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+The Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der deutschen
+Seemannssprache, by Gustav Goedel
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
+
+Author: Gustav Goedel
+
+Release Date: May 22, 2012 [EBook #39762]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH ***
+
+
+
+
+Produced by Heiko Evermann and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
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+
+[Zur Transkription: *Sternsymbole* bedeuten *fett* gedruckten Text des
+Originals, _gesperrt_ gedruckter Text wurde mit _Unterstrichen_
+dargestellt. Varianten der Schreibweise und Interpunktion des Originals
+wurden nicht angeglichen (Ausnahme: Waghenaer, "Spiegel der Zeewaerdt").
+Die im Druckfehler-Verzeichnis des Originals genannten Fehler wurden für
+diese Transkription korrigiert.]
+
+[Transcriber's Note: Original *bold* text has been indicated by *star*
+signs, _letter spacing_ is shown by _underscores_. Original spelling and
+punctuation variations have not been been standardized except for title
+and author of "Spiegel der Zeewaerdt" by Waghenaer. Errors mentioned in
+the original "Druckfehler-Verzeichnis" (errata) have been corrected by
+the transcriber.]
+
+
+Etymologisches Wörterbuch
+
+der
+
+deutschen Seemannssprache.
+
+Von
+
+Gustav Goedel.
+
+Kiel und Leipzig.
+
+Verlag von Lipsius & Tischer.
+
+1902.
+
+
+
+
+A.
+
+
+*A.*
+
+Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur
+Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschätzung
+seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach
+deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschätzung zu
+wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefügt ([Symbol]), deuten also
+schon den höheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch
+näher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen
+kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je höher die Nummer,
+desto größer der Wert. Im Übrigen s. Schiffsregister.
+
+
+*a. m.*
+
+heißt ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist dem
+Seemann diese Bezeichnung so geläufig, daß er sie auch am Lande gerne
+als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem zugleich,
+die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die Zeit von
+mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) näher zu
+bestimmen. Es heißt dann a. m. nicht bloß vormittags, sondern auch
+morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heißt
+nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p.
+m. nachts 10 Minuten vor zwölf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und
+kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her.
+
+
+*abandonniren*,
+
+von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein verunglücktes oder vom
+Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen Prozentsatz der
+Versicherungssumme _überlassen_ und sich aller Ansprüche darauf
+begeben. Ein Wort, das wir zwar in französischer Form gebrauchen, das
+auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem französischen Seerecht zu
+uns herübergekommen ist, das aber seinerseits doch wieder von dem echt
+deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein Gebot oder Verbot unter
+richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit und deren Gebiet bedeutet,
+entsprechend dem angelsächsischen bann, englisch bann, Bann, Acht,
+Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon früh entlehnten die Franzosen
+das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der Merowingerzeit, und
+machten das altfranzösische bandon, Befehl, Jurisdiction, öffentliche
+Verkündigung daraus; in Verbindung mit dem Präfix a und der Endung er
+ward es zu dem neufranzösischen Zeitwort abandonner ausgestaltet, mit
+seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen aber der Begriff verlassen,
+aufgeben gemein ist.
+
+
+*abgewinnen.*
+
+Es gilt für ein Zeichen besonderer seemännischer Tüchtigkeit, wenn es
+dem Kapitän eines Schiffes gelingt, einem anderen die Luv oder den Wind
+abzugewinnen, d. h. sein Schiff so geschickt zu führen, daß es näher,
+höher, dichter an den Wind kommt als das andere. Zu Zeiten der
+Herrschaft des Segels konnte dies für Kriegsschiffe in der Seeschlacht
+von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als einmal geworden;
+jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemännischen Ehrenpunkt. Das
+andere Schiff ist dann »unter dem Winde« und hat die Luv verloren. Man
+sagt auch: einem den Wind _abkneifen_.
+
+
+*abdichten* s. kalfatern.
+
+
+*Abendwache* s. Wache.
+
+
+*abentern* s. entern.
+
+
+*abfallen* s. abhalten.
+
+
+*Abfahrtssignal* s. Blauer Peter.
+
+
+*abflauen* s. flau.
+
+
+*abfieren* s. fieren.
+
+
+*abhalten*
+
+1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren (s. d.)
+Wind erhält, also »die Richtung des Schiffes dergestalt ändern, daß der
+Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben
+gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fällt« (Roeding). Natürlich
+kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von
+achtern kommt; würde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann würde
+Anluven daraus (s. d. und »Halsen«).
+
+2. überhaupt eine Kursveränderung vornehmen, ohne Rücksicht auf die
+Windrichtung, auch auf Dampfschiffen, wenn es gilt auf ein Ziel, das
+außerhalb der bisher gesteuerten Richtung lag, loszusteuern, z. B.
+abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein treibendes Boot. Das Wort
+abhalten führt uns in die ältesten Zeiten germanischer Schiffahrt
+zurück, in denen man mit einem Riemen steuerte, den man frei in der Hand
+hatte und hielt; daher steuern im Althochdeutschen auch haban, halten
+hieß; abhalten also wörtlich: das Schiff von seiner alten Richtung ab in
+eine neue steuern.
+
+Die Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst
+*abfallen*, das Schiff fällt ab; was freilich auch manchmal ohne
+Abhalten, d. h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern
+geschehen kann.
+
+Abfallen ist fälschlich mit Abtreiben (s. d.) für eins gehalten worden.
+
+Die Friesen gebrauchen affalle in übertragenem Sinne. »Wie täusche ich
+mich«: »Ho falt my dat af« (Halbertsma).
+
+
+*abkleiden* s. kleiden.
+
+
+*abkneifen* s. abgewinnen.
+
+
+*ablandig*,
+
+von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort wird schon
+im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung für die französische
+Küste: »Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe Kenninge; dat
+Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt«. »Item wille gy tusschen den
+sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen wint, so mote gy
+tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln uppe 6 offte 7
+vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode«. (Eine Kenning war in
+jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders eine gute
+Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges gemeint, drei
+oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote Kenning gemeint
+war. leyden heißt vorbeifahren).
+
+
+*Ablenkung* s. Variation.
+
+
+*ablegen*,
+
+gleichbedeutend mit *absetzen* im Sinne von: ein Boot mit einem
+Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe
+entfernen, daß man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und
+anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die
+allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklärung
+gemäß, mit dem Boot, nie mit dem Schiff«. »Das Boot legt um 6 Uhr von
+der Mole ab.« »Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab;« dabei ist die
+für das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede
+umgewandelt. Absetzen ist etwas gebräuchlicher als ablegen.
+
+
+*abmallen*,
+
+auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stück Holz in eine
+bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen sie
+sich erst aus dünnen Brettern ein *Mall*, d. h. eine Art Modell. Nach
+diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz
+vor: das heißt ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das
+Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck,
+Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen.
+
+Mit dem weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl
+kaum etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig,
+unklug, töricht, verliebt, toll, verrückt, schlimm, schlecht u. s. w.
+
+Eine viel größere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen
+Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten
+und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist.
+*Mallkante* der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem
+Schnürboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst für die Bauausführung in
+natürlicher Größe aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes
+der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der
+Spantenkanten wird das Mall angefertigt.
+
+*Gemallte Tiefe* ist die Tiefe eines Schiffes, welche gemessen, bezw.
+berechnet wird um den Freibord (s. d.) festzustellen, oder die
+Tieflade-Wasserlinie. Hier heißt mallen einfach messen.
+
+Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe läge, müßte man sich versucht
+fühlen an das lateinische Wort für Maß modus zu denken, modulus, im
+Altfranzösischen contrahirt zu molle; englisch mould.
+
+
+*abmoien.*
+
+Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme, Tante,
+auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu bringende
+Adjectiv *moi* scheint -- außer im seemännischen Gebrauch -- nicht über
+Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es aber ganz
+allgemein verbreitet und im Sinne von *schön* im Gebrauch; en moie meid
+(holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer, schönes Wetter.
+Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem Sprachgebiet durch frisches
+Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein Bauer, der mühsam etliche
+Schweine vor sich her trieb. »Dat is moier dan Swindriven,« meinte er
+vom Radeln.
+
+Wenn das Wetter sehr trübe und stürmisch war und der Himmel wird klarer
+(klart auf, siehe aufklaren 1.) und der Sturm nimmt ab, dann sagt der
+Seemann »es moit ab.« Beide Begriffe, das Schönerwerden des Wetters und
+das Abnehmen des Sturmes sind in abmoien sehr treffend vereinigt;
+offenbar hat auf die Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi
+gebildeten Zeitwort moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.)
+des Windes eingewirkt.
+
+Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte Wort nach den
+Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als Kenner weiblicher
+Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt, geschmückt, viel im Munde.
+
+Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die Natur schmückt, zusammenhängt,
+muß bezweifelt werden. Das hat sich ein Dichter so zurechtgelegt; die
+Sprache verfährt nüchterner. Hat doch »Wonnemonat« nicht einmal etwas
+mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo nur die Herkunft aus dem
+lateinischen majus, groß, hehr, ansehnlich, stattlich, übrig.
+
+
+*abmustern* s. mustern.
+
+
+*abreiten*,
+
+einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem Pferde zu
+denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den hochgehenden
+Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig stampfenden
+und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses »reiten«
+damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal sagt man
+nicht bloß: »Das Schiff reitet einen Sturm ab«, sondern es reitet auch
+bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker liegt. Sodann
+müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten anginge,
+niederdeutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von dem
+niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein Schiff
+liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um besseres
+Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im Mittelniederdeutschen
+gleich »vor Anker liegen«; wir würden also gut tun, größerer
+Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu schreiben.
+Althochdeutsch ritan. Das heißt übrigens nicht reiten in unserem
+modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum anderen
+bewegen, fahren zu Wagen oder *zu Schiff*, von einem Stamme rid mit dem
+Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und so kommen
+(wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das Reiten
+auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben Ursprung
+hinaus. Das Nähere unter Reede.
+
+
+*abschaken* s. schaken.
+
+
+*abschlagen.*
+
+1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben,
+daß die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute
+wegtreten können.
+
+2. Allgemein seemännisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im
+Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein
+Segel völlig von der Rahe loslösen und an Deck nehmen; das Gegenteil von
+»ein Segel unterschlagen«. Der Gebrauch beider Wörter, wie auch von
+Beschlag und beschlagen, erklärt sich aus dem unter *Schlag* Gesagten.
+
+3. = Abschnüren (s. d.)
+
+
+*abschleppen* s. schleppen.
+
+
+*abschlingern.*
+
+Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), daß von der Gewalt der
+Schlingerbewegung ein Mast bricht und über Bord geht, so hat sich das
+Schiff diesen Mast abgeschlingert.
+
+
+*abschnüren.*
+
+(Vergl. abmallen und Schnürboden). Mit einer Meßschnur die Form und
+Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im natürlichen
+Maßstabe aufzeichnen.
+
+
+*absegeln.*
+
+1. In See gehen. Ursprünglich von Segelschiffen gebraucht, erhielt es
+die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird heutzutage in
+diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine Segel führen.
+
+2. Einen Mast, gewöhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn
+für die betreffende Windstärke zu viel Segel geführt werden oder wenn
+bei plötzlich aufkommender Bö die Segel nicht schnell genug verkleinert
+bezw. geborgen werden können.
+
+3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel
+zurücklegen.
+
+
+*abschricken* s. schricken.
+
+
+*absetzen.*
+
+1. ein Boot s. *ablegen*.
+
+2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des Schiffes, an dem es sich nach der
+Mittags- oder einer sonstigen Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.)
+zur Zeit befindet, auf der Karte durch ein kleines Kreuz mit einem
+Kreis darum ([Symbol: crosshairs]) bezeichnen. Setzen (Factitiv von
+sitzen, urgermanisch aus der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch
+sedere) verbunden mit ab, letzteres aus der Vorstellung heraus, daß das
+Etmal, (s. d.) das abgesetzt wird, ein von der ganzen zurückzulegenden
+Strecke abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist.
+
+3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber ähnliches
+Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser
+nicht nur oberflächlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun läßt, aus
+den Decksplanken herausgedrückt und gepreßt wird, damit sie desto
+rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf
+Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht
+unähnliches Stück Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war,
+jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer
+heißt. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberähnlichen
+Gummiabsetzer.
+
+4. *Absetzdock* nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s.
+d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend
+konstruierte Helling abladen (absetzen) können, worauf sie dann sofort
+ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch
+depositing dock.
+
+5. Auf dem Schnürboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden
+Schiffes in natürlicher Größe aufzeichnen.
+
+
+*abstoppen*, Abstopper s. stoppen.
+
+
+*abtakeln* s. takeln.
+
+
+*Abtrift.*
+
+Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1. Viehweide, weil
+man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben wird. 3.
+Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von Schiffen und
+Gütern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre 1565 sagt,
+dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und guider der
+hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines Schiffes an ein
+anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man den anderen
+anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift scal men
+tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem Wasser
+treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564: Jacob R.
+sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her also se
+beide thosamende drifftich gewurden unde inn grundt gedreuen weren.
+
+Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit Abfallen) ist zwar nicht so
+schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift seiner schlimmsten Bedeutung
+nach und nach verlustig gegangen ist und jetzt eigentlich nur noch den
+Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch etwas Unangenehmes, weil nicht
+genau Berechenbares dabei. Abtrift entsteht nämlich wenn ein Schiff beim
+Winde segelt; dann kann die Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich
+der Richtung des Kieles sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.),
+nämlich nach der Seite hin abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher
+bei Notierung des gesteuerten Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines
+Kompaßstriches nach mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung
+gebracht werden muß.
+
+Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).
+
+
+*abwracken*, s. Wrack.
+
+
+*Ache*, die.
+
+Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die Ache, oft auch
+der Achen, niederdeutsch ak und aak, französisch aque, acque.
+
+Früher hießen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so, in denen
+der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am Rhein jedes
+beliebige Ruderboot »Ache« nennen hören. In Ostfriesland heißt but-ak
+ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von Lastschiffen
+mit plattem Boden, eine »Kölnische« aak. Es ist unser allbekanntes
+Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in seiner
+Abstammung noch zweifelhaft. Kluge läßt die Verwandtschaft mit dem
+lateinischen Worte navis, bezw. den Übergang des indogermanischen nav --
+in das germanische naq -- dahin gestellt. Doornkaat steht nicht an,
+nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch vor
+dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden sei.
+Dann böte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen, eilen,
+fließen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es wären
+zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke und
+der Schiffsname Schmacke erklärt, (ostfriesisch smak, holländisch smakk,
+englisch, schwedisch smack) wovon französisch semaque, italienisch
+semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, »ein Seeschiff oder
+Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten sehr voll und
+rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stück) hinten auf dem
+Heck noch einen kleinen Besahn-Mast hat«. Dann wäre das Wort auch mit
+dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch snake verwandt,
+entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung.
+
+
+*Achtknoten*,
+
+Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknüpft werden, ist
+einem, der nicht in die Geheimnisse des »Splissens und Knotens«
+eingeweiht ist, schwer verständlich zu machen.
+
+
+*achter*, *achtern*
+
+steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des Hochdeutschen after,
+*hinter*, *hinten*. Im Altniederdeutschen, z. B. noch im Heliand, hieß
+es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach sich die
+Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft und
+Kracht, Graft mit gracht.
+
+Als Präposition, als Adjektiv, als Adverbium, stets bezieht sich achter
+oder achtern auf das Hinterteil des Schiffes, allein oder in
+Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten. *Achterebbe*, die letzte
+Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit der Flut, kommen an der
+Nordseeküste nachweislich schon um das Jahr 1400 vor. *Achtersteven* (s.
+Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Duffläus zu finden, der puppis bald
+mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald mit achtersteven
+wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rückwärts bewegt weil die Segel »back«
+(s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt: »wir segeln über
+den Achtersteven«; wofür man auch sagen kann, »over stür«, oder noch
+kürzer aber weniger fein »achterärs«, welcher Bezeichnung die alte
+französische Redewendung culer ziemlich genau entspricht, um 1700 bei
+Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt ächteraers für rückwärts
+im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: »dat get ächteraers as de hane
+krasset,« wie denn daselbst auch von einem, der zwei Fliegen mit einer
+Klappe schlägt, gesagt wird: »vör bitt hä, ächter schitt hä«, von einem
+Bauer hergenommen, der Birnenessen und seinen Behuf verrichten zu
+vereinigen wußte.
+
+Die hintere Last (s. d.) im Schiffe heißt *Achterlast*; ist es hinten zu
+schwer beladen, so ist es *achterlastig* (welches Wort man in der Gegend
+von Groningen zur Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet).
+Bekanntes Kommando: »Alle Mann *achteraus*!« wenn die Mannschaft eines
+Kriegsschiffes sich auf dem *Achterdeck*, das sie nur dienstlich
+betreten darf, versammeln soll.
+
+Auf größeren Schiffen hat der Kommandant außer einer mehr offiziellen
+Vor- noch eine mehr private *Achterkajüte*.
+
+Edda: aptr, rückwärts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Beówulf: äfter,
+darauf, nachher, zurück, in Folge; im Angelsächsischen blieb das f
+unverschoben und ist so ins Englische übergegangen.
+
+
+*Admiral*, der.
+
+»Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den man auff dem
+Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen,« schreibt 1565 Leonhart
+Frohnsperger, »Bürger zu Ulm«, in seinem Buch »Von Kayserlichen
+Kriegßrechten etc. etc.: »Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem
+fürgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt
+sein, ein fürtrefflichen, erfahrnen, geübten, dergleichen der dazu von
+hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem
+Obersten über alle Schiff und Hauffen, zu Roß und Fuß, Geschütz,
+Munition und was dern notturft mehr erheißt, haben, ordnen und dem
+Kriegsvolck fürsetzen etc. etc.« Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein
+bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See;
+titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden:
+Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit
+dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors;
+zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie
+das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu
+hissen.
+
+Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen
+ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es bloß aus amir oder aus
+amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heißt Befehlshaber zur See,
+ersteres bloß Befehlshaber. Insofern wäre die Abstammung von
+amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die älteste Form
+des Wortes im Spanischen, das es uns übermittelt hat, almiraje *de la
+mar* hieße, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus
+amir-al-bahr entstanden wären, dann hießen sie ja schon allein für sich,
+ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlaßt
+sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar
+hinzuzufügen, so folgt daraus, daß almiraje oder almirante für sich
+allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus
+amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch
+annehmen kann, daß in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um
+zu wissen, daß al-bahr = de la mar war.
+
+Zwar spricht wegen der Endung al in Admiral der erste Eindruck für die
+Ableitung aus amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt
+sich aber bei näherem Zusehen heraus, daß das al in der Endung mit der
+arabischen Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten
+Zeit der Übernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es
+ist also nicht mit übernommen worden. Die Endung des Wortes hieß
+vielmehr zunächst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich
+hernach, offenbar in Anlehnung an die geläufigen Endungen von
+commandante und imperante, ebenfalls in ante (almirante). Daß ein l
+zwischen a und m gelangt ist, so daß zuerst der Anfang des Wortes so
+lautete wie jetzt der Schluß, al, hat vielleicht in einer unbewußten
+Huldigung an die arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber
+kein allgemeines Bürgerrecht zu erwerben gewußt, nicht einmal im
+Spanischen selbst, wo neben almirante sich immer wieder auch amirante
+findet.
+
+In diesen beiden Formen ging das Wort auf die Wanderschaft. In der
+Provence machte man amirat, dann amirant, daraus; im Altfranzösischen
+amirant. In Italien nahm es zuerst die Form almiraglio an, assimiliert
+in ammiraglio, ausgesprochen ammiralio. Nun ward es ins
+Mittellateinische übersetzt: amiratus. Von hier aus erklärt sich die
+Entstehung der Anfangssilbe ad. Man brachte amiratus mit admiror in
+Verbindung, etwa mit dem Gedankengang, daß ein Admiral ein -- nicht etwa
+wunderlicher, sondern bewundernswerter Mann sei, wie denn wirklich im
+Jahre 1508 Admiral mit »ein wunderer des Meeres Oceani«, 1534 mit
+»verwunderer des Meeres« übersetzt ward. Aus admiratus, wie das Wort nun
+hieß, bildete man in Erinnerung an ammiraglio die weitere Form
+admiralius, welche sich bequem an bekannte Wörter wie general und
+official anpaßte; daraus ist endlich durch Wegfallen der Endung ius
+unser heutiges Wort Admiral entstanden.
+
+Für die Abstammung aus dem bloßen amir spricht auch der Umstand, daß in
+der Tat das Wort Admiral in seinen verschiedenen Durch- und
+Übergangsformen nur im Allgemeinen zur Bezeichnung eines Befehlshabers,
+ohne Bezugnahme auf die See, im Gebrauch war; der Fürst der Sarazenen
+hieß so; der Emir von Babylon wird im 13. Jahrhundert in dem nach einer
+altfranzösischen Quelle bearbeiteten Gedichte »Flore und Blancheflur« so
+genannt; sogar der deutsche Kaiser zur Zeit der Troubadoure. Es wird
+behauptet, durch die Sicilianer und Genuesen sei das Wort zu seiner
+jetzigen Bedeutung gekommen, wie auch, daß es durch die Kreuzzüge aus
+der Levante gekommen sei. Sicher ist, daß in Spanien 1246 Ramon Bonifaz
+aus Burgos vom König Ferdinand dem Heiligen zuerst mit der Würde eines
+almirante im Sinne von Seebefehlshaber bekleidet wurde. Er war also der
+erste *Admiral*. Lange blieb daselbst die Admiralswürde bei dem Hause
+Enriquez; später wurde der Infant Don Felipe damit bekleidet.
+
+In Frankreich wurde das Amt dem Florent de Varenne 1270 beigelegt. Bis
+dahin hieß auch der Befehlshaber einer Flotte capitaine. »La Charge
+d'Amiral supprimée en France l'année 1626 fut rétablie en faveur de M.
+le comte de Vermandois l'an 1669, aiant été suppléée pendant cet
+intervalle, par la charge de Grand-maître, chef et Surintendant de la
+navigation et commerce de France qui demeura éteinte, par la mort de M.
+le duc de Beaufort, arivée la même année 1669.« (Aubin). Im 18.
+Jahrhundert war die höchste Admiralswürde bei dem Hause der Herzöge von
+Penthièvre erblich unter dem Titel »Amiral de France,« »das ist
+Generalissimus der Flotten und Vorsteher des ganzen Seewesens«.
+
+In den Vereinigten Niederlanden war der Erbstatthalter Admiraal
+Generaal, die Würde war im Hause der Prinzen von Oranien erblich und
+konnte selbst auf den weiblichen Stamm fallen.
+
+In England kommt admiral schon 1300 in Robert of Gloucester's chronicle
+vor. 1632 ward der Posten eines Lord high admiral mit der
+Kommandobefugnis über die ganze britische Marine geschaffen. Der Herzog
+von York, der spätere König Jakob II., bekleidete ihn eine Zeit lang.
+Sonst ist er selten besetzt gewesen.
+
+Im Mittelniederdeutschen hieß das Wort amiral, ammiral, ammeral, war
+aber so wenig titelhaft, daß in den Tagen der Hansa ein und derselbe
+Mann bald ammeral bald scypper = Schiffer genannt wurde. Bei Kilianus
+(1548) sehen wir zwei Versuche, das Wort ameral zu erklären, neben
+einander her laufen. Er übersetzt es einmal mit praefectus, dominus,
+patronus, ohne von der See zu reden, und leitet es von dem uralten
+deutschen Worte ambaht, ambacht = Amt ab, indem er Ammann, Amtmann als
+Übergangsglied in Anspruch nimmt. Sodann aber übersetzt er es auch mit
+archithalassus, praefectus maris, praefectus classis, und kommt richtig
+darauf: arabice amir, rex, sive imperator.
+
+Beinahe sieht es so aus als ob dem Verfasser der »Durchläuchtigsten
+Seehelden« noch etwas davon vorgeschwebt hätte, daß Admiral
+ursprünglich, dem Arabischen entsprechend, nur einen Befehlshaber
+überhaupt bedeutete, denn er berichtet, Sultan Soliman habe den
+Chaireddin Barbarossa zum »See-Admiral« ernannt. Er hatte zwar zur See
+keine Seide gesponnen, »der Groß-Herr hat ihn dennoch mit einem sehr
+guten Gesichte empfangen (wol wissend, daß alles mehr dem abwechselnden
+Glück, als seinem Versaumnuß, oder dem Mangel seiner Tapferkeit und
+Anführung zuzuschreiben) und hat ihn in Vergeltung seines guten Willens,
+und in Erkändtnis seiner Tapferkeit und Anführung, zum See-Admiral
+gemacht« ... Über die Aufnahme des Wortes ins Hochdeutsche sagt Kluge:
+»Erasmus Alberus und Dasypodius 1540 und Frisius 1541 kennen es noch
+nicht; Amiral findet sich 1561 bei Maaler, 1570 bei Hadr. Junius
+Nomencl., 1582 bei Golius Onomast., Admiral 1562 bei Crusius Gramm.
+Schon Henisch 1616 bevorzugt die Form Admiral.«
+
+Der Merkwürdigkeit halber sei angeführt, wie weit man mit Erklärungen
+vorbeihauen kann. Das Groot Nederduitsch Taalkundig Woordenboek von
+Weiland schreibt, Admiral komme »van het oude ital. miraglio dat den
+spiegel van het schip beteekent; dewyl hier vorheen de plaats des
+bevelhebbers was, en hy zyn bevelen al miraglio gaf.«
+
+»Der Admiral« wird auch oft kurzweg gesagt, wenn man das Admiralsschiff,
+das Flaggschiff meint. »Wir folgen im Kielwasser des Admirals.«
+»Durchläuchtigste Seehelden«: »Die Schiffe waren: Amsterdam groß 400
+Last als Admiral, und hatte 237 Mann auf, 20 Metalline und eiserne
+Stücken Geschütz. Delft der Vice-Admiral war gleichfalls 400 Last groß,
+mit 242 Köpffen bemannt« ...
+
+Auch ist Admiral eine nicht nur im Scherze, sondern in vollem Ernste
+dienstlich gebrauchte Bezeichnung für Pütze (s. d.) = Eimer. Sie stammt
+offenbar noch aus der Zeit wo man statt Admiral noch Ammeral sagte und
+statt Eimer Ammer. Wie leicht konnte ein scherzhafter Matrose darauf
+verfallen, einmal statt ammer ammeral zu sagen, und das bürgerte sich
+hernach so ein, daß niemand mehr etwas dabei fand; Eimer, Emmer, Ammer,
+Ambar, amphora.
+
+
+*Admiralität*
+
+hieß bis etwa vor zehn Jahren die oberste kaiserliche Marine-Behörde,
+als Oberkommando und Verwaltung noch in einer Hand lagen, in der Hand
+des »Chefs der Admiralität.« Die Behörde ist aufgehoben, nur der Titel
+*Admiralitätsrat* ist geblieben. *Admiralitätsanker* s. Anker.
+
+
+*Ahoi!*
+
+Der Ruf mit dem ein Schiff oder ein Boot angerufen wird, »Schiff ahoi!
+Boot ahoi!« Man muß sich hüten tiefere Bedeutungen suchen zu wollen wo
+keine sind. Das Wort ist eine einfache Interjektion, weiter nichts,
+gebildet und gewählt von dem Bedürfnis weithin gehört zu werden. Im
+Englischen heißt es to hail a ship. Das hat man wohl übersetzt: einem
+Schiffe Heil zurufen; ist aber auch nur eine Interjektion und hat mit
+Heil nichts zu schaffen. Niederdeutsch halen, anhalen; es ist im Grunde
+dasselbe Wort wie das im Hochdeutschen so häufig gebrauchte holen. Das
+heißt niederdeutsch auch halen. Die Bedeutung der zu Grunde liegenden
+Wurzel ist: einen Ton oder Laut von sich geben; tönen, rauschen, lauten,
+schreien, rufen, hallen, Hallo machen, durch Halloschreien jemanden
+herbeirufen, näher kommen machen, also herbeiholen, man könnte sagen:
+einen herbeihalloen.
+
+Auch der Ruf Gut Heil! oder All Heil! hat mit Heil nichts zu tun,
+sondern ist eben nur ein Ruf, ein Zuruf, ein Gruß, eine Interjektion.
+Ebenso der alte Schlachtruf der freien Friesen: »Eala fria Fresena!«
+Auch hier hat man eala mit Heil übersetzen wollen, da es doch nur eine
+Interjektion ist, wie die angelsächsische Übersetzung von Luc. VII. 14:
+»Jüngling, ich sage dir, stehe auf!« mit »eala geonge aris!« beweist.
+
+Wird bei Dunkelheit ein auf ein Kriegsschiff zukommendes Boot mit ahoi!
+angerufen und die Antwort lautet nein! nein! so ist kein Offizier im
+Boot; ja! ja! so ist ein Offizier oder im Offizierrang Stehender
+darinnen; wird der Name des Schiffes geantwortet, so ist der Kommandant
+im Boot; heißt es: »Flagge«! so kommt ein Flaggoffizier (Admiral).
+
+
+*Ahming*, die.
+
+Auch kurzweg die Ahm genannt, bedeutet dieses Wort das vorn und hinten
+am Schiff angemalte Maß, welches den Tiefgang desselben anzeigt; beruht
+nach Kluge auf mittellateinischem Worte ama, Gefäß, Weinmaß, griechisch
+ame, lat. ama, Feuereimer. Im Mittelhochdeutschen wurde, wie in Mond,
+das a zu o, daher das neuhochdeutsche Ohm. Im Mittelniederdeutschen hieß
+es ame und bedeutete »das bei der Obrigkeit aufbewahrte (gewöhnlich
+kupferne) Richtmaß, nach welchem die im Verkehr zu gebrauchenden
+Meßgefäße geprüft und alsdann mit einem Zeichen ihrer Richtigkeit vom
+Eichmeister versehen wurden«. Auch dieses Zeichen hieß ame; die
+Thätigkeit des Eichmeisters amen; hochdeutsch ahmen; daher das Wort
+*nachahmen*, das einzige von der Sippe, das uns in der Umgangssprache
+geblieben ist und alle Tage gebraucht wird: »nach Maßgabe eines Musters
+sich ähnlich ausdrücken oder betragen«. Dieses Nachahmen hieß lange Zeit
+einfach ahmen.
+
+Das Wort Ahming ist in Gefahr durch »*Tiefgangsmarke*« verdrängt zu
+werden; es wäre schade, man könnte dann auch ebenso gut
+Ausschlammungs-Maschine anstatt Bagger oder Holzglättungsinstrument
+anstatt Hobel sagen.
+
+
+*»Alle Mann!«*
+
+Das Kommando demzufolge jeder an Bord, der an Manövern mit »Alle Mann«
+oder an der »Alle Mann-Musterung« teilzunehmen verpflichtet ist, an
+Deck, beziehungsweise an der ihm angewiesenen Stelle anzutreten hat, sei
+es, daß das Manöver zur Übung geschehe, sei es, daß eine Bö so stark
+einsetzt, daß ihr die Wache nicht gewachsen ist, daß ein »Mann über
+Bord« fiel oder sonst eine Arbeit zu tun sei, die alle Hände (engl. »all
+hands«!) erfordert, z. B. wenn ein Schiff auf einem Korallenriff
+auffährt und nun alsbald die Bemühungen beginnen, wieder loszukommen; da
+heißt es dann abwechselnd »Alle Mann an Steuerbord« und »Alle Mann
+Backbord«, »Alle Mann voraus«, »Alle Mann achteraus«.
+
+Im Binnenlande rednerisch und dichterisch sehr oft, aber selten
+seemännisch ganz richtig gebrauchte Wendung; oft hört man »Alle Mann auf
+Deck!« sagen, was an Bord nicht gesagt wird, wo es bloß »Alle Mann!«
+heißt, allenfalls noch: »Alle Mann auf!«, dann wird aber jedesmal
+hinzugefügt: »Klar zum Manöver!«
+
+
+*am Winde*
+
+segeln heißt so viel wie »beim Winde« segeln. Richtig am Winde liegen
+oder beim Winde segeln heißt so steuern, daß bei richtiger
+Segelstellung, bei welcher die unteren Segel etwas weiter angebraßt
+werden als die oberen, der Wind so weit von vorne einkommt, daß das
+Vorliek des Großoberbramsegels sich eben bewegt, oder, wie der Seemann
+sagt, killt (s. d.), dann stehen die übrigen, niedrigeren und größeren
+Segel alle voll Wind, weshalb auch beim Kreuzen das Kommando gegeben
+wird: »Voll Segel halten« oder »voll und bei«. Wird zu hoch am Winde
+gesteuert, so besteht die Gefahr, daß man »eine Eule fängt«, daß das
+Schiff »durchdreht«.
+
+
+*An Bord.*
+
+In dieser Wendung zeigt sichs besonders deutlich wie pars pro toto,
+Bord für Schiff gebraucht wird. An Bord gehen, an Bord sein, sich an
+Bord befinden, Bordkommando, Bordaufenthalt, Bordleben, Bordessen,
+Bordkleidung u. s. w. Bei diesen und unzähligen anderen
+Zusammensetzungen kann man für Bord Schiff einsetzen ohne den Sinn zu
+ändern. Das Signal für diejenigen, die an Bord gehören, daß sie an Bord
+kommen sollen, weil das Schiff in See zu gehen beabsichtigt, ist eine
+blaue Flagge, genannt »*der blaue Peter*«.
+
+
+*Anholen.*
+
+Wenn beim Bootssegeln beim Winde gesteuert werden soll, so muß der zu
+Luvart sitzende Bootssteurer das Großsegelsschothörn (s. Schothörn)
+möglichst nahe, oder wie der Seemann sagt möglichst hart, an sich
+heranbringen; was geschieht, indem er die Großsegelsschot *anholt*.
+
+Bei Rahesegeln müssen, wenn vor dem Winde gefahren wird, beide Schoten
+angeholt werden, damit das Segel möglichst steif steht und seine ganze
+Fläche in möglichster Ausdehnung dem Winde darbietet. Schon Kilianus
+(1547) hat das Wort, und zwar gebraucht er die Wendung: anhaelen het
+seyl; aber er übersetzt das falsch mit stringere vela, es muß heißen
+pandere vela.
+
+
+*Anbrassen* s. brassen.
+
+
+*Anker*, der.
+
+Lehnwort aus dem Lateinischen, ancora. Plinius schreibt die Erfindung
+des Ankers den Tyrrheniern zu. »Aber schon die Griechen hatten
+vervollkommnete Anker mit Armen und Zähnen daran, die in den Grund
+fassen konnten«, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zähne genannt
+wurden. Sehr früh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist
+das Wort ins Deutsche übernommen worden, denn schon im »Béowulf« finden
+wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ältere, einheimische Wort für
+die Sache hieß im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die
+Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der
+Magellanstraße die Pescheräh-Frauen (die da alle Arbeit tun müssen) ein
+Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines »verankern«
+sah. Nach dem Bericht der ältesten Schriftsteller gebrauchten die ersten
+Völker anstatt der Anker nur Körbe voller Steine und Säcke voller Sand,
+die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die
+Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke
+gebundene Steine ins Meer, um sich damit festliegend zu machen, solcher
+simplen Anker bedienen sich auch noch heutzutage manche Völker, bei
+denen die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit ist«. Übrigens geschieht
+solches auch bei anderen Völkern, man kann es selbst bei deutschen
+Bootsführern oft genug sehen.
+
+Die althochdeutsche Form war ancher. Indessen scheint das Wort im
+Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein,
+wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000
+geschriebenen Übersetzung des Boëthius de consolatione philosophiae:
+»anchorae daz sint suarin isen«. Das hätte nicht gesagt zu werden
+brauchen, wenn man es als allgemein bekannt hätte voraussetzen können.
+
+Merkwürdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Lateinischen ist das
+Wort weiblich, im Hochdeutschen männlich, der Seemann aber gebraucht es
+gerne sächlich.
+
+Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Händen,
+Spaten, Schaufeln oder Pflügen, der Ankerstock, durch das obere dünnere
+Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schäckel d. h. der Röring.
+(s. d.)
+
+Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren
+Konstrukteuren: Admiralitäts- oder Normalanker, Inglefieldanker,
+Hallanker, Martinsanker, Trotmannsanker, Smithanker, Porteranker,
+Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schild- oder Minenanker, Dregganker. (s.
+d.)
+
+Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker,
+Warpanker, Rüst- oder Reserveanker, Not- oder Pflichtanker, (s. Pflicht)
+Bootsanker.
+
+Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrücken, Baxterlagerung.
+
+
+*Ankerboje*, die.
+
+Da das vor Anker liegende Schiff schwoit (s. schwoien), d. h. sich unter
+dem Einfluß des Windes oder Stromes um seinen Anker herumbewegt, also
+seinen Ort des Öfteren wechselt; da es aber nötig ist, stets zu wissen,
+wo der Anker liegt, so wird ehe derselbe zu Wasser gelassen wird eine
+Boje (s. d.) an ihm befestigt; die schwimmt dann über ihm auf dem
+Wasser, zeigt seine Lage an und heißt Ankerboje.
+
+
+*Ankerdobber*, der.
+
+
+*Ankerflott*, das.
+
+
+*Ankerkogert*, der.
+
+Alle drei Wörter bezeichnen einfachere Vorrichtungen mit demselben
+Zwecke, der heutzutage hauptsächlich der Ankerboje zugewiesen ist, die
+Stelle wo der Anker liegt kenntlich zu machen.
+
+*Dobber* ist ein schwimmendes Stück Holz, das seinen Namen daher hat,
+daß es im bewegten Wasser stets in Bewegung ist, immer mit den Wellen
+hin und her, auf und nieder geht. Im Ostfriesischen kommt das Wort in
+der Form Dubber = Stößer vor, im niederländischen heißt das Zeitwort
+dazu dobbern, ostfriesisch dubbern, Frequentativum zu dubben, zur Wurzel
+dhu, sich heftig bewegen, gehörig.
+
+*Flotten* kommen gewöhnlich und hauptsächlich bei Fischernetzen vor. So
+heißen die runden Holz- oder Korkstücke rings um das Netz herum, die es
+flott (s. d.) d. h. schwimmend erhalten.
+
+*Kogert* dürfte mit Kogge (s. d.) zusammenhängen, sei es, daß etwa die
+Kriegskoggen der Hansa zuerst solche Vorrichtung führten, sei es, daß
+das Zeichen in Gestalt einer Kogge aus Holz oder Kork geschnitten war,
+sei es, daß das Wort mit Kogge zusammen auf die Muschelgestalt
+zurückgeht. Jedenfalls ist das Wort alt und stammt aus der Zeit der
+Koggen, denn in dem »ältesten Stadt-, Schiff- und Landrecht Hamburgs«
+steht die gesetzliche Verordnung: »unde licht enich anker sunder douwer
+efte kogert, unde schade aff queme, den schall he half beteren.« (307,5,
+herausgeg. v. Lappenberg, vergl. Schiller und Lübben, II, 513.)
+
+
+*Ankergrund*, der.
+
+Die Stelle wo man zu Anker gehen kann. Wenn der Grund daselbst die
+geeignete Tiefe hat, nicht zu weich (schliekig, s. d.) zum Festhalten
+des Ankers ist, wenn er rein, d. h. ohne Klippen ist, so heißt er guter
+Ankergrund.
+
+Es liegt auf der Hand, daß alles, was auf das wichtige Geschäft des
+Ankerns Bezug hat, in der Gedankenwelt und demgemäß auch in der
+gewöhnlichen Umgangssprache des täglichen Lebens der Seeleute und
+Küstenbewohner auch am Lande eine große Rolle spielt. So ist der Anker
+das Sinnbild der Hoffnung geworden, auch bei Binnenländern, so spricht
+ein alter Seemann auch »am Wall«, daß er irgendwo vor Anker gehe, so
+heißt es von einem ungeschickten Menschen, er sei wie ein Anker, der
+immer ins Wasser komme und doch nicht schwimmen lerne und im Friesischen
+(vergl. Halbertsma, Lex. Fris.) wird das Wort Ankergrund bildlich so
+gebraucht: »Lien him nat; daer is nin ankergroun«, borg ihm nicht, er
+kanns nicht wiedergeben.
+
+Im Mittelalter (Seebuch, 1400) sagte man: »dar is gud anckerholt«; ein
+Grund, der den Anker gut »hält«.
+
+
+*Ankern*,
+
+zu Anker gehen. Das ganze seemännische Ankermanöver wird damit
+bezeichnet, von dem Kommando an: »Klar zum Ankern« bis zum Ausbringen
+der Fallreepstreppe. Im Jahre 1400 ist im Niederdeutschen ancker setten
+bezeugt, auch wohl kurzweg setten. Besonders auch Waghenaer, 1588, und
+die »Beschriving van der Kunst der Zeevaerdt«, 1673, gebrauchen setten
+oder setzen für ankern.
+
+
+*Anlaufen* s. Anlegen.
+
+
+*Anlegen.*
+
+Ein *Boot* legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute nicht, daß
+sie anlegen im Sinne von »irgendwo ankommen«. Es wird im Gegenteil als
+unseemännisch belächelt und höchstens einer Dame verziehen, wenn sie
+fragt: »Legen Sie auch in Montevideo an?« schon weil man daselbst gar
+nicht »anlegen«, sondern nur ankern kann. Wird ein Hafen vorübergehend
+besucht, so heißt es ihn anlaufen; »wir laufen Singapore an«. Wenn man
+den Bestimmungshafen nennen will, sagt man: »Das Schiff geht nach Rio«
+... »ist unterwegs nach Newyork«, »ist bestimmt nach Kalkutta«, »segelt
+(auch von Dampfern) nach, oder besser noch: *auf* Valpareiso, fährt auf
+Yokohama«. Englisch: bound for ... und das kommt nicht etwa von to bind,
+binden, so daß das Schiff mit gebundener Segelordre führe, sondern heißt
+eigentlich boun. Das d ist angehängt entsprechend dem d in sound, von
+sonus; isländisch buinn, von bua, bearbeiten, vorbereiten, fertig
+machen, verwandt mit »Bauer«.
+
+ Willing wie sought your shores, and hither bound
+ The port so long desired at length we found.
+
+ Dryden.
+
+Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich
+längsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder »macht fest« an einem
+Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen
+gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: »Das Schiff legt an *das*
+Bollwerk an«, während ein Boot an *dem* Bollwerk, an der Treppe, an dem
+Fallreep anlegt.
+
+
+*Anliegen.*
+
+»Was liegt an?« Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe wie:
+»Welcher Kurs wird gesteuert?« Nur wird erstere mit größerer Genauigkeit
+und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne der
+Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene Kurs
+auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde segelt,
+nicht immer möglich ist. Das Wort erklärt sich aus der Einrichtung des
+Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und der an seinem
+festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird. Der dem zu
+steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen Kompaßscheibe muß
+»anliegen« d. h. an dem Strich liegen, genau dem Strich gegenüber
+liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff verbundenen Kompaßdose
+angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt.
+
+Französisch: »ou as-tu le cap?«; wohin ist der Bug, der Schnabel, oder
+wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet?
+
+
+*Anluven* s. luv.
+
+
+*Anmustern* s. mustern.
+
+
+*Anracken* s. Rack.
+
+
+*Anschlagen.*
+
+Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines allgemeinen
+Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu »Klar Schiff«, zum
+Gottesdienst.
+
+
+*Ansegeln.*
+
+1. Das Ansegeln, die Eröffnung der Segeljahreszeit beim K. »Yachtklub«
+zu Kiel.
+
+2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm
+segelnd nahen. Früher sagte man »antun«, sich dem Lande nähern, in Sicht
+von Land kommen, soviel wie:
+
+
+*Ansteuern.*
+
+Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen daß die Karten ungenau sind
+oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im Ansegeln einer
+Küste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem Schiffe voraus,
+das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man, weil dabei die
+Wassertiefe festgestellt wird: *Antiefen*.
+
+
+*Arbeiten.*
+
+Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darüber hat sich der
+Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem Etatsvorschlag
+für die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: »Das Schlimmste aber
+ist, daß auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein vollendeter
+Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur Nebenkraft
+und selbst bei voller Bemastung und Takelung läßt sich die feinere
+Segelführung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand steuert, daß
+es, wie das Pferd der bloßen Führung am Halse, dem leisesten Winke
+gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten Dampfschiff niemals
+gründlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann ein toter, äußerlich
+bewegter Körper, dem nicht er, sondern der stets mit scheelen Augen
+angesehene Maschinist und der mißachtete Heizer gebieten, während ihm
+sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit dem er bald durch eine
+geistige Zuneigung verwächst. Und dies in jeder Schilderung des
+Seelebens als sein innerster Kern, als sein höchster Reiz hervortretende
+eigene Verhältnis, das es dem Matrosen notwendig macht, sein Fahrzeug
+als Femininum zu denken und benennen, ist keineswegs bloß ein schöner
+Flitter des Seeberufs: es ist von der höchsten praktischen Bedeutung, es
+bildet ein Hauptfundament der Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der
+Gehorsam und die Pflichttreue bis zur Wagnis des Lebens für die
+Erhaltung des Schiffes bloß ein abstraktes Gebot. So seltsam sich eine
+solche Hinweisung auf ein so feines und phantastisches psychologisches
+Moment in Gesellschaft der trockenen Zahlen einer Budgetvorlage
+ausnehmen muß, kann ich doch nicht umhin, es als einen Hauptgrund mit
+geltend zu machen für die Notwendigkeit, baldmöglichst auch einige
+Segelschiffe auf den Stapel zu stellen«.
+
+Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: »das Schiff
+arbeitet«, d. h. es bewegt sich schwer in stürmischer See. Es liegt dann
+auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Geräusche als
+Seufzen, Ächzen und Stöhnen zu bezeichnen.
+
+Daß Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem
+althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht
+einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed
+heißt, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e,
+(angelsächsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu
+starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflüge, liegende
+Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht (»im
+Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen«), allein ein
+anderer Gedanke liegt näher: In uralten Tagen überließ der freie
+Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das
+mit altslovenisch rabu = Knecht, mit böhmisch rabota = Arbeit,
+Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhängt,
+leider nicht der Begriff freier, fröhlicher Mannesarbeit, sondern der
+der seufzenden Knechtesarbeit, der Mühe, der Beschwerde, der Not, und
+der ist auch in der Redewendung »das Schiff arbeitet« vorhanden.
+
+
+*Armada*, die.
+
+Das spanische Wort für Kriegsflotte kommt meines Wissens im Deutschen
+zum ersten Male vor in dem 1565 zu »Frankfurt am Mayn« erschienenen
+Buche von Leonhart Frohnsperger: »Von Kayßerlichen Kriegßrechten
+Malefitz und Schuldhändeln, Ordnung und Regiment« x. x., aus welchem ein
+Abdruck der die Kriegsführung zur See betreffenden Abschnitte in der
+Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemännischen Anmerkungen erschienen
+ist.
+
+
+*Arsenal*, das,
+
+aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und durch den
+damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und Spanien zu uns
+gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere Mittelmeerwörter. Werkhaus
+erinnert an die eigentliche Bedeutung von Werft (s. d.). Nach Roeding
+(1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem Namen Arsenal nicht allein
+die Gebäude, in welchen alle zur Ausrüstung einer Flotte erforderlichen
+Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die Werftstellen, wo solche
+verfertigt werden, als Reepschlägereien, Segelmachereien,
+Stückgießereien, Ankerschmieden, Bäckereien, Schiffszimmerwerfte u. s.
+w. Er schreibt: »Die ältesten Arsenäle, wovon wir Nachricht haben, sind
+diejenigen, welche der König Salomo anlegen ließ. Eins derselben befand
+sich zu Joppe für seine Schiffe auf der mittelländischen See, und das
+andere zu Eziongeber, welches für seine Schiffe auf dem Roten Meer
+bestimmt war. Die Griechen und Römer hatten ebenfalls Arsenäle, wovon
+der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und Frejus, am Pontus Euxinus,
+am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid. lib VII. Sueton in August.
+c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berühmteste von allen See-Arsenälen ist
+jetzt das Venezianische, wo sogar Linienschiffe unter Dach liegen«.
+
+
+*Auf und nieder*,
+
+ein der Seemannssprache -- auch im Holländischen (op en neer), Dänischen
+(op og ned) und Schwedischen (up och ned) eigentümlicher, aber die Sache
+sehr deutlich und anschaulich treffender Ausdruck für die Richtung in
+der sich ein Gegenstand befindet, die wir senkrecht oder lotrecht
+nennen, die Rahe ist »auf und nieder« (zum Aufhissen), der Anker ist
+»auf und nieder«, d. h. er hängt frei am Krahnbalken, bereit entweder
+fallen gelassen oder gekattet zu werden. (s. Katten).
+
+
+*»Auf Riemen!«*
+
+Kommando beim Bootsrudern, veranlaßt die Bootsruderer, ihre Riemen mit
+dem Blatt so hoch aus dem Wasser zu nehmen, daß sie in der Richtung der
+Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen, und sie in dieser Lage,
+genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das Kommando »Ruder an!«
+kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt, teils als
+Ehrenbezeugung für Offiziere, während für Kommandanten und
+Flagg-Offiziere »Riemen hoch!« kommandiert wird, worauf die Riemen
+senkrecht »auf und nieder« gehalten werden.
+
+
+*Aufbänken.*
+
+Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf gebraucht wird,
+die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder in Gebrauch zu
+treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebänkt, d. h. klein
+gemacht, dadurch daß man sie nicht über den ganzen Rost ausgebreitet
+brennen läßt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank aufhäuft, doch so,
+daß sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum vollen Brennen
+gebracht werden können.
+
+
+*Aufbrassen*, s. brassen.
+
+
+*Aufduven*, s. lenzen.
+
+
+*Aufentern*, s. entern.
+
+
+*Auffangen*,
+
+greifen, fassen, festmachen (skr. pàça, Strick, weil dieser »faßt!«).
+Die seemännische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose ist, aber
+nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist das Wort
+in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im Winde oder
+von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau, das man zu
+fangen, zu erhaschen suchen muß; das ist die erste Bedeutung von
+auffangen. Aber zur Tätigkeit des Fassens gehört die des Haltens, daß
+das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch
+Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich
+dann dahin erweitert, daß man auch nichtschlagendes Tauwerk auffängt;
+wenn z. B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk
+nicht im Wege sein und nicht naß werden soll, wird es aufgefangen, d. h.
+zusammengebunden und hoch gehängt. Von hier aus ist der Begriff noch
+weiter und zwar so ausgedehnt worden, daß auffangen ganz allgemein für
+aufhangen gebraucht wird, so daß man, wenn die niederdeutsche Form
+opvangen dem nicht entgegen wäre, auf den Schluß kommen könnte, es müßte
+auffangen dasselbe wie aufhangen sein.
+
+
+*Auffrischen*
+
+ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht, wenn es sagt:
+»Der Maler frischt das Bild auf,« nur daß es hier transitiv gebraucht
+wird, während es im Seemännischen intransitiv ist: »Der Wind frischt
+auf«. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist, frisches Obst,
+frisches Gemüse. »Es frischt auf« heißt also: es kommt ein neuer und
+zwar stärkerer Wind auf, es fängt stärker an zu wehen.
+
+
+*Aufgeien.*
+
+Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die Segel unter
+die Rahen holen, damit sie festgemacht werden können. Das Wort kommt nur
+in der Seemannssprache vor, niederländisch opgyen, schwedisch giga up,
+dänisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien gegeben.
+
+
+*Aufhissen*, s. hissen.
+
+
+*Aufholen.*
+
+Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird schwerlich ganz
+genau festgehalten werden können. Sie bedeuten beide dasselbe, nur der
+seemännische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine, wo das andere Wort
+anzuwenden ist. Im Allgemeinen muß jedoch gesagt werden, daß aufholen
+sich -- von den Fällen, in denen es sich um einen *Aufholer* handelt,
+abgesehen -- auf die allereinfachste Tätigkeit mittels eines
+allereinfachsten Werkzeuges, nämlich eines schlichten Taues bezieht.
+Wenn z. B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben werden soll,
+so läßt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und dann *holt*
+er ihn Hand über Hand *hinauf*; hier könnte man nicht von aufhissen
+sprechen. Doch darf man darum nicht denken, daß einer immer oben ist,
+wenn er »aufholt«; wenn z. B. irgendwo ein Aufholer geschoren ist, der
+durch einen oben befestigten Block an Deck läuft oder eine Talje
+darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafür kann
+man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines
+Stagsegels, Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim
+Stückpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach
+nur von aufholen, nicht von hissen sprechen.
+
+
+*Aufklaren.*
+
+1. Gleich »sich aufklären«, hell werden, besser Wetter werden. »Es klart
+auf«, es wird schön. 2., »Klar Deck« machen d. h. nach einem Manöver
+wieder alles aufräumen, wegbringen was im Wege ist, und alles so in
+Stand setzen, daß es zu einem neuen Manöver gebrauchsfähig ist. Das
+Kommando heißt »Deck aufklaren«. 3., Überhaupt: Ordnung machen,
+aufräumen. Siehe klar.
+
+
+*Aufkommen*,
+
+eigentlich in die Höhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einfluß, Stellung und
+Geltung kommen; neu auf der Bildfläche erscheinen und näher kommen;
+seemännisch: »Das eine Schiff kommt dem anderen auf«, es fährt
+schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte
+Ruderlage kommen, überhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut
+gehorcht: »es kommt vor seinem Ruder auf«.
+
+
+*aufmachen*,
+
+in der Verbindung »Dampf aufmachen«, heißt Dampf erzeugen und bereit
+halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen könne. Dampf
+»aufmachen« kommt nicht etwa daher, daß ein Absperrventil aufgemacht,
+geöffnet würde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem der
+verlorene Sohn sagte: »ich will mich aufmachen und zu meinem Vater
+gehen«; auch nicht wie man sagt »eine Ware hübsch aufmachen«, zurichten,
+zurechtmachen, sondern »Dampf aufmachen« ist falsch geschrieben, es muß
+heißen »»Dampf auf!« machen«, so wie man sagt »»Alle Mann!« machen«
+oder: »wir machen »Anker auf!«« Das Kommando heißt: »Dampf auf«. Wenn
+das ausgeführt ist, dann hat das Schiff »Dampf auf«. Man kann aber eben
+so gut sagen »das Schiff liegt »*unter* Dampf««. Die Präposition »auf«
+ist also nicht so genau zu nehmen; man könnte sonst an das Aufsteigen
+des Dampfes beim Sieden des Wassers denken.
