlich in der Verbindung Heuerbaas +gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschäft betreibt, +unbeschäftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch Schlafbaas kommt +im seemännischen Sprachgebrauch vor für Quartiergeber oder Logiswirt. +Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen, was man im +Hochdeutschen einen »Kerl« nennt. Althochdeutsch faths, Herr, +Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schützen, +erhalten, wovon unser »Vater«. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn +»Meister«, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Flußschiffer, +Bootsmann. Bei Kilianus heißt das Wort baes, er sagt: »Sicambri regem +suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius, +ante Christum natum 284.« Dieffenbach: »mittellat. vassus = Diener; +daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener; +Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elevé, excellent. Daher +basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol. + + +*Back*, die. + +1. Der vorderste, erhöhte Teil des Schiffes. + +2. Ein Gefäß, rund, flach, aus hölzernen Dauben, von hölzernen oder +eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend; +als Eßback, Spülback, Speiback im seemännischen Gebrauch; sonst auch +noch Regenback, Wasserback. + +3. Adverbium. »Das Segel steht back«, d. h. der Wind füllt es von der +verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten. + +4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und +gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne, +nicht etwa nur wie Weigand zuerst fälschlich gemeint hat, »die linke +hintere Seite des Schiffes.« So genau der treffliche Mann in seiner +geliebten Wetterau Bescheid wußte, so fern lag ihm die See. Lebte er +doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift über eine zu gründende +preussische Kriegsflotte die denkwürdigen Worte gelassen aussprechen +konnte: »Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist.« ... Es ist +auch leicht zu verstehen und demgemäß zu verzeihen, daß dieser Irrtum +entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt: +»Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen« und daraus konnte ein +Fernstehender leicht »linke hintere Seite« machen. + +5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer +Eßback natürlich, gehören; besonders heißt aber auch noch Backschaft +derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambüse herbeischafft. + +6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwärts, sondern +rückwärts, backwärts läuft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der fürs +Segeln der allergünstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags, +also etwa in einem Winkel von 45° die Längsachse des Schiffes treffend. + +Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen +bedeutet, und zwar »sich biegend, krümmend bewegen.« Die gemeinsame +Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes, +Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich +ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach +kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt +das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als +»biegsame Stelle«, sondern eher als »gebogene«, runde Stelle). Im +Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der +Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch +bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche) +wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in +Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte, +die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu +Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von +Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der +Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa +auf und ab »enen baken« zur Beköstigung haben solle. + +Im Angelsächsischen finden wir die Form bäc = dorsum und bäcling = +retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die +Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im +Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken: + +Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist +vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der +Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein +Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes. +Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem +Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier +fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; »hier bin ich +Mensch, hier darf ichs sein«, wenigstens in der Freizeit. + +Zu 2. »Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken«, soll, als +seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten +Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er +soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des +Unverständnisses entgegengenommen haben. »Backen und Banken« ist das +Kommando, daß man am Kürzesten mit »Tischdecken und Auftragen« +übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt +gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin +der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren, +heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die +»Backschaft« mit der »Back« zur Kambüse gehn und das Essen holen soll. +In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut +sie konnten zum Essen um ihre »Back« gruppieren. Als die Tische +aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen +ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch +einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern +Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes +bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige +Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt +das eine Mal ganz richtig bak mit »alveus, linter in qua coquus cibum +nautis offert«, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: »Kom oan'e +bak« mit: »accedite ad mensam!« Auch sonst wohl wird im Holländischen in +Anlehnung an die Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. »Van de bak +noa't gemak is's menschen gerak.« (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt man +im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert Jahren +daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es +französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, »ceux qui +mangent à même plat«, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando +»Banken« ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen +Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und +portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern +auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier +und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei +gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist +deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei, +banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich »Bänke zum +Gelage zurüsten«; mittelhochdeutsch benken: »Hie ward gebenket schone, +tuoch unde brot uf geleit.« + +Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer +auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird, +wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne +daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts +gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak. + +Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort, +namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei +große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord +bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich +doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord +oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand, +Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter, +Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar +Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der +rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den +Mann am Ruder: »Backbord!« Wir müssen daher fragen, was das Wort +bedeutet und wie es aufgekommen ist. + +Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: »De stuurman heeft de +roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert, heeft hy dus hes +linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.« Darauf +antwortet aber ein anderer treffend: »Neen, de sturman heft de roerpen, +nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen +of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord +en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.« So weit ist das richtig. Aber +im Weiteren irrt auch er. »Volgens eene vry algemeene overlevering is de +vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De +stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van +het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te +schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.« +Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: »Een stuurman met de +regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de +hand te kunnen eten.« Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die +Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung +zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung, +jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in +Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob +die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären! +Nein, -- sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen +und mit einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer +Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes +nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im +Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in +beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten. +Dabei mußte sich der Leib, -- nicht der Kopf, denn der war mit dem +Gesicht auf den Bug gerichtet, -- ganz dem Bord, über den gesteuert +ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem +entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die +zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die +Bordwand angelehnt. + +Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400) +vor. »Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben +an backbort van eme«. + +Der 1475 in Cleve erschienene »Teuthonista« hat nur bak im Sinne von +Gefäß, capisterium, »eyn muede oder eyn trog, do die pherde +uss +essent.« + +Cornelius Kilianus Duffläus im Dictionarium teutonico-latinum von 1548 +hat backbord zwar, gibt aber eine kindliche Erklärung: »navigii sinistra +pars, pars navigii quae furnum et focum continet«, also am Backbord sei +der Backofen und der Herd gewesen. + +Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche Übersetzung des +23. Psalms den fünften Vers (Luther: »Du schenkest mir voll ein«) +wiedergibt mit: »Du givst mi een ganz bak vul.« + + +*Backen und Füllen*, + +ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer Zeit des Dampfes und +der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das aber doch dem +Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen bringt, indem er +sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen Revier oder ein +sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser hindurchbringen kann, +vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die Wassertiefe, die +Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht darin, daß man die +Segel abwechselnd »back« (s. d.) kommen läßt und dann wieder so braßt, +daß sie voll Wind werden. + + +*Backstag*, das, + +ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die Wanttaue sind, +dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu Festigkeit zu geben. +Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden Seiten durch die Nocken +der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es befestigt wird. Da Klüverbaum +und Rahe einen rechten Winkel bilden, so sind sie die beiden Katheten +des rechtwinkligen Dreiecks und das Backstag ist die entsprechende +Hypotenuse, die in einer Richtung verläuft, die auch da, wo sie mit dem +Backstag garnichts zu tun hat, doch »*backstags*« genannt wird, z. B. +sagt man: »es weht eine *Backstagsbrise*« d. h., der Wind kommt in +derselben Richtung auf die Segel zu, wie das Backstag von der Nock der +blinden Rahe auf den Kopf des Klüverbaumes; also in der +vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben kann. + + +*Badegast*, der. + +So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse genannt, welche weder +Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure, Pfarrer, Zahlmeister +etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen beizulegen? Es ist vermutet +worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges Leben führen. Es mag ja sein, +daß wohl ein Offizier, der nachts auf die stürmische Wache muß, denkt +und sagt: ja, diese Herren, die haben es gut, die brauchen nicht vier +Stunden auf der Kommandobrücke zu stehn, die führen das reine Badeleben. +Aber der Ursprung des Wortes ist doch ein ganz anderer. Das Wort hieß +früher nicht Badegast, sondern Badequast, und dieses diente als +Bezeichnung von Leuten, die nicht gern kämpfen wollten, und von diesen +ist es übertragen auf solche, die überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt +und berufen sind. + +Das Wort muß sprachlich und geschichtlich erklärt werden. + +Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast +oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden, +wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat +solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der +Blöße. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte +oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und +Anregung ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit nannte man quästen oder +questen. Gustav Freitag erzählt eine Geschichte aus der Selbstbiographie +des 1520 geborenen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow. Der +hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da +sprach dieser: »Habt ihr gebadet, so muß ich euch *quästen*;« dabei +ergriff er die Rute, warf dem Söhnlein die Kleider über den Kopf und +lohnte ihm nach Verdienst. + +Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch queste, Büschel von Reisig, +Laubbüschel, Wedel zum Fegen und Kehren, also unser heutiges »Besen«; +badequeste, badekoste, Badewedel, Badeschürze. Die das »Questen« +besorgende Bademagd, die auch riberin, die Reiberin, hieß, war nicht +immer die allertugendhafteste, so daß das Wort bald einen zweideutigen +Sinn erhielt. + +Questenbinder = Besenbinder. Irrtümlicherweise wird das Wort Quast +heutzutage sogar für Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars +Volkssagen von einem alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe +Questenberg am Harz erzählt. + +Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen für Tannenzweige vor. +Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu +für balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel, +Kleiderbürste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig. +Dänisch Kost, Laubbüschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches +Wörterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum +Scheuern. Quast heißt heutzutage in der Seemannssprache jedweder Pinsel, +insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort aber auch +am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in Gebrauch ist. +Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stück Land das Theerquast heißt, +weil der frühere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit dem Theerquast ins +Gesicht geschlagen hat und für diesen Frevel das Stück Land zur Strafe +hergeben mußte. + +Geschichtlich. Das Wort ist ursprünglich ein Schimpfwort gewesen; es lag +der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in +zahlreichen Urkunden, daß besonders die Lübecker mit diesem Worte +verhöhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung +eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen +wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes »Waschlappen« denken, +welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der übertragenen +Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die +Lübecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen +Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427 +hatten sich die Hamburger und Lübecker verabredet, daß ihre Schiffe sich +zum Kampfe wider die Dänen im Belt versammeln sollten. Es war ein +bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit +nun die befreundeten Hamburger und Lübecker sich auch im Gewühl einer zu +erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen könnten, verabredeten sie +ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein »achter up de +compannien« steckender *Badequast*, also ein Besen, wie sie ja auch zur +Bezeichnung des Fahrwassers an den Küsten ausgesteckt werden. + +Aber die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lübecker. +Und da die Dänen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da +diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lübecker zu warten. +Als es zwischen Dänen und Hamburgern bereits heiß herging, erschienen +endlich auch die Lübecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand, +dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schuß, und machten, anstatt +tapfer in den Kampf mit einzugreifen, daß sie wieder in ihre Trave +kamen; »do se auerst segen, dat de sake so stunt, *steken se den +badequast hynder* und leden dragen na der Trauen; und worden de +Hamborger gefangen und ore schepe genamen.« Wer will es ihnen da +verdenken, daß sie auf die Lübecker wütend waren, und sie nicht grade +sehr liebenswürdig und schmeichelhaft an jene Badequäste erinnerten? Und +obwohl bald darauf, 1431, die Lübecker durch die Einnahme von Flensburg +jene Scharte glänzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname +leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre +1511 »stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat +lubsche wapent, mit roden.« »Ein anderer schipper kerede den lubschen +arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit +questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lübschen tho hone +undt tho spotte.« + +Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen für einen, der sich um die +aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drückte, oder überhaupt an einer +Schlacht. In einem alten Spottverse heißt es: + + Vord an bist ein wundderlich gast, + Du sleist hinder na mit Philippes badequast, + Nener logen deistu di schemen, + Du segst, do id scholde an ein drepend gan + Do fund man de heren hinder dem busche stan, + Dat mag di wol hebben gedromed. + + In einem anderen: + + Ok Bokelen fast + Du den badequast + Nu forest in dinem schilde, + Dar na bestan + Du woldest han + Den vor Marien bilde. + +Von hier bis zu Leuten, deren Beruf die Führung der Waffen überhaupt +nicht ist, war, wahrscheinlich im Anfang scherzhafterweise, kein weiter +Weg. Und bald konnte man die Nichtkämpfer an Bord der Kriegsschiffe um +so eher und harmloser und ohne sie zu beleidigen Badequäste nennen als +nach und nach die Lübecker Geschichte in Vergessenheit geraten und die +ursprüngliche Bedeutung des Wortes dem Sprachbewußtsein entschwunden +war. Man hatte Badequäste an Bord ohne zu wissen was Badequäste waren. +Da kam denn das Neuhochdeutsche und gewann, gerade auf den +Kriegsschiffen, immer mehr Einfluß. Offenbar wurde nun Badequast als +eine mundartliche, plattdeutsche Verschlechterung von Badegast +angesehen, »sie haben ja auch ein so bequemes Leben, diese Badegäste«, +und so hat sich das Wort Badegast eingebürgert. Um den Vorgang ganz zu +verstehen braucht man nur an jene »höhere Tochter« zu denken, der +Klopstock nicht fein genug war, sie schrieb »Klopfstock«. + +Im Andenken an die Lübecker Quastgeschichte mag hernach in Hamburg und +anderen niederdeutschen Gegenden das Schimpfwort »Hans Quast« +aufgekommen sein. In dem niederdeutschen aus dem Jahre 1618 stammenden, +von J. Bolte und W. Seelmann herausgegebenen Schauspiel »Hanenreyerey« +schimpft einer einen anderen neben den schönen Ehrennamen Hans +Schubberug, Hans Hasenkihl, Hans Kladdehack, Hans Rustefihl auch Hans +Quast, und die Herausgeber bemerken hierzu: »Vgl. ndl. Kwast, Pinsel, +bildlich Narr.« Hans Quast kommt als Schimpfwort im Hannöverschen (s. +Schambach) besonders aber auch in Hamburg vor, vgl. Schütze 2, 102 Hans +Quast, alberner, närrischer Mensch. »Hans Quast vom Steendoor Settet sie +Mütz up een Oor.« Nach einem mir zugegangenen Schreiben eines +Seeoffiziers ist das Schimpfwort auch in der Mark Brandenburg verbreitet +und hat sogar noch heute in seiner Bedeutung einen Anklang an den +ursprünglichen Sinn, indem ein Knabe einen anderen, den er vergeblich +zum Kampfe herausgefordert hat, »Hans Quast« nennt. + +Daß aber Quast anstatt Gast gesagt wurde, und zwar nicht hie und da +einmal, sondern oft, so daß es dem Munde des Volkes durchaus geläufig +war, wird dadurch bewiesen, daß Quast in ein vielgebrauchtes Sprichwort +übergegangen ist, mittelniederdeutsch: »darna man darna quast« d. h. wie +der Mann ist, so wird er als Gast behandelt. + + +*Bagger*, der. + +Eine in neuerer Zeit zu immer größerer Bedeutung gelangte Vorrichtung +zum Ausschöpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wasser. Ursprünglich ein +höchst einfaches Werkzeug, ähnlich einem Obstpflücker oder einem +Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem Säckchen daran. +Dieses Säckchen hieß im Niederdeutschen bag, wie noch heute im +Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack bedeutet. Man +hat sogar heute noch in England die alte einfache Vorrichtung: »bag and +spoon«, »an arrangement used in dredging for river sand, and consisting +of a bag attached by the mouth to an iron hoop which is fastened to a +long pole, by means of which it is sunk to the bottom of the river and +dragged along so that the bag is filled.« Auch in Deutschland hat man +in kleinen Verhältnissen noch immer etwas Ähnliches im Gebrauch. Das +Ende des 18. Jahrhunderts erschienene sogenannte »Bremer Wörterbuch« +übersetzt Bagger mit »mudder-hamen« und bemerkt dazu: »Ein eiserner +Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist, mittelst dessen man den +Schlamm aus den Wasserlösen, Wetterungen und Sielgräben ziehet;« wobei +die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei, ein Netz, oder ein Beutel? + +Auch in Holland gebraucht man dieses einfache Werkzeug noch; Halbertsma +im Lexikon friesicum übersetzt baggern mit: »reti vel sacco ex panno +cannabino extremitati gracilis conti (Stange) affixo coenum trahere e +fundo aquae«, wobei sich auch wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit +reti vel sacco findet, da der Stoff doch mit ex panno cannabino deutlich +genug bestimmt ist als aus Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern +ein Sack, niederdeutsch bag; daher Bagger. + +Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud, +Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als +Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder) +oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der +baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche +Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen dürfen, Bagger +käme daher, daß man den Bagger vom Meeresgrund herausbefördere. Das ist +eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Masse ist nach +dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag. +Die damit ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung +von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der +niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen +Wasserbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das +inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so +kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete +aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein +neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch +einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen +wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wissenschaftlichen +Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen +konnte, das holländische Wort modder-molen mit Ausschlammungsmaschine +zu übersetzen. + +Das Etymon von Bag ist Balg, Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge, +Packetdampfer. + + +*Bagienrahe*, die. + +Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser letztere Umstand, daß +die Rahe kein Segel hat, scheint mir, ähnlich wie bei der blinden Rahe, +den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben, die eine *Bettel*-Rahe +bedeuten dürfte. Im Französischen heißt sie, oder hieß sie 1702 +Pöbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie holländisch +een onnutte ree, eine unnütze Rahe genannt: »De begyn ree is een lose en +onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar by van +onderen uit te halen.« Wir müssen auf das unter Bagger behandelte bag +zurückgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke +Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es +stark eingedrungen. Provençalisch bagua, spanisch baga = Packseil; +altfranzösisch bague, Bündel. Davon bagage = Gepäck. Insofern nun die +alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplünderten (dem »Plunder«) +nicht haushälterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder +vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der +Plünderung reicher Städte die Bagage eines Söldners als etwas +Verächtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle. +Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Männlein +zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Fräulein zweifelhaften +Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack, +Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal +bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzösischen bagasse, bajasse +auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen +entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste +Ausrüstungsstück eines Bettlers war entweder ein Scherben für die +Bettelsuppen oder ein Sack für das Bettelbrot. Von diesem bag haben +Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag -- zuerst +scherzhaft -- die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt +worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hörner bagyn +genannt, und in Westfalen heißt heute noch Begine nicht nur ein +verschnittenes Schwein, sondern auch ein törichtes, unnützes +Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hieß beghyne ein aschfarbener Ochse, +weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und nennt +man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil diese +Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: »Adelung acht dezen +naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen, dewyl +de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden,« kann sich aber, +trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten +von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635 +ermordet worden sein soll. + +Im Teuthonista ist das Wort Baghyne geschrieben. Die Nonnen des Namens +waren in niederdeutschen Seestädten sehr weit verbreitet, die Anwendung +des Namens in übertragener Bedeutung lag daher nahe. Es heißt, nach +Waghenaer, »Spiegel der Zeewaerdt«, 1573, sogar ein Felsen in der +Hafeneinfahrt von Brest Bagiene. + + +*Bai*, die, + +ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort für +Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie. +Derselbe gibt für das Niederländische die Form baai an. Italienisch +baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederländischen ins Niederdeutsche +und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche +gedrungen. + + +*Bake*, die. + +»Signum secundum quod navis regitur«, diese Erklärung Halbertsma's +dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die verschiedenartigen Bedeutungen +des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie eine Bake auch aussehen und wo +sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck ist für den Seemann doch immer +der, seinem Schiff weisend und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein +sehr altes deutsches Wort, das ursprünglich noch keineswegs ein +Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz +allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bücken verwandt, und dieses mit +biegen. Die einfachsten und ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß +man mit dem Kopfe nickt, den Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder +eine ähnliche Körperbewegung macht. Jeder der auf eine größere +Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkürlich dabei +seinen Oberkörper vornüber beugen, und eben diese Bewegung ist das was +die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon früh auf +eine Stange übertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder +die man als ein Zeichen für irgend etwas in den Boden steckte. Damit +man diese Stange auf größere Entfernung desto besser sehe, wurde an +ihrer Spitze ein Bündel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken +unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen würde, +eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das +bedeutet. + +Solche Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für +das Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in +Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die +Gemeinde zusammengerufen durch »tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha +bekena of to stekene.« Oder die Gefahr wurde »mith boeda iefte bakena« +den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange +angesteckt und hieß dann Feuerbake, »vierbaeck.« Es war den Wächtern +genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr +Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten +der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß +auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV. +Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur +Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form +eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi +gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.) +steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen, +Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast +aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt +heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule. + +Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge. + +In dem oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach +dem Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen +erhalten haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts +friesischen Archiv veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert +den Dienstag Abend der Fastnacht als »Bekenseivend.« Darüber berichtet +Strackerjan (»Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg«): »Wer +noch beinhaft (gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte +sich ein langes Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12 +Fuß Länge, das dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken +(plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die Leute +schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild +schreiend.« + +Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als +Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen +finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg +aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter +herausgegebenen »Seebuch«, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist +und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden, +Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: »also gy wilt segelen int +Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.« + +Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen +in ähnlichem Sinne: »Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches +allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ... +pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.« +Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit »seemerk« und nennt auch +Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt. +Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge +erklärt es mit »Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor +Untiefen«, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander +1727 als »Leuchtturm« verzeichnet worden ist. + +Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit +übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser +Sprache eine große Rolle: »a mark or object of some kind placed +conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance +of vessels.« »Various hills in England got the name of Beacon from the +fact of signal-fires having been formerly lighted on them.« Überhaupt +scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von +beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to +afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal, +welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was +uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, »to make a sign to +another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger«. + +Von beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der +Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort +beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns +berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake +selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit +und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz +anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen +Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in +denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten +sind, also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer, +Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und +Winkbaken gibt. + +Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu vergleichen. Das +Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, daß es beinahe +ausschließlich herrscht, und daß alle anderen Bezeichnungen für dieselbe +Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, Wethe kaum mehr bekannt und +höchstens noch auf beschränktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde +der Leute sind. + +Das älteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon +Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: »Spiegel +der Zeevaerdt,« das in Leyden gedruckt, in »Amsteeredam« in eben dem +Jahre 1588 erschienen ist, in dem die »unüberwindliche Armada« +überwunden ward. Da heißt es -- vergl. Tonne --: »ende aen de ander +zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven +bouen op in deser manieren«, und ist dann eine Stange abgebildet mit +einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch +als Sturmball etc. etc. gebraucht. + + +*Balje*, die. + +1. Ein Wasserbehälter = Bütte. + +2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die +blaue Balje bei Wangeroog. + +Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie, +boalje, melkboalie, Melkeimer. + +Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das »Seebuch« +balge für Wasserlauf hat und der Teuthonista baly für vas, Faß. Das +Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff »Wasserbehälter«. Die +Balje im Watt behält ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet +also gleichsam eine Balje im Sinne von Bütte. Es ist auf das unter +»Bagger« Gesagte zu verweisen. Das heute noch in England gebräuchliche +bag hieß altenglisch bagge, a beggars bagge, ein Bettelsack; gälisch +bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last, Bündel. Der Dudelsack oder +die Sackpfeife heißt im englischen bekanntlich bagpipe. »The bagpipe +consists of a leathern bag, which receives the air from the mouth, or +from bellows; and of pipes, into which the air is pressed from the bag +by the performers elbow.« Was heute »a leathern bag« ist, das war, wie +bekannt, früher ein Balg, Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun +bedenken, daß im Lombardischen der Weinschlauch baga heißt, und daß +Weinschläuche nichts anderes waren und sind als Bälge, so kommen wir auf +Balg als Etymon zu Bag. In der Tat sind überall die ersten Säcke der +Menschen abgebalgte Tierhäute gewesen. Bag ist aus Balg durch Schwund +des unbequemen l entstanden. Hieß doch im angelsächsischen bag noch +baelg, und im gälischen kommt neben bag auch balg vor. Natürlich wurde +solch ein Balg nicht bloß zum Weintransport benützt, er diente, +namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als Wasserbehälter und +Wasserbehälter ist die Balje. Das Wort wird oft auch Balge geschrieben +und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine Abstammung von +Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack, Reisetasche, +Eßsack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga übergegangen +ist; Festus: »bulgas Galli sacculos scorteos vocant«. Mittelhochdeutsch: +balc = Hülse (gleichsam das abgezogene Fell des Korns), Schlauch, großes +Trinkgefäss. + +Um zu verstehen, wie aus Balge Balje geworden ist genügt es, an die +Schreibweise im »Seebuch« ballighe, oder noch einfacher und näher +liegend an die weitverbreitete Aussprache des g wie j zu denken. + + +*Ballast*, der. + +Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um dem Schiffe +den nötigen Tiefgang zu verleihen. + +Über die Bedeutung diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte +von Bale = Bole = Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen +liegt. Aber dann wäre jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu +liegen kommen als auf Bohlen? + +Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede Rücklast ist +Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an das +keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand. +Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben: Bar-lest = saburra, +ex bara, unda, et lest, onus; »saburra enim impedit quo minus vacua +navis vi undae et venti in latus prosternatur«. + +Und doch ist die Erklärung, auf die meines Wissens noch niemand +verfallen ist, sehr einfach. Man muß zunächst von Kriegsschiffen ganz +absehen und an Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt, +gewinnreiche Ladung zu bekommen für Hin- und Rückfahrt. Wenn ihm das +nicht gelingt, so muß es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend +eine Ladung einnehmen, auch solche, die hernach einfach wieder +ausgeladen und als unnütz beiseite geworfen werden muß. Das ist dann +eine schlechte, böse, üble, nicht lohnende Last. Und eben darum heißt +sie Ballast. Bal hieß in allen germanischen Sprachen, heißt teilweise +sogar heute noch schlecht. Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen; +althochdeutsch bale, malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo +und bale, Verderben, Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den +Schiffer Qual und Pein genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk, +Übeltat, baluspraka, verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu, +bealu, perniciosus, malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael, +böse, bael mond, baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch +finden wir baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu +steuern, von einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln +ist; bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen +(Outsen) kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor. +Desgleichen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt +man: »doar is't bal«, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's +nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein +Junge, der nicht hören will, ist ein »Schlechtohr«, »'n baloorn van 'n +jong«. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar +nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart +nicht hören will. + +Also »unnütze Last«. Das Richtige scheint schon der Teuthonista geahnt +zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt. + +Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed +malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile +onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit. + +Im Übrigen ist die älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe, +ein Hansa-Receß vom Jahre 1442. + + +*Banjerdeck*, das, + +eigentlich bloß Banjer, heißt auf kleinem Schiff mit nur einem Deck der +kleine Platz vor der Kajüte wo die Leute ihre »Logis« haben. Banje ist +Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht nur wie im Hochdeutschen +Bahn einen freien Weg, sondern überhaupt eine freie Strecke, einen +freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der für die Mannschaft freie +Raum. + + +*Bank*, die. + +1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und Banken; +Ruderbank, s. ducht. 2. Übertragen: Austernbank, Felsenbank, +Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank +(mit den Koveinnägeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back, +Rücken, rundliche Erhöhung angesehen, was mit den Wörtern, bezw. +Zusammensetzungen in übertragener Bedeutung nicht übel stimmt, besonders +mit Sandbank, wofür man auch Sandrücken sagt. Kluge gibt einen +vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back +widersprechen würde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung +der Wurzel von Back -- bhag -- wäre. + + +*Baratterie*, die. + +Dieses in der deutschen Marine ungebräuchliche, von Dabovich, +»Nautisch-technisches Wörterbuch der Marine« für die österreichische +Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding in Hamburg vor +hundert Jahren kein fremdes. »Hierunter versteht man alle Betrügereien, +die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter, gemacht werden +können. Z. E. Verfälschung und Bestehlung der Güter, oder Nebenwege, die +mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden.« Holländisch, +dänisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery, französisch +baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria. Diese +Einmütigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl +übereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub, +wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf +dieses ähnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort. + + +*Barbetteschiff*, das, + +ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten Barbettetürmen, die wegen der darin +aufgestellten Geschütze besonders starke Panzer tragen, während der +übrige Teil des Schiffes leichter gepanzert ist. Der Name kommt von der +heiligen Barbara, bei den Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie; +ihr zu Ehren heißt auf französischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St. +Barbe. Die heilige Barbara war eine römische Jungfrau, die um ihres +christlichen Glaubens willen den Märtyrertod erlitt, ihre Henker aber +wurden vom Blitz erschlagen. + + +*Barbican.* + +Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses Namens an der +Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehört dieses Wort hierher. Im +Mittelhochdeutschen hieß barbigan der Teil der äußersten Festungswerke, +aus dem Ausfälle gemacht wurden. Altfranzösisch barbacane, Brustwehr mit +Schießscharten. Soll aus dem Arabischen bab-kanah, a gateway, kommen. + + +*Bardse*, s. Bark. + + +*Bark*, die. + +Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden vordersten Rahen, +der dritte nur Schratsegel führt. In der Form Barke bedeutet es +überhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so ziemlich +ausschließlich, in dichterischer Rede. Die Erklärung bietet zwei +Möglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift auf +die Wurzel bhar, tragen, zurück. Fände sich das Wort nur in den +germanischen Sprachen, so könnte man mit Wackernagel das altnordische +barkr, Bark, mit börkr, Borke, Rinde, für nahe verwandt halten. Wie +manche Naturvölker heute noch tun, so mögen in uralten Zeiten auch +unsere Väter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es +uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe +gesehen hat, der weiß, daß die Verdrängung des altdeutschen Einbaums +durch kunstvoll zusammengefügte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden +gezählt werden kann. Überdies haben auch alle romanischen Sprachen das +Wort, und es kommt als barca bereits im frühesten Mittellatein vor; dann +italienisch, spanisch, portugiesisch barca, französisch barque, +(kymrisch, Breizonek und gälisch barc) wovon barge, Boot, baril und +barique, Faß. + +Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer Name baris für +einen Kahn, besonders ein ägyptisches Nilschiff, bezeugt ist, an +griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen niederdeutschen +Sprachgebiet heute noch bören, zu denken, ein Wort das in sehr +verschiedener Bedeutung vorkommt: gebähren, gebahren, Gebühren, Bahre, +Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens ausdrückt. Bei +einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt ist, liegt also +bören näher als Borke. + +Schon früh im Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im +Seebuch 1400 bartze, bardzee vor. Hätte man damals das Bewußtsein +gehabt, einem einheimischen Worte gegenüber zu stehen und an Borke +gedacht, man hätte solche sonderbare Veränderungen davon nicht +vorgenommen; dies ist wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt, +daß ein Lehnwort mundgerecht gemacht werden sollte. + + +*Barkasse*, die. + +Das größte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln eingerichtet, +manchmal auch Dampfbarkasse. + +Einige Erklärungen haben es sich leicht gemacht und einfach gesagt: +Barkasse von Bark, aber wie oder wo sich diese ja an sich nicht +undenkbare Weiterbildung vollzogen hat, das sagen sie nicht. Das Wort +hat anderen Ursprung. Vom lateinischen arca ward ein italienisches +arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet, französisch arcasse = +Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser arcasse war ein großer +Balken, grande barre, angebracht, der (grande) barre d'arcasse hieß und +als Davit diente (s. d.), nämlich zum Aufhängen, Hissen und Fieren des +größten Schiffsbeibootes. Und das empfing von dem Balken an dem es hing +den Namen Barkasse. + + +*Barkun*, der. + +»Barkuns sind hölzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafür aber +auslegbare Krähne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum Fieren +aufgehängt werden können.« Nach dieser von Dick und Kretschmer, Handbuch +der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklärung und nach dem, was +unter »Barkasse« nachzulesen ist, dürfte es klar sein, daß Barkun im +Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nämlich abgekürzt und mit einer +neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und +andere Wörter ähnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet, +versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich +dieselbe von barre d'arcasse. + + +*Barring*, die. + +Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter Deckshöhe über dem +Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die häufig, namentlich +bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem Barringsdeck, belegt +sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und Reservehölzern etc. +Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar = tragen abstammend, sei +es daß dabei unmittelbar antragen, sei es daß an barre, Tragbalken, +gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so daß wir also das hochdeutsche +Barre mit niederdeutscher Endung vor uns haben. + + +*Bare* = Welle, s. Barre. + + +*Bärme* s. Berme. + + +*Barre*, die, + +seichte Stelle vor einer Flußmündung, durch Ablagerung des vom Flusse +mit sich geführten Sandes, ein Hindernis, eine Beschränkung des Aus- und +Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung. Von der unter +Bark erwähnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch bara, para, +Balken, zunächst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann aber auch etwas +Beschränkendes, Schranke, eingehegtes Stück Land, abgeteiltes Stück +Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun, Gehege; verbarren durch +Schranken versperren; englisch bar; französisch barriére, besonders aber +barre, Stange, Balken, Rost, Klampe, Ruderpinne, barres de hune = +Salingshölzer; und das unter Barkasse nachzulesende barre d'arcasse; +barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch bar, Ast. Spanisch barrera, +davon embarazo, französisch embarras, Sperrung, Hindernis, und barricade +(barricata). + +Von gleicher, »tragen« bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche +bar, bare, mittelniederländisch baere, niederländisch baar, Woge, Welle, +Sturzwelle, Brandung; vergl. Lüpkes Seemannssprüche: »barra waegen, +barra streamen«, »Wellen wogen, Wellen strömen«; sei es daß die Wellen +tragen, sei es daß sie getragen (gehoben bewegt) werden. + + +*Bauchgording*, die, + +gewöhnlich Bukgording, oft auch noch kürzer Buggerding lautend, wie +Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde gefülltes Segel sieht in +der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die Taue die dazu dienen +beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels aufzugeien heißen +Bauchgordinge. Gording, Görde, Gördel ist ein Gurt, Gürtel, Band, +Riemen, irgend etwas zum Binden und Gürten, besonders Beinkleider. Die +altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida, einer Weide, auf; +da ist es nicht zu verwundern wenn die Männer für Befestigung ihres +Anzuges eine (schwanke, biegsame) *Gerte* verwandten; gothisch gairda, +angelsächsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt, altnordisch +gjördh, isländisch gjörd, norwegisch gjord und gyrda. Gording im +seemännischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau übersetzen; +also Bauchgurttau. + + +*Batterie*, die. + +Der Standort der Geschütze; ist ein eigenes Deck für die Geschütze da, +so heißt dieses das Batteriedeck, oder auch kurzweg die Batterie. +Besonders aber heißt, wie am Lande, eine unter sich zu einem bestimmten +Verbande gehörige Anzahl von Geschützen Batterie; Steuerbordbatterie, +Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller Geschütze, vergl. das +Kommando beim Geschützexerzieren: »Batterie halt!« + +Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre schlagen; +wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jährigen Krieges und +von der Landarmee an Bord übertragen. + + +*Baxterlagerung*, s. Baxterspill. + + +*Baxterspill*, das, + +eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und vereinfachte neue Art +von Spill (s. d.). Durch Trennung der Kettentrommel vom Spillkörper ist +erreicht worden, daß die »mühsame Arbeit, welche früher das Legen der +Kette um das Spill und das Abnehmen derselben vom Spill verursachte« +erspart wird. »Das Spill ist im Moment klar zum Hieven, und auch das +Abstoppen der laufenden Kette vollzieht sich in erheblich sicherer und +einfacherer Weise.« + +»In Verbindung mit dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei +Kriegsschiffen für die Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker, +seltener für die Hecklagerung die sogenannnte *Baxterlagerung* zur +Anwendung.« »Diese Lagerung charakterisiert sich dadurch, daß die Anker +in die Klüsen hineingehievt werden.« Früher hingen die Anker längsseits. +Das kommt auch jetzt noch vor, ist aber veraltet; ebenso wie das +»Gang«-Spill. + + +*Bedaren*, + +zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten Menschen, daher +bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedächtigkeit. Doornkaat meint, +das Wort komme nur im Niederdeutschen und Niederländischen und sonst +nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist aber außerdem noch ein +dänisches (bedare) und schwedisches (bedara) Seemannswort, und zwar +dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen gebraucht. Roeding: +»Wenn das Wetter anfängt still und ruhig zu werden, und der Wind aufhört +zu wehen, so sagt man: es bedaart.« Es ist allerdings ein Wort mit +auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel dhar, halten, haften, +bleiben, abstammend. + + +*Befahren.* + +Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine Straße, das +Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel zur See +gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat. Ist +einer so befahren, daß er das Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung +umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen Küstenplätzen in +seemännischer Gesellschaft -- beide Beine auf den Tisch legen. Einen +nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt Aristophanes, wie +Roeding behauptet, einen »Asalaminrium«, also einen, der nicht ist wie +die von Salamis. + + +*Befluten*, + +»unter Wasser setzen«. Alle Munitionskammern an Bord S. M. Schiffe sind +zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei einem +Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt +natürliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar +durch Bodenventile beflutet werden können; künstliche Beflutung bei +hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden +müssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklärung +ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.) + + +*Bei.* + +Das Kommando für die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am Winde (s. +d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde gesegelt, also +nicht »gekniffen« werden soll, dann heißt das Kommando: »voll und bei!« + + +*Beiboote*, die, + +auch Schiffsboote; »jedes Schiff ist mit einer Anzahl von Booten +ausgerüstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu erfüllen +im Stande sein sollen. Dieselben dienen nämlich zum Verkehr der +Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von +Material, Wasser, Proviant u. s. w., zum Ausfahren von Ankern und +Trossen, zum Auffischen über Bord gefallener Menschen oder Gegenstände, +zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel +für die Besatzung bei Schiffsunfällen, bei Landungszwecken zum Aus- und +Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraßen, zur +Herstellung von Sperren.« »Da zur Erfüllung dieser verschiedenen Zwecke +teilweise ganz verschiedenartige Rücksichten und Anforderungen maßgebend +sein müssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit +verschiedener Bootsklassen oder Gattungen.« (Dick u. Kr.) Als da sind +(in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen, +Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote für +Torpedoboote. + + +*Beidrehen* + +heißt an den Wind gehen (s. »am Winde«) oder auch das segelnde Schiff +sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptsächlich durch +Backbrassen der in Betracht kommenden Segel. Vor allen Dingen ist aber +wichtig das seemännische Manöver des Beidrehens, des an den Wind Gehens, +im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile »gelenzt« hat, d. h. vor dem Sturm +gelaufen ist, und der Kapitän kann wegen zu hohen Seeganges oder will, +weil ihm die Richtung nicht paßt, das Lenzen nicht fortsetzen, so dreht +er bei. Das muß mit Geschick und Umsicht gemacht werden, damit +Sturzseeen dem Schiff nicht gefährlich werden. Die Folge des Beidrehens +ist das *Beiliegen*. Das Schiff »liegt bei« (dem Winde) bis besser +Wetter eintritt, und es handelt sich hauptsächlich darum, daß es mit dem +Kopfe auf der See liegt, nicht abfällt (s. d.), weil es dann die See +besser hält, weniger Sturzseeen übernimmt. + + +*Beibuchten.* + +Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht ist, mit der +Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen so viele +Buchten -- von biegen -- so viele Kreise das Tau beim Aufschießen +bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz einnehmen +oder aus irgend einem Grunde, z. B. beim Deckwaschen aufgehängt werden +sollen, so werden sie mit einem Band oder Bändsel zusammengebunden, +damit sie nicht »unklar« werden und leicht wieder gebrauchsfähig gemacht +werden können. Dieses Zusammenbinden heißt beibuchten. Im übertragenen +Sinne heißt einen beibuchten ihn einsperren, in Arrest schicken. + + +*Beilbrief*, der, + +früher Bielbrief, niederländisch bylbrief, dänisch bül-brev, schwedisch +bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale heißt, so könnte vermutet +werden, diese bill hätte dem Beilbrief den Namen gegeben, er würde also +eine Tautologie darstellen. Das würde nun an sich nichts ausmachen, weil +es öfters vorkommt, aber ich sehe doch nicht an, bei dem Worte an Beil, +Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es bedeutet ja einen Kontrakt zur +Erbauung eines Schiffes, der zwischen »einem Zimmermann und Demjenigen, +der ein Schiff bauen läßt, gemacht,« schriftlich abgeschlossen wird; das +Beil aber ist und bleibt doch immer des Zimmermanns Hauptwerkzeug. +Bestärkt wurde ich in diesen Gedanken durch das Eigenschaftswort +beilfertig, bielfertig, niederländisch bylvaardig, dänisch bilfaerdig, +schwedisch bilfardigt, welches das Schiff als fertig im Holzwerk +bezeichnet ohne Takelage und Zubehör, also in dem Stande, bis zu welchem +das Beil die Hauptarbeit an ihm getan hat. + + +*Bekaier*, der, + +heißt dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hieß aber früher +auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das oberste Ende +der »Besansrute« aufgetoppt wurde, beim »Überstaggehen«, und heißt auf +Schmacken, Jachten und Kuffen die Braß der Bagienrahe, die nach vorne +fährt. + + +*Bekleiden*, das, + +Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem Schamvielen, ausgesetzt +ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting, Schiemannsgarn, Sarving, +Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder dazu genommen; die +wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die, nachdem sie mit +einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Länge mit Schiemannsgarn +fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann bekleidet +werden, s. Kleid. + + +*Belauf*, der, + +die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z. B. ein Lieger, +Bauchstück oder eine Wrange, Bodenwrange verläuft; dementsprechend auch +die äußere Gestalt des Schiffsbodens, oder die Verengung desselben, +vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, daß es einen feinen Belauf +hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt und spitz zuläuft. +(Roeding, Datovich). + + +*belegen*, + +ein »laufendes« Tau mehrmals um ein Belegholz, z. B. eine Klanpe oder +einen Koveinnagel, kreuzförmig über einander schlagen, um es fest zu +machen. Die Koveinnägel heißen darum auch Belegnägel und die Bank an der +sie befestigt sind, Belegbank, so wie die Klanpe auch Belegklanpe +genannt wird. Man spricht auch vom Belegen eines Befehls, wenn einem +gegebenen Auftrage nicht weitere Folge gegeben werden soll, oder wenn er +zurückgenommen wird; das ist bildlich: das belegte Tau bewegt sich nicht +mehr und der belegte Befehl gilt nicht mehr. + + +*belemmern.* + +Wo es, wie auf einem Schiffe, auf Ausnützung des Raumes ankommt, da muß +dafür gesorgt werden, daß keiner der vielen Gegenstände, die an Bord +gebraucht werden, dem anderen im Wege stehe und seinen Gebrauch +verhindere oder erschwere, d. h. belemmere. Auch ein Mensch kann den +andern belemmern, wenn er ihm Wege steht oder »zu nahe auf der Pelle +sitzt«. Es bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, *lähmen*. Es ist +verwandt mit lahm, ein Frequentativum des mittelniederdeutschen belemen, +althochdeutsch bilemjan, pilemmen, bilemen. Es wird auch gebraucht, wenn +ein Raum, ein Boden, eine Last zu voll gepackt ist, daß man sich nicht +darinnen bewegen, rühren kann. + +Daß die »Beschriving van der Kunst der seefahrt«, das Loggen als eine +»belemmering« ansieht, ist unter Log nachzulesen; wie Fritz Reuter +Belemmerung anwendet, s. unter praien. Belemmertheit ward im +Mitteldeutschen aber zuweilen auch für Beschäftigung gebraucht: »De +ander remedie (gegen gulsicheit, Gefräßigkeit) is ... Van redelike +dinghen belemmerthede.« + + +*benauen.* + +Ein Schiff benaut das andere, wenn es ihm, »die Luv (-seite) +abgewinnend«, den Wind zum Segeln wegnimmt. Sodann heißt benauen ein +feindliches Schiff in einem Hafen einschließen und bewachen, daß es +nicht heraus kann. Endlich sagt man, wenn die Luft von Natur schwül oder +durch Verbrauch im engen Raum mit vielen Menschen verdorben ist, »es ist +benaut«. + +Vom niederdeutschen nau, mitteldeutsch nouwe, niederländisch naauw, +dicht, enge, beengt, bedrängt, beschränkt, knapp, genau; das *nau* in +genau ist die hochdeutsche Verwandtschaft. + + +*Bendsel*, der und das, + +auch Bindsel, ein Band, ein Stück Bindfaden; nicht zu verwechseln mit +dem hochdeutschen Bändel, welches ein Diminutivum von Band ist; vielmehr +dürfte Bindsel eine Verkürzung von Bindseil sein und Bendsel nur eine +Nebenform dazu. + + +*Bergen*. + +Am häufigsten findet sich im seemännischen Gebrauch die Wendung »Segel +bergen«, ein Kommando das immer ertönt, wenn die Segel »eingezogen« d. +h. festgemacht werden sollen. Daneben spricht man vom Bergen einer +Ladung bei gestrandetem oder sonst gefährdetem Schiffe, man sagt auch +»sich bergen«. Der gemeinschaftliche Begriff ist: in Sicherheit bringen, +und zwar ist, da dem Stamme bhergh die Bedeutung »hoch, Anhöhe« +beiwohnt, der ursprüngliche Sinn ohne Weiteres klar: sich vor einer +Flut, einer Überschwemmung oder sonstigen Gefahr auf einen Berg +(womöglich in eine Burg) begeben und so in Sicherheit bringen. Nur bei +»Segel bergen« hat sich die Bedeutung so weit verflacht, daß es, auch +wenn kein Sturm naht und kein Segel in Gefahr steht weggerissen zu +werden, sondern auch beim Segelmanöver im Hafen und bei gutem Wetter +gesagt wird. Eigentlich nur noch bei Seeleuten übrig, die andern sagen +jetzt verbergen und haben noch den Begriff des heimlichen, des +Versteckens hinzugetan. Althochdeutsch pergan (gothisch bairgan) +angelsächsisch beorgan, niederländisch bargen. Vergl. Herberge, +althochdeutsch heriberga, Ort wo ein Heer geschützt lagern kann. Die +älteste Bedeutung des jetzt so friedlichen Wortes ist also kriegerisch; +italienisch albergo, altspanisch, neuspanisch und portugiesisch +albergue, altfranzösisch herberc, neufranzösisch auberge. In alten +Zeiten hatte man vielfach »Freiberge« (woher die zahlreichen +Städtenamen), Berge wohin ein Verfolgter fliehen konnte und wo er eine +Zeit lang unverletzlich war. Es gab in Eiderstedt und Dithmarsen +Freyberge, davon 3 in Eiderstedt, einer bei jedem Gericht, »wo ein +Missetäter auf drei Tage sich frei und sicher bergen konnte.« Daher die +Türme auf den Höfen mittelalterlicher Burgen Bergfriede, richtiger +Bergfriete, Bergfreite. Und was jetzt bei uns Friedhof heißt, müßte +Frithof = Freithof geschrieben werden. + + +*Berghölzer*, die, + +sind Verstärkungen der Außenbordwand und somit des ganzen (hölzernen) +Schiffes; sie laufen der Länge nach um das ganze Schiff herum, sind also +eigentlich Außenbordsplanken, nur stärker wie diese und daher über sie +herausragend und die glatte Fläche der Bordwand unterbrechend. Das +Zeitwort bergen, ostfriesisch bargen, heißt im niederdeutschen +Sprachgebrauch nicht nur verstecken, in Sicherheit bringen, sondern auch +sonst sichern, bedecken, schützen. Da nun das große Bergholz grade an +der breitesten Stelle des Schiffes angebracht ist, so bedeutet der Name +nicht nur eine Sicherung und Befestigung des Schiffes im Allgemeinen, +sondern auch im Besonderen einen Schutz der am meisten gefährdeten +Stelle gegen Stoß oder Anprall an ein anderes Schiff, an ein Bollwerk, +eine Kaje, eine Pier etc. etc. Ich finde das Wort (in der +niederdeutschen Form Barchholt) zum ersten Male in der »Beschriving van +der Kunst der Seefahrt,« 1673, in einer Segelanweisung wie man »by +Harvestdagen upt sekerste dorch dat Schager Rack, offt uth den Sund na +den Schagen« segelt. »Truwet awerst den Schagen by Nacht nicht tho veel, +ydt wehr den Saack dat gy gut und sichtlick Wedder hadden, alß men by +Dage buten de Trendel langest segelt, und dat men den upt Barchholt mit +de Foeten by dat Water steit, so kom men Lesö by klaren Weder even +sehen« ... + + +*Berme*, die, + +Deichberme, Deichrand; französisch berme, Rand eines Festungsgrabens; +spanisch berma; englisch brim, angelsächsisch brymme, Rand, Saum; +niederländisch kommen beide Formen vor; breme, Rand und berme, Deich. +Beweis, daß Berme nichts weiter als eine durch Metathesis veränderte +Form von bram ist, welches (vergl. Bram und Bräm) den äußersten Rand +bedeutet. + +Ob der Name der Stadt Bremen von breme, brim, Rand, so daß Bremen also +ein Uferort wäre, oder von brim, Meer, so daß er einen Meerort +darstellte, oder vom angelsächsischen breme, berühmt, abzuleiten ist, +haben die Bremer die Wahl. + + +*Besan*, der. + +Das große Gaffelsegel am Kreuzmast, der, wenn er keine Rahen hat, also +wenn das Schiff Barktakelage besitzt, eben nach dem Besan Besanmast +genannt wird. Die Erklärung des Namens wird erschwert durch das +Vorkommen anderer, ähnlich lautender. So gab es im Mittelalter eine +Münze, die italienisch bisante, spanisch und portugiesisch besante, +provençalisch bezan, altfranzösisch besant, englisch ebenfalls besant +hieß. Sie hat aber, aus dem Mittelmeer stammend, mit unserm Besan nichts +zu tun, (trotzdem dieser in seiner Gestalt an ein lateinisches Segel +erinnert), denn sie hieß lateinisch byzantus, griechisch byzantos; es +ist also klar, woher sie stammt (wie der Taler von Joachimstal, der +Heller aus Hall, der Batzen aus Bern seinen Ursprung an der Stirn trägt) +und was sie bedeutet. + +Sodann gab es nach Kilian ein niederländisches Wort besaen, das +Eierschale und eine Art billigen alaungegerbten Leders bezeichnete; +damit ist auch nichts gewonnen. Wichtiger für uns ist es, daß Kilianus +ein Wort besane hat, das er mit epidromus übersetzt, dessen Wichtigkeit +aber darin besteht, daß er dafür auch die Form mesaene beibringt, denn +nun dürfen wir auch annehmen, daß unser Besan einmal mit m angelautet +hat. Er heißt zwar im Holländischen und Schwedischen auch bezaan, besan, +aber dänisch mesan, englisch mizen, italienisch mezzana, spanisch +mezana, portugiesisch mezena, französisch mizaine -- und alle diese +Wörter sollen aus dem Lateinischen stammen, und zwar nach Kluge aus +medius, so daß also ursprünglich an einem anderen, *mittleren*, Standort +das Segel seine Verwendung gefunden haben muß. 1695 Mesansegel, 1732 +Bezaansegel, jetzt kurz: der Besan. + + +*Besatzung*, die, + +eines Schiffes heißt die Gesamtheit derer die auf ihm eingeschifft sind +zu dauerndem, dienstlichen Aufenthalt; die Schiffsmannschaft, früher +Equipage, welches Wort in seiner fremden Gestalt uns kaum noch daran +erinnert, daß es von dem niederdeutschen scip stammt und niederdeutsch +eskipage hieß, alles zusammenfassend was zur Bemannung und Ausrüstung +eines Schiffes nötig ist; bald auch die Ausrüstung eines sich auf dem +Lande bewegenden Fahrzeuges, Kriegsgepäck, Reisegerät, Kutsche und +Pferde. + + +*beschlagen*, s. Beschlagseising. + + +*Beschlagseising*, der. + +Beschlagen, althochdeutsch bislahan, mittelhochdeutsch beslahen: +schlagen auf, festschlagen, umfangen, umschließen (s. Schlag), +verschließen, bedecken u. s. w. Die meisten Bedeutungen sind im +seemännischen dieselben wie im Hochdeutschen, nur beschlagen bedarf der +Erwähnung insofern es das Festbinden der aufgegeiten Segel an die Rahe +bedeutet; solches geschieht mittelst der Beschlagseisings, Bändseln, an +denen das eine Ende spitz zuläuft, das andere mit einem Auge versehen +ist; s. seisen. + + +*Beschute*, die. + +Seemännisch nur in Verbindung mit Hartbrot, »eine Beschute Hartbrot«, +sei es wegen der Gestalt, sei es wegen des Hartgebackenen, +Zwiebackähnlichen. Niederländisch bischuyt, nichts anderes denn eine +volkstümliche Form des französischen biscuit. Zwey-Back sagt der +Übersetzer der »durchläuchtigsten Seehelden« 1681. Er beschreibt die +Entdeckung der Magellanstraße und erzählt von einem Patagonier, der »auf +einer Mahlzeit einen ganzen Korb mit Zwey-Back aufgegessen, und in einem +Zuge soviel Wein, als ein Wasser-Eimer halten möchte, ausgesoffen.« Als +ob sie auf dem Geschwader Magellans ihr Brot und ihren Wein nicht besser +hätten anwenden können, die wahrlich knapp genug waren. + + +*Beschmarten*, s. Schmarting und bekleiden. + + +*Besetzt sein*, s. Legerwall. + + +*Besteck*, das. + +1. Der Entwurf, der genaue Plan eines zu bauenden Schiffes; auch eines +zu bauenden Hauses. Ein ähnliches Wort wie Riß von ritzen (Runen ritzen, +writan, to write, schreiben); ein Plan, der nicht umrissen, sondern mit +Stichen bezeichnet, mit Stecknadeln abgesteckt ist. 2. Das +Mittagsbesteck oder überhaupt die Bezeichnung der Stelle, wo sich nach +genauer Berechnung, wenn es aber nicht anders sein kann, auch nach +Gissung, das Schiff zu einer bestimmten Zeit befindet, der Punkt, wo +Länge und Breite sich schneiden (s. absetzen), ein Punkt, an welchem die +Spitze des Zirkels ein kleines Loch in das Papier der Seekarte +*sticht*. In der weiteren Entwicklung des Begriffes Besteck = Plan, Maß, +ist Besteck auch schlechthin zu Maß geworden; ein Maß von Torf. +Groningen: »alles noa bestek hebben«, alles so haben, wie es sich +gehört. Auch gleichbedeutend mit Regel, Ordnung, Zeiteinteilung. +Ostfriesland: »wat hebben dei menschen 'n roar bestek, zy eten om vier +uur.« Ein Abstecher ist demnach eine Abweichung von dem ursprünglichen +Reiseplan und -Wege. + +Daß »Besteck« in der Tat von dem »Stich« des Zirkels in das Papier der +Seekarte den Namen hat, geht aus einer Stelle bei Waghenaer, »Spiegel +der Zeevaerdt«, »Amstelredam« 1588, hervor: »Soo sal hy alsdann nemen +twee Passers, (Zirkel) met d' een de mylen metende die hy ghist ghezeylt +te hebben. Ende met den anderen Passer lancxt Compasse stryckende de +Cours die hy ghezeylt heefd tot dat de voeten van de Passers aen den +anderen comen, daer weder een *sticke met eenen scherpen Passer oft +plompe naelde settende*, soo datment met cryt wederom wt doen cän«. + + +*Bestroppen*, + +einen Stropp (s. d.) um einen Block, der zu diesem Zwecke mit einer Keep +(s. d.) versehen ist, legen und festbändseln, damit er irgendwo, wo er +Halt hat, befestigt werden kann. Im übertragenen Sinne gebraucht der +Seemann das Wort häufig da, wo ein anderer sagen würde: das wollen wir +schon machen, das wollen wir wohl kriegen. + + +*Betel* s. Kalfatern. + + +*Beting*, + +die eine Vorrichtung zur Befestigung der Ankerketten an Bord, starkes +querschiffs laufendes, abgestütztes Gestell. Bett und Beet haben beide +die Bedeutung: Bleib-, Haft-, Sitz- oder Ruheding, von der Wurzel bhad = +binden, fesseln, festen und haften, halten, tragen. Beting ist ein +niederdeutsches Wort von derselben Herkunft, bei dem der Gedanke an das +Halten, Festhalten des Ankertaues zum Ausdruck gekommen ist. + + +*Beweert* + +ist ein Schiff, wenn es wegen schlechten Wetters verhindert ist, in +See zu gehen. Doch kommt das Wort nicht etwa davon her, daß widriger +Wind oder sonst schlechtes Wetter ihn solches wehrte, vielmehr ist +beweert eine Zusammenziehung von bewettert, oder vielmehr, da es sich um +niederdeutsches Gebiet handelt, von beweddert; das niederdeutsche wedder +ist ja durchgängig im Munde des einsilbigen Volkes zu weer, wér +geworden. + + +*Bilander*, der, + +ein zweimastiges Schiff in Schweden, England und besonders in Holland +gebräuchlich, das als besonderes Unterscheidungsmerkmal eine eigenartige +Stellung der großen Rahe und dieser entsprechende trapezförmige Gestalt +des Großsegels hat. Die Rahe macht mit dem Mast ungefähr einen Winkel +von 45°, ihre oberste Nock befindet sich über dem Heck, die unterste +über dem Mittelschiff. Diese Gestalt ist offenbar mit Rücksicht auf +enges Fahrwasser gewählt, um nicht so viel Raum in Anspruch zu nehmen. +Denn für Binnenschiffahrt und Fahrt »*bi Lande*« ist das Fahrzeug +bestimmt. Vier bis fünf Mann genügen zur Handhabung der Segel. + + »Why choose we, then, like bilanders to creep + Along the coast, and land in view to keep.« + + Dryden. + + +*Bilge*, die. + +Der unterste Raum des Schiffes in dem sich das eingedrungene Wasser +sammelt; auch dieses Wasser selbst. Letzteres ist die ursprüngliche +Bedeutung des Wortes, welches mit Balg nahe verwandt ist. Balg aber +entstammt einer Wurzel, die »anschwellen« bedeutet. Offenbar hatte man, +wie ja alle Sprache ursprünglich Bildersprache war, einen aufgeblasenen +oder mit Wasser gefüllten Balg vor Augen. Aus derselben Wurzel stammt +das in Ostfriesland vielfach gebrauchte Verbum belgen, niederländisch +belghen, angelsächsisch belgan, englisch to bulge. Auch im +Mittelniederdeutschen war dieses belgen gebräuchlich. Es bedeutet in +Bewegung kommen, in Hitze und Zorn geraten, dick werden, anschwellen, +»geschwollen sein auf jemanden«, weil einem zornigen Menschen das Blut +zu Kopf steigt, das Gesicht sich rötet, die Adern aufschwellen und dick +hervortreten. Der Begriff des Anschwellens ist auf das Wasser angewandt +worden, (»das Wasser rauscht, das Wasser schwoll«). Eine solche +rauschende, schwellende Woge heißt, entsprechend dem erwähnten belgen, +Bülge; schwedisch bölja, dänisch, bolge, altnordisch bylgja, wie denn +sinnreich und bedeutungsvoll eine der Töchter des Meergottes Ägir in der +Edda Bylgia genannt wird. Dieses Bülge aber brauchen wir nur mit i +anstatt mit ü zu schreiben, (im Englischen wird es sowohl bulge als auch +bilge geschrieben), dann haben wir unser urdeutsches, nur etwas +anglisiert ausgesprochenes Seemannswort Bilge. Mit einiger Phantasie +können wir uns leicht vorstellen, wie bei den alten deutschen +Seefahrern in ihren immerhin kleinen, oft offenen Schiffen diese im +untersten Schiffsraum hin- und herwogenden, schwellenden Bülgen, deren +Anschwellen es mit aller Macht zu bekämpfen galt, eine wichtige Rolle im +Schiffsleben gespielt haben. + +Im Althochdeutschen hieß bulga ein Ranzen, Felleisen, lederner Sack und +belgan aufgebracht sein, zornig sein, aufschwellen; mittelhochdeutsch +bulga die aufgeschwollene Woge. Aber gegen bulga im Sinne von Bilge hat +sich das Hochdeutsche lange gesträubt, denn nicht immer ist den +Deutschen die *Bewegung* des Bilgewassers bei der Benennung das +Ausschlaggebende gewesen. Es scheint als ob der Begriff der Bewegung +erst an der im Vergleich zum Mittelmeer so viel bewegteren Nordsee in +den Vordergrund getreten und daß Bilge daher lange Zeit ausschließlich +niederdeutsches Eigentum gewesen wäre. Im Althochdeutschen hatte man +zwar, wie bemerkt, das Wort bulga, aber die Bilge nannte man sentine. +Dieses Wort stammt aus dem Mittelmeer, es ist das lateinische sentina +und beweist, daß man in jenen sanfteren Gewässern bei der Namengebung +mehr an den üblen Geruch des betreffenden Wassers als an seine Bewegung +gedacht hat, denn sentina heißt Jauche, Abwasser, Auswurf, Hefe, Unflat; +daher französisch sentine zugleich Pfuhl und Bilge heißt, englisch +sentine Senkgrube, Sammelstelle stinkenden Wassers. Wer einmal +Bilgewasser gerochen hat, der wird sich also über die Benennung im +Althochdeutschen nicht wundern. + +Als unterster Raum im Schiffe diente die sentine in Zeiten, da man auf +Hygiene wenig achtete und sich um die Gesundheit der Gefangenen nicht +viel bekümmerte, auch als Gefängnis, als Arrestlokal. Und dieser Umstand +könnte vielleicht zur Erklärung des Wortes sentinelle, englisch sentinel +dienen. Daß dasselbe von sentire, wahrnehmen, direkt abgeleitet wäre, +ist doch kaum anzunehmen, man müßte denn einem Posten, einer +»Schildwache« eine ganz besondere, in der Nähe der sentine noch dazu +sehr übel angebrachte Sensibilität zuschreiben wollen. Daß aber der +Posten vor der sentine sentinelle genannt worden ist, wird den nicht +wundern, der weiß, daß der Mann, der bei den Schilden Wache stand, +selbst Schildwache genannt worden ist. + +Holländische Matrosen nennen die Bilge nicht unwitzig pis-bak, auch +pis-gat, kurzweg auch bloß gat, Loch. Das ging ins Französische über als +gatte, jatte, und die französischen Matrosen machte daraus scherzweise +-- Agathe. + +Es gab früher noch ein drittes Wort für Bilge, das aber meines Wissens +nur noch im Gröningenschen im Gebrauch ist: durk. Halbertsma erklärt es: +»spatium in navis fundo inter tabulatum interius et exterius, +receptaculum aquae stillantis per rimas, sentina«. Im ostfriesischen +kommt das Wort nur noch in der Form turk vor, Bezeichnung für den +hintersten, abgeteilten, dunklen Teil eines Mäherzeltes. Aber im +schwedischen ist es erhalten, nur daß da durk einen Schiffsraum +bedeutet, der als Last dient, also immerhin die der Bilge nahen Räume. +Der Teuthonista hat das Wort in der Form dorrick, »dat dyepste van den +scheep den water naist«; »dorrick in en schip, dair sych al dat water in +den schip vergadert, sentina«. Angelsächsisch thurruc, auch im +englischen noch als thorruke bekannt. Mittelniederdeutsch hieß es dork; +aber durk dürfte die ursprüngliche, auf Lautmalerei beruhende Benennung +der da unten, wo es fürchterlich ist, gurgelnden Gewässer sein. + +Ein viertes Wort wird heute noch gebraucht: Sod, oft in der +Zusammensetzung Pumpensod; »der niedrigste Ort im Schiffe beym großen +Mast, wo die Pumpen stehen und wohin sich wegen der Krümmung oder des +Springs des Schiffes alles im Raum befindliche Wasser durch die +Nüstergaten zusammenzieht« (Röding II 310). Dieser Raum heißt in der +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 »Soet«. Die Bedeutung +kommt der von Bilge sehr nahe, denn Sod ist das niederdeutsche und +niederländische sod oder sot = Brunnen, und kommt mit sode = das Sieden, +Kochen, Brodeln, Aufkochen, Aufwallen, Aufquellen, Aufstoßen, (daher +»Sodbrennen«) von seden = sieden, kochen, wallen. + + +*Bewulen* s. (wulen) Wuling. + + +*Billen*, die. + +Die untere Rundung des Schiffes hinten, wodurch der Spiegel mit der +Seite des Schiffes vereinigt wird; auch Backen genannt; italienisch il +rotondo della poppa. Der zu Grunde liegende Begriff ist der des Runden; +heißen doch die ebenfalls Rundungen bedeutenden Backen am menschlichen +Leibe, da wo der Rücken nicht mehr anständig ist, im Niederdeutschen +billen; »Kinder fan willen (die sagen »ich will« anstatt »ich bitte«) +krigen wat för de billen.« »Der Stuhl ist noch billenwarm von dem eben +jemand aufgestanden ist.« + +Also ein ziemlich derbes Wort, aber treffend und deutlich, und darauf +kommts der Sprache vor allen Dingen an. + + +*binnen*, + +inwendig, drinnen. Althochdeutsch binnen, mittelhochdeutsch binnen, +jetzt im Hochdeutschen so ziemlich auf »Binnenland« eingeschränkt, +während in Niederdeutschland das Wort noch in manchen anderen +Verbindungen erhalten ist. In Holland wird so oft jemand an die Tür +klopft da wo wir herein! rufen würden »binnen!« gerufen. Seemännisch: +binnenbords, Binnengewässer, Binnenseite, Binnenhafen, binnen laufen +(für Schutz suchen in einem Hafen, auch bloß gleich einlaufen) +Binnenschoot (am Leesegel). Entstanden aus beinnen, wie boven aus +be-oben und buten aus be-uten. + + +*Brise*, die, + +jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht auf die +Himmelsrichtung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo möglich +von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da konnte +man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie eine +Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen: +»Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest«, oder wie es auf dem +Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: »Hier bläst der Nordwind aus +allen Himmelsrichtungen.« Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind +bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas; +piemontesisch und provençalisch bisa, Nordwind; französisch bise. Ein +deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als +»Beiß«-Wind erklärt. + +Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und französisch bis = grau, +schwärzlich; das hängt damit zusammen, daß man in Frankreich den +Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, und daß bei +Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte sich den +Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen hieß bise +geradezu nördliche Gegend, Norden. + + +*Blakepumpe* s. Pumpe. + + +*Bleilatsch*, der, + +ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es auf die +Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an Deck +aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein niedergetretener +Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder; latschen heißt gehen +ohne daß man die Füße recht vom Boden aufhebt, mit den Sohlen auf dem +Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die durch die Luft +geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin, ehe sie an ihrem Ziele +liegen bleibt. + + +*»Blauer Peter«* s. »an Bord.« + + +*Blinde Rahe*, die, + +ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck hat, demjenigen Teil +des stehenden Gutes, der den Klüverbaum nach den Seiten zu rückwärts +stützen soll, eine größere Spreizung, also mehr Halt und Festigkeit zu +geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in früheren Zeiten hatte sie +eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit Segeln, mit viereckigen +Rahsegeln. Sie nützten zwar wenig, diese Segel, und hießen darum Blinde, +obere Blinde und untere oder große Blinde, und eben daher hießen die +beiden Rahen Blinde-Rahen. Überhaupt hieß jedes Segel, wenn und solange +es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt oder »benommen«, ohne +Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den beiden Segeln unter dem +Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie eigentlich zwecklos und +leisteten nichts. Mit der Bezeichnung »blind« wird wie mit »taub«, etwas +benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte sein, nicht leistet wozu es +bestimmt ist, z. B. blindes Glas, blindes Fenster, blinder Passagier, +»mit dem Blinden spielen.« Im Friesischen und Angelsächsischen heißt +unsere »taube Nessel« »blinde Nessel« als eine Pflanze die blüht, ohne +Frucht zu bringen; vergl. »taube Nuß«, Nuß die keinen (Frucht) Kern hat. +Die Würfelseite ohne Punkte, (Augen) heißt friesisch bline dobbelstien. +In Westfalen nennen sie das, was man anderwärts einen »Nachtwächter« am +Wege nennt, einen blinnen hasen, weil es nicht wegläuft wenn man darauf +tritt. Englisch ist die »schwache Seite« eines Menschen seine blindside. +»He is too great a lover of himself, this is one of his blindsides; the +best of men, I fear, are not without them.« + +Weil die »Blinde« genannten Segel überflüssig waren, kamen sie ab, aber +die eine »Blinde-Rahe« ist als blinde Rahe geblieben, denn sie ist, wie +oben angegeben, nicht überflüssig und zwecklos, wenn sie auch den +entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern der +eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, führt sie ihn +auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon +Waghenaer im »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, ist der freie Raum, den das +Meer bietet, mit Vertonungen, schön verzierten Titelkartuschen und +dergl. ausgefüllt; daneben auch mit allerlei Seetieren und namentlich +mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die Blinde +gesetzt. + + +*Blinkfeuer*, das. + +»Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen Licht durch kurze +Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann plötzlich wieder +erscheint.« Ein »Blink« ist eine klare Stelle am Himmel, die sich +zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt. Während im +Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z. B. in der Allitteration +»blink und blank«, als Zeitwort blinken und in der Wendung »mit den +Augen blinkern«, findet sie im Niederdeutschen um so zahlreichere +Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen werden müssen, da +blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik = Schein, Glanz, +Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem, bliksen, bliks = +Blitz. + +Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes Leuchten, kurzer heller +Schein; »alle dre mienuten smit dat lücht fan de furtorn 'n blink afer +'t water.« + +Blinke, blink »eine glänzende Stelle im Watt, welche namentlich beim +Sonnenschein durch ihren hellen Schein weithin sichtbar ist. Es sind +diejenigen Stellen, welche nach eingetretener Ebbe wegen ihrer +Undurchlässigkeit länger naß bleiben« (Doornkaat). Es gibt auch noch ein +blinke, blink als grüner Anger bei Dörfern und Städten, was wohl von +brink kommt, einen erhöhten, bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu +die Zeitwörter bliken = Schein und Glanz machen, wonach aussehen, +sichtbar und offenbar werden, erhellen, sich zeigen, und blinken = +blinken, leuchten, glänzen, blitzen, funkeln; davon das Frequentativum +blinkern, zwinkern, blinzeln. Kommen alle mit Birke wegen der glänzenden +scheinenden Rinde von der Wurzel bhrag, bharg, bhark, glänzen. + +Schon althochdeutsch blican, glänzen, blicfiur, Blitzfeuer. +Angelsächsisch blican, leuchten; aber altenglisch blink = aspectus. + +Roeding kennt »Blickfeuer, gewisse Signäle die man in der Nacht auf +Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers von Zeit zu Zeit macht, um sich +unter einander Nachricht zu geben, wo man sich befindet.« + + +*Block*, der. + +Dieses für die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem jeden aus +der Physik als Teil eines »Flaschenzuges« bekannt ist und das +hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Scheibe, besteht, hat +seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das +althochdeutsche biloh, mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stück eines +Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in Gefängnissen; +altfriesisch bloc, »vppa thet bloc iefta inna thet kalde yrsen sle,« in +diesem Sinne wird aber meist, schon im Mittelniederdeutschen, Stock +gesagt. Indessen ist Block die treffendere Bezeichnung, denn es kommt +vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan, angelsächsisch lucan, und +das heißt schließen, verschließen (s. Luke). Das Wort Block führt also +in die frühesten, einfachsten Zeiten zurück in denen man zum +Verschließen von Öffnungen weiter nichts hatte als einen Holzklotz. + +Es gibt eine große Anzahl von Blöcken an Bord, mit verschiedener Gestalt +und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck verschiedene Namen +führen. Die meisten davon erklären sich durch Zusammensetzungen wie +Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock von selbst. Sonst s. +Violinblock, Warrelblock, Steertblock, Kinnbacksblock, Dodshofd und +Spinnekopf. + + +*Block an Block* s. tublocks. + + +*Blockade*, die. + +Sperrung eines Hafens, einer Küste. In diesem Worte ist die +ursprüngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein gekommen: +Verschluß. Das französische bloc und bloquer, das italienische bloccare, +das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs. Blockieren war in +Deutschland schon vor dem 30jährigen Kriege gebräuchlich. Blockade +dagegen wird nach Kluge erst seit 1686 verzeichnet. + + +*blockieren* s. Blockade. + + +*Blüse*, die. + +Neben den Leuchttürmen hatten sich lange Jahrhunderte hindurch offene +Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke dienten, jetzt +aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind. Sagt doch schon +Roeding: »Auf Blüsen brennt gewöhnlich ein Steinkohlenfeuer, da aber die +Flammen desselben, wenn frische Kohlen aufgeschüttet werden, eine +Zeitlang erlöscht, oder auch durch die Nachlässigkeit des Hüters, der es +nicht oftmals genug auffrischt, nur ein schwaches Licht von sich wirft, +so sind die Leuchttürme, auf welchen Lampen brennen, diesen Blüsen +vorzuziehen.« Mit blasen verwandt, anblasen, anfachen, brennen und +flammen machen; englisch to blush, rot werden, erröten. + +Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine Blüse oder Feuerbake +und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in seiner um die Mitte +des siebzehnten Jahrhunderts verfaßten oldenburgischen Chronik davon +berichtet. »Dieses Eyland ist vorzeiten viel grösser als gegenwärtig, +gewesen, solle, nach der Alten Berieht, sowohl in- als auswendig des +Hafens oder Strandes, durch hohe Wasserfluten und starke Stürme, mehr +als die Helfte mit der Zeit sich verloren haben, ist itzo nur eine halbe +Meile lang, und eine halbe vierteil Meile breit, und denen auf der West- +oder Nordseefahrenden sehr nützlich, als dahin sie sich bei Sturmzeiten +begeben und vor dem Schiffbruch retten können, wie sichs dann oft +begiebt, daß am selbigen Ort 40, 50, 60 und mehr große Lastschiffe +zusammenkommen und sich daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey, +aufhalten, dahero solche Stelle von den Schiffleuten pro tutissima +navium statione, vor einem sicheren Schiffhafen gerühmt wird. Auf diesem +Eylandt sind zwo Kirchen, die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit, +die andere aber ins Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken +Turm und einem Dorf gestanden. Jene ist durch die Ungestümigkeit des +Meeres in Vorjahren hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch +zur Ebbezeit die Abteilung der Äcker und die bei den Häusern gehabte +Brunnen, man noch merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands +daselbst einige alte silberne Münze und andere Sachen. Der Ort wird +sonsten Oldenoge genand, worüber nun mehr die allergrosseste Schiffe +fahren. Der ins Westen stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre +1597 von Herrn Graf Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schrift- und +mündliches Ersuchen zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602 +vollendet worden; dessen Kosten an Materialien und Handwerkslohn, +ohne die Fuhren und Frohnen der Untertanen, sich auf die +vierundzwanzigtausend Reichstaler belauft. Oben darauf hat eine große +eiserne mit Rüben-Öhl gefüllete brennende Lampen durch 48 Fenster +geleuchtet, den Seefahrenden Leuten bey tunkelen und einfallenden +Sturmgewitters Zeiten, zu verhütung Schiffbruchs, die Gegend und den Ort +in der See zu zeigen, daß man davon sagen mögen: + + Naufragus aequoreis ne Nauta periret in undis + Hac facibus turri nocte docetur iter. + +Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht weit in die See +geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lässet +Herr Graf Anthon Günther eine Feuerbake ins Norden auf einen Sandhügel +und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das Feuer mit +Schottischen Steinkohlen von Michaelis bis gegen Christtag, und wieder +gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in die +vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird. + + +*Bö*, die. + +Eine plötzlich entstehende, kurze Zeit dauernde Windsbraut, bei der man +je nach der Stärke oder den Begleiterscheinungen von Sturmbö, Hagelbö, +Regenbö, spricht. Es dürfte mit Bake verwandt sein. Hört man genauer zu, +so sagt ja der niederländische Seemann nicht schlechthin und kurzab Bö, +sondern er macht das ö lang und zieht es am Schlusse in ein i hinüber. +Wer jemals einen Kieler Fischer den Namen des Seebades und Fischerdorfes +Laboe aussprechen hörte, der wird den Klang kennen, wenn Laboe auch eine +andere Herkunft aufweist. Im ostfriesischen heißt das Wort geradezu +Böje. Und dieses i dürfte der letzte Rest eines flüchtig gewordenen +Gutturallautes sein, eines k oder g, wie denn im dänischen das Wort, +heute das g noch hat, byge. Zu Grund wird ein Zeitwort liegen, das +altfriesisch und saterländisch beja, nordfriesisch boje, dänisch boje, +westfriesisch buwgjen, holländisch buigen heißt, das deutsche beugen, +biegen, bücken. Eben davon haben wir Bake abgeleitet, wegen der +biegenden, beugenden, bückenden Bewegung des Körpers. Nun eröffnet sich +für die Entstehung von Bö eine doppelte Möglichkeit. Entweder, was das +Nächste sein dürfte, die Bö biegt, beugt Bäume und Masten, (oder bricht +sie, wenn sie nicht biegen wollen), oder sie ist eben aufzufassen als +eine Biegung, Beugung, Ablenkung, eine plötzliche Veränderung des +Wetters. + +Und wie wir in Bezug auf die Gemütsstimmung eines Menschen wohl von +»schlechtem Wetter« sprechen, so wird in Ostfriesland für unbeständige, +umspringende, sich hin- und herdrehende Stimmung, für eine +wetterwendische Gemütsart die Bezeichnung Böje gebraucht. Und gerade +dieser Gebrauch hilft die Vermutung der Verwandtschaft mit Bake stützen, +denn für Böje in diesem Sinne wird noch häufiger Bök oder Böke gesagt, +das Wendung, Kehr, Drehung, Wechsel, Laune bedeutet. + + +*Bock*, der, + +ein aus zwei Stangen aufgerichtetes Gestell, mit dessen Hilfe man Lasten +aufwindet. Ungleich dem Sturmbock, der von des Ziegenbocks Neigung zum +Stoßen den Namen hat, ist dieser Bock nach dem mit seinen Hörnern sich +vornüber neigenden Ziegenbock genannt, während Sägebock einfach das +Bild eines solchen Tieres in seiner ganzen äußeren Gestalt darstellt. +Wohl von einer Wurzel bhug, wegen des Sichbückens zum Stoß. + +s. Krahn. + + +*Boden*, der, + +»ein uraltes indogermanisches Wort« mit der Bedeutung »Grund und Boden«; +dann auch das Untere, Unterste, Unterlage für etwas, davon: +Aufbewahrungsort. Das Wort hieß althochdeutsch bodam, mittelhochdeutsch +bodem; so heißt es auch heute noch in deutschen Mundarten. Angelsächsich +botm, englisch bottom. Dieses in der ursprünglichen Form ist für die +Seemannssprache wichtig wegen Bodmerei (s. d.). Man spricht von +Außenboden, Innenboden, Doppelboden u. s. w. + + +*Bodenwrange*, die, + +auch Bauchstück genannt, das unterste, zunächst am Kiel sitzende +Spantstück. Es hat seinen Namen von der Krümmung. Wenn auch gerade das +unterste (Bauch-) Stück des Spants noch nicht so sehr gekrümmt ist, so +beginnt doch bei ihm die Krümmung; es ist daher zweifellos, daß Wrange +von wringen, biegen, drehen, kommt. Wrange heißt in Ostfriesland auch +ein »verdrehter« Mensch; das hochdeutsche, wie gewöhnlich das anlautende +w vor r abwerfend, sagt dafür Range. + +Davon das französische varangue. + + +*Bodmerei*, die, + +ein Darlehensgeschäft, Vorschuß auf die, auf dem Boden (früher Bodem) +des Schiffes, d. h. im Schiffe liegenden, zur Ausfahrt geladenen Waren. +Französisch la bomerie; Aubin: »Comme l'argent que l'on préte, et qui +raporte quinze, vingt et jusques à trente pour cent, selon les risques, +n'est prêté, pour l'ordinaire, que sur la quille du vaisseau, qui chez +les Hollandais s'apelle Bodem, d'où ils on fait Bodmerye, on a aussi +apellé ce prêt, Bomerie.« + +Kilianus Duffel.: boomerye rectius bodemrye, tax: bodmerye a bodem i. +carina navis, foenus nauticum, usura maritima. + +In Holland heißt verbodemt hout hout dat komt per bodem, d. h. an Bord +eines Schiffes und mit einem Floß. + +Die über das Geldgeschäft aufgenommene Urkunde heißt Bodmerei-Brief, +unterschieden von Beilbrief (s. d.), weshalb die Erklärung »Vorschuß auf +den Kiel eines Schiffes« ungenau ist, weil man dabei an den Bau eines +Schiffes denken könnte, während doch die Ladung des Schiffes gemeint +ist. + + +*Boje*, die. + +Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch ähnlich der Bake, nur daß die +Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem Meeresgrunde +befestigt ist. Nach der Gestalt unterscheidet man Bakenboje, Blockboje, +Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje, Tonnenboje, wie denn +auch Tonne (s. d.) allein häufig, ebenso wie Boje und Bake, für +Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer Zeit immer +häufiger angewandt wird. (»Lootsen- und Betonnungswesen«). Nach der +Farbe unterschieden giebt es weiße, schwarze, rote, gestreifte und +gewürfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje, +Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje, +Vertäuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje, +Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen und bedeutete +ursprünglich nur Fessel. Bei dem lateinischen Schriftsteller Festus +kommt es mit der Erklärung vor: »genus vinculorum tam ferreae quam +ligneae,« ist dann in das Altitalienische übergangen, wo es noch boja +hieß, ins Provençalische, wo es die Form boia annahm, und ins +Französische, wo es altfranzösisch als buie, Kette, Fessel vorkommt. + +Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfessel anlegt, so +heißt er im Italienischen boja. Boja bedeutet nicht bloß Kette, sondern +irgend ein zum Fesseln geeignetes Ding, zum Beispiel einen Riemen, aus +einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der +Ochse heißt, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die älteste Bedeutung. +Nun fesselte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine +Kette ein Stück Holz in der Weise, daß das eine Ende am Holze fest war, +das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald +übertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte +das Stück Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich +diese Bedeutungsübertragung auf dem Durchgang durch das Französische +vollzogen, wo 1702 Boje in der Form bouée vorkommt: »une marque faite +d'un morceau de bois ataché à l'orin.« + +Aber noch weiter ist man mit der Übertragung der Bedeutung gegangen, so +weit, daß von der ursprünglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese +Neugeburt kam in drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fessel. 2., Boje += gefesseltes Stück Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stück (Ring von) +Kork ganz ohne Fessel, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins +Wasser Gefallenen zugeworfen. + +Doch war im Holländischen vor 200 Jahren die Bedeutung Fessel auch den +Seeleuten noch durchaus geläufig, denn einen »in de ysers of boyen +setten«, hieß einen in Eisen, in Fesseln legen. Kilianus, über 150 Jahre +früher, hat das Wort als bouye = vinculum pedis; dann aber auch = +anchoralia tabula, anchorae index in superficie aquae natans, also +Ankerboje. Diese Bedeutung im übertragenen Sinne ist also die älteste +und ist auch hauptsächlich in das Bewußtsein der (nichtseemännischen) +Schriftsteller übergegangen: Schreibt doch Weiland: »boei = eene ton, of +een blok hetwelk op het water dryft en de plaats aanwyst, waar het anker +ligt.« Sonst kennt er auch boei noch als Band, »met de stalen boei aan +'t been.« In der Mehrzahl heißt es: Gefängniß. Auch bildlich gebraucht: +»met de boejen des huwelyks (der Ehe) belast.« + +Siehe auch »Tonnenboyer.« + + +*Bollwerk*, das, + +kommt in der Seemannssprache nur im Sinne von »hölzerne Brücke« vor, aus +Pfählen und Bohlen entlang einer Mauer, einem Wall oder Damm als +Liegeplatz für Schiffe erbaut, oder auch ins Wasser hinausgebaut zum +(vorübergehenden) Anlegen von Schiffen. So leidet es keinen Zweifel, daß +das Wort von Bohle kommt. Schon im »Seebuch« 1400 lesen wir: »unde van +Nergeden to Revele achter dat bolwerk, dat sind dre weke seys.« »dat +Kors ist ost.« (»weke sees« ist ein noch zweifelhaftes Wegemaß zur See +aus jener Zeit.) Aus dieser Segelanweisung ersehen wir, wie sehr die +Hansa auf gute Hafenanlagen bedacht war. + +Das deutsche Wort drang als boulevard ins Französische; es war also von +den Leuten zu Mainz doppelt Unrecht, daß sie anfänglich ihre schönste +neue Straße Boulevard genannt haben. + +Von Bollwerk kommt ein Zeitwort bollwerken, das ein Bollwerk machen +bedeutet, figürlich aber für schwer arbeiten, scherzweise auch als +verbollwerken für verarbeiten, bewältigen, verprügeln gebraucht wird. + + +*Bolzen*, der. + +Alle die verschiedenen Arten von Bolzen die es an Bord gibt, haben, wie +im ganzen deutschen Sprachgebiet, die Bedeutung eines (längeren oder +kürzeren, dickeren oder dünneren) Nagels. Man unterscheidet aber je nach +Gestalt und Bestimmung Ringbolzen, die am Kopfe einen beweglichen Ring +haben, Augbolzen, deren Kopf ein Auge, eine augenförmige Öffnung hat; +Splintbolzen, die an der Spitze ein kleines längliches Loch zum +Durchstecken eines Splints haben usw. »Klar beim Bolzen!« ist ein aus +seemännischem Munde oft zu hörendes, scherzweise auch da, wo es gar +keine Bolzen zu besetzen und zu bedienen gibt, gebrauchtes Kommando mit +der Bedeutung »nun aufgepaßt!« + + +*Bonnet*, das, + +ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als bonnette, den +Engländern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrößerung der Untersegel, +die bei gutem Wetter und beständigem Winde angebracht wird. Also etwas +Ähnliches wie Leesegel, nur daß ein solches *neben* dem eigentlichen +Segel, das Bonnet aber an der *Unter*kante des Segels angebracht wird. +Mittelhochdeutsch bonit, 1461: »en holk, geheten Marienknecht, mit deme +segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers« u. s. w. Bonnet war der Name +einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher eine aus solchem Zeug +verfertigte Mütze bonnet hieß und in England heute noch so heißt. Aus +gleichem oder ähnlichem Zeug war auch die Verlängerung des Segels; man +gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines Lecks. + +Da das Bonnet eine Verlängerung des Segels bedeutete, so nahm es auch, +den Begriff Verlängerung besonders auffassend, ganz allgemein die +Bedeutung »Verlängerung« an, Verlängerung eines Baumes, einer Leiter, +eines Löschbordes u. s. w. + +Eine andere Erklärung ist, da obige nicht ganz überzeugend zu sein +scheint, unter Leesegel gegeben; sie dürfte vielleicht eher einleuchten, +zumal im Französischen, vergl. Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in +obigen Sinne, sondern auch im weiteren Sinne Leesegel heißt und Leesegel +ein Schönwettersegel bedeutet. + + +*Boot*, das. + +In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum vor, dafür ist +es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitet; und was ein +richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt »die Boot«. + +Das erste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes finde ich in einer +Urkunde des Königs Äthelred (978-1016): »Qui ad pontem venisset cum uno +bato, ubi piscis inesset.« In der Edda finden wir es als batr (neben +eikja, einem aus einer Eiche ausgehöhltem Boote). Kluge sagt: »Der +Ursprung von angels. bat = germ. baita -- (vorgerm. bhoido --?) ist noch +nicht aufgeklärt.« + +Die altnordische Form beit erinnert an das Schiffszimmermannswerkzeug +Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung nicht allzu fern, es möchte +wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem Worte ein Stamm zu Grunde +liegen, der graben, stechen, hauen, spalten bedeutet, zumal es ein +mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das schlagen, stoßen, +stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoßen, oder bhid hauen wird also +zu denken sein, so daß Boot etwas Ausgehauenes oder Ausgestochenes, +etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel Ausgehöhltes wäre, ein +»Einbaum«. Noch heute hat man in Ostfriesland das Zeitwort böten, +schlagen, stoßen; althochdeutsch bozan. Und daneben in ganz +Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das Zeitwort +böten, heizen. Die beiden könnten mit einander verwandt sein, insofern +zum Heizen die menschliche Tätigkeit des Stoßens, Stechens, Stocherns, +Stokens unentbehrlich ist. Da aber böten auch feuern bedeutet, so +erinnert es uns daran, daß man dem Beitel mit Feuer zu Hilfe gekommen +ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehöhlt hat, so daß uns +also das Wort in die allerersten Culturanfänge zurückführen könnte. + +Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel, Bootskompaß sind ohne +Weiteres verständlich. *Bootspfropfen* nennt man den Korkpfropfen mit +dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes verstopft wird, ehe +man das Boot zu Wasser läßt. + + +*Bootsmann*, der. + +Der Deckoffizier dem die Aufsicht über die gesamte Takelage und das +eigentlich Seemännische, soweit es Arbeitsverteilung und Verwaltung des +Inventars betrifft, übertragen ist. Englisch boatswain, ein +eigentümliches Wort, denn swein bedeutet Knecht, Schweineknecht, +Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas mit der +Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Französisch bossemann. Im +Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch +bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so daß +also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schließlich hieß überhaupt +jeder Seemann bosmann. »De boslüde hebben Rode Clawes vorkregen, welk +ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke +tohowen.« (Schiller und Lübben II. 153) s. a. Hochbootsmann. + +Ein *Bootsmannsstuhl* ist eine (aus Segeltuch hergestellte) +Sitzgelegenheit die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er +wird gebraucht Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen, +seemännische Arbeiten in der Takelage auszuführen und dergl. So nennt +man auch den »Stuhl« der an einem Tau fährt, das vom Mast eines +gestrandeten Schiffes an Land gegeben ist um Schiffbrüchige zu retten. + + +*Bootsmannshellegat*, s. Hellegat. + + +*Bootsmannsmaat*, siehe Maat. + + +*Bootsmannsstuhl*, siehe Bootsmann. + + +*Börtschiff*, das, + +ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit regelmäßige Fahrten +nach einem und demselben Orte (und wieder zurück) macht; »d'r is 'n +börtfard up Amsterdam inrigt.« Mit bören = tragen von phero, fero, aber +nicht weil das Schiff die Lasten trägt, sondern weil es ihm *gebührt*, +regelmäßig zu fahren, nachdem der börtmann oder börtschipper sich einmal +dazu verpflichtet und die Sache übernommen hat, oder auch, weil das, was +sich gebührt in der Ordnung, in der Reihe ist: (regelmäßige) Reihenfahrt +betreibt. Weiterhin bedeutet bört die Reihenfolge nach der sich etwas +wechselweise zuträgt »de bört is an mi«; »'t is nu min bört«. Brem. +Wörterbuch: Börtlüde sind die Schmackschiffer, die wöchentlich von +Bremen nach Amsterdam und Hamburg, in einer privilegierten Anzahl, +wechselweise fahren müssen. + + +*Bord*, der. + +Dieses im Munde des Seemannes so häufig gehörte Wort heißt ursprünglich +weiternichts wie *Brett* und stammt mit »bören« und der ganzen +weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas +Tragendes. Früh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas +baute, einen Raum einschloß und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des +Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil für das Ganze genommen und +*Bord für Schiff* gesagt wurde, doch nicht ohne daß die beiden +ursprünglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wären. + +Ein gemeingermanisches Wort, im gothischen als fötubaurd, Fußbrett, +Schemel bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch +bord, Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die +Bedeutung Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um +den Rand des Tisches herumsitzt. Und im Altsächsischen hieß bord nicht +nur Tisch, sondern auch Haus, aus Borden, Bördern gebaut, ähnlichem +Gedankengang folgend der heute noch anstatt »in meinem Hause« sagt: »in +meinen vier Wänden, in meinen vier Pfählen.« + +Für »*Schiff*« wird bord schon früh, im Angelsächsischen, »on borde« und +im Altfriesischen gebraucht: »and taegh ne weer inoer boerd«, »und zog +ihn wieder binnenbords.« + +Aus dem althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte +hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische, +Portugiesische gegangen, als bord ins Französische, = Rand, +Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen, +(mit einem Rande besticken) sticken; das französische (border) broder, +woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem +einheimischen alten Sinn. Im Altfranzösischen hieß borde Baracke, davon +bordele, bordel (ital. bordelle) = Hüttchen, kleine, unansehnliche, +schlechte (Bretter-) Bude. + +Zu vergleichen ist die Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch +dilo, dil, mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung, +Zimmerdecke, Bretterwand, (»gedielter«) Fußboden, »Diele«, +Schiffsverdeck. Vielleicht ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele für +Deck, Schiffsverdeck gebraucht worden. In der Zollrolle der Gräfin +Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 heißt es: »Scuta que bordum habet +debet Comiti duos dinarios; si vero bordo carent, debet Comiti unum +denarium.« Sartorius und Lappenberg bemerken dazu: »Die Schute mit einem +(größeren, höheren) Bord ist von größerem Umfange, als die ohne oder mit +einem kleinen Bord.« Durch diese Erklärung wird aber die Sache nur noch +dunkler, denn die Begriffe »größer« und »kleiner« sind hineingetragen. +Es steht da nur von einer Schute die einen Bord hat und von einer die +keinen hat. Einen Bord im Sinne von Rand muß aber jedes Schiff haben, +auch das kleinste. So darf man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint, +so daß ein gedecktes Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu +zahlen hatte. Diese Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in +einer Bremer Urkunde von 1312 und 1315 liest: »Si naui, que dicitur eke, +hoc commiserint, centum, si alia vocata *bortskip*, sexaginta marcis +etc. etc. debebunt emendare.« Es gab also Schiffe die Bortschiffe +hießen; da aber jedes Schiff einen Bord hat, so muß etwas anderes als +Bord, Rand, gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am +nächsten. Dasselbe gilt für das mittelniederdeutschen Urkunden eigene, +noch heute in den west- und ostpreußischen Häfen gebräuchliche bordinge; +Brem. Stat. 1489: »nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn +legghen oan der slacht (Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld, +Hafenabgabe) sy dann thovoren entrichtet.« Oldenburgische Urkunde von +1549: »Ike hadde ene burdinge dat is ein stark schepe als ein punte, dar +er siene perde mit auer furde«. + +S. »an Bord«, »von Bord«, »über Bord.« + + +*borden*, + +ungefähr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich an +jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord) +liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen +mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten +borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt) +wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im +Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Receß von 1440 +lesen wir: ... »unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do +injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so +grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden +grote Spansche schepe.« + + +*Borg* + +-- in Borgbendsel, Borgbraß, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge, Borgwanttau +u. a. m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen belieben, wenn wir +uns gebildet ausdrücken wollen. Der Seemann ist aber bei seinem Borg +geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um auf alle Fälle, +auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen, nimmt man eine +zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe, Borgstenge heißt. +Breusing tadelt Roeding, daß er nicht gesagt hat, daß dieses Borg nichts +mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn einmal lag es +überhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische Untersuchungen +anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied zwischen Borg in dem +einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich beide Male um +Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer mehr ein Pfand +als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar der Begriff +Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber doch noch +vorhanden, und wäre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des +Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben. + + +*Bottelier*, der. + +Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten hat, also eine +sehr wichtige Persönlichkeit, was schon daraus zu erkennen ist, daß er +sich nicht Botelir sondern Bottelié nennen läßt, als ob es französisch +wäre. Und es ist doch gut deutsch. Im Althochdeutschen hieß der Bottich +botacha, mittelhochdeutsch botige; davon kommt butiglaere, büttiglaere, +putigler, der Schenk, Mundschenk. Von Bottich kommt Bütte, von Bütte als +Verkleinerungsform Buttel (Buddel), niederdeutsch Bottel, und hiervon +kommt Bottelier, nur daß im seemännischen Gebrauch die verengte +Bedeutung wieder erweitert ist, daß man nicht bloß an Flaschen, sondern +vor allen Dingen an Fässer denkt, auch wenn sie gar kein Getränk, +sondern Fleisch oder Butter oder Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der +Begriff in Westfalen erweitert, wo eine Magd, die auf größeren Gütern +für das Bier und *die Wäsche* des Gesindes sorgt, Buddeliersche heißt, +während anderseits der Kellermeister des Abtes von Werden den Titel +buttelierer führte. + +In Holland haben sie ein Sprichwort, das läßt tief blicken. »Als kok en +bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is.« Lüpkes hat +das übersetzt: »Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten, +zanken, hört man (durch ihre wechselseitigen Vorwürfe), wo die Butter +geblieben ist.« »Kellermeister« ist, da es selbst das vornehmste Schiff +bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr kühn angewandt, +wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: »Da weiß kein +Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist.« Es hätte sehr wohl Bottelier +können stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der +»Seemannssprüche« allgemein bekannt. + +In seinem großen Werke über Japan erzählt der Deutsche Kämpfer, der aber +sein Buch holländisch herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei +in seiner Jugend Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen. + + +*Brabank*, die. + +Ursprünglich ein Ort wo seemännische Arbeit getan wurde, an einer Küste +oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und Werft. Während +nun Lastadie -- habent sua fata verba! -- so ziemlich aus dem Mund der +Menschen gekommen ist, hat Werft ein großartiges Glück in der Welt +gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen, enger +gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer Werft +beschäftigten Seeleute bedeutet. »Er ist auf der Brabank, von der +Brabank, gehört zur Brabank,« das heißt er gehört dem Allgemeinen +Betriebsdepôt der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende +Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem +beschaulichen Geschäft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hieß +das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Tätigkeit die +auf der Brakbank ausgeübt wurde nannte man braken. Nun hat Grimm bei +Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag stammt, +den Gedanken geäußert, daß vor dem t in braten ein k ausgefallen sei, +daß also braten für brakten stehe oder das k mit t einfach getauscht +habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur Gewißheit. Und +gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu erinnern, er kommt in +jeder Kinderstube täglich vor, und es gibt ganze Völkerschaften, die die +beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne daß sie sich dessen +überhaupt bewußt sind, ob sie ein k, ob sie ein t sprechen. Wenn in +einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin anstatt Latin sagen +konnte, dann konnte man sicher auch braten für braken sagen. Und man tat +es auch. Im Hochdeutschen hieß das Wort und heißt es braten, im +Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach niederdeutscher Art in +der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen. In dem »Redentiner +Osterspiel,« so genannt weil es von einem Ungenannten am 20. November +1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar vollendet wurde, geht +Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen ihrer Handwerkskniffe +und -Betrügereien ins Gericht. Dem Schneider (niederdeutsch scroder oder +schrodere, daher der weitverbreitete Familienname Schroeder) fällt er +das Urteil: + + »Desseme schrodere dat syn recht + Unde werpet ene an der helle grunt, + Dar schal he ligghen so en hunt + Unde an der ewighen nette braghen + He heft so mennighen man bedraghen.« + +Der niederdeutsche Seemann blieb zunächst, sich auf nichts Neues +einlassend, bei dem gutturalen Laut, nur daß er statt der Media die +Tenuis nahm und nicht Bragh = sondern Brakbank sagte. Als aber im Laufe +der Zeit das Hochdeutsche auf seinem Siegeszuge zu mächtig wurde, konnte +er sich doch einer Änderung, einer sprachlichen Weiterentwicklung nicht +entziehen. Aber lieber als daß er den beliebten Tausch von k und t +mitgemacht hätte, machte er kurzen Prozeß, warf den unbequemen +Konsonanten vor dem b ganz hinaus und sagte in seiner kurzen, bequemen +Art kurzweg Brabank. + +Es hat sich indessen auch noch ein Wort Brakbank erhalten, hochdeutsch +Brechbank, das aber mit dem unsrigen nichts zu tun hat, wiewohl es auch +nicht ganz ohne Beziehung zur Seemannschaft ist, denn so heißt ja die +hölzerne Bank zum Brechen des Haufes, auf der die Schäven gebrochen +werden, damit sie sich von der Hanffaser lösen. Unser Brabank aber ist +keine wirkliche Bank, sondern, wie Sandbank, bildlich, für eine erhöhte +Stelle an einer Küste oder einem Ufer angewandt, und zwar war es ein +Ort, wo besonders das Dichten und Kalfatern vorgenommen wurde. Ein +Schiff kalfatern nannte man bragen: »Item wen ein schipper dichten en +bragen leht.« Im Lübeckischen alten Zunftrecht heißt es; »Idt schall ock +kein werckmann uf der braeckbank to werkende angenahmen werden, idt sy +den hie genochsamb vor einen werckmann up der lastadien (Werft) bekandt +und darto duchtig« (Befähigungsnachweis!). Der Kalfaterer hieß brager. + +Nun hieß altnordisch bradha -- so früh schon hatte sich der t-Laut +verschoben -- theeren, verpichen, mit Theer oder Pech überziehen, bradh +das mit Ther bestrichene Holz. Wir haben dabei an braten im Sinne von +heiß machen, wärmen, erhitzen, durch Hitze zum Schmelzen bringen zu +denken, wie man Speck ausbrät. Der Theer muß erst vom Feuer gleichsam +gebraten, d. h. flüssig gemacht werden, ehe man mit ihm kalfatern kann. +Kalfatern (s. d.) thut, trotzdem es erst ihr Hauptgeschäft war, die +Brabank aber jetzt nicht mehr, das wird von Schiffszimmerleuten, die +nicht zur Brabank gehören, besorgt. Roeding hatte also die alte Brabank +noch im Auge, da er vor 100 Jahren schrieb: »Ein am Ufer befindlicher +Platz, der mit Spillen, Gienen und anderem Zubehör versehen ist, um +daselbst Schiffe zu kielholen.« + +Wie Lastadie als Straßenbezeichnung erhalten geblieben ist, so muß es in +Danzig eine Straße oder einen Platz des Namens Brabank geben. + +Eine auffallende Ähnlichkeit hat das bretonische rabank, es hat aber +nichts mit Brabank zu tun, sondern kommt von rap = Reep. + + +*Bewulen* s. Wuling. + + +*brack*, + +salzig, bitter, trübe, schlammig, verdorben, schlecht, unbrauchbar. +Brackwasser ist Süßwasser mit Salzwasser gemischt, also zum Trinken +unbrauchbar. Dann übertragen auf andere unbrauchbare Dinge, verdorbene +Waren, nicht vorschriftsmäßige Lieferungen oder nicht verwendbare Teile +einer solchen; bracken heißt dergleichen Gegenstände als brack +bezeichnen, condemniren, ausmustern, verwerfen. Schon Kilianus hat das +Wort brack in beiden Bedeutungen: »salsus, aquae marinae saporem quodam +modo referens« und brack goed, »merces submersae, salo sive aqua marina +corruptae.« Die Bedeutung ist also ursprünglich: »durch Salzwasser +verdorben«, dann überhaupt verdorben. Und zwar hat der Gedanke an bei +einem hereinbrechenden Unglück hereinbrechendes Meerwasser den Ausschlag +bei der Benennung gegeben. Das Wort kommt also von brechen; an +Schiffbruch und Deichbruch ist zunächst zu denken und dann an die +dadurch verursachte Beschädigung. + +Das »Bremer Wörterbuch« schreibt: »Brack = Salzwasser mit Flußwasser +gemengt. »Brakke Grund« ein Boden der salziges Wasser gibt.« Und daher +soll Brake an der untern Weser seinen Namen haben, »weil Wasser, was auf +diese Weise vermengt ist, gebrochen pflegt genannt zu werden.« Kaum, +sondern Brack, Brake ist eine Stelle wo einmal ein Deich gebrochen war. +S. a. *Wrack*. Die Bedeutung kommt nach Sinn und Form unserem +»Gebrechen«, »gebrechlich« nahe. + + +*Bram* + += Bramstänge, Bramrahe, Bramsegel, Bramtuch, Bramsaling, Bramtoppnanten, +Brampardunen, Bramschoten, Bramwanten, Brambulin, Bramfall, Brambraß, +Bramleesegel, überhaupt: Bramgut. Alle diese Wörter -- in deren +Zusammensetzung je das zweite Wort an seiner Stelle nachzusehen -- +erklären sich aus ihrer Verbindung mit der Bramstänge. Es gilt also das +*bram* in diesem Worte zu erklären. Bekanntlich ist die Bramstänge die +Fortsetzung der Marsstänge nach oben. Sie war früher, ehe die +Oberbramstänge erfunden war und ist auf Schiffen, die solche nicht +führen, der höchste, obere Teil des Mastes. + +In Holland sagt man von einem Manne, der bei uns Großhans heißt, der +also »den grooten heer uithangt«, er sei ein »heelen bram,« er sei hoch +gestochen. Dies bram heißt hoch. Es stammt von der »Hasenheide«, die hin +und her in ganz Europa an Feldrainen, auf Waldlichtungen, auf dürrer +Heide wächst und, außer Hasenheide, noch Pfriemenkraut, Brämme, Bräme, +Bram heißt, spartium scoparium L. Die uns bekannteste Art ist die mit +den grünen, dünnen, schwanken Reisern und den gelben, weithin +leuchtenden Schmetterlingsblüthen. Sie heißt vielfach Ginster. In +Frankreich genêt (von genista) und hat Verwandte die als Ziersträucher +dienen. Ein Reis (plant) dieses genêt pflegte Gottfried von Anjou an +seinen Helm zu stecken, woher der berühmte Name Plantagenet. Wir machen +Besen aus dem Ginster und nennen es Besenginster, jedoch nur auf +hochdeutsch. Das Volk sagt Bräme oder Bram, auch wohl Bremme, +(»Wirtshaus zur goldenen Bremme« bei Saarbrücken kriegerischen Andenkens +vom Sommer 1870), Brom in Brombeere ist damit gleicher Abstammung. +Althochdeutsch hieß prama, brama, mittelhochdeutsch brame Dornstrauch, +stachligter Strauch, Brombeerstrauch. Sehr bezeichnend, denn die +Grundbedeutung von Bram ist spitz, scharf, stechend, vorstehend, +vorragend, Spitze, Höchstes, Äußerstes. Die Bramstänge heißt also so als +Spitze, Höchstes, Äußerstes des Mastes und überhaupt des ganzen +Schiffes. Der Name kommt demnach nicht sowohl von der Gestalt einer +dünnen, langen, schwanken Ginster = Dornenstrauch- oder Brombeergerte, +sondern von dem Hinaufstehen, Hervorragen, Aufwärtsstreben der Reiser. +Wäre jenes anzunehmen, dann wäre Bramstänge eine Tautologie. Nicht als +ob solche nicht denkbar wäre, es giebt ihrer genug, aber einfacher und +klarer ist doch das Bild, wenn wir die Vorstellung »hinaufragen« +festhalten. + + +*Bräm*, der. + +Vergl. Bram; dieses heißt nicht nur das Höchste nach oben zu, sondern +auch das Äußerste nach außen zu, also nicht bloß Anhöhe, sondern auch +Ufer, Küstensaum, Saum eines Gewandes, Rand, Rand einer Mütze, +Mützenbräm der Offiziere etc. Da dieser Mützenbräm der Väter mit Pelz +besetzt war, so sagt man: Die Mütze war mit Pelz verbrämt, wie man auch +von einem verbrämten Kleide spricht, wenn der Saum besetzt ist. (Sogar +Augenbraue und Augenwimper kommen von Bram. Mittelhochdeutsch hießen sie +augbram und windbram, Rand über dem Auge, Schutz des Augenrandes vor dem +Winde.) + + +*Brandung*, die. + +Die Bewegung der an einer Küste, einem Felsen etc. etc. sich brechenden +Meereswogen. Schon im Beówulf kommt brant, bront vor für tosend, +schäumend, von Schiff und Flut gebraucht. Es ist bei der Benennung +ausgegangen von dem was das Ohr hört, nicht von dem was das Auge sieht, +denn Brandung ist mit Brand dasselbe Wort, und man hat dabei an das +Geräusch des Brennens, das Brausen, Zischen und Gischen einer +Feuersbrunst zu denken. Das Zeitwort dazu heißt *branden*, vom +niederdeutschen brannen = brennen und von Brandung beeinflußt. In +Ostfriesland gebraucht das Volk das Wort Brandung selten oder nie, sagt +vielmehr See. + +Daß das Geräusch den Ausschlag gab, geht aus dem Altnordischen, +Angelsächsischen und Altenglischen hervor, wo Brandung brim heißt, von +breman, brummen, brausen, lateinisch fremere, griechisch bremein. +Indessen kommt schließlich alles auf eines hinaus, denn im Sanscrit +heißt bhramas prasselnde Flamme. + + +*Brander*, der, + +heißt eigentlich Brenner. Die Form ist niederdeutsch, in Anlehnung an +Brand und brannen = brennen. In Holland heißt ein Mann der irgend etwas +brennt, sei es Kaffee, Branntwein oder Backstein ein brander. +Seemännisch, ein Schiff das anderen sich brennend naht um sie in Brand +zu stecken. + + +*Brass*, die. + +Das Tau an der Nock der Rahe mit dem diese gebraßt d. h. vorwärts oder +rückwärts bewegt wird, je nachdem die Segel nach dem Winde gerichtet +werden müssen. Die beiden vom Mast abstehenden Teile einer Rahe gleichen +zwei ausgebreiteten Armen. Daher ist anzunehmen, daß das Tau an solchem +Arm mit dem lateinischen und griechischen Worte für Arm, brachium, +brachion, verwandt und durchs Romanische zu uns gekommen ist. +Französisch brasse, Klafter, Schnur, Seil; provençalisch brassa, +spanisch und portugiesisch braza, Klafter (was man mit den Armen fassen, +greifen, umfassen kann); englisch brace, Tragband, Handhabe; diese +letztere Bedeutung würde dem Gebrauche von Braß als Handhabe am Ende der +Rahe am besten entsprechen. Das seemännische Braß heißt französisch +bressin, weil das den Namen tragende Tau am bras (Arm) befestigt ist; es +müßte daher eigentlich brassin lauten; aber brassin hieß schon das +Gebräu, und davon sollte es unterschieden werden. + +*Anbrassen* heißt so brassen, daß das Segel mit der Luvseite weiter nach +vorn kommt, aufbrassen, daß es weiter nach hinten kommt. + +*Brassen und toppen* heißt nach einem Segelmanöver, im Hafen aber vor +der Morgenmusterung die gesamte Takelage einer genauen Besichtigung +unterziehen und, wenn nötig, in einen tadellosen hafenmäßigen Zustand +bringen; besonders jede Rahe in den rechten Winkel zur Längsachse des +Schiffes brassen und sie in den rechten Winkel mit ihrem Maste toppen. + + +*Bratspill*, das. + +Vorrichtung einfacher Art zum Ankerlichten. Muß eigentlich heißen +Bratspitt = Bratspieß, weil es wie ein solcher gedreht wird. Da aber die +Vorrichtung wie das Spill gebraucht wird, so lag die etymologisierende +Veränderung in Bratspill, als Anlehnung an den stärker gewordenen +Begriff nahe. In Holland heißt das Werkzeug -- eine horizontale hölzerne +Welle -- braadspit; das englische windlass und das französische vindas +haben das Bild einer hölzernen Welle oder Achse, die oder mit der man +windet, ebenfalls deutlich festgehalten. In der »Beschriving van der +Kunst der Seefahrt«, Lübeck, 1678 steht: »weil die Pallen von das +Bratspieß weg wahren.« + + +*Breitfock* (Brefock), die. + +Wenn Schiffe, die für gewöhnlich nur Gaffel-, Spriet- oder Gieksegel +(Schratsegel) führen, vor dem Winde fahren, so setzen sie ein breites, +viereckiges Rahsegel -- das einzige das sie setzen können; -- es +befindet sich -- nach Roeding -- an der Bagienrahe, (die am Großmast +angebracht ist, weil ein Kreuzmast nicht vorhanden). Dieses Segel heißt +Breitfock, da es dem achterlichen Winde eine möglichst breite +Angriffsfläche darbieten soll um besser ziehen (s. Fock) zu können. + + +*Briese*, die. + +Das Wehen des Windes, besonders wenn er nicht zu stark weht. Man sagt +zwar »es briest auf« oder »es briest tüchtig« und spricht von einer +frischen, kräftigen, strammen Briese, aber sobald der Wind zum Sturm +anwächst, wird er nicht mehr Briese genannt. Da in England breeze ein +sanfter Wind, in Italien brezza ein kalter, windiger Nebel, in Spanien +bisa der Nordostwind heißt und in letzterer Sprache bisa und brisa +gleichbedeutend sind und neben einander gebraucht werden, so mag Briese +nur eine andere Form für Biese, Bise (s. d.) sein. Wenigstens fällt es +schwer, das Wort mit dem niederdeutschen brusen, brausen, oder mit dem +niederländischen brysen, brechen, zusammenzubringen, es müßte denn sein, +daß man sich eine »spiegel«-glatte See vorgestellt hätte, deren Spiegel +von der aufkommenden Briese »gebrochen« und mit Katzenpfötchen bedeckt +wird. + + +*Brigg*, die, + +ein Segelschiff mit zwei mit Rahen versehenen Masten. Das Wort kommt +-- wie wohl auch die Sache -- aus dem Mittelmeer. Die Grundbedeutung ist +Unruhe, Geschäftigkeit. Italienisch briga, Lärm, Getümmel, Geschäft, +brigare, eifrig streben, dringend bitten, brigata, Gesellschaft, Rotte, +Heerschaar, (Brigade); brigantino Raubschiff, Seeräuberfahrzeug. In +diesem Sinne ist es zuerst ins Deutsche gekommen, oft mit der Umstellung +Bergantine; so hat es schon Kilianus: bergantine = navis piratica. Es +liegt auf der Hand, daß ein Seeräuberschiff ein schnelles Fahrzeug sein +mußte, das der ehrliche, »erlaubte« Handel (»Nahrungszweig«) sich zum +Muster nehmen konnte. Das hat er auch getan, aber das Wort war dem +niederdeutschen einsilbigen Seemann zu lang, er kürzte es ab in Brigg. + + +*Brille*, die. + +Was eine Brille im Munde des Seemanns bedeutet ergibt sich am +deutlichsten aus der Beschreibung der *Brille für den Aussenklüverbaum* +bei Dick und Kretschmer. Sie »besteht aus einem vierkantigen und einem +runden Teil; beide Teile sind durch einen Steg mit einander verbunden. +Die Brille wird mit dem Vierkant so über die Nock des Klüverbaums +gestreift, daß der zur Aufnahme des Außenklüverbaums bestimmte runde +Teil sich am Steuerbord befindet.« Also eine Art von Eselshaupt. Der +runde Teil, der Einfassung einer alten runden Brille ähnlich, hat den +Namen veranlaßt. Brille stammt von dem Edelstein beryllus, der zuerst +als Zauber- und Wahrsageglas diente, dann als Sehglas geschliffen zur +Unterstützung schwacher Augen; zunächst für *ein* Auge, dann für beide. + + +*Brook*, die, + +ein Tau oder ein Geflecht von dünner Leine, dazu bestimmt, etwas +festzuhalten und zu sichern damit es an seiner Stelle bleibe; auch ein +Stück geteertes Segeltuch vor einer Öffnung befestigt, in die kein +Wasser eindringen soll. Verleihung von Festigkeit und Schutz ist also +der Zweck einer Brook. Beides wird dem menschlichen Leibe durch die -- +Hose gewährt, namentlich wenn sie nicht mit Hosenträgern getragen, +sondern durch einen Gürtel oder, wie beim Seemann üblich, durch einen +enganliegenden Hosenbund gehalten wird. Hose heißt aber niederdeutsch +Brook; ein sehr altes Wort, das bei den Römern braca hieß, aber als +Fremdwort bekannt war, wie denn auch nicht nur die Perser, sondern auch +die Germanen und die Gallier unter dem gleichen Namen ein Kleidungsstück +trugen das nicht nur den Beinen Schutz, sondern auch den Hüften Halt und +Festigkeit verlieh. (Hosen-) Gurt wird also die Hauptbedeutung des +Wortes am sinngemäßesten wiedergeben. + + +*Buchse*, die, + +wird im seemännischen Sprachgebrauch vielfach anstatt Büchse gesagt; +Beweis, wie sehr dieser am Alten auch da festhält, wo das ihm so nahe +liegende Niederdeutsche Weiterbildung mitgemacht hat. Denn das vom +griechischen pyxis (aus puxos Buchs, Buchsbaum) stammende Wort, das +mittelhochdeutsch buhse, mittelniederdeutsch busse hieß, hat sogar im +Neuniederdeutschen den Umlaut angenommen (büsse) den die Seemannssprache +bisher mit Erfolg abgelehnt hat. Das englische box wird auch in +deutsch-seemännischen Munde oft gehört, sogar (scherzweise) für Kammer, +um die Enge einer solchen zu kennzeichnen. + + +*Bucht*, die. + +1. Die Biegung eines aufgeschossenen oder sonst »gebogenen« Taues. 2. +Bucht im neuhochdeutschen Sinne eines kleinen Meerbusens, Ort wo die +Küste sich einbiegt. Nach Heyne ist das Wort erst im 18. Jahrhundert aus +Niederdeutschland in die hochdeutsche Schriftsprache gedrungen. So hat +also das Niederdeutsche diesen althochdeutschen Besitz vor dem Verluste +gerettet, denn von dem althochdeutschen biogan biegen gab es schon in +alten Zeiten ein Substantivum biugo = sinus. + + +*Bug*, der. + +Der vorderste, stark gebogene Teil des Schiffes; die Biegung ist das den +Ausschlag bei der Benennung Gebende. Das hat Weigand (I. 278) zwar +geleugnet, indem er sagt, bug käme nicht von biegen wegen des uo im +althochdeutschen und mittelhochdeutschen buoc; aber ohne Erfolg, denn +woher soll das althochdeutsche buog, das obere Gelenk des Oberarms und +des Schenkels, anders kommen als von biogan? Gothisch biugan, biegen und +beugen; Sanscrit bhug, inflectum esse (gekrümmt). Es ist behauptet +worden: »Die uralten Bezeichnungen von Körperteilen wie Arm, Bug, Herz, +Nase, Niere etc. etc. beruhen auf dunklen Wurzeln, von denen wir +nirgends mehr eine Spur finden; sie gehören eben zum allerältesten +Wortbestande der indogermanischen Sprache.« Für Bug liegt aber die +Annahme einer Wurzel die biegen bedeutet so nahe, daß man sich ihr nicht +entziehen kann. Auch Bogen ist verwandt, altdeutsch bogo, boge = +Halbkreis, Waffe, Sattelbogen; niederländisch boog, wozu Aubin bemerkt: +»ce mot se dit de toutes les choses qui se sont en ligne courbe.« Bug +heißt niederländisch allerdings nicht boog sondern boeg, aber Weiland +sagt: »boeg van buigen, het voorste gedeelte van een schip, waar het +sterk gebogen is.« + +Kilianus gebraucht bocht und boech als völlig gleichbedeutend. + +Angelsächsisch bôg, englisch bough. In der Edda wird für Biegung, +Krümmung, bugr gebraucht. + +»Über den Steuerbord-, über den Backbordbug anliegen oder segeln« heißt: +Das Schiff liegt auf der Steuerbord-, auf der Backbordseite am Winde, +segelt mit der Steuerbord-, mit der Backbordseite der Segel beim Winde. +Das sind zwei sehr verschiedene Fälle; will der Seemann aber sagen: »auf +alle Fälle«, so sagt er: »über jeden Bug«, auch da wo es sich nicht um +Seemannschaft handelt; Groningen: »Hy prebjerret it op alle bugen um rik +to wirden.« + + +*Bugsieren*, + +ein Schiff durch ein anderes schleppen, in dem der schleppende Dampfer +die schleppende Troß, die an seinem Heck belegt ist, am Bug des zu +schleppenden Schiffes festmacht. Wenn das s nicht wäre, so könnte man +annehmen, das ieren sei einfache Endung, so aber muß an eine +Zusammensetzung gedacht werden. Diese ergibt sich aus dem Holländischen +und Ostfriesischen, wo sjoren, festmachen, sjuren, ziehen, schleppen +bedeutet. Man hat also die Wahl, anzunehmen daß bugsieren vom +holländischen sjoren kommt und von Bug, so daß also das Wort hieße: »ein +Tau am Bug festmachen,« oder vom ostfriesischen sjuren und Bug, so daß +es hieße: »ein Schiff an seinem Bug ziehen, schleppen«; vielleicht haben +auch beide Bedeutungen in einander gespielt. + +Eine eigenartige Form hat der Übersetzer der »Durchlauchtigsten +Seehelden,« Sulzbach 1681, dem Worte gegeben. Er beschreibt die +Seeschlacht bei Lepanto und gibt an, daß die Nachhut der Christen unter +dem Marquis de Santa Cruz Alvaro Bacciano hauptsächlich aus Galeazzen +bestanden habe, »von denen jedwede sechs und fünfftzig grosse +Stück-Geschütz, zwölffe in den Vordertheil, zwölffe in den Hindertheil, +und sechzehn an jedweder Seite, und sechs hundert Fuß-Knechte auf +hatten, ... und weil sie so schwer waren, hat man, damit sie nicht +dahinten bleiben sollten, sie nahe an den Feind büchsiren oder +fortziehen lassen, daher sie auch die ersten waren, welche auf den Feind +ohne Verhinderung der andern Galeyen zu schießen begunten.« + + +*Bugspriet*, das, + +eine Art Mast, nur daß er nicht aufrecht steht, sondern im Winkel +geneigt über den Bug hinausragt. Spriet heißt eigentlich Spieß, Stange, +Spiere, Baum; auch die Stange die diagonal in das deshalb Sprietsegel +genannte Bootssegel gesteckt wird um es auszubreiten. Es ist darum +schwer zu entscheiden, ob es von spriotan = sprießen oder von spritan = +spreizen kommt; der Bedeutung nach wäre beides möglich. Das französische +beaupré ist aus Bugspriet mundgerecht gemacht. + +Im Niederdeutschen früher bochspreeth und bockspreet, bochspreth; »und +syn bochspreth qwam in Klawes Wendes focken tackel to staende. Do lepen +twe boesmans (Matrosen) van den unsen int focken tackel und houven eme +dat stach und bolynen van synem bochsprete« ... In einer Verklarung am +31. Oktober 1564 zu Bremen abgelegt heißt es: ... »erschenen F. W. und +bekennet onde getuget, dat vorleden sonnauend den 12. October sick ein +storm erhauen, ond sy datsulnige mall J. R. by A. G. sinem schepe +hengedreven, ond also he jegen gedachten A. G. schip gekamen, sy J. +bochspreeth in A. bachstaken geraket.« In einer zweiten Verklarung über +denselben Fall heißt es: »doch nichtes desto weniger J. R. mit synem +bockspreet in ohre hovettow gedreuen sy.« (Schiller und Lübben VI. 26). + + +*Buhne*, die, + +ein Flechtwerk von Reisig zum Schutze eines Ufers, einer Küste gegen das +Wasser. Es ist im Grunde genommen nur eine andere Form für Bühne. Dieses +heißt Bretterboden, Boden eines Hauses, Decke eines Zimmers, bretterne +Erhöhung, Bretterverschlag, Bretterverkleidung, und eine Verkleidung +bildet auch die Buhne, nur daß sie nicht aus Brettern sondern aus +Reisern hergestellt ist. Es bedeutet auch Fischzaun und Fischkasten, und +zwar einen solchen auch wenn er aus Brettern hergestellt ist, so wie +auch ein aus Brettern hergestellter Uferschutz noch Buhne genannt wird. + + +*Buk* = Bauch. + + +*Bulin*, die, + +ein Tau das an der Seite eines Rahsegels ungefähr in der Mitte des +stehenden Lieks befestigt ist und dazu dient, das Segel steif beim Winde +zu halten und seinen Bauch möglichst weit nach vorne zu holen, damit das +beim Winde segelnde Schiff möglichst viel Wind in seine Segel bekomme +und größere Fahrt mache. Da die Bulin an einer sehr gebogenen Stelle des +Segels sitzt, so ist anzunehmen, daß sie vom Biegen den Namen habe; und +wirklich hieß sie früher auch Buglin; Kilianus schreibt boech-lyne. + +Davon das französische bouline; á la bouline, beim Winde. + +Die Befestigung der Bulin am stehenden Liek erfolgt durch +*Bulinsspruten*, Verbindung von zwei oder drei einfachen Stroppen, +welche den Zug der Bulin auf einen großen Teil des Lieks verteilen, +ausbreiten, aus*spreiten* sollen. + + +*Bumboot*, das, + +ein Boot in dem Händler allerlei Lebens- und Genußmittel feilhalten oder +an Bord bringen, Obst, Gebäck und dergleichen Dinge, die in der +Bordverpflegung nicht vorgesehen sind. Das Wort kommt nicht etwa von +pumpen, wiewohl Bumbootsleute leider manchmal auch borgen, sondern ist +mit Buhne verwandt, im Sinne von Fischkasten. So hieß ein Boot mit einer +Buhne Bun- oder Bumboot, und zwar in Flandern und Südholland, wo +dergleichen Fischerfahrzeuge gebräuchlich sind. Sie werden aber auch als +Lootsenfahrzeuge benützt und eignen sich, grade wegen der Buhne, dem +Fischtank in der Mitte, besonders zum Aufstapeln und Feilbieten von +Verkaufsgegenständen. Englisch bumboat, a boat for carrying provisions +to a ship at a distance from shore. Doch ist letzteres nicht mehr ganz +zutreffend, da es jetzt auch Bumbootsleute, namentlich Bumbootsfrauen +gibt, die nicht at a distance from shore ihr Wesen treiben, die gar kein +Boot; geschweige denn ein Bumboot besitzen oder benützen, sondern +einfach ihre Waren in einem abgelegten Kinderwagen längsseits eines am +Bollwerk oder dem Kai liegenden Schiffes bringen. Der Name aber, +Bumbootsmann oder Bumbootsfrau, ist geblieben. + + +*Bullei*, das, + +eine kleine, runde Scheibe von dickem Glas im Deck selbst, im +Decksfenster, besonders aber auch in der Bordwand zum Einlassen des +Lichtes. Aus dem englischen bull's-eye gebildet, = Ochsenauge. Auge wird +in den verschiedensten Bedeutungen bildlich und in übertragenem Sinne +gebraucht, sodaß uns die Aufnahme in die Seemannssprache nicht wundern +kann, s. Ochsenauge. + + +*Bullentau*, das. + +Man benützte früher besonders eingerichtete Prähme, Hulke, abgetakelte +Kriegsschiffe etc. etc. um ein Schiff das gekielholt werden sollte auf +die Seite zu legen. Sie hießen Bullen, weil sie sehr stark und steif +sein mußten wie der Nacken eines Stiers. Das andere Schiff ward mit sehr +starken Tauen auf die Seite gezogen, die Bullentaue hießen. Als die +Bullen selbst schon lange nicht mehr gebraucht wurden, nannte man die +Taue, die irgendwo zur Verstärkung, zur Aushilfe, zu besonderer +Befestigung in besonderem Falle dienten, immer noch Bullentaue. + + +*Bund, türkischer*, + +eine Takelung am Ende eines Taues, besonders eines Strecktaues, das +Besuchern des Schiffes in die Hand gegeben wird zum Festhalten und das +darum etwas eleganter getakelt ist in Gestalt eines Turbans, wofür schon +seit Jahrhunderten der Ausdruck »türkischer Bund« in Deutschland in +Gebrauch ist. Wenn nur das Aufdrehen des abgeschnittenen Endes vermieden +werden sollte, so würde ein Hundspünt (s. d.) genügen; der türkische +Bund wird also aus Schönheitsrücksichten gemacht. + + +*Bunker*, der. + +Kohlenbunker sind durch eiserne Schotte abgegränzte Schiffsräume die +zur Unterbringung des Schiffsbedarfs an Kohlen dienen. Durch die großen +Fortschritte des Dampfes haben die Bunker eine noch vor wenig +Jahrzehnten ungeahnte Vergrößerung erfahren. Etymologisch hängt das Wort +mit Buhne zusammen in der Bedeutung Brettergestell, Bretterunterlage für +die Ladung, dann Laderaum, manchmal auch das in demselben Befindliche, +die Ladung selbst. So wurde das Wort bonik, bonk, bunk im Mittelalter +gebraucht, wie aus zahlreichen Zeugnissen erhellt. In einer +Hansa-Urkunde von 1225 heißt es: »Item aliquis veniens cum navi ad +portum tytulo vendicionis aperit et dividit res suas, quod sie +nominamus: ofte he sinen bonich breket, vendens aliquam partem rerum +suarum« ... Eine Apenrader Skraa sagt: »item, eyn schipman, de eyn +schiphere heth onde de mit em in deme schepe sin, de en open eren bonnyk +nicht, er se vornoghed hebben dat schiplon«, (lat. Text: »item, nauta +dictus skipher et secum in navi existentes sua bunkae non aperiant, +antequam satisfactum fuerit pro naulo.«) Hansa-Urkunde von 1364: »were +dat een bonk ghebroken worde in den schepen, dat gut, dat men upschepet, +unde dut in den schepen blift, schal haluen tollen gheuen.« Hansa-Receß +von 1388: »it., en schal men nen gud by westen der Maase utschepen umb +ostwert to vorende. Men werit, dat en schipher qweme by westen der Maase +in Zeland, de mach dar synen bonnik breken und bringen dat gud by sworen +eeden tho dem stapel.« In einer dieser Formen und in der Bedeutung +Laderaum ist zur Hansazeit das Wort nach England gekommen, wo es bald +teils in eingeschränktem teils in erweitertem Sinne mehrfache Verwendung +fand und sich einbürgerte. So heißt denn nun im Englischen bunk: »a +wooden box or case, serving as a seat during the day and a bed at +night;« bunker aber heißt: »a bench or sort of chest that serves for a +seat«; also eine Sitzbank die zugleich als Aufbewahrungsraum diente, so +an die Bordwand gebaut aus Brettern, daß die Vorderwand und der Sitz +grade waren, die von der Bordwand selbst gebildete Rückwand wegen der +Gillung aber schief zulief, der Raum unten also nicht so breit war wie +oben. (Noch heute wird auf kleinen und kleinsten Schiffen der Raum so +ausgenützt). Diese chest diente zur Aufbewahrung, zum »Verstauen« von +allen möglichen Dingen, auch von Kohlen zum Kochen der Speisen. Als aber +Kohlen für die Dampf- und mancherlei anderen Maschinen gebraucht +wurden, da war es mit der Sitzgelegenheit bald vorbei, denn die Bunker +nahmen immer größeren Umfang an und wurden stattliche Räume, deren eine +Wand aber immer noch mit der Bordwand zusammenfällt, und ihre Gillung +mitmacht, da sie zwischen Maschine und Bordwand angebracht zu werden +pflegt. + +In der Zeit des siegreich vordringenden Dampfes ist denn das alte +deutsche Wort in der neuen, fremd erscheinenden Gestalt Bunker und in +der beschränkten Bedeutung Kohlenbunker wieder heimgekehrt, nicht mehr +Ladung im Allgemeinen, sondern nur Laderaum für die zum Schiffsgebrauch +dienenden Kohlen bezeichnend. + +Im Jahre 1898 tauchte plötzlich das Zeitwort »bunkern« auf. Irgend ein +Seemanöverberichterstatter hatte sagen hören: »morgen füllen wir unser +Bunker (mit Kohlen) auf,« und dachte, vielleicht weil ihm flunkern so +geläufig war, diese Tätigkeit heiße seemännisch bunkern; war er aber +seemännisch gebildet, und wußte daß das Wort bunkern gar kein Wort war, +so mag er den Drang in sich gefühlt haben eine große Tat zu tun und +setzte das geschmackvolle Wort als eigene Zeugung in die Welt. So ward +denn mit einem Male in den verschiedensten Zeitungen bunkern den +Nichtseeleuten als ein seemännisches Wort versetzt. Es scheint aber +schon wieder im Verschwinden gepeilt werden zu können und wird +hoffentlich bald wieder der Vergessenheit anheimgeben worden sein; man +könnte sonst ebenso gut anstatt ernten auch scheuern, anstatt dreschen +flegeln und anstatt schreiben federn sagen. + + +*Bunsch*, der, + += Bündel, von binden, vergl. v. Strombeck, Mar.-Rundschau 1899 p. 1127: +»Nach dem Setzen (des Großsegels) die Läufer der Fallen und Taljen +aufschließen (verdruckt für aufschießen), die Zeisinge in kleine Bunsche +legen, die Bezüge klar zum Verstauen im Segelraum zusammenlegen.« Ein +Wort das nur mundartlich vorkommt, und zwar in Niederdeutschland, ein +Bunsch Garn, ein Bunsch Wolle; während man in Hochdeutschland Gebund +sagt, ein Gebund Flachs etc. etc. Etwas zusammengebundenes oder +wenigstens etwas das so zusammengelegt ist, daß es wie zusammengebunden +aussieht. + + +*Büse*, die, + +ein Schiff zum Heringsfang, Heringsbüse, stark gebaut, früher mit zwei +Masten, jetzt nur mit einem. Mittelniederdeutsch buse, butze; »de +Hollander, de do in der ze weren up den herynk vank wol mit dre hundert +bussen, vif vredeschepen (Kriegsschiffe, Fischereischutz!) darbi.« +(Lüb. Chronik). »Bertoldus Schulenberg recognouit, quod Nicolao +Schulenberge pertineat in dimidio nauis secilicet butza de XVI lestis.« +(Wismar 1329). Nach Diez kommt es aus dem Lateinischen, ist aber dann +bereits sehr früh entlehnt, da es schon im Angelsächsischen bus hieß (in +der Zusammensetzung bus-carlas Schiffskerle, Schiffsleute) +Niederländisch buis; englisch buss, »a small vessel, from 50 to 70 tons +burden, carrying two masts (also ungleich den Emder Heringsbüsen) and +two sheds or cabins, one at each end, used in herring-fishing.« »Really +the same word as box« fügt das Imperial Dictionary hinzu; kurz und +bündig, ob aber ganz richtig? + +Mittellateinisch bucia, buza, (während box damals buxis und poxis hieß, +aus griechisch puxos, Buchs, Buchsbaum) provençalisch bus, altspanisch +buzo, altfranzösisch busse, buse, buce. + + +*Buserun*, der, + +eine Bramtuchjacke, vom Hals bis zu den Hüften reichend, beliebtes +Kleidungsstück der Seeleute, in Österreich »Bordleibel« genannt. Ein +zusammengesetztes Wort. Rune, Run heißt in Ostfrießland eine Jacke, die +als Überwurf zum Schutze bei der Arbeit getragen wird. Buse kommt +jedenfalls von busen, welches ebenfalls in Ostfriesland im Sinne von +ungestüm sein, sich stark bewegen, sich ausdehnen, schwellen blähen +gebraucht wird; sei es nun, daß dabei direkt an busen gedacht ist, sodaß +ein sich bauschendes, vom Winde aufgeblähtes Kleidungsstück gemeint ist, +sei es daß es ein den Busen bedeckendes Gewand darstellen soll, in +welchem Falle die Verwandtschaft doch dieselbe bleibt, da Busen +ebenfalls etwas Schwellendes bedeutet; etwas Sichausdehnendes, +Gerundetes. Ich möchte mich für Ersteres entscheiden, so daß das Weite, +Faltige den Ausschlag gegeben hätte, zumal es im Mittelniederdeutschen +ein Wort buys gab, das schon allein für sich weites, faltiges Obergewand +hieß. In diesem Falle wäre die Zusammensetzung tautologisch, aber das +teilt sie mit Pijacke und manchem anderen seemännischen Worte. Gegen den +Gedanken an »Busen« könnte auch der Umstand sprechen, daß dieses jetzt +meist »bossem« gesprochen wird und auch im Mittelniederdeutschen schon +überwiegend bosem hieß, wofür leicht viele Zeugnisse beizubringen wären, +da Busen im juristischen Sinne die direkt ab- oder aufsteigende +Verwandschaft hieß und in vielen Rechtsurkunden vorkommt. (Partus +sequitur ventrem, das Kind folgt dem Busen). + +Zudem wird das Wort oft Buscherun ausgesprochen und das bringt es dem +Begriff »bauschen« noch näher. Es ist nicht nur in Friesland, sondern +bis in das ostpreußische Seegebiet hinauf in Gebrauch und heißt dänisch +busserunne (nach einer schriftlichen Mitteilung eines Königl. +Navigationslehrers, der früher Ostseekapitän war). + +Häufig in der Dimitutivform »Busseruntje«, »Busserunchen.« + + +*Butluv*, das. + +»So heißt eine Art starke Spier, welche vorne an beiden Seiten des +Gallions in der Richtung aus dem Schiff liegt, welche die Fockrah hat, +wenn man dicht beim Winde segelt.« (Roeding.) Durch das Butluv fährt der +Fockhals. Buten heißt draußen; Butjadingen das Land »buta Jada« +(jenseits der Jade, von Rüstringen aus gesehen); ein butenkierl ist ein +Fremder (schon im Teuthonista butenmynsch) und als solcher für jeden +Ostfriesen verdächtig. + +Luv heißt in seiner ursprünglichsten Bedeutung einfach ein Stück Holz, +ein Pflock, eine Stange, ein Balken, und in diesem Sinne ist es hier +gebraucht (s. Luv.) + + + + +C. + +(Vergl. K.) + + +*capsizen* + +wird als Fremdwort manchmal für Kentern gebraucht; englisch capsize, to +upset or overturn. Die Engländer wissen aber selbst nicht, woher dieses +ihr Wort kommt. Es drängt sich der Gedanke an das Purzelbaumschlagen +auf, das man in Niederdeutschland »Kopheisterschießen«, doch wohl auch +»Kopsheisterschießen« heißt. Da dieses dieselbe Bewegung darstellt, die +ein kenterndes Boot macht, so wäre es nicht unmöglich, daß capsize davon +herstammt, also seinen Ursprung aus dem niederdeutschen Kinderspiel +herzuleiten hätte. + + +*Cargo*, + +die Ladung eines (Handels-) Schiffes. Vom lateinischen carrus, der +Wagen, kommt zunächst carricare, (auf den Wagen) laden, davon dann das +spanische Zeitwort cargar, laden, woraus das Substantivum cargo gebildet +ist. *Supercargo*, der von der Rhederei bestellte mit an Bord +eingeschiffte kaufmännische Verwalter der Ladung, dessen Geschäft es +ist, den Verkauf der Waren zu besorgen und überhaupt die das Schiff +betreffenden kaufmännischen Verhandlungen zu führen. Von carrus kommt +auch Carneval (carrus navalis, der Schiffswagen; bei den alten Deutschen +wurde im Frühling zur Feier der Wiedereröffnung der Schiffahrt ein +festlicher Umzug gehalten, bei dem unter allerlei Verkleidung und Scherz +ein Wagen in Gestalt eines Schiffes umhergefahren wurde). Von carrus +kommt auch Charge (s. d.) + + +*Certepartie*, s. Certificat. + + +*Certificat*, das, + +ein Zeugnis, ein Schein, eine Bescheinigung über wichtige das Schiff und +seinen Führer betreffende Eigenschaften und Fähigkeiten. Zu den +Schiffspapieren gehören folgende Certificate: Der Classificirungsschein, +der Meßbrief, der Registerbrief, der Beilbrief, der Befähigungsschein +(Qualifications-Attest; die Certepartie, der Schiffsfrachtbrief, +Schiffsfrachtvertrag, das Connaissement, der Verladungsschein). Der +Unterschied zwischen Certepartie (eigentlich Cartepartie, bei Roeding +Chartepartie) und Connossement (Conaissement) besteht darin, daß sich +letzteres nur auf einen Frachtbrief über einen Teil der Ladung bezieht, +ersteres aber gebraucht wird, wenn ein Kaufmann ein ganzes Schiff +befrachtet, trotzdem eigentlich -- partie gerade auf einen Teil +schließen ließe. + +Die Herkunft aus dem lateinischen liegt auf der Hand. + + +*Charge*, die, + +eigentlich Ladung, wie man denn auch vom Chargieren eines Gewehres oder +einer Kanone spricht, bedeutet den Dienstgrad, den jemand in der +Rangstufe der Unter- oder Oberoffiziere einnimmt oder bekleidet. Wie +Cargo vom lateinischen carrus, der Wagen, carricare laden; also einer, +der mit etwas beladen ist, auf den eine Würde, ein Amt, ein Dienst +gelegt ist. Es ist dabei zunächst an die Bürde gedacht, hernach aber +auch mehr und mehr an die Würde, so daß es in manchen Redewendungen nur +von letzterer gebraucht wird. Neuerdings wird vorschriftsmäßig in der +Marine anstatt Charge Dienstgrad gesagt. + + +*Chasse marée* + +heißt ein französisches Küstenfahrzeug mit Fockmast, Großmast und +Treibermast, Lugger- und Topsegeln; wegen der Segel könnte man es mit +Lugger oder Logger übersetzen, am einfachsten aber wäre es durch »Jacht« +wiedergegeben. »Bateau des côtes de la Bretagne, solidement construit, +le plus souvent ponté, et parfailement approprié à la navigation de ces +parages. Le Chasse-Marée navigue bien, il est très-convenable pour la +pêche et pour le petit cabotage; il porte deux mâts inclinés sur +l'arriére gréés avec beaucoup de simplicité, et souvent un troisième -- +das ist der Treibermast -- dit de Tapecul«. + + +*Cirrocumulus*, s. Cirrus. + + +*Cirrostratus*, s. Cirrus. + + +*Cirrus.* + +Federige Wolkenbildung = Federwolke, von cirrus = Haarbüschel, +natürliche Haarlocke, Federbüschel am Kopfe der Vögel. Cirrostratus, die +federige Schichtwolke, von sterno, stravi, stratum sternere, hinbreiten +(davon auch unsere Straße, via strata). Cirrocumulus, die federige +Haufenwolke, von cumulus, der Haufe. + + +*Citadellschiff*, das, + +bezeichnet ein Panzerschiff, dessen Panzer nicht die ganze Länge des +Schiffes bedeckt, sondern nur den Raum einschließt, der die wichtigsten +Anlagen, die besonderen Schutzes bedürfen, enthält. Man könnte sagen, +die Citadelle wäre ein Panzer im Panzer, wenn Panzer für Panzerschiff +allgemein verständliche Abkürzung wäre. Die Bezeichnung Citadelle ist, +davon abgesehen, daß sie ein Fremdwort darstellt, zutreffend gewählt, +sie stammt vom französischen citadelle, das seinerseits vom +italienischen citta, Stadt, kommt und eine kleine Festung bei einer +größeren Stadt bedeutet, in die die belagerten Bewohner der Stadt, wenn +diese nicht mehr zu halten ist, sich als äußersten Zufluchtsort +zurückziehen können. So verhält sich also die Citadelle an Bord zu dem +ganzen Panzerschiff wie die citta zur citadelle. + + +*Compartement*, das. + +(Wasserdichte) Abteilung des Schiffes, aus dem englischen, vom +lateinischen compartior, ich teile ab. Die Kriegsschiffe alle werden +jetzt so gebaut, daß sie in einzelne Abteilungen zerfallen, die gegen +einander wasserdicht abgeschlossen werden können, so daß eine oder +mehrere mit Wasser (durch einen Zusammenstoß, durch Auflaufen auf einen +Felsen, oder auch -- bei Feuer -- durch den Willen des Kommandanten) +gefüllt werden können, ohne daß das ganze Schiff sinkt. Das Fremdwort +ist im Aussterben begriffen, seitdem unsere Schiffsbaukunst sich von +England unabhängig gemacht hat. (s. Schott.) + + +*Compound* + +-- heißt zusammengesetzt, vom lateinischen componere, und kommt im +Englischen in unzählbaren Verwendungen vor; seemännisch haben wir +im Deutschen deren zwei herübergenommen. 1. Compound-Maschine, +eine Maschine, bei der der Dampf nach einander in zwei Zylindern +expandiert, bei der aber die Zylinder nebeneinander liegen, so daß +deren Kolben an zwei rechtwinklig zu einander versetzten Kurbeln +arbeiten, (also nicht immer gleichzeitig auf dem toten Punkte +stehen). 2. Compound = Panzerplatte (steel faced armour plate), +»stahlbekleidete Walzeisenpanzerplatte«; Stahlplatten und +Eisenplatten zusammengeschweißt, eine Vereinigung der Härte und +Undurchdringlichkeit des Stahles mit der Zähigkeit des Eisens, so +daß die Vorzüge beider Materialien, nicht aber ihre Nachteile, zur +Geltung kommen. + + +*Concentration*, die, + +deckt sich begrifflich mit dem, was man »Breitseite« zu nennen gewohnt +war, und bedeutet die Richtung sämtlicher Geschütze auf der einen Seite +eines Schiffes auf einen Punkt, der getroffen werden soll. Es gibt +bestimmte Zeichen auf Deck, nach denen die Kanonen gerichtet werden, um +in Concentration zu stehen, sie heißen Concentrationsmarken. Sämtliche +Kanonen einer Schiffsseite haben in dieser Ladestellung ein *Zentrum* +für ihre Richtung *mit* einander gemein; daher der (dem lateinischen +entlehnte) Name. + + +*Contrebrass*, die, + +heißt die Braß der Großrahe die in *entgegen*gesetzter Richtung der +eigentlichen Braß fährt und dieser zu wesentlicher Unterstützung dient. +Mit ihr wird vorzugsweise das Bewegen der Großrahe ausgeführt, während +die Achterbraß dieselbe stützt. Die Achterbraß fährt nach achtern, nach +dem Kreuzmast; die Contrebraß nach vorne, nach dem Fockmast. Gewöhnlich +*Grosscontrebrass* genannt. + + +*Convoy*, der, + +aus dem Französischen vom lateinischen con und via, einer der mit einem +anderen denselben Weg geht oder fährt; seemännisch das Kriegsschiff oder +die Kriegsschiffe, die Handelsschiffe in Kriegszeiten über See +begleiten, damit sie nicht gekapert werden. *Convoyieren* heißt also mit +einem Handelsschiff als Geleit- und Beschirmungsschiff fahren. Der +solchem Schiffe bezw. seiner Ladung zur Versendung nach dem +Bestimmungsorte mitgegebene Abfertigungs- oder Begleitschein heißt +Convoybrief. + + +*Cordes'sches Gewehr*, das, + +ist ein Gewehr zum Schießen einer Leine, wodurch eine Verbindung +zwischen Rettungsboot und Schiff hergestellt werden kann, wenn das Boot +nicht an das Schiff gelangen kann. Die Wurfweite beträgt 70 m. Aus dem +Gewehr können auch Leuchtkugeln geschossen werden, um bei Nacht dem in +Not befindlichen Schiff das Nahen des Rettungsbootes anzuzeigen. Die +Very'sche Pistole dient auch zum Signalgeben durch Leuchtkugeln; sie ist +Hinterlader, ihre Handhabung daher sehr einfach, weil die Zündmasse +gleich mit in der fertigen Patrone liegt. (Dick und Kretschmer, II. +315.) Cordes und Very sind die Namen der Erfinder. + + +*Crew*, die, + +heißt eine Gemeinschaft von Seeleuten, die Gesamtheit derer, die sich an +Bord eines Schiffes befinden, die zusammen die Bemannung eines Bootes +ausmachen, Schiffscrew, Bootscrew. Besonders aber wird es in der Marine +gebraucht für die Gesamtheit derer, die mit einander in einem und +demselben Jahre als (See-) Kadetten eingetreten sind. »Wir sind von der +75er Crew,« »er ist von meines Mannes Crew,« »sie sind Crew-Kameraden,« +»wir feiern unser Crewfest.« + +So unzweifelhaft englisch Form, Aussprache und nächste Herkunft sind, so +ist doch das Wort gemeingermanisch und bedeutet nichts weiter als +Wachstum, das was (in einem Jahre) gewachsen ist (»Crescenz« sagen sie +am Rhein), was in einem Jahre als Zuwachs zur Marine gekommen ist oder +was durch langes enges Beisammensein an Bord und Zusammentragen von +Freud, Leid und Arbeit zusammengewachsen ist. Verwandt mit dem +niederdeutschen greien, groien, grojen (s. Groden), althochdeutsch +gruoan, gruan, gruen, gröen, cröen, mittelhochdeutsch grüen, grüjen, +mittelniederdeutsch groien, altfriesisch groia, growa, angelsächsich +growan, altnordisch groa, norwegisch groe, schwedisch gro: alles grünen, +wachsen bedeutend. + +Vom lateinischen cresco kommt das französische croître wachsen, +recroître wieder (nach-) wachsen und davon recru (unser Rekrut), also +der Wiedernachgewachsene, der »Nachwuchs«. Davon dann recruter ausheben, +sich rekrutieren, seinen Nachwuchs beziehen. + +Insofern crew (früher crue geschrieben, altisländisch kru) und recru +eigentlich dieselbe Bedeutung haben, treffen die getrennte Wege +gegangenen Vettern der großen Wortsippe wieder sehr nahe zusammen. + +Zu bemerken ist hierbei, daß es ein mittelniederdeutsches Wort krup, +krop gibt, das Vieh bedeutet, besonders Rindvieh, aber auch Pferde. +Schiller und Lübben vermochten es nicht zu deuten und bemerkten richtig +nur so viel, daß es nicht von krupen = kriechen komme, da es sich ja +nicht um kriechende Tiere handle. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich, +daß dieses krup gleich crew ist, d. h. das Vieh das einem Besitzer +(ursprünglich vielleicht auch bloß in *einem* Jahre) gewachsen ist, +wobei noch einmal zu vergleichen altfriesisch growa, angelsächsisch +growan, wachsen. In dieser Annahme werde ich durch den daneben +hergehenden, gleichbedeutenden Begriff queck bestärkt. Eine +mittelalterliche Rechtsbestimmung sagt: »So die beiden oldern jeven +einem Kinde mit -- it is gelt ofte ein hovet krops ... und so dat queme, +dat dat Kind sturve, deme dat gelt unde queck bit den beiden olden +blyven.« Hier wird also ein Stück (»Haupt«) Vieh, weil es lebendig ist +mit dem Worte bezeichnet das »Leben« bedeutet. So gewiß man aber Vieh +Leben nennen kann, kann man es auch »Gewachsenes«, Wachstum, (also auch +hier »Crescenz«) nennen; man muß nur dabei im Auge haben wie wichtig +einem Viehzüchter sein Vieh und das Wachsen (und Gedeihen) dieses seines +Hauptbesitzstandes ist. So war es für die Betroffenen geradezu eine +Lebensfrage, wenn einmal die krup von einer Sturmflut überrascht wurde: +wie es in einer dithmarsischen Chronik heißt: »umme dusse tidt was ein +mechtich storme ... insonderheit averraschet dat water an etlichen orden +dat krup.« Denn, so sagt ein anderer aus jener Zeit, »alle volkere van +erst an hebben ehren vonehmsten rikedom im krupe gehatt.« Es fragt sich +also noch sehr, ob die Angeln und Sachsen nicht schon das Wort krup mit +über den Kanal genommen und drüben zu crew umgestaltet haben, so daß wir +es also auch hier, trotz der so sehr englischen Gestalt, doch mit einem +deutschen Worte zu tun hätten. + + +*Culmination*, die, + +ist der Durchgang eines Gestirns durch den Mittagskreis. Die Beobachtung +jener Höhe, die es bei diesem Durchgang hat, stellt seine Mittagshöhe +fest und ist von ganz besonderer Wichtigkeit für Feststellung des Ortes, +da sich ein Schiff befindet. Deshalb wird das Wort culminieren im Munde +der Seeleute auch in übertragener Bedeutung gebraucht. »Na, endlich +culminiert?« wird einer gefragt, der sehr lange geschlafen hat; culmen = +Gipfel, Höhepunkt. + + +*Cumulus* s. Cirrus. + + +*Cyclon*, der. + +Das griechische Wort für Kreis, Kyklos, hat seit Cyklops, dem +Schmiedeknecht Vulkans mit dem einen *runden* Auge auf der Stirn, die +weiteste Verwendung in allen gebildeten Sprachen gefunden: auch zur +Beziehung jener gewaltigen Drehstürme in denen, namentlich ehe das +Drehungsgesetz der Stürme bekannt war (ein deutscher Gelehrter, Dove, +hat es zuerst aufgestellt), manches Schiff mit Mann und Maus +untergegangen ist. Cyclone haben einen Durchmesser von 200 bis 500 +Seemeilen, der sich um einen windstillen Mittelpunkt (»ein kalmes +Centrum«) dreht und mit einer Geschwindigkeit bis zu 30 Seemeilen in der +Stunde fortschreiten kann. Sie drehen sich auf der nördlichen Halbkugel +nach entgegengesetzter Richtung wie auf der südlichen, nämlich auf +dieser mit, auf jener entgegen dem Zeiger einer Uhr. Es geht ihnen eine +eigentümliche Windstille und tiefer Barometerfall voraus. Seitdem man +das Drehungsgesetz kennt, kann man ausweichen, unter Umständen aber +sogar die Drehung benutzen zu einer desto schnelleren Fahrt. + + + + +D. + + +*Davit*, das. + +Vorrichtung zum Aufhissen und Aufhängen der Schiffsbeiboote. Meyers +Konversationslexikon behauptet mit einer Sicherheit die einer besseren +Sache würdig wäre, das Wort sei englisch. Gewiß wird es jenseits des +Kanals in derselben Bedeutung gebraucht, aber seine Wiege hat an +deutscher Seeküste gestanden. Denn weder in der englischen Form davit, +noch in der schwedischen david, noch in der dänischen davit, noch in der +holländischen jutt gibt das Wort irgend einen Sinn, den gibt es nur im +Deutschen, und zwar in seine Bestandteile zerlegt und in seiner +ursprünglichen niederdeutschen Form: Dove Jitte, d. h. taube Jütte. +Jütte ist ein gangbarer weiblicher Vorname, Koseform von Judith. Der +Name diente einst allgemein zur allgemeinen Bezeichnung des weiblichen +Geschlechts. Man sagt noch heute vielfach mal Jitte für albernes +Frauenzimmer. Aus dem Mittelalter ist uns der Spruch erhalten: »Lange +Kleder un körten syn, dat is syne arth der leven yuten,« Im »Reinke de +Vos« heißt es, da Braun der Bär beim Bauer Rustefyl in die Klemme +geraten war: »De Kärkher unde de koester bede. De kwemen dar ok mid erem +geräde. De papen-meiershe (Pfarrköchin), de het fru Jütte, de was de, +de de baste grütte konde bereiden un koken« ... Um Bremen herum und mehr +nach Oldenburg und Ostfriesland hin sagte man Jitte. Eine »dove Jitte« +ist nach dem »Bremer Wörterbuch« »ein Weibsbild das nicht gut hört.« +»Jumfer Jitte mit dem holten Titte, Schimpfname für ein junges +Frauenzimmer, deren Busen nicht sonderlich begabt ist.« Es kommt auch +die Bezeichnung »dumme Jitte« eben so häufig vor wie dumme Trine, dumme +Liese, schlampige Suse, faule Grete, dove Greetje. Ueberhaupt spielt die +Volkssprache gern mit dergleichen Frauennamen. Man denke nur an +»schnelle Kathrine.« So sagt man »Jumfer Kattel« für »menses« »Gretchen +in der Küche« heißt ein ungeborenes Mädchen, wie »Jan im Keller« ein +ungeborener Knabe. »Gretchen vom Deich« wird das Kreuzbramsegel genannt. +»Frau Johanna«, dame Janne, nannten die französischen Matrosen eine +dickbauchige korbumflochtene Flasche, was mißverstanden als Demijohn ins +englische überging und von da nach Norddeutschland kam, wo es für +Korbflaschen, in denen Portwein, Madeira und dergleichen Getränke +versandt werden, gebraucht wird und sich eine deutsche Aussprache mit +ungewöhnlich langem i gefallen lassen muß. »Liese« heißt ein Trinkkrug +nicht unbedeutenden Inhalts; »Liese« nannten die Soldaten in früheren +Zeiten das Strohbündel, auf dem sie liegen mußten, wenn sie Stockprügel +bekamen. Wie gern das Volk dergleichen Namen wählt, lehren die +volkstümlichen Namen für Nigella damascena: Braut in Haaren, Jungfer im +Grünen, Gretel im Grünen, Teufel im Busch, Gretel in der Hütte, Gretchen +im Busch, Gretel in der Hecke, Gretel unter den Stauden. Und wie gern +der Seemann mit dem ewig Weiblichen zu thun hat, beweist der Name +»Jungfer« für einen Block von eigenartiger Gestalt. So ist es denn nicht +zu verwundern, daß wir in seinem Munde die »dove Jitte« finden. Was aber +bezeichnet er damit? Daß der Davit früher keine so verbesserte +Vorrichtung zum Schwingen war wie heute, liegt auf der Hand. Vor hundert +Jahren begnügte man sich noch mit einer recht einfachen Sache. Einfach +sogar wörtlich genommen, denn damals bestand der Davit nicht aus zwei, +sondern nur aus einem Balken, der zuerst gar nicht zum Bootaussetzen +oder Einsetzen, sondern nur zum Ankerlichten bestimmt war. Roeding, der +zu Hamburg 1794 das vortreffliche »Allgemeine Wörterbuch der Marine« +herausgegeben hat schreibt über »taube Jütte«: »Eine kurze und etwas +gekrümmte Sparre von starkem Holz, an deren einem Ende sich eine Scheibe +befindet. Sie wird gebraucht, wenn man den Anker im Boot lichtet. Man +setzt nämlich die Jütte hinten ins Boot, so daß das Ende, woran die +Scheibe befindlich, etwas über den Spiegel des Boots ragt. Über die +Scheibe legt man alsdann das Bojereep und windet mit dem Bratspill +darauf.« »Ähnliche, aber gerade Jütten gebraucht man auch in den +Marssen, die Luvpardunen auszusetzen oder zu spannen« ... Man kann sich +nun leicht vorstellen, daß die eine in Betracht kommende Sparre so in +die Spur eingesetzt wurde, daß ein Mann sie mit beiden Armen umfaßte, +etwa wie einer seine Jütte umarmt; es war aber nur eine hölzerne, herz- +und gefühllose, »taube«, dove Jütte (wie man auch von einer tauben Nuß +spricht). Einmal nun im Scherz dove Jütte oder dove Jitt genannt, +leuchtete dieser scherzende Vergleich bald allgemein ein, fand Beifall, +Nachahmung, Aufnahme und erwarb sich schließlich in der +zusammengezogenen bequeme Form davit (etwa über Dovjit, Dowit) +Bürgerrecht in der Seemannssprache. Das Wort müßte demnach eigentlich +die Davit heißen, wie der Seemann auch wohl sagt, die Marine schreibt +aber der Davit; das Davit kann man auch hören, so daß für jeden +Geschmack gesorgt ist. Die moderne Aussprache ist allerdings +anglisierend Dävit. + + +*Deck*, + +Mehrzahl: die Decks, seemännisch niemals Verdeck, ist, wie Decke, Dach, +decken verwandt mit dem lateinischen tegere, bedecken, tectum, Dach; +griechisch tegos, Dach. + +Die Schiffe der Handelsmarine werden nach den Bauvorschriften des +Germanischen Lloyds gemäß der Anordnung ihrer Decks benannt. Es gibt: 1. +Volldeckschiffe mit drei oder vier Decks, 2. Spardeckschiffe, von etwas +leichterer Bauart, 3. Hurrikan (Orkan-) Deckschiffe, 4. +Sturmdeckschiffe, 5. Schiffe mit teilweisem Sturmdeck, 6. +Schutzdeckschiffe, 7. Schiffe mit Schattendeck oder Schirmdeck (wie auf +vielen Flußdampfern), 8. Glattdeckschiffe (ohne Aufbauten), 9. +Brunnendeckschiffe (haben vorne und hinten je einen Aufbau, die +Vertiefung dazwischen heißt der Brunnen), 10. Walrückendeckschiffe, bei +denen die Seiten des Schiffes bogenförmig in das Hauptdeck übergehen, +11. Turmdeck- und Kofferdeckschiffe, bei denen der Laderaum gleichsam +einen großen Koffer bildet, zum Selbsttrimmen der Ladung eingerichtet; +darauf dann ein kleines Deck, das Turmdeck heißt, 12. Tankschiffe, (s. +Tank). Bei einem der neuen großen Passagierdampfer unterscheidet man von +oben nach unten gerechnet: 1. Bootsdeck, 2. oberes Promenadendeck, 3. +Promenadendeck, 4. Brückendeck, 5. Hauptdeck, 6. Zwischendeck, 7. +Unterdeck, 8. Orlopdeck. Dieses letztere war ursprünglich das einzige +Deck, das zum Gehen für Menschen bestimmt war. Dieses Gehen an Deck hieß +mittelniederdeutsch over (deck) lopen, daraus ist overlop geworden, (bei +Kilianus overlop = boord van't schip) und das ist zu Orlop +zusammengezogen; hat also mit Urlaub nichts zu tun, die wörtliche +Übersetzung würde vielmehr etwa Lauf(-planke) sein. Insofern ein Deck +aus (Decks-) Planken, aus Brettern, Dielen besteht hieß ein solches +althochdeutsch dilla, mittelhochdeutsch dille, altnordisch thilja = +Ruderbank; französisch tillac, spanisch tilla, portugiesisch tilha, +Deck. + +Früher sagte man zuweilen auch Raum anstatt Deck, s. Raum. + + +*Deckoffizier*, der, + +eine ziemlich unglückliche allgemeine, zusammenfassende +Bezeichnung für Maschinisten, Feuermeister, Feuerwerker, +Bootsleute, Steuerleute, Zimmermeister, Materialienverwalter. +Welcher Gedankengang der Bildung dieses jungen Wortes zu Grunde +lag ist nicht recht erfindlich, es müßte denn sein, daß +ursprünglich jedem der Deckoffiziere eines der verschiedenen Decks +zur besonderen Beaufsichtigung zugedacht war. Aber auch das hat +sich schon lange geändert; hat doch z. B. über das Zwischendeck +ein Leutnant die Aufsicht und heißt dann Zwischendecksoffizier. + + +*Declination*, s. Variation. + + +*Deich*, der. + +Der das Land vor der See schützende Erdwall, im Hochdeutschen, in das +das Wort erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen +gedrungen ist, gewöhnlich Damm genannt. Ein für den ganzen Bestand +vieler Länderstrecken unentbehrliches aber sehr kostspieliges Werk der +Menschenhand, daher in doppeltem Sinne treffend in Ostfriesland »de +golden hoop«, der goldene Reif genannt. Das Wort ist mit Teig und mit +Teich verwandt, sie stammen alle drei aus der Wurzel digh, bestreichen, +verkitten, dichten, tasten, tastend formen (aus einer weichen, +schlammigen Masse). Der Deich wird aus weicher, ausgegrabener Erde +geformt. Weil diese Arbeit hauptsächlich mit dem Spaten geschieht, so +hieß im altfriesischen dyka graben, und in dem ihm so nahe verwandten +Angelsächsischen dic zugleich Deich und Graben. Altfranzösisch dik, +französisch digue. Die Deichgeschworenen hießen altfriesisch +dikaldermon. Die Leute die einen Deich bauen heißen diker und sind bei +ihrer schweren Arbeit für ihren guten Appetit bekannt, wie sonst wohl +die Scheunendrescher. Es konnte in früheren Tagen die Last des Deichens +einem Besitzer so schwer werden, daß er lieber sein ganzes Besitztum +aufgab und in die Fremde zog. Das tat er, indem er seinen Spaten in den +Deich steckte. Wer ihn herauszog, ergriff Besitz von dem verlassenen +Lande und trat in alle Rechte und Pflichten ein. (Spatenrecht). +Naturgemäß spielt der Deich in den von ihm beschützten Ländern im Denken +und im Sprachgebrauch der Leute eine große Rolle. Das beweisen +zahlreiche Sprichwörter und geflügelte Worte, z. B. sagt drastisch aber +wirkungsvoll einer der sich nicht hänseln lassen will in Westfriesland: +»Ik bin niet von Kraien an diek scheten.« + + +*Deining*, *Dünung*, die. + +Das sich Heben und Senken des Meeres in hohen glatten Wogen bei +windstillem Wetter oder wenigstens nicht zu den Wellen im Verhältniß +stehender Brise. Roeding: »Eine heftige Bewegung der See, die nach +schweren Winden noch etliche Tage fortdauert, und selbst, wenn der Wind +sich schon verändert hat, noch dieselbe Richtung behält. Ein Schiff, +welches z. B. mit Ostwind durch den Kanal ins atlantische Meer segelt, +kann daselbst bey eben diesem Winde noch ein Deining aus Süden haben, +wenn es nämlich nicht lange vorher schwer aus dieser Himmelsgegend +geweht hat.« Eben deswegen, weil Windrichtung und Seegang nicht immer +einander entsprechen, heißt die betreffende Rubrik im Loggbuch +»Windrichtung und Seegang«. + +Es kann aber auch umgekehrt sein, daß die Dünung den Vorläufer eines +Sturms bedeutet; in diesem Sinne heißt das Wort italienisch mar nuovo, +im anderen mar vecchio oder morto, »tote See«, wiewohl sie ein Schiff +lebendig genug schlingern macht. Ist mit Düne von gleicher Abstammung +(daher s. d.) im Sinne von sich ausdehnen, in die Höhe gehen, hochgehen, +»schnellen«; englisch swell, »a successeon of long unbroken waves +setting in one direction, as after a storm.« + + +*Deisen*, + +achteraus gehen. Deisig oder diesig nennt der Seemann trübes, nasses, +unfreundliches, »dreckiges«, nebliges Wetter. Es ist anzunehmen, daß das +nordische mist für Nebel, diesiges, deisiges Wetter, wegen des +Schmutzigen, Schmierigen, Mistigen des Nebels gewählt ist. Wenn aber +für deisig mistig gesagt werden kann, so lag bei deisig auch der Gedanke +an Mist machen, seine Notdurft verrichten nahe. Bei diesem Geschäft +gehen viele Geschöpfe rückwärts, »über den Achtersteven«; man denke an +einen Hund, oder auch an noch edlere Wesen. Auf diese Weise mag deisen +zu der Bedeutung achteraus gehen, »über den Achtersteven« gehen gelangt +sein. Bestärkt werde ich in dieser Vermutung dadurch, daß man von einem +rückwärtsgehenden Schiffe auch sagt: »es deist aufs Gat«, und Gat heißt +nicht nur Loch im Sinne der Ehre, sondern auch der Unehre. + +Im Althochdeutschen hieß der Mist, der Stalldreck deisk, daisk. + + +*Deissel*, + +Deiksel, Deksel, der, ein vielgebrauchtes Werkzeug der Zimmerleute, +einer Axt ähnlich; doch steht beim Deissel die Schneide nicht parallel +zum Stiel sondern perpendiculär. Das Wort kommt von einer Wurzel die +hauen, hacken, spalten bedeutet und ist mit Deichsel zusammenzustellen, +niederdeutsch dissel, althochdeutsch dihsila, mittelhochdeutsch dichsil, +weil eine Deichsel ursprünglich nur eine abgehauene Stange war. +Deichseln oder deikseln heißt etwas mit dem Deissel oder Deiksel +zurechthauen und wird an Bord oft auch auf andere als hölzerne Dinge +übertragen, etwa im Sinne von machen, fertig bringen. »Das wollen wir +schon deikseln«, »das werden wir schon kriegen;« »das hast du fein +gedeikselt!« + + +*Dempgordinge*, die, + +sind die Taue mit denen der Besan gegeit wird, die Besansgeitaue, und +zwar wird mit ihnen der obere schiefe dreieckige Teil des Besans nach +der Besansgaffel zu geholt, während der untere Teil, der grade, +viereckige mittelst der Besansbrook nach dem Schnaumast zu gegeit wird. +Das niederdeutsche Zeitwort dempen heißt (s. Doornkaat) ersticken, +löschen, niederdrücken, vermindern, stopfen, drückt also das, was in der +Tat mit dem Segel geschieht beim Segelbergen, mit aller Deutlichkeit +aus. Davon das Substantivum demper, dämpfer, »dar mut ins 'n demper up +setd worden«, und das Adjectivum dempig, asthmatisch. Niederländisch +dempen, mittelniederdeutsch dampen; in einer Urkunde von 1450 kommt das +Wort vor im Sinne von »de kulen dempen und towerpen.« Althochdeutsch +demphan, mittelhochdeutsch dempfen, dämpfen. + + +*Deplacement*, das, + +ist das Gesamtgewicht eines Schiffes. Man unterscheidet totes Gewicht +und nützliche Zuladung. Zum Gewicht gehört (Dick und Kretschmer I. 29.) + +1. Das Gewicht des Schiffskörpers mit allen seinen Einrichtungen. + +2. Das Gewicht der Bemastung mit Segeln, Takelage und Rundhölzern, der +Kambüsen, Wasserkasten. + +3. Das Gewicht der Mannschaft mit Leibesbedürfnissen, des Proviants, des +Speise-, Wasch- und Trinkwassers. + +4. Das Gewicht der Ausrüstung, des Inventars und Materials. + +5. Das Gewicht der Maschinen, der Kessel mit darin befindlichem Wasser, +der Kondensatoren, Rohrleitungen, des Treibapparats (Schraube, +Schaufelrad und dergl.) mit Zubehör, der Reserveteile, des Materials und +Inventars für die Maschine. + +6. Das Gewicht des Heizmaterials zur Dampferzeugung in den Kesseln und +für sonstige Betriebe. + +7. Gewicht des etwa benötigten Ballastes. + +Die nützliche Zuladung oder Nutzladung umfasst: + +1. Gewicht der Frachtgüter. + +2. Gewicht der Passagiere mit Leibesbedürfnissen (Effekten), deren +Proviant und Trinkwasser. + +Hierzu tritt bei Kriegsschiffen: + +3. Gewicht der Geschütze mit Munition, der Torpedoarmierung mit +Munition, des Panzers mit Holzhinterlage, des Panzer- und Schutzdecks, +des Korkdamms, der Besatzung, der sonstigen Artillerie-, Torpedo- und +Sprengdienstausrüstung, der elektrischen Einrichtungen, Apparate und +Hilfsmaschinen. + + +*Detail*, das. + +Inventar und Material an Bord stehen unter besonderer Aufsicht von +Deckoffizieren, so das jeder sein ihn angehendes besonderes Teil zu +verwalten hat. Diese Einzelnheit heißt Detail, Bootsmannsdetail, +Steuermannsdetail etc. etc. Französisch détailler, eigentlich +zerschneiden, von tailler, mittellateinisch taliare, zerstocken. Detail +als ein zugeteiltes Stück würde seinen völlig ausreichenden und +bezeichnenden Ausdruck finden in dem Worte Teil. + + +*Deutel*, der. + +»Kleine viereckige spitze Keile von eichen Holz, welche in die Köpfe der +hölzernen Schiffsnägel getrieben werden, damit sie durchaus fest +schließen, und das Wasser auf keine Weise bey den Seiten der Nägel +durchdringen kann«. (Röding). Das Wort heißt in Holland auch dreutel und +dreutel ist offenbar auch bei uns die ursprüngliche Form gewesen. Wegen +der Aussprache des Holländischen dreutel = drötel dürfen wir das Wort +von dröteln ableiten, der niederdeutschen Form und Aussprache für das +Hochdeutsche trödeln, dessen eigentliche Bedeutung drängen, pressen, +drücken ist. Trödeln in unserem gewöhnlichen Sinne des Wortes heißt also +sich langsam Herum*drücken*, sich um eine Arbeit drücken, oder auch wie +man kurz zu sagen pflegt: »sich drücken«. Die Bedeutung des Drückens, +Drängens hat unserm Dreutel oder Deutel den Namen gegeben, weil der +Holzkeil mit Gewalt in den Holznagel hineingedrängt wird. Um dies desto +leichter zu können schlägt man vorher mit einem Eisen welches aber +dieselbe Gestalt des Deutels hat und *Deuteleisen* heißt, ein Loch in +den Kopf des Nagels. + + +*Deviation*, s. Variation. + + +*Diagonalboot*, das. + +Der Name bezieht sich auf die Bauart der Bordwand des Bootes, oder der +Außenhaut. Beim Diagonalboot besteht diese aus zwei Plankenlagen die +entweder so angeordnet sind, daß die einzelnen Gänge in einem Winkel von +45° zum Kiel geneigt sind und sich gegenseitig ungefähr rechtwinklig +kreuzen oder daß nur die innere Lage die diagonale Richtung hat und die +äußere in der Längsrichtung des Bootes verläuft. Beide Lagen werden +durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden. + + +*Dichten.* + +Die wichtige seemännische Arbeit die einzelnen Nähte zwischen den +hölzernen Schiffsplanken wasserdicht zu machen. Dieses Dichten hat also +mit der Dichtkunst eines Goethe oder Schiller nichts zu thun, die aus +dem lateinischen dictare herkommt, sondern ist mit Deich und deichen +verwandt. Das mittelniederdeutsche diken heißt noch deichen und dichten +zugleich (deichen, dämmen, dicht machen, stopfen und graben.) Die +gemeinsame Bedeutung ist: aus einem weichen, leicht zu bearbeitenden +Stoff einen Schutz gegen eindringendes Wasser herstellen. Das Nähere +über dichten s. u. kalfatern. + + +*Diesig*, + +auch deisig, nennt der Seemann ein nasses, kaltes, unfreundliches, +trübes, nebliches Wetter; ein Wetter das auch »mistig« genannt wird. +Diesig und mistig sind sehr nahe Bedeutungsverwandte, weil beide von +Wörtern abstammen die »Excremente« bedeuten. Denn mistig kommt von Mist; +zwar zunächst in der bei den germanischen Sprachen so weit verbreiteten +Bedeutung von Nebel, aber die geht doch weiterhin wegen des Schmutzigen, +Schmierigen des Nebelwetters auf Mist = Kot zurück. Und diesig, deisig, +geht zurück auf das althochdeutsche deisc, daisc, dheisc, theisc = Mist, +Dünger, Unrat. Beide Eigenschaftswörter, diesig und mistig, bezeichnen +also »dreckiges Wetter.« + + +*Dingey*, *Dingi*, das. + +Das kleinste der Schiffsbeiboote, gebraucht wenn ein einzelner Offizier, +ohne viele Umstände zu machen und ohne eine größere Bootsbesatzung dem +Schiffsdienst zu entziehen, von oder an Bord gehn will. Diese Bootsart +ist erst in den letzten dreißig Jahren aufgekommen. Name und Sache +stammen aus Ostindien: »dinghi, dingey, a boat varying in size in +different localities: the dinghies of Bombay are 12 to 20 feet... the +dinghies of Calcutta are small passage-boats for the poorer classes, +rarely used with a sail; they are not painted, but merely rubbed with +nut-oil, which imparts to them a sombre colour. This name is now also +applied to a ship's small-boat.« + + +*Dippen*, + +die Flagge, sie zum Gruße niederholen. Das Wort müßte eigentlich diepen +geschrieben werden. In Ostfriesland heißt es düpen und bedeutet tiefen, +tiefer machen, niedriger hängen, herunterziehen. Die neuerdings (Herbst +1900) zwischen der Mehrzahl der deutschen Reedereien getroffene +Vereinbarung über den Austausch des *Flaggengrusses auf See* für die +Schiffe der deutschen Handelsmarine enthält folgende Bestimmungen: 1. +Sobald ein in Sicht kommendes Schiff als solches erkannt wird, mit dem +Flaggengruß zu wechseln ist, ist sofort die Heckflagge zu setzen, ohne +Rücksicht darauf, ob das andere Schiff dieselbe bereits führt, oder +welchem Schiff die Pflicht des ersten Grußes obliegt. Die Flagge ist zu +setzen, so lange die Positionslaternen nicht angezündet sind. 2. Die +Pflicht des ersten Grußes hat: a. wenn ein Schiff vom andern überholt +wird, das überholende Schiff, b. wenn eines der Schiffe still liegt, das +in Fahrt befindliche Schiff, c. auf den von Europa ausgehenden Linien +das auf der Ausreise befindliche Schiff, d. in allen übrigen Fällen +dasjenige Schiff, das am nördlichsten steht. Beim Ein- und Auslaufen auf +Häfen, sowie auf Revieren (d. h. Flüssen s. Revier), hat immer das nach +See steuernde Schiff zuerst zu grüßen. Das hiernach zum Gruß +verpflichtete Schiff hat seine Flagge zu dippen, sobald das andere +Schiff in der Peilung zwei Strich vorderlicher als dwars steht, +jedenfalls aber nicht später; die Flagge bleibt dann solange gedippt, +bis von dem anderen Schiff der Gegengruß erfolgt ist, und ist alsdann +wieder vorzuheißen. Haben die Schiffe einander passiert, so hat das zum +ersten Gruß verpflichtet gewesene Schiff die Flagge zuerst wieder +niederzuholen, sofern die Flagge nicht aus besonderen Gründen gesetzt +bleiben muß. + + +*Dirk*, die, + +hieß früher auch das Piekfall der Besansgaffel, jetzt heißt so nur noch +die Besansdirk oder Besansbaumdirk, kurzweg auch Baumdirk, neuerdings +auch Besanstoppnant oder Baumtoppnant genannt, das Tau mit dem der +Besansbaum aufgetoppt, oder wie man wegen der Dirk sagt, aufgedirkt +wird. Dirk als Abkürzung von Dietrich ist ein im Gebiet der deutschen +Seemannssprache sehr verbreiteter Vorname. Auch der falsche Schlüssel +Dietrich heißt hier Dirk, und ein Schloß mit einen solchen öffnen nennt +man dirken. Irgend einen Zusammenhang zwischen diesem Dirk und der +seemännischen Dirk habe ich vergeblich gesucht. Daß Spitzbuben hinter +Dietrich, dem beliebten Vornamen, ihr Diebeswerkzeug in der +Gaunersprache zu verbergen suchen, beweist Kluge dadurch, daß der +falsche Schlüssel auch Peterchen und Klaus genannt wurde. Man findet das +begreiflich, weil sie das Ding nicht beim rechten Namen nennen durften. +Aber warum sollte dies auch bei der Baumtoppnant der Fall sein? + +Wir müssen uns daher anderweitig umsehen. Die Dirk, sei es als Piekfall, +sei es als Baumdirk, dient zum Auftoppen, man *zieht* also etwas damit +in die Höhe. Es mag daher der Begriff »ziehen« in Betracht kommen, der +in dem niederdeutsch-niederländischen Zeitwort trecken steckt; es hieß +dieses im Gotischen trikan. Davon konnte leicht ein Substantivum trik +gebildet werden. Da aber das vorgermanische Thema zu trikan darg ist, so +mag trik auch drick gesprochen worden sein; drik aber konnte leicht, +schon in Erinnerung an darg, aber auch sonst durch Metathelis leicht zu +dirk werden, so daß die Dirk also ein Ziehding wäre. Das sind freilich +alle Taue, aber warum soll nicht wenigstens eins davon von Ziehen den +Namen haben? + +Unter den vielen Bedeutungen die das englische trick hat ist auch eine +im Sinne von »Zug.« + + +*Dispacheur*, der, + +der Mann, der Sachverständige, der schätzt, berechnet und verteilt, +wieviel ein jeder, der an einem Schiffe Anteil hat, zahlen muß, zur +Ausgleichung des Schadens, wenn das betreffende Schiff Havarie gelitten +hat. Es muß ein vereidigter, vertrauenswürdiger, zu dem Amte staatlich +bestellter Mann sein. + +Das Wort kommt von Dispache und dieses vom spanischen despachar, +abfertigen; englisch despatch; französisch dépécher; deutsches Fremdwort +depeschieren, Depesche. Das Zeitwort soll vom spätlateinischen dispedico +-- dis als Negation und pedica, Fessel -- kommen, würde also einen +bedeuten, der mit ungefesseltem, eiligem Fuß abgefertigt ist, eine +Botschaft zu bestellen, zu expedieren. + + +*Division*, die. + +Dieses Wort wird in der Marine in dreierlei Bedeutung gebraucht: + +1. Die gesamte Mannschaft eines Schiffes wird, wie in seemännischer +Hinsicht in Wachen, so in militärischer Hinsicht in Divisionen +eingeteilt, also in Verbände, die man ungefähr den Kompagnien bei der +Landarmee vergleichen könnte. + +2. spricht man von Matrosendivisionen, Werftdivisionen, neuerdings auch +von einer Schiffsjungen-Division. Das sind militärische Verbände am +Lande, von einem Stabsoffizier kommandiert, etwa den Regimentern +vergleichbar. + +3. heißt Division ein Verband von Kriegsschiffen, ein Teil eines +Geschwaders oder einer Flotte. Es besteht zur Zeit über die Anzahl +dieser Schiffe noch kaum eine bestimmte Vorschrift, doch wird in Zukunft +die Vierzahl eine große Rolle spielen. In früheren Zeiten waren ziemlich +genau bestimmte Zahlen festgelegt. Nach Brommy bestand eine *Flotte* +gewöhnlich aus wenigstens siebenundzwanzig Linienschiffen, außer +Fregatten und anderen Fahrzeugen, und wurde in drei *Geschwader*, jedes +zu drei *Divisionen*, geteilt. Aubin, 1702, sagt über Division: »C'est +une certaine quantité de vaisseaux d'une armée navale, qui sont sous le +commandement d' un Ofizier Général. La signification de ce terme n'est +pas encore bien déterminée, car on s'en sert quelquefois pour marquer la +troisième partie d' une armée navale, qu'on apelle autrement Escadre, et +quelquefois c' en est la neuvième partie, ce qui arive lors-que l'armée +est distribuée en trois escadres; car alors chaque escadre est +distribuée en trois divisions, comme il se pratiqua pendant les +campagnes navales de 1672 et 1673 dans la jonction des armée de France +et d' Angleterre. Celle d' Angleterre formoit deux escadres, la rouge et +la bleue, chacune partagée en trois divisions, et l'armée de France, qui +formoit l'escadre blanche, étoit aussi distribuée en trois divisions. +»Le Duc d' York commandoit l'escadre rouge, qui formoit le corps de +bataile. Le Comte de Montaigu, ou de Sandwich, commandoit l'escadre +bleüe qui faisoit l'aile gauche, et le Comte d'Estrée commandoit +l'escadre blanche, qui faisoit l'aile droite. II y avoit aussi trois +escadres dans l'armée de Hollande, et chaque escadre etoit pareillement +distribuée en trois divisions. Sa marche étoit sur une ligne droite: le +Lieutenant-amiral Général de Ruiter etoit an milieu avec la principule +escadre«« ... Was also in Zukunft die Vierzahl bedeuten wird, bedeutete +in jenen Tagen die Dreizahl. + + +*Dobber*, der, + +ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Holz oder Kork, das die Stelle +einer Boje versieht und die Lage eines unter Wasser befindlichen +Gegenstandes, einer Angel, eines Netzes, eines Ankers anzeigt. +Ostfriesisch dubber, vom Zeitwort dubbern, schlagen, pochen, stoßen, +hin- und herschlagen, schwingen, schwanken; von der Bewegung die ein auf +Wasser schwimmender, von den Wellen auf und nieder bewegter Gegenstand +macht; »auf dem Wasser tanzen« nennt man sie wohl. + +Kilianus kennt das Wort nur als zum Angelgerät gehörig: »calamus, qui +suspendit hamum, ne fundum petat; cortex subereus lineae piscatoriae.« +Halbertsma hat für Friesland die Form doaper, »in genere fluitans quid, +quod suspendit hamum reteve; speciatim parallelopipedon ligneum parvum +in aqua natans et sustinens funem, qui desinit in hamum.« Im Husumer +Seerecht heißt es: »Kombt ein schip in einen haven driven, dat schal ein +dubber up einen ancker hebben.« + +Im Mittelniederdeutschen heißt der Dobber auch Kogert: »unde licht enich +anker sunder douwer ofte kogert, onde schade off queme, den schall he +half beteren«. + + +*Dock*, das, + +ist ein ausgegrabener und mit Quadersteinen ausgemauerter Raum, in dem +ein Schiff ausgebessert wird. Wenn das zu dockende Schiff in diesen Raum +hineingefahren ist, wird das Dock hinter ihm mit einem Ponton abgesperrt +und das Wasser wird mit einer Dampfpumpe ausgepumpt. Je mehr das Schiff +dadurch trocken fällt, desto mehr wird es von beiden Seiten mit Balken +abgestützt bis es schließlich ganz trocken dasteht. Doch heißt nicht +deswegen solch ein Dock Trockendock, sondern weil es im Gegensatz zu +einem Schwimmdock (s. d.) auf dem Trockenen angelegt ist. Docken heißt +ein Schiff ausbessern; »das Schiff wird gedockt«, man kann aber auch +sagen »das Schiff dockt«, wie man sagt das Schiff »löscht«. + +Kilian hat eine niederdeutsche Form docke für Renne, Wasserrinne. Dem +entsprechend leitet Grimm Dock vom italienischen doccia, französisch +douche, spanisch ducha = Wasserröhre, Wasserrinne, ab. Und diese gehen +entweder auf das lateinische (aquae) ductus oder auf das griechische +doche, dochos, docheion = Gefäß, Behälter zurück. + +Im Englischen heißt dockyard Werft, dock allein meist in der Mehrzahl +docks wird auch gebraucht für einen Liegeplatz von Schiffen. Da wo mir +das Wort im seemännischen Sinne zuerst begegnet ist, bei Aubin 1702, +wird es neben Dock in unserem Sinne auch als Ankerplatz oder Liegeplatz +gebraucht. Es übersetzt nämlich Aubin das niederländische dok mit +chambre, bassin, darsine und paradis. Er bemerkt dazu: »C'est la partie +d'un port de mer la plus avancée dans la ville. Elle sert à retenir les +galéres et autres bâtiments de mer, et est fermée d'une chaine. Elle est +apellée Darsine sur la Méditerranée; mais sur l'Océan on apelle Paradis, +Bassin, Chambre, les lieux retirez du port, oú les vaisseaux sont en +plus grande seureté.« Vorher hat er aber auch dieselben Namen bassin, +chambre und Darsine angewandt auf »un petit port particulier pratiqué +dans un plus grand, oú l'on radoube les vaisseaux. Il ya de deux sortes +de bassins; les uns qu'on peut toujours tenir secs, parce qu'on les +ferme avec des portes; les autres qui sont ouverts, et dont le fond +étant toujours mou et bourbeux, se remplit d'eau quand le flot monte, et +se vuide quand la mer descend.« Im Jahre 1794 scheint es in Deutschland +noch keine Docks gegeben zu haben, wenigstens weiß Röding von keinen zu +berichten, da er doch schreibt: »Die neuerbauten Docken zu Karlscrona +und Kronstadt, wovon die erste in einen Fels gehauen ist, sind +unstreitig die musterhaftesten, auch sind die französischen in den Häfen +zu Toulon, Brest und Rochefort und nicht minder die englischen +merkwürdig. In Spanien, Portugal und Dänemark sind die Docken ebenfalls +auf ähnliche Weise eingerichtet.« + +Im Jahre 1850 mußte das erste, neueingerichtete Schiffsjungenschulschiff +»Mercur« in Karlskrona docken. + +Mehrzahl: *die Docks*. + + +*Dodshoft*, das, + +eine besondere Art von Block oder Scheibe mit einem runden oder auch +länglichen Loch in der Mitte; ihrer je zwei werden zum Festsetzen +stehenden Gutes verwandt. Der Name mag von dem Loch kommen, das +Dodmannsauge heißt. Die Einbildungskraft des Seemanns hat offenbar diese +leere Höhlung im Block mit der leeren Augenhöhle eines Totenschädels +verglichen und Dodsmannsauge genannt. Den Block der das Dodmannsauge +aufweist Dodshoft (Dodmannshoft) zu nennen lag dann nahe. +Zusammensetzungen, in denen Tod oder tot bildlich gebraucht sind, kommen +nicht selten vor. Im »Seebuch« (1400) kommt dodeman, Dodemanshovet als +Übersetzung für das Vorgebirge Deadmans Point vor. Sogar ein Gebäck aus +Mehl, Zucker und Mandeln nennen sie in Groningen doodmansvinger. + + +*Dollart*, der. + +Name des im 13. und 14. Jahrhundert nach und nach durch Deichbrüche, +ähnlich wie die Jade, entstandenen Meerbusens. Es ist behauptet worden +der Name komme von der »tollen Art« dieses seemännischen Gewässers. Aber +diese Behauptung hat nicht mehr Wert als die andere, daß Wangerooge »das +Auge« von Wangerland heiße (da oog doch gleich dem hochdeutschen ach, +Wasser ist). Der Dollart hat keine tollere Art wie die anderen Busen der +Nordsee; verschiedene Fluten haben an seiner Entstehung gearbeitet +(zuerst 1277); aus kleinen Anfängen ist er entstanden; zuerst mag nur +ein Loch vorhanden gewesen sein, ein Kolk oder dergl. Nun gibt es im +Ostfriesischen ein vielgebrauchtes Wort dollerd, dollert, dullert für +talähnliche Mulde, Vertiefung, Senkung, großes weites Loch im Boden, +Untiefe, Sumpf. Das hat zweifelsohne den Namen gegeben. Er ist in vielen +deutschen Dialekten als delle erhalten; englisch dell. + + +*Dollbord*, s. Dolle. + + +*Dolle*, die, + +hölzerner (jetzt meist eiserner) Nagel in dem Dollbord des Ruderbootes +befestigt, dazu bestimmt dem Riemen (Remen) beim Rudern als Stütz- und +Drehpunkt zu dienen. Heißt eigentlich nichts weiter als ein Stück Holz, +Baumstamm, Balken, Stange, Holzpflock, Bolzen. Von einem Stammverbum +dolon, das mit dem Perfektum von fero, tuli, und mit tollo, tolero, +tragen, halten (also auch mit unserem »Geduld«) verwandt ist. +Althochdeutsch dolon, tholon, dolen, tholen; mittelhochdeutsch dolen; +gothisch thulan; friesisch heißt Dolle dol, angelsächsisch thol, +englisch thole, auch thole-pin (»Angli per abundantiam thole-pin, ut fit +cum propria vis vocis in oblivionem cadit, notio enim clavi (pin) jam in +thole haeret.«) Nach Vilmar ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen +technischer Ausdruck der Zimmerleute für den starken hölzernen Nagel, +welcher halb in den Durchzug und halb in den Balken befestigt wird, +damit sich die Balken nicht verschieben. + +Kilianus hat schon die Form dolle: »lignum teres, cui struppis +alligantur remi et obex remi.« + +*Dollbord* ist die oberste Planke der Bootsaußenhaut, an der die Dollen +befestigt sind. Der Name Dollbord ist auch da geblieben wo, wie beinahe +durchgängig bei der Marine, die Dollen verschwunden sind und Rundseln +Platz gemacht haben. Nur das Dingey und die Gig haben keine Rundseln, +allerdings auch keine Dollen, sondern Gabeln, in denen der Riemen sich +bewegt; sie haben aber den Namen Dollen behalten. + + +*Domper*, der, + +das Tau (aus Draht) das der blinden Rahe Halt nach unten zu gewährt. +Ganz vorne am Bug und niedrig über dem Wasser angebracht muß der Domper +bei Seegang notwendigerweise mit dem Wasser in Berührung kommen und bei +jeder höheren Woge untertauchen. Davon hat er den Namen. Früher, als man +die Kanonen noch auf sehr einfache Art befestigte, kam es vor, daß sie +durch das Schlingern des Schiffes vornüber fielen, das nannte man »die +Kanonen dompen«. In Ostfriesland ist ein Zeitwort dumpen (niederländisch +dompen) im Gebrauch: stoßen, drücken, niederdrücken, unterdrücken, +ducken, tauchen, eintauchen, sinken machen, versenken; davon ist domper +gebildet. Da unser tauchen dasselbe Wort ist wie taufen, und gothisch +daupjan hieß, altsächsisch dopan, niederdeutsch dopen, so ist klar, daß +das ostfriesische dumpen und das niederländische dompen rhinistische +Formen (durch Nasalierung entstanden) von dopen sind, Domper also nichts +anderes ist und bedeutet als Taucher. Das Zeitwort dompen wird auch +sonst an Bord gebraucht im Sinne von »etwas nach unten zu bewegen.« + + +*Downtonspumpe* s. Pumpe. + + +*Draggen* + +auch wohl dreggen, heißt etwas auf dem Grunde des Meeres Liegendes +auffischen, aus dem Wasser ziehen. Ziehen ist die eigentliche Bedeutung +des Wortes. Es ist mit tragen verwandt, niederdeutsch dragen, +altfriesisch draga, drega, angelsächsisch dragan, altnordisch draga, +schwedisch draga, dänisch drage, englisch drag, gothisch dragan, +althochdeutsch tragen, trakan -- alles heißt ziehen, schleppen, +hinziehen, ausziehen. Das Werkzeug zum draggen heißt *Dragge*, *Dregge*, +*Dreg*. Es ist ein ankerartiges Ding mit vier Armen, manchmal auch nur +mit dreien, die auf dem Grunde des Meeres hin und her bewegt den +gesuchten Gegenstand fassen, greifen, festhalten sollen, damit er in die +Höhe gezogen werden kann. Weil man die Arme mit den Klauen eines wilden +Tieres, etwa eines Drachen, vergleichen kann, so haben harmlose Erklärer +an dieses fabelhafte Tier gedacht um das Wort zu erklären. Nicht besser +ist die Erklärung des Bremer Wörterbuches: »dragge, eine Art Anker mit 3 +oder 4 Haken. Vielleicht von traag = tardus, weil er das Schiff an der +Fahrt hindert« -- also »träge« macht (!) Noch schöner ist das Wort +Dragge von dem Herausgeber des Kilianus'schen Wörterbuches, Gerhard +Hasselt aus Arnheim, 1777 gedeutet worden: »dregge a drieghen, quia eo +pisces *decipiuntur*.« Nicht besser ist eine vierte Deutung, nach der +dregge = dre-egge wäre: »tribus cuspidibus vel manibus anchora.« + +Französisch drague, Hohlschaufel um Sand, Erde, Schlick aus dem Wasser +zu ziehen; englisch drag, Zugnetz. Immer spielt der Begriff des Ziehens +in die Bedeutung hinein. + +Dann ist aber freilich, weil die Dragge oder der Dreg Ankergestalt +hatte, die Zusammensetzung Dreganker aufgekommen, auch Draganker; man +hat auch wohl Anker wieder fallen lassen ohne daß das Wort die Bedeutung +änderte; so kommt es, daß im Wangerländischen drag Bootsanker heißt. + + +*Dragoman*, der, + +ist ein bei auswärtigen Gesandtschaften, bei Konsulaten in See- und +Hafen- und anderen Städten angestellter Dolmetscher. Das Wort ist +ursprünglich chaldäisch und bedeutet Erklärung (targumim); davon +arabisch targana, auslegen, übersetzen, dolmetschen; arabisch targoman, +mittellateinisch dragumanus, drogamundus, italienisch dragomanno, +spanisch dragoman, französisch drogman. Tragemunt war im +mittelhochdeutschen ein weitgereister, sprachkundiger Pilger, nicht zu +verwechseln mit dem schnellsegelnden Schiffe tragamunt, s. Schmack. + + +*Drehfeuer* s. Blinkfeuer. + + +*Drehreep*, das. + +Roeding mißbilligt es, daß Drehreep oft mit Fall für ein und dasselbe +gehalten werde. Das ist aber kein Wunder, denn sie haben beide denselben +Zweck, ja es ist ursprünglich das ganze Fall der Rahsegel weiter nichts +als ein Drehreep gewesen, nämlich ein Reep das bei (beweglichen) +schweren Rahen an Deck genommen, ums Spill gelegt und gedreht wurde, +wodurch die Rahe in die Höhe ging. Um dieses weitläufige Manöver nicht +immer nötig zu haben, hat man an das Drehreep eine starke Talje (ein +Takel) angebracht, mit der die Rahe bequem gehißt werden kann. Sie heißt +Fall. Indessen muß beim Aufbringen oder an Decknehmen der Rahe auch +heute noch die Talje ausgeschaltet und das Drehreep selbst an Deck +genommen und, wenn auch nicht immer ums Spill gedreht, so doch mit +kräftiger Besetzung geholt oder gefiert werden. + + +*Dreidecker* s. Deck. *Dreimaster* s. Mast. + + +*Dreischäftig* + +heißt das Tauwerk, das aus drei Schäften, Strängen, Strähnen geschlagen +ist, die man jetzt Kardeele nennt. Für die Abstammung dürfte am ehesten +an das lateinische scapus, Schaft, Stiel, Stengel zu denken sein, und an +seine Wurzel skap, die fassen, halten, befestigen bedeutet, so daß +dreischäftiges Tauwerk solches wäre, das von drei Teilen +zusammen*gehalten* würde. + + +*Drempel*, der. + +Die Bretter die in den Stückpforten liegen und die vier Seiten derselben +bilden. Sie bedecken die leeren Räume die zwischen den Inhölzern +bleiben, damit zwischen dieselben kein Wasser dringen kann. Man +unterscheidet einen Unterdrempel, zwei Seitendrempel, einen Oberdrempel, +aber eigentlich gebührt der Name nur dem ersteren, und auch diesem nur +uneigentlich, denn Drempel bedeutet Schwelle, Thürschwelle und kommt von +trampen, trampeln, den unteren Teil des Thürrahmens, über den man ins +Haus, in die Stube eintritt. + + +*Drift* s. Trift. + + +*Dübel*, der, + +heißt in der österreichischen Marine (nach Dabovich) der Zylinderzapfen, +hat aber mit dem Teufel nichts zu thun, sondern ist eine Umbildung des +englischen dowel, welches jeden beliebigen Zapfen bezeichnet, +französisch douille, lateinisch ductile von duco, ich führe; also +eigentlich Führung(s-Zapfen). + + +*Dublieren*, + +um ein Vorgebirge herumsegeln. Der Begriff des doppelten ergiebt sich +leicht, wenn man bedenkt, daß man das umschiffte Kap einmal von der +einen und das andere Mal von der anderen Seite, also doppelt, zu sehen +bekommt. »Sailing along the coast he doubled the promontory of +Carthage.« + + +*Duc d' Alben*, *Dukdalben*, *Dükdalben*. + +Pfähle im Wasser, fest eingerammt und -- gewöhnlich zu dreien -- mit +einander verbunden, zum Festmachen, Verholen u. s. w. von Schiffen +dienend. Die falsche Meinung, der Name komme von dem des Herzogs von +Alba, hat sich so festgesetzt, daß sie nur sehr schwer zu beseitigen +sein wird. Allerdings heißt dieser im Holländischen Duc d'Alba, im Munde +des Volkes Duc d'Alf. Der Gedanke an ihn lag also nicht allzufern, wenn +man das Wort Dukdalben las. Ja es lag allzu nah, als daß man nicht +Verdacht schöpfen sollte, denn das Nächste ist in sprachlichen Dingen +nicht immer das Beste. So hat denn auch außer Onno Klopp in seiner +ostfriesischen Geschichte meines Wissens niemand direkt und bestimmt +gesagt, daß das Wort von Herzog Alba komme, es ist immer nur vermutet +worden. Klopp bringt aber auch keinen Beweis für seine Behauptung. + +Nun ist freilich das Wort vor der Zeit des 30jährigen Krieges unbezeugt. +In den vielen Hansa-Rezessen, -Skraaen und sonstigen -Urkunden, die ich +durchgesehen habe, habe ich nichts davon gefunden. Das 1400 geschriebene +»Seebuch« kennt nichts dergleichen; Der Teuthonista, 1475 zu Cleve +erschienen, ebenfalls nicht. Cornelius Kilianus Duffläus, 1548, kennt +das Wort auch nicht, wiewohl er in Antwerpen lebte. Insofern könnte es +also von Duc d'Alf kommen. Aber daß das Wort nicht bezeugt ist, beweist +noch nicht, daß es nicht vorhanden war. Matthias Kramer, der im Jahre +1719 im Alter von 79 Jahren zu Nürnberg »Das königliche +Nider-Hoch-Teutsch u. Hoch-Nider-Teutsch Dictionarium« veröffentlichte, +könnte es haben wenn es von Alba herkäme, hat es aber nicht. Auch das um +1700 erschienene, in Amsterdam gedruckte »Dictionaire de Marine« von +Aubin hat es nicht. Der Holländer Bilderdyk, ein scharfer Kopf, der vor +100 Jahren schrieb, hat es zuerst und nennt es auch gleich ganz richtig, +oder wenigstens annähernd treffend »eene moedwillige verbastering von +dokdulf.« Mit dem dokdulf hat er zwar nicht Recht, desto mehr aber +damit, daß er die Form Duc d'Alf eine »mutwillige Verschlechterung« +nennt. Wenn wir genau zuhören, wie der niederdeutsche Seemann sagt, so +hören wir gar nicht Dükdalben oder Dükdalfen, sondern *Dükdallen*, und +zwar mit dem dunklen niederdeutschen a das wie o klingt. Dallen, dollen +sind aber Balken, Pfähle. In Stralsund heißen die Pfähle am Bollwerk +Dallen. In Friesland heißt unser Wort dykdollen; Halbertsma: »stirpes +modicae arborum ad corroboranda lignea aggerum propugnacula;« also genau +wie in Stralsund. Ist -dallen so klar gestellt, so fragt sich was das +Dük- bedeutet. Es ist früher an Deich = Diek gedacht worden. Aber es +liegt ein anderer Gedanke viel näher, das ist der an das niederdeutsche +Zeitwort duken. Wir übersetzen es gewöhnlich mit tauchen, es bedeutet +aber vor allen Dingen ducken, beugen, neigen, wie in der Wendung »de +bomen duken sik för de wind.« Und diese Bedeutung paßt vortrefflich. Die +Pfähle der Dükdallen stehen nicht gerad aufrecht, sie sind schief +eingerammt, stehen im Winkel zu einander geneigt; die Dallen sind also +gedukt -- und das Gedukte ist gerade das in die Augen Fallende, das +Charakteristische an ihnen: daher Dukdallen, das zu Dükdallen geworden +ist wie Duker, der Taucher, zu Düker. So rechtfertigt sich auch der +Plural. Es heißt stets Dükdallen, nie, auch wenn nur von einem einzelnen +die Rede ist, Dükdall; das würde unverständlich sein, wenn an den Alba +zu denken wäre, versteht sich aber von selbst, sobald wir an mehrere +Dallen denken, die zu einem Dükdallen gehören. + + +*Ducht*, die, + +Ruderbank. Manchmal auch Duft, da f und ch sehr oft in einander +übergehen. Das holländische doft hat Aubin (1702) mit banc de Galëre, de +Galéasse übersetzt: »c'est un siége pour asseoir ceux, qui tirent à la +rame, soit forçat, bonavoglie, ou matelot.« Doft oder Docht ist ein +gemeingermanisches, sehr frühes Wort, althochdeutsch dofta, +angelsächsisch thofte, und kommt von einer Wurzel, die bücken, +niederbücken, sich *ducken* bedeutet, so daß Ducht die Bank ist, auf der +diejenigen sitzen, die sich beim Rudern vorn über neigen, nach vorne +bücken, das ist eine zu bezeichnende Bewegung beim Rudern, als daß sie +nicht hätte zur Bezeichnung verwandt werden sollen. Vielleicht auch ist +dabei gedacht an das Niederhocken der Ruderer auf der Ducht. + +*Ducht* (nannte oder) nennt man auch einen aus einer Anzahl Fäden +zusammengedrehten Strang; drei Duchten bilden ein Kardeel, mehrere +Kardeele werden zusammengeschlagen zu einem Tau. (s. dreischäftig) +Dieses Wort hat mit dem obigen nichts zu tun, sondern ist unser +hochdeutsches Docht; mittelhochdeutsch und althochdeutsch taht, +altnordisch thattr, Faden, Docht. + + +*Durchdrehen*, + +unabsichtlich, durch einen Fehler des Mannes am Ruder beim Segeln am +Winde so hart an den Wind gehen, daß der Wind das Segel von der +verkehrten (vorderen) Seite füllt, »back« legt, und so das Schiff dazu +kommt, über den Achtersteven, rückwärts zu segeln; eine, besonders bei +schwerer See nicht ungefährliche Sache. Man nennt das auch wohl »eine +Eule fangen«, wohl Anklang an das Sprichwort: »do hät en Uhl säten«, +»da ists unglücklich zugegangen«. Französisch faire chapelle. +»Durchgedreht« sagt der Seemann auch von einem, der einen Sparrn zu viel +hat, oder den er im Ärger für »verrückt« erklärt, ohne daß der +Betreffende wirklich geisteskrank zu sein braucht. + + +*Durchholen*, + +ein Tau durch einen Block holen, ohne daß zugleich eine Last, die an dem +Tau befestigt wäre, geholt würde, also das lose Tau holen, »die Lose +durchholen« wie der seemännische Ausdruck lautet. Da dieses kein +anstrengendes Geschäft, sondern eher ein Vergnügen ist, so heißt »die +Lose durchholen« auch im Munde des Seemanns »sich amüsieren«. »Da wollen +wir einmal die Lose durchholen«, sagt wohl einer zum andern nach langer +Seefahrt angesichts des winkenden Hafens. + + +*Dürrkessel*, s. Kessel. + + +*Düne*, die, + +Sandhügel, Sandrücken, sandige Erhöhung am Meer. Es ist an +Verwandtschaft mit dem griechischen thin, Haufe, Sandhaufe am +Meeresufer, gedacht worden und an eine Sanscritform, die eilen, laufen +bedeutet, so daß die Düne wegen ihrer Veränderlichkeit und Beweglichkeit +so hieße (Weigand); aber dem widerspricht doch sehr der Gebrauch des +Wortes in allen keltischen Sprachen, wo es als Endung keltischer +Städtenamen geradezu einen festen, befestigten Ort bedeutet; gaedhelisch +dun, kymrisch din, Breizonek, kornisch dun: Anhöhe, Burg, Hügel; +englisch town, Stadt und down, Düne; französisch dune. Vielleicht +verwandt mit der Wurzel des althochdeutschen Zeitworts thenian, dehnen, +ausdehnen, in die Höhe gehen. + + +*Dünung*, s. Deining. + + +*Dwaidel*, der, + +ein Wischer, aus alten Lumpen gefertigt, die an einem Stiele befestigt +sind, womit der Matrose auf Handelsschiffen, namentlich kleineren, sein +Fahrzeug reinigt. Auch Dweil. Ist das sonst im Niederdeutschen +gebräuchliche Dwele, Handdwele, altdeutsch dwahila, niederländisch +dwaele, englisch towell, franz. touaille, wangerländisch dweil. +Hochdeutsch Quehle und Zwehle mit großer Verwandtschaft in allen +germanischen und romanischen Sprachen. Grundbedeutung: Etwas zum Netzen, +Naßmachen, Waschen. + +Davon Zeitwort dweilen, waschen, Deck waschen. + +(Davon durch Aphäresis des d und indem der Lippenlaut w zu einem +Zungenlaut f wurde: Faidel, Feidel, Feudel, Scheuertuch). + + +*Dwars* + +bedeutet *quer* und ist nur eine andere, niederdeutsche Form eben dieses +Adverbiums. Althochdeutsch twer, dwer, angelsächsisch thveores, +altnordisch thvers, altfriesisch thwers, twers, mittelniederländisch +dwars. Im »Seebuch«, 1400, dweers, im Teuthonista dwerss; Kil. dwaers, +dweers. In oberdeutschen Mundarten zwerch. Das Wort wird an Bord oft +gebraucht, namentlich bei Geschwadermanövern, wo neben der Kiellinie die +*Dwarslinie* eine wichtige Formation der Schiffe ist. + +In Ostfriesland wird dwars und dwas auch außerhalb der Seemannssprache +überall da gebraucht, wo man im Hochdeutschen quer gebraucht, sogar +dwaskop wird für Querkopf gesagt; von dwas, dwass im Sinne von verdreht +kommt dann unser vulgäres dwatsch. + +»Dwars ab« von einem Turm, einer Bake heißt, sich dem Turm oder der Bake +gerade gegenüber befinden. »Item twisschen Engelandesende unde Lizart +middes in de Montzbaye licht en hochachtich berch, dat is ene gude +kenninge, also en man kumpt dwers ut der See« heißt es im »Seebuch« +(1400); Engelandesende ist das, was wir jetzt kurz Landsend nennen; noch +bei Waghenaer, 1588, heißt dieses Vorgebirge Engellandesende. + + + + +E. + + +*Ebbe*, die, + +das Zurückfließen des Wassers nach einer Flut und der Stand des +niedrigsten Zurückgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen zusammen +bringen wollen, so daß Ebbe die ausgleichende, ebnende Meeresbewegung +darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der Meeresspiegel +wieder gleich und glatt gemacht würde. Aber das tut die Ebbe gar nicht, +sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es nicht auf den +mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter, macht also den +Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut ungleich. Auch +hat es nichts mit dem in »Abend« steckenden Begriff des Abnehmens, des +Sinkens zu tun, vielmehr kommt für die Erklärung das gothische ibuks, +sich rückwärts bewegend, in Betracht, und das althochdeutsche ippihhon, +zurückrollen, und abuh, abgewendet, umgewendet, verkehrt; +mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht; noch heute in +oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: »Du hast deinen +Strumpf auf die ebche Seite angezogen«, »der Baum steht auf der ebchen +(der Sonne abgekehrten) Seite des Berges«; auch eber, aber, appa, Stelle +am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und für das Schmelzen des +Schnees gebraucht (»es ist so schön appa, sand d' Alma so grün«, +schwäbisch, »der Schnee ist weg (und deswegen) sind die Hochweiden so +grün«). Ebbe ist also das sich rückwärts bewegende, zurückfließende, +zurückkehrende Wasser im Sinne des lateinischen recessus. Altfriesisch +ebba: »dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara dan mitta ebba ut ende +mit da floed op.« Angelsächsisch ebba, englisch ebb, hier besonders oft +im übertragenen Sinne gebraucht, »I felt them slowly ebbing, name and +fame«, Tennyson; auch als Adjectivum: »The water there is very low and +ebb«, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe, niederländisch eb, +dänisch ebbe, schwedisch ebb, französisch (1702) ebe, il y a ebe. + +Eine Ebbe und eine Flut zusammen heißt eine Tide, (nicht englisch, +sondern deutsch auszusprechen). + + +*Eiland*, das, + +im Munde des niederdeutschen Matrosen gebräuchliches Wort für Insel. Man +hat es mit Einland erklären wollen, allein für sich im Meer liegendes +Land, ähnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber, daß in der Edda +ey für sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy, schwedisch ö, +dänisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe, ouw, auw, +althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederländisch ooghe, oghe, +aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue, grünes, +wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Württemberg, die »goldene Aue« +und viele Zusammensetzungen mit au), und daß alle diese Formen sich dem +gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen zugesellen +lassen, so kann kein Zweifel sein, daß Eiland nichts weiter als +Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich bewegen, +eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) *rinnen*; erhalten in vielen +deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach, +Neckarsteinach, (dann in vielen Flußnamen in denen das k zu einem h +verflüchtig und dieses demnächst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch +Ehe, wohern Emden = Ehemünden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen +(Wald, wold, Karl, Korl) mußte ach im Niederdeutschen, besonders im +Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, +Schirmonnikoog, Middoge, Nordernye(oog); (die Erklärung: Auge ist schön +gedacht aber nicht sprachlich begründet). Wir haben in dem ei von Eiland +eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im Niederdeutschen +angenommen hat; wangerländisch öeland, mittelostfriesisch oyelauhn, +mittelniederdeutsch eyland, eland, oland; altfriesisch alond; schwedisch +öland (die Insel Oeland, vergl. Far oer, Far-Inseln). + +Im Jahre 1286 hieß der Name der Insel Neuwerk am Ausfluß der Ebbe: O; +1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl. Greifswalder +Oie. + + +*Einbuchtung*, s. Bucht. + + +*Einender*, s. Kessel. + + +*Einfieren*, s. Fieren. + + +*Einholen*, s. holen. + + +*Einkeepen*, s. Keep. + + +*Eins*, + +seemännische Redensart: »in Eins bringen«, d. h. zwei feste Punkte am +Lande so peilen, daß sie sich decken, daß sie *ein* Punkt werden. »Du +darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart +Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die große Bake »in Eins« +gebracht hast, oder auch bloß »in Eins« hast.« + + +*Eisdragge*, Eisanker s. Dragge. + + +*Eisenkrank*, + +ist ein (hölzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich die Bolzen +verrostet sind und der Ausbesserung bedürfen. Krank kann eigentlich nur +sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl. krängen), aber der +Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff, wie denn überhaupt +das Volk gerade durch Personifikation sich sehr treffend auszudrücken +vermag; »die Tür schreit nach Öl« wenn sie rankst; »die Stange will ihr +Recht«, sagte ein Maurer, der Löcher für eine Eisenstange machen sollte +in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen. + + +*Embargo*, der, + +eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch eine +feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung. +Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also +in seiner Bewegung beschränkt. Daher ist die Form des Wortes und die +nächste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das +mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hieß schon nicht mehr bloß Balken, +sondern Zaun, Gehege, *Schranke*. + +Früher nannte man »ein Schiff mit Embargo belegen« auch das, was jetzt +zu den Obliegenheiten der Schiffsbesichtigungskommission (s. d.) +gehört. In England ist das Wort so gang und gäbe, daß man es bildlich +anwenden kann, »to lay an embargo on free speech.« + + +*Ende*, das. + +Seemännisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann aber auch +alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende ist der +Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhört. »Da +indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und Länge +(dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann, ohne +daß vom Anfang bis zum Schluß von Etwas eine gewisse Raum- und Zeitlänge +verfließt, so gebraucht man das Wort Ende auch in der Bedeutung von +einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung in den Raum +oder in die Zeit hinaus.« (Doornkaat). So spricht man von einem kürzeren +oder längeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch ein Ende +begleiten. Zu bemerken ist, daß, wenn man bei einem Tau von einem Ende +spricht, man zwar zunächst an einen Teil eines Taues denkt, daß der Teil +aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im Gegenteil, nur weil er +noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau nach ihm Ende genannt +werden, pars pro toto. + +Sprichwörtlich sagt der Seemann: »da ist das Ende von weg«, d. h. »es +hört »sich« alles auf«, »es ist gar nichts mehr zu machen,« »es steht +sehr schlimm.« + + +*enkelt* + +heißt einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht für ein +Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei besonderen +Teilen) über eine Scheibe läuft, überhaupt ohne technisches Hilfsmittel, +also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewöhnlicher Strick, gebraucht +wird. + +Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heißt en enkelten daler ein +Taler in *einem* Stück; in Ostfriesland oft im Gegensatz zu doppelt +gebraucht, auch für einfache, nicht gefüllte Blumen. Verwandt mit dem +gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei Uhlenbeck auf das +altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer, hinweist. + + +*entern*, + +ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit *Enterdreggen* (s. Dragge) +an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei wurde eine +säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als +»*Entermesser*« bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare, +hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen, +hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das +englische to enter wird in den allerverschiedensten Bedeutungen auch +seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at the +custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = »to go +on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in combat.« +Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft genug vor, +unser entern aber heißt aborder, und das Substantivum abordage, zugleich +ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch nicht, er hat wohl +ein endteren, aber das bedeutet bei ihm »schnattern wie eine Ente.« Auch +Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht an einer Stelle, wo +er es hätte gebrauchen müssen, wenn es ihm bekannt gewesen wäre, und es +wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da er unter Carl V. +gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark dem Spanischen +zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches »Von Kayserlichen +Kriegßrechten etc. etc.«: »Von dem Meer, See, Schiff oder Wasser krigen, +fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an Kriegßvolck zu +Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff oder ernst, gegen +Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.« MDLXV Kluge: »seit +Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei Chyträus Kap. 36 +bezeugt.« + +In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der +neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da +wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung +hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In +Anlehnung an den Begriff hinüberklettern, hinaufklettern, der in Entern +liegt, hat man durchgängig in der Seemannssprache das Wort entern für +»klettern« in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das +Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde, +sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen: +aufentern, niederentern. Kommandos: »enter auf!« »enter nieder!« + +Im »Durchläuchtigsten Seehelden« 1681 wird das Wort entern im +eigentlichen Sinne gebraucht: »Als sie (Admiral Heyn und seine Leute) +auf die Spanischen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber +nach dem ein paar mal die Musqueten auf sie gelöset wurden, entfiel +ihnen der Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen +der Höhe der Schiffe hinauf zu kommen und zu *entern*. Ohngefehr hieng +ein Schiff-Seil herauß, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er +droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu +machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit +guter Gemächlichkeit täten, daß die Spanier zusahen, und gantz keine +gegen Wehr darwider täten. Als nun inzwischen die andern Schiffe +enterten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die +Spanier alle hinunter lieffen.« Doch vermeidet dasselbe Buch an anderer +Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. »Hierauf fuhren sie +fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der +dasselbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun +geschah, daß Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr +nach Mittags, dasselbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie +schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schüsse gegeben und ihre +Segel-Stange herunter gestossen, legte er ihnen an Bord, und sein Volck +sprang hinein und funden allda einen großen Reichtum« ... + + +*Erlaubnisabzeichen*, das, + +war in den Anfangszeiten des Schiffsjungeninstitutes ein Abzeichen der +Würde eines Bootsmannsmaaten, der noch kein eigentlicher Bootsmannsmaat +war, sondern nur an Bord die Dienste eines solchen versah; wenn er aber +an Land ging, so war er gehalten, das Abzeichen (den Anker) den er nur +an Bord zu tragen die Erlaubnis hatte, abzulegen und zurückzulassen, +offenbar traute man ihm seiner großen Jugend wegen noch nicht die +Fähigkeit zu, den Stand eines Unteroffiziers auch am Lande würdig zu +vertreten. + + +*Erster Offizier*, + +der nächste nach dem Kommandanten, im Behinderungsfalle und auch sonst +in vielen anderen Fällen sein Stellvertreter, ihm für alles was im +Schiffe vorgeht verantwortlich, überhaupt ein Mann, auf dem für +gewöhnlich die ganze Last des Schiffsdienstes liegt. Er heißt Erster +Offizier nicht etwa nur als primus inter pares oder weil er der +Dienstälteste in der Messe ist, also nicht in dem Sinn, in dem man sagt +»Erster Wachoffizier«, sondern etwa so wie man sagt: »Erster +Staatsanwalt.« Also die Bezeichnung eines besonderen Amtes, einer einem +Manne amtlich und dienstlich übertragenen Stellung. + + +*Eselshaupt*, das. + +Das Verbindungsstück am Kopfe des Mastes, durch das die Stänge mit dem +Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonderbares Wort. Breusing sagt: »Ich +möchte glauben, daß der ursprüngliche Name Eselshuf gewesen ist, da +diesem die Gestalt genau entspricht, während man für die Bezeichnung +Eselshaupt gar keinen Anhalt hat.« Huf für Haupt zu setzen ist ein +Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen ist. Haupt ist auf +alle Fälle festzuhalten, weil der niederdeutsche Seemann Hofd sagt und +dieses Hofd auch noch in anderer Verbindung, z. B. Dodshofd, vorkommt, +wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt muß also stehen bleiben. Aber +wenn wir uns den Esel näher betrachten, so hat er mit der Zoologie +ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es handelt sich +vielmehr um die Anatomie des menschlichen Leibes, wie Haupt schon +vermuten läßt. Dem Haupt zunächst verbunden ist die Schulter, die +Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel, +angelsächsisch eaxl, altsächsisch ahsla, altisländisch öxl, italienisch +ascella, provençalisch aissela, mittelniederdeutsch assel und asle. Da +liegt doch die Vermutung nahe genug, daß aus diesem Assel Esel geworden +ist. Das Eselshaupt stellt die Verbindung von Kopf und Schulter dar. +Durch die eine, runde Öffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach +oben, die andere, viereckige Öffnung sitzt als Schulter zu dem dazu +gehörigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Daß die Stänge als das +Haupt angesehen werden kann, wird der nicht bestreiten, der weiß, daß +sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum +letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewiß Eselshaupt += niederdeutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen +wird. + +Daß das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht nachweisbar ist, +darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch einmal. Aber wenn +auch nicht, so ist damit noch nicht bewiesen, daß es überhaupt nicht +vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufällig in irgend eine alte Urkunde +geriet, wer hätte es aufschreiben sollen? Wer schreiben konnte, das +waren die Mönche, und die kannten das Wort nicht oder hatten keine +Veranlassung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren die +braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch die +Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch bewiesen +werden, daß die mittelniederdeutsche Form für Achsel nicht nur Asel, +sondern auch Esel hieß. Auf der Oldenburgischen Bibliothek findet sich +ein altes geschriebenes Gebetbuch vom Jahre 1473, darin kommt die +Stelle vor: »Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware cruce +leyden.« + +Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so hätte man anstatt +Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen dürfen. Daß man +Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das e +in Esel eigentlich ein a sein müßte, von wegen asinus. Niederdeutsch +heißt der Esel auch heute noch Äsel, und zwischen diesem und Asel ist +lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben +bei solchen Wortbildungen nicht den Ausschlag, sonst hätte unser +deutsches Flüssigkeitsmaß Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England +nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden können. + + +*Etmal*, das. + +Ein Etmal ist in der Seemannssprache ein Zeitraum von 24 Stunden, und +zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages gerechnet. +»Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen« heißt also: wir haben in 24 +Stunden 300 Seemeilen zurückgelegt. Auch insofern ist ein Etmal ein +Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal +Flut stattfindet, es erstreckt sich also über zwei Tiden; jedoch kommt +es auch vor, daß Küstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12 +Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne +und übersetzt es mit dies naturalis: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen +leitet er es von eten = essen ab, »prandere quia astrologi incipiunt +diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo +tempore vulgo pranditur.« Ähnlich Weiland: er nimmt etmal = eetmal, »dit +schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel +omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen.« Man könnte sich +versucht fühlen, das für einen Witz zu halten wenn die +Wörterbücherschreiber nicht sonst so ernste Leute wären. + +Das -mal ist ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel, +althochdeutsch mal) einen Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt, +dann Zeit überhaupt, besonders aber auch Zeitpunkt des Essens (weshalb +unser Mahlzeit eine der vielen Tautologieen der deutschen Sprache +darstellt). + +Die erste Silbe »et« wird von Diefenbach als ein verstärkendes, die +Wiederkehr anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Präfix +erklärt. Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der +Ostern. In Beówulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr, +(Rückkehr des alten Zustandes nach der Rückkehr von Grendels Mutter), +ferner ed-wendan sich zurückwenden, und ed-wenden die Wendung, der +Wechsel. Im Altfriesischen hat Etmal schon die seemännische Bedeutung: +»Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta«, »das soll man binnen dreimal +24 Stunden befechten.« Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen +(nachdem das Gras bereits gemäht oder abgeweidet war, auch et-grün) +vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo +der Pflug beim Pflügen am Ende des Ackers immer wieder umkehren muß, +hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung +eddach, ettink für einen regelmäßig in bestimmten Zeitabschnitten +wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed = +Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in +Anwendung und können daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern +ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmäßig wiederkehrender Tag, schon +weil dafür auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten +Zeitpunkt andeutet. + +Was das seemännische Etmal betrifft, so empfiehlt Lucas Janszoon +Waghenaer in seinem »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, sehr, es regelmäßig +auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: »Tis seer goet alle Etmalen +eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende behouden heeft, +op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft, ende hoe alle de +hoecken ende landen van u zyn legghende.« Derselbe Waghenaer spricht +auch wiederholt von einem Etmal des Mondes. + + +*Eule fangen* s. durchdrehen. + + +*Evolutionsbogen*, der, + +verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die gleichmäßige Bewegung im +Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders gradeaus steuernde Schiff +unter dem Einfluß des gelegten Ruders in die regelmäßige Drehung +eintritt, muß es einen Bogen beschreiben, eine Kurve, die der +Evolutionsbogen heißt. Man unterscheidet demgemäß auch einen +Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch evolvo, +sich entrollen, aufrollen. + + +*Ewer*, der. + +Name eines kleinen Fluß-, Kanal- oder Wattschiffes, besonders bekannt +durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint, es sei +über die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts zu +sagen. Wenn man aber bedenkt, daß in zahlreichen mittelniederdeutschen +Urkunden eever, ewar und envare neben und durcheinander gebraucht +werden und daß envare in dem Zolltarif der Margarethe von Flandern vom +Jahre 1252 erklärt ist als ein »navis, que dicitur envare, que habet +remex retro pendens (debet) comiti IV. den,« so ist der Gedanke doch +sicher nicht zu kühn, daß das Boot ursprünglich von *einem* Manne +*gefahren* wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro pendens war, so +daß also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde. Einfahrer wäre also +die Hochdeutsche Übersetzung. Natürlich ist dabei nicht angenommen, daß +das Schiff 1252 noch von *einem* Manne gefahren wurde, sondern nur, daß +es sich -- wer weiß wann? -- aus solch kleinen Verhältnissen heraus +entwickelt habe, ähnlich wie Fregatte sich aus einem Ruderschiff zu +einem Dreimaster ausgewachsen hat. + +Breusing hatte sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich +Eber, wiewohl ihm bekannt war, daß in den beiden Worten zwei ganz +verschiedene anlautende e stecken. Und als Müllenhoff das Gewicht seines +Ansehens gegen die Gleichstellung in die Wagschale warf, da ließ er +freilich den Eber fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch +an, wie schwer es ihm ward. + + +*Exerziermast*, der, + +ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehört, sondern am Lande, in der +Nähe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz als Schiffsmast getakelt +ist, und an dem ungeübte Matrosen, Schiffsjungen etc. etc. ihre Übungen +im Entern etc. etc. anstellen. Er hat also ungefähr die Bedeutung eines +Turngerätes für angehende Seeleute; auch wohl die eines schönen +Spielzeuges für heranwachsende Knaben. + + + + +F. + + +*Faden*, der, + +dasselbe wie Klafter, ein Maß von 5-6 Fuß; bedeutet, ebenfalls wie +Klafter, ursprünglich Umarmung mit beiden ausgestreckten Armen. Beide +Wörter sind als Maß ähnlich gebildet wie Elle von (Ellenbogen) Elbogen. +Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser zu einem »Faden« +gedreht, die so lang ist, daß sie von der Hand des einen ausgestreckten +Armes zu der Hand des anderen ausgestreckten Armes reicht. Noch im 17. +Jahrhundert fadem, englisch fathom, in deutschen Mundarten Fadem. +Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten Arme, angelsächsisch fädm, +die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht, Schutz, Busen, Schooß. +Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch fahan, fangen, umfangen; +griechisch petannymi, ausbreiten. Vom lateinischen patere, offen stehen, +sagt Kluge, daß es schon »weiter abseits« liege; also entfernte +Verwandtschaft. + +Das französische brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden: +die Entfernung der beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind. + +Meist wurde Faden als Tiefmaß gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt +einleitend zu seinen Seekarten: »Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle +Havenen, Riuiren, Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op +de ondiepten ende sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep +zyn ... alles met half vloet.« + +Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch für Bezeichnung einer +Entfernung: »Item een myle buyteu de Clippen van Obenrack leyt een +rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet tusschen die +Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden dan veertich +vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden, comt den +lande niet naerder dan op veertich vadem.« + + +*Fahne*, die, + +gehört streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt Fahne +Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad +Fähnrich zur See (für Seekadett) eingeführt. Fahne heißt eigentlich +Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch; +althochdeutsch, altsächsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch +pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel); +griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen += ziehen, spinnen, hängen. Altfranzösisch fanon, Tuch; aber gonfalon, +italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, »Kampftuch« ab. +Finnisch faana, die Fahne. Der Fähnrich hieß althochdeutsch faneri, +Fahnenträger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einfluß von +pendeo, hängen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant = +Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet. + + +*Fähre*, die, + +ist von Fährschiff so zu unterscheiden, daß Fähre ein flaches, niedriges +Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen, Pferde, Wagen, ja neuerdings ganze +Eisenbahnzüge an einer bestimmten, dazu eingerichteten Stelle über einen +Fluß oder ein sonstiges Gewässer gesetzt werden; es geschieht mit Staken +oder Riemen, mit Hilfe eines Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb. + +Fährschiff aber ist ein wirkliches Schiff, das auf Flüssen, Seeen, +Kanälen und in Küstengewässern regelmäßige Fahrten von einem Ort zum +andern macht und für einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren +mitnimmt; also ähnlich wie Börtschiff, nur vielleicht mit kürzeren +Fahrten. + + +*fahren* + +wird auch in der Seemannssprache in der gewöhnlichen neuhochdeutschen +Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem Sinne, der der +eigentlichen Bedeutung »sich von einem Orte zum anderen bewegen« +widerspricht. Man sagt: »Das Tau fährt nach vorne, nach achtern, nach +unten.« Beim laufenden Gut möchte das noch angebracht sein, wiewohl es +bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort verändert; aber beim +stehenden Gut muß man sich schon zwingen, daran zu denken, daß es auch +einmal noch nicht stehend war und erst beim Auftakeln des Schiffes in +seine Stellung geführt worden ist. + +Außerdem gebraucht der Seemann fahren im Sinne von »zur See fahren.« +»Ich bin mit ihm gefahren,« heißt: »ich bin mit ihm zusammen an Bord +gewesen, mit ihm zusammen auf einem Schiffe gefahren.« »Ich fahre auf +Handelsschiffen,« sogar: »ich fahre auf Südamerika« (mundartlich: »ich +mache in Amerika,« jedoch nur von einer einzelnen Reise, während der +Seemann, der »auf« Amerika fährt, damit sagen will, daß er wiederholt +und mit einer gewissen Regelmäßigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin +betreibt.) Ein »befahrener« Mann ist einer, der entsprechend lange zur +See gefahren hat -- der Seemann sagt stets »ich *habe* gefahren,« +offenbar weil er sich dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt +-- um in der Seemannschaft erfahren zu sein. + + +*Fahrrinne*, die, + +eine natürliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe noch fahren kann; +sodann die natürliche Vertiefung in einem Hafen im Verlaufe der Richtung +die ein Schiff steuern muß, um nicht auf Grund zu geraten, daher meist +Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann. Besonders aber ein +künstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es, daß man ihn mit +Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, daß man ihn ausgebaggert hat. + +Früher hatte man ein seemännisches Wort Fahrweg. Im Seebuch, 1400, +kommt es oft vor und bedeutet den Weg draußen auf offener See, im +Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande unbehindert fahren kann, +jedoch mit der Beschränkung die heutzutage das Fremdwort Route andeutet, +Wasserstraße als nächster Weg von einem Orte zum andern. »Item in der +reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten mane (Mond), unde uppe +der stille suden mane, unde buten in deme varwege maket vul see +sudwesten mane.« + +Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch Waghenaer: »tusschen Heys en +Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen +'t vaerwater zynde vintment diep 25 vadem. Twee kenninghen buyten Heys, +werpt ghy 45 vadem.« Es ist also ein Unterschied zwischen einem äußeren +Fahrweg und einem inneren Fahrwasser. + + +*Fahrt*, die. + +1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins Mittelmeer. + +2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; »das +Schiff ist in Fahrt,« »das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt«, »es +ist in voller Fahrt«, »es fährt mit halber Fahrt«. Auch in übertragenem +Sinne von Menschen gebraucht: »der ist in der Fahrt«, »die ist mächtig +in der Fahrt«, wenn jemand recht im Eifer ist. + +3. Man unterscheidet »Große Fahrt«, »Kleine Fahrt«, s. Schiffsregister. +Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhält er das Patent für +die seinem Wissen and Können entsprechende Fahrt, »große Fahrt«, +»Küstenfahrt« u. s. w. + +Früher unterschied man nur »große und kleine Seefahrt«, und erstere war +besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« Lübeck 1673, spricht in einem +Vorwort an den »günstigen Leser« von den Fortschritten, die der Mensch +in der Observation gemacht habe. »Wil se nu dorch dise Erfahrenheit +gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst ümmermehr na +gesöcht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden; +Insünderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell +unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert. + +Se hebben sick ock herna in dise Kunst mehr geövet, und insünderheit die +Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen, +alß by er uth gegeven Böck tho sehende, welcke Böck wi ock by unser +Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser +Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben, +dar idt doch ein hochnödich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van +unsen Seefahrenden nicht wol in der Holländischen Sprack noch in er Böck +tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht +verstahn noch begripen könen. + +Ock sunt de Nedderlandesche Böck mit der _groten Seefahrt_ mehrendeles +vorfüllet, welckes besteit in Affdeling der Sphera der Werrelt, Bewegung +der Hemmelen, im gelicken de dre Huckes, Krum Streck, langet und bret +Recknung, und vel ander Regulen, de uth der Astronomie und Cosmographie +genahmen; Welckes unsen jungen Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na +den mahl so selden de Ost- und West-Indyen befahren. Se werden averst +velmehr dorch de mannigfoldigen Regulen up geholden, wil se de sünder +Anwising und gud Underricht nicht lehren noch underscheden können, wat +Regelen er tho der _groten offt klenen Seefahrt_ fodderlick und nütlick +sin!« ... + + +*Fahrzeug*, das, + +ist im Allgemeinen eine Bezeichnung für alles was Schiff heißt, jedoch +im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren, Minderwertigen, +Kleinen. Ein Panzerschiff erster Güte wird man kaum ein Fahrzeug nennen; +dagegen spricht man von Werft-, Hafen-, Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist +neueren Ursprungs, erst seit 1695 bezeugt, und soll eigentlich +niederdeutsch sein. Im Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da +kommt nur ein vartouwe vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet, +wiewohl sonst tuch und tug in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich +auch im Sinne von Kriegszeug. Und auch im Neuniederdeutschen ist das +Wort kaum gebräuchlich. Vielleicht daß es sich aus dem Niederländischen, +wo vaartuig öfters gebraucht wird, eingeschlichen hat. + + +*Fake*, *Facke*, die, + +meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die Zwischenräume +zwischen den einzelnen Spanten oder Inhölzern. Als man die Kriegsschiffe +noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken mit Holz +ausgefüllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist nichts +anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behälter, durch Scheidewände +eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung, Abschnitt, Behälter. +Die Faken sind also die Fächer zwischen den Spanten. + + +*Fall*, das. + +»Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines +Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach über +eine Scheibe läuft. Die vorzüglichsten an Bord sind die Fallen der +verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und +Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres +Falles verbunden«. (Brommy, »die Marine«). Jedes Segel hat ein Fall. +Aber merkwürdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum +Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Während +nämlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehißt werden +und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die +Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst +fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall +ganz lose ist; sie bedürfen darum noch eines besonderen Niederholers. +vergl. Drehreep. + + +*Fallhorn*, das, + +ist das was sonst »Kopf des Stagsegels« heißt, nämlich das spitz wie ein +Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das Fall befestigt +ist. + + +*Fallreep*, das. + +Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprüngliche, einfache und klare +Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei diesem. Reep ist gleich +Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem, der die Stufen der +Bordwand hinauf wollte, hinabfallen ließ, sich daran festzuhalten. So +bedeutet also das heutige Kommando »Fallreep!« eigentlich: »Fall Reep!« +oder »laß fallen das Reep«, für den an Bord Kommenden (oder auch von +Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten Stelle aus geschah, +nämlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen Trittbretter +eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der Nähe nach +diesem fallenden Reep »am Fallreep«, »beim Fallreep«, oder auch kurzweg +»Fallreep«, und der Nachtposten, der da steht, kann nun aussingen: +»Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl!« Man denkt gar +nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer einfachen +Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklärt es sich auch, daß in +späteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter +richtige transportable Treppen einführte, diese Fallreepstreppen genannt +wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Geländer das Fallreep überflüssig +machten, so daß die sogenannten Fallreepsgäste das Tau nur noch +symbolisch in die eigene Hand nehmen und nur so tun, als ob sie es dem +Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine den +Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann noch +erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt. Wie +sehr die ursprüngliche Bedeutung dem Bewußtsein entschwunden ist, lehrt +besonders deutlich das Kommando: »Vier Fallreep« (für einen +Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep +genannt werden könnte, oder die Redewendung: »Er lehnt sich zum Fallreep +hinaus«, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der +Bordwand, der einer Tür ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist. + +Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren +kommt und fällt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das +Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann. +Da muß man, wenn es nicht gar über eine Jakobsleiter am Besansbaum geht, +die Trittbretter an der Bordwand benützen und zieht das Reep aus leicht +begreiflichen Gründen den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern +vor. + +Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat das +holländische val-reep mit échelle de poupe übersetzt, was der erwähnten +Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau, +Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch übersetzte er es sinnreich mit +tire-vieilles: »Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au +distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde +de chaque coté de l'échelle«. + +Der Übersetzer der »Durchläuchtigsten Seehelden« hat sich die Sache mit +Fallreep leicht gemacht und einfach Falltreppe gesagt. Er beschreibt +eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit König Franz I. »an den Bord des +Käysers, da der König mit einer köstlichen zubereiteten Chaloup von +Aquamorto, in Begleitung des Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals +von Lothringen ankommen war. Der Käyser begegnete dem König an der +*Fall-Treppen*, und empfing ihn mit aller Freundlichkeit, und führte ihn +nach dem Hinter-Teil des Schiffes, allda sie viele Stunden mit einander +in sehr ergötzlichem Gespräch zubrachten, unter welchem die fürnehmsten +Herren Seiner Käyserlichen Majestät Hände zu küssen kamen.« + + +*Fangleine*, die, + +eine lange, dünne aber feste Leine, die aufgeschossen, von Bord aus an +Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung, wenn der Werfer +seine Sache versteht, geworfen wird. Derjenige dem die Leine zugeworfen +ist muß sie fangen, einholen und holt dann die am andern Ende der +Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am nächsten Poller oder +Ducdallen festzumachen. *Fangleine eines Bootes* ist eine etwas stärkere +Leine, die als Schlepptau dient. *Fangtaue* sind dünne Tauenden, mit +denen etwas im Wege Hängendes aufgebunden, beiseitegebunden, aufgefangen +wird. *Fangstander* ist ein Stück Kette das das im Davit hängende Boot +tragen hilft und also die Taljenläufer desselben entlastet. + +Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin nennen. + + +*Fardage*, die. + +Packmaterial, Holz, Spähne, Rohr etc. etc. zwischen die einzelnen Teile +(Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rütteln, Schütteln und Stoßen +zu schützen, überhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem Französischen wo +fardeau (altfranzösisch fardel) ein Bündel bedeutet; die Vorstellung ist +also die, daß das Packmaterial in Bündeln zwischen die einzelnen Kisten, +Kasten, Fässer u. s. w. gestopft wird; auch kommt im Englischen, außer +diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches ebenfalls Bündel +heißt, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer, widerwärtiger +»Last« gebraucht wird, so daß man wohl auch bei Fardage an ein dem +Seemann lästiges, unnützes, wertloses Stück der Ladung, das nur so als +notwendiges Übel mitgeschleppt wird, denken darf. + + +*Farunner*, das, + +ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der Matrosen, überhaupt der +aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung. Ehrentraut, Friesisches Archiv +II. 62, sagt von einer Tjalk, daß sie rund gezimmert ist, »hat aber +keine Kajüte, sondern einen Raum, worin die Mannschaft sich aufhält und +schläft: dait farunner, und zwar ein doppeltes, hinten und vorn, auch +ein rum (Raum, Laderaum).« Das Farunner unterscheidet sich von der +Kajüte dadurch, daß es nicht so hoch ist und man nicht aufrecht darin +stehen kann, und daß darin gekocht wird. Ursprünglich trug nur der +vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen farunner oder farunder, +denn das far ist gleich för und es kommen die Formen förunder und +vorunder vor. Letztere ist die älteste die mir bekannt geworden ist; sie +steht in einer Bremer Urkunde von 1564: »darvp alsuort Jacob onde Albert +de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in dat vorunder gegann, synn +steuell onde kleider angetaghenn« ... För, vor ist gleich vorne, +forunner also das »Vornunter«, der Raum wo die Leute vorne ihren +Unterschlupf haben. Daß man hernach auch einen hinteren Unterkunftsraum +so nannte, wird den nicht wundern, der das goldene Kopfeisen der +Friesinnen kennt, oder die neumodischen Waschschwämme, die gar keine +Schwämme sind, sondern aus Gummi verfertigt werden; sie heißen aber +Schwämme. + + +*Fastgaljas*, die, + +vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in dem +niederdeutschen »Kasper Ohm en ik« von John Brinkmann vor. Wir haben es +hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches +fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn +da heißt es nicht nur unbewegt, dauerhaft, beständig, haltbar, »fest wie +Magdeburg«, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewiß, zuverlässig, +kräftig, stark, tüchtig, sondern auch schnell. Zur Tüchtigkeit gehört +eben in gewissen Fällen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heißt +fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nämlich +beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tüchtiges +Schiff ist nur dasjenige, welches die nötige Geschwindigkeit entwickelt, +wie der nur ein tüchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger +»Fixigkeit« ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom +Flecke kommt »a fast traveller.« + + +*Felucke*, die, + +ein langes, schmales Fahrzeug des mittelländischen Meeres, mit zwei +etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden lateinischen +Segeln und acht bis zwölf Riemen an jeder Seite. Sie ist meist +ungedeckt, hat aber am Heck eine Hütte zum Schutze gegen Wind und +Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der +Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, größere +Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze +Art von Fahrzeugen muß aber, trotz früher oft gerühmter Geschwindigkeit, +vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere +verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff. + + +*Fender*, der, + +eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das Schiff, wenn +es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem Schamfilen zu +schützen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehängt wird. Erst in +neuerer Zeit in die deutsche Seemannssprache, die früher nur +Wreifhölzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes Wort. Vom +lateinischen defendere verteidigen, behüten, beschützen, bewahren. +»Schutz« würde also die Übersetzung ins deutsche sein. + + +*Feuerschiff*, das, + +ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes vertritt, an einem Orte +verankert, wo sich ein Turm nicht bauen läßt, wo aber doch wegen der +Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders deutliches, weithin +sichtbares Feuerzeichen nötig ist. Es hat keine eigenen +Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum Hissen der +Laternen bei Nacht, der Signalbälle bei Tage. Der Ausdruck Feuerschiff +erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit, in der auf +dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese jetzt durch +Lichter verschiedener Art verdrängt sind, so ist der engl. Ausdruck +light-ship sinngemäßer als unser deutsches Feuerschiff; bei Turm haben +wir uns auch den veränderten Umständen angepaßt und sagen Leuchtturm, +aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet. + + +*fieren*, + +das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den Gegenstand, +der an dasselbe festgebunden ist, nicht näher an sich heranholen, +sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt nahe, bei diesem +Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren heißt; von fir = +Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen keine Arbeit getan +wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist Weiland unterlegen; er +schreibt: »vieren = rüsten (ruhen); den teugel vieren is, hem niet strak +vasthouden, laten schieten.« Allerdings wird ja »geruht«, nachgelassen +mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn überhaupt unmittelbar vorher +geholt worden ist), aber das gibt doch nicht bei der Bedeutung von +fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit holen bedeutet doch noch kein +wiederablaufenlassen dessen das man geholt hat, sondern erfordert nur, +daß das Geholte festgehalten und belegt wird. Überdies braucht dem +Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar voraufzugehen, so daß schon darum +nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, Nichtweiterholen die Rede sein +kann. Auch verbietet sich der Gedanke von feiern von selbst, wenn wir +bedenken, was das heißt: »he let en fieren«; das heißt doch wörtlich: +»er läßt einen streichen«, und wir haben da das andere niederdeutsche +Wort fieren, welches auch unser seemännisches ist, mit *fern* verwandt +ist und streichen heißt, fahren, gehen, laufen, schießen, gleiten; firen +laten: los lassen, gehen lassen, frei geben, Raum und Freiheit geben +sich zu bewegen; in die Ferne, ins Weite gehen, nicht bleiben und +haften, nicht gehalten werden, -- das ist die Folge des Fierens, und das +Gefierte, das nun nicht mehr gehalten wird, sackt, senkt sich, sinkt so +lange bis es anderweitig Halt und Stütze findet. Bei einer Verhandlung +über einen Seeunfall im Jahre 1564 sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus +»dat N. dat spreeth loss gelatenn, sin schip vmme geswengeth ond dat +grote anker ond touwe vthgefiret, ond he, tughe, dat plichtgarde +(Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: wat wylle gy vele fireinn? wy +liggen alle an der grundt.« + + +*Fest holen* s. holen. + + +*Festzeisen* s. zeisen. + + +*Fid*, *fidden*, + +nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus hartem Holze +gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten die einzelnen +Duchten von den Enden der Taue auseinander hält um durchstecken zu +können. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort dürfte vom +englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das gothische +fetjan zurückgeführt wird, schmücken, dann in den zahllosen Bedeutungen +von »zurechtmachen« gebraucht. + + +*Fingerlinge*, die, + +nennt man starke eiserne Hänge am Achtersteven, in welche das Ruder mit +den Haken eingehängt wird; es kann indessen auch umgekehrt gemacht +werden, daß das Ruder die Fingerlinge hat und der Steven die Haken. Man +stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tür vor. Zu Fingerling +ist Däumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hülle, in die ein Finger +paßt, wie der Däumling eine Umhüllung in die der Daumen grade +hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen dicken Verband +haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines ledernen +Handschuhs, einen Fingerling, über, an dessem hinteren Ende ein Band +befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut (Friesisches +Archiv, II. 65) schreibt: »Das Steuerruder: dat rôr am Hinterteil hängt +in vier eisernen Haken, welche in Büchsen sitzen. Diese Büchsen heißen +da fingelin (Sing.: dju fingelin);« und zwar bezieht sich das auf die +Sprache der Wangerooger Seeleute. + + +*Finknetzkasten*, der. + +Der obere, kastenartige Abschluß der Reeling, in dem die Hängmatten +verstaut werden. Diese wurden ursprünglich auf Kriegsschiffen vor der +Schlacht auf die Reeling gebracht als Schutz gegen feindliche Kugeln. +Hieraus entwickelte sich ein bleibender Verwahrungsort für die +Hängematten mit entsprechender Gestaltung der Bordwand, kastenartig mit +einem geteerten »Kleid« zum Überdecken. Aber wenn diese Einrichtung +getroffen war, wurden im Falle einer Schlacht die Hängematten als +Brustwehr mit großen Netzen befestigt. Diese führten den Namen Finknetze +von dem niederdeutschen Schiffsnamen pink; das Fahrzeug dieses Namens +war sehr vielseitig, wurde namentlich aber in Niederdeutschland als +Fischerboot benützt, weshalb Kilianus das Wort auch mit navis piscatoria +wiedergibt. Das große Netz dieser Pink hieß Pinknetz. (Kil.: pinck-net, +rete majus). Der Übergang von Pink zu Fink stellt eine sehr gangbare +Lautverschiebung dar. Das p des Umlautes wird zunächst affriziert zu pf +und dann gestattet sich bequeme Aussprache in Nord- und +Mitteldeutschland gerne die Spirans statt der Affricata: Ferd, Fand, +Fund. + +Anstatt des Finknetzes für die Hängematten ward dann ein Kasten für sie +gebaut, aber der Name blieb erhalten, es wird bloß Kasten hinzugefügt: +Finknetzkasten. + + +*fischen*, + +hat in der Seemannssprache außer dem gewöhnlichen Sinn auch noch den von +festmachen, befestigen, unterbringen und zwar den bereits aus dem Wasser +geholten (gekatteten) Anker. Der nachmalige Admiral Brommy beschreibt in +seinem aus Athen datierten (Dezember 1847) Buche »Die Marine« den +Vorgang des Ankerfischens: »So wie der Ring des Ankers über dem Wasser +sich zeigt, haken zwei Bakgasten den Katzblock in denselben ein, das +Gangspill wird wiederum gepallt. Schnell wird nun der Läufer der +Katztakel angeholt, der Anker mittelst dieser an den Krahnbalken gezogen +und durch die Penturleine daselbst befestigt. Der Fischhaken wird über +den Schaft des Ankers geworfen und durch die Fischtakel derselbe auf die +Seite gebracht, wo er mit der Rüstleine festgemacht wird.« Wie alles in +der Seefahrt, so hat sich auch in diesem Stücke seit 1847 viel geändert; +so hat man inzwischen einen Fischdavit erfunden und andere Neuerungen +der Technik angebracht; die Bezeichnungen katten und fischen sind aber +geblieben. + + +*Fitten.* + +Ehe ein Schiff ins Dock geht muß es -- also unter Wasser --gefittet +werden, d. h., es muß genau die gegenwärtige Form seines Kiels +festgestellt werden, damit darnach die Stapelklötze so aufgebaut werden +können, daß nachher im Dock wenn das Wasser sinkt und das Schiff sich +auf die Klötze setzt, der Kiel in allen Teilen genau und richtig +unterstützt ist, namentlich auch in etwaigen beschädigten Teilen, sei +es, daß der Kiel durch die Länge der Zeit von seiner ursprünglichen Form +gewichen ist, sei es, daß durch Festkommen eine Havarie entstanden, eine +Beschädigung hervorgerufen ist. Diese festzustellen, den Fehler genau +graphisch darzustellen dient eine Vorkehrung, eine Art Rahmen, *die +Fitte* genannt. Und die Tätigkeit heißt fitten. Es liegt nahe an eine +der vielen Bedeutungen des englischen to fit zu denken. Aber keine von +ihnen paßt. Desto besser paßt ein noch viel näher liegendes +niederdeutsches Zeitwort fitjen, das zunächst tadeln bedeutet, dann aber +auch mäkeln, kritisieren, *geflissentlich Mängel aufsuchen*. + + +*Fischerstek*, s. Stek. + + +*Fjord* s. Föhrde. + + +*Flagge*, die. + +Kilianus erklärt das Wort fenlyn durch flammeum, flammeolum, d. h. +Brautschleier, weil in Rom dieser flammend rot war. Eine ähnliche +Gedankenverbindung drängt sich auf zwischen Schleier und Flagge, wenn +man nicht an die Farbe, sondern an das Wehen und Flattern eines +Schleiers denkt. Was flattert das flackert auch. Und von Flackern kommt +der Name. Er ist neueren Ursprungs, zuerst nach Kluge 1613 gebucht. +Englisch flag, im Angelsächsischen war aber das Wort, weil +wahrscheinlich auch die Sache unbekannt, obgleich schon die Flotte +Wilhelms des Eroberers mit wehenden Flaggen an der englischen Küste +landete. Im Beówulf heißt das, was wir Flagge nennen, segn = Signum, war +aber keine Fahne, sondern ein Schild. Der hoch am Maste befestigte +Schild galt als das Zeichen der Gegenwart des Befehlshabers; war der +König selbst an Bord, so hißte man einen Schild von Golde. Sogar zu +Häupten des toten Königs Skild banden sie, als sie ihn im +reichgeschmückten Schiffe dem Meere übergaben, ein goldenes »segn«. Es +gibt natürlich an Bord eines Schiffes vielerlei Flaggen: Kriegsflaggen, +Nationalflaggen, Post- und Zollflaggen, Lootsenflaggen, Bootsflaggen, +Signalflaggen, Winkflaggen, den blauen Peter, Admiralsflaggen etc. Was +letztere betrifft, so genügte früher zur Unterscheidung des Ranges, wenn +man sah an welchem Maste die Admiralsflagge gehißt war; jetzt, seitdem +es überhaupt nur noch Gefechtsmasten auf den in Betracht kommenden +Schiffen gibt, müssen die Admiralsflaggen unter sich verschieden sein. + +In England unterschied man früher (bis 1864) Admirals of the red, of the +white, of the blue flag, und in jeder dieser Farben gab es wieder einen +Admiral, einen Vice- und einen Kontreadmiral, (wonach zu berichtigen +Lüpkes, Seemannssprüche p. 63, wo angeführt ist, daß im englischen +Sprichwort Admiral of the red (flag) einen »Söffel« bedeutet, wegen der +roten Nase, Admiral of the white einen Feigling und Admiral of the blue +einen Schankwirt, wegen der blauen Schürze). + +Weil er das Recht hat, eine Flagge zu führen, nennt man den Admiral +*Flaggoffizier*; *Flaggleutnant* aber heißt der Offizier, der des +Flaggoffiziers, der ein Geschwader führt, rechte Hand ist. + +*Flaggenparade* heißt das feierliche Hissen und Niederholen der +Kriegsflagge. + +Die Flaggen sind von feinem, wollenem Zeug, das zwar mit dem was wir +sonst Tuch nennen gar keine Ähnlichkeit hat, aber doch *Flaggentuch* +heißt. + +Die Leine, an die die Flagge angesteckt wird, oder vielmehr zwischen die +sie eingeknebelt wird, heißt *Flagg-*(nicht Flaggen-)*leine*. Das +Schiff, auf dem der Geschwaderchef seine Flagge gesetzt hat, ist sein +*Flaggschiff*, auch wird es das Flaggschiff des Geschwaders genannt. + +Zu bemerken ist, daß die für ein an die Sprache der deutschen Marine +gewöhntes Ohr sehr störend klingenden Formen Flaggenoffizier, +Flaggenleutnant, Flaggenschiff etc. etc. in der österreichischen Marine +gang und gäbe und auch im dienstlichen Gebrauche sind. + +Es war von jeher üblich mit wehenden Flaggen zu kämpfen; +»Durchläuchtigste Seehelden« II 449: »unterdessen wuchs das Wasser (im +Hafen von Ostende, es handelt sich um einen Anschlag der Franzosen auf +diesen) ziemlich an, da denn mit einem Nordost-Wind zehn mit Volck +geladene Barcken, mit fliegenden Flaggen und Wimpeln, Trommelschlag, +bereitem Gewehr, und die von des Königes (es war 1658) und Mazarini +Leib-Guarde ihre blaue Bardürete und andere Röcke, und die Befehlhaber +ihre Federn und Feldzeichen anhabend, und den Marschall in der Mitten, +mit seinem Orden des H. Geistes, hinein kamen: der Wind war so gut, daß +als sie über die Bank, die an dem Eingang des Havens liegt, kommen, es +ihnen nicht möglich war, (weil sie zugleich von den einlauffenden +starcken Strom fort getrieben wurden) die Fahrt aufzuhalten. In dieser +Gestalt kamen sie an die Kay.« + +Von der Aufstellung der spanischen und Venediger Schiffe unter Don +Juan d'Austria bei Lepanto berichtet derselbe Verfasser: »Unter +anderen Ordnungen war auch diese, woran nach aller Meinung sehr +viel gelegen war, umb die bestellte Ordnung in dem Fechten zu +halten, in Betrachtung, daß sowohl die Königlichen als Venedischen +Galeyen unter einander vermengt waren, daß dieselbigen ein jede +ihr besonder unterschieds-Zeichen haben sollten, damit sie sich in +dem Schlagen leichtlich wieder unter ihre Flagge begeben konten, +und also hatten die von der Bataille ein klein blau Fahne auf dem +Gipffel eines jeden Mastbaums; die von dem rechten Fliegel eine +grüne Banderol oder Fahne, an dem Ende der Segel-Stangen, die in +dem linken Fliegel eine gelbe, und die im Nachzuge eine weisse auf +dem hinder Theil der Schiffe.« + +Wenn man Leonhart Frohnsberger glauben darf, der 1565 so gut wie ers +verstand über See und Seemannschaft geschrieben hat, so wurde in seinen +Tagen mit Flaggen ein außerordentlicher Luxus getrieben. »Eines grossen +hohen Potentaten Schiff der lust oder zier nach zu versehen, mag +außwendig ober dem Wasser, gar überall mit deß Herren farben und Reimen +gemalt und angestrichen werden, deßgleichen das vorder und Hinderhauß +oder Schloß am Schiff, mag allenthalben auff das zierlichst mit Fanen +oder Panier, wie mans denn pflegt zu nennen, so auch mit des Herrn +Wappen und Farben gemalt, auffgesteckt werden, dareyn auch Reymen und +vergülte Knöpff darauff zu setzen, und dann insonderheit, muß das hinder +und vorder Schloß am Schiff zu aller vorderst und hinderst, ein +zimlichen Platz zu beyden seiten oder ecken, auch von solchem Schloß +kommen zu der Belle (belle, zwischen Groß- und Fockmast), weiter vom +Schiff zwo viereckechte grosse Fanen, gleichfalls mit solchen farben, +Reimen und Wappen, gar oben dem Tymon (»Steuerpflicht«) soll auch ein +grosser Fanen sein, welcher die andern an der grösse alle übertrifft, +und dann auf jeder Seiten des Hauß oder Schloß gegen dem Mästen, sollen +sechs oder acht Fanen sein, und auff den Mastkörben vom großen Mast +sollen rund umb, von der Breite und Höhe der gemeldten Mastkörb, auch +mit Reymen, farben und Wappen geziert, und auch angehengt sein, zu dem +mag oder soll noch ein gespaltener grosser breiter langer Standart oder +Panier, der biß ins Wasser raicht, und auf dem Mast von gemeldtem +Mastkorb soll auch ein großer Fanen, mit farben, Reymen und Wappen +geziert sein, fliegen oder hangen.« + + +*flaggen* + +heißt: die Flagge hissen oder setzen, wird aber in diesem Sinne für eine +einzelne Flagge bei der Marine nur am Lande gebraucht; »die fiskalischen +Gebäude haben zu flaggen«, »die Werft, das Lazaret flaggt«. An Bord, wo +sich das tägliche Hissen der Flagge im Hafen von selbst versteht, sagt +man nur dann, daß das Schiff geflaggt habe, wenn es über die Toppen +geflaggt oder Flaggengala angelegt hat, wie solches bei hohen +vaterländischen Festen, Kaisersgeburtstag etc. etc. zu geschehen pflegt, +indem die Signalflaggen in langer bunter Reihe vom Bug bis zum Heck, an +einem langen Tau befestigt, »über die Toppen«, von Mast zu Mast wehen. + + +*Flaggenparade*, + +ist eine militärische Feierlichkeit an Bord der Kriegsschiffe im Hafen, +nämlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h. a. m. und das +feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei Sonnenuntergang. +Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den Präsentiermarsch +und der Flagge werden die militärischen Ehren erwiesen, während die an +Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die Mütze sie +grüßen. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen Flaggenparade +erzählt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das Wort nicht und +erwähnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts anderes. »Item +wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne niedergang kompt, +so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem öbersten +Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch ein laut +und groß Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder werden +etwan mit Stück Büchsen drey schüß kurtz auff einander, zum zeichen der +nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt anderen +Pfeiffen und Trummen, überlaut zum dritten mal gegen deß öbersten Schiff +erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen Schiffen, so +umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gruß mit dancksagen +erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber oder gantzer +nacht, nach dem es dem Herrn gefällig, empfangen.« + + +*Flaschenpost*, die. + +Wenn Schiffbrüchige ihre letzten Grüße auf einen Zettel schreiben, in +eine Flasche stecken und diese fest verschlossen über Bord werfen, in +der Hoffnung, es werde ein günstiger Strom sie an irgend eine +zivilisierte Küste treiben, so nennt man dies eine Flaschenpost, wiewohl +es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis) wenig genug zu tun hat. +Man wirft aber auch ohne schiffbrüchig zu sein zuweilen Flaschenposten +über Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und der Adresse des +Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die Richtung der +Meeresströmung schließen zu können. + + +*flau*, + +flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung »der Wind flaut ab«, +wird schwächer; auch: »das Interesse flaut ab«, »flaue Geschäftszeit« +etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen fließen, +strömen, schwimmen, waschen, spülen, ableiten dürfen, so ist das Wort +nicht nur jetzt seemännisch, sondern ist es auch immer gewesen, und wir +hätten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder im Wasser +schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich, matt, schwach, +kraftlos, gleichgültig (wie ein »Waschlappen«), verschwommen, blaß. + + +*Flechting*, die. + +Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an Backbord +entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die beiden +aber aus einem Tau, das in der Mitte ein großes Auge hat, mit dem es +über den Top des Mastes gestreift wird, so daß die eine Hälfte nach +Steuerbord, die andere Hälfte nach Backbord fährt. Dieses Auge muß fest +um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast +geflochten wäre. Da ihrer mehrere über einander zu liegen kommen, so +sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also +seine Berechtigung. + + +*Flibustier*, + +der = Seeräuber, stammt in seiner gegenwärtigen Gestalt aus dem +Französischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein +Fährschiff das den Namen flyboat führt und aus den Niederlanden +übernommen ist, wo es vlieboot heißt, nach den Vlielandern auf Vlieland, +welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun +geschichtlich nur zu fest steht, daß die Bewohner der ganzen friesischen +Küste von den ältesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre +nicht immer die Seefahrt als »erlaubten Nahrungszweig« betrieben, +sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben, +wie die binnenländischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der +Landstraße, so könnte das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn nicht +die alte französische Form fribustier neben flibustier stünde. Das kann +ja nun eine der überall so beliebten aus sprachphysiologischen Gründen +geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wäre es denkbar, daß +dieses r als organisch angesehen werden könnte, und dann müßte man das +Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und im Mittelalter +Vitalienbrüder (s. d.) genannt, in amerikanischen Gewässern bucaneer, +französisch boucanier, von boucan einem caribischen Worte für räuchern, +weil die ersten französischen Ansiedler auf Hayti wilde Ochsen und +Schweine jagten und ihr Fleisch räucherten, dann aber auch gegen die +Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende Kriegsschiffe; im +Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg tätig auf Seite +der Engländer, »Durchläuchtigste Seehelden« I. 405: »In allen diesen +grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht über hundert Mann +geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch und durch +geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey- und zwantzig malen. Der +Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Kühn war, das Schiff +Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber +davon gerettet. Einer von den holländischen Vlie-Booten, der sich +durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen +Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder +acht Mann, die durch angewendeten grossen Fleiß erhalten wurden.« + + +*Flieger*, der, + +ein für gewöhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen überhaupt nicht +übliches Segel das nur bei gutem beständigem Wetter zwischen dem +Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird, überhaupt +alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten Hilfsstagsegel. +Ein Schiff mit solchen gewährt einen besonders schönen Anblick und kann +auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flöge es. + +Auf Wangerooge heißt dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste +fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt. +Vergl. Verkliker. + + +*flott*, + +ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne, der +Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein auf +der Suppe schwimmendes Fettauge. In übertragener Bedeutung »flotter +Bursch, flotter Student«, im 18. Jahrhundert zuerst in der +Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen +ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die, +im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im +Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelsächsisch flowan und +fleotan, fließen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch +fleta fließen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued = +bewegliches, mobiles Gut, Möbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde +losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend +und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der +Seevorschrift zu: »Iding thing is ter set umbe thes flodfarende +anckeren.« + +Wenn ein Schiff »aufgefahren« ist, so werden alle Versuche angestellt, +es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu bringen. In den +»Durchlauchtigsten Seehelden« 1681 wird flott = gehend gebraucht. Peter +Petersen Heyn, der holländische Admiral, machte einen Anschlag wieder +die Portugiesen in Bahia, »darüber die Holländer nicht mehr als fünfzig +Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter der Admiral +selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und einen Splitter +vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst dem Schiffe +Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen Geschütz +tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig mahl +getroffen ward, ward endlich wieder *flott oder gehend*, aber das +Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht +wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und +verlassen ward.« + + +*Flotte*, die, + +ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, Fischerflotte, +Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an Kriegsschiffen, +»die deutsche Flotte« etc. etc. Das Wort stammt von der unter flott +angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im niederdeutschen +Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein italienisches, +gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, spanisch flota, +französisch flotte. Aber unser »Flotte« hat mit ihnen nichts zu tun, +weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wörter auch von fluctus +kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß, -- man sagte flote +de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke --, ja wenn es auch +sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach Hochdeutschland -- *nach* +1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger es noch nicht kennt und statt +dessen Armada sagt, wie denn überhaupt seine Kenntnisse sich auf +südliche Seemannswörter beschränken, von der Hansa und deren +Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung -- nicht aus Niederdeutschland, +sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form in der es zuerst +auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es 1617 im +»Teutschen Michel« als Fremdwort verspottet worden ist, so bemerkt doch +Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch den Einfluß +des niederländischen vloot eine der modernen sich anbequemende nähere +Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den Küsten der Nordsee +Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen bedeutet. Altfriesisch +flothe: »ende thet bi der Elwa biland tha flothe.« Und wenn auch im +Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff bedeutet, so genügt das Wort +dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer unabhängiges Dasein. + +Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs vom spanischen +flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert. + +Der Übersetzer der »Durchläuchtigsten Seehelden« 1681 gebraucht das +Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander; +wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen +Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch +geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien +unter Pit Heyn. »Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der +Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß +Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich +den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und +zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und +fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn +nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes +vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte +solches mit einem Schuß kund zu thun.« + + +*Flut*, die, + +das Zuströmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend mit Welle, +vielfach im übertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden, altfriesisch im +Sinne von Einfall, Überfall: »jenst den wilda witzinges (Seeräuber) +floed«). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen Wörtern von +der Wurzel plu, flu = fließen; davon gothisch flodus, Flut, altnordisch +flod, angelsächsisch flod, althochdeutsch fluot; auch in vielen +slavischen Wörtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser, schwimmen +fließen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter Flut im +engeren und besonderen seemännischen Sinne versteht, das ist der +Gegensatz zu Ebbe, das Heranfließen des »kommenden«, »steigenden« +Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, daß Flut in der +Verbindung beider das größere Gewicht hat, so daß bei Tide immerhin mehr +an die Flut als an die Ebbe gedacht wird. + + +*Fluttor* s. Schleuse. + + +*Fock*, die, + +das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten +*Fockmast*, entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher +dreieckig, was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel +gibt, das Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche +Fock schmal d. h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den +romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch +traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher +Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig +ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; französisch +trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber +auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der +Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock +beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit +folgenden Worten: »Comme on ne sait point quel nom ont en François ces +deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes +de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut +assez leur convénir, si en éfet il n'y en avoit point encore d'autres; +et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre. +Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces +sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, selon le vent, +et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les +soutient aussi: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré. +Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a +vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline (»beim Winde«) +on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à +tiers point, et fort pointue par le haut.« Unzweifelhaft ist also das +Wort niederländisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach dem +Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum ad +proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort +focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach »segeln«, +wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das +mittelniederdeutsche focken den Sinn von *ziehen*, aufziehen. Die Fock +ist also ein *Ziehding*, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird +oder zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie +aufgezogen wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und +Namengebende wäre. Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat, +warum soll man nicht vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann +also die (Stag-)Fock als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich +herziehend gedacht. + +So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, daß +das Wort auch für »es zieht,« »es ist Zug,« »Zugluft« gebraucht wird, +selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in einem +Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden, +isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle, +fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern; +dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista +vocken = wehen. + +Niederdeutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein Platz der dem Winde +sehr ausgesetzt ist. + +Auch »von dannen ziehen« heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im +»Reinke de Vos« sucht der Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu +lassen. Der antwortet ihm aber: + + Og, wo sholdestu mi dänne fokken, + Lete ik di los mid sodaneme lokken. + +Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in +Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines +Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei, +Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort +focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken +stammt, sondern eine niederdeutsche Form für den Familiennamen Fugger +ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist, +monopola, ja er sagt sogar »pantopola vulgo fuggerus«; fokerye = +monopolium. + +Und damit ja keine Bedeutung von »ziehen« fehle, so heißt +mittelniederdeutsch focken sogar »jemanden aufziehen« in der Bedeutung +von foppen. + + +*Föhrde*, die, + +eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt (mundartlich +Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann in +Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprüchwort: »wen de forde krakd, +is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko.« Altfriesisch +forda, daher der alte Name für Münster i. W.: Mimigardaforda; englisch +ford, Furt; altnordisch fjördhr, schwedisch, dänisch fjord; +althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern von fahren, +weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Föhrde den verengerten Weg +darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flußmündung hineinfährt. + + +*Fracht*, die. + +1. Gebühr für Beförderung der Waren. + +2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes, + +3. die Ware selbst + +Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprüngliche. Man hat zur +Erklärung an das niederländische Iterativum von fahren: verchen = +führen, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem könnte das +schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware +in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine +Zusammenziehung von fertigen sein könnte, wobei zu bemerken ist, daß +auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wäre. (Fertig: bereit zum +Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen +frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; französisch fret, spanisch +flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt, +dänisch fragt; englisch freight. Möglicherweise steckt unser fragen in +frehton, daß man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder +Ausbedingen des Lohnes für die Beförderung von Ware zu denken hätte. +Doch ist zu bedenken, daß 1673 in der »Beschriving van der Kunst der +Seefahrt« Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist. + + +*Fregatte*, + +jetzt ein großes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt und Größe +sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen überhaupt, so +besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben läßt. Bis vor Kurzem +hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, die vor +zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt »Große +Kreuzer« nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären und hießen, +»Stein«, »Moltke«, »Gneisenau« etc. etc., also Vollschiff mit +Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in seinem +»Kayserlichen Kriegßrecht«, 1565, führt alle zehn Arten von Schiffen auf +die damals zu einer Armada gehörten: + +Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit +ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach +ein oberster Kriegßherr oder Potentat, stattliches oder geringes +vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer +Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes +Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen +Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder +sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen, +etc. + +Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß +gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein +verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu +erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz, +Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit +widerstand versehen. + +Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit +Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grösse, vor den Galeen zum +Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck, +Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der +sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc. + +Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen, +welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr +und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit +aller notturfft versehen. + +Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen +Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff +oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten +versehen. + +Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen +und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit +Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen +angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden. + +Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan +Mathonen[1] genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem +Feind mit Geschütz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben +Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag +werden. + + [1] Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hiessen, so hat + sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschränkt auf + einen Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht besonders + wichtigen oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hiess + Mattone nur »ein Tau, das an einen am untersten Ende des Carro + befindlichen Ring befestigt wird, und vermittelst welches man die + Rahe nach hinten oder nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden + will«. Natürlich handelt es sich um eine lateinische Rahe, deren + unterer Teil eben Carro heisst. + +Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff, +auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wasser art +und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche +der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu +reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden. + +Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, weit Nachen, +so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr, +wie andere, mit geführt, und nach notturfft in widerstand gerüst und +versehen werden. + +Zu dem neundten, werden erklärter massen mittel und ander klein Nachen, +welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in +welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu +schiffen, mit verordnet und geführt werden. + +Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff, +welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit +zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen, +Kannen oder Weidling,[2] auß oder in welchen von einem in das ander zu +fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was +groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc. + + [2] Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch für Boot + vor; ob ursprünglich korbartig aus Weiden geflochten? + +Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen, +welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit +auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen +Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen +verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht +mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu, +etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von +dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung, +welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären, +dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so +hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer +notturfft pflegt zu ertragen, etc. + +Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl +Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken besser +bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen +die »auff der Donauw« fahren eine Fregaten auf, und zwar als »nit so +vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten«, also +nichts Hervorragendes. + +Auch hundert Jahre später (1681) in den »Durchläuchtigsten Seehelden« +bedeutet Fregatte noch nicht das große Kriegsschiff späterer Zeiten, +sondern ungefähr das was wir heute einen Aviso nennen. Da lesen wir +nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der Seeschlacht von Lepanto: +»Und als sie nun die Standarte des Verbündnüsses, welche in der Mitten +ein Creutz hatte, zum Zeichen des Streites aufgestecket, wolte er +(nämlich der Oberbefehlshaber »Don Jan«, Don Juan d'Austria) noch einmal +in Person die ganze Flotte durchsehen, und nachdem er benebenst Louis de +Cordona und Johann Sora, auf eine *schnelle und leichte Fregatt* sich +begeben, gantz in weissen Waffen, und ein Christen-Bild in seiner linken +Hand haltend, hat er aller Orten den Leuten einen tapffern Muth +zugesprochen« ... Aubin (1702) unterscheidet: Frégate legére: »C'est un +vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un pont: il est +ordinairement monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces de canon«. +Frégate d'avis: »C'est un petit vaisseau qui porte des paquets et des +ordres à l'armée. On s'en sert aussi pour aller reconnoître les +vaisseux« Frégaton: »Cest un bâtiment Vénitien commun sur le golphe +Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon, un grand mât +et un beaupré.« + +Roeding (1794): »Ein dreymastiges Kriegsschiff, welches weniger als +fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten sind überhaupt scharf gebaut und +zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie müssen dabei insonderheit die +Eigenschaft haben, gut beim Winde zu segeln, und auch bei schwerem +Winde See halten zu können, weil sie hauptsächlich zum Kreuzen bey einer +Flotte gebraucht werden, oder die Bewegung des Feindes +auszukundschaften, Depeschen zu überbringen, Kauffahrer zu convoyieren +und dergleichen mehr.« Also ganz Aviso. + +Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine +nichtssagende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff. +Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit +demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes +nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern; +fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata, +spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch +fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate. + +Aus der neuen Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine, +Fregattenkapitän, Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän +und Kapitän zur See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte +an maßgebender Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und +niedriger als ein (von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff. + + +*Freibord*, der. + +Der über Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der demselben die nötige +Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft darstellt. Je +*freier*, d. h. je höher *der Bord* sich über das Wasser erhebt, ein je +größerer Teil des Schiffes sich also über Wasser befindet, eine desto +größere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist klar wie wichtig es, +namentlich für die offene, sturmbewegte See, sein muß, das richtige +Verhältnis des Freibords zum eingetauchten Teil des Schiffes, d. h. die +richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff seine volle Ladung +nehmen kann und doch nicht überladen wird. Man hat verschiedene Methoden +der Berechnung angewandt, Ratschläge erteilt, die Sache wissenschaftlich +erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze gegeben, in Deutschland, dem +Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein staatliches, kein +Reichstiefladeliniengesetz, auch kein Tiefladelinienzwang; nur ein +freiwilliger Versuch ist 1900 unter Kaiserlicher Belobigung gemacht +worden. + + +*Freiwache*, s. Wache. + + +*Frischwachs*, das, + +spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele, aber etwas derb. Der +Name ist ebenso sonderbar wie das, übrigens schon vor mehr als 200 +Jahren von uns aus zu den Franzosen übergegangene, Spiel. Es besteht +darin, daß einer stehend sich mit dem Kopf in den Schooß eines ihm +gegenüber Sitzenden neigt und so sich »die Hosen spannt«. Dann hauen die +Umstehenden mit der flachen Hand ihn kräftig, manchmal recht kräftig auf +den Hinteren, und er soll nach dem Gefühl erraten, wer ihn geschlagen +hat. Gelingt es ihm, so muß der Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt +es -- wie meistens -- nicht, oder doch nicht auf den ersten Schlag, so +geht das Spiel weiter und es wachsen die Schläge frisch, d. h. immer +wieder aufs Neue, wie jedes Jahr der Kohl wieder frisch wächst. + + +*Frischwasser*, das, + +heißt jedes auch noch so alte »Süßwasser« im Gegensatz zu Salz-, See- +oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist seit Erfindung der +Destillierapparate nicht mehr so brennend wie früher, wo sie eine +Lebensfrage war für seegehende Schiffe und belagerte Festungen. Man hat +daher lange über die Frage der Herstellung von Süßwasser aus Salzwasser +nachgedacht, Prämien ausgeschrieben und viele vergebliche Versuche +angestellt, bis unsere Zeit die verhältnismäßig so einfache Sache zu +Stande brachte, die übrigens schon einmal der Lösung nahe gewesen zu +sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi durch die Türken +1560 entstand unter den Belagerten eine große Not, »indem der Mangel an +Wasser in der Festung je länger je grösser ward, woraus erfolgete, daß +sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und backen, wie auch die Speise +kochen mußten, die doch ohne dieses, damit sie desto länger sollte +wehren, an sich selbst gesaltzen genug war. Welches alles, nebenst der +beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den Durst noch grösser machte. +Diesen gewaltigen Durst, entweder zu entgehen, oder zu mindern, durfften +die armen Leute nicht wohl genug essen, wodurch sie so verschmachteten, +daß sie sich selber schwerlich auf den Beinen halten, ich geschweige +denn, die Arbeit und den Streit ausstehn konnten, und warlich dieses +machte sie verzweifelt, daß sie lieber wünschten zu sterben, als zu +leben, und die noch das Leben etlichermaßen lieben konnten, erwehleten +etwas anders, das noch schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber +in der Türken Hände, für denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten, +und verkauften ihre theure und köstliche Freiheit für einen schlechten +Bauch voll Wassers. Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte, +verlor seinen Preiß und Werth, angesehn ein groß Stück Geldes nicht +genug war ein klein Faß voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher +alles genau aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande fürgefallen, +erzehlet, daß einer ist gefunden worden, der alle seine Güter, die viel +tausend Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze +Zeit über, dieser äussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen +würde. + +Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren +und überziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, für welche +Erfindung ihm Don Alvaro eine große Verehrung versprochen. Also ließ er +durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen, +weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte, +und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man +doch des Tages nicht mehr, als fünff und dreissig Barilen, oder kleine +Väßlein, und bißweilen nicht mehr als fünff und zwantzig überziehen, +welches ein kleiner Vorrat für so viel Volcks war. Dieses +überdistillierte Wasser ward so süsse befunden, daß wenn es mit Wasser +aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war, +dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte +demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fünfftzig Väßgen +Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und +hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen +gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages für einen jeden +Soldaten, der in dem Gewehr, und eines für denjenigen, so nicht bewehret +war.« + + +*Fuke*, die, + +beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wörterbuch I 567 als ein »Stellnetz mit +weit aufgesperrten Seitenflügeln, was sich nach innen zu immer mehr +verengt und hinten eine kleine Öffnung zum Durchschlüpfen der Fische +hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus) vorgebunden +wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit Leichtigkeit +herausnehmen zu können. Fig. Enge, Klemme, Bedrängnis.« Es gibt auch +noch ein friesisches Wort fak = Fischbehälter, Umzäunung im Wasser für +den Fischfang; beide kommen offenbar -- verwandt mit pangere von einer +Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen, +umschließen. + + +*Fuse* s. Bake. + + + + +G. + + +*Gaan achter!* + +und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf Handelsschiffen öfters +gehört. Auf Kriegsschiffen wird: »Rund achtern«, »Rund vorn!« +kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf dieses +Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem einen Bord +nach dem andern drehen und das können sie nicht ohne daß man an das +Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die niederdeutsche +Form für gehen, gemeint ist rund gehen. + + +*Gaffel*, die. + +Wenn man in deutschen Wörterbüchern liest: »Gaffel, eine Art Rahe«, so +ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht einmal richtig. +Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und Gaffelsegel grade mit +Rücksicht darauf unterschieden und auseinandergehalten, ob sie an einer +Rahe, ob sie an einer Gaffel befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so +steht die Rahe quer zur Längsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt +mit ihr in einer Linie. Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelförmigen +Gestalt in der sie sich an den (Schnau-) Mast anschließt, ihn gaffel-, +gabelartig umfassend. Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche +gibil = Giebel in Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in +gabelförmiger Gestalt, so daß die beiden Giebelbalken, am Dachfirst +übereinander ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl, +gabelförmige Giebelwand), verwandt mit gebal, Schädel, und also mit dem +griechischen kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den +Giebel kann man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses +vorstellen. Von der (gabelförmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst +die Bedeutung Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen, +gabala, mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme +von geben, aber dann müßte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn +Eßgabeln sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre +her, daß ein Altenaer Drahtzieher sich über solch ein Ding als etwas ihm +Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre +Leute aufforderte: »Kinner, wasket iuk de finger, vi hett silad.« Von +der Ähnlichkeit mit Giebel käme dann weiter gapan = gaffen, klaffen, +gähnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde +in der germanischen Mythologie. Französisch gable = Giebel. Dietz sagt, +das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; »da indessen das +Wort in den übrigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer +sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nächste Quelle +zurückzuleiten.« Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wäre der Name des +gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzählt nach +Jornandes, die Gothen wären anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit +dreien Schiffen ausgefahren. »Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer +wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheißen und davon +bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden.« »Die gewöhnliche Ableitung von +beiten (goth. beidan) warten ist unzulässig, die hier gegebene von +Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natürlich; das Wort bedeutet: das +Maul aufsperren, stutzen, gähnen, und hat gleich dem lat. hiare den +Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.« + + +*Gaffelgeer*, s. Geer. + + +*Gaffelklau*, s. Klau. + + +*Gala*, die. + +Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen Gelegenheiten. +Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches Wort geili, +Üppigkeit, Stolz, Prunk, und das würde der Bedeutung nach das Etymon +sein können; auch könnte man an das althochdeutsche galan denken, +welches singen, (daher Nachtigal), fröhlich sein, Feste feiern bedeutet, +so daß Gala also ein Festgewand wäre. Das ist es auch, aber der deutsche +Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen Anknüpfungspunkt, +während im Spanischen gala schon früh Feierkleid, Anstand, Anmut heißt. +Da liegt der Gedanke an das arabische chalach, Ehrenkleid als +fürstliches Geschenk, so nahe, daß wir ihn nicht abweisen dürfen, wenn +uns einer mit dem griechischen kalos, schön, oder agallein schmücken, +dazwischen kommen möchte. + + +*Galeere*, + +Galei, Galeide, Galee, Galé, Galea, Galia, Galine, Galeasse, Galeone, +Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra, Galeota u. s. +w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen einfachste +Gestalt Galee ist. Bei allen landesüblichen Verschiedenheiten ist doch +bis in die neuere Zeit dies festgehalten worden: es handelt sich um ein +*schmales* Schiff das *gerudert* wird, oder, wenn es für gewöhnlich auch +segelt, doch in gewissen Fällen gerudert werden kann. Hier eine +lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem Jahre 1501: »Galeacearum +quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in detecto autem totidem +pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero singulas ponderis mille +librarum computant ... Galeacearum quaelibet ducentorum fere hominum +ministerio, stipendio conductorum indigere videtur. Ad remorum, ac +velorum administrationem, centum quinquaginta addicuntur, tot enim remos +quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii magnitudinem remis parum utantur) +affert. Nam solo tempore malaciarum, ut proximum aliquem portum +ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam partem mutent, et convolvant, +remis agitur.« Und eine niederdeutsche (Rostock 1519): »So we avervaret +mit einer Galleiden, dat is ein lankhaftich schip, unde geit van dem +einen over bet to dem anderen jo bilank dem overe unde holt alle nacht +to lande, unde heft sostich banke in beiden halven, unde to jewelker +bank horen dre man mit roderen unde en schutte, unde nemet alle dage +versche spise unde kost, des men in den koggen nicht hebben mach.« + +Zur Erklärung hat man auch hier gemeint, das Arabische heranziehen zu +sollen und an châlia, junges Kamel, dann kleines Schiff gedacht. Und wer +wüßte nicht, daß umgekehrt das Kamel oft genug »das Schiff der Wüste« +genannt worden ist. Aber wir haben eine nähere, bessere Erklärung: das +griechische galeos, Haifisch, oder galeotes, Schwertfisch. Namentlich +die Gestalt des letzteren dürfte bei der Benennung den Ausschlag gegeben +haben, war auch besonders passend wegen des »Rammsporns« von dem wir in +einer alten Beschreibung der Galea lesen: »lignum a prora praefixum +habet et vulgo calcar dicitur, quo rates hostium transfiguntur +percussae.« Althochdeutsch galie, galine = Galeere, langes Ruderschiff, +davon galiner, Schiffer auf einer galine, und galinhus, Schiffshaus, +Arsenal. Mittelhochdeutsch hieß galiot Seeräuber, Schiffer, Fährmann, +eigentlich Galeerensklave. Gerade durch die armen an die Ruderbank Jahre +lang Tag und Nacht angeschmiedeten Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu +weiterer Verbreitung gelangt als andere mittelalterliche +Schiffsausdrücke. + +Für unsere heimische Seefahrt kommen jetzt nur noch (Galeassen) +Galjassen (s. Fastgaljaß) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge +sagt galjot, haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von +den Galjassen mit plattem Heck unterscheiden. + + +*Galion*, *Gallion*, das, + +ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem, ehe der +Eisenschiffbau alle alten Formen über den Haufen warf, ragte das Gallion +mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schön +geschwungener Form, so daß von dem Verlauf seiner Linien viel von der +Schönheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unnütze +Beschwerung des Vorschiffes und beförderte die Kielgebrechlichkeit. Bald +wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei übrig sein. + +1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion überragte eignete es +sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als +Leitungsröhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grätings +reinhält führt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion +gegangen wie der Kombüse. Es ist an irgend einen passenden Ort im +Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben. + +2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des +Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmückt ist. +Der Schmuck muß in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trägt es den +Namen eines Menschen, so ist dessen Büste üblich; eines Tieres, so wird +das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich +mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u. s. w. In den +Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschließlich der +niederländische Löwe verwandt, so daß »der Löwe« gleichbedeutend mit +Gallionsbild war. + +Der Name »Galion« bezeichnete Jahrhunderte hindurch namentlich in +Spanien und Portugal, schwere dreimastige Kriegsschiffe, s. Galeere. Es +kam vor, daß Galionen einen Vorbau hatten von mehr als dem zehnten Teil +ihrer ganzen Länge. Als nun der Name als Bezeichnung einer +Schiffsgattung außer Gebrauch kam, ist er wenigstens in eingeschränkter +Bedeutung als Bezeichnung des vordersten Teiles, des Teiles der für jene +Schiffe besonders bezeichnend war, geblieben. Und zwar ging das so zu, +daß längere Zeit hindurch Galion beides hieß: Schiff und Vorbau; Kilian: +galeon navis major und rostrum navis. + +Die Edda, die ein Gallion nicht kennt, kennt aber ein geschnitztes Bild +am Vorsteven, das offenbar das Bild eines menschlichen Gesichtes +vorstellen sollte, denn es hieß grima, die Maske. Wenn sie daher den +vordersten Teil des Schiffes hofud, Haupt, nennt, so ist das nicht bloß +dichterisch zu verstehen, sondern wir haben dabei an ein wirkliches, am +Vorsteven angebrachtes Gallionsbild in Gestalt eines menschlichen +Hauptes zu denken. + +Bei den Alten nannte man zwei starke mit eisernen Spitzen versehene +Balken am Vorderteil der Kriegsschiffe rostra, Schnäbel; griechisch +embola. Mit denselben suchte man die feindlichen Schiffe zu rammen. Die +den Antiaten abgenommenen Rostra wurden als Siegestrophäen auf dem Forum +aufbewahrt, woher dann die Rednerbühne und der sie umgebende Raum den +Namen rostra führte. Bekannt ist die columna rostrata des Duilius. + + +*Garn*, das, + +ein dünnes Gespinst aus Hanf, einfach, doppelt, drei- und mehrfach +zusammengedreht. Das dünnste ist das Nähgarn, zweidrähtig zum Nähen der +Segel. Dann kommt das Segelgarn, dann das Kabelgarn, das zu allen Arten +von Tauwerk zusammengeschlagen wird; Schiemannsgarn s. Schiemann, +Stoßgarn, Liengarn, Trensgarn u. s. w. Gewisse Arten, z. B. +Schiemannsgarn, wurden früher an Bord selbst gesponnen und mit einer +Mühle, Woid genannt, gedreht. Daher bildlich »ein Garn spinnen« = eine +Geschichte erzählen indem man sehr ausführlich wird und die Sache in die +Länge zieht. + + +*Gangspill* s. Spill. + + +*Garnat* s. Stagtalje. + +Nicht zu verwechseln mit dem kleinen wohlschmeckenden Seekrustentier, +das in Holland Garneele und Graneele, in Ostfriesland Garnat und Granat +heißt. Letzteres ist offenbar die ursprüngliche Bezeichnung wegen der +beiden eigentümlichen und sehr auffälligen Fühlhörner die ganz wie +Gerstengrannen aussehen. + + +*Gat*, das, + +oft in der Verkleinerungsform Gatje oder Gatchen, heißt eigentlich +nichts anderes als Loch, sei es für sich allein, sei es in Verbindungen +wie Hellegat, Speigat, Soldatengat. Die Grundbedeutung ist: Öffnung +durch die man oder etwas hindurchgehen kann, von der Wurzel ga = gehen. +Gothisch gatoo, althochdeutsch gaza, Gasse; altnordisch gata, Pfad, +schmaler Gang. Beówulf geat = Öffnung, Tor, durch das gegangen wird; +Edda: gatt, Eingang, Tür (Gatter). Teuthonista: gat = hol, lock. Bei +Kilianus hat gat schon die Bedeutung, die im Mittelniederdeutschen weit +verbreitet war (und es in Holland heute noch ist: foramen podicis, so +daß dorten sogar der sogen. cul de Paris »het gatje« hieß:) »Unde hadde +one yn deme water ghehat, mit beyden benen wente an dat gath.