+
+
+*Aufkreuzen*, s. kreuzen.
+
+
+*Aufkrimpen*, s. krimpen.
+
+
+*Aufscheeren*,
+
+vergl. *scheeren*. Wenn ein seemännisches Manöver zu Ende ist und »klar
+Deck« gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk »aufgeschoren«, d. h.
+zu neuem Manöver in Ordnung gebracht (s. aufschießen). Aufscheeren ist
+also der Teil des Deckaufklarens, der sich auf das Tauwerk bezieht. Das
+letzte Kommando z. B. beim Wenden war früher nicht »Klar Deck«, sondern
+»Scheert auf die Taue«.
+
+Aufscheeren bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff
+einholen, ihm längsseit kommen.
+
+
+*Aufschiessen*,
+
+im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht gebräuchlich, kommt
+vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend bewegen. Eine solche
+Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei »Klar Deck« das laufende Gut
+aufklaren, aufscheeren oder aufschießen. Man unterscheidet: mit der
+Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in Scheiben, in Buchten aufschießen.
+
+
+*Aufpentern.*
+
+Das was jetzt Krahnbalken heißt (und auf Kriegsschiffen auch bereits »im
+Verschwinden gepeilt« wird) hieß früher Penterbalken: der vorn am
+Schiffe außenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei auf und
+nieder hängen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet, aber das
+Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder vielmehr
+Krahnbalken hängenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem
+Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und
+festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederländisch penn, ostfriesisch
+penne, niederdeutsch penn heißt Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum
+Festhalten, zum Festmachen. Davon dürfte das Zeitwort, das ja festmachen
+bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t
+vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje
+gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein.
+
+
+*Aufschricken*, s. schricken.
+
+
+*Aufstoppen*, s. stoppen.
+
+
+*Auftakeln.*
+
+Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemännisch zurüsten. Auch
+in übertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der Seeleute,
+Immermann im »Münchhausen« spricht von einem »ganz blümerant
+aufgetakelten« Fräulein. Man erzählt sich einen Scherz, der von keiner
+geringeren Stelle als von der allerhöchsten stammen soll. »Warum ist im
+Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein männlicher
+Schiffsname weiblich gebraucht (»die Moltke«)?« »Weil es so viel kostet
+es aufzutakeln«.
+
+
+*Auftun.*
+
+»Die Küste tut sich auf« heißt sie kommt in Sicht, bildlich gesprochen
+wegen des allmählichen Höherkommens, Heraufkommens des angesteuerten
+Landes; wohl auch im Gedanken daran, daß sich irgendwo eine vorerst dem
+Auge noch nicht sichtbare Einfahrt öffnen, auftun wird.
+
+
+*Auftoppen*, s. toppen.
+
+
+*Auftuchen*,
+
+ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge
+zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht
+»aufgetucht« ist, so kann sie aufgetucht vorgehißt werden, um erst auf
+ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort
+auszuwehen.
+
+
+*Aufziehen.*
+
+»Segel aufziehen« ist in der heutigen Seemannssprache nicht mehr
+geläufig, man sagt dafür Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc., es
+scheint aber früher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein, da
+dieselbe in übertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet ist:
+»Alle Segel aufziehen« um etwas zu erreichen, alle Minen springen
+lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings:
+etwas mit »Volldampf« betreiben.
+
+
+*Auge*, das.
+
+Jede in ein Tau gemachte künstliche Schlinge, auch eine runde Öffnung in
+einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher Augbolzen;
+eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des Mastes liegt.
+Immer ist die Erklärung aus der bildlichen Redeweise gegeben. Auch sonst
+gebräuchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem Auge ähnlich sieht:
+Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Würfel, Loch im Hammer für den
+Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung; seemännisch bezeichnet es
+eine kleine, runde Fensteröffnung; gastronomisch das was man gewöhnlich
+Spiegeleier nennt.
+
+Augplatte und Augsplissung erklären sich hiernach von selbst.
+
+
+*»Aus dem Ruder laufen«*
+
+ist eine in engem Fahrwasser, in Kanälen und Flußläufen sehr
+gefährliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz aufgeklärte Erscheinung.
+Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer, Handbuch der Seemannschaft)
+sowohl bei Schraubendampfern als auch bei Raddampfern und Schleppzügen
+und charakterisiert sich dadurch, daß ein seitlich der tiefen Fahrrinne
+fahrendes Schiff plötzlich scharf nach der tieferen Seite des
+Fahrwassers hinüberscheert und in dieser Bewegung auch durch Ruderlegen
+hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort aufgehalten werden kann.
+Fällt in diesem Fall nicht sofort ein Anker oder kann man der
+Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen Schraubengang wirksam
+entgegentreten, so läuft das Schiff in der Regel auf dem gegenüber
+liegenden Ufer auf. Auch können unter solchen Umständen leicht
+Kollisionen stattfinden.
+
+
+*ausfahren.*
+
+1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich Ausreise, ein
+Gegensatz zu Heimreise.
+
+2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an
+Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend
+eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill
+festzumachen. Wird dasselbe dann weiter an einem andern Poller
+festgemacht, so heißt diese Tätigkeit verholen. Über das Verholen eines
+Schiffes s. verholen.
+
+
+*Ausfracht*, s. Fracht.
+
+
+*Ausguck*, der,
+
+nicht bloß seemännisch sondern auch sonst im Reich gebraucht für den
+Ort, von wo aus einer Ausschau hält, für die Tätigkeit des Ausguckens
+und für den Mann der ausguckt, (letzteres ähnlich wie der Posten, die
+Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist das
+Ausgucken nicht auf den Ausguck beschränkt, »sie hat sich schier die
+Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten.« Die »Gucke« heißt in
+Süddeutschland das Tuch, das die Mädchen und Frauen bei Feldarbeit so
+weit über den Kopf gezogen haben, daß sie nur eben noch herausgucken
+können. Der Ort hieß in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch
+letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms).
+Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heißt gucken lugen
+und in der österreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg,
+(s. Dabovich, nautisch. techn. Wörterbuch).
+
+
+*Ausholer*, der,
+
+ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr mit dem etwas
+ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so geholt, daß es
+sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des Besansbaums ausdehnt,
+ausbreitet, ausspannt. Auch der Klüver hat seinen Ausholer, das
+Gegenteil des Klüverniederholers. Sogar der Klüverbaum kann einen
+Ausholer haben, durch den er nach außen geschoben wird; hier vertritt
+dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stängen Windreep heißt.
+
+
+*ausklarieren*, s. verklaren und klar.
+
+
+*auslegen.*
+
+Auf das Kommando »leg aus!« laufen die vorher aufgeenterten und bereit
+stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die Rahe hinaus
+und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Füße in die Pferde (s.
+d.) stellend, den Rücken nach hinten, den Kopf und den Oberkörper nach
+vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Händen festzuhalten, das
+Gleichgewicht zu behalten.
+
+
+*Ausleger*
+
+heißt ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum Ein- und
+Ausholen; auf Wangerog utliger.
+
+
+*Auslieger.*
+
+1. ein Schiff das »draußen« liegt oder fährt als Küstenwachtschiff.
+
+2. die eigenartige Vorrichtung der Südseeinsulaner bei ihren Booten, die
+sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot
+darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhütung des Kenterns. Durch
+zahlreiche aus der Südsee mitgebrachte, von dortigen Fischern
+verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt
+geworden.
+
+
+*auslothen* s. lothen.
+
+
+*ausösen* s. ösen.
+
+
+*ausscheiden*,
+
+aufhören mit einer Arbeit, aufhören zu reden u. s. w., ein sonst im
+Deutschen in diesem Sinne ungewöhnliches Wort. Man sagt wohl »aus einer
+Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden«, »einen Fall aus der
+Verhandlung ausscheiden« u. s. w. »Ausscheiden mit Zeugflicken«,
+»ausscheiden mit Deckwaschen«, »ausscheiden mit Unterricht« u. s. w. im
+Sinne von aufhören ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache
+gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, daß etwa ein Einzelner aus der
+Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern daß das ganze
+Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff
+*trennen* der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen
+trennen, so bedeutet das eben das Aufhören des Deckwaschens. Vergl.
+*scheitern*.
+
+
+*ausscheeren* s. scheeren.
+
+
+*aussegeln.*
+
+1. in See gehen.
+
+2. ein Schiff aussegeln heißt schneller fahren als es, es ein- und
+überholen (also mehr wie ihm »aufkommen«). Man kann auch den Wind
+aussegeln, das müßte aber eigentlich ausdampfen heißen, denn es wird
+gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel
+Fahrt macht, daß der Wind nicht zu spüren ist, weil man vor ihm
+herläuft.
+
+
+*Aussenhaupt* s. Schleuse.
+
+
+*Aussenschot* s. Schot.
+
+
+*auswehen* s. auftuchen.
+
+
+*Aviso*, der,
+
+engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca d'avviso, span. und
+portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen, altital. viso,
+provençalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht, Anzeige; also ein
+Nachrichtenschiff.
+
+
+*Axiometer*, der.
+
+Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitäns oder wachhabenden
+Offiziers, ohne daß das Ruder sichtbar ist, doch ersehen werden kann,
+wie dasselbe liegt, d. h. ob es *richtig* liegt, vom griech. axioo, ich
+halte für wahr, für richtig.
+
+
+*Azimuth*, der.
+
+Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem Mittagspunkt und dem
+Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch as-semuta, die Wege.
+
+
+
+
+B.
+
+
+*Baas*, der.
+
+Seemännisch wird das Wort hauptsächlich in der Verbindung Heuerbaas
+gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschäft betreibt,
+unbeschäftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch Schlafbaas kommt
+im seemännischen Sprachgebrauch vor für Quartiergeber oder Logiswirt.
+Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen, was man im
+Hochdeutschen einen »Kerl« nennt. Althochdeutsch faths, Herr,
+Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schützen,
+erhalten, wovon unser »Vater«. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn
+»Meister«, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Flußschiffer,
+Bootsmann. Bei Kilianus heißt das Wort baes, er sagt: »Sicambri regem
+suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius,
+ante Christum natum 284.« Dieffenbach: »mittellat. vassus = Diener;
+daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener;
+Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elevé, excellent. Daher
+basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol.
+
+
+*Back*, die.
+
+1. Der vorderste, erhöhte Teil des Schiffes.
+
+2. Ein Gefäß, rund, flach, aus hölzernen Dauben, von hölzernen oder
+eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend;
+als Eßback, Spülback, Speiback im seemännischen Gebrauch; sonst auch
+noch Regenback, Wasserback.
+
+3. Adverbium. »Das Segel steht back«, d. h. der Wind füllt es von der
+verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten.
+
+4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und
+gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne,
+nicht etwa nur wie Weigand zuerst fälschlich gemeint hat, »die linke
+hintere Seite des Schiffes.« So genau der treffliche Mann in seiner
+geliebten Wetterau Bescheid wußte, so fern lag ihm die See. Lebte er
+doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift über eine zu gründende
+preussische Kriegsflotte die denkwürdigen Worte gelassen aussprechen
+konnte: »Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist.« ... Es ist
+auch leicht zu verstehen und demgemäß zu verzeihen, daß dieser Irrtum
+entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt:
+»Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen« und daraus konnte ein
+Fernstehender leicht »linke hintere Seite« machen.
+
+5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer
+Eßback natürlich, gehören; besonders heißt aber auch noch Backschaft
+derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambüse herbeischafft.
+
+6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwärts, sondern
+rückwärts, backwärts läuft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der fürs
+Segeln der allergünstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags,
+also etwa in einem Winkel von 45° die Längsachse des Schiffes treffend.
+
+Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen
+bedeutet, und zwar »sich biegend, krümmend bewegen.« Die gemeinsame
+Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes,
+Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich
+ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach
+kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt
+das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als
+»biegsame Stelle«, sondern eher als »gebogene«, runde Stelle). Im
+Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der
+Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch
+bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche)
+wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in
+Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte,
+die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu
+Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von
+Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der
+Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa
+auf und ab »enen baken« zur Beköstigung haben solle.
+
+Im Angelsächsischen finden wir die Form bäc = dorsum und bäcling =
+retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die
+Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im
+Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken:
+
+Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist
+vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der
+Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein
+Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes.
+Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem
+Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier
+fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; »hier bin ich
+Mensch, hier darf ichs sein«, wenigstens in der Freizeit.
+
+Zu 2. »Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken«, soll, als
+seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten
+Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er
+soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des
+Unverständnisses entgegengenommen haben. »Backen und Banken« ist das
+Kommando, daß man am Kürzesten mit »Tischdecken und Auftragen«
+übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt
+gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin
+der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren,
+heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die
+»Backschaft« mit der »Back« zur Kambüse gehn und das Essen holen soll.
+In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut
+sie konnten zum Essen um ihre »Back« gruppieren. Als die Tische
+aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen
+ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch
+einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern
+Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes
+bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige
+Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt
+das eine Mal ganz richtig bak mit »alveus, linter in qua coquus cibum
+nautis offert«, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: »Kom oan'e
+bak« mit: »accedite ad mensam!« Auch sonst wohl wird im Holländischen in
+Anlehnung an die Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. »Van de bak
+noa't gemak is's menschen gerak.« (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt man
+im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert Jahren
+daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es
+französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, »ceux qui
+mangent à même plat«, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando
+»Banken« ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen
+Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und
+portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern
+auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier
+und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei
+gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist
+deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei,
+banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich »Bänke zum
+Gelage zurüsten«; mittelhochdeutsch benken: »Hie ward gebenket schone,
+tuoch unde brot uf geleit.«
+
+Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer
+auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird,
+wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne
+daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts
+gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak.
+
+Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort,
+namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei
+große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord
+bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich
+doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord
+oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand,
+Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter,
+Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar
+Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der
+rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den
+Mann am Ruder: »Backbord!« Wir müssen daher fragen, was das Wort
+bedeutet und wie es aufgekommen ist.
+
+Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: »De stuurman heeft de
+roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert, heeft hy dus hes
+linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.« Darauf
+antwortet aber ein anderer treffend: »Neen, de sturman heft de roerpen,
+nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen
+of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord
+en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.« So weit ist das richtig. Aber
+im Weiteren irrt auch er. »Volgens eene vry algemeene overlevering is de
+vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De
+stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van
+het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te
+schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.«
+Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: »Een stuurman met de
+regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de
+hand te kunnen eten.« Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die
+Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung
+zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung,
+jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in
+Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob
+die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären!
+Nein, -- sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen
+und mit einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer
+Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes
+nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im
+Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in
+beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten.
+Dabei mußte sich der Leib, -- nicht der Kopf, denn der war mit dem
+Gesicht auf den Bug gerichtet, -- ganz dem Bord, über den gesteuert
+ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem
+entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die
+zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die
+Bordwand angelehnt.
+
+Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400)
+vor. »Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben
+an backbort van eme«.
+
+Der 1475 in Cleve erschienene »Teuthonista« hat nur bak im Sinne von
+Gefäß, capisterium, »eyn muede oder eyn trog, do die pherde +uss
+essent.«
+
+Cornelius Kilianus Duffläus im Dictionarium teutonico-latinum von 1548
+hat backbord zwar, gibt aber eine kindliche Erklärung: »navigii sinistra
+pars, pars navigii quae furnum et focum continet«, also am Backbord sei
+der Backofen und der Herd gewesen.
+
+Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche Übersetzung des
+23. Psalms den fünften Vers (Luther: »Du schenkest mir voll ein«)
+wiedergibt mit: »Du givst mi een ganz bak vul.«
+
+
+*Backen und Füllen*,
+
+ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer Zeit des Dampfes und
+der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das aber doch dem
+Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen bringt, indem er
+sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen Revier oder ein
+sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser hindurchbringen kann,
+vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die Wassertiefe, die
+Stromkabbelungen u. s. w. genau kennt. Es besteht darin, daß man die
+Segel abwechselnd »back« (s. d.) kommen läßt und dann wieder so braßt,
+daß sie voll Wind werden.
+
+
+*Backstag*, das,
+
+ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die Wanttaue sind,
+dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu Festigkeit zu geben.
+Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden Seiten durch die Nocken
+der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es befestigt wird. Da Klüverbaum
+und Rahe einen rechten Winkel bilden, so sind sie die beiden Katheten
+des rechtwinkligen Dreiecks und das Backstag ist die entsprechende
+Hypotenuse, die in einer Richtung verläuft, die auch da, wo sie mit dem
+Backstag garnichts zu tun hat, doch »*backstags*« genannt wird, z. B.
+sagt man: »es weht eine *Backstagsbrise*« d. h., der Wind kommt in
+derselben Richtung auf die Segel zu, wie das Backstag von der Nock der
+blinden Rahe auf den Kopf des Klüverbaumes; also in der
+vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben kann.
+
+
+*Badegast*, der.
+
+So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse genannt, welche weder
+Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure, Pfarrer, Zahlmeister
+etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen beizulegen? Es ist vermutet
+worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges Leben führen. Es mag ja sein,
+daß wohl ein Offizier, der nachts auf die stürmische Wache muß, denkt
+und sagt: ja, diese Herren, die haben es gut, die brauchen nicht vier
+Stunden auf der Kommandobrücke zu stehn, die führen das reine Badeleben.
+Aber der Ursprung des Wortes ist doch ein ganz anderer. Das Wort hieß
+früher nicht Badegast, sondern Badequast, und dieses diente als
+Bezeichnung von Leuten, die nicht gern kämpfen wollten, und von diesen
+ist es übertragen auf solche, die überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt
+und berufen sind.
+
+Das Wort muß sprachlich und geschichtlich erklärt werden.
+
+Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast
+oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden,
+wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat
+solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der
+Blöße. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte
+oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und
+Anregung ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit nannte man quästen oder
+questen. Gustav Freitag erzählt eine Geschichte aus der Selbstbiographie
+des 1520 geborenen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow. Der
+hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da
+sprach dieser: »Habt ihr gebadet, so muß ich euch *quästen*;« dabei
+ergriff er die Rute, warf dem Söhnlein die Kleider über den Kopf und
+lohnte ihm nach Verdienst.
+
+Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch queste, Büschel von Reisig,
+Laubbüschel, Wedel zum Fegen und Kehren, also unser heutiges »Besen«;
+badequeste, badekoste, Badewedel, Badeschürze. Die das »Questen«
+besorgende Bademagd, die auch riberin, die Reiberin, hieß, war nicht
+immer die allertugendhafteste, so daß das Wort bald einen zweideutigen
+Sinn erhielt.
+
+Questenbinder = Besenbinder. Irrtümlicherweise wird das Wort Quast
+heutzutage sogar für Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars
+Volkssagen von einem alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe
+Questenberg am Harz erzählt.
+
+Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen für Tannenzweige vor.
+Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu
+für balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel,
+Kleiderbürste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig.
+Dänisch Kost, Laubbüschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches
+Wörterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum
+Scheuern. Quast heißt heutzutage in der Seemannssprache jedweder Pinsel,
+insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort aber auch
+am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in Gebrauch ist.
+Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stück Land das Theerquast heißt,
+weil der frühere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit dem Theerquast ins
+Gesicht geschlagen hat und für diesen Frevel das Stück Land zur Strafe
+hergeben mußte.
+
+Geschichtlich. Das Wort ist ursprünglich ein Schimpfwort gewesen; es lag
+der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in
+zahlreichen Urkunden, daß besonders die Lübecker mit diesem Worte
+verhöhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung
+eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen
+wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes »Waschlappen« denken,
+welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der übertragenen
+Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die
+Lübecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen
+Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427
+hatten sich die Hamburger und Lübecker verabredet, daß ihre Schiffe sich
+zum Kampfe wider die Dänen im Belt versammeln sollten. Es war ein
+bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit
+nun die befreundeten Hamburger und Lübecker sich auch im Gewühl einer zu
+erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen könnten, verabredeten sie
+ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein »achter up de
+compannien« steckender *Badequast*, also ein Besen, wie sie ja auch zur
+Bezeichnung des Fahrwassers an den Küsten ausgesteckt werden.
+
+Aber die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lübecker.
+Und da die Dänen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da
+diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lübecker zu warten.
+Als es zwischen Dänen und Hamburgern bereits heiß herging, erschienen
+endlich auch die Lübecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand,
+dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schuß, und machten, anstatt
+tapfer in den Kampf mit einzugreifen, daß sie wieder in ihre Trave
+kamen; »do se auerst segen, dat de sake so stunt, *steken se den
+badequast hynder* und leden dragen na der Trauen; und worden de
+Hamborger gefangen und ore schepe genamen.« Wer will es ihnen da
+verdenken, daß sie auf die Lübecker wütend waren, und sie nicht grade
+sehr liebenswürdig und schmeichelhaft an jene Badequäste erinnerten? Und
+obwohl bald darauf, 1431, die Lübecker durch die Einnahme von Flensburg
+jene Scharte glänzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname
+leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre
+1511 »stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat
+lubsche wapent, mit roden.« »Ein anderer schipper kerede den lubschen
+arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit
+questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lübschen tho hone
+undt tho spotte.«
+
+Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen für einen, der sich um die
+aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drückte, oder überhaupt an einer
+Schlacht. In einem alten Spottverse heißt es:
+
+ Vord an bist ein wundderlich gast,
+ Du sleist hinder na mit Philippes badequast,
+ Nener logen deistu di schemen,
+ Du segst, do id scholde an ein drepend gan
+ Do fund man de heren hinder dem busche stan,
+ Dat mag di wol hebben gedromed.
+
+ In einem anderen:
+
+ Ok Bokelen fast
+ Du den badequast
+ Nu forest in dinem schilde,
+ Dar na bestan
+ Du woldest han
+ Den vor Marien bilde.
+
+Von hier bis zu Leuten, deren Beruf die Führung der Waffen überhaupt
+nicht ist, war, wahrscheinlich im Anfang scherzhafterweise, kein weiter
+Weg. Und bald konnte man die Nichtkämpfer an Bord der Kriegsschiffe um
+so eher und harmloser und ohne sie zu beleidigen Badequäste nennen als
+nach und nach die Lübecker Geschichte in Vergessenheit geraten und die
+ursprüngliche Bedeutung des Wortes dem Sprachbewußtsein entschwunden
+war. Man hatte Badequäste an Bord ohne zu wissen was Badequäste waren.
+Da kam denn das Neuhochdeutsche und gewann, gerade auf den
+Kriegsschiffen, immer mehr Einfluß. Offenbar wurde nun Badequast als
+eine mundartliche, plattdeutsche Verschlechterung von Badegast
+angesehen, »sie haben ja auch ein so bequemes Leben, diese Badegäste«,
+und so hat sich das Wort Badegast eingebürgert. Um den Vorgang ganz zu
+verstehen braucht man nur an jene »höhere Tochter« zu denken, der
+Klopstock nicht fein genug war, sie schrieb »Klopfstock«.
+
+Im Andenken an die Lübecker Quastgeschichte mag hernach in Hamburg und
+anderen niederdeutschen Gegenden das Schimpfwort »Hans Quast«
+aufgekommen sein. In dem niederdeutschen aus dem Jahre 1618 stammenden,
+von J. Bolte und W. Seelmann herausgegebenen Schauspiel »Hanenreyerey«
+schimpft einer einen anderen neben den schönen Ehrennamen Hans
+Schubberug, Hans Hasenkihl, Hans Kladdehack, Hans Rustefihl auch Hans
+Quast, und die Herausgeber bemerken hierzu: »Vgl. ndl. Kwast, Pinsel,
+bildlich Narr.« Hans Quast kommt als Schimpfwort im Hannöverschen (s.
+Schambach) besonders aber auch in Hamburg vor, vgl. Schütze 2, 102 Hans
+Quast, alberner, närrischer Mensch. »Hans Quast vom Steendoor Settet sie
+Mütz up een Oor.« Nach einem mir zugegangenen Schreiben eines
+Seeoffiziers ist das Schimpfwort auch in der Mark Brandenburg verbreitet
+und hat sogar noch heute in seiner Bedeutung einen Anklang an den
+ursprünglichen Sinn, indem ein Knabe einen anderen, den er vergeblich
+zum Kampfe herausgefordert hat, »Hans Quast« nennt.
+
+Daß aber Quast anstatt Gast gesagt wurde, und zwar nicht hie und da
+einmal, sondern oft, so daß es dem Munde des Volkes durchaus geläufig
+war, wird dadurch bewiesen, daß Quast in ein vielgebrauchtes Sprichwort
+übergegangen ist, mittelniederdeutsch: »darna man darna quast« d. h. wie
+der Mann ist, so wird er als Gast behandelt.
+
+
+*Bagger*, der.
+
+Eine in neuerer Zeit zu immer größerer Bedeutung gelangte Vorrichtung
+zum Ausschöpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wasser. Ursprünglich ein
+höchst einfaches Werkzeug, ähnlich einem Obstpflücker oder einem
+Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem Säckchen daran.
+Dieses Säckchen hieß im Niederdeutschen bag, wie noch heute im
+Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack bedeutet. Man
+hat sogar heute noch in England die alte einfache Vorrichtung: »bag and
+spoon«, »an arrangement used in dredging for river sand, and consisting
+of a bag attached by the mouth to an iron hoop which is fastened to a
+long pole, by means of which it is sunk to the bottom of the river and
+dragged along so that the bag is filled.« Auch in Deutschland hat man
+in kleinen Verhältnissen noch immer etwas Ähnliches im Gebrauch. Das
+Ende des 18. Jahrhunderts erschienene sogenannte »Bremer Wörterbuch«
+übersetzt Bagger mit »mudder-hamen« und bemerkt dazu: »Ein eiserner
+Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist, mittelst dessen man den
+Schlamm aus den Wasserlösen, Wetterungen und Sielgräben ziehet;« wobei
+die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei, ein Netz, oder ein Beutel?
+
+Auch in Holland gebraucht man dieses einfache Werkzeug noch; Halbertsma
+im Lexikon friesicum übersetzt baggern mit: »reti vel sacco ex panno
+cannabino extremitati gracilis conti (Stange) affixo coenum trahere e
+fundo aquae«, wobei sich auch wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit
+reti vel sacco findet, da der Stoff doch mit ex panno cannabino deutlich
+genug bestimmt ist als aus Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern
+ein Sack, niederdeutsch bag; daher Bagger.
+
+Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud,
+Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als
+Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder)
+oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der
+baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche
+Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen dürfen, Bagger
+käme daher, daß man den Bagger vom Meeresgrund herausbefördere. Das ist
+eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Masse ist nach
+dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag.
+Die damit ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung
+von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der
+niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen
+Wasserbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das
+inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so
+kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete
+aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein
+neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch
+einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen
+wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wissenschaftlichen
+Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen
+konnte, das holländische Wort modder-molen mit Ausschlammungsmaschine
+zu übersetzen.
+
+Das Etymon von Bag ist Balg, Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge,
+Packetdampfer.
+
+
+*Bagienrahe*, die.
+
+Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser letztere Umstand, daß
+die Rahe kein Segel hat, scheint mir, ähnlich wie bei der blinden Rahe,
+den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben, die eine *Bettel*-Rahe
+bedeuten dürfte. Im Französischen heißt sie, oder hieß sie 1702
+Pöbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie holländisch
+een onnutte ree, eine unnütze Rahe genannt: »De begyn ree is een lose en
+onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar by van
+onderen uit te halen.« Wir müssen auf das unter Bagger behandelte bag
+zurückgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke
+Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es
+stark eingedrungen. Provençalisch bagua, spanisch baga = Packseil;
+altfranzösisch bague, Bündel. Davon bagage = Gepäck. Insofern nun die
+alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplünderten (dem »Plunder«)
+nicht haushälterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder
+vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der
+Plünderung reicher Städte die Bagage eines Söldners als etwas
+Verächtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle.
+Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Männlein
+zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Fräulein zweifelhaften
+Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack,
+Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal
+bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzösischen bagasse, bajasse
+auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen
+entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste
+Ausrüstungsstück eines Bettlers war entweder ein Scherben für die
+Bettelsuppen oder ein Sack für das Bettelbrot. Von diesem bag haben
+Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag -- zuerst
+scherzhaft -- die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt
+worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hörner bagyn
+genannt, und in Westfalen heißt heute noch Begine nicht nur ein
+verschnittenes Schwein, sondern auch ein törichtes, unnützes
+Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hieß beghyne ein aschfarbener Ochse,
+weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und nennt
+man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil diese
+Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: »Adelung acht dezen
+naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen, dewyl
+de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden,« kann sich aber,
+trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten
+von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635
+ermordet worden sein soll.
+
+Im Teuthonista ist das Wort Baghyne geschrieben. Die Nonnen des Namens
+waren in niederdeutschen Seestädten sehr weit verbreitet, die Anwendung
+des Namens in übertragener Bedeutung lag daher nahe. Es heißt, nach
+Waghenaer, »Spiegel der Zeewaerdt«, 1573, sogar ein Felsen in der
+Hafeneinfahrt von Brest Bagiene.
+
+
+*Bai*, die,
+
+ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort für
+Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie.
+Derselbe gibt für das Niederländische die Form baai an. Italienisch
+baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederländischen ins Niederdeutsche
+und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche
+gedrungen.
+
+
+*Bake*, die.
+
+»Signum secundum quod navis regitur«, diese Erklärung Halbertsma's
+dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die verschiedenartigen Bedeutungen
+des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie eine Bake auch aussehen und wo
+sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck ist für den Seemann doch immer
+der, seinem Schiff weisend und warnend den rechten Weg zu zeigen. Ein
+sehr altes deutsches Wort, das ursprünglich noch keineswegs ein
+Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen, Landmarke u. dergl., sondern ganz
+allgemein Zeichen bedeutete. Es ist mit bücken verwandt, und dieses mit
+biegen. Die einfachsten und ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß
+man mit dem Kopfe nickt, den Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder
+eine ähnliche Körperbewegung macht. Jeder der auf eine größere
+Entfernung einem anderen ein Zeichen giebt, wird unwillkürlich dabei
+seinen Oberkörper vornüber beugen, und eben diese Bewegung ist das was
+die Alten baken oder beken nannten. Dieser Name ward dann schon früh auf
+eine Stange übertragen, mit der man jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder
+die man als ein Zeichen für irgend etwas in den Boden steckte. Damit
+man diese Stange auf größere Entfernung desto besser sehe, wurde an
+ihrer Spitze ein Bündel Stroh oder Reisig befestigt. Noch heute stecken
+unsere Landleute da, wo die Polizei eine Warnungstafel anbringen würde,
+eine Stange mit einem Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das
+bedeutet.
+
+Solche Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für
+das Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in
+Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die
+Gemeinde zusammengerufen durch »tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha
+bekena of to stekene.« Oder die Gefahr wurde »mith boeda iefte bakena«
+den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange
+angesteckt und hieß dann Feuerbake, »vierbaeck.« Es war den Wächtern
+genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr
+Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten
+der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß
+auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV.
+Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur
+Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form
+eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi
+gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.)
+steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen,
+Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast
+aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt
+heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d. h. Feuersäule.
+
+Brennende Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge.
+
+In dem oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach
+dem Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen
+erhalten haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts
+friesischen Archiv veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert
+den Dienstag Abend der Fastnacht als »Bekenseivend.« Darüber berichtet
+Strackerjan (»Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg«): »Wer
+noch beinhaft (gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte
+sich ein langes Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12
+Fuß Länge, das dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken
+(plattdeutsch Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die Leute
+schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und wild
+schreiend.«
+
+Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als
+Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen
+finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg
+aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter
+herausgegebenen »Seebuch«, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist
+und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden,
+Stromläufe, Seezeichen u. s. w. Da lesen wir: »also gy wilt segelen int
+Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.«
+
+Dann findet sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen
+in ähnlichem Sinne: »Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches
+allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ...
+pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.«
+Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit »seemerk« und nennt auch
+Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt.
+Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge
+erklärt es mit »Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor
+Untiefen«, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander
+1727 als »Leuchtturm« verzeichnet worden ist.
+
+Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit
+übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser
+Sprache eine große Rolle: »a mark or object of some kind placed
+conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance
+of vessels.« »Various hills in England got the name of Beacon from the
+fact of signal-fires having been formerly lighted on them.« Überhaupt
+scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von
+beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to
+afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal,
+welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was
+uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, »to make a sign to
+another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger«.
+
+Von beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der
+Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort
+beconagium bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns
+berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake
+selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit
+und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz
+anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen
+Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in
+denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten
+sind, also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer,
+Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und
+Winkbaken gibt.
+
+Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu vergleichen. Das
+Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft, daß es beinahe
+ausschließlich herrscht, und daß alle anderen Bezeichnungen für dieselbe
+Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker, Wethe kaum mehr bekannt und
+höchstens noch auf beschränktem Gebiet in einzelnen Gegenden im Munde
+der Leute sind.
+
+Das älteste mir zu Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon
+Waghenaer, Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: »Spiegel
+der Zeevaerdt,« das in Leyden gedruckt, in »Amsteeredam« in eben dem
+Jahre 1588 erschienen ist, in dem die »unüberwindliche Armada«
+überwunden ward. Da heißt es -- vergl. Tonne --: »ende aen de ander
+zyden op de sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven
+bouen op in deser manieren«, und ist dann eine Stange abgebildet mit
+einem Ball aus Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch
+als Sturmball etc. etc. gebraucht.
+
+
+*Balje*, die.
+
+1. Ein Wasserbehälter = Bütte.
+
+2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z. B. die
+blaue Balje bei Wangeroog.
+
+Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie,
+boalje, melkboalie, Melkeimer.
+
+Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das »Seebuch«
+balge für Wasserlauf hat und der Teuthonista baly für vas, Faß. Das
+Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff »Wasserbehälter«. Die
+Balje im Watt behält ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet
+also gleichsam eine Balje im Sinne von Bütte. Es ist auf das unter
+»Bagger« Gesagte zu verweisen. Das heute noch in England gebräuchliche
+bag hieß altenglisch bagge, a beggars bagge, ein Bettelsack; gälisch
+bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last, Bündel. Der Dudelsack oder
+die Sackpfeife heißt im englischen bekanntlich bagpipe. »The bagpipe
+consists of a leathern bag, which receives the air from the mouth, or
+from bellows; and of pipes, into which the air is pressed from the bag
+by the performers elbow.« Was heute »a leathern bag« ist, das war, wie
+bekannt, früher ein Balg, Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun
+bedenken, daß im Lombardischen der Weinschlauch baga heißt, und daß
+Weinschläuche nichts anderes waren und sind als Bälge, so kommen wir auf
+Balg als Etymon zu Bag. In der Tat sind überall die ersten Säcke der
+Menschen abgebalgte Tierhäute gewesen. Bag ist aus Balg durch Schwund
+des unbequemen l entstanden. Hieß doch im angelsächsischen bag noch
+baelg, und im gälischen kommt neben bag auch balg vor. Natürlich wurde
+solch ein Balg nicht bloß zum Weintransport benützt, er diente,
+namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als Wasserbehälter und
+Wasserbehälter ist die Balje. Das Wort wird oft auch Balge geschrieben
+und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine Abstammung von
+Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack, Reisetasche,
+Eßsack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga übergegangen
+ist; Festus: »bulgas Galli sacculos scorteos vocant«. Mittelhochdeutsch:
+balc = Hülse (gleichsam das abgezogene Fell des Korns), Schlauch, großes
+Trinkgefäss.
+
+Um zu verstehen, wie aus Balge Balje geworden ist genügt es, an die
+Schreibweise im »Seebuch« ballighe, oder noch einfacher und näher
+liegend an die weitverbreitete Aussprache des g wie j zu denken.
+
+
+*Ballast*, der.
+
+Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um dem Schiffe
+den nötigen Tiefgang zu verleihen.
+
+Über die Bedeutung diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte
+von Bale = Bole = Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen
+liegt. Aber dann wäre jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu
+liegen kommen als auf Bohlen?
+
+Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede Rücklast ist
+Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an das
+keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand.
+Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben: Bar-lest = saburra,
+ex bara, unda, et lest, onus; »saburra enim impedit quo minus vacua
+navis vi undae et venti in latus prosternatur«.
+
+Und doch ist die Erklärung, auf die meines Wissens noch niemand
+verfallen ist, sehr einfach. Man muß zunächst von Kriegsschiffen ganz
+absehen und an Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt,
+gewinnreiche Ladung zu bekommen für Hin- und Rückfahrt. Wenn ihm das
+nicht gelingt, so muß es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend
+eine Ladung einnehmen, auch solche, die hernach einfach wieder
+ausgeladen und als unnütz beiseite geworfen werden muß. Das ist dann
+eine schlechte, böse, üble, nicht lohnende Last. Und eben darum heißt
+sie Ballast. Bal hieß in allen germanischen Sprachen, heißt teilweise
+sogar heute noch schlecht. Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen;
+althochdeutsch bale, malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo
+und bale, Verderben, Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den
+Schiffer Qual und Pein genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk,
+Übeltat, baluspraka, verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu,
+bealu, perniciosus, malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael,
+böse, bael mond, baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch
+finden wir baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu
+steuern, von einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln
+ist; bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen
+(Outsen) kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor.
+Desgleichen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt
+man: »doar is't bal«, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's
+nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein
+Junge, der nicht hören will, ist ein »Schlechtohr«, »'n baloorn van 'n
+jong«. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar
+nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart
+nicht hören will.
+
+Also »unnütze Last«. Das Richtige scheint schon der Teuthonista geahnt
+zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt.
+
+Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed
+malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile
+onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit.
+
+Im Übrigen ist die älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe,
+ein Hansa-Receß vom Jahre 1442.
+
+
+*Banjerdeck*, das,
+
+eigentlich bloß Banjer, heißt auf kleinem Schiff mit nur einem Deck der
+kleine Platz vor der Kajüte wo die Leute ihre »Logis« haben. Banje ist
+Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht nur wie im Hochdeutschen
+Bahn einen freien Weg, sondern überhaupt eine freie Strecke, einen
+freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der für die Mannschaft freie
+Raum.
+
+
+*Bank*, die.
+
+1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und Banken;
+Ruderbank, s. ducht. 2. Übertragen: Austernbank, Felsenbank,
+Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank
+(mit den Koveinnägeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back,
+Rücken, rundliche Erhöhung angesehen, was mit den Wörtern, bezw.
+Zusammensetzungen in übertragener Bedeutung nicht übel stimmt, besonders
+mit Sandbank, wofür man auch Sandrücken sagt. Kluge gibt einen
+vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back
+widersprechen würde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung
+der Wurzel von Back -- bhag -- wäre.
+
+
+*Baratterie*, die.
+
+Dieses in der deutschen Marine ungebräuchliche, von Dabovich,
+»Nautisch-technisches Wörterbuch der Marine« für die österreichische
+Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding in Hamburg vor
+hundert Jahren kein fremdes. »Hierunter versteht man alle Betrügereien,
+die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter, gemacht werden
+können. Z. E. Verfälschung und Bestehlung der Güter, oder Nebenwege, die
+mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden.« Holländisch,
+dänisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery, französisch
+baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria. Diese
+Einmütigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl
+übereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub,
+wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf
+dieses ähnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort.
+
+
+*Barbetteschiff*, das,
+
+ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten Barbettetürmen, die wegen der darin
+aufgestellten Geschütze besonders starke Panzer tragen, während der
+übrige Teil des Schiffes leichter gepanzert ist. Der Name kommt von der
+heiligen Barbara, bei den Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie;
+ihr zu Ehren heißt auf französischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St.
+Barbe. Die heilige Barbara war eine römische Jungfrau, die um ihres
+christlichen Glaubens willen den Märtyrertod erlitt, ihre Henker aber
+wurden vom Blitz erschlagen.
+
+
+*Barbican.*
+
+Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses Namens an der
+Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehört dieses Wort hierher. Im
+Mittelhochdeutschen hieß barbigan der Teil der äußersten Festungswerke,
+aus dem Ausfälle gemacht wurden. Altfranzösisch barbacane, Brustwehr mit
+Schießscharten. Soll aus dem Arabischen bab-kanah, a gateway, kommen.
+
+
+*Bardse*, s. Bark.
+
+
+*Bark*, die.
+
+Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden vordersten Rahen,
+der dritte nur Schratsegel führt. In der Form Barke bedeutet es
+überhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so ziemlich
+ausschließlich, in dichterischer Rede. Die Erklärung bietet zwei
+Möglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift auf
+die Wurzel bhar, tragen, zurück. Fände sich das Wort nur in den
+germanischen Sprachen, so könnte man mit Wackernagel das altnordische
+barkr, Bark, mit börkr, Borke, Rinde, für nahe verwandt halten. Wie
+manche Naturvölker heute noch tun, so mögen in uralten Zeiten auch
+unsere Väter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es
+uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe
+gesehen hat, der weiß, daß die Verdrängung des altdeutschen Einbaums
+durch kunstvoll zusammengefügte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden
+gezählt werden kann. Überdies haben auch alle romanischen Sprachen das
+Wort, und es kommt als barca bereits im frühesten Mittellatein vor; dann
+italienisch, spanisch, portugiesisch barca, französisch barque,
+(kymrisch, Breizonek und gälisch barc) wovon barge, Boot, baril und
+barique, Faß.
+
+Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer Name baris für
+einen Kahn, besonders ein ägyptisches Nilschiff, bezeugt ist, an
+griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen niederdeutschen
+Sprachgebiet heute noch bören, zu denken, ein Wort das in sehr
+verschiedener Bedeutung vorkommt: gebähren, gebahren, Gebühren, Bahre,
+Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens ausdrückt. Bei
+einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt ist, liegt also
+bören näher als Borke.
+
+Schon früh im Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im
+Seebuch 1400 bartze, bardzee vor. Hätte man damals das Bewußtsein
+gehabt, einem einheimischen Worte gegenüber zu stehen und an Borke
+gedacht, man hätte solche sonderbare Veränderungen davon nicht
+vorgenommen; dies ist wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt,
+daß ein Lehnwort mundgerecht gemacht werden sollte.
+
+
+*Barkasse*, die.
+
+Das größte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln eingerichtet,
+manchmal auch Dampfbarkasse.
+
+Einige Erklärungen haben es sich leicht gemacht und einfach gesagt:
+Barkasse von Bark, aber wie oder wo sich diese ja an sich nicht
+undenkbare Weiterbildung vollzogen hat, das sagen sie nicht. Das Wort
+hat anderen Ursprung. Vom lateinischen arca ward ein italienisches
+arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet, französisch arcasse =
+Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser arcasse war ein großer
+Balken, grande barre, angebracht, der (grande) barre d'arcasse hieß und
+als Davit diente (s. d.), nämlich zum Aufhängen, Hissen und Fieren des
+größten Schiffsbeibootes. Und das empfing von dem Balken an dem es hing
+den Namen Barkasse.
+
+
+*Barkun*, der.
+
+»Barkuns sind hölzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafür aber
+auslegbare Krähne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum Fieren
+aufgehängt werden können.« Nach dieser von Dick und Kretschmer, Handbuch
+der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklärung und nach dem, was
+unter »Barkasse« nachzulesen ist, dürfte es klar sein, daß Barkun im
+Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nämlich abgekürzt und mit einer
+neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und
+andere Wörter ähnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet,
+versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich
+dieselbe von barre d'arcasse.
+
+
+*Barring*, die.
+
+Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter Deckshöhe über dem
+Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die häufig, namentlich
+bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem Barringsdeck, belegt
+sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und Reservehölzern etc.
+Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar = tragen abstammend, sei
+es daß dabei unmittelbar antragen, sei es daß an barre, Tragbalken,
+gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so daß wir also das hochdeutsche
+Barre mit niederdeutscher Endung vor uns haben.
+
+
+*Bare* = Welle, s. Barre.
+
+
+*Bärme* s. Berme.
+
+
+*Barre*, die,
+
+seichte Stelle vor einer Flußmündung, durch Ablagerung des vom Flusse
+mit sich geführten Sandes, ein Hindernis, eine Beschränkung des Aus- und
+Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung. Von der unter
+Bark erwähnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch bara, para,
+Balken, zunächst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann aber auch etwas
+Beschränkendes, Schranke, eingehegtes Stück Land, abgeteiltes Stück
+Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun, Gehege; verbarren durch
+Schranken versperren; englisch bar; französisch barriére, besonders aber
+barre, Stange, Balken, Rost, Klampe, Ruderpinne, barres de hune =
+Salingshölzer; und das unter Barkasse nachzulesende barre d'arcasse;
+barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch bar, Ast. Spanisch barrera,
+davon embarazo, französisch embarras, Sperrung, Hindernis, und barricade
+(barricata).
+
+Von gleicher, »tragen« bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche
+bar, bare, mittelniederländisch baere, niederländisch baar, Woge, Welle,
+Sturzwelle, Brandung; vergl. Lüpkes Seemannssprüche: »barra waegen,
+barra streamen«, »Wellen wogen, Wellen strömen«; sei es daß die Wellen
+tragen, sei es daß sie getragen (gehoben bewegt) werden.
+
+
+*Bauchgording*, die,
+
+gewöhnlich Bukgording, oft auch noch kürzer Buggerding lautend, wie
+Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde gefülltes Segel sieht in
+der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die Taue die dazu dienen
+beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels aufzugeien heißen
+Bauchgordinge. Gording, Görde, Gördel ist ein Gurt, Gürtel, Band,
+Riemen, irgend etwas zum Binden und Gürten, besonders Beinkleider. Die
+altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida, einer Weide, auf;
+da ist es nicht zu verwundern wenn die Männer für Befestigung ihres
+Anzuges eine (schwanke, biegsame) *Gerte* verwandten; gothisch gairda,
+angelsächsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt, altnordisch
+gjördh, isländisch gjörd, norwegisch gjord und gyrda. Gording im
+seemännischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau übersetzen;
+also Bauchgurttau.
+
+
+*Batterie*, die.
+
+Der Standort der Geschütze; ist ein eigenes Deck für die Geschütze da,
+so heißt dieses das Batteriedeck, oder auch kurzweg die Batterie.
+Besonders aber heißt, wie am Lande, eine unter sich zu einem bestimmten
+Verbande gehörige Anzahl von Geschützen Batterie; Steuerbordbatterie,
+Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller Geschütze, vergl. das
+Kommando beim Geschützexerzieren: »Batterie halt!«
+
+Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre schlagen;
+wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jährigen Krieges und
+von der Landarmee an Bord übertragen.
+
+
+*Baxterlagerung*, s. Baxterspill.
+
+
+*Baxterspill*, das,
+
+eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und vereinfachte neue Art
+von Spill (s. d.). Durch Trennung der Kettentrommel vom Spillkörper ist
+erreicht worden, daß die »mühsame Arbeit, welche früher das Legen der
+Kette um das Spill und das Abnehmen derselben vom Spill verursachte«
+erspart wird. »Das Spill ist im Moment klar zum Hieven, und auch das
+Abstoppen der laufenden Kette vollzieht sich in erheblich sicherer und
+einfacherer Weise.«
+
+»In Verbindung mit dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei
+Kriegsschiffen für die Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker,
+seltener für die Hecklagerung die sogenannnte *Baxterlagerung* zur
+Anwendung.« »Diese Lagerung charakterisiert sich dadurch, daß die Anker
+in die Klüsen hineingehievt werden.« Früher hingen die Anker längsseits.
+Das kommt auch jetzt noch vor, ist aber veraltet; ebenso wie das
+»Gang«-Spill.
+
+
+*Bedaren*,
+
+zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten Menschen, daher
+bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedächtigkeit. Doornkaat meint,
+das Wort komme nur im Niederdeutschen und Niederländischen und sonst
+nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist aber außerdem noch ein
+dänisches (bedare) und schwedisches (bedara) Seemannswort, und zwar
+dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen gebraucht. Roeding:
+»Wenn das Wetter anfängt still und ruhig zu werden, und der Wind aufhört
+zu wehen, so sagt man: es bedaart.« Es ist allerdings ein Wort mit
+auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel dhar, halten, haften,
+bleiben, abstammend.
+
+
+*Befahren.*
+
+Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine Straße, das
+Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel zur See
+gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat. Ist
+einer so befahren, daß er das Kap Hoorn und das Kap der guten Hoffnung
+umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen Küstenplätzen in
+seemännischer Gesellschaft -- beide Beine auf den Tisch legen. Einen
+nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt Aristophanes, wie
+Roeding behauptet, einen »Asalaminrium«, also einen, der nicht ist wie
+die von Salamis.
+
+
+*Befluten*,
+
+»unter Wasser setzen«. Alle Munitionskammern an Bord S. M. Schiffe sind
+zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei einem
+Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt
+natürliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar
+durch Bodenventile beflutet werden können; künstliche Beflutung bei
+hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden
+müssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklärung
+ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.)
+
+
+*Bei.*
+
+Das Kommando für die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am Winde (s.
+d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde gesegelt, also
+nicht »gekniffen« werden soll, dann heißt das Kommando: »voll und bei!«
+
+
+*Beiboote*, die,
+
+auch Schiffsboote; »jedes Schiff ist mit einer Anzahl von Booten
+ausgerüstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu erfüllen
+im Stande sein sollen. Dieselben dienen nämlich zum Verkehr der
+Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von
+Material, Wasser, Proviant u. s. w., zum Ausfahren von Ankern und
+Trossen, zum Auffischen über Bord gefallener Menschen oder Gegenstände,
+zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel
+für die Besatzung bei Schiffsunfällen, bei Landungszwecken zum Aus- und
+Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraßen, zur
+Herstellung von Sperren.« »Da zur Erfüllung dieser verschiedenen Zwecke
+teilweise ganz verschiedenartige Rücksichten und Anforderungen maßgebend
+sein müssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit
+verschiedener Bootsklassen oder Gattungen.« (Dick u. Kr.) Als da sind
+(in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen,
+Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote für
+Torpedoboote.
+
+
+*Beidrehen*
+
+heißt an den Wind gehen (s. »am Winde«) oder auch das segelnde Schiff
+sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptsächlich durch
+Backbrassen der in Betracht kommenden Segel. Vor allen Dingen ist aber
+wichtig das seemännische Manöver des Beidrehens, des an den Wind Gehens,
+im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile »gelenzt« hat, d. h. vor dem Sturm
+gelaufen ist, und der Kapitän kann wegen zu hohen Seeganges oder will,
+weil ihm die Richtung nicht paßt, das Lenzen nicht fortsetzen, so dreht
+er bei. Das muß mit Geschick und Umsicht gemacht werden, damit
+Sturzseeen dem Schiff nicht gefährlich werden. Die Folge des Beidrehens
+ist das *Beiliegen*. Das Schiff »liegt bei« (dem Winde) bis besser
+Wetter eintritt, und es handelt sich hauptsächlich darum, daß es mit dem
+Kopfe auf der See liegt, nicht abfällt (s. d.), weil es dann die See
+besser hält, weniger Sturzseeen übernimmt.
+
+
+*Beibuchten.*
+
+Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht ist, mit der
+Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen so viele
+Buchten -- von biegen -- so viele Kreise das Tau beim Aufschießen
+bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz einnehmen
+oder aus irgend einem Grunde, z. B. beim Deckwaschen aufgehängt werden
+sollen, so werden sie mit einem Band oder Bändsel zusammengebunden,
+damit sie nicht »unklar« werden und leicht wieder gebrauchsfähig gemacht
+werden können. Dieses Zusammenbinden heißt beibuchten. Im übertragenen
+Sinne heißt einen beibuchten ihn einsperren, in Arrest schicken.
+
+
+*Beilbrief*, der,
+
+früher Bielbrief, niederländisch bylbrief, dänisch bül-brev, schwedisch
+bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale heißt, so könnte vermutet
+werden, diese bill hätte dem Beilbrief den Namen gegeben, er würde also
+eine Tautologie darstellen. Das würde nun an sich nichts ausmachen, weil
+es öfters vorkommt, aber ich sehe doch nicht an, bei dem Worte an Beil,
+Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es bedeutet ja einen Kontrakt zur
+Erbauung eines Schiffes, der zwischen »einem Zimmermann und Demjenigen,
+der ein Schiff bauen läßt, gemacht,« schriftlich abgeschlossen wird; das
+Beil aber ist und bleibt doch immer des Zimmermanns Hauptwerkzeug.
+Bestärkt wurde ich in diesen Gedanken durch das Eigenschaftswort
+beilfertig, bielfertig, niederländisch bylvaardig, dänisch bilfaerdig,
+schwedisch bilfardigt, welches das Schiff als fertig im Holzwerk
+bezeichnet ohne Takelage und Zubehör, also in dem Stande, bis zu welchem
+das Beil die Hauptarbeit an ihm getan hat.
+
+
+*Bekaier*, der,
+
+heißt dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hieß aber früher
+auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das oberste Ende
+der »Besansrute« aufgetoppt wurde, beim »Überstaggehen«, und heißt auf
+Schmacken, Jachten und Kuffen die Braß der Bagienrahe, die nach vorne
+fährt.
+
+
+*Bekleiden*, das,
+
+Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem Schamvielen, ausgesetzt
+ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting, Schiemannsgarn, Sarving,
+Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder dazu genommen; die
+wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die, nachdem sie mit
+einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Länge mit Schiemannsgarn
+fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann bekleidet
+werden, s. Kleid.
+
+
+*Belauf*, der,
+
+die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z. B. ein Lieger,
+Bauchstück oder eine Wrange, Bodenwrange verläuft; dementsprechend auch
+die äußere Gestalt des Schiffsbodens, oder die Verengung desselben,
+vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, daß es einen feinen Belauf
+hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt und spitz zuläuft.
+(Roeding, Datovich).
+
+
+*belegen*,
+
+ein »laufendes« Tau mehrmals um ein Belegholz, z. B. eine Klanpe oder
+einen Koveinnagel, kreuzförmig über einander schlagen, um es fest zu
+machen. Die Koveinnägel heißen darum auch Belegnägel und die Bank an der
+sie befestigt sind, Belegbank, so wie die Klanpe auch Belegklanpe
+genannt wird. Man spricht auch vom Belegen eines Befehls, wenn einem
+gegebenen Auftrage nicht weitere Folge gegeben werden soll, oder wenn er
+zurückgenommen wird; das ist bildlich: das belegte Tau bewegt sich nicht
+mehr und der belegte Befehl gilt nicht mehr.
+
+
+*belemmern.*
+
+Wo es, wie auf einem Schiffe, auf Ausnützung des Raumes ankommt, da muß
+dafür gesorgt werden, daß keiner der vielen Gegenstände, die an Bord
+gebraucht werden, dem anderen im Wege stehe und seinen Gebrauch
+verhindere oder erschwere, d. h. belemmere. Auch ein Mensch kann den
+andern belemmern, wenn er ihm Wege steht oder »zu nahe auf der Pelle
+sitzt«. Es bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, *lähmen*. Es ist
+verwandt mit lahm, ein Frequentativum des mittelniederdeutschen belemen,
+althochdeutsch bilemjan, pilemmen, bilemen. Es wird auch gebraucht, wenn
+ein Raum, ein Boden, eine Last zu voll gepackt ist, daß man sich nicht
+darinnen bewegen, rühren kann.
+
+Daß die »Beschriving van der Kunst der seefahrt«, das Loggen als eine
+»belemmering« ansieht, ist unter Log nachzulesen; wie Fritz Reuter
+Belemmerung anwendet, s. unter praien. Belemmertheit ward im
+Mitteldeutschen aber zuweilen auch für Beschäftigung gebraucht: »De
+ander remedie (gegen gulsicheit, Gefräßigkeit) is ... Van redelike
+dinghen belemmerthede.«
+
+
+*benauen.*
+
+Ein Schiff benaut das andere, wenn es ihm, »die Luv (-seite)
+abgewinnend«, den Wind zum Segeln wegnimmt. Sodann heißt benauen ein
+feindliches Schiff in einem Hafen einschließen und bewachen, daß es
+nicht heraus kann. Endlich sagt man, wenn die Luft von Natur schwül oder
+durch Verbrauch im engen Raum mit vielen Menschen verdorben ist, »es ist
+benaut«.
+
+Vom niederdeutschen nau, mitteldeutsch nouwe, niederländisch naauw,
+dicht, enge, beengt, bedrängt, beschränkt, knapp, genau; das *nau* in
+genau ist die hochdeutsche Verwandtschaft.
+
+
+*Bendsel*, der und das,
+
+auch Bindsel, ein Band, ein Stück Bindfaden; nicht zu verwechseln mit
+dem hochdeutschen Bändel, welches ein Diminutivum von Band ist; vielmehr
+dürfte Bindsel eine Verkürzung von Bindseil sein und Bendsel nur eine
+Nebenform dazu.
+
+
+*Bergen*.
+
+Am häufigsten findet sich im seemännischen Gebrauch die Wendung »Segel
+bergen«, ein Kommando das immer ertönt, wenn die Segel »eingezogen« d.
+h. festgemacht werden sollen. Daneben spricht man vom Bergen einer
+Ladung bei gestrandetem oder sonst gefährdetem Schiffe, man sagt auch
+»sich bergen«. Der gemeinschaftliche Begriff ist: in Sicherheit bringen,
+und zwar ist, da dem Stamme bhergh die Bedeutung »hoch, Anhöhe«
+beiwohnt, der ursprüngliche Sinn ohne Weiteres klar: sich vor einer
+Flut, einer Überschwemmung oder sonstigen Gefahr auf einen Berg
+(womöglich in eine Burg) begeben und so in Sicherheit bringen. Nur bei
+»Segel bergen« hat sich die Bedeutung so weit verflacht, daß es, auch
+wenn kein Sturm naht und kein Segel in Gefahr steht weggerissen zu
+werden, sondern auch beim Segelmanöver im Hafen und bei gutem Wetter
+gesagt wird. Eigentlich nur noch bei Seeleuten übrig, die andern sagen
+jetzt verbergen und haben noch den Begriff des heimlichen, des
+Versteckens hinzugetan. Althochdeutsch pergan (gothisch bairgan)
+angelsächsisch beorgan, niederländisch bargen. Vergl. Herberge,
+althochdeutsch heriberga, Ort wo ein Heer geschützt lagern kann. Die
+älteste Bedeutung des jetzt so friedlichen Wortes ist also kriegerisch;
+italienisch albergo, altspanisch, neuspanisch und portugiesisch
+albergue, altfranzösisch herberc, neufranzösisch auberge. In alten
+Zeiten hatte man vielfach »Freiberge« (woher die zahlreichen
+Städtenamen), Berge wohin ein Verfolgter fliehen konnte und wo er eine
+Zeit lang unverletzlich war. Es gab in Eiderstedt und Dithmarsen
+Freyberge, davon 3 in Eiderstedt, einer bei jedem Gericht, »wo ein
+Missetäter auf drei Tage sich frei und sicher bergen konnte.« Daher die
+Türme auf den Höfen mittelalterlicher Burgen Bergfriede, richtiger
+Bergfriete, Bergfreite. Und was jetzt bei uns Friedhof heißt, müßte
+Frithof = Freithof geschrieben werden.
+
+
+*Berghölzer*, die,
+
+sind Verstärkungen der Außenbordwand und somit des ganzen (hölzernen)
+Schiffes; sie laufen der Länge nach um das ganze Schiff herum, sind also
+eigentlich Außenbordsplanken, nur stärker wie diese und daher über sie
+herausragend und die glatte Fläche der Bordwand unterbrechend. Das
+Zeitwort bergen, ostfriesisch bargen, heißt im niederdeutschen
+Sprachgebrauch nicht nur verstecken, in Sicherheit bringen, sondern auch
+sonst sichern, bedecken, schützen. Da nun das große Bergholz grade an
+der breitesten Stelle des Schiffes angebracht ist, so bedeutet der Name
+nicht nur eine Sicherung und Befestigung des Schiffes im Allgemeinen,
+sondern auch im Besonderen einen Schutz der am meisten gefährdeten
+Stelle gegen Stoß oder Anprall an ein anderes Schiff, an ein Bollwerk,
+eine Kaje, eine Pier etc. etc. Ich finde das Wort (in der
+niederdeutschen Form Barchholt) zum ersten Male in der »Beschriving van
+der Kunst der Seefahrt,« 1673, in einer Segelanweisung wie man »by
+Harvestdagen upt sekerste dorch dat Schager Rack, offt uth den Sund na
+den Schagen« segelt. »Truwet awerst den Schagen by Nacht nicht tho veel,
+ydt wehr den Saack dat gy gut und sichtlick Wedder hadden, alß men by
+Dage buten de Trendel langest segelt, und dat men den upt Barchholt mit
+de Foeten by dat Water steit, so kom men Lesö by klaren Weder even
+sehen« ...
+
+
+*Berme*, die,
+
+Deichberme, Deichrand; französisch berme, Rand eines Festungsgrabens;
+spanisch berma; englisch brim, angelsächsisch brymme, Rand, Saum;
+niederländisch kommen beide Formen vor; breme, Rand und berme, Deich.
+Beweis, daß Berme nichts weiter als eine durch Metathesis veränderte
+Form von bram ist, welches (vergl. Bram und Bräm) den äußersten Rand
+bedeutet.
+
+Ob der Name der Stadt Bremen von breme, brim, Rand, so daß Bremen also
+ein Uferort wäre, oder von brim, Meer, so daß er einen Meerort
+darstellte, oder vom angelsächsischen breme, berühmt, abzuleiten ist,
+haben die Bremer die Wahl.
+
+
+*Besan*, der.
+
+Das große Gaffelsegel am Kreuzmast, der, wenn er keine Rahen hat, also
+wenn das Schiff Barktakelage besitzt, eben nach dem Besan Besanmast
+genannt wird. Die Erklärung des Namens wird erschwert durch das
+Vorkommen anderer, ähnlich lautender. So gab es im Mittelalter eine
+Münze, die italienisch bisante, spanisch und portugiesisch besante,
+provençalisch bezan, altfranzösisch besant, englisch ebenfalls besant
+hieß. Sie hat aber, aus dem Mittelmeer stammend, mit unserm Besan nichts
+zu tun, (trotzdem dieser in seiner Gestalt an ein lateinisches Segel
+erinnert), denn sie hieß lateinisch byzantus, griechisch byzantos; es
+ist also klar, woher sie stammt (wie der Taler von Joachimstal, der
+Heller aus Hall, der Batzen aus Bern seinen Ursprung an der Stirn trägt)
+und was sie bedeutet.
+
+Sodann gab es nach Kilian ein niederländisches Wort besaen, das
+Eierschale und eine Art billigen alaungegerbten Leders bezeichnete;
+damit ist auch nichts gewonnen. Wichtiger für uns ist es, daß Kilianus
+ein Wort besane hat, das er mit epidromus übersetzt, dessen Wichtigkeit
+aber darin besteht, daß er dafür auch die Form mesaene beibringt, denn
+nun dürfen wir auch annehmen, daß unser Besan einmal mit m angelautet
+hat. Er heißt zwar im Holländischen und Schwedischen auch bezaan, besan,
+aber dänisch mesan, englisch mizen, italienisch mezzana, spanisch
+mezana, portugiesisch mezena, französisch mizaine -- und alle diese
+Wörter sollen aus dem Lateinischen stammen, und zwar nach Kluge aus
+medius, so daß also ursprünglich an einem anderen, *mittleren*, Standort
+das Segel seine Verwendung gefunden haben muß. 1695 Mesansegel, 1732
+Bezaansegel, jetzt kurz: der Besan.
+
+
+*Besatzung*, die,
+
+eines Schiffes heißt die Gesamtheit derer die auf ihm eingeschifft sind
+zu dauerndem, dienstlichen Aufenthalt; die Schiffsmannschaft, früher
+Equipage, welches Wort in seiner fremden Gestalt uns kaum noch daran
+erinnert, daß es von dem niederdeutschen scip stammt und niederdeutsch
+eskipage hieß, alles zusammenfassend was zur Bemannung und Ausrüstung
+eines Schiffes nötig ist; bald auch die Ausrüstung eines sich auf dem
+Lande bewegenden Fahrzeuges, Kriegsgepäck, Reisegerät, Kutsche und
+Pferde.
+
+
+*beschlagen*, s. Beschlagseising.
+
+
+*Beschlagseising*, der.
+
+Beschlagen, althochdeutsch bislahan, mittelhochdeutsch beslahen:
+schlagen auf, festschlagen, umfangen, umschließen (s. Schlag),
+verschließen, bedecken u. s. w. Die meisten Bedeutungen sind im
+seemännischen dieselben wie im Hochdeutschen, nur beschlagen bedarf der
+Erwähnung insofern es das Festbinden der aufgegeiten Segel an die Rahe
+bedeutet; solches geschieht mittelst der Beschlagseisings, Bändseln, an
+denen das eine Ende spitz zuläuft, das andere mit einem Auge versehen
+ist; s. seisen.
+
+
+*Beschute*, die.
+
+Seemännisch nur in Verbindung mit Hartbrot, »eine Beschute Hartbrot«,
+sei es wegen der Gestalt, sei es wegen des Hartgebackenen,
+Zwiebackähnlichen. Niederländisch bischuyt, nichts anderes denn eine
+volkstümliche Form des französischen biscuit. Zwey-Back sagt der
+Übersetzer der »durchläuchtigsten Seehelden« 1681. Er beschreibt die
+Entdeckung der Magellanstraße und erzählt von einem Patagonier, der »auf
+einer Mahlzeit einen ganzen Korb mit Zwey-Back aufgegessen, und in einem
+Zuge soviel Wein, als ein Wasser-Eimer halten möchte, ausgesoffen.« Als
+ob sie auf dem Geschwader Magellans ihr Brot und ihren Wein nicht besser
+hätten anwenden können, die wahrlich knapp genug waren.
+
+
+*Beschmarten*, s. Schmarting und bekleiden.
+
+
+*Besetzt sein*, s. Legerwall.
+
+
+*Besteck*, das.
+
+1. Der Entwurf, der genaue Plan eines zu bauenden Schiffes; auch eines
+zu bauenden Hauses. Ein ähnliches Wort wie Riß von ritzen (Runen ritzen,
+writan, to write, schreiben); ein Plan, der nicht umrissen, sondern mit
+Stichen bezeichnet, mit Stecknadeln abgesteckt ist. 2. Das
+Mittagsbesteck oder überhaupt die Bezeichnung der Stelle, wo sich nach
+genauer Berechnung, wenn es aber nicht anders sein kann, auch nach
+Gissung, das Schiff zu einer bestimmten Zeit befindet, der Punkt, wo
+Länge und Breite sich schneiden (s. absetzen), ein Punkt, an welchem die
+Spitze des Zirkels ein kleines Loch in das Papier der Seekarte
+*sticht*. In der weiteren Entwicklung des Begriffes Besteck = Plan, Maß,
+ist Besteck auch schlechthin zu Maß geworden; ein Maß von Torf.
+Groningen: »alles noa bestek hebben«, alles so haben, wie es sich
+gehört. Auch gleichbedeutend mit Regel, Ordnung, Zeiteinteilung.
+Ostfriesland: »wat hebben dei menschen 'n roar bestek, zy eten om vier
+uur.« Ein Abstecher ist demnach eine Abweichung von dem ursprünglichen
+Reiseplan und -Wege.
+
+Daß »Besteck« in der Tat von dem »Stich« des Zirkels in das Papier der
+Seekarte den Namen hat, geht aus einer Stelle bei Waghenaer, »Spiegel
+der Zeevaerdt«, »Amstelredam« 1588, hervor: »Soo sal hy alsdann nemen
+twee Passers, (Zirkel) met d' een de mylen metende die hy ghist ghezeylt
+te hebben. Ende met den anderen Passer lancxt Compasse stryckende de
+Cours die hy ghezeylt heefd tot dat de voeten van de Passers aen den
+anderen comen, daer weder een *sticke met eenen scherpen Passer oft
+plompe naelde settende*, soo datment met cryt wederom wt doen cän«.
+
+
+*Bestroppen*,
+
+einen Stropp (s. d.) um einen Block, der zu diesem Zwecke mit einer Keep
+(s. d.) versehen ist, legen und festbändseln, damit er irgendwo, wo er
+Halt hat, befestigt werden kann. Im übertragenen Sinne gebraucht der
+Seemann das Wort häufig da, wo ein anderer sagen würde: das wollen wir
+schon machen, das wollen wir wohl kriegen.
+
+
+*Betel* s. Kalfatern.
+
+
+*Beting*,
+
+die eine Vorrichtung zur Befestigung der Ankerketten an Bord, starkes
+querschiffs laufendes, abgestütztes Gestell. Bett und Beet haben beide
+die Bedeutung: Bleib-, Haft-, Sitz- oder Ruheding, von der Wurzel bhad =
+binden, fesseln, festen und haften, halten, tragen. Beting ist ein
+niederdeutsches Wort von derselben Herkunft, bei dem der Gedanke an das
+Halten, Festhalten des Ankertaues zum Ausdruck gekommen ist.
+
+
+*Beweert*
+
+ist ein Schiff, wenn es wegen schlechten Wetters verhindert ist, in
+See zu gehen. Doch kommt das Wort nicht etwa davon her, daß widriger
+Wind oder sonst schlechtes Wetter ihn solches wehrte, vielmehr ist
+beweert eine Zusammenziehung von bewettert, oder vielmehr, da es sich um
+niederdeutsches Gebiet handelt, von beweddert; das niederdeutsche wedder
+ist ja durchgängig im Munde des einsilbigen Volkes zu weer, wér
+geworden.
+
+
+*Bilander*, der,
+
+ein zweimastiges Schiff in Schweden, England und besonders in Holland
+gebräuchlich, das als besonderes Unterscheidungsmerkmal eine eigenartige
+Stellung der großen Rahe und dieser entsprechende trapezförmige Gestalt
+des Großsegels hat. Die Rahe macht mit dem Mast ungefähr einen Winkel
+von 45°, ihre oberste Nock befindet sich über dem Heck, die unterste
+über dem Mittelschiff. Diese Gestalt ist offenbar mit Rücksicht auf
+enges Fahrwasser gewählt, um nicht so viel Raum in Anspruch zu nehmen.
+Denn für Binnenschiffahrt und Fahrt »*bi Lande*« ist das Fahrzeug
+bestimmt. Vier bis fünf Mann genügen zur Handhabung der Segel.
+
+ »Why choose we, then, like bilanders to creep
+ Along the coast, and land in view to keep.«
+
+ Dryden.
+
+
+*Bilge*, die.
+
+Der unterste Raum des Schiffes in dem sich das eingedrungene Wasser
+sammelt; auch dieses Wasser selbst. Letzteres ist die ursprüngliche
+Bedeutung des Wortes, welches mit Balg nahe verwandt ist. Balg aber
+entstammt einer Wurzel, die »anschwellen« bedeutet. Offenbar hatte man,
+wie ja alle Sprache ursprünglich Bildersprache war, einen aufgeblasenen
+oder mit Wasser gefüllten Balg vor Augen. Aus derselben Wurzel stammt
+das in Ostfriesland vielfach gebrauchte Verbum belgen, niederländisch
+belghen, angelsächsisch belgan, englisch to bulge. Auch im
+Mittelniederdeutschen war dieses belgen gebräuchlich. Es bedeutet in
+Bewegung kommen, in Hitze und Zorn geraten, dick werden, anschwellen,
+»geschwollen sein auf jemanden«, weil einem zornigen Menschen das Blut
+zu Kopf steigt, das Gesicht sich rötet, die Adern aufschwellen und dick
+hervortreten. Der Begriff des Anschwellens ist auf das Wasser angewandt
+worden, (»das Wasser rauscht, das Wasser schwoll«). Eine solche
+rauschende, schwellende Woge heißt, entsprechend dem erwähnten belgen,
+Bülge; schwedisch bölja, dänisch, bolge, altnordisch bylgja, wie denn
+sinnreich und bedeutungsvoll eine der Töchter des Meergottes Ägir in der
+Edda Bylgia genannt wird. Dieses Bülge aber brauchen wir nur mit i
+anstatt mit ü zu schreiben, (im Englischen wird es sowohl bulge als auch
+bilge geschrieben), dann haben wir unser urdeutsches, nur etwas
+anglisiert ausgesprochenes Seemannswort Bilge. Mit einiger Phantasie
+können wir uns leicht vorstellen, wie bei den alten deutschen
+Seefahrern in ihren immerhin kleinen, oft offenen Schiffen diese im
+untersten Schiffsraum hin- und herwogenden, schwellenden Bülgen, deren
+Anschwellen es mit aller Macht zu bekämpfen galt, eine wichtige Rolle im
+Schiffsleben gespielt haben.
+
+Im Althochdeutschen hieß bulga ein Ranzen, Felleisen, lederner Sack und
+belgan aufgebracht sein, zornig sein, aufschwellen; mittelhochdeutsch
+bulga die aufgeschwollene Woge. Aber gegen bulga im Sinne von Bilge hat
+sich das Hochdeutsche lange gesträubt, denn nicht immer ist den
+Deutschen die *Bewegung* des Bilgewassers bei der Benennung das
+Ausschlaggebende gewesen. Es scheint als ob der Begriff der Bewegung
+erst an der im Vergleich zum Mittelmeer so viel bewegteren Nordsee in
+den Vordergrund getreten und daß Bilge daher lange Zeit ausschließlich
+niederdeutsches Eigentum gewesen wäre. Im Althochdeutschen hatte man
+zwar, wie bemerkt, das Wort bulga, aber die Bilge nannte man sentine.
+Dieses Wort stammt aus dem Mittelmeer, es ist das lateinische sentina
+und beweist, daß man in jenen sanfteren Gewässern bei der Namengebung
+mehr an den üblen Geruch des betreffenden Wassers als an seine Bewegung
+gedacht hat, denn sentina heißt Jauche, Abwasser, Auswurf, Hefe, Unflat;
+daher französisch sentine zugleich Pfuhl und Bilge heißt, englisch
+sentine Senkgrube, Sammelstelle stinkenden Wassers. Wer einmal
+Bilgewasser gerochen hat, der wird sich also über die Benennung im
+Althochdeutschen nicht wundern.
+
+Als unterster Raum im Schiffe diente die sentine in Zeiten, da man auf
+Hygiene wenig achtete und sich um die Gesundheit der Gefangenen nicht
+viel bekümmerte, auch als Gefängnis, als Arrestlokal. Und dieser Umstand
+könnte vielleicht zur Erklärung des Wortes sentinelle, englisch sentinel
+dienen. Daß dasselbe von sentire, wahrnehmen, direkt abgeleitet wäre,
+ist doch kaum anzunehmen, man müßte denn einem Posten, einer
+»Schildwache« eine ganz besondere, in der Nähe der sentine noch dazu
+sehr übel angebrachte Sensibilität zuschreiben wollen. Daß aber der
+Posten vor der sentine sentinelle genannt worden ist, wird den nicht
+wundern, der weiß, daß der Mann, der bei den Schilden Wache stand,
+selbst Schildwache genannt worden ist.
+
+Holländische Matrosen nennen die Bilge nicht unwitzig pis-bak, auch
+pis-gat, kurzweg auch bloß gat, Loch. Das ging ins Französische über als
+gatte, jatte, und die französischen Matrosen machte daraus scherzweise
+-- Agathe.
+
+Es gab früher noch ein drittes Wort für Bilge, das aber meines Wissens
+nur noch im Gröningenschen im Gebrauch ist: durk. Halbertsma erklärt es:
+»spatium in navis fundo inter tabulatum interius et exterius,
+receptaculum aquae stillantis per rimas, sentina«. Im ostfriesischen
+kommt das Wort nur noch in der Form turk vor, Bezeichnung für den
+hintersten, abgeteilten, dunklen Teil eines Mäherzeltes. Aber im
+schwedischen ist es erhalten, nur daß da durk einen Schiffsraum
+bedeutet, der als Last dient, also immerhin die der Bilge nahen Räume.
+Der Teuthonista hat das Wort in der Form dorrick, »dat dyepste van den
+scheep den water naist«; »dorrick in en schip, dair sych al dat water in
+den schip vergadert, sentina«. Angelsächsisch thurruc, auch im
+englischen noch als thorruke bekannt. Mittelniederdeutsch hieß es dork;
+aber durk dürfte die ursprüngliche, auf Lautmalerei beruhende Benennung
+der da unten, wo es fürchterlich ist, gurgelnden Gewässer sein.
+
+Ein viertes Wort wird heute noch gebraucht: Sod, oft in der
+Zusammensetzung Pumpensod; »der niedrigste Ort im Schiffe beym großen
+Mast, wo die Pumpen stehen und wohin sich wegen der Krümmung oder des
+Springs des Schiffes alles im Raum befindliche Wasser durch die
+Nüstergaten zusammenzieht« (Röding II 310). Dieser Raum heißt in der
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 »Soet«. Die Bedeutung
+kommt der von Bilge sehr nahe, denn Sod ist das niederdeutsche und
+niederländische sod oder sot = Brunnen, und kommt mit sode = das Sieden,
+Kochen, Brodeln, Aufkochen, Aufwallen, Aufquellen, Aufstoßen, (daher
+»Sodbrennen«) von seden = sieden, kochen, wallen.
+
+
+*Bewulen* s. (wulen) Wuling.
+
+
+*Billen*, die.
+
+Die untere Rundung des Schiffes hinten, wodurch der Spiegel mit der
+Seite des Schiffes vereinigt wird; auch Backen genannt; italienisch il
+rotondo della poppa. Der zu Grunde liegende Begriff ist der des Runden;
+heißen doch die ebenfalls Rundungen bedeutenden Backen am menschlichen
+Leibe, da wo der Rücken nicht mehr anständig ist, im Niederdeutschen
+billen; »Kinder fan willen (die sagen »ich will« anstatt »ich bitte«)
+krigen wat för de billen.« »Der Stuhl ist noch billenwarm von dem eben
+jemand aufgestanden ist.«
+
+Also ein ziemlich derbes Wort, aber treffend und deutlich, und darauf
+kommts der Sprache vor allen Dingen an.
+
+
+*binnen*,
+
+inwendig, drinnen. Althochdeutsch binnen, mittelhochdeutsch binnen,
+jetzt im Hochdeutschen so ziemlich auf »Binnenland« eingeschränkt,
+während in Niederdeutschland das Wort noch in manchen anderen
+Verbindungen erhalten ist. In Holland wird so oft jemand an die Tür
+klopft da wo wir herein! rufen würden »binnen!« gerufen. Seemännisch:
+binnenbords, Binnengewässer, Binnenseite, Binnenhafen, binnen laufen
+(für Schutz suchen in einem Hafen, auch bloß gleich einlaufen)
+Binnenschoot (am Leesegel). Entstanden aus beinnen, wie boven aus
+be-oben und buten aus be-uten.
+
+
+*Brise*, die,
+
+jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht auf die
+Himmelsrichtung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo möglich
+von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da konnte
+man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie eine
+Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen:
+»Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest«, oder wie es auf dem
+Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: »Hier bläst der Nordwind aus
+allen Himmelsrichtungen.« Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind
+bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas;
+piemontesisch und provençalisch bisa, Nordwind; französisch bise. Ein
+deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als
+»Beiß«-Wind erklärt.
+
+Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und französisch bis = grau,
+schwärzlich; das hängt damit zusammen, daß man in Frankreich den
+Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen, und daß bei
+Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte sich den
+Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen hieß bise
+geradezu nördliche Gegend, Norden.
+
+
+*Blakepumpe* s. Pumpe.
+
+
+*Bleilatsch*, der,
+
+ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es auf die
+Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an Deck
+aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein niedergetretener
+Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder; latschen heißt gehen
+ohne daß man die Füße recht vom Boden aufhebt, mit den Sohlen auf dem
+Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die durch die Luft
+geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin, ehe sie an ihrem Ziele
+liegen bleibt.
+
+
+*»Blauer Peter«* s. »an Bord.«
+
+
+*Blinde Rahe*, die,
+
+ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck hat, demjenigen Teil
+des stehenden Gutes, der den Klüverbaum nach den Seiten zu rückwärts
+stützen soll, eine größere Spreizung, also mehr Halt und Festigkeit zu
+geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in früheren Zeiten hatte sie
+eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit Segeln, mit viereckigen
+Rahsegeln. Sie nützten zwar wenig, diese Segel, und hießen darum Blinde,
+obere Blinde und untere oder große Blinde, und eben daher hießen die
+beiden Rahen Blinde-Rahen. Überhaupt hieß jedes Segel, wenn und solange
+es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt oder »benommen«, ohne
+Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den beiden Segeln unter dem
+Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie eigentlich zwecklos und
+leisteten nichts. Mit der Bezeichnung »blind« wird wie mit »taub«, etwas
+benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte sein, nicht leistet wozu es
+bestimmt ist, z. B. blindes Glas, blindes Fenster, blinder Passagier,
+»mit dem Blinden spielen.« Im Friesischen und Angelsächsischen heißt
+unsere »taube Nessel« »blinde Nessel« als eine Pflanze die blüht, ohne
+Frucht zu bringen; vergl. »taube Nuß«, Nuß die keinen (Frucht) Kern hat.
+Die Würfelseite ohne Punkte, (Augen) heißt friesisch bline dobbelstien.
+In Westfalen nennen sie das, was man anderwärts einen »Nachtwächter« am
+Wege nennt, einen blinnen hasen, weil es nicht wegläuft wenn man darauf
+tritt. Englisch ist die »schwache Seite« eines Menschen seine blindside.
+»He is too great a lover of himself, this is one of his blindsides; the
+best of men, I fear, are not without them.«
+
+Weil die »Blinde« genannten Segel überflüssig waren, kamen sie ab, aber
+die eine »Blinde-Rahe« ist als blinde Rahe geblieben, denn sie ist, wie
+oben angegeben, nicht überflüssig und zwecklos, wenn sie auch den
+entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern der
+eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, führt sie ihn
+auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon
+Waghenaer im »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, ist der freie Raum, den das
+Meer bietet, mit Vertonungen, schön verzierten Titelkartuschen und
+dergl. ausgefüllt; daneben auch mit allerlei Seetieren und namentlich
+mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die Blinde
+gesetzt.
+
+
+*Blinkfeuer*, das.
+
+»Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen Licht durch kurze
+Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann plötzlich wieder
+erscheint.« Ein »Blink« ist eine klare Stelle am Himmel, die sich
+zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt. Während im
+Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z. B. in der Allitteration
+»blink und blank«, als Zeitwort blinken und in der Wendung »mit den
+Augen blinkern«, findet sie im Niederdeutschen um so zahlreichere
+Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen werden müssen, da
+blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik = Schein, Glanz,
+Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem, bliksen, bliks =
+Blitz.
+
+Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes Leuchten, kurzer heller
+Schein; »alle dre mienuten smit dat lücht fan de furtorn 'n blink afer
+'t water.«
+
+Blinke, blink »eine glänzende Stelle im Watt, welche namentlich beim
+Sonnenschein durch ihren hellen Schein weithin sichtbar ist. Es sind
+diejenigen Stellen, welche nach eingetretener Ebbe wegen ihrer
+Undurchlässigkeit länger naß bleiben« (Doornkaat). Es gibt auch noch ein
+blinke, blink als grüner Anger bei Dörfern und Städten, was wohl von
+brink kommt, einen erhöhten, bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu
+die Zeitwörter bliken = Schein und Glanz machen, wonach aussehen,
+sichtbar und offenbar werden, erhellen, sich zeigen, und blinken =
+blinken, leuchten, glänzen, blitzen, funkeln; davon das Frequentativum
+blinkern, zwinkern, blinzeln. Kommen alle mit Birke wegen der glänzenden
+scheinenden Rinde von der Wurzel bhrag, bharg, bhark, glänzen.
+
+Schon althochdeutsch blican, glänzen, blicfiur, Blitzfeuer.
+Angelsächsisch blican, leuchten; aber altenglisch blink = aspectus.
+
+Roeding kennt »Blickfeuer, gewisse Signäle die man in der Nacht auf
+Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers von Zeit zu Zeit macht, um sich
+unter einander Nachricht zu geben, wo man sich befindet.«
+
+
+*Block*, der.
+
+Dieses für die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem jeden aus
+der Physik als Teil eines »Flaschenzuges« bekannt ist und das
+hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Scheibe, besteht, hat
+seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das
+althochdeutsche biloh, mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stück eines
+Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in Gefängnissen;
+altfriesisch bloc, »vppa thet bloc iefta inna thet kalde yrsen sle,« in
+diesem Sinne wird aber meist, schon im Mittelniederdeutschen, Stock
+gesagt. Indessen ist Block die treffendere Bezeichnung, denn es kommt
+vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan, angelsächsisch lucan, und
+das heißt schließen, verschließen (s. Luke). Das Wort Block führt also
+in die frühesten, einfachsten Zeiten zurück in denen man zum
+Verschließen von Öffnungen weiter nichts hatte als einen Holzklotz.
+
+Es gibt eine große Anzahl von Blöcken an Bord, mit verschiedener Gestalt
+und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck verschiedene Namen
+führen. Die meisten davon erklären sich durch Zusammensetzungen wie
+Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock von selbst. Sonst s.
+Violinblock, Warrelblock, Steertblock, Kinnbacksblock, Dodshofd und
+Spinnekopf.
+
+
+*Block an Block* s. tublocks.
+
+
+*Blockade*, die.
+
+Sperrung eines Hafens, einer Küste. In diesem Worte ist die
+ursprüngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein gekommen:
+Verschluß. Das französische bloc und bloquer, das italienische bloccare,
+das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs. Blockieren war in
+Deutschland schon vor dem 30jährigen Kriege gebräuchlich. Blockade
+dagegen wird nach Kluge erst seit 1686 verzeichnet.
+
+
+*blockieren* s. Blockade.
+
+
+*Blüse*, die.
+
+Neben den Leuchttürmen hatten sich lange Jahrhunderte hindurch offene
+Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke dienten, jetzt
+aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind. Sagt doch schon
+Roeding: »Auf Blüsen brennt gewöhnlich ein Steinkohlenfeuer, da aber die
+Flammen desselben, wenn frische Kohlen aufgeschüttet werden, eine
+Zeitlang erlöscht, oder auch durch die Nachlässigkeit des Hüters, der es
+nicht oftmals genug auffrischt, nur ein schwaches Licht von sich wirft,
+so sind die Leuchttürme, auf welchen Lampen brennen, diesen Blüsen
+vorzuziehen.« Mit blasen verwandt, anblasen, anfachen, brennen und
+flammen machen; englisch to blush, rot werden, erröten.
+
+Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine Blüse oder Feuerbake
+und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in seiner um die Mitte
+des siebzehnten Jahrhunderts verfaßten oldenburgischen Chronik davon
+berichtet. »Dieses Eyland ist vorzeiten viel grösser als gegenwärtig,
+gewesen, solle, nach der Alten Berieht, sowohl in- als auswendig des
+Hafens oder Strandes, durch hohe Wasserfluten und starke Stürme, mehr
+als die Helfte mit der Zeit sich verloren haben, ist itzo nur eine halbe
+Meile lang, und eine halbe vierteil Meile breit, und denen auf der West-
+oder Nordseefahrenden sehr nützlich, als dahin sie sich bei Sturmzeiten
+begeben und vor dem Schiffbruch retten können, wie sichs dann oft
+begiebt, daß am selbigen Ort 40, 50, 60 und mehr große Lastschiffe
+zusammenkommen und sich daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey,
+aufhalten, dahero solche Stelle von den Schiffleuten pro tutissima
+navium statione, vor einem sicheren Schiffhafen gerühmt wird. Auf diesem
+Eylandt sind zwo Kirchen, die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit,
+die andere aber ins Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken
+Turm und einem Dorf gestanden. Jene ist durch die Ungestümigkeit des
+Meeres in Vorjahren hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch
+zur Ebbezeit die Abteilung der Äcker und die bei den Häusern gehabte
+Brunnen, man noch merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands
+daselbst einige alte silberne Münze und andere Sachen. Der Ort wird
+sonsten Oldenoge genand, worüber nun mehr die allergrosseste Schiffe
+fahren. Der ins Westen stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre
+1597 von Herrn Graf Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schrift- und
+mündliches Ersuchen zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602
+vollendet worden; dessen Kosten an Materialien und Handwerkslohn,
+ohne die Fuhren und Frohnen der Untertanen, sich auf die
+vierundzwanzigtausend Reichstaler belauft. Oben darauf hat eine große
+eiserne mit Rüben-Öhl gefüllete brennende Lampen durch 48 Fenster
+geleuchtet, den Seefahrenden Leuten bey tunkelen und einfallenden
+Sturmgewitters Zeiten, zu verhütung Schiffbruchs, die Gegend und den Ort
+in der See zu zeigen, daß man davon sagen mögen:
+
+ Naufragus aequoreis ne Nauta periret in undis
+ Hac facibus turri nocte docetur iter.
+
+Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht weit in die See
+geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lässet
+Herr Graf Anthon Günther eine Feuerbake ins Norden auf einen Sandhügel
+und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das Feuer mit
+Schottischen Steinkohlen von Michaelis bis gegen Christtag, und wieder
+gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in die
+vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird.
+
+
+*Bö*, die.
+
+Eine plötzlich entstehende, kurze Zeit dauernde Windsbraut, bei der man
+je nach der Stärke oder den Begleiterscheinungen von Sturmbö, Hagelbö,
+Regenbö, spricht. Es dürfte mit Bake verwandt sein. Hört man genauer zu,
+so sagt ja der niederländische Seemann nicht schlechthin und kurzab Bö,
+sondern er macht das ö lang und zieht es am Schlusse in ein i hinüber.
+Wer jemals einen Kieler Fischer den Namen des Seebades und Fischerdorfes
+Laboe aussprechen hörte, der wird den Klang kennen, wenn Laboe auch eine
+andere Herkunft aufweist. Im ostfriesischen heißt das Wort geradezu
+Böje. Und dieses i dürfte der letzte Rest eines flüchtig gewordenen
+Gutturallautes sein, eines k oder g, wie denn im dänischen das Wort,
+heute das g noch hat, byge. Zu Grund wird ein Zeitwort liegen, das
+altfriesisch und saterländisch beja, nordfriesisch boje, dänisch boje,
+westfriesisch buwgjen, holländisch buigen heißt, das deutsche beugen,
+biegen, bücken. Eben davon haben wir Bake abgeleitet, wegen der
+biegenden, beugenden, bückenden Bewegung des Körpers. Nun eröffnet sich
+für die Entstehung von Bö eine doppelte Möglichkeit. Entweder, was das
+Nächste sein dürfte, die Bö biegt, beugt Bäume und Masten, (oder bricht
+sie, wenn sie nicht biegen wollen), oder sie ist eben aufzufassen als
+eine Biegung, Beugung, Ablenkung, eine plötzliche Veränderung des
+Wetters.
+
+Und wie wir in Bezug auf die Gemütsstimmung eines Menschen wohl von
+»schlechtem Wetter« sprechen, so wird in Ostfriesland für unbeständige,
+umspringende, sich hin- und herdrehende Stimmung, für eine
+wetterwendische Gemütsart die Bezeichnung Böje gebraucht. Und gerade
+dieser Gebrauch hilft die Vermutung der Verwandtschaft mit Bake stützen,
+denn für Böje in diesem Sinne wird noch häufiger Bök oder Böke gesagt,
+das Wendung, Kehr, Drehung, Wechsel, Laune bedeutet.
+
+
+*Bock*, der,
+
+ein aus zwei Stangen aufgerichtetes Gestell, mit dessen Hilfe man Lasten
+aufwindet. Ungleich dem Sturmbock, der von des Ziegenbocks Neigung zum
+Stoßen den Namen hat, ist dieser Bock nach dem mit seinen Hörnern sich
+vornüber neigenden Ziegenbock genannt, während Sägebock einfach das
+Bild eines solchen Tieres in seiner ganzen äußeren Gestalt darstellt.
+Wohl von einer Wurzel bhug, wegen des Sichbückens zum Stoß.
+
+s. Krahn.
+
+
+*Boden*, der,
+
+»ein uraltes indogermanisches Wort« mit der Bedeutung »Grund und Boden«;
+dann auch das Untere, Unterste, Unterlage für etwas, davon:
+Aufbewahrungsort. Das Wort hieß althochdeutsch bodam, mittelhochdeutsch
+bodem; so heißt es auch heute noch in deutschen Mundarten. Angelsächsich
+botm, englisch bottom. Dieses in der ursprünglichen Form ist für die
+Seemannssprache wichtig wegen Bodmerei (s. d.). Man spricht von
+Außenboden, Innenboden, Doppelboden u. s. w.
+
+
+*Bodenwrange*, die,
+
+auch Bauchstück genannt, das unterste, zunächst am Kiel sitzende
+Spantstück. Es hat seinen Namen von der Krümmung. Wenn auch gerade das
+unterste (Bauch-) Stück des Spants noch nicht so sehr gekrümmt ist, so
+beginnt doch bei ihm die Krümmung; es ist daher zweifellos, daß Wrange
+von wringen, biegen, drehen, kommt. Wrange heißt in Ostfriesland auch
+ein »verdrehter« Mensch; das hochdeutsche, wie gewöhnlich das anlautende
+w vor r abwerfend, sagt dafür Range.
+
+Davon das französische varangue.
+
+
+*Bodmerei*, die,
+
+ein Darlehensgeschäft, Vorschuß auf die, auf dem Boden (früher Bodem)
+des Schiffes, d. h. im Schiffe liegenden, zur Ausfahrt geladenen Waren.
+Französisch la bomerie; Aubin: »Comme l'argent que l'on préte, et qui
+raporte quinze, vingt et jusques à trente pour cent, selon les risques,
+n'est prêté, pour l'ordinaire, que sur la quille du vaisseau, qui chez
+les Hollandais s'apelle Bodem, d'où ils on fait Bodmerye, on a aussi
+apellé ce prêt, Bomerie.«
+
+Kilianus Duffel.: boomerye rectius bodemrye, tax: bodmerye a bodem i.
+carina navis, foenus nauticum, usura maritima.
+
+In Holland heißt verbodemt hout hout dat komt per bodem, d. h. an Bord
+eines Schiffes und mit einem Floß.
+
+Die über das Geldgeschäft aufgenommene Urkunde heißt Bodmerei-Brief,
+unterschieden von Beilbrief (s. d.), weshalb die Erklärung »Vorschuß auf
+den Kiel eines Schiffes« ungenau ist, weil man dabei an den Bau eines
+Schiffes denken könnte, während doch die Ladung des Schiffes gemeint
+ist.
+
+
+*Boje*, die.
+
+Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch ähnlich der Bake, nur daß die
+Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem Meeresgrunde
+befestigt ist. Nach der Gestalt unterscheidet man Bakenboje, Blockboje,
+Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje, Tonnenboje, wie denn
+auch Tonne (s. d.) allein häufig, ebenso wie Boje und Bake, für
+Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer Zeit immer
+häufiger angewandt wird. (»Lootsen- und Betonnungswesen«). Nach der
+Farbe unterschieden giebt es weiße, schwarze, rote, gestreifte und
+gewürfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje,
+Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje,
+Vertäuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje,
+Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen und bedeutete
+ursprünglich nur Fessel. Bei dem lateinischen Schriftsteller Festus
+kommt es mit der Erklärung vor: »genus vinculorum tam ferreae quam
+ligneae,« ist dann in das Altitalienische übergangen, wo es noch boja
+hieß, ins Provençalische, wo es die Form boia annahm, und ins
+Französische, wo es altfranzösisch als buie, Kette, Fessel vorkommt.
+
+Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfessel anlegt, so
+heißt er im Italienischen boja. Boja bedeutet nicht bloß Kette, sondern
+irgend ein zum Fesseln geeignetes Ding, zum Beispiel einen Riemen, aus
+einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der
+Ochse heißt, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die älteste Bedeutung.
+Nun fesselte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine
+Kette ein Stück Holz in der Weise, daß das eine Ende am Holze fest war,
+das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald
+übertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte
+das Stück Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich
+diese Bedeutungsübertragung auf dem Durchgang durch das Französische
+vollzogen, wo 1702 Boje in der Form bouée vorkommt: »une marque faite
+d'un morceau de bois ataché à l'orin.«
+
+Aber noch weiter ist man mit der Übertragung der Bedeutung gegangen, so
+weit, daß von der ursprünglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese
+Neugeburt kam in drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fessel. 2., Boje
+= gefesseltes Stück Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stück (Ring von)
+Kork ganz ohne Fessel, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins
+Wasser Gefallenen zugeworfen.
+
+Doch war im Holländischen vor 200 Jahren die Bedeutung Fessel auch den
+Seeleuten noch durchaus geläufig, denn einen »in de ysers of boyen
+setten«, hieß einen in Eisen, in Fesseln legen. Kilianus, über 150 Jahre
+früher, hat das Wort als bouye = vinculum pedis; dann aber auch =
+anchoralia tabula, anchorae index in superficie aquae natans, also
+Ankerboje. Diese Bedeutung im übertragenen Sinne ist also die älteste
+und ist auch hauptsächlich in das Bewußtsein der (nichtseemännischen)
+Schriftsteller übergegangen: Schreibt doch Weiland: »boei = eene ton, of
+een blok hetwelk op het water dryft en de plaats aanwyst, waar het anker
+ligt.« Sonst kennt er auch boei noch als Band, »met de stalen boei aan
+'t been.« In der Mehrzahl heißt es: Gefängniß. Auch bildlich gebraucht:
+»met de boejen des huwelyks (der Ehe) belast.«
+
+Siehe auch »Tonnenboyer.«
+
+
+*Bollwerk*, das,
+
+kommt in der Seemannssprache nur im Sinne von »hölzerne Brücke« vor, aus
+Pfählen und Bohlen entlang einer Mauer, einem Wall oder Damm als
+Liegeplatz für Schiffe erbaut, oder auch ins Wasser hinausgebaut zum
+(vorübergehenden) Anlegen von Schiffen. So leidet es keinen Zweifel, daß
+das Wort von Bohle kommt. Schon im »Seebuch« 1400 lesen wir: »unde van
+Nergeden to Revele achter dat bolwerk, dat sind dre weke seys.« »dat
+Kors ist ost.« (»weke sees« ist ein noch zweifelhaftes Wegemaß zur See
+aus jener Zeit.) Aus dieser Segelanweisung ersehen wir, wie sehr die
+Hansa auf gute Hafenanlagen bedacht war.
+
+Das deutsche Wort drang als boulevard ins Französische; es war also von
+den Leuten zu Mainz doppelt Unrecht, daß sie anfänglich ihre schönste
+neue Straße Boulevard genannt haben.
+
+Von Bollwerk kommt ein Zeitwort bollwerken, das ein Bollwerk machen
+bedeutet, figürlich aber für schwer arbeiten, scherzweise auch als
+verbollwerken für verarbeiten, bewältigen, verprügeln gebraucht wird.
+
+
+*Bolzen*, der.
+
+Alle die verschiedenen Arten von Bolzen die es an Bord gibt, haben, wie
+im ganzen deutschen Sprachgebiet, die Bedeutung eines (längeren oder
+kürzeren, dickeren oder dünneren) Nagels. Man unterscheidet aber je nach
+Gestalt und Bestimmung Ringbolzen, die am Kopfe einen beweglichen Ring
+haben, Augbolzen, deren Kopf ein Auge, eine augenförmige Öffnung hat;
+Splintbolzen, die an der Spitze ein kleines längliches Loch zum
+Durchstecken eines Splints haben usw. »Klar beim Bolzen!« ist ein aus
+seemännischem Munde oft zu hörendes, scherzweise auch da, wo es gar
+keine Bolzen zu besetzen und zu bedienen gibt, gebrauchtes Kommando mit
+der Bedeutung »nun aufgepaßt!«
+
+
+*Bonnet*, das,
+
+ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als bonnette, den
+Engländern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrößerung der Untersegel,
+die bei gutem Wetter und beständigem Winde angebracht wird. Also etwas
+Ähnliches wie Leesegel, nur daß ein solches *neben* dem eigentlichen
+Segel, das Bonnet aber an der *Unter*kante des Segels angebracht wird.
+Mittelhochdeutsch bonit, 1461: »en holk, geheten Marienknecht, mit deme
+segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers« u. s. w. Bonnet war der Name
+einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher eine aus solchem Zeug
+verfertigte Mütze bonnet hieß und in England heute noch so heißt. Aus
+gleichem oder ähnlichem Zeug war auch die Verlängerung des Segels; man
+gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines Lecks.
+
+Da das Bonnet eine Verlängerung des Segels bedeutete, so nahm es auch,
+den Begriff Verlängerung besonders auffassend, ganz allgemein die
+Bedeutung »Verlängerung« an, Verlängerung eines Baumes, einer Leiter,
+eines Löschbordes u. s. w.
+
+Eine andere Erklärung ist, da obige nicht ganz überzeugend zu sein
+scheint, unter Leesegel gegeben; sie dürfte vielleicht eher einleuchten,
+zumal im Französischen, vergl. Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in
+obigen Sinne, sondern auch im weiteren Sinne Leesegel heißt und Leesegel
+ein Schönwettersegel bedeutet.
+
+
+*Boot*, das.
+
+In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum vor, dafür ist
+es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet verbreitet; und was ein
+richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt »die Boot«.
+
+Das erste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes finde ich in einer
+Urkunde des Königs Äthelred (978-1016): »Qui ad pontem venisset cum uno
+bato, ubi piscis inesset.« In der Edda finden wir es als batr (neben
+eikja, einem aus einer Eiche ausgehöhltem Boote). Kluge sagt: »Der
+Ursprung von angels. bat = germ. baita -- (vorgerm. bhoido --?) ist noch
+nicht aufgeklärt.«
+
+Die altnordische Form beit erinnert an das Schiffszimmermannswerkzeug
+Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung nicht allzu fern, es möchte
+wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem Worte ein Stamm zu Grunde
+liegen, der graben, stechen, hauen, spalten bedeutet, zumal es ein
+mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das schlagen, stoßen,
+stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoßen, oder bhid hauen wird also
+zu denken sein, so daß Boot etwas Ausgehauenes oder Ausgestochenes,
+etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel Ausgehöhltes wäre, ein
+»Einbaum«. Noch heute hat man in Ostfriesland das Zeitwort böten,
+schlagen, stoßen; althochdeutsch bozan. Und daneben in ganz
+Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das Zeitwort
+böten, heizen. Die beiden könnten mit einander verwandt sein, insofern
+zum Heizen die menschliche Tätigkeit des Stoßens, Stechens, Stocherns,
+Stokens unentbehrlich ist. Da aber böten auch feuern bedeutet, so
+erinnert es uns daran, daß man dem Beitel mit Feuer zu Hilfe gekommen
+ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehöhlt hat, so daß uns
+also das Wort in die allerersten Culturanfänge zurückführen könnte.
+
+Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel, Bootskompaß sind ohne
+Weiteres verständlich. *Bootspfropfen* nennt man den Korkpfropfen mit
+dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes verstopft wird, ehe
+man das Boot zu Wasser läßt.
+
+
+*Bootsmann*, der.
+
+Der Deckoffizier dem die Aufsicht über die gesamte Takelage und das
+eigentlich Seemännische, soweit es Arbeitsverteilung und Verwaltung des
+Inventars betrifft, übertragen ist. Englisch boatswain, ein
+eigentümliches Wort, denn swein bedeutet Knecht, Schweineknecht,
+Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas mit der
+Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Französisch bossemann. Im
+Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch
+bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so daß
+also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schließlich hieß überhaupt
+jeder Seemann bosmann. »De boslüde hebben Rode Clawes vorkregen, welk
+ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke
+tohowen.« (Schiller und Lübben II. 153) s. a. Hochbootsmann.
+
+Ein *Bootsmannsstuhl* ist eine (aus Segeltuch hergestellte)
+Sitzgelegenheit die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er
+wird gebraucht Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen,
+seemännische Arbeiten in der Takelage auszuführen und dergl. So nennt
+man auch den »Stuhl« der an einem Tau fährt, das vom Mast eines
+gestrandeten Schiffes an Land gegeben ist um Schiffbrüchige zu retten.
+
+
+*Bootsmannshellegat*, s. Hellegat.
+
+
+*Bootsmannsmaat*, siehe Maat.
+
+
+*Bootsmannsstuhl*, siehe Bootsmann.
+
+
+*Börtschiff*, das,
+
+ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit regelmäßige Fahrten
+nach einem und demselben Orte (und wieder zurück) macht; »d'r is 'n
+börtfard up Amsterdam inrigt.« Mit bören = tragen von phero, fero, aber
+nicht weil das Schiff die Lasten trägt, sondern weil es ihm *gebührt*,
+regelmäßig zu fahren, nachdem der börtmann oder börtschipper sich einmal
+dazu verpflichtet und die Sache übernommen hat, oder auch, weil das, was
+sich gebührt in der Ordnung, in der Reihe ist: (regelmäßige) Reihenfahrt
+betreibt. Weiterhin bedeutet bört die Reihenfolge nach der sich etwas
+wechselweise zuträgt »de bört is an mi«; »'t is nu min bört«. Brem.
+Wörterbuch: Börtlüde sind die Schmackschiffer, die wöchentlich von
+Bremen nach Amsterdam und Hamburg, in einer privilegierten Anzahl,
+wechselweise fahren müssen.
+
+
+*Bord*, der.
+
+Dieses im Munde des Seemannes so häufig gehörte Wort heißt ursprünglich
+weiternichts wie *Brett* und stammt mit »bören« und der ganzen
+weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas
+Tragendes. Früh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas
+baute, einen Raum einschloß und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des
+Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil für das Ganze genommen und
+*Bord für Schiff* gesagt wurde, doch nicht ohne daß die beiden
+ursprünglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wären.
+
+Ein gemeingermanisches Wort, im gothischen als fötubaurd, Fußbrett,
+Schemel bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch
+bord, Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die
+Bedeutung Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um
+den Rand des Tisches herumsitzt. Und im Altsächsischen hieß bord nicht
+nur Tisch, sondern auch Haus, aus Borden, Bördern gebaut, ähnlichem
+Gedankengang folgend der heute noch anstatt »in meinem Hause« sagt: »in
+meinen vier Wänden, in meinen vier Pfählen.«
+
+Für »*Schiff*« wird bord schon früh, im Angelsächsischen, »on borde« und
+im Altfriesischen gebraucht: »and taegh ne weer inoer boerd«, »und zog
+ihn wieder binnenbords.«
+
+Aus dem althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte
+hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische,
+Portugiesische gegangen, als bord ins Französische, = Rand,
+Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen,
+(mit einem Rande besticken) sticken; das französische (border) broder,
+woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem
+einheimischen alten Sinn. Im Altfranzösischen hieß borde Baracke, davon
+bordele, bordel (ital. bordelle) = Hüttchen, kleine, unansehnliche,
+schlechte (Bretter-) Bude.
+
+Zu vergleichen ist die Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch
+dilo, dil, mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung,
+Zimmerdecke, Bretterwand, (»gedielter«) Fußboden, »Diele«,
+Schiffsverdeck. Vielleicht ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele für
+Deck, Schiffsverdeck gebraucht worden. In der Zollrolle der Gräfin
+Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 heißt es: »Scuta que bordum habet
+debet Comiti duos dinarios; si vero bordo carent, debet Comiti unum
+denarium.« Sartorius und Lappenberg bemerken dazu: »Die Schute mit einem
+(größeren, höheren) Bord ist von größerem Umfange, als die ohne oder mit
+einem kleinen Bord.« Durch diese Erklärung wird aber die Sache nur noch
+dunkler, denn die Begriffe »größer« und »kleiner« sind hineingetragen.