« »Unser +vyande stryt is dat, dat se uns vleigen in dat gat.« »So prechtig seten +er de Kleder up er gat.« + +Überhaupt heißt wie das Hinterteil eines jeden Dinges, so auch besonders +des Schiffes Gat. Ein rundgattet Schiff ist ein Schiff mit rundem, +gerundetem Heck, im Gegensatz zu einem plattgatteten. + +Gat wird auch topographisch gebraucht für eine enge Durchfahrt, z. B. +Kattegat (Katzengat), Schottegat auf Curaçao: Waghenaer, 1588, schreibt: +»Van Garmsey tot Jarsey S. O. ontrent vyf mylen, al waer mede goede Rede +is: van Jarsey tot S. Malo ontrent Zuyden ist acht mylen ende is een tye +hauen daer Clippen voor 'tgat liggen.« + + +*Garnierung* s. Wägerung. + + +*Gast*, der. + +Dieses Wort wird in besonderem seemännischem Sinne gebraucht um einen +Mann (Matrosen etc. etc.) zu bezeichnen der vorübergehend irgendwo einen +Posten auszufüllen hat, z. B. Oberbramsegelsgast, Rudergast, Bootsgast. +Aber auch (eigentlich fälschlich, da Gast doch nur einen irgendwo +vorübergehend sich Aufhaltenden bedeutet) zur Bezeichnung einer +dauernden Verwendung, wie Steuermannsgast; ja sogar eines +*Lebensberufes*: Zimmermanns-, Bäckers-, Malers- etc. etc. Gast. +Mehrzahl sonst meist Gasten, jetzt mehr Gäste, da das Hochdeutsche über +das Niederdeutsche die Oberhand gewinnt. Sowohl unserem Gast als dem +lateinischen hostis liegt die westindogermanische Form ghostis = +Fremdling zu Grunde, (dessen Wurzel ghas = essen sein soll, so daß ein +Gast also zuerst als Esser erscheint). »Beachtenswert ist« sagt Kluge +treffend, »nach wie verschiedenen Seiten Germanen und Römer das alt +ererbte Wort für »Fremdling« begrifflich umgebildet haben: dem Römer +wird der Fremdling zum Feind, bei den Germanen genießt er die größten +Vorrechte.« + +In Holland und Ostfriesland heißen die Armenhäuser Gasthäuser, +entsprechend den hochdeutschen Elendenherbergen, Unterkunftsstätten *für +Fremde*. + + +*Gebeling*, die, + +(auch wohl Gobelung) ist eine im Laderaum angebrachte Bretterwand, die +in der Kielrichtung läuft und verhüten soll, daß die Ladung übergeht, d. +h. beim Schlingern von der einen auf die andere Seite geschleudert +wird. An das niederdeutsche Zeitwort kippen, das allerdings sich auf die +Seite legen, stürzen, fallen, rücken, hin- und herbewegen, stoßen, +schlagen, umschlagen bedeutet, ist nicht zu denken, schon darum nicht, +weil diese Wand gerade das Umschlagen der Ladung verhindern soll. +Offenbar ist Gebeling eine niederdeutsche Weiterbildung von Giebel, +ostfriesisch gäfel, sonst niederdeutsch und niederländisch gevel. Denn +dieses gevel heißt nicht nur Giebel, sondern auch -- ebenso wie Giebel +auch -- Giebelwand, und hieraus konnte sich leicht der allgemeine +Begriff Wand entwickeln. Vergleiche altnordisch gafl, Giebel, Endwand +eines Hauses; norwegisch gavl, Endbrett, Querbrett. + +Durch die niederländische Form geveling, die dänische geveling oder die +schwedische gafling hat sich Roeding verleiten lassen, anstatt Gebeling +Geweling zu schreiben, wozu im Deutschen kein Grund vorhanden ist. + + +*Geck*, der. + +1. Die Gabelstange einer Pumpe, in der der Geckstock, der +Pumpenschwengel, sich dreht. + +2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz. + +Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk +bedeutet, so ist anzunehmen, daß der Begriff des Drehens, des Drehbaren +in diesen Wörtern steckt. Vielleicht gehört auch Geck = Narr dazu, weil +ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch +gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig. + + +*Geer*, die, + +auch die Geerde genannt, von welchem Worte Geer nur eine verkürzte Form +ist; meist, weil sie paarweise auftreten, in der Mehrzahl die Geeren, +und weil sie zur Gaffel gehören, Gaffelgeeren genannt; niederländisch +geerden, dänisch gerderne, schwedisch garder. Es sind die beiden +Halttaue die die Gaffel von Steuerbord und von Backbord festhalten; wenn +das Gaffelsegel nicht steht, halten die Geeren die Gaffel zu gleichen +Teilen mittschiffs; steht es, so hält nur die Luvgeer. Aber allemal ist +das Halten der Gaffel die Hauptsache, und wir haben hier die seltene +Erscheinung, daß auch einmal ein französisches Wort das einen Teil der +Takelage bezeichnet, aus Frankreich nach den Niederlanden und nach +Niederdeutschland seinen Weg genommen hat. »On appelle Gardes ou Palans +de Gardes (Vangs), les deux palans qui servent à maintenir la corne +d'artimon, et qui, à cet effet, sont frappés à son estrémité et +agissent de chaque côté du couronnement où ils sont accrochés, chacun, à +un piton; ce sont, en quelque sorte, les bras de la corne.« (Bonnefoux +et Paris, Dictionnaire de Marine). Maintenir ist die Aufgabe der Geeren +und das wird durch garder ausgedrückt; davon garde; davon Geerd; davon +Geer. Indessen haben die Franzosen, als sie uns das Wort gaben, nur eine +alte Schuld zurückgezahlt, denn garder ist unser altes, gutes, deutsches +warten = hüten, schützen, wahren, bewahren, halten. Die Rückzahlung +scheint aber spät erfolgt zu sein, da 1702 garde in diesem Sinne +(Aubin), wie es scheint, selbst in Frankreich noch nicht bekannt war. + + +*Gefechtsmars*, der. + +*Gefechtsmast*, der, + +beides Errungenschaften des modernen Kriegsschiffsbaues, der nur noch +auf den Dampf als Fortbewegungsmittel denkt. Gesegelt wird nicht mehr +oder doch kaum mehr. So braucht man auch keine Masten und Rahen zum +Segeln mehr, und keine Marsen von denen aus die oberen Segel bedient +werden. Aber die Marsen der alten Kriegsschiffe hatten nicht nur ihren +eigentlichen, seemännischen, sondern auch einen kriegerischen Zweck, sie +wurden im Gefecht als Station für die Scharfschützen gebraucht. Und +diesem Zweck zu Liebe hat man dem Mars nicht ganz den Garaus gemacht. +Man macht zum Hauptzweck was früher Nebenzweck war und baut einen +Gefechtsmars. Da ein Mars aber ohne Mast nicht möglich ist, so baut man +auch einen Gefechtsmast. Es ist vom Alten jedoch nur der alte Name +geblieben. + + +*Gehr*, die, + +auch die *Gehrung*, nennt man das spitze, schmale, dreieckige Zulaufen +der Ecken eines Segels, »auf Gehrung schneiden« heißt ein Segel spitz +zuschneiden. Zu vergleichen ist das ostfriesische gären, niederländisch +geeren, schräg oder spitz zulaufen oder auslaufen, einen Winkel oder ein +Dreieck bilden. Mit dem uralten Worte Geer das einem am Niederrhein +siegreich vordringenden Heerhaufen deutscher Krieger den Namen Germanen +eingetragen hat, hat unser Wort nur auf ziemlichem Umwege etwas zu tun. +Zuerst kommt vielmehr (Graff, althochdeutscher Sprachschatz) gero in +Betracht, nordisch geiri, friesisch gara-segmentum panni figura +triqueta; altfriesisch gara, Schooß: Teuthonista ghere = Zipfel, Schooß; +Kilian gheere = sinus, limbus; heute noch in hochdeutschen Mundarten +Gehre = Schoß; niederdeutsch gäre und gere = Keil, Zipfel, Rockschooß, +längliches dreieckiges Stück Land. Den Ausschlag bei der Benennung hat +also die Form dieses Teils vom Segel gegeben, die figura triqueta. Aber +auch der Ger der Germanen lief spitz zu, und ist darum sicher ein Vetter +dieser Gehr. + +Nicht nur in der Segelmacherwerkstatt, sondern auch beim +Tischlerhandwerk ist das Wort Gehrung im Gebrauch und bedeutet hier das +spitze Zulaufen zweier Hölzer die unter irgend einem Winkel +zusammenstoßen sollen; der angewandte Schnitt heißt Gehrungsschnitt. +Sollen z. B. zwei Leisten unter einem rechten Winkel zusammenstoßen, so +wird bei jedem ein Gehrungsschnitt von 45° gemacht. + + +*Geien* + +nennt man die Tätigkeit die mittels der *Geitaue* (s. aufgeien) ausgeübt +wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen hochzieht, +zusammenfaßt und durch die Gei- (und andere, siehe Nock- und +Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hält, daß sie von den auf den +Rahen ausliegenden Matrosen mit den Händen gerafft und festgemacht +werden können. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das, +wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel, +Geiktau getrübt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus +verschiedene Wörter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die +Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat, +man müsse wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da +doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflußt sein kann. + +Unser geien müßte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es +auch meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort +gaden das sich zusammenfügen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden, +aneinanderschließen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine +Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch +das Niederdeutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d ausfallen und mit +einem i- y- oder j-artigen Laut klingen läßt, vergl. das niederländische +muijen das aus muiden entstanden ist oder unser rojen = rudern +(mittelniederdeutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen = +roden, moje = müde etc. etc. Der Form nach würde also der Ableitung +geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst +recht nicht entgegen. + +Die Ableitung von Geiktau, Geichel etc. etc. s. unter Giek. + + +*Gemallte Tiefe* s. abmallen. + + +*Genickstag* s. Stag. + + +*Geschwader*, das. + +Ein Kommandoverband von mehreren Kriegsschiffen unter einem Admiral. Die +älteste niederdeutsche Form in der mir das Wort begegnet ist, ist geswad +in Renner, Livl. Hist.: »He belegerde Revel mit 25000 Russen, 4 geswade +haveluiden« ... »mit 22 fenlin landsknechten und elven geswader +haveluiden.« Diese haveluiden waren wohl Hofbesitzer und es dürften +daher unter diesen Geschwadern Reiter-Verbände zu verstehen sein, so +dass also am Lande sich frühzeitig die gegenwärtige Bedeutung Schwadron +herausgebildet hat. + +Zunächst bedeutet es aber nur ein Viereck von Soldaten, denn es stammt +von quatuor ab. Zu vergleichen ist das italienische, spanische, +portugiesische quadro = Viereck, Rahmen, Gemälde, französisch cadre, +Rahmen (auch im militärischen Sinne); dann weiter: italienisch squadra +-- vielleicht aus exquatra --, spanisch esquadra, französisch equerre, +Winkelmass, Viereck von Leuten, Rotte; endlich: spanisch esquadron, +französisch escadron, Heeresabteilung. Kilianus hat squadron = agmen +quadratus, das Wort ist demnach wohl unter Karl V nach Deutschland +gekommen. Die einfachste deutsche Form ist Schwadron; Geschwader ist +durch Hinzufügung der Vorsilbe ge und dadurch bedingte Abschwächung der +Endung entstanden. Das Präfix ge findet sich oft, man denke an Ge-fahr, +Ge-spann, Ge-nade, Ge-laube, Glück = Gelück. + +Erst spät ist das Wort in seemännischen Gebrauch genommen worden; bei +Roeding 1794 begegnete es mir zum ersten Male; sonst sagte man immer +Flotte. + + +*Gestade*, das, + +jetzt allgemein für Küste gebraucht, ursprünglich aber ein Ort an der +Küste, ein Platz am Ufer wo man nicht nur Waren für die Schiffe, sondern +auch diese selbst aufstellen konnte, also eine Hafenanlage mit einfachen +Aufschleppvorrichtungen. Vom althochdeutschen stadon, mittelhochdeutsch +staden im Sinne von landen, am Lande die Schiffsgüter aufstellen, also +eigentlich Landungsstelle; oberdeutsch Staden; althochdeutsch stad, +mittelhochdeutsch stade. Der eigentliche Begriff ist der von irgendwo +hinstellen und dadurch das, was vorher in Bewegung war zur Ruhe zu +bringen; daher bestatten sowohl begraben als auch heiraten bedeuten +kann. + +Die Vorsilbe ge ist dieselbe wie in Geschwader und in Gezeiten. + + +*Gezeiten*, die. + +Das Wort getide hiess mittelniederdeutsch 1. ganz allgemein Zeit im +Sinne eines Sammelbegriffes, »to allen getiden,« in aeternum. 2. Die +Zeit die *eine* Ebbe und *eine* Flut umfaßt: »in jeder etmahl (s. Etmal) +vorachtert das getide 4/5 parten von ein Uhr.« 3. Die kanonische Horen; +»dar was eyn yunck broder, de so verkeert was dat he ghene ghetyde en +wolde lesen.« + +Althochdeutsch gizit, mittelhochdeutsch gezit = Zeit, hora, +Gebetsstunde, altsächsisch getidi, horae canonicae. Jetzt wird das Wort +nur noch seemännisch und zwar hydrographisch-astronomisch-meteorologisch +gebraucht als Gesamtbezeichnung, als zusammenfassender Allgemeinbegriff +für Ebbe und Flut und was damit in Verbindung steht; Gezeitenberechnung, +Gezeitentafeln etc. etc. s. a. Tide. + +Breusing: »Es ist unter unseren Geographen die Meinung verbreitet, als +ob das hochdeutsche Wort Gezeit von Heinrich Berghaus erfunden, +jedenfalls zuerst gebraucht sei. Das ist irrig; es tritt bereits im 16. +Jahrhundert auf. Zuerst ist es mir begegnet in Guicciardini: +Beschreibung der Niederlande; Frankfurt, 1582, fol. pag. 17 ff. Dann im +17. Jahrhundert in: Amerika durch Ziegler, bei de Bry; Frankfurt, 1617, +fol. pag. 350. Im 18. Jahrhundert findet es sich in Krünitz' +Encyklopädie, s. v. 18. Thl. 1779. Letzterer hat bereits die Gezeit, +während Ziegler noch dem ndd. das getide entsprechend das Gezeit hat. +Ich verstehe nicht, weshalb man sich von manchen Seiten gegen den +Gebrauch des guten hochdeutschen Wortes sträubt, und möchte lieber +sehen, dass sich unsere geographischen Lehrbücher endlich einmal von dem +Worte Nippfluten, engl. neaptides, lossagten, welches kein deutscher +Seemann und Küstenbewohner, wenn er nicht englisch kann, versteht, +geschweige denn gebraucht,« s. Nipfluth. + + +*Giek*, das, + +auch Geik, deutlicher der Giekbaum, ist die Spier mit der der unterste +Teil eines nach ihm benannten Gieksegels ausgesetzt wird; in der Marine +nur bei Bootssegeln in Gebrauch. Der Giekbaum hat an dem inneren Ende +einen Haken der in das Auge eines um den Mast liegenden Bügels gehakt +wird, in dem dann der Giekbaum sich dreht. Giek hat demnach mit Geck +dieselbe Bedeutung: drehen, sich drehend bewegen, beweglich sein. Das +Tau womit der Giekbaum aufgetoppt wird heisst nach ihm Giektau, Geiktau, +Geichel. Auffallend ist, dass dieselbe Spier, die Giek heisst, auch Giep +(s. d.) genannt wird. + + +*Gien*, das, + +ist nichts weiter als unser deutsches Tackel, also eine Talje von +besonderer Stärke, welche dadurch erzielt wird, dass man anstatt der +einscheibigen drei- oder vierscheibige Blöcke nimmt. Es dient zum +Bewegen besonders schwerer Lasten. So gab es zur Zeit, da die +Kriegsdampfer noch zum Segeln eingerichtet waren, eine Vorrichtung die +Schraube zu lichten, damit dieselbe die Fahrt nicht hemme; solches +Schraubelichten geschah mit einem Schraubengien, einem sehr starken +Takel, das eine Trosse von ungewöhnlicher Stärke bewegte, die um die +Scheibe des Schraubenheberahmens gelegt ward (und wohl auch für sich +allein Gien genannt ward, aber nur im Sinn des pars pro toto). Es ist +also ein Gien das in der Mechanik unter dem Namen Flaschenzug bekannte +Werkzeug in besonderer Verstärkung. Das Wort kommt durchs Englische vom +lateinischen ingenium, ist also mit Ingenieur verwandt und stellt eine +(verkürzte) Zusammenziehung von engine dar, welch letzterer Name der +Vorrichtung um so eher gegeben werden konnte, als früher man sie noch +komplizierter (mit einem Bock etc.) herstellte. »Gin a contraction of +engine, 1. A machine or instrument by which the mechanical powers are +employed in aid of human strength; especially a machine used instead of +a crane, consisting essentially of three poles from 12 to 15 feet in +length, often tapering from the lower extremity to the top, and united +together at their upper extremities, whence a block and tackle is +suspended, the lower extremities being planted in the ground about 8 or +9 feet asunder, and there being a kind of windlass attached to two of +the legs.« Mit gin, dem von juniperus ginevra herkommenden Branntwein +hat das Wort nichts zu thun. + +*Gienblock*, *Gienläufer*, *Gientau* erklären sich nach dem Gesagten von +selbst. + + +*gieren.* + +Wenn ein Schiff nach irgend einer Seite hin von dem vorgeschriebenen +Kurse vorschriftswidrig abweicht, so giert es; sei es dass solches durch +Schuld der Leute am Ruder, sei es dass es durch die eigentümliche Bauart +des Schiffes verursacht ist. Ein Schiff ist luvgierig, wenn es das +Bestreben hat nach Luv, leegierig, wenn es das Bestreben hat nach Lee +abzuweichen; doch gieren die meisten Schiffe dann an meisten wenn sie +recht vor dem Winde segeln. Das ist ein Nachteil, weil der Weg +verlängert wird. Wird aber beim Winde gesteuert und ein Schiff ist +luvgierig, so können die Segel leicht anfangen zu giepen, ja das Schiff +kann »durchdrehen.« Das Wort bedeutet nichts anderes als unser »begierig +sein«, ein starkes, heftiges, sinnliches Streben nach etwas haben. Im +Ostfriesischen wird gieren nicht bloss seemännisch gebraucht, sondern +auch sonst im Sinne von abirren vom rechten Wege, ablenken, abschwenken, +auch im moralischen Sinne: ausschweifen; man sagte früher auch begieren +anstatt begehren. Im Jahre 1605 war ein Mädchen geschwängert und dafür +von dem fürstlichen Matrimonial-Kommissarius zu schwerer Geldstrafe oder +Landesverweisung verurteilt worden. (Der Mann kam in solchen Fällen +billiger weg). Da sie nicht alles bezahlen konnte, legten sich die +wenigen Nonnen, die noch als Staatspensionärinnen in dem (aufgehobenen) +Kloster Thedingen wohnten ins Mittel und machten an den Fürsten eine +Eingabe: »Sonsten aber presentiren sich die Conventualen zu Tedingen, +wofern S. G. sich an den Brüchen nichts abgehn lassen wollen, solches +und waß Ihre Gn. *begierten*, an ihrem Kostgeld abziehen zu lassen,« +(Rentei-Rechnung des Amtes Leer). + + +*Giep*, das, + +ist der Sache nach dasselbe wie Giek (s. d.) nur wird bei dieser +Benennung die Sache von einer anderen Seite aus angesehen. Während man +bei Giek das Bewegliche im Auge hat, denkt man bei Giep an das +Gespreizte, Auseinandergesperrte, indem giepen von gapen weiter gebildet +ist wie gibbeln von gabbeln; gapen aber heißt gähnen, den Mund +aufmachen, ihn weit auseinander machen. Von Giep gibt es ein Zeitwort +*giepen*, das bezeichnet was man bei Rahesegeln durchdrehen nennt, »eine +Eule fangen.« Wenn das Gieksegel von vorne Wind faßt und zurückschlägt, +was entweder durch plötzliches Umschlagen des Windes oder beim +Aufkreuzen und Beimwindeliegen durch Unachtsamkeit des Steuernden +geschehen kann, so schlägt das Giep auf die andere Seite, das nennt man +giepen. Durch dieses Zurückschlagen, behauptet Roeding, seien schon im +Boot sitzende Leute erschlagen oder über Bord geschleudert worden. Daher +wird von vorsichtigen Seeleuten der Giekbaum mit einem Bullentau +gesichert. + + +*Gig*, die, + +ein leicht und schlank und etwas zierlicher als die andern gebautes, +rasch bewegliches Boot zum Rudern und Segeln; auf Kriegsschiffen +ausschließlich dem Kommandanten persönlich für seine Fahrten an Land, +auf andere Schiffe, zu Ausflügen etc. zur Verfügung stehend. Mit Giek +und Geck von einerlei Abstammung, wie denn auf Wangerooge Gek dazu +gesagt wird. Man darf wohl dabei an das neuhochdeutsche gaukeln denken, +sich rasch hin und her bewegen wie ein Gaukler, ein Taschenspieler, +dessen ganze Kunst bekanntlich in dem Satze besteht, daß Geschwindigkeit +keine Hexerei ist. Zu vergl. althochdeutsch goukolon, mittelhochdeutsch +goukeln, Zauberei, Narrenspossen treiben. Kluge weist auf das +siebenbürgische gekel, Marionette, und das gleichbedeutende thüringische +gekelman hin, (und allerdings muß man dabei an etwas Bewegliches +denken), und sagt: »Verwandt scheint althochdeutsch gougaron, +mittelhochdeutsch gougern, umherschweifen, ferner mittelhochdeutsch +gogeln, sich ausgelassen geberden, hin und her flattern, gogel Adj. +ausgelassen, üppig, giege M. Narr;« bei Narr denkt er freilich an +»Betörter«, man kann aber auch eben so gut an die »Narrenspossen« des +Mittelhochdeutschen denken, an einen ausgelassenen, lustig tanzenden und +springenden Menschen, der, wie man zu sagen pflegt, »närrisches Zeug« +treibt, wie es in dem bekannten Studentenliede heißt: »Unser Herrgott +der muß am Ende selber drüber lachen, Was die Menschen für närrische +Sachen tun machen.« Da nun offenbar der ganzen Sippe Geck, Giek und +ihren Verwandten bis zum Gaukler hin der Begriff des »leicht +Beweglichen« zu Grunde liegt, so ist gewiß auch Gig, dieses leicht +bewegliche Boot, mit zur Familie zu rechnen; wenn je ein Boot auf den +Wellen »gaukelt«, so ist es eben die Gig. + + +*Gilling*, die, + +auch Gillung, heißt jede Verschmälerung, oder Erweiterung eines sonst +grade verlaufenden Gegenstandes. So spricht man von der Gillung eines +Segels, und vor allen Dingen nennt man beim Schiff den +hervorspringenden, beziehungsweise den zurückspringenden Teil der +Bordwand, die sich nach unten zu verjüngt, des Hecks, das unten schmäler +und kürzer wird, also die Veränderung der Formlinie, die Krümmung der +Geraden. Ob man sagen will: das Heck springt oben vor, oder: das Heck +tritt unten zurück, -- das hängt ja ganz davon ab, wie sich der +Beschauer die Sache denken will. + +Die Tischler nennen den vor- oder zurückspringenden Teil einer Holzkante +Kehlung, und beide, Gillung und Kehlung, dürften ein und dasselbe Wort, +nur mit verschiedener Aussprache sein. So darf man also eine +Verwandtschaft mit Keil, niederdeutsch Kil, annehmen, und das Wort müßte +Kilung geschrieben werden, wie auch die Tischler und andere Handwerker +nicht Kehlung, sondern Keilung schreiben müßten, denn mit Kehle = +Höhlung hat das Wort schon darum nichts zu schaffen, weil öfters, wenn +der Keil wirklich einmal eine Rinne, Rille oder Höhlung hat, er alsbald +Hohlkehle genannt wird, was nicht der Fall wäre, wenn Kehle schon allein +Höhlung bedeutete. Die keilförmig zulaufende Gestalt gibt den Ausschlag; +ein Keil ist ein schief oder schräge verlaufendes, in einer Spitze oder +scharfen Kante auslaufendes Ding. Kil ist Benennung eines keilförmigen +Grundstücks bei Wirdum; wahrscheinlich hat auch die Kieler Bucht, der +Kieler Hafen von einer keilähnlichen Gestalt den Namen; »keilähnlich« +braucht dabei nicht gepreßt zu werden, sondern muß im weiteren Sinne +einer gebrochenen oder gebogenen Linie verstanden werden, wie es schon +im Mittelalter bei geographischen Bezeichnungen verstanden wurde, da +Kilian kille und kiele einfach mit sinus, Busen, übersetzt, sonst auch +kyl. In diesem weiteren Sinne gebrauchen unsere Metallarbeiter das Wort +Kehlung; sie nennen so jede von der Geraden abweichende Linie, dafern +sie nicht grade im rechten Winkel verläuft, namentlich aber auch wenn +sie eine Rundung darstellt. + + +*Gischt*, der, + +heißt eine Sprühsee, die vom Sturm schäumend gemachte Oberfläche des +Meeres, namentlich da wo sie sich bricht, mit milchartiger Farbe und +eigentümlich verklingendem Geräusch verbunden. Um dieses Geräusches +willen könnte man an Lautmalerei denken, wenn es nicht ein Zeitwort +gischen gäbe, das mit dem mittelhochdeutschen jesen und dem +althochdeutschen jësan = »gären machen« verwandt ist, von der +Sanskritwurzel yas, sieden, kochen. Indessen ist auch dieses lautmalend, +wie das ähnlich klingende zischen, (»und es wallet und siedet und +brauset und zischt«.) Daß bei gischen auf den Laut und nicht auf die +Bewegung oder die Farbe geachtet ist, beweist der hochdeutsche Gebrauch +des Zeitwortes beim Plätten. Da tupfen die Frauen mit nassem Finger an +den Bolzen, um zu prüfen, ob er heiß genug sei, was er ist wenn »es +gischt.« Man nennt auch gischen das Geräusch, das heißes Eisen, bezw. +das Wasser macht, wenn ein Schmied die Zange mit dem eben geschmiedeten +Stück zum Abkühlen in kaltes Wasser hält, (»wie wenn Wasser mit Feuer +sich mengt, bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt«). + + +*Gissen*, + +heißt in der Seemannssprache »vermuten« und wird nur in ganz bestimmter +Verbindung gebraucht: »gegißtes Besteck«. Wenn das Wetter unsichtig +ist, so daß genaue astronomische Beobachtungen unmöglich sind, so wird +das Besteck gegißt, d. h. es wird nach dem Loggen, nach der in den +letzten 24 Stunden durch das Loggen festgesetzten Geschwindigkeit der +Fahrt mit Berücksichtigung von Abtrift, Strömung und andern in Betracht +kommenden Umständen ungefähr berechnet, auf welchem Längs- und +Breitegrade am Mittag eines gegebenen Tages man sich befindet. Geschieht +dies vom Koch und seinen Freunden in der Kambüse, oder sonst von +Unberufenen ohne die nötige Unterlage und Genauigkeit, so wird es zum +Kambüsenbesteck, geschieht es von Schiffs wegen durch den +Navigationsoffizier, so heißt es »gegißtes Besteck.« Gissen ist ein +allgemein-niederdeutsches Wort, das im Hochdeutschen nicht vorkommt, +aber in dem Zeitwort vergessen steckt; es heißt denken, sinnen, meinen, +raten, glauben, hoffen, mutmaßen, wähnen; englisch guess, schwedisch +gisse, norwegisch gissa. Die Grundbedeutung ist halten (dafür halten). +»Gissen maket bewillen missen« ist ein alter niederdeutscher +Seemannsspruch; buten gissen = wider Erwarten, wider Vermuten; »alle +unsalighen pleghen ere geiselen swaerer gissen den andern lude +gheiselen.« »Wen men ock dagelikes Achtinge gifft, wo veel Fahrt dat +Schip dorch dat Water hefft, und sick solckes inbildet, und entholt +(einprägt und behält), dat he mit solcken Fortganck, daß dat Schip +maket, so veel Milen in dat Etmahl segelen mag, alß he dorch Verandering +der Brede und angesegelde Korß befunden hefft, so kan man mit der Tydt +tho gode *Gissinge* kamen«, »Kunst der Seefahrt« 1673. + + +*Glasen*, + +nennt man das Anschlagen der halben Stunden an der Schiffsglocke. Noch +vor hundert Jahren wurde von den Leuten am Ruder die Zeit nicht nach der +Uhr, sondern nach dem (Stunden- oder vielmehr Halbstunden-) Glas +gemessen. Wenn eine neue Wache aufzog, fing eine neue Rechnung an und +der Steuermann drehte das Glas um. War es abgelaufen, also war eine +halbe Stunde vorbei, so ward gemeldet: »*ein* Glas!« und *ein* Schlag an +die Glocke getan und das Glas aufs Neue gedreht, war es wieder +abgelaufen, so erfolgte die Meldung: »zwei Glas,« es wurde zweimal +angeschlagen und das Glas abermals gedreht, und so fort bis die +vierstündige Wache vorbei war, also bis das Glas achtmal abgelaufen, bis +acht Glas an der Glocke angeschlagen waren. Dann zog eine neue Wache auf +und die Rechnung begann wieder von vorne. Hieran hat sich in der +Neuzeit wenig geändert, nämlich nur das, daß man an Stelle der Gläser +Uhren hat, aber die alte Benennung ist geblieben und die Mehrzahl von +Glas bildet der Seemann auch heute noch nicht Gläser sondern Glasen, +oder vielmehr er gebraucht das Wort nur in der Einzahl: »acht Glas«; +hierin dem deutschen Zecher oberdeutscher Zunge gleich, der auch nicht +acht Gläser, sondern acht Glas Bier trinkt. + +Nach dem Gesagten könnte ein jeder Nichtseemann sich eigentlich leicht +ausrechnen, daß »fünf Glas« entweder morgens halb sieben, oder +vormittags halb elf, oder nachmittags halb drei, oder abends halb +sieben, oder spät abends halb elf, oder nachts halb drei sein muß. Es +soll aber Leute geben die das niemals lernen. Jedenfalls wirkt diese +Rechnung zunächst befremdend auf den, der die Planken eines Schiffes +betritt, soll auch, wie erzählt wird, so auf den General von Caprivi als +er Chef der Admiralität geworden war, gewirkt haben. + + +*Goletta*, die, + +französisch goëlette, ist eigentlich ein Wort der italienischen +Seemannssprache, wird aber wohl auch aus deutsch- und namentlich +österreichisch-seemännischem Munde vernommen; ins Deutsche wird man es +am passendsten mit Schuner übersetzen, und zwar, da sonst noch +verschiedene nähere Bestimmungen dazu kommen müssten, mit Schuner in der +einfachsten Form eines Gaffelschuners, eines Vor- und Achterschuners. +Der Name dürfte, ähnlich wie vlyboot von dem Vly, von der Festung +Goletta genommen sein, die in der Seekriegsgeschichte eine so grosse +Rolle gespielt hat, als Kaiser Karl V. in eigener Person sie dem +Chaireddin Barbarossa nach blutiger Belagerung mit Sturm abnahm. Davon +erzählt der Verfasser der »Durchläuchtigsten Seehelden«: »Die +Gelegenheit nun des Orts Goletta ist also beschaffen: Ein steinern +Thurn, nebenst angebautem Boll-Werk, stehet an der Enge, durch welche +der Meer-Busen von Carthago, die Wellen der See in den darbey gelegenen +Meer-Raum einlässet, und vor kleine Schiffe, biß an die Stadt Tunis +hinan, Raum und Zugang giebt. Dieses Meer ist swölff italienische Meilen +breit und lang, aber an beyden Seiten so seichte, daß man anders nicht, +als in der Mitten der Tieffe dahinein kommen kann. Den Zugang aus der +See, verwahret der obgemeldte Thurn, der mit dem umherliegenden +Boll-Werk oder Bevestigung beschützet wird, die so groß, daß man einen +großen Haufen Volcks darinne zur Besatzung lassen kann. Diesen Thurn +hatte Barbarossa mit vielen Geschütze versehen, um dadurch seine Flotte, +die inwendig in dem Meer aufgeleget war, zu beschirmen« ... »Niemals, +seit dem Gebrauch des Geschützes in der Welt gewesen, hat man weder, mit +grösserer Gewalt, Zurüstung, Fleiss einen Ort angegriffen, denn +dergestalt war das Knallen und Donnern des niemals still stehenden +Geschützes, daß die Erde nicht allein zu erzittern und zu beben begonte, +sondern auch dem Ansehen nach selber von einander bersten, und alles +verschlingen wollte: Die See selber, die vorher stille und ruhig gewesen +war, ward hierdurch gleichsam mit verunruhiget, da inzwischen der Himmel +durch den unaufhörlichen Dampff und Rauch sich aus dem Gesichte +verlohr.« + + +*Golf*, der, + +gleichbedeutend mit Meerbusen. Erst spät ins Deutsche eingedrungenes +Wort, vom griechischen kolpos stammend, mit wölben von einer Wurzel, = +Busen, Schoß, Falte im Gewand, busenartige Vertiefung, Meerbusen, Bucht; +italienisch golfo, spanisch golfo, provençalisch golfo. Davon +französisch golfe und gouffre, woraus zu sehen, daß das Wort aus +Frankreich zu uns gekommen ist, und zwar über die Niederlande, da Kilian +es in der Form gouffre verzeichnet hat. + + +*gondeln*, + +scherzhaft für »zur See fahren.« »Nun gondeln wir in diesem angenehmen +Wetter schon acht Tage umher«, wird wohl gesagt wenn Sturm und Regen die +Fahrt recht unangenehm machen. Den scherzhaften Beigeschmack dürfte das +Wort auf dem Wege über Berlin bekommen haben, wo die Aussprache +bekanntlich »jondeln« ist, und so ausgesprochen klingt es noch um einen +Ton scherzhafter. Byron beschreibt diese venezolanische Wasserdroschke, +Gondola genannt, so: + + Didst ever see a gondola? for fear + You should not, I'll describe it exactly: + 'Tis a long covered boat that's common here, + Carved at the prow, built lightly but compactly. + Row'd by two rowers, each call'd »gondolier,« + It glides along the water looking blackly, + Just like a coffin clapt in a canoe, + Where none can make out what you say or do. + +Gondel ist frühzeitig, d. h. vor etwa 360 Jahren in (hoch-)deutschen +Gebrauch gekommen, Kluge führt die Diminutivform Gündelein an und +bemerkt, daß Gondelein schon 1574 in Zeitungen über italienische +Verhältnisse vorkommt. Die Seemannssprache hat sich, abgesehen von der +modernen scherzhaften Weise, dem Worte gegenüber ablehnend verhalten. + + +*Gording*, die. + +Gordinge heissen mit Ausnahme der Geitaue alle Taue mit denen ein Segel +aufgegeit wird. Und zwar heißen Bukgordinge diejenigen, die am unteren +Liek des Segels befestigt sind und den unteren Teil, den Buk d. h. Bauch +desselben aufholen; alle viereckigen Segel haben solche »Bukerdings,« +wie der Seemann das Wort gerne ausspricht. Grosse viereckige Segel haben +auch noch Nockgordinge (»Nockgordings«) die am stehenden Liek befestigt +sind und die Seiten des Segels aufholen. Sehr hohe Marssegel haben zu +Zeiten wohl noch weitere Gordinge am stehenden Liek, die man +Schmiergordinge nennt. Der Unterschied zwischen Gordingen und Geitauen +ist der, daß erstere vor, letztere hinter dem Segel zur Rahe +hinauffahren. Dempgordinge nennt man die Taue mit denen Besan = +(Schrat-)Segel unter die Besansruthe oder -Gaffel geholt werden. + +Gording heißt auf hochdeutsch Gürtung, da die Segel gleichsam gegürtet +werden, die Gordinge (und Geitaue) also Gürtel darstellen; gothisch +gaird, altsächsisch gyrdels, althochdeutsch gurtila, altnordisch gjörd; +in der Edda wird der Kraft verleihende Gürtel das Tor megin-gjardar +genannt. + + +*Gösch*, die, + +heißt die Flagge die am Ende des Bugspriets an einem Stocke, dem +Göschstocke, an Sonn-, Feier- und anderen Tagen von besonderer Bedeutung +weht. Bei unseren Kriegsschiffen besteht die Gösch aus dem oberen +inneren Felde der Kriegsflagge, schwarz, weiss, rot mit dem eisernen +Kreuz. Das Wort Gösch muß eigentlich Gös heißen, denn es ist aus Holland +zu uns gekommen, wo es geus heißt, ausgesprochen Gös. So hießen die +Kämpfer in dem Unabhängigkeitskriege der Niederländer gegen Spanien. Das +Wort bedeutet Bettler. Als die 300 Verbündeten am 5. April 1566 zu +Brüssel der Regentin Margarethe ihre Bittschrift überreichten und diese +sich zu entfärben schien, flüsterte ihr der Graf von Barlaimont zu, sie +solle sich vor einem Haufen Bettler (gueux) nicht fürchten. Dessen +eingedenk trank man sich alsbald darauf bei der Tafel unter diesem Namen +zu, und: es leben die Geusen! wurde mit allgemeinem Geschrei des +Beifalls gerufen. Nach aufgehobener Tafel erschien der Graf von +Brederode mit einer Betteltasche und bald waren alle mit solchen +versehen. Das Dasein seiner Beschützer mußte dem Volke versinnlicht und +der Eifer der Partei durch ein sichtbares Zeichen in Athem erhalten +werden; dazu war kein besseres Mittel, als diesen Namen der Geusen +öffentlich zur Schau zu tragen und die Zeichen der Verbrüderung davon zu +entlehnen. In wenig Tagen wimmelte die Stadt Brüssel von aschgrauen +Kleidern, wie man sie an Bettelmönchen und Büßenden sah. Die ganze +Familie mit dem Hausgesinde eines Verschworenen warf sich in die +Ordenstracht. Einige führten hölzerne Schüsseln mit dünnem Silberblech +überzogen, eben solche Becher, oder auch Messer, den ganzen Hausrat der +Bettlerzunft, an den Hüten oder liessen sie an dem Gürtel +herunterhängen. Um den Hals hingen sie eine goldene oder silberne Münze, +nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine Seite das Brustbild des +Könige zeigte, mit der Inschrift: »Dem Könige getreu.« Auf der andern +sah man zwei zusammengefaltete Hände, die eine Provianttasche hielten, +mit den Worten: »bis zum Bettelsack.« Daher schreibt sich der Name der +Geusen, den nachher in den Niederlanden alle diejenigen trugen, welche +vom Papsttum abfielen und die Waffen gegen den König ergriffen. +(Schiller.) Oft wurden sie auch watergeusen genannt wegen ihrer +Tüchtigkeit zu Wasser. Leute die so sehr auf äußerliche Abzeichen +hielten, hatten gewiß auch ein solches, oder mehrere in der Flagge die +sie führten. In der Tat erfahren wir, daß es in jenen kriegerischen +Tagen bei den Geusen eine Flagge gab mit drei P., die bedeuteten »Pugno +Pro Patria.« + +Bekanntlich fing der eigentliche Krieg mit der Einnahme der Festung +Briel durch die Geusen an. Davon lesen wir: »Lorsque le Comte de la Marc +vint devant la Brille avex ses vaisseaux il portoit dix deniers dans son +Pavillon, pour marquer qu'il venoit s'oposer à la levée du dixiéme +denier que le Duc d'Albe vouloit exiger.« Es werden die Geusen in ihrem +Stolz und Trotz auch noch andere ihrer Abzeichen in der Flagge geführt +haben. Nach ihnen sahen Leute, die den Namen Geusen als einen Ehrennamen +ansahen, mit Begeisterung. Wäre es da ein Wunder, wenn die Flagge, die +Geusenzeichen trug, selbst geus genannt worden wäre? Und wirklich +belehrt uns Aubin, daß die Bugflagge zu seiner Zeit, Ende des +sechzehnten Jahrhunderts, geus geheißen hat, (wie sie denn auch noch +jetzt so heißt). Sonst werden wohl die Leute nach ihrer Flagge genannt, +hier finden wir den umgekehrten Fall, daß die Flagge nach den Leuten +heißt. Daß aber grade die Bugflagge den Namen der Geusen führt, mag +zufällig sein, kann aber auch irgend einen besonderen geschichtlichen +Grund haben und dürfte mit dem Umstande zusammenhängen, daß überhaupt in +jenen Tagen die Bugflagge häufiger als heute gesetzt ward. Und die +Geusen werden sie nach dem was wir von ihnen gehört haben nicht weniger, +sondern mehr als andere Leute geführt haben. + +Man hört den oberen inneren Teil der Kriegsflagge, welcher die Gösch +ausmacht, auch wohl Jack nennen. Das kommt von der englischen +Bezeichnung »Union Jack« für dieses Feld. »The union or union flag of +Britain, the national banner of the United Kingdom, is formed by the +union of the cross of St. George (red on a white ground), the diagonal +cross or saltire of St. Andrew (white on a blue ground), and the +diagonal cross of St. Patrick (red on a white ground)«; stellt also die +Union zwischen England, Schottland und Irland dar. Jack aber ist im +Englischen eine populäre Form für James (vom französischen Jacques, +Jakob), eine so populäre, daß sie in unzähligen Wendungen, Bedeutungen, +Zusammensetzungen und sprichwörtlichen Redensarten gebraucht wird. Union +Jack aber »was named after James I, under whose direction the first +union flag was constructed and who signed his name Jacques.« Wobei zu +bemerken ist, daß es in den Zeiten schwerer innerer Kämpfe auch eine +Flagge gab, die union flag hieß, rot mit der Inschrift: »For the +protestant religion And the Liberty of England«; es war also nichts +Ungewöhnliches, daß man die Flagge in Zeichen oder Worten zu denen reden +ließ, die unter ihr fuhren. + + +*Granate*, die, + +modernes Geschoß von zerstörender Wirkung, namentlich durch sein +Zersplittern. Es kommen sprachlich vier ziemlich gleichlautende Wörter +in Betracht: 1. Granat als Baum; 2. Granat als Edelstein; 3. Granat als +Geschoß; 4. Granat als Seekrustentier. Davon kommen die ersten drei von +granum, das Korn; 1. wegen der vielen Körner die die Frucht, der +Granatapfel, enthält; (Granáda, die Stadt der Granatbäume); 2. wegen der +körnigen Beschaffenheit; 3. wegen der in ihnen enthaltenen Pulverkörner; +4. aber hat dagegen den Namen von den beiden langen Fühlhörnern, die +genau aussehen wie (Gersten-)Grannen. Was die Granate, die hier allein +weiter in Betracht kommt, angeht, so ist bekannt, dass sie ursprünglich +nicht aus Kanonen geschossen, sondern als Handgranate mit der Hand unter +die Feinde geworfen wurde. Der Mann, der dieses immerhin nicht +ungefährliche Geschäft zu besorgen hatte, mußte ein alter, erprobter, +kaltblütiger Soldat sein; er führte von seinem Geschäft den Namen +Grenadier, so daß derselbe also ursprünglich für einen Soldaten, der +keine Handgranaten warf, eine Auszeichnung, ähnlich wie Gardist, sein +sollte. + + +*Gräting*, die. + +Ein Gestell von unter einander übers Kreuz verbundenen Latten, von dem +das Wasser bequem abfliesst, überall da angebracht wo Leute an Bord +lange stehen sollen, damit sie trocken stehen, am Ruder, am Fallreep +etc. etc. Ein aus dem Lateinischen stammendes, mit niederdeutscher +Endung versehenes, englisch ausgesprochenes Wort. Lat. crates, Korb, +heißt althochdeutsch cratto und chrezzo, Geflecht, Korbgeflecht (noch +jetzt in Hochdeutschland Keez = Kiepe). (Auch die Form grede kommt für +Unterlager für Waren vor; diese vielleicht aber, weil das Wort auch +Stufe und Treppe bedeutet doch wohl vom lat. gradus). Aus dem +Diminitivum von crates, craticola, entstand das französische grille, +Rost, Gitter, italienisch gretola, Stäbchen des Käfigs. Niederländisch +kratte = Korb; littauisch Kratis, Gitter und Kratelis, Rost. Sehr früh +traten an die Stelle von crates Formen mit anlautender Media, +mittellateinisch grates, graticula, italienisch grata, Flechtwerk, +Gatter, Rost; spanisch gradilla, Rost; englisch grate (daher cradle +Korb, Flechtwerk, geflochtene Wiege). Bedenkt man, dass Gräting auch +eine Vorrichtung ist, die vor Türen liegt, damit man, ehe man eintritt, +die Füsse daran reinige, und dass an Stelle des einem Geflecht nicht +unähnlichen Holzgitters vielfach wirkliches Reisig-Geflecht tritt, (ja, +dass heute noch in manchen Gegenden Deutschlands in ärmlichen +Verhältnissen einfach ein Zweig Tannenreisig vor die Tür gelegt wird) so +ist die Bedeutungsentwickelung ohne weiteres einleuchtend. + +Die deutschen Eisenarbeiter nennen Gräting die Gittertür eines Ofens, +also ganz im Sinne von Rost. + + +*Groden*, der, + +heißt in Ostfriesland und Oldenburg ein bereits grün bewachsenes, durch +Buhnen, Schlengen etc. etc. dem Meere abgewonnenes Land, und zwar +eigentlich aussendeichs, doch behält es den Namen auch wenn es nachher +eingedeicht wird, so daß manchmal von einem Groden die Rede ist da wo +gar kein Deich mehr zu sehen ist; nordfriesisch Koog, (könnte Cuxhaven +wohl gleich Koogshaven sein?), westlich der Ems Polder. Es kommt -- +vergl. Crew -- vom friesischen groya, groien = crescere, wachsen, +eigentlich grünen. Es muss ja grün werden was wachsen soll. In der Edda +heißt poetisch die Erde groandi, die »Grünende.« Gothisch gras = Gras, +altsächsisch und althochdeutsch gras, gehören hierher, ablautend mit dem +mittelhochdeutschen gruose, junger Trieb der Pflanzen; die +indogermanische Wurzel ist ghro, vergl. das lateinische gramen, Gras; +griechisch chloros, grün, welches wohl eine Dissimilation aus chroros +ist. Früher hatte man für Groden auch die Form groenden; die Tossenser +groenden in Butjadingen werden im J. 1566 in Verhandlungen über das +Spatenrecht genannt. + + +*Grog*, der, + +das bekannte Getränk, ursprünglich nur aus Rum und Wasser gemischt. +»From »Old Grog«, a nickname given to Admiral Vernon, who introduced the +beverage, from his wearing a grogram cloak in rough weather.« Von +anderer Seite wird einleuchtender behauptet, das Wort stamme vom Admiral +Sir Evans W. Grog her, der Ende des 18. Jahrhunderts zuerst den Matrosen +den Rum mit Wasser gemischt allowanceweise verabreichen ließ. Das mag +diesen schlecht gefallen haben und um ihrem Mißfallen Ausdruck zu geben +nannten sie das so wenig kräftige Getränk mit dem Namen seines +Erfinders; sie sahen es eben als eine Verschlechterung des Rums, nicht +als eine Verbesserung des Wassers an. Wie leicht Getränknamen sich +einbürgern ist bekannt, man braucht nur an den Pariser »Bock« zu denken. +Selbst Wörter, die bisher einen ganz anderen Sinn hatten, nehmen in +manchem Munde ausschließlich den eines Getränkes an: Korn, Kümmel, +Benediktiner. Sekt war sonst immer der »trockene« spanische Wein, den +Sir John Falstaff zu gerne trank und hat erst durch den berühmten +Schauspieler Devrient die Bedeutung von Champagner erhalten. Über +allowance s. Launs. + + +*Grossmast*, der, + +auf Vollschiffen oder Barken der mittelste, größte, meist auch höchste +Mast; ein sehr wichtiges Ding für ein Segelschiff. Was der Erste +Offizier unter den Offizieren ist, das ist der Großmast unter den +Masten. Geht doch auch, nach dem seemännischen Sprichwort, der Erste +Offizier nur in Begleitung des Grossmastes von Bord. + +Alles was an Segel, Tauen u. dgl. an Bord mehrfach, nämlich für jeden +Mast besonders vorhanden ist, wird nach dem Mast benannt zu dem es +gehört, und zwar durch Vorsetzen des Namens des betreffenden Mastes, +also Großmarsrahe, Großrahe, Großbramstenge, Großmars, Großrüst u. s. w. +Alles sich auf den Großmast Beziehende wird unter der Bezeichnung +»Großtop« zusammengefaßt, wie alles auf den Kreuzmast Bezügliche +»Kreuztop« heißt; Focktop wird jedoch nicht gesagt, weil hier auch noch +das ganze Vorgeschirr in Betracht kommt; man sagt statt dessen »Vortop«. + +Abweichend von der übrigen Benennung der Segel heißt das unterste +derselben am Großmast: *Grosssegel*. + + +*Grummetstropp*, der, + +ein runder Stropp, aus einem Kardeel vom aufgedrehten Stück eines +(bereits gebrauchten, alten) Taues. Es hat dieses Grummet mit dem +Grummet = Grünmaht, dem zarten Schnitt des (nur grünenden, nicht wie +beim ersten blühenden) Grases wohl nichts zu tun, wiewohl man diesen +auch als »Überbleibsel« bezeichnen könnte, und wiewohl auch unser +Grummet nach dem Material genannt wird aus dem man ihn anfertigt. Es +gibt nämlich ein niederdeutsches Wort grumm = Schutt, Zerriebenes, und +eine Mehrzahl grumpen = Stücke, Brocken, Zerbröckeltes, also auch +Auseinandergeteiltes, besonders aber auch Überbleibsel. Das +niederländische grommen, die Eingeweide ausnehmen, hängt damit zusammen. +Und eben ein auseinandergedrehtes, übrig gebliebenes Stück Tau, dem die +Kardeele wie Eingeweide aus dem Leibe geholt sind, wird zu einem +Grummetstropp benützt, und es kann dazu um so eher altes Tauwerk +genommen werden, als ein solcher nichts weiter zu halten, sondern nur zu +verhüten hat, dass an den betreffenden Stellen die Takelage schamfilt. + + +*Grund*, der, + +wird in der Seemannsprache hauptsächlich im Sinne von Meeresboden +gebraucht. Beim Lothen mit dem Handloth hört man den damit beauftragten +Matrosen oft genug aussingen: »15 Meter und keinen Grund!« Eine wichtige +Sache ist es, mit dem grossen Loth den Meeresgrund auf seine +Beschaffenheit zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wird das Lot mit Talg +bestrichen, die Erde die dann daran hängen bleibt, wenn es den +Meeresgrund berührt, ist eine Grundprobe, je nach ihren Bestandteilen +aus Sand, Muscheln oder dergl. hat man unter Umständen einen gewissen +Anhaltspunkt für die Gegend in der sich das Schiff befindet. + +Sonst ist der Seemann ängstlich bemüht, eine »gründliche« Berührung zu +vermeiden, nicht nur weil es überhaupt gefährlich ist, wenn das Schiff +auf Grund kommt, sondern es steckt offenbar den Seeleuten noch eine +Scheu davor im Blute von den Zeiten her, da es Rechtens war, dass ein +Schiff mitsamt seiner Ladung dem verfiel, dessen Grund es berührt hatte. +Ein barbarisches Recht, oder vielmehr Unrecht, diese grundroringe, das +Grundrührrecht, das sich übrigens nicht nur auf Schiffe und die See +beschränkte, sondern auch von anderen Fahrzeugen auf dem festen Lande +galt. So konnte es vorkommen, daß einer mit seinem Wagen über eine +Brücke fahren wollte und wegen schlechten Zustandes derselben umwarf; +dann wurde nicht der, der die Brücke hätte bauen und bessern sollen, +bestraft, sondern der Fuhrmann, und zwar durch Beschlagnahme des Wagens +samt der Ladung. Karl V. (peinliche Halsgerichtsordnung, Art. 218) +schaffte dieses »Recht« ab. + + +*Grünes Licht* s. Laterne. + + +*Gut*, das. + +Die Takelage, das gesamte Tauwerk an Bord heißt mit dem Sammelnamen +»Gut«; wird aber dann auch in »stehendes Gut«, »laufendes Gut«, +Reservegut u. s. w. unterschieden. + +»Gut« heißt auch die Gesamtheit der geladenen oder zu ladenden Güter. +Bestehen diese aus Kisten, Fässern, Ballen und dergl., so spricht man +von Stückgut, während Korn, Kohlen, Salz u. s. w. Stürzgut ausmachen. + + + + +H. + + +*h.* s. a. m. + + +*Haartuch*, das, + +ist grobes, haarenes Tuch, das in der Gestalt von Läufern an Deck +gelegt wird wenn man Geschosse mannt, damit möglichst jeder Stoß +vermieden werde. Die sprachliche Erklärung muß mit zwei Wörtern rechnen, +mit Haar in der Bedeutung Menschenhaar, Pferdehaar, und einem veralteten +Haar das Flachs bedeutete, (in Flachshaar kommen die beiden zusammen). +Doch ist Haartuch nicht von Flachs, sondern der Name Haar muß auch für +Werg in Gebrauch gewesen sein, denn aus Werg war das härene Tuch +ursprünglich gefertigt; englisch hards = Werg. + + +*Hackbord* = Heckbord, s. Heck. + + +*Hafen*, der, + +kommt von haben = halten, ist also ein Ort wo das Schiff gehalten wird, +ein (sicherer, bequemer) Halteort. Zu vergleichen ist das +althochdeutsche hafjan, heffjan = heben, aufheben, Grundbedeutung: +fassen, greifen, halten, behalten, lateinisch capere. So ist also Hafen += Topf dasselbe Wort, ein Gefäß, das etwas enthält. Auch Hof ist nahe +verwandt, und ists also im Grunde ein Streit um des Kaisers Bart wenn +darüber gestritten wird, ob ein Wort wie Marienhafe eigentlich Marienhof +oder Marienhafen zu deuten sei. Die niederdeutsche Schreibweise ist +Haven. Es war also eine Anerkennung des niederdeutschen Wesens der +Seemannssprache als König Wilhelm I. befahl, den am 17. Juni 1869 nach +ihm getauften neuen Kriegshafen Wilhelmshaven mit einem v zu schreiben. +(Otfried, ein Mann aus Franken, in Weißenburg 868 seinen »Krist« +schreibend, hat zuerst, und zwar nur im Inlaute, das v angewandt anstatt +f). + +Das englische harbour hat mit unserem Hafen nichts zu tun, ist vielmehr +dasselbe wie das deutsche »Herberge«, ein Platz, wo ein Heer sein +Nachtlager aufschlug. Dagegen ist Kabel mit unserm Worte einer +Abstammung. In der Edda hat das Wort hafn noch so sehr den Begriff haben +und halten, daß es nicht nur Besitz (»Habe«) und Hafen, sondern auch die +Schiffsmannschaft bedeutet, die Mannschaft die das Schiff enthält, +skipshofn. + +Das französische havre ist noch umstritten; die Aspiration deutet auf +deutschen Ursprung. Da aber ein spanisches und portugiesisches abra = +Hafen vorhanden ist, so ist man hierfür auf das keltische aber in +Ortsnamen zurückgegangen, welches Flußmündung, auch das Zusammentreffen +einer solchen mit einem Hafen bedeutet. Es wäre aber noch eher denkbar, +daß die Spanier das ihnen ohnehin ungelegene h einfach fallen ließen. + + +*Hafengeld*, das, + +ist eine an den Staat zu entrichtende Abgabe, die, je nach ihrer Größe +verschieden, ein und ausgehenden Schiffen für Benützung der +Einrichtungen, als da sind Bollwerke, Kajen, Bojen, Tonnen, Leuchtfeuer +eines Hafens, berechnet werden. + + +*Hafenkapitän*, der, + +ist der Offizier, gewöhnlich ein zur Disposition gestellter Seeoffizier, +der die Aufsicht über den Hafen hat, der auch besonders die Ordnung und +Reihenfolge der im Hafen liegenden Schiffe bestimmt, das Aus- und +Einlaufen regelt, die Arbeiten beim Durchschleusen und überhaupt den +ganzen Schleusenbetrieb leitet, die Deiche im Auge zu halten, bei +Sturmfluten auf seinem Posten zu sein hat u. dergl. Wo es sich nicht um +einen Kriegshafen handelt, heißt der entsprechende Beamte +*Hafenmeister*. + + +*Hafenwache*, die. + +1. Die Wache die an Bord der Kriegsschiffe im Hafen gegangen wird im +Gegensatz zur Seewache, zwar länger wie diese, nämlich einen ganzen Tag +dauernd, aber nicht so verantwortungsvoll und daher minder anstrengend. +2. Die Hafenpolizei, ihr Wachthaus am Hafen und ihr Polizeiboot auf dem +Hafen. + + +*Hafenzeit*, + +ist die Zeit zu der ein bestimmter Hafen Hochwasser hat. »Die +Verzeichnisse der bekannten Hafenzeiten geben unmittelbar nur die +Zeitpunkte des Hochwassers an Neu- und Vollmondstagen. Für die übrigen +Tage müssen also im erforderlichen Falle die Tidestunden durch Rechnung +gefunden werden. Der Hauptpunkt dieser Rechnung ist die tägliche +Verspätung des Mondes, d. h. der Zeitunterschied zwischen seiner +Kulmination und derjenigen der Sonne, weil sich demgemäß ... auch die +Tidestunden ändern. Die genaue Berechnung kann nur mit Hülfe nautischer +Kalender oder astronomischer Ephemeriden geschehen.« (Bobrik, +Seefahrtskunde I 161.) + + +*Haff*, das. + +Kurisches Haff, Frisches Haff, Pommersches Haff, die drei großen +Strandseen an der Küste der Ostsee. Haff heißt eigentlich Meer; +angelsächsisch haef, nordisch haf, mittelniederdeutsch haf; 1255: »The +bruthere (des Ordens) geven vri that haf und then Strand to allerhande +donde.« »Se vurden de Konynge to schepe auer dat wilde haf.« Hamb. +Chron. + +Dieses Wort mit dieser Bedeutung kommt dem Sprachforscher ziemlich +unbequem, denn Hafen paßt so schön zu haben, da aber Haff Meer bedeutet, +so wird diese Verwandschaft schwankend. Kluge, Etym. Wörterbuch, 5. +Auflage S. 150 sagt darüber: »Da man keine ursprüngliche Verschiedenheit +von Worten für *Hafen* und *Meer* anzunehmen braucht und da jedenfalls +die Bedeutung »Hafen« aus der Bedeutung »Meer« abgeleitet ist -- das +Umgekehrte wäre wohl nicht denkbar -- so wird die unter Hafen gegebene +gewöhnliche Annahme, Hafen sei eigentlich »Behälter,« problematisch. +Wahrscheinlich ist also *Hafen* etwa »marina« im Sinne von »statio +marina« zu deuten. Angelsächsisches haef »Meer« als »sich erhebendes« im +Sinne von lateinischem altum (»hohe See«) zu *heben* (Wurzel haf, +vorgermanisch kap) zu ziehen, ist nicht unmöglich, aber kaum +wahrscheinlich.« Doch hat letzteres sehr viel für sich, wenn man +bedenkt, wie gern heut noch der niederdeutsche Seemann von der »hohen +See« spricht und sich der Wendungen bedient wie »auf der Höhe von«, +»Hochseeschiff«. Das Meer stellt sich nicht nur in dichterischer Sprache +als etwas »Erhabenes« dar, es ist in der That etwas für das Auge des +Beschauers »sich Erhebendes«, einerlei ob er am Strande steht, ob an +Bord eines Schiffes, oder etwa auf dem Kraterwall des Pics von Tenerifa. +Wer je auf diesem gestanden hat, wird es nie vergessen, wie ringsumher +das Meer so hoch aufsteigt, daß man auf einer Höhe von beinahe +viertausend Metern das Gefühl hat, die Kimm liege einem grade gegenüber +auf gleicher Höhe. + + +*Hahnepot*, die, + +ist ein von einem bestimmten Punkte aus in verschiedene Zweige +auseinander gehendes Tau, sei es zur Verteilung einer Last indem man die +Angriffspunkte vermehrt, sei es zum Schutze einer dem Schamfilen +ausgesetzten Stelle. Der Name kommt von der Ähnlichkeit mit einem +Hahnenfuß. Die Sache ist im Grunde dieselbe wie die unter Spinnekopf +behandelte. Doch geht beim Piekfall das eine Tau nur in zwei Arme, die +die Gaffel tragen, aus einander. + + +*Haken*, der, + +ist in der Seemannschaft wie in vielen anderen Zweigen menschlicher +Tätigkeit ein vielgebrauchtes unentbehrliches Ding und kommt in +unzähligen Fällen zur Anwendung. Sprachlich bedürfen indessen kaum zwei +oder drei ein Wort der Erklärung. Etwa Kenterhaken; ein Haken mit einer +Stange daran, dazu dienend Balken zu kentern, d. h. durch umkanten +weiter fort zu bewegen. Enterhaken wurden, als überhaupt noch geentert +wurde, zum Heranholen und Festhalten des feindlichen Schiffes verwandt. +Bootshaken ist der Haken mit längerer, dünner Stange daran, mit dem ein +abfahrendes Boot abgesetzt, ein landendes angelegt, d. h. ans Schiff, +ans Bollwerk, an die Treppe herangeholt wird. Für Kenterhaken hört man +eben so oft Kanthaken. + + +*Halbstocks* oder *Halbmast* + +sind zwei Adverbia als nähere Bestimmung zu den Zeitwörtern holen oder +hissen. Die Flagge nämlich wird Halbstocks oder Halbmast geholt oder +gehisst zum Zeichen der Trauer, sei es daß ein hervorragender Toter am +Lande geehrt werden soll, sei es daß ein Gestorbener sich an Bord +befindet. Früher wurden auch die Marssegel nur auf halber Höhe geführt +an Bord eines Schiffes, auf dem sich die Leiche eines Offiziers befand. +Vor Zeiten, vergl. Gösch, wo man mit Flaggen größeren Aufwand trieb, als +heute, und wo ihre Farbe und Form noch nicht so genau vorgeschrieben +waren, es auch noch keine festen Salut- und Flaggenvorschriften gab, +wurden je nach Gefühl und Vermögen mancherlei Flaggehrungen gewährt. +»Lorsque Witte Cornelesz. de Wit, Vice-amiral de Hollande fut tué dans +la bataille du passage du Sond, qui se donna entre les Suédois et les +Hollandois l'an 1658 et que les Hollandois gagnérent, aïant forcé le +passage, le vaisseau de ce Vice-amiral périt dans le tems que les +Suédois s'en rendoient maîtres, et il ne leur en resta que le corps de +Witte de Wit. Le roi de Suéde fit revêtir ce corps de satin blanc; fit +couvrir son cercueil d'un magnifique drap mortuaire avec les armes du +défunt; le fit mettre dans une galiote painte de noir, où il n'y avoit +pour pavillons que des flames noires, et le renvoia au +Lieutenant-Vice-admiral Général de Wassenaar, ou d'Opdam.« Die Leiche +mit der Nationalflagge zu bedecken war damals noch nicht üblich; dagegen +wurden bereits in einem Leichenzuge am Lande die Fahnen mit schwarzem +Flor umwunden. »Im Jahre 1629 ward die Admiral-Lieutenants-Stelle von +Holland offen, durch den Tod des Herrn von der Leck, und dieweil nunmehr +auch Dorp (der sonsten die Flotte auf der Flämischen Küsten als General +kommandiert hatte) in dem Lager zu Felde gebraucht ward, und derhalben +notwendig ein Admiral zur See gehn müßte, hat der Herr Printz von +Uranien Peter Heyn, der wegen so vieler stattlichen Taten in grosser +Achtung war, dazu erwehlet. Dieses war nun der höchste Ruhm, den er +allhier zu Lande erlangen kunte, er hat ihn aber nicht lange besessen +und genossen, denn als er vor Duynkirchen lag, und nun vor hatte +dasselbige Behältniß und zugleich das alte Raubnest zu stopfen, gerieth +er mit den Duynkirchern in ein heftiges Gefechte, in welchem er dreyn +von deß Feindes Schiffen eroberte, es wolte aber das Unglück, daß er im +Anfang des Treffens durch eine große Stuckkugel benebenst dem Kapitän +Blom, zu großer Betrübniß meist aller Einwohner getroffen und erschossen +ward. Sein Leichnam ward auf den vierdten Julii mit einem grossen Zulauf +von Menschen begraben. Vor der Leiche gingen zween Fahnen Bürger in +Trauerwaffen, und hatten ihre Koller mit schwartzen Bändern besetzet, +die Fahnen mit schwartzen Band aufgewunden, wie auch die Trommeln mit +schwarzem Tuch überzogen, die Musqueten unter den Armen tragend; und die +Picken nachschleppend. Darauf folgeten, diejenigen so die Waffen und +Kriegsgereitschafft trugen, welche alle Seekapitäne dieses Landes waren. +Hauptmann Liedekerken trug das Wappen. Capitain Bornon, der älteste von +den See-Capitainen ward das Casquet oder Helm angetragen, damit vor der +Leiche herzugehen, weil er aber zu ohnmächtig war solches zu thun, alss +der seine Gliedmassen in deß Landes-diensten verlohren hatte, ward +solches Evert Antonissen von Amsterdam anbefohlen. Darnach folgete die +Leiche, unter einer Decke, die von allen See-Capitainen, die zu Lande +waren, getragen ward« ... (»Durchl. Seehelden«) Die romanischen +Seefahrer brassen auch zum Zeichen der Trauer, besonders am Karfreitag, +ihre Rahen über Kreuz, d. h. so, daß die einen nach vorn die andern nach +hinten weisen. Natürlich kann Halbstocks die Flagge nur gesetzt werden +wenn sie wirklich an einem Stock, Flaggenstock, geführt wird, sonst weht +sie halbmast, und wenn sie an der Besansgaffel fährt heißt das +betreffende Kommando: »Flagge halb!« + +Ein seemännisches Auge wird am Lande oft dadurch verletzt, daß es an +Freudentagen Flaggen sehen muß, die nicht ganz vorgeholt sind. Das sieht +dann wie Halbstocks aus oder erinnert doch wenigstens daran und macht +daher den Eindruck einer Trauerkundgebung. Um dieses zu vermeiden +sollten auch die Flaggenstangen so gestaltet sein, daß über den Knopf, +bis zu dem die Flagge gehißt wird, keinerlei Verzierung hinausragt, auch +keine Kaiserkrone; die gehört da nicht hin. + + +*Hals*, der, + +Mehrzahl die Halsen; so heissen die unteren Ecken der Untersegel und die +vorderen Ecken der Stagsegel, Schratsegel und Bootssegel; so heißen auch +die daran befestigten Taue mit denen die Untersegel nach vorne geholt +werden und (an der Luvseite) steif gesetzt werden, (während die an +gleicher Stelle angebrachten Schooten das Segel nach hinten zu +festhalten). Bei Besansegeln, Stagsegeln etc. etc. wird der Hals +allerdings »geholt«, aber die Vermutung Breusings, der Name des Halses +käme von diesem Holen oder Halen, ist doch nicht nahe liegend genug. +Jedenfalls liegt die gewöhnliche Bedeutung von Hals viel näher und +genügt zur Erklärung vollständig. Der Hals bildet ja nicht bloß das +kürzere oder längere bewegliche Verbindungsglied zwischen Kopf und +Schultern, sondern auch an leblosen Dingen das dünne, lange, grade oder +gebogene, vorgestreckte Ende; man denke an den Hals einer Flasche, einer +Kanne, eines Ankers. Und das Tau am Hals des Segels dürfen wir um so +eher Hals nennen als ein mittelhochdeutsches Halse auch ein Tau +bedeutete, nämlich den Strick, die Leine (oder den Riemen) der +Leithunde, der ihnen, um sie zu führen, um den Hals gelegt wird. Das +ergibt ein ganz ähnliches Bild. Im Angelsächsischen ward der Bug sehr +sinnreich und treffend, namentlich bei der damaligen Bauart des +Vorstevens, heals genannt; dichterisch (Beówulf) fâmig-heals, auch flota +fâmig-heals, das schaumhalsige Schiff; jedenfalls schöner wie +fàmig-bord, Schaumbord. + +Das Auge, (die Öffnung, das Loch im Segel) durch welches bei Gaffel- und +Topsegeln der Hals am Mast befestigt wird, heißt *Halsauge*. Die Öffnung +in der Bordwand -- sei es an Steuerbord, sei es an Backbord -- durch +welche der Großsegelshals in das Schiff führt, heißt *Halsgat*; dieses +liegt, wenn die Rahen beim Winde gebraßt sind, lotrecht unter der Nock +der Großrahe. + + +*Halsen* + +unterscheidet sich von wenden, mit dem es die Bedeutung »umkehren« +gemein hat, dadurch, daß beim Wenden das Schiff durch den Wind gedreht +wird, während man beim Halsen das Schiff so weit es überhaupt abfallen +kann, abfallen läßt und es dann über den andern Bug wieder an den Wind +bringt. Letzteres geschieht, weil dadurch viel gewonnenes Luv verloren +geht, nur wenn entweder eine Wendung versagt (manche Schiffe sind wegen +ihrer Bauart schwer durch den Wind zu bringen) oder in ganz schlechtem +Wetter, bei Sturm und hoher See, wo sich das Wenden von selbst +verbietet. Daraus folgt, daß man beim Aufkreuzen nicht halsen darf, wenn +man etwas gewinnen will, sondern wenden muß. Beim Halsen müssen die +Halsen besonders gut bedient werden und spielen eine so wichtige Rolle, +daß es kein Wunder ist, wenn das ganze Manöver nach ihnen genannt ist. + + +*Halten* die See, + +heißt in See bleiben, auch wenn dieselbe sehr stürmisch wird. Es gehört +dazu ein tüchtiges Schiff und eine brauchbare Besatzung. Kann ein Schiff +die See nicht mehr halten, so muß es einen Hafen zu gewinnen suchen oder +wenigstens irgendwo »unter Land«, d. h. im Schutze einer Küste ruhigeres +Wasser aufsuchen. + + +*Hamen*, der. + +1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem Lateinischen +stammend. + +2. Ein ganz anderes Wort trotz der äußerlichen Gleichheit ist Hamen wie +es in der Seemannssprache und überhaupt im Niederdeutschen gebraucht +wird, nämlich für ein Netz zum Fischfang. Besonders häufig ist an der +Nordseeküste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem +starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf +dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hängt mit dem +althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hülle, Hemd, Sack, Beutel zusammen; +über »Netzbeutel« mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist +jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in +sich befassen, beschließen. Luther: »Da beschlossen sie eine grosse +Menge Fische.« + + +*Hand über Hand* + +an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer mit einer Hand +über die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, daß das Fieren Hand +über Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets noch mit +einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und der +Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Träger einen Sarg ins Grab +senken sah, der mag wohl das Gefühl gehabt haben, die Seile könnten +ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg würde mit einem Ruck +hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefaßt, so kann man ruhig +sein, denn sie lassen den Sarg »Hand über Hand« hinab. + + +*Handpferde*, die, + +sind in gewissen Abständen auf das Jackstag aufgestreifte Stroppen, die +den aus- und einlegenden Bramrahegästen zum Festhalten mit den Händen +dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die Pferde, die den Füßen unter +der Rahe Halt gewähren, sind schon fälschlicherweise zu Pferden +gestempelt worden, da sie doch mit solchen nichts zu thun haben, sondern +dazu da sind, daß man auf sie peddet, tritt, was man bekanntlich mit dem +Fuße besorgt, und nicht mit der Hand. Handpferd ist also ein Wort von +Leuten gebildet, denen die eigentliche Bedeutung von (Fuß-) Pferd +gänzlich unbewusst war. + + +*Handspake*, die, + +heißt ein mit der Hand regierbarer hölzerner Hebel, mit dem ein Spill +gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit getan wird, +wohl auch einmal die, die sonst mit einem tüchtigen Knüppel verrichtet +wird. Es wird z. B. eine Handspake einem gefangenen Haifisch, wenn er +an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den Rachen gestoßen, +damit er nicht um sich beißen kann. + +Das Ende der Spake, das für die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum +Einstecken der Spake in die vierkante Spillspur oder Geschützspur ist +dementsprechend vierkant. Da im Mittelniederländischen die Formen spake +und spaike nebeneinander vorkommen, so ist klar, daß Spake nichts +anderes ist als _Speiche_, und wirklich hört man zuweilen anstatt +Handspake Handspeiche sagen. + + +*Hansa*, die. + +Aubin hat die »villes anséatiques«, welche zusammen »la Honze +Theutonique« bildeten, auf holländisch als »Aanzeesteeden« (Anseestädte) +bezeichnet; auch wenn die Hansastädte wirklich alle an der See gelegen +hätten, würde diese Erklärung doch nur den Wert eines Kuriosums haben. +Aber auch diejenigen dürften irren, welche das Wort von den Ansen +ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es wissen mußte, +bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob sie nicht bloß +Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgötter wären, wie alle +die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: »In der nordischen +Mythologie gilt für den Begriff deus die Benennung ås. Dieser Name muß +auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen sein,« und +zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun würde ja die +Erklärung der Aspiration keine Mühe machen, aus ans kann leicht genug +hans werden, aber so lange sich eine näherliegende Erklärung findet, +darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet sich in +dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein, Gesellschaft, +Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Große gab einer von +ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans. Dann kommt +freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in Flandern +auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebräuchliches für +Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem +Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu +bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hieß, das bei +der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung +aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, daß +es im Jahre 1309 heißen konnte: »mercatorum societas, que vulgariter +hanse dicitur.« Doch kämpft der weitere Begriff »Kaufmannshanse« noch +lange mit dem engeren »Innungshanse«. 1315: »si quis hanzam pistorum -- +Bäckerinnung -- intraverit.« 1345: »de der handwerken hanze winnet in +der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse.« Also selbst in der +Zeit, wo die Hansa schon in Blüte stand, war das Wort immer noch für +eine gewöhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt allerdings, +ein Hans sei ein »antecellens caeteros mortales fortuna et opibus,« und +die Hansen seien »magnates, optimates; Ansi sive Hansi Gothica lingua +dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus antecellunt: heroum +et semideorum conditioni proximi et humanae sortis terminos egressi,« +aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und bündig mit socius, +collega übersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse bedeutet. Allerdings +war die ursprüngliche Bedeutung mehr und mehr in den Hintergrund +getreten, und mehr und mehr beschränkte sich das Wort darauf, der Name +des großen Bundes der weltberühmten Handelsstädte zu sein, die +allerdings einen »Verein, Haufen, eine Schar« bildeten, die sich sehen +lassen konnte. + +In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried von Bremen aus dem Jahre 1181 +kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in einer Urkunde, die Kaiser +Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem Kreuzzuge, von dem er nicht +zurückkehren sollte, ausgestellt hat, 1188, ist es in demselben Sinne +gebraucht: »absque hansa et absque thelonio.« Es war also jedenfalls ein +in der Handelswelt sehr früh schon allgemein bekanntes und +gebräuchliches Wort. + + +*Hängematte*, die, + +ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche Begriffe, hängen +und Matte, die beide in dem ursprünglichen Worte nicht vorhanden sind. +Es stammt aus Westindien und hieß da hamaca. So haben es mit der Sache +die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es übernommen, »a +word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his first voyage +says: »A great many Indians in canoes came to the ship today for the +purpose of bartering their cotton, and »hamacas« or nets in which they +sleep.« Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der Übernahme ins +Niederländische begann die volksetymologische Anlehnung an vorhandene +Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der deutsche +Seemann hinwiederum konnte sich unter hang*mak* nichts Rechtes +vorstellen und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an einen +ihm geläufigen Begriff und machte unser Hänge*matte* daraus. Das konnte +er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stück Segeltuch +geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht abenteuerlich +erscheinen ließ. Übrigens ist diese Schlafgelegenheit, die bei +Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings als +Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis jetzt +erfolgreich auf Widerstand gestoßen; die schlafen nach wie vor in ihrer +Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug, wie +es die Leute auf den Friedens- d. h. Kriegskoggen der Hansa auch noch +taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im +Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der +Raum frei sein mußte, Hängematten, die eben damals von Indien her +eindrangen, eingeführt. Und zwar scheinen es Seeräuber gewesen zu sein, +die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprünglich an zwei Bäumen +hängende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhängen. 1702: les +Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer«; so +wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der +Hängematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des +»Durchläuchtigsten Seehelden« als hochdeutsches noch ungeläufig, denn er +schreibt von Indianern: »Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden +und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter +sie des Nachts Feuer unter machen« ... + + +*Hanger*, der, + +ist ursprünglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um den Top des +Mastes oder die Nock der Rahe gehängt wird und in dessen +herunterhängendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel +des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehängt wird. Es versteht sich +von selbst, daß der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise +vorkommt. Jetzt nimmt man natürlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer: +»Die Hanger des Fock- und Großmastes bestehen aus je einem kurzen +Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplißt sind und in dessen +Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist.« So +wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann +vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig. + + +*Harpune*, die, + +eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von Fischen; von +der *haken*förmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe den Namen +hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort im +Spanischen, Portugiesischen und Provençalischen arpar, französisch +harper, packen, anhaken, reißen, zupfen (»Zupfgeige«) kommt, was aber in +Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ändern würde. Spanisch +heißt die Harpune arpon, portugiesisch arpao, französisch harpon. Über +das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung +Willmanns unter Havarie. + + +*hart*, + +die eigentliche Bedeutung von hart ist. »stark, fest.« Sie kommt in dem +seemännischen Kommando: »hart Backbord, hart Steuerbord, hart das +Ruder!« zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, daß das Ruder so stark +wie möglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie +der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt, +gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von »hart« noch an die Zeit +der Pinne; diese wurden ja früher auch auf großen Schiffen allein zum +Steuern gebraucht, und wenn es hieß »hart!« so wurde sie hart an die +betreffende Bordwand heran gelegt. + + +*Havarie*, die, + += Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen und scherzhaft +gebraucht, so daß z. B. ein Seemann zu einem kleinen Mädchen dessen +Puppe entzwei ging, sagen kann: »Du hast wohl mit deiner Puppe Havarie +gehabt«). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich schwierig weil +zwei Wörter in einander spielen, die schwer auseinander zu halten sind, +average im Sinne von Havarie und average im Sinne von Abschätzung, +Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns ist die +Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im Nebel +herumgefahren worden ist. So ist z. B. (siehe »Bremer Wörterbuch«) +behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän +überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der +Begriff Trinkgeld herauskäme. (»Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen +gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom +besten 2 Schinken«). + +Aber auch die Ableitung von Hafen, so daß Havarie ursprünglich Hafengeld +wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den romanischen Sprachen das Wort +diese Bedeutung, dazu auch noch die von Ausgangszoll, aber da das +Niederdeutsche sie nicht kennt, so ist schon aus diesem Grunde diese +Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt worden. Das Richtige wird +sein, daß es von dem arabischen awar kommt, »gebrochen«, auf Waren +bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das Wort mit dem Handel nach +italienischen Seestädten und wurde da romanisiert; italienisch und +portugiesisch avaria, spanisch averia und haberia, französisch avarie, +niederländisch avary, havary, alles = Schaden an Schiff und (oder) +Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht sich Wilmanns, Deutsche +Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen des h gesprochen hat, +sagt er: »Hinzugefügt ist h in heischen, althochdeutsch eiscôn (wohl +unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in heikel, ferner in einigen +mundartlichen Wörtern und in den fremden Hartschier (it. arsiero), +Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen wie Hoboë (frz. hautbois), +Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin (früher frz. harlegin, +jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut erhoben.« Wobei zu +bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im Gedanken an Hafen +sich festgesetzt hat. + +Havarie grosse oft auch bloß Grosse genannt, ist eigentlich nur +»beträchtliche« Havarie, hat sich aber zu einem bestimmten +seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es aber heißt mettre de +l'argent à la grosse, so hat das mit Havarie grosse nichts zu tun, +sondern es ist dabei zu ergänzen (à la grosse) avanture, d. h. Geld auf +Bodmerei geben. + +Schon Kilian hat das Wort in beiden Gestalten des Niederländischen: +haverye und averye = jactura sive damnum in mari. + + +*Heck*, das, + +ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und bedeutet einen +eingehegten Raum, d. h. einen solchen, der an drei Seiten mit einem Heck +(= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild wird deutlicher +wenn man bedenkt, daß, ähnlich wie bei Schiffen mit einer Kampanje, +früher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven Bordwand sondern +nur mit Stützen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa wie Zaunpfähle, +nur weiter aus einander, standen und unter einander mit Tauen oder +Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen = schützen, da +das Heck vor dem Überbordfallen oder vielmehr vor dem Inswasserfallen +schützen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner, abgemachter Teil +vor den Fenstern. Das »Bremer Wörterbuch« kennt hek als Zaun von +Brettern, auch Tür eines Zaunes, »Heckgatter«, Schlagbaum. In Holland +ist es »een getralied -- also ein gegittertes -- afschutsel.« +Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand, Gitterpforte. + +*Heckbalken* heißt der Hauptquerbalken, der die beiden Hauptteile des +Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den oberen oder +das Heck. *Heckbord* ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu dem sich +oder zu der sich die ursprünglichen einfachen Stützen allmählich +ausgewachsen haben. Schon früh gab es Schiffe mit besonders hohem oder +sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Gräfin Margaretha von +Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: »Navis que dicitur Hegboth, que habet +retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et feodatis quatuor +denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit debet Comiti duos +denarios et feodatis duos denarios.« + + +*Heckanker*, s. Anker. + + +*Heckdavit*, s. Davit. + + +*Heissen*, s. hissen. + + +*Helgen*, s. Helling. + + +*Heling*, die, + +ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander gebunden werden. +Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten aussehende ist die +Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten, niederdeutsch holden, neigt, +wie im Hochdeutschen so in verschiedenen anderen germanischen Sprachen +stark nach e hin; »du hälst«; altsächsisch haldan, held; angelsächsisch +healdan, heold, englisch hold, held, altnordisch halda, helt. Es steht +daher zu vermuten, daß Heling eigentlich Helding hieß, einen Knoten der +hält, der zwei Taue zusammenhält, bezeichnend. + + +*Hellegat*, das, + +ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei Material und +Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat, Zimmermannshellegat, +Feuerwerkshellegat u. s. w. sind die Hellegats, wie die Mehrzahl des +Wortes lautet, die unter der Verwaltung des betreffenden Deckoffiziers +stehen. + +Gat heißt Loch in allen hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier, +im Sinne von: dunkler, kleiner Ort. Helle bedeutet etwas Ähnliches, +nämlich einen (dunklen) Ort in dem man etwas verbergen, bergen, +aufbewahren kann. Der richtige Sinn steckt in dem verwandten +neuhochdeutschen *hehlen*. Dieser findet sich zwar auch in »Hölle«, aber +ohne daß man sagen dürfte, daß Hölle auf die Bedeutung und Benennung +unseres Helle eingewirkt hätte, die beiden stehen vielmehr selbständig +neben einander, denn hel oder helle bedeutet im Niederdeutschen und +besonders im Ostfriesischen sowohl Hölle, (altnordisch hel, die +Todesgöttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt) als Ort wo man etwas +birgt, als auch 1. Loch, Höhlung, Vertiefung, Spalt, Graben, +Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen und dunklen +Raum in der Mühle, der als Bergeraum für die Geräte dient, 3. den +dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim +Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen werden, 4. das Aschenloch +unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das -gat könnte +also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des Wortes bliebe +derselbe. + +Englisch hall; also ist Halle, was man kaum denken sollte, mit Hellegat +nahe verwandt: Bergungsort. + + +*Helling*, die; + +eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der ein neues Schiff +gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist, beim Stapellauf +die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann. Oft wird +Helling auch für Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich allerlei +Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von hellen, +einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hängen, Hang und +Neigung haben, neigen, überhängen, eine schräge, abschüssige, schiefe +Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden, hellen, +altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde = +Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im +Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehört der Name des Hafens »de +Helder«, Stadt auf der äußersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner +nicht in Helder, sondern »op den Helder« wohnen, so daß die Herkunft des +Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung »Land das der See +zugeneigt ist« sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen +Bedeutung in Bezug auf die Lage außendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die +Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur daß bei helder daran +gedacht ist, daß das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr +nach der See zu abfällt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas +aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold +von Larrelt bei Emden einen Güterkauf: »Sunt autem predia infrascripta +duo graminata in Cornmede, tria graminata in liteka Helum« etc. etc., +zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor. Upheldinge hieß +mittelniederdeutsch das Letzte im Faß, die Neige, weil man, wenns aufs +Letzte geht, das Faß auf die heldinge = Helling, Neigung, legt. Bremer +Wörterbuch: »de Tunne ligt up der Helnge«; »van der Helnge drinken«, von +dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck, Gothisches Wörterbuch, +vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch im Sinne von +Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels, und setzt +beide zu der indogermanischen Wurzel +kel heben, emporragen, so daß die +Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den Namen +bekommen hätte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der schief +ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip doen +hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs +gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf, +navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare. + + +*Helm*, der. + +1. Als Kopfbedeckung mit Hülle und Hellegat verwandt, als Schutz, +Verbergung des Hauptes. + +2. Für Ruder gebraucht und in diesem Sinne gewöhnlich für ein englisches +Wort gehalten. Es ist aber von jeher in Deutschland im Gebrauch gewesen +und wird noch gebraucht. Die eigentliche Bedeutung ist Ruderpinne. +Ostfriesisch helm, Ruder, Steuerruder, Steuer, Ruder*pinne*. +Wangerländisch hellem-holt Ruderholz, Ruderstange, Holz oder Stange zum +Steuern. Althochdeutsch halm, heim, manubrium, in jochhalm, +mittelhochdeutsch giechholme, Riemen oder Seil am Joch zum Leiten, +Lenken, Steuern der Rinder. Im Mittelniederdeutschen heißt helm +Handgriff; daher ist Hellebarde gekommen, eigentlich helm-barde = +heftesachs, Schwert mit langem Handgriff, und helm-exe. Zu beachten ist, +daß auch im Englischen helm zunächst nur die Bedeutung Griff hat, +handle, und daß man bei der Erklärung des Wortes von einem Rade, das an +Stelle des Handgriffes, der Pinne, getreten ist, völlig absehen muß. + +Die Verwandtschaft des gleichlautenden englischen und +mittelniederdeutschen helve muß hier dahingestellt bleiben; möglich wäre +es schon daß beiden dieselbe Wurzel zu Grunde läge mit der Bedeutung +fassen, halten. + + +*Hennegat*, das, + +die Öffnung in der Gilling des Hecks in welcher der Kopf des Ruders in +das Innere des Schiffes führt. Damit das Seewasser nicht zugleich mit +hineindringe, ist das Loch um den Kopf herum mit geteertem Segeltuch +umkleidet. So kommt das Wort also nicht etwa von Henne = Hinten, wie +angenommen worden ist, was es aber garnicht giebt; auch nicht von +Hengegat, weil der Kopf des Ruders darin hinge, denn nicht der Kopf +sondern das Ruder selbst hängt in den Fingerlingen, ich nehme vielmehr +an, nach niederdeutschem Sprachgebrauch, besonders dem ostfriesischen, +daß das Wort eigentlich Heinegat heißen muß, denn heinen heißt +einfriedigen, umzäunen, umschließen, umgürten, umfriedigen; hein ist ein +umschlossenes Gebiet und ist mit hegenschützen verwandt, so daß also ein +Hennegat ein Gat ist, das durch einen Kranz von geteertem Segeltuch vor +dem Einströmen des Wassers geschützt ist. Diese Erklärung paßt auch +besonders gut für die Zusammensetzung *Henneschott*, die zwar etwas +pleonastisch ist, da Schott schon allein etwas Schützendes bedeutet, +aber dergleichen liebt die Sprache des Volkes, läßt sich wenigstens +dadurch nicht stören, zumal gewöhnlich die Bedeutung des einen der +beiden in der Zusammensetzung steckenden Wörter dem Bewußtsein +entschwunden ist. + + +*Henneschott*, das, s. Hennegat. + + +*Hering*, der. + +Weil das a in dem scherzhaft gebrauchten »Harung« sich in vielen +germanischen und namentlich auch romanischen Sprachen immer wieder +ernstlich vordrängt, so hat man auf Abstammung vom lateinischen halec, +halex, Salzfisch, Salzlake geschlossen. Doornkaat, Ostfriesisches +Wörterbuch II. 41 führt jedoch überzeugend aus: »Da dieser Fisch den +Küstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel früher bekannt war, als sie +mit den Römern in Berührung kamen und er gerade zu den am Häufigsten und +in großen Mengen an unseren Küsten vorkommenden Fischen gehört, bezw. +besonders im Frühjahr stets massenhaft in den aggen genannten Reusen auf +den Watten gefangen wird und demnach auch wohl von Urzeiten her und +lange vor Entstehung der Seeschiffahrt schon ein Hauptnahrungsmittel +unserer Küstenbewohner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, daß +häring ein ur-niederdeutsch-friesisches Wort ist ... und von har, haer, +her = Heer, Menge, Schaar abgeleitet wurde.« + + +*Heringsbüse* s. Büse. + + +*Heuer*, die, + +das Geld, der Lohn den ein Seemann für seine Dienste als Matrose +empfängt, auch der Dienst selbst, z. B. Heuer auf einem Dampfer nehmen, +sich auf eine Brigg verheuern. Das Wort ist eine Verhochdeutschung des +niederdeutschen hür, das Miete in allen hochdeutschen Bedeutungen ist; +hüren, mieten, ein Mädchen, eine Wohnung, ein Haus, (in Holland kann man +sogar einen Ofen huuren). Im 17. Jahrhundert ist das Wort ins +Hochdeutsche aufgenommen. Im Teuthonista heißt es huyren. Englisch hire, +wie es sich denn in allen germanischen Sprachen und Mundarten findet, +oft mit einem i anstatt des ü, so daß eine Verwandtschaft mit Heirat, +früher Heurath, althochdeutsch hirat nicht unwahrscheinlich ist, (zu +eines altdeutschen Mannes Hausgesinde gehörten alle Hausgenossen, die +Diener, die Kinder, die Frau) und daß also die auch in Ostfriesland +bekannte scherzhafte Redensart der Groninger: »de lange huur ingoan«, +»die lange Miete eingehen«, für sich verheiraten, einen tieferen Sinn +hätte, als die meisten Groninger sich träumen lassen. + + +*Heuerbaas* s. Baas. + + +*Hielen*, *Hiel*, *Hieling*, die. + +Hiel oder Hieling heißt der Fuß des Mastes, der in einer Spur steht, und +der Fuß der Stenge, in dem sich die Scheibe des Stengewindreeps und das +Schloßgat befinden. So heißt auch das hinterste Ende des Kiels. Es +steckt also beides in dem Worte: *unten* und *hinten*. Was sich nun +unten und hinten am menschlichen Leibe befindet, das ist die *Ferse*. +Und in der That heißt niederdeutsch und auch in hochdeutschen Mundarten +die Ferse Hiel. Ostfriesisch hil, hile; wangerländisch hil, +angelsächsisch hel, englisch heel, niederländisch hiel. Auch der Fuß der +Spanten heißt Hiel. + +Das Zeitwort hielen heißt ostfriesisch hilen und bedeutet up de hilen +lopen, auf den Hacken oder Absetzen gehen; seemännisch aber bedeutet es +»*nach hinten über hängen*«, so daß besonders hielen von einem Schiffe +gesagt wird, das hinten tiefer liegt als vorne, bei dem also der Hiel +des Kieles die hinterste und unterste Stelle ist, und man sagen kann, +das Schiff läuft gleichsam auf den Hacken. + + +*Hieven* + +ist eigentlich kein deutsches Seemannswort, wurde auch früher von +deutschen Seeleuten nicht gebraucht, es scheint vielmehr als ob es erst +in den Anfangszeiten der preußischen Kriegsmarine von England herüber +gekommen sei, vielleicht durch in England und Amerika ausgebildete +Seekadetten. Im Englischen spielt to heave eine große Rolle, (verwandt +mit heben) besonders im Seemännischen: »to apply power to, as by means +of a windlass, in order to pull or force in any direction; as, to heave +a ship ahead, that is, to bring her forward when not under sail by means +of cables or other appliance; to heave a ship astern, to cause her to +recede; to heave up an anchor, to raise the anchor from the bottom of +the sea.« Hieven wird man am besten mit »durch Anwendung von Kraft heben +und bewegen« wiedergeben. + + +*hissen*, hochziehen. + +Das »Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen +Marine,« welches 1879 von der Kaiserlichen Admiralität herausgegeben +worden ist, sagt dafür, »heißen« und fügt in Klammern bei »früher auch +hissen.« Aber das Wort muß auch jetzt noch hissen und nicht heißen +heißen. Früher, im Mündungsdelta des Rheins rief der Bootsmann (s. +Hochbootsmann) den Matrosen sein Ho! zu, aber weiter östlich an den +Nordseeküsten von West- bis Nordfriesland lautete der Zuruf an die +Matrosen, zugleich an einem Tau zu ziehen, anders. Das sind gerade die +Gegenden, wo die Leute sich, weil sie so ungern den Mund auftun, die +offenen Endsilben, die früher ihre Sprache so klangvoll machten, +gründlich abgewöhnt haben. Selbst wenn sie wirklich einmal etwas sagen +wollen, muß sich das Wort mühsam den Weg durch das Gehege der +geschlossenen Lippen und Zähne suchen. So ist also hier nicht das offene +freie Ho! zu erwarten, man ließ den Mund zu und benutzte mehr bequem als +höflich dasselbe Geräusch, das man mit der Zunge macht, wenn man Hunde, +Schweine oder Gänse hetzt, man erzeugte die langgezogene Sibilans wie +sie die Gänse selbst auch erzeugen, und daraus entwickelte sich +lautmalend der Naturlaut hissss! Daraus entstand das Zeitwort hissen. + +In dem berühmten Teuthonista finden wir es als hysen, reizen, eine +Schlange oder Gans; beim Kilianus als »hißen, hißchen, hitschen, hußen, +sibilare, hetzen, instigare, agitare, Hunde auf den Wolf hetzen. Das +Bremer Wörterbuch hat hisen und hiesen, warnt aber davor, diesen +Schiffsausdruck mit hißen, hetzen, »den Hund up dat Swin hißen« +zusammenzubringen. Eine Warnung die uns nicht abhalten kann, es dennoch +zu tun. Denn wenn sowohl die Grundbedeutung als auch die Form beider +Wörter dieselbe ist, wie kommen die Bremer Gelehrten dazu, zweierlei +Wörter anzunehmen? Die höfliche Rücksicht, die den Menschen nicht mit +einem Tier vergleicht, übt die Sprache nicht; der Hund wird angetrieben, +den Wolf zu fassen, der Matrose wird angetrieben das Tau zu fassen und +daran zu holen, für beides sagt sie hissen. + +Wenn nun infolge des Zurufes: »hiß, hiß!« an dem Tau geholt wird, das +über eine an erhöhtem Punkte angebrachte Rolle läuft, so hat das zur +Folge, daß der Gegenstand der an dem anderen Ende dieses Taues befestigt +ist, in die Höhe geht. Dieses Indiehöhegehen hat im Laufe der Zeit mit +hissen den Gedanken an hochziehen aufs Innigste verbunden, so innig, daß +wir hissen einfach für hochziehen gebrauchen. Wir brauchen auch gar +nicht mehr aufhissen zu sagen, in hissen allein liegt uns das »auf« +schon mit. Darum wird auch nicht, oder wenigstens nicht immer, +kommandiert »Hiß auf die Flagge!« sondern einfach »Hiß die Flagge!« oder +vielmehr -- hochdeutsch sein sollend -- »Heiß die Flagge!« Sollte es mit +aller Gewalt hochdeutsch sein, dann müßte hetzen gesagt werden. Aber: +»Hetz die Flagge!« geht nicht; »heiß die Flagge« geht zwar auch nicht, +aber es geht doch, weil das seemännische Ohr, namentlich das jüngere, +sich schon daran gewöhnt hat. + +Im Französischen hatte 1702 das aus dem Niederdeutschen übernommene +hißer schon genau dieselbe Bedeutung wie heute: »Hißer, ißer ... c'est +hausser quelque chose ou l'élever. On dit Hisse la grande vergue, Hisse +la vergue de miséne. Il nous le fit connoitre en hissant et amenant sept +fois le pavillon. Il amena le pavillon qu'il voulut rehisser sur le +champ. On dit, Hisse de la caliorne (Gien); Hisse du palan (Takel); +Hisse d'avant; Hisse d'arriére; Hisse du palan d'étai (Stagtakel), Hisse +du bredindin (kleineres Takel für leichtere Lasten); Hisse partous. +C'est ainsi qu'on nomme la manoeuvre, pour faire hisser un fardeau à +bord.« Die Franzosen gestehen aber die Herkunft aus dem Deutschen nicht +gerne ein, wie ihnen überhaupt das häufige Vorkommen deutscher Wörter in +ihrer Seemannssprache kein angenehmer Gedanke sein mag. In seinem 1848 +erschienenen Glossaire nautique bemüht sich Jal, allerdings wohl nach +des berühmten Ducange Vorgang, hissen von dem griechischen hypsos, die +Höhe, abzuleiten. Sonst ist sein Buch aber ganz verdienstvoll und +lehrreich; die Widmung lautet: »Aux Marins qui ne dédaignent pas la +Science historique, Aux Erudits qui s'occupent de Marine«. + +Im Holländischen ist aus dem Hetzruf hiss! huss! hoss! auch noch das +Zeitwort hossen entstanden, das auf holländischen Kirmessen laut genug +ertönt. Die sonst etwas bequemen und langsamen Holländer geraten bei +dieser festlichen Gelegenheit mächtig in Bewegung, selbst in Städten wie +Amsterdam, Rotterdam, 'sGravenhaage, Utrecht. Da muß der Fremde auf der +Hut sein, sonst wird er auf offener Strasse in einen Strudel von +Männlein und Fräulein gezogen, die ihn bekannt oder unbekannt, gern oder +ungern, wohl oder übel an den Händen fassen und mit ihm in langen Reihen +dahin chassieren, singend, johlend und »hoß! hoß!« rufend; das nennt man +hossen. + +Im Englischen hat das Wort die Gestalt hoist angenommen. Es ist aber +gleicher Herkunft, nämlich von dem auch im Englischen vorkommenden to +hiss, welches dreierlei Bedeutung hat. 1. »To make a sound like that of +the letter s by driving the breath between the tongue and the upper +teeth, especially in contempt or disapprobation. (The merchants among +the people shall hiss at thee. Ezechiel 28, 36). 2. To emit a similar +sound: said of serpents, geese, and other animals, of water thrown on +hot metal (gischen), of steam rushing through a small orifice. 3. To +whizz, as an arrow or an other thing in rapid flight. (Shod with steel +we hissed along the polished ice);« daß aber to hoist von diesem to hiss +kommt, dafür spricht nicht nur die Übereinstimmung der Bedeutung, +sondern auch die Form im Altenglischen to hoise, schottisch heeze. »The +t seems to have been added as in against, amongst.« Als Bedeutung aber +wird angegeben: »To raise, to lift, to heave; specially, to raise by +means of block and tackle; as to hoist a sail, to hoist a heavy package +to an upper room.« + + +*Hochwasser* s. Flut. + + +*Hock*, das. + +Die Engländer nennen jeden Rheinwein »hock«, das zunächst nur eine +Abkürzung von »Hochheimer« ist (wie Gib von Gibraltar und Frisco für San +Francisco), darum hat dieses Hock mit dem vorliegenden keine +Gemeinschaft, welches einen Verschlag von Brettern bezeichnet, der zur +Unterbringung von Tieren dient, Hühnerhock, Schafhock etc. etc. Die zum +Schlachten mitgenommenen Tiere mußten sich mit den dunkelsten, +schlechtesten Ecken begnügen, da wurde für sie ein Bretterverschlag +abgeteilt. Der Raum hieß hok = Spitze, Ecke, Winkel, auch Richtung etc. +etc. Als hernach den Schlachttieren ein anderer Platz angewiesen ward, +blieb die hok natürlich wo sie war, aber der Bretterverschlag wanderte, +beweglich gestaltet als Käfig, mit an den neuen Standort. Da man aber +gewohnt war: »Die Schafe stehen in der hok«, so blieb man dabei und +sagte weiter: die Schafe stehen in der hok, auch als sie frei an Deck im +Käfig standen, der dann leicht für die eigentliche hok gehalten wurde. +So kam der Verschlag zum Namen Hock, und da es nun einmal +verhochdeutscht war mit kurzem o und ck (wohl in Gedanken an die Tiere +die darinnen *hocken*) so kam es auf etwas Änderung mehr oder weniger +nicht an, man machte das Femininum zum Neutrum. Von Hocken = gebückt +sitzen, soll Höcker = Krämer kommen. Bedenkt man aber, daß hok = winkel +ist und daß in Holland der Laden winkel und der Ladeninhaber winkelier +heißt, weil in irgend einem Winkel er seinen Kram ursprünglich feil bot, +so wird wahrscheinlicher daß Höcker, Höker von hoek = winkel kommt, wie +ja auch der Laden von einem der großen Welthäuser ursprünglich nur ein +(Fenster-)Laden war. + + +*Hochbootsmann*, der. + +Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr gebraucht wird, aber +doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des Seemannes entschwunden +ist. Wenn im alten Griechenland die vielen Ruderer eines Schiffes +zugleich anrudern und überhaupt Takt halten sollten, worauf nicht nur +wegen des ordentlichen Aussehens allein, sondern vor allen Dingen auch +der grösseren Kraftentfaltung zu Liebe gehalten werden musste, so konnte +das nur durch ein Kommando, das für alle hörbar war, geregelt werden. +Dieses Kommando gab der Keleustes, der Rudermeister, Bootsmann, +Taktangeber oder wie man das Wort übersetzen will. Wie er das Zeichen +gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der von keleuo kommt, rufen, +zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon keleuma der Zuruf, der +Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert ward. Keleustes heißt +also ursprünglich Zurufer. Was aber der griechische Bootsmann seinen +Ruderern zurief, welche Töne er von sich gab, welche Laute er hören +ließ, das wissen wir nicht. Bekannt ist aber, daß auf Trieren, also auf +Kriegsschiffen, der Bootsmann durch einen Maaten mit der Pfeife +unterstützt wurde. Der hieß trieraules, der Schiffsflötenspieler, +Schiffspfeifer. + +Nun übte im Mittelalter das Amt des Keleustes nachweislich der Bootsmann +aus, und zwar mit Hilfe des Zurufes: »Hou, hou!« Er wurde dadurch, wie +Kilianus sich ausdrückt, zum hortator, der die Leute ermahnte, durch +Zuruf antrieb, *zugleich* ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen +seemännischen Arbeit einzusetzen. Das kann allerdings auch und muß unter +gewissen Umständen ohne lautes Rufen geschehen. Beim Wettrudern z. B. +gibt der Bootssteurer nur durch das energische rythmische Vorbeugen des +Oberkörpers den Takt an. Man hört dabei keinen Laut und darf keinen +hören, außer dem eines allerdings mit großer Kraftanstrengung den +Ruderern an die Köpfe gehauchten h! Das h nimmt unter den Buchstaben +eine eigene Stellung ein. Es ist kein Konsonant, weil der Mundkanal bei +seiner Bildung nicht verengert wird; es ist auch kein Vokal, weil ihm +der Stimmton fehlt. Da wissen es die Gelehrten nirgends so recht +unterzubringen. Wenn sie einmal einen eifrigen Bootsmannsmaaten beim +Wettrudern sein h! herausschmettern hörten, dann wüßten sie, was ein h +ist, nämlich noch immer das was es ursprünglich war, ein gutturaler +Reibelaut, wobei je nach Geburt, Herkunft und Muttersprache, der eine +mehr einen Velarlaut, der andere mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist +aber eine gemeinsame Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten +herbeizuführen, wo es nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann +bedient sich der Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: »Zugleich!« indem +er das »zu« so herausstößt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit +spannende Pause von dem »gleich« getrennt ist, damit die Leute, sobald +sie nun dieses »gleich« hören, alle mit einem Ruck ihren Biceps in +Thätigkeit setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begnügte sich +weder mit dem gutturalen Reibegeräusch beim Wettrudern noch gebrauchte +der das »zugleich« der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer »hou« +oder »ho!« darum hieß er Ho-Bootsmann. Und als hernach die +Rollenverteilung so vorgenommen wurde, daß dem Schiemann die Aufsicht +über die Takelage des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige über +den Kreuz- oder Besanmast, dem Bootsmann aber die über den Großmast +übertragen wurde, der auch »der hohe Mast« (wohl nach dem Dänischen) +hieß, so konnte aus Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden. + + +*Högedag*, der, + +auch Hagjedag, hieß früher der Tag an dem die Mannschaft Fleisch zu +essen bekam und keinen Stockfisch, keine Erbsen und dergl. Was das in +einer Zeit, wo es noch keine Konserven gab, bedeutete, ist leicht zu +ermessen, und daher ists zu verstehen, daß ein solcher Tag ein +Freudentag genannt wurde. Sich högen heißt ja sich freuen, vergl. +högetid, Freudenzeit, Erntezeit, högedag, Gedenk-, Erinnerungstag, jeder +Fest- und Freudentag; jetzt hochdeutsch nur noch in der Form Hochzeit +gebräuchlich, welches also nicht »hohe Zeit«, sondern Freudenzeit +bedeutet, (ebenso wenig hat auch goldene Hochzeit mit Gold etwas zu +schaffen, sondern bedeutet eine unfruchtbare Hochzeit, die keine Kinder +im Gefolge hat). + + +*Hohle See*, s. hohe See 1. + + +*Holen*, + +ziehen, zerren, reißen, raffen, schleppen, bringen, tragen, im +Besonderen: *an einem Tau ziehen*. Ein weitverbreitetes deutsches Wort, +niederdeutsch holen und halen, althochdeutsch halon, altenglisch halien, +angelsächsisch geholian, altnordisch hala, spanisch halar, französisch +haler (wie alle mit h beginnenden Seemannswörter des Französischen, aus +dem Deutschen). Insofern holen nun wirklich ziehen bedeutet, ist das +Kommando: »Hol steif, hol an« ohne weiteres klar, denn es bedeutet: +»Zieh an!« Aber wenn hernach aus demselben Munde der Befehl kommt: »Fest +holen!« und damit gemeint ist, daß nun nicht weiter gezogen werden soll, +so bedeutet das eine holen das gerade Gegenteil von dem andern holen. +Die Erklärung liegt im Niederdeutschen; holen und holen sind da zwei +ganz verschiedene Wörter. Sie sind nur zufällig in der Form holen +zusammengetroffen. Das eine heißt eigentlich halen, das andere holden. + +Da die Niederdeutschen, besonders die für das Seemännische so wichtigen +Friesen, das a so dunkel wie o aussprechen, so klingt halen in ihrem +Munde wie holen. Und da sie sichs mit dem Sprechen gar zu gern bequem +machen, wobei es ihnen auf eine Hand voll Buchstaben nicht ankommt, so +ließen sie in holden das d verschwinden und es ward ebenfalls zu holen. +Das konnte um so eher geschehen als eine Verwechslung des einen holen +mit dem andern für ein niederdeutsches Ohr ausgeschlossen war, teils +weil sie verschieden ausgesprochen und betont wurden, teils wegen sehr +wesentlicher Verschiedenheiten in der Konjugation. Alle diese +Unterscheidungsmerkmale fielen aber bei der Aufnahme ins Neuhochdeutsche +fort und dadurch ist erst die Verwechslung der beiden Zeitwörter mit +einander möglich geworden. Um solche in Zukunft zu vermeiden, wird es +kaum ein anderes Mittel geben als einfach die beiden zusammengefügten +Zeitwörter wieder zu scheiden und sie schiedlich und friedlich neben +einander zu gebrauchen als holen und halten. Dann kann kommandiert +werden: »Holen!« und, wenn die Leute strammer, fester zufassen sollen: +»Fest holen!«, wenn sie aber aufhören sollen mit holen: »Fest halten!« +(nämlich so lange bis das Tau belegt oder doch wenigstens abgestoppt +ist). + +Die angeführten Wörter fremder Sprachen haben den Vokal a; Beweis daß +sie nicht von holden sondern von dem weit seemännischeren halen stammen. +Über ein von haler gebildetes haleur s. unter treideln. + + +*Hoch*, + +Adverbium, in der Verbindung »hoch beim Winde segeln«; es heißt dies: so +nahe oder so dicht beim Winde segeln als solches ohne Durchdrehen +überhaupt möglich ist, also daß die Segel zwar noch fest voll Wind +stehen, eine bestimmte von dem Manne am Ruder ins Auge gefaßte Schot +aber ein wenig Leben und Bewegung zeigt, d. h. killt. Hoch kommt +übrigens allermeist nur in der Verneinung vor, wenn der wachthabende +Offizier den beim Winde steuernden Leuten die Warnung (vor dem Fangen +einer Eule) zuruft: »Nicht zu hoch!« + + +*Hoft*, *Hofd*, das, + +kommt für sich allein selten vor, wie es scheint nur hie und da im Sinne +von Schleusenhaupt oder Molenhaupt. Über die Verbindung Dodshofd siehe +dieses. Hier ist Hofttau zu erklären. Es heißt Haupttau als etwas +Hauptsächliches, Wichtiges, Dickes, Starkes; Hofttaue sind die dicken, +starken Taue, die (mit den Weveleinen) die Wanten bilden, die dem Mast +nach beiden Seiten hin festen Halt verleihen. Sie haben also den Zweck +von Stagen, nur daß sie nicht in der Längsrichtung des Schiffes sondern +in der Querrichtung stützen. Sie gehören zum stehenden Gut. Im +Französischen heißen sie haubans, aubans, haut-bans (1702). + + +*Hochdruckmaschine* s. Maschine. + + +*Höhe*, die. + +1. Die *(Sonnen-)Höhe* nehmen oder messen heisst die Mittagshöhe der +Sonne mit dem Oktanten beobachten, messen, peilen. Es geschah früher mit +dem Quadranten, vorher mit dem Jakobsstab. + +2. *Seehöhe.* In diesem Sinne bei Luther, Luc. V. 4: »Fahre auf die Höhe +und werfet eure Netze aus.« Hierüber äussert sich Breusing in der +Einleitung zum »Seebuch«: »Die Gesetze der Perspektive fordern, daß bei +Abbildung einer von oben gesehenen ebenen Fläche die entfernteren +Punkte höher liegen als die näheren. So scheint auch dem Auge der am +Strande Stehenden die See wie ein Hügel aufzusteigen, und ein Schiff, +welches sich vom Strande entfernt, hat diesen Hügel hinaufzufahren. Von +dieser Anschauung geleitet nennt der Seemann das äusserste dem Auge +sichtbare Wasser die »Seehöhe«, und das in dieser Entfernung oder Höhe +befindliche Schiff ist boven, während das dem Strande nahe als unten +erscheint. Dem niederdeutschen boven entspricht das oberdeutsche »ob«, +z. B. in Obwalden, d. h. Land oberhalb des Waldes, und in Land ob der +Ens, d. h. oberhalb der Ens, und das englische off. In der hochdeutschen +Schriftsprache ist uns das Wort (nämlich boven) leider abhanden +gekommen, welches vollständig durch: »auf Seehöhe in der Nähe von« oder +kurz durch »auf der Höhe von« wiederzugeben wäre«. So treffend hiervon +manches ist, so ist doch der Unterschied von »Seehöhe« und »auf der Höhe +von« nicht festgehalten. Und das muss er werden, denn wenn einer sagt: +»ich bin jetzt auf der Höhe von Kap Skagen«, so meint er nicht die +(vermeintliche) perspektive Höhe, sondern etwas ganz Reelles und +Wirkliches, nämlich dass er nun »frei« von Kap Skagen ist und seinen +Kurs ändern kann, was besonders angenehm ist, wenn man sich mühsam auf +solche Höhe aufgekreuzt hat und nun abhalten darf. Das ist eine andere +Höhe als wenn Christus zu Petrus sagt: »Fahre auf die Höhe!« nämlich + +3. »*Höhe von*« das heisst + +(a) die Höhe eines Vorgebirges haben, nämlich -- vgl. das eben unter 2 +Gesagte -- sich soweit luvwärts von dem Vorgebirge befinden, dass man +dasselbe umsegeln kann. + +(b) die Höhe einer Insel oder einer Stadt haben heisst mit ihr auf +demselben Breite- bezw. Längegrade sein. »Wir befanden uns auf der Höhe +von »Bermuda«; wir waren gerade auf der Höhe von Habana.« + +Von hohem dichterischem Schwunge ist das Bild unter dem im Beówulf das +Meer headu genannt wird. Head heisst hoch. Ob nun das Meer schlechthin +hoch und erhaben genannt sein soll, oder ob dabei an die Höhe wie bei +Petri Fischzug gedacht ist, bleibt natürlich dichterischem Verständnis +überlassen. Ich möchte mich für das Letztere entscheiden, und zwar wegen +der Zusammensetzung headu-lidend, welches Seegänger heisst, also einen +Mann bedeutet, der auf die Höhe, auf die hohe See, auf grosser Fahrt +fährt, im Gegensatze zu einem Binnenschiffer. + + +*Hohe See*, die. + +1. Es ist hohe See, es steht hohe See, heisst: die Wellen gehen hoch, +das Meer ist sehr bewegt, nicht von kleinen, unruhigen Wellen, die ein +frisch aufgekommener Wind erzeugt, sondern von den großen lang +dahinrollenden, durch anhaltendes Wehen erzeugten Ozeanwogen. Diese +nennt man auch »*Hohle See*« namentlich wenn ihr Erzeuger sich bereits +gelegt hat; hohl im Sinne einer Höhle, mit der man bei einiger +Einbildungskraft und gutem Willen wohl das zwischen zwei hohen +Wellenbergen gelegene Wellenthal vergleichen kann. + +2. »Auf hoher See sein« wird im Gegensatz zur Küste gesagt, vgl. Höhe 2. +Wann die hohe See anfängt, ist nach Seemeilen nicht mathematisch genau +zu sagen. Es beruht auf dem Gefühl. Mancher wird erst von Hoher See +sprechen, wenn ihm alles Land aus Sicht gekommen ist, was aber der für +die Sicherheit verantwortliche Seemann ist, der betrachtet sein Schiff +schon als auf Hoher See befindlich, wenn er es so weit vom Lande ab hat, +dass das Land ihm nicht mehr gefährlich werden kann, dass er also +ungehindert von irgend einer Küste seinen Kurs absetzen kann. + + +*Holm*, der, + +hieß im Mittelniederdeutschen Insel, auch in einem Flusse gelegene +Insel, hauptsächlich im Ostseegebiet, doch nicht auf dasselbe +beschränkt, denn »a. 1203 quemen de graven tor Hoya ut Fresslande (sic) +und begunden eine festen to buwen up einen holm, so in der Wesser +beflaten was.« Heute gebrauchen wir das Wort nur noch als +Ortsbezeichnung: Bornholm, der Dänholm, Stockholm etc. etc. Im +Angelsächsischen bedeutet es Meer, See; doch steht diese Bedeutung da +ganz allein, so daß sie auf irgend einer Zufälligkeit beruhen mag, und +uns nicht hindern kann, das Wort da hinzustellen, wohin es sprachlich +gehört, zu collis, culmen. + +Weil auf solch einem Holm häufig ein Platz zum Schiffbau sich fand, so +ist das Wort auch eine der mancherlei Bezeichnungen für Werft. + +Ein Holm ist bewachsen, vgl. Manson, See-Buch, Lübeck 1735, die +Segelanweisung nach Wismar. »Die Wissenschaft oder die Märke hinein zu +lauffen seynd diese: drinnen in Wißmar stehen zweene hohe Thürm, der +Westere ist dick und oben stumpf, der östere schmal und spitzig, und +die Kirche, da der schmalste Turm aufstehet, heist St. Nicolai-Kirche. +Wenn man kommt aussen vor Hannibal, und wil ins Mittel-Tieff ein, soll +man so lauften, daß man den östlichen schmalen Turm von St. Nicolai +Kirchen in etwas nahe zusammen mit der westlichen Ecken von Pöel +bekomme, und halte die so stehend, und gehen Süd-Südosten in und lasse +Hannibal an Baackbord, und Lips, welches ist ein kleiner Graßholm, am +Stührbord, von welchem Holm auf allen Seiten langer Grund ausschiest.« + +»Manchmal auch unbewachsen; derselbe über die Einfahrt von Gothland: +»bleiben zweene kleine blosse Holmen am Baakbord.« + +Manchmal auch ein Berg; vergl. Lucas Janszoon Waghenaer »Spiegel der +Zeevaerdt«, 1588, »Van daer naer de Corona zeyltmen aen S. ende S. ten +O. ter tijt toe men een stuck weechs binnen den toren is, die op een +ronde holm oft berch staet, so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eyland +daer een Kercxken op staet.« + + +*Hosenboje*, die, + +ist eine bei den Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung +Schiffbrüchiger vorrätig gehaltene Boje, die von oben wie eine +gewöhnliche Ring-Kork-Boje aussieht, ausserdem aber von unten noch mit +einer Vorrichtung versehen ist, die einer Segeltuch-Badehose ähnlich +sieht. Der Mann, der von einem gestrandeten Schiffe mit dem Rettungstau +gerettet werden soll, hat mit den Beinen in diese Hose zu fahren, die +Arme aber auf die Boje zu legen und wird so in der Boje an Land geholt. + + +*Houari* = Takelage s. sliding gunter. + + +*Hub*, der. + +1. In der Hydrographie die Höhe der Flut, das Mass um das die Flut sich +*hebt*. + +2. In der Technik: Kolbenhub, Einzelhub, Hub vorwärts, Hub rückwärts, +Doppelhub, Hubhöhe, Hublänge, Hubwechsel, Hubzähler etc. alles von +heben, im Munde unserer seegehenden Maschinenleute dadurch etwas +verundeutlicht, daß sie das b meist wie p aussprechen und Hup mit sehr +langem u sagen, wodurch das Wort einen englischen Eindruck macht. + + +*Huk*, die, + +heißt seemännisch eine Landzunge oder Landspitze, eine etwas +vorspringende Küste; sonst auch Ecke, Winkel, ferner Angel, Türangel, +Fischangel im Niederdeutschen. Die Nordsee bevorzugt Huk, Huk von Logum, +Huk von Holland (geschrieben hoek, ausgesprochen Huk), Fährhuk (die +Stelle an der der Kriegshafen Wilhelmshaven erbaut wurde); die Ostsee +bevorzugt das Spitze bedeutende -ort: Friedrichsort, Darßerort, +Brüsterort. Schon im »Seebuch« (1400) heißt huk und huek die Spitze +eines Vorgebirges, Landspitze, -- »men moet den huek schuwen unde lede +den by den lode uppe 5 ofte 6 vademe«; »de wil setten unter de cape +Vincentz, de sal den ersten huk laten liggen und segelen bet under den +anderen huk.« + +Kommt von der Wurzel kuc, biegen, krümmen, ist also genau genommen eine +Stelle, wo man um die Ecke biegt, so daß man dann »under« ist wo man +vorher boven war; siehe »Höhe.« + +Auch das äußerste Ende eines Bollwerks kann man Huk nennen; vergl. +Manson, Seebuch, 1735: »Wil man auch in Travemünde einsegeln, so stehen +Westen bey die andern Häuser in Travemünde 3 oder 4 dwaß Häuser, unter +einem Dach, so daß man von das Norderste den weissen Giebel sehen kann, +bringet den Hueck vons Osten Bollwerk, und dem Giebel überein, dar ist +das Tieffste Wasser.« + +*Huker* ist ein breit und plump gebautes Nordseeschiff, wahrscheinlich +ursprünglich ein Schiff zum Fangen von Fischen mit der Huk, der +Schellfischangel. + + +*Hulk*, die, + +heißt jetzt ein altes, für seinen Zweck nicht mehr gebrauchtes Schiff, +das als Kaserne, Werkstatt, zu Unterrichtszwecken benützt wird. Das Wort +ist heruntergekommen, denn im Mittelniederdeutschen war eine Hulk oder +Holk etwas ganz anderes, Höheres, nämlich ein großer Kauffahrer, den die +Schiffsbesichtigungskommission, wenn es damals schon eine gegeben hätte, +hätte im Auge behalten müssen, denn er war so gebaut, daß er leicht als +Kriegsschiff eingerichtet werden konnte. »Unde wunnen ene af dre grote +holke unde etlicke andere clene schepe.« »Aldus quemen dar twe grote +holke.« »De Lübeschen hadden by der borch ein gros schip, eynen holck.« +»Eyn schipher van Lubeke seghelde myt eneme groten holke wol geladen.« +(Lüb. Chron.) »Dar bleff eine nye holcke van Lubeck van 300 lasten.« Das +Geschlecht wechselt also zwischen männlich und weiblich; jetzt ist es +weiblich. Kilian, der mehr nach dem Niederländischen neigt, hat die Form +hulcke: koop-vaerders schip = Holcas, navis oneraria, gravis, +frumentaria, lata, navigium latum vastumque. Das »Bremer Wörterbuch« +übersetzt Holk mit Kauffahrer: »1445 fingen die Bremer einen Holck mit +Ledder« ... »Se nehmen ock einen Holck mit Figen, Rosinen und anderen +Guderen.« Der Name stammt ans dem Griechischen: helkein, ziehen, holke +das Ziehen, holkus der Zug, so daß wir uns die Hulk ursprünglich als +gezogenes, getreideltes (Fluß-)Schiff zu denken haben. Als seegehendes +Schiff ist es aber bereits durch eine Urkunde König Aethelreds +(978-1016) bezeugt: »si adveniat ceol vel hulcus et ibi jaceat 4 denarii +ad telonium.« + + +*Hundewache*, die, + +auf deutschen Kriegsschiffen die Wache von 12 bis 4 Uhr nachts. +(Anderweitig wird andere Wachzeit so genannt.) Das Wort hat mit Hund +nichts zu tun, sondern ist nur eine volksetymologische Anlehnung daran, +etwa mit dem Gedankengang: nachts von 12 bis 4 sollte man keinen Hund in +Sturm und Wetter hinausjagen. Es ist wohl eigentlich Hintewache. In ganz +Deutschland sagt man für »heute Nacht« heint oder hint, auch heinte oder +hinte, wie man für »dieses Jahr« heuer sagt, diesjährig heurig; +Hintewache ist also = »Heutnachtwache«; wer sie einmal gegangen ist in +stürmischer Finsternis, der wird von der Form Hundewache nicht befremdet +sein. + + +*Hundspünt*, der, + +das spitz zulaufende Ende eines Taus um das eine Art Gewebe oder Netz +gelegt ist. Solche Taue läßt man in der Form eines Hundspüntes +auslaufen, die man häufiger durch eine enge Öffnung stecken muß, weil +sie ohne diese Vorsichtsmaßregel auf die Dauer in ihre einzelnen Duchten +auseinander gehen, sich »aufrebbeln« würden; = penis eines Hundes. +Früher war auch Hundsfott im seemännischen Gebrauch für einen kleinen +Stropp. Doch wird es jetzt selten gehört, außer etwa in der Bedeutung +des Schimpfwortes, das freilich auch so lange die Studenten ihren +Landesvater steigen lassen nicht aus dem deutschen Sprachgebrauch +schwinden wird; »ein Hundsfott der ihn schimpfen soll.« + + +*Hüsing*, das, + +eine Art dicken, starken Bindfadens, eine schön fest gedrehte Schnur, +ein dünnes festes Seil, eine dünne aus drei Garnen geschlagene Leine +oder wie man es nennen will, der Seemann nennts eben Hüsing. Das Wort +kommt nur bei den an der Nordsee wohnenden Seeleuten vor, hier aber auch +bei allen, und sonst nirgends; es muß also an den Nordseeküsten seinen +Ursprung haben. Doornkaat vermutet daher wohl mit Recht, daß es +ursprünglich eine Leine bedeutet habe mit der die Husen oder Hausen (von +denen die Hausenblase kommt) gefangen werden. Eine gewöhnliche +Angelschnur genügt zu diesem Zwecke nicht und es muß also etwas +stärkeres genommen werden. Diese Vermutung erhält eine wesentliche +Stütze durch die Verbindung die das Wort in Groningen eingegangen ist: +huzelntau, huzelingtau (z = s), wie denn auch Molena (»Groningische +Mundart«) sich die Vermutung Doornkaats angeeignet hat. + + +*Hütte*, die, + +war lange Zeit der vornehmste Raum an Bord, auch auf Kriegschiffen, +nämlich der Aufbau, das »oberste Stockwerk« des Hinterschiffes, also der +Raum unter der Kampanje, wo die Kapitänskajüte und (die) Kammern der +Offiziere waren. »Durchl. Seehelden«: »Der gute Admiral Lieutenant Tromp +ward als er von der Hütte gieng geschossen; da er niederfiel ward er +wieder aufgehoben, und auf Kissen in der Hütte niedergeleget, und starb +mit diesen Worten im Munde: Ich habe gethan, halt guten Muth, o Herr sey +mir und diesem armen Volck gnädig.« Das hat sich inzwischen durch den +veränderten Schiffbau geändert, man hört das Wort kaum mehr außer in +Holland, aber auch da bedeutet es nicht mehr was es früher bedeutete, +sondern nur »een verblyfplaats der stuurlieden en andere mindere +bevelhebbers«, also nicht grade das »Logis des Volks«, aber doch auch +nicht mehr die Kajüte des Kapitäns, sondern etwa Unteroffiziermesse. Das +geht auch aus dem wahren Sinne des seemännischen Sprichworts hervor, das +Lüpkes, »Seemannssprüche« S. 44 angeführt: »Als het in die Kajuit +regent, dan druipt het in de hut.« Das heißt aber nicht bloß, daß, wenn +die Höheren leiden, die Niederen in Mitleidenschaft gezogen werden, +sondern daß es diese in verstärktem Maße trifft, wie man sagt »Aus dem +Regen in die Traufe kommen«; die Meinung ist die: Wenn der Kapitän den +Steuermann in die Kajüte bittet und ihm da etwas vorhält etwa mit den +Worten: »ich muß doch bitten«, so gibt der diese »Bitte« mit einem +saftigen Donnerwetter weiter an die Leute in der Hütte. + + + + +J. + + +*ja! ja!* + +Der Posten an Bord ruft nachts ein dem Schiff sich näherndes Boot an: +»Boot ahoi!« Für die Antwort aus dem Boot kommt es darauf an, wer darin +sitzt. Ist es der Kommandant so wird der Name des Schiffes gerufen, ist +es ein Offizier oder im Offiziersrang stehender Beamter, so lautet die +Antwort ja! ja! Ist niemand von diesem Range im Boot, so wird nein! +nein! gerufen. + +Es wird dabei an das, was an Bord zum Empfang des Bootes zu geschehen +hat, gedacht worden sein, besonders auch um anzugeben, an welcher Seite +des Schiffes das Boot anlegen wird, da nur die Offiziere etc. etc. an +Steuerbord, alle andern an Backbord anlegen dürfen, bezw. müssen. + + +*Jacht*, die, + +eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines Schiff. +Holländisch jagt: »een jagtschip voor den pronk en het gemak. Van jagen, +omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt; avysjagt, +oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz.« In Ostfriesland ist +jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie es sich auf der +Landstraße zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast. Kilian: jaght = +Liburnica, (Liburnen hießen die von den Illyriern erfundenen +Schnellsegler) celox navis praedatoria piratica, myoparo, piraticus +myoparo, navis triremis forma, incredibilis celeritatis. Die Seeräuber +haben von jeher gehabt und mußten der Natur der Sache nach haben die +schnellsten Schiffe. + +Unter dem »Schiffzeug auff der Donauw« das 1565 Frohnsperger anführt, +kommen unter anderm vor: »weiter über die hundert guter ziemlicher ander +Schiff, auch groß klein und ander Nachen, *Renn und Jagschiff*, so +gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr und Streit gegen den +Erbfeind (Türken) verordnet.« Eine nordische Expedition die 1594 von +Holland aus über »Nova Zembla« hinaus unternommen und von Johann Huygen, +einem der Teilhaber, beschrieben worden ist, bestand aus drei Schiffen. +»Auf dem Schiff von Amsterdam war Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm +Barentz von der Schelling, Bürger zu Amsterdam, ein erfahrener und wohl +versuchter Seemann. Der hatte ein Schellinger Fischer-Jacht bey sich, +ihn auf seiner fürgenommenen Reyse, wenn er etwa von den andern solte +abkommen, Gesellschaft zu halten«. Ob er diese Jacht an Deck genommen +hatte? Jedenfalls führte das Admiralsschiff eine Jacht an Bord mit, die +ausgesetzt werden konnte. »Mittlerweile daß sie also durch das Eiß +hinfuhren, sahen sie etliche Morsen oder Meer-Pferde auf den Eißschollen +liegen; Einer von deß Admirals Volck schoß einen davon mit einer Kugel, +und weil sie vermeynten, daß er dasselbe genug getroffen, *setzten sie +die Jacht auss*, und verfolgten es so nahe, daß sie ihm noch ein Harpun +in den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit genügsamer Leine +nachschleppten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht überwältigen, +weil es sich so gewaltig wehrte, daß es allen, die in der Jacht waren zu +thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern, +damit sie wieder dasselbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten +ergriff, und die Eisen gantz krum biß, seine Zähne über den Bord hin +schlug, die Schuyte umzureißen.« Es wird also hier Jacht und Schuyt +(Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet +(Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Kriegsschiffe. »Die Jacht der +Windhund, fünffzig Last groß, mit zehn Stücken Geschütz und dreyssig +Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stücken und +vierzig Bootsgesellen führend.« »Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten, +mit zehen Stücken und vier und fünfzig Matrosen«. »Die Jacht der David +von sechzig Last, mit vierzehn Stücken, sechs Steinstücken, und +zweiundvierzig Bootsgesellen.« Die große Jacht der Holländischen +Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avoit 66 piés de long, 19 piés de +large, et 6 piés de creux sous les goutieres.« »L'étrave avoit 9 pouces +d'épais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 piés 3 quarts de large par le +bas, 2 piés et un quart par le haut, 12 piés de hauteur, 10 piés de +quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'épais u. s. w. Siehe +Aubin, wo auch alle übrigen Maße ausführlich angegeben sind. Die »Heere +Jacht« die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark +vornüber neigendem Mast. Bemerkenswert ist, daß schon vor zweihundert +Jahren das Wort französisch Yacht geschrieben wurde und daß auch damals +in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebräuchlich war. Diese ist +also nicht etwa englisch, sondern die Engländer haben den Namen mitsamt +der Sache aus Holland bekommen. Daß sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht +und nicht Jacht wählten, geschah aus Gründen der Aussprache, wie hätten +die Engländer, wie vollends die Franzosen Jacht aussprechen sollen? + +In unserem gegenwärtigen neuhochdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch +wird das Wort -- Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot +gesprochen -- kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: »a light and +elegantly fitted up vessel, used either for pleasure trips or racing, or +as a vessel of state to convey kings, princes etc. etc. from one place +to another by sea. There are two distinct species of yacht: the mere +racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with fine +lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant, commodious, +well-proportioned travelling-yacht, often with steam propelling +machinery, fit for a voyage round the world.« + +Daß aber diese Art Schiffe und ihr Name aus den Niederlanden nach +England kamen, beweist eine Stelle aus dem berühmten Diary des Evelyn, +der unter König Karl II. von England lebte und schrieb: »I sail'd this +morning with his majesty in one of his *yachts*, (or pleasure-boats), +vessels not known us till the Dutch E. India Company presented that +curious piece to the king«, dessen Nichte Maria mit Wilhelm III. von +Oranien sich verheiratete und mit ihrem Gemahl später (1689) den +englischen Thron bestieg. Roeding (1794) beschreibt Bauart und Takelage +der Jachten und fügt dann hinzu: »Man gebraucht die Jachten, die sehr +schnell segeln, auch Nachrichten, Paquete und Briefe von einem Ort zum +andern zu bringen, und solche nennt man Advisjachten und Postjachten. +Etliche Städte und große Herren unterhalten auch Jachten zu ihrer +Belustigung, die man Herrenjachten oder Spieljachten nennt.« + +Es ist bei der Erklärung festzuhalten, daß jagen zunächst nicht »auf die +Jagd gehen« bedeutete, sondern sich schnell vorwärts bewegen, eilen, +rasch laufen, wie es ja auch heute noch gebraucht wird; daher jach, jäh, +jählings. Graff vermutet, das althochdeutsche jagon könne eine aspirirte +Form von agan sein, was dann mit dem gotischen ogan, timere, und agian, +terrere, verwandt wäre, sowie mit dem althochdeutschen egi, timor. Dann +wäre Aegir (Oegir), der Meergott, ein Jäger, einer der die Elemente +Wasser und Luft im Sturm vor sich herjagt. + +Früher gab es im Niederdeutschen auch die Form jageschip für schnelles +Seeräuberschiff; »seerovers mit klenen jageschepen.« + + +*Jackstag*, das, + +besteht (Dick u. Kretschmer II 126) aus zwei mit eingesplißten Augen auf +den Rahenocken aufgestreiften Drahtenden, welche durch die an der +Oberkante der Verstärkungsringe der Rahe angeschweißten Augen nach der +Rahemitte fahren und hier, nachdem in jedes derselben eine Kausch +eingebunden, an der Achterkante der Rahtakelblöcke durch einen Taljereep +miteinander verbunden werden. Das Jackstag dient zum Annähen des oberen +Segellieks. + +Obgleich oder vielmehr gerade weil jack als Abkürzung von Jakob im +Englischen in so unzähligen Zusammensetzungen vorkommt, gewährt es für +die Erklärung keinen Anhaltspunkt. Es bedarf dessen aber auch nicht, das +Wort läßt sich aus dem Deutschen erklären. Es ist davon auszugehen, daß +das Jagstack aus zwei Stücken besteht, die sich von zwei Seiten einander +nähern da, wo sie sich am nächsten kommen, miteinander verbunden sind, +wie zwei in einem Joche gehende Ochsen. Und an ein Joch, niederdeutsch +juk (vergl. Juchart), denken wir, dem die Wurzel yug, fesseln, binden, +verbinden, zusammenbinden zu Grunde liegt. Eben durch solches +Zusammenbinden der beiden -- an Backbord, an Steuerbord befindlichen +--Teile entsteht ein Jackstag. Das müßte also eigentlich Jukstag heißen +und hat wohl auch ursprünglich so geheißen, namentlich im +Niederländischen; von daher haben es die Engländer übernommen und, wie +sie denn auf Verbindungen aus jack geradezu versessen sind, so haben sie +jackstag daraus gemacht. Wir aber haben es in dieser Form wieder +zurückempfangen, sodaß dieses Wort dieselbe Geschichte hat wie das +vorhergehende. + + +*Jager*, der, + +das allervorderste Segel des »Vorgeschirrs«, am verlängerten Bugspriet, +dem *Jagerbaum*. Früher hießen auf Kriegsschiffen die beiden Kanonen, +die zuvorderst am Vorsteven standen, Jager, weil sie bei der Jagd auf +ein feindliches Schiff besonders gebraucht wurden. Daß gerade das +vorderste Segel jetzt Jager heißt, ist sinnreich und bedeutungsvoll dem +Namen der beiden Kanonen nachgebildet. Daß dabei wirklich an Jagd im +Sinne von »ein Wild jagen« gedacht ist und nicht bloß an »schnell +fahren«, beweist ein doppelter Umstand. Einmal der, daß im +Niederländischen der Junge, der beim Treideln der Treckschuit das Pferd +antreibt, jager heißt, gewöhnlich, weil er noch ein Piccolo ist, »het +jagertje«. Vgl. die Nota beim Teuthonista: »dyt Jagen mach men oick op +drijven duytschen.« Zum andern aber steckt in dem englischen Wort für +Jager, jib, dieselbe Gedankenverbindung. Altfranzösisch heißt aler +gibier, aler en gibier, être en gibier jagen, Vögel jagen; daher das +neufranzösische gibier, Wildbret. Gibet, Galgen, soll eigentlich »Strick +um den Hals« bedeuten, sodaß der Gedanke an eine Vogelschlinge nahe +liegt. + +Wie ein Jäger in manchen oberdeutschen Dialekten ein »Jächter« heißt, +so heißt unser Jager auf Wangerooge (die Schreibart mit e am Schlusse +ist entgegen der preußischen von Langeoog und Spiekeroog die offizielle +oldenburgische) jageder. + + +*Jakobsleiter*, die, + +eine Strickleiter hoch oben an der Bramstenge, auf der die +Oberbramsegelsgäste zu ihrer Oberbramrahe aufentern. Die Benennung +dürfte, wie auch Jakobsstab, von den sehr bibelfesten reformierten +Niederländern aufgebracht worden sein. Sie bezieht sich auf die von +Jakob im Traum gesehene Himmelsleiter, Genesis 28, 12. + + +*Jakobsstab*, der. + +Das Werkzeug, dessen sich die Astronomie vor Zeiten bediente, um die +Sonnenhöhe zu beobachten. Auf dem Titelbild des Dictionaire de Marine +von Aubin, Amsterdam 1702 ist eine Amsterdamer Werft abgebildet, auf der +man unter allerlei sonstigen seemännischen Gerätschaften einen +Jakobsstab liegen sieht; und rechts, auf dem Wappen von Amsterdam sitzt +einer, der gerade im Begriff ist, mit einem solchen die Sonne zu messen; +demgemäß hält er den dreifach gekreuzten Stab so in die Höhe, daß er +sinnreich und bedeutungsvoll den Mittelpunkt des ganzen Bildes bildet. +Der Name stammt, wie Jakobsleiter, aus der Bibel, Genesis 32, 11: »ich +hatte nicht mehr als diesen Stab, da ich über diesen Jordan ging.« Auch +auf dem Titelbild der Seekarten Waghenaer's Amsterdam 1588 steht am Heck +eines alle Leinwand zeigenden Schiffes ein Mann im Begriff, mit dem +Jakobsstab zu beobachten. + + +*Jan Maat* + +ist eine scherzhafte, volkstümliche Bezeichnung für Matrose im +niederdeutsch-niederländischen Sprachgebiet. Hier bedeutet Jan eine +Abkürzung des ungemein beliebten und häufigen Namens Johannes, die aber +kaum als eine solche empfunden wird, sondern als ganz selbständiger Name +auftritt. Maat aber heißt Geselle, Genosse. Ein berühmter Sänger unserer +Tage singt ein reizendes kleines Lied von einem Mädchen, das von +verschiedenen »Fahrenden« gefragt wird, ob es mitfahren wolle. Jan Maat +fragt auch; da aber der Sänger »Jean« Maat ausspricht, als ob es +französisch wäre, geht ein gut Teil der Wirkung des Liedes verloren. + + +*Jiggermast*, der, + +ist etwas Neumodisches, nämlich der zweithinterste Mast eines +Fünfmastschiffes. Im Englischen heißt das, was wir Treiber nennen, +nämlich ein (Mast mit) Segel ganz hinten am Heck, jigger, von to jig = +rütteln, schütteln oder vielmehr *wackeln*. Die Bewegungen des Schiffes +(ganz vorn und) ganz hinten werden am meisten empfunden und fallen am +sichtbarsten in die Augen. Offenbar heißt darum der so weit hinten +stehende Treiber jigger; Jiggermast würde also der gerüttelte, +geschüttelte, wackelnde Mast sein. + + +*Jnglefieldanker* s. Anker. + + +*Jnhölzer*, die. + +Der gemeinschaftliche Name für alle einzelnen Stücke, aus denen ein +Spant besteht, nämlich die Bauchstücke und Piekstücke mit ihren Sitzern +und Auflangern. + + +*Joch*, das. + +Wie alles im Schiffbau, so hat auch die Ruderpinne in unserer Zeit +gewaltige Veränderungen erfahren, so daß von der ursprünglichen Pinne +auf vielen Schiffen gar nichts mehr übrig geblieben ist. Man hat an ihre +Stelle einen Kreissektor, einen ganzen Kreis, ein Parallelogramm +gesetzt, und die einfachste Verbesserung ist noch die, daß man anstatt +der Pinne zwei Jocharme auf die Ruderspindel gesetzt hat, an denen das +Ruderreep befestigt ist. Dieses Joch bedeutet grosse Kraftersparnis und +Sicherheit. Früher nannte man Ruderjoche zwei Taljen, die die Ruderpinne +bei schwerem Wetter halten halfen. + + +*Jolle*, die, + +heißt jetzt ein kleines Schiffsbeiboot das gewöhnlich gerudert wird, +aber auch segeln kann und besonders als Kochboot für Köche und Stewards +dient, auch gebraucht wird um Beurlaubte in geringerer Zahl an Land zu +bringen oder wieder abzuholen, überhaupt ein Arbeitsboot, kurz aber +ziemlich breit. Zu dem angegebenen Zwecke dient die Jolle schon seit +Jahrhunderten. »Aldus was gemelte H. K. szulffander mith eynere jollen +ilendes in de hauene nha zodaneme schepken gefaren« (aus Wismar 1520). +Ostfriesisch jul, jülle, niederländisch jol, wangerländisch jel, auf der +Spree gelle, sonst niederdeutsch auch golle und jölle, (g und j läßt +sich oft nicht auseinanderhalten); dänisch jolle, englisch yawl, +schwedisch jelle, julle, französisch jelle, jol. Wegen der Formen mit g +im Anlaut ist Herkunft vom griechischen gaulos nicht unwahrscheinlich. +Und zwar würde sogar die Form heute noch stimmen, da gaulos ein *ovales* +phönizisches Lastschiff war. Ob nun die Friesen und Sachsen, die frühe +schon die französischen Küsten mit ihren Schiffen befuhren, das +inzwischen durchs Lateinische und Provençalische ins Französische +gedrungene Wort mit heimgeführt haben, ob vielleicht in uralten Tagen +schon die Phönizier selbst es an den Küsten der Nordsee zurückgelassen +haben, das wird sich schwer entscheiden lassen. Jedenfalls hat es schon +früh einen Zeitpunkt gegeben, wo die Jolle im Gedankengang deutscher +Seeleute eine bedeutende Rolle spielte, da sie den einfachsten +Flaschenzug nach ihr *Jolltau*, *Jollentau* auch kurzweg *Jolle* +nannten. + + +*Jollentau*, *Jolltau*, *Jolle*, die, + +ein Tau über eine Scheibe laufend. Schon mit einem solchen kann sich ein +Mann selbst in die Höhe winden. Zunächst wird man nach dem +(Schiffs)boot, das den Namen Jolle führt ein Haupttau desselben Jollen- +oder Jolltau genannt haben, und erst hieraus ist der Kürze wegen Jolle +entstanden, dessen Bedeutung zunächst allgemein Bootstau war, aber nach +und nach auf ein besonderes Tau eingeschränkt wurde, wie Hochzeit +ursprünglich jede Freudenzeit hieß und hernach auf eine große +Freudenzeit des Lebens beschränkt wurde. + + +*Junge*, der. + +Ein Schiffsjunge ist heutzutage etwas anderes als vor hundert Jahren ein +Junge auf dem Schiffe war. Von diesem schreibt Roeding, daß solcher ein +Knabe von 7-9 Jahren sei, der dem Kapitän und den übrigen +Schiffsoffizieren zur Aufwartung diene. »Auf Kauffahrern trifft man +gewöhnlich nur einen Kajütsjungen oder Kajütswächter an, für den +Kapitän. Auf großen Schiffen aber befindet sich außer dem Kajütswächter +noch ein Hofmeister, auch halten sich mehrere Schiffsoffiziere einen +eigenen Jungen, so giebt es z. B. Bootsmannsjungen, Kochs-Jungen etc. +etc. Bey jeder Back ist ebenfalls ein Junge, welcher der Backsjunge +genannt wird.« + +Jetzt ist ein Schiffsjunge ein der Schule entwachsener junger Mensch, +der zur See fährt, wohl auch einmal zu allerlei Dienstleistungen +genötigt wird, aber dessen Hauptbeschäftigung doch die Erlernung der +Seemannschaft und dessen Ziel die Heranbildung zum Matrosen, wo möglich +zum Steuermann und Kapitän ist. + +Die Schiffsjungen der Kaiserlichen Marine sind junge, konfirmierte +Burschen, die im Schiffsjungen-Institut, 24. April 1850 gegründet, auf +Staatskosten so im Seemännischen und Militärischen ausgebildet werden, +daß sie einmal brauchbare Unteroffiziere, und, wenn sie sich dazu +eignen, Deckoffiziere werden können. + + +*Jungfer*, die, + +ein Block ohne Scheibe, rund, breit, wie eine abgeplattete Kugel, mit +drei Löchern in Gestalt eines Dreiecks; dient hauptsächlich dazu die +Hofttaue der Wanten anzusetzen. Mit einigem guten Willen kann man in dem +Block das rundliche Gesicht einer Jungfrau sich vorstellen. Andere +Nationen haben ihrer Einbildungskraft eine andere Richtung gegeben; die +Franzosen sagen, was vielleicht noch treffender ist, cap de mouton, +Schafskopf, auch, weil der Block schwarz ist, cap de more, Mohrenkopf; +die Holländer sagen neben juffer = Jungfer, dood-mans-oog, eines toten +Mannes Auge; die romanischen Sprachen sagen bigota, wohl mit bigote = +Knebelbart eins, haben also auch an das Gesicht eines Mannes, aber eines +lebendigen, gedacht. Die entsprechenden drei Löcher einer Kokosnuß +nennen die Engländer sehr bezeichnend monkey. + + +*Jungmann*, der, + +ist ein eigentümlicher Mensch, kein Junge mehr und noch kein Mann, noch +kein seebefahrener Vollmatrose, aber auch kein Schiffsjunge mehr = ein +Jungmatrose. Seit die Marine die Ausbildung im Schiffsjungeninstitut +abgekürzt hat, gibt es auch hier Jungmatrosen, die aber den Namen +Leichtmatrosen führen, weil sie noch nicht ganz für voll, eigentlich +schwer genug befunden werden. + + +*Jütte, taube* s. Davit. + + + + +K. + + +*Kabbelung*, die, + +gewöhnlich in der Verbindung Stromkabbelung, das Zusammentreffen zweier +Strömungen, der Streifen auf dem die Grenzen der zwei Strömungen an +einanderschlagen und ein hörbares Geräusch verursachen. *Kabbeln* ist +ein lautmalendes Wort, das schlagen, anschlagen, plätschern, klatschen +bedeutet; »wenn die Wellen von zwei Seiten gegen einander schlagen und +klatschen«; dann auch im übertragenen Sinne, aber nicht in dem von +klatschen = schwätzen, nachsagen, sondern in dem von laut zanken, +streiten, keifen; »sich kabbeln« = sich streiten. Indessen wird kabbeln +nicht nur von dem Sichbegegnen zweier Strömungen, sondern auch überhaupt +von dem Anschlagen des Wassers an irgend einen harten Gegenstand +gebraucht. + + +*Kabel*, das, + +ist ein starkes Tau, früher anstatt der jetzigen Ankerkette als Ankertau +gebraucht, eine Trosse, Kabeltrosse; jetzt besonders wichtig +unterseeisches, transatlantisches Telegraphenkabel. + +Lübeckische Chronik: »dat groteste schip konden se nicht weg bryngen, +wente syn kabel was gehouwen.« Ein Tanz der Matrosen hieß kabeldanz, +Renner, Brem. Chron.: »Dar dantzeden de boetslude den kabeldantz etlicke +mahl, welches den commissarien seltzam was, doch woll gefell.« + +Der Teuthonista schreibt: »cabel = lyn, reep, seel, to vo dair mede men +eyn schyp an dat lant vestiget offte merret.« Die Form cabel erinnert +durch das c an den Ursprung des Wortes, griechisch kaplion; lateinisch +capulum, caplum, abgeleitet von capere, fassen, halten. So ist das Wort +schon vor bald 13 Jahrhunderten erklärt worden. Isidor von Sevilla, geb. +560, gest. 636 n. Chr., der die Westgothen in Spanien zur katholischen +Kirche zu bekehren suchte, und der das große Verdienst hat der +germanischen Welt durch seine schriftstellerische Tätigkeit die +klassische und patristische Gelehrsamkeit übermittelt zu haben, dessen +Werke auch das ganze Wissen jener Zeit enthalten, hat zwar nicht die ihm +nachgesagten »Pseudoisidorischen Dekretalen,« wohl aber ein großes Werk +»Origines s. Etymologiae« geschrieben, eine Art Encyklopädie. Da lesen +wir: »capulum funis a capiendo.« + + +*Kabelaring*, die, + +kommt seit Einführung der Ankerkette an Stelle des Ankerkabels kaum mehr +vor, war aber früher nötig, da man die dicken Ankertrossen selbst nicht +gut um das Spill legen konnte wenn man Anker lichten wollte. Da wurde +denn ein dünnes Tau an das Kabel befestigt und mit dem Spill +eingewunden, so daß dann das dicke mit hereinkam. Eine Weiterbildung von +Kabel. Bei Roeding ist eine sehr deutliche Abbildung und Beschreibung; +da die Sache veraltet, tut eine solche hier wohl nicht not. + + +*Kabelgarn*, das, s. Garn. + + +*Kabellänge*, die, + +war früher ein vielgebrauchtes Maß zur See und ist auch jetzt noch im +Gebrauch, wenn es sich nicht um genaue Angaben, sondern ungefähre +Schätzung handelt. + +Jetzt wird auch zur See nach Metern gerechnet. Es war aber auch zur Zeit +der Herrschaft der Kabellänge nicht einheitlich genau bestimmt, was oder +wie lang eine solche wäre. Es gab Ankerkabel von 150, es gab auch solche +von 120 »Faden«; doch waren erstere die normaleren. Schon 1588 finden +wir das Wort bei Waghenaer: »Item om die Voort te treffen, so sult gy op +twe Cabels lengte by de Clippen van de Backovens lancx zeylen.« + + +*Kabine*, die, + +nur im Sprachgebrauch der Handelsmarine vorkommend, Wohn- und Schlafraum +eines Offiziers oder Passagiers; auf Kriegsschiffen ausschließlich +Kammer genannt. Das Wort stammt aus dem Keltischen, wo cab Zelt oder +Hütte hieß. Das Bremer Wörterbuch hat die Form cave und bezeichnet +damit eine von Latten und Brettern umschlossene Ecke, wo man Vieh +hinstellt; also nicht den ganzen Stall, sondern einen Teil vom Ganzen, +einen Koben, einen Schweinekoben. »Wenn der Bauer sein Kind etwa +liebkosend zwischen beiden Knien einschließt, so spricht er: »ik hebbe +den Jungen im Kaven«.« -- angelsächsisch cofa, englisch cabin. Eine +Kabine konnte um so eher nach einem Kaven genannt werden als eine solche +ursprünglich kein so eleganter Raum war, sondern schmucklos aus ein paar +Brettern zusammengezimmert. Eine scherzhafte und verächtliche +Weiterbildung ist Kabuf und Kabache. + +Ueber das Wort cab äußert sich Diefenbach, Celtica p. 118: cab ist ein +uraltes kymrisches Wort und bedeutet Hütte, Zelt; im Breizonek +(Bas-Breton, Mündungsgebiet der Loire): caban, cabannen = cabane. Die +Briten haben also auf der Flucht nach Frankreich das Wort mit über den +Kanal genommen und das Französische damit bereichert. Gälisch: caban = +Hütte, Zelt. Daß das Wort im ganzen keltischen Sprachgebiet bekannt war, +beweist die Bedeutung die Isidorus (Isidorus von Sevilla, gestorben 636, +»originum s. etymologiarum libri XX«) dem aus dem Keltischen ins +Mittellateinische gedrungenen Worte capanna = Hütte gibt: »Hanc rustici +Capannam vocant, quod *unum* tantum *capiat*« (!) Daher italienisch +capanna Strohhütte, spanisch cabanna, französisch cabane. Vergl. +Kampanje, Kambüse, Kajüte. + + +*Kadett*, der, s. Seekadett. + + +*Kabliau*, der, + +der bekannte große, schwere, schmackhafte Seefisch der besonders auf den +Neufundlandbänken zu Millionen gefangen und meist in der Form von +Stockfisch gegessen wird, gadus morrhua. Der Name Kabliau ist seit Ende +des 13. Jahrhunderts bekannt und seitdem bei allen seefahrenden Germanen +(mit Ausnahme der Engländer) im Gebrauch. Er ist ein sehr gefräßiger +Fisch, der gierig nach allem schnappt, weshalb auf den erwähnten +Neufundlandbänken oft ein Mann 400 bis 500 Stück an einem Tage fängt. +Daher liegt der Schluß nahe, der Name komme von kabbeln, von einer +Wurzel gabh = schnappen, beißen, klaffen; niederdeutsch heißt der Fisch +kabbeljau, kabeljau. Gegen einen Krug Rum kann man von den Fischern auf +der genannten Bank (viel Franzosen) eine ganze Schiffsbesatzung satt +machen mit Kabliau. Im Munde des Seemanns hat sich aber das Wort darum +so eingebürgert, weil jedesmal wenn das Tieflot geworfen wird einer +aussingt: »Warschau von untere, Kabliau en Flundere«, welcher Versanfang +dann auch sonst gebraucht wird, wenn einer den andern »warschaut« (s. +d.). + + +*Kahn*, der, + +ein in der Seemannssprache -- außer im Scherz anstatt Schiff -- nicht +gebräuchliches Wort für Boot, beinahe ausschließlich auf Binnensee- und +Flußboote beschränkt, (wie z. B. am Rhein außer den zahlreichen +Landstellen für die Dampfer es auch noch viele »Kahnstationen« gibt, auf +denen ein Kahn längsseit des stoppenden Dampfschiffs kommt). Das würde +aber an sich noch kein Beweis gegen die behauptete Abstammung von dem +westindischen Worte canoe sein, da das Wort doch in allen Küstenländern +der Nordsee zu Hause ist, wenn nicht das Wort schon vor der Entdeckung +Amerikas bekannt gewesen wäre. Nun kommt aber in einer Lübecker Urkunde +vom Jahre 1342 die Stelle vor: »nemen enen kanen gheladen mit vser +borgher gude.« + +Mittelniederländisch kaen, neuniederländisch kaan, auf Wangerooge kunne; +altnordisch kani und wohl von hier aus durch die Normannen ins +Altfranzösische getragen als cane, neufranzösisch canot, denn wenn es +dahin direkt aus dem Lateinischen gekommen wäre, so würde von canna die +altfranzösische Form canne lauten. Wir müssen daher für die Erklärung im +Germanischen bleiben. Da nun im Isländischen kaena sowohl Fischerboot +als auch Schöpfgefäß genannt wird, diese beiden aber in ihrer +einfachsten, ursprünglichen Gestalt aus ausgehöhltem Holz bestanden, der +Kahn aus einem hohlen Stamm, und das Schöpfgefäß (*die Kanne*) aus einem +hohlen Ast, so ist als gemeinschaftlicher und ursprünglicher Begriff der +von »ausgehöhlt, hohl« anzunehmen, und die Wurzel khan, von der dann +doch auch lateinisch canna und canalis kommen, so daß also, wenn auch +auf Umwegen, Kanal und Kanone und Kanne und Kahn verwandtschaftlich +zusammenkommen, mit dem Familienmerkmal des Hohlen, des mit Kunst +Ausgehöhlten, Ausgegrabenen. + + +*Kaje* (Kai), die. + +Nicht bloß eine Küste oder ein Gestade, auch nicht bloß Ufer und +Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschenhand durch ein Bollwerk oder +eine Mauer befestigte und für seemännische Zwecke bequem gemachte +Wasserkante. + +Spanisch cayo, altfranzösisch caye, französisch quai, Damm an Flüssen, +Deich. Niederländisch kaai, englisch kay, niederdeutsch Kaje, welche +Form als die beste, bequemste und brauchbarste wieder eingeführt zu +werden verdiente, wenn nicht überhaupt »der Staden« (s. d.) den Vorzug +verdient. Das »Bremer Wörterbuch« gebraucht ausschließlich die Form +Kaje, sie ist also vor hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus +dem Munde unserer Seeleute ist sie ohnehin nie durch »Quai« verdrängt +worden. Kilian hat die ähnliche Form, in der Aussprache aber wie Kaje +lautend, Kaeye = litus, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches +Wort. Wenn es auch aus dem Keltischen stammt, so ist es doch unserem +Seemann schon vor unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut +übergegangen. Dietz nimmt an das kymrische Wort cae, Zaun, Umzäunung, +bretonisch kae, auch Deich, sei die Grundbedeutung, und Diefenbach +(Celtica 116) bestätigt das. Und zwar kommt das Wort von einem +keltischen Namen, der ursprünglich Jagd bedeutet (daher italienisch und +rätisch caccia, spanisch, portugiesisch caça, französisch chasse), dann +Jagdgehege, hernach überhaupt einen durch einen Zaun eingeschlossenen +Raum, einen Haag; bald auch Zaun überhaupt; so im Kymrischen cae = +hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus wird dann im Breizonek Wallmauer, +also schon ganz unser Fall. Kaje war also anfangs keine Mauer, sondern +ein Zaun, der nach und nach von immer stärkeren Pfählen gebildet wurde, +bis allmählich unser Bollwerk daraus wurde. Daß eine Mauer nicht +notwendig zu einer Kaje gehört wird bewiesen dadurch, daß man +ausdrücklich von einer Kai-*Mauer* spricht, wenn man eine solche +bezeichnen will. + +Der Übersetzer der »Durchlauchtigsten Seehelden« 1681 hat im +Hochdeutschen durchgängig die Form »die Kay«, z. B. wo er von der +mißlungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende spricht (1628): »In +dieser Gestalt kamen sie an die Kay, ausserhalb der Stadt, allda stiegen +sie über die Fehr und andere Schiffe, die in den Haven lagen« ... + + +*Kaien.* + +Die Rahen nach der Länge des Schiffes, also parallel mit dem Kiel +brassen und zugleich auftoppen; ein Manöver das auf Kriegsschiffen +hauptsächlich beim Andecknehmen der Rahen ausgeführt wird, bei +Handelsschiffen aber, die oft eng zusammen in einem Hafen liegen, +vorgenommen wird, damit die Rahen andern Schiffen nicht im Wege sind. +Weiland: »Kaaijen een seewoord, ook toppen genannt« geschieht »waneer +het schip te veel slingert, of door eene engte moet.« Die nächste +Bedeutung ist also die: Ein Schiff in Bezug auf seine Rahen in den +Stand bringen in dem es für sich und andere am bequemsten *an der Kaje* +liegen kann. Von dieser ersten Bedeutung (nicht nach der Zeit, sondern +nach der seemännischen Schätzung ersten) kommt dann der Begriff: eine +Rahe aus einer Lage in die andere bringen, auch wenn das Schiff nicht an +der Kaje liegt oder durch eine Enge hindurch will, also bei dem vorher +erwähnten Manöver, oder in dem Sinne wie 1699 das holländische Kaayen +mit changer l'artimon übersetzt und mit »de besaan doorkaijen, of van +d'eene sy tot d'andere brengen.« + +Die weitere Bedeutung von Kajen ist aber -- und hierbei kommt der +eigentliche Sinn von Kaje als Schutzding zur Geltung -- schließen, +dämmen, einschließen, eindämmen, mit einem Damm umgeben, abschließen, +ostfriesisch inkajen, bekajen, ofkajen, umkajen. + +Mittelniederländisch kaeijen, appelere, intrare portum (also erste +Bedeutung) altfriesisch aber kaya, schließen (zweite Bedeutung), wovon +kay, Schlüssel (»mith fif keien te undslutane«); englisch key. + + +*Kajüte*, die, + +der Raum, in dem der Kapitän haust, auf Passagierschiffen der +gemeinschaftliche Raum der Kajütspassagiere. Mit Kambüse, Kabine, Koje +und Kampanje verwandt, ähnlich wie Kambüse tautologische +Zusammensetzung, nämlich vom keltischen cab = Bretterverschlag, und +Hütte, vielleicht unter dem Einfluß des französischen cahute entstanden. +Schon bei Kilian: kaiute, kaiuyte, cubile naucleri, cubiculum nauarchi, +aber auch locus in navi ubi remi et gubernacula reponuntur. Im Dänischen +hat sich das h von Hütte noch erhalten: kahyt. + +Das Wort Hütte ist auch für sich allein in seemännischem Gebrauch, s. s. +v. + + +*Kalfatern*, + +richtiger Kalfaten, heißt an einem Schiffe die Nahten (Fugen zwischen +den Planken) mit Werg verstopfen, solche nachher mit kochendem Pech +überziehen (und das Pech, welches neben den Nahten auf den Planken +sitzen bleibt, mit Schrapern abschrapen). Das Werg wird mit den +Kalfateisen, worauf mit dem Kalfathammer geschlagen wird, in die Nahten +getrieben. »In Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und in etlichen +andern Ländern gibt es eigene Arbeiter, welche die Schiffe kalfaten, und +solche werden Kalfaterer genannt. An solchen Orten aber, wo eben keine +Kriegsschiffe erbaut werden, wie z. B. in Hamburg, verrichten die +Schiffszimmerleute diese Arbeit selbst! Man braucht dazu, 1. ein +*Scharfeisen*, die Nahten etwas zu erweitern, damit das Werg besser +eindringe, 2. ein *Kalfateisen*, stumpf, das Werg einzutreiben, 3. ein +*Rabatteisen*, der Länge nach einmal oder zweimal wie eine Rabatte im +Garten durch eine Vertiefung geteilt, zum weiteren Eintreiben des Wergs, +und 4. das *Spikereisen* mit einer halbrunden Schneide, das Werg bei den +Spikern und hölzerne Nägeln einzuschlagen.« + +Mit den *Nahthaken* wird vorher das alte Werg aus den Nahten +herausgerissen. + +Bei großen Schiffen, deren Planken der Bordwände sehr stark sind, wird +statt des Rabatteisens ein *Klamei*eisen gebraucht, mit einem eisernen +Stiel, mit dem ein Kalfaterer das Eisen auf das Werg hält, während ein +anderer mit dem *Moker* darauf schlägt; das nennt man *klameien*; +(Weiterbildung des niederdeutschen klam = Pressung, Druck, Drang, Zwang, +weil das Werg in die Naht gezwängt, gedrängt, gepreßt wird, mit Klamm, +klemmen eins). Moker aber ist ein niederdeutscher Ausdruck für einen +zweischlägigen Hammer, wahrscheinlich wegen seiner an beiden Seiten +abgestutzten Gestalt, wobei man an mittelhochdeutsch mocke zu denken +hat. (Möglich wäre auch immerhin, daß einmal von ganz ungewohnter Seite +her ein Wort in die deutsche Sprache eingedrungen wäre, nämlich aus +Finnland. Breusing schreibt: »Jakob Grimm erzählt in seinem Berichte +über das finnische Heldengedicht Kalewala, daß es ihm früher nicht +möglich gewesen wäre, die Herkunft dieses Wortes festzustellen; nun aber +zeige es sich, daß es finnischen Stammes sei, denn mou-kara bedeute +malleus maximus.«) Die Frage ist nun, was ist kalefaten für ein Wort? Es +ist in der absonderlichsten Weise gedeutet worden. Schon Kilian erwähnt +eine Deutung die mit kalos = schön und fat = Faß zusammenhängt. Das +Bremer Wörterbuch schreibt: »Vom französischen cale, der untere Teil des +Schiffes und fait von faire, machen.« Und Weiland hat kein Bedenken +getragen, sich dieses anzueignen. Es liegt aber auf der Hand, daß davon +keine Rede sein kann. + +Hätten wir nur das lateinische calefacio oder calefacto, dann wäre die +Sache einfach, denn das heißt »warm machen,« und der Teer oder das Pech +mit dem die Nahten ausgefüllt werden, muß dazu warm gemacht werden, +daher Brabank, (s. d.) der Ort wo das Kalfaten geschieht. Nun kommt aber +das Arabische dazwischen und zwar nicht etwa bloß das Neuarabische, +sondern ein gut altarabisches, altsemitisches Wort, das auch im +Syrischen und im Targum-Aramäischen zu finden ist. Die Bedeutung ist +eigentlich = »entwinden, schälen«, dann »beschneiden,« dann »aufspunden« +(den Pech- oder Lehmverschluß von einem Fasse nehmen), dann »schäumen« +von Most; dann aber auch »ein Schiff kalfatern und teeren«. Darnach +scheint, trotz des Teerens, der Begriff des Warmmachens doch nicht +besonders in dem Worte zu liegen, sondern der Hauptnachdruck auf das +Arbeiten mit dem Werg gelegt werden zu müssen, da dieses doch eine Rinde +darstellt, die durch Entrinden oder Schälen des Hanfs genommen wird, ja +es unterscheidet sich Werg geradezu dadurch von Hanf, daß es noch nicht +ganz von der Holzfaser des Hanfstängels befreit, daß diese noch nicht +genügend entrindet ist. So ist denn auch die Hauptbedeutung von Kalafa: +»die Ritzen eines Schiffes mit Werg verstopfen« und dann erst bedeutet +es, weil der Teer eben auch noch dazu gehört, teeren oder verpichen. Von +»wärmen« ist also abzusehen, es müßte denn sein, daß durch das Dichten +das ganze Schiff wärmer würde, allein daran denkt kein Seemann beim +Kalfaten, nicht einmal in unserem rauhen Klima, geschweige denn unter +der Sonne des Südens, und demgemäß ist calefacto bei Seite zu stellen, +und bis auf Weiteres, nämlich bis jemand den Zusammenhang zwischen +kalafa und calefacto darlegt, müssen wir die Ähnlichkeit beider Wörter +für ein zufälliges Zusammentreffen erklären und kalfaten für ein +Lehnwort aus dem Arabischen ansehen -- es gibt deren ja eine ganze +Anzahl in der Seemannssprache. Zumal auch das mittelgriechische +kalafatein entlehnungsverdächtig ist, das türkische kalfat aber einfach +»Verstopfung« heißt, also mit »warm« nichts zu tun hat. Der Weg auf dem +das Wort zu uns kam, ist durch diese Formen angedeutet: italienisch +calafatare, spanisch calafatear, provençalisch calafatar, französisch +calafater, niederländisch kalfateren, kalfaten. + +Der Kalefaktor, der bei einer Behörde die Amtsstuben heizt, kann sich +also nicht für einen Verwandten des Kalfaterers ausgeben. + +In einem Briefe an Frau von Stein schreibt Goethe: »Ich kalfatere jetzt +Fenster und Türen und will sehen, wie lange ich mich gegen die Unbilden +der Witterung halte«; er gebraucht auch die Wendung »ein Kleid +kalfatern.« + + +*Kaliber*, das, + +die innere Weite eines Geschützrohres, auch »Seele« genannt, oder +überhaupt eines Gewehrrohres. Das Wort wird aus dem Arabischen +abgeleitet, kalib = Modell, also Modell zum Gießen des Geschützes, +wobei das Modell die innere Seite des Rohres bestimmt. In Frankreich +heißt calibre das Modell nach dem ein Schiff gebaut wird, unser Mall. +Eine andere Ableitung ist die von qua libra? d. h. »von welchem Pfund +oder Gewicht?«, wobei an die Kugel, an das Geschoß gedacht wäre; +unwahrscheinlich. + + +*Kalmen*, die, + +sind für Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heiße, regenreiche +Striche am Äquator, oft, weil sie sich in der Richtung desselben +gürtelartig weiterziehen, auch Kalmengürtel genannt. Man denkt dabei +zuerst an Windstille und verbindet in der Vorstellung viel Regen damit, +die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Spanischen und +Portugiesischen heißt calma, wie auch im Italienischen, nicht bloß +Windstille, Ruhe, sondern auch »heiße Tageszeit.« Mittellateinisch +calma, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die +Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an calor geschehen ist. Die +heiße Tageszeit nötigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das +Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d. h. für die Binnenländer +und überhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im +umgekehrten Gedankengang in Gebrauch genommen; da es ihm zunächst und +vor allen Dingen um Wind zum Vorwärtskommen zu tun ist, so hat er die +erzwungene Ruhe, die lästige Windstille in den Vordergrund gestellt und +denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese +natürlich grade auf See, wo sonst der Seewind das Leben erträglich +macht, ziemlich unerträglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze +zurückgetreten, daß man behaupten kann, daß in der Seemannssprache +Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht, +daß »bekalmt« sein nichts weiter heißt als »ohne Wind sein«, »in +Windstille liegen« und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefühl +für Hitze haben. + + +*Kambüse*, die, + +die Schiffsküche. Eigentlich Kabüse und verwandt mit Kabine als eine +Weiterbildung von cab. Jetzt steht die Kambüse an irgend einem +beliebigen passenden Orte im Schiffe, aber eigentlich ist sie ein +Bretterverschlag an Deck, ein Decksaufbau oder Deckshaus, das früher +nicht nur als Küche sondern auch als Schutz- und Zufluchtsort für die +Matrosen diente, sogar auch als Raum zum Aufbewahren von Vorräten. +Niederländisch kabuis und kombuis, wie Hochdeutsch neben Kambüse auch +Kombüse vorkommt. Keltisch cab, davon französisch cabinet. Bei Kilian +kabuyse = promptuarium, cella promptuaria, plenaria. Exedra in navi, +culina nautica. Die nasalierende Weiterbildung von Kabüse zu Kambüse +entspricht der französischen von cab zu chambre, sowie im Englischen dem +Verhältnis von cabin zu chamber. S. Kampanje. Die Lautverschiebung +Kambuse-Kombüse hängt mit der niederdeutschen dumpfen und dunklen +Aussprache des a zusammen, (Korl statt Karl). Das keltische cab bedeutet +Bretterverschlag; -üse ist die niederdeutsche Form huse für Haus mit +aphäriertem Anlaut, bezw. mit Schwund des aspirierten Anlautes wegen der +Zusammensetzung mit cab. Das Wort hat also ursprünglich cabhus gelautet. +Die Zusammensetzung ist um so eher zu begreifen, als die Bedeutung Haus +bei cab schon früh nicht mehr gefühlt wurde und man doch recht deutlich +sein wollte. Ich werde in dieser Annahme durch die Tatsache bestärkt, +daß im Mittelniederdeutschen das Kern*haus* eines Apfels kabuse hieß. + + +*Kambüsenbesteck*, das. + +Am Lande haben Köchinnen ihre militärischen Freunde manchmal vielleicht +nur deshalb weil hie und da einmal etwas Eßbares abfällt. Ganz aus +demselben Grunde hat der in der Kambüse sein Wesen treibende Koch seine +Freunde unter den Unteroffizieren. Als einst auf hoher See die +sämtlichen Mitglieder der Offiziermesse an Wurstvergiftung erkrankten, +zeigten sich nicht nur bei dem Steward und seinen Maaten, sondern auch +beim Koch und einigen Bootsmannsmaaten, die mit ihm befreundet waren, +dieselben Vergiftungserscheinungen. So ist denn öfters in den Freizeiten +in und bei der Kambüse gemütliche Versammlung in der über dies und +jenes, namentlich aber auch über die Fragen, wie groß das Etmal und wie +wohl das Mittagsbesteck sein möge, verhandelt wird. Da aber +wissenschaftliche Bestimmungsmittel fehlen, so wird das Besteck +»gegißt,« (s. gissen). Naturgemäß wird oft »vorbei« gegißt und das +Besteck ist verkehrt. Darum nennt der Seemann jede falsche Vermutung, +jede unrichtige Nachricht ein Kambüsenbesteck. + + +*Kampanje*, die. + +Der Aufbau auf dem Achterdeck, ganz hinten am Heck, der ursprünglich +Hütte hieß und lange Zeit auch neben Kampanje so genannt wurde; +eigentlich nur das erhöhte Deck selbst, was daraus hervorgeht, daß die +Kammern unter dem Aufbau Kammern *unter* der Kampanje genannt werden; +indessen ist doch das Ganze eins und heute noch als Hütte anzusehen. So +haben wir also auch hier wie bei Kabine, Kajüte und Kambüse auf das +unter Kabine behandelte keltische cab zurückzugehen, und zwar auf die +romanische Form capanna. Von dieser ist ein niederländisches Diminutivum +kapannje gebildet, ein n fiel aus und das m kam rhinistisch hinzu durch +Nasalierung des ersten a, wie in Kambüse. Bald verdunkelte sich auch, +ebenfalls wie bei Kambüse, Kombüse in niederdeutscher Weise das a zu o, +so daß schon Kilianus die Form kompanghe hat, op-boetsel, Acroteria. Die +übrigen bekannten mittelniederdeutschen Formen sind kompandie, +compannie, companie, compandie, sogar compagnie, stets erklärt mit: +»Platz oben auf der Hütte«, vergl. die unter Badegast angeführte Stelle +der Hamburger Chronik. + +Französisch ist das niederländische kompanje oder kampanje 1702 von +Aubin übersetzt mit »le dessus de la Dunette proche du couronnement.« +»On fait souvent devant la porte de la Dunette un couvert comme un petit +appentis (Schutzdach), soutenu par des pilers et aux bouts du demipont +des apuis et des balustrades, fort bien ouvragées« ... »On met au-dessus +des dunettes, auprés du couronement, un banc pour s'asseoir, et au +dessous une cage pour des volailles et pour des pigeons«; also war schon +damals die Kampanje der Versammlungsort der (dienstfreien) Offiziere, +die da auch schon ihre mitgebrachten Papageyen etc. etc. hängen hatten. +Aber man darf Kampanje doch nicht mit Kompanie, Kumpanie = Gesellschaft +zusammenbringen; auch nicht mit campagne für champagne von campania, +Flur, Gefilde, »angenehmer Aufenthaltsort«; noch weniger mit campus, +Schlachtfeld, wovon das deutsche Kampf kommt. Dergleichen Gedankengänge +leiten die Sprache bei dergleichen Benennungen nicht; sie verfährt +nüchtern und knüpft an das Nächste, wo möglich etwas Sichtbares und +Greifbares, an; und das war hier der keltische Name cab = Hütte. + + +*Kamerad*, der, + +italienisch camerata, spanisch camarada, französisch camarade, Gefährte, +Genosse, eigentlich Kammergenosse, ursprünglich, wie Frauenzimmer, ein +Kollektivbegriff, eigentlich Stubengenossenschaft, nachher erst auf eine +einzelne Person angewandt. + + +*Kammer*, die, + +kommt in der Sprache der Kriegsmarine in vielfacher Bedeutung vor. + +1. Der Privat-Wohn- und Schlafraum eines Offiziers etc. etc., der nur +mit diesem Namen, niemals etwa Kabine genannt wird. + +2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs für die Mannschaft und zwar nur +für neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut +eines Kammer-Unteroffiziers steht. + +3. Der Raum am Gewehr. + +4. Die so wichtigen Pulverkammern. + +5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa daß sie auf +dem Schiff wäre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern +davon daß sie für ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes +Schiff die Ausrüstungsgegenstände, Geräte, Möbel, Decken, Matten, +Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines +(Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten +und putzen läßt. + +In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprüngliche engere +Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch +camara, mittelhochdeutsch kamera, nämlich Gewölbe, gewölbter Raum, +sondern der spätere, weitere von Raum überhaupt. + +Neuerdings kommt, bei dem mächtigen Aufschwung der Photographie, außer +der camera auch noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme. + +In Ostfriesland heißt Kammer zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur +Schlafstube. Dagegen wird in Groningen Kammer für Haus gebraucht in der +Verbindung Armenkammer, und man sagt daher wohl, wenn einer da hinein +gesteckt worden ist, er sei »Kammerherr« geworden. + + +*Kanal*, der, + +ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemüter beschäftigt und die +Menschen bewegt, weil der überhandnehmende Eisenbahnverkehr gebieterisch +Kanäle fordert. + +Das Sprachliche ist unter »Kahn« zu ersehen. Wie eine +naiv-gottesfürchtige Zeit über die physische Möglichkeit und sittliche +Berechtigung solcher »Störung der Natur« dachte, geht aus einer Stelle +im »Durchläuchtigsten Seehelden« hervor, wo von der Entdeckung der +Magellanstraße die Rede ist; »... hatten die Spanier mit den Portugiesen +wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit unter einander gehabt, +immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit einen Durch-Zug nach den +Osten durch einen oder andern Weg zu finden gesuchet, weil aber das +Glück diesem Vorhaben nicht fügen wollen, hat man bereits (d. h. nicht +1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520 vor dem Antritt von +Magellans Reise) den Gedanken gehabt, den Isthmum oder die Landenge von +Darien, wo sie am schmälesten, zu durchgraben, daß, wenn also Norden mit +dem Süden vereinigt würde, die Wahren und Kauffmannschafften desto +leichter aus der einen in die andere See zu bringen wären. Weil aber +ihrer viel über dieser Sache die Meinung hatten, daß man die den Wellen +der See gesetzte Dämme und Gräntzen, welche die Natur selber gesetzet, +nicht leichtsinniger Weise wegnehmen sollte, indem nicht sonder +Bedenken, daß wenn die zwo Seeen in eines zusammengebracht würden, und +die Norder-Wasser sich erheben sollten, das gantze Land möchte unter +Wasser gesetzet werden. Daß eben um dieser Ursache willen vormals der +König in Egypten Sosestris und zu unser Zeit der Türkische Kayser +Soliman bewogen, die Durchgrabung der Cathabatnischen Land-Enge nicht +vorzunehmen; andere konnten auch nicht begreiffen, daß alle harte und +schwere Steinfelsen, welche die Natur der See gleichsam zu einen Zaum +gegeben, solten können durchboret und viel weniger Weg genommen werden, +haltend es für eine Thorheit und Leichtfertigkeit, dasjenige +abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder aufzurichten, was durch die +höchste Weisheit so vorsichtig und füglich verordnet worden, und hielten +darfür, daß man die Strafe von Gottes mißfälliger Hand darüber mit Recht +zu fürchten hätte, also, daß wegen dieser und andern Ursachen und +Absehen beschlossen ward, keine Veränderung in der Gestalt der Natur zu +machen.« + + +*Kanthaken*, s. kentern. + + +*Kaper*, der, + +ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde Schiffe +wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In früheren Zeiten nahmen die +kriegführenden Parteien Privatkapitäne mit ihren Schiffen als Kaper an +und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer +einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der +wurde als kriegführend angesehen, wer nicht, als Seeräuber. Aber nicht +immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch +Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als +Seeräuber. »Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den +gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen +apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve« (1539). +Als Königin Margaretha von Norwegen und Dänemark gegen Albrecht von +Mecklenburg als König von Schweden Krieg führte und nach der Schlacht +bei Falköping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser Stadt eine +furchtbare Hungersnot. Da erließen die Städte Rostock und Wismar eine +Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen Kaperbriefen +ausgerüstet die Küsten Dänemarks und Norwegens zu plündern, zugleich +aber auch das bedrängte Stockholm mit Viktualien zu versehen. So strömte +eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages +Viktualienbrüder nannten oder kurzweg Vitalienbrüder. Damit aber war ein +Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen ließ, +denn diese Brüder mit ihrem Losungsworte: »Gottes Freund und aller Welt +Feind!« machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen +über jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem +Friedensschluß, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehört hatte, +hörten sie mit ihrer Seeräuberei nicht auf, die sie besonders von der +ostfriesischen Küste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben, +ja bis nach Rußland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus +Störtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften +Führer. Leider haben sich die ostfriesischen Häuptlinge dazu hergegeben, +ihnen Unterschlupf zu gewähren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu +machen; ja es konnte da heißen: »gleiche Brüder, gleiche Kappen«, denn +der Seeräuberei waren diese Häuptlinge auch ohne die Vitalienbrüder +schon eifrig genug ergeben. Überhaupt waren die sittlichen Begriffe in +diesem Stücke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das +ganze 16. Jahrhundert über noch so verworren, daß alle Anlieger der +Nordsee diesem »unerlaubten Nahrungszweig« huldigten. Außer den +Ostfriesen werden besonders die Engländer und Norweger namhaft gemacht. +Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz war den Hugenotten mit +einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge +durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu +Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz +Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den +Landtransport, sondern wählte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La +Rochelle fand man einen »Schiffsmann« aus Lübeck, welcher »sich zur +Heimreise anschickte«, also Rückfracht suchte. Demselben mußte jedoch +der Inhalt der an Bord gebrachten Kiste verheimlicht werden, weil nach +dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff +unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das +Schiff südwärts an die spanische Küste und nachdem es endlich den +Ärmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und +hergeworfen und entging nur mit Not den Überfällen englischer und +norwegischer Seeräuber. Endlich wird nach vielen Fährlichkeiten am 11. +August 1571 der Hafen von Lübeck erreicht. (Heintz, Schloßkirche zu +Meisenheim, S. 32. 33). + +Das Wort kommt vom lateinischen capio. + + +*Kapitän*, der, + +ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der Oberste, »das +Haupt«, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von demselben kommt +auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, kapitulieren, +Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, Kataster etc. +Kapitän hieß mittellateinisch capitaneus, altfranzösisch chevetaine und +chataine, daher das englische chieftain. + +Noch zu den Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der +Kriegsschiffe der Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das +Schiff, sondern derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich +hatte. Dieser letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so, +während jener Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die +seemännischen Manöver und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte. +Wandte man ja auch auf ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um +Verwechslungen vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es +gegenwärtig folgende Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2. +Fregattenkapitän = Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese +werden alle drei angeredet: »Herr Kapitän!« Aus Höflichkeit, ohne daß er +einen Anspruch darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so +genannt: 4. Der Kapitänleutnant = Hauptmann. + +Im Mittelalter war Kapitän gleichbedeutend mit Häuptling. »1355 is Edo +Wimkenn van den Richteren der Rüstring, Oistring und Wangers, nomtlik +van Hillert van Laurens, Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho +Kniphusen, Junge Hedde tho Welens etc erwelet und angenhamen mit synen +Nakomelinge tho ein Capitain und Hovet de lande und luide vorthostaen +und tho regeren, wente de Richter weren des amptes moede und +averdratich.« Das erste und älteste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes +Kapitänleutnant finde ich in einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem +Schlosse Lützburg an den nachmaligen Feldmarschall Dodo von Knyphausen +geschrieben worden ist: »Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den +abendt, alß man die pforten zuschließen wollen, einen anschlagh uff dieß +Hauß gemachet, indem er etzliche mußquettier bewerter Handt geschickett, +alß nun aber solches mißgelungen und der _captain leutenambt_ vom Heren +Ryngrawen, so im Kruege gewesen, auß dem schatthause angerufen worden« +... Auf einem Grabdenkmal in der Schloßkirche zu Meisenheim (Heintz S. +106) lesen wir von einem Kapitän-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre +alt im Jahre 1688 gestorben ist: »Gedachtnuß Herren Carl Ludwig +Schmitmans Herren Johan Daniel Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und +Inspectoris In Gott Ruhenden Lieben Sohnes Gewesenen Kapidain +Lieutenants Unter Dem Löblichen Schweizer Regiment Von Salis« ... 1747 +erschien zu Regensburg ein Buch »Auxilia historica oder Historischer +Behulff«, in dem werden »die Offizier und Personen in einem einzigen +Schiff« folgendermaßen aufgeführt: 1. Capitain ist in einem Schiff der +Höchste, so das ganze Kommando darüber, und sehr streng, führet. Er hat +einen Lieutenant. 2. Commandeur hat in einem Schiff nur das Commando +über die Soldaten. 3. Schiffprediger ist ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist +über die Segel, und die ganze Equipage. Wird auf dem Mittelländischen +Meer Patron genennet. 5. Steuermann, Pilote, ist, der das Schiff mit dem +Steuer-Ruder nach dem Compaß lencket, wohin es soll. Er muß in +Geometria, Astronomia, Geographia, der Karten u. s. w. wohl erfahren +sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und beobachten mit dem Schiffer +die Einrichtung der Segel, bestellen die Wachten auf den Masten und +beratschlagen sich immer wegen der Seekarten, davon sie dem Capitain +Rapport geben. 6. Bosseman, der die Ancker beobachtet. 7. Weiteres ist +darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey Barbier: Ein Schiffszimmermann +oder Baumeister: ein Haupt-Constabler, und andere zwölff. Esquiman oder +Schiemann, hat Aufsicht über die Pompe, ist sonst Quartier-Meister. Ein +Buddelier mit seinen Gehülffen: Ein Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit +Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser: Segelmacher: Tischler: Schmied: +Feuerwerker: Profos u. s. w. und Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind +die gemeine Bediente und Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt +selbst von nöthen, verrichten, mit tawen, anckern, seeglen, wachen. +Seynd in drey Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt, +darüber der Schiffer und die zwey Steuermänner commandiren. Insgemein +ein verwegenes Volck: Und hat es theils vonnöthen, massen sie in +höchsten Stürmen auf den Bäumen und Stricken wie die Mucken herum fahren +müssen.« + + +*kappen* + +heißt im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet schneiden, durchschneiden, +durchhauen. Den Mast kappen bedeutet nicht sowohl diesen selbst +durchhauen, sondern vielmehr die ihn haltenden Hofttaue der Wanten, +damit er abbreche und über Bord gehe. Die Ankertaue wurden gekappt, wenn +man keine Zeit zum Ankerlichten hatte. Niederländisch kappen, die Haare +schneiden, Kapper: der Friseur, französisch couper. Von diesem kommt +unser Fremdwort coupon und das Zeitwort coupieren; auch Coupé. + +Ein Kapaun ist ein Kaphan, ein »geschnittener« Hahn; stammt zwar vom +lateinischen capo, griechisch kapon, aber diese haben mit kappen +dieselbe Wurzel, sodaß Kaphan ausnahmsweise einmal eine auch sprachlich +zutreffende Volksetymologie ist. + + +*Kardeel*, ein, + +ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau zusammengeschlagen wird, +also ähnlicher Bedeutung wie Ducht, nur daß das Kardeel stärker und in +sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen zusammengedreht ist. +Niederdeutsch kordeel und karteel, auch kordel, wird nicht nur für den +einzelnen Strang eines Taues, sondern auch für dieses selbst gebraucht: +»idt is ock ein iderer schipper schüldich, gode starke kordell unde +windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des Kopmans goder mede in +unde vth setten kann.« (Dän. Seerecht). (Nicht zu verwechseln mit einem +anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet, ein Quartteil als Maß +oder Gewichtsbezeichnung.) Französisch heißen cordage »toutes les cordes +qui sont emploiées dans les agrés d'un vaisseau«. Dieser corde stammt +aus dem italischen corda, vom lateinischen chorda, entlehnt aus dem +griechischen chorde, Darm, Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit +erinnert und an das altnordische garnir, Eingeweide, Gedärme, mit Garn +zu einer Wurzel gehörig, so daß also Garn und Kardeel entfernte Vettern +sind. In oberdeutschen Mundarten heißt das, was in der hochdeutschen +Schriftsprache Bindfaden genannt wird, Kordel mit kurzem e. + +Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore und kor; man liebt daselbst das +Einsilbige. Niederländisch koord, koorde. + +Zu bemerken ist, daß es auch Tauwerk gibt, das aus vier Kardeelen +zusammengeschlagen ist, und daß also doch die Ableitung Quartdeel nicht +ganz undenkbar ist. Dann wäre kardeel als Teil eines Taues, als +Quartteil, ein ganz anderes Wort wie kardeel als Tau selbst. Doch +spricht hiergegen die Seltenheit vierschäftigen Tauwerks und vor allen +Dingen die Tatsache, daß die Teile *drei*schäftigen Tauwerks +hauptsächlich und vor allen Dingen Kardeele heißen. + + +*Kartusche*, die, + +ein zylinderförmiger Beutel mit dem zum Laden einer Kanone +nötigen Pulver. Ehedem war der Beutel, wie heute noch bei den +Jagdgewehrpatronen, eine Papierrolle. Daher ward vom lateinischen charta +für Papier im Italienischen cartoccio gebildet, altfranzösisch cartoche, +französisch cartouche, niederländisch kardoese. + +Auch in der Bedeutung Umrahmung kommt das Wort vor, in der Architektur +ein Ornament bezeichnend. + + +*Karake*, die, + +niederländisch kraak, dänisch, schwedisch karake, englisch carack, +französisch caraque, italienisch, spanisch, portugiesisch caraca; +altfranzösisch carraque, vom spätlateinischen carraca, carrica, +Lastschiff, lateinisch carrus, die Karre; wahrscheinlich keltischen +Ursprungs. Nach Roeding die größte Art der ehemals gebräuchlichen +Schiffe. Sie hatten zuweilen 7 bis 8 Stockwerk, worunter auch noch eines +auf der Back war. Sie konnten 2000 französische Tonnen tragen und +führten 2000 Mann Besatzung. Schon im Jahre 1350 schlugen die Spanier +gegen die Engländer auf Karaken. Nun längst veraltet. + + +*Karavele*, die. + +So hießen die Schiffe der Spanier und Portugiesen, die im Zeitalter der +Entdeckungen nach fernen Küsten fuhren. Kolumbus hatte bei der ersten +Fahrt nach Amerika drei solcher Karavelen unter seinem Kommando. »A +caravel was narrow at the poop, wide at the bow, and carried a double +tower at its stern and a single one at its bows. It had four masts and a +bowsprit, and the principal sails were lateen sails.« Spanisch und +italienisch caravela, Diminutivum des lateinischen carabus, griechisch +carabos, ein leichtes Schiff, ein Boot und eine Krabbe. + + +*Kasemattschiff*, das. + +Der Kampf zwischen Geschütz und Panzer ist noch nicht beendet. Es werden +fortwährend neue Versuche angestellt, wie er am zweckmäßigsten zu führen +sei, ohne daß Größe und Schwere ins Ungemessene gehen. Einer derselben +ist die Einführung von Kasemattschiffen, bei denen die mittschiffs +gelegene Batterie besonders gepanzert und als Kasematte behandelt ist. +Dieses Wort hat eine große Zahl von Erklärungen gefunden, aber es geht +ihnen wie den Gründen, wenn einer daran zu viele beibringt, so will +keiner recht einleuchten. Es soll aus dem griechischen chasma, Mehrzahl +chasmata = Grube, Höhlung kommen; aus casa mata, niedriges Haus; aus +casa matta, mattes, totes, verstecktes Haus; aus casa und matar = +schlachten, töten, also zu deutsch Mordkeller; andere denken an das +italienische mattone, also Backstein- (aus Backsteinen gewölbtes, +geschütztes) Haus, was am sinngemäßesten erscheint. + + +*Kasteel*, das, + +ein erhöhter (turmartiger) Aufbau auf Deck, vom italienischen castello, +spanisch castillo = Turm. Ist der Aufbau vorn auf der Back so heißt er +Voor-Kasteel; hinten auf der Schanze: Achter-Kasteel. + + +*Katten*, den Anker, + +heißt ihn, nachdem er an der Kette durch das Spill so weit gelichtet +ist, daß der Ring über dem Wasser erscheint, bis unter den Krahnbalken +aufwinden. Dazu gebraucht man einen Block, den Katblock, mit dem +Kathaken daran; und ein Gien, das Katgien mit dem Läufer daran, dem +Katläufer. Kat heißt niederdeutsch Katze; wie auch Bock, Widder, Kranich +haben herhalten müssen, so ist dieser Name zunächst dem Block gegeben +worden, offenbar wegen des katzenkrallenartigen Zugreifens seines +Hakens, das an der Katze mit der auf der Werft schwere Lasten gefaßt und +gehoben werden, noch deutlicher zu sehen ist. + +In der mittelalterlichen Belagerungskunst war katte der Name eines auf +Rädern stehenden Sturmwerkes, in einer Hansa-Urkunde von 1363 heißt es: +»Duo instrumenta machinalia, unum dictum un driuende werk, aliud dictum +een katte;« woher noch heute der Name Kattenstrasse; dürfte aber eine +Abkürzung von Katapult sein. + + +*Kausch*, die, + +eine eiserne Hülse, bez. ein Füllring eines Tau-Oehrs oder Segel-Oehrs, +womit dieses zur Verstärkung ausgefüttert ist. Der äußere Umkreis dieses +Ringes hat eine Rinne in die das ihn umfassende Tau paßt. Neuhochdeutsch +Kausche und Kauße. Niederländisch kous, schwedisch kausa, dänisch kause, +französisch cosse, Hülse, Schale, Schote. Der Grundbegriff scheint +Schale zu sein. Wie nun bei uns Schale auch ein Trinkgefäß +(Kaffe-Schale, Sektschale) bedeutet, so weist Hildebrand in Grimms +Wörterbuch im Deutsch-Litauischen ein kausche nach, das Kanne, Krug, +Trinkgefäß bedeutet und bis nach Asien hin zu verfolgen ist. + + +*Kavielnagel*, der. + +Die hölzernen oder eisernen »Nägel«, (wenn man ein so stumpfes Ding +einen Nagel nennen kann) an denen die verschiedenen laufenden Taue +»belegt« werden, heißen Kavielnagel. Wohl kein Wort der Seemannssprache +kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie dieses, das sich schon +dadurch als Fremdwort verdächtig macht: Koveinnagel, Koveljennagel, +Kovejennagel, Karvielnagel, Karveilnagel, Karveinnagel, Kobiliennagel, +Koveiljennagel, Kaveinnagel, Koviennagel, ja nach Breusing sogar +Koffernagel. Die Form Kavielnagel kommt dem Ursprung aus dem +italienischen caviglia am nächsten, das Holznagel, Bolzen bedeutet. +Nagel ist im Deutschen also nur für solche hinzugefügt, denen unbewußt +ist, daß Kaviel allein schon Nagel bedeutet. + + +*Keep*, die, + +ist die in einen Block eingeschnittene rings herumlaufende Vertiefung, +in die der Stropp, der um den Block gelegt wird, paßt, der dadurch vor +dem Abrutschen bewahrt wird. Der Bedeutung nach dasselbe Wort wie Kerb, +Kerbe, ohne daß es, wie man denken könnte, sprachlich mit ihm verwandt +wäre. Denn keep, kep, kepe, kap, käpe kommt von kappen, schneiden, wie +es ja auch einen Schnitt, Einschnitt bedeutet. Niederländisch keep; keep +houden heißt Kurs halten, Strich halten, da der Strich am Kompaß ja +nicht bloß ein Strich, sondern ein Einschnitt ist. + + +*Kennung*, die. + +Das Wort ist jetzt nur noch vereinzelt in der Bedeutung Landkennung im +Gebrauch, worunter man alles das an Kennzeichen versteht, daraus man als +erfahrener Seemann erkennen kann, an welcher Küste man sich befindet: +Berge, Kirch- und andere Türme, Mühlen, Baken, Bäume, Häuser etc. etc., +also alles was man jetzt *Landmarke* zu nennen pflegt. + +Bei den mittelalterlichen Seefahrern war Kennung ein Maß, und zwar ein +ziemlich großes, für Entfernungen. Breusing bemerkt in der nautischen +Einleitung zum »Seebuch« von 1400: »Das Maß wird von der Entfernung +genommen sein, in welcher man auf See bei klarer Luft die Küste, ein +Schiff oder dgl. »erkennen« kann. Es ist das natürlich sehr relativ und +hängt von der Schärfe des Auges ab.« Man hatte deshalb auch kleine, gute +kleine, und große Kennungen; letztere betrug 18 Seemeilen, die +Entfernung von Dover nach Dungeness. + +Es fragt sich ob in der unter dwars angeführten Stelle unter Kennung +ein Maß oder eine gute Landmarke zu verstehen ist. + +Eine der hervorragendsten Landkennungen an der deutschen Nordseeküste +war der von Graf Johann XVI. von Oldenburg auf Wangerooge erbaute Turm. +Vor undenklichen Zeiten hatte zum Besten der Seefahrer auf dieser damals +so viel größeren Insel ein Turm gestanden, der aber längst durch Krieg +und Wassersnot zerstört war. Graf Anton I. von Oldenburg hatte sich zwar +1566 bewogen gefunden, den Kirchturm zu Blexen, damit er als ein Pharus +diene, vierundzwanzig Fuß höher mauern zu lassen. Allein er ersetzte +nicht den Wangerooger Leuchtturm. Nun zeigte Graf Johann, daß das +Fräulein Maria von Jever Jeverland und Wangerland keinem Unwürdigen +vermacht hatte. Er selbst spricht darüber zu uns durch einen Bericht des +Doktors Herrmann Neuwald: »In vergangenen 1597 und 1598 Jahre hat Graff +Johan zu Oldenburg etc. etc. auch in der Insel Wangerrohe, so zu Jever +gehörig, auff der Elterleute zu Bremen (welche vom allgemeinen Kauffmann +dazu vermügt) einstendiges mundt- und schriftliches bitten und ansuchen +(inmassen das Wolselige Frewlein Maria zu Jever, von den Bremern zu offt +und vielmahlen auch darumb bittlich angelangt) an stat eines alten +umbgefallenen Thurms, so vor vielen undenklichen Jahren durch Krieg und +sonsten abbruch der saltzen See, zu nichte worden, wiederumb einen newen +stattlichen viereckigen hohen Thurm, mit zwo spitzen, und grossen +unkosten auffbawen lassen, darbei auch biß an noch gearbeitet wird. Und +hat mit demselbigen weiter die Gelegenheit, daß die Breite des Thurms +zeigt ins Süden und Norden, und die Lenge ins Osten und Westen, beyde +Thurmspitzen kommen die eine ins Norden, die ander ins Süden zu stehen, +also die aus dem Westen auff der See, des Eylands oder Thurmbs ansichtig +werden, sehen zwischen beyden spitzen durch, so lange sie ins Norden +vors Eylandt kommen, und so bald sie so weit umbsegeln, daß sie beide +Spitzen gegen einander haben, so seind sie auff der Weser, und können +als dann ohne große Gefahr Bremen ablangen. Imgleichen ist es auch mit +denen, so aussen Westen auff Hamburg die Elbe einlauffen wollen, welche +gleicher Gestalt jhr merckzeichen an dem Thurm haben, und nunmehr auf +der Weser die Seetonnen nicht hochnötig, dann ohne das, das Wolseliges +Frewlein Maria zu Jever, die Legung dieser Tonnen, als mehrernteils in +Jeverscher Iurisdiction, den Bremern nicht allerding verstattet. So ist +auch die Norderse bißweilen dermassen ungestüm, daß man für den grossen +Wällen ernante Seetonnen nicht sehen kann, oder dieselben wol gar +abgestossen werden, dadurch dann offtmahls die Seefahrende Leute grosser +gefehrlichkeit, wegen hoher Sande, unterworffen, den jennigen aber, so +aus Hispanien, Norwegen und anderen abgelegenen Königreichen, auch +Hollandt und Seelandt kommen, dienet der Thurm dazu, weile das Eylandt +Wangerohe, das neheste an der See, daß die Schiffer, wann sie den Thurm +vernehmen, wissen, wo sie sein, und also nach jhrem gefallen, die +Seehafen, dahin sie gedenken, einlauffen können, sonderlich ist hieran +auch gelegen, allen Schiffleuten, welche die Harle, Jade, Weser aus- und +einfahren, auch die Nordsee auf Bremen, und viele andere Örter, zu jhrem +grossen nutz und vorteil gebrauchen wollen, daß also bemelter Thurm vor +etzlich viel tausend Thaler, verstendiger erkenntniß nach, jährlichs +nicht zu entrathen, hat also Wolbemelter Graff Johann, allen Schiff- und +Kauffleuten zu gutem, und steter Gedechtnuß, wie obberürt, den Thurm +wiederumb erbawen und aufführen lassen.« + +Das »Seebuch« von Manson, aus dem Schwedischen übersetzt von Hans +Wittenburgk, Schiffer in Wißmar, Lübeck 1735, beschreibt in einer +Segelanweisung den »Einlauf nach Riga«: »Wenn man aus der See kommt, und +man bekommt Kennung von den Rigischen Thürmen, welcher drey seyn, zwene +gleicher Höhe, und der dritte etwas niedriger, so soll man so lauffen, +daß man den niedrigen zwischen beiden hohen habe« ... Waghenaer, 1588, +schreibt in seinem »Spiegel«: »Omme perfectelyk tot de conste ende +wetenschappe der Zeevaert te gheraken is de principaelste middele, dat +soo wanneer een Stuermann oft Bootsghesel, ut eenighe Landen, Riuiren +oft Hauenen, zeylen wil, sal wel scherpelyk moeten letten, wat ghebome, +Sloten, Toornen, Kercken, bekende Berghen, Duynen, Molens oft andere +mercken daer op staen. Ende alle t' selfde alst nu een kenninghe van v +begint te legghen, mette penne ontwerpen oft contrefaicten, ende dit op +sekere ende ghewisse streken van den Compasse« ... + + +*Kentern.* + +1. Einen Balken mit der Hand oder mit einem sogenannten Kanthaken so +bewegen, daß er sich um seine Kante dreht und auf die andere Seite zu +liegen kommt. Wenn das mehrere Male geschieht, so bewegt sich dadurch +der Balken von seiner Stelle und man kann in dieser Hinsicht das Kentern +als eine Art von Fortbewegungsmittel ansehen. Was den Kanthaken +betrifft, so gebraucht der Seemann das Wort auch in übertragener +Bedeutung; »jemanden am Kanthaken kriegen« heißt ihn gehörig fassen und +vornehmen. + +2. Ein Schiff oder ein Boot kentert, wenn es sich unter allzugroßem +Druck auf die Segel oder sonstigem Zusammentreffen widriger Umstände so +auf die Seite legt, daß es seinen Schwerpunkt verliert und »über Kante« +geht, so daß die Seite die bisher oben war und immer oben sein soll nach +unten zu liegen kommt; das Wort müßte eigentlich käntern heißen. + +3. Der Strom kentert wenn Ebbestrom gewesen ist und nun Flutstrom +einsetzt, der Strom also von der andern Seite oder Kante kommt. + +4. Der Anker kentert, indem er sich auf die Seite legt. Kante ist +überhaupt ein in seemännischem Munde häufig gehörtes Wort, wo das +Hochdeutsche Seite sagen würde, daher die berühmte Zusammensetzung +waterkant für Küste, Seeseite. + + +*Kerkedortje*, das, s. Schlappgording. + + +*Kessel*, der. + +Das lateinische catinus = Holzschüssel hat sich infolge der großartigen +Siege der Dampfkraft zu einem gewaltigen Dampferzeugungsapparat +ausgewachsen. Es ist hier nicht der Ort ein Mehreres darüber zu sagen, +als daß die verschiedenen Systeme von Kesselanlagen teils nach ihrer +Gestaltung, teils nach ihren Erfindern und Verfertigern benannt werden: +Kofferkessel, Zylinderkessel, Lokomotivkessel, Wasserrohrkessel; +Belleville-, Niclausse-, Dürr-, Thornycroft-, Jarrow-, Normand- und +Richard Schulz-Kessel. + + +*Kette*, die, + +vom lateinischen catena, hat auf größeren Schiffen als Ankerkette das +früher übliche Ankertau vollständig verdrängt. Sprachlich ist nur die +Wendung »Kette stecken« zu erwähnen, weil sie in übertragener Bedeutung +gebraucht wird. Es heißt eigentlich: »mehr Kette zu den Klüsen +hinausstecken«, was stets zu geschehen hat wenn ein Sturm aufzukommen +droht. Das Bild der aus der Klüse herauskommenden Kette schwebt dem +Seemann vor, wenn er für das, was man sonst nennt »den heiligen Ulrich +anrufen« oder »Kotzebues Werke herausgeben«, sagt: »Kette stecken«. +Schon diese scherzhafte Bezeichnung beweist, daß Jan Maat mit seekranken +Leuten nicht allzuviel Mitleiden hat. + + +*Kettenschiffahrt*, die, + +ist eine Flußschiffahrt bei der der betreffende Dampfer sich selbst an +einer Kette entlang schleppt, die in den Fluß versenkt ist. Die Kette +geht vorn auf das Dampfschiff hinauf und, auf Rollen laufend, hinten +wieder herunter. Eine Gesellschaft, die auf der Elbe von Magdeburg nach +Hamburg dergleichen Schiffahrt betreibt, heißt »die Kette«. + + +*Kieker*, der. + +1. Der Mann auf dem Ausguck, hochdeutsch schlechtweg »der Ausguck« +genannt (und zwar mit etwas größerem Recht als der Soldat auf Posten die +Schildwache heißt). + +2. Ein Fernrohr, jedes Fernrohr, besonders aber das lange für *ein* +Auge. + +Kiken heißt gucken, kucken, sehen, schauen. Wahrscheinlich gehören +kiken, sehen und kiken, stechen zu einer Wurzel, wie man auch von einem +stechenden Blick und von einem Krimstecher spricht. + + +*Kiel*, der. + +Die Erklärung dieses wichtigen Seemannswortes wird dadurch recht +erschwert daß es im Mittelhochdeutschen zwei einander gleich lautende +und doch Verschiedenes bedeutende Wörter Kiel und Kil gibt, von denen +ersteres Seeschiff, letzteres Kiel in dem uns geläufigen Sinne heißt. +Doch auch das möchte noch angehen. Aber da wir gewöhnt sind Kiel als +Schiffsteil auch fürs ganze Schiff zu nehmen, so stehen wir in doppelter +Gefahr Kil mit Kiel in eins zu verschmelzen. Zunächst ist jedenfalls +festzuhalten + +1. daß es ein althochdeutsches Wort kiol gibt das Schiff bedeutet, +mittelhochdeutsch kiel, altnordisch kioll (kjöll), angelsächsisch ceól, +welches nachher im Altenglischen noch für »Schiff« gebraucht wurde, wie +eine Urkunde des Königs Aethelred (978-1016), (gedruckt bei Höhlbaum, +Hans. Urkundenbuch) beweist, wo es heißt: »si adveniat ceol vel hulcus +(s. Hulk) et ibi jaceat 4 denarii ad telonum.« Das ist das alte +Seeschiff, in dem die Angeln und Sachsen über Meer gingen. + +2. daß es auch ein altnordisch kiolr gibt, das Kiel bedeutet, alt- und +mittelhochdeutsch kil, Federkiel und Schiffskiel, an den sich die +Spanten als Rippen ansetzen, wie die einzelnen Rippen an den Federkiel. + +So sehr nun diese beiden Wörter auseinander zu halten sind, weil sie +nun einmal grammatikalisch auseinander gehen, so stehe ich doch nicht +an, zu glauben, daß beide ursprünglich doch aus einer und derselben +Wurzel entsprossen sind, als welche Fick ku oder gu, schwellen annimmt. +Diese Meinung wird dadurch bestärkt, daß unser Seemann anstatt +Kielschwein Kolswin sagt, was doch von König Aethelreds Zeiten her ihm, +dem äußerst zäh am Alten hangenden, könnte hängen geblieben sein. + +Urverwandt mit gaulos schiff, eigentlich Eimer, also etwas rundlich +Anschwellendes. Es kann nicht auffallen, daß die Germanen und die +Griechen ein seemännisches Wort urgemeinschaftlich haben, da sie doch +stammverwandt und in uralten Zeiten mit einander über den Kaukasus +gewandert sind. Indessen ist es nicht einmal unbedingt nötig +Urverwandschaft zwischen gaulos und kiol anzunehmen, da ja Bischof +Ulfilas, der Übersetzer der Bibel ins Gothische und damit Schöpfer der +gothischen Schriftsprache, in Konstantinopel ausgebildet worden war und +dort unzweifelhaft Gelegenheit genug hatte, seemännische Wörter kennen +zu lernen und sie aus dem Griechischen in gothische Form zu übertragen, +von wo aus sie dann ins Althochdeutsche übergingen. (Bei den vielen +engen Berührungen der alten Deutschen mit den Römern kann natürlich eine +unmittelbare Herübernahme lateinischer Seemannswörter ins Deutsche noch +weniger befremden, zumal mit neuen, verbesserten Werkzeugen sich +überhaupt leicht der neue Name aus der Fremde einbürgert). + + +*Kielholen.* + +1. Ein Schiff, es geht natürlich nur bei kleineren, am Gestade oder Ufer +so auf die Seite legen, daß man an den Stellen, die sonst unter Wasser +sind, arbeiten kann; also eigentlich den Kiel trocken holen. Auch in +übertragener Bedeutung »das Unterste zu oberst kehren«; wenn eine Frau +»Rein Schiff«, d. h. große Frühjahrsreinigung des Hauses vorhat, so sagt +wohl der dadurch erschreckte Mann in Holland: »zy zal beginnen te +kielhalen« (Lüpkes, Seemannssprüche). + +2. Ein früher gebräuchliches sehr empfindliches Verfahren, das teils bei +der Linientaufe als grausamer Scherz, teils von Rechts wegen als +bitterer Ernst geübt wurde, darin bestehend, daß einer an einem Tau von +der Nock der einen Seite der Großrahe unter dem Kiel durch zur Nock der +andern Seite der Großrahe geholt wurde. Wenn man in Deutschland und +Holland auch nicht, wie anfänglich bei großen Seeunternehmungen in +England, die Gefängnisse entleerte um die Schiffe zu bemannen, so waren +die Männer, die in früheren Zeiten ihren Handel in großen Wassern +trieben, doch nicht grade die allersanftesten Brüder und mußten in +strenger Zucht gehalten werden. Aubin beschreibt das Kielholen so: +»C'est une sorte de punition qu'on pratique parmi les Hollandais, en +cette maniére. On mène le coupable au bord du vaisseau, et on y atache +une corde, au milieu de laquelle il est lié par le milieu du corps; +ou-bien, on amène la vergue sur le vibord, et aïant mis le coupable sur +le bout, on y atache la corde. Autour de son corps on met quelque chose +de pesant, ou-bien l'atache à ses piés. La corde est aussi longue qu'il +faut pour passer sous la quille du vaisseau. Un des bouts en est tenu de +l'autre coté, par quelques-uns des plus forts matelos de l'équipage; et +l'autre bout est celui qui est ataché au vibord, ou à la vergue. Le +coupable, à lordre qu'en donne le Quartier-maitre, étant jetté à la mer, +ceux qui tiennent la corde à l'autre bord du vaisseau, la tirent le plus +vite qu'ils peuvent, de sorte qu'il passe avec une grande rapidité, dans +l'eau, sous la quille. On recommence même quelquefois, et on le jette +autant de fois que la Sentance le porte. Ce châtiment est rude et +dangereux, car le moindre defaut de diligence ou d'adresse, de la part +de ceux qui tirent la corde, ou quelque autre petit accident, peut être +cause, que celui qu'on tire, se rompe ou bras, ou jambes, et même le +cou, ou quelque autre parti du corps; si-bien qu'on le met au rang des +peines capitales.« + +Der »Artykelbrief« der Generalstaaten, das Reglement der Marine der +Niederlande, die Grundlage der Disziplin an Bord, hält strenge auf +Zucht, Ordnung und Gottesfurcht. Es mögen hier einige Bestimmungen in +Aubin's Übersetzung Raum finden. I. L'Amiral, le vice-amiral, le +Capitaine, Lieutenant, ou tout autre qui commandera un vaisseau, prendra +soin qu'on fasse tous les matins et tous les soirs la priére sur son +bord, ou tout le mionde se tiendra prêt pour y assister, sur peine, en +cas de défaut, de quatre sous d'amende pour la premiére fois; du duble +pour la seconde fois; et d'être huit jours aux fers, au pain et à l'eau, +pour la troisiême fois. II. Ceux qui ne se comporteront pas comme il +faut, pendant qu'on lira la Parole de Dieu, ou qu'on fera la priére; qui +riront, qui feront du bruit, et qui, de quelque maniére que ce soit, ne +se tiendront pas dans un êtat modeste, seront conduits devant le mât, y +recevront des coups de corde de tour de tout leur Quart, et paieront six +sous d'amende au profit du Prévôt. III. Quiconque prendra le nom de Dieu +en vain, ou jurera, sera aussi mené devant le mât, et battu de coups de +corde par son Quart, et paiera deux sous d'amende, aplicable aux +pauvres, et six sous au Prévôt. XXIX. Ceux qui demeureront endormis +lors-que le siflet se fait entendre, et lors-qu'il faut venir faire le +quart, seront punis pour la premiére fois arbitrairement, par l'ordre du +Capitaine, et de l'avis des Oficiers; pour la seconde fois ils seront +battus de bouts de corde par tout l'équipage; et la troisiéme fois ils +auront *la cale par-desous la quille*.« + + +*Kiellinie*, die. + +Wenn das Signal: »Im Kielwasser des Admirals folgen!« befolgt wird, dann +segeln, oder vielmehr dampfen die Schiffe eines Geschwaders in +Kiellinie, eines hinter dem andern, in genau abgemachten und inne zu +haltenden gleichen Abständen, so daß also die Verlängerung der Linie des +Kiels aller Schiffe in *einer* graden Linie verläuft. + + +*Kielwasser*, das, + +der Streifen schäumend bewegten Wassers, den das Schiff bei seiner Fahrt +hinter sich läßt. Der Winkel, den die Linie des Kielwassers mit der +Richtung des Kiels macht, zeigt die Größe der Abtrift an. Doch wird +Kielwasser wohl auch gleichbedeutend mit Kurs genommen, was z. B. +geschieht, wenn der Befehl an die Schiffe eines Geschwaders ergeht, daß +sie im Kielwasser des Admirals folgen sollen. + + +*Kielschwein*, das. + +Verstärkung des Kiels. Mit Schwein hat das Wort aber nichts zu tun. Das +hat Reinhold Werner »Schule des Seewesens« sehr wohl erkannt und sagt +darum durchgängig anstatt Kielschwein Kielschweif. Das ist aber nur ein +Verlegenheitsgriff und bringt uns nicht weiter. Wir müssen einen andern +Weg der Erklärung einschlagen. Der niederdeutsche Seemann sagt Kielswin +(eigentlich Kolswin s. Kiel). Swin heißt nun freilich auch Schwein, aber +das Swin in Kielswin ist eben ein ganz anderes Ding als das Borstentier, +das seinen Namen von der Diminutivform oder vielmehr Femininumform von +Sau hat. Unser -swin hat von der Verstärkung den Namen. Das +mittelniederdeutsche Wort swin hieß stark. Es ist zwar dasselbe wie das +Hochdeutsche geschwind, früher mundartlich und auch jetzt noch manchmal +ohne die Vorsilbe einfach schwind, aber es hieß anfänglich weiter +nichts als groß, heftig, stark. »Do bouweden se en slot, unde is ein +swinde vast hus.« (Lübecker Chronik.) »Dar weren sulen van glaze, de +weren swynde grot« (Lübecker Passional.) Der Wechsel oder vielmehr die +Erweiterung liegt nahe. Von swind in der Bedeutung stark kann man leicht +zu geswind in der Bedeutung schnell kommen, man braucht nur an einen +starken, kühnen, kräftigen, unternehmenden Menschen zu denken, der wird +allemal auch ein schneller Mensch sein. Schon zu Anfang des 17. +Jahrhunderts hatte sich diese Erweiterung bereits vollzogen und im +Seegebrauch festgesetzt, wie wir aus dem niederdeutschen Fastnachtsspiel +»Scriba«, das 1616 in Hamburg aufgeführt ward, erfahren. Da will eine +Bäuerin ihren Sohn gern Latein lernen lassen und sagt zu dem Schreiber: +»Herr Schryver, he haft suss en schwinden vorstand, he schol dat Lackyn +wol grypen mit der hand.« Ja schon 1498 ist sie nachzuweisen. In diesem +Jahre erschien die erste Ausgabe des Reineke de vos in niederdeutscher +Sprache. Da heißt es: »Reinke log ser und swinde. Brun folgede en na +alse ein blinde.« + + +*Kill*, die, + +auch Kille, die, ist, ähnlich wie Priel, eine natürliche Wasserrinne, +ein natürlicher Wasserlauf, namentlich auf dem Watt; niederländisch kil; +altnordisch, isländisch kyll; nordfriesisch kiel = Brunnen, Quelle. Mit +diesem letzteren Worte ist es eins, wie denn das Stammverbum zu Quelle +auch ein i anstatt des e hat; gothisch qillan. + + +*Kikebuse*, die, + +ein kleines, über Reifen gespanntes, tonnenförmiges Netz, worin das sich +allmählich verengende und spitz zulaufende Ende des Stellnetzes oder der +Fuke hineingesteckt wird, damit sich die in dem Stellnetze gefangenen +Fische darin sammeln. Verbindung von kike = Gefäß (Feuerkike) und bus = +Stall, Viehstall. + +Am Dollart werden diese Kikebuse noch jetzt aus Weiden geflochten und +für sich allein zum Fangen von Aal und Granat gebraucht. + + +*killen.* + +Die Segel killen, wenn sie hin- und herschlagen oder wappern, weil der +Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen plötzlicher +Richtungsveränderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern +grade aus der Richtung in der die Rahe gebraßt ist; killen = schwappern, +flattern, hin- und herschlagen, und zwar kurz und kräftig, nicht lahm +und langsam wie wenn überhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es dasselbe +Wort wie niederländisch killen, englisch kill = töten, d. h. schlaff +machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quellan, chellen, +chelen, mittelhochdeutsch quellen, quälen, töten, altenglisch quell, +sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich vermindern, +nachlassen, was der Bedeutung wegen beachtenswert ist, weil die Fahrt +des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachläßt. Neuenglisch +chill, das Zittern und Beben der Hände vor Frost in oberdeutschen +Mundarten kellen oder gellen, »o Mutter die Hände gellen mir so!« sagt +ein Kind, wenn die Hände so kalt sind, daß die Fingerspitzen sich +anfühlen als bohre ein Wurm darin. + +So wenig das Killen eines ganzen Segels gewünscht wird, so ist es doch +das Kennzeichen eines guten Rudergasten, daß er, wenn er hoch beim Winde +steuern soll, so nahe an den Wind geht, daß wohl die Luvschot der +Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der +Beweis, daß er nicht höher steuern kann, aber auch nicht voller steuern +will. + + +*Kimm*, die, auch Kimmung, die. + +1. Der Horizont, der äußerste Gesichtskreis auf freiem Felde, besonders +auf See; der äußerste Rand, da wo Erde und Himmel, besonders wo Meer und +Himmel sich zu berühren scheinen, sich scheinbar mit einander verbinden. +Mittelniederdeutsch kimme, niederländisch kim, englisch chimb, chime = +Zarge, Rand einer Türe oder eines Tisches. Es liegt ein Thema zu Grunde +mit der Bedeutung Zusammenfügung, Verbindung, Fuge, Verbindungsstelle. +Im Angelsächsischen heißt cimbing commissura, Naht, wo zwei Dinge +zusammentreffen. Niederdeutsch der äußerste Rand eines Dinges, nach dem +Bremer Wörterbuch die über den Boden hinausspringenden Enden der +Faßdauben. + +Da die Stelle, wo Himmel und Erde sich verbinden, das äußerste Ende der +Erde darstellt, so konnte sich, wie Doornkaat bemerkt, von selbst die +Bedeutung des Äußersten oder Entferntesten in Bezug auf ein Land und +seine Bewohner entwickeln, und demgemäß der Volksname der Kimbern und +der Landsname Kimmerien oder Kimbrien. + +2. Im Schiffbau derjenige Teil der Außenbordwand wo die größte Krümmung +ist, wo der Boden in die Seite übergeht, wo also eine Verbindung des +Bodens mit der Seite stattfindet, wie die Erde sich mit dem Himmel +verbindet. + +Wenn ein Schiff bei einer Strandung auf die Seite fällt, so kommt es +nach dem Gesetz der Schwere auf diese Kimmung zu liegen; etliche Planken +ober- und unterhalb dieser Stelle heißen Kimmplanken, und die Weger +oder Wäger (s. Wägerung) heißen Kimmwäger. + + +*Kinbacksblock*, der. + +Jeder Block der eine Scheibe hat, hat auch eine gewisse Ähnlichkeit mit +einer Kinbacke, oder vielmehr mit zweien, da die beiden Backen zu den +Seiten der Scheiben sich damit sehr wohl vergleichen lassen. +Kinbacksblock heißt einer aber besonders, weil er neben den Kinbacken +auch gleichsam noch einen Mund hat, nämlich einen Ausschnitt, durch den +man das Tau über die Scheibe legen kann ohne erst das Ende einstecken +und ganz durchholen zu müssen, was oft gar nicht angängig wäre, weil +beide Enden mit irgend einem umfangreichen Gegenstande verbunden sind +und nicht von ihm gelöst werden können. + + +*Kinke*, eine, + +ist eine Windung, eine Falte, ein Auge, eine Drehung in einem Tau, die +sich leicht bildet, wenn es neu und zu hart gedreht ist; eine sehr +gefährliche Sache, wenn das Tau durch einen Block laufen soll; es ist +dann »unklar« und muß schleunigst klariert werden. Auch nennt man wohl +die Biegungen eines aufgeschossenen Taues Kinken und warnt bei schnellem +Ablaufen derselben: »Die Beine aus den Kinken bergen!« damit die Gewalt +des abrollenden Taues sie nicht breche. »Sich aus den Kinken bergen« +heißt auch allgemein in übertragenem Sinne sich vor irgend einer Gefahr +in Sicherheit bringen. Die Benennung ist von kinke, einem +niederdeutschen Worte für »gewundene Schnecke«, entnommen, das von +conchile kommt; kinken niederländisch krumm liegen, verwirren; auch +niederdeutsch verwickelt; das Bremer Wörterbuch sagt: »Auch die +Schneider brauchen dies Wort, wenn der Faden im Nähen sich selbst +verwickelt und einen Knoten macht.« Auf Wangerooge kink. + + +*Klabautermann*, der, + +kommt von dem mittelhochdeutschen Kobold (und Mann, Koboldermann), +lächerliche aus Holz oder Wachs gebildete Figur eines neckischen +Hausgeistes (ursprünglich Götzenbild, Bildnis eines Hausgeistes, das +über dem Herde angebracht wurde. Nachher in der christlichen Zeit wurden +dergleichen Bilder nur noch zum Scherz oder zur Zierde auf den Kaminsims +gestellt, aber ursprünglich hatten sie tiefere, religiöse Bedeutung, +Simrock, Mythologie S. 450, 6. Aufl. Bonn 1887). Griechisch Kobalos, +verschnittener Possenreißer, mittelniederländisch coubout, +neuniederländisch Kabout, flämisch Kabot, Kabotermanneken. In dem immer +mehr verschwindenden Aberglauben der Seeleute ein guter Schiffsgeist, +der unten und oben, im Schiff und in der Takelage sein munteres Wesen +treibt. + + +*klabastern*, + +eigentlich klabautern, wie man auf Wangeroog sagt, (»dat is 'n ewig +klabautern«, wenn lange gekreuzt werden muß). Es heißt schlagen, +purzeln, polternd laufen, neckend jemand nachlaufen, sich dabei +überstürzen (»Kobold schießen«) wie ein Kobold. Da dieses Wort zum +Scherz herausfordert, so ist klabastern offenbar auch eine scherzhaft +gebildete Form für klabautern. Um das Holländische als einen ans +Lächerliche grenzenden deutschen Dialekt darzustellen behaupten +Unkundige immer wieder, es heiße »und seine Jünger folgten ihm nach« in +der holländischen Bibel »en sijne jongelingen klabasterten achter hem +naa«; das ist eine böswillige Herabsetzung der kräftigen, klangvollen, +für die öffentliche Rede wie für die zarte Lyrik gleich geeigneten +holländischen Sprache, in der es kein Zeitwort klabastern gibt und in +der die Jünger Jesu discipelen genannt werden. Wohl gibt es ein Zeitwort +klauteren = klimmen, klettern, aber das könnte auch von klaauw = Klaue +kommen, käme es aber auch von Klabautermann, so hat es dennoch nichts +Lächerliches an sich. + + +*Klafter*, das, vergl. Faden, + +kommt auch männlich, ja nach Kluge, sogar in allen drei Geschlechtern +vor. Althochdeutsch klaftra. Die romanischen Wörter für Klafter braza, +brasse sind bedeutungsverwandt, denn es ist das Maß der ausgespannten +Arme; seemännisch nur Längenmaß von verschiedener Ausdehnung, (wie Fuß +auch). Sonst auch als Kubikmaß gebraucht, »ein Klafter Holz«, +ursprünglich so viel man mit den Armen umklaftern kann. Der Teuthonista +sagt: clafter, clater, later, vadem, dat is eyns menschen lenghd, weil +angenommen wird, daß ein Mensch so groß ist wie die Entfernung von +Fingerspitze zu Fingerspitze bei ausgebreiteten Armen. + +Apostelgeschichte 27, 28 in der Uebersetzung Luthers: »Und sie senkten +den Bleiwurf ein und fanden zwanzig Klafter tief«; das griechische Wort +heißt orgyia und kommt von orego, ich strecke aus; es ist also hier der +Raum zwischen den ausgestreckten Armen gemeint. + + +*klameien*, s. kalfatern. + + +*Klampe*, die + +1. die einfachsten Klampen sind weiter nichts als Stücke Holz, Klötze +oder Kloben, dazu dienend, einer anderen Sache Festigkeit zu verleihen, +z. B. Klampen der Mastspuren, Klampen auf denen die Wasserfässer fest +liegen, Bugspriet-Wuhlings-Klampen, Treppenklampen an der Außenbordwand +(Fallreepstreppe) für die Füße zum Treten und für die Hände zum +Festhalten, Betingsklampen, Nockklampen u. s. w. + +2. Eine Vorrichtung zum Belegen, d. h. Festmachen des Endes eines Taues; +hierbei hat das unter 1. erwähnte Stück Holz ungefähr die Gestalt eines +Ambosses bekommen, dessen Mitte an der Bordwand befestigt ist, dessen +beide Seitenarme aber frei stehen, so daß man das betreffende Tau +mehrmals um sie schlagen und zuletzt mit einem Kopfschlag befestigen +kann; diese heißen Belegklampen. + +3. Verholklampen haben lediglich den Zweck beim Holen oder Verholen dem +Tau als Führung zu dienen. + +Niederdeutsch klump oder klampe bedeutet etwas womit man einem andern +Dinge Haft, Halt, Festigkeit, Verbindung, Zusammenhalt gibt, Querholz, +Kloben, Klotz, Querriegel, auch einen Steg über einen Graben. +Niederländisch klamp = Klammer, Zapfen, Band; englisch clamp, Balken, +Latte, Leiste, Stück Holz zur Verstärkung und Befestigung; norwegisch +und schwedisch klamp, Klotz, Baumstumpf, Holzkloben. Es stecken also +zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen. Beide liegen auch +schon in dem Zeitwort klimpan, von dem Klampe abstammt und dessen +Grundbedeutung nicht nur spalten (Klumpen also = gespaltenes Stück Holz) +sondern auch klammern = anhangen, verbinden, haften ist; sie kommen +beide in Klampe zusammen: »Stück Holz zum Befestigen.« + + +*klar.* + +Dieses vielgebrauchte Seemannswort ist und bleibt in allen seinen +Verwendungen immer das lateinische clarus = *rein*. Ob es nun klar, +hell, deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklärt, gahr, +fertig, bereit bedeutet, immer ist der Begriff rein das +Ausschlaggebende. Sogar wenn das Kommando »Klar Schiff zum Gefecht!« +kommt, ist die Bedeutung zunächst nur: rein das Schiff von allem was im +Gefecht hinderlich sein könnte, fort mit allem was im Wege ist (und +dann: her mit allem was zur Schlacht gebraucht wird, was man haben muß +um zum Kampfe bereit zu sein). So sehr also »Rein Schiff« und »Klar +Schiff« begrifflich von einander verschieden sind, sprachlich stehen +sich die beiden Kommandos sehr nahe, nur daß bei »Rein Schiff« der +Schmutz, bei »Klar Schiff« was sonst im Wege ist, entfernt wird. + +Mittelniederdeutsch: klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schön. Ein +Hansareceß von 1386 spricht von einem »klare vorste unde dorluchtige +here;« auch von einer claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen +juncvrouwen ist in jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das +Wort seemännisch gebraucht für »in guter Ordnung sein«: »und haelden +beyde schepe tho hope und hadden unse dynck klaer« (zum Gefecht); »als +wy nu menden, dat wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk +under der luken was.« + +»Wache klar zum Manöver!« »Alle Mann auf, klar zum Manöver!« »Klar zum +Wenden!« etc. etc. »Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der +Schot« ... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bereit zu +halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was +dabei zunächst zu geschehen hat. »Klar machen zur Musterung!« bedeutet +noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu +machen. »Klar machen zur Kirche!« heißt den Altar aufstellen, Stühle und +Bänke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hissen etc. +etc. »Gig klar, Kutter klar!« lautet der Befehl, das betreffende Boot zu +Wasser zu lassen, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die +Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten +Offizier gemeldet wird: »Kutter klar!« (*ist* klar), »Klar Deck«, »klar +Deck überall!« heißt das Deck nach einem Manöver wieder in den vorigen +Stand versetzen, so daß alles wieder für ein neues Manöver +gebrauchsfähig bereit ist. Ein »*klarer Anker*« ein von seinem Tau, +seiner Kette freier, d. h. wohl an dieselbe befestigter, aber von ihr +frei d. h. ungehindert sich bewegender Anker, in seiner Verwendung von +Tau oder Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der +Marine, die nicht direkt etwas mit der Seemannschaft zu tun haben, einen +klaren Anker, ohne Tau, die seemännischen Unteroffiziere einen unklaren, +von einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil +angenommen wird, daß sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu +»*klariren*« d. h. klar zu machen. Klariren ist etwas anderes als +aufklaren, indem letzteres ganz allgemein aufräumen bedeutet, ersteres +aber gesagt wird, wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um +ihren Zweck zu erfüllen, wenn z. B. ein Tau einen Kink hat und man +diesen beseitigt. + +Das von klar kommende hochdeutsche erklären heißt +niederdeutsch-seemännisch *verklaren*; daher *Verklarung* vor Gericht +(s. d.) Das mittelniederdeutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen, +ins Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen. + +Ein so häufig gebrauchtes Wort wird selbstverständlich auch in +übertragenem Sinne angewandt. So heißt z. B. »klar beim Bolzen« +überhaupt bereit sein zu irgend einem Werke, und »klar Deck machen« +irgendwo aufräumen, dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im +Mittelniederdeutschen unklar sogar in moralischem Sinne gebraucht ward +für unehrlich; Lübecker Totentanz: »hefet unklar gewest in talle, mate, +wichte, rekenschop und ok in kope«, sagt der Tod zum Kaufmann. + +Eine ganz auffallende Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar +im Englischen vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein +claret. Klaret war aber im Mittelniederdeutschen weißer Wein, weißer +Gewürzwein, nämlich über Gewürz abgezogen und dann geklärter Wein. +Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch II. 473: »In dem +Catal. med. (Lübeck 1784) wird vinum claretum als weißer, vinum +hippocraticum als roter Gewürzwein aufgeführt, und letzterer doppelt so +hoch angesetzt als ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus +Ryff in seiner kleinen Apoteck oder Konfektbüchlein, Straßburg 1552. + +»Ein kostlick klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water +werpet, so isset nicht mehr water, sunder ein köstlich klareth edder +czuckerwater.« + + +*Klau*, die. + +Die Gaffeln sind zwar gabelförmig gestaltet aber die Gabelung daran +heißt merkwürdigerweise nicht Gabel, sondern Klau = Klaue, weil sie wie +eine Tierklaue den Schnaumast umklammert. Es heißt aber auch, nach einer +auch anderweitig durch Seeleute mündlich bestätigten Angabe des +Kapitänleutnants Frhrn. von Strombeck in der Marine-Rundschau +(Übersetzung eines Kapitels über Jacht-Seemannschaft) der Teil des +Segels, der sich zunächst der Klau befindet, Klau; in dieser Klau des +Segels befindet sich eine Kausch zum Befestigen desselben. + + +*Kleid*, das, + +heißt im Munde des Seemanns nicht dasselbe wie im Hochdeutschen, sondern +nur Decke, wie im Ostfriesischen und überhaupt im Niederdeutschen und +Niederländischen kleed = Decke, Teppich ist. Auch im Althochdeutschen +war dem so; da hieß kleit Zeug, Tuch, (wie das englische cloth), +banckleit = Bankdecke, (aber nicht Bankkissen, denn das hieß bankphulwe, +wie noch jetzt in Hochdeutschland ein Kissen »Pilwe« heißt). +Mittelhochdeutsch satelkleit = Satteldecke. Seemännisch: +Hängemattskleid, Zwischendeckskleid. + +Dem entsprechend wird auch kleiden gebraucht, doch siehe in Bezug +hierauf Schmarting, Platting, Schladding und Sarving; auch heißt das +Wegnehmen nicht entkleiden, sondern *abkleiden*. + + +*»Klein Holz«.* + +Die Redensart: »es gibt klein Holz« besagt so viel als: es geht etwas +entzwei, es wird etwas zertrümmert, es zerbricht etwas (auch wenn es +nicht von Holz ist); ja man kann auch, wenn ein ganzes Schiff am Felsen +zerschellt, sagen daß es »klein Holz« gibt; das bedeutet dann +»scheitern« in seiner wörtlichen Bedeutung. + + +*Klinkerboot*, das, + +ist ein Boot, das als Außenhaut eine einfache Plankenlage hat, deren +einzelne Gänge um einen geringen Teil ihrer Breite über einander +greifen, indem jede Planke mit ihrer unteren Kante die Oberkante der +unter ihr liegenden Planke bedeckt. Die über einander liegenden +Plankenteile werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden. + +In Oldenburg, Ostfriesland und Holland heißen die Ziegelsteine mit denen +die Chausseen gepflastert sind Klinker, weil sie so hart gebrannt sind, +daß sie klingen wenn man daran klopft. Mit diesem Worte hat jedoch +unmittelbar das Klinker in Klinkerboot nichts zu tun, vielmehr kommt +zunächst das niederdeutsche klinken = nieten, festmachen, festschlagen +ein Etwas auf ein anderes Etwas, fest verbinden mit einander; und zwar +ist dabei an das Geräusch gedacht, das bei dem dazu nötigen Klopfen +entsteht, indem klinken eine nasalierte Form von kliken ist, das den Ton +andeutet der entsteht wenn Eisen auf Eisen schlägt: »klick«. Englisch +clinch, nieten. Dasselbe onomatopoietische Wort wie unser klingen. + + +*Klinsch*, eine, + +ist nichts weiter als das unter dem Einfluß des englischen clinch = +Klinke etwas umgebildete deutsche Wort Klinke, entweder im Sinne von +»gekrümmtes, umgebogenes Ende eines Dinges« oder eines »haftenden, +packenden, haltenden Etwas«; beide Bedeutungen von klinken (s. +Klinkerboot) passen auf Klinsch sehr wohl; klinken heißt allerdings +»nieten«; aber das Nieten besteht darin, daß das spitze Ende eines +Nagels, der durch das zu Nagelnde durchgedrungen und auf der andern +Seite wieder herausgekommen ist, durch Klopfen umgebogen wird; dieses +Umbiegen ist die ursprüngliche Art des Nietens, und im Gedanken an +Biegung ist Klinke, ist auch Klinsch gebildet, denn eine solche ist ein +solcher Knoten oder Stek, bei dem das Ende eines Taues in der Weise +umgebogen ist, daß ein Auge entsteht; zunächst ein festes Auge; und dann +wird noch einmal gebogen und der Tamp durch das feste Auge so +durchgeholt, daß ein laufendes, bewegliches, veränderliches, sich dem zu +befestigenden Gegenstand durch Biegen anpassendes Auge entsteht. + + +*Klote*, die. + +Kloten sind kleine Hölzer in Gestalt einer Kugel oder eines Zylinders +mit einem Loch in der Richtung der Längsachse, um laufendes Gut zu +leiten. Man unterscheidet Wantklote und Rackklote; letztere (nach +Dabovich, Naut.-techn. Wörterb.) italienisch bertoccio per trozze +(Pater, paternostro); französisch pomme de racage, englisch +parrel-truck; erstere italienisch conduttore di manovra (Mandola), +französisch margouillet, englisch bull's eye, shroud truck. Die +Erklärung ist in dem Begriff Kugel gegeben. Klot heißt in Ostfriesland +die Kugel die bei dem berühmten »Klotschießen« (einem Werfspiel das im +Winter wenn die Graften zugefroren sind mit Leidenschaft als Wettspiel +zwischen Dorf und Dorf betrieben wird); heißt niederdeutsch überhaupt +Kugel (und Hode), Ball, Klumpen, Kloß; mittelhochdeutsch kloz, Klumpen, +Ball; es ist demnach unser hochdeutsches Kloß, entsprechend dem +französischen pomme, Apfel; oder auch unser Klotz. + + +*Klumpblock*, der, + +unterscheidet sich von einem gewöhnlichen einscheibigen Block durch den +geringeren Scheibendurchmesser und die kürzere, gedrungenere Gestalt, +hat also seinen Namen von Klumpen, wie auch der dicke, wenig zierliche +Holzschuh der Ostfriesen und Holländer klump oder klumpe heißt. + + +*Klüse*, die. + +Die Klüsen sind zwei Löcher an jeder Seite des Vorstevens durch die das +Ankertau oder jetzt vielmehr die Kette fährt; mit Blei oder Kupfer +ausgefüttert, damit das Wasser nicht zwischen die Inhölzer laufe. + +Es lag nahe, diese beiden Löcher mit zwei Nasenlöchern oder auch zwei +Augen zu vergleichen, und dieser Vergleich ist denn auch in ausgiebiger +Weise gemacht worden, namentlich in wenig vornehmer Rede, manchmal in +recht vulgärer Art, so daß das Wort Klüse einen etwas knotigen +Beigeschmack empfangen hat, ähnlich wie Panse, (»ich haue Dir eins in +die Klüsen«). Klüse ist die niederdeutsche Form für Klause, +althochdeutsch clusa, mittelhochdeutsch kluse = einsamer, +*abgeschlossener*, (clusum von cludere, clausum von claudere) enger Raum +(eines Einsiedlers, Klausners): abgeschlossener Behälter, Gebirgspaß, +Engpaß, (»durch diese hohle Gasse muß er kommen«). Dieser letztere +Begriff hat das Wort bei den Seeleuten in Aufnahme gebracht. Es kommt +auch, wie (1702) im Niederländischen dafür die Form kluisgaaten bezeugt +ist, die Verbindung klusgat = Klüsenloch vor, was aber ein +tautologischer und volksetymologischer Verdeutlichungsversuch ist. + + +*Knagge*, die, + +auch der (»ich schneide mir einen tüchtigen Knaggen Brot ab«) Dick und +Kretschmer, Seemannschaft I 444: »Mitunter hat das Ruder noch eine +Einrichtung, welche den Zweck hat, besonders beim Rückwärtsgang des +Schiffes den Maximalausschlag des Ruders zu begrenzen. Zu dem Ende ist +an jeder Seite des Ruders, etwa etwas höher als die obere Wasserlinie, +ein eiserner oder metallener Knaggen oder Ansatz angebracht, der sich +bei ganz hart gelegtem Ruder gegen den Steven legt und so ein weiteres +Drehen des Ruders über den Maximalwinkel hinaus verhindert.« Das +niederdeutsche Knagge, auch Knag, bedeutet dickes, unförmliches Stück, +Brocken, Klumpen, Knorren, harter Ast im Holze, Baumstumpf, Wurzelstock; +dann weiter Leiste, Zapfen, Pflock, hölzerner Wirbel. + + +*Knecht*, der. + +Die Knechte sind aufwärts stehende Hölzer bei den Masten mit Querstücken +an ihren oberen Enden und drehbaren Scheiben für die Führung schweren +laufenden Gutes. In den Querstücken stecken die Nägel zum Belegen der +durch die Scheibe geholten Enden. Das Wort Knecht ist nach dem Muster +von »Stiefelknecht«, »stummer Diener« etc. gebraucht. + + +*Kneifsteck*, der, + +ist ein Stek, der den Vorteil hat, leicht gelöst werden zu können; er +ist nämlich so eingesteckt, daß das Ende, wenn Kraft darauf kommt, +bekniffen ist; hört aber die Kraft auf, so kann man das bisher +bekniffene Ende bequem herausziehen und den ganzen Stek leicht lösen; +und selbst wenn Kraft darauf steht kann das bekniffene Ende ohne große +Mühe dem Zustande des Bekniffenseins entzogen werden. »Bekniffen« sein +in übertragenem Sinne ist ein wenig angenehmes Gefühl, nämlich eine Art +von moralischem Katzenjammer, eine Lähmung und Hinderung fröhlicher +Tatkraft in Folge eines gemachten Fehlers. + +Weil ein Kneifsteck, sobald man an dem bekniffenen Ende zieht, aufgeht, +»schlippt«, so heißt er auch (s. d.) Schlippsteck. + + +*Knickstag*, das, + +ist ein Sicherheitsstag, das in Tätigkeit zu treten hat, wenn das +eigentliche Stag gebrochen ist. Es heißt darum auch wohl im Deutschen +wie in den anderen Seemannssprachen der Nordsee Borgstag. Es ist also +ein Reservestag, das seinen Namen vom niederdeutschen knick hat = Bruch, +Sprung, Riß, weil es, wenn das betreffende Stag knickt, d. h. bricht -- +ein Tau »reißt« nie, es »bricht« in der Seemannssprache -- als Knickstag +an seine Stelle tritt. + + +*Knoten*, der. + +1. s. splissen und knoten. 2. s. Log. »das Schiff segelt sechs Knoten«, +d. h. es segelt sechs Seemeilen in der Stunde. Die Meilen entsprechen +den in bestimmten Entfernungen von einander befindlichen Knoten der beim +Loggen abrollenden Logleine. Ein Schiff fährt so viele Seemeilen in der +Stunde als Knoten der abrollenden Logleine in der Zeit eines ablaufenden +Logglases (Sanduhr) gezählt werden. + + +*knoten* s. splissen und knoten. + + +*kockpit*, die. + +»An apartment under the lower gun-deck of a ship of war, ordinarily +forming quarters for junior officers (and in action devoted to the +surgeon and his assistents and patients).« Eigentlich der Kampfplatz für +einen Hahnenkampf. Da nun »junior officers« manchmal etwas +Kampfhahnartiges an sich haben, namentlich wenn sie allzulange zusammen +an Bord desselben Schiffes bleiben, so hat man ihren Raum nach jener +Arena genannt, wie man auch denselben Namen gegeben hat, »to the room in +Westminster in which her majesty's privy-council hold their sittings«; +es wird zwar behauptet, der Name käme, »from its having been the side of +what was formerly the cock-pit belonging to the palace of Whitehall« ... +aber wenn das wahr ist, so wird es doch höchstens die äussere +Veranlassung gewesen sein, der innere Grund für die dauernde Herrschaft +des Namens liegt wohl tiefer. + +Der Name ist für einen entsprechenden Raum wohl auch auf deutschen +Kriegsschiffen gehört worden, vor 20-30 Jahren häufiger wie heute. + + +*Kofferdamm*, der, + +und Korkdamm sind neumodische Wörter für neumodische Dinge, nämlich für +bei der Panzerung notwendig gewordene Vorsichtsmaßregeln gegen +Überflutungen durch über das Panzerdeck tretende Wassermassen. Sie haben +also beide den Zweck eines Dammes, der eine in Gestalt von +kofferartigen wasserdichten Zellen, der andere gleicht diesem in +Gestalt, doch sind die Zellen mit Kork, Cellulose, Pflanzenmark oder +dergl. angefüllt. Wenn ein Schuß durch ein eisernes oder stählernes +Schiff geht, so ist das für das Schiff, und wie sich neuerdings vor Taku +herausgestellt hat, auch für die Mannschaft gefährlich. Durch den Kork +etc. etc. soll dann wenigstens bewirkt werden, daß das Loch sich +einigermaßen wieder zuzieht, wie früher beim Holzschiffbau, zu dessen +Zeiten manchmal ein Schiff ungezählte Schüsse bekam ohne zu sinken. + + +*Kogge*, die, + +war das altfriesische Seeschiff von breiter und plumper Bauart, vorne +und hinten rund und stumpf zulaufend, das nachher, etwas verbessert, in +der Geschichte der Hanse eine große Bedeutung gewonnen hat. Die Koggen +waren sowohl Handels- als Kriegsschiffe und werden in der friesischen +Geschichte zur Zeit der Kreuzzüge oft erwähnt, da die Friesen in diesen +Schiffen die Fahrt nach Palästina machten. Von der letzten, recht +unglücklichen, die 1269 unter König Ludwig dem Heiligen unternommen +wurde, erzählt Klopp, Ostfriesische Geschichte, I 136: »Also wurden +wieder in allen Kirchen die eisenbeschlagenen Blöcke errichtet und +Reiche und Arme brachten ihre Beisteuern dar. Aber durch die Erfahrung +der früheren Züge konnten viele Fehler vermieden werden. Den Weibern +ward die Teilnahme am Zuge völlig untersagt, damit die auf früheren +Fahrten häufig vorgekommenen Ärgernisse das Mal unterblieben. Es wurde +eingeschärft, daß nur diejenigen am Zuge Teil nehmen möchten, die sich +mit Lebensmitteln genügend selbst versorgen könnten. Deshalb sollte +jeder einzelne Pilger mindestens mitnehmen: sieben Mark Sterling, ferner +ausreichende Kleidung, Waffen, sechs Fäßchen Butter, einen Schinken, +eine und eine halbe Rindsseite oder zwei Scheffel Mehl. Am Freitage nach +Ostern 1269 war alles bereit. Die Schiffe wurden von den Priestern +geweiht und gesegnet und dann stiegen die Pilger andächtig hinein, viele +von ihnen mit Blutschulden beladen, die sie durch tapfere Taten an den +Türken zu sühnen gedachten. Aber bei Borkum wurden sie durch niedrigen +Wind drei Wochen lang aufgehalten. Man zählte in Allem aus Friesland 50 +Koggen ... Der König Ludwig war schon vorausgesegelt und kämpfte in +Afrika. Dort vereinigten sich die Friesen mit seinem Heere, +vollbrachten mit demselben wackere Taten und starben durch die +Anstrengung und die Einwirkungen des ungewohnten warmen Klimas +haufenweise dahin. Nach dem Tode des Königs schwand die Aussicht auf +Erfolg. Zwar segelten die Friesen weiter nach dem gelobten Lande, aber +nur, um nach Darbringung reichlicher Beisteuern von da aus wieder +heimzukehren. Auf der Rückkehr trennten sie sich, wurden hierhin und +dorthin verschlagen, geplündert und beraubt und wenige gelangten nach +vielen ausgestandenen Drangsalen arm und entblößt ins Vaterland wieder +heim«; doch wohl kaum ohne etwas von der Seemannssprache des +Mittelmeeres mitgebracht zu haben. Man hat oft verwundert gefragt, wie +denn schon so früh ein arabisches, griechisches, lateinisches +Seemannswort solle ins Niederdeutsche gekommen sein. Die rege +Beteiligung der Friesen an den Kreuzzügen mag einen der Wege andeuten. + +Die älteste Erwähnung einer Kogge finde ich in einer, bei Friedländer, +Ostfries. Urkundenbuch I. 12, abgedruckten Urkunde des Königs (Heinrichs +III.) von England, d. d. Bedford, 13. Juli 1224: »Mandatum est maiori et +vicecomitibus Londonensibus, quod, non obstante mandato domini regis eis +facto de navibus arestandis, cogam Lamberti de Brema et cogam Bracheri +de Amethis apud Londonum arestatas occasione predicta permittant sine +inpedimento ad partes suas abire«. In den Urkunden, Recessen und Schraen +aus der Hansazeit kommt das Wort unzählige Male vor, da es die damals +gangbare Art von Schiffen bezeichnet, auch Kriegsschiffen. Der Name +oorlogschip ist aber niederländisch. Die Hansa nannte ihre Kriegsschiffe +Friedeschiffe, vredekoggen, weil sie eben als Kriegsschiffe für den +Frieden und die »Befriedigung« des Handels zu sorgen hatten. Nach +Hirsch, Handels- und Gewerbsgeschichte Danzigs 263, wird unter Kogge das +Seeschiff im Gegensatz zum Flußschiff verstanden und sind holk, krever, +barse und schute nur verschiedene Arten von Koggen. Doch sind +bekanntlich dergleichen Schiffsnamen schwer auseinander zu halten; ihrer +viele sind auch, weil die Formen und Größenverhältnisse zu unbestimmt +sind, schwer zu bestimmten »Typen« zusammen zu bringen, wie denn z. B. +in folgender Urkunde vom Jahre 1368 aus Lübeck schute doch nur ein +Beiboot zu einer Kogge ist. »de stede ... schollen vthmaken teyn cogghen +ghemanned mit ghuden wepeneren, dat is tho vorstande hunderd wapende +man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een +schute onde een snykke.« + +Auch im Altnordischen kommt das Wort schon früh vor, doch bemerkt +Müllenhoff, daß es nur von hanseatischen, sächsischen Seeschiffen +gebraucht wird; was also auf südlichen, romanischen Ursprung schließen +läßt, so daß vielleicht grade die Kogge durch die erwähnten Kreuzzüge, +in Gemeinschaft mit französischen Schiffen unternommen, das Wort in +Aufnahme gebracht haben: altfranzösisch coque (neufranzösisch coche), +spanisch, italienisch coca, cocca, vom lateinischen concha, +Muschelschale, muschelartiges, muschelförmiges Gefäß, dann überhaupt +Gefäß. Daher auch italienisch cocchio, Personenwagen, unsere Kutsche. + + +*Kohlenbunker* s. Bunker. + + +*Kohlenstander* s. Stander und Kohlenwippe. + + +*Kohlenwippe*, die. + +Dick und Kretschmer, Seemannschaft 1. 314: »An einem Strecktau aus +Stahldraht, welches je nach der Takelage oder der sonstigen Einrichtung +des Schiffes zwischen den Unterrahen, den Ladebäumen, den Bootsdavits +oder zwischen besonders vorgesehenen und im Bedarfsfalle aufzubringenden +Spieren ausgeholt wird, werden in passenden und nach der Lage der +Kohlenlöcher oder Kohlenpforten berechneten Abständen einfache +Jollentaue angenäht, deren Läufer an dem einen Ende mit Haken versehen +sind und deren holende Parten durch auf Deck befestigte Leitblöcke +geschoren werden. In die Haken werden die gefüllten Kohlenkörbe gehängt, +die holenden Parten werden entweder durch Menschenkraft oder durch +Maschinenkraft durchgeholt. Die Jollentaue führen speziell den Namen +»*Kohlenwippen*«, während das Strecktau auch mit dem Namen +»*Kohlenstander*«? bezeichnet wird.« + +Diese Bezeichnungen müssen als treffend anerkannt werden, denn das +Strecktau steht zwar nicht, woran man gewöhnlich bei Stehen denkt, »auf +und nieder,« sondern horizontal, aber es ist doch ein stehendes, festes, +möglichst unbewegliches Tau; das Jollentau aber muß wegen der +Ortsveränderung, die mit dem Korbe voll Kohlen vor sich zu gehen hat, +eine wippende d. h. schaukelnde Bewegung machen; wippen niederdeutsch: +auf- und niederschweben machen, in's Schwingen und Schweben bringen; +auch sich selbst schwingen, tanzen, hüpfen. Althochdeutsch wifan = +winden; gothisch veipan, umwinden; Wurzel wip, winden. + + +*Koje*, die. + +Im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nur Bett, niemals Kammer, wiewohl es +mit Kabine, Kambüse und Kajüte verwandt ist. Die bei Erklärung dieser +Worte angeführte Stammsilbe kab heißt niederdeutsch nicht nur kave, +sondern auch kove und kowe. Da damit immer nur ein sehr bescheidener +Raum bezeichnet wurde so lag es nahe, dem kowe die Diminutivendung je +anzuhängen; bei der Aussprache fiel dann das w von selbst aus und Koje +war gebildet. Derselbe Vorgang wäre anzunehmen, wenn man etwa das Wort +vom lateinischen cuba, Schlafgemach, ableiten wollte. Das wäre nur noch +etwas umständlicher und weitläufiger; und warum in die Ferne schweifen? +Beachtenswert ist, daß schon zu Kilians Zeiten Koje nicht Kammer sondern +Bett hieß. »Koye int schip: cubile nauticum, lectulus nautae.« + +Eine einfache hölzerne Bettstelle, wie sie an Bord gebraucht wird, +führte früher den Namen Setkoje, Setzkoje, weil sie -- im Gegensatz zu +fest eingebauten Kojen -- beweglich ist und von einem Ort an den anderen +gesetzt werden kann. Zwei von dieser Art haben dem Verfasser der +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« im J. 1647 das Leben gerettet +(s. Schönfahrsegel und Luv am Ende): »Mir war auch unter dem Wasser +nicht allzuwol zu muthe, so, daß ich bald wieder oben kann, fühlete auch +indem neue Krafft, und kam eine See die hub mich auff, so, daß ich biß +unter die Arme aus dem Wasser kam, mir lieff auch kein Wasser über das +Haupt wie zuvor geschehen, so, daß ich etwas von mir sehen konte, ward +auch indem zwo Setkoyen oder kleine Betsteten, so man auff Schiffen +gebrauchet gewahr, die von der See alsobald zu mir geworfen worden, also +legte ich auff jeder Koje einen Arm und hing so in der Mitte, biß die +Türken kamen und holten mich aus dem Wasser.« + + +*Koker*, der. + +Bei hölzernen Schiffen wird der Ruderhals, bei eisernen die +Ruderspindel in einem Umbau wasserdicht in das Schiffsinnere eingeführt, +in der Regel indem an der Spindel eine Stopfbuchse angebracht wird. +Diese Einführung, also die Hülle um die Spindel, heißt Koker. Das ist +dasselbe Wort wie das ebenso gebräuchliche niederdeutsche kaker = +*Köcher*, Gehäuse, Büchse, Futteral, Behälter, Röhre, Rinne. Verwandt +mit Kogge, und Kachel und concha, von einer Grundbedeutung +»umschließen,« und noch in verschiedenen anderen Verwendungen an Bord, +immer aber mit dem Begriff »Umschließendes« -- Köcher -- gebraucht. + + +*Kolderstock*, der, + +eine veraltete Rudervorrichtung, nämlich ein vertikaler Handgriff an der +(horizontalen) Ruderpinne, durch das Koldergat, bezw. die Kolderluke +nach oben führend. Hildebrand in Grimms Wörterbuch V 1612 hat von +Chyträus, M. Kramer und Adelung das Wort übernommen und trotz der +Veraltung beibehalten; er meint für Weiteres sei zuerst die allgemeine +Bedeutung zu ermitteln. Nun haben bei vielen Benennungen die Geräusche, +die die benannten Sachen machen den Ausschlag gegeben. Ich nehme daher +an, daß Kolder nach dem Geräusch genannt ist, das durch das Steuern mit +dem Kolderstock notwendig verursacht werden muß. Der Stock fährt nämlich +der leichteren Beweglichkeit halber durch eine hölzerne Rolle, »Nuß« +genannt, die sich mit ihm hin und her bewegt. Das kann nicht ohne das +eigentümliche kullernde, kollernde Geräusch vor sich gehen, das sich +allemal hören läßt wenn Holz auf Holz gerollt wird. So wäre also an +kollern zu denken. Nun ist aber aus Holder Holler geworden; warum soll +nicht auch aus Koller Kolder werden können? Zumal wenn vielleicht einem +hochdeutschen Munde Koller nicht vornehm genug war? Man denke an die +scherzhafte Bildung Klopfstock für Klopstock. Auf dem Wege vom +Niederdeutschen ins Hochdeutsche haben viele Seemannswörter ähnliche +Verdunkelung erfahren, vergl. löschen, Pferd, Maifeld. + + +*Kofferkessel*, s. Kessel. + + +*Kolk*, der. + +Grimm, V. 1613. hat viererlei Bedeutung für Kolk: 1. Erdloch, das von +Wasser ausgespült oder ausgerissen worden ist. 2. Als Cisterne, Grube +mit Wasser, braucht es selbst Luther einmal in der Bibel III. Mose XI. +36. 3. Strudel im fließenden Wasser. 4. Doch die ursprüngliche Bedeutung +scheint einfach Erdgrube, Grube überhaupt. + +Darnach wäre das Wort eine Weiterbildung des Stammes kul in Kuhle = +Loch. Hildebrand weist aber für die unter 1. angegebene Bedeutung selbst +auf kolken hin, gleich klucken, kluckern, klangmalend und »strudeln, +gurgeln« bedeutend, ein dumpfes rollendes Geräusch machen, wie wenn +Wasser sich mit Gewalt durch eine enge Bahn bricht. Kolk in der ersten +Bedeutung, und nur mit dieser haben es Seeleute zu tun, ist aber, nach +Dornkaat, »ein Loch oder eine Vertiefung in der Erde, welches beim +Durchbruch oder Riß eines Deiches durch das mit Gewalt einströmende und +die Erde herauswühlende Seewasser entsteht (wie z. B. 1825 bei der +großen Sturmflut der über hundert Fuß tiefe Kolk bei dem Dorfe Larrelt, +oder der Larrelter Kolk)«. Allerdings ist auch an der Wasserkante Kolk +ebenfalls ein mit dem Spaten ausgegrabenes Loch, aber es ist doch +anzunehmen, daß die durch kolkendes Wasser entstandenen Kolke eher waren +als die von Menschenhand. Denken wir daran, daß der Kolkrabe seinen +Namen jedenfalls vom Ton hat, den er von sich gibt, und daß im +übertragenen Sinne »kolken«, »dazwischen kolken« doch auch nur +»krächzen wie ein Kolkrabe« bedeutet, so gewinnt für Kolk unter 1, +die Lautmalerei sehr an Wahrscheinlichkeit, und es mögen 2, 3 und 4 +Bedeutungserweiterungen bezw. -Verschiebungen sein, vielleicht vom +Gedanken an Kuhle beeinflußt. Für die Ableitung von kolken = gurgeln +spricht in Sonderheit die Bedeutung unter 3., Strudel, dessen Geräusch +gurgelnd ist. + + +*Kommodore*, der. + +»1. An officer, generally a captain, holding a temporary commission with +a rank between that of captain and admiral, who commands a ship or +detachment of ships in the absence of an admiral. 2. A title given by +courtesy to the senior captain when three or more ships of war are +cruising in Company. 3. The senior captain of a line of merchant +vessels. 4. The President of a yachting club. 5. The convoy or leading +ship in a fleet of merchantmen, which carries a light in her top to +conduct the other ships.« Bei uns zeitweilig nur im Sinne von No. 1 in +Gebrauch. Vom spanischen comendador. + + +*Kompagnie*, die. + +Der unter diesem Namen bekannte Truppenverband der Armee und der Marine +am Lande heißt an Bord Division; nicht zu verwechseln mit anderen, +größeren Verbänden dieses Namens. Kompagnie ist ähnlich gebildet wie +Kamerad (von Kammer) oder Geselle (von Saal), nämlich von panis und cum; +die Leute von einer und derselben Kompagnie sind also Kumpane zusammen, +Leute die mit einander gemeinschaftlich ihr Brot essen; daher auch +Kumpanie und mit komisch-lateinischer Endung in alten Studentenliedern +Kumpaneia. + + +*Kompass*, der. + +Das bekannte Werkzeug zur genauen Bestimmung der Himmelsrichtung. Daß +ein so wichtiges Stück der Seemannschaft im Laufe der Jahrhunderte +vielerlei Verbesserungen erfahren hat, läßt sich denken. Es gibt gar +verschiedene Arten von Kompassen. Hierher gehört nur das Sprachliche. +Dieffenbach, »Celtica«, sucht mit großem Aufwand von Gelehrsamkeit zu +beweisen, das Wort komme aus dem Keltischen, und zwar aus dem kymrischen +Ast, nämlich von der Wurzel kam, kamp, Krümmung, davon comminus, Weg auf +dem man umkehrt und so eine Krümmung macht; Schritt, Weg, Felge am Rad. +Das ist doch weit hergeholt. Viel näher liegt und viel einfacher ist auf +das Lateinische zurückzugehen, wie denn das Wort doch auf den ersten +Blick dahin zurückweist, compassus = com-passus wurde auf dem Wege ins +Altfranzösische schon im Provençalischen zu compas = gleicher Schritt, +(Mitschritt); daher, wie auch im Spanischen, Takt, Versmaß, Maß und +Werkzeug zum Messen. Wie nahe lag es da im Nautischen das wichtigste +Maßwerkzeug, als es in den seemännischen Gebrauch kam, einfach +schlechthin *das* Werkzeug zu nennen; der hat dann solches Übergewicht +erlangt, daß es nur in dieser einen Bedeutung ins Deutsche (und viele +andere Sprachen) überging. Das Italienische nennt zwar den Kompaß selbst +bussola, (und demgemäß liest man in älteren deutschen Schriftstellern +das Wort wohl auch einmal), aber es hat doch compasso für Zirkel als +Meßinstrument, und es wäre kein Schade gewesen, wenn es die +Weiterbildung dieses Wortes, die die Franzosen vornahmen mitgemacht +hätte, denn Kompaß gibt doch eine viel sinngemäßere Bezeichnung ab als +bussola, das nichts weiter als eine Büchse bedeutet, oder vielmehr ein +Büchschen, lateinisch buxula von buxus, der Buchs, die Büchse; +Arzneigefäß aus Buchsbaum. Der Begriff des Messens liegt so sehr in +Kompaß, daß man lange Zeit im 16. Jahrhundert eine Vorrichtung zum +Messen der Zeit, ein solarium, horologium, ein Sonnawer -- Sonnenuhr -- +einen Kompaß nannte; noch Schönsleder 1618 hat compasz oder +Sonnenuhrlin. + + +*Kontre-Admiral*, der. + +Was eigentlich unter diesem Dienstgrade ursprünglich zu verstehen war +als das Wort noch keinen titelhaften Dienstgrad, sondern eine +vorübergehende »Funktion« anzeigte, erhellt aus einer Verbindung der +englischen mit der holländischen Bezeichnung, Rear Admiral und Schout by +nacht. Rear ist die Nachhut, der Teil des Geschwaders which is behind +the rest; Rear Admiral also der Befehlshaber der Nachhut. Unter +Umständen war er auch der Stellvertreter des Flotten-Admirals. Während +dieser nämlich am Tage von dem Vize-Admiral sich vertreten ließ, +vertrat ihn des Nachts der Schulze bei Nacht, der Kontre- oder +Gegenadmiral, wie man zu sagen pflegt »mein Gegenpart«, oder »ein +Gegenstück.« Aubin, 1702: Contre-Amiral. C'est un Officier qui commande +l'arriére garde, ou la derniére division d'une armée navale. Cette +charge n'est qu'une simple qualité en France, car il n'y a point de +Contre-Amiral fixe: il ne subsiste que pendant un armement considérable, +ou les Officiers Généraux sont emploïez. Dans ces occasions le plus +ancien des Chefs d'escadre porte le pavillon de Contre-amiral, qui est +blanc, de figure quarrée et qui s'arbore à l'artimon. Mais en Hollande +la qualité de schout-by-nagt est fixe comme les autres; aussi les +fonctions de cet Oficier ne sontelles pas les mêmes en tout, que celles +d'un Contre-amiral. Cependant comme elles en aprochent plus que des +fonctions d'aucun autre Oficier en rang, on ne peut traduire plus +convenablement le terme de Contre-amiral en Hollandois, que par celui de +Schout-by-nagt. »Le Contre-amiral, ou Schout-by-nagt, est le troisiême +Oficier des armees navales. Ses principales fonctions sont avoir l'oeil, +pendant la nuit, à-ce-que tous les vaisseux gardent leur rang en +naviguant, afin-qu'ils ne s'abordent pas, et qu'il n'y ait point de +confusion; et c'est à lui de dénoncer ceux qui ne font pas leur devoir à +cet égard.« + +Über die verschiedenen Befehlshaber lesen wir im »Durchläuchtigsten +Seehelden« (1631): »Im Jahre 1585 ward Drak mit einer Flotte von fünff +und zwantzig Segeln, und 2300. so Soldaten, als Boots-Leuten ausgesandt, +und gieng den 22. Septembris von Pleymouth in die See, sein +General-Stadthalter war Christoph Carlile; Antonius Pocoel sein +Sergeant-Major. Capitain Mattheus Morgan, und John Samschon Corporale zu +Felde. Die Land-capitaine waren ... Capitain Martin Forbischer, der +gleichfalls seiner gethanen Reisen halber berühmt, war Vice-Admiral in +der Primerose, capitain Franciscus Knolles war Rere-Admiral oder Schultz +bey der Nacht, in dem Gallion Leicester.« Im Jahre 1607 setzten die +Hochmögenden Herren Staaten den Jakob von Heemskerck zum Admiral und +sandten ihn mit einer Flotte aus, »den schlaffenden Geist der Spanier +aufzuwecken.«. »Diese Schiffe fuhren den 25. Martii auß dem Texel, und +kamen den 27. an bey der Insul Wiht, allda sie vier Schiffe auß Seeland, +unter den Capitainen Laurentz Jacobs Alceras, als Vice-Admiral, auf dem +rothen Löwen, Martinus Hollart, Cornelius Faes, und Peter Cales +antraffen, dessen letztern Schiff an den Grund gesegelt und geblieben +war, aber die Gereitschafft und Vorrath samt dem Volck (außgenommen +eylff Boots-Gesellen und fünff Soldaten, die zuerst mit dem Boot davon +fahren wollen, und ertrunken) seyn auf die andern Schiff übergenommen +worden. Von Rotterdam waren auch unter der Wiht ankommen, Capitain +Lambert Hendricks, sonsten der schöne Lambert, Schaut bei Nacht, mit dem +Schiffe der Tiger.« + +In der Kaiserlichen Marine ist Kontre-Admiral jetzt ein Dienstgrad, »une +qualité fixe«, den ein im Range eines Generalmajors stehender +Flaggoffizier bekleidet, einerlei was für einen Dienst er tut, einerlei +auch, ob er ihn an Bord oder am Lande tut. + + +*Kontrebande*, die. + +Zahllos sind die deutschen Wörter, die mit dem fremden Kontre verbunden +sind. Kontrebande bedeutet eine Ladung oder Waren, die zu laden und zu +führen verboten ist, die geführt wird contra bando, d. h. gegen +öffentliches, gesetzlich verkündetes Verbot. Das bando ist deutscher +Herkunft, mit Bann verwandt, vergl. abandonnieren. + + +*Kopfschlag*, der. + +Wenn man mit mehreren Schlägen um eine Klampe, oder einen Knecht oder +sonstwie ein Tau belegt, so heißt der oberste Schlag, der so gelegt ist, +daß er sich selbst bekneift und nicht aufgehen kann, Kopfschlag. Soll +eine Spier getaut oder aufgehißt werden, so nimmt man, nachdem man um +sie einen Zimmer- oder Balkenstek gelegt hat, mit der Bucht der Jolle +noch einen Kopfschlag; Kopf bedeutet hier also etwas das *über* einem +anderen ist. + + +*Korrespondentreeder*, der. + +Wenn mehrere Kauf- oder Geldleute zusammen einen Reedereivertrag machen, +gemeinschaftlich ein Schiff zu befrachten, so führt einer von ihnen die +Geschäfte mit dem Kapitän und anderen in Betracht kommenden Personen. +Weil das mancherlei Schreibwerk mit sich bringt, so heißt dieser eine, +der Geschäftsführer und bevollmächtigter Vertreter der andern ist, +Korrespondentreeder. + + +*Korsar*, der, + +der Seeräuber. Das lateinische cursus = der Lauf, die schnelle Bewegung +zu Pferde, zu Wagen u. s. w., die Fahrt, Reise, der Weg, insbesondere zu +Schiffe = der Kurs, heißt spanisch corsa. Dieser Form entsprechen das +italienische corsare und corsale, spanisch corsario, cosario, +provençalisch corsare, französisch corsaire, mittellateinisch corsarius. +In der eigentlichen Bedeutung des Wortes liegt also nichts +Seeräuberisches; das ist erst im Mittelalter hinzugekommen, doch wohl +weil die Seeräuber ihren corsa besonders schneidig verfolgen mußten. + + +*Korvette*, die. + +Ein neuerdings amtlich auf den Aussterbe-Etat gesetzter Name für ein +größeres Kriegsschiff, der lange im Gebrauch der Marine war; man +unterschied »Glattdeckskorvetten« mit den Kanonen an Deck und »Gedeckte +Korvetten« die ein Deck mehr, das sogen. Batteriedeck, besaßen. Der Name +stammt aus dem Lateinischen, wie schon Weigand richtig erkannt hat: +»1721 die Courvette, aus lat. corbita = Lastschiff, von lat. corbis = +Korb.« Offenbar hat ein Lastschiff bei den Römern eine etwas plumpe +korbartige Gestalt, vielleicht war es sogar ursprünglich eine Art +wirklichen Korbgeflechtes. In No. 28, Jahrgang 1895 der Wochenschrift +»Nach dem Dienst« befindet sich ein Bild, »Schiffe auf dem Euphrat«, das +uns die Herkunft von Korvette aus Korb deutlich vor die Augen stellt. +Diese Schiffe sind wirklich nichts weiter als Körbe. Im Texte heißt es: +»Die innerasiatischen Völkerschaften hassen nichts mehr als Änderung und +Fortschritt, und auch die unter das Joch der Türken gekommenen Völker +Kleinasiens zeigen denselben Charakterzug. Haus- und Feldgeräte sind +noch von derselben urwüchsigen Form, welche nach den Erzählungen der +Bibel und der alten Schriftsteller vor 3000 Jahren üblich war. Über den +Euphrat führen fast keine Brücken; aber man bläst einfach die +abgezogenen Felle von Ziegen auf, bindet sie zusammen, legt eine +geflochtene Matte darüber, und das Schiff ist fertig. Ähnlich sind die +Frachtkähne, welche wir auf unserm Bilde sehen. Sie sind von starkem +Schilf geflochten und in ihrer Form dem Kürbis nachgebildet. Sie haben +zwar eine große Tragfähigkeit, sind aber sehr schwer lenkbar, da sie +sich zu leicht um sich selber drehen; auch sind sie fast nur +stromabwärts zu benutzen und müssen stromaufwärts leer gezogen werden.« + +Ein geflochtener, oben offener, kürbisförmiger Korb verglichen mit +unserem »Fürst Bismarck« zeigt uns einen bewundernswerten Fortschritt +der Schiffsbaukunst. + +Corbita wurde im Spanischen zu corbeta, im Portugiesischen corveta, +französisch corvette, früher courvette; so bei Aubin 1702, welcher +schreibt: »C'est une espéce de barque longue, qui n'a qu'un mât et un +petit trinquet et qui va à voile et à rames. Les Courvettes sont +frequentés à Calais et à Dunquerque. D'ordinaire on en tient à la suite +d'une armée navale pour aller à la découverte et pour porter des +nouvelles.« Korvette war also vor 200 Jahren zwar bereits Kriegsschiff, +hatte es aber damals noch nicht weiter als bis zum Aviso gebracht. + +Der Name Korvette ist in der deutschen Marine abgeschafft und durch +»Kreuzer« ersetzt; die Rangstufe eines Majors der Armee nennt man noch +immer mit dem Worte Korvettenkapitän. + + +*Krabben fangen* + +wird scherzweise gesagt, wenn ein mit anderen zusammen im Takte +rudernder Matrose einen Streich, »Pull« genannt, ausläßt, indem er mit +dem Riemen nicht tief genug ins Wasser kommt, so daß, wenn er nun +anzieht, das Wasser keinen Widerstand bietet und der Ruderer rückwärts +zu fallen droht. + + +*Kragen*, der. + +1. Des Mastes, ist ein Stück Presenning oder geteerten Segeltuches, das, +wie ein Kragen um den Hals, um den Fuß des Mastes gelegt wird, da wo er +durch das Deck geht, damit an dieser Stelle kein Wasser in das Schiff +eindringt. + +2. Des Stags, ist ein Stropp oder ein Auge mit dem der unterste Teil +eines Stags befestigt wird; auch dieser Stropp, dieses Auge, wird wie +ein Kragen umgelegt, z. B. der Kragen des Fockstags um das Bugspriet. + +Von einem solchen Stagkragen ist in der »Beschriving van der Kunst der +Seefahrt«, Lübeck 1673, zu lesen: ... begegnete mir ein grosser +Nordwesten Sturm, so daß ich mit kleinen Segeln mußte bey halten: weil +nun das Gewitter länger anhielte, ward das Wasser deswegen sehr holl, so +daß das Schiff dadurch sehr arbeitet, könte auch bißweilen nichtes mehr +dann ein Siegel führen, biß endlich daß Bochspret die Vorsteve loß +machte, es war aber ein Stück, so daroben war aufgesetzet und biß an die +Klüsen hinunter lieff (also nicht der eigentliche Steven, sondern das +Gallion); Weil es aber Nacht war, und wir kein Mohnschein hatten, auch +sobald kein Mittel finden konten, daß wir es fäst machten, so waren wir +entschlossen daß Bockspret weg zu hauen; Ging derowegen mit dem +Zimmermann vor auff die Pflicht (der zweite Teil jener »Beschriving« ist +hochdeutsch; im ersten Teile, der »in unser Saxsischen Sprack« +geschrieben ist, würde das Wort Plicht gelautet haben; es sagt der +Verfasser aber ausdrücklich: »Ick heb mi nicht gebunden an de Wörde und +Nahmen, offt se wor nicht recht na dem Saxsischen luden; Sundern mi +reguleret nor de Manner, alß idt by unsen Seefahrenden wert gespracken, +up dat idt desto besser van ehm kan verstahn werden«), und hielt mich +mit der einen Hand an den *grossen Kragen vons Stag*, mit der andern +Hand den Zimmermann, daß er das Bochspret weghauen sollte; Indem kam +eine See und nahm das Bockspret gantz mit sampt der Steve und Pflicht, +welche unter drey Balcken hatte, und war die Focke-Mast darein gefüget +mit Bretter und allem Uberbort: Ich und der Zimmermann wurden zu unserm +Glücke inwerts geworffen, kamen hinters Both zu liegen, daß Bochspret +aber schlug mit dem vor Ende hinterwerts, und holete die Focken-Mast mit +daß Focken Stach hinten über, so daß das Focken Spar ins Raum brechen +mußte, also mußten wir die Mast auch weghauen. Daß grosse Stach aber, +weil es auff die Vorsteve fäst war, und dieselbe nun abgebrochen, so kam +dasselbe Stach auch loß zu liegen, kontens auch in der finstern Nacht so +bald nicht wieder fäst bekommen, also fiel die grosse Mast auch über +Bort.« + + +*Krahn*, der, + +eine Hebevorrichtung für schwere Lasten. Man unterscheidet feste Krähne, +am Lande, und schwimmende oder Schwimmkrähne, die längsseit eines +Schiffes fahren und Lasten an oder von Bord geben. + +Dasselbe Wort wie Kranich, weil nach Beinen, Hals und Schnabel dieses +Tieres ursprünglich der Krahn hergestellt worden ist. So schon im +Griechischen: geranos = Kranich und Hebezeug; vergl. Bock, Widder. An +Bord der Schiffe gibt es *Krahnbalken* zum Heben von Lasten, Ankern etc. +Krahnbalksweise steht etwas, das steht wie ein Krahnbalken, nicht grade +von vorn, nicht grade von der Seite, sondern zwischen beiden Richtungen. +Französisch (1702) gruan. Dasselbe Wort bedeutet auch Grütze, aliment +ordinaire parmi les Hollandois qui en font leur potages sur les +vaisseaux et qui même en quelque vaisseaux en servent jusqu' à vingt et +une fois par semaine. Nach Diefenbach heißt in den keltischen Sprachen +garan der Kranich, der »Langbeinige.« + + +*Kraier*, der, + +ein Ostseeschiff mit Pfahltakelage (s. Polacker). In Ostfriesland heißt +kreier, kreuer, kroier, krojer eine Art von Schlitten, die auf dem Watt +gebraucht werden um die gefangenen Fische aus den Reusen zu holen; sie +werden auf dem glatten Schlick des Watts von einem Mann, der krei-jager +genannt wird, geschoben, und sind also die eigentlichen +»Schlickrutscher«. Das ostfriesische Zeitwort kroien, krojen bedeutet +schieben, wegschieben, verschieben, nach dem Winde drehen, umdrehen, +versetzen; niederländisch kruijen, in einem Schiebkarren schieben, +treiben, in Fluß und Bewegung kommen, namentlich von Eisschollen, +mittelniederdeutsch kruijen und kroden; westfriesisch krodjen schwer +tragen, ziehen, schleppen. In kroier ist also ein d ausgefallen, und +erst dieser Schwund hat, wie öfters im Niederdeutschen, das i oder j +bedingt. Demnach entspricht das Wort einem der neuhochdeutschen +Schriftsprache abhanden gekommenen mittelhochdeutschen krod, das nach +Grimm V 2412 Mühe, Belästigung bedeutet. Die Mühe ist eben ein Ziehen, +ein Schieben, ein Schleppen von Lasten. Ein Kraier ist also ein +Lastenschieber, Lastenschlepper, kurz ein Lastschiff. + +Die Kraier sind indessen nicht ausschließliche Eigentümlichkeit der +Ostsee, man kannte sie schon im Mittelalter in Holland, vergl. das unter +Krawelboot angeführte holländische Citat über Hoorn. + + +*Krampe*, die, + +seemännisch nur weiblich, ein Eisen in der Form eines U, aber mit +zugespitzten Enden, das in irgend ein Holz geschlagen wird um etwas +daran befestigen zu können. Wegen der gekrümmten Gestalt verwandt mit +Krampf, dem krankhaften Sichkrümmen der Glieder; Ablaut zu krimpfen, +niederdeutsch krimpen, intrans, sich krumm zusammenziehen, wenn man +Leibschmerzen hat, wenn man friert, vom Hunde, wenn er seine Notdurft +verrichtet. Vergl. krimpen. + + +*krängen.* + +Wenn das Schiff sich unter dem Einfluß von Wind, Wellen oder hart +gelegtem Ruder auf die Seite neigt, so sagt man: es krängt. Die Größe +der Krängung wird in Graden des Winkels angegeben, den das Deck mit dem +Wasserspiegel bildet. »Wir krängten«, (d. h. das Schiff auf dem wir uns +befanden krängte:) »25°«. + +Krängt ein Schiff einmal nach der einen und dann nach der andern Seite +so nennt man das: es schlingert. + +Wegen der »krank«-haften Bewegung ist das Wort zu krank zu stellen. Die +erste und ursprüngliche Bedeutung ist nach Hildebrand (Grimm V 2024) am +deutlichsten in dem waidmännischen »krank« = verwundet zu finden, weil +verwundete Tiere sich krümmen, sich hin und her winden, sich von einer +Seite auf die andere werfen. Dem entspricht das im Beowulf vorkommende +cringan = fallen im Kampfe, niederstürzen mit der sich windenden +Bewegung eines zu Tode Getroffenen. + +Früher hieß krank auch krang, so daß die Abstammung des Wortes krängen +von krank noch deutlicher in die Augen springt. Es heißt also: sich hin +und her werfen wie ein Kranker oder Verwundeter. Im Nordfriesischen ist +diese alte Bedeutung von krank noch zu erkennen in krenge = zu Falle +bringen. Im Westfriesischen dagegen ist die Bedeutung verallgemeinert; +omkrengen heißt da mit dem Wagen umdrehen, zur Seite fahren, ausweichen. + + +*Krawelboot*, das, + +ist von der Lage der Planken zu einander genannt, die seine Bordwand +bilden. Es hat nur eine Plankenlage (im Gegensatz zum Diagonalboot) und +die Planken stoßen stumpf aufeinander. Sie sind also wie die +Schiffsplanken neben einander befestigt und wie diese auch gedichtet +oder kalfatert. Krawel ist Versetzung (Metathesis) von Karwel. Wie das +englische carve zunächst nicht einschneiden oder ausschneiden, sondern +nur schneiden bedeutet, so bedeutet das niederdeutsche karfe, karve +nicht bloß »Kerbe«, sondern auch Schnitt, Abschnitt, Stück; umkarf ein +Stück Brot ums ganze Brot herumgeschnitten. Das Schneiden, Abschneiden +ist also ausschlaggebend, und zwar nicht nur weil die einzelnen Planken +besonders sorgfältig geschnitten, gut auf einander passend geschnitten +werden müssen; man darf gewiß auch daran denken, daß die beiden Planken +»miteinander abschneiden« im Sinne von: »aufeinander oder aneinander +genau passen.« + +Niederländisch karvielwerk; darunter versteht Roeding (1794) »alle +Hölzer und Planken, die nicht klinkerweise über einander liegen, sondern +mit ihren Kanten dicht an einander schließen.« + +Die ersten Spuren des Karvielwerks führen nach Hoorn in Holland (nach +dem auch das Kap Hoorn den Namen hat) D. Delius in seiner Beschreibung +von Hoorn: »In't jaer 1460 werden hier de eerste Carviel-schepen +gemaeckt, daar men te vooren niet hadde dan Hulken, Razeilen en kraiers, +en die altemal gewracht Crap-schuits wijze met de planken op malkander.« + + +*kreuzen.* + +Eigentlich (= to cross) durch etwas ein Kreuz machen, durchkreuzen, +ausstreichen, zu nichte machen. Im Seemännischen heißt es zunächst: sich +aufkreuzen, wegen ungünstigen Windes, bei dem man nicht Kurs steuern +kann, so kreuzen, daß man so hoch beim Winde segelt und segelnd hin- und +herfährt, daß bei jedem Schlage, bei jedem Hin und bei jedem Her etwas +von der eigentlichen Kursrichtung gewonnen wird und so das Schiff, wenn +auch recht langsam, doch zu seinem Ziele kommt. Es mag der Gedanke zu +Grunde liegen, daß auf diese Weise der eigentliche Kurs immer wieder +gekreuzt wird, so daß jeder Schlag mit ihm ein Kreuz bildet; vielleicht +hat auch die Redensart »kreuz und quer« mitgespielt; gleichbedeutend mit +laviren. + +Sodann heißt kreuzen auch: sich längere Zeit auf einer und derselben +Stelle, an derselben Küste, in demselben Meere, auf derselben Station +sich aufhalten und hin- und herfahren um die Flagge zu zeigen und die +Interessen seines Landes und seiner Angehörigen wahrzunehmen; im Kriege +einen Hafen, eine Küste blockieren, feindliche Schiffe kapern etc. etc. +Dabei ist an »Sichaufkreuzen« nicht gedacht, sondern nur an das Hin- und +Herfahren. Daher der Name »Kreuzer« für Schiffe die den angegebenen +Zwecken dienen, sich aber von dem »Aufkreuzen« immer weiter entfernen, +da sie immer mehr auf die Dampfkraft gestellt werden, der man vor +fünfzig Jahren, zur Zeit der »Deutschen Flotte«, noch so wenig für +Kriegszwecke zutraute. + + +*Kreuzknoten*, der. + +Im Grunde genommen ist jeder Knoten ein Kreuzknoten, da überhaupt nicht +anders als übers Kreuz geknotet werden kann. Ein Kreuzknoten ist aber im +Besonderen ein doppelter Ueberhandsknoten; man legt zuerst die beiden +Tampen kreuzweise übereinander und nimmt dann den oberen Tampen über den +unteren durch: das ist ein Ueberhandsknoten; tut man dasselbe noch +einmal und zwar so, daß nachher die Tampen und Buchten neben einander +liegen, so ist das ein Kreuzknoten. + + +*Kreuzmast*, der, + +ist bei Vollschiffen der hinterste der drei Masten. Auf spanischen und +anderen Schiffen (katholischer Völker) war am Kreuzmast oder in seiner +Nähe ein Kruzifix oder ein Kreuz so angebracht, daß es vom Deck aus, +namentlich vom Achterdeck aus zu sehen war. Wer auf das Achterdeck kam +bezeugte diesem religiösen Symbol seine Achtung indem er es grüßte. Die +Sitte dieses Grußes hatte sich so eingebürgert, daß, als, zuerst bei den +Protestanten, hernach auch bei den Katholiken, das Kreuz nicht mehr +angebracht wurde, der Gruß doch blieb, er wurde nun aus alter Gewohnheit +dem nach dem Kreuze genannten Kreuzmast dargebracht. Noch heute grüßen +alte Seeoffiziere jedesmal, so oft sie das Achterdeck betreten, nach dem +Kreuzmast hin, auch wenn kein Mensch um den Weg ist, dem der Gruß +gelten könnte. + +Alles was zum Kreuzmast gehört wird als Sammelbegriff auch *Kreuztop*, +genannt. Und die einzelnen Teile werden zur Unterscheidung von denen des +Groß- oder des Vortops durch Vorsetzen von Kreuz- bezeichnet. In Grimms +Wörterbuch fehlt Kreuzmast. Dafür ist ein Wort aufgenommen, das es nicht +gibt: Kreuzraa. Es gibt am Kreuzmast eine Bagienrahe, eine Kreuzmars-, +Kreuzbram- und Kreuzoberbram-Rahe, aber keine Kreuzrahe. Und wenn man +auch die Bagienrahe Kreuzrahe nennen wollte, etwa nach dem Vorgang von +Groß- und Fockrahe, so ist doch die Erklärung, die Hildebrand dem Kampe +entnommen hat, keine oder noch weniger als eine Erklärung: »Kreuzraa, +auf Schiffen eine Art Raa«; der Kreuzmast hat keine besondere Art von +Rahen, er hat Rahen, wie andere Rahen auch sind, nur daß sie eben am +Kreuz- und nicht am Groß-, oder Fockmast festgemacht sind. + + +*Kriegsschiff*, das. + +Ursprünglich war es im niederdeutschen Sprachgebrauch ein solches, das +bestimmt war, Frieden und Sicherheit auf dem Meere zu schaffen und dem +unerlaubten Nahrungszweig der Seeräuber zu wehren. Sie hießen daher +nicht Kriegsschiffe, sondern vredeschepe. Lübecker Chronik: »De rad van +Lubeck makede uth vredeschepe up de se tighen de Prusen, wente de nemen +wat se krighen konden«. + +Althochdeutsch herikocho, eine Heer-Kogge, eine Kogge, die ein (kleines) +»Heer« von Kriegsleuten führte. Mittelhochdeutsch herschif. +Mittelniederdeutsch orlogschepe; orlog, orloge, orlage, orlege, orloch, +orlech, orlich, orlinch hieß Krieg; altsächsisch urlag, althochdeutsch +urlac, nicht etwa exlex, sondern Bestimmung, Schicksal, höhere +Entscheidung, Gerichtskampf vor Gott. Lübecker Chronik: »scepe de to dem +orleg vte weren.« + +Niederländisch oorlogschip. Englisch man-of-war, eigentlich Kriegsmann, +aber mit so ausschließlicher Bedeutung von *Kriegschiff*, daß ein +Kriegsschiffsmatrose genannt wird »a man-of-war's-man.« + + +*krimpen* + +heißt das Sichdrehen des Windes oder, wie der Seemann sagt, das +Herumgehen des Windes, besonders in unwillkommener Richtung und außerdem +manchmal mit der Nebenbedeutung des Sichdrehens gegen die Sonne, was +alte Seeleute als ein Zeichen kommenden Sturmes ansehen. Krumpen ist das +niederdeutsche Zeitwort für das hochdeutsche krümmen, winden, einziehen, +zusammenziehen, althochdeutsch krimpfen, mittelhochdeutsch krimpfen; +davon das in Ostfriesland gebräuchliche krimper = Geburtswehe. + +Die Angabe Hildebrands in Grimms Wörterbuch V 2312 »der Wind krimpt +(ein), wird schwächer, schrumpft ein gleichsam«, muß auf einem +Mißverständnis beruhen, da beim Krimpen der Wind nicht schwächer sondern +nur schraler wird, ja er wird dabei eher stärker. An sich heißt also +jede Windrichtungsänderung krimpen, besonders aber diejenige, bei der +man den gewünschten Kurs nicht mehr steuern kann und die schlechtes +Wetter erwarten läßt; eine Änderung auf die der besonders achten muß, +dem sie besonders bedeutsam und wichtig sein muß wegen der zu treffenden +Vorsichtsmaßregeln. Ehrentraut, Fries. Archiv II. 72: »Wenn der Wind +nördlich ist und dann westlich wird und dann wieder nördlich, dann sagt +der Schiffer: »de win krimpet oder es krumpen. Darauf folgt leicht ein +Sturm.« Und Röding bemerkt zu krimpen: »der Wind läuft gegen die Sonne +rund, welches gewöhnlich schlechtes Wetter mit sich bringt.« +Französisch: »se ranger contre le soleil.« + +Man weiß, was man von dergleichen Meteorologie zu halten hat. + + +*Kronlin*, die, + +(Kronleine) nennt man auf Wangerooge und sonst an der Nordseeküste »das +Tau womit das Hauptsegel aufgezogen wird.« Krone hat hier die Bedeutung +von Kopf, Spitze, Oberstes, wie in Baumkrone oder dem Ausdruck: »es ist +ihm etwas in die Krone gestiegen«; in Ostfriesland heißt eine Garnwinde, +die auf einer aufrechtstehenden Stange läuft, Garnkrone. Um den +angegebenen Zweck zu erfüllen muß das Tau durch einen Block an der +Krone, am obersten Teil des Mastes der das Segel trägt fahren. Doch kann +man es auch so erklären, daß diese Leine die »Haupt«-Leine bedeuten +soll, wie man von einem »Haupt und Kronenstück« als etwas besonders +Wichtigem redet. + + +*Krulle*, die, + +ist das Schneckenhaus- oder lockenförmige Auslaufen des Gallions, oder +vielmehr des Vorstevens in einer Verzierung, die man bei jonischen +Säulenkapitellen voluta nennt, wegen des in sich selbst Zurückkehrens, +volvere. Eine krulle heißt niederdeutsch ein gekrümmtes Etwas, Ringel, +Locke, Schnörkel, geringelter Hobelspan, Schnecke; dergleichen +Verzierungen können wenn sie künstlerisch ausgeführt sind, dem Bug ein +sehr gefälliges Ansehen geben. + + +*Kuff*, die, + +ein Seeschiff von festem, aber plumpem, breitem, rundem Bau, mit zwei +Masten. Ostfriesisch, wangeroogisch, niederländisch kuf, so daß der +Hinweis auf Kufe von selbst gegeben ist, mit der sich eine Kuff wegen +der runden Bauart auch sehr wohl vergleichen läßt. Die Abstammung eines +so alten, in die frühesten Kulturzeiten zurückweisenden und auf +Flechtwerk als erste Entstehungsart hindeutenden Wortes (vergl. +Korvette) vom lateinischen cupa = Faß will Hildebrand (Grimm V 2531) +nicht glaubwürdig erscheinen; er nimmt zwar bei einer in Raum und Zeit +so weit verzweigten Entwicklung ein Verflechten mit romanischen +Anklängen an, aber in der Form von Wechselwirkung; nur beim Weinbau am +Rhein, der ja von den Römern eingeführt wurde, nimmt er eine +unmittelbare lateinische Beeinflussung von Kufe durch cuba an. + +Der Begriff des Runden und Plumpen ist in dem modernen Bewußtsein so +sehr mit Kuff verbunden, daß man jedes auch ganz anders getakelte +Schiff, ja jeden plumpen Dampfer verächtlicherweise eine Kuff nennt. + +Öfters hat die Kuff zur Erhöhung der Stabilität ein Schwert. Trotzdem +nimmt sie viel Wasser über, vergl. Lüpkes, Seemannssprüche 12: + + Kuffen un Smakken + Sünd Waterbakken; + Hoekers un Buisen + Sünd Seemannshuisen. + + +*Kuntje*, das. + +»Wenn unsere Seeleute von Spanien Wein holten, so sahen sie, daß man die +Fässer mit Keilen feststaute. Da nun im Spanischen ein Keil cuno heißt, +so werden bis auf den heutigen Tag diese Staukeile von unseren Seeleuten +Kuntjes genannt.« So hat das Wort Breusing im Jahrbuch des Vereins für +niederdeutsche Sprachforschung richtig erklärt, nur daß der Keil im +Spanischen cuna, nicht cuno (Münzstempel) heißt. + + +*Kuhbrücke*, die, s. Kuhl. + + +*Kuhl*, die. + +Das niederdeutsche Wort kuhl bedeutet Vertiefung, Einsenkung, Höhlung, +Loch, Grube, Grab. Die Kuhl an Bord war früher größer, weiter +ausgedehnt, denn sie umfaßte den ganzen vertieften Raum zwischen Back +und Schanze (jetzt Kampanje), der nun in zwei Teile zerfällt, in den +Teil hinter dem Großmast: das Achterdeck, und den vor dem Großmast, die +Kuhl. Während der erstere Teil an Würde und Ansehen sehr gestiegen ist, +ist der zweite eben so sehr gesunken, indem hier nun der Hauptraum von +der Barring, die auch *Kuhbrücke* (eigentlich Kuhlbrücke) heißt, +überdeckt wird. Es werden nämlich die Borgstengen und Borgrahen, +überhaupt die Reserve-Rundhölzer hier so angebracht und gelagert, daß +sie eine Art Deck, ein Dach, eine Brücke bilden, eben die Kuhbrücke. Auf +dieser werden dann die schweren Schiffsbeiboote, Barkassen und Pinassen, +aufbewahrt. Der Raum unter der Kuh(l)brücke heißt besonders die Kuhl, +der Raum »*vor* dem Mast«; da ist die Mannschaft unter sich und kann +sichs gemütlich machen, doch herrschen auch hier, wie bei jedem +Zusammenleben von Menschen, ungeschriebene, stillschweigend anerkannte +Gesetze der Raumverteilung. + + +*Kuhfuss*, der, + +mittelniederdeutsch kovot = Brechstange. Also nicht zu verwechseln mit +dem scherzhaften Namen für das Gewehr. Die Brechstange ist von Eisen und +dient auch als Hebel zur Handhabung schwerer Lasten. Das eine Ende ist +platt und hat eine Klaue wie eine Kuh, so daß man Nägel damit ausziehen +kann wie mit einem »Kistenöffner.« + + +*Kühlte*, die. + +In der Regel wird der Wind als kühlend angesehen, namentlich in unseren +Breiten. Je mehr er also kühlt, desto stärker wird sein Wehen sein. +Daher wird durch das Substantivum Kühlte der Grad der Windstärke +ungefähr angegeben. Roeding: »Wenn bey stillem Wetter oder flacher See +etwas Wind entsteht, der eine leichte Bewegung des Meers verursacht, so +nennt man solches eine kleine Kühlte oder schlaffe Kühlte. + +Wird der Wind etwas stärker, so ist es eine labbere Kühlte, bey welcher +ein Schiff ungefähr 3-4 Meilen in einer Wache zurücklegt ... Unter +Bramsegelskühlte versteht man eine labbere Kühlte, bey welcher man +Bramsegel führen kann, und unter Marssegel-Kühlte eine frische Kühlte, +bey welcher man die Marssegel nicht reeft.« Bei steifer Kühlte fährt man +mit gereeften Marssegeln, vergl. Windstärke. + + +*Kurs*, der. + +Die Richtung die ein Schiff nehmen muß um an seinen Ort zu kommen. +Lateinisch cursus, italienisch corso, französisch cours, Lauf, Weg, Gang +einer Münzsorte, Stand eines Wertpapiers, Geldwert. Früher, im Seebuch +1400 und überhaupt im Mittelniederdeutschen, gebrauchte man anstatt des +Lehnwortes das gut deutsche holt = Halt, vom Halten der Ruderpinne. »Ich +halte (die Ruderpinne so, daß mein Schiff nach oder) auf Lübeck +(fährt).« Jetzt nur noch in der Bedeutung »abhalten auf« ... gebraucht, +wenn der Kurs geändert wird auf eine bestimmte, von der bisherigen +abweichenden Richtung. Lucas Janszoon Waghenaer in seinem »Spiegel der +Zeevaerdt«, 1588, hat noch ein besseres und deutlicheres deutsches Wort +für Kurs, nämlich Gang. »Een Schip comende van Cizarga oft Cesarien (soo +ons volck dat noemen) ouer de Spaensche Zee met een noort noordtooste +ganghe nae Heyssant« ... »Item een Schip dat comt van de Cape de +Finisterre met een Noort noordtooste ganghe, ende vintet diep 80 vadem, +so is hy van landt vier en twintich mijlen de grondt is cleyne swerte +steenkens ghemengt met groff root sandt.« + + +*Kurr*, die, auch (besser) Kur, + +ist ein Schleppnetz, in einem Rahmen eingespannt, zum Strand- und +Grundfischen. Die Küstenbewohner der Nordsee schieben die Kur teils mit +einer Stange vor sich her, die Kurbaum heißt, teils ziehen sie an einer +Leine, der Kurleine, hinter sich her. Sonst niederdeutsch und +nordfriesisch korre, altfriesisch koer, niederländisch korre, +ursprünglich ein korbartiges Geflecht, denn das westfriesische koer +heißt auch heute noch neben Netz *Korb*; auch eins mit kor in der +Bedeutung Gefäß, Bienenkar. Wie weit Bedeutungen sich von ihrem Ursprung +entfernen können beweist die Tatsache, daß in der Pfalz Knaben die sich +für ihre gefangenen Hummeln ein Lehmgehäuse zusammenkneten, dieses auch +Kar nennen. + + +*Küste*, die, + += Ufer, Seeufer, Gestade; hochdeutsch seit dem 17. Jahrhundert, (zuerst +bei Stieber). Romanisches Wort, altfranzösisch coste, neufranzösisch +côte, italienisch und spanisch costa, eigentlich Rippe, Seite, dann auf +die Seite, den Landstreifen am Meere übertragen. Wenn Hildebrand (Grimm +V 2878) meint: »zu uns wird es über Holland gekommen sein, denn schon +Kilian am Ende des 16. Jahrhunderts verzeichnete kuste, koste, sodaß der +Übertritt des o in ü mit von dort ausging«, so ist daraus nicht zu +schließen, daß bei Kilian sich die erste Spur des Wortes überhaupt +findet, denn schon 1400 hat das Seebuch kost und koste. Meist heißt +freilich im Mittelniederländischen die Küste »wal«. »So de wind lange up +de wal hadde gestahn und sick den wedder na der see kehrt, so kamen de +floden spader.« Niederländisch wal, »aan den wal gaan«, an Land, auf +Urlaub gehn. Kilian hat auch schon die Form see-kant, die als waterkant +an der Nordsee weit verbreitet ist. Im Beówulf dagegen kommt wael vor, +Wall, Damm, Schanze, Ufer. + + +*Küstenbezirksinspektor*, der, + +ist ein von der Marine angestellter höherer zur Disposition gestellter +Seeoffizier, der in seinem Küstenbezirk die Aufsicht über die richtige +Betonnung des Fahrwassers, die Leuchtfeuer, Feuerschiffe, Baken, Bojen +u. s. w. hat. + + +*Kutter*, der, + +in der Marine das Beiboot zum Rudern oder Segeln, das besonders für die +Fahrten der Offiziere an Land etc. etc. bestimmt ist, größer als die +Jolle, kleiner als die Barkasse und auch vornehmer in Linienführung und +Ausstattung. + +Sonst ein Fahrzeug das sich wenig von einer Jacht unterscheidet. Der +Kutter, den Roeding abgebildet hat, trägt einen Pfahlmast, daran einen +Besan, ein Marssegel geringeren Umfangs, ein Bramsegel und davor ein +Stagsegel und einen Klüver; er macht den Eindruck eines »schneidigen« +Seglers. Daher hat schon Halbertsma, Lex. Fris. vermutet, der Name komme +von cut, schneiden (französisch couteau, lateinisch cultellus, Messer): +»a nimble boat cutting the water.« Roeding berichtet von seiner Zeit +(1794): »Wegen ihrer außerordentlichen Geschwindigkeit im Segeln werden +sie in England viel zum Kontrebandehandel gebraucht. Die Regierung hält +daher auch Kutter zu Küstenbewahrern, um diese Schleichhändler +einzuholen. Letztere führen ungefähr 30 Mann Besatzung, 6-8 Kanonen und +einige Drehbassen. Kutter welche in England zur Kauffardey bestimmt +sind, dürfen nach den Gesetzen nicht so hohe Takelasche führen, als die +Küstenbewahrer, damit sie diesen nicht entgehen können. Die Kutter +dienen im Kriege auch zur Kaperey und als Advis-Jachten und Paquet-Bote. +In Frankreich und insonderheit zu Dünkirchen bauet man sie jetzt +ebenfalls.« + + + + +L. + +*Labber* + +kommt nur in der Verbindung »labbere Kühlte« vor und ist gleichbedeutend +mit dem sonstigen niederdeutschen labberig, das zumeist vom Geschmack +gebraucht wird: fade, weichlich, süßlich, kraftlos, schlaff. Das +letztere nähert sich dem seemännischen Gebrauch, denn bei der unter +Kühlte angegebenen Fahrt, die ein Schiff bei labberer Kühlte macht, +müssen die Segel wenigstens zeitweilig ziemlich schlaff herunter hängen. +Indessen ist nicht nach dem Geschmack sondern nach dem Gehör das Wort +gebildet, nach einem Schallstamme von dem Geräusch des Schmatzens beim +Essen von Süßigkeiten und beim Küssen; daher Labberei, Schleckerei, +Schmatzerei, Küsserei. Auch das seemännische labber erklärt sich aus dem +Schall, aus dem Geräusch das die Segel machen, wenn ihnen zeitweilig der +Wind ganz ausgeht; dann flattern und flappern, wappern und lappern (auch +sonst schlagen: »he lapde hum en an de oren«) und labbern sie. + + +*Labsalen.* Tauwerk mit Teer einreiben. + +Hat mit Labsal nichts zu tun, wiewohl ein richtiges Seemannsherz der +Meinung ist, der Teer sei für das Tau ein Labsal. Aber der Seemann sagt +gar nicht labsalen, das ist vornehmer sein sollende neuhochdeutsche +Seemanns-Schiffssprache, er sagt labsalben und das Einreiben oder +Einschmieren, was ist es anders als Einsalben? Und auch das »lab« +erklärt sich auf sehr einfache Weise. Das Salben geschieht mit einem +Lappen, niederdeutsch lap -- also lap-salben ist die richtige und ohne +weiteres verständliche Form. + +Lap-döse (Lappendose) heißt der Kasten auf dem Schiffe, der die Lappen +(zum Verbinden), Pflaster, einige Arzneien und Instrumente chirurgischer +Art enthält, also »Pflasterkasten«; lap-dös bedeutet aber auch Flicken- +oder Flickkorb, und also auch in dieser Hinsicht ein für manche fatale +Bedeutungsähnlichkeit mit Pflasterkasten. + +In Groningen schimpft man einen der zerrissenes Zeug an hat Lapsak und +Lapsalver, scherzweise auch Laplander. Schlecht angezogene Leute, +»Lumpen und Lappen« wurden früher auf der Jagd zur Umstellung des Wildes +gebraucht, daher: »durch die Lappen gehen.« + +Ueber die Erklärung von labsalen hilft sich Kilian hinweg, der doch ganz +richtig lapsalven hat, mit der leichthin geäußerten Bemerkung es werde +wohl »quacksalven« sein. + + +*Labskausch*, der, + +eine Speise, Rindfleisch und Kartoffelmus gemischt. An Bord, von +präserviertem Rindfleisch hergestellt, ist das oft ein zweifelhafter +Genuß. Wenn aber der Seemann sich erst einmal der Seefahrt begeben hat +und in die so beliebte Zivilversorgung gegangen ist, dann fängt dieses +Essen an, ihm in verklärtem Lichte zu erscheinen, er denkt wunders wie +fein es ihm einst geschmeckt habe und veranstaltet feierliche +Labskauschessen. Die Etymologie ergibt sich schon aus Kilians +Uebersetzung von lap, smout, »pinguis liquor ex coriorum loris sive +segmentis,« also aus Streifen oder Lappen Fleisch, aus Lappenstücken; +die waren kein Abfall, kein übrig Gebliebenes, sondern Stücke des +weichen Bauchfleisches, der Bauchlappen des Rindviehs. Das Zeitwort +lappen aber übersetzt Kilian mit farcinare, »farcieren«, eine »Farce« +bereiten aus Fleisch. Die erste Silbe von Labskausch bedeutet also +Hackfleisch; (die Kartoffel ist erst nachträglich hinzugekommen). Die +zweite Silbe ist das niederdeutsche Kaus = Schüssel, Schale, so daß das +Ganze also »eine Schüssel Gehacktes« heißt. Der Geschlechtswechsel hat +sich vollzogen in einer Zeit, wo dem Sprachbewußtsein -Kausch als +Schüssel nicht mehr gegenwärtig war. + + +*laden*, + +mit Tragbarem beschweren, ganz verschieden von laden, wohin berufen. +Unser laden heißt gothisch hlathan, eine Last auflegen. Es kommt manchem +Schiffe für seine Fahrt sehr darauf an, daß es richtig geladen sei, daß +es in Bezug auf die richtige Verteilung der Last sein Recht empfange, +wenn das geschehen ist, dann nennt man es: »das Schiff ist auf seinen +Paß geladen.« Der Raum für die Ladung heißt *Laderaum*. Die Linie, bis +zu welcher das Schiff ohne Gefahr geladen werden kann, die *Ladelinie*, +die Gesamtheit des Geladenen die *Ladung*; Schiffsladung, auch ein +(allerdings ziemlich unbestimmtes) Maß bezeichnend, »Schiffsladung, +Ladung schottischer Kohlen«. + +Das Laden einer Kanone, eines Gewehrs erinnert, wie das gleichbedeutende +Fremdwort chargieren, noch deutlich an das Beschweren mit Tragbarem. + +Uebertragener Sinn: »er hat zu schwer, er hat schief geladen.« + + +*Laffete*, die, + +das Gestell auf dem eine Kanone ruht. Zuerst bei Stieler 1691: Lafet, +Lafete; Goethe: Lavete. Ein Lehnwort, französisch l'affût, aus dem +lateinischen ad und fustis = Stock, Prügel, Baum, Holz; spanisch fuste, +provençalisch fust. Noch vor hundert jahren, 1794, als Roeding sein +Lexikon schrieb, war Laffete an Bord nicht ausschließlich in Gebrauch, +da sagte man auch noch Rapert und Rampert, niederländisch rampaard, also +Rammpferd, »Rollpferd« sagt Roeding. Das Gestell hieß also Pferd, +(vergl. Bock, Widder, Krahn) und ward näher bezeichnet als Rammpferd, +weil es aus- und eingerammt wurde beim Schießen und Exerzieren. + + +*Lage*, die, + +alle Kanonen, die an einer Seite eines Schiffes auf einem Deck stehen +(liegen), eine halbe Batterie, eine Breitseite. Sind mehrere Decks +vorhanden, die Kanonen tragen, so heißen alle zusammen an einer Seite +eine volle Lage. Dem entsprechend heißt: »eine Lage geben«, »eine volle +Lage geben« die betreffenden Kanonen zugleich, (in Konzentration) auf +ein feindliches Ziel abfeuern. Auch übertragen: »eine Lage Bier geben«, +eine Runde Bier ausgeben, so daß jeder Teilnehmer der Tafelrunde ein +Glas bekommt; jemanden mit einer vollen Lage von Schimpfwörtern dienen. + + +*Lägel*, der, auch Legel. + +1. Kurze Stücke von Tauen deren Enden an das Liek eines Segels gesplißt +werden, so daß sie mit diesem eine Art Ring oder wenigstens einen +Halbkreis bilden. Es werden an ihnen die Bulins und anderes laufendes +Tauwerk befestigt. + +2. Die Ringe um das Stag, an die das Vorliek des Stagsegels befestigt +ist, an denen dieses Segel am Stag auf- und niederläuft; ebenso die +Ringe um Schnaumast und Gaffel durch die die Gaffelsegel sich auf und +nieder bewegen lassen. Den Ringen zu vergleichen, mit denen man eine +Gardine oder Portière bewegt. + +Gehört zum niederdeutschen lag, leg = leer, frei, ledig, unbehindert, +und zwar im Sinne der leichten Beweglichkeit, und dieses ist Kontraktion +von ledig. Ledig ist einer der sich leicht rühren und bewegen kann; von +Arbeit, Mühe, Beschwerde oder sonstiger Hinderung frei. Daher vermutet +Dornkaat mit Wahrscheinlichkeit das ledig = lidig sei; lid aber heißt +Glied, Gelenk, Stelle wo Arm und Beine sich bewegen, so daß die +Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und ein Zustand bezeichnet wird, in dem +einer oder etwas, oder ein Mittel durch das einer oder etwas biegsam, +geschmeidig, beweglich, lenksam ist, sich frei bewegen kann. Diese +Bedeutung stimmt mit dem Begriff von Lägel oder besser: Legel überein, +denn ein Legel kann man sehr wohl als Glied oder Gelenk bezeichnen, +dadurch das Segel bewegt und gelenkt und gerichtet wird. + + +*längsdeck*, + +ein viel gebrauchtes Adverbium, die Längsrichtung des Decks bezeichnend; +die Rahe liegt längsdeck, die Leute laufen mit dem Taljenläufer +längsdeck. »Mit jemandem längsdeck gehen« heißt im übertragenen Sinne, +ihm »über« sein, ihn überwältigen, ihm seinen Meister zeigen. + + +*Längsstringer* s. Stringer. + + +*Landung*, die, + +allgemein (die Landung des Columbus auf Guanahani) das Anlanden an einer +Küste; besonders aber das Anlandsetzen von Waren; auf Kriegsschiffen das +Ausschiffen von Truppen, im Frieden als Landungsmanöver geübt. + +Das Zeitwort landen hieß und heißt teilweise noch im Hochdeutschen +länden, aber das niederdeutsche landen hat es wegen des Übergewichts der +Seeschiffahrt in den Hintergrund gedrängt. Das Landen ist nicht immer +wörtlich zu nehmen, es wird auch wohl von solchen Häfen gesagt, die gar +keine Häfen sind, sondern offene Reeden, wer z. B. in Montevideo +»landet«, der liegt so weit vom Lande ab, daß wenig genug davon zu sehen +ist. + + +*Landmarke* s. Kennung. + + +*Lanen*, die, + +des Bootes sind die manchmal gitterartigen, dann auch Gräting genannten +Bretter, die den inwendigen Boden des Bootes bilden. Sie liegen lose auf +den Bauchstücken und können daher abgenommen werden, wenn man sie +reinigen will oder wenn man das Wasser ausöst. Im Ostfriesischen heißt +läne, län = Lehne, Geländer, Gitter, woran man sich hält oder worauf man +sich stützt, worauf man einen Stütz- und Ruhepunkt findet. Lane dürfte +also zu unserem Lehne zu stellen sein, die zwar jetzt besonders einen +Halt und eine Stütze für Hände, den Kopf oder den Rücken bedeutet, aber +ursprünglich war das anders, da bedeutete Lehne ein Lager, und lehnen +»eine schiefe Stellung bilden, eine schräge Lage einnehmen« und diese +nehmen die Beine der im Boot Sitzenden, namentlich der Rudernden ein, +indem letztere sie noch gegen auf Lanen angebrachte Fußleisten anlehnen. + + +*laschen* + +heißt zunächst verlängern, besonders von der Tätigkeit der +Schiffszimmerleute gesagt, wenn sie zwei Balken so zusammenfügen, daß +sie zwar auf einander liegen, aber zusammen doch nur die Dicke des einen +haben. Sie werden dann so zusammen verbunden. Daher heißt laschen auch +überhaupt verbinden, befestigen, festbinden, zwei Dinge mit einander +zusammenbinden. Eine Lasche ist ein Stück Zeug oder Leder, das man +irgendwo einsetzt, dazwischen setzt, ansetzt um etwas zu verlängern. Die +Erklärung macht Schwierigkeiten. Doch gibt Kluge einen Weg an, auf den +sie sich dürften heben lassen; darnach wäre das Wort mit Lappen +verwandt, indem im Althochdeutschen ein vorausgesetztes lafska sich in +laska verwandelt hätte. + + +*Last*, die. + +1. Die Ladung, das Geladene; auch als bestimmtes Gewicht: eine Last +Kohlen, eine Last Torf. + +2. Der Raum in dem die Ladung verstaut ist oder werden kann. Es ist +Ableitungsform von laden, (du ladest mit ausgefallenem d) wie +mittelniederdeutsch lest (von lädst). »Das deutsche Wort drang ins +Romanische, französisch lest, Ballast, laste, italienisch lasto, Last, +als Schiffsgewicht«. (Kluge). Diejenige Last, also derjenige Raum, der +für eine stets sich gleich bleibende Ladung bestimmt ist, die zur +Versorgung des Schiffes dient, wird nach dem was er enthält benannt: +Brotlast, Fleischlast, Wasserlast. + + +*Lastadie*, die. + +»Navale, locus ubi naves constituuntur, aedificantur, aut quassatae +reparantur« ist bei Kilianus eine Lastagie, sonst meist, wie viele +Straßen- und Platznamen in deutschen Seestädten beweisen, in der Form +Lastadie gang und gäbe. Es fragt sich, welches die ursprünglichere Form +ist. Die Endung agie ist eine weitverbreitete mittelniederdeutsche +Kollektivendung. Ueberall wo eine Menge zusammengehöriger Dinge +zusammengenannt werden soll, geschieht dies durch Anhängen der Endung +agie. Sie wird zwar meist wie asche ausgesprochen, aber agie, asje, +asche, acze, aghe abwechselnd geschrieben: Takelasje, Fustage, Fastage, +Budelaghe, Segelasche, Segelacze, Segelacie, Stellage, Slytage, +Ankeragie, Ankeracie, Eskipage: sogar Priesteragie für Pfarrhaus kommt +vor. Im Englischen steht dafür die Endung age; lastage = Last im Sinne +von Ladung, auch Ballast, und Last im Sinne von Laderaum. Und das eben +gibt uns die ursprüngliche Bedeutung an die Hand. Stelle am Ufer, wo die +für Schiffe bestimmten Lasten aufgestapelt waren, oder wo der Ballast +lagerte, also Laststelle, Ladestelle, natürlich auch Löschstelle. Beim +Laden oder Löschen stellt sich wohl das Bedürfnis heraus, an Ort und +Stelle kleinere Reparaturen auszuführen, dafür wurden zunächst recht +einfache und vorübergehende Einrichtungen in Anspruch genommen, aus +denen sich jedoch nach und nach eine richtige Schiffbauwerkstätte, eine +Werft entwickelte, die aber den Namen behielt, den der Ort von der Last +erhalten hatte. + +Aber wie ward aus Lastagie Lastadie? Oder, für den Fall, daß doch +Lastadie die ursprüngliche Form wäre, woher kommt das d in der Endung? +Da ist auf das schöne deutsche Wort Staden hinzuweisen. Es ist +gleichbedeutend mit Kai, Kaje (Quai!). In Straßburg i. E. gibt es einen +St. Nicolausstaden, einen Schifferleutstaden, Fischerstaden, Pariser +Staden, Kaufhausstaden u. s. w. Leider ist aber auch der Gebrauch dieses +Wortes so ziemlich auf das Gebiet Hochdeutschlands beschränkt. Dafür +kennt das Niederdeutsche ein allerdings immer ungebräuchlicher werdendes +Stade, welches zunächst so viel wie Gestade, Ufer ist, dann aber auch +allgemein Stätte, Stelle, Platz, Ort u. s. w. bedeutet und, wie Staden, +von einem Zeitwort kommt, das die Bedeutung hat: etwas irgendwo +hinstellen, zu Statten bringen, zum ruhigen Bestande bringen, +aufstellen, sich verheiraten, einen begraben etc., womit auch das Wort +Stalhof (Stadelhof) verwandt ist, wie das Haus hieß, das die Oesterlinge +zur Zeit der Hansa in London hatten, in dem die deutschen Kaufleute ihre +Waren ausgestellt hielten, (es mag hauptsächlich ein Musterlager gewesen +sein, weil man ein Muster, eine Warenprobe heute noch einen Stal, ein +Stälchen nennt). + +Also die Stätte, wo eine Last lagerte hieß Stade. Wie nahe lag da die +Verbindung Laststade. Das eine st wurde als lästig gefallen ausgewiesen, +so wie aus Raststede Rastede wurde. Der bloße Gedanke an Stade konnte +bewirken, daß aus Lastagie Lastadie wurde. Da für letzteres aber auch +die Form Lastadigen bezeugt ist, was eine Erinnerung an das von der +richtigen Stelle verdrängte g von Lastagie sein könnte, so gewinnt +dadurch die Ansicht das Übergewicht, daß Lastagie die ursprünglichere +Form ist, aus welcher durch Anlehnung an die Vorstellung Last-stade +Lastadie sich gebildet hat. Jetzt ist es durch Werft völlig verdrängt. + + +*Lateinische Segel* + +haben als besonderes Kennzeichen die Eigenschaft dreieckig zu sein und +an einer langen Rahe zu sitzen, die ihrerseits an einem niedrigen, meist +etwas vornübergeneigten Mast sitzt. Diese Art stammt aus dem Mittelmeer, +aus dem eigentlichen Sprachgebiet des Lateinischen, und wird daselbst +von Galeeren, Schebecken, Pinken, Tartanen, Felucken, Galioten und +überhaupt fast allen dort gebräuchlichen Fahrzeugen geführt. Solche +Schiffe sind leicht zu bedienen und segeln gut beim Winde. + + +*Laterne*, die. + +Diese allbekannte Lichtspenderin wird an Bord in verschiedenen Arten und +zu verschiedenen Zwecken geführt, muß aber allemal so gesichert sein, +daß auch der Sturm das darin brennende Licht, eine dicke Kerze, nicht +auslöschen kann. Man hat Lauflaternen, Kompaßlaternen und besonders +Positionslaternen. Diese sind von der größten Wichtigkeit, weil sie in +der Dunkelheit das einzige Mittel sind, die Position, also nicht nur das +Vorhandensein eines Schiffes überhaupt, sondern auch seine Fahrtrichtung +zu erkennen zu geben oder zu erkennen. Zu diesem Zwecke brennt vorne an +Steuerbord eine grüne, vorne an Backbord eine rothe Laterne, ist das +Schiff ein Dampfer, so brennt hoch über den beiden am Stag eine Laterne +mit weißem Licht, die Staglaterne. + + +*Laufendes Gut* + +nennt man alle Taue die ihrer Natur und Bestimmung nach beweglich sind +und bewegt werden durch Menschen, neuerdings auch durch Dampfkraft. +Gegensatz: stehendes Gut, das nicht nur für sich selbst fest und +unbeweglich zu stehen hat, sondern auch dazu hilft, daß andere Teile des +Schiffes fest stehen, weil sie von ihm gestützt sind. + + +*Läufer*, der, + +ehedem ein Mann dessen Beruf das Laufen war, ein Bote zu Fuß, Diener in +besonderer Kleidung, der Kutsche Vornehmer vorauslaufend um Raum zu +schaffen, auch Aufwärter etc. etc. (Ein Lauffeuer ist ein Strich +ausgeschütteten Pulvers zum Anstecken von Gegenständen aus größerer +Entfernung.) Seemännisch: 1. Das Ende eines Takels, einer Talje, einer +Jolle an dem die Matrosen holen, und zwar sollen sie, besonders auf +Kriegsschiffen, möglichst schnell holen, laufend holen, indem sie mit +dem Läufer in der Hand längsdeck laufen, z. B. beim Hissen eines +Kutters. 2. Ein Posten vor der Kajüte oder Messe, der Befehle +überbringt, Botschaften ausrichtet, anmeldet etc. etc. (Treppen- und +Flurläufer kommen wohl auch an Bord vor, sind aber nichts besonders +Seemännisches). Doch ist in Bezug auf 1 zu bemerken, daß eigentlich das +ganze Tau eines Takels mit allen seinen Parten Läufer heißt, weil es +über die Scheiben der Blöcke läuft, daß aber die holende Part, weil hier +das Laufen in doppeltem Sinne zum Bewußtsein kommt, auch besonders als +Läufer in den Vordergrund tritt. + + +*Laufplanken*, die, + +sind Planken die vom Schiffe an Land geschoben werden, damit man auf +ihnen aus- oder einsteigen kann; besonders aber die Planken an beiden +Seiten der inneren Bordwand durch die Back und Schanze so mit einander +verbunden sind, daß man von dieser auf jene gehen kann, ohne an Deck +hinabsteigen zu müssen. Auch auf offenen Flußfahrzeugen finden sich an +der derselben Stelle Laufplanken, auf denen die Matrosen hin- und +hergehn beim Staken. + + +*Laufstag*, das, + +im engeren Sinne ist eine Haltevorrichtung für die Matrosen die am +Bugspriet zu arbeiten haben, bestehend aus zwei gestreckten Tauen, die +wie ein Geländer aussehen und zwischen denen man hindurchgehen kann. Da +in der Nähe dieses Laufstages das Gallion ist (war), so mag mit ihm der +Ausdruck »Stagläufer« für getrocknete, gelbe Erbsen in Verbindung +stehen, die so schwer verdaulich für manchen Magen sind, daß sie +manchmal gänzlich unverdaut in der Nähe des Laufstages wieder ans Licht +kommen, (vergl. das Wort: »er sieht aus wie eine Erbse, die dreimal +durch einen Soldaten gegangen ist«, von einem gelb und kränklich +aussehenden Menschen gesagt). + +Im weiteren Sinne kann man Laufstag auch jedes Manntau nennen, also +jedes zeitweilig geschorene Tau an dem der Mann an Bord sich festhalten +kann, sei es an Deck bei so schlechtem Wetter, daß man ohne ein solches +nicht stehen oder gehen kann, sei es beim Paradieren auf den Rahen, also +das was man sonst *Strecktau* nennt, ein Tau, nach dem der Matrose die +Hand ausstreckt um sich festzuhalten. + + +*Launske*, e. + +Memeler Lootsen kommandieren: »e Launske Backbord dat Rohr« (Ruder), +»fier weg e Launske achtern«! Nach schriftlicher Mitteilung eines +früheren Ostseekapitäns ist das Wort aus dem englischen allowance +verderbt und mit Diminutivendung versehen. Allowance ist aber Ration, +Portion. Wie man nun von einer tüchtigen Ration Prügel und einer +gehörigen Portion Schelte spricht, so sagt der Ostseemann: »e Launs +Schelte oder Prügel bekommen«, wie er auch die Ration Essen oder Trinken +Launs nennt. Die Verkleinerungsform deutet also das an was wir mit »ein +Teilchen, ein Bischen, ein Stückchen« bezeichnen. + + +*Lausepflicht*, die, s. Pflicht. + + +*laviren* + +heißt so viel wie kreuzen, sich aufkreuzen; doch ist man unter Umständen +froh wenn man beim Laviren wenigstens nicht zurückkommt; namentlich bei +schwerem Wetter und hoher See. Aber die eigentliche Meinung ist doch +die, daß man dabei Luv gewinnen möchte. Man mußte also richtiger luviren +sagen, wie im Französischen auch wirklich die Formen louvier und +louvoier bezeugt sind, Aubin 1702; sie sind offenbar aus dem +niederländischen loef richtig gebildet, (während das französische lof +sich von einer falschen Aussprache des Holländischen herschreiben wird). +Das Wort erklärt sich aus dem Niederdeutschen, besonders dem +Niederländischen. Da heißt dasselbe zuerst loeven, von loef, Windseite +des Schiffes, dann mit der beliebten fremden Endung loeveren, endlich +verderbt, vielleicht auch in der Erinnerung an eine uralte Form von Luv +laf (Beówulf) lavéren; so hat es Kilian schon; ja bereits das Seebuch +(1400) hat inlaveren; die hochdeutsche Form laviren kommt im 16. +Jahrhundert vor. So fremdartig laviren aussieht, so ist es doch unser +eigenster deutscher Besitz. + + +*lecken* + += Wasser durchlassen, bedeutet eigentlich dürsten, austrocknen, vor +Trockenheit Ritzen bekommen und dann Wasser durchlassen; lechzen ist +eigentlich auch rissig werden vor Trockenheit und erst übertragen »vor +Trockenheit schmachten«, und ist iterative Bildung von lechen, +austrocknen, weiter zurückführend auf das oberdeutsche Adjective lech = +rissig, undicht, wofür wir jetzt die niederdeutsche Form leck haben +(Heyne). Von der Schiffahrt her im 17. Jahrhundert in die Schriftsprache +gekommen. Davon das Substantiv der Leck, *das Leck*, sogar die Lecke. + +Althochdeutsch lechen, Edda: leka, angelsächsisch lekkan, naß machen, +tropfen, lecken (das Lecken mit der Zunge ist ein anderes Wort). + + +*Leckasche* + +ist das, was an flüssigen Waren aus den Fässern rinnt und in Abzug zu +bringen ist. + +Wie die Seefahrer des 17. Jahrhunderts ein Leck stopften erzählt der +Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, Rostock 1673: +»Weil wir nun auch ein Leckschiff hatten, gingen etzliche von dem Volck +bey die Pump; wir andern gedachten uns von den Masten frey zu machen, +daß Wasser aber nam im Schiff überhand, so, daß wir vermerkten, daß wir +noch eine größere Leck bekommen hatten, welches eine große Bestürtzung +unter dem Volck machte; Ich war bißweilen in dem Soct (Pumpensood), +märckte endlich, daß das Wasser muste von ferne kommen, derowegen sandte +ich den Zimmermann mit einigen nach den vordersten, sie machten den +Vorluck auff, da wurden sie gewahr, daß das Wasser häuffig einbrausete, +rieffen derowegen, daß da die Leck wär: wir hatten aber zu unsern Glück, +wenig Gut in Boch gestauet, derhalben dürfften wir nur wenig Fässer in +Stücken hauen, worin Verginisch Tobacksblätter wahren, den unsere Ladung +war Zucker und Toback, daß Volk nam gantze Armen voll Tobacksblätter, +und fielen damit gegen das Wasser an, und legten sich darauff, daß es +nicht in die Höhe brausen konte, sonst konte man dar nicht beykommen, +den es war anzusehen alß wenn der gantze Boch offen war; Wie nun das +Wasser mit den Toback gedampffet, könte man darunter fühlen wo daß +Wasser herkam, also funden wir erstlich ein Holtzen Nagel Gat, welchen +Nagel daß Fockenspar (eine bis an die Bordwand reichende Planke der Spur +des Fockmastes?) hatte ausgerissen, wir machten alsobald einen Pfropff +von ein Stück Ochsenfleisch, drückten es dar hinein, legten dar ein +wenig von einem Bret auff, und dar eine Streve gegen an, da ward es +dicht, noch funden wir eine Planck mitten auffgeborsten, welches viel +Wassers brachte, wir nahmen Ochsenfleisch, legten es gegen das Gat an, +und dar Stücklein von Brettern auff, so zwischen die Inholtzen paste, +und solches ward bestrebet, damit daß Wasser das Fleisch nicht +wegtreiben konnte, da ward es dicht, welches uns einen guten Muht +machte, und wenn wir mit solchem in der Eyl nicht waren vorgekommen, +solte es bald mit uns ein böses Ende genommen haben. Wir pumpten das +Wasser bald wieder aus, nachdem giengen wir bey die Masten, die immer +gefährlich auff das Schiff anrammelten, und machten uns davon frey.« + + +*Leck* + +wird auch als Adjektivum und Adverbium gebraucht, »das Schiff ist leck +geworden«, »das Boot ist leck gesprungen«. Höchst auffallender Weise hat +der Uebersetzer der »durchläuchtigsten Seehelden« anstatt leck »luck«. +»Black war unterdessen mit siebenzig Segeln bey Fayer-hill unter die +große Fischerey geraten, allda er dreyzehn Buys-Convoyer genommen, +etliche Buysen geplündert, etliche vom Volck entblößet treiben lassen, +und die übrigen jedwede seines Weges gejaget. Tromp der ihm vorgenommen +ihn zu finden, ward bei Fayer-hil und Hitland von einem harten Sturm +überfallen, er selber war in großer Gefahr zu sinken, weil das Schiff +sehr luck worden, und bloß mit Bomben (Bumpen) noch oben zu halten.« Als +oberdeutschem Manne war ihm das seemännische leck wohl unbekannt oder +ungeläufig, er hatte aber einmal etwas davon gehört, daß es auf Schiffen +Oeffnungen gäbe, die man Luken nenne. + + +*Lee*, (ohne Artikel) + +die dem Winde abgekehrte Seite (des Schiffes). Breusing hat im Jahrbuch +des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 1876 sich die Deutung +Kilians angeeignet, der lye mit »latus navis depressum« übersetzt und +mit »quod a vento deprimitur« erklärt, indem er es mit ley = niedrig in +Verbindung brachte. Darauf hat ihm aber Müllenhoff alsbald dargetan, +daß an leg nicht zu denken sei. Mit Recht. Denn wenn auch zu gewissen +Zeiten und unter gewissen Umständen an Bord die Leeseite die niedrigere +Seite werden kann, so denkt dabei doch niemand an das Niedrige und das +Wort Lee wird sehr oft da gebraucht wo von hoch oder niedrig gar keine +Rede sein kann. Müllenhoff fügt seiner Ablehnung die Worte hinzu, er +finde aus dem Germanischen keine Erklärung, so lange er sie auch im Auge +gehabt und gesucht habe. Das kommt offenbar daher, daß er, wie auch +Breusing mit einem zu engen Begriff von Lee gearbeitet hat, nämlich dem +rein seemännischen. Es gilt aber zuerst sich den ganz allgemeinen +Begriff und die umfassende Bedeutung von Lee klar zu machen. Es ist +nicht nur die dem Winde abgekehrte Seite des Schiffes sondern jeder Ort +wo man Schutz findet, Ruhe, Stille, Schatten, Obdach, Zufluchtsort. +Spricht doch der Seemann selbst auf See, an Bord nicht bloß: »in Lee vom +Schiffe«, sondern auch: »in Lee von der Luvbordwand«, (und da ist von +ley, niedrig doch keine Rede); und ebensogut sagt er am Lande: »in Lee +von einem Hause, von einer Mauer, von einem Busch« (wobei er an hoch +oder niedrig erst recht nicht denkt), weil Haus, Mauer und Busch Schutz +vor Wind, vor Regen oder Sonne gewähren. Überhaupt kam das Wort in +allgemeinen Gebrauch ehe die Bedeutung so hervorragend seemännisch war, +daß sie so nachdrücklich hätte auf die Sprache der Landbewohner +zurückwirken können. Es ist das Wort vom Lande auf die See übertragen +nicht umgekehrt. Sobald nun die Bedeutung Schutz, Schutz auch am Lande, +festgehalten wird, kommt man ohne Weiteres auf das altnordische Wort +hle; altsächsisch hleo, hlea, angelsächsisch hleo; sie alle bedeuten +Schatten, Schutz, Schutzort, wobei gleich bemerkt sei, das Schatten vor +der Sonne sowohl als Schutz vor ihren sengenden Strahlen, als auch als +trübes, düsteres, trauriges Dunkel empfunden werden kann; so willkommen +der Schatten um Johanni ist, so beengend, ja mit Todesahnungen erfüllend +kann er in der Zeit der »zwölf Nächte« vom Weihnacht- bis zum +Epiphanientage wirken. + +In einer sehr lehrreichen Abhandlung über den altdeutschen Mythus vom +Körperschatten hat Rochholz »Deutscher Unsterblichkeitsglaube«, +dargethan, daß Lee keineswegs ausschließlich oder auch nur hauptsächlich +seemännisch ist. »Mit einerlei Wortstamm benennt unsere Sprache das +schattige Waldgebirge, das dunkle Meer und das finstere Grab, diese +drei großen Hauptgemarkungen, die das Land oder das Leben abgrenzen. Wir +haben demgemäß Leewälder, Leberberge, Lebermeere und Leefelder, d. h. +Grabfelder. Es ist nachzuweisen, wie die Vorstellungen über den Schatten +in eben diesen Wortstämmen Le, Lew, Ler sich ausgebildet haben.« Indem +er dieses tut, führt ihn sein Weg bis in das tiefste Binnenland, bis +nach Österreich hinein. Uns aber geht besonders das Leemeer an. Der +altnordische Wasserriese Hlê wohnt nach einer nordischen Sage auf der +Insel Läsöe (Hlêsey) im Kattegat und hält sich dorten einen Hirten Snio, +d. i. das Schneewehen vom Meere her. In weiterer Ausdehnung der Mythe +bewohnt Hlê das unbeweglich stehende Eismeer, mare mortuum, welches die +Isidorischen Glossen mit lebirmeri übersetzen. Die Seelen der +Schiffbrüchigen finden in der Tiefe dieses Lebermeeres Zuflucht und +Obdach unter umgestülpten Töpfen. + +An die Stelle solcher Hlêmeere traten in den Binnenländern die Leewasser +und ihre geisterbehüteten Leebrücken. Auf der Leebrücke zwischen dem +Flecken Schwyz und dem Dorfe Brunnen am Waldstädtersee sitzt die +Nachtspinnerin und wen sie anhaucht, der erblindet, wird leeblind. + +Der Meeresgott Hlê ist natürlich nur eine andere Gestaltung der +Schattengöttin Hel. Es möge aber genügen hier darauf hingewiesen zu +haben, daß der gemeinsame Begriff von Leewald, Leemeer, Leefeld und +Leebrücke der des Schattens, des Schutzes, des Zufluchtsortes ist und +daß das Wort sich in jenen niederdeutschen Ortsnamen so oft wiederholt, +die mit -leben zusammengesetzt sind: Eisleben, Wegeleben, Wanzleben, +Ermsleben etc. Unter den zahlreichen Beinamen Odins kommt auch Hlêfreyr, +Leeherr vor. Simrock meint, der bedeute jedenfalls seine Herrschaft über +das Wasser. Aber was heißt Hlê-Herr? Doch zunächst einen Schutzherr oder +Schirmherr, eine besondere Beziehung zum Meere liegt nicht darin. Und +wenn der über Walhall reichende Wipfel der wunderbaren Weltesche +Yggdrasil den Namen Laerad führt, so heißt das doch nur »Schutz und +Schirm« spendend, und unter den Wurzeln dieser Esche quellen zwar drei +Brunnen, aber mit dem Meere hat sie nichts zu tun. Ist nun die +eigentliche Bedeutung von Lee Schutz, so ist es nicht zu verwundern, daß +gerade die Seeleute sich im Laufe der Zeiten besonders das Wort +angeeignet und bis auf unsere Tage im Gebrauch behalten haben; das liegt +in der Natur der Sache, da für sie Schutz vor Sturm und Seenot eine +besonders wichtige Sache ist. Dabei ist zu bedenken, daß auf Wangerooge +angenehmes, warmes Wetter li-weder heißt und daß in der Edda laegi +Meeresstille bedeutet. Daher haben die Verfasser des »Bremer +Wörterbuches« auch schon das Richtige geahnt, als sie schrieben: »Lee +oder Lehe, ein Dorf dieses Namens, eine halbe Meile von Bremen« (also +Bremerlehe). Im Angelsächsischen ist hleow und hleowth eigentlich ein +Ort, der (an der Sonne liegt und) vor dem Winde sicher ist: ein +Zufluchtsort.« Und weiter: »Bei unseren Schiffern heißt lee ein Ort, wo +die See stille ist und die Wellen nicht ankommen. »In't lee van't land« +bezeichnet eine Station der Schiffe bei einer Insel oder Erdzunge, wo +der Wind vom Lande absteht, und wo folglich dichte unter dem Lande die +See vom Winde nicht beweget wird.« + +Und andererseits lesen wir in einer mittelniederdeutschen Chronik: »und +wo woll den Deutschen und Lubschen alles thoiegen was und in der Lehe +werden.« Hier ist allerdings eine ausschließlich seemännische Bedeutung +von Lee unzweifelhaft, indem es für ein Segelschiff natürlich sehr +hinderlich ist, sich in Lee eines feindlichen Schiffes zu befinden, +nicht weil es leger, niedriger wäre, sondern weil es in seiner +Bewegungsfreiheit der in Luv befindlichen Schiffe gegenüber im Nachteil +ist. Insofern bedeutet Lee eine schwierige Lage, etwa diejenige einer +Partei, die »ins Hintertreffen geraten« ist; Not, Bedrängnis, +Schwierigkeit. Aber darum hätte der holländische Dichter ten Kate ly +--so heißt Lee im Niederländischen -- doch nicht gleich von leiden +ableiten sollen, was auch Kilian mit seinem latus navis depressum auf +dem Gewissen hat. Adelung aber hat sogar ein altes lee = links +herangezogen und dabei an Backbord, die linke Schiffsseite gedacht, als +ob Backbord immer Lee und Steuerbord immer Luv wäre. + + +*Leegierig*, s. luvgierig am Ende. + + +*Leesegel*, das. + +Die Leesegel sind eine Vergrößerung gewisser Segel bei günstigem, +beständigen Winde, eine Vermehrung der Segelfläche, und zwar nicht wie +früher, als man die Segel nach unten zu durch ein Bonnet oder Bonnit +vergrößerte, sondern neben, an der Seite, nämlich allemal an der +Luvseite, da sie in Lee keinen Zweck hätten. Daher ist eine der +beliebtesten Scherzfragen die: »Warum heißen die Leesegel Leesegel?« +Antwort: »Weil sie stets in Luv stehen!« Das wäre also ein lucus a non +lucendo. + +Breusing hat (Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 1879, S. 14 +und 15) folgenden Erklärungsversuch gemacht: »dann fand man, daß die +früher übliche Verlängerung der Untersegel durch ein Bonnet wenig +zweckentsprechend war, deshalb zog man es vor, bei günstigem Wetter die +Segel an der dem Winde zugewendeten Seite durch einen Streifen +Segeltuch, eine Leiste, niederländisch lyst zu verbreitern und nannte +diese Beisegel im Niederländischen lystzeils, woraus durch euphonische +Verschleifung der Konsonanten lyzeils und im Niederdeutschen lêseils +wurden, und hieraus entstand der deutsche Name Leesegel, der mit dem +einfachen Wort Lee durchaus keinen Zusammenhang hat, denn die Leesegel +werden eben nicht in Lee gesetzt.