+Es steht da nur von einer Schute die einen Bord hat und von einer die
+keinen hat. Einen Bord im Sinne von Rand muß aber jedes Schiff haben,
+auch das kleinste. So darf man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint,
+so daß ein gedecktes Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu
+zahlen hatte. Diese Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in
+einer Bremer Urkunde von 1312 und 1315 liest: »Si naui, que dicitur eke,
+hoc commiserint, centum, si alia vocata *bortskip*, sexaginta marcis
+etc. etc. debebunt emendare.« Es gab also Schiffe die Bortschiffe
+hießen; da aber jedes Schiff einen Bord hat, so muß etwas anderes als
+Bord, Rand, gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am
+nächsten. Dasselbe gilt für das mittelniederdeutschen Urkunden eigene,
+noch heute in den west- und ostpreußischen Häfen gebräuchliche bordinge;
+Brem. Stat. 1489: »nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn
+legghen oan der slacht (Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld,
+Hafenabgabe) sy dann thovoren entrichtet.« Oldenburgische Urkunde von
+1549: »Ike hadde ene burdinge dat is ein stark schepe als ein punte, dar
+er siene perde mit auer furde«.
+
+S. »an Bord«, »von Bord«, »über Bord.«
+
+
+*borden*,
+
+ungefähr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich an
+jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord)
+liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen
+mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten
+borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt)
+wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im
+Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Receß von 1440
+lesen wir: ... »unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do
+injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so
+grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden
+grote Spansche schepe.«
+
+
+*Borg*
+
+-- in Borgbendsel, Borgbraß, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge, Borgwanttau
+u. a. m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen belieben, wenn wir
+uns gebildet ausdrücken wollen. Der Seemann ist aber bei seinem Borg
+geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um auf alle Fälle,
+auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen, nimmt man eine
+zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe, Borgstenge heißt.
+Breusing tadelt Roeding, daß er nicht gesagt hat, daß dieses Borg nichts
+mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn einmal lag es
+überhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische Untersuchungen
+anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied zwischen Borg in dem
+einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich beide Male um
+Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer mehr ein Pfand
+als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar der Begriff
+Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber doch noch
+vorhanden, und wäre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des
+Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben.
+
+
+*Bottelier*, der.
+
+Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten hat, also eine
+sehr wichtige Persönlichkeit, was schon daraus zu erkennen ist, daß er
+sich nicht Botelir sondern Bottelié nennen läßt, als ob es französisch
+wäre. Und es ist doch gut deutsch. Im Althochdeutschen hieß der Bottich
+botacha, mittelhochdeutsch botige; davon kommt butiglaere, büttiglaere,
+putigler, der Schenk, Mundschenk. Von Bottich kommt Bütte, von Bütte als
+Verkleinerungsform Buttel (Buddel), niederdeutsch Bottel, und hiervon
+kommt Bottelier, nur daß im seemännischen Gebrauch die verengte
+Bedeutung wieder erweitert ist, daß man nicht bloß an Flaschen, sondern
+vor allen Dingen an Fässer denkt, auch wenn sie gar kein Getränk,
+sondern Fleisch oder Butter oder Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der
+Begriff in Westfalen erweitert, wo eine Magd, die auf größeren Gütern
+für das Bier und *die Wäsche* des Gesindes sorgt, Buddeliersche heißt,
+während anderseits der Kellermeister des Abtes von Werden den Titel
+buttelierer führte.
+
+In Holland haben sie ein Sprichwort, das läßt tief blicken. »Als kok en
+bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is.« Lüpkes hat
+das übersetzt: »Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten,
+zanken, hört man (durch ihre wechselseitigen Vorwürfe), wo die Butter
+geblieben ist.« »Kellermeister« ist, da es selbst das vornehmste Schiff
+bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr kühn angewandt,
+wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: »Da weiß kein
+Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist.« Es hätte sehr wohl Bottelier
+können stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der
+»Seemannssprüche« allgemein bekannt.
+
+In seinem großen Werke über Japan erzählt der Deutsche Kämpfer, der aber
+sein Buch holländisch herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei
+in seiner Jugend Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen.
+
+
+*Brabank*, die.
+
+Ursprünglich ein Ort wo seemännische Arbeit getan wurde, an einer Küste
+oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und Werft. Während
+nun Lastadie -- habent sua fata verba! -- so ziemlich aus dem Mund der
+Menschen gekommen ist, hat Werft ein großartiges Glück in der Welt
+gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen, enger
+gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer Werft
+beschäftigten Seeleute bedeutet. »Er ist auf der Brabank, von der
+Brabank, gehört zur Brabank,« das heißt er gehört dem Allgemeinen
+Betriebsdepôt der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende
+Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem
+beschaulichen Geschäft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hieß
+das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Tätigkeit die
+auf der Brakbank ausgeübt wurde nannte man braken. Nun hat Grimm bei
+Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag stammt,
+den Gedanken geäußert, daß vor dem t in braten ein k ausgefallen sei,
+daß also braten für brakten stehe oder das k mit t einfach getauscht
+habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur Gewißheit. Und
+gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu erinnern, er kommt in
+jeder Kinderstube täglich vor, und es gibt ganze Völkerschaften, die die
+beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne daß sie sich dessen
+überhaupt bewußt sind, ob sie ein k, ob sie ein t sprechen. Wenn in
+einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin anstatt Latin sagen
+konnte, dann konnte man sicher auch braten für braken sagen. Und man tat
+es auch. Im Hochdeutschen hieß das Wort und heißt es braten, im
+Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach niederdeutscher Art in
+der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen. In dem »Redentiner
+Osterspiel,« so genannt weil es von einem Ungenannten am 20. November
+1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar vollendet wurde, geht
+Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen ihrer Handwerkskniffe
+und -Betrügereien ins Gericht. Dem Schneider (niederdeutsch scroder oder
+schrodere, daher der weitverbreitete Familienname Schroeder) fällt er
+das Urteil:
+
+ »Desseme schrodere dat syn recht
+ Unde werpet ene an der helle grunt,
+ Dar schal he ligghen so en hunt
+ Unde an der ewighen nette braghen
+ He heft so mennighen man bedraghen.«
+
+Der niederdeutsche Seemann blieb zunächst, sich auf nichts Neues
+einlassend, bei dem gutturalen Laut, nur daß er statt der Media die
+Tenuis nahm und nicht Bragh = sondern Brakbank sagte. Als aber im Laufe
+der Zeit das Hochdeutsche auf seinem Siegeszuge zu mächtig wurde, konnte
+er sich doch einer Änderung, einer sprachlichen Weiterentwicklung nicht
+entziehen. Aber lieber als daß er den beliebten Tausch von k und t
+mitgemacht hätte, machte er kurzen Prozeß, warf den unbequemen
+Konsonanten vor dem b ganz hinaus und sagte in seiner kurzen, bequemen
+Art kurzweg Brabank.
+
+Es hat sich indessen auch noch ein Wort Brakbank erhalten, hochdeutsch
+Brechbank, das aber mit dem unsrigen nichts zu tun hat, wiewohl es auch
+nicht ganz ohne Beziehung zur Seemannschaft ist, denn so heißt ja die
+hölzerne Bank zum Brechen des Haufes, auf der die Schäven gebrochen
+werden, damit sie sich von der Hanffaser lösen. Unser Brabank aber ist
+keine wirkliche Bank, sondern, wie Sandbank, bildlich, für eine erhöhte
+Stelle an einer Küste oder einem Ufer angewandt, und zwar war es ein
+Ort, wo besonders das Dichten und Kalfatern vorgenommen wurde. Ein
+Schiff kalfatern nannte man bragen: »Item wen ein schipper dichten en
+bragen leht.« Im Lübeckischen alten Zunftrecht heißt es; »Idt schall ock
+kein werckmann uf der braeckbank to werkende angenahmen werden, idt sy
+den hie genochsamb vor einen werckmann up der lastadien (Werft) bekandt
+und darto duchtig« (Befähigungsnachweis!). Der Kalfaterer hieß brager.
+
+Nun hieß altnordisch bradha -- so früh schon hatte sich der t-Laut
+verschoben -- theeren, verpichen, mit Theer oder Pech überziehen, bradh
+das mit Ther bestrichene Holz. Wir haben dabei an braten im Sinne von
+heiß machen, wärmen, erhitzen, durch Hitze zum Schmelzen bringen zu
+denken, wie man Speck ausbrät. Der Theer muß erst vom Feuer gleichsam
+gebraten, d. h. flüssig gemacht werden, ehe man mit ihm kalfatern kann.
+Kalfatern (s. d.) thut, trotzdem es erst ihr Hauptgeschäft war, die
+Brabank aber jetzt nicht mehr, das wird von Schiffszimmerleuten, die
+nicht zur Brabank gehören, besorgt. Roeding hatte also die alte Brabank
+noch im Auge, da er vor 100 Jahren schrieb: »Ein am Ufer befindlicher
+Platz, der mit Spillen, Gienen und anderem Zubehör versehen ist, um
+daselbst Schiffe zu kielholen.«
+
+Wie Lastadie als Straßenbezeichnung erhalten geblieben ist, so muß es in
+Danzig eine Straße oder einen Platz des Namens Brabank geben.
+
+Eine auffallende Ähnlichkeit hat das bretonische rabank, es hat aber
+nichts mit Brabank zu tun, sondern kommt von rap = Reep.
+
+
+*Bewulen* s. Wuling.
+
+
+*brack*,
+
+salzig, bitter, trübe, schlammig, verdorben, schlecht, unbrauchbar.
+Brackwasser ist Süßwasser mit Salzwasser gemischt, also zum Trinken
+unbrauchbar. Dann übertragen auf andere unbrauchbare Dinge, verdorbene
+Waren, nicht vorschriftsmäßige Lieferungen oder nicht verwendbare Teile
+einer solchen; bracken heißt dergleichen Gegenstände als brack
+bezeichnen, condemniren, ausmustern, verwerfen. Schon Kilianus hat das
+Wort brack in beiden Bedeutungen: »salsus, aquae marinae saporem quodam
+modo referens« und brack goed, »merces submersae, salo sive aqua marina
+corruptae.« Die Bedeutung ist also ursprünglich: »durch Salzwasser
+verdorben«, dann überhaupt verdorben. Und zwar hat der Gedanke an bei
+einem hereinbrechenden Unglück hereinbrechendes Meerwasser den Ausschlag
+bei der Benennung gegeben. Das Wort kommt also von brechen; an
+Schiffbruch und Deichbruch ist zunächst zu denken und dann an die
+dadurch verursachte Beschädigung.
+
+Das »Bremer Wörterbuch« schreibt: »Brack = Salzwasser mit Flußwasser
+gemengt. »Brakke Grund« ein Boden der salziges Wasser gibt.« Und daher
+soll Brake an der untern Weser seinen Namen haben, »weil Wasser, was auf
+diese Weise vermengt ist, gebrochen pflegt genannt zu werden.« Kaum,
+sondern Brack, Brake ist eine Stelle wo einmal ein Deich gebrochen war.
+S. a. *Wrack*. Die Bedeutung kommt nach Sinn und Form unserem
+»Gebrechen«, »gebrechlich« nahe.
+
+
+*Bram*
+
+= Bramstänge, Bramrahe, Bramsegel, Bramtuch, Bramsaling, Bramtoppnanten,
+Brampardunen, Bramschoten, Bramwanten, Brambulin, Bramfall, Brambraß,
+Bramleesegel, überhaupt: Bramgut. Alle diese Wörter -- in deren
+Zusammensetzung je das zweite Wort an seiner Stelle nachzusehen --
+erklären sich aus ihrer Verbindung mit der Bramstänge. Es gilt also das
+*bram* in diesem Worte zu erklären. Bekanntlich ist die Bramstänge die
+Fortsetzung der Marsstänge nach oben. Sie war früher, ehe die
+Oberbramstänge erfunden war und ist auf Schiffen, die solche nicht
+führen, der höchste, obere Teil des Mastes.
+
+In Holland sagt man von einem Manne, der bei uns Großhans heißt, der
+also »den grooten heer uithangt«, er sei ein »heelen bram,« er sei hoch
+gestochen. Dies bram heißt hoch. Es stammt von der »Hasenheide«, die hin
+und her in ganz Europa an Feldrainen, auf Waldlichtungen, auf dürrer
+Heide wächst und, außer Hasenheide, noch Pfriemenkraut, Brämme, Bräme,
+Bram heißt, spartium scoparium L. Die uns bekannteste Art ist die mit
+den grünen, dünnen, schwanken Reisern und den gelben, weithin
+leuchtenden Schmetterlingsblüthen. Sie heißt vielfach Ginster. In
+Frankreich genêt (von genista) und hat Verwandte die als Ziersträucher
+dienen. Ein Reis (plant) dieses genêt pflegte Gottfried von Anjou an
+seinen Helm zu stecken, woher der berühmte Name Plantagenet. Wir machen
+Besen aus dem Ginster und nennen es Besenginster, jedoch nur auf
+hochdeutsch. Das Volk sagt Bräme oder Bram, auch wohl Bremme,
+(»Wirtshaus zur goldenen Bremme« bei Saarbrücken kriegerischen Andenkens
+vom Sommer 1870), Brom in Brombeere ist damit gleicher Abstammung.
+Althochdeutsch hieß prama, brama, mittelhochdeutsch brame Dornstrauch,
+stachligter Strauch, Brombeerstrauch. Sehr bezeichnend, denn die
+Grundbedeutung von Bram ist spitz, scharf, stechend, vorstehend,
+vorragend, Spitze, Höchstes, Äußerstes. Die Bramstänge heißt also so als
+Spitze, Höchstes, Äußerstes des Mastes und überhaupt des ganzen
+Schiffes. Der Name kommt demnach nicht sowohl von der Gestalt einer
+dünnen, langen, schwanken Ginster = Dornenstrauch- oder Brombeergerte,
+sondern von dem Hinaufstehen, Hervorragen, Aufwärtsstreben der Reiser.
+Wäre jenes anzunehmen, dann wäre Bramstänge eine Tautologie. Nicht als
+ob solche nicht denkbar wäre, es giebt ihrer genug, aber einfacher und
+klarer ist doch das Bild, wenn wir die Vorstellung »hinaufragen«
+festhalten.
+
+
+*Bräm*, der.
+
+Vergl. Bram; dieses heißt nicht nur das Höchste nach oben zu, sondern
+auch das Äußerste nach außen zu, also nicht bloß Anhöhe, sondern auch
+Ufer, Küstensaum, Saum eines Gewandes, Rand, Rand einer Mütze,
+Mützenbräm der Offiziere etc. Da dieser Mützenbräm der Väter mit Pelz
+besetzt war, so sagt man: Die Mütze war mit Pelz verbrämt, wie man auch
+von einem verbrämten Kleide spricht, wenn der Saum besetzt ist. (Sogar
+Augenbraue und Augenwimper kommen von Bram. Mittelhochdeutsch hießen sie
+augbram und windbram, Rand über dem Auge, Schutz des Augenrandes vor dem
+Winde.)
+
+
+*Brandung*, die.
+
+Die Bewegung der an einer Küste, einem Felsen etc. etc. sich brechenden
+Meereswogen. Schon im Beówulf kommt brant, bront vor für tosend,
+schäumend, von Schiff und Flut gebraucht. Es ist bei der Benennung
+ausgegangen von dem was das Ohr hört, nicht von dem was das Auge sieht,
+denn Brandung ist mit Brand dasselbe Wort, und man hat dabei an das
+Geräusch des Brennens, das Brausen, Zischen und Gischen einer
+Feuersbrunst zu denken. Das Zeitwort dazu heißt *branden*, vom
+niederdeutschen brannen = brennen und von Brandung beeinflußt. In
+Ostfriesland gebraucht das Volk das Wort Brandung selten oder nie, sagt
+vielmehr See.
+
+Daß das Geräusch den Ausschlag gab, geht aus dem Altnordischen,
+Angelsächsischen und Altenglischen hervor, wo Brandung brim heißt, von
+breman, brummen, brausen, lateinisch fremere, griechisch bremein.
+Indessen kommt schließlich alles auf eines hinaus, denn im Sanscrit
+heißt bhramas prasselnde Flamme.
+
+
+*Brander*, der,
+
+heißt eigentlich Brenner. Die Form ist niederdeutsch, in Anlehnung an
+Brand und brannen = brennen. In Holland heißt ein Mann der irgend etwas
+brennt, sei es Kaffee, Branntwein oder Backstein ein brander.
+Seemännisch, ein Schiff das anderen sich brennend naht um sie in Brand
+zu stecken.
+
+
+*Brass*, die.
+
+Das Tau an der Nock der Rahe mit dem diese gebraßt d. h. vorwärts oder
+rückwärts bewegt wird, je nachdem die Segel nach dem Winde gerichtet
+werden müssen. Die beiden vom Mast abstehenden Teile einer Rahe gleichen
+zwei ausgebreiteten Armen. Daher ist anzunehmen, daß das Tau an solchem
+Arm mit dem lateinischen und griechischen Worte für Arm, brachium,
+brachion, verwandt und durchs Romanische zu uns gekommen ist.
+Französisch brasse, Klafter, Schnur, Seil; provençalisch brassa,
+spanisch und portugiesisch braza, Klafter (was man mit den Armen fassen,
+greifen, umfassen kann); englisch brace, Tragband, Handhabe; diese
+letztere Bedeutung würde dem Gebrauche von Braß als Handhabe am Ende der
+Rahe am besten entsprechen. Das seemännische Braß heißt französisch
+bressin, weil das den Namen tragende Tau am bras (Arm) befestigt ist; es
+müßte daher eigentlich brassin lauten; aber brassin hieß schon das
+Gebräu, und davon sollte es unterschieden werden.
+
+*Anbrassen* heißt so brassen, daß das Segel mit der Luvseite weiter nach
+vorn kommt, aufbrassen, daß es weiter nach hinten kommt.
+
+*Brassen und toppen* heißt nach einem Segelmanöver, im Hafen aber vor
+der Morgenmusterung die gesamte Takelage einer genauen Besichtigung
+unterziehen und, wenn nötig, in einen tadellosen hafenmäßigen Zustand
+bringen; besonders jede Rahe in den rechten Winkel zur Längsachse des
+Schiffes brassen und sie in den rechten Winkel mit ihrem Maste toppen.
+
+
+*Bratspill*, das.
+
+Vorrichtung einfacher Art zum Ankerlichten. Muß eigentlich heißen
+Bratspitt = Bratspieß, weil es wie ein solcher gedreht wird. Da aber die
+Vorrichtung wie das Spill gebraucht wird, so lag die etymologisierende
+Veränderung in Bratspill, als Anlehnung an den stärker gewordenen
+Begriff nahe. In Holland heißt das Werkzeug -- eine horizontale hölzerne
+Welle -- braadspit; das englische windlass und das französische vindas
+haben das Bild einer hölzernen Welle oder Achse, die oder mit der man
+windet, ebenfalls deutlich festgehalten. In der »Beschriving van der
+Kunst der Seefahrt«, Lübeck, 1678 steht: »weil die Pallen von das
+Bratspieß weg wahren.«
+
+
+*Breitfock* (Brefock), die.
+
+Wenn Schiffe, die für gewöhnlich nur Gaffel-, Spriet- oder Gieksegel
+(Schratsegel) führen, vor dem Winde fahren, so setzen sie ein breites,
+viereckiges Rahsegel -- das einzige das sie setzen können; -- es
+befindet sich -- nach Roeding -- an der Bagienrahe, (die am Großmast
+angebracht ist, weil ein Kreuzmast nicht vorhanden). Dieses Segel heißt
+Breitfock, da es dem achterlichen Winde eine möglichst breite
+Angriffsfläche darbieten soll um besser ziehen (s. Fock) zu können.
+
+
+*Briese*, die.
+
+Das Wehen des Windes, besonders wenn er nicht zu stark weht. Man sagt
+zwar »es briest auf« oder »es briest tüchtig« und spricht von einer
+frischen, kräftigen, strammen Briese, aber sobald der Wind zum Sturm
+anwächst, wird er nicht mehr Briese genannt. Da in England breeze ein
+sanfter Wind, in Italien brezza ein kalter, windiger Nebel, in Spanien
+bisa der Nordostwind heißt und in letzterer Sprache bisa und brisa
+gleichbedeutend sind und neben einander gebraucht werden, so mag Briese
+nur eine andere Form für Biese, Bise (s. d.) sein. Wenigstens fällt es
+schwer, das Wort mit dem niederdeutschen brusen, brausen, oder mit dem
+niederländischen brysen, brechen, zusammenzubringen, es müßte denn sein,
+daß man sich eine »spiegel«-glatte See vorgestellt hätte, deren Spiegel
+von der aufkommenden Briese »gebrochen« und mit Katzenpfötchen bedeckt
+wird.
+
+
+*Brigg*, die,
+
+ein Segelschiff mit zwei mit Rahen versehenen Masten. Das Wort kommt
+-- wie wohl auch die Sache -- aus dem Mittelmeer. Die Grundbedeutung ist
+Unruhe, Geschäftigkeit. Italienisch briga, Lärm, Getümmel, Geschäft,
+brigare, eifrig streben, dringend bitten, brigata, Gesellschaft, Rotte,
+Heerschaar, (Brigade); brigantino Raubschiff, Seeräuberfahrzeug. In
+diesem Sinne ist es zuerst ins Deutsche gekommen, oft mit der Umstellung
+Bergantine; so hat es schon Kilianus: bergantine = navis piratica. Es
+liegt auf der Hand, daß ein Seeräuberschiff ein schnelles Fahrzeug sein
+mußte, das der ehrliche, »erlaubte« Handel (»Nahrungszweig«) sich zum
+Muster nehmen konnte. Das hat er auch getan, aber das Wort war dem
+niederdeutschen einsilbigen Seemann zu lang, er kürzte es ab in Brigg.
+
+
+*Brille*, die.
+
+Was eine Brille im Munde des Seemanns bedeutet ergibt sich am
+deutlichsten aus der Beschreibung der *Brille für den Aussenklüverbaum*
+bei Dick und Kretschmer. Sie »besteht aus einem vierkantigen und einem
+runden Teil; beide Teile sind durch einen Steg mit einander verbunden.
+Die Brille wird mit dem Vierkant so über die Nock des Klüverbaums
+gestreift, daß der zur Aufnahme des Außenklüverbaums bestimmte runde
+Teil sich am Steuerbord befindet.« Also eine Art von Eselshaupt. Der
+runde Teil, der Einfassung einer alten runden Brille ähnlich, hat den
+Namen veranlaßt. Brille stammt von dem Edelstein beryllus, der zuerst
+als Zauber- und Wahrsageglas diente, dann als Sehglas geschliffen zur
+Unterstützung schwacher Augen; zunächst für *ein* Auge, dann für beide.
+
+
+*Brook*, die,
+
+ein Tau oder ein Geflecht von dünner Leine, dazu bestimmt, etwas
+festzuhalten und zu sichern damit es an seiner Stelle bleibe; auch ein
+Stück geteertes Segeltuch vor einer Öffnung befestigt, in die kein
+Wasser eindringen soll. Verleihung von Festigkeit und Schutz ist also
+der Zweck einer Brook. Beides wird dem menschlichen Leibe durch die --
+Hose gewährt, namentlich wenn sie nicht mit Hosenträgern getragen,
+sondern durch einen Gürtel oder, wie beim Seemann üblich, durch einen
+enganliegenden Hosenbund gehalten wird. Hose heißt aber niederdeutsch
+Brook; ein sehr altes Wort, das bei den Römern braca hieß, aber als
+Fremdwort bekannt war, wie denn auch nicht nur die Perser, sondern auch
+die Germanen und die Gallier unter dem gleichen Namen ein Kleidungsstück
+trugen das nicht nur den Beinen Schutz, sondern auch den Hüften Halt und
+Festigkeit verlieh. (Hosen-) Gurt wird also die Hauptbedeutung des
+Wortes am sinngemäßesten wiedergeben.
+
+
+*Buchse*, die,
+
+wird im seemännischen Sprachgebrauch vielfach anstatt Büchse gesagt;
+Beweis, wie sehr dieser am Alten auch da festhält, wo das ihm so nahe
+liegende Niederdeutsche Weiterbildung mitgemacht hat. Denn das vom
+griechischen pyxis (aus puxos Buchs, Buchsbaum) stammende Wort, das
+mittelhochdeutsch buhse, mittelniederdeutsch busse hieß, hat sogar im
+Neuniederdeutschen den Umlaut angenommen (büsse) den die Seemannssprache
+bisher mit Erfolg abgelehnt hat. Das englische box wird auch in
+deutsch-seemännischen Munde oft gehört, sogar (scherzweise) für Kammer,
+um die Enge einer solchen zu kennzeichnen.
+
+
+*Bucht*, die.
+
+1. Die Biegung eines aufgeschossenen oder sonst »gebogenen« Taues. 2.
+Bucht im neuhochdeutschen Sinne eines kleinen Meerbusens, Ort wo die
+Küste sich einbiegt. Nach Heyne ist das Wort erst im 18. Jahrhundert aus
+Niederdeutschland in die hochdeutsche Schriftsprache gedrungen. So hat
+also das Niederdeutsche diesen althochdeutschen Besitz vor dem Verluste
+gerettet, denn von dem althochdeutschen biogan biegen gab es schon in
+alten Zeiten ein Substantivum biugo = sinus.
+
+
+*Bug*, der.
+
+Der vorderste, stark gebogene Teil des Schiffes; die Biegung ist das den
+Ausschlag bei der Benennung Gebende. Das hat Weigand (I. 278) zwar
+geleugnet, indem er sagt, bug käme nicht von biegen wegen des uo im
+althochdeutschen und mittelhochdeutschen buoc; aber ohne Erfolg, denn
+woher soll das althochdeutsche buog, das obere Gelenk des Oberarms und
+des Schenkels, anders kommen als von biogan? Gothisch biugan, biegen und
+beugen; Sanscrit bhug, inflectum esse (gekrümmt). Es ist behauptet
+worden: »Die uralten Bezeichnungen von Körperteilen wie Arm, Bug, Herz,
+Nase, Niere etc. etc. beruhen auf dunklen Wurzeln, von denen wir
+nirgends mehr eine Spur finden; sie gehören eben zum allerältesten
+Wortbestande der indogermanischen Sprache.« Für Bug liegt aber die
+Annahme einer Wurzel die biegen bedeutet so nahe, daß man sich ihr nicht
+entziehen kann. Auch Bogen ist verwandt, altdeutsch bogo, boge =
+Halbkreis, Waffe, Sattelbogen; niederländisch boog, wozu Aubin bemerkt:
+»ce mot se dit de toutes les choses qui se sont en ligne courbe.« Bug
+heißt niederländisch allerdings nicht boog sondern boeg, aber Weiland
+sagt: »boeg van buigen, het voorste gedeelte van een schip, waar het
+sterk gebogen is.«
+
+Kilianus gebraucht bocht und boech als völlig gleichbedeutend.
+
+Angelsächsisch bôg, englisch bough. In der Edda wird für Biegung,
+Krümmung, bugr gebraucht.
+
+»Über den Steuerbord-, über den Backbordbug anliegen oder segeln« heißt:
+Das Schiff liegt auf der Steuerbord-, auf der Backbordseite am Winde,
+segelt mit der Steuerbord-, mit der Backbordseite der Segel beim Winde.
+Das sind zwei sehr verschiedene Fälle; will der Seemann aber sagen: »auf
+alle Fälle«, so sagt er: »über jeden Bug«, auch da wo es sich nicht um
+Seemannschaft handelt; Groningen: »Hy prebjerret it op alle bugen um rik
+to wirden.«
+
+
+*Bugsieren*,
+
+ein Schiff durch ein anderes schleppen, in dem der schleppende Dampfer
+die schleppende Troß, die an seinem Heck belegt ist, am Bug des zu
+schleppenden Schiffes festmacht. Wenn das s nicht wäre, so könnte man
+annehmen, das ieren sei einfache Endung, so aber muß an eine
+Zusammensetzung gedacht werden. Diese ergibt sich aus dem Holländischen
+und Ostfriesischen, wo sjoren, festmachen, sjuren, ziehen, schleppen
+bedeutet. Man hat also die Wahl, anzunehmen daß bugsieren vom
+holländischen sjoren kommt und von Bug, so daß also das Wort hieße: »ein
+Tau am Bug festmachen,« oder vom ostfriesischen sjuren und Bug, so daß
+es hieße: »ein Schiff an seinem Bug ziehen, schleppen«; vielleicht haben
+auch beide Bedeutungen in einander gespielt.
+
+Eine eigenartige Form hat der Übersetzer der »Durchlauchtigsten
+Seehelden,« Sulzbach 1681, dem Worte gegeben. Er beschreibt die
+Seeschlacht bei Lepanto und gibt an, daß die Nachhut der Christen unter
+dem Marquis de Santa Cruz Alvaro Bacciano hauptsächlich aus Galeazzen
+bestanden habe, »von denen jedwede sechs und fünfftzig grosse
+Stück-Geschütz, zwölffe in den Vordertheil, zwölffe in den Hindertheil,
+und sechzehn an jedweder Seite, und sechs hundert Fuß-Knechte auf
+hatten, ... und weil sie so schwer waren, hat man, damit sie nicht
+dahinten bleiben sollten, sie nahe an den Feind büchsiren oder
+fortziehen lassen, daher sie auch die ersten waren, welche auf den Feind
+ohne Verhinderung der andern Galeyen zu schießen begunten.«
+
+
+*Bugspriet*, das,
+
+eine Art Mast, nur daß er nicht aufrecht steht, sondern im Winkel
+geneigt über den Bug hinausragt. Spriet heißt eigentlich Spieß, Stange,
+Spiere, Baum; auch die Stange die diagonal in das deshalb Sprietsegel
+genannte Bootssegel gesteckt wird um es auszubreiten. Es ist darum
+schwer zu entscheiden, ob es von spriotan = sprießen oder von spritan =
+spreizen kommt; der Bedeutung nach wäre beides möglich. Das französische
+beaupré ist aus Bugspriet mundgerecht gemacht.
+
+Im Niederdeutschen früher bochspreeth und bockspreet, bochspreth; »und
+syn bochspreth qwam in Klawes Wendes focken tackel to staende. Do lepen
+twe boesmans (Matrosen) van den unsen int focken tackel und houven eme
+dat stach und bolynen van synem bochsprete« ... In einer Verklarung am
+31. Oktober 1564 zu Bremen abgelegt heißt es: ... »erschenen F. W. und
+bekennet onde getuget, dat vorleden sonnauend den 12. October sick ein
+storm erhauen, ond sy datsulnige mall J. R. by A. G. sinem schepe
+hengedreven, ond also he jegen gedachten A. G. schip gekamen, sy J.
+bochspreeth in A. bachstaken geraket.« In einer zweiten Verklarung über
+denselben Fall heißt es: »doch nichtes desto weniger J. R. mit synem
+bockspreet in ohre hovettow gedreuen sy.« (Schiller und Lübben VI. 26).
+
+
+*Buhne*, die,
+
+ein Flechtwerk von Reisig zum Schutze eines Ufers, einer Küste gegen das
+Wasser. Es ist im Grunde genommen nur eine andere Form für Bühne. Dieses
+heißt Bretterboden, Boden eines Hauses, Decke eines Zimmers, bretterne
+Erhöhung, Bretterverschlag, Bretterverkleidung, und eine Verkleidung
+bildet auch die Buhne, nur daß sie nicht aus Brettern sondern aus
+Reisern hergestellt ist. Es bedeutet auch Fischzaun und Fischkasten, und
+zwar einen solchen auch wenn er aus Brettern hergestellt ist, so wie
+auch ein aus Brettern hergestellter Uferschutz noch Buhne genannt wird.
+
+
+*Buk* = Bauch.
+
+
+*Bulin*, die,
+
+ein Tau das an der Seite eines Rahsegels ungefähr in der Mitte des
+stehenden Lieks befestigt ist und dazu dient, das Segel steif beim Winde
+zu halten und seinen Bauch möglichst weit nach vorne zu holen, damit das
+beim Winde segelnde Schiff möglichst viel Wind in seine Segel bekomme
+und größere Fahrt mache. Da die Bulin an einer sehr gebogenen Stelle des
+Segels sitzt, so ist anzunehmen, daß sie vom Biegen den Namen habe; und
+wirklich hieß sie früher auch Buglin; Kilianus schreibt boech-lyne.
+
+Davon das französische bouline; á la bouline, beim Winde.
+
+Die Befestigung der Bulin am stehenden Liek erfolgt durch
+*Bulinsspruten*, Verbindung von zwei oder drei einfachen Stroppen,
+welche den Zug der Bulin auf einen großen Teil des Lieks verteilen,
+ausbreiten, aus*spreiten* sollen.
+
+
+*Bumboot*, das,
+
+ein Boot in dem Händler allerlei Lebens- und Genußmittel feilhalten oder
+an Bord bringen, Obst, Gebäck und dergleichen Dinge, die in der
+Bordverpflegung nicht vorgesehen sind. Das Wort kommt nicht etwa von
+pumpen, wiewohl Bumbootsleute leider manchmal auch borgen, sondern ist
+mit Buhne verwandt, im Sinne von Fischkasten. So hieß ein Boot mit einer
+Buhne Bun- oder Bumboot, und zwar in Flandern und Südholland, wo
+dergleichen Fischerfahrzeuge gebräuchlich sind. Sie werden aber auch als
+Lootsenfahrzeuge benützt und eignen sich, grade wegen der Buhne, dem
+Fischtank in der Mitte, besonders zum Aufstapeln und Feilbieten von
+Verkaufsgegenständen. Englisch bumboat, a boat for carrying provisions
+to a ship at a distance from shore. Doch ist letzteres nicht mehr ganz
+zutreffend, da es jetzt auch Bumbootsleute, namentlich Bumbootsfrauen
+gibt, die nicht at a distance from shore ihr Wesen treiben, die gar kein
+Boot; geschweige denn ein Bumboot besitzen oder benützen, sondern
+einfach ihre Waren in einem abgelegten Kinderwagen längsseits eines am
+Bollwerk oder dem Kai liegenden Schiffes bringen. Der Name aber,
+Bumbootsmann oder Bumbootsfrau, ist geblieben.
+
+
+*Bullei*, das,
+
+eine kleine, runde Scheibe von dickem Glas im Deck selbst, im
+Decksfenster, besonders aber auch in der Bordwand zum Einlassen des
+Lichtes. Aus dem englischen bull's-eye gebildet, = Ochsenauge. Auge wird
+in den verschiedensten Bedeutungen bildlich und in übertragenem Sinne
+gebraucht, sodaß uns die Aufnahme in die Seemannssprache nicht wundern
+kann, s. Ochsenauge.
+
+
+*Bullentau*, das.
+
+Man benützte früher besonders eingerichtete Prähme, Hulke, abgetakelte
+Kriegsschiffe etc. etc. um ein Schiff das gekielholt werden sollte auf
+die Seite zu legen. Sie hießen Bullen, weil sie sehr stark und steif
+sein mußten wie der Nacken eines Stiers. Das andere Schiff ward mit sehr
+starken Tauen auf die Seite gezogen, die Bullentaue hießen. Als die
+Bullen selbst schon lange nicht mehr gebraucht wurden, nannte man die
+Taue, die irgendwo zur Verstärkung, zur Aushilfe, zu besonderer
+Befestigung in besonderem Falle dienten, immer noch Bullentaue.
+
+
+*Bund, türkischer*,
+
+eine Takelung am Ende eines Taues, besonders eines Strecktaues, das
+Besuchern des Schiffes in die Hand gegeben wird zum Festhalten und das
+darum etwas eleganter getakelt ist in Gestalt eines Turbans, wofür schon
+seit Jahrhunderten der Ausdruck »türkischer Bund« in Deutschland in
+Gebrauch ist. Wenn nur das Aufdrehen des abgeschnittenen Endes vermieden
+werden sollte, so würde ein Hundspünt (s. d.) genügen; der türkische
+Bund wird also aus Schönheitsrücksichten gemacht.
+
+
+*Bunker*, der.
+
+Kohlenbunker sind durch eiserne Schotte abgegränzte Schiffsräume die
+zur Unterbringung des Schiffsbedarfs an Kohlen dienen. Durch die großen
+Fortschritte des Dampfes haben die Bunker eine noch vor wenig
+Jahrzehnten ungeahnte Vergrößerung erfahren. Etymologisch hängt das Wort
+mit Buhne zusammen in der Bedeutung Brettergestell, Bretterunterlage für
+die Ladung, dann Laderaum, manchmal auch das in demselben Befindliche,
+die Ladung selbst. So wurde das Wort bonik, bonk, bunk im Mittelalter
+gebraucht, wie aus zahlreichen Zeugnissen erhellt. In einer
+Hansa-Urkunde von 1225 heißt es: »Item aliquis veniens cum navi ad
+portum tytulo vendicionis aperit et dividit res suas, quod sie
+nominamus: ofte he sinen bonich breket, vendens aliquam partem rerum
+suarum« ... Eine Apenrader Skraa sagt: »item, eyn schipman, de eyn
+schiphere heth onde de mit em in deme schepe sin, de en open eren bonnyk
+nicht, er se vornoghed hebben dat schiplon«, (lat. Text: »item, nauta
+dictus skipher et secum in navi existentes sua bunkae non aperiant,
+antequam satisfactum fuerit pro naulo.«) Hansa-Urkunde von 1364: »were
+dat een bonk ghebroken worde in den schepen, dat gut, dat men upschepet,
+unde dut in den schepen blift, schal haluen tollen gheuen.« Hansa-Receß
+von 1388: »it., en schal men nen gud by westen der Maase utschepen umb
+ostwert to vorende. Men werit, dat en schipher qweme by westen der Maase
+in Zeland, de mach dar synen bonnik breken und bringen dat gud by sworen
+eeden tho dem stapel.« In einer dieser Formen und in der Bedeutung
+Laderaum ist zur Hansazeit das Wort nach England gekommen, wo es bald
+teils in eingeschränktem teils in erweitertem Sinne mehrfache Verwendung
+fand und sich einbürgerte. So heißt denn nun im Englischen bunk: »a
+wooden box or case, serving as a seat during the day and a bed at
+night;« bunker aber heißt: »a bench or sort of chest that serves for a
+seat«; also eine Sitzbank die zugleich als Aufbewahrungsraum diente, so
+an die Bordwand gebaut aus Brettern, daß die Vorderwand und der Sitz
+grade waren, die von der Bordwand selbst gebildete Rückwand wegen der
+Gillung aber schief zulief, der Raum unten also nicht so breit war wie
+oben. (Noch heute wird auf kleinen und kleinsten Schiffen der Raum so
+ausgenützt). Diese chest diente zur Aufbewahrung, zum »Verstauen« von
+allen möglichen Dingen, auch von Kohlen zum Kochen der Speisen. Als aber
+Kohlen für die Dampf- und mancherlei anderen Maschinen gebraucht
+wurden, da war es mit der Sitzgelegenheit bald vorbei, denn die Bunker
+nahmen immer größeren Umfang an und wurden stattliche Räume, deren eine
+Wand aber immer noch mit der Bordwand zusammenfällt, und ihre Gillung
+mitmacht, da sie zwischen Maschine und Bordwand angebracht zu werden
+pflegt.
+
+In der Zeit des siegreich vordringenden Dampfes ist denn das alte
+deutsche Wort in der neuen, fremd erscheinenden Gestalt Bunker und in
+der beschränkten Bedeutung Kohlenbunker wieder heimgekehrt, nicht mehr
+Ladung im Allgemeinen, sondern nur Laderaum für die zum Schiffsgebrauch
+dienenden Kohlen bezeichnend.
+
+Im Jahre 1898 tauchte plötzlich das Zeitwort »bunkern« auf. Irgend ein
+Seemanöverberichterstatter hatte sagen hören: »morgen füllen wir unser
+Bunker (mit Kohlen) auf,« und dachte, vielleicht weil ihm flunkern so
+geläufig war, diese Tätigkeit heiße seemännisch bunkern; war er aber
+seemännisch gebildet, und wußte daß das Wort bunkern gar kein Wort war,
+so mag er den Drang in sich gefühlt haben eine große Tat zu tun und
+setzte das geschmackvolle Wort als eigene Zeugung in die Welt. So ward
+denn mit einem Male in den verschiedensten Zeitungen bunkern den
+Nichtseeleuten als ein seemännisches Wort versetzt. Es scheint aber
+schon wieder im Verschwinden gepeilt werden zu können und wird
+hoffentlich bald wieder der Vergessenheit anheimgeben worden sein; man
+könnte sonst ebenso gut anstatt ernten auch scheuern, anstatt dreschen
+flegeln und anstatt schreiben federn sagen.
+
+
+*Bunsch*, der,
+
+= Bündel, von binden, vergl. v. Strombeck, Mar.-Rundschau 1899 p. 1127:
+»Nach dem Setzen (des Großsegels) die Läufer der Fallen und Taljen
+aufschließen (verdruckt für aufschießen), die Zeisinge in kleine Bunsche
+legen, die Bezüge klar zum Verstauen im Segelraum zusammenlegen.« Ein
+Wort das nur mundartlich vorkommt, und zwar in Niederdeutschland, ein
+Bunsch Garn, ein Bunsch Wolle; während man in Hochdeutschland Gebund
+sagt, ein Gebund Flachs etc. etc. Etwas zusammengebundenes oder
+wenigstens etwas das so zusammengelegt ist, daß es wie zusammengebunden
+aussieht.
+
+
+*Büse*, die,
+
+ein Schiff zum Heringsfang, Heringsbüse, stark gebaut, früher mit zwei
+Masten, jetzt nur mit einem. Mittelniederdeutsch buse, butze; »de
+Hollander, de do in der ze weren up den herynk vank wol mit dre hundert
+bussen, vif vredeschepen (Kriegsschiffe, Fischereischutz!) darbi.«
+(Lüb. Chronik). »Bertoldus Schulenberg recognouit, quod Nicolao
+Schulenberge pertineat in dimidio nauis secilicet butza de XVI lestis.«
+(Wismar 1329). Nach Diez kommt es aus dem Lateinischen, ist aber dann
+bereits sehr früh entlehnt, da es schon im Angelsächsischen bus hieß (in
+der Zusammensetzung bus-carlas Schiffskerle, Schiffsleute)
+Niederländisch buis; englisch buss, »a small vessel, from 50 to 70 tons
+burden, carrying two masts (also ungleich den Emder Heringsbüsen) and
+two sheds or cabins, one at each end, used in herring-fishing.« »Really
+the same word as box« fügt das Imperial Dictionary hinzu; kurz und
+bündig, ob aber ganz richtig?
+
+Mittellateinisch bucia, buza, (während box damals buxis und poxis hieß,
+aus griechisch puxos, Buchs, Buchsbaum) provençalisch bus, altspanisch
+buzo, altfranzösisch busse, buse, buce.
+
+
+*Buserun*, der,
+
+eine Bramtuchjacke, vom Hals bis zu den Hüften reichend, beliebtes
+Kleidungsstück der Seeleute, in Österreich »Bordleibel« genannt. Ein
+zusammengesetztes Wort. Rune, Run heißt in Ostfrießland eine Jacke, die
+als Überwurf zum Schutze bei der Arbeit getragen wird. Buse kommt
+jedenfalls von busen, welches ebenfalls in Ostfriesland im Sinne von
+ungestüm sein, sich stark bewegen, sich ausdehnen, schwellen blähen
+gebraucht wird; sei es nun, daß dabei direkt an busen gedacht ist, sodaß
+ein sich bauschendes, vom Winde aufgeblähtes Kleidungsstück gemeint ist,
+sei es daß es ein den Busen bedeckendes Gewand darstellen soll, in
+welchem Falle die Verwandtschaft doch dieselbe bleibt, da Busen
+ebenfalls etwas Schwellendes bedeutet; etwas Sichausdehnendes,
+Gerundetes. Ich möchte mich für Ersteres entscheiden, so daß das Weite,
+Faltige den Ausschlag gegeben hätte, zumal es im Mittelniederdeutschen
+ein Wort buys gab, das schon allein für sich weites, faltiges Obergewand
+hieß. In diesem Falle wäre die Zusammensetzung tautologisch, aber das
+teilt sie mit Pijacke und manchem anderen seemännischen Worte. Gegen den
+Gedanken an »Busen« könnte auch der Umstand sprechen, daß dieses jetzt
+meist »bossem« gesprochen wird und auch im Mittelniederdeutschen schon
+überwiegend bosem hieß, wofür leicht viele Zeugnisse beizubringen wären,
+da Busen im juristischen Sinne die direkt ab- oder aufsteigende
+Verwandschaft hieß und in vielen Rechtsurkunden vorkommt. (Partus
+sequitur ventrem, das Kind folgt dem Busen).
+
+Zudem wird das Wort oft Buscherun ausgesprochen und das bringt es dem
+Begriff »bauschen« noch näher. Es ist nicht nur in Friesland, sondern
+bis in das ostpreußische Seegebiet hinauf in Gebrauch und heißt dänisch
+busserunne (nach einer schriftlichen Mitteilung eines Königl.
+Navigationslehrers, der früher Ostseekapitän war).
+
+Häufig in der Dimitutivform »Busseruntje«, »Busserunchen.«
+
+
+*Butluv*, das.
+
+»So heißt eine Art starke Spier, welche vorne an beiden Seiten des
+Gallions in der Richtung aus dem Schiff liegt, welche die Fockrah hat,
+wenn man dicht beim Winde segelt.« (Roeding.) Durch das Butluv fährt der
+Fockhals. Buten heißt draußen; Butjadingen das Land »buta Jada«
+(jenseits der Jade, von Rüstringen aus gesehen); ein butenkierl ist ein
+Fremder (schon im Teuthonista butenmynsch) und als solcher für jeden
+Ostfriesen verdächtig.
+
+Luv heißt in seiner ursprünglichsten Bedeutung einfach ein Stück Holz,
+ein Pflock, eine Stange, ein Balken, und in diesem Sinne ist es hier
+gebraucht (s. Luv.)
+
+
+
+
+C.
+
+(Vergl. K.)
+
+
+*capsizen*
+
+wird als Fremdwort manchmal für Kentern gebraucht; englisch capsize, to
+upset or overturn. Die Engländer wissen aber selbst nicht, woher dieses
+ihr Wort kommt. Es drängt sich der Gedanke an das Purzelbaumschlagen
+auf, das man in Niederdeutschland »Kopheisterschießen«, doch wohl auch
+»Kopsheisterschießen« heißt. Da dieses dieselbe Bewegung darstellt, die
+ein kenterndes Boot macht, so wäre es nicht unmöglich, daß capsize davon
+herstammt, also seinen Ursprung aus dem niederdeutschen Kinderspiel
+herzuleiten hätte.
+
+
+*Cargo*,
+
+die Ladung eines (Handels-) Schiffes. Vom lateinischen carrus, der
+Wagen, kommt zunächst carricare, (auf den Wagen) laden, davon dann das
+spanische Zeitwort cargar, laden, woraus das Substantivum cargo gebildet
+ist. *Supercargo*, der von der Rhederei bestellte mit an Bord
+eingeschiffte kaufmännische Verwalter der Ladung, dessen Geschäft es
+ist, den Verkauf der Waren zu besorgen und überhaupt die das Schiff
+betreffenden kaufmännischen Verhandlungen zu führen. Von carrus kommt
+auch Carneval (carrus navalis, der Schiffswagen; bei den alten Deutschen
+wurde im Frühling zur Feier der Wiedereröffnung der Schiffahrt ein
+festlicher Umzug gehalten, bei dem unter allerlei Verkleidung und Scherz
+ein Wagen in Gestalt eines Schiffes umhergefahren wurde). Von carrus
+kommt auch Charge (s. d.)
+
+
+*Certepartie*, s. Certificat.
+
+
+*Certificat*, das,
+
+ein Zeugnis, ein Schein, eine Bescheinigung über wichtige das Schiff und
+seinen Führer betreffende Eigenschaften und Fähigkeiten. Zu den
+Schiffspapieren gehören folgende Certificate: Der Classificirungsschein,
+der Meßbrief, der Registerbrief, der Beilbrief, der Befähigungsschein
+(Qualifications-Attest; die Certepartie, der Schiffsfrachtbrief,
+Schiffsfrachtvertrag, das Connaissement, der Verladungsschein). Der
+Unterschied zwischen Certepartie (eigentlich Cartepartie, bei Roeding
+Chartepartie) und Connossement (Conaissement) besteht darin, daß sich
+letzteres nur auf einen Frachtbrief über einen Teil der Ladung bezieht,
+ersteres aber gebraucht wird, wenn ein Kaufmann ein ganzes Schiff
+befrachtet, trotzdem eigentlich -- partie gerade auf einen Teil
+schließen ließe.
+
+Die Herkunft aus dem lateinischen liegt auf der Hand.
+
+
+*Charge*, die,
+
+eigentlich Ladung, wie man denn auch vom Chargieren eines Gewehres oder
+einer Kanone spricht, bedeutet den Dienstgrad, den jemand in der
+Rangstufe der Unter- oder Oberoffiziere einnimmt oder bekleidet. Wie
+Cargo vom lateinischen carrus, der Wagen, carricare laden; also einer,
+der mit etwas beladen ist, auf den eine Würde, ein Amt, ein Dienst
+gelegt ist. Es ist dabei zunächst an die Bürde gedacht, hernach aber
+auch mehr und mehr an die Würde, so daß es in manchen Redewendungen nur
+von letzterer gebraucht wird. Neuerdings wird vorschriftsmäßig in der
+Marine anstatt Charge Dienstgrad gesagt.
+
+
+*Chasse marée*
+
+heißt ein französisches Küstenfahrzeug mit Fockmast, Großmast und
+Treibermast, Lugger- und Topsegeln; wegen der Segel könnte man es mit
+Lugger oder Logger übersetzen, am einfachsten aber wäre es durch »Jacht«
+wiedergegeben. »Bateau des côtes de la Bretagne, solidement construit,
+le plus souvent ponté, et parfailement approprié à la navigation de ces
+parages. Le Chasse-Marée navigue bien, il est très-convenable pour la
+pêche et pour le petit cabotage; il porte deux mâts inclinés sur
+l'arriére gréés avec beaucoup de simplicité, et souvent un troisième --
+das ist der Treibermast -- dit de Tapecul«.
+
+
+*Cirrocumulus*, s. Cirrus.
+
+
+*Cirrostratus*, s. Cirrus.
+
+
+*Cirrus.*
+
+Federige Wolkenbildung = Federwolke, von cirrus = Haarbüschel,
+natürliche Haarlocke, Federbüschel am Kopfe der Vögel. Cirrostratus, die
+federige Schichtwolke, von sterno, stravi, stratum sternere, hinbreiten
+(davon auch unsere Straße, via strata). Cirrocumulus, die federige
+Haufenwolke, von cumulus, der Haufe.
+
+
+*Citadellschiff*, das,
+
+bezeichnet ein Panzerschiff, dessen Panzer nicht die ganze Länge des
+Schiffes bedeckt, sondern nur den Raum einschließt, der die wichtigsten
+Anlagen, die besonderen Schutzes bedürfen, enthält. Man könnte sagen,
+die Citadelle wäre ein Panzer im Panzer, wenn Panzer für Panzerschiff
+allgemein verständliche Abkürzung wäre. Die Bezeichnung Citadelle ist,
+davon abgesehen, daß sie ein Fremdwort darstellt, zutreffend gewählt,
+sie stammt vom französischen citadelle, das seinerseits vom
+italienischen citta, Stadt, kommt und eine kleine Festung bei einer
+größeren Stadt bedeutet, in die die belagerten Bewohner der Stadt, wenn
+diese nicht mehr zu halten ist, sich als äußersten Zufluchtsort
+zurückziehen können. So verhält sich also die Citadelle an Bord zu dem
+ganzen Panzerschiff wie die citta zur citadelle.
+
+
+*Compartement*, das.
+
+(Wasserdichte) Abteilung des Schiffes, aus dem englischen, vom
+lateinischen compartior, ich teile ab. Die Kriegsschiffe alle werden
+jetzt so gebaut, daß sie in einzelne Abteilungen zerfallen, die gegen
+einander wasserdicht abgeschlossen werden können, so daß eine oder
+mehrere mit Wasser (durch einen Zusammenstoß, durch Auflaufen auf einen
+Felsen, oder auch -- bei Feuer -- durch den Willen des Kommandanten)
+gefüllt werden können, ohne daß das ganze Schiff sinkt. Das Fremdwort
+ist im Aussterben begriffen, seitdem unsere Schiffsbaukunst sich von
+England unabhängig gemacht hat. (s. Schott.)
+
+
+*Compound*
+
+-- heißt zusammengesetzt, vom lateinischen componere, und kommt im
+Englischen in unzählbaren Verwendungen vor; seemännisch haben wir
+im Deutschen deren zwei herübergenommen. 1. Compound-Maschine,
+eine Maschine, bei der der Dampf nach einander in zwei Zylindern
+expandiert, bei der aber die Zylinder nebeneinander liegen, so daß
+deren Kolben an zwei rechtwinklig zu einander versetzten Kurbeln
+arbeiten, (also nicht immer gleichzeitig auf dem toten Punkte
+stehen). 2. Compound = Panzerplatte (steel faced armour plate),
+»stahlbekleidete Walzeisenpanzerplatte«; Stahlplatten und
+Eisenplatten zusammengeschweißt, eine Vereinigung der Härte und
+Undurchdringlichkeit des Stahles mit der Zähigkeit des Eisens, so
+daß die Vorzüge beider Materialien, nicht aber ihre Nachteile, zur
+Geltung kommen.
+
+
+*Concentration*, die,
+
+deckt sich begrifflich mit dem, was man »Breitseite« zu nennen gewohnt
+war, und bedeutet die Richtung sämtlicher Geschütze auf der einen Seite
+eines Schiffes auf einen Punkt, der getroffen werden soll. Es gibt
+bestimmte Zeichen auf Deck, nach denen die Kanonen gerichtet werden, um
+in Concentration zu stehen, sie heißen Concentrationsmarken. Sämtliche
+Kanonen einer Schiffsseite haben in dieser Ladestellung ein *Zentrum*
+für ihre Richtung *mit* einander gemein; daher der (dem lateinischen
+entlehnte) Name.