« Diese Erklärung kann nicht richtig +sein, denn erstens ist das Leesegel keine Leiste, sondern ein Segel, ein +richtiges Segel, und ein solches, auch wenn es ziemlich lang und schmal +ist, eine Leiste zu nennen, geht nicht an, wenn man bedenkt, was +eigentlich eine Leiste ist. Sodann heißt im Niederländischen Leesegel +lyseil, weil Lee im Niederländischen ly heißt; eine Form lystszeil gibt +es nicht, Breusing hat sie auch nicht nachgewiesen; sollte sie sich ihm +zufällig einmal irgendwo gezeigt haben, so könnte es höchstens als +Erklärungsversuch geschehen sein, der aber nichts beweißt, wie +unzähliche dergleichen Versuche von Weiland dartun. + +Es bietet sich uns eine andere Deutung von Leesegel ganz ungezwungen +dar. Wie unter Lee bemerkt ist, heißt auf Wangerooge ein angenehmes, +warmes Wetter li weder; dieses li ist das ostfriesische le -- lau, warm, +mild; dabei sei dahingestellt ob dieses le von dem altnordischen hle -- +Schutz, Schatten, Schirm kommt, oder mit lau verwandt ist (welches aber +auch mit hle, Lee eines Stammes sein dürfte). Weil im Ostfriesischen +dieses le auch lau und lu heißt, so liegt der Gedanke an lau am +nächsten. Doornkaart führt folgendes Beispiel für den Gebrauch an: »'t +water is man äfen lê, das Wasser ist nur eben warm, lê water, lauwarmes +Wasser; »'t is so 'n lauen lücht,« es ist eine so mildwarme, weiche, +laue Luft, de wind weid so lau« etc. Wie auch die Verwandtschaft sei, le +bedeutet gutes, schönes Wetter; ein Leesegel ist also ein +*Schönwettersegel*. + +Von hier aus fällt nun auch ein Lichtstrahl auf die Etymologie des +erwähnten Wortes Bonnet, mit dem die Leesegel heute noch in den +romanischen Sprachen bezeichnet werden, das aber ursprünglich eine +Verlängerung der Segel nach unten zu bedeutete. Eine solche konnte auch +nur bei gutem Wetter vorgenommen werden, und es steckt also in Bonnet, +italienisch bonetta, spanisch boneta, das lateinische bonus, mit einer +schmeichlerischen, kosenden Verkleinerungsform, wie man ja auch bei uns +von einem »schönen Wetterchen« spricht. Also auch hier die Bedeutung: +»Gutwettersegel«, wie in früheren Tagen ja auch das Großsegel +»Schönwettersegel« genannt wurde. + + +*Leeweg*, der, s. Abtrift. + + +*Leibholz*, das, s. Wassergang. + + +*Legerwall*, der, + +ist eine Küste unter dem Winde, eine Küste auf die der Wind zuweht, so +daß beide mit einander einen rechten Winkel bilden, vielleicht sogar, +indem rechts und links das Land vorspringt, einen spitzen. Dann ist also +eine Bucht vorhanden. Eine solche kann, wie die berüchtigte an der +jütischen Küste, eine rechte »Jammerbucht« werden, wenn ein +(Segel-)Schiff durch Wind und Sturm so nahe an die Küste getrieben wird, +daß es in Gefahr steht durch Kreuzen nicht wieder frei zu kommen. +Dasselbe Gefühl, das Breusing veranlaßt hat Lee = leg, niedrig, zu +setzen hat wohl auch die Form Legerwall anstatt Leewall in Gang +gebracht. Aber Leewall ist das richtige, wie schon ein Blick auf das +englische Lee-shore beweist und wie es auch in der Natur der Sache +liegt. Die Veränderung in Legerwall mag aber dadurch gefördert worden +sein, daß es in der Regel eine niedrige Küste sein wird, die ein Schiff +in solche Gefahr bringt, denn eine hohe sieht es in größerer Entfernung, +braucht ihr also nicht so nahe zu kommen, daß die Verlegenheit des +Legerwall eintritt. + +Gegen die Deutung Leewall könnte sprechen, daß das Gegenteil davon nicht +Luvküste, sondern Opper- oder Upperwall hieß. + +Aber einmal kann eben der Upperwall später gebildet sein, als Gegensatz +zu Legerwall, zur Zeit als dieses in dieser Form bereits aufgekommen +war, und dann ist zu bemerken, daß man doch auch von einer Luvküste +spricht, ja daß Upperwall in neuerer Zeit geradezu von Luvküste +verdrängt worden ist. + +Legerwall gehörte zu dem Gefährlichsten was es für einen Seemann geben +konnte. Der alte Kapitän der 1673 die »Beschrivung von der Kunst der +Seefahrt« verfaßte, wußte davon zu erzählen. »Ich hätte billig Ursach +mehr von Gottes Wunderwerken zu schreiben, wie ich zu zweyen mahlen in +der Nordsee sonder Ruder gewesen, da daß eine auff die Quernes ist +weggestoßen, und sind nachdem mit dem Schiffe sonder Ruder zu Rotterdam +glücklich angekommen, daß andermahl durch einen starcken Nord +Nordewesten Wind, unter Reveshoren daß Ruder weggeritten, und daß Schiff +nach Allerheiligen, bei dunkern Mohn, durch das Katzen Gat zu Kopenhagen +gebracht, und wie offt der Allerhöchste mich errettet, wann ich auf dem +Legerwall von Sturm bin besetzt gewesen, da ich oftermahl nicht anders +alß den Todt vor Augen gesehen, wie auch eins Mahls auff der Küst von +Africa, nebenst Mamora, da wir bald in die Brandung waren, gab Gott daß +der Wind sich legte, und indem auch raum ward, so, daß wir glücklich die +Cap Spartel passierten, wann wir sonst an den Wall gekommen waren, und +etzliche noch daß Leben, wie eine Beute davon gebracht, hätten die +Mohren uns doch zu Schlaven gemacht.« + + +*Leguan*, der, + +ein dicker bekleideter, beschmarteter, betakelter Kranz von Tauwerk, ein +Stropp von besonderer Art, den man an besonders gefährdeten Stellen der +Takelage zur Sicherung oder Schonung anlegt. So legte man zur Zeit der +Segelschiffahrt vor dem Gefecht einen Leguan um Mast und Rahe, die +beiden zusammenzuhalten wenn etwa Rack, Fall oder Toppnant zerschossen +würden. Auch zur Verhütung des Schamfilens von stehendem Gut durch +laufendes legte man wohl einen Leguan an, und oben um den etwas +vorragenden Vorsteven eines Bootes kann man ihn heute noch gelegt sehen +zur Milderung des Stoßes und Verhinderung von Schaden beim Anlegen. Wie +kommt dieser Stropp zu dem Namen der großen Eidechse Iguana, iguana +tuberculata, die auf deutsch Leguan heißt, jenes freundlichen und +nützlichen, zum Fangen von Fliegen als Haustier gehaltenen munteren +Tieres, das jedem Seemann bekannt ist, der einmal an den Küsten des +tropischen Amerika weilte? Die Bezeichnung war offenbar zuerst +scherzhaft. Der Stropp war ein Legan, weil er angelegt ward; weil das +aber so sehr ähnlich wie Leguan klang, so lag für einen scherzhaft +angelegten Seemann eine absichtliche Verwechslung nahe und die ist dann +zur stehenden Bezeichnung geworden; also ähnlich wie ammer zu ammeral +und Admiral wurde, so daß jetzt ein Eimer den Namen »Admiral« führt. +Doch hat sich neben Leguan auch die ursprüngliche Form Legan bis auf +diesen Tag erhalten, ja sie scheint sogar Leguan wieder etwas in den +Hintergrund gedrängt zu haben. + + +*Leibknoten*, der, + +ist ein Knoten, der nicht zuschliert, dessen Auge also stets offen +bleibt, auch wenn Kraft darauf wirkt. Er wird besonders dazu verwandt, +einen Menschen in die Höhe zu winden, der sich mit seinem Leibe in das +offene Auge gesetzt hat. Leibknoten können auf verschiedene Weisen +gesteckt werden, doch bleibt stets das Auge für den Leib eines Menschen +offen. + + +*Leichtmatrose*, s. Jungmann. + + +*Leichter*, der, + +auch Leichterfahrzeug, ein kleines Schiff, das einem größeren die Ladung +teilweise abnimmt, damit es nicht mehr so viel Tiefgang hat und in einen +seichten Hafen einsegeln kann. Man hört und liest manchmal auch Lichter +und Lichterfahrzeug, doch ist diese Form geeignet Verwechslungen +herbeizuführen, s. Anker lichten, und daher ist, wiewohl lichten die +richtige niederdeutsche Form für leichter machen ist, doch Leichter +vorzuziehen. Das Mittelniederdeutsche sagte luchteschute. 1368: »Vortmer +moghen si hebben eghene prame unde luchteschuten«. 1369 ... »und geven +van dem prame ene mark vnd van der luchteschuten ene halve mark, darmede +mogen se up unde ut schepen.« Ein luchteschute war also kleiner als ein +prame. + + +*Leine*, die. + +Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann für das Erzeugnis des +Reepschlägers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: »Dünne Taue von +verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf Schiffen +dienen.« + +Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin, angelsächsisch line. Kommt vom +lateinischen linum, das nicht nur Lein, Flachs bedeutet, sondern auch +alles was daraus hergestellt wird: Faden, Schnur, Leinwand, Linnen, +Segel, Netz, Seil, Tau. + +In übertragenem Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium, +disciplina, also ein sittlicher Begriff. + +Auch unser Lineal stammt von linus, von der Leine mit der die +Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie -- daher der Name +-- ziehen (daher die ganze Wendung »Linien *ziehen*«), indem sie die +geschwärzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen lassen, wo es +abfärbt. + +Von den vielen Linien, die man auf Kartenblätter zog um die Grade zu +bezeichnen war Eine so die Hauptlinie, daß man sie schlechthin »die +Linie« nannte (Äquator.) Wer diese zum ersten Male passiert, muß sich +gefallen lassen, daß allerlei »Hänselei« (von Hansa, denn wer in eine +solche eintrat mußte allerlei über sich ergehen lassen) mit ihm +getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache dabei ist das +(Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe Wort ist, so ist +der Name treffend (s. Schiffstaufe.) + + +*Leitblock*, der, + +ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende Tau in eine +andere Richtung zu leiten. Es kommt z. B. ein Läufer in senkrechter +Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter Richtung +werden; dann muß ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte Richtung +überleiten. + + +*Leiter*, der, + +ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter, die an die +Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nämlich ein Tau an dem etwas +geführt, von dem etwas geleitet wird, also ein schönes, kurzes Wort für +Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es passend +vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lägel als Ringe +bewegen. + + +*Leiwagen*, der. + +Es ist ein t ausgefallen, das Wort heißt eigentlich Leitwagen, wie +Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat. Es ist ja auch +ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin und her +geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen Wagen zu +denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar dasselbe Wort +wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den Begriff des +Bewegens darstellt: ein Gerät zum Hin- und Herbewegen. Nun ist zwar +Leiwagen kein Gerät, sondern eine am Deck befestigte Vorrichtung, auf +der sich die Pinne bewegt, aber er trägt seinen Namen doch mit Recht, +denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten. Und auch wo der +Leiwagen nicht für die Pinne, sondern für eine Schot bestimmt ist, dient +er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu leiten. + +Das Wort wird öfters auch Leuwagen geschrieben, diese Form gebührt aber +einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen. + + +*lenz*, + +als Adjektivum und Adverbium in häufigem Gebrauch; es bedeutet *leer*. +Das Bremer Wörterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nässe mehr ist. De +Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser mehr +geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist +ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das +Getränk alle ist. Niederländisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der +Frühling bedeutet und seinen Namen vom Längerwerden der Tage hat, hat +dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus +zusammenhängen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich +jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von »erschöpft«. 2. +langsam, träge (so wie das Letzte aus einem Gefäß ausfließt). 3. zäh, +klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flüssigkeiten zu sein pflegt). +So recht will keine von den dreien, will überhaupt das ganze lentus +nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden. Übertragen: +»ich bin lenz«, ich habe kein Geld mehr. + + +*lenzen.* + +1. vollständig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses, einer +Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tänks, der +Bilge erschöpfen; übertragen: jemanden ausplündern bei Spiel. 2. vor +einem Sturme fahren, so daß der Sturm das Schiff mit nur wenigen und +kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche (»vor Top und Takel«) vor sich +hertreibt. + +Die Erklärung wird etwas erschwert dadurch, daß manchmal ohne +Berechtigung und ohne Verständnis für den eigentlichen Hergang lenzen +einfach mit »vor dem Winde segeln« gleichgesetzt wird. Die Wahrheit ist +die, daß lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist, daß ein Segel +nach dem andern weggenommen werden muß. Nun haben wir unter »lenz« +gesehen, daß es leer bedeutet; lenzen also heißt leeren, zunächst von +Flüssigkeiten; es kann aber auch im übertragenen Sinne gebraucht werden +und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so werden wir es hier +anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage leer machen von +Segeln, so daß das Schiff schließlich nicht nur keine vollen Segel, +sondern überhaupt keine Segel mehr führt. Von dem transitiven Gebrauch +zum intransitiven war nur ein Schritt, und die Bedeutungsentwicklung +von: »die Segel entfernen« bis zu: »das Schiff lenzt« lag nahe. Daß +»lenzen« einen Sturm voraussetzt, beweist auch die Bezeichnung +*Lenzsack*; den führt ein Rettungsboot im Inventar und gebraucht ihn bei +hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist er anschaulich +beschrieben: »ein trichterförmiger Sack aus starkem Segeltuch, dient +dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und damit zu +steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so gehoben wird, +daß Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen. Hätte man dann +keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer geworfen und +übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Öffnung nach vorn, an +einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem spitzen +Ende befestigt ist. Da beim Schleppen die Mündung nach vorn ist, so +füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen beträchtlichen Widerstand +und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft man das stärkere Tau an der +Mündung los und holt die dünne Leine an dem spitzen Ende ein, so wird +der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann mit leichter Mühe ins Boot +geholt werden.« + + +*Leutnant zur See.* + +So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als deutsches in +Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der französischen Abstammung +sein Bewenden haben müssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt, Amt gedacht +worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als ob ein +Leutnant ein Mann wäre der ein Amt über Leute hätte. Allerdings findet +sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hieß das Wort auch +während des 30jährigen Krieges, aber das sind höchstens Versuche, das +Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die ältesten +Spuren führen nach Frankreich, wo das Wort schon im 15. Jahrhundert im +Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und ursprünglich demgemäß +für eine Statthalterwürde gebraucht. »Des Königs Lieutenant« ist der +Mann, der »*anstatt*« des Königs das Kommando führt. + +Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant +zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mußte sich mit +Unterlieutenant zur See begnügen. + + +*Leuchtturm*, s. Blüse. + + +*Leuwagen*, der, + +ist ein Stock mit einer Bürste daran zum Waschen des Schiffes, ein +Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein t ausgefallen, +denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet das -wagen +auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen dürfen, daß das Geschäft +des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht gerade mit +besonders fleißigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu heißt aber im +Niederdeutschen faul, träge, unlustig zur Arbeit, insonderheit wird es +auch von einem Menschen gebraucht, der faul in seinen Bewegungen ist; +also auch einen, der sich nicht gern bückt. Ein solcher mag den Stiel an +der Bürste erfunden haben, die ursprünglich sicher ohne ein solchen +gebraucht wurde, also beschwerliches Bücken erforderte. Ganz peinliche +und reinliche Hausfrauen halten heute noch darauf, daß ihre +Dienstmädchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im Stehen abmachen. +Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den Scheuerbürsten als eine +»faule« Sache erschienen sein, so daß sie das Arbeiten mit dem ihnen +unlieben Instrument als eine »leue Bewegung« zu brandmarken versuchen. +Es hat sich aber doch Bahn gebrochen. + + +*levendig*, + +werden die Segel gebraßt, wenn der Wind sie so fassen soll, daß sie +killen, d. h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein Brett, +sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist Weiterbildung +des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche Form dafür. So +weit wäre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig entsprechend, +levéndig, sondern lévendig ausgesprochen. Doch hieß lebéndig früher auch +lébendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was im 17. Jahrhundert +noch vorkommt, bei Gryphius: »Man hat ein zartes Kind noch lebendig +geschunden.« »Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden von +Deutschland noch jetzt, die Rückung des Tones auf lebéndig ist aber auch +schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen« (Heyne). + + »Do he en sag liggen also, + Ward he wedder unfro + Darumme, dat Brûn noch levendig was.« + + Reinke de Fos. + +Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie +lebendig gegangen ist. + + +*lichten* + +ist besonders in der Verbindung »Anker lichten« bekannt. Es ist von +lichten = leicht machen, gänzlich verschieden, denn es heißt eigentlich +lüften, nicht im Sinne von »frische Luft in eine Stube lassen«, sondern +von »in die Luft erheben«. Man hört auch hie und da -- in Stade z. B. -- +Anker lüften. Die niederdeutsche Form ist aber liften; englisch lift. Im +Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem Niederländischen zugeht, +desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht für Graft, kracht für +Kraft, lucht für Luft etc. So hat sich auch liften in lichten +verschoben. + + +*Liderung*, die, + +im Maschinenwesen ein Verschluß, ein Verschließen oder Verpacken irgend +einer Öffnung, die man dicht haben will. Es ist das niederdeutsche Wort +lid = Deckel, Verschluß, Tür, und dasselbe wie Lid in Augenlid, +Altsächsisch hlidan, angelsächsisch hlidan, altenglisch hliden = +bedecken, schließen; altfriesisch hlidia. + +Von lid auch das Zeitwort *lidern*, schließen, verpacken. + + +*Lieger*, der, + +ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst +befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d. h. nicht +bloß am Tage da weilt, sondern auch nachts da schläft (liegt). Er hat +das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, für richtigen Verschluß +aller Räume zu sorgen. Früher war ein Lieger ein ganz anderer Mann, +nämlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfähiger +Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfähigen +Handlungsknechten. + +Lieger heißt auch das Bauchstück der Bodenwrange. + + +*Lik*, *Liek*, das. + +Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem Rahsegel +unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das Unterliek und +die beiden stehenden Lieke rechts und links. + +Unser deutsches Wort »gleich« bestand ursprünglich aus der Vorsilbe ga +und lika. Lika heißt Körper. Unser »Leiche« hatte nämlich noch im +Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung »toter Leib« sondern galt auch +für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher +eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen +Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber +täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich; +männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat; +königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt, +*gleich* einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im +Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der +Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek, +wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei +liekedeler hießen, Gleichteiler. + +In der Bedeutung Gestalt hat sich dieses Wort allein im Seemännischen +erhalten, denn unser Liek ist ja das Tau, das die Umrisse der *Gestalt* +des Segels genau darstellt. Eine beachtungswerte Verwendung hat unser +Liek im Französischen gefunden in dem Worte ralingue, aus Rahliek +entstanden. Das -liek hatte man aber nicht in seinem Werte erkannt, +sondern für eine Art Endung gehalten, etwa für die niederdeutsche Endung +-ing, und so wurde ralingue aus einem Worte, das eigentlich ralique +hätte werden müssen. + + +*Linie* = Aequator, s. Leine. + + +*Linienschiff*, das, + +ist das größte und stärkste Panzerschiff, ein Schlachtschiff erster +Ordnung, Hochseeschlachtschiff; müßte eigentlich Schlachtlinienschiff +heißen, denn es ist ein solches, das stark genug ist, in einer +Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kämpfen. + + +*Lloyd*, der. + +In der ganzen Welt, besonders in der seemännischen, ist dieser Name +bekannt, weil ihn eine ganze Reihe großer Schiffahrtsgesellschaften +tragen. Es gibt einen österreichisch-ungarischen, einen russischen, +einen germanischen Lloyd, einen Lloyd francais und vor allen Dingen +denken wir an den »Norddeutschen Lloyd.« Von Bremerhaven nach Lehe geht +es erst durch die »Bürgermeister Smidt-Straße«, dann durch die +»Lloydstraße«. Wer Bürgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an +seinem Denkmal auf dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war +Lloyd? + +Es gab bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine +Matrosenkneipe die »Lloyds coffee-house« hieß. Was dieser Mr. Lloyd +sonst für ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm +muß gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht bloß Matrosen bei ihm, es +fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitäne, Makler, +Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil +es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man +sich denken, daß sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt +gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen. +Aus diesen Besprechungszusammenkünften entstand 1716 eine Gesellschaft, +die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen »Lloyds« führte und +heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: »The collection and diffusion of +marine intelligence, the insurance, classification, and certification of +vessels and the transaction of business of various kinds connected with +shipping.« Bei der Übernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s +in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren +gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft für +eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus +geschichtlich berechtigt. + + +*Log*, das, + +ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius etwa 15 +cm mißt; es ist eine Leine daran befestigt, die *Logleine*, die über +eine Rolle, *Logrolle*, läuft. *Loggen* heißt mit Hilfe dieses Logs, +dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log +ins Wasser wirft, das *Logglas*, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine +Sanduhr, umdreht, die Leine eine von dem Glase angegebene bestimmte +Zeit ablaufen läßt von der Rolle und dann an den Knoten der Leine +abliest, wie viel Knoten das Schiff läuft, d. h. wie viele den Knoten +entsprechende Seemeilen in der Stunde. + +Edward Wright hat zu London 1599 ein Werk unter dem Titel: »the +Haven-finding art« herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem +auch zum ersten Male der Name Log zu finden ist. Darüber schreibt +Roeding (1794): »Der Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder +dieses Instrumentes ist nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder +davon Erwähnung, als in der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom +Jahr 1607, welche Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in +mehreren Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von +Ausländern allgemein angenommen worden zu sein; es erwähnt dessen z. E. +Günter 1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634, +Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren +Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses +Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde, +ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu +verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.« + +Die Erfindung dürfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der +Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stück Holz heißt. +Ursprünglich war also von der Form eines Kreisausschnittes für das +Brettchen keine Rede, es war das Log überhaupt kein (weil unten +beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stück +Holz an das die Leine befestigt war. + +Das *Loggbuch* ist das Schiffstagebuch, in welches der Offizier der +Wache alles Bemerkenswerte einträgt sobald die Wache vorüber ist. Die +Benennung geschieht a potiore, weil die richtige Eintragung der richtig +geloggten Fahrt, d. h. der während der Wache zurückgelegten Strecke, +eine sehr wichtige Sache ist. In der »Beschriving von der Kunst der +Seefahrt«, Lübeck 1673 wird das ursprüngliche Stück Holz schon »ein +hölzernes Schiffchen oder dreieckig Brettchen« genannt: »By etliken wert +de wech, so dat schip aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes +dorch ein holten schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven, +gefunden und affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft +und by nacht nicht wol tho dohnde ys.« Es ist aber trotz der +Belemmerung heute auch noch nichts Besseres erfunden. + +Lucas Janszoon Waghenaer im »Spiegel der Zeevaerdt« empfiehlt schon +damals, 1588, die Einrichtung einer Art Loggbuches: »Item tis oock goet +dat een Stuerman alle morghens ende auonts by gheschrifte stelle oft dve +stellen, wat coursen hy ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer +nae inde Caerte af steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende +canalen van hem syn legghende.« + + +*Logger*, der, + +englisch Lugger, und so auch öfters in neuerer Zeit bei uns, wo es dann +aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit Luggersegel, d. +h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die Querlatten) so +angeordnet ist, daß beim Wenden und Halsen kein Dippen erforderlich ist. + +Sonst war Logger ein »zum Kriege ausgerüstetes schnellsegelndes +Fahrzeug« mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und einem Treiber +(»Brodgewinner«). Der Ausleger ermöglichte das Führen mehrerer +Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend gedacht +werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort luken, +ziehen, zerren, reißen, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch lug. + + +*Logis*, das, + +ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen. Bemerkenswert +ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute sprechen das s +deutlich mit aus. Daran kann man merken, daß das Wort über Holland zu +uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen französischen Wörtern +das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf Wangerooge ist das +Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner (s. d.) + + +*Lohen*, + +die Segel, heißt sie mit Lohe tränken um sie dichter und haltbarer zu +machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen der Segel auf +unseren Küsten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heißt englisch tan, to +tan heißt dementsprechend gerben, aber auch braun machen, dann +übertragen bräunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und Wetter. + + +*Lootse*, der, + +ein Mann, der Seefahrt und des Ortes kundig, der den Beruf hat, einem +Schiff in schwierigem Fahrwasser den Weg in den Hafen oder aus dem Hafen +zu zeigen; das Schiff zu lootsen. Um dieses Wort richtig erklären zu +können, müssen wir vor allen Dingen von dem italienischen, +französischen, englischen, holländischen piloto, pilote, piloot, pyloot +ganz absehen, wenigstens zunächst. Diese Wörter werden oft mit Lootse +zusammengebracht, haben aber nichts damit zu schaffen und können daher +die Untersuchung nur trüben und verwirren. Auch der Versuch, das Wort zu +Lot zu stellen, als sei der Lootse ein Mann der durch Loten die Tiefe +des Wassers feststelle, muß aufgegeben werden. Das Bremer Wörterbuch +sagt zwar: »Loots, Lootsmann = Piloot, der mit dem Senkblei die Tiefe +des Wassers ergründet. Überhaupt ein erfahrener Mann, der das +Fahrwasser, die Tiefen und Untiefen kennt«, aber dadurch wird die Sache +nicht besser, denn wenn auch das zweite, mit dem erfahrenen Mann stimmt, +das erste, mit dem Loten, stimmt keineswegs. Wer auch nur einmal in +seinem Leben mit einem Lootsen gefahren ist, der muß wissen, daß ein +solcher viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist und auf zu viel +anderes zu achten hat, als daß er sich aufs Loten einlassen könnte. Dazu +wird eigens ein Matrose abgeteilt, der die gelotete Tiefe laut aussingt. + +Auf die richtige Spur leitet uns das niederländische lodsman, englisch +loadsman, altenglisch lodeman. Dieses lod aber hat mit lod = Blei nichts +gemein, sondern heißt Weg. Ein lodsman ist also ein Wegmann, ein Mann +der den Weg zeigt, und zwar, sinnverwandt mit dem brim-wisa = Führer zur +See, ein Wasserwegweiser. Im Seebuch (1400) heißt der Name loedman und +loetsman, lootsmann und dieser Ausdruck kehrt, wie Breusing (Jahrbuch V. +8) anführt in allen nordischen Quellen des Seerechts wieder; »in den +Jugemens d'Oleron als lodemann; water regt van Damme als laedsage; +kostumen van Westcapelle als leydtsman; Waterrecht van Wisby als +Leytsager und leytsman.« Kilian, der pylloot freilich mit »expertus +nauta, qui bolide altitudinem maris explorat, nauta loci peritus« +übersetzt, hat doch auch die Form lootsman. + +In einem Hansareceß von 1437 lesen wir: »Int erste hebbe ik gegeven deme +losmanne, de my segelde in de Temese 6 Pf.« Und anderweitig: »So wan en +schip van nodt wegen queme vor eyn land, dar yd hauen moste, vnde +vmbekant were, so dat ydt eynen leydsagen bederuede« ... Weiter: »Wor en +scipper wynnet enen sturman, eder enen letsagen edder enen +schepesknapen, deme synt se to rechte schuldich syne reise wol to +donde.« Auch im übertragenen und bildlichen Sinne in einem Adventsgebet: +»O heerscopper aller heren vnde weldighe leytsaghe des slechtes +Israhel.« Das früheste Zeugnis für die Form letsaghe fällt in das Jahr +1299: »So wellik letsaghe jof sturman oder schipman, de sic vormedet +heuet eneme unseme borghere, wil he enen vnsen borghere vorklaghen, dat +schal he don vor sineme oldermanne« (Lüb. Urk.) + +Das Wort lootsman hat sich in dieser Gestalt, wie die Stelle aus dem +Bremer Wörterbuch beweist, zwar bis in die neuere Zeit erhalten, daneben +aber hat sich allmählich das Wort durch Verschlucken der Endsilbe in +Lootse abgeschliffen, zunächst nur in der gesprochenen Sprache, so wie +man boatswain Bosen ausspricht und das mann in Bootsmannsmaat +verschluckt und Bootsmaat sagt. + +Das Wort ist also ein echt germanisches. Heißt doch im Altenglischen der +Nordstern loadstar, Weg-, Leitstern, und der Magnet loadstone = Weg-, +Leitstein. Und zwar ist das erste Wort in der Zusammensetzung mit +unserem neuhochdeutschen *leiten* = führen verwandt, die wörtliche +Übersetzung von Bootsmann also »Geleitsmann«. So war das Wort im +Mittelalter in Deutschland, England, Holland und auch in Frankreich in +Gebrauch. + +Nun kamen aber zur Hansazeit die Italiener in deutsch-niederländische +Häfen. Die hatten bis dahin so etwas wie einen Lootsen in unserem Sinne +gar nicht gekannt. Wohl hatten sie einen piloto, aber der stellte, wie +aus der Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen bekannt ist, und wie +Breusing a. a. O. vortrefflich ausgeführt hat, etwas ganz anderes dar, +einen Mann, der einen ganz anderen Beruf hat als ein Lootse, nämlich +überhaupt einen seekundigen Mann, der die Navigation auf offener See +betreibt, wie wir z. B. aus den Reisen des Columbus wissen, daß der eine +der Gebrüder Pinzon der piloto mayor des Geschwaders der ersten Fahrt +war. »Ein Bedürfnis von Lootsen in unserem jetzigen Sinne, wo das Wort +einen Wegweiser für enge gefährliche Fahrwasser bedeutet, besteht im +mittelländischen Meere gar nicht. Die großen Handelsemporien +Konstantinopel und Alexandria, Messina und Palermo, Venedig und Genua, +Neapel, Marseille, Barcelona, Valencia, Malaga[3] liegen an offener See. +Andererseits muß man bedenken, daß in früheren Zeiten der Schiffer +eigentlich nur der Schiffsherr war und kein Seemann zu sein brauchte. +Ulloa in seiner Conversationes sagt darüber: En lo antiguo eran dos +ministerios separados, el de mandar las embarcaciones y el de +dirigirlas. Los capitanes tenian el mando interior civil, economico y +militar; y les pilotos eran los que desempenaban la parte nautica en +pilotage y maniobra. So erklärt sich die Vorschrift, daß ein +Schiffsherr, der nicht selbst Seemann war, einen der Schiffahrt kundigen +Mann annehmen mußte, von selbst, und man hat hier nicht an einen Lootsen +zu denken. Bei den Völkern des Mittelländischen Meeres hat das Wort +piloto keine andere Bedeutung gehabt, als die wir mit einem »befahrenen +Seemann« verbinden ... Auch der Nichtseemann begreift, wie widersinnig +es wäre, für völlig unbekannte Gewässer (wie die von Columbus +aufgesuchten) einen Lootsen anzustellen, der eben davon seinen Namen +hat, daß er von einem ganz bestimmten Fahrwasser eine genaue +Ortskenntnis besitzt, um als Wegweiser dienen zu können ... Erst nach +dem Jahre 1300 kamen genuesische und venetianische Schiffe nach +Antwerpen und lernten in den nordischen Meeren eigentliche Lootsen +kennen. Denn hier lagen die Handelsplätze nicht wie im Mittelmeere an +offener Seeküste. Hamburg und Bremen, Amsterdam, Rotterdam und +Antwerpen, London und Bristol, Rouen und Nantes und Bordeaux liegen tief +im Lande an Revieren, deren Eingang durch Sandbänke versperrt ist und wo +die Möglichkeit des Einsegelns von der genauen Kenntnis der von Ebbe und +Flut bedingten Wassertiefe und Gezeitströmung abhängig ist.« Aber für +einen loodsmann war kein Wort im Italienischen, eben weil die Sache +unbekannt war. Da halfen sie sich mit einem anderen Wort, mit einem, das +wenigstens so ungefähr etwas Ähnliches anzudeuten schien und nannten den +loodsman: pilota. Diese beiden haben sich dann so miteinander vermengt +und vermischt, daß in Holland, England und Frankreich, vielleicht +unterstützt durch den ähnlichen Klang, die romanische Form die +germanische in den Hintergrund geschoben hat. Doch ist es ihr weder in +Frankreich noch in Holland gelungen, sie ganz zu verdrängen. In +Frankreich ist nämlich das normannische lodemann in locman, dieses in +locmaneur (mit Anbildung an gouverneur = Steuermann) und dieses in das +neufranzösiche lamaneur übergegangen, und lamanage heißt heute noch die +Thätigkeit des Lootsen, während man im Altfranzösischen maronier sagte, +vom kymrischen mar = Führer, oder vielmehr von dem Beinamen des +Mercurius Marunus = Wegweiser; auf einer bei Baden gefundenen Inschrift +aus der Römerzeit steht: »Marones (Name eines Volkes in den Alpen) enim +appellantur viarum praemonstratores«. + +Was aber Holland betrifft, so beweist ein Blick in das 1629 erschienene +erste deutsche Buch über Schiffbau, die Architectura Navalis von Josef +Furttenbach, daß das germanische Wort damals noch galt. Es ist da ein +durch seine Schnelligkeit berühmtes holländisches Schiff unter Segel +abgebildet und genau beschrieben, ein Schiff, das einst zu Wasser +schneller von Amsterdam nach Genua kam, als der Avis mit der Landpost, +der melden sollte, daß das Schiff geladen sei. Es führte den Namen +»*Lotzmann*« und hätte ihn nicht führen können, wenn nicht Lotsmann +neben pylot in Holland noch gangbar gewesen wäre. + +Im Deutschen, und zwar in der deutschen Seemannssprache hat sich das +deutsche Wort unbefleckt von piloto erhalten. Daher wir auch der Mühe +überhoben sind, der Abstammung dieses Fremdwortes nachzugehen. Es macht +sich zwar hie und da in hochdeutschen Büchern und namentlich Gedichten +breit, aber es wird stets als Fremdwort empfunden. Und wenn bereits 1735 +im »Seebuch« Johann Manson schreibt: »Für tieffgehenden Schiffen ist +nicht rathsam dieses Fahr-Wasser einzusiegeln (durch das Mitteltief nach +Wismar), wo er nicht desto besser bekannt ist, sondern muß sich Piloten +aus der Stadt nehmen«, so beweist das doch nur, daß damals schon die +Fremdwörterei im Gange war, was ohnehin bekannt ist. Außerdem hat Hans +Wittenburgk, Schiffer in Wismar, das Manson'sche Buch aus dem +Schwedischen ins Hochdeutsche, so gut ers konnte, übersetzt. + +*Lootsenflagge* ist die als solche erkennbare weil besonders +unterschiedene Flagge, die ein Schiff hißt zum Zeichen, daß es einen +Lootsen haben will; auch die Flagge die der *Lootsendampfer*, der +*Lootsenschuner* zeigt, der Lootsen abzugeben hat. + +Ein *Lootsenkommando* hat einen Lootsenkommandeur, Oberlootsen, +Steuerleute, Lootsen, Lootsenaspiranten etc. etc. + +*Lootsenwasser* ist ein Fahrwasser, das man auf Karte und Segelanweisung +hin nicht befahren kann, sondern nur mit Hilfe eines Lootsen. Waghenaer +im »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, schreibt: »Dan men moet verstaen dat +wij dese Tonnen ende Baecken alhier so aengeteckent hebben, als de selue +int voorleden Jaer van 82 geleyt ende gestelt sijn geweest. Ende dat de +diepten ende stroomen Jaerlyckx seer verloopen ende verandern: +ouermidts d'onghestadighe sandtgronden, ende dat de gaten beneffens der +Zee seer wyt ende breet worden, waer door dese stroomen al Lootsmans +water syn, darmen hem versien moet van goede Piloten.« Ein neuer Beweis, +wie man in Holland Lootsman und Pilot neben einander gebraucht hat. +Vergl. auch Waghenaers Segelanweisung für Brest: »Oock meucht ghy van +daer innewaerts seylen voor den hauen van Brest, maer daer leyt een +Clippe ghenaemt de Bagyne recht binnen d'Oosthoeck van Croixduynen af, +ontrent Midtswater aen de Noortzyde ist best daeromme te loopen. Voorts +die inde hauen van Brest oft Landerneau wil wesen, moet schicken +Lootsluyden in te cryghen wantet Lootsmans water is.« + + [3] Diese Sätze sind am 17. Dezember 1900 geschrieben, am Tage, ja + in der Stunde, da die Nachricht vom Untergang S. M. S. »Gneisenau« + einging. + + +*Löschen*, + +die Ladung des Schiffes an Land bringen. + +Bei dem neuhochdeutschen Zeitwort löschen denkt man zunächst an Brennen, +sei es daß Holz oder Durst brennt. Eine Ladung löschen müßte demnach +bedeuten, daß sie brennt und daß dem Feuer gewehrt wird. Das +seemännische Löschen heißt aber eigentlich garnicht löschen, sondern +lößen (und dieses ist unser hochdeutsches lösen). Das wird im +Niederdeutschen in sehr allgemeinem Sinne gebraucht. Man sagt z. B. in +Ostfriesland: eine Tür lösen oder los machen anstatt öffnen, und +gebraucht lößen für frei machen, auslösen (vergl. Geld lösen, Erlös), +befreien, entfernen, trennen, scheiden, entbinden, entfesseln; »stenen, +törf, kalen, rogge etc. etc. lössen.« Die eigentliche Bedeutung von +Löschen ist also: Die Ladung vom Schiffe (los =) *lösen* (entfernen, das +Schiff entladen). Gothisch liusan = los, frei machen, leicht machen, +lichten. Aubin: »Een ship lossen, Last lossen = Lichten, de goederen +afschepen, outschepen, ontlasten, ontladen, ontlossen. Teuthonista: +loyssen = ontbinden. Bremer Wörterbuch: »lossen, ein Schiff ausladen. +Einige Oberländer sprechen unrecht löschen.« + + +*Lose*, die s. durcholen. + + +*Loskiel*, der, + +»ist eine unter dem Kiel angebrachte Holzplanke, welche mit demselben +nur in solcher Weise verbunden wird, daß sie bei Grundberührungen sich +loslösen kann, ohne daß Leckagen entstehen. Sie bietet also dem Schiff +beim auf Grund Kommen einen gewissen Schutz« (Dick u. Kretzschmer I. +85). + + +*Loten*, + +die Tiefe des Wassers mit dem Lot messen, sei es mit dem Handlot, sei +es mit dem »großen« oder Tieflot. Ersteres ist die häufigere Art, +namentlich beim Einfahren in einen Hafen oder beim Ausfahren aus +demselben üblich, wobei der lotende Matrose die gelotete Tiefe in Metern +aussingt: »grade -- das a sehr lang -- fünfzehn! (wobei dann genügsame +Gemüter immer wieder mit dem Scherze kommen, fünfzehn sei ja gar nicht +grade) oder: »zwanzig Meter und keinen -- das ei sehr lang -- Grund!« -- +Die Zahl der Meter ist an den verschiedenfarbigen in die Lotleine +eingeknoteten Streifen Zeug kenntlich. + +Das niederdeutsche lod heißt Blei, Lot ist also das Hochdeutsche +»Senkblei«. Die Sache selbst ist eine uralte Einrichtung, vergl. die +Beschreibung des Sturmes Apostelgeschichte 27, 27 und 28; Luther hat die +Stelle übersetzt: »Da aber die vierzehente Nacht kam, und wir in Adria +fuhren, um die Mitternacht, wähneten die Schiffleute, sie kämen etwa an +ein Land. Und sie senkten den Bleiwurf ein und funden zwanzig Klafter +tief, und über ein wenig von dannen senkten sie abermal und funden +funfzehn Klafter.« Das griechische Zeitwort für »den Bleiwurf einsenken« +heißt bolizo, von ballo ich werfe; dem entsprechend bolis beides heißt: +Wurfgeschoß und Senkblei. Es ist klar, daß Bleiwurf viel treffender ist +als Senkblei, denn das Werfen, das Schwingen und dann möglichst weit +nach vorne Werfen des Bleies ist eine wesentliche Bedingung beim Loten. + +Das Seebuch (1400) nennt die Tätigkeit depen = tiefen, wie man jetzt +wohl auch noch sagt: »ein Fahrwasser austiefen«, was nicht mit +ausbaggern zu verwechseln ist. + +Der lotende Matrose steht außenbords, mittschiffs, auf einer Gräting und +muß sich bei seiner Arbeit sehr weit nach vorne überbeugen um das Lot +möglichst weit vom Schiff frei zu bekommen (hoher Schwung und weites +Werfen ist Ehrensache); daher ist er mit einer Art von Schurz umgeben, +der, am Schiffe befestigt, ihm Halt bietet und *Lotbrook* heißt. Die +Leine heißt *Lotleine*. + + Es trieben Südenwinde sie in die offne See, + Dem edlen Fahrtgesinde schuf es bitteres Weh, + Mit *tausend Leinen* hätte es den Meergrund nicht gefunden, + Die besten Schiffer stöhnten; allen war der Mut dahingeschwunden. + +Kilian hat »grond-loot, diep-loot, funis cum plumbo, quo fundus et maris +altitudo exploratur.« + +Es bedarf kaum der Erwähnung daß das Senkblei am Lande nicht als Lot zum +Messen der Tiefe, sondern einer lotrechten Linie dient. Überhaupt +spielt Lot eine große Rolle, namentlich als (Blei-)Gewicht und als +(Blei-)Kugel; »jemand eene loden, blaawe of huzaren boon geven«: +bleierne, blaue oder Husarenkugel. + +Italienisch heißt das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten +italienisch scandagliare (vom lateinischen scandere, messen); +mittellateinisch scandilia, die Sprossen der Leiter, wobei daran zu +denken ist, daß die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch +spanisch-portugiesisch sonda, französisch sonde = Senkblei, sonder die +Meerestiefe messen (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren. + +Waghenaer legt in seinem »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, ganz besonderes +Gewicht auf fleißiges und sorgfältiges Loten. Er nennt es manchmal +kurzweg »werfen«. »Twee kenninghen buyten Heys werpt gy 45 vadem«; +manchmal auch tiefen, diepen: »Dicht by Heyssant ist diep 45 vadem, en +daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.« + + +*Lose*, die s. holen. + + +*Luftkasten*, der. + +Luftkästen sind ein wesentliches Erfordernis eines Rettungsbootes, +nämlich die Träger desselben durch Brandung und hohen Seegang. Sie +müssen das Boot auch dann noch über Wasser halten, wenn es voll Wasser +geschlagen ist. Es sind bei unseren Rettungsbooten neuester Art, die +eine große Stabilität haben und doch leicht sind, weil aus verzinktem +kannelierten Stahlblech gebaut, den sogen. deutschen Rettungsbooten, wie +sie die »Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger« verwendet, +kupferne Kästen zu beiden Seiten des Stechschwertes, die, wasserdicht +verlötet, im Verhältnis zum Boot die Größe haben, die für den +angegebenen Zweck erforderlich ist. Auf anderen Rettungsbooten, z. B. +dem englischen life-boat, sind nicht nur zu beiden Seiten, sondern auch +hinten und vorn solche Luftkästen, air-cases, angebracht. Sonst dienen +auch einfach doppelte, hohle Bordwände dem Zwecke größerer Stabilität. + + +*Luftzuführung* s. Windsack. + + +*Luftsack* s. Windsack. + + +*Luk*, das, auch *Luke*, die, + +eine viereckige Öffnung im Deck die als Zugang zu dem betreffenden Deck +dient; früher mit einer Falltür verschließbar, im modernen +Eisenschiffbau wohl durch eine eiserne Schiebeklappe zu verschließen. +Wiewohl man Luke gewöhnlich nach dem Augenschein für eine Öffnung +ansieht und auch als Öffnung erklärt, so hat doch nicht diese, sondern +im Gegenteil das Verschließen, die Verschließbarkeit den Namen +hergegeben, das Wort hat nämlich nichts mit Loch zu tun, sondern kommt +von einem Zeitwort das schließen bedeutet, gotisch lukan, althochdeutsch +luhhan, altnordisch luka, altfriesisch luka, altsächsisch lukan, +angelsächsisch lucan, altenglisch luken, englisch lock, nordfriesisch +loke, luka, laka; im Saterland luka, mittelhochdeutsch luchen, +niederländisch luiken. Der Grundbegriff aller dieser Wörter ist aber +ziehen, unser niederdeutsches, noch jetzt im allgemeinen Gebrauch +stehendes luken = ziehen. Das Verschließen einer Tür ist ja vor allen +Dingen ein Zuziehen derselben. Aber an eine Tür war am Morgen der +indogermanischen Sprache, als das Wort geschaffen wurde, noch nicht +gedacht, vielmehr ist der Ausdruck dem Leben der Hirten und einfachsten +Ackerbauer entnommen, und zwar von einer ganz bestimmten Vorrichtung, +nämlich einer durch Querstangen verschließbaren Umzäunung, Umhegung von +Weideplätzen, von Hürden und Pferchen. Die wurden einfach dadurch +verschlossen, daß eine Stange vor die Öffnung geschoben wurde; wurde die +Stange wieder zurückgeschoben, so war der Raum wieder offen. Dasselbe +Bild stellt sich uns dar, wenn wir an den ältesten Verschluß von Türen +und Fensterläden denken: es war kein Schloß, sondern ein Riegel, der +hin- und hergeschoben wurde. Die Stange, der Riegel wurden also geluckt, +d. h. hin- und hergezogen oder geschoben, denn luken heißt ziehen und +schieben. Je nachdem nun die Stange oder der Riegel hin- und +hergeschoben wurde, war der Raum offen oder zu: daher schreibt sich +dieses immer wieder hervortretende Schwanken der Bedeutung von luken +zwischen schließen und öffnen, offenbar auch die von Luk, Luke zwischen +Öffnung und Verschluß. + +»Das Luk« scheint zu veralten; »die Luke« mehr in Aufnahme zu kommen. +Ausschließlich wird letzteres Geschlecht gebraucht in der oft gehörten +Redensart: »Guckst Du mich aus *die* Luke?« Sie wird gebraucht, wenn man +jemanden erkannt hat in seinen Absichten und ihm in der ersten +Überraschung solchen Erkennens mitteilt, daß er »erkannt« sei. + + +*Luv* meist, wie Lee, ohne Artikel. + +Es sind auffallend wenig Erklärungsversuche an dieses Wort +herangetreten, gleichsam als ob sich an das schwierige Wort niemand so +recht herangetraut hätte. Und es ist doch ein so wichtiges Wort für den +Seemann. Wir müssen vor allen Dingen von der Frage ausgehen: Was ist +Luv? Was will es sagen? Von welcher Anschauung mag die Benennung +ausgegangen sein? Und da ist vor allen Dingen zu bemerken, daß Luv die +Seite ist von der man mit dem (Segel-)Schiffe herkommt, also die Seite +die man auf der Fahrt nach Lee zu hinter sich zurückläßt. Das stimmt +zwar jetzt wo man »beim Winde« zu segeln gelernt hat, nicht mehr ganz, +in alten Zeiten aber, wo bei der unbeholfenen Segelführung an ein +Aufkreuzen nicht zu denken war, sondern nur mit raumen Winde Kurs +gehalten werden konnte, da stimmte es. Man erklärt Luv jetzt gewöhnlich +als die Seite, von der der Wind kommt, die Windseite. Das ist auch +richtig. Aber eben so richtig ist, oder war es doch, zu sagen, die Seite +wo das Schiff herkommt, oder die Seite die das Schiff auf seiner Fahrt +hinter sich zurückläßt. Und dieser Begriff des Zurücklassens dürfte +ausschlaggebend gewesen sein. Das Zurückgelassene heißt im +Angelsächsischen laf. Im Beówulf kommt das Wort oft vor und bedeutet +neben dem Zurückgelassenen den Nachlaß, das Erbe, besonders auch als +vorzüglich kostbaren Gegenstand der Vererbung: das Schwert; echt +dichterisch ist auch die Wendung sweorda laf, die das Schwert +zurückgelassen hat, die vom Schwerte in männermordender Schlacht +verschont geblieben sind. + +Dem entsprechend heißt im Altfriesischen leva, lewa, relinquere, +nachlassen, davon lawa, Glaube; lawa, Gesetz, lawa, Erbe; allen dreien +ist der Begriff gemeinsam: Zurückgelassenes, Restierendes, der Nachlaß; +das was bleibt, wenn alle im Laufe der Zeiten dahingehen, das Dauernde, +Feste, zu Haltende, Unvergängliche, Unverletzliche. Aber die +Grundbedeutung ist zurücklassen. Dem entspricht im Gotischen laiba, +Überbleibsel, althochdeutsch leiba. Im Seebuch, 1400, tritt dann das +Wort in seemännischer Bedeutung auf, und zwar in der Form loff. Daneben +aber laufen im Sprachgebrauch der Zeit lof = Windseite und lova, louwe = +Hinterlassenschaft, loven, leven, zurücklassen. In einer unter Lee +angeführten Stelle war gesagt, daß den Dänen und Lübeckern alles +thoiegen und sie in der lehe waren; es heißt dann weiter: »Auerst de +leve gott gaff gnade, dat de wind umbginck und de Denen und Lubeschen +den loff kregen.« Es war altes ostfriesisches Landrecht: »Woir dat de +frouwe ein man nimpt und tuigt ein Kind by em unde se stervet tho voeren +und dat Kint darna, so soelen broedere und sustere de lova gelieke +antasten.« + +In dieser letzteren Bedeutung ist das Wort beinahe ganz dem +Sprachgebrauch entschwunden; sollte es darum sein, daß es von dem +seemännischen verdrängt worden wäre? Denn das Seemannswort hat sich +immer mehr Bahn gebrochen. Niederdeutsch lof, niederländisch loef, daher +französisch lof und louvoyer; in Groningen loof, auf Wangerooge lauv; +dänisch luv, schwedisch lofven. Der Vokal ist schwankend; die +Physiologie der Lautbildung lehrt, daß Vokale immer schwankende Laute +sind. Ein wenig mehr a- oder o- oder u-Lautfarbe macht also nichts aus; +ja wer dem Seemann genau auf den Mund sieht, der kann wahrnehmen, wie +Luv, das für gewöhnlich lang ist -- das Zeitwort luven ist immer lang, +-- oft aber auch sehr kurz ausgesprochen wird und dann leicht auch heute +noch zu dem alten Klange lov zurückkehrt, ja in lav überspringt, welch +letzteres ja dann auch das ursprünglichere ist. Das Schwanken der +Orthographie zwischen f und v ist selbstverständlich. Sprachlich steht +also der Verwandtschaft nichts im Wege. Sachlich, wenn man an die alten +Zeiten denkt, auch nicht. Doch ist zuzugeben, daß der Begriff sich in +der neuzeitlichen Seemannssprache unter dem Einfluß der neuzeitlichen, +verbesserten Segelführung etwas verschoben hat, namentlich der des +Zeitwortes luven, das unter Umständen jetzt so ziemlich das Gegenteil +von zurücklassen, nämlich entgegenkommen bedeuten kann, besonders als +anluven. Aber das liegt in der Natur der Sache. + +Übertragen sagt man: »er luvt nicht darauf«, d. h. er hört nicht, +gehorcht nicht, tut nicht was ihm gesagt wird; vom Luven des Schiffes +hergenommen; »das Schiff luvt«, es gehorcht dem Ruder und geht mehr nach +dem Wind. + +Im Englischen heißt die Seite von der der Wind herkommt windward; diesen +Ausdruck hatte man früher in der deutschen Seemannssprache auch. Der +Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« war, (s. +Schönfahrsegel) von seinem venetianischen Schiffe kurz vor der +Pulverexplosion über Bord gesprungen. »Wie ich nun gedachte nach dem +Admiral zu schwemmen, muß ich es allezeit gegen die See halten, weil er +zu *Windwärts* von mir war; Wen ich aber auff die See kam, lieff mich +die Rabbeling (wohl verdruckt für Kabbeling) vom Wasser übers Häupt, so, +daß ich nicht sehen konte, und weil zu zweyen mahlen einige Kordusen +(Kartuschen) durch Unvorsichtigkeit waren in Brand gekommen, wodurch +ich ziemlich kahl war versenget, waren mich auch die Augen davon hitzig +geworden, so daß ich kein Saltzwasser in den Augen vertragen konte.« + +Doch kannte neben »windwärts« der Verfasser der »Beschriving« auch sehr +wohl den Ausdruck »luv«, jedoch natürlich in den niederdeutschen Formen +lof und loff. Die Stelle, in der die Ausdrücke vorkommen, ist so +lehrreich für die Kenntnis der Seefahrt jener Zeit, daß sie hier +Aufnahme finden möge. »Mich hat auch gut gedünkt etwas zu melden, wie +ein Schiffer, der in der West- und Mittelländischen See nicht wol +erfahren, und allda einige Örter besegeln müßte, sich hat vorzusehen, +daß er nicht in der Heyden (Seeräuber) Gewalt kommen möge. + +Wenn nun ein Schiffer ümbtrent in der West- oder Middelländischen See +seine Feinde gewahr würde, so sol er nicht verzagen, sondern sich Gott +und seiner gnädigen Vorsorge anbefehlen. Kan ers entlauffen, umb unters +Land sich zu salvieren, oder daß er wans finster wird, sein Kurß kan +forsetzen, so tue ers in der Zeit, wo nicht, und daß sein Schiff etwas +bewehret ist, so tue er sein bestes, und setze seine Segel daß er +*lofen* und tragen (Richtung) halten kann; Nemblich dem grossen Halß zu, +und gehe mit halben Wind, daß alle Segel ziehen können, und ob er ja +sein Kurß deßwegen verändern müßte, so wil es doch nicht anders seyn, +ihr könnet ihn aber lang vexieren und auffhalten; ehe und bevor er euch +kann an Bort kommen; Denn, wo er nach euch zu kompt, umb euch an Bort zu +legen, so müsset ihr auffdauwen (niederdeutsch touwen = eilen) und ihn +das hinterste zukehren, doch nicht eher und bevor er euch bald an Bort +ist, und gebet allezeit Feuer, Gott kan es endlich so schicken, daß ihr +einen glücklichen Schuß tut, dadurch ihr dennoch endlich ihm entkommen +möchtet; Weil ich nun bey solchen Handel selbst mit gewesen; da es uns +gelungen, also hab ich den günstigen Leser hiermit zur Nachricht dienen +wollen. Es war Anno 1645 ungefehr zwischen Cap S. Vincent und S. Hubes +Huck 8 Meilen von dem Wall, da kamen auff uns zu fünff Türkische +Schiffe, weil wir aber sahen, daß wir gegen sie nicht fechten konten; +den wir nicht mehr dann zehn Stücken und noch ein Hamburger so bey uns +war sechs Stücken auff hatte, täten wir unser bestes und machtens wie +vor gedacht, daß wir mit halben Wind voraus lieffen, einer aber unter +ihnen war eine Hollandische Fregat mit 28 Stücken Geschütz gemondiert, +der siegelte uns endlich auff, und lieff den vorgedachten Hamburger +vorbey, weil derselbe hinter uns anhielt; den der Türcke gedacht uns +erst an Bort zu legen, der Hamburger würde den andern nicht entlauffen. + +Wie er aber näher kam, kehrten wir ihm daß hinter Schiff zu, und paßten +auff, daß wir ihn mit unserm hintern Geschütz, so neunpfündige Kugeln +schoß ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford wieder an, der Türcke +aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus, er folgete uns aber +wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir machtens aber wieder +wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben auch indem auf ihn +Feuer, traffen ihn also, daß sein Vormarssegel nicht allein von oben +nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern auffrisse, dadurch +er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der Vice-Admiral aber von +den Türcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu legen, der ihn auch +solches verdrehete und ihm daß Hinterschiff zukehrte, daß dem +Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing, derowegen konnte er sein +Segel nicht schrab (fest) setzen, daß er uns ferner verfolgen konnte; +die andern drey so noch zurücke waren, schossen zwar mit ihren +Bochstücken hinter uns an, welches ihn zurücke hielt, und was wir hinter +aus schossen, foderte uns, so, daß wir endlich vor ihm das Land bekamen, +sie aber dürfften dem Land nicht so nahe kommen, weil der Vice-Admiral +durch sein Bochspret redloß war, derhalben musten sie uns endlich +verlassen, wir aber gingen längst dem Wall nach S. Hubes, umb allda +erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach S. Lucas +zu suchen, dahin unser Wil war.« + + +*Luvart* + +kommt in der Verbindung zu luvart häufig als Bezeichnung der Richtung +vor aus der der Wind kommt. »Das Schiff segelt zu luvart von uns«; +Gegensatz: »Das Boot fährt in Lee von uns«. Die Präposition zu ist +fälschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die +Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewußtsein hatte. Dieses Wort +heißt nämlich eigentlich luvwärts und ist über luvwart zu luvart +geworden, doch so, daß von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu +hören ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlässiger luvert +ausgesprochen wird. Die Form »luvwart« ist bezeugt als »Loffwart« in der +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673; der Verfasser trieb +schwer havarirt in einem Novembersturm in der Nordsee: »Wir sahen auch +ein Schiff zu *Loffwart* von uns; liessen derowegen ein Schau oder +Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren« ... + + +*Luvgierig* + +ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug dem Winde +zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen Stauens der +Ladung oder verkehrter Segelführung. Die beiden letzteren Ursachen +lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler läßt sich nichts +weiter machen, als daß man mit Ruderführung und Segelstellung die +Luvgier zu heben sucht. + +Das Gegenteil nennt man leegierig; dabei fällt das Schiff allzuleicht ab +und ist schwer beim Winde zu halten. + + +*Luvküste*, die, s. Upperwall. + + + + +M. + + +*Maat*, der. + +Bei der Kaiserlichen Marine heißen die Männer, die man bei der Armee +Unteroffiziere nennt Maate, die Sergeanten Obermaate, und werden je nach +ihrem Dienstzweig noch näher bestimmt als Bootsmannsmaat, +Feuerwerksmaat, Steuermannsmaat, Wachtmeistersmaat, Maschinistenmaat, +Feuermeistersmaat, Meistersmaat, Materialienverwaltersmaat, +Artilleristenmaat u. s. w., das sind dienstliche Titel. Eine +vorübergehende Beschäftigung hat der Stewardsmaat, ein Matrose, der zur +Unterstützung des Stewards befohlen ist. Dieser letztere Maat ist aber +der eigentlichen allgemeinen Bedeutung des Wortes nach der richtige +Maat, denn das Wort bedeutet einen Gehilfen, Gesellen, Genossen, +»Assistenten«. Kilian übersetzt maet mit socius, collega, hat auch die +überflüssigerweise erweiterte Form med-maet, wie man im +Mittelniederdeutschen die pleonastische Form mategeselle hatte. +Niederländisch maat, maatschappy, Gesellschaft. Englisch mate, Genosse, +Gefährte in so allgemeinem Sinne, daß es sogar husband oder wife +bezeichnen kann; auf Handelsschiffen der Steuermann, auf Kriegsschiffen +wie bei uns. Nach dem Bremer Wörterbuch heißt dorten ein Kamerad maat; +es nennt auch ein Mädchen das andere das neben ihm in *einem* Hause +dient maatske. Maat ist Verkürzung des althochdeutschen gimazo, das ist +einer, der mit einem anderen zusammen die Speise, maz, verzehrt, ein +Mitspeisender, Mitesser, Tischgenosse, und zwar Genosse in seiner +ursprünglichen Bedeutung von »zusammen etwas genießen«, d. h. essen. Das +alt- und mittelhochdeutsche maz, gothisch maths, altnordisch matr, +englisch meat heißt Speise, Nahrung, Essen, besonders zum Essen +bestimmtes, zartes, schieres, weiches, gehacktes Schweinefleisch; +niederdeutsch met, so daß also Maat und Mettwurst zusammengehören. + +Alle in Nowgorod sich aufhaltenden fremden Kaufleute waren in Haus- und +Tischgenossenschaften abgeteilt; eine solche wird in einer Hansa-Urkunde +des 14. Jahrhunderts mascop genannt; sonst heißt aber dieses Wort in +jener Zeit matscop und matschop, also ähnlich dem angeführten +maatschappy. In einer Lübecker Urkunde von 1347 heißt es: »Laten jo sere +dancken, dat gy osen vrent onde osen math, heren W. hebbet vrentliken +wedderdan sinen schaden.« In der Lübecker Chronik lesen wir: »Biscop +Engelbert van Colne wart dot gheslaghen van greven Vrederike van Altena, +de syn man was unde sin maath.« Doch war schon immer, so lange wir +schriftliche Aufzeichnungen niederdeutscher Seemannssprache besitzen, +das Wort maat in besonderem seemännischen Gebrauch. 1379: »Jtem dat B. +syn knape sluch to der Sluus opt dat lant enen maten schipmann vor de +noeze, dat he bloede.« 1564: »Darna Jacob geropen: mathe, wor syn ghy? +helpet uns pumpen.« 1580: »Gerth sy houetbossmann unde Erasmus +houetbossmanns mate gewesen.« 1580 also begegnet uns zum ersten Male der +Bootsmannsmaat. + + +*machen* + +wird im seemännischen Sinne nicht nur für »zurücklegen einer Strecke« +gebraucht, z. B. wir machen neun Knoten oder Meilen, es heißt auch +erreichen, in Sicht bekommen, anlaufen; z. B. wir machen Rio, sie +machten Cap Skagen; genau wie im Englischen, »they that sail in the +middle can make no land of either side.« Es ist hier ganz allgemein +»etwas zu Stande bringen«, ähnlich wie in dem vor einigen Jahren wie +eine Krankheit grassierenden »m. w.« = »machen wir.« + + +*macklig*, + +richtiger macklich, denn es kommt von machen, niederdeutsch maken und +bedeutet etwas, das so gemacht ist wie es gemacht sein muß um recht +gemacht zu sein und damit man etwas Rechtes damit machen kann; also +etwas Zweckentsprechendes, Brauchbares, Bequemes, Handliches wird man +macklich nennen. »Der Hammer ist macklich«, d. h. er liegt gut in der +Hand, man kann bequem damit arbeiten, »der Riemen ist macklich«, man +kann bequem damit rudern. Macklich ist besonders im seemännischen Sinne +auch das »was seemännisch gut gehalten ist«, vor dem Auge eines +Seemannes Gnade findet. Ein echtes, rechtes nach Salzwasser riechendes +Seemannswort, das aber bei neumodischen Seeleuten anfängt zu veralten. +Vielleicht vom althochdeutschen Substantivum gimah (= Gemach, +Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemächlichkeit, Ruhe, +Pflege, häusliche Bequemlichkeit, wohnliche Räumlichkeit, Zimmer wo man +sichs bequem macht) oder vielmehr vom niederdeutschen gemak, im gleichen +Sinne, vergl. das Sprichwort: »frejen (freien) under en dak, is'n grot +gemak« abgeleitetes, jedenfalls aber von maken = machen abstammendes +Adjectivum. + + +*Maifeld*, das, + +heißt bei nautischen oder architektonischen Messungen, besonders beim +Hafenbau, der gewachsene Boden des festen Landes im Gegensatz zum +Wasser. Und zwar nicht eigentlich der gewachsene Boden, sondern seine +bewachsene Oberfläche, besonders als Wiese gedacht, als ein Feld das +gemäht wird. Mähen heißt niederdeutsch maien; das niederdeutsche Maifeld +hat also mit dem Wonnemonat nichts zu tun, sondern bedeutet Mähfeld. +Doornkaat: »Ein zum Mähen oder Grasschneiden bestimmtes oder liegen +gebliebenes Feld oder eine Wiese.« + + +*Makler*, der, + +Schiffsmakler, auch Mäkler, ein Unterhändler in Schiffsangelegenheiten, +bei Käufen und Verkäufen, Ausrüstungen u. s. w. Das Wort kommt von +machen, niederdeutsch maken, und zwar von dem Iterativum dazu makeln. +Man kann es ins Hochdeutsche übersetzen mit »Macher« im Sinne von +Gelegenheitsmacher, Heiratsmacher oder -Vermittler, letzteres +ostfriesisch makesman. + +Insofern ein Vermittler eines Kaufes unter Umständen bestrebt sein muß, +um die Sache zu stande zu bringen, den Gegenstand des Handels schlecht +zu machen und allerlei daran auszusetzen, »mäkelt« er daran herum, +»bemäkelt« er sie. + + +*mallen.* + +Wegen des Übrigen s. abmallen; hier nur die Erklärung (nach Dick und +Kretschmer) was »gemallte Tiefe«, moulted depth, bedeutet, nämlich bei +eisernen Schiffen die vertikale Entfernung der Oberkante des oberen +Deckbalkens des Vermessungsdecks bis zur Oberkante des Kiels; bei +hölzernen Schiffen die Entfernung der Oberkante der Oberdeckbalken bis +zur Unterkante der Kielsponung. + + +*»Mann über Bord!«* + +Ein Ruf, der sofort wie mit einem elektrischen Schlage das ganze Schiff +in Bewegung bringt. Ist ein Mann über Bord gefallen, so ist das Nächste, +ihm eine Rettungsboje zuzuwerfen und das Schiff zum Stillstand zu +bringen; was bei einem Segelschiffe keine so ganz einfache Sache ist. +Aber in diesem Falle werden die notwendigen Arbeiten seitens der Leute +stets mit besonderem Feuereifer ausgeführt, so daß es einer Anspornung +nicht bedarf. Es ist als ob jeder das Gefühl hätte, daß von seiner +Bemühung das gefährdete Menschenleben abhänge. + + +*Mamiering*, die. + +Ein Schlauch aus wasserdichtem Segeltuch, der über eine Röhre gestreift +und daran befestigt ist, zum Zweck die durch die Röhre fließende +Flüssigkeit weiter zu leiten. Offenbar steckt in der ersten Silbe das +niederdeutsche mau = Ärmel, aber eigentlich nicht Ärmel in unserem +Sinne, in dem ein solcher festgenäht ist, sondern loser Ärmel, wie man +ihn früher über den Arm streifte. So heißen heute noch im +Niederdeutschen die Pulswärmer, die auf den Unterarm gestreift werden, +Muffen, was mit mau nahe verwandt ist; auch heißt Muffe ein eiserner +Ring, der über die Verbindungsstelle zweier eiserner Rohre zur stärkeren +Befestigung und Dichtung gestreift wird. Es liegt eine Wurzel zu Grunde, +die mu lautet und drängen oder schieben bedeutet, von der auch das +lateinische moveo, ich bewege, kommt. Der Begriff des Überstreifens ist +also in mau gegeben; miering dürfte aus meren = verlängern gebildet +sein, mit der niederdeutschen Endung ing: eine Verlängerung stellt die +Mamiering ja unzweifelhaft dar, eine Verlängerung der Ausflußröhre, auf +die die Mamiering ärmelartig aufgestreift ist. So müßte das Wort +eigentlich maumering heißen; unter dem Einfluß der Zusammensetzung ist +aber die erste Silbe durch Ausfallen des u gekürzt, die zweite aber +unter dem Einfluß der Endung ing assimilierend in i umgelautet. + + +*Manilaleine*, die, + +ein sehr leichtes, aber festes und haltbares, sauber und reinlich +aussehendes Tauwerk; »dasselbe zeichnet sich vor dem Tauwerk aus +gewöhnlichem Hanf durch größere Geschmeidigkeit, Elasticität und +Dehnbarkeit sowie durch größere Unempfindlichkeit gegen Schamfielungen +aus. Diese Vorteile im Verein mit dem Umstand, daß es auf dem Wasser +schwimmt, machen es besonders geeignet zu Verholtrossen.« (Dick und +Kretschmer, II. 3). Gefertigt aus Manilahanf, der Faser einer +hauptsächlich auf den Philippinen wachsenden, von Manila ausgeführten +musa-Art, genannt musa textilio. Sie ist nahe verwandt mit der musa +sapientum oder paradisaica, die wir besser unter dem Namen Banane +kennen, und mit der musa, die sich in unseren Gärten auf Rasenflächen +als Solitärpflanze so vornehm ausnimmt. + + +*Manöver*, das, + +eigentlich Handwerk, Handarbeit, französisch manoevre, italienisch +manovra, spanisch maniobra, provençalisch manobra, mittellateinisch +manopera, vom lateinischen manus, Hand und opera, Arbeit. + +Jetzt im seemännischen Gebrauch jede größere gemeinschaftliche auf +Kommando ausgeführte Arbeit zur Bedienung des Schiffes oder zur +Ausbildung der Leute. Das erste Kommando dabei heißt: »Klar zum +Manöver!« sei es, daß ein Teil der Wache, die ganze Wache, alle Mann +gewünscht werden, was dann dem Worte klar vorangehend näher bezeichnet +wird. Den Höhepunkt aller Einzelmanöver bilden die großen Herbstmanöver, +bei denen eine ganze Flotte sich zu gemeinschaftlichen Übungen +versammelt. + + +*mannen*, + +ein Boot, ein Schiff bemannen, mit Mannschaft versehen, namentlich auch +mit Kriegsmannschaft. Im Mittelniederdeutschen hieß es -- natürlich nur +für den weiblichen Teil -- heiraten: »Dit en secge ic nicht allene van +den wiuen, de ghemannet syn, mer oec van den megheden, de noch mannen +willen, onde dat schynt, dat eyn gemannet wyf beter is dan eyn maghet, +de noch mannen sal.« Seemännisch spricht man von mannen im Sinne von: +»von Mann zu Mann weiter geben«; Schiller: »durch der Hände lange Kette, +um die Wette, fliegt der Eimer« ... daher Geschoßmanner, Pulvermanner +etc. etc. + + +*Mannloch*, das. + +Womöglich soll man im Schiff, auch bei den jetzigen labyrintartigen +Raumverhältnissen, an jede Stelle, auch an solche, die für gewöhnlich +unzugänglich ist, zur Vornahme gewisser Arbeiten wie Malen, Reinigen +etc. gelangen können. Dazu sind in den sonst dichten Wänden kleine +verschließbare Öffnungen angebracht, grade so groß, daß ein Mann +hindurchkriechen kann; sie heißen Mannlöcher. + + +*Mantel*, der. + +Dieses aus dem lateinischen mantellum stammende Lehnwort wird +bekanntlich nicht nur zur Bezeichnung eines Kleidungsstückes für +Menschen, sondern überhaupt im Sinne von Schutzkleid, Schutzbekleidung, +sei sie von Holz, Stein oder Eisen, gebraucht. So hat man an Bord einen +Schornsteinmantel und im neuesten Rettungsboot ist am Ruder ein +metallener Mantel angebracht, der beweglich ist und bei schwerem Wetter +als Verlängerung des Ruders herabgelassen wird, damit auch bei schwerem +Wetter und hohem Seegang das Ruder nicht wirkungslos in der Luft +schwebe. + +Siehe auch »Mantel und Takel.« + + +*»Mantel und Takel«.* + +In dieser Verbindung bedeutet Mantel ein feststehendes starkes Tau und +Takel einen Block mit Scheibe und Läufer. Breusing im Jahrbuch für +niederdeutsche Sprachforschung 1876 S. 5 sagt: »Mantel ist das +italienische Wort amanti, das spanische amantillos, das portugiesische +amantilhos. Man hatte vergeblich nach der Herkunft desselben gesucht, +bis uns Böckh in seinen »Urkunden über das Seewesen des attischen +Staates« gelehrt hat, daß es im Mittelalter aus dem altgriechischen +Worte himantes verderbt sei.« Darnach hätten wir in diesem Mantel eine +volksetymologische Umbildung vom italienischen amanti und Anlehnung an +Mantel zu sehen. + + +*Manntau*, siehe Laufstag. + + +*Marine*, die, + +das Seewesen, besonders das Seekriegswesen. Es ist zwar unter Marine +auch die Handelsschiffahrt mit einbegriffen, doch muß dies besonders +kenntlich gemacht werden, »Handelsmarine«; wenn keine besondere +Unterscheidung hinzugefügt wird, so ist Kriegsmarine zu verstehen, +(»Mein Sohn will zur Marine«, d. h. er will Seeoffizier werden) was +schon aus der Bezeichnung »Reichs-Marine-Amt«, Marine-Offizier +hervorgeht. Was dieses letzte Wort betrifft, so ist Marine-Offizier der +weitere Begriff, auch die Offiziere der Marine-Infanterie, die +Sanitäts-Offiziere, Ingenieure u. s. w. umfassend, während diejenigen +Offiziere die man im Binnenlande Marine-Offiziere nennt, sich selbst als +»See-Offiziere« bezeichnen. Unkundige Leute, die einen Bootsmannsmaaten +nicht von einem Matrosen, geschweige denn von einem Feuerwerksmaaten, +unterscheiden können, helfen sich in unseren Seestädten mit der +allgemeinen Bezeichnung »Mariner«; im Binnenlande sagt man im gleichen +Falle, zum Unterschied von einem Matrosen, bei dem man zunächst an einen +Handelsmatrosen denkt, »Marinesoldat«. + +Während bereits im Altenglischen die Form mariner vorkommt, ist Marine +bei uns zum ersten Male 1728 von Sperander à la mode-Sprache der +Teutschen gebucht. + +Vom lateinischen Adjektivum marinus, das Meer betreffend. + +(Marinieren heißt eigentlich »Seegeschmack geben«.) + +Von diesem ward im Mittellateinischen marinarius gebildet, woraus das +italienische marinaro, das französische marinier, das englische marine +entstand und auch das mittelhochdeutsche marinaere und abgekürzt marner. + +Das sae-man im Beówulf bedeutet nur: »Krieger zur See«. + + +*marlen* + +heißt zwei Dinge durch Marlschläge mit Marlleine mit Hilfe des +Marlspiekers mit einander verbinden, z. B. das Segel an sein Liek +festnähen. Ein Marlschlag entsteht, wenn man die Marlleine so um ein Tau +etc. etc. legt, daß der Schlag das lose Ende festhält, so daß es sich +nicht aufwickeln kann; was den Vorteil hat, daß, wenn einmal die +Marlleine irgendwo bricht, nicht die ganze Leine aufgeht, sondern nur +die Bruchstelle. Marlen nennt man auch das Verbinden von Tauwerk mit +(altem) Segeltuch zum Schutz vor Nässe, doch ist dieses nicht mit +Trensen oder Schmarten zu verwechseln. Der Marlspieker wird, weil r vor +l für viele Zungen allzuschwer ist, so daß mancher Karl seinen eigenen +Namen nicht aussprechen kann, meist Malspieker ausgesprochen und in +Marlleine wird wohl das eine l als überflüssig ausgelassen, »marlin«. + +Marlen ist Iterativum (marrelen) zu marren, merren = festbinden, binden, +befestigen; Teuthonista: merren; im Niederländischen wird der +Mistelzweig marrentakken genannt, »dewyl men met de plant, om hare +taaiheid maren, dat is binden kan.« Französisch heißt die Marlleine +merlin, und davon ist das Zeitwort merliner = marlen gebildet, +also ein recht unnötiger Umweg. Übrigens hieß die Marlleine im +Mittelniederdeutschen marling und sogar marlink. »Item so scholen ock +nene segelmaker to Kope hebben marlinge, husenge segelgarne to der +schipper behuff, sundern scholen dat halen van den repern.« Lübecker +Zunftrecht. Insonderheit hieß auch der Strick, an dem einer gehenkt +wurde marling. Der alte Chronist Eggerik Beninga erzählt, daß zu König +Radbods Zeiten ein Jüngling, der bereits tot am Galgen hing, durch des +Missionars Wulfram Gebet wieder erweckt wurde, »und de Ketting und +Marling sinnen tho bracken, de jungeling is thor erden gefallen.« + + +*Mars*, der: + +»Mastkorb.« Oft genug sind Binnenländer, die von einem Mastkorb +sprachen, mitleidig über die Achsel angesehen worden, »als ob der Mars +ein Korb wäre, damit hat er ja nicht die geringste Ähnlichkeit«! Und +doch hat Mastkorb seine volle Berechtigung. Früher ist er wirklich ein +Korb gewesen, ein einfacher schlichter Korb, der mächtige Bau den wir +jetzt Mars nennen. Der niederdeutsche Seemann sagt Märs oder Mers und +beweist auch hier wieder sein zähes Festhalten am Ursprünglichen. Daß er +»die« Mers sagt hängt nicht nur mit der niederdeutschen Unbestimmtheit +des bestimmten Artikels zusammen, sondern mag noch eine ferne Erinnerung +an merx, die Ware, Kaufmannsware sein, aus der Mers sich entwickelt hat. + +Im Mittelalter hatte das aus Italien nach Deutschland gekommene Institut +des Feilbietens im Umherziehen, des Klein- und Hausierhandels, eine +große und wichtige Bedeutung; es war »Handel _und Wandel_«. Wie so +manches andere Kaufmannswort brachte der wandernde deutsche Händler das +Wort merx aus Italien mit über die Alpen und gebrauchte es in der Form +meersse, mersse, mers. Heißt doch heute noch im Französischen und im +Munde und auf den Schildern deutscher Ladeninhaber Kramhandel mercerie, +oft in Verbindung mit quincaillerie, das, so französisch es auch +aussieht, doch deutsch ist. Die mers nun, die zum Hausieren bestimmte +oder auch an den Straßenecken ausgebotene Ware ward in Körben +herumgetragen und feil gehalten. So nannte man bald den Korb nach seinem +Inhalte mers. Schon Kilianus sagt meersse, meers heiße »Korf«, corbis +institutoris, canistrum institutorium, und zwar ist institutor ein Mann, +der irgendwo steht, um Sachen zu verkaufen, bei uns hat er aber mehr +gehockt als gestanden, denn wir nennen ihn Höcker. Meersmann aber +übersetzt Kilian mit circitor, circuitor, das ist einer, der keinen +festen Stand hat, sondern mit seinem Korbe umherzieht; meers-schiip aber +mit corbita, siehe unter Korvette. + +Erst hieß also Mers nur die Ware im Korb; dann Ware und Korb; zuletzt +Korb allein. In diesem Sinne, als Korb, wurde dann der Mers am Mast +befestigt für den Mann am Ausguck. Mit dem Wachsen der Takelage und der +damit verbundenen Notwendigkeit, Leute nach oben zu ihrer Bedienung zu +schicken, ergab sich dann nach und nach das Bedürfnis, den Mars als Korb +fallen zu lassen und ein Holzgestell mit einem Korbgeflecht oder +Netzwerk als Schutz gegen Absturz zu errichten, aber der einmal +angenommene Name blieb. Und wir sollten der größeren Deutlichkeit wegen +lieber auch so schreiben wie der Seemann spricht, schon damit keiner auf +den Gedanken komme, das Wort habe mit dem Kriegsgotte Mars (Mavors) +etwas zu tun. Auch würden wir uns damit wieder in Übereinstimmung mit +dem Sprachgebrauch der großen, herrlichen Seemannszeit der Hansa setzen. +Denn daß die Mers sagte, dafür noch einige Beispiele. »Also halp en got, +dat sie den Koggen behelden myt werhafter hant onde skoten dar mit +haghelscote onde worpen mit stenen vte der mersen« (»Bremische +Geschichtsquellen«). »Na mennighen daghen horden se bulderinghe der +bulghen, alze eft se yegen eyn land floeghen onde lethen enen op styghen +in de mersch, eft he yennich lant vernehme« (»Dänische Chronik«). Die im +15. Jahrhundert erschienene Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann +Korner erzählt von »66 schepe mit merssen vnde vorkastelen.« + + +*Maschine*, die, + +lateinisch machina, griechisch mechane; es gibt neuerdings auf einem +großen Linienschiffe so viele Dampf- und elektrische Maschinen, daß es +sich von selbst verbietet, sie hier auch nur dem Namen nach aufzuzählen. +Doch muß festgestellt werden, daß, wo einfach von Maschine die Rede ist, +ohne nähere Bezeichnung die Schiffsmaschine gemeint ist. Der weiten +Ausdehnung ihres Berufes wegen heißen die Leiter des Maschinenwesens an +Bord neuerdings nicht mehr Maschinen-Ingenieure, sondern schlechtweg +Ingenieure -- Ingenieur, Oberingenieur, Stabsingenieur, +Oberstabsingenieur. + + +*Masut*, das, + +ist Braunkohlenteeröl, das neuerdings anstatt der Kohlen vielfach zum +Heizen von Schiffsdampfkesseln gebraucht wird. Die Sache stammt aus +Rußland, und dementsprechend auch das Wort, das in den slavischen +Sprachen »Fett« bedeutet, so daß also das Fettige, Oelige bei der +Benennung den Ausschlag gegeben hat. + + +*Mast*, der, + +früher Segelbaum, Baum der die (Rahen und durch sie die) Segel trägt. +Ursprünglich hieß Mast überhaupt Baum, Baumstamm, denn das +angelsächsische mäst, das das älteste Zeugnis für das Vorkommen des +Wortes ist, bedeutet Baumstamm; die Taube nach der Sündflut setze sich +auf »treoves telgum torhtum moste«. Es ist also anzunehmen, daß Mast im +seemännischen Sinne ein Wort ist, das die Angelsachsen mit in ihre neue +Heimat genommen haben. Mit ihrer Sprache war die der alten Friesen, von +denen viele mit übers Meer gezogen sind, nahe verwandt, es darf daher +für wahrscheinlich erklärt werden, daß auch sie das Wort Mast besaßen, +und daß -- schon im Althochdeutschen -- von Friesland aus das +althochdeutsche segilbaum durch mast wegen seiner Kürze bei den die +Einsilbigkeit so sehr liebenden Seeleuten verdrängt worden ist. +Segilbaum war aber ein so schönes und bezeichnendes Wort, daß es, +wenigstens im Binnenlande, nie ganz außer Uebung gekommen ist; es paßte +so schön zu Segelstange = Rahe, ja zu den Zeiten Piet Heyn's kam es vor, +daß man für Mast selbst Segelstange sagte, was aber vielleicht +Segelstänge lautete und bedeutete, also das was jetzt kurzweg Stenge +heißt. »Sobald der Admiral unterdessen die Top-Flagge von seiner +vorderen Segelstange wehen ließ, begaben sich die sieben Chalupen in +aller eil nach den vier Schiffen« ... (durchl. Seehelden II. 64.) +Zeitweilig war auch das pleonastische Maßbaum bei Seeleuten in Gebrauch, +wie es von Nichtseeleuten heute noch gehört werden kann. Es wird Zeit, +daß auch diese sich mit Mast begnügen, da es ja Baum bedeutet. Im +Mittelniederländischen und Mittelniederdeutschen kam freilich öfter +mastboom, mastbom vor; so nannte man sogar auch einen noch grünenden und +wachsenden Baum, nämlich den zur Mast der Schweine dienlichen Baum, die +Eiche; Beweis, wie jeder die Welt aus dem Gesichtswinkel seiner eigenen +Angelegenheiten ansieht. + +Vom Schiff aus hat sich der Mast auch über das feste Land verbreitet als +Flaggenmast, Exerziermast, Signalmast. + +Natürlich spielt ein so wichtiges Stück der Seemannssprache auch im +übertragenen Sinne seine Rolle; man denke nur an das holländische +Sprichwort: »Er kunnen geene twee grooten masten in een schip syn« d. h. +nur einer kann im Hause das Regiment führen. + +Über *Mastkorb* s. Mars. + + +*Matrose*, der, + +ein befahrener Seemann. Vordem hieß ein solcher Schiffsknecht, +Schiffsknabe, Schiffskind, im Gegensatz zum Kapitän, dem Schiffer oder +Schiffsherrn. Die Gesamtheit der Matrosen hieß Schiffskinder oder +Schiffsvolk; ihre Kleidungsstücke und sonstigen Sachen Schiffskindergut. +Das Wort Matrose ist erst im 17. Jahrhundert ins Hochdeutsche gekommen, +und zwar aus dem Niederländischen; matroos hieß und heißt es da. Und +dieses matroos geht wieder auf das Französische zurück, wo uns im 13. +Jahrhundert die Formen mathelot, matelot, matenot begegnen. Es fragt +sich aber: woher stammen diese? Und was ist die Bedeutung? + +Es liegen nicht weniger als vier verschiedene Deutungen vor. + +1. Hat man an das altniederländische maatgenot, Maatgenosse gedacht; +aber wenn man sich auch -- zumal maatgeselle vorkommt -- über die +Tautologie hinwegsetzen kann, so erregt der Umstand doch Bedenken, daß +weder maat für sich noch genot für sich im Französischen Aufnahme +gefunden haben, die Verbindung beider kann also keinesfalls in dieser +Sprache sich vollzogen haben. + +2. Hat man versucht, das Wort mit Mast in Verbindung zu bringen, so daß +ein Matrose als ein Mann zu denken wäre, der am Mast seine Hauptarbeit +hat. Ein an sich anziehender Gedanke, aber schon Dietz hat darauf +aufmerksam gemacht, daß dann im Französischen des 13. Jahrhunderts +mastelot stehen müßte. Darum ist Dietz 3. auf das lateinische matta = +Binsenmatte verfallen und erklärt das Wort aus mattarius, was einen +Mattenmann bedeuten soll, einen der mit einem anderen auf oder unter +einer Matte schläft, oder einen der sich überhaupt auf einer Matte sein +Lager zurecht macht. Hier müßte vor allen Dingen der Gedanke an eine +Hängematte ausgeschieden werden, die einmal gar keine Matte ist und die +es überdies erst seit der Entdeckung Amerikas gibt. Die Erklärung hat +dann insofern etwas Verlockendes als man annehmen könnte, das auf dem +Wege vom Mittellateinischen ins Französische verloren gegangene r sei +auf dem Wege vom Französischen ins Niederländische, vielleicht in Folge +einer alten Erinnerung, wieder zu seinem Rechte gelangt. Ob aber das +Schlafen auf einer Matte etwas dem Seemann so Eigentümliches ist, daß er +davon sollte den Namen empfangen haben? Es schlafen sicher an den Küsten +des Mittelmeers noch andere Leute auf Matten, wie sollte gerade der +Seemann ein besonderer Mattenmensch sein? + +4. Müllenhoff ist der Meinung, der alten französischen Form liege das +altnordische mötunautr zu Grunde, auch matunautr. Ihm stimmt Kluge bei +unter Annahme normannischer Vermittelung. Das käme dem Sinne nach auf +Nr. 1 hinaus, nur daß dann die Verbindung geschehen war, ehe die +Nordmänner das Wort nach Frankreich getragen haben, so daß auf diese +Weise die unter 1. erwähnte Schwierigkeit beseitigt wäre. Matunautr +heißt ins Niederländische übersetzt allerdings maatgenot und bedeutet, +maat in seinem ursprünglichen Sinne (von gimazo) genommen, Eßgenosse; +eigentlich Tischgesellschaftsgenosse. Der dreifache Ausdruck desselben +Gedankens darf dabei nicht stören, ein solcher kann eintreten, wenn +einer der drei nicht mehr als solcher empfunden wird oder gar, wie hier, +wo das gi (= cum) von gimazo bereits geschwunden war, für das +Sprachgefühl des Volkes gar nicht mehr in Betracht kommt. (So steckt z. +B. auch in dem alten kymryschen Namen für Ostsee morimarusa ein +dreifacher Pleonasmus, Meermeersee, wobei sa nicht als See, sondern wohl +nur als Endung empfunden ward.) Matunautr ist offenbar die Form aus der +matenot entstanden ist, welche Form sich, wie erwähnt, bereits im 13. +Jahrhundert in matelot umgebildet hatte. Welche Einflüsse nun bei der +Übernahme ins Niederländische die Verschiebung in matroos verursacht +oder gefördert haben ist unschwer zu erkennen. Man hat zunächst an den +Plural matelots zu denken und daran, daß die Holländer heute noch gerne +das stumme Schluß-s der Franzosen mit aussprechen. So war matlos +gegeben; l und r aber wechseln so häufig mit einander, daß ganze +Völkerschaften gar nicht wissen, ob sie l oder r sagen. So war die Form +matros, matroos ein Plural, was aber bald vergessen ward, so daß schon +im Niederländischen und erst recht bei der Aufnahme ins Deutsche ein +neuer Plural auf en gebildet werden konnte. + +Daß aber eher vom gemeinsamen Essen der Name kommen konnte als vom +gemeinsamen Schlafen, ist -- trotz Kamerad und Geselle -- dem nicht +zweifelhaft, der bedenkt, eine wie große Rolle das Essen überhaupt im +Leben -- man denke an Genosse, Kumpan, Kompagnie, Maat und Messe -- so +auch besonders im Bordleben spielt, und der weiß, daß an Bord heute noch +die Leute in Backschaften d. h. Eßgenossenschaften eingeteilt sind. So +ist es unzweifelhaft, daß auch auf den Schiffen der Nordmänner die +Männer in mötuneyti, in Eßgenossenschaften, besser in Genossenschaften +eingeteilt waren. Ein solcher »Genosse« hieß matunautr, Backsgenosse, +Backskamerad. + +Im 17. Jahrhundert wurde zwar schon Matrose gesagt, aber daneben auch +noch von Bootsleuten und Bootsgesellen in ganz gleicher Bedeutung +gesprochen. Zu einer Flotte Piet Heyn's gehörte z. B. nach den +»Durchläuchtigsten Seehelden« II. 71: »das Schiff Harlem, von +zweyhundert und achtzig Lasten, mit zwey Metallinen, zwey und zwanzig +eisernen, und acht Steinstücken, und achtzig Bootsleuten bemannt; das +Schiff Leiden zweyhundert und dreyssig Last groß, worauf zwey Metallene +und zwey und zwantzig eiserne und 8. Steinstücken und fünff und +siebenzig Matrosen; der schwarze Löw, hundert und achtzig Last groß, mit +vier und zwantzig Stücken Geschütz (oder Götelingen) vier Stein Stücken, +und siebentzig Bootsgesellen.« Bemerkenswert ist, daß nach Halbertsma im +Friesischen der Matrose auch siler heißt (englisch sailor). + +Ein altes gutes deutsches Wort für Matrose, ja noch besser und +bedeutungsvoller als dieses ist Seemann. Es deutet mehr den dauernden +seemännischen (Lebens-)Beruf an. Wenn ein Binnenländer freiwillig bei +der Marine eintritt und von dieser zum Kriegsdienst an Bord ausgebildet +wird, so heißt er zwar auch Matrose, aber Seemann ist er darum doch noch +nicht, das ist nur der, der auch in seinem Zivilverhältniß die Seefahrt +als Beruf betreibt. + + +*Maus*, die. + +Man sollte annehmen, daß dieses Substantivum in seiner Bedeutung nahe +verwandt wäre mit einem ebenfalls seemännischen Zeitwort *mausen*. Es +gehen jedoch die Begriffe zunächst sehr weit auseinander. Eine Maus ist +eine knotenförmige Verdickung eines Taus an einer Stelle, wo ein um das +Tau gehendes Auge am Zuschlieren verhindert werden soll oder einer +Zeising fester Halt soll verliehen werden, daß sie nicht rutschen kann; +diese Maus wird auf die Kabelaring gesetzt, jene auf das obere Ende des +Stags, wo das Stagauge aufzuliegen kommt. Mausen aber heißt die offene +Seite eines Blocks so schließen, daß er nicht aushaken kann; es +geschieht mit Kabelgarn, das mit einem Schnitt leicht wieder zu +entfernen ist. + +Beide Wörter haben mit Maus und mausen im hochdeutschen Sinne gar nichts +zu tun, sie stellen vielmehr eine sehr irreführende hochdeutsche +Verdunkelung eines sonst ganz klaren niederdeutschen Wortes dar, wobei +es lehrreich ist zu sehen, wie Maus und mausen je eine besondere Seite +der beiden in dem niederdeutschen Worte möten liegenden Begriffe +entwickelt haben; möten heißt nämlich zunächst einfach »zusammenkommen«, +zusammentreffen, begegnen, aber es ist eine vox media, das +Zusammentreffen kann im günstigen, es kann auch im ungünstigen Sinne +gemeint sein und im letzteren Falle »Widerstand leisten«, hemmen, +hindern bedeuten. Und nun bedeutet das niederdeutsche Zeitwort möten +--mausen -- das Zusammenkommen der beiden Teile eines Hakens, das +Zusammentreffen des offenen Teiles mit dem anderen Teil in der +Kabelgarnzeising. Das niederdeutsche Hauptwort möte aber bedeutet +Hemmung, Hinderung. Dadurch, daß ein Block gemaust wird, wird er auch +gehemmt und gehindert, nämlich am Aushaken, aber deutlicher wird doch +das Bild, wenn wir den Begriff »zusammenkommen, sich vereinigen« +festhalten, zumal alle Sprache Bildersprache war. + +Es ist also anzunehmen, daß die Maus ursprünglich, als das Hochdeutsche +noch nicht dazwischen gekommen war, möte hieß, mausen aber möten. Daß +man überhaupt auf eine »Uebersetzung« durch Maus kommen konnte, mag +seine Erklärung, also seine Entschuldigung darin finden, daß möte +altsächsisch muot, mittelhochdeutsch muot, auch muoz und moz hieß. + + +*Meer*, das. + +Ein gemeingermanisches Wort, dessen uns bekannte älteste Form mari ist. +Es ist behauptet worden, daß es aus der indogermanischen Wurzel mar, +sterben, entsprossen, also mit morior und Mord verwandt sei, weil das +Meer im Gegensatz zum Festlande mit seinem reichen Leben, Grünen und +Blühen als tot anzusehen ist. Nun hat man zwar in grausamem Scherz die +Nordsee wohl Mordsee genannt und kennt auch ein »totes Meer«, aber das +Meer als solches ist keineswegs tot, sondern in mehr als einer Beziehung +sehr lebendig. Wer je mit ihm in nähere Verbindung gekommen ist, und wie +innig haben die alten Naturvölker sich mit dem Meere vertraut gemacht, +der weiß auch, welch ein unendliches Leben und Weben, welch ein +Sichregen und Sichbewegen, welch eine Fülle von Mannigfaltigkeit und +Abwechslung das Meer bietet, das niemals dasselbe ist, nie einförmig, +nie »tot.« Die Bezeichnung »totes Meer« hätte ja auch gar keinen Sinn, +wenn für das Volksbewußtsein jedes Meer ein totes Meer wäre. Im +Gegenteil, gerade im Lande des toten Meeres hat der Dichter des 104. +Psalms gesungen: »Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne +Zahl, beide, große und kleine Tiere«. + +Wir müssen nach einem anderen Etymon suchen. Nun gibt es noch eine +andere Wurzel, die zwar mit jener den gleichen Laut und die gleichen +Buchstaben hat, aber einen ganz anderen Sinn: mar, glänzen, schimmern, +leuchten, strahlen. Davon kommt das griechische Zeitwort marmairo, +flimmern, funkeln, und Marmor, ein glänzender Stein. Nun braucht einer +noch gar nicht das zauberische Meerleuchten einer Nacht im karaibischen +Meere gesehen zu haben, er braucht nur einmal gegen Abend »am einsamen +Fischerhause« gesessen und die Augen aufgetan zu haben, wie »das Meer +erglänzte weit hinaus«, so wird er nicht mehr an den Tod, sondern an +das Leben, an ein reiches glänzendes Leben denken. + +Man bedenke auch das andere Wort für Meer: See. Das ist doch nahe +verwandt mit Seele, von derselben Wurzel su, bewegen, regen, beleben. Da +haben wir das Gegenteil von Tod. Sollte das Meer einmal vom Tode, das +andere Mal vom Leben den Namen empfangen haben? + +Ist unsere Deutung von Meer richtig, so ist Meer mit Mähr und Mährchen +verwandt; mari als etwas von der Sonne beschienenes ist nicht nur +leuchtend sondern auch berühmt und bekannt; daher althochdeutsch mari, +mittelhochdeutsch maere = Kunde, Bericht, Erzählung. + +Der Name Margarete kommt ohnehin von Meer, denn »Perle« ist eigentlich +Meergries, Korn des Meersandes; also ein echt seemännischer Name. + +Ein namhafter Erforscher des Keltischen nahm keltischen Ursprung von +Meer an. Er verglich die keltischen Ortsnamen uralter Herkunft: Morini, +Amorica, Morimarusa (Ostsee), Morbihan und führte die Formen an: +kymrisch, kornisch und Breizonek (Mündung der Loire) mor; gadhelisch (d. +h. dem Gälischen [Hochschottischen] und Irischen gemeinsam) muir, +Genetiv mara. Uns genügt das althochdeutsche meri, mere (gotisch marei, +angelsächsisch mere). + + +*Meile*, die. + +Wenn der Seemann von Meile spricht, so meint er natürlich Seemeile, +einer Gradminute entsprechend. Eigentlich bedeutet es aber 1000, nämlich +1000 Schritte, milia passuum; italienisch der miglio, Plural miglia, +milia ausgesprochen; es mag eine dunkle Erinnerung an die Herkunft sein, +die den Seemann veranlaßt, niemals Meile, sondern immer »Mill« zu sagen. + + +*Meridian*, der, + +oder Mittagskreis, von meridies, der Mittag, heißt am Himmel derjenige +gedachte größte Kreis der Sphäre, welcher durch beide Weltpole und den +Scheitelpunkt eines bestimmten Ortes geht. + + +*Merk*, das, + +war früher = Landmarke, wird aber jetzt nur selten noch in diesem Sinne, +etwa noch in der Verbindung »das ist ein gutes Merk« gebraucht. Sonst +ist die Bedeutung darauf zusammengeschrumpft, daß es ein Kennzeichen an +irgend einer Sache ist, an dem man sich etwas merken will, etwa einen +Strich oder einen Streifen bildend. »Etwas mit einem Strich oder +Streifen versehen«, das ist ja die uralte Bedeutung des unserem Mark zu +Grunde liegenden Stammes, und Mark heißt zunächst nur Zeichen, dann +Kennzeichen, Grenzzeichen, Grenze, davon Markgraf und marquis, spanisch +marques, italienisch marchese. + +Merk ist die niederdeutsche Form für Mark. Im Seebuch (1400) heißt es +merk und merke. + +Mark als Münze bedeutet ein bestimmt abgeschätztes und gekennzeichnetes, +mit einer Marke versehenes Goldstück. + + +*Messe*, die, + +ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen Messe +Vereinigten sich, besonders zum Zwecke der gemeinschaftlichen Einnahme +der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur der Raum, +sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen heimatberechtigt sind, +Messe heißt. Man spricht von einer Offiziermesse, einer Kadettenmesse, +einer Deckoffiziermesse. Macht das Offizierkorps eines Schiffes Besuch, +so wird eine Karte abgegeben: »Die Offiziermesse S. M. S.« ... Ein +Mitglied der Messe wird zum Messevorstand erwählt. Nicht als ob dieser +dann den Vorsitz bei Tische zu führen hätte, der steht auf +Kriegsschiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die Verwaltung +des gemeinschaftlichen Vermögens, die Beschaffung der Vorräte, überhaupt +die ganze Verpflegung unter sich. Zum Essen gehört das Trinken. Daher +wird ein anderes Mitglied der Messe beauftragt, die nötigen Getränke zu +beschaffen und zu verwalten; das ist der Weinvorstand oder Vorstand der +Weinmesse. + +In den Garnisonen des Königreichs Hannover hatten die Offiziere von der +Verbindung mit England her ihre Messen. Sonst ist das Wort, wie es +scheint, in Deutschland auf die Seemannssprache beschränkt geblieben. + +An Erklärungen fehlt es nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu +wenige. + +1. Von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten ist der Gedanke an +den katholischen Cultus und seine Messe; wenigstens in Bezug auf die +landläufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des +Priesters an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstück +des Gottesdienstes teilzunehmen: »ite, missa est concio!« kommen soll. + +2. Weil bei Kirchmessen zahlreiche Andächtige zusammenkamen, so fanden +sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen +hatten. So entstand ein Markt, der Messe genannt ward und diesen Namen +behielt als die Kirchmesse wegfiel; Frankfurter Messe, Leipziger Messe. +Daß auch hiermit, trotz des »Zusammenkommens« der Leute, unsere Messe +nichts zu tun hat, liegt auf der Hand. + +3. Weit eher könnte man an Herkunft von dem lateinischen mensa, der +Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Messe in der Tat der +gemeinsame »Tisch« ist. Wirklich heißt im Gothischen der Tisch auch mes; +man könnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wäre +denkbar auch für den Fall, daß die ältesten Messen gar keine Tische +gehabt hätten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch +Schüssel heißt. Aber es fehlen für das Wort die Zwischenglieder vom +Gotischen zum Niederdeutschen, und hier ist Messe doch ausschließlich +heimisch. + +Zeugnisse für die Herkunft aus dem Spanischen liegen nicht vor, im +Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete gezeugt, ehe +Spanien in Betracht kam. Überhaupt dürfen wir nicht in die Ferne +schweifen, solange eine näherliegende Erklärung im Deutschen sich +darbietet. Aus diesem Grunde muß auch + +4. Eine Deutung aus dem Französischen beanstandet werden, nach der das +Wort Messe von mets, altfranzösisch mes kommen soll. Diese beiden heißen +»Gericht, Speise«, nämlich im Sinne von »Aufgetragenes«, (aus der Küche +in den Speisesaal) »Geschicktes«, von mitto ich schicke. Die ziemlich +alte Schreibung mets für mes erklärt Dietz für eine etymologische, um +das Wort an das Zeitwort mettre zu knüpfen. + +5. Man könnte auch an das althochdeutsche massenie, messeni denken, +welches Hofstaat, Gefolge eines Fürsten bedeutet, so daß die Messe als +»Stab« des Kommandanten gedacht wäre. Dieses messenie kommt von mansio, +die Behausung. Und sprachlich könnte Messe um so eher davon abstammen, +als Meßner = Küster davon herkommt, althochdeutsch mesinari, +mittelhochdeutsch messenaere, mittellateinisch mesenarius, mansionarius; +es könnte sogar mansio als Behausung in Messe stecken. + +Doch wir wenden uns zum germanischen Sprachgebiet. + +6. Hier tritt uns zunächst ein Zeitwort entgegen, das »zusammenkommen« +bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen könnte, weil die +Messe ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelsächsisch +metan, altenglisch meten, altniedersächsisch motian, englisch meet. Aber +gerade der Umstand, daß dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und +nicht zu s werden ließ, verbietet uns mess mit meet zusammenzubringen. + +7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich auch die +Ernährung an Bord so viel besser geworden ist, wird in der Messe nicht +jedem sein Teil zugemessen. Zu Zeiten aber, wo das Essen oft recht knapp +war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Messe an das altfriesische +Zeitwort missa = entbehren zu denken geneigt war, da mag wohl ein +Einteilen und Zumessen nötig gewesen sein. Man könnte daher an das +althochdeutsche Zeitwort mezzan, messen, denken, angelsächsisch metan. +Dann wäre Messe eines Stammes mit »Mutter«, denn Mutter bedeutet die +Abmesserin, die Zuteilerin, »die Spendende«, neben dem Vater als dem +»Beschützenden«. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht +so, daß Messe unmittelbar von messen käme, es kommt vielmehr noch ein +Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen. + +8. Das Essen, die Speise heißt gotisch mats, althochdeutsch maz, +altniederdeutsch meti, angelsächsisch mete, altenglisch mete. (Weil das +Fleisch ein so wichtiges Essen ist, so hat sich im Englischen und +Niederdeutschen meat, met für eßbares Fleisch eingebürgert.) +Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: *Essen und Trinken*. +Hierzu ist zu vergleichen der altdeutsche mesiban, d. h. der Eßbann, das +Speiseverbot, ein scharfes Verbot, einem Verbrecher Speise zu reichen. + +In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in +Wien, heißt es: »Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon« ... +gesündigt zu haben »in uncîdin sclâphun, uncîdin uuachun, in uncîdigimo +mazze, uncîdigimo dranche« ... Unser neuhochdeutsches Wort Messer hieß +althochdeutsch messisahs, also eigentlich »Eßschwert.« + +Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das +Wort mess für Speise. Im Lübecker Zunftrecht steht die Bestimmung: »Men +schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd aposteldages, +vthgenahmer koken unde messwerk.« Doch hatte sich damals mess, dessen +ursprünglicher Vokal a war, schon daneben über moes in mos, ja in mus +verschoben. Letztere Form ist besonders bekannt aus der Verbindung +musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes +Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verbindung moshus = Speisehaus, +Speisesaal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung +verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemüse auch jetzt auf +Pflanzenspeisen eingeschränkt ist, so hat es in diesem Sinne desto +unbestrittener Geltung erlangt. Natürlich ist auch Mast damit verwandt, +denn Mast heißt auch nichts weiter als Speise, Futter, Fütterung, +Mästung und dieses hat erst in weiterer begrifflicher Entwickelung die +Bedeutung »Fettmachung« erhalten; wovon mästen, das heute noch in +Ostfriesland messen heißt. + +Vom angelsächsischen Hauptwort mete dagegen hat sich das angelsächsische +Zeitwort metsian, mesan, altenglisch metsien = essen, gebildet; wobei in +Betracht zu ziehen ist, daß heute noch im Englischen to mess = zusammen +essen ist, so daß also der Begriff des gemeinschaftlichen Essens sich +bis auf diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprünglich nicht, oder +doch nicht immer geschehen, denn schon im Altsächsischen hieß mesa der +Speisekorb, der Futterkorb; desgleichen im Altnordischen meis. Man saß +also von Alters her an Bord um Futter- oder vielmehr Speise-Behälter +herum, also um »Backen« im ursprünglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer +die dergestalt zusammen aßen hieß »Meßgesinde«. Das wird uns zum ersten +Male durch die Freiheiten der Stadt Brügge für deutsche Kaufleute vom +Jahre 1309 bezeugt: »Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben +alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der +zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne, +binnen haren herberghen zonder assise daer of te ghevene, up dat sy 't +niet vort verkopen«. Für maisniede kommt im Flämischen auch meyssenye, +messniede, maysinede vor. Das altnordische meis klingt hier deutlich +durch. Der germanische Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses +Wort ist im seemännischen Sinne nicht in England, sondern in den +Niederlanden zuerst gebraucht worden. + +Es hat eine ähnliche Bedeutungsentwicklung wie Bursche, +spätmittelhochdeutsch hieß burse Geldbeutel, Börse, Kasse; dann +gemeinschaftliches Wohn- und Kosthaus der Studenten, wo sie aus +gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt studentische +Genossenschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche genannt +wurde. + +Unter 7. ist gesagt worden, Messe ist mit Mutter verwandt. Das +Mittelglied ist maz, Speise; dieses hieß nämlich ursprünglich +ebensowenig Essen im Allgemeinen wie Fleisch im Besonderen, kommt auch +wohl nicht von einem Stamme der »kochen,« sondern -- wie Mutter -- von +einem der teilen, zuteilen, zumessen bedeutet, so daß maz also das +(einem Menschen zum Verzehren) Zugemessene ist, woher dann Messe als +der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede das Seine +zugeteilt wird. + + +*Messbrief*, der. + +Nach den Gesetzen des deutschen Reiches müssen alle Kauffahrteischiffe +vermessen werden. Dick und Kretschmer I. 60: »Für die Berechnung +des Brutto- und Nettogehaltes der Schiffe und Fahrzeuge +ist ein Vermessungsprotokoll nach einem in der Vermessungsordnung +vorgeschriebenen Schema aufzustellen und der obersten +Vermessungsbehörde, dem Schiffsvermessungsamt, einzureichen. Auf Grund +des Vermessungsprotokolls wird ein *Messbrief* ausgestellt.« + + +*Metacentrum*, das, + +ist ein für die Berechnung der Stabilität eines Schiffes äußerst +wichtiger mathematischer Punkt, nämlich der »jedesmalige +Durchschnittspunkt der Vertikalen aus dem Deplacementsschwerpunkt in der +aufrechten Lage des Schiffes mit der vertikalen aus dem jedesmaligen +Deplacementsschwerpunkt bei jeder geneigten Lage.« So die technische +Erklärung bei Dick und Kretschmer I. 114, 115; die sprachliche Anmerkung +zu dieser Stelle ist jedoch zu berichtigen. Es heißt da: »Das Wort +Metacentrum, welches sich zuerst in Bourguers Werk »Traité du Navire« +1746 angeführt findet, kann nur aus den lateinischen Worten meta +(Endpunkt, Ziel) und centrum zusammengesetzt, betrachtet werden; nach +anderer Ansicht auch als eine Zusammensetzung der griechischen Worte +Méta (Wechsel) und kentron (centrum)«. Meta ist aber, wie unzählige +andere Zusammensetzungen beweisen, z. B. Metamorphose, Metapher, +Metaphysik, Metastase, Metempsychose, die griechische Präposition, die +inmitten, zwischen, unter, in Verbindung, in Gemeinschaft, im Verein, in +Begleitung, gepaart, mit, nebst, neben, unter, nach, zu, auf u. s. w. +bedeutet; im Allgemeinen ist sie Bezeichnung einer Gemeinschaft: +Metacentrum ist also der Punkt, den die zwei genannten senkrechten +Linien mit einander *gemeinschaftlich* haben, mit der auch in meta +liegenden Nebenbedeutung, daß dieses Centrum räumlich *über* dem +Deplacementsschwerpunkt liegt. + + +*Miek*, die, + +ist begrifflich nahe mit Klau verwandt, wird aber nicht nur für den +gabelförmigen Ausschnitt der Gaffel, sondern auch für den gegabelten +Stock oder Pfahl gebraucht, in dem der niedergelegte Mast, der +Besansbaum etc. etc. festliegt; in Ostfriesland auch das +gabelförmige Holz an der Pumpe, in dem der Schwengel sich bewegt. +Mittelniederländisch, bei Kilian micke = furca, Gabel. Sollte nicht, da +die Gabel doch eines der ursprünglichsten mechanischen Werkzeuge +darstellt, Miek eine Zusammenziehung von Mechanik sein? Daß eine solche +möglich, ja tatsächlich vorhanden ist, beweist die Tatsache, daß im +Gebiet des Rheinfränkischen Mick die mechanische Vorrichtung zum Hemmen +beider Wagenräder heißt; im Gegensatz zu dem nur ein Rad hemmenden, weit +einfacheren Hemmschuh, stellt sie eine Mechanik dar, deren +Zusammenziehung in Mick um so eher möglich war, als sie meist mit dem +Ton auf der letzten Silbe ausgesprochen wurde und wird. + + +*mistig*, vergl. diesig, + +bedeutet nebliges, trübes, »dreckiges« Wetter. »Must gy int Schager-Rack +by nacht offt in mistig wedder laverren« ... Vom niederdeutschen, +niederländischen, englischen mist = Nebel; »mist het den oost in der +kist« (Brem. Wörterbuch). Im Beówulf mistig, mist-heid = Nebelkippe; +Kilian miest = nebula. Davon Mistel als die Pflanze die durch den Mist +der Vögel auf Bäumen ausgesät wird. Denn dieses niederdeutsche Mist und +unser hochdeutsches Mist sind ein und dasselbe Wort, nur in der +Bedeutung ein wenig auseinandergegangen. Sanskrit-Wurzel mih = ergießen, +besprengen; beregnen; auch ein Substantiv mih ist vorhanden: feiner +Regen, Nebel. Althochdeutsch migan, neuniederdeutsch migen = pissen, +harnen; lateinisch mingere. + + +*Missweisung*, s. Variation. + + +*Mittagshöhe*, die, + +nämlich der Sonne, ist »die Höhe der Sonne wenn der Mittagspunkt +derselben im Mittagskreise seines Beobachters steht, welches die größte +Höhe ist, die sie für diesen Beobachter erreichen kann.« + + +*Mittagsschuss*, der, + +ist ein in einem Kriegshafen von dem jeweiligen Wachtschiff abgefeuerter +Kanonenschuß zum Zeichen, daß es genau 12 Uhr ist. Es haben sich mit der +Zeit und mit dem Gange ihrer Uhren die übrigen Schiffe und auch die +Uhren am Lande, soweit der Einfluß der Marine in dieser Beziehung +reicht, nach diesem Schusse zu richten. + + +*Mittagswimpel*, der, + +ist auf unseren Kriegschiffen der Wimpel der gehißt wird wenn es zum +»Schaffen«, zum Mittagessen geht, also ein hochwillkommenes Signal, +zumal es nicht nur die Essenszeit, sondern überhaupt die Mittagspause im +Dienste, die mittägliche Freizeit von 12 bis 1-1/2 h bezeichnet. + + +*Mittagskreis*, der, s. Meridian. + + +*Mitteldruckmaschine*, s. Maschine. + + +*mittschiffs* + +ist ein ziemlich unbestimmtes Adverbium mit dem etwas näher bestimmt +wird das sich nicht »vorn«, aber auch nicht »achtern« befindet. An eine +mathematische Mitte ist schon garnicht zu denken. Aber das ist zu +betonen, daß es nicht bloß die ungefähre Mitte zwischen hinten und +vorne, also nicht bloß die Mitte der Länge nach, sondern auch die Mitte +der Breite nach bedeutet, und zwar die ganze von hinten nach vorne +gedachte, von beiden Bordwänden gleich weit abstehende Mittellinie oder +Längsachse des Schiffes. Man sagt: »Das Schiff wurde mittschiffs +gerammt«, bei einem Vollschiff also etwa zwischen Großmast und Fockmast; +man sagt aber auch: »Das Schiff hat sein Ruder mittschiffs liegen« d. h. +die Ruderpinne befindet sich in der Mitte zwischen beiden Bordwänden, in +der Mittellinie. + + +*Moker*, der, s. Kalfatern. + + +*Mole*, die, + +im Munde des niederdeutschen Seemanns wohl auch Mulje, ist jetzt ein +Steindamm oder vielmehr eine Kaimauer, die den Eingang eines Hafens +zugleich bildet und schützt. Früher ganz allgemein ein Damm oder Deich. +In der Chronik des Landes Dithmarschen von Neocorus heißt es: »up de +mohle is ein grot inbrock geschehen«. Holländisch mole, dänisch mullie, +schwedisch mölja, englisch mole, französisch mole, italienisch molo, +spanisch muelle, portugiesisch molhe -- alles zurückgehend auf das +lateinische moles, Masse, Last, große Steinmasse, Damm. Bei San Lucar de +Barrameda befand sich sehr früh eine Mole. 1588 schreibt Waghenaer im +»Spiegel der Zeevaerdt«: »Voorts om te weten die mercken vanden steen +oft droochte die int gadt van S. Lucas ligghende syn, als de Molen ende +t'witte Clooster staende opt Oostereynde van S. Lucas ouer een comende« +... + + +*Monsun*, der, + +ist ein im Indischen Ozean in regelmäßigen Perioden stets aus gleicher +Richtung wehender starker, sich oft bis zum Sturm steigender Wind, von +Oktober bis März aus Nordost, von April bis September aus Südwest +wehend. Das Wort lautet französisch monson, monçon, spanisch monzon, +portugiesisch monsao und stammt aus dem Arabischen, wo mansim bedeutet a +time, a season, the favourable season for sailing to India; also: +günstige Jahreszeit. + + +*Mooring*, die, + +ist eine besondere Befestigung eines Schiffes durch Anker, Ketten, +Taue, um es in der Lage zu halten, in der man es haben will, aus der es +um irgendwelcher Gründe, wie Raummangel, Rücksicht auf die Windrichtung, +willen sich nicht herausbewegen soll; also eine Befestigung des Schiffes +zur Vermeidung des Schwojens. Man nennt es auch »ein Schiff vertäuen«. +Vergl. auch Spring. Das Zeitwort mooren, häufiger vermooren, hat seinen +langen o-Laut von der dunklen niederdeutschen Aussprache des a, denn es +heißt eigentlich marren = binden, festbinden, befestigen. Von ihm ist +das andere seemännische Zeitwort marlen ein Iterativum. Schon dem +Teuthonista war das Wort bekannt, und zwar in der Form merren; er +schreibt: »cabel-lyn reep, seel, to vo dair mede men eyn schyp an dat +lant vestiget offte merret«. + + +*Morgenwache* s. Wache. + + +*Mufferdeischuner*, der, + +(vergl. John Brinckman, »Kasper Ohm un ik«), ein Schuner, oder vielmehr +eine Brigg, oder noch besser eine Schunerbrigg, eine Brigantine, »that +is square-rigged forward and schooner-rigged aft«, also ein Schiff, das +am vorderen Maste Rahesegel, am achteren Schratsegel (s. d.) hat. +Mufferdei soll eine von deutschen Seeleuten zurechtgemachte Form des im +Englischen gebräuchlichen Hermaphrodite sein, würde also ein Zwitterding +bedeuten, wegen der zweierlei Segel oder zweierlei Masten. Aber +zweierlei Segel und Masten hat schließlich jedes Schiff. Die Erklärung +mag hier dahingestellt bleiben, da das Wort ohnehin in der +neuhochdeutschen Seemannssprache kaum gebraucht wird. Im +Korrespondenzblatt für niederdeutsche Sprachforschung vom Jahre 1895 ist +Näheres darüber nachzulesen. + + +*Mundpfropfen*, der, + +ein Pfropfen, der in die Mündung einer Kanone gesteckt wird, wenn +diese außer Gebrauch ist. Das Wort bedürfte der Aufnahme nicht, wenn man +nicht im Munde der Kriegsschiffsleute öfters die Frage, in übertragenen +Sinne als Ausdruck der Verlegenheit, hörte: »Wo legen wir den +Mundpfropfen hin«. Dieses geflügelte Wort stammt aus einer +Geschützinstruktion an Bord eines S. M. Schiffe. Als einmal ein +Feuerwerksmaat seiner Geschützbedienung genau alle Handgriffe und +Bewegungen beim Klarmachen eines Geschützes zum Exerzieren +auseinandergesetzt hatte, endigte er seine Instruktion etwas allzu +wichtig tuend mit den Worten: »Nun entsteht aber noch die große Frage: +wo legen wir den Mundpfropfen hin?«, den zum Exerzieren aus der Mündung +herausgenommenen. + + +*mustern* + +heißt jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich in dem +Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also zusehen, ob +er oder es dem Muster gemäß, musterhaft ist. Auf unseren Kriegsschiffen +ist Musterung schlechthin die tägliche Musterung der Mannschaft und des +Schiffes durch den Kommandanten, welche als »Sonntagsmusterung« +besonders feierlich und gründlich vorgenommen wird. Es gibt aber auch +besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehr- etc. Musterung. Im +Teuthonista heißt das Wort noch monsteren, und so kann man es auch heute +noch seemännisch und überhaupt niederdeutsch hören. In dieser Form läßt +es seine Abstammung von monstrare zeigen, deutlicher erkennen. Doch hat +das Wort eine wesentliche Bedeutungsverschiebung erlitten, denn +eigentlich ist es der Mann der mustert, nämlich sich seinem Kommandanten +zeigt, aber jetzt heißt es: »Der Kommandant mustert den Mann.« Die +Verschiebung hat sich wohl über das Substantivum Musterung bewegt, indem +diese die Veranstaltung ist, bei der die Matrosen sich zeigen, bei der +sie also besehen werden, und dieses »Besehen« ist dann als das +Wichtigste in den Vordergrund getreten. + +»Er läßt sich anmustern«, sagt man, wenn einer sich zum Eintritt in +einen Dienst vorstellt, »zeigt«; er wird dann in die Musterrolle +eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem Dienst treten, +gebildet, ohne daß der Begriff monstrare überhaupt noch in Betracht +käme, der aber in dem kaufmännischen Muster und in Monstrum noch zu +erkennen ist. + + +*Mut*, *Mutte*, die, + +ein Fahrzeug an der friesischen Küste mit flachem Boden und zwei +Farunners anstatt einer Kajüte. Es sieht plump und wenig schmuck aus, so +daß die Vermutung nahe genug liegt, der Name komme von mutte = Sau, +Mutterschwein. Das ist nicht gerade fein, aber die Weserkähne werden von +den Hamburgern Schweinsköpfe genannt, wogegen die Weserschiffer die +Hamburger Ewer mit dem Ehrennamen »Kreijenkieper« nennen und von ihnen +zu sagen pflegen: »Groß von Masten, klein von Lasten.« + + + + +N. + + +*Nachen*, der, + +ist eigentlich kein seemännisches Wort mehr. Wohl ist es früher eins +gewesen, denn im Beówulf wird naca sogar für seegehendes Schiff +gebraucht, aber zur Zeit ist es nur bei Nichtseeleuten und nur im +Binnenlande, namentlich in Hochdeutschland als gleichbedeutend mit Kahn, +das auch kaum seemännisch gebraucht wird, üblich. + +Es besteht die Neigung, Worten die mit a anlauten ein n vorzusetzen, z. +B. ärs, närs; Ast, Nast; ost, nost; arren, narren (mit dem Schlitten +fahren); ort, nort (Spitze). Das kommt daher, daß das n unbestimmten +Artikels zu dem Anfangs-a des Substantivums hinübergezogen wird, wie +Nobiskrug aus 'n Abyssuskrug entstanden ist. So könnte man Nachen +erklären als Achen mit solch einem n davor. In der Tat findet sich +nämlich dieses Achen in oberdeutschen Mundarten vor, niederdeutsch aak, +ake, ak; niederländisch aak neben naak. Wenn man nun ak oder ach für die +ursprünglichere Form ansehen dürfte, so ließ sich die Sache so erklären: +man sprach von einer Achenfahrt und meinte damit eine Wasserfahrt (aha, +ahwa, aqua, ach, ahe, a = Wasser) und hernach meinte man, zu Zeiten, da +ach als Wasser nicht mehr verständlich war, Achen sei das, womit man auf +den Wasser fährt, ein Boot. Dem steht aber die angelsächsische Form naca +entgegen, da sich zur Zeit des Beówulf diese Bedeutungsverschiebung noch +nicht vollzogen haben konnte. Es muß demnach eine andere Erklärung +gesucht werden. Mit einiger Zaghaftigkeit hat man auf das lateinische +navis hingewiesen. Ich möchte eine andere Möglichkeit erwähnen. +Bekanntlich ist das lateinische nix aus snix entstanden. Dem +entsprechend könnte auch in unserem Worte ein anlautendes s geschwunden +sein. Dann käme es von einer Wurzel sna, snu und gehörte zum +althochdeutschen snahhan = gleiten, schlüpfen, schleichen, kriechen, +sich bewegen, fließen durchs Wasser gleiten, schwimmen, vergl. englisch +snake, Schlange, auch niederdeutsch snake = Schlange. Dann wäre Nachen +»ein durch Wasser dahingleitendes Ding.« Aber die Sprache hätte sich +dann nicht mit einmaligem Schwund eines Anlautes begnügt, sondern es +wäre ein zweimaliger erfolgt; es wäre außer dem s auch noch zuweilen +das n abgefallen und Nachen wäre nicht aus Achen, sondern Achen aus +Nachen entstanden. + + +*Nachtwache*, die, s. Wache. + + +*Nadir*, der, + +ist der dem Zenith entgegengesetzte Pol des Horizontes, der Fußpunkt im +Gegensatz zum Scheitelpunkt, der Punkt der auf der anderen Seite der +Erdkugel dem Scheitelpunkt entgegengesetzt ist. Arabisch und persisch +nadir, nazir, von nazara gleich sein, sich entsprechen, entgegengesetzt +sein, ein Gegenstück zu etwas bilden. + + +*Nagelbank*, die, + +ist ein an der Binnenseite des Wants oder sonst an passender Stelle +angebrachtes Stück Holz, in dem die Koveinnägel zum Belegen laufenden +Gutes befestigt sind. + + +*Naht*, die, + +bedarf nur im Sinne von Decksnaht einer Erklärung, indem es die Fuge +zwischen zwei Decksplanken bedeutet. Es hat also mit nähen keine +Gemeinschaft, kommt vielmehr vom althochdeutschen hnôjan, nuoen = +einsetzen, genau zusammenfügen; davon althochdeutsch hno, nô, nua, nuo, +nuoha = Fuge, schmale Ritze, Nut. Dieses Nut wäre die richtige Form des +Wortes, wie es unsere Handwerker auch täglich gebrauchen, Naht aber ist +auch eine der vielen Verdunkelungen, die von Unkundigen bei der Aufnahme +ins Hochdeutsche verschuldet worden sind. + + +*Nahrungszweig, erlaubter*, + +nennt man wohl scherzhaft die Seefahrt. Wenn einer ihrer bei andauernd +schlechtem Wetter oder sehr langem Seetörn recht müde ist und sie +verwünschen möchte, so fängt er wohl mit einer Verwünschung an, +unterbricht sich dann aber und sagt: »na, sie ist ja aber ein erlaubter +Nahrungszweig.« Der Ausdruck stammt aus der alten Litanei, die auf +Schiffen, wo ein Pfarrer ist, an Bord und in den Marinekirchen am Lande +am Bußtag gebetet wird und bis vor Kurzem eine Fürbitte enthielt für +Bergbau, Handel, Seefahrt »und andere erlaubte Nahrungszweige.« Das +Gebet ist also zu einer Zeit verfaßt, in der die Seefahrt vielfach als +unerlaubter Nahrungszweig, als Seeräuberei, betrieben wurde. + + +*Navigationsoffizier*, der, + +ist an Bord der Kriegsschiffe der Offizier der alles unter sich hat, was +zur Navigation im engeren Sinne gehört, dessen Aufgabe vor allen Dingen +die Bestimmung des Mittagsbestecks ist, der überhaupt die astronomischen +Beobachtungen anzustellen und zu leiten hat, der das Meteorologische +besorgt, unter dessen Verantwortung die Chronometer bedient werden, der +die Karten- und Instrumentenkammer unter sich hat, also einen +verantwortungsvollen Posten bekleidet. Daher wird ein älterer Offizier +dazu genommen, der nächste nach dem ersten Offizier; er ist wachfrei und +hat auch sonst mit dem Schiffsdienst weniger zu tun, damit er sich ganz +seiner besonderen Aufgabe widmen könne. Unter ihm steht mit seinen +Maaten und Gasten der Steuermann, den man bei der Marine eine Zeit lang +Navigations-Bootsmann nannte; nicht sehr glücklich, so daß man +erfreulicherweise bald wieder davon abkam. Das Fremdwort Navigation war +schon früh im Gebrauch. Waghenaer gebraucht es schon 1588: »Alsoo onse +particuliere Zee-Caerten die wy vande Westersche, Oostersche ende +Noordtsche navigatien, eensdeels hebben laten vtgaen ende d'andere (met +Godes hulp) mede van meyninghe syn eerstdaechs int licht te doen +brenghen« ... + + +*Napier'scher Turm*, der, s. Turm. + + +*Neer*, das, + +heißt das fallende Wasser, der Ebbstrom, der zurückfließende, +rückläufige Strom, das Wasser, das durch irgend ein Hindernis eine der +Hauptströmung entgegengesetzte Stromrichtung erhält, wie dies bei der +vorspringenden Stelle eines Ufers, bei einer Sandbank etc. etc. +geschieht; niederländisch neer, neere = Gegenstrom. Doornkaat dürfte mit +seiner Vermutung recht haben, daß neer Zusammenziehung von neder = +niedrig sei, indem Ebbestrom das ursprünglich Ausschlaggebende war, und +der hat niedrig Wasser im Gefolge. + + +*Nehrung*, die, + +Name der langen, schmalen Halbinsel an der preußischen Ostseeküste. Weil +Nehrung eine schmale, also auch enge Landzunge ist, so hat man an das +altsächsische narn enge gedacht. Da aber eine solche Landzunge leicht +Änderungen in der Strömung, Strudel und dergl. erzeugt, so wäre in +Betracht zu ziehen, ob wir hier nicht eine Weiterbildung von Neer (s. +d.) vor uns haben. + + +*Nes*, die, + +auch Nesse, Halbinsel, Vorsprung, Landzunge, Name der Halbinsel Nesse +bei Emden, der Ortschaft Nesse bei Norden; englisch ness, in Sheerness; +altnordisch, norwegisch nes; schwedisch näs, dänisch nes, naes +Vorgebirge, Kap; Lindesnäs und andere. Das Wort ist kein anderes als die +niederdeutsche Form für unser hochdeutsches Nase. + + +*Niklausse-Kessel* s. Kessel. + + +*Niederdruckmaschine* s. Maschine. + + +*Niederholer*, der, + +ist ein laufendes Tau, das an solchen Segeln angebracht wird, die, wenn +ihr Fall losgemacht ist, nicht von selbst sinken, sondern, eben mit +Hilfe des Niederholers, niedergeholt werden müssen. Er wirkt in der +entgegengesetzten Richtung des Aufholers. Klüver und Stagsegel haben +dergleichen Niederholer. + +Auch gibt es Niederholer für die Bramrahe und Oberbramrahe, die mit +diesem Niederholer an Deck bezw. in den Mars niedergeholt werden. + + +*Nipflut*, die + += niedrige Flut. Das niederdeutsche Zeitwort nippen heißt mit dem Kopfe +nicken, den Kopf sinken lassen. Dem entspricht das Hochdeutsche nippen, +den Kopf öfters sinken lassen um in kleinen Schlucken zu trinken. +Mittelniederdeutsch nipen sinken, niedergehen, heruntergehen, sich +senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heißt Nicken, das Sichneigen +des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff *niedergehen* kommt das +angelsächsische nipan = obscurari, weil niedergehende Gestirne dunkel +werden, bezw. dunkel machen. Es ist also Nipflut mit »niedrige« Flut zu +übersetzen. + +Breusing mochte dieses Wort vergl. »Gezeiten«, nicht leiden, weil er es +für englisch und deutschen Seeleuten unverständlich hielt. Er möchte +dafür »taube Gezeit« eingeführt sehen. »Man unterscheidet Springzeit und +taube Gezeit in ähnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen +unterscheidet, die aufspringen, wenn sie voll und reif sind.« Es hat +sich aber Nipflut so in der wissenschaftlichen Welt eingebürgert, daß an +ein Verdrängen nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so +ausschließlich englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s. +d.) englisch ist. + + +*nisseln*, + +fein, sanft, langsam regnen, so daß keine großen Tropfen, ja überhaupt +kaum Tropfen, sondern kaum etwas mehr denn feiner Nebelregen +herniederkommt. Das niederdeutsche Zeitwort nüsseln heißt langsam sein, +zaudern, säumen, nicht vorwärts kommen, nichts beschicken, keine ganze +Arbeit tun. Offenbar ist letzteres auch die Bedeutung von nisseln = +regnen, ohne daß es ganzer, richtiger Regen ist, regnen mit halber +Kraft, mit halber Arbeit. Nüsseln könnte gleich nüsteln sein, und dieses +ist gleich nesteln, kleine, tiftelige Arbeit tun, Arbeit die viel Zeit +braucht, ohne daß sie viel zu Stande bringt. + + +*Nitsel*, das, + +auch Nitzel geschrieben, heißt ein dünnes, kurzes, getakeltes Stücken +Garn, mit dem die Seeleute ihre Wäsche an der Wäschejolle zum Trocknen +aufhängen oder vielmehr festbinden, besonders aber das Bändsel oder +Nestel, mit dem man die Hängematte zusammennestelt, zurrt. Für Nestel +hört man wohl auch Nistel und davon ist Nitsel eine einfache Umstellung. + + +*Nock*, die, + +die spitze Ecke eines Segels, die äußerste Spitze einer Rahe. Weiland: +»Nok een woord, dat in het gemeen het opperste toppunt van iets, het +niderste einde schijnt beteekend te hebben. In het bijsonder is het in +gebruik voor het opperste van het dak.« Auch im Niederdeutschen wird es +für First gebraucht; norwegisch nuk, Bergspitze. + +Die Grundbedeutung ist biegen, beugen, krümmen, in einem Winkel sich +umbiegen, eine scharfe Ecke bilden. So hieß also zuerst die äußerste +Ecke des Segels Nock, und von ihr ist der Name auf den +nächstbenachbarten äußersten Teil der Rahe übergegangen; wie umgekehrt +der Name Klau vom Ende der Gaffel auf den benachbarten Teil des Segels +überging. + +Da durch das Nicken eine Biegung und Krümmung entsteht, so wird Nock zu +nicken zu stellen sein und als verwandt mit Nacken und Genick angesehen +werden müssen. + + +*Nockgording* s. Gording. + + +*Normandkessel* s. Kessel. + + +*Normalnull* s. Nullpunkt. + + +*Normänner*, die, + +heißen zwei querschiffs stehende an den Betings befestigte eiserne Arme, +dazu dienend, den Betingschlag der Ankerkette frei von Deck und die +beiden Parten frei von einander zu halten. Früher war ein Normanne ein +Stück Holz zur Befestigung des Ankertaus; der Name stammt aus England, +wo man die Vorrichtung für so alt gehalten haben muß, daß sie noch von +den alten Normannen, die mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen, +abstammend angesehen wurde. + + +*Notschuss*, der, + +ein Schuß den ein Schiff in Seenot abfeuert um Hilfe herbeizurufen. Er +hat natürlich nur Sinn und Zweck, wenn überhaupt eine Küste nahe ist und +wenn sich an ihr Rettungsmittel befinden, die auf den gefeuerten +Kanonenschuß hin bereit sind, in Tätigkeit zu treten. + + +*Null!* + +hört man an Bord oft rufen wenn Beobachtungen oder Messungen vorgenommen +werden bei denen es darauf ankommt, einen genauen Zeitpunkt zu haben. Es +gehören zwei zu solcher Messung, einer der das Meßinstrument und einer +der die Uhr im Auge hat. Sobald der bestimmte Zeitpunkt da ist, wird in +demselben Augenblick kurz, laut, scharf Null! gerufen; man könnte auch +irgend einen anderen Ton von sich geben, aber dieser ist kurz und +deutlich und daher einmal als zweckentsprechend eingeführt, zuerst +natürlich, weil der genannte Augenblick als Nullpunkt für die Berechnung +dienen sollte. + + +*Nullpunkt*, der, + +Dick und Kretschmer I. 232: »Die Pegel der Hafenplätze beziehen sich auf +das mittlere örtliche Niedrigwasser. Werden die Nullpunkte jedoch in +Verbindung gebracht mit dem Normal-Null, gleich dem Amsterdamer Null +oder dem mittleren Wasserstande der Ostsee, gleich 37 m unter dem +Normalhöhenpunkte der Sternwarte in Berlin, dann ergibt sich das +Folgende: Der Nullpunkt des Pegels liegt unter Normal-Null + + in Wilhelmshaven 0,578 m + " Bremerhaven 2,075 " + " Brunsbüttel 0,230 " + " Holtenau 0,330 " + " Cuxhaven 3,639 " + + + + +O. + + +*Ocean*, der, + +griechisch okeanos, bei Homer der die Erde wie das Meer rings +einschließende Weltstrom, Urquell alles dessen was ist, aus dessen +Fluten sich die Gestirne erheben, so wie sie auch wieder in ihn +zurückkehren. Später das Weltmeer, von dem es im Besonderen wieder einen +indischen und westlichen Ocean gab. Okeanos war in der griechischen +Mythologie personifiziert, Sohn des Uranos und der Gäa, Gemahl der +Thetis, Vater einer Menge von Söhnen und Töchtern (der Gewässer), ein +Gott, der an Macht nur dem Zeus wich. Der deutsche Seemann kennt nur +drei Oceane, den atlantischen, den er gern kurzweg den Atlantik nennt, +den großen, für den er gern Südsee sagt, und den indischen. Die +Engländer haben außerdem noch einen arctic und einen antarctic ocean. + +In dem Worte Ocean steckt unser altdeutsches aha, lateinisch aqua = +Wasser, mit verdunkeltem a wie bei dem oog in Wangeroog, Spiekeroog, +Langeoog etc. etc. + + +*Ochsenauge*, das, + +war vor hundert Jahren für nichts anderes im Gebrauch als für eine +Öffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein Stückchen +blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint, durch solch +eine Öffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man bekomme ihn +daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese Öffnung zeigt. +»Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenüber steht, so hat es die Farben +eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine Wettergalle. Steht +es aber bei der Sonne, so ist es gewöhnlich ein Vorbote von schlechtem +Wetter.« Seit uralten Zeiten waren große Augen bei den Frauen für schön +geachtet, daher das berühmte boopis im Lateinischen wiedergegeben werden +konnte mit »grandibus oculis praedita.« Es lag nahe, einen solch +freundlichen Himmelsblick ein Auge zu nennen, daß es gerade ein +Ochsenauge sein mußte, zeugt davon, daß unter unsern Seeleuten schon im +18. Jahrhundert sich junge Leute befanden, die die Bänke hoher Schulen +gedrückt und mit dem vermeintlich freien Seeleben vertauscht hatten. + +Heute heißt in begrifflicher Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge +ein kleines, rundes, wenig aber doch immerhin etwas Licht spendendes +Stück Glas, das in einer Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei +es, daß es von oben durch das Deck, sei es, daß es von der Seite durch +die Bordwand leuchtet, Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei +uns meist Bullei genannt. + + +*orientieren*, + +kommt ursprünglich aus der Baukunst und wurde zuerst von Kirchen +gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden, daß der +Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete Kirche hieß +und heißt orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte sich jeder +leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten, weshalb man bald +»sich oder jemanden orientieren« gebrauchte für informieren, +zurechtweisen, belehren u. s. w. Aus dem Umstande, daß mittelalterliche +Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen Teilen nicht genau +orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage geschlossen, man habe +die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar nach der Magnetnadel +vorgenommen, aber die Mißweisung außer Acht gelassen. + + +*Orkan*, der. + +So heißt jetzt jeder Sturm, der sich über das gewöhnliche Maß des +Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der Bezeichnung +orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal ein Glasdach +abgedeckt wird; ursprünglich waren aber nur die besonders schweren +westindischen Stürme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem +karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch +huracan, welches die dem Ursprünglichen am nächsten kommende Form sein +dürfte; italienisch uracano, französisch ouragan, niederländisch orkaan. +Die Engländer haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane. +Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen. + + +*Orlogschiff*, das, s. Kriegsschiff. + + +*Orlopbalken*, *Orlop*, *Overlop*, s. Deck. + + +*Ort*, der. + +Es gibt fünf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1. Schusterahle, 2. Maß, +3. eine Münze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz. Sie kommen aber alle +fünf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer Punkt, Anfang, Ecke, +Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der See in den +Bezeichnungen Darserort, Brüsterort, Friedrichsort erhalten hat und der +in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen oort noch +ausschließlich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd für +Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die +Messerspitze heißt, wie im Angelsächsischen ord ganz allgemein +Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Maß und Gewicht und Münze +sagt Kluge, 276: »Zunächst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch +ein Kreuz in vier Orten, d. h. Ecken geteilten Münzen ausgegangen und +erst dann auf Maß und Gewicht übertragen worden.« + +Die Bezeichnung Örtje, Örtchen für die kleine ostfriesische Münze, im +Werte von 1-1/4 alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht +verewigt, das Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der +hannoverschen Garnison in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat. + +»Wen gy von ein Land na dat ander segeln willen, und gy alßden juw +Gissing willen maken, so möcht gy erst den Huck offt Ort des Landes, +dewars, von juw aff gegeben, ehr und bevor gy de Glese kehren,« +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, 1673. Daß Ort ein langes o +hat, geht schon aus den obigen alten Formen hervor, wird aber bestätigt +durch das »Seebuch« von Manson, Lübeck 1735: »Vons West Ende von Femern +nach dem Inlauff von Kiel ist es Westen zum Süden 5 Meilen, die Förde +ist groß und weit, ihr lasset das Casteel, *Friedrichs Ohrt* im +Aufsegeln am Stührbord, man gehet dann das Förde auf nach der Stadt zu. + +Von Kieler-Föhrde biß Eckern-Förde ist es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist +gleichfals eine grosse weite Förde, man segelt hier für die Stadt +gleiches Nahmens.« + + +*ösen* + +heißt schöpfen, ausschöpfen, besonders das Wasser aus einem Boot mit +einem Schöpfer, Ösfaß genannt, ausschöpfen. Schon Kilian übersetzt oozen +mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, indem +es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. Das +beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das Wasser +das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das +Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die +Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben. +Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch +hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer. + +Friesisch eaze, mittelst des easfet. »Wol beslein, zei Anke de scipper, +it scip forlern, ind it easfet bihalden.« Bei der Lüneburger +Salzgewinnung heißt oseammer, osammer der Schöpfeimer und der +Solschöpfer führt den Namen oser. Von Bremen bis Wangerooge heißt der +unterste Rand des Daches von dem das Regenwasser auf die Erde tröpfelt +oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz im ganzen niederdeutschen +Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen; »een öse, dar dat segel +mit genettet werdt.« Und auch im Oberdeutschen heißt Oese das +Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, Griff, denn +das kommt gemäß einem bei Willmans I. 85 auseinandergesetzten +Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das = Ohr ist. + +Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: »er verast es;« +das muß eigentlich heißen: »er veröst es«, gießt es aus, verschüttet es. + + + + +P. + + +*P. and O.* + +Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine Schiffahrtslinie die +ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien und Portugal und mit +dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhält. Im Abkürzen sind die +Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für Francisco und Hock für +»Hochheimer« kann man auf jedem englischen Kriegsschiffe hören, und in +ganz Indien, China und Japan hört man nie anders als von P. and O. = +Dampfern reden, wenn man von dieser englischen Linie und ihren Schiffen +spricht. + + +*p. m.* s. a. m. + + +*Pageie*, die, + +heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der afrikanischen Küste und +auch bei den Indianern eine Art Riemen mit breitem Blatt. Wort und Sache +scheinen zu uns auf dem Wege über Frankreich gekommen zu sein, +französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und der Ruderer mit diesem +Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht auf den Dollbord +aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes sitzende pagayeur +rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder haltend. »L'effet de +la Pagaye est plus considérable que celui de l'aviron, mais sa manoeuvre +exige plus de force et fatigue davantage.« (Bonnefoux et Paris, marine à +voiles 542.) + + +*paddeln* + +heißt auf eigentümliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen. Es +scheint, daß in England sich der Name Pageie nicht eingebürgert hat, (s. +d.) vielleicht weil man dorten für ein ähnliches Werkzeug den sehr +populären Namen paddle hatte, der sich nicht verdrängen ließ, »a sort of +short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and +boats.« Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders +indessen das Zeitwort paddeln, eine Tätigkeit anzeigend durch die das +Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentümliches Schwimmen, so +bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder +eine »Kröte« hieß aber angelsächsisch pada und heißt englisch paddock, +niederdeutsch padde. + + +*Packung*, die. + +Packen heißt zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen für die Reise +in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer Kommode +unterbringen, in Ordnung bringen, sichern; daher heißt die Dichtung +einer Gas- oder Dampfröhre, weil sie eine Sicherung darstellt, Packung +s. Bagger, Baginrahe, Packetboot. + + +*Packetboot*, das, + +ein Schiff das regelmäßige Fahrten ausführt und dabei Passagiere, Güter, +Packete und Briefe befördert, also das vorstellt, was man jetzt +gewöhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit dem +niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und +Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn +wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen +Stück alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack +vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, daß alles was +zusammengeschnürt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als +Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heißt +Packetpost, das Schiff das dergleichen befördert Packetboot. + + +*Pall*, das, + +ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rücklauf zu verhindern. Pall, +englisch pallet, heißt das im Winkel gebogene Ende des Armes eines +sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zähne des Zahnrades eingreift. +Das Bremer Wörterbuch kennt das Wort in verschiedenen Bedeutungen. »Wenn +das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen die (das Spill +drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher haben wir die +sehr gebräuchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich stehen, +standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to Pall +kamen, übel anlaufen, mit vieler Mühe seinen Zweck erreichen.« + +Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff +steht pall, steht fest. Überhaupt ist mit dem Worte der Begriff »*fest*« +verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun, +das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem +auch in deutschen und niederländischen Städten (Halle, Altona, Utrecht) +beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der +Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht +zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen; +allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen +mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff »fest« doch noch +stärker zur Geltung gekommen zu sein. + +Ich finde das Substantivum »die Pallen« zuerst in der »Beschriving van +der Kunst der Seefahrt«, 1673: »Es sähe überall sauer aus, und die Noth +war da, derohalben entschloß ich, daß wir wolten daß erste Land für das +beste erkiesen; auff daß wir in der See nicht vergehen möchten; den +zuvor dürffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil +die Pallen von daß Bratspieß weg wahren, den so wir zum Ancker gehen +mußten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so +der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Korß nachs +heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande +Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de +Wall.« + + +*palmen* + +heißt Hand über Hand holen, also nicht wie solches auf Kriegsschiffen +gewöhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand auflaufen, sondern mit +wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand vor die andere setzt, in +die Höhe ziehen; das Gegenteil davon ist fieren, was auch Hand über Hand +geschehen muß damit der zu fierende Gegenstand oder vielmehr das an ihm +befestigte Tau nicht schliere. + +Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die +stolzen Palmen wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer flachen +Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben. + +Die Hand wurde auch ebensogut wie der Fuß und der Ellbogen als Maß +benutzt und man gebraucht dementsprechend palmen auch für messen. + + +*Palstek*, der. + +Stek heißt Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch eine Schlinge; +Pal heißt Pfahl; darum aus dem Ganzen einen »Pfahlstich« zu machen ist +ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut +niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentümliche des Palsteks ist, daß +er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dükdalben gelegt wird, +auch wenn Kraft darauf kommt, und daß man, sobald die Kraft zu wirken +aufhört, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem +Dükdalben abnehmen und über einen anderen streifen kann, wenn etwa ein +Schiff verholt werden soll. + + +*Pampero*, der, + +ist ein heftiger, plötzlich und überraschend aufkommender, mit schwerer +Bö einsetzender Wind an der Küste von Südamerika; aus Westen wehend, hat +er seinen Namen von den Pampas, über die er hinwegstreicht. Schon +manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist gekentert, wenn es sich an +jenen Küsten von einer so schwer vorherzusehenden »weißen Bö« +überraschen ließ. + + +*Pantry*, die, + +ausgesprochen Päntry, also über England zu uns gekommen, bedeutet jetzt +den zu einer Messe gehörigen Anrichteraum, in dem die Gläser, Teller, +Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen werden. Vorräte +werden in diesem Raume nicht verstaut, doch muß früher wenigstens ein +gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten worden sein, +denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also eigentlich +Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und pantry ist das +französische paneterie. + + +*Panzer*, der. + +Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean durchfurchen haben +ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen. +Da heißt pantex der Leib, gewöhnlich in der Mehrzahl und poetisch +gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus ward italienisch pancia, +spanisch panza, provençalisch pansa, französisch panse; +mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der Pansen, Wanst, Bauch, +Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkäuer. Von Menschen wird es jetzt nur +noch in sehr freier Rede gebraucht und in stehenden derben Redensarten: +»Ich trete Dir vor, in den Pans!« »Sük de Pans full fräten.« Doch +spricht das Volk auch ganz harmlos: »Mit ledige (leeren) Pansen is god +dansen«, wo der Gebildete sagen würde: »plenus venter non studet +libenter.« + +Den Teil der Rüstung der den Unterleib deckte nannten die Italiener +panciera, spanisch pancere, altfranzösisch panchire, mittelniederdeutsch +(Kil.) pans-yser oder panssier. Es war eine schuppenförmige +Stahlschürze, die hat sich inzwischen zu halbmeterdicken Stahlplatten +ausgewachsen. + +Die Panzerung eines Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je +nach dem Material, dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen +führen; so spricht man von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten, +Nickelstahlplatten, Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u. s. w. + + +*Pardun*, das. + +Die Parduns sind stehendes Gut und stützen die Stengen nach der Seite +und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung un, oen +geschrieben, kommt im Niederländischen, woher das Wort -- es lautet +daselbst perdoen -- stammen wird, häufig vor; katoen, blazoen, latoen, +plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die Stammsilbe par +dürfte von bar, par = tragen kommen, denn das Pardun ist ein tragendes, +haltendes, festhaltendes Etwas. Es müßte, wenn diese Ableitung richtig +ist, eigentlich Parun heißen; aber so gut man, wie in Kiel geschieht, +der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl Kardel sagen kann, so gut +kann sich auch hier das d eingeschlichen haben, zumal bar, par die +Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie Geberde und Hellebarde, +Helleparte beweisen. + + +*Part*, die. + +Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im Mittelhochdeutschen +für Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgemäß wird es noch heute +häufig gehört: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine »gute Partie«, eine +Landpartie; seemännisch als Anteil an einem Bodmereigeschäft, +Schiffspart, und dann sehr häufig im Gebrauch für »Teil eines Taues,« +und dann auch wohl die Parte. So heißt jeder einzelne Teil des Läufers +eines Takels der von einer Scheibe bis zur anderen geht, so daß ein +Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben. + +Ein einfaches Tau, das überhaupt durch keine Scheibe geschoren ist, das +man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen würde, nennt der +Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe +zusammengebogen, so daß dessen beide Enden neben einander liegen, so +heißt die so gebildete Bucht eine doppelte Part. + + +*Passat*, der, + +ist der nördlich und südlich vom Äquator regelmäßig aus Nordost bezw. +Südost und annähernd stets in der gleichen Stärke wehende, dem Seemann +hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwähnte spanische paso heißt +nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher Bedeutung es schon +allein zur Erklärung von Passat genügen würde, sondern auch »Strich der +Vögel«. Wie nun die Vögel auf ihrem Zuge nach oder vom Süden stets den +gleichen Strich inne halten, so streicht auch der Passat stets auf +demselben Strich, aus bekannten physischen Ursachen. Englisch heißt der +Passat tradewind; trade heißt ursprünglich Weg, Lauf, Pfad; Passat wäre +also ein Wegwind, der stets denselben Weg weht. Es liegt auf der Hand, +daß in diesem allgemeinen Sinne auch die Monsune Passate sind; doch +haben die ihren eigenen arabisch-persischen Namen behalten. + + +*Passer*, der, + +ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel geläufiger ist. +Ursprünglich hieß unser Kompaß in den romanischen Sprachen compasso und +bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meßinstrument; die jetzige +Bedeutung als Instrument zum Messen der Himmelsrichtung ist später +hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen Bedeutungen +auch die von Takt, Versmaß, überhaupt von Maß und von Werkzeug zum +Messen. Fuß, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind Maße vom +menschlichen Leibe genommen; ein solches Maß ist auch der Schritt, sogar +jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom Schritt zum Messen +und vom Messen zum Meßwerkzeug war jedesmal nur ein Schritt. + +Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte gebraucht, +die man darum auch Paßkarte nannte. + + +*Pegel*, der. + +Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen. Es bedeutet +im Mittelalter ganz besonders ein Maß zum Messen von Getränken, wobei +die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes angebracht war. +Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene +»Bremer Wörterbuch« bemerkt hierzu: »Vor Zeiten bedeutete Pegel ein +gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch also einen +inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei den +Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist +noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit +verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein +jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen, +trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe +auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf +gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch +noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein +großer Säufer sein.« Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken. +Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach +allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim +Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die +Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte +jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. »Sed to, +ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet«, +beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher +stammt auch der Vers: »Is it ein mester, moet man en firen, so moet he +am ersten sinen pegel utliren.« Der alte Kilianus Duffläus erklärt +peghel mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri, mensurare +und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s. peilen). +Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem Trinkgefäß, +es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die Bedeutung +ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit Beil ist +wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil und +heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so zu +denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes +Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren. + + +*peilen*, + +etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen, bestimmen. +Die Sonne peilen, sie mit einem Peil- oder Azimutal-Kompaß beobachten, +in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die Tiefe +desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt wird, +untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem Peilkompaß +bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem Kompaßstriche es liegt. +Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz untersuchen, wie hoch das Wasser +in der Pumpe steht. Peilen ist zusammengezogen aus pegelen, indem das g +der größeren Bequemlichkeit wegen ausfiel und aus den beiden dann +zusammengetroffenen e der Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von +Pegel (s. d.). Was heute Peilkompaß heißt, nannte der Verfasser der +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 noch durchgängig +Pegel-Compaß. »Tho Pegelinge averst der Landen, Torens, Huken und Baken, +imgeliken der Sünnen up und underganck, is nichts bequemeres, den ein +recht Pegel-Kompaß, wil se averst mennigen tho dür sin (dar doch offt +Schip, Man und Gut angelegen is) so werender ock weinig by der See +gefunden, de se gebrucken offt bei sik föhren, behelpen sick, in Platz +von dessen, mit ein Kompaß mit ein Pin, dar man sik ok thor Noth wohl +mit behelpen kan, wen man wet dat de Drat unter de Rose Süden und Norden +gelecht is. Dat seckerste holde ick awerst vor best.« + + +*Penterhaken*, der. + +Früher gab es einen Penterbalken, ein Pentertakel und einen Penterhaken, +sie bildeten zusammen gleichsam eine Reservevorrichtung die beim +Ankerlichten in Tätigkeit trat. Bei der neuzeitigen großen Umwälzung die +das ganze Ankergeschirr erlebt hat, ist als letzte Erinnerung daran nur +der Penterhaken geblieben, und auch ihn führt das amtliche +Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen Marine +schon nicht mehr unter den zahlreichen anderen Haken auf. Er faßt beim +Ankerlichten in den Ring des Ankers. Das niederdeutsche Wort pennen +heißt: in einander stecken, in einander fügen, verbinden, schließen, +riegeln, vergl. das englische to pin = einstecken, anstecken, heften, +anheften, befestigen, festmachen. Das Zeitwort pennen kommt von Pinne, +einem Ding zum Ein-, Auf-, Feststecken, Festhalten, Festmachen, +Verschließen, Verbinden; mittellateinisch pinna, der Nagel. + +Vergl. übrigens »Porteurleine« am Schluß. Der Penterhaken und die +Porteurleine gehören so nahe zusammen, daß die Annahme beinahe +unabweislich ist, daß Penter eine volkstümliche Form von Porteur, oder +Porteur eine gelehrte Form von Penter ist. + + +*Peter, blauer*, + +eine blaue Flagge als Abfahrtssignal eines Schiffes. Durch Hissen +desselben gibt der Kapitän zu erkennen, daß er die Absicht hat, in See +zu gehen und daß also, wer an Bord gehört, sich einzufinden habe. Die +Bezeichnung stammt aus dem Englischen, wo sie scherzweise aufkam als +Umbildung von blue repeater, einer blauen Kontre-Signal-Flagge. + + +*Pferde*, + +heißen die Taue unterhalb der Rahen, auf denen die Matrosen beim +Segelsetzen oder -bergen stehen. Sie haben mit dem Lehnwort aus dem +Lateinischen Pferd = Roß nichts zu tun. Vielmehr kommt das Wort davon, +daß die Matrosen auf diese Taue mit ihren Füßen *treten*. Treten hieß +angelsächsisch paddan, peddan, eigentlich wandeln, laufen, spazieren +gehen, also in dem Sinne, in dem wir von einem Pflastertreten sprechen. +Niederdeutsch pedden. Es kommt aber auch die Form perren und perden vor. +In Hinterpommern nennt man »in Menschenkot treten« »in't Fossise perre.« +Das was einer perd kann er leicht ein Perd nennen und das +Neuhochdeutsche hat im Mißverstand ein Pferd daraus gemacht. + + +*Pflicht*, die. + +Doornkaat: »Auf kleinen Schiffen und namentlich solchen, deren Raum +offen ist und die kein eigentliches Deck oder Vordeck haben, ein +abgezimmerter mit einem Deck oder Verdeck versehener kleiner Raum im +Hinter- und Vorderteil von Fluß- und Wattschiffen oder Tjalken, welcher +im Hinterteil die Stelle einer Kajüte auf großen Schiffen vertritt und +als solche achterpflicht heißt, während die förpflicht oder der bedeckte +und abgezimmerte Raum im Vorderteil solcher Schiffe auch forunder +genannt wird (s. Farunner).« Es ist die Form Pflicht eine der +schlimmsten hochdeutschen Verdunkelungen der Seemannssprache. Das Wort +heißt nicht Pflicht, sondern Plicht. Niederdeutsch plicht; +niederländisch plecht, plicht; auf Wangerooge pliucht; schwedisch und +dänisch pligt; norwegisch plitt; offenbar verwandt mit dem englischen +plight = Decke, da die Plicht doch bedeckt ist und ein Deck darstellt. +Das »Bremer Wörterbuch« sagt: Pligt = ein kleiner Raum vorn und hinten +auf einem Schiffe. Es war aber ursprünglich wohl die Bedeutung auf den +vorderen Raum beschränkt. Das geht einesteils aus der Übersetzung +Kilians hervor, der plecht van 't schip mit prora wiedergibt, +andernteils auch aus der Bezeichnung *Plichtanker*. Der heißt so, weil +er auf der Plicht seinen Platz hat, um stets bei der Hand zu sein. Den +Anker braucht man aber in der Regel vorn; so war die forplicht +jedenfalls die eigentliche Plicht. Das wird auch durch den noch +gangbaren Ausdruck *Bootspflicht* bestätigt, denn so heißt der erhöhte, +mit einem Gräting gedeckte Teil vorn, am Bug eines Bootes. Noch +deutlicher wird dies durch die Zusammensetzung »*Lausepflicht*«. Damit +ist der Raum vorn am Gallion bezeichnet; da wo der Mann seine Notdurft +verrichtet, macht er auch seine Toilette, da kämmt er sich, und daß der +derbe Seemann die Plicht, auf der sich die Leute zu kämmen pflegen, +Lauseplicht nennt, wer wird sich darüber verwundern? + + +*Pforte*, die, + +eine verschließbare Öffnung in der Bordwand. Es gab oder gibt +Ladepforten, Ballastpforten, Ruderpforten, Piekpforten, Jagdpforten +(ganz vorne für die Jagdstücke, die beim Jagen eines fliehenden Feindes +in Tätigkeit treten), Luftpforten, Lichtpforten, Stückpforten. Die +letzteren sind auf den Kriegsschiffen von besonderer Bedeutung, und +darum versteht man, wenn schlechthin Pforte gesagt wird, stets eine +Geschützpforte darunter. Das lateinische porta heißt bekanntlich Tür, +Tor, es liegt ihm aber ein griechisches Zeitwort zu Grunde, das +durchgehen, passieren bedeutet. Insofern ist die Bezeichnung Pforte doch +nicht unglücklich gewählt, wenn auch durch diese keine Menschen gehen. + + +*Piek*, die. + +Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat es irgend +etwas mit »Spitze, Äußerstes« zu tun. Die Achterpiek, Hinterpiek ist der +äußerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil des Schiffes; heißt +meist kurzweg die Piek, während der entsprechende vorderste Teil, wenn +er überhaupt Piek genannt wird, mit Vorderpiek näher bezeichnet werden +muß. Aber nicht nur das Äußerste nach hinten oder vorn, sondern auch +nach oben heißt Piek; diese Bedeutung ist sogar die ursprünglichere. So +heißt z. B. sogar das Tau mit dem die Gaffel des Besans so getoppt wird, +daß ihre Nock sich in die Höhe streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen +auf Piek setzen ist ein anderer Ausdruck für kaien, nämlich sie so auf +und nieder setzen, daß sie weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken +heißt »Riemen hoch« nehmen, sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar +nicht spitz aber doch das Äußerste am Riemen ist, in die Höhe halten. + +Piek ist dasselbe Wort wie pique im französischen Kartenspiel und +bedeutet Pike, Lanze, Speer, Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch +und portugiesisch pica, italienisch picca, was mit picco, spanisch und +portugiesisch pico, französisch pic, angelsächsisch pic englisch peak +zusammengehört, alles mehr oder weniger Spitze bedeutend. + +Das Piekfall hieß früher Dirk, Gaffeldirk, jetzt heißt Dirk nicht mehr +das Tau zum Auftoppen der Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des +Besansbaums. + + +*Pier*, die, + +ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck für das was wir +gewöhnlich Moole nennen, also für einen Steindamm, für eine steinerne +Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder zum +Anlegen und Festmachen für Schiffe. Das Wort kommt vom französischen +pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den +Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hölzerne Bollwerk +wohl auch eine Pier nennen hören. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: »By +westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer +d'inwoonders haer visschers barken onder legghen.« Er hielt es damals +also doch für nötig Piere zu übersetzen und zu erklären, weil es für +einen Niederländer auch in jener überaus fremdwortfreundlichen und +-reichen Zeit ein erklärungsbedürftiges Fremdwort war. + + +*Pijacket*, *Peajacket*, *Pijacke*. + +Der kurze Überzieher der Mannschaften, die bei der Kaiserlichen Marine +dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient haben, mit anderen +(Civil-)Knöpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die letztangeführte +Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste zugleich; hat auch den +Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des 14. Jahrhunderts kommt +im Spanischen un jaque de seda vor, eine seidene Jacke. Neuspanisch +jaco, italienisch giaco, französisch jaque, niederländisch jasje, zoort +van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach Ducange, zu Beauvais ein +Häuptling gewesen sein mit Namen Jaque, der, wenn er zum Kampfe auszog, +einen kurzen Oberrock getragen habe; daher das zweite Wort in der +Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet ebenfalls Jacke. Die fremde +unverstandene Bezeichnung Jacke genügte dem deutschen Küstenbewohner +nicht für das bald heimisch gewordene Kleidungsstück, (die Häuptlinge +auf den Siegeln des 14. und 15. Jahrhunderts tragen bis auf die Knie +gehende Röcke) darum verbanden sie sie mit dem altgewohnten Worte für +Rock py, pye, welches heute noch in Ostfriesland pe, peje, pei, pi heißt +und einen kurzen Unterrock von rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen +pye, pey, pige, pikke, pike, eine Jacke, ein warmes Unterkleid von +Flanell; in Holland pij, pije, in Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem +Griechischen durch das Gothische zu uns gekommen, indem baite, +Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu paida wurde; angelsächsisch +peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit, Hemd, hemdähnliches +Kleidungsstück; niederdeutsch pede, nach Schwund des d kontrahiert zu +pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege ins +Niederdeutsche zurückgedrängte i, woraus dann leicht das einfache pi +werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine +Rockjacke. In Groningen heißt es piejekker, aber auch molvanger, monkie +(auch bei uns manchmal zu hören) schort, twiefelder, twiefeloar und, +mehr deutlich als fein, vreischieter. + +Zu bemerken ist, daß die Handelsmatrosen das Kleidungsstück nicht etwa +von der Kriegsmarine überkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es +sogar so eingebürgert, daß der Dichter Vondel es nennen kann: »Een +dracht, die sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.« + +Ziemlich spät erst ist im Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In +den gerichtlichen Inventarien, die in Wismar während der Jahre 1438 bis +1547 aufgenommen worden sind, kommt für Rock das Wort pyge ohne +Verbindung mit Jacke vor. Dafür ist es aber eine andere Verbindung +eingegangen und heißt szepyge, also Seerock, Seewamms; vielleicht das +was man heute Lootsenjacke oder Seelenwärmer nennt; irgend etwas Warmes, +Gefüttertes, denn der Schreiber der jenes Inventar aufnahm hat es mit +»rot foderhemmede« verdeutlicht, rotes, gefüttertes Hemd. + +Pijacket ist n., Pijacke f. + + +*Pinass(e)*, die, + +auch (fälschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der großen Beiboote, +jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens Dampfpinasse oder *-pinass* +gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und Weglassung des auslautenden e. +Offenbar zuerst ein aus dem Holze der Fichte, pinus gebautes Boot. Der +Name ist im romanischen Sprachgebiet entstanden und weiter gebildet: +ital. pinaccia, spanisch pinaza, französisch (um 1700 als Seemannswort +allgemein im Gebrauch) pinasse. Das e ist stumm, also tut der Seemann +recht, es unausgesprochen zu lassen, es würde in seinem Munde recht +geziert lauten. + +Im spanisch-englischen Kriege unter Königin Elisabeth waren Pinassen als +wirkliche seegehende, seeschlachtfähige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als +im Jahre 1596 die Königin es für ratsam hielt, »den Spanischen ihr +angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fühlen zu +lassen«, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche +Affäre hatte. Davon berichtet der Verfasser der »Durchläuchtigsten +Seehelden« I 405: »Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Kühn +war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt, +das Volck aber davon gerettet.« Als im Jahre 1625 die Spanier den +Holländern Bahia wieder abzunehmen sich rüsteten, waren bei der +aussegelnden Flotte einunddreißig Gallionen, eine Caravell, drei +Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der +Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin groß genug, Bahia mit +belagern zu helfen. + + +*Pinke*, die. + +Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen für gar verschiedenartige Fahrzeuge +im Mittelländischen Meere und in der Nordsee. So verschieden sie auch +gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprünglich alle mit einander +gemein, daß sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist Verwandtschaft +mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem Pink eine +nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk kommt sie +bereits in der Hamburger Chronik vor: »Reynke wert myt noch eynem van +den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle boyers and +euers hadde.« Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor »den bogert +... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho soeken.« Es +muß also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles Schiff +gewesen sein. Man gebraucht sie in Holland zum Heringsfang. Waghenaer, +»Spiegel der Zeevaerdt«, 1588: »Leyt mede op dese stroomen de bequame +vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war Waghenaers Heimat), al waer soo +veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder Zee) op sekeren tyt des Jaers +ghevanghen wert, alsser op een telte met de Buysen, Boots ende Pincken +de Maze ingebracht ende verhandelt wert.« + + +*Pinne*, die. + +Der hölzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt wird, die +Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heißt Nagel, Zweck, +Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stück Holz zum +Festhalten, Befestigen, Verschließen. Die Zusammenstellung mit penna, +Feder, Floßfeder ist allzu gekünstelt. Weit natürlicher läßt sich das +Wort, wie Pinaß, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar +ursprünglich von Fichtenholz war. + + +*Pirat*, der, der Seeräuber. + +Das Wort stammt aus dem Griechischen peirates, von peiraein = versuchen, +unternehmen, sein Glück in Abenteuern suchen, auf Raub ausgehen, das +Meer auf Raub befahren. Lateinisch pirata, italienisch pirate und +pirato, französisch pirate. Dazu das Fremdwort *Piraterie*, der Seeraub, +die Seeräuberei. Göthe: »Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind +sie, nicht zu trennen.« + + +*Pirogue*, die, + +ist ein Fahrzeug das in der Südsee und in Indien gebraucht wird, woher +auch der Name stammt, der französisch pirogue, spanisch piragua lautet. +Es hat verschiedene Veränderungen erfahren, aber das Eigentümliche aller +Piroguen ist, daß sie Einbäume sind, aus einem Stamm gefertigt. Demgemäß +können sie nur klein und rank sein und haben daher einen Auslieger +(outrigger). + + +*Planke*, die. + +Bord, Diele, Bohle, Brett und Planke sind begrifflich nicht ganz leicht +auseinander zu halten. Die beiden letzteren z. B. sind vielfach +gleichbedeutend, so daß man oft für Brett Planke und für Planke Brett +sagen kann. Doch neigt der Sprachgebrauch dahin, daß man ein dickes, +starkes, langes, großes Brett Planke nennt, was schon daraus erhellt, +daß Planke keine Verkleinerungsform kennt, während man häufig von einem +Brettchen spricht. Eine Packkiste ist aus Brettern, eine Zigarrenkiste +aus Brettchen zusammengenagelt, nicht aus Planken, aber das Deck eines +Schiffes besteht nicht aus Brettern, sondern aus Planken. Im +Allgemeinen wird man sagen können, daß, wohl wegen der Verwendung des +Wortes beim Schiffbau und im Schiffsleben, Planke im Nieder-, Brett im +Hochdeutschen bevorzugt wird. Planke stammt aber aus dem Romanischen, es +ist mit dem piemontesischen pianca, Steg; provençalisch planca, plancha; +französisch planche, Brett; lateinisch planca = Brett, Bohle aus einer +Wurzel plak entstanden, von der Doornkaat es unentschieden läßt, ob sie +etwas flaches, plattes oder etwas gespaltenes bedeutet. Schon in einer +mittelniederdeutschen Urkunde aus Göttingen vom Jahre 1348 finden wir +das Wort, aber mit anlautendem b anstatt p, (was nicht zu verwundern +ist, da auch heute noch selbst in Niederdeutschland das p von Planke +ziemlich weich ausgesprochen wird). »We lovet, dat we neynerleyghe buv +mer scholen buwen darsulves von steynwerke eder von bomwerke, dar +ienecherleyghe eyrkenere utgan van blanken eder van graven.« + + +*Plate*, die, + +eine breite, flache, platte Sandbank von größerer Ausdehnung. Das Wort +Plate ist niederdeutsche Form für Platte, irgend ein breites flaches +Etwas von Stein, Holz, Eisen etc. etc. Vom griechischen plate, und +dieses von einer Wurzel prath sich ausbreiten. In Ostfriesland nennen +sie eine Plate eine Sandbank die bei Flut überschwemmt wird, bei Ebbe +trocken fällt. Es gibt aber auch Platen in der Weser, in der Ostsee etc. +etc. Was letztere betrifft, so lesen wir in Manson, See-Buch, Lübeck +1735 bei Gelegenheit einer Segelanweisung nach Wismar: »Als einem aber +der Wind nicht fugen wolte, dieses Tonnen-Tieff einzusiegeln, muß er +aussen um den Hannibal auf 6 oder ja 5 Fadem loden, und nach den +Küsterhöft zu lauffen, und segeln die Mittel-Tieff. West-Südwest von der +Tonnen ein klein Stück seynd zwo runde Sandbänken, die heissen Platen, +die läßt man am Stührbord. Hannibal lieget Nordwest zum Norden eine +kleine halbe Meil von der Kirchen die auf Poel stehet.« + + +*Plattfusswache*, s. Wache. + + +*Plattformdeck*, s. Deck. + + +*Platting*, die, + +ist ein aus Kabel- oder Schiemannsgarn geflochtener Zopf, der nach der +Zahl seiner Garne schmäler oder breiter ist und auch nach dieser Zahl +genannt wird, Dreigarnplatting, Fünfgarnplatting etc. etc. Die Zahl der +Garne ist stets ungrade. Wie sehr sie auch untereinander verschieden +sind, so haben sie doch alle das gemein, daß sie, eben weil sie nicht +gedreht, sondern geflochten sind, ein *plattes* Geflecht darstellen. +Man stellt wohl auch sehr schöne runde und vierkante Plattings her; die +werden eben mit demselben Rechte, wiewohl sie eigentlich keine Plattings +sind, so genannt mit dem man eine Fensterscheibe, wiewohl sie jetzt +keine Scheibe mehr sondern ein Viereck ist, doch noch Scheibe nennt, und +mit dem sie niederdeutsch Raute heißt, obgleich sie die rautenförmige +Gestalt längst verloren hat. + +Die Platting dient zur Bekleidung der Taue an Stellen wo sie besonderen +Schutzes bedürfen. + + +*Pockholz*, das, + +ein sehr hartes Holz aus dem man Blockscheiben, Kegelkugeln u. s. w. +drechselt. Der Name hat eine eigentümliche Geschichte. Der Westindische +Baum von dem das Holz kommt, eine Gattung der Zygophyllen, heißt +guajacum officinale L. und wird Guajak-, Franzosen-, Pock- oder +Heiligenholz genannt. Die Erklärung ist bereits bei Kilian zu finden. Er +bemerkt zu pock-hout: »ebenus, hebenus, hebenum, guiacum: lignum +expugnandae lui venereae accomodatissimum, lignum Indum, vulgo gaiatum« +und spaensche pocken übersetzt er mit »morbus Gallicus, scabies +Hispanica, Neapolitana, lues Venerea: siphylis: serpigo Indica.« Von den +»spanischen Pocken« stammt der Name des Holzes, von der lues venerea, zu +deren Heilung heute noch ein Decoct von diesem lignum vitae angewandt +wird. + + +*Polacker*, der, + +ist ein Mittelmeerschiff, dessen eigentümliches Kennzeichen Pfahlmasten +sind, d. h. Masten die aus einem Stück bestehen und keine Stenge haben. +Wo diese Art Masten auch bei uns vorkommt, da nennt man die Takelage +eines solchen Fahrzeuges Polackertakelage. Das Wort kommt vom +lateinischen palus, der Pfahl; italienisch und spanisch polacra, +französisch und englisch polacre; im Deutschen, Niederländischen, +Dänischen und Schwedischen konnte sich das Wort um so eher einbürgern +und die Form Polacker annehmen als hier das Wort Polack für Pole gangbar +war. + + +*Poller*, der. + +Die Poller sind starke Balken, die allein oder zu zweien an Deck oder am +Lande angebracht sind zum Belegen von Trossen beim Festmachen oder +Verholen. Neuerdings sind teilweise eiserne Gestelle daraus geworden, +die mit einem Balken wenig Ähnlichkeit mehr haben, aber doch auch noch +den Namen Poller tragen, der Balken bedeutet. Polder hat schon Kilian +richtig mit trabs übersetzt, und Polder muß das Wort eigentlich auch +geschrieben werden, wiewohl es der Bequemlichkeit wegen meist Poller +ausgesprochen wird, wie so viele ähnliche niederdeutsche Wörter. Es +kommt mit dem französischen poutre, altfranzösisch pouldre = Balken, von +dem mittellateinischen poledrus. + + +*Poop*, die, + +ausgesprochen Pup mit langem u, ist »the highest and aftermost part of a +ship's deck, or a partial deck extending close aft, above the complete +deck of a vessel«. Wir hätten dieses Wort nicht nötig, denn man könnte +stets mit unserem gut deutschen Kampanje auskommen, indessen da es nun +einmal öfters gehört wird, so sei hier bemerkt, daß es die englische +Form für das lateinische puppis, Hinterteil des Schiffes ist, im +Gegensatz zu prora, dem Vorderteil; doch wurden poetisch beide Wörter +auch zur Bezeichnung des ganzen Schiffes gebraucht, während das +Sprichwort »mihi prora et puppis est« besagte: das ist mir die +Hauptsache, mein Ein und mein Alles, mein Hauptplan etc. etc. + + +*Popoffka*, die, + +ist ein Küstenverteidigungspanzerschiff von kreisförmiger Gestalt. +Seitdem die alte übliche Schiffsform verlassen ist, tauchen immer neue +Gestaltungen auf. Nach einem Gedanken des englischen Ingenieurs Elders +hat der russische Admiral Popoff Kreisfahrzeuge mit zwölf Kielen +ausgedacht, die nach ihm Popoffkas heißen. Sie können nur geringe Fahrt +machen und eignen sich schon deshalb nur zur Küstenverteidigung. + + +*Ponton*, das, + +ist eigentlich das, was man in Ostfriesland eine Pünte nennt, ein +großer, flacher, länglich viereckiger Kahn, der meist als Fährboot über +Flüsse verwendet wird. Es dient also anstatt einer Brücke, daher mag es +kommen, daß sich die Behauptung, ponton stamme von pons = Brücke ab, so +hartnäckig erhält. Allerdings kommt von pons die Bezeichnung für Deck in +den romanischen Sprachen pont, aber ponton wird doch wohl vom +lateinischen ponto kommen, und das soll ein gallisches Wort sein, den +Römern als Bezeichnung eines gallischen Lastschiffes bekannt geworden, +eines Transportschiffes, wie sie denn auch eine Schiffsbrücke, eine +Fähre, nicht pons, sondern ponto nannten, Genitiv pontonis. Es ist also +pont = Deck von unserem Ponton zu trennen. Dieses hat sich in neuerer +Zeit ein einflußreiches Gebiet erobert. Nicht nur, daß die Armee aus +Pontons Schiffbrücken schlägt, auch die Marine verwendet Pontons auf +ihren Werften, wo sie als Verschluß der Docks und Kammerschleusen -- +zugleich allerdings auch der Brücken -- dienen. Sie haben zur Zeit wenig +mehr von gallischen Transportschiffen an sich, haben überhaupt oft kaum +mehr Schiffsgestalt, aber das bringt der veränderte Zweck ihres Daseins +mit sich. + + +*Porteurleine*, die, + +ist die Leine, die den Anker unter dem Krahnbalken festhält. Breusing +nennt Pertürleine »das Tau, welches den Anker, ehe man ihn fallen läßt, +unter dem Krahnbalken festhält oder trägt« und sagt, daß er »offenbar +von dem französischen porteur abzuleiten ist.« Diese Ableitung liegt +allerdings nahe genug. Man könnte ohne Weiteres an portere, portare +denken, wenn nicht nur das Deutsche, Holländische, Dänische und +Schwedische, sondern auch das Englische, Französische, Italienische, +Spanische und Portugisische eine Porteurleine hätten. Aber die +romanischen Sprachen, die es doch zuerst haben müßten, wenn es von +portare käme, haben dieses Wort nicht. Und doch steckt portare sicher +darin. Darum denke ich an einen Umweg, nämlich zunächst an das +französische port-bossoir, an das unter dem Krahnbalken sitzende, +demselben Halt und Stütze verleihende Knie. Mit diesem port hält die +genannte Leine nächste Nachbarschaft, und nach solcher Nachbarschaft +sind zahlreiche seemännische Ausdrücke gebildet, vergl. Klaue und Nock. +So mag das Wort zunächst Porterleine geheißen haben, und Porteurleine +würde dann wissenschaftliche Umbildung im Gedanken an Porteur sein, +vorgenommen bei der Übernahme ins Hochdeutsche. Die Form Perturlin ist +niederdeutsch. + +Es kommt allerdings auch die Form Penturleine vor, so daß -- vergl. +Penterhaken -- »Porteur« vielleicht nur eine etymologische Veränderung +von »Penter« ist. Es wäre freilich auch denkbar, daß das »Penter« in +Penterhaken von dem »Porteur« in Porteurleine käme. + + +*Prahm*, der, + +war ehedem ein Schiff so gut oder schlecht man es in alten Tagen hatte. +Jetzt ist er heruntergekommen und wird nur noch als Kohlenprahm, +Wasserprahm, Proviantprahm Munitionsprahm gebraucht um diese Dinge +längsseits eines Schiffes zu bringen und zur Übernahme für dasselbe +bereit zu halten. Das geringste und unscheinbarste aller Boote, kaum +mehr den Namen eines Bootes verdienend, ist der Scheuerprahm, ein +Seelenverkäufer, der zum Reinigen der Außenbordwand benutzt wird und +nicht nur das Aschenbrödel, sondern auch gleichsam die komische Person +unter den Schiffsbooten spielt, aber ebenfalls die Gestalt eines Prahms +hat, breit, flach, mit einem Rand versehen. Daß der Prahm bessere Zeiten +sah, erfahren wir aus dem Gudrunliede: + + Hagen war indessen gegangen auf einen Prahm, + Noch eh' sich ihm geöffnet der wohlverschloss'ne Kram, + Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle, + So schied man von dem König der Frauen holde Schar in jäher Schnelle. + +Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in +Niederdeutschland gebräuchlich, dänisch pram = Fähre und Rand, +altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram, +breites Flußschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es +ein zur indogermanischen Wurzel par gehöriges Wort pramu gibt; die +Bedeutung ist die von »übersetzen«, wie sie auch mit fahren +zusammenhängt. Der Übergang aus dem Slavischen ins Nordische muß sehr +früh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur +Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren +Prähmen beherrschten und die nordischen Küsten so oft mit ihren +Raubzügen heimsuchten, daß ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt +wurde, also um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat +der berühmte geistliche Seeheld, Bischof Absalon von Roeskilde, auf, +ermunterte König Waldemar den Großen -- Absalon war der Größere -- und +sein Volk, sich zum Widerstand zu ermannen, das Joch abzuschütteln und +den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der +Schöpfer einer dänischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem +Muster eines gestrandeten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat +auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie +aussahen, wissen wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln +und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Kälte zu einem so +hohen Grade gestiegen war, daß die Mannschaft, die Proviant zu den +Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die +Räder festfroren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit +großer Beschwerlichkeit zu Fuße nach dem Hafen, wo die Flotte lag, +treiben mußte, beklagte Absalon die Männer und sprach ihnen sein +Bedauern aus, daß sie für das Vaterland so viel Mühsal leiden müßten. +Sie aber antworteten, sie trügen mit Lust ein Mühsal, welches sie dem +Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbänken der Seeräuber zu sitzen, +vorzögen (vergl. Saxo Grammaticus). + + +*Praktika*, die, + +heißt die Verkehrserlaubniß für ein Schiff. Ist ein solches in einen +Hafen eingelaufen, so erscheinen der Hafenkapitän und der Hafenarzt, um +festzustellen, ob gesundheitliche Bedenken gegen den Verkehr seiner +Besatzung und seiner Passagiere mit dem Lande bestehen. Ist das der +Fall, so muß das Schiff Quarantäne halten, ist es nicht der Fall, so +erhält es die Praktika; eigentlich die Erlaubnis zu »praktizieren,« +französisch pratiquer, italienisch pratticare, mittellateinisch +practicare, vom griechischen prattein, tun, machen, handeln, ausüben +(die Kunst des Arztes, des Anwaltes). Die üble Nebenbedeutung, +namentlich in der Mehrzahl »Praktiken,« ist schon früh dem Worte +angehängt worden. Im Französischen heißt pratique überhaupt traite, +communication, commerce. + + +*preien*, + +heißt ein anderes Schiff anrufen um mit ihm wichtige Mitteilungen +auszutauschen, was, wenn eins von den zweien oder auch alle beide lange +Seetörns hinter sich haben, von großer Bedeutung sein kann. Das Anrufen +geschieht mit den Worten: »Schiff ahoi!« und oft mit Zuhilfenahme eines +Sprachrohres. Die Preidistanz ist das, was man hochdeutsch Rufweite +nennt. + +Das Wort wird in Ostfriesland auch am Lande gebraucht für jemanden +anreden, auf ihn einreden, ihn bereden, ihm zusprechen. Niederländisch +preijen, schwedisch preja, dänisch praje. Es hieß altenglisch schon +breien und ist das jetzige englische pray beten, bitten, anrufen, +ersuchen, einladen, auffordern; altfranzösisch preier, »und dieses wohl +aus lat. precari von prex, precis (Bitte)«. Doornkaat. Nach Ehrentraut, +Fries. Archiv II, 69 heißt preien auf Wangeroog jemanden anrufen auch in +dem Sinne »jemanden wecken.« + +Fritz Reuter, »Ut mine Stromtid« I. 288, führt in einem klassischen +Seemannsvergleich das Wort in der Form praien an. Die ganze Stelle ist +echt seemännisch. »Knapp was hei (Fritz) denn nu mit Lovise ne lütte Tid +tausamen west, dunn smet hei den Frugenshaß mitsammt de ganze Erinnerung +an Marie Möllers Waschschöttel un Spiskamer äwer Burd un verlöd tau den +Ballast von Romanenideen schippslastenwis »die junge aufkeimende Liebe +zu Louisen« -- as hei sine nige Ladung för siek sülwst deklarierte -- un +as hei des' nu unner sine Hartens-Luken wegstaut hadd und all de +Belämmerungen, dei em von sine Jugend wegen noch anhaken künnen, +intreckt hadd, un hei nu mit sick sülwst, sine Leiw un sin Schipp klor +was, segelte hei los. In de Irst krüzte un lawirte hei herümmer, un sin +leiw Tanten stunn om't Äuwer un wüßt nich, wohen hei stüren ded', äwer +dat wohrte nicht lang', dann würd sin Kurs strammer, un as hei irst up +de hohe See von »seinen Gefühlen« was, un de Topsegel uphiste, dunn sach +sei denn mit Schrecken, wohen hei dat Stüer richt't hadd, un dat ehr +leiw Swestersähn nich beter as en räuklosen Seeröwer, Pirat un Korsor +was, dei up 'ne schändliche Wis' Jagd up de lütte, smucke Brigg maken +ded', worin sei all ehre mütterlichen Hoffnungen einschippt hadd.« + +Sei praiete em en por Mal an, woso? un woans? äwer de Pirat let sick +nich stüren, sei schot en por Mal in ehre Hartens-Angst mit Notsignalen +noch ehren Paster 'räwer« ... + + +*Presenning*, die, + +wasserdichte Decke aus (geteertem) Segeltuch, durch Umstellung oft auch +in der Form Persenning vorkommend; doch hieß es 1702 bei Aubin schon +Preesening. Man gebraucht es zum Zudecken von Luken, zum Bedecken von +Proviant in offenen Booten, zum Schutze an Deck stehender Kanonen, +überhaupt dazu, etwas vor Nässe zu schützen. Es kommt von préceinte, +einem veralteten französischen Worte, das Umhüllung bedeutet und mit dem +lateinischen Zeitwort praecingo, ich umgürte, umgebe, zusammenhängt. + + +*Priel*, der, + +eine Wasserrinne im Watt, die auch zur Zeit der Ebbe voll Wasser bleibt, +ein schmales Rinnsal, eine Wasserlache, oft recht tief und, weil der +Boden Schlick ist, für Jäger oder Fischer die hineingeraten sehr +gefährlich, da man sich schwer ohne fremde Hilfe wieder herausarbeiten +kann. Es ist das neuhochdeutsche Wort Briel, Brühl, althochdeutsch +brogil, broil = Sumpf. + +Wenn die Rinne breit und tief genug ist für die Schiffahrt, so heißt sie +Balje. + + +*Prikke*, die, + +hat den Zweck einer Bake, ist aber einfacher als diese, indem sie nur +ein zur Bezeichnung des Fahrwassers oder einer Untiefe ins Wasser oder +vielmehr in den Grund gesteckte Stange ist, etwa mit einem Strohwisch +oder Reisigbesen an der Spitze. Es gibt ein weitverbreitetes +niederdeutsches und niederländisches Zeitwort prikken, das sowohl +stechen als stecken bedeutet; davon das Iterativum prikkeln. Da diese +Stangen in die Erde gesteckt werden, so ist die Erklärung ohne Weiteres +gegeben. + + +*Prise*, die. + +Wenn ein Kriegsschiff oder ein Kaper ein feindliches Handelsschiff +wegnimmt, so ist dieses eine Prise, von prendre, nehmen. Es fragt sich +nur, ob es unter Beobachtung des bestehenden Seerechtes geschehen ist. +Das muß unter Umständen durch ein Schiedsgericht festgestellt werden. +Erklärt dieses, daß das Schiff rechtmäßig genommen ist, so erklärt es +damit dasselbe für eine »gute Prise« d. h. für eine rechtmäßige. + + +*Propeller*, der, + +gehört eigentlich der Sprache des deutschen Seemanns nicht an, aber man +liest das englische Wort zuweilen in Büchern. Es kommt von propello, +vorwärtstreiben. Und zwar bezeichnet es nicht das was einen Raddampfer, +sondern das was einen Schraubendampfer vorwärts treibt, man sagt also +anstatt Propeller viel besser, deutlicher, kürzer: Schraube. + + +*pullen.* + +Dieses Zeitwort wird wohl öfters einmal anstatt rudern gebraucht; doch, +wie es scheint, nur von solchen, die dadurch ihre Bekanntschaft mit dem +Englischen dartun wollen, also bewußt als Fremdwort. Der niederdeutsche +Seemann sagt rojen, und in der Kaiserlichen Marine heißt es amtlich +rudern; pullen muß also um so mehr als unberechtigter Eindringling +angesehen werden, als rudern im Englischen selbst viel besser und +deutlicher mit row bezeichnet wird, pull aber zunächst ganz allgemein +»ziehen« heißt. Da nun beim Rudern ja allerdings am Riemen »gezogen« +wird, so bedeutet es unter Umständen auch rudern, es wäre aber kein +Schade, wenn das Wort wieder verschwände. + + +*Pumpe*, die, + +die bekannte mechanische Vorrichtung zum Heben von Wasser. Die modernen +Kriegsschiffe haben ein so kompliziertes Pumpensystem, daß ein +ordentliches Studium dazu gehört, alle die verschiedenartigen Pumpen +kennen zu lernen, und daß ein eigener *Pumpenmeister* kommandiert werden +muß, der die Pumpen bedient und der womöglich schon während des Baues +sich mit ihrer Anlage bekannt gemacht hat. Pumpe ist dasselbe Wort wie +Bombe und hieß auch vor zweihundert Jahren im Oberdeutschen noch Bombe. +Es ist ein Schallwort (bum!) und bedeutet zunächst ein Geräusch, einen +Lärm; daher provençalisch bomba, Prahlerei, Gepränge, spanisch pompa, +französisch pompe, neuhochdeutsch Pomp, bombastisch, Pump- (Pomp-) Hose. +Lateinisch bombus = Gesumse, Geräusch von einem surrenden, summenden +Geschoß; italienisch ribombare widerhallen. Die Pumpe hat also den Namen +von dem Geräusch, das sie macht, kann aber zunächst auch vom Zeitwort +bombare, trinken, schlürfen, saugen abgeleitet sein, denn die Pumpe +saugt das Wasser auf; aber auch dieses Zeitwort ist naturlautmalend, so +daß die Sache ziemlich auf dasselbe hinauskommt. + + +*Pumpensod* s. »Bilge« am Ende und »Sodraum«. + + +*purren* + +wird an Bord für »wecken« gebraucht. Es heißt aber sonst im +niederdeutschen Sprachgebiet stechen, stoßen, stacheln, treiben, reizen, +kann also nur insofern wecken bedeuten als solches durch Stoßen, +Klopfen, Reizen etc. etc. bewirkt wird. + +Auch das Hochdeutsche hat ein Zeitwort purren, das heißt aber sausen, +brausen, rauschen, brummen. Doch dürften die beiden unter einen Hut zu +bringen sein, wenn man beide als lautmalend ansieht (purr! oder auch +bloß prrr!). Es liegt auf der Hand, daß bei der Lautmalerei die Begriffe +ziemlich weit auseinander gehen können, so daß ein und derselbe Ton +sowohl reizen als brummen bedeuten kann. + +Diese Erklärung wird unterstützt durch das Zeitwort verpurren: eine +Sache verderben, einen Fang verhindern, ein Mißlingen verursachen, etwa +durch ein vorzeitiges oder unglückliches purrendes Geräusch. + + +*Putjer*, der, + +ist ein Mensch der geringe, niedrige Arbeit tut. Das Wort stammt aus der +Seemannssprache und wird in wegwerfendem, geringschätzigem Sinne +gebraucht. Es hieß mittelniederdeutsch putker, puteker und bedeutete +Schiffsknecht, Kajütenjunge, den niedrigsten Diener an Bord, der mit den +*puten* -- so hießen die Pützen damals -- zu tun hatte, also wusch, +scheuerte, rein machte und der jedenfalls auch das nützliche aber wenig +ehrenvolle Amt eines Gallionsinspektors versah (die Aborte rein hielt). +Davon kommt auch das niederdeutsche Eigenschaftswort pütjerich, +pütscherich, kleinlich, beschränkt, gering. + +Statt Putjer hört man auch Butjer. Und in dieser Form ist das Wort noch +mehr herabgesunken, so daß es jetzt hauptsächlich für Herumsteher, +Eckensteher, Bollwerksbruder, Gelegenheitsarbeiter gebraucht wird. + + +*Püttings*, die, + +sind Ketten die den Jungfern der Wanten nach unten zu Halt und +Festigkeit verleihen. Die Püttings der Unterwanten sind in die Bordwand +eingelassen, fahren durch die Rüst und halten da die Jungfern fest. Die +Marspüttings über die der Seemann unter Verachtung des »Soldatenloches« +in den Mars entert, also die Püttings der Stengewanten fahren von deren +Jungfern durch den Mars hinunter nach dem Unterwant, auf diesem sitzt +eine »Wurst«, und an der Wurst sind sie befestigt. In Pütting liegt +irgendwie auch der Begriff von »Wurst«. So sonderbar es klingt, wir +müssen dabei auf das englische pudding Bezug nehmen, denn das bedeutet +ursprünglich ebenfalls Wurst. Französisch boudin, Wurst, eigentlich +etwas Aufgetriebenes oder Geschwollenes; ostfriesisch ist püt eine Düte, +ein Beutel, eine Tasche, ein Kropf, ein Fleischwulst, Fettwulst, +Ausbauschung, Anschwellung. Die Püttings sind aber Ausbauschungen, sie +schwellen nach außen zu, nach dem Rande der Rüst bezw. des Marses an; +das würde schon allein genügen, sie mit püt zusammen zu bringen. Da aber +die Wurst an der sie befestigt sind, ihren Einfluß geltend gemacht haben +wird, so lag ein mit Pudding im Sinne von Wurst verwandtes Wort erst +recht nicht allzufern zur Bezeichnung dieser Anschwellung. + + +*Pütze*, die, + +heißt an Bord der Eimer. Man hat Holzpützen und Segeltuchpützen +(Admirale); Bootspützen, Deckwaschpützen, Teerpützen u. a. m. Im Mittel- +und Neuniederdeutschen heißt put der Brunnen, aus dem Lateinischen, von +puteus stammend. Daher stammt das niederdeutsche Zeitwort putten, Wasser +(aus einem Brunnen) schöpfen. Daher stammt auch das mittelniederdeutsche +putse als etwas womit man Wasser aus dem put schöpft. Putse wäre also +die richtige Form des Wortes. Woher mit einem Male in die +neuhochdeutsche Seemannssprache der Umlaut gekommen ist, ist +unerfindlich; man wäre geneigt denselben auf Rechnung des +Neuhochdeutschen zu setzen, wenn nicht auch von Wangerooge her püds +bezeugt wäre. + +Kilian hat schon die kurze Form putse, während der Teuthonista noch +puteymer sagt. + + + + +Q. + + +*Quarantäne*, die, + +die Zeit die ein Schiff ohne Praktika liegen bleiben muß, weil es aus +pestverdächtigem Hafen kommt und daher auf seinen Gesundheitszustand hin +beobachtet werden muß. Wie lange solches zu geschehen hat richtet sich +nach landesüblichem Gebrauche und den geltenden gesetzlichen +Bestimmungen. Ursprünglich wollte man auf alle Fälle sicher gehen und +nahm vierzig Tage an. Daß es gerade so viele waren hatte einen ganz +bestimmten Grund. Man dachte an die vierzig Tage der Passion, der +Leidenszeit Christi. Die hieß zuerst italienisch quarantana, französisch +quarantaine, von quaranta, contrahirt aus quadraginta. Von dem +kirchlichen Gebrauch hat die Seemannssprache das Wort übernommen. + + +*Quarter-Deck*, das, + +nennt man zuweilen noch -- das Wort ist aber im Aussterben begriffen und +wird mehr und mehr durch das reindeutsche Achterdeck verdrängt -- den +Teil des Oberdecks hinter dem Großmast bis zum Kreuzmast. Er darf von +den Mannschaften nur dienstlich und in angemessener Haltung betreten +werden. Auch zwischen denen, für die das Achterdeck vorbehalten ist, +wird noch ein Unterschied gemacht, indem im Hafen oder unter Dampf die +Steuerbordseite, unter Segel die Luvseite des Achterdecks noch besonders +dem Kommandanten vorbehalten bleibt. Quarterdeck kam uns über England +aus dem Süden; italienisch quartiere, spanisch quartel, französisch +quartier, das abgeteilte Viertel eines Raumes, in weiterem Sinne ein +Raum ohne Rücksicht auf genaues Maß, eine Wohnung, Zimmer, Gemach, +Quartier, Unterkunft. Bei Stadtviertel ist bekanntlich ebenso wenig von +mathematischer oder arithmetischem Viertel die Rede, wie Schiller an +Mathematik dachte, da er von der »größeren Hälfte« seiner Schuld sprach, +oder wie wir, wenn wir vom »Kreise« Bütow oder Lauenburg reden. + + +*Quartier*, das, + +jetzt gewöhnlich »das Quartier der Wache.« Es gibt Schönwetterzeiten, da +der Offizier der Wache mit einiger Sicherheit voraussehen kann, daß +während der nächsten Stunden ein Manöver mit der ganzen Wache nicht +nötig werden wird. Dann läßt er einen Teil der Wache sich im Zeug an +Deck unter ein Sonnensegel zum Schlafen niederlegen, und nur die +notwendigsten Leute zum Rudergehen, Postenstehen, Loggen und anderen +laufenden Arbeiten bleiben wach. Das ist das Quartier der Wache; es +braucht nicht gerade ein Viertel derselben zu sein, es bedeutet +überhaupt keine bestimmte Anzahl, sondern nur »Teil« oder »Abteilung« +oder »abgeteilte Leute«. Der Begriff Quartier darf um so weniger +arithmetisch gefaßt werden als er überhaupt ursprünglich garnichts mit +Arithmetik zu tun hatte. Denn früher hieß die ganze Wache Quartier. »Um +acht Uhr zog ein neues Quartier auf«, »um zwölf Uhr wurde das alte +Quartier abgelöst.« Es hieß also, da man »vier auf, vier ab« oder »Wache +um Wache« ging, die Hälfte der ganzen Mannschaft Quartier. Quartier war +völlig gleichbedeutend mit Wache. Das erklärt sich sprachlich ganz +einfach. Von dem Stamm var, wehren, hüten, wachen, kommt das gothische +vards, angelsächsisch ward (vergl. Steward), althochdeutsch wart, +mittelhochdeutsch wart = Wart, Wärter, Hüter, Wächter; davon das +spanische guardia; durch deutsche Kriegsleute dahin getragen hat wart +dasselbe Schicksal gehabt wie wera, das zu guerra wurde; guardia nahm im +Französischen die Form garde an, Wächter, und gardes, Wache. Statt +gardes kam aber bald quart oder le Quart auf. Das fand als quartier +seinen Weg ins Niederländische, und von da kehrte das deutsche Wort in +fremder Form als Quartier zu uns, in die niederdeutsche Seemannssprache, +zurück. Über Quart hat Aubin (1702) Folgendes, da die niederländischen +Formen dabei stehen, gewinnt es für uns an Wert und macht die Sache +deutlicher. Quart, Gardes, Le Quart. Niederländisch: Quartier, Wagt. +C'est l'espace du tems qu'une partie des gens de l'équipage d'un +vaisseau veille pour faire le Service tandisque le rest dort. Chaque +nation a son quart de différente durée, et même parmi les vaisseaux +d'une même nation le quart est inégal: toutefois il est toujours mesuré +et déterminé par horloges, chaque horloge étant fixé à une demi-heure. +En France dans les vaisseaux du Roi le quart est souvent de huit +horloges. Dans les autres vaisseaux il est tantôt de six, tantôt de +sept, et quelquefois de huit. A chaque fois qu'on commence et qu'on lève +le quart on sonne la cloche pour en avertir l'équipage. On dit, Ce +matelot n'a pas fait le quart. Ce Timonier a fait lever le quart un +horloge plutôt qu'il ne faloit. En Angleterre le quart est de quatres +heures, et en Turquïe de cinq.« »Quart. Les gens du Quart. +Niederländisch: Quartier, Quartiervolk. Le Capitaine, ou Commandant d'un +navire doit faire la division de ses Quarts, et en faire écrire la +disposition dans un tableau qu'on atache à la porte de sa chambre, ou au +mât d'artimon.« »Le premier Quart, ou Quart de tribord. Niederländisch: +Eerste wagt, Nagt-wagt, Hoofdtwagt. C'est celui qui est pris le premier, +c'est-à-dire, immédiatement après l'aube, ou à l'entrée de la nuit. Ce +premier quart est aussi apellé Quart de tribord, et est fait par les +Oficiers subalternes en pié, ou par les plus anciens d'entre les +subalternes.« »Le second Quart est pris aussi-tôt que le premier quart +est fini, ce qui arive ordinairement â minuit. Celui-ci se fait presque +toujours par les Oficiers subalternes qui sont en second, ou par les +moins anciens Oficiers d'entre les subalternes; Quart de babord. +Niederländisch Hondtwagt«, vergl. das deutsche Hundewache. »Quart du +jour. Niederländisch de laatste nagt-wagt, Morgen-wagt. C'est celui qui +est pris à la fin du second quart, et qui amène le jour, c'est-à-dire +que le jour paroît avantque ce quart soit fini.« »Prendre le Quart, +Niederländisch op de wagt gaan.« »Etre de Quart, faire son Quart, de +wagt hebben, syn quartier waaken.« »Apeller au quart, niederländisch +porren, unser purren = wecken.« »Au Quart, au Quart. Niederländisch: +Quart, Quart, c'est la manière d'apeller ceux dont le tour vient de +faire le quart.« Dieses Purren geschah auch auf deutschen Schiffen mit +dem Rufe: »Quartier, Quartier!« Doch wurde dieses Wort nicht bloß +gerufen, sondern in der den deutschen Seeleuten eigenen langgezogenen +Weise ausgesungen. Und meist begnügte man sich nicht mit den beiden +Worten, sondern sang, wie beim Werfen des großen Lothes, einen ganzen +Vers, einen Quartiervers. Diese Verse führen in den Gedankengang jener +Seeleute ein und zeigen zugleich, welcher Sprache sie sich bedienten. +Daher mögen hier ihrer etliche aus der Mitte des siebzehnten +Jahrhunderts eine Stelle finden. + + Quarteer, Quarteer, wilt my verstahn, + Ein ander Quarteer mut waken gahn, + Gott vorlehn uns synen Frede, + Glück und beholden Reiß darmede! + + Hir fahre wy mit Gott vorheven, + Gott will uns unse Sünd vorgeven, + Unse Sünd und Missedaht, + Up Gott steit all unse Thoverlaht. + + Glück und beholden Reiß, + Gottes Genad uns begleit, + Gut Weder vor de Wind, + Gott mack unsen Fiend blind. + + Gott der Herr gewe gut Gesicht, + Achter düster, vör dat Licht, + Einen rumen Wind und gut Vorspoet! + Dat doet uns allthosamen goht. + + Gott wil dit gute Schip bewahren, + Mit all de jenen de dar mit fahren, + Mast, Kehl, Steng, Rohr, Stag und Wand, + Bewahr uns Herr durch dine Hand! + + Gott bewahr dit gode Schip, + Vor einigen Ungelück, + Vor See, vor Sand, vor Führ, vor Strand, + Vor den bösen Höllschen Vyand! + + Gott bewahr uns vor Ungelück, + Vor Rövers, Törcken und er Tück, + He holde uns by synem Wort, + Dat wy ehn prisen hir und dort. + + Gott help uns in ein gude Have, + Na unsen Wunsch und synen Lave, + Mit ein dicht Schip gesunden Mann, + Heruth Quarteer in Gottes Nahm. + + Heruth Quarteer und beydt nicht lang, + Und wilt den Mann tho Rohr verfangen + Laht ehn ock nicht langer stahn, + Dit Quarteer mut schlapen gahn. + + Gott laht den Schipper lange leven, + Wen he uns wert den Brandwin gewen, + Gott geve ehm guds tho aller Stund! + Dat wünsch ick ehm van Harten grund. + + De Stürmann ys van guder Art, + He schrifft he past des Schepes Fahrt, + Mit synen Bage ys he bereit, + Wen ehr de Sünn naed Süden geit. + + Man tho Rohr guder Held! + Wyl gy syn ant Rohr gestellt, + Wacht dat Rohr stüret gewiß, + Unsre Höpening up juw ys. + + Unser Klenod dat Compaß, + Ein wackend Oge und dat Glaß, + Is ein Foht dar men up buwet, + Doch alleen unsen Gott vertruwet. + + Jungmann stet hirup bedacht, + Nehmt de Pump in guder acht, + Brucket dat Loth sparet neen Lien, + Lath de Vorsorge by juw syn. + + Riset up Kock gode Maht! + Muntert juw uth juwen Schlap, + Vor frischet juw Fisch unde Fleisch, + Gott geve uns Glück und beholden Reiß. + + +*Quartier geben* + +ist = Pardon geben. Quartier ist hierbei im Sinne von Unterkunft zur +Erhaltung des Lebens genommen, s. Quarter-Deck. Wenn einer einen +Gefangenen macht und ihm das Leben schenkt muß er ihm auch für +Unterkunft sorgen und zwar schon seines eigenen Vorteils wegen für eine +*sichere* Unterkunft. + +Den Ausdruck Quartier geben für die eine Seite entspricht auf der +anderen »Quartier begehren« d. h. die Waffen strecken. + + +*Quast*, der, + +heißt wegen der Ähnlichkeit der Gestalt in der Seemannssprache der +Pinsel. Eigentlich ist -- vergl. Badegast -- Quast ein Laubbüschel, +Zweigbüschel, Reisigbündel. Es kommt als quest häufig und in vielen +Verbindungen im Mittelniederdeutschen vor: klederquest, Kleiderquast, +die Kleider auszuklopfen; heide-quast, Quast aus Heidekraut, die Töpfe +und anderes Küchengerät zu reinigen, wi-quest, Weihwedel; witjen-quest, +dicker Pinsel von Schweinsborsten um die Wände zu witjen, zu weißen. +Hochdeutsch kennen wir das Wort hauptsächlich als Quaste. + +»Mit dem weißen, dem schwarzen Quast malen« sagt der Seemann, je +nachdem der Vorgesetzte bei der Besichtigung des Schiffes gnädig oder +ungnädig ist. + + + + +R. + + +*Rabatteisen*, das, s. Kalfaten. + + +*Rack*, das, + +heißt die Vorrichtung mittelst deren die Rahe an den Mast befestigt +wird. Sie hat im Laufe der Zeit mancherlei technische Veränderungen +erfahren, ist auch verschieden bei Unterrahen, verschieden bei +Marsrahen, verschieden bei Gaffeln, aber das Gemeinsame ist und bleibt +stets dies, daß das Rack, bestehe es nun, wie ursprünglich aus einem Tau +auf dem rosenkranzartig runde Holzkugeln, Rackkloten, aufgezogen sind, +die das Auf- und Abziehen erleichtern, oder aus Rackketten und +Racktaljen, immer dasjenige Etwas ist, das die Rahe an den Mast +heranbringt, mit ihm in Berührung bringt und an ihm festhält. Dieser +Begriff liegt aber in dem niederdeutschen Zeitwort raken. Dornkaat gibt +dafür für das Ostfriesische folgende Bedeutungen an: treffen oder +erreichen, eine Bewegung machen wohin oder worauf los, sich bewegen vor, +kommen zu, berühren, anrühren, reichen an ..., wohin kommen, gelangen, +geraten, zusammenstoßen. Es ist also klar, daß Rack zu diesem raken +gehört. Das seemännische Zeitwort racken aber ist dann wiederum von Rack +gebildet: das tun was mit einem Rack getan wird, die Rahe an den Mast +befestigen. + +Rack heißt niederländisch rak, schwedisch rack, norwegisch, dänisch +rakke, altnordisch rakki, isländisch racki. Aus dem Germanischen ist das +Wort ins Französische gegangen: raque. + +Nur der Englische ging eigene Wege. Hier heißt das Rack parrel, was von +apparrel, Zurichtung gekürzt sein soll. Doch klingt das sehr allgemein. +Sollte nicht am Ende pearl, niederländisch parrel, in dem Worte stecken, +so daß die Rackkloten mit den Perlen eines Rosenkranzes verglichen +worden wären? Der Gedankengang lag nahe genug. + + +*Rahe*, die. + +»Segelstange.« Wird auch Raa, Raae, Rah geschrieben. Das aus einem +aufgeweichten g entstandene h verlangt sein Recht. Mittelniederdeutsch +rhaa; hier ist das h, wenn es auch an verkehrter Stelle steht, doch +nicht ganz verloren gegangen; Lübecker Zunftrecht: »Ein lehrknecht, de +sine lehrjahre uthgedenet, schal tom provestücke maken ein rhaa, mast +vnd roer.« Das Erste was einem beim Anblick einer Rahe in die Augen +fällt ist daß sie ragt, weit in die Luft hinausragt. Und das Ragende hat +bei der Benennung gewiß den Ausschlag gegeben. Gothisch rakjan, ragen. +Schon im Althochdeutschen hatte sich die Lautverschiebung vollzogen: +raha, Stange; mittelhochdeutsch schon rahe wie heute. Altnordisch râ; +Teuthonista: rae, des scheeps balck geheyten en ra dair dat segel of +seyle an gevesticht is. Niederländisch ree. Diese letzten drei Formen +sind Zusammenziehungen nach Schwund der Gutturale oder des aus ihr +entstandenen h und bedeuten ein Zugeständniß an niederdeutsche +Einsilbigkeit. Die Schreibart Rahe, als an die Herkunft erinnernd, ist +vorzuziehen. Beim Otfried kommt eine Stelle vor: »Zimboron thia racha«, +was wohl mit dem erwähnten raha verwandt sein dürfte. + + +*Raketenapparat*, der, + +ist eine Vorrichtung zur Rettung von Menschen aus Seenot, wie sie die +unter dem Protektorat des Kaisers stehende »Deutsche Gesellschaft zur +Rettung Schiffbrüchiger« auf den Rettungsstationen an den deutschen +Küsten vorrätig hält. Das Erste und Hauptsächliche an der Sache ist, daß +eine Rakete, an der eine dünne Leine befestigt ist, über das gefährdete +Schiff hinweggeschossen wird, und daß man an Bord dieses Schiffes die +Leine erfaßt und festhält. Alles andere ergibt sich dann nach der +genauen Handhabungsvorschrift der genannten Gesellschaft von selbst. +(Vergl. auch »Hosenboje«) Rakete, englisch rocket, (nicht zu verwechseln +mit dem Ballschläger racket, der in Deutschland im Mittelalter raket +hieß, von rete = Netz eine Diminutivform, also Schlagnetz) italienisch +rochetta, Diminutivum vom italienischen rocca, althochdeutsch roccho, +rocco = Rocken. Das Wort ist also deutsch und kommt von der Ähnlichkeit +einer pulvergefüllten Papierhülse mit einem Spinnrocken. + + +*rammen.* + +Durch anrennen in den Grund bohren, zu bohren versuchen. Es gibt ein +althochdeutsches Zeitwort ramen, mittelhochdeutsch ramen: aufs Korn +nehmen, nach etwas trachten. Da haben wir schon dasselbe Wort. Davon kam +zunächst ramme, Balken oder Klotz zum Einstoßen von Pfählen oder Steinen +in die Erde; Sturmbock zum Einrennen von Toren und Mauern, Widder. + +Der Bock, der Widder gibt die Erklärung, denn der hieß und heißt +mundartlich heute noch ram, mittelhochdeutsch ram, althochdeutsch rammo, +von einer Wurzel ra, die stoßen bedeutet. + +Rammen kann ein Schiff füglich nur wenn es mit seinem Vorderteil dem +anderen in die Seite fährt. Daher muß sein Steven, sein Bug als +*Rammsteven*, *Rammbug* gestaltet sein; es ist dann ein Rammschiff. + + +*Randsomhölzer*, die, + +sind die Hölzer aus denen der Holzschiffbau das hinterste und auch das +vorderste Spant zusammensetzt, so daß also die hinteren mit den Wrangen +und dem Heckbalken den Spiegel, die vorderen den Bug angeben. Das Wort +stammt aus dem Niederländischen, wo es randsoenhouten heißt. Randsoen +besteht aus der beliebten niederländischen Endung oen, sprich un, +(vergl. Pardun) und rand. In der Tat bilden diese Hölzer den hintersten +bezw. vordersten Rand des Schiffes, daher sie auch im Englischen fashion +pieces heißen, d. h. »Façonstücke«, Stücke die die Gestalt bestimmen. +Die Randsomhölzer sind stärker als die gewöhnlichen Spanten. Bei dem zur +Zeit in Kiel im Bau befindlichen Südpolarexpeditionsschiffe werden, wie +fachmännische Seite mündlich berichtet, die Randsomhölzer besonders +verstärkt um dem Eise desto mehr Widerstand bieten zu können. + +Für gewöhnlich wird angenommen, daß es nur hinten Randsomhölzer gibt, +doch sagen Männer vom Fach, daß sie auch vorne vorkommen. + + +*rank* + +ist ein Schiff, wenn es sich leicht auf die eine oder die andere Seite +legt, wenn es zum Krängen neigt. Das Gegenteil davon ist »stabil«. Ob +ein Schiff rank oder stabil ist, hängt von der Lage seines Metacentrums +(s. d.) ab. + +Das verwandte hochdeutsche Zeitwort steckt noch in unserem verrenken, +»drehen, hin und her ziehen«. Daher auch Ranke; für eine Pflanze das +Mittel sich festzuhalten, doch so daß sie Spielraum hat sich hin und her +zu bewegen durch die Federkraft der spiralförmigen Rankengestalt. Rank +ist in der Einzahl als Substantivum nicht gebräuchlich, desto mehr in +der Mehrzahl Ränke, eine schnelle Wendung, eine krumme Bewegung, eine +List andeutend; im Mittelhochdeutschen war aber die Einzahl rank = +schnelle, drehende Bewegung gebräuchlich. Im Niederländischen sagt man +wohl von einem Mädchen, sie sei »een rank meisje«; das heißt nicht, wie +Weiland meint, ein dünnes, sondern vielmehr ein flinkes, bewegliches +Mädchen. + + +*Rapert*, das, + +ein jetzt ziemlich veraltetes Wort für Laffette. Eigentlich Rampert, +niederländisch rampaard, also Rammpferd. Während die Laffette in den +romanischen Sprachen Wagen (carretta) heißt, hat man sich in den +germanischen das Kanonenrohr als auf ein Pferd gebunden vorgestellt, +Rammpferd aber gewählt, weil es beim Schießen stößt wie ein ram, ein +Widder (s. rammen). + + +*Rauchsegel*, das. + +Wenn ein Segelschiff, das auch Dampfkraft hat, diese letztere zeitweilig +benützt, so müssen die (natürlich fest gemachten) Segel mit Bezügen +versehen werden, damit der Rauch sie nicht schwärze. Ein solcher Bezug +ist ein Rauchsegel; Segel weil aus Segeltuch hergestellt, wie man auch +von Sonnen- oder Regensegel spricht. Sie wurden früher und werden wohl +auch jetzt noch treffender Rauch*bezüge* genannt. + + +*Raum*, der, + +ohne nähere Bezeichnung bedeutet auf Handelsschiffen den Raum zur +Aufnahme der Ladung, den Laderaum, niederdeutsch rum. Alle anderen +Räume, sie mögen noch so bedeutsam sein, müssen besonders bezeichnet und +benannt werden, Kajüte, Pflicht, Farunner, nur der Raum, auf den es bei +einem solchen Schiffe allerdings hauptsächlich ankommt, heißt *der* +Raum. + +Vor Zeiten war Raum in gewissen Zusammensetzungen gleichbedeutend mit +Deck z. B. Ober-Raum = Oberdeck. Es erzählen die »Durchläuchtigsten +Seehelden«, Sulzbach 1681 von Andreas Doria: »Es will aber das Krieges +Glück nicht allezeit fügen, und ein so tapferer Kriegsmann wird nirgends +gefunden, dem es nicht etwa einmal zu wider lauffen sollte. Und warlich +so viel herrliche Thaten mochten wol ein oder zwey widerwärtige Fälle +überwägen. Doria hatte zu Spesia das teutsche Fußvolck von Madrucci auf +viertzig Galeyen eingenommen, und wiewohl ihm nicht unbewust war, daß +die Türckische Flotte sich in der See aufhielte, verhoffte er +gleichwohl, dieselbige entweder an Gaetta, oder an einem andern +benachbarten Orte an das Land zu setzen; weil es aber Nacht worden, und +er wegen seines hohen Alters nicht länger oben auf dem *Ober-Raum* +bleiben konnte, hat er befohlen, daß man von der Insel Ponza sich +abhalten solte, es wurden aber die Galeyen entweder durch den Strom, +oder durch Unvorsichtigkeit der Steuerleute, so nahe an dem Ort, da die +Türken lagen, getrieben, daß sie ihnen eher auf den Hals kamen, als sie +sich zum fechten fertig machen konten. Derohalben Doria Befehl thät, daß +man auf das füglichste, als es immer müglich zu weichen, bedacht seyn +solte, aber unter denselben ward eine Galeye verloren, wie auch noch +andere sechse, so die gantze Nacht, und den halben folgenden Tag von +den Türken verfolget, und benebenst sieben hundert Teutschen, und einem +Obersten, genommen wurden.« + + +*raumen* + +ist die seemännische Form für das neuhochdeutsche Wort räumen, sich von +der Stelle bewegen, den Platz verlassen, Raum machen oder geben, Platz +machen, niederdeutsch rumen, mittelhochdeutsch rumen, althochdeutsch +ruman, angelsächsisch rumjan. Seemännisch bedeutet: »Der Wind raumt«, er +verändert seine Richtung, aber nicht wie beim Krimpen, in ungünstiger, +sondern in günstiger Richtung, so daß man besser Kurs steuern und die +Segel aufbrassen d. h. den Wind unter günstigerem Winkel auf die Segel +wirken lassen kann. Wenn der Wind so günstig ist, ungefähr backstags +weht, so spricht man von raumem Wind und kann raumschots segeln; man +spricht auch von *raumer See*, wenn das Schiff freie Bahn hat, wenn ihm +genug *Seeraum* zur Verfügung steht. + + +*rauschen lassen* + +heißt eine Sache nicht langsam an einem Tau fieren, sondern das Tau +loswerfen und so den Gegenstand dem Gesetze seiner Schwere übergeben, +daß er diesem Gesetze folgend zu Boden saust. Rauschen heißt nach Kluge +brausen, sausen, stürmen, eilig einhereilen, entsprechend dem +niederländischen ruischen, englisch to rush = stürzen. Diese letzte +Bedeutung erinnert an einen sehr gefährlichen Scherz, der eigentlich +kaum ein Scherz genannt werden kann, darin bestehend, daß man einen +schlafend oder doch ahnungslos in der Hängematte Liegenden »rauschen« +läßt, indem man heimlich die Befestigung der Hängematte am +Hängemattshaken löst. + + +*reddern* + +die Segel, heißt, sie durch Ordnen der Brassen, Schoten u. s. w. so in +den Stand setzen, daß sie zum sofortigen Gebrauch bereit, klar zum +Segelsetzen sind. Das niederdeutsche Zeitwort reden, mit dem auch Reede +verwandt ist, bedeutet »bereit machen«, eigentlich fertig machen zum +Reiten, sattelfertig für das Besteigen eines Pferdes, seinen Anzug +ordnen. In vielen Konjugationsformen von reden stellt sich ein doppeltes +d ein. Von einer solchen geminierten Form ist reddern ein Faktitivum, +besonders als solches gebildet ohne Rücksicht auf den eigentlichen schon +an sich faktitiven Sinn des Zeitwortes. + + +*Ree!* + +ist auf Segelschiffen der Handelsmarine dasselbe Kommando, das auf +Kriegsschiffen: »Klar zum Wenden!« lautet, bedeutet also den Befehl, +daß jeder sich auf seinem Posten bereit zu halten habe zu den stets +wichtigen Manövern des Wendens. Das erste Kommando zum wirklichen Beginn +desselben heißt jetzt »Luv zum Wenden!« Früher hieß es: »Ruder (-Pinne) +in Lee!« Es ist behauptet worden, Ree wäre eine sehr starke +Zusammenziehung dieses Kommandos, (»Ruder in Lee«, »Rulee«, »Ree«) aber +das stimmt schon dem Sinne nach nicht, da Ree dem »Ruder in Lee« +zeitlich und begrifflich vorangeht. Ree ist allerdings eine Kontraktion, +aber von rede und daß dieses nichts anderes als »bereit«, »fertig«, +»klar zum Manöver« heißt, weiß jeder, der den Ursprung von Reede kennt. + + +*Reede*, die, + +ist ein Ankerplatz für Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein +niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts +ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist für +die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man könnte ruhig Rede +schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden muß, und nur um es +von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise +Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet französisch rade, spanisch, +portugiesisch und italienisch rada, ist aber deutschen Ursprungs. Wir +müssen auf das Gothische zurückgehen. Da heißt garaiths angeordnet, +garaidjan bereit machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig +machen. Und zwar liegt dem Worte ursprünglich der Begriff des Reitens zu +Grunde; »bereit« ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie +der fertig (fährtig) ist, der bereit ist, auf den Wagen, auf dem er +fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bereit machen. +Mittelniederdeutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu +Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet, +(Häuptling zu Greetsiel) bei Bremen, daß er den Verbundbrief noch nicht +geschickt habe, »wente de inseghel des mene landes een dele nycht al +rede synt.« Die älteste deutsche Form für Rede ist reyde, reide, rede; +diese drei kommen bereits 1400 im »Seebuch« vor. Gewöhnlich aber reyde +in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein +kaiserliches Reskript vom 2. März 1634 von Bremischem »Convoy-, Tonnen-, +Baken-, Hafen-, Reyder-, Consumtions- und Schreibgeld.« Dieses +Reydergeld nennt der aus Mitteldeutschland stammende oldenburgische +Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. »Aber dessen ungeachtet haben die +von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuter- und +Tonnengeldt und dergleichen von den Schiffen zu nehmen« ... Allmählich +aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz +gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen +Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunächst rede und dann des +Öfteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf +Handelsschiffen der Befehl: »Klar zum Manöver« einfach ree! heißt. Von +diesem rede = bereit hat Reede den Namen. In einem alten Stralsunder +Vocabularium heißt es: »reyde het de stede vor de hauene, dar man en +schip reydet, rede makt to segelende.« Das ist ungefähr, aber doch nicht +ganz richtig. Nicht darum heißt der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da +rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen +Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist. +Erst wenn es im Hafen völlig aufgetakelt, bemannt, geladen, ausgerüstet +ist, kann es hinaus auf die Reede, bereit Anker auf zu gehen sobald der +Befehl dazu ergeht und der Wind dazu günstig ist. Die meisten Reeden +würden sich gar nicht zum Ausrüsten und Laden eines Schiffes eignen. + +In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf +umgekehrtem Wege zu erklären, so daß Reede -- englisch road -- als Weg +zum Reiten, zum Fahren für Schiffe das ursprünglichere wäre und das +Eigenschaftswort rede eben davon käme, daß das Schiff, das auf der Reede +liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen großen Umweg, den man um so +mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf dasselbe, +nämlich auf den aus »reiten« entstandenen Begriff »bereit« hinauskommt. + +Das Wort hat reiche Beziehungen im Romanischen. Außer dem erwähnten rada +finden wir im Italienischen arredo, spanisch arreo, portugiesisch +arreio, altfranzösisch arroi = Zurüstung, Putz, Geräte; italienisch +arredare zurüsten, corredo, altfranzösisch conroi, Ausrüstung. Alles vom +gothischen raidjan. Dazu auch französisch agrès Takelwerk, agréer +auftakeln; altfranzösisch agrei überhaupt Ausrüstung, Vorrat; wofür der +Teuthonista schyp gereytscap hat; mittelniederdeutsch bei Kilian +gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bereitschaft, daß man ein +Testament selgerede, Bereitschaft der Seele zum Sterben nannte. + +»Auf die Reede gehen« heißt auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt +1588 Waghenaer anstatt ankern »Reede machen.« »Daer leyt een banck +buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt Reefhoren, +streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot sommighe +plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe plaetsen door +zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende norden wind.« + + +*Reederei*, die, + +heißt eine Firma, die ihr gehörige Schiffe fahren läßt, wozu gehört, daß +sie dieselben vorher ausrüsten, bemannen und laden läßt, also rede macht +(s. Reede). Der Inhaber einer Reederei heißt *Reeder*, niederländisch +reeder, altnordisch, isländisch reidari, norwegisch reidar, schwedisch +redare, dänisch reder. Eigentlich heißt Reeder weiter nichts als +Bereiter, Anfertiger, Zu- oder Ausrüster z. B. linnen-reder, Leineweber. +Wenn aber bloß Reeder gesagt wird, so ist ein Schiffsreeder gemeint. + + +*Reep*, das, + +ist nicht nur das Tauwerk im Dienste der Seemannschaft, in +Niederdeutschland heißt von Alters her jedes Seil, jeder Strick, jeder +Strang Reep: das Reep der Glocken, das Reep des Henkers, sogar die +Meßschnur heißt als Seil zum Messen in einer Skra die Lübeck etwa 1290 +nach Lübischem Recht an den Hof der Deutschen in Nowgorod verfügt hat, +repe: »So we one begrepen wert mit eime valschen repe oder mit einer +valschen elen unde darmede met« ... Doch muß es schon dem Teuthonista +vor mehr denn 400 Jahren geläufig gewesen sein, bei Reep hauptsächlich +an den seemännischen Gebrauch zu denken, denn nachdem er zuerst ganz +allgemein gesagt hat, es sei ein »seyl of towe«, fügt er hinzu: »repe of +seyl tot den segel of seyle op den schyp dyenende«, »repe of seyl in den +schyp der men in den wyntstorm gebruict«, »repe dar men dat segel in den +schyp mede op trect.« Gothisch heißt es raip, althochdeutsch reif. +Dieses letztere wird aber für zwei Begriffe gebraucht, für Seil und für +Ring. Das muß daher kommen, daß ein »aufgeschossenes« Seil wie ein Ring +daliegt, zumal wenn anstatt des Hanftaues eine wilde Waldrebe gebraucht +wird, wie es das ursprüngliche war. Wer gesehen hat, wie noch jetzt in +einfachen ländlichen Verhältnissen an Stelle eines Strickes eine +Waldrebe gebraucht wird, der kann sich leicht vorstellen, daß ein Reep +im Grunde nichts anderes ist als eine Rebe. Das gothische Wort +skaudaraip pflegt man wohl mit Schuhriemen zu übersetzen, es war aber +ursprünglich nicht etwa ein Lederriemen, sondern einfach ein Stück +Rebe. Wenn die altdeutschen Damen, wie aus dem Worte wida, Haarband, +hervorgeht, zum Aufbinden ihrer langen blonden Haare eine wida, Weide, +benützten, ähnlich wie heutzutage die Besenbinder die Birkenreiser +zusammenbinden, so werden die Männer sich auch wohl mit einer Rebe als +Schuhband begnügt haben. Im Laufe der Zeiten ist aber die Herkunft des +Wortes Reep von Rebe als dem bindenden Material so aus dem Bewußtsein +der Leute entschwunden, daß man in Ostfriesland sogar ein aus Stroh +gedrehtes Seil ein Strohreep nennt. + +Mit Reep ist auch Rippe verwandt mit der gemeinschaftlichen Bedeutung +Umschlingung. Man hat versucht, Reep davon abzuleiten, daß der +Reepschläger den Hanf »rupft« beim Rückwärtsgehen; das dürfte kaum +angängig sein. + + +*Reffen*, *reefen*. + +Die Segel kleiner machen, sei es daß der Wind an Stärke zunimmt, sei es +daß man aus irgend einem Grunde kleinere Fahrt machen, mit geringerer +Geschwindigkeit segeln will. Richtiger reefen. Es ist ganz unerfindlich, +wie das ff in das Wort gekommen sein mag. Es muß irgend ein Unkundiger +an raffen gedacht haben, weil das Segel beim Reffen von der Rahe aus mit +der Hand gerafft wird. Der Seemann spricht aber reefen, niemals reffen. +Und er tut recht, denn reffen kommt von *Reef* und dieses von Reep. +Hören wir Roeding's allgemeines Wörterbuch der Marine über das +Technische: »Man bindet nämlich durch dünne Linien, (Leine, Band, +Bändsel, Reffbändsel,) die Reefbanden genannt werden, und in einem quer +über das Segel genähetem Streif Segeltuchs befestigt sind, und auf +beiden Seiten des Segels herabhängen ... einen Teil desselben um die Raa +fest, so daß der übrige nicht eingebundene Teil allein dem Winde +ausgesetzt bleibt.« So viele »quer über das Segel genähete« Streifen +einander parallel in gewissen Abständen vorhanden sind, so viele Reefen +können »eingesteckt« werden. Nun ist Reep zu vergleichen und zu beachten +daß Reep früher nicht nur ein Tau, sondern auch einen Leinwandstreifen +bedeutete, (ähnlich wie unser Riemen für Lederstreifen von dem +griechischen rhyma, Seil, kommt). Diese Leinwandstreifen, zur +Verstärkung des Segels da aufgenäht wo die Reffbändsel zu sitzen kommen, +sind eigentlich die Reefe; reefen aber ist das davon abgeleitete +Zeitwort. So erklärt sich auch das Kommando: »Das erste, zweite, dritte, +vierte Reef in die Marssegel!« natürlich von oben gerechnet. + +Um aber denen, die an raffen gedacht haben, alle Gerechtigkeit +widerfahren zu lassen, so ist nicht ausgeschlossen, daß raffen im Sinne +von umfassen und halten eines Stammes mit Reep, Rebe und Rippe ist, +entstammt der Wurzel die im Sanskrit rabh heißt und fassen, umfassen +bedeutet. + +Beim Ankern wird nicht gereeft, da werden die Segel aufgegeit (s. d.). +Da wo Karl Simrock von Oegir (Aegir) handelt und über das Schiff +»Ellida« aus der Frithjofsage von Tegner eine Stelle anführt, die im +Original »refvade seglet sig sjelf« lautet, hätte er Gelegenheit gehabt, +diesen, der ja nicht Seemann sondern Bischof war, zu verbessern. Er hat +sie sich aber entgehen lassen, so daß wir bei ihm in Uebersetzung lesen: + + Tags darauf stand Wiking am Meer, und sieh, wie ein Seeaar, + Wenn er die Beute verfolgt, in die Bucht einlief ihm ein + Drachschiff. + Niemand sah man darauf, ja es stand selbst keiner am Steuer; + Dennoch fand's den geschlängelten Weg durch Klippen und + Scheeren, + Gleich als bewohnt es ein Geist, und als es dem Strande sich + nahte, + *Reffte* das Segel sich selbst, unberührt von menschlichen + Händen + Senkte der Anker sich nieder und biß mit dem Zahne den + Seegrund. + Stumm stand Wiking und sahs; da sangen die spielenden Wogen: + »Oegir gedenkt, den du bargest, der Schuld und schenkt + Dir den Drachen.« + + +*Regatta*, die. + +Das Wort ist jetzt für jedes zur *See* stattfindende Wettfahren in +Gebrauch: Segelregatta = Wettsegeln; Bootsregatta = Bootswettsegeln; +Ruderregatta = Bootswettrudern. Das Wort stammt aus Venedig und ist +lange Zeit nur dorten für die Wettfahrten der Gondeln angewandt worden. + + +*Regelchronometer*, der. + +Wie Regelkompaß der maßgebende Kompaß ist, so ist Regelchronometer +derjenige, nach dem man sich von Schiffs wegen ein für allemal richtet, +der Hauptchronometer. Zum Vergleich und zur größeren Sicherheit gibt es +auf größeren, nach den Anforderungen der Neuzeit ausgerüsteten Schiffen +mehrere Chronometer, aber einer dient als Regel und Richtschnur. + + +*Regelkompass*, der, + +ist der Kompaß, nachdem sich der Kommandant, der Navigationsoffizier, +der wachhabende Offizier richten, er muß daher in der Nähe der Stelle +angebracht sein, von der aus diese drei ihre Befehle ergehen lassen, +nahe der Kommandobrücke und dazu möglichst hoch, schon um den +magnetischen Einflüssen der Umgebung nach Möglichkeit entrückt zu sein. +Da mit dem Regelkompaß auch gepeilt wird, so muß er schon darum einen +freien, übersichtlichen Stand haben. Ist dieser in der Nähe der +Kommandobrücke nicht möglich, so muß ein eigener *Peilkompass* an +passender Stelle angebracht werden. Einen besonderen *Steuerkompass*, +den die Leute am Ruder bequem sehen können, gibt es ohnehin. + + +*Regensegel*, s. Rauchsegel. + + +*Registerbrief*, der, + +die amtliche Bescheinigung der heimischen maßgebenden Behörde, die ein +Schiff mit sich führt über seine Nationalität, seine rechtliche +Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation; sein Ausweis andern Staaten +gegenüber, daß es den Schutz seiner Flagge seitens seines Heimatsstaates +genießt; das darüber ausgestellte Certifikat, der Brief, muß eine +Beschreibung des Schiffes enthalten, den Namen und die nähere +Bezeichnung des Eigentümers, des Kapitäns etc. und eine Angabe darüber, +daß es in die heimischen Register eingetragen ist. + + +*Reibholz*, das, + +ist nicht mit der Bezeichnung Reibholz = Streichholz zu verwechseln, +sondern bedeutet das Holz, das zwischen einem an einer Kaimauer +liegenden Schiffe und der Kaimauer selbst sich befindet und verhütet, +daß das Schiff sich an den Steinen der Mauer reibt, also ein Mittel +gegen das Schamfilen. Wird die Vorsichtsmaßregel von Bord aus getroffen, +so bedient man sich eines Fenders; von Land aus, so nennt man das dazu +verwendete Holz Reibholz, doch können natürlich auch Bord und Land +zusammenwirken. + + +*Reichskommissar*, der, + +für das Seemannswesen, ist der Beamte des Reichs, der, ein früherer +Seeoffizier, angestellt ist um bei Seegerichtsverhandlungen mit Recht zu +sprechen und dabei sein seemännisches Verständniß zur richtigen +Beurteilung eines See-Unglücksfalles im besonderen in die Wagschale +fallen zu lassen. + + +*Reil*, das, + +ist das zuweilen noch gehörte, schlecht ausgesprochene Wort für +Oberbramsegel: royal. Es heißt eigentlich königlich, offenbar weil +dieses Segel das höchste, oberste an Bord ist. Es könnte aber auch sein, +weil die royal navy es zuerst in Gebrauch gehabt hätte. Doch das müssen +die Engländer unter sich ausmachen. Es beschränkt sich der Gebrauch des +Namens bei uns auf das Oberbramsegel; die Oberbramstenge und +Oberbramrahe ist bei uns überall nicht nach diesem royal benannt. + + +*»Reise, reise!«* + +Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die neue Wache die +»verfangen« soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf für englisch gehalten +worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heißt. Und doch wurden in +Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe Britannien +daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im Altfriesischen, das seit +fünfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird, hieß es: »riys oer ein! +Di sinne scynt yn dyn naest!« Aufstehen, sich erheben hieß eben +altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch risan, +mittelhochdeutsch risen, mittelniederdeutsch noch ziemlich spät und +zwar, wie die davon abgeleiteten Wörter bezeugen, nahe an reisen +anklingend, ebenfalls risen. Daher kommt nämlich ein Reisiger, einer der +sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische +pleonastische Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im +Althochdeutschen hieß reisa Aufbruch, Kriegszug, und daraus entstand +nach und nach unser »Reise« im Sinne von: »So jemand eine Reise tut,« +dabei gilt es ja und galt es früher noch mehr, sich früh zu erheben, +»der Sonne entgegen« zu gehen. + +Sehr deutlich hat die Architektur in ihrem Worte Riese die Bedeutung +»sich erheben« festgehalten. Sie unterscheidet in der Gothik bei einer +Fiale, diesem kleinen schlanken Türmchen, den Leib und den Riesen, und +dieser ist der Teil der sich verjüngend nach oben strebt. + +1673 hieß niederdeutsch das Steigen, das Höhergehen der Sonne noch +risen; »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«: »im gewissesten tho +gahn, so mag man diese Pegeling 2. à 3. mahl dohn, und ein jedermahl +anschriven, doch mut solckes kort na ein ander geschehen ehr de Sün vel +rist.« + +»Wenn gy nu sünd by Norden de Sünn, dat ys wen de Sünn Südwart van juv +ys, und upt Högeste ys geresen, so nehmet den Stock (Jakobsstab), und +settet ehn an dat buten Kant, nevens juw Ogappel, und schufet dat Krütz +so lang, dat gy dat bawenste Ende vant Krütz recht int midden up de Sünn +krigen, und dat underste Ende just an de Kimmen offt Horizont des +Waters. Wachtet den ein weinich und proberet ydt wedder, und wat de Sünn +den höger reist, dat halet dat Krütz na juw, bet gy sehn dat de Sünn +nicht mehr riest, so ys ydt wol.« + + +*Reling*, die. + +Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Kriegsschiffsseeleute heutzutage +unter Reling etwas anderes verstehen als was sie eigentlich ist. Denn +sie nennen die ganze Bordwand soweit sie über das Oberdeck hinausragt +Reling, während sie eigentlich doch nur ein auf dieser Bordwand +aufsitzendes Geländer bedeutet. Es waren auf dieser Bordwand Stützen +angebracht, und diese waren mit Riegeln unter einander verbunden, so daß +diese Riegel das Geländer bildeten. Riegel heißt niederdeutsch Regel; +daher zunächst Regeling und dann nach Schwund des g und Zusammenziehung +der beiden e Reling. Roeding (1794) hat eine leicht verständliche +Beschreibung: »Regelingen sind lange dünne hölzerne Riegel die von Zeit +zu Zeit durch hölzerne Stützen getragen werden, die man Finknetzstützen +oder Regelingsstützen nennt. Letztere sind auch manchmal von Eisen und +beide zusammengenommen bilden ein Geländer um den Bord des Schiffes, +welches die Schanzkleidung trägt. Auf Kriegsschiffen sind die +Finknetzstützen gewöhnlich von Eisen und doppelt; statt der Regelingen +scheert man gern einen Leier (Leiter) von hinlänglich starkem Tauwerk +durch ein Loch an ihrem oberen Ende. Vom Leier bis zum Bord wird nach +innen und außen ein Netz von dünner Lien befestigt, welches das Finknetz +heißt. Zwischen beide werden im Gefecht und bei gutem Wetter zum +Auslüften die Hangematten des Schiffsvolks gestauet, die eine Art von +Brustwehr machen, welche zuletzt mit einer Schanzkleidung von gemaltem +Segeltuch oder bloßer Presenning bedeckt wird.« + + +*Remorqueur*, der. + +Am Rhein hält man es für geschmackvoll, einen Schleppdampfer remorqueur +zu nennen und von remorquieren zu sprechen. Französisch rémorquer, +italienisch remorchiare, spanisch remolcar, vom lateinischen remulcum = +Schlepptau, remulcare, griechisch remulkein, am Seil ziehen, ins +Schlepptau nehmen. + + +*Reveille*, die. + +Mit Bezug auf dieses Wort sind wir französischer als die Franzosen. Denn +die reden nicht von Reveille, sondern sagen battre la diane; holländisch +die Diana slaan. Diana heißt die Morgenwache, italienisch diana, der +Morgenstern, eigentlich stella diana, von dem verschwundenen Adjektiv +diano, von dies, der Tag. Die Göttin der Jagd ist durch Mißverständnis +in die seemännische Gesellschaft gekommen. Übrigens hat man sich +besonnen und sagt jetzt anstatt Reveille Wecken. + + +*Revier*, das, + +ist das Fährwasser in einem schiffbaren Flusse. Es ist also ganz +überflüssig Flussrevier zu sagen. Diese nähere Bestimmung ist zu Revier +nur hinzugefügt worden, weil in verschiedenen hochdeutschen +Verbindungen, wie z. B. Jagdrevier, Forstrevier, Revierförster, und auch +für sich allein stehend das Wort Revier die Beziehungen zu Fluß, die es +ursprünglich besaß, verloren hat. Es kommt von rivière, Fluß; dann +Gegend am Fluß, also Ufer; dann Gegend am Ufer, und zuletzt einfach +Gegend, Bezirk. Mittelhochdeutsch rivier, und so meist auch +mittelniederdeutsch, die zweite Silbe mit sehr langem i, fließendes +Wasser, Fluß, Strom. Die Formen revier, rivier, rever wechseln mit +einander. Es ist zu beachten, daß seemännisch nicht jedes fließende +Wasser, sondern nur das schiffbare Revier heißt. In den +»durchläuchtigsten Seehelden« (1681) wird von einer holländischen +Gesandtschaft nach England aus dem Jahre 1664 berichtet. Der Gesandte, +Herr von Goch, »hatte noch denselbigen Abend geheime Audientz bei dem +König, da anfänglich nichts als allerley Freund- und Höfflichkeiten +vorgiengen. Aber Se. Majt. fiel zum ersten auf die Sachen der Ost- und +West-Indischen Compagnie davon er unter anderen Reden sagte: Es wäre +unerträglich, daß die West-Indische Compagnie mit etlichen wenigen +Vestungen, und einem Schiffe drey oder viere (drei oder vier Schiffen), +ohne fernere Besitzung einiges Landes die gantze Africanische Küste mit +derselben Rivieren und Strömen unsicher machen und andern den Handel +alle verhindern und incommodiren solte.« + + +*Riemen*, der, + +besser Remen, das seemännische Wort für das Werkzeug zur Fortbewegung +eines Boots, das im nichtseemännischen Leben *Ruder* genannt wird. Daß +Remen zu Riemen gemacht und so in die Lage gebracht wurde, mit einem +Lederstreifen verwechselt zu werden, war ein ziemlich kühnes Wagnis, +zumal es Leute gemacht haben, die doch wohl kaum ahnen konnten, daß die +beiden Wörter am letzten Ende auf eine Wurzel zurückgeführt werden +können. Tatsache ist, daß jetzt Remen = Ruder und Riemen = Lederstreifen +zwei sehr verschiedene Dinge sind. + +Remen ist als seemännisches Wort zuerst, und zwar schon in +althochdeutscher Zeit, am Oberrhein gebraucht worden. Von da ist es den +Rhein hinabgewandert und hat sich an den Küsten der Nordsee und auch +--wie zahlreiche mittelniederdeutsche Urkunden beweisen -- an der Ostsee +ausgebreitet. An den Oberrhein haben ihr remus die Römer gebracht, +vielleicht der römische Admiral Crescentius, dessen Votivstein im Museum +in Köln steht, oder einer seinesgleichen, denn es gab römische Seeleute +genug am Rhein. Es fragt sich jedoch, wie die alten Deutschen dazu +kamen, das fremde Wort für eine Sache anzunehmen, die ihnen doch +unzweifelhaft schon lange vor der Zeit der römischen Herrschaft am Rhein +bekannt war. Sie hatten doch gewiß auch in der vorrömischen Zeit einen +deutschen Namen für das Fortbewegungsmittel ihrer Einbäume. Da sie nicht +so neuerungssüchtig waren wie ihre spätgeborenen Söhne, so muß der +uralte Name zu Gunsten des neuen darum aufgegeben oder doch +zurückgedrängt worden sein (s. Ruder) weil das neue Werkzeug ein +wesentlich verbessertes, brauchbareres, handlicheres darstellte als das +bis dahin gebrauchte. Es mag also hier gegangen sein wie mit der +verbesserten Mahlvorrichtung molina, der zu Liebe die Väter ihr Wort +quairn so ziemlich in Vergessenheit geraten ließen und Mühle sagen +lernten. Wahrscheinlich hatten die Rheinländer bis dahin mit Pagaien aus +freier Hand gerudert, während remus auf dem Dollbord aufliegend +gehandhabt wurde. Die Schreibart Remen ist der von Riemen aus +geschichtlichen, sprachlichen und sachlichen Gründen vorzuziehen, s. +auch Ruder und rojen. Französisch rame ist wohl dem italienischen, +spanischen, portugiesischen rama, Ast, nachgebildet aber in seiner +Bedeutung doch durch remus bestimmt, das der französischen Sprache +ursprünglich gewiß nicht fehlte, aber ihr als eine zu ausdruckslose +Form, denn es hätte rein lauten müssen, mißfiel. Wangerländisch rium, +Ehrentraut II. 62. Nordfriesisch reem. + +Auffallend hat sich der Begriff eretmos und der rhyma in dem Worte +vereinigt, das die Rheinschiffsleute in der Schweiz gebrauchen: +»Zugruder.« + + +*Riff*, das, + +kommt vom altnordischen rifa, schlitzen, spalten und bedeutet etwas +Gespaltenes, zersplittertes, zerklüftetes Felsgebilde. Dann aber auch im +weiteren Sinne jede sich ins Meer hinausstreckende, von Wasser bedeckte +Bank, auch wenn sie eine Sandbank ist; besonders auch eine sich unter +Wasser hinziehende Korallenbank. An sich liegt die Bedeutung »unter +Wasser befindlich« nicht in dem Worte, sie wird aber im seemännischen +Sprachgebrauche unwillkürlich damit verbunden. + +Mittelniederdeutsch rif, ref, reve; »we schipbrokich gudt vindt by dem +Strande, de schal dat antwerten der negesten Stadt ... van den +upgefischeden gude schall men eme geven, de dat gevunden heft, dat +twintigste deel; hale he dat ock ut der see van dem reve, so behort hem +dat drudde deel.« Das war Lübisches Recht. Das Rigaer sagt: »So we +scipbroken gut vindet oppe dem vorende, de sal daraf hebben den +twintegesten deel; de et halet uppe deme reue vppe der ze, de zulen +hebben den dridden del.« + + +*Rof*, das, + +ist ein Aufbau an Deck, der als Unterkunftsraum für die +Schiffsmannschaft dient. Das niederdeutsche rof heißt Decke in allen +Bedeutungen, die dieses Wort im Hochdeutschen hat. Die Bedeutung ist +also der von Plicht ähnlich. + +Angelsächsisch hrof, Dach, englisch roof, niederländisch roef, Kajüte, +mittelniederdeutsch (Kilian) roef = puppis concameratio. Altnordisch +hrof, das Dach, unter dem ein Schiff gebaut wurde, kleine Schiffswerft. +Edda: raefr = Dach. Altfriesisch hrof. + +Mittelniederdeutsch auch roffe: »Schipper Albert sy achter vth dem roffe +inn de kokenn gekahmen,« Bremer Urkunde von 1564. + +Das Wort ist mit Robe verwandt, denn das ursprünglichste Kleid war nur +eine Decke. Wahrscheinlich liegt das Zeitwort rauben zu Grunde, so daß +rof etwas Geraubtes, einen Raub bedeutet; sei es daß man auf dem +Beutezuge dem Feinde zuerst und hauptsächlich seine Decken, seine +Kleider raubte; sei es daß man noch weiter zurückgehen und daran denken +muß, daß die ersten und ältesten Decken Tierfelle waren, die der Mensch +dem Tier erst rauben mußte um sich damit bedecken zu können. + + +*rojen* s. rudern. + + +*Rolle*, die, + +ist die Verteilung jedes einzelnen Mannes auf seinen Posten beim +Exerzieren und Manöverieren. Wie der Theaterdirektor die einzelnen +Mitglieder seiner Bühne auf ihre Posten stellt und jedem seine Rolle +zuteilt, so teilt an Bord der Erste Offizier die Rollen aus und stellt +jeden auf seinen Platz. Je nachdem es sich bei dieser Verteilung um +Segel-, Ruder-, Gefechts-, und Feuerlöschübungen handelt gibt es eine +Segel-, Ruder-, Gefechts-, Feuer-Rolle. Jedesmal wird, ehe ein solches +Manöver beginnt, genau untersucht ob auch jeder da steht, wo er nach der +Rolle stehen soll. Diese Rolle ist aber schon lange keine Rolle mehr, +sondern ein richtiges Buch, das *Rollenbuch*, von dem jeder Offizier +sich genaue Kenntnis verschaffen muß. + +Rollen heißt sich um einen Mittelpunkt drehend bewegen. Eine Rolle ist +eine walzenförmig zusammengerollte Schrift; ein geschriebenes +Verzeichnis, das den Namen Rolle behält, auch wenn es nicht mehr die +Form einer Rolle, sondern die eines Buches hat. Von rota, das Rad, oder +vielmehr von rotula, das Rädchen. + + +*rollen* + +heißt eigentlich sich wie ein rotula, ein Rädchen, um seine Achse +drehen. Daher ist die theoretische Bestimmung, nach welcher rollen = +schlingern ist, zwar richtig, aber sie entspricht nicht dem populären +Sprachgebrauch unserer Seeleute. Die nennen die Bewegung des Schiffes in +der Richtung von Steuerbord nach Backbord und zurück *schlingern*; die +Bewegung des Schiffes von achtern nach vorne und umgekehrt, also das +Eintauchen des Schiffes mit den Heck oder dem Bug in ein Wellental und +das entsprechende Wiederhochkommen *stampfen*; die für nicht ganz +seefeste Leute aber sehr unangenehme Verbindung beider Bewegungen mit +einander nennt man *rollen*. + + +*Roring*, der, + +heißt der Ring an der Spitze des Ankerschaftes durch den der Anker mit +der Ankerkette verbunden wird. Das Wort wird auch Rooring und Röring +geschrieben, heißt aber neuerdings meistens Schäkel. Diese letztere +Bezeichnung ist offenbar in Anbetracht dessen in Aufnahme gekommen, daß +man sich sagte, daß ja der Roring eigentlich gar kein Ring ist, sondern +wegen der einen offenen von beiden Seiten den Schaft umfassenden Stelle +weit eher einem Schäkel ähnlich sieht. Dieser Gedankengang ist richtig, +bildet aber keinen Vorwurf gegen die Seeleute früherer Tage, die das +Wort Röring gebildet und gebraucht haben. Denn einmal war der Roring +damals wirklich ein Ring, und dann hat das Wort mit Ring überhaupt +garnichts zu schaffen und hieß im Niederdeutschen die Roring (oder +vielmehr, wie gleich zu erwähnen sein wird: Röring). Zu Rödings Zeiten +hieß so auch die aus altem Tauwerk hergestellte Bekleidung des +Ankerringes, die man vornahm um denselben vor Rost zu schützen und um +ihn dicker zu machen, damit das Ankertau sich desto besser um denselben +schließen könne. Röding nennt diese Bekleidung Ankerrührung oder Röring, +und zwar: die Ankerrührung oder der Röring. Er hat aber offenbar etwas +Nebensächliches für die Hauptsache gehalten. Nicht die Bekleidung war +das Wichtige, sondern der Ring selbst, und der treffliche Mann ist wohl +auch nur darum auf die Bekleidung verfallen, weil er sich sonst für den +Ring das Femininum nicht erklären konnte. Das erklärt sich aber leicht, +wenn man von der im Grunde doch -- wie Schäkel beweist -- +nebensächlichen Ringform dieses Stückes absieht und, anstatt an die +Gestalt, an den Zweck desselben denkt. Der Roring hat den Zweck, zu +ermöglichen, daß der Anker durch die Ankerkette bewegt, umgestoßen, von +der Stelle gerückt werde. Eine solche Bewegung heißt an der deutschen +Nordseeküste röring, von dem Zeitwort rören, rühren, bewegen, regen, +anfassen, treffen, erreichen. Roring also (richtiger, wie bei Röding, +Röring) hat seinen Namen daher, weil damit die Stelle bezeichnet wird, +entweder wo Kabel und Anker sich berühren, treffen, sich erreichen; +oder, und das will noch einleuchtender erscheinen, davon, daß der Anker +mittelst des Rorings bewegt, umgestoßen, von der Stelle gerückt, gerührt +wird. Nicht davon, daß der Ring das bewegliche Ding am Anker ist, heißt +er »Bewegung«, sondern davon, daß durch ihn -- abgesehen davon daß er im +Übrigen die Gestalt eines Ringes hat -- der Anker seine Bewegung erhält. +So erklärt sich auch ungezwungen zweierlei. Einmal die Form Röring und +sodann das Femininum. Männlich ist das Wort erst bei der Aufnahme ins +Hochdeutsche geworden, weil man dabei an Ring dachte, ohne aber zu +bedenken, daß dann, wenn Ring zur Geltung gebracht werden sollte, auch +Rorring hätte geschrieben werden müssen, dann hätte man es wenigstens +mit Berührungsring übersetzen können, die zweite Silbe im Worte heißt +aber nicht -ring, sondern -ing und ist weiter nichts als die +niederdeutsche Form der Endung -ung. + +Da aber unter dem Einfluß der ringförmigen Gestalt sich die männliche +Form »der Röring« einmal festgesetzt hat und schwer durch die weibliche +Form »die Röring« wieder zu verdrängen gewesen wäre, so ist es +eigentlich für das sprachliche Gefühl mit Freude zu begrüßen, daß der +Eindringling nun in »Schäkel« einen so mächtigen Gegner erhalten hat. + +Das niederdeutsche Zeitwort rören heißt niederländisch roeren, +altfriesisch hrera, auf Wangerooge rer, im Saterland röre; altsächsisch +hrorjan, angelsächsisch reran, altenglisch hroren, altnordisch hroera, +norwegisch und schwedisch röra, dänisch röre; althochdeutsch hruorjan, +hroren, mittelhochdeutsch ruoren. Aus dieser dem Doornkaat entnommenen +Zusammenstellung geht hervor, daß die Form röring ihre volle +niederdeutsch-seemännische Berechtigung hat. + + +*Rose*, die, + +heißt an Bord die Kompaßrose. Das Wort erklärt sich nach dem bekannteren +Windrose von selbst, wenn auch eine sehr beträchtliche Phantasie dazu +gehört, in dem Bild der verschiedenen Kompaßstriche eine Rose zu +erblicken. Doch mag bei der Neigung der Alten, auch dergleichen Dinge zu +schmücken, ein besonderer Schmuck die Veranlassung gegeben haben, diese +runde Tafel Rose zu nennen. Auf französischen Kompassen des 18. +Jahrhunderts und besonders auch des 17., ist in der Mitte ein Mann zu +Pferde abgebildet, auf den acht Hauptstrichen sind Menschenköpfe und +sonstige Verzierungen angebracht. Der Strich für Nord ist aber von einer +französischen Lilie in der bekannten heraldischen Form gebildet. +Nichtsdestoweniger hieß die Scheibe schon damals auch im Französischen +rose; so mag also anstatt der Lilie zu anderer Zeit oder an anderen +Orten eine Rose als Verzierung gedient haben. + + +*Rosenlaschung*, die. + +Wenn irgendwo zwei Augen, wie man die Ringe am Ende eines Taues nennt, +mit einander verbunden werden sollen, so geschieht dies mit einem +Taljereep, dessen beide Enden sich in der Mitte der Verbindung kreuzen. +Um die Kreuzungsstelle werden die beiden Parten einigemale zur größeren +Festigkeit so herumgewickelt, daß aus den schneckenhausförmig neben +einander liegenden Schlägen eine Art Scheibe entsteht, die man mit der +nötigen Einbildungskraft wohl für etwas Rosenartiges halten kann. + + +*Routine*, die, + +die Zeiteinteilung, Ordnung des Tageslaufes, genaue Bestimmung, was an +einem Tage, wann und in wie langer Zeit es zu geschehen hat. Diese +Bedeutung hatte das Wort ursprünglich nicht; weder im Lateinischen, noch +im Italienischen, noch im Französischen. Es kommt von rumpere brechen; +davon via rupta ein gebrochener Weg, das Gegenteil von einer gebrochenen +Linie, indem der Weg möglichst gerade und direkt durch Felsen gebrochen +worden ist, wie die Donau entlang am Eisernen Tor, also eine Kunststraße +im Gegensatz zu den Karawanenwegen der Elfenbeinträger in Afrika, wo +sich der Pfad um jeden Stein, der im Wege liegt, herumschlängelt. Von +demselben Worte stammt italienisch rotta, spanisch, portugiesisch, +provençalisch rota, altfranzösisch route, Bruch, Bruchteil, Abteilung +eines Heeres, ein Trupp Soldaten, eine »Rotte«; dann überhaupt einen +Bruchteil einer größeren Versammlung bezeichnend, wobei der Bruch aus +dem Bewußtsein geschwunden und nur der Teil geblieben ist; davon »sich +zusammenrotten.« + +Unser seemännischer Sinn von Routine entstand durch folgende +Bedeutungsentwicklung. Auch bei via rupta ging, als man via wegließ, +doch nicht etwa die Bedeutung Weg (vergl. die Entstehung von Straße aus +via saxis quadratis strata, wo strata doch verhältnismäßig das +unbedeutendere Wort in der Verbindung darstellt), sondern vielmehr die +Bedeutung »gebrochen« verloren, so daß route, wie man für rupta sagte, +bald ganz allgemein für Weg im Gebrauch war; zunächst im Sinne von +zurückgelegtem Weg, durchwanderter Strecke; daher portugiesisch rota, +Lauf des Schiffes; dann auch für eine noch zurückzulegende Strecke. Ein +Mann aber, der des Weges kundig war, hieß routier. Und davon ist erst +routine gekommen. Es bedeutet zunächst nur durch Übung erlangte Kenntnis +des Weges. Dann bald bloß Übung, Gewandtheit, Geschicklichkeit, +Kenntnis, Pfiffigkeit, Routiniertheit. Demnach ist Schiffsroutine nicht +nur der Wegweiser für den Tageslauf, sondern auch der Weg selbst, auf +dem die Schiffsmannschaft durch richtige Einteilung und Ausnutzung der +Zeit die nötige Übung und Gewandtheit im Schiffsdienste erlangen kann. + +Eine richtige Routine -- in der Schule sagt man Stundenplan -- +auszuarbeiten ist eine schwere Sache, bei der sehr viel zu +berücksichtigen ist; sie liegt in den Händen des Ersten Offiziers. + + +*Rücker*, der, + +ist ein Tau, einerseits an der Bram- oder Oberbramrahe, andererseits an +dem Bram- bezw. Oberbramraheniederholer befestigt und dazu dienend, die +Rahe, wenn sie gekait und an Deck genommen werden soll, zu rücken, d. h. +los zu machen von der bisherigen Stelle, durch einen Ruck zu entfernen, +also zu rücken, zu bewegen. + + +*Ruder*, das. + +1. Eine Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes. 2. Ein Werkzeug zum +Fortbewegen eines Bootes. Auf Kriegsschiffen ist nur die erste Bedeutung +im Gebrauch, sonst überall im deutschen Sprachgebiet hat sich die zweite +im Munde von Seeleuten und Nichtseeleuten erhalten, wiewohl schon zur +Zeit der römischen Herrschaft am Rhein Remen oder Riemen (s. d.) vom +lateinischen remus herübergenommen wurde. Es wird auch nie gelingen, dem +Worte sein Hausrecht im Deutschen zu rauben, dazu war es denn doch zu +fest eingewohnt und -gewurzelt als das fremde Wort eindrang. + +Indessen hatten Ruder und Remen in *einer* Wiege gelegen, indem beide +von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in der Form +ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung bedeuten kann: +stoßen, treiben, schieben, ziehen, rücken. Eine Zeit lang sind die +beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich in der Bedeutung +wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die Trennung vollzogen hat, +läßt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber im Griechischen +geschehen sein, so daß eretmos noch für beide die gemeinschaftliche Form +darstellte. Das hätten wir uns etwa so vorzustellen. Es gab vom gleichen +Stamme wie eretmos ein griechisches Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von +welcher unser (Leder-) Riemen herkommt. Unter Anlehnung an dieses +Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das Fortbewegungsmittel remus +gebildet, durch Aphäresis des anlautenden e und Schwund des t. Beide, +rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das Schiff fortzubewegen, das +Zugseil und der Remen, ja vielleicht die Fortbewegung mit dem Zugseil +die ursprüngliche und das Rudern kam erst später auf. Dann hätte man +also die alte Bezeichnung der Fortbewegung durch Ziehen (»treideln« s. +d.) für die neue Fortbewegung durch Rudern beibehalten, etwa wie wir +jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork, wiewohl es sich dabei um +einen gar keine Segel führenden Dampfer handelt. + +Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes, sondern +auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere Bedeutung +hatte, folgte man naturgemäß nicht dem Zuge und Einfluß von rhyma, +sondern bildete eretmos selbständig weiter, und zwar auf dem Wege vom +Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphäresis) des e und +Abschwächung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und +Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt, +daß die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in +vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung +vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie +remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als +ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern +wieder zusammen. Und wenn der fremde -- remus -- sich auch zeitweilig +vordrängte, ja sich für das Werkzeug zur Fortbewegung ausschließlich im +Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische -- als +»Ruder« -- sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den +Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung +behalten. + +Es ist auffallend, wie kurz sich die Isländer ihr Wort für Remen +zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so wieder auf die +ursprüngliche Bewegungswurzel zurückgegangen, während doch schon im +Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hieß. + + +*rudern*, + +die Tätigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft als +Fortbewegungsmittel, ausgeübt wird, (während die Tätigkeit die mit dem +Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heißt, daher wird +dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche +Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt +*rojen*. Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch +der angelsächsischen Form für Ruder, ruodor oder rodor, gebildet. +Niederländisch roeijen, englisch to row, isländisch roa; »Bágd er ad +*róa* einni ár,« mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lüpkes +»Seemannssprüche.« Altnordisch róa; »I vindi skal vid höggva, vedri á +sjó róa; myrkri vid man spjalla, mörg ern dags augu«, »Im Winde soll man +Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern +kosen; viele Augen hat der Tag.« Lüpkes p. 146. Angelsächsisch rôwan. + +Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Ruder und rudern wohl auch eine +Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so daß man daran +zu denken hätte, wie das Ruder das Wasser »spaltet«; indessen ist das +doch ein recht nebensächlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im +Altkirchenslavischen graba sowohl »ich grabe« als auch »ich rudere« +(grabe in den Wellen) heißt. + + +*Ruderbälle*, die, + +bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln die den Zweck +haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder liegt. Der eine +Ball ist rot, der andere grün. Sie hängen möglichst nach allen +Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an der +Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden +Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder +Hintermann mit seinem Ruder manövriert und also wissen kann, wessen man +sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenstöße durch die +Ruderbälle vermieden werden. + + +*Rudergat*, s. Hennegat. + + +*Ruderjoch*, s. Joch. + + +*Ruderpinne*, s. Pinne. + + +*Ruderreep*, s. Reep. + + +*Rundhölzer*, die, + +sind alle walzenförmigen Hölzer die zur Takelage gehören: Masten, +Stengen, Rahen, Spieren, Giekbäume, Gaffeln, Sprieten, Ruten etc. etc. +Ein Rundholz braucht um so zu heißen nicht notwendig ein Holz zu sein; +auch die eisernen Masten und Rahen gehören im weiteren Sinne zu den +Rundhölzern und haben auf den Werften ihren Platz im Rundhölzerschuppen. +Hier kommt also mehr das Runde wie das Hölzerne in Betracht. + + +*Rund* achtern! rund vorn! + +lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt, wenn das Schiff so weit +durch den Wind gegangen ist, daß man die Rahen oder vielmehr die Segel +über den anderen Bug brassen kann, so daß dann die Nock, die vorher +hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund ist nicht mathematisch +zu nehmen, sondern so zu verstehen, daß die Rahe sich teilweise um den +Mast dreht. In der Handelsmarine heißt das entsprechende Kommando: +»Gaan!« = gehen. + + +*Rundsel*, die, + +ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen sich beim Rudern +bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht rund, aber er ist mit +einem runden Metallstück ausgefüttert; daher der Name. Wenn nicht +gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines Brett, das +Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: »Rundseln dicht«, weshalb +die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal für die Rundseln +selbst fälschlicherweise gehalten worden sind. + + +*Rüst*, die, + +ist die Vorrichtung an der Außenbordwand des Schiffes zu beiden Seiten +die den Wanttauen bezw. deren Jungfern zum Halt dient. Sie findet sich +an Backbord und an Steuerbord, an jedem Mast und besteht aus starken, +vorspringenden, gerüstartig angebrachten Planken, die nach unten zu +durch schräge eiserne Träger gestützt sind. Das Wort kommt wie das +hochdeutsche Gerüst vom althochdeutschen hrustan, zurecht machen, bereit +machen, zurüsten; davon mittelhochdeutsch geruste = Vorrichtung, +Zurüstung, Bau, Maschine, Werkzeug, Gerät, Waffenrüstung, Schmuck. +Neuhochdeutsch müßte das Wort eigentlich Gerüste heißen, aber des +Seemannes niederdeutsche Liebe zur Kürze betätigt sich in Weglassung der +Vorsilbe und der Endung. + + + + +S. + + +*sacken* + +ist ein niederdeutsches Zeitwort das in der Seemannssprache oft +gebraucht wird und dem hochdeutschen »senken« entspricht, oder vielmehr +entsprechen sollte; senken nämlich ist Faktitiv oder Causativ von +sinken: »sinken machen«. Aber wie das Hochdeutsche senken und sinken +ebenso oft verwechselt wird wie wägen und wiegen, so macht auch der +Seemann zwischen senken und sinken keinen Unterschied, er sagt für beide +sacken. Ja man kann sagen, daß sacken in seinem Munde öfters sinken als +senken bedeutet. Durchsacken, einsacken, wegsacken, untersacken sind +gleich sinken, während auch die Wendung »sacken lassen«, die ebenfalls +den Begriff sinken enthält, oft gebraucht wird. Andererseits aber heißt +absacken »ein Schiff oder Boot den Strom hinunter treiben lassen«. + +Senken heißt althochdeutsch sanchjan; es ist durch Nasalierung der +Wurzel sack entstanden, wir haben also in sacken die ursprünglichere, +nichtnasalierte Form. + + +*Saling*, die, + +ist ein auf Backen an beiden Seiten des oberen Endes des Untermastes +aufsitzendes Gerüst aus Längs- und Querhölzern auf dem hinwiederum der +Mars aufsitzt, dessen hauptsächlichster Zweck nicht etwa der eines +»Mastkorbes« ist, sondern der, die Jungfern zum Anspannen der +Stengewanten zu tragen. Die Saling des Untermastes tritt jedoch, eben +weil der Mars auf ihr sitzt, wenig in die Erscheinung, wird vielmehr +leicht für einen Teil des Marses gehalten. Eine desto selbständigere +Rolle spielt die Bramsaling auf den Backen der Marsstenge; sie ist nicht +mit Brettern bedeckt und fällt daher als solche mehr in die Augen. Sie +vertritt die Stelle des Marses insofern an ihr die Bramwanten befestigt +und gespannt werden. + +Der Name Saling kommt von sitzen, aber nicht weil sie sitzt, sondern +weil etwas, nämlich der Mars, auf ihr sitzt. Er heißt eigentlich +Sadeling = Sattelung; vom gotischen sitan, sitzen, satjan, setzen kommt +das althochdeutsche satal, satul, satol, satil; angelsächsisch sadul, +sadol, sadl; niederdeutsch sadel; davon sadeling = sadelung. Die Tenuis +ward erst zur Media und dann verschwand der Dentallaut überhaupt; indem +sich ein langes a aus dem kurzen a und dem e bildete war Saling fertig: +ein Ding zum Aufsitzen, Draufsitzen. Darum führt auch die Bramsaling +ihren Namen doch mit Recht; wenn auch kein Mars auf ihr sitzt, so sitzen +desto mehr die Matrosen oder Schiffsjungen darauf, denen sie ein Stütz- +und Ausgangspunkt für die Arbeiten, die sie als Bram- und +Oberbramsegelsgäste zu verrichten haben, dient. + + +*Salut*, der. + +Das Schießen eines Saluts ist das Abgeben einer bestimmten Anzahl von +(blinden) Kanonenschüssen als Gruß, als Ehrenbezeugung für den +Landesherrn und für alle diejenigen, die nach dem Salutreglement dazu +berechtigt sind. Dazu werden die Kanonen mit *Salutkartuschen* geladen, +(mit Pulver, ohne Geschoß). + +*Salutfähig*, d. h. berechtigt oder verpflichtet zu *salutieren* sind +aber nur Kriegsschiffe von gewisser Größe und Stärke der Artillerie. Dem +Salut gleich stand ursprünglich *Salve*, eine einmalige gleichzeitige +Abfeuerung von mehreren Kanonen als Gruß, ein feierliches +Begrüßungsschießen, das dem Gegrüßten ein salve! zurufen sollte; hernach +wurde eine Begrüßung des Feindes mit geladenen Kanonen daraus. + +*Salutleine* nennt man wohl auch das Paradirstrecktau, das Manntau an +dem die Matrosen sich festhalten wenn sie zum Gruß und zur +Ehrenbezeugung die Rahen bemannen, sich auf den Rahen in Reihen +aufstellen. + +Es mag in früheren Zeiten manchmal regellos salutiert worden sein. +Wenigstens ermahnt ein Geschwaderbefehl d. d. 25. Mai 1652, +unterschrieben M. Herberts Tromp, zur Ordnung und Sparsamkeit. »Es wird +auch ausdrücklich verboten einige unnöthige Ehren-Schüsse zu thun, +sondern deß Landes Pulver und Bley zu bewahren und rathsam damit +umzugehen; jedoch so man bei einigen andern außländischen +Kriegs-Schiffen kommt, wodurch einige Begrüsung mit Lösung deß +Geschützes zu thun, zu des Landes Reputation erfordert wird, in solchem +Fall haben sie die Ehre unseres Landes in acht zu nehmen, und in aller +Ehrbarkeit Hand zu haben.« + + +*Salve*, die, s. Salut. + + +*Sandwichpanzerung*, die, s. Panzerung. + + +*Sargassosee*, die, + +heißt eine Stelle im Atlantischen Ocean, auch atlantische Krautwiese +genannt; das Sargassomeer, vom lateinischen sargassum, der Seetang. »Der +sich nach der iberischen Küste herwendende und als nordafrikanische +Strömung wieder in die Nordäquatorialströmung übergehende Zweig des +Golfstromes schließt eine große Ellipse ein, die ein sehr ruhiges Gebiet +im Atlantischen Ozean bildet, ein Gebiet von 65000 Quadratmeilen oder +ein Drittel so groß wie Europa. Dieser Raum ist nach den Vorgängen +Humboldts und Maurys als »Sargassomeer« bekannt geworden, und man +erzählte, daß in ihm das Sargasso oder der Meertang (fucus natans) in so +ungeheuren Mengen zusammengeballt treibe, daß dadurch die Schiffahrt +behindert werde. Neue Untersuchungen ergeben jedoch, daß es sich um mehr +oder minder dicht treibende, bis 60 Meter lange, je nach der +Windrichtung schwimmende, abgerissene Krautstreifen handelt, die +zwischen 20° und 35° nördl. Br. und zwischen 35° west. L. und Westindien +und dem Ostrande des Golfstromes vorkommen. Von einer Behinderung der +Fahrt durch dieselben ist nirgends die Rede.« (Andree.) + + +*Sarving*, die, + +ist ein aus altem Kabelgarn geflochtener Zopf, der mit Platting +Ähnlichkeit hat, aber nicht ganz so platt, sondern dicker ist. Die +Sarving wird gebraucht zur Bekleidung von Tauwerk, da wo es viel Reibung +auszuhalten hat und der Abnutzung sehr ausgesetzt ist. Um es vor dieser +zu bewahren, um es zu (kon)*servieren* wird die Sarving gemacht, die +eigentlich Serving heißt. Sarving ist nur die volkstümliche Aussprache. + + +*Schaar*, die, + +ist eine bei Sturmfluten verschließbare Öffnung in einem Deich zum +Durchfahren von Wagen etc., eine Lücke, die man absichtlich zu diesem +Zwecke gelassen hat. Das Wort ist verwandt mit Scharte, Schießscharte, +und stammt von der Wurzel skar, von der auch scheren und Schaar = +Abteilung, Haufe stammt, sie bedeutet spalten, scheiden, teilen, +schneiden. Das Wort kommt auch als Ortsbezeichnung vor, ebenso wie Siel, +da ebenso wie bei diesem auch bei einem Schaar sich gern Menschen +ansiedeln, weil hier ohnehin ein großer Menschenverkehr stattfindet, wie +auch bei einer Brücke, weshalb zahlreiche Ortsnamen mit Brücke, Brück zu +tun haben. + + +*schaffen*, seemännisch = essen. + +Schaffner, Schöffe, Schoppen, Schöpfung, englisch shape = Gestalt und +viel andere Wörter dieser großen Sippe kommen alle von der Wurzel skap +mit der Grundbedeutung schaffen, schöpfen, ordnen. Dem altgermanischen +Heidentum fehlte, wie Schade ausführt, ein Ausdruck für etwas, wovon es +keine Idee hatte, nämlich für schaffen, von der höchsten Potenz dieser +Tätigkeit, dem göttlichen Schaffen. Daher nahmen die Germanen, als +ihnen vom Christentum her die Schöpfungsidee kam, das Wort von einer +(man kann wohl sagen kunstmäßigen) Hantierung, vom Formen und Gestalten +einer festen Masse durch grabende und stechende Werkzeuge, faßte es +gewissermaßen als ein Schnitzen auf (skapjan), während der Lituslave +seinen Ausdruck dafür, noch hausbackener, von den Formen einer weichen +knetbaren Masse nahm, wozu ihm die tägliche Käsebereitung in jeder +ländlichen Wirtschaft ein Bild gab. + +Für unsern Zweck genügt es, das althochdeutsche scaffari, scaffare, +mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schöpfer, Bildner, +Hausmeister, Verwalter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen Mann +bezeichnet, der das Essen und Trinken durch Schöpfen herbeischafft und +aufträgt oder auftragen läßt. Diesem Vorgange ist begrifflich verwandt +das italienische minestra = Suppe, minestrare die Suppe anrichten, +lateinisch ministrare, bei Tische auftragen. + +Hierher gehört die Bremer Schaffermahlzeit, ursprünglich eine durchaus +seemännische Veranstaltung, nämlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der +Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühling Kapitäne und Reeder mit +einander den Proviant für die aussegelnden Schiffe kosteten. Schaffer +heißt, nach dem Bremer Wörterbuch, der Mann, der die Anordnung und +Besorgung einer Mahlzeit hat, auch überhaupt ein Verwandter des Hauses; +Aufwärter bei einem Hochzeitsschmause, welches aber bei den Bauern die +nächsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begräbnis +und bei dem Leichenschmaus in Groningen Anschaffer heißen; heutzutage +tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf, +schöpfen sie nicht mehr aus dem Kessel, bedienen nicht mehr bei Tische, +sie halten nur die Tischreden und -- bezahlen das Essen; nur insofern +kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im +Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Kasse führte; +überhaupt einen, der die Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache +übernimmt, einen procurator. + +Daß aber der Seemann bei der ursprünglichen Bedeutung geblieben ist und +schaffen für essen sagt, erinnert einmal daran, daß in früheren Zeiten +die Leute, die zusammen aßen, alle aus einer Schüssel schöpften, sodann +daß einer das Essen aus der Kambüse herbeizuschaffen hatte, (der heute +»Backschaft« heißt) und endlich daß das Essen eben ein wirkliches +Schöpfen war, indem die Leute nicht mit Messer und Gabel, sondern nur +mit dem Löffel aßen. + + +*Schaft*, der, + +des Ankers ist der große, lange, schwere, oben dünner werdende Teil des +Ankers zwischen den Armen und dem Stock. Man spricht auch von +Lanzenschaft, Gewehrschaft, sogar von Stiefelschaft. Das Wort heißt +niederdeutsch auch scheft und schecht, wie denn ft und cht im +Niederdeutschen sehr leicht in einander übergehen. Das Stammwort ist +skaban, unser schaben, niederdeutsch schafen, hobeln. Also ein +zurechtgehobeltes Stück Holz. Es ist bekannt, daß der Ankerschaft früher +auch bei großen, schweren Ankern von Holz war. + +Anstatt schecht kommt auch einfach scheg und schegg vor. So heißt z. B. +bei hölzernen Schiffen das vorderste Holz, das noch vor dem Vorsteven +sitzt und oben in das Gallion übergeht. Auch spricht man vom Scheg des +Ruders und meint damit den Ruderschaft. + + +*Schäkel*, der, + +heißt ein Ring, ein Glied einer Kette. *Schäkeln*, ein Glied der Kette +in ein anderes Glied fügen, so daß eine lange Kette daraus wird. Die +Erklärung ist am deutlichsten aus dem entsprechenden englischen Worte +shackle zu ersehen, das sowohl Kettenglied als auch Fessel, Handfessel, +Handschellen, Beinschellen heißt; angelsächsisch sceacul, scacul, +Fessel, Halseisen. Offenbar ist diese Bedeutung Fessel die +ursprüngliche. Eine Fessel aber war zunächst ein Mittel in der Hand von +Räubern, ihre Opfer zu binden. Räuber aber hießen, wie wir aus der +Geschichte der Kreuzigung Christi wissen, Schächer. Das niederdeutsche +Zeitwort hierzu heißt heute noch schaken, rauben. Der friedliche +Kettenschäkel hat also den Namen von der äußeren Ähnlichkeit mit dem +unfriedlichen Räuberwerkzeug (s. schaken). + + +*schaken* + +heißt rütteln, schütteln, gewaltsam bewegen; seemännisch das Rütteln und +Schütteln mit dem man versucht, bei einem Takel oder einer Talje den +Reibungswiderstand der durch die Blöcke fahrenden Taue zu verringern um +dieselben beweglicher, läufiger zu machen. *Abschaken* heißt solches +vornehmen in der Absicht, nach dem Gebrauch eines Takels die tublocks +(s. d.) geholten Taue wieder rückwärts zu bewegen, damit die Blöcke +wieder auseinander kommen und so das Takel aufs Neue wieder +gebrauchsfähig werde. Das Wort schaken, auf ein aus einer Basis ska +erweitertes Thema skak zurückgehend, bedeutet ursprünglich -- wie +seemännisch heute noch -- ganz allgemein »bewegen«; dann bewegen mit +Anwendung von Gewalt: rauben, mit Gewalt wegführen, eine Jungfrau +vergewaltigen, seinen Teil der Beute an sich reißen. + + +*Schaluppe*, die. + +1. Gattungsname für alle Schiffsboote, von der Kapitänsschaluppe (Gig) +an bis zur Travaljeschaluppe (Jolle). + +2. In deutschen Häfen ist Schaluppe weiterhin ziemlich gleichbedeutend +mit Jacht; Fahrzeug mit einem Mast, großem Schratsegel, Topsegel, +Brefock. + +3. heißt sloop in der englischen Marine ein kleines Kriegsschiff, +ehemals eins unter 24 Kanonen, dreimastig oder schnauartig, zwischen +Korvette und Kanonenboot. + +Der Name bedeutet also Schiffe und Boote von so verschiedener Art, daß +sie kaum irgendwie unter einen Hut zu bringen sind, es wäre denn der +gemeinschaftliche Begriff »Fahrzeug«. Und in der Tat kommt von dem +Zeitwort slupen das Wort. Es heißt schlüpfen, gleiten, sich gleitend +bewegen, sich bewegen, »fahren.« Daraus auch französisch chaloupe, +spanisch chalupa, niederdeutsch slupe. Im Mittelniederdeutschen gab es +ein slope, Fahrzeug zum Fortschaffen von Waren, welches aber auf dem +Lande gebraucht wurde. Sloepe als Fahrzeug zu Wasser war aber schon dem +Kilian bekannt. Niederländisch sloep; norwegisch, schwedisch, dänisch +slup. Das niederdeutsche slupen heißt auch schlüpfen. Es wäre daher +denkbar, daß eine slup ursprünglich ein Küstenfahrzeug gewesen wäre, das +bei schlechtem Wetter darauf angewiesen war, einen Unterschlupf unter +Land zu suchen. + + +*schamfilen* + +heißt durch Reiben verletzen. »Ein Schiff schamfilt an der Schleuse,« d. +h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die Farbe ab, daß +das Holz zum Vorschein kommt. »Ein Tau schamfilt,« d. h. es reibt sich +an einem festen Gegenstand und nützt sich so vor der Zeit ab. Um +dergleichen zu verhüten hat man verschiedene Mittel: Fender, +Sarving, überhaupt Bekleidung des Tauwerks, und besonders auch +*Schamfilungsmatten*. + +In Osterstade, jener friesischen Enclave jenseits der Unterweser, heißt +schamp ein Fehler an der Gesundheit. In Ostfriesland heißt die Epidermis +schampfel, womit nichts anders gesagt sein soll als daß die Oberhaut +leicht verletzlich ist, durch Reiben und dergl. leicht beschädigt werden +kann. Dem entsprechend heißt das niederdeutsche Zeitwort schampen +streifen, im raschen Vorbeigehen leicht treffen und berühren, durch +Streifen oder rasches Vorbeigehen und nahes Berühren eines Gegenstandes +denselben äußerlich beschädigen und verletzen, jemanden leicht +verletzen. In Westfalen heißt der Prellstein sehr bezeichnend +schampsten. Aus schampen ist ein Interativum schamperen, +schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, Formen die im +Mittelniederdeutschen sehr häufig vorkommen, »he hadde nene scanferinge +an der Hut gekregen«; doch manchmal auch für Schädigungen und +Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: »anno 1428 +schamferden de stede vor Kopenhagen des Königs schepe« ... (Lappenberg, +Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht und nur +oberflächlich, wenigstens im seemännischen Gebrauch. + +In den Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der +Lautverschiebung zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet +worden. Und dieses schampelen ist in der Form schamfilen nach +Ostfriesland übergesprungen und von da in die deutsche Seemannssprache +eingedrungen, in der sich übrigens eine Erinnerung an das ursprüngliche +schamp noch insofern erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhört, +schampfilen hören kann. Daß i aber an die Stelle von e getreten ist mag +eine Erinnerung daran sein, daß die Endung eigentlich -iren heißen +müßte, die niederländisch -eren lautet. + + +*Schandeckel*, der, + +ein Schutzdeck, eine Schutzbedeckung, eine Schutz gewährende Bedeckung +von Holz, die an verschiedenen Stellen, die eben des Schutzes bedürftig +sind, angebracht wird. + +Mit dem niederdeutschen Wort schanddeckel hat es keine Gemeinschaft, +denn das bedeutet einen Deckel zur Bedeckung einer Schande, und so heißt +ein Mann, der für Geld oder eine andere Belohnung ein von einem Reichen +entehrtes Mädchen heiratet. Unser Schandeckel aber ist (vergl. +schamfilen) aus schampdeckel entstanden, durch Schwund des p und indem +sich der bequemeren Aussprache wegen das m in n verwandelte. Ein +Schandeckel ist also eine Bedeckung, die das schampen, das Beschädigen +des bedeckten Teiles verhindern soll. + + +*Schanze*, die, + +hieß ein Stockwerk hinten auf dem oberen Deck, entsprechend der Back auf +dem Vordeck; wurde vormals Hintercasteel genannt, jetzt ist die Kampanje +an die Stelle getreten. Der Name kommt daher, daß rings um die Reling +dieses Aufbaues im Gefecht eine Schanze errichtet wurde, nicht aus +Reisigbündeln, sondern aus Hängematten. Um diese zu verdecken und +überhaupt zum Zierrat fiel von der Reling an der äusseren Seite der +Relingstütze und des Finknetzes ein etwa vier Fuß breites Tuch nach Art +einer Gardine herab: das *Schanzkleid*. Ein solches hatte auch die +Reling des Marses. + +Als im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Hängematten auf der Reling in +den Finknetzkästen ihren dauernden Platz erhielten, da trat an die +Stelle des Schanzkleides das wasserdichte Hängemattskleid. Aber an den +Marsen sind Schanzkleider geblieben und an der Kommandobrücke sind sie +zum Schutz gegen Regen und Wind neu hinzugekommen; jedoch ohne jeglichen +Prunk, während mit den früheren Schanzkleidern großer Luxus in Bezug auf +Farbenpracht und Verzierung getrieben wurde. Die englischen +Kriegsschiffe hatten Schanzkleider mit weißer oder gelber Borde besetzt. +In Frankreich hießen sie pavois. Aubin (1702): »Par une Ordonnance de +1670 le Roi de France a voulu qu'a l'avenir les pavois soient de couleur +bleue semée de fleurs de lis jaunes, et qu'ils soient bordez de deux +grandes bandes blanches.« Man nannte sie auch bastingures. »On met aussi +des bastingures aux hunes. Celles des Hollandois sont rouges; ils les +font presque toujours de baiette ou de drap, mais en ce cas on les +double et on le garnit de telle, sorte entre les deux étofes, que les +balles des mousquetes ne les peuvent percer.« + + +*Schärpe*, die. + +Zwar kein seemännisches Wort, aber doch zum dienstlichen Anzug der +Seeoffiziere gehörig, verdient es hier seine Stelle zu finden. In +früheren Jahren gingen die Armen nicht mit einem Sack, sondern mit einem +Topfe betteln. Der Topf hieß Scherbe. Wir sind heutzutage gewohnt, bei +diesem Worte an etwas Zerbrochenes zu denken. Das mag daher kommen, daß +man, namentlich auf dem Lande, nur zerbrochene Töpfe als +»Blumenscherben« vor die Fenster stellt, weil den Leuten ganze Töpfe zu +schade sind. Aber ursprünglich lag der Begriff des Zerbrochenen +keineswegs in Scherbe. Wenn das Gefäß, in dem sich die Bettler das +übriggebliebene Essen aus den Häusern zusammenholten, auch kein sehr +elegantes war, heil mußte es doch sein, schon darum weil das Essen meist +aus Suppe, Brei, Grütze etc. bestand. Wer sich die Sache recht deutlich +vorstellen will der gehe um die Mittagszeit längsseits eines in Dienst +gestellten, an der Kaimauer liegenden Schiffes, da kommen die +sonderbarsten Betteltöpfe zum Vorschein, sogar alte Präservenbüchsen, +für gewöhnlich nur von den Malern gebraucht, werden von armen Leuten +herbeigeschleppt um das übriggebliebene Essen in Empfang zu nehmen. + +Da nun die Bettler mit ihrer Scherbe in alten Zeiten von Haus zu Haus, +von Dorf zu Dorf zogen, so konnten oder mochten sie sie nicht immer in +der Hand tragen, befestigten vielmehr ein Band daran und trugen sie über +die Schulter gehängt. Bald hieß dieses ebenso wie der Topf, der daran +hing: Scherbe. Und aus diesem Bande ist unsere Schärpe geworden. Sie +diente schon im 13. Jahrhundert als Abzeichen der Ritter, war aber +natürlich breiter und feiner als das Band, das sich die Bettler hatten +leisten können. Sie ward entweder von der rechten Schulter nach der +linken Hüfte getragen und ist in dieser Gestalt das Vorbild für die +breiten Ordensbänder geworden und für die Bänder und Schärpen der +studentischen Verbindungen, oder um den Leib gebunden. Die Damen +schmückten die Schärpen ihrer Ritter mit feinen Stickereien, banden sich +auch bald selbst wohl breite farbige Seidenbänder um die Taille, dem Obi +ähnlich, den die japanischen Frauen tragen. Während so auf der einen +Seite das alte Ehrenzeichen zum Putzstück herabsank, stieg es +andererseits zum Feldzeichen, zum Kommandozeichen eines Heerführers +empor, um so als Dienstabzeichen der Offiziere bei uns in Geltung zu +kommen. Die beiden Arten, auf welche heutzutage bei der deutschen +Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser die Schärpe getragen wird, waren im +dreißigjährigen Kriege nebeneinander üblich. + + +*Schau*, das, + +kommt nur in der einen Verbindung vor: »Flagge in Schau«, »die Flagge im +Schau wehen lassen,« d. h. sie zusammengeknotet oder -gewickelt hissen. +Röding: »Es ist dies ein unter allen Nationen gebräuchliches Signal, +jemand an Bord zu rufen. Auf einer Reede weht die Flagge im Schau, wenn +die am Ufer befindlichen Schlupen an Bord kommen sollen, und man unter +Segel gehen will. Auf der See um andern Schiffen zu erkennen zu geben, +daß man ihrer Hilfe bedarf und in Not ist. Bei Gewahrwerdung des Landes, +um einen Lootsen an Bord zu rufen.« + +Jetzt hißt man im ersten Falle den blauen Peter, bezw. das betreffende +Bootssignal; im zweiten Falle hißt man als Notsignal die Flagge +verkehrt, das Oberste zu unterst; im dritten wird die Lootsenflagge +gezeigt. + +Man könnte Schau für eines Stammes mit Schauer und Scheuer halten, aus +der Wurzel sku, decken, verbergen, weil die Flagge im Schau gleichsam +halb verdeckt und verborgen, nämlich so gehißt wird, daß man ihre nähere +Beschaffenheit nicht deutlich erkennen kann, doch erregt hiergegen der +Umstand Bedenken, daß die ersten derartigen Signale keine Flaggen, +sondern sonst irgend ein hißbarer Gegenstand waren, ein Jacke, eine +Hose, ein Hemd, wie z. B., nach Ehrentraut, Fries. Archiv, es früher +Sitte war, daß ein Wangerooger Schiff, wenn es von der Reise heimgekehrt +war, vor der Insel zu Anker ging und ein solches Kleidungsstück halbmast +wehen ließ zum Zeichen, daß man ihm vom Lande her ein Boot schicken +sollte. So ist es also doch richtiger, anzunehmen, daß wir in Schau das +Schau von Brautschau, Deichschau, Heerschau vor uns haben und daß es mit +dem schauen in warschauen (s. d.) verwandt ist. + +Etwas Ähnliches und doch ganz Anderes geschieht, wenn man die Flagge +aufgetucht, also so wie sie zusammengelegt aus dem Schrank kommt, +aufhißt. Das tut man, damit sie mit einem Ruck rasch an ihrer richtigen +Stelle zum Auswehen gebracht werden kann. + +Nach Richthofen wurde im alten Ostfriesland ein Schau als Notzeichen +auch am Lande gehißt. »Offtet also voelle op ene tyt, datter eyn rechter +worde doet geslagen in den warve, soe sal de meente dat schow op theen +ende de clocken an kleppen«. »So soelen se rechtevort en schw dat is een +noetteken op setten«. + +Deutlich erhellt der Begriff eines seemännischen Schaus aus der +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, 1673: »Wir sahen auch (von +einem in schwerem Novembersturm in der Nordsee havarierten Schiffe aus) +ein Schiff zu Loffwart von uns; ließen derowegen ein Schau oder Zeichen +weyhen, daß wir verlegen waren, also kam er nach uns zu, ich fragte dem +Schiffer wohin er sein Will hätte? Er sagte, nach den Flie, ich bat ihn +daß er mir helfen möchte, so wolte ich ihm eine Linie zu werffen, damit +er ein Kabeltau zu sich holen konte, auff daß er unser Schiff dabey nach +dem Flie schleppen möchte; den wir müsten da auch seyn: Er aber gab zur +Antwort: es wäre spät im Jahr, auch grauete ihn daß bald Eyß kommen +möchte: derowegen must er sein bestes tun daß er zu Hause komme; Es +würde auch sein Volck damit nicht friedlich seyn: weil sie schon eine +lange Reise gehabt, ich sagte wieder: ich wolte seinem Volcke eine halbe +Ostersche Heur geben: oder was gute Männer erkennen könten, er aber +antwortete nichts mehr und ging durch. + +Wir aber sahen ihn betrübet nach, was thäte aber Gott, weil wir in +keiner geringen Noth und Gefahr wahren, schaffte Gotte der Herr daß uns +Wetter und Wind zur Stund dienen muste, so, daß wir am andern Tage des +Morgens vor dem Flie kamen, da alle Menschen Hülffe verschwunden, allein +durch die Hülffe Gottes. + +Wie uns nun die Loetzen allda gewahr wurden, kam uns eine Galliot an +Bord, die gab uns ein Lotes über, und wir langeten ihm ein Kabeltau, daß +er uns schleppen konnte; also hülffen sie uns, weil es eben Fluht war, +biß an die vierte Tonn, des andern Tages kamen wir ins Flie; des dritten +Tages aber kam das vorbemeldte Schiff, welches uns in der Noht hatte +verlassen« ... + + +*Schauer*, der, + +ein plötzlich hereinbrechender aber auch bald wieder vorüberziehender +Regen oder Hagel. Der Name kommt daher, daß durch einen solchen der +Himmel bedeckt und verhüllt und verdunkelt wird, also von derselben +Wurzel sku, von der auch das lateinische obscurus stammt. Niederdeutsch +schuur, niederländisch schoer, angelsächsisch scur, altsächsisch skur, +althochdeutsch scur, mittelhochdeutsch schur, schuwer, gothisch skura. + + +*Schauerknoten*, der, + +ist ein Knoten am Ende eines Taues der dasselbe so verdickt, daß es +hinter einem Loche seines eigenen Umfanges festsitzt, daß es am +Durchrutschen durch das Loch verhindert wird. Das Wort ist eine +Abkürzung; es müßte eigentlich heißen und hieß sonst auch allgemein +Schauermannsknoten, was man auch jetzt noch hören kann. Offenbar weil +die Schauerleute Taue mit solchen Knoten (und einem Haken) zum Ziehen +und Schleppen der Warenballen zu benutzen pflegen. + + +*Schauermann*, der, + +Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Löschen und Laden beschäftigter +Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Räumen bekannt sein muß, im +Übrigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht. In Groningen werden +so genannt »personen die hun brood verdienen met schepen langs het +Reitdiep te trekken«. Der in der Stadt Norden wohnhaft gewesene +Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: »ein früher vom hiesigen +Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe aus- und beladen +mußte und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen eine +feste Vergütung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung bestimmt +war.« Niederländisch hießen dergleichen arbeiders (Aubin 1702) siuuwers, +chiuwers, tsiuuwers. Weiland: »sjouw een last die zwaar valt om te +dragen«, die man darum ziehen, schleppen muß. Man kann das Wort also +füglich mit Lastträger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben, denn sjauen +ist die niederländisch-ostfriesische Form für das althochdeutsche +zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem gothischen taujau, aus einer +Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also anzunehmen daß +die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das Niederdeutsche macht +sonst freilich die Verschiebung des gothischen t zu ts, z, für +gewöhnlich nicht mit und hat demgemäß auch das Zeitwort tauen, englisch +tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches Lehnwort ins +Niederländische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren Wege ins +Niederdeutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann -- tsauerman +--Schauermann: ein Mann der Lasten taut d. h. zieht, schleppt, an einem +Tau vorwärts bewegt. + + +*Schebecke*, die, + +»a small three-masted vessel formerly much used by the Algerine +corsairs, and now used to a small extent in Mediterranean commerce. It +differs from the felucca chiefly in having several square sails, as well +as latin sails, while the latter has only lateen sails«. Bei uns +gebraucht man die Bezeichnung Schebecken-Takelage eben wegen der +lateinischen Segel. Französisch chebec, englisch xebec, spanisch +xabeque, italienisch sciabecco, zambecco, vom türkischen sumbeki, +arabisch sumbuk, kleines Schiff. + + +*scheitern* + += Schiffbruch erleiden, bekanntlich auch im übertragenen Sinne von +Nichtseeleuten oft gebraucht: gescheiterte Hoffnung, gescheiterte +Existenz u. s. w. Das Zeitwort ist von Scheit gebildet. Der Gedanke +liegt zu Grunde, daß bei einem wirklichen Schiffbruch das Schiff zu +lauter Holzscheiten zerschlagen wird. Wie man auch seemännisch zu sagen +pflegt: »es gibt klein Holz«, wenn etwas entzwei geht. Die +Grundbedeutung von Scheit liegt in der indogermanischen Wurzel skhait, +und kommt auf »scheiden«, spalten, hinaus. + +Das Wort ist kaum seemännisch zu nennen, da unsere niederdeutsche +Seeleute sich ziemlich ablehnend dagegen verhalten. Der Grund ist klar: +es müßte eigentlich in ihrem Mund schitern heißen und das käme doch +allzu nah an schiten, das ja auch mit scheitern gleicher Abstammung ist. +Weil aber im Hochdeutschen das t in dem Zeitwort für stercorisare sich +zu s verschoben hat konnte man da ungehindert schiten für spalten sagen +und schit für ein abgespaltenes Stück Holz; und man sagte im +Mittelhochdeutschen auch so. Im Neuhochdeutschen diphthongierte sich das +i zu ei, aber trotzdem hat sich der Seemann das Wort kaum angeeignet. + + +*scheren.* + +1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben. + +2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen; +kann auch durch eine Bretterwand geschehen. + +3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von +einem Schiffe, von den unteren Wolken. + +4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren. + +5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren. + +6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um -- »Was schert mich Weib, was +schert mich Kind« ... + +7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer +Gesellschaft trennen: »scheren Sie sich zum T...!« + +8. in einer Weberei Garn scheren. + +Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gängig; und +zwar ist 2. dahin erweitert, daß »ein Tau scheren« nicht nur gebraucht +wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz +allgemein, z. B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist, +daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile +geschieden wird. Die Grundbedeutung ist »abscheiden«. Althochdeutsch +sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelsächsisch +sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft +hat, skera. + +Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander schroff +»geschiedene« Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch skära, +dänisch skjäre. + + +*Schiemann*, der. + +»Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die Takelage des +Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des großen Mastes +und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes.« Kilian: »schim-man +(schieman) proreta, qui in prora tutelae navis presidet.« »Vocatur ille +in navibus cujus est omnium vasorum et instrumentorum curam habere«. +Brem. Mscr. »Und dese jegenwardige beide menne mit ohm (dem Capitain) +gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten schymman, auerst darnach +houetbossman gewesen«, Brem. Urk. v. 1580. Nach einer Wismarer Urkunde +von 1580 unterschied man: A. hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman, +D. E. F. bosmans, G. puitker auf einem Schiffe; letzterer war der +Geringste (s. Pütker). Dem deutschen Schiemann entspricht das dänische +Skibmand und das schwedische Skipman, und das legt die Annahme nahe, daß +Schiemann eigentlich Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheißen +habe und daß das p vor m ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m +assimiliert habe. Die Frage würde uns nichts weiter angehen, da die Tage +des Schiemanns vorüber sind, und mit dem Amt wäre auch der Name +ausgestorben, wenn nicht das Wort *Schiemannsgarn* ihn gerettet hätte, +die Bezeichnung eines schönen, glatten, sauber geschlagenen zu den +verschiedensten Zwecken verwendbaren dicken Bindfadens. Nach Weiland +hätte der schimman davon den Namen, »om dat hy is de schim en schaduw +van den hoogbootsman« (!) + + +*Schiff*, das, + +hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen durchgemacht, +daß es vermessen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, was ein +Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens »Schiff«. +Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes gotisches +Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, »hohl machen«. Es ist +auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht, als habe in +frühesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal i getragen. +Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff hat einen +reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da ist 1, das +hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das altfriesische +skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört mittelhochdeutsch schif, +althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch skip, angelsächsisch scip, +englisch ship, altsächsisch skip, neuniederländisch in der Einzahl +schip, dänisch skib, französisch esquif (Boot). Zu 2, die +neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen, mittel- und +altniederländisch scheep, mittelniederdeutsch schep, schepen, scheper, +althochdeutsch scef, scefsaufi, scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch +skepe. Zu 3, bretonisch skaf, gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn +wir nun in so verschiedenen Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen +anstatt des i oder des e den Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn +sein, auf eine vorgermanische Wurzel skap und auf das althochdeutsche +skapjan als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan +heißt schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen +Schöpfungsberichtes: »etwas aus nichts ins Dasein rufen«, sondern gemäß +dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: »aus rohem Stoffe +etwas zu einer Gestalt herausbilden«. Und zwar geschah solches +Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch +»schaben«. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte. +Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz +etwas herstellen, »schaffen«; heißt durch Ausstechen, Ausgraben, +Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen +Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur +ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet +man bei den alten Deutschen so häufig eine Zusammenstellung von Schiffen +und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil +das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache +ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus +der Tätigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso +einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff +ist vaisseau, provençalisch vaissel, englisch vessel, italienisch +vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gefäß. Das »Bremer Wörterbuch« +glaubt die Sache damit abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme +von schieben, »weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient +hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben +wurden«. Diese Erklärung ist um weniges besser als die scherzhafte, die +vom schiefen Bau redet. + +Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß mittelniederdeutsch +eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage geworden. + +Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe wie sie +gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die Unterscheidung +nach der Art der Takelage getroffen. Ein *Vollschiff* hat drei +vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine *Bark*, die +besonders stark vertretene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat +Groß- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine +*Schunerbark* hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine +unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine *Brigg* hat Groß- und +Fockmast, vollgetakelt und am ersteren noch einen Besan, der aber +Briggsegel heißt; eine *Polackerbrigg*, s. d., eine *Schunerbrigg* oder +*Brigantine* ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein +*Dreimast-Marssegel-Schuner* hat den Fockmast vollgetakelt und der +Großmast ist gleich dem Besanmast, ein *Dreimast-Gaffel-Schuner* hat +drei Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein +*Dreimast-Topsegel-Schuner* ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur +daß sein Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein *Marssegel-Schuner* hat +den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein *Topsegel-Schuner* +hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars- und +Bramrahen führt; ein *Gaffel-Schuner* hat zwei einfache Schunermasten +mit Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige, +weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig +Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn +fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann +man ihn auch bei uns nennen hören; ein *Chasse-Marée* s. d.; ein +*Lugger* s. d.; ein *Kutter* s. d.; ein *Slup* s. *Schaluppe*. + +Außerdem gibt es *Viermastschiffe*, und zwar Viermast-Vollschiffe mit +Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, »a small square +sail on a mast and boom at the stern of a boat,« man würde also +Treibermast sagen können; *Viermastbarkschiffe* mit Fockmast, Großmast, +Kreuzmast und Besanmast; und *Viermastschuner*, ebenfalls mit Fockmast, +Großmast, Kreuzmast und Besanmast. Und sogar zu *Fünfmastschiffen* hat +man sich verstiegen, nämlich zu *Fünfmastvollschiffen*, +*Fünfmastbarkschiffen*, *Fünfmastschunern*; als Namen für die Masten der +ersteren sind in Vorschlag gebracht Fockmast, Großmast, Kreuzmast, +Jiggermast, Achterkreuzmast; für die beiden letzteren Fockmast, +Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast. + +Die *Kriegsschiffe* werden bei uns zur Zeit eingeteilt in Linienschiffe, +Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, Panzerkanonenboote, +Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge. + +Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck. + + +*Schiffsbesichtigungskommission*, die, + +eine Kommission bei der Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem +Seeoffizier und den nötigen technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es +ist, Handelsdampfer auf ihre Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu +besichtigen und sich über ihre Verwendbarkeit im Falle einer +Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu erhalten. Schon vor 600 Jahren +wußte man von einer, allerdings nur nach Bedarf im einzelnen Falle +zusammentretenden Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte +König Philipp der Schöne von Frankreich als Lehnsherr über Flandern »den +Bürgern und Einwohnern von Lübeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg, +Wismar, Rostock, Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche +Meer befahrenden Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da +zurück, es sey zu Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs +freyen Handel gegen Erledigung der üblichen Abgaben. Jedoch sollten sie +nirgends nach Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England, +Schottland oder Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der +Engländer unterworfen sind, einführen, noch selbst auf dem Meere +verschiffen, bei Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Königs +Gutdünken. Ebenso sollten sie keine Güter aus Frankreich nach England +führen und daselbst verkaufen, bei gleicher Strafe. *Auch behält sich +der König vor, ihre Schiffe, die er zum Kriegführen bedürfe, ihnen +abzumieten oder abzukaufen, nach der Schätzung von vier unbescholtenen +Männern, zur Hälfte aus ihrer, zur andern aus des Königs Untertanen +genommen.*« (Sartorius. -- Lappenberg, Hansa, I 272.) + + +*Schiffsregister*, das. + +»Um nun jederzeit den an den Schiffahrtsverhältnissen beteiligten +Kreisen Gelegenheit zu geben, sich über den Zustand irgend +eines Schiffes ausreichend zu unterrichten, werden von den +Besichtigungsinstituten Register, d. h. Schiffslisten, herausgegeben. +Diese enthalten außer dem Namen und dem Unterscheidungssignal der bei +dem bezüglichen Besichtigungsinstitut klassifizierten Schiffe die +Hauptdimensionen derselben, die Klassenzeichen (s. A), das Datum der +letzten Besichtigung und die Angabe des Materials, aus welchem sie +erbaut sind, u. dergl. m.« Besonders enthalten sie auch die +Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei bedeutet + +k Kleine Küstenfahrt, die Fahrt längs den Küsten des Festlandes und den +Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat +südlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund, +sowie längs der Küste der Ostsee. + +K Große Küstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee, im +Englischen Kanal, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, sowie in +überseeischen Gewässern ähnlicher Art. + +Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans, +sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewässern und im +Stillen Ozean. + +L. Große Fahrt, die für die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen +überschreitende Fahrt. + +Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstärkungen für die Fahrt durch Eis +versehen ist, erhalten außer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E). + + +*Schiffstaufe*, die + += Stapellauf. Diese Taufe erinnert äußerlich in zweierlei Hinsicht an +das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie auch sonst damit zu +tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was früher beim Sakrament der +Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe geschieht, indem das +Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu heißen pflegt, »in sein +Element hinabtaucht.« Sodann ist die Namengebung mit dem Tauchen +verbunden. Frühe schon ist das altgermanisch-heidnische +Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden +worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird -- wenigstens bei uns; bei +anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders +--der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher für die +beteiligten Kreise ein spannendes Geschäft, aus den Einladungen, aus den +Zurüstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede +den kommenden Namen zu erraten. + + +*schiften* + +heißt irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen, von +einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen, besseren, +unter veränderten Umständen richtigeren Platz anweisen, etwas teilen, +abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das Wort ist +niederdeutsche Form für schichten, nach dem so oft zur Anwendung +gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und Gracht, +Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele ähnliche sich einander +entsprechen. + + +*schlackern* + +bedeutet eine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit beim Rudern, +infolge deren das Wasser spritzt und die im Boote befindlichen Leute naß +macht. Ein niederdeutsches Wort, das gebraucht wird wenn ein Kind etwas +von seiner Suppe auf das Tischtuch oder die Serviette tropfen läßt; +sodann auch für anhaltenden feinen Regen, für Nässen, Schmutzen, +Beschmutzen. Das Wort ist Iterativum von slaggen, das wir im +Hochdeutschen in der Verbindung Niederschlag und Schlagregen kennen. + + +*Schladding*, die. + +Es gibt viele Arten, auf die das Tauwerk an Stellen, wo es dem +Schamfilen ausgesetzt ist, bekleidet und geschützt wird. Eine derselben +nennt man Schladding, d. h. mit Schladding bekleiden. Das niederdeutsche +Wort sladde heißt Lumpen, Lappen, Fetzen, Stück altes Zeug. Eine +Schladding ist also die Bekleidung eines Taues mit altem Segeltuch. +Sladde ist verwandt mit unserem schlodderig, bedeutet also etwas das +schlaff, nachlässig, unordentlich lumpig herunterhängend ist. + + +*Schlag*, der. + +1. Röding: »Wenn man ein Tau um einen Gegenstand herumschlägt, zum +Beispiel um ein anderes Tau, um ein Spill u. s. w., so daß es eine ganze +Umwälzung um diesen Gegenstand macht und die beiden Enden kreuzweise +über einander zu liegen kommen, so ist dieses ein *ganzer* oder ein +runder *Schlag*; macht man diese Umwälzung noch einmal, so ist es ein +*doppelter Schlag*; geht die Umwälzung aber nicht rund um, so daß sich +die beiden Enden nicht berühren, so ist es nur ein *halber Schlag*.« + +2. Wenn ein Schiff zu kreuzen genötigt ist und es fährt demgemäß einmal +nach einer und dann nach der anderen Richtung, so nennt man jedesmal die +nach einer Richtung zurückgelegte Strecke einen Schlag. + +3. Der Schlag mit dem Riemen beim Rudern; er ist ein »Schlag ins +Wasser«, aber ein wirkungsvoller, nicht, wie im Hochdeutschen, eine +vergebliche Arbeit. + +4. Wenn ein Schiff ungleich geladen ist und sich infolgedessen auf die +Seite neigt, so sagt man: es hat Schlagseite. + +Alle diese seemännischen Bedeutungen von Schlag gehen, wie überhaupt +auch sämtliche hochdeutsche Anwendungen des Wortes, auf die +ursprüngliche Bedeutung des Zeitwortes schlagen zurück, gotisch slahan: +unaufgehalten eine gewisse Richtung ein*schlagen*. + + +*Schlappgording*, das, + +gehört zu den Gordingen der unteren, großen Segel und hilft deren Tuch +nahe an die Rahe bringen, wenn sie festgemacht werden sollen. Und zwar +holen die Buggordinge das Unterliek des Segels nach der Mitte der Rahe, +die Nockgordinge das Seitenliek steif längs der Rahe. Nachdem dieses +geschehen ist hängt immer loses Tuch schlapp, d. h. ohne daß eine andere +Kraft als die der eigenen darauf steht, unter den Rahearmen. So sind +denn hier auch noch Gordinge angebracht, die, weil sie das schlappe Tuch +an die Rahe holen, Schlappgordinge heißen. + + +*Schlaufe*, die, + +bedeutet das was hochdeutsch eine Schleife heißt, ein Öhr, eine Öffnung, +eine Schlinge. Das Wort ist nichtniederdeutsches Dialektwort und daher +dem niederdeutschen Seemann wenig mundgerecht. Althochdeutsch slouf, +mittelhochdeutsch sloufe (Lexer, 233) von sloufen. Im Niederdeutschen +ist slöpe, slove, slöfe = geschlungener Knoten. + + +*Schlenge*, die, + +heißt ein faschinenartiges, von Pfählen festgehaltenes Reisiggeflecht +zum Schütze der Küste oder des Ufers und zur Beförderung des +Landanwuchses, da die Schlengen den Schlick bei ablaufendem Wasser +zurückhalten und ansammeln. Sie finden sich überall da, wo es Schutz +gilt gegen das Losreißen von Land durch die Meeresfluten und wo man +zugleich dem Meere Land abgewinnen will, wie das am Dollart, an der Jade +und anderswo bereits mit großem Erfolg versucht worden ist. Das Wort +kommt von schlingen, niederdeutsch slengen, da das Reisig durch +Verschlingen und Flechten Festigkeit erhält. + + +*schleppen*, + +kommt für sich allein und in Zusammensetzungen wie abschleppen, +aufschleppen, ausschleppen, einschleppen vor und bedeutet, daß ein +Schiff ein anderes fortbewegt, das sich aus eigener Kraft nicht +fortbewegen kann oder mag. Das schleppende Schiff heißt, wenn es das +Schleppen als Beruf betreibt, Schlepper oder Schleppdampfer, und man +sagt, daß es das geschleppte Schiff im Schlepp hat. Niederdeutsch +slepen, Weiterbildung von slipen, heißt gleiten machen, machen daß sich +etwas gleitend bewegt. Daher heißt eine Last schleppen nicht sie auf der +Schulter tragen, sondern sie auf dem Boden hinter sich herziehen (s. +Schlipp). + + +*Schleuse*, die. + +»Ein sehr nützliches Wassergebäude, vermittelst dessen sich das Wasser +in dem von dieser Schleuse eingeschlossenen Raum oder in der Kammer +derselben erhöhen und erniedrigen läßt.« (Roeding) Schleusen, die einen +Hafen vor den Bewegungen der Ebbe und Flut verschließen, waren demnach +vor 100 Jahren noch nicht üblich. Da eine Schleuse ein Verschlußding +ist, so hat man zur Erklärung auf das althochdeutsche sliozan, +schließen, schließen wollen; das geht aber nicht, weil sonst sich das z +zu t im Niederdeutschen und Niederländischen hätte verschieben müssen, +das ist aber nicht geschehen, da Schleuse hier nicht slüt und sluyt, +sondern slüs und sluys heißt. Daher müssen wir im romanischen +Sprachgebiet Umschau halten, wo man früh mit Erbauung von Wasserwerken +begann. Schleuse kommt in der Tat von daher. Vom lateinischen excludere +ist zunächst das mittellateinische exclusa, sclusa gebildet, davon das +spanische esclusa und französische écluse, das sich durchs Holländische +-- sluys, sprich sleus -- zum deutschen Schleuse weitergebildet hat. + + +*Schlick*, der, + +ist der an den Nordseeküsten sich niederschlagende zarte, weiche, fette, +schlüpfrige, sehr fruchtbare Meeresschlamm, die Erde aus der Kooge, +Groden und Polder bestehen, aus der der Marschboden sich gebildet hat. +Neuerdings bringt man von der Küste den ausgebaggerten Schlick ins +Binnenland zur Verbesserung unfruchtbarer Moor- und Haidestrecken. + +Das Wort müßte eigentlich Schlich oder wenigstens Schliek heißen und +heißt an Ort und Stelle auch slik mit langem i, weil es von sliken, +schleichen, gleiten, schlüpfen kommt; also »schlüpfrige Erde.« + +»Schlickrutscher« nennt man an der Nordsee scherzweise die Küstenfahrer. + + +*schlieren*, + +bedeutet das Rutschen einer Sache; z. B. wenn einer ein Tau fiert und er +fiert es nicht Hand über Hand, sondern läßt es sich durch die Hand +rutschen, was unter Umständen eine schmerzliche Verletzung derselben +verursachen kann, so schliert das Tau. Oder es macht einer eine +Schlinge, die sich nicht zuziehen soll und er macht sie nicht ganz +richtig, daß sie sich doch gleitend zusammenzieht, so heißt es: der +Knoten schliert zu. Ein niederdeutsches Zeitwort, eigentlich sliren, mit +der Bedeutung gleiten, schlüpfen, rutschen; zusammengezogen aus +sliddern, dem bekannten Zeitwort schliddern für schleifen, glitschen, +wie es Kinder auf zugefrorener Gosse betreiben. + + +*schlingern* + +bedeutet im Sprachgebrauche des Seemanns das Schwanken des Schiffes nach +beiden Seiten hin, das Sichüberlegen bald nach Steuerbord, bald nach +Backbord. Das Zeitwort ist Iterativum vom niederdeutschen slingen, und +dieses bedeutet eigentlich: sich bewegen wie eine Schlange, +Schlangenbewegungen machen, also das hochdeutsche »schlängeln.« + +Um die keineswegs zu den Annehmlichkeiten der Seefahrt gehörigen +Schlangenbewegungen eines Schiffes zu vermindern, werden in neuerer Zeit +an den Schiffen besondere *Schlingerkiele* angebracht. »Sie sind stets +symmetrisch auf beiden Schiffsseiten in der Kimm, d. h. an der Stelle +des Schiffsbodens angebracht, welche die Abrundung zwischen dem +horizontalen und vertikalen Teile bildet. Sie erstrecken sich der Länge +nach etwa über die halbe Schiffslänge, und zwar in der Mitte des +Schiffes, und sind an den vorderen und hinteren Enden in einer schlanken +Kurve abgerundet«. + + +*Schlipp*, die, + +ist eine Art Helling, eine geneigte Ebene am Wasser, auf die man ein +ausbesserungsbedürftiges Schiff aufschleppt. Aber nicht vom Schleppen +hat sie den Namen, sondern von schlippen; denn nicht daß das Schiff +aufgeschleppt wird ist die Hauptsache und hat bei der Benennung den +Ausschlag gegeben, sondern die bequeme Art, auf die man das +ausgebesserte Schiff wieder zu Wasser bekommt, indem man es einfach +schlippen läßt. Darum ist es nicht ratsam, daß man, wie neuerdings wohl +geschieht, die Schlipp Schleppe nennt, denn Schleppe ist etwas das +geschleppt wird; das fertig ausgebesserte Schiff wird aber nicht +geschleppt, abgeschleppt wie ein auf Grund geratenes Fahrzeug, sondern +man läßt es schlippen, auf der Schlipp, auf der geneigten Ebene zum +Wasser hinab gleiten; grade wie man eine Ankerkette durch öffnen des +*Schlippschäkels schlippen*, d. h. ins Wasser hinabgleiten läßt, wenn +man keine Zeit hat den Anker zu lichten. Niederdeutsch slippen = +schlüpfen, gleiten, hinabgleiten. + + +*Schloiknie*, das. + +»Die Schloikniee dienen dazu, den Auslieger des Galjons von der Seite zu +umfassen und mit dem Bug des Schiffes zu verbinden. Auf jeder Seite des +Galjons liegen deren zwei; der gebogene Arm liegt mit seiner hohlen Bugt +gegen den Bug des Schiffes, und zwar auf dem Bergholz, der andere Arm +ist mit dem Ausleger verbolzt.« Bobrik II. 2. 2371. Das für unser Auge +etwas sonderbar aussehende Schloi müßte eigentlich Sloi heißen und hat +im Niederländischen, woher es stammt, die Form sluy. Unser +niederdeutsches sluten = schließen heißt nämlich im Niederdeutschen +sluiten, sluyten, und bedeutet ursprünglich biegen, krümmen, +zusammenbiegen, vereinigen, verbinden, lateinisch claudeo. Dieser +Begriff liegt ganz und voll in Schloiknie, das mit zwei Armen eine +Verbindung herstellt zwischen Schiff und Gallion. + + +*Schlossholz*, das, + +ist kein Holz, sondern ein vierkantiges Stück Eisen, das durch das +Schloßgat am Fuße der Stenge durchgesteckt wird, so daß die beiden +vorstehenden Enden auf die Längssaling aufzusitzen kommen und so die +Last der Stenge tragen. Das Schloßholz ist also nicht nur kein Holz, es +ist auch kein Schloß. Es müßte Schlußholz oder Schließholz heißen, da es +den Anschluß der Stenge an den Mast bewirken hilft und niederdeutsch +slotholz, niederländisch slothout, sluthout im Dänischen, sluthult im +Schwedischen heißt. Im Mittelhochdeutschen heißt sloz Schlußstein eines +Gewölbes. + + +*Schmack*, die, + +ein Küstenfahrzeug mit flachem Boden, vorn und hinten voll und rund +gebaut, mit einem Pfahlmast und einem Treiber. Englisch smack: »A large +sloop, with a gaff-topsail and a running bowsprit, used chiefly in the +coasting and fishing trade.« Französisch semaque, niederländisch smak, +niederdeutsch smak und smakke. Das Wort steht für Schnack, vielleicht +weil die Erinnerung an Schnack = Geschwätz vermieden werden sollte. + +Im Niederdeutschen ist snake eine Art von Schlangen, die sich im Wasser, +in Sümpfen und alten Gräben aufhält und herumkriecht und schleicht. Von +dieser Bewegung wird das an den Küsten herumkriechende und schleichende +-- vergl. »Schlickrutscher« -- glatte Fahrzeug den Namen haben. Schon im +Althochdeutschen gab es einen Schiffsnamen snacga, mittelhochdeutsch +snacke, und zwar war es ein »langsam fahrendes« Schiff, mit sneggo, +Schnecke (s. Schnigge) verwandt, vom althochdeutschen snahan, kriechen, +schleichen. Man dachte also jedenfalls an ein schwerfälliges Schiff, +denn man machte auch in althochdeutschen Zeiten schon Unterschiede +zwischen langsamen und schnelleren Schiffen. So bedeutete seit dem 5. +Jahrhundert unserer Zeitrechnung tragamunt, tragemunt, tragmunt ein sehr +schnellfahrendes Schiff, altnordisch dromundr; altfranzösisch dromon; +griechisch dromon, der Läufer, (nicht zu verwechseln mit dem tragemunt, +aus dem unser Dragoman (s. d.) entstanden ist). + +Verwandt ist mit Schmack auch das angelsächsische snacca. Aus der +französischen Form für Schmack semaque ist das italienische semacca, das +spanische, portugiesische zumaca entstanden. + + +*Schmarting*, die, + +ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle mit altem +Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie Schladding, nur daß man bei +beiden Wörtern von verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei +Schladding von der Bekleidung, bei Schmarting aber von dem Schaden, der +entsteht, wenn die betreffende Stelle nicht bekleidet ist, denn dann +gibt es eine Schmarting, ostfriesisch-niederländisch smarting, eine +durch Reiben entzündete Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte +Verletzung; smarten heißt schmerzen, aber nicht so allgemein wie im +Hochdeutschen, sondern: »durch Reiben wund werden und dann wehe tun«; +daher das Wort smartfel = schampfel (s. schamfilen) für Epidermis, da +diese sich durch Reiben an einem harten Gegenstand leicht »schamfilt« +und dann sehr schmerzt. Solches Reiben zu verhüten, solche »Schmarting« +zu verhindern, wird eine Schmarting angelegt. + + +*Schmeerreep*, das, + +ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in Wirkung zu treten, +wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde nicht halten sollte; +also etwas das an sich überflüssig ist und nur der größeren Vorsicht +halber, um ein Übriges zu tun, benützt wird, damit man desto besser und +sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das Sprichwort zu +Grunde liegen: »Wer gut schmeert, der gut fährt«, d. h. wer dem Kutscher +kein Trinkgeld gibt, der fährt zwar auch, wer ihm aber eins verabreicht, +der fährt besser, schneller, sicherer. Jemanden schmieren heißt ihn +bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern, und eine +Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die *Schmiergording* gewesen. + +Es braucht kaum ausdrücklich bemerkt zu werden, daß das Gesagte nur den +Wert einer Vermutung hat und daß unser Wort noch einer +wissenschaftlichen Erklärung harrt. + + +*Schmiege*, die, + +heißt der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock der +Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d. h. die Abweichung +vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des Schiffes +gemäß an den Spanten findet; ein Schrägemaß. Die Bedeutung von schmiegen +ist »sich eng an etwas drücken«, wobei man sich, wenn es not tut, aus +der geraden in eine geneigte Lage bewegen muß, seinen Winkel zu +verändern genötigt sein kann. Hierher gehören auch schmücken, weil das +schmückende Kleid sich anschmiegt und *schmuggeln*, weil der Schmuggler +ein sehr anschmiegendes Wesen haben muß, um hinter einem Baum oder Busch +Deckung suchen zu können. + + +*Schnabel*, der, + +meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der vorderste Teil des +Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels ist. Schon bei den +Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnäbelte Gestalt, wie die +columna rostrata hinlänglich beweist. Aus rostrum ist spanisch und +portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch schon im +Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht worden +war, als zwar volkstümliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei uns wird +Schnabel für Mund gebraucht, aber nur in verächtlichem Sinne. Der +Seemann sagt von seinem Schiff lieber: »es steckt die Nase in den Wind« +als: »es steckt den Schnabel in den Wind«. + +Das Wort gehört zu der in schnappen enthaltenen Wurzel snab. + + +*Schnau*, die, + +ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln, aber mit der +besonderen Eigentümlichkeit, daß für den Besan ein besonderer Mast +errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Großmast, so nahe, daß +sein oberes Ende zwischen der Längssaling dieses Mastes befestigt ist. +Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau selbst +verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten *Schnaumasten* +stehen für die Schratsegel und den Besan. + +Schnau kommt vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die +Schnauze; ursprünglich hat also nicht dieser eigentümliche Mast, sondern +der besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen +hergegeben, das rostrum. Niederländisch snauw, dänisch snau, schwedisch +snau, englisch snow, französisch senau, italienisch senau, portugiesisch +senau. Das Bremer Wörterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende +Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es +von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder +schmal und scharf zugeht, gebraucht, z. B. Schiffe sind *up de snau* +gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen.« So hat ja auch im Hochdeutschen +eine Kanne eine »Schnauze.« + + +*Schnicke*, die, + +war zu Rödings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, bloß in der Nordsee +gebräuchliches Fahrzeug zum Fisch- und Austernfang, kleiner als die +Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz zulaufendes +Fährboot für Binnenkanäle. Zur mittelniederdeutschen Zeit war es ein +Beiboot einer Kogge. In einer Lübischen Urkunde von 1368 heißt es: de +stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden wepenern, dat +is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho +giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke.« Es ist +eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen Ursprungs mit +diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten, schlüpfen, +schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen Schnellsegler. +Niederländisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja, dänisch snekke, +snakke, althochdeutsch snacga. + + +*Schnürboden*, der. + +Wenn die Pläne und Zeichnungen eines Schiffes fertig sind und es geht +nun an die Ausführung, so ist die erste Arbeit das Abschnüren des +Schiffes. »Es ist dies eine Arbeit, welche das Aufzeichnen der +Konstruktionslinien des Schiffes in natürlicher Größe auf dem Fußboden +eines besonders hierfür gebauten Raumes, des sogenannten Schnürbodens, +ausmacht.« Das Aufzeichnen geschieht nach den betreffenden Maßen der +Pläne mittelst der Meßschnur. + + +*Schoner*, auch *Schuner*, der. + +Das Kennzeichnende dieses seetüchtigen, gutsegelnden, leicht zu +bedienenden schmucken Segelschiffes ist die ausgiebige Verwendung von +Schratsegeln. Wenn man von einer Schuner-Takelage spricht, so sind stets +Schratsegel gemeint im Gegensatz zu Rahesegeln. So sagt man z. B. +Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das vorne Rahen, hinten Schunertakelage +hat. Niederländisch schoener, schwedisch, dänisch skooner, französisch +schouner, italienisch, spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner, +scooner. Das Wort soll amerikanischen, neuenglischen -- im +geographischen Sinne -- Ursprunges sein. »It seems to have been proved +beyond controvercy that the name, like the vessel itself, is of American +origin, being from a New England word *scoon*, to skim or skip upon the +water, to make ducks and drakes. The first vessel of the kind is said to +have been built at Gloucester, Mass »by Captain Andrew Robinson about +1713; and the name was given to it from the following circumstance. +Captain R. hat constructed a vessel, which he masted and rigged in the +manner that schooners now are, and on her going off the Stocks into the +water a bystander cried out; »O how she scoons!« R. instantly replied: +»A scooner let her be;« and from that time this class of vessels has +gone by that name.« Also von der leichten, schwebenden Bewegung ist der +Name genommen. + + +*Schönfahrsegel*, das, + +verkürzt *Schoversegel* (bei Röding). Man sollte denken, das wäre die +richtige Bezeichnung für Leesegel, weil diese nur bei schönem Wetter +gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern das Großsegel +heißt so. Offenbar darum, weil es das hauptsächlichste Segel ist, das +dem Winde die meiste Fläche darbietet, das also die schönste d. h. +schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das am längsten +stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel, vor dem +sichs am schönsten beiliegen ließ. Der Verfasser der »Beschriving von +der Kunst der Seefahrt,« Lübeck 1673, schreibt: »Wie ich Anno 1647 in +des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns zu, zwischen +Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von Tripoli, gemondiert +mit 36 Stücken und 16 Metanen Bassen: wir fochten mit ihnen von dem +Morgen biß an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war ein hartes Gefecht, +so, daß wir unterweilen ein dem andern eine geraume Zeit an Bort lagen, +biß endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder fünff und fünfftzig +hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren auffflohe und das +Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu meinem Glück gerade +zuvor über Bort gesprungen, weil ich sahe, daß ich nicht länger Zeit +hatte da zu bleiben, daß Wasser ging aber ziemlich holl, weil wir die +vorige Nacht vor ein Schonvorsegel hätten beygelegen, welches auch beyde +Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thäte, daß man kaum das +stehend darin behalten konte.« + + +*Schore*, die, + +oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Stütze dienender Balken; so +heißen z. B. die Bäume, mit denen man ein aufgeschlepptes oder im Dock +befindliches Schiff stützt, Schoren. Niederländisch schoor, altenglisch +schore, englisch schore. Es bedeutet ein geschnittenes, gespaltetes +Stück Holz und ist mit scheren gleicher Herkunft von skeren (Präter. +schor), aus der Wurzel skar, schneiden, spalten. + + +*Schot*, die, + +das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten und hinten, +die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels nach hinten +holt. Eigentlich heißt aber die Ecke Schot, an der dieses Tau befestigt +ist. Der größeren Deutlichkeit wegen, heißt diese Ecke jetzt +tautologisch Schothorn oder Schothörn; Schot allein würde aber völlig +genügen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das daran sitzende +Tau übergesprungen wäre. Denn Schot heißt Schooß = Zipfel, Ecke, +herunterhängender Teil eines Kleides, Rockschooß. Also: Ecke des Segels. +Von Schot kommt altfranzösisch escota, französisch écoute, spanisch, +portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan, schiezan, +sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschießens, des +Vorspringens. Angelsächsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts, +Schooß; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch +nicht, sonst hätte er nicht eine so umständliche Umschreibung desselben +gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemännisch zu erkennen; er +hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis +angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis. + +Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; *Wasserschoten* +sind die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar naß werdenden Schoten der +Unterleesegel. Die Ausdrücke Binnenschot und Außenschot erklären sich +von selbst. + + +*Schott*, das. + +Die neuen großen Schiffe sind alle durch Querwände in verschiedene +Abteilungen geteilt, die mit verschließbaren Türen versehen sind. Sind +diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von einander +wasserdicht getrennten Räumen. Wenn nun in Folge einer Havarie einer +derselben voll Wasser läuft, so werden die anderen nicht in +Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott. + +Bremer Wörterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltür, wodurch eine +zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln, +verschließen, absondern durch eine Scheidung, wofür man auch +*abschotten* sagt, einen kleineren Raum von einem größeren durch eine +Bretterwand trennen. + +Bei unseren neuen großen Schleusen haben sie auch Schotten, man hat aber +die seemännische Form dafür verschmäht und gemeint, eine hochdeutsche +Form wählen zu sollen und sagt daher *Schütze*. Es ist das Schott ja +auch ein Schutz, aber Schott hätte genügt; niederdeutsch schot und +schüt: »ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hölzerner Schieber, eine +Holzklappe etc. zum Schütten oder Abhalten (Absperren, Abschließen etc.) +und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen das Ein- +und Durchbrechen des Wassers bei Sturmfluten, oder auch zum Schütten +oder Ein- und Aussperren des Viehes.« + +In oldenburgischen und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal +eine Anzeige: »Geschüttet ein Schaf; abzuholen im Schüttstall bei N. N.« + +Kilianus: schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut, +schot = septum, locus conclusus. + + +*schralen.* + +Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, daß er anfängt für die Fahrt +des Schiffes ungünstig zu werden, so daß man bald nicht mehr Kurs halten +kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heißt schralen schlecht, +ungünstig werden; schral heißt ostfriesisch schlecht, mager, dünn, +elend, arm, knapp; man kann schralen also übersetzen mit knapp werden, +der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Stärke, denn das +würde abflauen heißen, sondern vielmehr in Bezug auf seine Richtung, so +daß man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr beim Winde +steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. »Unzureichend« dürfte der +allgemeine Begriff von schral sein; niederländisch schraal, +westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dänisch +skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen +Nebenbedeutungen. Beim seemännischen Gebrauch des Wortes ist es nicht +ganz ausgeschlossen, daß bei der ungünstigen Drehung, die der Wind +macht, auch zugleich ein schwächeres Wehen eintritt, doch ist zunächst +sicher nur an die Richtung gedacht. + + +*schrapen*, + +mit einem *Schraper* die Farbe von etwas abkratzen, um es dann neu und +besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das außer in der Form +schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und bedeutet: +mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln, streichen; +Rüben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen; auch: sich +den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer Lübecker +Reformationsgeschichte von 1529-1531 heißt es: »Und verstunden sik de +lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen manne +sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort scholden +handelen und ordelen.« + +Der Schraper ist ein dreieckiges Stück Eisen mit scharfen Kanten und +einem Stiel. + +Von der Form schrabben für schrapen kommt auch das bekannte Wort +*Schrubber*, ein scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fußbodens, des +Decks; ein »Leuwagen.« + + +*Schratsegel*, das. + +Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren sind Schratsegel. +Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle Gaffelsegel +gemeinschaftlich bezeichnet, so daß Jager, Klüver, Stagsegel, +Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Großgaffelsegel, Besan und Briggsegel +unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefaßt werden. Im +Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in schräger +Richtung verläuft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz zuläuft. Der +Name ist also gewählt für das was allen Schratsegeln auch wirklich +gemeinsam ist, daß sie nicht grade, sondern schief geschnitten sind. So +nennt man schratdok »ein dreykantiges Halstuch des Frauenzimmers, deren +zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen entstanden sind.« Diese +Vorstellung lag wahrscheinlich auch der Benennung der Schratsegel zu +Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau die Form eines solchen +dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man könnte sich zwar die Sache +auch so vorstellen, daß die Schratsegel immer schräge stehen, während +die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant gebraßt werden, aber +dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche Begriff von schrat, der +nicht sowohl das *dreieckig* Geschnittene, sondern vielmehr das +dreieckig *Geschnittene* ist, denn die Wurzel dazu ist skru = schneiden, +von der auch der Familiennamen Schröder = Schneider kommt. Ein +Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam ein +in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel. + + +*Schraubenbrunnen*, der, + +ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die Schraube hängt, wenn +ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will. Die Schraube wird +gelichtet, d. h. aus dem Wasser herausgezogen und in dem Brunnen +aufgehängt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme. Doch wird durch +solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes geschwächt, so daß man +in Erwägung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht den geringen Vorteil +der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe. + + +*schricken.* + +Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges fiert. Es +ist z. B. ein Kutter vorn etwas höher gehißt wie hinten; da es aber für +das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, daß der Kutter grade +hängt, so muß der vordere Kutterläufer geschrickt werden. Oder es tritt +Regen ein, der die Brassen naß macht und zusammenzieht, so daß sie +allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen geschrickt. Da das +Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft steht, so ist das +Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende muß vorsichtig +sein, daß er das Ende gut belegt hält, damit das Tau in seiner Gewalt +bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe verwandt und +mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das demselben zu Grunde +liegende althochdeutsche screckon heißt auffahren, aufspringen, +springen, hüpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem entspricht +das niederdeutsche schrikken = springen, einen plötzlichen Ruck machen +oder bekommen, auffahren, zurückfahren, schrecken, erschrecken. Doch +kommt das seemännische schricken nicht unmittelbar vom althochdeutschen +screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch schrecken = springen +machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe Wort, das eine Köchin +gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem heißen Wasser +plötzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser schälen lasse. + + +*Schrims*, das, + +ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen Stücken Garn, +teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort würde wenig bekannt +sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise gebraucht würde, +um das gekochte präservierte Rindfleisch zu benennen, das leicht wie +Strähne eines aufgedrehten Taues auseinanderfällt, daher es auch noch +öfters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das Wort dürfte aus +dem Englischen herübergekommen sein und müßte wohl Schrimps geschrieben +werden, denn das -- jedenfalls mit dem mittelhochdeutschen schrimpen +verwandte -- englische schrimp heißt Knirps, Zwerg, und mundartlich +heißt im Englischen shrimp irgend etwas Kleines, Unbedeutendes, +Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall stimmt. + + +*Schrubber*, der, s. schrapen. + + +*Schuner*, der, s. Schoner. + + +*Schute*, die, + +ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem Tiefgang, zur +Beförderung von Personen und Gütern auf Flüssen und Kanälen. Sie sind +weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern werden +getreidelt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der +niederländische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem +Pferde sitzt und es antreibt heißt het jagertje). Sie bildet ein sehr +angenehmes Beförderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf einem +holländischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wissen, wie bequem +und gemütlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch Röding +(1794) nennt sie »bequem« und weiß von vielen Arten Schuten in Holland, +darunter sogar auch Segelschuten. + +Die großen Elbkähne, die von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter +nach Hamburg kommen, nennt er »Hamburger Schute« und beschreibt sie als +stattliche Schiffe von 120 Fuß Länge. In und bei Berlin ist der Name +heute noch sehr gebräuchlich. Riecke, »Ursprung und Name der Städte +Berlin und Köln an der Spree« behauptet sogar: »Der märkische Name +Schute für Kahn ist vom keltisch-gälischen sguit, ein Boot, abzuleiten.« +Dagegen spricht aber das frühe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man +möchte daher eher auf niederdeutschen Ursprung schließen. Im +Mittellateinischen hieß Schute escauda, das könnte von dem französischen +Namen der Schelde kommen, wie denn in der Tat nach einer Urkunde von +1252 ein Schiff, das auf der Scarpe, einem Nebenflusse der Schelde fuhr, +scarpoise hieß. + +Indessen liegt eine andere Erklärung viel näher. Die Alten haben einem +Schiff gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So dürfen wir auch +hier annehmen, daß ein von scheten = schießen kommender Stamm schut zu +Grunde liegt, indem Schute ein (verhältnismäßig schnell, weil vom Pferde +gezogenes,) dahinschießendes Boot ist. + +Das Fahrzeug muß schon früh, im Mittelalter, bekannt gewesen sein, wenn +man bedenkt, daß es nach der Hamburger Chronik bereits in +mittelniederdeutscher Zeit zu einem scherzhaften Vergleich herangezogen +werden konnte, die feindlichen Schiffe »weren doch man appelscuten, dar +weren se unverzaget vor.« + +Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuytken = Boot. + +In den Niederlanden muß in früheren Zeiten eine schuit so wohnlich +gewesen sein, daß der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein +abenteuerlicher war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein +Plakat erlassen gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van +Jesuiten en andere Priesters, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of +Religieuse Personen, van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten +Bürger des Landes ihrer gesetzmäßigen Obrigkeit abwendig machten »ende +tot moorderye van Prinsen ende Potentaten« verleiteten. Sie wurden +verbannt, und eine Strafe von 200 Gulden dem auferlegt »in wiens +Huysen, Velden, Schepen ofte Schuyten« sie ihr Wesen trieben. + + +*Schutzdeck*, das, + +ist ein Deck von Kriegsschiffen, das geschützt ist gegen das Aufschlagen +feindlicher Geschosse. Der Schutz wird durch Panzerplatten oder stärkere +Stahlplatten, die das Zwischendeck bedecken, gewährt. Dieses heißt daher +auch wohl Panzerdeck; das Schutzdeck unterscheidet sich von ihm nur +durch die geringere Dicke der Platten. + + +*Schütze*, die, s. Schott. + + +*Schwabber*, der, + +ist ein Hilfsmittel beim Deckwaschen und vertritt an Bord die Stelle +eines Scheuertuches, ist aber kein Tuch, sondern besteht aus losen +Strähnen von Kabelgarn, die oben durch eine Takelung quastenartig mit +einander verbunden sind, wie denn überhaupt der Schwapper oder Schwabber +mit einer großen langen Quaste Ähnlichkeit hat. Man trocknet damit nach +dem Deckwaschen das noch an Deck stehende Wasser auf, indem man damit +hin und her fährt. Von diesem Hinundherfahren kommt der Name. +Ostfriesisch heißt swäpen mit irgendwelchem biegsamen, elastischen, +schwanken und schlanken Gegenstande eine Schwingung, eine Hin- und +Herbewegung machen; gotisch sveip, angelsächsisch svap, altnordisch +sveip sind Präterita von sveipan, svipan, svipa. Davon kommt auch +swäpen, mit der Peitsche schlagen und sweper = Besen und viele andere +Wörter, die alle mit Hin- und Herbewegung zu tun haben. Aufschwabbern +heißt Wasser mit einem Schwabber aufnehmen. + +Französisch (1702) souabre; niederländisch swabber, dweil; englisch +swab; dänisch svaber; schwedisch svabb. + + +*schwajen* + +auch schwoien, schwojen = schwingen. Das »Bremer Wörterbuch« behauptet, +das Wort käme von wehen her. »S wird im Niedersächsischen vielen +abgeleiteten Wörtern vorgesetzt zur Verstärkung der Bedeutung, oder eine +Heftigkeit der Handlung anzudeuten; slabben von labben = auflecken wie +die Hunde; swelen, Gras dörren, von welen = welken; spreden = +ausbreiten, von breden. So auch holländisch: slink von link = sinister; +swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern = naschen, von +likken = lecken.« Wenn das richtig wäre, könnte man sagen, der Ausdruck +schwajen käme daher, daß das Schiff vom Wehen (wajen) des Windes +herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch lange +nicht immer vom Winde besorgt, sondern öfter noch von der Strömung, von +Ebbe und Flut, in Kanälen auch von Menschenhand, und dann ist auch die +ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten verstärkenden s nicht +richtig. In allen den angezogenen Beispielen gehört das s vielmehr +wesentlich mit zum Stamm, und die Bremer haben sich mit diesem s ebenso +geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr anlautenden Wörter, von +denen behauptet wird: »W vertritt in unserer Sprache oft die Stelle des +äolischen Digamma und wird sonderlich oft dem r vorgesetzt, wo andere +Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es die Bedeutung des Wortes +zu verstärken und demselben eine größere Heftigkeit beizulegen«. Das +verhält sich grade umgekehrt. Das w im Anlaut vor r gehört zum Stamm und +ist nicht im Niederdeutschen hinzugefügt, sondern vielmehr im +Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere hierüber s. unter Wrack. + +Nicht von waijen kommt schwajen, sondern vielmehr von schwingen, dessen +Bedeutung es ja auch ganz und voll hat. Im Ostfriesischen heißt es +swajen = sich schwingend und schwebend bewegen, einen Schwung, eine +Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung machen, und wird nicht nur von +Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz allgemein gebraucht. Doornkaat +gibt die Beispiele: »De fögels swajen dör de lücht, he swaide net, as of +he 'n bitje anschaten was; de weg swaid bold na links un dan wer na +rechts«, und bemerkt dazu: »Es hat hier in swaj zweifellos ein Übergang +oder eine Erweichung vom älteren g in j stattgefunden, so daß der Stamm +swaj für swag steht, der selbst aber wieder aus swang entstand ... +welches zu schwingen gehört.« Die Ableitung von schwingen dürfte richtig +sein. Das o in der Schreibweise schwojen mag sich aus der ostfriesischen +dunklen Aussprache des a erklären, welche so ziemlich wie o klingt. Am +einfachsten hat man die Frage, ob a, ob o in Groningen gelöst, da +gebrauchen sie beide Vokale nebeneinander und sagen, um keinem zu nahe +zu treten, zwoaien: »Het omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit +smal, dan heft men het op enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien; +zulk een plaats het (heißt) zwoaiplaats«, ostfriesisch swaj-wik oder +auch kurzweg swaje. + +Zu dem Übergang von g in j sei bemerkt, daß derselbe sich noch +keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flusse ist und daß unser +Seemann das g bei der Aussprache noch hörbar mitklingen läßt, und zwar +als palatales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgeräusch, also +ähnlich wie ch. + + +*Schweinsrücken*, der. + +1. Eine Untiefe in der Jade vor der Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven, +neuerdings durch Schlengenwerk befestigt mit der Absicht, dadurch einen +günstigen Einfluß auf Strom-, Schlick- und Fahrwasserverhältnisse +auszuüben. + +2. Bei modernen Schiffen, die eine von der früheren sehr verschiedene +Ankergeschirreinrichtung haben, ein schräger Aufbau auf dem Deck im Bug +oder auf dem Heck, auf welchem der Anker lagert. + +Das Wort erklärt sich im Vergleich mit dem Eselsrücken in der gotischen +Baukunst: von der Gestalt. + + +*schwellen.* + +Im Binnenlande spricht man von schwellenden Segeln, sagt auch +dichterisch, daß sich die Segel zur Fahrt schwellen. So gerne nun der +Seemann es sieht, wenn sie das tun, seemännisch ist der Ausdruck nicht. +Man wird niemals einen wirklichen Seemann von schwellenden Segeln reden +hören. Solch dichterische Sprache vermeidet er geradezu ängstlich. Er +sagt: »volle Segel.« + + +*Schwert*, das, + +ist eine Vorrichtung die bei flachgehenden Fahrzeugen, wenn sie beim +Winde segeln, das Abtreiben und gegebenen Falles das Kentern verhindern +soll. Sie besteht nämlich aus einem Brett an jeder Seite, das beim +Segeln am Winde in Lee ins Wasser gelassen wird um den Widerstand zu +vermehren. Hierzu hat Röding einen seiner äußerst spärlichen +etymologischen Versuche gemacht. Er ist artig genug: »Es hat daher +seinen Namen, weil es an der Seite des Schiffes ungefähr so hängt, wie +ein Schwert an der Seite« (des Mannes). Nur daß es dann doch besser +Schild hieße, und die Sache bei unseren modernen Jachten und +Rettungsbooten nicht mehr stimmt. Dick und Kretschmer, II. 282: »Für +kleine zum Privatgebrauch bestimmte Boote empfiehlt sich mit Rücksicht +auf Stabilität, geringen Tiefgang, Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit +eine breite und flache Form des Bootskörpers. Diese Form bietet aber +einen verhältnismäßig sehr geringen seitlichen Wasserwiderstand und +besitzt in Folge dessen für das Segeln am Wind oder bei Dwarswind den +Nachteil, daß das Boot stark abtreibt. Diesen Nachteil soll das +sogenannte Schwert ausgleichen. Es besteht aus einer eisernen oder +hölzernen (dreieckigen, trapezförmigen oder rechteckigen) senkrechten +Platte, welche entweder für fest am Kiel des Bootes angebracht ist oder +aber beweglich ist und mittelst einer einfachen Vorrichtung je nach +Bedarf heruntergelassen oder aufgeholt werden kann. In letzterem Fall +ist in das Innere des Bootes, in seiner Längsschiffsebene, ein schmaler +Kasten eingebaut, welcher das aufgeholte Schwert in sich aufnehmen +soll«, -- der Schwertbrunnen. + + +*Schwertmatte*, die, + +eine der an Bord zahlreich gebrauchten Matten, die ihren Namen von der +Art ihrer Verfertigung hat. Es fertigen sich nämlich richtige alte +Matrosen ihre Matten selbst an. Um die Schwertmatte zu weben, denn ein +Weben muß man die Anfertigung nennen, verfährt man ähnlich wie auf einem +sehr primitiven Webstuhl, doch so daß zwei Parten von beiden Seiten +kommen und sich kreuzen. Damit das Durchstecken der Parten möglich +werde, steckt man jedesmal ein hölzernes Schwert durch den Zettel oder +Aufzug und dreht es auf die hohe Kante. Von diesem Schwert, oder +vielmehr von den zwei Schwertern die gebraucht werden, stammt der Name. + + +*Schwieping*, die, + +das spitz zulaufende Ende eines Taues, das entsteht wenn man das Tau +aufdreht und beim Wiederzusammendrehen nach und nach mehr Kabelgarn +entfernt. Das Wort heißt niederländisch zweep, und das gibt die +Erklärung; zweep, auch zwiep heißt Peitsche; niederdeutsch swepe; +angelsächsisch svip, altnordisch svipa. Eine Peitsche wie sie in +einfachen Verhältnissen ein Fuhrmann sich selbst aus Hanf zu drehen +pflegt, ist oben dick und läuft nach unten allmählich dünn zu; daher der +Name dieses dünn zulaufenden Taues, verbunden mit der niederdeutschen +Endung ing. Vergl. übrigens auch Hundspünt. + + +*schwichten* + +bedeutet, zwei stehende Taue durch eine Leine hin und her mit einander +verbinden und fest zusammenziehen, so daß die beiden ohnehin schon +festen Taue nur noch fester, steifer und unbeweglicher stehen. Die +eigentliche Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes swichten, +niederländisch zwichten ist die unseres hochdeutschen Zeitwortes +»beschwichtigen«, also ruhig machen. Aber wenn zwei stehende Taue +»ruhig« gemacht werden sollen, so müssen sie »fest« gemacht werden. Auch +bei schwichten findet sich dieselbe Lautverschiebung die unter schiften +erwähnt ist; althochdeutsch swiftjan, mittelhochdeutsch swiften, +beschwichtigen. + + +*Schwimmdock*, das, + +ist eine schwimmende Vorrichtung zum Docken von Schiffen. Es besteht in +der Hauptsache aus zwei Seitenwänden, die durch einen Boden mit einander +verbunden sind. Die beiden schmalen Seiten vorn und hinten sind offen. +Die Seitenwände sind hohl und können voll Wasser gelassen werden. +Geschieht das, so sinkt das Schwimmdock so tief ins Wasser, daß ein +Schiff sich zwischen die beiden Wände legen kann. Wird das Wasser aus +diesen wieder ausgepumpt, so geht das Dock mit dem darin befindlichen +Schiffe in die Höhe, letzteres trocken legend. Der Name Schwimmdock +dient zur Unterscheidung von einem ausgegrabenen, mit Steinen +ausgemauerten Trockendock. + + +*Schwimmponton*, s. Dock. + + +*Scotsman*, der, + +ist eine hölzerne Latte oder ein entsprechendes Stück Eisen um an +gefährdeten Stellen das stehende Gut vor dem Schamfilen zu bewahren, +eine Schamfilungslatte. Wie der Normann an der Beting, so wird der +Schottländer an der Takelage haben herhalten müssen für eine kurze und +bündige Bezeichnung einer seinem Lande eigentümlichen, also von +schottischen Seeleuten auf andere übergegangenen Vorrichtung. Der +niederdeutsche Seemann pflegte »Schottschmann« zu sagen; daraus wurde +durch nachlässige Aussprache Schuttschmann, und hieraus durch +volksetymologische Umbildung sogar »Schutzmann«. + + +*See.* + +1. Der See, ein Binnensee. + +2. Die See. + +a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heißt +absegeln, abdampfen, abfahren. »Ich gehe morgen in See«, »ich gehe nach +Hongkong in See«. + +b. Eine hohe Meereswoge; »wir nahmen Seeen über«, die Wogen gingen so +hoch, daß sie uns über die Reling an Deck schlugen; »wir kamen +dwarssees«, so zu liegen, daß die Seeen von der Seite auf uns zukamen. +»Eine See nahm den Schiffsjungen mit über Bord«. + +Diese letztere Bedeutung von See könnte noch einmal für die Etymologie +des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heißt, so +hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen. +Diese Annahme gewönne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen +dürfte, daß die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die +ursprünglichere wäre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See im +Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist für +Landsee, und das erwähnte gotische saiws heißt mehr Sumpf wie Meer, also +eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, überschwemmtes Gebiet, +und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf +gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in +den Vordergrund der Betrachtung getreten, so daß also See auf irgend +eine Weise den k-Laut am Ende eingebüßt hatte. + +Die Entscheidung in der Frage wird erst gefallt werden können, wenn man +sagen kann, was zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See +steht begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem +Eigenschaftsworte saevus. + +Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns weiter +bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde, +bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch für See annimmt, +dann kommt die See und der See in einem Begriff, »bewegt« zusammen, denn +bewegt sind sie beide. + + +*Seebeine*, die. + +Wer überhaupt zum ersten Male oder nach längerem Landaufenthalt zum +ersten Male wieder an Bord kommt, der muß zunächst darnach trachten, daß +seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes gewöhnen, so daß er auch +im Sturm noch einigermaßen sicher stehen und gehen kann. Wenn er soweit +ist, dann hat er Seebeine. Französisch (Aubin 1702:) avoir le pié marin; +man nennt den Mann der Seebeine hat auch gradezu pié marin; »On apelle +ainsi un homme qui a le pié si seur et si ferme, quil peut se tenir +debout pendant le roulis d'un vaisseau.« Niederländisch zee-voeten +hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en -voeten hebben. + +Doch nennt man im Französischen mit tieferer Bedeutung einen Mann pié +marin. »Il se dit aussi de celui qui entend bien la navigation, et qui +est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu'un Officier a le pié marin les +gens de l'équipage ont bien plus de confiance en sa conduite.« + + +*seefest* + +ist ein Mensch wenn er zur See fahren kann ohne *seekrank* zu werden, d. +h. ohne daß er seine Beschäftigung wegen *Seekrankheit* unterbrechen +muß. Kleine Unbehaglichkeiten, vorübergehende Übelkeiten kommen wohl +auch einmal einen seefesten Mann an; seekrank wird eigentlich nur der +genannt, der »Kette steckt« oder dem das Essen und das Rauchen gar +nicht mehr schmecken will. + +Geschütze, Boote, Anker, Kisten, Kasten, Schränke u. s. w. sind »seefest +gezurrt« wenn sie so befestigt sind, daß sie auch bei hohem Seegang +nicht »über Stag« gehen können. + + +*Seekadett*, der. + +Die wörtliche Übersetzung von Kadett ist Junker, junger Herr (jonkheer) +jüngerer Sohn, aber ursprünglich bedeutete es: junger, kleiner Hauptmann +oder Häuptling, denn das Wort stammt vom lateinischen capitettum, das +eine Diminutivform zu caput ist; noch zutreffender wäre also: »kleiner +(zukünftiger) Kapitän.« Im Altfranzösischen hieß cadet noch capdet. + +Wer Seeoffizier werden will tritt in die Marine als Seekadett ein. + + +*seeklar* + +ist ein Schiff wenn es klar, d. h. fertig zum Auslaufen ist. Dazu gehört +für ein Schiff, das auf eine weite, lange Reise geht, eine umfassende +Vorbereitung und Ausrüstung. Bei Kriegsschiffen findet daher vor dem +Auslaufen des Schiffes eine genaue Seeklarbesichtigung statt, die der +Stationschef selbst abhält, bezw. durch seinen Generalarzt, seinen +Stabsingenieur abhalten läßt, die ihn bei der Besichtigung zu begleiten +haben. + + +*Seemann*, der, + +ist jetzt die allgemeine Bezeichnung für einen seebefahrenen Mann, der +die Seefahrt als Beruf betreibt. »Der Junge will »»Seemann«« werden.« +Daher auch das Wort »*Seemannschaft*« für den Inbegriff alles dessen, +was ein tüchtiger Seemann wissen muß, wobei im weiteren Sinne auch die +Navigation eingeschlossen ist. Doch hat, wie in allen Wissenschaften, so +auch bei dieser, in neuerer Zeit ein solcher Aufschwung stattgefunden, +eine solche Vermehrung und Bereicherung, daß Einer nicht mehr Alles +wissen kann. + +Vergl. Matrose. + +Während heutzutage ein Seemann ein Mann ist, der friedlich seinem Berufe +nachgeht, wird im Beówulf unterschieden zwischen Leuten die nur +überhaupt die See durchschiffen und Leuten, die zur See kämpfen; nur die +letzteren hießen Seeleute. Ein sae-man war also nicht ein Seemann, +sondern ein »Kriegsmann zur See«. + +Ein eigentümliches Zusammentreffen ist es, daß im Mittelniederdeutschen +seeman, seman ein Mann heißt, der unter dem Pantoffel steht, »de sick +van dem wyve regeren leth, dar dat wyff de brock drecht;« niederländisch +en wijffwl, Jan ligt achter, die voor woont als t' huys omgekeert is. + +Nicolaus Gryse: »Dat öuerst vrouwe Seeman daryegen mundtwercket vnde +anmeldet, dat dat frouwen regement auer den man dat erste vnde oldeste +gewesen sy.« + +»Denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann vth kribbischer bössheit mit +vndenstliken worden vörbolgener wyse awer dwer vnd dwas alse einer +seemanche hebberecht ankarret, ansnarret vnde anfaret vnd trotzichlick +auer de nese houwet, vthhaltert vnde vth halippet ... dat sulue ys grote +sunde und schande.« + +Dieses Wort ist nur wegen seiner lautlichen Ähnlichkeit an Seemann +angelehnt; im Mittelhochdeutschen hieß ein Pantoffelheld und auch eine +den Pantoffel schwingende Frau »Simon«, und das war eine ebensolche +Anlehnung an den bekannten jüdischen Namen Simon, vielleicht mit dem +Gedanken an die Bedeutung im Hebräischen »ein Hörender, Gehorchender.« +Eigentlich hieß das Wort »Sie-Mann« und bezeichnete eine Frau als eine, +die der Mann im Hause ist. + + +*Seemannshaus*, das, + +ist ein Erholungshaus für Seeleute, in dem sie Bücher, Papier, Feder und +Tinte, angenehmen Aufenthalt, gute und billige Verpflegung finden, und +vor allen Dingen den Gefahren schlechter Kneipen entzogen sind. Nach dem +Vorbilde der englischen Sailors Homes entstehen jetzt auch in +Deutschland dergleichen Anstalten zum Wohle des seefahrenden Mannes; +sind sie von der *Seemannsmission* eingerichtet, so heißen sie +*Seemannsheime*. + + +*Seeräuber*, der, + +war im Sprachgebrauch der früheren Hansazeit nicht das, was man sonst +Pirat, Korsar, Flibustier oder Vitallienbruder nannte, sondern ein Mann, +der mit seinem Schiffe auf mehr oder weniger eigene Faust Fehde trieb +und den Feind schädigte wo und wie es ihm möglich war. Aber immer nur +den Feind und immer nur als kriegführende Partei, also ähnlich wie die +Vitallienbrüder in ihrer ersten, nach damaligem Recht einigermaßen +rechtmäßigen Zeit. Hierüber schreibt Sartorius, Hansa, I. 90 treffend: +»Über Seeräuber wird oft und viel geklagt und Friedensschiffe wurden +gegen sie in die See gesandt. Allein diese waren selten eigentliche +Seeräuber, den Namen teilten sich beide kämpfende Teile wechselseitig +zu, da Repressalien gewöhnlich waren, und bey eingetretenen Bedrückungen +mit gleichem geantwortet wurde. Auf diese Art von wechselseitiger +Seeräuberei blieben alle Feindseligkeiten zwischen den deutschen +Städten, den Engländern und Schotten beschränkt.« Wie es noch 1673 auf +deutschen Meeren aussah, verrät eine Segelanweisung in der »Beschriving +von der Kunst der Seefahrt«: »... so pegelt erstlick mit ein Compaß, wat +Streck dat gy de Nase von juw hebben, und wo fern gy juw van de Wall +gist tho wesen, datsülvige teckent mit ein Stip Kryt in de Paßkart, +(schrivet ydt ock in ein Memorial Bock, alles wat gy in de Kart tecken, +up dat wen de Kart dorch Rövers offt sünst, juw affhendig gemaket worde, +gy juw dennoch na dem Memorial richten können.«) + + +*Seesoldat*, der, + +ist ein Soldat, der bei einem der drei kaiserlichen Seebataillone dient, +die sich gegenwärtig in China befinden, sonst aber in den heimischen +Marinegarnisonen den Infanteriedienst besorgen. Die Offiziere werden auf +einige Jahre von der Armee zur Marine kommandiert; einige von ihnen +fahren auch an Bord der Schulschiffe als Instrukteure für die +Seekadetten im Infanteristischen. Im Binnenlande wird ein Kriegsmatrose +öfters Marinesoldat genannt und dann mit einem Seesoldaten verwechselt. +Sie sind aber sehr aus einander zu halten. + + +*Seetage*, die, s. *Seetörn*. + + +*Seetörn*, der, + +ist eine unbestimmte Anzahl von Seetagen, d. h. solchen Tagen, die man +hinter einander auf See zubringt oder zugebracht hat. Man gebraucht das +Wort Törn auch sonst in der Seemannssprache häufig und zwar oft +gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Fremdworte Tour. Wie man +hochdeutsch sagt: »Das ist meine Tour,« anstatt »ich bin an der Reihe,« +so sagt man seemännisch: »Das ist mein Törn,« Rudertörn, Wachtörn u. s. +w. + +Außerdem spricht man in der speziellen Seemannschaft von einem Törn; +wenn man ein Tau einmal um irgend einen festen Gegenstand herumgelegt +hat, so hat man einen »Törn« genommen, wofür man auch »Schlag« sagen +kann; ist irgendwo zufällig eine Schlinge in dem Tau entstanden, hat es +eine Drehung gemacht, die es nicht machen sollte, und es ist in Folge +dessen eine Bucht entstanden, so ist das auch ein Törn, der aber +möglichst bald wieder herausgedreht werden muß. + +Was Seetörn selbst angeht, so könnte man es, wenn man das Fremdwort Tour +beseitigen will, einfach mit Seereise wiedergeben, wie wir ja auch im +Binnenlande anstatt Tour Reise oder Ausflug sagen. Eigentlich müßte es +ja Rundreise heißen, denn es kommt von tourner, drehen; englisch turn, +und letzteres hat, wie die Aussprache beweist, den Vermittler gespielt. + +Der Seemann hat auch das Zeitwort törnen für drehen und vertörnen für +verdrehen. Verwandt ist turnen und das mittelhochdeutsche turnei, +neuhochdeutsch Turnier. + + +*Seemeile*, die, s. Meile. + + +*Seeraum*, der, s. raumen. + + +*Seetriften*, die, + +nennt man das, was die See angetrieben hat, das Strandgut. In früheren +Zeiten brauchte ein Schiff noch garnicht gestrandet zu sein, um mitsamt +seiner Ladung als Strandgut angesehen zu werden. Es genügte, wenn eine +grundroeringe, eine Berührung des landesherrlichen Strandes durch das +Schiff stattgefunden hatte. Bremer Wörterbuch: Dies unmenschliche +Strandrecht wurde auch aufs feste Land, auf Wagen und Pferde ausgedehnt. +Wenn ein Wagen umgefallen war oder einige Güter davon gefallen waren, so +fielen sie dem Landesherrn oder dessen Vögten heim. Imgleichen wurde ein +Pferd eingezogen und weggenommen, wenn ein Reiter davon ins Wasser +gefallen und ertrunken war. Renner in der Bremischen Chronik erzählt: Up +einen Tidt hadde de Vaget (des Erzbischofs Johann I, 1307) thom +Langwedel einen gefangenen Kopman und sprak thom Bischuppe: Here, düse +Kopman hefft Grundroringe gedahn, und ist mit siner Kahren und Gude +gefallen durch de Brugge, derhalven schall he juw geven grot Gudt.« (!) +Doch vergl. hierzu was Winkelmann in seiner Oldenburgischen Chronik von +dem 1598-1602 erbautem Turm auf Wangerooge schreibt: »Nach Abgang deren +ins Norden gestandenen Kirchen ist der Mittelteil dieses Turmes zu dem +Gottesdienst der Einwohner, das unterste und obriste aber, bei etwa +vorgehendem Schiffbruch, zu Hinlegung der gestrandeten und salvirten +oder gebergten Güter verordnet worden, massen die Herren Grafen, als +Christlöbliche Obrigkeit nach aufgehobenem Strandrecht, niemaln mit den +gestrandeten Gütern auf der See, Jhade und Weser mit der Schärfe +verfahren, sondern dieselbige, zur Erhaltung ihrer Jurisdiktion, so sie +auf gedachten Wassern haben, auf gebührliches Ansuchen rückgegebene +Recognition und erlegten Berggelts vor die Hilfleistende, wieder +abfolgen lassen, damit dem Beträngten keine größere Bedrängniß zugefügt +werden möchte.« + + +*Seewache*, die, s. Wache. + + +*Seezeichen*, das, + +ist der allgemeine Name für Boje, Tonne, Bake etc. Die Seezeichen +bezeichnen den Eingang in einen Hafen, die Fahrwasserrinne in einem +Revier u. s. w. Man unterscheidet Winterseezeichen und +Sommerseezeichen, letztere werden im Spätherbste eingezogen und durch +die Winterseezeichen ersetzt. + + +*Segel*, das, + +»ein aus mehreren Kleidern (Bahnen) von starker Leinwand oder von +Baumwollenstoff zusammengenähtes Tuch,« das an den Masten, Rahen, +Gaffeln, Stagen, Spieren eines Schiffes ausgespannt wird um den Wind +damit aufzufangen und so das Schiff in Bewegung zu setzen. Ein Segel hat +entweder nach seiner Gestalt und Einrichtung oder nach der Stelle, wo es +angebracht ist, seinen Namen, der es von anderen Segeln unterscheidet. + +Die erste Erfinderin ist die Not. Es ist darum kein Wunder, daß die +Menschen, sobald sie anfingen sich über den Naturzustand zu erheben, auf +solch ein Fortbewegungsmittel verfielen. Doch scheint bei den alten +Deutschen der Gebrauch der Segel nach Tacitus' Germania nicht allen +Stämmen bekannt gewesen zu sein. Von den Batavern erzählt aber derselbe +Geschichtschreiber, daß sie sich der sagula zum Segeln bedienten. Von +sagulum kommt also der Name Segel. Weil aber sagulum der römische +Kriegsmantel hieß und im Lateinischen keine seemännische Bedeutung +hatte, so tragen manche Gelehrte gegen diese Ableitung Bedenken. Es ist +indessen möglich, daß die erste Verwendung von sagulum zum Segeln eine +gelegentliche gewesen wäre und daß gerade diese gelegentlich zufällige +Verwendung des sagulum anstatt des velum oder linteum den Batavern den +Namen nahe gelegt hätte, daß sie also durch eine zufällige Erscheinung +auf den Gedanken gebracht worden wären, sagulum sei das wirkliche +lateinische Wort für dieses ihnen alsbald sehr einleuchtende +Fortbewegungsmittel. + +Die kurze, bequeme niederdeutsche Form, in der unser Seemann das Wort +meist gebraucht, ist seil, diphthongiert nach geschwundenem g, und sie +wird in mittelniederdeutschen Schriftdenkmälern sehr oft gefunden, +wahrscheinlich ward sie schon aus dem Grunde bevorzugt, weil sonst segel += Segel und segel = Siegel leicht verwechselt worden wären; wie man auch +anstatt segelen seilen sagte und dadurch von segeln = siegeln +unterschied. + + +*Segel setzen*, Segel bergen, Segel abschlagen s. (Segel) unterschlagen. + + +*Segelkoje* + +ist der Aufbewahrungsort der abgeschlagenen oder noch nicht +untergeschlagenen Segel und der Reservesegel, Schutzsegel, Rauchsegel, +Sommersegel, Bezüge, Presennings; bemerkenswert ist, daß dies das +einzige Mal ist, wo das Wort, das sonst an Bord immer ein Bett +bezeichnet, eine Kammer bedeutet, vielleicht weil die Segel darin als +ruhend, schlafend gedacht sind, wie man in der Botanik von einem +schlafenden Auge spricht. + + +*Segeln* + +bedeutet die Fortbewegung eines Schiffes oder Bootes, indem man den Wind +auf die Segel wirken läßt. + +Die Alten hatten ein zwar nicht schönes, aber deutliches aus Segel bezw. +segeln gebildetes Wort für Navigation: Segelasje, Segelatie, Segelasche. +»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673: »Ein klene Faut (Fehler) +in de Pegelinge verorsaket ein grote Faute in de Segelatie.« + + +*Segel kanten.* + +Kanten heißt eigentlich machen, daß etwas vierkant ist, etwas in den +rechten Winkel bringen, ihm zur rechten Richtung verhelfen, machen daß +es sich »kant« ausnehme. Im Niederländischen und Ostfriesischen heißt +kant glatt, schier, zierlich, hübsch, fertig, gerade, schön. Segel +kanten heißt also, sie so in Ordnung bringen daß sie so stehen wie sie +stehen sollen: nach jeder Richtung hin tadellos. Dick u. Kretschmer II. +322: »Dieses Manöver wird hauptsächlich nothwendig nach jedem +allgemeinen Segelexercitium sowie auf der Morgenwache nach Tagesanbruch. +Während nämlich bei Manövern mit alle Mann auf das Vorholen und +Steifsetzen der einzelnen Enden im Interesse der Schnelligkeit nicht +allzu viel Gewicht gelegt werden kann, ist die tadellose Ausführung von +Segelmanövern bei Nacht infolge der herrschenden Dunkelheit in der Regel +unmöglich.« + +Segel kanten ist also auf See ungefähr das, was man im Hafen mit +»brassen und toppen« vor der Morgenmusterung bezeichnet. + + +*seisen*, + +bei der Marine merkwürdigerweise zeisen genannt, heißt zusammenbinden, +z. B. die Parten eines Taues mit einander verbinden, daß sie nicht +rutschen können; das aufgegeite Segel beschlagen, an der Rahe +festbinden; eine Kabelaring und ein Ankertau zusammenbinden, u. s. w. +Das Mittel, mit dem solches geschieht heißt die Seising; das Wort hat +aber eine doppelte Bedeutung: einmal das Mittel zum Binden, den Bändsel +also, und sodann den Zustand des Gebundenseins. Das Wort kommt aus dem +Französischen, von saisir; doch haben es die Franzosen zuerst von uns +empfangen und von unserem althochdeutschen sazjan weitergebildet. Die +Bedeutung ist: festmachen. + + +*Seitentakel*, das. + +Seitentakel sind solche, die an jeder Seite des Mastes an die daselbst +befindlichen Hanger befestigt werden und dazu dienen, Boote und andere +schwere Lasten aus- oder einzusetzen. Man unterscheidet sie nach dem +Mast an dem sie sich befinden. Sie haben einen Mantel, s. Mantel und +Takel. + + +*Semaphor*, der, + +zu deutsch »Zeichenträger« vom griechischen semaio, ich zeige, und +phero, ich trage; eine Vorrichtung mit beweglichen Armen, ähnlich denen, +mit denen auf Bahnhöfen die Einfahrtssignale gegeben werden. Die Arme +kann man auch Flügel nennen und das Ganze mit »Flügeltelegraph« +übersetzen. + + +*Sente*, die, + +hat im modernen Eisenschiffbau teilweise eine andere Bedeutung erhalten +als sie sie beim Holzschiffbau hatte. Damals nannte man Senten dünne, +biegsame Latten, die von vorne nach hinten auf die Inhölzer genagelt +wurden um die Biegung der Seitenplanken darnach gestalten zu können; +naturgemäß fing man damit ganz unten am Kiel an und schritt allmählich +nach oben zu weiter. Jetzt dienen die Senten zwar auch noch, in Form von +starken Balken ausgeführt, als Lehrgerüst für die einzulegenden Spanten, +fast immer im unteren Teil des Schiffes liegend und die Wölbung des +Schiffsbodens bildend, aber es hat sich auch die Theorie des Wortes +bemächtigt und gebraucht es als wissenschaftlichen Begriff, als gedachte +Linie, nämlich für die Bezeichnung der Schnittlinie, welche eine schräg +d. h. dachförmig durch den Schiffskörper gelegte Ebene mit der äußeren +Schiffsform bildet; die Ebene heißt dann Sentebene. Zur Erklärung des +Wortes müssen wir natürlich auf seine älteste Bedeutung zurückgehen: +Latte zur Gestaltung des Schiffsbauches, und zwar zunächst seines +untersten Teiles. Nun heißt das lateinische sentina zwar auf deutsch +»die Bilge«, aber auch der Raum wo die Bilge sich sammelt, der unterste +Schiffsraum, und ich stehe daher, bis eine bessere Erklärung gefunden +wird, nicht an, Sente für eine Verkürzung von Sentine zu halten. + + +*Setzbord*, der, + +eines Bootes ist eine breite und dünne Planke die man auf den Bord eines +Bootes *setzt* um denselben zu erhöhen, damit das Boot nicht so leicht +Wasser über nehme. Es heißt darum im Englischen washboard, weatherboard +und water-board -- weil das Wasser bei schlechtem Wetter nicht über +diesen Bord waschen soll. + + +*Serving*, die, s. Sarving. + + +*setzen.* + +Segel setzen heißt die Segel entfalten und dem Winde von der richtigen +Seite darbieten, so daß sie in Tätigkeit treten und ausrichten können +wozu sie bestimmt sind. Das Gegenteil davon, nämlich das Einziehen oder +Festmachen der Segel heißt Segel bergen. + +*Setzen* in Bezug auf die Bewegung eines Schiffes s. stampfen. + +Am häufigsten ward im Mittelniederdeutschen setten und auch später noch +setzen für *ankern* gebraucht; die Zahl der Belegstellen ist so groß, +daß es nicht not tut einzelne anzuführen. + + +*Sicht*, die, + +das Ansehen, der Anblick, der Zustand in dem man etwas sieht, mit den +Augen wahrnimmt. Es ist ein Verbalabstractum zu sehen. »Der Leuchtturm +kommt in Sicht«, »wir lagen in Sicht von Helgoland.« Es ist gleich dem +hochdeutschen Gesicht in der Bedeutung »zu Gesicht bekommen.« Der +hochdeutsche Übersetzer der »Durchläuchtigsten Seehelden«, Sulzbach +1681, sagt sogar mißverstandener und mißverständlicher Weise »ins +Gesicht bekommen«; er meint damit natürlich nicht »eine (Ohrfeige) ins +Gesicht bekommen«, sondern schreibt: »Als die Holländische Flotte auf +die Höhe vorbesagter massen kommen war, setzte sie ihren Lauff recht +nach der Küste von Brasilien zu, welche sie den vierdten May ins Gesicht +bekamen« ... Von Sicht hat sich der Seemann ein Eigenschaftswort +*sichtig* gebildet, das in der Verbindung »sichtig Wetter« eine +Witterung bedeutet bei der man gut, deutlich, weit sehen kann. Auch ein +Zeitwort: *sichten*; verschieden von dem Zeitwort sichten = sieben, +bedeutet es: »zu sehen bekommen«, »in Sicht bekommen«, »wir sichteten +soeben den Pic von Teneriffa.« *Sichtweite* eines Leuchtfeuers ist der +Umkreis, in dem das Feuer gesichtet werden kann; verschieden also von +Sehweite, denn so heißt die Entfernung auf die einer sehen kann, +Sichtweite aber die Entfernung auf die einer gesehen werden kann. + + +*Signal*, das, + +heißt in der Seemannssprache jedes Zeichen, das man auf eine gewisse +Entfernung hin gibt, um sich verständlich zu machen und einem andern +etwas mitzuteilen, eine Anfrage an ihn zu richten, besonders auch ihm +Befehle zu übermitteln. Das ursprünglichste Signal waren die Bewegungen +des menschlichen Leibes, ein Winken mit dem Arm, ein Bücken des +Oberkörpers (s. Bake). Bald lehrte die Erfinderin Not auch den Seemann +andere Hilfsmittel, etwa einen gehißten Besen (Quast, s. Badegast), und +vor allen Dingen das *Signalisieren* mit Flaggen, das sich noch immer, +auch im internationalen Verkehr, erhalten hat. Zum richtigen Verständnis +der Signale hat jede Nation ihr *Signalbuch*, in dem die Signale mit +ihrer Bedeutung verzeichnet stehen. Außerdem haben sie alle zusammen ein +internationales Signalbuch, mit dessen Hilfe ein Russe und ein +Portugiese sich bestimmte Mitteilungen machen können, ohne daß sonst +einer ein Wort vom andern versteht. Man signalisiert ferner mit +Winkflaggen nach dem Morse-Alphabet, mit dem Semaphor, mit den +verschiedensten Lichteffekten etc., aber bald wird die drahtlose +Telegraphie allen diesen kleinen Aushilfsmitteln ein Ende machen. Bis +dahin hat man eigene Signalgasten, Signalmaate, Obersignalmaate und +eigene Signalzweigkompagnien bei den Matrosendivisionen. + +Signal kommt vom lateinischen signum, das Zeichen, oder vielmehr vom +lateinischen signalis, »bestimmt ein Zeichen zu geben.« + +*Kontre-Signal* heißt das verabredete Zeichen, daß das Signal gesehen +worden, bezw. verstanden ist. + + +*Siel*, das, + +die bekannte Entwässerungsvorrichtung an den Nordseeküsten, die dem +Binnenwasser Abfluß in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut muß durch +das Siel die Öffnung im Deich verschlossen werden, damit das Meerwasser +nicht das Land überschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die Schleuse +des Siels geöffnet, so daß das während der Flut in einem Sammelbecken +binnendeichs aufgestaute Wasser nach See zu abfließen kann. Wo ein Siel +ist, da wohnt ein Sielwärter; wo einer wohnt, siedelt sich leicht ein +anderer an. So entstehen die Dörfer mit der Endung Siel: Mariensiel, +Rüstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren Sinne ist +Siel irgend eine Wasserleitung, eine Abzugsrinne, ein Zuleitungsrohr +etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueductus schon in der Historia +de fundatione monasterii Rastedensis vor, die 1290-1310 etwa geschrieben +ist. + +In dem Worte Siel steckt der Begriff von seihen, althochdeutsch sihan. +Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung »Wasser durchlassen« hat, mag, +wie Doornkaat vermutet, erst ein Substantivum sihila, ein Etwas was +Wasser durchläßt, gebildet worden sein, was dann in sila kontrahiert +wurde, dessen offene Endsilbe leider, wie bei so vielen altfriesischen +Wörtern, geschwunden ist, so daß nun die einsilbigen Leute bei der +Aussprache eines solchen Wortes den Mund nicht mehr aufzutun brauchen. + + +*Sill*, das. + +Hauptsächlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die Schwelle. Das +niederdeutsche Wort sülle, sül, mittelniederdeutsch sul, sulle, sille; +niederländisch sulle: angelsächsisch syll, englisch sill, norwegisch +svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem gotischen sulja, +Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat zunächst an eine +Anschwellung der Haut unter den Füßen zu denken, sodann wird Sohle als +Träger und Grundbalken einer Tür gebraucht im Sinne einer Anschwellung, +einer Erhöhung; was für ein Luksill an Bord besonders zutreffend ist, +denn das ist besonders hoch, damit überkommende Seeen nicht in die +unteren Schiffsräume laufen. + + +*Sirene*, die, + +ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton von sich +gibt und Schiffen im Nebel die Nähe des Landes kund tut. Die Benennung +ist zwar nicht ganz sinngemäß, da diese Sirene das gerade Gegenteil +beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern glücklich +gewählt, als jeder gleich weiß, was darunter zu verstehen ist. + +Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte, sehen +wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: »In demo mere +sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri. Sirene +sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin, dannan uf +vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint man an demo +mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin lides so +gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz gesihit, so +verd ez in unde brichit si.« + + +*Skiff*, das. + +Dabovich nennt so, S. 1237, ein für eine Person eingerichtetes +Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heißt so -- englisch skiff, +französisch esquiff, deutsch sonst Schiff -- »any small boat. In +merchant ship's boats the skiff is next in size to the launch or +long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc.« Die Form +des Wortes läßt auf nordischen Ursprung der Sache schließen. + + +*Skorbut*, der, + +eine glücklicherweise unter dem Einfluß der besseren Schiffsverpflegung +unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der Seeleute bei +längeren Seetörns. Das Wort hieß zwar mittellateinisch scorbutus, stammt +aber aus dem Niederländischen, wo scheur Riß heißt. Skorbut heißt +neuniederländisch scheurbuik, aber die lateinische Form scorbutus zeigt, +daß es früher scheurbut geheißen haben muß, also nichts mit Bauch zu tun +hatte, sondern Hautriß bedeutete. Die Form scheurbuik ist +volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist bei der +Aufnahme ins Hochdeutsche durch Mißverständnis Scharbock geworden; da +ist Skorbut denn doch deutlicher. + + +*Sitzer*, der, s. Spant. + + +*Sliding gunter.* + +Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem sliding gunter +Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das moderne Lust- und +Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden nur selten geführt, +am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel ist von dreieckiger +Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge untergeschlagen, die +vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig niedrigen Maste auf und +niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel genannt. Das Wort kommt +mit der Sache aus England und bezieht sich -- ursprünglich wohl +scherzweise -- auf Edmund Gunter und dessen Sliding-rule, »a sliding +scale corresponding to logarithms for performing the multiplication and +division of numbers without dividers.« + +Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder +Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen +Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht. + + +*sloopen* + +ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen Teile +zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche Wort +slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser +hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl +sprachlich als begrifflich. + + +*Sodraum*, der, + += Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend mit Bilge. Das +sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge- und so auch Sodwasser. Sod +und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die rauschende +Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so bedeutet Sod die +siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den Wellen gerüttelt +und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im Niederdeutschen Brunnen, +von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, aufbrausen, aufwallen, +aufquellen; »wie Brunnen von brennen und Welle von wallen.« Vergl. Bilge +am Ende. + + +*Sog*, der, + +heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. Eigentlich +heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines Schiffes, der Piek; +der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. Weiterhin hat sich +dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von diesem Teile des +Schiffes als bewegtes, schäumendes Wasser bei der Fahrt hinter sich +gelassen wird. Das Wort sog ist zwar niederdeutsch, aber da Zug sonst +überall im Niederdeutschen tog heißt, so ist hochdeutsche Entlehnung +anzunehmen. + + +*Soldatenloch*, das. + +»Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur Stütze der Marsstenge +nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die erforderliche Spreizung +zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung der Takelage +erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung, das +sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach den +Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des stehenden +Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das +ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu +ermöglichen.« (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z. +B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht +außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch, +das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung +sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen. + +Wie jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses +häufig in der Form *Soldatengat*. + + +*Sonnensegel*, das, + +ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die Sonne. Das +Bedürfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schützen, ist schon +immer empfunden worden, und man hat daher von jeher ähnliche +Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck +ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp +(tentschip) = Zeltschiff; doch könnte auch ein Schiff mit einem +Leinwanddach gemeint sein. + + +*Sorgleine*, die, + +ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an Deck fährt oder +sonst zugänglich ist und den Zweck hat, für den Fall, daß die übrigen +Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht gebrauchsfähig +wären, das Ruder wenigstens noch einigermaßen regieren zu können. Darum +ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt. Der Name schon +deutet den Zweck an: er ist eine Fürsorge für den Fall der Not, schweren +Sturmes, Gefechtes etc. etc. + + +*sorren* s. zurren. + + +*Spake*, die, + +ein hölzerner Hebebaum zum Drehen des Spills, zum Bewegen der Kanonen +und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord gebräuchlich. Sie muß +»handlich« sein, sich mit der Hand regieren lassen; tut sie das, so +führt sie den Namen Handspake. Neuerdings hört man unter dem Einfluß des +zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch Hand*speiche*. Und in der +Tat ist die Rad*speiche* und die Hand*spake* dasselbe. Altenglisch heißt +spake, angelsächsisch space, spaca, mittelniederdeutsch speke, +althochdeutsch speicha, die Radspeiche, radius. Das althochdeutsche +spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stück Holz; und diese allgemeine +Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der Kultur sowohl dem was wir +Spake als dem was wir Speiche und auch dem was wir Spiker (s. d.) +nennen. + + +*Spant*, das. + +Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes genannt +worden, die am Kiel wie an einem Rückgrat festsitzen. Röding kannte noch +die Form Spann. Aber auch ohne sie würde sich die Etymologie von selbst +ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die Wurzel von +spannen bedeutet ziehen, die ursprüngliche Bedeutung von Spant ist also +»etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes«. -- Ein Spant +besteht aus dreierlei Stücken. Unten am Kiel sind die *Bauchstücke* +befestigt, auf ihnen sitzen die *Sitzer*; daran schließen sich nach +Bedarf die Auflanger. Das Bauchstück heißt auch Lieger; ihm eben +entsprechen die Sitzer. + + +*Spardeckschiff*, das, s. Schiff. + + +*Speedykessel*, der, s. Kessel. + + +*Speiback*, die. + +Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung ist das +Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute öfters genötigt sind zu +spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefäße -- Backen +--aufgestellt, die mit Sand gefüllt sind und das vorstellen, was man +hochdeutsch einen Spucknapf nennt. + + +*Speigat*, das, + +heißt ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Höhe des Oberdecks, im +Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch Sturzwellen +übergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser gleichsam +ausspeit. Nach Röding hätte früher jedes Deck seine Speigaten gehabt. Er +schreibt: »Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern Decks an +der äußersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu verhindern, daß +die See, insonderheit wenn das Schiff auf der Seite liegt, nicht +hineinstürze.« Das war trotzdem nicht ohne Gefahr, und darum sind diese +Speigaten mit Recht abgeschafft worden. + +Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt +behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren, +aus deren Rachen das Wasser herausfließt, gegeben. + +Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen +alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, daß infolge eines +feindlichen Kanonenschusses »dat blod al ut den spegaten flot.« + + +*Speisewasser*, das, + +hat seinen Namen nicht daher, daß etwa mit ihm die Speisen gekocht +würden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist das getrennt von +diesem in besonderen Tänks aufbewahrte, zum Kochen und Trinken nicht +geeignete Süßwasser, das zum Speisen der Kessel, sowie für Bade- und +Waschzwecke bestimmt ist. + + +*Spesen*, die, + +nur in der Mehrzahl gebräuchlich, sind die Kosten für Fracht, +Beförderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll u. s. +w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware kommen. +Wörtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von spesa = +Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand, Lebensmittel; +lateinisch expensa, Ausgabe. + + +*Spiegel*, der, + +ist der vom Heckbalken und den Randsomhölzern begrenzte Teil des Hecks; +er war früher ganz flach, wie er es bei großen Beibooten jetzt noch ist. +Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er Fenster, in +denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag, die Wellen +spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur durch +Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese gemalten +Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber eines lag +dem Künstler stets nahe: der Gedanke daran, daß, wenn sie wirkliche +Fenster wären, sich das Meer darin spiegeln müßte, und so versuchten sie +es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den geschilderten +Fenstern zur Darstellung zu bringen. + + +*Spier*, die, + +ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z. B. als +Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden, als +Leesegelsspier u. s. w. Ursprünglich eine »dünne Stange,« eigentlich +eine *dünne*, schwanke, kleine Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung hat +sich also ähnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea ist +als Tautologie anzusehen. + +Hernach = Sparren; französisch (1704) esparres, éparres. In Groningen +haben sie ein Zeitwort bespieren, jemanden ein (rechtliches) Hindernis +in den Weg legen, ursprünglich eine Spier vor einen Weg machen, zum +Zeichen, daß er verboten ist; hochdeutsch: »Ich werde ihm ein Stöckchen +davor stecken«. Altfriesisch spiri = hasta, Speer. Bremer Wörterbuch: +»Spier, eine jede kleine Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras- oder +Kornspitze, welche eben aus der Erde kommt«. Daher denn auch: +Kleinigkeit, ein wenig, ein bischen, etwas Geringes. + +Aus germanischer Wurzel spir, platzen, schwellen, wachsen, treiben, +sprossen. + + +*Spiker*, der, + +ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heißt aber eigentlich Holznagel, ja +ursprünglich -- s. Spake -- nur ein Stück Holz, dann ein als Bolzen oder +Nagel zugespitztes Stück Holz. Man spricht hochdeutsch von einem +Speichernagel; tautologisch, denn in diesem »Speicher« steckt Speiche +(Spake) = ein Stück Holz, ein Zapfen, ein »Zweck«, der als Nagel dient. +Die ersten Nägel waren von Holz und hießen hochdeutsch Speicher, +niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie überhaupt im +Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, während im +Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher, +Speichernagel, Nagel. + + +*Spill*, das, + +ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen sonstiger +besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen die Last +gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird dieses +gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill +wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie +einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gangspill, auf den +alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist +Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende +Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende +Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird, +indem man Spillspaken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in +die Runde gehen. + +Ein eigentümliches Schicksal hat das romanische Wort für Spill gehabt. +Es heißt englisch capstan, französisch cabestan, aus dem Spanischen +stammend, wo es cabrestante heißt. Man hatte ursprünglich einen Bock +(cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, die cabria hieß. Als +man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria aufrecht stellte, nannte +man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit wäre die Sache in Ordnung. +Aber die Niederländer brachten sie in Verwirrung. Schon bei Kilian ist +ein capestant daraus geworden, und 1702 heißt das Spill kaapsta-ander, +und daraus machten die Deutschen einen Kopfständer. Doch hatte schon +vorher im Mittelniederdeutschen eine andere Verdunkelung stattgefunden, +und zwar in kapstange. In einer Livländischen Urkunde vom Jahre 1407 +wird als Merkzeichen eines verschollenen Schiffes angegeben: »unde de +kapstange si boven spitz und beneden, dar id touwe umme geit, gelike +dicke.« + +Zu dieser Stelle bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-) +Bande zu Schiller und Lübben S. 176: »Kapstange kann schwerlich capstan +sein, da dieses (ein Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat, +weshalb es auch Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange +bedeuten, vergl. kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit +Tauen befestigt wird, gleich dick sein.« Ich kann dem nicht beistimmen. +Wie soll das verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein? +Kapinge, das zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie +die Bremer Urkunde von 1400 besagt: »ok moghen de Bremere kennynge weten +onde kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum, +Sandbank, »Plate« vor der Weser) ofte op dat rode zand.« An Bord führt +man keine Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für +gewöhnlich einen dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes +Kennzeichen jenes verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben +spitz war. Es hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken +Teile noch irgend eine spitz zulaufende Verzierung. + + +*Spinnaker*, der. + +Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise segeln, so gilt +es, wenn sie keine Rahesegel führen, ihnen auf andere Weise die +Möglichkeit zu geben, möglichst viel Leinwand vor dem Winde +auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, »ein großes dreieckiges Segel +aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast +gehißt und mittelst eines *Spinnakerbaumes*, der an dem äußersten +Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen +Gabel gegen den Mast gestützt wird, ausgebreitet wird.« (Dick und +Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der +Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) veröffentlichten Übersetzung +eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der +Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt *Schwanenhals* genannten Gelenk, +das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des +Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Stütze und zum Halt dient. Der +Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde +gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lüftchen aufzufangen und +auszunützen. + +Wort und Sache sind englisch; ersteres »from spin, in sense of to go +rapidly.« + + +*Spinnekopp*, der, + +ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels, das von ferne an +das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hölzerner Kopf, ein +längliches Stück Holz durch das verschiedene Löcher in regelmäßigen +Abständen von einander gebohrt sind. Durch diese Löcher werden dünne +Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am Firsttau des +Sommersegels befestigt. Eben dadurch, daß diese das genannte Segel +tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen Entfernungen in dem +hölzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck, als habe da eine +Riesenspinne ihr Werk getrieben. + + +*spinnen* + +wird im Seemännischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders zu +erwähnen ist daher nur die Redensart: »ein Garn spinnen«; etwas lang und +ausführlich, »mit epischer Breite« erzählen, wie es alte Seeleute, wenn +sie überhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die +ursprüngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen +Ausdruck spinnen für trinken und in »Spanferkel« liegt, nämlich ziehen, +in die Länge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen, +»einen Zug tun«, saugen. + + +*Spleetflagge*, die, + +auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein dreieckiges Stück +ausgeschnitten ist, so daß sie in zwei Spitzen endigt. Sie hat den Namen +davon, daß sie wie gespalten aussieht, denn split oder splet ist die +niederdeutsche Form für Spalt und bedeutet die Stelle, wo oder von wo +aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel, Wege, +Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar, spal += auseinandergehen. + + +*Sporn*, der, + +ist die spitz zulaufende Verlängerung des Vorstevens bei Panzerschiffen, +die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen; daher man auch +Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das Schiff vorne, das +Eigentümliche der Bedeutung aber ist »mit den Füßen stoßen,« daher ist +auch Spur damit verwandt. (Kluge 355). + + +*splissen* + +heißt zwei Taue so zusammenfügen und in einanderflechten, daß an der +fest zusammengefügten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche +Verdickung eintritt. Damit solches geschehen könne, muß man zuerst das +Gegenteil von Zusammenfügen vornehmen, nämlich die beiden Taue, die mit +einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers +spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder +mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und +durch einander durchgesteckt werden können. Splissen nennt man zunächst +eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehörige Arbeit; +hochdeutsch spleißen, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als +etwas Gesplissenes. + +Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die beiden Künste werden +dem angehenden Seemann zusammen beigebracht. Deshalb heißt der +Unterrichtsgegenstand stehend »Splissen und Knoten«. Die verschiedenen +Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine Kunst. Der +sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot oder +truelover's-knot, ein künstliches, symbolisches Gebilde, das sich ohne +Abbildung kaum beschreiben läßt, zumal es verschiedene Arten gibt. Als +die Preußische Marine eingerichtet wurde und das Schiffsjungen-Institut +ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine Zeit lang sich aufs +Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten knüpfen. Das hat aber nicht +lange gedauert. + + +*Splitterdeck*, das. + +»Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers liegendes und mit +einer stärkeren Beplattung als die gewöhnliche Decksbeplattung +versehenes Zwischendeck heißt Splitterdeck.« »Es ist in der Regel nur +dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des Gürtelpanzers ein +Panzerdeck befindet.« (Dick u. Kretschmer). Es hat die Bestimmung, die +unter ihm gelegenen Räume gegen Splitterwirkung zu schützen. + + +*Sponung*, die. + +Das ostfriesische Zeitwort sponen heißt spalten, abspalten, einkerben. +An den Stellen wo ein Balken an den andern anstößt oder mit ihm +verbunden werden soll, muß, damit er sich fest anlegt, aus dem einen +Balken ein Stück von der Gestalt des anderen herausgeschnitten werden. +Dieser Schnitt heißt die Sponung. Nach Doornkaat hängt das Wort mit +Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der Begriff des Gespaltenen zu +Grunde. + + +*Spriet*, das, + +eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein sogenanntes +Sprietsegel ausspannt und der schräg liegende Baum, der als Mast +angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet heißt. + +Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet es, als von +sprießen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine Stange, +einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis, +angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; niederdeutsch spret. »Als +der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn +schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte +sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er +einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel +(reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu +schießen: »Odin hat euch alle!« Als das geschah, erschien ein Wurfspeer +in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein +Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit.« (Simrock, Myth. 176) + +Sodann aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum +Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff *spreizen* dazwischen. Man +kann die Begriffe aber so auseinander halten, daß man sagt: bei +Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im +Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut, +emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan, +englisch sprit; niederländisch spruiten. + + +*Spring*, der, auch *Sprung*, + +ist der Auflauf des Vor- und Hinterschiffes im Vergleich zum +Mittelschiff, so daß dieses der niedrigste Teil des Schiffes ist; die +Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese Erhöhung hat Einfluß +auf die Freibordhöhe. Das Wort kommt von springen im Sinne der +Architektur. Wie man sagt: »die Ecke springt vor«, so ist hier gedacht: +»das Deck springt höher.« + + +*Spring*, der. + +Wenn man aus irgend einem Grunde das Schiff nicht so liegen haben will +wie es sich, von der Strömung abgesehen, von selbst zum Winde legt; wenn +man also nicht haben will, daß der Wind von vorne kommt, sondern, +besserer Ventilation oder -- beim Kohlen-Übernehmen --grösserer +Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug da ist um +in der gewöhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will als +Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren -- +so gibt man dem Schiffe die gewünschte Lage dadurch, daß man das +Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann +an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder +sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: »das Schiff liegt auf dem +Spring«, »ist auf den Spring geholt.« Unter den schier zahllosen Dingen +und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet +sich auch diese Trosse, »a rope passed out of a ships stern, and +attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It +is intended to bring her broadside to bear upon some object.« + + +*Springflut*, die. + +Das Gegenteil von Nipflut. Während diese letztere die Flut zur Zeit der +Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist, bedeutet +Springflut die höchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und +Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring für englisch ausgeben +wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heißt Spring das +Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland +spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus »entspringen« +und »Springbrunnen« sehen wir, daß auch im Neuhochdeutschen das +althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist. + +Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der +Ausdruck, den man hören und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz +mechanisch und äußerlich ohne Rücksicht auf den Sinn von Spring als +einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist. + +»Dat de Mahn de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides +verorsaket, ys jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den +Seefahrenden genoch bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben +van Renates descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyßheit, int +veerde Deel, dar He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat +alßdenn de Flothen höger, und de Ebben syder fallen, welckes by uns ein +Sprinckstrohm genöhmet werd« ... »Beschriving van der Kunst der +Seefahrt«, Lübeck 1673. + + +*Stab*, + +der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und höheren +Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der +Feldmarschallstab das Zeichen hoher militärischer Gewalt, das Zeichen +amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. »Der Stab« im +neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausführenden Kräfte, die ein +Befehlshaber um sich versammelt hält, auch wenn er nicht grade den Stab +im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trägt, wie +die Polizisten in England noch heute tun. + +Stabsarzt, Stabsingenieur, Stabszahlmeister sind jetzt lediglich +Bezeichnungen eines Dienstgrades. + + +*Staden*, der, + +ist leider kein eigentliches Seemannswort, weil nur von oberdeutschen +Schiffern gebraucht; Straßburg, Basel, Zürich haben ihre Staden. Es +bedeutet das Wort Flußufer, eine Stelle wo man stehen und wo man Güter +hinstellen kann. Von der indogermanischen Wurzel sta = stehen, von der +auch Gestade kommt. Betrübenderweise schon mehrfach durch quai +verdrängt, (Limmatquai in Zürich). Wenn man noch wenigstens, da Quai +ursprünglich ein niederdeutsches Seemannswort war, die Form Kai oder +Kaje gewählt hätte. + + +*Stag*, das, + +ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre Befestigung +nach vorne erhält, während die Wanttaue zur Befestigung der Masten nach +beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten die Masten +hauptsächlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim Schlingern. +Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fährt um den Top und von da +nach dem Fuß des nächstvordern Mastes oder der nächstvordern Stenge, +beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den entsprechenden +Stellen des Vorgeschirrs. + +Niederländisch stag, isländisch, norwegisch, schwedisch, dänisch stag; +englisch stay, französisch étai, spanisch und portugiesisch estay. Das +Wort kommt von stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, stützt; +mittelniederdeutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Stütze, +Hilfe. + +Aber nicht nur zur Stütze der segeltragenden Masten und Stengen dienen +die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel, dreieckige, +*Stagsegel* genannt, die näher bezeichnet und benannt werden nach den +Stagen an denen sie fahren. + +Wenn man das Schiff wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite +über das Stag auf die andere Seite; daher man das Wenden auch nennt +»*über Stag gehen*.« + +*Staglaterne* ist eine Laterne, die am Vorstengestag gehißt wird, hoch +in der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen daß das +Schiff unter Dampf ist. Auch die Ankerlaterne wird in ähnlicher Weise, +doch niedriger, gehißt, zum Zeichen, daß das Schiff vor Anker liegt. + +Über Stagläufer s. Läufer. + +Ein schöner dichterischer Ausdruck für Pferd findet sich in der Edda: +stagstjorn-marr, Stagsteuermähre, also ein Pferd das Stag und Steuer +hat, dem der Zaum und Zügel als Halt dient und die Richtung angibt. + +Stagtalje, Stagtakel erklären sich von selbst. + +Von Stag ist seemännisch ein Zeitwort gebildet: *stagen* = stützen. + +*Wasserstag* heißt das Stag des Bugspriets nach dem Vorsteven zu, weil +es so nahe am Wasser, das dem Wasser nächste Stag, ist. + +Es gibt auch noch einen von »wenden« verschiedenen Sinn von »über Stag +gehen«, nämlich den von »fallen, umfallen«; wenn das Schiff z. B. +plötzlich sehr »überholt«, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so +geht etwas das nicht fest, seefest gezurrt ist »über Stag«, d. h. es +verliert seinen Halt, seine Stütze, sein Gleichgewicht und fällt um. + + +*staken* + +wird seemännisch für die Tätigkeit zur Fortbewegung eines kleineren +Fahrzeuges in seichtem Wasser mit Hilfe von Staken oder Stangen +gebraucht. Der Stakende stößt mit der Stake in den Grund und stößt so +das Schiff vorwärts. Das niederdeutsche stake = Stange ist uns +Hochdeutschen in dem Worte Stacket, Zaun von Pfählen, durchgeschnittenen +Stangen, geläufig. + + +*Standarte*, die, + +die Flagge des Landesherrn und der Mitglieder seines Hauses, im Großtop +gehißt, die Gegenwart der Genannten an Bord anzeigend. Mittelhochdeutsch +stanthart; bei Stieler 1691 Standart, mitttelniederdeutsch standart, bei +Kilian standaerd = vexillum, signum; altfranzösich estendart, +neufranzösisch étendart, spanisch estandarte, provençalisch estendart; +italienisch stendardo, mittellateinisch standarda, vom lateinischen +Zeitwort extendere = ausbreiten. Ursprünglich eine Reiterfahne. + + +*stampfen*, s. schlingern. + + +*Stander*, der. + +1. Eine dreieckige Signalflagge, s. Standarte. + +2. Verschieden von 1, auch der Ableitung nach, ist Stander, +niederländisch staander, ein »Stehender«, nämlich ein stehendes Tau oder +eine stehende Kette zum Tragen und Halten von Lasten, z. B. +Drehreepstander, Kohlenstander. Stehend ist aber, wie Kohlenstander +beweist, nicht im Sinne von »aufrecht stehend« gemeint, sondern im Sinne +von »fest stehend«, im Gegensatz zu laufend, zu »laufendem Gut« als +»stehendes Gut« betrachtet. + +3. Stander, der, oder Ständer, eine aufrecht stehende Stütze aus +(hohlem) Eisen, an Stellen wo sie beim Exerzieren, im Gefecht u. s. w. +hinderlich sind, beweglich und abnehmbar. + +Die beiden Stander 2. und 3. kommen von stan, stehen; Stander unter 1. +von extendere, ausbreiten, entfalten. + + +*Stänge*, die, + +ist die Verlängerung des Mastes nach oben in der Reihenfolge Marsstänge, +Bramstänge, Öberbramstänge. Eine vielgebrauchte Nebenform dazu ist +Stenge, wie Stänge selbst Nebenform zu Stange ist. Eine Diminutivform zu +Stange ist Stengel. Die Verlängerung des Bugspriets heißt nicht Stänge, +sondern Baum, Klüverbaum, Außenklüverbaum oder Jagerbaum. + + +*Stapel*, der, + +ist das Gestell, das Gerüst, die Unterlage von hölzernen Stapelklötzen +auf dem der Kiel eines im Bau (oder im Dock) befindlichen Schiffes ruht. +Ist das Schiff fertig, so wird es vom Stapel gelassen, es läuft vom +Stapel, sein Stapellauf findet statt. Zur Erklärung geht man wohl am +besten auf das altfriesische stapul, stapel zurück, das den Block +bedeutete, auf dem ein Kopf oder eine Hand abgehauen wurde, den +Richtblock. Es ist also Stapel die aus dergleichen Stapeln errichtete +Unterlage, auf der das Schiff beim Bau aufliegt. Weil nun diese +Stapelklötze in gerader, geordneter Reihe liegen, so heißt stapeln etwas +z. B. Holz, geordnet hinlegen oder hinsetzen, und zwar nicht bloß in +einer Reihe, sondern wenn es die Ordnung erfordert auch auf einen +Haufen; daher »ein Vermögen aufstapeln«, besonders auch Güter +aufstapeln, namentlich gelöschte Ladungen, die aufzunehmen gewisse +Städte das Vorrecht vor anderen hatten, das sogenannte *Stapelrecht*, +wie es lange Zeit Emden für die Ems besaß. Daher niederländisch +staapel-plaats (1704 bei Aubin), ein öffentlicher Handelsplatz, wohin +die Kaufleute gewisser Gegenden ihre Waren bringen müssen um sie zum +Verkauf auszustellen. Das Bremer Wörterbuch erklärt stapel mit »Haufe, +nämlich ein ordentlicher gelegter Haufe in richtiger Reihe«, so wie die +Stapelklötze liegen. Das Wort kommt von einem alten Thema stap, von dem +das altsächsische Zeitwort stapan = setzen, stellen stammt. Kilian +übersetzt stapel mit stabulatio, sedes, statio. Auch sonst kommt das +Wort im Mittelniederdeutschen in zahlreichen Bedeutungen vor, z. B. auch +in der von »Haublock eines Knochenhauers.« + + +*stauen.* + +1. Wasser stauen heißt es irgendwie hemmen, daß es nicht weiter fließen +kann, abdämmen, durch einen Damm am Fließen hindern, zum Stehen bringen. + +2. Waren in einem Schiffsraum unterbringen, niedersetzen, aufstellen, +ihnen den richtigen Stand und die rechte Stelle geben, sie sachgemäß +unterbringen, sie so legen oder stellen, daß sie nicht über Stag gehen. + +Im übertragenen Sinne: viel essen. + +Beide Bedeutungen kommen in der einen überein »*stehen machen*«. +Niederdeutsch stauen; mittelniederdeutsch stouwen, stowen, auch in der +Zusammensetzung understouwen. In einem Hansischen Vertrag von 1442 heißt +es: »Unde de schipher schal deme kopmanne de vittallige (Lebensmittel) +understouwen, unde schal sulven nene vittallige offte kopmansgud up den +averlope (Overlop zwischen Back und Schanze) voren«. Altenglisch steowin +und stowin, englisch stow; althochdeutsch stowan, stouwan, stuwan; +mittelhochdeutsch stouwen = hemmen, stauen, stehend machen; aus einer +Wurzel sta, stu = stehen. + + +*Stechbolzen*, der, + +ist ein einfaches Tauende mit einem Auge an der einen Seite. Die +Stechbolzen dienen dazu, den Teil des Segels der durch die Reeftaljen an +die Rahe herangeholt ist an diese festzustecken. Das Wort ist +Verhochdeutschung von Stekbolzen. Stek ist etwas was durch Durchstecken +eines Taues durch ein Auge entstanden ist. Bolzen ist ein Etwas, das +nach dem Ende hin verdickt ist; der Stechbolzen ist durch das Auge +verdickt. + + +*Stechschwert*, das, s. Schwert. + + +*Stehendes Gut*, s. Stander 2. + + +*Steife*, die, s. Metacentrum. + + +*Stek*, der. + +Wenn man das Ende eines Taues mit dem Tau selbst zusammensteckt nachdem +dieses um den zu befestigenden Gegenstand gelegt ist, und zwar so +zusammensteckt, daß durch das Durchstecken des Endes eine Schlinge +entsteht, die nicht schliert wenn Kraft darauf kommt, also nicht sich +zum Knoten zusammenzieht, sondern leicht löslich bleibt, so hat man +einen Stek gemacht. Man kann ihn auf verschiedene Weise machen. Je +nachdem er gemacht ist oder nach dem Zwecke des Gebrauches hat er +verschiedene Namen. *Ankerstek*, der Stek mit dem das Ankertau am Röring +des Ankers befestigt wird; *Fischerstek* der, mit dem man Säcke zum +Ein- und Ausladen befestigt; *Schotenstek*, mit dem man die Schot an das +Schothörn festmacht; *Trompetenstek* zur einfachen Verkürzung eines zu +langen Taus, das man nicht abschneiden will; *Zimmerstek*, um Rundhölzer +beim Hissen gelegt; *Sackstek*, um zwei Taue an einander zu binden, u. +a. m. Ein Palstek (s. d.) ist ein Stek mit dem man eine Troß um einen +Pfahl, einen Dücdalben legt. Das Nähere gehört in das Gebiet der +speziellen Seemannschaft. Das Wort steht als niederdeutsche Form für +Stich, es ist gewählt, weil das Ende durchgesteckt wird; stecken aber +ist Faktitivum zu stechen. + + +*Stell*, das, + +ist ein echt seemännischer kurzer, knapper Ausdruck für +Zusammenstellung. Man spricht von einem Stell Segel, das bedeutet eine +Zusammenstellung von Segeln, so daß von jedem Segel das an Bord geführt +wird, ein Exemplar vertreten ist; ebenso von einem Stell Flaggen etc. +etc. Es bedeutet also das was wir im Hochdeutschen mit dem Fremdworte +Sortiment bezeichnen. + + +*Stelling*, die, + +ist ein Gestell, das aus einigen Querhölzern mit Brettern darüber +besteht und an Tauen schwebt, so wie es die Maler haben wenn sie ein +Haus anstreichen. An Bord gebraucht man eine Stelling um außenbords die +Nahten zu kalfatern, die Außenbordwand zu malen, die Stängen zu schrapen +u. s. w. Es heißt eigentlich Stelling, nicht sowohl weil es steht, +sondern man sich darauf stellen kann; meist aber sitzen die Matrosen +darauf und lassen die Beine herunterbaumeln. + + +*Stenge*, s. Stänge. + + +*Stern*, der, s. steuern. + + +*Steuerbord*, + +die rechte Seite des Schiffes von vorn bis hinten, die ganze rechte +Seite und zwar von hinten aus gesehen, in der Richtung der Fahrt +betrachtet. Es ist der Bord über den in alter Zeit gesteuert wurde als +dies noch mit einem Riemen oder einer Pagaie geschah. Vergl. *Backbord*. +Steuerbord heißt in Holland stuurboord, sprich stürboord. Von da haben +es die Franzosen übernommen mit der Aussprache stirbord und haben daraus +durch Umstellung (Metathesis nennen es die Schriftgelehrten) stribord +gemacht. Weil nun stribord die rechte Schiffsseite ist, so haben es +nachher etliche aus dem Lateinischen deuten wollen, als ob es eine +Abkürzung von dextribord wäre, und dextribord hat es auch eine Zeit lang +auf französisch geheißen, bis man sich besann und wieder zu stribord +zurückkehrte; da man ja in der französischen Seemannssprache schon so +viele deutsche Seemannswörter hatte, kam es auf eins mehr auch nicht an. + +Mittelniederdeutsch sturbord; Seebuch (1400): »De dar wil segelen to +Kalkesorde de sal laten dat twedeel van dem watere an backbort van eme +unde dat dorde deel an sturbort.« + +Lucas Jansson Waghenaer, 1588 im »Spiegel der Zeevaerdt« hat +stuyerboort: »... so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eylant daer een +Kercxken op staet.« + + +*Steuerbordwache*, s. Wache. + + +*Steuermann*, der, + +war früher der Mann der steuerte, indem er am Stern sitzend mit einem +Ruder freihändig dem Fahrzeug die Richtung gab. In der Edda heißt er +stjori = Lenker, angelsächsisch steorman, altenglisch steores mon, +althochdeutsch stiurman, mittelhochdeutsch stiure, stiurman; +(stieurmeier heißt dagegen Steuereinnehmer); althochdeutsch und +mittelhochdeutsch auch scifmeister, Schiffsmeister. + +Jetzt steuert der Steuermann nicht mehr, er ist (wohl auch nicht grade +respektvoll »Stürke« genannt) auf Handelsschiffen der Mann, der die +Navigierung besorgt, nachdem er auf einer Steuermannsschule die Prüfung +bestanden hat; auf Kriegsschiffen ist er ein Deckoffizier, der mit +seinen Steuermannsmaaten und Steuermannsgasten das Navigationsressort +unter Aufsicht und Verantwortung des Navigationsoffiziers verwaltet. Das +Steuern besorgen auf dem Schiffe die Rudergänger, im Boot der +Bootssteurer. + + +*steuern*, + +ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren; angelsächsisch +steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran; altfriesisch stiura, +stiora, isländisch styra. Gothisch stiurjan; mittelhochdeutsch stiuren. +Zur Erklärung geht man passend von dem niederdeutschen Eigenschaftswort +stur aus, das »stark« bedeutet, und vergleicht dazu die Bedeutungen +dieses mittelhochdeutschen stiuren: stützen, lenken, leiten, lindern, +beschränken, Einhalt tun, mäßigen, treiben, stoßen, bedrängen, +unterstützen, helfen, wozu verhelfen, versehen mit, beschenken, +ausstatten, als Abgabe entrichten, Steuer zahlen, Steuer auflegen, +erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch sehr ein, daß das +althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und Grundbegriff von steuern +sei. Ein Starker mußte das Ruder führen, ja der Stärkste wird es geführt +haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch Rad besaß, sondern der +Steuernde saß im Heck, oder vielmehr in dem von stiuren den Namen +führenden *Stern*, und lenkte mit dem Ruder (daher Steuerruder, +stiurruodar, was damals paßte, jetzt aber nicht mehr gesagt werden kann, +seemännisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das Fahrzeug durch +Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand regierte. -- Von +dieser Tätigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen Regiment war nur +ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der Blick aller auf den +Stärksten, Mutigsten, Kühnsten. Der Stärkste am Ruder ward wie von +selbst der Führer, der Herr, der Häuptling, der Herzog der anderen; er +kam ans Staatsruder, an die Regierung, angelsächsisch steor, styr; +altenglisch steore; althochdeutsch stiura; wie man denn im +Niederländischen noch heute jedes Regiment bestuur nennt: +gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur, +stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklärt sich auch Steuer als +Abgabe. Zunächst freiwillige Abgabe an den Stärkeren zur Unterstützung +bei seinem Aufwand für das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin. +Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von +der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede, +zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmäßige in Aussteuer und +Haussteuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt +wird, Geschenk ins (neue) Haus. + +Wie die beiden Begriffe steuern und regieren zusammenhängen sieht man +aus dem Teuthonista: stuyren: regieren een scheep of *anderswat*, oder +sonst etwas; ja bereits im Beówulf finden wir styrian sowohl für lenken +als auch für feststellen, ordnen. + +Das *Steuer*, also das was man seemännisch jetzt Ruder nennt, die +Steuervorrichtung, hieß mittelniederdeutsch stur, stür; davon kommt die +mittelniederdeutsche, auch im niederdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch +noch vorhandene Wendung »over sture«, rückwärts, »over stür gan«, +zunächst vom Schiff = »über den Achtersteven gehen«, rückwärts getrieben +werden, dann auch bildlich: »den Krebsgang gehen.« + + +*Stert*, der, + +ist ein kurzes Tauende das an einem Block -- der darum Stertblock heißt +-- befestigt, gesplißt ist und an dem der Block irgendwo, wo er grade +gebraucht werden soll, festgebunden werden kann. Einen ähnlichen Stert +hat die Ankerboje zum Anfassen, die Leesegelspier zum Befestigen. Stert +heißt im Niederdeutschen Schwanz, das althochdeutsche sterz, mundartlich +noch heute als Sterz im Gebrauch. Der Ausdruck kommt von der +Ähnlichkeit; ein Block mit einem Stert sieht einem kurzen dicken Tier +mit einem langen Schwanze ähnlich. + +Im Mittelniederdeutschen war stert, wie es scheint, ein sehr beliebtes +Wort, man wandte es sogar, weniger fein als deutlich, auf Menschen an: +»Id syn itlike lude, die ore kleidere so kort maken, dat men sie achter +in den stert mach syn.« Hirsch, Danziger Handelsgeschichte, berichtet +aus dem Jahre 1447 von deutschen Seeleuten die den englischen gram +waren: »vnd also in tauernen sittende seyden se, se wulden den +Engelschen de sterte vor dem ersse aff houwen.« Im Redentiner Osterspiel +von 1464 sagt der Teufel Oberster Lucifer zu seinen Unterteufeln: »De +krugerschen myt ereme tappen Unde ok den monnik mit syner cappen. De +holdet alle bi deme sterte.« + +Im Seebuch (1400) wird stert als Bezeichnung des spitzen Ausläufers +eines Sandes, einer Sandbank gebraucht: »Item van den sulven sande +strecket eyn stert aff, de het de Speyt« ... »Unde buten der Seynis sal +he vinden 55 vadem, unde komet nicht neyer by nachte, umme des stertes +willen, wente he strecket verne in de see.« + + +*Steven*, der, + +ist ein starker auf und nieder stehender Balken am Bug und am Heck, der +an diesen Stellen die Gestalt des Schiffes bestimmt; den Lauf des Bugs +vorne und die Form des Hecks hinten; vorn heißt er Vorsteven, hinten +Achtersteven; an den Steven stoßen die Seitenplanken der beiden Borde an +und sind mit ihm durch eine Sponung verbunden. Früher kannte man es +nicht anders als daß der Vorsteven weit überkragte, auslud oder +überschoß, oft um den achten Teil der ganzen Schiffslänge. Dem modernen +Dampfschiffsbau blieb es vorbehalten, den Vorsteven zurückspringen oder +wenigstens senkrecht verlaufen zu lassen; für das Auge des Seemanns +keine Verschönerung. Auch ist bei den großen neuen eisernen oder +stählernen Schiffen der Steven längst kein Balken mehr, sondern eine in +einem Stück gegossene Eisen- oder Stahlmasse. + +Das Wort Steven gehört in das weitverbreitete Gebiet der Wurzel sta = +stehen, und zwar so daß Stab und Stamm dabei mitspielen und einmal mehr +Stab, das andere Mal mehr Stamm in den Vordergrund tritt. Altsächsisch +stamn, ein aus einem Stamm (Einbaum!) gefertigtes oder mit einem Stamm +(Steven) versehenes Fahrzeug. Altfriesisch stef, stev, Pfahl, Stab, +Grenzpfahl, vor allen Dingen ein Kreuzpfahl, an dem jemand zum Beweise +seiner Unschuld eine gewisse Zeit unbeweglich mit ausgebreiteten Armen +stehen mußte. Hielt er die gesetzte Zeit nicht aus, so wurde er +sachfällig. Auch standen beide Parteien am Kreuze, und der es am +längsten aushalten konnte, erhielt die triumphante Sentenz, wie Wiarda +mitteilt. Dieses Ordale genannte examen crucis hat übrigens Ludwig der +Fromme schon abgeschafft. + +Angelsächsisch stafn, stefn, stemn = Baumstamm und Steven. Steven ist +also der Teil des Schiffes der durch einen Stamm Festigkeit erhält, +durch ihn verstärkt und versteift ist. Das bezieht sich allerdings +besonders auf das Vorderteil des Schiffes. Aber es war in alten Zeiten +schon so und ist auch heute noch so, daß, wenn kurzweg von Steven die +Rede ist, man zuerst und hauptsächlich an den Vorsteven denkt. Schon in +der Edda hieß stafn das Vorderteil des Schiffes und stafn-tjald war ein +daselbst aufgeschlagenes Zelt. Auch die alten Friesen sagten stewen und +meinten den Vorsteven; Emsiger Land-Recht: »Huarsoma annen ut smit eter +stewene, that ma hine eter stiure wither haut«, wenn man jemanden beim +Vorderteile des Schiffes auswirft, daß man ihn beim Hinterteile +wiederkriegt. Das war auch im Mittelniederdeutschen so: Hamburger +Chronik: »vnd synt de Hamborger vnd Bremer myt schepen tor seewert +gerucket ... vnd weg genamen, wat en vor steuen gekamen is.« + + +*Steward*, der. + +Diese Bezeichnung des »Kellners« bezw. Ökonomen an Bord sieht sehr +englisch aus, stammt aber von deutschen Eltern ab. Sie bedeutet +ursprünglich einen Viehhüter. Das mag den Earls of Leicester, in deren +Familie das Amt eines Lord high steward als das vornehmste im Lande +erblich war, schon nicht mehr bewußt gewesen sein, aber Tatsache ist, +daß das Wort angelsächsisch stigeward und stiward, altenglisch styward +hieß und eine Zusammensetzung des altdeutschen Wortes stiga, +Schweinestall, Schafstall, überhaupt Stall und wart Wärter ist. Insofern +in alten Tagen, wie es Walter Scott im Ivanhoe an Cedrik und seinem +Wambo so meisterhaft geschildert hat, der Viehstand eines vermögenden +Mannes das Hauptstück seines Vermögens ausmachte, auch in jenen +unruhigen und rechtsunsicheren Tagen ein energischer, mutiger, +kampfgeübter Mann als Wächter, Hüter und Verteidiger dieses +Besitzstandes nötig war, war dieses Amt gar nicht so unwichtig, und es +nimmt uns nicht Wunder, daß solch ein Viehhüter sich allmählich zu +höherem ausgewachsen hat. So gut wie der Marschall sich gefallen lassen +muß, daß sein Amtstitel Pferdeknecht bedeutet, so gut kann es jeder +Steward mit ansehen, daß er vom Stallknecht abstammt. Was man übrigens +damals unter einem Stall verstand, war aber gewiß nichts weiter als ein +Pferch, ein Verschlag von Latten, eine Hürde in die die Tiere des Nachts +getrieben wurden. Nur so erklärt sich das sonst befremdliche altdeutsche +Wort Stiga. Wir müssen annehmen, daß die Wände des Pferches wie eine +Leiter, eine Stiege gestaltet waren und auch zum Steigen benutzt wurden. +Ward ist ein weitverbreitetes, gemeingermanisches Wort, von dem auch das +wie ein Fremdwort aussehende Garde stammt, auch Münzwardein, Wartefrau +und Wirt (gotisch vairdus, sprich wärdus, noch heute wird Wirt vielfach +wie Wärd ausgesprochen), wie denn der Begriff Wirt dem von Steward auf +einem Kriegsschiffe auch in der Bedeutung sehr nahe kommt. Die ganze +Sippe geht zurück auf althochdeutsch wartjan, warten, aufwarten, hüten, +pflegen (daher êwart der Priester, der Hüter des Rechtes), gotisch +vards, altfriesisch wardia, altenglisch ward, altisländisch vördr. Da +das Wort unser deutsches Eigentum ist, so kann uns niemand verwehren es +Ste-ward anstatt Stjuward auszusprechen: sprechen es doch selbst die +Engländer nur in Folge der falschen Meinung Stjuard aus, daß es aus stew +und ard bestände, da es doch aus ste und ward besteht. + + +*stoppen* + +heißt in der Seemannssprache »eine Bewegung aufhalten«, »machen, daß +etwas sich nicht weiter bewegt«, z.B. eine Maschine, ein laufendes Tau, +eine Logleine, eine Ankerkette. Das entsprechende Kommando heißt: +»Stopp« oder »Stop«! oft mit einer lang gedehnten scharf betonten Endung +e, »Stoppé!« Im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt stoppen: +stopfen, füllen, voll machen, verstopfen, dicht machen, stehend machen, +hemmen, aufhalten, angelsächsisch stoppian, altsächsisch stuppon, +althochdeutsch stoppon. Vom lateinischen stuppare, mit stuppa = Werg +verstopfen, italienisch stoppare, altspanisch estopar, französisch +étouper = »to stop with tow«. Diese Bedeutung »mit Werg verstopfen« +führt uns den ursprünglichen Vorgang vor Augen: man verstopfte die +Ausflußöffnung irgend eines Flüssigkeitsbehälters mit Werg und +versperrte dadurch der Flüssigkeit den Weg, daß sie nicht in Bewegung +geraten, daß sie sich nicht aus dem Gefäß herausbewegen konnte, von hier +aus entwickelte sich die Bedeutung weiter bis zu dem allgemeinen +Begriffe »hemmen.« Das Wort ist also mit stauen bedeutungsverwandt. + +Bei Kilian wird het schip stoppen sogar noch mit kalfaten wiedergegeben, +man dachte damals also noch an das Werg. + +Es gibt an Bord verschiedene Arten eine Bewegung zu hemmen. Ein Tau wird +mit einem Abstopper abgestoppt, der auch kurz Stopper heißt oder +Taustopper, da er ein kurzes Tauende darstellt mit dem ein Tau, das +geholt wurde, so lange festgehalten wird bis es belegt ist und sich +selbst hält. Besonders wichtig sind, von der Dampfmaschine und ihren +Vorrichtungen zum Stoppen abgesehen, die Stopper der Ankerkette. Je nach +dem Orte wo sie in Tätigkeit treten oder nach der Weise wie sie +arbeiten, spricht man von Zwischendecksstoppern, Decksstoppern, +Kneifstoppern, Zungenstoppern und Schlippstoppern. + + +*Stosstalje*, die, + +dient, wie auch der Stoßstander, zum Abstützen der Unterrahen wenn das +Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin- und hergestoßen +würden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer schweren Last viel +Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also ihren Namen nicht +davon, daß sie stoßen, sondern davon, daß sie das Stoßen verhüten +sollen. + + +*Strak*, die, + +ist die Richtung in der etwas verläuft, die Gestalt oder der Zug wie +eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak, einer +Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in denen +sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe, Streifen, +Strecke u. s. w. bedeutet nämlich das niederdeutsche Wort strack, das +auch für Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von striken = +strecken, eine Bewegung, einen Zug machen. + + +*Strand*, der, + +sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit Wasser bedeckt, +bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal Land und einmal +Wasser ist; so im »Seebuch,« 1400, und noch bei Röding 1794. Jetzt aber +ziemlich gleichbedeutend mit Küste, namentlich wenn diese flach ist. +Allenfalls daß man in Seebädern im besonderen Sinne von einem (sandigen, +nicht schlickigen) Badestrande redet. + +Auch *stranden* wird nicht mehr als scharf umgränzter Begriff gebraucht, +sondern häufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden +kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener +Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne +irgendwelchen Schaden zu nehmen. + +Das Wort Strand ist ziemlich spät aus dem Niederdeutschen ins +Neuhochdeutsche übergegangen. + +Was die sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten +Sprachgebiet stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als +ob die Bedeutung »sandiger (Bade-)Strand« die ursprüngliche wäre, indem, +wie Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht +zu Grunde liegen könnte, daß das Knirschen des Sandes beim Betreten +andeuten dürfte. + + +*Strandgut*, das, s. Seetriften. + + +*Stratus*, s. Cirrus. + + +*Streckbug*, der. + +Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen, den anderen Weg +sie nach der anderen Seite gedreht; d. h. man hat sie einmal über den +Backbord-, das andere Mal über den Steuerbordbug gebraßt und sagt dann: +»wir fahren über den Backbord- oder über den Steuerbordbug.« Nun +geschieht es, daß man über den einen Bug weiter in der Richtung des +eigentlichen Kurses vorwärts kommt als über den andern, daß man über den +einen Bug eine größere Strecke gewinnt, sich näher dem Ziele +entgegenstreckt, darum heißt dieser Bug der Streckbug. + + +*strecken*, den Kiel. + +Hier ist strecken in dem gewöhnlichen hochdeutschen Sinne dieses Wortes +gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von Zug, Richtung, +Verlauf. Den Kiel strecken heißt eigentlich ihn grade machen, ihm seine +Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben, bedeutet aber im +weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des wirklichen Baues +eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehört, die erste an die +Öffentlichkeit tretende und etwas von dem zukünftigen Schiffe in die +Erscheinung bringende Tätigkeit, nachdem der Zeichensaal und der +Schnürboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit dem Strecken des +Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in dieser Hinsicht +hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an sich. + + +*Strecktau*, das, s. Laufstag. + + +*Strich*, der. + +Man hat die Kompaßrose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt und jeden +derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen gegeben. Diese +32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber noch einmal +geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so daß man auf +Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da +nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des »Seebuches«, 1400, sagt +Breusing in der Einleitung: »Die Kompaßangaben im Seebuche gehen nur bis +auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebräuchlich ist, bis auf +Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der +Zusatz »ein wenig nach« gebraucht (en luttik tegen norden), womit die +Größe eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz: +»reichlich« (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Größe von beinahe +einem halben Strich angedeutet sein mag.« + + +*streichen* + +wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen +Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch +striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch +strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen +lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das +hochdeutsche »streichen« irgend eine beliebige Bewegung nach irgend +einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach +zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts. +Abwärts wurden früher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der +Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so +daß die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine +Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es +holt sie nieder. + +Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: »Streich!« Teils +streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher, als das Ruder es +bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am Steuerbord, wenn es +sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils an beiden Seiten, +wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder in eine rückläufige +Bewegung geändert werden soll. + +Im Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß +es unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so +allgemein bedeutete es »sich gefangen geben« Lübische Chronik: »Pawel +sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van +sich«, daher denn auch striken ganz allgemein als »nachgeben, klein bei +geben« gebraucht wurde. 1530: »De heillosen papen weren so trotzig, dat +se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer +stiff by eren dingen«; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen +bedeutet »aufhören zu kämpfen,« so gut könnte es auch bedeuten »aufhören +zu arbeiten,« und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne +gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort +striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen desselben bis +hin zum »Stricke machen« ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin +manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken +dem Arbeitgeber gewiß ein böser »Streich« gespielt. + +Dieses Streichen wirft auch das richtige Licht auf das Wort +Zapfenstreich. Die Segel streichen heißt aufhören mit kämpfen, den +Zapfen streichen heißt aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den +Zapfen zumacht und den Gästen Feierabend gebietet. + + +*Stringer*, der, + +»Längsstringer sind noch weiter (als die Seiten-Kielschweine) seitlich +liegende, dem Kielschwein ähnliche Längsverbände. Decksstringer sind auf +den Decksbalken an den Bordseiten liegende Platten, welche mit den +Balken, der Außenhaut und den Querspanten, verbunden werden.« (Dick und +Kretschmer, I. 83.) So gibt es auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die +Bedeutung wird durch die Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo +klar, das zusammenziehen, also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also +ein Verbinder, ein Ding, das einen Verband herstellt; auf deutsch +kurzweg »ein Binder.« Wir haben das Wort auf dem Umwege über England +empfangen, wo stringer bedeutet »in ship-building an inside strake of +plank or of plates, secured to the ribs and supporting the ends of the +beams.« + + +*Strom*, der, + +wird seemännisch nicht für einen schiffbaren Fluß gebraucht, der +vielmehr Revier (Rivier) heißt, sondern für Meer, für die freie offene +See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgängig mit Beziehung auf +Meeresströmungen, ausgenommen in Meeren wo es solche gibt, die Ebbe- +und Flutströmungen, s. unten. Strom ist im Munde des Seemanns das, was +man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In einer alten Göttinger +Urkunde steht: »... unde de unse unde ok den gemenen copmann uppe dem +vryen seestrome groffliken beschediget.« Desgleichen in einer anderen: +»do dusse lude van Engeren uth Britannien verdreven weren und leghen an +den seestrome unde krygeden myt den Britanniern.« + +Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem Binnenhafen lag +und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen ist) an eine Boje +oder vor Anker: »Das Schiff verholt auf dem Strom.« + +Im »Seebuch« (1400) ist unter Strom meistens der Flut- und Ebbestrom des +Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet: +»Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket +lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege +water west ton suden mane.« + + +*Stropp*, der, + +ist ein in sich selbst zurückkehrendes kurzes Tau, ein kurzes Tau ohne +Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stück Tau gemachter Ring, der +durch das Zusammensplissen der beiden Enden entstanden ist. Solch ein +Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch gelegt, auch sieht man +oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen eines Bootes am +Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp, den man um ihn +gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stückgut gehißt. Es ist +also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und nützliches +seemännisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten klassischen +Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt. Lateinisch stroppus, +gedrehter Riemen zur Sänfte oder zum Anbinden der Ruder an die +Ruderbank, dünner Kranz von Bast gedreht; griechisch strophos, das von +Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene Band, der Gurt, das +Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe, das Wenden oder +Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho, estropha, drehen, +wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte der Kunst, führt +ein griechisches Wort an, das stroppos heißt und von Festus in der +Bedeutung »Kranz« aufgeführt wird. Gellius hat das lateinische stroppus +als »Band.« Grade dieselben Bedeutungen vereinigt das Wort in unser +Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof von Sevilla +Isidorus sagt in seinem berühmten Buche Origines s. Etymologiae: +»struppi quibus remi ad scalmos alligantur.« Als stropp führt Wright es +aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im Mittelniederländischen; +im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch für den Strick des Henkers: +»hoe gheerne solde een dief, die enen strop om sinen hals hadde ... +weder gheuen, dat hie ghestolen hadde.« Es gab damals auch stropballien, +solche Baljen, die mit einem Stropp versehen waren, »dar de Kalk inne +vpn thorn gewunden warth.« + +Italienisch stroppo, französisch 1702 etrope und estrope, jetzt étroppe, +portugiesisch estropo. + +*Bestroppen*, etwas mit einem Stropp versehen, z. B. einen Block, und so +gebrauchsfertig machen. Daher auch übertragen: »Das werden wir +bestroppen,« d. h. »das wollen wir machen.« + + +*Stück*, das, + +war früher ein allgemeiner Ausdruck für Kanone. »Ein Schiff mit 48 +Stück.« Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim Exerzieren +mit Stücken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die Stücken los! +4. Holt die Stücken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6. Platloth ab! 7. +Stopft das Zündgat! 8. Kratzer in die Stücken! 9. Wischer in die +Stücken! 10. Öffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die Stücken! 12. +Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stücken! 14. Setzt an +Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zündgaten! 16. Kraut in die +Zündgaten! 17. Deckt die Zündgaten! 18. Stücken an Bord! 19. Faßt den +Kuhfuß und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die Lunte ab! 22. +Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die Bezeichnung +Geschütz in den Vordergrund getreten, doch so daß Kommando 3 stets +»Kanonen los!« hieß, da doch das unmittelbar vorhergehende Kommando +gelautet hatte: »An die Geschütze!« Ganz neuerdings ist durch die +Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund +getreten. Stück hat sich aber nie ganz verloren; Stückpforten hat es +immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die +Bezeichnung »Stückmeister« in Aufnahme gekommen. + + +*Sturmdeck*, s. Deck. + + +*Sturmtor*, s. Schleuse. + + +*Sturmtreiber*, s. Treiber. + + +*Sturzsee*, die, + +ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so hoch ist, daß +sie über die im Sturme sich neigende Reling oder das Schanzkleid hinweg +auf Deck stürzt; um das überkommende Wasser wieder zu entfernen, sind in +das Schanzkleid neuerdings größere Öffnungen dicht über dem Deck +eingeschnitten; man nennt sie *Stürzpforten*, weil das Wasser zu diesen +Pforten wieder hinausstürzen soll. + + +*stützen* + +kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemännischen vor; +besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim +Steuern. Wenn befohlen war, daß das Ruder nach irgend einer Richtung hin +gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung +gedreht werden, so wird kommandiert: »stütz!« oder: »stütz so!« +Niederdeutsch stütten, welches oft anstatt stützen zu hören ist, anstatt +»stütz so« heißt es dann »stütti!« wohl auch in Anlehnung an das +englische steady, »steer the ship a steady course«. + + +*Südwester*, der, + +ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder Öltuch-Hut zum Schutze +gegen Sturm und Regen. + +Grimm erklärt West aus dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere +Meere paßt das nicht, würde auch zu dem Südwester nicht stimmen, der +seinen Namen gerade davon hat, daß es eben bei Süd-West am meisten +stürmt und regnet. Doch heißt vis nicht nur Meeresstille, sondern +überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm vermutet auch eine gotische Form +vistr, gegen Abend, adversum occidentem. + + +*Superkargo*, s. Cargo. + + +*Süsswasser*, das, + +ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, daß es in Tänks von +Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei es, daß es aus +Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen oft mit vieler +Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann lieber +Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich für +die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht wird. + + + + +T. + + +*Taifun*, der. + +Der mit Recht so gefürchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das Wort kommt +nach einem mir zugegangenen sachverständigen Urteil von der Kantoner +Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht für das Auge +wiedergeben lassen, die aber für das Ohr tai fung lauten. »Tai heißt +»groß« und fung »Wind«. Nun nennen zwar die Chinesen jeden starken Wind +tai fung, während sie für einen Taifun noch den speziellen Ausdruck fung +kü haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem französischen il +fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrücke beruhen ja nicht +immer auf der gründlichsten Kenntnis der chinesischen Sprache. Da tai +fung außerordentlich häufig (auch schon in der Kinderstube, aus der und +von deren Amah's sich wohl vielfach die Kenntnis chinesischer Wörter +seitens der früheren Europäer herleiten wird) gehört wird, und da +überdies ta fung kü wieder so ähnlich klingt, so glaube ich, braucht man +keinen Zweifel zu hegen. + +Merkwürdig ist das Verschwinden des g am Ende. Die Engländer schreiben +wie taifoon auch Kowloon für kau lung (»Neun Drachen«) die chinesische +Stadt und daher auch die britische Halbinsel Hongkong gegenüber. Ich +erkläre mir das aus dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und +des Französischen der alten katholischen Missionare. So auch Kanton +statt Kwang-tung oder Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king. +Daß der Laut der Kantoner Aussprache für die Europäer maßgebend geworden +ist, findet sich auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der +Kantoner Aussprache Jat pun (mit verschlucktem, kaum hörbarem t in jat). +Jat heißt Sonne, pun heißt Ursprung oder Aufgang.« + + +*Takel*, das, + +ein »Flaschenzug«, Windezeug aus zwei oder mehreren Blöcken (s. d.). +Niederländisch, dänisch und schwedisch takel, englisch tackle, +französisch palan à itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem +Stamme mit Tau. Früher die Gesamtheit aller Taue, überhaupt des ganzen +Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung »Vor Top und Takel« +hervorgeht. + +Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel = trajectus, +transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus, ut pontonem +dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3. taekel = +hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien. + +Es liegt nahe, an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch +zagil, angelsächsisch tägel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda, +besonders equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt +hat und die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare +abschnitten zu Schiffstauen, vergl. jedoch *Tau*, s. a. *Gut*. Über die +Zusammenstellung »Takel und Mantel« s. Mantel. + +Das Takel wird erst durch das Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne +Mantel ist es eine Talje (s. d.). + + +*Takelage*, die, + +die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehört. Das Wort hieß +mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche +ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines +Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders +als unter französischem Einfluß entstanden sein wird. Hätte es auf dem +Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wäre überhaupt +kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen. +Übrigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz +überflüssig, da Takel ursprünglich für sich allein schon ein solcher +Begriff war. + +Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdländerei, scheint sich erst die +Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens finden wir da erst +Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der moderne +Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden, daß er +sogar Stellasche, Kledasche und -- Fressasche spricht. Kilian hat die +Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes. + +In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje +gesagt, wie denn überhaupt alle die zahlreichen Wörter mit der +Sammelendung -age so ausgesprochen werden. + + +*Takeln*, *betakeln*, *auftakeln*, *abtakeln*, *Takelung* s. Takler. + + +*Takler*, der. + +Jeder rechte Seemann muß ein Takler sein, d. h. die Arbeit des Takelns +verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und beim Auf- +oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen können. Alle diese +Wörter kommen ja schließlich auf eines hinaus: seemännisches Vermögen +mit dem Tauwerk richtig umgehen zu können und ihm die Gestalt und +Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner +Bestimmung gebraucht wird. + +Insonderheit heißt betakeln das abgeschnittene Ende eines Taues so mit +einem Bändsel befestigen, daß die Kardeele nicht aufgehen. Takeln +überhaupt heißt splissen und knoten und dergl. Will man eine derartige +Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so nennt man sie eine Takelung. Wird +ein Schiff in Dienst gestellt und es bekommt seine Segel und sein +Tauwerk und es wird alles an seiner richtigen Stelle gesetzt und +geschoren, so heißt das auftakeln, das Gegenteil davon aber abtakeln. + +Auf der Werft hat man eigene Takler und eine besondere Werkstatt für +sie. + +Ein Frauenzimmer, das sich sehr geputzt hat ist »mächtig aufgetakelt«; +doch sagt man auch ohne Vorwurf »fein aufgetakelt«, s. Takel. + + +*Talfahrt*, die, + +ist bei der Flußschiffahrt die Fahrt den Strom abwärts, während die +Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heißt. + +*Talweg* ist der Stromstrich, die Mitte eines Flußes. So wurde am 9. +Februar 1801 zu Lunéville, als man das alte deutsche Reich über den +Haufen warf, unter Zustimmung von »Kaiser und Reich« beschlossen, der +Talweg des Rheins solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich +sein. + + +*Talje*, die, + +ist ein an Bord völlig unentbehrliches Werkzeug, ein Flaschenzug, der +oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten einen einscheibigen +Block hat. Die beiden Blöcke sind durch ein Tau verbunden, das, da es +über die Scheiben der Blöcke läuft, Läufer heißt, Taljenläufer. + +So wie die Talje sich zunächst dem Auge darstellt, nämlich in +unbenütztem Zustande, sind die beiden Blöcke noch zusammen, so daß sie +wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt hat. Von +diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name. Man kann +auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei (ungleiche) +Teile teilt. + +Französisch heißt der Schneider bekanntlich tailleur, der Einschnitt +taille, einschneiden, schneiden tailler; italienisch taglia, spanisch +taja, talla, portugiesisch und provençalisch talha = Schnitt, +Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das lateinische talea = +abgeschnittenes Stück zurück; (daher auch Detail und Talon). Kilian hat +talie = incisura. Niederländisch (1702) taalie. Da die Franzosen den +Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so scheint Talje direkt +aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen worden zu sein; gewiß +schon früh, denn solch ein handliches und brauchbares Hilfsmittel werden +sich die friesischen Kreuzfahrer sicher nicht haben entgehen lassen. + + +*Tamp*, der. + +Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heißt Tamp, auch der Tampen. +Das Ursprüngliche dürfte das abgeschnittene kurze Ende sein; nämlich das +Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei uns in der +Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in der Hand +eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man früher +Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im Kriegsbuch +berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander vergleichen +(vertragen) wollten, dann habe er »einen Vergleicher, ist ungefährlich +eines Armes lang.« Doch ist das Schlagen der Mannschaft jetzt verboten. +Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher ihre Strafe, mit +einem Tau, »ungefährlich eines Armes lang«; es geht aber auch ganz gut +mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade in der Nähe +aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl Nasalierung vom +niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber bedeutet einen +Schlag, einen »Klapps«; ein Tamp war also ursprünglich das Tau oder der +Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und ist dann nach und +nach in die allgemeine Bedeutung Tauende übergegangen. + + +*Tänk*, der, + +ist ein an Bord gebräuchlicher Aufbewahrungsbehälter für Wasser, +Petroleum, Öl u. s. w., überhaupt für Flüssigkeiten, Wein, Bier etc. +etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein größeres, oft viereckiges, +sonst auch dem Raum angepaßtes Gefäß. + +Ein Tänkschiff ist ein solches das eingerichtet ist, Petroleum ohne die +Fässer in sich aufzunehmen, so daß es drüben in Amerika in die +entsprechenden Behälter eingepumpt und hüben wieder ausgepumpt wird. + +Das Wort kommt aus dem Englischen, wo es tank heißt. Und zwar ist da, +wie die englischen Provinzialismen und das Schottische beweisen, ein s +im Anlaut abgefallen. Es stammt vom lateinischen stagnum, eine Pfütze +stehenden Wassers (daher auch stagnieren); italienisch stagno, spanisch +estanque, altfranzösisch estanc, neufranzösisch étang. + + +*Tau*, *Tauwerk*, das, + +ungefähr gleichbedeutend mit Seil. Ursprüngliche Bedeutung ist: +Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, daß jedes beliebige Werkzeug +ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem vartouwe = Wagen +und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat. Tau hat also +dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit ihm zusammen +eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere. Gotisch taujau += tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas *tut*. +Althochdeutsch ziohan, (altsächsisch tiohan), ziehen, oder zawjan, +machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergerät, +Fuhrwerk, Wagen, *Schiffsgerät*, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige +aber im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf +Handwerk, Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das +französische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar +heißt sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und +das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. »schlafendes Auge« in der +Botanik). *Tauwerk* ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom +Reepschläger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch +Drahttauwerk. + + +*tauen*, (*vertauen*, *vertäuen*) + +(mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der Stelle ziehen und an einem +anderen Orte wieder festmachen, alles vermittelst eines *Taues*. Aubin +unterscheidet zwischen toüer und remorquer (s. Remorqueur): »Remorquer +signifie le changement de place qu'on fait à un vaisseau par le moien +d'un bâtiment à rames (so wurde die schwedische Fregatte »Eugenie« in +der Magellanstraße aus dem Bereiche eines der daselbst so heftig, aber +örtlich beschränkt wehenden Wirbelwinde durch ihre Boote um eine +Felsenecke getaut oder vertaut, wo es totenstill war) et toüer signifie +le même remuëment par le moien du cabestan ou par la hansiére.« + +Ist das Schiff an der Stelle angekommen wo man es haben will, so wird es +festgemacht, an einem Bollwerk, einer Pier, einer Boje; insofern solches +mit einem Tau geschieht heißt es vertäuen, wangerländisch vertojen. + +In Holland heißt aanturen ein Tier zum Weiden mit einem Tau festbinden, +ostfriesisch tüddern, daher vertüddert oder vertütert anstatt »unklar«, +verwirrt, bei Stricken, Bindfaden, Nähgarn. + + +*Taube Jütte*, die s. Davit. + + +*Taube Gezeit* s. Nipflut. + + +*Teakholz*, das. + +»This timber is excellent for ship-building, and has been called the oak +of the East. It works easily, and, though porous, is strong and durable; +it is easily seasoned and shrinks but little, and from containing a +resinous oil it resists the action of water, and repels the attacks of +insects of all kinds.« Es ist das Holz der Tectona grandis aus der +Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und den Molukken bis +zu gewaltiger Höhe wächst und sehr breite und lange Blätter hat. Teak +ist ein tamilisches Wort. + + +*Teer*, der, + +ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes, mit +harzigen Teilen vermischtes dickflüssiges Öl, das Tauwerk, Holz, +Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der +Feuchtigkeit schützt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht +besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzüge, Jacken, denen +kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht bloß Blaujacken, +sondern auch *Teerjacken* genannt werden. Viele Leute lieben den +Teergeruch. + +Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen empfangen. Gotisch triu += Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in Wachholder, Maßholder, +Holunder; die indogermanische Grundlage ist derw --, griechisch drüs, +Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch derwa, finnisch derwas, lappisch +tarwas, Kien = Harz = Teerholz; esthnisch terw, finnisch terwa, +gädhelisch tearr, kymrisch tar, bretonisch ter = pix. »Die Entwicklung +der Formen deutet auf Osteuropa als Heimat des Wortes, die keltischen +Wörter sind dann aus dem Deutschen entlehnt.« + +Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im ganzen +niederdeutschen Sprachgebiet früh verbreitet. Im Beòwulf heißt +niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff. + + +*Tender*, der, + +»a small vessel employed to attend a larger one for supplying her with +provisions and other stores, or to convey intelligence and the like.« +Also ein kleineres Schiff, das einem großen beigegeben ist, um seinen +Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem Schiffsboot oder einem +Beiboot dadurch unterschieden, daß es nicht an Bord des größeren +Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu groß ist, und daß es +seine eigene ständige, aber vom größeren Schiffe abhängige Besatzung +hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als Kommandanten. + +Bekanntlich heißt Tender auch der der Lokomotive eines Eisenbahnzuges +beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht. + +Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen, irgendwohin +richten, lenken, reichen, darreichen, für etwas sich bemühen, arbeiten, +ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit Intendantur gleicher +Herkunft. + + +*Tide*, die, + +ist -- vergl. Gezeiten -- die Zeit von Ebbe und Flut, die Flutzeit, die +Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und einer Flut; +doch wird an der Nordseeküste das Wort so gebraucht, daß man dabei eher +geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere gemeint sein, +so muß das schon besonders irgendwie angedeutet werden, entweder +dadurch, daß man nach Breusing »taube Gezeit« oder nach Dornkaat »dode +ti« (ostfriesisch heißt tide auch tie und ti) sagt, namentlich zu der +Zeit, wo der Mond im Viertel steht, während eine tide zur Zeit des Voll- +oder Neumondes spring-tide heißt. + +Das Wort Tide ist von vielen für englisch gehalten und Teid +ausgesprochen worden. Mit Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch kommt es +als gut deutsches Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. »mit +halver tide«; »en quarter, dordendeel, twedeel tydes«; »myt ener halven +tiden«; auch in der Mehrzahl: »de tyde van Calismains, Engelant.« 1588 +hat Waghenaer das Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije, +auch spricht er der größeren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von +watergetijde. + + +*Tidehafen*, der. + +In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, daß, ob zwar eine Tide Flut +*und* Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil der Verbindung +ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein Fluthafen, nämlich ein +offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener Hafen, der nur zur Zeit +des Hochwassers zugänglich ist. + +Die gangbare niederländische Zusammenziehung tij für tide war schon +Waghenaer 1588 sehr geläufig; er spricht häufig von »tij hauen,« ja +sogar von Tijbuckinghen als den besten, die natürlich in Holland +verzehrt werden, während die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe +hinauf nach Deutschland, Böhmen, Ungarn und bis zur Türkei gehen, »al +waer de selve Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten +ende gheconsumeert wert.« + + +*Tief*, das, + +ist im seemännischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar mehr eine +Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei Inseln; eine +Strecke, die tief genug ist für Schiffe. Dep heißt sonst niederdeutsch +Graben, Kanal, Fluß, niederländisch diep (Nieuwediep, sprich Nüwediep), +englisch deep, Tiefe, See, Meer; »Anything remarkable for depth, sea, +ocean.« Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so daß es nicht +bloß Meerestiefe, sondern (Luther) überhaupt Meer bedeutet. + + +*Tiefgangsmarke*, s. Ahming. + + +*Tiefladelinie*, die, + +ist eine außenbords an einem Handelsschiffe angebrachte, durch einen +Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt, wie tief ohne Gefahr für +Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug geladen werden darf. Das +richtet sich nach der Bauart und Güte des Schiffes, nach der Art der +Ladung und besonders auch nach dem Bestimmungsort, indem ein Schiff für +große Fahrten nicht so tief geladen werden darf, wie ein Binnenfahrer. + +Es wäre zu wünschen, daß ein allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz +gegeben würde. + + +*Tieflot*, das, + +hieß sonst das »schwere« oder »große« Lot, ein Lot, das dazu dient, +größere Tiefen auszuloten als das Handlot es vermag, s. loten. Da zum +Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des Schiffes +beschäftigt sind, so verständigen sich diese unter einander durch +Aussingen, wobei der berühmte Vers ausgesungen oder gerufen wird: +Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das große Lot Und +schlägt euch alle tot. »Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck +gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, alß dat Duiep +Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See, +und sünst dar men underschetlicke Gründen hefft; welckes bewilen gude +Narichtunge gifft.« »Kunst der Seefahrt,« 1673. + + +*Timmerstek* s. Stek. + + +*Tjalk*, die, + +ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug für +Küstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im +Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause +ist, schreibt man in Folge der eigentümlichen Aussprache des j im Anlaut +oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand +läßt für Tjalk auf eine ursprüngliche Form Jalk schließen. In der Tat +kennt und hat auch das »Bremer Wörterbuch« noch diese Form. So geht das +Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurück und dürfte eine +Diminutivform davon darstellen, die über Jolleken, Jolken, Jolk sich +entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hören. Es ist +dabei zu bedenken, daß Jolle, wenn sie wirklich durch die Phönizier mit +ihrem gaulos an unsere Küsten gelangt ist, damals kein so kleines Boot +war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug. + + +*Tonne*, die. + +1. Ein Seezeichen, das ursprünglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber +aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr ähnlich sieht. Aber +der Name ist geblieben und hat sogar dienen müssen zur Zusammenfassung +der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die +Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und überhaupt in Ordnung +halten, heißen jetzt *Tonnenleger*, Dampftonnenleger. Früher, z. B. zur +Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hießen +sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunächst zur Unterhaltung +der Seezeichen bestimmt waren, so heißen sie noch heute *Tonnengelder*. + +2. Spricht man von Tonne im Sinne von *Tonnengehalt*. Dieser bedeutet +die Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag, +bezw. die Anzahl der Registertonnen als Raummaß für die +Schiffsvermessung; eine solche Tonne mißt 2,832 cbm; während eine Tonne +als Schiffslast 1000 Kgr. wiegt. + +Schon frühzeitig ist man im *Betonnen* eines Fahrwassers von der +eigentlichen Tonnenform der größeren Deutlichkeit der Unterscheidung +zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch, +Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine Ähnlichkeit hatten. +Waghenaer, »Spiegel der Zeevaerdt« 1588, schreibt: »Op alle de stroomen +van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste +rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als +hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein +Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op +de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de +ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met +korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange +mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder +sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen +onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen +fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de +contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.« + + +*Tonnenbojer*, der. + +Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen, wangerländisch +tunbujer. + +Als die Bremer dem Grafen Anton Günther von Oldenburg, ja dem Kaiser und +Reich mit Gewalt entgegentraten um einen den Oldenburgern vom Kaiser +bewilligten Weserzoll zu hindern, war das Mittel der Gewalt -- ein +einziger »Tonnenboyer«. Der genügte der freien Reichs- und Hansastadt +Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des Kaisers und des Grafen zu +hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken ähnlich einem Zollkreuzer, +mit einigen Kanonen, für gewöhnlich friedlicher Beschäftigung obliegend, +aber gelegentlich zu kriegerischen Zwecken verwendet. Übrigens hatte man +früher auch gewöhnliche kleinere Handelsschiffe, die Bojer hießen, aber +mit dem Legen von Bojen nichts zu tun hatten, sondern nur nach dem +Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem +Maste, die kaum die hohe See hielten, wie aus einer alten Nachricht +erhellt: »anno 1525 im pasken (Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit +enem bojer mit enem smaksegel in Engelant, das touoren angehört was.« + + +*Topp*, der, + +in der Einzahl richtiger: *Top*. Spitze, Äußerstes, Höchstes; höchste +Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Großtop, Kreuztop +den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und dran ist, +so daß pars pro toto genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe oder +Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp, eigentlich +im Singular bloß Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit +unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in +seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten +welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlußlauten entstanden +waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt +Wilmanns, daß sie besonders lehrreich sei, »weil sie sich zum großen +Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig +fortschreitende Änderung der Konsonanten und die sie regelnden Kräfte +gewährt.« »Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5. bis 7. +Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele +romanische Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche +aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus; +die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der +Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer +wird die Wirkung.« An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im +Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene +Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z. +Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist +also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher +Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es +bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze +gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das +herabhängende, geflochtene Haar, sondern den »Schopf«, das nach oben +zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet) +bedeute. Wenn Shakespeare sagt: »To take the present time by the top«; +so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den +Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen +hätte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen. + +Im Niederländischen heißt top so allgemein das Oberste, Äußerste, »die +Krone« von etwas, daß man sogar vom »top van den vinger« spricht. + + +*Top und Takel.* + +Vor Top und Takel segeln heißt, ohne jegliches Segel zu setzen sich dem +Sturme preisgeben, so daß also lediglich das Schiff selbst und seine +Takelage dem Sturme eine Angriffsfläche bietet. Es liegt auf der Hand, +daß das äußerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder Sterben geht. Darum +heißt französisch das »aller à mats et à cordes« auch »aller à la +dérive, aller à Dieu et au tems« (Aubin, 1702). Dänisch: »med top og +tavl«, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut und Haaren. In +Holland, überhaupt bei allen seefahrenden Völkern sind ähnliche +Redewendungen in Gebrauch; »over Gods genaade drijven«; »sig aan het +geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.« + + +*Toppnant*, weiblich. + +Toppnanten sind »Taue, die an beiden Nocken der Rahen und am Top des +Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen Block aufs Deck +hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal zu erhalten oder +sie auch nach Umständen gegen den Horizont zu neigen«, vergl. Kajen. +Treffend heißen die Toppnanten französisch balancines. »On s'en sert +pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle est dans la situation +naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon qu'il est à propos« +(Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute ich, daß Toppnant +nichts weiter ist als eine Verkürzung von Toppenende, das zuerst +Toppnend geheißen haben mag und dann ohne Rücksicht auf die Herkunft, +vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche Seemannssprache, bei +welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesündigt wurde, die +gegenwärtige Gestalt erhielt. Daß »Ende«, das Ende eines Taues, für das +Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende. + +Die Rahe mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heißt sie toppen. + + +*tot* + +wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht: + +1. Totes Gewicht s. Deplacement. + +2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der über der +Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskörpers, der sich über +Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser +verdrängen, weil er also nicht mit trägt, sondern getragen werden muß. + +3. Totes Holz. So heißen die Kielklötze. Sie heißen so im Gegensatze zu +dem lebendigen, beweglichen Schiffe. + +4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heißt, gegen den Strom so viel +Fahrt machen, daß man ihn überwindet und trotz des Stromes noch vorwärts +kommt, seinem Ziele sich nähert. Ein Schiff tot segeln, heißt, es +überholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es. + + +*toppen* s. brassen und toppen. + + +*Törn*, der, s. Seetörn. + + +*Torpedo*, der. + +In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem Torpedo ziemlich +ausschließlich einen Offensiv-Torpedo (während die Defensiv-Torpedos +Minen genannt werden), also das bekannte zigarrenähnliche Geschoß, mit +Schießbaumwolle geladen, von komprimierter Luft durch eine kleine +Schraube getrieben, unter Wasser sich mit ziemlicher Geschwindigkeit auf +ein feindliches Schiff zu bewegend, um da zu explodieren und das Ziel in +die Luft zu sprengen. Das Nähere gehört nicht hierher, ist auch in +tiefes Geheimnis gehüllt. + +Nur muß bemerkt werden, daß fälschlicherweise im Binnenlande und sogar +auch in Kriegshafenstädten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein +*Torpedoboot* meint, nämlich ein Boot, das lediglich zum Schießen mit +Torpedos eingerichtet ist und ausschließlich dazu bestimmt ist, während +die großen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so +nebenbei haben. + +Torpedos müssen rasch arbeiten; es ist daher ein eigentümliches +Zusammentreffen, daß das Wort eigentlich steif, langsam, plump, +unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe, +unförmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo) +empfangen. Er hat ihn allerdings für diese moderne Seekriegswaffe nicht +hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fähigkeit, +elektrische Schläge auszuteilen. + + +*Torpedooffizier*, der. + +Ein Torpedooffizier verhält sich zu einem Torpederoffizier wie ein +Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier, d. h. der +Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das Militärische am +Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schießen, während der +Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der Verwaltung in +Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden Lebensberuf. Der +Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine Zeit lang das +Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein anderes Kommando +bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier, Kommandant u. s. w. + + +*Trackkarte*, die, + +ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks, d. h. die Strecken +die sie auf See zurückgelegt haben, einzeichnen, den Weg den sie +»gezogen« sind (denn track hängt mit dem niederdeutschen, +niederländischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen. +Seemännischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung, +allenfalls noch als Anhaltspunkt für das Gedächtnis in Bezug auf +Strömungen, vorherrschende Windrichtungen, überstandene Stürme, Länge +der Seetörns u. s. w. + + +*Treibbake* = Schwimmbake, s. Bake. + + +*Treiber*, der, + +ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal auch bei +sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste fahrendes, über +das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl (s. Tjalk) +-Takelage. Es soll den Großbaum entlasten und durch den Druck auf das +Heck den Bug gegen die See halten. + +Ist schweres Wetter, so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer, +stärkerer *Sturmtreiber*. + +Früher hatte man auch auf Vollschiffen einen Treiber. Er fuhr an einer +Leesegelsspier, die an der Nock der Besansgaffel gehißt war; die Schoten +wurden an einer über die Reling gelegten Spier ausgeholt. Es war also +dieser Treiber eine Art Rahsegel. Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor +dem Winde segelte, der Besan also nicht zur Geltung kam. Viel half der +Treiber freilich auch nicht, aber er trieb das Schiff immerhin etwas +schneller weiter, half also die Fahrt beschleunigen und so das Verdienst +mehren und führte darum den sinnreichen Namen »Brodgewinner.« + + +*treiben.* + +Das bekannte Lied: »Treibe, treibe, Schifflein treibe!« klingt ganz nett +im Salon; im seemännischen Sinne ist treiben keine angenehme Bewegung, +sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht sähe. Ein Schiff +treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt eines +Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt »vor Top und Takel« wenn der +Sturm so schwer ist, daß es keine Segel führen kann. Es treibt »vor +Anker« wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz der +Anker in Bewegung gerät. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und allen +möglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom oder +ungünstiger Wind es von seinem Kurse abdrängen. + + +*treideln* + +ist die offizielle Bezeichnung für das, was sonst treilen, trauen, +treieln, treueln, troilen heißt und die Tätigkeit eines Menschen +bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen +Fluß oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heißt Treil; französisch +traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort +traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen +ist, woher das d hineingekommen ist. Man könnte denken, sie habe sich +aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab, +das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so könnten +die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen hätte dabei +das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen +Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder +troilen. 1323: »Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen +dicitur.« 1343: »We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat +to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde +neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen.« 1348: »Also dat +de ghenne, de twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde +neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen +na ereme behoue.« Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus für +Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: »Ok so mögen de schiplude troylen +vp mynen oueren.« Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des +Gedankens daran, daß der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze +Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So könnte ein +Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten +sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mußte und zur +Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, daß der noch teilweise von +Kaiser Trajan herrührende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als +Halbwölbung in den Felsen eingehauen, teils als hängender Weg gebaut +war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und daß treppeln so +viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist. + +Es wäre auch möglich, daß der Gedanke an trödeln das d in treideln +gebracht hätte, weil das Geschäft zuweilen recht langsam vor sich geht. + +Die Franzosen haben für den Mann, der es betreibt, ein seine Tätigkeit +sehr deutlich beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen +Zeitwort holen (s. d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz +mit ihm und rief ihm früher an der Loire und sonst in Frankreich das +Wort arrache-persil, Petersilienausreißer, zum Spott zu. Sprichwörtlich +sagte man nicht unwitzig: »arrache-persil navigue aussi.« Sie +antworteten mit einer Flut von Schimpfreden, ähnlich wie die Flößer auf +dem Neckar, wenn die Tübinger Studenten ihnen zuriefen: »Jockele sperr!« + +Englisch to drail; holländisch (Weiland) treil: denkelyk een +bastaardwoord van het fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken, +afkomstig. Eene lyn, om een schip voort te trekken. Voorts -- und das +bedeutet eine bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich übrigens +auch in Ostfriesland findet -- »ook het gesamenlyke touwwerk van een +schip: van zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd. + +Het schip word met zeil en treil verkocht.« + + +*trekken*, s. treideln. + + +*Trempel*, s. Drempel. + + +*trensen* + +heißt teils zur Verstärkung, teils des besseren Aussehens wegen um ein +Tau ein anderes dünneres so herumlegen oder schlängeln, daß letzteres +den Raum zwischen den Kardeelen des ersteren, die Vertiefungen, +ausfüllt. Ankertaue wurden, Wanttaue werden zur Verstärkung, Sceptertaue +des besseren Aussehens wegen getrenst. + +Das Wort ist schon früh aus dem Spanischen gekommen, wo trenzar flechten +heißt. Kilian hat es als trensse = funiculus, vinculum reitinaculum +equorum, also als Trense im Sinne von Pferdezaum, vom spanischen +Substantivum zu trenzar trenza die Flechte, Zopf, trenzado geflochtener +Zopf an den Mähnen der Pferde. + +Im seemännischen Sinne bei Aubin 1702: emmieller un étai = een stag +trensen; tusschen de staagen met dunne draaden woelen« (s. Wuhling). + + +*Tresidderplatte*, s. Panzerplatte. + + +*Trift*, s. Abtrift und Seetrift. + + +*triftig* + +ist das Schiff, wenn es treibt (s. treiben). Seetriftige Güter sind +solche, die auf der See treiben oder von der See an die Küste getrieben +werden. Hanseatische Urkunde von 1513: »vorder schal unde mach de +copmann schipbrochich affte zeedriftich gut sulvest bergen effte bergen +laten.« Ditmarsische Urkunde von 1384: »Se scholen hebben den drudden +del des ghudes, dat drifftich worden were.« Bremer Urkunde von 1564: +»Jacob R. sy mt synem bochsprede inn ohre houwet tow gedreuen, dar her +also se beide thosamende drifftich gewurden vnde inn grundt gedreuen +weren.« + + +*trimmen* + +heißt: »in Ordnung bringen.« »Die Segel trimmen«, sie in +gebrauchsfähigen, ordnungsmäßigen Zustand versetzen; »Kohlen trimmen,« +sie richtig in den Kohlenbunkern unterbringen. + +Von dem englischen trim mit deutscher Endung weiter gebildet und erst in +neuerer Zeit, unter der Herrschaft des Dampfes siegreich durchgedrungen. +Angelsächsisch trymian, trymman, befestigen, fest machen, in Ordnung +bringen; trum = stark, fest, englisch to trim, »to put in due order for +any purpose.« Auch im übertragenen Sinne: »Leute trimmen,« gut +einexerzieren, gut auf eine Sache einüben; »seine Leute gut im Trimm +haben.« + +Einen besonderen Sinn hat Trimm in der Verbindung *Trimmberechnung*. +Diese hat den Zweck, die Tauchungsänderung eines Schiffes vorne und +hinten bei Verschiebung von Gewichtung in der Längsrichtung zu +berechnen, und Trimm hat hier die Bedeutung von trim = »to adjust, as a +ship or boat, by arranging the cargo or disposing the weight of persons +or goods so equally on each side of the centre and at each end that she +shall sit well on the water and sail well. A vessel is said to be +trimmed by the head or by the stern respectively when the weight is so +disposed as to make her draw more water towards the head than towards +the stern, or the reverse.« + + +*trissen* + +nannte man bei der ausgestorbenen Blinde das, was man bei anderen +Rahsegeln brassen nennt. Mittelniederdeutsch trisse, trysse, tritse = +Winde; s. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch IV. 613; +trissen drehen, schwingen, winden. Erhalten ist das Wort im +niederdeutschen triseln, herumlaufen, taumeln, schwindeln, und drüseln, +zaudern, zögern, ostfriesisch trüseln und triseln, unsicher, hin und her +wankend gehen, hin und her wanken und schwanken, wie ein Ohnmächtiger +oder ein Betrunkener. Also: »hin und her bewegen.« + + +*Trompetenstek* s. Stek. + + +*Troier*, der, + +das Flanellhemde, das unsere Kriegsschiffsmatrosen auf der bloßen Haut +tragen, vorn auf der Brust mit einigen blauen Streifen besetzt. + +In Ostfriesland heißt (Doornkaat III 437) tröje, troi eine gestrickte +wollene Unterjacke für Männer, ohne Knöpfe, die als Bluse oder Hemd über +den Kopf angezogen wird. Im Groningenschen heißt so eine gestrickte +Weste »een gebreide mansborstrok, die de plaats vervult van hemdrok.« +Schon beim Teuthonista kommt das Wort für Jacke vor in der Form troye. +Auch sonst häufig in mittelniederdeutschen Urkunden z. B. in einem +Stendaler Privileg der Kürschner und Schneider vom Jahre 1346: »vortmer +we eyn werk sick bededingeth tu makende mit bomwullen als eyn troye +edder des ghelik, maket de schroder dat wandelbar, dat schal he beteren +mit dren schillingen« oder in der Lübecker Chronik: »des blef de reise +na, unde dar ward af achter en pels unde vor en troye.« Das »Bremer +Wörterbuch« bemerkt, daß troje, troye in einer alten Urkunde als eine +Waffenrüstung vorkam, ein Koller oder Brustharnisch. In der Tat steht in +einem Oldenburger Statut von 1345 ... »zinen helm ofte ysern hut, zine +yseren huven, zine troyen, zine armeleden.« Und weiter: »en iewelk +lantman ... schal hebben to ewighen tyden ene troyen, enen ysern hud, en +par wapenhanschen, enen schilt, ene worpbarden vnde enen peck van +zestein voten vnde kortere nicht.« Aber auch hier bedeutet troye +offenbar weiter nichts als Wams, etwa ein Lederwams, wie es eben damals +Bauern und andere Leute, die den Krieg nicht rittermäßig im +Brustharnisch führten, zu tragen pflegten. Diese Verwendung von troye +hilft also nicht bei der Erklärung, und der Versuch Doornkaats, es vom +althochdeutschen triuwa, bezw. von tro, troi in der Bedeutung fest, +sicher abzuleiten, leuchtet nicht ein. + +Mittelhochdeutsch troie = Wamms: Dafür führen nach Diefenbach Schiller +und Lübben IV. 614 eine Form triplois auf. Dies könnte auf eine Spur +führen. Da neben triplois gleichzeitig diplois steht, so ist anzunehmen, +daß damit die Qualität und Herstellungsart des Stoffes, aus dem der +troie gemacht war, angedeutet werden soll, wie man im Deutschen von +fünfschäftigem Zeug oder im Französischen von taffetas deux bouts +spricht. Es kann also triplois ein dickes, warmes, mit drei doppelten +Wollfäden gestricktes Wams gewesen sein, und aus triplois wird beim +Übergang ins Mittelhochdeutsche durch Schwund der mittleren, unbequemen +Buchstaben so gut troie, zunächst troi, geworden sein, wie aus +paraveredus Pferd geworden ist. + +Das r am Schlusse von Troier hat sich erst beim Übergang aus dem +Neuniederdeutschen ins Neuhochdeutsche aus Unkenntnis des Ersteren +hinzugefunden. + + +*Trosse*, die, + +auch Troß, ist ein besonders dickes, starkes, langes Tau aus Hanf, +Manilahanf (dann auch Manilaleine genannt) oder Draht, das zum Verholen +von Schiffen und auch sonst überall da gebraucht wird, wo viel zu halten +ist, z. B. wenn ein Schiff sich an ein Bollwerk legt. + +Das Wort kommt im Mittelniederdeutschen für ein Tau vor, das außerhalb +des Wassers gebraucht wird, wie es im Lübischen Zunftrecht heißt: +»Vorthert warckgarne dat schal nen reper slan tho kabellen, to +waterthowen, anders nergent to men tho trossen.« + +Niederdeutsch -- ostfriesisch -- niederländisch versteht man unter tros, +trosse ein Bündel oder Büschel von Beeren; Weiland: »tros = een bundel +van onderling vereenigde dingen: een groote tros druiven.« Die Bedeutung +vereinigt sich mit der Trosse der Seemannschaft in dem Begriffe binden, +zusammenbinden. Daher mittelhochdeutsch trossen = packen, Gepäck +zusammenbinden und aufladen (woher Troß, Troßknecht). Neufranzösisch +trousser, altfranzösisch torser, provençalisch trossar, italienisch +torciare: zusammendrehen, festbinden, vom lateinischen torquere. +Mittellateinisch trossa, das Heubündel, Strohbündel, spanisch troza, +Seil zum Binden. + + +*Trysegel*, das, + +ist der zuweilen, neuerdings besonders auf Lustjachten, gebrauchte, dem +Englischen entnommene Ausdruck für das deutsche Schratsegel. Wegen der +vorherrschend dreieckigen Gestalt dieser Segel dürfte das Wort auf +irgend eine Weise mit dem lateinischen tres, tria zusammenhängen. + + +*tublocks.* + +Wenn man an einer Talje so lange holt bis es nicht weiter geht, so ist +der eine Block an den andern gekommen, man hat die Talje also »Block an +Block«, »tublocks« geholt. Damit ist das Holen zu Ende. Soll es weiter +gehen, so muß eine neue Talje aufgeschlagen werden. Daher die +übertragene Bedeutung: »ich bin mit meinem Gelde tublocks, ich bin mit +meinen Zigarren, mit meinen Vorräten tublocks.« + + +*Tümmler*, der. + +1. Der Stehauf, ein schwankendes, taumelndes, sich von selbst +aufrichtendes und aufstellendes Glas, englisch tumbler. + +2. Der Delphin, wegen seiner eigenartigen Bewegung, die ihn öfters als +einen Taumelnden, Sichdrehenden sichtbar an der Oberfläche des Wassers +erscheinen läßt. Daher ein Seesoldat scherzweise ein Tümmler genannt +wird, wohl wegen des taumelnden Ganges an Bord in Folge der mangelnden +»Seebeine«. + + +*Türkischer Bund*, Knoten s. Knoten. + + +*Turm*, der. + +Unter Turm versteht man in der modernen Seemannssprache einen +gepanzerten oder geschützten turmartigen Aufbau. Derartige Türme dienen +auf unseren Panzerschiffen zum Schutze besonders wichtiger Stellen. Man +unterscheidet hauptsächlich Kommandotürme und Geschütztürme. Erstere +schützen den Kommandanten und die ihn im Kommando Unterstützenden, sowie +die Kommandoapparate oder -elemente, besonders auch die Leitungen der +elektrischen Befehlsübertragungen. + +Die Geschütztürme schützen die Kanone mit ihrer Mannschaft. Sie sind +meist so eingerichtet, daß, um die Geschütze zu richten, nicht diese +selbst gedreht werden, sondern es wird der Turm, in dem die Kanone +steht, bewegt. Man hat, nach ihren Erfindern benannt, verschiedene +Türme, den Coles'schen, den Ericson'schen, den Napier'schen Panzerturm. +Der Barbetteturm, auch kurz Barbette genannt nach der heiligen Barbara, +der Schutzheiligen der Artilleristen, hat die Eigentümlichkeit, daß +seine Geschütze »über Bank« d. h. über den Rand der Turmwand hinweg +schießen. + + +*Twist*, der, + +heißt die Wischbaumwolle die, besonders in der Maschine, zum Wischen, +Putzen, auch zum Abwischen der von Maschinenöl beschmutzten Hände, +benützt wird. Ursprünglich ein Garn, zweimal gedreht; dann überhaupt +gedreht, verwickelt, zusammengeballt. Das niederdeutsche twist heißt +auch Zwist, Zwietracht, es steckt immer die Zahl zwei, twe darinnen, wie +in Zwieback, zwiespältig, zwiefach; »twie in dem jare«, zweimal im +Jahre, sollten nach dem Lagerbuch des drosten Jakob van der Sprecken vom +Jahre 1428, die Herren bei ihren »belenden luden« einkehren. + + + + +U. + + +*»Überall!«* + +lautet der Ruf mit dem »Alle Mann« in der Frühe geweckt werden, während +der Ruf beim Wecken der neuen Wache »Reise! Reise!« (s. d.) heißt. Das +»Überall« ist zum größeren Nachdruck von einem mächtigen Gepfeife des +Bootsmanns und seiner Maate begleitet. Man nannte das früher +»Reveille«, jetzt heißt es »Wecken«. Und das ist gut, denn mit diesem +Worte waren deutsche Seeleute französischer als die französischen, die +gar nicht Reveille sagen, sondern battre la diane. Das haben die +Holländer treuherzig übersetzt: »die Diana slaan« und gewiß, wenn sie +überhaupt etwas dabei gedacht haben, an die alte Göttin Diana gedacht. +Warum sollte auch gerade die Göttin der Jagd beim Aufstehen der Seeleute +»geschlagen« werden? Sie nannten freilich auch die »Morgenwache« Diana. +Aber die Franzosen selbst haben das Wort wieder aus dem Italienischen. +Da heißt diana der Morgenstern, eigentlich Stella diana, der Tagesstern, +der das Herrannahen des Tages verkündigt, von dem verloren gegangenen +aus dies gebildeten Adjektiv diano. + +Unsere treffliche Flottenvereins-Wochenschrift führt trefflich den Titel +»Überall«, weil überall in Deutschland ihr Weckruf zu Gunsten einer +»achtunggebietenden Flotte«, wie man vor fünfzig Jahren sagte, gehört +werden soll. + + +*»Über Bord«* + +unterscheidet sich sehr wesentlich von »Von Bord«. Dieses wird +gebraucht, wenn jemand oder etwas auf ordnungsmäßige Weise von Bord +geht. Man sagt: »Dienstlich oder mit Urlaub oder krank oder bei +Außerdienststellung von Bord gehen; das Boot setzt von Bord ab; die +Takelage, die Artillerie, das Inventar von Bord geben«, dagegen: »etwas +über Bord (ins Wasser) werfen, der Hut geht (nicht so häufig fliegt) +über Bord, der Mann fällt über Bord; Leiche über Bord setzen.« Rostocker +Chronik: »a. 1566 synt van Denen ond dudsche ock vel tot bleuen, de +hefft men auer bort na sebruck geworpen ond en gelt by gebunden, dat se +konden begrawen werden, wen se an land quemen.« + + +*unterfangen* + +wird gebraucht, wenn man etwas irgendwo fest bindet, wo es möglichst +wenig im Wege ist und möglichst wenig Platz einnimmt, namentlich wenn +man etwas an der Decke irgend eines Raumes fest bindet, so daß es da +hängt ohne den Raum seiner eigentlichen Bestimmung zu entziehen. Das +Wort wird *unter*fangen betont, es ist nicht in dem ethischen Sinne, +indem man sagt »ich habe mich unter*fangen*« d. h. »ich habe es gewagt«, +gebraucht, sondern in dem rein mechanischen des Befestigens. Wenn fangen +mit paça, das im Sanscrit Strick heißt, und mit pax, der Friede, das +eigentlich »Befestigung« bedeutet, verwandt ist, so gebraucht es in der +Verbindung »unterfangen« die Seemannssprache in seiner urspünglichsten +Bedeutung: »etwas (unter Deck, unter der Decke) befestigen, festbinden.« + + +*Über Stag gehen* s. Stag. + + +*unklar* s. klar. + + +*unterschlagen* + +mit dem Ton auf unter, heißt das Segel aus der Segelkoje holen und mit +der dazu gehörigen Rahe verbinden, es an der Rahe befestigen. Das +Gegenteil davon heißt Segel abschlagen. Segel unterschlagen und +abschlagen unterscheidet sich also sehr wesentlich von Segel setzen und +Segel bergen. Segel setzen heißt die untergeschlagenen Segel ausspannen, +Segel bergen die ausgespannten Segel wieder einziehen, zusammenfalten +und festbinden, aber untergeschlagen lassen, so daß sie jederzeit leicht +wieder gesetzt werden können. + +Die eigentliche Bedeutung von schlagen ist: »eine Bewegung zu etwas hin +machen. + + +*unsichtig* s. sichtig. + + +*Unterwindluftzuführung* s. Windsack. + + +*unter Land* + +sagt man für »im Schutze des Landes«. Ein Schiff befindet sich unter +Land, wenn zwischen ihm und dem Winde Land liegt, das ihm den Wind +abhält oder doch abschwächt, also wenn es sich an einer Luvküste +befindet. Es ist also bei dieser Redensart zu ergänzen: »unter (dem +Schutze von) Land.« + + + + +V. + + +*Variation*, die. + +Die verschiedenen für den seefahrenden Mann wichtigen Ablenkungen: +Variation, Mißweisung, magnetische Deklination, Deviation, astronomische +Deklination, stellen sich gemäß befreundeter fachmännischer Auskunft +kurz so dar: Eine jede nur in ihrem Schwerpunkte unterstützte, sonst +aber frei schwebende Magnetnadel stellt sich in die magnetische +Nord-Südlinie. Der Winkel, den diese magnetische Nord-Südlinie mit der +astronomischen Nordsüdlinie bildet, heißt »*Missweisung*«, »*Variation*« +oder auch »*magnetische Deklination*«. + +Nur an einem völlig eisenfreien Orte steht die Nadel in der magnetischen +Nordsüdlinie, ist Eisen in der Nähe der Nadel, -- wie an Bord der +Schiffe -- so weicht die Magnetnadel um einen gewissen Winkel (dessen +Größe unter anderen Ursachen auch von der Entfernung, Lage u. s. w. des +Eisens zur Nadel abhängt) von der magnetischen Nord-Südlinie ab. Dieser +Winkel wird »*Deviation*« genannt. Die Deviation ändert sich mit dem +Kurse des Schiffes. + +»Abweichung stammt aus der nautischen Astronomie und ist die +Verdeutschung des Wortes »*Deklination*«; nämlich »*Abweichung*« der +Gestirne vom Äquator des Himmels.« + +Die »Beschriving von der Kunst der Seefahrt« 1673 hat eine eigene +Abhandlung »Thom Dörden: Wo men de declinatie der Sünnen finden, und die +Instrumenten tho meting des Poles hochte gebrucken sal.« + + +*Ventilator*, der, s. Windsack. + + +*Verbodmen* s. Bodmerei. + + +*Verdeck*, nicht seemännisch, s. Deck. + + +*verfahren* + +hat eine ganz andere Bedeutung als das althochdeutsche farfaran = +dahinfahren, sterben; auch wird es im anderen Sinne gebraucht als wenn +man von einer verfahrenen Sache spricht; schon näher kommt man der +seemännischen Bedeutung, wenn man an das in und um Gröningen +gebräuchliche vervoaren denkt, das = verhuizen, also = umziehen ist, +eine andere Wohnung beziehen oder von einem Orte zum andern ziehen. Man +spricht nämlich: »eine Trosse verfahren« und meint damit, sie von einer +Stelle (wo sie keine Dienste mehr leisten kann) nach einer anderen (wo +sie wieder fest gemacht wird) bringen, z. B. von einem Poller oder von +einer Boje nach der andern verfahren beim Verholen eines Schiffes oder +beim Durchschleusen eines solchen. Und zwar ist der ursprüngliche +Gedanke der gewesen, daß die Ortsveränderung der Trosse mit Hilfe eines +Bootes vorgenommen, daß sie ausgefahren und dann von einer Stelle zur +andern weiter gefahren wurde. + + +*verfangen.* + +1. Ein Tau verfangen, einen Stopper auf ein so lange von den holenden +Matrosen festgehaltenes Tau schlagen und so fest machen, daß es nicht +wieder zurücklaufen kann. So gebraucht, hat verfangen den Sinn des +hochdeutschen fangen. + +2. Eine Beting verfangen, die Beting bei starkem Zug des Ankertaues auf +dem Deck abstützen. Hier nähert sich der Begriff dem von 3, indem die +Abstützung gleichsam im Falle der Not an die Stelle der eigentlichen +Beting zu treten hat; er hat aber auch etwas von 1. an sich, da die +Abstützung ein Festmachen, eine Verhinderung der Bewegung in erster +Linie darstellen soll. + +3. Einen Posten verfangen, d. h. ihn ablösen. In diesem Sinne wird das +Wort in Ostfriesland und in Holland gebraucht für »an die Stelle eines +anderen treten.« Wenn in Holland einer Soldat werden soll und er kauft +sich für Geld einen anderen, der für ihn eintritt, so ist dieser andere +sein plaatsvervanger. Ein solcher »Stellvertreter« hieß altfriesisch +forifongera, forifonghera, forifongere (Richthofen 751). »Sa hwa sa +breke, thet hi bete, hit ne se, thet hi forifongera winne« d. h. was +einer zerbricht, muß er büßen, es sei denn daß er einen findet, der an +seine Stelle tritt, für ihn die Buße übernimmt. + +Schon das althochdeutsche far, -fir, -for, -fer, -fahan hatte eine +reiche Bedeutung von »fassen« an bis hin zu »sich zu etwas +verpflichten«, »sich eines Dinges unterfangen«, die letztere Bedeutung +kommt der seemännischen nahe im Sinne von »sich einer Stellvertretung +unterfangen.« + +Auch hat ja unser hochdeutsches »verfangen« alle drei seemännische +Bedeutungen in sich; wenn etwas verfängt so hält es, so stützt es und es +tritt an die Stelle von etwas; vergl. »verfänglich.« + +Am häufigsten hört man an Bord verfangen im Sinne von ablösen, schon +weil das Kommando »Ruder und Posten verfangen« alle Stunde wiederkehrt; +doch hört mans auch im Sinne von »stellvertreten«; so wird der Offizier +der Wache zu einem anderen sagen, wenn er aus irgend einem Grunde +genötigt ist, sich auf kurze Zeit zu entfernen: »Bitte verfangen Sie +mich eine Viertelstunde.« + + +*vergissen*, sich, s. gissen. + + +*verholen*, + +etwas von einer Stelle auf die andere schaffen. Ein Schiff verholen +heißt, es mittelst Holens an einer ausgefahrenen Trosse auf einen +anderen Platz legen. Außer der Trosse gehören dazu noch andere +Vorrichtungen: Verholspill, Verholklüsen, Verholklampen, doch gehts zur +Not auch ohne diese. + + +*Verklarung*, die. + +Verklarung ablegen heißt: sich vor dem zuständigen Richter über einen an +Bord auf See erlebten Unfall, eine Havarie etc. etc. verhören lassen und +dabei sich über die näheren Umstände erklären, sie erläutern, die Sache +deklarieren. Verklaren heißt an sich weiter nichts als erklären, wie man +auch in hochdeutschen Mundarten anstatt erklären verklären sagt; es +hieß aber besonders schon im Mittelniederdeutschen »vor Gericht +erklären.« Lübecker Urkunde von 1413: »Alse de vorescrevenen schelinge +in yegenwardicheyt vnses rades ... vorlud vnde vorclared worden.« + +Altfriesisch foerclaria, erklären; foerclaringhe = Verklarung. + + +*Verklicker*, der, + +ist eine leicht vom Winde zu bewegende, sich also nach jedem Luftzug +richtende und daher die Windrichtung genau anzeigende Vorrichtung aus +Kork mit Federn, meist aber, namentlich auf Kriegsschiffen, ein +»Windstander« aus leichtem Flaggentuch. Er wird an einer Stelle +angebracht, wo ihn der wachhabende Offizier gut sehen kann und wo er +unbeeinflußt ist von dem Winde der etwa durch ein Segel aus seiner Bahn +gelenkt sein könnte. + +Was ein Seemann ist, der kann zwar ohne dergleichen Hilfsmittel mit der +Nase oder den Ohren die Richtung des Windes genau angeben, aber der +Sicherheit wegen und um einen Vergleich zu haben hat er einen +Verklicker. Man würde in Versuchung stehn ihn Verglieker, Vergleicher, +zu nennen, wenn es nicht ein altes niederdeutsches Wort verglicker gäbe, +das der Teuthonista mit scrutator, catascopus, circulator übersetzt und +von dem das »Bremer Wörterbuch« schreibt: »verklicken jemandes Vergehen +angeben, verraten, verklicker ein Angeber, Verräter.« In Ostfriesland +heißt der Spiegel vor dem Fenster, den man sonst in Deutschland Spion +nennt, Verklicker. Wie neugierige Frauen in diesem Verglicker sehen, wer +auf der Straße geht, so sieht der wachhabende Offizier an seinem +Verklicker, woher der Wind weht; der Verklicker ist ihm in der Tat ein +Verräter und Angeber, der die Windrichtung angibt und verrät. + + +*Verlat*, das, + +hochdeutsch Verlaß, Gelaß; im Allgemeinen in Ostfriesland ein Raum in +dem man etwas läßt, besonders aber eine Kasten- und Doppelschleuse, +worin man das Oberwasser der Kanäle zum gelegentlichen Gebrauch +zurückhält und aufspeichert um es nachher wieder abzulassen. + +Wie alle dergleichen Wörter auch als Ortsbezeichnung, z. B. Ditzumer +Verlat. + + +*vermooren*, + +ein Schiff das vor Anker liegt besonders fest oder in einer besonderen +Richtung fest legen mit Hilfe von mehreren Ankern. In vermooren steckt +das althochdeutsche marrjan, mittelhochdeutsch marren, merren = halten, +befestigen, anbinden, anschirren; angelsächsisch merran, englisch to +moor = »to confine or secure a ship in a particular station, as by +cables and anchors or by chains.« + + +*verstauen* s. stauen. + + +*vertäuen* s. Tau. + + +*vertonen* + +heißt eine leichte, skizzenhafte Zeichnung von einer Insel, einer Bucht, +einer Küste machen. Solch eine Zeichnung nennt der Seemann eine +Vertonung. Sie hat einmal für den Zeichner selbst den Zweck, sich +genauer die Gestaltung des Landes mit seinen Bergen, Hügeln, Kirchen, +Türmen, Mühlen, Häusern und Bäumen einzuprägen, also sich eine gute +Landkennung zu verschaffen, sodann aber auch die Vertonung zum gleichen +Behufe an andere weiter zu vergeben, auf Seekarten zu veröffentlichen +etc. Tonen ist ein weitverbreitetes niederdeutsch-niederländisches +Zeitwort das »zeigen« bedeutet; daher tonbank, der Tresen, der +Ladentisch, die Bank, auf der den Kunden die Waren gezeigt werden. Im +Mittelniederdeutschen hieß tonen noch besonders »jemandem eine Urkunde +vorzeigen, ein Dokument vorlegen,« und das Vorzeigen hieß toninge. + +Zur Zeit mangelhafter Kenntnis der nautischen Berechnungen kam noch mehr +auf eine gute Landkennung an wie heutzutage. Deshalb wirft 1670 der +Verfasser der »Beschriving von der Kunst der Seefahrt,« ein alter +befahrener, in manchem Sturm und Schiffbruch erprobter Schiffer, die +Frage auf: »Wo mag man de Landen und Gelegenheit des Fahrwaters kennen +lehren?« und erteilt darauf folgende Antwort, aus der -- wenn das Wort +selbst auch nicht gebraucht ist -- doch hervorgeht, daß damals fleißig +vertont wurde. »Wenn man vom einig Land affsegelt, so most men wol +Achtinge hebben, up wat Art dat Land an tho sehnde ys, wat vor Karcken, +Torens, Mölens, Backen, Husen, offt Berge und andere kenlicke Teckens, +dat dar umbtrent syn, men kan ock datsülvige na Gelegenheit affmahlen +offt afftecken und pegelen upt Compaß, wo ein jeglich Tohren, Möhl, +Karck etc. van ju ys, und warpen ock dat Loth und sehn wo deep, und wat +vom Grund dat dar umbtrent ys, und nehmen ock Achting wo dat Land na +grade int Affseegelnt vorandert, und wen gy sehen, dat sick dat Land +vorändert, so trekket eder mahlet ydt wedder aff und pegelt mit juw +Compaß, wo ein jeglick Ding von juw steit, und so da örde (Spitzen) offt +Hucken vant Land tho sehnde syn, so pegelt se ock inn geliken aff, +warpet ock wedder dat Loet, und seht wo sick de Grund und Düpte +vorändert, desgeliken möge gy ock solches wedderumb dohn, wen dat Land +begint ant Water tho kamen, und schrieven solckes wedder an, up wat +Streck de klenlickste Platzen offt Tekens vom juw liggen und wat Deepte +gy alßden dar hebben, endlick möge gy solckes noch ins dohn, alß gy dat +Land achter van de Compagnie (Kampanje) effen sehen könet, den stiget in +de Marß offt an de Stengen..« Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu +Enckhuyzen, der im Jahre 1588 seinen »Spiegel der Zeevaerdt« herausgab, +hat als praktischer Seemann besonders viel auf Vertonungen gehalten, +ihrer auch eine große Zahl auf seinen Seekarten beigebracht, neben +Schiffen unter vollen Segeln und fröhlich in ihrem Element spielenden +Fischen. Er versichert auch ausdrücklich, er habe mit »diversche Piloten +ende bevaren Stuerlieden« über seine Karten und Segelanweisungen +»ghecommuniceert, vertoont ende na haerlieder memorialen ghecorrigeert.« + + +*verschalken.* + +Bei sehr schlechtem Wetter, wenn Gefahr vorhanden ist, daß Sturzseen +überkommen, werden die Luken, durch die das Salzwasser ins Innere des +Schiffes dringen könnte, verschalkt, d. h. sie werden zugedeckt mit +ihrer Gräting und darüber wird ein Stück wasserdichten Segeltuches +genagelt; doch so daß die Nägel leicht wieder ausgezogen werden können, +wenn die Gefahr vorüber ist. Zu diesem Zwecke werden die Nägel nicht bis +an ihre Köpfe eingeschlagen, sondern man legt erst ein Holzklötzchen +unter als Unterlage und Stütze gegen zu tiefes Eindringen. Dieses +Klötzchen, im Niederdeutschen schalk (auch Stütze, Unterlage, Träger +bedeutend, eigentlich *ein Knecht*) genannt, hat dem Zeitwort +verschalken zum Dasein verholfen. + + +*Very'sche Pistole*, s. Cordes'sches Gewehr. + + +*Vierdeckschiff*, s. Deck. + + +*Viermastschiff*, s. Schiff. + + +*vierschäftiges Tauwerk*, s. Tauwerk. + + +*»vier auf, vier ab«*, s. Wache. + + +*Vitalienbrüder*, s. Kaper. + + +*Vize-Admiral*, s. Admiral. + + +*Violinblock* + +ist ein Block der Ähnlichkeit mit einer Violine hat, weil in der Mitte +ein Einschnitt ist wie bei einer solchen. Violine heißt bekanntlich auch +Fidel, und diese Form gibt die Erklärung an die Hand; mittelhochdeutsch +fidele, aus mittellateinisch vitula, fidula, woraus italienisch, +spanisch, portugiesisch viola; vom lateinischen vitulari springen wie +ein vitula, ein Kälbchen, sich lustig geberden. (Geige kommt wegen der +Ähnlichkeit mit einer Hammelkeule vom französischen gigot.) + + +*Vollschiff*, s. Schiff. + + +*voll Segel*, s. »am Winde«. + + +*»voll und bei«*, s. »am Winde.« + + +*»vor dem Mast«*, s. Kuhl. + + +*Vorgeschirr*, s. Vortop. + + +*Vorhandsmann*, der, + +ist ein tüchtiger, brauchbarer, zuverlässiger, erfahrener Seemann, der +bei seemännischen Arbeiten, Exerzitien und Manövern den Vorarbeiter +macht, der vor den andern steht, das Tau an dem geholt werden soll längs +gibt, den Stopper aufschlägt, die Belegschläge abnimmt, das Tau abstoppt +und schließlich wieder belegt und die Lose aufschießt. + + +*von Bord*, s. über Bord. + + +*vorhissen*, s. hissen. + + +*vorlastig* + +ist ein Schiff, das vorn tiefer als es sollte und als seiner +Segelfähigkeit zuträglich ist im Wasser liegt, sei es infolge falschen +Stauens der Ladung, sei es aus anderen Ursachen. Vorlastig darf ein +Schiff nicht sein, weit eher etwas achterlastig, weil dann das Ruder +wirksamer ist; deshalb ist achterlastig auch = steuerlastig. Beim +Wettsegeln ist die richtige Verteilung der Leute im Boot von großer +Wichtigkeit. + + +*vor dem Wind*, s. lenzen. + + +*Vormast*, *Vormars*, s. Vortop. + + +*Vormittagswache*, s. Wache. + + +*Vorsteven*, s. Steven. + + +*Vortop*, der, + +müßte nach dem Muster von Großtop und Kreuztop eigentlich Focktop +heißen, aber einmal liegt dieses Wort dem Seemann nicht mundgerecht und +sodann gehört auch das ganze Vorgeschirr des Bugspriets dazu: Stagsegel, +Klüver, Jager und alles was damit zusammenhängt, insofern, nämlich der +Offizier der bei Segelmanövern den Fockmast unter sich hat auch dieses +alles beaufsichtigt und von Leuten der Fockmastdivision bedienen läßt. + + + + +W. + + +*Wache*, die. + +Unter Wache versteht man an Bord einmal die Tätigkeit des Wachegehens, +sodann die Zeit die gewacht wird und endlich die Gesamtheit derer, die +auf Wache sind. + +»Ich habe die Wache,« sagt der Offizier, den man Offizier der Wache +nennt. Offizier der Wache ist aber nicht gleichbedeutend mit +Wachoffizier. Es kann einer Wachoffizier und Offizier der Wache zugleich +sein; er kann aber auch Wachoffizier sein und braucht doch nicht gerade +Offizier der Wache zu sein. Es kann auch einer Offizier der Wache sein, +ohne daß er Wachoffizier ist, z. B. der Navigationsoffizier, wenn er den +wachhabenden Offizier zum Frühstück verfängt. Unter den Offizieren eines +Schiffes sind nämlich immer einige, in der Regel vier, mit der +Bestimmung, die Wachen zu gehen, an Bord kommandiert; sie heißen +Wachoffiziere, wie es auch einen Navigationsoffizier, einen +Batterieoffizier, einen Kadettenoffizier, einen Flaggleutnant, einen +Adjutanten gibt. Die Wachoffiziere gehen unter sich abwechselnd in der +Regel in vier Wachen, d. h. in vier Zeiträumen von je vier Stunden. + +»Ich bin auf Wache,« sagen die Matrosen, Schiffsjungen, Heizer etc. Die +Mannschaft geht in zwei Wachen, oder »Wache um Wache,« oder »vier auf, +vier ab«. Es ist also immer die eine Hälfte der Besatzung für den +notwendigen Schiffsdienst zur Stelle; (s. aber Quartier der Wache.) Die +eine heißt Steuerbordwache, die andere Backbordwache, mit entsprechenden +Wachabzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Damit nun nicht jede +Wache jeden neuen Tag immer wieder dieselben Stunden auf Wache komme, so +wird die Wache von 4 h bis 8 h p. m. von beiden Wachen in zwei Hälften +gegangen; sie führt zuweilen den Namen Plattfußwache, auch bloß »der +Plattfuß«; manchmal heißt auch der zweite Teil, von 6 h bezw. 6 h 30 bis +8 h so. Irgend ein Scherz mag dieser scherzhaften Bezeichnung zu Grunde +liegen; sie wird in der Marine nicht angewandt und überhaupt nur selten +mehr gehört. Über die Nachtwache s. Hundewache. + +Nur in See geht man vierstündige Wache; im Hafen wechselt es Tag um Tag, +das nennt man »Hafenwache gehen.« Sonst heißt Hafenwache auch noch die +Hafenpolizeiwache, bezw. eine Hafenpolizeipatrouille. S. auch +*Quartier*. + + +*Wachtmeister*, der, + +war ursprünglich der Unteroffizier, der die Wache beaufsichtigte, jetzt +ist er bei der Marine der Mann im Range eines Feldwebels, der die +Polizei ausübt, also der Profoß, der Rumormeister. Zu den Zeiten +Leonhart Fronspergers, als der Soldat, der Dienste zur See nahm, sich +sein Weib oder Kebsweib mit an Bord nahm, war über die Weiber und Kinder +ein eigener Weibel gesetzt, der strenge Ordnung halten mußte und nicht +zu säuberlich mit seinen Pflegebefohlenen umging. Er führte den schönen +Namen Hurenwaibel. (1565) Wachtmeister ist begrifflich genau dasselbe +wie Quartiermeister. + + +*Wägerung*, die, + +auch Garnierung genannt, ist die innere Bekleidung der Außenwand eines +Schiffes. Die Bretter oder Platten die von außen an den Querspanten +befestigt werden, bilden die Außenbordwand; die Bretter oder Platten aus +Holz, Eisen oder Stahl, die an der Innenseite dieser Spanten befestigt +werden, bilden die Wägerung, auch Wegerung. Ostfriesisch heißt wage die +Wand, altfriesisch wag, westfriesisch weage, saterländisch wage, +wangerländisch woch; angelsächsisch vag, altenglisch wag, altnordisch +veggo, norwegisch vegg, schwedisch vagg, dänisch vaeg. Von wägen, ein +Gewicht bestimmen, dann auch ein Maß, eine Gestalt bestimmen, einen Raum +bestimmen, was durch die ihn umgebenden Wände geschieht, wie dann +überhaupt die Wägerung in ihrem Verlaufe die Gestalt des Schiffes +angibt. + + +*Wall*, der, + +bedeutet in der Seemannssprache nicht sowohl das was man etwa einen +Festungswall nennt, der Begriff ist bedeutend erweitert, so daß Wall +überhaupt für Küste oder Land gebraucht wird. Niederländische und auch +ostfriesische Matrosen sagen: »Aan den wall gaan« für »an Land, auf +Urlaub gehen.« Im Angelsächsischen heißt sae-veall auch weiter nichts +als Küste. Und doch muß das Wort ursprünglich eine irgendwie von +Menschenhand zum Gebrauch des Seemanns geeignet gemachte Küste bedeutet +haben. Auch wenn es vom lateinischen vallum durch sehr frühzeitige +Entlehnung kommen sollte, so ist doch Menschenhand mit im Spiele. Und +zwar -- vergl. Kaje -- bediente sie sich dabei des Holzes zur +Herstellung einer -- natürlich noch sehr ursprünglichen und einfachen +--Art von Bollwerk. Nun fehlt zwar im Althochdeutschen das Wort wal, wie +Kluge sagt, zufällig, aber wir haben doch glücklicherweise im Gotischen +ein Wort das uns zu Hilfe kommt: valus, das zwar nur Stock, Rute +bedeutet, aber uns grade deswegen darauf hinweist, daß Wall ebenso wie +Kaje erst eine Art Zaun aus Stöcken oder Pfählen gewesen ist und sich +dann im Laufe der Zeiten zu Weiterem ausgewachsen hat. Um dieses +gotischen valus willen möchte ich die von Kluge für sehr +unwahrscheinlich gehaltene Urverwandtschaft mit dem lateinischen vallum +doch nicht so weit wegwerfen, also Wall nicht für ein lateinisches +Lehnwort halten. + +Niederdeutsch auch Wal, »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673: +»Ok kan men de Compassen proberen, wen men erst uth ein Gat, offt +langest de Wal, edder sünst vom ein Land na dat ander segelt, +vornehmlick dar weinig Strom gaet. Wen men den na dat Compaß, und nicht +na dat Oge offt Land so hen stüret, und men den wol achting up sinn Korß +gifft, wor men mit solken Korß vor falt, so kan men sik den desto beter +darna richten, offt de Compassen Ostlick offt Westlick vant Norden +wiken.« + + +*Wallgang*, der. + +Zu den Einrichtungen, die die Seiten eines geschützten Schiffes schützen +sollen, gehören auch die Wallgänge, das sind wasserdichte Räume an der +Bordwand, »die durch senkrecht stehende Längsschotten, die sogenannten +Wallgangsschotten, gebildet werden. Das innerste Wallgangsschott ist im +Allgemeinen in solcher Entfernung von der Bordwand angeordnet, daß der +Sporn eines rammenden Schiffes es unter gewöhnlichen Umständen nicht +mehr verletzen kann. Die Wallgänge und der Doppelboden sollen das Schiff +auch gegen die Gefahren von Explosionen schützen, die sich in der Nähe +der Außenhaut vollziehen.« Dick und Kretschmer I. 559. Der Ausdruck +Wallgang ist der Festungsbaukunst entnommen: »Gang hinter dem Wall«, +wobei der Panzer die Stelle des Walles vertreten muß. + + +*Wake*, die, + +ist eine offene Stelle im Eise, die entweder in Folge natürlicher +Ursachen überhaupt nicht zugefroren war, oder aber künstlich ins Eis +geschlagen ist für Zwecke des Fischfanges etc. Das Letztere, also das +künstlich aufgehauene Eis ist auch für die Schiffahrt von Bedeutung, wie +schon aus der Lübecker Chronik erhellt: »De hovetman .. leth in der +nacht umb de (im Eise liegenden) schepe grote waken howen unde de +issschulveren leth he under drucken.« Niederländisch wak, Nebenform von +wek, weich, und dieses vom Präteritum wek von wiken, weichen, also eine +Stelle die »weich« ist, weichend, die »nach« gibt, keinen Widerstand +leistet. + + +*Walrückendeckschiff*, das, s. Schiff. + +Der Walfisch ist übrigens ein besonderer Freund des Seemanns wegen +seiner munteren, beweglichen, scherzhaften Art. Er ist ein +»Herumtreiber« und hat davon auch den Namen, dem das gotische walwian zu +Grunde liegt, altfriesisch walen, niederdeutsch walen = wälzen, +unbeständig sich hin und her bewegen. Das Wort hat eine sehr große +Verwandtschaft, zu der auch das Wort Walze = Wanderschaft im Munde +unserer Handwerksburschen gehört. + + +*Wanholz*, das, + +oder wankantiges Holz ist das Holz so wie es gewachsen ist, das noch +erst vierkantig gesägt werden muß, ehe es zum Schiffbau Verwendung +finden kann. »Die erste Diele, welche an jeder Seite abgesägt wird und +die an einer Seiten einen Rücken hat wird das Schillstück oder +Schellstück (Schalenstück) genannt, die zweyte, welche an beyden Seiten +platt aber schiefe Kanten hat, die Schelldiele und die dritte, welche +ebenfalls noch schiefe Kanten hat die Wandiele.« (Röding). Die Bedeutung +geht auf Abfall, Abnahme, Verminderung zurück, althochdeutsch wanon, +vermindern, angelsächsisch vanjan, altenglisch wanjen, englisch wane +abnehmen, daher wane of the moon. Das letzte Viertel des Mondes, in +welchem Sinne wan auch im Mittelniederdeutschen gebraucht worden ist, wo +überhaupt wan sehr häufig vorkommt für »nicht voll«, mangelnd, fehlend, +gebrechend, mangelhaft, fehlerhaft; ja aus dem Begriffe »nicht voll« ist +sogar der von »leer« entstanden. Man vergleiche: wanback, ein +schwächlicher Mensch der keinen breiten Rücken (back) hat, wanbar, +wandicht, wanfett, wangar, wanklör, wanlustig, wanrad, wanrip, +wanstaltig, wansturig, wantide, eine wenig bemerkbare Flut und Ebbe, +wantiedig u. s. w. + + +*Want*, das, + +auch Wand, ist die Stütze des Mastes oder der Stänge nach der Seite zu, +bewirkt durch starke Taue, Want- oder Hofdtaue (Haupttaue), die um den +Kopf des Mastes oder der Stänge gelegt und an der Seite des Schiffes, +der Rüst, oder an der Seite des Marses befestigt sind; sie müssen eisern +stehen und gehören daher zum stehenden Gut. + +Ein Blick auf ein Segelschiff zeigt uns, daß die Wanten zu beiden Seiten +des Untermastes nichts weiter sind als stützende Seitenwände, und es +gehörte auch kein allzu kühner Gedankensprung dazu, den Namen der Stütze +eines Hauses auch hier anzuwenden, zumal wenn man sich die Entstehung +der ersten Wände aus Holz und Holzgeflecht (Staken) vergegenwärtigt. +Dagegen muß man allerdings die im Binnenlande so weit verbreitete +Meinung bei Seite lassen als habe das Want den Zweck einer Strickleiter. +Das ist etwas ganz Nebensächliches. Nebensächlich ist auch, daß die +Hofdtaue der Wanten unter einander mit Weveleine verbünden, »ausgewebt« +sind (wodurch die Sprossen der Strickleiter entstehen). Man kann daher +auch nicht, wie es Breusing wollte, Müllenhoff aber schon für unmöglich +erklärte, wegen dieses »Webens« Want mit Want = Tuch, Leinewand gleich +setzen. Die Sache ist vielmehr ganz einfach: Wie die Wand das Haus +stützt, so stützt das Want den Mast. Der Wechsel des Geschlechtes kann +im Niederdeutschen nicht befremden, zumal es noch ein Neutrum want gibt, +das Fischereigerätschaft heißt und von Einfluß gewesen sein kann. + +Doch sind Breusing und Müllenhoff mit ihren scheinbar so weit +auseinander gehenden Erklärungen in Wirklichkeit einander ziemlich nahe, +denn Wand = Hauswand und Want = Leinewand und viele andere deutsche +Wörter kommen zuletzt doch auf eine und dieselbe Grundbedeutung und auch +auf dieselbe Wurzel hinaus mit der Bedeutung *wenden*, *winden*. Die +Sippe ist so groß, daß sie hier nicht weiter in den Bereich der +Betrachtung gezogen werden kann. + + +*Warlblock*, der. + +Wart ist eine Kontraktion von warvel = Wirbel, bedeutet also eine +Vorrichtung, die sich dreht. Warlblock ist ein Block dessen Haken +drehbar ist, wodurch dann auch der ganze Block drehbar wird, was unter +Umständen wünschenswert sein kann, z. B. bei neuem, sich leicht noch +verdrehendem Tauwerk. Warl stammt von althochdeutschen hwerban ab, ist +also mit Werft verwandt. + + +*Warpanker*, der. + +Soll ein Schiff verholt werden ohne daß Bojen, Ducdalben, Poller oder +dergl. in der Nähe sind, an die man eine Troß verfahren könnte, so muß +man sich mit einem Anker helfen, indem man ihn ausfährt an die Stelle wo +man hin will und sich dann mittelst der Ankerkette dahin aufwindet. +Dieses Winden heißt warfen oder warpen, althochdeutsch hwerban (vergl. +Warlblock und Werft) sich bewegen, sich wenden, sich drehen. Der gute +alte Röding hat sich von Breusing müssen zurechtweisen lassen, daß er +Warpanker mit Wurfanker wiedergegeben hat, da er doch mit Werfen nichts +zu tun habe. Letzteres ist nicht ganz richtig, denn geworfen wird der +Warpanker auch, wie jeder andere Anker; es ist ja die Bestimmung des +Ankers, geworfen zu werden. Aber in der Sache selbst hat Breusing Recht, +auch darin, daß er vor den Rödingschen Übersetzungen ins Hochdeutsche +warnt. Röding war eben kein Seemann. Daß aber auch seebefahrene Leute +seemännische Wörter durch schiefe Übersetzung ins Deutsche recht +verdunkeln können, sieht man an Bobrik. Von ihm bemerkt Ehrentraut, +Friesisches Archiv II. 65 daß er plicht mit Pflicht wiedergegeben habe +und sagt dazu: »Wohl mit Recht ist an diesem Buche (dem nautischen +Wörterbuche Leipzig 1850) das Bestreben, die niederdeutschen Ausdrücke +zu verhochdeutschen, getadelt worden.« + + +*warschauen* + +ist ein an Bord sehr häufig gehörtes, echt seemännisches Wort mit der +Bedeutung: jemandem zurufen, daß er sich in Acht nehmen soll vor einer +drohenden Gefahr, jemanden erinnern, daß er etwas tun soll, jemanden +benachrichtigen, daß für ihn etwas an der Zeit ist, jemandem mitteilen, +daß etwas worauf er gewartet hat nun so weit ist. + +Das Wort war im Mittelniederdeutschen in häufigem Gebrauch. Livländische +Urkunde von 1410: »Darum so willet juwe schipheren unde Koplüde war +schuwen, wo dat se segelen.« Auch nichtseemännisch, ostfriesische +Urkunde von 1413: »Ende waerschuwen ju ende alle gade lude, dat sie sick +huden voer dezen eerlosen, treulozen, meynedighen man.« Es trat damals +noch die Bedeutung mehr hervor die das Wort heute noch in erster Linie +im Niederländischen hat, waarschuwen = *warnen*. So auch negativ, +Hamburger Chronik: »Darna is graue Christoffer in Zelant angekamen +vngewarschuwet vnde heft dat land gebrantscattet«, d. h. ohne gewarnt zu +haben. + +Ostfriesisch warschoen, warschoun; saterländisch warsgauje, auf +Wangerooge warschaun, nordfriesisch warskauin. + +Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes war ist dasselbe wie unser +wahr = sicher, gewiß, richtig, wirklich, zuverlässig, aber mit der +Nebenbedeutung »gewahr«, sichtig, inne, kundig; ostfriesisch: »Ik kan 't +net war worden wo 't is« ich kann es nicht erfahren, nicht gewahr +werden. + +Der zweite Teil -- schuwen -- heißt scheuen und scheu machen, scheuchen; +warschauen also wörtlich: »jemanden aufscheuchen, daß er einer Sache +gewahr wird.« + +In dem aus dem Jahre 1673 stammenden höchst seltenen Buche: »Beschriving +van der Kunst der Seefahrt, darin durch gewisse Grund-Regulen wert +angewiset, wo men en Schip aver See, von dem einen Platse tho dem +andern bringen sal, Allen jungen und unerfahrenen See-Lüden tho denst +und sünderlicken Nutzen thosamen gebracht und in der Neddersaxschen +Sprack beschreven dorch P. V. D. H. Leffhebber der Navigatie. Lübeck, +Gedrückt by Seel. Schmalhertzens Erven 1673. Dise Bocken werden von dem +Autor mit egender Hand undergeschreven, den Koper thor Naricht, up dat +he von den Nadrückers de licht ein Faut hirin begahn möchten nicht +achtergahn werde. Werdt verköfft neffens der Herings-Caje in de sphera +mundi in Lübeck by« ... nennt der Verfasser das was wir jetzt Vorrede +nennen würden »Warschuving an den Leser.« Und in dieser Warschuving +heißt es wieder: »Ok wen jemand einige Engelsche Gaten wold ein offt uth +segelen und einen Engelschen Lotz an Bord hefft, de mag den Lotz wol +warschuwen, dat de düdsche Compassen mit den Engelschen ein halven +Streck verschelen, up dat durch de Pegeling und Korsch nen Fauten begahn +werden.« + + +*Wäschejolle*, die, + +ist eine Verbindung von Tauen die geschoren wird wenn Zeug- und +Hängemattswäsche war. Sind die Wäschestücke rein, so werden sie mit +Nitseln an dem Tau festgebunden das in der Richtung von vorn nach hinten +in gewisse Höhe mittelst der Jolltaue aufgehißt wird; dann hängt die +Wäsche hoch oben, manchmal in verschiedenen Reihen über einander, luftig +und frei im Winde zum Trocknen. + + +*Wasserhose*, die, + +ist eine Wettersäule auf See, eine Trombe, ein Dreh- oder Wirbelsturm +von sehr geringem Durchmesser. Durch eine eigentümliche drückende und +saugende Bewegung veranlaßt er auf dem Lande einen Luft oder Sandwirbel +(Windhose, Sandhose), auf See aber einen Wasserwirbel den man +Wasser-oder Seehose nennt. (Seehose ist übrigens auch eine wirkliche +Hose, nämlich eine, die der Seemann sich nur auf See anzieht um sie +»aufzutragen«, während die »Landhose« nur angezogen wird, wenn er sich +fein macht und »an den Wall« geht.) Das Merkwürdige bei der Wasserhose +ist, daß der Bewegung von unten eine Bewegung von oben her entspricht, +daß mit ihr sich ein aus den Wolken sich herabsenkender »rotierender +Dunstkegel zu einer schlauchartigen fortschreitenden Säule« vereinigt. +Von dieser schlauchartigen Gestalt ist der Name Hose gewählt, der zuerst +in diesem Sinne, nach Kluge bei Stieler 1695 gebucht ist. + +In den Begriff Hose ist Verwirrung gekommen durch das Abschneiden der +früher mit der Hose ein Stück bildenden Strümpfe; nun nennen im +germanischen Sprachgebiet die einen das obere Stück Hose und die andern +das untere, das diejenigen die das obere Hose nennen wegen des +Abgeschnittenseins Strumpf (Stumpf) heißen. Diese Verwirrung mag mit +dazu beigetragen haben das Wort überhaupt als minderwertig in Mißkredit +zu bringen. + + +*Wasser machen.* + +Wenn ein Schiff leck ist, so daß durch das Leck Wasser ins Schiff läuft, +oder wenn sich sonst aus irgend einem Grunde Wasser im Schiffe +ansammelt, so sagt man: es macht Wasser; es macht so und so viele +Zentimeter Wasser in einer Stunde, heißt also: es läßt so und so viel +Zentimeter Wasser in einer Stunde durch undichte Nähte, durch eine +undichte Stelle u. s. w. ein. Danach richtet sich dann das Pumpen. +Französisch faire eau. + + +*Wassergang*, der, + +ist eine rings um das Deck eines Schiffes an der Bordwand entlang +laufende Wasserrinne die das an Deck kommende Wasser sammelt und durch +die Speigaten ableitet. Röding: »Die Bugt der Verdecke macht daß das +Wasser nach den beiden Seiten derselben abläuft, wohin man denn ein +Stück legt, welches die äußere Deckplanke gegen Bord an und den Anfang +der Weger zugleich bildet. Dieses Stück läuft innen rund herum um das +ganze Schiff und heißt der Wassergang.« Die äußerste Deckplanke für sich +als solche heißt Leibholz, sie ist so gestaltet, daß sie eine starke +Verbindung bildet. + + +*Wasserlast* s. Last. + + +*Wasserschot* s. Schot. + + +*Wasserstag* s. Stag. + + +*Wasserschaut*, der, + +ist ein Aufsichtsbeamter der Hafenpolizei, besonders für das Heuerwesen; +»un officier chargé de surveiller les engagements des matelots«. In +seiner halb hochdeutschen Gestalt sieht das Wort sonderbar aus, es wäre +schon besser man hätte es bei dem guten alten waterschout gelassen. +Schout by nacht heißt im Niederländischen der Kontre-Admiral; schout für +sich allein der Schulze, Gemeindevorsteher. Es liegt in schout überhaupt +der Begriff Beamter, Richter, Amtmann, Hauptmann, Aufseher, ursprünglich +Steuerempfänger oder vielmehr Steuereinforderer, denn das ganze Wort +hieß mittelniederländisch (Kilian) schoutheet, schoutheyt, +schoud-heescher, schout-heys: »praetor, quod jus debiti petat sive +exigat,« also Schultheiß, der Beamte der die Schuld, die Steuer heischt +oder heißt, d. i. sie zu bezahlen befiehlt, sie einfordert, einzieht. +Aus Schultheiß ist Schultze verkürzt, der Familienname Schultze ist also +mit einem tz älter und ehrwürdiger. + +Wollte man das waterschout verdeutschen, so hätte man nicht auf halbem +Wege stehn bleiben dürfen, sondern Wasserschulze sagen müssen. + + +*Watt*, das, + +ist ein seichtes, bei Flut überschwemmtes, bei Ebbe trocken fallendes +Gebiet an der Meeresküste, zwischen Inseln, vor Flußmündungen, in +Buchten und Busen. Es bedeutet eine Stelle wo man (zu Zeiten, wenn auch +mit Anstrengung) gehen kann, oder vielmehr *waten*. Im Gotischen hieß +vato, Mehrzahl vatna, Wasser; davon das althochdeutsche watan im Wasser +vorwärts dringen, gehen, schreiten; altsächsisch vadan, altnordisch +vadha, durchs Wasser schreiten, also unser neuhochdeutsches waten. Die +germanische Wurzel wad »im Wasser schreiten« deckt sich mit dem +urverwandten lateinischen vadere, wozu vadum, die Furt, italienisch +guado und vado, spanisch vado = seichte Stelle im Wasser. Die Bedeutung +»Furt« trifft auch heute noch zu und ist für Watt besonders bezeichnend, +da solch ein Watt zur Zeit der Ebbe mit Wagen befahren werden kann. Auf +diese Weise verkehren die ostfriesischen Inseln auch ohne Schiffe mit +dem Festlande. + + +*Webeleine*, die. + +Wenn man sich das Want als Strickleiter denkt, so sind, die Webeleinen +die Sprossen; gewöhnlich Weveleinen genannt. Weben, niederdeutsch weven +heißt eigentlich bewegen und wird von Luther in diesem Sinne gleich +leben gebraucht, »du machest fröhlich alles was da webet.« Besonders ist +bei »weben« an das »hin- und herbewegen« wie es beim Weben mit dem +Weberschifflein geschieht, gedacht. Man nennt auch die Tätigkeit des +Anbringens der Webeleinen zwischen den Hofdtauen das »*Ausweben* der +Wanten«. + +Die zu Grunde liegende Wurzel va, wa hat eine ganz besonders zahlreiche +Nachkommenschaft, auch unter den Seemannswörtern, es liegt aber allen +Vettern der großen Sippe der *eine* Begriff zu Grunde: *bewegen*. + + +*Werft*, die. + +Die etymologische Untersuchung dieses so wichtigen Seemannswortes wird +dadurch etwas erschwert, daß sich immer wieder ein Wort dazwischen +drängt, das mit Werft gar nichts zu tun hat, aber ähnlich lautet: Warf. +Das haben wir von Werft gänzlich zu trennen, wiewohl auch das Wort +Schiffswarf vorkommt, weil es eben leicht möglich ist, daß eine Werft +auf einer Warf angelegt wird. Warf nämlich, auch Warv, Warp, ja sogar +Werf, kommt von werfen und bedeutet eine Anhöhe die nicht natürlich +gewachsen, sondern künstlich aufgeworfen ist. So heißt in +Nordwestdeutschland eine künstliche Anhöhe, auf der eine, (Wind-) Mühle +steht Mühlenwarf, -- Werft aber kommt von einem Zeitwort das gotisch +hvairban, althochdeutsch, hwerban, werban, wervan, altsächsisch +huerbhan, altenglisch hwerfen, nordfriesisch werwan, altfriesisch werva, +in der Edda hverfa, heutzutage werben heißt. Das bedeutet ursprünglich +sich drehen (woher Wirbel, wirbeln, Wirbelwind), sich hin und her +bewegen, sich um jemanden herum etwas zu schaffen machen, (der Werber +der mit dem Kalbfell im Lande umherzog). Dieses Werben hat also +ursprünglich denselben Sinn wie das lateinische volvere, von welchem der +Name der bekannten schneckenförmig in sich selbst zurückkehrenden +jonischen Kapitälverzierung Voluta kommt und das spanische vuelta, »dar +una vuelta«, einen Spaziergang machen, »vuelta abajo«. + +Hernach hat sich der Sinn von werben erweitert: sich umtun, sich +bemühen, tätig sein, etwas betreiben, ausrichten. Daher Gewerbe. Gewerbe +und Handel sind nahe verwandt. Denkt man an diese Verwandtschaft, so +begreift man die so häufig vorkommende Verbindung Handel und Wandel. Der +erste Handel geschah im Wandeln, im Wandern, bestand im Werben, im Hin- +und Hergehen bei den Kunden von Haus zu Haus (hausieren). Das +mittelniederdeutsche werf: Wendung, Windung, Drehung, Umdrehung, +Bewegung, Geschäft, Industrie, Gewerbefleiß, Betriebsamkeit. + +Demgemäß bedeutet Werft genau dasselbe wie Arsenal. Denn dieses ist aus +dem arabischen dar-çanah, Haus der Betriebsamkeit, Haus wo etwas +gemacht, gefertigt, gebaut wird, gebildet. + +Das alte mittelniederdeutsche Wörterbuch Teuthonista faßt sich kurz: +»Werff längs eyn Water.« Kilianus, etwas später, gebraucht werf allein +nur für Tätigkeit, Gewerbe, Handlung, in der Zusammensetzung spricht er +aber von schip-werf, so daß damals also werf für sich allein diese +Bedeutung noch nicht hatte, Dafür hat er aber ein anderes Wort, das im +Mittelniederdeutschen von Wichtigkeit war und allgemein, eben weil werf +noch Gewerbe bedeutete, für Schiffswerft gebraucht wurde, nämlich +Lastagie, auch als Lastadie im Gebrauch und in dieser Form heute noch in +deutschen Seestädten als Strassen- und Platzname üblich. Das Nähere +unter Lastadie. + + +*Welle*, die. + +1. die bekannte, wälzende, wogende, flutende, rauschende Bewegungsform +des Wassers. + +2. die Schraubenwelle, die lange Achse, die die Verbindung der +Schiffsdampfmaschine mit der Schraube herstellt. + +Beide Wörter haben mit Welle = Reisigbündel, mit Walze, Walzer, +Walfisch, wallen und vielen andern ein und denselben Ursprung, von der +indogermanischen Wurzel wel, drehen, walzen; althochdeutsch wellan +(lateinisch volvere), angelsächsisch weallan, wellen, wogen, weallian +umherstreifen. Eine Welle ist also etwas, das sich wälzt (1) oder sich +dreht (2). Natürlich ist die Bewegung einer Meereswelle nicht nur eine +Bewegung um die eigene Achse, so daß die einzelne Welle immer an +derselben Stelle bliebe, sie bewegt sich auch nebenbei noch weiter +vorwärts (oder rückwärts), je nach Gewalt und Richtung der bewegenden +Kraft. Man vergleicht eine Welle am besten mit der auch sprachlich +verwandten Walze, die sich sowohl um ihre eigene Achse als auch vorwärts +oder rückwärts bewegt. + +*Wellenberg* ist der über den gewöhnlichen Wasserspiegel erhabene Teil +einer Welle, *Wellenthal* der unter demselben befindliche. Die Spitze +eines Wellenberges heißt *Wellengipfel*, fortgesetzt gedacht: +*Wellenkamm*. + +Ein *Wellenbrecher* ist ein Steindamm oder dergleichen vor einem +Hafeneingang, wie z. B. das Breakwater vor Plymouth, mit dem Zweck, den +Schiffen im Hafen ein ruhigeres Liegen zu verschaffen. Neuerdings giebt +es auch auf den Panzern *Wellenbrecher*; sie bilden bei niedrigem +Vorderteil eine Art Schanzkleid auf der Back, das Überbrechen der Wellen +zu verhüten. + + +*Weirpumpe* s. Pumpe. + + +*wenden* s. halsen. + + +*Wettergalle*, die, + +besondere weißliche Wolkenformation, Vorbote bald eintretendes Windes +(Windgalle) oder Regens (Regengalle). Es hängt wohl mit gäl = gelb +zusammen, denn die Farbe ist mehr gelb wie weiß, unter Umständen sogar +grünlichgelb, sodaß an Verwandschaft mit unserer hochdeutschen Galle zu +denken ist. Das Wort ist aber wenig gebräuchlich. + + +*Wieling*, die, + +ist eine Vorrichtung zur Vermeidung des Schamfilens, nämlich ein rund +wie ein Kranz gedrehtes (und dann wohl mit Leder bezogenes) Stück alten +Tauwerkes; neuerdings einfach ein rundes, ausgepolstertes Ledersäckchen. +Es wird ehe das Boot anlegt an einem Stückchen Leine außenbords getan, +damit das Boot, wenn es der Landungs- oder Fallreepstreppe nahe kommt, +sich seine Farbe nicht abreibe. Setzt das Boot ab, so werden die +Wielings eingenommen; es ist ein großes seemännisches Vergehen, ein Boot +mit einer Wieling außenbords hängend fahren zu lassen. Der Name kommt +offenbar von der Gestalt, die in einfachen Verhältnissen und Zeiten +einen Kranz, eine Wurst, ein Rad bildete; niederländisch wiel, +ostfriesisch wel, englisch wheel mit niederdeutscher Endung. + + +*Wimpel*, der, + +eine lange, gespaltene, schmale Flagge, so schmal daß man eigentlich +kaum von einer Flagge reden kann und eben darum Wimpel sagt. Er wird am +Großtop als Kommandozeichen eines Kommandanten, der nicht Admiral ist, +gehißt und weht seiner Leichtigkeit wegen leicht aus. Wenn ein Schiff +von einer langen ausländischen Reise heimkehrt, so gestaltet sich das +Kommandozeichen zu einem Freudenzeichen, dann wird der Wimpel so weit +verlängert, daß er über das ganze Schiff hinwegwehend bis ans Wasser +reicht; das ist der *Heimatswimpel*. + +Im Mittelniederdeutschen hieß wimpel, auch wumpel, zunächst der Schleier +als Kopfbedeckung; so heißt es im alten Rigaer Stadtrecht: »et ne mach +neyn vrowe copen got ane eren vormeunt .. sunder wimpele unde +strickitte.« Besonders hieß wimpel auch der Nonnenschleier. Sodann aber +nannte man so eine lange schmale, schleierähnliche Fahne; Lübecker +Chronik: »Se slugen se in de vlucht unde nemen en twe hoftbanren und twe +wumpel myt S. Andreas cruce getekent.« + +Bei der Erklärung ergibt sich eine Schwierigkeit, nämlich eine unbequeme +Übereinstimmung des Hochdeutschen mit dem Niederdeutschen in Bezug auf +das p; das Wort müßte hochdeutsch eigentlich wimfel heißen, wenn es +niederdeutsch wimpel heißt; es heisst aber althochdeutsch wimpal, +mittelhochdeutsch wimpel. Vielleicht liegt eine nasalierte Form aus der +Wurzel vom wippen, »sich hin und her bewegen« vor, so daß also Wimpel +sowohl im Sinne von Flagge wie von Schleier etwas leicht vom Winde hin +und her Bewegtes wäre. + + +*Windas*, die, + +ist eine Art von Spill um Anker zu lichten und sonstige schwere Lasten +zu bewegen. As ist = Achse; es liegt, wie auch in Achsel, der Begriff +einer Bewegung, einer Drehung zu Grunde. Eben durch eine drehende +Bewegung windet man mit dieser Windas die betreffende Last. Und zwar +steht diese Achse nicht wie bei einem Gangspill, sondern sie liegt +horizontal und dreht sich wie ein Bratspieß, daher sie auch Bratspill +genannt wird. + + +*Windflagge* = Windstander, s. Verklicker. + + +*Windreep*, das, + +bekannter unter dem Namen Stängewindreep, ist das Reep oder Tau mit dem +die Stänge aufgewunden wird. Es fährt vom Eselshaupt durch den Fuß der +Stänge wieder zum Eselshaupt und von da an Deck, wo es mit einer Talje, +Stängewindreepstalje, bedient wird. + + +*Windsack*, der, + +ist eigentlich kein Sack, sondern ein Schlauch und wird auch Windsegel +und Luftsack genannt. Er wird über die Höhe der Reling hinaus gehißt, +fängt hier den Wind auf und leitet ihn durch die Luken in die unteren +Räume des Schiffes. Da die unter Wasser liegenden Teile der natürlichen +Lüftung ganz entbehren müssen, so ist die künstliche von großer +Wichtigkeit. Daher ist man bald darauf verfallen, neben den Windsäcken, +die nur ein Notbehelf sind, feste Ventilatoren mit nach dem Winde +drehbaren Köpfen einzubauen. Besonders notwendig sind diese für solche +Räume, in denen sich giftige Gase entwickeln. + +Seitdem die Maschine eine so große Rolle spielt, mußte man für besonders +reichliche Zufuhr von Luft für die Feuer unter den Kesseln künstlich +sorgen und hat besondere Einrichtungen hierfür getroffen; je nachdem es +sich dabei um die Zufuhr von oben oder von unten durch einen besonderen +Kanal handelt, spricht man von Oberwind oder von Unterwind und +dementsprechend von Oberwindluftzuführung und Unterwindluftzuführung; +Oberwindzuführung und Unterwindzuführung würde aber genügen. + + +*Windstärke*, die, + +wird noch immer nach einer Skala bezeichnet, die zur Zeit der +Segelschiffahrt und mit besonderer Rücksicht auf sie von dem +Kommandanten des englischen Kriegsschiffes »Woolwich«, Beaufort, im +Jahre 1805 ersonnen worden ist und nach ihm Beaufort-Skala genannt wird. +Er ist von der Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes ausgegangen und +berechnet die Stärke des Windes bei den geringen Graden nach der Fahrt +des Schiffes, bei den höheren nach der Möglichkeit der Segelführung. +Darnach ist + + Windstärke O: Stille. + + " 1: Leiser Zug, sodaß das Schiff eben steuerfähig ist. + + " 2: Leicht. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei + macht 1-2 Knoten. + + " 3: Schwach. Ein Schiff unter allen Segeln voll u. bei + macht 3-4 Knoten. + + " 4: Mäßig. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei + macht 5-6 Knoten. + + " 5: Frisch. Schiff kann noch führen: Oberbramsegel. + + " 6: Stark. " " " " einfach gereefte + Mars- und Bramsegel. + + " 7: Hart. Schiff kann noch führen: doppelt gereefte + Marssegel, Klüver. + + " 8: Stürmisch. Schiff kann noch führen: dreifach gereefte + Marssegel. + + " 9: Sturm. Schiff k. n. führen: dicht ger. Marssegel. + + " 10: Starker Sturm. Schiff kann noch führen: dicht + gereeftes Großmarssegel und gereefte Fock. + + " 11: Harter Sturm. Alle Segel fest bis auf die Sturmsegel. + + " 12: Orkan. Kein Segel hält mehr Stand. + +Im Zeitalter des Dampfes hat sich das Bedürfnis nach einer anderen Skala +herausgestellt. Dem kommt Börgen entgegen, indem er die +Windgeschwindigkeiten in Metern pro Stunde berechnet. Nach der +Börgen'schen Reduktionsformel ist + + Windstärke 0 eine Geschwindigkeit von 0,0 m p. Sekunde + + " 1 " " " 1,6 m " " + + " 2 " " " 3,3 m " " + + " 3 " " " 5,2 m " " + + " 4 " " " 7,3 m " " + + " 5 " " " 9,6 m " " + + " 6 " " " 12,0 m " " + + " 7 " " " 14,6 m " " + + " 8 " " " 17,3 m " " + + " 9 " " " 20,2 m " " + + " 10 " " " 23,3 m " " + + " 11 " " " 26,6 m " " + + " 12 " " " 30,0 m " " + + +*Worthingtonpumpe*, die, s. Pumpe. + + +*Wrack*, das, + +ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar gewordenes +Schiff. + +So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr abgeneigt war (vergl. +Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat ihn doch das +Niederdeutsche und mit ihm die Seemannssprache bis auf den heutigen Tag +in einer ganzen Anzahl von Wörtern beibehalten. + +Wrack geht zurück auf das gotische vrikan, dessen Stamm vrak ist und das +rächen, tadeln, verbannen (angelsächsisch vräc, Verbannung wraeca, ein +Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, für nicht gut erklären, +ausstoßen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoßenes das +nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nämlich zunächst ein +Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, daß +man es »für nicht mehr gut« erklären muß; oft heißt daher auch ein +einzelnes Stück oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im +Altfriesischen hieß wrac beschädigt; verwandt mit dem gothischen vraiqs, +krumm, schräg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein +gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern +überhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken für untauglich erklären, = dem +erwähnten gotischen vrikan im Sinne von tadeln; ausschießen, verwerfen. +Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das +Untaugliche verwerfen muß. Daher heißt wrack auch etwas das nur einen +gewissen Schönheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem +etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst +wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u. s. w. Die älteste mir +bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August +1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der König +Heinrich II. von England Lübeck und andere deutsche Städte vom +Standrecht befreite: »... volentes etiam, ut si contigerit naves vestras +in partibus nostris periclitari et de tali nave periclitata, aliquis +homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in +illa navi contenta remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod +Wreccum dicitur, veris dominis extorqueantur.« + +Der Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, Lübek 1673, +berichtet von durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe: +»es war auch Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein +wegen Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten +und des Bochsprets zu zerbrochen, und beschädiget, daß es mehr vor ein +*Wrack* den ein Schiff anzusehen war.« + +Nach Werner: »Schule des Seewesens« machen die (Holz-)Schiffbauer einen +ausgiebigen Gebrauch von dem Worte Wrack, indem sie minderwertiges Holz +noch einmal unterscheiden und dabei von »Wrack« und von »Wracks-Wrack« +sprechen. + +*Abwracken*, ein altes Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s. +sloopen. + +Zu vergleichen Grimm VIII. 14: »im neueren isländischen wird ein fem. +raeki, vindicta aufgeführt (Biörn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens +älter ein verbum raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected, +outcast, neben dem verbum reka entsprechen, Vigfusson 506. im subst. wie +in dem verbum rächen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff +beschlossen, das setzen außerhalb der landrechts und die austreibung aus +dem lande in folge angriffs auf den landfrieden, eine mildere und nicht +entehrende art derjenigen strafe, als deren höchste und zugleich +vogelfrei machende stufe die verurteilung zum wargus (Geächteten) +angesehen werden muss.« + +Das mittelniederländische Zeitwort wraecken hatte eine ähnliche +Bedeutung, nämlich »vom richtigen Kurs abgebracht werden«, vergl. +Waghenaer, »Spiegel der Zeevaerdt,« Amsterdam 1588: ... »so moet ghy +somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende +setten v Compasse achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v +Schip *wraeckt* oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen +quade ghissinge en maeckt« ... + + +*Wrange*, die, + +bedeutete ursprünglich nur ein schiefes, schräges, umgebogenes Stück +Holz beim Schiffbau und ward früher als Spiegelwrange für den schiefen +Verband zwischen Steven und Randsomhölzern und als Bodenwrange oder +Flurwrange für den Lieger oder das Bauchstück zunächst am Kiel +gebraucht. Jetzt, im Eisenschiffbau ist Spiegelwrange ganz weggefallen, +über Bodenwrangen aber schreiben Dick und Kretzschmer I 83: »Der Kiel +ist der unterste Teil des Schiffes, gewissermaßen seine Grundlage; auf +ihm stehen die Querspanten oder Rippen, welche die Schiffsform bilden +und die aus einer Verbindung von Stahl- oder Eisenplatten mit Façonstahl +oder -Eisen bestehen. Ihre im Boden liegenden querschiffs angeordneten +Plattenteile nennt man *Bodenwrangen*, auch Bauchstücke.« Der Name +Wrange ist also geblieben. Bei Aubin 1702 heißen die Wrangen varangues; +man sieht auf den ersten Blick daß auch dieses Wort, wie so viele andere +der Seemannssprache, die Franzosen von uns entliehen haben; fürs +Niederländische giebt der Genannte: Buikstukken, Leggers, +vloer-wrangens, vloer-houten, Wrangens op de Kiel an. + +Im Ostfriesischen ist wrange oder wranger -- vergl. das hochdeutsche +Range -- ein »verdrehter« Mensch, Quäl- und Plagegeist, querköpfiger +Mensch; wrang aber heißt zusammenziehend, niederländisch wrang, +mittelniederländisch wrangh. Es kommt mit dem englischen wrong, wrang, +verdreht, verkehrt, schief, krumm, töricht, schlecht, schlimm, unrecht, +ungerecht, von wringen, Präteritum wrang, sich drehend und windend +bewegen z. B. nasse Wäsche auswringen; meist mit der Nebenbedeutung daß +das Drehen mit Drang und Druck geschieht. Diese hat Bodenwrange freilich +nicht, aber der Begriff Drehung, Biegung hat hier den Ausschlag gegeben. + + +*Wreifholz*, das, + +ein Holz das an einem Tau außenbords gehängt wird wenn das Schiff sich +nicht an der Mole oder einem Bollwerk reiben soll, also eine Art Fender. + +Auch ein halb verhochdeutschtes Wort, das entweder niederdeutsch +wrifholz oder dann ganz hochdeutsch Reibholz heißen müßte. Wrifen heißt +reiben; niederländisch wryven, mittelniederdeutsch wriven. Dazu, wie mir +eine befreundete Hand schreibt, deren Wiege in Pommern gestanden hat, +wribbeln als Iterativum von wrifen, etwas zwischen den Fingern (zer-) +reiben. + + +*wricken*, + +ein Boot fortbewegen mit nur einem Riemen durch ein eigentümliches Hin- +und Herdrehen des an einem Einschnitt am Heck sich bewegenden Riemens. + +Nach Schade hat das unter Wrack erwähnte gothische vrikan folgende +Bedeutungen: drängen, drücken, pressen, drängend bewegen und wenden, +drehen, abdrehen, ausdrehen; vorwärts drängen, treiben, eifrig +betreiben; fortdrängen, wegdrängen, drängend beseitigen, verstoßen, +verfolgen, strafen, abwenden, ausdrehen; ostfriesisch heißt wricken +etwas mit Nachdruck hin und her bewegen. Das eben ist die Tätigkeit, die +beim Wricken eines Bootes ausgeübt wird. Dadurch bewegt es sich zwar +etwas hin und her, aber das gleicht sich mit jeder Drehung des Riemens +wieder aus, so daß das Boot doch seinen graden Kurs auf sein Ziel zu +beibehält, wenn auch wrick-wrack wackelig bedeutet, wie in dem +mittelniederdeutschen Verse bei Schiller und Lübben: »Darmit gink hei +den wrick den wrack, na Bremen leit he gliden.« + + +*Wuling*, die, + +ist eine starke Befestigung zweier Gegenstände miteinander durch Umlegen +eines (alten, sich nicht mehr reckenden) Taues, das mehrere Gänge +nebeneinander wie Schraubengänge gelegt wird; das nennt man wulen oder +bewulen. Dadurch entsteht an der Stelle nicht nur eine Verstärkung, +sondern auch eine Verdickung und es ist daher für die Ableitung an unser +hochdeutsches Wort Wulst zu denken. Wie Geschwulst von schwellen, so +kommt Wulst von wellen, althochdeutsch wellan = drehen, wälzen, rollen, +lateinisch volvere, von einer Wurzel val = winden, drehen, wälzen, +wickeln, umbinden, festbinden. Mittelniederdeutsch wolen. In der Chronik +des Lübecker Dominikaners Hermann Korner (Handschrift aus dem 15. +Jahrhundert in Wien) heißt es: »nemen de maste van den olden schepen, de +see senken wolden vor dat Reveshol, undde woleden de harde tosamende«. +Die »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 hat »wölen«: »musten +auch (auf stark havariertem Schiffe) daß Vorschiff mit eine Pferde Linie +zusammen wölen, sonst wolten die Anckers mit dem Vorschiff fort.« + + +*wünschen* + +ist ein hie und da gehörtes Seemannswort von eigentümlicher +Entstehungsart. Es hat mit unserem sonst üblichen hochdeutschen wünschen += einen Wunsch haben, keine Verwandtschaftsbeziehungen. Es bedeutet +vielmehr winden, aufwinden, in die Höhe winden, und ist durch die von +Professor Dunger in Dresden gerügte Engländerei ins Deutsche gekommen. +Englisch winch = Winde ist Veranlassung zu der Bildung dieses +Fremdwortes mit einheimischer Endung geworden; es müßte also »winschen« +heißen und hat sich ganz ohne Berechtigung an unser gutes altes +deutsches wünschen herangedrängt. + + + + +Y. + + +*Yacht*, die s. Jacht. + + +*Yarrowkessel* s. Kessel. + + +*Yawl*, die. + +Dieses Wort ist in der Verbindung Yawl-Takelage in neuerer Zeit durch +das Yacht-Vergnügen aus England zu uns gekommen. Es ist aber deutscher +Herkunft, denn Yawl ist nur die englische Form für das deutsche Jolle. +Es verhält sich also Yawl zu Jolle wie Yacht zu Jacht. Nichts anderes +ist auch das jolly in dem englischen jolly-boat, s. auch Tjalk. + + + + +Z. + + +*Zapfenstreich* s. streichen. + + +*zeisen* s. seisen. + + +*Zeptertau*, das, + +ist ein besonders sorgfältigerweise zugetakeltes Tau, das als Geländer +an Stellen dient, wo Gefahr des Fallens vorliegt. Es wird durch eiserne +Stützen geschoren. Stütze ist die ursprüngliche Bedeutung dessen was wir +jetzt als Zeichen der Herrschaft in der Hand eines Fürsten sehen und +Zepter oder Scepter nennen; mittelhochdeutsch zepter, französisch +sceptre, italienisch scettro, lateinisch sceptrum, griechisch skeptron, +von skeptein, stützen, lehnen. + + +*Zimmersteck*, s. Stek. + + +*Zungenstopper*, s. Stopper. + + +*zurren*, + +bedeutet binden, festbinden, zusammenbinden, festschnüren. Alles was für +gewöhnlich einige Bewegungsfreiheit hat, wird, wenn das Schiff in die +See geht und einigermaßen schlechtes Wetter zu gewärtigen ist, gezurrt, +damit es nicht wackle oder gar über Stag gehe. Besonders aber spricht +man vom Zurren der Hängematten; das wird vorgenommen wenn der Mann +aufgestanden ist. Dann ist sein Erstes daß er seine Hängematte +zusammenbindet um sie an dem dazu bestimmten Orte zu verstauen. + +Französisch serrer. Dieses ist zunächst ins Niederländische +übergegangen, wo es sjorren heißt und ganz unserem zurren entspricht. +Von da kam es als sorren in die niederdeutsche Seemannssprache, in der +es nach und nach unter hochdeutschem Einflusse die durch nichts +begründete Form zurren annahm. Aubin, 1702: serrer de voiles = klein +zeil maaken; serrer les voiles = de zeilen beslaan; geschieht durch +Festbinden. + +*Zurrbaum* und *Zurrbrook* werden beim Seefestzurren der Boote +gebraucht. + + +*Zweidecker*, s. Schiff. + + +*Zwischendeck*, s. Deck. + + +*Zwischen Wind und Wasser* + +nennt man die Gegend der Schwimmebene eines Schiffes, der Wasserlinie, +des Wasserpasses; eine Gegend, die besonderen Gefahren im Gefecht +ausgesetzt ist, indem hier einschlagende Geschosse ihre schlimmste +Wirkung ausüben können. Daher auch gerade dieser Teil eines modernen +Kriegsschiffes den stärksten Schutz durch Panzerung erhält. + + + + +Druckfehler-Verzeichnis. + + +(Fehler die sich unschwer als Versehen des Setzers erkennen und leicht +verbessern lassen, z. B. Feminium anstatt Femininum, Fauenzimmer anstatt +Frauenzimmer, Takelake anstatt Takelage, wird der geneigte Leser gebeten +zu entschuldigen; hier darum nur die Verbesserung einiger +sinnstörender:) + + Seite 46 Zeile 6 von oben anstatt bellons: bellows, + + " 60 " 6 " " " nur: uur, + + " 67 " 6 " " " huhhan: luhhan, + + " 80 " 13 " " " altmodisch: altnordisch, + + " 96 " 19 " " " genau: gemein, + + " 99 " 1 " " " seiner: jener, + + " 110 " 4 " " " Da: Sa, + + " 111 " 18 " " " pelit: petit, + + " 140 " 11 " unten " signeum: Signum, + + " 142 " 8 " " " Fauen: Fanen, + + " 206 " 1 " oben " näher: höher, + + " 235 " 21 " " " Dacht: Ducht, + + " 465 " 6 " unten " ligh: high. + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der +deutschen Seemannssprache, by Gustav Goedel + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH *** + +***** This file should be named 39762-8.txt or 39762-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/9/7/6/39762/ + +Produced by Heiko Evermann and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was +produced from scanned images of public domain material +from the Google Print project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For forty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily +keep eBooks in compliance with any particular paper edition. + +Most people start at our Web site which has the main PG search facility: + + www.gutenberg.org + +This Web site includes information about Project Gutenberg-tm, +including how to make donations to the Project Gutenberg Literary +Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to +subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks. + diff --git a/39762-8.zip b/39762-8.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..223e143 --- /dev/null +++ b/39762-8.zip diff --git a/39762-h.zip b/39762-h.zip Binary files differnew file mode 100644 index 0000000..7696c8a --- /dev/null +++ b/39762-h.zip diff --git a/39762-h/39762-h.htm b/39762-h/39762-h.htm new file mode 100644 index 0000000..2606467 --- /dev/null +++ b/39762-h/39762-h.htm @@ -0,0 +1,20845 @@ +<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN" + "http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd"> + +<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de"> + <head> + <meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=iso-8859-1" /> + +<title>The Project Gutenberg eBook of Etymologisches Wörterbuch der deutschen + Seemannssprache, By Goedel, Gustav</title> +<link rel="coverpage" href="images/cover.jpg" /> + +<style type="text/css"> +body { font-size:1em;text-align:justify;margin-left:10%;margin-right:10%; } +h1 span { display:block;text-align:center;margin-top:2%;margin-bottom:2%; } +h2 span { display:block;text-align:center;margin-top:7.5%;margin-bottom:1%; } + +#id1 { margin-top:7.5%;margin-bottom:1.5%; } +#id2 { font-size:x-small;margin-top:3.5%;margin-bottom:3.5%; } +#id3 { font-size:119%;margin-top:2%;margin-bottom:12%; } +#id4 { font-size:x-small;margin-top:10%;margin-bottom:.5%; } +#id5 { font-size:smaller;margin-top:2%;margin-bottom:12%; } + +p { text-indent:1em;margin-top:.75%;margin-bottom:.75%; } + +a:focus, a:active { outline:yellow solid thin;background-color:yellow; } +a:focus img, a:active img { outline:yellow solid thin; }.center { text-align:center; } + +ul { list-style-type:none;padding-left:2em;padding-right:5%;margin-left:5%;margin-right:5%;margin-top:1.5%;margin-bottom:3%; } +li { text-indent:-2em } + +.author { font-size:smaller;text-align:right;margin-left:10%;margin-right:57%;margin-top:.5em;margin-bottom:1em; } +.center { text-align: center;text-indent:0em;font-size:112%; } +.center1 { text-align: center;text-indent:0em;margin-top:1.5%;margin-bottom:1.5%;margin-left:28%;margin-right:28%; } +.fnanchor { font-size: x-small;vertical-align:text-top; } +.footnote .label { font-size: x-small;vertical-align:text-top; } +.footnote { text-indent:0em;margin-left: 5%;margin-right: 25%; } +hr { margin-top:3%;margin-bottom:5%; } +.indh6 { text-indent:-6em;padding-left:6em;text-align:left;font-size:larger;letter-spacing: 0.2em; } +.noindent { text-indent:0em; } +.pagenum { font-size:smaller;color:gray;background-color:inherit;position:absolute;left:2%;text-align:left;text-indent:0em; + font-variant:normal;font-weight:normal;text-decoration:none; } +.poem { margin-left:8%;margin-right:8%;margin-top:1%;margin-bottom:1%;padding-left:5%; } +.poem .stanza { margin:1.5em 0em 1.5em 0em; } +.smaller { font-size:smaller; } +strong { font-weight: normal; letter-spacing: 0.2em; margin-right: -0.2em; } +.strong1 { font-weight:bold; } +table {margin-top:2%;margin-bottom:3%;margin-left:5%;margin-right:5%;border-collapse:collapse; } +td { vertical-align:top;padding-left:1em;padding-right:1em; } +td.tdcenter { text-align:center;text-indent:0; } +td.tdleft { text-align:left;margin-left:0;text-indent:0; } +td.tdright { text-align:right;margin-right:0.5em; } +th { vertical-align:top;padding-left:1em;padding-right:1em;padding-top:0;padding-bottom:2em;text-align:center;font-size:smaller; } +.tnbox { color:black;background-color:beige;font-size:x-small;margin-left:18%;margin-right:18%;margin-top:7.5%;margin-bottom:3%;padding:.5em;border:thin dashed; } +.x-small { font-size: x-small; } + + + </style> + </head> +<body> + + +<pre> + +The Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der deutschen +Seemannssprache, by Gustav Goedel + +This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with +almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or +re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included +with this eBook or online at www.gutenberg.org + + +Title: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache + +Author: Gustav Goedel + +Release Date: May 22, 2012 [EBook #39762] + +Language: German + +Character set encoding: ISO-8859-1 + +*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH *** + + + + +Produced by Heiko Evermann and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was +produced from scanned images of public domain material +from the Google Print project.) + + + + + + +</pre> + + + + + + +<div class="tnbox"> + +<p class="noindent">Zur Transkription: Varianten der Schreibweise und Interpunktion + wurden nicht angeglichen (Ausnahme: Waghenaer, „Spiegel der Zeewaerdt‟). Die im "<a href="#Druckfehler-Verzeichnis">Druckfehler-Verzeichnis</a>" des Originals genannten Fehler wurden für diese +Transkription korrigiert.</p> + +<p class="noindent">Transcriber's Note: Original spelling and +punctuation variations have not been been standardized except for title and author of „Spiegel der Zeewaerdt‟ by Waghenaer. Errors mentioned in the original "<a href="#Druckfehler-Verzeichnis">Druckfehler-Verzeichnis</a>" (errata) have been corrected by the +transcriber. +</p> + +</div> + + + +<h1> + <span id="id1"> Etymologisches Wörterbuch</span> + + <span id="id2"> der</span> + + <span id="id3"> deutschen Seemannssprache.</span> + + <span id="id4"> Von</span> + + <span id="id5">Gustav Goedel.</span> + +</h1> + +<div class="center1"> + + <p><span class="strong1">Kiel</span> und <span class="strong1">Leipzig.</span></p> + + <p><strong>Verlag von Lipsius & Tischer.</strong></p> + + <p>1902.</p> + +</div> + + +<hr /> + +<p class="indh6"><a href="#A">A</a> <a href="#B">B</a> <a href="#C">C</a> <a href="#D">D</a> + <a href="#E"> E</a> <a href="#F"> F</a> <a href="#G"> G</a> <a href="#H">H</a> <a href="#J">J</a> <a href="#K">K</a> + <a href="#L"> L</a> <a href="#M"> M</a> <a href="#N"> N</a> <a href="#O">O</a> <a href="#P">P</a> + <a href="#Q"> Q</a> <a href="#R"> R</a> <a href="#S"> S</a> <a href="#T">T</a> <a href="#U">U</a> + <a href="#V"> V</a> <a href="#W"> W</a> <a href="#Y"> Y</a> <a href="#Z"> Z</a> </p> + +<p class="indh6"><a href="#Druckfehler-Verzeichnis">Druckfehler-Verzeichnis</a></p> + +<hr /> + +<h2> +<span><a id="A"></a>A.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">A.</span> Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur +Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschätzung +seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach +deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschätzung zu +wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefügt,</p> + +<p class="center"> +<img src="images/image01.jpg" width="52" height="30" alt="Schiffsregistersymbol A mit 4" /> +</p> + +<p class="noindent"> deuten also +schon den höheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch +näher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen +kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je höher die Nummer, +desto größer der Wert. Im Übrigen s. Schiffsregister.</p> + +<p><span class="strong1">a. m.</span> heißt ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist +dem Seemann diese Bezeichnung so geläufig, daß er sie auch am Lande +gerne als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem +zugleich, die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die +Zeit von mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) näher zu +bestimmen. Es heißt dann a. m. nicht bloß vormittags, sondern auch +morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heißt +nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p. +m. nachts 10 Minuten vor zwölf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und +kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her.</p> + +<p><span class="strong1">abandonniren</span>, von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein +verunglücktes oder vom Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen +Prozentsatz der Versicherungssumme <strong>überlassen</strong><a id="Page_2"></a> + <span class="pagenum">[2]</span> und sich aller +Ansprüche darauf begeben. Ein Wort, das wir zwar in französischer Form +gebrauchen, das auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem +französischen Seerecht zu uns herübergekommen ist, das aber seinerseits +doch wieder von dem echt deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein +Gebot oder Verbot unter richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit +und deren Gebiet bedeutet, entsprechend dem angelsächsischen bann, +englisch bann, Bann, Acht, Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon früh +entlehnten die Franzosen das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der +Merowingerzeit, und machten das altfranzösische bandon, Befehl, +Jurisdiction, öffentliche Verkündigung daraus; in Verbindung mit dem +Präfix a und der Endung er ward es zu dem neufranzösischen Zeitwort +abandonner ausgestaltet, mit seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen +aber der Begriff verlassen, aufgeben gemein ist.</p> + +<p><span class="strong1">abgewinnen.</span> Es gilt für ein Zeichen besonderer seemännischer +Tüchtigkeit, wenn es dem Kapitän eines Schiffes gelingt, einem anderen +die Luv oder den Wind abzugewinnen, d. h. sein Schiff so geschickt zu +führen, daß es näher, höher, dichter an den Wind kommt als das andere. +Zu Zeiten der Herrschaft des Segels konnte dies für Kriegsschiffe in der +Seeschlacht von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als +einmal geworden; jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemännischen +Ehrenpunkt. Das andere Schiff ist dann „unter dem Winde‟ und hat die Luv +verloren. Man sagt auch: einem den Wind <strong>abkneifen</strong>.</p> + +<p><span class="strong1">abdichten</span> s. kalfatern.</p> + +<p><span class="strong1">Abendwache</span> s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">abentern</span> s. entern.</p> + +<p><span class="strong1">abfallen</span> s. abhalten.</p> + +<p><span class="strong1">Abfahrtssignal</span> s. Blauer Peter.</p> + +<p><span class="strong1">abflauen</span> s. flau.</p> + +<p><span class="strong1">abfieren</span> s. fieren.</p> + +<p><span class="strong1">abhalten</span> 1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren +(s. d.) Wind erhält, also „die Richtung des Schiffes dergestalt ändern, +daß der Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben +gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fällt‟ (Roeding). Natürlich +kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von +achtern<a id="Page_3"></a> + <span class="pagenum">[3]</span> kommt; würde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann würde +Anluven daraus (s. d. und „Halsen‟). 2. überhaupt eine Kursveränderung +vornehmen, ohne Rücksicht auf die Windrichtung, auch auf Dampfschiffen, +wenn es gilt auf ein Ziel, das außerhalb der bisher gesteuerten Richtung +lag, loszusteuern, z. B. abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein +treibendes Boot. Das Wort abhalten führt uns in die ältesten Zeiten +germanischer Schiffahrt zurück, in denen man mit einem Riemen steuerte, +den man frei in der Hand hatte und hielt; daher steuern im +Althochdeutschen auch haban, halten hieß; abhalten also wörtlich: das +Schiff von seiner alten Richtung ab in eine neue steuern. — Die +Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst +<span class="strong1">abfallen</span>, das Schiff fällt ab; was freilich auch manchmal ohne Abhalten, +d. h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern geschehen +kann. — Abfallen ist fälschlich mit Abtreiben (s. d.) für eins gehalten +worden. — Die Friesen gebrauchen affalle in übertragenem Sinne. „Wie +täusche ich mich‟: „Ho falt my dat af‟ (Halbertsma).</p> + +<p><span class="strong1">abkleiden</span> s. kleiden.</p> + +<p><span class="strong1">abkneifen</span> s. abgewinnen.</p> + +<p><span class="strong1">ablandig</span>, von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort +wird schon im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung für die +französische Küste: „Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe +Kenninge; dat Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt‟. „Item wille +gy tusschen den sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen +wint, so mote gy tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln +uppe 6 offte 7 vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode‟. (Eine +Kenning war in jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders +eine gute Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges +gemeint, drei oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote +Kenning gemeint war. leyden heißt vorbeifahren).</p> + +<p><span class="strong1">Ablenkung</span> s. Variation.</p> + +<p><span class="strong1">ablegen</span>, gleichbedeutend mit <span class="strong1">absetzen</span> im Sinne von: ein Boot mit einem +Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe +entfernen, daß man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und +anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die +allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklärung +gemäß,<a id="Page_4"></a> + <span class="pagenum">[4]</span> mit dem Boot, nie mit dem Schiff‟. „Das Boot legt um 6 Uhr +von der Mole ab.‟ „Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab;‟ dabei ist +die für das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede +umgewandelt. Absetzen ist etwas gebräuchlicher als ablegen.</p> + +<p><span class="strong1">abmallen</span>, auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stück Holz in +eine bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen +sie sich erst aus dünnen Brettern ein <span class="strong1">Mall</span>, d. h. eine Art Modell. Nach +diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz +vor: das heißt ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das +Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck, +Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen. — Mit dem +weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl kaum +etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig, +unklug, töricht, verliebt, toll, verrückt, schlimm, schlecht u. s. w. — +Eine viel größere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen +Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten +und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist. +<span class="strong1">Mallkante</span> der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem +Schnürboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst für die Bauausführung in +natürlicher Größe aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes +der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der +Spantenkanten wird das Mall angefertigt. — <span class="strong1">Gemallte Tiefe</span> ist die Tiefe +eines Schiffes, welche gemessen, bezw. berechnet wird um den Freibord +(s. d.) festzustellen, oder die Tieflade-Wasserlinie. Hier heißt mallen +einfach messen. — Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe läge, +müßte man sich versucht fühlen an das lateinische Wort für Maß modus zu +denken, modulus, im Altfranzösischen contrahirt zu molle; englisch +mould.</p> + +<p><span class="strong1">abmoien.</span> Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, +Tante, auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu +bringende Adjectiv <span class="strong1">moi</span> scheint — außer im seemännischen Gebrauch — +nicht über Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es +aber ganz allgemein verbreitet und im Sinne von <span class="strong1">schön</span> im Gebrauch; en +moie meid (holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer, +schönes Wetter. Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem<a id="Page_5"></a> + <span class="pagenum">[5]</span> +Sprachgebiet durch frisches Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein +Bauer, der mühsam etliche Schweine vor sich her trieb. „Dat is moier dan +Swindriven,‟ meinte er vom Radeln. — Wenn das Wetter sehr trübe und +stürmisch war und der Himmel wird klarer (klart auf, siehe aufklaren 1.) +und der Sturm nimmt ab, dann sagt der Seemann „es moit ab.‟ Beide +Begriffe, das Schönerwerden des Wetters und das Abnehmen des Sturmes +sind in abmoien sehr treffend vereinigt; offenbar hat auf die +Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi gebildeten Zeitwort +moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.) des Windes +eingewirkt. — Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte +Wort nach den Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als +Kenner weiblicher Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, +geschmückt, viel im Munde. — Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die +Natur schmückt, zusammenhängt, muß bezweifelt werden. Das hat sich ein +Dichter so zurechtgelegt; die Sprache verfährt nüchterner. Hat doch +„Wonnemonat‟ nicht einmal etwas mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo +nur die Herkunft aus dem lateinischen majus, groß, hehr, ansehnlich, +stattlich, übrig.</p> + +<p><span class="strong1">abmustern</span> s. mustern.</p> + +<p><span class="strong1">abreiten</span>, einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem +Pferde zu denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den +hochgehenden Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig +stampfenden und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses +„reiten‟ damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal +sagt man nicht bloß: „Das Schiff reitet einen Sturm ab‟, sondern es +reitet auch bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker +liegt. Sodann müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten +anginge, niederdeutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von +dem niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein +Schiff liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um +besseres Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im +Mittelniederdeutschen gleich „vor Anker liegen‟; wir würden also gut +tun, größerer Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu +schreiben. Althochdeutsch ritan. Das heißt übrigens nicht reiten in +unserem modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum +anderen<a id="Page_6"></a> <span class="pagenum">[6]</span> + bewegen, fahren zu Wagen oder <span class="strong1">zu Schiff</span>, von einem Stamme +rid mit dem Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und +so kommen (wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das +Reiten auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben +Ursprung hinaus. Das Nähere unter Reede.</p> + +<p><span class="strong1">abschaken</span> s. schaken.</p> + +<p><span class="strong1">abschlagen.</span> 1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben, daß +die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute +wegtreten können.</p> + +<p>2. Allgemein seemännisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im +Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein +Segel völlig von der Rahe loslösen und an Deck nehmen; das Gegenteil von +„ein Segel unterschlagen‟. Der Gebrauch beider Wörter, wie auch von +Beschlag und beschlagen, erklärt sich aus dem unter <span class="strong1">Schlag</span> Gesagten.</p> + +<p>3. = Abschnüren (s. d.)</p> + +<p><span class="strong1">abschleppen</span> s. schleppen.</p> + +<p><span class="strong1">abschlingern.</span> Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), daß von der +Gewalt der Schlingerbewegung ein Mast bricht und über Bord geht, so hat +sich das Schiff diesen Mast abgeschlingert.</p> + +<p><span class="strong1">abschnüren.</span> (Vergl. abmallen und Schnürboden). Mit einer Meßschnur die +Form und Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im +natürlichen Maßstabe aufzeichnen.</p> + +<p><span class="strong1">absegeln.</span> 1. In See gehen. Ursprünglich von Segelschiffen gebraucht, +erhielt es die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird +heutzutage in diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine +Segel führen.</p> + +<p>2. Einen Mast, gewöhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn +für die betreffende Windstärke zu viel Segel geführt werden oder wenn +bei plötzlich aufkommender Bö die Segel nicht schnell genug verkleinert +bezw. geborgen werden können.</p> + +<p>3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel +zurücklegen.</p> + +<p><span class="strong1">abschricken</span> s. schricken.</p> + +<p><span class="strong1">absetzen.</span> 1. ein Boot s. <span class="strong1">ablegen</span>. 2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des +Schiffes, an dem es sich nach der Mittags- oder einer sonstigen +Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.) zur Zeit befindet, auf der +Karte durch ein kleines Kreuz mit einem<a id="Page_7"></a> + <span class="pagenum">[7]</span> Kreis darum (⨁) bezeichnen. Setzen (Factitiv von sitzen, urgermanisch aus +der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch sedere) verbunden mit ab, +letzteres aus der Vorstellung heraus, daß das Etmal, (s. d.) das +abgesetzt wird, ein von der ganzen zurückzulegenden Strecke +abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist.</p> + +<p>3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber ähnliches +Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser +nicht nur oberflächlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun läßt, aus +den Decksplanken herausgedrückt und gepreßt wird, damit sie desto +rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf +Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht +unähnliches Stück Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war, +jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer +heißt. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberähnlichen +Gummiabsetzer.</p> + +<p>4. <span class="strong1">Absetzdock</span> nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s. +d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend +konstruierte Helling abladen (absetzen) können, worauf sie dann sofort +ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch +depositing dock.</p> + +<p>5. Auf dem Schnürboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden +Schiffes in natürlicher Größe aufzeichnen.</p> + +<p><span class="strong1">abstoppen</span>, Abstopper s. stoppen.</p> + +<p><span class="strong1">abtakeln</span> s. takeln.</p> + +<p><span class="strong1">Abtrift.</span> Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1. +Viehweide, weil man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben +wird. 3. Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von +Schiffen und Gütern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre +1565 sagt, dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und +guider der hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines +Schiffes an ein anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man +den anderen anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift +scal men tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem +Wasser treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564: +Jacob R. sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her +also se beide thosamende drifftich<a id="Page_8"></a> + <span class="pagenum">[8]</span> gewurden unde inn grundt +gedreuen weren. — Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit +Abfallen) ist zwar nicht so schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift +seiner schlimmsten Bedeutung nach und nach verlustig gegangen ist und +jetzt eigentlich nur noch den Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch +etwas Unangenehmes, weil nicht genau Berechenbares dabei. Abtrift +entsteht nämlich wenn ein Schiff beim Winde segelt; dann kann die +Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich der Richtung des Kieles +sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.), nämlich nach der Seite hin +abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher bei Notierung des gesteuerten +Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines Kompaßstriches nach +mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung gebracht werden muß. — +Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).</p> + +<p><span class="strong1">abwracken</span>, s. Wrack.</p> + +<p><span class="strong1">Ache</span>, die. Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die +Ache, oft auch der Achen, niederdeutsch ak und aak, französisch aque, +acque. — Früher hießen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so, +in denen der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am +Rhein jedes beliebige Ruderboot „Ache‟ nennen hören. In Ostfriesland +heißt but-ak ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von +Lastschiffen mit plattem Boden, eine „Kölnische‟ aak. Es ist unser +allbekanntes Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in +seiner Abstammung noch zweifelhaft. Kluge läßt die Verwandtschaft mit +dem lateinischen Worte navis, bezw. den Übergang des indogermanischen +nav — in das germanische naq — dahin gestellt. Doornkaat steht nicht +an, nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch +vor dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden +sei. Dann böte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen, +eilen, fließen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es +wären zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke +und der Schiffsname Schmacke erklärt, (ostfriesisch smak, holländisch +smakk, englisch, schwedisch smack) wovon französisch semaque, +italienisch semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, „ein +Seeschiff oder Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten +sehr voll und rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stück) +hinten auf dem Heck<a id="Page_9"></a> + <span class="pagenum">[9]</span> noch einen kleinen Besahn-Mast hat‟. Dann wäre +das Wort auch mit dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch +snake verwandt, entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung.</p> + +<p><span class="strong1">Achtknoten</span>, Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknüpft +werden, ist einem, der nicht in die Geheimnisse des „Splissens und +Knotens‟ eingeweiht ist, schwer verständlich zu machen.</p> + +<p><span class="strong1">achter</span>, <span class="strong1">achtern</span> steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des +Hochdeutschen after, <span class="strong1">hinter</span>, <span class="strong1">hinten</span>. Im Altniederdeutschen, z. B. noch +im Heliand, hieß es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach +sich die Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft +und Kracht, Graft mit gracht. — Als Präposition, als Adjektiv, als +Adverbium, stets bezieht sich achter oder achtern auf das Hinterteil des +Schiffes, allein oder in Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten. +<span class="strong1">Achterebbe</span>, die letzte Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit +der Flut, kommen an der Nordseeküste nachweislich schon um das Jahr 1400 +vor. <span class="strong1">Achtersteven</span> (s. Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Duffläus zu +finden, der puppis bald mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald +mit achtersteven wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rückwärts bewegt weil +die Segel „back‟ (s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt: +„wir segeln über den Achtersteven‟; wofür man auch sagen kann, „over +stür‟, oder noch kürzer aber weniger fein „achterärs‟, welcher +Bezeichnung die alte französische Redewendung culer ziemlich genau +entspricht, um 1700 bei Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt +ächteraers für rückwärts im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: „dat +get ächteraers as de hane krasset,‟ wie denn daselbst auch von einem, +der zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, gesagt wird: „vör bitt hä, +ächter schitt hä‟, von einem Bauer hergenommen, der Birnenessen und +seinen Behuf verrichten zu vereinigen wußte. — Die hintere Last (s. d.) +im Schiffe heißt <span class="strong1">Achterlast</span>; ist es hinten zu schwer beladen, so ist es +<span class="strong1">achterlastig</span> (welches Wort man in der Gegend von Groningen zur +Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet). Bekanntes Kommando: „Alle +Mann <span class="strong1">achteraus</span>!‟ wenn die Mannschaft eines Kriegsschiffes sich auf dem +<span class="strong1">Achterdeck</span>, das sie nur dienstlich betreten darf, versammeln soll. — +Auf größeren Schiffen hat der Kommandant außer einer mehr offiziellen +Vor- noch eine mehr<a id="Page_10"></a> + <span class="pagenum">[10]</span> private <span class="strong1">Achterkajüte</span>. — Edda: aptr, +rückwärts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Beówulf: äfter, darauf, +nachher, zurück, in Folge; im Angelsächsischen blieb das f unverschoben +und ist so ins Englische übergegangen.</p> + +<p><span class="strong1">Admiral</span>, der. „Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den +man auff dem Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen,‟ schreibt 1565 +Leonhart Frohnsperger, „Bürger zu Ulm‟, in seinem Buch „Von Kayserlichen +Kriegßrechten etc. etc.: „Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem +fürgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt +sein, ein fürtrefflichen, erfahrnen, geübten, dergleichen der dazu von +hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem +Obersten über alle Schiff und Hauffen, zu Roß und Fuß, Geschütz, +Munition und was dern notturft mehr erheißt, haben, ordnen und dem +Kriegsvolck fürsetzen etc. etc.‟ Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein +bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See; +titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden: +Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit +dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors; +zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie +das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu +hissen. — Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen +ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es bloß aus amir oder aus +amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heißt Befehlshaber zur See, +ersteres bloß Befehlshaber. Insofern wäre die Abstammung von +amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die älteste Form +des Wortes im Spanischen, das es uns übermittelt hat, almiraje <span class="strong1">de la mar</span> +hieße, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus +amir-al-bahr entstanden wären, dann hießen sie ja schon allein für sich, +ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlaßt +sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar +hinzuzufügen, so folgt daraus, daß almiraje oder almirante für sich +allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus +amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch +annehmen kann, daß in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um +zu wissen, daß al-bahr = de la mar war.<a id="Page_11"></a> + <span class="pagenum">[11]</span> — Zwar spricht wegen der +Endung al in Admiral der erste Eindruck für die Ableitung aus +amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt sich aber bei +näherem Zusehen heraus, daß das al in der Endung mit der arabischen +Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten Zeit der +Übernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es ist also +nicht mit übernommen worden. Die Endung des Wortes hieß vielmehr +zunächst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich hernach, +offenbar in Anlehnung an die geläufigen Endungen von commandante und +imperante, ebenfalls in ante (almirante). Daß ein l zwischen a und m +gelangt ist, so daß zuerst der Anfang des Wortes so lautete wie jetzt +der Schluß, al, hat vielleicht in einer unbewußten Huldigung an die +arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber kein allgemeines +Bürgerrecht zu erwerben gewußt, nicht einmal im Spanischen selbst, wo +neben almirante sich immer wieder auch amirante findet. — In diesen +beiden Formen ging das Wort auf die Wanderschaft. In der Provence machte +man amirat, dann amirant, daraus; im Altfranzösischen amirant. In +Italien nahm es zuerst die Form almiraglio an, assimiliert in +ammiraglio, ausgesprochen ammiralio. Nun ward es ins Mittellateinische +übersetzt: amiratus. Von hier aus erklärt sich die Entstehung der +Anfangssilbe ad. Man brachte amiratus mit admiror in Verbindung, etwa +mit dem Gedankengang, daß ein Admiral ein — nicht etwa wunderlicher, +sondern bewundernswerter Mann sei, wie denn wirklich im Jahre 1508 +Admiral mit „ein wunderer des Meeres Oceani‟, 1534 mit „verwunderer des +Meeres‟ übersetzt ward. Aus admiratus, wie das Wort nun hieß, bildete +man in Erinnerung an ammiraglio die weitere Form admiralius, welche sich +bequem an bekannte Wörter wie general und official anpaßte; daraus ist +endlich durch Wegfallen der Endung ius unser heutiges Wort Admiral +entstanden. — </p> + +<p>Für die Abstammung aus dem bloßen amir spricht auch der Umstand, daß in +der Tat das Wort Admiral in seinen verschiedenen Durch- und +Übergangsformen nur im Allgemeinen zur Bezeichnung eines Befehlshabers, +ohne Bezugnahme auf die See, im Gebrauch war; der Fürst der Sarazenen +hieß so; der Emir von Babylon wird im 13. Jahrhundert in dem nach einer +altfranzösischen Quelle bearbeiteten Gedichte „Flore und Blancheflur‟ so +genannt; sogar der deutsche Kaiser zur Zeit der Troubadoure. Es +wird<a id="Page_12"></a> + <span class="pagenum">[12]</span> behauptet, durch die Sicilianer und Genuesen sei das Wort zu +seiner jetzigen Bedeutung gekommen, wie auch, daß es durch die Kreuzzüge +aus der Levante gekommen sei. Sicher ist, daß in Spanien 1246 Ramon +Bonifaz aus Burgos vom König Ferdinand dem Heiligen zuerst mit der Würde +eines almirante im Sinne von Seebefehlshaber bekleidet wurde. Er war +also der erste <span class="strong1">Admiral</span>. Lange blieb daselbst die Admiralswürde bei dem +Hause Enriquez; später wurde der Infant Don Felipe damit bekleidet. — +In Frankreich wurde das Amt dem Florent de Varenne 1270 beigelegt. Bis +dahin hieß auch der Befehlshaber einer Flotte capitaine. „La Charge +d'Amiral supprimée en France l'année 1626 fut rétablie en faveur de M. +le comte de Vermandois l'an 1669, aiant été suppléée pendant cet +intervalle, par la charge de Grand-maître, chef et Surintendant de la +navigation et commerce de France qui demeura éteinte, par la mort de M. +le duc de Beaufort, arivée la même année 1669.‟ (Aubin). Im 18. +Jahrhundert war die höchste Admiralswürde bei dem Hause der Herzöge von +Penthièvre erblich unter dem Titel „Amiral de France,‟ „das ist +Generalissimus der Flotten und Vorsteher des ganzen Seewesens‟. — In +den Vereinigten Niederlanden war der Erbstatthalter Admiraal Generaal, +die Würde war im Hause der Prinzen von Oranien erblich und konnte selbst +auf den weiblichen Stamm fallen. — In England kommt admiral schon 1300 +in Robert of Gloucester's chronicle vor. 1632 ward der Posten eines Lord +high admiral mit der Kommandobefugnis über die ganze britische Marine +geschaffen. Der Herzog von York, der spätere König Jakob II., bekleidete +ihn eine Zeit lang. Sonst ist er selten besetzt gewesen. — Im +Mittelniederdeutschen hieß das Wort amiral, ammiral, ammeral, war aber +so wenig titelhaft, daß in den Tagen der Hansa ein und derselbe Mann +bald ammeral bald scypper = Schiffer genannt wurde. Bei Kilianus (1548) +sehen wir zwei Versuche, das Wort ameral zu erklären, neben einander her +laufen. Er übersetzt es einmal mit praefectus, dominus, patronus, ohne +von der See zu reden, und leitet es von dem uralten deutschen Worte +ambaht, ambacht = Amt ab, indem er Ammann, Amtmann als Übergangsglied in +Anspruch nimmt. Sodann aber übersetzt er es auch mit archithalassus, +praefectus maris, praefectus classis, und kommt richtig darauf: arabice +amir, rex, sive imperator. — Beinahe sieht es so aus als ob dem +Verfasser der<a id="Page_13"></a> + <span class="pagenum">[13]</span> „Durchläuchtigsten Seehelden‟ noch etwas davon +vorgeschwebt hätte, daß Admiral ursprünglich, dem Arabischen +entsprechend, nur einen Befehlshaber überhaupt bedeutete, denn er +berichtet, Sultan Soliman habe den Chaireddin Barbarossa zum +„See-Admiral‟ ernannt. Er hatte zwar zur See keine Seide gesponnen, „der +Groß-Herr hat ihn dennoch mit einem sehr guten Gesichte empfangen (wol +wissend, daß alles mehr dem abwechselnden Glück, als seinem Versaumnuß, +oder dem Mangel seiner Tapferkeit und Anführung zuzuschreiben) und hat +ihn in Vergeltung seines guten Willens, und in Erkändtnis seiner +Tapferkeit und Anführung, zum See-Admiral gemacht‟ ... Über die Aufnahme +des Wortes ins Hochdeutsche sagt Kluge: „Erasmus Alberus und Dasypodius +1540 und Frisius 1541 kennen es noch nicht; Amiral findet sich 1561 bei +Maaler, 1570 bei Hadr. Junius Nomencl., 1582 bei Golius Onomast., +Admiral 1562 bei Crusius Gramm. Schon Henisch 1616 bevorzugt die Form +Admiral.‟ — Der Merkwürdigkeit halber sei angeführt, wie weit man mit +Erklärungen vorbeihauen kann. Das Groot Nederduitsch Taalkundig +Woordenboek von Weiland schreibt, Admiral komme „van het oude ital. +miraglio dat den spiegel van het schip beteekent; dewyl hier vorheen de +plaats des bevelhebbers was, en hy zyn bevelen al miraglio gaf.‟ — </p> + +<p>„Der Admiral‟ wird auch oft kurzweg gesagt, wenn man das Admiralsschiff, +das Flaggschiff meint. „Wir folgen im Kielwasser des Admirals.‟ +„Durchläuchtigste Seehelden‟: „Die Schiffe waren: Amsterdam groß 400 +Last als Admiral, und hatte 237 Mann auf, 20 Metalline und eiserne +Stücken Geschütz. Delft der Vice-Admiral war gleichfalls 400 Last groß, +mit 242 Köpffen bemannt‟ ...</p> + +<p>Auch ist Admiral eine nicht nur im Scherze, sondern in vollem Ernste +dienstlich gebrauchte Bezeichnung für Pütze (s. d.) = Eimer. Sie stammt +offenbar noch aus der Zeit wo man statt Admiral noch Ammeral sagte und +statt Eimer Ammer. Wie leicht konnte ein scherzhafter Matrose darauf +verfallen, einmal statt ammer ammeral zu sagen, und das bürgerte sich +hernach so ein, daß niemand mehr etwas dabei fand; Eimer, Emmer, Ammer, +Ambar, amphora.</p> + +<p><span class="strong1">Admiralität</span> hieß bis etwa vor zehn Jahren die oberste kaiserliche +Marine-Behörde, als Oberkommando und Verwaltung noch in einer Hand +lagen, in der Hand des „Chefs der Admiralität.‟<a id="Page_14"></a> + <span class="pagenum">[14]</span> Die Behörde ist +aufgehoben, nur der Titel <span class="strong1">Admiralitätsrat</span> ist geblieben. +<span class="strong1">Admiralitätsanker</span> s. Anker.</p> + +<p><span class="strong1">Ahoi!</span> Der Ruf mit dem ein Schiff oder ein Boot angerufen wird, „Schiff +ahoi! Boot ahoi!‟ Man muß sich hüten tiefere Bedeutungen suchen zu +wollen wo keine sind. Das Wort ist eine einfache Interjektion, weiter +nichts, gebildet und gewählt von dem Bedürfnis weithin gehört zu werden. +Im Englischen heißt es to hail a ship. Das hat man wohl übersetzt: einem +Schiffe Heil zurufen; ist aber auch nur eine Interjektion und hat mit +Heil nichts zu schaffen. Niederdeutsch halen, anhalen; es ist im Grunde +dasselbe Wort wie das im Hochdeutschen so häufig gebrauchte holen. Das +heißt niederdeutsch auch halen. Die Bedeutung der zu Grunde liegenden +Wurzel ist: einen Ton oder Laut von sich geben; tönen, rauschen, lauten, +schreien, rufen, hallen, Hallo machen, durch Halloschreien jemanden +herbeirufen, näher kommen machen, also herbeiholen, man könnte sagen: +einen herbeihalloen. — Auch der Ruf Gut Heil! oder All Heil! hat mit +Heil nichts zu tun, sondern ist eben nur ein Ruf, ein Zuruf, ein Gruß, +eine Interjektion. Ebenso der alte Schlachtruf der freien Friesen: „Eala +fria Fresena!‟ Auch hier hat man eala mit Heil übersetzen wollen, da es +doch nur eine Interjektion ist, wie die angelsächsische Übersetzung von +Luc. VII. 14: „Jüngling, ich sage dir, stehe auf!‟ mit „eala geonge +aris!‟ beweist. — Wird bei Dunkelheit ein auf ein Kriegsschiff +zukommendes Boot mit ahoi! angerufen und die Antwort lautet nein! nein! +so ist kein Offizier im Boot; ja! ja! so ist ein Offizier oder im +Offizierrang Stehender darinnen; wird der Name des Schiffes geantwortet, +so ist der Kommandant im Boot; heißt es: „Flagge‟! so kommt ein +Flaggoffizier (Admiral).</p> + +<p><span class="strong1">Ahming</span>, die. Auch kurzweg die Ahm genannt, bedeutet dieses Wort das vorn +und hinten am Schiff angemalte Maß, welches den Tiefgang desselben +anzeigt; beruht nach Kluge auf mittellateinischem Worte ama, Gefäß, +Weinmaß, griechisch ame, lat. ama, Feuereimer. Im Mittelhochdeutschen +wurde, wie in Mond, das a zu o, daher das neuhochdeutsche Ohm. Im +Mittelniederdeutschen hieß es ame und bedeutete „das bei der Obrigkeit +aufbewahrte (gewöhnlich kupferne) Richtmaß, nach welchem die im Verkehr +zu gebrauchenden Meßgefäße geprüft und alsdann mit einem Zeichen ihrer +Richtigkeit vom Eichmeister versehen<a id="Page_15"></a> + <span class="pagenum">[15]</span> wurden‟. Auch dieses Zeichen +hieß ame; die Thätigkeit des Eichmeisters amen; hochdeutsch ahmen; daher +das Wort <span class="strong1">nachahmen</span>, das einzige von der Sippe, das uns in der +Umgangssprache geblieben ist und alle Tage gebraucht wird: „nach Maßgabe +eines Musters sich ähnlich ausdrücken oder betragen‟. Dieses Nachahmen +hieß lange Zeit einfach ahmen. — Das Wort Ahming ist in Gefahr durch +„<span class="strong1">Tiefgangsmarke</span>‟ verdrängt zu werden; es wäre schade, man könnte dann +auch ebenso gut Ausschlammungs-Maschine anstatt Bagger oder +Holzglättungsinstrument anstatt Hobel sagen.</p> + +<p><span class="strong1">„Alle Mann!‟</span> Das Kommando demzufolge jeder an Bord, der an Manövern mit +„Alle Mann‟ oder an der „Alle Mann-Musterung‟ teilzunehmen verpflichtet +ist, an Deck, beziehungsweise an der ihm angewiesenen Stelle anzutreten +hat, sei es, daß das Manöver zur Übung geschehe, sei es, daß eine Bö so +stark einsetzt, daß ihr die Wache nicht gewachsen ist, daß ein „Mann +über Bord‟ fiel oder sonst eine Arbeit zu tun sei, die alle Hände (engl. +„all hands‟!) erfordert, z. B. wenn ein Schiff auf einem Korallenriff +auffährt und nun alsbald die Bemühungen beginnen, wieder loszukommen; da +heißt es dann abwechselnd „Alle Mann an Steuerbord‟ und „Alle Mann +Backbord‟, „Alle Mann voraus‟, „Alle Mann achteraus‟. — Im Binnenlande +rednerisch und dichterisch sehr oft, aber selten seemännisch ganz +richtig gebrauchte Wendung; oft hört man „Alle Mann auf Deck!‟ sagen, +was an Bord nicht gesagt wird, wo es bloß „Alle Mann!‟ heißt, allenfalls +noch: „Alle Mann auf!‟, dann wird aber jedesmal hinzugefügt: „Klar zum +Manöver!‟</p> + +<p><span class="strong1">am Winde</span> segeln heißt so viel wie „beim Winde‟ segeln. Richtig am Winde +liegen oder beim Winde segeln heißt so steuern, daß bei richtiger +Segelstellung, bei welcher die unteren Segel etwas weiter angebraßt +werden als die oberen, der Wind so weit von vorne einkommt, daß das +Vorliek des Großoberbramsegels sich eben bewegt, oder, wie der Seemann +sagt, killt (s. d.), dann stehen die übrigen, niedrigeren und größeren +Segel alle voll Wind, weshalb auch beim Kreuzen das Kommando gegeben +wird: „Voll Segel halten‟ oder „voll und bei‟. Wird zu hoch am Winde +gesteuert, so besteht die Gefahr, daß man „eine Eule fängt‟, daß das +Schiff „durchdreht‟.</p> + +<p><span class="strong1">An Bord.</span> In dieser Wendung zeigt sichs besonders deutlich<a id="Page_16"></a> + <span class="pagenum">[16]</span> wie pars +pro toto, Bord für Schiff gebraucht wird. An Bord gehen, an Bord sein, +sich an Bord befinden, Bordkommando, Bordaufenthalt, Bordleben, +Bordessen, Bordkleidung u. s. w.Bei diesen und unzähligen anderen +Zusammensetzungen kann man für Bord Schiff einsetzen ohne den Sinn zu +ändern. Das Signal für diejenigen, die an Bord gehören, daß sie an Bord +kommen sollen, weil das Schiff in See zu gehen beabsichtigt, ist eine +blaue Flagge, genannt „<span class="strong1">der blaue Peter</span>‟.</p> + +<p><span class="strong1">Anholen.</span> Wenn beim Bootssegeln beim Winde gesteuert werden soll, so muß +der zu Luvart sitzende Bootssteurer das Großsegelsschothörn (s. +Schothörn) möglichst nahe, oder wie der Seemann sagt möglichst hart, an +sich heranbringen; was geschieht, indem er die Großsegelsschot <span class="strong1">anholt</span>. + — Bei Rahesegeln müssen, wenn vor dem Winde gefahren wird, beide +Schoten angeholt werden, damit das Segel möglichst steif steht und seine +ganze Fläche in möglichster Ausdehnung dem Winde darbietet. Schon +Kilianus (1547) hat das Wort, und zwar gebraucht er die Wendung: +anhaelen het seyl; aber er übersetzt das falsch mit stringere vela, es +muß heißen pandere vela.</p> + +<p><span class="strong1">Anbrassen</span> s. brassen.</p> + +<p><span class="strong1">Anker</span>, der. Lehnwort aus dem Lateinischen, ancora. Plinius schreibt die +Erfindung des Ankers den Tyrrheniern zu. „Aber schon die Griechen hatten +vervollkommnete Anker mit Armen und Zähnen daran, die in den Grund +fassen konnten‟, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zähne genannt +wurden. Sehr früh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist +das Wort ins Deutsche übernommen worden, denn schon im „Béowulf‟ finden +wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ältere, einheimische Wort für +die Sache hieß im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die +Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der +Magellanstraße die Pescheräh-Frauen (die da alle Arbeit tun müssen) ein +Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines „verankern‟ +sah. Nach dem Bericht der ältesten Schriftsteller gebrauchten die ersten +Völker anstatt der Anker nur Körbe voller Steine und Säcke voller Sand, +die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die +Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke +gebundene Steine ins Meer, um sich damit festliegend zu machen, solcher +simplen Anker bedienen<a id="Page_17"></a> + <span class="pagenum">[17]</span> sich auch noch heutzutage manche Völker, +bei denen die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit ist‟. Übrigens +geschieht solches auch bei anderen Völkern, man kann es selbst bei +deutschen Bootsführern oft genug sehen.</p> + +<p>Die althochdeutsche Form war ancher. Indessen scheint das Wort im +Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein, +wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000 +geschriebenen Übersetzung des Boëthius de consolatione philosophiae: +„anchorae daz sint suarin isen‟. Das hätte nicht gesagt zu werden +brauchen, wenn man es als allgemein bekannt hätte voraussetzen können. + — Merkwürdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Lateinischen ist das +Wort weiblich, im Hochdeutschen männlich, der Seemann aber gebraucht es +gerne sächlich.</p> + +<p>Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Händen, +Spaten, Schaufeln oder Pflügen, der Ankerstock, durch das obere dünnere +Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schäckel d. h. der Röring. +(s. d.)</p> + +<p>Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren +Konstrukteuren: Admiralitäts- oder Normalanker, Inglefieldanker, +Hallanker, Martinsanker, Trotmannsanker, Smithanker, Porteranker, +Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schild- oder Minenanker, Dregganker. (s. +d.)</p> + +<p>Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker, +Warpanker, Rüst- oder Reserveanker, Not- oder Pflichtanker, (s. Pflicht) +Bootsanker.</p> + +<p>Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrücken, Baxterlagerung.</p> + +<p><span class="strong1">Ankerboje</span>, die. Da das vor Anker liegende Schiff schwoit (s. schwoien), +d. h. sich unter dem Einfluß des Windes oder Stromes um seinen Anker +herumbewegt, also seinen Ort des Öfteren wechselt; da es aber nötig ist, +stets zu wissen, wo der Anker liegt, so wird ehe derselbe zu Wasser +gelassen wird eine Boje (s. d.) an ihm befestigt; die schwimmt dann über +ihm auf dem Wasser, zeigt seine Lage an und heißt Ankerboje.</p> + +<p><span class="strong1">Ankerdobber</span>, der.</p> + +<p><span class="strong1">Ankerflott</span>, das.</p> + +<p><span class="strong1">Ankerkogert</span>, der. Alle drei Wörter bezeichnen einfachere Vorrichtungen +mit demselben Zwecke, der heutzutage hauptsächlich der Ankerboje +zugewiesen ist, die Stelle wo der Anker liegt<a id="Page_18"></a> + <span class="pagenum">[18]</span> kenntlich zu machen. +<span class="strong1">Dobber</span> ist ein schwimmendes Stück Holz, das seinen Namen daher hat, daß +es im bewegten Wasser stets in Bewegung ist, immer mit den Wellen hin +und her, auf und nieder geht. Im Ostfriesischen kommt das Wort in der +Form Dubber = Stößer vor, im niederländischen heißt das Zeitwort dazu +dobbern, ostfriesisch dubbern, Frequentativum zu dubben, zur Wurzel dhu, +sich heftig bewegen, gehörig.</p> + +<p><span class="strong1">Flotten</span> kommen gewöhnlich und hauptsächlich bei Fischernetzen vor. So +heißen die runden Holz- oder Korkstücke rings um das Netz herum, die es +flott (s. d.) d. h. schwimmend erhalten.</p> + +<p><span class="strong1">Kogert</span> dürfte mit Kogge (s. d.) zusammenhängen, sei es, daß etwa die +Kriegskoggen der Hansa zuerst solche Vorrichtung führten, sei es, daß +das Zeichen in Gestalt einer Kogge aus Holz oder Kork geschnitten war, +sei es, daß das Wort mit Kogge zusammen auf die Muschelgestalt +zurückgeht. Jedenfalls ist das Wort alt und stammt aus der Zeit der +Koggen, denn in dem „ältesten Stadt-, Schiff- und Landrecht Hamburgs‟ +steht die gesetzliche Verordnung: „unde licht enich anker sunder douwer +efte kogert, unde schade aff queme, den schall he half beteren.‟ (307,5, +herausgeg. v. Lappenberg, vergl. Schiller und Lübben, II, 513.)</p> + +<p><span class="strong1">Ankergrund</span>, der. Die Stelle wo man zu Anker gehen kann. Wenn der Grund +daselbst die geeignete Tiefe hat, nicht zu weich (schliekig, s. d.) zum +Festhalten des Ankers ist, wenn er rein, d. h. ohne Klippen ist, so +heißt er guter Ankergrund. — </p> + +<p>Es liegt auf der Hand, daß alles, was auf das wichtige Geschäft des +Ankerns Bezug hat, in der Gedankenwelt und demgemäß auch in der +gewöhnlichen Umgangssprache des täglichen Lebens der Seeleute und +Küstenbewohner auch am Lande eine große Rolle spielt. So ist der Anker +das Sinnbild der Hoffnung geworden, auch bei Binnenländern, so spricht +ein alter Seemann auch „am Wall‟, daß er irgendwo vor Anker gehe, so +heißt es von einem ungeschickten Menschen, er sei wie ein Anker, der +immer ins Wasser komme und doch nicht schwimmen lerne und im Friesischen +(vergl. Halbertsma, Lex. Fris.) wird das Wort Ankergrund bildlich so +gebraucht: „Lien him nat; daer is nin ankergroun‟, borg ihm nicht, er +kanns nicht wiedergeben. — Im Mittelalter (Seebuch, 1400) sagte man: +„dar is gud anckerholt‟; ein Grund, der den Anker gut „hält‟.<a id="Page_19"></a> + <span class="pagenum">[19]</span> </p> + +<p><span class="strong1">Ankern</span>, zu Anker gehen. Das ganze seemännische Ankermanöver wird damit +bezeichnet, von dem Kommando an: „Klar zum Ankern‟ bis zum Ausbringen +der Fallreepstreppe. Im Jahre 1400 ist im Niederdeutschen ancker setten +bezeugt, auch wohl kurzweg setten. Besonders auch Waghenaer, 1588, und +die „Beschriving van der Kunst der Zeevaerdt‟, 1673, gebrauchen setten +oder setzen für ankern.</p> + +<p><span class="strong1">Anlaufen</span> s. Anlegen.</p> + +<p><span class="strong1">Anlegen.</span> Ein <span class="strong1">Boot</span> legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute +nicht, daß sie anlegen im Sinne von „irgendwo ankommen‟. Es wird im +Gegenteil als unseemännisch belächelt und höchstens einer Dame +verziehen, wenn sie fragt: „Legen Sie auch in Montevideo an?‟ schon weil +man daselbst gar nicht „anlegen‟, sondern nur ankern kann. Wird ein +Hafen vorübergehend besucht, so heißt es ihn anlaufen; „wir laufen +Singapore an‟. Wenn man den Bestimmungshafen nennen will, sagt man: „Das +Schiff geht nach Rio‟ ... „ist unterwegs nach Newyork‟, „ist bestimmt +nach Kalkutta‟, „segelt (auch von Dampfern) nach, oder besser noch: <span class="strong1">auf</span> +Valpareiso, fährt auf Yokohama‟. Englisch: bound for ... und das kommt +nicht etwa von to bind, binden, so daß das Schiff mit gebundener +Segelordre führe, sondern heißt eigentlich boun. Das d ist angehängt +entsprechend dem d in sound, von sonus; isländisch buinn, von bua, +bearbeiten, vorbereiten, fertig machen, verwandt mit „Bauer‟.</p> + +<div class="poem"> + + <p> Willing wie sought your shores, and hither bound</p> + <p>The port so long desired at length we found.</p> + + <p class="author">Dryden.</p> +</div> + +<p>Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich +längsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder „macht fest‟ an einem +Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen +gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: „Das Schiff legt an <span class="strong1">das</span> +Bollwerk an‟, während ein Boot an <span class="strong1">dem</span> Bollwerk, an der Treppe, an dem +Fallreep anlegt.</p> + +<p><span class="strong1">Anliegen.</span> „Was liegt an?‟ Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe +wie: „Welcher Kurs wird gesteuert?‟ Nur wird erstere mit größerer +Genauigkeit und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne +der Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene +Kurs auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde +segelt, nicht immer<a id="Page_20"></a> + <span class="pagenum">[20]</span> möglich ist. Das Wort erklärt sich aus der +Einrichtung des Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und +der an seinem festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird. +Der dem zu steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen +Kompaßscheibe muß „anliegen‟ d. h. an dem Strich liegen, genau dem +Strich gegenüber liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff +verbundenen Kompaßdose angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt. + — Französisch: „ou as-tu le cap?‟; wohin ist der Bug, der Schnabel, +oder wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet?</p> + +<p><span class="strong1">Anluven</span> s. luv.</p> + +<p><span class="strong1">Anmustern</span> s. mustern.</p> + +<p><span class="strong1">Anracken</span> s. Rack.</p> + +<p><span class="strong1">Anschlagen.</span> Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines +allgemeinen Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu „Klar +Schiff‟, zum Gottesdienst.</p> + +<p><span class="strong1">Ansegeln.</span> 1. Das Ansegeln, die Eröffnung der Segeljahreszeit beim K. +„Yachtklub‟ zu Kiel.</p> + +<p>2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm +segelnd nahen. Früher sagte man „antun‟, sich dem Lande nähern, in Sicht +von Land kommen, soviel wie:</p> + +<p><span class="strong1">Ansteuern.</span> Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen daß die Karten +ungenau sind oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im +Ansegeln einer Küste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem +Schiffe voraus, das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man, +weil dabei die Wassertiefe festgestellt wird: <span class="strong1">Antiefen</span>. +</p> + +<p><span class="strong1">Arbeiten.</span> Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darüber hat sich +der Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem +Etatsvorschlag für die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: „Das +Schlimmste aber ist, daß auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein +vollendeter Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur +Nebenkraft und selbst bei voller Bemastung und Takelung läßt sich die +feinere Segelführung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand +steuert, daß es, wie das Pferd der bloßen Führung am Halse, dem +leisesten Winke gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten +Dampfschiff niemals gründlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann +ein toter, äußerlich bewegter Körper, dem nicht er,<a id="Page_21"></a> + <span class="pagenum">[21]</span> sondern der +stets mit scheelen Augen angesehene Maschinist und der mißachtete Heizer +gebieten, während ihm sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit +dem er bald durch eine geistige Zuneigung verwächst. Und dies in jeder +Schilderung des Seelebens als sein innerster Kern, als sein höchster +Reiz hervortretende eigene Verhältnis, das es dem Matrosen notwendig +macht, sein Fahrzeug als Femininum zu denken und benennen, ist +keineswegs bloß ein schöner Flitter des Seeberufs: es ist von der +höchsten praktischen Bedeutung, es bildet ein Hauptfundament der +Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der Gehorsam und die Pflichttreue +bis zur Wagnis des Lebens für die Erhaltung des Schiffes bloß ein +abstraktes Gebot. So seltsam sich eine solche Hinweisung auf ein so +feines und phantastisches psychologisches Moment in Gesellschaft der +trockenen Zahlen einer Budgetvorlage ausnehmen muß, kann ich doch nicht +umhin, es als einen Hauptgrund mit geltend zu machen für die +Notwendigkeit, baldmöglichst auch einige Segelschiffe auf den Stapel zu +stellen‟.</p> + +<p>Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: „das Schiff +arbeitet‟, d. h. es bewegt sich schwer in stürmischer See. Es liegt dann +auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Geräusche als +Seufzen, Ächzen und Stöhnen zu bezeichnen.</p> + +<p>Daß Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem +althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht +einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed +heißt, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e, +(angelsächsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu +starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflüge, liegende +Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht („im +Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen‟), allein ein +anderer Gedanke liegt näher: In uralten Tagen überließ der freie +Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das +mit altslovenisch rabu = Knecht, mit böhmisch rabota = Arbeit, +Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhängt, +leider nicht der Begriff freier, fröhlicher Mannesarbeit, sondern der +der seufzenden Knechtesarbeit, der Mühe, der Beschwerde, der Not, und +der ist auch in der Redewendung „das Schiff arbeitet‟ vorhanden.<a id="Page_22"></a> + <span class="pagenum">[22]</span></p> + +<p><span class="strong1">Armada</span>, die. Das spanische Wort für Kriegsflotte kommt meines Wissens im +Deutschen zum ersten Male vor in dem 1565 zu „Frankfurt am Mayn‟ +erschienenen Buche von Leonhart Frohnsperger: „Von Kayßerlichen +Kriegßrechten Malefitz und Schuldhändeln, Ordnung und Regiment‟ x. x., +aus welchem ein Abdruck der die Kriegsführung zur See betreffenden +Abschnitte in der Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemännischen +Anmerkungen erschienen ist.</p> + +<p><span class="strong1">Arsenal</span>, das, aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und +durch den damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und +Spanien zu uns gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere +Mittelmeerwörter. Werkhaus erinnert an die eigentliche Bedeutung von +Werft (s. d.). Nach Roeding (1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem +Namen Arsenal nicht allein die Gebäude, in welchen alle zur Ausrüstung +einer Flotte erforderlichen Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die +Werftstellen, wo solche verfertigt werden, als Reepschlägereien, +Segelmachereien, Stückgießereien, Ankerschmieden, Bäckereien, +Schiffszimmerwerfte u. s. w.Er schreibt: „Die ältesten Arsenäle, wovon +wir Nachricht haben, sind diejenigen, welche der König Salomo anlegen +ließ. Eins derselben befand sich zu Joppe für seine Schiffe auf der +mittelländischen See, und das andere zu Eziongeber, welches für seine +Schiffe auf dem Roten Meer bestimmt war. Die Griechen und Römer hatten +ebenfalls Arsenäle, wovon der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und +Frejus, am Pontus Euxinus, am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid. +lib VII. Sueton in August. c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berühmteste +von allen See-Arsenälen ist jetzt das Venezianische, wo sogar +Linienschiffe unter Dach liegen‟.</p> + +<p><span class="strong1">Auf und nieder</span>, ein der Seemannssprache — auch im Holländischen (op en +neer), Dänischen (op og ned) und Schwedischen (up och ned) +eigentümlicher, aber die Sache sehr deutlich und anschaulich treffender +Ausdruck für die Richtung in der sich ein Gegenstand befindet, die wir +senkrecht oder lotrecht nennen, die Rahe ist „auf und nieder‟ (zum +Aufhissen), der Anker ist „auf und nieder‟, d. h. er hängt frei am +Krahnbalken, bereit entweder fallen gelassen oder gekattet zu werden. +(s. Katten).</p> + +<p><span class="strong1">„Auf Riemen!‟</span> Kommando beim Bootsrudern, veranlaßt die Bootsruderer, +ihre Riemen mit dem Blatt so hoch aus dem Wasser<a id="Page_23"></a> + <span class="pagenum">[23]</span> zu nehmen, daß +sie in der Richtung der Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen, +und sie in dieser Lage, genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das +Kommando „Ruder an!‟ kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt, +teils als Ehrenbezeugung für Offiziere, während für Kommandanten und +Flagg-Offiziere „Riemen hoch!‟ kommandiert wird, worauf die Riemen +senkrecht „auf und nieder‟ gehalten werden.</p> + +<p><span class="strong1">Aufbänken.</span> Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf +gebraucht wird, die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder +in Gebrauch zu treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebänkt, +d. h. klein gemacht, dadurch daß man sie nicht über den ganzen Rost +ausgebreitet brennen läßt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank +aufhäuft, doch so, daß sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum +vollen Brennen gebracht werden können.</p> + +<p><span class="strong1">Aufbrassen</span>, s. brassen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufduven</span>, s. lenzen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufentern</span>, s. entern.</p> + +<p><span class="strong1">Auffangen</span>, greifen, fassen, festmachen (skr. pàça, Strick, weil dieser +„faßt!‟). Die seemännische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose +ist, aber nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist +das Wort in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im +Winde oder von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau, +das man zu fangen, zu erhaschen suchen muß; das ist die erste Bedeutung +von auffangen. Aber zur Tätigkeit des Fassens gehört die des Haltens, +daß das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch +Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich +dann dahin erweitert, daß man auch nichtschlagendes Tauwerk auffängt; +wenn z. B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk +nicht im Wege sein und nicht naß werden soll, wird es aufgefangen, d. h. +zusammengebunden und hoch gehängt. Von hier aus ist der Begriff noch +weiter und zwar so ausgedehnt worden, daß auffangen ganz allgemein für +aufhangen gebraucht wird, so daß man, wenn die niederdeutsche Form +opvangen dem nicht entgegen wäre, auf den Schluß kommen könnte, es müßte +auffangen dasselbe wie aufhangen sein.<a id="Page_24"></a> + <span class="pagenum">[24]</span></p> + +<p><span class="strong1">Auffrischen</span> ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht, +wenn es sagt: „Der Maler frischt das Bild auf,‟ nur daß es hier +transitiv gebraucht wird, während es im Seemännischen intransitiv ist: +„Der Wind frischt auf‟. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist, +frisches Obst, frisches Gemüse. „Es frischt auf‟ heißt also: es kommt +ein neuer und zwar stärkerer Wind auf, es fängt stärker an zu wehen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufgeien.</span> Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die +Segel unter die Rahen holen, damit sie festgemacht werden können. Das +Wort kommt nur in der Seemannssprache vor, niederländisch opgyen, +schwedisch giga up, dänisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien +gegeben.</p> + +<p><span class="strong1">Aufhissen</span>, s. hissen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufholen.</span> Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird +schwerlich ganz genau festgehalten werden können. Sie bedeuten beide +dasselbe, nur der seemännische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine, +wo das andere Wort anzuwenden ist. Im Allgemeinen muß jedoch gesagt +werden, daß aufholen sich — von den Fällen, in denen es sich um einen +<span class="strong1">Aufholer</span> handelt, abgesehen — auf die allereinfachste Tätigkeit mittels +eines allereinfachsten Werkzeuges, nämlich eines schlichten Taues +bezieht. Wenn z. B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben +werden soll, so läßt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und +dann <span class="strong1">holt</span> er ihn Hand über Hand <span class="strong1">hinauf</span>; hier könnte man nicht von +aufhissen sprechen. Doch darf man darum nicht denken, daß einer immer +oben ist, wenn er „aufholt‟; wenn z. B. irgendwo ein Aufholer geschoren +ist, der durch einen oben befestigten Block an Deck läuft oder eine +Talje darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafür kann +man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines Stagsegels, +Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim +Stückpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach +nur von aufholen, nicht von hissen sprechen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufklaren.</span> 1. Gleich „sich aufklären‟, hell werden, besser Wetter +werden. „Es klart auf‟, es wird schön. 2., „Klar Deck‟ machen d. h. nach +einem Manöver wieder alles aufräumen, wegbringen was im Wege ist, und +alles so in Stand setzen, daß es zu einem neuen Manöver gebrauchsfähig +ist. Das Kommando<a id="Page_25"></a> + <span class="pagenum">[25]</span> heißt „Deck aufklaren‟. 3., Überhaupt: Ordnung +machen, aufräumen. Siehe klar.</p> + +<p><span class="strong1">Aufkommen</span>, eigentlich in die Höhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einfluß, +Stellung und Geltung kommen; neu auf der Bildfläche erscheinen und näher +kommen; seemännisch: „Das eine Schiff kommt dem anderen auf‟, es fährt +schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte +Ruderlage kommen, überhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut +gehorcht: „es kommt vor seinem Ruder auf‟.</p> + +<p><span class="strong1">aufmachen</span>, in der Verbindung „Dampf aufmachen‟, heißt Dampf erzeugen und +bereit halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen könne. +Dampf „aufmachen‟ kommt nicht etwa daher, daß ein Absperrventil +aufgemacht, geöffnet würde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem +der verlorene Sohn sagte: „ich will mich aufmachen und zu meinem Vater +gehen‟; auch nicht wie man sagt „eine Ware hübsch aufmachen‟, zurichten, +zurechtmachen, sondern „Dampf aufmachen‟ ist falsch geschrieben, es muß +heißen „‚Dampf auf!‛ machen‟, so wie man sagt „‚Alle Mann!‛ machen‟ +oder: „wir machen ‚Anker auf!‛‟ Das Kommando heißt: „Dampf auf‟. Wenn +das ausgeführt ist, dann hat das Schiff „Dampf auf‟. Man kann aber eben +so gut sagen „das Schiff liegt ‚<span class="strong1">unter</span> Dampf‛‟. Die Präposition „auf‟ ist +also nicht so genau zu nehmen; man könnte sonst an das Aufsteigen des +Dampfes beim Sieden des Wassers denken.</p> + +<p><span class="strong1">Aufkreuzen</span>, s. kreuzen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufkrimpen</span>, s. krimpen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufscheeren</span>, vergl. <span class="strong1">scheeren</span>. Wenn ein seemännisches Manöver zu Ende ist +und „klar Deck‟ gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk +„aufgeschoren‟, d. h. zu neuem Manöver in Ordnung gebracht (s. +aufschießen). Aufscheeren ist also der Teil des Deckaufklarens, der sich +auf das Tauwerk bezieht. Das letzte Kommando z. B. beim Wenden war +früher nicht „Klar Deck‟, sondern „Scheert auf die Taue‟. — Aufscheeren +bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff einholen, ihm +längsseit kommen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufschiessen</span>, im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht +gebräuchlich, kommt vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend +bewegen. Eine solche Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei „Klar +Deck‟ das laufende Gut aufklaren,<a id="Page_26"></a> + <span class="pagenum">[26]</span> aufscheeren oder aufschießen. +Man unterscheidet: mit der Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in +Scheiben, in Buchten aufschießen.</p> + +<p><span class="strong1">Aufpentern.</span> Das was jetzt Krahnbalken heißt (und auf Kriegsschiffen auch +bereits „im Verschwinden gepeilt‟ wird) hieß früher Penterbalken: der +vorn am Schiffe außenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei +auf und nieder hängen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet, +aber das Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder +vielmehr Krahnbalken hängenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem +Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und +festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederländisch penn, ostfriesisch +penne, niederdeutsch penn heißt Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum +Festhalten, zum Festmachen. Davon dürfte das Zeitwort, das ja festmachen +bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t +vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje +gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein.</p> + +<p><span class="strong1">Aufschricken</span>, s. schricken.</p> + +<p><span class="strong1">Aufstoppen</span>, s. stoppen.</p> + +<p><span class="strong1">Auftakeln.</span> Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemännisch +zurüsten. Auch in übertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der +Seeleute, Immermann im „Münchhausen‟ spricht von einem „ganz blümerant +aufgetakelten‟ Fräulein. Man erzählt sich einen Scherz, der von keiner +geringeren Stelle als von der allerhöchsten stammen soll. „Warum ist im +Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein männlicher +Schiffsname weiblich gebraucht („die Moltke‟)?‟ „Weil es so viel kostet +es aufzutakeln‟.</p> + +<p><span class="strong1">Auftun.</span> „Die Küste tut sich auf‟ heißt sie kommt in Sicht, bildlich +gesprochen wegen des allmählichen Höherkommens, Heraufkommens des +angesteuerten Landes; wohl auch im Gedanken daran, daß sich irgendwo +eine vorerst dem Auge noch nicht sichtbare Einfahrt öffnen, auftun wird.</p> + +<p><span class="strong1">Auftoppen</span>, s. toppen.</p> + +<p><span class="strong1">Auftuchen</span>, ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge +zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht +„aufgetucht‟ ist, so kann sie aufgetucht vorgehißt werden, um erst auf +ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort +auszuwehen.<a id="Page_27"></a> + <span class="pagenum">[27]</span></p> + +<p><span class="strong1">Aufziehen.</span> „Segel aufziehen‟ ist in der heutigen Seemannssprache nicht +mehr geläufig, man sagt dafür Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc., +es scheint aber früher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein, +da dieselbe in übertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet +ist: „Alle Segel aufziehen‟ um etwas zu erreichen, alle Minen springen +lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings: +etwas mit „Volldampf‟ betreiben.</p> + +<p><span class="strong1">Auge</span>, das. Jede in ein Tau gemachte künstliche Schlinge, auch eine runde +Öffnung in einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher +Augbolzen; eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des +Mastes liegt. Immer ist die Erklärung aus der bildlichen Redeweise +gegeben. Auch sonst gebräuchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem +Auge ähnlich sieht: Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Würfel, Loch im +Hammer für den Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung; +seemännisch bezeichnet es eine kleine, runde Fensteröffnung; +gastronomisch das was man gewöhnlich Spiegeleier nennt. — Augplatte und +Augsplissung erklären sich hiernach von selbst.</p> + +<p><span class="strong1">„Aus dem Ruder laufen‟</span> ist eine in engem Fahrwasser, in Kanälen und +Flußläufen sehr gefährliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz +aufgeklärte Erscheinung. Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer, +Handbuch der Seemannschaft) sowohl bei Schraubendampfern als auch bei +Raddampfern und Schleppzügen und charakterisiert sich dadurch, daß ein +seitlich der tiefen Fahrrinne fahrendes Schiff plötzlich scharf nach der +tieferen Seite des Fahrwassers hinüberscheert und in dieser Bewegung +auch durch Ruderlegen hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort +aufgehalten werden kann. Fällt in diesem Fall nicht sofort ein Anker +oder kann man der Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen +Schraubengang wirksam entgegentreten, so läuft das Schiff in der Regel +auf dem gegenüber liegenden Ufer auf. Auch können unter solchen +Umständen leicht Kollisionen stattfinden.</p> + +<p><span class="strong1">ausfahren.</span> 1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich +Ausreise, ein Gegensatz zu Heimreise.</p> + +<p>2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an +Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend +eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill +festzumachen. Wird dasselbe<a id="Page_28"></a> + <span class="pagenum">[28]</span> dann weiter an einem andern Poller +festgemacht, so heißt diese Tätigkeit verholen. Über das Verholen eines +Schiffes s. verholen.</p> + +<p><span class="strong1">Ausfracht</span>, s. Fracht.</p> + +<p><span class="strong1">Ausguck</span>, der, nicht bloß seemännisch sondern auch sonst im Reich +gebraucht für den Ort, von wo aus einer Ausschau hält, für die Tätigkeit +des Ausguckens und für den Mann der ausguckt, (letzteres ähnlich wie der +Posten, die Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist +das Ausgucken nicht auf den Ausguck beschränkt, „sie hat sich schier die +Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten.‟ Die „Gucke‟ heißt in +Süddeutschland das Tuch, das die Mädchen und Frauen bei Feldarbeit so +weit über den Kopf gezogen haben, daß sie nur eben noch herausgucken +können. Der Ort hieß in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch +letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms). +Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heißt gucken lugen +und in der österreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg, +(s. Dabovich, nautisch. techn. Wörterbuch).</p> + +<p><span class="strong1">Ausholer</span>, der, ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr +mit dem etwas ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so +geholt, daß es sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des +Besansbaums ausdehnt, ausbreitet, ausspannt. Auch der Klüver hat seinen +Ausholer, das Gegenteil des Klüverniederholers. Sogar der Klüverbaum +kann einen Ausholer haben, durch den er nach außen geschoben wird; hier +vertritt dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stängen +Windreep heißt.</p> + +<p><span class="strong1">ausklarieren</span>, s. verklaren und klar.</p> + +<p><span class="strong1">auslegen.</span> Auf das Kommando „leg aus!‟ laufen die vorher aufgeenterten +und bereit stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die +Rahe hinaus und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Füße in +die Pferde (s. d.) stellend, den Rücken nach hinten, den Kopf und den +Oberkörper nach vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Händen +festzuhalten, das Gleichgewicht zu behalten.</p> + +<p><span class="strong1">Ausleger</span> heißt ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum +Ein- und Ausholen; auf Wangerog utliger.</p> + +<p><span class="strong1">Auslieger.</span> 1. ein Schiff das „draußen‟ liegt oder fährt als +Küstenwachtschiff.<a id="Page_29"></a> + <span class="pagenum">[29]</span></p> + +<p>2. die eigenartige Vorrichtung der Südseeinsulaner bei ihren Booten, die +sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot +darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhütung des Kenterns. Durch +zahlreiche aus der Südsee mitgebrachte, von dortigen Fischern +verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt +geworden.</p> + +<p><span class="strong1">auslothen</span> s. lothen.</p> + +<p><span class="strong1">ausösen</span> s. ösen.</p> + +<p><span class="strong1">ausscheiden</span>, aufhören mit einer Arbeit, aufhören zu reden + u. s. w., ein +sonst im Deutschen in diesem Sinne ungewöhnliches Wort. Man sagt wohl +„aus einer Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden‟, „einen Fall aus +der Verhandlung ausscheiden‟ u. s. w. „Ausscheiden mit Zeugflicken‟, +„ausscheiden mit Deckwaschen‟, „ausscheiden mit Unterricht‟ u. s. w. im +Sinne von aufhören ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache +gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, daß etwa ein Einzelner aus der +Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern daß das ganze +Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff +<span class="strong1">trennen</span> der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen +trennen, so bedeutet das eben das Aufhören des Deckwaschens. Vergl. +<span class="strong1">scheitern</span>.</p> + +<p><span class="strong1">ausscheeren</span> s. scheeren.</p> + +<p><span class="strong1">aussegeln.</span> 1. in See gehen.</p> + +<p>2. ein Schiff aussegeln heißt schneller fahren als es, es ein- und +überholen (also mehr wie ihm „aufkommen‟). Man kann auch den Wind +aussegeln, das müßte aber eigentlich ausdampfen heißen, denn es wird +gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel +Fahrt macht, daß der Wind nicht zu spüren ist, weil man vor ihm +herläuft.</p> + +<p><span class="strong1">Aussenhaupt</span> s. Schleuse.</p> + +<p><span class="strong1">Aussenschot</span> s. Schot.</p> + +<p><span class="strong1">auswehen</span> s. auftuchen.</p> + +<p><span class="strong1">Aviso</span>, der, engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca +d'avviso, span. und portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen, +altital. viso, provençalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht, +Anzeige; also ein Nachrichtenschiff.</p> + +<p><span class="strong1">Axiometer</span>, der. Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitäns oder +wachhabenden Offiziers, ohne daß das Ruder sichtbar ist, doch ersehen +werden kann, wie dasselbe liegt,<a id="Page_30"></a> + <span class="pagenum">[30]</span> d. h. ob es <span class="strong1">richtig</span> liegt, vom +griech. axioo, ich halte für wahr, für richtig.</p> + +<p><span class="strong1">Azimuth</span>, der. Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem +Mittagspunkt und dem Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch +as-semuta, die Wege.</p> + + + +<h2> +<span><a id="B"></a>B.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Baas</span>, der. Seemännisch wird das Wort hauptsächlich in der Verbindung +Heuerbaas gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschäft +betreibt, unbeschäftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch +Schlafbaas kommt im seemännischen Sprachgebrauch vor für Quartiergeber +oder Logiswirt. Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen, +was man im Hochdeutschen einen „Kerl‟ nennt. Althochdeutsch faths, Herr, +Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schützen, +erhalten, wovon unser „Vater‟. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn +„Meister‟, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Flußschiffer, +Bootsmann. Bei Kilianus heißt das Wort baes, er sagt: „Sicambri regem +suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius, +ante Christum natum 284.‟ Dieffenbach: „mittellat. vassus = Diener; +daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener; +Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elevé, excellent. Daher +basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol.</p> + +<p><span class="strong1">Back</span>, die. 1. Der vorderste, erhöhte Teil des Schiffes.</p> + +<p>2. Ein Gefäß, rund, flach, aus hölzernen Dauben, von hölzernen oder +eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend; +als Eßback, Spülback, Speiback im seemännischen Gebrauch; sonst auch +noch Regenback, Wasserback.</p> + +<p>3. Adverbium. „Das Segel steht back‟, d. h. der Wind füllt es von der +verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten.</p> + +<p>4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und +gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne, +nicht etwa nur wie Weigand zuerst fälschlich gemeint hat, „die linke +hintere Seite des Schiffes.‟ So genau der<a id="Page_31"></a> + <span class="pagenum">[31]</span> treffliche Mann in +seiner geliebten Wetterau Bescheid wußte, so fern lag ihm die See. Lebte +er doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift über eine zu gründende +preussische Kriegsflotte die denkwürdigen Worte gelassen aussprechen +konnte: „Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist.‟ ... Es ist +auch leicht zu verstehen und demgemäß zu verzeihen, daß dieser Irrtum +entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt: +„Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen‟ und daraus konnte ein +Fernstehender leicht „linke hintere Seite‟ machen.