+
+
+*Contrebrass*, die,
+
+heißt die Braß der Großrahe die in *entgegen*gesetzter Richtung der
+eigentlichen Braß fährt und dieser zu wesentlicher Unterstützung dient.
+Mit ihr wird vorzugsweise das Bewegen der Großrahe ausgeführt, während
+die Achterbraß dieselbe stützt. Die Achterbraß fährt nach achtern, nach
+dem Kreuzmast; die Contrebraß nach vorne, nach dem Fockmast. Gewöhnlich
+*Grosscontrebrass* genannt.
+
+
+*Convoy*, der,
+
+aus dem Französischen vom lateinischen con und via, einer der mit einem
+anderen denselben Weg geht oder fährt; seemännisch das Kriegsschiff oder
+die Kriegsschiffe, die Handelsschiffe in Kriegszeiten über See
+begleiten, damit sie nicht gekapert werden. *Convoyieren* heißt also mit
+einem Handelsschiff als Geleit- und Beschirmungsschiff fahren. Der
+solchem Schiffe bezw. seiner Ladung zur Versendung nach dem
+Bestimmungsorte mitgegebene Abfertigungs- oder Begleitschein heißt
+Convoybrief.
+
+
+*Cordes'sches Gewehr*, das,
+
+ist ein Gewehr zum Schießen einer Leine, wodurch eine Verbindung
+zwischen Rettungsboot und Schiff hergestellt werden kann, wenn das Boot
+nicht an das Schiff gelangen kann. Die Wurfweite beträgt 70 m. Aus dem
+Gewehr können auch Leuchtkugeln geschossen werden, um bei Nacht dem in
+Not befindlichen Schiff das Nahen des Rettungsbootes anzuzeigen. Die
+Very'sche Pistole dient auch zum Signalgeben durch Leuchtkugeln; sie ist
+Hinterlader, ihre Handhabung daher sehr einfach, weil die Zündmasse
+gleich mit in der fertigen Patrone liegt. (Dick und Kretschmer, II.
+315.) Cordes und Very sind die Namen der Erfinder.
+
+
+*Crew*, die,
+
+heißt eine Gemeinschaft von Seeleuten, die Gesamtheit derer, die sich an
+Bord eines Schiffes befinden, die zusammen die Bemannung eines Bootes
+ausmachen, Schiffscrew, Bootscrew. Besonders aber wird es in der Marine
+gebraucht für die Gesamtheit derer, die mit einander in einem und
+demselben Jahre als (See-) Kadetten eingetreten sind. »Wir sind von der
+75er Crew,« »er ist von meines Mannes Crew,« »sie sind Crew-Kameraden,«
+»wir feiern unser Crewfest.«
+
+So unzweifelhaft englisch Form, Aussprache und nächste Herkunft sind, so
+ist doch das Wort gemeingermanisch und bedeutet nichts weiter als
+Wachstum, das was (in einem Jahre) gewachsen ist (»Crescenz« sagen sie
+am Rhein), was in einem Jahre als Zuwachs zur Marine gekommen ist oder
+was durch langes enges Beisammensein an Bord und Zusammentragen von
+Freud, Leid und Arbeit zusammengewachsen ist. Verwandt mit dem
+niederdeutschen greien, groien, grojen (s. Groden), althochdeutsch
+gruoan, gruan, gruen, gröen, cröen, mittelhochdeutsch grüen, grüjen,
+mittelniederdeutsch groien, altfriesisch groia, growa, angelsächsich
+growan, altnordisch groa, norwegisch groe, schwedisch gro: alles grünen,
+wachsen bedeutend.
+
+Vom lateinischen cresco kommt das französische croître wachsen,
+recroître wieder (nach-) wachsen und davon recru (unser Rekrut), also
+der Wiedernachgewachsene, der »Nachwuchs«. Davon dann recruter ausheben,
+sich rekrutieren, seinen Nachwuchs beziehen.
+
+Insofern crew (früher crue geschrieben, altisländisch kru) und recru
+eigentlich dieselbe Bedeutung haben, treffen die getrennte Wege
+gegangenen Vettern der großen Wortsippe wieder sehr nahe zusammen.
+
+Zu bemerken ist hierbei, daß es ein mittelniederdeutsches Wort krup,
+krop gibt, das Vieh bedeutet, besonders Rindvieh, aber auch Pferde.
+Schiller und Lübben vermochten es nicht zu deuten und bemerkten richtig
+nur so viel, daß es nicht von krupen = kriechen komme, da es sich ja
+nicht um kriechende Tiere handle. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich,
+daß dieses krup gleich crew ist, d. h. das Vieh das einem Besitzer
+(ursprünglich vielleicht auch bloß in *einem* Jahre) gewachsen ist,
+wobei noch einmal zu vergleichen altfriesisch growa, angelsächsisch
+growan, wachsen. In dieser Annahme werde ich durch den daneben
+hergehenden, gleichbedeutenden Begriff queck bestärkt. Eine
+mittelalterliche Rechtsbestimmung sagt: »So die beiden oldern jeven
+einem Kinde mit -- it is gelt ofte ein hovet krops ... und so dat queme,
+dat dat Kind sturve, deme dat gelt unde queck bit den beiden olden
+blyven.« Hier wird also ein Stück (»Haupt«) Vieh, weil es lebendig ist
+mit dem Worte bezeichnet das »Leben« bedeutet. So gewiß man aber Vieh
+Leben nennen kann, kann man es auch »Gewachsenes«, Wachstum, (also auch
+hier »Crescenz«) nennen; man muß nur dabei im Auge haben wie wichtig
+einem Viehzüchter sein Vieh und das Wachsen (und Gedeihen) dieses seines
+Hauptbesitzstandes ist. So war es für die Betroffenen geradezu eine
+Lebensfrage, wenn einmal die krup von einer Sturmflut überrascht wurde:
+wie es in einer dithmarsischen Chronik heißt: »umme dusse tidt was ein
+mechtich storme ... insonderheit averraschet dat water an etlichen orden
+dat krup.« Denn, so sagt ein anderer aus jener Zeit, »alle volkere van
+erst an hebben ehren vonehmsten rikedom im krupe gehatt.« Es fragt sich
+also noch sehr, ob die Angeln und Sachsen nicht schon das Wort krup mit
+über den Kanal genommen und drüben zu crew umgestaltet haben, so daß wir
+es also auch hier, trotz der so sehr englischen Gestalt, doch mit einem
+deutschen Worte zu tun hätten.
+
+
+*Culmination*, die,
+
+ist der Durchgang eines Gestirns durch den Mittagskreis. Die Beobachtung
+jener Höhe, die es bei diesem Durchgang hat, stellt seine Mittagshöhe
+fest und ist von ganz besonderer Wichtigkeit für Feststellung des Ortes,
+da sich ein Schiff befindet. Deshalb wird das Wort culminieren im Munde
+der Seeleute auch in übertragener Bedeutung gebraucht. »Na, endlich
+culminiert?« wird einer gefragt, der sehr lange geschlafen hat; culmen =
+Gipfel, Höhepunkt.
+
+
+*Cumulus* s. Cirrus.
+
+
+*Cyclon*, der.
+
+Das griechische Wort für Kreis, Kyklos, hat seit Cyklops, dem
+Schmiedeknecht Vulkans mit dem einen *runden* Auge auf der Stirn, die
+weiteste Verwendung in allen gebildeten Sprachen gefunden: auch zur
+Beziehung jener gewaltigen Drehstürme in denen, namentlich ehe das
+Drehungsgesetz der Stürme bekannt war (ein deutscher Gelehrter, Dove,
+hat es zuerst aufgestellt), manches Schiff mit Mann und Maus
+untergegangen ist. Cyclone haben einen Durchmesser von 200 bis 500
+Seemeilen, der sich um einen windstillen Mittelpunkt (»ein kalmes
+Centrum«) dreht und mit einer Geschwindigkeit bis zu 30 Seemeilen in der
+Stunde fortschreiten kann. Sie drehen sich auf der nördlichen Halbkugel
+nach entgegengesetzter Richtung wie auf der südlichen, nämlich auf
+dieser mit, auf jener entgegen dem Zeiger einer Uhr. Es geht ihnen eine
+eigentümliche Windstille und tiefer Barometerfall voraus. Seitdem man
+das Drehungsgesetz kennt, kann man ausweichen, unter Umständen aber
+sogar die Drehung benutzen zu einer desto schnelleren Fahrt.
+
+
+
+
+D.
+
+
+*Davit*, das.
+
+Vorrichtung zum Aufhissen und Aufhängen der Schiffsbeiboote. Meyers
+Konversationslexikon behauptet mit einer Sicherheit die einer besseren
+Sache würdig wäre, das Wort sei englisch. Gewiß wird es jenseits des
+Kanals in derselben Bedeutung gebraucht, aber seine Wiege hat an
+deutscher Seeküste gestanden. Denn weder in der englischen Form davit,
+noch in der schwedischen david, noch in der dänischen davit, noch in der
+holländischen jutt gibt das Wort irgend einen Sinn, den gibt es nur im
+Deutschen, und zwar in seine Bestandteile zerlegt und in seiner
+ursprünglichen niederdeutschen Form: Dove Jitte, d. h. taube Jütte.
+Jütte ist ein gangbarer weiblicher Vorname, Koseform von Judith. Der
+Name diente einst allgemein zur allgemeinen Bezeichnung des weiblichen
+Geschlechts. Man sagt noch heute vielfach mal Jitte für albernes
+Frauenzimmer. Aus dem Mittelalter ist uns der Spruch erhalten: »Lange
+Kleder un körten syn, dat is syne arth der leven yuten,« Im »Reinke de
+Vos« heißt es, da Braun der Bär beim Bauer Rustefyl in die Klemme
+geraten war: »De Kärkher unde de koester bede. De kwemen dar ok mid erem
+geräde. De papen-meiershe (Pfarrköchin), de het fru Jütte, de was de,
+de de baste grütte konde bereiden un koken« ... Um Bremen herum und mehr
+nach Oldenburg und Ostfriesland hin sagte man Jitte. Eine »dove Jitte«
+ist nach dem »Bremer Wörterbuch« »ein Weibsbild das nicht gut hört.«
+»Jumfer Jitte mit dem holten Titte, Schimpfname für ein junges
+Frauenzimmer, deren Busen nicht sonderlich begabt ist.« Es kommt auch
+die Bezeichnung »dumme Jitte« eben so häufig vor wie dumme Trine, dumme
+Liese, schlampige Suse, faule Grete, dove Greetje. Ueberhaupt spielt die
+Volkssprache gern mit dergleichen Frauennamen. Man denke nur an
+»schnelle Kathrine.« So sagt man »Jumfer Kattel« für »menses« »Gretchen
+in der Küche« heißt ein ungeborenes Mädchen, wie »Jan im Keller« ein
+ungeborener Knabe. »Gretchen vom Deich« wird das Kreuzbramsegel genannt.
+»Frau Johanna«, dame Janne, nannten die französischen Matrosen eine
+dickbauchige korbumflochtene Flasche, was mißverstanden als Demijohn ins
+englische überging und von da nach Norddeutschland kam, wo es für
+Korbflaschen, in denen Portwein, Madeira und dergleichen Getränke
+versandt werden, gebraucht wird und sich eine deutsche Aussprache mit
+ungewöhnlich langem i gefallen lassen muß. »Liese« heißt ein Trinkkrug
+nicht unbedeutenden Inhalts; »Liese« nannten die Soldaten in früheren
+Zeiten das Strohbündel, auf dem sie liegen mußten, wenn sie Stockprügel
+bekamen. Wie gern das Volk dergleichen Namen wählt, lehren die
+volkstümlichen Namen für Nigella damascena: Braut in Haaren, Jungfer im
+Grünen, Gretel im Grünen, Teufel im Busch, Gretel in der Hütte, Gretchen
+im Busch, Gretel in der Hecke, Gretel unter den Stauden. Und wie gern
+der Seemann mit dem ewig Weiblichen zu thun hat, beweist der Name
+»Jungfer« für einen Block von eigenartiger Gestalt. So ist es denn nicht
+zu verwundern, daß wir in seinem Munde die »dove Jitte« finden. Was aber
+bezeichnet er damit? Daß der Davit früher keine so verbesserte
+Vorrichtung zum Schwingen war wie heute, liegt auf der Hand. Vor hundert
+Jahren begnügte man sich noch mit einer recht einfachen Sache. Einfach
+sogar wörtlich genommen, denn damals bestand der Davit nicht aus zwei,
+sondern nur aus einem Balken, der zuerst gar nicht zum Bootaussetzen
+oder Einsetzen, sondern nur zum Ankerlichten bestimmt war. Roeding, der
+zu Hamburg 1794 das vortreffliche »Allgemeine Wörterbuch der Marine«
+herausgegeben hat schreibt über »taube Jütte«: »Eine kurze und etwas
+gekrümmte Sparre von starkem Holz, an deren einem Ende sich eine Scheibe
+befindet. Sie wird gebraucht, wenn man den Anker im Boot lichtet. Man
+setzt nämlich die Jütte hinten ins Boot, so daß das Ende, woran die
+Scheibe befindlich, etwas über den Spiegel des Boots ragt. Über die
+Scheibe legt man alsdann das Bojereep und windet mit dem Bratspill
+darauf.« »Ähnliche, aber gerade Jütten gebraucht man auch in den
+Marssen, die Luvpardunen auszusetzen oder zu spannen« ... Man kann sich
+nun leicht vorstellen, daß die eine in Betracht kommende Sparre so in
+die Spur eingesetzt wurde, daß ein Mann sie mit beiden Armen umfaßte,
+etwa wie einer seine Jütte umarmt; es war aber nur eine hölzerne, herz-
+und gefühllose, »taube«, dove Jütte (wie man auch von einer tauben Nuß
+spricht). Einmal nun im Scherz dove Jütte oder dove Jitt genannt,
+leuchtete dieser scherzende Vergleich bald allgemein ein, fand Beifall,
+Nachahmung, Aufnahme und erwarb sich schließlich in der
+zusammengezogenen bequeme Form davit (etwa über Dovjit, Dowit)
+Bürgerrecht in der Seemannssprache. Das Wort müßte demnach eigentlich
+die Davit heißen, wie der Seemann auch wohl sagt, die Marine schreibt
+aber der Davit; das Davit kann man auch hören, so daß für jeden
+Geschmack gesorgt ist. Die moderne Aussprache ist allerdings
+anglisierend Dävit.
+
+
+*Deck*,
+
+Mehrzahl: die Decks, seemännisch niemals Verdeck, ist, wie Decke, Dach,
+decken verwandt mit dem lateinischen tegere, bedecken, tectum, Dach;
+griechisch tegos, Dach.
+
+Die Schiffe der Handelsmarine werden nach den Bauvorschriften des
+Germanischen Lloyds gemäß der Anordnung ihrer Decks benannt. Es gibt: 1.
+Volldeckschiffe mit drei oder vier Decks, 2. Spardeckschiffe, von etwas
+leichterer Bauart, 3. Hurrikan (Orkan-) Deckschiffe, 4.
+Sturmdeckschiffe, 5. Schiffe mit teilweisem Sturmdeck, 6.
+Schutzdeckschiffe, 7. Schiffe mit Schattendeck oder Schirmdeck (wie auf
+vielen Flußdampfern), 8. Glattdeckschiffe (ohne Aufbauten), 9.
+Brunnendeckschiffe (haben vorne und hinten je einen Aufbau, die
+Vertiefung dazwischen heißt der Brunnen), 10. Walrückendeckschiffe, bei
+denen die Seiten des Schiffes bogenförmig in das Hauptdeck übergehen,
+11. Turmdeck- und Kofferdeckschiffe, bei denen der Laderaum gleichsam
+einen großen Koffer bildet, zum Selbsttrimmen der Ladung eingerichtet;
+darauf dann ein kleines Deck, das Turmdeck heißt, 12. Tankschiffe, (s.
+Tank). Bei einem der neuen großen Passagierdampfer unterscheidet man von
+oben nach unten gerechnet: 1. Bootsdeck, 2. oberes Promenadendeck, 3.
+Promenadendeck, 4. Brückendeck, 5. Hauptdeck, 6. Zwischendeck, 7.
+Unterdeck, 8. Orlopdeck. Dieses letztere war ursprünglich das einzige
+Deck, das zum Gehen für Menschen bestimmt war. Dieses Gehen an Deck hieß
+mittelniederdeutsch over (deck) lopen, daraus ist overlop geworden, (bei
+Kilianus overlop = boord van't schip) und das ist zu Orlop
+zusammengezogen; hat also mit Urlaub nichts zu tun, die wörtliche
+Übersetzung würde vielmehr etwa Lauf(-planke) sein. Insofern ein Deck
+aus (Decks-) Planken, aus Brettern, Dielen besteht hieß ein solches
+althochdeutsch dilla, mittelhochdeutsch dille, altnordisch thilja =
+Ruderbank; französisch tillac, spanisch tilla, portugiesisch tilha,
+Deck.
+
+Früher sagte man zuweilen auch Raum anstatt Deck, s. Raum.
+
+
+*Deckoffizier*, der,
+
+eine ziemlich unglückliche allgemeine, zusammenfassende
+Bezeichnung für Maschinisten, Feuermeister, Feuerwerker,
+Bootsleute, Steuerleute, Zimmermeister, Materialienverwalter.
+Welcher Gedankengang der Bildung dieses jungen Wortes zu Grunde
+lag ist nicht recht erfindlich, es müßte denn sein, daß
+ursprünglich jedem der Deckoffiziere eines der verschiedenen Decks
+zur besonderen Beaufsichtigung zugedacht war. Aber auch das hat
+sich schon lange geändert; hat doch z. B. über das Zwischendeck
+ein Leutnant die Aufsicht und heißt dann Zwischendecksoffizier.
+
+
+*Declination*, s. Variation.
+
+
+*Deich*, der.
+
+Der das Land vor der See schützende Erdwall, im Hochdeutschen, in das
+das Wort erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus dem Niederdeutschen
+gedrungen ist, gewöhnlich Damm genannt. Ein für den ganzen Bestand
+vieler Länderstrecken unentbehrliches aber sehr kostspieliges Werk der
+Menschenhand, daher in doppeltem Sinne treffend in Ostfriesland »de
+golden hoop«, der goldene Reif genannt. Das Wort ist mit Teig und mit
+Teich verwandt, sie stammen alle drei aus der Wurzel digh, bestreichen,
+verkitten, dichten, tasten, tastend formen (aus einer weichen,
+schlammigen Masse). Der Deich wird aus weicher, ausgegrabener Erde
+geformt. Weil diese Arbeit hauptsächlich mit dem Spaten geschieht, so
+hieß im altfriesischen dyka graben, und in dem ihm so nahe verwandten
+Angelsächsischen dic zugleich Deich und Graben. Altfranzösisch dik,
+französisch digue. Die Deichgeschworenen hießen altfriesisch
+dikaldermon. Die Leute die einen Deich bauen heißen diker und sind bei
+ihrer schweren Arbeit für ihren guten Appetit bekannt, wie sonst wohl
+die Scheunendrescher. Es konnte in früheren Tagen die Last des Deichens
+einem Besitzer so schwer werden, daß er lieber sein ganzes Besitztum
+aufgab und in die Fremde zog. Das tat er, indem er seinen Spaten in den
+Deich steckte. Wer ihn herauszog, ergriff Besitz von dem verlassenen
+Lande und trat in alle Rechte und Pflichten ein. (Spatenrecht).
+Naturgemäß spielt der Deich in den von ihm beschützten Ländern im Denken
+und im Sprachgebrauch der Leute eine große Rolle. Das beweisen
+zahlreiche Sprichwörter und geflügelte Worte, z. B. sagt drastisch aber
+wirkungsvoll einer der sich nicht hänseln lassen will in Westfriesland:
+»Ik bin niet von Kraien an diek scheten.«
+
+
+*Deining*, *Dünung*, die.
+
+Das sich Heben und Senken des Meeres in hohen glatten Wogen bei
+windstillem Wetter oder wenigstens nicht zu den Wellen im Verhältniß
+stehender Brise. Roeding: »Eine heftige Bewegung der See, die nach
+schweren Winden noch etliche Tage fortdauert, und selbst, wenn der Wind
+sich schon verändert hat, noch dieselbe Richtung behält. Ein Schiff,
+welches z. B. mit Ostwind durch den Kanal ins atlantische Meer segelt,
+kann daselbst bey eben diesem Winde noch ein Deining aus Süden haben,
+wenn es nämlich nicht lange vorher schwer aus dieser Himmelsgegend
+geweht hat.« Eben deswegen, weil Windrichtung und Seegang nicht immer
+einander entsprechen, heißt die betreffende Rubrik im Loggbuch
+»Windrichtung und Seegang«.
+
+Es kann aber auch umgekehrt sein, daß die Dünung den Vorläufer eines
+Sturms bedeutet; in diesem Sinne heißt das Wort italienisch mar nuovo,
+im anderen mar vecchio oder morto, »tote See«, wiewohl sie ein Schiff
+lebendig genug schlingern macht. Ist mit Düne von gleicher Abstammung
+(daher s. d.) im Sinne von sich ausdehnen, in die Höhe gehen, hochgehen,
+»schnellen«; englisch swell, »a successeon of long unbroken waves
+setting in one direction, as after a storm.«
+
+
+*Deisen*,
+
+achteraus gehen. Deisig oder diesig nennt der Seemann trübes, nasses,
+unfreundliches, »dreckiges«, nebliges Wetter. Es ist anzunehmen, daß das
+nordische mist für Nebel, diesiges, deisiges Wetter, wegen des
+Schmutzigen, Schmierigen, Mistigen des Nebels gewählt ist. Wenn aber
+für deisig mistig gesagt werden kann, so lag bei deisig auch der Gedanke
+an Mist machen, seine Notdurft verrichten nahe. Bei diesem Geschäft
+gehen viele Geschöpfe rückwärts, »über den Achtersteven«; man denke an
+einen Hund, oder auch an noch edlere Wesen. Auf diese Weise mag deisen
+zu der Bedeutung achteraus gehen, »über den Achtersteven« gehen gelangt
+sein. Bestärkt werde ich in dieser Vermutung dadurch, daß man von einem
+rückwärtsgehenden Schiffe auch sagt: »es deist aufs Gat«, und Gat heißt
+nicht nur Loch im Sinne der Ehre, sondern auch der Unehre.
+
+Im Althochdeutschen hieß der Mist, der Stalldreck deisk, daisk.
+
+
+*Deissel*,
+
+Deiksel, Deksel, der, ein vielgebrauchtes Werkzeug der Zimmerleute,
+einer Axt ähnlich; doch steht beim Deissel die Schneide nicht parallel
+zum Stiel sondern perpendiculär. Das Wort kommt von einer Wurzel die
+hauen, hacken, spalten bedeutet und ist mit Deichsel zusammenzustellen,
+niederdeutsch dissel, althochdeutsch dihsila, mittelhochdeutsch dichsil,
+weil eine Deichsel ursprünglich nur eine abgehauene Stange war.
+Deichseln oder deikseln heißt etwas mit dem Deissel oder Deiksel
+zurechthauen und wird an Bord oft auch auf andere als hölzerne Dinge
+übertragen, etwa im Sinne von machen, fertig bringen. »Das wollen wir
+schon deikseln«, »das werden wir schon kriegen;« »das hast du fein
+gedeikselt!«
+
+
+*Dempgordinge*, die,
+
+sind die Taue mit denen der Besan gegeit wird, die Besansgeitaue, und
+zwar wird mit ihnen der obere schiefe dreieckige Teil des Besans nach
+der Besansgaffel zu geholt, während der untere Teil, der grade,
+viereckige mittelst der Besansbrook nach dem Schnaumast zu gegeit wird.
+Das niederdeutsche Zeitwort dempen heißt (s. Doornkaat) ersticken,
+löschen, niederdrücken, vermindern, stopfen, drückt also das, was in der
+Tat mit dem Segel geschieht beim Segelbergen, mit aller Deutlichkeit
+aus. Davon das Substantivum demper, dämpfer, »dar mut ins 'n demper up
+setd worden«, und das Adjectivum dempig, asthmatisch. Niederländisch
+dempen, mittelniederdeutsch dampen; in einer Urkunde von 1450 kommt das
+Wort vor im Sinne von »de kulen dempen und towerpen.« Althochdeutsch
+demphan, mittelhochdeutsch dempfen, dämpfen.
+
+
+*Deplacement*, das,
+
+ist das Gesamtgewicht eines Schiffes. Man unterscheidet totes Gewicht
+und nützliche Zuladung. Zum Gewicht gehört (Dick und Kretschmer I. 29.)
+
+1. Das Gewicht des Schiffskörpers mit allen seinen Einrichtungen.
+
+2. Das Gewicht der Bemastung mit Segeln, Takelage und Rundhölzern, der
+Kambüsen, Wasserkasten.
+
+3. Das Gewicht der Mannschaft mit Leibesbedürfnissen, des Proviants, des
+Speise-, Wasch- und Trinkwassers.
+
+4. Das Gewicht der Ausrüstung, des Inventars und Materials.
+
+5. Das Gewicht der Maschinen, der Kessel mit darin befindlichem Wasser,
+der Kondensatoren, Rohrleitungen, des Treibapparats (Schraube,
+Schaufelrad und dergl.) mit Zubehör, der Reserveteile, des Materials und
+Inventars für die Maschine.
+
+6. Das Gewicht des Heizmaterials zur Dampferzeugung in den Kesseln und
+für sonstige Betriebe.
+
+7. Gewicht des etwa benötigten Ballastes.
+
+Die nützliche Zuladung oder Nutzladung umfasst:
+
+1. Gewicht der Frachtgüter.
+
+2. Gewicht der Passagiere mit Leibesbedürfnissen (Effekten), deren
+Proviant und Trinkwasser.
+
+Hierzu tritt bei Kriegsschiffen:
+
+3. Gewicht der Geschütze mit Munition, der Torpedoarmierung mit
+Munition, des Panzers mit Holzhinterlage, des Panzer- und Schutzdecks,
+des Korkdamms, der Besatzung, der sonstigen Artillerie-, Torpedo- und
+Sprengdienstausrüstung, der elektrischen Einrichtungen, Apparate und
+Hilfsmaschinen.
+
+
+*Detail*, das.
+
+Inventar und Material an Bord stehen unter besonderer Aufsicht von
+Deckoffizieren, so das jeder sein ihn angehendes besonderes Teil zu
+verwalten hat. Diese Einzelnheit heißt Detail, Bootsmannsdetail,
+Steuermannsdetail etc. etc. Französisch détailler, eigentlich
+zerschneiden, von tailler, mittellateinisch taliare, zerstocken. Detail
+als ein zugeteiltes Stück würde seinen völlig ausreichenden und
+bezeichnenden Ausdruck finden in dem Worte Teil.
+
+
+*Deutel*, der.
+
+»Kleine viereckige spitze Keile von eichen Holz, welche in die Köpfe der
+hölzernen Schiffsnägel getrieben werden, damit sie durchaus fest
+schließen, und das Wasser auf keine Weise bey den Seiten der Nägel
+durchdringen kann«. (Röding). Das Wort heißt in Holland auch dreutel und
+dreutel ist offenbar auch bei uns die ursprüngliche Form gewesen. Wegen
+der Aussprache des Holländischen dreutel = drötel dürfen wir das Wort
+von dröteln ableiten, der niederdeutschen Form und Aussprache für das
+Hochdeutsche trödeln, dessen eigentliche Bedeutung drängen, pressen,
+drücken ist. Trödeln in unserem gewöhnlichen Sinne des Wortes heißt also
+sich langsam Herum*drücken*, sich um eine Arbeit drücken, oder auch wie
+man kurz zu sagen pflegt: »sich drücken«. Die Bedeutung des Drückens,
+Drängens hat unserm Dreutel oder Deutel den Namen gegeben, weil der
+Holzkeil mit Gewalt in den Holznagel hineingedrängt wird. Um dies desto
+leichter zu können schlägt man vorher mit einem Eisen welches aber
+dieselbe Gestalt des Deutels hat und *Deuteleisen* heißt, ein Loch in
+den Kopf des Nagels.
+
+
+*Deviation*, s. Variation.
+
+
+*Diagonalboot*, das.
+
+Der Name bezieht sich auf die Bauart der Bordwand des Bootes, oder der
+Außenhaut. Beim Diagonalboot besteht diese aus zwei Plankenlagen die
+entweder so angeordnet sind, daß die einzelnen Gänge in einem Winkel von
+45° zum Kiel geneigt sind und sich gegenseitig ungefähr rechtwinklig
+kreuzen oder daß nur die innere Lage die diagonale Richtung hat und die
+äußere in der Längsrichtung des Bootes verläuft. Beide Lagen werden
+durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden.
+
+
+*Dichten.*
+
+Die wichtige seemännische Arbeit die einzelnen Nähte zwischen den
+hölzernen Schiffsplanken wasserdicht zu machen. Dieses Dichten hat also
+mit der Dichtkunst eines Goethe oder Schiller nichts zu thun, die aus
+dem lateinischen dictare herkommt, sondern ist mit Deich und deichen
+verwandt. Das mittelniederdeutsche diken heißt noch deichen und dichten
+zugleich (deichen, dämmen, dicht machen, stopfen und graben.) Die
+gemeinsame Bedeutung ist: aus einem weichen, leicht zu bearbeitenden
+Stoff einen Schutz gegen eindringendes Wasser herstellen. Das Nähere
+über dichten s. u. kalfatern.
+
+
+*Diesig*,
+
+auch deisig, nennt der Seemann ein nasses, kaltes, unfreundliches,
+trübes, nebliches Wetter; ein Wetter das auch »mistig« genannt wird.
+Diesig und mistig sind sehr nahe Bedeutungsverwandte, weil beide von
+Wörtern abstammen die »Excremente« bedeuten. Denn mistig kommt von Mist;
+zwar zunächst in der bei den germanischen Sprachen so weit verbreiteten
+Bedeutung von Nebel, aber die geht doch weiterhin wegen des Schmutzigen,
+Schmierigen des Nebelwetters auf Mist = Kot zurück. Und diesig, deisig,
+geht zurück auf das althochdeutsche deisc, daisc, dheisc, theisc = Mist,
+Dünger, Unrat. Beide Eigenschaftswörter, diesig und mistig, bezeichnen
+also »dreckiges Wetter.«
+
+
+*Dingey*, *Dingi*, das.
+
+Das kleinste der Schiffsbeiboote, gebraucht wenn ein einzelner Offizier,
+ohne viele Umstände zu machen und ohne eine größere Bootsbesatzung dem
+Schiffsdienst zu entziehen, von oder an Bord gehn will. Diese Bootsart
+ist erst in den letzten dreißig Jahren aufgekommen. Name und Sache
+stammen aus Ostindien: »dinghi, dingey, a boat varying in size in
+different localities: the dinghies of Bombay are 12 to 20 feet... the
+dinghies of Calcutta are small passage-boats for the poorer classes,
+rarely used with a sail; they are not painted, but merely rubbed with
+nut-oil, which imparts to them a sombre colour. This name is now also
+applied to a ship's small-boat.«
+
+
+*Dippen*,
+
+die Flagge, sie zum Gruße niederholen. Das Wort müßte eigentlich diepen
+geschrieben werden. In Ostfriesland heißt es düpen und bedeutet tiefen,
+tiefer machen, niedriger hängen, herunterziehen. Die neuerdings (Herbst
+1900) zwischen der Mehrzahl der deutschen Reedereien getroffene
+Vereinbarung über den Austausch des *Flaggengrusses auf See* für die
+Schiffe der deutschen Handelsmarine enthält folgende Bestimmungen: 1.
+Sobald ein in Sicht kommendes Schiff als solches erkannt wird, mit dem
+Flaggengruß zu wechseln ist, ist sofort die Heckflagge zu setzen, ohne
+Rücksicht darauf, ob das andere Schiff dieselbe bereits führt, oder
+welchem Schiff die Pflicht des ersten Grußes obliegt. Die Flagge ist zu
+setzen, so lange die Positionslaternen nicht angezündet sind. 2. Die
+Pflicht des ersten Grußes hat: a. wenn ein Schiff vom andern überholt
+wird, das überholende Schiff, b. wenn eines der Schiffe still liegt, das
+in Fahrt befindliche Schiff, c. auf den von Europa ausgehenden Linien
+das auf der Ausreise befindliche Schiff, d. in allen übrigen Fällen
+dasjenige Schiff, das am nördlichsten steht. Beim Ein- und Auslaufen auf
+Häfen, sowie auf Revieren (d. h. Flüssen s. Revier), hat immer das nach
+See steuernde Schiff zuerst zu grüßen. Das hiernach zum Gruß
+verpflichtete Schiff hat seine Flagge zu dippen, sobald das andere
+Schiff in der Peilung zwei Strich vorderlicher als dwars steht,
+jedenfalls aber nicht später; die Flagge bleibt dann solange gedippt,
+bis von dem anderen Schiff der Gegengruß erfolgt ist, und ist alsdann
+wieder vorzuheißen. Haben die Schiffe einander passiert, so hat das zum
+ersten Gruß verpflichtet gewesene Schiff die Flagge zuerst wieder
+niederzuholen, sofern die Flagge nicht aus besonderen Gründen gesetzt
+bleiben muß.
+
+
+*Dirk*, die,
+
+hieß früher auch das Piekfall der Besansgaffel, jetzt heißt so nur noch
+die Besansdirk oder Besansbaumdirk, kurzweg auch Baumdirk, neuerdings
+auch Besanstoppnant oder Baumtoppnant genannt, das Tau mit dem der
+Besansbaum aufgetoppt, oder wie man wegen der Dirk sagt, aufgedirkt
+wird. Dirk als Abkürzung von Dietrich ist ein im Gebiet der deutschen
+Seemannssprache sehr verbreiteter Vorname. Auch der falsche Schlüssel
+Dietrich heißt hier Dirk, und ein Schloß mit einen solchen öffnen nennt
+man dirken. Irgend einen Zusammenhang zwischen diesem Dirk und der
+seemännischen Dirk habe ich vergeblich gesucht. Daß Spitzbuben hinter
+Dietrich, dem beliebten Vornamen, ihr Diebeswerkzeug in der
+Gaunersprache zu verbergen suchen, beweist Kluge dadurch, daß der
+falsche Schlüssel auch Peterchen und Klaus genannt wurde. Man findet das
+begreiflich, weil sie das Ding nicht beim rechten Namen nennen durften.
+Aber warum sollte dies auch bei der Baumtoppnant der Fall sein?
+
+Wir müssen uns daher anderweitig umsehen. Die Dirk, sei es als Piekfall,
+sei es als Baumdirk, dient zum Auftoppen, man *zieht* also etwas damit
+in die Höhe. Es mag daher der Begriff »ziehen« in Betracht kommen, der
+in dem niederdeutsch-niederländischen Zeitwort trecken steckt; es hieß
+dieses im Gotischen trikan. Davon konnte leicht ein Substantivum trik
+gebildet werden. Da aber das vorgermanische Thema zu trikan darg ist, so
+mag trik auch drick gesprochen worden sein; drik aber konnte leicht,
+schon in Erinnerung an darg, aber auch sonst durch Metathelis leicht zu
+dirk werden, so daß die Dirk also ein Ziehding wäre. Das sind freilich
+alle Taue, aber warum soll nicht wenigstens eins davon von Ziehen den
+Namen haben?
+
+Unter den vielen Bedeutungen die das englische trick hat ist auch eine
+im Sinne von »Zug.«
+
+
+*Dispacheur*, der,
+
+der Mann, der Sachverständige, der schätzt, berechnet und verteilt,
+wieviel ein jeder, der an einem Schiffe Anteil hat, zahlen muß, zur
+Ausgleichung des Schadens, wenn das betreffende Schiff Havarie gelitten
+hat. Es muß ein vereidigter, vertrauenswürdiger, zu dem Amte staatlich
+bestellter Mann sein.
+
+Das Wort kommt von Dispache und dieses vom spanischen despachar,
+abfertigen; englisch despatch; französisch dépécher; deutsches Fremdwort
+depeschieren, Depesche. Das Zeitwort soll vom spätlateinischen dispedico
+-- dis als Negation und pedica, Fessel -- kommen, würde also einen
+bedeuten, der mit ungefesseltem, eiligem Fuß abgefertigt ist, eine
+Botschaft zu bestellen, zu expedieren.
+
+
+*Division*, die.
+
+Dieses Wort wird in der Marine in dreierlei Bedeutung gebraucht:
+
+1. Die gesamte Mannschaft eines Schiffes wird, wie in seemännischer
+Hinsicht in Wachen, so in militärischer Hinsicht in Divisionen
+eingeteilt, also in Verbände, die man ungefähr den Kompagnien bei der
+Landarmee vergleichen könnte.
+
+2. spricht man von Matrosendivisionen, Werftdivisionen, neuerdings auch
+von einer Schiffsjungen-Division. Das sind militärische Verbände am
+Lande, von einem Stabsoffizier kommandiert, etwa den Regimentern
+vergleichbar.
+
+3. heißt Division ein Verband von Kriegsschiffen, ein Teil eines
+Geschwaders oder einer Flotte. Es besteht zur Zeit über die Anzahl
+dieser Schiffe noch kaum eine bestimmte Vorschrift, doch wird in Zukunft
+die Vierzahl eine große Rolle spielen. In früheren Zeiten waren ziemlich
+genau bestimmte Zahlen festgelegt. Nach Brommy bestand eine *Flotte*
+gewöhnlich aus wenigstens siebenundzwanzig Linienschiffen, außer
+Fregatten und anderen Fahrzeugen, und wurde in drei *Geschwader*, jedes
+zu drei *Divisionen*, geteilt. Aubin, 1702, sagt über Division: »C'est
+une certaine quantité de vaisseaux d'une armée navale, qui sont sous le
+commandement d' un Ofizier Général. La signification de ce terme n'est
+pas encore bien déterminée, car on s'en sert quelquefois pour marquer la
+troisième partie d' une armée navale, qu'on apelle autrement Escadre, et
+quelquefois c' en est la neuvième partie, ce qui arive lors-que l'armée
+est distribuée en trois escadres; car alors chaque escadre est
+distribuée en trois divisions, comme il se pratiqua pendant les
+campagnes navales de 1672 et 1673 dans la jonction des armée de France
+et d' Angleterre. Celle d' Angleterre formoit deux escadres, la rouge et
+la bleue, chacune partagée en trois divisions, et l'armée de France, qui
+formoit l'escadre blanche, étoit aussi distribuée en trois divisions.
+»Le Duc d' York commandoit l'escadre rouge, qui formoit le corps de
+bataile. Le Comte de Montaigu, ou de Sandwich, commandoit l'escadre
+bleüe qui faisoit l'aile gauche, et le Comte d'Estrée commandoit
+l'escadre blanche, qui faisoit l'aile droite. II y avoit aussi trois
+escadres dans l'armée de Hollande, et chaque escadre etoit pareillement
+distribuée en trois divisions. Sa marche étoit sur une ligne droite: le
+Lieutenant-amiral Général de Ruiter etoit an milieu avec la principule
+escadre«« ... Was also in Zukunft die Vierzahl bedeuten wird, bedeutete
+in jenen Tagen die Dreizahl.
+
+
+*Dobber*, der,
+
+ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Holz oder Kork, das die Stelle
+einer Boje versieht und die Lage eines unter Wasser befindlichen
+Gegenstandes, einer Angel, eines Netzes, eines Ankers anzeigt.
+Ostfriesisch dubber, vom Zeitwort dubbern, schlagen, pochen, stoßen,
+hin- und herschlagen, schwingen, schwanken; von der Bewegung die ein auf
+Wasser schwimmender, von den Wellen auf und nieder bewegter Gegenstand
+macht; »auf dem Wasser tanzen« nennt man sie wohl.
+
+Kilianus kennt das Wort nur als zum Angelgerät gehörig: »calamus, qui
+suspendit hamum, ne fundum petat; cortex subereus lineae piscatoriae.«
+Halbertsma hat für Friesland die Form doaper, »in genere fluitans quid,
+quod suspendit hamum reteve; speciatim parallelopipedon ligneum parvum
+in aqua natans et sustinens funem, qui desinit in hamum.« Im Husumer
+Seerecht heißt es: »Kombt ein schip in einen haven driven, dat schal ein
+dubber up einen ancker hebben.«
+
+Im Mittelniederdeutschen heißt der Dobber auch Kogert: »unde licht enich
+anker sunder douwer ofte kogert, onde schade off queme, den schall he
+half beteren«.
+
+
+*Dock*, das,
+
+ist ein ausgegrabener und mit Quadersteinen ausgemauerter Raum, in dem
+ein Schiff ausgebessert wird. Wenn das zu dockende Schiff in diesen Raum
+hineingefahren ist, wird das Dock hinter ihm mit einem Ponton abgesperrt
+und das Wasser wird mit einer Dampfpumpe ausgepumpt. Je mehr das Schiff
+dadurch trocken fällt, desto mehr wird es von beiden Seiten mit Balken
+abgestützt bis es schließlich ganz trocken dasteht. Doch heißt nicht
+deswegen solch ein Dock Trockendock, sondern weil es im Gegensatz zu
+einem Schwimmdock (s. d.) auf dem Trockenen angelegt ist. Docken heißt
+ein Schiff ausbessern; »das Schiff wird gedockt«, man kann aber auch
+sagen »das Schiff dockt«, wie man sagt das Schiff »löscht«.
+
+Kilian hat eine niederdeutsche Form docke für Renne, Wasserrinne. Dem
+entsprechend leitet Grimm Dock vom italienischen doccia, französisch
+douche, spanisch ducha = Wasserröhre, Wasserrinne, ab. Und diese gehen
+entweder auf das lateinische (aquae) ductus oder auf das griechische
+doche, dochos, docheion = Gefäß, Behälter zurück.
+
+Im Englischen heißt dockyard Werft, dock allein meist in der Mehrzahl
+docks wird auch gebraucht für einen Liegeplatz von Schiffen. Da wo mir
+das Wort im seemännischen Sinne zuerst begegnet ist, bei Aubin 1702,
+wird es neben Dock in unserem Sinne auch als Ankerplatz oder Liegeplatz
+gebraucht. Es übersetzt nämlich Aubin das niederländische dok mit
+chambre, bassin, darsine und paradis. Er bemerkt dazu: »C'est la partie
+d'un port de mer la plus avancée dans la ville. Elle sert à retenir les
+galéres et autres bâtiments de mer, et est fermée d'une chaine. Elle est
+apellée Darsine sur la Méditerranée; mais sur l'Océan on apelle Paradis,
+Bassin, Chambre, les lieux retirez du port, oú les vaisseaux sont en
+plus grande seureté.« Vorher hat er aber auch dieselben Namen bassin,
+chambre und Darsine angewandt auf »un petit port particulier pratiqué
+dans un plus grand, oú l'on radoube les vaisseaux. Il ya de deux sortes
+de bassins; les uns qu'on peut toujours tenir secs, parce qu'on les
+ferme avec des portes; les autres qui sont ouverts, et dont le fond
+étant toujours mou et bourbeux, se remplit d'eau quand le flot monte, et
+se vuide quand la mer descend.« Im Jahre 1794 scheint es in Deutschland
+noch keine Docks gegeben zu haben, wenigstens weiß Röding von keinen zu
+berichten, da er doch schreibt: »Die neuerbauten Docken zu Karlscrona
+und Kronstadt, wovon die erste in einen Fels gehauen ist, sind
+unstreitig die musterhaftesten, auch sind die französischen in den Häfen
+zu Toulon, Brest und Rochefort und nicht minder die englischen
+merkwürdig. In Spanien, Portugal und Dänemark sind die Docken ebenfalls
+auf ähnliche Weise eingerichtet.«
+
+Im Jahre 1850 mußte das erste, neueingerichtete Schiffsjungenschulschiff
+»Mercur« in Karlskrona docken.
+
+Mehrzahl: *die Docks*.
+
+
+*Dodshoft*, das,
+
+eine besondere Art von Block oder Scheibe mit einem runden oder auch
+länglichen Loch in der Mitte; ihrer je zwei werden zum Festsetzen
+stehenden Gutes verwandt. Der Name mag von dem Loch kommen, das
+Dodmannsauge heißt. Die Einbildungskraft des Seemanns hat offenbar diese
+leere Höhlung im Block mit der leeren Augenhöhle eines Totenschädels
+verglichen und Dodsmannsauge genannt. Den Block der das Dodmannsauge
+aufweist Dodshoft (Dodmannshoft) zu nennen lag dann nahe.
+Zusammensetzungen, in denen Tod oder tot bildlich gebraucht sind, kommen
+nicht selten vor. Im »Seebuch« (1400) kommt dodeman, Dodemanshovet als
+Übersetzung für das Vorgebirge Deadmans Point vor. Sogar ein Gebäck aus
+Mehl, Zucker und Mandeln nennen sie in Groningen doodmansvinger.
+
+
+*Dollart*, der.
+
+Name des im 13. und 14. Jahrhundert nach und nach durch Deichbrüche,
+ähnlich wie die Jade, entstandenen Meerbusens. Es ist behauptet worden
+der Name komme von der »tollen Art« dieses seemännischen Gewässers. Aber
+diese Behauptung hat nicht mehr Wert als die andere, daß Wangerooge »das
+Auge« von Wangerland heiße (da oog doch gleich dem hochdeutschen ach,
+Wasser ist). Der Dollart hat keine tollere Art wie die anderen Busen der
+Nordsee; verschiedene Fluten haben an seiner Entstehung gearbeitet
+(zuerst 1277); aus kleinen Anfängen ist er entstanden; zuerst mag nur
+ein Loch vorhanden gewesen sein, ein Kolk oder dergl. Nun gibt es im
+Ostfriesischen ein vielgebrauchtes Wort dollerd, dollert, dullert für
+talähnliche Mulde, Vertiefung, Senkung, großes weites Loch im Boden,
+Untiefe, Sumpf. Das hat zweifelsohne den Namen gegeben. Er ist in vielen
+deutschen Dialekten als delle erhalten; englisch dell.
+
+
+*Dollbord*, s. Dolle.
+
+
+*Dolle*, die,
+
+hölzerner (jetzt meist eiserner) Nagel in dem Dollbord des Ruderbootes
+befestigt, dazu bestimmt dem Riemen (Remen) beim Rudern als Stütz- und
+Drehpunkt zu dienen. Heißt eigentlich nichts weiter als ein Stück Holz,
+Baumstamm, Balken, Stange, Holzpflock, Bolzen. Von einem Stammverbum
+dolon, das mit dem Perfektum von fero, tuli, und mit tollo, tolero,
+tragen, halten (also auch mit unserem »Geduld«) verwandt ist.
+Althochdeutsch dolon, tholon, dolen, tholen; mittelhochdeutsch dolen;
+gothisch thulan; friesisch heißt Dolle dol, angelsächsisch thol,
+englisch thole, auch thole-pin (»Angli per abundantiam thole-pin, ut fit
+cum propria vis vocis in oblivionem cadit, notio enim clavi (pin) jam in
+thole haeret.«) Nach Vilmar ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen
+technischer Ausdruck der Zimmerleute für den starken hölzernen Nagel,
+welcher halb in den Durchzug und halb in den Balken befestigt wird,
+damit sich die Balken nicht verschieben.
+
+Kilianus hat schon die Form dolle: »lignum teres, cui struppis
+alligantur remi et obex remi.«
+
+*Dollbord* ist die oberste Planke der Bootsaußenhaut, an der die Dollen
+befestigt sind. Der Name Dollbord ist auch da geblieben wo, wie beinahe
+durchgängig bei der Marine, die Dollen verschwunden sind und Rundseln
+Platz gemacht haben. Nur das Dingey und die Gig haben keine Rundseln,
+allerdings auch keine Dollen, sondern Gabeln, in denen der Riemen sich
+bewegt; sie haben aber den Namen Dollen behalten.
+
+
+*Domper*, der,
+
+das Tau (aus Draht) das der blinden Rahe Halt nach unten zu gewährt.
+Ganz vorne am Bug und niedrig über dem Wasser angebracht muß der Domper
+bei Seegang notwendigerweise mit dem Wasser in Berührung kommen und bei
+jeder höheren Woge untertauchen. Davon hat er den Namen. Früher, als man
+die Kanonen noch auf sehr einfache Art befestigte, kam es vor, daß sie
+durch das Schlingern des Schiffes vornüber fielen, das nannte man »die
+Kanonen dompen«. In Ostfriesland ist ein Zeitwort dumpen (niederländisch
+dompen) im Gebrauch: stoßen, drücken, niederdrücken, unterdrücken,
+ducken, tauchen, eintauchen, sinken machen, versenken; davon ist domper
+gebildet. Da unser tauchen dasselbe Wort ist wie taufen, und gothisch
+daupjan hieß, altsächsisch dopan, niederdeutsch dopen, so ist klar, daß
+das ostfriesische dumpen und das niederländische dompen rhinistische
+Formen (durch Nasalierung entstanden) von dopen sind, Domper also nichts
+anderes ist und bedeutet als Taucher. Das Zeitwort dompen wird auch
+sonst an Bord gebraucht im Sinne von »etwas nach unten zu bewegen.«
+
+
+*Downtonspumpe* s. Pumpe.
+
+
+*Draggen*
+
+auch wohl dreggen, heißt etwas auf dem Grunde des Meeres Liegendes
+auffischen, aus dem Wasser ziehen. Ziehen ist die eigentliche Bedeutung
+des Wortes. Es ist mit tragen verwandt, niederdeutsch dragen,
+altfriesisch draga, drega, angelsächsisch dragan, altnordisch draga,
+schwedisch draga, dänisch drage, englisch drag, gothisch dragan,
+althochdeutsch tragen, trakan -- alles heißt ziehen, schleppen,
+hinziehen, ausziehen. Das Werkzeug zum draggen heißt *Dragge*, *Dregge*,
+*Dreg*. Es ist ein ankerartiges Ding mit vier Armen, manchmal auch nur
+mit dreien, die auf dem Grunde des Meeres hin und her bewegt den
+gesuchten Gegenstand fassen, greifen, festhalten sollen, damit er in die
+Höhe gezogen werden kann. Weil man die Arme mit den Klauen eines wilden
+Tieres, etwa eines Drachen, vergleichen kann, so haben harmlose Erklärer
+an dieses fabelhafte Tier gedacht um das Wort zu erklären. Nicht besser
+ist die Erklärung des Bremer Wörterbuches: »dragge, eine Art Anker mit 3
+oder 4 Haken. Vielleicht von traag = tardus, weil er das Schiff an der
+Fahrt hindert« -- also »träge« macht (!) Noch schöner ist das Wort
+Dragge von dem Herausgeber des Kilianus'schen Wörterbuches, Gerhard
+Hasselt aus Arnheim, 1777 gedeutet worden: »dregge a drieghen, quia eo
+pisces *decipiuntur*.« Nicht besser ist eine vierte Deutung, nach der
+dregge = dre-egge wäre: »tribus cuspidibus vel manibus anchora.«
+
+Französisch drague, Hohlschaufel um Sand, Erde, Schlick aus dem Wasser
+zu ziehen; englisch drag, Zugnetz. Immer spielt der Begriff des Ziehens
+in die Bedeutung hinein.
+
+Dann ist aber freilich, weil die Dragge oder der Dreg Ankergestalt
+hatte, die Zusammensetzung Dreganker aufgekommen, auch Draganker; man
+hat auch wohl Anker wieder fallen lassen ohne daß das Wort die Bedeutung
+änderte; so kommt es, daß im Wangerländischen drag Bootsanker heißt.
+
+
+*Dragoman*, der,
+
+ist ein bei auswärtigen Gesandtschaften, bei Konsulaten in See- und
+Hafen- und anderen Städten angestellter Dolmetscher. Das Wort ist
+ursprünglich chaldäisch und bedeutet Erklärung (targumim); davon
+arabisch targana, auslegen, übersetzen, dolmetschen; arabisch targoman,
+mittellateinisch dragumanus, drogamundus, italienisch dragomanno,
+spanisch dragoman, französisch drogman. Tragemunt war im
+mittelhochdeutschen ein weitgereister, sprachkundiger Pilger, nicht zu
+verwechseln mit dem schnellsegelnden Schiffe tragamunt, s. Schmack.
+
+
+*Drehfeuer* s. Blinkfeuer.
+
+
+*Drehreep*, das.
+
+Roeding mißbilligt es, daß Drehreep oft mit Fall für ein und dasselbe
+gehalten werde. Das ist aber kein Wunder, denn sie haben beide denselben
+Zweck, ja es ist ursprünglich das ganze Fall der Rahsegel weiter nichts
+als ein Drehreep gewesen, nämlich ein Reep das bei (beweglichen)
+schweren Rahen an Deck genommen, ums Spill gelegt und gedreht wurde,
+wodurch die Rahe in die Höhe ging. Um dieses weitläufige Manöver nicht
+immer nötig zu haben, hat man an das Drehreep eine starke Talje (ein
+Takel) angebracht, mit der die Rahe bequem gehißt werden kann. Sie heißt
+Fall. Indessen muß beim Aufbringen oder an Decknehmen der Rahe auch
+heute noch die Talje ausgeschaltet und das Drehreep selbst an Deck
+genommen und, wenn auch nicht immer ums Spill gedreht, so doch mit
+kräftiger Besetzung geholt oder gefiert werden.
+
+
+*Dreidecker* s. Deck. *Dreimaster* s. Mast.
+
+
+*Dreischäftig*
+
+heißt das Tauwerk, das aus drei Schäften, Strängen, Strähnen geschlagen
+ist, die man jetzt Kardeele nennt. Für die Abstammung dürfte am ehesten
+an das lateinische scapus, Schaft, Stiel, Stengel zu denken sein, und an
+seine Wurzel skap, die fassen, halten, befestigen bedeutet, so daß
+dreischäftiges Tauwerk solches wäre, das von drei Teilen
+zusammen*gehalten* würde.
+
+
+*Drempel*, der.
+
+Die Bretter die in den Stückpforten liegen und die vier Seiten derselben
+bilden. Sie bedecken die leeren Räume die zwischen den Inhölzern
+bleiben, damit zwischen dieselben kein Wasser dringen kann. Man
+unterscheidet einen Unterdrempel, zwei Seitendrempel, einen Oberdrempel,
+aber eigentlich gebührt der Name nur dem ersteren, und auch diesem nur
+uneigentlich, denn Drempel bedeutet Schwelle, Thürschwelle und kommt von
+trampen, trampeln, den unteren Teil des Thürrahmens, über den man ins
+Haus, in die Stube eintritt.
+
+
+*Drift* s. Trift.
+
+
+*Dübel*, der,
+
+heißt in der österreichischen Marine (nach Dabovich) der Zylinderzapfen,
+hat aber mit dem Teufel nichts zu thun, sondern ist eine Umbildung des
+englischen dowel, welches jeden beliebigen Zapfen bezeichnet,
+französisch douille, lateinisch ductile von duco, ich führe; also
+eigentlich Führung(s-Zapfen).
+
+
+*Dublieren*,
+
+um ein Vorgebirge herumsegeln. Der Begriff des doppelten ergiebt sich
+leicht, wenn man bedenkt, daß man das umschiffte Kap einmal von der
+einen und das andere Mal von der anderen Seite, also doppelt, zu sehen
+bekommt. »Sailing along the coast he doubled the promontory of
+Carthage.«
+
+
+*Duc d' Alben*, *Dukdalben*, *Dükdalben*.
+
+Pfähle im Wasser, fest eingerammt und -- gewöhnlich zu dreien -- mit
+einander verbunden, zum Festmachen, Verholen u. s. w. von Schiffen
+dienend. Die falsche Meinung, der Name komme von dem des Herzogs von
+Alba, hat sich so festgesetzt, daß sie nur sehr schwer zu beseitigen
+sein wird. Allerdings heißt dieser im Holländischen Duc d'Alba, im Munde
+des Volkes Duc d'Alf. Der Gedanke an ihn lag also nicht allzufern, wenn
+man das Wort Dukdalben las. Ja es lag allzu nah, als daß man nicht
+Verdacht schöpfen sollte, denn das Nächste ist in sprachlichen Dingen
+nicht immer das Beste. So hat denn auch außer Onno Klopp in seiner
+ostfriesischen Geschichte meines Wissens niemand direkt und bestimmt
+gesagt, daß das Wort von Herzog Alba komme, es ist immer nur vermutet
+worden. Klopp bringt aber auch keinen Beweis für seine Behauptung.
+
+Nun ist freilich das Wort vor der Zeit des 30jährigen Krieges unbezeugt.
+In den vielen Hansa-Rezessen, -Skraaen und sonstigen -Urkunden, die ich
+durchgesehen habe, habe ich nichts davon gefunden. Das 1400 geschriebene
+»Seebuch« kennt nichts dergleichen; Der Teuthonista, 1475 zu Cleve
+erschienen, ebenfalls nicht. Cornelius Kilianus Duffläus, 1548, kennt
+das Wort auch nicht, wiewohl er in Antwerpen lebte. Insofern könnte es
+also von Duc d'Alf kommen. Aber daß das Wort nicht bezeugt ist, beweist
+noch nicht, daß es nicht vorhanden war. Matthias Kramer, der im Jahre
+1719 im Alter von 79 Jahren zu Nürnberg »Das königliche
+Nider-Hoch-Teutsch u. Hoch-Nider-Teutsch Dictionarium« veröffentlichte,
+könnte es haben wenn es von Alba herkäme, hat es aber nicht. Auch das um
+1700 erschienene, in Amsterdam gedruckte »Dictionaire de Marine« von
+Aubin hat es nicht. Der Holländer Bilderdyk, ein scharfer Kopf, der vor
+100 Jahren schrieb, hat es zuerst und nennt es auch gleich ganz richtig,
+oder wenigstens annähernd treffend »eene moedwillige verbastering von
+dokdulf.« Mit dem dokdulf hat er zwar nicht Recht, desto mehr aber
+damit, daß er die Form Duc d'Alf eine »mutwillige Verschlechterung«
+nennt. Wenn wir genau zuhören, wie der niederdeutsche Seemann sagt, so
+hören wir gar nicht Dükdalben oder Dükdalfen, sondern *Dükdallen*, und
+zwar mit dem dunklen niederdeutschen a das wie o klingt. Dallen, dollen
+sind aber Balken, Pfähle. In Stralsund heißen die Pfähle am Bollwerk
+Dallen. In Friesland heißt unser Wort dykdollen; Halbertsma: »stirpes
+modicae arborum ad corroboranda lignea aggerum propugnacula;« also genau
+wie in Stralsund. Ist -dallen so klar gestellt, so fragt sich was das
+Dük- bedeutet. Es ist früher an Deich = Diek gedacht worden. Aber es
+liegt ein anderer Gedanke viel näher, das ist der an das niederdeutsche
+Zeitwort duken. Wir übersetzen es gewöhnlich mit tauchen, es bedeutet
+aber vor allen Dingen ducken, beugen, neigen, wie in der Wendung »de
+bomen duken sik för de wind.« Und diese Bedeutung paßt vortrefflich. Die
+Pfähle der Dükdallen stehen nicht gerad aufrecht, sie sind schief
+eingerammt, stehen im Winkel zu einander geneigt; die Dallen sind also
+gedukt -- und das Gedukte ist gerade das in die Augen Fallende, das
+Charakteristische an ihnen: daher Dukdallen, das zu Dükdallen geworden
+ist wie Duker, der Taucher, zu Düker. So rechtfertigt sich auch der
+Plural. Es heißt stets Dükdallen, nie, auch wenn nur von einem einzelnen
+die Rede ist, Dükdall; das würde unverständlich sein, wenn an den Alba
+zu denken wäre, versteht sich aber von selbst, sobald wir an mehrere
+Dallen denken, die zu einem Dükdallen gehören.
+
+
+*Ducht*, die,
+
+Ruderbank. Manchmal auch Duft, da f und ch sehr oft in einander
+übergehen. Das holländische doft hat Aubin (1702) mit banc de Galëre, de
+Galéasse übersetzt: »c'est un siége pour asseoir ceux, qui tirent à la
+rame, soit forçat, bonavoglie, ou matelot.« Doft oder Docht ist ein
+gemeingermanisches, sehr frühes Wort, althochdeutsch dofta,
+angelsächsisch thofte, und kommt von einer Wurzel, die bücken,
+niederbücken, sich *ducken* bedeutet, so daß Ducht die Bank ist, auf der
+diejenigen sitzen, die sich beim Rudern vorn über neigen, nach vorne
+bücken, das ist eine zu bezeichnende Bewegung beim Rudern, als daß sie
+nicht hätte zur Bezeichnung verwandt werden sollen. Vielleicht auch ist
+dabei gedacht an das Niederhocken der Ruderer auf der Ducht.
+
+*Ducht* (nannte oder) nennt man auch einen aus einer Anzahl Fäden
+zusammengedrehten Strang; drei Duchten bilden ein Kardeel, mehrere
+Kardeele werden zusammengeschlagen zu einem Tau. (s. dreischäftig)
+Dieses Wort hat mit dem obigen nichts zu tun, sondern ist unser
+hochdeutsches Docht; mittelhochdeutsch und althochdeutsch taht,
+altnordisch thattr, Faden, Docht.
+
+
+*Durchdrehen*,
+
+unabsichtlich, durch einen Fehler des Mannes am Ruder beim Segeln am
+Winde so hart an den Wind gehen, daß der Wind das Segel von der
+verkehrten (vorderen) Seite füllt, »back« legt, und so das Schiff dazu
+kommt, über den Achtersteven, rückwärts zu segeln; eine, besonders bei
+schwerer See nicht ungefährliche Sache. Man nennt das auch wohl »eine
+Eule fangen«, wohl Anklang an das Sprichwort: »do hät en Uhl säten«,
+»da ists unglücklich zugegangen«. Französisch faire chapelle.
+»Durchgedreht« sagt der Seemann auch von einem, der einen Sparrn zu viel
+hat, oder den er im Ärger für »verrückt« erklärt, ohne daß der
+Betreffende wirklich geisteskrank zu sein braucht.
+
+
+*Durchholen*,
+
+ein Tau durch einen Block holen, ohne daß zugleich eine Last, die an dem
+Tau befestigt wäre, geholt würde, also das lose Tau holen, »die Lose
+durchholen« wie der seemännische Ausdruck lautet. Da dieses kein
+anstrengendes Geschäft, sondern eher ein Vergnügen ist, so heißt »die
+Lose durchholen« auch im Munde des Seemanns »sich amüsieren«. »Da wollen
+wir einmal die Lose durchholen«, sagt wohl einer zum andern nach langer
+Seefahrt angesichts des winkenden Hafens.
+
+
+*Dürrkessel*, s. Kessel.
+
+
+*Düne*, die,
+
+Sandhügel, Sandrücken, sandige Erhöhung am Meer. Es ist an
+Verwandtschaft mit dem griechischen thin, Haufe, Sandhaufe am
+Meeresufer, gedacht worden und an eine Sanscritform, die eilen, laufen
+bedeutet, so daß die Düne wegen ihrer Veränderlichkeit und Beweglichkeit
+so hieße (Weigand); aber dem widerspricht doch sehr der Gebrauch des
+Wortes in allen keltischen Sprachen, wo es als Endung keltischer
+Städtenamen geradezu einen festen, befestigten Ort bedeutet; gaedhelisch
+dun, kymrisch din, Breizonek, kornisch dun: Anhöhe, Burg, Hügel;
+englisch town, Stadt und down, Düne; französisch dune. Vielleicht
+verwandt mit der Wurzel des althochdeutschen Zeitworts thenian, dehnen,
+ausdehnen, in die Höhe gehen.
+
+
+*Dünung*, s. Deining.
+
+
+*Dwaidel*, der,
+
+ein Wischer, aus alten Lumpen gefertigt, die an einem Stiele befestigt
+sind, womit der Matrose auf Handelsschiffen, namentlich kleineren, sein
+Fahrzeug reinigt. Auch Dweil. Ist das sonst im Niederdeutschen
+gebräuchliche Dwele, Handdwele, altdeutsch dwahila, niederländisch
+dwaele, englisch towell, franz. touaille, wangerländisch dweil.
+Hochdeutsch Quehle und Zwehle mit großer Verwandtschaft in allen
+germanischen und romanischen Sprachen. Grundbedeutung: Etwas zum Netzen,
+Naßmachen, Waschen.
+
+Davon Zeitwort dweilen, waschen, Deck waschen.
+
+(Davon durch Aphäresis des d und indem der Lippenlaut w zu einem
+Zungenlaut f wurde: Faidel, Feidel, Feudel, Scheuertuch).
+
+
+*Dwars*
+
+bedeutet *quer* und ist nur eine andere, niederdeutsche Form eben dieses
+Adverbiums. Althochdeutsch twer, dwer, angelsächsisch thveores,
+altnordisch thvers, altfriesisch thwers, twers, mittelniederländisch
+dwars. Im »Seebuch«, 1400, dweers, im Teuthonista dwerss; Kil. dwaers,
+dweers. In oberdeutschen Mundarten zwerch. Das Wort wird an Bord oft
+gebraucht, namentlich bei Geschwadermanövern, wo neben der Kiellinie die
+*Dwarslinie* eine wichtige Formation der Schiffe ist.
+
+In Ostfriesland wird dwars und dwas auch außerhalb der Seemannssprache
+überall da gebraucht, wo man im Hochdeutschen quer gebraucht, sogar
+dwaskop wird für Querkopf gesagt; von dwas, dwass im Sinne von verdreht
+kommt dann unser vulgäres dwatsch.
+
+»Dwars ab« von einem Turm, einer Bake heißt, sich dem Turm oder der Bake
+gerade gegenüber befinden. »Item twisschen Engelandesende unde Lizart
+middes in de Montzbaye licht en hochachtich berch, dat is ene gude
+kenninge, also en man kumpt dwers ut der See« heißt es im »Seebuch«
+(1400); Engelandesende ist das, was wir jetzt kurz Landsend nennen; noch
+bei Waghenaer, 1588, heißt dieses Vorgebirge Engellandesende.
+
+
+
+
+E.
+
+
+*Ebbe*, die,
+
+das Zurückfließen des Wassers nach einer Flut und der Stand des
+niedrigsten Zurückgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen zusammen
+bringen wollen, so daß Ebbe die ausgleichende, ebnende Meeresbewegung
+darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der Meeresspiegel
+wieder gleich und glatt gemacht würde. Aber das tut die Ebbe gar nicht,
+sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es nicht auf den
+mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter, macht also den
+Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut ungleich. Auch
+hat es nichts mit dem in »Abend« steckenden Begriff des Abnehmens, des
+Sinkens zu tun, vielmehr kommt für die Erklärung das gothische ibuks,
+sich rückwärts bewegend, in Betracht, und das althochdeutsche ippihhon,
+zurückrollen, und abuh, abgewendet, umgewendet, verkehrt;
+mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht; noch heute in
+oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: »Du hast deinen
+Strumpf auf die ebche Seite angezogen«, »der Baum steht auf der ebchen
+(der Sonne abgekehrten) Seite des Berges«; auch eber, aber, appa, Stelle
+am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und für das Schmelzen des
+Schnees gebraucht (»es ist so schön appa, sand d' Alma so grün«,
+schwäbisch, »der Schnee ist weg (und deswegen) sind die Hochweiden so
+grün«). Ebbe ist also das sich rückwärts bewegende, zurückfließende,
+zurückkehrende Wasser im Sinne des lateinischen recessus. Altfriesisch
+ebba: »dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara dan mitta ebba ut ende
+mit da floed op.« Angelsächsisch ebba, englisch ebb, hier besonders oft
+im übertragenen Sinne gebraucht, »I felt them slowly ebbing, name and
+fame«, Tennyson; auch als Adjectivum: »The water there is very low and
+ebb«, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe, niederländisch eb,
+dänisch ebbe, schwedisch ebb, französisch (1702) ebe, il y a ebe.
+
+Eine Ebbe und eine Flut zusammen heißt eine Tide, (nicht englisch,
+sondern deutsch auszusprechen).
+
+
+*Eiland*, das,
+
+im Munde des niederdeutschen Matrosen gebräuchliches Wort für Insel. Man
+hat es mit Einland erklären wollen, allein für sich im Meer liegendes
+Land, ähnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber, daß in der Edda
+ey für sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy, schwedisch ö,
+dänisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe, ouw, auw,
+althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederländisch ooghe, oghe,
+aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue, grünes,
+wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Württemberg, die »goldene Aue«
+und viele Zusammensetzungen mit au), und daß alle diese Formen sich dem
+gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen zugesellen
+lassen, so kann kein Zweifel sein, daß Eiland nichts weiter als
+Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich bewegen,
+eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) *rinnen*; erhalten in vielen
+deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach,
+Neckarsteinach, (dann in vielen Flußnamen in denen das k zu einem h
+verflüchtig und dieses demnächst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch
+Ehe, wohern Emden = Ehemünden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen
+(Wald, wold, Karl, Korl) mußte ach im Niederdeutschen, besonders im
+Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog,
+Schirmonnikoog, Middoge, Nordernye(oog); (die Erklärung: Auge ist schön
+gedacht aber nicht sprachlich begründet). Wir haben in dem ei von Eiland
+eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im Niederdeutschen
+angenommen hat; wangerländisch öeland, mittelostfriesisch oyelauhn,
+mittelniederdeutsch eyland, eland, oland; altfriesisch alond; schwedisch
+öland (die Insel Oeland, vergl. Far oer, Far-Inseln).
+
+Im Jahre 1286 hieß der Name der Insel Neuwerk am Ausfluß der Ebbe: O;
+1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl. Greifswalder
+Oie.
+
+
+*Einbuchtung*, s. Bucht.
+
+
+*Einender*, s. Kessel.
+
+
+*Einfieren*, s. Fieren.
+
+
+*Einholen*, s. holen.
+
+
+*Einkeepen*, s. Keep.
+
+
+*Eins*,
+
+seemännische Redensart: »in Eins bringen«, d. h. zwei feste Punkte am
+Lande so peilen, daß sie sich decken, daß sie *ein* Punkt werden. »Du
+darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart
+Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die große Bake »in Eins«
+gebracht hast, oder auch bloß »in Eins« hast.«
+
+
+*Eisdragge*, Eisanker s. Dragge.
+
+
+*Eisenkrank*,
+
+ist ein (hölzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich die Bolzen
+verrostet sind und der Ausbesserung bedürfen. Krank kann eigentlich nur
+sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl. krängen), aber der
+Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff, wie denn überhaupt
+das Volk gerade durch Personifikation sich sehr treffend auszudrücken
+vermag; »die Tür schreit nach Öl« wenn sie rankst; »die Stange will ihr
+Recht«, sagte ein Maurer, der Löcher für eine Eisenstange machen sollte
+in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen.
+
+
+*Embargo*, der,
+
+eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch eine
+feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung.
+Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also
+in seiner Bewegung beschränkt. Daher ist die Form des Wortes und die
+nächste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das
+mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hieß schon nicht mehr bloß Balken,
+sondern Zaun, Gehege, *Schranke*.
+
+Früher nannte man »ein Schiff mit Embargo belegen« auch das, was jetzt
+zu den Obliegenheiten der Schiffsbesichtigungskommission (s. d.)
+gehört. In England ist das Wort so gang und gäbe, daß man es bildlich
+anwenden kann, »to lay an embargo on free speech.«
+
+
+*Ende*, das.
+
+Seemännisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann aber auch
+alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende ist der
+Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhört. »Da
+indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und Länge
+(dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann, ohne
+daß vom Anfang bis zum Schluß von Etwas eine gewisse Raum- und Zeitlänge
+verfließt, so gebraucht man das Wort Ende auch in der Bedeutung von
+einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung in den Raum
+oder in die Zeit hinaus.« (Doornkaat). So spricht man von einem kürzeren
+oder längeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch ein Ende
+begleiten. Zu bemerken ist, daß, wenn man bei einem Tau von einem Ende
+spricht, man zwar zunächst an einen Teil eines Taues denkt, daß der Teil
+aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im Gegenteil, nur weil er
+noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau nach ihm Ende genannt
+werden, pars pro toto.
+
+Sprichwörtlich sagt der Seemann: »da ist das Ende von weg«, d. h. »es
+hört »sich« alles auf«, »es ist gar nichts mehr zu machen,« »es steht
+sehr schlimm.«
+
+
+*enkelt*
+
+heißt einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht für ein
+Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei besonderen
+Teilen) über eine Scheibe läuft, überhaupt ohne technisches Hilfsmittel,
+also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewöhnlicher Strick, gebraucht
+wird.
+
+Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heißt en enkelten daler ein
+Taler in *einem* Stück; in Ostfriesland oft im Gegensatz zu doppelt
+gebraucht, auch für einfache, nicht gefüllte Blumen. Verwandt mit dem
+gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei Uhlenbeck auf das
+altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer, hinweist.
+
+
+*entern*,
+
+ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit *Enterdreggen* (s. Dragge)
+an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei wurde eine
+säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als
+»*Entermesser*« bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare,
+hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen,
+hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das
+englische to enter wird in den allerverschiedensten Bedeutungen auch
+seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at the
+custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = »to go
+on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in combat.«
+Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft genug vor,
+unser entern aber heißt aborder, und das Substantivum abordage, zugleich
+ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch nicht, er hat wohl
+ein endteren, aber das bedeutet bei ihm »schnattern wie eine Ente.« Auch
+Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht an einer Stelle, wo
+er es hätte gebrauchen müssen, wenn es ihm bekannt gewesen wäre, und es
+wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da er unter Carl V.
+gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark dem Spanischen
+zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches »Von Kayserlichen
+Kriegßrechten etc. etc.«: »Von dem Meer, See, Schiff oder Wasser krigen,
+fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an Kriegßvolck zu
+Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff oder ernst, gegen
+Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.« MDLXV Kluge: »seit
+Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei Chyträus Kap. 36
+bezeugt.«
+
+In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der
+neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da
+wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung
+hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In
+Anlehnung an den Begriff hinüberklettern, hinaufklettern, der in Entern
+liegt, hat man durchgängig in der Seemannssprache das Wort entern für
+»klettern« in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das
+Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde,
+sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen:
+aufentern, niederentern. Kommandos: »enter auf!« »enter nieder!«
+
+Im »Durchläuchtigsten Seehelden« 1681 wird das Wort entern im
+eigentlichen Sinne gebraucht: »Als sie (Admiral Heyn und seine Leute)
+auf die Spanischen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber
+nach dem ein paar mal die Musqueten auf sie gelöset wurden, entfiel
+ihnen der Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen
+der Höhe der Schiffe hinauf zu kommen und zu *entern*. Ohngefehr hieng
+ein Schiff-Seil herauß, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er
+droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu
+machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit
+guter Gemächlichkeit täten, daß die Spanier zusahen, und gantz keine
+gegen Wehr darwider täten. Als nun inzwischen die andern Schiffe
+enterten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die
+Spanier alle hinunter lieffen.« Doch vermeidet dasselbe Buch an anderer
+Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. »Hierauf fuhren sie
+fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der
+dasselbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun
+geschah, daß Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr
+nach Mittags, dasselbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie
+schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schüsse gegeben und ihre
+Segel-Stange herunter gestossen, legte er ihnen an Bord, und sein Volck
+sprang hinein und funden allda einen großen Reichtum« ...
+
+
+*Erlaubnisabzeichen*, das,
+
+war in den Anfangszeiten des Schiffsjungeninstitutes ein Abzeichen der
+Würde eines Bootsmannsmaaten, der noch kein eigentlicher Bootsmannsmaat
+war, sondern nur an Bord die Dienste eines solchen versah; wenn er aber
+an Land ging, so war er gehalten, das Abzeichen (den Anker) den er nur
+an Bord zu tragen die Erlaubnis hatte, abzulegen und zurückzulassen,
+offenbar traute man ihm seiner großen Jugend wegen noch nicht die
+Fähigkeit zu, den Stand eines Unteroffiziers auch am Lande würdig zu
+vertreten.
+
+
+*Erster Offizier*,
+
+der nächste nach dem Kommandanten, im Behinderungsfalle und auch sonst
+in vielen anderen Fällen sein Stellvertreter, ihm für alles was im
+Schiffe vorgeht verantwortlich, überhaupt ein Mann, auf dem für
+gewöhnlich die ganze Last des Schiffsdienstes liegt. Er heißt Erster
+Offizier nicht etwa nur als primus inter pares oder weil er der
+Dienstälteste in der Messe ist, also nicht in dem Sinn, in dem man sagt
+»Erster Wachoffizier«, sondern etwa so wie man sagt: »Erster
+Staatsanwalt.« Also die Bezeichnung eines besonderen Amtes, einer einem
+Manne amtlich und dienstlich übertragenen Stellung.
+
+
+*Eselshaupt*, das.
+
+Das Verbindungsstück am Kopfe des Mastes, durch das die Stänge mit dem
+Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonderbares Wort. Breusing sagt: »Ich
+möchte glauben, daß der ursprüngliche Name Eselshuf gewesen ist, da
+diesem die Gestalt genau entspricht, während man für die Bezeichnung
+Eselshaupt gar keinen Anhalt hat.« Huf für Haupt zu setzen ist ein
+Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen ist. Haupt ist auf
+alle Fälle festzuhalten, weil der niederdeutsche Seemann Hofd sagt und
+dieses Hofd auch noch in anderer Verbindung, z. B. Dodshofd, vorkommt,
+wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt muß also stehen bleiben. Aber
+wenn wir uns den Esel näher betrachten, so hat er mit der Zoologie
+ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es handelt sich
+vielmehr um die Anatomie des menschlichen Leibes, wie Haupt schon
+vermuten läßt. Dem Haupt zunächst verbunden ist die Schulter, die
+Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel,
+angelsächsisch eaxl, altsächsisch ahsla, altisländisch öxl, italienisch
+ascella, provençalisch aissela, mittelniederdeutsch assel und asle. Da
+liegt doch die Vermutung nahe genug, daß aus diesem Assel Esel geworden
+ist. Das Eselshaupt stellt die Verbindung von Kopf und Schulter dar.
+Durch die eine, runde Öffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach
+oben, die andere, viereckige Öffnung sitzt als Schulter zu dem dazu
+gehörigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Daß die Stänge als das
+Haupt angesehen werden kann, wird der nicht bestreiten, der weiß, daß
+sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum
+letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewiß Eselshaupt
+= niederdeutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen
+wird.
+
+Daß das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht nachweisbar ist,
+darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch einmal. Aber wenn
+auch nicht, so ist damit noch nicht bewiesen, daß es überhaupt nicht
+vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufällig in irgend eine alte Urkunde
+geriet, wer hätte es aufschreiben sollen? Wer schreiben konnte, das
+waren die Mönche, und die kannten das Wort nicht oder hatten keine
+Veranlassung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren die
+braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch die
+Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch bewiesen
+werden, daß die mittelniederdeutsche Form für Achsel nicht nur Asel,
+sondern auch Esel hieß. Auf der Oldenburgischen Bibliothek findet sich
+ein altes geschriebenes Gebetbuch vom Jahre 1473, darin kommt die
+Stelle vor: »Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware cruce
+leyden.«
+
+Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so hätte man anstatt
+Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen dürfen. Daß man
+Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das e
+in Esel eigentlich ein a sein müßte, von wegen asinus. Niederdeutsch
+heißt der Esel auch heute noch Äsel, und zwischen diesem und Asel ist
+lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben
+bei solchen Wortbildungen nicht den Ausschlag, sonst hätte unser
+deutsches Flüssigkeitsmaß Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England
+nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden können.
+
+
+*Etmal*, das.
+
+Ein Etmal ist in der Seemannssprache ein Zeitraum von 24 Stunden, und
+zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages gerechnet.
+»Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen« heißt also: wir haben in 24
+Stunden 300 Seemeilen zurückgelegt. Auch insofern ist ein Etmal ein
+Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal
+Flut stattfindet, es erstreckt sich also über zwei Tiden; jedoch kommt
+es auch vor, daß Küstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12
+Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne
+und übersetzt es mit dies naturalis: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen
+leitet er es von eten = essen ab, »prandere quia astrologi incipiunt
+diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo
+tempore vulgo pranditur.« Ähnlich Weiland: er nimmt etmal = eetmal, »dit
+schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel
+omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen.« Man könnte sich
+versucht fühlen, das für einen Witz zu halten wenn die
+Wörterbücherschreiber nicht sonst so ernste Leute wären.
+
+Das -mal ist ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel,
+althochdeutsch mal) einen Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt,
+dann Zeit überhaupt, besonders aber auch Zeitpunkt des Essens (weshalb
+unser Mahlzeit eine der vielen Tautologieen der deutschen Sprache
+darstellt).
+
+Die erste Silbe »et« wird von Diefenbach als ein verstärkendes, die
+Wiederkehr anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Präfix
+erklärt. Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der
+Ostern. In Beówulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr,
+(Rückkehr des alten Zustandes nach der Rückkehr von Grendels Mutter),
+ferner ed-wendan sich zurückwenden, und ed-wenden die Wendung, der
+Wechsel. Im Altfriesischen hat Etmal schon die seemännische Bedeutung:
+»Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta«, »das soll man binnen dreimal
+24 Stunden befechten.« Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen
+(nachdem das Gras bereits gemäht oder abgeweidet war, auch et-grün)
+vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo
+der Pflug beim Pflügen am Ende des Ackers immer wieder umkehren muß,
+hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung
+eddach, ettink für einen regelmäßig in bestimmten Zeitabschnitten
+wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed =
+Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in
+Anwendung und können daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern
+ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmäßig wiederkehrender Tag, schon
+weil dafür auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten
+Zeitpunkt andeutet.
+
+Was das seemännische Etmal betrifft, so empfiehlt Lucas Janszoon
+Waghenaer in seinem »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, sehr, es regelmäßig
+auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: »Tis seer goet alle Etmalen
+eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende behouden heeft,
+op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft, ende hoe alle de
+hoecken ende landen van u zyn legghende.« Derselbe Waghenaer spricht
+auch wiederholt von einem Etmal des Mondes.
+
+
+*Eule fangen* s. durchdrehen.
+
+
+*Evolutionsbogen*, der,
+
+verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die gleichmäßige Bewegung im
+Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders gradeaus steuernde Schiff
+unter dem Einfluß des gelegten Ruders in die regelmäßige Drehung
+eintritt, muß es einen Bogen beschreiben, eine Kurve, die der
+Evolutionsbogen heißt. Man unterscheidet demgemäß auch einen
+Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch evolvo,
+sich entrollen, aufrollen.
+
+
+*Ewer*, der.
+
+Name eines kleinen Fluß-, Kanal- oder Wattschiffes, besonders bekannt
+durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint, es sei
+über die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts zu
+sagen. Wenn man aber bedenkt, daß in zahlreichen mittelniederdeutschen
+Urkunden eever, ewar und envare neben und durcheinander gebraucht
+werden und daß envare in dem Zolltarif der Margarethe von Flandern vom
+Jahre 1252 erklärt ist als ein »navis, que dicitur envare, que habet
+remex retro pendens (debet) comiti IV. den,« so ist der Gedanke doch
+sicher nicht zu kühn, daß das Boot ursprünglich von *einem* Manne
+*gefahren* wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro pendens war, so
+daß also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde. Einfahrer wäre also
+die Hochdeutsche Übersetzung. Natürlich ist dabei nicht angenommen, daß
+das Schiff 1252 noch von *einem* Manne gefahren wurde, sondern nur, daß
+es sich -- wer weiß wann? -- aus solch kleinen Verhältnissen heraus
+entwickelt habe, ähnlich wie Fregatte sich aus einem Ruderschiff zu
+einem Dreimaster ausgewachsen hat.
+
+Breusing hatte sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich
+Eber, wiewohl ihm bekannt war, daß in den beiden Worten zwei ganz
+verschiedene anlautende e stecken. Und als Müllenhoff das Gewicht seines
+Ansehens gegen die Gleichstellung in die Wagschale warf, da ließ er
+freilich den Eber fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch
+an, wie schwer es ihm ward.
+
+
+*Exerziermast*, der,
+
+ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehört, sondern am Lande, in der
+Nähe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz als Schiffsmast getakelt
+ist, und an dem ungeübte Matrosen, Schiffsjungen etc. etc. ihre Übungen
+im Entern etc. etc. anstellen. Er hat also ungefähr die Bedeutung eines
+Turngerätes für angehende Seeleute; auch wohl die eines schönen
+Spielzeuges für heranwachsende Knaben.
+
+
+
+
+F.
+
+
+*Faden*, der,
+
+dasselbe wie Klafter, ein Maß von 5-6 Fuß; bedeutet, ebenfalls wie
+Klafter, ursprünglich Umarmung mit beiden ausgestreckten Armen. Beide
+Wörter sind als Maß ähnlich gebildet wie Elle von (Ellenbogen) Elbogen.
+Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser zu einem »Faden«
+gedreht, die so lang ist, daß sie von der Hand des einen ausgestreckten
+Armes zu der Hand des anderen ausgestreckten Armes reicht. Noch im 17.
+Jahrhundert fadem, englisch fathom, in deutschen Mundarten Fadem.
+Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten Arme, angelsächsisch fädm,
+die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht, Schutz, Busen, Schooß.
+Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch fahan, fangen, umfangen;
+griechisch petannymi, ausbreiten. Vom lateinischen patere, offen stehen,
+sagt Kluge, daß es schon »weiter abseits« liege; also entfernte
+Verwandtschaft.
+
+Das französische brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden:
+die Entfernung der beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind.
+
+Meist wurde Faden als Tiefmaß gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt
+einleitend zu seinen Seekarten: »Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle
+Havenen, Riuiren, Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op
+de ondiepten ende sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep
+zyn ... alles met half vloet.«
+
+Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch für Bezeichnung einer
+Entfernung: »Item een myle buyteu de Clippen van Obenrack leyt een
+rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet tusschen die
+Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden dan veertich
+vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden, comt den
+lande niet naerder dan op veertich vadem.«
+
+
+*Fahne*, die,
+
+gehört streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt Fahne
+Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad
+Fähnrich zur See (für Seekadett) eingeführt. Fahne heißt eigentlich
+Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch;
+althochdeutsch, altsächsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch
+pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel);
+griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen
+= ziehen, spinnen, hängen. Altfranzösisch fanon, Tuch; aber gonfalon,
+italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, »Kampftuch« ab.
+Finnisch faana, die Fahne. Der Fähnrich hieß althochdeutsch faneri,
+Fahnenträger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einfluß von
+pendeo, hängen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant =
+Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet.
+
+
+*Fähre*, die,
+
+ist von Fährschiff so zu unterscheiden, daß Fähre ein flaches, niedriges
+Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen, Pferde, Wagen, ja neuerdings ganze
+Eisenbahnzüge an einer bestimmten, dazu eingerichteten Stelle über einen
+Fluß oder ein sonstiges Gewässer gesetzt werden; es geschieht mit Staken
+oder Riemen, mit Hilfe eines Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb.
+
+Fährschiff aber ist ein wirkliches Schiff, das auf Flüssen, Seeen,
+Kanälen und in Küstengewässern regelmäßige Fahrten von einem Ort zum
+andern macht und für einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren
+mitnimmt; also ähnlich wie Börtschiff, nur vielleicht mit kürzeren
+Fahrten.
+
+
+*fahren*
+
+wird auch in der Seemannssprache in der gewöhnlichen neuhochdeutschen
+Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem Sinne, der der
+eigentlichen Bedeutung »sich von einem Orte zum anderen bewegen«
+widerspricht. Man sagt: »Das Tau fährt nach vorne, nach achtern, nach
+unten.« Beim laufenden Gut möchte das noch angebracht sein, wiewohl es
+bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort verändert; aber beim
+stehenden Gut muß man sich schon zwingen, daran zu denken, daß es auch
+einmal noch nicht stehend war und erst beim Auftakeln des Schiffes in
+seine Stellung geführt worden ist.
+
+Außerdem gebraucht der Seemann fahren im Sinne von »zur See fahren.«
+»Ich bin mit ihm gefahren,« heißt: »ich bin mit ihm zusammen an Bord
+gewesen, mit ihm zusammen auf einem Schiffe gefahren.« »Ich fahre auf
+Handelsschiffen,« sogar: »ich fahre auf Südamerika« (mundartlich: »ich
+mache in Amerika,« jedoch nur von einer einzelnen Reise, während der
+Seemann, der »auf« Amerika fährt, damit sagen will, daß er wiederholt
+und mit einer gewissen Regelmäßigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin
+betreibt.) Ein »befahrener« Mann ist einer, der entsprechend lange zur
+See gefahren hat -- der Seemann sagt stets »ich *habe* gefahren,«
+offenbar weil er sich dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt
+-- um in der Seemannschaft erfahren zu sein.
+
+
+*Fahrrinne*, die,
+
+eine natürliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe noch fahren kann;
+sodann die natürliche Vertiefung in einem Hafen im Verlaufe der Richtung
+die ein Schiff steuern muß, um nicht auf Grund zu geraten, daher meist
+Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann. Besonders aber ein
+künstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es, daß man ihn mit
+Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, daß man ihn ausgebaggert hat.
+
+Früher hatte man ein seemännisches Wort Fahrweg. Im Seebuch, 1400,
+kommt es oft vor und bedeutet den Weg draußen auf offener See, im
+Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande unbehindert fahren kann,
+jedoch mit der Beschränkung die heutzutage das Fremdwort Route andeutet,
+Wasserstraße als nächster Weg von einem Orte zum andern. »Item in der
+reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten mane (Mond), unde uppe
+der stille suden mane, unde buten in deme varwege maket vul see
+sudwesten mane.«
+
+Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch Waghenaer: »tusschen Heys en
+Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen
+'t vaerwater zynde vintment diep 25 vadem. Twee kenninghen buyten Heys,
+werpt ghy 45 vadem.« Es ist also ein Unterschied zwischen einem äußeren
+Fahrweg und einem inneren Fahrwasser.
+
+
+*Fahrt*, die.
+
+1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins Mittelmeer.
+
+2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; »das
+Schiff ist in Fahrt,« »das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt«, »es
+ist in voller Fahrt«, »es fährt mit halber Fahrt«. Auch in übertragenem
+Sinne von Menschen gebraucht: »der ist in der Fahrt«, »die ist mächtig
+in der Fahrt«, wenn jemand recht im Eifer ist.
+
+3. Man unterscheidet »Große Fahrt«, »Kleine Fahrt«, s. Schiffsregister.
+Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhält er das Patent für
+die seinem Wissen and Können entsprechende Fahrt, »große Fahrt«,
+»Küstenfahrt« u. s. w.
+
+Früher unterschied man nur »große und kleine Seefahrt«, und erstere war
+besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« Lübeck 1673, spricht in einem
+Vorwort an den »günstigen Leser« von den Fortschritten, die der Mensch
+in der Observation gemacht habe. »Wil se nu dorch dise Erfahrenheit
+gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst ümmermehr na
+gesöcht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden;
+Insünderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell
+unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert.
+
+Se hebben sick ock herna in dise Kunst mehr geövet, und insünderheit die
+Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen,
+alß by er uth gegeven Böck tho sehende, welcke Böck wi ock by unser
+Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser
+Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben,
+dar idt doch ein hochnödich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van
+unsen Seefahrenden nicht wol in der Holländischen Sprack noch in er Böck
+tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht
+verstahn noch begripen könen.
+
+Ock sunt de Nedderlandesche Böck mit der _groten Seefahrt_ mehrendeles
+vorfüllet, welckes besteit in Affdeling der Sphera der Werrelt, Bewegung
+der Hemmelen, im gelicken de dre Huckes, Krum Streck, langet und bret
+Recknung, und vel ander Regulen, de uth der Astronomie und Cosmographie
+genahmen; Welckes unsen jungen Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na
+den mahl so selden de Ost- und West-Indyen befahren. Se werden averst
+velmehr dorch de mannigfoldigen Regulen up geholden, wil se de sünder
+Anwising und gud Underricht nicht lehren noch underscheden können, wat
+Regelen er tho der _groten offt klenen Seefahrt_ fodderlick und nütlick
+sin!« ...
+
+
+*Fahrzeug*, das,
+
+ist im Allgemeinen eine Bezeichnung für alles was Schiff heißt, jedoch
+im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren, Minderwertigen,
+Kleinen. Ein Panzerschiff erster Güte wird man kaum ein Fahrzeug nennen;
+dagegen spricht man von Werft-, Hafen-, Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist
+neueren Ursprungs, erst seit 1695 bezeugt, und soll eigentlich
+niederdeutsch sein. Im Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da
+kommt nur ein vartouwe vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet,
+wiewohl sonst tuch und tug in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich
+auch im Sinne von Kriegszeug. Und auch im Neuniederdeutschen ist das
+Wort kaum gebräuchlich. Vielleicht daß es sich aus dem Niederländischen,
+wo vaartuig öfters gebraucht wird, eingeschlichen hat.
+
+
+*Fake*, *Facke*, die,
+
+meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die Zwischenräume
+zwischen den einzelnen Spanten oder Inhölzern. Als man die Kriegsschiffe
+noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken mit Holz
+ausgefüllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist nichts
+anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behälter, durch Scheidewände
+eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung, Abschnitt, Behälter.
+Die Faken sind also die Fächer zwischen den Spanten.
+
+
+*Fall*, das.
+
+»Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines
+Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach über
+eine Scheibe läuft. Die vorzüglichsten an Bord sind die Fallen der
+verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und
+Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres
+Falles verbunden«. (Brommy, »die Marine«). Jedes Segel hat ein Fall.
+Aber merkwürdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum
+Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Während
+nämlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehißt werden
+und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die
+Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst
+fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall
+ganz lose ist; sie bedürfen darum noch eines besonderen Niederholers.
+vergl. Drehreep.
+
+
+*Fallhorn*, das,
+
+ist das was sonst »Kopf des Stagsegels« heißt, nämlich das spitz wie ein
+Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das Fall befestigt
+ist.
+
+
+*Fallreep*, das.
+
+Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprüngliche, einfache und klare
+Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei diesem. Reep ist gleich
+Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem, der die Stufen der
+Bordwand hinauf wollte, hinabfallen ließ, sich daran festzuhalten. So
+bedeutet also das heutige Kommando »Fallreep!« eigentlich: »Fall Reep!«
+oder »laß fallen das Reep«, für den an Bord Kommenden (oder auch von
+Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten Stelle aus geschah,
+nämlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen Trittbretter
+eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der Nähe nach
+diesem fallenden Reep »am Fallreep«, »beim Fallreep«, oder auch kurzweg
+»Fallreep«, und der Nachtposten, der da steht, kann nun aussingen:
+»Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl!« Man denkt gar
+nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer einfachen
+Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklärt es sich auch, daß in
+späteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter
+richtige transportable Treppen einführte, diese Fallreepstreppen genannt
+wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Geländer das Fallreep überflüssig
+machten, so daß die sogenannten Fallreepsgäste das Tau nur noch
+symbolisch in die eigene Hand nehmen und nur so tun, als ob sie es dem
+Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine den
+Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann noch
+erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt. Wie
+sehr die ursprüngliche Bedeutung dem Bewußtsein entschwunden ist, lehrt
+besonders deutlich das Kommando: »Vier Fallreep« (für einen
+Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep
+genannt werden könnte, oder die Redewendung: »Er lehnt sich zum Fallreep
+hinaus«, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der
+Bordwand, der einer Tür ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist.
+
+Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren
+kommt und fällt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das
+Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann.
+Da muß man, wenn es nicht gar über eine Jakobsleiter am Besansbaum geht,
+die Trittbretter an der Bordwand benützen und zieht das Reep aus leicht
+begreiflichen Gründen den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern
+vor.
+
+Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat das
+holländische val-reep mit échelle de poupe übersetzt, was der erwähnten
+Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau,
+Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch übersetzte er es sinnreich mit
+tire-vieilles: »Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au
+distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde
+de chaque coté de l'échelle«.
+
+Der Übersetzer der »Durchläuchtigsten Seehelden« hat sich die Sache mit
+Fallreep leicht gemacht und einfach Falltreppe gesagt. Er beschreibt
+eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit König Franz I. »an den Bord des
+Käysers, da der König mit einer köstlichen zubereiteten Chaloup von
+Aquamorto, in Begleitung des Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals
+von Lothringen ankommen war. Der Käyser begegnete dem König an der
+*Fall-Treppen*, und empfing ihn mit aller Freundlichkeit, und führte ihn
+nach dem Hinter-Teil des Schiffes, allda sie viele Stunden mit einander
+in sehr ergötzlichem Gespräch zubrachten, unter welchem die fürnehmsten
+Herren Seiner Käyserlichen Majestät Hände zu küssen kamen.«
+
+
+*Fangleine*, die,
+
+eine lange, dünne aber feste Leine, die aufgeschossen, von Bord aus an
+Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung, wenn der Werfer
+seine Sache versteht, geworfen wird. Derjenige dem die Leine zugeworfen
+ist muß sie fangen, einholen und holt dann die am andern Ende der
+Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am nächsten Poller oder
+Ducdallen festzumachen. *Fangleine eines Bootes* ist eine etwas stärkere
+Leine, die als Schlepptau dient. *Fangtaue* sind dünne Tauenden, mit
+denen etwas im Wege Hängendes aufgebunden, beiseitegebunden, aufgefangen
+wird. *Fangstander* ist ein Stück Kette das das im Davit hängende Boot
+tragen hilft und also die Taljenläufer desselben entlastet.
+
+Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin nennen.
+
+
+*Fardage*, die.
+
+Packmaterial, Holz, Spähne, Rohr etc. etc. zwischen die einzelnen Teile
+(Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rütteln, Schütteln und Stoßen
+zu schützen, überhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem Französischen wo
+fardeau (altfranzösisch fardel) ein Bündel bedeutet; die Vorstellung ist
+also die, daß das Packmaterial in Bündeln zwischen die einzelnen Kisten,
+Kasten, Fässer u. s. w. gestopft wird; auch kommt im Englischen, außer
+diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches ebenfalls Bündel
+heißt, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer, widerwärtiger
+»Last« gebraucht wird, so daß man wohl auch bei Fardage an ein dem
+Seemann lästiges, unnützes, wertloses Stück der Ladung, das nur so als
+notwendiges Übel mitgeschleppt wird, denken darf.
+
+
+*Farunner*, das,
+
+ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der Matrosen, überhaupt der
+aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung. Ehrentraut, Friesisches Archiv
+II. 62, sagt von einer Tjalk, daß sie rund gezimmert ist, »hat aber
+keine Kajüte, sondern einen Raum, worin die Mannschaft sich aufhält und
+schläft: dait farunner, und zwar ein doppeltes, hinten und vorn, auch
+ein rum (Raum, Laderaum).« Das Farunner unterscheidet sich von der
+Kajüte dadurch, daß es nicht so hoch ist und man nicht aufrecht darin
+stehen kann, und daß darin gekocht wird. Ursprünglich trug nur der
+vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen farunner oder farunder,
+denn das far ist gleich för und es kommen die Formen förunder und
+vorunder vor. Letztere ist die älteste die mir bekannt geworden ist; sie
+steht in einer Bremer Urkunde von 1564: »darvp alsuort Jacob onde Albert
+de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in dat vorunder gegann, synn
+steuell onde kleider angetaghenn« ... För, vor ist gleich vorne,
+forunner also das »Vornunter«, der Raum wo die Leute vorne ihren
+Unterschlupf haben. Daß man hernach auch einen hinteren Unterkunftsraum
+so nannte, wird den nicht wundern, der das goldene Kopfeisen der
+Friesinnen kennt, oder die neumodischen Waschschwämme, die gar keine
+Schwämme sind, sondern aus Gummi verfertigt werden; sie heißen aber
+Schwämme.
+
+
+*Fastgaljas*, die,
+
+vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in dem
+niederdeutschen »Kasper Ohm en ik« von John Brinkmann vor. Wir haben es
+hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches
+fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn
+da heißt es nicht nur unbewegt, dauerhaft, beständig, haltbar, »fest wie
+Magdeburg«, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewiß, zuverlässig,
+kräftig, stark, tüchtig, sondern auch schnell. Zur Tüchtigkeit gehört
+eben in gewissen Fällen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heißt
+fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nämlich
+beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tüchtiges
+Schiff ist nur dasjenige, welches die nötige Geschwindigkeit entwickelt,
+wie der nur ein tüchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger
+»Fixigkeit« ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom
+Flecke kommt »a fast traveller.«
+
+
+*Felucke*, die,
+
+ein langes, schmales Fahrzeug des mittelländischen Meeres, mit zwei
+etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden lateinischen
+Segeln und acht bis zwölf Riemen an jeder Seite. Sie ist meist
+ungedeckt, hat aber am Heck eine Hütte zum Schutze gegen Wind und
+Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der
+Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, größere
+Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze
+Art von Fahrzeugen muß aber, trotz früher oft gerühmter Geschwindigkeit,
+vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere
+verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff.
+
+
+*Fender*, der,
+
+eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das Schiff, wenn
+es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem Schamfilen zu
+schützen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehängt wird. Erst in
+neuerer Zeit in die deutsche Seemannssprache, die früher nur
+Wreifhölzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes Wort. Vom
+lateinischen defendere verteidigen, behüten, beschützen, bewahren.
+»Schutz« würde also die Übersetzung ins deutsche sein.
+
+
+*Feuerschiff*, das,
+
+ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes vertritt, an einem Orte
+verankert, wo sich ein Turm nicht bauen läßt, wo aber doch wegen der
+Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders deutliches, weithin
+sichtbares Feuerzeichen nötig ist. Es hat keine eigenen
+Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum Hissen der
+Laternen bei Nacht, der Signalbälle bei Tage. Der Ausdruck Feuerschiff
+erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit, in der auf
+dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese jetzt durch
+Lichter verschiedener Art verdrängt sind, so ist der engl. Ausdruck
+light-ship sinngemäßer als unser deutsches Feuerschiff; bei Turm haben
+wir uns auch den veränderten Umständen angepaßt und sagen Leuchtturm,
+aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet.
+
+
+*fieren*,
+
+das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den Gegenstand,
+der an dasselbe festgebunden ist, nicht näher an sich heranholen,
+sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt nahe, bei diesem
+Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren heißt; von fir =
+Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen keine Arbeit getan
+wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist Weiland unterlegen; er
+schreibt: »vieren = rüsten (ruhen); den teugel vieren is, hem niet strak
+vasthouden, laten schieten.« Allerdings wird ja »geruht«, nachgelassen
+mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn überhaupt unmittelbar vorher
+geholt worden ist), aber das gibt doch nicht bei der Bedeutung von
+fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit holen bedeutet doch noch kein
+wiederablaufenlassen dessen das man geholt hat, sondern erfordert nur,
+daß das Geholte festgehalten und belegt wird. Überdies braucht dem
+Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar voraufzugehen, so daß schon darum
+nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten, Nichtweiterholen die Rede sein
+kann. Auch verbietet sich der Gedanke von feiern von selbst, wenn wir
+bedenken, was das heißt: »he let en fieren«; das heißt doch wörtlich:
+»er läßt einen streichen«, und wir haben da das andere niederdeutsche
+Wort fieren, welches auch unser seemännisches ist, mit *fern* verwandt
+ist und streichen heißt, fahren, gehen, laufen, schießen, gleiten; firen
+laten: los lassen, gehen lassen, frei geben, Raum und Freiheit geben
+sich zu bewegen; in die Ferne, ins Weite gehen, nicht bleiben und
+haften, nicht gehalten werden, -- das ist die Folge des Fierens, und das
+Gefierte, das nun nicht mehr gehalten wird, sackt, senkt sich, sinkt so
+lange bis es anderweitig Halt und Stütze findet. Bei einer Verhandlung
+über einen Seeunfall im Jahre 1564 sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus
+»dat N. dat spreeth loss gelatenn, sin schip vmme geswengeth ond dat
+grote anker ond touwe vthgefiret, ond he, tughe, dat plichtgarde
+(Pflichtleine) othgestekenn und gespraken: wat wylle gy vele fireinn? wy
+liggen alle an der grundt.«
+
+
+*Fest holen* s. holen.
+
+
+*Festzeisen* s. zeisen.
+
+
+*Fid*, *fidden*,
+
+nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus hartem Holze
+gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten die einzelnen
+Duchten von den Enden der Taue auseinander hält um durchstecken zu
+können. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort dürfte vom
+englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das gothische
+fetjan zurückgeführt wird, schmücken, dann in den zahllosen Bedeutungen
+von »zurechtmachen« gebraucht.
+
+
+*Fingerlinge*, die,
+
+nennt man starke eiserne Hänge am Achtersteven, in welche das Ruder mit
+den Haken eingehängt wird; es kann indessen auch umgekehrt gemacht
+werden, daß das Ruder die Fingerlinge hat und der Steven die Haken. Man
+stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tür vor. Zu Fingerling
+ist Däumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hülle, in die ein Finger
+paßt, wie der Däumling eine Umhüllung in die der Daumen grade
+hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen dicken Verband
+haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines ledernen
+Handschuhs, einen Fingerling, über, an dessem hinteren Ende ein Band
+befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut (Friesisches
+Archiv, II. 65) schreibt: »Das Steuerruder: dat rôr am Hinterteil hängt
+in vier eisernen Haken, welche in Büchsen sitzen. Diese Büchsen heißen
+da fingelin (Sing.: dju fingelin);« und zwar bezieht sich das auf die
+Sprache der Wangerooger Seeleute.
+
+
+*Finknetzkasten*, der.
+
+Der obere, kastenartige Abschluß der Reeling, in dem die Hängmatten
+verstaut werden. Diese wurden ursprünglich auf Kriegsschiffen vor der
+Schlacht auf die Reeling gebracht als Schutz gegen feindliche Kugeln.
+Hieraus entwickelte sich ein bleibender Verwahrungsort für die
+Hängematten mit entsprechender Gestaltung der Bordwand, kastenartig mit
+einem geteerten »Kleid« zum Überdecken. Aber wenn diese Einrichtung
+getroffen war, wurden im Falle einer Schlacht die Hängematten als
+Brustwehr mit großen Netzen befestigt. Diese führten den Namen Finknetze
+von dem niederdeutschen Schiffsnamen pink; das Fahrzeug dieses Namens
+war sehr vielseitig, wurde namentlich aber in Niederdeutschland als
+Fischerboot benützt, weshalb Kilianus das Wort auch mit navis piscatoria
+wiedergibt. Das große Netz dieser Pink hieß Pinknetz. (Kil.: pinck-net,
+rete majus). Der Übergang von Pink zu Fink stellt eine sehr gangbare
+Lautverschiebung dar. Das p des Umlautes wird zunächst affriziert zu pf
+und dann gestattet sich bequeme Aussprache in Nord- und
+Mitteldeutschland gerne die Spirans statt der Affricata: Ferd, Fand,
+Fund.
+
+Anstatt des Finknetzes für die Hängematten ward dann ein Kasten für sie
+gebaut, aber der Name blieb erhalten, es wird bloß Kasten hinzugefügt:
+Finknetzkasten.
+
+
+*fischen*,
+
+hat in der Seemannssprache außer dem gewöhnlichen Sinn auch noch den von
+festmachen, befestigen, unterbringen und zwar den bereits aus dem Wasser
+geholten (gekatteten) Anker. Der nachmalige Admiral Brommy beschreibt in
+seinem aus Athen datierten (Dezember 1847) Buche »Die Marine« den
+Vorgang des Ankerfischens: »So wie der Ring des Ankers über dem Wasser
+sich zeigt, haken zwei Bakgasten den Katzblock in denselben ein, das
+Gangspill wird wiederum gepallt. Schnell wird nun der Läufer der
+Katztakel angeholt, der Anker mittelst dieser an den Krahnbalken gezogen
+und durch die Penturleine daselbst befestigt. Der Fischhaken wird über
+den Schaft des Ankers geworfen und durch die Fischtakel derselbe auf die
+Seite gebracht, wo er mit der Rüstleine festgemacht wird.« Wie alles in
+der Seefahrt, so hat sich auch in diesem Stücke seit 1847 viel geändert;
+so hat man inzwischen einen Fischdavit erfunden und andere Neuerungen
+der Technik angebracht; die Bezeichnungen katten und fischen sind aber
+geblieben.