</p> + +<p>5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer +Eßback natürlich, gehören; besonders heißt aber auch noch Backschaft +derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambüse herbeischafft.</p> + +<p>6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwärts, sondern +rückwärts, backwärts läuft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der fürs +Segeln der allergünstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags, +also etwa in einem Winkel von 45° die Längsachse des Schiffes treffend.</p> + +<p>Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen +bedeutet, und zwar „sich biegend, krümmend bewegen.‟ Die gemeinsame +Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes, +Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich +ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach +kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt +das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als +„biegsame Stelle‟, sondern eher als „gebogene‟, runde Stelle). Im +Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der +Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch +bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche) +wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in +Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte, +die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu +Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von +Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der +Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa +auf und ab „enen baken‟ zur Beköstigung haben solle. — Im +Angelsächsischen finden wir die<a id="Page_32"></a> + <span class="pagenum">[32]</span> Form bäc = dorsum und bäcling = +retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die +Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im +Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken:</p> + +<p>Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist +vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der +Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein +Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes. +Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem +Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier +fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; „hier bin ich +Mensch, hier darf ichs sein‟, wenigstens in der Freizeit.</p> + +<p>Zu 2. „Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken‟, soll, als +seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten +Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er +soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des +Unverständnisses entgegengenommen haben. „Backen und Banken‟ ist das +Kommando, daß man am Kürzesten mit „Tischdecken und Auftragen‟ +übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt +gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin +der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren, +heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die +„Backschaft‟ mit der „Back‟ zur Kambüse gehn und das Essen holen soll. +In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut +sie konnten zum Essen um ihre „Back‟ gruppieren. Als die Tische +aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen +ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch +einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern +Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes +bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige +Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt +das eine Mal ganz richtig bak mit „alveus, linter in qua coquus cibum +nautis offert‟, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: „Kom oan'e +bak‟ mit: „accedite ad mensam!‟ Auch sonst wohl wird im Holländischen in +Anlehnung an die<a id="Page_33"></a> + <span class="pagenum">[33]</span> Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. „Van de +bak noa't gemak is's menschen gerak.‟ (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt +man im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert +Jahren daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es +französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, „ceux qui +mangent à même plat‟, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando +„Banken‟ ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen +Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und +portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern +auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier +und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei +gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist +deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei, +banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich „Bänke zum +Gelage zurüsten‟; mittelhochdeutsch benken: „Hie ward gebenket schone, +tuoch unde brot uf geleit.‟</p> + +<p>Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer +auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird, +wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne +daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts +gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak.</p> + +<p>Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort, +namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei +große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord +bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich +doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord +oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand, +Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter, +Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar +Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der +rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den +Mann am Ruder: „Backbord!‟ Wir müssen daher fragen, was das Wort +bedeutet und wie es aufgekommen ist.</p> + +<p>Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: „De stuurman heeft de +roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert,<a id="Page_34"></a> + <span class="pagenum">[34]</span> heeft hy dus hes +linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.‟ Darauf +antwortet aber ein anderer treffend: „Neen, de sturman heft de roerpen, +nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen +of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord +en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.‟ So weit ist das richtig. Aber +im Weiteren irrt auch er. „Volgens eene vry algemeene overlevering is de +vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De +stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van +het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te +schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.‟ +Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: „Een stuurman met de +regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de +hand te kunnen eten.‟ Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die +Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung +zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung, +jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in +Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob +die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären! Nein + — , sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen und mit +einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer +Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes +nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im +Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in +beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten. +Dabei mußte sich der Leib, — nicht der Kopf, denn der war mit dem +Gesicht auf den Bug gerichtet, — ganz dem Bord, über den gesteuert +ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem +entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die +zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die +Bordwand angelehnt.</p> + +<p>Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400) +vor. „Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben +an backbort van eme‟. — Der 1475 in Cleve erschienene „Teuthonista‟ hat +nur bak im Sinne von Gefäß, capisterium, „eyn muede oder eyn trog, do +die pherde<a id="Page_35"></a> + <span class="pagenum">[35]</span> *uss essent.‟ — Cornelius Kilianus Duffläus im +Dictionarium teutonico-latinum von 1548 hat backbord zwar, gibt aber +eine kindliche Erklärung: „navigii sinistra pars, pars navigii quae +furnum et focum continet‟, also am Backbord sei der Backofen und der +Herd gewesen. — Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche +Übersetzung des 23. Psalms den fünften Vers (Luther: „Du schenkest mir +voll ein‟) wiedergibt mit: „Du givst mi een ganz bak vul.‟</p> + +<p><span class="strong1">Backen und Füllen</span>, ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer +Zeit des Dampfes und der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das +aber doch dem Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen +bringt, indem er sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen +Revier oder ein sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser +hindurchbringen kann, vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die +Wassertiefe, die Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht +darin, daß man die Segel abwechselnd „back‟ (s. d.) kommen läßt und dann +wieder so braßt, daß sie voll Wind werden.</p> + +<p><span class="strong1">Backstag</span>, das, ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die +Wanttaue sind, dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu +Festigkeit zu geben. Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden +Seiten durch die Nocken der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es +befestigt wird. Da Klüverbaum und Rahe einen rechten Winkel bilden, so +sind sie die beiden Katheten des rechtwinkligen Dreiecks und das +Backstag ist die entsprechende Hypotenuse, die in einer Richtung +verläuft, die auch da, wo sie mit dem Backstag garnichts zu tun hat, +doch „<span class="strong1">backstags</span>‟ genannt wird, z. B. sagt man: „es weht eine +<span class="strong1">Backstagsbrise</span>‟ d. h., der Wind kommt in derselben Richtung auf die +Segel zu, wie das Backstag von der Nock der blinden Rahe auf den Kopf +des Klüverbaumes; also in der vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben +kann.</p> + +<p><span class="strong1">Badegast</span>, der. So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse +genannt, welche weder Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure, +Pfarrer, Zahlmeister etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen +beizulegen? Es ist vermutet worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges +Leben führen. Es mag ja sein, daß wohl ein Offizier, der nachts auf die +stürmische Wache muß,<a id="Page_36"></a> + <span class="pagenum">[36]</span> denkt und sagt: ja, diese Herren, die haben +es gut, die brauchen nicht vier Stunden auf der Kommandobrücke zu +stehn, die führen das reine Badeleben. Aber der Ursprung des Wortes ist +doch ein ganz anderer. Das Wort hieß früher nicht Badegast, sondern +Badequast, und dieses diente als Bezeichnung von Leuten, die nicht gern +kämpfen wollten, und von diesen ist es übertragen auf solche, die +überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt und berufen sind.</p> + +<p>Das Wort muß sprachlich und geschichtlich erklärt werden.</p> + +<p>Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast +oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden, +wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat +solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der +Blöße. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte +oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und +Anregung ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit nannte man quästen oder +questen. Gustav Freitag erzählt eine Geschichte aus der Selbstbiographie +des 1520 geborenen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow. Der +hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da +sprach dieser: „Habt ihr gebadet, so muß ich euch <span class="strong1">quästen</span>;‟ dabei +ergriff er die Rute, warf dem Söhnlein die Kleider über den Kopf und +lohnte ihm nach Verdienst. — Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch +queste, Büschel von Reisig, Laubbüschel, Wedel zum Fegen und Kehren, +also unser heutiges „Besen‟; badequeste, badekoste, Badewedel, +Badeschürze. Die das „Questen‟ besorgende Bademagd, die auch riberin, +die Reiberin, hieß, war nicht immer die allertugendhafteste, so daß das +Wort bald einen zweideutigen Sinn erhielt. — Questenbinder = +Besenbinder. Irrtümlicherweise wird das Wort Quast heutzutage sogar für +Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars Volkssagen von einem +alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe Questenberg am Harz erzählt. + — Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen für Tannenzweige vor. +Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu +für balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel, +Kleiderbürste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig. +Dänisch Kost, Laubbüschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches +Wörterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum +Scheuern. Quast heißt heutzutage in<a id="Page_37"></a> + <span class="pagenum">[37]</span> der Seemannssprache jedweder +Pinsel, insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort +aber auch am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in +Gebrauch ist. Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stück Land das +Theerquast heißt, weil der frühere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit +dem Theerquast ins Gesicht geschlagen hat und für diesen Frevel das +Stück Land zur Strafe hergeben mußte.</p> + +<p>Geschichtlich. Das Wort ist ursprünglich ein Schimpfwort gewesen; es lag +der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in +zahlreichen Urkunden, daß besonders die Lübecker mit diesem Worte +verhöhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung +eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen +wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes „Waschlappen‟ denken, +welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der übertragenen +Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die +Lübecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen +Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427 +hatten sich die Hamburger und Lübecker verabredet, daß ihre Schiffe sich +zum Kampfe wider die Dänen im Belt versammeln sollten. Es war ein +bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit +nun die befreundeten Hamburger und Lübecker sich auch im Gewühl einer zu +erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen könnten, verabredeten sie +ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein „achter up de +compannien‟ steckender <span class="strong1">Badequast</span>, also ein Besen, wie sie ja auch zur +Bezeichnung des Fahrwassers an den Küsten ausgesteckt werden. — Aber +die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lübecker. Und +da die Dänen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da +diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lübecker zu warten. +Als es zwischen Dänen und Hamburgern bereits heiß herging, erschienen +endlich auch die Lübecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand, +dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schuß, und machten, anstatt +tapfer in den Kampf mit einzugreifen, daß sie wieder in ihre Trave +kamen; „do se auerst segen, dat de sake so stunt, <span class="strong1">steken se den +badequast hynder</span> und leden dragen na der Trauen; und worden de Hamborger +gefangen und ore schepe genamen.‟ Wer will es ihnen da verdenken, daß +sie auf die Lübecker wütend<a id="Page_38"></a> + <span class="pagenum">[38]</span> waren, und sie nicht grade sehr +liebenswürdig und schmeichelhaft an jene Badequäste erinnerten? Und +obwohl bald darauf, 1431, die Lübecker durch die Einnahme von Flensburg +jene Scharte glänzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname +leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre +1511 „stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat +lubsche wapent, mit roden.‟ „Ein anderer schipper kerede den lubschen +arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit +questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lübschen tho hone +undt tho spotte.‟</p> + +<p>Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen für einen, der sich um die +aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drückte, oder überhaupt an einer +Schlacht. In einem alten Spottverse heißt es:</p> + +<div class="poem"> + + <p>Vord an bist ein wundderlich gast,</p> + <p> Du sleist hinder na mit Philippes badequast,</p> + <p>Nener logen deistu di schemen,</p> + <p>Du segst, do id scholde an ein drepend gan</p> + <p>Do fund man de heren hinder dem busche stan,</p> + <p> Dat mag di wol hebben gedromed.</p> + +</div> + +<p>In einem anderen:</p> + + +<div class="poem"> + + <p> Ok Bokelen fast</p> + <p> Du den badequast</p> + <p>Nu forest in dinem schilde,</p> + <p> Dar na bestan</p> + <p> Du woldest han</p> + <p>Den vor Marien bilde.</p> + +</div> + +<p>Von hier bis zu Leuten, deren Beruf die Führung der Waffen überhaupt +nicht ist, war, wahrscheinlich im Anfang scherzhafterweise, kein weiter +Weg. Und bald konnte man die Nichtkämpfer an Bord der Kriegsschiffe um +so eher und harmloser und ohne sie zu beleidigen Badequäste nennen als +nach und nach die Lübecker Geschichte in Vergessenheit geraten und die +ursprüngliche Bedeutung des Wortes dem Sprachbewußtsein entschwunden +war. Man hatte Badequäste an Bord ohne zu wissen was Badequäste waren. +Da kam denn das Neuhochdeutsche und gewann, gerade auf den +Kriegsschiffen, immer mehr Einfluß. Offenbar wurde nun Badequast als +eine mundartliche, plattdeutsche Verschlechterung von Badegast +angesehen, „sie haben ja auch ein so<a id="Page_39"></a> + <span class="pagenum">[39]</span> bequemes Leben, diese +Badegäste‟, und so hat sich das Wort Badegast eingebürgert. Um den +Vorgang ganz zu verstehen braucht man nur an jene „höhere Tochter‟ zu +denken, der Klopstock nicht fein genug war, sie schrieb „Klopfstock‟. — </p> + +<p>Im Andenken an die Lübecker Quastgeschichte mag hernach in Hamburg und +anderen niederdeutschen Gegenden das Schimpfwort „Hans Quast‟ +aufgekommen sein. In dem niederdeutschen aus dem Jahre 1618 stammenden, +von J. Bolte und W. Seelmann herausgegebenen Schauspiel „Hanenreyerey‟ +schimpft einer einen anderen neben den schönen Ehrennamen Hans +Schubberug, Hans Hasenkihl, Hans Kladdehack, Hans Rustefihl auch Hans +Quast, und die Herausgeber bemerken hierzu: „Vgl. ndl. Kwast, Pinsel, +bildlich Narr.‟ Hans Quast kommt als Schimpfwort im Hannöverschen (s. +Schambach) besonders aber auch in Hamburg vor, vgl. Schütze 2, 102 Hans +Quast, alberner, närrischer Mensch. „Hans Quast vom Steendoor Settet sie +Mütz up een Oor.‟ Nach einem mir zugegangenen Schreiben eines +Seeoffiziers ist das Schimpfwort auch in der Mark Brandenburg verbreitet +und hat sogar noch heute in seiner Bedeutung einen Anklang an den +ursprünglichen Sinn, indem ein Knabe einen anderen, den er vergeblich +zum Kampfe herausgefordert hat, „Hans Quast‟ nennt. — Daß aber Quast +anstatt Gast gesagt wurde, und zwar nicht hie und da einmal, sondern +oft, so daß es dem Munde des Volkes durchaus geläufig war, wird dadurch +bewiesen, daß Quast in ein vielgebrauchtes Sprichwort übergegangen ist, +mittelniederdeutsch: „darna man darna quast‟ d. h. wie der Mann ist, so +wird er als Gast behandelt.</p> + +<p><span class="strong1">Bagger</span>, der. Eine in neuerer Zeit zu immer größerer Bedeutung gelangte +Vorrichtung zum Ausschöpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wasser. +Ursprünglich ein höchst einfaches Werkzeug, ähnlich einem Obstpflücker +oder einem Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem +Säckchen daran. Dieses Säckchen hieß im Niederdeutschen bag, wie noch +heute im Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack +bedeutet. Man hat sogar heute noch in England die alte einfache +Vorrichtung: „bag and spoon‟, „an arrangement used in dredging for river +sand, and consisting of a bag attached by the mouth to an iron hoop +which is fastened to a long pole, by means of which it is sunk to the +bottom of the river and dragged along<a id="Page_40"></a> + <span class="pagenum">[40]</span> so that the bag is filled.‟ +Auch in Deutschland hat man in kleinen Verhältnissen noch immer etwas +Ähnliches im Gebrauch. Das Ende des 18. Jahrhunderts erschienene +sogenannte „Bremer Wörterbuch‟ übersetzt Bagger mit „mudder-hamen‟ und +bemerkt dazu: „Ein eiserner Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist, +mittelst dessen man den Schlamm aus den Wasserlösen, Wetterungen und +Sielgräben ziehet;‟ wobei die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei, +ein Netz, oder ein Beutel? — Auch in Holland gebraucht man dieses +einfache Werkzeug noch; Halbertsma im Lexikon friesicum übersetzt +baggern mit: „reti vel sacco ex panno cannabino extremitati gracilis +conti (Stange) affixo coenum trahere e fundo aquae‟, wobei sich auch +wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit reti vel sacco findet, da der +Stoff doch mit ex panno cannabino deutlich genug bestimmt ist als aus +Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern ein Sack, niederdeutsch bag; +daher Bagger.</p> + +<p>Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud, +Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als +Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder) +oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der +baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche +Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen dürfen, Bagger +käme daher, daß man den Bagger vom Meeresgrund herausbefördere. Das ist +eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Masse ist nach +dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag. +Die damit ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung +von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der +niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen +Wasserbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das +inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so +kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete +aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein +neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch +einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen +wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wissenschaftlichen +Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen +konnte, das holländische<a id="Page_41"></a> + <span class="pagenum">[41]</span> Wort modder-molen mit +Ausschlammungsmaschine zu übersetzen. — Das Etymon von Bag ist Balg, +Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge, Packetdampfer.</p> + +<p><span class="strong1">Bagienrahe</span>, die. Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser +letztere Umstand, daß die Rahe kein Segel hat, scheint mir, ähnlich wie +bei der blinden Rahe, den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben, +die eine <span class="strong1">Bettel</span>-Rahe bedeuten dürfte. Im Französischen heißt sie, oder +hieß sie 1702 Pöbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie +holländisch een onnutte ree, eine unnütze Rahe genannt: „De begyn ree is +een lose en onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar +by van onderen uit te halen.‟ Wir müssen auf das unter Bagger behandelte +bag zurückgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke +Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es +stark eingedrungen. Provençalisch bagua, spanisch baga = Packseil; +altfranzösisch bague, Bündel. Davon bagage = Gepäck. Insofern nun die +alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplünderten (dem „Plunder‟) +nicht haushälterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder +vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der +Plünderung reicher Städte die Bagage eines Söldners als etwas +Verächtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle. +Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Männlein +zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Fräulein zweifelhaften +Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack, +Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal +bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzösischen bagasse, bajasse +auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen +entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste +Ausrüstungsstück eines Bettlers war entweder ein Scherben für die +Bettelsuppen oder ein Sack für das Bettelbrot. Von diesem bag haben +Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag — zuerst +scherzhaft — die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt +worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hörner bagyn +genannt, und in Westfalen heißt heute noch Begine nicht nur ein +verschnittenes Schwein, sondern auch ein törichtes, unnützes +Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hieß beghyne<a id="Page_42"></a> + <span class="pagenum">[42]</span> ein aschfarbener +Ochse, weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und +nennt man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil +diese Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: „Adelung acht +dezen naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen, +dewyl de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden,‟ kann sich aber, +trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten +von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635 +ermordet worden sein soll. — Im Teuthonista ist das Wort Baghyne +geschrieben. Die Nonnen des Namens waren in niederdeutschen Seestädten +sehr weit verbreitet, die Anwendung des Namens in übertragener Bedeutung +lag daher nahe. Es heißt, nach Waghenaer, „Spiegel der Zeewaerdt‟, 1573, +sogar ein Felsen in der Hafeneinfahrt von Brest Bagiene.</p> + +<p><span class="strong1">Bai</span>, die, ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort +für Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie. +Derselbe gibt für das Niederländische die Form baai an. Italienisch +baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederländischen ins Niederdeutsche +und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche +gedrungen.</p> + +<p><span class="strong1">Bake</span>, die. „Signum secundum quod navis regitur‟, diese Erklärung +Halbertsma's dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die +verschiedenartigen Bedeutungen des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie +eine Bake auch aussehen und wo sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck +ist für den Seemann doch immer der, seinem Schiff weisend und warnend +den rechten Weg zu zeigen. Ein sehr altes deutsches Wort, das +ursprünglich noch keineswegs ein Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, +Landmarke u. dergl., sondern ganz allgemein Zeichen bedeutete. Es ist +mit bücken verwandt, und dieses mit biegen. Die einfachsten und +ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß man mit dem Kopfe nickt, den +Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder eine ähnliche Körperbewegung +macht. Jeder der auf eine größere Entfernung einem anderen ein Zeichen +giebt, wird unwillkürlich dabei seinen Oberkörper vornüber beugen, und +eben diese Bewegung ist das was die Alten baken oder beken nannten. +Dieser Name ward dann schon früh auf eine Stange übertragen, mit der man +jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder die man als ein Zeichen +<a id="Page_43"></a> <span class="pagenum">[43]</span> für +irgend etwas in den Boden steckte. Damit man diese Stange auf größere +Entfernung desto besser sehe, wurde an ihrer Spitze ein Bündel Stroh +oder Reisig befestigt. Noch heute stecken unsere Landleute da, wo die +Polizei eine Warnungstafel anbringen würde, eine Stange mit einem +Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das bedeutet. — Solche +Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für das +Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in +Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die +Gemeinde zusammengerufen durch „tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha +bekena of to stekene.‟ Oder die Gefahr wurde „mith boeda iefte bakena‟ +den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange +angesteckt und hieß dann Feuerbake, „vierbaeck.‟ Es war den Wächtern +genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr +Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten +der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß +auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV. +Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur +Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form +eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi +gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.) +steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen, +Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast +aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt +heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule. — Brennende +Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge. — In dem +oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach dem +Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen erhalten +haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts friesischen Archiv +veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert den Dienstag Abend +der Fastnacht als „Bekenseivend.‟ Darüber berichtet Strackerjan +(„Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg‟): „Wer noch beinhaft +(gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte sich ein langes +Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12 Fuß Länge, das +dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken (plattdeutsch +<a id="Page_44"></a> + <span class="pagenum">[44]</span> Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die +Leute schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und +wild schreiend.‟</p> + +<p>Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als +Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen +finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg +aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter +herausgegebenen „Seebuch‟, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist +und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden, +Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: „also gy wilt segelen int +Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.‟ — Dann findet +sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen in +ähnlichem Sinne: „Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches +allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ... +pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.‟ +Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit „seemerk‟ und nennt auch +Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt. +Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge +erklärt es mit „Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor +Untiefen‟, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander +1727 als „Leuchtturm‟ verzeichnet worden ist.</p> + +<p>Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit +übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser +Sprache eine große Rolle: „a mark or object of some kind placed +conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance +of vessels.‟ „Various hills in England got the name of Beacon from the +fact of signal-fires having been formerly lighted on them.‟ Überhaupt +scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von +beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to +afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal, +welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was +uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, „to make a sign to +another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger‟. — Von +beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der +Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort +beconagium<a id="Page_45"></a> + <span class="pagenum">[45]</span> bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns +berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake +selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit +und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz +anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen +Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in +denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten sind, +also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer, +Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und +Winkbaken gibt. — Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu +vergleichen. Das Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, +daß es beinahe ausschließlich herrscht, und daß alle anderen +Bezeichnungen für dieselbe Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, +Wethe kaum mehr bekannt und höchstens noch auf beschränktem Gebiet in +einzelnen Gegenden im Munde der Leute sind. — Das älteste mir zu +Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon Waghenaer, +Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: „Spiegel der +Zeevaerdt,‟ das in Leyden gedruckt, in „Amsteeredam‟ in eben dem Jahre +1588 erschienen ist, in dem die „unüberwindliche Armada‟ überwunden +ward. Da heißt es — vergl. Tonne — : „ende aen de ander zyden op de +sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven bouen op in +deser manieren‟, und ist dann eine Stange abgebildet mit einem Ball aus +Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch als Sturmball +etc. etc. gebraucht.</p> + +<p><span class="strong1">Balje</span>, die.</p> + +<p>1. Ein Wasserbehälter = Bütte.</p> + +<p>2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die +blaue Balje bei Wangeroog.</p> + +<p>Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie, +boalje, melkboalie, Melkeimer.</p> + +<p>Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das „Seebuch‟ +balge für Wasserlauf hat und der Teuthonista baly für vas, Faß. Das +Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff „Wasserbehälter‟. Die +Balje im Watt behält ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet +also gleichsam eine Balje im Sinne von Bütte. Es ist auf das unter +„Bagger‟ Gesagte zu verweisen.<a id="Page_46"></a> + <span class="pagenum">[46]</span> Das heute noch in England +gebräuchliche bag hieß altenglisch bagge, a beggars bagge, ein +Bettelsack; gälisch bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last, +Bündel. Der Dudelsack oder die Sackpfeife heißt im englischen +bekanntlich bagpipe. „The bagpipe consists of a leathern bag, which +receives the air from the mouth, or from bellows; and of pipes, into +which the air is pressed from the bag by the performers elbow.‟ Was +heute „a leathern bag‟ ist, das war, wie bekannt, früher ein Balg, +Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun bedenken, daß im Lombardischen +der Weinschlauch baga heißt, und daß Weinschläuche nichts anderes waren +und sind als Bälge, so kommen wir auf Balg als Etymon zu Bag. In der Tat +sind überall die ersten Säcke der Menschen abgebalgte Tierhäute gewesen. +Bag ist aus Balg durch Schwund des unbequemen l entstanden. Hieß doch im +angelsächsischen bag noch baelg, und im gälischen kommt neben bag auch +balg vor. Natürlich wurde solch ein Balg nicht bloß zum Weintransport +benützt, er diente, namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als +Wasserbehälter und Wasserbehälter ist die Balje. Das Wort wird oft auch +Balge geschrieben und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine +Abstammung von Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack, +Reisetasche, Eßsack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga +übergegangen ist; Festus: „bulgas Galli sacculos scorteos vocant‟. +Mittelhochdeutsch: balc = Hülse (gleichsam das abgezogene Fell des +Korns), Schlauch, großes Trinkgefäss. — Um zu verstehen, wie aus Balge +Balje geworden ist genügt es, an die Schreibweise im „Seebuch‟ ballighe, +oder noch einfacher und näher liegend an die weitverbreitete Aussprache +des g wie j zu denken.</p> + +<p><span class="strong1">Ballast</span>, der. Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um +dem Schiffe den nötigen Tiefgang zu verleihen. — Über die Bedeutung +diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte von Bale = Bole = +Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen liegt. Aber dann wäre +jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu liegen kommen als auf +Bohlen? — Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede +Rücklast ist Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an +das keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand. +Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben:<a id="Page_47"></a> + <span class="pagenum">[47]</span> Bar-lest = +saburra, ex bara, unda, et lest, onus; „saburra enim impedit quo minus +vacua navis vi undae et venti in latus prosternatur‟. — Und doch ist +die Erklärung, auf die meines Wissens noch niemand verfallen ist, sehr +einfach. Man muß zunächst von Kriegsschiffen ganz absehen und an +Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt, gewinnreiche Ladung +zu bekommen für Hin- und Rückfahrt. Wenn ihm das nicht gelingt, so muß +es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend eine Ladung einnehmen, +auch solche, die hernach einfach wieder ausgeladen und als unnütz +beiseite geworfen werden muß. Das ist dann eine schlechte, böse, üble, +nicht lohnende Last. Und eben darum heißt sie Ballast. Bal hieß in allen +germanischen Sprachen, heißt teilweise sogar heute noch schlecht. +Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen; althochdeutsch bale, +malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo und bale, Verderben, +Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den Schiffer Qual und Pein +genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk, Übeltat, baluspraka, +verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu, bealu, perniciosus, +malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael, böse, bael mond, +baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch finden wir +baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu steuern, von +einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln ist; +bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen (Outsen) +kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor. +Desgleichen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt +man: „doar is't bal‟, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's +nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein +Junge, der nicht hören will, ist ein „Schlechtohr‟, „'n baloorn van 'n +jong‟. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar +nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart +nicht hören will. — Also „unnütze Last‟. Das Richtige scheint schon der +Teuthonista geahnt zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt. + — Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed +malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile +onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit. — Im Übrigen ist die +älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe, ein Hansa-Receß vom +Jahre 1442.</p> + +<p><span class="strong1">Banjerdeck</span>, das eigentlich bloß Banjer, heißt auf kleinem<a id="Page_48"></a> + <span class="pagenum">[48]</span> Schiff +mit nur einem Deck der kleine Platz vor der Kajüte wo die Leute ihre +„Logis‟ haben. Banje ist Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht +nur wie im Hochdeutschen Bahn einen freien Weg, sondern überhaupt eine +freie Strecke, einen freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der für die +Mannschaft freie Raum.</p> + +<p><span class="strong1">Bank</span>, die. 1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und +Banken; Ruderbank, s. ducht. 2. Übertragen: Austernbank, Felsenbank, +Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank +(mit den Koveinnägeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back, +Rücken, rundliche Erhöhung angesehen, was mit den Wörtern, bezw. +Zusammensetzungen in übertragener Bedeutung nicht übel stimmt, besonders +mit Sandbank, wofür man auch Sandrücken sagt. Kluge gibt einen +vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back +widersprechen würde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung +der Wurzel von Back — bhag — wäre.</p> + +<p><span class="strong1">Baratterie</span>, die. Dieses in der deutschen Marine ungebräuchliche, von +Dabovich, „Nautisch-technisches Wörterbuch der Marine‟ für die +österreichische Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding +in Hamburg vor hundert Jahren kein fremdes. „Hierunter versteht man alle +Betrügereien, die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter, +gemacht werden können. Z. E. Verfälschung und Bestehlung der Güter, oder +Nebenwege, die mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden.‟ +Holländisch, dänisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery, +französisch baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria. +Diese Einmütigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl +übereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub, +wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf +dieses ähnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort.</p> + +<p><span class="strong1">Barbetteschiff</span>, das, ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten +Barbettetürmen, die wegen der darin aufgestellten Geschütze besonders +starke Panzer tragen, während der übrige Teil des Schiffes leichter +gepanzert ist. Der Name kommt von der heiligen Barbara, bei den +Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie; ihr zu Ehren heißt auf +französischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St. Barbe. Die heilige +Barbara war eine<a id="Page_49"></a> + <span class="pagenum">[49]</span> römische Jungfrau, die um ihres christlichen +Glaubens willen den Märtyrertod erlitt, ihre Henker aber wurden vom +Blitz erschlagen.</p> + +<p><span class="strong1">Barbican.</span> Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses +Namens an der Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehört dieses Wort +hierher. Im Mittelhochdeutschen hieß barbigan der Teil der äußersten +Festungswerke, aus dem Ausfälle gemacht wurden. Altfranzösisch +barbacane, Brustwehr mit Schießscharten. Soll aus dem Arabischen +bab-kanah, a gateway, kommen.</p> + +<p><span class="strong1">Bardse</span>, s. Bark.</p> + +<p><span class="strong1">Bark</span>, die. Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden +vordersten Rahen, der dritte nur Schratsegel führt. In der Form Barke +bedeutet es überhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so +ziemlich ausschließlich, in dichterischer Rede. Die Erklärung bietet +zwei Möglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift +auf die Wurzel bhar, tragen, zurück. Fände sich das Wort nur in den +germanischen Sprachen, so könnte man mit Wackernagel das altnordische +barkr, Bark, mit börkr, Borke, Rinde, für nahe verwandt halten. Wie +manche Naturvölker heute noch tun, so mögen in uralten Zeiten auch +unsere Väter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es +uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe +gesehen hat, der weiß, daß die Verdrängung des altdeutschen Einbaums +durch kunstvoll zusammengefügte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden +gezählt werden kann. Überdies haben auch alle romanischen Sprachen das +Wort, und es kommt als barca bereits im frühesten Mittellatein vor; dann +italienisch, spanisch, portugiesisch barca, französisch barque, +(kymrisch, Breizonek und gälisch barc) wovon barge, Boot, baril und +barique, Faß. — Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer +Name baris für einen Kahn, besonders ein ägyptisches Nilschiff, bezeugt +ist, an griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen +niederdeutschen Sprachgebiet heute noch bören, zu denken, ein Wort das +in sehr verschiedener Bedeutung vorkommt: gebähren, gebahren, Gebühren, +Bahre, Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens +ausdrückt. Bei einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt +ist, liegt also bören näher als Borke. — Schon früh im +Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im Seebuch 1400 +bartze, bardzee<a id="Page_50"></a> + <span class="pagenum">[50]</span> vor. Hätte man damals das Bewußtsein gehabt, einem +einheimischen Worte gegenüber zu stehen und an Borke gedacht, man hätte +solche sonderbare Veränderungen davon nicht vorgenommen; dies ist +wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt, daß ein Lehnwort +mundgerecht gemacht werden sollte.</p> + +<p><span class="strong1">Barkasse</span>, die. Das größte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln +eingerichtet, manchmal auch Dampfbarkasse. — Einige Erklärungen haben es +sich leicht gemacht und einfach gesagt: Barkasse von Bark, aber wie oder +wo sich diese ja an sich nicht undenkbare Weiterbildung vollzogen hat, +das sagen sie nicht. Das Wort hat anderen Ursprung. Vom lateinischen +arca ward ein italienisches arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet, +französisch arcasse = Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser +arcasse war ein großer Balken, grande barre, angebracht, der (grande) +barre d'arcasse hieß und als Davit diente (s. d.), nämlich zum +Aufhängen, Hissen und Fieren des größten Schiffsbeibootes. Und das +empfing von dem Balken an dem es hing den Namen Barkasse.</p> + +<p><span class="strong1">Barkun</span>, der. „Barkuns sind hölzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafür +aber auslegbare Krähne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum +Fieren aufgehängt werden können.‟ Nach dieser von Dick und Kretschmer, +Handbuch der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklärung und nach dem, +was unter „Barkasse‟ nachzulesen ist, dürfte es klar sein, daß Barkun im +Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nämlich abgekürzt und mit einer +neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und +andere Wörter ähnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet, +versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich +dieselbe von barre d'arcasse. — </p> + +<p><span class="strong1">Barring</span>, die. Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter +Deckshöhe über dem Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die +häufig, namentlich bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem +Barringsdeck, belegt sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und +Reservehölzern etc. Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar = +tragen abstammend, sei es daß dabei unmittelbar antragen, sei es daß an +barre, Tragbalken, gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so daß wir +also das hochdeutsche Barre mit niederdeutscher Endung vor uns +haben.<a id="Page_51"></a> + <span class="pagenum">[51]</span></p> + +<p><span class="strong1">Bare</span> = Welle, s. Barre.</p> + +<p><span class="strong1">Bärme</span> s. Berme.</p> + +<p><span class="strong1">Barre</span>, die, seichte Stelle vor einer Flußmündung, durch Ablagerung des +vom Flusse mit sich geführten Sandes, ein Hindernis, eine Beschränkung +des Aus- und Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung. +Von der unter Bark erwähnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch +bara, para, Balken, zunächst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann +aber auch etwas Beschränkendes, Schranke, eingehegtes Stück Land, +abgeteiltes Stück Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun, +Gehege; verbarren durch Schranken versperren; englisch bar; französisch +barriére, besonders aber barre, Stange, Balken, Rost, Klampe, +Ruderpinne, barres de hune = Salingshölzer; und das unter Barkasse +nachzulesende barre d'arcasse; barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch +bar, Ast. Spanisch barrera, davon embarazo, französisch embarras, +Sperrung, Hindernis, und barricade (barricata). — Von gleicher, +„tragen‟ bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche bar, bare, +mittelniederländisch baere, niederländisch baar, Woge, Welle, +Sturzwelle, Brandung; vergl. Lüpkes Seemannssprüche: „barra waegen, +barra streamen‟, „Wellen wogen, Wellen strömen‟; sei es daß die Wellen +tragen, sei es daß sie getragen (gehoben bewegt) werden.</p> + +<p><span class="strong1">Bauchgording</span>, die, gewöhnlich Bukgording, oft auch noch kürzer +Buggerding lautend, wie Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde +gefülltes Segel sieht in der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die +Taue die dazu dienen beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels +aufzugeien heißen Bauchgordinge. Gording, Görde, Gördel ist ein Gurt, +Gürtel, Band, Riemen, irgend etwas zum Binden und Gürten, besonders +Beinkleider. Die altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida, +einer Weide, auf; da ist es nicht zu verwundern wenn die Männer für +Befestigung ihres Anzuges eine (schwanke, biegsame) <span class="strong1">Gerte</span> verwandten; +gothisch gairda, angelsächsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt, +altnordisch gjördh, isländisch gjörd, norwegisch gjord und gyrda. +Gording im seemännischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau +übersetzen; also Bauchgurttau.</p> + +<p><span class="strong1">Batterie</span>, die. Der Standort der Geschütze; ist ein eigenes Deck für die +Geschütze da, so heißt dieses das Batteriedeck,<a id="Page_52"></a> + <span class="pagenum">[52]</span> oder auch kurzweg +die Batterie. Besonders aber heißt, wie am Lande, eine unter sich zu +einem bestimmten Verbande gehörige Anzahl von Geschützen Batterie; +Steuerbordbatterie, Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller +Geschütze, vergl. das Kommando beim Geschützexerzieren: „Batterie halt!‟ + — Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre +schlagen; wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jährigen +Krieges und von der Landarmee an Bord übertragen.</p> + +<p><span class="strong1">Baxterlagerung</span>, s. Baxterspill.</p> + +<p><span class="strong1">Baxterspill</span>, das, eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und +vereinfachte neue Art von Spill (s. d.). Durch Trennung der +Kettentrommel vom Spillkörper ist erreicht worden, daß die „mühsame +Arbeit, welche früher das Legen der Kette um das Spill und das Abnehmen +derselben vom Spill verursachte‟ erspart wird. „Das Spill ist im Moment +klar zum Hieven, und auch das Abstoppen der laufenden Kette vollzieht +sich in erheblich sicherer und einfacherer Weise.‟ — „In Verbindung mit +dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei Kriegsschiffen für die +Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker, seltener für die Hecklagerung +die sogenannnte <span class="strong1">Baxterlagerung</span> zur Anwendung.‟ „Diese Lagerung +charakterisiert sich dadurch, daß die Anker in die Klüsen hineingehievt +werden.‟ Früher hingen die Anker längsseits. Das kommt auch jetzt noch +vor, ist aber veraltet; ebenso wie das „Gang‟-Spill.</p> + +<p><span class="strong1">Bedaren</span>, zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten +Menschen, daher bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedächtigkeit. +Doornkaat meint, das Wort komme nur im Niederdeutschen und +Niederländischen und sonst nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist +aber außerdem noch ein dänisches (bedare) und schwedisches (bedara) +Seemannswort, und zwar dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen +gebraucht. Roeding: „Wenn das Wetter anfängt still und ruhig zu werden, +und der Wind aufhört zu wehen, so sagt man: es bedaart.‟ Es ist +allerdings ein Wort mit auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel +dhar, halten, haften, bleiben, abstammend.</p> + +<p><span class="strong1">Befahren.</span> Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine +Straße, das Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel +zur See gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat. +Ist einer so befahren, daß er<a id="Page_53"></a> + <span class="pagenum">[53]</span> das Kap Hoorn und das Kap der guten +Hoffnung umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen +Küstenplätzen in seemännischer Gesellschaft — beide Beine auf den Tisch +legen. Einen nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt +Aristophanes, wie Roeding behauptet, einen „Asalaminrium‟, also einen, +der nicht ist wie die von Salamis.</p> + +<p><span class="strong1">Befluten</span>, „unter Wasser setzen‟. Alle Munitionskammern an Bord S. M. +Schiffe sind zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei +einem Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt +natürliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar +durch Bodenventile beflutet werden können; künstliche Beflutung bei +hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden +müssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklärung +ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.)</p> + +<p><span class="strong1">Bei.</span> Das Kommando für die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am +Winde (s. d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde +gesegelt, also nicht „gekniffen‟ werden soll, dann heißt das Kommando: +„voll und bei!‟</p> + +<p><span class="strong1">Beiboote</span>, die, auch Schiffsboote; „jedes Schiff ist mit einer Anzahl von +Booten ausgerüstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu +erfüllen im Stande sein sollen. Dieselben dienen nämlich zum Verkehr der +Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von +Material, Wasser, Proviant u. s. w., zum Ausfahren von Ankern und +Trossen, zum Auffischen über Bord gefallener Menschen oder Gegenstände, +zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel +für die Besatzung bei Schiffsunfällen, bei Landungszwecken zum Aus-und +Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraßen, zur +Herstellung von Sperren.‟ „Da zur Erfüllung dieser verschiedenen Zwecke +teilweise ganz verschiedenartige Rücksichten und Anforderungen maßgebend +sein müssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit +verschiedener Bootsklassen oder Gattungen.‟ (Dick u. Kr.) Als da sind +(in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen, +Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote für +Torpedoboote.</p> + +<p><span class="strong1">Beidrehen</span> heißt an den Wind gehen (s. „am Winde‟) oder auch das segelnde +Schiff sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptsächlich +durch Backbrassen der in Betracht<a id="Page_54"></a> + <span class="pagenum">[54]</span> kommenden Segel. Vor allen +Dingen ist aber wichtig das seemännische Manöver des Beidrehens, des an +den Wind Gehens, im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile „gelenzt‟ hat, d. +h. vor dem Sturm gelaufen ist, und der Kapitän kann wegen zu hohen +Seeganges oder will, weil ihm die Richtung nicht paßt, das Lenzen nicht +fortsetzen, so dreht er bei. Das muß mit Geschick und Umsicht gemacht +werden, damit Sturzseeen dem Schiff nicht gefährlich werden. Die Folge +des Beidrehens ist das <span class="strong1">Beiliegen</span>. Das Schiff „liegt bei‟ (dem Winde) bis +besser Wetter eintritt, und es handelt sich hauptsächlich darum, daß es +mit dem Kopfe auf der See liegt, nicht abfällt (s. d.), weil es dann die +See besser hält, weniger Sturzseeen übernimmt.</p> + +<p><span class="strong1">Beibuchten.</span> Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht +ist, mit der Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen +so viele Buchten — von biegen — so viele Kreise das Tau beim +Aufschießen bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz +einnehmen oder aus irgend einem Grunde, z. B. beim Deckwaschen +aufgehängt werden sollen, so werden sie mit einem Band oder Bändsel +zusammengebunden, damit sie nicht „unklar‟ werden und leicht wieder +gebrauchsfähig gemacht werden können. Dieses Zusammenbinden heißt +beibuchten. Im übertragenen Sinne heißt einen beibuchten ihn einsperren, +in Arrest schicken.</p> + +<p><span class="strong1">Beilbrief</span>, der, früher Bielbrief, niederländisch bylbrief, dänisch +bül-brev, schwedisch bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale +heißt, so könnte vermutet werden, diese bill hätte dem Beilbrief den +Namen gegeben, er würde also eine Tautologie darstellen. Das würde nun +an sich nichts ausmachen, weil es öfters vorkommt, aber ich sehe doch +nicht an, bei dem Worte an Beil, Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es +bedeutet ja einen Kontrakt zur Erbauung eines Schiffes, der zwischen +„einem Zimmermann und Demjenigen, der ein Schiff bauen läßt, gemacht,‟ +schriftlich abgeschlossen wird; das Beil aber ist und bleibt doch immer +des Zimmermanns Hauptwerkzeug. Bestärkt wurde ich in diesen Gedanken +durch das Eigenschaftswort beilfertig, bielfertig, niederländisch +bylvaardig, dänisch bilfaerdig, schwedisch bilfardigt, welches das +Schiff als fertig im Holzwerk bezeichnet ohne Takelage und Zubehör, also +in dem Stande, bis zu welchem das Beil die Hauptarbeit an ihm getan +hat.<a id="Page_55"></a> + <span class="pagenum">[55]</span></p> + +<p><span class="strong1">Bekaier</span>, der, heißt dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hieß +aber früher auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das +oberste Ende der „Besansrute‟ aufgetoppt wurde, beim „Überstaggehen‟, +und heißt auf Schmacken, Jachten und Kuffen die Braß der Bagienrahe, die +nach vorne fährt.</p> + +<p><span class="strong1">Bekleiden</span>, das, Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem +Schamvielen, ausgesetzt ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting, +Schiemannsgarn, Sarving, Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder +dazu genommen; die wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die, +nachdem sie mit einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Länge mit +Schiemannsgarn fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann +bekleidet werden, s. Kleid.</p> + +<p><span class="strong1">Belauf</span>, der, die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z. B. ein +Lieger, Bauchstück oder eine Wrange, Bodenwrange verläuft; +dementsprechend auch die äußere Gestalt des Schiffsbodens, oder die +Verengung desselben, vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, daß +es einen feinen Belauf hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt +und spitz zuläuft. (Roeding, Datovich).</p> + +<p><span class="strong1">belegen</span>, ein „laufendes‟ Tau mehrmals um ein Belegholz, z. B. eine +Klanpe oder einen Koveinnagel, kreuzförmig über einander schlagen, um es +fest zu machen. Die Koveinnägel heißen darum auch Belegnägel und die +Bank an der sie befestigt sind, Belegbank, so wie die Klanpe auch +Belegklanpe genannt wird. Man spricht auch vom Belegen eines Befehls, +wenn einem gegebenen Auftrage nicht weitere Folge gegeben werden soll, +oder wenn er zurückgenommen wird; das ist bildlich: das belegte Tau +bewegt sich nicht mehr und der belegte Befehl gilt nicht mehr.</p> + +<p><span class="strong1">belemmern.</span> Wo es, wie auf einem Schiffe, auf Ausnützung des Raumes +ankommt, da muß dafür gesorgt werden, daß keiner der vielen Gegenstände, +die an Bord gebraucht werden, dem anderen im Wege stehe und seinen +Gebrauch verhindere oder erschwere, d. h. belemmere. Auch ein Mensch +kann den andern belemmern, wenn er ihm Wege steht oder „zu nahe auf der +Pelle sitzt‟. Es bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, <span class="strong1">lähmen</span>. Es ist +verwandt mit lahm, ein Frequentativum des mittelniederdeutschen belemen, +althochdeutsch bilemjan, pilemmen, bilemen. Es wird auch gebraucht, wenn +ein Raum, ein Boden, eine Last zu voll gepackt ist, daß man sich nicht +darinnen bewegen, rühren kann. — <a id="Page_56"></a> + <span class="pagenum">[56]</span> Daß die „Beschriving van der +Kunst der seefahrt‟, das Loggen als eine „belemmering‟ ansieht, ist +unter Log nachzulesen; wie Fritz Reuter Belemmerung anwendet, s. unter +praien. Belemmertheit ward im Mitteldeutschen aber zuweilen auch für +Beschäftigung gebraucht: „De ander remedie (gegen gulsicheit, +Gefräßigkeit) is ... Van redelike dinghen belemmerthede.‟</p> + +<p><span class="strong1">benauen.</span> Ein Schiff benaut das andere, wenn es ihm, „die Luv (-seite) +abgewinnend‟, den Wind zum Segeln wegnimmt. Sodann heißt benauen ein +feindliches Schiff in einem Hafen einschließen und bewachen, daß es +nicht heraus kann. Endlich sagt man, wenn die Luft von Natur schwül oder +durch Verbrauch im engen Raum mit vielen Menschen verdorben ist, „es ist +benaut‟. — Vom niederdeutschen nau, mitteldeutsch nouwe, niederländisch +naauw, dicht, enge, beengt, bedrängt, beschränkt, knapp, genau; das <span class="strong1">nau</span> +in genau ist die hochdeutsche Verwandtschaft.</p> + +<p><span class="strong1">Bendsel</span>, der und das, auch Bindsel, ein Band, ein Stück Bindfaden; nicht +zu verwechseln mit dem hochdeutschen Bändel, welches ein Diminutivum von +Band ist; vielmehr dürfte Bindsel eine Verkürzung von Bindseil sein und +Bendsel nur eine Nebenform dazu.</p> + +<p><span class="strong1">Bergen</span>, Am häufigsten findet sich im seemännischen Gebrauch die Wendung +„Segel bergen‟, ein Kommando das immer ertönt, wenn die Segel +„eingezogen‟ d. h. festgemacht werden sollen. Daneben spricht man vom +Bergen einer Ladung bei gestrandetem oder sonst gefährdetem Schiffe, man +sagt auch „sich bergen‟. Der gemeinschaftliche Begriff ist: in +Sicherheit bringen, und zwar ist, da dem Stamme bhergh die Bedeutung +„hoch, Anhöhe‟ beiwohnt, der ursprüngliche Sinn ohne Weiteres klar: sich +vor einer Flut, einer Überschwemmung oder sonstigen Gefahr auf einen +Berg (womöglich in eine Burg) begeben und so in Sicherheit bringen. Nur +bei „Segel bergen‟ hat sich die Bedeutung so weit verflacht, daß es, +auch wenn kein Sturm naht und kein Segel in Gefahr steht weggerissen zu +werden, sondern auch beim Segelmanöver im Hafen und bei gutem Wetter +gesagt wird. Eigentlich nur noch bei Seeleuten übrig, die andern sagen +jetzt verbergen und haben noch den Begriff des heimlichen, des +Versteckens hinzugetan. Althochdeutsch pergan (gothisch bairgan) +angelsächsisch beorgan, niederländisch bargen. Vergl. Herberge, +althochdeutsch heriberga, Ort wo ein Heer geschützt lagern<a id="Page_57"></a> + <span class="pagenum">[57]</span> kann. +Die älteste Bedeutung des jetzt so friedlichen Wortes ist also +kriegerisch; italienisch albergo, altspanisch, neuspanisch und +portugiesisch albergue, altfranzösisch herberc, neufranzösisch auberge. +In alten Zeiten hatte man vielfach „Freiberge‟ (woher die zahlreichen +Städtenamen), Berge wohin ein Verfolgter fliehen konnte und wo er eine +Zeit lang unverletzlich war. Es gab in Eiderstedt und Dithmarsen +Freyberge, davon 3 in Eiderstedt, einer bei jedem Gericht, „wo ein +Missetäter auf drei Tage sich frei und sicher bergen konnte.‟ Daher die +Türme auf den Höfen mittelalterlicher Burgen Bergfriede, richtiger +Bergfriete, Bergfreite. Und was jetzt bei uns Friedhof heißt, müßte +Frithof = Freithof geschrieben werden.</p> + +<p><span class="strong1">Berghölzer</span>, die, sind Verstärkungen der Außenbordwand und somit des +ganzen (hölzernen) Schiffes; sie laufen der Länge nach um das ganze +Schiff herum, sind also eigentlich Außenbordsplanken, nur stärker wie +diese und daher über sie herausragend und die glatte Fläche der Bordwand +unterbrechend. Das Zeitwort bergen, ostfriesisch bargen, heißt im +niederdeutschen Sprachgebrauch nicht nur verstecken, in Sicherheit +bringen, sondern auch sonst sichern, bedecken, schützen. Da nun das +große Bergholz grade an der breitesten Stelle des Schiffes angebracht +ist, so bedeutet der Name nicht nur eine Sicherung und Befestigung des +Schiffes im Allgemeinen, sondern auch im Besonderen einen Schutz der am +meisten gefährdeten Stelle gegen Stoß oder Anprall an ein anderes +Schiff, an ein Bollwerk, eine Kaje, eine Pier etc. etc. Ich finde das +Wort (in der niederdeutschen Form Barchholt) zum ersten Male in der +„Beschriving van der Kunst der Seefahrt,‟ 1673, in einer Segelanweisung +wie man „by Harvestdagen upt sekerste dorch dat Schager Rack, offt uth +den Sund na den Schagen‟ segelt. „Truwet awerst den Schagen by Nacht +nicht tho veel, ydt wehr den Saack dat gy gut und sichtlick Wedder +hadden, alß men by Dage buten de Trendel langest segelt, und dat men den +upt Barchholt mit de Foeten by dat Water steit, so kom men Lesö by +klaren Weder even sehen‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Berme</span>, die, Deichberme, Deichrand; französisch berme, Rand eines +Festungsgrabens; spanisch berma; englisch brim, angelsächsisch brymme, +Rand, Saum; niederländisch kommen beide Formen vor; breme, Rand und +berme, Deich. Beweis, daß<a id="Page_58"></a> + <span class="pagenum">[58]</span> Berme nichts weiter als eine durch +Metathesis veränderte Form von bram ist, welches (vergl. Bram und Bräm) +den äußersten Rand bedeutet. — Ob der Name der Stadt Bremen von breme, +brim, Rand, so daß Bremen also ein Uferort wäre, oder von brim, Meer, so +daß er einen Meerort darstellte, oder vom angelsächsischen breme, +berühmt, abzuleiten ist, haben die Bremer die Wahl.</p> + +<p><span class="strong1">Besan</span>, der. Das große Gaffelsegel am Kreuzmast, der, wenn er keine Rahen +hat, also wenn das Schiff Barktakelage besitzt, eben nach dem Besan +Besanmast genannt wird. Die Erklärung des Namens wird erschwert durch +das Vorkommen anderer, ähnlich lautender. So gab es im Mittelalter eine +Münze, die italienisch bisante, spanisch und portugiesisch besante, +provençalisch bezan, altfranzösisch besant, englisch ebenfalls besant +hieß. Sie hat aber, aus dem Mittelmeer stammend, mit unserm Besan nichts +zu tun, (trotzdem dieser in seiner Gestalt an ein lateinisches Segel +erinnert), denn sie hieß lateinisch byzantus, griechisch byzantos; es +ist also klar, woher sie stammt (wie der Taler von Joachimstal, der +Heller aus Hall, der Batzen aus Bern seinen Ursprung an der Stirn trägt) +und was sie bedeutet. — Sodann gab es nach Kilian ein niederländisches +Wort besaen, das Eierschale und eine Art billigen alaungegerbten Leders +bezeichnete; damit ist auch nichts gewonnen. Wichtiger für uns ist es, +daß Kilianus ein Wort besane hat, das er mit epidromus übersetzt, dessen +Wichtigkeit aber darin besteht, daß er dafür auch die Form mesaene +beibringt, denn nun dürfen wir auch annehmen, daß unser Besan einmal mit +m angelautet hat. Er heißt zwar im Holländischen und Schwedischen auch +bezaan, besan, aber dänisch mesan, englisch mizen, italienisch mezzana, +spanisch mezana, portugiesisch mezena, französisch mizaine — und alle +diese Wörter sollen aus dem Lateinischen stammen, und zwar nach Kluge +aus medius, so daß also ursprünglich an einem anderen, <span class="strong1">mittleren</span>, +Standort das Segel seine Verwendung gefunden haben muß. 1695 Mesansegel, +1732 Bezaansegel, jetzt kurz: der Besan.</p> + +<p><span class="strong1">Besatzung</span>, die, eines Schiffes heißt die Gesamtheit derer die auf ihm +eingeschifft sind zu dauerndem, dienstlichen Aufenthalt; die +Schiffsmannschaft, früher Equipage, welches Wort in seiner fremden +Gestalt uns kaum noch daran erinnert, daß es<a id="Page_59"></a> + <span class="pagenum">[59]</span> von dem +niederdeutschen scip stammt und niederdeutsch eskipage hieß, alles +zusammenfassend was zur Bemannung und Ausrüstung eines Schiffes nötig +ist; bald auch die Ausrüstung eines sich auf dem Lande bewegenden +Fahrzeuges, Kriegsgepäck, Reisegerät, Kutsche und Pferde.</p> + +<p><span class="strong1">beschlagen</span>, s. Beschlagseising.</p> + +<p><span class="strong1">Beschlagseising</span>, der. Beschlagen, althochdeutsch bislahan, +mittelhochdeutsch beslahen: schlagen auf, festschlagen, umfangen, +umschließen (s. Schlag), verschließen, bedecken u. s. w. Die meisten +Bedeutungen sind im seemännischen dieselben wie im Hochdeutschen, nur +beschlagen bedarf der Erwähnung insofern es das Festbinden der +aufgegeiten Segel an die Rahe bedeutet; solches geschieht mittelst der +Beschlagseisings, Bändseln, an denen das eine Ende spitz zuläuft, das +andere mit einem Auge versehen ist; s. seisen.</p> + +<p><span class="strong1">Beschute</span>, die. Seemännisch nur in Verbindung mit Hartbrot, „eine +Beschute Hartbrot‟, sei es wegen der Gestalt, sei es wegen des +Hartgebackenen, Zwiebackähnlichen. Niederländisch bischuyt, nichts +anderes denn eine volkstümliche Form des französischen biscuit. +Zwey-Back sagt der Übersetzer der „durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681. Er +beschreibt die Entdeckung der Magellanstraße und erzählt von einem +Patagonier, der „auf einer Mahlzeit einen ganzen Korb mit Zwey-Back +aufgegessen, und in einem Zuge soviel Wein, als ein Wasser-Eimer halten +möchte, ausgesoffen.‟ Als ob sie auf dem Geschwader Magellans ihr Brot +und ihren Wein nicht besser hätten anwenden können, die wahrlich knapp +genug waren.</p> + +<p><span class="strong1">Beschmarten</span>, s. Schmarting und bekleiden.</p> + +<p><span class="strong1">Besetzt sein</span>, s. Legerwall.</p> + +<p><span class="strong1">Besteck</span>, das. 1. Der Entwurf, der genaue Plan eines zu bauenden +Schiffes; auch eines zu bauenden Hauses. Ein ähnliches Wort wie Riß von +ritzen (Runen ritzen, writan, to write, schreiben); ein Plan, der nicht +umrissen, sondern mit Stichen bezeichnet, mit Stecknadeln abgesteckt +ist. 2. Das Mittagsbesteck oder überhaupt die Bezeichnung der Stelle, wo +sich nach genauer Berechnung, wenn es aber nicht anders sein kann, auch +nach Gissung, das Schiff zu einer bestimmten Zeit befindet, der Punkt, +wo Länge und Breite sich schneiden (s. absetzen), ein Punkt, an welchem +die Spitze des Zirkels ein kleines Loch in das Papier<a id="Page_60"></a> + <span class="pagenum">[60]</span> der Seekarte +<span class="strong1">sticht</span>. In der weiteren Entwicklung des Begriffes Besteck = Plan, Maß, +ist Besteck auch schlechthin zu Maß geworden; ein Maß von Torf. +Groningen: „alles noa bestek hebben‟, alles so haben, wie es sich +gehört. Auch gleichbedeutend mit Regel, Ordnung, Zeiteinteilung. +Ostfriesland: „wat hebben dei menschen 'n roar bestek, zy eten om vier +uur.‟ Ein Abstecher ist demnach eine Abweichung von dem ursprünglichen +Reiseplan und -Wege. — Daß „Besteck‟ in der Tat von dem „Stich‟ des +Zirkels in das Papier der Seekarte den Namen hat, geht aus einer Stelle +bei Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟, „Amstelredam‟ 1588, hervor: „Soo +sal hy alsdann nemen twee Passers, (Zirkel) met d' een de mylen metende +die hy ghist ghezeylt te hebben. Ende met den anderen Passer lancxt +Compasse stryckende de Cours die hy ghezeylt heefd tot dat de voeten van +de Passers aen den anderen comen, daer weder een <span class="strong1">sticke met eenen +scherpen Passer oft plompe naelde settende</span>, soo datment met cryt wederom +wt doen cän‟.</p> + +<p><span class="strong1">Bestroppen</span>, einen Stropp (s. d.) um einen Block, der zu diesem Zwecke +mit einer Keep (s. d.) versehen ist, legen und festbändseln, damit er +irgendwo, wo er Halt hat, befestigt werden kann. Im übertragenen Sinne +gebraucht der Seemann das Wort häufig da, wo ein anderer sagen würde: +das wollen wir schon machen, das wollen wir wohl kriegen.</p> + +<p><span class="strong1">Betel</span> s. Kalfatern.</p> + +<p><span class="strong1">Beting</span>, die eine Vorrichtung zur Befestigung der Ankerketten an Bord, +starkes querschiffs laufendes, abgestütztes Gestell. Bett und Beet haben +beide die Bedeutung: Bleib-, Haft-, Sitz-oder Ruheding, von der Wurzel +bhad = binden, fesseln, festen und haften, halten, tragen. Beting ist +ein niederdeutsches Wort von derselben Herkunft, bei dem der Gedanke an +das Halten, Festhalten des Ankertaues zum Ausdruck gekommen ist.</p> + +<p><span class="strong1">Beweert</span> ist ein Schiff, wenn es wegen schlechten Wetters verhindert ist, +in See zu gehen. Doch kommt das Wort nicht etwa davon her, daß widriger +Wind oder sonst schlechtes Wetter ihn solches wehrte, vielmehr ist +beweert eine Zusammenziehung von bewettert, oder vielmehr, da es sich um +niederdeutsches Gebiet handelt, von beweddert; das niederdeutsche wedder +ist ja durchgängig im Munde des einsilbigen Volkes zu weer, wér +geworden.<a id="Page_61"></a> + <span class="pagenum">[61]</span></p> + +<p><span class="strong1">Bilander</span>, der, ein zweimastiges Schiff in Schweden, England und +besonders in Holland gebräuchlich, das als besonderes +Unterscheidungsmerkmal eine eigenartige Stellung der großen Rahe und +dieser entsprechende trapezförmige Gestalt des Großsegels hat. Die Rahe +macht mit dem Mast ungefähr einen Winkel von 45°, ihre oberste Nock +befindet sich über dem Heck, die unterste über dem Mittelschiff. Diese +Gestalt ist offenbar mit Rücksicht auf enges Fahrwasser gewählt, um +nicht so viel Raum in Anspruch zu nehmen. Denn für Binnenschiffahrt und +Fahrt „<span class="strong1">bi Lande</span>‟ ist das Fahrzeug bestimmt. Vier bis fünf Mann genügen +zur Handhabung der Segel.</p> + +<div class="poem"> + + <p> „Why choose we, then, like bilanders to creep</p> + <p> Along the coast, and land in view to keep.‟</p> + + <p class="author"> Dryden.</p> + +</div> + +<p><span class="strong1">Bilge</span>, die. Der unterste Raum des Schiffes in dem sich das eingedrungene +Wasser sammelt; auch dieses Wasser selbst. Letzteres ist die +ursprüngliche Bedeutung des Wortes, welches mit Balg nahe verwandt ist. +Balg aber entstammt einer Wurzel, die „anschwellen‟ bedeutet. Offenbar +hatte man, wie ja alle Sprache ursprünglich Bildersprache war, einen +aufgeblasenen oder mit Wasser gefüllten Balg vor Augen. Aus derselben +Wurzel stammt das in Ostfriesland vielfach gebrauchte Verbum belgen, +niederländisch belghen, angelsächsisch belgan, englisch to bulge. Auch +im Mittelniederdeutschen war dieses belgen gebräuchlich. Es bedeutet in +Bewegung kommen, in Hitze und Zorn geraten, dick werden, anschwellen, +„geschwollen sein auf jemanden‟, weil einem zornigen Menschen das Blut +zu Kopf steigt, das Gesicht sich rötet, die Adern aufschwellen und dick +hervortreten. Der Begriff des Anschwellens ist auf das Wasser angewandt +worden, („das Wasser rauscht, das Wasser schwoll‟). Eine solche +rauschende, schwellende Woge heißt, entsprechend dem erwähnten belgen, +Bülge; schwedisch bölja, dänisch, bolge, altnordisch bylgja, wie denn +sinnreich und bedeutungsvoll eine der Töchter des Meergottes Ägir in der +Edda Bylgia genannt wird. Dieses Bülge aber brauchen wir nur mit i +anstatt mit ü zu schreiben, (im Englischen wird es sowohl bulge als auch +bilge geschrieben), dann haben wir unser urdeutsches, nur etwas +anglisiert ausgesprochenes Seemannswort Bilge. Mit einiger Phantasie +können wir uns leicht vorstellen, wie bei den alten<a id="Page_62"></a> + <span class="pagenum">[62]</span> deutschen +Seefahrern in ihren immerhin kleinen, oft offenen Schiffen diese im +untersten Schiffsraum hin- und herwogenden, schwellenden Bülgen, deren +Anschwellen es mit aller Macht zu bekämpfen galt, eine wichtige Rolle im +Schiffsleben gespielt haben.</p> + +<p>Im Althochdeutschen hieß bulga ein Ranzen, Felleisen, lederner Sack und +belgan aufgebracht sein, zornig sein, aufschwellen; mittelhochdeutsch +bulga die aufgeschwollene Woge. Aber gegen bulga im Sinne von Bilge hat +sich das Hochdeutsche lange gesträubt, denn nicht immer ist den +Deutschen die <span class="strong1">Bewegung</span> des Bilgewassers bei der Benennung das +Ausschlaggebende gewesen. Es scheint als ob der Begriff der Bewegung +erst an der im Vergleich zum Mittelmeer so viel bewegteren Nordsee in +den Vordergrund getreten und daß Bilge daher lange Zeit ausschließlich +niederdeutsches Eigentum gewesen wäre. Im Althochdeutschen hatte man +zwar, wie bemerkt, das Wort bulga, aber die Bilge nannte man sentine. +Dieses Wort stammt aus dem Mittelmeer, es ist das lateinische sentina +und beweist, daß man in jenen sanfteren Gewässern bei der Namengebung +mehr an den üblen Geruch des betreffenden Wassers als an seine Bewegung +gedacht hat, denn sentina heißt Jauche, Abwasser, Auswurf, Hefe, Unflat; +daher französisch sentine zugleich Pfuhl und Bilge heißt, englisch +sentine Senkgrube, Sammelstelle stinkenden Wassers. Wer einmal +Bilgewasser gerochen hat, der wird sich also über die Benennung im +Althochdeutschen nicht wundern. — Als unterster Raum im Schiffe diente +die sentine in Zeiten, da man auf Hygiene wenig achtete und sich um die +Gesundheit der Gefangenen nicht viel bekümmerte, auch als Gefängnis, als +Arrestlokal. Und dieser Umstand könnte vielleicht zur Erklärung des +Wortes sentinelle, englisch sentinel dienen. Daß dasselbe von sentire, +wahrnehmen, direkt abgeleitet wäre, ist doch kaum anzunehmen, man müßte +denn einem Posten, einer „Schildwache‟ eine ganz besondere, in der Nähe +der sentine noch dazu sehr übel angebrachte Sensibilität zuschreiben +wollen. Daß aber der Posten vor der sentine sentinelle genannt worden +ist, wird den nicht wundern, der weiß, daß der Mann, der bei den +Schilden Wache stand, selbst Schildwache genannt worden ist. — +Holländische Matrosen nennen die Bilge nicht unwitzig pis-bak, auch +pis-gat, kurzweg auch bloß gat, Loch. Das ging ins Französische über als +gatte, jatte, und die französischen Matrosen machte daraus scherzweise + — Agathe.<a id="Page_63"></a> + <span class="pagenum">[63]</span></p> + +<p>Es gab früher noch ein drittes Wort für Bilge, das aber meines Wissens +nur noch im Gröningenschen im Gebrauch ist: durk. Halbertsma erklärt es: +„spatium in navis fundo inter tabulatum interius et exterius, +receptaculum aquae stillantis per rimas, sentina‟. Im ostfriesischen +kommt das Wort nur noch in der Form turk vor, Bezeichnung für den +hintersten, abgeteilten, dunklen Teil eines Mäherzeltes. Aber im +schwedischen ist es erhalten, nur daß da durk einen Schiffsraum +bedeutet, der als Last dient, also immerhin die der Bilge nahen Räume. +Der Teuthonista hat das Wort in der Form dorrick, „dat dyepste van den +scheep den water naist‟; „dorrick in en schip, dair sych al dat water in +den schip vergadert, sentina‟. Angelsächsisch thurruc, auch im +englischen noch als thorruke bekannt. Mittelniederdeutsch hieß es dork; +aber durk dürfte die ursprüngliche, auf Lautmalerei beruhende Benennung +der da unten, wo es fürchterlich ist, gurgelnden Gewässer sein.</p> + +<p>Ein viertes Wort wird heute noch gebraucht: Sod, oft in der +Zusammensetzung Pumpensod; „der niedrigste Ort im Schiffe beym großen +Mast, wo die Pumpen stehen und wohin sich wegen der Krümmung oder des +Springs des Schiffes alles im Raum befindliche Wasser durch die +Nüstergaten zusammenzieht‟ (Röding II 310). Dieser Raum heißt in der +„Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673 „Soet‟. Die Bedeutung +kommt der von Bilge sehr nahe, denn Sod ist das niederdeutsche und +niederländische sod oder sot = Brunnen, und kommt mit sode = das Sieden, +Kochen, Brodeln, Aufkochen, Aufwallen, Aufquellen, Aufstoßen, (daher +„Sodbrennen‟) von seden = sieden, kochen, wallen.</p> + +<p><span class="strong1">Bewulen</span> s. (wulen) Wuling.</p> + +<p><span class="strong1">Billen</span>, die. Die untere Rundung des Schiffes hinten, wodurch der Spiegel +mit der Seite des Schiffes vereinigt wird; auch Backen genannt; +italienisch il rotondo della poppa. Der zu Grunde liegende Begriff ist +der des Runden; heißen doch die ebenfalls Rundungen bedeutenden Backen +am menschlichen Leibe, da wo der Rücken nicht mehr anständig ist, im +Niederdeutschen billen; „Kinder fan willen (die sagen „ich will‟ anstatt +„ich bitte‟) krigen wat för de billen.‟ „Der Stuhl ist noch billenwarm +von dem eben jemand aufgestanden ist.‟ — Also ein ziemlich derbes Wort, +aber treffend und deutlich, und darauf kommts der Sprache vor allen +Dingen an.<a id="Page_64"></a> + <span class="pagenum">[64]</span></p> + +<p><span class="strong1">binnen</span>, inwendig, drinnen. Althochdeutsch binnen, mittelhochdeutsch +binnen, jetzt im Hochdeutschen so ziemlich auf „Binnenland‟ +eingeschränkt, während in Niederdeutschland das Wort noch in manchen +anderen Verbindungen erhalten ist. In Holland wird so oft jemand an die +Tür klopft da wo wir herein! rufen würden „binnen!‟ gerufen. +Seemännisch: binnenbords, Binnengewässer, Binnenseite, Binnenhafen, +binnen laufen (für Schutz suchen in einem Hafen, auch bloß gleich +einlaufen) Binnenschoot (am Leesegel). Entstanden aus beinnen, wie boven +aus be-oben und buten aus be-uten.</p> + +<p><span class="strong1">Brise</span>, die, jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht +auf die Himmelsrichtung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo +möglich von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da +konnte man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie +eine Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen: +„Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest‟, oder wie es auf dem +Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: „Hier bläst der Nordwind aus +allen Himmelsrichtungen.‟ Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind +bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas; +piemontesisch und provençalisch bisa, Nordwind; französisch bise. Ein +deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als +„Beiß‟-Wind erklärt. — Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und +französisch bis = grau, schwärzlich; das hängt damit zusammen, daß man +in Frankreich den Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, +und daß bei Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte +sich den Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen +hieß bise geradezu nördliche Gegend, Norden.</p> + +<p><span class="strong1">Blakepumpe</span> s. Pumpe.</p> + +<p><span class="strong1">Bleilatsch</span>, der, ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es +auf die Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an +Deck aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein +niedergetretener Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder; +latschen heißt gehen ohne daß man die Füße recht vom Boden aufhebt, mit +den Sohlen auf dem Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die +durch die<a id="Page_65"></a> + <span class="pagenum">[65]</span> Luft geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin, +ehe sie an ihrem Ziele liegen bleibt.</p> + +<p><span class="strong1">„Blauer Peter‟</span> s. „an Bord.‟</p> + +<p><span class="strong1">Blinde Rahe</span>, die, ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck +hat, demjenigen Teil des stehenden Gutes, der den Klüverbaum nach den +Seiten zu rückwärts stützen soll, eine größere Spreizung, also mehr Halt +und Festigkeit zu geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in +früheren Zeiten hatte sie eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit +Segeln, mit viereckigen Rahsegeln. Sie nützten zwar wenig, diese Segel, +und hießen darum Blinde, obere Blinde und untere oder große Blinde, und +eben daher hießen die beiden Rahen Blinde-Rahen. Überhaupt hieß jedes +Segel, wenn und solange es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt +oder „benommen‟, ohne Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den +beiden Segeln unter dem Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie +eigentlich zwecklos und leisteten nichts. Mit der Bezeichnung „blind‟ +wird wie mit „taub‟, etwas benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte +sein, nicht leistet wozu es bestimmt ist, z. B. blindes Glas, blindes +Fenster, blinder Passagier, „mit dem Blinden spielen.‟ Im Friesischen +und Angelsächsischen heißt unsere „taube Nessel‟ „blinde Nessel‟ als +eine Pflanze die blüht, ohne Frucht zu bringen; vergl. „taube Nuß‟, Nuß +die keinen (Frucht) Kern hat. Die Würfelseite ohne Punkte, (Augen) heißt +friesisch bline dobbelstien. In Westfalen nennen sie das, was man +anderwärts einen „Nachtwächter‟ am Wege nennt, einen blinnen hasen, weil +es nicht wegläuft wenn man darauf tritt. Englisch ist die „schwache +Seite‟ eines Menschen seine blindside. „He is too great a lover of +himself, this is one of his blindsides; the best of men, I fear, are not +without them.‟ — Weil die „Blinde‟ genannten Segel überflüssig waren, +kamen sie ab, aber die eine „Blinde-Rahe‟ ist als blinde Rahe geblieben, +denn sie ist, wie oben angegeben, nicht überflüssig und zwecklos, wenn +sie auch den entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern +der eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, führt sie +ihn auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon +Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, ist der freie Raum, den das +Meer bietet, mit Vertonungen, schön verzierten Titelkartuschen und +dergl. ausgefüllt; daneben auch mit allerlei Seetieren<a id="Page_66"></a> + <span class="pagenum">[66]</span> und +namentlich mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die +Blinde gesetzt.</p> + +<p><span class="strong1">Blinkfeuer</span>, das. „Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen +Licht durch kurze Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann +plötzlich wieder erscheint.‟ Ein „Blink‟ ist eine klare Stelle am +Himmel, die sich zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt. +Während im Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z. B. in der +Allitteration „blink und blank‟, als Zeitwort blinken und in der Wendung +„mit den Augen blinkern‟, findet sie im Niederdeutschen um so +zahlreichere Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen +werden müssen, da blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik = +Schein, Glanz, Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem, +bliksen, bliks = Blitz. — Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes +Leuchten, kurzer heller Schein; „alle dre mienuten smit dat lücht fan de +furtorn 'n blink afer 't water.‟ — Blinke, blink „eine glänzende Stelle +im Watt, welche namentlich beim Sonnenschein durch ihren hellen Schein +weithin sichtbar ist. Es sind diejenigen Stellen, welche nach +eingetretener Ebbe wegen ihrer Undurchlässigkeit länger naß bleiben‟ +(Doornkaat). Es gibt auch noch ein blinke, blink als grüner Anger bei +Dörfern und Städten, was wohl von brink kommt, einen erhöhten, +bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu die Zeitwörter bliken = Schein +und Glanz machen, wonach aussehen, sichtbar und offenbar werden, +erhellen, sich zeigen, und blinken = blinken, leuchten, glänzen, +blitzen, funkeln; davon das Frequentativum blinkern, zwinkern, blinzeln. +Kommen alle mit Birke wegen der glänzenden scheinenden Rinde von der +Wurzel bhrag, bharg, bhark, glänzen. — Schon althochdeutsch blican, +glänzen, blicfiur, Blitzfeuer. Angelsächsisch blican, leuchten; aber +altenglisch blink = aspectus. — Roeding kennt „Blickfeuer, gewisse +Signäle die man in der Nacht auf Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers +von Zeit zu Zeit macht, um sich unter einander Nachricht zu geben, wo +man sich befindet.‟</p> + +<p><span class="strong1">Block</span>, der. Dieses für die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem +jeden aus der Physik als Teil eines „Flaschenzuges‟ bekannt ist und das +hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Scheibe, besteht, hat +seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das +althochdeutsche biloh,<a id="Page_67"></a> + <span class="pagenum">[67]</span> mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stück +eines Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in +Gefängnissen; altfriesisch bloc, „vppa thet bloc iefta inna thet kalde +yrsen sle,‟ in diesem Sinne wird aber meist, schon im +Mittelniederdeutschen, Stock gesagt. Indessen ist Block die treffendere +Bezeichnung, denn es kommt vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan, +angelsächsisch lucan, und das heißt schließen, verschließen (s. Luke). +Das Wort Block führt also in die frühesten, einfachsten Zeiten zurück in +denen man zum Verschließen von Öffnungen weiter nichts hatte als einen +Holzklotz. — Es gibt eine große Anzahl von Blöcken an Bord, mit +verschiedener Gestalt und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck +verschiedene Namen führen. Die meisten davon erklären sich durch +Zusammensetzungen wie Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock +von selbst. Sonst s. Violinblock, Warrelblock, Steertblock, +Kinnbacksblock, Dodshofd und Spinnekopf.</p> + +<p><span class="strong1">Block an Block</span> s. tublocks.</p> + +<p><span class="strong1">Blockade</span>, die. Sperrung eines Hafens, einer Küste. In diesem Worte ist +die ursprüngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein +gekommen: Verschluß. Das französische bloc und bloquer, das italienische +bloccare, das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs. +Blockieren war in Deutschland schon vor dem 30jährigen Kriege +gebräuchlich. Blockade dagegen wird nach Kluge erst seit 1686 +verzeichnet.</p> + +<p><span class="strong1">blockieren</span> s. Blockade.</p> + +<p><span class="strong1">Blüse</span>, die. Neben den Leuchttürmen hatten sich lange Jahrhunderte +hindurch offene Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke +dienten, jetzt aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind. +Sagt doch schon Roeding: „Auf Blüsen brennt gewöhnlich ein +Steinkohlenfeuer, da aber die Flammen desselben, wenn frische Kohlen +aufgeschüttet werden, eine Zeitlang erlöscht, oder auch durch die +Nachlässigkeit des Hüters, der es nicht oftmals genug auffrischt, nur +ein schwaches Licht von sich wirft, so sind die Leuchttürme, auf welchen +Lampen brennen, diesen Blüsen vorzuziehen.‟ Mit blasen verwandt, +anblasen, anfachen, brennen und flammen machen; englisch to blush, rot +werden, erröten. — Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine +Blüse oder Feuerbake und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in +seiner um die Mitte des siebzehnten<a id="Page_68"></a> + <span class="pagenum">[68]</span> Jahrhunderts verfaßten +oldenburgischen Chronik davon berichtet. „Dieses Eyland ist vorzeiten +viel grösser als gegenwärtig, gewesen, solle, nach der Alten Berieht, +sowohl in- als auswendig des Hafens oder Strandes, durch hohe +Wasserfluten und starke Stürme, mehr als die Helfte mit der Zeit sich +verloren haben, ist itzo nur eine halbe Meile lang, und eine halbe +vierteil Meile breit, und denen auf der West- oder Nordseefahrenden sehr +nützlich, als dahin sie sich bei Sturmzeiten begeben und vor dem +Schiffbruch retten können, wie sichs dann oft begiebt, daß am selbigen +Ort 40, 50, 60 und mehr große Lastschiffe zusammenkommen und sich +daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey, aufhalten, dahero solche +Stelle von den Schiffleuten pro tutissima navium statione, vor einem +sicheren Schiffhafen gerühmt wird. Auf diesem Eylandt sind zwo Kirchen, +die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit, die andere aber ins +Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken Turm und einem Dorf +gestanden. Jene ist durch die Ungestümigkeit des Meeres in Vorjahren +hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch zur Ebbezeit die +Abteilung der Äcker und die bei den Häusern gehabte Brunnen, man noch +merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands daselbst einige alte +silberne Münze und andere Sachen. Der Ort wird sonsten Oldenoge genand, +worüber nun mehr die allergrosseste Schiffe fahren. Der ins Westen +stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre 1597 von Herrn Graf +Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schrift- und mündliches Ersuchen +zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602 vollendet worden; +dessen Kosten an Materialien und Handwerkslohn, ohne die Fuhren und +Frohnen der Untertanen, sich auf die vierundzwanzigtausend Reichstaler +belauft. Oben darauf hat eine große eiserne mit Rüben-Öhl gefüllete +brennende Lampen durch 48 Fenster geleuchtet, den Seefahrenden Leuten +bey tunkelen und einfallenden Sturmgewitters Zeiten, zu verhütung +Schiffbruchs, die Gegend und den Ort in der See zu zeigen, daß man davon +sagen mögen:</p> + +<div class="poem"> + + <p>Naufragus aequoreis ne Nauta periret in undis</p> + <p>Hac facibus turri nocte docetur iter.</p> + +</div> + +<p>Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht weit in die See +geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lässet +Herr Graf Anthon Günther eine Feuerbake<a id="Page_69"></a> + <span class="pagenum">[69]</span> ins Norden auf einen +Sandhügel und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das +Feuer mit Schottischen Steinkohlen von Michaelis bis gegen Christtag, +und wieder gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in +die vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird.</p> + +<p><span class="strong1">Bö</span>, die. Eine plötzlich entstehende, kurze Zeit dauernde Windsbraut, bei +der man je nach der Stärke oder den Begleiterscheinungen von Sturmbö, +Hagelbö, Regenbö, spricht. Es dürfte mit Bake verwandt sein. Hört man +genauer zu, so sagt ja der niederländische Seemann nicht schlechthin und +kurzab Bö, sondern er macht das ö lang und zieht es am Schlusse in ein i +hinüber. Wer jemals einen Kieler Fischer den Namen des Seebades und +Fischerdorfes Laboe aussprechen hörte, der wird den Klang kennen, wenn +Laboe auch eine andere Herkunft aufweist. Im ostfriesischen heißt das +Wort geradezu Böje. Und dieses i dürfte der letzte Rest eines flüchtig +gewordenen Gutturallautes sein, eines k oder g, wie denn im dänischen +das Wort, heute das g noch hat, byge. Zu Grund wird ein Zeitwort liegen, +das altfriesisch und saterländisch beja, nordfriesisch boje, dänisch +boje, westfriesisch buwgjen, holländisch buigen heißt, das deutsche +beugen, biegen, bücken. Eben davon haben wir Bake abgeleitet, wegen der +biegenden, beugenden, bückenden Bewegung des Körpers. Nun eröffnet sich +für die Entstehung von Bö eine doppelte Möglichkeit. Entweder, was das +Nächste sein dürfte, die Bö biegt, beugt Bäume und Masten, (oder bricht +sie, wenn sie nicht biegen wollen), oder sie ist eben aufzufassen als +eine Biegung, Beugung, Ablenkung, eine plötzliche Veränderung des +Wetters.</p> + +<p>Und wie wir in Bezug auf die Gemütsstimmung eines Menschen wohl von +„schlechtem Wetter‟ sprechen, so wird in Ostfriesland für unbeständige, +umspringende, sich hin- und herdrehende Stimmung, für eine +wetterwendische Gemütsart die Bezeichnung Böje gebraucht. Und gerade +dieser Gebrauch hilft die Vermutung der Verwandtschaft mit Bake stützen, +denn für Böje in diesem Sinne wird noch häufiger Bök oder Böke gesagt, +das Wendung, Kehr, Drehung, Wechsel, Laune bedeutet.</p> + +<p><span class="strong1">Bock</span>, der, ein aus zwei Stangen aufgerichtetes Gestell, mit dessen Hilfe +man Lasten aufwindet. Ungleich dem Sturmbock, der von des Ziegenbocks +Neigung zum Stoßen den Namen hat, ist dieser Bock nach dem mit seinen +Hörnern sich vornüber neigenden<a id="Page_70"></a> + <span class="pagenum">[70]</span> Ziegenbock genannt, während +Sägebock einfach das Bild eines solchen Tieres in seiner ganzen äußeren +Gestalt darstellt. Wohl von einer Wurzel bhug, wegen des Sichbückens zum +Stoß. — s. Krahn.</p> + +<p><span class="strong1">Boden</span>, der, „ein uraltes indogermanisches Wort‟ mit der Bedeutung „Grund +und Boden‟; dann auch das Untere, Unterste, Unterlage für etwas, davon: +Aufbewahrungsort. Das Wort hieß althochdeutsch bodam, mittelhochdeutsch +bodem; so heißt es auch heute noch in deutschen Mundarten. Angelsächsich +botm, englisch bottom. Dieses in der ursprünglichen Form ist für die +Seemannssprache wichtig wegen Bodmerei (s. d.). Man spricht von +Außenboden, Innenboden, Doppelboden u. s. w.</p> + +<p><span class="strong1">Bodenwrange</span>, die, auch Bauchstück genannt, das unterste, zunächst am +Kiel sitzende Spantstück. Es hat seinen Namen von der Krümmung. Wenn +auch gerade das unterste (Bauch-) Stück des Spants noch nicht so sehr +gekrümmt ist, so beginnt doch bei ihm die Krümmung; es ist daher +zweifellos, daß Wrange von wringen, biegen, drehen, kommt. Wrange heißt +in Ostfriesland auch ein „verdrehter‟ Mensch; das hochdeutsche, wie +gewöhnlich das anlautende w vor r abwerfend, sagt dafür Range. — Davon +das französische varangue.</p> + +<p><span class="strong1">Bodmerei</span>, die, ein Darlehensgeschäft, Vorschuß auf die, auf dem Boden +(früher Bodem) des Schiffes, d. h. im Schiffe liegenden, zur Ausfahrt +geladenen Waren. Französisch la bomerie; Aubin: „Comme l'argent que l'on +préte, et qui raporte quinze, vingt et jusques à trente pour cent, selon +les risques, n'est prêté, pour l'ordinaire, que sur la quille du +vaisseau, qui chez les Hollandais s'apelle Bodem, d'où ils on fait +Bodmerye, on a aussi apellé ce prêt, Bomerie.‟ — Kilianus Duffel.: +boomerye rectius bodemrye, tax: bodmerye a bodem i. carina navis, foenus +nauticum, usura maritima. — In Holland heißt verbodemt hout hout dat +komt per bodem, d. h. an Bord eines Schiffes und mit einem Floß. — Die +über das Geldgeschäft aufgenommene Urkunde heißt Bodmerei-Brief, +unterschieden von Beilbrief (s. d.), weshalb die Erklärung „Vorschuß auf +den Kiel eines Schiffes‟ ungenau ist, weil man dabei an den Bau eines +Schiffes denken könnte, während doch die Ladung des Schiffes gemeint +ist.</p> + +<p><span class="strong1">Boje</span>, die. Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch ähnlich der Bake, nur +daß die Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem +Meeresgrunde befestigt ist.<a id="Page_71"></a> <span class="pagenum">[71]</span> + Nach der Gestalt unterscheidet man +Bakenboje, Blockboje, Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje, +Tonnenboje, wie denn auch Tonne (s. d.) allein häufig, ebenso wie Boje +und Bake, für Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer +Zeit immer häufiger angewandt wird. („Lootsen- und Betonnungswesen‟). +Nach der Farbe unterschieden giebt es weiße, schwarze, rote, gestreifte +und gewürfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje, +Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje, +Vertäuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje, +Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen und bedeutete +ursprünglich nur Fessel. Bei dem lateinischen Schriftsteller Festus +kommt es mit der Erklärung vor: „genus vinculorum tam ferreae quam +ligneae,‟ ist dann in das Altitalienische übergangen, wo es noch boja +hieß, ins Provençalische, wo es die Form boia annahm, und ins +Französische, wo es altfranzösisch als buie, Kette, Fessel vorkommt. — +Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfessel anlegt, so +heißt er im Italienischen boja. Boja bedeutet nicht bloß Kette, sondern +irgend ein zum Fesseln geeignetes Ding, zum Beispiel einen Riemen, aus +einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der +Ochse heißt, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die älteste Bedeutung. +Nun fesselte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine +Kette ein Stück Holz in der Weise, daß das eine Ende am Holze fest war, +das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald +übertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte +das Stück Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich +diese Bedeutungsübertragung auf dem Durchgang durch das Französische +vollzogen, wo 1702 Boje in der Form bouée vorkommt: „une marque faite +d'un morceau de bois ataché à l'orin.‟ — Aber noch weiter ist man mit +der Übertragung der Bedeutung gegangen, so weit, daß von der +ursprünglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese Neugeburt kam in +drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fessel. 2., Boje = gefesseltes +Stück Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stück (Ring von) Kork ganz ohne +Fessel, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins Wasser Gefallenen +zugeworfen. — Doch war im Holländischen vor 200 Jahren die Bedeutung +Fessel auch den Seeleuten noch durchaus geläufig, denn einen „in de +ysers<a id="Page_72"></a> + <span class="pagenum">[72]</span> of boyen setten‟, hieß einen in Eisen, in Fesseln legen. +Kilianus, über 150 Jahre früher, hat das Wort als bouye = vinculum +pedis; dann aber auch = anchoralia tabula, anchorae index in superficie +aquae natans, also Ankerboje. Diese Bedeutung im übertragenen Sinne ist +also die älteste und ist auch hauptsächlich in das Bewußtsein der +(nichtseemännischen) Schriftsteller übergegangen: Schreibt doch Weiland: +„boei = eene ton, of een blok hetwelk op het water dryft en de plaats +aanwyst, waar het anker ligt.‟ Sonst kennt er auch boei noch als Band, +„met de stalen boei aan 't been.‟ In der Mehrzahl heißt es: Gefängniß. +Auch bildlich gebraucht: „met de boejen des huwelyks (der Ehe) belast.‟ + — Siehe auch „Tonnenboyer.‟</p> + +<p><span class="strong1">Bollwerk</span>, das, kommt in der Seemannssprache nur im Sinne von „hölzerne +Brücke‟ vor, aus Pfählen und Bohlen entlang einer Mauer, einem Wall oder +Damm als Liegeplatz für Schiffe erbaut, oder auch ins Wasser +hinausgebaut zum (vorübergehenden) Anlegen von Schiffen. So leidet es +keinen Zweifel, daß das Wort von Bohle kommt. Schon im „Seebuch‟ 1400 +lesen wir: „unde van Nergeden to Revele achter dat bolwerk, dat sind dre +weke seys.‟ „dat Kors ist ost.‟ („weke sees‟ ist ein noch zweifelhaftes +Wegemaß zur See aus jener Zeit.) Aus dieser Segelanweisung ersehen wir, +wie sehr die Hansa auf gute Hafenanlagen bedacht war. — Das deutsche +Wort drang als boulevard ins Französische; es war also von den Leuten zu +Mainz doppelt Unrecht, daß sie anfänglich ihre schönste neue Straße +Boulevard genannt haben. — Von Bollwerk kommt ein Zeitwort bollwerken, +das ein Bollwerk machen bedeutet, figürlich aber für schwer arbeiten, +scherzweise auch als verbollwerken für verarbeiten, bewältigen, +verprügeln gebraucht wird.</p> + +<p><span class="strong1">Bolzen</span>, der. Alle die verschiedenen Arten von Bolzen die es an Bord +gibt, haben, wie im ganzen deutschen Sprachgebiet, die Bedeutung eines +(längeren oder kürzeren, dickeren oder dünneren) Nagels. Man +unterscheidet aber je nach Gestalt und Bestimmung Ringbolzen, die am +Kopfe einen beweglichen Ring haben, Augbolzen, deren Kopf ein Auge, eine +augenförmige Öffnung hat; Splintbolzen, die an der Spitze ein kleines +längliches Loch zum Durchstecken eines Splints haben usw. „Klar beim +Bolzen!‟ ist ein aus seemännischem Munde oft zu hörendes, scherzweise +auch da, wo es gar keine Bolzen zu besetzen und<a id="Page_73"></a> + <span class="pagenum">[73]</span> zu bedienen gibt, +gebrauchtes Kommando mit der Bedeutung „nun aufgepaßt!‟</p> + +<p><span class="strong1">Bonnet</span>, das, ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als +bonnette, den Engländern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrößerung +der Untersegel, die bei gutem Wetter und beständigem Winde angebracht +wird. Also etwas Ähnliches wie Leesegel, nur daß ein solches <span class="strong1">neben</span> dem +eigentlichen Segel, das Bonnet aber an der <span class="strong1">Unter</span>kante des Segels +angebracht wird. Mittelhochdeutsch bonit, 1461: „en holk, geheten +Marienknecht, mit deme segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers‟ u. s. w. Bonnet war der Name einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher +eine aus solchem Zeug verfertigte Mütze bonnet hieß und in England heute +noch so heißt. Aus gleichem oder ähnlichem Zeug war auch die +Verlängerung des Segels; man gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines +Lecks. — Da das Bonnet eine Verlängerung des Segels bedeutete, so nahm +es auch, den Begriff Verlängerung besonders auffassend, ganz allgemein +die Bedeutung „Verlängerung‟ an, Verlängerung eines Baumes, einer +Leiter, eines Löschbordes u. s. w. — Eine andere Erklärung ist, da +obige nicht ganz überzeugend zu sein scheint, unter Leesegel gegeben; +sie dürfte vielleicht eher einleuchten, zumal im Französischen, vergl. +Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in obigen Sinne, sondern auch im +weiteren Sinne Leesegel heißt und Leesegel ein Schönwettersegel +bedeutet.</p> + +<p><span class="strong1">Boot</span>, das. In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum +vor, dafür ist es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet +verbreitet; und was ein richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt +„die Boot‟. — Das erste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes finde ich +in einer Urkunde des Königs Äthelred (978-1016): „Qui ad pontem venisset +cum uno bato, ubi piscis inesset.‟ In der Edda finden wir es als batr +(neben eikja, einem aus einer Eiche ausgehöhltem Boote). Kluge sagt: +„Der Ursprung von angels. bat = germ. baita — (vorgerm. bhoido — ?) ist +noch nicht aufgeklärt.‟ — Die altnordische Form beit erinnert an das +Schiffszimmermannswerkzeug Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung +nicht allzu fern, es möchte wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem +Worte ein Stamm zu Grunde liegen, der graben, stechen, hauen, spalten +bedeutet, zumal es ein mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das +schlagen, <a id="Page_74"></a> + <span class="pagenum">[74]</span> stoßen, stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoßen, +oder bhid hauen wird also zu denken sein, so daß Boot etwas Ausgehauenes +oder Ausgestochenes, etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel +Ausgehöhltes wäre, ein „Einbaum‟. Noch heute hat man in Ostfriesland das +Zeitwort böten, schlagen, stoßen; althochdeutsch bozan. Und daneben in +ganz Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das +Zeitwort böten, heizen. Die beiden könnten mit einander verwandt sein, +insofern zum Heizen die menschliche Tätigkeit des Stoßens, Stechens, +Stocherns, Stokens unentbehrlich ist. Da aber böten auch feuern +bedeutet, so erinnert es uns daran, daß man dem Beitel mit Feuer zu +Hilfe gekommen ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehöhlt +hat, so daß uns also das Wort in die allerersten Culturanfänge +zurückführen könnte. — Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel, +Bootskompaß sind ohne Weiteres verständlich. <span class="strong1">Bootspfropfen</span> nennt man den +Korkpfropfen mit dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes +verstopft wird, ehe man das Boot zu Wasser läßt.</p> + +<p><span class="strong1">Bootsmann</span>, der. Der Deckoffizier dem die Aufsicht über die gesamte +Takelage und das eigentlich Seemännische, soweit es Arbeitsverteilung +und Verwaltung des Inventars betrifft, übertragen ist. Englisch +boatswain, ein eigentümliches Wort, denn swein bedeutet Knecht, +Schweineknecht, Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas +mit der Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Französisch bossemann. +Im Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch +bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so daß +also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schließlich hieß überhaupt +jeder Seemann bosmann. „De boslüde hebben Rode Clawes vorkregen, welk +ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke +tohowen.‟ (Schiller und Lübben II. 153) s. a. Hochbootsmann. — Ein +<span class="strong1">Bootsmannsstuhl</span> ist eine (aus Segeltuch hergestellte) Sitzgelegenheit +die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er wird gebraucht +Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen, seemännische Arbeiten in +der Takelage auszuführen und dergl. So nennt man auch den „Stuhl‟ der an +einem Tau fährt, das vom Mast eines gestrandeten Schiffes an Land +gegeben ist um Schiffbrüchige zu retten.</p> + +<p><span class="strong1">Bootsmannshellegat</span>, s. Hellegat.<a id="Page_75"></a> + <span class="pagenum">[75]</span></p> + +<p><span class="strong1">Bootsmannsmaat</span>, siehe Maat. </p> + +<p><span class="strong1">Bootsmannsstuhl</span>, siehe Bootsmann.</p> + +<p><span class="strong1">Börtschiff</span>, das, ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit +regelmäßige Fahrten nach einem und demselben Orte (und wieder zurück) +macht; „d'r is 'n börtfard up Amsterdam inrigt.‟ Mit bören = tragen von +phero, fero, aber nicht weil das Schiff die Lasten trägt, sondern weil +es ihm <span class="strong1">gebührt</span>, regelmäßig zu fahren, nachdem der börtmann oder +börtschipper sich einmal dazu verpflichtet und die Sache übernommen hat, +oder auch, weil das, was sich gebührt in der Ordnung, in der Reihe ist: +(regelmäßige) Reihenfahrt betreibt. Weiterhin bedeutet bört die +Reihenfolge nach der sich etwas wechselweise zuträgt „de bört is an mi‟; +„'t is nu min bört‟. Brem. Wörterbuch: Börtlüde sind die +Schmackschiffer, die wöchentlich von Bremen nach Amsterdam und Hamburg, +in einer privilegierten Anzahl, wechselweise fahren müssen.</p> + +<p><span class="strong1">Bord</span>, der. Dieses im Munde des Seemannes so häufig gehörte Wort heißt +ursprünglich weiternichts wie <span class="strong1">Brett</span> und stammt mit „bören‟ und der +ganzen weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas +Tragendes. Früh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas +baute, einen Raum einschloß und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des +Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil für das Ganze genommen und +<span class="strong1">Bord für Schiff</span> gesagt wurde, doch nicht ohne daß die beiden +ursprünglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wären. — Ein +gemeingermanisches Wort, im gothischen als fötubaurd, Fußbrett, Schemel +bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch bord, +Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die Bedeutung +Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um den Rand +des Tisches herumsitzt. Und im Altsächsischen hieß bord nicht nur Tisch, +sondern auch Haus, aus Borden, Bördern gebaut, ähnlichem Gedankengang +folgend der heute noch anstatt „in meinem Hause‟ sagt: „in meinen vier +Wänden, in meinen vier Pfählen.‟ — Für „<span class="strong1">Schiff</span>‟ wird bord schon früh, +im Angelsächsischen, „on borde‟ und im Altfriesischen gebraucht: „and +taegh ne weer inoer boerd‟, „und zog ihn wieder binnenbords.‟ — Aus dem +althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte +hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische, +Portugiesische gegangen,<a id="Page_76"></a> + <span class="pagenum">[76]</span> als bord ins Französische, = Rand, +Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen, +(mit einem Rande besticken) sticken; das französische (border) broder, +woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem +einheimischen alten Sinn. Im Altfranzösischen hieß borde Baracke, davon +bordele, bordel (ital. bordelle) = Hüttchen, kleine, unansehnliche, +schlechte (Bretter-) Bude. — Zu vergleichen ist die +Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch dilo, dil, +mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung, Zimmerdecke, +Bretterwand, („gedielter‟) Fußboden, „Diele‟, Schiffsverdeck. Vielleicht +ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele für Deck, Schiffsverdeck gebraucht +worden. In der Zollrolle der Gräfin Margarethe von Flandern vom Jahre +1252 heißt es: „Scuta que bordum habet debet Comiti duos dinarios; si +vero bordo carent, debet Comiti unum denarium.‟ Sartorius und Lappenberg +bemerken dazu: „Die Schute mit einem (größeren, höheren) Bord ist von +größerem Umfange, als die ohne oder mit einem kleinen Bord.‟ Durch diese +Erklärung wird aber die Sache nur noch dunkler, denn die Begriffe +„größer‟ und „kleiner‟ sind hineingetragen. Es steht da nur von einer +Schute die einen Bord hat und von einer die keinen hat. Einen Bord im +Sinne von Rand muß aber jedes Schiff haben, auch das kleinste. So darf +man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint, so daß ein gedecktes +Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu zahlen hatte. Diese +Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in einer Bremer +Urkunde von 1312 und 1315 liest: „Si naui, que dicitur eke, hoc +commiserint, centum, si alia vocata <span class="strong1">bortskip</span>, sexaginta marcis etc. etc. +debebunt emendare.‟ Es gab also Schiffe die Bortschiffe hießen; da aber +jedes Schiff einen Bord hat, so muß etwas anderes als Bord, Rand, +gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am nächsten. Dasselbe +gilt für das mittelniederdeutschen Urkunden eigene, noch heute in den +west- und ostpreußischen Häfen gebräuchliche bordinge; Brem. Stat. 1489: +„nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn legghen oan der slacht +(Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld, Hafenabgabe) sy dann thovoren +entrichtet.‟ Oldenburgische Urkunde von 1549: „Ike hadde ene burdinge +dat is ein stark schepe als ein punte, dar er siene perde mit auer +furde‟. — S. „an Bord‟, „von Bord‟, „über Bord.‟<a id="Page_77"></a> + <span class="pagenum">[77]</span></p> + +<p><span class="strong1">borden</span>, ungefähr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich +an jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord) +liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen +mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten +borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt) +wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im +Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Receß von 1440 +lesen wir: ... „unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do +injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so +grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden +grote Spansche schepe.‟</p> + +<p><span class="strong1">Borg</span> — in Borgbendsel, Borgbraß, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge, +Borgwanttau u. a. m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen +belieben, wenn wir uns gebildet ausdrücken wollen. Der Seemann ist aber +bei seinem Borg geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um +auf alle Fälle, auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen, +nimmt man eine zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe, +Borgstenge heißt. Breusing tadelt Roeding, daß er nicht gesagt hat, daß +dieses Borg nichts mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn +einmal lag es überhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische +Untersuchungen anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied +zwischen Borg in dem einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich +beide Male um Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer +mehr ein Pfand als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar +der Begriff Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber +doch noch vorhanden, und wäre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des +Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben.</p> + +<p><span class="strong1">Bottelier</span>, der. Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten +hat, also eine sehr wichtige Persönlichkeit, was schon daraus zu +erkennen ist, daß er sich nicht Botelir sondern Bottelié nennen läßt, +als ob es französisch wäre. Und es ist doch gut deutsch. Im +Althochdeutschen hieß der Bottich botacha, mittelhochdeutsch botige; +davon kommt butiglaere, büttiglaere, putigler, der Schenk, Mundschenk. +Von Bottich kommt Bütte, von Bütte als Verkleinerungsform Buttel +(Buddel),<a id="Page_78"></a> + <span class="pagenum">[78]</span> niederdeutsch Bottel, und hiervon kommt Bottelier, nur +daß im seemännischen Gebrauch die verengte Bedeutung wieder erweitert +ist, daß man nicht bloß an Flaschen, sondern vor allen Dingen an Fässer +denkt, auch wenn sie gar kein Getränk, sondern Fleisch oder Butter oder +Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der Begriff in Westfalen erweitert, wo +eine Magd, die auf größeren Gütern für das Bier und <span class="strong1">die Wäsche</span> des +Gesindes sorgt, Buddeliersche heißt, während anderseits der +Kellermeister des Abtes von Werden den Titel buttelierer führte. — In +Holland haben sie ein Sprichwort, das läßt tief blicken. „Als kok en +bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is.‟ Lüpkes hat +das übersetzt: „Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten, +zanken, hört man (durch ihre wechselseitigen Vorwürfe), wo die Butter +geblieben ist.‟ „Kellermeister‟ ist, da es selbst das vornehmste Schiff +bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr kühn angewandt, +wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: „Da weiß kein +Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist.‟ Es hätte sehr wohl Bottelier +können stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der +„Seemannssprüche‟ allgemein bekannt. — In seinem großen Werke über +Japan erzählt der Deutsche Kämpfer, der aber sein Buch holländisch +herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei in seiner Jugend +Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen.</p> + +<p><span class="strong1">Brabank</span>, die. Ursprünglich ein Ort wo seemännische Arbeit getan wurde, +an einer Küste oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und +Werft. Während nun Lastadie — habent sua fata verba! — so ziemlich aus +dem Mund der Menschen gekommen ist, hat Werft ein großartiges Glück in +der Welt gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen, +enger gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer +Werft beschäftigten Seeleute bedeutet. „Er ist auf der Brabank, von der +Brabank, gehört zur Brabank,‟ das heißt er gehört dem Allgemeinen +Betriebsdepôt der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende +Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem +beschaulichen Geschäft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hieß +das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Tätigkeit die +auf der Brakbank ausgeübt wurde nannte man braken. Nun hat<a id="Page_79"></a> + <span class="pagenum">[79]</span> Grimm +bei Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag +stammt, den Gedanken geäußert, daß vor dem t in braten ein k ausgefallen +sei, daß also braten für brakten stehe oder das k mit t einfach +getauscht habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur +Gewißheit. Und gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu +erinnern, er kommt in jeder Kinderstube täglich vor, und es gibt ganze +Völkerschaften, die die beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne +daß sie sich dessen überhaupt bewußt sind, ob sie ein k, ob sie ein t +sprechen. Wenn in einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin +anstatt Latin sagen konnte, dann konnte man sicher auch braten für +braken sagen. Und man tat es auch. Im Hochdeutschen hieß das Wort und +heißt es braten, im Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach +niederdeutscher Art in der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen. +In dem „Redentiner Osterspiel,‟ so genannt weil es von einem Ungenannten +am 20. November 1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar +vollendet wurde, geht Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen +ihrer Handwerkskniffe und -Betrügereien ins Gericht. Dem Schneider +(niederdeutsch scroder oder schrodere, daher der weitverbreitete +Familienname Schroeder) fällt er das Urteil:</p> + +<div class="poem"> + + <p> „Desseme schrodere dat syn recht</p> + <p>Unde werpet ene an der helle grunt,</p> + <p> Dar schal he ligghen so en hunt</p> + <p>Unde an der ewighen nette braghen</p> + <p> He heft so mennighen man bedraghen.‟</p> + +</div> + +<p>Der niederdeutsche Seemann blieb zunächst, sich auf nichts Neues +einlassend, bei dem gutturalen Laut, nur daß er statt der Media die +Tenuis nahm und nicht Bragh = sondern Brakbank sagte. Als aber im Laufe +der Zeit das Hochdeutsche auf seinem Siegeszuge zu mächtig wurde, konnte +er sich doch einer Änderung, einer sprachlichen Weiterentwicklung nicht +entziehen. Aber lieber als daß er den beliebten Tausch von k und t +mitgemacht hätte, machte er kurzen Prozeß, warf den unbequemen +Konsonanten vor dem b ganz hinaus und sagte in seiner kurzen, bequemen +Art kurzweg Brabank. — Es hat sich indessen auch noch ein Wort Brakbank +erhalten, hochdeutsch Brechbank, das aber mit dem unsrigen nichts zu tun +hat, wiewohl es auch nicht ganz ohne<a id="Page_80"></a> + <span class="pagenum">[80]</span> Beziehung zur Seemannschaft +ist, denn so heißt ja die hölzerne Bank zum Brechen des Haufes, auf der +die Schäven gebrochen werden, damit sie sich von der Hanffaser lösen. +Unser Brabank aber ist keine wirkliche Bank, sondern, wie Sandbank, +bildlich, für eine erhöhte Stelle an einer Küste oder einem Ufer +angewandt, und zwar war es ein Ort, wo besonders das Dichten und +Kalfatern vorgenommen wurde. Ein Schiff kalfatern nannte man bragen: +„Item wen ein schipper dichten en bragen leht.‟ Im Lübeckischen alten +Zunftrecht heißt es; „Idt schall ock kein werckmann uf der braeckbank to +werkende angenahmen werden, idt sy den hie genochsamb vor einen +werckmann up der lastadien (Werft) bekandt und darto duchtig‟ +(Befähigungsnachweis!). Der Kalfaterer hieß brager. — Nun hieß +altnordisch bradha — so früh schon hatte sich der t-Laut verschoben — +theeren, verpichen, mit Theer oder Pech überziehen, bradh das mit Ther +bestrichene Holz. Wir haben dabei an braten im Sinne von heiß machen, +wärmen, erhitzen, durch Hitze zum Schmelzen bringen zu denken, wie man +Speck ausbrät. Der Theer muß erst vom Feuer gleichsam gebraten, d. h. +flüssig gemacht werden, ehe man mit ihm kalfatern kann. Kalfatern (s. +d.) thut, trotzdem es erst ihr Hauptgeschäft war, die Brabank aber jetzt +nicht mehr, das wird von Schiffszimmerleuten, die nicht zur Brabank +gehören, besorgt. Roeding hatte also die alte Brabank noch im Auge, da +er vor 100 Jahren schrieb: „Ein am Ufer befindlicher Platz, der mit +Spillen, Gienen und anderem Zubehör versehen ist, um daselbst Schiffe zu +kielholen.‟ — Wie Lastadie als Straßenbezeichnung erhalten geblieben +ist, so muß es in Danzig eine Straße oder einen Platz des Namens Brabank +geben. — Eine auffallende Ähnlichkeit hat das bretonische rabank, es +hat aber nichts mit Brabank zu tun, sondern kommt von rap = Reep.</p> + +<p><span class="strong1">Bewulen</span> s. Wuling.</p> + +<p><span class="strong1">brack</span>, salzig, bitter, trübe, schlammig, verdorben, schlecht, +unbrauchbar. Brackwasser ist Süßwasser mit Salzwasser gemischt, also zum +Trinken unbrauchbar. Dann übertragen auf andere unbrauchbare Dinge, +verdorbene Waren, nicht vorschriftsmäßige Lieferungen oder nicht +verwendbare Teile einer solchen; bracken heißt dergleichen Gegenstände +als brack bezeichnen, condemniren, ausmustern, verwerfen. Schon Kilianus +hat das Wort brack in beiden Bedeutungen: „salsus, aquae marinae saporem +quodam<a id="Page_81"></a> + <span class="pagenum">[81]</span> modo referens‟ und brack goed, „merces submersae, salo sive +aqua marina corruptae.‟ Die Bedeutung ist also ursprünglich: „durch +Salzwasser verdorben‟, dann überhaupt verdorben. Und zwar hat der +Gedanke an bei einem hereinbrechenden Unglück hereinbrechendes +Meerwasser den Ausschlag bei der Benennung gegeben. Das Wort kommt also +von brechen; an Schiffbruch und Deichbruch ist zunächst zu denken und +dann an die dadurch verursachte Beschädigung. — Das „Bremer Wörterbuch‟ +schreibt: „Brack = Salzwasser mit Flußwasser gemengt. „Brakke Grund‟ ein +Boden der salziges Wasser gibt.‟ Und daher soll Brake an der untern +Weser seinen Namen haben, „weil Wasser, was auf diese Weise vermengt +ist, gebrochen pflegt genannt zu werden.‟ Kaum, sondern Brack, Brake ist +eine Stelle wo einmal ein Deich gebrochen war. S. a. <span class="strong1">Wrack</span>. Die +Bedeutung kommt nach Sinn und Form unserem „Gebrechen‟, „gebrechlich‟ +nahe.</p> + +<p><span class="strong1">Bram</span> = Bramstänge, Bramrahe, Bramsegel, Bramtuch, Bramsaling, +Bramtoppnanten, Brampardunen, Bramschoten, Bramwanten, Brambulin, +Bramfall, Brambraß, Bramleesegel, überhaupt: Bramgut. Alle diese Wörter + — in deren Zusammensetzung je das zweite Wort an seiner Stelle +nachzusehen — erklären sich aus ihrer Verbindung mit der Bramstänge. Es +gilt also das <span class="strong1">bram</span> in diesem Worte zu erklären. Bekanntlich ist die +Bramstänge die Fortsetzung der Marsstänge nach oben. Sie war früher, ehe +die Oberbramstänge erfunden war und ist auf Schiffen, die solche nicht +führen, der höchste, obere Teil des Mastes. — In Holland sagt man von +einem Manne, der bei uns Großhans heißt, der also „den grooten heer +uithangt‟, er sei ein „heelen bram,‟ er sei hoch gestochen. Dies bram +heißt hoch. Es stammt von der „Hasenheide‟, die hin und her in ganz +Europa an Feldrainen, auf Waldlichtungen, auf dürrer Heide wächst und, +außer Hasenheide, noch Pfriemenkraut, Brämme, Bräme, Bram heißt, +spartium scoparium L. Die uns bekannteste Art ist die mit den grünen, +dünnen, schwanken Reisern und den gelben, weithin leuchtenden +Schmetterlingsblüthen. Sie heißt vielfach Ginster. In Frankreich genêt +(von genista) und hat Verwandte die als Ziersträucher dienen. Ein Reis +(plant) dieses genêt pflegte Gottfried von Anjou an seinen Helm zu +stecken, woher der berühmte Name Plantagenet. Wir machen Besen aus dem +Ginster und nennen es Besenginster, jedoch nur auf hochdeutsch. +Das<a id="Page_82"></a> + <span class="pagenum">[82]</span> Volk sagt Bräme oder Bram, auch wohl Bremme, („Wirtshaus zur +goldenen Bremme‟ bei Saarbrücken kriegerischen Andenkens vom Sommer +1870), Brom in Brombeere ist damit gleicher Abstammung. Althochdeutsch +hieß prama, brama, mittelhochdeutsch brame Dornstrauch, stachligter +Strauch, Brombeerstrauch. Sehr bezeichnend, denn die Grundbedeutung von +Bram ist spitz, scharf, stechend, vorstehend, vorragend, Spitze, +Höchstes, Äußerstes. Die Bramstänge heißt also so als Spitze, Höchstes, +Äußerstes des Mastes und überhaupt des ganzen Schiffes. Der Name kommt +demnach nicht sowohl von der Gestalt einer dünnen, langen, schwanken +Ginster = Dornenstrauch- oder Brombeergerte, sondern von dem +Hinaufstehen, Hervorragen, Aufwärtsstreben der Reiser. Wäre jenes +anzunehmen, dann wäre Bramstänge eine Tautologie. Nicht als ob solche +nicht denkbar wäre, es giebt ihrer genug, aber einfacher und klarer ist +doch das Bild, wenn wir die Vorstellung „hinaufragen‟ festhalten.</p> + +<p><span class="strong1">Bräm</span>, der. Vergl. Bram; dieses heißt nicht nur das Höchste nach oben zu, +sondern auch das Äußerste nach außen zu, also nicht bloß Anhöhe, sondern +auch Ufer, Küstensaum, Saum eines Gewandes, Rand, Rand einer Mütze, +Mützenbräm der Offiziere etc. Da dieser Mützenbräm der Väter mit Pelz +besetzt war, so sagt man: Die Mütze war mit Pelz verbrämt, wie man auch +von einem verbrämten Kleide spricht, wenn der Saum besetzt ist. (Sogar +Augenbraue und Augenwimper kommen von Bram. Mittelhochdeutsch hießen sie +augbram und windbram, Rand über dem Auge, Schutz des Augenrandes vor dem +Winde.)</p> + +<p><span class="strong1">Brandung</span>, die. Die Bewegung der an einer Küste, einem Felsen etc. etc. +sich brechenden Meereswogen. Schon im Beówulf kommt brant, bront vor für +tosend, schäumend, von Schiff und Flut gebraucht. Es ist bei der +Benennung ausgegangen von dem was das Ohr hört, nicht von dem was das +Auge sieht, denn Brandung ist mit Brand dasselbe Wort, und man hat dabei +an das Geräusch des Brennens, das Brausen, Zischen und Gischen einer +Feuersbrunst zu denken. Das Zeitwort dazu heißt <span class="strong1">branden</span>, vom +niederdeutschen brannen = brennen und von Brandung beeinflußt. In +Ostfriesland gebraucht das Volk das Wort Brandung selten oder nie, sagt +vielmehr See. — Daß das Geräusch den Ausschlag gab, geht aus dem +Altnordischen, Angelsächsischen und Altenglischen hervor, wo Brandung +brim heißt, von breman,<a id="Page_83"></a> + <span class="pagenum">[83]</span> brummen, brausen, lateinisch fremere, +griechisch bremein. Indessen kommt schließlich alles auf eines hinaus, +denn im Sanscrit heißt bhramas prasselnde Flamme.</p> + +<p><span class="strong1">Brander</span>, der, heißt eigentlich Brenner. Die Form ist niederdeutsch, in +Anlehnung an Brand und brannen = brennen. In Holland heißt ein Mann der +irgend etwas brennt, sei es Kaffee, Branntwein oder Backstein ein +brander. Seemännisch, ein Schiff das anderen sich brennend naht um sie +in Brand zu stecken.</p> + +<p><span class="strong1">Brass</span>, die. Das Tau an der Nock der Rahe mit dem diese gebraßt d. h. +vorwärts oder rückwärts bewegt wird, je nachdem die Segel nach dem Winde +gerichtet werden müssen. Die beiden vom Mast abstehenden Teile einer +Rahe gleichen zwei ausgebreiteten Armen. Daher ist anzunehmen, daß das +Tau an solchem Arm mit dem lateinischen und griechischen Worte für Arm, +brachium, brachion, verwandt und durchs Romanische zu uns gekommen ist. +Französisch brasse, Klafter, Schnur, Seil; provençalisch brassa, +spanisch und portugiesisch braza, Klafter (was man mit den Armen fassen, +greifen, umfassen kann); englisch brace, Tragband, Handhabe; diese +letztere Bedeutung würde dem Gebrauche von Braß als Handhabe am Ende der +Rahe am besten entsprechen. Das seemännische Braß heißt französisch +bressin, weil das den Namen tragende Tau am bras (Arm) befestigt ist; es +müßte daher eigentlich brassin lauten; aber brassin hieß schon das +Gebräu, und davon sollte es unterschieden werden. — <span class="strong1">Anbrassen</span> heißt so +brassen, daß das Segel mit der Luvseite weiter nach vorn kommt, +aufbrassen, daß es weiter nach hinten kommt. — <span class="strong1">Brassen und toppen</span> heißt +nach einem Segelmanöver, im Hafen aber vor der Morgenmusterung die +gesamte Takelage einer genauen Besichtigung unterziehen und, wenn nötig, +in einen tadellosen hafenmäßigen Zustand bringen; besonders jede Rahe in +den rechten Winkel zur Längsachse des Schiffes brassen und sie in den +rechten Winkel mit ihrem Maste toppen.</p> + +<p><span class="strong1">Bratspill</span>, das. Vorrichtung einfacher Art zum Ankerlichten. Muß +eigentlich heißen Bratspitt = Bratspieß, weil es wie ein solcher gedreht +wird. Da aber die Vorrichtung wie das Spill gebraucht wird, so lag die +etymologisierende Veränderung in Bratspill, als Anlehnung an den stärker +gewordenen Begriff nahe. In Holland heißt das Werkzeug — eine +horizontale hölzerne Welle — braadspit; das englische windlass und das +französische<a id="Page_84"></a> + <span class="pagenum">[84]</span> vindas haben das Bild einer hölzernen Welle oder +Achse, die oder mit der man windet, ebenfalls deutlich festgehalten. In +der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck, 1678 steht: „weil +die Pallen von das Bratspieß weg wahren.‟</p> + +<p><span class="strong1">Breitfock</span> (Brefock), die. Wenn Schiffe, die für gewöhnlich nur Gaffel-, +Spriet- oder Gieksegel (Schratsegel) führen, vor dem Winde fahren, so +setzen sie ein breites, viereckiges Rahsegel — das einzige das sie +setzen können — ; es befindet sich — nach Roeding — an der Bagienrahe, +(die am Großmast angebracht ist, weil ein Kreuzmast nicht vorhanden). +Dieses Segel heißt Breitfock, da es dem achterlichen Winde eine +möglichst breite Angriffsfläche darbieten soll um besser ziehen (s. +Fock) zu können.</p> + +<p><span class="strong1">Briese</span>, die. Das Wehen des Windes, besonders wenn er nicht zu stark +weht. Man sagt zwar „es briest auf‟ oder „es briest tüchtig‟ und spricht +von einer frischen, kräftigen, strammen Briese, aber sobald der Wind zum +Sturm anwächst, wird er nicht mehr Briese genannt. Da in England breeze +ein sanfter Wind, in Italien brezza ein kalter, windiger Nebel, in +Spanien bisa der Nordostwind heißt und in letzterer Sprache bisa und +brisa gleichbedeutend sind und neben einander gebraucht werden, so mag +Briese nur eine andere Form für Biese, Bise (s. d.) sein. Wenigstens +fällt es schwer, das Wort mit dem niederdeutschen brusen, brausen, oder +mit dem niederländischen brysen, brechen, zusammenzubringen, es müßte +denn sein, daß man sich eine „spiegel‟-glatte See vorgestellt hätte, +deren Spiegel von der aufkommenden Briese „gebrochen‟ und mit +Katzenpfötchen bedeckt wird.</p> + +<p><span class="strong1">Brigg</span>, die, ein Segelschiff mit zwei mit Rahen versehenen Masten. Das +Wort kommt — wie wohl auch die Sache — aus dem Mittelmeer. Die +Grundbedeutung ist Unruhe, Geschäftigkeit. Italienisch briga, Lärm, +Getümmel, Geschäft, brigare, eifrig streben, dringend bitten, brigata, +Gesellschaft, Rotte, Heerschaar, (Brigade); brigantino Raubschiff, +Seeräuberfahrzeug. In diesem Sinne ist es zuerst ins Deutsche gekommen, +oft mit der Umstellung Bergantine; so hat es schon Kilianus: bergantine += navis piratica. Es liegt auf der Hand, daß ein Seeräuberschiff ein +schnelles Fahrzeug sein mußte, das der ehrliche, „erlaubte‟ Handel +(„Nahrungszweig‟) sich zum Muster nehmen konnte. Das hat er auch getan, +aber das Wort war dem niederdeutschen einsilbigen Seemann zu lang, er +kürzte es ab in Brigg.<a id="Page_85"></a> + <span class="pagenum">[85]</span> </p> + +<p><span class="strong1">Brille</span>, die. Was eine Brille im Munde des Seemanns bedeutet ergibt sich +am deutlichsten aus der Beschreibung der <span class="strong1">Brille für den Aussenklüverbaum</span> +bei Dick und Kretschmer. Sie „besteht aus einem vierkantigen und einem +runden Teil; beide Teile sind durch einen Steg mit einander verbunden. +Die Brille wird mit dem Vierkant so über die Nock des Klüverbaums +gestreift, daß der zur Aufnahme des Außenklüverbaums bestimmte runde +Teil sich am Steuerbord befindet.‟ Also eine Art von Eselshaupt. Der +runde Teil, der Einfassung einer alten runden Brille ähnlich, hat den +Namen veranlaßt. Brille stammt von dem Edelstein beryllus, der zuerst +als Zauber- und Wahrsageglas diente, dann als Sehglas geschliffen zur +Unterstützung schwacher Augen; zunächst für <span class="strong1">ein</span> Auge, dann für beide.</p> + +<p><span class="strong1">Brook</span>, die, ein Tau oder ein Geflecht von dünner Leine, dazu bestimmt, +etwas festzuhalten und zu sichern damit es an seiner Stelle bleibe; auch +ein Stück geteertes Segeltuch vor einer Öffnung befestigt, in die kein +Wasser eindringen soll. Verleihung von Festigkeit und Schutz ist also +der Zweck einer Brook. Beides wird dem menschlichen Leibe durch die — +Hose gewährt, namentlich wenn sie nicht mit Hosenträgern getragen, +sondern durch einen Gürtel oder, wie beim Seemann üblich, durch einen +enganliegenden Hosenbund gehalten wird. Hose heißt aber niederdeutsch +Brook; ein sehr altes Wort, das bei den Römern braca hieß, aber als +Fremdwort bekannt war, wie denn auch nicht nur die Perser, sondern auch +die Germanen und die Gallier unter dem gleichen Namen ein Kleidungsstück +trugen das nicht nur den Beinen Schutz, sondern auch den Hüften Halt und +Festigkeit verlieh. (Hosen-) Gurt wird also die Hauptbedeutung des +Wortes am sinngemäßesten wiedergeben.</p> + +<p><span class="strong1">Buchse</span>, die, wird im seemännischen Sprachgebrauch vielfach anstatt +Büchse gesagt; Beweis, wie sehr dieser am Alten auch da festhält, wo das +ihm so nahe liegende Niederdeutsche Weiterbildung mitgemacht hat. Denn +das vom griechischen pyxis (aus puxos Buchs, Buchsbaum) stammende Wort, +das mittelhochdeutsch buhse, mittelniederdeutsch busse hieß, hat sogar +im Neuniederdeutschen den Umlaut angenommen (büsse) den die +Seemannssprache bisher mit Erfolg abgelehnt hat. Das englische box wird +auch in deutsch-seemännischen Munde oft gehört, sogar (scherzweise) für +Kammer, um die Enge einer solchen zu kennzeichnen.<a id="Page_86"></a> + <span class="pagenum">[86]</span> </p> + +<p><span class="strong1">Bucht</span>, die. 1. Die Biegung eines aufgeschossenen oder sonst „gebogenen‟ +Taues. 2. Bucht im neuhochdeutschen Sinne eines kleinen Meerbusens, Ort +wo die Küste sich einbiegt. Nach Heyne ist das Wort erst im 18. +Jahrhundert aus Niederdeutschland in die hochdeutsche Schriftsprache +gedrungen. So hat also das Niederdeutsche diesen althochdeutschen Besitz +vor dem Verluste gerettet, denn von dem althochdeutschen biogan biegen +gab es schon in alten Zeiten ein Substantivum biugo = sinus.</p> + +<p><span class="strong1">Bug</span>, der. Der vorderste, stark gebogene Teil des Schiffes; die Biegung +ist das den Ausschlag bei der Benennung Gebende. Das hat Weigand (I. +278) zwar geleugnet, indem er sagt, bug käme nicht von biegen wegen des +uo im althochdeutschen und mittelhochdeutschen buoc; aber ohne Erfolg, +denn woher soll das althochdeutsche buog, das obere Gelenk des Oberarms +und des Schenkels, anders kommen als von biogan? Gothisch biugan, biegen +und beugen; Sanscrit bhug, inflectum esse (gekrümmt). Es ist behauptet +worden: „Die uralten Bezeichnungen von Körperteilen wie Arm, Bug, Herz, +Nase, Niere etc. etc. beruhen auf dunklen Wurzeln, von denen wir +nirgends mehr eine Spur finden; sie gehören eben zum allerältesten +Wortbestande der indogermanischen Sprache.‟ Für Bug liegt aber die +Annahme einer Wurzel die biegen bedeutet so nahe, daß man sich ihr nicht +entziehen kann. Auch Bogen ist verwandt, altdeutsch bogo, boge = +Halbkreis, Waffe, Sattelbogen; niederländisch boog, wozu Aubin bemerkt: +„ce mot se dit de toutes les choses qui se sont en ligne courbe.‟ Bug +heißt niederländisch allerdings nicht boog sondern boeg, aber Weiland +sagt: „boeg van buigen, het voorste gedeelte van een schip, waar het +sterk gebogen is.‟ — Kilianus gebraucht bocht und boech als völlig +gleichbedeutend. — Angelsächsisch bôg, englisch bough. In der Edda wird +für Biegung, Krümmung, bugr gebraucht. — „Über den Steuerbord-, über +den Backbordbug anliegen oder segeln‟ heißt: Das Schiff liegt auf der +Steuerbord-, auf der Backbordseite am Winde, segelt mit der Steuerbord-, +mit der Backbordseite der Segel beim Winde. Das sind zwei sehr +verschiedene Fälle; will der Seemann aber sagen: „auf alle Fälle‟, so +sagt er: „über jeden Bug‟, auch da wo es sich nicht um Seemannschaft +handelt; Groningen: „Hy prebjerret it op alle bugen um rik to wirden.‟</p> + +<p><span class="strong1">Bugsieren</span>, ein Schiff durch ein anderes schleppen, in dem<a id="Page_87"></a> + <span class="pagenum">[87]</span> der +schleppende Dampfer die schleppende Troß, die an seinem Heck belegt ist, +am Bug des zu schleppenden Schiffes festmacht. Wenn das s nicht wäre, so +könnte man annehmen, das ieren sei einfache Endung, so aber muß an eine +Zusammensetzung gedacht werden. Diese ergibt sich aus dem Holländischen +und Ostfriesischen, wo sjoren, festmachen, sjuren, ziehen, schleppen +bedeutet. Man hat also die Wahl, anzunehmen daß bugsieren vom +holländischen sjoren kommt und von Bug, so daß also das Wort hieße: „ein +Tau am Bug festmachen,‟ oder vom ostfriesischen sjuren und Bug, so daß +es hieße: „ein Schiff an seinem Bug ziehen, schleppen‟; vielleicht haben +auch beide Bedeutungen in einander gespielt. — Eine eigenartige Form +hat der Übersetzer der „Durchlauchtigsten Seehelden,‟ Sulzbach 1681, dem +Worte gegeben. Er beschreibt die Seeschlacht bei Lepanto und gibt an, +daß die Nachhut der Christen unter dem Marquis de Santa Cruz Alvaro +Bacciano hauptsächlich aus Galeazzen bestanden habe, „von denen jedwede +sechs und fünfftzig grosse Stück-Geschütz, zwölffe in den Vordertheil, +zwölffe in den Hindertheil, und sechzehn an jedweder Seite, und sechs +hundert Fuß-Knechte auf hatten, ... und weil sie so schwer waren, hat +man, damit sie nicht dahinten bleiben sollten, sie nahe an den Feind +büchsiren oder fortziehen lassen, daher sie auch die ersten waren, +welche auf den Feind ohne Verhinderung der andern Galeyen zu schießen +begunten.‟</p> + +<p><span class="strong1">Bugspriet</span>, das, eine Art Mast, nur daß er nicht aufrecht steht, sondern +im Winkel geneigt über den Bug hinausragt. Spriet heißt eigentlich +Spieß, Stange, Spiere, Baum; auch die Stange die diagonal in das deshalb +Sprietsegel genannte Bootssegel gesteckt wird um es auszubreiten. Es ist +darum schwer zu entscheiden, ob es von spriotan = sprießen oder von +spritan = spreizen kommt; der Bedeutung nach wäre beides möglich. Das +französische beaupré ist aus Bugspriet mundgerecht gemacht. — Im +Niederdeutschen früher bochspreeth und bockspreet, bochspreth; „und syn +bochspreth qwam in Klawes Wendes focken tackel to staende. Do lepen twe +boesmans (Matrosen) van den unsen int focken tackel und houven eme dat +stach und bolynen van synem bochsprete‟ ... In einer Verklarung am 31. +Oktober 1564 zu Bremen abgelegt heißt es: ... „erschenen F. W. und +bekennet onde getuget, dat vorleden<a id="Page_88"></a> + <span class="pagenum">[88]</span> sonnauend den 12. October sick +ein storm erhauen, ond sy datsulnige mall J. R. by A. G. sinem schepe +hengedreven, ond also he jegen gedachten A. G. schip gekamen, sy J. +bochspreeth in A. bachstaken geraket.‟ In einer zweiten Verklarung über +denselben Fall heißt es: „doch nichtes desto weniger J. R. mit synem +bockspreet in ohre hovettow gedreuen sy.‟ (Schiller und Lübben VI. 26).</p> + +<p><span class="strong1">Buhne</span>, die, ein Flechtwerk von Reisig zum Schutze eines Ufers, einer +Küste gegen das Wasser. Es ist im Grunde genommen nur eine andere Form +für Bühne. Dieses heißt Bretterboden, Boden eines Hauses, Decke eines +Zimmers, bretterne Erhöhung, Bretterverschlag, Bretterverkleidung, und +eine Verkleidung bildet auch die Buhne, nur daß sie nicht aus Brettern +sondern aus Reisern hergestellt ist. Es bedeutet auch Fischzaun und +Fischkasten, und zwar einen solchen auch wenn er aus Brettern +hergestellt ist, so wie auch ein aus Brettern hergestellter Uferschutz +noch Buhne genannt wird.</p> + +<p><span class="strong1">Buk</span> = Bauch.</p> + +<p><span class="strong1">Bulin</span>, die, ein Tau das an der Seite eines Rahsegels ungefähr in der +Mitte des stehenden Lieks befestigt ist und dazu dient, das Segel steif +beim Winde zu halten und seinen Bauch möglichst weit nach vorne zu +holen, damit das beim Winde segelnde Schiff möglichst viel Wind in seine +Segel bekomme und größere Fahrt mache. Da die Bulin an einer sehr +gebogenen Stelle des Segels sitzt, so ist anzunehmen, daß sie vom Biegen +den Namen habe; und wirklich hieß sie früher auch Buglin; Kilianus +schreibt boech-lyne. — Davon das französische bouline; á la bouline, +beim Winde. — Die Befestigung der Bulin am stehenden Liek erfolgt durch +<span class="strong1">Bulinsspruten</span>, Verbindung von zwei oder drei einfachen Stroppen, welche +den Zug der Bulin auf einen großen Teil des Lieks verteilen, ausbreiten, +aus<span class="strong1">spreiten</span> sollen.</p> + +<p><span class="strong1">Bumboot</span>, das, ein Boot in dem Händler allerlei Lebens- und Genußmittel +feilhalten oder an Bord bringen, Obst, Gebäck und dergleichen Dinge, die +in der Bordverpflegung nicht vorgesehen sind. Das Wort kommt nicht etwa +von pumpen, wiewohl Bumbootsleute leider manchmal auch borgen, sondern +ist mit Buhne verwandt, im Sinne von Fischkasten. So hieß ein Boot mit +einer Buhne Bun- oder Bumboot, und zwar in Flandern und<a id="Page_89"></a> + <span class="pagenum">[89]</span> +Südholland, wo dergleichen Fischerfahrzeuge gebräuchlich sind. Sie +werden aber auch als Lootsenfahrzeuge benützt und eignen sich, grade +wegen der Buhne, dem Fischtank in der Mitte, besonders zum Aufstapeln +und Feilbieten von Verkaufsgegenständen. Englisch bumboat, a boat for +carrying provisions to a ship at a distance from shore. Doch ist +letzteres nicht mehr ganz zutreffend, da es jetzt auch Bumbootsleute, +namentlich Bumbootsfrauen gibt, die nicht at a distance from shore ihr +Wesen treiben, die gar kein Boot; geschweige denn ein Bumboot besitzen +oder benützen, sondern einfach ihre Waren in einem abgelegten +Kinderwagen längsseits eines am Bollwerk oder dem Kai liegenden Schiffes +bringen. Der Name aber, Bumbootsmann oder Bumbootsfrau, ist geblieben. + — </p> + +<p><span class="strong1">Bullei</span>, das, eine kleine, runde Scheibe von dickem Glas im Deck selbst, +im Decksfenster, besonders aber auch in der Bordwand zum Einlassen des +Lichtes. Aus dem englischen bull's-eye gebildet, = Ochsenauge. Auge wird +in den verschiedensten Bedeutungen bildlich und in übertragenem Sinne +gebraucht, sodaß uns die Aufnahme in die Seemannssprache nicht wundern +kann, s. Ochsenauge.</p> + +<p><span class="strong1">Bullentau</span>, das. Man benützte früher besonders eingerichtete Prähme, +Hulke, abgetakelte Kriegsschiffe etc. etc. um ein Schiff das gekielholt +werden sollte auf die Seite zu legen. Sie hießen Bullen, weil sie sehr +stark und steif sein mußten wie der Nacken eines Stiers. Das andere +Schiff ward mit sehr starken Tauen auf die Seite gezogen, die Bullentaue +hießen. Als die Bullen selbst schon lange nicht mehr gebraucht wurden, +nannte man die Taue, die irgendwo zur Verstärkung, zur Aushilfe, zu +besonderer Befestigung in besonderem Falle dienten, immer noch +Bullentaue.</p> + +<p><span class="strong1">Bund, türkischer</span>, eine Takelung am Ende eines Taues, besonders eines +Strecktaues, das Besuchern des Schiffes in die Hand gegeben wird zum +Festhalten und das darum etwas eleganter getakelt ist in Gestalt eines +Turbans, wofür schon seit Jahrhunderten der Ausdruck „türkischer Bund‟ +in Deutschland in Gebrauch ist. Wenn nur das Aufdrehen des +abgeschnittenen Endes vermieden werden sollte, so würde ein Hundspünt +(s. d.) genügen; der türkische Bund wird also aus Schönheitsrücksichten +gemacht.</p> + +<p><span class="strong1">Bunker</span>, der. Kohlenbunker sind durch eiserne Schotte abgegränzte<a id="Page_90"></a> + <span class="pagenum">[90]</span> +Schiffsräume die zur Unterbringung des Schiffsbedarfs an Kohlen dienen. +Durch die großen Fortschritte des Dampfes haben die Bunker eine noch vor +wenig Jahrzehnten ungeahnte Vergrößerung erfahren. Etymologisch hängt +das Wort mit Buhne zusammen in der Bedeutung Brettergestell, +Bretterunterlage für die Ladung, dann Laderaum, manchmal auch das in +demselben Befindliche, die Ladung selbst. So wurde das Wort bonik, bonk, +bunk im Mittelalter gebraucht, wie aus zahlreichen Zeugnissen erhellt. +In einer Hansa-Urkunde von 1225 heißt es: „Item aliquis veniens cum navi +ad portum tytulo vendicionis aperit et dividit res suas, quod sie +nominamus: ofte he sinen bonich breket, vendens aliquam partem rerum +suarum‟ ... Eine Apenrader Skraa sagt: „item, eyn schipman, de eyn +schiphere heth onde de mit em in deme schepe sin, de en open eren bonnyk +nicht, er se vornoghed hebben dat schiplon‟, (lat. Text: „item, nauta +dictus skipher et secum in navi existentes sua bunkae non aperiant, +antequam satisfactum fuerit pro naulo.‟) Hansa-Urkunde von 1364: „were +dat een bonk ghebroken worde in den schepen, dat gut, dat men upschepet, +unde dut in den schepen blift, schal haluen tollen gheuen.‟ Hansa-Receß +von 1388: „it., en schal men nen gud by westen der Maase utschepen umb +ostwert to vorende. Men werit, dat en schipher qweme by westen der Maase +in Zeland, de mach dar synen bonnik breken und bringen dat gud by sworen +eeden tho dem stapel.‟ In einer dieser Formen und in der Bedeutung +Laderaum ist zur Hansazeit das Wort nach England gekommen, wo es bald +teils in eingeschränktem teils in erweitertem Sinne mehrfache Verwendung +fand und sich einbürgerte. So heißt denn nun im Englischen bunk: „a +wooden box or case, serving as a seat during the day and a bed at +night;‟ bunker aber heißt: „a bench or sort of chest that serves for a +seat‟; also eine Sitzbank die zugleich als Aufbewahrungsraum diente, so +an die Bordwand gebaut aus Brettern, daß die Vorderwand und der Sitz +grade waren, die von der Bordwand selbst gebildete Rückwand wegen der +Gillung aber schief zulief, der Raum unten also nicht so breit war wie +oben. (Noch heute wird auf kleinen und kleinsten Schiffen der Raum so +ausgenützt). Diese chest diente zur Aufbewahrung, zum „Verstauen‟ von +allen möglichen Dingen, auch von Kohlen zum Kochen der Speisen. Als aber +Kohlen für die Dampf- und mancherlei anderen<a id="Page_91"></a> + <span class="pagenum">[91]</span> Maschinen gebraucht +wurden, da war es mit der Sitzgelegenheit bald vorbei, denn die Bunker +nahmen immer größeren Umfang an und wurden stattliche Räume, deren eine +Wand aber immer noch mit der Bordwand zusammenfällt, und ihre Gillung +mitmacht, da sie zwischen Maschine und Bordwand angebracht zu werden +pflegt. — In der Zeit des siegreich vordringenden Dampfes ist denn das +alte deutsche Wort in der neuen, fremd erscheinenden Gestalt Bunker und +in der beschränkten Bedeutung Kohlenbunker wieder heimgekehrt, nicht +mehr Ladung im Allgemeinen, sondern nur Laderaum für die zum +Schiffsgebrauch dienenden Kohlen bezeichnend. — Im Jahre 1898 tauchte +plötzlich das Zeitwort „bunkern‟ auf. Irgend ein +Seemanöverberichterstatter hatte sagen hören: „morgen füllen wir unser +Bunker (mit Kohlen) auf,‟ und dachte, vielleicht weil ihm flunkern so +geläufig war, diese Tätigkeit heiße seemännisch bunkern; war er aber +seemännisch gebildet, und wußte daß das Wort bunkern gar kein Wort war, +so mag er den Drang in sich gefühlt haben eine große Tat zu tun und +setzte das geschmackvolle Wort als eigene Zeugung in die Welt. So ward +denn mit einem Male in den verschiedensten Zeitungen bunkern den +Nichtseeleuten als ein seemännisches Wort versetzt. Es scheint aber +schon wieder im Verschwinden gepeilt werden zu können und wird +hoffentlich bald wieder der Vergessenheit anheimgeben worden sein; man +könnte sonst ebenso gut anstatt ernten auch scheuern, anstatt dreschen +flegeln und anstatt schreiben federn sagen.</p> + +<p><span class="strong1">Bunsch</span>, der, = Bündel, von binden, vergl. v. Strombeck, Mar.-Rundschau +1899 p. 1127: „Nach dem Setzen (des Großsegels) die Läufer der Fallen +und Taljen aufschließen (verdruckt für aufschießen), die Zeisinge in +kleine Bunsche legen, die Bezüge klar zum Verstauen im Segelraum +zusammenlegen.‟ Ein Wort das nur mundartlich vorkommt, und zwar in +Niederdeutschland, ein Bunsch Garn, ein Bunsch Wolle; während man in +Hochdeutschland Gebund sagt, ein Gebund Flachs etc. etc. Etwas +zusammengebundenes oder wenigstens etwas das so zusammengelegt ist, daß +es wie zusammengebunden aussieht.</p> + +<p><span class="strong1">Büse</span>, die, ein Schiff zum Heringsfang, Heringsbüse, stark gebaut, früher +mit zwei Masten, jetzt nur mit einem. Mittelniederdeutsch buse, butze; +„de Hollander, de do in der ze weren up den herynk vank wol mit dre +hundert bussen, vif vredeschepen<a id="Page_92"></a> + <span class="pagenum">[92]</span> (Kriegsschiffe, Fischereischutz!) +darbi.‟ (Lüb. Chronik). „Bertoldus Schulenberg recognouit, quod Nicolao +Schulenberge pertineat in dimidio nauis secilicet butza de XVI lestis.‟ +(Wismar 1329). Nach Diez kommt es aus dem Lateinischen, ist aber dann +bereits sehr früh entlehnt, da es schon im Angelsächsischen bus hieß (in +der Zusammensetzung bus-carlas Schiffskerle, Schiffsleute) +Niederländisch buis; englisch buss, „a small vessel, from 50 to 70 tons +burden, carrying two masts (also ungleich den Emder Heringsbüsen) and +two sheds or cabins, one at each end, used in herring-fishing.‟ „Really +the same word as box‟ fügt das Imperial Dictionary hinzu; kurz und +bündig, ob aber ganz richtig? — Mittellateinisch bucia, buza, (während +box damals buxis und poxis hieß, aus griechisch puxos, Buchs, Buchsbaum) +provençalisch bus, altspanisch buzo, altfranzösisch busse, buse, buce.</p> + +<p><span class="strong1">Buserun</span>, der, eine Bramtuchjacke, vom Hals bis zu den Hüften reichend, +beliebtes Kleidungsstück der Seeleute, in Österreich „Bordleibel‟ +genannt. Ein zusammengesetztes Wort. Rune, Run heißt in Ostfrießland +eine Jacke, die als Überwurf zum Schutze bei der Arbeit getragen wird. +Buse kommt jedenfalls von busen, welches ebenfalls in Ostfriesland im +Sinne von ungestüm sein, sich stark bewegen, sich ausdehnen, schwellen +blähen gebraucht wird; sei es nun, daß dabei direkt an busen gedacht +ist, sodaß ein sich bauschendes, vom Winde aufgeblähtes Kleidungsstück +gemeint ist, sei es daß es ein den Busen bedeckendes Gewand darstellen +soll, in welchem Falle die Verwandtschaft doch dieselbe bleibt, da Busen +ebenfalls etwas Schwellendes bedeutet; etwas Sichausdehnendes, +Gerundetes. Ich möchte mich für Ersteres entscheiden, so daß das Weite, +Faltige den Ausschlag gegeben hätte, zumal es im Mittelniederdeutschen +ein Wort buys gab, das schon allein für sich weites, faltiges Obergewand +hieß. In diesem Falle wäre die Zusammensetzung tautologisch, aber das +teilt sie mit Pijacke und manchem anderen seemännischen Worte. Gegen den +Gedanken an „Busen‟ könnte auch der Umstand sprechen, daß dieses jetzt +meist „bossem‟ gesprochen wird und auch im Mittelniederdeutschen schon +überwiegend bosem hieß, wofür leicht viele Zeugnisse beizubringen wären, +da Busen im juristischen Sinne die direkt ab- oder aufsteigende +Verwandschaft hieß und in vielen Rechtsurkunden vorkommt. (Partus +sequitur ventrem, das Kind folgt dem Busen).<a id="Page_93"></a> + <span class="pagenum">[93]</span> — Zudem wird das +Wort oft Buscherun ausgesprochen und das bringt es dem Begriff +„bauschen‟ noch näher. Es ist nicht nur in Friesland, sondern bis in das +ostpreußische Seegebiet hinauf in Gebrauch und heißt dänisch busserunne +(nach einer schriftlichen Mitteilung eines Königl. Navigationslehrers, +der früher Ostseekapitän war). — Häufig in der Dimitutivform +„Busseruntje‟, „Busserunchen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Butluv</span>, das. „So heißt eine Art starke Spier, welche vorne an beiden +Seiten des Gallions in der Richtung aus dem Schiff liegt, welche die +Fockrah hat, wenn man dicht beim Winde segelt.‟ (Roeding.) Durch das +Butluv fährt der Fockhals. Buten heißt draußen; Butjadingen das Land +„buta Jada‟ (jenseits der Jade, von Rüstringen aus gesehen); ein +butenkierl ist ein Fremder (schon im Teuthonista butenmynsch) und als +solcher für jeden Ostfriesen verdächtig. — Luv heißt in seiner +ursprünglichsten Bedeutung einfach ein Stück Holz, ein Pflock, eine +Stange, ein Balken, und in diesem Sinne ist es hier gebraucht (s. Luv.)</p> + + + +<h2><span><a id="C">C</a>.</span></h2> + +<p class="center1 strong1">(Vergl. K.)</p> + + +<p><span class="strong1">capsizen</span> wird als Fremdwort manchmal für Kentern gebraucht; englisch +capsize, to upset or overturn. Die Engländer wissen aber selbst nicht, +woher dieses ihr Wort kommt. Es drängt sich der Gedanke an das +Purzelbaumschlagen auf, das man in Niederdeutschland +„Kopheisterschießen‟, doch wohl auch „Kopsheisterschießen‟ heißt. Da +dieses dieselbe Bewegung darstellt, die ein kenterndes Boot macht, so +wäre es nicht unmöglich, daß capsize davon herstammt, also seinen +Ursprung aus dem niederdeutschen Kinderspiel herzuleiten hätte.</p> + +<p><span class="strong1">Cargo</span>, die Ladung eines (Handels-) Schiffes. Vom lateinischen carrus, +der Wagen, kommt zunächst carricare, (auf den Wagen) laden, davon dann +das spanische Zeitwort cargar, laden, woraus das Substantivum cargo +gebildet ist. <span class="strong1">Supercargo</span>, der von der Rhederei bestellte mit an Bord +eingeschiffte kaufmännische Verwalter der Ladung, dessen Geschäft es +ist, den<a id="Page_94"></a> + <span class="pagenum">[94]</span> Verkauf der Waren zu besorgen und überhaupt die das +Schiff betreffenden kaufmännischen Verhandlungen zu führen. Von carrus +kommt auch Carneval (carrus navalis, der Schiffswagen; bei den alten +Deutschen wurde im Frühling zur Feier der Wiedereröffnung der Schiffahrt +ein festlicher Umzug gehalten, bei dem unter allerlei Verkleidung und +Scherz ein Wagen in Gestalt eines Schiffes umhergefahren wurde). Von +carrus kommt auch Charge (s. d.)</p> + +<p><span class="strong1">Certepartie</span>, s. Certificat.</p> + +<p><span class="strong1">Certificat</span>, das, ein Zeugnis, ein Schein, eine Bescheinigung über +wichtige das Schiff und seinen Führer betreffende Eigenschaften und +Fähigkeiten. Zu den Schiffspapieren gehören folgende Certificate: Der +Classificirungsschein, der Meßbrief, der Registerbrief, der Beilbrief, +der Befähigungsschein (Qualifications-Attest; die Certepartie, der +Schiffsfrachtbrief, Schiffsfrachtvertrag, das Connaissement, der +Verladungsschein). Der Unterschied zwischen Certepartie (eigentlich +Cartepartie, bei Roeding Chartepartie) und Connossement (Conaissement) +besteht darin, daß sich letzteres nur auf einen Frachtbrief über einen +Teil der Ladung bezieht, ersteres aber gebraucht wird, wenn ein Kaufmann +ein ganzes Schiff befrachtet, trotzdem eigentlich — partie gerade auf +einen Teil schließen ließe. — Die Herkunft aus dem lateinischen liegt +auf der Hand.</p> + +<p><span class="strong1">Charge</span>, die, eigentlich Ladung, wie man denn auch vom Chargieren eines +Gewehres oder einer Kanone spricht, bedeutet den Dienstgrad, den jemand +in der Rangstufe der Unter- oder Oberoffiziere einnimmt oder bekleidet. +Wie Cargo vom lateinischen carrus, der Wagen, carricare laden; also +einer, der mit etwas beladen ist, auf den eine Würde, ein Amt, ein +Dienst gelegt ist. Es ist dabei zunächst an die Bürde gedacht, hernach +aber auch mehr und mehr an die Würde, so daß es in manchen Redewendungen +nur von letzterer gebraucht wird. Neuerdings wird vorschriftsmäßig in +der Marine anstatt Charge Dienstgrad gesagt.</p> + +<p><span class="strong1">Chasse marée</span> heißt ein französisches Küstenfahrzeug mit Fockmast, +Großmast und Treibermast, Lugger- und Topsegeln; wegen der Segel könnte +man es mit Lugger oder Logger übersetzen, am einfachsten aber wäre es +durch „Jacht‟ wiedergegeben. „Bateau des côtes de la Bretagne, +solidement construit, le plus souvent ponté, et parfailement approprié à +la navigation de ces<a id="Page_95"></a> + <span class="pagenum">[95]</span> parages. Le Chasse-Marée navigue bien, il est +très-convenable pour la pêche et pour le petit cabotage; il porte deux +mâts inclinés sur l'arriére gréés avec beaucoup de simplicité, et +souvent un troisième — das ist der Treibermast — dit de Tapecul‟.</p> + +<p><span class="strong1">Cirrocumulus</span>, s. Cirrus.</p> + +<p><span class="strong1">Cirrostratus</span>, s. Cirrus.</p> + +<p><span class="strong1">Cirrus.</span> Federige Wolkenbildung = Federwolke, von cirrus = Haarbüschel, +natürliche Haarlocke, Federbüschel am Kopfe der Vögel. Cirrostratus, die +federige Schichtwolke, von sterno, stravi, stratum sternere, hinbreiten +(davon auch unsere Straße, via strata). Cirrocumulus, die federige +Haufenwolke, von cumulus, der Haufe.</p> + +<p><span class="strong1">Citadellschiff</span>, das, bezeichnet ein Panzerschiff, dessen Panzer nicht +die ganze Länge des Schiffes bedeckt, sondern nur den Raum einschließt, +der die wichtigsten Anlagen, die besonderen Schutzes bedürfen, enthält. +Man könnte sagen, die Citadelle wäre ein Panzer im Panzer, wenn Panzer +für Panzerschiff allgemein verständliche Abkürzung wäre. Die Bezeichnung +Citadelle ist, davon abgesehen, daß sie ein Fremdwort darstellt, +zutreffend gewählt, sie stammt vom französischen citadelle, das +seinerseits vom italienischen citta, Stadt, kommt und eine kleine +Festung bei einer größeren Stadt bedeutet, in die die belagerten +Bewohner der Stadt, wenn diese nicht mehr zu halten ist, sich als +äußersten Zufluchtsort zurückziehen können. So verhält sich also die +Citadelle an Bord zu dem ganzen Panzerschiff wie die citta zur +citadelle.</p> + +<p><span class="strong1">Compartement</span>, das. (Wasserdichte) Abteilung des Schiffes, aus dem +englischen, vom lateinischen compartior, ich teile ab. Die Kriegsschiffe +alle werden jetzt so gebaut, daß sie in einzelne Abteilungen zerfallen, +die gegen einander wasserdicht abgeschlossen werden können, so daß eine +oder mehrere mit Wasser (durch einen Zusammenstoß, durch Auflaufen auf +einen Felsen, oder auch — bei Feuer — durch den Willen des +Kommandanten) gefüllt werden können, ohne daß das ganze Schiff sinkt. +Das Fremdwort ist im Aussterben begriffen, seitdem unsere +Schiffsbaukunst sich von England unabhängig gemacht hat. (s. Schott.)</p> + +<p><span class="strong1">Compound</span> — heißt zusammengesetzt, vom lateinischen componere, und kommt +im Englischen in unzählbaren Verwendungen vor; seemännisch haben wir im +Deutschen deren zwei<a id="Page_96"></a> + <span class="pagenum">[96]</span> herübergenommen. 1. Compound-Maschine, eine +Maschine, bei der der Dampf nach einander in zwei Zylindern expandiert, +bei der aber die Zylinder nebeneinander liegen, so daß deren Kolben an +zwei rechtwinklig zu einander versetzten Kurbeln arbeiten, (also nicht +immer gleichzeitig auf dem toten Punkte stehen). 2. Compound = +Panzerplatte (steel faced armour plate), „stahlbekleidete +Walzeisenpanzerplatte‟; Stahlplatten und Eisenplatten +zusammengeschweißt, eine Vereinigung der Härte und Undurchdringlichkeit +des Stahles mit der Zähigkeit des Eisens, so daß die Vorzüge beider +Materialien, nicht aber ihre Nachteile, zur Geltung kommen.</p> + +<p><span class="strong1">Concentration</span>, die, deckt sich begrifflich mit dem, was man „Breitseite‟ +zu nennen gewohnt war, und bedeutet die Richtung sämtlicher Geschütze +auf der einen Seite eines Schiffes auf einen Punkt, der getroffen werden +soll. Es gibt bestimmte Zeichen auf Deck, nach denen die Kanonen +gerichtet werden, um in Concentration zu stehen, sie heißen +Concentrationsmarken. Sämtliche Kanonen einer Schiffsseite haben in +dieser Ladestellung ein <span class="strong1">Zentrum</span> für ihre Richtung <span class="strong1">mit</span> einander gemein; +daher der (dem lateinischen entlehnte) Name.</p> + +<p><span class="strong1">Contrebrass</span>, die, heißt die Braß der Großrahe die in <span class="strong1">entgegen</span>gesetzter +Richtung der eigentlichen Braß fährt und dieser zu wesentlicher +Unterstützung dient. Mit ihr wird vorzugsweise das Bewegen der Großrahe +ausgeführt, während die Achterbraß dieselbe stützt. Die Achterbraß fährt +nach achtern, nach dem Kreuzmast; die Contrebraß nach vorne, nach dem +Fockmast. Gewöhnlich <span class="strong1">Grosscontrebrass</span> genannt.</p> + +<p><span class="strong1">Convoy</span>, der, aus dem Französischen vom lateinischen con und via, einer +der mit einem anderen denselben Weg geht oder fährt; seemännisch das +Kriegsschiff oder die Kriegsschiffe, die Handelsschiffe in Kriegszeiten +über See begleiten, damit sie nicht gekapert werden. <span class="strong1">Convoyieren</span> heißt +also mit einem Handelsschiff als Geleit- und Beschirmungsschiff fahren. +Der solchem Schiffe bezw. seiner Ladung zur Versendung nach dem +Bestimmungsorte mitgegebene Abfertigungs- oder Begleitschein heißt +Convoybrief.</p> + +<p><span class="strong1">Cordes'sches Gewehr</span>, das, ist ein Gewehr zum Schießen einer Leine, +wodurch eine Verbindung zwischen Rettungsboot und Schiff hergestellt +werden kann, wenn das Boot nicht an das<a id="Page_97"></a> + <span class="pagenum">[97]</span> Schiff gelangen kann. Die +Wurfweite beträgt 70 m. Aus dem Gewehr können auch Leuchtkugeln +geschossen werden, um bei Nacht dem in Not befindlichen Schiff das Nahen +des Rettungsbootes anzuzeigen. Die Very'sche Pistole dient auch zum +Signalgeben durch Leuchtkugeln; sie ist Hinterlader, ihre Handhabung +daher sehr einfach, weil die Zündmasse gleich mit in der fertigen +Patrone liegt. (Dick und Kretschmer, II. 315.) Cordes und Very sind die +Namen der Erfinder.</p> + +<p><span class="strong1">Crew</span>, die, heißt eine Gemeinschaft von Seeleuten, die Gesamtheit derer, +die sich an Bord eines Schiffen from +Schiffes befinden, die zusammen die Bemannung eines +Bootes ausmachen, Schiffscrew, Bootscrew. Besonders aber wird es in der +Marine gebraucht für die Gesamtheit derer, die mit einander in einem und +demselben Jahre als (See-) Kadetten eingetreten sind. „Wir sind von der +75er Crew,‟ „er ist von meines Mannes Crew,‟ „sie sind Crew-Kameraden,‟ +„wir feiern unser Crewfest.‟ — So unzweifelhaft englisch Form, +Aussprache und nächste Herkunft sind, so ist doch das Wort +gemeingermanisch und bedeutet nichts weiter als Wachstum, das was (in +einem Jahre) gewachsen ist („Crescenz‟ sagen sie am Rhein), was in einem +Jahre als Zuwachs zur Marine gekommen ist oder was durch langes enges +Beisammensein an Bord und Zusammentragen von Freud, Leid und Arbeit +zusammengewachsen ist. Verwandt mit dem niederdeutschen greien, groien, +grojen (s. Groden), althochdeutsch gruoan, gruan, gruen, gröen, cröen, +mittelhochdeutsch grüen, grüjen, mittelniederdeutsch groien, +altfriesisch groia, growa, angelsächsich growan, altnordisch groa, +norwegisch groe, schwedisch gro: alles grünen, wachsen bedeutend. — Vom +lateinischen cresco kommt das französische croître wachsen, recroître +wieder (nach-) wachsen und davon recru (unser Rekrut), also der +Wiedernachgewachsene, der „Nachwuchs‟. Davon dann recruter ausheben, +sich rekrutieren, seinen Nachwuchs beziehen. — Insofern crew (früher +crue geschrieben, altisländisch kru) und recru eigentlich dieselbe +Bedeutung haben, treffen die getrennte Wege gegangenen Vettern der +großen Wortsippe wieder sehr nahe zusammen. — Zu bemerken ist hierbei, +daß es ein mittelniederdeutsches Wort krup, krop gibt, das Vieh +bedeutet, besonders Rindvieh, aber auch Pferde. Schiller und Lübben +vermochten es nicht zu deuten und bemerkten richtig nur so viel, daß es +nicht von krupen = kriechen komme, da es sich<a id="Page_98"></a> + <span class="pagenum">[98]</span> ja nicht um +kriechende Tiere handle. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich, daß +dieses krup gleich crew ist, d. h. das Vieh das einem Besitzer +(ursprünglich vielleicht auch bloß in <span class="strong1">einem</span> Jahre) gewachsen ist, wobei +noch einmal zu vergleichen altfriesisch growa, angelsächsisch growan, +wachsen. In dieser Annahme werde ich durch den daneben hergehenden, +gleichbedeutenden Begriff queck bestärkt. Eine mittelalterliche +Rechtsbestimmung sagt: „So die beiden oldern jeven einem Kinde mit — it +is gelt ofte ein hovet krops ... und so dat queme, dat dat Kind sturve, +deme dat gelt unde queck bit den beiden olden blyven.‟ Hier wird also +ein Stück („Haupt‟) Vieh, weil es lebendig ist mit dem Worte bezeichnet +das „Leben‟ bedeutet. So gewiß man aber Vieh Leben nennen kann, kann man +es auch „Gewachsenes‟, Wachstum, (also auch hier „Crescenz‟) nennen; man +muß nur dabei im Auge haben wie wichtig einem Viehzüchter sein Vieh und +das Wachsen (und Gedeihen) dieses seines Hauptbesitzstandes ist. So war +es für die Betroffenen geradezu eine Lebensfrage, wenn einmal die krup +von einer Sturmflut überrascht wurde: wie es in einer dithmarsischen +Chronik heißt: „umme dusse tidt was ein mechtich storme ... insonderheit +averraschet dat water an etlichen orden dat krup.‟ Denn, so sagt ein +anderer aus jener Zeit, „alle volkere van erst an hebben ehren +vonehmsten rikedom im krupe gehatt.‟ Es fragt sich also noch sehr, ob +die Angeln und Sachsen nicht schon das Wort krup mit über den Kanal +genommen und drüben zu crew umgestaltet haben, so daß wir es also auch +hier, trotz der so sehr englischen Gestalt, doch mit einem deutschen +Worte zu tun hätten.</p> + +<p><span class="strong1">Culmination</span>, die, ist der Durchgang eines Gestirns durch den +Mittagskreis. Die Beobachtung jener Höhe, die es bei diesem Durchgang +hat, stellt seine Mittagshöhe fest und ist von ganz besonderer +Wichtigkeit für Feststellung des Ortes, da sich ein Schiff befindet. +Deshalb wird das Wort culminieren im Munde der Seeleute auch in +übertragener Bedeutung gebraucht. „Na, endlich culminiert?‟ wird einer +gefragt, der sehr lange geschlafen hat; culmen = Gipfel, Höhepunkt.</p> + +<p><span class="strong1">Cumulus</span> s. Cirrus.</p> + +<p><span class="strong1">Cyclon</span>, der. Das griechische Wort für Kreis, Kyklos, hat seit Cyklops, +dem Schmiedeknecht Vulkans mit dem einen <span class="strong1">runden</span> Auge auf der Stirn, die +weiteste Verwendung in allen gebildeten<a id="Page_99"></a> + <span class="pagenum">[99]</span> Sprachen gefunden: auch +zur Beziehung jener gewaltigen Drehstürme in denen, namentlich ehe das +Drehungsgesetz der Stürme bekannt war (ein deutscher Gelehrter, Dove, +hat es zuerst aufgestellt), manches Schiff mit Mann und Maus +untergegangen ist. Cyclone haben einen Durchmesser von 200 bis 500 +Seemeilen, der sich um einen windstillen Mittelpunkt („ein kalmes +Centrum‟) dreht und mit einer Geschwindigkeit bis zu 30 Seemeilen in der +Stunde fortschreiten kann. Sie drehen sich auf der nördlichen Halbkugel +nach entgegengesetzter Richtung wie auf der südlichen, nämlich auf +dieser mit, auf jener entgegen dem Zeiger einer Uhr. Es geht ihnen eine +eigentümliche Windstille und tiefer Barometerfall voraus. Seitdem man +das Drehungsgesetz kennt, kann man ausweichen, unter Umständen aber +sogar die Drehung benutzen zu einer desto schnelleren Fahrt.</p> + + + +<h2> +<span><a id="D"></a>D.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Davit</span>, das. Vorrichtung zum Aufhissen und Aufhängen der Schiffsbeiboote. +Meyers Konversationslexikon behauptet mit einer Sicherheit die einer +besseren Sache würdig wäre, das Wort sei englisch. Gewiß wird es +jenseits des Kanals in derselben Bedeutung gebraucht, aber seine Wiege +hat an deutscher Seeküste gestanden. Denn weder in der englischen Form +davit, noch in der schwedischen david, noch in der dänischen davit, noch +in der holländischen jutt gibt das Wort irgend einen Sinn, den gibt es +nur im Deutschen, und zwar in seine Bestandteile zerlegt und in seiner +ursprünglichen niederdeutschen Form: Dove Jitte, d. h. taube Jütte. +Jütte ist ein gangbarer weiblicher Vorname, Koseform von Judith. Der +Name diente einst allgemein zur allgemeinen Bezeichnung des weiblichen +Geschlechts. Man sagt noch heute vielfach mal Jitte für albernes +Frauenzimmer. Aus dem Mittelalter ist uns der Spruch erhalten: „Lange +Kleder un körten syn, dat is syne arth der leven yuten,‟ Im „Reinke de +Vos‟ heißt es, da Braun der Bär beim Bauer Rustefyl in die Klemme +geraten war: „De Kärkher unde de koester bede. De kwemen dar ok mid erem +geräde. De papen-meiershe (Pfarrköchin), de<a id="Page_100"></a> + <span class="pagenum">[100]</span> het fru Jütte, de was +de, de de baste grütte konde bereiden un koken‟ ... Um Bremen herum und +mehr nach Oldenburg und Ostfriesland hin sagte man Jitte. Eine „dove +Jitte‟ ist nach dem „Bremer Wörterbuch‟ „ein Weibsbild das nicht gut +hört.‟ „Jumfer Jitte mit dem holten Titte, Schimpfname für ein junges +Frauenzimmer, deren Busen nicht sonderlich begabt ist.‟ Es kommt auch +die Bezeichnung „dumme Jitte‟ eben so häufig vor wie dumme Trine, dumme +Liese, schlampige Suse, faule Grete, dove Greetje. Ueberhaupt spielt die +Volkssprache gern mit dergleichen Frauennamen. Man denke nur an +„schnelle Kathrine.‟ So sagt man „Jumfer Kattel‟ für „menses‟ „Gretchen +in der Küche‟ heißt ein ungeborenes Mädchen, wie „Jan im Keller‟ ein +ungeborener Knabe. „Gretchen vom Deich‟ wird das Kreuzbramsegel genannt. +„Frau Johanna‟, dame Janne, nannten die französischen Matrosen eine +dickbauchige korbumflochtene Flasche, was mißverstanden als Demijohn ins +englische überging und von da nach Norddeutschland kam, wo es für +Korbflaschen, in denen Portwein, Madeira und dergleichen Getränke +versandt werden, gebraucht wird und sich eine deutsche Aussprache mit +ungewöhnlich langem i gefallen lassen muß. „Liese‟ heißt ein Trinkkrug +nicht unbedeutenden Inhalts; „Liese‟ nannten die Soldaten in früheren +Zeiten das Strohbündel, auf dem sie liegen mußten, wenn sie Stockprügel +bekamen. Wie gern das Volk dergleichen Namen wählt, lehren die +volkstümlichen Namen für Nigella damascena: Braut in Haaren, Jungfer im +Grünen, Gretel im Grünen, Teufel im Busch, Gretel in der Hütte, Gretchen +im Busch, Gretel in der Hecke, Gretel unter den Stauden. Und wie gern +der Seemann mit dem ewig Weiblichen zu thun hat, beweist der Name +„Jungfer‟ für einen Block von eigenartiger Gestalt. So ist es denn nicht +zu verwundern, daß wir in seinem Munde die „dove Jitte‟ finden. Was aber +bezeichnet er damit? Daß der Davit früher keine so verbesserte +Vorrichtung zum Schwingen war wie heute, liegt auf der Hand. Vor hundert +Jahren begnügte man sich noch mit einer recht einfachen Sache. Einfach +sogar wörtlich genommen, denn damals bestand der Davit nicht aus zwei, +sondern nur aus einem Balken, der zuerst gar nicht zum Bootaussetzen +oder Einsetzen, sondern nur zum Ankerlichten bestimmt war. Roeding, der +zu Hamburg 1794 das vortreffliche „Allgemeine Wörterbuch der Marine‟ +herausgegeben hat schreibt über „taube Jütte‟: „Eine<a id="Page_101"></a> + <span class="pagenum">[101]</span> kurze und +etwas gekrümmte Sparre von starkem Holz, an deren einem Ende sich eine +Scheibe befindet. Sie wird gebraucht, wenn man den Anker im Boot +lichtet. Man setzt nämlich die Jütte hinten ins Boot, so daß das Ende, +woran die Scheibe befindlich, etwas über den Spiegel des Boots ragt. +Über die Scheibe legt man alsdann das Bojereep und windet mit dem +Bratspill darauf.‟ „Ähnliche, aber gerade Jütten gebraucht man auch in +den Marssen, die Luvpardunen auszusetzen oder zu spannen‟ ... Man kann +sich nun leicht vorstellen, daß die eine in Betracht kommende Sparre so +in die Spur eingesetzt wurde, daß ein Mann sie mit beiden Armen umfaßte, +etwa wie einer seine Jütte umarmt; es war aber nur eine hölzerne, herz- +und gefühllose, „taube‟, dove Jütte (wie man auch von einer tauben Nuß +spricht). Einmal nun im Scherz dove Jütte oder dove Jitt genannt, +leuchtete dieser scherzende Vergleich bald allgemein ein, fand Beifall, +Nachahmung, Aufnahme und erwarb sich schließlich in der +zusammengezogenen bequeme Form davit (etwa über Dovjit, Dowit) +Bürgerrecht in der Seemannssprache. Das Wort müßte demnach eigentlich +die Davit heißen, wie der Seemann auch wohl sagt, die Marine schreibt +aber der Davit; das Davit kann man auch hören, so daß für jeden +Geschmack gesorgt ist. Die moderne Aussprache ist allerdings +anglisierend Dävit.</p> + +<p><span class="strong1">Deck</span>, Mehrzahl: die Decks, seemännisch niemals Verdeck, ist, wie Decke, +Dach, decken verwandt mit dem lateinischen tegere, bedecken, tectum, +Dach; griechisch tegos, Dach. — Die Schiffe der Handelsmarine werden +nach den Bauvorschriften des Germanischen Lloyds gemäß der Anordnung +ihrer Decks benannt. Es gibt: 1. Volldeckschiffe mit drei oder vier +Decks, 2. Spardeckschiffe, von etwas leichterer Bauart, 3. Hurrikan +(Orkan-) Deckschiffe, 4. Sturmdeckschiffe, 5. Schiffe mit teilweisem +Sturmdeck, 6. Schutzdeckschiffe, 7. Schiffe mit Schattendeck oder +Schirmdeck (wie auf vielen Flußdampfern), 8. Glattdeckschiffe (ohne +Aufbauten), 9. Brunnendeckschiffe (haben vorne und hinten je einen +Aufbau, die Vertiefung dazwischen heißt der Brunnen), 10. +Walrückendeckschiffe, bei denen die Seiten des Schiffes bogenförmig in +das Hauptdeck übergehen, 11. Turmdeck- und Kofferdeckschiffe, bei denen +der Laderaum gleichsam einen großen Koffer bildet, zum Selbsttrimmen der +Ladung eingerichtet; darauf dann ein kleines Deck, das Turmdeck heißt, +12. Tankschiffe,<a id="Page_102"></a> + <span class="pagenum">[102]</span> (s. Tank). Bei einem der neuen großen +Passagierdampfer unterscheidet man von oben nach unten gerechnet: 1. +Bootsdeck, 2. oberes Promenadendeck, 3. Promenadendeck, 4. Brückendeck, +5. Hauptdeck, 6. Zwischendeck, 7. Unterdeck, 8. Orlopdeck. Dieses +letztere war ursprünglich das einzige Deck, das zum Gehen für Menschen +bestimmt war. Dieses Gehen an Deck hieß mittelniederdeutsch over (deck) +lopen, daraus ist overlop geworden, (bei Kilianus overlop = boord van't +schip) und das ist zu Orlop zusammengezogen; hat also mit Urlaub nichts +zu tun, die wörtliche Übersetzung würde vielmehr etwa Lauf(-planke) +sein. Insofern ein Deck aus (Decks-) Planken, aus Brettern, Dielen +besteht hieß ein solches althochdeutsch dilla, mittelhochdeutsch dille, +altnordisch thilja = Ruderbank; französisch tillac, spanisch tilla, +portugiesisch tilha, Deck. — Früher sagte man zuweilen auch Raum +anstatt Deck, s. Raum.</p> + +<p><span class="strong1">Deckoffizier</span>, der, eine ziemlich unglückliche allgemeine, +zusammenfassende Bezeichnung für Maschinisten, Feuermeister, +Feuerwerker, Bootsleute, Steuerleute, Zimmermeister, +Materialienverwalter. Welcher Gedankengang der Bildung dieses jungen +Wortes zu Grunde lag ist nicht recht erfindlich, es müßte denn sein, daß +ursprünglich jedem der Deckoffiziere eines der verschiedenen Decks zur +besonderen Beaufsichtigung zugedacht war. Aber auch das hat sich schon +lange geändert; hat doch z. B. über das Zwischendeck ein Leutnant die +Aufsicht und heißt dann Zwischendecksoffizier.</p> + +<p><span class="strong1">Declination</span>, s. Variation.</p> + +<p><span class="strong1">Deich</span>, der. Der das Land vor der See schützende Erdwall, im +Hochdeutschen, in das das Wort erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus +dem Niederdeutschen gedrungen ist, gewöhnlich Damm genannt. Ein für den +ganzen Bestand vieler Länderstrecken unentbehrliches aber sehr +kostspieliges Werk der Menschenhand, daher in doppeltem Sinne treffend +in Ostfriesland „de golden hoop‟, der goldene Reif genannt. Das Wort ist +mit Teig und mit Teich verwandt, sie stammen alle drei aus der Wurzel +digh, bestreichen, verkitten, dichten, tasten, tastend formen (aus einer +weichen, schlammigen Masse). Der Deich wird aus weicher, ausgegrabener +Erde geformt. Weil diese Arbeit hauptsächlich mit dem Spaten geschieht, +so hieß im altfriesischen dyka graben, und in dem ihm so nahe verwandten +Angelsächsischen<a id="Page_103"></a> + <span class="pagenum">[103]</span> dic zugleich Deich und Graben. Altfranzösisch +dik, französisch digue. Die Deichgeschworenen hießen altfriesisch +dikaldermon. Die Leute die einen Deich bauen heißen diker und sind bei +ihrer schweren Arbeit für ihren guten Appetit bekannt, wie sonst wohl +die Scheunendrescher. Es konnte in früheren Tagen die Last des Deichens +einem Besitzer so schwer werden, daß er lieber sein ganzes Besitztum +aufgab und in die Fremde zog. Das tat er, indem er seinen Spaten in den +Deich steckte. Wer ihn herauszog, ergriff Besitz von dem verlassenen +Lande und trat in alle Rechte und Pflichten ein. (Spatenrecht). +Naturgemäß spielt der Deich in den von ihm beschützten Ländern im Denken +und im Sprachgebrauch der Leute eine große Rolle. Das beweisen +zahlreiche Sprichwörter und geflügelte Worte, z. B. sagt drastisch aber +wirkungsvoll einer der sich nicht hänseln lassen will in Westfriesland: +„Ik bin niet von Kraien an diek scheten.‟</p> + +<p><span class="strong1">Deining</span>, <span class="strong1">Dünung</span>, die. Das sich Heben und Senken des Meeres in hohen +glatten Wogen bei windstillem Wetter oder wenigstens nicht zu den Wellen +im Verhältniß stehender Brise. Roeding: „Eine heftige Bewegung der See, +die nach schweren Winden noch etliche Tage fortdauert, und selbst, wenn +der Wind sich schon verändert hat, noch dieselbe Richtung behält. Ein +Schiff, welches z. B. mit Ostwind durch den Kanal ins atlantische Meer +segelt, kann daselbst bey eben diesem Winde noch ein Deining aus Süden +haben, wenn es nämlich nicht lange vorher schwer aus dieser +Himmelsgegend geweht hat.‟ Eben deswegen, weil Windrichtung und Seegang +nicht immer einander entsprechen, heißt die betreffende Rubrik im +Loggbuch „Windrichtung und Seegang‟. — Es kann aber auch umgekehrt +sein, daß die Dünung den Vorläufer eines Sturms bedeutet; in diesem +Sinne heißt das Wort italienisch mar nuovo, im anderen mar vecchio oder +morto, „tote See‟, wiewohl sie ein Schiff lebendig genug schlingern +macht. Ist mit Düne von gleicher Abstammung (daher s. d.) im Sinne von +sich ausdehnen, in die Höhe gehen, hochgehen, „schnellen‟; englisch +swell, „a successeon of long unbroken waves setting in one direction, as +after a storm.‟</p> + +<p><span class="strong1">Deisen</span>, achteraus gehen. Deisig oder diesig nennt der Seemann trübes, +nasses, unfreundliches, „dreckiges‟, nebliges Wetter. Es ist anzunehmen, +daß das nordische mist für Nebel, diesiges, deisiges Wetter, wegen des +Schmutzigen, Schmierigen, Mistigen<a id="Page_104"></a> + <span class="pagenum">[104]</span> des Nebels gewählt ist. Wenn +aber für deisig mistig gesagt werden kann, so lag bei deisig auch der +Gedanke an Mist machen, seine Notdurft verrichten nahe. Bei diesem +Geschäft gehen viele Geschöpfe rückwärts, „über den Achtersteven‟; man +denke an einen Hund, oder auch an noch edlere Wesen. Auf diese Weise mag +deisen zu der Bedeutung achteraus gehen, „über den Achtersteven‟ gehen +gelangt sein. Bestärkt werde ich in dieser Vermutung dadurch, daß man +von einem rückwärtsgehenden Schiffe auch sagt: „es deist aufs Gat‟, und +Gat heißt nicht nur Loch im Sinne der Ehre, sondern auch der Unehre. — +Im Althochdeutschen hieß der Mist, der Stalldreck deisk, daisk.</p> + +<p><span class="strong1">Deissel</span>, Deiksel, Deksel, der, ein vielgebrauchtes Werkzeug der +Zimmerleute, einer Axt ähnlich; doch steht beim Deissel die Schneide +nicht parallel zum Stiel sondern perpendiculär. Das Wort kommt von einer +Wurzel die hauen, hacken, spalten bedeutet und ist mit Deichsel +zusammenzustellen, niederdeutsch dissel, althochdeutsch dihsila, +mittelhochdeutsch dichsil, weil eine Deichsel ursprünglich nur eine +abgehauene Stange war. Deichseln oder deikseln heißt etwas mit dem +Deissel oder Deiksel zurechthauen und wird an Bord oft auch auf andere +als hölzerne Dinge übertragen, etwa im Sinne von machen, fertig bringen. +„Das wollen wir schon deikseln‟, „das werden wir schon kriegen;‟ „das +hast du fein gedeikselt!‟</p> + +<p><span class="strong1">Dempgordinge</span>, die, sind die Taue mit denen der Besan gegeit wird, die +Besansgeitaue, und zwar wird mit ihnen der obere schiefe dreieckige Teil +des Besans nach der Besansgaffel zu geholt, während der untere Teil, der +grade, viereckige mittelst der Besansbrook nach dem Schnaumast zu gegeit +wird. Das niederdeutsche Zeitwort dempen heißt (s. Doornkaat) ersticken, +löschen, niederdrücken, vermindern, stopfen, drückt also das, was in der +Tat mit dem Segel geschieht beim Segelbergen, mit aller Deutlichkeit +aus. Davon das Substantivum demper, dämpfer, „dar mut ins 'n demper up +setd worden‟, und das Adjectivum dempig, asthmatisch. Niederländisch +dempen, mittelniederdeutsch dampen; in einer Urkunde von 1450 kommt das +Wort vor im Sinne von „de kulen dempen und towerpen.‟ Althochdeutsch +demphan, mittelhochdeutsch dempfen, dämpfen.</p> + +<p><span class="strong1">Deplacement</span>, das, ist das Gesamtgewicht eines Schiffes. Man +unterscheidet totes Gewicht und nützliche Zuladung. Zum Gewicht gehört +(Dick und Kretschmer I. 29.)<a id="Page_105"></a> + <span class="pagenum">[105]</span> </p> + +<ul> +<li>1. Das Gewicht des Schiffskörpers mit allen seinen Einrichtungen.</li> + +<li>2. Das Gewicht der Bemastung mit Segeln, Takelage und Rundhölzern, der Kambüsen, Wasserkasten.</li> + +<li>3. Das Gewicht der Mannschaft mit Leibesbedürfnissen, des Proviants, des Speise-, Wasch- und Trinkwassers.</li> + +<li>4. Das Gewicht der Ausrüstung, des Inventars und Materials.</li> + +<li>5. Das Gewicht der Maschinen, der Kessel mit darin befindlichem Wasser, der Kondensatoren, Rohrleitungen, des Treibapparats (Schraube, Schaufelrad und dergl.) mit Zubehör, der Reserveteile, des Materials und Inventars für die Maschine.</li> + +<li>6. Das Gewicht des Heizmaterials zur Dampferzeugung in den Kesseln und für sonstige Betriebe.</li> + +<li>7. Gewicht des etwa benötigten Ballastes.</li> +</ul> + + +<p>Die nützliche Zuladung oder Nutzladung umfasst:</p> + +<ul> +<li>1. Gewicht der Frachtgüter.</li> + +<li>2. Gewicht der Passagiere mit Leibesbedürfnissen (Effekten), deren Proviant und Trinkwasser. — Hierzu tritt bei Kriegsschiffen:</li> + +<li>3. Gewicht der Geschütze mit Munition, der Torpedoarmierung mit Munition, des Panzers mit Holzhinterlage, des Panzer- und Schutzdecks, des Korkdamms, der Besatzung, der sonstigen Artillerie-, Torpedo- und Sprengdienstausrüstung, der elektrischen Einrichtungen, Apparate und Hilfsmaschinen.</li> +</ul> + +<p><span class="strong1">Detail</span>, das. Inventar und Material an Bord stehen unter besonderer +Aufsicht von Deckoffizieren, so das jeder sein ihn angehendes besonderes +Teil zu verwalten hat. Diese Einzelnheit heißt Detail, Bootsmannsdetail, +Steuermannsdetail etc. etc. Französisch détailler, eigentlich +zerschneiden, von tailler, mittellateinisch taliare, zerstocken. Detail +als ein zugeteiltes Stück würde seinen völlig ausreichenden und +bezeichnenden Ausdruck finden in dem Worte Teil.</p> + +<p><span class="strong1">Deutel</span>, der. „Kleine viereckige spitze Keile von eichen Holz, welche in +die Köpfe der hölzernen Schiffsnägel getrieben werden, damit sie +durchaus fest schließen, und das Wasser auf keine Weise bey den Seiten +der Nägel durchdringen kann‟. (Röding). Das Wort heißt in Holland auch +dreutel und dreutel ist offenbar auch bei uns die ursprüngliche Form +gewesen. Wegen der Aussprache des Holländischen dreutel = drötel dürfen +wir das Wort von dröteln ableiten, der niederdeutschen<a id="Page_106"></a> + <span class="pagenum">[106]</span> Form und +Aussprache für das Hochdeutsche trödeln, dessen eigentliche Bedeutung +drängen, pressen, drücken ist. Trödeln in unserem gewöhnlichen Sinne des +Wortes heißt also sich langsam Herum<span class="strong1">drücken</span>, sich um eine Arbeit +drücken, oder auch wie man kurz zu sagen pflegt: „sich drücken‟. Die +Bedeutung des Drückens, Drängens hat unserm Dreutel oder Deutel den +Namen gegeben, weil der Holzkeil mit Gewalt in den Holznagel +hineingedrängt wird. Um dies desto leichter zu können schlägt man vorher +mit einem Eisen welches aber dieselbe Gestalt des Deutels hat und +<span class="strong1">Deuteleisen</span> heißt, ein Loch in den Kopf des Nagels.</p> + +<p><span class="strong1">Deviation</span>, s. Variation.</p> + +<p><span class="strong1">Diagonalboot</span>, das. Der Name bezieht sich auf die Bauart der Bordwand des +Bootes, oder der Außenhaut. Beim Diagonalboot besteht diese aus zwei +Plankenlagen die entweder so angeordnet sind, daß die einzelnen Gänge in +einem Winkel von 45° zum Kiel geneigt sind und sich gegenseitig ungefähr +rechtwinklig kreuzen oder daß nur die innere Lage die diagonale Richtung +hat und die äußere in der Längsrichtung des Bootes verläuft. Beide Lagen +werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden.</p> + +<p><span class="strong1">Dichten.</span> Die wichtige seemännische Arbeit die einzelnen Nähte zwischen +den hölzernen Schiffsplanken wasserdicht zu machen. Dieses Dichten hat +also mit der Dichtkunst eines Goethe oder Schiller nichts zu thun, die +aus dem lateinischen dictare herkommt, sondern ist mit Deich und deichen +verwandt. Das mittelniederdeutsche diken heißt noch deichen und dichten +zugleich (deichen, dämmen, dicht machen, stopfen und graben.) Die +gemeinsame Bedeutung ist: aus einem weichen, leicht zu bearbeitenden +Stoff einen Schutz gegen eindringendes Wasser herstellen. Das Nähere +über dichten s. u. kalfatern.</p> + +<p><span class="strong1">Diesig</span>, auch deisig, nennt der Seemann ein nasses, kaltes, +unfreundliches, trübes, nebliches Wetter; ein Wetter das auch „mistig‟ +genannt wird. Diesig und mistig sind sehr nahe Bedeutungsverwandte, weil +beide von Wörtern abstammen die „Excremente‟ bedeuten. Denn mistig kommt +von Mist; zwar zunächst in der bei den germanischen Sprachen so weit +verbreiteten Bedeutung von Nebel, aber die geht doch weiterhin wegen des +Schmutzigen, Schmierigen des Nebelwetters auf Mist = Kot zurück. Und +diesig, deisig, geht zurück auf das althochdeutsche deisc, daisc, +dheisc, theisc = Mist, Dünger, Unrat.<a id="Page_107"></a> + <span class="pagenum">[107]</span> Beide Eigenschaftswörter, +diesig und mistig, bezeichnen also „dreckiges Wetter.‟</p> + +<p><span class="strong1">Dingey</span>, <span class="strong1">Dingi</span>, das. Das kleinste der Schiffsbeiboote, gebraucht wenn ein +einzelner Offizier, ohne viele Umstände zu machen und ohne eine größere +Bootsbesatzung dem Schiffsdienst zu entziehen, von oder an Bord gehn +will. Diese Bootsart ist erst in den letzten dreißig Jahren aufgekommen. +Name und Sache stammen aus Ostindien: „dinghi, dingey a boat varying in +size in different localities: the dinghies of Bombay are 12 to 20 +feet... the dinghies of Calcutta are small passage-boats for the poorer +classes, rarely used with a sail; they are not painted, but merely +rubbed with nut-oil, which imparts to them a sombre colour. This name is +now also applied to a ship's small-boat.‟</p> + +<p><span class="strong1">Dippen</span>, die Flagge, sie zum Gruße niederholen. Das Wort müßte eigentlich +diepen geschrieben werden. In Ostfriesland heißt es düpen und bedeutet +tiefen, tiefer machen, niedriger hängen, herunterziehen. Die neuerdings +(Herbst 1900) zwischen der Mehrzahl der deutschen Reedereien getroffene +Vereinbarung über den Austausch des <span class="strong1">Flaggengrusses auf See</span> für die +Schiffe der deutschen Handelsmarine enthält folgende Bestimmungen: 1. +Sobald ein in Sicht kommendes Schiff als solches erkannt wird, mit dem +Flaggengruß zu wechseln ist, ist sofort die Heckflagge zu setzen, ohne +Rücksicht darauf, ob das andere Schiff dieselbe bereits führt, oder +welchem Schiff die Pflicht des ersten Grußes obliegt. Die Flagge ist zu +setzen, so lange die Positionslaternen nicht angezündet sind. 2. Die +Pflicht des ersten Grußes hat: a. wenn ein Schiff vom andern überholt +wird, das überholende Schiff, b. wenn eines der Schiffe still liegt, das +in Fahrt befindliche Schiff, c. auf den von Europa ausgehenden Linien +das auf der Ausreise befindliche Schiff, d. in allen übrigen Fällen +dasjenige Schiff, das am nördlichsten steht. Beim Ein-und Auslaufen auf +Häfen, sowie auf Revieren (d. h. Flüssen s. Revier), hat immer das nach +See steuernde Schiff zuerst zu grüßen. Das hiernach zum Gruß +verpflichtete Schiff hat seine Flagge zu dippen, sobald das andere +Schiff in der Peilung zwei Strich vorderlicher als dwars steht, +jedenfalls aber nicht später; die Flagge bleibt dann solange gedippt, +bis von dem anderen Schiff der Gegengruß erfolgt ist, und ist alsdann +wieder vorzuheißen. Haben die Schiffe einander passiert, so hat das zum +ersten Gruß<a id="Page_108"></a> + <span class="pagenum">[108]</span> verpflichtet gewesene Schiff die Flagge zuerst wieder +niederzuholen, sofern die Flagge nicht aus besonderen Gründen gesetzt +bleiben muß.</p> + +<p><span class="strong1">Dirk</span>, die, hieß früher auch das Piekfall der Besansgaffel, jetzt heißt +so nur noch die Besansdirk oder Besansbaumdirk, kurzweg auch Baumdirk, +neuerdings auch Besanstoppnant oder Baumtoppnant genannt, das Tau mit +dem der Besansbaum aufgetoppt, oder wie man wegen der Dirk sagt, +aufgedirkt wird. Dirk als Abkürzung von Dietrich ist ein im Gebiet der +deutschen Seemannssprache sehr verbreiteter Vorname. Auch der falsche +Schlüssel Dietrich heißt hier Dirk, und ein Schloß mit einen solchen +öffnen nennt man dirken. Irgend einen Zusammenhang zwischen diesem Dirk +und der seemännischen Dirk habe ich vergeblich gesucht. Daß Spitzbuben +hinter Dietrich, dem beliebten Vornamen, ihr Diebeswerkzeug in der +Gaunersprache zu verbergen suchen, beweist Kluge dadurch, daß der +falsche Schlüssel auch Peterchen und Klaus genannt wurde. Man findet das +begreiflich, weil sie das Ding nicht beim rechten Namen nennen durften. +Aber warum sollte dies auch bei der Baumtoppnant der Fall sein? — Wir +müssen uns daher anderweitig umsehen. Die Dirk, sei es als Piekfall, sei +es als Baumdirk, dient zum Auftoppen, man <span class="strong1">zieht</span> also etwas damit in die +Höhe. Es mag daher der Begriff „ziehen‟ in Betracht kommen, der in dem +niederdeutsch-niederländischen Zeitwort trecken steckt; es hieß dieses +im Gotischen trikan. Davon konnte leicht ein Substantivum trik gebildet +werden. Da aber das vorgermanische Thema zu trikan darg ist, so mag trik +auch drick gesprochen worden sein; drik aber konnte leicht, schon in +Erinnerung an darg, aber auch sonst durch Metathelis leicht zu dirk +werden, so daß die Dirk also ein Ziehding wäre. Das sind freilich alle +Taue, aber warum soll nicht wenigstens eins davon von Ziehen den Namen +haben? — Unter den vielen Bedeutungen die das englische trick hat ist +auch eine im Sinne von „Zug.‟</p> + +<p><span class="strong1">Dispacheur</span>, der, der Mann, der Sachverständige, der schätzt, berechnet +und verteilt, wieviel ein jeder, der an einem Schiffe Anteil hat, zahlen +muß, zur Ausgleichung des Schadens, wenn das betreffende Schiff Havarie +gelitten hat. Es muß ein vereidigter, vertrauenswürdiger, zu dem Amte +staatlich bestellter Mann sein. — Das Wort kommt von Dispache und +dieses vom spanischen<a id="Page_109"></a> + <span class="pagenum">[109]</span> despachar, abfertigen; englisch despatch; +französisch dépécher; deutsches Fremdwort depeschieren, Depesche. Das +Zeitwort soll vom spätlateinischen dispedico — dis als Negation und +pedica, Fessel — kommen, würde also einen bedeuten, der mit +ungefesseltem, eiligem Fuß abgefertigt ist, eine Botschaft zu bestellen, +zu expedieren.</p> + +<p><span class="strong1">Division</span>, die. Dieses Wort wird in der Marine in dreierlei Bedeutung +gebraucht:</p> + +<p>1. Die gesamte Mannschaft eines Schiffes wird, wie in seemännischer +Hinsicht in Wachen, so in militärischer Hinsicht in Divisionen +eingeteilt, also in Verbände, die man ungefähr den Kompagnien bei der +Landarmee vergleichen könnte.</p> + +<p>2. spricht man von Matrosendivisionen, Werftdivisionen, neuerdings auch +von einer Schiffsjungen-Division. Das sind militärische Verbände am +Lande, von einem Stabsoffizier kommandiert, etwa den Regimentern +vergleichbar.</p> + +<p>3. heißt Division ein Verband von Kriegsschiffen, ein Teil eines +Geschwaders oder einer Flotte. Es besteht zur Zeit über die Anzahl +dieser Schiffe noch kaum eine bestimmte Vorschrift, doch wird in Zukunft +die Vierzahl eine große Rolle spielen. In früheren Zeiten waren ziemlich +genau bestimmte Zahlen festgelegt. Nach Brommy bestand eine <span class="strong1">Flotte</span> +gewöhnlich aus wenigstens siebenundzwanzig Linienschiffen, außer +Fregatten und anderen Fahrzeugen, und wurde in drei <span class="strong1">Geschwader</span>, jedes zu +drei <span class="strong1">Divisionen</span>, geteilt. Aubin, 1702, sagt über Division: „C'est une +certaine quantité de vaisseaux d'une armée navale, qui sont sous le +commandement d' un Ofizier Général. La signification de ce terme n'est +pas encore bien déterminée, car on s'en sert quelquefois pour marquer la +troisième partie d' une armée navale, qu'on apelle autrement Escadre, et +quelquefois c' en est la neuvième partie, ce qui arive lors-que l'armée +est distribuée en trois escadres; car alors chaque escadre est +distribuée en trois divisions, comme il se pratiqua pendant les +campagnes navales de 1672 et 1673 dans la jonction des armée de France +et d' Angleterre. Celle d' Angleterre formoit deux escadres, la rouge et +la bleue, chacune partagée en trois divisions, et l'armée de France, qui +formoit l'escadre blanche, étoit aussi distribuée en trois divisions. +‚Le Duc d' York commandoit l'escadre rouge, qui formoit le corps de +bataile. Le Comte de Montaigu, ou de Sandwich, commandoit<a id="Page_110"></a> + <span class="pagenum">[110]</span> +l'escadre bleüe qui faisoit l'aile gauche, et le Comte d'Estrée +commandoit l'escadre blanche, qui faisoit l'aile droite. II y avoit +aussi trois escadres dans l'armée de Hollande, et chaque escadre etoit +pareillement distribuée en trois divisions. Sa marche étoit sur une +ligne droite: le Lieutenant-amiral Général de Ruiter etoit an milieu +avec la principule escadre‛‟ ... Was also in Zukunft die Vierzahl +bedeuten wird, bedeutete in jenen Tagen die Dreizahl.</p> + +<p><span class="strong1">Dobber</span>, der, ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Holz oder Kork, das +die Stelle einer Boje versieht und die Lage eines unter Wasser +befindlichen Gegenstandes, einer Angel, eines Netzes, eines Ankers +anzeigt. Ostfriesisch dubber, vom Zeitwort dubbern, schlagen, pochen, +stoßen, hin- und herschlagen, schwingen, schwanken; von der Bewegung die +ein auf Wasser schwimmender, von den Wellen auf und nieder bewegter +Gegenstand macht; „auf dem Wasser tanzen‟ nennt man sie wohl. — +Kilianus kennt das Wort nur als zum Angelgerät gehörig: „calamus, qui +suspendit hamum, ne fundum petat; cortex subereus lineae piscatoriae.‟ +Halbertsma hat für Friesland die Form doaper, „in genere fluitans quid, +quod suspendit hamum reteve; speciatim parallelopipedon ligneum parvum +in aqua natans et sustinens funem, qui desinit in hamum.‟ Im Husumer +Seerecht heißt es: „Kombt ein schip in einen haven driven, dat schal ein +dubber up einen ancker hebben.‟ — Im Mittelniederdeutschen heißt der +Dobber auch Kogert: „unde licht enich anker sunder douwer ofte kogert, +onde schade off queme, den schall he half beteren‟.</p> + +<p><span class="strong1">Dock</span>, das, ist ein ausgegrabener und mit Quadersteinen ausgemauerter +Raum, in dem ein Schiff ausgebessert wird. Wenn das zu dockende Schiff +in diesen Raum hineingefahren ist, wird das Dock hinter ihm mit einem +Ponton abgesperrt und das Wasser wird mit einer Dampfpumpe ausgepumpt. +Je mehr das Schiff dadurch trocken fällt, desto mehr wird es von beiden +Seiten mit Balken abgestützt bis es schließlich ganz trocken dasteht. +Doch heißt nicht deswegen solch ein Dock Trockendock, sondern weil es im +Gegensatz zu einem Schwimmdock (s. d.) auf dem Trockenen angelegt ist. +Docken heißt ein Schiff ausbessern; „das Schiff wird gedockt‟, man kann +aber auch sagen „das Schiff dockt‟, wie man sagt das Schiff „löscht‟. — +Kilian hat eine niederdeutsche Form docke für Renne, Wasserrinne. Dem +entsprechend leitet<a id="Page_111"></a> + <span class="pagenum">[111]</span> Grimm Dock vom italienischen doccia, +französisch douche, spanisch ducha = Wasserröhre, Wasserrinne, ab. Und +diese gehen entweder auf das lateinische (aquae) ductus oder auf das +griechische doche, dochos, docheion = Gefäß, Behälter zurück. — Im +Englischen heißt dockyard Werft, dock allein meist in der Mehrzahl docks +wird auch gebraucht für einen Liegeplatz von Schiffen. Da wo mir das +Wort im seemännischen Sinne zuerst begegnet ist, bei Aubin 1702, wird es +neben Dock in unserem Sinne auch als Ankerplatz oder Liegeplatz +gebraucht. Es übersetzt nämlich Aubin das niederländische dok mit +chambre, bassin, darsine und paradis. Er bemerkt dazu: „C'est la partie +d'un port de mer la plus avancée dans la ville. Elle sert à retenir les +galéres et autres bâtiments de mer, et est fermée d'une chaine. Elle est +apellée Darsine sur la Méditerranée; mais sur l'Océan on apelle Paradis, +Bassin, Chambre, les lieux retirez du port, oú les vaisseaux sont en +plus grande seureté.‟ Vorher hat er aber auch dieselben Namen bassin, +chambre und Darsine angewandt auf „un petit port particulier pratiqué +dans un plus grand, oú l'on radoube les vaisseaux. Il ya de deux sortes +de bassins; les uns qu'on peut toujours tenir secs, parce qu'on les +ferme avec des portes; les autres qui sont ouverts, et dont le fond +étant toujours mou et bourbeux, se remplit d'eau quand le flot monte, et +se vuide quand la mer descend.‟ Im Jahre 1794 scheint es in Deutschland +noch keine Docks gegeben zu haben, wenigstens weiß Röding von keinen zu +berichten, da er doch schreibt: „Die neuerbauten Docken zu Karlscrona +und Kronstadt, wovon die erste in einen Fels gehauen ist, sind +unstreitig die musterhaftesten, auch sind die französischen in den Häfen +zu Toulon, Brest und Rochefort und nicht minder die englischen +merkwürdig. In Spanien, Portugal und Dänemark sind die Docken ebenfalls +auf ähnliche Weise eingerichtet.‟ — Im Jahre 1850 mußte das erste, +neueingerichtete Schiffsjungenschulschiff „Mercur‟ in Karlskrona docken. + — Mehrzahl: <span class="strong1">die Docks</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Dodshoft</span>, das, eine besondere Art von Block oder Scheibe mit einem +runden oder auch länglichen Loch in der Mitte; ihrer je zwei werden zum +Festsetzen stehenden Gutes verwandt. Der Name mag von dem Loch kommen, +das Dodmannsauge heißt. Die Einbildungskraft des Seemanns hat offenbar +diese leere Höhlung im Block mit der leeren Augenhöhle eines +Totenschädels<a id="Page_112"></a> + <span class="pagenum">[112]</span> verglichen und Dodsmannsauge genannt. Den Block der +das Dodmannsauge aufweist Dodshoft (Dodmannshoft) zu nennen lag dann +nahe. Zusammensetzungen, in denen Tod oder tot bildlich gebraucht sind, +kommen nicht selten vor. Im „Seebuch‟ (1400) kommt dodeman, +Dodemanshovet als Übersetzung für das Vorgebirge Deadmans Point vor. +Sogar ein Gebäck aus Mehl, Zucker und Mandeln nennen sie in Groningen +doodmansvinger.</p> + +<p><span class="strong1">Dollart</span>, der. Name des im 13. und 14. Jahrhundert nach und nach durch +Deichbrüche, ähnlich wie die Jade, entstandenen Meerbusens. Es ist +behauptet worden der Name komme von der „tollen Art‟ dieses +seemännischen Gewässers. Aber diese Behauptung hat nicht mehr Wert als +die andere, daß Wangerooge „das Auge‟ von Wangerland heiße (da oog doch +gleich dem hochdeutschen ach, Wasser ist). Der Dollart hat keine tollere +Art wie die anderen Busen der Nordsee; verschiedene Fluten haben an +seiner Entstehung gearbeitet (zuerst 1277); aus kleinen Anfängen ist er +entstanden; zuerst mag nur ein Loch vorhanden gewesen sein, ein Kolk +oder dergl. Nun gibt es im Ostfriesischen ein vielgebrauchtes Wort +dollerd, dollert, dullert für talähnliche Mulde, Vertiefung, Senkung, +großes weites Loch im Boden, Untiefe, Sumpf. Das hat zweifelsohne den +Namen gegeben. Er ist in vielen deutschen Dialekten als delle erhalten; +englisch dell.</p> + +<p><span class="strong1">Dollbord</span>, s. Dolle.</p> + +<p><span class="strong1">Dolle</span>, die, hölzerner (jetzt meist eiserner) Nagel in dem Dollbord des +Ruderbootes befestigt, dazu bestimmt dem Riemen (Remen) beim Rudern als +Stütz- und Drehpunkt zu dienen. Heißt eigentlich nichts weiter als ein +Stück Holz, Baumstamm, Balken, Stange, Holzpflock, Bolzen. Von einem +Stammverbum dolon, das mit dem Perfektum von fero, tuli, und mit tollo, +tolero, tragen, halten (also auch mit unserem „Geduld‟) verwandt ist. +Althochdeutsch dolon, tholon, dolen, tholen; mittelhochdeutsch dolen; +gothisch thulan; friesisch heißt Dolle dol, angelsächsisch thol, +englisch thole, auch thole-pin („Angli per abundantiam thole-pin, ut fit +cum propria vis vocis in oblivionem cadit, notio enim clavi (pin) jam in +thole haeret.‟) Nach Vilmar ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen +technischer Ausdruck der Zimmerleute für den starken hölzernen Nagel, +welcher halb in den Durchzug und halb in den Balken befestigt wird, +damit sich die Balken nicht verschieben. — Kilianus hat schon die Form +dolle: „lignum teres, cui struppis alligantur remi et obex remi.‟ — +<span class="strong1">Dollbord</span> ist die oberste Planke der Bootsaußenhaut, an der die Dollen +befestigt sind. Der Name Dollbord ist auch da geblieben wo, wie beinahe +durchgängig bei der Marine, die Dollen verschwunden sind und Rundseln +Platz gemacht haben. Nur das Dingey und die Gig haben keine Rundseln, +allerdings auch keine Dollen, sondern Gabeln, in denen der Riemen sich +bewegt; sie haben aber den Namen Dollen behalten.</p> + +<p><span class="strong1">Domper</span>, der, das Tau (aus Draht) das der blinden Rahe Halt nach unten zu +gewährt. Ganz vorne am Bug und niedrig über dem Wasser angebracht muß +der Domper bei Seegang notwendigerweise mit dem Wasser in Berührung +kommen und bei jeder höheren Woge untertauchen. Davon hat er den Namen. +Früher, als man die Kanonen noch auf sehr einfache Art befestigte, kam +es vor, daß sie durch das Schlingern des Schiffes vornüber fielen, das +nannte man „die Kanonen dompen‟. In Ostfriesland ist ein Zeitwort dumpen +(niederländisch dompen) im Gebrauch: stoßen, drücken, niederdrücken, +unterdrücken, ducken, tauchen, eintauchen, sinken machen, versenken; +davon ist domper gebildet. Da unser tauchen dasselbe Wort ist wie +taufen, und gothisch daupjan hieß, altsächsisch dopan, niederdeutsch +dopen, so ist klar, daß das ostfriesische dumpen und das niederländische +dompen rhinistische Formen (durch Nasalierung entstanden) von dopen +sind, Domper also nichts anderes ist und bedeutet als<a id="Page_113"></a> + <span class="pagenum">[113]</span>Taucher. +Das Zeitwort dompen wird auch sonst an Bord gebraucht im Sinne von +„etwas nach unten zu bewegen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Downtonspumpe</span> s. Pumpe.</p> + +<p><span class="strong1">Draggen</span> auch wohl dreggen, heißt etwas auf dem Grunde des Meeres +Liegendes auffischen, aus dem Wasser ziehen. Ziehen ist die eigentliche +Bedeutung des Wortes. Es ist mit tragen verwandt, niederdeutsch dragen, +altfriesisch draga, drega, angelsächsisch dragan, altnordisch draga, +schwedisch draga, dänisch drage, englisch drag, gothisch dragan, +althochdeutsch tragen, trakan — alles heißt ziehen, schleppen, +hinziehen, ausziehen. Das Werkzeug zum draggen heißt <span class="strong1">Dragge</span>, <span class="strong1">Dregge</span>, +<span class="strong1">Dreg</span>. Es ist ein ankerartiges Ding mit vier Armen, manchmal auch nur mit +dreien, die auf dem Grunde des Meeres hin und her bewegt den gesuchten +Gegenstand fassen, greifen, festhalten sollen, damit er in die Höhe +gezogen werden kann. Weil man<a id="Page_114"></a> + <span class="pagenum">[114]</span> die Arme mit den Klauen eines +wilden Tieres, etwa eines Drachen, vergleichen kann, so haben harmlose +Erklärer an dieses fabelhafte Tier gedacht um das Wort zu erklären. +Nicht besser ist die Erklärung des Bremer Wörterbuches: „dragge, eine +Art Anker mit 3 oder 4 Haken. Vielleicht von traag = tardus, weil er das +Schiff an der Fahrt hindert‟ — also „träge‟ macht (!) Noch schöner ist +das Wort Dragge von dem Herausgeber des Kilianus'schen Wörterbuches, +Gerhard Hasselt aus Arnheim, 1777 gedeutet worden: „dregge a drieghen, +quia eo pisces <span class="strong1">decipiuntur</span>.‟ Nicht besser ist eine vierte Deutung, nach +der dregge = dre-egge wäre: „tribus cuspidibus vel manibus anchora.‟ — +Französisch drague, Hohlschaufel um Sand, Erde, Schlick aus dem Wasser +zu ziehen; englisch drag, Zugnetz. Immer spielt der Begriff des Ziehens +in die Bedeutung hinein. — Dann ist aber freilich, weil die Dragge oder +der Dreg Ankergestalt hatte, die Zusammensetzung Dreganker aufgekommen, +auch Draganker; man hat auch wohl Anker wieder fallen lassen ohne daß +das Wort die Bedeutung änderte; so kommt es, daß im Wangerländischen +drag Bootsanker heißt.</p> + +<p><span class="strong1">Dragoman</span>, der, ist ein bei auswärtigen Gesandtschaften, bei Konsulaten +in See- und Hafen- und anderen Städten angestellter Dolmetscher. Das +Wort ist ursprünglich chaldäisch und bedeutet Erklärung (targumim); +davon arabisch targana, auslegen, übersetzen, dolmetschen; arabisch +targoman, mittellateinisch dragumanus, drogamundus, italienisch +dragomanno, spanisch dragoman, französisch drogman. Tragemunt war im +mittelhochdeutschen ein weitgereister, sprachkundiger Pilger, nicht zu +verwechseln mit dem schnellsegelnden Schiffe tragamunt, s. Schmack.</p> + +<p><span class="strong1">Drehfeuer</span> s. Blinkfeuer.</p> + +<p><span class="strong1">Drehreep</span>, das. Roeding mißbilligt es, daß Drehreep oft mit Fall für ein +und dasselbe gehalten werde. Das ist aber kein Wunder, denn sie haben +beide denselben Zweck, ja es ist ursprünglich das ganze Fall der +Rahsegel weiter nichts als ein Drehreep gewesen, nämlich ein Reep das +bei (beweglichen) schweren Rahen an Deck genommen, ums Spill gelegt und +gedreht wurde, wodurch die Rahe in die Höhe ging. Um dieses weitläufige +Manöver nicht immer nötig zu haben, hat man an das Drehreep eine starke +Talje (ein Takel) angebracht, mit der die Rahe bequem gehißt werden +kann. Sie heißt Fall. Indessen muß beim Aufbringen<a id="Page_115"></a> + <span class="pagenum">[115]</span> oder an +Decknehmen der Rahe auch heute noch die Talje ausgeschaltet und das +Drehreep selbst an Deck genommen und, wenn auch nicht immer ums Spill +gedreht, so doch mit kräftiger Besetzung geholt oder gefiert werden.</p> + +<p><span class="strong1">Dreidecker</span> s. Deck. <span class="strong1">Dreimaster</span> s. Mast.</p> + +<p><span class="strong1">Dreischäftig</span> heißt das Tauwerk, das aus drei Schäften, Strängen, +Strähnen geschlagen ist, die man jetzt Kardeele nennt. Für die +Abstammung dürfte am ehesten an das lateinische scapus, Schaft, Stiel, +Stengel zu denken sein, und an seine Wurzel skap, die fassen, halten, +befestigen bedeutet, so daß dreischäftiges Tauwerk solches wäre, das von +drei Teilen zusammen<span class="strong1">gehalten</span> würde.</p> + +<p><span class="strong1">Drempel</span>, der. Die Bretter die in den Stückpforten liegen und die vier +Seiten derselben bilden. Sie bedecken die leeren Räume die zwischen den +Inhölzern bleiben, damit zwischen dieselben kein Wasser dringen kann. +Man unterscheidet einen Unterdrempel, zwei Seitendrempel, einen +Oberdrempel, aber eigentlich gebührt der Name nur dem ersteren, und auch +diesem nur uneigentlich, denn Drempel bedeutet Schwelle, Thürschwelle +und kommt von trampen, trampeln, den unteren Teil des Thürrahmens, über +den man ins Haus, in die Stube eintritt.</p> + +<p><span class="strong1">Drift</span> s. Trift.</p> + +<p><span class="strong1">Dübel</span>, der, heißt in der österreichischen Marine (nach Dabovich) der +Zylinderzapfen, hat aber mit dem Teufel nichts zu thun, sondern ist eine +Umbildung des englischen dowel, welches jeden beliebigen Zapfen +bezeichnet, französisch douille, lateinisch ductile von duco, ich führe; +also eigentlich Führung(s-Zapfen).</p> + +<p><span class="strong1">Dublieren</span>, um ein Vorgebirge herumsegeln. Der Begriff des doppelten +ergiebt sich leicht, wenn man bedenkt, daß man das umschiffte Kap einmal +von der einen und das andere Mal von der anderen Seite, also doppelt, zu +sehen bekommt. „Sailing along the coast he doubled the promontory of +Carthage.‟</p> + +<p><span class="strong1">Duc d' Alben</span>, <span class="strong1">Dukdalben</span>, <span class="strong1">Dükdalben</span>. Pfähle im Wasser, fest eingerammt +und — gewöhnlich zu dreien — mit einander verbunden, zum Festmachen, +Verholen u. s. w. von Schiffen dienend. Die falsche Meinung, der Name +komme von dem des Herzogs von Alba, hat sich so festgesetzt, daß sie nur +sehr schwer zu beseitigen sein wird. Allerdings heißt dieser im +Holländischen Duc d'Alba, im Munde des Volkes Duc d'Alf. Der<a id="Page_116"></a> + <span class="pagenum">[116]</span> +Gedanke an ihn lag also nicht allzufern, wenn man das Wort Dukdalben +las. Ja es lag allzu nah, als daß man nicht Verdacht schöpfen sollte, +denn das Nächste ist in sprachlichen Dingen nicht immer das Beste. So +hat denn auch außer Onno Klopp in seiner ostfriesischen Geschichte +meines Wissens niemand direkt und bestimmt gesagt, daß das Wort von +Herzog Alba komme, es ist immer nur vermutet worden. Klopp bringt aber +auch keinen Beweis für seine Behauptung. — Nun ist freilich das Wort vor +der Zeit des 30jährigen Krieges unbezeugt. In den vielen Hansa-Rezessen, +-Skraaen und sonstigen -Urkunden, die ich durchgesehen habe, habe ich +nichts davon gefunden. Das 1400 geschriebene „Seebuch‟ kennt nichts +dergleichen; Der Teuthonista, 1475 zu Cleve erschienen, ebenfalls nicht. +Cornelius Kilianus Duffläus, 1548, kennt das Wort auch nicht, wiewohl er +in Antwerpen lebte. Insofern könnte es also von Duc d'Alf kommen. Aber +daß das Wort nicht bezeugt ist, beweist noch nicht, daß es nicht +vorhanden war. Matthias Kramer, der im Jahre 1719 im Alter von 79 Jahren +zu Nürnberg „Das königliche Nider-Hoch-Teutsch u. Hoch-Nider-Teutsch +Dictionarium‟ veröffentlichte, könnte es haben wenn es von Alba herkäme, +hat es aber nicht. Auch das um 1700 erschienene, in Amsterdam gedruckte +„Dictionaire de Marine‟ von Aubin hat es nicht. Der Holländer Bilderdyk, +ein scharfer Kopf, der vor 100 Jahren schrieb, hat es zuerst und nennt +es auch gleich ganz richtig, oder wenigstens annähernd treffend „eene +moedwillige verbastering von dokdulf.‟ Mit dem dokdulf hat er zwar nicht +Recht, desto mehr aber damit, daß er die Form Duc d'Alf eine „mutwillige +Verschlechterung‟ nennt. Wenn wir genau zuhören, wie der niederdeutsche +Seemann sagt, so hören wir gar nicht Dükdalben oder Dükdalfen, sondern +<span class="strong1">Dükdallen</span>, und zwar mit dem dunklen niederdeutschen a das wie o klingt. +Dallen, dollen sind aber Balken, Pfähle. In Stralsund heißen die Pfähle +am Bollwerk Dallen. In Friesland heißt unser Wort dykdollen; Halbertsma: +„stirpes modicae arborum ad corroboranda lignea aggerum propugnacula;‟ +also genau wie in Stralsund. Ist -dallen so klar gestellt, so fragt sich +was das Dük- bedeutet. Es ist früher an Deich = Diek gedacht worden. +Aber es liegt ein anderer Gedanke viel näher, das ist der an das +niederdeutsche Zeitwort duken. Wir übersetzen es gewöhnlich mit tauchen, +es<a id="Page_117"></a> + <span class="pagenum">[117]</span> bedeutet aber vor allen Dingen ducken, beugen, neigen, wie in +der Wendung „de bomen duken sik för de wind.‟ Und diese Bedeutung paßt +vortrefflich. Die Pfähle der Dükdallen stehen nicht gerad aufrecht, sie +sind schief eingerammt, stehen im Winkel zu einander geneigt; die Dallen +sind also gedukt — und das Gedukte ist gerade das in die Augen +Fallende, das Charakteristische an ihnen: daher Dukdallen, das zu +Dükdallen geworden ist wie Duker, der Taucher, zu Düker. So rechtfertigt +sich auch der Plural. Es heißt stets Dükdallen, nie, auch wenn nur von +einem einzelnen die Rede ist, Dükdall; das würde unverständlich sein, +wenn an den Alba zu denken wäre, versteht sich aber von selbst, sobald +wir an mehrere Dallen denken, die zu einem Dükdallen gehören.</p> + +<p><span class="strong1">Ducht</span>, die, Ruderbank. Manchmal auch Duft, da f und ch sehr oft in +einander übergehen. Das holländische doft hat Aubin (1702) mit banc de +Galëre, de Galéasse übersetzt: „c'est un siége pour asseoir ceux, qui +tirent à la rame, soit forçat, bonavoglie, ou matelot.‟ Doft oder Docht +ist ein gemeingermanisches, sehr frühes Wort, althochdeutsch dofta, +angelsächsisch thofte, und kommt von einer Wurzel, die bücken, +niederbücken, sich <span class="strong1">ducken</span> bedeutet, so daß Ducht die Bank ist, auf der +diejenigen sitzen, die sich beim Rudern vorn über neigen, nach vorne +bücken, das ist eine zu bezeichnende Bewegung beim Rudern, als daß sie +nicht hätte zur Bezeichnung verwandt werden sollen. Vielleicht auch ist +dabei gedacht an das Niederhocken der Ruderer auf der Ducht. — </p> + +<p><span class="strong1">Ducht</span> (nannte oder) nennt man auch einen aus einer Anzahl Fäden +zusammengedrehten Strang; drei Duchten bilden ein Kardeel, mehrere +Kardeele werden zusammengeschlagen zu einem Tau. (s. dreischäftig) +Dieses Wort hat mit dem obigen nichts zu tun, sondern ist unser +hochdeutsches Docht; mittelhochdeutsch und althochdeutsch taht, +altnordisch thattr, Faden, Docht.</p> + +<p><span class="strong1">Durchdrehen</span>, unabsichtlich, durch einen Fehler des Mannes am Ruder beim +Segeln am Winde so hart an den Wind gehen, daß der Wind das Segel von +der verkehrten (vorderen) Seite füllt, „back‟ legt, und so das Schiff +dazu kommt, über den Achtersteven, rückwärts zu segeln; eine, besonders +bei schwerer See nicht ungefährliche Sache. Man nennt das auch wohl +„eine Eule fangen‟, wohl Anklang an das Sprichwort: „do hät en Uhl +säten‟,<a id="Page_118"></a> + <span class="pagenum">[118]</span> „da ists unglücklich zugegangen‟. Französisch faire +chapelle. „Durchgedreht‟ sagt der Seemann auch von einem, der einen +Sparrn zu viel hat, oder den er im Ärger für „verrückt‟ erklärt, ohne +daß der Betreffende wirklich geisteskrank zu sein braucht.</p> + +<p><span class="strong1">Durchholen</span>, ein Tau durch einen Block holen, ohne daß zugleich eine +Last, die an dem Tau befestigt wäre, geholt würde, also das lose Tau +holen, „die Lose durchholen‟ wie der seemännische Ausdruck lautet. Da +dieses kein anstrengendes Geschäft, sondern eher ein Vergnügen ist, so +heißt „die Lose durchholen‟ auch im Munde des Seemanns „sich amüsieren‟. +„Da wollen wir einmal die Lose durchholen‟, sagt wohl einer zum andern +nach langer Seefahrt angesichts des winkenden Hafens.</p> + +<p><span class="strong1">Dürrkessel</span>, s. Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Düne</span>, die, Sandhügel, Sandrücken, sandige Erhöhung am Meer. Es ist an +Verwandtschaft mit dem griechischen thin, Haufe, Sandhaufe am +Meeresufer, gedacht worden und an eine Sanscritform, die eilen, laufen +bedeutet, so daß die Düne wegen ihrer Veränderlichkeit und Beweglichkeit +so hieße (Weigand); aber dem widerspricht doch sehr der Gebrauch des +Wortes in allen keltischen Sprachen, wo es als Endung keltischer +Städtenamen geradezu einen festen, befestigten Ort bedeutet; gaedhelisch +dun, kymrisch din, Breizonek, kornisch dun: Anhöhe, Burg, Hügel; +englisch town, Stadt und down, Düne; französisch dune. Vielleicht +verwandt mit der Wurzel des althochdeutschen Zeitworts thenian, dehnen, +ausdehnen, in die Höhe gehen.</p> + +<p><span class="strong1">Dünung</span>, s. Deining.</p> + +<p><span class="strong1">Dwaidel</span>, der, ein Wischer, aus alten Lumpen gefertigt, die an einem +Stiele befestigt sind, womit der Matrose auf Handelsschiffen, namentlich +kleineren, sein Fahrzeug reinigt. Auch Dweil. Ist das sonst im +Niederdeutschen gebräuchliche Dwele, Handdwele, altdeutsch dwahila, +niederländisch dwaele, englisch towell, franz. touaille, wangerländisch +dweil. Hochdeutsch Quehle und Zwehle mit großer Verwandtschaft in allen +germanischen und romanischen Sprachen. Grundbedeutung: Etwas zum Netzen, +Naßmachen, Waschen. — Davon Zeitwort dweilen, waschen, Deck waschen. + — (Davon durch Aphäresis des d und indem der Lippenlaut w zu einem +Zungenlaut f wurde: Faidel, Feidel, Feudel, Scheuertuch).</p> + +<p><span class="strong1">Dwars</span> bedeutet <span class="strong1">quer</span> und ist nur eine andere, niederdeutsche Form eben +dieses Adverbiums. Althochdeutsch twer, dwer,<a id="Page_119"></a> + <span class="pagenum">[119]</span> angelsächsisch +thveores, altnordisch thvers, altfriesisch thwers, twers, +mittelniederländisch dwars. Im „Seebuch‟, 1400, dweers, im Teuthonista +dwerss; Kil. dwaers, dweers. In oberdeutschen Mundarten zwerch. Das Wort +wird an Bord oft gebraucht, namentlich bei Geschwadermanövern, wo neben +der Kiellinie die <span class="strong1">Dwarslinie</span> eine wichtige Formation der Schiffe ist. — +In Ostfriesland wird dwars und dwas auch außerhalb der Seemannssprache +überall da gebraucht, wo man im Hochdeutschen quer gebraucht, sogar +dwaskop wird für Querkopf gesagt; von dwas, dwass im Sinne von verdreht +kommt dann unser vulgäres dwatsch. — „Dwars ab‟ von einem Turm, einer +Bake heißt, sich dem Turm oder der Bake gerade gegenüber befinden. „Item +twisschen Engelandesende unde Lizart middes in de Montzbaye licht en +hochachtich berch, dat is ene gude kenninge, also en man kumpt dwers ut +der See‟ heißt es im „Seebuch‟ (1400); Engelandesende ist das, was wir +jetzt kurz Landsend nennen; noch bei Waghenaer, 1588, heißt dieses +Vorgebirge Engellandesende.</p> + + +<h2> +<span><a id="E"></a>E.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Ebbe</span>, die, das Zurückfließen des Wassers nach einer Flut und der Stand +des niedrigsten Zurückgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen +zusammen bringen wollen, so daß Ebbe die ausgleichende, ebnende +Meeresbewegung darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der +Meeresspiegel wieder gleich und glatt gemacht würde. Aber das tut die +Ebbe gar nicht, sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es +nicht auf den mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter, +macht also den Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut +ungleich. Auch hat es nichts mit dem in „Abend‟ steckenden Begriff des +Abnehmens, des Sinkens zu tun, vielmehr kommt für die Erklärung das +gothische ibuks, sich rückwärts bewegend, in Betracht, und das +althochdeutsche ippihhon, zurückrollen, und abuh, abgewendet, +umgewendet, verkehrt; mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht; +noch heute in oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: „Du +hast deinen Strumpf<a id="Page_120"></a> + <span class="pagenum">[120]</span> auf die ebche Seite angezogen‟, „der Baum +steht auf der ebchen (der Sonne abgekehrten) Seite des Berges‟; auch +eber, aber, appa, Stelle am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und +für das Schmelzen des Schnees gebraucht („es ist so schön appa, sand d' +Alma so grün‟, schwäbisch, „der Schnee ist weg (und deswegen) sind die +Hochweiden so grün‟). Ebbe ist also das sich rückwärts bewegende, +zurückfließende, zurückkehrende Wasser im Sinne des lateinischen +recessus. Altfriesisch ebba: „dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara +dan mitta ebba ut ende mit da floed op.‟ Angelsächsisch ebba, englisch +ebb, hier besonders oft im übertragenen Sinne gebraucht, „I felt them +slowly ebbing, name and fame‟, Tennyson; auch als Adjectivum: „The water +there is very low and ebb‟, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe, +niederländisch eb, dänisch ebbe, schwedisch ebb, französisch (1702) ebe, +il y a ebe. — Eine Ebbe und eine Flut zusammen heißt eine Tide, (nicht +englisch, sondern deutsch auszusprechen).</p> + +<p><span class="strong1">Eiland</span>, das, im Munde des niederdeutschen Matrosen gebräuchliches Wort +für Insel. Man hat es mit Einland erklären wollen, allein für sich im +Meer liegendes Land, ähnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber, +daß in der Edda ey für sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy, +schwedisch ö, dänisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe, +ouw, auw, althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederländisch +ooghe, oghe, aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue, +grünes, wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Württemberg, die +„goldene Aue‟ und viele Zusammensetzungen mit au), und daß alle diese +Formen sich dem gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen +zugesellen lassen, so kann kein Zweifel sein, daß Eiland nichts weiter +als Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich +bewegen, eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) <span class="strong1">rinnen</span>; erhalten in +vielen deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach, +Neckarsteinach, (dann in vielen Flußnamen in denen das k zu einem h +verflüchtig und dieses demnächst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch +Ehe, wohern Emden = Ehemünden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen +(Wald, wold, Karl, Korl) mußte ach im Niederdeutschen, besonders im +Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog, +Schirmonnikoog,<a id="Page_121"></a> + <span class="pagenum">[121]</span> Middoge, Nordernye(oog); (die Erklärung: Auge ist +schön gedacht aber nicht sprachlich begründet). Wir haben in dem ei von +Eiland eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im +Niederdeutschen angenommen hat; wangerländisch öeland, +mittelostfriesisch oyelauhn, mittelniederdeutsch eyland, eland, oland; +altfriesisch alond; schwedisch öland (die Insel Oeland, vergl. Far oer, +Far-Inseln). — Im Jahre 1286 hieß der Name der Insel Neuwerk am Ausfluß +der Ebbe: O; 1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl. +Greifswalder Oie.</p> + +<p><span class="strong1">Einbuchtung</span>, s. Bucht.</p> + +<p><span class="strong1">Einender</span>, s. Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Einfieren</span>, s. Fieren.</p> + +<p><span class="strong1">Einholen</span>, s. holen.</p> + +<p><span class="strong1">Einkeepen</span>, s. Keep.</p> + +<p><span class="strong1">Eins</span>, seemännische Redensart: „in Eins bringen‟, d. h. zwei feste Punkte +am Lande so peilen, daß sie sich decken, daß sie <span class="strong1">ein</span> Punkt werden. „Du +darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart +Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die große Bake „in Eins‟ +gebracht hast, oder auch bloß „in Eins‟ hast.‟</p> + +<p><span class="strong1">Eisdragge</span>, Eisanker s. Dragge.</p> + +<p><span class="strong1">Eisenkrank</span>, ist ein (hölzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich +die Bolzen verrostet sind und der Ausbesserung bedürfen. Krank kann +eigentlich nur sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl. +krängen), aber der Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff, +wie denn überhaupt das Volk gerade durch Personifikation sich sehr +treffend auszudrücken vermag; „die Tür schreit nach Öl‟ wenn sie rankst; +„die Stange will ihr Recht‟, sagte ein Maurer, der Löcher für eine +Eisenstange machen sollte in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen.</p> + +<p><span class="strong1">Embargo</span>, der, eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch +eine feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung. +Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also +in seiner Bewegung beschränkt. Daher ist die Form des Wortes und die +nächste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das +mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hieß schon nicht mehr bloß Balken, +sondern Zaun, Gehege, <span class="strong1">Schranke</span>. — Früher nannte man „ein Schiff mit +Embargo belegen‟ auch das, was jetzt zu den Obliegenheiten der +Schiffsbesichtigungskommission (s. d.) gehört.<a id="Page_122"></a> + <span class="pagenum">[122]</span> In England ist das +Wort so gang und gäbe, daß man es bildlich anwenden kann, „to lay an +embargo on free speech.‟</p> + +<p><span class="strong1">Ende</span>, das. Seemännisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann +aber auch alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende +ist der Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhört. +„Da indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und +Länge (dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann, +ohne daß vom Anfang bis zum Schluß von Etwas eine gewisse Raum- und +Zeitlänge verfließt, so gebraucht man das Wort Ende auch in der +Bedeutung von einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung +in den Raum oder in die Zeit hinaus.‟ (Doornkaat). So spricht man von +einem kürzeren oder längeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch +ein Ende begleiten. Zu bemerken ist, daß, wenn man bei einem Tau von +einem Ende spricht, man zwar zunächst an einen Teil eines Taues denkt, +daß der Teil aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im +Gegenteil, nur weil er noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau +nach ihm Ende genannt werden, pars pro toto. — Sprichwörtlich sagt der +Seemann: „da ist das Ende von weg‟, d. h. „es hört „sich‟ alles auf‟, +„es ist gar nichts mehr zu machen,‟ „es steht sehr schlimm.‟</p> + +<p><span class="strong1">enkelt</span> heißt einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht +für ein Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei +besonderen Teilen) über eine Scheibe läuft, überhaupt ohne technisches +Hilfsmittel, also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewöhnlicher Strick, +gebraucht wird. — Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heißt en +enkelten daler ein Taler in <span class="strong1">einem</span> Stück; in Ostfriesland oft im +Gegensatz zu doppelt gebraucht, auch für einfache, nicht gefüllte +Blumen. Verwandt mit dem gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei +Uhlenbeck auf das altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer, +hinweist.</p> + +<p><span class="strong1">entern</span>, ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit <span class="strong1">Enterdreggen</span> (s. +Dragge) an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei +wurde eine säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als +„<span class="strong1">Entermesser</span>‟ bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare, +hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen, +hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das +englische to enter wird in den allerverschiedensten<a id="Page_123"></a> + <span class="pagenum">[123]</span> Bedeutungen +auch seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at +the custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = „to +go on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in +combat.‟ Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft +genug vor, unser entern aber heißt aborder, und das Substantivum +abordage, zugleich ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch +nicht, er hat wohl ein endteren, aber das bedeutet bei ihm „schnattern +wie eine Ente.‟ Auch Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht +an einer Stelle, wo er es hätte gebrauchen müssen, wenn es ihm bekannt +gewesen wäre, und es wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da +er unter Carl V. gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark +dem Spanischen zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches „Von +Kayserlichen Kriegßrechten etc. etc.‟: „Von dem Meer, See, Schiff oder +Wasser krigen, fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an +Kriegßvolck zu Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff +oder ernst, gegen Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.‟ +MDLXV Kluge: „seit Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei +Chyträus Kap. 36 bezeugt.‟</p> + +<p>In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der +neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da +wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung +hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In +Anlehnung an den Begriff hinüberklettern, hinaufklettern, der in Entern +liegt, hat man durchgängig in der Seemannssprache das Wort entern für +„klettern‟ in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das +Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde, +sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen: +aufentern, niederentern. Kommandos: „enter auf!‟ „enter nieder!‟ — Im +„Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 wird das Wort entern im eigentlichen +Sinne gebraucht: „Als sie (Admiral Heyn und seine Leute) auf die +Spanischen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber nach dem +ein paar mal die Musqueten auf sie gelöset wurden, entfiel ihnen der +Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen der Höhe +der Schiffe hinauf zu kommen und zu <span class="strong1">entern</span>. Ohngefehr hieng ein +Schiff-Seil<a id="Page_124"></a> + <span class="pagenum">[124]</span> herauß, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er +droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu +machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit +guter Gemächlichkeit täten, daß die Spanier zusahen, und gantz keine +gegen Wehr darwider täten. Als nun inzwischen die andern Schiffe +enterten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die +Spanier alle hinunter lieffen.‟ Doch vermeidet dasselbe Buch an anderer +Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. „Hierauf fuhren sie +fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der +dasselbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun +geschah, daß Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr +nach Mittags, dasselbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie +schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schüsse gegeben und ihre +Segel-Stange herunter gestossen, legte er ihnen an Bord, und sein Volck +sprang hinein und funden allda einen großen Reichtum‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Erlaubnisabzeichen</span>, das, war in den Anfangszeiten des +Schiffsjungeninstitutes ein Abzeichen der Würde eines Bootsmannsmaaten, +der noch kein eigentlicher Bootsmannsmaat war, sondern nur an Bord die +Dienste eines solchen versah; wenn er aber an Land ging, so war er +gehalten, das Abzeichen (den Anker) den er nur an Bord zu tragen die +Erlaubnis hatte, abzulegen und zurückzulassen, offenbar traute man ihm +seiner großen Jugend wegen noch nicht die Fähigkeit zu, den Stand eines +Unteroffiziers auch am Lande würdig zu vertreten.</p> + +<p><span class="strong1">Erster Offizier</span>, der nächste nach dem Kommandanten, im Behinderungsfalle +und auch sonst in vielen anderen Fällen sein Stellvertreter, ihm für +alles was im Schiffe vorgeht verantwortlich, überhaupt ein Mann, auf dem +für gewöhnlich die ganze Last des Schiffsdienstes liegt. Er heißt Erster +Offizier nicht etwa nur als primus inter pares oder weil er der +Dienstälteste in der Messe ist, also nicht in dem Sinn, in dem man sagt +„Erster Wachoffizier‟, sondern etwa so wie man sagt: „Erster +Staatsanwalt.‟ Also die Bezeichnung eines besonderen Amtes, einer einem +Manne amtlich und dienstlich übertragenen Stellung.</p> + +<p><span class="strong1">Eselshaupt</span>, das. Das Verbindungsstück am Kopfe des Mastes, durch das die +Stänge mit dem Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonderbares Wort. +Breusing sagt: „Ich möchte glauben,<a id="Page_125"></a> + <span class="pagenum">[125]</span> daß der ursprüngliche Name +Eselshuf gewesen ist, da diesem die Gestalt genau entspricht, während +man für die Bezeichnung Eselshaupt gar keinen Anhalt hat.‟ Huf für Haupt +zu setzen ist ein Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen +ist. Haupt ist auf alle Fälle festzuhalten, weil der niederdeutsche +Seemann Hofd sagt und dieses Hofd auch noch in anderer Verbindung, z. B. +Dodshofd, vorkommt, wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt muß also +stehen bleiben. Aber wenn wir uns den Esel näher betrachten, so hat er +mit der Zoologie ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es +handelt sich vielmehr um die Anatomie des menschlichen Leibes, wie Haupt +schon vermuten läßt. Dem Haupt zunächst verbunden ist die Schulter, die +Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel, +angelsächsisch eaxl, altsächsisch ahsla, altisländisch öxl, italienisch +ascella, provençalisch aissela, mittelniederdeutsch assel und asle. Da +liegt doch die Vermutung nahe genug, daß aus diesem Assel Esel geworden +ist. Das Eselshaupt stellt die Verbindung von Kopf und Schulter dar. +Durch die eine, runde Öffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach +oben, die andere, viereckige Öffnung sitzt als Schulter zu dem dazu +gehörigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Daß die Stänge als das +Haupt angesehen werden kann, wird der nicht bestreiten, der weiß, daß +sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum +letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewiß Eselshaupt += niederdeutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen +wird. — Daß das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht +nachweisbar ist, darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch +einmal. Aber wenn auch nicht, so ist damit noch nicht bewiesen, daß es +überhaupt nicht vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufällig in irgend eine +alte Urkunde geriet, wer hätte es aufschreiben sollen? Wer schreiben +konnte, das waren die Mönche, und die kannten das Wort nicht oder hatten +keine Veranlassung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren +die braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch +die Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch +bewiesen werden, daß die mittelniederdeutsche Form für Achsel nicht nur +Asel, sondern auch Esel hieß. Auf der Oldenburgischen Bibliothek findet +sich ein altes geschriebenes<a id="Page_126"></a> + <span class="pagenum">[126]</span> Gebetbuch vom Jahre 1473, darin +kommt die Stelle vor: „Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware +cruce leyden.‟ — Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so hätte +man anstatt Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen dürfen. Daß +man Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das +e in Esel eigentlich ein a sein müßte, von wegen asinus. Niederdeutsch +heißt der Esel auch heute noch Äsel, und zwischen diesem und Asel ist +lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben +bei solchen Wortbildungen nicht den Ausschlag, sonst hätte unser +deutsches Flüssigkeitsmaß Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England +nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden können.</p> + +<p><span class="strong1">Etmal</span>, das. Ein Etmal ist in der Seemannssprache ein Zeitraum von 24 +Stunden, und zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages +gerechnet. „Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen‟ heißt also: wir haben +in 24 Stunden 300 Seemeilen zurückgelegt. Auch insofern ist ein Etmal +ein Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal +Flut stattfindet, es erstreckt sich also über zwei Tiden; jedoch kommt +es auch vor, daß Küstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12 +Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne +und übersetzt es mit dies naturalis: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen +leitet er es von eten = essen ab, „prandere quia astrologi incipiunt +diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo +tempore vulgo pranditur.‟ Ähnlich Weiland: er nimmt etmal = eetmal, „dit +schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel +omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen.‟ Man könnte sich +versucht fühlen, das für einen Witz zu halten wenn die +Wörterbücherschreiber nicht sonst so ernste Leute wären. — Das -mal ist +ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel, althochdeutsch mal) einen +Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt, dann Zeit überhaupt, +besonders aber auch Zeitpunkt des Essens (weshalb unser Mahlzeit eine +der vielen Tautologieen der deutschen Sprache darstellt). — Die erste +Silbe „et‟ wird von Diefenbach als ein verstärkendes, die Wiederkehr +anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Präfix erklärt. +Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der Ostern. In +Beówulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr,<a id="Page_127"></a> + <span class="pagenum">[127]</span> +(Rückkehr des alten Zustandes nach der Rückkehr von Grendels Mutter), +ferner ed-wendan sich zurückwenden, und ed-wenden die Wendung, der +Wechsel. Im Altfriesischen hat Etmal schon die seemännische Bedeutung: +„Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta‟, „das soll man binnen dreimal +24 Stunden befechten.‟ Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen +(nachdem das Gras bereits gemäht oder abgeweidet war, auch et-grün) +vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo +der Pflug beim Pflügen am Ende des Ackers immer wieder umkehren muß, +hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung +eddach, ettink für einen regelmäßig in bestimmten Zeitabschnitten +wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed = +Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in +Anwendung und können daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern +ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmäßig wiederkehrender Tag, schon +weil dafür auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten +Zeitpunkt andeutet. — Was das seemännische Etmal betrifft, so empfiehlt +Lucas Janszoon Waghenaer in seinem „Spiegel der Zeewaerdt‟, 1588, sehr, +es regelmäßig auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: „Tis seer goet +alle Etmalen eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende +behouden heeft, op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft, +ende hoe alle de hoecken ende landen van u zyn legghende.‟ Derselbe +Waghenaer spricht auch wiederholt von einem Etmal des Mondes.</p> + +<p><span class="strong1">Eule fangen</span> s. durchdrehen.</p> + +<p><span class="strong1">Evolutionsbogen</span>, der, verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die +gleichmäßige Bewegung im Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders +gradeaus steuernde Schiff unter dem Einfluß des gelegten Ruders in die +regelmäßige Drehung eintritt, muß es einen Bogen beschreiben, eine +Kurve, die der Evolutionsbogen heißt. Man unterscheidet demgemäß auch +einen Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch +evolvo, sich entrollen, aufrollen.</p> + +<p><span class="strong1">Ewer</span>, der. Name eines kleinen Fluß-, Kanal- oder Wattschiffes, besonders +bekannt durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint, +es sei über die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts +zu sagen. Wenn man aber bedenkt, daß in zahlreichen +mittelniederdeutschen Urkunden<a id="Page_128"></a> + <span class="pagenum">[128]</span> eever, ewar und envare neben und +durcheinander gebraucht werden und daß envare in dem Zolltarif der +Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 erklärt ist als ein „navis, que +dicitur envare, que habet remex retro pendens (debet) comiti IV. den,‟ +so ist der Gedanke doch sicher nicht zu kühn, daß das Boot ursprünglich +von <span class="strong1">einem</span> Manne <span class="strong1">gefahren</span> wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro +pendens war, so daß also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde. +Einfahrer wäre also die Hochdeutsche Übersetzung. Natürlich ist dabei +nicht angenommen, daß das Schiff 1252 noch von <span class="strong1">einem</span> Manne gefahren +wurde, sondern nur, daß es sich — wer weiß wann? — aus solch kleinen +Verhältnissen heraus entwickelt habe, ähnlich wie Fregatte sich aus +einem Ruderschiff zu einem Dreimaster ausgewachsen hat. — Breusing hatte +sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich Eber, wiewohl ihm +bekannt war, daß in den beiden Worten zwei ganz verschiedene anlautende +e stecken. Und als Müllenhoff das Gewicht seines Ansehens gegen die +Gleichstellung in die Wagschale warf, da ließ er freilich den Eber +fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch an, wie schwer es +ihm ward. — </p> + +<p><span class="strong1">Exerziermast</span>, der, ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehört, +sondern am Lande, in der Nähe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz +als Schiffsmast getakelt ist, und an dem ungeübte Matrosen, +Schiffsjungen etc. etc. ihre Übungen im Entern etc. etc. anstellen. Er +hat also ungefähr die Bedeutung eines Turngerätes für angehende +Seeleute; auch wohl die eines schönen Spielzeuges für heranwachsende +Knaben.</p> + + +<h2> +<span><a id="F"></a>F.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Faden</span>, der, dasselbe wie Klafter, ein Maß von 5-6 Fuß; bedeutet, +ebenfalls wie Klafter, ursprünglich Umarmung mit beiden ausgestreckten +Armen. Beide Wörter sind als Maß ähnlich gebildet wie Elle von +(Ellenbogen) Elbogen. Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser +zu einem „Faden‟ gedreht, die so lang ist, daß sie von der Hand des +einen ausgestreckten Armes<a id="Page_129"></a> + <span class="pagenum">[129]</span> + zu der Hand des anderen ausgestreckten +Armes reicht. Noch im 17. Jahrhundert fadem, englisch fathom, in +deutschen Mundarten Fadem. Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten +Arme, angelsächsisch fädm, die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht, +Schutz, Busen, Schooß. Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch +fahan, fangen, umfangen; griechisch petannymi, ausbreiten. Vom +lateinischen patere, offen stehen, sagt Kluge, daß es schon „weiter +abseits‟ liege; also entfernte Verwandtschaft. — Das französische +brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden: die Entfernung der +beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind. — Meist wurde Faden als +Tiefmaß gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt einleitend zu seinen +Seekarten: „Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle Havenen, Riuiren, +Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op de ondiepten ende +sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep zyn ... alles met +half vloet.‟ — Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch für +Bezeichnung einer Entfernung: „Item een myle buyteu de Clippen van +Obenrack leyt een rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet +tusschen die Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden +dan veertich vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden, +comt den lande niet naerder dan op veertich vadem.‟</p> + +<p><span class="strong1">Fahne</span>, die, gehört streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt +Fahne Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad +Fähnrich zur See (für Seekadett) eingeführt. Fahne heißt eigentlich +Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch; +althochdeutsch, altsächsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch +pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel); +griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen += ziehen, spinnen, hängen. Altfranzösisch fanon, Tuch; aber gonfalon, +italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, „Kampftuch‟ ab. +Finnisch faana, die Fahne. Der Fähnrich hieß althochdeutsch faneri, +Fahnenträger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einfluß von +pendeo, hängen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant = +Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet.</p> + +<p><span class="strong1">Fähre</span>, die, ist von Fährschiff so zu unterscheiden, daß Fähre ein +flaches, niedriges Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen,<a id="Page_130"></a> + <span class="pagenum">[130]</span> Pferde, +Wagen, ja neuerdings ganze Eisenbahnzüge an einer bestimmten, dazu +eingerichteten Stelle über einen Fluß oder ein sonstiges Gewässer +gesetzt werden; es geschieht mit Staken oder Riemen, mit Hilfe eines +Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb. — Fährschiff aber ist ein +wirkliches Schiff, das auf Flüssen, Seeen, Kanälen und in +Küstengewässern regelmäßige Fahrten von einem Ort zum andern macht und +für einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren mitnimmt; also +ähnlich wie Börtschiff, nur vielleicht mit kürzeren Fahrten.</p> + +<p><span class="strong1">fahren</span> wird auch in der Seemannssprache in der gewöhnlichen +neuhochdeutschen Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem +Sinne, der der eigentlichen Bedeutung „sich von einem Orte zum anderen +bewegen‟ widerspricht. Man sagt: „Das Tau fährt nach vorne, nach +achtern, nach unten.‟ Beim laufenden Gut möchte das noch angebracht +sein, wiewohl es bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort +verändert; aber beim stehenden Gut muß man sich schon zwingen, daran zu +denken, daß es auch einmal noch nicht stehend war und erst beim +Auftakeln des Schiffes in seine Stellung geführt worden ist. — Außerdem +gebraucht der Seemann fahren im Sinne von „zur See fahren.‟ „Ich bin mit +ihm gefahren,‟ heißt: „ich bin mit ihm zusammen an Bord gewesen, mit ihm +zusammen auf einem Schiffe gefahren.‟ „Ich fahre auf Handelsschiffen,‟ +sogar: „ich fahre auf Südamerika‟ (mundartlich: „ich mache in Amerika,‟ +jedoch nur von einer einzelnen Reise, während der Seemann, der „auf‟ +Amerika fährt, damit sagen will, daß er wiederholt und mit einer +gewissen Regelmäßigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin betreibt.) +Ein „befahrener‟ Mann ist einer, der entsprechend lange zur See gefahren +hat — der Seemann sagt stets „ich <span class="strong1">habe</span> gefahren,‟ offenbar weil er sich +dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt — um in der +Seemannschaft erfahren zu sein.</p> + +<p><span class="strong1">Fahrrinne</span>, die, eine natürliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe +noch fahren kann; sodann die natürliche Vertiefung in einem Hafen im +Verlaufe der Richtung die ein Schiff steuern muß, um nicht auf Grund zu +geraten, daher meist Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann. +Besonders aber ein künstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es, +daß man ihn mit Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, daß man ihn +ausgebaggert hat. — Früher hatte man ein seemännisches<a id="Page_131"></a> + <span class="pagenum">[131]</span> Wort +Fahrweg. Im Seebuch, 1400, kommt es oft vor und bedeutet den Weg draußen +auf offener See, im Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande +unbehindert fahren kann, jedoch mit der Beschränkung die heutzutage das +Fremdwort Route andeutet, Wasserstraße als nächster Weg von einem Orte +zum andern. „Item in der reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten +mane (Mond), unde uppe der stille suden mane, unde buten in deme varwege +maket vul see sudwesten mane.‟ — Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch +Waghenaer: „tusschen Heys en Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de +vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen 't vaerwater zynde vintment diep 25 +vadem. Twee kenninghen buyten Heys, werpt ghy 45 vadem.‟ Es ist also ein +Unterschied zwischen einem äußeren Fahrweg und einem inneren Fahrwasser.</p> + +<p><span class="strong1">Fahrt</span>, die. 1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins +Mittelmeer.</p> + +<p>2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; „das +Schiff ist in Fahrt,‟ „das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt‟, „es +ist in voller Fahrt‟, „es fährt mit halber Fahrt‟. Auch in übertragenem +Sinne von Menschen gebraucht: „der ist in der Fahrt‟, „die ist mächtig +in der Fahrt‟, wenn jemand recht im Eifer ist.</p> + +<p>3. Man unterscheidet „Große Fahrt‟, „Kleine Fahrt‟, s. Schiffsregister. +Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhält er das Patent für +die seinem Wissen and Können entsprechende Fahrt, „große Fahrt‟, +„Küstenfahrt‟ u. s. w.</p> + +<p>Früher unterschied man nur „große und kleine Seefahrt‟, und erstere war +besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der +„Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ Lübeck 1673, spricht in einem +Vorwort an den „günstigen Leser‟ von den Fortschritten, die der Mensch +in der Observation gemacht habe. „Wil se nu dorch dise Erfahrenheit +gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst ümmermehr na +gesöcht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden; +Insünderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell +unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert. — Se +hebben sick ock herna in dise Kunst mehr geövet, und insünderheit die +Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen, +alß by er uth gegeven Böck tho<a id="Page_132"></a> + <span class="pagenum">[132]</span> sehende, welcke Böck wi ock by +unser Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser +Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben, +dar idt doch ein hochnödich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van +unsen Seefahrenden nicht wol in der Holländischen Sprack noch in er Böck +tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht +verstahn noch begripen könen. — Ock sunt de Nedderlandesche Böck mit +der <strong>groten Seefahrt</strong> mehrendeles vorfüllet, welckes besteit in Affdeling +der Sphera der Werrelt, Bewegung der Hemmelen, im gelicken de dre +Huckes, Krum Streck, langet und bret Recknung, und vel ander Regulen, de +uth der Astronomie und Cosmographie genahmen; Welckes unsen jungen +Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na den mahl so selden de Ost- und +West-Indyen befahren. Se werden averst velmehr dorch de mannigfoldigen +Regulen up geholden, wil se de sünder Anwising und gud Underricht nicht +lehren noch underscheden können, wat Regelen er tho der <strong>groten offt +klenen Seefahrt</strong> fodderlick und nütlick sin!‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Fahrzeug</span>, das, ist im Allgemeinen eine Bezeichnung für alles was Schiff +heißt, jedoch im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren, +Minderwertigen, Kleinen. Ein Panzerschiff erster Güte wird man kaum ein +Fahrzeug nennen; dagegen spricht man von Werft-, Hafen-, +Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist neueren Ursprungs, erst seit 1695 +bezeugt, und soll eigentlich niederdeutsch sein. Im +Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da kommt nur ein vartouwe +vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet, wiewohl sonst tuch und tug +in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich auch im Sinne von Kriegszeug. +Und auch im Neuniederdeutschen ist das Wort kaum gebräuchlich. +Vielleicht daß es sich aus dem Niederländischen, wo vaartuig öfters +gebraucht wird, eingeschlichen hat.</p> + +<p><span class="strong1">Fake</span>, <span class="strong1">Facke</span>, die, meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die +Zwischenräume zwischen den einzelnen Spanten oder Inhölzern. Als man die +Kriegsschiffe noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken +mit Holz ausgefüllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist +nichts anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behälter, durch +Scheidewände eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung, +Abschnitt, Behälter. Die Faken sind also die Fächer zwischen den +Spanten.<a id="Page_133"></a> + <span class="pagenum">[133]</span></p> + +<p><span class="strong1">Fall</span>, das. „Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines +Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach über +eine Scheibe läuft. Die vorzüglichsten an Bord sind die Fallen der +verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und +Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres +Falles verbunden‟. (Brommy, „die Marine‟). Jedes Segel hat ein Fall. +Aber merkwürdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum +Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Während +nämlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehißt werden +und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die +Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst +fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall +ganz lose ist; sie bedürfen darum noch eines besonderen Niederholers. +vergl. Drehreep.</p> + +<p><span class="strong1">Fallhorn</span>, das, ist das was sonst „Kopf des Stagsegels‟ heißt, nämlich +das spitz wie ein Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das +Fall befestigt ist.</p> + +<p><span class="strong1">Fallreep</span>, das. Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprüngliche, +einfache und klare Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei +diesem. Reep ist gleich Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem, +der die Stufen der Bordwand hinauf wollte, hinabfallen ließ, sich daran +festzuhalten. So bedeutet also das heutige Kommando „Fallreep!‟ +eigentlich: „Fall Reep!‟ oder „laß fallen das Reep‟, für den an Bord +Kommenden (oder auch von Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten +Stelle aus geschah, nämlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen +Trittbretter eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der +Nähe nach diesem fallenden Reep „am Fallreep‟, „beim Fallreep‟, oder +auch kurzweg „Fallreep‟, und der Nachtposten, der da steht, kann nun +aussingen: „Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl!‟ Man +denkt gar nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer +einfachen Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklärt es sich auch, daß +in späteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter +richtige transportable Treppen einführte, diese Fallreepstreppen genannt +wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Geländer das Fallreep überflüssig +machten, so daß die sogenannten Fallreepsgäste das Tau nur noch +symbolisch in die eigene Hand nehmen und<a id="Page_134"></a> + <span class="pagenum">[134]</span> nur so tun, als ob sie +es dem Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine +den Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann +noch erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt. +Wie sehr die ursprüngliche Bedeutung dem Bewußtsein entschwunden ist, +lehrt besonders deutlich das Kommando: „Vier Fallreep‟ (für einen +Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep +genannt werden könnte, oder die Redewendung: „Er lehnt sich zum Fallreep +hinaus‟, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der +Bordwand, der einer Tür ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist. — +Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren +kommt und fällt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das +Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann. +Da muß man, wenn es nicht gar über eine Jakobsleiter am Besansbaum geht, +die Trittbretter an der Bordwand benützen und zieht das Reep aus leicht +begreiflichen Gründen den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern +vor. — Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat +das holländische val-reep mit échelle de poupe übersetzt, was der +erwähnten Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau, +Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch übersetzte er es sinnreich mit +tire-vieilles: „Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au +distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde +de chaque coté de l'échelle‟. — Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten +Seehelden‟ hat sich die Sache mit Fallreep leicht gemacht und einfach +Falltreppe gesagt. Er beschreibt eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit +König Franz I. „an den Bord des Käysers, da der König mit einer +köstlichen zubereiteten Chaloup von Aquamorto, in Begleitung des +Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals von Lothringen ankommen war. +Der Käyser begegnete dem König an der <span class="strong1">Fall-Treppen</span>, und empfing ihn mit +aller Freundlichkeit, und führte ihn nach dem Hinter-Teil des Schiffes, +allda sie viele Stunden mit einander in sehr ergötzlichem Gespräch +zubrachten, unter welchem die fürnehmsten Herren Seiner Käyserlichen +Majestät Hände zu küssen kamen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Fangleine</span>, die, eine lange, dünne aber feste Leine, die aufgeschossen, +von Bord aus an Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung, +wenn der Werfer seine Sache versteht, geworfen +<a id="Page_135"></a> + <span class="pagenum">[135]</span> wird. Derjenige +dem die Leine zugeworfen ist muß sie fangen, einholen und holt dann die +am andern Ende der Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am +nächsten Poller oder Ducdallen festzumachen. <span class="strong1">Fangleine eines Bootes</span> ist +eine etwas stärkere Leine, die als Schlepptau dient. <span class="strong1">Fangtaue</span> sind dünne +Tauenden, mit denen etwas im Wege Hängendes aufgebunden, +beiseitegebunden, aufgefangen wird. <span class="strong1">Fangstander</span> ist ein Stück Kette das +das im Davit hängende Boot tragen hilft und also die Taljenläufer +desselben entlastet. — Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin +nennen.</p> + +<p><span class="strong1">Fardage</span>, die. Packmaterial, Holz, Spähne, Rohr etc. etc. zwischen die +einzelnen Teile (Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rütteln, +Schütteln und Stoßen zu schützen, überhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem +Französischen wo fardeau (altfranzösisch fardel) ein Bündel bedeutet; +die Vorstellung ist also die, daß das Packmaterial in Bündeln zwischen +die einzelnen Kisten, Kasten, Fässer u. s. w. gestopft wird; auch kommt +im Englischen, außer diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches +ebenfalls Bündel heißt, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer, +widerwärtiger „Last‟ gebraucht wird, so daß man wohl auch bei Fardage an +ein dem Seemann lästiges, unnützes, wertloses Stück der Ladung, das nur +so als notwendiges Übel mitgeschleppt wird, denken darf.</p> + +<p><span class="strong1">Farunner</span>, das, ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der +Matrosen, überhaupt der aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung. +Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 62, sagt von einer Tjalk, daß sie +rund gezimmert ist, „hat aber keine Kajüte, sondern einen Raum, worin +die Mannschaft sich aufhält und schläft: dait farunner, und zwar ein +doppeltes, hinten und vorn, auch ein rum (Raum, Laderaum).‟ Das Farunner +unterscheidet sich von der Kajüte dadurch, daß es nicht so hoch ist und +man nicht aufrecht darin stehen kann, und daß darin gekocht wird. +Ursprünglich trug nur der vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen +farunner oder farunder, denn das far ist gleich för und es kommen die +Formen förunder und vorunder vor. Letztere ist die älteste die mir +bekannt geworden ist; sie steht in einer Bremer Urkunde von 1564: „darvp +alsuort Jacob onde Albert de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in +dat vorunder gegann, synn steuell onde kleider angetaghenn‟ ... +För, +<a id="Page_136"></a> + <span class="pagenum">[136]</span> vor ist gleich vorne, forunner also das „Vornunter‟, der +Raum wo die Leute vorne ihren Unterschlupf haben. Daß man hernach auch +einen hinteren Unterkunftsraum so nannte, wird den nicht wundern, der +das goldene Kopfeisen der Friesinnen kennt, oder die neumodischen +Waschschwämme, die gar keine Schwämme sind, sondern aus Gummi verfertigt +werden; sie heißen aber Schwämme.</p> + +<p><span class="strong1">Fastgaljas</span>, die, vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in +dem niederdeutschen „Kasper Ohm en ik‟ von John Brinkmann vor. Wir haben +es hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches +fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn +da heißt es nicht nur unbewegt, dauerhaft, beständig, haltbar, „fest wie +Magdeburg‟, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewiß, zuverlässig, +kräftig, stark, tüchtig, sondern auch schnell. Zur Tüchtigkeit gehört +eben in gewissen Fällen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heißt +fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nämlich +beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tüchtiges +Schiff ist nur dasjenige, welches die nötige Geschwindigkeit entwickelt, +wie der nur ein tüchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger +„Fixigkeit‟ ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom +Flecke kommt „a fast traveller.‟</p> + +<p><span class="strong1">Felucke</span>, die, ein langes, schmales Fahrzeug des mittelländischen Meeres, +mit zwei etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden +lateinischen Segeln und acht bis zwölf Riemen an jeder Seite. Sie ist +meist ungedeckt, hat aber am Heck eine Hütte zum Schutze gegen Wind und +Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der +Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, größere +Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze +Art von Fahrzeugen muß aber, trotz früher oft gerühmter Geschwindigkeit, +vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere +verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff.</p> + +<p><span class="strong1">Fender</span>, der, eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das +Schiff, wenn es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem +Schamfilen zu schützen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehängt +wird. Erst in neuerer Zeit in die<a id="Page_137"></a> + <span class="pagenum">[137]</span> deutsche Seemannssprache, die +früher nur Wreifhölzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes +Wort. Vom lateinischen defendere verteidigen, behüten, beschützen, +bewahren. „Schutz‟ würde also die Übersetzung ins deutsche sein.</p> + +<p><span class="strong1">Feuerschiff</span>, das, ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes +vertritt, an einem Orte verankert, wo sich ein Turm nicht bauen läßt, wo +aber doch wegen der Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders +deutliches, weithin sichtbares Feuerzeichen nötig ist. Es hat keine +eigenen Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum +Hissen der Laternen bei Nacht, der Signalbälle bei Tage. Der Ausdruck +Feuerschiff erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit, +in der auf dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese +jetzt durch Lichter verschiedener Art verdrängt sind, so ist der engl. +Ausdruck light-ship sinngemäßer als unser deutsches Feuerschiff; bei +Turm haben wir uns auch den veränderten Umständen angepaßt und sagen +Leuchtturm, aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet.</p> + +<p><span class="strong1">fieren</span>, das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den +Gegenstand, der an dasselbe festgebunden ist, nicht näher an sich +heranholen, sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt +nahe, bei diesem Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren +heißt; von fir = Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen +keine Arbeit getan wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist +Weiland unterlegen; er schreibt: „vieren = rüsten (ruhen); den teugel +vieren is, hem niet strak vasthouden, laten schieten.‟ Allerdings wird +ja „geruht‟, nachgelassen mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn +überhaupt unmittelbar vorher geholt worden ist), aber das gibt doch +nicht bei der Bedeutung von fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit +holen bedeutet doch noch kein wiederablaufenlassen dessen das man geholt +hat, sondern erfordert nur, daß das Geholte festgehalten und belegt +wird. Überdies braucht dem Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar +voraufzugehen, so daß schon darum nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, +Nichtweiterholen die Rede sein kann. Auch verbietet sich der Gedanke von +feiern von selbst, wenn wir bedenken, was das heißt: „he let en fieren‟; +das heißt doch wörtlich: „er läßt einen streichen‟, und wir haben da das +andere niederdeutsche Wort fieren, welches auch unser<a id="Page_138"></a> + <span class="pagenum">[138]</span> +seemännisches ist, mit <span class="strong1">fern</span> verwandt ist und streichen heißt, fahren, +gehen, laufen, schießen, gleiten; firen laten: los lassen, gehen lassen, +frei geben, Raum und Freiheit geben sich zu bewegen; in die Ferne, ins +Weite gehen, nicht bleiben und haften, nicht gehalten werden, — das ist +die Folge des Fierens, und das Gefierte, das nun nicht mehr gehalten +wird, sackt, senkt sich, sinkt so lange bis es anderweitig Halt und +Stütze findet. Bei einer Verhandlung über einen Seeunfall im Jahre 1564 +sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus „dat N. dat spreeth loss gelatenn, +sin schip vmme geswengeth ond dat grote anker ond touwe vthgefiret, ond +he, tughe, dat plichtgarde (Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: +wat wylle gy vele fireinn? wy liggen alle an der grundt.‟</p> + +<p><span class="strong1">Fest holen</span> s. holen.</p> + +<p><span class="strong1">Festzeisen</span> s. zeisen.</p> + +<p><span class="strong1">Fid</span>, <span class="strong1">fidden</span>, nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus +hartem Holze gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten +die einzelnen Duchten von den Enden der Taue auseinander hält um +durchstecken zu können. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort +dürfte vom englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das +gothische fetjan zurückgeführt wird, schmücken, dann in den zahllosen +Bedeutungen von „zurechtmachen‟ gebraucht.</p> + +<p><span class="strong1">Fingerlinge</span>, die, nennt man starke eiserne Hänge am Achtersteven, in +welche das Ruder mit den Haken eingehängt wird; es kann indessen auch +umgekehrt gemacht werden, daß das Ruder die Fingerlinge hat und der +Steven die Haken. Man stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tür +vor. Zu Fingerling ist Däumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hülle, +in die ein Finger paßt, wie der Däumling eine Umhüllung in die der +Daumen grade hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen +dicken Verband haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines +ledernen Handschuhs, einen Fingerling, über, an dessem hinteren Ende ein +Band befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut +(Friesisches Archiv, II. 65) schreibt: „Das Steuerruder: dat rôr am +Hinterteil hängt in vier eisernen Haken, welche in Büchsen sitzen. Diese +Büchsen heißen da fingelin (Sing.: dju fingelin);‟ und zwar bezieht sich +das auf die Sprache der Wangerooger Seeleute.<a id="Page_139"></a> + <span class="pagenum">[139]</span></p> + +<p><span class="strong1">Finknetzkasten</span>, der. Der obere, kastenartige Abschluß der Reeling, in +dem die Hängmatten verstaut werden. Diese wurden ursprünglich auf +Kriegsschiffen vor der Schlacht auf die Reeling gebracht als Schutz +gegen feindliche Kugeln. Hieraus entwickelte sich ein bleibender +Verwahrungsort für die Hängematten mit entsprechender Gestaltung der +Bordwand, kastenartig mit einem geteerten „Kleid‟ zum Überdecken. Aber +wenn diese Einrichtung getroffen war, wurden im Falle einer Schlacht die +Hängematten als Brustwehr mit großen Netzen befestigt. Diese führten den +Namen Finknetze von dem niederdeutschen Schiffsnamen pink; das Fahrzeug +dieses Namens war sehr vielseitig, wurde namentlich aber in +Niederdeutschland als Fischerboot benützt, weshalb Kilianus das Wort +auch mit navis piscatoria wiedergibt. Das große Netz dieser Pink hieß +Pinknetz. (Kil.: pinck-net, rete majus). Der Übergang von Pink zu Fink +stellt eine sehr gangbare Lautverschiebung dar. Das p des Umlautes wird +zunächst affriziert zu pf und dann gestattet sich bequeme Aussprache in +Nord- und Mitteldeutschland gerne die Spirans statt der Affricata: Ferd, +Fand, Fund. — Anstatt des Finknetzes für die Hängematten ward dann ein +Kasten für sie gebaut, aber der Name blieb erhalten, es wird bloß Kasten +hinzugefügt: Finknetzkasten.</p> + +<p><span class="strong1">fischen</span>, hat in der Seemannssprache außer dem gewöhnlichen Sinn auch +noch den von festmachen, befestigen, unterbringen und zwar den bereits +aus dem Wasser geholten (gekatteten) Anker. Der nachmalige Admiral +Brommy beschreibt in seinem aus Athen datierten (Dezember 1847) Buche +„Die Marine‟ den Vorgang des Ankerfischens: „So wie der Ring des Ankers +über dem Wasser sich zeigt, haken zwei Bakgasten den Katzblock in +denselben ein, das Gangspill wird wiederum gepallt. Schnell wird nun der +Läufer der Katztakel angeholt, der Anker mittelst dieser an den +Krahnbalken gezogen und durch die Penturleine daselbst befestigt. Der +Fischhaken wird über den Schaft des Ankers geworfen und durch die +Fischtakel derselbe auf die Seite gebracht, wo er mit der Rüstleine +festgemacht wird.‟ Wie alles in der Seefahrt, so hat sich auch in diesem +Stücke seit 1847 viel geändert; so hat man inzwischen einen Fischdavit +erfunden und andere Neuerungen der Technik angebracht; die Bezeichnungen +katten und fischen sind aber geblieben.</p> + +<p><span class="strong1">Fitten.</span> Ehe ein Schiff ins Dock geht muß es — also unter +<a id="Page_140"></a> + <span class="pagenum">[140]</span> Wasser + — gefittet werden, d. h., es muß genau die gegenwärtige Form seines +Kiels festgestellt werden, damit darnach die Stapelklötze so aufgebaut +werden können, daß nachher im Dock wenn das Wasser sinkt und das Schiff +sich auf die Klötze setzt, der Kiel in allen Teilen genau und richtig +unterstützt ist, namentlich auch in etwaigen beschädigten Teilen, sei +es, daß der Kiel durch die Länge der Zeit von seiner ursprünglichen Form +gewichen ist, sei es, daß durch Festkommen eine Havarie entstanden, eine +Beschädigung hervorgerufen ist. Diese festzustellen, den Fehler genau +graphisch darzustellen dient eine Vorkehrung, eine Art Rahmen, <span class="strong1">die Fitte</span> +genannt. Und die Tätigkeit heißt fitten. Es liegt nahe an eine der +vielen Bedeutungen des englischen to fit zu denken. Aber keine von ihnen +paßt. Desto besser paßt ein noch viel näher liegendes niederdeutsches +Zeitwort fitjen, das zunächst tadeln bedeutet, dann aber auch mäkeln, +kritisieren, <span class="strong1">geflissentlich Mängel aufsuchen</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Fischerstek</span>, s. Stek.</p> + +<p><span class="strong1">Fjord</span> s. Föhrde.</p> + +<p><span class="strong1">Flagge</span>, die. Kilianus erklärt das Wort fenlyn durch flammeum, +flammeolum, d. h. Brautschleier, weil in Rom dieser flammend rot war. +Eine ähnliche Gedankenverbindung drängt sich auf zwischen Schleier und +Flagge, wenn man nicht an die Farbe, sondern an das Wehen und Flattern +eines Schleiers denkt. Was flattert das flackert auch. Und von Flackern +kommt der Name. Er ist neueren Ursprungs, zuerst nach Kluge 1613 +gebucht. Englisch flag, im Angelsächsischen war aber das Wort, weil +wahrscheinlich auch die Sache unbekannt, obgleich schon die Flotte +Wilhelms des Eroberers mit wehenden Flaggen an der englischen Küste +landete. Im Beówulf heißt das, was wir Flagge nennen, segn = Signum, war +aber keine Fahne, sondern ein Schild. Der hoch am Maste befestigte +Schild galt als das Zeichen der Gegenwart des Befehlshabers; war der +König selbst an Bord, so hißte man einen Schild von Golde. Sogar zu +Häupten des toten Königs Skild banden sie, als sie ihn im +reichgeschmückten Schiffe dem Meere übergaben, ein goldenes „segn‟. Es +gibt natürlich an Bord eines Schiffes vielerlei Flaggen: Kriegsflaggen, +Nationalflaggen, Post- und Zollflaggen, Lootsenflaggen, Bootsflaggen, +Signalflaggen, Winkflaggen, den blauen Peter, Admiralsflaggen etc. Was +letztere betrifft, so genügte früher zur Unterscheidung des Ranges, wenn +man sah an welchem Maste die Admiralsflagge<a id="Page_141"></a> + <span class="pagenum">[141]</span> gehißt war; jetzt, +seitdem es überhaupt nur noch Gefechtsmasten auf den in Betracht +kommenden Schiffen gibt, müssen die Admiralsflaggen unter sich +verschieden sein. — In England unterschied man früher (bis 1864) +Admirals of the red, of the white, of the blue flag, und in jeder dieser +Farben gab es wieder einen Admiral, einen Vice- und einen Kontreadmiral, +(wonach zu berichtigen Lüpkes, Seemannssprüche p. 63, wo angeführt ist, +daß im englischen Sprichwort Admiral of the red (flag) einen „Söffel‟ +bedeutet, wegen der roten Nase, Admiral of the white einen Feigling und +Admiral of the blue einen Schankwirt, wegen der blauen Schürze). — Weil +er das Recht hat, eine Flagge zu führen, nennt man den Admiral +<span class="strong1">Flaggoffizier</span>; <span class="strong1">Flaggleutnant</span> aber heißt der Offizier, der des +Flaggoffiziers, der ein Geschwader führt, rechte Hand ist. — +<span class="strong1">Flaggenparade</span> heißt das feierliche Hissen und Niederholen der +Kriegsflagge. — Die Flaggen sind von feinem, wollenem Zeug, das zwar +mit dem was wir sonst Tuch nennen gar keine Ähnlichkeit hat, aber doch +<span class="strong1">Flaggentuch</span> heißt. — Die Leine, an die die Flagge angesteckt wird, oder +vielmehr zwischen die sie eingeknebelt wird, heißt <span class="strong1">Flagg-</span>(nicht +Flaggen-)<span class="strong1">leine</span>. Das Schiff, auf dem der Geschwaderchef seine Flagge +gesetzt hat, ist sein <span class="strong1">Flaggschiff</span>, auch wird es das Flaggschiff des +Geschwaders genannt. — Zu bemerken ist, daß die für ein an die Sprache +der deutschen Marine gewöhntes Ohr sehr störend klingenden Formen +Flaggenoffizier, Flaggenleutnant, Flaggenschiff etc. etc. in der +österreichischen Marine gang und gäbe und auch im dienstlichen Gebrauche +sind. — Es war von jeher üblich mit wehenden Flaggen zu kämpfen; +„Durchläuchtigste Seehelden‟ II 449: „unterdessen wuchs das Wasser (im +Hafen von Ostende, es handelt sich um einen Anschlag der Franzosen auf +diesen) ziemlich an, da denn mit einem Nordost-Wind zehn mit Volck +geladene Barcken, mit fliegenden Flaggen und Wimpeln, Trommelschlag, +bereitem Gewehr, und die von des Königes (es war 1658) und Mazarini +Leib-Guarde ihre blaue Bardürete und andere Röcke, und die Befehlhaber +ihre Federn und Feldzeichen anhabend, und den Marschall in der Mitten, +mit seinem Orden des H. Geistes, hinein kamen: der Wind war so gut, daß +als sie über die Bank, die an dem Eingang des Havens liegt, kommen, es +ihnen nicht möglich war, (weil sie zugleich von den einlauffenden +starcken Strom fort getrieben wurden) die Fahrt aufzuhalten.<a id="Page_142"></a> + <span class="pagenum">[142]</span> In +dieser Gestalt kamen sie an die Kay.‟ — Von der Aufstellung der +spanischen und Venediger Schiffe unter Don Juan d'Austria bei Lepanto +berichtet derselbe Verfasser: „Unter anderen Ordnungen war auch diese, +woran nach aller Meinung sehr viel gelegen war, umb die bestellte +Ordnung in dem Fechten zu halten, in Betrachtung, daß sowohl die +Königlichen als Venedischen Galeyen unter einander vermengt waren, daß +dieselbigen ein jede ihr besonder unterschieds-Zeichen haben sollten, +damit sie sich in dem Schlagen leichtlich wieder unter ihre Flagge +begeben konten, und also hatten die von der Bataille ein klein blau +Fahne auf dem Gipffel eines jeden Mastbaums; die von dem rechten Fliegel +eine grüne Banderol oder Fahne, an dem Ende der Segel-Stangen, die in +dem linken Fliegel eine gelbe, und die im Nachzuge eine weisse auf dem +hinder Theil der Schiffe.‟ — Wenn man Leonhart Frohnsberger glauben +darf, der 1565 so gut wie ers verstand über See und Seemannschaft +geschrieben hat, so wurde in seinen Tagen mit Flaggen ein +außerordentlicher Luxus getrieben. „Eines grossen hohen Potentaten +Schiff der lust oder zier nach zu versehen, mag außwendig ober dem +Wasser, gar überall mit deß Herren farben und Reimen gemalt und +angestrichen werden, deßgleichen das vorder und Hinderhauß oder Schloß +am Schiff, mag allenthalben auff das zierlichst mit Fanen oder Panier, +wie mans denn pflegt zu nennen, so auch mit des Herrn Wappen und Farben +gemalt, auffgesteckt werden, dareyn auch Reymen und vergülte Knöpff +darauff zu setzen, und dann insonderheit, muß das hinder und vorder +Schloß am Schiff zu aller vorderst und hinderst, ein zimlichen Platz zu +beyden seiten oder ecken, auch von solchem Schloß kommen zu der Belle +(belle, zwischen Groß- und Fockmast), weiter vom Schiff zwo viereckechte +grosse Fanen, gleichfalls mit solchen farben, Reimen und Wappen, gar +oben dem Tymon („Steuerpflicht‟) soll auch ein grosser Fanen sein, +welcher die andern an der grösse alle übertrifft, und dann auf jeder +Seiten des Hauß oder Schloß gegen dem Mästen, sollen sechs oder acht +Fanen sein, und auff den Mastkörben vom großen Mast sollen rund umb, von +der Breite und Höhe der gemeldten Mastkörb, auch mit Reymen, farben und +Wappen geziert, und auch angehengt sein, zu dem mag oder soll noch ein +gespaltener grosser breiter langer Standart oder Panier, der biß ins +Wasser raicht, und auf dem Mast von<a id="Page_143"></a> + <span class="pagenum">[143]</span> gemeldtem Mastkorb soll auch +ein großer Fanen, mit farben, Reymen und Wappen geziert sein, fliegen +oder hangen.‟</p> + +<p><span class="strong1">flaggen</span> heißt: die Flagge hissen oder setzen, wird aber in diesem Sinne +für eine einzelne Flagge bei der Marine nur am Lande gebraucht; „die +fiskalischen Gebäude haben zu flaggen‟, „die Werft, das Lazaret flaggt‟. +An Bord, wo sich das tägliche Hissen der Flagge im Hafen von selbst +versteht, sagt man nur dann, daß das Schiff geflaggt habe, wenn es über +die Toppen geflaggt oder Flaggengala angelegt hat, wie solches bei hohen +vaterländischen Festen, Kaisersgeburtstag etc. etc. zu geschehen pflegt, +indem die Signalflaggen in langer bunter Reihe vom Bug bis zum Heck, an +einem langen Tau befestigt, „über die Toppen‟, von Mast zu Mast wehen.</p> + +<p><span class="strong1">Flaggenparade</span>, ist eine militärische Feierlichkeit an Bord der +Kriegsschiffe im Hafen, nämlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h. +a. m. und das feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei +Sonnenuntergang. Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den +Präsentiermarsch und der Flagge werden die militärischen Ehren erwiesen, +während die an Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die +Mütze sie grüßen. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen +Flaggenparade erzählt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das +Wort nicht und erwähnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts +anderes. „Item wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne +niedergang kompt, so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem +öbersten Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch +ein laut und groß Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder +werden etwan mit Stück Büchsen drey schüß kurtz auff einander, zum +zeichen der nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt +anderen Pfeiffen und Trummen, überlaut zum dritten mal gegen deß +öbersten Schiff erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen +Schiffen, so umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gruß mit +dancksagen erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber +oder gantzer nacht, nach dem es dem Herrn gefällig, empfangen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Flaschenpost</span>, die. Wenn Schiffbrüchige ihre letzten Grüße auf einen +Zettel schreiben, in eine Flasche stecken und diese fest verschlossen +über Bord werfen, in der Hoffnung, es werde<a id="Page_144"></a> + <span class="pagenum">[144]</span> ein günstiger Strom +sie an irgend eine zivilisierte Küste treiben, so nennt man dies eine +Flaschenpost, wiewohl es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis) +wenig genug zu tun hat. Man wirft aber auch ohne schiffbrüchig zu sein +zuweilen Flaschenposten über Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und +der Adresse des Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die +Richtung der Meeresströmung schließen zu können.</p> + +<p><span class="strong1">flau</span>, flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung „der Wind flaut +ab‟, wird schwächer; auch: „das Interesse flaut ab‟, „flaue +Geschäftszeit‟ etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen +fließen, strömen, schwimmen, waschen, spülen, ableiten dürfen, so ist +das Wort nicht nur jetzt seemännisch, sondern ist es auch immer gewesen, +und wir hätten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder +im Wasser schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich, +matt, schwach, kraftlos, gleichgültig (wie ein „Waschlappen‟), +verschwommen, blaß.</p> + +<p><span class="strong1">Flechting</span>, die. Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an +Backbord entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die +beiden aber aus einem Tau, das in der Mitte ein großes Auge hat, mit dem +es über den Top des Mastes gestreift wird, so daß die eine Hälfte nach +Steuerbord, die andere Hälfte nach Backbord fährt. Dieses Auge muß fest +um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast +geflochten wäre. Da ihrer mehrere über einander zu liegen kommen, so +sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also +seine Berechtigung.</p> + +<p><span class="strong1">Flibustier</span>, der = Seeräuber, stammt in seiner gegenwärtigen Gestalt aus +dem Französischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein +Fährschiff das den Namen flyboat führt und aus den Niederlanden +übernommen ist, wo es vlieboot heißt, nach den Vlielandern auf Vlieland, +welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun +geschichtlich nur zu fest steht, daß die Bewohner der ganzen friesischen +Küste von den ältesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre +nicht immer die Seefahrt als „erlaubten Nahrungszweig‟ betrieben, +sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben, +wie die binnenländischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der +Landstraße, so könnte<a id="Page_145"></a> + <span class="pagenum">[145]</span> das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn +nicht die alte französische Form fribustier neben flibustier stünde. Das +kann ja nun eine der überall so beliebten aus sprachphysiologischen +Gründen geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wäre es +denkbar, daß dieses r als organisch angesehen werden könnte, und dann +müßte man das Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und +im Mittelalter Vitalienbrüder (s. d.) genannt, in amerikanischen +Gewässern bucaneer, französisch boucanier, von boucan einem caribischen +Worte für räuchern, weil die ersten französischen Ansiedler auf Hayti +wilde Ochsen und Schweine jagten und ihr Fleisch räucherten, dann aber +auch gegen die Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende +Kriegsschiffe; im Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg +tätig auf Seite der Engländer, „Durchläuchtigste Seehelden‟ I. 405: „In +allen diesen grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht über +hundert Mann geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch +und durch geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey-und zwantzig malen. +Der Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Kühn war, das Schiff +Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber +davon gerettet. Einer von den holländischen Vlie-Booten, der sich +durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen +Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder +acht Mann, die durch angewendeten grossen Fleiß erhalten wurden.‟</p> + +<p><span class="strong1">Flieger</span>, der, ein für gewöhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen +überhaupt nicht übliches Segel das nur bei gutem beständigem Wetter +zwischen dem Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird, +überhaupt alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten +Hilfsstagsegel. Ein Schiff mit solchen gewährt einen besonders schönen +Anblick und kann auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flöge es. + — Auf Wangerooge heißt dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste +fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt. +Vergl. Verkliker.</p> + +<p><span class="strong1">flott</span>, ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne, +der Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein +auf der Suppe schwimmendes Fettauge. In übertragener Bedeutung „flotter +Bursch, flotter +<a id="Page_146"></a> + <span class="pagenum">[146]</span> Student‟, im 18. Jahrhundert zuerst in der +Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen +ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die, +im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im +Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelsächsisch flowan und +fleotan, fließen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch +fleta fließen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued = +bewegliches, mobiles Gut, Möbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde +losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend +und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der +Seevorschrift zu: „Iding thing is ter set umbe thes flodfarende +anckeren.‟ — Wenn ein Schiff „aufgefahren‟ ist, so werden alle Versuche +angestellt, es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu +bringen. In den „Durchlauchtigsten Seehelden‟ 1681 wird flott = gehend +gebraucht. Peter Petersen Heyn, der holländische Admiral, machte einen +Anschlag wieder die Portugiesen in Bahia, „darüber die Holländer nicht +mehr als fünfzig Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter +der Admiral selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und +einen Splitter vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst +dem Schiffe Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen +Geschütz tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig +mahl getroffen ward, ward endlich wieder <span class="strong1">flott oder gehend</span>, aber das +Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht +wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und +verlassen ward.‟</p> + +<p><span class="strong1">Flotte</span>, die, ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, +Fischerflotte, Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an +Kriegsschiffen, „die deutsche Flotte‟ etc. etc. Das Wort stammt von der +unter flott angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im +niederdeutschen Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein +italienisches, gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, +spanisch flota, französisch flotte. Aber unser „Flotte‟ hat mit ihnen +nichts zu tun, weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wörter +auch von fluctus kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß, — +man sagte flote de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke — , +ja wenn es auch sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach +Hochdeutschland<a id="Page_147"></a> + <span class="pagenum">[147]</span> — <span class="strong1">nach</span> 1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger +es noch nicht kennt und statt dessen Armada sagt, wie denn überhaupt +seine Kenntnisse sich auf südliche Seemannswörter beschränken, von der +Hansa und deren Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung — nicht aus +Niederdeutschland, sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form +in der es zuerst auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es +1617 im „Teutschen Michel‟ als Fremdwort verspottet worden ist, so +bemerkt doch Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch +den Einfluß des niederländischen vloot eine der modernen sich +anbequemende nähere Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den +Küsten der Nordsee Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen +bedeutet. Altfriesisch flothe: „ende thet bi der Elwa biland tha +flothe.‟ Und wenn auch im Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff +bedeutet, so genügt das Wort dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer +unabhängiges Dasein. — Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs +vom spanischen flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert. — +Der Übersetzer der „Durchläuchtigsten Seehelden‟ 1681 gebraucht das +Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander; +wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen +Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch +geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien +unter Pit Heyn. „Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der +Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß +Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich +den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und +zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und +fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn +nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes +vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte +solches mit einem Schuß kund zu thun.‟</p> + +<p><span class="strong1">Flut</span>, die, das Zuströmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend +mit Welle, vielfach im übertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden, +altfriesisch im Sinne von Einfall, Überfall: „jenst den wilda witzinges +(Seeräuber) floed‟). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen +Wörtern von der Wurzel plu, flu = fließen; davon gothisch flodus, Flut, +altnordisch flod, angelsächsisch<a id="Page_148"></a> + <span class="pagenum">[148]</span> flod, althochdeutsch fluot; auch +in vielen slavischen Wörtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser, +schwimmen fließen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter +Flut im engeren und besonderen seemännischen Sinne versteht, das ist der +Gegensatz zu Ebbe, das Heranfließen des „kommenden‟, „steigenden‟ +Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, daß Flut in der +Verbindung beider das größere Gewicht hat, so daß bei Tide immerhin mehr +an die Flut als an die Ebbe gedacht wird.</p> + +<p><span class="strong1">Fluttor</span> s. Schleuse.</p> + +<p><span class="strong1">Fock</span>, die, das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten +<span class="strong1">Fockmast</span>, entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher dreieckig, +was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel gibt, das +Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche Fock +schmal d. h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den +romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch +traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher +Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig +ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; französisch +trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber +auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der +Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock +beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit +folgenden Worten: „Comme on ne sait point quel nom ont en François ces +deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes +de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut +assez leur convénir, si en éfet il n'y en avoit point encore d'autres; +et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre. +Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces +sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, selon le vent, +et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les +soutient aussi: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré. +Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a +vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline („beim Winde‟) +on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à +tiers point, et fort pointue par le haut.‟<a id="Page_149"></a> + <span class="pagenum">[149]</span> Unzweifelhaft ist also +das Wort niederländisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach +dem Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum +ad proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort +focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach „segeln‟, +wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das +mittelniederdeutsche focken den Sinn von <span class="strong1">ziehen</span>, aufziehen. Die Fock ist +also ein <span class="strong1">Ziehding</span>, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird oder +zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie aufgezogen +wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und Namengebende wäre. +Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat, warum soll man nicht +vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann also die (Stag-)Fock +als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich herziehend gedacht. + — So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, +daß das Wort auch für „es zieht,‟ „es ist Zug,‟ „Zugluft‟ gebraucht +wird, selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in +einem Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden, +isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle, +fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern; +dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista +vocken = wehen. — Niederdeutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein +Platz der dem Winde sehr ausgesetzt ist. — Auch „von dannen ziehen‟ +heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im „Reinke de Vos‟ sucht der +Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu lassen. Der antwortet ihm aber:</p> + +<div class="poem"> + + <p> Og, wo sholdestu mi dänne fokken,</p> + <p>Lete ik di los mid sodaneme lokken. — </p> + +</div> + +<p>Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in +Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines +Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei, +Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort +focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken +stammt, sondern eine niederdeutsche Form für den Familiennamen Fugger +ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist, +monopola, ja er sagt sogar „pantopola vulgo fuggerus‟; fokerye = +monopolium. — Und damit ja keine Bedeutung von „ziehen‟ fehle,<a id="Page_150"></a> + <span class="pagenum">[150]</span> +so heißt mittelniederdeutsch focken sogar „jemanden aufziehen‟ in der +Bedeutung von foppen.</p> + +<p><span class="strong1">Föhrde</span>, die, eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt +(mundartlich Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann +in Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprüchwort: „wen de forde +krakd, is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko.‟ +Altfriesisch forda, daher der alte Name für Münster i. W.: +Mimigardaforda; englisch ford, Furt; altnordisch fjördhr, schwedisch, +dänisch fjord; althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern +von fahren, weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Föhrde den +verengerten Weg darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flußmündung +hineinfährt.</p> + +<p><span class="strong1">Fracht</span>, die.</p> + +<p>1. Gebühr für Beförderung der Waren.</p> + +<p>2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes,</p> + +<p>3. die Ware selbst</p> + +<p>Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprüngliche. Man hat zur +Erklärung an das niederländische Iterativum von fahren: verchen = +führen, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem könnte das +schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware +in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine +Zusammenziehung von fertigen sein könnte, wobei zu bemerken ist, daß +auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wäre. (Fertig: bereit zum +Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen +frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; französisch fret, spanisch +flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt, +dänisch fragt; englisch freight. Möglicherweise steckt unser fragen in +frehton, daß man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder +Ausbedingen des Lohnes für die Beförderung von Ware zu denken hätte. +Doch ist zu bedenken, daß 1673 in der „Beschriving van der Kunst der +Seefahrt‟ Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist.</p> + +<p><span class="strong1">Fregatte</span>, jetzt ein großes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt +und Größe sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen +überhaupt, so besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben läßt. Bis +vor Kurzem hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, +die vor zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt +„Große Kreuzer‟<a id="Page_151"></a> + <span class="pagenum">[151]</span> nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären +und hießen, „Stein‟, „Moltke‟, „Gneisenau‟ etc. etc., also Vollschiff +mit Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in +seinem „Kayserlichen Kriegßrecht‟, 1565, führt alle zehn Arten von +Schiffen auf die damals zu einer Armada gehörten:</p> + +<p>Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit +ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach +ein oberster Kriegßherr oder Potentat, stattliches oder geringes +vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer +Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes +Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen +Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder +sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen, +etc.</p> + +<p>Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß +gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein +verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu +erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz, +Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit +widerstand versehen.</p> + +<p>Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit +Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grösse, vor den Galeen zum +Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck, +Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der +sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc.</p> + +<p>Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen, +welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr +und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit +aller notturfft versehen.</p> + +<p>Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen +Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff +oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten +versehen.</p> + +<p>Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen +und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit +Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen +angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden.<a id="Page_152"></a> + <span class="pagenum">[152]</span></p> + +<p>Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan +Mathonen<a id="Mat1"></a><a href="#fn1" class="fnanchor">[1]</a> genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem +Feind mit Geschütz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben +Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag +werden.</p> + + +<p class="footnote"><a id="fn1"></a><a href="#Mat1" class="label">[1]</a> Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hiessen, so hat +sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschränkt auf einen +Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht besonders wichtigen +oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hiess Mattone nur „ein +Tau, das an einen am untersten Ende des Carro befindlichen Ring +befestigt wird, und vermittelst welches man die Rahe nach hinten oder +nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden will‟. Natürlich handelt es +sich um eine lateinische Rahe, deren unterer Teil eben Carro heisst.</p> + + +<p>Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff, +auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wasser art +und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche +der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu +reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden.</p> + +<p>Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, weit Nachen, +so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr, +wie andere, mit geführt, und nach notturfft in widerstand gerüst und +versehen werden.</p> + +<p>Zu dem neundten, werden erklärter massen mittel und ander klein Nachen, +welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in +welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu +schiffen, mit verordnet und geführt werden.</p> + +<p>Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff, +welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit +zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen, +Kannen oder Weidling,<a id="Wei2"></a><a href="#fn2" class="fnanchor">[2]</a> auß oder in welchen von einem in das ander zu +fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was +groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc.</p> + +<p class="footnote"><a id="fn2"></a><a href="#Wei2" class="label">[2]</a> Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch für +Boot vor; ob ursprünglich korbartig aus Weiden geflochten?</p> + +<p>Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen, +welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit +auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen +Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen<a id="Page_153"></a> + <span class="pagenum">[153]</span> +verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht +mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu, +etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von +dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung, +welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären, +dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so +hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer +notturfft pflegt zu ertragen, etc.</p> + +<p>Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl +Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken besser +bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen +die „auff der Donauw‟ fahren eine Fregaten auf, und zwar als „nit so +vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten‟, also +nichts Hervorragendes. — Auch hundert Jahre später (1681) in den +„Durchläuchtigsten Seehelden‟ bedeutet Fregatte noch nicht das große +Kriegsschiff späterer Zeiten, sondern ungefähr das was wir heute einen +Aviso nennen. Da lesen wir nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der +Seeschlacht von Lepanto: „Und als sie nun die Standarte des +Verbündnüsses, welche in der Mitten ein Creutz hatte, zum Zeichen des +Streites aufgestecket, wolte er (nämlich der Oberbefehlshaber „Don Jan‟, +Don Juan d'Austria) noch einmal in Person die ganze Flotte durchsehen, +und nachdem er benebenst Louis de Cordona und Johann Sora, auf eine +<span class="strong1">schnelle und leichte Fregatt</span> sich begeben, gantz in weissen Waffen, und +ein Christen-Bild in seiner linken Hand haltend, hat er aller Orten den +Leuten einen tapffern Muth zugesprochen‟ ... Aubin (1702) unterscheidet: +Frégate legére: „C'est un vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un +pont: il est ordinairement monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces +de canon‟. Frégate d'avis: „C'est un petit vaisseau qui porte des +paquets et des ordres à l'armée. On s'en sert aussi pour aller +reconnoître les vaisseux‟ Frégaton: „Cest un bâtiment Vénitien commun +sur le golphe Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon, +un grand mât et un beaupré.‟ — Roeding (1794): „Ein dreymastiges +Kriegsschiff, welches weniger als fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten +sind überhaupt scharf gebaut und zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie +müssen +<a id="Page_154"></a> + <span class="pagenum">[154]</span> dabei insonderheit die Eigenschaft haben, gut beim Winde +zu segeln, und auch bei schwerem Winde See halten zu können, weil sie +hauptsächlich zum Kreuzen bey einer Flotte gebraucht werden, oder die +Bewegung des Feindes auszukundschaften, Depeschen zu überbringen, +Kauffahrer zu convoyieren und dergleichen mehr.‟ Also ganz Aviso. — +Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine +nichtssagende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff. +Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit +demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes +nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern; +fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata, +spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch +fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate. — Aus der neuen +Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine, Fregattenkapitän, +Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän und Kapitän zur +See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte an maßgebender +Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und niedriger als ein +(von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff.</p> + +<p><span class="strong1">Freibord</span>, der. Der über Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der +demselben die nötige Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft +darstellt. Je <span class="strong1">freier</span>, d. h. je höher <span class="strong1">der Bord</span> sich über das Wasser +erhebt, ein je größerer Teil des Schiffes sich also über Wasser +befindet, eine desto größere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist +klar wie wichtig es, namentlich für die offene, sturmbewegte See, sein +muß, das richtige Verhältnis des Freibords zum eingetauchten Teil des +Schiffes, d. h. die richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff +seine volle Ladung nehmen kann und doch nicht überladen wird. Man hat +verschiedene Methoden der Berechnung angewandt, Ratschläge erteilt, die +Sache wissenschaftlich erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze +gegeben, in Deutschland, dem Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein +staatliches, kein Reichstiefladeliniengesetz, auch kein +Tiefladelinienzwang; nur ein freiwilliger Versuch ist 1900 unter +Kaiserlicher Belobigung gemacht worden.</p> + +<p><span class="strong1">Freiwache</span>, s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Frischwachs</span>, das, spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele, +aber etwas derb. Der Name ist ebenso sonderbar wie das, übrigens schon +vor mehr als 200 Jahren von uns aus +<a id="Page_155"></a> + <span class="pagenum">[155]</span> zu den Franzosen +übergegangene, Spiel. Es besteht darin, daß einer stehend sich mit dem +Kopf in den Schooß eines ihm gegenüber Sitzenden neigt und so sich „die +Hosen spannt‟. Dann hauen die Umstehenden mit der flachen Hand ihn +kräftig, manchmal recht kräftig auf den Hinteren, und er soll nach dem +Gefühl erraten, wer ihn geschlagen hat. Gelingt es ihm, so muß der +Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt es — wie meistens — nicht, +oder doch nicht auf den ersten Schlag, so geht das Spiel weiter und es +wachsen die Schläge frisch, d. h. immer wieder aufs Neue, wie jedes Jahr +der Kohl wieder frisch wächst.</p> + +<p><span class="strong1">Frischwasser</span>, das, heißt jedes auch noch so alte „Süßwasser‟ im +Gegensatz zu Salz-, See- oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist +seit Erfindung der Destillierapparate nicht mehr so brennend wie früher, +wo sie eine Lebensfrage war für seegehende Schiffe und belagerte +Festungen. Man hat daher lange über die Frage der Herstellung von +Süßwasser aus Salzwasser nachgedacht, Prämien ausgeschrieben und viele +vergebliche Versuche angestellt, bis unsere Zeit die verhältnismäßig so +einfache Sache zu Stande brachte, die übrigens schon einmal der Lösung +nahe gewesen zu sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi +durch die Türken 1560 entstand unter den Belagerten eine große Not, +„indem der Mangel an Wasser in der Festung je länger je grösser ward, +woraus erfolgete, daß sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und +backen, wie auch die Speise kochen mußten, die doch ohne dieses, damit +sie desto länger sollte wehren, an sich selbst gesaltzen genug war. +Welches alles, nebenst der beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den +Durst noch grösser machte. Diesen gewaltigen Durst, entweder zu +entgehen, oder zu mindern, durfften die armen Leute nicht wohl genug +essen, wodurch sie so verschmachteten, daß sie sich selber schwerlich +auf den Beinen halten, ich geschweige denn, die Arbeit und den Streit +ausstehn konnten, und warlich dieses machte sie verzweifelt, daß sie +lieber wünschten zu sterben, als zu leben, und die noch das Leben +etlichermaßen lieben konnten, erwehleten etwas anders, das noch +schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber in der Türken Hände, +für denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten, und verkauften ihre +theure und köstliche Freiheit für einen schlechten Bauch voll Wassers. +Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte, verlor seinen +Preiß<a id="Page_156"></a> + <span class="pagenum">[156]</span> und Werth, angesehn ein groß Stück Geldes nicht genug war +ein klein Faß voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher alles genau +aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande fürgefallen, erzehlet, daß +einer ist gefunden worden, der alle seine Güter, die viel tausend +Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze Zeit +über, dieser äussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen +würde.</p> + +<p>Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren +und überziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, für welche +Erfindung ihm Don Alvaro eine große Verehrung versprochen. Also ließ er +durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen, +weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte, +und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man +doch des Tages nicht mehr, als fünff und dreissig Barilen, oder kleine +Väßlein, und bißweilen nicht mehr als fünff und zwantzig überziehen, +welches ein kleiner Vorrat für so viel Volcks war. Dieses +überdistillierte Wasser ward so süsse befunden, daß wenn es mit Wasser +aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war, +dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte +demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fünfftzig Väßgen +Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und +hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen +gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages für einen jeden +Soldaten, der in dem Gewehr, und eines für denjenigen, so nicht bewehret +war.‟</p> + +<p><span class="strong1">Fuke</span>, die, beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wörterbuch I 567 als ein +„Stellnetz mit weit aufgesperrten Seitenflügeln, was sich nach innen zu +immer mehr verengt und hinten eine kleine Öffnung zum Durchschlüpfen der +Fische hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus) +vorgebunden wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit +Leichtigkeit herausnehmen zu können. Fig. Enge, Klemme, Bedrängnis.‟ Es +gibt auch noch ein friesisches Wort fak = Fischbehälter, Umzäunung im +Wasser für den Fischfang; beide kommen offenbar — verwandt mit pangere +von einer Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen, +umschließen.</p> + +<p><span class="strong1">Fuse</span> s. Bake.<a id="Page_157"></a> + <span class="pagenum">[157]</span></p> + + + +<h2> +<span><a id="G"></a>G.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Gaan achter!</span> und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf +Handelsschiffen öfters gehört. Auf Kriegsschiffen wird: „Rund achtern‟, +„Rund vorn!‟ kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf +dieses Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem +einen Bord nach dem andern drehen und das können sie nicht ohne daß man +an das Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die +niederdeutsche Form für gehen, gemeint ist rund gehen.</p> + +<p><span class="strong1">Gaffel</span>, die. Wenn man in deutschen Wörterbüchern liest: „Gaffel, eine +Art Rahe‟, so ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht +einmal richtig. Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und +Gaffelsegel grade mit Rücksicht darauf unterschieden und +auseinandergehalten, ob sie an einer Rahe, ob sie an einer Gaffel +befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so steht die Rahe quer zur +Längsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt mit ihr in einer Linie. +Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelförmigen Gestalt in der sie sich +an den (Schnau-) Mast anschließt, ihn gaffel-, gabelartig umfassend. +Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche gibil = Giebel in +Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in gabelförmiger +Gestalt, so daß die beiden Giebelbalken, am Dachfirst übereinander +ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl, gabelförmige +Giebelwand), verwandt mit gebal, Schädel, und also mit dem griechischen +kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den Giebel kann +man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses vorstellen. Von +der (gabelförmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst die Bedeutung +Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen, gabala, +mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme von geben, +aber dann müßte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn Eßgabeln +sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre her, daß +ein Altenaer Drahtzieher sich über solch ein Ding als etwas ihm +Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre +Leute aufforderte: „Kinner, wasket +<a id="Page_158"></a> + <span class="pagenum">[158]</span> iuk de finger, vi hett silad.‟ +Von der Ähnlichkeit mit Giebel käme dann weiter gapan = gaffen, klaffen, +gähnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde +in der germanischen Mythologie. Französisch gable = Giebel. Dietz sagt, +das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; „da indessen das +Wort in den übrigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer +sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nächste Quelle +zurückzuleiten.‟ Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wäre der Name des +gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzählt nach +Jornandes, die Gothen wären anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit +dreien Schiffen ausgefahren. „Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer +wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheißen und davon +bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden.‟ „Die gewöhnliche Ableitung von +beiten (goth. beidan) warten ist unzulässig, die hier gegebene von +Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natürlich; das Wort bedeutet: das +Maul aufsperren, stutzen, gähnen, und hat gleich dem lat. hiare den +Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.‟</p> + +<p><span class="strong1">Gaffelgeer</span>, s. Geer.</p> + +<p><span class="strong1">Gaffelklau</span>, s. Klau.</p> + +<p><span class="strong1">Gala</span>, die. Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen +Gelegenheiten. Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches +Wort geili, Üppigkeit, Stolz, Prunk, und das würde der Bedeutung nach +das Etymon sein können; auch könnte man an das althochdeutsche galan +denken, welches singen, (daher Nachtigal), fröhlich sein, Feste feiern +bedeutet, so daß Gala also ein Festgewand wäre. Das ist es auch, aber +der deutsche Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen +Anknüpfungspunkt, während im Spanischen gala schon früh Feierkleid, +Anstand, Anmut heißt. Da liegt der Gedanke an das arabische chalach, +Ehrenkleid als fürstliches Geschenk, so nahe, daß wir ihn nicht abweisen +dürfen, wenn uns einer mit dem griechischen kalos, schön, oder agallein +schmücken, dazwischen kommen möchte.</p> + +<p><span class="strong1">Galeere</span>, Galei, Galeide, Galee, Galé, Galea, Galia, Galine, Galeasse, +Galeone, Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra, +Galeota u. s. w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen +einfachste Gestalt Galee ist. Bei allen landesüblichen<a id="Page_159"></a> + <span class="pagenum">[159]</span> +Verschiedenheiten ist doch bis in die neuere Zeit dies festgehalten +worden: es handelt sich um ein <span class="strong1">schmales</span> Schiff das <span class="strong1">gerudert</span> wird, oder, +wenn es für gewöhnlich auch segelt, doch in gewissen Fällen gerudert +werden kann. Hier eine lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem +Jahre 1501: „Galeacearum quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in +detecto autem totidem pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero +singulas ponderis mille librarum computant ... Galeacearum quaelibet +ducentorum fere hominum ministerio, stipendio conductorum indigere +videtur. Ad remorum, ac velorum administrationem, centum quinquaginta +addicuntur, tot enim remos quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii +magnitudinem remis parum utantur) affert. Nam solo tempore malaciarum, +ut proximum aliquem portum ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam +partem mutent, et convolvant, remis agitur.‟ Und eine niederdeutsche +(Rostock 1519): „So we avervaret mit einer Galleiden, dat is ein +lankhaftich schip, unde geit van dem einen over bet to dem anderen jo +bilank dem overe unde holt alle nacht to lande, unde heft sostich banke +in beiden halven, unde to jewelker bank horen dre man mit roderen unde +en schutte, unde nemet alle dage versche spise unde kost, des men in den +koggen nicht hebben mach.‟ — Zur Erklärung hat man auch hier gemeint, +das Arabische heranziehen zu sollen und an châlia, junges Kamel, dann +kleines Schiff gedacht. Und wer wüßte nicht, daß umgekehrt das Kamel oft +genug „das Schiff der Wüste‟ genannt worden ist. Aber wir haben eine +nähere, bessere Erklärung: das griechische galeos, Haifisch, oder +galeotes, Schwertfisch. Namentlich die Gestalt des letzteren dürfte bei +der Benennung den Ausschlag gegeben haben, war auch besonders passend +wegen des „Rammsporns‟ von dem wir in einer alten Beschreibung der Galea +lesen: „lignum a prora praefixum habet et vulgo calcar dicitur, quo +rates hostium transfiguntur percussae.‟ Althochdeutsch galie, galine = +Galeere, langes Ruderschiff, davon galiner, Schiffer auf einer galine, +und galinhus, Schiffshaus, Arsenal. Mittelhochdeutsch hieß galiot +Seeräuber, Schiffer, Fährmann, eigentlich Galeerensklave. Gerade durch +die armen an die Ruderbank Jahre lang Tag und Nacht angeschmiedeten +Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu weiterer Verbreitung gelangt als +andere mittelalterliche Schiffsausdrücke. — Für unsere heimische +Seefahrt kommen jetzt nur noch<a id="Page_160"></a> + <span class="pagenum">[160]</span> (Galeassen) Galjassen (s. +Fastgaljaß) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge sagt galjot, +haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von den +Galjassen mit plattem Heck unterscheiden.</p> + +<p><span class="strong1">Galion</span>, <span class="strong1">Gallion</span>, das, ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem, +ehe der Eisenschiffbau alle alten Formen über den Haufen warf, ragte das +Gallion mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schön +geschwungener Form, so daß von dem Verlauf seiner Linien viel von der +Schönheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unnütze +Beschwerung des Vorschiffes und beförderte die Kielgebrechlichkeit. Bald +wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei übrig sein.</p> + +<p>1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion überragte eignete es +sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als +Leitungsröhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grätings +reinhält führt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion +gegangen wie der Kombüse. Es ist an irgend einen passenden Ort im +Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben.</p> + +<p>2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des +Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmückt ist. +Der Schmuck muß in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trägt es den +Namen eines Menschen, so ist dessen Büste üblich; eines Tieres, so wird +das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich +mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u. s. w. In den +Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschließlich der +niederländische Löwe verwandt, so daß „der Löwe‟ gleichbedeutend mit +Gallionsbild war. — </p> + +<p>Der Name „Galion‟ bezeichnete Jahrhunderte hindurch namentlich in +Spanien und Portugal, schwere dreimastige Kriegsschiffe, s. Galeere. Es +kam vor, daß Galionen einen Vorbau hatten von mehr als dem zehnten Teil +ihrer ganzen Länge. Als nun der Name als Bezeichnung einer +Schiffsgattung außer Gebrauch kam, ist er wenigstens in eingeschränkter +Bedeutung als Bezeichnung des vordersten Teiles, des Teiles der für jene +Schiffe besonders bezeichnend war, geblieben. Und zwar ging das so zu, +daß längere Zeit hindurch Galion beides hieß: Schiff und Vorbau; Kilian: +galeon navis major und rostrum navis. — <a id="Page_161"></a> + <span class="pagenum">[161]</span> Die Edda, die ein +Gallion nicht kennt, kennt aber ein geschnitztes Bild am Vorsteven, das +offenbar das Bild eines menschlichen Gesichtes vorstellen sollte, denn +es hieß grima, die Maske. Wenn sie daher den vordersten Teil des +Schiffes hofud, Haupt, nennt, so ist das nicht bloß dichterisch zu +verstehen, sondern wir haben dabei an ein wirkliches, am Vorsteven +angebrachtes Gallionsbild in Gestalt eines menschlichen Hauptes zu +denken. — Bei den Alten nannte man zwei starke mit eisernen Spitzen +versehene Balken am Vorderteil der Kriegsschiffe rostra, Schnäbel; +griechisch embola. Mit denselben suchte man die feindlichen Schiffe zu +rammen. Die den Antiaten abgenommenen Rostra wurden als Siegestrophäen +auf dem Forum aufbewahrt, woher dann die Rednerbühne und der sie +umgebende Raum den Namen rostra führte. Bekannt ist die columna rostrata +des Duilius.</p> + +<p><span class="strong1">Garn</span>, das, ein dünnes Gespinst aus Hanf, einfach, doppelt, drei- und +mehrfach zusammengedreht. Das dünnste ist das Nähgarn, zweidrähtig zum +Nähen der Segel. Dann kommt das Segelgarn, dann das Kabelgarn, das zu +allen Arten von Tauwerk zusammengeschlagen wird; Schiemannsgarn s. +Schiemann, Stoßgarn, Liengarn, Trensgarn u. s. w. Gewisse Arten, z. B. +Schiemannsgarn, wurden früher an Bord selbst gesponnen und mit einer +Mühle, Woid genannt, gedreht. Daher bildlich „ein Garn spinnen‟ = eine +Geschichte erzählen indem man sehr ausführlich wird und die Sache in die +Länge zieht.</p> + +<p><span class="strong1">Gangspill</span> s. Spill.</p> + +<p><span class="strong1">Garnat</span> s. Stagtalje. Nicht zu verwechseln mit dem kleinen +wohlschmeckenden Seekrustentier, das in Holland Garneele und Graneele, +in Ostfriesland Garnat und Granat heißt. Letzteres ist offenbar die +ursprüngliche Bezeichnung wegen der beiden eigentümlichen und sehr +auffälligen Fühlhörner die ganz wie Gerstengrannen aussehen.</p> + +<p><span class="strong1">Gat</span>, das, oft in der Verkleinerungsform Gatje oder Gatchen, heißt +eigentlich nichts anderes als Loch, sei es für sich allein, sei es in +Verbindungen wie Hellegat, Speigat, Soldatengat. Die Grundbedeutung ist: +Öffnung durch die man oder etwas hindurchgehen kann, von der Wurzel ga = +gehen. Gothisch gatoo, althochdeutsch gaza, Gasse; altnordisch gata, +Pfad, schmaler Gang. Beówulf geat = Öffnung, Tor, durch das gegangen +wird; Edda: gatt, Eingang, Tür (Gatter). Teuthonista:<a id="Page_162"></a> + <span class="pagenum">[162]</span> gat = hol, +lock. Bei Kilianus hat gat schon die Bedeutung, die im +Mittelniederdeutschen weit verbreitet war (und es in Holland heute noch +ist: foramen podicis, so daß dorten sogar der sogen. cul de Paris „het +gatje‟ hieß:) „Unde hadde one yn deme water ghehat, mit beyden benen +wente an dat gath.‟ „Unser vyande stryt is dat, dat se uns vleigen in +dat gat.‟ „So prechtig seten er de Kleder up er gat.‟ — Überhaupt heißt +wie das Hinterteil eines jeden Dinges, so auch besonders des Schiffes +Gat. Ein rundgattet Schiff ist ein Schiff mit rundem, gerundetem Heck, +im Gegensatz zu einem plattgatteten. — Gat wird auch topographisch +gebraucht für eine enge Durchfahrt, z. B. Kattegat (Katzengat), +Schottegat auf Curaçao: Waghenaer, 1588, schreibt: „Van Garmsey tot +Jarsey S. O. ontrent vyf mylen, al waer mede goede Rede is: van Jarsey +tot S. Malo ontrent Zuyden ist acht mylen ende is een tye hauen daer +Clippen voor 'tgat liggen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Garnierung</span> s. Wägerung.</p> + +<p><span class="strong1">Gast</span>, der. Dieses Wort wird in besonderem seemännischem Sinne gebraucht +um einen Mann (Matrosen etc. etc.) zu bezeichnen der vorübergehend +irgendwo einen Posten auszufüllen hat, z. B. Oberbramsegelsgast, +Rudergast, Bootsgast. Aber auch (eigentlich fälschlich, da Gast doch nur +einen irgendwo vorübergehend sich Aufhaltenden bedeutet) zur Bezeichnung +einer dauernden Verwendung, wie Steuermannsgast; ja sogar eines +<span class="strong1">Lebensberufes</span>: Zimmermanns-, Bäckers-, Malers- etc. etc. Gast. Mehrzahl +sonst meist Gasten, jetzt mehr Gäste, da das Hochdeutsche über das +Niederdeutsche die Oberhand gewinnt. Sowohl unserem Gast als dem +lateinischen hostis liegt die westindogermanische Form ghostis = +Fremdling zu Grunde, (dessen Wurzel ghas = essen sein soll, so daß ein +Gast also zuerst als Esser erscheint). „Beachtenswert ist‟ sagt Kluge +treffend, „nach wie verschiedenen Seiten Germanen und Römer das alt +ererbte Wort für „Fremdling‟ begrifflich umgebildet haben: dem Römer +wird der Fremdling zum Feind, bei den Germanen genießt er die größten +Vorrechte.‟ — In Holland und Ostfriesland heißen die Armenhäuser +Gasthäuser, entsprechend den hochdeutschen Elendenherbergen, +Unterkunftsstätten <span class="strong1">für Fremde</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Gebeling</span>, die, (auch wohl Gobelung) ist eine im Laderaum angebrachte +Bretterwand, die in der Kielrichtung läuft und verhüten soll, daß die +Ladung übergeht, d. h. beim Schlingern von<a id="Page_163"></a> + <span class="pagenum">[163]</span> der einen auf die +andere Seite geschleudert wird. An das niederdeutsche Zeitwort kippen, +das allerdings sich auf die Seite legen, stürzen, fallen, rücken, hin- +und herbewegen, stoßen, schlagen, umschlagen bedeutet, ist nicht zu +denken, schon darum nicht, weil diese Wand gerade das Umschlagen der +Ladung verhindern soll. Offenbar ist Gebeling eine niederdeutsche +Weiterbildung von Giebel, ostfriesisch gäfel, sonst niederdeutsch und +niederländisch gevel. Denn dieses gevel heißt nicht nur Giebel, sondern +auch — ebenso wie Giebel auch — Giebelwand, und hieraus konnte sich +leicht der allgemeine Begriff Wand entwickeln. Vergleiche altnordisch +gafl, Giebel, Endwand eines Hauses; norwegisch gavl, Endbrett, +Querbrett. — Durch die niederländische Form geveling, die dänische +geveling oder die schwedische gafling hat sich Roeding verleiten lassen, +anstatt Gebeling Geweling zu schreiben, wozu im Deutschen kein Grund +vorhanden ist.</p> + +<p><span class="strong1">Geck</span>, der.</p> + +<p>1. Die Gabelstange einer Pumpe, in der der Geckstock, der +Pumpenschwengel, sich dreht.</p> + +<p>2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz. — </p> + +<p>Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk +bedeutet, so ist anzunehmen, daß der Begriff des Drehens, des Drehbaren +in diesen Wörtern steckt. Vielleicht gehört auch Geck = Narr dazu, weil +ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch +gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig.</p> + +<p><span class="strong1">Geer</span>, die, auch die Geerde genannt, von welchem Worte Geer nur eine +verkürzte Form ist; meist, weil sie paarweise auftreten, in der Mehrzahl +die Geeren, und weil sie zur Gaffel gehören, Gaffelgeeren genannt; +niederländisch geerden, dänisch gerderne, schwedisch garder. Es sind die +beiden Halttaue die die Gaffel von Steuerbord und von Backbord +festhalten; wenn das Gaffelsegel nicht steht, halten die Geeren die +Gaffel zu gleichen Teilen mittschiffs; steht es, so hält nur die +Luvgeer. Aber allemal ist das Halten der Gaffel die Hauptsache, und wir +haben hier die seltene Erscheinung, daß auch einmal ein französisches +Wort das einen Teil der Takelage bezeichnet, aus Frankreich nach den +Niederlanden und nach Niederdeutschland seinen Weg genommen hat. „On +appelle Gardes ou Palans de Gardes (Vangs), les deux palans qui servent +à maintenir la corne d'artimon, et qui, à cet<a id="Page_164"></a> + <span class="pagenum">[164]</span> effet, sont frappés +à son estrémité et agissent de chaque côté du couronnement où ils sont +accrochés, chacun, à un piton; ce sont, en quelque sorte, les bras de la +corne.‟ (Bonnefoux et Paris, Dictionnaire de Marine). Maintenir ist die +Aufgabe der Geeren und das wird durch garder ausgedrückt; davon garde; +davon Geerd; davon Geer. Indessen haben die Franzosen, als sie uns das +Wort gaben, nur eine alte Schuld zurückgezahlt, denn garder ist unser +altes, gutes, deutsches warten = hüten, schützen, wahren, bewahren, +halten. Die Rückzahlung scheint aber spät erfolgt zu sein, da 1702 garde +in diesem Sinne (Aubin), wie es scheint, selbst in Frankreich noch nicht +bekannt war.</p> + +<p><span class="strong1">Gefechtsmars</span>, der.</p> + +<p><span class="strong1">Gefechtsmast</span>, der, beides Errungenschaften des modernen +Kriegsschiffsbaues, der nur noch auf den Dampf als Fortbewegungsmittel +denkt. Gesegelt wird nicht mehr oder doch kaum mehr. So braucht man auch +keine Masten und Rahen zum Segeln mehr, und keine Marsen von denen aus +die oberen Segel bedient werden. Aber die Marsen der alten Kriegsschiffe +hatten nicht nur ihren eigentlichen, seemännischen, sondern auch einen +kriegerischen Zweck, sie wurden im Gefecht als Station für die +Scharfschützen gebraucht. Und diesem Zweck zu Liebe hat man dem Mars +nicht ganz den Garaus gemacht. Man macht zum Hauptzweck was früher +Nebenzweck war und baut einen Gefechtsmars. Da ein Mars aber ohne Mast +nicht möglich ist, so baut man auch einen Gefechtsmast. Es ist vom Alten +jedoch nur der alte Name geblieben.</p> + +<p><span class="strong1">Gehr</span>, die, auch die <span class="strong1">Gehrung</span>, nennt man das spitze, schmale, dreieckige +Zulaufen der Ecken eines Segels, „auf Gehrung schneiden‟ heißt ein Segel +spitz zuschneiden. Zu vergleichen ist das ostfriesische gären, +niederländisch geeren, schräg oder spitz zulaufen oder auslaufen, einen +Winkel oder ein Dreieck bilden. Mit dem uralten Worte Geer das einem am +Niederrhein siegreich vordringenden Heerhaufen deutscher Krieger den +Namen Germanen eingetragen hat, hat unser Wort nur auf ziemlichem Umwege +etwas zu tun. Zuerst kommt vielmehr (Graff, althochdeutscher +Sprachschatz) gero in Betracht, nordisch geiri, friesisch gara-segmentum +panni figura triqueta; altfriesisch gara, Schooß: Teuthonista ghere = +Zipfel, Schooß; Kilian gheere = sinus, limbus; heute noch in +hochdeutschen Mundarten Gehre = Schoß;<a id="Page_165"></a> + <span class="pagenum">[165]</span> niederdeutsch gäre und +gere = Keil, Zipfel, Rockschooß, längliches dreieckiges Stück Land. Den +Ausschlag bei der Benennung hat also die Form dieses Teils vom Segel +gegeben, die figura triqueta. Aber auch der Ger der Germanen lief spitz +zu, und ist darum sicher ein Vetter dieser Gehr. — Nicht nur in der +Segelmacherwerkstatt, sondern auch beim Tischlerhandwerk ist das Wort +Gehrung im Gebrauch und bedeutet hier das spitze Zulaufen zweier Hölzer +die unter irgend einem Winkel zusammenstoßen sollen; der angewandte +Schnitt heißt Gehrungsschnitt. Sollen z. B. zwei Leisten unter einem +rechten Winkel zusammenstoßen, so wird bei jedem ein Gehrungsschnitt von +45° gemacht.</p> + +<p><span class="strong1">Geien</span> nennt man die Tätigkeit die mittels der <span class="strong1">Geitaue</span> (s. aufgeien) +ausgeübt wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen +hochzieht, zusammenfaßt und durch die Gei- (und andere, siehe Nock- und +Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hält, daß sie von den auf den +Rahen ausliegenden Matrosen mit den Händen gerafft und festgemacht +werden können. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das, +wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel, +Geiktau getrübt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus +verschiedene Wörter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die +Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat, +man müsse wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da +doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflußt sein kann. — Unser +geien müßte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es auch +meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort gaden +das sich zusammenfügen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden, +aneinanderschließen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine +Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch +das Niederdeutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d ausfallen und mit +einem i- y- oder j-artigen Laut klingen läßt, vergl. das niederländische +muijen das aus muiden entstanden ist oder unser rojen = rudern +(mittelniederdeutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen = +roden, moje = müde etc. etc. Der Form nach würde also der Ableitung +geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst +recht nicht entgegen. — Die Ableitung von Geiktau, Geichel etc. etc. s. +unter Giek.<a id="Page_166"></a> + <span class="pagenum">[166]</span></p> + +<p><span class="strong1">Gemallte Tiefe</span> s. abmallen.</p> + +<p><span class="strong1">Genickstag</span> s. Stag.</p> + +<p><span class="strong1">Geschwader</span>, das. Ein Kommandoverband von mehreren Kriegsschiffen unter +einem Admiral. Die älteste niederdeutsche Form in der mir das Wort +begegnet ist, ist geswad in Renner, Livl. Hist.: „He belegerde Revel mit +25000 Russen, 4 geswade haveluiden‟ ... „mit 22 fenlin landsknechten und +elven geswader haveluiden.‟ Diese haveluiden waren wohl Hofbesitzer und +es dürften daher unter diesen Geschwadern Reiter-Verbände zu verstehen +sein, so dass also am Lande sich frühzeitig die gegenwärtige Bedeutung +Schwadron herausgebildet hat. — Zunächst bedeutet es aber nur ein +Viereck von Soldaten, denn es stammt von quatuor ab. Zu vergleichen ist +das italienische, spanische, portugiesische quadro = Viereck, Rahmen, +Gemälde, französisch cadre, Rahmen (auch im militärischen Sinne); dann +weiter: italienisch squadra — vielleicht aus exquatra — , spanisch +esquadra, französisch equerre, Winkelmass, Viereck von Leuten, Rotte; +endlich: spanisch esquadron, französisch escadron, Heeresabteilung. +Kilianus hat squadron = agmen quadratus, das Wort ist demnach wohl unter +Karl V nach Deutschland gekommen. Die einfachste deutsche Form ist +Schwadron; Geschwader ist durch Hinzufügung der Vorsilbe ge und dadurch +bedingte Abschwächung der Endung entstanden. Das Präfix ge findet sich +oft, man denke an Ge-fahr, Ge-spann, Ge-nade, Ge-laube, Glück = Gelück. + — Erst spät ist das Wort in seemännischen Gebrauch genommen worden; bei +Roeding 1794 begegnete es mir zum ersten Male; sonst sagte man immer +Flotte.</p> + +<p><span class="strong1">Gestade</span>, das, jetzt allgemein für Küste gebraucht, ursprünglich aber ein +Ort an der Küste, ein Platz am Ufer wo man nicht nur Waren für die +Schiffe, sondern auch diese selbst aufstellen konnte, also eine +Hafenanlage mit einfachen Aufschleppvorrichtungen. Vom althochdeutschen +stadon, mittelhochdeutsch staden im Sinne von landen, am Lande die +Schiffsgüter aufstellen, also eigentlich Landungsstelle; oberdeutsch +Staden; althochdeutsch stad, mittelhochdeutsch stade. Der eigentliche +Begriff ist der von irgendwo hinstellen und dadurch das, was vorher in +Bewegung war zur Ruhe zu bringen; daher bestatten sowohl begraben als +auch heiraten bedeuten kann. — Die Vorsilbe ge ist dieselbe wie in +Geschwader und in Gezeiten.<a id="Page_167"></a> + <span class="pagenum">[167]</span></p> + +<p><span class="strong1">Gezeiten</span>, die. Das Wort getide hiess mittelniederdeutsch 1. ganz +allgemein Zeit im Sinne eines Sammelbegriffes, „to allen getiden,‟ in +aeternum. 2. Die Zeit die <span class="strong1">eine</span> Ebbe und <span class="strong1">eine</span> Flut umfaßt: „in jeder +etmahl (s. Etmal) vorachtert das getide 4/5 parten von ein Uhr.‟ 3. Die +kanonische Horen; „dar was eyn yunck broder, de so verkeert was dat he +ghene ghetyde en wolde lesen.‟ — Althochdeutsch gizit, +mittelhochdeutsch gezit = Zeit, hora, Gebetsstunde, altsächsisch getidi, +horae canonicae. Jetzt wird das Wort nur noch seemännisch und zwar +hydrographisch-astronomisch-meteorologisch gebraucht als +Gesamtbezeichnung, als zusammenfassender Allgemeinbegriff für Ebbe und +Flut und was damit in Verbindung steht; Gezeitenberechnung, +Gezeitentafeln etc. etc. s. a. Tide. — Breusing: „Es ist unter unseren +Geographen die Meinung verbreitet, als ob das hochdeutsche Wort Gezeit +von Heinrich Berghaus erfunden, jedenfalls zuerst gebraucht sei. Das ist +irrig; es tritt bereits im 16. Jahrhundert auf. Zuerst ist es mir +begegnet in Guicciardini: Beschreibung der Niederlande; Frankfurt, 1582, +fol. pag. 17 ff. Dann im 17. Jahrhundert in: Amerika durch Ziegler, bei +de Bry; Frankfurt, 1617, fol. pag. 350. Im 18. Jahrhundert findet es +sich in Krünitz' Encyklopädie, s. v. 18. Thl. 1779. Letzterer hat +bereits die Gezeit, während Ziegler noch dem ndd. das getide +entsprechend das Gezeit hat. Ich verstehe nicht, weshalb man sich von +manchen Seiten gegen den Gebrauch des guten hochdeutschen Wortes +sträubt, und möchte lieber sehen, dass sich unsere geographischen +Lehrbücher endlich einmal von dem Worte Nippfluten, engl. neaptides, +lossagten, welches kein deutscher Seemann und Küstenbewohner, wenn er +nicht englisch kann, versteht, geschweige denn gebraucht,‟ s. Nipfluth.</p> + +<p><span class="strong1">Giek</span>, das, auch Geik, deutlicher der Giekbaum, ist die Spier mit der der +unterste Teil eines nach ihm benannten Gieksegels ausgesetzt wird; in +der Marine nur bei Bootssegeln in Gebrauch. Der Giekbaum hat an dem +inneren Ende einen Haken der in das Auge eines um den Mast liegenden +Bügels gehakt wird, in dem dann der Giekbaum sich dreht. Giek hat +demnach mit Geck dieselbe Bedeutung: drehen, sich drehend bewegen, +beweglich sein. Das Tau womit der Giekbaum aufgetoppt wird heisst nach +ihm Giektau, Geiktau, Geichel. Auffallend ist, dass dieselbe Spier, die +Giek heisst, auch Giep (s. d.) genannt wird.<a id="Page_168"></a> + <span class="pagenum">[168]</span></p> + +<p><span class="strong1">Gien</span>, das, ist nichts weiter als unser deutsches Tackel, also eine Talje +von besonderer Stärke, welche dadurch erzielt wird, dass man anstatt der +einscheibigen drei- oder vierscheibige Blöcke nimmt. Es dient zum +Bewegen besonders schwerer Lasten. So gab es zur Zeit, da die +Kriegsdampfer noch zum Segeln eingerichtet waren, eine Vorrichtung die +Schraube zu lichten, damit dieselbe die Fahrt nicht hemme; solches +Schraubelichten geschah mit einem Schraubengien, einem sehr starken +Takel, das eine Trosse von ungewöhnlicher Stärke bewegte, die um die +Scheibe des Schraubenheberahmens gelegt ward (und wohl auch für sich +allein Gien genannt ward, aber nur im Sinn des pars pro toto). Es ist +also ein Gien das in der Mechanik unter dem Namen Flaschenzug bekannte +Werkzeug in besonderer Verstärkung. Das Wort kommt durchs Englische vom +lateinischen ingenium, ist also mit Ingenieur verwandt und stellt eine +(verkürzte) Zusammenziehung von engine dar, welch letzterer Name der +Vorrichtung um so eher gegeben werden konnte, als früher man sie noch +komplizierter (mit einem Bock etc.) herstellte. „Gin a contraction of +engine, 1. A machine or instrument by which the mechanical powers are +employed in aid of human strength; especially a machine used instead of +a crane, consisting essentially of three poles from 12 to 15 feet in +length, often tapering from the lower extremity to the top, and united +together at their upper extremities, whence a block and tackle is +suspended, the lower extremities being planted in the ground about 8 or +9 feet asunder, and there being a kind of windlass attached to two of +the legs.‟ Mit gin, dem von juniperus ginevra herkommenden Branntwein +hat das Wort nichts zu thun. — <span class="strong1">Gienblock</span>, <span class="strong1">Gienläufer</span>, <span class="strong1">Gientau</span> erklären +sich nach dem Gesagten von selbst.</p> + +<p><span class="strong1">gieren.</span> Wenn ein Schiff nach irgend einer Seite hin von dem +vorgeschriebenen Kurse vorschriftswidrig abweicht, so giert es; sei es +dass solches durch Schuld der Leute am Ruder, sei es dass es durch die +eigentümliche Bauart des Schiffes verursacht ist. Ein Schiff ist +luvgierig, wenn es das Bestreben hat nach Luv, leegierig, wenn es das +Bestreben hat nach Lee abzuweichen; doch gieren die meisten Schiffe dann +an meisten wenn sie recht vor dem Winde segeln. Das ist ein Nachteil, +weil der Weg verlängert wird. Wird aber beim Winde gesteuert und ein +Schiff ist luvgierig, so können die Segel leicht anfangen zu giepen, +ja<a id="Page_169"></a> + <span class="pagenum">[169]</span> das Schiff kann „durchdrehen.‟ Das Wort bedeutet nichts +anderes als unser „begierig sein‟, ein starkes, heftiges, sinnliches +Streben nach etwas haben. Im Ostfriesischen wird gieren nicht bloss +seemännisch gebraucht, sondern auch sonst im Sinne von abirren vom +rechten Wege, ablenken, abschwenken, auch im moralischen Sinne: +ausschweifen; man sagte früher auch begieren anstatt begehren. Im Jahre +1605 war ein Mädchen geschwängert und dafür von dem fürstlichen +Matrimonial-Kommissarius zu schwerer Geldstrafe oder Landesverweisung +verurteilt worden. (Der Mann kam in solchen Fällen billiger weg). Da sie +nicht alles bezahlen konnte, legten sich die wenigen Nonnen, die noch +als Staatspensionärinnen in dem (aufgehobenen) Kloster Thedingen wohnten +ins Mittel und machten an den Fürsten eine Eingabe: „Sonsten aber +presentiren sich die Conventualen zu Tedingen, wofern S. G. sich an den +Brüchen nichts abgehn lassen wollen, solches und waß Ihre Gn. <span class="strong1">begierten</span>, +an ihrem Kostgeld abziehen zu lassen,‟ (Rentei-Rechnung des Amtes Leer).</p> + +<p><span class="strong1">Giep</span>, das, ist der Sache nach dasselbe wie Giek (s. d.) nur wird bei +dieser Benennung die Sache von einer anderen Seite aus angesehen. +Während man bei Giek das Bewegliche im Auge hat, denkt man bei Giep an +das Gespreizte, Auseinandergesperrte, indem giepen von gapen weiter +gebildet ist wie gibbeln von gabbeln; gapen aber heißt gähnen, den Mund +aufmachen, ihn weit auseinander machen. Von Giep gibt es ein Zeitwort +<span class="strong1">giepen</span>, das bezeichnet was man bei Rahesegeln durchdrehen nennt, „eine +Eule fangen.‟ Wenn das Gieksegel von vorne Wind faßt und zurückschlägt, +was entweder durch plötzliches Umschlagen des Windes oder beim +Aufkreuzen und Beimwindeliegen durch Unachtsamkeit des Steuernden +geschehen kann, so schlägt das Giep auf die andere Seite, das nennt man +giepen. Durch dieses Zurückschlagen, behauptet Roeding, seien schon im +Boot sitzende Leute erschlagen oder über Bord geschleudert worden. Daher +wird von vorsichtigen Seeleuten der Giekbaum mit einem Bullentau +gesichert.</p> + +<p><span class="strong1">Gig</span>, die, ein leicht und schlank und etwas zierlicher als die andern +gebautes, rasch bewegliches Boot zum Rudern und Segeln; auf +Kriegsschiffen ausschließlich dem Kommandanten persönlich für seine +Fahrten an Land, auf andere Schiffe, zu Ausflügen etc. zur Verfügung +stehend. Mit Giek und Geck von einerlei Abstammung,<a id="Page_170"></a> + <span class="pagenum">[170]</span> wie denn auf +Wangerooge Gek dazu gesagt wird. Man darf wohl dabei an das +neuhochdeutsche gaukeln denken, sich rasch hin und her bewegen wie ein +Gaukler, ein Taschenspieler, dessen ganze Kunst bekanntlich in dem Satze +besteht, daß Geschwindigkeit keine Hexerei ist. Zu vergl. althochdeutsch +goukolon, mittelhochdeutsch goukeln, Zauberei, Narrenspossen treiben. +Kluge weist auf das siebenbürgische gekel, Marionette, und das +gleichbedeutende thüringische gekelman hin, (und allerdings muß man +dabei an etwas Bewegliches denken), und sagt: „Verwandt scheint +althochdeutsch gougaron, mittelhochdeutsch gougern, umherschweifen, +ferner mittelhochdeutsch gogeln, sich ausgelassen geberden, hin und her +flattern, gogel Adj. ausgelassen, üppig, giege M. Narr;‟ bei Narr denkt +er freilich an „Betörter‟, man kann aber auch eben so gut an die +„Narrenspossen‟ des Mittelhochdeutschen denken, an einen ausgelassenen, +lustig tanzenden und springenden Menschen, der, wie man zu sagen pflegt, +„närrisches Zeug‟ treibt, wie es in dem bekannten Studentenliede heißt: +„Unser Herrgott der muß am Ende selber drüber lachen, Was die Menschen +für närrische Sachen tun machen.‟ Da nun offenbar der ganzen Sippe Geck, +Giek und ihren Verwandten bis zum Gaukler hin der Begriff des „leicht +Beweglichen‟ zu Grunde liegt, so ist gewiß auch Gig, dieses leicht +bewegliche Boot, mit zur Familie zu rechnen; wenn je ein Boot auf den +Wellen „gaukelt‟, so ist es eben die Gig.</p> + +<p><span class="strong1">Gilling</span>, die, auch Gillung, heißt jede Verschmälerung, oder Erweiterung +eines sonst grade verlaufenden Gegenstandes. So spricht man von der +Gillung eines Segels, und vor allen Dingen nennt man beim Schiff den +hervorspringenden, beziehungsweise den zurückspringenden Teil der +Bordwand, die sich nach unten zu verjüngt, des Hecks, das unten schmäler +und kürzer wird, also die Veränderung der Formlinie, die Krümmung der +Geraden. Ob man sagen will: das Heck springt oben vor, oder: das Heck +tritt unten zurück, — das hängt ja ganz davon ab, wie sich der +Beschauer die Sache denken will. — Die Tischler nennen den vor- oder +zurückspringenden Teil einer Holzkante Kehlung, und beide, Gillung und +Kehlung, dürften ein und dasselbe Wort, nur mit verschiedener Aussprache +sein. So darf man also eine Verwandtschaft mit Keil, niederdeutsch Kil, +annehmen, und das Wort müßte Kilung geschrieben werden, wie auch die +Tischler und<a id="Page_171"></a> + <span class="pagenum">[171]</span> andere Handwerker nicht Kehlung, sondern Keilung +schreiben müßten, denn mit Kehle = Höhlung hat das Wort schon darum +nichts zu schaffen, weil öfters, wenn der Keil wirklich einmal eine +Rinne, Rille oder Höhlung hat, er alsbald Hohlkehle genannt wird, was +nicht der Fall wäre, wenn Kehle schon allein Höhlung bedeutete. Die +keilförmig zulaufende Gestalt gibt den Ausschlag; ein Keil ist ein +schief oder schräge verlaufendes, in einer Spitze oder scharfen Kante +auslaufendes Ding. Kil ist Benennung eines keilförmigen Grundstücks bei +Wirdum; wahrscheinlich hat auch die Kieler Bucht, der Kieler Hafen von +einer keilähnlichen Gestalt den Namen; „keilähnlich‟ braucht dabei nicht +gepreßt zu werden, sondern muß im weiteren Sinne einer gebrochenen oder +gebogenen Linie verstanden werden, wie es schon im Mittelalter bei +geographischen Bezeichnungen verstanden wurde, da Kilian kille und kiele +einfach mit sinus, Busen, übersetzt, sonst auch kyl. In diesem weiteren +Sinne gebrauchen unsere Metallarbeiter das Wort Kehlung; sie nennen so +jede von der Geraden abweichende Linie, dafern sie nicht grade im +rechten Winkel verläuft, namentlich aber auch wenn sie eine Rundung +darstellt.</p> + +<p><span class="strong1">Gischt</span>, der, heißt eine Sprühsee, die vom Sturm schäumend gemachte +Oberfläche des Meeres, namentlich da wo sie sich bricht, mit +milchartiger Farbe und eigentümlich verklingendem Geräusch verbunden. Um +dieses Geräusches willen könnte man an Lautmalerei denken, wenn es nicht +ein Zeitwort gischen gäbe, das mit dem mittelhochdeutschen jesen und dem +althochdeutschen jësan = „gären machen‟ verwandt ist, von der +Sanskritwurzel yas, sieden, kochen. Indessen ist auch dieses lautmalend, +wie das ähnlich klingende zischen, („und es wallet und siedet und +brauset und zischt‟.) Daß bei gischen auf den Laut und nicht auf die +Bewegung oder die Farbe geachtet ist, beweist der hochdeutsche Gebrauch +des Zeitwortes beim Plätten. Da tupfen die Frauen mit nassem Finger an +den Bolzen, um zu prüfen, ob er heiß genug sei, was er ist wenn „es +gischt.‟ Man nennt auch gischen das Geräusch, das heißes Eisen, bezw. +das Wasser macht, wenn ein Schmied die Zange mit dem eben geschmiedeten +Stück zum Abkühlen in kaltes Wasser hält, („wie wenn Wasser mit Feuer +sich mengt, bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt‟).</p> + +<p><span class="strong1">Gissen</span>, heißt in der Seemannssprache „vermuten‟ und wird nur in ganz +bestimmter Verbindung gebraucht: „gegißtes Besteck‟.<a id="Page_172"></a> + <span class="pagenum">[172]</span> Wenn das +Wetter unsichtig ist, so daß genaue astronomische Beobachtungen +unmöglich sind, so wird das Besteck gegißt, d. h. es wird nach dem +Loggen, nach der in den letzten 24 Stunden durch das Loggen +festgesetzten Geschwindigkeit der Fahrt mit Berücksichtigung von +Abtrift, Strömung und andern in Betracht kommenden Umständen ungefähr +berechnet, auf welchem Längs-und Breitegrade am Mittag eines gegebenen +Tages man sich befindet. Geschieht dies vom Koch und seinen Freunden in +der Kambüse, oder sonst von Unberufenen ohne die nötige Unterlage und +Genauigkeit, so wird es zum Kambüsenbesteck, geschieht es von Schiffs +wegen durch den Navigationsoffizier, so heißt es „gegißtes Besteck.‟ +Gissen ist ein allgemein-niederdeutsches Wort, das im Hochdeutschen +nicht vorkommt, aber in dem Zeitwort vergessen steckt; es heißt denken, +sinnen, meinen, raten, glauben, hoffen, mutmaßen, wähnen; englisch +guess, schwedisch gisse, norwegisch gissa. Die Grundbedeutung ist halten +(dafür halten). „Gissen maket bewillen missen‟ ist ein alter +niederdeutscher Seemannsspruch; buten gissen = wider Erwarten, wider +Vermuten; „alle unsalighen pleghen ere geiselen swaerer gissen den +andern lude gheiselen.‟ „Wen men ock dagelikes Achtinge gifft, wo veel +Fahrt dat Schip dorch dat Water hefft, und sick solckes inbildet, und +entholt (einprägt und behält), dat he mit solcken Fortganck, daß dat +Schip maket, so veel Milen in dat Etmahl segelen mag, alß he dorch +Verandering der Brede und angesegelde Korß befunden hefft, so kan man +mit der Tydt tho gode <span class="strong1">Gissinge</span> kamen‟, „Kunst der Seefahrt‟ 1673.</p> + +<p><span class="strong1">Glasen</span>, nennt man das Anschlagen der halben Stunden an der +Schiffsglocke. Noch vor hundert Jahren wurde von den Leuten am Ruder die +Zeit nicht nach der Uhr, sondern nach dem (Stunden- oder vielmehr +Halbstunden-) Glas gemessen. Wenn eine neue Wache aufzog, fing eine neue +Rechnung an und der Steuermann drehte das Glas um. War es abgelaufen, +also war eine halbe Stunde vorbei, so ward gemeldet: „<span class="strong1">ein</span> Glas!‟ + und <span class="strong1">ein</span> +Schlag an die Glocke getan und das Glas aufs Neue gedreht, war es wieder +abgelaufen, so erfolgte die Meldung: „zwei Glas,‟ es wurde zweimal +angeschlagen und das Glas abermals gedreht, und so fort bis die +vierstündige Wache vorbei war, also bis das Glas achtmal abgelaufen, bis +acht Glas an der Glocke angeschlagen waren. Dann zog eine neue Wache auf +und die<a id="Page_173"></a> + <span class="pagenum">[173]</span> Rechnung begann wieder von vorne. Hieran hat sich in der +Neuzeit wenig geändert, nämlich nur das, daß man an Stelle der Gläser +Uhren hat, aber die alte Benennung ist geblieben und die Mehrzahl von +Glas bildet der Seemann auch heute noch nicht Gläser sondern Glasen, +oder vielmehr er gebraucht das Wort nur in der Einzahl: „acht Glas‟; +hierin dem deutschen Zecher oberdeutscher Zunge gleich, der auch nicht +acht Gläser, sondern acht Glas Bier trinkt. — Nach dem Gesagten könnte +ein jeder Nichtseemann sich eigentlich leicht ausrechnen, daß „fünf +Glas‟ entweder morgens halb sieben, oder vormittags halb elf, oder +nachmittags halb drei, oder abends halb sieben, oder spät abends halb +elf, oder nachts halb drei sein muß. Es soll aber Leute geben die das +niemals lernen. Jedenfalls wirkt diese Rechnung zunächst befremdend auf +den, der die Planken eines Schiffes betritt, soll auch, wie erzählt +wird, so auf den General von Caprivi als er Chef der Admiralität +geworden war, gewirkt haben.</p> + +<p><span class="strong1">Goletta</span>, die, französisch goëlette, ist eigentlich ein Wort der +italienischen Seemannssprache, wird aber wohl auch aus deutsch- und +namentlich österreichisch-seemännischem Munde vernommen; ins Deutsche +wird man es am passendsten mit Schuner übersetzen, und zwar, da sonst +noch verschiedene nähere Bestimmungen dazu kommen müssten, mit Schuner +in der einfachsten Form eines Gaffelschuners, eines Vor- und +Achterschuners. Der Name dürfte, ähnlich wie vlyboot von dem Vly, von +der Festung Goletta genommen sein, die in der Seekriegsgeschichte eine +so grosse Rolle gespielt hat, als Kaiser Karl V. in eigener Person sie +dem Chaireddin Barbarossa nach blutiger Belagerung mit Sturm abnahm. +Davon erzählt der Verfasser der „Durchläuchtigsten Seehelden‟: „Die +Gelegenheit nun des Orts Goletta ist also beschaffen: Ein steinern +Thurn, nebenst angebautem Boll-Werk, stehet an der Enge, durch welche +der Meer-Busen von Carthago, die Wellen der See in den darbey gelegenen +Meer-Raum einlässet, und vor kleine Schiffe, biß an die Stadt Tunis +hinan, Raum und Zugang giebt. Dieses Meer ist swölff italienische Meilen +breit und lang, aber an beyden Seiten so seichte, daß man anders nicht, +als in der Mitten der Tieffe dahinein kommen kann. Den Zugang aus der +See, verwahret der obgemeldte Thurn, der mit dem umherliegenden +Boll-Werk oder Bevestigung beschützet wird, die so groß, daß man einen +großen +<a id="Page_174"></a> + <span class="pagenum">[174]</span> Haufen Volcks darinne zur Besatzung lassen kann. Diesen +Thurn hatte Barbarossa mit vielen Geschütze versehen, um dadurch seine +Flotte, die inwendig in dem Meer aufgeleget war, zu beschirmen‟ ... +„Niemals, seit dem Gebrauch des Geschützes in der Welt gewesen, hat man +weder, mit grösserer Gewalt, Zurüstung, Fleiss einen Ort angegriffen, +denn dergestalt war das Knallen und Donnern des niemals still stehenden +Geschützes, daß die Erde nicht allein zu erzittern und zu beben begonte, +sondern auch dem Ansehen nach selber von einander bersten, und alles +verschlingen wollte: Die See selber, die vorher stille und ruhig gewesen +war, ward hierdurch gleichsam mit verunruhiget, da inzwischen der Himmel +durch den unaufhörlichen Dampff und Rauch sich aus dem Gesichte +verlohr.‟</p> + +<p><span class="strong1">Golf</span>, der, gleichbedeutend mit Meerbusen. Erst spät ins Deutsche +eingedrungenes Wort, vom griechischen kolpos stammend, mit wölben von +einer Wurzel, = Busen, Schoß, Falte im Gewand, busenartige Vertiefung, +Meerbusen, Bucht; italienisch golfo, spanisch golfo, provençalisch +golfo. Davon französisch golfe und gouffre, woraus zu sehen, daß das +Wort aus Frankreich zu uns gekommen ist, und zwar über die Niederlande, +da Kilian es in der Form gouffre verzeichnet hat.</p> + +<p><span class="strong1">gondeln</span>, scherzhaft für „zur See fahren.‟ „Nun gondeln wir in diesem +angenehmen Wetter schon acht Tage umher‟, wird wohl gesagt wenn Sturm +und Regen die Fahrt recht unangenehm machen. Den scherzhaften +Beigeschmack dürfte das Wort auf dem Wege über Berlin bekommen haben, wo +die Aussprache bekanntlich „jondeln‟ ist, und so ausgesprochen klingt es +noch um einen Ton scherzhafter. Byron beschreibt diese venezolanische +Wasserdroschke, Gondola genannt, so:</p> + +<div class="poem"> + + <p>Didst ever see a gondola? for fear</p> + <p>You should not, I'll describe it exactly:</p> + <p>'Tis a long covered boat that's common here,</p> + <p>Carved at the prow, built lightly but compactly.</p> + <p>Row'd by two rowers, each call'd „gondolier,‟</p> + <p>It glides along the water looking blackly,</p> + <p>Just like a coffin clapt in a canoe,</p> + <p>Where none can make out what you say or do.</p> + +</div> + +<p>Gondel ist frühzeitig, d. h. vor etwa 360 Jahren in (hoch-)deutschen +Gebrauch gekommen, Kluge führt die Diminutivform Gündelein<a id="Page_175"></a> + <span class="pagenum">[175]</span> an und +bemerkt, daß Gondelein schon 1574 in Zeitungen über italienische +Verhältnisse vorkommt. Die Seemannssprache hat sich, abgesehen von der +modernen scherzhaften Weise, dem Worte gegenüber ablehnend verhalten.</p> + +<p><span class="strong1">Gording</span>, die. Gordinge heissen mit Ausnahme der Geitaue alle Taue mit +denen ein Segel aufgegeit wird. Und zwar heißen Bukgordinge diejenigen, +die am unteren Liek des Segels befestigt sind und den unteren Teil, den +Buk d. h. Bauch desselben aufholen; alle viereckigen Segel haben solche +„Bukerdings,‟ wie der Seemann das Wort gerne ausspricht. Grosse +viereckige Segel haben auch noch Nockgordinge („Nockgordings‟) die am +stehenden Liek befestigt sind und die Seiten des Segels aufholen. Sehr +hohe Marssegel haben zu Zeiten wohl noch weitere Gordinge am stehenden +Liek, die man Schmiergordinge nennt. Der Unterschied zwischen Gordingen +und Geitauen ist der, daß erstere vor, letztere hinter dem Segel zur +Rahe hinauffahren. Dempgordinge nennt man die Taue mit denen Besan = +(Schrat-)Segel unter die Besansruthe oder -Gaffel geholt werden. — +Gording heißt auf hochdeutsch Gürtung, da die Segel gleichsam gegürtet +werden, die Gordinge (und Geitaue) also Gürtel darstellen; gothisch +gaird, altsächsisch gyrdels, althochdeutsch gurtila, altnordisch gjörd; +in der Edda wird der Kraft verleihende Gürtel das Tor megin-gjardar +genannt.</p> + +<p><span class="strong1">Gösch</span>, die, heißt die Flagge die am Ende des Bugspriets an einem Stocke, +dem Göschstocke, an Sonn-, Feier- und anderen Tagen von besonderer +Bedeutung weht. Bei unseren Kriegsschiffen besteht die Gösch aus dem +oberen inneren Felde der Kriegsflagge, schwarz, weiss, rot mit dem +eisernen Kreuz. Das Wort Gösch muß eigentlich Gös heißen, denn es ist +aus Holland zu uns gekommen, wo es geus heißt, ausgesprochen Gös. So +hießen die Kämpfer in dem Unabhängigkeitskriege der Niederländer gegen +Spanien. Das Wort bedeutet Bettler. Als die 300 Verbündeten am 5. April +1566 zu Brüssel der Regentin Margarethe ihre Bittschrift überreichten +und diese sich zu entfärben schien, flüsterte ihr der Graf von +Barlaimont zu, sie solle sich vor einem Haufen Bettler (gueux) nicht +fürchten. Dessen eingedenk trank man sich alsbald darauf bei der Tafel +unter diesem Namen zu, und: es leben die Geusen! wurde mit allgemeinem +Geschrei des Beifalls gerufen. Nach aufgehobener Tafel erschien der Graf +von<a id="Page_176"></a> + <span class="pagenum">[176]</span> Brederode mit einer Betteltasche und bald waren alle mit +solchen versehen. Das Dasein seiner Beschützer mußte dem Volke +versinnlicht und der Eifer der Partei durch ein sichtbares Zeichen in +Athem erhalten werden; dazu war kein besseres Mittel, als diesen Namen +der Geusen öffentlich zur Schau zu tragen und die Zeichen der +Verbrüderung davon zu entlehnen. In wenig Tagen wimmelte die Stadt +Brüssel von aschgrauen Kleidern, wie man sie an Bettelmönchen und +Büßenden sah. Die ganze Familie mit dem Hausgesinde eines Verschworenen +warf sich in die Ordenstracht. Einige führten hölzerne Schüsseln mit +dünnem Silberblech überzogen, eben solche Becher, oder auch Messer, den +ganzen Hausrat der Bettlerzunft, an den Hüten oder liessen sie an dem +Gürtel herunterhängen. Um den Hals hingen sie eine goldene oder silberne +Münze, nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine Seite das Brustbild +des Könige zeigte, mit der Inschrift: „Dem Könige getreu.‟ Auf der +andern sah man zwei zusammengefaltete Hände, die eine Provianttasche +hielten, mit den Worten: „bis zum Bettelsack.‟ Daher schreibt sich der +Name der Geusen, den nachher in den Niederlanden alle diejenigen trugen, +welche vom Papsttum abfielen und die Waffen gegen den König ergriffen. +(Schiller.) Oft wurden sie auch watergeusen genannt wegen ihrer +Tüchtigkeit zu Wasser. Leute die so sehr auf äußerliche Abzeichen +hielten, hatten gewiß auch ein solches, oder mehrere in der Flagge die +sie führten. In der Tat erfahren wir, daß es in jenen kriegerischen +Tagen bei den Geusen eine Flagge gab mit drei P., die bedeuteten „Pugno +Pro Patria.‟ — Bekanntlich fing der eigentliche Krieg mit der Einnahme +der Festung Briel durch die Geusen an. Davon lesen wir: „Lorsque le +Comte de la Marc vint devant la Brille avex ses vaisseaux il portoit dix +deniers dans son Pavillon, pour marquer qu'il venoit s'oposer à la levée +du dixiéme denier que le Duc d'Albe vouloit exiger.‟ Es werden die +Geusen in ihrem Stolz und Trotz auch noch andere ihrer Abzeichen in der +Flagge geführt haben. Nach ihnen sahen Leute, die den Namen Geusen als +einen Ehrennamen ansahen, mit Begeisterung. Wäre es da ein Wunder, wenn +die Flagge, die Geusenzeichen trug, selbst geus genannt worden wäre? Und +wirklich belehrt uns Aubin, daß die Bugflagge zu seiner Zeit, Ende des +sechzehnten Jahrhunderts, geus geheißen hat, (wie sie denn auch noch +jetzt so heißt). Sonst werden wohl die Leute nach ihrer Flagge<a id="Page_177"></a> + <span class="pagenum">[177]</span> +genannt, hier finden wir den umgekehrten Fall, daß die Flagge nach den +Leuten heißt. Daß aber grade die Bugflagge den Namen der Geusen führt, +mag zufällig sein, kann aber auch irgend einen besonderen +geschichtlichen Grund haben und dürfte mit dem Umstande zusammenhängen, +daß überhaupt in jenen Tagen die Bugflagge häufiger als heute gesetzt +ward. Und die Geusen werden sie nach dem was wir von ihnen gehört haben +nicht weniger, sondern mehr als andere Leute geführt haben. — Man hört +den oberen inneren Teil der Kriegsflagge, welcher die Gösch ausmacht, +auch wohl Jack nennen. Das kommt von der englischen Bezeichnung „Union +Jack‟ für dieses Feld. „The union or union flag of Britain, the national +banner of the United Kingdom, is formed by the union of the cross of St. +George (red on a white ground), the diagonal cross or saltire of St. +Andrew (white on a blue ground), and the diagonal cross of St. Patrick +(red on a white ground)‟; stellt also die Union zwischen England, +Schottland und Irland dar. Jack aber ist im Englischen eine populäre +Form für James (vom französischen Jacques, Jakob), eine so populäre, daß +sie in unzähligen Wendungen, Bedeutungen, Zusammensetzungen und +sprichwörtlichen Redensarten gebraucht wird. Union Jack aber „was named +after James I, under whose direction the first union flag was +constructed and who signed his name Jacques.‟ Wobei zu bemerken ist, daß +es in den Zeiten schwerer innerer Kämpfe auch eine Flagge gab, die union +flag hieß, rot mit der Inschrift: „For the protestant religion And the +Liberty of England‟; es war also nichts Ungewöhnliches, daß man die +Flagge in Zeichen oder Worten zu denen reden ließ, die unter ihr fuhren.</p> + +<p><span class="strong1">Granate</span>, die, modernes Geschoß von zerstörender Wirkung, namentlich +durch sein Zersplittern. Es kommen sprachlich vier ziemlich +gleichlautende Wörter in Betracht: 1. Granat als Baum; 2. Granat als +Edelstein; 3. Granat als Geschoß; 4. Granat als Seekrustentier. Davon +kommen die ersten drei von granum, das Korn; 1. wegen der vielen Körner +die die Frucht, der Granatapfel, enthält; (Granáda, die Stadt der +Granatbäume); 2. wegen der körnigen Beschaffenheit; 3. wegen der in +ihnen enthaltenen Pulverkörner; 4. aber hat dagegen den Namen von den +beiden langen Fühlhörnern, die genau aussehen wie (Gersten-)Grannen. Was +die Granate, die hier allein weiter in Betracht kommt, angeht,<a id="Page_178"></a> + <span class="pagenum">[178]</span> so +ist bekannt, dass sie ursprünglich nicht aus Kanonen geschossen, sondern +als Handgranate mit der Hand unter die Feinde geworfen wurde. Der Mann, +der dieses immerhin nicht ungefährliche Geschäft zu besorgen hatte, +mußte ein alter, erprobter, kaltblütiger Soldat sein; er führte von +seinem Geschäft den Namen Grenadier, so daß derselbe also ursprünglich +für einen Soldaten, der keine Handgranaten warf, eine Auszeichnung, +ähnlich wie Gardist, sein sollte.</p> + +<p><span class="strong1">Gräting</span>, die. Ein Gestell von unter einander übers Kreuz verbundenen +Latten, von dem das Wasser bequem abfliesst, überall da angebracht wo +Leute an Bord lange stehen sollen, damit sie trocken stehen, am Ruder, +am Fallreep etc. etc. Ein aus dem Lateinischen stammendes, mit +niederdeutscher Endung versehenes, englisch ausgesprochenes Wort. Lat. +crates, Korb, heißt althochdeutsch cratto und chrezzo, Geflecht, +Korbgeflecht (noch jetzt in Hochdeutschland Keez = Kiepe). (Auch die +Form grede kommt für Unterlager für Waren vor; diese vielleicht aber, +weil das Wort auch Stufe und Treppe bedeutet doch wohl vom lat. gradus). +Aus dem Diminitivum von crates, craticola, entstand das französische +grille, Rost, Gitter, italienisch gretola, Stäbchen des Käfigs. +Niederländisch kratte = Korb; littauisch Kratis, Gitter und Kratelis, +Rost. Sehr früh traten an die Stelle von crates Formen mit anlautender +Media, mittellateinisch grates, graticula, italienisch grata, +Flechtwerk, Gatter, Rost; spanisch gradilla, Rost; englisch grate (daher +cradle Korb, Flechtwerk, geflochtene Wiege). Bedenkt man, dass Gräting +auch eine Vorrichtung ist, die vor Türen liegt, damit man, ehe man +eintritt, die Füsse daran reinige, und dass an Stelle des einem Geflecht +nicht unähnlichen Holzgitters vielfach wirkliches Reisig-Geflecht tritt, +(ja, dass heute noch in manchen Gegenden Deutschlands in ärmlichen +Verhältnissen einfach ein Zweig Tannenreisig vor die Tür gelegt wird) so +ist die Bedeutungsentwickelung ohne weiteres einleuchtend. — Die +deutschen Eisenarbeiter nennen Gräting die Gittertür eines Ofens, also +ganz im Sinne von Rost.</p> + +<p><span class="strong1">Groden</span>, der, heißt in Ostfriesland und Oldenburg ein bereits grün +bewachsenes, durch Buhnen, Schlengen etc. etc. dem Meere abgewonnenes +Land, und zwar eigentlich aussendeichs, doch behält es den Namen auch +wenn es nachher eingedeicht wird, so daß manchmal von einem Groden die +Rede ist da wo gar<a id="Page_179"></a> + <span class="pagenum">[179]</span> kein Deich mehr zu sehen ist; nordfriesisch +Koog, (könnte Cuxhaven wohl gleich Koogshaven sein?), westlich der Ems +Polder. Es kommt — vergl. Crew — vom friesischen groya, groien = +crescere, wachsen, eigentlich grünen. Es muss ja grün werden was wachsen +soll. In der Edda heißt poetisch die Erde groandi, die „Grünende.‟ +Gothisch gras = Gras, altsächsisch und althochdeutsch gras, gehören +hierher, ablautend mit dem mittelhochdeutschen gruose, junger Trieb der +Pflanzen; die indogermanische Wurzel ist ghro, vergl. das lateinische +gramen, Gras; griechisch chloros, grün, welches wohl eine Dissimilation +aus chroros ist. Früher hatte man für Groden auch die Form groenden; die +Tossenser groenden in Butjadingen werden im J. 1566 in Verhandlungen +über das Spatenrecht genannt.</p> + +<p><span class="strong1">Grog</span>, der, das bekannte Getränk, ursprünglich nur aus Rum und Wasser +gemischt. „From „Old Grog‟, a nickname given to Admiral Vernon, who +introduced the beverage, from his wearing a grogram cloak in rough +weather.‟ Von anderer Seite wird einleuchtender behauptet, das Wort +stamme vom Admiral Sir Evans W. Grog her, der Ende des 18. Jahrhunderts +zuerst den Matrosen den Rum mit Wasser gemischt allowanceweise +verabreichen ließ. Das mag diesen schlecht gefallen haben und um ihrem +Mißfallen Ausdruck zu geben nannten sie das so wenig kräftige Getränk +mit dem Namen seines Erfinders; sie sahen es eben als eine +Verschlechterung des Rums, nicht als eine Verbesserung des Wassers an. +Wie leicht Getränknamen sich einbürgern ist bekannt, man braucht nur an +den Pariser „Bock‟ zu denken. Selbst Wörter, die bisher einen ganz +anderen Sinn hatten, nehmen in manchem Munde ausschließlich den eines +Getränkes an: Korn, Kümmel, Benediktiner. Sekt war sonst immer der +„trockene‟ spanische Wein, den Sir John Falstaff zu gerne trank und hat +erst durch den berühmten Schauspieler Devrient die Bedeutung von +Champagner erhalten. Über allowance s. Launs.</p> + +<p><span class="strong1">Grossmast</span>, der, auf Vollschiffen oder Barken der mittelste, größte, +meist auch höchste Mast; ein sehr wichtiges Ding für ein Segelschiff. +Was der Erste Offizier unter den Offizieren ist, das ist der Großmast +unter den Masten. Geht doch auch, nach dem seemännischen Sprichwort, der +Erste Offizier nur in Begleitung des Grossmastes von Bord. — Alles was +an Segel, Tauen u. dgl. an Bord mehrfach, nämlich für jeden Mast +besonders vorhanden<a id="Page_180"></a> + <span class="pagenum">[180]</span> ist, wird nach dem Mast benannt zu dem es +gehört, und zwar durch Vorsetzen des Namens des betreffenden Mastes, +also Großmarsrahe, Großrahe, Großbramstenge, Großmars, Großrüst u. s. w. +Alles sich auf den Großmast Beziehende wird unter der Bezeichnung +„Großtop‟ zusammengefaßt, wie alles auf den Kreuzmast Bezügliche +„Kreuztop‟ heißt; Focktop wird jedoch nicht gesagt, weil hier auch noch +das ganze Vorgeschirr in Betracht kommt; man sagt statt dessen „Vortop‟. + — Abweichend von der übrigen Benennung der Segel heißt das unterste +derselben am Großmast: <span class="strong1">Grosssegel</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Grummetstropp</span>, der, ein runder Stropp, aus einem Kardeel vom +aufgedrehten Stück eines (bereits gebrauchten, alten) Taues. Es hat +dieses Grummet mit dem Grummet = Grünmaht, dem zarten Schnitt des (nur +grünenden, nicht wie beim ersten blühenden) Grases wohl nichts zu tun, +wiewohl man diesen auch als „Überbleibsel‟ bezeichnen könnte, und +wiewohl auch unser Grummet nach dem Material genannt wird aus dem man +ihn anfertigt. Es gibt nämlich ein niederdeutsches Wort grumm = Schutt, +Zerriebenes, und eine Mehrzahl grumpen = Stücke, Brocken, Zerbröckeltes, +also auch Auseinandergeteiltes, besonders aber auch Überbleibsel. Das +niederländische grommen, die Eingeweide ausnehmen, hängt damit zusammen. +Und eben ein auseinandergedrehtes, übrig gebliebenes Stück Tau, dem die +Kardeele wie Eingeweide aus dem Leibe geholt sind, wird zu einem +Grummetstropp benützt, und es kann dazu um so eher altes Tauwerk +genommen werden, als ein solcher nichts weiter zu halten, sondern nur zu +verhüten hat, dass an den betreffenden Stellen die Takelage schamfilt.</p> + +<p><span class="strong1">Grund</span>, der, wird in der Seemannsprache hauptsächlich im Sinne von +Meeresboden gebraucht. Beim Lothen mit dem Handloth hört man den damit +beauftragten Matrosen oft genug aussingen: „15 Meter und keinen Grund!‟ +Eine wichtige Sache ist es, mit dem grossen Loth den Meeresgrund auf +seine Beschaffenheit zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wird das Lot mit +Talg bestrichen, die Erde die dann daran hängen bleibt, wenn es den +Meeresgrund berührt, ist eine Grundprobe, je nach ihren Bestandteilen +aus Sand, Muscheln oder dergl. hat man unter Umständen einen gewissen +Anhaltspunkt für die Gegend in der sich das Schiff befindet. — Sonst +ist der Seemann ängstlich bemüht,<a id="Page_181"></a> + <span class="pagenum">[181]</span> eine „gründliche‟ Berührung zu +vermeiden, nicht nur weil es überhaupt gefährlich ist, wenn das Schiff +auf Grund kommt, sondern es steckt offenbar den Seeleuten noch eine +Scheu davor im Blute von den Zeiten her, da es Rechtens war, dass ein +Schiff mitsamt seiner Ladung dem verfiel, dessen Grund es berührt hatte. +Ein barbarisches Recht, oder vielmehr Unrecht, diese grundroringe, das +Grundrührrecht, das sich übrigens nicht nur auf Schiffe und die See +beschränkte, sondern auch von anderen Fahrzeugen auf dem festen Lande +galt. So konnte es vorkommen, daß einer mit seinem Wagen über eine +Brücke fahren wollte und wegen schlechten Zustandes derselben umwarf; +dann wurde nicht der, der die Brücke hätte bauen und bessern sollen, +bestraft, sondern der Fuhrmann, und zwar durch Beschlagnahme des Wagens +samt der Ladung. Karl V. (peinliche Halsgerichtsordnung, Art. 218) +schaffte dieses „Recht‟ ab.</p> + +<p><span class="strong1">Grünes Licht</span> s. Laterne.</p> + +<p><span class="strong1">Gut</span>, das. Die Takelage, das gesamte Tauwerk an Bord heißt mit dem +Sammelnamen „Gut‟; wird aber dann auch in „stehendes Gut‟, „laufendes +Gut‟, Reservegut u. s. w. unterschieden. — „Gut‟ heißt auch die +Gesamtheit der geladenen oder zu ladenden Güter. Bestehen diese aus +Kisten, Fässern, Ballen und dergl., so spricht man von Stückgut, während +Korn, Kohlen, Salz u. s. w. Stürzgut ausmachen.</p> + + + + +<h2> +<span><a id="H"></a>H.</span> +</h2> + + +<p><span class="strong1">h.</span> s. a. m.</p> + +<p><span class="strong1">Haartuch</span>, das, ist grobes, haarenes Tuch, das in der Gestalt von Läufern +an Deck gelegt wird wenn man Geschosse mannt, damit möglichst jeder Stoß +vermieden werde. Die sprachliche Erklärung muß mit zwei Wörtern rechnen, +mit Haar in der Bedeutung Menschenhaar, Pferdehaar, und einem veralteten +Haar das Flachs bedeutete, (in Flachshaar kommen die beiden zusammen). +Doch ist Haartuch nicht von Flachs, sondern der Name Haar muß auch für +Werg in Gebrauch gewesen sein, denn aus Werg war das härene Tuch +ursprünglich gefertigt; englisch hards = Werg.<a id="Page_182"></a> + <span class="pagenum">[182]</span></p> + +<p><span class="strong1">Hackbord</span> = Heckbord, s. Heck.</p> + +<p><span class="strong1">Hafen</span>, der, kommt von haben = halten, ist also ein Ort wo das Schiff +gehalten wird, ein (sicherer, bequemer) Halteort. Zu vergleichen ist das +althochdeutsche hafjan, heffjan = heben, aufheben, Grundbedeutung: +fassen, greifen, halten, behalten, lateinisch capere. So ist also Hafen += Topf dasselbe Wort, ein Gefäß, das etwas enthält. Auch Hof ist nahe +verwandt, und ists also im Grunde ein Streit um des Kaisers Bart wenn +darüber gestritten wird, ob ein Wort wie Marienhafe eigentlich Marienhof +oder Marienhafen zu deuten sei. Die niederdeutsche Schreibweise ist +Haven. Es war also eine Anerkennung des niederdeutschen Wesens der +Seemannssprache als König Wilhelm I. befahl, den am 17. Juni 1869 nach +ihm getauften neuen Kriegshafen Wilhelmshaven mit einem v zu schreiben. +(Otfried, ein Mann aus Franken, in Weißenburg 868 seinen „Krist‟ +schreibend, hat zuerst, und zwar nur im Inlaute, das v angewandt anstatt +f). — Das englische harbour hat mit unserem Hafen nichts zu tun, ist +vielmehr dasselbe wie das deutsche „Herberge‟, ein Platz, wo ein Heer +sein Nachtlager aufschlug. Dagegen ist Kabel mit unserm Worte einer +Abstammung. In der Edda hat das Wort hafn noch so sehr den Begriff haben +und halten, daß es nicht nur Besitz („Habe‟) und Hafen, sondern auch die +Schiffsmannschaft bedeutet, die Mannschaft die das Schiff enthält, +skipshofn. — Das französische havre ist noch umstritten; die Aspiration +deutet auf deutschen Ursprung. Da aber ein spanisches und +portugiesisches abra = Hafen vorhanden ist, so ist man hierfür auf das +keltische aber in Ortsnamen zurückgegangen, welches Flußmündung, auch +das Zusammentreffen einer solchen mit einem Hafen bedeutet. Es wäre aber +noch eher denkbar, daß die Spanier das ihnen ohnehin ungelegene h +einfach fallen ließen.</p> + +<p><span class="strong1">Hafengeld</span>, das, ist eine an den Staat zu entrichtende Abgabe, die, je +nach ihrer Größe verschieden, ein und ausgehenden Schiffen für Benützung +der Einrichtungen, als da sind Bollwerke, Kajen, Bojen, Tonnen, +Leuchtfeuer eines Hafens, berechnet werden.</p> + +<p><span class="strong1">Hafenkapitän</span>, der, ist der Offizier, gewöhnlich ein zur Disposition +gestellter Seeoffizier, der die Aufsicht über den Hafen hat, der auch +besonders die Ordnung und Reihenfolge der im Hafen liegenden Schiffe +bestimmt, das Aus- und Einlaufen regelt, die Arbeiten beim +Durchschleusen und überhaupt den ganzen<a id="Page_183"></a> + <span class="pagenum">[183]</span> Schleusenbetrieb leitet, +die Deiche im Auge zu halten, bei Sturmfluten auf seinem Posten zu sein +hat u. dergl. Wo es sich nicht um einen Kriegshafen handelt, heißt der +entsprechende Beamte <span class="strong1">Hafenmeister</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Hafenwache</span>, die. 1. Die Wache die an Bord der Kriegsschiffe im Hafen +gegangen wird im Gegensatz zur Seewache, zwar länger wie diese, nämlich +einen ganzen Tag dauernd, aber nicht so verantwortungsvoll und daher +minder anstrengend. 2. Die Hafenpolizei, ihr Wachthaus am Hafen und ihr +Polizeiboot auf dem Hafen.</p> + +<p><span class="strong1">Hafenzeit</span>, ist die Zeit zu der ein bestimmter Hafen Hochwasser hat. „Die +Verzeichnisse der bekannten Hafenzeiten geben unmittelbar nur die +Zeitpunkte des Hochwassers an Neu- und Vollmondstagen. Für die übrigen +Tage müssen also im erforderlichen Falle die Tidestunden durch Rechnung +gefunden werden. Der Hauptpunkt dieser Rechnung ist die tägliche +Verspätung des Mondes, d. h. der Zeitunterschied zwischen seiner +Kulmination und derjenigen der Sonne, weil sich demgemäß ... auch die +Tidestunden ändern. Die genaue Berechnung kann nur mit Hülfe nautischer +Kalender oder astronomischer Ephemeriden geschehen.‟ (Bobrik, +Seefahrtskunde I 161.)</p> + +<p><span class="strong1">Haff</span>, das. Kurisches Haff, Frisches Haff, Pommersches Haff, die drei +großen Strandseen an der Küste der Ostsee. Haff heißt eigentlich Meer; +angelsächsisch haef, nordisch haf, mittelniederdeutsch haf; 1255: „The +bruthere (des Ordens) geven vri that haf und then Strand to allerhande +donde.‟ „Se vurden de Konynge to schepe auer dat wilde haf.‟ Hamb. +Chron. — Dieses Wort mit dieser Bedeutung kommt dem Sprachforscher +ziemlich unbequem, denn Hafen paßt so schön zu haben, da aber Haff Meer +bedeutet, so wird diese Verwandschaft schwankend. Kluge, Etym. +Wörterbuch, 5. Auflage S. 150 sagt darüber: „Da man keine ursprüngliche +Verschiedenheit von Worten für <span class="strong1">Hafen</span> und <span class="strong1">Meer</span> anzunehmen braucht und da +jedenfalls die Bedeutung „Hafen‟ aus der Bedeutung „Meer‟ abgeleitet ist + — das Umgekehrte wäre wohl nicht denkbar — so wird die unter Hafen +gegebene gewöhnliche Annahme, Hafen sei eigentlich „Behälter,‟ +problematisch. Wahrscheinlich ist also <span class="strong1">Hafen</span> etwa „marina‟ im Sinne von +„statio marina‟ zu deuten. Angelsächsisches haef „Meer‟ als „sich +erhebendes‟ im Sinne von lateinischem altum („hohe See‟) zu<a id="Page_184"></a> + <span class="pagenum">[184]</span> <span class="strong1">heben</span> +(Wurzel haf, vorgermanisch kap) zu ziehen, ist nicht unmöglich, aber +kaum wahrscheinlich.‟ Doch hat letzteres sehr viel für sich, wenn man +bedenkt, wie gern heut noch der niederdeutsche Seemann von der „hohen +See‟ spricht und sich der Wendungen bedient wie „auf der Höhe von‟, +„Hochseeschiff‟. Das Meer stellt sich nicht nur in dichterischer Sprache +als etwas „Erhabenes‟ dar, es ist in der That etwas für das Auge des +Beschauers „sich Erhebendes‟, einerlei ob er am Strande steht, ob an +Bord eines Schiffes, oder etwa auf dem Kraterwall des Pics von Tenerifa. +Wer je auf diesem gestanden hat, wird es nie vergessen, wie ringsumher +das Meer so hoch aufsteigt, daß man auf einer Höhe von beinahe +viertausend Metern das Gefühl hat, die Kimm liege einem grade gegenüber +auf gleicher Höhe.</p> + +<p><span class="strong1">Hahnepot</span>, die, ist ein von einem bestimmten Punkte aus in verschiedene +Zweige auseinander gehendes Tau, sei es zur Verteilung einer Last indem +man die Angriffspunkte vermehrt, sei es zum Schutze einer dem Schamfilen +ausgesetzten Stelle. Der Name kommt von der Ähnlichkeit mit einem +Hahnenfuß. Die Sache ist im Grunde dieselbe wie die unter Spinnekopf +behandelte. Doch geht beim Piekfall das eine Tau nur in zwei Arme, die +die Gaffel tragen, aus einander.</p> + +<p><span class="strong1">Haken</span>, der, ist in der Seemannschaft wie in vielen anderen Zweigen +menschlicher Tätigkeit ein vielgebrauchtes unentbehrliches Ding und +kommt in unzähligen Fällen zur Anwendung. Sprachlich bedürfen indessen +kaum zwei oder drei ein Wort der Erklärung. Etwa Kenterhaken; ein Haken +mit einer Stange daran, dazu dienend Balken zu kentern, d. h. durch +umkanten weiter fort zu bewegen. Enterhaken wurden, als überhaupt noch +geentert wurde, zum Heranholen und Festhalten des feindlichen Schiffes +verwandt. Bootshaken ist der Haken mit längerer, dünner Stange daran, +mit dem ein abfahrendes Boot abgesetzt, ein landendes angelegt, d. h. +ans Schiff, ans Bollwerk, an die Treppe herangeholt wird. Für +Kenterhaken hört man eben so oft Kanthaken.</p> + +<p><span class="strong1">Halbstocks</span> oder <span class="strong1">Halbmast</span> sind zwei Adverbia als nähere Bestimmung zu den +Zeitwörtern holen oder hissen. Die Flagge nämlich wird Halbstocks oder +Halbmast geholt oder gehisst zum Zeichen der Trauer, sei es daß ein +hervorragender Toter am Lande geehrt werden soll, sei es daß ein +Gestorbener sich an Bord befindet. Früher wurden auch die Marssegel nur +auf halber<a id="Page_185"></a> + <span class="pagenum">[185]</span> Höhe geführt an Bord eines Schiffes, auf dem sich die +Leiche eines Offiziers befand. Vor Zeiten, vergl. Gösch, wo man mit +Flaggen größeren Aufwand trieb, als heute, und wo ihre Farbe und Form +noch nicht so genau vorgeschrieben waren, es auch noch keine festen +Salut- und Flaggenvorschriften gab, wurden je nach Gefühl und Vermögen +mancherlei Flaggehrungen gewährt. „Lorsque Witte Cornelesz. de Wit, +Vice-amiral de Hollande fut tué dans la bataille du passage du Sond, qui +se donna entre les Suédois et les Hollandois l'an 1658 et que les +Hollandois gagnérent, aïant forcé le passage, le vaisseau de ce +Vice-amiral périt dans le tems que les Suédois s'en rendoient maîtres, +et il ne leur en resta que le corps de Witte de Wit. Le roi de Suéde fit +revêtir ce corps de satin blanc; fit couvrir son cercueil d'un +magnifique drap mortuaire avec les armes du défunt; le fit mettre dans +une galiote painte de noir, où il n'y avoit pour pavillons que des +flames noires, et le renvoia au Lieutenant-Vice-admiral Général de +Wassenaar, ou d'Opdam.‟ Die Leiche mit der Nationalflagge zu bedecken +war damals noch nicht üblich; dagegen wurden bereits in einem +Leichenzuge am Lande die Fahnen mit schwarzem Flor umwunden. „Im Jahre +1629 ward die Admiral-Lieutenants-Stelle von Holland offen, durch den +Tod des Herrn von der Leck, und dieweil nunmehr auch Dorp (der sonsten +die Flotte auf der Flämischen Küsten als General kommandiert hatte) in +dem Lager zu Felde gebraucht ward, und derhalben notwendig ein Admiral +zur See gehn müßte, hat der Herr Printz von Uranien Peter Heyn, der +wegen so vieler stattlichen Taten in grosser Achtung war, dazu erwehlet. +Dieses war nun der höchste Ruhm, den er allhier zu Lande erlangen kunte, +er hat ihn aber nicht lange besessen und genossen, denn als er vor +Duynkirchen lag, und nun vor hatte dasselbige Behältniß und zugleich das +alte Raubnest zu stopfen, gerieth er mit den Duynkirchern in ein +heftiges Gefechte, in welchem er dreyn von deß Feindes Schiffen +eroberte, es wolte aber das Unglück, daß er im Anfang des Treffens durch +eine große Stuckkugel benebenst dem Kapitän Blom, zu großer Betrübniß +meist aller Einwohner getroffen und erschossen ward. Sein Leichnam ward +auf den vierdten Julii mit einem grossen Zulauf von Menschen begraben. +Vor der Leiche gingen zween Fahnen Bürger in Trauerwaffen, und hatten +ihre Koller mit schwartzen Bändern besetzet, die<a id="Page_186"></a> + <span class="pagenum">[186]</span> Fahnen mit +schwartzen Band aufgewunden, wie auch die Trommeln mit schwarzem Tuch +überzogen, die Musqueten unter den Armen tragend; und die Picken +nachschleppend. Darauf folgeten, diejenigen so die Waffen und +Kriegsgereitschafft trugen, welche alle Seekapitäne dieses Landes waren. +Hauptmann Liedekerken trug das Wappen. Capitain Bornon, der älteste von +den See-Capitainen ward das Casquet oder Helm angetragen, damit vor der +Leiche herzugehen, weil er aber zu ohnmächtig war solches zu thun, alss +der seine Gliedmassen in deß Landes-diensten verlohren hatte, ward +solches Evert Antonissen von Amsterdam anbefohlen. Darnach folgete die +Leiche, unter einer Decke, die von allen See-Capitainen, die zu Lande +waren, getragen ward‟ ... („Durchl. Seehelden‟) Die romanischen +Seefahrer brassen auch zum Zeichen der Trauer, besonders am Karfreitag, +ihre Rahen über Kreuz, d. h. so, daß die einen nach vorn die andern nach +hinten weisen. Natürlich kann Halbstocks die Flagge nur gesetzt werden +wenn sie wirklich an einem Stock, Flaggenstock, geführt wird, sonst weht +sie halbmast, und wenn sie an der Besansgaffel fährt heißt das +betreffende Kommando: „Flagge halb!‟ — Ein seemännisches Auge wird am +Lande oft dadurch verletzt, daß es an Freudentagen Flaggen sehen muß, +die nicht ganz vorgeholt sind. Das sieht dann wie Halbstocks aus oder +erinnert doch wenigstens daran und macht daher den Eindruck einer +Trauerkundgebung. Um dieses zu vermeiden sollten auch die Flaggenstangen +so gestaltet sein, daß über den Knopf, bis zu dem die Flagge gehißt +wird, keinerlei Verzierung hinausragt, auch keine Kaiserkrone; die +gehört da nicht hin.</p> + +<p><span class="strong1">Hals</span>, der, Mehrzahl die Halsen; so heissen die unteren Ecken der +Untersegel und die vorderen Ecken der Stagsegel, Schratsegel und +Bootssegel; so heißen auch die daran befestigten Taue mit denen die +Untersegel nach vorne geholt werden und (an der Luvseite) steif gesetzt +werden, (während die an gleicher Stelle angebrachten Schooten das Segel +nach hinten zu festhalten). Bei Besansegeln, Stagsegeln etc. etc. wird +der Hals allerdings „geholt‟, aber die Vermutung Breusings, der Name des +Halses käme von diesem Holen oder Halen, ist doch nicht nahe liegend +genug. Jedenfalls liegt die gewöhnliche Bedeutung von Hals viel näher +und genügt zur Erklärung vollständig. Der Hals bildet ja nicht bloß das +kürzere oder längere bewegliche Verbindungsglied<a id="Page_187"></a> + <span class="pagenum">[187]</span> zwischen Kopf +und Schultern, sondern auch an leblosen Dingen das dünne, lange, grade +oder gebogene, vorgestreckte Ende; man denke an den Hals einer Flasche, +einer Kanne, eines Ankers. Und das Tau am Hals des Segels dürfen wir um +so eher Hals nennen als ein mittelhochdeutsches Halse auch ein Tau +bedeutete, nämlich den Strick, die Leine (oder den Riemen) der +Leithunde, der ihnen, um sie zu führen, um den Hals gelegt wird. Das +ergibt ein ganz ähnliches Bild. Im Angelsächsischen ward der Bug sehr +sinnreich und treffend, namentlich bei der damaligen Bauart des +Vorstevens, heals genannt; dichterisch (Beówulf) fâmig-heals, auch flota +fâmig-heals, das schaumhalsige Schiff; jedenfalls schöner wie +fàmig-bord, Schaumbord. — Das Auge, (die Öffnung, das Loch im Segel) +durch welches bei Gaffel- und Topsegeln der Hals am Mast befestigt wird, +heißt <span class="strong1">Halsauge</span>. Die Öffnung in der Bordwand — sei es an Steuerbord, sei +es an Backbord — durch welche der Großsegelshals in das Schiff führt, +heißt <span class="strong1">Halsgat</span>; dieses liegt, wenn die Rahen beim Winde gebraßt sind, +lotrecht unter der Nock der Großrahe.</p> + +<p><span class="strong1">Halsen</span> unterscheidet sich von wenden, mit dem es die Bedeutung +„umkehren‟ gemein hat, dadurch, daß beim Wenden das Schiff durch den +Wind gedreht wird, während man beim Halsen das Schiff so weit es +überhaupt abfallen kann, abfallen läßt und es dann über den andern Bug +wieder an den Wind bringt. Letzteres geschieht, weil dadurch viel +gewonnenes Luv verloren geht, nur wenn entweder eine Wendung versagt +(manche Schiffe sind wegen ihrer Bauart schwer durch den Wind zu +bringen) oder in ganz schlechtem Wetter, bei Sturm und hoher See, wo +sich das Wenden von selbst verbietet. Daraus folgt, daß man beim +Aufkreuzen nicht halsen darf, wenn man etwas gewinnen will, sondern +wenden muß. Beim Halsen müssen die Halsen besonders gut bedient werden +und spielen eine so wichtige Rolle, daß es kein Wunder ist, wenn das +ganze Manöver nach ihnen genannt ist.</p> + +<p><span class="strong1">Halten</span> die See, heißt in See bleiben, auch wenn dieselbe sehr stürmisch +wird. Es gehört dazu ein tüchtiges Schiff und eine brauchbare Besatzung. +Kann ein Schiff die See nicht mehr halten, so muß es einen Hafen zu +gewinnen suchen oder wenigstens irgendwo „unter Land‟, d. h. im Schutze +einer Küste ruhigeres Wasser aufsuchen.<a id="Page_188"></a> + <span class="pagenum">[188]</span></p> + +<p><span class="strong1">Hamen</span>, der. 1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem +Lateinischen stammend.</p> + +<p>2. Ein ganz anderes Wort trotz der äußerlichen Gleichheit ist Hamen wie +es in der Seemannssprache und überhaupt im Niederdeutschen gebraucht +wird, nämlich für ein Netz zum Fischfang. Besonders häufig ist an der +Nordseeküste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem +starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf +dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hängt mit dem +althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hülle, Hemd, Sack, Beutel zusammen; +über „Netzbeutel‟ mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist +jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in +sich befassen, beschließen. Luther: „Da beschlossen sie eine grosse +Menge Fische.‟</p> + +<p><span class="strong1">Hand über Hand</span> an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer +mit einer Hand über die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, daß das +Fieren Hand über Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets +noch mit einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und +der Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Träger einen Sarg ins +Grab senken sah, der mag wohl das Gefühl gehabt haben, die Seile könnten +ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg würde mit einem Ruck +hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefaßt, so kann man ruhig +sein, denn sie lassen den Sarg „Hand über Hand‟ hinab.</p> + +<p><span class="strong1">Handpferde</span>, die, sind in gewissen Abständen auf das Jackstag +aufgestreifte Stroppen, die den aus- und einlegenden Bramrahegästen zum +Festhalten mit den Händen dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die +Pferde, die den Füßen unter der Rahe Halt gewähren, sind schon +fälschlicherweise zu Pferden gestempelt worden, da sie doch mit solchen +nichts zu thun haben, sondern dazu da sind, daß man auf sie peddet, +tritt, was man bekanntlich mit dem Fuße besorgt, und nicht mit der Hand. +Handpferd ist also ein Wort von Leuten gebildet, denen die eigentliche +Bedeutung von (Fuß-) Pferd gänzlich unbewusst war.</p> + +<p><span class="strong1">Handspake</span>, die, heißt ein mit der Hand regierbarer hölzerner Hebel, mit +dem ein Spill gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit +getan wird, wohl auch einmal die, die sonst mit einem tüchtigen Knüppel +verrichtet wird. Es wird<a id="Page_189"></a> + <span class="pagenum">[189]</span> z. B. eine Handspake einem gefangenen +Haifisch, wenn er an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den +Rachen gestoßen, damit er nicht um sich beißen kann. — Das Ende der +Spake, das für die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum Einstecken der +Spake in die vierkante Spillspur oder Geschützspur ist dementsprechend +vierkant. Da im Mittelniederländischen die Formen spake und spaike +nebeneinander vorkommen, so ist klar, daß Spake nichts anderes ist als +<strong>Speiche</strong>, und wirklich hört man zuweilen anstatt Handspake Handspeiche +sagen.</p> + +<p><span class="strong1">Hansa</span>, die. Aubin hat die „villes anséatiques‟, welche zusammen „la +Honze Theutonique‟ bildeten, auf holländisch als „Aanzeesteeden‟ +(Anseestädte) bezeichnet; auch wenn die Hansastädte wirklich alle an der +See gelegen hätten, würde diese Erklärung doch nur den Wert eines +Kuriosums haben. Aber auch diejenigen dürften irren, welche das Wort von +den Ansen ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es +wissen mußte, bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob +sie nicht bloß Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgötter +wären, wie alle die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: „In der +nordischen Mythologie gilt für den Begriff deus die Benennung ås. Dieser +Name muß auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen +sein,‟ und zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun würde ja +die Erklärung der Aspiration keine Mühe machen, aus ans kann leicht +genug hans werden, aber so lange sich eine näherliegende Erklärung +findet, darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet +sich in dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein, +Gesellschaft, Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Große +gab einer von ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans. +Dann kommt freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in +Flandern auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebräuchliches für +Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem +Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu +bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hieß, das bei +der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung +aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, daß +es im Jahre 1309 heißen konnte: „mercatorum societas, que vulgariter +hanse dicitur.‟<a id="Page_190"></a> + <span class="pagenum">[190]</span> Doch kämpft der weitere Begriff „Kaufmannshanse‟ +noch lange mit dem engeren „Innungshanse‟. 1315: „si quis hanzam +pistorum - Bäckerinnung - intraverit.‟ 1345: „de der handwerken hanze +winnet in der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse.‟ Also +selbst in der Zeit, wo die Hansa schon in Blüte stand, war das Wort +immer noch für eine gewöhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt +allerdings, ein Hans sei ein „antecellens caeteros mortales fortuna et +opibus,‟ und die Hansen seien „magnates, optimates; Ansi sive Hansi +Gothica lingua dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus +antecellunt: heroum et semideorum conditioni proximi et humanae sortis +terminos egressi,‟ aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und +bündig mit socius, collega übersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse +bedeutet. Allerdings war die ursprüngliche Bedeutung mehr und mehr in +den Hintergrund getreten, und mehr und mehr beschränkte sich das Wort +darauf, der Name des großen Bundes der weltberühmten Handelsstädte zu +sein, die allerdings einen „Verein, Haufen, eine Schar‟ bildeten, die +sich sehen lassen konnte. — In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried +von Bremen aus dem Jahre 1181 kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in +einer Urkunde, die Kaiser Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem +Kreuzzuge, von dem er nicht zurückkehren sollte, ausgestellt hat, 1188, +ist es in demselben Sinne gebraucht: „absque hansa et absque thelonio.‟ +Es war also jedenfalls ein in der Handelswelt sehr früh schon allgemein +bekanntes und gebräuchliches Wort.</p> + +<p><span class="strong1">Hängematte</span>, die, ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche +Begriffe, hängen und Matte, die beide in dem ursprünglichen Worte nicht +vorhanden sind. Es stammt aus Westindien und hieß da hamaca. So haben es +mit der Sache die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es +übernommen, „a word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his +first voyage says: „A great many Indians in canoes came to the ship +today for the purpose of bartering their cotton, and „hamacas‟ or nets +in which they sleep.‟ Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der +Übernahme ins Niederländische begann die volksetymologische Anlehnung an +vorhandene Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der +deutsche Seemann hinwiederum konnte sich unter hang<span class="strong1">mak</span> nichts Rechtes +vorstellen<a id="Page_191"></a> + <span class="pagenum">[191]</span> und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an +einen ihm geläufigen Begriff und machte unser Hänge<span class="strong1">matte</span> daraus. Das +konnte er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stück +Segeltuch geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht +abenteuerlich erscheinen ließ. Übrigens ist diese Schlafgelegenheit, die +bei Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings +als Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis +jetzt erfolgreich auf Widerstand gestoßen; die schlafen nach wie vor in +ihrer Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug, +wie es die Leute auf den Friedens- d. h. Kriegskoggen der Hansa auch +noch taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im +Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der +Raum frei sein mußte, Hängematten, die eben damals von Indien her +eindrangen, eingeführt. Und zwar scheinen es Seeräuber gewesen zu sein, +die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprünglich an zwei Bäumen +hängende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhängen. 1702: les +Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer‟; so +wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der +Hängematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des +„Durchläuchtigsten Seehelden‟ als hochdeutsches noch ungeläufig, denn er +schreibt von Indianern: „Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden +und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter +sie des Nachts Feuer unter machen‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Hanger</span>, der, ist ursprünglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um +den Top des Mastes oder die Nock der Rahe gehängt wird und in dessen +herunterhängendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel +des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehängt wird. Es versteht sich +von selbst, daß der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise +vorkommt. Jetzt nimmt man natürlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer: +„Die Hanger des Fock- und Großmastes bestehen aus je einem kurzen +Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplißt sind und in dessen +Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist.‟ So +wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann +vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig.<a id="Page_192"></a> + <span class="pagenum">[192]</span></p> + +<p><span class="strong1">Harpune</span>, die, eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von +Fischen; von der <span class="strong1">haken</span>förmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe +den Namen hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort +im Spanischen, Portugiesischen und Provençalischen arpar, französisch +harper, packen, anhaken, reißen, zupfen („Zupfgeige‟) kommt, was aber in +Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ändern würde. Spanisch +heißt die Harpune arpon, portugiesisch arpao, französisch harpon. Über +das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung +Willmanns unter Havarie.</p> + +<p><span class="strong1">hart</span>, die eigentliche Bedeutung von hart ist. „stark, fest.‟ Sie kommt +in dem seemännischen Kommando: „hart Backbord, hart Steuerbord, hart das +Ruder!‟ zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, daß das Ruder so stark +wie möglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie +der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt, +gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von „hart‟ noch an die Zeit +der Pinne; diese wurden ja früher auch auf großen Schiffen allein zum +Steuern gebraucht, und wenn es hieß „hart!‟ so wurde sie hart an die +betreffende Bordwand heran gelegt.</p> + +<p><span class="strong1">Havarie</span>, die, = Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen +und scherzhaft gebraucht, so daß z. B. ein Seemann zu einem kleinen +Mädchen dessen Puppe entzwei ging, sagen kann: „Du hast wohl mit deiner +Puppe Havarie gehabt‟). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich +schwierig weil zwei Wörter in einander spielen, die schwer auseinander +zu halten sind, average im Sinne von Havarie und average im Sinne von +Abschätzung, Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns +ist die Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im +Nebel herumgefahren worden ist. So ist z. B. (siehe „Bremer Wörterbuch‟) +behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän +überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der +Begriff Trinkgeld herauskäme. („Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen +gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom +besten 2 Schinken‟). — Aber auch die Ableitung von Hafen, so daß +Havarie ursprünglich Hafengeld wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den +romanischen Sprachen das Wort diese Bedeutung, dazu auch noch die von +Ausgangszoll, aber da das Niederdeutsche<a id="Page_193"></a> + <span class="pagenum">[193]</span> sie nicht kennt, so ist +schon aus diesem Grunde diese Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt +worden. Das Richtige wird sein, daß es von dem arabischen awar kommt, +„gebrochen‟, auf Waren bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das +Wort mit dem Handel nach italienischen Seestädten und wurde da +romanisiert; italienisch und portugiesisch avaria, spanisch averia und +haberia, französisch avarie, niederländisch avary, havary, alles = +Schaden an Schiff und (oder) Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht +sich Wilmanns, Deutsche Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen +des h gesprochen hat, sagt er: „Hinzugefügt ist h in heischen, +althochdeutsch eiscôn (wohl unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in +heikel, ferner in einigen mundartlichen Wörtern und in den fremden +Hartschier (it. arsiero), Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen +wie Hoboë (frz. hautbois), Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin +(früher frz. harlegin, jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut +erhoben.‟ Wobei zu bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im +Gedanken an Hafen sich festgesetzt hat. — Havarie grosse oft auch bloß +Grosse genannt, ist eigentlich nur „beträchtliche‟ Havarie, hat sich +aber zu einem bestimmten seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es +aber heißt mettre de l'argent à la grosse, so hat das mit Havarie grosse +nichts zu tun, sondern es ist dabei zu ergänzen (à la grosse) avanture, +d. h. Geld auf Bodmerei geben. — Schon Kilian hat das Wort in beiden +Gestalten des Niederländischen: haverye und averye = jactura sive damnum +in mari.</p> + +<p><span class="strong1">Heck</span>, das, ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und +bedeutet einen eingehegten Raum, d. h. einen solchen, der an drei Seiten +mit einem Heck (= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild +wird deutlicher wenn man bedenkt, daß, ähnlich wie bei Schiffen mit +einer Kampanje, früher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven +Bordwand sondern nur mit Stützen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa +wie Zaunpfähle, nur weiter aus einander, standen und unter einander mit +Tauen oder Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen = +schützen, da das Heck vor dem Überbordfallen oder vielmehr vor dem +Inswasserfallen schützen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner, +abgemachter Teil vor den Fenstern. Das „Bremer Wörterbuch‟ kennt hek als +Zaun von Brettern, auch<a id="Page_194"></a> + <span class="pagenum">[194]</span> Tür eines Zaunes, „Heckgatter‟, +Schlagbaum. In Holland ist es „een getralied — also ein gegittertes — +afschutsel.‟ Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand, +Gitterpforte. — <span class="strong1">Heckbalken</span> heißt der Hauptquerbalken, der die beiden +Hauptteile des Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den +oberen oder das Heck. <span class="strong1">Heckbord</span> ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu +dem sich oder zu der sich die ursprünglichen einfachen Stützen +allmählich ausgewachsen haben. Schon früh gab es Schiffe mit besonders +hohem oder sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Gräfin +Margaretha von Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: „Navis que dicitur +Hegboth, que habet retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et +feodatis quatuor denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit +debet Comiti duos denarios et feodatis duos denarios.‟</p> + +<p><span class="strong1">Heckanker</span>, s. Anker.</p> + +<p><span class="strong1">Heckdavit</span>, s. Davit.</p> + +<p><span class="strong1">Heissen</span>, s. hissen.</p> + +<p><span class="strong1">Helgen</span>, s. Helling.</p> + +<p><span class="strong1">Hellegat</span>, das, ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei +Material und Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat, +Zimmermannshellegat, Feuerwerkshellegat u. s. w. sind die Hellegats, wie +die Mehrzahl des Wortes lautet, die unter der Verwaltung des +betreffenden Deckoffiziers stehen. — Gat heißt Loch in allen +hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier, im Sinne von: dunkler, +kleiner Ort. Helle bedeutet etwas Ähnliches, nämlich einen (dunklen) Ort +in dem man etwas verbergen, bergen, aufbewahren kann. Der richtige Sinn +steckt in dem verwandten neuhochdeutschen <span class="strong1">hehlen</span>. Dieser findet sich +zwar auch in „Hölle‟, aber ohne daß man sagen dürfte, daß Hölle auf die +Bedeutung und Benennung unseres Helle eingewirkt hätte, die beiden +stehen vielmehr selbständig neben einander, denn hel oder helle bedeutet +im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen sowohl Hölle, +(altnordisch hel, die Todesgöttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt) +als Ort wo man etwas birgt, als auch 1. Loch, Höhlung, Vertiefung, +Spalt, Graben, Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen +und dunklen Raum in der Mühle, der als Bergeraum für die Geräte dient, +3. den dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim +Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen<a id="Page_195"></a> + <span class="pagenum">[195]</span> werden, 4. das +Aschenloch unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das + — gat könnte also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des +Wortes bliebe derselbe. — Englisch hall; also ist Halle, was man kaum +denken sollte, mit Hellegat nahe verwandt: Bergungsort.</p> + +<p><span class="strong1">Heling</span>, die, ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander +gebunden werden. Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten +aussehende ist die Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten, +niederdeutsch holden, neigt, wie im Hochdeutschen so in verschiedenen +anderen germanischen Sprachen stark nach e hin; „du hälst‟; altsächsisch +haldan, held; angelsächsisch healdan, heold, englisch hold, held, +altnordisch halda, helt. Es steht daher zu vermuten, daß Heling +eigentlich Helding hieß, einen Knoten der hält, der zwei Taue +zusammenhält, bezeichnend.</p> + +<p><span class="strong1">Helling</span>, die; eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der +ein neues Schiff gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist, +beim Stapellauf die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann. +Oft wird Helling auch für Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich +allerlei Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von +hellen, einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hängen, Hang +und Neigung haben, neigen, überhängen, eine schräge, abschüssige, +schiefe Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden, +hellen, altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde += Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im +Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehört der Name des Hafens „de +Helder‟, Stadt auf der äußersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner +nicht in Helder, sondern „op den Helder‟ wohnen, so daß die Herkunft des +Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung „Land das der See +zugeneigt ist‟ sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen +Bedeutung in Bezug auf die Lage außendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die +Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur daß bei helder daran +gedacht ist, daß das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr +nach der See zu abfällt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas +aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold +von Larrelt bei Emden einen Güterkauf: „Sunt autem predia infrascripta +duo graminata in<a id="Page_196"></a> + <span class="pagenum">[196]</span> Cornmede, tria graminata in liteka Helum‟ etc. +etc., zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor. +Upheldinge hieß mittelniederdeutsch das Letzte im Faß, die Neige, weil +man, wenns aufs Letzte geht, das Faß auf die heldinge = Helling, +Neigung, legt. Bremer Wörterbuch: „de Tunne ligt up der Helnge‟; „van +der Helnge drinken‟, von dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck, +Gothisches Wörterbuch, vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch +im Sinne von Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels, +und setzt beide zu der indogermanischen Wurzel *kel heben, emporragen, +so daß die Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den +Namen bekommen hätte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der +schief ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip +doen hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs +gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf, +navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare.</p> + +<p><span class="strong1">Helm</span>, der. 1. Als Kopfbedeckung mit Hülle und Hellegat verwandt, als +Schutz, Verbergung des Hauptes.</p> + +<p>2. Für Ruder gebraucht und in diesem Sinne gewöhnlich für ein englisches +Wort gehalten. Es ist aber von jeher in Deutschland im Gebrauch gewesen +und wird noch gebraucht. Die eigentliche Bedeutung ist Ruderpinne. +Ostfriesisch helm, Ruder, Steuerruder, Steuer, Ruder<span class="strong1">pinne</span>. +Wangerländisch hellem-holt Ruderholz, Ruderstange, Holz oder Stange zum +Steuern. Althochdeutsch halm, heim, manubrium, in jochhalm, +mittelhochdeutsch giechholme, Riemen oder Seil am Joch zum Leiten, +Lenken, Steuern der Rinder. Im Mittelniederdeutschen heißt helm +Handgriff; daher ist Hellebarde gekommen, eigentlich helm-barde = +heftesachs, Schwert mit langem Handgriff, und helm-exe. Zu beachten ist, +daß auch im Englischen helm zunächst nur die Bedeutung Griff hat, +handle, und daß man bei der Erklärung des Wortes von einem Rade, das an +Stelle des Handgriffes, der Pinne, getreten ist, völlig absehen muß. — +Die Verwandtschaft des gleichlautenden englischen und +mittelniederdeutschen helve muß hier dahingestellt bleiben; möglich wäre +es schon daß beiden dieselbe Wurzel zu Grunde läge mit der Bedeutung +fassen, halten.</p> + +<p><span class="strong1">Hennegat</span>, das, die Öffnung in der Gilling des Hecks in welcher der Kopf +des Ruders in das Innere des Schiffes führt. +<a id="Page_197"></a> + <span class="pagenum">[197]</span> Damit das Seewasser +nicht zugleich mit hineindringe, ist das Loch um den Kopf herum mit +geteertem Segeltuch umkleidet. So kommt das Wort also nicht etwa von +Henne = Hinten, wie angenommen worden ist, was es aber garnicht giebt; +auch nicht von Hengegat, weil der Kopf des Ruders darin hinge, denn +nicht der Kopf sondern das Ruder selbst hängt in den Fingerlingen, ich +nehme vielmehr an, nach niederdeutschem Sprachgebrauch, besonders dem +ostfriesischen, daß das Wort eigentlich Heinegat heißen muß, denn heinen +heißt einfriedigen, umzäunen, umschließen, umgürten, umfriedigen; hein +ist ein umschlossenes Gebiet und ist mit hegenschützen verwandt, so daß +also ein Hennegat ein Gat ist, das durch einen Kranz von geteertem +Segeltuch vor dem Einströmen des Wassers geschützt ist. Diese Erklärung +paßt auch besonders gut für die Zusammensetzung <span class="strong1">Henneschott</span>, die zwar +etwas pleonastisch ist, da Schott schon allein etwas Schützendes +bedeutet, aber dergleichen liebt die Sprache des Volkes, läßt sich +wenigstens dadurch nicht stören, zumal gewöhnlich die Bedeutung des +einen der beiden in der Zusammensetzung steckenden Wörter dem Bewußtsein +entschwunden ist.</p> + +<p><span class="strong1">Henneschott</span>, das, s. Hennegat.</p> + +<p><span class="strong1">Hering</span>, der. Weil das a in dem scherzhaft gebrauchten „Harung‟ sich in +vielen germanischen und namentlich auch romanischen Sprachen immer +wieder ernstlich vordrängt, so hat man auf Abstammung vom lateinischen +halec, halex, Salzfisch, Salzlake geschlossen. Doornkaat, Ostfriesisches +Wörterbuch II. 41 führt jedoch überzeugend aus: „Da dieser Fisch den +Küstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel früher bekannt war, als sie +mit den Römern in Berührung kamen und er gerade zu den am Häufigsten und +in großen Mengen an unseren Küsten vorkommenden Fischen gehört, bezw. +besonders im Frühjahr stets massenhaft in den aggen genannten Reusen auf +den Watten gefangen wird und demnach auch wohl von Urzeiten her und +lange vor Entstehung der Seeschiffahrt schon ein Hauptnahrungsmittel +unserer Küstenbewohner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, daß +häring ein ur-niederdeutsch-friesisches Wort ist ... und von har, haer, +her = Heer, Menge, Schaar abgeleitet wurde.‟ — <span class="strong1">Heringsbüse</span> s. Büse.</p> + +<p><span class="strong1">Heuer</span>, die, das Geld, der Lohn den ein Seemann für seine +<a id="Page_198"></a> + <span class="pagenum">[198]</span> Dienste +als Matrose empfängt, auch der Dienst selbst, z. B. Heuer auf einem +Dampfer nehmen, sich auf eine Brigg verheuern. Das Wort ist eine +Verhochdeutschung des niederdeutschen hür, das Miete in allen +hochdeutschen Bedeutungen ist; hüren, mieten, ein Mädchen, eine Wohnung, +ein Haus, (in Holland kann man sogar einen Ofen huuren). Im 17. +Jahrhundert ist das Wort ins Hochdeutsche aufgenommen. Im Teuthonista +heißt es huyren. Englisch hire, wie es sich denn in allen germanischen +Sprachen und Mundarten findet, oft mit einem i anstatt des ü, so daß +eine Verwandtschaft mit Heirat, früher Heurath, althochdeutsch hirat +nicht unwahrscheinlich ist, (zu eines altdeutschen Mannes Hausgesinde +gehörten alle Hausgenossen, die Diener, die Kinder, die Frau) und daß +also die auch in Ostfriesland bekannte scherzhafte Redensart der +Groninger: „de lange huur ingoan‟, „die lange Miete eingehen‟, für sich +verheiraten, einen tieferen Sinn hätte, als die meisten Groninger sich +träumen lassen.</p> + +<p><span class="strong1">Heuerbaas</span> s. Baas.</p> + +<p><span class="strong1">Hielen</span>, <span class="strong1">Hiel</span>, <span class="strong1">Hieling</span>, die. Hiel oder Hieling heißt der Fuß des Mastes, +der in einer Spur steht, und der Fuß der Stenge, in dem sich die Scheibe +des Stengewindreeps und das Schloßgat befinden. So heißt auch das +hinterste Ende des Kiels. Es steckt also beides in dem Worte: <span class="strong1">unten</span> und +<span class="strong1">hinten</span>. Was sich nun unten und hinten am menschlichen Leibe befindet, +das ist die <span class="strong1">Ferse</span>. Und in der That heißt niederdeutsch und auch in +hochdeutschen Mundarten die Ferse Hiel. Ostfriesisch hil, hile; +wangerländisch hil, angelsächsisch hel, englisch heel, niederländisch +hiel. Auch der Fuß der Spanten heißt Hiel. — Das Zeitwort hielen heißt +ostfriesisch hilen und bedeutet up de hilen lopen, auf den Hacken oder +Absetzen gehen; seemännisch aber bedeutet es „<span class="strong1">nach hinten über hängen</span>‟, +so daß besonders hielen von einem Schiffe gesagt wird, das hinten tiefer +liegt als vorne, bei dem also der Hiel des Kieles die hinterste und +unterste Stelle ist, und man sagen kann, das Schiff läuft gleichsam auf +den Hacken.</p> + +<p><span class="strong1">Hieven</span> ist eigentlich kein deutsches Seemannswort, wurde auch früher von +deutschen Seeleuten nicht gebraucht, es scheint vielmehr als ob es erst +in den Anfangszeiten der preußischen Kriegsmarine von England herüber +gekommen sei, vielleicht durch in England und Amerika ausgebildete +Seekadetten. Im Englischen<a id="Page_199"></a> + <span class="pagenum">[199]</span> spielt to heave eine große Rolle, +(verwandt mit heben) besonders im Seemännischen: „to apply power to, as +by means of a windlass, in order to pull or force in any direction; as, +to heave a ship ahead, that is, to bring her forward when not under sail +by means of cables or other appliance; to heave a ship astern, to cause +her to recede; to heave up an anchor, to raise the anchor from the +bottom of the sea.‟ Hieven wird man am besten mit „durch Anwendung von +Kraft heben und bewegen‟ wiedergeben.</p> + +<p><span class="strong1">hissen</span>, hochziehen. Das „Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der +Kaiserlichen Marine,‟ welches 1879 von der Kaiserlichen Admiralität +herausgegeben worden ist, sagt dafür, „heißen‟ und fügt in Klammern bei +„früher auch hissen.‟ Aber das Wort muß auch jetzt noch hissen und nicht +heißen heißen. Früher, im Mündungsdelta des Rheins rief der Bootsmann +(s. Hochbootsmann) den Matrosen sein Ho! zu, aber weiter östlich an den +Nordseeküsten von West- bis Nordfriesland lautete der Zuruf an die +Matrosen, zugleich an einem Tau zu ziehen, anders. Das sind gerade die +Gegenden, wo die Leute sich, weil sie so ungern den Mund auftun, die +offenen Endsilben, die früher ihre Sprache so klangvoll machten, +gründlich abgewöhnt haben. Selbst wenn sie wirklich einmal etwas sagen +wollen, muß sich das Wort mühsam den Weg durch das Gehege der +geschlossenen Lippen und Zähne suchen. So ist also hier nicht das offene +freie Ho! zu erwarten, man ließ den Mund zu und benutzte mehr bequem als +höflich dasselbe Geräusch, das man mit der Zunge macht, wenn man Hunde, +Schweine oder Gänse hetzt, man erzeugte die langgezogene Sibilans wie +sie die Gänse selbst auch erzeugen, und daraus entwickelte sich +lautmalend der Naturlaut hissss! Daraus entstand das Zeitwort hissen. — +In dem berühmten Teuthonista finden wir es als hysen, reizen, eine +Schlange oder Gans; beim Kilianus als „hißen, hißchen, hitschen, hußen, +sibilare, hetzen, instigare, agitare, Hunde auf den Wolf hetzen. Das +Bremer Wörterbuch hat hisen und hiesen, warnt aber davor, diesen +Schiffsausdruck mit hißen, hetzen, „den Hund up dat Swin hißen‟ +zusammenzubringen. Eine Warnung die uns nicht abhalten kann, es dennoch +zu tun. Denn wenn sowohl die Grundbedeutung als auch die Form beider +Wörter dieselbe ist, wie kommen die Bremer Gelehrten dazu, zweierlei +Wörter anzunehmen? Die höfliche Rücksicht, die den Menschen nicht +mit<a id="Page_200"></a> + <span class="pagenum">[200]</span> einem Tier vergleicht, übt die Sprache nicht; der Hund wird +angetrieben, den Wolf zu fassen, der Matrose wird angetrieben das Tau zu +fassen und daran zu holen, für beides sagt sie hissen. — Wenn nun +infolge des Zurufes: „hiß, hiß!‟ an dem Tau geholt wird, das über eine +an erhöhtem Punkte angebrachte Rolle läuft, so hat das zur Folge, daß +der Gegenstand der an dem anderen Ende dieses Taues befestigt ist, in +die Höhe geht. Dieses Indiehöhegehen hat im Laufe der Zeit mit hissen +den Gedanken an hochziehen aufs Innigste verbunden, so innig, daß wir +hissen einfach für hochziehen gebrauchen. Wir brauchen auch gar nicht +mehr aufhissen zu sagen, in hissen allein liegt uns das „auf‟ schon mit. +Darum wird auch nicht, oder wenigstens nicht immer, kommandiert „Hiß auf +die Flagge!‟ sondern einfach „Hiß die Flagge!‟ oder vielmehr — +hochdeutsch sein sollend — „Heiß die Flagge!‟ Sollte es mit aller +Gewalt hochdeutsch sein, dann müßte hetzen gesagt werden. Aber: „Hetz +die Flagge!‟ geht nicht; „heiß die Flagge‟ geht zwar auch nicht, aber es +geht doch, weil das seemännische Ohr, namentlich das jüngere, sich schon +daran gewöhnt hat. — Im Französischen hatte 1702 das aus dem +Niederdeutschen übernommene hißer schon genau dieselbe Bedeutung wie +heute: „Hißer, ißer ... c'est hausser quelque chose ou l'élever. On dit +Hisse la grande vergue, Hisse la vergue de miséne. Il nous le fit +connoitre en hissant et amenant sept fois le pavillon. Il amena le +pavillon qu'il voulut rehisser sur le champ. On dit, Hisse de la +caliorne (Gien); Hisse du palan (Takel); Hisse d'avant; Hisse d'arriére; +Hisse du palan d'étai (Stagtakel), Hisse du bredindin (kleineres Takel +für leichtere Lasten); Hisse partous. C'est ainsi qu'on nomme la +manoeuvre, pour faire hisser un fardeau à bord.‟ Die Franzosen gestehen +aber die Herkunft aus dem Deutschen nicht gerne ein, wie ihnen überhaupt +das häufige Vorkommen deutscher Wörter in ihrer Seemannssprache kein +angenehmer Gedanke sein mag. In seinem 1848 erschienenen Glossaire +nautique bemüht sich Jal, allerdings wohl nach des berühmten Ducange +Vorgang, hissen von dem griechischen hypsos, die Höhe, abzuleiten. Sonst +ist sein Buch aber ganz verdienstvoll und lehrreich; die Widmung lautet: +„Aux Marins qui ne dédaignent pas la Science historique, Aux Erudits qui +s'occupent de Marine‟. — Im Holländischen ist aus dem Hetzruf hiss! +huss! hoss! auch noch das Zeitwort hossen entstanden,<a id="Page_201"></a> + <span class="pagenum">[201]</span> das auf +holländischen Kirmessen laut genug ertönt. Die sonst etwas bequemen und +langsamen Holländer geraten bei dieser festlichen Gelegenheit mächtig in +Bewegung, selbst in Städten wie Amsterdam, Rotterdam, 'sGravenhaage, +Utrecht. Da muß der Fremde auf der Hut sein, sonst wird er auf offener +Strasse in einen Strudel von Männlein und Fräulein gezogen, die ihn +bekannt oder unbekannt, gern oder ungern, wohl oder übel an den Händen +fassen und mit ihm in langen Reihen dahin chassieren, singend, johlend +und „hoß! hoß!‟ rufend; das nennt man hossen. — Im Englischen hat das +Wort die Gestalt hoist angenommen. Es ist aber gleicher Herkunft, +nämlich von dem auch im Englischen vorkommenden to hiss, welches +dreierlei Bedeutung hat. 1. „To make a sound like that of the letter s +by driving the breath between the tongue and the upper teeth, especially +in contempt or disapprobation. (The merchants among the people shall +hiss at thee. Ezechiel 28, 36). 2. To emit a similar sound: said of +serpents, geese, and other animals, of water thrown on hot metal +(gischen), of steam rushing through a small orifice. 3. To whizz, as an +arrow or an other thing in rapid flight. (Shod with steel we hissed +along the polished ice);‟ daß aber to hoist von diesem to hiss kommt, +dafür spricht nicht nur die Übereinstimmung der Bedeutung, sondern auch +die Form im Altenglischen to hoise, schottisch heeze. „The t seems to +have been added as in against, amongst.‟ Als Bedeutung aber wird +angegeben: „To raise, to lift, to heave; specially, to raise by means of +block and tackle; as to hoist a sail, to hoist a heavy package to an +upper room.‟</p> + +<p><span class="strong1">Hochwasser</span> s. Flut.</p> + +<p><span class="strong1">Hock</span>, das. Die Engländer nennen jeden Rheinwein „hock‟, das zunächst nur +eine Abkürzung von „Hochheimer‟ ist (wie Gib von Gibraltar und Frisco +für San Francisco), darum hat dieses Hock mit dem vorliegenden keine +Gemeinschaft, welches einen Verschlag von Brettern bezeichnet, der zur +Unterbringung von Tieren dient, Hühnerhock, Schafhock etc. etc. Die zum +Schlachten mitgenommenen Tiere mußten sich mit den dunkelsten, +schlechtesten Ecken begnügen, da wurde für sie ein Bretterverschlag +abgeteilt. Der Raum hieß hok = Spitze, Ecke, Winkel, auch Richtung etc. +etc. Als hernach den Schlachttieren ein anderer Platz angewiesen ward, +blieb die hok natürlich wo sie<a id="Page_202"></a> + <span class="pagenum">[202]</span> war, aber der Bretterverschlag +wanderte, beweglich gestaltet als Käfig, mit an den neuen Standort. Da +man aber gewohnt war: „Die Schafe stehen in der hok‟, so blieb man dabei +und sagte weiter: die Schafe stehen in der hok, auch als sie frei an +Deck im Käfig standen, der dann leicht für die eigentliche hok gehalten +wurde. So kam der Verschlag zum Namen Hock, und da es nun einmal +verhochdeutscht war mit kurzem o und ck (wohl in Gedanken an die Tiere +die darinnen <span class="strong1">hocken</span>) so kam es auf etwas Änderung mehr oder weniger +nicht an, man machte das Femininum zum Neutrum. Von Hocken = gebückt +sitzen, soll Höcker = Krämer kommen. Bedenkt man aber, daß hok = winkel +ist und daß in Holland der Laden winkel und der Ladeninhaber winkelier +heißt, weil in irgend einem Winkel er seinen Kram ursprünglich feil bot, +so wird wahrscheinlicher daß Höcker, Höker von hoek = winkel kommt, wie +ja auch der Laden von einem der großen Welthäuser ursprünglich nur ein +(Fenster-)Laden war.</p> + +<p><span class="strong1">Hochbootsmann</span>, der. Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr +gebraucht wird, aber doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des +Seemannes entschwunden ist. Wenn im alten Griechenland die vielen +Ruderer eines Schiffes zugleich anrudern und überhaupt Takt halten +sollten, worauf nicht nur wegen des ordentlichen Aussehens allein, +sondern vor allen Dingen auch der grösseren Kraftentfaltung zu Liebe +gehalten werden musste, so konnte das nur durch ein Kommando, das für +alle hörbar war, geregelt werden. Dieses Kommando gab der Keleustes, der +Rudermeister, Bootsmann, Taktangeber oder wie man das Wort übersetzen +will. Wie er das Zeichen gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der +von keleuo kommt, rufen, zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon +keleuma der Zuruf, der Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert +ward. Keleustes heißt also ursprünglich Zurufer. Was aber der +griechische Bootsmann seinen Ruderern zurief, welche Töne er von sich +gab, welche Laute er hören ließ, das wissen wir nicht. Bekannt ist aber, +daß auf Trieren, also auf Kriegsschiffen, der Bootsmann durch einen +Maaten mit der Pfeife unterstützt wurde. Der hieß trieraules, der +Schiffsflötenspieler, Schiffspfeifer. — Nun übte im Mittelalter das Amt +des Keleustes nachweislich der Bootsmann aus, und zwar mit Hilfe des +Zurufes: „Hou, hou!‟ Er wurde dadurch, wie Kilianus sich ausdrückt, zum +hortator, der<a id="Page_203"></a> + <span class="pagenum">[203]</span> die Leute ermahnte, durch Zuruf antrieb, <span class="strong1">zugleich</span> +ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen seemännischen Arbeit einzusetzen. +Das kann allerdings auch und muß unter gewissen Umständen ohne lautes +Rufen geschehen. Beim Wettrudern z. B. gibt der Bootssteurer nur durch +das energische rythmische Vorbeugen des Oberkörpers den Takt an. Man +hört dabei keinen Laut und darf keinen hören, außer dem eines allerdings +mit großer Kraftanstrengung den Ruderern an die Köpfe gehauchten h! Das +h nimmt unter den Buchstaben eine eigene Stellung ein. Es ist kein +Konsonant, weil der Mundkanal bei seiner Bildung nicht verengert wird; +es ist auch kein Vokal, weil ihm der Stimmton fehlt. Da wissen es die +Gelehrten nirgends so recht unterzubringen. Wenn sie einmal einen +eifrigen Bootsmannsmaaten beim Wettrudern sein h! herausschmettern +hörten, dann wüßten sie, was ein h ist, nämlich noch immer das was es +ursprünglich war, ein gutturaler Reibelaut, wobei je nach Geburt, +Herkunft und Muttersprache, der eine mehr einen Velarlaut, der andere +mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist aber eine gemeinsame +Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten herbeizuführen, wo es +nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann bedient sich der +Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: „Zugleich!‟ indem er das „zu‟ so +herausstößt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit spannende +Pause von dem „gleich‟ getrennt ist, damit die Leute, sobald sie nun +dieses „gleich‟ hören, alle mit einem Ruck ihren Biceps in Thätigkeit +setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begnügte sich weder mit dem +gutturalen Reibegeräusch beim Wettrudern noch gebrauchte der das +„zugleich‟ der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer „hou‟ oder +„ho!‟ darum hieß er Ho-Bootsmann. Und als hernach die Rollenverteilung +so vorgenommen wurde, daß dem Schiemann die Aufsicht über die Takelage +des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige über den Kreuz- oder +Besanmast, dem Bootsmann aber die über den Großmast übertragen wurde, +der auch „der hohe Mast‟ (wohl nach dem Dänischen) hieß, so konnte aus +Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden.</p> + +<p><span class="strong1">Högedag</span>, der, auch Hagjedag, hieß früher der Tag an dem die Mannschaft +Fleisch zu essen bekam und keinen Stockfisch, keine Erbsen und dergl. +Was das in einer Zeit, wo es noch keine Konserven gab, bedeutete, ist +leicht zu ermessen, und daher<a id="Page_204"></a> + <span class="pagenum">[204]</span> ists zu verstehen, daß ein solcher +Tag ein Freudentag genannt wurde. Sich högen heißt ja sich freuen, +vergl. högetid, Freudenzeit, Erntezeit, högedag, Gedenk-, +Erinnerungstag, jeder Fest- und Freudentag; jetzt hochdeutsch nur noch +in der Form Hochzeit gebräuchlich, welches also nicht „hohe Zeit‟, +sondern Freudenzeit bedeutet, (ebenso wenig hat auch goldene Hochzeit +mit Gold etwas zu schaffen, sondern bedeutet eine unfruchtbare Hochzeit, +die keine Kinder im Gefolge hat).</p> + +<p><span class="strong1">Hohle See</span>, s. hohe See 1.</p> + +<p><span class="strong1">Holen</span>, ziehen, zerren, reißen, raffen, schleppen, bringen, tragen, im +Besonderen: <span class="strong1">an einem Tau ziehen</span>. Ein weitverbreitetes deutsches Wort, +niederdeutsch holen und halen, althochdeutsch halon, altenglisch halien, +angelsächsisch geholian, altnordisch hala, spanisch halar, französisch +haler (wie alle mit h beginnenden Seemannswörter des Französischen, aus +dem Deutschen). Insofern holen nun wirklich ziehen bedeutet, ist das +Kommando: „Hol steif, hol an‟ ohne weiteres klar, denn es bedeutet: +„Zieh an!‟ Aber wenn hernach aus demselben Munde der Befehl kommt: „Fest +holen!‟ und damit gemeint ist, daß nun nicht weiter gezogen werden soll, +so bedeutet das eine holen das gerade Gegenteil von dem andern holen. +Die Erklärung liegt im Niederdeutschen; holen und holen sind da zwei +ganz verschiedene Wörter. Sie sind nur zufällig in der Form holen +zusammengetroffen. Das eine heißt eigentlich halen, das andere holden. + — Da die Niederdeutschen, besonders die für das Seemännische so +wichtigen Friesen, das a so dunkel wie o aussprechen, so klingt halen in +ihrem Munde wie holen. Und da sie sichs mit dem Sprechen gar zu gern +bequem machen, wobei es ihnen auf eine Hand voll Buchstaben nicht +ankommt, so ließen sie in holden das d verschwinden und es ward +ebenfalls zu holen. Das konnte um so eher geschehen als eine +Verwechslung des einen holen mit dem andern für ein niederdeutsches Ohr +ausgeschlossen war, teils weil sie verschieden ausgesprochen und betont +wurden, teils wegen sehr wesentlicher Verschiedenheiten in der +Konjugation. Alle diese Unterscheidungsmerkmale fielen aber bei der +Aufnahme ins Neuhochdeutsche fort und dadurch ist erst die Verwechslung +der beiden Zeitwörter mit einander möglich geworden. Um solche in +Zukunft zu vermeiden, wird es kaum ein anderes Mittel geben als einfach +die beiden zusammengefügten Zeitwörter<a id="Page_205"></a> + <span class="pagenum">[205]</span> wieder zu scheiden und sie +schiedlich und friedlich neben einander zu gebrauchen als holen und +halten. Dann kann kommandiert werden: „Holen!‟ und, wenn die Leute +strammer, fester zufassen sollen: „Fest holen!‟, wenn sie aber aufhören +sollen mit holen: „Fest halten!‟ (nämlich so lange bis das Tau belegt +oder doch wenigstens abgestoppt ist). — Die angeführten Wörter fremder +Sprachen haben den Vokal a; Beweis daß sie nicht von holden sondern von +dem weit seemännischeren halen stammen. Über ein von haler gebildetes +haleur s. unter treideln.</p> + +<p><span class="strong1">Hoch</span>, Adverbium, in der Verbindung „hoch beim Winde segeln‟; es heißt +dies: so nahe oder so dicht beim Winde segeln als solches ohne +Durchdrehen überhaupt möglich ist, also daß die Segel zwar noch fest +voll Wind stehen, eine bestimmte von dem Manne am Ruder ins Auge gefaßte +Schot aber ein wenig Leben und Bewegung zeigt, d. h. killt. Hoch kommt +übrigens allermeist nur in der Verneinung vor, wenn der wachthabende +Offizier den beim Winde steuernden Leuten die Warnung (vor dem Fangen +einer Eule) zuruft: „Nicht zu hoch!‟</p> + +<p><span class="strong1">Hoft</span>, <span class="strong1">Hofd</span>, das, kommt für sich allein selten vor, wie es scheint nur +hie und da im Sinne von Schleusenhaupt oder Molenhaupt. Über die +Verbindung Dodshofd siehe dieses. Hier ist Hofttau zu erklären. Es heißt +Haupttau als etwas Hauptsächliches, Wichtiges, Dickes, Starkes; Hofttaue +sind die dicken, starken Taue, die (mit den Weveleinen) die Wanten +bilden, die dem Mast nach beiden Seiten hin festen Halt verleihen. Sie +haben also den Zweck von Stagen, nur daß sie nicht in der Längsrichtung +des Schiffes sondern in der Querrichtung stützen. Sie gehören zum +stehenden Gut. Im Französischen heißen sie haubans, aubans, haut-bans +(1702).</p> + +<p><span class="strong1">Hochdruckmaschine</span> s. Maschine.</p> + +<p><span class="strong1">Höhe</span>, die.</p> + +<p>1. Die <span class="strong1">(Sonnen-)Höhe</span> nehmen oder messen heisst die Mittagshöhe der Sonne +mit dem Oktanten beobachten, messen, peilen. Es geschah früher mit dem +Quadranten, vorher mit dem Jakobsstab.</p> + +<p>2. <span class="strong1">Seehöhe.</span> In diesem Sinne bei Luther, Luc. V. 4: „Fahre auf die Höhe +und werfet eure Netze aus.‟ Hierüber äussert sich Breusing in der +Einleitung zum „Seebuch‟: „Die Gesetze der Perspektive fordern, daß bei +Abbildung einer von oben gesehenen<a id="Page_206"></a> + <span class="pagenum">[206]</span> ebenen Fläche die entfernteren +Punkte höher liegen als die näheren. So scheint auch dem Auge der am +Strande Stehenden die See wie ein Hügel aufzusteigen, und ein Schiff, +welches sich vom Strande entfernt, hat diesen Hügel hinaufzufahren. Von +dieser Anschauung geleitet nennt der Seemann das äusserste dem Auge +sichtbare Wasser die „Seehöhe‟, und das in dieser Entfernung oder Höhe +befindliche Schiff ist boven, während das dem Strande nahe als unten +erscheint. Dem niederdeutschen boven entspricht das oberdeutsche „ob‟, +z. B. in Obwalden, d. h. Land oberhalb des Waldes, und in Land ob der +Ens, d. h. oberhalb der Ens, und das englische off. In der hochdeutschen +Schriftsprache ist uns das Wort (nämlich boven) leider abhanden +gekommen, welches vollständig durch: „auf Seehöhe in der Nähe von‟ oder +kurz durch „auf der Höhe von‟ wiederzugeben wäre‟. So treffend hiervon +manches ist, so ist doch der Unterschied von „Seehöhe‟ und „auf der Höhe +von‟ nicht festgehalten. Und das muss er werden, denn wenn einer sagt: +„ich bin jetzt auf der Höhe von Kap Skagen‟, so meint er nicht die +(vermeintliche) perspektive Höhe, sondern etwas ganz Reelles und +Wirkliches, nämlich dass er nun „frei‟ von Kap Skagen ist und seinen +Kurs ändern kann, was besonders angenehm ist, wenn man sich mühsam auf +solche Höhe aufgekreuzt hat und nun abhalten darf. Das ist eine andere +Höhe als wenn Christus zu Petrus sagt: „Fahre auf die Höhe!‟ nämlich</p> + +<p>3. „<span class="strong1">Höhe von</span>‟ das heisst</p> + + +<p>(a) die Höhe eines Vorgebirges haben, nämlich — vgl. das eben unter 2 +Gesagte — sich soweit luvwärts von dem Vorgebirge befinden, dass man +dasselbe umsegeln kann.</p> + +<p>(b) die Höhe einer Insel oder einer Stadt haben heisst mit ihr auf +demselben Breite- bezw. Längegrade sein. „Wir befanden uns auf der Höhe +von Bermuda‟; „wir waren gerade auf der Höhe von Habana.‟</p> + +<p>Von hohem dichterischem Schwunge ist das Bild unter dem im Beówulf das +Meer headu genannt wird. Head heisst hoch. Ob nun das Meer schlechthin +hoch und erhaben genannt sein soll, oder ob dabei an die Höhe wie bei +Petri Fischzug gedacht ist, bleibt natürlich dichterischem Verständnis +überlassen. Ich möchte mich für das Letztere entscheiden, und zwar wegen +der Zusammensetzung headu-lidend, welches Seegänger heisst, +also<a id="Page_207"></a> + <span class="pagenum">[207]</span> +einen Mann bedeutet, der auf die Höhe, auf die hohe See, auf grosser +Fahrt fährt, im Gegensatze zu einem Binnenschiffer.</p> + +<p><span class="strong1">Hohe See</span>, die.</p> + +<p>1. Es ist hohe See, es steht hohe See, heisst: die Wellen gehen hoch, +das Meer ist sehr bewegt, nicht von kleinen, unruhigen Wellen, die ein +frisch aufgekommener Wind erzeugt, sondern von den großen lang +dahinrollenden, durch anhaltendes Wehen erzeugten Ozeanwogen. Diese +nennt man auch „<span class="strong1">Hohle See</span>‟ namentlich wenn ihr Erzeuger sich bereits +gelegt hat; hohl im Sinne einer Höhle, mit der man bei einiger +Einbildungskraft und gutem Willen wohl das zwischen zwei hohen +Wellenbergen gelegene Wellenthal vergleichen kann.</p> + +<p>2. „Auf hoher See sein‟ wird im Gegensatz zur Küste gesagt, vgl. Höhe 2. +Wann die hohe See anfängt, ist nach Seemeilen nicht mathematisch genau +zu sagen. Es beruht auf dem Gefühl. Mancher wird erst von Hoher See +sprechen, wenn ihm alles Land aus Sicht gekommen ist, was aber der für +die Sicherheit verantwortliche Seemann ist, der betrachtet sein Schiff +schon als auf Hoher See befindlich, wenn er es so weit vom Lande ab hat, +dass das Land ihm nicht mehr gefährlich werden kann, dass er also +ungehindert von irgend einer Küste seinen Kurs absetzen kann.</p> + +<p><span class="strong1">Holm</span>, der, hieß im Mittelniederdeutschen Insel, auch in einem Flusse +gelegene Insel, hauptsächlich im Ostseegebiet, doch nicht auf dasselbe +beschränkt, denn „a. 1203 quemen de graven tor Hoya ut Fresslande (sic) +und begunden eine festen to buwen up einen holm, so in der Wesser +beflaten was.‟ Heute gebrauchen wir das Wort nur noch als +Ortsbezeichnung: Bornholm, der Dänholm, Stockholm etc. etc. Im +Angelsächsischen bedeutet es Meer, See; doch steht diese Bedeutung da +ganz allein, so daß sie auf irgend einer Zufälligkeit beruhen mag, und +uns nicht hindern kann, das Wort da hinzustellen, wohin es sprachlich +gehört, zu collis, culmen. — Weil auf solch einem Holm häufig ein Platz +zum Schiffbau sich fand, so ist das Wort auch eine der mancherlei +Bezeichnungen für Werft. — Ein Holm ist bewachsen, vgl. Manson, +See-Buch, Lübeck 1735, die Segelanweisung nach Wismar. „Die Wissenschaft +oder die Märke hinein zu lauffen seynd diese: drinnen in Wißmar stehen +zweene hohe Thürm, der Westere ist dick und oben stumpf, der östere +schmal und spitzig,<a id="Page_208"></a> + <span class="pagenum">[208]</span> und die Kirche, da der schmalste Turm +aufstehet, heist St. Nicolai-Kirche. Wenn man kommt aussen vor Hannibal, +und wil ins Mittel-Tieff ein, soll man so lauften, daß man den östlichen +schmalen Turm von St. Nicolai Kirchen in etwas nahe zusammen mit der +westlichen Ecken von Pöel bekomme, und halte die so stehend, und gehen +Süd-Südosten in und lasse Hannibal an Baackbord, und Lips, welches ist +ein kleiner Graßholm, am Stührbord, von welchem Holm auf allen Seiten +langer Grund ausschiest.‟ — „Manchmal auch unbewachsen; derselbe über +die Einfahrt von Gothland: „bleiben zweene kleine blosse Holmen am +Baakbord.‟ — Manchmal auch ein Berg; vergl. Lucas Janszoon Waghenaer +„Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, „Van daer naer de Corona zeyltmen aen S. +ende S. ten O. ter tijt toe men een stuck weechs binnen den toren is, +die op een ronde holm oft berch staet, so sietmen aen stuyerboort een +cleyn Eyland daer een Kercxken op staet.‟</p> + +<p><span class="strong1">Hosenboje</span>, die, ist eine bei den Stationen der Deutschen Gesellschaft +zur Rettung Schiffbrüchiger vorrätig gehaltene Boje, die von oben wie +eine gewöhnliche Ring-Kork-Boje aussieht, ausserdem aber von unten noch +mit einer Vorrichtung versehen ist, die einer Segeltuch-Badehose ähnlich +sieht. Der Mann, der von einem gestrandeten Schiffe mit dem Rettungstau +gerettet werden soll, hat mit den Beinen in diese Hose zu fahren, die +Arme aber auf die Boje zu legen und wird so in der Boje an Land geholt.</p> + +<p><span class="strong1">Houari</span> = Takelage s. sliding gunter.</p> + +<p><span class="strong1">Hub</span>, der.</p> + +<p>1. In der Hydrographie die Höhe der Flut, das Mass um das die Flut sich +<span class="strong1">hebt</span>.</p> + +<p>2. In der Technik: Kolbenhub, Einzelhub, Hub vorwärts, Hub rückwärts, +Doppelhub, Hubhöhe, Hublänge, Hubwechsel, Hubzähler etc. alles von +heben, im Munde unserer seegehenden Maschinenleute dadurch etwas +verundeutlicht, daß sie das b meist wie p aussprechen und Hup mit sehr +langem u sagen, wodurch das Wort einen englischen Eindruck macht.</p> + +<p><span class="strong1">Huk</span>, die, heißt seemännisch eine Landzunge oder Landspitze, eine etwas +vorspringende Küste; sonst auch Ecke, Winkel, ferner Angel, Türangel, +Fischangel im Niederdeutschen. Die Nordsee bevorzugt Huk, Huk von Logum, +Huk von Holland (geschrieben<a id="Page_209"></a> + <span class="pagenum">[209]</span> hoek, ausgesprochen Huk), Fährhuk +(die Stelle an der der Kriegshafen Wilhelmshaven erbaut wurde); die +Ostsee bevorzugt das Spitze bedeutende — ort: Friedrichsort, Darßerort, +Brüsterort. Schon im „Seebuch‟ (1400) heißt huk und huek die Spitze +eines Vorgebirges, Landspitze — , „men moet den huek schuwen unde lede +den by den lode uppe 5 ofte 6 vademe‟; „de wil setten unter de cape +Vincentz, de sal den ersten huk laten liggen und segelen bet under den +anderen huk.‟ — Kommt von der Wurzel kuc, biegen, krümmen, ist also +genau genommen eine Stelle, wo man um die Ecke biegt, so daß man dann +„under‟ ist wo man vorher boven war; siehe „Höhe.‟ — Auch das äußerste +Ende eines Bollwerks kann man Huk nennen; vergl. Manson, Seebuch, 1735: +„Wil man auch in Travemünde einsegeln, so stehen Westen bey die andern +Häuser in Travemünde 3 oder 4 dwaß Häuser, unter einem Dach, so daß man +von das Norderste den weissen Giebel sehen kann, bringet den Hueck vons +Osten Bollwerk, und dem Giebel überein, dar ist das Tieffste Wasser.‟ — +<span class="strong1">Huker</span> ist ein breit und plump gebautes Nordseeschiff, wahrscheinlich +ursprünglich ein Schiff zum Fangen von Fischen mit der Huk, der +Schellfischangel.</p> + +<p><span class="strong1">Hulk</span>, die, heißt jetzt ein altes, für seinen Zweck nicht mehr +gebrauchtes Schiff, das als Kaserne, Werkstatt, zu Unterrichtszwecken +benützt wird. Das Wort ist heruntergekommen, denn im +Mittelniederdeutschen war eine Hulk oder Holk etwas ganz anderes, +Höheres, nämlich ein großer Kauffahrer, den die +Schiffsbesichtigungskommission, wenn es damals schon eine gegeben hätte, +hätte im Auge behalten müssen, denn er war so gebaut, daß er leicht als +Kriegsschiff eingerichtet werden konnte. „Unde wunnen ene af dre grote +holke unde etlicke andere clene schepe.‟ „Aldus quemen dar twe grote +holke.‟ „De Lübeschen hadden by der borch ein gros schip, eynen holck.‟ +„Eyn schipher van Lubeke seghelde myt eneme groten holke wol geladen.‟ +(Lüb. Chron.) „Dar bleff eine nye holcke van Lubeck van 300 lasten.‟ Das +Geschlecht wechselt also zwischen männlich und weiblich; jetzt ist es +weiblich. Kilian, der mehr nach dem Niederländischen neigt, hat die Form +hulcke: koop-vaerders schip = Holcas, navis oneraria, gravis, +frumentaria, lata, navigium latum vastumque. Das „Bremer Wörterbuch‟ +übersetzt Holk mit Kauffahrer: „1445 fingen die Bremer einen Holck mit +Ledder‟ ... „Se nehmen<a id="Page_210"></a> + <span class="pagenum">[210]</span> ock einen Holck mit Figen, Rosinen und +anderen Guderen.‟ Der Name stammt ans dem Griechischen: helkein, ziehen, +holke das Ziehen, holkus der Zug, so daß wir uns die Hulk ursprünglich +als gezogenes, getreideltes (Fluß-)Schiff zu denken haben. Als +seegehendes Schiff ist es aber bereits durch eine Urkunde König +Aethelreds (978-1016) bezeugt: „si adveniat ceol vel hulcus et ibi +jaceat 4 denarii ad telonium.‟</p> + +<p><span class="strong1">Hundewache</span>, die, auf deutschen Kriegsschiffen die Wache von 12 bis 4 Uhr +nachts. (Anderweitig wird andere Wachzeit so genannt.) Das Wort hat mit +Hund nichts zu tun, sondern ist nur eine volksetymologische Anlehnung +daran, etwa mit dem Gedankengang: nachts von 12 bis 4 sollte man keinen +Hund in Sturm und Wetter hinausjagen. Es ist wohl eigentlich Hintewache. +In ganz Deutschland sagt man für „heute Nacht‟ heint oder hint, auch +heinte oder hinte, wie man für „dieses Jahr‟ heuer sagt, diesjährig +heurig; Hintewache ist also = „Heutnachtwache‟; wer sie einmal gegangen +ist in stürmischer Finsternis, der wird von der Form Hundewache nicht +befremdet sein.</p> + +<p><span class="strong1">Hundspünt</span>, der, das spitz zulaufende Ende eines Taus um das eine Art +Gewebe oder Netz gelegt ist. Solche Taue läßt man in der Form eines +Hundspüntes auslaufen, die man häufiger durch eine enge Öffnung stecken +muß, weil sie ohne diese Vorsichtsmaßregel auf die Dauer in ihre +einzelnen Duchten auseinander gehen, sich „aufrebbeln‟ würden; = penis +eines Hundes. Früher war auch Hundsfott im seemännischen Gebrauch für +einen kleinen Stropp. Doch wird es jetzt selten gehört, außer etwa in +der Bedeutung des Schimpfwortes, das freilich auch so lange die +Studenten ihren Landesvater steigen lassen nicht aus dem deutschen +Sprachgebrauch schwinden wird; „ein Hundsfott der ihn schimpfen soll.‟</p> + +<p><span class="strong1">Hüsing</span>, das, eine Art dicken, starken Bindfadens, eine schön fest +gedrehte Schnur, ein dünnes festes Seil, eine dünne aus drei Garnen +geschlagene Leine oder wie man es nennen will, der Seemann nennts eben +Hüsing. Das Wort kommt nur bei den an der Nordsee wohnenden Seeleuten +vor, hier aber auch bei allen, und sonst nirgends; es muß also an den +Nordseeküsten seinen Ursprung haben. Doornkaat vermutet daher wohl mit +Recht, daß es ursprünglich eine Leine bedeutet habe mit der die Husen +oder Hausen (von denen die Hausenblase kommt) gefangen<a id="Page_211"></a> + <span class="pagenum">[211]</span> werden. +Eine gewöhnliche Angelschnur genügt zu diesem Zwecke nicht und es muß +also etwas stärkeres genommen werden. Diese Vermutung erhält eine +wesentliche Stütze durch die Verbindung die das Wort in Groningen +eingegangen ist: huzelntau, huzelingtau (z = s), wie denn auch Molena +(„Groningische Mundart‟) sich die Vermutung Doornkaats angeeignet hat.</p> + +<p><span class="strong1">Hütte</span>, die, war lange Zeit der vornehmste Raum an Bord, auch auf +Kriegschiffen, nämlich der Aufbau, das „oberste Stockwerk‟ des +Hinterschiffes, also der Raum unter der Kampanje, wo die Kapitänskajüte +und (die) Kammern der Offiziere waren. „Durchl. Seehelden‟: „Der gute +Admiral Lieutenant Tromp ward als er von der Hütte gieng geschossen; da +er niederfiel ward er wieder aufgehoben, und auf Kissen in der Hütte +niedergeleget, und starb mit diesen Worten im Munde: Ich habe gethan, +halt guten Muth, o Herr sey mir und diesem armen Volck gnädig.‟ Das hat +sich inzwischen durch den veränderten Schiffbau geändert, man hört das +Wort kaum mehr außer in Holland, aber auch da bedeutet es nicht mehr was +es früher bedeutete, sondern nur „een verblyfplaats der stuurlieden en +andere mindere bevelhebbers‟, also nicht grade das „Logis des Volks‟, +aber doch auch nicht mehr die Kajüte des Kapitäns, sondern etwa +Unteroffiziermesse. Das geht auch aus dem wahren Sinne des seemännischen +Sprichworts hervor, das Lüpkes, „Seemannssprüche‟ S. 44 angeführt: „Als +het in die Kajuit regent, dan druipt het in de hut.‟ Das heißt aber +nicht bloß, daß, wenn die Höheren leiden, die Niederen in +Mitleidenschaft gezogen werden, sondern daß es diese in verstärktem Maße +trifft, wie man sagt „Aus dem Regen in die Traufe kommen‟; die Meinung +ist die: Wenn der Kapitän den Steuermann in die Kajüte bittet und ihm da +etwas vorhält etwa mit den Worten: „ich muß doch bitten‟, so gibt der +diese „Bitte‟ mit einem saftigen Donnerwetter weiter an die Leute in der +Hütte.</p> + + + +<h2> +<span><a id="J"></a>J.</span> +</h2> + + +<p><span class="strong1">ja! ja!</span> Der Posten an Bord ruft nachts ein dem Schiff sich näherndes +Boot an: „Boot ahoi!‟ Für die Antwort aus dem Boot kommt es darauf an, +wer darin sitzt. Ist es der Kommandant<a id="Page_212"></a> + <span class="pagenum">[212]</span> so wird der Name des +Schiffes gerufen, ist es ein Offizier oder im Offiziersrang stehender +Beamter, so lautet die Antwort ja! ja! Ist niemand von diesem Range im +Boot, so wird nein! nein! gerufen. — Es wird dabei an das, was an Bord +zum Empfang des Bootes zu geschehen hat, gedacht worden sein, besonders +auch um anzugeben, an welcher Seite des Schiffes das Boot anlegen wird, +da nur die Offiziere etc. etc. an Steuerbord, alle andern an Backbord +anlegen dürfen, bezw. müssen.</p> + +<p><span class="strong1">Jacht</span>, die, eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines +Schiff. Holländisch jagt: „een jagtschip voor den pronk en het gemak. +Van jagen, omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt; +avysjagt, oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz.‟ In +Ostfriesland ist jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie +es sich auf der Landstraße zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast. +Kilian: jaght = Liburnica, (Liburnen hießen die von den Illyriern +erfundenen Schnellsegler) celox navis praedatoria piratica, myoparo, +piraticus myoparo, navis triremis forma, incredibilis celeritatis. Die +Seeräuber haben von jeher gehabt und mußten der Natur der Sache nach +haben die schnellsten Schiffe. — Unter dem „Schiffzeug auff der Donauw‟ +das 1565 Frohnsperger anführt, kommen unter anderm vor: „weiter über die +hundert guter ziemlicher ander Schiff, auch groß klein und ander Nachen, +<span class="strong1">Renn und Jagschiff</span>, so gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr +und Streit gegen den Erbfeind (Türken) verordnet.‟ Eine nordische +Expedition die 1594 von Holland aus über „Nova Zembla‟ hinaus +unternommen und von Johann Huygen, einem der Teilhaber, beschrieben +worden ist, bestand aus drei Schiffen. „Auf dem Schiff von Amsterdam war +Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm Barentz von der Schelling, Bürger zu +Amsterdam, ein erfahrener und wohl versuchter Seemann. Der hatte ein +Schellinger Fischer-Jacht bey sich, ihn auf seiner fürgenommenen Reyse, +wenn er etwa von den andern solte abkommen, Gesellschaft zu halten‟. Ob +er diese Jacht an Deck genommen hatte? Jedenfalls führte das +Admiralsschiff eine Jacht an Bord mit, die ausgesetzt werden konnte. +„Mittlerweile daß sie also durch das Eiß hinfuhren, sahen sie etliche +Morsen oder Meer-Pferde auf den Eißschollen liegen; Einer von deß +Admirals Volck schoß einen davon mit einer Kugel, und weil sie +vermeynten, daß er dasselbe genug getroffen, <span class="strong1">setzten sie die</span><a id="Page_213"></a> + <span class="pagenum">[213]</span> +<span class="strong1">Jacht auss</span>, und verfolgten es so nahe, daß sie ihm noch ein Harpun in +den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit genügsamer Leine +nachschleppten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht überwältigen, +weil es sich so gewaltig wehrte, daß es allen, die in der Jacht waren zu +thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern, +damit sie wieder dasselbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten +ergriff, und die Eisen gantz krum biß, seine Zähne über den Bord hin +schlug, die Schuyte umzureißen.‟ Es wird also hier Jacht und Schuyt +(Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet +(Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Kriegsschiffe. „Die Jacht der +Windhund, fünffzig Last groß, mit zehn Stücken Geschütz und dreyssig +Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stücken und +vierzig Bootsgesellen führend.‟ „Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten, +mit zehen Stücken und vier und fünfzig Matrosen‟. „Die Jacht der David +von sechzig Last, mit vierzehn Stücken, sechs Steinstücken, und +zweiundvierzig Bootsgesellen.‟ Die große Jacht der Holländischen +Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avoit 66 piés de long, 19 piés de +large, et 6 piés de creux sous les goutieres.‟ „L'étrave avoit 9 pouces +d'épais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 piés 3 quarts de large par le +bas, 2 piés et un quart par le haut, 12 piés de hauteur, 10 piés de +quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'épais u. s. w. Siehe +Aubin, wo auch alle übrigen Maße ausführlich angegeben sind. Die „Heere +Jacht‟ die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark +vornüber neigendem Mast. Bemerkenswert ist, daß schon vor zweihundert +Jahren das Wort französisch Yacht geschrieben wurde und daß auch damals +in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebräuchlich war. Diese ist +also nicht etwa englisch, sondern die Engländer haben den Namen mitsamt +der Sache aus Holland bekommen. Daß sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht +und nicht Jacht wählten, geschah aus Gründen der Aussprache, wie hätten +die Engländer, wie vollends die Franzosen Jacht aussprechen sollen? — +In unserem gegenwärtigen neuhochdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch +wird das Wort — Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot +gesprochen — kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: „a light and +elegantly fitted up vessel, used either for pleasure trips or racing, or +as a vessel of state<a id="Page_214"></a> + <span class="pagenum">[214]</span> to convey kings, princes etc. etc. from one +place to another by sea. There are two distinct species of yacht: the +mere racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with +fine lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant, +commodious, well-proportioned travelling-yacht, often with steam +propelling machinery, fit for a voyage round the world.‟ — Daß aber +diese Art Schiffe und ihr Name aus den Niederlanden nach England kamen, +beweist eine Stelle aus dem berühmten Diary des Evelyn, der unter König +Karl II. von England lebte und schrieb: „I sail'd this morning with his +majesty in one of his <span class="strong1">yachts</span>, (or pleasure-boats), vessels not known us +till the Dutch E. India Company presented that curious piece to the +king‟, dessen Nichte Maria mit Wilhelm III. von Oranien sich +verheiratete und mit ihrem Gemahl später (1689) den englischen Thron +bestieg. Roeding (1794) beschreibt Bauart und Takelage der Jachten und +fügt dann hinzu: „Man gebraucht die Jachten, die sehr schnell segeln, +auch Nachrichten, Paquete und Briefe von einem Ort zum andern zu +bringen, und solche nennt man Advisjachten und Postjachten. Etliche +Städte und große Herren unterhalten auch Jachten zu ihrer Belustigung, +die man Herrenjachten oder Spieljachten nennt.‟ — Es ist bei der +Erklärung festzuhalten, daß jagen zunächst nicht „auf die Jagd gehen‟ +bedeutete, sondern sich schnell vorwärts bewegen, eilen, rasch laufen, +wie es ja auch heute noch gebraucht wird; daher jach, jäh, jählings. +Graff vermutet, das althochdeutsche jagon könne eine aspirirte Form von +agan sein, was dann mit dem gotischen ogan, timere, und agian, terrere, +verwandt wäre, sowie mit dem althochdeutschen egi, timor. Dann wäre +Aegir (Oegir), der Meergott, ein Jäger, einer der die Elemente Wasser +und Luft im Sturm vor sich herjagt. — Früher gab es im Niederdeutschen +auch die Form jageschip für schnelles Seeräuberschiff; „seerovers mit +klenen jageschepen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Jackstag</span>, das, besteht (Dick u. Kretschmer II 126) aus zwei mit +eingesplißten Augen auf den Rahenocken aufgestreiften Drahtenden, welche +durch die an der Oberkante der Verstärkungsringe der Rahe angeschweißten +Augen nach der Rahemitte fahren und hier, nachdem in jedes derselben +eine Kausch eingebunden, an der Achterkante der Rahtakelblöcke durch +einen Taljereep miteinander verbunden werden. Das Jackstag dient zum +Annähen des oberen Segellieks. — Obgleich oder vielmehr gerade +weil<a id="Page_215"></a> + <span class="pagenum">[215]</span> jack als Abkürzung von Jakob im Englischen in so unzähligen +Zusammensetzungen vorkommt, gewährt es für die Erklärung keinen +Anhaltspunkt. Es bedarf dessen aber auch nicht, das Wort läßt sich aus +dem Deutschen erklären. Es ist davon auszugehen, daß das Jagstack aus +zwei Stücken besteht, die sich von zwei Seiten einander nähern da, wo +sie sich am nächsten kommen, miteinander verbunden sind, wie zwei in +einem Joche gehende Ochsen. Und an ein Joch, niederdeutsch juk (vergl. +Juchart), denken wir, dem die Wurzel yug, fesseln, binden, verbinden, +zusammenbinden zu Grunde liegt. Eben durch solches Zusammenbinden der +beiden — an Backbord, an Steuerbord befindlichen — Teile entsteht ein +Jackstag. Das müßte also eigentlich Jukstag heißen und hat wohl auch +ursprünglich so geheißen, namentlich im Niederländischen; von daher +haben es die Engländer übernommen und, wie sie denn auf Verbindungen aus +jack geradezu versessen sind, so haben sie jackstag daraus gemacht. Wir +aber haben es in dieser Form wieder zurückempfangen, sodaß dieses Wort +dieselbe Geschichte hat wie das vorhergehende.</p> + +<p><span class="strong1">Jager</span>, der, das allervorderste Segel des „Vorgeschirrs‟, am verlängerten +Bugspriet, dem <span class="strong1">Jagerbaum</span>. Früher hießen auf Kriegsschiffen die beiden +Kanonen, die zuvorderst am Vorsteven standen, Jager, weil sie bei der +Jagd auf ein feindliches Schiff besonders gebraucht wurden. Daß gerade +das vorderste Segel jetzt Jager heißt, ist sinnreich und bedeutungsvoll +dem Namen der beiden Kanonen nachgebildet. Daß dabei wirklich an Jagd im +Sinne von „ein Wild jagen‟ gedacht ist und nicht bloß an „schnell +fahren‟, beweist ein doppelter Umstand. Einmal der, daß im +Niederländischen der Junge, der beim Treideln der Treckschuit das Pferd +antreibt, jager heißt, gewöhnlich, weil er noch ein Piccolo ist, „het +jagertje‟. Vgl. die Nota beim Teuthonista: „dyt Jagen mach men oick op +drijven duytschen.‟ Zum andern aber steckt in dem englischen Wort für +Jager, jib, dieselbe Gedankenverbindung. Altfranzösisch heißt aler +gibier, aler en gibier, être en gibier jagen, Vögel jagen; daher das +neufranzösische gibier, Wildbret. Gibet, Galgen, soll eigentlich „Strick +um den Hals‟ bedeuten, sodaß der Gedanke an eine Vogelschlinge nahe +liegt. — Wie ein Jäger in manchen oberdeutschen Dialekten ein „Jächter‟ +heißt, so heißt unser Jager auf Wangerooge (die Schreibart mit e am +Schlusse ist entgegen der preußischen von Langeoog und Spickeroog die +offizielle oldenburgische) jageder.<a id="Page_216"></a> + <span class="pagenum">[216]</span></p> + +<p><span class="strong1">Jakobsleiter</span>, die, eine Strickleiter hoch oben an der Bramstenge, auf +der die Oberbramsegelsgäste zu ihrer Oberbramrahe aufentern. Die +Benennung dürfte, wie auch Jakobsstab, von den sehr bibelfesten +reformierten Niederländern aufgebracht worden sein. Sie bezieht sich auf +die von Jakob im Traum gesehene Himmelsleiter, Genesis 28, 12.</p> + +<p><span class="strong1">Jakobsstab</span>, der. Das Werkzeug, dessen sich die Astronomie vor Zeiten +bediente, um die Sonnenhöhe zu beobachten. Auf dem Titelbild des +Dictionaire de Marine von Aubin, Amsterdam 1702 ist eine Amsterdamer +Werft abgebildet, auf der man unter allerlei sonstigen seemännischen +Gerätschaften einen Jakobsstab liegen sieht; und rechts, auf dem Wappen +von Amsterdam sitzt einer, der gerade im Begriff ist, mit einem solchen +die Sonne zu messen; demgemäß hält er den dreifach gekreuzten Stab so in +die Höhe, daß er sinnreich und bedeutungsvoll den Mittelpunkt des ganzen +Bildes bildet. Der Name stammt, wie Jakobsleiter, aus der Bibel, Genesis +32, 11: „ich hatte nicht mehr als diesen Stab, da ich über diesen Jordan +ging.‟ Auch auf dem Titelbild der Seekarten Waghenaer's Amsterdam 1588 +steht am Heck eines alle Leinwand zeigenden Schiffes ein Mann im +Begriff, mit dem Jakobsstab zu beobachten.</p> + +<p><span class="strong1">Jan Maat</span> ist eine scherzhafte, volkstümliche Bezeichnung für Matrose im +niederdeutsch-niederländischen Sprachgebiet. Hier bedeutet Jan eine +Abkürzung des ungemein beliebten und häufigen Namens Johannes, die aber +kaum als eine solche empfunden wird, sondern als ganz selbständiger Name +auftritt. Maat aber heißt Geselle, Genosse. Ein berühmter Sänger unserer +Tage singt ein reizendes kleines Lied von einem Mädchen, das von +verschiedenen „Fahrenden‟ gefragt wird, ob es mitfahren wolle. Jan Maat +fragt auch; da aber der Sänger „Jean‟ Maat ausspricht, als ob es +französisch wäre, geht ein gut Teil der Wirkung des Liedes verloren.</p> + +<p><span class="strong1">Jiggermast</span>, der, ist etwas Neumodisches, nämlich der zweithinterste Mast +eines Fünfmastschiffes. Im Englischen heißt das, was wir Treiber nennen, +nämlich ein (Mast mit) Segel ganz hinten am Heck, jigger, von to jig = +rütteln, schütteln oder vielmehr <span class="strong1">wackeln</span>. Die Bewegungen des Schiffes +(ganz vorn und) ganz hinten werden am meisten empfunden und fallen am +sichtbarsten in die Augen. Offenbar heißt darum der so weit hinten +stehende Treiber jigger; Jiggermast würde also der gerüttelte, +geschüttelte, wackelnde Mast sein.<a id="Page_217"></a> + <span class="pagenum">[217]</span></p> + +<p><span class="strong1">Jnglefieldanker</span> s. Anker.</p> + +<p><span class="strong1">Jnhölzer</span>, die. Der gemeinschaftliche Name für alle einzelnen Stücke, aus +denen ein Spant besteht, nämlich die Bauchstücke und Piekstücke mit +ihren Sitzern und Auflangern.</p> + +<p><span class="strong1">Joch</span>, das. Wie alles im Schiffbau, so hat auch die Ruderpinne in unserer +Zeit gewaltige Veränderungen erfahren, so daß von der ursprünglichen +Pinne auf vielen Schiffen gar nichts mehr übrig geblieben ist. Man hat +an ihre Stelle einen Kreissektor, einen ganzen Kreis, ein Parallelogramm +gesetzt, und die einfachste Verbesserung ist noch die, daß man anstatt +der Pinne zwei Jocharme auf die Ruderspindel gesetzt hat, an denen das +Ruderreep befestigt ist. Dieses Joch bedeutet grosse Kraftersparnis und +Sicherheit. Früher nannte man Ruderjoche zwei Taljen, die die Ruderpinne +bei schwerem Wetter halten halfen.</p> + +<p><span class="strong1">Jolle</span>, die, heißt jetzt ein kleines Schiffsbeiboot das gewöhnlich +gerudert wird, aber auch segeln kann und besonders als Kochboot für +Köche und Stewards dient, auch gebraucht wird um Beurlaubte in +geringerer Zahl an Land zu bringen oder wieder abzuholen, überhaupt ein +Arbeitsboot, kurz aber ziemlich breit. Zu dem angegebenen Zwecke dient +die Jolle schon seit Jahrhunderten. „Aldus was gemelte H. K. szulffander +mith eynere jollen ilendes in de hauene nha zodaneme schepken gefaren‟ +(aus Wismar 1520). Ostfriesisch jul, jülle, niederländisch jol, +wangerländisch jel, auf der Spree gelle, sonst niederdeutsch auch golle +und jölle, (g und j läßt sich oft nicht auseinanderhalten); dänisch +jolle, englisch yawl, schwedisch jelle, julle, französisch jelle, jol. +Wegen der Formen mit g im Anlaut ist Herkunft vom griechischen gaulos +nicht unwahrscheinlich. Und zwar würde sogar die Form heute noch +stimmen, da gaulos ein <span class="strong1">ovales</span> phönizisches Lastschiff war. Ob nun die +Friesen und Sachsen, die frühe schon die französischen Küsten mit ihren +Schiffen befuhren, das inzwischen durchs Lateinische und Provençalische +ins Französische gedrungene Wort mit heimgeführt haben, ob vielleicht in +uralten Tagen schon die Phönizier selbst es an den Küsten der Nordsee +zurückgelassen haben, das wird sich schwer entscheiden lassen. +Jedenfalls hat es schon früh einen Zeitpunkt gegeben, wo die Jolle im +Gedankengang deutscher Seeleute eine bedeutende Rolle spielte, da sie +den einfachsten Flaschenzug nach ihr <span class="strong1">Jolltau</span>, <span class="strong1">Jollentau</span> auch kurzweg +<span class="strong1">Jolle</span> nannten.<a id="Page_218"></a> + <span class="pagenum">[218]</span></p> + +<p><span class="strong1">Jollentau</span>, <span class="strong1">Jolltau</span>, <span class="strong1">Jolle</span>, die, ein Tau über eine Scheibe laufend. Schon +mit einem solchen kann sich ein Mann selbst in die Höhe winden. Zunächst +wird man nach dem (Schiffs)boot, das den Namen Jolle führt ein Haupttau +desselben Jollen-oder Jolltau genannt haben, und erst hieraus ist der +Kürze wegen Jolle entstanden, dessen Bedeutung zunächst allgemein +Bootstau war, aber nach und nach auf ein besonderes Tau eingeschränkt +wurde, wie Hochzeit ursprünglich jede Freudenzeit hieß und hernach auf +eine große Freudenzeit des Lebens beschränkt wurde.</p> + +<p><span class="strong1">Junge</span>, der. Ein Schiffsjunge ist heutzutage etwas anderes als vor +hundert Jahren ein Junge auf dem Schiffe war. Von diesem schreibt +Roeding, daß solcher ein Knabe von 7-9 Jahren sei, der dem Kapitän +und den übrigen Schiffsoffizieren zur Aufwartung diene. „Auf Kauffahrern +trifft man gewöhnlich nur einen Kajütsjungen oder Kajütswächter an, für +den Kapitän. Auf großen Schiffen aber befindet sich außer dem +Kajütswächter noch ein Hofmeister, auch halten sich mehrere +Schiffsoffiziere einen eigenen Jungen, so giebt es z. B. +Bootsmannsjungen, Kochs-Jungen etc. etc. Bey jeder Back ist ebenfalls +ein Junge, welcher der Backsjunge genannt wird.‟ — Jetzt ist ein +Schiffsjunge ein der Schule entwachsener junger Mensch, der zur See +fährt, wohl auch einmal zu allerlei Dienstleistungen genötigt wird, aber +dessen Hauptbeschäftigung doch die Erlernung der Seemannschaft und +dessen Ziel die Heranbildung zum Matrosen, wo möglich zum Steuermann und +Kapitän ist. — Die Schiffsjungen der Kaiserlichen Marine sind junge, +konfirmierte Burschen, die im Schiffsjungen-Institut, 24. April 1850 +gegründet, auf Staatskosten so im Seemännischen und Militärischen +ausgebildet werden, daß sie einmal brauchbare Unteroffiziere, und, wenn +sie sich dazu eignen, Deckoffiziere werden können.</p> + +<p><span class="strong1">Jungfer</span>, die, ein Block ohne Scheibe, rund, breit, wie eine abgeplattete +Kugel, mit drei Löchern in Gestalt eines Dreiecks; dient hauptsächlich +dazu die Hofttaue der Wanten anzusetzen. Mit einigem guten Willen kann +man in dem Block das rundliche Gesicht einer Jungfrau sich vorstellen. +Andere Nationen haben ihrer Einbildungskraft eine andere Richtung +gegeben; die Franzosen sagen, was vielleicht noch treffender ist, cap de +mouton, Schafskopf, auch, weil der Block schwarz ist, cap de more, +Mohrenkopf; die Holländer sagen neben juffer = Jungfer,<a id="Page_219"></a> + <span class="pagenum">[219]</span> +dood-mans-oog, eines toten Mannes Auge; die romanischen Sprachen sagen +bigota, wohl mit bigote = Knebelbart eins, haben also auch an das +Gesicht eines Mannes, aber eines lebendigen, gedacht. Die entsprechenden +drei Löcher einer Kokosnuß nennen die Engländer sehr bezeichnend monkey.</p> + +<p><span class="strong1">Jungmann</span>, der, ist ein eigentümlicher Mensch, kein Junge mehr und noch +kein Mann, noch kein seebefahrener Vollmatrose, aber auch kein +Schiffsjunge mehr = ein Jungmatrose. Seit die Marine die Ausbildung im +Schiffsjungeninstitut abgekürzt hat, gibt es auch hier Jungmatrosen, die +aber den Namen Leichtmatrosen führen, weil sie noch nicht ganz für voll, +eigentlich schwer genug befunden werden.</p> + +<p><span class="strong1">Jütte, taube</span> s. Davit.</p> + + + +<h2> +<span><a id="K"></a>K.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Kabbelung</span>, die, gewöhnlich in der Verbindung Stromkabbelung, das +Zusammentreffen zweier Strömungen, der Streifen auf dem die Grenzen der +zwei Strömungen an einanderschlagen und ein hörbares Geräusch +verursachen. <span class="strong1">Kabbeln</span> ist ein lautmalendes Wort, das schlagen, +anschlagen, plätschern, klatschen bedeutet; „wenn die Wellen von zwei +Seiten gegen einander schlagen und klatschen‟; dann auch im übertragenen +Sinne, aber nicht in dem von klatschen = schwätzen, nachsagen, sondern +in dem von laut zanken, streiten, keifen; „sich kabbeln‟ = sich +streiten. Indessen wird kabbeln nicht nur von dem Sichbegegnen zweier +Strömungen, sondern auch überhaupt von dem Anschlagen des Wassers an +irgend einen harten Gegenstand gebraucht.</p> + +<p><span class="strong1">Kabel</span>, das, ist ein starkes Tau, früher anstatt der jetzigen Ankerkette +als Ankertau gebraucht, eine Trosse, Kabeltrosse; jetzt besonders +wichtig unterseeisches, transatlantisches Telegraphenkabel. — +Lübeckische Chronik: „dat groteste schip konden se nicht weg bryngen, +wente syn kabel was gehouwen.‟ Ein Tanz der Matrosen hieß kabeldanz, +Renner, Brem. Chron.: „Dar dantzeden de boetslude den kabeldantz etlicke +mahl, welches den commissarien seltzam was, doch woll gefell.‟ — Der +Teuthonista<a id="Page_220"></a> + <span class="pagenum">[220]</span> schreibt: „cabel = lyn, reep, seel, to vo dair mede +men eyn schyp an dat lant vestiget offte merret.‟ Die Form cabel +erinnert durch das c an den Ursprung des Wortes, griechisch kaplion; +lateinisch capulum, caplum, abgeleitet von capere, fassen, halten. So +ist das Wort schon vor bald 13 Jahrhunderten erklärt worden. Isidor von +Sevilla, geb. 560, gest. 636 n. Chr., der die Westgothen in Spanien zur +katholischen Kirche zu bekehren suchte, und der das große Verdienst hat +der germanischen Welt durch seine schriftstellerische Tätigkeit die +klassische und patristische Gelehrsamkeit übermittelt zu haben, dessen +Werke auch das ganze Wissen jener Zeit enthalten, hat zwar nicht die ihm +nachgesagten „Pseudoisidorischen Dekretalen,‟ wohl aber ein großes Werk +„Origines s. Etymologiae‟ geschrieben, eine Art Encyklopädie. Da lesen +wir: „capulum funis a capiendo.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kabelaring</span>, die, kommt seit Einführung der Ankerkette an Stelle des +Ankerkabels kaum mehr vor, war aber früher nötig, da man die dicken +Ankertrossen selbst nicht gut um das Spill legen konnte wenn man Anker +lichten wollte. Da wurde denn ein dünnes Tau an das Kabel befestigt und +mit dem Spill eingewunden, so daß dann das dicke mit hereinkam. Eine +Weiterbildung von Kabel. Bei Roeding ist eine sehr deutliche Abbildung +und Beschreibung; da die Sache veraltet, tut eine solche hier wohl nicht +not.</p> + +<p><span class="strong1">Kabelgarn</span>, das, s. Garn.</p> + +<p><span class="strong1">Kabellänge</span>, die, war früher ein vielgebrauchtes Maß zur See und ist auch +jetzt noch im Gebrauch, wenn es sich nicht um genaue Angaben, sondern +ungefähre Schätzung handelt. — Jetzt wird auch zur See nach Metern +gerechnet. Es war aber auch zur Zeit der Herrschaft der Kabellänge nicht +einheitlich genau bestimmt, was oder wie lang eine solche wäre. Es gab +Ankerkabel von 150, es gab auch solche von 120 „Faden‟; doch waren +erstere die normaleren. Schon 1588 finden wir das Wort bei Waghenaer: +„Item om die Voort te treffen, so sult gy op twe Cabels lengte by de +Clippen van de Backovens lancx zeylen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kabine</span>, die, nur im Sprachgebrauch der Handelsmarine vorkommend, Wohn- +und Schlafraum eines Offiziers oder Passagiers; auf Kriegsschiffen +ausschließlich Kammer genannt. Das Wort stammt aus dem Keltischen, wo +cab Zelt oder Hütte hieß. Das Bremer Wörterbuch hat die Form cave und +bezeichnet damit<a id="Page_221"></a> + <span class="pagenum">[221]</span> eine von Latten und Brettern umschlossene Ecke, +wo man Vieh hinstellt; also nicht den ganzen Stall, sondern einen Teil +vom Ganzen, einen Koben, einen Schweinekoben. „Wenn der Bauer sein Kind +etwa liebkosend zwischen beiden Knien einschließt, so spricht er: „ik +hebbe den Jungen im Kaven‟.‟ — angelsächsisch cofa, englisch cabin. +Eine Kabine konnte um so eher nach einem Kaven genannt werden als eine +solche ursprünglich kein so eleganter Raum war, sondern schmucklos aus +ein paar Brettern zusammengezimmert. Eine scherzhafte und verächtliche +Weiterbildung ist Kabuf und Kabache. — Ueber das Wort cab äußert sich +Diefenbach, Celtica p. 118: cab ist ein uraltes kymrisches Wort und +bedeutet Hütte, Zelt; im Breizonek (Bas-Breton, Mündungsgebiet der +Loire): caban, cabannen = cabane. Die Briten haben also auf der Flucht +nach Frankreich das Wort mit über den Kanal genommen und das +Französische damit bereichert. Gälisch: caban = Hütte, Zelt. Daß das +Wort im ganzen keltischen Sprachgebiet bekannt war, beweist die +Bedeutung die Isidorus (Isidorus von Sevilla, gestorben 636, „originum +s. etymologiarum libri XX‟) dem aus dem Keltischen ins Mittellateinische +gedrungenen Worte capanna = Hütte gibt: „Hanc rustici Capannam vocant, +quod <span class="strong1">unum</span> tantum <span class="strong1">capiat</span>‟ (!) Daher italienisch capanna Strohhütte, +spanisch cabanna, französisch cabane. Vergl. Kampanje, Kambüse, Kajüte.</p> + +<p><span class="strong1">Kadett</span>, der, s. Seekadett.</p> + +<p><span class="strong1">Kabliau</span>, der, der bekannte große, schwere, schmackhafte Seefisch der +besonders auf den Neufundlandbänken zu Millionen gefangen und meist in +der Form von Stockfisch gegessen wird, gadus morrhua. Der Name Kabliau +ist seit Ende des 13. Jahrhunderts bekannt und seitdem bei allen +seefahrenden Germanen (mit Ausnahme der Engländer) im Gebrauch. Er ist +ein sehr gefräßiger Fisch, der gierig nach allem schnappt, weshalb auf +den erwähnten Neufundlandbänken oft ein Mann 400 bis 500 Stück an einem +Tage fängt. Daher liegt der Schluß nahe, der Name komme von kabbeln, von +einer Wurzel gabh = schnappen, beißen, klaffen; niederdeutsch heißt der +Fisch kabbeljau, kabeljau. Gegen einen Krug Rum kann man von den +Fischern auf der genannten Bank (viel Franzosen) eine ganze +Schiffsbesatzung satt machen mit Kabliau. Im Munde des Seemanns hat sich +aber das Wort darum so eingebürgert, weil jedesmal wenn das +Tieflot<a id="Page_222"></a> + <span class="pagenum">[222]</span> geworfen wird einer aussingt: „Warschau von untere, +Kabliau en Flundere‟, welcher Versanfang dann auch sonst gebraucht wird, +wenn einer den andern „warschaut‟ (s. d.).</p> + +<p><span class="strong1">Kahn</span>, der, ein in der Seemannssprache — außer im Scherz anstatt Schiff + — nicht gebräuchliches Wort für Boot, beinahe ausschließlich auf +Binnensee- und Flußboote beschränkt, (wie z. B. am Rhein außer den +zahlreichen Landstellen für die Dampfer es auch noch viele +„Kahnstationen‟ gibt, auf denen ein Kahn längsseit des stoppenden +Dampfschiffs kommt). Das würde aber an sich noch kein Beweis gegen die +behauptete Abstammung von dem westindischen Worte canoe sein, da das +Wort doch in allen Küstenländern der Nordsee zu Hause ist, wenn nicht +das Wort schon vor der Entdeckung Amerikas bekannt gewesen wäre. Nun +kommt aber in einer Lübecker Urkunde vom Jahre 1342 die Stelle vor: +„nemen enen kanen gheladen mit vser borgher gude.‟ — +Mittelniederländisch kaen, neuniederländisch kaan, auf Wangerooge kunne; +altnordisch kani und wohl von hier aus durch die Normannen ins +Altfranzösische getragen als cane, neufranzösisch canot, denn wenn es +dahin direkt aus dem Lateinischen gekommen wäre, so würde von canna die +altfranzösische Form canne lauten. Wir müssen daher für die Erklärung im +Germanischen bleiben. Da nun im Isländischen kaena sowohl Fischerboot +als auch Schöpfgefäß genannt wird, diese beiden aber in ihrer +einfachsten, ursprünglichen Gestalt aus ausgehöhltem Holz bestanden, der +Kahn aus einem hohlen Stamm, und das Schöpfgefäß (<span class="strong1">die Kanne</span>) aus einem +hohlen Ast, so ist als gemeinschaftlicher und ursprünglicher Begriff der +von „ausgehöhlt, hohl‟ anzunehmen, und die Wurzel khan, von der dann +doch auch lateinisch canna und canalis kommen, so daß also, wenn auch +auf Umwegen, Kanal und Kanone und Kanne und Kahn verwandtschaftlich +zusammenkommen, mit dem Familienmerkmal des Hohlen, des mit Kunst +Ausgehöhlten, Ausgegrabenen.</p> + +<p><span class="strong1">Kaje</span> (Kai), die. Nicht bloß eine Küste oder ein Gestade, auch nicht bloß +Ufer und Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschenhand durch ein +Bollwerk oder eine Mauer befestigte und für seemännische Zwecke bequem +gemachte Wasserkante. — Spanisch cayo, altfranzösisch caye, französisch +quai, Damm an Flüssen, Deich. Niederländisch kaai, englisch kay, +niederdeutsch Kaje, welche Form als die beste, bequemste und +brauchbarste<a id="Page_223"></a> + <span class="pagenum">[223]</span> wieder eingeführt zu werden verdiente, wenn nicht +überhaupt „der Staden‟ (s. d.) den Vorzug verdient. Das „Bremer +Wörterbuch‟ gebraucht ausschließlich die Form Kaje, sie ist also vor +hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus dem Munde unserer +Seeleute ist sie ohnehin nie durch „Quai‟ verdrängt worden. Kilian hat +die ähnliche Form, in der Aussprache aber wie Kaje lautend, Kaeye = +litus, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches Wort. Wenn es auch +aus dem Keltischen stammt, so ist es doch unserem Seemann schon vor +unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Dietz nimmt an +das kymrische Wort cae, Zaun, Umzäunung, bretonisch kae, auch Deich, sei +die Grundbedeutung, und Diefenbach (Celtica 116) bestätigt das. Und zwar +kommt das Wort von einem keltischen Namen, der ursprünglich Jagd +bedeutet (daher italienisch und rätisch caccia, spanisch, portugiesisch +caça, französisch chasse), dann Jagdgehege, hernach überhaupt einen +durch einen Zaun eingeschlossenen Raum, einen Haag; bald auch Zaun +überhaupt; so im Kymrischen cae = hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus +wird dann im Breizonek Wallmauer, also schon ganz unser Fall. Kaje war +also anfangs keine Mauer, sondern ein Zaun, der nach und nach von immer +stärkeren Pfählen gebildet wurde, bis allmählich unser Bollwerk daraus +wurde. Daß eine Mauer nicht notwendig zu einer Kaje gehört wird bewiesen +dadurch, daß man ausdrücklich von einer Kai-<span class="strong1">Mauer</span> spricht, wenn man eine +solche bezeichnen will. — Der Übersetzer der „Durchlauchtigsten +Seehelden‟ 1681 hat im Hochdeutschen durchgängig die Form „die Kay‟, z. +B. wo er von der mißlungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende +spricht (1628): „In dieser Gestalt kamen sie an die Kay, ausserhalb der +Stadt, allda stiegen sie über die Fehr und andere Schiffe, die in den +Haven lagen‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Kaien.</span> Die Rahen nach der Länge des Schiffes, also parallel mit dem Kiel +brassen und zugleich auftoppen; ein Manöver das auf Kriegsschiffen +hauptsächlich beim Andecknehmen der Rahen ausgeführt wird, bei +Handelsschiffen aber, die oft eng zusammen in einem Hafen liegen, +vorgenommen wird, damit die Rahen andern Schiffen nicht im Wege sind. +Weiland: „Kaaijen een seewoord, ook toppen genannt‟ geschieht „waneer +het schip te veel slingert, of door eene engte moet.‟ Die nächste +Bedeutung ist also die: Ein Schiff in Bezug auf seine Rahen in +den +<a id="Page_224"></a> + <span class="pagenum">[224]</span> Stand bringen in dem es für sich und andere am bequemsten <span class="strong1">an +der Kaje</span> liegen kann. Von dieser ersten Bedeutung (nicht nach der Zeit, +sondern nach der seemännischen Schätzung ersten) kommt dann der Begriff: +eine Rahe aus einer Lage in die andere bringen, auch wenn das Schiff +nicht an der Kaje liegt oder durch eine Enge hindurch will, also bei dem +vorher erwähnten Manöver, oder in dem Sinne wie 1699 das holländische +Kaayen mit changer l'artimon übersetzt und mit „de besaan doorkaijen, of +van d'eene sy tot d'andere brengen.‟ — Die weitere Bedeutung von Kajen +ist aber — und hierbei kommt der eigentliche Sinn von Kaje als +Schutzding zur Geltung — schließen, dämmen, einschließen, eindämmen, +mit einem Damm umgeben, abschließen, ostfriesisch inkajen, bekajen, +ofkajen, umkajen. — Mittelniederländisch kaeijen, appelere, intrare +portum (also erste Bedeutung) altfriesisch aber kaya, schließen (zweite +Bedeutung), wovon kay, Schlüssel („mith fif keien te undslutane‟); +englisch key.</p> + +<p><span class="strong1">Kajüte</span>, die, der Raum, in dem der Kapitän haust, auf Passagierschiffen +der gemeinschaftliche Raum der Kajütspassagiere. Mit Kambüse, Kabine, +Koje und Kampanje verwandt, ähnlich wie Kambüse tautologische +Zusammensetzung, nämlich vom keltischen cab = Bretterverschlag, und +Hütte, vielleicht unter dem Einfluß des französischen cahute entstanden. +Schon bei Kilian: kaiute, kaiuyte, cubile naucleri, cubiculum nauarchi, +aber auch locus in navi ubi remi et gubernacula reponuntur. Im Dänischen +hat sich das h von Hütte noch erhalten: kahyt. — Das Wort Hütte ist +auch für sich allein in seemännischem Gebrauch, s. s. v.</p> + +<p><span class="strong1">Kalfatern</span>, richtiger Kalfaten, heißt an einem Schiffe die Nahten (Fugen +zwischen den Planken) mit Werg verstopfen, solche nachher mit kochendem +Pech überziehen (und das Pech, welches neben den Nahten auf den Planken +sitzen bleibt, mit Schrapern abschrapen). Das Werg wird mit den +Kalfateisen, worauf mit dem Kalfathammer geschlagen wird, in die Nahten +getrieben. „In Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und in etlichen +andern Ländern gibt es eigene Arbeiter, welche die Schiffe kalfaten, und +solche werden Kalfaterer genannt. An solchen Orten aber, wo eben keine +Kriegsschiffe erbaut werden, wie z. B. in Hamburg, verrichten die +Schiffszimmerleute diese Arbeit selbst! Man braucht dazu, 1. ein +<span class="strong1">Scharfeisen</span>, die Nahten etwas zu erweitern, damit das Werg besser +eindringe, +<a id="Page_225"></a> + <span class="pagenum">[225]</span> 2. ein <span class="strong1">Kalfateisen</span>, stumpf, das Werg einzutreiben, 3. +ein <span class="strong1">Rabatteisen</span>, der Länge nach einmal oder zweimal wie eine Rabatte im +Garten durch eine Vertiefung geteilt, zum weiteren Eintreiben des Wergs, +und 4. das <span class="strong1">Spikereisen</span> mit einer halbrunden Schneide, das Werg bei den +Spikern und hölzerne Nägeln einzuschlagen.‟ — Mit den <span class="strong1">Nahthaken</span> wird +vorher das alte Werg aus den Nahten herausgerissen. — Bei großen +Schiffen, deren Planken der Bordwände sehr stark sind, wird statt des +Rabatteisens ein <span class="strong1">Klamei</span>eisen gebraucht, mit einem eisernen Stiel, mit +dem ein Kalfaterer das Eisen auf das Werg hält, während ein anderer mit +dem <span class="strong1">Moker</span> darauf schlägt; das nennt man <span class="strong1">klameien</span>; (Weiterbildung des +niederdeutschen klam = Pressung, Druck, Drang, Zwang, weil das Werg in +die Naht gezwängt, gedrängt, gepreßt wird, mit Klamm, klemmen eins). +Moker aber ist ein niederdeutscher Ausdruck für einen zweischlägigen +Hammer, wahrscheinlich wegen seiner an beiden Seiten abgestutzten +Gestalt, wobei man an mittelhochdeutsch mocke zu denken hat. (Möglich +wäre auch immerhin, daß einmal von ganz ungewohnter Seite her ein Wort +in die deutsche Sprache eingedrungen wäre, nämlich aus Finnland. +Breusing schreibt: „Jakob Grimm erzählt in seinem Berichte über das +finnische Heldengedicht Kalewala, daß es ihm früher nicht möglich +gewesen wäre, die Herkunft dieses Wortes festzustellen; nun aber zeige +es sich, daß es finnischen Stammes sei, denn mou-kara bedeute malleus +maximus.‟) Die Frage ist nun, was ist kalefaten für ein Wort? Es ist in +der absonderlichsten Weise gedeutet worden. Schon Kilian erwähnt eine +Deutung die mit kalos = schön und fat = Faß zusammenhängt. Das Bremer +Wörterbuch schreibt: „Vom französischen cale, der untere Teil des +Schiffes und fait von faire, machen.‟ Und Weiland hat kein Bedenken +getragen, sich dieses anzueignen. Es liegt aber auf der Hand, daß davon +keine Rede sein kann. — Hätten wir nur das lateinische calefacio oder +calefacto, dann wäre die Sache einfach, denn das heißt „warm machen,‟ +und der Teer oder das Pech mit dem die Nahten ausgefüllt werden, muß +dazu warm gemacht werden, daher Brabank, (s. d.) der Ort wo das Kalfaten +geschieht. Nun kommt aber das Arabische dazwischen und zwar nicht etwa +bloß das Neuarabische, sondern ein gut altarabisches, altsemitisches +Wort, das auch im Syrischen und im Targum-Aramäischen zu finden ist. Die +Bedeutung<a id="Page_226"></a> + <span class="pagenum">[226]</span> ist eigentlich = „entwinden, schälen‟, dann +„beschneiden,‟ dann „aufspunden‟ (den Pech- oder Lehmverschluß von einem +Fasse nehmen), dann „schäumen‟ von Most; dann aber auch „ein Schiff +kalfatern und teeren‟. Darnach scheint, trotz des Teerens, der Begriff +des Warmmachens doch nicht besonders in dem Worte zu liegen, sondern der +Hauptnachdruck auf das Arbeiten mit dem Werg gelegt werden zu müssen, da +dieses doch eine Rinde darstellt, die durch Entrinden oder Schälen des +Hanfs genommen wird, ja es unterscheidet sich Werg geradezu dadurch von +Hanf, daß es noch nicht ganz von der Holzfaser des Hanfstängels befreit, +daß diese noch nicht genügend entrindet ist. So ist denn auch die +Hauptbedeutung von Kalafa: „die Ritzen eines Schiffes mit Werg +verstopfen‟ und dann erst bedeutet es, weil der Teer eben auch noch dazu +gehört, teeren oder verpichen. Von „wärmen‟ ist also abzusehen, es müßte +denn sein, daß durch das Dichten das ganze Schiff wärmer würde, allein +daran denkt kein Seemann beim Kalfaten, nicht einmal in unserem rauhen +Klima, geschweige denn unter der Sonne des Südens, und demgemäß ist +calefacto bei Seite zu stellen, und bis auf Weiteres, nämlich bis jemand +den Zusammenhang zwischen kalafa und calefacto darlegt, müssen wir die +Ähnlichkeit beider Wörter für ein zufälliges Zusammentreffen erklären +und kalfaten für ein Lehnwort aus dem Arabischen ansehen — es gibt +deren ja eine ganze Anzahl in der Seemannssprache. Zumal auch das +mittelgriechische kalafatein entlehnungsverdächtig ist, das türkische +kalfat aber einfach „Verstopfung‟ heißt, also mit „warm‟ nichts zu tun +hat. Der Weg auf dem das Wort zu uns kam, ist durch diese Formen +angedeutet: italienisch calafatare, spanisch calafatear, provençalisch +calafatar, französisch calafater, niederländisch kalfateren, kalfaten. + — Der Kalefaktor, der bei einer Behörde die Amtsstuben heizt, kann sich +also nicht für einen Verwandten des Kalfaterers ausgeben. — In einem +Briefe an Frau von Stein schreibt Goethe: „Ich kalfatere jetzt Fenster +und Türen und will sehen, wie lange ich mich gegen die Unbilden der +Witterung halte‟; er gebraucht auch die Wendung „ein Kleid kalfatern.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kaliber</span>, das, die innere Weite eines Geschützrohres, auch „Seele‟ +genannt, oder überhaupt eines Gewehrrohres. Das Wort wird aus dem +Arabischen abgeleitet, kalib = Modell, also Modell<a id="Page_227"></a> + <span class="pagenum">[227]</span> zum Gießen des +Geschützes, wobei das Modell die innere Seite des Rohres bestimmt. In +Frankreich heißt calibre das Modell nach dem ein Schiff gebaut wird, +unser Mall. Eine andere Ableitung ist die von qua libra? d. h. „von +welchem Pfund oder Gewicht?‟, wobei an die Kugel, an das Geschoß gedacht +wäre; unwahrscheinlich.</p> + +<p><span class="strong1">Kalmen</span>, die, sind für Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heiße, +regenreiche Striche am Äquator, oft, weil sie sich in der Richtung +desselben gürtelartig weiterziehen, auch Kalmengürtel genannt. Man denkt +dabei zuerst an Windstille und verbindet in der Vorstellung viel Regen +damit, die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Spanischen und +Portugiesischen heißt calma, wie auch im Italienischen, nicht bloß +Windstille, Ruhe, sondern auch „heiße Tageszeit.‟ Mittellateinisch +calma, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die +Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an calor geschehen ist. Die +heiße Tageszeit nötigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das +Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d. h. für die Binnenländer +und überhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im +umgekehrten Gedankengang in Gebrauch genommen; da es ihm zunächst und +vor allen Dingen um Wind zum Vorwärtskommen zu tun ist, so hat er die +erzwungene Ruhe, die lästige Windstille in den Vordergrund gestellt und +denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese +natürlich grade auf See, wo sonst der Seewind das Leben erträglich +macht, ziemlich unerträglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze +zurückgetreten, daß man behaupten kann, daß in der Seemannssprache +Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht, +daß „bekalmt‟ sein nichts weiter heißt als „ohne Wind sein‟, „in +Windstille liegen‟ und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefühl +für Hitze haben.</p> + +<p><span class="strong1">Kambüse</span>, die, die Schiffsküche. Eigentlich Kabüse und verwandt mit +Kabine als eine Weiterbildung von cab. Jetzt steht die Kambüse an irgend +einem beliebigen passenden Orte im Schiffe, aber eigentlich ist sie ein +Bretterverschlag an Deck, ein Decksaufbau oder Deckshaus, das früher +nicht nur als Küche sondern auch als Schutz- und Zufluchtsort für die +Matrosen diente, sogar auch als Raum zum Aufbewahren von Vorräten. +Niederländisch kabuis und kombuis, wie Hochdeutsch neben +<a id="Page_228"></a> + <span class="pagenum">[228]</span> Kambüse +auch Kombüse vorkommt. Keltisch cab, davon französisch cabinet. Bei +Kilian kabuyse = promptuarium, cella promptuaria, plenaria. Exedra in +navi, culina nautica. Die nasalierende Weiterbildung von Kabüse zu +Kambüse entspricht der französischen von cab zu chambre, sowie im +Englischen dem Verhältnis von cabin zu chamber. S. Kampanje. Die +Lautverschiebung Kambuse-Kombüse hängt mit der niederdeutschen dumpfen +und dunklen Aussprache des a zusammen, (Korl statt Karl). Das keltische +cab bedeutet Bretterverschlag; — üse ist die niederdeutsche Form huse +für Haus mit aphäriertem Anlaut, bezw. mit Schwund des aspirierten +Anlautes wegen der Zusammensetzung mit cab. Das Wort hat also +ursprünglich cabhus gelautet. Die Zusammensetzung ist um so eher zu +begreifen, als die Bedeutung Haus bei cab schon früh nicht mehr gefühlt +wurde und man doch recht deutlich sein wollte. Ich werde in dieser +Annahme durch die Tatsache bestärkt, daß im Mittelniederdeutschen das +Kern<span class="strong1">haus</span> eines Apfels kabuse hieß.</p> + +<p><span class="strong1">Kambüsenbesteck</span>, das. Am Lande haben Köchinnen ihre militärischen +Freunde manchmal vielleicht nur deshalb weil hie und da einmal etwas +Eßbares abfällt. Ganz aus demselben Grunde hat der in der Kambüse sein +Wesen treibende Koch seine Freunde unter den Unteroffizieren. Als einst +auf hoher See die sämtlichen Mitglieder der Offiziermesse an +Wurstvergiftung erkrankten, zeigten sich nicht nur bei dem Steward und +seinen Maaten, sondern auch beim Koch und einigen Bootsmannsmaaten, die +mit ihm befreundet waren, dieselben Vergiftungserscheinungen. So ist +denn öfters in den Freizeiten in und bei der Kambüse gemütliche +Versammlung in der über dies und jenes, namentlich aber auch über die +Fragen, wie groß das Etmal und wie wohl das Mittagsbesteck sein möge, +verhandelt wird. Da aber wissenschaftliche Bestimmungsmittel fehlen, so +wird das Besteck „gegißt,‟ (s. gissen). Naturgemäß wird oft „vorbei‟ +gegißt und das Besteck ist verkehrt. Darum nennt der Seemann jede +falsche Vermutung, jede unrichtige Nachricht ein Kambüsenbesteck.</p> + +<p><span class="strong1">Kampanje</span>, die. Der Aufbau auf dem Achterdeck, ganz hinten am Heck, der +ursprünglich Hütte hieß und lange Zeit auch neben Kampanje so genannt +wurde; eigentlich nur das erhöhte Deck selbst, was daraus hervorgeht, +daß die Kammern unter dem Aufbau Kammern <span class="strong1">unter</span> der Kampanje genannt +werden; indessen<a id="Page_229"></a> + <span class="pagenum">[229]</span> ist doch das Ganze eins und heute noch als Hütte +anzusehen. So haben wir also auch hier wie bei Kabine, Kajüte und +Kambüse auf das unter Kabine behandelte keltische cab zurückzugehen, und +zwar auf die romanische Form capanna. Von dieser ist ein +niederländisches Diminutivum kapannje gebildet, ein n fiel aus und das m +kam rhinistisch hinzu durch Nasalierung des ersten a, wie in Kambüse. +Bald verdunkelte sich auch, ebenfalls wie bei Kambüse, Kombüse in +niederdeutscher Weise das a zu o, so daß schon Kilianus die Form +kompanghe hat, op-boetsel, Acroteria. Die übrigen bekannten +mittelniederdeutschen Formen sind kompandie, compannie, companie, +compandie, sogar compagnie, stets erklärt mit: „Platz oben auf der +Hütte‟, vergl. die unter Badegast angeführte Stelle der Hamburger +Chronik. — Französisch ist das niederländische kompanje oder kampanje +1702 von Aubin übersetzt mit „le dessus de la Dunette proche du +couronnement.‟ „On fait souvent devant la porte de la Dunette un couvert +comme un petit appentis (Schutzdach), soutenu par des pilers et aux +bouts du demipont des apuis et des balustrades, fort bien ouvragées‟ ... +„On met au-dessus des dunettes, auprés du couronement, un banc pour +s'asseoir, et au dessous une cage pour des volailles et pour des +pigeons‟; also war schon damals die Kampanje der Versammlungsort der +(dienstfreien) Offiziere, die da auch schon ihre mitgebrachten Papageyen +etc. etc. hängen hatten. Aber man darf Kampanje doch nicht mit Kompanie, +Kumpanie = Gesellschaft zusammenbringen; auch nicht mit campagne für +champagne von campania, Flur, Gefilde, „angenehmer Aufenthaltsort‟; noch +weniger mit campus, Schlachtfeld, wovon das deutsche Kampf kommt. +Dergleichen Gedankengänge leiten die Sprache bei dergleichen Benennungen +nicht; sie verfährt nüchtern und knüpft an das Nächste, wo möglich etwas +Sichtbares und Greifbares, an; und das war hier der keltische Name cab = +Hütte. — </p> + +<p><span class="strong1">Kamerad</span>, der, italienisch camerata, spanisch camarada, französisch +camarade, Gefährte, Genosse, eigentlich Kammergenosse, ursprünglich, wie +Frauenzimmer, ein Kollektivbegriff, eigentlich Stubengenossenschaft, +nachher erst auf eine einzelne Person angewandt.</p> + +<p><span class="strong1">Kammer</span>, die, kommt in der Sprache der Kriegsmarine in vielfacher +Bedeutung vor.<a id="Page_230"></a> + <span class="pagenum">[230]</span> </p> + +<p>1. Der Privat-Wohn- und Schlafraum eines Offiziers etc. etc., der nur +mit diesem Namen, niemals etwa Kabine genannt wird.</p> + +<p>2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs für die Mannschaft und zwar nur +für neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut +eines Kammer-Unteroffiziers steht.</p> + +<p>3. Der Raum am Gewehr.</p> + +<p>4. Die so wichtigen Pulverkammern.</p> + +<p>5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa daß sie auf +dem Schiff wäre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern +davon daß sie für ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes +Schiff die Ausrüstungsgegenstände, Geräte, Möbel, Decken, Matten, +Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines +(Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten +und putzen läßt.</p> + +<p>In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprüngliche engere +Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch +camara, mittelhochdeutsch kamera, nämlich Gewölbe, gewölbter Raum, +sondern der spätere, weitere von Raum überhaupt. — Neuerdings kommt, +bei dem mächtigen Aufschwung der Photographie, außer der camera auch +noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme. — In Ostfriesland heißt Kammer +zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur Schlafstube. Dagegen wird in +Groningen Kammer für Haus gebraucht in der Verbindung Armenkammer, und +man sagt daher wohl, wenn einer da hinein gesteckt worden ist, er sei +„Kammerherr‟ geworden.</p> + +<p><span class="strong1">Kanal</span>, der, ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemüter beschäftigt +und die Menschen bewegt, weil der überhandnehmende Eisenbahnverkehr +gebieterisch Kanäle fordert. — Das Sprachliche ist unter „Kahn‟ zu +ersehen. Wie eine naiv-gottesfürchtige Zeit über die physische +Möglichkeit und sittliche Berechtigung solcher „Störung der Natur‟ +dachte, geht aus einer Stelle im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ hervor, +wo von der Entdeckung der Magellanstraße die Rede ist; „... hatten die +Spanier mit den Portugiesen wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit +unter einander gehabt, immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit +einen Durch-Zug nach den Osten durch einen oder andern Weg zu finden +gesuchet, weil aber das Glück diesem Vorhaben nicht fügen wollen, hat +man bereits (d. h. nicht 1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520 +vor dem Antritt von Magellans Reise)<a id="Page_231"></a> + <span class="pagenum">[231]</span> den Gedanken gehabt, den +Isthmum oder die Landenge von Darien, wo sie am schmälesten, zu +durchgraben, daß, wenn also Norden mit dem Süden vereinigt würde, die +Wahren und Kauffmannschafften desto leichter aus der einen in die andere +See zu bringen wären. Weil aber ihrer viel über dieser Sache die Meinung +hatten, daß man die den Wellen der See gesetzte Dämme und Gräntzen, +welche die Natur selber gesetzet, nicht leichtsinniger Weise wegnehmen +sollte, indem nicht sonder Bedenken, daß wenn die zwo Seeen in eines +zusammengebracht würden, und die Norder-Wasser sich erheben sollten, das +gantze Land möchte unter Wasser gesetzet werden. Daß eben um dieser +Ursache willen vormals der König in Egypten Sosestris und zu unser Zeit +der Türkische Kayser Soliman bewogen, die Durchgrabung der +Cathabatnischen Land-Enge nicht vorzunehmen; andere konnten auch nicht +begreiffen, daß alle harte und schwere Steinfelsen, welche die Natur der +See gleichsam zu einen Zaum gegeben, solten können durchboret und viel +weniger Weg genommen werden, haltend es für eine Thorheit und +Leichtfertigkeit, dasjenige abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder +aufzurichten, was durch die höchste Weisheit so vorsichtig und füglich +verordnet worden, und hielten darfür, daß man die Strafe von Gottes +mißfälliger Hand darüber mit Recht zu fürchten hätte, also, daß wegen +dieser und andern Ursachen und Absehen beschlossen ward, keine +Veränderung in der Gestalt der Natur zu machen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kanthaken</span>, s. kentern.</p> + +<p><span class="strong1">Kaper</span>, der, ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde +Schiffe wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In früheren Zeiten nahmen +die kriegführenden Parteien Privatkapitäne mit ihren Schiffen als Kaper +an und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer +einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der +wurde als kriegführend angesehen, wer nicht, als Seeräuber. Aber nicht +immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch +Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als +Seeräuber. „Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den +gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen +apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve‟ (1539). +Als Königin Margaretha von Norwegen und Dänemark gegen Albrecht von +Mecklenburg als<a id="Page_232"></a> + <span class="pagenum">[232]</span> König von Schweden Krieg führte und nach der +Schlacht bei Falköping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser +Stadt eine furchtbare Hungersnot. Da erließen die Städte Rostock und +Wismar eine Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen +Kaperbriefen ausgerüstet die Küsten Dänemarks und Norwegens zu plündern, +zugleich aber auch das bedrängte Stockholm mit Viktualien zu versehen. +So strömte eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages +Viktualienbrüder nannten oder kurzweg Vitalienbrüder. Damit aber war ein +Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen ließ, +denn diese Brüder mit ihrem Losungsworte: „Gottes Freund und aller Welt +Feind!‟ machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen +über jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem +Friedensschluß, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehört hatte, +hörten sie mit ihrer Seeräuberei nicht auf, die sie besonders von der +ostfriesischen Küste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben, +ja bis nach Rußland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus +Störtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften +Führer. Leider haben sich die ostfriesischen Häuptlinge dazu hergegeben, +ihnen Unterschlupf zu gewähren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu +machen; ja es konnte da heißen: „gleiche Brüder, gleiche Kappen‟, denn +der Seeräuberei waren diese Häuptlinge auch ohne die Vitalienbrüder +schon eifrig genug ergeben. Überhaupt waren die sittlichen Begriffe in +diesem Stücke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das +ganze 16. Jahrhundert über noch so verworren, daß alle Anlieger der +Nordsee diesem „unerlaubten Nahrungszweig‟ huldigten. Außer den +Ostfriesen werden besonders die Engländer und Norweger namhaft gemacht. +Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz war den Hugenotten mit +einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge +durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu +Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz +Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den +Landtransport, sondern wählte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La +Rochelle fand man einen „Schiffsmann‟ aus Lübeck, welcher „sich zur +Heimreise anschickte‟, also Rückfracht suchte. Demselben mußte jedoch +der Inhalt der an Bord gebrachten<a id="Page_233"></a> + <span class="pagenum">[233]</span> Kiste verheimlicht werden, weil +nach dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff +unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das +Schiff südwärts an die spanische Küste und nachdem es endlich den +Ärmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und +hergeworfen und entging nur mit Not den Überfällen englischer und +norwegischer Seeräuber. Endlich wird nach vielen Fährlichkeiten am 11. +August 1571 der Hafen von Lübeck erreicht. (Heintz, Schloßkirche zu +Meisenheim, S. 32. 33). — Das Wort kommt vom lateinischen capio.</p> + +<p><span class="strong1">Kapitän</span>, der, ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der +Oberste, „das Haupt‟, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von +demselben kommt auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, +kapitulieren, Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, +Kataster etc. Kapitän hieß mittellateinisch capitaneus, altfranzösisch +chevetaine und chataine, daher das englische chieftain. — Noch zu den +Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der Kriegsschiffe der +Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das Schiff, sondern +derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich hatte. Dieser +letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so, während jener +Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die seemännischen Manöver +und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte. Wandte man ja auch auf +ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um Verwechslungen +vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es gegenwärtig folgende +Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2. Fregattenkapitän = +Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese werden alle drei +angeredet: „Herr Kapitän!‟ Aus Höflichkeit, ohne daß er einen Anspruch +darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so genannt: 4. Der +Kapitänleutnant = Hauptmann. — Im Mittelalter war Kapitän +gleichbedeutend mit Häuptling. „1355 is Edo Wimkenn van den Richteren +der Rüstring, Oistring und Wangers, nomtlik van Hillert van Laurens, +Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho Kniphusen, Junge Hedde tho +Welens etc erwelet und angenhamen mit synen Nakomelinge tho ein Capitain +und Hovet de lande und luide vorthostaen und tho regeren, wente de +Richter weren des amptes moede und averdratich.‟ Das erste und älteste +Zeugnis für das Vorkommen des Wortes Kapitänleutnant finde ich in<a id="Page_234"></a> + <span class="pagenum">[234]</span> +einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem Schlosse Lützburg an den +nachmaligen Feldmarschall Dodo von Knyphausen geschrieben worden ist: +„Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den abendt, alß man die pforten +zuschließen wollen, einen anschlagh uff dieß Hauß gemachet, indem er +etzliche mußquettier bewerter Handt geschickett, alß nun aber solches +mißgelungen und der <strong>captain leutenambt</strong> vom Heren Ryngrawen, so im Kruege +gewesen, auß dem schatthause angerufen worden‟ ... Auf einem Grabdenkmal +in der Schloßkirche zu Meisenheim (Heintz S. 106) lesen wir von einem +Kapitän-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre alt im Jahre 1688 gestorben +ist: „Gedachtnuß Herren Carl Ludwig Schmitmans Herren Johan Daniel +Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und Inspectoris In Gott Ruhenden Lieben +Sohnes Gewesenen Kapidain Lieutenants Unter Dem Löblichen Schweizer +Regiment Von Salis‟ ... 1747 erschien zu Regensburg ein Buch „Auxilia +historica oder Historischer Behulff‟, in dem werden „die Offizier und +Personen in einem einzigen Schiff‟ folgendermaßen aufgeführt: 1. +Capitain ist in einem Schiff der Höchste, so das ganze Kommando darüber, +und sehr streng, führet. Er hat einen Lieutenant. 2. Commandeur hat in +einem Schiff nur das Commando über die Soldaten. 3. Schiffprediger ist +ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist über die Segel, und die ganze Equipage. +Wird auf dem Mittelländischen Meer Patron genennet. 5. Steuermann, +Pilote, ist, der das Schiff mit dem Steuer-Ruder nach dem Compaß +lencket, wohin es soll. Er muß in Geometria, Astronomia, Geographia, der +Karten u. s. w. wohl erfahren sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und +beobachten mit dem Schiffer die Einrichtung der Segel, bestellen die +Wachten auf den Masten und beratschlagen sich immer wegen der Seekarten, +davon sie dem Capitain Rapport geben. 6. Bosseman, der die Ancker +beobachtet. 7. Weiteres ist darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey +Barbier: Ein Schiffszimmermann oder Baumeister: ein Haupt-Constabler, +und andere zwölff. Esquiman oder Schiemann, hat Aufsicht über die Pompe, +ist sonst Quartier-Meister. Ein Buddelier mit seinen Gehülffen: Ein +Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser: +Segelmacher: Tischler: Schmied: Feuerwerker: Profos u. s. w. und +Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind die gemeine Bediente und +Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt selbst von nöthen, +verrichten, mit tawen,<a id="Page_235"></a> + <span class="pagenum">[235]</span> anckern, seeglen, wachen. Seynd in drey +Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt, darüber der +Schiffer und die zwey Steuermänner commandiren. Insgemein ein verwegenes +Volck: Und hat es theils vonnöthen, massen sie in höchsten Stürmen auf +den Bäumen und Stricken wie die Mucken herum fahren müssen.‟</p> + +<p><span class="strong1">kappen</span> heißt im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet schneiden, +durchschneiden, durchhauen. Den Mast kappen bedeutet nicht sowohl diesen +selbst durchhauen, sondern vielmehr die ihn haltenden Hofttaue der +Wanten, damit er abbreche und über Bord gehe. Die Ankertaue wurden +gekappt, wenn man keine Zeit zum Ankerlichten hatte. Niederländisch +kappen, die Haare schneiden, Kapper: der Friseur, französisch couper. +Von diesem kommt unser Fremdwort coupon und das Zeitwort coupieren; auch +Coupé. — Ein Kapaun ist ein Kaphan, ein „geschnittener‟ Hahn; stammt +zwar vom lateinischen capo, griechisch kapon, aber diese haben mit +kappen dieselbe Wurzel, sodaß Kaphan ausnahmsweise einmal eine auch +sprachlich zutreffende Volksetymologie ist.</p> + +<p><span class="strong1">Kardeel</span>, ein, ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau +zusammengeschlagen wird, also ähnlicher Bedeutung wie Ducht, nur daß das +Kardeel stärker und in sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen +zusammengedreht ist. Niederdeutsch kordeel und karteel, auch kordel, +wird nicht nur für den einzelnen Strang eines Taues, sondern auch für +dieses selbst gebraucht: „idt is ock ein iderer schipper schüldich, gode +starke kordell unde windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des +Kopmans goder mede in unde vth setten kann.‟ (Dän. Seerecht). (Nicht zu +verwechseln mit einem anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet, +ein Quartteil als Maß oder Gewichtsbezeichnung.) Französisch heißen +cordage „toutes les cordes qui sont emploiées dans les agrés d'un +vaisseau‟. Dieser corde stammt aus dem italischen corda, vom +lateinischen chorda, entlehnt aus dem griechischen chorde, Darm, +Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit erinnert und an das altnordische +garnir, Eingeweide, Gedärme, mit Garn zu einer Wurzel gehörig, so daß +also Garn und Kardeel entfernte Vettern sind. In oberdeutschen Mundarten +heißt das, was in der hochdeutschen Schriftsprache Bindfaden genannt +wird, Kordel mit kurzem e. — Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore +und kor; man liebt daselbst das Einsilbige. Niederländisch<a id="Page_236"></a> + <span class="pagenum">[236]</span> koord, +koorde. — Zu bemerken ist, daß es auch Tauwerk gibt, das aus vier +Kardeelen zusammengeschlagen ist, und daß also doch die Ableitung +Quartdeel nicht ganz undenkbar ist. Dann wäre kardeel als Teil eines +Taues, als Quartteil, ein ganz anderes Wort wie kardeel als Tau selbst. +Doch spricht hiergegen die Seltenheit vierschäftigen Tauwerks und vor +allen Dingen die Tatsache, daß die Teile <span class="strong1">drei</span>schäftigen Tauwerks +hauptsächlich und vor allen Dingen Kardeele heißen.</p> + +<p><span class="strong1">Kartusche</span>, die, ein zylinderförmiger Beutel mit dem zum Laden einer +Kanone nötigen Pulver. Ehedem war der Beutel, wie heute noch bei den +Jagdgewehrpatronen, eine Papierrolle. Daher ward vom lateinischen charta +für Papier im Italienischen cartoccio gebildet, altfranzösisch cartoche, +französisch cartouche, niederländisch kardoese. — Auch in der Bedeutung +Umrahmung kommt das Wort vor, in der Architektur ein Ornament +bezeichnend.</p> + +<p><span class="strong1">Karake</span>, die, niederländisch kraak, dänisch, schwedisch karake, englisch +carack, französisch caraque, italienisch, spanisch, portugiesisch +caraca; altfranzösisch carraque, vom spätlateinischen carraca, carrica, +Lastschiff, lateinisch carrus, die Karre; wahrscheinlich keltischen +Ursprungs. Nach Roeding die größte Art der ehemals gebräuchlichen +Schiffe. Sie hatten zuweilen 7 bis 8 Stockwerk, worunter auch noch eines +auf der Back war. Sie konnten 2000 französische Tonnen tragen und +führten 2000 Mann Besatzung. Schon im Jahre 1350 schlugen die Spanier +gegen die Engländer auf Karaken. Nun längst veraltet.</p> + +<p><span class="strong1">Karavele</span>, die. So hießen die Schiffe der Spanier und Portugiesen, die im +Zeitalter der Entdeckungen nach fernen Küsten fuhren. Kolumbus hatte bei +der ersten Fahrt nach Amerika drei solcher Karavelen unter seinem +Kommando. „A caravel was narrow at the poop, wide at the bow, and +carried a double tower at its stern and a single one at its bows. It had +four masts and a bowsprit, and the principal sails were lateen sails.‟ +Spanisch und italienisch caravela, Diminutivum des lateinischen carabus, +griechisch carabos, ein leichtes Schiff, ein Boot und eine Krabbe.</p> + +<p><span class="strong1">Kasemattschiff</span>, das. Der Kampf zwischen Geschütz und Panzer ist noch +nicht beendet. Es werden fortwährend neue Versuche angestellt, wie er am +zweckmäßigsten zu führen sei, ohne daß Größe und Schwere ins Ungemessene +gehen. Einer<a id="Page_237"></a> + <span class="pagenum">[237]</span> derselben ist die Einführung von Kasemattschiffen, +bei denen die mittschiffs gelegene Batterie besonders gepanzert und als +Kasematte behandelt ist. Dieses Wort hat eine große Zahl von Erklärungen +gefunden, aber es geht ihnen wie den Gründen, wenn einer daran zu viele +beibringt, so will keiner recht einleuchten. Es soll aus dem +griechischen chasma, Mehrzahl chasmata = Grube, Höhlung kommen; aus casa +mata, niedriges Haus; aus casa matta, mattes, totes, verstecktes Haus; +aus casa und matar = schlachten, töten, also zu deutsch Mordkeller; +andere denken an das italienische mattone, also Backstein- (aus +Backsteinen gewölbtes, geschütztes) Haus, was am sinngemäßesten +erscheint.</p> + +<p><span class="strong1">Kasteel</span>, das, ein erhöhter (turmartiger) Aufbau auf Deck, vom +italienischen castello, spanisch castillo = Turm. Ist der Aufbau vorn +auf der Back so heißt er Voor-Kasteel; hinten auf der Schanze: +Achter-Kasteel.</p> + +<p><span class="strong1">Katten</span>, den Anker, heißt ihn, nachdem er an der Kette durch das Spill so +weit gelichtet ist, daß der Ring über dem Wasser erscheint, bis unter +den Krahnbalken aufwinden. Dazu gebraucht man einen Block, den Katblock, +mit dem Kathaken daran; und ein Gien, das Katgien mit dem Läufer daran, +dem Katläufer. Kat heißt niederdeutsch Katze; wie auch Bock, Widder, +Kranich haben herhalten müssen, so ist dieser Name zunächst dem Block +gegeben worden, offenbar wegen des katzenkrallenartigen Zugreifens +seines Hakens, das an der Katze mit der auf der Werft schwere Lasten +gefaßt und gehoben werden, noch deutlicher zu sehen ist. — In der +mittelalterlichen Belagerungskunst war katte der Name eines auf Rädern +stehenden Sturmwerkes, in einer Hansa-Urkunde von 1363 heißt es: „Duo +instrumenta machinalia, unum dictum un driuende werk, aliud dictum een +katte;‟ woher noch heute der Name Kattenstrasse; dürfte aber eine +Abkürzung von Katapult sein.</p> + +<p><span class="strong1">Kausch</span>, die, eine eiserne Hülse, bez. ein Füllring eines Tau-Oehrs oder +Segel-Oehrs, womit dieses zur Verstärkung ausgefüttert ist. Der äußere +Umkreis dieses Ringes hat eine Rinne in die das ihn umfassende Tau paßt. +Neuhochdeutsch Kausche und Kauße. Niederländisch kous, schwedisch kausa, +dänisch kause, französisch cosse, Hülse, Schale, Schote. Der +Grundbegriff scheint Schale zu sein. Wie nun bei uns Schale auch ein +Trinkgefäß (Kaffe-Schale, Sektschale) bedeutet, so weist Hildebrand in +Grimms<a id="Page_238"></a> + <span class="pagenum">[238]</span> Wörterbuch im Deutsch-Litauischen ein kausche nach, das +Kanne, Krug, Trinkgefäß bedeutet und bis nach Asien hin zu verfolgen +ist.</p> + +<p><span class="strong1">Kavielnagel</span>, der. Die hölzernen oder eisernen „Nägel‟, (wenn man ein so +stumpfes Ding einen Nagel nennen kann) an denen die verschiedenen +laufenden Taue „belegt‟ werden, heißen Kavielnagel. Wohl kein Wort der +Seemannssprache kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie dieses, +das sich schon dadurch als Fremdwort verdächtig macht: Koveinnagel, +Koveljennagel, Kovejennagel, Karvielnagel, Karveilnagel, Karveinnagel, +Kobiliennagel, Koveiljennagel, Kaveinnagel, Koviennagel, ja nach +Breusing sogar Koffernagel. Die Form Kavielnagel kommt dem Ursprung aus +dem italienischen caviglia am nächsten, das Holznagel, Bolzen bedeutet. +Nagel ist im Deutschen also nur für solche hinzugefügt, denen unbewußt +ist, daß Kaviel allein schon Nagel bedeutet.</p> + +<p><span class="strong1">Keep</span>, die, ist die in einen Block eingeschnittene rings herumlaufende +Vertiefung, in die der Stropp, der um den Block gelegt wird, paßt, der +dadurch vor dem Abrutschen bewahrt wird. Der Bedeutung nach dasselbe +Wort wie Kerb, Kerbe, ohne daß es, wie man denken könnte, sprachlich mit +ihm verwandt wäre. Denn keep, kep, kepe, kap, käpe kommt von kappen, +schneiden, wie es ja auch einen Schnitt, Einschnitt bedeutet. +Niederländisch keep; keep houden heißt Kurs halten, Strich halten, da +der Strich am Kompaß ja nicht bloß ein Strich, sondern ein Einschnitt +ist.</p> + +<p><span class="strong1">Kennung</span>, die. Das Wort ist jetzt nur noch vereinzelt in der Bedeutung +Landkennung im Gebrauch, worunter man alles das an Kennzeichen versteht, +daraus man als erfahrener Seemann erkennen kann, an welcher Küste man +sich befindet: Berge, Kirch- und andere Türme, Mühlen, Baken, Bäume, +Häuser etc. etc., also alles was man jetzt <span class="strong1">Landmarke</span> zu nennen pflegt. + — Bei den mittelalterlichen Seefahrern war Kennung ein Maß, und zwar +ein ziemlich großes, für Entfernungen. Breusing bemerkt in der +nautischen Einleitung zum „Seebuch‟ von 1400: „Das Maß wird von der +Entfernung genommen sein, in welcher man auf See bei klarer Luft die +Küste, ein Schiff oder dgl. „erkennen‟ kann. Es ist das natürlich sehr +relativ und hängt von der Schärfe des Auges ab.‟ Man hatte deshalb auch +kleine, gute kleine, und große Kennungen; letztere betrug 18 Seemeilen, +die Entfernung von Dover nach Dungeness. — Es fragt sich ob in der +unter dwars<a id="Page_239"></a> + <span class="pagenum">[239]</span> angeführten Stelle unter Kennung ein Maß oder eine +gute Landmarke zu verstehen ist. — Eine der hervorragendsten +Landkennungen an der deutschen Nordseeküste war der von Graf Johann XVI. +von Oldenburg auf Wangerooge erbaute Turm. Vor undenklichen Zeiten hatte +zum Besten der Seefahrer auf dieser damals so viel größeren Insel ein +Turm gestanden, der aber längst durch Krieg und Wassersnot zerstört war. +Graf Anton I. von Oldenburg hatte sich zwar 1566 bewogen gefunden, den +Kirchturm zu Blexen, damit er als ein Pharus diene, vierundzwanzig Fuß +höher mauern zu lassen. Allein er ersetzte nicht den Wangerooger +Leuchtturm. Nun zeigte Graf Johann, daß das Fräulein Maria von Jever +Jeverland und Wangerland keinem Unwürdigen vermacht hatte. Er selbst +spricht darüber zu uns durch einen Bericht des Doktors Herrmann Neuwald: +„In vergangenen 1597 und 1598 Jahre hat Graff Johan zu Oldenburg etc. +etc. auch in der Insel Wangerrohe, so zu Jever gehörig, auff der +Elterleute zu Bremen (welche vom allgemeinen Kauffmann dazu vermügt) +einstendiges mundt- und schriftliches bitten und ansuchen (inmassen das +Wolselige Frewlein Maria zu Jever, von den Bremern zu offt und +vielmahlen auch darumb bittlich angelangt) an stat eines alten +umbgefallenen Thurms, so vor vielen undenklichen Jahren durch Krieg und +sonsten abbruch der saltzen See, zu nichte worden, wiederumb einen newen +stattlichen viereckigen hohen Thurm, mit zwo spitzen, und grossen +unkosten auffbawen lassen, darbei auch biß an noch gearbeitet wird. Und +hat mit demselbigen weiter die Gelegenheit, daß die Breite des Thurms +zeigt ins Süden und Norden, und die Lenge ins Osten und Westen, beyde +Thurmspitzen kommen die eine ins Norden, die ander ins Süden zu stehen, +also die aus dem Westen auff der See, des Eylands oder Thurmbs ansichtig +werden, sehen zwischen beyden spitzen durch, so lange sie ins Norden +vors Eylandt kommen, und so bald sie so weit umbsegeln, daß sie beide +Spitzen gegen einander haben, so seind sie auff der Weser, und können +als dann ohne große Gefahr Bremen ablangen. Imgleichen ist es auch mit +denen, so aussen Westen auff Hamburg die Elbe einlauffen wollen, welche +gleicher Gestalt jhr merckzeichen an dem Thurm haben, und nunmehr auf +der Weser die Seetonnen nicht hochnötig, dann ohne das, das Wolseliges +Frewlein Maria zu Jever, die Legung dieser Tonnen, als mehrernteils in +Jeverscher Iurisdiction, den<a id="Page_240"></a> + <span class="pagenum">[240]</span> Bremern nicht allerding verstattet. +So ist auch die Norderse bißweilen dermassen ungestüm, daß man für den +grossen Wällen ernante Seetonnen nicht sehen kann, oder dieselben wol +gar abgestossen werden, dadurch dann offtmahls die Seefahrende Leute +grosser gefehrlichkeit, wegen hoher Sande, unterworffen, den jennigen +aber, so aus Hispanien, Norwegen und anderen abgelegenen Königreichen, +auch Hollandt und Seelandt kommen, dienet der Thurm dazu, weile das +Eylandt Wangerohe, das neheste an der See, daß die Schiffer, wann sie +den Thurm vernehmen, wissen, wo sie sein, und also nach jhrem gefallen, +die Seehafen, dahin sie gedenken, einlauffen können, sonderlich ist +hieran auch gelegen, allen Schiffleuten, welche die Harle, Jade, Weser +aus- und einfahren, auch die Nordsee auf Bremen, und viele andere Örter, +zu jhrem grossen nutz und vorteil gebrauchen wollen, daß also bemelter +Thurm vor etzlich viel tausend Thaler, verstendiger erkenntniß nach, +jährlichs nicht zu entrathen, hat also Wolbemelter Graff Johann, allen +Schiff- und Kauffleuten zu gutem, und steter Gedechtnuß, wie obberürt, +den Thurm wiederumb erbawen und aufführen lassen.‟ — Das „Seebuch‟ von +Manson, aus dem Schwedischen übersetzt von Hans Wittenburgk, Schiffer in +Wißmar, Lübeck 1735, beschreibt in einer Segelanweisung den „Einlauf +nach Riga‟: „Wenn man aus der See kommt, und man bekommt Kennung von den +Rigischen Thürmen, welcher drey seyn, zwene gleicher Höhe, und der +dritte etwas niedriger, so soll man so lauffen, daß man den niedrigen +zwischen beiden hohen habe‟ ... Waghenaer, 1588, schreibt in seinem +„Spiegel‟: „Omme perfectelyk tot de conste ende wetenschappe der +Zeevaert te gheraken is de principaelste middele, dat soo wanneer een +Stuermann oft Bootsghesel, ut eenighe Landen, Riuiren oft Hauenen, +zeylen wil, sal wel scherpelyk moeten letten, wat ghebome, Sloten, +Toornen, Kercken, bekende Berghen, Duynen, Molens oft andere mercken +daer op staen. Ende alle t' selfde alst nu een kenninghe van v begint te +legghen, mette penne ontwerpen oft contrefaicten, ende dit op sekere +ende ghewisse streken van den Compasse‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Kentern.</span></p> + +<p>1. Einen Balken mit der Hand oder mit einem sogenannten Kanthaken so +bewegen, daß er sich um seine Kante dreht und auf die andere Seite zu +liegen kommt. Wenn das mehrere Male<a id="Page_241"></a> + <span class="pagenum">[241]</span> geschieht, so bewegt sich +dadurch der Balken von seiner Stelle und man kann in dieser Hinsicht das +Kentern als eine Art von Fortbewegungsmittel ansehen. Was den Kanthaken +betrifft, so gebraucht der Seemann das Wort auch in übertragener +Bedeutung; „jemanden am Kanthaken kriegen‟ heißt ihn gehörig fassen und +vornehmen.</p> + +<p>2. Ein Schiff oder ein Boot kentert, wenn es sich unter allzugroßem +Druck auf die Segel oder sonstigem Zusammentreffen widriger Umstände so +auf die Seite legt, daß es seinen Schwerpunkt verliert und „über Kante‟ +geht, so daß die Seite die bisher oben war und immer oben sein soll nach +unten zu liegen kommt; das Wort müßte eigentlich käntern heißen.</p> + +<p>3. Der Strom kentert wenn Ebbestrom gewesen ist und nun Flutstrom +einsetzt, der Strom also von der andern Seite oder Kante kommt.</p> + +<p>4. Der Anker kentert, indem er sich auf die Seite legt. Kante ist +überhaupt ein in seemännischem Munde häufig gehörtes Wort, wo das +Hochdeutsche Seite sagen würde, daher die berühmte Zusammensetzung +waterkant für Küste, Seeseite.</p> + +<p><span class="strong1">Kerkedortje</span>, das, s. Schlappgording.</p> + +<p><span class="strong1">Kessel</span>, der. Das lateinische catinus = Holzschüssel hat sich infolge der +großartigen Siege der Dampfkraft zu einem gewaltigen +Dampferzeugungsapparat ausgewachsen. Es ist hier nicht der Ort ein +Mehreres darüber zu sagen, als daß die verschiedenen Systeme von +Kesselanlagen teils nach ihrer Gestaltung, teils nach ihren Erfindern +und Verfertigern benannt werden: Kofferkessel, Zylinderkessel, +Lokomotivkessel, Wasserrohrkessel; Belleville-, Niclausse-, Dürr-, +Thornycroft-, Jarrow-, Normand- und Richard Schulz-Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Kette</span>, die, vom lateinischen catena, hat auf größeren Schiffen als +Ankerkette das früher übliche Ankertau vollständig verdrängt. Sprachlich +ist nur die Wendung „Kette stecken‟ zu erwähnen, weil sie in +übertragener Bedeutung gebraucht wird. Es heißt eigentlich: „mehr Kette +zu den Klüsen hinausstecken‟, was stets zu geschehen hat wenn ein Sturm +aufzukommen droht. Das Bild der aus der Klüse herauskommenden Kette +schwebt dem Seemann vor, wenn er für das, was man sonst nennt „den +heiligen Ulrich anrufen‟ oder „Kotzebues Werke herausgeben‟, +sagt:<a id="Page_242"></a> + <span class="pagenum">[242]</span> „Kette stecken‟. Schon diese scherzhafte Bezeichnung +beweist, daß Jan Maat mit seekranken Leuten nicht allzuviel Mitleiden +hat.</p> + +<p><span class="strong1">Kettenschiffahrt</span>, die, ist eine Flußschiffahrt bei der der betreffende +Dampfer sich selbst an einer Kette entlang schleppt, die in den Fluß +versenkt ist. Die Kette geht vorn auf das Dampfschiff hinauf und, auf +Rollen laufend, hinten wieder herunter. Eine Gesellschaft, die auf der +Elbe von Magdeburg nach Hamburg dergleichen Schiffahrt betreibt, heißt +„die Kette‟.</p> + +<p><span class="strong1">Kieker</span>, der.</p> + +<p>1. Der Mann auf dem Ausguck, hochdeutsch schlechtweg „der Ausguck‟ +genannt (und zwar mit etwas größerem Recht als der Soldat auf Posten die +Schildwache heißt).</p> + +<p>2. Ein Fernrohr, jedes Fernrohr, besonders aber das lange für <span class="strong1">ein</span> Auge. + — Kiken heißt gucken, kucken, sehen, schauen. Wahrscheinlich gehören +kiken, sehen und kiken, stechen zu einer Wurzel, wie man auch von einem +stechenden Blick und von einem Krimstecher spricht.</p> + +<p><span class="strong1">Kiel</span>, der. Die Erklärung dieses wichtigen Seemannswortes wird dadurch +recht erschwert daß es im Mittelhochdeutschen zwei einander gleich +lautende und doch Verschiedenes bedeutende Wörter Kiel und Kil gibt, von +denen ersteres Seeschiff, letzteres Kiel in dem uns geläufigen Sinne +heißt. Doch auch das möchte noch angehen. Aber da wir gewöhnt sind Kiel +als Schiffsteil auch fürs ganze Schiff zu nehmen, so stehen wir in +doppelter Gefahr Kil mit Kiel in eins zu verschmelzen. Zunächst ist +jedenfalls festzuhalten</p> + +<p>1. daß es ein althochdeutsches Wort kiol gibt das Schiff bedeutet, +mittelhochdeutsch kiel, altnordisch kioll (kjöll), angelsächsisch ceól, +welches nachher im Altenglischen noch für „Schiff‟ gebraucht wurde, wie +eine Urkunde des Königs Aethelred (978-1016), (gedruckt bei Höhlbaum, +Hans. Urkundenbuch) beweist, wo es heißt: „si adveniat ceol vel hulcus +(s. Hulk) et ibi jaceat 4 denarii ad telonum.‟ Das ist das alte +Seeschiff, in dem die Angeln und Sachsen über Meer gingen.</p> + +<p>2. daß es auch ein altnordisch kiolr gibt, das Kiel bedeutet, alt- und +mittelhochdeutsch kil, Federkiel und Schiffskiel, an den sich die +Spanten als Rippen ansetzen, wie die einzelnen Rippen an den Federkiel.</p> + +<p>So sehr nun diese beiden Wörter auseinander zu halten sind,<a id="Page_243"></a> + <span class="pagenum">[243]</span> weil +sie nun einmal grammatikalisch auseinander gehen, so stehe ich doch +nicht an, zu glauben, daß beide ursprünglich doch aus einer und +derselben Wurzel entsprossen sind, als welche Fick ku oder gu, schwellen +annimmt. Diese Meinung wird dadurch bestärkt, daß unser Seemann anstatt +Kielschwein Kolswin sagt, was doch von König Aethelreds Zeiten her ihm, +dem äußerst zäh am Alten hangenden, könnte hängen geblieben sein. — +Urverwandt mit gaulos schiff, eigentlich Eimer, also etwas rundlich +Anschwellendes. Es kann nicht auffallen, daß die Germanen und die +Griechen ein seemännisches Wort urgemeinschaftlich haben, da sie doch +stammverwandt und in uralten Zeiten mit einander über den Kaukasus +gewandert sind. Indessen ist es nicht einmal unbedingt nötig +Urverwandschaft zwischen gaulos und kiol anzunehmen, da ja Bischof +Ulfilas, der Übersetzer der Bibel ins Gothische und damit Schöpfer der +gothischen Schriftsprache, in Konstantinopel ausgebildet worden war und +dort unzweifelhaft Gelegenheit genug hatte, seemännische Wörter kennen +zu lernen und sie aus dem Griechischen in gothische Form zu übertragen, +von wo aus sie dann ins Althochdeutsche übergingen. (Bei den vielen +engen Berührungen der alten Deutschen mit den Römern kann natürlich eine +unmittelbare Herübernahme lateinischer Seemannswörter ins Deutsche noch +weniger befremden, zumal mit neuen, verbesserten Werkzeugen sich +überhaupt leicht der neue Name aus der Fremde einbürgert).</p> + +<p><span class="strong1">Kielholen.</span></p> + +<p>1. Ein Schiff, es geht natürlich nur bei kleineren, am Gestade oder Ufer +so auf die Seite legen, daß man an den Stellen, die sonst unter Wasser +sind, arbeiten kann; also eigentlich den Kiel trocken holen. Auch in +übertragener Bedeutung „das Unterste zu oberst kehren‟; wenn eine Frau +„Rein Schiff‟, d. h. große Frühjahrsreinigung des Hauses vorhat, so sagt +wohl der dadurch erschreckte Mann in Holland: „zy zal beginnen te +kielhalen‟ (Lüpkes, Seemannssprüche).</p> + +<p>2. Ein früher gebräuchliches sehr empfindliches Verfahren, das teils bei +der Linientaufe als grausamer Scherz, teils von Rechts wegen als +bitterer Ernst geübt wurde, darin bestehend, daß einer an einem Tau von +der Nock der einen Seite der Großrahe unter dem Kiel durch zur Nock der +andern Seite der Großrahe geholt wurde. Wenn man in Deutschland und +Holland auch<a id="Page_244"></a> + <span class="pagenum">[244]</span> nicht, wie anfänglich bei großen Seeunternehmungen +in England, die Gefängnisse entleerte um die Schiffe zu bemannen, so +waren die Männer, die in früheren Zeiten ihren Handel in großen Wassern +trieben, doch nicht grade die allersanftesten Brüder und mußten in +strenger Zucht gehalten werden. Aubin beschreibt das Kielholen so: +„C'est une sorte de punition qu'on pratique parmi les Hollandais, en +cette maniére. On mène le coupable au bord du vaisseau, et on y atache +une corde, au milieu de laquelle il est lié par le milieu du corps; +ou-bien, on amène la vergue sur le vibord, et aïant mis le coupable sur +le bout, on y atache la corde. Autour de son corps on met quelque chose +de pesant, ou-bien l'atache à ses piés. La corde est aussi longue qu'il +faut pour passer sous la quille du vaisseau. Un des bouts en est tenu de +l'autre coté, par quelques-uns des plus forts matelos de l'équipage; et +l'autre bout est celui qui est ataché au vibord, ou à la vergue. Le +coupable, à lordre qu'en donne le Quartier-maitre, étant jetté à la mer, +ceux qui tiennent la corde à l'autre bord du vaisseau, la tirent le plus +vite qu'ils peuvent, de sorte qu'il passe avec une grande rapidité, dans +l'eau, sous la quille. On recommence même quelquefois, et on le jette +autant de fois que la Sentance le porte. Ce châtiment est rude et +dangereux, car le moindre defaut de diligence ou d'adresse, de la part +de ceux qui tirent la corde, ou quelque autre petit accident, peut être +cause, que celui qu'on tire, se rompe ou bras, ou jambes, et même le +cou, ou quelque autre parti du corps; si-bien qu'on le met au rang des +peines capitales.‟ — Der „Artykelbrief‟ der Generalstaaten, das +Reglement der Marine der Niederlande, die Grundlage der Disziplin an +Bord, hält strenge auf Zucht, Ordnung und Gottesfurcht. Es mögen hier +einige Bestimmungen in Aubin's Übersetzung Raum finden. I. L'Amiral, le +vice-amiral, le Capitaine, Lieutenant, ou tout autre qui commandera un +vaisseau, prendra soin qu'on fasse tous les matins et tous les soirs la +priére sur son bord, ou tout le mionde se tiendra prêt pour y assister, +sur peine, en cas de défaut, de quatre sous d'amende pour la premiére +fois; du duble pour la seconde fois; et d'être huit jours aux fers, au +pain et à l'eau, pour la troisiême fois. II. Ceux qui ne se comporteront +pas comme il faut, pendant qu'on lira la Parole de Dieu, ou qu'on fera +la priére; qui riront, qui feront du bruit, et qui, de quelque maniére +que ce soit, ne<a id="Page_245"></a> + <span class="pagenum">[245]</span> se tiendront pas dans un êtat modeste, seront +conduits devant le mât, y recevront des coups de corde de tour de tout +leur Quart, et paieront six sous d'amende au profit du Prévôt. III. +Quiconque prendra le nom de Dieu en vain, ou jurera, sera aussi mené +devant le mât, et battu de coups de corde par son Quart, et paiera deux +sous d'amende, aplicable aux pauvres, et six sous au Prévôt. XXIX. Ceux +qui demeureront endormis lors-que le siflet se fait entendre, et +lors-qu'il faut venir faire le quart, seront punis pour la premiére fois +arbitrairement, par l'ordre du Capitaine, et de l'avis des Oficiers; +pour la seconde fois ils seront battus de bouts de corde par tout +l'équipage; et la troisiéme fois ils auront <span class="strong1">la cale par-desous la +quille</span>.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kiellinie</span>, die. Wenn das Signal: „Im Kielwasser des Admirals folgen!‟ +befolgt wird, dann segeln, oder vielmehr dampfen die Schiffe eines +Geschwaders in Kiellinie, eines hinter dem andern, in genau abgemachten +und inne zu haltenden gleichen Abständen, so daß also die Verlängerung +der Linie des Kiels aller Schiffe in <span class="strong1">einer</span> graden Linie verläuft.</p> + +<p><span class="strong1">Kielwasser</span>, das, der Streifen schäumend bewegten Wassers, den das Schiff +bei seiner Fahrt hinter sich läßt. Der Winkel, den die Linie des +Kielwassers mit der Richtung des Kiels macht, zeigt die Größe der +Abtrift an. Doch wird Kielwasser wohl auch gleichbedeutend mit Kurs +genommen, was z. B. geschieht, wenn der Befehl an die Schiffe eines +Geschwaders ergeht, daß sie im Kielwasser des Admirals folgen sollen.</p> + +<p><span class="strong1">Kielschwein</span>, das. Verstärkung des Kiels. Mit Schwein hat das Wort aber +nichts zu tun. Das hat Reinhold Werner „Schule des Seewesens‟ sehr wohl +erkannt und sagt darum durchgängig anstatt Kielschwein Kielschweif. Das +ist aber nur ein Verlegenheitsgriff und bringt uns nicht weiter. Wir +müssen einen andern Weg der Erklärung einschlagen. Der niederdeutsche +Seemann sagt Kielswin (eigentlich Kolswin s. Kiel). Swin heißt nun +freilich auch Schwein, aber das Swin in Kielswin ist eben ein ganz +anderes Ding als das Borstentier, das seinen Namen von der Diminutivform +oder vielmehr Femininumform von Sau hat. Unser — swin hat von der +Verstärkung den Namen. Das mittelniederdeutsche Wort swin hieß stark. Es +ist zwar dasselbe wie das Hochdeutsche geschwind, früher mundartlich und +auch jetzt noch manchmal ohne die Vorsilbe einfach schwind, aberes +<a id="Page_246"></a> + <span class="pagenum">[246]</span> hieß anfänglich weiter nichts als groß, heftig, stark. „Do +bouweden se en slot, unde is ein swinde vast hus.‟ (Lübecker Chronik.) +„Dar weren sulen van glaze, de weren swynde grot‟ (Lübecker Passional.) +Der Wechsel oder vielmehr die Erweiterung liegt nahe. Von swind in der +Bedeutung stark kann man leicht zu geswind in der Bedeutung schnell +kommen, man braucht nur an einen starken, kühnen, kräftigen, +unternehmenden Menschen zu denken, der wird allemal auch ein schneller +Mensch sein. Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts hatte sich diese +Erweiterung bereits vollzogen und im Seegebrauch festgesetzt, wie wir +aus dem niederdeutschen Fastnachtsspiel „Scriba‟, das 1616 in Hamburg +aufgeführt ward, erfahren. Da will eine Bäuerin ihren Sohn gern Latein +lernen lassen und sagt zu dem Schreiber: „Herr Schryver, he haft suss en +schwinden vorstand, he schol dat Lackyn wol grypen mit der hand.‟ Ja +schon 1498 ist sie nachzuweisen. In diesem Jahre erschien die erste +Ausgabe des Reineke de vos in niederdeutscher Sprache. Da heißt es: +„Reinke log ser und swinde. Brun folgede en na alse ein blinde.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kill</span>, die, auch Kille, die, ist, ähnlich wie Priel, eine natürliche +Wasserrinne, ein natürlicher Wasserlauf, namentlich auf dem Watt; +niederländisch kil; altnordisch, isländisch kyll; nordfriesisch kiel = +Brunnen, Quelle. Mit diesem letzteren Worte ist es eins, wie denn das +Stammverbum zu Quelle auch ein i anstatt des e hat; gothisch qillan.</p> + +<p><span class="strong1">Kikebuse</span>, die, ein kleines, über Reifen gespanntes, tonnenförmiges Netz, +worin das sich allmählich verengende und spitz zulaufende Ende des +Stellnetzes oder der Fuke hineingesteckt wird, damit sich die in dem +Stellnetze gefangenen Fische darin sammeln. Verbindung von kike = Gefäß +(Feuerkike) und bus = Stall, Viehstall. — Am Dollart werden diese +Kikebuse noch jetzt aus Weiden geflochten und für sich allein zum Fangen +von Aal und Granat gebraucht.</p> + +<p><span class="strong1">killen.</span> Die Segel killen, wenn sie hin- und herschlagen oder wappern, +weil der Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen plötzlicher +Richtungsveränderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern +grade aus der Richtung in der die Rahe gebraßt ist; killen = schwappern, +flattern, hin- und herschlagen, und zwar kurz und kräftig, nicht lahm +und langsam wie wenn überhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es dasselbe +Wort wie<a id="Page_247"></a> + <span class="pagenum">[247]</span> niederländisch killen, englisch kill = töten, d. h. +schlaff machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quellan, +chellen, chelen, mittelhochdeutsch quellen, quälen, töten, altenglisch +quell, sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich +vermindern, nachlassen, was der Bedeutung wegen beachtenswert ist, weil +die Fahrt des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachläßt. +Neuenglisch chill, das Zittern und Beben der Hände vor Frost in +oberdeutschen Mundarten kellen oder gellen, „o Mutter die Hände gellen +mir so!‟ sagt ein Kind, wenn die Hände so kalt sind, daß die +Fingerspitzen sich anfühlen als bohre ein Wurm darin. — So wenig das +Killen eines ganzen Segels gewünscht wird, so ist es doch das +Kennzeichen eines guten Rudergasten, daß er, wenn er hoch beim Winde +steuern soll, so nahe an den Wind geht, daß wohl die Luvschot der +Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der +Beweis, daß er nicht höher steuern kann, aber auch nicht voller steuern +will.</p> + +<p><span class="strong1">Kimm</span>, die, auch Kimmung, die. 1. Der Horizont, der äußerste +Gesichtskreis auf freiem Felde, besonders auf See; der äußerste Rand, da +wo Erde und Himmel, besonders wo Meer und Himmel sich zu berühren +scheinen, sich scheinbar mit einander verbinden. Mittelniederdeutsch +kimme, niederländisch kim, englisch chimb, chime = Zarge, Rand einer +Türe oder eines Tisches. Es liegt ein Thema zu Grunde mit der Bedeutung +Zusammenfügung, Verbindung, Fuge, Verbindungsstelle. Im Angelsächsischen +heißt cimbing commissura, Naht, wo zwei Dinge zusammentreffen. +Niederdeutsch der äußerste Rand eines Dinges, nach dem Bremer Wörterbuch +die über den Boden hinausspringenden Enden der Faßdauben. — Da die +Stelle, wo Himmel und Erde sich verbinden, das äußerste Ende der Erde +darstellt, so konnte sich, wie Doornkaat bemerkt, von selbst die +Bedeutung des Äußersten oder Entferntesten in Bezug auf ein Land und +seine Bewohner entwickeln, und demgemäß der Volksname der Kimbern und +der Landsname Kimmerien oder Kimbrien. — 2. Im Schiffbau derjenige Teil +der Außenbordwand wo die größte Krümmung ist, wo der Boden in die Seite +übergeht, wo also eine Verbindung des Bodens mit der Seite stattfindet, +wie die Erde sich mit dem Himmel verbindet. — Wenn ein Schiff bei einer +Strandung auf die Seite fällt, so kommt es nach dem Gesetz der Schwere +auf diese Kimmung zu liegen; etliche Planken ober- und unterhalb dieserStelle +<a id="Page_248"></a> + <span class="pagenum">[248]</span> heißen Kimmplanken, und die Weger oder Wäger (s. Wägerung) +heißen Kimmwäger.</p> + +<p><span class="strong1">Kinbacksblock</span>, der. Jeder Block der eine Scheibe hat, hat auch eine +gewisse Ähnlichkeit mit einer Kinbacke, oder vielmehr mit zweien, da die +beiden Backen zu den Seiten der Scheiben sich damit sehr wohl +vergleichen lassen. Kinbacksblock heißt einer aber besonders, weil er +neben den Kinbacken auch gleichsam noch einen Mund hat, nämlich einen +Ausschnitt, durch den man das Tau über die Scheibe legen kann ohne erst +das Ende einstecken und ganz durchholen zu müssen, was oft gar nicht +angängig wäre, weil beide Enden mit irgend einem umfangreichen +Gegenstande verbunden sind und nicht von ihm gelöst werden können.</p> + +<p><span class="strong1">Kinke</span>, eine, ist eine Windung, eine Falte, ein Auge, eine Drehung in +einem Tau, die sich leicht bildet, wenn es neu und zu hart gedreht ist; +eine sehr gefährliche Sache, wenn das Tau durch einen Block laufen soll; +es ist dann „unklar‟ und muß schleunigst klariert werden. Auch nennt man +wohl die Biegungen eines aufgeschossenen Taues Kinken und warnt bei +schnellem Ablaufen derselben: „Die Beine aus den Kinken bergen!‟ damit +die Gewalt des abrollenden Taues sie nicht breche. „Sich aus den Kinken +bergen‟ heißt auch allgemein in übertragenem Sinne sich vor irgend einer +Gefahr in Sicherheit bringen. Die Benennung ist von kinke, einem +niederdeutschen Worte für „gewundene Schnecke‟, entnommen, das von +conchile kommt; kinken niederländisch krumm liegen, verwirren; auch +niederdeutsch verwickelt; das Bremer Wörterbuch sagt: „Auch die +Schneider brauchen dies Wort, wenn der Faden im Nähen sich selbst +verwickelt und einen Knoten macht.‟ Auf Wangerooge kink.</p> + +<p><span class="strong1">Klabautermann</span>, der, kommt von dem mittelhochdeutschen Kobold (und Mann, +Koboldermann), lächerliche aus Holz oder Wachs gebildete Figur eines +neckischen Hausgeistes (ursprünglich Götzenbild, Bildnis eines +Hausgeistes, das über dem Herde angebracht wurde. Nachher in der +christlichen Zeit wurden dergleichen Bilder nur noch zum Scherz oder zur +Zierde auf den Kaminsims gestellt, aber ursprünglich hatten sie tiefere, +religiöse Bedeutung, Simrock, Mythologie S. 450, 6. Aufl. Bonn 1887). +Griechisch Kobalos, verschnittener Possenreißer, mittelniederländisch +coubout, neuniederländisch Kabout, flämisch Kabot,<a id="Page_249"></a> + <span class="pagenum">[249]</span> +Kabotermanneken. In dem immer mehr verschwindenden Aberglauben der +Seeleute ein guter Schiffsgeist, der unten und oben, im Schiff und in +der Takelage sein munteres Wesen treibt.</p> + +<p><span class="strong1">klabastern</span>, eigentlich klabautern, wie man auf Wangeroog sagt, („dat is +'n ewig klabautern‟, wenn lange gekreuzt werden muß). Es heißt schlagen, +purzeln, polternd laufen, neckend jemand nachlaufen, sich dabei +überstürzen („Kobold schießen‟) wie ein Kobold. Da dieses Wort zum +Scherz herausfordert, so ist klabastern offenbar auch eine scherzhaft +gebildete Form für klabautern. Um das Holländische als einen ans +Lächerliche grenzenden deutschen Dialekt darzustellen behaupten +Unkundige immer wieder, es heiße „und seine Jünger folgten ihm nach‟ in +der holländischen Bibel „en sijne jongelingen klabasterten achter hem +naa‟; das ist eine böswillige Herabsetzung der kräftigen, klangvollen, +für die öffentliche Rede wie für die zarte Lyrik gleich geeigneten +holländischen Sprache, in der es kein Zeitwort klabastern gibt und in +der die Jünger Jesu discipelen genannt werden. Wohl gibt es ein Zeitwort +klauteren = klimmen, klettern, aber das könnte auch von klaauw = Klaue +kommen, käme es aber auch von Klabautermann, so hat es dennoch nichts +Lächerliches an sich.</p> + +<p><span class="strong1">Klafter</span>, das, vergl. Faden, kommt auch männlich, ja nach Kluge, sogar in +allen drei Geschlechtern vor. Althochdeutsch klaftra. Die romanischen +Wörter für Klafter braza, brasse sind bedeutungsverwandt, denn es ist +das Maß der ausgespannten Arme; seemännisch nur Längenmaß von +verschiedener Ausdehnung, (wie Fuß auch). Sonst auch als Kubikmaß +gebraucht, „ein Klafter Holz‟, ursprünglich so viel man mit den Armen +umklaftern kann. Der Teuthonista sagt: clafter, clater, later, vadem, +dat is eyns menschen lenghd, weil angenommen wird, daß ein Mensch so +groß ist wie die Entfernung von Fingerspitze zu Fingerspitze bei +ausgebreiteten Armen. — Apostelgeschichte 27, 28 in der Uebersetzung +Luthers: „Und sie senkten den Bleiwurf ein und fanden zwanzig Klafter +tief‟; das griechische Wort heißt orgyia und kommt von orego, ich +strecke aus; es ist also hier der Raum zwischen den ausgestreckten Armen +gemeint.</p> + +<p><span class="strong1">klameien</span>, s. kalfatern.</p> + +<p><span class="strong1">Klampe</span>, die</p> + +<p>1. die einfachsten Klampen sind weiter nichts als Stücke<a id="Page_250"></a> + <span class="pagenum">[250]</span> Holz, +Klötze oder Kloben, dazu dienend, einer anderen Sache Festigkeit zu +verleihen, z. B. Klampen der Mastspuren, Klampen auf denen die +Wasserfässer fest liegen, Bugspriet-Wuhlings-Klampen, Treppenklampen an +der Außenbordwand (Fallreepstreppe) für die Füße zum Treten und für die +Hände zum Festhalten, Betingsklampen, Nockklampen u. s. w.</p> + +<p>2. Eine Vorrichtung zum Belegen, d. h. Festmachen des Endes eines Taues; +hierbei hat das unter 1. erwähnte Stück Holz ungefähr die Gestalt eines +Ambosses bekommen, dessen Mitte an der Bordwand befestigt ist, dessen +beide Seitenarme aber frei stehen, so daß man das betreffende Tau +mehrmals um sie schlagen und zuletzt mit einem Kopfschlag befestigen +kann; diese heißen Belegklampen.</p> + +<p>3. Verholklampen haben lediglich den Zweck beim Holen oder Verholen dem +Tau als Führung zu dienen.</p> + +<p>Niederdeutsch klump oder klampe bedeutet etwas womit man einem andern +Dinge Haft, Halt, Festigkeit, Verbindung, Zusammenhalt gibt, Querholz, +Kloben, Klotz, Querriegel, auch einen Steg über einen Graben. +Niederländisch klamp = Klammer, Zapfen, Band; englisch clamp, Balken, +Latte, Leiste, Stück Holz zur Verstärkung und Befestigung; norwegisch +und schwedisch klamp, Klotz, Baumstumpf, Holzkloben. Es stecken also +zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen. Beide liegen auch +schon in dem Zeitwort klimpan, von dem Klampe abstammt und dessen +Grundbedeutung nicht nur spalten (Klumpen also = gespaltenes Stück Holz) +sondern auch klammern = anhangen, verbinden, haften ist; sie kommen +beide in Klampe zusammen: „Stück Holz zum Befestigen.‟</p> + +<p><span class="strong1">klar.</span> Dieses vielgebrauchte Seemannswort ist und bleibt in allen seinen +Verwendungen immer das lateinische clarus = <span class="strong1">rein</span>. Ob es nun klar, hell, +deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklärt, gahr, fertig, +bereit bedeutet, immer ist der Begriff rein das Ausschlaggebende. Sogar +wenn das Kommando „Klar Schiff zum Gefecht!‟ kommt, ist die Bedeutung +zunächst nur: rein das Schiff von allem was im Gefecht hinderlich sein +könnte, fort mit allem was im Wege ist (und dann: her mit allem was zur +Schlacht gebraucht wird, was man haben muß um zum Kampfe bereit zu +sein). So sehr also „Rein Schiff‟ und „Klar Schiff‟ begrifflich von +einander verschieden sind, sprachlich<a id="Page_251"></a> + <span class="pagenum">[251]</span> stehen sich die beiden +Kommandos sehr nahe, nur daß bei „Rein Schiff‟ der Schmutz, bei „Klar +Schiff‟ was sonst im Wege ist, entfernt wird. — Mittelniederdeutsch: +klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schön. Ein Hansareceß von 1386 +spricht von einem „klare vorste unde dorluchtige here;‟ auch von einer +claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen juncvrouwen ist in +jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das Wort seemännisch +gebraucht für „in guter Ordnung sein‟: „und haelden beyde schepe tho +hope und hadden unse dynck klaer‟ (zum Gefecht); „als wy nu menden, dat +wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk under der luken was.‟ + — „Wache klar zum Manöver!‟ „Alle Mann auf, klar zum Manöver!‟ „Klar +zum Wenden!‟ etc. etc. „Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der +Schot‟ ... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bereit zu +halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was +dabei zunächst zu geschehen hat. „Klar machen zur Musterung!‟ bedeutet +noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu +machen. „Klar machen zur Kirche!‟ heißt den Altar aufstellen, Stühle und +Bänke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hissen etc. +etc. „Gig klar, Kutter klar!‟ lautet der Befehl, das betreffende Boot zu +Wasser zu lassen, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die +Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten +Offizier gemeldet wird: „Kutter klar!‟ (<span class="strong1">ist</span> klar), „Klar Deck‟, „klar +Deck überall!‟ heißt das Deck nach einem Manöver wieder in den vorigen +Stand versetzen, so daß alles wieder für ein neues Manöver +gebrauchsfähig bereit ist. Ein „<span class="strong1">klarer Anker</span>‟ ein von seinem Tau, seiner +Kette freier, d. h. wohl an dieselbe befestigter, aber von ihr frei d. +h. ungehindert sich bewegender Anker, in seiner Verwendung von Tau oder +Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der Marine, die +nicht direkt etwas mit der Seemannschaft zu tun haben, einen klaren +Anker, ohne Tau, die seemännischen Unteroffiziere einen unklaren, von +einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil angenommen +wird, daß sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu „<span class="strong1">klariren</span>‟ d. h. +klar zu machen. Klariren ist etwas anderes als aufklaren, indem +letzteres ganz allgemein aufräumen bedeutet, ersteres aber gesagt wird, +wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um ihren Zweck<a id="Page_252"></a> + <span class="pagenum">[252]</span> zu +erfüllen, wenn z. B. ein Tau einen Kink hat und man diesen beseitigt. — +Das von klar kommende hochdeutsche erklären heißt +niederdeutsch-seemännisch <span class="strong1">verklaren</span>; daher <span class="strong1">Verklarung</span> vor Gericht (s. +d.) Das mittelniederdeutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen, ins +Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen. — Ein so +häufig gebrauchtes Wort wird selbstverständlich auch in übertragenem +Sinne angewandt. So heißt z. B. „klar beim Bolzen‟ überhaupt bereit sein +zu irgend einem Werke, und „klar Deck machen‟ irgendwo aufräumen, +dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im Mittelniederdeutschen +unklar sogar in moralischem Sinne gebraucht ward für unehrlich; Lübecker +Totentanz: „hefet unklar gewest in talle, mate, wichte, rekenschop und +ok in kope‟, sagt der Tod zum Kaufmann. — Eine ganz auffallende +Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar im Englischen +vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein claret. Klaret war +aber im Mittelniederdeutschen weißer Wein, weißer Gewürzwein, nämlich +über Gewürz abgezogen und dann geklärter Wein. Schiller und Lübben, +Mittelniederdeutsches Wörterbuch II. 473: „In dem Catal. med. (Lübeck +1784) wird vinum claretum als weißer, vinum hippocraticum als roter +Gewürzwein aufgeführt, und letzterer doppelt so hoch angesetzt als +ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus Ryff in seiner +kleinen Apoteck oder Konfektbüchlein, Straßburg 1552. — „Ein kostlick +klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water werpet, so isset +nicht mehr water, sunder ein köstlich klareth edder czuckerwater.‟</p> + +<p><span class="strong1">Klau</span>, die. Die Gaffeln sind zwar gabelförmig gestaltet aber die Gabelung +daran heißt merkwürdigerweise nicht Gabel, sondern Klau = Klaue, weil +sie wie eine Tierklaue den Schnaumast umklammert. Es heißt aber auch, +nach einer auch anderweitig durch Seeleute mündlich bestätigten Angabe +des Kapitänleutnants Frhrn. von Strombeck in der Marine-Rundschau +(Übersetzung eines Kapitels über Jacht-Seemannschaft) der Teil des +Segels, der sich zunächst der Klau befindet, Klau; in dieser Klau des +Segels befindet sich eine Kausch zum Befestigen desselben.</p> + +<p><span class="strong1">Kleid</span>, das, heißt im Munde des Seemanns nicht dasselbe wie im +Hochdeutschen, sondern nur Decke, wie im Ostfriesischen und überhaupt im +Niederdeutschen und Niederländischen kleed = Decke, Teppich ist. Auch im +Althochdeutschen war dem so; da<a id="Page_253"></a> + <span class="pagenum">[253]</span> hieß kleit Zeug, Tuch, (wie das +englische cloth), banckleit = Bankdecke, (aber nicht Bankkissen, denn +das hieß bankphulwe, wie noch jetzt in Hochdeutschland ein Kissen +„Pilwe‟ heißt). Mittelhochdeutsch satelkleit = Satteldecke. Seemännisch: +Hängemattskleid, Zwischendeckskleid. — Dem entsprechend wird auch +kleiden gebraucht, doch siehe in Bezug hierauf Schmarting, Platting, +Schladding und Sarving; auch heißt das Wegnehmen nicht entkleiden, +sondern <span class="strong1">abkleiden</span>.</p> + +<p><span class="strong1">„Klein Holz‟.</span> Die Redensart: „es gibt klein Holz‟ besagt so viel als: es +geht etwas entzwei, es wird etwas zertrümmert, es zerbricht etwas (auch +wenn es nicht von Holz ist); ja man kann auch, wenn ein ganzes Schiff am +Felsen zerschellt, sagen daß es „klein Holz‟ gibt; das bedeutet dann +„scheitern‟ in seiner wörtlichen Bedeutung.</p> + +<p><span class="strong1">Klinkerboot</span>, das, ist ein Boot, das als Außenhaut eine einfache +Plankenlage hat, deren einzelne Gänge um einen geringen Teil ihrer +Breite über einander greifen, indem jede Planke mit ihrer unteren Kante +die Oberkante der unter ihr liegenden Planke bedeckt. Die über einander +liegenden Plankenteile werden durch kupferne Gatnägel mit einander +verbunden. — In Oldenburg, Ostfriesland und Holland heißen die +Ziegelsteine mit denen die Chausseen gepflastert sind Klinker, weil sie +so hart gebrannt sind, daß sie klingen wenn man daran klopft. Mit diesem +Worte hat jedoch unmittelbar das Klinker in Klinkerboot nichts zu tun, +vielmehr kommt zunächst das niederdeutsche klinken = nieten, festmachen, +festschlagen ein Etwas auf ein anderes Etwas, fest verbinden mit +einander; und zwar ist dabei an das Geräusch gedacht, das bei dem dazu +nötigen Klopfen entsteht, indem klinken eine nasalierte Form von kliken +ist, das den Ton andeutet der entsteht wenn Eisen auf Eisen schlägt: +„klick‟. Englisch clinch, nieten. Dasselbe onomatopoietische Wort wie +unser klingen.</p> + +<p><span class="strong1">Klinsch</span>, eine, ist nichts weiter als das unter dem Einfluß des +englischen clinch = Klinke etwas umgebildete deutsche Wort Klinke, +entweder im Sinne von „gekrümmtes, umgebogenes Ende eines Dinges‟ oder +eines „haftenden, packenden, haltenden Etwas‟; beide Bedeutungen von +klinken (s. Klinkerboot) passen auf Klinsch sehr wohl; klinken heißt +allerdings „nieten‟; aber das Nieten besteht darin, daß das spitze Ende +eines Nagels, der durch das zu Nagelnde durchgedrungen und auf der +andern Seite<a id="Page_254"></a> + <span class="pagenum">[254]</span> wieder herausgekommen ist, durch Klopfen umgebogen +wird; dieses Umbiegen ist die ursprüngliche Art des Nietens, und im +Gedanken an Biegung ist Klinke, ist auch Klinsch gebildet, denn eine +solche ist ein solcher Knoten oder Stek, bei dem das Ende eines Taues in +der Weise umgebogen ist, daß ein Auge entsteht; zunächst ein festes +Auge; und dann wird noch einmal gebogen und der Tamp durch das feste +Auge so durchgeholt, daß ein laufendes, bewegliches, veränderliches, +sich dem zu befestigenden Gegenstand durch Biegen anpassendes Auge +entsteht.</p> + +<p><span class="strong1">Klote</span>, die. Kloten sind kleine Hölzer in Gestalt einer Kugel oder eines +Zylinders mit einem Loch in der Richtung der Längsachse, um laufendes +Gut zu leiten. Man unterscheidet Wantklote und Rackklote; letztere (nach +Dabovich, Naut.-techn. Wörterb.) italienisch bertoccio per trozze +(Pater, paternostro); französisch pomme de racage, englisch +parrel-truck; erstere italienisch conduttore di manovra (Mandola), +französisch margouillet, englisch bull's eye, shroud truck. Die +Erklärung ist in dem Begriff Kugel gegeben. Klot heißt in Ostfriesland +die Kugel die bei dem berühmten „Klotschießen‟ (einem Werfspiel das im +Winter wenn die Graften zugefroren sind mit Leidenschaft als Wettspiel +zwischen Dorf und Dorf betrieben wird); heißt niederdeutsch überhaupt +Kugel (und Hode), Ball, Klumpen, Kloß; mittelhochdeutsch kloz, Klumpen, +Ball; es ist demnach unser hochdeutsches Kloß, entsprechend dem +französischen pomme, Apfel; oder auch unser Klotz.</p> + +<p><span class="strong1">Klumpblock</span>, der, unterscheidet sich von einem gewöhnlichen einscheibigen +Block durch den geringeren Scheibendurchmesser und die kürzere, +gedrungenere Gestalt, hat also seinen Namen von Klumpen, wie auch der +dicke, wenig zierliche Holzschuh der Ostfriesen und Holländer klump oder +klumpe heißt.</p> + +<p><span class="strong1">Klüse</span>, die. Die Klüsen sind zwei Löcher an jeder Seite des Vorstevens +durch die das Ankertau oder jetzt vielmehr die Kette fährt; mit Blei +oder Kupfer ausgefüttert, damit das Wasser nicht zwischen die Inhölzer +laufe. — Es lag nahe, diese beiden Löcher mit zwei Nasenlöchern oder +auch zwei Augen zu vergleichen, und dieser Vergleich ist denn auch in +ausgiebiger Weise gemacht worden, namentlich in wenig vornehmer Rede, +manchmal in recht vulgärer Art, so daß das Wort Klüse einen etwas +knotigen Beigeschmack empfangen hat, ähnlich wie Panse, („ich haue +Dir<a id="Page_255"></a> + <span class="pagenum">[255]</span> eins in die Klüsen‟). Klüse ist die niederdeutsche Form für +Klause, althochdeutsch clusa, mittelhochdeutsch kluse = einsamer, +<span class="strong1">abgeschlossener</span>, (clusum von cludere, clausum von claudere) enger Raum +(eines Einsiedlers, Klausners): abgeschlossener Behälter, Gebirgspaß, +Engpaß, („durch diese hohle Gasse muß er kommen‟). Dieser letztere +Begriff hat das Wort bei den Seeleuten in Aufnahme gebracht. Es kommt +auch, wie (1702) im Niederländischen dafür die Form kluisgaaten bezeugt +ist, die Verbindung klusgat = Klüsenloch vor, was aber ein +tautologischer und volksetymologischer Verdeutlichungsversuch ist.</p> + +<p><span class="strong1">Knagge</span>, die, auch der („ich schneide mir einen tüchtigen Knaggen Brot +ab‟) Dick und Kretschmer, Seemannschaft I 444: „Mitunter hat das Ruder +noch eine Einrichtung, welche den Zweck hat, besonders beim +Rückwärtsgang des Schiffes den Maximalausschlag des Ruders zu begrenzen. +Zu dem Ende ist an jeder Seite des Ruders, etwa etwas höher als die +obere Wasserlinie, ein eiserner oder metallener Knaggen oder Ansatz +angebracht, der sich bei ganz hart gelegtem Ruder gegen den Steven legt +und so ein weiteres Drehen des Ruders über den Maximalwinkel hinaus +verhindert.‟ Das niederdeutsche Knagge, auch Knag, bedeutet dickes, +unförmliches Stück, Brocken, Klumpen, Knorren, harter Ast im Holze, +Baumstumpf, Wurzelstock; dann weiter Leiste, Zapfen, Pflock, hölzerner +Wirbel.</p> + +<p><span class="strong1">Knecht</span>, der. Die Knechte sind aufwärts stehende Hölzer bei den Masten +mit Querstücken an ihren oberen Enden und drehbaren Scheiben für die +Führung schweren laufenden Gutes. In den Querstücken stecken die Nägel +zum Belegen der durch die Scheibe geholten Enden. Das Wort Knecht ist +nach dem Muster von „Stiefelknecht‟, „stummer Diener‟ etc. gebraucht.</p> + +<p><span class="strong1">Kneifsteck</span>, der, ist ein Stek, der den Vorteil hat, leicht gelöst werden +zu können; er ist nämlich so eingesteckt, daß das Ende, wenn Kraft +darauf kommt, bekniffen ist; hört aber die Kraft auf, so kann man das +bisher bekniffene Ende bequem herausziehen und den ganzen Stek leicht +lösen; und selbst wenn Kraft darauf steht kann das bekniffene Ende ohne +große Mühe dem Zustande des Bekniffenseins entzogen werden. „Bekniffen‟ +sein in übertragenem Sinne ist ein wenig angenehmes Gefühl, nämlich eine +Art von moralischem Katzenjammer, eine Lähmung und Hinderung fröhlicher +Tatkraft in Folge eines gemachten<a id="Page_256"></a> + <span class="pagenum">[256]</span> Fehlers. — Weil ein +Kneifsteck, sobald man an dem bekniffenen Ende zieht, aufgeht, +„schlippt‟, so heißt er auch (s. d.) Schlippsteck.</p> + +<p><span class="strong1">Knickstag</span>, das, ist ein Sicherheitsstag, das in Tätigkeit zu treten hat, +wenn das eigentliche Stag gebrochen ist. Es heißt darum auch wohl im +Deutschen wie in den anderen Seemannssprachen der Nordsee Borgstag. Es +ist also ein Reservestag, das seinen Namen vom niederdeutschen knick hat += Bruch, Sprung, Riß, weil es, wenn das betreffende Stag knickt, d. h. +bricht — ein Tau „reißt‟ nie, es „bricht‟ in der Seemannssprache — als +Knickstag an seine Stelle tritt.</p> + +<p><span class="strong1">Knoten</span>, der. 1. s. splissen und knoten. 2. s. Log. „das Schiff segelt +sechs Knoten‟, d. h. es segelt sechs Seemeilen in der Stunde. Die Meilen +entsprechen den in bestimmten Entfernungen von einander befindlichen +Knoten der beim Loggen abrollenden Logleine. Ein Schiff fährt so viele +Seemeilen in der Stunde als Knoten der abrollenden Logleine in der Zeit +eines ablaufenden Logglases (Sanduhr) gezählt werden.</p> + +<p><span class="strong1">knoten</span> s. splissen und knoten.</p> + +<p><span class="strong1">kockpit</span>, die. „An apartment under the lower gun-deck of a ship of war, +ordinarily forming quarters for junior officers (and in action devoted +to the surgeon and his assistents and patients).‟ Eigentlich der +Kampfplatz für einen Hahnenkampf. Da nun „junior officers‟ manchmal +etwas Kampfhahnartiges an sich haben, namentlich wenn sie allzulange +zusammen an Bord desselben Schiffes bleiben, so hat man ihren Raum nach +jener Arena genannt, wie man auch denselben Namen gegeben hat, „to the +room in Westminster in which her majesty's privy-council hold their +sittings‟; es wird zwar behauptet, der Name käme, „from its having been +the side of what was formerly the cock-pit belonging to the palace of +Whitehall‟ ... aber wenn das wahr ist, so wird es doch höchstens die +äussere Veranlassung gewesen sein, der innere Grund für die dauernde +Herrschaft des Namens liegt wohl tiefer. — Der Name ist für einen +entsprechenden Raum wohl auch auf deutschen Kriegsschiffen gehört +worden, vor 20 — 30 Jahren häufiger wie heute.</p> + +<p><span class="strong1">Kofferdamm</span>, der, und Korkdamm sind neumodische Wörter für neumodische +Dinge, nämlich für bei der Panzerung notwendig gewordene +Vorsichtsmaßregeln gegen Überflutungen durch über das Panzerdeck +tretende Wassermassen. Sie haben also beide<a id="Page_257"></a> + <span class="pagenum">[257]</span> den Zweck eines +Dammes, der eine in Gestalt von kofferartigen wasserdichten Zellen, der +andere gleicht diesem in Gestalt, doch sind die Zellen mit Kork, +Cellulose, Pflanzenmark oder dergl. angefüllt. Wenn ein Schuß durch ein +eisernes oder stählernes Schiff geht, so ist das für das Schiff, und wie +sich neuerdings vor Taku herausgestellt hat, auch für die Mannschaft +gefährlich. Durch den Kork etc. etc. soll dann wenigstens bewirkt +werden, daß das Loch sich einigermaßen wieder zuzieht, wie früher beim +Holzschiffbau, zu dessen Zeiten manchmal ein Schiff ungezählte Schüsse +bekam ohne zu sinken.</p> + +<p><span class="strong1">Kogge</span>, die, war das altfriesische Seeschiff von breiter und plumper +Bauart, vorne und hinten rund und stumpf zulaufend, das nachher, etwas +verbessert, in der Geschichte der Hanse eine große Bedeutung gewonnen +hat. Die Koggen waren sowohl Handels- als Kriegsschiffe und werden in +der friesischen Geschichte zur Zeit der Kreuzzüge oft erwähnt, da die +Friesen in diesen Schiffen die Fahrt nach Palästina machten. Von der +letzten, recht unglücklichen, die 1269 unter König Ludwig dem Heiligen +unternommen wurde, erzählt Klopp, Ostfriesische Geschichte, I 136: „Also +wurden wieder in allen Kirchen die eisenbeschlagenen Blöcke errichtet +und Reiche und Arme brachten ihre Beisteuern dar. Aber durch die +Erfahrung der früheren Züge konnten viele Fehler vermieden werden. Den +Weibern ward die Teilnahme am Zuge völlig untersagt, damit die auf +früheren Fahrten häufig vorgekommenen Ärgernisse das Mal unterblieben. +Es wurde eingeschärft, daß nur diejenigen am Zuge Teil nehmen möchten, +die sich mit Lebensmitteln genügend selbst versorgen könnten. Deshalb +sollte jeder einzelne Pilger mindestens mitnehmen: sieben Mark Sterling, +ferner ausreichende Kleidung, Waffen, sechs Fäßchen Butter, einen +Schinken, eine und eine halbe Rindsseite oder zwei Scheffel Mehl. Am +Freitage nach Ostern 1269 war alles bereit. Die Schiffe wurden von den +Priestern geweiht und gesegnet und dann stiegen die Pilger andächtig +hinein, viele von ihnen mit Blutschulden beladen, die sie durch tapfere +Taten an den Türken zu sühnen gedachten. Aber bei Borkum wurden sie +durch niedrigen Wind drei Wochen lang aufgehalten. Man zählte in Allem +aus Friesland 50 Koggen ... Der König Ludwig war schon vorausgesegelt +und kämpfte in Afrika. Dort vereinigten<a id="Page_258"></a> + <span class="pagenum">[258]</span> sich die Friesen mit +seinem Heere, vollbrachten mit demselben wackere Taten und starben durch +die Anstrengung und die Einwirkungen des ungewohnten warmen Klimas +haufenweise dahin. Nach dem Tode des Königs schwand die Aussicht auf +Erfolg. Zwar segelten die Friesen weiter nach dem gelobten Lande, aber +nur, um nach Darbringung reichlicher Beisteuern von da aus wieder +heimzukehren. Auf der Rückkehr trennten sie sich, wurden hierhin und +dorthin verschlagen, geplündert und beraubt und wenige gelangten nach +vielen ausgestandenen Drangsalen arm und entblößt ins Vaterland wieder +heim‟; doch wohl kaum ohne etwas von der Seemannssprache des +Mittelmeeres mitgebracht zu haben. Man hat oft verwundert gefragt, wie +denn schon so früh ein arabisches, griechisches, lateinisches +Seemannswort solle ins Niederdeutsche gekommen sein. Die rege +Beteiligung der Friesen an den Kreuzzügen mag einen der Wege andeuten. + — Die älteste Erwähnung einer Kogge finde ich in einer, bei +Friedländer, Ostfries. Urkundenbuch I. 12, abgedruckten Urkunde des +Königs (Heinrichs III.) von England, d. d. Bedford, 13. Juli 1224: +„Mandatum est maiori et vicecomitibus Londonensibus, quod, non obstante +mandato domini regis eis facto de navibus arestandis, cogam Lamberti de +Brema et cogam Bracheri de Amethis apud Londonum arestatas occasione +predicta permittant sine inpedimento ad partes suas abire‟. In den +Urkunden, Recessen und Schraen aus der Hansazeit kommt das Wort +unzählige Male vor, da es die damals gangbare Art von Schiffen +bezeichnet, auch Kriegsschiffen. Der Name oorlogschip ist aber +niederländisch. Die Hansa nannte ihre Kriegsschiffe Friedeschiffe, +vredekoggen, weil sie eben als Kriegsschiffe für den Frieden und die +„Befriedigung‟ des Handels zu sorgen hatten. Nach Hirsch, Handels- und +Gewerbsgeschichte Danzigs 263, wird unter Kogge das Seeschiff im +Gegensatz zum Flußschiff verstanden und sind holk, krever, barse und +schute nur verschiedene Arten von Koggen. Doch sind bekanntlich +dergleichen Schiffsnamen schwer auseinander zu halten; ihrer viele sind +auch, weil die Formen und Größenverhältnisse zu unbestimmt sind, schwer +zu bestimmten „Typen‟ zusammen zu bringen, wie denn z. B. in folgender +Urkunde vom Jahre 1368 aus Lübeck schute doch nur ein Beiboot zu einer +Kogge ist. „de stede ... schollen vthmaken teyn cogghen ghemanned mit +ghuden wepeneren, dat is tho vorstande hunderd<a id="Page_259"></a> + <span class="pagenum">[259]</span> wapende man in +enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute +onde een snykke.‟ — Auch im Altnordischen kommt das Wort schon früh +vor, doch bemerkt Müllenhoff, daß es nur von hanseatischen, sächsischen +Seeschiffen gebraucht wird; was also auf südlichen, romanischen Ursprung +schließen läßt, so daß vielleicht grade die Kogge durch die erwähnten +Kreuzzüge, in Gemeinschaft mit französischen Schiffen unternommen, das +Wort in Aufnahme gebracht haben: altfranzösisch coque (neufranzösisch +coche), spanisch, italienisch coca, cocca, vom lateinischen concha, +Muschelschale, muschelartiges, muschelförmiges Gefäß, dann überhaupt +Gefäß. Daher auch italienisch cocchio, Personenwagen, unsere Kutsche.</p> + +<p><span class="strong1">Kohlenbunker</span> s. Bunker.</p> + +<p><span class="strong1">Kohlenstander</span> s. Stander und Kohlenwippe.</p> + +<p><span class="strong1">Kohlenwippe</span>, die. Dick und Kretschmer, Seemannschaft 1. 314: „An einem +Strecktau aus Stahldraht, welches je nach der Takelage oder der +sonstigen Einrichtung des Schiffes zwischen den Unterrahen, den +Ladebäumen, den Bootsdavits oder zwischen besonders vorgesehenen und im +Bedarfsfalle aufzubringenden Spieren ausgeholt wird, werden in passenden +und nach der Lage der Kohlenlöcher oder Kohlenpforten berechneten +Abständen einfache Jollentaue angenäht, deren Läufer an dem einen Ende +mit Haken versehen sind und deren holende Parten durch auf Deck +befestigte Leitblöcke geschoren werden. In die Haken werden die +gefüllten Kohlenkörbe gehängt, die holenden Parten werden entweder durch +Menschenkraft oder durch Maschinenkraft durchgeholt. Die Jollentaue +führen speziell den Namen „<span class="strong1">Kohlenwippen</span>‟, während das Strecktau auch mit +dem Namen „<span class="strong1">Kohlenstander</span>‟? bezeichnet wird.‟ — Diese Bezeichnungen +müssen als treffend anerkannt werden, denn das Strecktau steht zwar +nicht, woran man gewöhnlich bei Stehen denkt, „auf und nieder,‟ sondern +horizontal, aber es ist doch ein stehendes, festes, möglichst +unbewegliches Tau; das Jollentau aber muß wegen der Ortsveränderung, die +mit dem Korbe voll Kohlen vor sich zu gehen hat, eine wippende d. h. +schaukelnde Bewegung machen; wippen niederdeutsch: auf- und +niederschweben machen, in's Schwingen und Schweben bringen; auch sich +selbst schwingen, tanzen, hüpfen. Althochdeutsch wifan = winden; +gothisch veipan, umwinden; Wurzel wip, winden.<a id="Page_260"></a> + <span class="pagenum">[260]</span> </p> + +<p><span class="strong1">Koje</span>, die. Im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nur Bett, niemals Kammer, +wiewohl es mit Kabine, Kambüse und Kajüte verwandt ist. Die bei +Erklärung dieser Worte angeführte Stammsilbe kab heißt niederdeutsch +nicht nur kave, sondern auch kove und kowe. Da damit immer nur ein sehr +bescheidener Raum bezeichnet wurde so lag es nahe, dem kowe die +Diminutivendung je anzuhängen; bei der Aussprache fiel dann das w von +selbst aus und Koje war gebildet. Derselbe Vorgang wäre anzunehmen, wenn +man etwa das Wort vom lateinischen cuba, Schlafgemach, ableiten wollte. +Das wäre nur noch etwas umständlicher und weitläufiger; und warum in die +Ferne schweifen? Beachtenswert ist, daß schon zu Kilians Zeiten Koje +nicht Kammer sondern Bett hieß. „Koye int schip: cubile nauticum, +lectulus nautae.‟ — Eine einfache hölzerne Bettstelle, wie sie an Bord +gebraucht wird, führte früher den Namen Setkoje, Setzkoje, weil sie — +im Gegensatz zu fest eingebauten Kojen — beweglich ist und von einem +Ort an den anderen gesetzt werden kann. Zwei von dieser Art haben dem +Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ im J. 1647 das +Leben gerettet (s. Schönfahrsegel und Luv am Ende): „Mir war auch unter +dem Wasser nicht allzuwol zu muthe, so, daß ich bald wieder oben kann, +fühlete auch indem neue Krafft, und kam eine See die hub mich auff, so, +daß ich biß unter die Arme aus dem Wasser kam, mir lieff auch kein +Wasser über das Haupt wie zuvor geschehen, so, daß ich etwas von mir +sehen konte, ward auch indem zwo Setkoyen oder kleine Betsteten, so man +auff Schiffen gebrauchet gewahr, die von der See alsobald zu mir +geworfen worden, also legte ich auff jeder Koje einen Arm und hing so in +der Mitte, biß die Türken kamen und holten mich aus dem Wasser.‟</p> + +<p><span class="strong1">Koker</span>, der. Bei hölzernen Schiffen wird der Ruderhals, bei eisernen die +Ruderspindel in einem Umbau wasserdicht in das Schiffsinnere eingeführt, +in der Regel indem an der Spindel eine Stopfbuchse angebracht wird. +Diese Einführung, also die Hülle um die Spindel, heißt Koker. Das ist +dasselbe Wort wie das ebenso gebräuchliche niederdeutsche kaker = +<span class="strong1">Köcher</span>, Gehäuse, Büchse, Futteral, Behälter, Röhre, Rinne. Verwandt mit +Kogge, und Kachel und concha, von einer Grundbedeutung „umschließen,‟ +und noch in verschiedenen anderen Verwendungen an Bord, immer aber mit +dem Begriff „Umschließendes‟ — Köcher — gebraucht.<a id="Page_261"></a> + <span class="pagenum">[261]</span></p> + +<p><span class="strong1">Kolderstock</span>, der, eine veraltete Rudervorrichtung, nämlich ein +vertikaler Handgriff an der (horizontalen) Ruderpinne, durch das +Koldergat, bezw. die Kolderluke nach oben führend. Hildebrand in Grimms +Wörterbuch V 1612 hat von Chyträus, M. Kramer und Adelung das Wort +übernommen und trotz der Veraltung beibehalten; er meint für Weiteres +sei zuerst die allgemeine Bedeutung zu ermitteln. Nun haben bei vielen +Benennungen die Geräusche, die die benannten Sachen machen den Ausschlag +gegeben. Ich nehme daher an, daß Kolder nach dem Geräusch genannt ist, +das durch das Steuern mit dem Kolderstock notwendig verursacht werden +muß. Der Stock fährt nämlich der leichteren Beweglichkeit halber durch +eine hölzerne Rolle, „Nuß‟ genannt, die sich mit ihm hin und her bewegt. +Das kann nicht ohne das eigentümliche kullernde, kollernde Geräusch vor +sich gehen, das sich allemal hören läßt wenn Holz auf Holz gerollt wird. +So wäre also an kollern zu denken. Nun ist aber aus Holder Holler +geworden; warum soll nicht auch aus Koller Kolder werden können? Zumal +wenn vielleicht einem hochdeutschen Munde Koller nicht vornehm genug +war? Man denke an die scherzhafte Bildung Klopfstock für Klopstock. Auf +dem Wege vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche haben viele Seemannswörter +ähnliche Verdunkelung erfahren, vergl. löschen, Pferd, Maifeld.</p> + +<p><span class="strong1">Kofferkessel</span>, s. Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Kolk</span>, der. Grimm, V. 1613. hat viererlei Bedeutung für Kolk: 1. Erdloch, +das von Wasser ausgespült oder ausgerissen worden ist. 2. Als Cisterne, +Grube mit Wasser, braucht es selbst Luther einmal in der Bibel III. Mose +XI. 36. 3. Strudel im fließenden Wasser. 4. Doch die ursprüngliche +Bedeutung scheint einfach Erdgrube, Grube überhaupt. — Darnach wäre das +Wort eine Weiterbildung des Stammes kul in Kuhle = Loch. Hildebrand +weist aber für die unter 1. angegebene Bedeutung selbst auf kolken hin, +gleich klucken, kluckern, klangmalend und „strudeln, gurgeln‟ bedeutend, +ein dumpfes rollendes Geräusch machen, wie wenn Wasser sich mit Gewalt +durch eine enge Bahn bricht. Kolk in der ersten Bedeutung, und nur mit +dieser haben es Seeleute zu tun, ist aber, nach Dornkaat, „ein Loch oder +eine Vertiefung in der Erde, welches beim Durchbruch oder Riß eines +Deiches durch das mit Gewalt einströmende und<a id="Page_262"></a> + <span class="pagenum">[262]</span> die Erde +herauswühlende Seewasser entsteht (wie z. B. 1825 bei der großen +Sturmflut der über hundert Fuß tiefe Kolk bei dem Dorfe Larrelt, oder +der Larrelter Kolk)‟. Allerdings ist auch an der Wasserkante Kolk +ebenfalls ein mit dem Spaten ausgegrabenes Loch, aber es ist doch +anzunehmen, daß die durch kolkendes Wasser entstandenen Kolke eher waren +als die von Menschenhand. Denken wir daran, daß der Kolkrabe seinen +Namen jedenfalls vom Ton hat, den er von sich gibt, und daß im +übertragenen Sinne „kolken‟, „dazwischen kolken‟ doch auch nur „krächzen +wie ein Kolkrabe‟ bedeutet, so gewinnt für Kolk unter 1, die Lautmalerei +sehr an Wahrscheinlichkeit, und es mögen 2, 3 und 4 +Bedeutungserweiterungen bezw. — Verschiebungen sein, vielleicht vom +Gedanken an Kuhle beeinflußt. Für die Ableitung von kolken = gurgeln +spricht in Sonderheit die Bedeutung unter 3., Strudel, dessen Geräusch +gurgelnd ist.</p> + +<p><span class="strong1">Kommodore</span>, der. „1. An officer, generally a captain, holding a temporary +commission with a rank between that of captain and admiral, who commands +a ship or detachment of ships in the absence of an admiral. 2. A title +given by courtesy to the senior captain when three or more ships of war +are cruising in Company. 3. The senior captain of a line of merchant +vessels. 4. The President of a yachting club. 5. The convoy or leading +ship in a fleet of merchantmen, which carries a light in her top to +conduct the other ships.‟ Bei uns zeitweilig nur im Sinne von No. 1 in +Gebrauch. Vom spanischen comendador.</p> + +<p><span class="strong1">Kompagnie</span>, die. Der unter diesem Namen bekannte Truppenverband der Armee +und der Marine am Lande heißt an Bord Division; nicht zu verwechseln mit +anderen, größeren Verbänden dieses Namens. Kompagnie ist ähnlich +gebildet wie Kamerad (von Kammer) oder Geselle (von Saal), nämlich von +panis und cum; die Leute von einer und derselben Kompagnie sind also +Kumpane zusammen, Leute die mit einander gemeinschaftlich ihr Brot +essen; daher auch Kumpanie und mit komisch-lateinischer Endung in alten +Studentenliedern Kumpaneia.</p> + +<p><span class="strong1">Kompass</span>, der. Das bekannte Werkzeug zur genauen Bestimmung der +Himmelsrichtung. Daß ein so wichtiges Stück der Seemannschaft im Laufe +der Jahrhunderte vielerlei Verbesserungen erfahren hat, läßt sich +denken. Es gibt gar verschiedene Arten<a id="Page_263"></a> + <span class="pagenum">[263]</span> von Kompassen. Hierher +gehört nur das Sprachliche. Dieffenbach, „Celtica‟, sucht mit großem +Aufwand von Gelehrsamkeit zu beweisen, das Wort komme aus dem +Keltischen, und zwar aus dem kymrischen Ast, nämlich von der Wurzel kam, +kamp, Krümmung, davon comminus, Weg auf dem man umkehrt und so eine +Krümmung macht; Schritt, Weg, Felge am Rad. Das ist doch weit hergeholt. +Viel näher liegt und viel einfacher ist auf das Lateinische +zurückzugehen, wie denn das Wort doch auf den ersten Blick dahin +zurückweist, compassus = com-passus wurde auf dem Wege ins +Altfranzösische schon im Provençalischen zu compas = gleicher Schritt, +(Mitschritt); daher, wie auch im Spanischen, Takt, Versmaß, Maß und +Werkzeug zum Messen. Wie nahe lag es da im Nautischen das wichtigste +Maßwerkzeug, als es in den seemännischen Gebrauch kam, einfach +schlechthin <span class="strong1">das</span> Werkzeug zu nennen; der hat dann solches Übergewicht +erlangt, daß es nur in dieser einen Bedeutung ins Deutsche (und viele +andere Sprachen) überging. Das Italienische nennt zwar den Kompaß selbst +bussola, (und demgemäß liest man in älteren deutschen Schriftstellern +das Wort wohl auch einmal), aber es hat doch compasso für Zirkel als +Meßinstrument, und es wäre kein Schade gewesen, wenn es die +Weiterbildung dieses Wortes, die die Franzosen vornahmen mitgemacht +hätte, denn Kompaß gibt doch eine viel sinngemäßere Bezeichnung ab als +bussola, das nichts weiter als eine Büchse bedeutet, oder vielmehr ein +Büchschen, lateinisch buxula von buxus, der Buchs, die Büchse; +Arzneigefäß aus Buchsbaum. Der Begriff des Messens liegt so sehr in +Kompaß, daß man lange Zeit im 16. Jahrhundert eine Vorrichtung zum +Messen der Zeit, ein solarium, horologium, ein Sonnawer — Sonnenuhr — +einen Kompaß nannte; noch Schönsleder 1618 hat compasz oder +Sonnenuhrlin.</p> + +<p><span class="strong1">Kontre-Admiral</span>, der. Was eigentlich unter diesem Dienstgrade +ursprünglich zu verstehen war als das Wort noch keinen titelhaften +Dienstgrad, sondern eine vorübergehende „Funktion‟ anzeigte, erhellt aus +einer Verbindung der englischen mit der holländischen Bezeichnung, Rear +Admiral und Schout by nacht. Rear ist die Nachhut, der Teil des +Geschwaders which is behind the rest; Rear Admiral also der Befehlshaber +der Nachhut. Unter Umständen war er auch der Stellvertreter des +Flotten-Admirals. Während dieser nämlich am Tage von dem Vize-Admiral +<a id="Page_264"></a> + <span class="pagenum">[264]</span> sich vertreten ließ, vertrat ihn des Nachts der +Schulze bei Nacht, der Kontre- oder Gegenadmiral, wie man zu sagen +pflegt „mein Gegenpart‟, oder „ein Gegenstück.‟ Aubin, 1702: +Contre-Amiral. C'est un Officier qui commande l'arriére garde, ou la +derniére division d'une armée navale. Cette charge n'est qu'une simple +qualité en France, car il n'y a point de Contre-Amiral fixe: il ne +subsiste que pendant un armement considérable, ou les Officiers Généraux +sont emploïez. Dans ces occasions le plus ancien des Chefs d'escadre +porte le pavillon de Contre-amiral, qui est blanc, de figure quarrée et +qui s'arbore à l'artimon. Mais en Hollande la qualité de schout-by-nagt +est fixe comme les autres; aussi les fonctions de cet Oficier ne +sontelles pas les mêmes en tout, que celles d'un Contre-amiral. +Cependant comme elles en aprochent plus que des fonctions d'aucun autre +Oficier en rang, on ne peut traduire plus convenablement le terme de +Contre-amiral en Hollandois, que par celui de Schout-by-nagt. „Le +Contre-amiral, ou Schout-by-nagt, est le troisiême Oficier des armees +navales. Ses principales fonctions sont avoir l'oeil, pendant la nuit, +à-ce-que tous les vaisseux gardent leur rang en naviguant, afin-qu'ils +ne s'abordent pas, et qu'il n'y ait point de confusion; et c'est à lui +de dénoncer ceux qui ne font pas leur devoir à cet égard.‟ — Über die +verschiedenen Befehlshaber lesen wir im „Durchläuchtigsten Seehelden‟ +(1631): „Im Jahre 1585 ward Drak mit einer Flotte von fünff und zwantzig +Segeln, und 2300. so Soldaten, als Boots-Leuten ausgesandt, und gieng +den 22. Septembris von Pleymouth in die See, sein General-Stadthalter +war Christoph Carlile; Antonius Pocoel sein Sergeant-Major. Capitain +Mattheus Morgan, und John Samschon Corporale zu Felde. Die +Land-capitaine waren ... Capitain Martin Forbischer, der gleichfalls +seiner gethanen Reisen halber berühmt, war Vice-Admiral in der +Primerose, capitain Franciscus Knolles war Rere-Admiral oder Schultz bey +der Nacht, in dem Gallion Leicester.‟ Im Jahre 1607 setzten die +Hochmögenden Herren Staaten den Jakob von Heemskerck zum Admiral und +sandten ihn mit einer Flotte aus, „den schlaffenden Geist der Spanier +aufzuwecken.‟. „Diese Schiffe fuhren den 25. Martii auß dem Texel, und +kamen den 27. an bey der Insul Wiht, allda sie vier Schiffe auß Seeland, +unter den Capitainen Laurentz Jacobs Alceras, als Vice-Admiral, auf dem +rothen Löwen,<a id="Page_265"></a> + <span class="pagenum">[265]</span> Martinus Hollart, Cornelius Faes, und Peter Cales +antraffen, dessen letztern Schiff an den Grund gesegelt und geblieben +war, aber die Gereitschafft und Vorrath samt dem Volck (außgenommen +eylff Boots-Gesellen und fünff Soldaten, die zuerst mit dem Boot davon +fahren wollen, und ertrunken) seyn auf die andern Schiff übergenommen +worden. Von Rotterdam waren auch unter der Wiht ankommen, Capitain +Lambert Hendricks, sonsten der schöne Lambert, Schaut bei Nacht, mit dem +Schiffe der Tiger.‟ — In der Kaiserlichen Marine ist Kontre-Admiral +jetzt ein Dienstgrad, „une qualité fixe‟, den ein im Range eines +Generalmajors stehender Flaggoffizier bekleidet, einerlei was für einen +Dienst er tut, einerlei auch, ob er ihn an Bord oder am Lande tut.</p> + +<p><span class="strong1">Kontrebande</span>, die. Zahllos sind die deutschen Wörter, die mit dem fremden +Kontre verbunden sind. Kontrebande bedeutet eine Ladung oder Waren, die +zu laden und zu führen verboten ist, die geführt wird contra bando, d. +h. gegen öffentliches, gesetzlich verkündetes Verbot. Das bando ist +deutscher Herkunft, mit Bann verwandt, vergl. abandonnieren.</p> + +<p><span class="strong1">Kopfschlag</span>, der. Wenn man mit mehreren Schlägen um eine Klampe, oder +einen Knecht oder sonstwie ein Tau belegt, so heißt der oberste Schlag, +der so gelegt ist, daß er sich selbst bekneift und nicht aufgehen kann, +Kopfschlag. Soll eine Spier getaut oder aufgehißt werden, so nimmt man, +nachdem man um sie einen Zimmer- oder Balkenstek gelegt hat, mit der +Bucht der Jolle noch einen Kopfschlag; Kopf bedeutet hier also etwas das +<span class="strong1">über</span> einem anderen ist.</p> + +<p><span class="strong1">Korrespondentreeder</span>, der. Wenn mehrere Kauf- oder Geldleute zusammen +einen Reedereivertrag machen, gemeinschaftlich ein Schiff zu befrachten, +so führt einer von ihnen die Geschäfte mit dem Kapitän und anderen in +Betracht kommenden Personen. Weil das mancherlei Schreibwerk mit sich +bringt, so heißt dieser eine, der Geschäftsführer und bevollmächtigter +Vertreter der andern ist, Korrespondentreeder.</p> + +<p><span class="strong1">Korsar</span>, der, der Seeräuber. Das lateinische cursus = der Lauf, die +schnelle Bewegung zu Pferde, zu Wagen u. s. w., die Fahrt, Reise, der +Weg, insbesondere zu Schiffe = der Kurs, heißt spanisch corsa. Dieser +Form entsprechen das italienische corsare und corsale, spanisch +corsario, cosario, provençalisch corsare, französisch corsaire, +mittellateinisch corsarius. In der eigentlichen<a id="Page_266"></a> + <span class="pagenum">[266]</span> Bedeutung des +Wortes liegt also nichts Seeräuberisches; das ist erst im Mittelalter +hinzugekommen, doch wohl weil die Seeräuber ihren corsa besonders +schneidig verfolgen mußten.</p> + +<p><span class="strong1">Korvette</span>, die. Ein neuerdings amtlich auf den Aussterbe-Etat gesetzter +Name für ein größeres Kriegsschiff, der lange im Gebrauch der Marine +war; man unterschied „Glattdeckskorvetten‟ mit den Kanonen an Deck und +„Gedeckte Korvetten‟ die ein Deck mehr, das sogen. Batteriedeck, +besaßen. Der Name stammt aus dem Lateinischen, wie schon Weigand richtig +erkannt hat: „1721 die Courvette, aus lat. corbita = Lastschiff, von +lat. corbis = Korb.‟ Offenbar hat ein Lastschiff bei den Römern eine +etwas plumpe korbartige Gestalt, vielleicht war es sogar ursprünglich +eine Art wirklichen Korbgeflechtes. In No. 28, Jahrgang 1895 der +Wochenschrift „Nach dem Dienst‟ befindet sich ein Bild, „Schiffe auf dem +Euphrat‟, das uns die Herkunft von Korvette aus Korb deutlich vor die +Augen stellt. Diese Schiffe sind wirklich nichts weiter als Körbe. Im +Texte heißt es: „Die innerasiatischen Völkerschaften hassen nichts mehr +als Änderung und Fortschritt, und auch die unter das Joch der Türken +gekommenen Völker Kleinasiens zeigen denselben Charakterzug. Haus- und +Feldgeräte sind noch von derselben urwüchsigen Form, welche nach den +Erzählungen der Bibel und der alten Schriftsteller vor 3000 Jahren +üblich war. Über den Euphrat führen fast keine Brücken; aber man bläst +einfach die abgezogenen Felle von Ziegen auf, bindet sie zusammen, legt +eine geflochtene Matte darüber, und das Schiff ist fertig. Ähnlich sind +die Frachtkähne, welche wir auf unserm Bilde sehen. Sie sind von starkem +Schilf geflochten und in ihrer Form dem Kürbis nachgebildet. Sie haben +zwar eine große Tragfähigkeit, sind aber sehr schwer lenkbar, da sie +sich zu leicht um sich selber drehen; auch sind sie fast nur +stromabwärts zu benutzen und müssen stromaufwärts leer gezogen werden.‟ + — Ein geflochtener, oben offener, kürbisförmiger Korb verglichen mit +unserem „Fürst Bismarck‟ zeigt uns einen bewundernswerten Fortschritt +der Schiffsbaukunst. — Corbita wurde im Spanischen zu corbeta, im +Portugiesischen corveta, französisch corvette, früher courvette; so bei +Aubin 1702, welcher schreibt: „C'est une espéce de barque longue, qui +n'a qu'un mât et un petit trinquet et qui va à voile et à rames. Les +Courvettes sont frequentés à Calais et à Dunquerque. D'ordinaire on en +tient<a id="Page_267"></a> + <span class="pagenum">[267]</span> à la suite d'une armée navale pour aller à la découverte et +pour porter des nouvelles.‟ Korvette war also vor 200 Jahren zwar +bereits Kriegsschiff, hatte es aber damals noch nicht weiter als bis zum +Aviso gebracht. — Der Name Korvette ist in der deutschen Marine +abgeschafft und durch „Kreuzer‟ ersetzt; die Rangstufe eines Majors der +Armee nennt man noch immer mit dem Worte Korvettenkapitän.</p> + +<p><span class="strong1">Krabben fangen</span> wird scherzweise gesagt, wenn ein mit anderen zusammen im +Takte rudernder Matrose einen Streich, „Pull‟ genannt, ausläßt, indem er +mit dem Riemen nicht tief genug ins Wasser kommt, so daß, wenn er nun +anzieht, das Wasser keinen Widerstand bietet und der Ruderer rückwärts +zu fallen droht.</p> + +<p><span class="strong1">Kragen</span>, der.</p> + +<p>1. Des Mastes, ist ein Stück Presenning oder geteerten Segeltuches, das, +wie ein Kragen um den Hals, um den Fuß des Mastes gelegt wird, da wo er +durch das Deck geht, damit an dieser Stelle kein Wasser in das Schiff +eindringt.</p> + +<p>2. Des Stags, ist ein Stropp oder ein Auge mit dem der unterste Teil +eines Stags befestigt wird; auch dieser Stropp, dieses Auge, wird wie +ein Kragen umgelegt, z. B. der Kragen des Fockstags um das Bugspriet.</p> + +<p>Von einem solchen Stagkragen ist in der „Beschriving van der Kunst der +Seefahrt‟, Lübeck 1673, zu lesen: ... begegnete mir ein grosser +Nordwesten Sturm, so daß ich mit kleinen Segeln mußte bey halten: weil +nun das Gewitter länger anhielte, ward das Wasser deswegen sehr holl, so +daß das Schiff dadurch sehr arbeitet, könte auch bißweilen nichtes mehr +dann ein Siegel führen, biß endlich daß Bochspret die Vorsteve loß +machte, es war aber ein Stück, so daroben war aufgesetzet und biß an die +Klüsen hinunter lieff (also nicht der eigentliche Steven, sondern das +Gallion); Weil es aber Nacht war, und wir kein Mohnschein hatten, auch +sobald kein Mittel finden konten, daß wir es fäst machten, so waren wir +entschlossen daß Bockspret weg zu hauen; Ging derowegen mit dem +Zimmermann vor auff die Pflicht (der zweite Teil jener „Beschriving‟ ist +hochdeutsch; im ersten Teile, der „in unser Saxsischen Sprack‟ +geschrieben ist, würde das Wort Plicht gelautet haben; es sagt der +Verfasser aber ausdrücklich: „Ick heb mi nicht gebunden an de Wörde und +Nahmen,<a id="Page_268"></a> + <span class="pagenum">[268]</span> offt se wor nicht recht na dem Saxsischen luden; Sundern +mi reguleret nor de Manner, alß idt by unsen Seefahrenden wert +gespracken, up dat idt desto besser van ehm kan verstahn werden‟), und +hielt mich mit der einen Hand an den <span class="strong1">grossen Kragen vons Stag</span>, mit der +andern Hand den Zimmermann, daß er das Bochspret weghauen sollte; Indem +kam eine See und nahm das Bockspret gantz mit sampt der Steve und +Pflicht, welche unter drey Balcken hatte, und war die Focke-Mast darein +gefüget mit Bretter und allem Uberbort: Ich und der Zimmermann wurden zu +unserm Glücke inwerts geworffen, kamen hinters Both zu liegen, daß +Bochspret aber schlug mit dem vor Ende hinterwerts, und holete die +Focken-Mast mit daß Focken Stach hinten über, so daß das Focken Spar ins +Raum brechen mußte, also mußten wir die Mast auch weghauen. Daß grosse +Stach aber, weil es auff die Vorsteve fäst war, und dieselbe nun +abgebrochen, so kam dasselbe Stach auch loß zu liegen, kontens auch in +der finstern Nacht so bald nicht wieder fäst bekommen, also fiel die +grosse Mast auch über Bort.‟</p> + +<p><span class="strong1">Krahn</span>, der, eine Hebevorrichtung für schwere Lasten. Man unterscheidet +feste Krähne, am Lande, und schwimmende oder Schwimmkrähne, die +längsseit eines Schiffes fahren und Lasten an oder von Bord geben. — +Dasselbe Wort wie Kranich, weil nach Beinen, Hals und Schnabel dieses +Tieres ursprünglich der Krahn hergestellt worden ist. So schon im +Griechischen: geranos = Kranich und Hebezeug; vergl. Bock, Widder. An +Bord der Schiffe gibt es <span class="strong1">Krahnbalken</span> zum Heben von Lasten, Ankern etc. +Krahnbalksweise steht etwas, das steht wie ein Krahnbalken, nicht grade +von vorn, nicht grade von der Seite, sondern zwischen beiden Richtungen. +Französisch (1702) gruan. Dasselbe Wort bedeutet auch Grütze, aliment +ordinaire parmi les Hollandois qui en font leur potages sur les +vaisseaux et qui même en quelque vaisseaux en servent jusqu' à vingt et +une fois par semaine. Nach Diefenbach heißt in den keltischen Sprachen +garan der Kranich, der „Langbeinige.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kraier</span>, der, ein Ostseeschiff mit Pfahltakelage (s. Polacker). In +Ostfriesland heißt kreier, kreuer, kroier, krojer eine Art von +Schlitten, die auf dem Watt gebraucht werden um die gefangenen Fische +aus den Reusen zu holen; sie werden auf dem glatten Schlick des Watts +von einem Mann, der krei-jager genannt wird,<a id="Page_269"></a> + <span class="pagenum">[269]</span> geschoben, und sind +also die eigentlichen „Schlickrutscher‟. Das ostfriesische Zeitwort +kroien, krojen bedeutet schieben, wegschieben, verschieben, nach dem +Winde drehen, umdrehen, versetzen; niederländisch kruijen, in einem +Schiebkarren schieben, treiben, in Fluß und Bewegung kommen, namentlich +von Eisschollen, mittelniederdeutsch kruijen und kroden; westfriesisch +krodjen schwer tragen, ziehen, schleppen. In kroier ist also ein d +ausgefallen, und erst dieser Schwund hat, wie öfters im Niederdeutschen, +das i oder j bedingt. Demnach entspricht das Wort einem der +neuhochdeutschen Schriftsprache abhanden gekommenen mittelhochdeutschen +krod, das nach Grimm V 2412 Mühe, Belästigung bedeutet. Die Mühe ist +eben ein Ziehen, ein Schieben, ein Schleppen von Lasten. Ein Kraier ist +also ein Lastenschieber, Lastenschlepper, kurz ein Lastschiff. — Die +Kraier sind indessen nicht ausschließliche Eigentümlichkeit der Ostsee, +man kannte sie schon im Mittelalter in Holland, vergl. das unter +Krawelboot angeführte holländische Citat über Hoorn.</p> + +<p><span class="strong1">Krampe</span>, die, seemännisch nur weiblich, ein Eisen in der Form eines U, +aber mit zugespitzten Enden, das in irgend ein Holz geschlagen wird um +etwas daran befestigen zu können. Wegen der gekrümmten Gestalt verwandt +mit Krampf, dem krankhaften Sichkrümmen der Glieder; Ablaut zu krimpfen, +niederdeutsch krimpen, intrans, sich krumm zusammenziehen, wenn man +Leibschmerzen hat, wenn man friert, vom Hunde, wenn er seine Notdurft +verrichtet. Vergl. krimpen.</p> + +<p><span class="strong1">krängen.</span> Wenn das Schiff sich unter dem Einfluß von Wind, Wellen oder +hart gelegtem Ruder auf die Seite neigt, so sagt man: es krängt. Die +Größe der Krängung wird in Graden des Winkels angegeben, den das Deck +mit dem Wasserspiegel bildet. „Wir krängten‟, (d. h. das Schiff auf dem +wir uns befanden krängte:) „25°‟. — Krängt ein Schiff einmal nach der +einen und dann nach der andern Seite so nennt man das: es schlingert. — +Wegen der „krank‟-haften Bewegung ist das Wort zu krank zu stellen. Die +erste und ursprüngliche Bedeutung ist nach Hildebrand (Grimm V 2024) am +deutlichsten in dem waidmännischen „krank‟ = verwundet zu finden, weil +verwundete Tiere sich krümmen, sich hin und her winden, sich von einer +Seite auf die andere werfen. Dem entspricht das im Beowulf vorkommende +cringan = fallen im Kampfe, niederstürzen mit der<a id="Page_270"></a> + <span class="pagenum">[270]</span> sich windenden +Bewegung eines zu Tode Getroffenen. — Früher hieß krank auch krang, so +daß die Abstammung des Wortes krängen von krank noch deutlicher in die +Augen springt. Es heißt also: sich hin und her werfen wie ein Kranker +oder Verwundeter. Im Nordfriesischen ist diese alte Bedeutung von krank +noch zu erkennen in krenge = zu Falle bringen. Im Westfriesischen +dagegen ist die Bedeutung verallgemeinert; omkrengen heißt da mit dem +Wagen umdrehen, zur Seite fahren, ausweichen.</p> + +<p><span class="strong1">Krawelboot</span>, das, ist von der Lage der Planken zu einander genannt, die +seine Bordwand bilden. Es hat nur eine Plankenlage (im Gegensatz zum +Diagonalboot) und die Planken stoßen stumpf aufeinander. Sie sind also +wie die Schiffsplanken neben einander befestigt und wie diese auch +gedichtet oder kalfatert. Krawel ist Versetzung (Metathesis) von Karwel. +Wie das englische carve zunächst nicht einschneiden oder ausschneiden, +sondern nur schneiden bedeutet, so bedeutet das niederdeutsche karfe, +karve nicht bloß „Kerbe‟, sondern auch Schnitt, Abschnitt, Stück; umkarf +ein Stück Brot ums ganze Brot herumgeschnitten. Das Schneiden, +Abschneiden ist also ausschlaggebend, und zwar nicht nur weil die +einzelnen Planken besonders sorgfältig geschnitten, gut auf einander +passend geschnitten werden müssen; man darf gewiß auch daran denken, daß +die beiden Planken „miteinander abschneiden‟ im Sinne von: „aufeinander +oder aneinander genau passen.‟ — Niederländisch karvielwerk; darunter +versteht Roeding (1794) „alle Hölzer und Planken, die nicht klinkerweise +über einander liegen, sondern mit ihren Kanten dicht an einander +schließen.‟ — Die ersten Spuren des Karvielwerks führen nach Hoorn in +Holland (nach dem auch das Kap Hoorn den Namen hat) D. Delius in seiner +Beschreibung von Hoorn: „In't jaer 1460 werden hier de eerste +Carviel-schepen gemaeckt, daar men te vooren niet hadde dan Hulken, +Razeilen en kraiers, en die altemal gewracht Crap-schuits wijze met de +planken op malkander.‟</p> + +<p><span class="strong1">kreuzen.</span> Eigentlich (= to cross) durch etwas ein Kreuz machen, +durchkreuzen, ausstreichen, zu nichte machen. Im Seemännischen heißt es +zunächst: sich aufkreuzen, wegen ungünstigen Windes, bei dem man nicht +Kurs steuern kann, so kreuzen, daß man so hoch beim Winde segelt und +segelnd hin- und herfährt, daß bei jedem Schlage, bei jedem Hin und bei +jedem Her etwas von der eigentlichen Kursrichtung gewonnen wird und so +das<a id="Page_271"></a> + <span class="pagenum">[271]</span> Schiff, wenn auch recht langsam, doch zu seinem Ziele kommt. +Es mag der Gedanke zu Grunde liegen, daß auf diese Weise der eigentliche +Kurs immer wieder gekreuzt wird, so daß jeder Schlag mit ihm ein Kreuz +bildet; vielleicht hat auch die Redensart „kreuz und quer‟ mitgespielt; +gleichbedeutend mit laviren. — Sodann heißt kreuzen auch: sich längere +Zeit auf einer und derselben Stelle, an derselben Küste, in demselben +Meere, auf derselben Station sich aufhalten und hin- und herfahren um die +Flagge zu zeigen und die Interessen seines Landes und seiner Angehörigen +wahrzunehmen; im Kriege einen Hafen, eine Küste blockieren, feindliche +Schiffe kapern etc. etc. Dabei ist an „Sichaufkreuzen‟ nicht gedacht, +sondern nur an das Hin- und Herfahren. Daher der Name „Kreuzer‟ für +Schiffe die den angegebenen Zwecken dienen, sich aber von dem +„Aufkreuzen‟ immer weiter entfernen, da sie immer mehr auf die +Dampfkraft gestellt werden, der man vor fünfzig Jahren, zur Zeit der +„Deutschen Flotte‟, noch so wenig für Kriegszwecke zutraute.</p> + +<p><span class="strong1">Kreuzknoten</span>, der. Im Grunde genommen ist jeder Knoten ein Kreuzknoten, +da überhaupt nicht anders als übers Kreuz geknotet werden kann. Ein +Kreuzknoten ist aber im Besonderen ein doppelter Ueberhandsknoten; man +legt zuerst die beiden Tampen kreuzweise übereinander und nimmt dann den +oberen Tampen über den unteren durch: das ist ein Ueberhandsknoten; tut +man dasselbe noch einmal und zwar so, daß nachher die Tampen und Buchten +neben einander liegen, so ist das ein Kreuzknoten.</p> + +<p><span class="strong1">Kreuzmast</span>, der, ist bei Vollschiffen der hinterste der drei Masten. Auf +spanischen und anderen Schiffen (katholischer Völker) war am Kreuzmast +oder in seiner Nähe ein Kruzifix oder ein Kreuz so angebracht, daß es +vom Deck aus, namentlich vom Achterdeck aus zu sehen war. Wer auf das +Achterdeck kam bezeugte diesem religiösen Symbol seine Achtung indem er +es grüßte. Die Sitte dieses Grußes hatte sich so eingebürgert, daß, als, +zuerst bei den Protestanten, hernach auch bei den Katholiken, das Kreuz +nicht mehr angebracht wurde, der Gruß doch blieb, er wurde nun aus alter +Gewohnheit dem nach dem Kreuze genannten Kreuzmast dargebracht. Noch +heute grüßen alte Seeoffiziere jedesmal, so oft sie das Achterdeck +betreten, nach dem Kreuzmast hin, auch wenn kein Mensch um den Weg ist, +dem<a id="Page_272"></a> + <span class="pagenum">[272]</span> der Gruß gelten könnte. — Alles was zum Kreuzmast gehört +wird als Sammelbegriff auch <span class="strong1">Kreuztop</span>, genannt. Und die einzelnen Teile +werden zur Unterscheidung von denen des Groß- oder des Vortops durch +Vorsetzen von Kreuz- bezeichnet. In Grimms Wörterbuch fehlt Kreuzmast. +Dafür ist ein Wort aufgenommen, das es nicht gibt: Kreuzraa. Es gibt am +Kreuzmast eine Bagienrahe, eine Kreuzmars-, Kreuzbram- und +Kreuzoberbram-Rahe, aber keine Kreuzrahe. Und wenn man auch die +Bagienrahe Kreuzrahe nennen wollte, etwa nach dem Vorgang von Groß- und +Fockrahe, so ist doch die Erklärung, die Hildebrand dem Kampe entnommen +hat, keine oder noch weniger als eine Erklärung: „Kreuzraa, auf Schiffen +eine Art Raa‟; der Kreuzmast hat keine besondere Art von Rahen, er hat +Rahen, wie andere Rahen auch sind, nur daß sie eben am Kreuz- und nicht +am Groß-, oder Fockmast festgemacht sind.</p> + +<p><span class="strong1">Kriegsschiff</span>, das. Ursprünglich war es im niederdeutschen Sprachgebrauch +ein solches, das bestimmt war, Frieden und Sicherheit auf dem Meere zu +schaffen und dem unerlaubten Nahrungszweig der Seeräuber zu wehren. Sie +hießen daher nicht Kriegsschiffe, sondern vredeschepe. Lübecker Chronik: +„De rad van Lubeck makede uth vredeschepe up de se tighen de Prusen, +wente de nemen wat se krighen konden‟. — Althochdeutsch herikocho, eine +Heer-Kogge, eine Kogge, die ein (kleines) „Heer‟ von Kriegsleuten +führte. Mittelhochdeutsch herschif. Mittelniederdeutsch orlogschepe; +orlog, orloge, orlage, orlege, orloch, orlech, orlich, orlinch hieß +Krieg; altsächsisch urlag, althochdeutsch urlac, nicht etwa exlex, +sondern Bestimmung, Schicksal, höhere Entscheidung, Gerichtskampf vor +Gott. Lübecker Chronik: „scepe de to dem orleg vte weren.‟ — +Niederländisch oorlogschip. Englisch man-of-war, eigentlich Kriegsmann, +aber mit so ausschließlicher Bedeutung von <span class="strong1">Kriegschiff</span>, daß ein +Kriegsschiffsmatrose genannt wird „a man-of-war's-man.‟</p> + +<p><span class="strong1">krimpen</span> heißt das Sichdrehen des Windes oder, wie der Seemann sagt, das +Herumgehen des Windes, besonders in unwillkommener Richtung und außerdem +manchmal mit der Nebenbedeutung des Sichdrehens gegen die Sonne, was +alte Seeleute als ein Zeichen kommenden Sturmes ansehen. Krumpen ist das +niederdeutsche Zeitwort für das hochdeutsche krümmen, winden, einziehen, +zusammenziehen, althochdeutsch krimpfen, mittelhochdeutsch<a id="Page_273"></a> + <span class="pagenum">[273]</span> +krimpfen; davon das in Ostfriesland gebräuchliche krimper = Geburtswehe. + — Die Angabe Hildebrands in Grimms Wörterbuch V 2312 „der Wind krimpt +(ein), wird schwächer, schrumpft ein gleichsam‟, muß auf einem +Mißverständnis beruhen, da beim Krimpen der Wind nicht schwächer sondern +nur schraler wird, ja er wird dabei eher stärker. An sich heißt also +jede Windrichtungsänderung krimpen, besonders aber diejenige, bei der +man den gewünschten Kurs nicht mehr steuern kann und die schlechtes +Wetter erwarten läßt; eine Änderung auf die der besonders achten muß, +dem sie besonders bedeutsam und wichtig sein muß wegen der zu treffenden +Vorsichtsmaßregeln. Ehrentraut, Fries. Archiv II. 72: „Wenn der Wind +nördlich ist und dann westlich wird und dann wieder nördlich, dann sagt +der Schiffer: „de win krimpet oder es krumpen. Darauf folgt leicht ein +Sturm.‟ Und Röding bemerkt zu krimpen: „der Wind läuft gegen die Sonne +rund, welches gewöhnlich schlechtes Wetter mit sich bringt.‟ +Französisch: „se ranger contre le soleil.‟ — Man weiß, was man von +dergleichen Meteorologie zu halten hat.</p> + +<p><span class="strong1">Kronlin</span>, die, (Kronleine) nennt man auf Wangerooge und sonst an der +Nordseeküste „das Tau womit das Hauptsegel aufgezogen wird.‟ Krone hat +hier die Bedeutung von Kopf, Spitze, Oberstes, wie in Baumkrone oder dem +Ausdruck: „es ist ihm etwas in die Krone gestiegen‟; in Ostfriesland +heißt eine Garnwinde, die auf einer aufrechtstehenden Stange läuft, +Garnkrone. Um den angegebenen Zweck zu erfüllen muß das Tau durch einen +Block an der Krone, am obersten Teil des Mastes der das Segel trägt +fahren. Doch kann man es auch so erklären, daß diese Leine die +„Haupt‟-Leine bedeuten soll, wie man von einem „Haupt und Kronenstück‟ +als etwas besonders Wichtigem redet.</p> + +<p><span class="strong1">Krulle</span>, die, ist das Schneckenhaus- oder lockenförmige Auslaufen des +Gallions, oder vielmehr des Vorstevens in einer Verzierung, die man bei +jonischen Säulenkapitellen voluta nennt, wegen des in sich selbst +Zurückkehrens, volvere. Eine krulle heißt niederdeutsch ein gekrümmtes +Etwas, Ringel, Locke, Schnörkel, geringelter Hobelspan, Schnecke; +dergleichen Verzierungen können wenn sie künstlerisch ausgeführt sind, +dem Bug ein sehr gefälliges Ansehen geben.</p> + +<p><span class="strong1">Kuff</span>, die, ein Seeschiff von festem, aber plumpem, breitem, rundem Bau, +mit zwei Masten. Ostfriesisch, wangeroogisch,<a id="Page_274"></a> + <span class="pagenum">[274]</span> niederländisch kuf, +so daß der Hinweis auf Kufe von selbst gegeben ist, mit der sich eine +Kuff wegen der runden Bauart auch sehr wohl vergleichen läßt. Die +Abstammung eines so alten, in die frühesten Kulturzeiten zurückweisenden +und auf Flechtwerk als erste Entstehungsart hindeutenden Wortes (vergl. +Korvette) vom lateinischen cupa = Faß will Hildebrand (Grimm V 2531) +nicht glaubwürdig erscheinen; er nimmt zwar bei einer in Raum und Zeit +so weit verzweigten Entwicklung ein Verflechten mit romanischen +Anklängen an, aber in der Form von Wechselwirkung; nur beim Weinbau am +Rhein, der ja von den Römern eingeführt wurde, nimmt er eine +unmittelbare lateinische Beeinflussung von Kufe durch cuba an. — Der +Begriff des Runden und Plumpen ist in dem modernen Bewußtsein so sehr +mit Kuff verbunden, daß man jedes auch ganz anders getakelte Schiff, ja +jeden plumpen Dampfer verächtlicherweise eine Kuff nennt. — Öfters hat +die Kuff zur Erhöhung der Stabilität ein Schwert. Trotzdem nimmt sie +viel Wasser über, vergl. Lüpkes, Seemannssprüche 12:</p> + + <div class="poem"> + + <p> Kuffen un Smakken</p> + <p> Sünd Waterbakken;</p> + <p>Hoekers un Buisen</p> + <p> Sünd Seemannshuisen.</p> + +</div> + +<p><span class="strong1">Kuntje</span>, das. „Wenn unsere Seeleute von Spanien Wein holten, so sahen +sie, daß man die Fässer mit Keilen feststaute. Da nun im Spanischen ein +Keil cuno heißt, so werden bis auf den heutigen Tag diese Staukeile von +unseren Seeleuten Kuntjes genannt.‟ So hat das Wort Breusing im Jahrbuch +des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung richtig erklärt, nur daß +der Keil im Spanischen cuna, nicht cuno (Münzstempel) heißt.</p> + +<p><span class="strong1">Kuhbrücke</span>, die, s. Kuhl.</p> + +<p><span class="strong1">Kuhl</span>, die. Das niederdeutsche Wort kuhl bedeutet Vertiefung, Einsenkung, +Höhlung, Loch, Grube, Grab. Die Kuhl an Bord war früher größer, weiter +ausgedehnt, denn sie umfaßte den ganzen vertieften Raum zwischen Back +und Schanze (jetzt Kampanje), der nun in zwei Teile zerfällt, in den +Teil hinter dem Großmast: das Achterdeck, und den vor dem Großmast, die +Kuhl. Während der erstere Teil an Würde und Ansehen sehr gestiegen ist, +ist der zweite eben so sehr gesunken, indem hier nun der Hauptraum von +der Barring, die auch <span class="strong1">Kuhbrücke</span> (eigentlich Kuhlbrücke) heißt, überdeckt +wird. Es werden nämlich die Borgstengen<a id="Page_275"></a> + <span class="pagenum">[275]</span> und Borgrahen, überhaupt +die Reserve-Rundhölzer hier so angebracht und gelagert, daß sie eine Art +Deck, ein Dach, eine Brücke bilden, eben die Kuhbrücke. Auf dieser +werden dann die schweren Schiffsbeiboote, Barkassen und Pinassen, +aufbewahrt. Der Raum unter der Kuh(l)brücke heißt besonders die Kuhl, +der Raum „<span class="strong1">vor</span> dem Mast‟; da ist die Mannschaft unter sich und kann sichs +gemütlich machen, doch herrschen auch hier, wie bei jedem Zusammenleben +von Menschen, ungeschriebene, stillschweigend anerkannte Gesetze der +Raumverteilung.</p> + +<p><span class="strong1">Kuhfuss</span>, der, mittelniederdeutsch kovot = Brechstange. Also nicht zu +verwechseln mit dem scherzhaften Namen für das Gewehr. Die Brechstange +ist von Eisen und dient auch als Hebel zur Handhabung schwerer Lasten. +Das eine Ende ist platt und hat eine Klaue wie eine Kuh, so daß man +Nägel damit ausziehen kann wie mit einem „Kistenöffner.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kühlte</span>, die. In der Regel wird der Wind als kühlend angesehen, +namentlich in unseren Breiten. Je mehr er also kühlt, desto stärker wird +sein Wehen sein. Daher wird durch das Substantivum Kühlte der Grad der +Windstärke ungefähr angegeben. Roeding: „Wenn bey stillem Wetter oder +flacher See etwas Wind entsteht, der eine leichte Bewegung des Meers +verursacht, so nennt man solches eine kleine Kühlte oder schlaffe +Kühlte. — Wird der Wind etwas stärker, so ist es eine labbere Kühlte, +bey welcher ein Schiff ungefähr 3-4 Meilen in einer Wache zurücklegt ... +Unter Bramsegelskühlte versteht man eine labbere Kühlte, bey welcher man +Bramsegel führen kann, und unter Marssegel-Kühlte eine frische Kühlte, +bey welcher man die Marssegel nicht reeft.‟ Bei steifer Kühlte fährt man +mit gereeften Marssegeln, vergl. Windstärke.</p> + +<p><span class="strong1">Kurs</span>, der. Die Richtung die ein Schiff nehmen muß um an seinen Ort zu +kommen. Lateinisch cursus, italienisch corso, französisch cours, Lauf, +Weg, Gang einer Münzsorte, Stand eines Wertpapiers, Geldwert. Früher, im +Seebuch 1400 und überhaupt im Mittelniederdeutschen, gebrauchte man +anstatt des Lehnwortes das gut deutsche holt = Halt, vom Halten der +Ruderpinne. „Ich halte (die Ruderpinne so, daß mein Schiff nach oder) +auf Lübeck (fährt).‟ Jetzt nur noch in der Bedeutung „abhalten auf‟ ... +gebraucht, wenn der Kurs geändert wird auf eine bestimmte, von der +bisherigen abweichenden Richtung. Lucas Janszoon Waghenaer<a id="Page_276"></a> + <span class="pagenum">[276]</span> in +seinem „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, hat noch ein besseres und +deutlicheres deutsches Wort für Kurs, nämlich Gang. „Een Schip comende +van Cizarga oft Cesarien (soo ons volck dat noemen) ouer de Spaensche +Zee met een noort noordtooste ganghe nae Heyssant‟ ... „Item een Schip +dat comt van de Cape de Finisterre met een Noort noordtooste ganghe, +ende vintet diep 80 vadem, so is hy van landt vier en twintich mijlen de +grondt is cleyne swerte steenkens ghemengt met groff root sandt.‟</p> + +<p><span class="strong1">Kurr</span>, die, auch (besser) Kur, ist ein Schleppnetz, in einem Rahmen +eingespannt, zum Strand- und Grundfischen. Die Küstenbewohner der +Nordsee schieben die Kur teils mit einer Stange vor sich her, die +Kurbaum heißt, teils ziehen sie an einer Leine, der Kurleine, hinter +sich her. Sonst niederdeutsch und nordfriesisch korre, altfriesisch +koer, niederländisch korre, ursprünglich ein korbartiges Geflecht, denn +das westfriesische koer heißt auch heute noch neben Netz <span class="strong1">Korb</span>; auch eins +mit kor in der Bedeutung Gefäß, Bienenkar. Wie weit Bedeutungen sich von +ihrem Ursprung entfernen können beweist die Tatsache, daß in der Pfalz +Knaben die sich für ihre gefangenen Hummeln ein Lehmgehäuse +zusammenkneten, dieses auch Kar nennen.</p> + +<p><span class="strong1">Küste</span>, die, = Ufer, Seeufer, Gestade; hochdeutsch seit dem 17. +Jahrhundert, (zuerst bei Stieber). Romanisches Wort, altfranzösisch +coste, neufranzösisch côte, italienisch und spanisch costa, eigentlich +Rippe, Seite, dann auf die Seite, den Landstreifen am Meere übertragen. +Wenn Hildebrand (Grimm V 2878) meint: „zu uns wird es über Holland +gekommen sein, denn schon Kilian am Ende des 16. Jahrhunderts +verzeichnete kuste, koste, sodaß der Übertritt des o in ü mit von dort +ausging‟, so ist daraus nicht zu schließen, daß bei Kilian sich die +erste Spur des Wortes überhaupt findet, denn schon 1400 hat das Seebuch +kost und koste. Meist heißt freilich im Mittelniederländischen die Küste +„wal‟. „So de wind lange up de wal hadde gestahn und sick den wedder na +der see kehrt, so kamen de floden spader.‟ Niederländisch wal, „aan den +wal gaan‟, an Land, auf Urlaub gehn. Kilian hat auch schon die Form +see-kant, die als waterkant an der Nordsee weit verbreitet ist. Im +Beówulf dagegen kommt wael vor, Wall, Damm, Schanze, Ufer.</p> + +<p><span class="strong1">Küstenbezirksinspektor</span>, der, ist ein von der Marine angestellter<a id="Page_277"></a> + <span class="pagenum">[277]</span> +höherer zur Disposition gestellter Seeoffizier, der in seinem +Küstenbezirk die Aufsicht über die richtige Betonnung des Fahrwassers, +die Leuchtfeuer, Feuerschiffe, Baken, Bojen u. s. w. hat.</p> + +<p><span class="strong1">Kutter</span>, der, in der Marine das Beiboot zum Rudern oder Segeln, das +besonders für die Fahrten der Offiziere an Land etc. etc. bestimmt ist, +größer als die Jolle, kleiner als die Barkasse und auch vornehmer in +Linienführung und Ausstattung. — Sonst ein Fahrzeug das sich wenig von +einer Jacht unterscheidet. Der Kutter, den Roeding abgebildet hat, trägt +einen Pfahlmast, daran einen Besan, ein Marssegel geringeren Umfangs, +ein Bramsegel und davor ein Stagsegel und einen Klüver; er macht den +Eindruck eines „schneidigen‟ Seglers. Daher hat schon Halbertsma, Lex. +Fris. vermutet, der Name komme von cut, schneiden (französisch couteau, +lateinisch cultellus, Messer): „a nimble boat cutting the water.