+
+
+*Fitten.*
+
+Ehe ein Schiff ins Dock geht muß es -- also unter Wasser --gefittet
+werden, d. h., es muß genau die gegenwärtige Form seines Kiels
+festgestellt werden, damit darnach die Stapelklötze so aufgebaut werden
+können, daß nachher im Dock wenn das Wasser sinkt und das Schiff sich
+auf die Klötze setzt, der Kiel in allen Teilen genau und richtig
+unterstützt ist, namentlich auch in etwaigen beschädigten Teilen, sei
+es, daß der Kiel durch die Länge der Zeit von seiner ursprünglichen Form
+gewichen ist, sei es, daß durch Festkommen eine Havarie entstanden, eine
+Beschädigung hervorgerufen ist. Diese festzustellen, den Fehler genau
+graphisch darzustellen dient eine Vorkehrung, eine Art Rahmen, *die
+Fitte* genannt. Und die Tätigkeit heißt fitten. Es liegt nahe an eine
+der vielen Bedeutungen des englischen to fit zu denken. Aber keine von
+ihnen paßt. Desto besser paßt ein noch viel näher liegendes
+niederdeutsches Zeitwort fitjen, das zunächst tadeln bedeutet, dann aber
+auch mäkeln, kritisieren, *geflissentlich Mängel aufsuchen*.
+
+
+*Fischerstek*, s. Stek.
+
+
+*Fjord* s. Föhrde.
+
+
+*Flagge*, die.
+
+Kilianus erklärt das Wort fenlyn durch flammeum, flammeolum, d. h.
+Brautschleier, weil in Rom dieser flammend rot war. Eine ähnliche
+Gedankenverbindung drängt sich auf zwischen Schleier und Flagge, wenn
+man nicht an die Farbe, sondern an das Wehen und Flattern eines
+Schleiers denkt. Was flattert das flackert auch. Und von Flackern kommt
+der Name. Er ist neueren Ursprungs, zuerst nach Kluge 1613 gebucht.
+Englisch flag, im Angelsächsischen war aber das Wort, weil
+wahrscheinlich auch die Sache unbekannt, obgleich schon die Flotte
+Wilhelms des Eroberers mit wehenden Flaggen an der englischen Küste
+landete. Im Beówulf heißt das, was wir Flagge nennen, segn = Signum, war
+aber keine Fahne, sondern ein Schild. Der hoch am Maste befestigte
+Schild galt als das Zeichen der Gegenwart des Befehlshabers; war der
+König selbst an Bord, so hißte man einen Schild von Golde. Sogar zu
+Häupten des toten Königs Skild banden sie, als sie ihn im
+reichgeschmückten Schiffe dem Meere übergaben, ein goldenes »segn«. Es
+gibt natürlich an Bord eines Schiffes vielerlei Flaggen: Kriegsflaggen,
+Nationalflaggen, Post- und Zollflaggen, Lootsenflaggen, Bootsflaggen,
+Signalflaggen, Winkflaggen, den blauen Peter, Admiralsflaggen etc. Was
+letztere betrifft, so genügte früher zur Unterscheidung des Ranges, wenn
+man sah an welchem Maste die Admiralsflagge gehißt war; jetzt, seitdem
+es überhaupt nur noch Gefechtsmasten auf den in Betracht kommenden
+Schiffen gibt, müssen die Admiralsflaggen unter sich verschieden sein.
+
+In England unterschied man früher (bis 1864) Admirals of the red, of the
+white, of the blue flag, und in jeder dieser Farben gab es wieder einen
+Admiral, einen Vice- und einen Kontreadmiral, (wonach zu berichtigen
+Lüpkes, Seemannssprüche p. 63, wo angeführt ist, daß im englischen
+Sprichwort Admiral of the red (flag) einen »Söffel« bedeutet, wegen der
+roten Nase, Admiral of the white einen Feigling und Admiral of the blue
+einen Schankwirt, wegen der blauen Schürze).
+
+Weil er das Recht hat, eine Flagge zu führen, nennt man den Admiral
+*Flaggoffizier*; *Flaggleutnant* aber heißt der Offizier, der des
+Flaggoffiziers, der ein Geschwader führt, rechte Hand ist.
+
+*Flaggenparade* heißt das feierliche Hissen und Niederholen der
+Kriegsflagge.
+
+Die Flaggen sind von feinem, wollenem Zeug, das zwar mit dem was wir
+sonst Tuch nennen gar keine Ähnlichkeit hat, aber doch *Flaggentuch*
+heißt.
+
+Die Leine, an die die Flagge angesteckt wird, oder vielmehr zwischen die
+sie eingeknebelt wird, heißt *Flagg-*(nicht Flaggen-)*leine*. Das
+Schiff, auf dem der Geschwaderchef seine Flagge gesetzt hat, ist sein
+*Flaggschiff*, auch wird es das Flaggschiff des Geschwaders genannt.
+
+Zu bemerken ist, daß die für ein an die Sprache der deutschen Marine
+gewöhntes Ohr sehr störend klingenden Formen Flaggenoffizier,
+Flaggenleutnant, Flaggenschiff etc. etc. in der österreichischen Marine
+gang und gäbe und auch im dienstlichen Gebrauche sind.
+
+Es war von jeher üblich mit wehenden Flaggen zu kämpfen;
+»Durchläuchtigste Seehelden« II 449: »unterdessen wuchs das Wasser (im
+Hafen von Ostende, es handelt sich um einen Anschlag der Franzosen auf
+diesen) ziemlich an, da denn mit einem Nordost-Wind zehn mit Volck
+geladene Barcken, mit fliegenden Flaggen und Wimpeln, Trommelschlag,
+bereitem Gewehr, und die von des Königes (es war 1658) und Mazarini
+Leib-Guarde ihre blaue Bardürete und andere Röcke, und die Befehlhaber
+ihre Federn und Feldzeichen anhabend, und den Marschall in der Mitten,
+mit seinem Orden des H. Geistes, hinein kamen: der Wind war so gut, daß
+als sie über die Bank, die an dem Eingang des Havens liegt, kommen, es
+ihnen nicht möglich war, (weil sie zugleich von den einlauffenden
+starcken Strom fort getrieben wurden) die Fahrt aufzuhalten. In dieser
+Gestalt kamen sie an die Kay.«
+
+Von der Aufstellung der spanischen und Venediger Schiffe unter Don
+Juan d'Austria bei Lepanto berichtet derselbe Verfasser: »Unter
+anderen Ordnungen war auch diese, woran nach aller Meinung sehr
+viel gelegen war, umb die bestellte Ordnung in dem Fechten zu
+halten, in Betrachtung, daß sowohl die Königlichen als Venedischen
+Galeyen unter einander vermengt waren, daß dieselbigen ein jede
+ihr besonder unterschieds-Zeichen haben sollten, damit sie sich in
+dem Schlagen leichtlich wieder unter ihre Flagge begeben konten,
+und also hatten die von der Bataille ein klein blau Fahne auf dem
+Gipffel eines jeden Mastbaums; die von dem rechten Fliegel eine
+grüne Banderol oder Fahne, an dem Ende der Segel-Stangen, die in
+dem linken Fliegel eine gelbe, und die im Nachzuge eine weisse auf
+dem hinder Theil der Schiffe.«
+
+Wenn man Leonhart Frohnsberger glauben darf, der 1565 so gut wie ers
+verstand über See und Seemannschaft geschrieben hat, so wurde in seinen
+Tagen mit Flaggen ein außerordentlicher Luxus getrieben. »Eines grossen
+hohen Potentaten Schiff der lust oder zier nach zu versehen, mag
+außwendig ober dem Wasser, gar überall mit deß Herren farben und Reimen
+gemalt und angestrichen werden, deßgleichen das vorder und Hinderhauß
+oder Schloß am Schiff, mag allenthalben auff das zierlichst mit Fanen
+oder Panier, wie mans denn pflegt zu nennen, so auch mit des Herrn
+Wappen und Farben gemalt, auffgesteckt werden, dareyn auch Reymen und
+vergülte Knöpff darauff zu setzen, und dann insonderheit, muß das hinder
+und vorder Schloß am Schiff zu aller vorderst und hinderst, ein
+zimlichen Platz zu beyden seiten oder ecken, auch von solchem Schloß
+kommen zu der Belle (belle, zwischen Groß- und Fockmast), weiter vom
+Schiff zwo viereckechte grosse Fanen, gleichfalls mit solchen farben,
+Reimen und Wappen, gar oben dem Tymon (»Steuerpflicht«) soll auch ein
+grosser Fanen sein, welcher die andern an der grösse alle übertrifft,
+und dann auf jeder Seiten des Hauß oder Schloß gegen dem Mästen, sollen
+sechs oder acht Fanen sein, und auff den Mastkörben vom großen Mast
+sollen rund umb, von der Breite und Höhe der gemeldten Mastkörb, auch
+mit Reymen, farben und Wappen geziert, und auch angehengt sein, zu dem
+mag oder soll noch ein gespaltener grosser breiter langer Standart oder
+Panier, der biß ins Wasser raicht, und auf dem Mast von gemeldtem
+Mastkorb soll auch ein großer Fanen, mit farben, Reymen und Wappen
+geziert sein, fliegen oder hangen.«
+
+
+*flaggen*
+
+heißt: die Flagge hissen oder setzen, wird aber in diesem Sinne für eine
+einzelne Flagge bei der Marine nur am Lande gebraucht; »die fiskalischen
+Gebäude haben zu flaggen«, »die Werft, das Lazaret flaggt«. An Bord, wo
+sich das tägliche Hissen der Flagge im Hafen von selbst versteht, sagt
+man nur dann, daß das Schiff geflaggt habe, wenn es über die Toppen
+geflaggt oder Flaggengala angelegt hat, wie solches bei hohen
+vaterländischen Festen, Kaisersgeburtstag etc. etc. zu geschehen pflegt,
+indem die Signalflaggen in langer bunter Reihe vom Bug bis zum Heck, an
+einem langen Tau befestigt, »über die Toppen«, von Mast zu Mast wehen.
+
+
+*Flaggenparade*,
+
+ist eine militärische Feierlichkeit an Bord der Kriegsschiffe im Hafen,
+nämlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h. a. m. und das
+feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei Sonnenuntergang.
+Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den Präsentiermarsch
+und der Flagge werden die militärischen Ehren erwiesen, während die an
+Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die Mütze sie
+grüßen. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen Flaggenparade
+erzählt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das Wort nicht und
+erwähnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts anderes. »Item
+wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne niedergang kompt,
+so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem öbersten
+Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch ein laut
+und groß Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder werden
+etwan mit Stück Büchsen drey schüß kurtz auff einander, zum zeichen der
+nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt anderen
+Pfeiffen und Trummen, überlaut zum dritten mal gegen deß öbersten Schiff
+erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen Schiffen, so
+umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gruß mit dancksagen
+erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber oder gantzer
+nacht, nach dem es dem Herrn gefällig, empfangen.«
+
+
+*Flaschenpost*, die.
+
+Wenn Schiffbrüchige ihre letzten Grüße auf einen Zettel schreiben, in
+eine Flasche stecken und diese fest verschlossen über Bord werfen, in
+der Hoffnung, es werde ein günstiger Strom sie an irgend eine
+zivilisierte Küste treiben, so nennt man dies eine Flaschenpost, wiewohl
+es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis) wenig genug zu tun hat.
+Man wirft aber auch ohne schiffbrüchig zu sein zuweilen Flaschenposten
+über Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und der Adresse des
+Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die Richtung der
+Meeresströmung schließen zu können.
+
+
+*flau*,
+
+flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung »der Wind flaut ab«,
+wird schwächer; auch: »das Interesse flaut ab«, »flaue Geschäftszeit«
+etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen fließen,
+strömen, schwimmen, waschen, spülen, ableiten dürfen, so ist das Wort
+nicht nur jetzt seemännisch, sondern ist es auch immer gewesen, und wir
+hätten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder im Wasser
+schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich, matt, schwach,
+kraftlos, gleichgültig (wie ein »Waschlappen«), verschwommen, blaß.
+
+
+*Flechting*, die.
+
+Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an Backbord
+entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die beiden
+aber aus einem Tau, das in der Mitte ein großes Auge hat, mit dem es
+über den Top des Mastes gestreift wird, so daß die eine Hälfte nach
+Steuerbord, die andere Hälfte nach Backbord fährt. Dieses Auge muß fest
+um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast
+geflochten wäre. Da ihrer mehrere über einander zu liegen kommen, so
+sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also
+seine Berechtigung.
+
+
+*Flibustier*,
+
+der = Seeräuber, stammt in seiner gegenwärtigen Gestalt aus dem
+Französischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein
+Fährschiff das den Namen flyboat führt und aus den Niederlanden
+übernommen ist, wo es vlieboot heißt, nach den Vlielandern auf Vlieland,
+welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun
+geschichtlich nur zu fest steht, daß die Bewohner der ganzen friesischen
+Küste von den ältesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre
+nicht immer die Seefahrt als »erlaubten Nahrungszweig« betrieben,
+sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben,
+wie die binnenländischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der
+Landstraße, so könnte das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn nicht
+die alte französische Form fribustier neben flibustier stünde. Das kann
+ja nun eine der überall so beliebten aus sprachphysiologischen Gründen
+geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wäre es denkbar, daß
+dieses r als organisch angesehen werden könnte, und dann müßte man das
+Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und im Mittelalter
+Vitalienbrüder (s. d.) genannt, in amerikanischen Gewässern bucaneer,
+französisch boucanier, von boucan einem caribischen Worte für räuchern,
+weil die ersten französischen Ansiedler auf Hayti wilde Ochsen und
+Schweine jagten und ihr Fleisch räucherten, dann aber auch gegen die
+Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende Kriegsschiffe; im
+Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg tätig auf Seite
+der Engländer, »Durchläuchtigste Seehelden« I. 405: »In allen diesen
+grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht über hundert Mann
+geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch und durch
+geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey- und zwantzig malen. Der
+Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Kühn war, das Schiff
+Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber
+davon gerettet. Einer von den holländischen Vlie-Booten, der sich
+durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen
+Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder
+acht Mann, die durch angewendeten grossen Fleiß erhalten wurden.«
+
+
+*Flieger*, der,
+
+ein für gewöhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen überhaupt nicht
+übliches Segel das nur bei gutem beständigem Wetter zwischen dem
+Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird, überhaupt
+alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten Hilfsstagsegel.
+Ein Schiff mit solchen gewährt einen besonders schönen Anblick und kann
+auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flöge es.
+
+Auf Wangerooge heißt dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste
+fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt.
+Vergl. Verkliker.
+
+
+*flott*,
+
+ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne, der
+Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein auf
+der Suppe schwimmendes Fettauge. In übertragener Bedeutung »flotter
+Bursch, flotter Student«, im 18. Jahrhundert zuerst in der
+Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen
+ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die,
+im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im
+Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelsächsisch flowan und
+fleotan, fließen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch
+fleta fließen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued =
+bewegliches, mobiles Gut, Möbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde
+losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend
+und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der
+Seevorschrift zu: »Iding thing is ter set umbe thes flodfarende
+anckeren.«
+
+Wenn ein Schiff »aufgefahren« ist, so werden alle Versuche angestellt,
+es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu bringen. In den
+»Durchlauchtigsten Seehelden« 1681 wird flott = gehend gebraucht. Peter
+Petersen Heyn, der holländische Admiral, machte einen Anschlag wieder
+die Portugiesen in Bahia, »darüber die Holländer nicht mehr als fünfzig
+Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter der Admiral
+selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und einen Splitter
+vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst dem Schiffe
+Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen Geschütz
+tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig mahl
+getroffen ward, ward endlich wieder *flott oder gehend*, aber das
+Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht
+wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und
+verlassen ward.«
+
+
+*Flotte*, die,
+
+ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte, Fischerflotte,
+Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an Kriegsschiffen,
+»die deutsche Flotte« etc. etc. Das Wort stammt von der unter flott
+angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im niederdeutschen
+Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein italienisches,
+gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota, spanisch flota,
+französisch flotte. Aber unser »Flotte« hat mit ihnen nichts zu tun,
+weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wörter auch von fluctus
+kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß, -- man sagte flote
+de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke --, ja wenn es auch
+sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach Hochdeutschland -- *nach*
+1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger es noch nicht kennt und statt
+dessen Armada sagt, wie denn überhaupt seine Kenntnisse sich auf
+südliche Seemannswörter beschränken, von der Hansa und deren
+Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung -- nicht aus Niederdeutschland,
+sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form in der es zuerst
+auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es 1617 im
+»Teutschen Michel« als Fremdwort verspottet worden ist, so bemerkt doch
+Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch den Einfluß
+des niederländischen vloot eine der modernen sich anbequemende nähere
+Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den Küsten der Nordsee
+Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen bedeutet. Altfriesisch
+flothe: »ende thet bi der Elwa biland tha flothe.« Und wenn auch im
+Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff bedeutet, so genügt das Wort
+dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer unabhängiges Dasein.
+
+Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs vom spanischen
+flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert.
+
+Der Übersetzer der »Durchläuchtigsten Seehelden« 1681 gebraucht das
+Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander;
+wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen
+Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch
+geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien
+unter Pit Heyn. »Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der
+Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß
+Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich
+den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und
+zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und
+fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn
+nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes
+vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte
+solches mit einem Schuß kund zu thun.«
+
+
+*Flut*, die,
+
+das Zuströmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend mit Welle,
+vielfach im übertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden, altfriesisch im
+Sinne von Einfall, Überfall: »jenst den wilda witzinges (Seeräuber)
+floed«). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen Wörtern von
+der Wurzel plu, flu = fließen; davon gothisch flodus, Flut, altnordisch
+flod, angelsächsisch flod, althochdeutsch fluot; auch in vielen
+slavischen Wörtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser, schwimmen
+fließen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter Flut im
+engeren und besonderen seemännischen Sinne versteht, das ist der
+Gegensatz zu Ebbe, das Heranfließen des »kommenden«, »steigenden«
+Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, daß Flut in der
+Verbindung beider das größere Gewicht hat, so daß bei Tide immerhin mehr
+an die Flut als an die Ebbe gedacht wird.
+
+
+*Fluttor* s. Schleuse.
+
+
+*Fock*, die,
+
+das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten
+*Fockmast*, entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher
+dreieckig, was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel
+gibt, das Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche
+Fock schmal d. h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den
+romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch
+traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher
+Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig
+ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; französisch
+trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber
+auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der
+Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock
+beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit
+folgenden Worten: »Comme on ne sait point quel nom ont en François ces
+deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes
+de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut
+assez leur convénir, si en éfet il n'y en avoit point encore d'autres;
+et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre.
+Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces
+sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, selon le vent,
+et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les
+soutient aussi: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré.
+Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a
+vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline (»beim Winde«)
+on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à
+tiers point, et fort pointue par le haut.« Unzweifelhaft ist also das
+Wort niederländisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach dem
+Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum ad
+proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort
+focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach »segeln«,
+wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das
+mittelniederdeutsche focken den Sinn von *ziehen*, aufziehen. Die Fock
+ist also ein *Ziehding*, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird
+oder zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie
+aufgezogen wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und
+Namengebende wäre. Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat,
+warum soll man nicht vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann
+also die (Stag-)Fock als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich
+herziehend gedacht.
+
+So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen, daß
+das Wort auch für »es zieht,« »es ist Zug,« »Zugluft« gebraucht wird,
+selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in einem
+Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden,
+isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle,
+fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern;
+dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista
+vocken = wehen.
+
+Niederdeutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein Platz der dem Winde
+sehr ausgesetzt ist.
+
+Auch »von dannen ziehen« heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im
+»Reinke de Vos« sucht der Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu
+lassen. Der antwortet ihm aber:
+
+ Og, wo sholdestu mi dänne fokken,
+ Lete ik di los mid sodaneme lokken.
+
+Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in
+Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines
+Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei,
+Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort
+focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken
+stammt, sondern eine niederdeutsche Form für den Familiennamen Fugger
+ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist,
+monopola, ja er sagt sogar »pantopola vulgo fuggerus«; fokerye =
+monopolium.
+
+Und damit ja keine Bedeutung von »ziehen« fehle, so heißt
+mittelniederdeutsch focken sogar »jemanden aufziehen« in der Bedeutung
+von foppen.
+
+
+*Föhrde*, die,
+
+eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt (mundartlich
+Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann in
+Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprüchwort: »wen de forde krakd,
+is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko.« Altfriesisch
+forda, daher der alte Name für Münster i. W.: Mimigardaforda; englisch
+ford, Furt; altnordisch fjördhr, schwedisch, dänisch fjord;
+althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern von fahren,
+weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Föhrde den verengerten Weg
+darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flußmündung hineinfährt.
+
+
+*Fracht*, die.
+
+1. Gebühr für Beförderung der Waren.
+
+2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes,
+
+3. die Ware selbst
+
+Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprüngliche. Man hat zur
+Erklärung an das niederländische Iterativum von fahren: verchen =
+führen, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem könnte das
+schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware
+in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine
+Zusammenziehung von fertigen sein könnte, wobei zu bemerken ist, daß
+auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wäre. (Fertig: bereit zum
+Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen
+frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; französisch fret, spanisch
+flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt,
+dänisch fragt; englisch freight. Möglicherweise steckt unser fragen in
+frehton, daß man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder
+Ausbedingen des Lohnes für die Beförderung von Ware zu denken hätte.
+Doch ist zu bedenken, daß 1673 in der »Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt« Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist.
+
+
+*Fregatte*,
+
+jetzt ein großes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt und Größe
+sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen überhaupt, so
+besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben läßt. Bis vor Kurzem
+hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten, die vor
+zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt »Große
+Kreuzer« nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären und hießen,
+»Stein«, »Moltke«, »Gneisenau« etc. etc., also Vollschiff mit
+Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in seinem
+»Kayserlichen Kriegßrecht«, 1565, führt alle zehn Arten von Schiffen auf
+die damals zu einer Armada gehörten:
+
+Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit
+ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach
+ein oberster Kriegßherr oder Potentat, stattliches oder geringes
+vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer
+Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes
+Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen
+Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder
+sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen,
+etc.
+
+Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß
+gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein
+verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu
+erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz,
+Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit
+widerstand versehen.
+
+Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit
+Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grösse, vor den Galeen zum
+Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck,
+Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der
+sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc.
+
+Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen,
+welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr
+und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit
+aller notturfft versehen.
+
+Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen
+Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff
+oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten
+versehen.
+
+Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen
+und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit
+Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen
+angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden.
+
+Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan
+Mathonen[1] genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem
+Feind mit Geschütz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben
+Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag
+werden.
+
+ [1] Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hiessen, so hat
+ sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschränkt auf
+ einen Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht besonders
+ wichtigen oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hiess
+ Mattone nur »ein Tau, das an einen am untersten Ende des Carro
+ befindlichen Ring befestigt wird, und vermittelst welches man die
+ Rahe nach hinten oder nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden
+ will«. Natürlich handelt es sich um eine lateinische Rahe, deren
+ unterer Teil eben Carro heisst.
+
+Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff,
+auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wasser art
+und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche
+der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu
+reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden.
+
+Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, weit Nachen,
+so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr,
+wie andere, mit geführt, und nach notturfft in widerstand gerüst und
+versehen werden.
+
+Zu dem neundten, werden erklärter massen mittel und ander klein Nachen,
+welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in
+welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu
+schiffen, mit verordnet und geführt werden.
+
+Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff,
+welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit
+zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen,
+Kannen oder Weidling,[2] auß oder in welchen von einem in das ander zu
+fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was
+groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc.
+
+ [2] Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch für Boot
+ vor; ob ursprünglich korbartig aus Weiden geflochten?
+
+Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen,
+welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit
+auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen
+Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen
+verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht
+mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu,
+etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von
+dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung,
+welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären,
+dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so
+hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer
+notturfft pflegt zu ertragen, etc.
+
+Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl
+Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken besser
+bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen
+die »auff der Donauw« fahren eine Fregaten auf, und zwar als »nit so
+vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten«, also
+nichts Hervorragendes.
+
+Auch hundert Jahre später (1681) in den »Durchläuchtigsten Seehelden«
+bedeutet Fregatte noch nicht das große Kriegsschiff späterer Zeiten,
+sondern ungefähr das was wir heute einen Aviso nennen. Da lesen wir
+nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der Seeschlacht von Lepanto:
+»Und als sie nun die Standarte des Verbündnüsses, welche in der Mitten
+ein Creutz hatte, zum Zeichen des Streites aufgestecket, wolte er
+(nämlich der Oberbefehlshaber »Don Jan«, Don Juan d'Austria) noch einmal
+in Person die ganze Flotte durchsehen, und nachdem er benebenst Louis de
+Cordona und Johann Sora, auf eine *schnelle und leichte Fregatt* sich
+begeben, gantz in weissen Waffen, und ein Christen-Bild in seiner linken
+Hand haltend, hat er aller Orten den Leuten einen tapffern Muth
+zugesprochen« ... Aubin (1702) unterscheidet: Frégate legére: »C'est un
+vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un pont: il est
+ordinairement monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces de canon«.
+Frégate d'avis: »C'est un petit vaisseau qui porte des paquets et des
+ordres à l'armée. On s'en sert aussi pour aller reconnoître les
+vaisseux« Frégaton: »Cest un bâtiment Vénitien commun sur le golphe
+Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon, un grand mât
+et un beaupré.«
+
+Roeding (1794): »Ein dreymastiges Kriegsschiff, welches weniger als
+fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten sind überhaupt scharf gebaut und
+zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie müssen dabei insonderheit die
+Eigenschaft haben, gut beim Winde zu segeln, und auch bei schwerem
+Winde See halten zu können, weil sie hauptsächlich zum Kreuzen bey einer
+Flotte gebraucht werden, oder die Bewegung des Feindes
+auszukundschaften, Depeschen zu überbringen, Kauffahrer zu convoyieren
+und dergleichen mehr.« Also ganz Aviso.
+
+Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u. s. w. eine
+nichtssagende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff.
+Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit
+demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes
+nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern;
+fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata,
+spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch
+fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate.
+
+Aus der neuen Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine,
+Fregattenkapitän, Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän
+und Kapitän zur See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte
+an maßgebender Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und
+niedriger als ein (von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff.
+
+
+*Freibord*, der.
+
+Der über Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der demselben die nötige
+Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft darstellt. Je
+*freier*, d. h. je höher *der Bord* sich über das Wasser erhebt, ein je
+größerer Teil des Schiffes sich also über Wasser befindet, eine desto
+größere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist klar wie wichtig es,
+namentlich für die offene, sturmbewegte See, sein muß, das richtige
+Verhältnis des Freibords zum eingetauchten Teil des Schiffes, d. h. die
+richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff seine volle Ladung
+nehmen kann und doch nicht überladen wird. Man hat verschiedene Methoden
+der Berechnung angewandt, Ratschläge erteilt, die Sache wissenschaftlich
+erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze gegeben, in Deutschland, dem
+Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein staatliches, kein
+Reichstiefladeliniengesetz, auch kein Tiefladelinienzwang; nur ein
+freiwilliger Versuch ist 1900 unter Kaiserlicher Belobigung gemacht
+worden.
+
+
+*Freiwache*, s. Wache.
+
+
+*Frischwachs*, das,
+
+spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele, aber etwas derb. Der
+Name ist ebenso sonderbar wie das, übrigens schon vor mehr als 200
+Jahren von uns aus zu den Franzosen übergegangene, Spiel. Es besteht
+darin, daß einer stehend sich mit dem Kopf in den Schooß eines ihm
+gegenüber Sitzenden neigt und so sich »die Hosen spannt«. Dann hauen die
+Umstehenden mit der flachen Hand ihn kräftig, manchmal recht kräftig auf
+den Hinteren, und er soll nach dem Gefühl erraten, wer ihn geschlagen
+hat. Gelingt es ihm, so muß der Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt
+es -- wie meistens -- nicht, oder doch nicht auf den ersten Schlag, so
+geht das Spiel weiter und es wachsen die Schläge frisch, d. h. immer
+wieder aufs Neue, wie jedes Jahr der Kohl wieder frisch wächst.
+
+
+*Frischwasser*, das,
+
+heißt jedes auch noch so alte »Süßwasser« im Gegensatz zu Salz-, See-
+oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist seit Erfindung der
+Destillierapparate nicht mehr so brennend wie früher, wo sie eine
+Lebensfrage war für seegehende Schiffe und belagerte Festungen. Man hat
+daher lange über die Frage der Herstellung von Süßwasser aus Salzwasser
+nachgedacht, Prämien ausgeschrieben und viele vergebliche Versuche
+angestellt, bis unsere Zeit die verhältnismäßig so einfache Sache zu
+Stande brachte, die übrigens schon einmal der Lösung nahe gewesen zu
+sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi durch die Türken
+1560 entstand unter den Belagerten eine große Not, »indem der Mangel an
+Wasser in der Festung je länger je grösser ward, woraus erfolgete, daß
+sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und backen, wie auch die Speise
+kochen mußten, die doch ohne dieses, damit sie desto länger sollte
+wehren, an sich selbst gesaltzen genug war. Welches alles, nebenst der
+beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den Durst noch grösser machte.
+Diesen gewaltigen Durst, entweder zu entgehen, oder zu mindern, durfften
+die armen Leute nicht wohl genug essen, wodurch sie so verschmachteten,
+daß sie sich selber schwerlich auf den Beinen halten, ich geschweige
+denn, die Arbeit und den Streit ausstehn konnten, und warlich dieses
+machte sie verzweifelt, daß sie lieber wünschten zu sterben, als zu
+leben, und die noch das Leben etlichermaßen lieben konnten, erwehleten
+etwas anders, das noch schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber
+in der Türken Hände, für denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten,
+und verkauften ihre theure und köstliche Freiheit für einen schlechten
+Bauch voll Wassers. Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte,
+verlor seinen Preiß und Werth, angesehn ein groß Stück Geldes nicht
+genug war ein klein Faß voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher
+alles genau aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande fürgefallen,
+erzehlet, daß einer ist gefunden worden, der alle seine Güter, die viel
+tausend Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze
+Zeit über, dieser äussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen
+würde.
+
+Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren
+und überziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, für welche
+Erfindung ihm Don Alvaro eine große Verehrung versprochen. Also ließ er
+durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen,
+weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte,
+und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man
+doch des Tages nicht mehr, als fünff und dreissig Barilen, oder kleine
+Väßlein, und bißweilen nicht mehr als fünff und zwantzig überziehen,
+welches ein kleiner Vorrat für so viel Volcks war. Dieses
+überdistillierte Wasser ward so süsse befunden, daß wenn es mit Wasser
+aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war,
+dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte
+demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fünfftzig Väßgen
+Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und
+hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen
+gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages für einen jeden
+Soldaten, der in dem Gewehr, und eines für denjenigen, so nicht bewehret
+war.«
+
+
+*Fuke*, die,
+
+beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wörterbuch I 567 als ein »Stellnetz mit
+weit aufgesperrten Seitenflügeln, was sich nach innen zu immer mehr
+verengt und hinten eine kleine Öffnung zum Durchschlüpfen der Fische
+hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus) vorgebunden
+wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit Leichtigkeit
+herausnehmen zu können. Fig. Enge, Klemme, Bedrängnis.« Es gibt auch
+noch ein friesisches Wort fak = Fischbehälter, Umzäunung im Wasser für
+den Fischfang; beide kommen offenbar -- verwandt mit pangere von einer
+Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen,
+umschließen.
+
+
+*Fuse* s. Bake.
+
+
+
+
+G.
+
+
+*Gaan achter!*
+
+und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf Handelsschiffen öfters
+gehört. Auf Kriegsschiffen wird: »Rund achtern«, »Rund vorn!«
+kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf dieses
+Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem einen Bord
+nach dem andern drehen und das können sie nicht ohne daß man an das
+Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die niederdeutsche
+Form für gehen, gemeint ist rund gehen.
+
+
+*Gaffel*, die.
+
+Wenn man in deutschen Wörterbüchern liest: »Gaffel, eine Art Rahe«, so
+ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht einmal richtig.
+Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und Gaffelsegel grade mit
+Rücksicht darauf unterschieden und auseinandergehalten, ob sie an einer
+Rahe, ob sie an einer Gaffel befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so
+steht die Rahe quer zur Längsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt
+mit ihr in einer Linie. Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelförmigen
+Gestalt in der sie sich an den (Schnau-) Mast anschließt, ihn gaffel-,
+gabelartig umfassend. Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche
+gibil = Giebel in Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in
+gabelförmiger Gestalt, so daß die beiden Giebelbalken, am Dachfirst
+übereinander ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl,
+gabelförmige Giebelwand), verwandt mit gebal, Schädel, und also mit dem
+griechischen kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den
+Giebel kann man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses
+vorstellen. Von der (gabelförmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst
+die Bedeutung Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen,
+gabala, mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme
+von geben, aber dann müßte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn
+Eßgabeln sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre
+her, daß ein Altenaer Drahtzieher sich über solch ein Ding als etwas ihm
+Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre
+Leute aufforderte: »Kinner, wasket iuk de finger, vi hett silad.« Von
+der Ähnlichkeit mit Giebel käme dann weiter gapan = gaffen, klaffen,
+gähnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde
+in der germanischen Mythologie. Französisch gable = Giebel. Dietz sagt,
+das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; »da indessen das
+Wort in den übrigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer
+sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nächste Quelle
+zurückzuleiten.« Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wäre der Name des
+gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzählt nach
+Jornandes, die Gothen wären anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit
+dreien Schiffen ausgefahren. »Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer
+wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheißen und davon
+bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden.« »Die gewöhnliche Ableitung von
+beiten (goth. beidan) warten ist unzulässig, die hier gegebene von
+Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natürlich; das Wort bedeutet: das
+Maul aufsperren, stutzen, gähnen, und hat gleich dem lat. hiare den
+Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.«
+
+
+*Gaffelgeer*, s. Geer.
+
+
+*Gaffelklau*, s. Klau.
+
+
+*Gala*, die.
+
+Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen Gelegenheiten.
+Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches Wort geili,
+Üppigkeit, Stolz, Prunk, und das würde der Bedeutung nach das Etymon
+sein können; auch könnte man an das althochdeutsche galan denken,
+welches singen, (daher Nachtigal), fröhlich sein, Feste feiern bedeutet,
+so daß Gala also ein Festgewand wäre. Das ist es auch, aber der deutsche
+Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen Anknüpfungspunkt,
+während im Spanischen gala schon früh Feierkleid, Anstand, Anmut heißt.
+Da liegt der Gedanke an das arabische chalach, Ehrenkleid als
+fürstliches Geschenk, so nahe, daß wir ihn nicht abweisen dürfen, wenn
+uns einer mit dem griechischen kalos, schön, oder agallein schmücken,
+dazwischen kommen möchte.
+
+
+*Galeere*,
+
+Galei, Galeide, Galee, Galé, Galea, Galia, Galine, Galeasse, Galeone,
+Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra, Galeota u. s.
+w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen einfachste
+Gestalt Galee ist. Bei allen landesüblichen Verschiedenheiten ist doch
+bis in die neuere Zeit dies festgehalten worden: es handelt sich um ein
+*schmales* Schiff das *gerudert* wird, oder, wenn es für gewöhnlich auch
+segelt, doch in gewissen Fällen gerudert werden kann. Hier eine
+lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem Jahre 1501: »Galeacearum
+quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in detecto autem totidem
+pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero singulas ponderis mille
+librarum computant ... Galeacearum quaelibet ducentorum fere hominum
+ministerio, stipendio conductorum indigere videtur. Ad remorum, ac
+velorum administrationem, centum quinquaginta addicuntur, tot enim remos
+quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii magnitudinem remis parum utantur)
+affert. Nam solo tempore malaciarum, ut proximum aliquem portum
+ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam partem mutent, et convolvant,
+remis agitur.« Und eine niederdeutsche (Rostock 1519): »So we avervaret
+mit einer Galleiden, dat is ein lankhaftich schip, unde geit van dem
+einen over bet to dem anderen jo bilank dem overe unde holt alle nacht
+to lande, unde heft sostich banke in beiden halven, unde to jewelker
+bank horen dre man mit roderen unde en schutte, unde nemet alle dage
+versche spise unde kost, des men in den koggen nicht hebben mach.«
+
+Zur Erklärung hat man auch hier gemeint, das Arabische heranziehen zu
+sollen und an châlia, junges Kamel, dann kleines Schiff gedacht. Und wer
+wüßte nicht, daß umgekehrt das Kamel oft genug »das Schiff der Wüste«
+genannt worden ist. Aber wir haben eine nähere, bessere Erklärung: das
+griechische galeos, Haifisch, oder galeotes, Schwertfisch. Namentlich
+die Gestalt des letzteren dürfte bei der Benennung den Ausschlag gegeben
+haben, war auch besonders passend wegen des »Rammsporns« von dem wir in
+einer alten Beschreibung der Galea lesen: »lignum a prora praefixum
+habet et vulgo calcar dicitur, quo rates hostium transfiguntur
+percussae.« Althochdeutsch galie, galine = Galeere, langes Ruderschiff,
+davon galiner, Schiffer auf einer galine, und galinhus, Schiffshaus,
+Arsenal. Mittelhochdeutsch hieß galiot Seeräuber, Schiffer, Fährmann,
+eigentlich Galeerensklave. Gerade durch die armen an die Ruderbank Jahre
+lang Tag und Nacht angeschmiedeten Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu
+weiterer Verbreitung gelangt als andere mittelalterliche
+Schiffsausdrücke.
+
+Für unsere heimische Seefahrt kommen jetzt nur noch (Galeassen)
+Galjassen (s. Fastgaljaß) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge
+sagt galjot, haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von
+den Galjassen mit plattem Heck unterscheiden.
+
+
+*Galion*, *Gallion*, das,
+
+ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem, ehe der
+Eisenschiffbau alle alten Formen über den Haufen warf, ragte das Gallion
+mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schön
+geschwungener Form, so daß von dem Verlauf seiner Linien viel von der
+Schönheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unnütze
+Beschwerung des Vorschiffes und beförderte die Kielgebrechlichkeit. Bald
+wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei übrig sein.
+
+1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion überragte eignete es
+sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als
+Leitungsröhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grätings
+reinhält führt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion
+gegangen wie der Kombüse. Es ist an irgend einen passenden Ort im
+Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben.
+
+2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des
+Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmückt ist.
+Der Schmuck muß in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trägt es den
+Namen eines Menschen, so ist dessen Büste üblich; eines Tieres, so wird
+das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich
+mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u. s. w. In den
+Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschließlich der
+niederländische Löwe verwandt, so daß »der Löwe« gleichbedeutend mit
+Gallionsbild war.
+
+Der Name »Galion« bezeichnete Jahrhunderte hindurch namentlich in
+Spanien und Portugal, schwere dreimastige Kriegsschiffe, s. Galeere. Es
+kam vor, daß Galionen einen Vorbau hatten von mehr als dem zehnten Teil
+ihrer ganzen Länge. Als nun der Name als Bezeichnung einer
+Schiffsgattung außer Gebrauch kam, ist er wenigstens in eingeschränkter
+Bedeutung als Bezeichnung des vordersten Teiles, des Teiles der für jene
+Schiffe besonders bezeichnend war, geblieben. Und zwar ging das so zu,
+daß längere Zeit hindurch Galion beides hieß: Schiff und Vorbau; Kilian:
+galeon navis major und rostrum navis.
+
+Die Edda, die ein Gallion nicht kennt, kennt aber ein geschnitztes Bild
+am Vorsteven, das offenbar das Bild eines menschlichen Gesichtes
+vorstellen sollte, denn es hieß grima, die Maske. Wenn sie daher den
+vordersten Teil des Schiffes hofud, Haupt, nennt, so ist das nicht bloß
+dichterisch zu verstehen, sondern wir haben dabei an ein wirkliches, am
+Vorsteven angebrachtes Gallionsbild in Gestalt eines menschlichen
+Hauptes zu denken.
+
+Bei den Alten nannte man zwei starke mit eisernen Spitzen versehene
+Balken am Vorderteil der Kriegsschiffe rostra, Schnäbel; griechisch
+embola. Mit denselben suchte man die feindlichen Schiffe zu rammen. Die
+den Antiaten abgenommenen Rostra wurden als Siegestrophäen auf dem Forum
+aufbewahrt, woher dann die Rednerbühne und der sie umgebende Raum den
+Namen rostra führte. Bekannt ist die columna rostrata des Duilius.
+
+
+*Garn*, das,
+
+ein dünnes Gespinst aus Hanf, einfach, doppelt, drei- und mehrfach
+zusammengedreht. Das dünnste ist das Nähgarn, zweidrähtig zum Nähen der
+Segel. Dann kommt das Segelgarn, dann das Kabelgarn, das zu allen Arten
+von Tauwerk zusammengeschlagen wird; Schiemannsgarn s. Schiemann,
+Stoßgarn, Liengarn, Trensgarn u. s. w. Gewisse Arten, z. B.
+Schiemannsgarn, wurden früher an Bord selbst gesponnen und mit einer
+Mühle, Woid genannt, gedreht. Daher bildlich »ein Garn spinnen« = eine
+Geschichte erzählen indem man sehr ausführlich wird und die Sache in die
+Länge zieht.
+
+
+*Gangspill* s. Spill.
+
+
+*Garnat* s. Stagtalje.
+
+Nicht zu verwechseln mit dem kleinen wohlschmeckenden Seekrustentier,
+das in Holland Garneele und Graneele, in Ostfriesland Garnat und Granat
+heißt. Letzteres ist offenbar die ursprüngliche Bezeichnung wegen der
+beiden eigentümlichen und sehr auffälligen Fühlhörner die ganz wie
+Gerstengrannen aussehen.
+
+
+*Gat*, das,
+
+oft in der Verkleinerungsform Gatje oder Gatchen, heißt eigentlich
+nichts anderes als Loch, sei es für sich allein, sei es in Verbindungen
+wie Hellegat, Speigat, Soldatengat. Die Grundbedeutung ist: Öffnung
+durch die man oder etwas hindurchgehen kann, von der Wurzel ga = gehen.
+Gothisch gatoo, althochdeutsch gaza, Gasse; altnordisch gata, Pfad,
+schmaler Gang. Beówulf geat = Öffnung, Tor, durch das gegangen wird;
+Edda: gatt, Eingang, Tür (Gatter). Teuthonista: gat = hol, lock. Bei
+Kilianus hat gat schon die Bedeutung, die im Mittelniederdeutschen weit
+verbreitet war (und es in Holland heute noch ist: foramen podicis, so
+daß dorten sogar der sogen. cul de Paris »het gatje« hieß:) »Unde hadde
+one yn deme water ghehat, mit beyden benen wente an dat gath.« »Unser
+vyande stryt is dat, dat se uns vleigen in dat gat.« »So prechtig seten
+er de Kleder up er gat.«
+
+Überhaupt heißt wie das Hinterteil eines jeden Dinges, so auch besonders
+des Schiffes Gat. Ein rundgattet Schiff ist ein Schiff mit rundem,
+gerundetem Heck, im Gegensatz zu einem plattgatteten.
+
+Gat wird auch topographisch gebraucht für eine enge Durchfahrt, z. B.
+Kattegat (Katzengat), Schottegat auf Curaçao: Waghenaer, 1588, schreibt:
+»Van Garmsey tot Jarsey S. O. ontrent vyf mylen, al waer mede goede Rede
+is: van Jarsey tot S. Malo ontrent Zuyden ist acht mylen ende is een tye
+hauen daer Clippen voor 'tgat liggen.«
+
+
+*Garnierung* s. Wägerung.
+
+
+*Gast*, der.
+
+Dieses Wort wird in besonderem seemännischem Sinne gebraucht um einen
+Mann (Matrosen etc. etc.) zu bezeichnen der vorübergehend irgendwo einen
+Posten auszufüllen hat, z. B. Oberbramsegelsgast, Rudergast, Bootsgast.
+Aber auch (eigentlich fälschlich, da Gast doch nur einen irgendwo
+vorübergehend sich Aufhaltenden bedeutet) zur Bezeichnung einer
+dauernden Verwendung, wie Steuermannsgast; ja sogar eines
+*Lebensberufes*: Zimmermanns-, Bäckers-, Malers- etc. etc. Gast.
+Mehrzahl sonst meist Gasten, jetzt mehr Gäste, da das Hochdeutsche über
+das Niederdeutsche die Oberhand gewinnt. Sowohl unserem Gast als dem
+lateinischen hostis liegt die westindogermanische Form ghostis =
+Fremdling zu Grunde, (dessen Wurzel ghas = essen sein soll, so daß ein
+Gast also zuerst als Esser erscheint). »Beachtenswert ist« sagt Kluge
+treffend, »nach wie verschiedenen Seiten Germanen und Römer das alt
+ererbte Wort für »Fremdling« begrifflich umgebildet haben: dem Römer
+wird der Fremdling zum Feind, bei den Germanen genießt er die größten
+Vorrechte.«
+
+In Holland und Ostfriesland heißen die Armenhäuser Gasthäuser,
+entsprechend den hochdeutschen Elendenherbergen, Unterkunftsstätten *für
+Fremde*.
+
+
+*Gebeling*, die,
+
+(auch wohl Gobelung) ist eine im Laderaum angebrachte Bretterwand, die
+in der Kielrichtung läuft und verhüten soll, daß die Ladung übergeht, d.
+h. beim Schlingern von der einen auf die andere Seite geschleudert
+wird. An das niederdeutsche Zeitwort kippen, das allerdings sich auf die
+Seite legen, stürzen, fallen, rücken, hin- und herbewegen, stoßen,
+schlagen, umschlagen bedeutet, ist nicht zu denken, schon darum nicht,
+weil diese Wand gerade das Umschlagen der Ladung verhindern soll.
+Offenbar ist Gebeling eine niederdeutsche Weiterbildung von Giebel,
+ostfriesisch gäfel, sonst niederdeutsch und niederländisch gevel. Denn
+dieses gevel heißt nicht nur Giebel, sondern auch -- ebenso wie Giebel
+auch -- Giebelwand, und hieraus konnte sich leicht der allgemeine
+Begriff Wand entwickeln. Vergleiche altnordisch gafl, Giebel, Endwand
+eines Hauses; norwegisch gavl, Endbrett, Querbrett.
+
+Durch die niederländische Form geveling, die dänische geveling oder die
+schwedische gafling hat sich Roeding verleiten lassen, anstatt Gebeling
+Geweling zu schreiben, wozu im Deutschen kein Grund vorhanden ist.
+
+
+*Geck*, der.
+
+1. Die Gabelstange einer Pumpe, in der der Geckstock, der
+Pumpenschwengel, sich dreht.
+
+2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz.
+
+Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk
+bedeutet, so ist anzunehmen, daß der Begriff des Drehens, des Drehbaren
+in diesen Wörtern steckt. Vielleicht gehört auch Geck = Narr dazu, weil
+ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch
+gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig.
+
+
+*Geer*, die,
+
+auch die Geerde genannt, von welchem Worte Geer nur eine verkürzte Form
+ist; meist, weil sie paarweise auftreten, in der Mehrzahl die Geeren,
+und weil sie zur Gaffel gehören, Gaffelgeeren genannt; niederländisch
+geerden, dänisch gerderne, schwedisch garder. Es sind die beiden
+Halttaue die die Gaffel von Steuerbord und von Backbord festhalten; wenn
+das Gaffelsegel nicht steht, halten die Geeren die Gaffel zu gleichen
+Teilen mittschiffs; steht es, so hält nur die Luvgeer. Aber allemal ist
+das Halten der Gaffel die Hauptsache, und wir haben hier die seltene
+Erscheinung, daß auch einmal ein französisches Wort das einen Teil der
+Takelage bezeichnet, aus Frankreich nach den Niederlanden und nach
+Niederdeutschland seinen Weg genommen hat. »On appelle Gardes ou Palans
+de Gardes (Vangs), les deux palans qui servent à maintenir la corne
+d'artimon, et qui, à cet effet, sont frappés à son estrémité et
+agissent de chaque côté du couronnement où ils sont accrochés, chacun, à
+un piton; ce sont, en quelque sorte, les bras de la corne.« (Bonnefoux
+et Paris, Dictionnaire de Marine). Maintenir ist die Aufgabe der Geeren
+und das wird durch garder ausgedrückt; davon garde; davon Geerd; davon
+Geer. Indessen haben die Franzosen, als sie uns das Wort gaben, nur eine
+alte Schuld zurückgezahlt, denn garder ist unser altes, gutes, deutsches
+warten = hüten, schützen, wahren, bewahren, halten. Die Rückzahlung
+scheint aber spät erfolgt zu sein, da 1702 garde in diesem Sinne
+(Aubin), wie es scheint, selbst in Frankreich noch nicht bekannt war.
+
+
+*Gefechtsmars*, der.
+
+*Gefechtsmast*, der,
+
+beides Errungenschaften des modernen Kriegsschiffsbaues, der nur noch
+auf den Dampf als Fortbewegungsmittel denkt. Gesegelt wird nicht mehr
+oder doch kaum mehr. So braucht man auch keine Masten und Rahen zum
+Segeln mehr, und keine Marsen von denen aus die oberen Segel bedient
+werden. Aber die Marsen der alten Kriegsschiffe hatten nicht nur ihren
+eigentlichen, seemännischen, sondern auch einen kriegerischen Zweck, sie
+wurden im Gefecht als Station für die Scharfschützen gebraucht. Und
+diesem Zweck zu Liebe hat man dem Mars nicht ganz den Garaus gemacht.
+Man macht zum Hauptzweck was früher Nebenzweck war und baut einen
+Gefechtsmars. Da ein Mars aber ohne Mast nicht möglich ist, so baut man
+auch einen Gefechtsmast. Es ist vom Alten jedoch nur der alte Name
+geblieben.
+
+
+*Gehr*, die,
+
+auch die *Gehrung*, nennt man das spitze, schmale, dreieckige Zulaufen
+der Ecken eines Segels, »auf Gehrung schneiden« heißt ein Segel spitz
+zuschneiden. Zu vergleichen ist das ostfriesische gären, niederländisch
+geeren, schräg oder spitz zulaufen oder auslaufen, einen Winkel oder ein
+Dreieck bilden. Mit dem uralten Worte Geer das einem am Niederrhein
+siegreich vordringenden Heerhaufen deutscher Krieger den Namen Germanen
+eingetragen hat, hat unser Wort nur auf ziemlichem Umwege etwas zu tun.
+Zuerst kommt vielmehr (Graff, althochdeutscher Sprachschatz) gero in
+Betracht, nordisch geiri, friesisch gara-segmentum panni figura
+triqueta; altfriesisch gara, Schooß: Teuthonista ghere = Zipfel, Schooß;
+Kilian gheere = sinus, limbus; heute noch in hochdeutschen Mundarten
+Gehre = Schoß; niederdeutsch gäre und gere = Keil, Zipfel, Rockschooß,
+längliches dreieckiges Stück Land. Den Ausschlag bei der Benennung hat
+also die Form dieses Teils vom Segel gegeben, die figura triqueta. Aber
+auch der Ger der Germanen lief spitz zu, und ist darum sicher ein Vetter
+dieser Gehr.
+
+Nicht nur in der Segelmacherwerkstatt, sondern auch beim
+Tischlerhandwerk ist das Wort Gehrung im Gebrauch und bedeutet hier das
+spitze Zulaufen zweier Hölzer die unter irgend einem Winkel
+zusammenstoßen sollen; der angewandte Schnitt heißt Gehrungsschnitt.
+Sollen z. B. zwei Leisten unter einem rechten Winkel zusammenstoßen, so
+wird bei jedem ein Gehrungsschnitt von 45° gemacht.
+
+
+*Geien*
+
+nennt man die Tätigkeit die mittels der *Geitaue* (s. aufgeien) ausgeübt
+wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen hochzieht,
+zusammenfaßt und durch die Gei- (und andere, siehe Nock- und
+Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hält, daß sie von den auf den
+Rahen ausliegenden Matrosen mit den Händen gerafft und festgemacht
+werden können. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das,
+wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel,
+Geiktau getrübt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus
+verschiedene Wörter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die
+Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat,
+man müsse wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da
+doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflußt sein kann.
+
+Unser geien müßte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es
+auch meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort
+gaden das sich zusammenfügen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden,
+aneinanderschließen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine
+Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch
+das Niederdeutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d ausfallen und mit
+einem i- y- oder j-artigen Laut klingen läßt, vergl. das niederländische
+muijen das aus muiden entstanden ist oder unser rojen = rudern
+(mittelniederdeutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen =
+roden, moje = müde etc. etc. Der Form nach würde also der Ableitung
+geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst
+recht nicht entgegen.
+
+Die Ableitung von Geiktau, Geichel etc. etc. s. unter Giek.
+
+
+*Gemallte Tiefe* s. abmallen.
+
+
+*Genickstag* s. Stag.
+
+
+*Geschwader*, das.
+
+Ein Kommandoverband von mehreren Kriegsschiffen unter einem Admiral. Die
+älteste niederdeutsche Form in der mir das Wort begegnet ist, ist geswad
+in Renner, Livl. Hist.: »He belegerde Revel mit 25000 Russen, 4 geswade
+haveluiden« ... »mit 22 fenlin landsknechten und elven geswader
+haveluiden.« Diese haveluiden waren wohl Hofbesitzer und es dürften
+daher unter diesen Geschwadern Reiter-Verbände zu verstehen sein, so
+dass also am Lande sich frühzeitig die gegenwärtige Bedeutung Schwadron
+herausgebildet hat.