‟ +Roeding berichtet von seiner Zeit (1794): „Wegen ihrer außerordentlichen +Geschwindigkeit im Segeln werden sie in England viel zum +Kontrebandehandel gebraucht. Die Regierung hält daher auch Kutter zu +Küstenbewahrern, um diese Schleichhändler einzuholen. Letztere führen +ungefähr 30 Mann Besatzung, 6-8 Kanonen und einige Drehbassen. Kutter +welche in England zur Kauffardey bestimmt sind, dürfen nach den Gesetzen +nicht so hohe Takelasche führen, als die Küstenbewahrer, damit sie +diesen nicht entgehen können. Die Kutter dienen im Kriege auch zur +Kaperey und als Advis-Jachten und Paquet-Bote. In Frankreich und +insonderheit zu Dünkirchen bauet man sie jetzt ebenfalls.‟</p> + + + +<h2> +<span><a id="L"></a>L.</span> +</h2> + + +<p><span class="strong1">Labber</span> kommt nur in der Verbindung „labbere Kühlte‟ vor und ist +gleichbedeutend mit dem sonstigen niederdeutschen labberig, das zumeist +vom Geschmack gebraucht wird: fade, weichlich, süßlich, kraftlos, +schlaff. Das letztere nähert sich dem seemännischen Gebrauch, denn bei +der unter Kühlte angegebenen Fahrt, die ein Schiff bei labberer Kühlte +macht, müssen die Segel wenigstens zeitweilig ziemlich schlaff herunter +hängen. Indessen<a id="Page_278"></a> + <span class="pagenum">[278]</span> ist nicht nach dem Geschmack sondern nach dem +Gehör das Wort gebildet, nach einem Schallstamme von dem Geräusch des +Schmatzens beim Essen von Süßigkeiten und beim Küssen; daher Labberei, +Schleckerei, Schmatzerei, Küsserei. Auch das seemännische labber erklärt +sich aus dem Schall, aus dem Geräusch das die Segel machen, wenn ihnen +zeitweilig der Wind ganz ausgeht; dann flattern und flappern, wappern +und lappern (auch sonst schlagen: „he lapde hum en an de oren‟) und +labbern sie.</p> + +<p><span class="strong1">laden</span>, mit Tragbarem beschweren, ganz verschieden von laden, wohin +berufen. Unser laden heißt gothisch hlathan, eine Last auflegen. Es +kommt manchem Schiffe für seine Fahrt sehr darauf an, daß es richtig +geladen sei, daß es in Bezug auf die richtige Verteilung der Last sein +Recht empfange, wenn das geschehen ist, dann nennt man es: „das Schiff +ist auf seinen Paß geladen.‟ Der Raum für die Ladung heißt <span class="strong1">Laderaum</span>. Die +Linie, bis zu welcher das Schiff ohne Gefahr geladen werden kann, die +<span class="strong1">Ladelinie</span>, die Gesamtheit des Geladenen die <span class="strong1">Ladung</span>; Schiffsladung, auch +ein (allerdings ziemlich unbestimmtes) Maß bezeichnend, „Schiffsladung, +Ladung schottischer Kohlen‟. — Das Laden einer Kanone, eines Gewehrs +erinnert, wie das gleichbedeutende Fremdwort chargieren, noch deutlich +an das Beschweren mit Tragbarem. — Uebertragener Sinn: „er hat zu +schwer, er hat schief geladen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Labsalen.</span> Tauwerk mit Teer einreiben. — Hat mit Labsal nichts zu tun, +wiewohl ein richtiges Seemannsherz der Meinung ist, der Teer sei für das +Tau ein Labsal. Aber der Seemann sagt gar nicht labsalen, das ist +vornehmer sein sollende neuhochdeutsche Seemanns-Schiffssprache, er sagt +labsalben und das Einreiben oder Einschmieren, was ist es anders als +Einsalben? Und auch das „lab‟ erklärt sich auf sehr einfache Weise. Das +Salben geschieht mit einem Lappen, niederdeutsch lap — also lap-salben +ist die richtige und ohne weiteres verständliche Form. — lap-döse +(Lappendose) heißt der Kasten auf dem Schiffe, der die Lappen (zum +Verbinden), Pflaster, einige Arzneien und Instrumente chirurgischer Art +enthält, also „Pflasterkasten‟; lap-dös bedeutet aber auch Flicken- oder +Flickkorb, und also auch in dieser Hinsicht ein für manche fatale +Bedeutungsähnlichkeit mit Pflasterkasten. — In Groningen schimpft man +einen der zerrissenes Zeug<a id="Page_279"></a> + <span class="pagenum">[279]</span> an hat Lapsak und Lapsalver, +scherzweise auch Laplander. Schlecht angezogene Leute, „Lumpen und +Lappen‟ wurden früher auf der Jagd zur Umstellung des Wildes gebraucht, +daher: „durch die Lappen gehen.‟ — Ueber die Erklärung von labsalen +hilft sich Kilian hinweg, der doch ganz richtig lapsalven hat, mit der +leichthin geäußerten Bemerkung es werde wohl „quacksalven‟ sein. — </p> + +<p><span class="strong1">Labskausch</span>, der, eine Speise, Rindfleisch und Kartoffelmus gemischt. An +Bord, von präserviertem Rindfleisch hergestellt, ist das oft ein +zweifelhafter Genuß. Wenn aber der Seemann sich erst einmal der Seefahrt +begeben hat und in die so beliebte Zivilversorgung gegangen ist, dann +fängt dieses Essen an, ihm in verklärtem Lichte zu erscheinen, er denkt +wunders wie fein es ihm einst geschmeckt habe und veranstaltet +feierliche Labskauschessen. Die Etymologie ergibt sich schon aus Kilians +Uebersetzung von lap, smout, „pinguis liquor ex coriorum loris sive +segmentis,‟ also aus Streifen oder Lappen Fleisch, aus Lappenstücken; +die waren kein Abfall, kein übrig Gebliebenes, sondern Stücke des +weichen Bauchfleisches, der Bauchlappen des Rindviehs. Das Zeitwort +lappen aber übersetzt Kilian mit farcinare, „farcieren‟, eine „Farce‟ +bereiten aus Fleisch. Die erste Silbe von Labskausch bedeutet also +Hackfleisch; (die Kartoffel ist erst nachträglich hinzugekommen). Die +zweite Silbe ist das niederdeutsche Kaus = Schüssel, Schale, so daß das +Ganze also „eine Schüssel Gehacktes‟ heißt. Der Geschlechtswechsel hat +sich vollzogen in einer Zeit, wo dem Sprachbewußtsein — Kausch als +Schüssel nicht mehr gegenwärtig war.</p> + +<p><span class="strong1">Laffete</span>, die, das Gestell auf dem eine Kanone ruht. Zuerst bei Stieler +1691: Lafet, Lafete; Goethe: Lavete. Ein Lehnwort, französisch l'affût, +aus dem lateinischen ad und fustis = Stock, Prügel, Baum, Holz; spanisch +fuste, provençalisch fust. Noch vor hundert jahren, 1794, als Roeding +sein Lexikon schrieb, war Laffete an Bord nicht ausschließlich in +Gebrauch, da sagte man auch noch Rapert und Rampert, niederländisch +rampaard, also Rammpferd, „Rollpferd‟ sagt Roeding. Das Gestell hieß +also Pferd, (vergl. Bock, Widder, Krahn) und ward näher bezeichnet als +Rammpferd, weil es aus- und eingerammt wurde beim Schießen und +Exerzieren.</p> + +<p><span class="strong1">Lage</span>, die, alle Kanonen, die an einer Seite eines Schiffes<a id="Page_280"></a> + <span class="pagenum">[280]</span> auf +einem Deck stehen (liegen), eine halbe Batterie, eine Breitseite. Sind +mehrere Decks vorhanden, die Kanonen tragen, so heißen alle zusammen an +einer Seite eine volle Lage. Dem entsprechend heißt: „eine Lage geben‟, +„eine volle Lage geben‟ die betreffenden Kanonen zugleich, (in +Konzentration) auf ein feindliches Ziel abfeuern. Auch übertragen: „eine +Lage Bier geben‟, eine Runde Bier ausgeben, so daß jeder Teilnehmer der +Tafelrunde ein Glas bekommt; jemanden mit einer vollen Lage von +Schimpfwörtern dienen.</p> + +<p><span class="strong1">Lägel</span>, der, auch Legel.</p> + +<p>1. Kurze Stücke von Tauen deren Enden an das Liek eines Segels gesplißt +werden, so daß sie mit diesem eine Art Ring oder wenigstens einen +Halbkreis bilden. Es werden an ihnen die Bulins und anderes laufendes +Tauwerk befestigt.</p> + +<p>2. Die Ringe um das Stag, an die das Vorliek des Stagsegels befestigt +ist, an denen dieses Segel am Stag auf- und niederläuft; ebenso die +Ringe um Schnaumast und Gaffel durch die die Gaffelsegel sich auf und +nieder bewegen lassen. Den Ringen zu vergleichen, mit denen man eine +Gardine oder Portière bewegt. — Gehört zum niederdeutschen lag, leg = +leer, frei, ledig, unbehindert, und zwar im Sinne der leichten +Beweglichkeit, und dieses ist Kontraktion von ledig. Ledig ist einer der +sich leicht rühren und bewegen kann; von Arbeit, Mühe, Beschwerde oder +sonstiger Hinderung frei. Daher vermutet Dornkaat mit Wahrscheinlichkeit +das ledig = lidig sei; lid aber heißt Glied, Gelenk, Stelle wo Arm und +Beine sich bewegen, so daß die Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und ein +Zustand bezeichnet wird, in dem einer oder etwas, oder ein Mittel durch +das einer oder etwas biegsam, geschmeidig, beweglich, lenksam ist, sich +frei bewegen kann. Diese Bedeutung stimmt mit dem Begriff von Lägel oder +besser: Legel überein, denn ein Legel kann man sehr wohl als Glied oder +Gelenk bezeichnen, dadurch das Segel bewegt und gelenkt und gerichtet +wird.</p> + +<p><span class="strong1">längsdeck</span>, ein viel gebrauchtes Adverbium, die Längsrichtung des Decks +bezeichnend; die Rahe liegt längsdeck, die Leute laufen mit dem +Taljenläufer längsdeck. „Mit jemandem längsdeck gehen‟ heißt im +übertragenen Sinne, ihm „über‟ sein, ihn überwältigen, ihm seinen +Meister zeigen.</p> + +<p><span class="strong1">Längsstringer</span> s. Stringer.<a id="Page_281"></a> + <span class="pagenum">[281]</span> </p> + +<p><span class="strong1">Landung</span>, die, allgemein (die Landung des Columbus auf Guanahani) das +Anlanden an einer Küste; besonders aber das Anlandsetzen von Waren; auf +Kriegsschiffen das Ausschiffen von Truppen, im Frieden als +Landungsmanöver geübt. — Das Zeitwort landen hieß und heißt teilweise +noch im Hochdeutschen länden, aber das niederdeutsche landen hat es +wegen des Übergewichts der Seeschiffahrt in den Hintergrund gedrängt. +Das Landen ist nicht immer wörtlich zu nehmen, es wird auch wohl von +solchen Häfen gesagt, die gar keine Häfen sind, sondern offene Reeden, +wer z. B. in Montevideo „landet‟, der liegt so weit vom Lande ab, daß +wenig genug davon zu sehen ist.</p> + +<p><span class="strong1">Landmarke</span> s. Kennung.</p> + +<p><span class="strong1">Lanen</span>, die, des Bootes sind die manchmal gitterartigen, dann auch +Gräting genannten Bretter, die den inwendigen Boden des Bootes bilden. +Sie liegen lose auf den Bauchstücken und können daher abgenommen werden, +wenn man sie reinigen will oder wenn man das Wasser ausöst. Im +Ostfriesischen heißt läne, län = Lehne, Geländer, Gitter, woran man sich +hält oder worauf man sich stützt, worauf man einen Stütz- und Ruhepunkt +findet. Lane dürfte also zu unserem Lehne zu stellen sein, die zwar +jetzt besonders einen Halt und eine Stütze für Hände, den Kopf oder den +Rücken bedeutet, aber ursprünglich war das anders, da bedeutete Lehne +ein Lager, und lehnen „eine schiefe Stellung bilden, eine schräge Lage +einnehmen‟ und diese nehmen die Beine der im Boot Sitzenden, namentlich +der Rudernden ein, indem letztere sie noch gegen auf Lanen angebrachte +Fußleisten anlehnen.</p> + +<p><span class="strong1">laschen</span> heißt zunächst verlängern, besonders von der Tätigkeit der +Schiffszimmerleute gesagt, wenn sie zwei Balken so zusammenfügen, daß +sie zwar auf einander liegen, aber zusammen doch nur die Dicke des einen +haben. Sie werden dann so zusammen verbunden. Daher heißt laschen auch +überhaupt verbinden, befestigen, festbinden, zwei Dinge mit einander +zusammenbinden. Eine Lasche ist ein Stück Zeug oder Leder, das man +irgendwo einsetzt, dazwischen setzt, ansetzt um etwas zu verlängern. Die +Erklärung macht Schwierigkeiten. Doch gibt Kluge einen Weg an, auf den +sie sich dürften heben lassen; darnach wäre das Wort mit Lappen +verwandt, indem im Althochdeutschen ein vorausgesetztes lafska sich in +laska verwandelt hätte.<a id="Page_282"></a> + <span class="pagenum">[282]</span> </p> + +<p><span class="strong1">Last</span>, die.</p> + +<p>1. Die Ladung, das Geladene; auch als bestimmtes Gewicht: eine Last +Kohlen, eine Last Torf.</p> + +<p>2. Der Raum in dem die Ladung verstaut ist oder werden kann. Es ist +Ableitungsform von laden, (du ladest mit ausgefallenem d) wie +mittelniederdeutsch lest (von lädst). „Das deutsche Wort drang ins +Romanische, französisch lest, Ballast, laste, italienisch lasto, Last, +als Schiffsgewicht‟. (Kluge). Diejenige Last, also derjenige Raum, der +für eine stets sich gleich bleibende Ladung bestimmt ist, die zur +Versorgung des Schiffes dient, wird nach dem was er enthält benannt: +Brotlast, Fleischlast, Wasserlast.</p> + +<p><span class="strong1">Lastadie</span>, die. „Navale, locus ubi naves constituuntur, aedificantur, aut +quassatae reparantur‟ ist bei Kilianus eine Lastagie, sonst meist, wie +viele Straßen- und Platznamen in deutschen Seestädten beweisen, in der +Form Lastadie gang und gäbe. Es fragt sich, welches die ursprünglichere +Form ist. Die Endung agie ist eine weitverbreitete mittelniederdeutsche +Kollektivendung. Ueberall wo eine Menge zusammengehöriger Dinge +zusammengenannt werden soll, geschieht dies durch Anhängen der Endung +agie. Sie wird zwar meist wie asche ausgesprochen, aber agie, asje, +asche, acze, aghe abwechselnd geschrieben: Takelasje, Fustage, Fastage, +Budelaghe, Segelasche, Segelacze, Segelacie, Stellage, Slytage, +Ankeragie, Ankeracie, Eskipage: sogar Priesteragie für Pfarrhaus kommt +vor. Im Englischen steht dafür die Endung age; lastage = Last im Sinne +von Ladung, auch Ballast, und Last im Sinne von Laderaum. Und das eben +gibt uns die ursprüngliche Bedeutung an die Hand. Stelle am Ufer, wo die +für Schiffe bestimmten Lasten aufgestapelt waren, oder wo der Ballast +lagerte, also Laststelle, Ladestelle, natürlich auch Löschstelle. Beim +Laden oder Löschen stellt sich wohl das Bedürfnis heraus, an Ort und +Stelle kleinere Reparaturen auszuführen, dafür wurden zunächst recht +einfache und vorübergehende Einrichtungen in Anspruch genommen, aus +denen sich jedoch nach und nach eine richtige Schiffbauwerkstätte, eine +Werft entwickelte, die aber den Namen behielt, den der Ort von der Last +erhalten hatte. — Aber wie ward aus Lastagie Lastadie? Oder, für den +Fall, daß doch Lastadie die ursprüngliche Form wäre, woher kommt das d +in der Endung? Da ist auf das schöne deutsche Wort Staden hinzuweisen. +Es ist gleichbedeutend mit Kai, Kaje (Quai!). In<a id="Page_283"></a> + <span class="pagenum">[283]</span> Straßburg i. E. +gibt es einen St. Nicolausstaden, einen Schifferleutstaden, +Fischerstaden, Pariser Staden, Kaufhausstaden u. s. w. Leider ist aber +auch der Gebrauch dieses Wortes so ziemlich auf das Gebiet +Hochdeutschlands beschränkt. Dafür kennt das Niederdeutsche ein +allerdings immer ungebräuchlicher werdendes Stade, welches zunächst so +viel wie Gestade, Ufer ist, dann aber auch allgemein Stätte, Stelle, +Platz, Ort u. s. w. bedeutet und, wie Staden, von einem Zeitwort kommt, +das die Bedeutung hat: etwas irgendwo hinstellen, zu Statten bringen, +zum ruhigen Bestande bringen, aufstellen, sich verheiraten, einen +begraben etc., womit auch das Wort Stalhof (Stadelhof) verwandt ist, wie +das Haus hieß, das die Oesterlinge zur Zeit der Hansa in London hatten, +in dem die deutschen Kaufleute ihre Waren ausgestellt hielten, (es mag +hauptsächlich ein Musterlager gewesen sein, weil man ein Muster, eine +Warenprobe heute noch einen Stal, ein Stälchen nennt). — Also die +Stätte, wo eine Last lagerte hieß Stade. Wie nahe lag da die Verbindung +Laststade. Das eine st wurde als lästig gefallen ausgewiesen, so wie aus +Raststede Rastede wurde. Der bloße Gedanke an Stade konnte bewirken, daß +aus Lastagie Lastadie wurde. Da für letzteres aber auch die Form +Lastadigen bezeugt ist, was eine Erinnerung an das von der richtigen +Stelle verdrängte g von Lastagie sein könnte, so gewinnt dadurch die +Ansicht das Übergewicht, daß Lastagie die ursprünglichere Form ist, aus +welcher durch Anlehnung an die Vorstellung Last-stade Lastadie sich +gebildet hat. Jetzt ist es durch Werft völlig verdrängt.</p> + +<p><span class="strong1">Lateinische Segel</span> haben als besonderes Kennzeichen die Eigenschaft +dreieckig zu sein und an einer langen Rahe zu sitzen, die ihrerseits an +einem niedrigen, meist etwas vornübergeneigten Mast sitzt. Diese Art +stammt aus dem Mittelmeer, aus dem eigentlichen Sprachgebiet des +Lateinischen, und wird daselbst von Galeeren, Schebecken, Pinken, +Tartanen, Felucken, Galioten und überhaupt fast allen dort +gebräuchlichen Fahrzeugen geführt. Solche Schiffe sind leicht zu +bedienen und segeln gut beim Winde.</p> + +<p><span class="strong1">Laterne</span>, die. Diese allbekannte Lichtspenderin wird an Bord in +verschiedenen Arten und zu verschiedenen Zwecken geführt, muß aber +allemal so gesichert sein, daß auch der Sturm das darin brennende Licht, +eine dicke Kerze, nicht auslöschen kann. Man hat Lauflaternen, +Kompaßlaternen und besonders<a id="Page_284"></a> + <span class="pagenum">[284]</span> Positionslaternen. Diese sind von +der größten Wichtigkeit, weil sie in der Dunkelheit das einzige Mittel +sind, die Position, also nicht nur das Vorhandensein eines Schiffes +überhaupt, sondern auch seine Fahrtrichtung zu erkennen zu geben oder zu +erkennen. Zu diesem Zwecke brennt vorne an Steuerbord eine grüne, vorne +an Backbord eine rothe Laterne, ist das Schiff ein Dampfer, so brennt +hoch über den beiden am Stag eine Laterne mit weißem Licht, die +Staglaterne.</p> + +<p><span class="strong1">Laufendes Gut</span> nennt man alle Taue die ihrer Natur und Bestimmung nach +beweglich sind und bewegt werden durch Menschen, neuerdings auch durch +Dampfkraft. Gegensatz: stehendes Gut, das nicht nur für sich selbst fest +und unbeweglich zu stehen hat, sondern auch dazu hilft, daß andere Teile +des Schiffes fest stehen, weil sie von ihm gestützt sind.</p> + +<p><span class="strong1">Läufer</span>, der, ehedem ein Mann dessen Beruf das Laufen war, ein Bote zu +Fuß, Diener in besonderer Kleidung, der Kutsche Vornehmer vorauslaufend +um Raum zu schaffen, auch Aufwärter etc. etc. (Ein Lauffeuer ist ein +Strich ausgeschütteten Pulvers zum Anstecken von Gegenständen aus +größerer Entfernung.) Seemännisch: 1. Das Ende eines Takels, einer +Talje, einer Jolle an dem die Matrosen holen, und zwar sollen sie, +besonders auf Kriegsschiffen, möglichst schnell holen, laufend holen, +indem sie mit dem Läufer in der Hand längsdeck laufen, z. B. beim Hissen +eines Kutters. 2. Ein Posten vor der Kajüte oder Messe, der Befehle +überbringt, Botschaften ausrichtet, anmeldet etc. etc. (Treppen- und +Flurläufer kommen wohl auch an Bord vor, sind aber nichts besonders +Seemännisches). Doch ist in Bezug auf 1 zu bemerken, daß eigentlich das +ganze Tau eines Takels mit allen seinen Parten Läufer heißt, weil es +über die Scheiben der Blöcke läuft, daß aber die holende Part, weil hier +das Laufen in doppeltem Sinne zum Bewußtsein kommt, auch besonders als +Läufer in den Vordergrund tritt.</p> + +<p><span class="strong1">Laufplanken</span>, die, sind Planken die vom Schiffe an Land geschoben werden, +damit man auf ihnen aus- oder einsteigen kann; besonders aber die +Planken an beiden Seiten der inneren Bordwand durch die Back und Schanze +so mit einander verbunden sind, daß man von dieser auf jene gehen kann, +ohne an Deck hinabsteigen zu müssen. Auch auf offenen Flußfahrzeugen +finden sich an der derselben Stelle Laufplanken, auf denen die Matrosen +hin- und hergehn beim Staken.<a id="Page_285"></a> + <span class="pagenum">[285]</span> </p> + +<p><span class="strong1">Laufstag</span>, das, im engeren Sinne ist eine Haltevorrichtung für die +Matrosen die am Bugspriet zu arbeiten haben, bestehend aus zwei +gestreckten Tauen, die wie ein Geländer aussehen und zwischen denen man +hindurchgehen kann. Da in der Nähe dieses Laufstages das Gallion ist +(war), so mag mit ihm der Ausdruck „Stagläufer‟ für getrocknete, gelbe +Erbsen in Verbindung stehen, die so schwer verdaulich für manchen Magen +sind, daß sie manchmal gänzlich unverdaut in der Nähe des Laufstages +wieder ans Licht kommen, (vergl. das Wort: „er sieht aus wie eine Erbse, +die dreimal durch einen Soldaten gegangen ist‟, von einem gelb und +kränklich aussehenden Menschen gesagt). — Im weiteren Sinne kann man +Laufstag auch jedes Manntau nennen, also jedes zeitweilig geschorene Tau +an dem der Mann an Bord sich festhalten kann, sei es an Deck bei so +schlechtem Wetter, daß man ohne ein solches nicht stehen oder gehen +kann, sei es beim Paradieren auf den Rahen, also das was man sonst +<span class="strong1">Strecktau</span> nennt, ein Tau, nach dem der Matrose die Hand ausstreckt um +sich festzuhalten.</p> + +<p><span class="strong1">Launske</span>, e. Memeler Lootsen kommandieren: „e Launske Backbord dat Rohr‟ +(Ruder), „fier weg e Launske achtern‟! Nach schriftlicher Mitteilung +eines früheren Ostseekapitäns ist das Wort aus dem englischen allowance +verderbt und mit Diminutivendung versehen. Allowance ist aber Ration, +Portion. Wie man nun von einer tüchtigen Ration Prügel und einer +gehörigen Portion Schelte spricht, so sagt der Ostseemann: „e Launs +Schelte oder Prügel bekommen‟, wie er auch die Ration Essen oder Trinken +Launs nennt. Die Verkleinerungsform deutet also das an was wir mit „ein +Teilchen, ein Bischen, ein Stückchen‟ bezeichnen.</p> + +<p><span class="strong1">Lausepflicht</span>, die, s. Pflicht.</p> + +<p><span class="strong1">laviren</span> heißt so viel wie kreuzen, sich aufkreuzen; doch ist man unter +Umständen froh wenn man beim Laviren wenigstens nicht zurückkommt; +namentlich bei schwerem Wetter und hoher See. Aber die eigentliche +Meinung ist doch die, daß man dabei Luv gewinnen möchte. Man mußte also +richtiger luviren sagen, wie im Französischen auch wirklich die Formen +louvier und louvoier bezeugt sind, Aubin 1702; sie sind offenbar aus dem +niederländischen loef richtig gebildet, (während das französische lof +sich von einer falschen Aussprache des Holländischen herschreiben wird). +Das Wort erklärt sich aus dem Niederdeutschen,<a id="Page_286"></a> + <span class="pagenum">[286]</span> besonders dem +Niederländischen. Da heißt dasselbe zuerst loeven, von loef, Windseite +des Schiffes, dann mit der beliebten fremden Endung loeveren, endlich +verderbt, vielleicht auch in der Erinnerung an eine uralte Form von Luv +laf (Beówulf) lavéren; so hat es Kilian schon; ja bereits das Seebuch +(1400) hat inlaveren; die hochdeutsche Form laviren kommt im 16. +Jahrhundert vor. So fremdartig laviren aussieht, so ist es doch unser +eigenster deutscher Besitz.</p> + +<p><span class="strong1">lecken</span> = Wasser durchlassen, bedeutet eigentlich dürsten, austrocknen, +vor Trockenheit Ritzen bekommen und dann Wasser durchlassen; lechzen ist +eigentlich auch rissig werden vor Trockenheit und erst übertragen „vor +Trockenheit schmachten‟, und ist iterative Bildung von lechen, +austrocknen, weiter zurückführend auf das oberdeutsche Adjective lech = +rissig, undicht, wofür wir jetzt die niederdeutsche Form leck haben +(Heyne). Von der Schiffahrt her im 17. Jahrhundert in die Schriftsprache +gekommen. Davon das Substantiv der Leck, <span class="strong1">das Leck</span>, sogar die Lecke. + — Althochdeutsch lechen, Edda: leka, angelsächsisch lekkan, naß machen, +tropfen, lecken (das Lecken mit der Zunge ist ein anderes Wort). — +<span class="strong1">Leckasche</span> ist das, was an flüssigen Waren aus den Fässern rinnt und in +Abzug zu bringen ist. — Wie die Seefahrer des 17. Jahrhunderts ein Leck +stopften erzählt der Verfasser der „Beschriving van der Kunst der +Seefahrt‟, Rostock 1673: „Weil wir nun auch ein Leckschiff hatten, +gingen etzliche von dem Volck bey die Pump; wir andern gedachten uns von +den Masten frey zu machen, daß Wasser aber nam im Schiff überhand, so, +daß wir vermerkten, daß wir noch eine größere Leck bekommen hatten, +welches eine große Bestürtzung unter dem Volck machte; Ich war bißweilen +in dem Soct (Pumpensood), märckte endlich, daß das Wasser muste von +ferne kommen, derowegen sandte ich den Zimmermann mit einigen nach den +vordersten, sie machten den Vorluck auff, da wurden sie gewahr, daß das +Wasser häuffig einbrausete, rieffen derowegen, daß da die Leck wär: wir +hatten aber zu unsern Glück, wenig Gut in Boch gestauet, derhalben +dürfften wir nur wenig Fässer in Stücken hauen, worin Verginisch +Tobacksblätter wahren, den unsere Ladung war Zucker und Toback, daß Volk +nam gantze Armen voll Tobacksblätter, und fielen damit gegen das Wasser +an, und legten sich darauff, daß es nicht in die Höhe brausen konte, +sonst konte man dar nicht<a id="Page_287"></a> + <span class="pagenum">[287]</span> beykommen, den es war anzusehen alß +wenn der gantze Boch offen war; Wie nun das Wasser mit den Toback +gedampffet, könte man darunter fühlen wo daß Wasser herkam, also funden +wir erstlich ein Holtzen Nagel Gat, welchen Nagel daß Fockenspar (eine +bis an die Bordwand reichende Planke der Spur des Fockmastes?) hatte +ausgerissen, wir machten alsobald einen Pfropff von ein Stück +Ochsenfleisch, drückten es dar hinein, legten dar ein wenig von einem +Bret auff, und dar eine Streve gegen an, da ward es dicht, noch funden +wir eine Planck mitten auffgeborsten, welches viel Wassers brachte, wir +nahmen Ochsenfleisch, legten es gegen das Gat an, und dar Stücklein von +Brettern auff, so zwischen die Inholtzen paste, und solches ward +bestrebet, damit daß Wasser das Fleisch nicht wegtreiben konnte, da ward +es dicht, welches uns einen guten Muht machte, und wenn wir mit solchem +in der Eyl nicht waren vorgekommen, solte es bald mit uns ein böses Ende +genommen haben. Wir pumpten das Wasser bald wieder aus, nachdem giengen +wir bey die Masten, die immer gefährlich auff das Schiff anrammelten, +und machten uns davon frey.‟ — <span class="strong1">Leck</span> wird auch als Adjektivum und +Adverbium gebraucht, „das Schiff ist leck geworden‟, „das Boot ist leck +gesprungen‟. Höchst auffallender Weise hat der Uebersetzer der +„durchläuchtigsten Seehelden‟ anstatt leck „luck‟. „Black war +unterdessen mit siebenzig Segeln bey Fayer-hill unter die große +Fischerey geraten, allda er dreyzehn Buys-Convoyer genommen, etliche +Buysen geplündert, etliche vom Volck entblößet treiben lassen, und die +übrigen jedwede seines Weges gejaget. Tromp der ihm vorgenommen ihn zu +finden, ward bei Fayer-hil und Hitland von einem harten Sturm +überfallen, er selber war in großer Gefahr zu sinken, weil das Schiff +sehr luck worden, und bloß mit Bomben (Bumpen) noch oben zu halten.‟ Als +oberdeutschem Manne war ihm das seemännische leck wohl unbekannt oder +ungeläufig, er hatte aber einmal etwas davon gehört, daß es auf Schiffen +Oeffnungen gäbe, die man Luken nenne.</p> + +<p><span class="strong1">Lee</span>, (ohne Artikel) die dem Winde abgekehrte Seite (des Schiffes). +Breusing hat im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung +1876 sich die Deutung Kilians angeeignet, der lye mit „latus navis +depressum‟ übersetzt und mit „quod a vento deprimitur‟ erklärt, indem er +es mit ley = niedrig in Verbindung brachte. Darauf hat ihm aber +Müllenhoff alsbald dargetan,<a id="Page_288"></a> + <span class="pagenum">[288]</span> daß an leg nicht zu denken sei. Mit +Recht. Denn wenn auch zu gewissen Zeiten und unter gewissen Umständen an +Bord die Leeseite die niedrigere Seite werden kann, so denkt dabei doch +niemand an das Niedrige und das Wort Lee wird sehr oft da gebraucht wo +von hoch oder niedrig gar keine Rede sein kann. Müllenhoff fügt seiner +Ablehnung die Worte hinzu, er finde aus dem Germanischen keine +Erklärung, so lange er sie auch im Auge gehabt und gesucht habe. Das +kommt offenbar daher, daß er, wie auch Breusing mit einem zu engen +Begriff von Lee gearbeitet hat, nämlich dem rein seemännischen. Es gilt +aber zuerst sich den ganz allgemeinen Begriff und die umfassende +Bedeutung von Lee klar zu machen. Es ist nicht nur die dem Winde +abgekehrte Seite des Schiffes sondern jeder Ort wo man Schutz findet, +Ruhe, Stille, Schatten, Obdach, Zufluchtsort. Spricht doch der Seemann +selbst auf See, an Bord nicht bloß: „in Lee vom Schiffe‟, sondern auch: +„in Lee von der Luvbordwand‟, (und da ist von ley, niedrig doch keine +Rede); und ebensogut sagt er am Lande: „in Lee von einem Hause, von +einer Mauer, von einem Busch‟ (wobei er an hoch oder niedrig erst recht +nicht denkt), weil Haus, Mauer und Busch Schutz vor Wind, vor Regen oder +Sonne gewähren. Überhaupt kam das Wort in allgemeinen Gebrauch ehe die +Bedeutung so hervorragend seemännisch war, daß sie so nachdrücklich +hätte auf die Sprache der Landbewohner zurückwirken können. Es ist das +Wort vom Lande auf die See übertragen nicht umgekehrt. Sobald nun die +Bedeutung Schutz, Schutz auch am Lande, festgehalten wird, kommt man +ohne Weiteres auf das altnordische Wort hle; altsächsisch hleo, hlea, +angelsächsisch hleo; sie alle bedeuten Schatten, Schutz, Schutzort, +wobei gleich bemerkt sei, das Schatten vor der Sonne sowohl als Schutz +vor ihren sengenden Strahlen, als auch als trübes, düsteres, trauriges +Dunkel empfunden werden kann; so willkommen der Schatten um Johanni ist, +so beengend, ja mit Todesahnungen erfüllend kann er in der Zeit der +„zwölf Nächte‟ vom Weihnacht- bis zum Epiphanientage wirken. — In einer +sehr lehrreichen Abhandlung über den altdeutschen Mythus vom +Körperschatten hat Rochholz „Deutscher Unsterblichkeitsglaube‟, +dargethan, daß Lee keineswegs ausschließlich oder auch nur hauptsächlich +seemännisch ist. „Mit einerlei Wortstamm benennt unsere Sprache das +schattige Waldgebirge, das dunkle<a id="Page_289"></a> + <span class="pagenum">[289]</span> Meer und das finstere Grab, +diese drei großen Hauptgemarkungen, die das Land oder das Leben +abgrenzen. Wir haben demgemäß Leewälder, Leberberge, Lebermeere und +Leefelder, d. h. Grabfelder. Es ist nachzuweisen, wie die Vorstellungen +über den Schatten in eben diesen Wortstämmen Le, Lew, Ler sich +ausgebildet haben.‟ Indem er dieses tut, führt ihn sein Weg bis in das +tiefste Binnenland, bis nach Österreich hinein. Uns aber geht besonders +das Leemeer an. Der altnordische Wasserriese Hlê wohnt nach einer +nordischen Sage auf der Insel Läsöe (Hlêsey) im Kattegat und hält sich +dorten einen Hirten Snio, d. i. das Schneewehen vom Meere her. In +weiterer Ausdehnung der Mythe bewohnt Hlê das unbeweglich stehende +Eismeer, mare mortuum, welches die Isidorischen Glossen mit lebirmeri +übersetzen. Die Seelen der Schiffbrüchigen finden in der Tiefe dieses +Lebermeeres Zuflucht und Obdach unter umgestülpten Töpfen. — An die +Stelle solcher Hlêmeere traten in den Binnenländern die Leewasser und +ihre geisterbehüteten Leebrücken. Auf der Leebrücke zwischen dem Flecken +Schwyz und dem Dorfe Brunnen am Waldstädtersee sitzt die Nachtspinnerin +und wen sie anhaucht, der erblindet, wird leeblind. — Der Meeresgott +Hlê ist natürlich nur eine andere Gestaltung der Schattengöttin Hel. Es +möge aber genügen hier darauf hingewiesen zu haben, daß der gemeinsame +Begriff von Leewald, Leemeer, Leefeld und Leebrücke der des Schattens, +des Schutzes, des Zufluchtsortes ist und daß das Wort sich in jenen +niederdeutschen Ortsnamen so oft wiederholt, die mit -leben +zusammengesetzt sind: Eisleben, Wegeleben, Wanzleben, Ermsleben etc. +Unter den zahlreichen Beinamen Odins kommt auch Hlêfreyr, Leeherr vor. +Simrock meint, der bedeute jedenfalls seine Herrschaft über das Wasser. +Aber was heißt Hlê-Herr? Doch zunächst einen Schutzherr oder Schirmherr, +eine besondere Beziehung zum Meere liegt nicht darin. Und wenn der über +Walhall reichende Wipfel der wunderbaren Weltesche Yggdrasil den Namen +Laerad führt, so heißt das doch nur „Schutz und Schirm‟ spendend, und +unter den Wurzeln dieser Esche quellen zwar drei Brunnen, aber mit dem +Meere hat sie nichts zu tun. Ist nun die eigentliche Bedeutung von Lee +Schutz, so ist es nicht zu verwundern, daß gerade die Seeleute sich im +Laufe der Zeiten besonders das Wort angeeignet und bis auf unsere Tage +im Gebrauch behalten haben; das liegt in der Natur der Sache, da +für<a id="Page_290"></a> + <span class="pagenum">[290]</span> sie Schutz vor Sturm und Seenot eine besonders wichtige Sache +ist. Dabei ist zu bedenken, daß auf Wangerooge angenehmes, warmes Wetter +li-weder heißt und daß in der Edda laegi Meeresstille bedeutet. Daher +haben die Verfasser des „Bremer Wörterbuches‟ auch schon das Richtige +geahnt, als sie schrieben: „Lee oder Lehe, ein Dorf dieses Namens, eine +halbe Meile von Bremen‟ (also Bremerlehe). Im Angelsächsischen ist hleow +und hleowth eigentlich ein Ort, der (an der Sonne liegt und) vor dem +Winde sicher ist: ein Zufluchtsort.‟ Und weiter: „Bei unseren Schiffern +heißt lee ein Ort, wo die See stille ist und die Wellen nicht ankommen. +„In't lee van't land‟ bezeichnet eine Station der Schiffe bei einer +Insel oder Erdzunge, wo der Wind vom Lande absteht, und wo folglich +dichte unter dem Lande die See vom Winde nicht beweget wird.‟ — Und +andererseits lesen wir in einer mittelniederdeutschen Chronik: „und wo +woll den Deutschen und Lubschen alles thoiegen was und in der Lehe +werden.‟ Hier ist allerdings eine ausschließlich seemännische Bedeutung +von Lee unzweifelhaft, indem es für ein Segelschiff natürlich sehr +hinderlich ist, sich in Lee eines feindlichen Schiffes zu befinden, +nicht weil es leger, niedriger wäre, sondern weil es in seiner +Bewegungsfreiheit der in Luv befindlichen Schiffe gegenüber im Nachteil +ist. Insofern bedeutet Lee eine schwierige Lage, etwa diejenige einer +Partei, die „ins Hintertreffen geraten‟ ist; Not, Bedrängnis, +Schwierigkeit. Aber darum hätte der holländische Dichter ten Kate ly — +so heißt Lee im Niederländischen — doch nicht gleich von leiden +ableiten sollen, was auch Kilian mit seinem latus navis +depressum auf dem Gewissen hat. Adelung aber hat sogar ein altes lee = +links herangezogen und dabei an Backbord, die linke Schiffsseite +gedacht, als ob Backbord immer Lee und Steuerbord immer Luv wäre. — +<span class="strong1">Leegierig</span>, s. luvgierig am Ende.</p> + +<p><span class="strong1">Leesegel</span>, das. Die Leesegel sind eine Vergrößerung gewisser Segel bei +günstigem, beständigen Winde, eine Vermehrung der Segelfläche, und zwar +nicht wie früher, als man die Segel nach unten zu durch ein Bonnet oder +Bonnit vergrößerte, sondern neben, an der Seite, nämlich allemal an der +Luvseite, da sie in Lee keinen Zweck hätten. Daher ist eine der +beliebtesten Scherzfragen die: „Warum heißen die Leesegel Leesegel?‟ +Antwort: „Weil sie stets in Luv stehen!‟ Das wäre also ein lucus a non +lucendo. — Breusing hat (Jahrbuch für niederdeutsche +Sprachforschung<a id="Page_291"></a> + <span class="pagenum">[291]</span> 1879, S. 14 und 15) folgenden Erklärungsversuch +gemacht: „dann fand man, daß die früher übliche Verlängerung der +Untersegel durch ein Bonnet wenig zweckentsprechend war, deshalb zog man +es vor, bei günstigem Wetter die Segel an der dem Winde zugewendeten +Seite durch einen Streifen Segeltuch, eine Leiste, niederländisch lyst +zu verbreitern und nannte diese Beisegel im Niederländischen lystzeils, +woraus durch euphonische Verschleifung der Konsonanten lyzeils und im +Niederdeutschen lêseils wurden, und hieraus entstand der deutsche Name +Leesegel, der mit dem einfachen Wort Lee durchaus keinen Zusammenhang +hat, denn die Leesegel werden eben nicht in Lee gesetzt.‟ Diese +Erklärung kann nicht richtig sein, denn erstens ist das Leesegel keine +Leiste, sondern ein Segel, ein richtiges Segel, und ein solches, auch +wenn es ziemlich lang und schmal ist, eine Leiste zu nennen, geht nicht +an, wenn man bedenkt, was eigentlich eine Leiste ist. Sodann heißt im +Niederländischen Leesegel lyseil, weil Lee im Niederländischen ly heißt; +eine Form lystszeil gibt es nicht, Breusing hat sie auch nicht +nachgewiesen; sollte sie sich ihm zufällig einmal irgendwo gezeigt +haben, so könnte es höchstens als Erklärungsversuch geschehen sein, der +aber nichts beweißt, wie unzähliche dergleichen Versuche von Weiland +dartun. — Es bietet sich uns eine andere Deutung von Leesegel ganz +ungezwungen dar. Wie unter Lee bemerkt ist, heißt auf Wangerooge ein +angenehmes, warmes Wetter li weder; dieses li ist das ostfriesische le + — lau, warm, mild; dabei sei dahingestellt ob dieses le von dem +altnordischen hle — Schutz, Schatten, Schirm kommt, oder mit lau +verwandt ist (welches aber auch mit hle, Lee eines Stammes sein dürfte). +Weil im Ostfriesischen dieses le auch lau und lu heißt, so liegt der +Gedanke an lau am nächsten. Doornkaart führt folgendes Beispiel für den +Gebrauch an: „'t water is man äfen lê, das Wasser ist nur eben warm, lê +water, lauwarmes Wasser; „'t is so 'n lauen lücht,‟ es ist eine so +mildwarme, weiche, laue Luft, de wind weid so lau‟ etc. Wie auch die +Verwandtschaft sei, le bedeutet gutes, schönes Wetter; ein Leesegel ist +also ein <span class="strong1">Schönwettersegel</span>. — Von hier aus fällt nun auch ein +Lichtstrahl auf die Etymologie des erwähnten Wortes Bonnet, mit dem die +Leesegel heute noch in den romanischen Sprachen bezeichnet werden, das +aber ursprünglich eine Verlängerung der Segel nach unten zu bedeutete. +Eine solche konnte<a id="Page_292"></a> + <span class="pagenum">[292]</span> auch nur bei gutem Wetter vorgenommen werden, +und es steckt also in Bonnet, italienisch bonetta, spanisch boneta, das +lateinische bonus, mit einer schmeichlerischen, kosenden +Verkleinerungsform, wie man ja auch bei uns von einem „schönen +Wetterchen‟ spricht. Also auch hier die Bedeutung: „Gutwettersegel‟, wie +in früheren Tagen ja auch das Großsegel „Schönwettersegel‟ genannt +wurde.</p> + +<p><span class="strong1">Leeweg</span>, der, s. Abtrift.</p> + +<p><span class="strong1">Leibholz</span>, das, s. Wassergang.</p> + +<p><span class="strong1">Legerwall</span>, der, ist eine Küste unter dem Winde, eine Küste auf die der +Wind zuweht, so daß beide mit einander einen rechten Winkel bilden, +vielleicht sogar, indem rechts und links das Land vorspringt, einen +spitzen. Dann ist also eine Bucht vorhanden. Eine solche kann, wie die +berüchtigte an der jütischen Küste, eine rechte „Jammerbucht‟ werden, +wenn ein (Segel-)Schiff durch Wind und Sturm so nahe an die Küste +getrieben wird, daß es in Gefahr steht durch Kreuzen nicht wieder frei +zu kommen. Dasselbe Gefühl, das Breusing veranlaßt hat Lee = leg, +niedrig, zu setzen hat wohl auch die Form Legerwall anstatt Leewall in +Gang gebracht. Aber Leewall ist das richtige, wie schon ein Blick auf +das englische Lee-shore beweist und wie es auch in der Natur der Sache +liegt. Die Veränderung in Legerwall mag aber dadurch gefördert worden +sein, daß es in der Regel eine niedrige Küste sein wird, die ein Schiff +in solche Gefahr bringt, denn eine hohe sieht es in größerer Entfernung, +braucht ihr also nicht so nahe zu kommen, daß die Verlegenheit des +Legerwall eintritt. — Gegen die Deutung Leewall könnte sprechen, daß +das Gegenteil davon nicht Luvküste, sondern Opper- oder Upperwall hieß. + — Aber einmal kann eben der Upperwall später gebildet sein, als +Gegensatz zu Legerwall, zur Zeit als dieses in dieser Form bereits +aufgekommen war, und dann ist zu bemerken, daß man doch auch von einer +Luvküste spricht, ja daß Upperwall in neuerer Zeit geradezu von Luvküste +verdrängt worden ist. — Legerwall gehörte zu dem Gefährlichsten was es +für einen Seemann geben konnte. Der alte Kapitän der 1673 die +„Beschrivung von der Kunst der Seefahrt‟ verfaßte, wußte davon zu +erzählen. „Ich hätte billig Ursach mehr von Gottes Wunderwerken zu +schreiben, wie ich zu zweyen mahlen in der Nordsee sonder Ruder gewesen, +da daß eine auff die Quernes ist weggestoßen, und sind nachdem mit dem +Schiffe sonder Ruder zu Rotterdam<a id="Page_293"></a> + <span class="pagenum">[293]</span> glücklich angekommen, daß +andermahl durch einen starcken Nord Nordewesten Wind, unter Reveshoren +daß Ruder weggeritten, und daß Schiff nach Allerheiligen, bei dunkern +Mohn, durch das Katzen Gat zu Kopenhagen gebracht, und wie offt der +Allerhöchste mich errettet, wann ich auf dem Legerwall von Sturm bin +besetzt gewesen, da ich oftermahl nicht anders alß den Todt vor Augen +gesehen, wie auch eins Mahls auff der Küst von Africa, nebenst Mamora, +da wir bald in die Brandung waren, gab Gott daß der Wind sich legte, und +indem auch raum ward, so, daß wir glücklich die Cap Spartel passierten, +wann wir sonst an den Wall gekommen waren, und etzliche noch daß Leben, +wie eine Beute davon gebracht, hätten die Mohren uns doch zu Schlaven +gemacht.‟</p> + +<p><span class="strong1">Leguan</span>, der, ein dicker bekleideter, beschmarteter, betakelter Kranz von +Tauwerk, ein Stropp von besonderer Art, den man an besonders gefährdeten +Stellen der Takelage zur Sicherung oder Schonung anlegt. So legte man +zur Zeit der Segelschiffahrt vor dem Gefecht einen Leguan um Mast und +Rahe, die beiden zusammenzuhalten wenn etwa Rack, Fall oder Toppnant +zerschossen würden. Auch zur Verhütung des Schamfilens von stehendem Gut +durch laufendes legte man wohl einen Leguan an, und oben um den etwas +vorragenden Vorsteven eines Bootes kann man ihn heute noch gelegt sehen +zur Milderung des Stoßes und Verhinderung von Schaden beim Anlegen. Wie +kommt dieser Stropp zu dem Namen der großen Eidechse Iguana, iguana +tuberculata, die auf deutsch Leguan heißt, jenes freundlichen und +nützlichen, zum Fangen von Fliegen als Haustier gehaltenen munteren +Tieres, das jedem Seemann bekannt ist, der einmal an den Küsten des +tropischen Amerika weilte? Die Bezeichnung war offenbar zuerst +scherzhaft. Der Stropp war ein Legan, weil er angelegt ward; weil das +aber so sehr ähnlich wie Leguan klang, so lag für einen scherzhaft +angelegten Seemann eine absichtliche Verwechslung nahe und die ist dann +zur stehenden Bezeichnung geworden; also ähnlich wie ammer zu ammeral +und Admiral wurde, so daß jetzt ein Eimer den Namen „Admiral‟ führt. +Doch hat sich neben Leguan auch die ursprüngliche Form Legan bis auf +diesen Tag erhalten, ja sie scheint sogar Leguan wieder etwas in den +Hintergrund gedrängt zu haben.</p> + +<p><span class="strong1">Leibknoten</span>, der, ist ein Knoten, der nicht zuschliert, dessen Auge also +stets offen bleibt, auch wenn Kraft darauf wirkt. Er<a id="Page_294"></a> + <span class="pagenum">[294]</span> wird +besonders dazu verwandt, einen Menschen in die Höhe zu winden, der sich +mit seinem Leibe in das offene Auge gesetzt hat. Leibknoten können auf +verschiedene Weisen gesteckt werden, doch bleibt stets das Auge für den +Leib eines Menschen offen.</p> + +<p><span class="strong1">Leichtmatrose</span>, s. Jungmann.</p> + +<p><span class="strong1">Leichter</span>, der, auch Leichterfahrzeug, ein kleines Schiff, das einem +größeren die Ladung teilweise abnimmt, damit es nicht mehr so viel +Tiefgang hat und in einen seichten Hafen einsegeln kann. Man hört und +liest manchmal auch Lichter und Lichterfahrzeug, doch ist diese Form +geeignet Verwechslungen herbeizuführen, s. Anker lichten, und daher ist, +wiewohl lichten die richtige niederdeutsche Form für leichter machen +ist, doch Leichter vorzuziehen. Das Mittelniederdeutsche sagte +luchteschute. 1368: „Vortmer moghen si hebben eghene prame unde +luchteschuten‟. 1369 ... „und geven van dem prame ene mark vnd van der +luchteschuten ene halve mark, darmede mogen se up unde ut schepen.‟ Ein +luchteschute war also kleiner als ein prame.</p> + +<p><span class="strong1">Leine</span>, die. Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann für das +Erzeugnis des Reepschlägers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: „Dünne +Taue von verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf +Schiffen dienen.‟ — Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin, +angelsächsisch line. Kommt vom lateinischen linum, das nicht nur Lein, +Flachs bedeutet, sondern auch alles was daraus hergestellt wird: Faden, +Schnur, Leinwand, Linnen, Segel, Netz, Seil, Tau. — In übertragenem +Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium, disciplina, also +ein sittlicher Begriff. — Auch unser Lineal stammt von linus, von der +Leine mit der die Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie + — daher der Name — ziehen (daher die ganze Wendung „Linien <span class="strong1">ziehen</span>‟), +indem sie die geschwärzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen +lassen, wo es abfärbt. — Von den vielen Linien, die man auf +Kartenblätter zog um die Grade zu bezeichnen war Eine so die Hauptlinie, +daß man sie schlechthin „die Linie‟ nannte (Äquator.) Wer diese zum +ersten Male passiert, muß sich gefallen lassen, daß allerlei „Hänselei‟ +(von Hansa, denn wer in eine solche eintrat mußte allerlei über sich +ergehen lassen) mit ihm getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache +dabei ist das (Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe +Wort ist, so ist der Name treffend (s. Schiffstaufe.) <a id="Page_295"></a> + <span class="pagenum">[295]</span></p> + +<p><span class="strong1">Leitblock</span>, der, ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende +Tau in eine andere Richtung zu leiten. Es kommt z. B. ein Läufer in +senkrechter Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter +Richtung werden; dann muß ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte +Richtung überleiten.</p> + +<p><span class="strong1">Leiter</span>, der, ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter, +die an die Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nämlich ein Tau an dem +etwas geführt, von dem etwas geleitet wird, also ein schönes, kurzes +Wort für Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es +passend vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lägel als +Ringe bewegen.</p> + +<p><span class="strong1">Leiwagen</span>, der. Es ist ein t ausgefallen, das Wort heißt eigentlich +Leitwagen, wie Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat. +Es ist ja auch ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin +und her geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen +Wagen zu denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar +dasselbe Wort wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den +Begriff des Bewegens darstellt: ein Gerät zum Hin- und Herbewegen. Nun +ist zwar Leiwagen kein Gerät, sondern eine am Deck befestigte +Vorrichtung, auf der sich die Pinne bewegt, aber er trägt seinen Namen +doch mit Recht, denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten. +Und auch wo der Leiwagen nicht für die Pinne, sondern für eine Schot +bestimmt ist, dient er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu +leiten. — Das Wort wird öfters auch Leuwagen geschrieben, diese Form +gebührt aber einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen.</p> + +<p><span class="strong1">lenz</span>, als Adjektivum und Adverbium in häufigem Gebrauch; es bedeutet +<span class="strong1">leer</span>. Das Bremer Wörterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nässe mehr +ist. De Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser +mehr geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist +ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das +Getränk alle ist. Niederländisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der +Frühling bedeutet und seinen Namen vom Längerwerden der Tage hat, hat +dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus +zusammenhängen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich +jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von „erschöpft‟. 2. +langsam, träge (so wie das Letzte<a id="Page_296"></a> + <span class="pagenum">[296]</span> aus einem Gefäß ausfließt). 3. +zäh, klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flüssigkeiten zu sein +pflegt). So recht will keine von den dreien, will überhaupt das ganze +lentus nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden. +Übertragen: „ich bin lenz‟, ich habe kein Geld mehr.</p> + +<p><span class="strong1">lenzen.</span> 1. vollständig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses, +einer Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tänks, +der Bilge erschöpfen; übertragen: jemanden ausplündern bei Spiel. 2. vor +einem Sturme fahren, so daß der Sturm das Schiff mit nur wenigen und +kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche („vor Top und Takel‟) vor sich +hertreibt. — Die Erklärung wird etwas erschwert dadurch, daß manchmal +ohne Berechtigung und ohne Verständnis für den eigentlichen Hergang +lenzen einfach mit „vor dem Winde segeln‟ gleichgesetzt wird. Die +Wahrheit ist die, daß lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist, +daß ein Segel nach dem andern weggenommen werden muß. Nun haben wir +unter „lenz‟ gesehen, daß es leer bedeutet; lenzen also heißt leeren, +zunächst von Flüssigkeiten; es kann aber auch im übertragenen Sinne +gebraucht werden und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so +werden wir es hier anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage +leer machen von Segeln, so daß das Schiff schließlich nicht nur keine +vollen Segel, sondern überhaupt keine Segel mehr führt. Von dem +transitiven Gebrauch zum intransitiven war nur ein Schritt, und die +Bedeutungsentwicklung von: „die Segel entfernen‟ bis zu: „das Schiff +lenzt‟ lag nahe. Daß „lenzen‟ einen Sturm voraussetzt, beweist auch die +Bezeichnung <span class="strong1">Lenzsack</span>; den führt ein Rettungsboot im Inventar und +gebraucht ihn bei hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist +er anschaulich beschrieben: „ein trichterförmiger Sack aus starkem +Segeltuch, dient dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und +damit zu steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so +gehoben wird, daß Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen. +Hätte man dann keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer +geworfen und übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Öffnung nach +vorn, an einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem +spitzen Ende befestigt ist. Da beim<a id="Page_297"></a> + <span class="pagenum">[297]</span> Schleppen die Mündung nach +vorn ist, so füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen +beträchtlichen Widerstand und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft +man das stärkere Tau an der Mündung los und holt die dünne Leine an dem +spitzen Ende ein, so wird der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann +mit leichter Mühe ins Boot geholt werden.‟</p> + +<p><span class="strong1">Leutnant zur See.</span> So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als +deutsches in Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der französischen +Abstammung sein Bewenden haben müssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt, +Amt gedacht worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als +ob ein Leutnant ein Mann wäre der ein Amt über Leute hätte. Allerdings +findet sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hieß das Wort +auch während des 30jährigen Krieges, aber das sind höchstens Versuche, +das Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die +ältesten Spuren führen nach Frankreich, wo das Wort schon im 15. +Jahrhundert im Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und +ursprünglich demgemäß für eine Statthalterwürde gebraucht. „Des Königs +Lieutenant‟ ist der Mann, der „<span class="strong1">anstatt</span>‟ des Königs das Kommando führt. + — Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant +zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mußte sich mit +Unterlieutenant zur See begnügen.<a id="Page_298"></a> + <span class="pagenum">[298]</span></p> + +<p><span class="strong1">Leuchtturm</span>, s. Blüse.</p> + +<p><span class="strong1">Leuwagen</span>, der, ist ein Stock mit einer Bürste daran zum Waschen des +Schiffes, ein Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein +t ausgefallen, denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet +das -wagen auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen dürfen, daß das +Geschäft des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht +gerade mit besonders fleißigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu +heißt aber im Niederdeutschen faul, träge, unlustig zur Arbeit, +insonderheit wird es auch von einem Menschen gebraucht, der faul in +seinen Bewegungen ist; also auch einen, der sich nicht gern bückt. Ein +solcher mag den Stiel an der Bürste erfunden haben, die ursprünglich +sicher ohne ein solchen gebraucht wurde, also beschwerliches Bücken +erforderte. Ganz peinliche und reinliche Hausfrauen halten heute noch +darauf, daß ihre Dienstmädchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im +Stehen abmachen. Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den +Scheuerbürsten als eine „faule‟ Sache erschienen sein, so daß sie das +Arbeiten mit dem ihnen unlieben Instrument als eine „leue Bewegung‟ zu +brandmarken versuchen. Es hat sich aber doch Bahn gebrochen.</p> + +<p><span class="strong1">levendig</span>, werden die Segel gebraßt, wenn der Wind sie so fassen soll, +daß sie killen, d. h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein +Brett, sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist +Weiterbildung des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche +Form dafür. So weit wäre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig +entsprechend, levéndig, sondern lévendig ausgesprochen. Doch hieß +lebéndig früher auch lébendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was +im 17. Jahrhundert noch vorkommt, bei Gryphius: „Man hat ein zartes Kind +noch lebendig geschunden.‟ „Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden +von Deutschland noch jetzt, die Rückung des Tones auf lebéndig ist aber +auch schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen‟ (Heyne).</p> + +<div class="poem"> + + <p>„Do he en sag liggen also,</p> + <p>Ward he wedder unfro</p> + <p>Darumme, dat Brûn noch levendig was.‟</p> + + <p class="author"> Reinke de Fos.</p> + +</div> + + +<p>Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie +lebendig gegangen ist.</p> + +<p><span class="strong1">lichten</span> ist besonders in der Verbindung „Anker lichten‟ bekannt. Es ist +von lichten = leicht machen, gänzlich verschieden, denn es heißt +eigentlich lüften, nicht im Sinne von „frische Luft in eine Stube +lassen‟, sondern von „in die Luft erheben‟. Man hört auch hie und da — +in Stade z. B. — Anker lüften. Die niederdeutsche Form ist aber liften; +englisch lift. Im Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem +Niederländischen zugeht, desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht +für Graft, kracht für Kraft, lucht für Luft etc. So hat sich auch liften +in lichten verschoben.</p> + +<p><span class="strong1">Liderung</span>, die, im Maschinenwesen ein Verschluß, ein Verschließen oder +Verpacken irgend einer Öffnung, die man dicht haben will. Es ist das +niederdeutsche Wort lid = Deckel, Verschluß, Tür, und dasselbe wie Lid +in Augenlid, Altsächsisch hlidan, angelsächsisch hlidan, altenglisch +hliden = bedecken, schließen; altfriesisch hlidia. — Von lid auch das +Zeitwort <span class="strong1">lidern</span>, schließen, verpacken.<a id="Page_299"></a> + <span class="pagenum">[299]</span></p> + +<p><span class="strong1">Lieger</span>, der, ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst +befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d. h. nicht +bloß am Tage da weilt, sondern auch nachts da schläft (liegt). Er hat +das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, für richtigen Verschluß +aller Räume zu sorgen. Früher war ein Lieger ein ganz anderer Mann, +nämlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfähiger +Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfähigen +Handlungsknechten. — Lieger heißt auch das Bauchstück der Bodenwrange.</p> + +<p><span class="strong1">Lik</span>, <span class="strong1">Liek</span>, das. Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem +Rahsegel unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das +Unterliek und die beiden stehenden Lieke rechts und links. — Unser +deutsches Wort „gleich‟ bestand ursprünglich aus der Vorsilbe ga und +lika. Lika heißt Körper. Unser „Leiche‟ hatte nämlich noch im +Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung „toter Leib‟ sondern galt auch +für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher +eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen +Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber +täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich; +männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat; +königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt, +<span class="strong1">gleich</span> einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im +Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der +Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek, +wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei +liekedeler hießen, Gleichteiler. — In der Bedeutung Gestalt hat sich +dieses Wort allein im Seemännischen erhalten, denn unser Liek ist ja das +Tau, das die Umrisse der <span class="strong1">Gestalt</span> des Segels genau darstellt. Eine +beachtungswerte Verwendung hat unser Liek im Französischen gefunden in +dem Worte ralingue, aus Rahliek entstanden. Das -liek hatte man aber +nicht in seinem Werte erkannt, sondern für eine Art Endung gehalten, +etwa für die niederdeutsche Endung -ing, und so wurde ralingue aus einem +Worte, das eigentlich ralique hätte werden müssen.</p> + +<p><span class="strong1">Linie</span> = Aequator, s. Leine.</p> + +<p><span class="strong1">Linienschiff</span>, das, ist das größte und stärkste Panzerschiff, ein +Schlachtschiff erster Ordnung, Hochseeschlachtschiff; müßte<a id="Page_300"></a> + <span class="pagenum">[300]</span> +eigentlich Schlachtlinienschiff heißen, denn es ist ein solches, das +stark genug ist, in einer Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kämpfen.</p> + +<p><span class="strong1">Lloyd</span>, der. In der ganzen Welt, besonders in der seemännischen, ist +dieser Name bekannt, weil ihn eine ganze Reihe großer +Schiffahrtsgesellschaften tragen. Es gibt einen +österreichisch-ungarischen, einen russischen, einen germanischen Lloyd, +einen Lloyd francais und vor allen Dingen denken wir an den +„Norddeutschen Lloyd.‟ Von Bremerhaven nach Lehe geht es erst durch die +„Bürgermeister Smidt-Straße‟, dann durch die „Lloydstraße‟. Wer +Bürgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an seinem Denkmal auf +dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war Lloyd? — Es gab +bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine +Matrosenkneipe die „Lloyds coffee-house‟ hieß. Was dieser Mr. Lloyd +sonst für ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm +muß gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht bloß Matrosen bei ihm, es +fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitäne, Makler, +Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil +es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man +sich denken, daß sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt +gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen. +Aus diesen Besprechungszusammenkünften entstand 1716 eine Gesellschaft, +die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen „Lloyds‟ führte und +heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: „The collection and diffusion of +marine intelligence, the insurance, classification, and certification of +vessels and the transaction of business of various kinds connected with +shipping.‟ Bei der Übernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s +in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren +gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft für +eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus +geschichtlich berechtigt.</p> + +<p><span class="strong1">Log</span>, das, ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius +etwa 15 cm mißt; es ist eine Leine daran befestigt, die <span class="strong1">Logleine</span>, die +über eine Rolle, <span class="strong1">Logrolle</span>, läuft. <span class="strong1">Loggen</span> heißt mit Hilfe dieses Logs, +dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log +ins Wasser wirft, das <span class="strong1">Logglas</span>, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine +Sanduhr, umdreht, die<a id="Page_301"></a> + <span class="pagenum">[301]</span> Leine eine von dem Glase angegebene +bestimmte Zeit ablaufen läßt von der Rolle und dann an den Knoten der +Leine abliest, wie viel Knoten das Schiff läuft, d. h. wie viele den +Knoten entsprechende Seemeilen in der Stunde. — Edward Wright hat zu +London 1599 ein Werk unter dem Titel: „the Haven-finding art‟ +herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem auch zum ersten +Male der Name Log zu finden ist. Darüber schreibt Roeding (1794): „Der +Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder dieses Instrumentes ist +nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder davon Erwähnung, als in +der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom Jahr 1607, welche +Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in mehreren +Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von Ausländern +allgemein angenommen worden zu sein; es erwähnt dessen z. E. Günter +1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634, +Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren +Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses +Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde, +ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu +verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.‟ — Die +Erfindung dürfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der +Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stück Holz heißt. +Ursprünglich war also von der Form eines Kreisausschnittes für das +Brettchen keine Rede, es war das Log überhaupt kein (weil unten +beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stück +Holz an das die Leine befestigt war. — Das <span class="strong1">Loggbuch</span> ist das +Schiffstagebuch, in welches der Offizier der Wache alles Bemerkenswerte +einträgt sobald die Wache vorüber ist. Die Benennung geschieht a +potiore, weil die richtige Eintragung der richtig geloggten Fahrt, d. h. +der während der Wache zurückgelegten Strecke, eine sehr wichtige Sache +ist. In der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt‟, Lübeck 1673 wird +das ursprüngliche Stück Holz schon „ein hölzernes Schiffchen oder +dreieckig Brettchen‟ genannt: „By etliken wert de wech, so dat schip +aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes dorch ein holten +schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven, gefunden und +affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft und by nacht +nicht wol tho dohnde ys.‟ Es ist aber trotz der Belemmerung<a id="Page_302"></a> + <span class="pagenum">[302]</span> heute +auch noch nichts Besseres erfunden. — Lucas Janszoon Waghenaer im +„Spiegel der Zeevaerdt‟ empfiehlt schon damals, 1588, die Einrichtung +einer Art Loggbuches: „Item tis oock goet dat een Stuerman alle morghens +ende auonts by gheschrifte stelle oft dve stellen, wat coursen hy +ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer nae inde Caerte af +steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende canalen van hem syn +legghende.‟</p> + +<p><span class="strong1">Logger</span>, der, englisch Lugger, und so auch öfters in neuerer Zeit bei +uns, wo es dann aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit +Luggersegel, d. h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die +Querlatten) so angeordnet ist, daß beim Wenden und Halsen kein Dippen +erforderlich ist. — Sonst war Logger ein „zum Kriege ausgerüstetes +schnellsegelndes Fahrzeug‟ mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und +einem Treiber („Brodgewinner‟). Der Ausleger ermöglichte das Führen +mehrerer Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend +gedacht werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort +luken, ziehen, zerren, reißen, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch +lug.</p> + +<p><span class="strong1">Logis</span>, das, ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen. +Bemerkenswert ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute +sprechen das s deutlich mit aus. Daran kann man merken, daß das Wort +über Holland zu uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen +französischen Wörtern das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf +Wangerooge ist das Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner +(s. d.)</p> + +<p><span class="strong1">Lohen</span>, die Segel, heißt sie mit Lohe tränken um sie dichter und +haltbarer zu machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen +der Segel auf unseren Küsten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heißt +englisch tan, to tan heißt dementsprechend gerben, aber auch braun +machen, dann übertragen bräunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und +Wetter.</p> + +<p><span class="strong1">Lootse</span>, der, ein Mann, der Seefahrt und des Ortes kundig, der den Beruf +hat, einem Schiff in schwierigem Fahrwasser den Weg in den Hafen oder +aus dem Hafen zu zeigen; das Schiff zu lootsen. Um dieses Wort richtig +erklären zu können, müssen wir vor allen Dingen von dem italienischen, +französischen, englischen,<a id="Page_303"></a> + <span class="pagenum">[303]</span> holländischen piloto, pilote, piloot, +pyloot ganz absehen, wenigstens zunächst. Diese Wörter werden oft mit +Lootse zusammengebracht, haben aber nichts damit zu schaffen und können +daher die Untersuchung nur trüben und verwirren. Auch der Versuch, das +Wort zu Lot zu stellen, als sei der Lootse ein Mann der durch Loten die +Tiefe des Wassers feststelle, muß aufgegeben werden. Das Bremer +Wörterbuch sagt zwar: „Loots, Lootsmann = Piloot, der mit dem Senkblei +die Tiefe des Wassers ergründet. Überhaupt ein erfahrener Mann, der das +Fahrwasser, die Tiefen und Untiefen kennt‟, aber dadurch wird die Sache +nicht besser, denn wenn auch das zweite, mit dem erfahrenen Mann stimmt, +das erste, mit dem Loten, stimmt keineswegs. Wer auch nur einmal in +seinem Leben mit einem Lootsen gefahren ist, der muß wissen, daß ein +solcher viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist und auf zu viel +anderes zu achten hat, als daß er sich aufs Loten einlassen könnte. Dazu +wird eigens ein Matrose abgeteilt, der die gelotete Tiefe laut aussingt. + — Auf die richtige Spur leitet uns das niederländische lodsman, +englisch loadsman, altenglisch lodeman. Dieses lod aber hat mit lod = +Blei nichts gemein, sondern heißt Weg. Ein lodsman ist also ein Wegmann, +ein Mann der den Weg zeigt, und zwar, sinnverwandt mit dem brim-wisa = +Führer zur See, ein Wasserwegweiser. Im Seebuch (1400) heißt der Name +loedman und loetsman, lootsmann und dieser Ausdruck kehrt, wie Breusing +(Jahrbuch V. 8) anführt in allen nordischen Quellen des Seerechts +wieder; „in den Jugemens d'Oleron als lodemann; water regt van Damme als +laedsage; kostumen van Westcapelle als leydtsman; Waterrecht van Wisby +als Leytsager und leytsman.‟ Kilian, der pylloot freilich mit „expertus +nauta, qui bolide altitudinem maris explorat, nauta loci peritus‟ +übersetzt, hat doch auch die Form lootsman. — In einem Hansareceß von +1437 lesen wir: „Int erste hebbe ik gegeven deme losmanne, de my segelde +in de Temese 6 Pf.‟ Und anderweitig: „So wan en schip van nodt wegen +queme vor eyn land, dar yd hauen moste, vnde vmbekant were, so dat ydt +eynen leydsagen bederuede‟ ... Weiter: „Wor en scipper wynnet enen +sturman, eder enen letsagen edder enen schepesknapen, deme synt se to +rechte schuldich syne reise wol to donde.‟ Auch im übertragenen und +bildlichen Sinne in einem Adventsgebet: „O heerscopper aller heren vnde +weldighe<a id="Page_304"></a> + <span class="pagenum">[304]</span> leytsaghe des slechtes Israhel.‟ Das früheste Zeugnis +für die Form letsaghe fällt in das Jahr 1299: „So wellik letsaghe jof +sturman oder schipman, de sic vormedet heuet eneme unseme borghere, wil +he enen vnsen borghere vorklaghen, dat schal he don vor sineme +oldermanne‟ (Lüb. Urk.) — Das Wort lootsman hat sich in dieser Gestalt, +wie die Stelle aus dem Bremer Wörterbuch beweist, zwar bis in die neuere +Zeit erhalten, daneben aber hat sich allmählich das Wort durch +Verschlucken der Endsilbe in Lootse abgeschliffen, zunächst nur in der +gesprochenen Sprache, so wie man boatswain Bosen ausspricht und das mann +in Bootsmannsmaat verschluckt und Bootsmaat sagt. — Das Wort ist also +ein echt germanisches. Heißt doch im Altenglischen der Nordstern +loadstar, Weg-, Leitstern, und der Magnet loadstone = Weg-, Leitstein. +Und zwar ist das erste Wort in der Zusammensetzung mit unserem +neuhochdeutschen <span class="strong1">leiten</span> = führen verwandt, die wörtliche Übersetzung von +Bootsmann also „Geleitsmann‟. So war das Wort im Mittelalter in +Deutschland, England, Holland und auch in Frankreich in Gebrauch. — Nun +kamen aber zur Hansazeit die Italiener in deutsch-niederländische Häfen. +Die hatten bis dahin so etwas wie einen Lootsen in unserem Sinne gar +nicht gekannt. Wohl hatten sie einen piloto, aber der stellte, wie aus +der Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen bekannt ist, und wie +Breusing a. a. O. vortrefflich ausgeführt hat, etwas ganz anderes dar, +einen Mann, der einen ganz anderen Beruf hat als ein Lootse, nämlich +überhaupt einen seekundigen Mann, der die Navigation auf offener See +betreibt, wie wir z. B. aus den Reisen des Columbus wissen, daß der eine +der Gebrüder Pinzon der piloto mayor des Geschwaders der ersten Fahrt +war. „Ein Bedürfnis von Lootsen in unserem jetzigen Sinne, wo das Wort +einen Wegweiser für enge gefährliche Fahrwasser bedeutet, besteht im +mittelländischen Meere gar nicht. Die großen Handelsemporien +Konstantinopel und Alexandria, Messina und Palermo, Venedig und Genua, +Neapel, Marseille, Barcelona, Valencia, Malaga<a id="Mal3"></a><a href="#fn3" class="fnanchor">[3]</a> liegen an offener See. +Andererseits muß man bedenken, daß in früheren Zeiten der Schiffer +eigentlich nur der Schiffsherr war und kein Seemann zu sein brauchte. +Ulloa in seiner Conversationes<a id="Page_305"></a> + <span class="pagenum">[305]</span> sagt darüber: En lo antiguo eran dos ministerios +separados, el de mandar las embarcaciones y el de dirigirlas. Los +capitanes tenian el mando interior civil, economico y militar; y les +pilotos eran los que desempenaban la parte nautica en pilotage y +maniobra. So erklärt sich die Vorschrift, daß ein Schiffsherr, der nicht +selbst Seemann war, einen der Schiffahrt kundigen Mann annehmen mußte, +von selbst, und man hat hier nicht an einen Lootsen zu denken. Bei den +Völkern des Mittelländischen Meeres hat das Wort piloto keine andere +Bedeutung gehabt, als die wir mit einem „befahrenen Seemann‟ verbinden +... Auch der Nichtseemann begreift, wie widersinnig es wäre, für völlig +unbekannte Gewässer (wie die von Columbus aufgesuchten) einen Lootsen +anzustellen, der eben davon seinen Namen hat, daß er von einem ganz +bestimmten Fahrwasser eine genaue Ortskenntnis besitzt, um als Wegweiser +dienen zu können ... Erst nach dem Jahre 1300 kamen genuesische und +venetianische Schiffe nach Antwerpen und lernten in den nordischen +Meeren eigentliche Lootsen kennen. Denn hier lagen die Handelsplätze +nicht wie im Mittelmeere an offener Seeküste. Hamburg und Bremen, +Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, London und Bristol, Rouen und Nantes +und Bordeaux liegen tief im Lande an Revieren, deren Eingang durch +Sandbänke versperrt ist und wo die Möglichkeit des Einsegelns von der +genauen Kenntnis der von Ebbe und Flut bedingten Wassertiefe und +Gezeitströmung abhängig ist.‟ Aber für einen loodsmann war kein Wort im +Italienischen, eben weil die Sache unbekannt war. Da halfen sie sich mit +einem anderen Wort, mit einem, das wenigstens so ungefähr etwas +Ähnliches anzudeuten schien und nannten den loodsman: pilota. Diese +beiden haben sich dann so miteinander vermengt und vermischt, daß in +Holland, England und Frankreich, vielleicht unterstützt durch den +ähnlichen Klang, die romanische Form die germanische in den Hintergrund +geschoben hat. Doch ist es ihr weder in Frankreich noch in Holland +gelungen, sie ganz zu verdrängen. In Frankreich ist nämlich das +normannische lodemann in locman, dieses in locmaneur (mit Anbildung an +gouverneur = Steuermann) und dieses in das neufranzösiche lamaneur +übergegangen, und lamanage heißt heute noch die Thätigkeit des Lootsen, +während man im Altfranzösischen maronier sagte, vom kymrischen mar = +Führer, oder vielmehr von dem Beinamen des Mercurius<a id="Page_306"></a> + <span class="pagenum">[306]</span> Marunus = +Wegweiser; auf einer bei Baden gefundenen Inschrift aus der Römerzeit +steht: „Marones (Name eines Volkes in den Alpen) enim appellantur viarum +praemonstratores‟. — Was aber Holland betrifft, so beweist ein Blick in +das 1629 erschienene erste deutsche Buch über Schiffbau, die +Architectura Navalis von Josef Furttenbach, daß das germanische Wort +damals noch galt. Es ist da ein durch seine Schnelligkeit berühmtes +holländisches Schiff unter Segel abgebildet und genau beschrieben, ein +Schiff, das einst zu Wasser schneller von Amsterdam nach Genua kam, als +der Avis mit der Landpost, der melden sollte, daß das Schiff geladen +sei. Es führte den Namen „<span class="strong1">Lotzmann</span>‟ und hätte ihn nicht führen können, +wenn nicht Lotsmann neben pylot in Holland noch gangbar gewesen wäre. — +Im Deutschen, und zwar in der deutschen Seemannssprache hat sich das +deutsche Wort unbefleckt von piloto erhalten. Daher wir auch der Mühe +überhoben sind, der Abstammung dieses Fremdwortes nachzugehen. Es macht +sich zwar hie und da in hochdeutschen Büchern und namentlich Gedichten +breit, aber es wird stets als Fremdwort empfunden. Und wenn bereits 1735 +im „Seebuch‟ Johann Manson schreibt: „Für tieffgehenden Schiffen ist +nicht rathsam dieses Fahr-Wasser einzusiegeln (durch das Mitteltief nach +Wismar), wo er nicht desto besser bekannt ist, sondern muß sich Piloten +aus der Stadt nehmen‟, so beweist das doch nur, daß damals schon die +Fremdwörterei im Gange war, was ohnehin bekannt ist. Außerdem hat Hans +Wittenburgk, Schiffer in Wismar, das Manson'sche Buch aus dem +Schwedischen ins Hochdeutsche, so gut ers konnte, übersetzt. — +<span class="strong1">Lootsenflagge</span> ist die als solche erkennbare weil besonders +unterschiedene Flagge, die ein Schiff hißt zum Zeichen, daß es einen +Lootsen haben will; auch die Flagge die der <span class="strong1">Lootsendampfer</span>, der +<span class="strong1">Lootsenschuner</span> zeigt, der Lootsen abzugeben hat. — Ein <span class="strong1">Lootsenkommando</span> +hat einen Lootsenkommandeur, Oberlootsen, Steuerleute, Lootsen, +Lootsenaspiranten etc. etc. — <span class="strong1">Lootsenwasser</span> ist ein Fahrwasser, das man +auf Karte und Segelanweisung hin nicht befahren kann, sondern nur mit +Hilfe eines Lootsen. Waghenaer im „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, +schreibt: „Dan men moet verstaen dat wij dese Tonnen ende Baecken alhier +so aengeteckent hebben, als de selue int voorleden Jaer van 82 geleyt +ende gestelt sijn geweest. Ende dat de diepten ende<a id="Page_307"></a> + <span class="pagenum">[307]</span> stroomen +Jaerlyckx seer verloopen ende verandern: ouermidts d'onghestadighe +sandtgronden, ende dat de gaten beneffens der Zee seer wyt ende breet +worden, waer door dese stroomen al Lootsmans water syn, darmen hem +versien moet van goede Piloten.‟ Ein neuer Beweis, wie man in Holland +Lootsman und Pilot neben einander gebraucht hat. Vergl. auch Waghenaers +Segelanweisung für Brest: „Oock meucht ghy van daer innewaerts seylen +voor den hauen van Brest, maer daer leyt een Clippe ghenaemt de Bagyne +recht binnen d'Oosthoeck van Croixduynen af, ontrent Midtswater aen de +Noortzyde ist best daeromme te loopen. Voorts die inde hauen van Brest +oft Landerneau wil wesen, moet schicken Lootsluyden in te cryghen wantet +Lootsmans water is.‟</p> + +<p class="footnote"><a id="fn3"></a><a href="#Mal3" class="label">[3]</a> Diese Sätze sind am 17. Dezember 1900 geschrieben, am Tage, +ja in der Stunde, da die Nachricht vom Untergang S. M. S. „Gneisenau‟ +einging.</p> + +<p><span class="strong1">Löschen</span>, die Ladung des Schiffes an Land bringen. — Bei dem +neuhochdeutschen Zeitwort löschen denkt man zunächst an Brennen, sei es +daß Holz oder Durst brennt. Eine Ladung löschen müßte demnach bedeuten, +daß sie brennt und daß dem Feuer gewehrt wird. Das seemännische Löschen +heißt aber eigentlich garnicht löschen, sondern lößen (und dieses ist +unser hochdeutsches lösen). Das wird im Niederdeutschen in sehr +allgemeinem Sinne gebraucht. Man sagt z. B. in Ostfriesland: eine Tür +lösen oder los machen anstatt öffnen, und gebraucht lößen für frei +machen, auslösen (vergl. Geld lösen, Erlös), befreien, entfernen, +trennen, scheiden, entbinden, entfesseln; „stenen, törf, kalen, rogge +etc. etc. lössen.‟ Die eigentliche Bedeutung von Löschen ist also: Die +Ladung vom Schiffe (los =) <span class="strong1">lösen</span> (entfernen, das Schiff entladen). +Gothisch liusan = los, frei machen, leicht machen, lichten. Aubin: „Een +ship lossen, Last lossen = Lichten, de goederen afschepen, outschepen, +ontlasten, ontladen, ontlossen. Teuthonista: loyssen = ontbinden. Bremer +Wörterbuch: „lossen, ein Schiff ausladen. Einige Oberländer sprechen +unrecht löschen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Lose</span>, die s. durcholen.</p> + +<p><span class="strong1">Loskiel</span>, der, „ist eine unter dem Kiel angebrachte Holzplanke, welche +mit demselben nur in solcher Weise verbunden wird, daß sie bei +Grundberührungen sich loslösen kann, ohne daß Leckagen entstehen. Sie +bietet also dem Schiff beim auf Grund Kommen einen gewissen Schutz‟ +(Dick u. Kretzschmer I. 85).</p> + +<p><span class="strong1">Loten</span>, die Tiefe des Wassers mit dem Lot messen, sei<a id="Page_308"></a> + <span class="pagenum">[308]</span> es mit dem +Handlot, sei es mit dem „großen‟ oder Tieflot. Ersteres ist die +häufigere Art, namentlich beim Einfahren in einen Hafen oder beim +Ausfahren aus demselben üblich, wobei der lotende Matrose die gelotete +Tiefe in Metern aussingt: „grade — das a sehr lang — fünfzehn! (wobei +dann genügsame Gemüter immer wieder mit dem Scherze kommen, fünfzehn sei +ja gar nicht grade) oder: „zwanzig Meter und keinen — das ei sehr lang + — Grund!‟ — Die Zahl der Meter ist an den verschiedenfarbigen in die +Lotleine eingeknoteten Streifen Zeug kenntlich. — Das niederdeutsche +lod heißt Blei, Lot ist also das Hochdeutsche „Senkblei‟. Die Sache +selbst ist eine uralte Einrichtung, vergl. die Beschreibung des Sturmes +Apostelgeschichte 27, 27 und 28; Luther hat die Stelle übersetzt: „Da +aber die vierzehente Nacht kam, und wir in Adria fuhren, um die +Mitternacht, wähneten die Schiffleute, sie kämen etwa an ein Land. Und +sie senkten den Bleiwurf ein und funden zwanzig Klafter tief, und über +ein wenig von dannen senkten sie abermal und funden funfzehn Klafter.‟ +Das griechische Zeitwort für „den Bleiwurf einsenken‟ heißt bolizo, von +ballo ich werfe; dem entsprechend bolis beides heißt: Wurfgeschoß und +Senkblei. Es ist klar, daß Bleiwurf viel treffender ist als Senkblei, +denn das Werfen, das Schwingen und dann möglichst weit nach vorne Werfen +des Bleies ist eine wesentliche Bedingung beim Loten. — Das Seebuch +(1400) nennt die Tätigkeit depen = tiefen, wie man jetzt wohl auch noch +sagt: „ein Fahrwasser austiefen‟, was nicht mit ausbaggern zu +verwechseln ist. — Der lotende Matrose steht außenbords, mittschiffs, +auf einer Gräting und muß sich bei seiner Arbeit sehr weit nach vorne +überbeugen um das Lot möglichst weit vom Schiff frei zu bekommen (hoher +Schwung und weites Werfen ist Ehrensache); daher ist er mit einer Art +von Schurz umgeben, der, am Schiffe befestigt, ihm Halt bietet und +<span class="strong1">Lotbrook</span> heißt. Die Leine heißt <span class="strong1">Lotleine</span>.</p> + +<div class="poem"> + + <p> Es trieben Südenwinde sie in die offne See,</p> + <p>Dem edlen Fahrtgesinde schuf es bitteres Weh,</p> + <p> Mit <span class="strong1">tausend Leinen</span> hätte es den Meergrund nicht gefunden,</p> + <p> Die besten Schiffer stöhnten; allen war der Mut dahingeschwunden.</p> + +</div> + +<p>Kilian hat „grond-loot, diep-loot, funis cum plumbo, quo fundus et maris +altitudo exploratur.‟ — Es bedarf kaum der Erwähnung daß das Senkblei +am Lande nicht als Lot zum Messen der Tiefe,<a id="Page_309"></a> + <span class="pagenum">[309]</span> sondern einer +lotrechten Linie dient. Überhaupt spielt Lot eine große Rolle, +namentlich als (Blei-)Gewicht und als (Blei-)Kugel; „jemand eene loden, +blaawe of huzaren boon geven‟: bleierne, blaue oder Husarenkugel. — +Italienisch heißt das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten +italienisch scandagliare (vom lateinischen scandere, messen); +mittellateinisch scandilia, die Sprossen der Leiter, wobei daran zu +denken ist, daß die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch +spanisch-portugiesisch sonda, französisch sonde = Senkblei, sonder die +Meerestiefe messen (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren. + — Waghenaer legt in seinem „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588, ganz besonderes +Gewicht auf fleißiges und sorgfältiges Loten. Er nennt es manchmal +kurzweg „werfen‟. „Twee kenninghen buyten Heys werpt gy 45 vadem‟; +manchmal auch tiefen, diepen: „Dicht by Heyssant ist diep 45 vadem, en +daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.‟</p> + +<p><span class="strong1">Lose</span>, die s. holen.</p> + +<p><span class="strong1">Luftkasten</span>, der. Luftkästen sind ein wesentliches Erfordernis eines +Rettungsbootes, nämlich die Träger desselben durch Brandung und hohen +Seegang. Sie müssen das Boot auch dann noch über Wasser halten, wenn es +voll Wasser geschlagen ist. Es sind bei unseren Rettungsbooten neuester +Art, die eine große Stabilität haben und doch leicht sind, weil aus +verzinktem kannelierten Stahlblech gebaut, den sogen. deutschen +Rettungsbooten, wie sie die „Deutsche Gesellschaft zur Rettung +Schiffbrüchiger‟ verwendet, kupferne Kästen zu beiden Seiten des +Stechschwertes, die, wasserdicht verlötet, im Verhältnis zum Boot die +Größe haben, die für den angegebenen Zweck erforderlich ist. Auf anderen +Rettungsbooten, z. B. dem englischen life-boat, sind nicht nur zu beiden +Seiten, sondern auch hinten und vorn solche Luftkästen, air-cases, +angebracht. Sonst dienen auch einfach doppelte, hohle Bordwände dem +Zwecke größerer Stabilität.</p> + +<p><span class="strong1">Luftzuführung</span> s. Windsack.</p> + +<p><span class="strong1">Luftsack</span> s. Windsack.</p> + +<p><span class="strong1">Luk</span>, das, auch <span class="strong1">Luke</span>, die, eine viereckige Öffnung im Deck die als Zugang +zu dem betreffenden Deck dient; früher mit einer Falltür verschließbar, +im modernen Eisenschiffbau wohl durch eine eiserne Schiebeklappe zu +verschließen. Wiewohl man Luke gewöhnlich nach dem Augenschein für eine +Öffnung ansieht<a id="Page_310"></a> + <span class="pagenum">[310]</span> und auch als Öffnung erklärt, so hat doch nicht +diese, sondern im Gegenteil das Verschließen, die Verschließbarkeit den +Namen hergegeben, das Wort hat nämlich nichts mit Loch zu tun, sondern +kommt von einem Zeitwort das schließen bedeutet, gotisch lukan, +althochdeutsch luhhan, altnordisch luka, altfriesisch luka, altsächsisch +lukan, angelsächsisch lucan, altenglisch luken, englisch lock, +nordfriesisch loke, luka, laka; im Saterland luka, mittelhochdeutsch +luchen, niederländisch luiken. Der Grundbegriff aller dieser Wörter ist +aber ziehen, unser niederdeutsches, noch jetzt im allgemeinen Gebrauch +stehendes luken = ziehen. Das Verschließen einer Tür ist ja vor allen +Dingen ein Zuziehen derselben. Aber an eine Tür war am Morgen der +indogermanischen Sprache, als das Wort geschaffen wurde, noch nicht +gedacht, vielmehr ist der Ausdruck dem Leben der Hirten und einfachsten +Ackerbauer entnommen, und zwar von einer ganz bestimmten Vorrichtung, +nämlich einer durch Querstangen verschließbaren Umzäunung, Umhegung von +Weideplätzen, von Hürden und Pferchen. Die wurden einfach dadurch +verschlossen, daß eine Stange vor die Öffnung geschoben wurde; wurde die +Stange wieder zurückgeschoben, so war der Raum wieder offen. Dasselbe +Bild stellt sich uns dar, wenn wir an den ältesten Verschluß von Türen +und Fensterläden denken: es war kein Schloß, sondern ein Riegel, der +hin- und hergeschoben wurde. Die Stange, der Riegel wurden also geluckt, +d. h. hin- und hergezogen oder geschoben, denn luken heißt ziehen und +schieben. Je nachdem nun die Stange oder der Riegel hin- und +hergeschoben wurde, war der Raum offen oder zu: daher schreibt sich +dieses immer wieder hervortretende Schwanken der Bedeutung von luken +zwischen schließen und öffnen, offenbar auch die von Luk, Luke zwischen +Öffnung und Verschluß. — „Das Luk‟ scheint zu veralten; „die Luke‟ mehr +in Aufnahme zu kommen. Ausschließlich wird letzteres Geschlecht +gebraucht in der oft gehörten Redensart: „Guckst Du mich aus <span class="strong1">die</span> Luke?‟ +Sie wird gebraucht, wenn man jemanden erkannt hat in seinen Absichten +und ihm in der ersten Überraschung solchen Erkennens mitteilt, daß er +„erkannt‟ sei.</p> + +<p><span class="strong1">Luv</span> meist, wie Lee, ohne Artikel. — Es sind auffallend wenig +Erklärungsversuche an dieses Wort herangetreten, gleichsam als ob sich +an das schwierige Wort niemand so recht herangetraut hätte. Und es ist +doch ein so wichtiges Wort für den<a id="Page_311"></a> + <span class="pagenum">[311]</span> Seemann. Wir müssen vor allen +Dingen von der Frage ausgehen: Was ist Luv? Was will es sagen? Von +welcher Anschauung mag die Benennung ausgegangen sein? Und da ist vor +allen Dingen zu bemerken, daß Luv die Seite ist von der man mit dem +(Segel-)Schiffe herkommt, also die Seite die man auf der Fahrt nach Lee +zu hinter sich zurückläßt. Das stimmt zwar jetzt wo man „beim Winde‟ zu +segeln gelernt hat, nicht mehr ganz, in alten Zeiten aber, wo bei der +unbeholfenen Segelführung an ein Aufkreuzen nicht zu denken war, sondern +nur mit raumen Winde Kurs gehalten werden konnte, da stimmte es. Man +erklärt Luv jetzt gewöhnlich als die Seite, von der der Wind kommt, die +Windseite. Das ist auch richtig. Aber eben so richtig ist, oder war es +doch, zu sagen, die Seite wo das Schiff herkommt, oder die Seite die das +Schiff auf seiner Fahrt hinter sich zurückläßt. Und dieser Begriff des +Zurücklassens dürfte ausschlaggebend gewesen sein. Das Zurückgelassene +heißt im Angelsächsischen laf. Im Beówulf kommt das Wort oft vor und +bedeutet neben dem Zurückgelassenen den Nachlaß, das Erbe, besonders +auch als vorzüglich kostbaren Gegenstand der Vererbung: das Schwert; +echt dichterisch ist auch die Wendung sweorda laf, die das Schwert +zurückgelassen hat, die vom Schwerte in männermordender Schlacht +verschont geblieben sind. — Dem entsprechend heißt im Altfriesischen +leva, lewa, relinquere, nachlassen, davon lawa, Glaube; lawa, Gesetz, +lawa, Erbe; allen dreien ist der Begriff gemeinsam: Zurückgelassenes, +Restierendes, der Nachlaß; das was bleibt, wenn alle im Laufe der Zeiten +dahingehen, das Dauernde, Feste, zu Haltende, Unvergängliche, +Unverletzliche. Aber die Grundbedeutung ist zurücklassen. Dem entspricht +im Gotischen laiba, Überbleibsel, althochdeutsch leiba. Im Seebuch, +1400, tritt dann das Wort in seemännischer Bedeutung auf, und zwar in +der Form loff. Daneben aber laufen im Sprachgebrauch der Zeit lof = +Windseite und lova, louwe = Hinterlassenschaft, loven, leven, +zurücklassen. In einer unter Lee angeführten Stelle war gesagt, daß den +Dänen und Lübeckern alles thoiegen und sie in der lehe waren; es heißt +dann weiter: „Auerst de leve gott gaff gnade, dat de wind umbginck und +de Denen und Lubeschen den loff kregen.‟ Es war altes ostfriesisches +Landrecht: „Woir dat de frouwe ein man nimpt und tuigt ein Kind by em +unde se stervet tho voeren und dat Kint darna, so soelen broedere +und<a id="Page_312"></a> + <span class="pagenum">[312]</span> sustere de lova gelieke antasten.‟ — In dieser letzteren +Bedeutung ist das Wort beinahe ganz dem Sprachgebrauch entschwunden; +sollte es darum sein, daß es von dem seemännischen verdrängt worden +wäre? Denn das Seemannswort hat sich immer mehr Bahn gebrochen. +Niederdeutsch lof, niederländisch loef, daher französisch lof und +louvoyer; in Groningen loof, auf Wangerooge lauv; dänisch luv, +schwedisch lofven. Der Vokal ist schwankend; die Physiologie der +Lautbildung lehrt, daß Vokale immer schwankende Laute sind. Ein wenig +mehr a- oder o- oder u-Lautfarbe macht also nichts aus; ja wer dem +Seemann genau auf den Mund sieht, der kann wahrnehmen, wie Luv, das für +gewöhnlich lang ist — das Zeitwort luven ist immer lang — , oft aber +auch sehr kurz ausgesprochen wird und dann leicht auch heute noch zu dem +alten Klange lov zurückkehrt, ja in lav überspringt, welch letzteres ja +dann auch das ursprünglichere ist. Das Schwanken der Orthographie +zwischen f und v ist selbstverständlich. Sprachlich steht also der +Verwandtschaft nichts im Wege. Sachlich, wenn man an die alten Zeiten +denkt, auch nicht. Doch ist zuzugeben, daß der Begriff sich in der +neuzeitlichen Seemannssprache unter dem Einfluß der neuzeitlichen, +verbesserten Segelführung etwas verschoben hat, namentlich der des +Zeitwortes luven, das unter Umständen jetzt so ziemlich das Gegenteil +von zurücklassen, nämlich entgegenkommen bedeuten kann, besonders als +anluven. Aber das liegt in der Natur der Sache. — Übertragen sagt man: +„er luvt nicht darauf‟, d. h. er hört nicht, gehorcht nicht, tut nicht +was ihm gesagt wird; vom Luven des Schiffes hergenommen; „das Schiff +luvt‟, es gehorcht dem Ruder und geht mehr nach dem Wind. — Im +Englischen heißt die Seite von der der Wind herkommt windward; diesen +Ausdruck hatte man früher in der deutschen Seemannssprache auch. Der +Verfasser der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ war, (s. +Schönfahrsegel) von seinem venetianischen Schiffe kurz vor der +Pulverexplosion über Bord gesprungen. „Wie ich nun gedachte nach dem +Admiral zu schwemmen, muß ich es allezeit gegen die See halten, weil er +zu <span class="strong1">Windwärts</span> von mir war; Wen ich aber auff die See kam, lieff mich die +Rabbeling (wohl verdruckt für Kabbeling) vom Wasser übers Häupt, so, daß +ich nicht sehen konte, und weil zu zweyen mahlen einige Kordusen +(Kartuschen) durch Unvorsichtigkeit waren in Brand<a id="Page_313"></a> + <span class="pagenum">[313]</span> gekommen, +wodurch ich ziemlich kahl war versenget, waren mich auch die Augen davon +hitzig geworden, so daß ich kein Saltzwasser in den Augen vertragen +konte.‟ — Doch kannte neben „windwärts‟ der Verfasser der „Beschriving‟ +auch sehr wohl den Ausdruck „luv‟, jedoch natürlich in den +niederdeutschen Formen lof und loff. Die Stelle, in der die Ausdrücke +vorkommen, ist so lehrreich für die Kenntnis der Seefahrt jener Zeit, +daß sie hier Aufnahme finden möge. „Mich hat auch gut gedünkt etwas zu +melden, wie ein Schiffer, der in der West- und Mittelländischen See +nicht wol erfahren, und allda einige Örter besegeln müßte, sich hat +vorzusehen, daß er nicht in der Heyden (Seeräuber) Gewalt kommen möge. + — Wenn nun ein Schiffer ümbtrent in der West- oder Middelländischen See +seine Feinde gewahr würde, so sol er nicht verzagen, sondern sich Gott +und seiner gnädigen Vorsorge anbefehlen. Kan ers entlauffen, umb unters +Land sich zu salvieren, oder daß er wans finster wird, sein Kurß kan +forsetzen, so tue ers in der Zeit, wo nicht, und daß sein Schiff etwas +bewehret ist, so tue er sein bestes, und setze seine Segel daß er <span class="strong1">lofen</span> +und tragen (Richtung) halten kann; Nemblich dem grossen Halß zu, und +gehe mit halben Wind, daß alle Segel ziehen können, und ob er ja sein +Kurß deßwegen verändern müßte, so wil es doch nicht anders seyn, ihr +könnet ihn aber lang vexieren und auffhalten; ehe und bevor er euch kann +an Bort kommen; Denn, wo er nach euch zu kompt, umb euch an Bort zu +legen, so müsset ihr auffdauwen (niederdeutsch touwen = eilen) und ihn +das hinterste zukehren, doch nicht eher und bevor er euch bald an Bort +ist, und gebet allezeit Feuer, Gott kan es endlich so schicken, daß ihr +einen glücklichen Schuß tut, dadurch ihr dennoch endlich ihm entkommen +möchtet; Weil ich nun bey solchen Handel selbst mit gewesen; da es uns +gelungen, also hab ich den günstigen Leser hiermit zur Nachricht dienen +wollen. Es war Anno 1645 ungefehr zwischen Cap S. Vincent und S. Hubes +Huck 8 Meilen von dem Wall, da kamen auff uns zu fünff Türkische +Schiffe, weil wir aber sahen, daß wir gegen sie nicht fechten konten; +den wir nicht mehr dann zehn Stücken und noch ein Hamburger so bey uns +war sechs Stücken auff hatte, täten wir unser bestes und machtens wie +vor gedacht, daß wir mit halben Wind voraus lieffen, einer aber unter +ihnen war eine Hollandische Fregat mit 28 Stücken Geschütz +gemondiert,<a id="Page_314"></a> + <span class="pagenum">[314]</span> der siegelte uns endlich auff, und lieff den +vorgedachten Hamburger vorbey, weil derselbe hinter uns anhielt; den der +Türcke gedacht uns erst an Bort zu legen, der Hamburger würde den andern +nicht entlauffen. — Wie er aber näher kam, kehrten wir ihm daß hinter +Schiff zu, und paßten auff, daß wir ihn mit unserm hintern Geschütz, so +neunpfündige Kugeln schoß ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford +wieder an, der Türcke aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus, +er folgete uns aber wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir +machtens aber wieder wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben +auch indem auf ihn Feuer, traffen ihn also, daß sein Vormarssegel nicht +allein von oben nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern +auffrisse, dadurch er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der +Vice-Admiral aber von den Türcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu +legen, der ihn auch solches verdrehete und ihm daß Hinterschiff +zukehrte, daß dem Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing, +derowegen konnte er sein Segel nicht schrab (fest) setzen, daß er uns +ferner verfolgen konnte; die andern drey so noch zurücke waren, schossen +zwar mit ihren Bochstücken hinter uns an, welches ihn zurücke hielt, und +was wir hinter aus schossen, foderte uns, so, daß wir endlich vor ihm +das Land bekamen, sie aber dürfften dem Land nicht so nahe kommen, weil +der Vice-Admiral durch sein Bochspret redloß war, derhalben musten sie +uns endlich verlassen, wir aber gingen längst dem Wall nach S. Hubes, +umb allda erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach +S. Lucas zu suchen, dahin unser Wil war.‟</p> + +<p><span class="strong1">Luvart</span> kommt in der Verbindung zu luvart häufig als Bezeichnung der +Richtung vor aus der der Wind kommt. „Das Schiff segelt zu luvart von +uns‟; Gegensatz: „Das Boot fährt in Lee von uns‟. Die Präposition zu ist +fälschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die +Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewußtsein hatte. Dieses Wort +heißt nämlich eigentlich luvwärts und ist über luvwart zu luvart +geworden, doch so, daß von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu +hören ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlässiger luvert +ausgesprochen wird. Die Form „luvwart‟ ist bezeugt als „Loffwart‟ in der +„Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673; der Verfasser trieb +schwer havarirt in einem Novembersturm<a id="Page_315"></a> + <span class="pagenum">[315]</span> in der Nordsee: „Wir sahen +auch ein Schiff zu <span class="strong1">Loffwart</span> von uns; liessen derowegen ein Schau oder +Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Luvgierig</span> ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug +dem Winde zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen +Stauens der Ladung oder verkehrter Segelführung. Die beiden letzteren +Ursachen lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler läßt +sich nichts weiter machen, als daß man mit Ruderführung und +Segelstellung die Luvgier zu heben sucht. — Das Gegenteil nennt man +leegierig; dabei fällt das Schiff allzuleicht ab und ist schwer beim +Winde zu halten.</p> + +<p><span class="strong1">Luvküste</span>, die, s. Upperwall.</p> + + + + +<h2> +<span><a id="M"></a>M.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Maat</span>, der. Bei der Kaiserlichen Marine heißen die Männer, die man bei +der Armee Unteroffiziere nennt Maate, die Sergeanten Obermaate, und +werden je nach ihrem Dienstzweig noch näher bestimmt als Bootsmannsmaat, +Feuerwerksmaat, Steuermannsmaat, Wachtmeistersmaat, Maschinistenmaat, +Feuermeistersmaat, Meistersmaat, Materialienverwaltersmaat, +Artilleristenmaat u. s. w., das sind dienstliche Titel. Eine +vorübergehende Beschäftigung hat der Stewardsmaat, ein Matrose, der zur +Unterstützung des Stewards befohlen ist. Dieser letztere Maat ist aber +der eigentlichen allgemeinen Bedeutung des Wortes nach der richtige +Maat, denn das Wort bedeutet einen Gehilfen, Gesellen, Genossen, +„Assistenten‟. Kilian übersetzt maet mit socius, collega, hat auch die +überflüssigerweise erweiterte Form med-maet, wie man im +Mittelniederdeutschen die pleonastische Form mategeselle hatte. +Niederländisch maat, maatschappy, Gesellschaft. Englisch mate, Genosse, +Gefährte in so allgemeinem Sinne, daß es sogar husband oder wife +bezeichnen kann; auf Handelsschiffen der Steuermann, auf Kriegsschiffen +wie bei uns. Nach dem Bremer Wörterbuch heißt dorten ein Kamerad maat; +es nennt auch ein Mädchen das andere das neben ihm in <span class="strong1">einem</span> Hause dient +maatske. Maat ist Verkürzung des althochdeutschen gimazo, das ist einer, +der mit einem anderen zusammen<a id="Page_316"></a> + <span class="pagenum">[316]</span> die Speise, maz, verzehrt, ein +Mitspeisender, Mitesser, Tischgenosse, und zwar Genosse in seiner +ursprünglichen Bedeutung von „zusammen etwas genießen‟, d. h. essen. Das +alt- und mittelhochdeutsche maz, gothisch maths, altnordisch matr, +englisch meat heißt Speise, Nahrung, Essen, besonders zum Essen +bestimmtes, zartes, schieres, weiches, gehacktes Schweinefleisch; +niederdeutsch met, so daß also Maat und Mettwurst zusammengehören. — +Alle in Nowgorod sich aufhaltenden fremden Kaufleute waren in Haus- und +Tischgenossenschaften abgeteilt; eine solche wird in einer Hansa-Urkunde +des 14. Jahrhunderts mascop genannt; sonst heißt aber dieses Wort in +jener Zeit matscop und matschop, also ähnlich dem angeführten +maatschappy. In einer Lübecker Urkunde von 1347 heißt es: „Laten jo sere +dancken, dat gy osen vrent onde osen math, heren W. hebbet vrentliken +wedderdan sinen schaden.‟ In der Lübecker Chronik lesen wir: „Biscop +Engelbert van Colne wart dot gheslaghen van greven Vrederike van Altena, +de syn man was unde sin maath.‟ Doch war schon immer, so lange wir +schriftliche Aufzeichnungen niederdeutscher Seemannssprache besitzen, +das Wort maat in besonderem seemännischen Gebrauch. 1379: „Jtem dat B. +syn knape sluch to der Sluus opt dat lant enen maten schipmann vor de +noeze, dat he bloede.‟ 1564: „Darna Jacob geropen: mathe, wor syn ghy? +helpet uns pumpen.‟ 1580: „Gerth sy houetbossmann unde Erasmus +houetbossmanns mate gewesen.‟ 1580 also begegnet uns zum ersten Male der +Bootsmannsmaat.</p> + +<p><span class="strong1">machen</span> wird im seemännischen Sinne nicht nur für „zurücklegen einer +Strecke‟ gebraucht, z. B. wir machen neun Knoten oder Meilen, es heißt +auch erreichen, in Sicht bekommen, anlaufen; z. B. wir machen Rio, sie +machten Cap Skagen; genau wie im Englischen, „they that sail in the +middle can make no land of either side.‟ Es ist hier ganz allgemein +„etwas zu Stande bringen‟, ähnlich wie in dem vor einigen Jahren wie +eine Krankheit grassierenden „m. w.‟ = „machen wir.‟</p> + +<p><span class="strong1">macklig</span>, richtiger macklich, denn es kommt von machen, niederdeutsch +maken und bedeutet etwas, das so gemacht ist wie es gemacht sein muß um +recht gemacht zu sein und damit man etwas Rechtes damit machen kann; +also etwas Zweckentsprechendes, Brauchbares, Bequemes, Handliches wird +man macklich nennen. „Der Hammer ist macklich‟, d. h. er liegt gut in +der Hand, man<a id="Page_317"></a> + <span class="pagenum">[317]</span> kann bequem damit arbeiten, „der Riemen ist +macklich‟, man kann bequem damit rudern. Macklich ist besonders im +seemännischen Sinne auch das „was seemännisch gut gehalten ist‟, vor dem +Auge eines Seemannes Gnade findet. Ein echtes, rechtes nach Salzwasser +riechendes Seemannswort, das aber bei neumodischen Seeleuten anfängt zu +veralten. Vielleicht vom althochdeutschen Substantivum gimah (= Gemach, +Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemächlichkeit, Ruhe, +Pflege, häusliche Bequemlichkeit, wohnliche Räumlichkeit, Zimmer wo man +sichs bequem macht) oder vielmehr vom niederdeutschen gemak, im gleichen +Sinne, vergl. das Sprichwort: „frejen (freien) under en dak, is'n grot +gemak‟ abgeleitetes, jedenfalls aber von maken = machen abstammendes +Adjectivum.</p> + +<p><span class="strong1">Maifeld</span>, das, heißt bei nautischen oder architektonischen Messungen, +besonders beim Hafenbau, der gewachsene Boden des festen Landes im +Gegensatz zum Wasser. Und zwar nicht eigentlich der gewachsene Boden, +sondern seine bewachsene Oberfläche, besonders als Wiese gedacht, als +ein Feld das gemäht wird. Mähen heißt niederdeutsch maien; das +niederdeutsche Maifeld hat also mit dem Wonnemonat nichts zu tun, +sondern bedeutet Mähfeld. Doornkaat: „Ein zum Mähen oder Grasschneiden +bestimmtes oder liegen gebliebenes Feld oder eine Wiese.‟</p> + +<p><span class="strong1">Makler</span>, der, Schiffsmakler, auch Mäkler, ein Unterhändler in +Schiffsangelegenheiten, bei Käufen und Verkäufen, Ausrüstungen u. s. w. +Das Wort kommt von machen, niederdeutsch maken, und zwar von dem +Iterativum dazu makeln. Man kann es ins Hochdeutsche übersetzen mit +„Macher‟ im Sinne von Gelegenheitsmacher, Heiratsmacher oder +-Vermittler, letzteres ostfriesisch makesman. — Insofern ein Vermittler +eines Kaufes unter Umständen bestrebt sein muß, um die Sache zu stande +zu bringen, den Gegenstand des Handels schlecht zu machen und allerlei +daran auszusetzen, „mäkelt‟ er daran herum, „bemäkelt‟ er sie.</p> + +<p><span class="strong1">mallen.</span> Wegen des Übrigen s. abmallen; hier nur die Erklärung (nach Dick +und Kretschmer) was „gemallte Tiefe‟, moulted depth, bedeutet, nämlich +bei eisernen Schiffen die vertikale Entfernung der Oberkante des oberen +Deckbalkens des Vermessungsdecks bis zur Oberkante des Kiels; bei +hölzernen Schiffen die Entfernung der Oberkante der Oberdeckbalken bis +zur Unterkante der Kielsponung.<a id="Page_318"></a> + <span class="pagenum">[318]</span></p> + +<p><span class="strong1">„Mann über Bord!‟</span> Ein Ruf, der sofort wie mit einem elektrischen Schlage +das ganze Schiff in Bewegung bringt. Ist ein Mann über Bord gefallen, so +ist das Nächste, ihm eine Rettungsboje zuzuwerfen und das Schiff zum +Stillstand zu bringen; was bei einem Segelschiffe keine so ganz einfache +Sache ist. Aber in diesem Falle werden die notwendigen Arbeiten seitens +der Leute stets mit besonderem Feuereifer ausgeführt, so daß es einer +Anspornung nicht bedarf. Es ist als ob jeder das Gefühl hätte, daß von +seiner Bemühung das gefährdete Menschenleben abhänge.</p> + +<p><span class="strong1">Mamiering</span>, die. Ein Schlauch aus wasserdichtem Segeltuch, der über eine +Röhre gestreift und daran befestigt ist, zum Zweck die durch die Röhre +fließende Flüssigkeit weiter zu leiten. Offenbar steckt in der ersten +Silbe das niederdeutsche mau = Ärmel, aber eigentlich nicht Ärmel in +unserem Sinne, in dem ein solcher festgenäht ist, sondern loser Ärmel, +wie man ihn früher über den Arm streifte. So heißen heute noch im +Niederdeutschen die Pulswärmer, die auf den Unterarm gestreift werden, +Muffen, was mit mau nahe verwandt ist; auch heißt Muffe ein eiserner +Ring, der über die Verbindungsstelle zweier eiserner Rohre zur stärkeren +Befestigung und Dichtung gestreift wird. Es liegt eine Wurzel zu Grunde, +die mu lautet und drängen oder schieben bedeutet, von der auch das +lateinische moveo, ich bewege, kommt. Der Begriff des Überstreifens ist +also in mau gegeben; miering dürfte aus meren = verlängern gebildet +sein, mit der niederdeutschen Endung ing: eine Verlängerung stellt die +Mamiering ja unzweifelhaft dar, eine Verlängerung der Ausflußröhre, auf +die die Mamiering ärmelartig aufgestreift ist. So müßte das Wort +eigentlich maumering heißen; unter dem Einfluß der Zusammensetzung ist +aber die erste Silbe durch Ausfallen des u gekürzt, die zweite aber +unter dem Einfluß der Endung ing assimilierend in i umgelautet.</p> + +<p><span class="strong1">Manilaleine</span>, die, ein sehr leichtes, aber festes und haltbares, sauber +und reinlich aussehendes Tauwerk; „dasselbe zeichnet sich vor dem +Tauwerk aus gewöhnlichem Hanf durch größere Geschmeidigkeit, Elasticität +und Dehnbarkeit sowie durch größere Unempfindlichkeit gegen +Schamfielungen aus. Diese Vorteile im Verein mit dem Umstand, daß es auf +dem Wasser schwimmt, machen es besonders geeignet zu Verholtrossen.‟ +(Dick und Kretschmer, II. 3). Gefertigt aus Manilahanf, der Faser<a id="Page_319"></a> + <span class="pagenum">[319]</span> +einer hauptsächlich auf den Philippinen wachsenden, von Manila +ausgeführten musa-Art, genannt musa textilio. Sie ist nahe verwandt mit +der musa sapientum oder paradisaica, die wir besser unter dem Namen +Banane kennen, und mit der musa, die sich in unseren Gärten auf +Rasenflächen als Solitärpflanze so vornehm ausnimmt.</p> + +<p><span class="strong1">Manöver</span>, das, eigentlich Handwerk, Handarbeit, französisch manoevre, +italienisch manovra, spanisch maniobra, provençalisch manobra, +mittellateinisch manopera, vom lateinischen manus, Hand und opera, +Arbeit. — Jetzt im seemännischen Gebrauch jede größere +gemeinschaftliche auf Kommando ausgeführte Arbeit zur Bedienung des +Schiffes oder zur Ausbildung der Leute. Das erste Kommando dabei heißt: +„Klar zum Manöver!‟ sei es, daß ein Teil der Wache, die ganze Wache, +alle Mann gewünscht werden, was dann dem Worte klar vorangehend näher +bezeichnet wird. Den Höhepunkt aller Einzelmanöver bilden die großen +Herbstmanöver, bei denen eine ganze Flotte sich zu gemeinschaftlichen +Übungen versammelt.</p> + +<p><span class="strong1">mannen</span>, ein Boot, ein Schiff bemannen, mit Mannschaft versehen, +namentlich auch mit Kriegsmannschaft. Im Mittelniederdeutschen hieß es + — natürlich nur für den weiblichen Teil — heiraten: „Dit en secge ic +nicht allene van den wiuen, de ghemannet syn, mer oec van den megheden, +de noch mannen willen, onde dat schynt, dat eyn gemannet wyf beter is +dan eyn maghet, de noch mannen sal.‟ Seemännisch spricht man von mannen +im Sinne von: „von Mann zu Mann weiter geben‟; Schiller: „durch der +Hände lange Kette, um die Wette, fliegt der Eimer‟ ... daher +Geschoßmanner, Pulvermanner etc. etc.</p> + +<p><span class="strong1">Mannloch</span>, das. Womöglich soll man im Schiff, auch bei den jetzigen +labyrintartigen Raumverhältnissen, an jede Stelle, auch an solche, die +für gewöhnlich unzugänglich ist, zur Vornahme gewisser Arbeiten wie +Malen, Reinigen etc. gelangen können. Dazu sind in den sonst dichten +Wänden kleine verschließbare Öffnungen angebracht, grade so groß, daß +ein Mann hindurchkriechen kann; sie heißen Mannlöcher.</p> + +<p><span class="strong1">Mantel</span>, der. Dieses aus dem lateinischen mantellum stammende Lehnwort +wird bekanntlich nicht nur zur Bezeichnung eines Kleidungsstückes für +Menschen, sondern überhaupt im Sinne von Schutzkleid, Schutzbekleidung, +sei sie von Holz, Stein oder<a id="Page_320"></a> + <span class="pagenum">[320]</span> Eisen, gebraucht. So hat man an Bord +einen Schornsteinmantel und im neuesten Rettungsboot ist am Ruder ein +metallener Mantel angebracht, der beweglich ist und bei schwerem Wetter +als Verlängerung des Ruders herabgelassen wird, damit auch bei schwerem +Wetter und hohem Seegang das Ruder nicht wirkungslos in der Luft +schwebe. — Siehe auch „Mantel und Takel.‟</p> + +<p><span class="strong1">„Mantel und Takel‟.</span> In dieser Verbindung bedeutet Mantel ein +feststehendes starkes Tau und Takel einen Block mit Scheibe und Läufer. +Breusing im Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 1876 S. 5 sagt: +„Mantel ist das italienische Wort amanti, das spanische amantillos, das +portugiesische amantilhos. Man hatte vergeblich nach der Herkunft +desselben gesucht, bis uns Böckh in seinen „Urkunden über das Seewesen +des attischen Staates‟ gelehrt hat, daß es im Mittelalter aus dem +altgriechischen Worte himantes verderbt sei.‟ Darnach hätten wir in +diesem Mantel eine volksetymologische Umbildung vom italienischen amanti +und Anlehnung an Mantel zu sehen.</p> + +<p><span class="strong1">Manntau</span>, siehe Laufstag.</p> + +<p><span class="strong1">Marine</span>, die, das Seewesen, besonders das Seekriegswesen. Es ist zwar +unter Marine auch die Handelsschiffahrt mit einbegriffen, doch muß dies +besonders kenntlich gemacht werden, „Handelsmarine‟; wenn keine +besondere Unterscheidung hinzugefügt wird, so ist Kriegsmarine zu +verstehen, („Mein Sohn will zur Marine‟, d. h. er will Seeoffizier +werden) was schon aus der Bezeichnung „Reichs-Marine-Amt‟, +Marine-Offizier hervorgeht. Was dieses letzte Wort betrifft, so ist +Marine-Offizier der weitere Begriff, auch die Offiziere der +Marine-Infanterie, die Sanitäts-Offiziere, Ingenieure u. s. w. +umfassend, während diejenigen Offiziere die man im Binnenlande +Marine-Offiziere nennt, sich selbst als „See-Offiziere‟ bezeichnen. +Unkundige Leute, die einen Bootsmannsmaaten nicht von einem Matrosen, +geschweige denn von einem Feuerwerksmaaten, unterscheiden können, helfen +sich in unseren Seestädten mit der allgemeinen Bezeichnung „Mariner‟; im +Binnenlande sagt man im gleichen Falle, zum Unterschied von einem +Matrosen, bei dem man zunächst an einen Handelsmatrosen denkt, +„Marinesoldat‟. — Während bereits im Altenglischen die Form mariner +vorkommt, ist Marine bei uns zum ersten Male 1728 von Sperander à la +mode-Sprache der Teutschen gebucht. — Vom lateinischen Adjektivum +marinus, das Meer<a id="Page_321"></a> + <span class="pagenum">[321]</span> betreffend. — (Marinieren heißt eigentlich +„Seegeschmack geben‟.) — Von diesem ward im Mittellateinischen +marinarius gebildet, woraus das italienische marinaro, das französische +marinier, das englische marine entstand und auch das mittelhochdeutsche +marinaere und abgekürzt marner. — Das sae-man im Beówulf bedeutet nur: +„Krieger zur See‟.</p> + +<p><span class="strong1">marlen</span> heißt zwei Dinge durch Marlschläge mit Marlleine mit Hilfe des +Marlspiekers mit einander verbinden, z. B. das Segel an sein Liek +festnähen. Ein Marlschlag entsteht, wenn man die Marlleine so um ein Tau +etc. etc. legt, daß der Schlag das lose Ende festhält, so daß es sich +nicht aufwickeln kann; was den Vorteil hat, daß, wenn einmal die +Marlleine irgendwo bricht, nicht die ganze Leine aufgeht, sondern nur +die Bruchstelle. Marlen nennt man auch das Verbinden von Tauwerk mit +(altem) Segeltuch zum Schutz vor Nässe, doch ist dieses nicht mit +Trensen oder Schmarten zu verwechseln. Der Marlspieker wird, weil r vor +l für viele Zungen allzuschwer ist, so daß mancher Karl seinen eigenen +Namen nicht aussprechen kann, meist Malspieker ausgesprochen und in +Marlleine wird wohl das eine l als überflüssig ausgelassen, „marlin‟. — +Marlen ist Iterativum (marrelen) zu marren, merren = festbinden, binden, +befestigen; Teuthonista: merren; im Niederländischen wird der +Mistelzweig marrentakken genannt, „dewyl men met de plant, om hare +taaiheid maren, dat is binden kan.‟ Französisch heißt die Marlleine +merlin, und davon ist das Zeitwort merliner = marlen gebildet, also ein +recht unnötiger Umweg. Übrigens hieß die Marlleine im +Mittelniederdeutschen marling und sogar marlink. „Item so scholen ock +nene segelmaker to Kope hebben marlinge, husenge segelgarne to der +schipper behuff, sundern scholen dat halen van den repern.‟ Lübecker +Zunftrecht. Insonderheit hieß auch der Strick, an dem einer gehenkt +wurde marling. Der alte Chronist Eggerik Beninga erzählt, daß zu König +Radbods Zeiten ein Jüngling, der bereits tot am Galgen hing, durch des +Missionars Wulfram Gebet wieder erweckt wurde, „und de Ketting und +Marling sinnen tho bracken, de jungeling is thor erden gefallen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Mars</span>, der: „Mastkorb.‟ Oft genug sind Binnenländer, die von einem +Mastkorb sprachen, mitleidig über die Achsel angesehen worden, „als ob +der Mars ein Korb wäre, damit hat er ja nicht die geringste +Ähnlichkeit‟! Und doch hat Mastkorb seine<a id="Page_322"></a> + <span class="pagenum">[322]</span> volle Berechtigung. +Früher ist er wirklich ein Korb gewesen, ein einfacher schlichter Korb, +der mächtige Bau den wir jetzt Mars nennen. Der niederdeutsche Seemann +sagt Märs oder Mers und beweist auch hier wieder sein zähes Festhalten +am Ursprünglichen. Daß er „die‟ Mers sagt hängt nicht nur mit der +niederdeutschen Unbestimmtheit des bestimmten Artikels zusammen, sondern +mag noch eine ferne Erinnerung an merx, die Ware, Kaufmannsware sein, +aus der Mers sich entwickelt hat. — Im Mittelalter hatte das aus Italien +nach Deutschland gekommene Institut des Feilbietens im Umherziehen, des +Klein- und Hausierhandels, eine große und wichtige Bedeutung; es war +„Handel <strong>und Wandel</strong>‟. Wie so manches andere Kaufmannswort brachte der +wandernde deutsche Händler das Wort merx aus Italien mit über die Alpen +und gebrauchte es in der Form meersse, mersse, mers. Heißt doch heute +noch im Französischen und im Munde und auf den Schildern deutscher +Ladeninhaber Kramhandel mercerie, oft in Verbindung mit quincaillerie, +das, so französisch es auch aussieht, doch deutsch ist. Die mers nun, +die zum Hausieren bestimmte oder auch an den Straßenecken ausgebotene +Ware ward in Körben herumgetragen und feil gehalten. So nannte man bald +den Korb nach seinem Inhalte mers. Schon Kilianus sagt meersse, meers +heiße „Korf‟, corbis institutoris, canistrum institutorium, und zwar ist +institutor ein Mann, der irgendwo steht, um Sachen zu verkaufen, bei uns +hat er aber mehr gehockt als gestanden, denn wir nennen ihn Höcker. +Meersmann aber übersetzt Kilian mit circitor, circuitor, das ist einer, +der keinen festen Stand hat, sondern mit seinem Korbe umherzieht; +meers-schiip aber mit corbita, siehe unter Korvette. — Erst hieß also +Mers nur die Ware im Korb; dann Ware und Korb; zuletzt Korb allein. In +diesem Sinne, als Korb, wurde dann der Mers am Mast befestigt für den +Mann am Ausguck. Mit dem Wachsen der Takelage und der damit verbundenen +Notwendigkeit, Leute nach oben zu ihrer Bedienung zu schicken, ergab +sich dann nach und nach das Bedürfnis, den Mars als Korb fallen zu +lassen und ein Holzgestell mit einem Korbgeflecht oder Netzwerk als +Schutz gegen Absturz zu errichten, aber der einmal angenommene Name +blieb. Und wir sollten der größeren Deutlichkeit wegen lieber auch so +schreiben wie der Seemann spricht, schon damit keiner auf den Gedanken +komme, das Wort<a id="Page_323"></a> + <span class="pagenum">[323]</span> habe mit dem Kriegsgotte Mars (Mavors) etwas zu +tun. Auch würden wir uns damit wieder in Übereinstimmung mit dem +Sprachgebrauch der großen, herrlichen Seemannszeit der Hansa setzen. +Denn daß die Mers sagte, dafür noch einige Beispiele. „Also halp en got, +dat sie den Koggen behelden myt werhafter hant onde skoten dar mit +haghelscote onde worpen mit stenen vte der mersen‟ („Bremische +Geschichtsquellen‟). „Na mennighen daghen horden se bulderinghe der +bulghen, alze eft se yegen eyn land floeghen onde lethen enen op styghen +in de mersch, eft he yennich lant vernehme‟ („Dänische Chronik‟). Die im +15. Jahrhundert erschienene Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann +Korner erzählt von „66 schepe mit merssen vnde vorkastelen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Maschine</span>, die, lateinisch machina, griechisch mechane; es gibt +neuerdings auf einem großen Linienschiffe so viele Dampf-und elektrische +Maschinen, daß es sich von selbst verbietet, sie hier auch nur dem Namen +nach aufzuzählen. Doch muß festgestellt werden, daß, wo einfach von +Maschine die Rede ist, ohne nähere Bezeichnung die Schiffsmaschine +gemeint ist. Der weiten Ausdehnung ihres Berufes wegen heißen die Leiter +des Maschinenwesens an Bord neuerdings nicht mehr Maschinen-Ingenieure, +sondern schlechtweg Ingenieure — Ingenieur, Oberingenieur, +Stabsingenieur, Oberstabsingenieur.</p> + +<p><span class="strong1">Masut</span>, das, ist Braunkohlenteeröl, das neuerdings anstatt der Kohlen +vielfach zum Heizen von Schiffsdampfkesseln gebraucht wird. Die Sache +stammt aus Rußland, und dementsprechend auch das Wort, das in den +slavischen Sprachen „Fett‟ bedeutet, so daß also das Fettige, Oelige bei +der Benennung den Ausschlag gegeben hat.</p> + +<p><span class="strong1">Mast</span>, der, früher Segelbaum, Baum der die (Rahen und durch sie die) +Segel trägt. Ursprünglich hieß Mast überhaupt Baum, Baumstamm, denn das +angelsächsische mäst, das das älteste Zeugnis für das Vorkommen des +Wortes ist, bedeutet Baumstamm; die Taube nach der Sündflut setze sich +auf „treoves telgum torhtum moste‟. Es ist also anzunehmen, daß Mast im +seemännischen Sinne ein Wort ist, das die Angelsachsen mit in ihre neue +Heimat genommen haben. Mit ihrer Sprache war die der alten Friesen, von +denen viele mit übers Meer gezogen sind, nahe verwandt, es darf daher +für wahrscheinlich erklärt werden, daß auch sie das Wort Mast besaßen, +und daß — schon im<a id="Page_324"></a> + <span class="pagenum">[324]</span> Althochdeutschen — von Friesland aus das +althochdeutsche segilbaum durch mast wegen seiner Kürze bei den die +Einsilbigkeit so sehr liebenden Seeleuten verdrängt worden ist. +Segilbaum war aber ein so schönes und bezeichnendes Wort, daß es, +wenigstens im Binnenlande, nie ganz außer Uebung gekommen ist; es paßte +so schön zu Segelstange = Rahe, ja zu den Zeiten Piet Heyn's kam es vor, +daß man für Mast selbst Segelstange sagte, was aber vielleicht +Segelstänge lautete und bedeutete, also das was jetzt kurzweg Stenge +heißt. „Sobald der Admiral unterdessen die Top-Flagge von seiner +vorderen Segelstange wehen ließ, begaben sich die sieben Chalupen in +aller eil nach den vier Schiffen‟ ... (durchl. Seehelden II. 64.) +Zeitweilig war auch das pleonastische Maßbaum bei Seeleuten in Gebrauch, +wie es von Nichtseeleuten heute noch gehört werden kann. Es wird Zeit, +daß auch diese sich mit Mast begnügen, da es ja Baum bedeutet. Im +Mittelniederländischen und Mittelniederdeutschen kam freilich öfter +mastboom, mastbom vor; so nannte man sogar auch einen noch grünenden und +wachsenden Baum, nämlich den zur Mast der Schweine dienlichen Baum, die +Eiche; Beweis, wie jeder die Welt aus dem Gesichtswinkel seiner eigenen +Angelegenheiten ansieht. — Vom Schiff aus hat sich der Mast auch über +das feste Land verbreitet als Flaggenmast, Exerziermast, Signalmast. + — Natürlich spielt ein so wichtiges Stück der Seemannssprache auch im +übertragenen Sinne seine Rolle; man denke nur an das holländische +Sprichwort: „Er kunnen geene twee grooten masten in een schip syn‟ d. h. +nur einer kann im Hause das Regiment führen. — Über <span class="strong1">Mastkorb</span> s. Mars.</p> + +<p><span class="strong1">Matrose</span>, der, ein befahrener Seemann. Vordem hieß ein solcher +Schiffsknecht, Schiffsknabe, Schiffskind, im Gegensatz zum Kapitän, dem +Schiffer oder Schiffsherrn. Die Gesamtheit der Matrosen hieß +Schiffskinder oder Schiffsvolk; ihre Kleidungsstücke und sonstigen +Sachen Schiffskindergut. Das Wort Matrose ist erst im 17. Jahrhundert +ins Hochdeutsche gekommen, und zwar aus dem Niederländischen; matroos +hieß und heißt es da. Und dieses matroos geht wieder auf das +Französische zurück, wo uns im 13. Jahrhundert die Formen mathelot, +matelot, matenot begegnen. Es fragt sich aber: woher stammen diese? Und +was ist die Bedeutung? — Es liegen nicht weniger als vier verschiedeneDeutungen vor. +<a id="Page_325"></a> + <span class="pagenum">[325]</span></p> + +<p>1. Hat man an das altniederländische maatgenot, Maatgenosse gedacht; +aber wenn man sich auch — zumal maatgeselle vorkommt — über die +Tautologie hinwegsetzen kann, so erregt der Umstand doch Bedenken, daß +weder maat für sich noch genot für sich im Französischen Aufnahme +gefunden haben, die Verbindung beider kann also keinesfalls in dieser +Sprache sich vollzogen haben.</p> + +<p>2. Hat man versucht, das Wort mit Mast in Verbindung zu bringen, so daß +ein Matrose als ein Mann zu denken wäre, der am Mast seine Hauptarbeit +hat. Ein an sich anziehender Gedanke, aber schon Dietz hat darauf +aufmerksam gemacht, daß dann im Französischen des 13. Jahrhunderts +mastelot stehen müßte. Darum ist Dietz 3. auf das lateinische matta = +Binsenmatte verfallen und erklärt das Wort aus mattarius, was einen +Mattenmann bedeuten soll, einen der mit einem anderen auf oder unter +einer Matte schläft, oder einen der sich überhaupt auf einer Matte sein +Lager zurecht macht. Hier müßte vor allen Dingen der Gedanke an eine +Hängematte ausgeschieden werden, die einmal gar keine Matte ist und die +es überdies erst seit der Entdeckung Amerikas gibt. Die Erklärung hat +dann insofern etwas Verlockendes als man annehmen könnte, das auf dem +Wege vom Mittellateinischen ins Französische verloren gegangene r sei +auf dem Wege vom Französischen ins Niederländische, vielleicht in Folge +einer alten Erinnerung, wieder zu seinem Rechte gelangt. Ob aber das +Schlafen auf einer Matte etwas dem Seemann so Eigentümliches ist, daß er +davon sollte den Namen empfangen haben? Es schlafen sicher an den Küsten +des Mittelmeers noch andere Leute auf Matten, wie sollte gerade der +Seemann ein besonderer Mattenmensch sein?</p> + +<p>4. Müllenhoff ist der Meinung, der alten französischen Form liege das +altnordische mötunautr zu Grunde, auch matunautr. Ihm stimmt Kluge bei +unter Annahme normannischer Vermittelung. Das käme dem Sinne nach auf +Nr. 1 hinaus, nur daß dann die Verbindung geschehen war, ehe die +Nordmänner das Wort nach Frankreich getragen haben, so daß auf diese +Weise die unter 1. erwähnte Schwierigkeit beseitigt wäre. Matunautr +heißt ins Niederländische übersetzt allerdings maatgenot und bedeutet, +maat in seinem ursprünglichen Sinne (von gimazo) genommen, Eßgenosse; +eigentlich Tischgesellschaftsgenosse. Der dreifache<a id="Page_326"></a> + <span class="pagenum">[326]</span> Ausdruck +desselben Gedankens darf dabei nicht stören, ein solcher kann eintreten, +wenn einer der drei nicht mehr als solcher empfunden wird oder gar, wie +hier, wo das gi (= cum) von gimazo bereits geschwunden war, für das +Sprachgefühl des Volkes gar nicht mehr in Betracht kommt. (So steckt z. +B. auch in dem alten kymryschen Namen für Ostsee morimarusa ein +dreifacher Pleonasmus, Meermeersee, wobei sa nicht als See, sondern wohl +nur als Endung empfunden ward.) Matunautr ist offenbar die Form aus der +matenot entstanden ist, welche Form sich, wie erwähnt, bereits im 13. +Jahrhundert in matelot umgebildet hatte. Welche Einflüsse nun bei der +Übernahme ins Niederländische die Verschiebung in matroos verursacht +oder gefördert haben ist unschwer zu erkennen. Man hat zunächst an den +Plural matelots zu denken und daran, daß die Holländer heute noch gerne +das stumme Schluß-s der Franzosen mit aussprechen. So war matlos +gegeben; l und r aber wechseln so häufig mit einander, daß ganze +Völkerschaften gar nicht wissen, ob sie l oder r sagen. So war die Form +matros, matroos ein Plural, was aber bald vergessen ward, so daß schon +im Niederländischen und erst recht bei der Aufnahme ins Deutsche ein +neuer Plural auf en gebildet werden konnte. — Daß aber eher vom +gemeinsamen Essen der Name kommen konnte als vom gemeinsamen Schlafen, +ist — trotz Kamerad und Geselle — dem nicht zweifelhaft, der bedenkt, +eine wie große Rolle das Essen überhaupt im Leben — man denke an +Genosse, Kumpan, Kompagnie, Maat und Messe — so auch besonders im +Bordleben spielt, und der weiß, daß an Bord heute noch die Leute in +Backschaften d. h. Eßgenossenschaften eingeteilt sind. So ist es +unzweifelhaft, daß auch auf den Schiffen der Nordmänner die Männer in +mötuneyti, in Eßgenossenschaften, besser in Genossenschaften eingeteilt +waren. Ein solcher „Genosse‟ hieß matunautr, Backsgenosse, Backskamerad. + — Im 17. Jahrhundert wurde zwar schon Matrose gesagt, aber daneben auch +noch von Bootsleuten und Bootsgesellen in ganz gleicher Bedeutung +gesprochen. Zu einer Flotte Piet Heyn's gehörte z. B. nach den +„Durchläuchtigsten Seehelden‟ II. 71: „das Schiff Harlem, von +zweyhundert und achtzig Lasten, mit zwey Metallinen, zwey und zwanzig +eisernen, und acht Steinstücken, und achtzig Bootsleuten bemannt; das +Schiff Leiden zweyhundert und dreyssig Last groß, worauf zwey Metallene +und zwey und zwantzig eiserne und 8.<a id="Page_327"></a> + <span class="pagenum">[327]</span> Steinstücken und fünff und +siebenzig Matrosen; der schwarze Löw, hundert und achtzig Last groß, mit +vier und zwantzig Stücken Geschütz (oder Götelingen) vier Stein Stücken, +und siebentzig Bootsgesellen.‟ Bemerkenswert ist, daß nach Halbertsma im +Friesischen der Matrose auch siler heißt (englisch sailor). — Ein altes +gutes deutsches Wort für Matrose, ja noch besser und bedeutungsvoller +als dieses ist Seemann. Es deutet mehr den dauernden seemännischen +(Lebens-)Beruf an. Wenn ein Binnenländer freiwillig bei der Marine +eintritt und von dieser zum Kriegsdienst an Bord ausgebildet wird, so +heißt er zwar auch Matrose, aber Seemann ist er darum doch noch nicht, +das ist nur der, der auch in seinem Zivilverhältniß die Seefahrt als +Beruf betreibt.</p> + +<p><span class="strong1">Maus</span>, die. Man sollte annehmen, daß dieses Substantivum in seiner +Bedeutung nahe verwandt wäre mit einem ebenfalls seemännischen Zeitwort +<span class="strong1">mausen</span>. Es gehen jedoch die Begriffe zunächst sehr weit auseinander. +Eine Maus ist eine knotenförmige Verdickung eines Taus an einer Stelle, +wo ein um das Tau gehendes Auge am Zuschlieren verhindert werden soll +oder einer Zeising fester Halt soll verliehen werden, daß sie nicht +rutschen kann; diese Maus wird auf die Kabelaring gesetzt, jene auf das +obere Ende des Stags, wo das Stagauge aufzuliegen kommt. Mausen aber +heißt die offene Seite eines Blocks so schließen, daß er nicht aushaken +kann; es geschieht mit Kabelgarn, das mit einem Schnitt leicht wieder zu +entfernen ist. — Beide Wörter haben mit Maus und mausen im +hochdeutschen Sinne gar nichts zu tun, sie stellen vielmehr eine sehr +irreführende hochdeutsche Verdunkelung eines sonst ganz klaren +niederdeutschen Wortes dar, wobei es lehrreich ist zu sehen, wie Maus +und mausen je eine besondere Seite der beiden in dem niederdeutschen +Worte möten liegenden Begriffe entwickelt haben; möten heißt nämlich +zunächst einfach „zusammenkommen‟, zusammentreffen, begegnen, aber es +ist eine vox media, das Zusammentreffen kann im günstigen, es kann auch +im ungünstigen Sinne gemeint sein und im letzteren Falle „Widerstand +leisten‟, hemmen, hindern bedeuten. Und nun bedeutet das niederdeutsche +Zeitwort möten — mausen — das Zusammenkommen der beiden Teile eines +Hakens, das Zusammentreffen des offenen Teiles mit dem anderen Teil in +der Kabelgarnzeising. Das niederdeutsche Hauptwort möte aber +bedeutet<a id="Page_328"></a> + <span class="pagenum">[328]</span> Hemmung, Hinderung. Dadurch, daß ein Block gemaust wird, +wird er auch gehemmt und gehindert, nämlich am Aushaken, aber deutlicher +wird doch das Bild, wenn wir den Begriff „zusammenkommen, sich +vereinigen‟ festhalten, zumal alle Sprache Bildersprache war. — Es ist +also anzunehmen, daß die Maus ursprünglich, als das Hochdeutsche noch +nicht dazwischen gekommen war, möte hieß, mausen aber möten. Daß man +überhaupt auf eine „Uebersetzung‟ durch Maus kommen konnte, mag seine +Erklärung, also seine Entschuldigung darin finden, daß möte altsächsisch +muot, mittelhochdeutsch muot, auch muoz und moz hieß.</p> + +<p><span class="strong1">Meer</span>, das. Ein gemeingermanisches Wort, dessen uns bekannte älteste Form +mari ist. Es ist behauptet worden, daß es aus der indogermanischen +Wurzel mar, sterben, entsprossen, also mit morior und Mord verwandt sei, +weil das Meer im Gegensatz zum Festlande mit seinem reichen Leben, +Grünen und Blühen als tot anzusehen ist. Nun hat man zwar in grausamem +Scherz die Nordsee wohl Mordsee genannt und kennt auch ein „totes Meer‟, +aber das Meer als solches ist keineswegs tot, sondern in mehr als einer +Beziehung sehr lebendig. Wer je mit ihm in nähere Verbindung gekommen +ist, und wie innig haben die alten Naturvölker sich mit dem Meere +vertraut gemacht, der weiß auch, welch ein unendliches Leben und Weben, +welch ein Sichregen und Sichbewegen, welch eine Fülle von +Mannigfaltigkeit und Abwechslung das Meer bietet, das niemals dasselbe +ist, nie einförmig, nie „tot.‟ Die Bezeichnung „totes Meer‟ hätte ja +auch gar keinen Sinn, wenn für das Volksbewußtsein jedes Meer ein totes +Meer wäre. Im Gegenteil, gerade im Lande des toten Meeres hat der +Dichter des 104. Psalms gesungen: „Das Meer, das so groß und weit ist, +da wimmelt's ohne Zahl, beide, große und kleine Tiere‟. — Wir müssen +nach einem anderen Etymon suchen. Nun gibt es noch eine andere Wurzel, +die zwar mit jener den gleichen Laut und die gleichen Buchstaben hat, +aber einen ganz anderen Sinn: mar, glänzen, schimmern, leuchten, +strahlen. Davon kommt das griechische Zeitwort marmairo, flimmern, +funkeln, und Marmor, ein glänzender Stein. Nun braucht einer noch gar +nicht das zauberische Meerleuchten einer Nacht im karaibischen Meere +gesehen zu haben, er braucht nur einmal gegen Abend „am einsamen +Fischerhause‟ gesessen und die Augen aufgetan zu haben, wie „das Meer +erglänzte weit hinaus‟, so wird er nicht<a id="Page_329"></a> + <span class="pagenum">[329]</span> mehr an den Tod, sondern +an das Leben, an ein reiches glänzendes Leben denken. — Man bedenke +auch das andere Wort für Meer: See. Das ist doch nahe verwandt mit +Seele, von derselben Wurzel su, bewegen, regen, beleben. Da haben wir +das Gegenteil von Tod. Sollte das Meer einmal vom Tode, das andere Mal +vom Leben den Namen empfangen haben? — Ist unsere Deutung von Meer +richtig, so ist Meer mit Mähr und Mährchen verwandt; mari als etwas von +der Sonne beschienenes ist nicht nur leuchtend sondern auch berühmt und +bekannt; daher althochdeutsch mari, mittelhochdeutsch maere = Kunde, +Bericht, Erzählung. — Der Name Margarete kommt ohnehin von Meer, denn +„Perle‟ ist eigentlich Meergries, Korn des Meersandes; also ein echt +seemännischer Name. — Ein namhafter Erforscher des Keltischen nahm +keltischen Ursprung von Meer an. Er verglich die keltischen Ortsnamen +uralter Herkunft: Morini, Amorica, Morimarusa (Ostsee), Morbihan und +führte die Formen an: kymrisch, kornisch und Breizonek (Mündung der +Loire) mor; gadhelisch (d. h. dem Gälischen [Hochschottischen] und +Irischen gemeinsam) muir, Genetiv mara. Uns genügt das althochdeutsche +meri, mere (gotisch marei, angelsächsisch mere).</p> + +<p><span class="strong1">Meile</span>, die. Wenn der Seemann von Meile spricht, so meint er natürlich +Seemeile, einer Gradminute entsprechend. Eigentlich bedeutet es aber +1000, nämlich 1000 Schritte, milia passuum; italienisch der miglio, +Plural miglia, milia ausgesprochen; es mag eine dunkle Erinnerung an die +Herkunft sein, die den Seemann veranlaßt, niemals Meile, sondern immer +„Mill‟ zu sagen.</p> + +<p><span class="strong1">Meridian</span>, der, oder Mittagskreis, von meridies, der Mittag, heißt am +Himmel derjenige gedachte größte Kreis der Sphäre, welcher durch beide +Weltpole und den Scheitelpunkt eines bestimmten Ortes geht.</p> + +<p><span class="strong1">Merk</span>, das, war früher = Landmarke, wird aber jetzt nur selten noch in +diesem Sinne, etwa noch in der Verbindung „das ist ein gutes Merk‟ +gebraucht. Sonst ist die Bedeutung darauf zusammengeschrumpft, daß es +ein Kennzeichen an irgend einer Sache ist, an dem man sich etwas merken +will, etwa einen Strich oder einen Streifen bildend. „Etwas mit einem +Strich oder Streifen versehen‟, das ist ja die uralte Bedeutung des +unserem Mark zu Grunde liegenden Stammes, und Mark heißt zunächst nur +Zeichen, dann Kennzeichen, Grenzzeichen, Grenze, davon<a id="Page_330"></a> + <span class="pagenum">[330]</span> Markgraf +und marquis, spanisch marques, italienisch marchese. — Merk ist die +niederdeutsche Form für Mark. Im Seebuch (1400) heißt es merk und merke. + — Mark als Münze bedeutet ein bestimmt abgeschätztes und +gekennzeichnetes, mit einer Marke versehenes Goldstück.</p> + +<p><span class="strong1">Messe</span>, die, ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen +Messe Vereinigten sich, besonders zum Zwecke der gemeinschaftlichen +Einnahme der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur +der Raum, sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen +heimatberechtigt sind, Messe heißt. Man spricht von einer Offiziermesse, +einer Kadettenmesse, einer Deckoffiziermesse. Macht das Offizierkorps +eines Schiffes Besuch, so wird eine Karte abgegeben: „Die Offiziermesse +S. M. S.‟ ... Ein Mitglied der Messe wird zum Messevorstand erwählt. +Nicht als ob dieser dann den Vorsitz bei Tische zu führen hätte, der +steht auf Kriegsschiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die +Verwaltung des gemeinschaftlichen Vermögens, die Beschaffung der +Vorräte, überhaupt die ganze Verpflegung unter sich. Zum Essen gehört +das Trinken. Daher wird ein anderes Mitglied der Messe beauftragt, die +nötigen Getränke zu beschaffen und zu verwalten; das ist der +Weinvorstand oder Vorstand der Weinmesse. — In den Garnisonen des +Königreichs Hannover hatten die Offiziere von der Verbindung mit England +her ihre Messen. Sonst ist das Wort, wie es scheint, in Deutschland auf +die Seemannssprache beschränkt geblieben. — An Erklärungen fehlt es +nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu wenige.</p> + +<p>1. Von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten ist der Gedanke an +den katholischen Cultus und seine Messe; wenigstens in Bezug auf die +landläufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des +Priesters an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstück +des Gottesdienstes teilzunehmen: „ite, missa est concio!‟ kommen soll.</p> + +<p>2. Weil bei Kirchmessen zahlreiche Andächtige zusammenkamen, so fanden +sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen +hatten. So entstand ein Markt, der Messe genannt ward und diesen Namen +behielt als die Kirchmesse wegfiel; Frankfurter Messe, Leipziger Messe. +Daß auch hiermit, trotz des „Zusammenkommens‟ der Leute, unsere Messe +nichts zu tun hat, liegt auf der Hand.<a id="Page_331"></a> + <span class="pagenum">[331]</span></p> + +<p>3. Weit eher könnte man an Herkunft von dem lateinischen mensa, der +Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Messe in der Tat der +gemeinsame „Tisch‟ ist. Wirklich heißt im Gothischen der Tisch auch mes; +man könnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wäre +denkbar auch für den Fall, daß die ältesten Messen gar keine Tische +gehabt hätten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch +Schüssel heißt. Aber es fehlen für das Wort die Zwischenglieder vom +Gotischen zum Niederdeutschen, und hier ist Messe doch ausschließlich +heimisch. — Zeugnisse für die Herkunft aus dem Spanischen liegen nicht +vor, im Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete +gezeugt, ehe Spanien in Betracht kam. Überhaupt dürfen wir nicht in die +Ferne schweifen, solange eine näherliegende Erklärung im Deutschen sich +darbietet. Aus diesem Grunde muß auch</p> + +<p>4. Eine Deutung aus dem Französischen beanstandet werden, nach der das +Wort Messe von mets, altfranzösisch mes kommen soll. Diese beiden heißen +„Gericht, Speise‟, nämlich im Sinne von „Aufgetragenes‟, (aus der Küche +in den Speisesaal) „Geschicktes‟, von mitto ich schicke. Die ziemlich +alte Schreibung mets für mes erklärt Dietz für eine etymologische, um +das Wort an das Zeitwort mettre zu knüpfen.</p> + +<p>5. Man könnte auch an das althochdeutsche massenie, messeni denken, +welches Hofstaat, Gefolge eines Fürsten bedeutet, so daß die Messe als +„Stab‟ des Kommandanten gedacht wäre. Dieses messenie kommt von mansio, +die Behausung. Und sprachlich könnte Messe um so eher davon abstammen, +als Meßner = Küster davon herkommt, althochdeutsch mesinari, +mittelhochdeutsch messenaere, mittellateinisch mesenarius, mansionarius; +es könnte sogar mansio als Behausung in Messe stecken. — Doch wir +wenden uns zum germanischen Sprachgebiet.</p> + +<p>6. Hier tritt uns zunächst ein Zeitwort entgegen, das „zusammenkommen‟ +bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen könnte, weil die +Messe ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelsächsisch +metan, altenglisch meten, altniedersächsisch motian, englisch meet. Aber +gerade der Umstand, daß dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und +nicht zu s werden ließ, verbietet uns mess mit meet zusammenzubringen.</p> + +<p>7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich<a id="Page_332"></a> + <span class="pagenum">[332]</span> auch +die Ernährung an Bord so viel besser geworden ist, wird in der Messe +nicht jedem sein Teil zugemessen. Zu Zeiten aber, wo das Essen oft recht +knapp war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Messe an das +altfriesische Zeitwort missa = entbehren zu denken geneigt war, da mag +wohl ein Einteilen und Zumessen nötig gewesen sein. Man könnte daher an +das althochdeutsche Zeitwort mezzan, messen, denken, angelsächsisch +metan. Dann wäre Messe eines Stammes mit „Mutter‟, denn Mutter bedeutet +die Abmesserin, die Zuteilerin, „die Spendende‟, neben dem Vater als dem +„Beschützenden‟. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht +so, daß Messe unmittelbar von messen käme, es kommt vielmehr noch ein +Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen.</p> + +<p>8. Das Essen, die Speise heißt gotisch mats, althochdeutsch maz, +altniederdeutsch meti, angelsächsisch mete, altenglisch mete. (Weil das +Fleisch ein so wichtiges Essen ist, so hat sich im Englischen und +Niederdeutschen meat, met für eßbares Fleisch eingebürgert.) +Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: <span class="strong1">Essen und Trinken</span>. Hierzu +ist zu vergleichen der altdeutsche mesiban, d. h. der Eßbann, das +Speiseverbot, ein scharfes Verbot, einem Verbrecher Speise zu reichen. + — In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in +Wien, heißt es: „Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon‟ ... +gesündigt zu haben „in uncîdin sclâphun, uncîdin uuachun, in uncîdigimo +mazze, uncîdigimo dranche‟ ... Unser neuhochdeutsches Wort Messer hieß +althochdeutsch messisahs, also eigentlich „Eßschwert.‟ — +Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das +Wort mess für Speise. Im Lübecker Zunftrecht steht die Bestimmung: „Men +schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd aposteldages, +vthgenahmer koken unde messwerk.‟ Doch hatte sich damals mess, dessen +ursprünglicher Vokal a war, schon daneben über moes in mos, ja in mus +verschoben. Letztere Form ist besonders bekannt aus der Verbindung +musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes +Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verbindung moshus = Speisehaus, +Speisesaal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung +verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemüse auch jetzt auf +Pflanzenspeisen eingeschränkt ist, so hat es in diesem Sinnedesto +<a id="Page_333"></a> + <span class="pagenum">[333]</span> unbestrittener Geltung erlangt. Natürlich ist auch Mast +damit verwandt, denn Mast heißt auch nichts weiter als Speise, Futter, +Fütterung, Mästung und dieses hat erst in weiterer begrifflicher +Entwickelung die Bedeutung „Fettmachung‟ erhalten; wovon mästen, das +heute noch in Ostfriesland messen heißt. — Vom angelsächsischen +Hauptwort mete dagegen hat sich das angelsächsische Zeitwort metsian, +mesan, altenglisch metsien = essen, gebildet; wobei in Betracht zu +ziehen ist, daß heute noch im Englischen to mess = zusammen essen ist, +so daß also der Begriff des gemeinschaftlichen Essens sich bis auf +diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprünglich nicht, oder doch +nicht immer geschehen, denn schon im Altsächsischen hieß mesa der +Speisekorb, der Futterkorb; desgleichen im Altnordischen meis. Man saß +also von Alters her an Bord um Futter- oder vielmehr Speise-Behälter +herum, also um „Backen‟ im ursprünglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer +die dergestalt zusammen aßen hieß „Meßgesinde‟. Das wird uns zum ersten +Male durch die Freiheiten der Stadt Brügge für deutsche Kaufleute vom +Jahre 1309 bezeugt: „Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben +alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der +zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne, +binnen haren herberghen zonder assise daer of te ghevene, up dat sy 't +niet vort verkopen‟. Für maisniede kommt im Flämischen auch meyssenye, +messniede, maysinede vor. Das altnordische meis klingt hier deutlich +durch. Der germanische Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses +Wort ist im seemännischen Sinne nicht in England, sondern in den +Niederlanden zuerst gebraucht worden. — Es hat eine ähnliche +Bedeutungsentwicklung wie Bursche, spätmittelhochdeutsch hieß burse +Geldbeutel, Börse, Kasse; dann gemeinschaftliches Wohn- und Kosthaus der +Studenten, wo sie aus gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt +studentische Genossenschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche +genannt wurde. — Unter 7. ist gesagt worden, Messe ist mit Mutter +verwandt. Das Mittelglied ist maz, Speise; dieses hieß nämlich +ursprünglich ebensowenig Essen im Allgemeinen wie Fleisch im Besonderen, +kommt auch wohl nicht von einem Stamme der „kochen,‟ sondern — wie +Mutter — von einem der teilen, zuteilen, zumessen bedeutet, so daß maz +also das (einem Menschen zum Verzehren) Zugemessene<a id="Page_334"></a> + <span class="pagenum">[334]</span> ist, woher +dann Messe als der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede +das Seine zugeteilt wird.</p> + +<p><span class="strong1">Messbrief</span>, der. Nach den Gesetzen des deutschen Reiches müssen alle +Kauffahrteischiffe vermessen werden. Dick und Kretschmer I. 60: „Für die +Berechnung des Brutto- und Nettogehaltes der Schiffe und Fahrzeuge ist +ein Vermessungsprotokoll nach einem in der Vermessungsordnung +vorgeschriebenen Schema aufzustellen und der obersten +Vermessungsbehörde, dem Schiffsvermessungsamt, einzureichen. Auf Grund +des Vermessungsprotokolls wird ein <span class="strong1">Messbrief</span> ausgestellt.‟</p> + +<p><span class="strong1">Metacentrum</span>, das, ist ein für die Berechnung der Stabilität eines +Schiffes äußerst wichtiger mathematischer Punkt, nämlich der +„jedesmalige Durchschnittspunkt der Vertikalen aus dem +Deplacementsschwerpunkt in der aufrechten Lage des Schiffes mit der +vertikalen aus dem jedesmaligen Deplacementsschwerpunkt bei jeder +geneigten Lage.‟ So die technische Erklärung bei Dick und Kretschmer I. +114, 115; die sprachliche Anmerkung zu dieser Stelle ist jedoch zu +berichtigen. Es heißt da: „Das Wort Metacentrum, welches sich zuerst in +Bourguers Werk „Traité du Navire‟ 1746 angeführt findet, kann nur aus +den lateinischen Worten meta (Endpunkt, Ziel) und centrum +zusammengesetzt, betrachtet werden; nach anderer Ansicht auch als eine +Zusammensetzung der griechischen Worte Méta (Wechsel) und kentron +(centrum)‟. Meta ist aber, wie unzählige andere Zusammensetzungen +beweisen, z. B. Metamorphose, Metapher, Metaphysik, Metastase, +Metempsychose, die griechische Präposition, die inmitten, zwischen, +unter, in Verbindung, in Gemeinschaft, im Verein, in Begleitung, +gepaart, mit, nebst, neben, unter, nach, zu, auf u. s. w. bedeutet; im +Allgemeinen ist sie Bezeichnung einer Gemeinschaft: Metacentrum ist also +der Punkt, den die zwei genannten senkrechten Linien mit einander +<span class="strong1">gemeinschaftlich</span> haben, mit der auch in meta liegenden Nebenbedeutung, +daß dieses Centrum räumlich <span class="strong1">über</span> dem Deplacementsschwerpunkt liegt.</p> + +<p><span class="strong1">Miek</span>, die, ist begrifflich nahe mit Klau verwandt, wird aber nicht nur +für den gabelförmigen Ausschnitt der Gaffel, sondern auch für den +gegabelten Stock oder Pfahl gebraucht, in dem der niedergelegte Mast, +der Besansbaum etc. etc. festliegt; in Ostfriesland auch das +gabelförmige Holz an der Pumpe, in dem der Schwengel sich bewegt. +Mittelniederländisch, bei Kilian micke = furca,<a id="Page_335"></a> + <span class="pagenum">[335]</span> Gabel. Sollte +nicht, da die Gabel doch eines der ursprünglichsten mechanischen +Werkzeuge darstellt, Miek eine Zusammenziehung von Mechanik sein? Daß +eine solche möglich, ja tatsächlich vorhanden ist, beweist die Tatsache, +daß im Gebiet des Rheinfränkischen Mick die mechanische Vorrichtung zum +Hemmen beider Wagenräder heißt; im Gegensatz zu dem nur ein Rad +hemmenden, weit einfacheren Hemmschuh, stellt sie eine Mechanik dar, +deren Zusammenziehung in Mick um so eher möglich war, als sie meist mit +dem Ton auf der letzten Silbe ausgesprochen wurde und wird.</p> + +<p><span class="strong1">mistig</span>, vergl. diesig, bedeutet nebliges, trübes, „dreckiges‟ Wetter. +„Must gy int Schager-Rack by nacht offt in mistig wedder laverren‟ ... +Vom niederdeutschen, niederländischen, englischen mist = Nebel; „mist +het den oost in der kist‟ (Brem. Wörterbuch). Im Beówulf mistig, +mist-heid = Nebelkippe; Kilian miest = nebula. Davon Mistel als die +Pflanze die durch den Mist der Vögel auf Bäumen ausgesät wird. Denn +dieses niederdeutsche Mist und unser hochdeutsches Mist sind ein und +dasselbe Wort, nur in der Bedeutung ein wenig auseinandergegangen. +Sanskrit-Wurzel mih = ergießen, besprengen; beregnen; auch ein +Substantiv mih ist vorhanden: feiner Regen, Nebel. Althochdeutsch migan, +neuniederdeutsch migen = pissen, harnen; lateinisch mingere.</p> + +<p><span class="strong1">Missweisung</span>, s. Variation.</p> + +<p><span class="strong1">Mittagshöhe</span>, die, nämlich der Sonne, ist „die Höhe der Sonne wenn der +Mittagspunkt derselben im Mittagskreise seines Beobachters steht, +welches die größte Höhe ist, die sie für diesen Beobachter erreichen +kann.‟</p> + +<p><span class="strong1">Mittagsschuss</span>, der, ist ein in einem Kriegshafen von dem jeweiligen +Wachtschiff abgefeuerter Kanonenschuß zum Zeichen, daß es genau 12 Uhr +ist. Es haben sich mit der Zeit und mit dem Gange ihrer Uhren die +übrigen Schiffe und auch die Uhren am Lande, soweit der Einfluß der +Marine in dieser Beziehung reicht, nach diesem Schusse zu richten.</p> + +<p><span class="strong1">Mittagswimpel</span>, der, ist auf unseren Kriegschiffen der Wimpel der gehißt +wird wenn es zum „Schaffen‟, zum Mittagessen geht, also ein +hochwillkommenes Signal, zumal es nicht nur die Essenszeit, sondern +überhaupt die Mittagspause im Dienste, die mittägliche Freizeit von 12 +bis 1-1/2 h bezeichnet.<a id="Page_336"></a> + <span class="pagenum">[336]</span></p> + +<p><span class="strong1">Mittagskreis</span>, der, s. Meridian.</p> + +<p><span class="strong1">Mitteldruckmaschine</span>, s. Maschine.</p> + +<p><span class="strong1">mittschiffs</span> ist ein ziemlich unbestimmtes Adverbium mit dem etwas näher +bestimmt wird das sich nicht „vorn‟, aber auch nicht „achtern‟ befindet. +An eine mathematische Mitte ist schon garnicht zu denken. Aber das ist +zu betonen, daß es nicht bloß die ungefähre Mitte zwischen hinten und +vorne, also nicht bloß die Mitte der Länge nach, sondern auch die Mitte +der Breite nach bedeutet, und zwar die ganze von hinten nach vorne +gedachte, von beiden Bordwänden gleich weit abstehende Mittellinie oder +Längsachse des Schiffes. Man sagt: „Das Schiff wurde mittschiffs +gerammt‟, bei einem Vollschiff also etwa zwischen Großmast und Fockmast; +man sagt aber auch: „Das Schiff hat sein Ruder mittschiffs liegen‟ d. h. +die Ruderpinne befindet sich in der Mitte zwischen beiden Bordwänden, in +der Mittellinie.</p> + +<p><span class="strong1">Moker</span>, der, s. Kalfatern.</p> + +<p><span class="strong1">Mole</span>, die, im Munde des niederdeutschen Seemanns wohl auch Mulje, ist +jetzt ein Steindamm oder vielmehr eine Kaimauer, die den Eingang eines +Hafens zugleich bildet und schützt. Früher ganz allgemein ein Damm oder +Deich. In der Chronik des Landes Dithmarschen von Neocorus heißt es: „up +de mohle is ein grot inbrock geschehen‟. Holländisch mole, dänisch +mullie, schwedisch mölja, englisch mole, französisch mole, italienisch +molo, spanisch muelle, portugiesisch molhe — alles zurückgehend auf das +lateinische moles, Masse, Last, große Steinmasse, Damm. Bei San Lucar de +Barrameda befand sich sehr früh eine Mole. 1588 schreibt Waghenaer im +„Spiegel der Zeevaerdt‟: „Voorts om te weten die mercken vanden steen +oft droochte die int gadt van S. Lucas ligghende syn, als de Molen ende +t'witte Clooster staende opt Oostereynde van S. Lucas ouer een comende‟ +...</p> + +<p><span class="strong1">Monsun</span>, der, ist ein im Indischen Ozean in regelmäßigen Perioden stets +aus gleicher Richtung wehender starker, sich oft bis zum Sturm +steigender Wind, von Oktober bis März aus Nordost, von April bis +September aus Südwest wehend. Das Wort lautet französisch monson, +monçon, spanisch monzon, portugiesisch monsao und stammt aus dem +Arabischen, wo mansim bedeutet a time, a season, the favourable season +for sailing to India; also: günstige Jahreszeit.</p> + +<p><span class="strong1">Mooring</span>, die, ist eine besondere Befestigung eines Schiffes<a id="Page_337"></a> + <span class="pagenum">[337]</span> durch +Anker, Ketten, Taue, um es in der Lage zu halten, in der man es haben +will, aus der es um irgendwelcher Gründe, wie Raummangel, Rücksicht auf +die Windrichtung, willen sich nicht herausbewegen soll; also eine +Befestigung des Schiffes zur Vermeidung des Schwojens. Man nennt es auch +„ein Schiff vertäuen‟. Vergl. auch Spring. Das Zeitwort mooren, häufiger +vermooren, hat seinen langen o-Laut von der dunklen niederdeutschen +Aussprache des a, denn es heißt eigentlich marren = binden, festbinden, +befestigen. Von ihm ist das andere seemännische Zeitwort marlen ein +Iterativum. Schon dem Teuthonista war das Wort bekannt, und zwar in der +Form merren; er schreibt: „cabel-lyn reep, seel, to vo dair mede men eyn +schyp an dat lant vestiget offte merret‟.</p> + +<p><span class="strong1">Morgenwache</span> s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Mufferdeischuner</span>, der, (vergl. John Brinckman, „Kasper Ohm un ik‟), ein +Schuner, oder vielmehr eine Brigg, oder noch besser eine Schunerbrigg, +eine Brigantine, „that is square-rigged forward and schooner-rigged +aft‟, also ein Schiff, das am vorderen Maste Rahesegel, am achteren +Schratsegel (s. d.) hat. Mufferdei soll eine von deutschen Seeleuten +zurechtgemachte Form des im Englischen gebräuchlichen Hermaphrodite +sein, würde also ein Zwitterding bedeuten, wegen der zweierlei Segel +oder zweierlei Masten. Aber zweierlei Segel und Masten hat schließlich +jedes Schiff. Die Erklärung mag hier dahingestellt bleiben, da das Wort +ohnehin in der neuhochdeutschen Seemannssprache kaum gebraucht wird. Im +Korrespondenzblatt für niederdeutsche Sprachforschung vom Jahre 1895 ist +Näheres darüber nachzulesen.</p> + +<p><span class="strong1">Mundpfropfen</span>, der, ein Pfropfen, der in die Mündung einer Kanone +gesteckt wird, wenn diese außer Gebrauch ist. Das Wort bedürfte der +Aufnahme nicht, wenn man nicht im Munde der Kriegsschiffsleute öfters +die Frage, in übertragenen Sinne als Ausdruck der Verlegenheit, hörte: +„Wo legen wir den Mundpfropfen hin‟. Dieses geflügelte Wort stammt aus +einer Geschützinstruktion an Bord eines S. M. Schiffe. Als einmal ein +Feuerwerksmaat seiner Geschützbedienung genau alle Handgriffe und +Bewegungen beim Klarmachen eines Geschützes zum Exerzieren +auseinandergesetzt hatte, endigte er seine Instruktion etwas allzu +wichtig tuend mit den Worten: „Nun entsteht aber noch die große Frage: +wo legen wir den Mundpfropfen hin?‟, den zum Exerzieren aus der Mündung +herausgenommenen.<a id="Page_338"></a> + <span class="pagenum">[338]</span></p> + +<p><span class="strong1">mustern</span> heißt jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich +in dem Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also +zusehen, ob er oder es dem Muster gemäß, musterhaft ist. Auf unseren +Kriegsschiffen ist Musterung schlechthin die tägliche Musterung der +Mannschaft und des Schiffes durch den Kommandanten, welche als +„Sonntagsmusterung‟ besonders feierlich und gründlich vorgenommen wird. +Es gibt aber auch besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehr- +etc. Musterung. Im Teuthonista heißt das Wort noch monsteren, und so +kann man es auch heute noch seemännisch und überhaupt niederdeutsch +hören. In dieser Form läßt es seine Abstammung von monstrare zeigen, +deutlicher erkennen. Doch hat das Wort eine wesentliche +Bedeutungsverschiebung erlitten, denn eigentlich ist es der Mann der +mustert, nämlich sich seinem Kommandanten zeigt, aber jetzt heißt es: +„Der Kommandant mustert den Mann.‟ Die Verschiebung hat sich wohl über +das Substantivum Musterung bewegt, indem diese die Veranstaltung ist, +bei der die Matrosen sich zeigen, bei der sie also besehen werden, und +dieses „Besehen‟ ist dann als das Wichtigste in den Vordergrund +getreten. — „Er läßt sich anmustern‟, sagt man, wenn einer sich zum +Eintritt in einen Dienst vorstellt, „zeigt‟; er wird dann in die +Musterrolle eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem +Dienst treten, gebildet, ohne daß der Begriff monstrare überhaupt noch +in Betracht käme, der aber in dem kaufmännischen Muster und in Monstrum +noch zu erkennen ist.</p> + +<p><span class="strong1">Mut</span>, <span class="strong1">Mutte</span>, die, ein Fahrzeug an der friesischen Küste mit flachem Boden +und zwei Farunners anstatt einer Kajüte. Es sieht plump und wenig +schmuck aus, so daß die Vermutung nahe genug liegt, der Name komme von +mutte = Sau, Mutterschwein. Das ist nicht gerade fein, aber die +Weserkähne werden von den Hamburgern Schweinsköpfe genannt, wogegen die +Weserschiffer die Hamburger Ewer mit dem Ehrennamen „Kreijenkieper‟ +nennen und von ihnen zu sagen pflegen: „Groß von Masten, klein von +Lasten.‟<a id="Page_339"></a> + <span class="pagenum">[339]</span></p> + + + +<h2> +<span><a id="N"></a>N.</span> +</h2> + + +<p><span class="strong1">Nachen</span>, der, ist eigentlich kein seemännisches Wort mehr. Wohl ist es +früher eins gewesen, denn im Beówulf wird naca sogar für seegehendes +Schiff gebraucht, aber zur Zeit ist es nur bei Nichtseeleuten und nur im +Binnenlande, namentlich in Hochdeutschland als gleichbedeutend mit Kahn, +das auch kaum seemännisch gebraucht wird, üblich. — Es besteht die +Neigung, Worten die mit a anlauten ein n vorzusetzen, z. B. ärs, närs; +Ast, Nast; ost, nost; arren, narren (mit dem Schlitten fahren); ort, +nort (Spitze). Das kommt daher, daß das n unbestimmten Artikels zu dem +Anfangs-a des Substantivums hinübergezogen wird, wie Nobiskrug aus 'n +Abyssuskrug entstanden ist. So könnte man Nachen erklären als Achen mit +solch einem n davor. In der Tat findet sich nämlich dieses Achen in +oberdeutschen Mundarten vor, niederdeutsch aak, ake, ak; niederländisch +aak neben naak. Wenn man nun ak oder ach für die ursprünglichere Form +ansehen dürfte, so ließ sich die Sache so erklären: man sprach von einer +Achenfahrt und meinte damit eine Wasserfahrt (aha, ahwa, aqua, ach, ahe, +a = Wasser) und hernach meinte man, zu Zeiten, da ach als Wasser nicht +mehr verständlich war, Achen sei das, womit man auf den Wasser fährt, +ein Boot. Dem steht aber die angelsächsische Form naca entgegen, da sich +zur Zeit des Beówulf diese Bedeutungsverschiebung noch nicht vollzogen +haben konnte. Es muß demnach eine andere Erklärung gesucht werden. Mit +einiger Zaghaftigkeit hat man auf das lateinische navis hingewiesen. Ich +möchte eine andere Möglichkeit erwähnen. Bekanntlich ist das lateinische +nix aus snix entstanden. Dem entsprechend könnte auch in unserem Worte +ein anlautendes s geschwunden sein. Dann käme es von einer Wurzel sna, +snu und gehörte zum althochdeutschen snahhan = gleiten, schlüpfen, +schleichen, kriechen, sich bewegen, fließen durchs Wasser gleiten, +schwimmen, vergl. englisch snake, Schlange, auch niederdeutsch snake = +Schlange. Dann wäre Nachen „ein durch Wasser dahingleitendes Ding.‟ Aber +die Sprache hätte sich dann nicht mit einmaligem Schwund eines Anlautes +begnügt, sondern es wäre ein zweimaliger erfolgt; es wäre außer<a id="Page_340"></a> + <span class="pagenum">[340]</span> +dem s auch noch zuweilen das n abgefallen und Nachen wäre nicht aus +Achen, sondern Achen aus Nachen entstanden.</p> + +<p><span class="strong1">Nachtwache</span>, die, s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Nadir</span>, der, ist der dem Zenith entgegengesetzte Pol des Horizontes, der +Fußpunkt im Gegensatz zum Scheitelpunkt, der Punkt der auf der anderen +Seite der Erdkugel dem Scheitelpunkt entgegengesetzt ist. Arabisch und +persisch nadir, nazir, von nazara gleich sein, sich entsprechen, +entgegengesetzt sein, ein Gegenstück zu etwas bilden.</p> + +<p><span class="strong1">Nagelbank</span>, die, ist ein an der Binnenseite des Wants oder sonst an +passender Stelle angebrachtes Stück Holz, in dem die Koveinnägel zum +Belegen laufenden Gutes befestigt sind.</p> + +<p><span class="strong1">Naht</span>, die, bedarf nur im Sinne von Decksnaht einer Erklärung, indem es +die Fuge zwischen zwei Decksplanken bedeutet. Es hat also mit nähen +keine Gemeinschaft, kommt vielmehr vom althochdeutschen hnôjan, nuoen = +einsetzen, genau zusammenfügen; davon althochdeutsch hno, nô, nua, nuo, +nuoha = Fuge, schmale Ritze, Nut. Dieses Nut wäre die richtige Form des +Wortes, wie es unsere Handwerker auch täglich gebrauchen, Naht aber ist +auch eine der vielen Verdunkelungen, die von Unkundigen bei der Aufnahme +ins Hochdeutsche verschuldet worden sind.</p> + +<p><span class="strong1">Nahrungszweig, erlaubter</span>, nennt man wohl scherzhaft die Seefahrt. Wenn +einer ihrer bei andauernd schlechtem Wetter oder sehr langem Seetörn +recht müde ist und sie verwünschen möchte, so fängt er wohl mit einer +Verwünschung an, unterbricht sich dann aber und sagt: „na, sie ist ja +aber ein erlaubter Nahrungszweig.‟ Der Ausdruck stammt aus der alten +Litanei, die auf Schiffen, wo ein Pfarrer ist, an Bord und in den +Marinekirchen am Lande am Bußtag gebetet wird und bis vor Kurzem eine +Fürbitte enthielt für Bergbau, Handel, Seefahrt „und andere erlaubte +Nahrungszweige.‟ Das Gebet ist also zu einer Zeit verfaßt, in der die +Seefahrt vielfach als unerlaubter Nahrungszweig, als Seeräuberei, +betrieben wurde.</p> + +<p><span class="strong1">Navigationsoffizier</span>, der, ist an Bord der Kriegsschiffe der Offizier der +alles unter sich hat, was zur Navigation im engeren Sinne gehört, dessen +Aufgabe vor allen Dingen die Bestimmung des Mittagsbestecks ist, der +überhaupt die astronomischen Beobachtungen anzustellen und zu leiten +hat, der das Meteorologische<a id="Page_341"></a> + <span class="pagenum">[341]</span> besorgt, unter dessen Verantwortung +die Chronometer bedient werden, der die Karten- und Instrumentenkammer +unter sich hat, also einen verantwortungsvollen Posten bekleidet. Daher +wird ein älterer Offizier dazu genommen, der nächste nach dem ersten +Offizier; er ist wachfrei und hat auch sonst mit dem Schiffsdienst +weniger zu tun, damit er sich ganz seiner besonderen Aufgabe widmen +könne. Unter ihm steht mit seinen Maaten und Gasten der Steuermann, den +man bei der Marine eine Zeit lang Navigations-Bootsmann nannte; nicht +sehr glücklich, so daß man erfreulicherweise bald wieder davon abkam. +Das Fremdwort Navigation war schon früh im Gebrauch. Waghenaer gebraucht +es schon 1588: „Alsoo onse particuliere Zee-Caerten die wy vande +Westersche, Oostersche ende Noordtsche navigatien, eensdeels hebben +laten vtgaen ende d'andere (met Godes hulp) mede van meyninghe syn +eerstdaechs int licht te doen brenghen‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Napier'scher Turm</span>, der, s. Turm.</p> + +<p><span class="strong1">Neer</span>, das, heißt das fallende Wasser, der Ebbstrom, der zurückfließende, +rückläufige Strom, das Wasser, das durch irgend ein Hindernis eine der +Hauptströmung entgegengesetzte Stromrichtung erhält, wie dies bei der +vorspringenden Stelle eines Ufers, bei einer Sandbank etc. etc. +geschieht; niederländisch neer, neere = Gegenstrom. Doornkaat dürfte mit +seiner Vermutung recht haben, daß neer Zusammenziehung von neder = +niedrig sei, indem Ebbestrom das ursprünglich Ausschlaggebende war, und +der hat niedrig Wasser im Gefolge.</p> + +<p><span class="strong1">Nehrung</span>, die, Name der langen, schmalen Halbinsel an der preußischen +Ostseeküste. Weil Nehrung eine schmale, also auch enge Landzunge ist, so +hat man an das altsächsische narn enge gedacht. Da aber eine solche +Landzunge leicht Änderungen in der Strömung, Strudel und dergl. erzeugt, +so wäre in Betracht zu ziehen, ob wir hier nicht eine Weiterbildung von +Neer (s. d.) vor uns haben.</p> + +<p><span class="strong1">Nes</span>, die, auch Nesse, Halbinsel, Vorsprung, Landzunge, Name der +Halbinsel Nesse bei Emden, der Ortschaft Nesse bei Norden; englisch +ness, in Sheerness; altnordisch, norwegisch nes; schwedisch näs, dänisch +nes, naes Vorgebirge, Kap; Lindesnäs und andere. Das Wort ist kein +anderes als die niederdeutsche Form für unser hochdeutsches Nase.<a id="Page_342"></a> + <span class="pagenum">[342]</span></p> + +<p><span class="strong1">Niklausse-Kessel</span> s. Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Niederdruckmaschine</span> s. Maschine.</p> + +<p><span class="strong1">Niederholer</span>, der, ist ein laufendes Tau, das an solchen Segeln +angebracht wird, die, wenn ihr Fall losgemacht ist, nicht von selbst +sinken, sondern, eben mit Hilfe des Niederholers, niedergeholt werden +müssen. Er wirkt in der entgegengesetzten Richtung des Aufholers. Klüver +und Stagsegel haben dergleichen Niederholer. — Auch gibt es Niederholer +für die Bramrahe und Oberbramrahe, die mit diesem Niederholer an Deck +bezw. in den Mars niedergeholt werden.</p> + +<p><span class="strong1">Nipflut</span>, die = niedrige Flut. Das niederdeutsche Zeitwort nippen heißt +mit dem Kopfe nicken, den Kopf sinken lassen. Dem entspricht das +Hochdeutsche nippen, den Kopf öfters sinken lassen um in kleinen +Schlucken zu trinken. Mittelniederdeutsch nipen sinken, niedergehen, +heruntergehen, sich senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heißt +Nicken, das Sichneigen des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff +<span class="strong1">niedergehen</span> kommt das angelsächsische nipan = obscurari, weil +niedergehende Gestirne dunkel werden, bezw. dunkel machen. Es ist also +Nipflut mit „niedrige‟ Flut zu übersetzen. — Breusing mochte dieses +Wort vergl. „Gezeiten‟, nicht leiden, weil er es für englisch und +deutschen Seeleuten unverständlich hielt. Er möchte dafür „taube Gezeit‟ +eingeführt sehen. „Man unterscheidet Springzeit und taube Gezeit in +ähnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen unterscheidet, +die aufspringen, wenn sie voll und reif sind.‟ Es hat sich aber Nipflut +so in der wissenschaftlichen Welt eingebürgert, daß an ein Verdrängen +nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so ausschließlich +englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s. d.) englisch ist.</p> + +<p><span class="strong1">nisseln</span>, fein, sanft, langsam regnen, so daß keine großen Tropfen, ja +überhaupt kaum Tropfen, sondern kaum etwas mehr denn feiner Nebelregen +herniederkommt. Das niederdeutsche Zeitwort nüsseln heißt langsam sein, +zaudern, säumen, nicht vorwärts kommen, nichts beschicken, keine ganze +Arbeit tun. Offenbar ist letzteres auch die Bedeutung von nisseln = +regnen, ohne daß es ganzer, richtiger Regen ist, regnen mit halber +Kraft, mit halber Arbeit. Nüsseln könnte gleich nüsteln sein, und dieses +ist gleich nesteln, kleine, tiftelige Arbeit tun, Arbeit die viel Zeit +braucht, ohne daß sie viel zu Stande bringt.<a id="Page_343"></a> + <span class="pagenum">[343]</span></p> + +<p><span class="strong1">Nitsel</span>, das, auch Nitzel geschrieben, heißt ein dünnes, kurzes, +getakeltes Stücken Garn, mit dem die Seeleute ihre Wäsche an der +Wäschejolle zum Trocknen aufhängen oder vielmehr festbinden, besonders +aber das Bändsel oder Nestel, mit dem man die Hängematte +zusammennestelt, zurrt. Für Nestel hört man wohl auch Nistel und davon +ist Nitsel eine einfache Umstellung.</p> + +<p><span class="strong1">Nock</span>, die, die spitze Ecke eines Segels, die äußerste Spitze einer Rahe. +Weiland: „Nok een woord, dat in het gemeen het opperste toppunt van +iets, het niderste einde schijnt beteekend te hebben. In het bijsonder +is het in gebruik voor het opperste van het dak.‟ Auch im +Niederdeutschen wird es für First gebraucht; norwegisch nuk, Bergspitze. + — Die Grundbedeutung ist biegen, beugen, krümmen, in einem Winkel sich +umbiegen, eine scharfe Ecke bilden. So hieß also zuerst die äußerste +Ecke des Segels Nock, und von ihr ist der Name auf den +nächstbenachbarten äußersten Teil der Rahe übergegangen; wie umgekehrt +der Name Klau vom Ende der Gaffel auf den benachbarten Teil des Segels +überging. — Da durch das Nicken eine Biegung und Krümmung entsteht, so +wird Nock zu nicken zu stellen sein und als verwandt mit Nacken und +Genick angesehen werden müssen.</p> + +<p><span class="strong1">Nockgording</span> s. Gording.</p> + +<p><span class="strong1">Normandkessel</span> s. Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Normalnull</span> s. Nullpunkt.</p> + +<p><span class="strong1">Normänner</span>, die, heißen zwei querschiffs stehende an den Betings +befestigte eiserne Arme, dazu dienend, den Betingschlag der Ankerkette +frei von Deck und die beiden Parten frei von einander zu halten. Früher +war ein Normanne ein Stück Holz zur Befestigung des Ankertaus; der Name +stammt aus England, wo man die Vorrichtung für so alt gehalten haben +muß, daß sie noch von den alten Normannen, die mit Wilhelm dem Eroberer +nach England kamen, abstammend angesehen wurde.</p> + +<p><span class="strong1">Notschuss</span>, der, ein Schuß den ein Schiff in Seenot abfeuert um Hilfe +herbeizurufen. Er hat natürlich nur Sinn und Zweck, wenn überhaupt eine +Küste nahe ist und wenn sich an ihr Rettungsmittel befinden, die auf den +gefeuerten Kanonenschuß hin bereit sind, in Tätigkeit zu treten.</p> + +<p><span class="strong1">Null!</span> hört man an Bord oft rufen wenn Beobachtungen oder Messungen +vorgenommen werden bei denen es darauf ankommt, einen genauen Zeitpunkt +zu haben. Es gehören zwei zu solcher<a id="Page_344"></a> + <span class="pagenum">[344]</span> Messung, einer der das +Meßinstrument und einer der die Uhr im Auge hat. Sobald der bestimmte +Zeitpunkt da ist, wird in demselben Augenblick kurz, laut, scharf Null! +gerufen; man könnte auch irgend einen anderen Ton von sich geben, aber +dieser ist kurz und deutlich und daher einmal als zweckentsprechend +eingeführt, zuerst natürlich, weil der genannte Augenblick als Nullpunkt +für die Berechnung dienen sollte.</p> + +<p><span class="strong1">Nullpunkt</span>, der, Dick und Kretschmer I. 232: „Die Pegel der Hafenplätze +beziehen sich auf das mittlere örtliche Niedrigwasser. Werden die +Nullpunkte jedoch in Verbindung gebracht mit dem Normal-Null, gleich dem +Amsterdamer Null oder dem mittleren Wasserstande der Ostsee, gleich 37 m +unter dem Normalhöhenpunkte der Sternwarte in Berlin, dann ergibt sich +das Folgende: Der Nullpunkt des Pegels liegt unter Normal-Null</p> + +<table border="1" summary="Nullpunkt des Pegels unter Normal-Null"> +<tr><td class="tdleft">in Wilhelmshaven</td><td class="tdleft">0,578 m</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " Bremerhaven</td><td class="tdleft">2,075 " </td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " Brunsbüttel</td><td class="tdleft">0,230 " </td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " Holtenau</td><td class="tdleft">0,330 " </td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " Cuxhaven</td><td class="tdleft">3,639 " </td></tr> +</table> + + + + + +<h2> +<span><a id="O"></a>O.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Ocean</span>, der, griechisch okeanos, bei Homer der die Erde wie das Meer +rings einschließende Weltstrom, Urquell alles dessen was ist, aus dessen +Fluten sich die Gestirne erheben, so wie sie auch wieder in ihn +zurückkehren. Später das Weltmeer, von dem es im Besonderen wieder einen +indischen und westlichen Ocean gab. Okeanos war in der griechischen +Mythologie personifiziert, Sohn des Uranos und der Gäa, Gemahl der +Thetis, Vater einer Menge von Söhnen und Töchtern (der Gewässer), ein +Gott, der an Macht nur dem Zeus wich. Der deutsche Seemann kennt nur +drei Oceane, den atlantischen, den er gern kurzweg den Atlantik nennt, +den großen, für den er gern Südsee sagt, und den indischen. Die +Engländer haben außerdem noch einen arctic und einen antarctic ocean. — +In dem Worte Ocean steckt unser altdeutsches aha, lateinisch aqua = +Wasser, mit verdunkeltem<a id="Page_345"></a> + <span class="pagenum">[345]</span> a wie bei dem oog in Wangeroog, +Spiekeroog, Langeoog etc. etc.</p> + +<p><span class="strong1">Ochsenauge</span>, das, war vor hundert Jahren für nichts anderes im Gebrauch +als für eine Öffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein +Stückchen blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint, +durch solch eine Öffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man +bekomme ihn daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese +Öffnung zeigt. „Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenüber steht, so hat es +die Farben eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine +Wettergalle. Steht es aber bei der Sonne, so ist es gewöhnlich ein +Vorbote von schlechtem Wetter.‟ Seit uralten Zeiten waren große Augen +bei den Frauen für schön geachtet, daher das berühmte boopis im +Lateinischen wiedergegeben werden konnte mit „grandibus oculis +praedita.‟ Es lag nahe, einen solch freundlichen Himmelsblick ein Auge +zu nennen, daß es gerade ein Ochsenauge sein mußte, zeugt davon, daß +unter unsern Seeleuten schon im 18. Jahrhundert sich junge Leute +befanden, die die Bänke hoher Schulen gedrückt und mit dem vermeintlich +freien Seeleben vertauscht hatten. — Heute heißt in begrifflicher +Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge ein kleines, rundes, wenig +aber doch immerhin etwas Licht spendendes Stück Glas, das in einer +Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei es, daß es von oben durch +das Deck, sei es, daß es von der Seite durch die Bordwand leuchtet, +Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei uns meist Bullei +genannt.</p> + +<p><span class="strong1">orientieren</span>, kommt ursprünglich aus der Baukunst und wurde zuerst von +Kirchen gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden, +daß der Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete +Kirche hieß und heißt orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte +sich jeder leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten, +weshalb man bald „sich oder jemanden orientieren‟ gebrauchte für +informieren, zurechtweisen, belehren u. s. w. Aus dem Umstande, daß +mittelalterliche Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen +Teilen nicht genau orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage +geschlossen, man habe die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar +nach der Magnetnadel vorgenommen, aber die Mißweisung außer Acht +gelassen.<a id="Page_346"></a> + <span class="pagenum">[346]</span></p> + +<p><span class="strong1">Orkan</span>, der. So heißt jetzt jeder Sturm, der sich über das gewöhnliche +Maß des Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der +Bezeichnung orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal +ein Glasdach abgedeckt wird; ursprünglich waren aber nur die besonders +schweren westindischen Stürme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem +karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch +huracan, welches die dem Ursprünglichen am nächsten kommende Form sein +dürfte; italienisch uracano, französisch ouragan, niederländisch orkaan. +Die Engländer haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane. +Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen.</p> + +<p><span class="strong1">Orlogschiff</span>, das, s. Kriegsschiff.</p> + +<p><span class="strong1">Orlopbalken</span>, <span class="strong1">Orlop</span>, <span class="strong1">Overlop</span>, s. Deck. +</p> +<p><span class="strong1">Ort</span>, der. Es gibt fünf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1. +Schusterahle, 2. Maß, 3. eine Münze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz. +Sie kommen aber alle fünf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer +Punkt, Anfang, Ecke, Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der +See in den Bezeichnungen Darserort, Brüsterort, Friedrichsort erhalten +hat und der in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen +oort noch ausschließlich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd für +Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die +Messerspitze heißt, wie im Angelsächsischen ord ganz allgemein +Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Maß und Gewicht und Münze +sagt Kluge, 276: „Zunächst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch +ein Kreuz in vier Orten, d. h. Ecken geteilten Münzen ausgegangen und +erst dann auf Maß und Gewicht übertragen worden.‟ — Die Bezeichnung +Örtje, Örtchen für die kleine ostfriesische Münze, im Werte von 1-1/4 +alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht verewigt, das +Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der hannoverschen Garnison +in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat. — „Wen gy von ein Land na dat +ander segeln willen, und gy alßden juw Gissing willen maken, so möcht gy +erst den Huck offt Ort des Landes, dewars, von juw aff gegeben, ehr und +bevor gy de Glese kehren,‟ „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, +1673. Daß Ort ein langes o hat, geht schon aus den obigen alten Formen +hervor, wird aber bestätigt durch das „Seebuch‟ von Manson, Lübeck 1735: +„Vons<a id="Page_347"></a> + <span class="pagenum">[347]</span> West Ende von Femern nach dem Inlauff von Kiel ist es +Westen zum Süden 5 Meilen, die Förde ist groß und weit, ihr lasset das +Casteel, <span class="strong1">Friedrichs Ohrt</span> im Aufsegeln am Stührbord, man gehet dann das +Förde auf nach der Stadt zu. — Von Kieler-Föhrde biß Eckern-Förde ist +es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist gleichfals eine grosse weite Förde, man +segelt hier für die Stadt gleiches Nahmens.‟</p> + +<p><span class="strong1">ösen</span> heißt schöpfen, ausschöpfen, besonders das Wasser aus einem Boot +mit einem Schöpfer, Ösfaß genannt, ausschöpfen. Schon Kilian übersetzt +oozen mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, +indem es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. +Das beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das +Wasser das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das +Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die +Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben. +Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch +hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer. — Friesisch eaze, mittelst +des easfet. „Wol beslein, zei Anke de scipper, it scip forlern, ind it +easfet bihalden.‟ Bei der Lüneburger Salzgewinnung heißt oseammer, +osammer der Schöpfeimer und der Solschöpfer führt den Namen oser. Von +Bremen bis Wangerooge heißt der unterste Rand des Daches von dem das +Regenwasser auf die Erde tröpfelt oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz +im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen; +„een öse, dar dat segel mit genettet werdt.‟ Und auch im Oberdeutschen +heißt Oese das Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, +Griff, denn das kommt gemäß einem bei Willmans I. 85 +auseinandergesetzten Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das = +Ohr ist. — Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: „er +verast es;‟ das muß eigentlich heißen: „er veröst es‟, gießt es aus, +verschüttet es.<a id="Page_348"></a> + <span class="pagenum">[348]</span> +</p> + + +<h2> +<span><a id="P"></a>P.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">P. and O.</span> Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine +Schiffahrtslinie die ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien +und Portugal und mit dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhält. +Im Abkürzen sind die Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für +Francisco und Hock für „Hochheimer‟ kann man auf jedem englischen +Kriegsschiffe hören, und in ganz Indien, China und Japan hört man nie +anders als von P. and O. = Dampfern reden, wenn man von dieser +englischen Linie und ihren Schiffen spricht.</p> + +<p><span class="strong1">p. m.</span> s. a. m.</p> + +<p><span class="strong1">Pageie</span>, die, heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der +afrikanischen Küste und auch bei den Indianern eine Art Riemen mit +breitem Blatt. Wort und Sache scheinen zu uns auf dem Wege über +Frankreich gekommen zu sein, französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und +der Ruderer mit diesem Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht +auf den Dollbord aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes +sitzende pagayeur rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder +haltend. „L'effet de la Pagaye est plus considérable que celui de +l'aviron, mais sa manoeuvre exige plus de force et fatigue davantage.‟ +(Bonnefoux et Paris, marine à voiles 542.)</p> + +<p><span class="strong1">paddeln</span> heißt auf eigentümliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen. +Es scheint, daß in England sich der Name Pageie nicht eingebürgert hat, +(s. d.) vielleicht weil man dorten für ein ähnliches Werkzeug den sehr +populären Namen paddle hatte, der sich nicht verdrängen ließ, „a sort of +short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and +boats.‟ Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders +indessen das Zeitwort paddeln, eine Tätigkeit anzeigend durch die das +Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentümliches Schwimmen, so +bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder +eine „Kröte‟ hieß aber angelsächsisch pada und heißt englisch paddock, +niederdeutsch padde.</p> + +<p><span class="strong1">Packung</span>, die. Packen heißt zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen +für die Reise in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer +Kommode unterbringen, in Ordnung bringen,<a id="Page_349"></a> + <span class="pagenum">[349]</span> sichern; daher heißt +die Dichtung einer Gas- oder Dampfröhre, weil sie eine Sicherung +darstellt, Packung s. Bagger, Baginrahe, Packetboot.</p> + +<p><span class="strong1">Packetboot</span>, das, ein Schiff das regelmäßige Fahrten ausführt und dabei +Passagiere, Güter, Packete und Briefe befördert, also das vorstellt, was +man jetzt gewöhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit +dem niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und +Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn +wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen +Stück alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack +vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, daß alles was +zusammengeschnürt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als +Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heißt +Packetpost, das Schiff das dergleichen befördert Packetboot.</p> + +<p><span class="strong1">Pall</span>, das, ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rücklauf zu +verhindern. Pall, englisch pallet, heißt das im Winkel gebogene Ende des +Armes eines sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zähne des Zahnrades +eingreift. Das Bremer Wörterbuch kennt das Wort in verschiedenen +Bedeutungen. „Wenn das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen +die (das Spill drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher +haben wir die sehr gebräuchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich +stehen, standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to +Pall kamen, übel anlaufen, mit vieler Mühe seinen Zweck erreichen.‟ — +Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff +steht pall, steht fest. Überhaupt ist mit dem Worte der Begriff „<span class="strong1">fest</span>‟ +verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun, +das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem +auch in deutschen und niederländischen Städten (Halle, Altona, Utrecht) +beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der +Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht +zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen; +allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen +mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff „fest‟ doch noch +stärker zur Geltung gekommen zu sein. — Ich finde das +Substantivum<a id="Page_350"></a> + <span class="pagenum">[350]</span> „die Pallen‟ zuerst in der „Beschriving van der +Kunst der Seefahrt‟, 1673: „Es sähe überall sauer aus, und die Noth war +da, derohalben entschloß ich, daß wir wolten daß erste Land für das +beste erkiesen; auff daß wir in der See nicht vergehen möchten; den +zuvor dürffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil +die Pallen von daß Bratspieß weg wahren, den so wir zum Ancker gehen +mußten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so +der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Korß nachs +heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande +Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de +Wall.‟</p> + +<p><span class="strong1">palmen</span> heißt Hand über Hand holen, also nicht wie solches auf +Kriegsschiffen gewöhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand +auflaufen, sondern mit wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand +vor die andere setzt, in die Höhe ziehen; das Gegenteil davon ist +fieren, was auch Hand über Hand geschehen muß damit der zu fierende +Gegenstand oder vielmehr das an ihm befestigte Tau nicht schliere. — +Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die +stolzen Palmen wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer flachen +Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben. — Die Hand wurde +auch ebensogut wie der Fuß und der Ellbogen als Maß benutzt und man +gebraucht dementsprechend palmen auch für messen.</p> + +<p><span class="strong1">Palstek</span>, der. Stek heißt Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch +eine Schlinge; Pal heißt Pfahl; darum aus dem Ganzen einen „Pfahlstich‟ +zu machen ist ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut +niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentümliche des Palsteks ist, daß +er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dükdalben gelegt wird, +auch wenn Kraft darauf kommt, und daß man, sobald die Kraft zu wirken +aufhört, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem +Dükdalben abnehmen und über einen anderen streifen kann, wenn etwa ein +Schiff verholt werden soll.</p> + +<p><span class="strong1">Pampero</span>, der, ist ein heftiger, plötzlich und überraschend aufkommender, +mit schwerer Bö einsetzender Wind an der Küste von Südamerika, aus +Westen wehend, hat er seinen Namen von den Pampas, über die er +hinwegstreicht. Schon manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist +gekentert, wenn es sich an jenen<a id="Page_351"></a> + <span class="pagenum">[351]</span> Küsten von einer so schwer +vorherzusehenden „weißen Bö‟ überraschen ließ.</p> + +<p><span class="strong1">Pantry</span>, die, ausgesprochen Päntry, also über England zu uns gekommen, +bedeutet jetzt den zu einer Messe gehörigen Anrichteraum, in dem die +Gläser, Teller, Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen +werden. Vorräte werden in diesem Raume nicht verstaut, doch muß früher +wenigstens ein gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten +worden sein, denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also +eigentlich Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und +pantry ist das französische paneterie.</p> + +<p><span class="strong1">Panzer</span>, der. Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean +durchfurchen haben ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort +aus dem Lateinischen. Da heißt pantex der Leib, gewöhnlich in der +Mehrzahl und poetisch gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus +ward italienisch pancia, spanisch panza, provençalisch pansa, +französisch panse; mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der +Pansen, Wanst, Bauch, Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkäuer. Von +Menschen wird es jetzt nur noch in sehr freier Rede gebraucht und in +stehenden derben Redensarten: „Ich trete Dir vor, in den Pans!‟ „Sük de +Pans full fräten.‟ Doch spricht das Volk auch ganz harmlos: „Mit ledige +(leeren) Pansen is god dansen‟, wo der Gebildete sagen würde: „plenus +venter non studet libenter.‟ — Den Teil der Rüstung der den Unterleib +deckte nannten die Italiener panciera, spanisch pancere, altfranzösisch +panchire, mittelniederdeutsch (Kil.) pans-yser oder panssier. Es war +eine schuppenförmige Stahlschürze, die hat sich inzwischen zu +halbmeterdicken Stahlplatten ausgewachsen. — Die Panzerung eines +Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je nach dem Material, +dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen führen; so spricht man +von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten, Nickelstahlplatten, +Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u. s. w.</p> + +<p><span class="strong1">Pardun</span>, das. Die Parduns sind stehendes Gut und stützen die Stengen nach +der Seite und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung +un, oen geschrieben, kommt im Niederländischen, woher das Wort — es +lautet daselbst perdoen — stammen wird, häufig vor; katoen, blazoen, +latoen, plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die +Stammsilbe par dürfte<a id="Page_352"></a> + <span class="pagenum">[352]</span> von bar, par = tragen kommen, denn das +Pardun ist ein tragendes, haltendes, festhaltendes Etwas. Es müßte, wenn +diese Ableitung richtig ist, eigentlich Parun heißen; aber so gut man, +wie in Kiel geschieht, der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl +Kardel sagen kann, so gut kann sich auch hier das d eingeschlichen +haben, zumal bar, par die Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie +Geberde und Hellebarde, Helleparte beweisen.</p> + +<p><span class="strong1">Part</span>, die. Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im +Mittelhochdeutschen für Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgemäß wird +es noch heute häufig gehört: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine „gute +Partie‟, eine Landpartie; seemännisch als Anteil an einem +Bodmereigeschäft, Schiffspart, und dann sehr häufig im Gebrauch für +„Teil eines Taues,‟ und dann auch wohl die Parte. So heißt jeder +einzelne Teil des Läufers eines Takels der von einer Scheibe bis zur +anderen geht, so daß ein Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben. + — Ein einfaches Tau, das überhaupt durch keine Scheibe geschoren ist, +das man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen würde, nennt +der Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe +zusammengebogen, so daß dessen beide Enden neben einander liegen, so +heißt die so gebildete Bucht eine doppelte Part.</p> + +<p><span class="strong1">Passat</span>, der, ist der nördlich und südlich vom Äquator regelmäßig aus +Nordost bezw. Südost und annähernd stets in der gleichen Stärke wehende, +dem Seemann hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwähnte spanische +paso heißt nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher +Bedeutung es schon allein zur Erklärung von Passat genügen würde, +sondern auch „Strich der Vögel‟. Wie nun die Vögel auf ihrem Zuge nach +oder vom Süden stets den gleichen Strich inne halten, so streicht auch +der Passat stets auf demselben Strich, aus bekannten physischen +Ursachen. Englisch heißt der Passat tradewind; trade heißt ursprünglich +Weg, Lauf, Pfad; Passat wäre also ein Wegwind, der stets denselben Weg +weht. Es liegt auf der Hand, daß in diesem allgemeinen Sinne auch die +Monsune Passate sind; doch haben die ihren eigenen arabisch-persischen +Namen behalten.</p> + +<p><span class="strong1">Passer</span>, der, ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel geläufiger +ist. Ursprünglich hieß unser Kompaß in den romanischen Sprachen compasso +und bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meßinstrument; die jetzige +Bedeutung als Instrument zum Messen<a id="Page_353"></a> + <span class="pagenum">[353]</span> der Himmelsrichtung ist +später hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen +Bedeutungen auch die von Takt, Versmaß, überhaupt von Maß und von +Werkzeug zum Messen. Fuß, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind +Maße vom menschlichen Leibe genommen; ein solches Maß ist auch der +Schritt, sogar jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom +Schritt zum Messen und vom Messen zum Meßwerkzeug war jedesmal nur ein +Schritt. — Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte +gebraucht, die man darum auch Paßkarte nannte.</p> + +<p><span class="strong1">Pegel</span>, der. Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen. +Es bedeutet im Mittelalter ganz besonders ein Maß zum Messen von +Getränken, wobei die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes +angebracht war. Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts +herausgegebene „Bremer Wörterbuch‟ bemerkt hierzu: „Vor Zeiten bedeutete +Pegel ein gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch +also einen inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei +den Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist +noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit +verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein +jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen, +trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe +auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf +gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch +noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein +großer Säufer sein.‟ Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken. +Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach +allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim +Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die +Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte +jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. „Sed to, +ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet‟, +beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher +stammt auch der Vers: „Is it ein mester, moet man en firen, so moet he +am ersten sinen pegel utliren.‟ Der alte Kilianus Duffläus erklärt +peghel<a id="Page_354"></a> + <span class="pagenum">[354]</span> mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri, +mensurare und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s. +peilen). Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem +Trinkgefäß, es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die +Bedeutung ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit Beil +ist wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil +und heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so +zu denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes +Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.</p> + +<p><span class="strong1">peilen</span>, etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen, +bestimmen. Die Sonne peilen, sie mit einem Peil-oder Azimutal-Kompaß +beobachten, in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die +Tiefe desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt +wird, untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem +Peilkompaß bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem +Kompaßstriche es liegt. Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz +untersuchen, wie hoch das Wasser in der Pumpe steht. Peilen ist +zusammengezogen aus pegelen, indem das g der größeren Bequemlichkeit +wegen ausfiel und aus den beiden dann zusammengetroffenen e der +Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von Pegel (s. d.). Was heute +Peilkompaß heißt, nannte der Verfasser der „Beschriving van der Kunst +der Seefahrt‟ 1673 noch durchgängig Pegel-Compaß. „Tho Pegelinge averst +der Landen, Torens, Huken und Baken, imgeliken der Sünnen up und +underganck, is nichts bequemeres, den ein recht Pegel-Kompaß, wil se +averst mennigen tho dür sin (dar doch offt Schip, Man und Gut angelegen +is) so werender ock weinig by der See gefunden, de se gebrucken offt bei +sik föhren, behelpen sick, in Platz von dessen, mit ein Kompaß mit ein +Pin, dar man sik ok thor Noth wohl mit behelpen kan, wen man wet dat de +Drat unter de Rose Süden und Norden gelecht is. Dat seckerste holde ick +awerst vor best.‟</p> + +<p><span class="strong1">Penterhaken</span>, der. Früher gab es einen Penterbalken, ein Pentertakel und +einen Penterhaken, sie bildeten zusammen gleichsam eine +Reservevorrichtung die beim Ankerlichten in Tätigkeit trat. Bei der +neuzeitigen großen Umwälzung die das ganze Ankergeschirr erlebt hat, ist +als letzte Erinnerung daran nur der Penterhaken geblieben, und auch ihn +führt das amtliche Handwörterbuch<a id="Page_355"></a> + <span class="pagenum">[355]</span> für technische Ausdrücke in der +Kaiserlichen Marine schon nicht mehr unter den zahlreichen anderen Haken +auf. Er faßt beim Ankerlichten in den Ring des Ankers. Das +niederdeutsche Wort pennen heißt: in einander stecken, in einander +fügen, verbinden, schließen, riegeln, vergl. das englische to pin = +einstecken, anstecken, heften, anheften, befestigen, festmachen. Das +Zeitwort pennen kommt von Pinne, einem Ding zum Ein-, Auf-, Feststecken, +Festhalten, Festmachen, Verschließen, Verbinden; mittellateinisch pinna, +der Nagel. — Vergl. übrigens „Porteurleine‟ am Schluß. Der Penterhaken +und die Porteurleine gehören so nahe zusammen, daß die Annahme beinahe +unabweislich ist, daß Penter eine volkstümliche Form von Porteur, oder +Porteur eine gelehrte Form von Penter ist.</p> + +<p><span class="strong1">Peter, blauer</span>, eine blaue Flagge als Abfahrtssignal eines Schiffes. +Durch Hissen desselben gibt der Kapitän zu erkennen, daß er die Absicht +hat, in See zu gehen und daß also, wer an Bord gehört, sich einzufinden +habe. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen, wo sie scherzweise +aufkam als Umbildung von blue repeater, einer blauen +Kontre-Signal-Flagge.</p> + +<p><span class="strong1">Pferde</span>, heißen die Taue unterhalb der Rahen, auf denen die Matrosen beim +Segelsetzen oder -bergen stehen. Sie haben mit dem Lehnwort aus dem +Lateinischen Pferd = Roß nichts zu tun. Vielmehr kommt das Wort davon, +daß die Matrosen auf diese Taue mit ihren Füßen <span class="strong1">treten</span>. Treten hieß +angelsächsisch paddan, peddan, eigentlich wandeln, laufen, spazieren +gehen, also in dem Sinne, in dem wir von einem Pflastertreten sprechen. +Niederdeutsch pedden. Es kommt aber auch die Form perren und perden vor. +In Hinterpommern nennt man „in Menschenkot treten‟ „in't Fossise perre.‟ +Das was einer perd kann er leicht ein Perd nennen und das +Neuhochdeutsche hat im Mißverstand ein Pferd daraus gemacht.</p> + +<p><span class="strong1">Pflicht</span>, die. Doornkaat: „Auf kleinen Schiffen und namentlich solchen, +deren Raum offen ist und die kein eigentliches Deck oder Vordeck haben, +ein abgezimmerter mit einem Deck oder Verdeck versehener kleiner Raum im +Hinter- und Vorderteil von Fluß- und Wattschiffen oder Tjalken, welcher +im Hinterteil die Stelle einer Kajüte auf großen Schiffen vertritt und +als solche achterpflicht heißt, während die förpflicht oder der bedeckte +und abgezimmerte Raum im Vorderteil solcher Schiffe auch forunder<a id="Page_356"></a> + <span class="pagenum">[356]</span> +genannt wird (s. Farunner).‟ Es ist die Form Pflicht eine der +schlimmsten hochdeutschen Verdunkelungen der Seemannssprache. Das Wort +heißt nicht Pflicht, sondern Plicht. Niederdeutsch plicht; +niederländisch plecht, plicht; auf Wangerooge pliucht; schwedisch und +dänisch pligt; norwegisch plitt; offenbar verwandt mit dem englischen +plight = Decke, da die Plicht doch bedeckt ist und ein Deck darstellt. +Das „Bremer Wörterbuch‟ sagt: Pligt = ein kleiner Raum vorn und hinten +auf einem Schiffe. Es war aber ursprünglich wohl die Bedeutung auf den +vorderen Raum beschränkt. Das geht einesteils aus der Übersetzung +Kilians hervor, der plecht van 't schip mit prora wiedergibt, +andernteils auch aus der Bezeichnung <span class="strong1">Plichtanker</span>. Der heißt so, weil er +auf der Plicht seinen Platz hat, um stets bei der Hand zu sein. Den +Anker braucht man aber in der Regel vorn; so war die forplicht +jedenfalls die eigentliche Plicht. Das wird auch durch den noch +gangbaren Ausdruck <span class="strong1">Bootspflicht</span> bestätigt, denn so heißt der erhöhte, +mit einem Gräting gedeckte Teil vorn, am Bug eines Bootes. Noch +deutlicher wird dies durch die Zusammensetzung „<span class="strong1">Lausepflicht</span>‟. Damit ist +der Raum vorn am Gallion bezeichnet; da wo der Mann seine Notdurft +verrichtet, macht er auch seine Toilette, da kämmt er sich, und daß der +derbe Seemann die Plicht, auf der sich die Leute zu kämmen pflegen, +Lauseplicht nennt, wer wird sich darüber verwundern?</p> + +<p><span class="strong1">Pforte</span>, die, eine verschließbare Öffnung in der Bordwand. Es gab oder +gibt Ladepforten, Ballastpforten, Ruderpforten, Piekpforten, Jagdpforten +(ganz vorne für die Jagdstücke, die beim Jagen eines fliehenden Feindes +in Tätigkeit treten), Luftpforten, Lichtpforten, Stückpforten. Die +letzteren sind auf den Kriegsschiffen von besonderer Bedeutung, und +darum versteht man, wenn schlechthin Pforte gesagt wird, stets eine +Geschützpforte darunter. Das lateinische porta heißt bekanntlich Tür, +Tor, es liegt ihm aber ein griechisches Zeitwort zu Grunde, das +durchgehen, passieren bedeutet. Insofern ist die Bezeichnung Pforte doch +nicht unglücklich gewählt, wenn auch durch diese keine Menschen gehen.</p> + +<p><span class="strong1">Piek</span>, die. Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat +es irgend etwas mit „Spitze, Äußerstes‟ zu tun. Die Achterpiek, +Hinterpiek ist der äußerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil +des Schiffes; heißt meist kurzweg die Piek,<a id="Page_357"></a> + <span class="pagenum">[357]</span> während der +entsprechende vorderste Teil, wenn er überhaupt Piek genannt wird, mit +Vorderpiek näher bezeichnet werden muß. Aber nicht nur das Äußerste nach +hinten oder vorn, sondern auch nach oben heißt Piek; diese Bedeutung ist +sogar die ursprünglichere. So heißt z. B. sogar das Tau mit dem die +Gaffel des Besans so getoppt wird, daß ihre Nock sich in die Höhe +streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen auf Piek setzen ist ein anderer +Ausdruck für kaien, nämlich sie so auf und nieder setzen, daß sie +weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken heißt „Riemen hoch‟ nehmen, +sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar nicht spitz aber doch das +Äußerste am Riemen ist, in die Höhe halten. — Piek ist dasselbe Wort +wie pique im französischen Kartenspiel und bedeutet Pike, Lanze, Speer, +Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch und portugiesisch pica, +italienisch picca, was mit picco, spanisch und portugiesisch pico, +französisch pic, angelsächsisch pic englisch peak zusammengehört, alles +mehr oder weniger Spitze bedeutend. — Das Piekfall hieß früher Dirk, +Gaffeldirk, jetzt heißt Dirk nicht mehr das Tau zum Auftoppen der +Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des Besansbaums.</p> + +<p><span class="strong1">Pier</span>, die, ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck für +das was wir gewöhnlich Moole nennen, also für einen Steindamm, für eine +steinerne Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder +zum Anlegen und Festmachen für Schiffe. Das Wort kommt vom französischen +pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den +Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hölzerne Bollwerk +wohl auch eine Pier nennen hören. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: „By +westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer +d'inwoonders haer visschers barken onder legghen.‟ Er hielt es damals +also doch für nötig Piere zu übersetzen und zu erklären, weil es für +einen Niederländer auch in jener überaus fremdwortfreundlichen und +-reichen Zeit ein erklärungsbedürftiges Fremdwort war.</p> + +<p><span class="strong1">Pijacket</span>, <span class="strong1">Peajacket</span>, <span class="strong1">Pijacke</span>. Der kurze Überzieher der Mannschaften, die +bei der Kaiserlichen Marine dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient +haben, mit anderen (Civil-)Knöpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die +letztangeführte Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste +zugleich; hat auch den Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des +14. Jahrhunderts<a id="Page_358"></a> + <span class="pagenum">[358]</span> kommt im Spanischen un jaque de seda vor, eine +seidene Jacke. Neuspanisch jaco, italienisch giaco, französisch jaque, +niederländisch jasje, zoort van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach +Ducange, zu Beauvais ein Häuptling gewesen sein mit Namen Jaque, der, +wenn er zum Kampfe auszog, einen kurzen Oberrock getragen habe; daher +das zweite Wort in der Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet +ebenfalls Jacke. Die fremde unverstandene Bezeichnung Jacke genügte dem +deutschen Küstenbewohner nicht für das bald heimisch gewordene +Kleidungsstück, (die Häuptlinge auf den Siegeln des 14. und 15. +Jahrhunderts tragen bis auf die Knie gehende Röcke) darum verbanden sie +sie mit dem altgewohnten Worte für Rock py, pye, welches heute noch in +Ostfriesland pe, peje, pei, pi heißt und einen kurzen Unterrock von +rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen pye, pey, pige, pikke, pike, +eine Jacke, ein warmes Unterkleid von Flanell; in Holland pij, pije, in +Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem Griechischen durch das Gothische +zu uns gekommen, indem baite, Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu +paida wurde; angelsächsisch peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit, +Hemd, hemdähnliches Kleidungsstück; niederdeutsch pede, nach Schwund des +d kontrahiert zu pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege +ins Niederdeutsche zurückgedrängte i, woraus dann leicht das einfache pi +werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine +Rockjacke. In Groningen heißt es piejekker, aber auch molvanger, monkie +(auch bei uns manchmal zu hören) schort, twiefelder, twiefeloar und, +mehr deutlich als fein, vreischieter. — Zu bemerken ist, daß die +Handelsmatrosen das Kleidungsstück nicht etwa von der Kriegsmarine +überkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es sogar so +eingebürgert, daß der Dichter Vondel es nennen kann: „Een dracht, die +sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.‟ — Ziemlich spät erst ist im +Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In den gerichtlichen +Inventarien, die in Wismar während der Jahre 1438 bis 1547 aufgenommen +worden sind, kommt für Rock das Wort pyge ohne Verbindung mit Jacke vor. +Dafür ist es aber eine andere Verbindung eingegangen und heißt szepyge, +also Seerock, Seewamms; vielleicht das was man heute Lootsenjacke oder +Seelenwärmer nennt; irgend etwas Warmes, Gefüttertes, denn der Schreiber +der jenes Inventar aufnahm hat es mit „rot foderhemmede‟<a id="Page_359"></a> + <span class="pagenum">[359]</span> +verdeutlicht, rotes, gefüttertes Hemd. — Pijacket ist n., Pijacke f.</p> + +<p><span class="strong1">Pinass(e)</span>, die, auch (fälschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der +großen Beiboote, jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens +Dampfpinasse oder <span class="strong1">-pinass</span> gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und +Weglassung des auslautenden e. Offenbar zuerst ein aus dem Holze der +Fichte, pinus gebautes Boot. Der Name ist im romanischen Sprachgebiet +entstanden und weiter gebildet: ital. pinaccia, spanisch pinaza, +französisch (um 1700 als Seemannswort allgemein im Gebrauch) pinasse. +Das e ist stumm, also tut der Seemann recht, es unausgesprochen zu +lassen, es würde in seinem Munde recht geziert lauten. — Im +spanisch-englischen Kriege unter Königin Elisabeth waren Pinassen als +wirkliche seegehende, seeschlachtfähige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als +im Jahre 1596 die Königin es für ratsam hielt, „den Spanischen ihr +angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fühlen zu +lassen‟, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche +Affäre hatte. Davon berichtet der Verfasser der „Durchläuchtigsten +Seehelden‟ I 405: „Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Kühn +war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt, +das Volck aber davon gerettet.‟ Als im Jahre 1625 die Spanier den +Holländern Bahia wieder abzunehmen sich rüsteten, waren bei der +aussegelnden Flotte einunddreißig Gallionen, eine Caravell, drei +Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der +Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin groß genug, Bahia mit +belagern zu helfen.</p> + +<p><span class="strong1">Pinke</span>, die. Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen für gar verschiedenartige +Fahrzeuge im Mittelländischen Meere und in der Nordsee. So verschieden +sie auch gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprünglich alle mit +einander gemein, daß sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist +Verwandtschaft mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem +Pink eine nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk +kommt sie bereits in der Hamburger Chronik vor: „Reynke wert myt noch +eynem van den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle +boyers and euers hadde.‟ Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor +„den bogert ... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho +soeken.‟ Es muß also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles +Schiff gewesen sein.<a id="Page_360"></a> + <span class="pagenum">[360]</span> Man gebraucht sie in Holland zum +Heringsfang. Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟, 1588: „Leyt mede op +dese stroomen de bequame vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war +Waghenaers Heimat), al waer soo veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder +Zee) op sekeren tyt des Jaers ghevanghen wert, alsser op een telte met +de Buysen, Boots ende Pincken de Maze ingebracht ende verhandelt wert.‟</p> + +<p><span class="strong1">Pinne</span>, die. Der hölzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt +wird, die Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heißt Nagel, +Zweck, Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stück Holz zum +Festhalten, Befestigen, Verschließen. Die Zusammenstellung mit penna, +Feder, Floßfeder ist allzu gekünstelt. Weit natürlicher läßt sich das +Wort, wie Pinaß, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar +ursprünglich von Fichtenholz war.</p> + +<p><span class="strong1">Pirat</span>, der, der Seeräuber. Das Wort stammt aus dem Griechischen +peirates, von peiraein = versuchen, unternehmen, sein Glück in +Abenteuern suchen, auf Raub ausgehen, das Meer auf Raub befahren. +Lateinisch pirata, italienisch pirate und pirato, französisch pirate. +Dazu das Fremdwort <span class="strong1">Piraterie</span>, der Seeraub, die Seeräuberei. Göthe: +„Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Pirogue</span>, die, ist ein Fahrzeug das in der Südsee und in Indien gebraucht +wird, woher auch der Name stammt, der französisch pirogue, spanisch +piragua lautet. Es hat verschiedene Veränderungen erfahren, aber das +Eigentümliche aller Piroguen ist, daß sie Einbäume sind, aus einem Stamm +gefertigt. Demgemäß können sie nur klein und rank sein und haben daher +einen Auslieger (outrigger).</p> + +<p><span class="strong1">Planke</span>, die. Bord, Diele, Bohle, Brett und Planke sind begrifflich nicht +ganz leicht auseinander zu halten. Die beiden letzteren z. B. sind +vielfach gleichbedeutend, so daß man oft für Brett Planke und für Planke +Brett sagen kann. Doch neigt der Sprachgebrauch dahin, daß man ein +dickes, starkes, langes, großes Brett Planke nennt, was schon daraus +erhellt, daß Planke keine Verkleinerungsform kennt, während man häufig +von einem Brettchen spricht. Eine Packkiste ist aus Brettern, eine +Zigarrenkiste aus Brettchen zusammengenagelt, nicht aus Planken, aber +das Deck eines Schiffes besteht nicht aus Brettern, sondern aus<a id="Page_361"></a> + <span class="pagenum">[361]</span> +Planken. Im Allgemeinen wird man sagen können, daß, wohl wegen der +Verwendung des Wortes beim Schiffbau und im Schiffsleben, Planke im +Nieder-, Brett im Hochdeutschen bevorzugt wird. Planke stammt aber aus +dem Romanischen, es ist mit dem piemontesischen pianca, Steg; +provençalisch planca, plancha; französisch planche, Brett; lateinisch +planca = Brett, Bohle aus einer Wurzel plak entstanden, von der +Doornkaat es unentschieden läßt, ob sie etwas flaches, plattes oder +etwas gespaltenes bedeutet. Schon in einer mittelniederdeutschen Urkunde +aus Göttingen vom Jahre 1348 finden wir das Wort, aber mit anlautendem b +anstatt p, (was nicht zu verwundern ist, da auch heute noch selbst in +Niederdeutschland das p von Planke ziemlich weich ausgesprochen wird). +„We lovet, dat we neynerleyghe buv mer scholen buwen darsulves von +steynwerke eder von bomwerke, dar ienecherleyghe eyrkenere utgan van +blanken eder van graven.‟</p> + +<p><span class="strong1">Plate</span>, die, eine breite, flache, platte Sandbank von größerer +Ausdehnung. Das Wort Plate ist niederdeutsche Form für Platte, irgend +ein breites flaches Etwas von Stein, Holz, Eisen etc. etc. Vom +griechischen plate, und dieses von einer Wurzel prath sich ausbreiten. +In Ostfriesland nennen sie eine Plate eine Sandbank die bei Flut +überschwemmt wird, bei Ebbe trocken fällt. Es gibt aber auch Platen in +der Weser, in der Ostsee etc. etc. Was letztere betrifft, so lesen wir +in Manson, See-Buch, Lübeck 1735 bei Gelegenheit einer Segelanweisung +nach Wismar: „Als einem aber der Wind nicht fugen wolte, dieses +Tonnen-Tieff einzusiegeln, muß er aussen um den Hannibal auf 6 oder ja 5 +Fadem loden, und nach den Küsterhöft zu lauffen, und segeln die +Mittel-Tieff. West-Südwest von der Tonnen ein klein Stück seynd zwo +runde Sandbänken, die heissen Platen, die läßt man am Stührbord. +Hannibal lieget Nordwest zum Norden eine kleine halbe Meil von der +Kirchen die auf Poel stehet.‟</p> + +<p><span class="strong1">Plattfusswache</span>, s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Plattformdeck</span>, s. Deck.</p> + +<p><span class="strong1">Platting</span>, die, ist ein aus Kabel- oder Schiemannsgarn geflochtener Zopf, +der nach der Zahl seiner Garne schmäler oder breiter ist und auch nach +dieser Zahl genannt wird, Dreigarnplatting, Fünfgarnplatting etc. etc. +Die Zahl der Garne ist stets ungrade. Wie sehr sie auch untereinander +verschieden sind, so haben sie doch alle das gemein, daß sie, eben weil +sie nicht gedreht,<a id="Page_362"></a> + <span class="pagenum">[362]</span> sondern geflochten sind, ein <span class="strong1">plattes</span> Geflecht +darstellen. Man stellt wohl auch sehr schöne runde und vierkante +Plattings her; die werden eben mit demselben Rechte, wiewohl sie +eigentlich keine Plattings sind, so genannt mit dem man eine +Fensterscheibe, wiewohl sie jetzt keine Scheibe mehr sondern ein Viereck +ist, doch noch Scheibe nennt, und mit dem sie niederdeutsch Raute heißt, +obgleich sie die rautenförmige Gestalt längst verloren hat. — Die +Platting dient zur Bekleidung der Taue an Stellen wo sie besonderen +Schutzes bedürfen.</p> + +<p><span class="strong1">Pockholz</span>, das, ein sehr hartes Holz aus dem man Blockscheiben, +Kegelkugeln u. s. w. drechselt. Der Name hat eine eigentümliche +Geschichte. Der Westindische Baum von dem das Holz kommt, eine Gattung +der Zygophyllen, heißt guajacum officinale L. und wird Guajak-, +Franzosen-, Pock- oder Heiligenholz genannt. Die Erklärung ist bereits +bei Kilian zu finden. Er bemerkt zu pock-hout: „ebenus, hebenus, +hebenum, guiacum: lignum expugnandae lui venereae accomodatissimum, +lignum Indum, vulgo gaiatum‟ und spaensche pocken übersetzt er mit +„morbus Gallicus, scabies Hispanica, Neapolitana, lues Venerea: +siphylis: serpigo Indica.‟ Von den „spanischen Pocken‟ stammt der Name +des Holzes, von der lues venerea, zu deren Heilung heute noch ein Decoct +von diesem lignum vitae angewandt wird.</p> + +<p><span class="strong1">Polacker</span>, der, ist ein Mittelmeerschiff, dessen eigentümliches +Kennzeichen Pfahlmasten sind, d. h. Masten die aus einem Stück bestehen +und keine Stenge haben. Wo diese Art Masten auch bei uns vorkommt, da +nennt man die Takelage eines solchen Fahrzeuges Polackertakelage. Das +Wort kommt vom lateinischen palus, der Pfahl; italienisch und spanisch +polacra, französisch und englisch polacre; im Deutschen, +Niederländischen, Dänischen und Schwedischen konnte sich das Wort um so +eher einbürgern und die Form Polacker annehmen als hier das Wort Polack +für Pole gangbar war.</p> + +<p><span class="strong1">Poller</span>, der. Die Poller sind starke Balken, die allein oder zu zweien an +Deck oder am Lande angebracht sind zum Belegen von Trossen beim +Festmachen oder Verholen. Neuerdings sind teilweise eiserne Gestelle +daraus geworden, die mit einem Balken wenig Ähnlichkeit mehr haben, aber +doch auch noch den Namen Poller tragen, der Balken bedeutet. Polder hat +schon Kilian richtig mit trabs übersetzt, und Polder muß das Wort +eigentlich<a id="Page_363"></a> + <span class="pagenum">[363]</span> auch geschrieben werden, wiewohl es der Bequemlichkeit +wegen meist Poller ausgesprochen wird, wie so viele ähnliche +niederdeutsche Wörter. Es kommt mit dem französischen poutre, +altfranzösisch pouldre = Balken, von dem mittellateinischen poledrus.</p> + +<p><span class="strong1">Poop</span>, die, ausgesprochen Pup mit langem u, ist „the highest and +aftermost part of a ship's deck, or a partial deck extending close aft, +above the complete deck of a vessel‟. Wir hätten dieses Wort nicht +nötig, denn man könnte stets mit unserem gut deutschen Kampanje +auskommen, indessen da es nun einmal öfters gehört wird, so sei hier +bemerkt, daß es die englische Form für das lateinische puppis, +Hinterteil des Schiffes ist, im Gegensatz zu prora, dem Vorderteil; doch +wurden poetisch beide Wörter auch zur Bezeichnung des ganzen Schiffes +gebraucht, während das Sprichwort „mihi prora et puppis est‟ besagte: +das ist mir die Hauptsache, mein Ein und mein Alles, mein Hauptplan etc. +etc.</p> + +<p><span class="strong1">Popoffka</span>, die, ist ein Küstenverteidigungspanzerschiff von kreisförmiger +Gestalt. Seitdem die alte übliche Schiffsform verlassen ist, tauchen +immer neue Gestaltungen auf. Nach einem Gedanken des englischen +Ingenieurs Elders hat der russische Admiral Popoff Kreisfahrzeuge mit +zwölf Kielen ausgedacht, die nach ihm Popoffkas heißen. Sie können nur +geringe Fahrt machen und eignen sich schon deshalb nur zur +Küstenverteidigung.</p> + +<p><span class="strong1">Ponton</span>, das, ist eigentlich das, was man in Ostfriesland eine Pünte +nennt, ein großer, flacher, länglich viereckiger Kahn, der meist als +Fährboot über Flüsse verwendet wird. Es dient also anstatt einer Brücke, +daher mag es kommen, daß sich die Behauptung, ponton stamme von pons = +Brücke ab, so hartnäckig erhält. Allerdings kommt von pons die +Bezeichnung für Deck in den romanischen Sprachen pont, aber ponton wird +doch wohl vom lateinischen ponto kommen, und das soll ein gallisches +Wort sein, den Römern als Bezeichnung eines gallischen Lastschiffes +bekannt geworden, eines Transportschiffes, wie sie denn auch eine +Schiffsbrücke, eine Fähre, nicht pons, sondern ponto nannten, Genitiv +pontonis. Es ist also pont = Deck von unserem Ponton zu trennen. Dieses +hat sich in neuerer Zeit ein einflußreiches Gebiet erobert. Nicht nur, +daß die Armee aus Pontons Schiffbrücken schlägt, auch die Marine +verwendet Pontons auf ihren Werften, wo sie als Verschluß der Docks und +Kammerschleusen<a id="Page_364"></a> + <span class="pagenum">[364]</span> — zugleich allerdings auch der Brücken — +dienen. Sie haben zur Zeit wenig mehr von gallischen Transportschiffen +an sich, haben überhaupt oft kaum mehr Schiffsgestalt, aber das bringt +der veränderte Zweck ihres Daseins mit sich.</p> + +<p><span class="strong1">Porteurleine</span>, die, ist die Leine, die den Anker unter dem Krahnbalken +festhält. Breusing nennt Pertürleine „das Tau, welches den Anker, ehe +man ihn fallen läßt, unter dem Krahnbalken festhält oder trägt‟ und +sagt, daß er „offenbar von dem französischen porteur abzuleiten ist.‟ +Diese Ableitung liegt allerdings nahe genug. Man könnte ohne Weiteres an +portere, portare denken, wenn nicht nur das Deutsche, Holländische, +Dänische und Schwedische, sondern auch das Englische, Französische, +Italienische, Spanische und Portugisische eine Porteurleine hätten. Aber +die romanischen Sprachen, die es doch zuerst haben müßten, wenn es von +portare käme, haben dieses Wort nicht. Und doch steckt portare sicher +darin. Darum denke ich an einen Umweg, nämlich zunächst an das +französische port-bossoir, an das unter dem Krahnbalken sitzende, +demselben Halt und Stütze verleihende Knie. Mit diesem port hält die +genannte Leine nächste Nachbarschaft, und nach solcher Nachbarschaft +sind zahlreiche seemännische Ausdrücke gebildet, vergl. Klaue und Nock. +So mag das Wort zunächst Porterleine geheißen haben, und Porteurleine +würde dann wissenschaftliche Umbildung im Gedanken an Porteur sein, +vorgenommen bei der Übernahme ins Hochdeutsche. Die Form Perturlin ist +niederdeutsch. — Es kommt allerdings auch die Form Penturleine vor, so +daß — vergl. Penterhaken — „Porteur‟ vielleicht nur eine etymologische +Veränderung von „Penter‟ ist. Es wäre freilich auch denkbar, daß das +„Penter‟ in Penterhaken von dem „Porteur‟ in Porteurleine käme.</p> + +<p><span class="strong1">Prahm</span>, der, war ehedem ein Schiff so gut oder schlecht man es in alten +Tagen hatte. Jetzt ist er heruntergekommen und wird nur noch als +Kohlenprahm, Wasserprahm, Proviantprahm Munitionsprahm gebraucht um +diese Dinge längsseits eines Schiffes zu bringen und zur Übernahme für +dasselbe bereit zu halten. Das geringste und unscheinbarste aller Boote, +kaum mehr den Namen eines Bootes verdienend, ist der Scheuerprahm, ein +Seelenverkäufer, der zum Reinigen der Außenbordwand benutzt wird und +nicht nur das Aschenbrödel, sondern auch gleichsam die komische Person +unter den Schiffsbooten spielt, aber ebenfalls<a id="Page_365"></a> + <span class="pagenum">[365]</span> die Gestalt eines +Prahms hat, breit, flach, mit einem Rand versehen. Daß der Prahm bessere +Zeiten sah, erfahren wir aus dem Gudrunliede:</p> + +<div class="poem"> + + <p> Hagen war indessen gegangen auf einen Prahm,</p> + <p>Noch eh' sich ihm geöffnet der wohlverschloss'ne Kram,</p> + <p>Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle,</p> + <p> So schied man von dem König der Frauen holde Schar in jäher Schnelle.</p> + +</div> + +<p>Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in +Niederdeutschland gebräuchlich, dänisch pram = Fähre und Rand, +altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram, +breites Flußschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es +ein zur indogermanischen Wurzel par gehöriges Wort pramu gibt; die +Bedeutung ist die von „übersetzen‟, wie sie auch mit fahren +zusammenhängt. Der Übergang aus dem Slavischen ins Nordische muß sehr +früh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur +Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren +Prähmen beherrschten und die nordischen Küsten so oft mit ihren +Raubzügen heimsuchten, daß ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt +wurde, also um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat +der berühmte geistliche Seeheld, Bischof Absalon von Roeskilde, auf, +ermunterte König Waldemar den Großen — Absalon war der Größere — und +sein Volk, sich zum Widerstand zu ermannen, das Joch abzuschütteln und +den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der +Schöpfer einer dänischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem +Muster eines gestrandeten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat +auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie +aussahen, wissen wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln +und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Kälte zu einem so +hohen Grade gestiegen war, daß die Mannschaft, die Proviant zu den +Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die +Räder festfroren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit +großer Beschwerlichkeit zu Fuße nach dem Hafen, wo die Flotte lag, +treiben mußte, beklagte Absalon die Männer und sprach ihnen sein +Bedauern aus, daß sie für das Vaterland so viel Mühsal leiden müßten. +Sie aber antworteten,<a id="Page_366"></a> + <span class="pagenum">[366]</span> sie trügen mit Lust ein Mühsal, welches sie +dem Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbänken der Seeräuber zu sitzen, +vorzögen (vergl. Saxo Grammaticus).</p> + +<p><span class="strong1">Praktika</span>, die, heißt die Verkehrserlaubniß für ein Schiff. Ist ein +solches in einen Hafen eingelaufen, so erscheinen der Hafenkapitän und +der Hafenarzt, um festzustellen, ob gesundheitliche Bedenken gegen den +Verkehr seiner Besatzung und seiner Passagiere mit dem Lande bestehen. +Ist das der Fall, so muß das Schiff Quarantäne halten, ist es nicht der +Fall, so erhält es die Praktika; eigentlich die Erlaubnis zu +„praktizieren,‟ französisch pratiquer, italienisch pratticare, +mittellateinisch practicare, vom griechischen prattein, tun, machen, +handeln, ausüben (die Kunst des Arztes, des Anwaltes). Die üble +Nebenbedeutung, namentlich in der Mehrzahl „Praktiken,‟ ist schon früh +dem Worte angehängt worden. Im Französischen heißt pratique überhaupt +traite, communication, commerce.</p> + +<p><span class="strong1">preien</span>, heißt ein anderes Schiff anrufen um mit ihm wichtige +Mitteilungen auszutauschen, was, wenn eins von den zweien oder auch alle +beide lange Seetörns hinter sich haben, von großer Bedeutung sein kann. +Das Anrufen geschieht mit den Worten: „Schiff ahoi!‟ und oft mit +Zuhilfenahme eines Sprachrohres. Die Preidistanz ist das, was man +hochdeutsch Rufweite nennt. — Das Wort wird in Ostfriesland auch am +Lande gebraucht für jemanden anreden, auf ihn einreden, ihn bereden, ihm +zusprechen. Niederländisch preijen, schwedisch preja, dänisch praje. Es +hieß altenglisch schon breien und ist das jetzige englische pray beten, +bitten, anrufen, ersuchen, einladen, auffordern; altfranzösisch preier, +„und dieses wohl aus lat. precari von prex, precis (Bitte)‟. Doornkaat. +Nach Ehrentraut, Fries. Archiv II, 69 heißt preien auf Wangeroog +jemanden anrufen auch in dem Sinne „jemanden wecken.‟ — Fritz Reuter, +„Ut mine Stromtid‟ I. 288, führt in einem klassischen Seemannsvergleich +das Wort in der Form praien an. Die ganze Stelle ist echt seemännisch. +„Knapp was hei (Fritz) denn nu mit Lovise ne lütte Tid tausamen west, +dunn smet hei den Frugenshaß mitsammt de ganze Erinnerung an Marie +Möllers Waschschöttel un Spiskamer äwer Burd un verlöd tau den Ballast +von Romanenideen schippslastenwis „die junge aufkeimende Liebe zu +Louisen‟ — as hei sine nige Ladung för siek sülwst deklarierte — un as +hei des' nu unner sine Hartens-Luken<a id="Page_367"></a> + <span class="pagenum">[367]</span> wegstaut hadd und all de +Belämmerungen, dei em von sine Jugend wegen noch anhaken künnen, +intreckt hadd, un hei nu mit sick sülwst, sine Leiw un sin Schipp klor +was, segelte hei los. In de Irst krüzte un lawirte hei herümmer, un sin +leiw Tanten stunn om't Äuwer un wüßt nich, wohen hei stüren ded', äwer +dat wohrte nicht lang', dann würd sin Kurs strammer, un as hei irst up +de hohe See von „seinen Gefühlen‟ was, un de Topsegel uphiste, dunn sach +sei denn mit Schrecken, wohen hei dat Stüer richt't hadd, un dat ehr +leiw Swestersähn nich beter as en räuklosen Seeröwer, Pirat un Korsor +was, dei up 'ne schändliche Wis' Jagd up de lütte, smucke Brigg maken +ded', worin sei all ehre mütterlichen Hoffnungen einschippt hadd.‟ — </p> + +<p>Sei praiete em en por Mal an, woso? un woans? äwer de Pirat let sick +nich stüren, sei schot en por Mal in ehre Hartens-Angst mit Notsignalen +noch ehren Paster 'räwer‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Presenning</span>, die, wasserdichte Decke aus (geteertem) Segeltuch, durch +Umstellung oft auch in der Form Persenning vorkommend; doch hieß es 1702 +bei Aubin schon Preesening. Man gebraucht es zum Zudecken von Luken, zum +Bedecken von Proviant in offenen Booten, zum Schutze an Deck stehender +Kanonen, überhaupt dazu, etwas vor Nässe zu schützen. Es kommt von +préceinte, einem veralteten französischen Worte, das Umhüllung bedeutet +und mit dem lateinischen Zeitwort praecingo, ich umgürte, umgebe, +zusammenhängt.</p> + +<p><span class="strong1">Priel</span>, der, eine Wasserrinne im Watt, die auch zur Zeit der Ebbe voll +Wasser bleibt, ein schmales Rinnsal, eine Wasserlache, oft recht tief +und, weil der Boden Schlick ist, für Jäger oder Fischer die +hineingeraten sehr gefährlich, da man sich schwer ohne fremde Hilfe +wieder herausarbeiten kann. Es ist das neuhochdeutsche Wort Briel, +Brühl, althochdeutsch brogil, broil = Sumpf. — Wenn die Rinne breit und +tief genug ist für die Schiffahrt, so heißt sie Balje.</p> + +<p><span class="strong1">Prikke</span>, die, hat den Zweck einer Bake, ist aber einfacher als diese, +indem sie nur ein zur Bezeichnung des Fahrwassers oder einer Untiefe ins +Wasser oder vielmehr in den Grund gesteckte Stange ist, etwa mit einem +Strohwisch oder Reisigbesen an der Spitze. Es gibt ein weitverbreitetes +niederdeutsches und niederländisches Zeitwort prikken, das sowohl +stechen als stecken bedeutet; davon das Iterativum prikkeln. Da diese +Stangen in<a id="Page_368"></a> + <span class="pagenum">[368]</span> die Erde gesteckt werden, so ist die Erklärung ohne +Weiteres gegeben.</p> + +<p><span class="strong1">Prise</span>, die. Wenn ein Kriegsschiff oder ein Kaper ein feindliches +Handelsschiff wegnimmt, so ist dieses eine Prise, von prendre, nehmen. +Es fragt sich nur, ob es unter Beobachtung des bestehenden Seerechtes +geschehen ist. Das muß unter Umständen durch ein Schiedsgericht +festgestellt werden. Erklärt dieses, daß das Schiff rechtmäßig genommen +ist, so erklärt es damit dasselbe für eine „gute Prise‟ d. h. für eine +rechtmäßige.</p> + +<p><span class="strong1">Propeller</span>, der, gehört eigentlich der Sprache des deutschen Seemanns +nicht an, aber man liest das englische Wort zuweilen in Büchern. Es +kommt von propello, vorwärtstreiben. Und zwar bezeichnet es nicht das +was einen Raddampfer, sondern das was einen Schraubendampfer vorwärts +treibt, man sagt also anstatt Propeller viel besser, deutlicher, kürzer: +Schraube.</p> + +<p><span class="strong1">pullen.</span> Dieses Zeitwort wird wohl öfters einmal anstatt rudern +gebraucht; doch, wie es scheint, nur von solchen, die dadurch ihre +Bekanntschaft mit dem Englischen dartun wollen, also bewußt als +Fremdwort. Der niederdeutsche Seemann sagt rojen, und in der +Kaiserlichen Marine heißt es amtlich rudern; pullen muß also um so mehr +als unberechtigter Eindringling angesehen werden, als rudern im +Englischen selbst viel besser und deutlicher mit row bezeichnet wird, +pull aber zunächst ganz allgemein „ziehen‟ heißt. Da nun beim Rudern ja +allerdings am Riemen „gezogen‟ wird, so bedeutet es unter Umständen auch +rudern, es wäre aber kein Schade, wenn das Wort wieder verschwände.</p> + +<p><span class="strong1">Pumpe</span>, die, die bekannte mechanische Vorrichtung zum Heben von Wasser. +Die modernen Kriegsschiffe haben ein so kompliziertes Pumpensystem, daß +ein ordentliches Studium dazu gehört, alle die verschiedenartigen Pumpen +kennen zu lernen, und daß ein eigener <span class="strong1">Pumpenmeister</span> kommandiert werden +muß, der die Pumpen bedient und der womöglich schon während des Baues +sich mit ihrer Anlage bekannt gemacht hat. Pumpe ist dasselbe Wort wie +Bombe und hieß auch vor zweihundert Jahren im Oberdeutschen noch Bombe. +Es ist ein Schallwort (bum!) und bedeutet zunächst ein Geräusch, einen +Lärm; daher provençalisch bomba, Prahlerei, Gepränge, spanisch pompa, +französisch pompe, neuhochdeutsch Pomp, bombastisch, Pump- (Pomp-) Hose. +Lateinisch bombus = Gesumse, Geräusch von einem surrenden,<a id="Page_369"></a> + <span class="pagenum">[369]</span> +summenden Geschoß; italienisch ribombare widerhallen. Die Pumpe hat also +den Namen von dem Geräusch, das sie macht, kann aber zunächst auch vom +Zeitwort bombare, trinken, schlürfen, saugen abgeleitet sein, denn die +Pumpe saugt das Wasser auf; aber auch dieses Zeitwort ist +naturlautmalend, so daß die Sache ziemlich auf dasselbe hinauskommt. — +<span class="strong1">Pumpensod</span> s. „Bilge‟ am Ende und „Sodraum‟.</p> + +<p><span class="strong1">purren</span> wird an Bord für „wecken‟ gebraucht. Es heißt aber sonst im +niederdeutschen Sprachgebiet stechen, stoßen, stacheln, treiben, reizen, +kann also nur insofern wecken bedeuten als solches durch Stoßen, +Klopfen, Reizen etc. etc. bewirkt wird. — Auch das Hochdeutsche hat ein +Zeitwort purren, das heißt aber sausen, brausen, rauschen, brummen. Doch +dürften die beiden unter einen Hut zu bringen sein, wenn man beide als +lautmalend ansieht (purr! oder auch bloß prrr!). Es liegt auf der Hand, +daß bei der Lautmalerei die Begriffe ziemlich weit auseinander gehen +können, so daß ein und derselbe Ton sowohl reizen als brummen bedeuten +kann. — Diese Erklärung wird unterstützt durch das Zeitwort verpurren: +eine Sache verderben, einen Fang verhindern, ein Mißlingen verursachen, +etwa durch ein vorzeitiges oder unglückliches purrendes Geräusch.</p> + +<p><span class="strong1">Putjer</span>, der, ist ein Mensch der geringe, niedrige Arbeit tut. Das Wort +stammt aus der Seemannssprache und wird in wegwerfendem, +geringschätzigem Sinne gebraucht. Es hieß mittelniederdeutsch putker, +puteker und bedeutete Schiffsknecht, Kajütenjunge, den niedrigsten +Diener an Bord, der mit den <span class="strong1">puten</span> — so hießen die Pützen damals — zu +tun hatte, also wusch, scheuerte, rein machte und der jedenfalls auch +das nützliche aber wenig ehrenvolle Amt eines Gallionsinspektors versah +(die Aborte rein hielt). Davon kommt auch das niederdeutsche +Eigenschaftswort pütjerich, pütscherich, kleinlich, beschränkt, gering. + — Statt Putjer hört man auch Butjer. Und in dieser Form ist das Wort +noch mehr herabgesunken, so daß es jetzt hauptsächlich für Herumsteher, +Eckensteher, Bollwerksbruder, Gelegenheitsarbeiter gebraucht wird.</p> + +<p><span class="strong1">Püttings</span>, die, sind Ketten die den Jungfern der Wanten nach unten zu +Halt und Festigkeit verleihen. Die Püttings der Unterwanten sind in die +Bordwand eingelassen, fahren durch die Rüst und halten da die Jungfern +fest. Die Marspüttings über die<a id="Page_370"></a> + <span class="pagenum">[370]</span> der Seemann unter Verachtung des +„Soldatenloches‟ in den Mars entert, also die Püttings der Stengewanten +fahren von deren Jungfern durch den Mars hinunter nach dem Unterwant, +auf diesem sitzt eine „Wurst‟, und an der Wurst sind sie befestigt. In +Pütting liegt irgendwie auch der Begriff von „Wurst‟. So sonderbar es +klingt, wir müssen dabei auf das englische pudding Bezug nehmen, denn +das bedeutet ursprünglich ebenfalls Wurst. Französisch boudin, Wurst, +eigentlich etwas Aufgetriebenes oder Geschwollenes; ostfriesisch ist püt +eine Düte, ein Beutel, eine Tasche, ein Kropf, ein Fleischwulst, +Fettwulst, Ausbauschung, Anschwellung. Die Püttings sind aber +Ausbauschungen, sie schwellen nach außen zu, nach dem Rande der Rüst +bezw. des Marses an; das würde schon allein genügen, sie mit püt +zusammen zu bringen. Da aber die Wurst an der sie befestigt sind, ihren +Einfluß geltend gemacht haben wird, so lag ein mit Pudding im Sinne von +Wurst verwandtes Wort erst recht nicht allzufern zur Bezeichnung dieser +Anschwellung.</p> + +<p><span class="strong1">Pütze</span>, die, heißt an Bord der Eimer. Man hat Holzpützen und +Segeltuchpützen (Admirale); Bootspützen, Deckwaschpützen, Teerpützen u. a. m. Im +Mittel- und Neuniederdeutschen heißt put der Brunnen, aus dem +Lateinischen, von puteus stammend. Daher stammt das niederdeutsche +Zeitwort putten, Wasser (aus einem Brunnen) schöpfen. Daher stammt auch +das mittelniederdeutsche putse als etwas womit man Wasser aus dem put +schöpft. Putse wäre also die richtige Form des Wortes. Woher mit einem +Male in die neuhochdeutsche Seemannssprache der Umlaut gekommen ist, ist +unerfindlich; man wäre geneigt denselben auf Rechnung des +Neuhochdeutschen zu setzen, wenn nicht auch von Wangerooge her püds +bezeugt wäre. — Kilian hat schon die kurze Form putse, während der +Teuthonista noch puteymer sagt.</p> + + + +<h2> +<span><a id="Q"></a>Q.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Quarantäne</span>, die, die Zeit die ein Schiff ohne Praktika liegen bleiben +muß, weil es aus pestverdächtigem Hafen kommt und daher auf seinen +Gesundheitszustand hin beobachtet werden<a id="Page_371"></a> + <span class="pagenum">[371]</span> muß. Wie lange solches +zu geschehen hat richtet sich nach landesüblichem Gebrauche und den +geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Ursprünglich wollte man auf alle +Fälle sicher gehen und nahm vierzig Tage an. Daß es gerade so viele +waren hatte einen ganz bestimmten Grund. Man dachte an die vierzig Tage +der Passion, der Leidenszeit Christi. Die hieß zuerst italienisch +quarantana, französisch quarantaine, von quaranta, contrahirt aus +quadraginta. Von dem kirchlichen Gebrauch hat die Seemannssprache das +Wort übernommen.</p> + +<p><span class="strong1">Quarter-Deck</span>, das, nennt man zuweilen noch — das Wort ist aber im +Aussterben begriffen und wird mehr und mehr durch das reindeutsche +Achterdeck verdrängt — den Teil des Oberdecks hinter dem Großmast bis +zum Kreuzmast. Er darf von den Mannschaften nur dienstlich und in +angemessener Haltung betreten werden. Auch zwischen denen, für die das +Achterdeck vorbehalten ist, wird noch ein Unterschied gemacht, indem im +Hafen oder unter Dampf die Steuerbordseite, unter Segel die Luvseite des +Achterdecks noch besonders dem Kommandanten vorbehalten bleibt. +Quarterdeck kam uns über England aus dem Süden; italienisch quartiere, +spanisch quartel, französisch quartier, das abgeteilte Viertel eines +Raumes, in weiterem Sinne ein Raum ohne Rücksicht auf genaues Maß, eine +Wohnung, Zimmer, Gemach, Quartier, Unterkunft. Bei Stadtviertel ist +bekanntlich ebenso wenig von mathematischer oder arithmetischem Viertel +die Rede, wie Schiller an Mathematik dachte, da er von der „größeren +Hälfte‟ seiner Schuld sprach, oder wie wir, wenn wir vom „Kreise‟ Bütow +oder Lauenburg reden.</p> + +<p><span class="strong1">Quartier</span>, das, jetzt gewöhnlich „das Quartier der Wache.‟ Es gibt +Schönwetterzeiten, da der Offizier der Wache mit einiger Sicherheit +voraussehen kann, daß während der nächsten Stunden ein Manöver mit der +ganzen Wache nicht nötig werden wird. Dann läßt er einen Teil der Wache +sich im Zeug an Deck unter ein Sonnensegel zum Schlafen niederlegen, und +nur die notwendigsten Leute zum Rudergehen, Postenstehen, Loggen und +anderen laufenden Arbeiten bleiben wach. Das ist das Quartier der Wache; +es braucht nicht gerade ein Viertel derselben zu sein, es bedeutet +überhaupt keine bestimmte Anzahl, sondern nur „Teil‟ oder „Abteilung‟ +oder „abgeteilte Leute‟. Der Begriff Quartier darf um so weniger +arithmetisch gefaßt werden als er überhaupt<a id="Page_372"></a> + <span class="pagenum">[372]</span> ursprünglich +garnichts mit Arithmetik zu tun hatte. Denn früher hieß die ganze Wache +Quartier. „Um acht Uhr zog ein neues Quartier auf‟, „um zwölf Uhr wurde +das alte Quartier abgelöst.‟ Es hieß also, da man „vier auf, vier ab‟ +oder „Wache um Wache‟ ging, die Hälfte der ganzen Mannschaft Quartier. +Quartier war völlig gleichbedeutend mit Wache. Das erklärt sich +sprachlich ganz einfach. Von dem Stamm var, wehren, hüten, wachen, kommt +das gothische vards, angelsächsisch ward (vergl. Steward), +althochdeutsch wart, mittelhochdeutsch wart = Wart, Wärter, Hüter, +Wächter; davon das spanische guardia; durch deutsche Kriegsleute dahin +getragen hat wart dasselbe Schicksal gehabt wie wera, das zu guerra +wurde; guardia nahm im Französischen die Form garde an, Wächter, und +gardes, Wache. Statt gardes kam aber bald quart oder le Quart auf. Das +fand als quartier seinen Weg ins Niederländische, und von da kehrte das +deutsche Wort in fremder Form als Quartier zu uns, in die niederdeutsche +Seemannssprache, zurück. Über Quart hat Aubin (1702) Folgendes, da die +niederländischen Formen dabei stehen, gewinnt es für uns an Wert und +macht die Sache deutlicher. Quart, Gardes, Le Quart. Niederländisch: +Quartier, Wagt. C'est l'espace du tems qu'une partie des gens de +l'équipage d'un vaisseau veille pour faire le Service tandisque le rest +dort. Chaque nation a son quart de différente durée, et même parmi les +vaisseaux d'une même nation le quart est inégal: toutefois il est +toujours mesuré et déterminé par horloges, chaque horloge étant fixé à +une demi-heure. En France dans les vaisseaux du Roi le quart est souvent +de huit horloges. Dans les autres vaisseaux il est tantôt de six, tantôt +de sept, et quelquefois de huit. A chaque fois qu'on commence et qu'on +lève le quart on sonne la cloche pour en avertir l'équipage. On dit, Ce +matelot n'a pas fait le quart. Ce Timonier a fait lever le quart un +horloge plutôt qu'il ne faloit. En Angleterre le quart est de quatres +heures, et en Turquïe de cinq.‟ „Quart. Les gens du Quart. +Niederländisch: Quartier, Quartiervolk. Le Capitaine, ou Commandant d'un +navire doit faire la division de ses Quarts, et en faire écrire la +disposition dans un tableau qu'on atache à la porte de sa chambre, ou au +mât d'artimon.‟ „Le premier Quart, ou Quart de tribord. Niederländisch: +Eerste wagt, Nagt-wagt, Hoofdtwagt. C'est celui qui est pris le premier, +c'est-à-dire, immédiatement après l'aube, ou à l'entrée<a id="Page_373"></a> + <span class="pagenum">[373]</span> de la +nuit. Ce premier quart est aussi apellé Quart de tribord, et est fait +par les Oficiers subalternes en pié, ou par les plus anciens d'entre les +subalternes.‟ „Le second Quart est pris aussi-tôt que le premier quart +est fini, ce qui arive ordinairement â minuit. Celui-ci se fait presque +toujours par les Oficiers subalternes qui sont en second, ou par les +moins anciens Oficiers d'entre les subalternes; Quart de babord. +Niederländisch Hondtwagt‟, vergl. das deutsche Hundewache. „Quart du +jour. Niederländisch de laatste nagt-wagt, Morgen-wagt. C'est celui qui +est pris à la fin du second quart, et qui amène le jour, c'est-à-dire +que le jour paroît avantque ce quart soit fini.‟ „Prendre le Quart, +Niederländisch op de wagt gaan.‟ „Etre de Quart, faire son Quart, de +wagt hebben, syn quartier waaken.‟ „Apeller au quart, niederländisch +porren, unser purren = wecken.‟ „Au Quart, au Quart. Niederländisch: +Quart, Quart, c'est la manière d'apeller ceux dont le tour vient de +faire le quart.‟ Dieses Purren geschah auch auf deutschen Schiffen mit +dem Rufe: „Quartier, Quartier!‟ Doch wurde dieses Wort nicht bloß +gerufen, sondern in der den deutschen Seeleuten eigenen langgezogenen +Weise ausgesungen. Und meist begnügte man sich nicht mit den beiden +Worten, sondern sang, wie beim Werfen des großen Lothes, einen ganzen +Vers, einen Quartiervers. Diese Verse führen in den Gedankengang jener +Seeleute ein und zeigen zugleich, welcher Sprache sie sich bedienten. +Daher mögen hier ihrer etliche aus der Mitte des siebzehnten +Jahrhunderts eine Stelle finden.</p> + +<div class="poem"> + + <div class="stanza"> + + <p>Quarteer, Quarteer, wilt my verstahn,</p> + <p>Ein ander Quarteer mut waken gahn,</p> + <p>Gott vorlehn uns synen Frede,</p> + <p>Glück und beholden Reiß darmede!</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Hir fahre wy mit Gott vorheven,</p> + <p>Gott will uns unse Sünd vorgeven,</p> + <p>Unse Sünd und Missedaht,</p> + <p>Up Gott steit all unse Thoverlaht.</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p> Glück und beholden Reiß,</p> + <p>Gottes Genad uns begleit,</p> + <p>Gut Weder vor de Wind,</p> + <p>Gott mack unsen Fiend blind.<a id="Page_374"></a> + <span class="pagenum">[374]</span></p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Gott der Herr gewe gut Gesicht,</p> + <p>Achter düster, vör dat Licht,</p> + <p>Einen rumen Wind und gut Vorspoet!</p> + <p>Dat doet uns allthosamen goht.</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Gott wil dit gute Schip bewahren,</p> + <p>Mit all de jenen de dar mit fahren,</p> + <p>Mast, Kehl, Steng, Rohr, Stag und Wand,</p> + <p>Bewahr uns Herr durch dine Hand!</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Gott bewahr dit gode Schip,</p> + <p>Vor einigen Ungelück,</p> + <p>Vor See, vor Sand, vor Führ, vor Strand,</p> + <p>Vor den bösen Höllschen Vyand!</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Gott bewahr uns vor Ungelück,</p> + <p>Vor Rövers, Törcken und er Tück,</p> + <p>He holde uns by synem Wort,</p> + <p>Dat wy ehn prisen hir und dort.</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Gott help uns in ein gude Have,</p> + <p>Na unsen Wunsch und synen Lave,</p> + <p>Mit ein dicht Schip gesunden Mann,</p> + <p>Heruth Quarteer in Gottes Nahm.</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Heruth Quarteer und beydt nicht lang,</p> + <p>Und wilt den Mann tho Rohr verfangen</p> + <p>Laht ehn ock nicht langer stahn,</p> + <p>Dit Quarteer mut schlapen gahn.</p> + +</div> + + +<div class="stanza"> + + <p>Gott laht den Schipper lange leven,</p> + <p>Wen he uns wert den Brandwin gewen,</p> + <p>Gott geve ehm guds tho aller Stund!</p> + <p>Dat wünsch ick ehm van Harten grund.</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>De Stürmann ys van guder Art,</p> + <p>He schrifft he past des Schepes Fahrt,</p> + <p>Mit synen Bage ys he bereit,</p> + <p>Wen ehr de Sünn naed Süden geit.<a id="Page_375"></a> + <span class="pagenum">[375]</span></p> + +</div> + +<div class="stanza"> + <p>Man tho Rohr guder Held!</p> + <p>Wyl gy syn ant Rohr gestellt,</p> + <p>Wacht dat Rohr stüret gewiß,</p> + <p>Unsre Höpening up juw ys.</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p> Unser Klenod dat Compaß,</p> + <p>Ein wackend Oge und dat Glaß,</p> + <p>Is ein Foht dar men up buwet,</p> + <p> Doch alleen unsen Gott vertruwet.</p> + +</div> + +<div class="stanza"> + + <p>Jungmann stet hirup bedacht,</p> + <p>Nehmt de Pump in guder acht,</p> + <p>Brucket dat Loth sparet neen Lien,</p> + <p>Lath de Vorsorge by juw syn.</p> + +</div> + + <div class="stanza"> + + <p>Riset up Kock gode Maht!</p> + <p>Muntert juw uth juwen Schlap,</p> + <p> Vor frischet juw Fisch unde Fleisch,</p> + <p>Gott geve uns Glück und beholden Reiß.</p> + +</div> +</div> + +<p><span class="strong1">Quartier geben</span> ist = Pardon geben. Quartier ist hierbei im Sinne von +Unterkunft zur Erhaltung des Lebens genommen, s. Quarter-Deck. Wenn +einer einen Gefangenen macht und ihm das Leben schenkt muß er ihm auch +für Unterkunft sorgen und zwar schon seines eigenen Vorteils wegen für +eine <span class="strong1">sichere</span> Unterkunft. — Den Ausdruck Quartier geben für die eine +Seite entspricht auf der anderen „Quartier begehren‟ d. h. die Waffen +strecken.</p> + +<p><span class="strong1">Quast</span>, der, heißt wegen der Ähnlichkeit der Gestalt in der +Seemannssprache der Pinsel. Eigentlich ist — vergl. Badegast — Quast +ein Laubbüschel, Zweigbüschel, Reisigbündel. Es kommt als quest häufig +und in vielen Verbindungen im Mittelniederdeutschen vor: klederquest, +Kleiderquast, die Kleider auszuklopfen; heide-quast, Quast aus +Heidekraut, die Töpfe und anderes Küchengerät zu reinigen, wi-quest, +Weihwedel; witjen-quest, dicker Pinsel von Schweinsborsten um die Wände +zu witjen, zu weißen. Hochdeutsch kennen wir das Wort hauptsächlich als +Quaste. — „Mit dem weißen, dem schwarzen Quast malen‟ sagt der Seemann, +je nachdem der Vorgesetzte bei der Besichtigung des Schiffes gnädig oder +ungnädig ist.<a id="Page_376"></a> + <span class="pagenum">[376]</span></p> + + + +<h2> +<span><a id="R"></a>R.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Rabatteisen</span>, das, s. Kalfaten.</p> + +<p><span class="strong1">Rack</span>, das, heißt die Vorrichtung mittelst deren die Rahe an den Mast +befestigt wird. Sie hat im Laufe der Zeit mancherlei technische +Veränderungen erfahren, ist auch verschieden bei Unterrahen, verschieden +bei Marsrahen, verschieden bei Gaffeln, aber das Gemeinsame ist und +bleibt stets dies, daß das Rack, bestehe es nun, wie ursprünglich aus +einem Tau auf dem rosenkranzartig runde Holzkugeln, Rackkloten, +aufgezogen sind, die das Auf- und Abziehen erleichtern, oder aus +Rackketten und Racktaljen, immer dasjenige Etwas ist, das die Rahe an +den Mast heranbringt, mit ihm in Berührung bringt und an ihm festhält. +Dieser Begriff liegt aber in dem niederdeutschen Zeitwort raken. +Dornkaat gibt dafür für das Ostfriesische folgende Bedeutungen an: +treffen oder erreichen, eine Bewegung machen wohin oder worauf los, sich +bewegen vor, kommen zu, berühren, anrühren, reichen an ..., wohin +kommen, gelangen, geraten, zusammenstoßen. Es ist also klar, daß Rack zu +diesem raken gehört. Das seemännische Zeitwort racken aber ist dann +wiederum von Rack gebildet: das tun was mit einem Rack getan wird, die +Rahe an den Mast befestigen. — Rack heißt niederländisch rak, +schwedisch rack, norwegisch, dänisch rakke, altnordisch rakki, +isländisch racki. Aus dem Germanischen ist das Wort ins Französische +gegangen: raque. — Nur der Englische ging eigene Wege. Hier heißt das +Rack parrel, was von apparrel, Zurichtung gekürzt sein soll. Doch klingt +das sehr allgemein. Sollte nicht am Ende pearl, niederländisch parrel, +in dem Worte stecken, so daß die Rackkloten mit den Perlen eines +Rosenkranzes verglichen worden wären? Der Gedankengang lag nahe genug.</p> + +<p><span class="strong1">Rahe</span>, die. „Segelstange.‟ Wird auch Raa, Raae, Rah geschrieben. Das aus +einem aufgeweichten g entstandene h verlangt sein Recht. +Mittelniederdeutsch rhaa; hier ist das h, wenn es auch an verkehrter +Stelle steht, doch nicht ganz verloren gegangen; Lübecker Zunftrecht: +„Ein lehrknecht, de sine lehrjahre uthgedenet, schal tom provestücke +maken ein rhaa, mast vnd roer.‟ Das Erste was einem beim Anblick einer +Rahe in die<a id="Page_377"></a> + <span class="pagenum">[377]</span> Augen fällt ist daß sie ragt, weit in die Luft +hinausragt. Und das Ragende hat bei der Benennung gewiß den Ausschlag +gegeben. Gothisch rakjan, ragen. Schon im Althochdeutschen hatte sich +die Lautverschiebung vollzogen: raha, Stange; mittelhochdeutsch schon +rahe wie heute. Altnordisch râ; Teuthonista: rae, des scheeps balck +geheyten en ra dair dat segel of seyle an gevesticht is. Niederländisch +ree. Diese letzten drei Formen sind Zusammenziehungen nach Schwund der +Gutturale oder des aus ihr entstandenen h und bedeuten ein Zugeständniß +an niederdeutsche Einsilbigkeit. Die Schreibart Rahe, als an die +Herkunft erinnernd, ist vorzuziehen. Beim Otfried kommt eine Stelle vor: +„Zimboron thia racha‟, was wohl mit dem erwähnten raha verwandt sein +dürfte.</p> + +<p><span class="strong1">Raketenapparat</span>, der, ist eine Vorrichtung zur Rettung von Menschen aus +Seenot, wie sie die unter dem Protektorat des Kaisers stehende „Deutsche +Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger‟ auf den Rettungsstationen an +den deutschen Küsten vorrätig hält. Das Erste und Hauptsächliche an der +Sache ist, daß eine Rakete, an der eine dünne Leine befestigt ist, über +das gefährdete Schiff hinweggeschossen wird, und daß man an Bord dieses +Schiffes die Leine erfaßt und festhält. Alles andere ergibt sich dann +nach der genauen Handhabungsvorschrift der genannten Gesellschaft von +selbst. (Vergl. auch „Hosenboje‟) Rakete, englisch rocket, (nicht zu +verwechseln mit dem Ballschläger racket, der in Deutschland im +Mittelalter raket hieß, von rete = Netz eine Diminutivform, also +Schlagnetz) italienisch rochetta, Diminutivum vom italienischen rocca, +althochdeutsch roccho, rocco = Rocken. Das Wort ist also deutsch und +kommt von der Ähnlichkeit einer pulvergefüllten Papierhülse mit einem +Spinnrocken.</p> + +<p><span class="strong1">rammen.</span> Durch anrennen in den Grund bohren, zu bohren versuchen. Es gibt +ein althochdeutsches Zeitwort ramen, mittelhochdeutsch ramen: aufs Korn +nehmen, nach etwas trachten. Da haben wir schon dasselbe Wort. Davon kam +zunächst ramme, Balken oder Klotz zum Einstoßen von Pfählen oder Steinen +in die Erde; Sturmbock zum Einrennen von Toren und Mauern, Widder. — +Der Bock, der Widder gibt die Erklärung, denn der hieß und heißt +mundartlich heute noch ram, mittelhochdeutsch ram, althochdeutsch rammo, +von einer Wurzel ra, die stoßen bedeutet. — Rammen kann ein Schiff +füglich nur wenn es mit<a id="Page_378"></a> + <span class="pagenum">[378]</span> seinem Vorderteil dem anderen in die +Seite fährt. Daher muß sein Steven, sein Bug als <span class="strong1">Rammsteven</span>, <span class="strong1">Rammbug</span> +gestaltet sein; es ist dann ein Rammschiff.</p> + +<p><span class="strong1">Randsomhölzer</span>, die, sind die Hölzer aus denen der Holzschiffbau das +hinterste und auch das vorderste Spant zusammensetzt, so daß also die +hinteren mit den Wrangen und dem Heckbalken den Spiegel, die vorderen +den Bug angeben. Das Wort stammt aus dem Niederländischen, wo es +randsoenhouten heißt. Randsoen besteht aus der beliebten +niederländischen Endung oen, sprich un, (vergl. Pardun) und rand. In der +Tat bilden diese Hölzer den hintersten bezw. vordersten Rand des +Schiffes, daher sie auch im Englischen fashion pieces heißen, d. h. +„Façonstücke‟, Stücke die die Gestalt bestimmen. Die Randsomhölzer sind +stärker als die gewöhnlichen Spanten. Bei dem zur Zeit in Kiel im Bau +befindlichen Südpolarexpeditionsschiffe werden, wie fachmännische Seite +mündlich berichtet, die Randsomhölzer besonders verstärkt um dem Eise +desto mehr Widerstand bieten zu können. — Für gewöhnlich wird +angenommen, daß es nur hinten Randsomhölzer gibt, doch sagen Männer vom +Fach, daß sie auch vorne vorkommen.</p> + +<p><span class="strong1">rank</span> ist ein Schiff, wenn es sich leicht auf die eine oder die andere +Seite legt, wenn es zum Krängen neigt. Das Gegenteil davon ist „stabil‟. +Ob ein Schiff rank oder stabil ist, hängt von der Lage seines +Metacentrums (s. d.) ab. — Das verwandte hochdeutsche Zeitwort steckt +noch in unserem verrenken, „drehen, hin und her ziehen‟. Daher auch +Ranke; für eine Pflanze das Mittel sich festzuhalten, doch so daß sie +Spielraum hat sich hin und her zu bewegen durch die Federkraft der +spiralförmigen Rankengestalt. Rank ist in der Einzahl als Substantivum +nicht gebräuchlich, desto mehr in der Mehrzahl Ränke, eine schnelle +Wendung, eine krumme Bewegung, eine List andeutend; im +Mittelhochdeutschen war aber die Einzahl rank = schnelle, drehende +Bewegung gebräuchlich. Im Niederländischen sagt man wohl von einem +Mädchen, sie sei „een rank meisje‟; das heißt nicht, wie Weiland meint, +ein dünnes, sondern vielmehr ein flinkes, bewegliches Mädchen.</p> + +<p><span class="strong1">Rapert</span>, das, ein jetzt ziemlich veraltetes Wort für Laffette. Eigentlich +Rampert, niederländisch rampaard, also Rammpferd. Während die Laffette +in den romanischen Sprachen Wagen<a id="Page_379"></a> + <span class="pagenum">[379]</span> (carretta) heißt, hat man sich +in den germanischen das Kanonenrohr als auf ein Pferd gebunden +vorgestellt, Rammpferd aber gewählt, weil es beim Schießen stößt wie ein +ram, ein Widder (s. rammen).</p> + +<p><span class="strong1">Rauchsegel</span>, das. Wenn ein Segelschiff, das auch Dampfkraft hat, diese +letztere zeitweilig benützt, so müssen die (natürlich fest gemachten) +Segel mit Bezügen versehen werden, damit der Rauch sie nicht schwärze. +Ein solcher Bezug ist ein Rauchsegel; Segel weil aus Segeltuch +hergestellt, wie man auch von Sonnen- oder Regensegel spricht. Sie +wurden früher und werden wohl auch jetzt noch treffender Rauch<span class="strong1">bezüge</span> +genannt.</p> + +<p><span class="strong1">Raum</span>, der, ohne nähere Bezeichnung bedeutet auf Handelsschiffen den Raum +zur Aufnahme der Ladung, den Laderaum, niederdeutsch rum. Alle anderen +Räume, sie mögen noch so bedeutsam sein, müssen besonders bezeichnet und +benannt werden, Kajüte, Pflicht, Farunner, nur der Raum, auf den es bei +einem solchen Schiffe allerdings hauptsächlich ankommt, heißt <span class="strong1">der</span> Raum. + — Vor Zeiten war Raum in gewissen Zusammensetzungen gleichbedeutend mit +Deck z. B. Ober-Raum = Oberdeck. Es erzählen die „Durchläuchtigsten +Seehelden‟, Sulzbach 1681 von Andreas Doria: „Es will aber das Krieges +Glück nicht allezeit fügen, und ein so tapferer Kriegsmann wird nirgends +gefunden, dem es nicht etwa einmal zu wider lauffen sollte. Und warlich +so viel herrliche Thaten mochten wol ein oder zwey widerwärtige Fälle +überwägen. Doria hatte zu Spesia das teutsche Fußvolck von Madrucci auf +viertzig Galeyen eingenommen, und wiewohl ihm nicht unbewust war, daß +die Türckische Flotte sich in der See aufhielte, verhoffte er +gleichwohl, dieselbige entweder an Gaetta, oder an einem andern +benachbarten Orte an das Land zu setzen; weil es aber Nacht worden, und +er wegen seines hohen Alters nicht länger oben auf dem <span class="strong1">Ober-Raum</span> bleiben +konnte, hat er befohlen, daß man von der Insel Ponza sich abhalten +solte, es wurden aber die Galeyen entweder durch den Strom, oder durch +Unvorsichtigkeit der Steuerleute, so nahe an dem Ort, da die Türken +lagen, getrieben, daß sie ihnen eher auf den Hals kamen, als sie sich +zum fechten fertig machen konten. Derohalben Doria Befehl thät, daß man +auf das füglichste, als es immer müglich zu weichen, bedacht seyn solte, +aber unter denselben ward eine Galeye verloren, wie auch noch andere +sechse,<a id="Page_380"></a> + <span class="pagenum">[380]</span> so die gantze Nacht, und den halben folgenden Tag von den +Türken verfolget, und benebenst sieben hundert Teutschen, und einem +Obersten, genommen wurden.‟</p> + +<p><span class="strong1">raumen</span> ist die seemännische Form für das neuhochdeutsche Wort räumen, +sich von der Stelle bewegen, den Platz verlassen, Raum machen oder +geben, Platz machen, niederdeutsch rumen, mittelhochdeutsch rumen, +althochdeutsch ruman, angelsächsisch rumjan. Seemännisch bedeutet: „Der +Wind raumt‟, er verändert seine Richtung, aber nicht wie beim Krimpen, +in ungünstiger, sondern in günstiger Richtung, so daß man besser Kurs +steuern und die Segel aufbrassen d. h. den Wind unter günstigerem Winkel +auf die Segel wirken lassen kann. Wenn der Wind so günstig ist, ungefähr +backstags weht, so spricht man von raumem Wind und kann raumschots +segeln; man spricht auch von <span class="strong1">raumer See</span>, wenn das Schiff freie Bahn hat, +wenn ihm genug <span class="strong1">Seeraum</span> zur Verfügung steht.</p> + +<p><span class="strong1">rauschen lassen</span> heißt eine Sache nicht langsam an einem Tau fieren, +sondern das Tau loswerfen und so den Gegenstand dem Gesetze seiner +Schwere übergeben, daß er diesem Gesetze folgend zu Boden saust. +Rauschen heißt nach Kluge brausen, sausen, stürmen, eilig einhereilen, +entsprechend dem niederländischen ruischen, englisch to rush = stürzen. +Diese letzte Bedeutung erinnert an einen sehr gefährlichen Scherz, der +eigentlich kaum ein Scherz genannt werden kann, darin bestehend, daß man +einen schlafend oder doch ahnungslos in der Hängematte Liegenden +„rauschen‟ läßt, indem man heimlich die Befestigung der Hängematte am +Hängemattshaken löst.</p> + +<p><span class="strong1">reddern</span> die Segel, heißt, sie durch Ordnen der Brassen, Schoten +u. s. w. so in den Stand setzen, daß sie zum sofortigen Gebrauch bereit, klar zum +Segelsetzen sind. Das niederdeutsche Zeitwort reden, mit dem auch Reede +verwandt ist, bedeutet „bereit machen‟, eigentlich fertig machen zum +Reiten, sattelfertig für das Besteigen eines Pferdes, seinen Anzug +ordnen. In vielen Konjugationsformen von reden stellt sich ein doppeltes +d ein. Von einer solchen geminierten Form ist reddern ein Faktitivum, +besonders als solches gebildet ohne Rücksicht auf den eigentlichen schon +an sich faktitiven Sinn des Zeitwortes.</p> + +<p><span class="strong1">Ree!</span> ist auf Segelschiffen der Handelsmarine dasselbe Kommando, das auf +Kriegsschiffen: „Klar zum Wenden!‟ lautet, bedeutet<a id="Page_381"></a> + <span class="pagenum">[381]</span> also den +Befehl, daß jeder sich auf seinem Posten bereit zu halten habe zu den +stets wichtigen Manövern des Wendens. Das erste Kommando zum wirklichen +Beginn desselben heißt jetzt „Luv zum Wenden!‟ Früher hieß es: „Ruder +(-Pinne) in Lee!‟ Es ist behauptet worden, Ree wäre eine sehr starke +Zusammenziehung dieses Kommandos, („Ruder in Lee‟, „Rulee‟, „Ree‟) aber +das stimmt schon dem Sinne nach nicht, da Ree dem „Ruder in Lee‟ +zeitlich und begrifflich vorangeht. Ree ist allerdings eine Kontraktion, +aber von rede und daß dieses nichts anderes als „bereit‟, „fertig‟, +„klar zum Manöver‟ heißt, weiß jeder, der den Ursprung von Reede kennt.</p> + +<p><span class="strong1">Reede</span>, die, ist ein Ankerplatz für Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein +niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts +ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist für +die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man könnte ruhig Rede +schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden muß, und nur um es +von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise +Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet französisch rade, spanisch, +portugiesisch und italienisch rada, ist aber deutschen Ursprungs. Wir +müssen auf das Gothische zurückgehen. Da heißt garaiths angeordnet, +garaidjan bereit machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig +machen. Und zwar liegt dem Worte ursprünglich der Begriff des Reitens zu +Grunde; „bereit‟ ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie +der fertig (fährtig) ist, der bereit ist, auf den Wagen, auf dem er +fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bereit machen. +Mittelniederdeutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu +Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet, +(Häuptling zu Greetsiel) bei Bremen, daß er den Verbundbrief noch nicht +geschickt habe, „wente de inseghel des mene landes een dele nycht al +rede synt.‟ Die älteste deutsche Form für Rede ist reyde, reide, rede; +diese drei kommen bereits 1400 im „Seebuch‟ vor. Gewöhnlich aber reyde +in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein +kaiserliches Reskript vom 2. März 1634 von Bremischem „Convoy-, Tonnen-, +Baken-, Hafen-, Reyder-, Consumtions- und Schreibgeld.‟ Dieses +Reydergeld nennt der aus Mitteldeutschland stammende oldenburgische +Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. „Aber<a id="Page_382"></a> + <span class="pagenum">[382]</span> dessen ungeachtet haben +die von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuter- und +Tonnengeldt und dergleichen von den Schiffen zu nehmen‟ ... Allmählich +aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz +gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen +Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunächst rede und dann des +Öfteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf +Handelsschiffen der Befehl: „Klar zum Manöver‟ einfach ree! heißt. Von +diesem rede = bereit hat Reede den Namen. In einem alten Stralsunder +Vocabularium heißt es: „reyde het de stede vor de hauene, dar man en +schip reydet, rede makt to segelende.‟ Das ist ungefähr, aber doch nicht +ganz richtig. Nicht darum heißt der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da +rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen +Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist. +Erst wenn es im Hafen völlig aufgetakelt, bemannt, geladen, ausgerüstet +ist, kann es hinaus auf die Reede, bereit Anker auf zu gehen sobald der +Befehl dazu ergeht und der Wind dazu günstig ist. Die meisten Reeden +würden sich gar nicht zum Ausrüsten und Laden eines Schiffes eignen. — +In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf +umgekehrtem Wege zu erklären, so daß Reede — englisch road — als Weg +zum Reiten, zum Fahren für Schiffe das ursprünglichere wäre und das +Eigenschaftswort rede eben davon käme, daß das Schiff, das auf der Reede +liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen großen Umweg, den man um so +mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf dasselbe, +nämlich auf den aus „reiten‟ entstandenen Begriff „bereit‟ hinauskommt. + — Das Wort hat reiche Beziehungen im Romanischen. Außer dem erwähnten +rada finden wir im Italienischen arredo, spanisch arreo, portugiesisch +arreio, altfranzösisch arroi = Zurüstung, Putz, Geräte; italienisch +arredare zurüsten, corredo, altfranzösisch conroi, Ausrüstung. Alles vom +gothischen raidjan. Dazu auch französisch agrès Takelwerk, agréer +auftakeln; altfranzösisch agrei überhaupt Ausrüstung, Vorrat; wofür der +Teuthonista schyp gereytscap hat; mittelniederdeutsch bei Kilian +gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bereitschaft, daß man ein +Testament selgerede, Bereitschaft der Seele zum Sterben nannte. — „Auf +die Reede gehen‟ heißt auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt +1588<a id="Page_383"></a> + <span class="pagenum">[383]</span> Waghenaer anstatt ankern „Reede machen.‟ „Daer leyt een +banck buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt +Reefhoren, streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot +sommighe plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe +plaetsen door zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende +norden wind.‟</p> + +<p><span class="strong1">Reederei</span>, die, heißt eine Firma, die ihr gehörige Schiffe fahren läßt, +wozu gehört, daß sie dieselben vorher ausrüsten, bemannen und laden +läßt, also rede macht (s. Reede). Der Inhaber einer Reederei heißt +<span class="strong1">Reeder</span>, niederländisch reeder, altnordisch, isländisch reidari, +norwegisch reidar, schwedisch redare, dänisch reder. Eigentlich heißt +Reeder weiter nichts als Bereiter, Anfertiger, Zu- oder Ausrüster z. B. +linnen-reder, Leineweber. Wenn aber bloß Reeder gesagt wird, so ist ein +Schiffsreeder gemeint.</p> + +<p><span class="strong1">Reep</span>, das, ist nicht nur das Tauwerk im Dienste der Seemannschaft, in +Niederdeutschland heißt von Alters her jedes Seil, jeder Strick, jeder +Strang Reep: das Reep der Glocken, das Reep des Henkers, sogar die +Meßschnur heißt als Seil zum Messen in einer Skra die Lübeck etwa 1290 +nach Lübischem Recht an den Hof der Deutschen in Nowgorod verfügt hat, +repe: „So we one begrepen wert mit eime valschen repe oder mit einer +valschen elen unde darmede met‟ ... Doch muß es schon dem Teuthonista +vor mehr denn 400 Jahren geläufig gewesen sein, bei Reep hauptsächlich +an den seemännischen Gebrauch zu denken, denn nachdem er zuerst ganz +allgemein gesagt hat, es sei ein „seyl of towe‟, fügt er hinzu: „repe of +seyl tot den segel of seyle op den schyp dyenende‟, „repe of seyl in den +schyp der men in den wyntstorm gebruict‟, „repe dar men dat segel in den +schyp mede op trect.‟ Gothisch heißt es raip, althochdeutsch reif. +Dieses letztere wird aber für zwei Begriffe gebraucht, für Seil und für +Ring. Das muß daher kommen, daß ein „aufgeschossenes‟ Seil wie ein Ring +daliegt, zumal wenn anstatt des Hanftaues eine wilde Waldrebe gebraucht +wird, wie es das ursprüngliche war. Wer gesehen hat, wie noch jetzt in +einfachen ländlichen Verhältnissen an Stelle eines Strickes eine +Waldrebe gebraucht wird, der kann sich leicht vorstellen, daß ein Reep +im Grunde nichts anderes ist als eine Rebe. Das gothische Wort +skaudaraip pflegt man wohl mit Schuhriemen zu übersetzen, es war aber +ursprünglich nicht etwa ein Lederriemen, sondern einfach ein Stück +Rebe.<a id="Page_384"></a> + <span class="pagenum">[384]</span> Wenn die altdeutschen Damen, wie aus dem Worte wida, +Haarband, hervorgeht, zum Aufbinden ihrer langen blonden Haare eine +wida, Weide, benützten, ähnlich wie heutzutage die Besenbinder die +Birkenreiser zusammenbinden, so werden die Männer sich auch wohl mit +einer Rebe als Schuhband begnügt haben. Im Laufe der Zeiten ist aber die +Herkunft des Wortes Reep von Rebe als dem bindenden Material so aus dem +Bewußtsein der Leute entschwunden, daß man in Ostfriesland sogar ein aus +Stroh gedrehtes Seil ein Strohreep nennt. — Mit Reep ist auch Rippe +verwandt mit der gemeinschaftlichen Bedeutung Umschlingung. Man hat +versucht, Reep davon abzuleiten, daß der Reepschläger den Hanf „rupft‟ +beim Rückwärtsgehen; das dürfte kaum angängig sein.</p> + +<p><span class="strong1">Reffen</span>, <span class="strong1">reefen</span>. Die Segel kleiner machen, sei es daß der Wind an Stärke +zunimmt, sei es daß man aus irgend einem Grunde kleinere Fahrt machen, +mit geringerer Geschwindigkeit segeln will. Richtiger reefen. Es ist +ganz unerfindlich, wie das ff in das Wort gekommen sein mag. Es muß +irgend ein Unkundiger an raffen gedacht haben, weil das Segel beim +Reffen von der Rahe aus mit der Hand gerafft wird. Der Seemann spricht +aber reefen, niemals reffen. Und er tut recht, denn reffen kommt von +<span class="strong1">Reef</span> und dieses von Reep. Hören wir Roeding's allgemeines Wörterbuch der +Marine über das Technische: „Man bindet nämlich durch dünne Linien, +(Leine, Band, Bändsel, Reffbändsel,) die Reefbanden genannt werden, und +in einem quer über das Segel genähetem Streif Segeltuchs befestigt sind, +und auf beiden Seiten des Segels herabhängen ... einen Teil desselben um +die Raa fest, so daß der übrige nicht eingebundene Teil allein dem Winde +ausgesetzt bleibt.‟ So viele „quer über das Segel genähete‟ Streifen +einander parallel in gewissen Abständen vorhanden sind, so viele Reefen +können „eingesteckt‟ werden. Nun ist Reep zu vergleichen und zu beachten +daß Reep früher nicht nur ein Tau, sondern auch einen Leinwandstreifen +bedeutete, (ähnlich wie unser Riemen für Lederstreifen von dem +griechischen rhyma, Seil, kommt). Diese Leinwandstreifen, zur +Verstärkung des Segels da aufgenäht wo die Reffbändsel zu sitzen kommen, +sind eigentlich die Reefe; reefen aber ist das davon abgeleitete +Zeitwort. So erklärt sich auch das Kommando: „Das erste, zweite, dritte, +vierte Reef in die Marssegel!‟ natürlich<a id="Page_385"></a> + <span class="pagenum">[385]</span> von oben gerechnet. — +Um aber denen, die an raffen gedacht haben, alle Gerechtigkeit +widerfahren zu lassen, so ist nicht ausgeschlossen, daß raffen im Sinne +von umfassen und halten eines Stammes mit Reep, Rebe und Rippe ist, +entstammt der Wurzel die im Sanskrit rabh heißt und fassen, umfassen +bedeutet. — Beim Ankern wird nicht gereeft, da werden die Segel +aufgegeit (s. d.). Da wo Karl Simrock von Oegir (Aegir) handelt und über +das Schiff „Ellida‟ aus der Frithjofsage von Tegner eine Stelle anführt, +die im Original „refvade seglet sig sjelf‟ lautet, hätte er Gelegenheit +gehabt, diesen, der ja nicht Seemann sondern Bischof war, zu verbessern. +Er hat sie sich aber entgehen lassen, so daß wir bei ihm in Uebersetzung +lesen:</p> + +<p>Tags darauf stand Wiking am Meer, und sieh, wie ein Seeaar, Wenn er die +Beute verfolgt, in die Bucht einlief ihm ein Drachschiff. Niemand sah +man darauf, ja es stand selbst keiner am Steuer; Dennoch fand's den +geschlängelten Weg durch Klippen und Scheeren, Gleich als bewohnt es ein +Geist, und als es dem Strande sich nahte, <span class="strong1">Reffte</span> das Segel sich selbst, +unberührt von menschlichen Händen Senkte der Anker sich nieder und biß +mit dem Zahne den Seegrund. Stumm stand Wiking und sahs: da sangen die +spielenden Wogen: „Oegir gedenkt, den du bargest, der Schuld und schenkt +Dir den Drachen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Regatta</span>, die. Das Wort ist jetzt für jedes zur <span class="strong1">See</span> stattfindende +Wettfahren in Gebrauch: Segelregatta = Wettsegeln; Bootsregatta = +Bootswettsegeln; Ruderregatta = Bootswettrudern. Das Wort stammt aus +Venedig und ist lange Zeit nur dorten für die Wettfahrten der Gondeln +angewandt worden.</p> + +<p><span class="strong1">Regelchronometer</span>, der. Wie Regelkompaß der maßgebende Kompaß ist, so ist +Regelchronometer derjenige, nach dem man sich von Schiffs wegen ein für +allemal richtet, der Hauptchronometer. Zum Vergleich und zur größeren +Sicherheit gibt es auf größeren, nach den Anforderungen der Neuzeit +ausgerüsteten Schiffen mehrere Chronometer, aber einer dient als Regel +und Richtschnur.</p> + +<p><span class="strong1">Regelkompass</span>, der, ist der Kompaß, nachdem sich der Kommandant, der +Navigationsoffizier, der wachhabende Offizier richten, er muß daher in +der Nähe der Stelle angebracht sein, von der aus diese drei ihre Befehle +ergehen lassen, nahe der Kommandobrücke und dazu möglichst hoch, schon +um den<a id="Page_386"></a> + <span class="pagenum">[386]</span> magnetischen Einflüssen der Umgebung nach Möglichkeit +entrückt zu sein. Da mit dem Regelkompaß auch gepeilt wird, so muß er +schon darum einen freien, übersichtlichen Stand haben. Ist dieser in der +Nähe der Kommandobrücke nicht möglich, so muß ein eigener <span class="strong1">Peilkompass</span> an +passender Stelle angebracht werden. Einen besonderen <span class="strong1">Steuerkompass</span>, den +die Leute am Ruder bequem sehen können, gibt es ohnehin.</p> + +<p><span class="strong1">Regensegel</span>, s. Rauchsegel.</p> + +<p><span class="strong1">Registerbrief</span>, der, die amtliche Bescheinigung der heimischen +maßgebenden Behörde, die ein Schiff mit sich führt über seine +Nationalität, seine rechtliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation; +sein Ausweis andern Staaten gegenüber, daß es den Schutz seiner Flagge +seitens seines Heimatsstaates genießt; das darüber ausgestellte +Certifikat, der Brief, muß eine Beschreibung des Schiffes enthalten, den +Namen und die nähere Bezeichnung des Eigentümers, des Kapitäns etc. und +eine Angabe darüber, daß es in die heimischen Register eingetragen ist.</p> + +<p><span class="strong1">Reibholz</span>, das, ist nicht mit der Bezeichnung Reibholz = Streichholz zu +verwechseln, sondern bedeutet das Holz, das zwischen einem an einer +Kaimauer liegenden Schiffe und der Kaimauer selbst sich befindet und +verhütet, daß das Schiff sich an den Steinen der Mauer reibt, also ein +Mittel gegen das Schamfilen. Wird die Vorsichtsmaßregel von Bord aus +getroffen, so bedient man sich eines Fenders; von Land aus, so nennt man +das dazu verwendete Holz Reibholz, doch können natürlich auch Bord und +Land zusammenwirken.</p> + +<p><span class="strong1">Reichskommissar</span>, der, für das Seemannswesen, ist der Beamte des Reichs, +der, ein früherer Seeoffizier, angestellt ist um bei +Seegerichtsverhandlungen mit Recht zu sprechen und dabei sein +seemännisches Verständniß zur richtigen Beurteilung eines +See-Unglücksfalles im besonderen in die Wagschale fallen zu lassen.</p> + +<p><span class="strong1">Reil</span>, das, ist das zuweilen noch gehörte, schlecht ausgesprochene Wort +für Oberbramsegel: royal. Es heißt eigentlich königlich, offenbar weil +dieses Segel das höchste, oberste an Bord ist. Es könnte aber auch sein, +weil die royal navy es zuerst in Gebrauch gehabt hätte. Doch das müssen +die Engländer unter sich ausmachen. Es beschränkt sich der Gebrauch des +Namens bei uns auf das Oberbramsegel; die Oberbramstenge und +Oberbramrahe ist bei uns überall nicht nach diesem royal benannt.<a id="Page_387"></a> + <span class="pagenum">[387]</span></p> + +<p><span class="strong1">„Reise, reise!‟</span> Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die +neue Wache die „verfangen‟ soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf für +englisch gehalten worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heißt. Und +doch wurden in Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe +Britannien daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im +Altfriesischen, das seit fünfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird, +hieß es: „riys oer ein! Di sinne scynt yn dyn naest!‟ Aufstehen, sich +erheben hieß eben altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch +risan, mittelhochdeutsch risen, mittelniederdeutsch noch ziemlich spät +und zwar, wie die davon abgeleiteten Wörter bezeugen, nahe an reisen +anklingend, ebenfalls risen. Daher kommt nämlich ein Reisiger, einer der +sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische +pleonastische Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im +Althochdeutschen hieß reisa Aufbruch, Kriegszug, und daraus entstand +nach und nach unser „Reise‟ im Sinne von: „So jemand eine Reise tut,‟ +dabei gilt es ja und galt es früher noch mehr, sich früh zu erheben, +„der Sonne entgegen‟ zu gehen. — Sehr deutlich hat die Architektur in +ihrem Worte Riese die Bedeutung „sich erheben‟ festgehalten. Sie +unterscheidet in der Gothik bei einer Fiale, diesem kleinen schlanken +Türmchen, den Leib und den Riesen, und dieser ist der Teil der sich +verjüngend nach oben strebt. — 1673 hieß niederdeutsch das Steigen, das +Höhergehen der Sonne noch risen; „Beschriving van der Kunst der +Seefahrt‟: „im gewissesten tho gahn, so mag man diese Pegeling 2. à 3. +mahl dohn, und ein jedermahl anschriven, doch mut solckes kort na ein +ander geschehen ehr de Sün vel rist.‟ — „Wenn gy nu sünd by Norden de +Sünn, dat ys wen de Sünn Südwart van juv ys, und upt Högeste ys geresen, +so nehmet den Stock (Jakobsstab), und settet ehn an dat buten Kant, +nevens juw Ogappel, und schufet dat Krütz so lang, dat gy dat bawenste +Ende vant Krütz recht int midden up de Sünn krigen, und dat underste +Ende just an de Kimmen offt Horizont des Waters. Wachtet den ein weinich +und proberet ydt wedder, und wat de Sünn den höger reist, dat halet dat +Krütz na juw, bet gy sehn dat de Sünn nicht mehr riest, so ys ydt wol.‟</p> + +<p><span class="strong1">Reling</span>, die. Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Kriegsschiffsseeleute +heutzutage unter Reling etwas anderes verstehen als was sie eigentlich +ist. Denn sie nennen die ganze Bordwand<a id="Page_388"></a> + <span class="pagenum">[388]</span> soweit sie über das +Oberdeck hinausragt Reling, während sie eigentlich doch nur ein auf +dieser Bordwand aufsitzendes Geländer bedeutet. Es waren auf dieser +Bordwand Stützen angebracht, und diese waren mit Riegeln unter einander +verbunden, so daß diese Riegel das Geländer bildeten. Riegel heißt +niederdeutsch Regel; daher zunächst Regeling und dann nach Schwund des g +und Zusammenziehung der beiden e Reling. Roeding (1794) hat eine leicht +verständliche Beschreibung: „Regelingen sind lange dünne hölzerne Riegel +die von Zeit zu Zeit durch hölzerne Stützen getragen werden, die man +Finknetzstützen oder Regelingsstützen nennt. Letztere sind auch manchmal +von Eisen und beide zusammengenommen bilden ein Geländer um den Bord des +Schiffes, welches die Schanzkleidung trägt. Auf Kriegsschiffen sind die +Finknetzstützen gewöhnlich von Eisen und doppelt; statt der Regelingen +scheert man gern einen Leier (Leiter) von hinlänglich starkem Tauwerk +durch ein Loch an ihrem oberen Ende. Vom Leier bis zum Bord wird nach +innen und außen ein Netz von dünner Lien befestigt, welches das Finknetz +heißt. Zwischen beide werden im Gefecht und bei gutem Wetter zum +Auslüften die Hangematten des Schiffsvolks gestauet, die eine Art von +Brustwehr machen, welche zuletzt mit einer Schanzkleidung von gemaltem +Segeltuch oder bloßer Presenning bedeckt wird.‟</p> + +<p><span class="strong1">Remorqueur</span>, der. Am Rhein hält man es für geschmackvoll, einen +Schleppdampfer remorqueur zu nennen und von remorquieren zu sprechen. +Französisch rémorquer, italienisch remorchiare, spanisch remolcar, vom +lateinischen remulcum = Schlepptau, remulcare, griechisch remulkein, am +Seil ziehen, ins Schlepptau nehmen.</p> + +<p><span class="strong1">Reveille</span>, die. Mit Bezug auf dieses Wort sind wir französischer als die +Franzosen. Denn die reden nicht von Reveille, sondern sagen battre la +diane; holländisch die Diana slaan. Diana heißt die Morgenwache, +italienisch diana, der Morgenstern, eigentlich stella diana, von dem +verschwundenen Adjektiv diano, von dies, der Tag. Die Göttin der Jagd +ist durch Mißverständnis in die seemännische Gesellschaft gekommen. +Übrigens hat man sich besonnen und sagt jetzt anstatt Reveille Wecken.</p> + +<p><span class="strong1">Revier</span>, das, ist das Fährwasser in einem schiffbaren Flusse. Es ist also +ganz überflüssig Flussrevier zu sagen. Diese nähere Bestimmung ist zu +Revier nur hinzugefügt worden, weil in verschiedenen<a id="Page_389"></a> + <span class="pagenum">[389]</span> +hochdeutschen Verbindungen, wie z. B. Jagdrevier,Forstrevier, +Revierförster, und auch für sich allein stehend das Wort Revier die +Beziehungen zu Fluß, die es ursprünglich besaß, verloren hat. Es kommt +von rivière, Fluß; dann Gegend am Fluß, also Ufer; dann Gegend am Ufer, +und zuletzt einfach Gegend, Bezirk. Mittelhochdeutsch rivier, und so +meist auch mittelniederdeutsch, die zweite Silbe mit sehr langem i, +fließendes Wasser, Fluß, Strom. Die Formen revier, rivier, rever +wechseln mit einander. Es ist zu beachten, daß seemännisch nicht jedes +fließende Wasser, sondern nur das schiffbare Revier heißt. In den +„durchläuchtigsten Seehelden‟ (1681) wird von einer holländischen +Gesandtschaft nach England aus dem Jahre 1664 berichtet. Der Gesandte, +Herr von Goch, „hatte noch denselbigen Abend geheime Audientz bei dem +König, da anfänglich nichts als allerley Freund- und Höfflichkeiten +vorgiengen. Aber Se. Majt. fiel zum ersten auf die Sachen der Ost- und +West-Indischen Compagnie davon er unter anderen Reden sagte: Es wäre +unerträglich, daß die West-Indische Compagnie mit etlichen wenigen +Vestungen, und einem Schiffe drey oder viere (drei oder vier Schiffen), +ohne fernere Besitzung einiges Landes die gantze Africanische Küste mit +derselben Rivieren und Strömen unsicher machen und andern den Handel +alle verhindern und incommodiren solte.‟</p> + +<p><span class="strong1">Riemen</span>, der, besser Remen, das seemännische Wort für das Werkzeug zur +Fortbewegung eines Boots, das im nichtseemännischen Leben <span class="strong1">Ruder</span> genannt +wird. Daß Remen zu Riemen gemacht und so in die Lage gebracht wurde, mit +einem Lederstreifen verwechselt zu werden, war ein ziemlich kühnes +Wagnis, zumal es Leute gemacht haben, die doch wohl kaum ahnen konnten, +daß die beiden Wörter am letzten Ende auf eine Wurzel zurückgeführt +werden können. Tatsache ist, daß jetzt Remen = Ruder und Riemen = +Lederstreifen zwei sehr verschiedene Dinge sind. — Remen ist als +seemännisches Wort zuerst, und zwar schon in althochdeutscher Zeit, am +Oberrhein gebraucht worden. Von da ist es den Rhein hinabgewandert und +hat sich an den Küsten der Nordsee und auch — wie zahlreiche +mittelniederdeutsche Urkunden beweisen — an der Ostsee ausgebreitet. An +den Oberrhein haben ihr remus die Römer gebracht, vielleicht der +römische Admiral Crescentius, dessen Votivstein im Museum in Köln steht, +oder einer seinesgleichen, denn<a id="Page_390"></a> + <span class="pagenum">[390]</span> es gab römische Seeleute genug am +Rhein. Es fragt sich jedoch, wie die alten Deutschen dazu kamen, das +fremde Wort für eine Sache anzunehmen, die ihnen doch unzweifelhaft +schon lange vor der Zeit der römischen Herrschaft am Rhein bekannt war. +Sie hatten doch gewiß auch in der vorrömischen Zeit einen deutschen +Namen für das Fortbewegungsmittel ihrer Einbäume. Da sie nicht so +neuerungssüchtig waren wie ihre spätgeborenen Söhne, so muß der uralte +Name zu Gunsten des neuen darum aufgegeben oder doch zurückgedrängt +worden sein (s. Ruder) weil das neue Werkzeug ein wesentlich +verbessertes, brauchbareres, handlicheres darstellte als das bis dahin +gebrauchte. Es mag also hier gegangen sein wie mit der verbesserten +Mahlvorrichtung molina, der zu Liebe die Väter ihr Wort quairn so +ziemlich in Vergessenheit geraten ließen und Mühle sagen lernten. +Wahrscheinlich hatten die Rheinländer bis dahin mit Pagaien aus freier +Hand gerudert, während remus auf dem Dollbord aufliegend gehandhabt +wurde. Die Schreibart Remen ist der von Riemen aus geschichtlichen, +sprachlichen und sachlichen Gründen vorzuziehen, s. auch Ruder und +rojen. Französisch rame ist wohl dem italienischen, spanischen, +portugiesischen rama, Ast, nachgebildet aber in seiner Bedeutung doch +durch remus bestimmt, das der französischen Sprache ursprünglich gewiß +nicht fehlte, aber ihr als eine zu ausdruckslose Form, denn es hätte +rein lauten müssen, mißfiel. Wangerländisch rium, Ehrentraut II. 62. +Nordfriesisch reem. — Auffallend hat sich der Begriff eretmos und der +rhyma in dem Worte vereinigt, das die Rheinschiffsleute in der Schweiz +gebrauchen: „Zugruder.‟</p> + +<p><span class="strong1">Riff</span>, das, kommt vom altnordischen rifa, schlitzen, spalten und bedeutet +etwas Gespaltenes, zersplittertes, zerklüftetes Felsgebilde. Dann aber +auch im weiteren Sinne jede sich ins Meer hinausstreckende, von Wasser +bedeckte Bank, auch wenn sie eine Sandbank ist; besonders auch eine sich +unter Wasser hinziehende Korallenbank. An sich liegt die Bedeutung +„unter Wasser befindlich‟ nicht in dem Worte, sie wird aber im +seemännischen Sprachgebrauche unwillkürlich damit verbunden. — +Mittelniederdeutsch rif, ref, reve; „we schipbrokich gudt vindt by dem +Strande, de schal dat antwerten der negesten Stadt ... van den +upgefischeden gude schall men eme geven, de dat gevunden heft, dat +twintigste deel; hale he dat ock ut der see van dem reve, so<a id="Page_391"></a> + <span class="pagenum">[391]</span> +behort hem dat drudde deel.‟ Das war Lübisches Recht. Das Rigaer sagt: +„So we scipbroken gut vindet oppe dem vorende, de sal daraf hebben den +twintegesten deel; de et halet uppe deme reue vppe der ze, de zulen +hebben den dridden del.‟</p> + +<p><span class="strong1">Rof</span>, das, ist ein Aufbau an Deck, der als Unterkunftsraum für die +Schiffsmannschaft dient. Das niederdeutsche rof heißt Decke in allen +Bedeutungen, die dieses Wort im Hochdeutschen hat. Die Bedeutung ist +also der von Plicht ähnlich. — Angelsächsisch hrof, Dach, englisch +roof, niederländisch roef, Kajüte, mittelniederdeutsch (Kilian) roef = +puppis concameratio. Altnordisch hrof, das Dach, unter dem ein Schiff +gebaut wurde, kleine Schiffswerft. Edda: raefr = Dach. Altfriesisch +hrof. — Mittelniederdeutsch auch roffe: „Schipper Albert sy achter vth +dem roffe inn de kokenn gekahmen,‟ Bremer Urkunde von 1564. — Das Wort +ist mit Robe verwandt, denn das ursprünglichste Kleid war nur eine +Decke. Wahrscheinlich liegt das Zeitwort rauben zu Grunde, so daß rof +etwas Geraubtes, einen Raub bedeutet; sei es daß man auf dem Beutezuge +dem Feinde zuerst und hauptsächlich seine Decken, seine Kleider raubte; +sei es daß man noch weiter zurückgehen und daran denken muß, daß die +ersten und ältesten Decken Tierfelle waren, die der Mensch dem Tier erst +rauben mußte um sich damit bedecken zu können.</p> + +<p><span class="strong1">rojen</span> s. rudern.</p> + +<p><span class="strong1">Rolle</span>, die, ist die Verteilung jedes einzelnen Mannes auf seinen Posten +beim Exerzieren und Manöverieren. Wie der Theaterdirektor die einzelnen +Mitglieder seiner Bühne auf ihre Posten stellt und jedem seine Rolle +zuteilt, so teilt an Bord der Erste Offizier die Rollen aus und stellt +jeden auf seinen Platz. Je nachdem es sich bei dieser Verteilung um +Segel-, Ruder-, Gefechts-, und Feuerlöschübungen handelt gibt es eine +Segel-, Ruder-, Gefechts-, Feuer-Rolle. Jedesmal wird, ehe ein solches +Manöver beginnt, genau untersucht ob auch jeder da steht, wo er nach der +Rolle stehen soll. Diese Rolle ist aber schon lange keine Rolle mehr, +sondern ein richtiges Buch, das <span class="strong1">Rollenbuch</span>, von dem jeder Offizier sich +genaue Kenntnis verschaffen muß. — Rollen heißt sich um einen +Mittelpunkt drehend bewegen. Eine Rolle ist eine walzenförmig +zusammengerollte Schrift; ein geschriebenes Verzeichnis, das den Namen +Rolle behält, auch wenn<a id="Page_392"></a> + <span class="pagenum">[392]</span> es nicht mehr die Form einer Rolle, +sondern die eines Buches hat. Von rota, das Rad, oder vielmehr von +rotula, das Rädchen.</p> + +<p><span class="strong1">rollen</span> heißt eigentlich sich wie ein rotula, ein Rädchen, um seine Achse +drehen. Daher ist die theoretische Bestimmung, nach welcher rollen = +schlingern ist, zwar richtig, aber sie entspricht nicht dem populären +Sprachgebrauch unserer Seeleute. Die nennen die Bewegung des Schiffes in +der Richtung von Steuerbord nach Backbord und zurück <span class="strong1">schlingern</span>; die +Bewegung des Schiffes von achtern nach vorne und umgekehrt, also das +Eintauchen des Schiffes mit den Heck oder dem Bug in ein Wellental und +das entsprechende Wiederhochkommen <span class="strong1">stampfen</span>; die für nicht ganz seefeste +Leute aber sehr unangenehme Verbindung beider Bewegungen mit einander +nennt man <span class="strong1">rollen</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Roring</span>, der, heißt der Ring an der Spitze des Ankerschaftes durch den +der Anker mit der Ankerkette verbunden wird. Das Wort wird auch Rooring +und Röring geschrieben, heißt aber neuerdings meistens Schäkel. Diese +letztere Bezeichnung ist offenbar in Anbetracht dessen in Aufnahme +gekommen, daß man sich sagte, daß ja der Roring eigentlich gar kein Ring +ist, sondern wegen der einen offenen von beiden Seiten den Schaft +umfassenden Stelle weit eher einem Schäkel ähnlich sieht. Dieser +Gedankengang ist richtig, bildet aber keinen Vorwurf gegen die Seeleute +früherer Tage, die das Wort Röring gebildet und gebraucht haben. Denn +einmal war der Roring damals wirklich ein Ring, und dann hat das Wort +mit Ring überhaupt garnichts zu schaffen und hieß im Niederdeutschen die +Roring (oder vielmehr, wie gleich zu erwähnen sein wird: Röring). Zu +Rödings Zeiten hieß so auch die aus altem Tauwerk hergestellte +Bekleidung des Ankerringes, die man vornahm um denselben vor Rost zu +schützen und um ihn dicker zu machen, damit das Ankertau sich desto +besser um denselben schließen könne. Röding nennt diese Bekleidung +Ankerrührung oder Röring, und zwar: die Ankerrührung oder der Röring. Er +hat aber offenbar etwas Nebensächliches für die Hauptsache gehalten. +Nicht die Bekleidung war das Wichtige, sondern der Ring selbst, und der +treffliche Mann ist wohl auch nur darum auf die Bekleidung verfallen, +weil er sich sonst für den Ring das Femininum nicht erklären konnte. Das +erklärt sich aber leicht, wenn man von der im Grunde doch — wie Schäkel +beweist — nebensächlichen Ringform dieses Stückes<a id="Page_393"></a> + <span class="pagenum">[393]</span> absieht und, +anstatt an die Gestalt, an den Zweck desselben denkt. Der Roring hat den +Zweck, zu ermöglichen, daß der Anker durch die Ankerkette bewegt, +umgestoßen, von der Stelle gerückt werde. Eine solche Bewegung heißt an +der deutschen Nordseeküste röring, von dem Zeitwort rören, rühren, +bewegen, regen, anfassen, treffen, erreichen. Roring also (richtiger, +wie bei Röding, Röring) hat seinen Namen daher, weil damit die Stelle +bezeichnet wird, entweder wo Kabel und Anker sich berühren, treffen, +sich erreichen; oder, und das will noch einleuchtender erscheinen, +davon, daß der Anker mittelst des Rorings bewegt, umgestoßen, von der +Stelle gerückt, gerührt wird. Nicht davon, daß der Ring das bewegliche +Ding am Anker ist, heißt er „Bewegung‟, sondern davon, daß durch ihn — +abgesehen davon daß er im Übrigen die Gestalt eines Ringes hat — der +Anker seine Bewegung erhält. So erklärt sich auch ungezwungen zweierlei. +Einmal die Form Röring und sodann das Femininum. Männlich ist das Wort +erst bei der Aufnahme ins Hochdeutsche geworden, weil man dabei an Ring +dachte, ohne aber zu bedenken, daß dann, wenn Ring zur Geltung gebracht +werden sollte, auch Rorring hätte geschrieben werden müssen, dann hätte +man es wenigstens mit Berührungsring übersetzen können, die zweite Silbe +im Worte heißt aber nicht -ring, sondern -ing und ist weiter nichts als +die niederdeutsche Form der Endung -ung. — Da aber unter dem Einfluß +der ringförmigen Gestalt sich die männliche Form „der Röring‟ einmal +festgesetzt hat und schwer durch die weibliche Form „die Röring‟ wieder +zu verdrängen gewesen wäre, so ist es eigentlich für das sprachliche +Gefühl mit Freude zu begrüßen, daß der Eindringling nun in „Schäkel‟ +einen so mächtigen Gegner erhalten hat. — Das niederdeutsche Zeitwort +rören heißt niederländisch roeren, altfriesisch hrera, auf Wangerooge +rer, im Saterland röre; altsächsisch hrorjan, angelsächsisch reran, +altenglisch hroren, altnordisch hroera, norwegisch und schwedisch röra, +dänisch röre; althochdeutsch hruorjan, hroren, mittelhochdeutsch ruoren. +Aus dieser dem Doornkaat entnommenen Zusammenstellung geht hervor, daß +die Form röring ihre volle niederdeutsch-seemännische Berechtigung hat.</p> + +<p><span class="strong1">Rose</span>, die, heißt an Bord die Kompaßrose. Das Wort erklärt sich nach dem +bekannteren Windrose von selbst, wenn auch eine sehr beträchtliche +Phantasie dazu gehört, in dem Bild der verschiedenen<a id="Page_394"></a> + <span class="pagenum">[394]</span> +Kompaßstriche eine Rose zu erblicken. Doch mag bei der Neigung der +Alten, auch dergleichen Dinge zu schmücken, ein besonderer Schmuck die +Veranlassung gegeben haben, diese runde Tafel Rose zu nennen. Auf +französischen Kompassen des 18. Jahrhunderts und besonders auch des 17., +ist in der Mitte ein Mann zu Pferde abgebildet, auf den acht +Hauptstrichen sind Menschenköpfe und sonstige Verzierungen angebracht. +Der Strich für Nord ist aber von einer französischen Lilie in der +bekannten heraldischen Form gebildet. Nichtsdestoweniger hieß die +Scheibe schon damals auch im Französischen rose; so mag also anstatt der +Lilie zu anderer Zeit oder an anderen Orten eine Rose als Verzierung +gedient haben.</p> + +<p><span class="strong1">Rosenlaschung</span>, die. Wenn irgendwo zwei Augen, wie man die Ringe am Ende +eines Taues nennt, mit einander verbunden werden sollen, so geschieht +dies mit einem Taljereep, dessen beide Enden sich in der Mitte der +Verbindung kreuzen. Um die Kreuzungsstelle werden die beiden Parten +einigemale zur größeren Festigkeit so herumgewickelt, daß aus den +schneckenhausförmig neben einander liegenden Schlägen eine Art Scheibe +entsteht, die man mit der nötigen Einbildungskraft wohl für etwas +Rosenartiges halten kann.</p> + +<p><span class="strong1">Routine</span>, die, die Zeiteinteilung, Ordnung des Tageslaufes, genaue +Bestimmung, was an einem Tage, wann und in wie langer Zeit es zu +geschehen hat. Diese Bedeutung hatte das Wort ursprünglich nicht; weder +im Lateinischen, noch im Italienischen, noch im Französischen. Es kommt +von rumpere brechen; davon via rupta ein gebrochener Weg, das Gegenteil +von einer gebrochenen Linie, indem der Weg möglichst gerade und direkt +durch Felsen gebrochen worden ist, wie die Donau entlang am Eisernen +Tor, also eine Kunststraße im Gegensatz zu den Karawanenwegen der +Elfenbeinträger in Afrika, wo sich der Pfad um jeden Stein, der im Wege +liegt, herumschlängelt. Von demselben Worte stammt italienisch rotta, +spanisch, portugiesisch, provençalisch rota, altfranzösisch route, +Bruch, Bruchteil, Abteilung eines Heeres, ein Trupp Soldaten, eine +„Rotte‟; dann überhaupt einen Bruchteil einer größeren Versammlung +bezeichnend, wobei der Bruch aus dem Bewußtsein geschwunden und nur der +Teil geblieben ist; davon „sich zusammenrotten.‟ — Unser seemännischer +Sinn von Routine entstand durch folgende Bedeutungsentwicklung.<a id="Page_395"></a> + <span class="pagenum">[395]</span> +Auch bei via rupta ging, als man via wegließ, doch nicht etwa die +Bedeutung Weg (vergl. die Entstehung von Straße aus via saxis quadratis +strata, wo strata doch verhältnismäßig das unbedeutendere Wort in der +Verbindung darstellt), sondern vielmehr die Bedeutung „gebrochen‟ +verloren, so daß route, wie man für rupta sagte, bald ganz allgemein für +Weg im Gebrauch war; zunächst im Sinne von zurückgelegtem Weg, +durchwanderter Strecke; daher portugiesisch rota, Lauf des Schiffes; +dann auch für eine noch zurückzulegende Strecke. Ein Mann aber, der des +Weges kundig war, hieß routier. Und davon ist erst routine gekommen. Es +bedeutet zunächst nur durch Übung erlangte Kenntnis des Weges. Dann bald +bloß Übung, Gewandtheit, Geschicklichkeit, Kenntnis, Pfiffigkeit, +Routiniertheit. Demnach ist Schiffsroutine nicht nur der Wegweiser für +den Tageslauf, sondern auch der Weg selbst, auf dem die +Schiffsmannschaft durch richtige Einteilung und Ausnutzung der Zeit die +nötige Übung und Gewandtheit im Schiffsdienste erlangen kann. — Eine +richtige Routine — in der Schule sagt man Stundenplan — auszuarbeiten +ist eine schwere Sache, bei der sehr viel zu berücksichtigen ist; sie +liegt in den Händen des Ersten Offiziers.</p> + +<p><span class="strong1">Rücker</span>, der, ist ein Tau, einerseits an der Bram- oder Oberbramrahe, +andererseits an dem Bram- bezw. Oberbramraheniederholer befestigt und +dazu dienend, die Rahe, wenn sie gekait und an Deck genommen werden +soll, zu rücken, d. h. los zu machen von der bisherigen Stelle, durch +einen Ruck zu entfernen, also zu rücken, zu bewegen.</p> + +<p><span class="strong1">Ruder</span>, das. 1. Eine Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes. 2. Ein +Werkzeug zum Fortbewegen eines Bootes. Auf Kriegsschiffen ist nur die +erste Bedeutung im Gebrauch, sonst überall im deutschen Sprachgebiet hat +sich die zweite im Munde von Seeleuten und Nichtseeleuten erhalten, +wiewohl schon zur Zeit der römischen Herrschaft am Rhein Remen oder +Riemen (s. d.) vom lateinischen remus herübergenommen wurde. Es wird +auch nie gelingen, dem Worte sein Hausrecht im Deutschen zu rauben, dazu +war es denn doch zu fest eingewohnt und -gewurzelt als das fremde Wort +eindrang. — Indessen hatten Ruder und Remen in <span class="strong1">einer</span> Wiege gelegen, +indem beide von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in +der Form ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung +bedeuten kann: stoßen,<a id="Page_396"></a> + <span class="pagenum">[396]</span> treiben, schieben, ziehen, rücken. Eine +Zeit lang sind die beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich +in der Bedeutung wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die +Trennung vollzogen hat, läßt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber +im Griechischen geschehen sein, so daß eretmos noch für beide die +gemeinschaftliche Form darstellte. Das hätten wir uns etwa so +vorzustellen. Es gab vom gleichen Stamme wie eretmos ein griechisches +Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von welcher unser (Leder-) Riemen herkommt. +Unter Anlehnung an dieses Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das +Fortbewegungsmittel remus gebildet, durch Aphäresis des anlautenden e +und Schwund des t. Beide, rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das +Schiff fortzubewegen, das Zugseil und der Remen, ja vielleicht die +Fortbewegung mit dem Zugseil die ursprüngliche und das Rudern kam erst +später auf. Dann hätte man also die alte Bezeichnung der Fortbewegung +durch Ziehen („treideln‟ s. d.) für die neue Fortbewegung durch Rudern +beibehalten, etwa wie wir jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork, +wiewohl es sich dabei um einen gar keine Segel führenden Dampfer +handelt. — Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes, +sondern auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere +Bedeutung hatte, folgte man naturgemäß nicht dem Zuge und Einfluß von +rhyma, sondern bildete eretmos selbständig weiter, und zwar auf dem Wege +vom Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphäresis) des e und +Abschwächung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und +Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt, +daß die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in +vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung +vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie +remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als +ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern +wieder zusammen. Und wenn der fremde — remus — sich auch zeitweilig +vordrängte, ja sich für das Werkzeug zur Fortbewegung ausschließlich im +Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische — als +„Ruder‟ — sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den +Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung +behalten. — Es ist auffallend, wie kurz sich die Isländer ihr +Wort<a id="Page_397"></a> + <span class="pagenum">[397]</span> für Remen zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so +wieder auf die ursprüngliche Bewegungswurzel zurückgegangen, während +doch schon im Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hieß.</p> + +<p><span class="strong1">rudern</span>, die Tätigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft +als Fortbewegungsmittel, ausgeübt wird, (während die Tätigkeit die mit +dem Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heißt, daher wird +dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche +Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt <span class="strong1">rojen</span>. +Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch der +angelsächsischen Form für Ruder, ruodor oder rodor, gebildet. +Niederländisch roeijen, englisch to row, isländisch roa; „Bágd er ad <span class="strong1">róa</span> +einni ár,‟ mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lüpkes +„Seemannssprüche.‟ Altnordisch róa; „I vindi skal vid höggva, vedri á +sjó róa; myrkri vid man spjalla, mörg ern dags augu‟, „Im Winde soll man +Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern +kosen; viele Augen hat der Tag.‟ Lüpkes p. 146. Angelsächsisch rôwan. — +Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Ruder und rudern wohl auch eine +Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so daß man daran +zu denken hätte, wie das Ruder das Wasser „spaltet‟; indessen ist das +doch ein recht nebensächlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im +Altkirchenslavischen graba sowohl „ich grabe‟ als auch „ich rudere‟ +(grabe in den Wellen) heißt.</p> + +<p><span class="strong1">Ruderbälle</span>, die, bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln +die den Zweck haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder +liegt. Der eine Ball ist rot, der andere grün. Sie hängen möglichst nach +allen Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an +der Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden +Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder +Hintermann mit seinem Ruder manövriert und also wissen kann, wessen man +sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenstöße durch die +Ruderbälle vermieden werden.</p> + +<p><span class="strong1">Rudergat</span>, s. Hennegat.</p> + +<p><span class="strong1">Ruderjoch</span>, s. Joch.</p> + +<p><span class="strong1">Ruderpinne</span>, s. Pinne.</p> + +<p><span class="strong1">Ruderreep</span>, s. Reep.<a id="Page_398"></a> + <span class="pagenum">[398]</span></p> + +<p><span class="strong1">Rundhölzer</span>, die, sind alle walzenförmigen Hölzer die zur Takelage +gehören: Masten, Stengen, Rahen, Spieren, Giekbäume, Gaffeln, Sprieten, +Ruten etc. etc. Ein Rundholz braucht um so zu heißen nicht notwendig ein +Holz zu sein; auch die eisernen Masten und Rahen gehören im weiteren +Sinne zu den Rundhölzern und haben auf den Werften ihren Platz im +Rundhölzerschuppen. Hier kommt also mehr das Runde wie das Hölzerne in +Betracht.</p> + +<p><span class="strong1">Rund</span> achtern! rund vorn! lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt, +wenn das Schiff so weit durch den Wind gegangen ist, daß man die Rahen +oder vielmehr die Segel über den anderen Bug brassen kann, so daß dann +die Nock, die vorher hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund +ist nicht mathematisch zu nehmen, sondern so zu verstehen, daß die Rahe +sich teilweise um den Mast dreht. In der Handelsmarine heißt das +entsprechende Kommando: „Gaan!‟ = gehen.</p> + +<p><span class="strong1">Rundsel</span>, die, ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen +sich beim Rudern bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht +rund, aber er ist mit einem runden Metallstück ausgefüttert; daher der +Name. Wenn nicht gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines +Brett, das Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: „Rundseln +dicht‟, weshalb die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal +für die Rundseln selbst fälschlicherweise gehalten worden sind.</p> + +<p><span class="strong1">Rüst</span>, die, ist die Vorrichtung an der Außenbordwand des Schiffes zu +beiden Seiten die den Wanttauen bezw. deren Jungfern zum Halt dient. Sie +findet sich an Backbord und an Steuerbord, an jedem Mast und besteht aus +starken, vorspringenden, gerüstartig angebrachten Planken, die nach +unten zu durch schräge eiserne Träger gestützt sind. Das Wort kommt wie +das hochdeutsche Gerüst vom althochdeutschen hrustan, zurecht machen, +bereit machen, zurüsten; davon mittelhochdeutsch geruste = Vorrichtung, +Zurüstung, Bau, Maschine, Werkzeug, Gerät, Waffenrüstung, Schmuck. +Neuhochdeutsch müßte das Wort eigentlich Gerüste heißen, aber des +Seemannes niederdeutsche Liebe zur Kürze betätigt sich in Weglassung der +Vorsilbe und der Endung.<a id="Page_399"></a> + <span class="pagenum">[399]</span></p> + + + +<h2> +<span><a id="S"></a>S.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">sacken</span> ist ein niederdeutsches Zeitwort das in der Seemannssprache oft +gebraucht wird und dem hochdeutschen „senken‟ entspricht, oder vielmehr +entsprechen sollte; senken nämlich ist Faktitiv oder Causativ von +sinken: „sinken machen‟. Aber wie das Hochdeutsche senken und sinken +ebenso oft verwechselt wird wie wägen und wiegen, so macht auch der +Seemann zwischen senken und sinken keinen Unterschied, er sagt für beide +sacken. Ja man kann sagen, daß sacken in seinem Munde öfters sinken als +senken bedeutet. Durchsacken, einsacken, wegsacken, untersacken sind +gleich sinken, während auch die Wendung „sacken lassen‟, die ebenfalls +den Begriff sinken enthält, oft gebraucht wird. Andererseits aber heißt +absacken „ein Schiff oder Boot den Strom hinunter treiben lassen‟. — +Senken heißt althochdeutsch sanchjan; es ist durch Nasalierung der +Wurzel sack entstanden, wir haben also in sacken die ursprünglichere, +nichtnasalierte Form.</p> + +<p><span class="strong1">Saling</span>, die, ist ein auf Backen an beiden Seiten des oberen Endes des +Untermastes aufsitzendes Gerüst aus Längs- und Querhölzern auf dem +hinwiederum der Mars aufsitzt, dessen hauptsächlichster Zweck nicht etwa +der eines „Mastkorbes‟ ist, sondern der, die Jungfern zum Anspannen der +Stengewanten zu tragen. Die Saling des Untermastes tritt jedoch, eben +weil der Mars auf ihr sitzt, wenig in die Erscheinung, wird vielmehr +leicht für einen Teil des Marses gehalten. Eine desto selbständigere +Rolle spielt die Bramsaling auf den Backen der Marsstenge; sie ist nicht +mit Brettern bedeckt und fällt daher als solche mehr in die Augen. Sie +vertritt die Stelle des Marses insofern an ihr die Bramwanten befestigt +und gespannt werden. — Der Name Saling kommt von sitzen, aber nicht +weil sie sitzt, sondern weil etwas, nämlich der Mars, auf ihr sitzt. Er +heißt eigentlich Sadeling = Sattelung; vom gotischen sitan, sitzen, +satjan, setzen kommt das althochdeutsche satal, satul, satol, satil; +angelsächsisch sadul, sadol, sadl; niederdeutsch sadel; davon sadeling = +sadelung. Die Tenuis ward erst zur Media und dann verschwand der +Dentallaut überhaupt; indem sich ein langes a aus dem kurzen a und +dem<a id="Page_400"></a> + <span class="pagenum">[400]</span> e bildete war Saling fertig: ein Ding zum Aufsitzen, +Draufsitzen. Darum führt auch die Bramsaling ihren Namen doch mit Recht; +wenn auch kein Mars auf ihr sitzt, so sitzen desto mehr die Matrosen +oder Schiffsjungen darauf, denen sie ein Stütz- und Ausgangspunkt für +die Arbeiten, die sie als Bram- und Oberbramsegelsgäste zu verrichten +haben, dient.</p> + +<p><span class="strong1">Salut</span>, der. Das Schießen eines Saluts ist das Abgeben einer bestimmten +Anzahl von (blinden) Kanonenschüssen als Gruß, als Ehrenbezeugung für +den Landesherrn und für alle diejenigen, die nach dem Salutreglement +dazu berechtigt sind. Dazu werden die Kanonen mit <span class="strong1">Salutkartuschen</span> +geladen, (mit Pulver, ohne Geschoß). — <span class="strong1">Salutfähig</span>, d. h. berechtigt +oder verpflichtet zu <span class="strong1">salutieren</span> sind aber nur Kriegsschiffe von gewisser +Größe und Stärke der Artillerie. Dem Salut gleich stand ursprünglich +<span class="strong1">Salve</span>, eine einmalige gleichzeitige Abfeuerung von mehreren Kanonen als +Gruß, ein feierliches Begrüßungsschießen, das dem Gegrüßten ein salve! +zurufen sollte; hernach wurde eine Begrüßung des Feindes mit geladenen +Kanonen daraus. — <span class="strong1">Salutleine</span> nennt man wohl auch das Paradirstrecktau, +das Manntau an dem die Matrosen sich festhalten wenn sie zum Gruß und +zur Ehrenbezeugung die Rahen bemannen, sich auf den Rahen in Reihen +aufstellen. — Es mag in früheren Zeiten manchmal regellos salutiert +worden sein. Wenigstens ermahnt ein Geschwaderbefehl d. d. 25. Mai 1652, +unterschrieben M. Herberts Tromp, zur Ordnung und Sparsamkeit. „Es wird +auch ausdrücklich verboten einige unnöthige Ehren-Schüsse zu thun, +sondern deß Landes Pulver und Bley zu bewahren und rathsam damit +umzugehen; jedoch so man bei einigen andern außländischen +Kriegs-Schiffen kommt, wodurch einige Begrüsung mit Lösung deß +Geschützes zu thun, zu des Landes Reputation erfordert wird, in solchem +Fall haben sie die Ehre unseres Landes in acht zu nehmen, und in aller +Ehrbarkeit Hand zu haben.‟</p> + +<p><span class="strong1">Salve</span>, die, s. Salut.</p> + +<p><span class="strong1">Sandwichpanzerung</span>, die, s. Panzerung.</p> + +<p><span class="strong1">Sargassosee</span>, die, heißt eine Stelle im Atlantischen Ocean, auch +atlantische Krautwiese genannt; das Sargassomeer, vom lateinischen +sargassum, der Seetang. „Der sich nach der iberischen Küste herwendende +und als nordafrikanische Strömung wieder in die Nordäquatorialströmung +übergehende Zweig des<a id="Page_401"></a> + <span class="pagenum">[401]</span> Golfstromes schließt eine große Ellipse +ein, die ein sehr ruhiges Gebiet im Atlantischen Ozean bildet, ein +Gebiet von 65000 Quadratmeilen oder ein Drittel so groß wie Europa. +Dieser Raum ist nach den Vorgängen Humboldts und Maurys als +„Sargassomeer‟ bekannt geworden, und man erzählte, daß in ihm das +Sargasso oder der Meertang (fucus natans) in so ungeheuren Mengen +zusammengeballt treibe, daß dadurch die Schiffahrt behindert werde. Neue +Untersuchungen ergeben jedoch, daß es sich um mehr oder minder dicht +treibende, bis 60 Meter lange, je nach der Windrichtung schwimmende, +abgerissene Krautstreifen handelt, die zwischen 20° und 35° nördl. Br. +und zwischen 35° west. L. und Westindien und dem Ostrande des +Golfstromes vorkommen. Von einer Behinderung der Fahrt durch dieselben +ist nirgends die Rede.‟ (Andree.)</p> + +<p><span class="strong1">Sarving</span>, die, ist ein aus altem Kabelgarn geflochtener Zopf, der mit +Platting Ähnlichkeit hat, aber nicht ganz so platt, sondern dicker ist. +Die Sarving wird gebraucht zur Bekleidung von Tauwerk, da wo es viel +Reibung auszuhalten hat und der Abnutzung sehr ausgesetzt ist. Um es vor +dieser zu bewahren, um es zu (kon)<span class="strong1">servieren</span> wird die Sarving gemacht, +die eigentlich Serving heißt. Sarving ist nur die volkstümliche +Aussprache.</p> + +<p><span class="strong1">Schaar</span>, die, ist eine bei Sturmfluten verschließbare Öffnung in einem +Deich zum Durchfahren von Wagen etc., eine Lücke, die man absichtlich zu +diesem Zwecke gelassen hat. Das Wort ist verwandt mit Scharte, +Schießscharte, und stammt von der Wurzel skar, von der auch scheren und +Schaar = Abteilung, Haufe stammt, sie bedeutet spalten, scheiden, +teilen, schneiden. Das Wort kommt auch als Ortsbezeichnung vor, ebenso +wie Siel, da ebenso wie bei diesem auch bei einem Schaar sich gern +Menschen ansiedeln, weil hier ohnehin ein großer Menschenverkehr +stattfindet, wie auch bei einer Brücke, weshalb zahlreiche Ortsnamen mit +Brücke, Brück zu tun haben.</p> + +<p><span class="strong1">schaffen</span>, seemännisch = essen. — Schaffner, Schöffe, Schoppen, +Schöpfung, englisch shape = Gestalt und viel andere Wörter dieser großen +Sippe kommen alle von der Wurzel skap mit der Grundbedeutung schaffen, +schöpfen, ordnen. Dem altgermanischen Heidentum fehlte, wie Schade +ausführt, ein Ausdruck für etwas, wovon es keine Idee hatte, nämlich für +schaffen, von der höchsten Potenz dieser Tätigkeit, dem göttlichen +Schaffen.<a id="Page_402"></a> + <span class="pagenum">[402]</span> Daher nahmen die Germanen, als ihnen vom Christentum +her die Schöpfungsidee kam, das Wort von einer (man kann wohl sagen +kunstmäßigen) Hantierung, vom Formen und Gestalten einer festen Masse +durch grabende und stechende Werkzeuge, faßte es gewissermaßen als ein +Schnitzen auf (skapjan), während der Lituslave seinen Ausdruck dafür, +noch hausbackener, von den Formen einer weichen knetbaren Masse nahm, +wozu ihm die tägliche Käsebereitung in jeder ländlichen Wirtschaft ein +Bild gab. — Für unsern Zweck genügt es, das althochdeutsche scaffari, +scaffare, mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schöpfer, +Bildner, Hausmeister, Verwalter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen +Mann bezeichnet, der das Essen und Trinken durch Schöpfen herbeischafft +und aufträgt oder auftragen läßt. Diesem Vorgange ist begrifflich +verwandt das italienische minestra = Suppe, minestrare die Suppe +anrichten, lateinisch ministrare, bei Tische auftragen. — Hierher +gehört die Bremer Schaffermahlzeit, ursprünglich eine durchaus +seemännische Veranstaltung, nämlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der +Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühling Kapitäne und Reeder mit +einander den Proviant für die aussegelnden Schiffe kosteten. Schaffer +heißt, nach dem Bremer Wörterbuch, der Mann, der die Anordnung und +Besorgung einer Mahlzeit hat, auch überhaupt ein Verwandter des Hauses; +Aufwärter bei einem Hochzeitsschmause, welches aber bei den Bauern die +nächsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begräbnis +und bei dem Leichenschmaus in Groningen Anschaffer heißen; heutzutage +tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf, +schöpfen sie nicht mehr aus dem Kessel, bedienen nicht mehr bei Tische, +sie halten nur die Tischreden und — bezahlen das Essen; nur insofern +kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im +Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Kasse führte; +überhaupt einen, der die Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache +übernimmt, einen procurator. — Daß aber der Seemann bei der +ursprünglichen Bedeutung geblieben ist und schaffen für essen sagt, +erinnert einmal daran, daß in früheren Zeiten die Leute, die zusammen +aßen, alle aus einer Schüssel schöpften, sodann daß einer das Essen aus +der Kambüse herbeizuschaffen hatte, (der heute „Backschaft‟ heißt) und +endlich daß das Essen eben ein wirkliches Schöpfen war, indem die Leute +nicht mit Messer und Gabel, sondern nur mit dem Löffel aßen.<a id="Page_403"></a> + <span class="pagenum">[403]</span></p> + +<p><span class="strong1">Schaft</span>, der, des Ankers ist der große, lange, schwere, oben dünner +werdende Teil des Ankers zwischen den Armen und dem Stock. Man spricht +auch von Lanzenschaft, Gewehrschaft, sogar von Stiefelschaft. Das Wort +heißt niederdeutsch auch scheft und schecht, wie denn ft und cht im +Niederdeutschen sehr leicht in einander übergehen. Das Stammwort ist +skaban, unser schaben, niederdeutsch schafen, hobeln. Also ein +zurechtgehobeltes Stück Holz. Es ist bekannt, daß der Ankerschaft früher +auch bei großen, schweren Ankern von Holz war. — Anstatt schecht kommt +auch einfach scheg und schegg vor. So heißt z. B. bei hölzernen Schiffen +das vorderste Holz, das noch vor dem Vorsteven sitzt und oben in das +Gallion übergeht. Auch spricht man vom Scheg des Ruders und meint damit +den Ruderschaft.</p> + +<p><span class="strong1">Schäkel</span>, der, heißt ein Ring, ein Glied einer Kette. <span class="strong1">Schäkeln</span>, ein Glied +der Kette in ein anderes Glied fügen, so daß eine lange Kette daraus +wird. Die Erklärung ist am deutlichsten aus dem entsprechenden +englischen Worte shackle zu ersehen, das sowohl Kettenglied als auch +Fessel, Handfessel, Handschellen, Beinschellen heißt; angelsächsisch +sceacul, scacul, Fessel, Halseisen. Offenbar ist diese Bedeutung Fessel +die ursprüngliche. Eine Fessel aber war zunächst ein Mittel in der Hand +von Räubern, ihre Opfer zu binden. Räuber aber hießen, wie wir aus der +Geschichte der Kreuzigung Christi wissen, Schächer. Das niederdeutsche +Zeitwort hierzu heißt heute noch schaken, rauben. Der friedliche +Kettenschäkel hat also den Namen von der äußeren Ähnlichkeit mit dem +unfriedlichen Räuberwerkzeug (s. schaken).</p> + +<p><span class="strong1">schaken</span> heißt rütteln, schütteln, gewaltsam bewegen; seemännisch das +Rütteln und Schütteln mit dem man versucht, bei einem Takel oder einer +Talje den Reibungswiderstand der durch die Blöcke fahrenden Taue zu +verringern um dieselben beweglicher, läufiger zu machen. <span class="strong1">Abschaken</span> heißt +solches vornehmen in der Absicht, nach dem Gebrauch eines Takels die +tublocks (s. d.) geholten Taue wieder rückwärts zu bewegen, damit die +Blöcke wieder auseinander kommen und so das Takel aufs Neue wieder +gebrauchsfähig werde. Das Wort schaken, auf ein aus einer Basis ska +erweitertes Thema skak zurückgehend, bedeutet ursprünglich — wie +seemännisch heute noch — ganz allgemein „bewegen‟; dann bewegen mit +Anwendung von Gewalt: rauben, mit Gewalt<a id="Page_404"></a> + <span class="pagenum">[404]</span> wegführen, eine Jungfrau +vergewaltigen, seinen Teil der Beute an sich reißen.</p> + +<p><span class="strong1">Schaluppe</span>, die.</p> + +<p>1. Gattungsname für alle Schiffsboote, von der Kapitänsschaluppe (Gig) +an bis zur Travaljeschaluppe (Jolle).</p> + +<p>2. In deutschen Häfen ist Schaluppe weiterhin ziemlich gleichbedeutend +mit Jacht; Fahrzeug mit einem Mast, großem Schratsegel, Topsegel, +Brefock.</p> + +<p>3. heißt sloop in der englischen Marine ein kleines Kriegsschiff, +ehemals eins unter 24 Kanonen, dreimastig oder schnauartig, zwischen +Korvette und Kanonenboot.</p> + +<p>Der Name bedeutet also Schiffe und Boote von so verschiedener Art, daß +sie kaum irgendwie unter einen Hut zu bringen sind, es wäre denn der +gemeinschaftliche Begriff „Fahrzeug‟. Und in der Tat kommt von dem +Zeitwort slupen das Wort. Es heißt schlüpfen, gleiten, sich gleitend +bewegen, sich bewegen, „fahren.‟ Daraus auch französisch chaloupe, +spanisch chalupa, niederdeutsch slupe. Im Mittelniederdeutschen gab es +ein slope, Fahrzeug zum Fortschaffen von Waren, welches aber auf dem +Lande gebraucht wurde. Sloepe als Fahrzeug zu Wasser war aber schon dem +Kilian bekannt. Niederländisch sloep; norwegisch, schwedisch, dänisch +slup. Das niederdeutsche slupen heißt auch schlüpfen. Es wäre daher +denkbar, daß eine slup ursprünglich ein Küstenfahrzeug gewesen wäre, das +bei schlechtem Wetter darauf angewiesen war, einen Unterschlupf unter +Land zu suchen.</p> + +<p><span class="strong1">schamfilen</span> heißt durch Reiben verletzen. „Ein Schiff schamfilt an der +Schleuse,‟ d. h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die +Farbe ab, daß das Holz zum Vorschein kommt. „Ein Tau schamfilt,‟ d. h. +es reibt sich an einem festen Gegenstand und nützt sich so vor der Zeit +ab. Um dergleichen zu verhüten hat man verschiedene Mittel: Fender, +Sarving, überhaupt Bekleidung des Tauwerks, und besonders auch +<span class="strong1">Schamfilungsmatten</span>. — In Osterstade, jener friesischen Enclave jenseits +der Unterweser, heißt schamp ein Fehler an der Gesundheit. In +Ostfriesland heißt die Epidermis schampfel, womit nichts anders gesagt +sein soll als daß die Oberhaut leicht verletzlich ist, durch Reiben und +dergl. leicht beschädigt werden kann. Dem entsprechend heißt das +niederdeutsche Zeitwort schampen streifen,<a id="Page_405"></a> + <span class="pagenum">[405]</span> im raschen Vorbeigehen +leicht treffen und berühren, durch Streifen oder rasches Vorbeigehen und +nahes Berühren eines Gegenstandes denselben äußerlich beschädigen und +verletzen, jemanden leicht verletzen. In Westfalen heißt der Prellstein +sehr bezeichnend schampsten. Aus schampen ist ein Interativum +schamperen, schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, Formen +die im Mittelniederdeutschen sehr häufig vorkommen, „he hadde nene +scanferinge an der Hut gekregen‟; doch manchmal auch für Schädigungen +und Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: „anno +1428 schamferden de stede vor Kopenhagen des Königs schepe‟ ... +(Lappenberg, Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht +und nur oberflächlich, wenigstens im seemännischen Gebrauch. — In den +Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der Lautverschiebung +zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet worden. Und dieses +schampelen ist in der Form schamfilen nach Ostfriesland übergesprungen +und von da in die deutsche Seemannssprache eingedrungen, in der sich +übrigens eine Erinnerung an das ursprüngliche schamp noch insofern +erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhört, schampfilen hören +kann. Daß i aber an die Stelle von e getreten ist mag eine Erinnerung +daran sein, daß die Endung eigentlich -iren heißen müßte, die +niederländisch -eren lautet.</p> + +<p><span class="strong1">Schandeckel</span>, der, ein Schutzdeck, eine Schutzbedeckung, eine Schutz +gewährende Bedeckung von Holz, die an verschiedenen Stellen, die eben +des Schutzes bedürftig sind, angebracht wird. — Mit dem niederdeutschen +Wort schanddeckel hat es keine Gemeinschaft, denn das bedeutet einen +Deckel zur Bedeckung einer Schande, und so heißt ein Mann, der für Geld +oder eine andere Belohnung ein von einem Reichen entehrtes Mädchen +heiratet. Unser Schandeckel aber ist (vergl. schamfilen) aus +schampdeckel entstanden, durch Schwund des p und indem sich der +bequemeren Aussprache wegen das m in n verwandelte. Ein Schandeckel ist +also eine Bedeckung, die das schampen, das Beschädigen des bedeckten +Teiles verhindern soll.</p> + +<p><span class="strong1">Schanze</span>, die, hieß ein Stockwerk hinten auf dem oberen Deck, +entsprechend der Back auf dem Vordeck; wurde vormals Hintercasteel +genannt, jetzt ist die Kampanje an die Stelle getreten. Der Name kommt +daher, daß rings um die Reling dieses Aufbaues im Gefecht eine Schanze +errichtet wurde, nicht aus<a id="Page_406"></a> + <span class="pagenum">[406]</span> Reisigbündeln, sondern aus +Hängematten. Um diese zu verdecken und überhaupt zum Zierrat fiel von +der Reling an der äusseren Seite der Relingstütze und des Finknetzes ein +etwa vier Fuß breites Tuch nach Art einer Gardine herab: das +<span class="strong1">Schanzkleid</span>. Ein solches hatte auch die Reling des Marses. — Als im +Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Hängematten auf der Reling in den +Finknetzkästen ihren dauernden Platz erhielten, da trat an die Stelle +des Schanzkleides das wasserdichte Hängemattskleid. Aber an den Marsen +sind Schanzkleider geblieben und an der Kommandobrücke sind sie zum +Schutz gegen Regen und Wind neu hinzugekommen; jedoch ohne jeglichen +Prunk, während mit den früheren Schanzkleidern großer Luxus in Bezug auf +Farbenpracht und Verzierung getrieben wurde. Die englischen +Kriegsschiffe hatten Schanzkleider mit weißer oder gelber Borde besetzt. +In Frankreich hießen sie pavois. Aubin (1702): „Par une Ordonnance de +1670 le Roi de France a voulu qu'a l'avenir les pavois soient de couleur +bleue semée de fleurs de lis jaunes, et qu'ils soient bordez de deux +grandes bandes blanches.‟ Man nannte sie auch bastingures. „On met aussi +des bastingures aux hunes. Celles des Hollandois sont rouges; ils les +font presque toujours de baiette ou de drap, mais en ce cas on les +double et on le garnit de telle, sorte entre les deux étofes, que les +balles des mousquetes ne les peuvent percer.‟</p> + +<p><span class="strong1">Schärpe</span>, die. Zwar kein seemännisches Wort, aber doch zum dienstlichen +Anzug der Seeoffiziere gehörig, verdient es hier seine Stelle zu finden. +In früheren Jahren gingen die Armen nicht mit einem Sack, sondern mit +einem Topfe betteln. Der Topf hieß Scherbe. Wir sind heutzutage gewohnt, +bei diesem Worte an etwas Zerbrochenes zu denken. Das mag daher kommen, +daß man, namentlich auf dem Lande, nur zerbrochene Töpfe als +„Blumenscherben‟ vor die Fenster stellt, weil den Leuten ganze Töpfe zu +schade sind. Aber ursprünglich lag der Begriff des Zerbrochenen +keineswegs in Scherbe. Wenn das Gefäß, in dem sich die Bettler das +übriggebliebene Essen aus den Häusern zusammenholten, auch kein sehr +elegantes war, heil mußte es doch sein, schon darum weil das Essen meist +aus Suppe, Brei, Grütze etc. bestand. Wer sich die Sache recht deutlich +vorstellen will der gehe um die Mittagszeit längsseits eines in Dienst +gestellten, an der Kaimauer liegenden Schiffes, da kommen die +sonderbarsten<a id="Page_407"></a> + <span class="pagenum">[407]</span> Betteltöpfe zum Vorschein, sogar alte +Präservenbüchsen, für gewöhnlich nur von den Malern gebraucht, werden +von armen Leuten herbeigeschleppt um das übriggebliebene Essen in +Empfang zu nehmen. — Da nun die Bettler mit ihrer Scherbe in alten +Zeiten von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf zogen, so konnten oder mochten +sie sie nicht immer in der Hand tragen, befestigten vielmehr ein Band +daran und trugen sie über die Schulter gehängt. Bald hieß dieses ebenso +wie der Topf, der daran hing: Scherbe. Und aus diesem Bande ist unsere +Schärpe geworden. Sie diente schon im 13. Jahrhundert als Abzeichen der +Ritter, war aber natürlich breiter und feiner als das Band, das sich die +Bettler hatten leisten können. Sie ward entweder von der rechten +Schulter nach der linken Hüfte getragen und ist in dieser Gestalt das +Vorbild für die breiten Ordensbänder geworden und für die Bänder und +Schärpen der studentischen Verbindungen, oder um den Leib gebunden. Die +Damen schmückten die Schärpen ihrer Ritter mit feinen Stickereien, +banden sich auch bald selbst wohl breite farbige Seidenbänder um die +Taille, dem Obi ähnlich, den die japanischen Frauen tragen. Während so +auf der einen Seite das alte Ehrenzeichen zum Putzstück herabsank, stieg +es andererseits zum Feldzeichen, zum Kommandozeichen eines Heerführers +empor, um so als Dienstabzeichen der Offiziere bei uns in Geltung zu +kommen. Die beiden Arten, auf welche heutzutage bei der deutschen +Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser die Schärpe getragen wird, waren im +dreißigjährigen Kriege nebeneinander üblich.</p> + +<p><span class="strong1">Schau</span>, das, kommt nur in der einen Verbindung vor: „Flagge in Schau‟, +„die Flagge im Schau wehen lassen,‟ d. h. sie zusammengeknotet oder +-gewickelt hissen. Röding: „Es ist dies ein unter allen Nationen +gebräuchliches Signal, jemand an Bord zu rufen. Auf einer Reede weht die +Flagge im Schau, wenn die am Ufer befindlichen Schlupen an Bord kommen +sollen, und man unter Segel gehen will. Auf der See um andern Schiffen +zu erkennen zu geben, daß man ihrer Hilfe bedarf und in Not ist. Bei +Gewahrwerdung des Landes, um einen Lootsen an Bord zu rufen.‟ — Jetzt +hißt man im ersten Falle den blauen Peter, bezw. das betreffende +Bootssignal; im zweiten Falle hißt man als Notsignal die Flagge +verkehrt, das Oberste zu unterst; im dritten wird die Lootsenflagge +gezeigt. — Man könnte Schau für eines Stammes mit Schauer und Scheuer +halten, aus der Wurzel sku,<a id="Page_408"></a> + <span class="pagenum">[408]</span> decken, verbergen, weil die Flagge im +Schau gleichsam halb verdeckt und verborgen, nämlich so gehißt wird, daß +man ihre nähere Beschaffenheit nicht deutlich erkennen kann, doch erregt +hiergegen der Umstand Bedenken, daß die ersten derartigen Signale keine +Flaggen, sondern sonst irgend ein hißbarer Gegenstand waren, ein Jacke, +eine Hose, ein Hemd, wie z. B., nach Ehrentraut, Fries. Archiv, es +früher Sitte war, daß ein Wangerooger Schiff, wenn es von der Reise +heimgekehrt war, vor der Insel zu Anker ging und ein solches +Kleidungsstück halbmast wehen ließ zum Zeichen, daß man ihm vom Lande +her ein Boot schicken sollte. So ist es also doch richtiger, anzunehmen, +daß wir in Schau das Schau von Brautschau, Deichschau, Heerschau vor uns +haben und daß es mit dem schauen in warschauen (s. d.) verwandt ist. + — Etwas Ähnliches und doch ganz Anderes geschieht, wenn man die Flagge +aufgetucht, also so wie sie zusammengelegt aus dem Schrank kommt, +aufhißt. Das tut man, damit sie mit einem Ruck rasch an ihrer richtigen +Stelle zum Auswehen gebracht werden kann. — Nach Richthofen wurde im +alten Ostfriesland ein Schau als Notzeichen auch am Lande gehißt. +„Offtet also voelle op ene tyt, datter eyn rechter worde doet geslagen +in den warve, soe sal de meente dat schow op theen ende de clocken an +kleppen‟. „So soelen se rechtevort en schw dat is een noetteken op +setten‟. — Deutlich erhellt der Begriff eines seemännischen Schaus aus +der „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, 1673: „Wir sahen auch (von +einem in schwerem Novembersturm in der Nordsee havarierten Schiffe aus) +ein Schiff zu Loffwart von uns; ließen derowegen ein Schau oder Zeichen +weyhen, daß wir verlegen waren, also kam er nach uns zu, ich fragte dem +Schiffer wohin er sein Will hätte? Er sagte, nach den Flie, ich bat ihn +daß er mir helfen möchte, so wolte ich ihm eine Linie zu werffen, damit +er ein Kabeltau zu sich holen konte, auff daß er unser Schiff dabey nach +dem Flie schleppen möchte; den wir müsten da auch seyn: Er aber gab zur +Antwort: es wäre spät im Jahr, auch grauete ihn daß bald Eyß kommen +möchte: derowegen must er sein bestes tun daß er zu Hause komme; Es +würde auch sein Volck damit nicht friedlich seyn: weil sie schon eine +lange Reise gehabt, ich sagte wieder: ich wolte seinem Volcke eine halbe +Ostersche Heur geben: oder was gute Männer erkennen könten, er aber +antwortete nichts mehr und ging durch. — Wir aber<a id="Page_409"></a> + <span class="pagenum">[409]</span> sahen ihn +betrübet nach, was thäte aber Gott, weil wir in keiner geringen Noth und +Gefahr wahren, schaffte Gotte der Herr daß uns Wetter und Wind zur Stund +dienen muste, so, daß wir am andern Tage des Morgens vor dem Flie kamen, +da alle Menschen Hülffe verschwunden, allein durch die Hülffe Gottes. — +Wie uns nun die Loetzen allda gewahr wurden, kam uns eine Galliot an +Bord, die gab uns ein Lotes über, und wir langeten ihm ein Kabeltau, daß +er uns schleppen konnte; also hülffen sie uns, weil es eben Fluht war, +biß an die vierte Tonn, des andern Tages kamen wir ins Flie; des dritten +Tages aber kam das vorbemeldte Schiff, welches uns in der Noht hatte +verlassen‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Schauer</span>, der, ein plötzlich hereinbrechender aber auch bald wieder +vorüberziehender Regen oder Hagel. Der Name kommt daher, daß durch einen +solchen der Himmel bedeckt und verhüllt und verdunkelt wird, also von +derselben Wurzel sku, von der auch das lateinische obscurus stammt. +Niederdeutsch schuur, niederländisch schoer, angelsächsisch scur, +altsächsisch skur, althochdeutsch scur, mittelhochdeutsch schur, +schuwer, gothisch skura.</p> + +<p><span class="strong1">Schauerknoten</span>, der, ist ein Knoten am Ende eines Taues der dasselbe so +verdickt, daß es hinter einem Loche seines eigenen Umfanges festsitzt, +daß es am Durchrutschen durch das Loch verhindert wird. Das Wort ist +eine Abkürzung; es müßte eigentlich heißen und hieß sonst auch allgemein +Schauermannsknoten, was man auch jetzt noch hören kann. Offenbar weil +die Schauerleute Taue mit solchen Knoten (und einem Haken) zum Ziehen +und Schleppen der Warenballen zu benutzen pflegen.</p> + +<p><span class="strong1">Schauermann</span>, der, Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Löschen und +Laden beschäftigter Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Räumen +bekannt sein muß, im Übrigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht. +In Groningen werden so genannt „personen die hun brood verdienen met +schepen langs het Reitdiep te trekken‟. Der in der Stadt Norden wohnhaft +gewesene Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: „ein früher vom +hiesigen Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe aus- und +beladen mußte und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen +eine feste Vergütung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung +bestimmt war.‟ Niederländisch hießen dergleichen arbeiders (Aubin 1702) +siuuwers, chiuwers,<a id="Page_410"></a> + <span class="pagenum">[410]</span> tsiuuwers. Weiland: „sjouw een last die zwaar +valt om te dragen‟, die man darum ziehen, schleppen muß. Man kann das +Wort also füglich mit Lastträger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben, +denn sjauen ist die niederländisch-ostfriesische Form für das +althochdeutsche zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem gothischen +taujau, aus einer Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also +anzunehmen daß die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das +Niederdeutsche macht sonst freilich die Verschiebung des gothischen t zu +ts, z, für gewöhnlich nicht mit und hat demgemäß auch das Zeitwort +tauen, englisch tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches +Lehnwort ins Niederländische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren +Wege ins Niederdeutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann — +tsauerman — Schauermann: ein Mann der Lasten taut d. h. zieht, +schleppt, an einem Tau vorwärts bewegt.</p> + +<p><span class="strong1">Schebecke</span>, die, „a small three-masted vessel formerly much used by the +Algerine corsairs, and now used to a small extent in Mediterranean +commerce. It differs from the felucca chiefly in having several square +sails, as well as latin sails, while the latter has only lateen sails‟. +Bei uns gebraucht man die Bezeichnung Schebecken-Takelage eben wegen der +lateinischen Segel. Französisch chebec, englisch xebec, spanisch +xabeque, italienisch sciabecco, zambecco, vom türkischen sumbeki, +arabisch sumbuk, kleines Schiff.</p> + +<p><span class="strong1">scheitern</span> = Schiffbruch erleiden, bekanntlich auch im übertragenen Sinne +von Nichtseeleuten oft gebraucht: gescheiterte Hoffnung, gescheiterte +Existenz u. s. w. Das Zeitwort ist von Scheit gebildet. Der Gedanke +liegt zu Grunde, daß bei einem wirklichen Schiffbruch das Schiff zu +lauter Holzscheiten zerschlagen wird. Wie man auch seemännisch zu sagen +pflegt: „es gibt klein Holz‟, wenn etwas entzwei geht. Die +Grundbedeutung von Scheit liegt in der indogermanischen Wurzel skhait, +und kommt auf „scheiden‟, spalten, hinaus. — Das Wort ist kaum +seemännisch zu nennen, da unsere niederdeutsche Seeleute sich ziemlich +ablehnend dagegen verhalten. Der Grund ist klar: es müßte eigentlich in +ihrem Mund schitern heißen und das käme doch allzu nah an schiten, das +ja auch mit scheitern gleicher Abstammung ist. Weil aber im +Hochdeutschen das t in dem Zeitwort für stercorisare sich zu s +verschoben hat konnte man da ungehindert<a id="Page_411"></a> + <span class="pagenum">[411]</span> schiten für spalten +sagen und schit für ein abgespaltenes Stück Holz; und man sagte im +Mittelhochdeutschen auch so. Im Neuhochdeutschen diphthongierte sich das +i zu ei, aber trotzdem hat sich der Seemann das Wort kaum angeeignet.</p> + +<p><span class="strong1">scheren.</span></p> + + + +<p>1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben. +</p> + +<p>2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen; kann auch durch eine Bretterwand geschehen. +</p> + +<p>3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von einem Schiffe, von den unteren Wolken. +</p> + +<p>4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren. +</p> + +<p>5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren. +</p> + +<p>6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um — „Was schert mich Weib, was schert mich Kind‟ ... +</p> + +<p>7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer Gesellschaft trennen: „scheren Sie sich zum T...!‟ +</p> + +<p>8. in einer Weberei Garn scheren. + +</p> + + +<p>Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gängig; und +zwar ist 2. dahin erweitert, daß „ein Tau scheren‟ nicht nur gebraucht +wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz +allgemein, z. B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist, +daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile +geschieden wird. Die Grundbedeutung ist „abscheiden‟. Althochdeutsch +sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelsächsisch +sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft +hat, skera. — Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander +schroff „geschiedene‟ Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch +skära, dänisch skjäre.</p> + +<p><span class="strong1">Schiemann</span>, der. „Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die +Takelage des Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des +großen Mastes und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes.‟ +Kilian: „schim-man (schieman) proreta, qui in prora tutelae navis +presidet.‟ „Vocatur ille in navibus cujus est omnium vasorum et +instrumentorum curam habere‟. Brem. Mscr. „Und dese jegenwardige beide +menne mit ohm (dem Capitain) gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten +schymman, auerst darnach houetbossman gewesen‟,<a id="Page_412"></a> + <span class="pagenum">[412]</span> Brem. Urk. v. +1580. Nach einer Wismarer Urkunde von 1580 unterschied man: A. +hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman, D. E. F. bosmans, G. puitker +auf einem Schiffe; letzterer war der Geringste (s. Pütker). Dem +deutschen Schiemann entspricht das dänische Skibmand und das schwedische +Skipman, und das legt die Annahme nahe, daß Schiemann eigentlich +Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheißen habe und daß das p vor m +ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m assimiliert habe. Die Frage +würde uns nichts weiter angehen, da die Tage des Schiemanns vorüber +sind, und mit dem Amt wäre auch der Name ausgestorben, wenn nicht das +Wort <span class="strong1">Schiemannsgarn</span> ihn gerettet hätte, die Bezeichnung eines schönen, +glatten, sauber geschlagenen zu den verschiedensten Zwecken verwendbaren +dicken Bindfadens. Nach Weiland hätte der schimman davon den Namen, „om +dat hy is de schim en schaduw van den hoogbootsman‟ (!)</p> + +<p><span class="strong1">Schiff</span>, das, hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen +durchgemacht, daß es vermessen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, +was ein Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens +„Schiff‟. Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes +gotisches Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, „hohl +machen‟. Es ist auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht, +als habe in frühesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal +i getragen. Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff +hat einen reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da +ist 1, das hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das +altfriesische skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört +mittelhochdeutsch schif, althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch +skip, angelsächsisch scip, englisch ship, altsächsisch skip, +neuniederländisch in der Einzahl schip, dänisch skib, französisch esquif +(Boot). Zu 2, die neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen, +mittel- und altniederländisch scheep, mittelniederdeutsch schep, +schepen, scheper, althochdeutsch scef, scefsaufi, +scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch skepe. Zu 3, bretonisch skaf, +gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn wir nun in so verschiedenen +Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen anstatt des i oder des e den +Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn sein, auf eine +vorgermanische Wurzel skap und auf<a id="Page_413"></a> + <span class="pagenum">[413]</span> das althochdeutsche skapjan +als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan heißt +schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen +Schöpfungsberichtes: „etwas aus nichts ins Dasein rufen‟, sondern gemäß +dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: „aus rohem Stoffe +etwas zu einer Gestalt herausbilden‟. Und zwar geschah solches +Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch +„schaben‟. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte. +Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz +etwas herstellen, „schaffen‟; heißt durch Ausstechen, Ausgraben, +Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen +Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur +ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet +man bei den alten Deutschen so häufig eine Zusammenstellung von Schiffen +und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil +das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache +ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus +der Tätigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso +einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff +ist vaisseau, provençalisch vaissel, englisch vessel, italienisch +vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gefäß. Das „Bremer Wörterbuch‟ +glaubt die Sache damit abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme +von schieben, „weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient +hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben +wurden‟. Diese Erklärung ist um weniges besser als die scherzhafte, die +vom schiefen Bau redet. — Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß +mittelniederdeutsch eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage +geworden. — Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe +wie sie gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die +Unterscheidung nach der Art der Takelage getroffen. Ein <span class="strong1">Vollschiff</span> hat +drei vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine <span class="strong1">Bark</span>, die +besonders stark vertretene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat +Groß- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine +<span class="strong1">Schunerbark</span> hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine +unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine <span class="strong1">Brigg</span> hat Groß- und +Fockmast, vollgetakelt und<a id="Page_414"></a> + <span class="pagenum">[414]</span> am ersteren noch einen Besan, der aber +Briggsegel heißt; eine <span class="strong1">Polackerbrigg</span>, s. d., eine <span class="strong1">Schunerbrigg</span> oder +<span class="strong1">Brigantine</span> ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein +<span class="strong1">Dreimast-Marssegel-Schuner</span> hat den Fockmast vollgetakelt und der +Großmast ist gleich dem Besanmast, ein <span class="strong1">Dreimast-Gaffel-Schuner</span> hat drei +Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein +<span class="strong1">Dreimast-Topsegel-Schuner</span> ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur +daß sein Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein <span class="strong1">Marssegel-Schuner</span> hat +den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein <span class="strong1">Topsegel-Schuner</span> +hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars- und +Bramrahen führt; ein <span class="strong1">Gaffel-Schuner</span> hat zwei einfache Schunermasten mit +Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige, +weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig +Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn +fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann +man ihn auch bei uns nennen hören; ein <span class="strong1">Chasse-Marée</span> s. d.; ein <span class="strong1">Lugger</span> s. +d.; ein <span class="strong1">Kutter</span> s. d.; ein <span class="strong1">Slup</span> s. <span class="strong1">Schaluppe</span>. — Außerdem gibt es +<span class="strong1">Viermastschiffe</span>, und zwar Viermast-Vollschiffe mit Fockmast, Großmast, +Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, „a small square sail on a mast and +boom at the stern of a boat,‟ man würde also Treibermast sagen können; +<span class="strong1">Viermastbarkschiffe</span> mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast; und +<span class="strong1">Viermastschuner</span>, ebenfalls mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und +Besanmast. Und sogar zu <span class="strong1">Fünfmastschiffen</span> hat man sich verstiegen, +nämlich zu <span class="strong1">Fünfmastvollschiffen</span>, <span class="strong1">Fünfmastbarkschiffen</span>, <span class="strong1">Fünfmastschunern</span>; +als Namen für die Masten der ersteren sind in Vorschlag gebracht +Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Achterkreuzmast; für die +beiden letzteren Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast. + — Die <span class="strong1">Kriegsschiffe</span> werden bei uns zur Zeit eingeteilt in +Linienschiffe, Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, +Panzerkanonenboote, Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge. — +Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.</p> + +<p><span class="strong1">Schiffsbesichtigungskommission</span>, die, eine Kommission bei der +Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem Seeoffizier und den nötigen +technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es ist, Handelsdampfer auf ihre +Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu besichtigen<a id="Page_415"></a> + <span class="pagenum">[415]</span> und sich über ihre +Verwendbarkeit im Falle einer Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu +erhalten. Schon vor 600 Jahren wußte man von einer, allerdings nur nach +Bedarf im einzelnen Falle zusammentretenden +Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte König Philipp der +Schöne von Frankreich als Lehnsherr über Flandern „den Bürgern und +Einwohnern von Lübeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg, Wismar, Rostock, +Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche Meer befahrenden +Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da zurück, es sey zu +Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs freyen Handel gegen +Erledigung der üblichen Abgaben. Jedoch sollten sie nirgends nach +Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England, Schottland oder +Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der Engländer +unterworfen sind, einführen, noch selbst auf dem Meere verschiffen, bei +Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Königs Gutdünken. Ebenso +sollten sie keine Güter aus Frankreich nach England führen und daselbst +verkaufen, bei gleicher Strafe. <span class="strong1">Auch behält sich der König vor, ihre +Schiffe, die er zum Kriegführen bedürfe, ihnen abzumieten oder +abzukaufen, nach der Schätzung von vier unbescholtenen Männern, zur +Hälfte aus ihrer, zur andern aus des Königs Untertanen genommen.</span>‟ +(Sartorius. — Lappenberg, Hansa, I 272.)</p> + +<p><span class="strong1">Schiffsregister</span>, das. „Um nun jederzeit den an den +Schiffahrtsverhältnissen beteiligten Kreisen Gelegenheit zu geben, sich +über den Zustand irgend eines Schiffes ausreichend zu unterrichten, +werden von den Besichtigungsinstituten Register, d. h. Schiffslisten, +herausgegeben. Diese enthalten außer dem Namen und dem +Unterscheidungssignal der bei dem bezüglichen Besichtigungsinstitut +klassifizierten Schiffe die Hauptdimensionen derselben, die +Klassenzeichen (s. A), das Datum der letzten Besichtigung und die Angabe +des Materials, aus welchem sie erbaut sind, u. dergl. m.‟ Besonders +enthalten sie auch die Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei +bedeutet</p> + +<p>k Kleine Küstenfahrt, die Fahrt längs den Küsten des Festlandes und den +Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat +südlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund, +sowie längs der Küste der Ostsee.</p> + +<p>K Große Küstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee,<a id="Page_416"></a> + <span class="pagenum">[416]</span> im +Englischen Kanal, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, sowie in +überseeischen Gewässern ähnlicher Art.</p> + +<p>Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans, +sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewässern und im +Stillen Ozean.</p> + +<p>L. Große Fahrt, die für die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen +überschreitende Fahrt.</p> + +<p>Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstärkungen für die Fahrt durch Eis +versehen ist, erhalten außer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E).</p> + +<p><span class="strong1">Schiffstaufe</span>, die = Stapellauf. Diese Taufe erinnert äußerlich in +zweierlei Hinsicht an das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie +auch sonst damit zu tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was früher +beim Sakrament der Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe +geschieht, indem das Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu +heißen pflegt, „in sein Element hinabtaucht.‟ Sodann ist die Namengebung +mit dem Tauchen verbunden. Frühe schon ist das altgermanisch-heidnische +Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden +worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird — wenigstens bei uns; bei +anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders — +der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher für die +beteiligten Kreise ein spannendes Geschäft, aus den Einladungen, aus den +Zurüstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede +den kommenden Namen zu erraten.</p> + +<p><span class="strong1">schiften</span> heißt irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen, +von einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen, +besseren, unter veränderten Umständen richtigeren Platz anweisen, etwas +teilen, abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das +Wort ist niederdeutsche Form für schichten, nach dem so oft zur +Anwendung gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und +Gracht, Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele ähnliche sich +einander entsprechen.</p> + +<p><span class="strong1">schlackern</span> bedeutet eine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit beim +Rudern, infolge deren das Wasser spritzt und die im Boote befindlichen +Leute naß macht. Ein niederdeutsches Wort, das gebraucht wird wenn ein +Kind etwas von seiner Suppe<a id="Page_417"></a> + <span class="pagenum">[417]</span> auf das Tischtuch oder die Serviette +tropfen läßt; sodann auch für anhaltenden feinen Regen, für Nässen, +Schmutzen, Beschmutzen. Das Wort ist Iterativum von slaggen, das wir im +Hochdeutschen in der Verbindung Niederschlag und Schlagregen kennen.</p> + +<p><span class="strong1">Schladding</span>, die. Es gibt viele Arten, auf die das Tauwerk an Stellen, wo +es dem Schamfilen ausgesetzt ist, bekleidet und geschützt wird. Eine +derselben nennt man Schladding, d. h. mit Schladding bekleiden. Das +niederdeutsche Wort sladde heißt Lumpen, Lappen, Fetzen, Stück altes +Zeug. Eine Schladding ist also die Bekleidung eines Taues mit altem +Segeltuch. Sladde ist verwandt mit unserem schlodderig, bedeutet also +etwas das schlaff, nachlässig, unordentlich lumpig herunterhängend ist.</p> + +<p><span class="strong1">Schlag</span>, der.</p> + +<p>1. Röding: „Wenn man ein Tau um einen Gegenstand herumschlägt, zum +Beispiel um ein anderes Tau, um ein Spill u. s. w., so daß es eine ganze +Umwälzung um diesen Gegenstand macht und die beiden Enden kreuzweise +über einander zu liegen kommen, so ist dieses ein <span class="strong1">ganzer</span> oder ein runder +<span class="strong1">Schlag</span>; macht man diese Umwälzung noch einmal, so ist es ein <span class="strong1">doppelter +Schlag</span>; geht die Umwälzung aber nicht rund um, so daß sich die beiden +Enden nicht berühren, so ist es nur ein <span class="strong1">halber Schlag</span>.‟</p> + +<p>2. Wenn ein Schiff zu kreuzen genötigt ist und es fährt demgemäß einmal +nach einer und dann nach der anderen Richtung, so nennt man jedesmal die +nach einer Richtung zurückgelegte Strecke einen Schlag.</p> + +<p>3. Der Schlag mit dem Riemen beim Rudern; er ist ein „Schlag ins +Wasser‟, aber ein wirkungsvoller, nicht, wie im Hochdeutschen, eine +vergebliche Arbeit.</p> + +<p>4. Wenn ein Schiff ungleich geladen ist und sich infolgedessen auf die +Seite neigt, so sagt man: es hat Schlagseite.</p> + +<p>Alle diese seemännischen Bedeutungen von Schlag gehen, wie überhaupt +auch sämtliche hochdeutsche Anwendungen des Wortes, auf die +ursprüngliche Bedeutung des Zeitwortes schlagen zurück, gotisch slahan: +unaufgehalten eine gewisse Richtung ein<span class="strong1">schlagen</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Schlappgording</span>, das, gehört zu den Gordingen der unteren, großen Segel +und hilft deren Tuch nahe an die Rahe bringen, wenn sie festgemacht +werden sollen. Und zwar holen die Buggordinge das Unterliek des Segels +nach der Mitte der Rahe, die<a id="Page_418"></a> + <span class="pagenum">[418]</span> Nockgordinge das Seitenliek steif +längs der Rahe. Nachdem dieses geschehen ist hängt immer loses Tuch +schlapp, d. h. ohne daß eine andere Kraft als die der eigenen darauf +steht, unter den Rahearmen. So sind denn hier auch noch Gordinge +angebracht, die, weil sie das schlappe Tuch an die Rahe holen, +Schlappgordinge heißen.</p> + +<p><span class="strong1">Schlaufe</span>, die, bedeutet das was hochdeutsch eine Schleife heißt, ein +Öhr, eine Öffnung, eine Schlinge. Das Wort ist nichtniederdeutsches +Dialektwort und daher dem niederdeutschen Seemann wenig mundgerecht. +Althochdeutsch slouf, mittelhochdeutsch sloufe (Lexer, 233) von sloufen. +Im Niederdeutschen ist slöpe, slove, slöfe = geschlungener Knoten.</p> + +<p><span class="strong1">Schlenge</span>, die, heißt ein faschinenartiges, von Pfählen festgehaltenes +Reisiggeflecht zum Schütze der Küste oder des Ufers und zur Beförderung +des Landanwuchses, da die Schlengen den Schlick bei ablaufendem Wasser +zurückhalten und ansammeln. Sie finden sich überall da, wo es Schutz +gilt gegen das Losreißen von Land durch die Meeresfluten und wo man +zugleich dem Meere Land abgewinnen will, wie das am Dollart, an der Jade +und anderswo bereits mit großem Erfolg versucht worden ist. Das Wort +kommt von schlingen, niederdeutsch slengen, da das Reisig durch +Verschlingen und Flechten Festigkeit erhält.</p> + +<p><span class="strong1">schleppen</span>, kommt für sich allein und in Zusammensetzungen wie +abschleppen, aufschleppen, ausschleppen, einschleppen vor und bedeutet, +daß ein Schiff ein anderes fortbewegt, das sich aus eigener Kraft nicht +fortbewegen kann oder mag. Das schleppende Schiff heißt, wenn es das +Schleppen als Beruf betreibt, Schlepper oder Schleppdampfer, und man +sagt, daß es das geschleppte Schiff im Schlepp hat. Niederdeutsch +slepen, Weiterbildung von slipen, heißt gleiten machen, machen daß sich +etwas gleitend bewegt. Daher heißt eine Last schleppen nicht sie auf der +Schulter tragen, sondern sie auf dem Boden hinter sich herziehen (s. +Schlipp).</p> + +<p><span class="strong1">Schleuse</span>, die. „Ein sehr nützliches Wassergebäude, vermittelst dessen +sich das Wasser in dem von dieser Schleuse eingeschlossenen Raum oder in +der Kammer derselben erhöhen und erniedrigen läßt.‟ (Roeding) Schleusen, +die einen Hafen vor den Bewegungen der Ebbe und Flut verschließen, waren +demnach vor 100 Jahren noch nicht üblich. Da eine Schleuse ein +Verschlußding<a id="Page_419"></a> + <span class="pagenum">[419]</span> ist, so hat man zur Erklärung auf das +althochdeutsche sliozan, schließen, schließen wollen; das geht aber +nicht, weil sonst sich das z zu t im Niederdeutschen und +Niederländischen hätte verschieben müssen, das ist aber nicht geschehen, +da Schleuse hier nicht slüt und sluyt, sondern slüs und sluys heißt. +Daher müssen wir im romanischen Sprachgebiet Umschau halten, wo man früh +mit Erbauung von Wasserwerken begann. Schleuse kommt in der Tat von +daher. Vom lateinischen excludere ist zunächst das mittellateinische +exclusa, sclusa gebildet, davon das spanische esclusa und französische +écluse, das sich durchs Holländische — sluys, sprich sleus — zum +deutschen Schleuse weitergebildet hat.</p> + +<p><span class="strong1">Schlick</span>, der, ist der an den Nordseeküsten sich niederschlagende zarte, +weiche, fette, schlüpfrige, sehr fruchtbare Meeresschlamm, die Erde aus +der Kooge, Groden und Polder bestehen, aus der der Marschboden sich +gebildet hat. Neuerdings bringt man von der Küste den ausgebaggerten +Schlick ins Binnenland zur Verbesserung unfruchtbarer Moor- und +Haidestrecken. — Das Wort müßte eigentlich Schlich oder wenigstens +Schliek heißen und heißt an Ort und Stelle auch slik mit langem i, weil +es von sliken, schleichen, gleiten, schlüpfen kommt; also „schlüpfrige +Erde.‟ — „Schlickrutscher‟ nennt man an der Nordsee scherzweise die +Küstenfahrer.</p> + +<p><span class="strong1">schlieren</span>, bedeutet das Rutschen einer Sache; z. B. wenn einer ein Tau +fiert und er fiert es nicht Hand über Hand, sondern läßt es sich durch +die Hand rutschen, was unter Umständen eine schmerzliche Verletzung +derselben verursachen kann, so schliert das Tau. Oder es macht einer +eine Schlinge, die sich nicht zuziehen soll und er macht sie nicht ganz +richtig, daß sie sich doch gleitend zusammenzieht, so heißt es: der +Knoten schliert zu. Ein niederdeutsches Zeitwort, eigentlich sliren, mit +der Bedeutung gleiten, schlüpfen, rutschen; zusammengezogen aus +sliddern, dem bekannten Zeitwort schliddern für schleifen, glitschen, +wie es Kinder auf zugefrorener Gosse betreiben.</p> + +<p><span class="strong1">schlingern</span> bedeutet im Sprachgebrauche des Seemanns das Schwanken des +Schiffes nach beiden Seiten hin, das Sichüberlegen bald nach Steuerbord, +bald nach Backbord. Das Zeitwort ist Iterativum vom niederdeutschen +slingen, und dieses bedeutet eigentlich: sich bewegen wie eine Schlange, +Schlangenbewegungen<a id="Page_420"></a> + <span class="pagenum">[420]</span> machen, also das hochdeutsche „schlängeln.‟ + — Um die keineswegs zu den Annehmlichkeiten der Seefahrt gehörigen +Schlangenbewegungen eines Schiffes zu vermindern, werden in neuerer Zeit +an den Schiffen besondere <span class="strong1">Schlingerkiele</span> angebracht. „Sie sind stets +symmetrisch auf beiden Schiffsseiten in der Kimm, d. h. an der Stelle +des Schiffsbodens angebracht, welche die Abrundung zwischen dem +horizontalen und vertikalen Teile bildet. Sie erstrecken sich der Länge +nach etwa über die halbe Schiffslänge, und zwar in der Mitte des +Schiffes, und sind an den vorderen und hinteren Enden in einer schlanken +Kurve abgerundet‟.</p> + +<p><span class="strong1">Schlipp</span>, die, ist eine Art Helling, eine geneigte Ebene am Wasser, auf +die man ein ausbesserungsbedürftiges Schiff aufschleppt. Aber nicht vom +Schleppen hat sie den Namen, sondern von schlippen; denn nicht daß das +Schiff aufgeschleppt wird ist die Hauptsache und hat bei der Benennung +den Ausschlag gegeben, sondern die bequeme Art, auf die man das +ausgebesserte Schiff wieder zu Wasser bekommt, indem man es einfach +schlippen läßt. Darum ist es nicht ratsam, daß man, wie neuerdings wohl +geschieht, die Schlipp Schleppe nennt, denn Schleppe ist etwas das +geschleppt wird; das fertig ausgebesserte Schiff wird aber nicht +geschleppt, abgeschleppt wie ein auf Grund geratenes Fahrzeug, sondern +man läßt es schlippen, auf der Schlipp, auf der geneigten Ebene zum +Wasser hinab gleiten; grade wie man eine Ankerkette durch öffnen des +<span class="strong1">Schlippschäkels schlippen</span>, d. h. ins Wasser hinabgleiten läßt, wenn man +keine Zeit hat den Anker zu lichten. Niederdeutsch slippen = schlüpfen, +gleiten, hinabgleiten.</p> + +<p><span class="strong1">Schloiknie</span>, das. „Die Schloikniee dienen dazu, den Auslieger des Galjons +von der Seite zu umfassen und mit dem Bug des Schiffes zu verbinden. Auf +jeder Seite des Galjons liegen deren zwei; der gebogene Arm liegt mit +seiner hohlen Bugt gegen den Bug des Schiffes, und zwar auf dem +Bergholz, der andere Arm ist mit dem Ausleger verbolzt.‟ Bobrik II. 2. +2371. Das für unser Auge etwas sonderbar aussehende Schloi müßte +eigentlich Sloi heißen und hat im Niederländischen, woher es stammt, die +Form sluy. Unser niederdeutsches sluten = schließen heißt nämlich im +Niederdeutschen sluiten, sluyten, und bedeutet ursprünglich biegen, +krümmen, zusammenbiegen, vereinigen, verbinden, lateinisch claudeo. +Dieser Begriff liegt ganz und voll in<a id="Page_421"></a> + <span class="pagenum">[421]</span> Schloiknie, das mit zwei +Armen eine Verbindung herstellt zwischen Schiff und Gallion.</p> + +<p><span class="strong1">Schlossholz</span>, das, ist kein Holz, sondern ein vierkantiges Stück Eisen, +das durch das Schloßgat am Fuße der Stenge durchgesteckt wird, so daß +die beiden vorstehenden Enden auf die Längssaling aufzusitzen kommen und +so die Last der Stenge tragen. Das Schloßholz ist also nicht nur kein +Holz, es ist auch kein Schloß. Es müßte Schlußholz oder Schließholz +heißen, da es den Anschluß der Stenge an den Mast bewirken hilft und +niederdeutsch slotholz, niederländisch slothout, sluthout im Dänischen, +sluthult im Schwedischen heißt. Im Mittelhochdeutschen heißt sloz +Schlußstein eines Gewölbes.</p> + +<p><span class="strong1">Schmack</span>, die, ein Küstenfahrzeug mit flachem Boden, vorn und hinten voll +und rund gebaut, mit einem Pfahlmast und einem Treiber. Englisch smack: +„A large sloop, with a gaff-topsail and a running bowsprit, used chiefly +in the coasting and fishing trade.‟ Französisch semaque, niederländisch +smak, niederdeutsch smak und smakke. Das Wort steht für Schnack, +vielleicht weil die Erinnerung an Schnack = Geschwätz vermieden werden +sollte. — Im Niederdeutschen ist snake eine Art von Schlangen, die sich +im Wasser, in Sümpfen und alten Gräben aufhält und herumkriecht und +schleicht. Von dieser Bewegung wird das an den Küsten herumkriechende +und schleichende — vergl. „Schlickrutscher‟ — glatte Fahrzeug den +Namen haben. Schon im Althochdeutschen gab es einen Schiffsnamen snacga, +mittelhochdeutsch snacke, und zwar war es ein „langsam fahrendes‟ +Schiff, mit sneggo, Schnecke (s. Schnigge) verwandt, vom +althochdeutschen snahan, kriechen, schleichen. Man dachte also +jedenfalls an ein schwerfälliges Schiff, denn man machte auch in +althochdeutschen Zeiten schon Unterschiede zwischen langsamen und +schnelleren Schiffen. So bedeutete seit dem 5. Jahrhundert unserer +Zeitrechnung tragamunt, tragemunt, tragmunt ein sehr schnellfahrendes +Schiff, altnordisch dromundr; altfranzösisch dromon; griechisch dromon, +der Läufer, (nicht zu verwechseln mit dem tragemunt, aus dem unser +Dragoman (s. d.) entstanden ist). — Verwandt ist mit Schmack auch das +angelsächsische snacca. Aus der französischen Form für Schmack semaque +ist das italienische semacca, das spanische, portugiesische zumaca +entstanden.<a id="Page_422"></a> + <span class="pagenum">[422]</span></p> + +<p><span class="strong1">Schmarting</span>, die, ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten +Stelle mit altem Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie +Schladding, nur daß man bei beiden Wörtern von verschiedenen +Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei Schladding von der Bekleidung, bei +Schmarting aber von dem Schaden, der entsteht, wenn die betreffende +Stelle nicht bekleidet ist, denn dann gibt es eine Schmarting, +ostfriesisch-niederländisch smarting, eine durch Reiben entzündete +Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte Verletzung; smarten heißt +schmerzen, aber nicht so allgemein wie im Hochdeutschen, sondern: „durch +Reiben wund werden und dann wehe tun‟; daher das Wort smartfel = +schampfel (s. schamfilen) für Epidermis, da diese sich durch Reiben an +einem harten Gegenstand leicht „schamfilt‟ und dann sehr schmerzt. +Solches Reiben zu verhüten, solche „Schmarting‟ zu verhindern, wird eine +Schmarting angelegt.</p> + +<p><span class="strong1">Schmeerreep</span>, das, ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in +Wirkung zu treten, wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde +nicht halten sollte; also etwas das an sich überflüssig ist und nur der +größeren Vorsicht halber, um ein Übriges zu tun, benützt wird, damit man +desto besser und sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das +Sprichwort zu Grunde liegen: „Wer gut schmeert, der gut fährt‟, d. h. +wer dem Kutscher kein Trinkgeld gibt, der fährt zwar auch, wer ihm aber +eins verabreicht, der fährt besser, schneller, sicherer. Jemanden +schmieren heißt ihn bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern, +und eine Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die <span class="strong1">Schmiergording</span> +gewesen. — Es braucht kaum ausdrücklich bemerkt zu werden, daß das +Gesagte nur den Wert einer Vermutung hat und daß unser Wort noch einer +wissenschaftlichen Erklärung harrt.</p> + +<p><span class="strong1">Schmiege</span>, die, heißt der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock +der Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d. h. die +Abweichung vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des +Schiffes gemäß an den Spanten findet; ein Schrägemaß. Die Bedeutung von +schmiegen ist „sich eng an etwas drücken‟, wobei man sich, wenn es not +tut, aus der geraden in eine geneigte Lage bewegen muß, seinen Winkel zu +verändern genötigt sein kann. Hierher gehören auch schmücken, weil das +schmückende Kleid sich anschmiegt und <span class="strong1">schmuggeln</span>,<a id="Page_423"></a> + <span class="pagenum">[423]</span> weil der +Schmuggler ein sehr anschmiegendes Wesen haben muß, um hinter einem Baum +oder Busch Deckung suchen zu können.</p> + +<p><span class="strong1">Schnabel</span>, der, meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der +vorderste Teil des Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels +ist. Schon bei den Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnäbelte +Gestalt, wie die columna rostrata hinlänglich beweist. Aus rostrum ist +spanisch und portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch +schon im Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht +worden war, als zwar volkstümliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei +uns wird Schnabel für Mund gebraucht, aber nur in verächtlichem Sinne. +Der Seemann sagt von seinem Schiff lieber: „es steckt die Nase in den +Wind‟ als: „es steckt den Schnabel in den Wind‟. — Das Wort gehört zu +der in schnappen enthaltenen Wurzel snab.</p> + +<p><span class="strong1">Schnau</span>, die, ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln, +aber mit der besonderen Eigentümlichkeit, daß für den Besan ein +besonderer Mast errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Großmast, +so nahe, daß sein oberes Ende zwischen der Längssaling dieses Mastes +befestigt ist. Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau +selbst verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten +<span class="strong1">Schnaumasten</span> stehen für die Schratsegel und den Besan. — Schnau kommt +vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die Schnauze; +ursprünglich hat also nicht dieser eigentümliche Mast, sondern der +besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen hergegeben, +das rostrum. Niederländisch snauw, dänisch snau, schwedisch snau, +englisch snow, französisch senau, italienisch senau, portugiesisch +senau. Das Bremer Wörterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende +Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es +von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder +schmal und scharf zugeht, gebraucht, z. B. Schiffe sind <span class="strong1">up de snau</span> +gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen.‟ So hat ja auch im Hochdeutschen +eine Kanne eine „Schnauze.‟</p> + +<p><span class="strong1">Schnicke</span>, die, war zu Rödings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, bloß in +der Nordsee gebräuchliches Fahrzeug zum Fisch-und Austernfang, kleiner +als die Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz +zulaufendes Fährboot für Binnenkanäle.<a id="Page_424"></a> + <span class="pagenum">[424]</span> Zur mittelniederdeutschen +Zeit war es ein Beiboot einer Kogge. In einer Lübischen Urkunde von 1368 +heißt es: de stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden +wepenern, dat is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken +kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute onde een +snykke.‟ Es ist eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen +Ursprungs mit diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten, +schlüpfen, schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen +Schnellsegler. Niederländisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja, +dänisch snekke, snakke, althochdeutsch snacga.</p> + +<p><span class="strong1">Schnürboden</span>, der. Wenn die Pläne und Zeichnungen eines Schiffes fertig +sind und es geht nun an die Ausführung, so ist die erste Arbeit das +Abschnüren des Schiffes. „Es ist dies eine Arbeit, welche das +Aufzeichnen der Konstruktionslinien des Schiffes in natürlicher Größe +auf dem Fußboden eines besonders hierfür gebauten Raumes, des +sogenannten Schnürbodens, ausmacht.‟ Das Aufzeichnen geschieht nach den +betreffenden Maßen der Pläne mittelst der Meßschnur.</p> + +<p><span class="strong1">Schoner</span>, auch <span class="strong1">Schuner</span>, der. Das Kennzeichnende dieses seetüchtigen, +gutsegelnden, leicht zu bedienenden schmucken Segelschiffes ist die +ausgiebige Verwendung von Schratsegeln. Wenn man von einer +Schuner-Takelage spricht, so sind stets Schratsegel gemeint im Gegensatz +zu Rahesegeln. So sagt man z. B. Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das +vorne Rahen, hinten Schunertakelage hat. Niederländisch schoener, +schwedisch, dänisch skooner, französisch schouner, italienisch, +spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner, scooner. Das Wort soll +amerikanischen, neuenglischen — im geographischen Sinne — Ursprunges +sein. „It seems to have been proved beyond controvercy that the name, +like the vessel itself, is of American origin, being from a New England +word <span class="strong1">scoon</span>, to skim or skip upon the water, to make ducks and drakes. +The first vessel of the kind is said to have been built at Gloucester, +Mass „by Captain Andrew Robinson about 1713; and the name was given to +it from the following circumstance. Captain R. hat constructed a vessel, +which he masted and rigged in the manner that schooners now are, and on +her going off the Stocks into the water a bystander cried out; „O how +she scoons!‟ R. instantly replied: „A scooner let her<a id="Page_425"></a> + <span class="pagenum">[425]</span> be;‟ and +from that time this class of vessels has gone by that name.‟ Also von +der leichten, schwebenden Bewegung ist der Name genommen.</p> + +<p><span class="strong1">Schönfahrsegel</span>, das, verkürzt <span class="strong1">Schoversegel</span> (bei Röding). Man sollte +denken, das wäre die richtige Bezeichnung für Leesegel, weil diese nur +bei schönem Wetter gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern +das Großsegel heißt so. Offenbar darum, weil es das hauptsächlichste +Segel ist, das dem Winde die meiste Fläche darbietet, das also die +schönste d. h. schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das +am längsten stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel, +vor dem sichs am schönsten beiliegen ließ. Der Verfasser der +„Beschriving von der Kunst der Seefahrt,‟ Lübeck 1673, schreibt: „Wie +ich Anno 1647 in des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns +zu, zwischen Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von +Tripoli, gemondiert mit 36 Stücken und 16 Metanen Bassen: wir fochten +mit ihnen von dem Morgen biß an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war +ein hartes Gefecht, so, daß wir unterweilen ein dem andern eine geraume +Zeit an Bort lagen, biß endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder +fünff und fünfftzig hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren +auffflohe und das Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu +meinem Glück gerade zuvor über Bort gesprungen, weil ich sahe, daß ich +nicht länger Zeit hatte da zu bleiben, daß Wasser ging aber ziemlich +holl, weil wir die vorige Nacht vor ein Schonvorsegel hätten beygelegen, +welches auch beyde Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thäte, +daß man kaum das stehend darin behalten konte.‟</p> + +<p><span class="strong1">Schore</span>, die, oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Stütze +dienender Balken; so heißen z. B. die Bäume, mit denen man ein +aufgeschlepptes oder im Dock befindliches Schiff stützt, Schoren. +Niederländisch schoor, altenglisch schore, englisch schore. Es bedeutet +ein geschnittenes, gespaltetes Stück Holz und ist mit scheren gleicher +Herkunft von skeren (Präter. schor), aus der Wurzel skar, schneiden, +spalten.</p> + +<p><span class="strong1">Schot</span>, die, das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten +und hinten, die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels +nach hinten holt. Eigentlich heißt aber die Ecke Schot, an der dieses +Tau befestigt ist. Der größeren<a id="Page_426"></a> + <span class="pagenum">[426]</span> Deutlichkeit wegen, heißt diese +Ecke jetzt tautologisch Schothorn oder Schothörn; Schot allein würde +aber völlig genügen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das +daran sitzende Tau übergesprungen wäre. Denn Schot heißt Schooß = +Zipfel, Ecke, herunterhängender Teil eines Kleides, Rockschooß. Also: +Ecke des Segels. Von Schot kommt altfranzösisch escota, französisch +écoute, spanisch, portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan, +schiezan, sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschießens, des +Vorspringens. Angelsächsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts, +Schooß; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch +nicht, sonst hätte er nicht eine so umständliche Umschreibung desselben +gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemännisch zu erkennen; er +hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis +angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis. — +Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; <span class="strong1">Wasserschoten</span> sind +die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar naß werdenden Schoten der +Unterleesegel. Die Ausdrücke Binnenschot und Außenschot erklären sich +von selbst.</p> + +<p><span class="strong1">Schott</span>, das. Die neuen großen Schiffe sind alle durch Querwände in +verschiedene Abteilungen geteilt, die mit verschließbaren Türen versehen +sind. Sind diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von +einander wasserdicht getrennten Räumen. Wenn nun in Folge einer Havarie +einer derselben voll Wasser läuft, so werden die anderen nicht in +Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott. — Bremer +Wörterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltür, wodurch eine +zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln, +verschließen, absondern durch eine Scheidung, wofür man auch <span class="strong1">abschotten</span> +sagt, einen kleineren Raum von einem größeren durch eine Bretterwand +trennen. — Bei unseren neuen großen Schleusen haben sie auch Schotten, +man hat aber die seemännische Form dafür verschmäht und gemeint, eine +hochdeutsche Form wählen zu sollen und sagt daher <span class="strong1">Schütze</span>. Es ist das +Schott ja auch ein Schutz, aber Schott hätte genügt; niederdeutsch schot +und schüt: „ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hölzerner Schieber, +eine Holzklappe etc. zum Schütten oder Abhalten (Absperren, Abschließen +etc.) und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen +das Ein- und Durchbrechen des Wassers bei<a id="Page_427"></a> + <span class="pagenum">[427]</span> Sturmfluten, oder auch +zum Schütten oder Ein- und Aussperren des Viehes.‟ — In oldenburgischen +und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal eine Anzeige: +„Geschüttet ein Schaf; abzuholen im Schüttstall bei N. N.‟ — Kilianus: +schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut, schot = +septum, locus conclusus.</p> + +<p><span class="strong1">schralen.</span> Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, daß er anfängt für +die Fahrt des Schiffes ungünstig zu werden, so daß man bald nicht mehr +Kurs halten kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heißt schralen +schlecht, ungünstig werden; schral heißt ostfriesisch schlecht, mager, +dünn, elend, arm, knapp; man kann schralen also übersetzen mit knapp +werden, der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Stärke, +denn das würde abflauen heißen, sondern vielmehr in Bezug auf seine +Richtung, so daß man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr +beim Winde steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. „Unzureichend‟ +dürfte der allgemeine Begriff von schral sein; niederländisch schraal, +westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dänisch +skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen +Nebenbedeutungen. Beim seemännischen Gebrauch des Wortes ist es nicht +ganz ausgeschlossen, daß bei der ungünstigen Drehung, die der Wind +macht, auch zugleich ein schwächeres Wehen eintritt, doch ist zunächst +sicher nur an die Richtung gedacht.</p> + +<p><span class="strong1">schrapen</span>, mit einem <span class="strong1">Schraper</span> die Farbe von etwas abkratzen, um es dann +neu und besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das außer in +der Form schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und +bedeutet: mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln, +streichen; Rüben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen; +auch: sich den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer +Lübecker Reformationsgeschichte von 1529-1531 heißt es: „Und verstunden +sik de lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen +manne sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort +scholden handelen und ordelen.‟ — Der Schraper ist ein dreieckiges +Stück Eisen mit scharfen Kanten und einem Stiel. — Von der Form +schrabben für schrapen kommt auch das bekannte Wort <span class="strong1">Schrubber</span>, ein +scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fußbodens, des Decks; ein +„Leuwagen.‟<a id="Page_428"></a> + <span class="pagenum">[428]</span></p> + +<p><span class="strong1">Schratsegel</span>, das. Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren +sind Schratsegel. Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle +Gaffelsegel gemeinschaftlich bezeichnet, so daß Jager, Klüver, +Stagsegel, Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Großgaffelsegel, Besan und +Briggsegel unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefaßt +werden. Im Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in +schräger Richtung verläuft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz +zuläuft. Der Name ist also gewählt für das was allen Schratsegeln auch +wirklich gemeinsam ist, daß sie nicht grade, sondern schief geschnitten +sind. So nennt man schratdok „ein dreykantiges Halstuch des +Frauenzimmers, deren zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen +entstanden sind.‟ Diese Vorstellung lag wahrscheinlich auch der +Benennung der Schratsegel zu Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau +die Form eines solchen dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man +könnte sich zwar die Sache auch so vorstellen, daß die Schratsegel immer +schräge stehen, während die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant +gebraßt werden, aber dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche +Begriff von schrat, der nicht sowohl das <span class="strong1">dreieckig</span> Geschnittene, sondern +vielmehr das dreieckig <span class="strong1">Geschnittene</span> ist, denn die Wurzel dazu ist skru = +schneiden, von der auch der Familiennamen Schröder = Schneider kommt. +Ein Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam +ein in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel.</p> + +<p><span class="strong1">Schraubenbrunnen</span>, der, ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die +Schraube hängt, wenn ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will. +Die Schraube wird gelichtet, d. h. aus dem Wasser herausgezogen und in +dem Brunnen aufgehängt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme. +Doch wird durch solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes +geschwächt, so daß man in Erwägung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht +den geringen Vorteil der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe.</p> + +<p><span class="strong1">schricken.</span> Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges +fiert. Es ist z. B. ein Kutter vorn etwas höher gehißt wie hinten; da es +aber für das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, daß der Kutter +grade hängt, so muß der vordere Kutterläufer geschrickt werden. Oder es +tritt Regen ein,<a id="Page_429"></a> + <span class="pagenum">[429]</span> der die Brassen naß macht und zusammenzieht, so +daß sie allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen +geschrickt. Da das Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft +steht, so ist das Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende +muß vorsichtig sein, daß er das Ende gut belegt hält, damit das Tau in +seiner Gewalt bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe +verwandt und mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das +demselben zu Grunde liegende althochdeutsche screckon heißt auffahren, +aufspringen, springen, hüpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem +entspricht das niederdeutsche schrikken = springen, einen plötzlichen +Ruck machen oder bekommen, auffahren, zurückfahren, schrecken, +erschrecken. Doch kommt das seemännische schricken nicht unmittelbar vom +althochdeutschen screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch +schrecken = springen machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe +Wort, das eine Köchin gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem +heißen Wasser plötzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser +schälen lasse.</p> + +<p><span class="strong1">Schrims</span>, das, ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen +Stücken Garn, teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort würde +wenig bekannt sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise +gebraucht würde, um das gekochte präservierte Rindfleisch zu benennen, +das leicht wie Strähne eines aufgedrehten Taues auseinanderfällt, daher +es auch noch öfters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das +Wort dürfte aus dem Englischen herübergekommen sein und müßte wohl +Schrimps geschrieben werden, denn das — jedenfalls mit dem +mittelhochdeutschen schrimpen verwandte — englische schrimp heißt +Knirps, Zwerg, und mundartlich heißt im Englischen shrimp irgend etwas +Kleines, Unbedeutendes, Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall +stimmt.</p> + +<p><span class="strong1">Schrubber</span>, der, s. schrapen.</p> + +<p><span class="strong1">Schuner</span>, der, s. Schoner.</p> + +<p><span class="strong1">Schute</span>, die, ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem +Tiefgang, zur Beförderung von Personen und Gütern auf Flüssen und +Kanälen. Sie sind weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern +werden getreidelt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der +niederländische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem +Pferde sitzt und es antreibt<a id="Page_430"></a> + <span class="pagenum">[430]</span> heißt het jagertje). Sie bildet ein +sehr angenehmes Beförderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf +einem holländischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wissen, wie +bequem und gemütlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch +Röding (1794) nennt sie „bequem‟ und weiß von vielen Arten Schuten in +Holland, darunter sogar auch Segelschuten. — Die großen Elbkähne, die +von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter nach Hamburg kommen, +nennt er „Hamburger Schute‟ und beschreibt sie als stattliche Schiffe +von 120 Fuß Länge. In und bei Berlin ist der Name heute noch sehr +gebräuchlich. Riecke, „Ursprung und Name der Städte Berlin und Köln an +der Spree‟ behauptet sogar: „Der märkische Name Schute für Kahn ist vom +keltisch-gälischen sguit, ein Boot, abzuleiten.‟ Dagegen spricht aber +das frühe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man möchte daher eher auf +niederdeutschen Ursprung schließen. Im Mittellateinischen hieß Schute +escauda, das könnte von dem französischen Namen der Schelde kommen, wie +denn in der Tat nach einer Urkunde von 1252 ein Schiff, das auf der +Scarpe, einem Nebenflusse der Schelde fuhr, scarpoise hieß. — Indessen +liegt eine andere Erklärung viel näher. Die Alten haben einem Schiff +gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So dürfen wir auch hier +annehmen, daß ein von scheten = schießen kommender Stamm schut zu Grunde +liegt, indem Schute ein (verhältnismäßig schnell, weil vom Pferde +gezogenes,) dahinschießendes Boot ist. — Das Fahrzeug muß schon früh, +im Mittelalter, bekannt gewesen sein, wenn man bedenkt, daß es nach der +Hamburger Chronik bereits in mittelniederdeutscher Zeit zu einem +scherzhaften Vergleich herangezogen werden konnte, die feindlichen +Schiffe „weren doch man appelscuten, dar weren se unverzaget vor.‟ — +Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuytken = Boot. — In den +Niederlanden muß in früheren Zeiten eine schuit so wohnlich gewesen +sein, daß der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein abenteuerlicher +war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein Plakat erlassen +gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van Jesuiten en andere +Priesters, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of Religieuse Personen, +van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten Bürger des Landes ihrer +gesetzmäßigen Obrigkeit abwendig machten „ende tot moorderye van Prinsen +ende Potentaten‟ verleiteten. Sie wurden verbannt,<a id="Page_431"></a> + <span class="pagenum">[431]</span> und eine +Strafe von 200 Gulden dem auferlegt „in wiens Huysen, Velden, Schepen +ofte Schuyten‟ sie ihr Wesen trieben.</p> + +<p><span class="strong1">Schutzdeck</span>, das, ist ein Deck von Kriegsschiffen, das geschützt ist +gegen das Aufschlagen feindlicher Geschosse. Der Schutz wird durch +Panzerplatten oder stärkere Stahlplatten, die das Zwischendeck bedecken, +gewährt. Dieses heißt daher auch wohl Panzerdeck; das Schutzdeck +unterscheidet sich von ihm nur durch die geringere Dicke der Platten.</p> + +<p><span class="strong1">Schütze</span>, die, s. Schott.</p> + +<p><span class="strong1">Schwabber</span>, der, ist ein Hilfsmittel beim Deckwaschen und vertritt an +Bord die Stelle eines Scheuertuches, ist aber kein Tuch, sondern besteht +aus losen Strähnen von Kabelgarn, die oben durch eine Takelung +quastenartig mit einander verbunden sind, wie denn überhaupt der +Schwapper oder Schwabber mit einer großen langen Quaste Ähnlichkeit hat. +Man trocknet damit nach dem Deckwaschen das noch an Deck stehende Wasser +auf, indem man damit hin und her fährt. Von diesem Hinundherfahren kommt +der Name. Ostfriesisch heißt swäpen mit irgendwelchem biegsamen, +elastischen, schwanken und schlanken Gegenstande eine Schwingung, eine +Hin- und Herbewegung machen; gotisch sveip, angelsächsisch svap, +altnordisch sveip sind Präterita von sveipan, svipan, svipa. Davon kommt +auch swäpen, mit der Peitsche schlagen und sweper = Besen und viele +andere Wörter, die alle mit Hin- und Herbewegung zu tun haben. +Aufschwabbern heißt Wasser mit einem Schwabber aufnehmen. — Französisch +(1702) souabre; niederländisch swabber, dweil; englisch swab; dänisch +svaber; schwedisch svabb.</p> + +<p><span class="strong1">schwajen</span> auch schwoien, schwojen = schwingen. Das „Bremer Wörterbuch‟ +behauptet, das Wort käme von wehen her. „S wird im Niedersächsischen +vielen abgeleiteten Wörtern vorgesetzt zur Verstärkung der Bedeutung, +oder eine Heftigkeit der Handlung anzudeuten; slabben von labben = +auflecken wie die Hunde; swelen, Gras dörren, von welen = welken; +spreden = ausbreiten, von breden. So auch holländisch: slink von link = +sinister; swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern = +naschen, von likken = lecken.‟ Wenn das richtig wäre, könnte man sagen, +der Ausdruck schwajen käme daher, daß das Schiff vom Wehen (wajen) des +Windes herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch +lange nicht<a id="Page_432"></a> + <span class="pagenum">[432]</span> immer vom Winde besorgt, sondern öfter noch von der +Strömung, von Ebbe und Flut, in Kanälen auch von Menschenhand, und dann +ist auch die ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten +verstärkenden s nicht richtig. In allen den angezogenen Beispielen +gehört das s vielmehr wesentlich mit zum Stamm, und die Bremer haben +sich mit diesem s ebenso geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr +anlautenden Wörter, von denen behauptet wird: „W vertritt in unserer +Sprache oft die Stelle des äolischen Digamma und wird sonderlich oft dem +r vorgesetzt, wo andere Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es +die Bedeutung des Wortes zu verstärken und demselben eine größere +Heftigkeit beizulegen‟. Das verhält sich grade umgekehrt. Das w im +Anlaut vor r gehört zum Stamm und ist nicht im Niederdeutschen +hinzugefügt, sondern vielmehr im Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere +hierüber s. unter Wrack. — Nicht von waijen kommt schwajen, sondern +vielmehr von schwingen, dessen Bedeutung es ja auch ganz und voll hat. +Im Ostfriesischen heißt es swajen = sich schwingend und schwebend +bewegen, einen Schwung, eine Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung +machen, und wird nicht nur von Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz +allgemein gebraucht. Doornkaat gibt die Beispiele: „De fögels swajen dör +de lücht, he swaide net, as of he 'n bitje anschaten was; de weg swaid +bold na links un dan wer na rechts‟, und bemerkt dazu: „Es hat hier in +swaj zweifellos ein Übergang oder eine Erweichung vom älteren g in j +stattgefunden, so daß der Stamm swaj für swag steht, der selbst aber +wieder aus swang entstand ... welches zu schwingen gehört.‟ Die +Ableitung von schwingen dürfte richtig sein. Das o in der Schreibweise +schwojen mag sich aus der ostfriesischen dunklen Aussprache des a +erklären, welche so ziemlich wie o klingt. Am einfachsten hat man die +Frage, ob a, ob o in Groningen gelöst, da gebrauchen sie beide Vokale +nebeneinander und sagen, um keinem zu nahe zu treten, zwoaien: „Het +omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit smal, dan heft men het op +enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien; zulk een plaats het +(heißt) zwoaiplaats‟, ostfriesisch swaj-wik oder auch kurzweg swaje. + — Zu dem Übergang von g in j sei bemerkt, daß derselbe sich noch +keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flusse ist und daß unser +Seemann das g bei der Aussprache noch hörbar mitklingen<a id="Page_433"></a> + <span class="pagenum">[433]</span> läßt, und +zwar als palatales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgeräusch, +also ähnlich wie ch.</p> + +<p><span class="strong1">Schweinsrücken</span>, der.</p> + +<p>1. Eine Untiefe in der Jade vor der Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven, +neuerdings durch Schlengenwerk befestigt mit der Absicht, dadurch einen +günstigen Einfluß auf Strom-, Schlick- und Fahrwasserverhältnisse +auszuüben.</p> + +<p>2. Bei modernen Schiffen, die eine von der früheren sehr verschiedene +Ankergeschirreinrichtung haben, ein schräger Aufbau auf dem Deck im Bug +oder auf dem Heck, auf welchem der Anker lagert.</p> + +<p>Das Wort erklärt sich im Vergleich mit dem Eselsrücken in der gotischen +Baukunst: von der Gestalt.</p> + +<p><span class="strong1">schwellen.</span> Im Binnenlande spricht man von schwellenden Segeln, sagt auch +dichterisch, daß sich die Segel zur Fahrt schwellen. So gerne nun der +Seemann es sieht, wenn sie das tun, seemännisch ist der Ausdruck nicht. +Man wird niemals einen wirklichen Seemann von schwellenden Segeln reden +hören. Solch dichterische Sprache vermeidet er geradezu ängstlich. Er +sagt: „volle Segel.‟</p> + +<p><span class="strong1">Schwert</span>, das, ist eine Vorrichtung die bei flachgehenden Fahrzeugen, +wenn sie beim Winde segeln, das Abtreiben und gegebenen Falles das +Kentern verhindern soll. Sie besteht nämlich aus einem Brett an jeder +Seite, das beim Segeln am Winde in Lee ins Wasser gelassen wird um den +Widerstand zu vermehren. Hierzu hat Röding einen seiner äußerst +spärlichen etymologischen Versuche gemacht. Er ist artig genug: „Es hat +daher seinen Namen, weil es an der Seite des Schiffes ungefähr so hängt, +wie ein Schwert an der Seite‟ (des Mannes). Nur daß es dann doch besser +Schild hieße, und die Sache bei unseren modernen Jachten und +Rettungsbooten nicht mehr stimmt. Dick und Kretschmer, II. 282: „Für +kleine zum Privatgebrauch bestimmte Boote empfiehlt sich mit Rücksicht +auf Stabilität, geringen Tiefgang, Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit +eine breite und flache Form des Bootskörpers. Diese Form bietet aber +einen verhältnismäßig sehr geringen seitlichen Wasserwiderstand und +besitzt in Folge dessen für das Segeln am Wind oder bei Dwarswind den +Nachteil, daß das Boot stark abtreibt. Diesen Nachteil soll das +sogenannte Schwert ausgleichen. Es besteht aus einer eisernen oder +hölzernen<a id="Page_434"></a> + <span class="pagenum">[434]</span> (dreieckigen, trapezförmigen oder rechteckigen) +senkrechten Platte, welche entweder für fest am Kiel des Bootes +angebracht ist oder aber beweglich ist und mittelst einer einfachen +Vorrichtung je nach Bedarf heruntergelassen oder aufgeholt werden kann. +In letzterem Fall ist in das Innere des Bootes, in seiner +Längsschiffsebene, ein schmaler Kasten eingebaut, welcher das aufgeholte +Schwert in sich aufnehmen soll‟, — der Schwertbrunnen.</p> + +<p><span class="strong1">Schwertmatte</span>, die, eine der an Bord zahlreich gebrauchten Matten, die +ihren Namen von der Art ihrer Verfertigung hat. Es fertigen sich nämlich +richtige alte Matrosen ihre Matten selbst an. Um die Schwertmatte zu +weben, denn ein Weben muß man die Anfertigung nennen, verfährt man +ähnlich wie auf einem sehr primitiven Webstuhl, doch so daß zwei Parten +von beiden Seiten kommen und sich kreuzen. Damit das Durchstecken der +Parten möglich werde, steckt man jedesmal ein hölzernes Schwert durch +den Zettel oder Aufzug und dreht es auf die hohe Kante. Von diesem +Schwert, oder vielmehr von den zwei Schwertern die gebraucht werden, +stammt der Name.</p> + +<p><span class="strong1">Schwieping</span>, die, das spitz zulaufende Ende eines Taues, das entsteht +wenn man das Tau aufdreht und beim Wiederzusammendrehen nach und nach +mehr Kabelgarn entfernt. Das Wort heißt niederländisch zweep, und das +gibt die Erklärung; zweep, auch zwiep heißt Peitsche; niederdeutsch +swepe; angelsächsisch svip, altnordisch svipa. Eine Peitsche wie sie in +einfachen Verhältnissen ein Fuhrmann sich selbst aus Hanf zu drehen +pflegt, ist oben dick und läuft nach unten allmählich dünn zu; daher der +Name dieses dünn zulaufenden Taues, verbunden mit der niederdeutschen +Endung ing. Vergl. übrigens auch Hundspünt.</p> + +<p><span class="strong1">schwichten</span> bedeutet, zwei stehende Taue durch eine Leine hin und her mit +einander verbinden und fest zusammenziehen, so daß die beiden ohnehin +schon festen Taue nur noch fester, steifer und unbeweglicher stehen. Die +eigentliche Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes swichten, +niederländisch zwichten ist die unseres hochdeutschen Zeitwortes +„beschwichtigen‟, also ruhig machen. Aber wenn zwei stehende Taue +„ruhig‟ gemacht werden sollen, so müssen sie „fest‟ gemacht werden. Auch +bei schwichten findet sich dieselbe Lautverschiebung die unter schiften +erwähnt ist; althochdeutsch swiftjan, mittelhochdeutsch swiften, +beschwichtigen.<a id="Page_435"></a> + <span class="pagenum">[435]</span></p> + +<p><span class="strong1">Schwimmdock</span>, das, ist eine schwimmende Vorrichtung zum Docken von +Schiffen. Es besteht in der Hauptsache aus zwei Seitenwänden, die durch +einen Boden mit einander verbunden sind. Die beiden schmalen Seiten vorn +und hinten sind offen. Die Seitenwände sind hohl und können voll Wasser +gelassen werden. Geschieht das, so sinkt das Schwimmdock so tief ins +Wasser, daß ein Schiff sich zwischen die beiden Wände legen kann. Wird +das Wasser aus diesen wieder ausgepumpt, so geht das Dock mit dem darin +befindlichen Schiffe in die Höhe, letzteres trocken legend. Der Name +Schwimmdock dient zur Unterscheidung von einem ausgegrabenen, mit +Steinen ausgemauerten Trockendock.</p> + +<p><span class="strong1">Schwimmponton</span>, s. Dock.</p> + +<p><span class="strong1">Scotsman</span>, der, ist eine hölzerne Latte oder ein entsprechendes Stück +Eisen um an gefährdeten Stellen das stehende Gut vor dem Schamfilen zu +bewahren, eine Schamfilungslatte. Wie der Normann an der Beting, so wird +der Schottländer an der Takelage haben herhalten müssen für eine kurze +und bündige Bezeichnung einer seinem Lande eigentümlichen, also von +schottischen Seeleuten auf andere übergegangenen Vorrichtung. Der +niederdeutsche Seemann pflegte „Schottschmann‟ zu sagen; daraus wurde +durch nachlässige Aussprache Schuttschmann, und hieraus durch +volksetymologische Umbildung sogar „Schutzmann‟.</p> + +<p><span class="strong1">See.</span></p> + +<p>1. Der See, ein Binnensee.</p> + +<p>2. Die See.</p> + +<p>a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heißt +absegeln, abdampfen, abfahren. „Ich gehe morgen in See‟, „ich gehe nach +Hongkong in See‟.</p> + +<p>b. Eine hohe Meereswoge; „wir nahmen Seeen über‟, die Wogen gingen so +hoch, daß sie uns über die Reling an Deck schlugen; „wir kamen +dwarssees‟, so zu liegen, daß die Seeen von der Seite auf uns zukamen. +„Eine See nahm den Schiffsjungen mit über Bord‟.</p> + +<p>Diese letztere Bedeutung von See könnte noch einmal für die Etymologie +des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heißt, so +hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen. +Diese Annahme gewönne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen +dürfte, daß die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die +ursprünglichere<a id="Page_436"></a> + <span class="pagenum">[436]</span> wäre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See +im Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist für +Landsee, und das erwähnte gotische saiws heißt mehr Sumpf wie Meer, also +eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, überschwemmtes Gebiet, +und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf +gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in +den Vordergrund der Betrachtung getreten, so daß also See auf irgend +eine Weise den k-Laut am Ende eingebüßt hatte. — Die Entscheidung in +der Frage wird erst gefallt werden können, wenn man sagen kann, was +zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See steht +begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem Eigenschaftsworte +saevus. — Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns +weiter bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde, +bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch für See annimmt, +dann kommt die See und der See in einem Begriff, „bewegt‟ zusammen, denn +bewegt sind sie beide.</p> + +<p><span class="strong1">Seebeine</span>, die. Wer überhaupt zum ersten Male oder nach längerem +Landaufenthalt zum ersten Male wieder an Bord kommt, der muß zunächst +darnach trachten, daß seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes +gewöhnen, so daß er auch im Sturm noch einigermaßen sicher stehen und +gehen kann. Wenn er soweit ist, dann hat er Seebeine. Französisch (Aubin +1702:) avoir le pié marin; man nennt den Mann der Seebeine hat auch +gradezu pié marin; „On apelle ainsi un homme qui a le pié si seur et si +ferme, quil peut se tenir debout pendant le roulis d'un vaisseau.‟ +Niederländisch zee-voeten hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en +-voeten hebben. — Doch nennt man im Französischen mit tieferer +Bedeutung einen Mann pié marin. „Il se dit aussi de celui qui entend +bien la navigation, et qui est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu'un +Officier a le pié marin les gens de l'équipage ont bien plus de +confiance en sa conduite.‟</p> + +<p><span class="strong1">seefest</span> ist ein Mensch wenn er zur See fahren kann ohne <span class="strong1">seekrank</span> zu +werden, d. h. ohne daß er seine Beschäftigung wegen <span class="strong1">Seekrankheit</span> +unterbrechen muß. Kleine Unbehaglichkeiten, vorübergehende Übelkeiten +kommen wohl auch einmal einen seefesten Mann an; seekrank wird +eigentlich nur der genannt, der „Kette steckt‟ oder dem das Essen und +das Rauchen<a id="Page_437"></a> + <span class="pagenum">[437]</span> gar nicht mehr schmecken will. — Geschütze, Boote, +Anker, Kisten, Kasten, Schränke u. s. w. sind „seefest gezurrt‟ wenn sie +so befestigt sind, daß sie auch bei hohem Seegang nicht „über Stag‟ +gehen können.</p> + +<p><span class="strong1">Seekadett</span>, der. Die wörtliche Übersetzung von Kadett ist Junker, junger +Herr (jonkheer) jüngerer Sohn, aber ursprünglich bedeutete es: junger, +kleiner Hauptmann oder Häuptling, denn das Wort stammt vom lateinischen +capitettum, das eine Diminutivform zu caput ist; noch zutreffender wäre +also: „kleiner (zukünftiger) Kapitän.‟ Im Altfranzösischen hieß cadet +noch capdet. — Wer Seeoffizier werden will tritt in die Marine als +Seekadett ein. — </p> + +<p><span class="strong1">seeklar</span> ist ein Schiff wenn es klar, d. h. fertig zum Auslaufen ist. +Dazu gehört für ein Schiff, das auf eine weite, lange Reise geht, eine +umfassende Vorbereitung und Ausrüstung. Bei Kriegsschiffen findet daher +vor dem Auslaufen des Schiffes eine genaue Seeklarbesichtigung statt, +die der Stationschef selbst abhält, bezw. durch seinen Generalarzt, +seinen Stabsingenieur abhalten läßt, die ihn bei der Besichtigung zu +begleiten haben.</p> + +<p><span class="strong1">Seemann</span>, der, ist jetzt die allgemeine Bezeichnung für einen +seebefahrenen Mann, der die Seefahrt als Beruf betreibt. „Der Junge will +„‚Seemann‟‛ werden.‟ Daher auch das Wort „<span class="strong1">Seemannschaft</span>‟ für den +Inbegriff alles dessen, was ein tüchtiger Seemann wissen muß, wobei im +weiteren Sinne auch die Navigation eingeschlossen ist. Doch hat, wie in +allen Wissenschaften, so auch bei dieser, in neuerer Zeit ein solcher +Aufschwung stattgefunden, eine solche Vermehrung und Bereicherung, daß +Einer nicht mehr Alles wissen kann. — Vergl. Matrose. — Während +heutzutage ein Seemann ein Mann ist, der friedlich seinem Berufe +nachgeht, wird im Beówulf unterschieden zwischen Leuten die nur +überhaupt die See durchschiffen und Leuten, die zur See kämpfen; nur die +letzteren hießen Seeleute. Ein sae-man war also nicht ein Seemann, +sondern ein „Kriegsmann zur See‟. — Ein eigentümliches Zusammentreffen +ist es, daß im Mittelniederdeutschen seeman, seman ein Mann heißt, der +unter dem Pantoffel steht, „de sick van dem wyve regeren leth, dar dat +wyff de brock drecht;‟ niederländisch en wijffwl, Jan ligt achter, die +voor woont als t' huys omgekeert is. — Nicolaus Gryse: „Dat öuerst +vrouwe Seeman daryegen mundtwercket vnde anmeldet, dat dat +frouwen<a id="Page_438"></a> + <span class="pagenum">[438]</span> regement auer den man dat erste vnde oldeste gewesen sy.‟ + — „Denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann vth kribbischer bössheit mit +vndenstliken worden vörbolgener wyse awer dwer vnd dwas alse einer +seemanche hebberecht ankarret, ansnarret vnde anfaret vnd trotzichlick +auer de nese houwet, vthhaltert vnde vth halippet ... dat sulue ys grote +sunde und schande.‟ — Dieses Wort ist nur wegen seiner lautlichen +Ähnlichkeit an Seemann angelehnt; im Mittelhochdeutschen hieß ein +Pantoffelheld und auch eine den Pantoffel schwingende Frau „Simon‟, und +das war eine ebensolche Anlehnung an den bekannten jüdischen Namen +Simon, vielleicht mit dem Gedanken an die Bedeutung im Hebräischen „ein +Hörender, Gehorchender.‟ Eigentlich hieß das Wort „Sie-Mann‟ und +bezeichnete eine Frau als eine, die der Mann im Hause ist.</p> + +<p><span class="strong1">Seemannshaus</span>, das, ist ein Erholungshaus für Seeleute, in dem sie +Bücher, Papier, Feder und Tinte, angenehmen Aufenthalt, gute und billige +Verpflegung finden, und vor allen Dingen den Gefahren schlechter Kneipen +entzogen sind. Nach dem Vorbilde der englischen Sailors Homes entstehen +jetzt auch in Deutschland dergleichen Anstalten zum Wohle des +seefahrenden Mannes; sind sie von der <span class="strong1">Seemannsmission</span> eingerichtet, so +heißen sie <span class="strong1">Seemannsheime</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Seeräuber</span>, der, war im Sprachgebrauch der früheren Hansazeit nicht das, +was man sonst Pirat, Korsar, Flibustier oder Vitallienbruder nannte, +sondern ein Mann, der mit seinem Schiffe auf mehr oder weniger eigene +Faust Fehde trieb und den Feind schädigte wo und wie es ihm möglich war. +Aber immer nur den Feind und immer nur als kriegführende Partei, also +ähnlich wie die Vitallienbrüder in ihrer ersten, nach damaligem Recht +einigermaßen rechtmäßigen Zeit. Hierüber schreibt Sartorius, Hansa, I. +90 treffend: „Über Seeräuber wird oft und viel geklagt und +Friedensschiffe wurden gegen sie in die See gesandt. Allein diese waren +selten eigentliche Seeräuber, den Namen teilten sich beide kämpfende +Teile wechselseitig zu, da Repressalien gewöhnlich waren, und bey +eingetretenen Bedrückungen mit gleichem geantwortet wurde. Auf diese Art +von wechselseitiger Seeräuberei blieben alle Feindseligkeiten zwischen +den deutschen Städten, den Engländern und Schotten beschränkt.‟ Wie es +noch 1673 auf deutschen Meeren aussah, verrät eine Segelanweisung in +der<a id="Page_439"></a> + <span class="pagenum">[439]</span> „Beschriving von der Kunst der Seefahrt‟: „... so pegelt +erstlick mit ein Compaß, wat Streck dat gy de Nase von juw hebben, und +wo fern gy juw van de Wall gist tho wesen, datsülvige teckent mit ein +Stip Kryt in de Paßkart, (schrivet ydt ock in ein Memorial Bock, alles +wat gy in de Kart tecken, up dat wen de Kart dorch Rövers offt sünst, +juw affhendig gemaket worde, gy juw dennoch na dem Memorial richten +können.‟)</p> + +<p><span class="strong1">Seesoldat</span>, der, ist ein Soldat, der bei einem der drei kaiserlichen +Seebataillone dient, die sich gegenwärtig in China befinden, sonst aber +in den heimischen Marinegarnisonen den Infanteriedienst besorgen. Die +Offiziere werden auf einige Jahre von der Armee zur Marine kommandiert; +einige von ihnen fahren auch an Bord der Schulschiffe als Instrukteure +für die Seekadetten im Infanteristischen. Im Binnenlande wird ein +Kriegsmatrose öfters Marinesoldat genannt und dann mit einem Seesoldaten +verwechselt. Sie sind aber sehr aus einander zu halten.</p> + +<p><span class="strong1">Seetage</span>, die, s. <span class="strong1">Seetörn</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Seetörn</span>, der, ist eine unbestimmte Anzahl von Seetagen, d. h. solchen +Tagen, die man hinter einander auf See zubringt oder zugebracht hat. Man +gebraucht das Wort Törn auch sonst in der Seemannssprache häufig und +zwar oft gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Fremdworte Tour. Wie +man hochdeutsch sagt: „Das ist meine Tour,‟ anstatt „ich bin an der +Reihe,‟ so sagt man seemännisch: „Das ist mein Törn,‟ Rudertörn, +Wachtörn u. s. w. — Außerdem spricht man in der speziellen +Seemannschaft von einem Törn; wenn man ein Tau einmal um irgend einen +festen Gegenstand herumgelegt hat, so hat man einen „Törn‟ genommen, +wofür man auch „Schlag‟ sagen kann; ist irgendwo zufällig eine Schlinge +in dem Tau entstanden, hat es eine Drehung gemacht, die es nicht machen +sollte, und es ist in Folge dessen eine Bucht entstanden, so ist das +auch ein Törn, der aber möglichst bald wieder herausgedreht werden muß. + — Was Seetörn selbst angeht, so könnte man es, wenn man das Fremdwort +Tour beseitigen will, einfach mit Seereise wiedergeben, wie wir ja auch +im Binnenlande anstatt Tour Reise oder Ausflug sagen. Eigentlich müßte +es ja Rundreise heißen, denn es kommt von tourner, drehen; englisch +turn, und letzteres hat, wie die Aussprache beweist, den Vermittler +gespielt. — Der Seemann hat auch das Zeitwort törnen für drehen und +vertörnen für verdrehen.<a id="Page_440"></a> + <span class="pagenum">[440]</span> Verwandt ist turnen und das +mittelhochdeutsche turnei, neuhochdeutsch Turnier.</p> + +<p><span class="strong1">Seemeile</span>, die, s. Meile.</p> + +<p><span class="strong1">Seeraum</span>, der, s. raumen.</p> + +<p><span class="strong1">Seetriften</span>, die, nennt man das, was die See angetrieben hat, das +Strandgut. In früheren Zeiten brauchte ein Schiff noch garnicht +gestrandet zu sein, um mitsamt seiner Ladung als Strandgut angesehen zu +werden. Es genügte, wenn eine grundroeringe, eine Berührung des +landesherrlichen Strandes durch das Schiff stattgefunden hatte. Bremer +Wörterbuch: Dies unmenschliche Strandrecht wurde auch aufs feste Land, +auf Wagen und Pferde ausgedehnt. Wenn ein Wagen umgefallen war oder +einige Güter davon gefallen waren, so fielen sie dem Landesherrn oder +dessen Vögten heim. Imgleichen wurde ein Pferd eingezogen und +weggenommen, wenn ein Reiter davon ins Wasser gefallen und ertrunken +war. Renner in der Bremischen Chronik erzählt: Up einen Tidt hadde de +Vaget (des Erzbischofs Johann I, 1307) thom Langwedel einen gefangenen +Kopman und sprak thom Bischuppe: Here, düse Kopman hefft Grundroringe +gedahn, und ist mit siner Kahren und Gude gefallen durch de Brugge, +derhalven schall he juw geven grot Gudt.‟ (!) Doch vergl. hierzu was +Winkelmann in seiner Oldenburgischen Chronik von dem 1598-1602 erbautem +Turm auf Wangerooge schreibt: „Nach Abgang deren ins Norden gestandenen +Kirchen ist der Mittelteil dieses Turmes zu dem Gottesdienst der +Einwohner, das unterste und obriste aber, bei etwa vorgehendem +Schiffbruch, zu Hinlegung der gestrandeten und salvirten oder gebergten +Güter verordnet worden, massen die Herren Grafen, als Christlöbliche +Obrigkeit nach aufgehobenem Strandrecht, niemaln mit den gestrandeten +Gütern auf der See, Jhade und Weser mit der Schärfe verfahren, sondern +dieselbige, zur Erhaltung ihrer Jurisdiktion, so sie auf gedachten +Wassern haben, auf gebührliches Ansuchen rückgegebene Recognition und +erlegten Berggelts vor die Hilfleistende, wieder abfolgen lassen, damit +dem Beträngten keine größere Bedrängniß zugefügt werden möchte.‟</p> + +<p><span class="strong1">Seewache</span>, die, s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Seezeichen</span>, das, ist der allgemeine Name für Boje, Tonne, Bake etc. Die +Seezeichen bezeichnen den Eingang in einen Hafen, die Fahrwasserrinne in +einem Revier u. s. w. Man unterscheidet<a id="Page_441"></a> + <span class="pagenum">[441]</span> Winterseezeichen und +Sommerseezeichen, letztere werden im Spätherbste eingezogen und durch +die Winterseezeichen ersetzt.</p> + +<p><span class="strong1">Segel</span>, das, „ein aus mehreren Kleidern (Bahnen) von starker Leinwand +oder von Baumwollenstoff zusammengenähtes Tuch,‟ das an den Masten, +Rahen, Gaffeln, Stagen, Spieren eines Schiffes ausgespannt wird um den +Wind damit aufzufangen und so das Schiff in Bewegung zu setzen. Ein +Segel hat entweder nach seiner Gestalt und Einrichtung oder nach der +Stelle, wo es angebracht ist, seinen Namen, der es von anderen Segeln +unterscheidet. — Die erste Erfinderin ist die Not. Es ist darum kein +Wunder, daß die Menschen, sobald sie anfingen sich über den Naturzustand +zu erheben, auf solch ein Fortbewegungsmittel verfielen. Doch scheint +bei den alten Deutschen der Gebrauch der Segel nach Tacitus' Germania +nicht allen Stämmen bekannt gewesen zu sein. Von den Batavern erzählt +aber derselbe Geschichtschreiber, daß sie sich der sagula zum Segeln +bedienten. Von sagulum kommt also der Name Segel. Weil aber sagulum der +römische Kriegsmantel hieß und im Lateinischen keine seemännische +Bedeutung hatte, so tragen manche Gelehrte gegen diese Ableitung +Bedenken. Es ist indessen möglich, daß die erste Verwendung von sagulum +zum Segeln eine gelegentliche gewesen wäre und daß gerade diese +gelegentlich zufällige Verwendung des sagulum anstatt des velum oder +linteum den Batavern den Namen nahe gelegt hätte, daß sie also durch +eine zufällige Erscheinung auf den Gedanken gebracht worden wären, +sagulum sei das wirkliche lateinische Wort für dieses ihnen alsbald sehr +einleuchtende Fortbewegungsmittel. — Die kurze, bequeme niederdeutsche +Form, in der unser Seemann das Wort meist gebraucht, ist seil, +diphthongiert nach geschwundenem g, und sie wird in +mittelniederdeutschen Schriftdenkmälern sehr oft gefunden, +wahrscheinlich ward sie schon aus dem Grunde bevorzugt, weil sonst segel += Segel und segel = Siegel leicht verwechselt worden wären; wie man auch +anstatt segelen seilen sagte und dadurch von segeln = siegeln +unterschied. — <span class="strong1">Segel setzen</span>, Segel bergen, Segel abschlagen s. (Segel) +unterschlagen. — <span class="strong1">Segelkoje</span> ist der Aufbewahrungsort der abgeschlagenen +oder noch nicht untergeschlagenen Segel und der Reservesegel, +Schutzsegel, Rauchsegel, Sommersegel, Bezüge, Presennings; bemerkenswert +ist, daß dies das einzige Mal ist, wo das Wort, das sonst an Bord immer +ein<a id="Page_442"></a> + <span class="pagenum">[442]</span> Bett bezeichnet, eine Kammer bedeutet, vielleicht weil die +Segel darin als ruhend, schlafend gedacht sind, wie man in der Botanik +von einem schlafenden Auge spricht. — <span class="strong1">Segeln</span> bedeutet die Fortbewegung +eines Schiffes oder Bootes, indem man den Wind auf die Segel wirken +läßt. — Die Alten hatten ein zwar nicht schönes, aber deutliches aus +Segel bezw. segeln gebildetes Wort für Navigation: Segelasje, Segelatie, +Segelasche. „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673: „Ein klene +Faut (Fehler) in de Pegelinge verorsaket ein grote Faute in de +Segelatie.‟</p> + +<p><span class="strong1">Segel kanten.</span> Kanten heißt eigentlich machen, daß etwas vierkant ist, +etwas in den rechten Winkel bringen, ihm zur rechten Richtung verhelfen, +machen daß es sich „kant‟ ausnehme. Im Niederländischen und +Ostfriesischen heißt kant glatt, schier, zierlich, hübsch, fertig, +gerade, schön. Segel kanten heißt also, sie so in Ordnung bringen daß +sie so stehen wie sie stehen sollen: nach jeder Richtung hin tadellos. +Dick u. Kretschmer II. 322: „Dieses Manöver wird hauptsächlich +nothwendig nach jedem allgemeinen Segelexercitium sowie auf der +Morgenwache nach Tagesanbruch. Während nämlich bei Manövern mit alle +Mann auf das Vorholen und Steifsetzen der einzelnen Enden im Interesse +der Schnelligkeit nicht allzu viel Gewicht gelegt werden kann, ist die +tadellose Ausführung von Segelmanövern bei Nacht infolge der +herrschenden Dunkelheit in der Regel unmöglich.‟ — Segel kanten ist +also auf See ungefähr das, was man im Hafen mit „brassen und toppen‟ vor +der Morgenmusterung bezeichnet.</p> + +<p><span class="strong1">seisen</span>, bei der Marine merkwürdigerweise zeisen genannt, heißt +zusammenbinden, z. B. die Parten eines Taues mit einander verbinden, daß +sie nicht rutschen können; das aufgegeite Segel beschlagen, an der Rahe +festbinden; eine Kabelaring und ein Ankertau zusammenbinden, u. s. w. +Das Mittel, mit dem solches geschieht heißt die Seising; das Wort hat +aber eine doppelte Bedeutung: einmal das Mittel zum Binden, den Bändsel +also, und sodann den Zustand des Gebundenseins. Das Wort kommt aus dem +Französischen, von saisir; doch haben es die Franzosen<a id="Page_443"></a> + <span class="pagenum">[443]</span> zuerst von +uns empfangen und von unserem althochdeutschen sazjan weitergebildet. +Die Bedeutung ist: festmachen.</p> + +<p><span class="strong1">Seitentakel</span>, das. Seitentakel sind solche, die an jeder Seite des Mastes +an die daselbst befindlichen Hanger befestigt werden und dazu dienen, +Boote und andere schwere Lasten aus- oder einzusetzen. Man unterscheidet +sie nach dem Mast an dem sie sich befinden. Sie haben einen Mantel, s. +Mantel und Takel.</p> + +<p><span class="strong1">Semaphor</span>, der, zu deutsch „Zeichenträger‟ vom griechischen semaio, ich +zeige, und phero, ich trage; eine Vorrichtung mit beweglichen Armen, +ähnlich denen, mit denen auf Bahnhöfen die Einfahrtssignale gegeben +werden. Die Arme kann man auch Flügel nennen und das Ganze mit +„Flügeltelegraph‟ übersetzen.</p> + +<p><span class="strong1">Sente</span>, die, hat im modernen Eisenschiffbau teilweise eine andere +Bedeutung erhalten als sie sie beim Holzschiffbau hatte. Damals nannte +man Senten dünne, biegsame Latten, die von vorne nach hinten auf die +Inhölzer genagelt wurden um die Biegung der Seitenplanken darnach +gestalten zu können; naturgemäß fing man damit ganz unten am Kiel an und +schritt allmählich nach oben zu weiter. Jetzt dienen die Senten zwar +auch noch, in Form von starken Balken ausgeführt, als Lehrgerüst für die +einzulegenden Spanten, fast immer im unteren Teil des Schiffes liegend +und die Wölbung des Schiffsbodens bildend, aber es hat sich auch die +Theorie des Wortes bemächtigt und gebraucht es als wissenschaftlichen +Begriff, als gedachte Linie, nämlich für die Bezeichnung der +Schnittlinie, welche eine schräg d. h. dachförmig durch den +Schiffskörper gelegte Ebene mit der äußeren Schiffsform bildet; die +Ebene heißt dann Sentebene. Zur Erklärung des Wortes müssen wir +natürlich auf seine älteste Bedeutung zurückgehen: Latte zur Gestaltung +des Schiffsbauches, und zwar zunächst seines untersten Teiles. Nun heißt +das lateinische sentina zwar auf deutsch „die Bilge‟, aber auch der Raum +wo die Bilge sich sammelt, der unterste Schiffsraum, und ich stehe +daher, bis eine bessere Erklärung gefunden wird, nicht an, Sente für +eine Verkürzung von Sentine zu halten.</p> + +<p><span class="strong1">Setzbord</span>, der, eines Bootes ist eine breite und dünne Planke die man auf +den Bord eines Bootes <span class="strong1">setzt</span> um denselben zu erhöhen, damit das Boot +nicht so leicht Wasser über nehme. Es heißt darum im Englischen +washboard, weatherboard und water-board — weil das Wasser bei +schlechtem Wetter nicht über diesen Bord waschen soll.</p> + +<p><span class="strong1">Serving</span>, die, s. Sarving.</p> + +<p><span class="strong1">setzen.</span> Segel setzen heißt die Segel entfalten und dem Winde von der +richtigen Seite darbieten, so daß sie in Tätigkeit treten und ausrichten +können wozu sie bestimmt sind. Das<a id="Page_444"></a> + <span class="pagenum">[444]</span> Gegenteil davon, nämlich das +Einziehen oder Festmachen der Segel heißt Segel bergen. — <span class="strong1">Setzen</span> in +Bezug auf die Bewegung eines Schiffes s. stampfen. — Am häufigsten ward +im Mittelniederdeutschen setten und auch später noch setzen für <span class="strong1">ankern</span> +gebraucht; die Zahl der Belegstellen ist so groß, daß es nicht not tut +einzelne anzuführen.</p> + +<p><span class="strong1">Sicht</span>, die, das Ansehen, der Anblick, der Zustand in dem man etwas +sieht, mit den Augen wahrnimmt. Es ist ein Verbalabstractum zu sehen. +„Der Leuchtturm kommt in Sicht‟, „wir lagen in Sicht von Helgoland.‟ Es +ist gleich dem hochdeutschen Gesicht in der Bedeutung „zu Gesicht +bekommen.‟ Der hochdeutsche Übersetzer der „Durchläuchtigsten +Seehelden‟, Sulzbach 1681, sagt sogar mißverstandener und +mißverständlicher Weise „ins Gesicht bekommen‟; er meint damit natürlich +nicht „eine (Ohrfeige) ins Gesicht bekommen‟, sondern schreibt: „Als die +Holländische Flotte auf die Höhe vorbesagter massen kommen war, setzte +sie ihren Lauff recht nach der Küste von Brasilien zu, welche sie den +vierdten May ins Gesicht bekamen‟ ... Von Sicht hat sich der Seemann ein +Eigenschaftswort <span class="strong1">sichtig</span> gebildet, das in der Verbindung „sichtig +Wetter‟ eine Witterung bedeutet bei der man gut, deutlich, weit sehen +kann. Auch ein Zeitwort: <span class="strong1">sichten</span>; verschieden von dem Zeitwort sichten = +sieben, bedeutet es: „zu sehen bekommen‟.[P2: should be comma] „in Sicht +bekommen‟, „wir sichteten soeben den Pic von Teneriffa.‟ <span class="strong1">Sichtweite</span> +eines Leuchtfeuers ist der Umkreis, in dem das Feuer gesichtet werden +kann; verschieden also von Sehweite, denn so heißt die Entfernung auf +die einer sehen kann, Sichtweite aber die Entfernung auf die einer +gesehen werden kann.</p> + +<p><span class="strong1">Signal</span>, das, heißt in der Seemannssprache jedes Zeichen, das man auf +eine gewisse Entfernung hin gibt, um sich verständlich zu machen und +einem andern etwas mitzuteilen, eine Anfrage an ihn zu richten, +besonders auch ihm Befehle zu übermitteln. Das ursprünglichste Signal +waren die Bewegungen des menschlichen Leibes, ein Winken mit dem Arm, +ein Bücken des Oberkörpers (s. Bake). Bald lehrte die Erfinderin Not +auch den Seemann andere Hilfsmittel, etwa einen gehißten Besen (Quast, +s. Badegast), und vor allen Dingen das <span class="strong1">Signalisieren</span> mit Flaggen, das +sich noch immer, auch im internationalen Verkehr, erhalten hat. Zum +richtigen Verständnis der Signale hat jede<a id="Page_445"></a> + <span class="pagenum">[445]</span> Nation ihr <span class="strong1">Signalbuch</span>, +in dem die Signale mit ihrer Bedeutung verzeichnet stehen. Außerdem +haben sie alle zusammen ein internationales Signalbuch, mit dessen Hilfe +ein Russe und ein Portugiese sich bestimmte Mitteilungen machen können, +ohne daß sonst einer ein Wort vom andern versteht. Man signalisiert +ferner mit Winkflaggen nach dem Morse-Alphabet, mit dem Semaphor, mit +den verschiedensten Lichteffekten etc., aber bald wird die drahtlose +Telegraphie allen diesen kleinen Aushilfsmitteln ein Ende machen. Bis +dahin hat man eigene Signalgasten, Signalmaate, Obersignalmaate und +eigene Signalzweigkompagnien bei den Matrosendivisionen. — Signal kommt +vom lateinischen signum, das Zeichen, oder vielmehr vom lateinischen +signalis, „bestimmt ein Zeichen zu geben.‟ — <span class="strong1">Kontre-Signal</span> heißt das +verabredete Zeichen, daß das Signal gesehen worden, bezw. verstanden +ist.</p> + +<p><span class="strong1">Siel</span>, das, die bekannte Entwässerungsvorrichtung an den Nordseeküsten, +die dem Binnenwasser Abfluß in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut +muß durch das Siel die Öffnung im Deich verschlossen werden, damit das +Meerwasser nicht das Land überschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die +Schleuse des Siels geöffnet, so daß das während der Flut in einem +Sammelbecken binnendeichs aufgestaute Wasser nach See zu abfließen kann. +Wo ein Siel ist, da wohnt ein Sielwärter; wo einer wohnt, siedelt sich +leicht ein anderer an. So entstehen die Dörfer mit der Endung Siel: +Mariensiel, Rüstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren +Sinne ist Siel irgend eine Wasserleitung, eine Abzugsrinne, ein +Zuleitungsrohr etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueductus schon +in der Historia de fundatione monasterii Rastedensis vor, die 1290-1310 +etwa geschrieben ist. — In dem Worte Siel steckt der Begriff von +seihen, althochdeutsch sihan. Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung +„Wasser durchlassen‟ hat, mag, wie Doornkaat vermutet, erst ein +Substantivum sihila, ein Etwas was Wasser durchläßt, gebildet worden +sein, was dann in sila kontrahiert wurde, dessen offene Endsilbe leider, +wie bei so vielen altfriesischen Wörtern, geschwunden ist, so daß nun +die einsilbigen Leute bei der Aussprache eines solchen Wortes den Mund +nicht mehr aufzutun brauchen.</p> + +<p><span class="strong1">Sill</span>, das. Hauptsächlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die +Schwelle. Das niederdeutsche Wort sülle, sül, mittelniederdeutsch sul, +sulle, sille; niederländisch sulle: angelsächsisch syll,<a id="Page_446"></a> + <span class="pagenum">[446]</span> englisch +sill, norwegisch svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem +gotischen sulja, Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat +zunächst an eine Anschwellung der Haut unter den Füßen zu denken, sodann +wird Sohle als Träger und Grundbalken einer Tür gebraucht im Sinne einer +Anschwellung, einer Erhöhung; was für ein Luksill an Bord besonders +zutreffend ist, denn das ist besonders hoch, damit überkommende Seeen +nicht in die unteren Schiffsräume laufen.</p> + +<p><span class="strong1">Sirene</span>, die, ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton +von sich gibt und Schiffen im Nebel die Nähe des Landes kund tut. Die +Benennung ist zwar nicht ganz sinngemäß, da diese Sirene das gerade +Gegenteil beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern +glücklich gewählt, als jeder gleich weiß, was darunter zu verstehen ist. + — Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte, +sehen wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: „In demo +mere sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri. +Sirene sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin, +dannan uf vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint +man an demo mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin +lides so gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz +gesihit, so verd ez in unde brichit si.‟</p> + +<p><span class="strong1">Skiff</span>, das. Dabovich nennt so, S. 1237, ein für eine Person +eingerichtetes Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heißt so — englisch +skiff, französisch esquiff, deutsch sonst Schiff — „any small boat. In +merchant ship's boats the skiff is next in size to the launch or +long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc.‟ Die Form +des Wortes läßt auf nordischen Ursprung der Sache schließen.</p> + +<p><span class="strong1">Skorbut</span>, der, eine glücklicherweise unter dem Einfluß der besseren +Schiffsverpflegung unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der +Seeleute bei längeren Seetörns. Das Wort hieß zwar mittellateinisch +scorbutus, stammt aber aus dem Niederländischen, wo scheur Riß heißt. +Skorbut heißt neuniederländisch scheurbuik, aber die lateinische Form +scorbutus zeigt, daß es früher scheurbut geheißen haben muß, also nichts +mit Bauch zu tun hatte, sondern Hautriß bedeutete. Die Form scheurbuik +ist volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist<a id="Page_447"></a> + <span class="pagenum">[447]</span> +bei der Aufnahme ins Hochdeutsche durch Mißverständnis Scharbock +geworden; da ist Skorbut denn doch deutlicher.</p> + +<p><span class="strong1">Sitzer</span>, der, s. Spant.</p> + +<p><span class="strong1">Sliding gunter.</span> Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem +sliding gunter Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das +moderne Lust- und Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden +nur selten geführt, am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel +ist von dreieckiger Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge +untergeschlagen, die vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig +niedrigen Maste auf und niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel +genannt. Das Wort kommt mit der Sache aus England und bezieht sich — +ursprünglich wohl scherzweise — auf Edmund Gunter und dessen +Sliding-rule, „a sliding scale corresponding to logarithms for +performing the multiplication and division of numbers without dividers.‟ + — Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder +Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen +Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.</p> + +<p><span class="strong1">sloopen</span> ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen +Teile zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche +Wort slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser +hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl +sprachlich als begrifflich.</p> + +<p><span class="strong1">Sodraum</span>, der, = Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend +mit Bilge. Das sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge- und so auch +Sodwasser. Sod und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die +rauschende Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so +bedeutet Sod die siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den +Wellen gerüttelt und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im +Niederdeutschen Brunnen, von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, +aufbrausen, aufwallen, aufquellen; „wie Brunnen von brennen und Welle +von wallen.‟ Vergl. Bilge am Ende.</p> + +<p><span class="strong1">Sog</span>, der, heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. +Eigentlich heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines +Schiffes, der Piek; der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. +Weiterhin hat sich dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von +diesem Teile des Schiffes als<a id="Page_448"></a> + <span class="pagenum">[448]</span> bewegtes, schäumendes Wasser bei +der Fahrt hinter sich gelassen wird. Das Wort sog ist zwar +niederdeutsch, aber da Zug sonst überall im Niederdeutschen tog heißt, +so ist hochdeutsche Entlehnung anzunehmen.</p> + +<p><span class="strong1">Soldatenloch</span>, das. „Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur +Stütze der Marsstenge nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die +erforderliche Spreizung zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung +der Takelage erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung, +das sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach +den Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des +stehenden Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das +ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu +ermöglichen.‟ (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z. +B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht +außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch, +das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung +sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen. — Wie +jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses +häufig in der Form <span class="strong1">Soldatengat</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Sonnensegel</span>, das, ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die +Sonne. Das Bedürfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schützen, +ist schon immer empfunden worden, und man hat daher von jeher ähnliche +Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck +ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp +(tentschip) = Zeltschiff; doch könnte auch ein Schiff mit einem +Leinwanddach gemeint sein.</p> + +<p><span class="strong1">Sorgleine</span>, die, ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an +Deck fährt oder sonst zugänglich ist und den Zweck hat, für den Fall, +daß die übrigen Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht +gebrauchsfähig wären, das Ruder wenigstens noch einigermaßen regieren zu +können. Darum ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt. +Der Name schon deutet den Zweck an: er ist eine Fürsorge für den Fall +der Not, schweren Sturmes, Gefechtes etc. etc.</p> + +<p><span class="strong1">sorren</span> s. zurren.</p> + +<p><span class="strong1">Spake</span>, die, ein hölzerner Hebebaum zum Drehen des Spills,<a id="Page_449"></a> + <span class="pagenum">[448]</span>] zum +Bewegen der Kanonen und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord +gebräuchlich. Sie muß „handlich‟ sein, sich mit der Hand regieren +lassen; tut sie das, so führt sie den Namen Handspake. Neuerdings hört +man unter dem Einfluß des zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch +Hand<span class="strong1">speiche</span>. Und in der Tat ist die Rad<span class="strong1">speiche</span> und die Hand<span class="strong1">spake</span> +dasselbe. Altenglisch heißt spake, angelsächsisch space, spaca, +mittelniederdeutsch speke, althochdeutsch speicha, die Radspeiche, +radius. Das althochdeutsche spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stück +Holz; und diese allgemeine Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der +Kultur sowohl dem was wir Spake als dem was wir Speiche und auch dem was +wir Spiker (s. d.) nennen.</p> + +<p><span class="strong1">Spant</span>, das. Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes +genannt worden, die am Kiel wie an einem Rückgrat festsitzen. Röding +kannte noch die Form Spann. Aber auch ohne sie würde sich die Etymologie +von selbst ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die +Wurzel von spannen bedeutet ziehen, die ursprüngliche Bedeutung von +Spant ist also „etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes‟. — +Ein Spant besteht aus dreierlei Stücken. Unten am Kiel sind die +<span class="strong1">Bauchstücke</span> befestigt, auf ihnen sitzen die <span class="strong1">Sitzer</span>; daran schließen sich +nach Bedarf die Auflanger. Das Bauchstück heißt auch Lieger; ihm eben +entsprechen die Sitzer.</p> + +<p><span class="strong1">Spardeckschiff</span>, das, s. Schiff.</p> + +<p><span class="strong1">Speedykessel</span>, der, s. Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Speiback</span>, die. Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung +ist das Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute öfters genötigt sind +zu spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefäße — Backen — +aufgestellt, die mit Sand gefüllt sind und das vorstellen, was man +hochdeutsch einen Spucknapf nennt.</p> + +<p><span class="strong1">Speigat</span>, das, heißt ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Höhe des +Oberdecks, im Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch +Sturzwellen übergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser +gleichsam ausspeit. Nach Röding hätte früher jedes Deck seine Speigaten +gehabt. Er schreibt: „Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern +Decks an der äußersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu +verhindern, daß die See, insonderheit wenn das Schiff auf der +Seite<a id="Page_450"></a> + <span class="pagenum">[450]</span> liegt, nicht hineinstürze.‟ Das war trotzdem nicht ohne +Gefahr, und darum sind diese Speigaten mit Recht abgeschafft worden. — +Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt +behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren, +aus deren Rachen das Wasser herausfließt, gegeben. — +Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen +alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, daß infolge eines +feindlichen Kanonenschusses „dat blod al ut den spegaten flot.‟</p> + +<p><span class="strong1">Speisewasser</span>, das, hat seinen Namen nicht daher, daß etwa mit ihm die +Speisen gekocht würden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist +das getrennt von diesem in besonderen Tänks aufbewahrte, zum Kochen und +Trinken nicht geeignete Süßwasser, das zum Speisen der Kessel, sowie für +Bade- und Waschzwecke bestimmt ist.</p> + +<p><span class="strong1">Spesen</span>, die, nur in der Mehrzahl gebräuchlich, sind die Kosten für +Fracht, Beförderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll +u. s. w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware +kommen. Wörtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von +spesa = Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand, +Lebensmittel; lateinisch expensa, Ausgabe.</p> + +<p><span class="strong1">Spiegel</span>, der, ist der vom Heckbalken und den Randsomhölzern begrenzte +Teil des Hecks; er war früher ganz flach, wie er es bei großen Beibooten +jetzt noch ist. Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er +Fenster, in denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag, +die Wellen spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur +durch Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese +gemalten Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber +eines lag dem Künstler stets nahe: der Gedanke daran, daß, wenn sie +wirkliche Fenster wären, sich das Meer darin spiegeln müßte, und so +versuchten sie es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den +geschilderten Fenstern zur Darstellung zu bringen.</p> + +<p><span class="strong1">Spier</span>, die, ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z. +B. als Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden, +als Leesegelsspier u. s. w. Ursprünglich eine „dünne Stange,‟ eigentlich +eine <span class="strong1">dünne</span>, schwanke, kleine<a id="Page_451"></a> + <span class="pagenum">[451]</span> Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung +hat sich also ähnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea +ist als Tautologie anzusehen. — Hernach = Sparren; französisch (1704) +esparres, éparres. In Groningen haben sie ein Zeitwort bespieren, +jemanden ein (rechtliches) Hindernis in den Weg legen, ursprünglich eine +Spier vor einen Weg machen, zum Zeichen, daß er verboten ist; +hochdeutsch: „Ich werde ihm ein Stöckchen davor stecken‟. Altfriesisch +spiri = hasta, Speer. Bremer Wörterbuch: „Spier, eine jede kleine +Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras-oder Kornspitze, welche eben +aus der Erde kommt‟. Daher denn auch: Kleinigkeit, ein wenig, ein +bischen, etwas Geringes. — Aus germanischer Wurzel spir, platzen, +schwellen, wachsen, treiben, sprossen.</p> + +<p><span class="strong1">Spiker</span>, der, ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heißt aber eigentlich +Holznagel, ja ursprünglich — s. Spake — nur ein Stück Holz, dann ein +als Bolzen oder Nagel zugespitztes Stück Holz. Man spricht hochdeutsch +von einem Speichernagel; tautologisch, denn in diesem „Speicher‟ steckt +Speiche (Spake) = ein Stück Holz, ein Zapfen, ein „Zweck‟, der als Nagel +dient. Die ersten Nägel waren von Holz und hießen hochdeutsch Speicher, +niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie überhaupt im +Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, während im +Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher, +Speichernagel, Nagel.</p> + +<p><span class="strong1">Spill</span>, das, ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen +sonstiger besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen +die Last gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird +dieses gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill +wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie +einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gangspill, auf den +alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist +Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende +Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende +Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird, +indem man Spillspaken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in +die Runde gehen. — Ein eigentümliches Schicksal hat das romanische Wort +für Spill gehabt. Es heißt englisch capstan, französisch cabestan, +aus<a id="Page_452"></a> + <span class="pagenum">[452]</span> dem Spanischen stammend, wo es cabrestante heißt. Man hatte +ursprünglich einen Bock (cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, +die cabria hieß. Als man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria +aufrecht stellte, nannte man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit +wäre die Sache in Ordnung. Aber die Niederländer brachten sie in +Verwirrung. Schon bei Kilian ist ein capestant daraus geworden, und 1702 +heißt das Spill kaapsta-ander, und daraus machten die Deutschen einen +Kopfständer. Doch hatte schon vorher im Mittelniederdeutschen eine +andere Verdunkelung stattgefunden, und zwar in kapstange. In einer +Livländischen Urkunde vom Jahre 1407 wird als Merkzeichen eines +verschollenen Schiffes angegeben: „unde de kapstange si boven spitz und +beneden, dar id touwe umme geit, gelike dicke.‟ — Zu dieser Stelle +bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-) Bande zu Schiller und +Lübben S. 176: „Kapstange kann schwerlich capstan sein, da dieses (ein +Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat, weshalb es auch +Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange bedeuten, vergl. +kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit Tauen befestigt +wird, gleich dick sein.‟ Ich kann dem nicht beistimmen. Wie soll das +verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein? Kapinge, das +zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie die Bremer +Urkunde von 1400 besagt: „ok moghen de Bremere kennynge weten onde +kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum, Sandbank, +„Plate‟ vor der Weser) ofte op dat rode zand.‟ An Bord führt man keine +Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für gewöhnlich einen +dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes Kennzeichen jenes +verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben spitz war. Es +hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken Teile noch +irgend eine spitz zulaufende Verzierung.</p> + +<p><span class="strong1">Spinnaker</span>, der. Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise +segeln, so gilt es, wenn sie keine Rahesegel führen, ihnen auf andere +Weise die Möglichkeit zu geben, möglichst viel Leinwand vor dem Winde +auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, „ein großes dreieckiges Segel +aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast +gehißt und mittelst eines <span class="strong1">Spinnakerbaumes</span>, der an dem äußersten +Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen +Gabel<a id="Page_453"></a> + <span class="pagenum">[453]</span> gegen den Mast gestützt wird, ausgebreitet wird.‟ (Dick und +Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der +Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) veröffentlichten Übersetzung +eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der +Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt <span class="strong1">Schwanenhals</span> genannten Gelenk, +das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des +Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Stütze und zum Halt dient. Der +Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde +gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lüftchen aufzufangen und +auszunützen. — Wort und Sache sind englisch; ersteres „from spin, in +sense of to go rapidly.‟</p> + +<p><span class="strong1">Spinnekopp</span>, der, ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels, +das von ferne an das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hölzerner +Kopf, ein längliches Stück Holz durch das verschiedene Löcher in +regelmäßigen Abständen von einander gebohrt sind. Durch diese Löcher +werden dünne Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am +Firsttau des Sommersegels befestigt. Eben dadurch, daß diese das +genannte Segel tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen +Entfernungen in dem hölzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck, +als habe da eine Riesenspinne ihr Werk getrieben.</p> + +<p><span class="strong1">spinnen</span> wird im Seemännischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders +zu erwähnen ist daher nur die Redensart: „ein Garn spinnen‟; etwas lang +und ausführlich, „mit epischer Breite‟ erzählen, wie es alte Seeleute, +wenn sie überhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die +ursprüngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen +Ausdruck spinnen für trinken und in „Spanferkel‟ liegt, nämlich ziehen, +in die Länge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen, +„einen Zug tun‟, saugen.</p> + +<p><span class="strong1">Spleetflagge</span>, die, auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein +dreieckiges Stück ausgeschnitten ist, so daß sie in zwei Spitzen endigt. +Sie hat den Namen davon, daß sie wie gespalten aussieht, denn split oder +splet ist die niederdeutsche Form für Spalt und bedeutet die Stelle, wo +oder von wo aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel, +Wege, Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar, +spal = auseinandergehen.<a id="Page_454"></a> + <span class="pagenum">[454]</span></p> + +<p><span class="strong1">Sporn</span>, der, ist die spitz zulaufende Verlängerung des Vorstevens bei +Panzerschiffen, die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen; +daher man auch Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das +Schiff vorne, das Eigentümliche der Bedeutung aber ist „mit den Füßen +stoßen,‟ daher ist auch Spur damit verwandt. (Kluge 355).</p> + +<p><span class="strong1">splissen</span> heißt zwei Taue so zusammenfügen und in einanderflechten, daß +an der fest zusammengefügten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche +Verdickung eintritt. Damit solches geschehen könne, muß man zuerst das +Gegenteil von Zusammenfügen vornehmen, nämlich die beiden Taue, die mit +einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers +spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder +mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und +durch einander durchgesteckt werden können. Splissen nennt man zunächst +eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehörige Arbeit; +hochdeutsch spleißen, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als +etwas Gesplissenes. — Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die +beiden Künste werden dem angehenden Seemann zusammen beigebracht. +Deshalb heißt der Unterrichtsgegenstand stehend „Splissen und Knoten‟. +Die verschiedenen Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine +Kunst. Der sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot +oder truelover's-knot, ein künstliches, symbolisches Gebilde, das sich +ohne Abbildung kaum beschreiben läßt, zumal es verschiedene Arten gibt. +Als die Preußische Marine eingerichtet wurde und das +Schiffsjungen-Institut ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine +Zeit lang sich aufs Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten +knüpfen. Das hat aber nicht lange gedauert.</p> + +<p><span class="strong1">Splitterdeck</span>, das. „Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers +liegendes und mit einer stärkeren Beplattung als die gewöhnliche +Decksbeplattung versehenes Zwischendeck heißt Splitterdeck.‟ „Es ist in +der Regel nur dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des +Gürtelpanzers ein Panzerdeck befindet.‟ (Dick u. Kretschmer). Es hat die +Bestimmung, die unter ihm gelegenen Räume gegen Splitterwirkung zu +schützen.</p> + +<p><span class="strong1">Sponung</span>, die. Das ostfriesische Zeitwort sponen heißt spalten, +abspalten, einkerben. An den Stellen wo ein Balken an<a id="Page_455"></a> + <span class="pagenum">[455]</span> den andern +anstößt oder mit ihm verbunden werden soll, muß, damit er sich fest +anlegt, aus dem einen Balken ein Stück von der Gestalt des anderen +herausgeschnitten werden. Dieser Schnitt heißt die Sponung. Nach +Doornkaat hängt das Wort mit Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der +Begriff des Gespaltenen zu Grunde.</p> + +<p><span class="strong1">Spriet</span>, das, eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein +sogenanntes Sprietsegel ausspannt und der schräg liegende Baum, der als +Mast angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet +heißt. — Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet +es, als von sprießen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine +Stange, einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis, +angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; niederdeutsch spret. „Als +der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn +schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte +sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er +einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel +(reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu +schießen: „Odin hat euch alle!‟ Als das geschah, erschien ein Wurfspeer +in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein +Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit.‟ (Simrock, Myth. 176) — Sodann +aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum +Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff <span class="strong1">spreizen</span> dazwischen. Man +kann die Begriffe aber so auseinander halten, daß man sagt: bei +Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im +Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut, +emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan, +englisch sprit; niederländisch spruiten.</p> + +<p><span class="strong1">Spring</span>, der, auch <span class="strong1">Sprung</span>, ist der Auflauf des Vor- und Hinterschiffes im +Vergleich zum Mittelschiff, so daß dieses der niedrigste Teil des +Schiffes ist; die Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese +Erhöhung hat Einfluß auf die Freibordhöhe. Das Wort kommt von springen +im Sinne der Architektur. Wie man sagt: „die Ecke springt vor‟, so ist +hier gedacht: „das Deck springt höher.‟</p> + +<p><span class="strong1">Spring</span>, der. Wenn man aus irgend einem Grunde das<a id="Page_456"></a> + <span class="pagenum">[456]</span> Schiff nicht so +liegen haben will wie es sich, von der Strömung abgesehen, von selbst +zum Winde legt; wenn man also nicht haben will, daß der Wind von vorne +kommt, sondern, besserer Ventilation oder — beim Kohlen-Übernehmen — +grösserer Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug +da ist um in der gewöhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will +als Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren + — so gibt man dem Schiffe die gewünschte Lage dadurch, daß man das +Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann +an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder +sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: „das Schiff liegt auf dem +Spring‟, „ist auf den Spring geholt.‟ Unter den schier zahllosen Dingen +und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet +sich auch diese Trosse, „a rope passed out of a ships stern, and +attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It +is intended to bring her broadside to bear upon some object.‟</p> + +<p><span class="strong1">Springflut</span>, die. Das Gegenteil von Nipflut. Während diese letztere die +Flut zur Zeit der Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist, +bedeutet Springflut die höchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und +Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring für englisch ausgeben +wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heißt Spring das +Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland +spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus „entspringen‟ +und „Springbrunnen‟ sehen wir, daß auch im Neuhochdeutschen das +althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist. — +Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der +Ausdruck, den man hören und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz +mechanisch und äußerlich ohne Rücksicht auf den Sinn von Spring als +einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist. — „Dat de Mahn +de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides verorsaket, ys +jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den Seefahrenden genoch +bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben van Renates +descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyßheit, int veerde Deel, dar +He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat alßdenn de +Flothen höger, und de Ebben syder fallen,<a id="Page_457"></a> + <span class="pagenum">[457]</span> welckes by uns ein +Sprinckstrohm genöhmet werd‟ ... „Beschriving van der Kunst der +Seefahrt‟, Lübeck 1673.</p> + +<p><span class="strong1">Stab</span>, der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und +höheren Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der +Feldmarschallstab das Zeichen hoher militärischer Gewalt, das Zeichen +amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. „Der Stab‟ im +neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausführenden Kräfte, die ein +Befehlshaber um sich versammelt hält, auch wenn er nicht grade den Stab +im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trägt, wie +die Polizisten in England noch heute tun. — Stabsarzt, Stabsingenieur, +Stabszahlmeister sind jetzt lediglich Bezeichnungen eines Dienstgrades.</p> + +<p><span class="strong1">Staden</span>, der, ist leider kein eigentliches Seemannswort, weil nur von +oberdeutschen Schiffern gebraucht; Straßburg, Basel, Zürich haben ihre +Staden. Es bedeutet das Wort Flußufer, eine Stelle wo man stehen und wo +man Güter hinstellen kann. Von der indogermanischen Wurzel sta = stehen, +von der auch Gestade kommt. Betrübenderweise schon mehrfach durch quai +verdrängt, (Limmatquai in Zürich). Wenn man noch wenigstens, da Quai +ursprünglich ein niederdeutsches Seemannswort war, die Form Kai oder +Kaje gewählt hätte.</p> + +<p><span class="strong1">Stag</span>, das, ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre +Befestigung nach vorne erhält, während die Wanttaue zur Befestigung der +Masten nach beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten +die Masten hauptsächlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim +Schlingern. Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fährt um den Top +und von da nach dem Fuß des nächstvordern Mastes oder der nächstvordern +Stenge, beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den +entsprechenden Stellen des Vorgeschirrs. — Niederländisch stag, +isländisch, norwegisch, schwedisch, dänisch stag; englisch stay, +französisch étai, spanisch und portugiesisch estay. Das Wort kommt von +stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, stützt; +mittelniederdeutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Stütze, +Hilfe. — Aber nicht nur zur Stütze der segeltragenden Masten und +Stengen dienen die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel, +dreieckige, <span class="strong1">Stagsegel</span> genannt, die näher bezeichnet und benannt werden +nach den Stagen an denen sie<a id="Page_458"></a> + <span class="pagenum">[458]</span> fahren. — Wenn man das Schiff +wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite über das Stag auf die +andere Seite; daher man das Wenden auch nennt „<span class="strong1">über Stag gehen</span>.‟ — +<span class="strong1">Staglaterne</span> ist eine Laterne, die am Vorstengestag gehißt wird, hoch in +der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen daß das Schiff +unter Dampf ist. Auch die Ankerlaterne wird in ähnlicher Weise, doch +niedriger, gehißt, zum Zeichen, daß das Schiff vor Anker liegt. — Über +Stagläufer s. Läufer. — Ein schöner dichterischer Ausdruck für Pferd +findet sich in der Edda: stagstjorn-marr, Stagsteuermähre, also ein +Pferd das Stag und Steuer hat, dem der Zaum und Zügel als Halt dient und +die Richtung angibt. — Stagtalje, Stagtakel erklären sich von selbst. + — Von Stag ist seemännisch ein Zeitwort gebildet: <span class="strong1">stagen</span> = stützen. — +<span class="strong1">Wasserstag</span> heißt das Stag des Bugspriets nach dem Vorsteven zu, weil es +so nahe am Wasser, das dem Wasser nächste Stag, ist. — Es gibt auch +noch einen von „wenden‟ verschiedenen Sinn von „über Stag gehen‟, +nämlich den von „fallen, umfallen‟; wenn das Schiff z. B. plötzlich sehr +„überholt‟, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so geht etwas das +nicht fest, seefest gezurrt ist „über Stag‟, d. h. es verliert seinen +Halt, seine Stütze, sein Gleichgewicht und fällt um.</p> + +<p><span class="strong1">staken</span> wird seemännisch für die Tätigkeit zur Fortbewegung eines +kleineren Fahrzeuges in seichtem Wasser mit Hilfe von Staken oder +Stangen gebraucht. Der Stakende stößt mit der Stake in den Grund und +stößt so das Schiff vorwärts. Das niederdeutsche stake = Stange ist uns +Hochdeutschen in dem Worte Stacket, Zaun von Pfählen, durchgeschnittenen +Stangen, geläufig.</p> + +<p><span class="strong1">Standarte</span>, die, die Flagge des Landesherrn und der Mitglieder seines +Hauses, im Großtop gehißt, die Gegenwart der Genannten an Bord +anzeigend. Mittelhochdeutsch stanthart; bei Stieler 1691 Standart, +mitttelniederdeutsch standart, bei Kilian standaerd = vexillum, signum; +altfranzösich estendart, neufranzösisch étendart, spanisch estandarte, +provençalisch estendart; italienisch stendardo, mittellateinisch +standarda, vom lateinischen Zeitwort extendere = ausbreiten. +Ursprünglich eine Reiterfahne.</p> + +<p><span class="strong1">stampfen</span>, s. schlingern.</p> + +<p><span class="strong1">Stander</span>, der.</p> + +<p>1. Eine dreieckige Signalflagge, s. Standarte.<a id="Page_459"></a> + <span class="pagenum">[459]</span></p> + +<p>2. Verschieden von 1, auch der Ableitung nach, ist Stander, +niederländisch staander, ein „Stehender‟, nämlich ein stehendes Tau oder +eine stehende Kette zum Tragen und Halten von Lasten, z. B. +Drehreepstander, Kohlenstander. Stehend ist aber, wie Kohlenstander +beweist, nicht im Sinne von „aufrecht stehend‟ gemeint, sondern im Sinne +von „fest stehend‟, im Gegensatz zu laufend, zu „laufendem Gut‟ als +„stehendes Gut‟ betrachtet.</p> + +<p>3. Stander, der, oder Ständer, eine aufrecht stehende Stütze aus +(hohlem) Eisen, an Stellen wo sie beim Exerzieren, im Gefecht u. s. w. +hinderlich sind, beweglich und abnehmbar.</p> + +<p>Die beiden Stander 2. und 3. kommen von stan, stehen; Stander unter 1. +von extendere, ausbreiten, entfalten.</p> + +<p><span class="strong1">Stänge</span>, die, ist die Verlängerung des Mastes nach oben in der +Reihenfolge Marsstänge, Bramstänge, Öberbramstänge. Eine vielgebrauchte +Nebenform dazu ist Stenge, wie Stänge selbst Nebenform zu Stange ist. +Eine Diminutivform zu Stange ist Stengel. Die Verlängerung des +Bugspriets heißt nicht Stänge, sondern Baum, Klüverbaum, Außenklüverbaum +oder Jagerbaum.</p> + +<p><span class="strong1">Stapel</span>, der, ist das Gestell, das Gerüst, die Unterlage von hölzernen +Stapelklötzen auf dem der Kiel eines im Bau (oder im Dock) befindlichen +Schiffes ruht. Ist das Schiff fertig, so wird es vom Stapel gelassen, es +läuft vom Stapel, sein Stapellauf findet statt. Zur Erklärung geht man +wohl am besten auf das altfriesische stapul, stapel zurück, das den +Block bedeutete, auf dem ein Kopf oder eine Hand abgehauen wurde, den +Richtblock. Es ist also Stapel die aus dergleichen Stapeln errichtete +Unterlage, auf der das Schiff beim Bau aufliegt. Weil nun diese +Stapelklötze in gerader, geordneter Reihe liegen, so heißt stapeln etwas +z. B. Holz, geordnet hinlegen oder hinsetzen, und zwar nicht bloß in +einer Reihe, sondern wenn es die Ordnung erfordert auch auf einen +Haufen; daher „ein Vermögen aufstapeln‟, besonders auch Güter +aufstapeln, namentlich gelöschte Ladungen, die aufzunehmen gewisse +Städte das Vorrecht vor anderen hatten, das sogenannte <span class="strong1">Stapelrecht</span>, wie +es lange Zeit Emden für die Ems besaß. Daher niederländisch +staapel-plaats (1704 bei Aubin), ein öffentlicher Handelsplatz, wohin +die Kaufleute gewisser Gegenden ihre Waren bringen müssen um sie zum +Verkauf auszustellen. Das Bremer Wörterbuch erklärt stapel mit „Haufe, +nämlich ein ordentlicher gelegter Haufe in richtiger Reihe‟, so wie die +Stapelklötze<a id="Page_460"></a> + <span class="pagenum">[460]</span> liegen. Das Wort kommt von einem alten Thema stap, +von dem das altsächsische Zeitwort stapan = setzen, stellen stammt. +Kilian übersetzt stapel mit stabulatio, sedes, statio. Auch sonst kommt +das Wort im Mittelniederdeutschen in zahlreichen Bedeutungen vor, z. B. +auch in der von „Haublock eines Knochenhauers.‟</p> + +<p><span class="strong1">stauen.</span></p> + +<p>1. Wasser stauen heißt es irgendwie hemmen, daß es nicht weiter fließen +kann, abdämmen, durch einen Damm am Fließen hindern, zum Stehen bringen.</p> + +<p>2. Waren in einem Schiffsraum unterbringen, niedersetzen, aufstellen, +ihnen den richtigen Stand und die rechte Stelle geben, sie sachgemäß +unterbringen, sie so legen oder stellen, daß sie nicht über Stag gehen. + — Im übertragenen Sinne: viel essen.</p> + +<p>Beide Bedeutungen kommen in der einen überein „<span class="strong1">stehen machen</span>‟. +Niederdeutsch stauen; mittelniederdeutsch stouwen, stowen, auch in der +Zusammensetzung understouwen. In einem Hansischen Vertrag von 1442 heißt +es: „Unde de schipher schal deme kopmanne de vittallige (Lebensmittel) +understouwen, unde schal sulven nene vittallige offte kopmansgud up den +averlope (Overlop zwischen Back und Schanze) voren‟. Altenglisch steowin +und stowin, englisch stow; althochdeutsch stowan, stouwan, stuwan; +mittelhochdeutsch stouwen = hemmen, stauen, stehend machen; aus einer +Wurzel sta, stu = stehen.</p> + +<p><span class="strong1">Stechbolzen</span>, der, ist ein einfaches Tauende mit einem Auge an der einen +Seite. Die Stechbolzen dienen dazu, den Teil des Segels der durch die +Reeftaljen an die Rahe herangeholt ist an diese festzustecken. Das Wort +ist Verhochdeutschung von Stekbolzen. Stek ist etwas was durch +Durchstecken eines Taues durch ein Auge entstanden ist. Bolzen ist ein +Etwas, das nach dem Ende hin verdickt ist; der Stechbolzen ist durch das +Auge verdickt.</p> + +<p><span class="strong1">Stechschwert</span>, das, s. Schwert.</p> + +<p><span class="strong1">Stehendes Gut</span>, s. Stander 2.</p> + +<p><span class="strong1">Steife</span>, die, s. Metacentrum.</p> + +<p><span class="strong1">Stek</span>, der. Wenn man das Ende eines Taues mit dem Tau selbst +zusammensteckt nachdem dieses um den zu befestigenden Gegenstand gelegt +ist, und zwar so zusammensteckt, daß durch das Durchstecken des Endes +eine Schlinge entsteht, die nicht schliert wenn Kraft darauf kommt, also +nicht sich zum Knoten<a id="Page_461"></a> + <span class="pagenum">[461]</span> zusammenzieht, sondern leicht löslich +bleibt, so hat man einen Stek gemacht. Man kann ihn auf verschiedene +Weise machen. Je nachdem er gemacht ist oder nach dem Zwecke des +Gebrauches hat er verschiedene Namen. <span class="strong1">Ankerstek</span>, der Stek mit dem das +Ankertau am Röring des Ankers befestigt wird; <span class="strong1">Fischerstek</span> der, mit dem +man Säcke zum Ein- und Ausladen befestigt; <span class="strong1">Schotenstek</span>, mit dem man die +Schot an das Schothörn festmacht; <span class="strong1">Trompetenstek</span> zur einfachen Verkürzung +eines zu langen Taus, das man nicht abschneiden will; <span class="strong1">Zimmerstek</span>, um +Rundhölzer beim Hissen gelegt; <span class="strong1">Sackstek</span>, um zwei Taue an einander zu +binden, u. a. m. Ein Palstek (s. d.) ist ein Stek mit dem man eine Troß +um einen Pfahl, einen Dücdalben legt. Das Nähere gehört in das Gebiet +der speziellen Seemannschaft. Das Wort steht als niederdeutsche Form für +Stich, es ist gewählt, weil das Ende durchgesteckt wird; stecken aber +ist Faktitivum zu stechen.</p> + +<p><span class="strong1">Stell</span>, das, ist ein echt seemännischer kurzer, knapper Ausdruck für +Zusammenstellung. Man spricht von einem Stell Segel, das bedeutet eine +Zusammenstellung von Segeln, so daß von jedem Segel das an Bord geführt +wird, ein Exemplar vertreten ist; ebenso von einem Stell Flaggen etc. +etc. Es bedeutet also das was wir im Hochdeutschen mit dem Fremdworte +Sortiment bezeichnen.</p> + +<p><span class="strong1">Stelling</span>, die, ist ein Gestell, das aus einigen Querhölzern mit Brettern +darüber besteht und an Tauen schwebt, so wie es die Maler haben wenn sie +ein Haus anstreichen. An Bord gebraucht man eine Stelling um außenbords +die Nahten zu kalfatern, die Außenbordwand zu malen, die Stängen zu +schrapen u. s. w. Es heißt eigentlich Stelling, nicht sowohl weil es +steht, sondern man sich darauf stellen kann; meist aber sitzen die +Matrosen darauf und lassen die Beine herunterbaumeln.</p> + +<p><span class="strong1">Stenge</span>, s. Stänge.</p> + +<p><span class="strong1">Stern</span>, der, s. steuern.</p> + +<p><span class="strong1">Steuerbord</span>, die rechte Seite des Schiffes von vorn bis hinten, die ganze +rechte Seite und zwar von hinten aus gesehen, in der Richtung der Fahrt +betrachtet. Es ist der Bord über den in alter Zeit gesteuert wurde als +dies noch mit einem Riemen oder einer Pagaie geschah. Vergl. <span class="strong1">Backbord</span>. +Steuerbord heißt in Holland stuurboord, sprich stürboord. Von da haben +es die Franzosen übernommen mit der Aussprache stirbord und haben daraus +durch Umstellung (Metathesis nennen<a id="Page_462"></a> + <span class="pagenum">[462]</span> es die Schriftgelehrten) +stribord gemacht. Weil nun stribord die rechte Schiffsseite ist, so +haben es nachher etliche aus dem Lateinischen deuten wollen, als ob es +eine Abkürzung von dextribord wäre, und dextribord hat es auch eine Zeit +lang auf französisch geheißen, bis man sich besann und wieder zu +stribord zurückkehrte; da man ja in der französischen Seemannssprache +schon so viele deutsche Seemannswörter hatte, kam es auf eins mehr auch +nicht an. — Mittelniederdeutsch sturbord; Seebuch (1400): „De dar wil +segelen to Kalkesorde de sal laten dat twedeel van dem watere an +backbort van eme unde dat dorde deel an sturbort.‟ — Lucas Jansson +Waghenaer, 1588 im „Spiegel der Zeevaerdt‟ hat stuyerboort: „... so +sietmen aen stuyerboort een cleyn Eylant daer een Kercxken op staet.‟</p> + +<p><span class="strong1">Steuerbordwache</span>, s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Steuermann</span>, der, war früher der Mann der steuerte, indem er am Stern +sitzend mit einem Ruder freihändig dem Fahrzeug die Richtung gab. In der +Edda heißt er stjori = Lenker, angelsächsisch steorman, altenglisch +steores mon, althochdeutsch stiurman, mittelhochdeutsch stiure, +stiurman; (stieurmeier heißt dagegen Steuereinnehmer); althochdeutsch +und mittelhochdeutsch auch scifmeister, Schiffsmeister. — Jetzt steuert +der Steuermann nicht mehr, er ist (wohl auch nicht grade respektvoll +„Stürke‟ genannt) auf Handelsschiffen der Mann, der die Navigierung +besorgt, nachdem er auf einer Steuermannsschule die Prüfung bestanden +hat; auf Kriegsschiffen ist er ein Deckoffizier, der mit seinen +Steuermannsmaaten und Steuermannsgasten das Navigationsressort unter +Aufsicht und Verantwortung des Navigationsoffiziers verwaltet. Das +Steuern besorgen auf dem Schiffe die Rudergänger, im Boot der +Bootssteurer.</p> + +<p><span class="strong1">steuern</span>, ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren; +angelsächsisch steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran; +altfriesisch stiura, stiora, isländisch styra. Gothisch stiurjan; +mittelhochdeutsch stiuren. Zur Erklärung geht man passend von dem +niederdeutschen Eigenschaftswort stur aus, das „stark‟ bedeutet, und +vergleicht dazu die Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen stiuren: +stützen, lenken, leiten, lindern, beschränken, Einhalt tun, mäßigen, +treiben, stoßen, bedrängen, unterstützen,<a id="Page_463"></a> + <span class="pagenum">[463]</span> helfen, wozu verhelfen, +versehen mit, beschenken, ausstatten, als Abgabe entrichten, Steuer +zahlen, Steuer auflegen, erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch +sehr ein, daß das althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und +Grundbegriff von steuern sei. Ein Starker mußte das Ruder führen, ja der +Stärkste wird es geführt haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch +Rad besaß, sondern der Steuernde saß im Heck, oder vielmehr in dem von +stiuren den Namen führenden <span class="strong1">Stern</span>, und lenkte mit dem Ruder (daher +Steuerruder, stiurruodar, was damals paßte, jetzt aber nicht mehr gesagt +werden kann, seemännisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das +Fahrzeug durch Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand +regierte. — Von dieser Tätigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen +Regiment war nur ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der +Blick aller auf den Stärksten, Mutigsten, Kühnsten. Der Stärkste am +Ruder ward wie von selbst der Führer, der Herr, der Häuptling, der +Herzog der anderen; er kam ans Staatsruder, an die Regierung, +angelsächsisch steor, styr; altenglisch steore; althochdeutsch stiura; +wie man denn im Niederländischen noch heute jedes Regiment bestuur +nennt: gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur, +stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklärt sich auch Steuer als +Abgabe. Zunächst freiwillige Abgabe an den Stärkeren zur Unterstützung +bei seinem Aufwand für das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin. +Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von +der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede, +zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmäßige in Aussteuer und +Haussteuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt +wird, Geschenk ins (neue) Haus. — Wie die beiden Begriffe steuern und +regieren zusammenhängen sieht man aus dem Teuthonista: stuyren: regieren +een scheep of <span class="strong1">anderswat</span>, oder sonst etwas; ja bereits im Beówulf finden +wir styrian sowohl für lenken als auch für feststellen, ordnen. — +Das <span class="strong1">Steuer</span>, also das was man seemännisch jetzt Ruder nennt, die +Steuervorrichtung, hieß mittelniederdeutsch stur, stür; davon kommt die +mittelniederdeutsche, auch im niederdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch +noch vorhandene Wendung „over sture‟, rückwärts, „over stür gan‟, +zunächst vom Schiff = „über den Achtersteven gehen‟, rückwärts getrieben +werden, dann auch bildlich: „den Krebsgang gehen.‟<a id="Page_464"></a> + <span class="pagenum">[464]</span></p> + +<p><span class="strong1">Stert</span>, der, ist ein kurzes Tauende das an einem Block — der darum +Stertblock heißt — befestigt, gesplißt ist und an dem der Block +irgendwo, wo er grade gebraucht werden soll, festgebunden werden kann. +Einen ähnlichen Stert hat die Ankerboje zum Anfassen, die Leesegelspier +zum Befestigen. Stert heißt im Niederdeutschen Schwanz, das +althochdeutsche sterz, mundartlich noch heute als Sterz im Gebrauch. Der +Ausdruck kommt von der Ähnlichkeit; ein Block mit einem Stert sieht +einem kurzen dicken Tier mit einem langen Schwanze ähnlich. — Im +Mittelniederdeutschen war stert, wie es scheint, ein sehr beliebtes +Wort, man wandte es sogar, weniger fein als deutlich, auf Menschen an: +„Id syn itlike lude, die ore kleidere so kort maken, dat men sie achter +in den stert mach syn.‟ Hirsch, Danziger Handelsgeschichte, berichtet +aus dem Jahre 1447 von deutschen Seeleuten die den englischen gram +waren: „vnd also in tauernen sittende seyden se, se wulden den +Engelschen de sterte vor dem ersse aff houwen.‟ Im Redentiner Osterspiel +von 1464 sagt der Teufel Oberster Lucifer zu seinen Unterteufeln: „De +krugerschen myt ereme tappen Unde ok den monnik mit syner cappen. De +holdet alle bi deme sterte.‟ — Im Seebuch (1400) wird stert als +Bezeichnung des spitzen Ausläufers eines Sandes, einer Sandbank +gebraucht: „Item van den sulven sande strecket eyn stert aff, de het de +Speyt‟ ... „Unde buten der Seynis sal he vinden 55 vadem, unde komet +nicht neyer by nachte, umme des stertes willen, wente he strecket verne +in de see.‟</p> + +<p><span class="strong1">Steven</span>, der, ist ein starker auf und nieder stehender Balken am Bug und +am Heck, der an diesen Stellen die Gestalt des Schiffes bestimmt; den +Lauf des Bugs vorne und die Form des Hecks hinten; vorn heißt er +Vorsteven, hinten Achtersteven; an den Steven stoßen die Seitenplanken +der beiden Borde an und sind mit ihm durch eine Sponung verbunden. +Früher kannte man es nicht anders als daß der Vorsteven weit überkragte, +auslud oder überschoß, oft um den achten Teil der ganzen Schiffslänge. +Dem modernen Dampfschiffsbau blieb es vorbehalten, den Vorsteven +zurückspringen oder wenigstens senkrecht verlaufen zu lassen; für das +Auge des Seemanns keine Verschönerung. Auch ist bei den großen neuen +eisernen oder stählernen Schiffen der Steven längst kein Balken mehr, +sondern eine in einem Stück gegossene Eisen- oder Stahlmasse. — Das +Wort Steven gehört<a id="Page_465"></a> + <span class="pagenum">[465]</span> in das weitverbreitete Gebiet der Wurzel sta = +stehen, und zwar so daß Stab und Stamm dabei mitspielen und einmal mehr +Stab, das andere Mal mehr Stamm in den Vordergrund tritt. Altsächsisch +stamn, ein aus einem Stamm (Einbaum!) gefertigtes oder mit einem Stamm +(Steven) versehenes Fahrzeug. Altfriesisch stef, stev, Pfahl, Stab, +Grenzpfahl, vor allen Dingen ein Kreuzpfahl, an dem jemand zum Beweise +seiner Unschuld eine gewisse Zeit unbeweglich mit ausgebreiteten Armen +stehen mußte. Hielt er die gesetzte Zeit nicht aus, so wurde er +sachfällig. Auch standen beide Parteien am Kreuze, und der es am +längsten aushalten konnte, erhielt die triumphante Sentenz, wie Wiarda +mitteilt. Dieses Ordale genannte examen crucis hat übrigens Ludwig der +Fromme schon abgeschafft. — Angelsächsisch stafn, stefn, stemn = +Baumstamm und Steven. Steven ist also der Teil des Schiffes der durch +einen Stamm Festigkeit erhält, durch ihn verstärkt und versteift ist. +Das bezieht sich allerdings besonders auf das Vorderteil des Schiffes. +Aber es war in alten Zeiten schon so und ist auch heute noch so, daß, +wenn kurzweg von Steven die Rede ist, man zuerst und hauptsächlich an +den Vorsteven denkt. Schon in der Edda hieß stafn das Vorderteil des +Schiffes und stafn-tjald war ein daselbst aufgeschlagenes Zelt. Auch die +alten Friesen sagten stewen und meinten den Vorsteven; Emsiger +Land-Recht: „Huarsoma annen ut smit eter stewene, that ma hine eter +stiure wither haut‟, wenn man jemanden beim Vorderteile des Schiffes +auswirft, daß man ihn beim Hinterteile wiederkriegt. Das war auch im +Mittelniederdeutschen so: Hamburger Chronik: „vnd synt de Hamborger vnd +Bremer myt schepen tor seewert gerucket ... vnd weg genamen, wat en vor +steuen gekamen is.‟</p> + +<p><span class="strong1">Steward</span>, der. Diese Bezeichnung des „Kellners‟ bezw. Ökonomen an Bord +sieht sehr englisch aus, stammt aber von deutschen Eltern ab. Sie +bedeutet ursprünglich einen Viehhüter. Das mag den Earls of Leicester, +in deren Familie das Amt eines Lord high steward als das vornehmste im +Lande erblich war, schon nicht mehr bewußt gewesen sein, aber Tatsache +ist, daß das Wort angelsächsisch stigeward und stiward, altenglisch +styward hieß und eine Zusammensetzung des altdeutschen Wortes stiga, +Schweinestall, Schafstall, überhaupt Stall und wart Wärter ist. Insofern +in alten Tagen, wie es Walter Scott im Ivanhoe an<a id="Page_466"></a> + <span class="pagenum">[466]</span> Cedrik und +seinem Wambo so meisterhaft geschildert hat, der Viehstand eines +vermögenden Mannes das Hauptstück seines Vermögens ausmachte, auch in +jenen unruhigen und rechtsunsicheren Tagen ein energischer, mutiger, +kampfgeübter Mann als Wächter, Hüter und Verteidiger dieses +Besitzstandes nötig war, war dieses Amt gar nicht so unwichtig, und es +nimmt uns nicht Wunder, daß solch ein Viehhüter sich allmählich zu +höherem ausgewachsen hat. So gut wie der Marschall sich gefallen lassen +muß, daß sein Amtstitel Pferdeknecht bedeutet, so gut kann es jeder +Steward mit ansehen, daß er vom Stallknecht abstammt. Was man übrigens +damals unter einem Stall verstand, war aber gewiß nichts weiter als ein +Pferch, ein Verschlag von Latten, eine Hürde in die die Tiere des Nachts +getrieben wurden. Nur so erklärt sich das sonst befremdliche altdeutsche +Wort Stiga. Wir müssen annehmen, daß die Wände des Pferches wie eine +Leiter, eine Stiege gestaltet waren und auch zum Steigen benutzt wurden. +Ward ist ein weitverbreitetes, gemeingermanisches Wort, von dem auch das +wie ein Fremdwort aussehende Garde stammt, auch Münzwardein, Wartefrau +und Wirt (gotisch vairdus, sprich wärdus, noch heute wird Wirt vielfach +wie Wärd ausgesprochen), wie denn der Begriff Wirt dem von Steward auf +einem Kriegsschiffe auch in der Bedeutung sehr nahe kommt. Die ganze +Sippe geht zurück auf althochdeutsch wartjan, warten, aufwarten, hüten, +pflegen (daher êwart der Priester, der Hüter des Rechtes), gotisch +vards, altfriesisch wardia, altenglisch ward, altisländisch vördr. Da +das Wort unser deutsches Eigentum ist, so kann uns niemand verwehren es +Ste-ward anstatt Stjuward auszusprechen: sprechen es doch selbst die +Engländer nur in Folge der falschen Meinung Stjuard aus, daß es aus stew +und ard bestände, da es doch aus ste und ward besteht.</p> + +<p><span class="strong1">stoppen</span> heißt in der Seemannssprache „eine Bewegung aufhalten‟, „machen, +daß etwas sich nicht weiter bewegt‟, z. B. eine Maschine, ein laufendes +Tau, eine Logleine, eine Ankerkette. Das entsprechende Kommando heißt: +„Stopp‟ oder „Stop‟! oft mit einer lang gedehnten scharf betonten Endung +e, „Stoppé!‟ Im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt stoppen: +stopfen, füllen, voll machen, verstopfen, dicht machen, stehend machen, +hemmen, aufhalten, angelsächsisch stoppian, altsächsisch stuppon, +althochdeutsch stoppon. Vom lateinischen stuppare, mit stuppa = Werg<a id="Page_467"></a> + <span class="pagenum">[467]</span> verstopfen, italienisch stoppare, altspanisch estopar, französisch +étouper = „to stop with tow‟. Diese Bedeutung „mit Werg verstopfen‟ +führt uns den ursprünglichen Vorgang vor Augen: man verstopfte die +Ausflußöffnung irgend eines Flüssigkeitsbehälters mit Werg und +versperrte dadurch der Flüssigkeit den Weg, daß sie nicht in Bewegung +geraten, daß sie sich nicht aus dem Gefäß herausbewegen konnte, von hier +aus entwickelte sich die Bedeutung weiter bis zu dem allgemeinen +Begriffe „hemmen.‟ Das Wort ist also mit stauen bedeutungsverwandt. — +Bei Kilian wird het schip stoppen sogar noch mit kalfaten wiedergegeben, +man dachte damals also noch an das Werg. — Es gibt an Bord verschiedene +Arten eine Bewegung zu hemmen. Ein Tau wird mit einem Abstopper +abgestoppt, der auch kurz Stopper heißt oder Taustopper, da er ein +kurzes Tauende darstellt mit dem ein Tau, das geholt wurde, so lange +festgehalten wird bis es belegt ist und sich selbst hält. Besonders +wichtig sind, von der Dampfmaschine und ihren Vorrichtungen zum Stoppen +abgesehen, die Stopper der Ankerkette. Je nach dem Orte wo sie in +Tätigkeit treten oder nach der Weise wie sie arbeiten, spricht man von +Zwischendecksstoppern, Decksstoppern, Kneifstoppern, Zungenstoppern und +Schlippstoppern.</p> + +<p><span class="strong1">Stosstalje</span>, die, dient, wie auch der Stoßstander, zum Abstützen der +Unterrahen wenn das Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin- +und hergestoßen würden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer +schweren Last viel Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also +ihren Namen nicht davon, daß sie stoßen, sondern davon, daß sie das +Stoßen verhüten sollen. — </p> + +<p><span class="strong1">Strak</span>, die, ist die Richtung in der etwas verläuft, die Gestalt oder der +Zug wie eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak, +einer Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in +denen sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe, +Streifen, Strecke u. s. w. bedeutet nämlich das niederdeutsche Wort +strack, das auch für Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von +striken = strecken, eine Bewegung, einen Zug machen.</p> + +<p><span class="strong1">Strand</span>, der, sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit +Wasser bedeckt, bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal +Land und einmal Wasser ist; so im „Seebuch,‟<a id="Page_468"></a> + <span class="pagenum">[468]</span> 1400, und noch bei +Röding 1794. Jetzt aber ziemlich gleichbedeutend mit Küste, namentlich +wenn diese flach ist. Allenfalls daß man in Seebädern im besonderen +Sinne von einem (sandigen, nicht schlickigen) Badestrande redet. — Auch +<span class="strong1">stranden</span> wird nicht mehr als scharf umgränzter Begriff gebraucht, +sondern häufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden +kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener +Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne +irgendwelchen Schaden zu nehmen. — Das Wort Strand ist ziemlich spät +aus dem Niederdeutschen ins Neuhochdeutsche übergegangen. — Was die +sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten Sprachgebiet +stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als ob die +Bedeutung „sandiger (Bade-)Strand‟ die ursprüngliche wäre, indem, wie +Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht zu +Grunde liegen könnte, daß das Knirschen des Sandes beim Betreten +andeuten dürfte.</p> + +<p><span class="strong1">Strandgut</span>, das, s. Seetriften.</p> + +<p><span class="strong1">Stratus</span>, s. Cirrus.</p> + +<p><span class="strong1">Streckbug</span>, der. Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen, +den anderen Weg sie nach der anderen Seite gedreht; d. h. man hat sie +einmal über den Backbord-, das andere Mal über den Steuerbordbug gebraßt +und sagt dann: „wir fahren über den Backbord- oder über den +Steuerbordbug.‟ Nun geschieht es, daß man über den einen Bug weiter in +der Richtung des eigentlichen Kurses vorwärts kommt als über den andern, +daß man über den einen Bug eine größere Strecke gewinnt, sich näher dem +Ziele entgegenstreckt, darum heißt dieser Bug der Streckbug.</p> + +<p><span class="strong1">strecken</span>, den Kiel. Hier ist strecken in dem gewöhnlichen hochdeutschen +Sinne dieses Wortes gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von +Zug, Richtung, Verlauf. Den Kiel strecken heißt eigentlich ihn grade +machen, ihm seine Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben, +bedeutet aber im weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des +wirklichen Baues eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehört, +die erste an die Öffentlichkeit tretende und etwas von dem zukünftigen +Schiffe in die Erscheinung bringende Tätigkeit, nachdem der Zeichensaal +und der Schnürboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit<a id="Page_469"></a> + <span class="pagenum">[469]</span> dem +Strecken des Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in +dieser Hinsicht hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an +sich.</p> + +<p><span class="strong1">Strecktau</span>, das, s. Laufstag.</p> + +<p><span class="strong1">Strich</span>, der. Man hat die Kompaßrose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt +und jeden derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen +gegeben. Diese 32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber +noch einmal geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so daß man auf +Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da +nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des „Seebuches‟, 1400, sagt +Breusing in der Einleitung: „Die Kompaßangaben im Seebuche gehen nur bis +auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebräuchlich ist, bis auf +Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der +Zusatz „ein wenig nach‟ gebraucht (en luttik tegen norden), womit die +Größe eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz: +„reichlich‟ (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Größe von beinahe +einem halben Strich angedeutet sein mag.‟</p> + +<p><span class="strong1">streichen</span> wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen +Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch +striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch +strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen +lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das +hochdeutsche „streichen‟ irgend eine beliebige Bewegung nach irgend +einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach +zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts. +Abwärts wurden früher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der +Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so +daß die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine +Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es +holt sie nieder. — Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: +„Streich!‟ Teils streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher, +als das Ruder es bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am +Steuerbord, wenn es sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils +an beiden Seiten, wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder +in eine rückläufige Bewegung geändert werden soll.<a id="Page_470"></a> + <span class="pagenum">[470]</span> — Im +Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß es +unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so +allgemein bedeutete es „sich gefangen geben‟ Lübische Chronik: „Pawel +sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van +sich‟, daher denn auch striken ganz allgemein als „nachgeben, klein bei +geben‟ gebraucht wurde. 1530: „De heillosen papen weren so trotzig, dat +se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer +stiff by eren dingen‟; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen +bedeutet „aufhören zu kämpfen,‟ so gut könnte es auch bedeuten „aufhören +zu arbeiten,‟ und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne +gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort +striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen desselben bis +hin zum „Stricke machen‟ ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin +manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken +dem Arbeitgeber gewiß ein böser „Streich‟ gespielt. — Dieses Streichen +wirft auch das richtige Licht auf das Wort Zapfenstreich. Die Segel +streichen heißt aufhören mit kämpfen, den Zapfen streichen heißt +aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den Zapfen zumacht und den +Gästen Feierabend gebietet.</p> + +<p><span class="strong1">Stringer</span>, der, „Längsstringer sind noch weiter (als die +Seiten-Kielschweine) seitlich liegende, dem Kielschwein ähnliche +Längsverbände. Decksstringer sind auf den Decksbalken an den Bordseiten +liegende Platten, welche mit den Balken, der Außenhaut und den +Querspanten, verbunden werden.‟ (Dick und Kretschmer, I. 83.) So gibt es +auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die Bedeutung wird durch die +Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo klar, das zusammenziehen, +also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also ein Verbinder, ein Ding, +das einen Verband herstellt; auf deutsch kurzweg „ein Binder.‟ Wir haben +das Wort auf dem Umwege über England empfangen, wo stringer bedeutet „in +ship-building an inside strake of plank or of plates, secured to the +ribs and supporting the ends of the beams.‟</p> + +<p><span class="strong1">Strom</span>, der, wird seemännisch nicht für einen schiffbaren Fluß gebraucht, +der vielmehr Revier (Rivier) heißt, sondern für Meer, für die freie +offene See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgängig mit +Beziehung auf Meeresströmungen, ausgenommen<a id="Page_471"></a> + <span class="pagenum">[471]</span> in Meeren wo es +solche gibt, die Ebbe- und Flutströmungen, s. unten. Strom ist im Munde +des Seemanns das, was man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In +einer alten Göttinger Urkunde steht: „... unde de unse unde ok den +gemenen copmann uppe dem vryen seestrome groffliken beschediget.‟ +Desgleichen in einer anderen: „do dusse lude van Engeren uth Britannien +verdreven weren und leghen an den seestrome unde krygeden myt den +Britanniern.‟ — Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem +Binnenhafen lag und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen +ist) an eine Boje oder vor Anker: „Das Schiff verholt auf dem Strom.‟ — +Im „Seebuch‟ (1400) ist unter Strom meistens der Flut- und Ebbestrom des +Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet: +„Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket +lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege +water west ton suden mane.‟</p> + +<p><span class="strong1">Stropp</span>, der, ist ein in sich selbst zurückkehrendes kurzes Tau, ein +kurzes Tau ohne Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stück Tau +gemachter Ring, der durch das Zusammensplissen der beiden Enden +entstanden ist. Solch ein Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch +gelegt, auch sieht man oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen +eines Bootes am Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp, +den man um ihn gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stückgut +gehißt. Es ist also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und +nützliches seemännisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten +klassischen Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt. +Lateinisch stroppus, gedrehter Riemen zur Sänfte oder zum Anbinden der +Ruder an die Ruderbank, dünner Kranz von Bast gedreht; griechisch +strophos, das von Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene +Band, der Gurt, das Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe, +das Wenden oder Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho, +estropha, drehen, wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte +der Kunst, führt ein griechisches Wort an, das stroppos heißt und von +Festus in der Bedeutung „Kranz‟ aufgeführt wird. Gellius hat das +lateinische stroppus als „Band.‟ Grade dieselben Bedeutungen vereinigt +das Wort in unser Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof +von Sevilla Isidorus sagt in<a id="Page_472"></a> + <span class="pagenum">[472]</span> seinem berühmten Buche Origines s. +Etymologiae: „struppi quibus remi ad scalmos alligantur.‟ Als stropp +führt Wright es aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im +Mittelniederländischen; im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch für +den Strick des Henkers: „hoe gheerne solde een dief, die enen strop om +sinen hals hadde ... weder gheuen, dat hie ghestolen hadde.‟ Es gab +damals auch stropballien, solche Baljen, die mit einem Stropp versehen +waren, „dar de Kalk inne vpn thorn gewunden warth.‟ — Italienisch +stroppo, französisch 1702 etrope und estrope, jetzt étroppe, +portugiesisch estropo. — <span class="strong1">Bestroppen</span>, etwas mit einem Stropp versehen, +z. B. einen Block, und so gebrauchsfertig machen. Daher auch übertragen: +„Das werden wir bestroppen,‟ d. h. „das wollen wir machen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Stück</span>, das, war früher ein allgemeiner Ausdruck für Kanone. „Ein Schiff +mit 48 Stück.‟ Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim +Exerzieren mit Stücken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die +Stücken los! 4. Holt die Stücken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6. +Platloth ab! 7. Stopft das Zündgat! 8. Kratzer in die Stücken! 9. +Wischer in die Stücken! 10. Öffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die +Stücken! 12. Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stücken! +14. Setzt an Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zündgaten! 16. +Kraut in die Zündgaten! 17. Deckt die Zündgaten! 18. Stücken an Bord! +19. Faßt den Kuhfuß und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die +Lunte ab! 22. Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die +Bezeichnung Geschütz in den Vordergrund getreten, doch so daß Kommando 3 +stets „Kanonen los!‟ hieß, da doch das unmittelbar vorhergehende +Kommando gelautet hatte: „An die Geschütze!‟ Ganz neuerdings ist durch +die Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund +getreten. Stück hat sich aber nie ganz verloren; Stückpforten hat es +immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die +Bezeichnung „Stückmeister‟ in Aufnahme gekommen.</p> + +<p><span class="strong1">Sturmdeck</span>, s. Deck.</p> + +<p><span class="strong1">Sturmtor</span>, s. Schleuse.</p> + +<p><span class="strong1">Sturmtreiber</span>, s. Treiber.</p> + +<p><span class="strong1">Sturzsee</span>, die, ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so +hoch ist, daß sie über die im Sturme sich neigende<a id="Page_473"></a> + <span class="pagenum">[473]</span> Reling oder +das Schanzkleid hinweg auf Deck stürzt; um das überkommende Wasser +wieder zu entfernen, sind in das Schanzkleid neuerdings größere +Öffnungen dicht über dem Deck eingeschnitten; man nennt sie +<span class="strong1">Stürzpforten</span>, weil das Wasser zu diesen Pforten wieder hinausstürzen +soll.</p> + +<p><span class="strong1">stützen</span> kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemännischen +vor; besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim +Steuern. Wenn befohlen war, daß das Ruder nach irgend einer Richtung hin +gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung +gedreht werden, so wird kommandiert: „stütz!‟ oder: „stütz so!‟ +Niederdeutsch stütten, welches oft anstatt stützen zu hören ist, anstatt +„stütz so‟ heißt es dann „stütti!‟ wohl auch in Anlehnung an das +englische steady, „steer the ship a steady course‟.</p> + +<p><span class="strong1">Südwester</span>, der, ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder +Öltuch-Hut zum Schutze gegen Sturm und Regen. — Grimm erklärt West aus +dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere Meere paßt das nicht, würde +auch zu dem Südwester nicht stimmen, der seinen Namen gerade davon hat, +daß es eben bei Süd-West am meisten stürmt und regnet. Doch heißt vis +nicht nur Meeresstille, sondern überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm +vermutet auch eine gotische Form vistr, gegen Abend, adversum +occidentem.</p> + +<p><span class="strong1">Superkargo</span>, s. Cargo.</p> + +<p><span class="strong1">Süsswasser</span>, das, ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, +daß es in Tänks von Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei +es, daß es aus Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen +oft mit vieler Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann +lieber Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich +für die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht +wird.</p> + + + +<h2> +<span><a id="T"></a>T.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Taifun</span>, der. Der mit Recht so gefürchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das +Wort kommt nach einem mir zugegangenen sachverständigen Urteil von der +Kantoner Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht für das Auge +wiedergeben lassen, die aber für das Ohr tai fung lauten. „Tai heißt +„groß‟ und fung<a id="Page_474"></a> + <span class="pagenum">[474]</span> „Wind‟. Nun nennen zwar die Chinesen jeden +starken Wind tai fung, während sie für einen Taifun noch den speziellen +Ausdruck fung kü haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem +französischen il fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrücke +beruhen ja nicht immer auf der gründlichsten Kenntnis der chinesischen +Sprache. Da tai fung außerordentlich häufig (auch schon in der +Kinderstube, aus der und von deren Amah's sich wohl vielfach die +Kenntnis chinesischer Wörter seitens der früheren Europäer herleiten +wird) gehört wird, und da überdies ta fung kü wieder so ähnlich klingt, +so glaube ich, braucht man keinen Zweifel zu hegen. — Merkwürdig ist +das Verschwinden des g am Ende. Die Engländer schreiben wie taifoon auch +Kowloon für kau lung („Neun Drachen‟) die chinesische Stadt und daher +auch die britische Halbinsel Hongkong gegenüber. Ich erkläre mir das aus +dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und des Französischen der +alten katholischen Missionare. So auch Kanton statt Kwang-tung oder +Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king. Daß der Laut der +Kantoner Aussprache für die Europäer maßgebend geworden ist, findet sich +auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der Kantoner Aussprache +Jat pun (mit verschlucktem, kaum hörbarem t in jat). Jat heißt Sonne, +pun heißt Ursprung oder Aufgang.‟</p> + +<p><span class="strong1">Takel</span>, das, ein „Flaschenzug‟, Windezeug aus zwei oder mehreren Blöcken +(s. d.). Niederländisch, dänisch und schwedisch takel, englisch tackle, +französisch palan à itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem +Stamme mit Tau. Früher die Gesamtheit aller Taue, überhaupt des ganzen +Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung „Vor Top und Takel‟ +hervorgeht. — Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel += trajectus, transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus, +ut pontonem dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3. +taekel = hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien. — Es liegt nahe, +an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch zagil, +angelsächsisch tägel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda, besonders +equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt hat und +die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare abschnitten +zu Schiffstauen, vergl. jedoch <span class="strong1">Tau</span>, s. a. <span class="strong1">Gut</span>. Über die Zusammenstellung +„Takel und Mantel‟ s. Mantel. — Das Takel wird erst durch das<a id="Page_475"></a> + <span class="pagenum">[475]</span> +Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne Mantel ist es eine Talje (s. +d.).</p> + +<p><span class="strong1">Takelage</span>, die, die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehört. Das +Wort hieß mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche +ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines +Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders +als unter französischem Einfluß entstanden sein wird. Hätte es auf dem +Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wäre überhaupt +kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen. +Übrigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz +überflüssig, da Takel ursprünglich für sich allein schon ein solcher +Begriff war. — Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdländerei, +scheint sich erst die Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens +finden wir da erst Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der +moderne Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden, +daß er sogar Stellasche, Kledasche und — Fressasche spricht. Kilian hat +die Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes. — +In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje +gesagt, wie denn überhaupt alle die zahlreichen Wörter mit der +Sammelendung -age so ausgesprochen werden.</p> + +<p><span class="strong1">Takeln</span>, <span class="strong1">betakeln</span>, <span class="strong1">auftakeln</span>, <span class="strong1">abtakeln</span>, <span class="strong1">Takelung</span> s. Takler.</p> + +<p><span class="strong1">Takler</span>, der. Jeder rechte Seemann muß ein Takler sein, d. h. die Arbeit +des Takelns verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und +beim Auf- oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen können. Alle +diese Wörter kommen ja schließlich auf eines hinaus: seemännisches +Vermögen mit dem Tauwerk richtig umgehen zu können und ihm die Gestalt +und Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner +Bestimmung gebraucht wird. — Insonderheit heißt betakeln das +abgeschnittene Ende eines Taues so mit einem Bändsel befestigen, daß die +Kardeele nicht aufgehen. Takeln überhaupt heißt splissen und knoten und +dergl. Will man eine derartige Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so +nennt man sie eine Takelung. Wird ein Schiff in Dienst gestellt und es +bekommt seine Segel und sein Tauwerk und es wird alles an seiner +richtigen Stelle gesetzt und geschoren, so heißt das auftakeln, das +Gegenteil<a id="Page_476"></a> + <span class="pagenum">[476]</span> davon aber abtakeln. — Auf der Werft hat man eigene +Takler und eine besondere Werkstatt für sie. — Ein Frauenzimmer, das +sich sehr geputzt hat ist „mächtig aufgetakelt‟; doch sagt man auch ohne +Vorwurf „fein aufgetakelt‟, s. Takel.</p> + +<p><span class="strong1">Talfahrt</span>, die, ist bei der Flußschiffahrt die Fahrt den Strom abwärts, +während die Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heißt. — <span class="strong1">Talweg</span> ist +der Stromstrich, die Mitte eines Flußes. So wurde am 9. Februar 1801 zu +Lunéville, als man das alte deutsche Reich über den Haufen warf, unter +Zustimmung von „Kaiser und Reich‟ beschlossen, der Talweg des Rheins +solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich sein.</p> + +<p><span class="strong1">Talje</span>, die, ist ein an Bord völlig unentbehrliches Werkzeug, ein +Flaschenzug, der oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten +einen einscheibigen Block hat. Die beiden Blöcke sind durch ein Tau +verbunden, das, da es über die Scheiben der Blöcke läuft, Läufer heißt, +Taljenläufer. — So wie die Talje sich zunächst dem Auge darstellt, +nämlich in unbenütztem Zustande, sind die beiden Blöcke noch zusammen, +so daß sie wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt +hat. Von diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name. +Man kann auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei +(ungleiche) Teile teilt. — Französisch heißt der Schneider bekanntlich +tailleur, der Einschnitt taille, einschneiden, schneiden tailler; +italienisch taglia, spanisch taja, talla, portugiesisch und +provençalisch talha = Schnitt, Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das +lateinische talea = abgeschnittenes Stück zurück; (daher auch Detail und +Talon). Kilian hat talie = incisura. Niederländisch (1702) taalie. Da +die Franzosen den Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so +scheint Talje direkt aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen +worden zu sein; gewiß schon früh, denn solch ein handliches und +brauchbares Hilfsmittel werden sich die friesischen Kreuzfahrer sicher +nicht haben entgehen lassen.</p> + +<p><span class="strong1">Tamp</span>, der. Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heißt Tamp, auch der +Tampen. Das Ursprüngliche dürfte das abgeschnittene kurze Ende sein; +nämlich das Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei +uns in der Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in +der Hand eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man +früher Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im +Kriegsbuch berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander +vergleichen (vertragen) wollten, dann habe er „einen Vergleicher, ist +ungefährlich eines Armes lang.‟ Doch ist das Schlagen der Mannschaft +jetzt verboten. Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher +ihre Strafe, mit einem Tau, „ungefährlich eines Armes lang‟; es geht +aber auch ganz gut mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade +in<a id="Page_477"></a> + <span class="pagenum">[477]</span> der Nähe aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl +Nasalierung vom niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber +bedeutet einen Schlag, einen „Klapps‟; ein Tamp war also ursprünglich +das Tau oder der Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und +ist dann nach und nach in die allgemeine Bedeutung Tauende übergegangen.</p> + +<p><span class="strong1">Tänk</span>, der, ist ein an Bord gebräuchlicher Aufbewahrungsbehälter für +Wasser, Petroleum, Öl u. s. w., überhaupt für Flüssigkeiten, Wein, Bier +etc. etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein größeres, oft viereckiges, +sonst auch dem Raum angepaßtes Gefäß. — Ein Tänkschiff ist ein solches +das eingerichtet ist, Petroleum ohne die Fässer in sich aufzunehmen, so +daß es drüben in Amerika in die entsprechenden Behälter eingepumpt und +hüben wieder ausgepumpt wird. — Das Wort kommt aus dem Englischen, wo +es tank heißt. Und zwar ist da, wie die englischen Provinzialismen und +das Schottische beweisen, ein s im Anlaut abgefallen. Es stammt vom +lateinischen stagnum, eine Pfütze stehenden Wassers (daher auch +stagnieren); italienisch stagno, spanisch estanque, altfranzösisch +estanc, neufranzösisch étang.</p> + +<p><span class="strong1">Tau</span>, <span class="strong1">Tauwerk</span>, das, ungefähr gleichbedeutend mit Seil. Ursprüngliche +Bedeutung ist: Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, daß jedes +beliebige Werkzeug ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem +vartouwe = Wagen und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat. +Tau hat also dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit +ihm zusammen eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere. +Gotisch taujau = tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas <span class="strong1">tut</span>. +Althochdeutsch ziohan, (altsächsisch tiohan), ziehen, oder zawjan, +machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergerät, +Fuhrwerk, Wagen, <span class="strong1">Schiffsgerät</span>, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige aber +im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf Handwerk, +Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das +französische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar +heißt sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und +das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. „schlafendes Auge‟ in der +Botanik). <span class="strong1">Tauwerk</span> ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom +Reepschläger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch +Drahttauwerk.<a id="Page_478"></a> + <span class="pagenum">[478]</span></p> + +<p><span class="strong1">tauen</span>, (<span class="strong1">vertauen</span>, <span class="strong1">vertäuen</span>) (mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der +Stelle ziehen und an einem anderen Orte wieder festmachen, alles +vermittelst eines <span class="strong1">Taues</span>. Aubin unterscheidet zwischen toüer und +remorquer (s. Remorqueur): „Remorquer signifie le changement de place +qu'on fait à un vaisseau par le moien d'un bâtiment à rames (so wurde +die schwedische Fregatte „Eugenie‟ in der Magellanstraße aus dem +Bereiche eines der daselbst so heftig, aber örtlich beschränkt wehenden +Wirbelwinde durch ihre Boote um eine Felsenecke getaut oder vertaut, wo +es totenstill war) et toüer signifie le même remuëment par le moien du +cabestan ou par la hansiére.‟ — Ist das Schiff an der Stelle angekommen +wo man es haben will, so wird es festgemacht, an einem Bollwerk, einer +Pier, einer Boje; insofern solches mit einem Tau geschieht heißt es +vertäuen, wangerländisch vertojen. — In Holland heißt aanturen ein Tier +zum Weiden mit einem Tau festbinden, ostfriesisch tüddern, daher +vertüddert oder vertütert anstatt „unklar‟, verwirrt, bei Stricken, +Bindfaden, Nähgarn.</p> + +<p><span class="strong1">Taube Jütte</span>, die s. Davit.</p> + +<p><span class="strong1">Taube Gezeit</span> s. Nipflut.</p> + +<p><span class="strong1">Teakholz</span>, das. „This timber is excellent for ship-building, and has been +called the oak of the East. It works easily, and, though porous, is +strong and durable; it is easily seasoned and shrinks but little, and +from containing a resinous oil it resists the action of water, and +repels the attacks of insects of all kinds.‟ Es ist das Holz der Tectona +grandis aus der Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und +den Molukken bis zu gewaltiger Höhe wächst und sehr breite und lange +Blätter hat. Teak ist ein tamilisches Wort.</p> + +<p><span class="strong1">Teer</span>, der, ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes, +mit harzigen Teilen vermischtes dickflüssiges Öl, das Tauwerk, Holz, +Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der +Feuchtigkeit schützt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht +besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzüge, Jacken, denen +kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht bloß Blaujacken, +sondern auch <span class="strong1">Teerjacken</span> genannt werden. Viele Leute lieben den +Teergeruch. — Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen +empfangen. Gotisch triu = Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in +Wachholder, Maßholder, Holunder; die indogermanische<a id="Page_479"></a> + <span class="pagenum">[479]</span> Grundlage +ist derw — , griechisch drüs, Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch +derwa, finnisch derwas, lappisch tarwas, Kien = Harz = Teerholz; +esthnisch terw, finnisch terwa, gädhelisch tearr, kymrisch tar, +bretonisch ter = pix. „Die Entwicklung der Formen deutet auf Osteuropa +als Heimat des Wortes, die keltischen Wörter sind dann aus dem Deutschen +entlehnt.‟ — Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im +ganzen niederdeutschen Sprachgebiet früh verbreitet. Im Beòwulf heißt +niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff.</p> + +<p><span class="strong1">Tender</span>, der, „a small vessel employed to attend a larger one for +supplying her with provisions and other stores, or to convey +intelligence and the like.‟ Also ein kleineres Schiff, das einem großen +beigegeben ist, um seinen Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem +Schiffsboot oder einem Beiboot dadurch unterschieden, daß es nicht an +Bord des größeren Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu groß +ist, und daß es seine eigene ständige, aber vom größeren Schiffe +abhängige Besatzung hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als +Kommandanten. — Bekanntlich heißt Tender auch der der Lokomotive eines +Eisenbahnzuges beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht. + — Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen, +irgendwohin richten, lenken, reichen, darreichen, für etwas sich +bemühen, arbeiten, ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit +Intendantur gleicher Herkunft.<a id="Page_480"></a> + <span class="pagenum">[480]</span></p> + +<p><span class="strong1">Tide</span>, die, ist — vergl. Gezeiten — die Zeit von Ebbe und Flut, die +Flutzeit, die Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und +einer Flut; doch wird an der Nordseeküste das Wort so gebraucht, daß man +dabei eher geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere +gemeint sein, so muß das schon besonders irgendwie angedeutet werden, +entweder dadurch, daß man nach Breusing „taube Gezeit‟ oder nach +Dornkaat „dode ti‟ (ostfriesisch heißt tide auch tie und ti) sagt, +namentlich zu der Zeit, wo der Mond im Viertel steht, während eine tide +zur Zeit des Voll- oder Neumondes spring-tide heißt. — Das Wort Tide +ist von vielen für englisch gehalten und Teid ausgesprochen worden. Mit +Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch<a id="Page_481"></a> + <span class="pagenum">[481]</span> kommt es als gut deutsches +Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. „mit halver tide‟; „en +quarter, dordendeel, twedeel tydes‟; „myt ener halven tiden‟; auch in +der Mehrzahl: „de tyde van Calismains, Engelant.‟ 1588 hat Waghenaer das +Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije, auch spricht er der +größeren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von watergetijde.</p> + +<p><span class="strong1">Tidehafen</span>, der. In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, daß, ob zwar +eine Tide Flut <span class="strong1">und</span> Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil +der Verbindung ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein +Fluthafen, nämlich ein offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener +Hafen, der nur zur Zeit des Hochwassers zugänglich ist. — Die gangbare +niederländische Zusammenziehung tij für tide war schon Waghenaer 1588 +sehr geläufig; er spricht häufig von „tij hauen,‟ ja sogar von +Tijbuckinghen als den besten, die natürlich in Holland verzehrt werden, +während die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe hinauf nach +Deutschland, Böhmen, Ungarn und bis zur Türkei gehen, „al waer de selve +Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten ende +gheconsumeert wert.‟</p> + +<p><span class="strong1">Tief</span>, das, ist im seemännischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar +mehr eine Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei +Inseln; eine Strecke, die tief genug ist für Schiffe. Dep heißt sonst +niederdeutsch Graben, Kanal, Fluß, niederländisch diep (Nieuwediep, +sprich Nüwediep), englisch deep, Tiefe, See, Meer; „Anything remarkable +for depth, sea, ocean.‟ Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so +daß es nicht bloß Meerestiefe, sondern (Luther) überhaupt Meer bedeutet.</p> + +<p><span class="strong1">Tiefgangsmarke</span>, s. Ahming.</p> + +<p><span class="strong1">Tiefladelinie</span>, die, ist eine außenbords an einem Handelsschiffe +angebrachte, durch einen Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt, +wie tief ohne Gefahr für Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug +geladen werden darf. Das richtet sich nach der Bauart und Güte des +Schiffes, nach der Art der Ladung und besonders auch nach dem +Bestimmungsort, indem ein Schiff für große Fahrten nicht so tief geladen +werden darf, wie ein Binnenfahrer. — Es wäre zu wünschen, daß ein +allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz gegeben würde.</p> + +<p><span class="strong1">Tieflot</span>, das, hieß sonst das „schwere‟ oder „große‟ Lot, ein Lot, das +dazu dient, größere Tiefen auszuloten als das Handlot<a id="Page_482"></a> + <span class="pagenum">[482]</span> es vermag, +s. loten. Da zum Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des +Schiffes beschäftigt sind, so verständigen sich diese unter einander +durch Aussingen, wobei der berühmte Vers ausgesungen oder gerufen wird: +Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das große Lot Und +schlägt euch alle tot. „Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck +gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, alß dat Duiep +Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See, +und sünst dar men underschetlicke Gründen hefft; welckes bewilen gude +Narichtunge gifft.‟ „Kunst der Seefahrt,‟ 1673.</p> + +<p><span class="strong1">Timmerstek</span> s. Stek.</p> + +<p><span class="strong1">Tjalk</span>, die, ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug für +Küstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im +Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause +ist, schreibt man in Folge der eigentümlichen Aussprache des j im Anlaut +oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand +läßt für Tjalk auf eine ursprüngliche Form Jalk schließen. In der Tat +kennt und hat auch das „Bremer Wörterbuch‟ noch diese Form. So geht das +Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurück und dürfte eine +Diminutivform davon darstellen, die über Jolleken, Jolken, Jolk sich +entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hören. Es ist +dabei zu bedenken, daß Jolle, wenn sie wirklich durch die Phönizier mit +ihrem gaulos an unsere Küsten gelangt ist, damals kein so kleines Boot +war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug.</p> + +<p><span class="strong1">Tonne</span>, die.</p> + +<p>1. Ein Seezeichen, das ursprünglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber +aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr ähnlich sieht. Aber +der Name ist geblieben und hat sogar dienen müssen zur Zusammenfassung +der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die +Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und überhaupt in Ordnung +halten, heißen jetzt <span class="strong1">Tonnenleger</span>, Dampftonnenleger. Früher, z. B. zur +Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hießen +sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunächst zur Unterhaltung +der Seezeichen bestimmt waren, so heißen sie noch heute <span class="strong1">Tonnengelder</span>.<a id="Page_483"></a> + <span class="pagenum">[483]</span></p> + +<p>2. Spricht man von Tonne im Sinne von <span class="strong1">Tonnengehalt</span>. Dieser bedeutet die +Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag, bezw. +die Anzahl der Registertonnen als Raummaß für die Schiffsvermessung; +eine solche Tonne mißt 2,832 cbm; während eine Tonne als Schiffslast +1000 Kgr. wiegt.</p> + +<p>Schon frühzeitig ist man im <span class="strong1">Betonnen</span> eines Fahrwassers von der +eigentlichen Tonnenform der größeren Deutlichkeit der Unterscheidung +zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch, +Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine Ähnlichkeit hatten. +Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt‟ 1588, schreibt: „Op alle de stroomen +van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste +rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als +hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein +Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op +de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de +ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met +korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange +mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder +sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen +onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen +fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de +contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Tonnenbojer</span>, der. Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen, +wangerländisch tunbujer. — Als die Bremer dem Grafen Anton Günther von +Oldenburg, ja dem Kaiser und Reich mit Gewalt entgegentraten um einen +den Oldenburgern vom Kaiser bewilligten Weserzoll zu hindern, war das +Mittel der Gewalt — ein einziger „Tonnenboyer‟. Der genügte der freien +Reichs- und Hansastadt Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des +Kaisers und des Grafen zu hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken +ähnlich einem Zollkreuzer, mit einigen Kanonen, für gewöhnlich +friedlicher Beschäftigung obliegend, aber gelegentlich zu kriegerischen +Zwecken verwendet. Übrigens hatte man früher auch gewöhnliche kleinere +Handelsschiffe, die Bojer hießen, aber mit dem Legen von Bojen nichts zu +tun hatten, sondern nur nach dem Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut +waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem Maste, die kaum die hohe See +hielten, wie aus einer alten Nachricht erhellt: „anno 1525 im pasken +(Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit enem bojer mit enem smaksegel +in Engelant, das touoren angehört was.‟</p> + + +<p><span class="strong1">Topp</span>, der, in der Einzahl richtiger: <span class="strong1">Top</span>. Spitze, Äußerstes, Höchstes; +höchste Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Großtop, +Kreuztop den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und +dran ist, so daß pars pro toto genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe +oder Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp, +eigentlich im Singular bloß Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit +unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in +seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten +welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlußlauten entstanden +waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt +Wilmanns, daß sie besonders lehrreich sei, „weil sie sich zum großen +Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig +fortschreitende Änderung der Konsonanten und die sie regelnden Kräfte +gewährt.‟<a id="Page_484"></a> + <span class="pagenum">[484]</span> „Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5. +bis 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele +romanische Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche +aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus; +die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der +Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer +wird die Wirkung.‟ An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im +Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene +Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z. +Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist +also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher +Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es +bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze +gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das +herabhängende, geflochtene Haar, sondern den „Schopf‟, das nach oben +zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet) +bedeute. Wenn Shakespeare sagt: „To take the present time by the top‟; +so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den +Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen +hätte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen. — Im Niederländischen heißt top +so allgemein das Oberste, Äußerste, „die Krone‟ von etwas, daß man sogar +vom „top van den vinger‟ spricht.</p> + +<p><span class="strong1">Top und Takel.</span> Vor Top und Takel segeln heißt, ohne jegliches Segel zu +setzen sich dem Sturme preisgeben, so daß also lediglich das Schiff +selbst und seine Takelage dem Sturme eine Angriffsfläche bietet. Es +liegt auf der Hand, daß das äußerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder +Sterben geht. Darum heißt französisch das „aller à mats et à cordes‟ +auch „aller à la dérive, aller à Dieu et au tems‟ (Aubin, 1702). +Dänisch: „med top og tavl‟, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut +und Haaren. In Holland, überhaupt bei allen seefahrenden Völkern sind +ähnliche Redewendungen in Gebrauch; „over Gods genaade drijven‟; „sig +aan het geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.‟</p> + +<p><span class="strong1">Toppnant</span>, weiblich. Toppnanten sind „Taue, die an beiden Nocken der +Rahen und am Top des Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen +Block aufs Deck hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal +zu erhalten oder sie auch<a id="Page_485"></a> + <span class="pagenum">[485]</span> nach Umständen gegen den Horizont zu +neigen‟, vergl. Kajen. Treffend heißen die Toppnanten französisch +balancines. „On s'en sert pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle +est dans la situation naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon +qu'il est à propos‟ (Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute +ich, daß Toppnant nichts weiter ist als eine Verkürzung von Toppenende, +das zuerst Toppnend geheißen haben mag und dann ohne Rücksicht auf die +Herkunft, vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche +Seemannssprache, bei welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesündigt +wurde, die gegenwärtige Gestalt erhielt. Daß „Ende‟, das Ende eines +Taues, für das Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende. — Die Rahe +mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heißt sie toppen.</p> + +<p><span class="strong1">tot</span> wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht:</p> + +<p>1. Totes Gewicht s. Deplacement.</p> + +<p>2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der über der +Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskörpers, der sich über +Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser +verdrängen, weil er also nicht mit trägt, sondern getragen werden muß.</p> + +<p>3. Totes Holz. So heißen die Kielklötze. Sie heißen so im Gegensatze zu +dem lebendigen, beweglichen Schiffe.</p> + +<p>4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heißt, gegen den Strom so viel +Fahrt machen, daß man ihn überwindet und trotz des Stromes noch vorwärts +kommt, seinem Ziele sich nähert. Ein Schiff tot segeln, heißt, es +überholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es.</p> + +<p><span class="strong1">toppen</span> s. brassen und toppen.</p> + +<p><span class="strong1">Törn</span>, der, s. Seetörn.</p> + +<p><span class="strong1">Torpedo</span>, der. In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem +Torpedo ziemlich ausschließlich einen Offensiv-Torpedo (während die +Defensiv-Torpedos Minen genannt werden), also das bekannte +zigarrenähnliche Geschoß, mit Schießbaumwolle geladen, von komprimierter +Luft durch eine kleine Schraube getrieben, unter Wasser sich mit +ziemlicher Geschwindigkeit auf ein feindliches Schiff zu bewegend, um da +zu explodieren und das Ziel in die Luft zu sprengen. Das Nähere gehört +nicht hierher, ist auch in tiefes Geheimnis gehüllt. — Nur muß bemerkt +werden,<a id="Page_486"></a> + <span class="pagenum">[486]</span> daß fälschlicherweise im Binnenlande und sogar auch in +Kriegshafenstädten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein <span class="strong1">Torpedoboot</span> +meint, nämlich ein Boot, das lediglich zum Schießen mit Torpedos +eingerichtet ist und ausschließlich dazu bestimmt ist, während die +großen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so nebenbei +haben. — Torpedos müssen rasch arbeiten; es ist daher ein +eigentümliches Zusammentreffen, daß das Wort eigentlich steif, langsam, +plump, unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe, +unförmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo) +empfangen. Er hat ihn allerdings für diese moderne Seekriegswaffe nicht +hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fähigkeit, +elektrische Schläge auszuteilen.</p> + +<p><span class="strong1">Torpedooffizier</span>, der. Ein Torpedooffizier verhält sich zu einem +Torpederoffizier wie ein Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier, +d. h. der Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das +Militärische am Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schießen, +während der Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der +Verwaltung in Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden +Lebensberuf. Der Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine +Zeit lang das Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein +anderes Kommando bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier, +Kommandant u. s. w.</p> + +<p><span class="strong1">Trackkarte</span>, die, ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks, +d. h. die Strecken die sie auf See zurückgelegt haben, einzeichnen, den +Weg den sie „gezogen‟ sind (denn track hängt mit dem niederdeutschen, +niederländischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen. +Seemännischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung, +allenfalls noch als Anhaltspunkt für das Gedächtnis in Bezug auf +Strömungen, vorherrschende Windrichtungen, überstandene Stürme, Länge +der Seetörns u. s. w.</p> + +<p><span class="strong1">Treibbake</span> = Schwimmbake, s. Bake.</p> + +<p><span class="strong1">Treiber</span>, der, ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal +auch bei sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste +fahrendes, über das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl +(s. Tjalk) — Tagelake. Es soll den Großbaum entlasten und durch den +Druck auf das Heck den Bug gegen die See halten. — Ist schweres Wetter, +so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer, stärkerer +<span class="strong1">Sturmtreiber</span>. — +<a id="Page_487"></a> + <span class="pagenum">[487]</span> Früher hatte man auch auf Vollschiffen einen +Treiber. Er fuhr an einer Leesegelsspier, die an der Nock der +Besansgaffel gehißt war; die Schoten wurden an einer über die Reling +gelegten Spier ausgeholt. Es war also dieser Treiber eine Art Rahsegel. +Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor dem Winde segelte, der Besan also +nicht zur Geltung kam. Viel half der Treiber freilich auch nicht, aber +er trieb das Schiff immerhin etwas schneller weiter, half also die Fahrt +beschleunigen und so das Verdienst mehren und führte darum den +sinnreichen Namen „Brodgewinner.‟</p> + +<p><span class="strong1">treiben.</span> Das bekannte Lied: „Treibe, treibe, Schifflein treibe!‟ klingt +ganz nett im Salon; im seemännischen Sinne ist treiben keine angenehme +Bewegung, sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht sähe. Ein +Schiff treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt +eines Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt „vor Top und Takel‟ +wenn der Sturm so schwer ist, daß es keine Segel führen kann. Es treibt +„vor Anker‟ wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz +der Anker in Bewegung gerät. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und +allen möglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom +oder ungünstiger Wind es von seinem Kurse abdrängen.</p> + +<p><span class="strong1">treideln</span> ist die offizielle Bezeichnung für das, was sonst treilen, +trauen, treieln, treueln, troilen heißt und die Tätigkeit eines Menschen +bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen +Fluß oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heißt Treil; französisch +traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort +traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen +ist, woher das d hineingekommen ist. Man könnte denken, sie habe sich +aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab, +das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so könnten +die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen hätte dabei +das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen +Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder +troilen. 1323: „Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen +dicitur.‟ 1343: „We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat +to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde +neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen.‟ 1348: „Also dat +de ghenne, de<a id="Page_488"></a> + <span class="pagenum">[488]</span> twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde +neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen +na ereme behoue.‟ Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus für +Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: „Ok so mögen de schiplude troylen +vp mynen oueren.‟ Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des +Gedankens daran, daß der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze +Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So könnte ein +Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten +sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mußte und zur +Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, daß der noch teilweise von +Kaiser Trajan herrührende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als +Halbwölbung in den Felsen eingehauen, teils als hängender Weg gebaut +war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und daß treppeln so +viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist. — Es wäre auch +möglich, daß der Gedanke an trödeln das d in treideln gebracht hätte, +weil das Geschäft zuweilen recht langsam vor sich geht. — Die Franzosen +haben für den Mann, der es betreibt, ein seine Tätigkeit sehr deutlich +beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen Zeitwort holen (s. +d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz mit ihm und rief ihm +früher an der Loire und sonst in Frankreich das Wort arrache-persil, +Petersilienausreißer, zum Spott zu. Sprichwörtlich sagte man nicht +unwitzig: „arrache-persil navigue aussi.‟ Sie antworteten mit einer Flut +von Schimpfreden, ähnlich wie die Flößer auf dem Neckar, wenn die +Tübinger Studenten ihnen zuriefen: „Jockele sperr!‟ — Englisch to +drail; holländisch (Weiland) treil: denkelyk een bastaardwoord van het +fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken, afkomstig. Eene lyn, +om een schip voort te trekken. Voorts — und das bedeutet eine +bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich übrigens auch in +Ostfriesland findet — „ook het gesamenlyke touwwerk van een schip: van +zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd. — Het schip +word met zeil en treil verkocht.‟</p> + +<p><span class="strong1">trekken</span>, s. treideln.</p> + +<p><span class="strong1">Trempel</span>, s. Drempel.</p> + +<p><span class="strong1">trensen</span> heißt teils zur Verstärkung, teils des besseren Aussehens wegen +um ein Tau ein anderes dünneres so herumlegen oder schlängeln, daß +letzteres den Raum zwischen den Kardeelen<a id="Page_489"></a> + <span class="pagenum">[489]</span> des ersteren, die +Vertiefungen, ausfüllt. Ankertaue wurden, Wanttaue werden zur +Verstärkung, Sceptertaue des besseren Aussehens wegen getrenst. — Das +Wort ist schon früh aus dem Spanischen gekommen, wo trenzar flechten +heißt. Kilian hat es als trensse = funiculus, vinculum reitinaculum +equorum, also als Trense im Sinne von Pferdezaum, vom spanischen +Substantivum zu trenzar trenza die Flechte, Zopf, trenzado geflochtener +Zopf an den Mähnen der Pferde. — Im seemännischen Sinne bei Aubin 1702: +emmieller un étai = een stag trensen; tusschen de staagen met dunne +draaden woelen‟ (s. Wuhling).</p> + +<p><span class="strong1">Tresidderplatte</span>, s. Panzerplatte.</p> + +<p><span class="strong1">Trift</span>, s. Abtrift und Seetrift.</p> + +<p><span class="strong1">triftig</span> ist das Schiff, wenn es treibt (s. treiben). Seetriftige Güter +sind solche, die auf der See treiben oder von der See an die Küste +getrieben werden. Hanseatische Urkunde von 1513: „vorder schal unde mach +de copmann schipbrochich affte zeedriftich gut sulvest bergen effte +bergen laten.‟ Ditmarsische Urkunde von 1384: „Se scholen hebben den +drudden del des ghudes, dat drifftich worden were.‟ Bremer Urkunde von +1564: „Jacob R. sy mt synem bochsprede inn ohre houwet tow gedreuen, dar +her also se beide thosamende drifftich gewurden vnde inn grundt gedreuen +weren.‟</p> + +<p><span class="strong1">trimmen</span> heißt: „in Ordnung bringen.‟ „Die Segel trimmen‟, sie in +gebrauchsfähigen, ordnungsmäßigen Zustand versetzen; „Kohlen trimmen,‟ +sie richtig in den Kohlenbunkern unterbringen. — Von dem englischen +trim mit deutscher Endung weiter gebildet und erst in neuerer Zeit, +unter der Herrschaft des Dampfes siegreich durchgedrungen. +Angelsächsisch trymian, trymman, befestigen, fest machen, in Ordnung +bringen; trum = stark, fest, englisch to trim, „to put in due order for +any purpose.‟ Auch im übertragenen Sinne: „Leute trimmen,‟ gut +einexerzieren, gut auf eine Sache einüben; „seine Leute gut im Trimm +haben.‟ — Einen besonderen Sinn hat Trimm in der Verbindung +<span class="strong1">Trimmberechnung</span>. Diese hat den Zweck, die Tauchungsänderung eines +Schiffes vorne und hinten bei Verschiebung von Gewichtung in der +Längsrichtung zu berechnen, und Trimm hat hier die Bedeutung von trim = +„to adjust, as a ship or boat, by arranging the cargo or disposing the +weight of persons or goods so equally on each side of the centre and at +each end that she shall sit<a id="Page_490"></a> + <span class="pagenum">[490]</span> well on the water and sail well. A +vessel is said to be trimmed by the head or by the stern respectively +when the weight is so disposed as to make her draw more water towards +the head than towards the stern, or the reverse.‟</p> + +<p><span class="strong1">trissen</span> nannte man bei der ausgestorbenen Blinde das, was man bei +anderen Rahsegeln brassen nennt. Mittelniederdeutsch trisse, trysse, +tritse = Winde; s. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch +IV. 613; trissen drehen, schwingen, winden. Erhalten ist das Wort im +niederdeutschen triseln, herumlaufen, taumeln, schwindeln, und drüseln, +zaudern, zögern, ostfriesisch trüseln und triseln, unsicher, hin und her +wankend gehen, hin und her wanken und schwanken, wie ein Ohnmächtiger +oder ein Betrunkener. Also: „hin und her bewegen.‟</p> + +<p><span class="strong1">Trompetenstek</span> s. Stek.</p> + +<p><span class="strong1">Troier</span>, der, das Flanellhemde, das unsere Kriegsschiffsmatrosen auf der +bloßen Haut tragen, vorn auf der Brust mit einigen blauen Streifen +besetzt. — In Ostfriesland heißt (Doornkaat III 437) tröje, troi eine +gestrickte wollene Unterjacke für Männer, ohne Knöpfe, die als Bluse +oder Hemd über den Kopf angezogen wird. Im Groningenschen heißt so eine +gestrickte Weste „een gebreide mansborstrok, die de plaats vervult van +hemdrok.‟ Schon beim Teuthonista kommt das Wort für Jacke vor in der +Form troye. Auch sonst häufig in mittelniederdeutschen Urkunden z. B. in +einem Stendaler Privileg der Kürschner und Schneider vom Jahre 1346: +„vortmer we eyn werk sick bededingeth tu makende mit bomwullen als eyn +troye edder des ghelik, maket de schroder dat wandelbar, dat schal he +beteren mit dren schillingen‟ oder in der Lübecker Chronik: „des blef de +reise na, unde dar ward af achter en pels unde vor en troye.‟ Das +„Bremer Wörterbuch‟ bemerkt, daß troje, troye in einer alten Urkunde als +eine Waffenrüstung vorkam, ein Koller oder Brustharnisch. In der Tat +steht in einem Oldenburger Statut von 1345 ... „zinen helm ofte ysern +hut, zine yseren huven, zine troyen, zine armeleden.‟ Und weiter: „en +iewelk lantman ... schal hebben to ewighen tyden ene troyen, enen ysern +hud, en par wapenhanschen, enen schilt, ene worpbarden vnde enen peck +van zestein voten vnde kortere nicht.‟ Aber auch hier bedeutet troye +offenbar weiter nichts als Wams, etwa ein Lederwams, wie es eben damals +Bauern und andere Leute, die den Krieg<a id="Page_491"></a> + <span class="pagenum">[491]</span> nicht rittermäßig im +Brustharnisch führten, zu tragen pflegten. Diese Verwendung von troye +hilft also nicht bei der Erklärung, und der Versuch Doornkaats, es vom +althochdeutschen triuwa, bezw. von tro, troi in der Bedeutung fest, +sicher abzuleiten, leuchtet nicht ein. — Mittelhochdeutsch troie = +Wamms: Dafür führen nach Diefenbach Schiller und Lübben IV. 614 eine +Form triplois auf. Dies könnte auf eine Spur führen. Da neben triplois +gleichzeitig diplois steht, so ist anzunehmen, daß damit die Qualität +und Herstellungsart des Stoffes, aus dem der troie gemacht war, +angedeutet werden soll, wie man im Deutschen von fünfschäftigem Zeug +oder im Französischen von taffetas deux bouts spricht. Es kann also +triplois ein dickes, warmes, mit drei doppelten Wollfäden gestricktes +Wams gewesen sein, und aus triplois wird beim Übergang ins +Mittelhochdeutsche durch Schwund der mittleren, unbequemen Buchstaben so +gut troie, zunächst troi, geworden sein, wie aus paraveredus Pferd +geworden ist. — Das r am Schlusse von Troier hat sich erst beim +Übergang aus dem Neuniederdeutschen ins Neuhochdeutsche aus Unkenntnis +des Ersteren hinzugefunden.</p> + +<p><span class="strong1">Trosse</span>, die, auch Troß, ist ein besonders dickes, starkes, langes Tau +aus Hanf, Manilahanf (dann auch Manilaleine genannt) oder Draht, das zum +Verholen von Schiffen und auch sonst überall da gebraucht wird, wo viel +zu halten ist, z. B. wenn ein Schiff sich an ein Bollwerk legt. — Das +Wort kommt im Mittelniederdeutschen für ein Tau vor, das außerhalb des +Wassers gebraucht wird, wie es im Lübischen Zunftrecht heißt: „Vorthert +warckgarne dat schal nen reper slan tho kabellen, to waterthowen, anders +nergent to men tho trossen.‟ — Niederdeutsch — ostfriesisch — +niederländisch versteht man unter tros, trosse ein Bündel oder Büschel +von Beeren; Weiland: „tros = een bundel van onderling vereenigde dingen: +een groote tros druiven.‟ Die Bedeutung vereinigt sich mit der Trosse +der Seemannschaft in dem Begriffe binden, zusammenbinden. Daher +mittelhochdeutsch trossen = packen, Gepäck zusammenbinden und aufladen +(woher Troß, Troßknecht). Neufranzösisch trousser, altfranzösisch +torser, provençalisch trossar, italienisch torciare: zusammendrehen, +festbinden, vom lateinischen torquere. Mittellateinisch trossa, das +Heubündel, Strohbündel, spanisch troza, Seil zum Binden.</p> + +<p><span class="strong1">Trysegel</span>, das, ist der zuweilen, neuerdings besonders auf<a id="Page_492"></a> + <span class="pagenum">[492]</span> +Lustjachten, gebrauchte, dem Englischen entnommene Ausdruck für das +deutsche Schratsegel. Wegen der vorherrschend dreieckigen Gestalt dieser +Segel dürfte das Wort auf irgend eine Weise mit dem lateinischen tres, +tria zusammenhängen.</p> + +<p><span class="strong1">tublocks.</span> Wenn man an einer Talje so lange holt bis es nicht weiter +geht, so ist der eine Block an den andern gekommen, man hat die Talje +also „Block an Block‟, „tublocks‟ geholt. Damit ist das Holen zu Ende. +Soll es weiter gehen, so muß eine neue Talje aufgeschlagen werden. Daher +die übertragene Bedeutung: „ich bin mit meinem Gelde tublocks, ich bin +mit meinen Zigarren, mit meinen Vorräten tublocks.‟</p> + +<p><span class="strong1">Tümmler</span>, der.</p> + +<p>1. Der Stehauf, ein schwankendes, taumelndes, sich von selbst +aufrichtendes und aufstellendes Glas, englisch tumbler.</p> + +<p>2. Der Delphin, wegen seiner eigenartigen Bewegung, die ihn öfters als +einen Taumelnden, Sichdrehenden sichtbar an der Oberfläche des Wassers +erscheinen läßt. Daher ein Seesoldat scherzweise ein Tümmler genannt +wird, wohl wegen des taumelnden Ganges an Bord in Folge der mangelnden +„Seebeine‟.</p> + +<p><span class="strong1">Türkischer Bund</span>, Knoten s. Knoten.</p> + +<p><span class="strong1">Turm</span>, der. Unter Turm versteht man in der modernen Seemannssprache einen +gepanzerten oder geschützten turmartigen Aufbau. Derartige Türme dienen +auf unseren Panzerschiffen zum Schutze besonders wichtiger Stellen. Man +unterscheidet hauptsächlich Kommandotürme und Geschütztürme. Erstere +schützen den Kommandanten und die ihn im Kommando Unterstützenden, sowie +die Kommandoapparate oder -elemente, besonders auch die Leitungen der +elektrischen Befehlsübertragungen. — Die Geschütztürme schützen die +Kanone mit ihrer Mannschaft. Sie sind meist so eingerichtet, daß, um die +Geschütze zu richten, nicht diese selbst gedreht werden, sondern es wird +der Turm, in dem die Kanone steht, bewegt. Man hat, nach ihren Erfindern +benannt, verschiedene Türme, den Coles'schen, den Ericson'schen, den +Napier'schen Panzerturm. Der Barbetteturm, auch kurz Barbette genannt +nach der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Artilleristen, hat die +Eigentümlichkeit, daß seine Geschütze „über Bank‟ d. h. über den Rand +der Turmwand hinweg schießen.</p> + +<p><span class="strong1">Twist</span>, der, heißt die Wischbaumwolle die, besonders in der Maschine, zum +Wischen, Putzen, auch zum Abwischen der von Maschinenöl beschmutzten +Hände, benützt wird. Ursprünglich ein Garn, zweimal gedreht; dann +überhaupt gedreht, verwickelt, zusammengeballt. Das niederdeutsche twist +heißt auch Zwist, Zwietracht, es steckt immer die Zahl zwei, twe +darinnen, wie in Zwieback, zwiespältig, zwiefach; „twie in dem jare‟, +zweimal im Jahre, sollten nach dem Lagerbuch des drosten Jakob van der +Sprecken vom Jahre 1428, die Herren bei ihren „belenden luden‟ +einkehren.</p> + + + +<h2> +<span><a id="U"></a>U.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">„Überall!‟</span> lautet der Ruf mit dem „Alle Mann‟ in der Frühe geweckt +werden, während der Ruf beim Wecken der neuen Wache „Reise! Reise!‟ (s. +d.) heißt. Das „Überall‟ ist zum größeren Nachdruck von einem mächtigen +Gepfeife des Bootsmanns<a id="Page_493"></a> + <span class="pagenum">[493]</span> und seiner Maate begleitet. Man nannte +das früher „Reveille‟, jetzt heißt es „Wecken‟. Und das ist gut, denn +mit diesem Worte waren deutsche Seeleute französischer als die +französischen, die gar nicht Reveille sagen, sondern battre la diane. +Das haben die Holländer treuherzig übersetzt: „die Diana slaan‟ und +gewiß, wenn sie überhaupt etwas dabei gedacht haben, an die alte Göttin +Diana gedacht. Warum sollte auch gerade die Göttin der Jagd beim +Aufstehen der Seeleute „geschlagen‟ werden? Sie nannten freilich auch +die „Morgenwache‟ Diana. Aber die Franzosen selbst haben das Wort wieder +aus dem Italienischen. Da heißt diana der Morgenstern, eigentlich Stella +diana, der Tagesstern, der das Herrannahen des Tages verkündigt, von dem +verloren gegangenen aus dies gebildeten Adjektiv diano. — Unsere +treffliche Flottenvereins-Wochenschrift führt trefflich den Titel +„Überall‟, weil überall in Deutschland ihr Weckruf zu Gunsten einer +„achtunggebietenden Flotte‟, wie man vor fünfzig Jahren sagte, gehört +werden soll.</p> + +<p><span class="strong1">„Über Bord‟</span> unterscheidet sich sehr wesentlich von „Von Bord‟. Dieses +wird gebraucht, wenn jemand oder etwas auf ordnungsmäßige Weise von Bord +geht. Man sagt: „Dienstlich oder mit Urlaub oder krank oder bei +Außerdienststellung von Bord gehen; das Boot setzt von Bord ab; die +Takelage, die Artillerie, das Inventar von Bord geben‟, dagegen: „etwas +über Bord (ins Wasser) werfen, der Hut geht (nicht so häufig fliegt) +über Bord, der Mann fällt über Bord; Leiche über Bord setzen.‟ Rostocker +Chronik: „a. 1566 synt van Denen ond dudsche ock vel tot bleuen, de +hefft men auer bort na sebruck geworpen ond en gelt by gebunden, dat se +konden begrawen werden, wen se an land quemen.‟</p> + +<p><span class="strong1">unterfangen</span> wird gebraucht, wenn man etwas irgendwo fest bindet, wo es +möglichst wenig im Wege ist und möglichst wenig Platz einnimmt, +namentlich wenn man etwas an der Decke irgend eines Raumes fest bindet, +so daß es da hängt ohne den Raum seiner eigentlichen Bestimmung zu +entziehen. Das Wort wird <span class="strong1">unter</span>fangen betont, es ist nicht in dem +ethischen Sinne, indem man sagt „ich habe mich unter<span class="strong1">fangen</span>‟ d. h. „ich +habe es gewagt‟, gebraucht, sondern in dem rein mechanischen des +Befestigens. Wenn fangen mit paça, das im Sanscrit Strick heißt, und mit +pax, der Friede, das eigentlich „Befestigung‟ bedeutet,<a id="Page_494"></a> + <span class="pagenum">[494]</span> verwandt +ist, so gebraucht es in der Verbindung „unterfangen‟ die Seemannssprache +in seiner urspünglichsten Bedeutung: „etwas (unter Deck, unter der +Decke) befestigen, festbinden.‟</p> + +<p><span class="strong1">Über Stag gehen</span> s. Stag.</p> + +<p><span class="strong1">unklar</span> s. klar.</p> + +<p><span class="strong1">unterschlagen</span> mit dem Ton auf unter, heißt das Segel aus der Segelkoje +holen und mit der dazu gehörigen Rahe verbinden, es an der Rahe +befestigen. Das Gegenteil davon heißt Segel abschlagen. Segel +unterschlagen und abschlagen unterscheidet sich also sehr wesentlich von +Segel setzen und Segel bergen. Segel setzen heißt die untergeschlagenen +Segel ausspannen, Segel bergen die ausgespannten Segel wieder einziehen, +zusammenfalten und festbinden, aber untergeschlagen lassen, so daß sie +jederzeit leicht wieder gesetzt werden können. — Die eigentliche +Bedeutung von schlagen ist: „eine Bewegung zu etwas hin machen. — </p> + +<p><span class="strong1">unsichtig</span> s. sichtig.</p> + +<p><span class="strong1">Unterwindluftzuführung</span> s. Windsack.</p> + +<p><span class="strong1">unter Land</span> sagt man für „im Schutze des Landes‟. Ein Schiff befindet +sich unter Land, wenn zwischen ihm und dem Winde Land liegt, das ihm den +Wind abhält oder doch abschwächt, also wenn es sich an einer Luvküste +befindet. Es ist also bei dieser Redensart zu ergänzen: „unter (dem +Schutze von) Land.‟</p> + + + +<h2> +<span><a id="V"></a>V.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Variation</span>, die. Die verschiedenen für den seefahrenden Mann wichtigen +Ablenkungen: Variation, Mißweisung, magnetische Deklination, Deviation, +astronomische Deklination, stellen sich gemäß befreundeter +fachmännischer Auskunft kurz so dar: Eine jede nur in ihrem Schwerpunkte +unterstützte, sonst aber frei schwebende Magnetnadel stellt sich in die +magnetische Nord-Südlinie. Der Winkel, den diese magnetische +Nord-Südlinie mit der astronomischen Nordsüdlinie bildet, heißt +„<span class="strong1">Missweisung</span>‟, „<span class="strong1">Variation</span>‟ oder auch „<span class="strong1">magnetische Deklination</span>‟. — Nur +an einem völlig eisenfreien Orte steht die Nadel in der magnetischen +Nordsüdlinie,<a id="Page_495"></a> + <span class="pagenum">[495]</span> ist Eisen in der Nähe der Nadel, — wie an Bord der +Schiffe — so weicht die Magnetnadel um einen gewissen Winkel (dessen +Größe unter anderen Ursachen auch von der Entfernung, Lage u. s. w. des +Eisens zur Nadel abhängt) von der magnetischen Nord-Südlinie ab. Dieser +Winkel wird „<span class="strong1">Deviation</span>‟ genannt. Die Deviation ändert sich mit dem Kurse +des Schiffes. — „Abweichung stammt aus der nautischen Astronomie und +ist die Verdeutschung des Wortes „<span class="strong1">Deklination</span>‟; nämlich „<span class="strong1">Abweichung</span>‟ der +Gestirne vom Äquator des Himmels.‟ — Die „Beschriving von der Kunst der +Seefahrt‟ 1673 hat eine eigene Abhandlung „Thom Dörden: Wo men de +declinatie der Sünnen finden, und die Instrumenten tho meting des Poles +hochte gebrucken sal.‟</p> + +<p><span class="strong1">Ventilator</span>, der, s. Windsack.</p> + +<p><span class="strong1">Verbodmen</span> s. Bodmerei.</p> + +<p><span class="strong1">Verdeck</span>, nicht seemännisch, s. Deck.</p> + +<p><span class="strong1">verfahren</span> hat eine ganz andere Bedeutung als das althochdeutsche +farfaran = dahinfahren, sterben; auch wird es im anderen Sinne gebraucht +als wenn man von einer verfahrenen Sache spricht; schon näher kommt man +der seemännischen Bedeutung, wenn man an das in und um Gröningen +gebräuchliche vervoaren denkt, das = verhuizen, also = umziehen ist, +eine andere Wohnung beziehen oder von einem Orte zum andern ziehen. Man +spricht nämlich: „eine Trosse verfahren‟ und meint damit, sie von einer +Stelle (wo sie keine Dienste mehr leisten kann) nach einer anderen (wo +sie wieder fest gemacht wird) bringen, z. B. von einem Poller oder von +einer Boje nach der andern verfahren beim Verholen eines Schiffes oder +beim Durchschleusen eines solchen. Und zwar ist der ursprüngliche +Gedanke der gewesen, daß die Ortsveränderung der Trosse mit Hilfe eines +Bootes vorgenommen, daß sie ausgefahren und dann von einer Stelle zur +andern weiter gefahren wurde.</p> + +<p><span class="strong1">verfangen.</span></p> + +<p>1. Ein Tau verfangen, einen Stopper auf ein so lange von den holenden +Matrosen festgehaltenes Tau schlagen und so fest machen, daß es nicht +wieder zurücklaufen kann. So gebraucht, hat verfangen den Sinn des +hochdeutschen fangen.</p> + +<p>2. Eine Beting verfangen, die Beting bei starkem Zug des Ankertaues auf +dem Deck abstützen. Hier nähert sich der Begriff dem von 3, indem die +Abstützung gleichsam im Falle der Not an<a id="Page_496"></a> + <span class="pagenum">[496]</span> die Stelle der +eigentlichen Beting zu treten hat; er hat aber auch etwas von 1. an +sich, da die Abstützung ein Festmachen, eine Verhinderung der Bewegung +in erster Linie darstellen soll.</p> + +<p>3. Einen Posten verfangen, d. h. ihn ablösen. In diesem Sinne wird das +Wort in Ostfriesland und in Holland gebraucht für „an die Stelle eines +anderen treten.‟ Wenn in Holland einer Soldat werden soll und er kauft +sich für Geld einen anderen, der für ihn eintritt, so ist dieser andere +sein plaatsvervanger. Ein solcher „Stellvertreter‟ hieß altfriesisch +forifongera, forifonghera, forifongere (Richthofen 751). „Sa hwa sa +breke, thet hi bete, hit ne se, thet hi forifongera winne‟ d. h. was +einer zerbricht, muß er büßen, es sei denn daß er einen findet, der an +seine Stelle tritt, für ihn die Buße übernimmt.</p> + +<p>Schon das althochdeutsche far, -fir, -for, -fer, -fahan hatte eine +reiche Bedeutung von „fassen‟ an bis hin zu „sich zu etwas +verpflichten‟, „sich eines Dinges unterfangen‟, die letztere Bedeutung +kommt der seemännischen nahe im Sinne von „sich einer Stellvertretung +unterfangen.‟ — Auch hat ja unser hochdeutsches „verfangen‟ alle drei +seemännische Bedeutungen in sich; wenn etwas verfängt so hält es, so +stützt es und es tritt an die Stelle von etwas; vergl. „verfänglich.‟ — +Am häufigsten hört man an Bord verfangen im Sinne von ablösen, schon +weil das Kommando „Ruder und Posten verfangen‟ alle Stunde wiederkehrt; +doch hört mans auch im Sinne von „stellvertreten‟; so wird der Offizier +der Wache zu einem anderen sagen, wenn er aus irgend einem Grunde +genötigt ist, sich auf kurze Zeit zu entfernen: „Bitte verfangen Sie +mich eine Viertelstunde.‟</p> + +<p><span class="strong1">vergissen</span>, sich, s. gissen.</p> + +<p><span class="strong1">verholen</span>, etwas von einer Stelle auf die andere schaffen. Ein Schiff +verholen heißt, es mittelst Holens an einer ausgefahrenen Trosse auf +einen anderen Platz legen. Außer der Trosse gehören dazu noch andere +Vorrichtungen: Verholspill, Verholklüsen, Verholklampen, doch gehts zur +Not auch ohne diese.</p> + +<p><span class="strong1">Verklarung</span>, die. Verklarung ablegen heißt: sich vor dem zuständigen +Richter über einen an Bord auf See erlebten Unfall, eine Havarie etc. +etc. verhören lassen und dabei sich über die näheren Umstände erklären, +sie erläutern, die Sache deklarieren. Verklaren heißt an sich weiter +nichts als erklären, wie man auch in hochdeutschen Mundarten anstatt +erklären verklären<a id="Page_497"></a> + <span class="pagenum">[497]</span> sagt; es hieß aber besonders schon im +Mittelniederdeutschen „vor Gericht erklären.‟ Lübecker Urkunde von 1413: +„Alse de vorescrevenen schelinge in yegenwardicheyt vnses rades ... +vorlud vnde vorclared worden.‟ — Altfriesisch foerclaria, erklären; +foerclaringhe = Verklarung.</p> + +<p><span class="strong1">Verklicker</span>, der, ist eine leicht vom Winde zu bewegende, sich also nach +jedem Luftzug richtende und daher die Windrichtung genau anzeigende +Vorrichtung aus Kork mit Federn, meist aber, namentlich auf +Kriegsschiffen, ein „Windstander‟ aus leichtem Flaggentuch. Er wird an +einer Stelle angebracht, wo ihn der wachhabende Offizier gut sehen kann +und wo er unbeeinflußt ist von dem Winde der etwa durch ein Segel aus +seiner Bahn gelenkt sein könnte. — Was ein Seemann ist, der kann zwar +ohne dergleichen Hilfsmittel mit der Nase oder den Ohren die Richtung +des Windes genau angeben, aber der Sicherheit wegen und um einen +Vergleich zu haben hat er einen Verklicker. Man würde in Versuchung +stehn ihn Verglieker, Vergleicher, zu nennen, wenn es nicht ein altes +niederdeutsches Wort verglicker gäbe, das der Teuthonista mit scrutator, +catascopus, circulator übersetzt und von dem das „Bremer Wörterbuch‟ +schreibt: „verklicken jemandes Vergehen angeben, verraten, verklicker +ein Angeber, Verräter.‟ In Ostfriesland heißt der Spiegel vor dem +Fenster, den man sonst in Deutschland Spion nennt, Verklicker. Wie +neugierige Frauen in diesem Verglicker sehen, wer auf der Straße geht, +so sieht der wachhabende Offizier an seinem Verklicker, woher der Wind +weht; der Verklicker ist ihm in der Tat ein Verräter und Angeber, der +die Windrichtung angibt und verrät.</p> + +<p><span class="strong1">Verlat</span>, das, hochdeutsch Verlaß, Gelaß; im Allgemeinen in Ostfriesland +ein Raum in dem man etwas läßt, besonders aber eine Kasten- und +Doppelschleuse, worin man das Oberwasser der Kanäle zum gelegentlichen +Gebrauch zurückhält und aufspeichert um es nachher wieder abzulassen. — +Wie alle dergleichen Wörter auch als Ortsbezeichnung, z. B. Ditzumer +Verlat.</p> + +<p><span class="strong1">vermooren</span>, ein Schiff das vor Anker liegt besonders fest oder in einer +besonderen Richtung fest legen mit Hilfe von mehreren Ankern. In +vermooren steckt das althochdeutsche marrjan, mittelhochdeutsch marren, +merren = halten, befestigen, anbinden, anschirren; angelsächsisch +merran, englisch to moor = „to<a id="Page_498"></a> + <span class="pagenum">[498]</span> confine or secure a ship in a +particular station, as by cables and anchors or by chains.‟</p> + +<p><span class="strong1">verstauen</span> s. stauen.</p> + +<p><span class="strong1">vertäuen</span> s. Tau.</p> + +<p><span class="strong1">vertonen</span> heißt eine leichte, skizzenhafte Zeichnung von einer Insel, +einer Bucht, einer Küste machen. Solch eine Zeichnung nennt der Seemann +eine Vertonung. Sie hat einmal für den Zeichner selbst den Zweck, sich +genauer die Gestaltung des Landes mit seinen Bergen, Hügeln, Kirchen, +Türmen, Mühlen, Häusern und Bäumen einzuprägen, also sich eine gute +Landkennung zu verschaffen, sodann aber auch die Vertonung zum gleichen +Behufe an andere weiter zu vergeben, auf Seekarten zu veröffentlichen +etc. Tonen ist ein weitverbreitetes niederdeutsch-niederländisches +Zeitwort das „zeigen‟ bedeutet; daher tonbank, der Tresen, der +Ladentisch, die Bank, auf der den Kunden die Waren gezeigt werden. Im +Mittelniederdeutschen hieß tonen noch besonders „jemandem eine Urkunde +vorzeigen, ein Dokument vorlegen,‟ und das Vorzeigen hieß toninge. — Zur +Zeit mangelhafter Kenntnis der nautischen Berechnungen kam noch mehr auf +eine gute Landkennung an wie heutzutage. Deshalb wirft 1670 der +Verfasser der „Beschriving von der Kunst der Seefahrt,‟ ein alter +befahrener, in manchem Sturm und Schiffbruch erprobter Schiffer, die +Frage auf: „Wo mag man de Landen und Gelegenheit des Fahrwaters kennen +lehren?‟ und erteilt darauf folgende Antwort, aus der — wenn das Wort +selbst auch nicht gebraucht ist — doch hervorgeht, daß damals fleißig +vertont wurde. „Wenn man vom einig Land affsegelt, so most men wol +Achtinge hebben, up wat Art dat Land an tho sehnde ys, wat vor Karcken, +Torens, Mölens, Backen, Husen, offt Berge und andere kenlicke Teckens, +dat dar umbtrent syn, men kan ock datsülvige na Gelegenheit affmahlen +offt afftecken und pegelen upt Compaß, wo ein jeglich Tohren, Möhl, +Karck etc. van ju ys, und warpen ock dat Loth und sehn wo deep, und wat +vom Grund dat dar umbtrent ys, und nehmen ock Achting wo dat Land na +grade int Affseegelnt vorandert, und wen gy sehen, dat sick dat Land +vorändert, so trekket eder mahlet ydt wedder aff und pegelt mit juw +Compaß, wo ein jeglick Ding von juw steit, und so da örde (Spitzen) offt +Hucken vant Land tho sehnde syn, so pegelt se ock inn geliken aff, +warpet ock wedder dat Loet,<a id="Page_499"></a> + <span class="pagenum">[499]</span> und seht wo sick de Grund und Düpte +vorändert, desgeliken möge gy ock solches wedderumb dohn, wen dat Land +begint ant Water tho kamen, und schrieven solckes wedder an, up wat +Streck de klenlickste Platzen offt Tekens vom juw liggen und wat Deepte +gy alßden dar hebben, endlick möge gy solckes noch ins dohn, alß gy dat +Land achter van de Compagnie (Kampanje) effen sehen könet, den stiget in +de Marß offt an de Stengen..‟ Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu +Enckhuyzen, der im Jahre 1588 seinen „Spiegel der Zeevaerdt‟ herausgab, +hat als praktischer Seemann besonders viel auf Vertonungen gehalten, +ihrer auch eine große Zahl auf seinen Seekarten beigebracht, neben +Schiffen unter vollen Segeln und fröhlich in ihrem Element spielenden +Fischen. Er versichert auch ausdrücklich, er habe mit „diversche Piloten +ende bevaren Stuerlieden‟ über seine Karten und Segelanweisungen +„ghecommuniceert, vertoont ende na haerlieder memorialen ghecorrigeert.‟</p> + +<p><span class="strong1">verschalken.</span> Bei sehr schlechtem Wetter, wenn Gefahr vorhanden ist, daß +Sturzseen überkommen, werden die Luken, durch die das Salzwasser ins +Innere des Schiffes dringen könnte, verschalkt, d. h. sie werden +zugedeckt mit ihrer Gräting und darüber wird ein Stück wasserdichten +Segeltuches genagelt; doch so daß die Nägel leicht wieder ausgezogen +werden können, wenn die Gefahr vorüber ist. Zu diesem Zwecke werden die +Nägel nicht bis an ihre Köpfe eingeschlagen, sondern man legt erst ein +Holzklötzchen unter als Unterlage und Stütze gegen zu tiefes Eindringen. +Dieses Klötzchen, im Niederdeutschen schalk (auch Stütze, Unterlage, +Träger bedeutend, eigentlich <span class="strong1">ein Knecht</span>) genannt, hat dem Zeitwort +verschalken zum Dasein verholfen.</p> + +<p><span class="strong1">Very'sche Pistole</span>, s. Cordes'sches Gewehr.</p> + +<p><span class="strong1">Vierdeckschiff</span>, s. Deck.</p> + +<p><span class="strong1">Viermastschiff</span>, s. Schiff.</p> + +<p><span class="strong1">vierschäftiges Tauwerk</span>, s. Tauwerk.</p> + +<p><span class="strong1">„vier auf, vier ab‟</span>, s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Vitalienbrüder</span>, s. Kaper.</p> + +<p><span class="strong1">Vize-Admiral</span>, s. Admiral.</p> + +<p><span class="strong1">Violinblock</span> ist ein Block der Ähnlichkeit mit einer Violine hat, weil in +der Mitte ein Einschnitt ist wie bei einer solchen. Violine heißt +bekanntlich auch Fidel, und diese Form gibt die Erklärung an die Hand; +mittelhochdeutsch fidele, aus mittellateinisch<a id="Page_500"></a> + <span class="pagenum">[500]</span> vitula, fidula, +woraus italienisch, spanisch, portugiesisch viola; vom lateinischen +vitulari springen wie ein vitula, ein Kälbchen, sich lustig geberden. +(Geige kommt wegen der Ähnlichkeit mit einer Hammelkeule vom +französischen gigot.)</p> + +<p><span class="strong1">Vollschiff</span>, s. Schiff.</p> + +<p><span class="strong1">voll Segel</span>, s. „am Winde‟.</p> + +<p><span class="strong1">„voll und bei‟</span>, s. „am Winde.‟</p> + +<p><span class="strong1">„vor dem Mast‟</span>, s. Kuhl.</p> + +<p><span class="strong1">Vorgeschirr</span>, s. Vortop.</p> + +<p><span class="strong1">Vorhandsmann</span>, der, ist ein tüchtiger, brauchbarer, zuverlässiger, +erfahrener Seemann, der bei seemännischen Arbeiten, Exerzitien und +Manövern den Vorarbeiter macht, der vor den andern steht, das Tau an dem +geholt werden soll längs gibt, den Stopper aufschlägt, die Belegschläge +abnimmt, das Tau abstoppt und schließlich wieder belegt und die Lose +aufschießt.</p> + +<p><span class="strong1">von Bord</span>, s. über Bord.</p> + +<p><span class="strong1">vorhissen</span>, s. hissen.</p> + +<p><span class="strong1">vorlastig</span> ist ein Schiff, das vorn tiefer als es sollte und als seiner +Segelfähigkeit zuträglich ist im Wasser liegt, sei es infolge falschen +Stauens der Ladung, sei es aus anderen Ursachen. Vorlastig darf ein +Schiff nicht sein, weit eher etwas achterlastig, weil dann das Ruder +wirksamer ist; deshalb ist achterlastig auch = steuerlastig. Beim +Wettsegeln ist die richtige Verteilung der Leute im Boot von großer +Wichtigkeit.</p> + +<p><span class="strong1">vor dem Wind</span>, s. lenzen.</p> + +<p><span class="strong1">Vormast</span>, <span class="strong1">Vormars</span>, s. Vortop.</p> + +<p><span class="strong1">Vormittagswache</span>, s. Wache.</p> + +<p><span class="strong1">Vorsteven</span>, s. Steven.</p> + +<p><span class="strong1">Vortop</span>, der, müßte nach dem Muster von Großtop und Kreuztop eigentlich +Focktop heißen, aber einmal liegt dieses Wort dem Seemann nicht +mundgerecht und sodann gehört auch das ganze Vorgeschirr des Bugspriets +dazu: Stagsegel, Klüver, Jager und alles was damit zusammenhängt, +insofern, nämlich der Offizier der bei Segelmanövern den Fockmast unter +sich hat auch dieses alles beaufsichtigt und von Leuten der +Fockmastdivision bedienen läßt.<a id="Page_501"></a> + <span class="pagenum">[501]</span></p> + + + +<h2> +<span><a id="W"></a>W.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Wache</span>, die. Unter Wache versteht man an Bord einmal die Tätigkeit des +Wachegehens, sodann die Zeit die gewacht wird und endlich die Gesamtheit +derer, die auf Wache sind. — „Ich habe die Wache,‟ sagt der Offizier, +den man Offizier der Wache nennt. Offizier der Wache ist aber nicht +gleichbedeutend mit Wachoffizier. Es kann einer Wachoffizier und +Offizier der Wache zugleich sein; er kann aber auch Wachoffizier sein +und braucht doch nicht gerade Offizier der Wache zu sein. Es kann auch +einer Offizier der Wache sein, ohne daß er Wachoffizier ist, z. B. der +Navigationsoffizier, wenn er den wachhabenden Offizier zum Frühstück +verfängt. Unter den Offizieren eines Schiffes sind nämlich immer einige, +in der Regel vier, mit der Bestimmung, die Wachen zu gehen, an Bord +kommandiert; sie heißen Wachoffiziere, wie es auch einen +Navigationsoffizier, einen Batterieoffizier, einen Kadettenoffizier, +einen Flaggleutnant, einen Adjutanten gibt. Die Wachoffiziere gehen +unter sich abwechselnd in der Regel in vier Wachen, d. h. in vier +Zeiträumen von je vier Stunden. — „Ich bin auf Wache,‟ sagen die +Matrosen, Schiffsjungen, Heizer etc. Die Mannschaft geht in zwei Wachen, +oder „Wache um Wache,‟ oder „vier auf, vier ab‟. Es ist also immer die +eine Hälfte der Besatzung für den notwendigen Schiffsdienst zur Stelle; +(s. aber Quartier der Wache.) Die eine heißt Steuerbordwache, die andere +Backbordwache, mit entsprechenden Wachabzeichen auf der rechten oder +linken Schulter. Damit nun nicht jede Wache jeden neuen Tag immer wieder +dieselben Stunden auf Wache komme, so wird die Wache von 4 h bis 8 h p. +m. von beiden Wachen in zwei Hälften gegangen; sie führt zuweilen den +Namen Plattfußwache, auch bloß „der Plattfuß‟; manchmal heißt auch der +zweite Teil, von 6 h bezw. 6 h 30 bis 8 h so. Irgend ein Scherz mag +dieser scherzhaften Bezeichnung zu Grunde liegen; sie wird in der Marine +nicht angewandt und überhaupt nur selten mehr gehört. Über die +Nachtwache s. Hundewache. — Nur in See geht man vierstündige Wache; im +Hafen wechselt es Tag um Tag, das nennt man „Hafenwache gehen.‟ Sonst +heißt Hafenwache auch noch die Hafenpolizeiwache, bezw. eine +Hafenpolizeipatrouille. S. auch <span class="strong1">Quartier</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Wachtmeister</span>, der, war ursprünglich der Unteroffizier, der<a id="Page_502"></a> + <span class="pagenum">[502]</span> die +Wache beaufsichtigte, jetzt ist er bei der Marine der Mann im Range +eines Feldwebels, der die Polizei ausübt, also der Profoß, der +Rumormeister. Zu den Zeiten Leonhart Fronspergers, als der Soldat, der +Dienste zur See nahm, sich sein Weib oder Kebsweib mit an Bord nahm, war +über die Weiber und Kinder ein eigener Weibel gesetzt, der strenge +Ordnung halten mußte und nicht zu säuberlich mit seinen Pflegebefohlenen +umging. Er führte den schönen Namen Hurenwaibel. (1565) Wachtmeister ist +begrifflich genau dasselbe wie Quartiermeister.</p> + +<p><span class="strong1">Wägerung</span>, die, auch Garnierung genannt, ist die innere Bekleidung der +Außenwand eines Schiffes. Die Bretter oder Platten die von außen an den +Querspanten befestigt werden, bilden die Außenbordwand; die Bretter oder +Platten aus Holz, Eisen oder Stahl, die an der Innenseite dieser Spanten +befestigt werden, bilden die Wägerung, auch Wegerung. Ostfriesisch heißt +wage die Wand, altfriesisch wag, westfriesisch weage, saterländisch +wage, wangerländisch woch; angelsächsisch vag, altenglisch wag, +altnordisch veggo, norwegisch vegg, schwedisch vagg, dänisch vaeg. Von +wägen, ein Gewicht bestimmen, dann auch ein Maß, eine Gestalt bestimmen, +einen Raum bestimmen, was durch die ihn umgebenden Wände geschieht, wie +dann überhaupt die Wägerung in ihrem Verlaufe die Gestalt des Schiffes +angibt.</p> + +<p><span class="strong1">Wall</span>, der, bedeutet in der Seemannssprache nicht sowohl das was man etwa +einen Festungswall nennt, der Begriff ist bedeutend erweitert, so daß +Wall überhaupt für Küste oder Land gebraucht wird. Niederländische und +auch ostfriesische Matrosen sagen: „Aan den wall gaan‟ für „an Land, auf +Urlaub gehen.‟ Im Angelsächsischen heißt sae-veall auch weiter nichts +als Küste. Und doch muß das Wort ursprünglich eine irgendwie von +Menschenhand zum Gebrauch des Seemanns geeignet gemachte Küste bedeutet +haben. Auch wenn es vom lateinischen vallum durch sehr frühzeitige +Entlehnung kommen sollte, so ist doch Menschenhand mit im Spiele. Und +zwar — vergl. Kaje — bediente sie sich dabei des Holzes zur Herstellung +einer — natürlich noch sehr ursprünglichen und einfachen — Art von +Bollwerk. Nun fehlt zwar im Althochdeutschen das Wort wal, wie Kluge +sagt, zufällig, aber wir haben doch glücklicherweise im Gotischen ein +Wort das uns zu Hilfe kommt: valus, das zwar nur Stock, Rute bedeutet, +aber uns grade deswegen darauf hinweist,<a id="Page_503"></a> + <span class="pagenum">[503]</span> daß Wall ebenso wie Kaje +erst eine Art Zaun aus Stöcken oder Pfählen gewesen ist und sich dann im +Laufe der Zeiten zu Weiterem ausgewachsen hat. Um dieses gotischen valus +willen möchte ich die von Kluge für sehr unwahrscheinlich gehaltene +Urverwandtschaft mit dem lateinischen vallum doch nicht so weit +wegwerfen, also Wall nicht für ein lateinisches Lehnwort halten. — +Niederdeutsch auch Wal, „Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟ 1673: +„Ok kan men de Compassen proberen, wen men erst uth ein Gat, offt +langest de Wal, edder sünst vom ein Land na dat ander segelt, +vornehmlick dar weinig Strom gaet. Wen men den na dat Compaß, und nicht +na dat Oge offt Land so hen stüret, und men den wol achting up sinn Korß +gifft, wor men mit solken Korß vor falt, so kan men sik den desto beter +darna richten, offt de Compassen Ostlick offt Westlick vant Norden +wiken.‟</p> + +<p><span class="strong1">Wallgang</span>, der. Zu den Einrichtungen, die die Seiten eines geschützten +Schiffes schützen sollen, gehören auch die Wallgänge, das sind +wasserdichte Räume an der Bordwand, „die durch senkrecht stehende +Längsschotten, die sogenannten Wallgangsschotten, gebildet werden. Das +innerste Wallgangsschott ist im Allgemeinen in solcher Entfernung von +der Bordwand angeordnet, daß der Sporn eines rammenden Schiffes es unter +gewöhnlichen Umständen nicht mehr verletzen kann. Die Wallgänge und der +Doppelboden sollen das Schiff auch gegen die Gefahren von Explosionen +schützen, die sich in der Nähe der Außenhaut vollziehen.‟ Dick und +Kretschmer I. 559. Der Ausdruck Wallgang ist der Festungsbaukunst +entnommen: „Gang hinter dem Wall‟, wobei der Panzer die Stelle des +Walles vertreten muß.</p> + +<p><span class="strong1">Wake</span>, die, ist eine offene Stelle im Eise, die entweder in Folge +natürlicher Ursachen überhaupt nicht zugefroren war, oder aber künstlich +ins Eis geschlagen ist für Zwecke des Fischfanges etc. Das Letztere, +also das künstlich aufgehauene Eis ist auch für die Schiffahrt von +Bedeutung, wie schon aus der Lübecker Chronik erhellt: „De hovetman .. +leth in der nacht umb de (im Eise liegenden) schepe grote waken howen +unde de issschulveren leth he under drucken.‟ Niederländisch wak, +Nebenform von wek, weich, und dieses vom Präteritum wek von wiken, +weichen, also eine Stelle die „weich‟ ist, weichend, die „nach‟ gibt, +keinen Widerstand leistet.<a id="Page_504"></a> + <span class="pagenum">[504]</span></p> + +<p><span class="strong1">Walrückendeckschiff</span>, das, s. Schiff. — Der Walfisch ist übrigens ein +besonderer Freund des Seemanns wegen seiner munteren, beweglichen, +scherzhaften Art. Er ist ein „Herumtreiber‟ und hat davon auch den +Namen, dem das gotische walwian zu Grunde liegt, altfriesisch walen, +niederdeutsch walen = wälzen, unbeständig sich hin und her bewegen. Das +Wort hat eine sehr große Verwandtschaft, zu der auch das Wort Walze = +Wanderschaft im Munde unserer Handwerksburschen gehört.</p> + +<p><span class="strong1">Wanholz</span>, das, oder wankantiges Holz ist das Holz so wie es gewachsen +ist, das noch erst vierkantig gesägt werden muß, ehe es zum Schiffbau +Verwendung finden kann. „Die erste Diele, welche an jeder Seite abgesägt +wird und die an einer Seiten einen Rücken hat wird das Schillstück oder +Schellstück (Schalenstück) genannt, die zweyte, welche an beyden Seiten +platt aber schiefe Kanten hat, die Schelldiele und die dritte, welche +ebenfalls noch schiefe Kanten hat die Wandiele.‟ (Röding). Die Bedeutung +geht auf Abfall, Abnahme, Verminderung zurück, althochdeutsch wanon, +vermindern, angelsächsisch vanjan, altenglisch wanjen, englisch wane +abnehmen, daher wane of the moon. Das letzte Viertel des Mondes, in +welchem Sinne wan auch im Mittelniederdeutschen gebraucht worden ist, wo +überhaupt wan sehr häufig vorkommt für „nicht voll‟, mangelnd, fehlend, +gebrechend, mangelhaft, fehlerhaft; ja aus dem Begriffe „nicht voll‟ ist +sogar der von „leer‟ entstanden. Man vergleiche: wanback, ein +schwächlicher Mensch der keinen breiten Rücken (back) hat, wanbar, +wandicht, wanfett, wangar, wanklör, wanlustig, wanrad, wanrip, +wanstaltig, wansturig, wantide, eine wenig bemerkbare Flut und Ebbe, +wantiedig u. s. w.</p> + +<p><span class="strong1">Want</span>, das, auch Wand, ist die Stütze des Mastes oder der Stänge nach der +Seite zu, bewirkt durch starke Taue, Want- oder Hofdtaue (Haupttaue), +die um den Kopf des Mastes oder der Stänge gelegt und an der Seite des +Schiffes, der Rüst, oder an der Seite des Marses befestigt sind; sie +müssen eisern stehen und gehören daher zum stehenden Gut. — Ein Blick +auf ein Segelschiff zeigt uns, daß die Wanten zu beiden Seiten des +Untermastes nichts weiter sind als stützende Seitenwände, und es gehörte +auch kein allzu kühner Gedankensprung dazu, den Namen der Stütze eines +Hauses auch hier anzuwenden, zumal wenn man sich die Entstehung der +ersten Wände aus Holz und Holzgeflecht<a id="Page_505"></a> + <span class="pagenum">[505]</span> (Staken) vergegenwärtigt. +Dagegen muß man allerdings die im Binnenlande so weit verbreitete +Meinung bei Seite lassen als habe das Want den Zweck einer Strickleiter. +Das ist etwas ganz Nebensächliches. Nebensächlich ist auch, daß die +Hofdtaue der Wanten unter einander mit Weveleine verbünden, „ausgewebt‟ +sind (wodurch die Sprossen der Strickleiter entstehen). Man kann daher +auch nicht, wie es Breusing wollte, Müllenhoff aber schon für unmöglich +erklärte, wegen dieses „Webens‟ Want mit Want = Tuch, Leinewand gleich +setzen. Die Sache ist vielmehr ganz einfach: Wie die Wand das Haus +stützt, so stützt das Want den Mast. Der Wechsel des Geschlechtes kann +im Niederdeutschen nicht befremden, zumal es noch ein Neutrum want gibt, +das Fischereigerätschaft heißt und von Einfluß gewesen sein kann. — Doch +sind Breusing und Müllenhoff mit ihren scheinbar so weit auseinander +gehenden Erklärungen in Wirklichkeit einander ziemlich nahe, denn Wand = +Hauswand und Want = Leinewand und viele andere deutsche Wörter kommen +zuletzt doch auf eine und dieselbe Grundbedeutung und auch auf dieselbe +Wurzel hinaus mit der Bedeutung <span class="strong1">wenden</span>, <span class="strong1">winden</span>. Die Sippe ist so groß, +daß sie hier nicht weiter in den Bereich der Betrachtung gezogen werden +kann.</p> + +<p><span class="strong1">Warlblock</span>, der. Wart ist eine Kontraktion von warvel = Wirbel, bedeutet +also eine Vorrichtung, die sich dreht. Warlblock ist ein Block dessen +Haken drehbar ist, wodurch dann auch der ganze Block drehbar wird, was +unter Umständen wünschenswert sein kann, z. B. bei neuem, sich leicht +noch verdrehendem Tauwerk. Warl stammt von althochdeutschen hwerban ab, +ist also mit Werft verwandt.</p> + +<p><span class="strong1">Warpanker</span>, der. Soll ein Schiff verholt werden ohne daß Bojen, +Ducdalben, Poller oder dergl. in der Nähe sind, an die man eine Troß +verfahren könnte, so muß man sich mit einem Anker helfen, indem man ihn +ausfährt an die Stelle wo man hin will und sich dann mittelst der +Ankerkette dahin aufwindet. Dieses Winden heißt warfen oder warpen, +althochdeutsch hwerban (vergl. Warlblock und Werft) sich bewegen, sich +wenden, sich drehen. Der gute alte Röding hat sich von Breusing müssen +zurechtweisen lassen, daß er Warpanker mit Wurfanker wiedergegeben hat, +da er doch mit Werfen nichts zu tun habe. Letzteres ist nicht ganz +richtig, denn geworfen wird der Warpanker auch, wie<a id="Page_506"></a> + <span class="pagenum">[506]</span> jeder andere +Anker; es ist ja die Bestimmung des Ankers, geworfen zu werden. Aber in +der Sache selbst hat Breusing Recht, auch darin, daß er vor den +Rödingschen Übersetzungen ins Hochdeutsche warnt. Röding war eben kein +Seemann. Daß aber auch seebefahrene Leute seemännische Wörter durch +schiefe Übersetzung ins Deutsche recht verdunkeln können, sieht man an +Bobrik. Von ihm bemerkt Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 65 daß er +plicht mit Pflicht wiedergegeben habe und sagt dazu: „Wohl mit Recht ist +an diesem Buche (dem nautischen Wörterbuche Leipzig 1850) das Bestreben, +die niederdeutschen Ausdrücke zu verhochdeutschen, getadelt worden.‟</p> + +<p><span class="strong1">warschauen</span> ist ein an Bord sehr häufig gehörtes, echt seemännisches Wort +mit der Bedeutung: jemandem zurufen, daß er sich in Acht nehmen soll vor +einer drohenden Gefahr, jemanden erinnern, daß er etwas tun soll, +jemanden benachrichtigen, daß für ihn etwas an der Zeit ist, jemandem +mitteilen, daß etwas worauf er gewartet hat nun so weit ist. — Das Wort +war im Mittelniederdeutschen in häufigem Gebrauch. Livländische Urkunde +von 1410: „Darum so willet juwe schipheren unde Koplüde war schuwen, wo +dat se segelen.‟ Auch nichtseemännisch, ostfriesische Urkunde von 1413: +„Ende waerschuwen ju ende alle gade lude, dat sie sick huden voer dezen +eerlosen, treulozen, meynedighen man.‟ Es trat damals noch die Bedeutung +mehr hervor die das Wort heute noch in erster Linie im Niederländischen +hat, waarschuwen = <span class="strong1">warnen</span>. So auch negativ, Hamburger Chronik: „Darna is +graue Christoffer in Zelant angekamen vngewarschuwet vnde heft dat land +gebrantscattet‟, d. h. ohne gewarnt zu haben. — Ostfriesisch warschoen, +warschoun; saterländisch warsgauje, auf Wangerooge warschaun, +nordfriesisch warskauin. — Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes +war ist dasselbe wie unser wahr = sicher, gewiß, richtig, wirklich, +zuverlässig, aber mit der Nebenbedeutung „gewahr‟, sichtig, inne, +kundig; ostfriesisch: „Ik kan 't net war worden wo 't is‟ ich kann es +nicht erfahren, nicht gewahr werden. — Der zweite Teil — schuwen — +heißt scheuen und scheu machen, scheuchen; warschauen also wörtlich: +„jemanden aufscheuchen, daß er einer Sache gewahr wird.‟ — In dem aus +dem Jahre 1673 stammenden höchst seltenen Buche: „Beschriving van der +Kunst der Seefahrt, darin durch gewisse Grund-Regulen wert angewiset, wo +men en<a id="Page_507"></a> + <span class="pagenum">[507]</span> Schip aver See, von dem einen Platse tho dem andern +bringen sal, Allen jungen und unerfahrenen See-Lüden tho denst und +sünderlicken Nutzen thosamen gebracht und in der Neddersaxschen Sprack +beschreven dorch P. V. D. H. Leffhebber der Navigatie. Lübeck, Gedrückt +by Seel. Schmalhertzens Erven 1673. Dise Bocken werden von dem Autor mit +egender Hand undergeschreven, den Koper thor Naricht, up dat he von den +Nadrückers de licht ein Faut hirin begahn möchten nicht achtergahn +werde. Werdt verköfft neffens der Herings-Caje in de sphera mundi in +Lübeck by‟ ... nennt der Verfasser das was wir jetzt Vorrede nennen +würden „Warschuving an den Leser.‟ Und in dieser Warschuving heißt es +wieder: „Ok wen jemand einige Engelsche Gaten wold ein offt uth segelen +und einen Engelschen Lotz an Bord hefft, de mag den Lotz wol warschuwen, +dat de düdsche Compassen mit den Engelschen ein halven Streck +verschelen, up dat durch de Pegeling und Korsch nen Fauten begahn +werden.‟</p> + +<p><span class="strong1">Wäschejolle</span>, die, ist eine Verbindung von Tauen die geschoren wird wenn +Zeug- und Hängemattswäsche war. Sind die Wäschestücke rein, so werden +sie mit Nitseln an dem Tau festgebunden das in der Richtung von vorn +nach hinten in gewisse Höhe mittelst der Jolltaue aufgehißt wird; dann +hängt die Wäsche hoch oben, manchmal in verschiedenen Reihen über +einander, luftig und frei im Winde zum Trocknen.</p> + +<p><span class="strong1">Wasserhose</span>, die, ist eine Wettersäule auf See, eine Trombe, ein Dreh- +oder Wirbelsturm von sehr geringem Durchmesser. Durch eine eigentümliche +drückende und saugende Bewegung veranlaßt er auf dem Lande einen Luft +oder Sandwirbel (Windhose, Sandhose), auf See aber einen Wasserwirbel +den man Wasser- oder Seehose nennt. (Seehose ist übrigens auch eine +wirkliche Hose, nämlich eine, die der Seemann sich nur auf See anzieht +um sie „aufzutragen‟, während die „Landhose‟ nur angezogen wird, wenn er +sich fein macht und „an den Wall‟ geht.) Das Merkwürdige bei der +Wasserhose ist, daß der Bewegung von unten eine Bewegung von oben her +entspricht, daß mit ihr sich ein aus den Wolken sich herabsenkender +„rotierender Dunstkegel zu einer schlauchartigen fortschreitenden Säule‟ +vereinigt. Von dieser schlauchartigen Gestalt ist der Name Hose gewählt, +der zuerst in diesem Sinne, nach Kluge bei Stieler 1695 gebucht<a id="Page_508"></a> + <span class="pagenum">[508]</span> +ist. — In den Begriff Hose ist Verwirrung gekommen durch das +Abschneiden der früher mit der Hose ein Stück bildenden Strümpfe; nun +nennen im germanischen Sprachgebiet die einen das obere Stück Hose und +die andern das untere, das diejenigen die das obere Hose nennen wegen +des Abgeschnittenseins Strumpf (Stumpf) heißen. Diese Verwirrung mag mit +dazu beigetragen haben das Wort überhaupt als minderwertig in Mißkredit +zu bringen.</p> + +<p><span class="strong1">Wasser machen.</span> Wenn ein Schiff leck ist, so daß durch das Leck Wasser +ins Schiff läuft, oder wenn sich sonst aus irgend einem Grunde Wasser im +Schiffe ansammelt, so sagt man: es macht Wasser; es macht so und so +viele Zentimeter Wasser in einer Stunde, heißt also: es läßt so und so +viel Zentimeter Wasser in einer Stunde durch undichte Nähte, durch eine +undichte Stelle u. s. w. ein. Danach richtet sich dann das Pumpen. +Französisch faire eau.</p> + +<p><span class="strong1">Wassergang</span>, der, ist eine rings um das Deck eines Schiffes an der +Bordwand entlang laufende Wasserrinne die das an Deck kommende Wasser +sammelt und durch die Speigaten ableitet. Röding: „Die Bugt der Verdecke +macht daß das Wasser nach den beiden Seiten derselben abläuft, wohin man +denn ein Stück legt, welches die äußere Deckplanke gegen Bord an und den +Anfang der Weger zugleich bildet. Dieses Stück läuft innen rund herum um +das ganze Schiff und heißt der Wassergang.‟ Die äußerste Deckplanke für +sich als solche heißt Leibholz, sie ist so gestaltet, daß sie eine +starke Verbindung bildet.</p> + +<p><span class="strong1">Wasserlast</span> s. Last.</p> + +<p><span class="strong1">Wasserschot</span> s. Schot.</p> + +<p><span class="strong1">Wasserstag</span> s. Stag.</p> + +<p><span class="strong1">Wasserschaut</span>, der, ist ein Aufsichtsbeamter der Hafenpolizei, besonders +für das Heuerwesen; „un officier chargé de surveiller les engagements +des matelots‟. In seiner halb hochdeutschen Gestalt sieht das Wort +sonderbar aus, es wäre schon besser man hätte es bei dem guten alten +waterschout gelassen. Schout by nacht heißt im Niederländischen der +Kontre-Admiral; schout für sich allein der Schulze, Gemeindevorsteher. +Es liegt in schout überhaupt der Begriff Beamter, Richter, Amtmann, +Hauptmann, Aufseher, ursprünglich Steuerempfänger oder vielmehr +Steuereinforderer, denn das ganze Wort hieß mittelniederländisch<a id="Page_509"></a> + <span class="pagenum">[509]</span> +(Kilian) schoutheet, schoutheyt, schoud-heescher, schout-heys: „praetor, +quod jus debiti petat sive exigat,‟ also Schultheiß, der Beamte der die +Schuld, die Steuer heischt oder heißt, d. i. sie zu bezahlen befiehlt, +sie einfordert, einzieht. Aus Schultheiß ist Schultze verkürzt, der +Familienname Schultze ist also mit einem tz älter und ehrwürdiger. — +Wollte man das waterschout verdeutschen, so hätte man nicht auf halbem +Wege stehn bleiben dürfen, sondern Wasserschulze sagen müssen.</p> + +<p><span class="strong1">Watt</span>, das, ist ein seichtes, bei Flut überschwemmtes, bei Ebbe trocken +fallendes Gebiet an der Meeresküste, zwischen Inseln, vor Flußmündungen, +in Buchten und Busen. Es bedeutet eine Stelle wo man (zu Zeiten, wenn +auch mit Anstrengung) gehen kann, oder vielmehr <span class="strong1">waten</span>. Im Gotischen hieß +vato, Mehrzahl vatna, Wasser; davon das althochdeutsche watan im Wasser +vorwärts dringen, gehen, schreiten; altsächsisch vadan, altnordisch +vadha, durchs Wasser schreiten, also unser neuhochdeutsches waten. Die +germanische Wurzel wad „im Wasser schreiten‟ deckt sich mit dem +urverwandten lateinischen vadere, wozu vadum, die Furt, italienisch +guado und vado, spanisch vado = seichte Stelle im Wasser. Die Bedeutung +„Furt‟ trifft auch heute noch zu und ist für Watt besonders bezeichnend, +da solch ein Watt zur Zeit der Ebbe mit Wagen befahren werden kann. Auf +diese Weise verkehren die ostfriesischen Inseln auch ohne Schiffe mit +dem Festlande.</p> + +<p><span class="strong1">Webeleine</span>, die. Wenn man sich das Want als Strickleiter denkt, so sind, +die Webeleinen die Sprossen; gewöhnlich Weveleinen genannt. Weben, +niederdeutsch weven heißt eigentlich bewegen und wird von Luther in +diesem Sinne gleich leben gebraucht, „du machest fröhlich alles was da +webet.‟ Besonders ist bei „weben‟ an das „hin- und her-bewegen‟ wie es +beim Weben mit dem Weberschifflein geschieht, gedacht. Man nennt auch +die Tätigkeit des Anbringens der Webeleinen zwischen den Hofdtauen das +„<span class="strong1">Ausweben</span> der Wanten‟. — Die zu Grunde liegende Wurzel va, wa hat eine +ganz besonders zahlreiche Nachkommenschaft, auch unter den +Seemannswörtern, es liegt aber allen Vettern der großen Sippe der <span class="strong1">eine</span> +Begriff zu Grunde: <span class="strong1">bewegen</span>.</p> + +<p><span class="strong1">Werft</span>, die. Die etymologische Untersuchung dieses so wichtigen +Seemannswortes wird dadurch etwas erschwert, daß<a id="Page_510"></a> + <span class="pagenum">[510]</span> sich immer +wieder ein Wort dazwischen drängt, das mit Werft gar nichts zu tun hat, +aber ähnlich lautet: Warf. Das haben wir von Werft gänzlich zu trennen, +wiewohl auch das Wort Schiffswarf vorkommt, weil es eben leicht möglich +ist, daß eine Werft auf einer Warf angelegt wird. Warf nämlich, auch +Warv, Warp, ja sogar Werf, kommt von werfen und bedeutet eine Anhöhe die +nicht natürlich gewachsen, sondern künstlich aufgeworfen ist. So heißt +in Nordwestdeutschland eine künstliche Anhöhe, auf der eine, (Wind-) +Mühle steht Mühlenwarf, — Werft aber kommt von einem Zeitwort das +gotisch hvairban, althochdeutsch, hwerban, werban, wervan, altsächsisch +huerbhan, altenglisch hwerfen, nordfriesisch werwan, altfriesisch werva, +in der Edda hverfa, heutzutage werben heißt. Das bedeutet ursprünglich +sich drehen (woher Wirbel, wirbeln, Wirbelwind), sich hin und her +bewegen, sich um jemanden herum etwas zu schaffen machen, (der Werber +der mit dem Kalbfell im Lande umherzog). Dieses Werben hat also +ursprünglich denselben Sinn wie das lateinische volvere, von welchem der +Name der bekannten schneckenförmig in sich selbst zurückkehrenden +jonischen Kapitälverzierung Voluta kommt und das spanische vuelta, „dar +una vuelta‟, einen Spaziergang machen, „vuelta abajo‟. — Hernach hat +sich der Sinn von werben erweitert: sich umtun, sich bemühen, tätig +sein, etwas betreiben, ausrichten. Daher Gewerbe. Gewerbe und Handel +sind nahe verwandt. Denkt man an diese Verwandtschaft, so begreift man +die so häufig vorkommende Verbindung Handel und Wandel. Der erste Handel +geschah im Wandeln, im Wandern, bestand im Werben, im Hin- und Hergehen +bei den Kunden von Haus zu Haus (hausieren). Das mittelniederdeutsche +werf: Wendung, Windung, Drehung, Umdrehung, Bewegung, Geschäft, +Industrie, Gewerbefleiß, Betriebsamkeit. — Demgemäß bedeutet Werft +genau dasselbe wie Arsenal. Denn dieses ist aus dem arabischen +dar-çanah, Haus der Betriebsamkeit, Haus wo etwas gemacht, gefertigt, +gebaut wird, gebildet. — Das alte mittelniederdeutsche Wörterbuch +Teuthonista faßt sich kurz: „Werff längs eyn Water.‟ Kilianus, etwas +später, gebraucht werf allein nur für Tätigkeit, Gewerbe, Handlung, in +der Zusammensetzung spricht er aber von schip-werf, so daß damals also +werf für sich allein diese Bedeutung noch nicht hatte, Dafür hat er aber +ein anderes Wort, das im Mittelniederdeutschen von Wichtigkeit war +und<a id="Page_511"></a> + <span class="pagenum">[511]</span> allgemein, eben weil werf noch Gewerbe bedeutete, für +Schiffswerft gebraucht wurde, nämlich Lastagie, auch als Lastadie im +Gebrauch und in dieser Form heute noch in deutschen Seestädten als +Strassen- und Platzname üblich. Das Nähere unter Lastadie.</p> + +<p><span class="strong1">Welle</span>, die.</p> + +<p>1. die bekannte, wälzende, wogende, flutende, rauschende Bewegungsform +des Wassers.</p> + +<p>2. die Schraubenwelle, die lange Achse, die die Verbindung der +Schiffsdampfmaschine mit der Schraube herstellt.</p> + +<p>Beide Wörter haben mit Welle = Reisigbündel, mit Walze, Walzer, +Walfisch, wallen und vielen andern ein und denselben Ursprung, von der +indogermanischen Wurzel wel, drehen, walzen; althochdeutsch wellan +(lateinisch volvere), angelsächsisch weallan, wellen, wogen, weallian +umherstreifen. Eine Welle ist also etwas, das sich wälzt (1) oder sich +dreht (2). Natürlich ist die Bewegung einer Meereswelle nicht nur eine +Bewegung um die eigene Achse, so daß die einzelne Welle immer an +derselben Stelle bliebe, sie bewegt sich auch nebenbei noch weiter +vorwärts (oder rückwärts), je nach Gewalt und Richtung der bewegenden +Kraft. Man vergleicht eine Welle am besten mit der auch sprachlich +verwandten Walze, die sich sowohl um ihre eigene Achse als auch vorwärts +oder rückwärts bewegt. — <span class="strong1">Wellenberg</span> ist der über den gewöhnlichen +Wasserspiegel erhabene Teil einer Welle, <span class="strong1">Wellenthal</span> der unter demselben +befindliche. Die Spitze eines Wellenberges heißt <span class="strong1">Wellengipfel</span>, +fortgesetzt gedacht: <span class="strong1">Wellenkamm</span>. — Ein <span class="strong1">Wellenbrecher</span> ist ein Steindamm +oder dergleichen vor einem Hafeneingang, wie z. B. das Breakwater vor +Plymouth, mit dem Zweck, den Schiffen im Hafen ein ruhigeres Liegen zu +verschaffen. Neuerdings giebt es auch auf den Panzern <span class="strong1">Wellenbrecher</span>; sie +bilden bei niedrigem Vorderteil eine Art Schanzkleid auf der Back, das +Überbrechen der Wellen zu verhüten.</p> + +<p><span class="strong1">Weirpumpe</span> s. Pumpe.</p> + +<p><span class="strong1">wenden</span> s. halsen.</p> + +<p><span class="strong1">Wettergalle</span>, die, besondere weißliche Wolkenformation, Vorbote bald +eintretendes Windes (Windgalle) oder Regens (Regengalle). Es hängt wohl +mit gäl = gelb zusammen, denn die Farbe ist mehr gelb wie weiß, unter +Umständen sogar grünlichgelb, sodaß an Verwandschaft mit unserer +hochdeutschen Galle zu denken ist. Das Wort ist aber wenig +gebräuchlich.<a id="Page_512"></a> + <span class="pagenum">[512]</span></p> + +<p><span class="strong1">Wieling</span>, die, ist eine Vorrichtung zur Vermeidung des Schamfilens, +nämlich ein rund wie ein Kranz gedrehtes (und dann wohl mit Leder +bezogenes) Stück alten Tauwerkes; neuerdings einfach ein rundes, +ausgepolstertes Ledersäckchen. Es wird ehe das Boot anlegt an einem +Stückchen Leine außenbords getan, damit das Boot, wenn es der Landungs- +oder Fallreepstreppe nahe kommt, sich seine Farbe nicht abreibe. Setzt +das Boot ab, so werden die Wielings eingenommen; es ist ein großes +seemännisches Vergehen, ein Boot mit einer Wieling außenbords hängend +fahren zu lassen. Der Name kommt offenbar von der Gestalt, die in +einfachen Verhältnissen und Zeiten einen Kranz, eine Wurst, ein Rad +bildete; niederländisch wiel, ostfriesisch wel, englisch wheel mit +niederdeutscher Endung.</p> + +<p><span class="strong1">Wimpel</span>, der, eine lange, gespaltene, schmale Flagge, so schmal daß man +eigentlich kaum von einer Flagge reden kann und eben darum Wimpel sagt. +Er wird am Großtop als Kommandozeichen eines Kommandanten, der nicht +Admiral ist, gehißt und weht seiner Leichtigkeit wegen leicht aus. Wenn +ein Schiff von einer langen ausländischen Reise heimkehrt, so gestaltet +sich das Kommandozeichen zu einem Freudenzeichen, dann wird der Wimpel +so weit verlängert, daß er über das ganze Schiff hinwegwehend bis ans +Wasser reicht; das ist der <span class="strong1">Heimatswimpel</span>. — Im Mittelniederdeutschen +hieß wimpel, auch wumpel, zunächst der Schleier als Kopfbedeckung; so +heißt es im alten Rigaer Stadtrecht: „et ne mach neyn vrowe copen got +ane eren vormeunt .. sunder wimpele unde strickitte.‟ Besonders hieß +wimpel auch der Nonnenschleier. Sodann aber nannte man so eine lange +schmale, schleierähnliche Fahne; Lübecker Chronik: „Se slugen se in de +vlucht unde nemen en twe hoftbanren und twe wumpel myt S. Andreas cruce +getekent.‟ — Bei der Erklärung ergibt sich eine Schwierigkeit, nämlich +eine unbequeme Übereinstimmung des Hochdeutschen mit dem Niederdeutschen +in Bezug auf das p; das Wort müßte hochdeutsch eigentlich wimfel heißen, +wenn es niederdeutsch wimpel heißt; es heisst aber althochdeutsch +wimpal, mittelhochdeutsch wimpel. Vielleicht liegt eine nasalierte Form +aus der Wurzel vom wippen, „sich hin und her bewegen‟ vor, so daß also +Wimpel sowohl im Sinne von Flagge wie von Schleier etwas leicht vom +Winde hin und her Bewegtes wäre.</p> + +<p><span class="strong1">Windas</span>, die, ist eine Art von Spill um Anker zu lichten und<a id="Page_513"></a> + <span class="pagenum">[513]</span> +sonstige schwere Lasten zu bewegen. As ist = Achse; es liegt, wie auch +in Achsel, der Begriff einer Bewegung, einer Drehung zu Grunde. Eben +durch eine drehende Bewegung windet man mit dieser Windas die +betreffende Last. Und zwar steht diese Achse nicht wie bei einem +Gangspill, sondern sie liegt horizontal und dreht sich wie ein +Bratspieß, daher sie auch Bratspill genannt wird.</p> + +<p><span class="strong1">Windflagge</span> = Windstander, s. Verklicker.</p> + +<p><span class="strong1">Windreep</span>, das, bekannter unter dem Namen Stängewindreep, ist das Reep +oder Tau mit dem die Stänge aufgewunden wird. Es fährt vom Eselshaupt +durch den Fuß der Stänge wieder zum Eselshaupt und von da an Deck, wo es +mit einer Talje, Stängewindreepstalje, bedient wird.</p> + +<p><span class="strong1">Windsack</span>, der, ist eigentlich kein Sack, sondern ein Schlauch und wird +auch Windsegel und Luftsack genannt. Er wird über die Höhe der Reling +hinaus gehißt, fängt hier den Wind auf und leitet ihn durch die Luken in +die unteren Räume des Schiffes. Da die unter Wasser liegenden Teile der +natürlichen Lüftung ganz entbehren müssen, so ist die künstliche von +großer Wichtigkeit. Daher ist man bald darauf verfallen, neben den +Windsäcken, die nur ein Notbehelf sind, feste Ventilatoren mit nach dem +Winde drehbaren Köpfen einzubauen. Besonders notwendig sind diese für +solche Räume, in denen sich giftige Gase entwickeln. — Seitdem die +Maschine eine so große Rolle spielt, mußte man für besonders reichliche +Zufuhr von Luft für die Feuer unter den Kesseln künstlich sorgen und hat +besondere Einrichtungen hierfür getroffen; je nachdem es sich dabei um +die Zufuhr von oben oder von unten durch einen besonderen Kanal handelt, +spricht man von Oberwind oder von Unterwind und dementsprechend von +Oberwindluftzuführung und Unterwindluftzuführung; Oberwindzuführung und +Unterwindzuführung würde aber genügen.</p> + +<p><span class="strong1">Windstärke</span>, die, wird noch immer nach einer Skala bezeichnet, die zur +Zeit der Segelschiffahrt und mit besonderer Rücksicht auf sie von dem +Kommandanten des englischen Kriegsschiffes „Woolwich‟, Beaufort, im +Jahre 1805 ersonnen worden ist und nach ihm Beaufort-Skala genannt wird. +Er ist von der Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes ausgegangen und +berechnet die Stärke des Windes bei den geringen Graden nach der +Fahrt +<a id="Page_514"></a> + <span class="pagenum">[514]</span> des Schiffes, bei den höheren nach der Möglichkeit der +Segelführung. Darnach ist</p> + + + +<table summary="Windstärken bei Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes"> + +<tr><td class="tdleft">Windstärke</td><td class="tdright">O: </td><td class="tdleft">Stille.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">1: </td><td class="tdleft">Leiser Zug, sodaß das Schiff eben steuerfähig ist.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">2: </td><td class="tdleft">Leicht. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 1-2 Knoten.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">3: </td><td class="tdleft">Schwach. Ein Schiff unter allen Segeln voll u. bei macht 3-4 Knoten.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">4: </td><td class="tdleft">Mäßig. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 5-6 Knoten.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">5: </td><td class="tdleft">Frisch. Schiff kann noch führen: Oberbramsegel.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">6: </td><td class="tdleft">Stark. Schiff kann noch führen: einfach gereefte Mars- und Bramsegel.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">7: </td><td class="tdleft">Hart. Schiff kann noch führen: doppelt gereefte Marssegel, Klüver.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">8: </td><td class="tdleft">Stürmisch. Schiff kann noch führen: dreifach gereefte Marssegel.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">9: </td><td class="tdleft">Sturm. Schiff k. n. führen: dicht ger. Marssegel.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">10: </td><td class="tdleft">Starker Sturm. Schiff kann noch führen: dicht gereeftes Großmarssegel und gereefte Fock.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">11: </td><td class="tdleft">Harter Sturm. Alle Segel fest bis auf die Sturmsegel.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">12: </td><td class="tdleft">Orkan. Kein Segel hält mehr Stand.</td></tr> + +</table> + +<p>Im Zeitalter des Dampfes hat sich das Bedürfnis nach einer anderen Skala +herausgestellt. Dem kommt Börgen entgegen, indem er die +Windgeschwindigkeiten in Metern pro Stunde berechnet. Nach der +Börgen'schen Reduktionsformel ist</p> + +<table summary="Windstärken im Zeitalter des Dampfes"> + +<tr><td class="tdleft">Windstärke</td><td class="tdright"> O </td><td class="tdright">eine Geschwindigkeit von</td><td class="tdright"> 0,0 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 1 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">1,6 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 2 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">3,3 m p. Sekunde.</td></tr> + +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 3 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">5,2 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 4 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">7,3 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 5 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">9,6 m p. Sekunde.</td></tr> + +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 6 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">12,0 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 7 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">14,6 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 8 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">17,3 m p. Sekunde.</td></tr> + +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright"> 9 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">20,2 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">1O </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright"> 23,3 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">11 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">26,6 m p. Sekunde.</td></tr> +<tr><td class="tdleft"> " </td><td class="tdright">12 </td><td class="tdleft"> " " " </td><td class="tdright">30,0 m p. Sekunde.</td></tr> + +</table> + + +<p><span class="strong1">Worthingtonpumpe</span>, die, s. Pumpe.<a id="Page_515"></a> + <span class="pagenum">[515]</span></p> + +<p><span class="strong1">Wrack</span>, das, ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar +gewordenes Schiff. — So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr +abgeneigt war (vergl. Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat +ihn doch das Niederdeutsche und mit ihm die Seemannssprache bis auf den +heutigen Tag in einer ganzen Anzahl von Wörtern beibehalten. — Wrack +geht zurück auf das gotische vrikan, dessen Stamm vrak ist und das +rächen, tadeln, verbannen (angelsächsisch vräc, Verbannung wraeca, ein +Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, für nicht gut erklären, +ausstoßen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoßenes das +nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nämlich zunächst ein +Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, daß +man es „für nicht mehr gut‟ erklären muß; oft heißt daher auch ein +einzelnes Stück oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im +Altfriesischen hieß wrac beschädigt; verwandt mit dem gothischen vraiqs, +krumm, schräg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein +gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern +überhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken für untauglich erklären, = dem +erwähnten gotischen vrikan im Sinne von tadeln; ausschießen, verwerfen. +Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das +Untaugliche verwerfen muß. Daher heißt wrack auch etwas das nur einen +gewissen Schönheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem +etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst +wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u. s. w. Die älteste mir +bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August +1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der König +Heinrich II. von England Lübeck und andere deutsche Städte vom +Standrecht befreite: „... volentes etiam, ut si contigerit naves vestras +in partibus nostris periclitari et de tali nave periclitata, aliquis +homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in +illa navi contenta remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod +Wreccum dicitur, veris dominis extorqueantur.‟ — Der Verfasser der +„Beschriving van der Kunst der Seefahrt‟, Lübek 1673, berichtet von +durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe: „es war auch +Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein wegen<a id="Page_516"></a> + <span class="pagenum">[516]</span> +Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten und +des Bochsprets zu zerbrochen, und beschädiget, daß es mehr vor ein <span class="strong1">Wrack</span> +den ein Schiff anzusehen war.‟ — Nach Werner: „Schule des Seewesens‟ +machen die (Holz-)Schiffbauer einen ausgiebigen Gebrauch von dem Worte +Wrack, indem sie minderwertiges Holz noch einmal unterscheiden und dabei +von „Wrack‟ und von „Wracks-Wrack‟ sprechen. — <span class="strong1">Abwracken</span>, ein altes +Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s. sloopen. — Zu vergleichen +Grimm VIII. 14: „im neueren isländischen wird ein fem. raeki, vindicta +aufgeführt (Biörn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens älter ein verbum +raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected, outcast, neben +dem verbum reka entsprechen, Vigfusson 506. im subst. wie in dem verbum +rächen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff beschlossen, das +setzen außerhalb der landrechts und die austreibung aus dem lande in +folge angriffs auf den landfrieden, eine mildere und nicht entehrende +art derjenigen strafe, als deren höchste und zugleich vogelfrei machende +stufe die verurteilung zum wargus (Geächteten) angesehen werden muss.‟ + — Das mittelniederländische Zeitwort wraecken hatte eine ähnliche +Bedeutung, nämlich „vom richtigen Kurs abgebracht werden‟, vergl. +Waghenaer, „Spiegel der Zeevaerdt,‟ Amsterdam 1588: ... „so moet ghy +somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende +setten v Compasse achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v +Schip <span class="strong1">wraeckt</span> oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen +quade ghissinge en maeckt‟ ...</p> + +<p><span class="strong1">Wrange</span>, die, bedeutete ursprünglich nur ein schiefes, schräges, +umgebogenes Stück Holz beim Schiffbau und ward früher als Spiegelwrange +für den schiefen Verband zwischen Steven und Randsomhölzern und als +Bodenwrange oder Flurwrange für den Lieger oder das Bauchstück zunächst +am Kiel gebraucht. Jetzt, im Eisenschiffbau ist Spiegelwrange ganz +weggefallen, über Bodenwrangen aber schreiben Dick und Kretzschmer I 83: +„Der Kiel ist der unterste Teil des Schiffes, gewissermaßen seine +Grundlage; auf ihm stehen die Querspanten oder Rippen, welche die +Schiffsform bilden und die aus einer Verbindung von Stahl- oder +Eisenplatten mit Façonstahl oder -Eisen bestehen. Ihre im Boden +liegenden querschiffs angeordneten Plattenteile nennt man <span class="strong1">Bodenwrangen</span>, +auch Bauchstücke.‟ Der Name Wrange ist also geblieben.<a id="Page_517"></a> + <span class="pagenum">[517]</span> Bei Aubin +1702 heißen die Wrangen varangues; man sieht auf den ersten Blick daß +auch dieses Wort, wie so viele andere der Seemannssprache, die Franzosen +von uns entliehen haben; fürs Niederländische giebt der Genannte: +Buikstukken, Leggers, vloer-wrangens, vloer-houten, Wrangens op de Kiel +an. — Im Ostfriesischen ist wrange oder wranger — vergl. das +hochdeutsche Range — ein „verdrehter‟ Mensch, Quäl- und Plagegeist, +querköpfiger Mensch; wrang aber heißt zusammenziehend, niederländisch +wrang, mittelniederländisch wrangh. Es kommt mit dem englischen wrong, +wrang, verdreht, verkehrt, schief, krumm, töricht, schlecht, schlimm, +unrecht, ungerecht, von wringen, Präteritum wrang, sich drehend und +windend bewegen z. B. nasse Wäsche auswringen; meist mit der +Nebenbedeutung daß das Drehen mit Drang und Druck geschieht. Diese hat +Bodenwrange freilich nicht, aber der Begriff Drehung, Biegung hat hier +den Ausschlag gegeben.</p> + +<p><span class="strong1">Wreifholz</span>, das, ein Holz das an einem Tau außenbords gehängt wird wenn +das Schiff sich nicht an der Mole oder einem Bollwerk reiben soll, also +eine Art Fender. — Auch ein halb verhochdeutschtes Wort, das entweder +niederdeutsch wrifholz oder dann ganz hochdeutsch Reibholz heißen müßte. +Wrifen heißt reiben; niederländisch wryven, mittelniederdeutsch wriven. +Dazu, wie mir eine befreundete Hand schreibt, deren Wiege in Pommern +gestanden hat, wribbeln als Iterativum von wrifen, etwas zwischen den +Fingern (zer-) reiben.</p> + +<p><span class="strong1">wricken</span>, ein Boot fortbewegen mit nur einem Riemen durch ein +eigentümliches Hin- und Herdrehen des an einem Einschnitt am Heck sich +bewegenden Riemens. — Nach Schade hat das unter Wrack erwähnte +gothische vrikan folgende Bedeutungen: drängen, drücken, pressen, +drängend bewegen und wenden, drehen, abdrehen, ausdrehen; vorwärts +drängen, treiben, eifrig betreiben; fortdrängen, wegdrängen, drängend +beseitigen, verstoßen, verfolgen, strafen, abwenden, ausdrehen; +ostfriesisch heißt wricken etwas mit Nachdruck hin und her bewegen. Das +eben ist die Tätigkeit, die beim Wricken eines Bootes ausgeübt wird. +Dadurch bewegt es sich zwar etwas hin und her, aber das gleicht sich mit +jeder Drehung des Riemens wieder aus, so daß das Boot doch seinen graden +Kurs auf sein Ziel zu beibehält, wenn auch wrick-wrack wackelig +bedeutet, wie in dem mittelniederdeutschen Verse bei Schiller und +Lübben: „Darmit gink hei den wrick den wrack, na Bremen leit he +gliden.‟<a id="Page_518"></a> + <span class="pagenum">[518]</span></p> + +<p><span class="strong1">Wuling</span>, die, ist eine starke Befestigung zweier Gegenstände miteinander +durch Umlegen eines (alten, sich nicht mehr reckenden) Taues, das +mehrere Gänge nebeneinander wie Schraubengänge gelegt wird; das nennt +man wulen oder bewulen. Dadurch entsteht an der Stelle nicht nur eine +Verstärkung, sondern auch eine Verdickung und es ist daher für die +Ableitung an unser hochdeutsches Wort Wulst zu denken. Wie Geschwulst +von schwellen, so kommt Wulst von wellen, althochdeutsch wellan = +drehen, wälzen, rollen, lateinisch volvere, von einer Wurzel val = +winden, drehen, wälzen, wickeln, umbinden, festbinden. +Mittelniederdeutsch wolen. In der Chronik des Lübecker Dominikaners +Hermann Korner (Handschrift aus dem 15. Jahrhundert in Wien) heißt es: +„nemen de maste van den olden schepen, de see senken wolden vor dat +Reveshol, undde woleden de harde tosamende‟. Die „Beschriving van der +Kunst der Seefahrt‟ 1673 hat „wölen‟: „musten auch (auf stark +havariertem Schiffe) daß Vorschiff mit eine Pferde Linie zusammen wölen, +sonst wolten die Anckers mit dem Vorschiff fort.‟</p> + +<p><span class="strong1">wünschen</span> ist ein hie und da gehörtes Seemannswort von eigentümlicher +Entstehungsart. Es hat mit unserem sonst üblichen hochdeutschen wünschen += einen Wunsch haben, keine Verwandtschaftsbeziehungen. Es bedeutet +vielmehr winden, aufwinden, in die Höhe winden, und ist durch die von +Professor Dunger in Dresden gerügte Engländerei ins Deutsche gekommen. +Englisch winch = Winde ist Veranlassung zu der Bildung dieses +Fremdwortes mit einheimischer Endung geworden; es müßte also „winschen‟ +heißen und hat sich ganz ohne Berechtigung an unser gutes altes +deutsches wünschen herangedrängt.<a id="Page_519"></a> + <span class="pagenum">[519]</span></p> + + + +<h2> +<span><a id="Y"></a>Y.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Yacht</span>, die s. Jacht.</p> + +<p><span class="strong1">Yarrowkessel</span> s. Kessel.</p> + +<p><span class="strong1">Yawl</span>, die.</p> + +<p>Dieses Wort ist in der Verbindung Yawl-Takelage in neuerer Zeit durch +das Yacht-Vergnügen aus England zu uns gekommen. Es ist aber deutscher +Herkunft, denn Yawl ist nur die englische Form für das deutsche Jolle. +Es verhält sich also Yawl zu Jolle wie Yacht zu Jacht. Nichts anderes +ist auch das jolly in dem englischen jolly-boat, s. auch Tjalk.</p> + + + +<h2> +<span><a id="Z"></a>Z.</span> +</h2> + +<p><span class="strong1">Zapfenstreich</span> s. streichen.</p> + +<p><span class="strong1">zeisen</span> s. seisen.</p> + +<p><span class="strong1">Zeptertau</span>, das, ist ein besonders sorgfältigerweise zugetakeltes Tau, +das als Geländer an Stellen dient, wo Gefahr des Fallens vorliegt. Es +wird durch eiserne Stützen geschoren. Stütze ist die ursprüngliche +Bedeutung dessen was wir jetzt als Zeichen der Herrschaft in der Hand +eines Fürsten sehen und Zepter oder Scepter nennen; mittelhochdeutsch +zepter, französisch sceptre, italienisch scettro, lateinisch sceptrum, +griechisch skeptron, von skeptein, stützen, lehnen.</p> + +<p><span class="strong1">Zimmersteck</span>, s. Stek.</p> + +<p><span class="strong1">Zungenstopper</span>, s. Stopper.</p> + +<p><span class="strong1">zurren</span>, bedeutet binden, festbinden, zusammenbinden, festschnüren. Alles +was für gewöhnlich einige Bewegungsfreiheit hat, wird, wenn das Schiff +in die See geht und einigermaßen schlechtes Wetter zu gewärtigen ist, +gezurrt, damit es nicht wackle oder gar über Stag gehe. Besonders aber +spricht man vom Zurren der Hängematten; das wird vorgenommen wenn der +Mann aufgestanden ist. Dann ist sein Erstes daß er seine Hängematte +zusammenbindet um sie an dem dazu bestimmten Orte zu verstauen.<a id="Page_520"></a> + <span class="pagenum">[520]</span> + — Französisch serrer. Dieses ist zunächst ins Niederländische +übergegangen, wo es sjorren heißt und ganz unserem zurren entspricht. +Von da kam es als sorren in die niederdeutsche Seemannssprache, in der +es nach und nach unter hochdeutschem Einflusse die durch nichts +begründete Form zurren annahm. Aubin, 1702: serrer de voiles = klein +zeil maaken; serrer les voiles = de zeilen beslaan; geschieht durch +Festbinden. — <span class="strong1">Zurrbaum</span> und <span class="strong1">Zurrbrook</span> werden beim Seefestzurren der +Boote gebraucht.</p> + +<p><span class="strong1">Zweidecker</span>, s. Schiff.</p> + +<p><span class="strong1">Zwischendeck</span>, s. Deck.</p> + +<p><span class="strong1">Zwischen Wind und Wasser</span> nennt man die Gegend der Schwimmebene eines +Schiffes, der Wasserlinie, des Wasserpasses; eine Gegend, die besonderen +Gefahren im Gefecht ausgesetzt ist, indem hier einschlagende Geschosse +ihre schlimmste Wirkung ausüben können. Daher auch gerade dieser Teil +eines modernen Kriegsschiffes den stärksten Schutz durch Panzerung +erhält.</p> + + +<p class="center"> +<img src="images/image02.jpg" width="75" height="57" alt="Dekoration" /> +</p> + + +<h2> +<span><a id="Druckfehler-Verzeichnis"></a>Druckfehler-Verzeichnis. </span> +</h2> + + +<p>(Fehler die sich unschwer als Versehen des Setzers erkennen und leicht +verbessern lassen, z. B. Feminium anstatt Femininum, Fauenzimmer anstatt +Frauenzimmer, Takelake anstatt Takelage, wird der geneigte Leser gebeten +zu entschuldigen; hier darum nur die Verbesserung einiger +sinnstörender:) <a id="Page_521"></a> + <span class="pagenum">[521]</span></p> + + +<table summary="Druckfehler-Verzeichnis"> + +<tr><td class="tdleft">Seite</td><td class="tdright"> 46 </td><td class="tdleft"> Zeile</td><td class="tdright"> 6 </td><td class="tdleft">von oben </td><td class="tdleft"> anstatt </td><td class="tdleft">bellons: bellows,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 60 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 6 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">nur: uur,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 67 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 6 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">huhhan: luhhan</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 80 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 13 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">altmodisch: altnordisch,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 96 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 19 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">genau: gemein,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 99 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 1 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">seiner: jener,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 110 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 4 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">Da: Sa,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 111 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 18 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">pelit: petit,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 140 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 11 </td><td class="tdcenter">von unten</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">signeum: Signum,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 142 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 8 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft"> Fauen: Fanen,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 206 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 1 </td><td class="tdcenter">von oben</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">näher: höher,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 235 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 21 </td><td class="tdcenter">" "</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">Dacht: Ducht,</td></tr> +<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 465 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 6 </td><td class="tdcenter">von unten</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">ligh: high.</td></tr> + +</table> + + + + + + + + + + +<pre> + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der +deutschen Seemannssprache, by Gustav Goedel + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH *** + +***** This file should be named 39762-h.htm or 39762-h.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/9/7/6/39762/ + +Produced by Heiko Evermann and the Online Distributed +Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was +produced from scanned images of public domain material +from the Google Print project.) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation information page at www.gutenberg.org + + +Section 3. 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Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. Compliance requirements are not uniform and it takes a +considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up +with these requirements. We do not solicit donations in locations +where we have not received written confirmation of compliance. 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Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm +concept of a library of electronic works that could be freely shared +with anyone. For forty years, he produced and distributed Project +Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support. + +Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed +editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S. +unless a copyright notice is included. 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