+
+Zunächst bedeutet es aber nur ein Viereck von Soldaten, denn es stammt
+von quatuor ab. Zu vergleichen ist das italienische, spanische,
+portugiesische quadro = Viereck, Rahmen, Gemälde, französisch cadre,
+Rahmen (auch im militärischen Sinne); dann weiter: italienisch squadra
+-- vielleicht aus exquatra --, spanisch esquadra, französisch equerre,
+Winkelmass, Viereck von Leuten, Rotte; endlich: spanisch esquadron,
+französisch escadron, Heeresabteilung. Kilianus hat squadron = agmen
+quadratus, das Wort ist demnach wohl unter Karl V nach Deutschland
+gekommen. Die einfachste deutsche Form ist Schwadron; Geschwader ist
+durch Hinzufügung der Vorsilbe ge und dadurch bedingte Abschwächung der
+Endung entstanden. Das Präfix ge findet sich oft, man denke an Ge-fahr,
+Ge-spann, Ge-nade, Ge-laube, Glück = Gelück.
+
+Erst spät ist das Wort in seemännischen Gebrauch genommen worden; bei
+Roeding 1794 begegnete es mir zum ersten Male; sonst sagte man immer
+Flotte.
+
+
+*Gestade*, das,
+
+jetzt allgemein für Küste gebraucht, ursprünglich aber ein Ort an der
+Küste, ein Platz am Ufer wo man nicht nur Waren für die Schiffe, sondern
+auch diese selbst aufstellen konnte, also eine Hafenanlage mit einfachen
+Aufschleppvorrichtungen. Vom althochdeutschen stadon, mittelhochdeutsch
+staden im Sinne von landen, am Lande die Schiffsgüter aufstellen, also
+eigentlich Landungsstelle; oberdeutsch Staden; althochdeutsch stad,
+mittelhochdeutsch stade. Der eigentliche Begriff ist der von irgendwo
+hinstellen und dadurch das, was vorher in Bewegung war zur Ruhe zu
+bringen; daher bestatten sowohl begraben als auch heiraten bedeuten
+kann.
+
+Die Vorsilbe ge ist dieselbe wie in Geschwader und in Gezeiten.
+
+
+*Gezeiten*, die.
+
+Das Wort getide hiess mittelniederdeutsch 1. ganz allgemein Zeit im
+Sinne eines Sammelbegriffes, »to allen getiden,« in aeternum. 2. Die
+Zeit die *eine* Ebbe und *eine* Flut umfaßt: »in jeder etmahl (s. Etmal)
+vorachtert das getide 4/5 parten von ein Uhr.« 3. Die kanonische Horen;
+»dar was eyn yunck broder, de so verkeert was dat he ghene ghetyde en
+wolde lesen.«
+
+Althochdeutsch gizit, mittelhochdeutsch gezit = Zeit, hora,
+Gebetsstunde, altsächsisch getidi, horae canonicae. Jetzt wird das Wort
+nur noch seemännisch und zwar hydrographisch-astronomisch-meteorologisch
+gebraucht als Gesamtbezeichnung, als zusammenfassender Allgemeinbegriff
+für Ebbe und Flut und was damit in Verbindung steht; Gezeitenberechnung,
+Gezeitentafeln etc. etc. s. a. Tide.
+
+Breusing: »Es ist unter unseren Geographen die Meinung verbreitet, als
+ob das hochdeutsche Wort Gezeit von Heinrich Berghaus erfunden,
+jedenfalls zuerst gebraucht sei. Das ist irrig; es tritt bereits im 16.
+Jahrhundert auf. Zuerst ist es mir begegnet in Guicciardini:
+Beschreibung der Niederlande; Frankfurt, 1582, fol. pag. 17 ff. Dann im
+17. Jahrhundert in: Amerika durch Ziegler, bei de Bry; Frankfurt, 1617,
+fol. pag. 350. Im 18. Jahrhundert findet es sich in Krünitz'
+Encyklopädie, s. v. 18. Thl. 1779. Letzterer hat bereits die Gezeit,
+während Ziegler noch dem ndd. das getide entsprechend das Gezeit hat.
+Ich verstehe nicht, weshalb man sich von manchen Seiten gegen den
+Gebrauch des guten hochdeutschen Wortes sträubt, und möchte lieber
+sehen, dass sich unsere geographischen Lehrbücher endlich einmal von dem
+Worte Nippfluten, engl. neaptides, lossagten, welches kein deutscher
+Seemann und Küstenbewohner, wenn er nicht englisch kann, versteht,
+geschweige denn gebraucht,« s. Nipfluth.
+
+
+*Giek*, das,
+
+auch Geik, deutlicher der Giekbaum, ist die Spier mit der der unterste
+Teil eines nach ihm benannten Gieksegels ausgesetzt wird; in der Marine
+nur bei Bootssegeln in Gebrauch. Der Giekbaum hat an dem inneren Ende
+einen Haken der in das Auge eines um den Mast liegenden Bügels gehakt
+wird, in dem dann der Giekbaum sich dreht. Giek hat demnach mit Geck
+dieselbe Bedeutung: drehen, sich drehend bewegen, beweglich sein. Das
+Tau womit der Giekbaum aufgetoppt wird heisst nach ihm Giektau, Geiktau,
+Geichel. Auffallend ist, dass dieselbe Spier, die Giek heisst, auch Giep
+(s. d.) genannt wird.
+
+
+*Gien*, das,
+
+ist nichts weiter als unser deutsches Tackel, also eine Talje von
+besonderer Stärke, welche dadurch erzielt wird, dass man anstatt der
+einscheibigen drei- oder vierscheibige Blöcke nimmt. Es dient zum
+Bewegen besonders schwerer Lasten. So gab es zur Zeit, da die
+Kriegsdampfer noch zum Segeln eingerichtet waren, eine Vorrichtung die
+Schraube zu lichten, damit dieselbe die Fahrt nicht hemme; solches
+Schraubelichten geschah mit einem Schraubengien, einem sehr starken
+Takel, das eine Trosse von ungewöhnlicher Stärke bewegte, die um die
+Scheibe des Schraubenheberahmens gelegt ward (und wohl auch für sich
+allein Gien genannt ward, aber nur im Sinn des pars pro toto). Es ist
+also ein Gien das in der Mechanik unter dem Namen Flaschenzug bekannte
+Werkzeug in besonderer Verstärkung. Das Wort kommt durchs Englische vom
+lateinischen ingenium, ist also mit Ingenieur verwandt und stellt eine
+(verkürzte) Zusammenziehung von engine dar, welch letzterer Name der
+Vorrichtung um so eher gegeben werden konnte, als früher man sie noch
+komplizierter (mit einem Bock etc.) herstellte. »Gin a contraction of
+engine, 1. A machine or instrument by which the mechanical powers are
+employed in aid of human strength; especially a machine used instead of
+a crane, consisting essentially of three poles from 12 to 15 feet in
+length, often tapering from the lower extremity to the top, and united
+together at their upper extremities, whence a block and tackle is
+suspended, the lower extremities being planted in the ground about 8 or
+9 feet asunder, and there being a kind of windlass attached to two of
+the legs.« Mit gin, dem von juniperus ginevra herkommenden Branntwein
+hat das Wort nichts zu thun.
+
+*Gienblock*, *Gienläufer*, *Gientau* erklären sich nach dem Gesagten von
+selbst.
+
+
+*gieren.*
+
+Wenn ein Schiff nach irgend einer Seite hin von dem vorgeschriebenen
+Kurse vorschriftswidrig abweicht, so giert es; sei es dass solches durch
+Schuld der Leute am Ruder, sei es dass es durch die eigentümliche Bauart
+des Schiffes verursacht ist. Ein Schiff ist luvgierig, wenn es das
+Bestreben hat nach Luv, leegierig, wenn es das Bestreben hat nach Lee
+abzuweichen; doch gieren die meisten Schiffe dann an meisten wenn sie
+recht vor dem Winde segeln. Das ist ein Nachteil, weil der Weg
+verlängert wird. Wird aber beim Winde gesteuert und ein Schiff ist
+luvgierig, so können die Segel leicht anfangen zu giepen, ja das Schiff
+kann »durchdrehen.« Das Wort bedeutet nichts anderes als unser »begierig
+sein«, ein starkes, heftiges, sinnliches Streben nach etwas haben. Im
+Ostfriesischen wird gieren nicht bloss seemännisch gebraucht, sondern
+auch sonst im Sinne von abirren vom rechten Wege, ablenken, abschwenken,
+auch im moralischen Sinne: ausschweifen; man sagte früher auch begieren
+anstatt begehren. Im Jahre 1605 war ein Mädchen geschwängert und dafür
+von dem fürstlichen Matrimonial-Kommissarius zu schwerer Geldstrafe oder
+Landesverweisung verurteilt worden. (Der Mann kam in solchen Fällen
+billiger weg). Da sie nicht alles bezahlen konnte, legten sich die
+wenigen Nonnen, die noch als Staatspensionärinnen in dem (aufgehobenen)
+Kloster Thedingen wohnten ins Mittel und machten an den Fürsten eine
+Eingabe: »Sonsten aber presentiren sich die Conventualen zu Tedingen,
+wofern S. G. sich an den Brüchen nichts abgehn lassen wollen, solches
+und waß Ihre Gn. *begierten*, an ihrem Kostgeld abziehen zu lassen,«
+(Rentei-Rechnung des Amtes Leer).
+
+
+*Giep*, das,
+
+ist der Sache nach dasselbe wie Giek (s. d.) nur wird bei dieser
+Benennung die Sache von einer anderen Seite aus angesehen. Während man
+bei Giek das Bewegliche im Auge hat, denkt man bei Giep an das
+Gespreizte, Auseinandergesperrte, indem giepen von gapen weiter gebildet
+ist wie gibbeln von gabbeln; gapen aber heißt gähnen, den Mund
+aufmachen, ihn weit auseinander machen. Von Giep gibt es ein Zeitwort
+*giepen*, das bezeichnet was man bei Rahesegeln durchdrehen nennt, »eine
+Eule fangen.« Wenn das Gieksegel von vorne Wind faßt und zurückschlägt,
+was entweder durch plötzliches Umschlagen des Windes oder beim
+Aufkreuzen und Beimwindeliegen durch Unachtsamkeit des Steuernden
+geschehen kann, so schlägt das Giep auf die andere Seite, das nennt man
+giepen. Durch dieses Zurückschlagen, behauptet Roeding, seien schon im
+Boot sitzende Leute erschlagen oder über Bord geschleudert worden. Daher
+wird von vorsichtigen Seeleuten der Giekbaum mit einem Bullentau
+gesichert.
+
+
+*Gig*, die,
+
+ein leicht und schlank und etwas zierlicher als die andern gebautes,
+rasch bewegliches Boot zum Rudern und Segeln; auf Kriegsschiffen
+ausschließlich dem Kommandanten persönlich für seine Fahrten an Land,
+auf andere Schiffe, zu Ausflügen etc. zur Verfügung stehend. Mit Giek
+und Geck von einerlei Abstammung, wie denn auf Wangerooge Gek dazu
+gesagt wird. Man darf wohl dabei an das neuhochdeutsche gaukeln denken,
+sich rasch hin und her bewegen wie ein Gaukler, ein Taschenspieler,
+dessen ganze Kunst bekanntlich in dem Satze besteht, daß Geschwindigkeit
+keine Hexerei ist. Zu vergl. althochdeutsch goukolon, mittelhochdeutsch
+goukeln, Zauberei, Narrenspossen treiben. Kluge weist auf das
+siebenbürgische gekel, Marionette, und das gleichbedeutende thüringische
+gekelman hin, (und allerdings muß man dabei an etwas Bewegliches
+denken), und sagt: »Verwandt scheint althochdeutsch gougaron,
+mittelhochdeutsch gougern, umherschweifen, ferner mittelhochdeutsch
+gogeln, sich ausgelassen geberden, hin und her flattern, gogel Adj.
+ausgelassen, üppig, giege M. Narr;« bei Narr denkt er freilich an
+»Betörter«, man kann aber auch eben so gut an die »Narrenspossen« des
+Mittelhochdeutschen denken, an einen ausgelassenen, lustig tanzenden und
+springenden Menschen, der, wie man zu sagen pflegt, »närrisches Zeug«
+treibt, wie es in dem bekannten Studentenliede heißt: »Unser Herrgott
+der muß am Ende selber drüber lachen, Was die Menschen für närrische
+Sachen tun machen.« Da nun offenbar der ganzen Sippe Geck, Giek und
+ihren Verwandten bis zum Gaukler hin der Begriff des »leicht
+Beweglichen« zu Grunde liegt, so ist gewiß auch Gig, dieses leicht
+bewegliche Boot, mit zur Familie zu rechnen; wenn je ein Boot auf den
+Wellen »gaukelt«, so ist es eben die Gig.
+
+
+*Gilling*, die,
+
+auch Gillung, heißt jede Verschmälerung, oder Erweiterung eines sonst
+grade verlaufenden Gegenstandes. So spricht man von der Gillung eines
+Segels, und vor allen Dingen nennt man beim Schiff den
+hervorspringenden, beziehungsweise den zurückspringenden Teil der
+Bordwand, die sich nach unten zu verjüngt, des Hecks, das unten schmäler
+und kürzer wird, also die Veränderung der Formlinie, die Krümmung der
+Geraden. Ob man sagen will: das Heck springt oben vor, oder: das Heck
+tritt unten zurück, -- das hängt ja ganz davon ab, wie sich der
+Beschauer die Sache denken will.
+
+Die Tischler nennen den vor- oder zurückspringenden Teil einer Holzkante
+Kehlung, und beide, Gillung und Kehlung, dürften ein und dasselbe Wort,
+nur mit verschiedener Aussprache sein. So darf man also eine
+Verwandtschaft mit Keil, niederdeutsch Kil, annehmen, und das Wort müßte
+Kilung geschrieben werden, wie auch die Tischler und andere Handwerker
+nicht Kehlung, sondern Keilung schreiben müßten, denn mit Kehle =
+Höhlung hat das Wort schon darum nichts zu schaffen, weil öfters, wenn
+der Keil wirklich einmal eine Rinne, Rille oder Höhlung hat, er alsbald
+Hohlkehle genannt wird, was nicht der Fall wäre, wenn Kehle schon allein
+Höhlung bedeutete. Die keilförmig zulaufende Gestalt gibt den Ausschlag;
+ein Keil ist ein schief oder schräge verlaufendes, in einer Spitze oder
+scharfen Kante auslaufendes Ding. Kil ist Benennung eines keilförmigen
+Grundstücks bei Wirdum; wahrscheinlich hat auch die Kieler Bucht, der
+Kieler Hafen von einer keilähnlichen Gestalt den Namen; »keilähnlich«
+braucht dabei nicht gepreßt zu werden, sondern muß im weiteren Sinne
+einer gebrochenen oder gebogenen Linie verstanden werden, wie es schon
+im Mittelalter bei geographischen Bezeichnungen verstanden wurde, da
+Kilian kille und kiele einfach mit sinus, Busen, übersetzt, sonst auch
+kyl. In diesem weiteren Sinne gebrauchen unsere Metallarbeiter das Wort
+Kehlung; sie nennen so jede von der Geraden abweichende Linie, dafern
+sie nicht grade im rechten Winkel verläuft, namentlich aber auch wenn
+sie eine Rundung darstellt.
+
+
+*Gischt*, der,
+
+heißt eine Sprühsee, die vom Sturm schäumend gemachte Oberfläche des
+Meeres, namentlich da wo sie sich bricht, mit milchartiger Farbe und
+eigentümlich verklingendem Geräusch verbunden. Um dieses Geräusches
+willen könnte man an Lautmalerei denken, wenn es nicht ein Zeitwort
+gischen gäbe, das mit dem mittelhochdeutschen jesen und dem
+althochdeutschen jësan = »gären machen« verwandt ist, von der
+Sanskritwurzel yas, sieden, kochen. Indessen ist auch dieses lautmalend,
+wie das ähnlich klingende zischen, (»und es wallet und siedet und
+brauset und zischt«.) Daß bei gischen auf den Laut und nicht auf die
+Bewegung oder die Farbe geachtet ist, beweist der hochdeutsche Gebrauch
+des Zeitwortes beim Plätten. Da tupfen die Frauen mit nassem Finger an
+den Bolzen, um zu prüfen, ob er heiß genug sei, was er ist wenn »es
+gischt.« Man nennt auch gischen das Geräusch, das heißes Eisen, bezw.
+das Wasser macht, wenn ein Schmied die Zange mit dem eben geschmiedeten
+Stück zum Abkühlen in kaltes Wasser hält, (»wie wenn Wasser mit Feuer
+sich mengt, bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt«).
+
+
+*Gissen*,
+
+heißt in der Seemannssprache »vermuten« und wird nur in ganz bestimmter
+Verbindung gebraucht: »gegißtes Besteck«. Wenn das Wetter unsichtig
+ist, so daß genaue astronomische Beobachtungen unmöglich sind, so wird
+das Besteck gegißt, d. h. es wird nach dem Loggen, nach der in den
+letzten 24 Stunden durch das Loggen festgesetzten Geschwindigkeit der
+Fahrt mit Berücksichtigung von Abtrift, Strömung und andern in Betracht
+kommenden Umständen ungefähr berechnet, auf welchem Längs- und
+Breitegrade am Mittag eines gegebenen Tages man sich befindet. Geschieht
+dies vom Koch und seinen Freunden in der Kambüse, oder sonst von
+Unberufenen ohne die nötige Unterlage und Genauigkeit, so wird es zum
+Kambüsenbesteck, geschieht es von Schiffs wegen durch den
+Navigationsoffizier, so heißt es »gegißtes Besteck.« Gissen ist ein
+allgemein-niederdeutsches Wort, das im Hochdeutschen nicht vorkommt,
+aber in dem Zeitwort vergessen steckt; es heißt denken, sinnen, meinen,
+raten, glauben, hoffen, mutmaßen, wähnen; englisch guess, schwedisch
+gisse, norwegisch gissa. Die Grundbedeutung ist halten (dafür halten).
+»Gissen maket bewillen missen« ist ein alter niederdeutscher
+Seemannsspruch; buten gissen = wider Erwarten, wider Vermuten; »alle
+unsalighen pleghen ere geiselen swaerer gissen den andern lude
+gheiselen.« »Wen men ock dagelikes Achtinge gifft, wo veel Fahrt dat
+Schip dorch dat Water hefft, und sick solckes inbildet, und entholt
+(einprägt und behält), dat he mit solcken Fortganck, daß dat Schip
+maket, so veel Milen in dat Etmahl segelen mag, alß he dorch Verandering
+der Brede und angesegelde Korß befunden hefft, so kan man mit der Tydt
+tho gode *Gissinge* kamen«, »Kunst der Seefahrt« 1673.
+
+
+*Glasen*,
+
+nennt man das Anschlagen der halben Stunden an der Schiffsglocke. Noch
+vor hundert Jahren wurde von den Leuten am Ruder die Zeit nicht nach der
+Uhr, sondern nach dem (Stunden- oder vielmehr Halbstunden-) Glas
+gemessen. Wenn eine neue Wache aufzog, fing eine neue Rechnung an und
+der Steuermann drehte das Glas um. War es abgelaufen, also war eine
+halbe Stunde vorbei, so ward gemeldet: »*ein* Glas!« und *ein* Schlag an
+die Glocke getan und das Glas aufs Neue gedreht, war es wieder
+abgelaufen, so erfolgte die Meldung: »zwei Glas,« es wurde zweimal
+angeschlagen und das Glas abermals gedreht, und so fort bis die
+vierstündige Wache vorbei war, also bis das Glas achtmal abgelaufen, bis
+acht Glas an der Glocke angeschlagen waren. Dann zog eine neue Wache auf
+und die Rechnung begann wieder von vorne. Hieran hat sich in der
+Neuzeit wenig geändert, nämlich nur das, daß man an Stelle der Gläser
+Uhren hat, aber die alte Benennung ist geblieben und die Mehrzahl von
+Glas bildet der Seemann auch heute noch nicht Gläser sondern Glasen,
+oder vielmehr er gebraucht das Wort nur in der Einzahl: »acht Glas«;
+hierin dem deutschen Zecher oberdeutscher Zunge gleich, der auch nicht
+acht Gläser, sondern acht Glas Bier trinkt.
+
+Nach dem Gesagten könnte ein jeder Nichtseemann sich eigentlich leicht
+ausrechnen, daß »fünf Glas« entweder morgens halb sieben, oder
+vormittags halb elf, oder nachmittags halb drei, oder abends halb
+sieben, oder spät abends halb elf, oder nachts halb drei sein muß. Es
+soll aber Leute geben die das niemals lernen. Jedenfalls wirkt diese
+Rechnung zunächst befremdend auf den, der die Planken eines Schiffes
+betritt, soll auch, wie erzählt wird, so auf den General von Caprivi als
+er Chef der Admiralität geworden war, gewirkt haben.
+
+
+*Goletta*, die,
+
+französisch goëlette, ist eigentlich ein Wort der italienischen
+Seemannssprache, wird aber wohl auch aus deutsch- und namentlich
+österreichisch-seemännischem Munde vernommen; ins Deutsche wird man es
+am passendsten mit Schuner übersetzen, und zwar, da sonst noch
+verschiedene nähere Bestimmungen dazu kommen müssten, mit Schuner in der
+einfachsten Form eines Gaffelschuners, eines Vor- und Achterschuners.
+Der Name dürfte, ähnlich wie vlyboot von dem Vly, von der Festung
+Goletta genommen sein, die in der Seekriegsgeschichte eine so grosse
+Rolle gespielt hat, als Kaiser Karl V. in eigener Person sie dem
+Chaireddin Barbarossa nach blutiger Belagerung mit Sturm abnahm. Davon
+erzählt der Verfasser der »Durchläuchtigsten Seehelden«: »Die
+Gelegenheit nun des Orts Goletta ist also beschaffen: Ein steinern
+Thurn, nebenst angebautem Boll-Werk, stehet an der Enge, durch welche
+der Meer-Busen von Carthago, die Wellen der See in den darbey gelegenen
+Meer-Raum einlässet, und vor kleine Schiffe, biß an die Stadt Tunis
+hinan, Raum und Zugang giebt. Dieses Meer ist swölff italienische Meilen
+breit und lang, aber an beyden Seiten so seichte, daß man anders nicht,
+als in der Mitten der Tieffe dahinein kommen kann. Den Zugang aus der
+See, verwahret der obgemeldte Thurn, der mit dem umherliegenden
+Boll-Werk oder Bevestigung beschützet wird, die so groß, daß man einen
+großen Haufen Volcks darinne zur Besatzung lassen kann. Diesen Thurn
+hatte Barbarossa mit vielen Geschütze versehen, um dadurch seine Flotte,
+die inwendig in dem Meer aufgeleget war, zu beschirmen« ... »Niemals,
+seit dem Gebrauch des Geschützes in der Welt gewesen, hat man weder, mit
+grösserer Gewalt, Zurüstung, Fleiss einen Ort angegriffen, denn
+dergestalt war das Knallen und Donnern des niemals still stehenden
+Geschützes, daß die Erde nicht allein zu erzittern und zu beben begonte,
+sondern auch dem Ansehen nach selber von einander bersten, und alles
+verschlingen wollte: Die See selber, die vorher stille und ruhig gewesen
+war, ward hierdurch gleichsam mit verunruhiget, da inzwischen der Himmel
+durch den unaufhörlichen Dampff und Rauch sich aus dem Gesichte
+verlohr.«
+
+
+*Golf*, der,
+
+gleichbedeutend mit Meerbusen. Erst spät ins Deutsche eingedrungenes
+Wort, vom griechischen kolpos stammend, mit wölben von einer Wurzel, =
+Busen, Schoß, Falte im Gewand, busenartige Vertiefung, Meerbusen, Bucht;
+italienisch golfo, spanisch golfo, provençalisch golfo. Davon
+französisch golfe und gouffre, woraus zu sehen, daß das Wort aus
+Frankreich zu uns gekommen ist, und zwar über die Niederlande, da Kilian
+es in der Form gouffre verzeichnet hat.
+
+
+*gondeln*,
+
+scherzhaft für »zur See fahren.« »Nun gondeln wir in diesem angenehmen
+Wetter schon acht Tage umher«, wird wohl gesagt wenn Sturm und Regen die
+Fahrt recht unangenehm machen. Den scherzhaften Beigeschmack dürfte das
+Wort auf dem Wege über Berlin bekommen haben, wo die Aussprache
+bekanntlich »jondeln« ist, und so ausgesprochen klingt es noch um einen
+Ton scherzhafter. Byron beschreibt diese venezolanische Wasserdroschke,
+Gondola genannt, so:
+
+ Didst ever see a gondola? for fear
+ You should not, I'll describe it exactly:
+ 'Tis a long covered boat that's common here,
+ Carved at the prow, built lightly but compactly.
+ Row'd by two rowers, each call'd »gondolier,«
+ It glides along the water looking blackly,
+ Just like a coffin clapt in a canoe,
+ Where none can make out what you say or do.
+
+Gondel ist frühzeitig, d. h. vor etwa 360 Jahren in (hoch-)deutschen
+Gebrauch gekommen, Kluge führt die Diminutivform Gündelein an und
+bemerkt, daß Gondelein schon 1574 in Zeitungen über italienische
+Verhältnisse vorkommt. Die Seemannssprache hat sich, abgesehen von der
+modernen scherzhaften Weise, dem Worte gegenüber ablehnend verhalten.
+
+
+*Gording*, die.
+
+Gordinge heissen mit Ausnahme der Geitaue alle Taue mit denen ein Segel
+aufgegeit wird. Und zwar heißen Bukgordinge diejenigen, die am unteren
+Liek des Segels befestigt sind und den unteren Teil, den Buk d. h. Bauch
+desselben aufholen; alle viereckigen Segel haben solche »Bukerdings,«
+wie der Seemann das Wort gerne ausspricht. Grosse viereckige Segel haben
+auch noch Nockgordinge (»Nockgordings«) die am stehenden Liek befestigt
+sind und die Seiten des Segels aufholen. Sehr hohe Marssegel haben zu
+Zeiten wohl noch weitere Gordinge am stehenden Liek, die man
+Schmiergordinge nennt. Der Unterschied zwischen Gordingen und Geitauen
+ist der, daß erstere vor, letztere hinter dem Segel zur Rahe
+hinauffahren. Dempgordinge nennt man die Taue mit denen Besan =
+(Schrat-)Segel unter die Besansruthe oder -Gaffel geholt werden.
+
+Gording heißt auf hochdeutsch Gürtung, da die Segel gleichsam gegürtet
+werden, die Gordinge (und Geitaue) also Gürtel darstellen; gothisch
+gaird, altsächsisch gyrdels, althochdeutsch gurtila, altnordisch gjörd;
+in der Edda wird der Kraft verleihende Gürtel das Tor megin-gjardar
+genannt.
+
+
+*Gösch*, die,
+
+heißt die Flagge die am Ende des Bugspriets an einem Stocke, dem
+Göschstocke, an Sonn-, Feier- und anderen Tagen von besonderer Bedeutung
+weht. Bei unseren Kriegsschiffen besteht die Gösch aus dem oberen
+inneren Felde der Kriegsflagge, schwarz, weiss, rot mit dem eisernen
+Kreuz. Das Wort Gösch muß eigentlich Gös heißen, denn es ist aus Holland
+zu uns gekommen, wo es geus heißt, ausgesprochen Gös. So hießen die
+Kämpfer in dem Unabhängigkeitskriege der Niederländer gegen Spanien. Das
+Wort bedeutet Bettler. Als die 300 Verbündeten am 5. April 1566 zu
+Brüssel der Regentin Margarethe ihre Bittschrift überreichten und diese
+sich zu entfärben schien, flüsterte ihr der Graf von Barlaimont zu, sie
+solle sich vor einem Haufen Bettler (gueux) nicht fürchten. Dessen
+eingedenk trank man sich alsbald darauf bei der Tafel unter diesem Namen
+zu, und: es leben die Geusen! wurde mit allgemeinem Geschrei des
+Beifalls gerufen. Nach aufgehobener Tafel erschien der Graf von
+Brederode mit einer Betteltasche und bald waren alle mit solchen
+versehen. Das Dasein seiner Beschützer mußte dem Volke versinnlicht und
+der Eifer der Partei durch ein sichtbares Zeichen in Athem erhalten
+werden; dazu war kein besseres Mittel, als diesen Namen der Geusen
+öffentlich zur Schau zu tragen und die Zeichen der Verbrüderung davon zu
+entlehnen. In wenig Tagen wimmelte die Stadt Brüssel von aschgrauen
+Kleidern, wie man sie an Bettelmönchen und Büßenden sah. Die ganze
+Familie mit dem Hausgesinde eines Verschworenen warf sich in die
+Ordenstracht. Einige führten hölzerne Schüsseln mit dünnem Silberblech
+überzogen, eben solche Becher, oder auch Messer, den ganzen Hausrat der
+Bettlerzunft, an den Hüten oder liessen sie an dem Gürtel
+herunterhängen. Um den Hals hingen sie eine goldene oder silberne Münze,
+nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine Seite das Brustbild des
+Könige zeigte, mit der Inschrift: »Dem Könige getreu.« Auf der andern
+sah man zwei zusammengefaltete Hände, die eine Provianttasche hielten,
+mit den Worten: »bis zum Bettelsack.« Daher schreibt sich der Name der
+Geusen, den nachher in den Niederlanden alle diejenigen trugen, welche
+vom Papsttum abfielen und die Waffen gegen den König ergriffen.
+(Schiller.) Oft wurden sie auch watergeusen genannt wegen ihrer
+Tüchtigkeit zu Wasser. Leute die so sehr auf äußerliche Abzeichen
+hielten, hatten gewiß auch ein solches, oder mehrere in der Flagge die
+sie führten. In der Tat erfahren wir, daß es in jenen kriegerischen
+Tagen bei den Geusen eine Flagge gab mit drei P., die bedeuteten »Pugno
+Pro Patria.«
+
+Bekanntlich fing der eigentliche Krieg mit der Einnahme der Festung
+Briel durch die Geusen an. Davon lesen wir: »Lorsque le Comte de la Marc
+vint devant la Brille avex ses vaisseaux il portoit dix deniers dans son
+Pavillon, pour marquer qu'il venoit s'oposer à la levée du dixiéme
+denier que le Duc d'Albe vouloit exiger.« Es werden die Geusen in ihrem
+Stolz und Trotz auch noch andere ihrer Abzeichen in der Flagge geführt
+haben. Nach ihnen sahen Leute, die den Namen Geusen als einen Ehrennamen
+ansahen, mit Begeisterung. Wäre es da ein Wunder, wenn die Flagge, die
+Geusenzeichen trug, selbst geus genannt worden wäre? Und wirklich
+belehrt uns Aubin, daß die Bugflagge zu seiner Zeit, Ende des
+sechzehnten Jahrhunderts, geus geheißen hat, (wie sie denn auch noch
+jetzt so heißt). Sonst werden wohl die Leute nach ihrer Flagge genannt,
+hier finden wir den umgekehrten Fall, daß die Flagge nach den Leuten
+heißt. Daß aber grade die Bugflagge den Namen der Geusen führt, mag
+zufällig sein, kann aber auch irgend einen besonderen geschichtlichen
+Grund haben und dürfte mit dem Umstande zusammenhängen, daß überhaupt in
+jenen Tagen die Bugflagge häufiger als heute gesetzt ward. Und die
+Geusen werden sie nach dem was wir von ihnen gehört haben nicht weniger,
+sondern mehr als andere Leute geführt haben.
+
+Man hört den oberen inneren Teil der Kriegsflagge, welcher die Gösch
+ausmacht, auch wohl Jack nennen. Das kommt von der englischen
+Bezeichnung »Union Jack« für dieses Feld. »The union or union flag of
+Britain, the national banner of the United Kingdom, is formed by the
+union of the cross of St. George (red on a white ground), the diagonal
+cross or saltire of St. Andrew (white on a blue ground), and the
+diagonal cross of St. Patrick (red on a white ground)«; stellt also die
+Union zwischen England, Schottland und Irland dar. Jack aber ist im
+Englischen eine populäre Form für James (vom französischen Jacques,
+Jakob), eine so populäre, daß sie in unzähligen Wendungen, Bedeutungen,
+Zusammensetzungen und sprichwörtlichen Redensarten gebraucht wird. Union
+Jack aber »was named after James I, under whose direction the first
+union flag was constructed and who signed his name Jacques.« Wobei zu
+bemerken ist, daß es in den Zeiten schwerer innerer Kämpfe auch eine
+Flagge gab, die union flag hieß, rot mit der Inschrift: »For the
+protestant religion And the Liberty of England«; es war also nichts
+Ungewöhnliches, daß man die Flagge in Zeichen oder Worten zu denen reden
+ließ, die unter ihr fuhren.
+
+
+*Granate*, die,
+
+modernes Geschoß von zerstörender Wirkung, namentlich durch sein
+Zersplittern. Es kommen sprachlich vier ziemlich gleichlautende Wörter
+in Betracht: 1. Granat als Baum; 2. Granat als Edelstein; 3. Granat als
+Geschoß; 4. Granat als Seekrustentier. Davon kommen die ersten drei von
+granum, das Korn; 1. wegen der vielen Körner die die Frucht, der
+Granatapfel, enthält; (Granáda, die Stadt der Granatbäume); 2. wegen der
+körnigen Beschaffenheit; 3. wegen der in ihnen enthaltenen Pulverkörner;
+4. aber hat dagegen den Namen von den beiden langen Fühlhörnern, die
+genau aussehen wie (Gersten-)Grannen. Was die Granate, die hier allein
+weiter in Betracht kommt, angeht, so ist bekannt, dass sie ursprünglich
+nicht aus Kanonen geschossen, sondern als Handgranate mit der Hand unter
+die Feinde geworfen wurde. Der Mann, der dieses immerhin nicht
+ungefährliche Geschäft zu besorgen hatte, mußte ein alter, erprobter,
+kaltblütiger Soldat sein; er führte von seinem Geschäft den Namen
+Grenadier, so daß derselbe also ursprünglich für einen Soldaten, der
+keine Handgranaten warf, eine Auszeichnung, ähnlich wie Gardist, sein
+sollte.
+
+
+*Gräting*, die.
+
+Ein Gestell von unter einander übers Kreuz verbundenen Latten, von dem
+das Wasser bequem abfliesst, überall da angebracht wo Leute an Bord
+lange stehen sollen, damit sie trocken stehen, am Ruder, am Fallreep
+etc. etc. Ein aus dem Lateinischen stammendes, mit niederdeutscher
+Endung versehenes, englisch ausgesprochenes Wort. Lat. crates, Korb,
+heißt althochdeutsch cratto und chrezzo, Geflecht, Korbgeflecht (noch
+jetzt in Hochdeutschland Keez = Kiepe). (Auch die Form grede kommt für
+Unterlager für Waren vor; diese vielleicht aber, weil das Wort auch
+Stufe und Treppe bedeutet doch wohl vom lat. gradus). Aus dem
+Diminitivum von crates, craticola, entstand das französische grille,
+Rost, Gitter, italienisch gretola, Stäbchen des Käfigs. Niederländisch
+kratte = Korb; littauisch Kratis, Gitter und Kratelis, Rost. Sehr früh
+traten an die Stelle von crates Formen mit anlautender Media,
+mittellateinisch grates, graticula, italienisch grata, Flechtwerk,
+Gatter, Rost; spanisch gradilla, Rost; englisch grate (daher cradle
+Korb, Flechtwerk, geflochtene Wiege). Bedenkt man, dass Gräting auch
+eine Vorrichtung ist, die vor Türen liegt, damit man, ehe man eintritt,
+die Füsse daran reinige, und dass an Stelle des einem Geflecht nicht
+unähnlichen Holzgitters vielfach wirkliches Reisig-Geflecht tritt, (ja,
+dass heute noch in manchen Gegenden Deutschlands in ärmlichen
+Verhältnissen einfach ein Zweig Tannenreisig vor die Tür gelegt wird) so
+ist die Bedeutungsentwickelung ohne weiteres einleuchtend.
+
+Die deutschen Eisenarbeiter nennen Gräting die Gittertür eines Ofens,
+also ganz im Sinne von Rost.
+
+
+*Groden*, der,
+
+heißt in Ostfriesland und Oldenburg ein bereits grün bewachsenes, durch
+Buhnen, Schlengen etc. etc. dem Meere abgewonnenes Land, und zwar
+eigentlich aussendeichs, doch behält es den Namen auch wenn es nachher
+eingedeicht wird, so daß manchmal von einem Groden die Rede ist da wo
+gar kein Deich mehr zu sehen ist; nordfriesisch Koog, (könnte Cuxhaven
+wohl gleich Koogshaven sein?), westlich der Ems Polder. Es kommt --
+vergl. Crew -- vom friesischen groya, groien = crescere, wachsen,
+eigentlich grünen. Es muss ja grün werden was wachsen soll. In der Edda
+heißt poetisch die Erde groandi, die »Grünende.« Gothisch gras = Gras,
+altsächsisch und althochdeutsch gras, gehören hierher, ablautend mit dem
+mittelhochdeutschen gruose, junger Trieb der Pflanzen; die
+indogermanische Wurzel ist ghro, vergl. das lateinische gramen, Gras;
+griechisch chloros, grün, welches wohl eine Dissimilation aus chroros
+ist. Früher hatte man für Groden auch die Form groenden; die Tossenser
+groenden in Butjadingen werden im J. 1566 in Verhandlungen über das
+Spatenrecht genannt.
+
+
+*Grog*, der,
+
+das bekannte Getränk, ursprünglich nur aus Rum und Wasser gemischt.
+»From »Old Grog«, a nickname given to Admiral Vernon, who introduced the
+beverage, from his wearing a grogram cloak in rough weather.« Von
+anderer Seite wird einleuchtender behauptet, das Wort stamme vom Admiral
+Sir Evans W. Grog her, der Ende des 18. Jahrhunderts zuerst den Matrosen
+den Rum mit Wasser gemischt allowanceweise verabreichen ließ. Das mag
+diesen schlecht gefallen haben und um ihrem Mißfallen Ausdruck zu geben
+nannten sie das so wenig kräftige Getränk mit dem Namen seines
+Erfinders; sie sahen es eben als eine Verschlechterung des Rums, nicht
+als eine Verbesserung des Wassers an. Wie leicht Getränknamen sich
+einbürgern ist bekannt, man braucht nur an den Pariser »Bock« zu denken.
+Selbst Wörter, die bisher einen ganz anderen Sinn hatten, nehmen in
+manchem Munde ausschließlich den eines Getränkes an: Korn, Kümmel,
+Benediktiner. Sekt war sonst immer der »trockene« spanische Wein, den
+Sir John Falstaff zu gerne trank und hat erst durch den berühmten
+Schauspieler Devrient die Bedeutung von Champagner erhalten. Über
+allowance s. Launs.
+
+
+*Grossmast*, der,
+
+auf Vollschiffen oder Barken der mittelste, größte, meist auch höchste
+Mast; ein sehr wichtiges Ding für ein Segelschiff. Was der Erste
+Offizier unter den Offizieren ist, das ist der Großmast unter den
+Masten. Geht doch auch, nach dem seemännischen Sprichwort, der Erste
+Offizier nur in Begleitung des Grossmastes von Bord.
+
+Alles was an Segel, Tauen u. dgl. an Bord mehrfach, nämlich für jeden
+Mast besonders vorhanden ist, wird nach dem Mast benannt zu dem es
+gehört, und zwar durch Vorsetzen des Namens des betreffenden Mastes,
+also Großmarsrahe, Großrahe, Großbramstenge, Großmars, Großrüst u. s. w.
+Alles sich auf den Großmast Beziehende wird unter der Bezeichnung
+»Großtop« zusammengefaßt, wie alles auf den Kreuzmast Bezügliche
+»Kreuztop« heißt; Focktop wird jedoch nicht gesagt, weil hier auch noch
+das ganze Vorgeschirr in Betracht kommt; man sagt statt dessen »Vortop«.
+
+Abweichend von der übrigen Benennung der Segel heißt das unterste
+derselben am Großmast: *Grosssegel*.
+
+
+*Grummetstropp*, der,
+
+ein runder Stropp, aus einem Kardeel vom aufgedrehten Stück eines
+(bereits gebrauchten, alten) Taues. Es hat dieses Grummet mit dem
+Grummet = Grünmaht, dem zarten Schnitt des (nur grünenden, nicht wie
+beim ersten blühenden) Grases wohl nichts zu tun, wiewohl man diesen
+auch als »Überbleibsel« bezeichnen könnte, und wiewohl auch unser
+Grummet nach dem Material genannt wird aus dem man ihn anfertigt. Es
+gibt nämlich ein niederdeutsches Wort grumm = Schutt, Zerriebenes, und
+eine Mehrzahl grumpen = Stücke, Brocken, Zerbröckeltes, also auch
+Auseinandergeteiltes, besonders aber auch Überbleibsel. Das
+niederländische grommen, die Eingeweide ausnehmen, hängt damit zusammen.
+Und eben ein auseinandergedrehtes, übrig gebliebenes Stück Tau, dem die
+Kardeele wie Eingeweide aus dem Leibe geholt sind, wird zu einem
+Grummetstropp benützt, und es kann dazu um so eher altes Tauwerk
+genommen werden, als ein solcher nichts weiter zu halten, sondern nur zu
+verhüten hat, dass an den betreffenden Stellen die Takelage schamfilt.
+
+
+*Grund*, der,
+
+wird in der Seemannsprache hauptsächlich im Sinne von Meeresboden
+gebraucht. Beim Lothen mit dem Handloth hört man den damit beauftragten
+Matrosen oft genug aussingen: »15 Meter und keinen Grund!« Eine wichtige
+Sache ist es, mit dem grossen Loth den Meeresgrund auf seine
+Beschaffenheit zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wird das Lot mit Talg
+bestrichen, die Erde die dann daran hängen bleibt, wenn es den
+Meeresgrund berührt, ist eine Grundprobe, je nach ihren Bestandteilen
+aus Sand, Muscheln oder dergl. hat man unter Umständen einen gewissen
+Anhaltspunkt für die Gegend in der sich das Schiff befindet.
+
+Sonst ist der Seemann ängstlich bemüht, eine »gründliche« Berührung zu
+vermeiden, nicht nur weil es überhaupt gefährlich ist, wenn das Schiff
+auf Grund kommt, sondern es steckt offenbar den Seeleuten noch eine
+Scheu davor im Blute von den Zeiten her, da es Rechtens war, dass ein
+Schiff mitsamt seiner Ladung dem verfiel, dessen Grund es berührt hatte.
+Ein barbarisches Recht, oder vielmehr Unrecht, diese grundroringe, das
+Grundrührrecht, das sich übrigens nicht nur auf Schiffe und die See
+beschränkte, sondern auch von anderen Fahrzeugen auf dem festen Lande
+galt. So konnte es vorkommen, daß einer mit seinem Wagen über eine
+Brücke fahren wollte und wegen schlechten Zustandes derselben umwarf;
+dann wurde nicht der, der die Brücke hätte bauen und bessern sollen,
+bestraft, sondern der Fuhrmann, und zwar durch Beschlagnahme des Wagens
+samt der Ladung. Karl V. (peinliche Halsgerichtsordnung, Art. 218)
+schaffte dieses »Recht« ab.
+
+
+*Grünes Licht* s. Laterne.
+
+
+*Gut*, das.
+
+Die Takelage, das gesamte Tauwerk an Bord heißt mit dem Sammelnamen
+»Gut«; wird aber dann auch in »stehendes Gut«, »laufendes Gut«,
+Reservegut u. s. w. unterschieden.
+
+»Gut« heißt auch die Gesamtheit der geladenen oder zu ladenden Güter.
+Bestehen diese aus Kisten, Fässern, Ballen und dergl., so spricht man
+von Stückgut, während Korn, Kohlen, Salz u. s. w. Stürzgut ausmachen.
+
+
+
+
+H.
+
+
+*h.* s. a. m.
+
+
+*Haartuch*, das,
+
+ist grobes, haarenes Tuch, das in der Gestalt von Läufern an Deck
+gelegt wird wenn man Geschosse mannt, damit möglichst jeder Stoß
+vermieden werde. Die sprachliche Erklärung muß mit zwei Wörtern rechnen,
+mit Haar in der Bedeutung Menschenhaar, Pferdehaar, und einem veralteten
+Haar das Flachs bedeutete, (in Flachshaar kommen die beiden zusammen).
+Doch ist Haartuch nicht von Flachs, sondern der Name Haar muß auch für
+Werg in Gebrauch gewesen sein, denn aus Werg war das härene Tuch
+ursprünglich gefertigt; englisch hards = Werg.
+
+
+*Hackbord* = Heckbord, s. Heck.
+
+
+*Hafen*, der,
+
+kommt von haben = halten, ist also ein Ort wo das Schiff gehalten wird,
+ein (sicherer, bequemer) Halteort. Zu vergleichen ist das
+althochdeutsche hafjan, heffjan = heben, aufheben, Grundbedeutung:
+fassen, greifen, halten, behalten, lateinisch capere. So ist also Hafen
+= Topf dasselbe Wort, ein Gefäß, das etwas enthält. Auch Hof ist nahe
+verwandt, und ists also im Grunde ein Streit um des Kaisers Bart wenn
+darüber gestritten wird, ob ein Wort wie Marienhafe eigentlich Marienhof
+oder Marienhafen zu deuten sei. Die niederdeutsche Schreibweise ist
+Haven. Es war also eine Anerkennung des niederdeutschen Wesens der
+Seemannssprache als König Wilhelm I. befahl, den am 17. Juni 1869 nach
+ihm getauften neuen Kriegshafen Wilhelmshaven mit einem v zu schreiben.
+(Otfried, ein Mann aus Franken, in Weißenburg 868 seinen »Krist«
+schreibend, hat zuerst, und zwar nur im Inlaute, das v angewandt anstatt
+f).
+
+Das englische harbour hat mit unserem Hafen nichts zu tun, ist vielmehr
+dasselbe wie das deutsche »Herberge«, ein Platz, wo ein Heer sein
+Nachtlager aufschlug. Dagegen ist Kabel mit unserm Worte einer
+Abstammung. In der Edda hat das Wort hafn noch so sehr den Begriff haben
+und halten, daß es nicht nur Besitz (»Habe«) und Hafen, sondern auch die
+Schiffsmannschaft bedeutet, die Mannschaft die das Schiff enthält,
+skipshofn.
+
+Das französische havre ist noch umstritten; die Aspiration deutet auf
+deutschen Ursprung. Da aber ein spanisches und portugiesisches abra =
+Hafen vorhanden ist, so ist man hierfür auf das keltische aber in
+Ortsnamen zurückgegangen, welches Flußmündung, auch das Zusammentreffen
+einer solchen mit einem Hafen bedeutet. Es wäre aber noch eher denkbar,
+daß die Spanier das ihnen ohnehin ungelegene h einfach fallen ließen.
+
+
+*Hafengeld*, das,
+
+ist eine an den Staat zu entrichtende Abgabe, die, je nach ihrer Größe
+verschieden, ein und ausgehenden Schiffen für Benützung der
+Einrichtungen, als da sind Bollwerke, Kajen, Bojen, Tonnen, Leuchtfeuer
+eines Hafens, berechnet werden.
+
+
+*Hafenkapitän*, der,
+
+ist der Offizier, gewöhnlich ein zur Disposition gestellter Seeoffizier,
+der die Aufsicht über den Hafen hat, der auch besonders die Ordnung und
+Reihenfolge der im Hafen liegenden Schiffe bestimmt, das Aus- und
+Einlaufen regelt, die Arbeiten beim Durchschleusen und überhaupt den
+ganzen Schleusenbetrieb leitet, die Deiche im Auge zu halten, bei
+Sturmfluten auf seinem Posten zu sein hat u. dergl. Wo es sich nicht um
+einen Kriegshafen handelt, heißt der entsprechende Beamte
+*Hafenmeister*.
+
+
+*Hafenwache*, die.
+
+1. Die Wache die an Bord der Kriegsschiffe im Hafen gegangen wird im
+Gegensatz zur Seewache, zwar länger wie diese, nämlich einen ganzen Tag
+dauernd, aber nicht so verantwortungsvoll und daher minder anstrengend.
+2. Die Hafenpolizei, ihr Wachthaus am Hafen und ihr Polizeiboot auf dem
+Hafen.
+
+
+*Hafenzeit*,
+
+ist die Zeit zu der ein bestimmter Hafen Hochwasser hat. »Die
+Verzeichnisse der bekannten Hafenzeiten geben unmittelbar nur die
+Zeitpunkte des Hochwassers an Neu- und Vollmondstagen. Für die übrigen
+Tage müssen also im erforderlichen Falle die Tidestunden durch Rechnung
+gefunden werden. Der Hauptpunkt dieser Rechnung ist die tägliche
+Verspätung des Mondes, d. h. der Zeitunterschied zwischen seiner
+Kulmination und derjenigen der Sonne, weil sich demgemäß ... auch die
+Tidestunden ändern. Die genaue Berechnung kann nur mit Hülfe nautischer
+Kalender oder astronomischer Ephemeriden geschehen.« (Bobrik,
+Seefahrtskunde I 161.)
+
+
+*Haff*, das.
+
+Kurisches Haff, Frisches Haff, Pommersches Haff, die drei großen
+Strandseen an der Küste der Ostsee. Haff heißt eigentlich Meer;
+angelsächsisch haef, nordisch haf, mittelniederdeutsch haf; 1255: »The
+bruthere (des Ordens) geven vri that haf und then Strand to allerhande
+donde.« »Se vurden de Konynge to schepe auer dat wilde haf.« Hamb.
+Chron.
+
+Dieses Wort mit dieser Bedeutung kommt dem Sprachforscher ziemlich
+unbequem, denn Hafen paßt so schön zu haben, da aber Haff Meer bedeutet,
+so wird diese Verwandschaft schwankend. Kluge, Etym. Wörterbuch, 5.
+Auflage S. 150 sagt darüber: »Da man keine ursprüngliche Verschiedenheit
+von Worten für *Hafen* und *Meer* anzunehmen braucht und da jedenfalls
+die Bedeutung »Hafen« aus der Bedeutung »Meer« abgeleitet ist -- das
+Umgekehrte wäre wohl nicht denkbar -- so wird die unter Hafen gegebene
+gewöhnliche Annahme, Hafen sei eigentlich »Behälter,« problematisch.
+Wahrscheinlich ist also *Hafen* etwa »marina« im Sinne von »statio
+marina« zu deuten. Angelsächsisches haef »Meer« als »sich erhebendes« im
+Sinne von lateinischem altum (»hohe See«) zu *heben* (Wurzel haf,
+vorgermanisch kap) zu ziehen, ist nicht unmöglich, aber kaum
+wahrscheinlich.« Doch hat letzteres sehr viel für sich, wenn man
+bedenkt, wie gern heut noch der niederdeutsche Seemann von der »hohen
+See« spricht und sich der Wendungen bedient wie »auf der Höhe von«,
+»Hochseeschiff«. Das Meer stellt sich nicht nur in dichterischer Sprache
+als etwas »Erhabenes« dar, es ist in der That etwas für das Auge des
+Beschauers »sich Erhebendes«, einerlei ob er am Strande steht, ob an
+Bord eines Schiffes, oder etwa auf dem Kraterwall des Pics von Tenerifa.
+Wer je auf diesem gestanden hat, wird es nie vergessen, wie ringsumher
+das Meer so hoch aufsteigt, daß man auf einer Höhe von beinahe
+viertausend Metern das Gefühl hat, die Kimm liege einem grade gegenüber
+auf gleicher Höhe.
+
+
+*Hahnepot*, die,
+
+ist ein von einem bestimmten Punkte aus in verschiedene Zweige
+auseinander gehendes Tau, sei es zur Verteilung einer Last indem man die
+Angriffspunkte vermehrt, sei es zum Schutze einer dem Schamfilen
+ausgesetzten Stelle. Der Name kommt von der Ähnlichkeit mit einem
+Hahnenfuß. Die Sache ist im Grunde dieselbe wie die unter Spinnekopf
+behandelte. Doch geht beim Piekfall das eine Tau nur in zwei Arme, die
+die Gaffel tragen, aus einander.
+
+
+*Haken*, der,
+
+ist in der Seemannschaft wie in vielen anderen Zweigen menschlicher
+Tätigkeit ein vielgebrauchtes unentbehrliches Ding und kommt in
+unzähligen Fällen zur Anwendung. Sprachlich bedürfen indessen kaum zwei
+oder drei ein Wort der Erklärung. Etwa Kenterhaken; ein Haken mit einer
+Stange daran, dazu dienend Balken zu kentern, d. h. durch umkanten
+weiter fort zu bewegen. Enterhaken wurden, als überhaupt noch geentert
+wurde, zum Heranholen und Festhalten des feindlichen Schiffes verwandt.
+Bootshaken ist der Haken mit längerer, dünner Stange daran, mit dem ein
+abfahrendes Boot abgesetzt, ein landendes angelegt, d. h. ans Schiff,
+ans Bollwerk, an die Treppe herangeholt wird. Für Kenterhaken hört man
+eben so oft Kanthaken.
+
+
+*Halbstocks* oder *Halbmast*
+
+sind zwei Adverbia als nähere Bestimmung zu den Zeitwörtern holen oder
+hissen. Die Flagge nämlich wird Halbstocks oder Halbmast geholt oder
+gehisst zum Zeichen der Trauer, sei es daß ein hervorragender Toter am
+Lande geehrt werden soll, sei es daß ein Gestorbener sich an Bord
+befindet. Früher wurden auch die Marssegel nur auf halber Höhe geführt
+an Bord eines Schiffes, auf dem sich die Leiche eines Offiziers befand.
+Vor Zeiten, vergl. Gösch, wo man mit Flaggen größeren Aufwand trieb, als
+heute, und wo ihre Farbe und Form noch nicht so genau vorgeschrieben
+waren, es auch noch keine festen Salut- und Flaggenvorschriften gab,
+wurden je nach Gefühl und Vermögen mancherlei Flaggehrungen gewährt.
+»Lorsque Witte Cornelesz. de Wit, Vice-amiral de Hollande fut tué dans
+la bataille du passage du Sond, qui se donna entre les Suédois et les
+Hollandois l'an 1658 et que les Hollandois gagnérent, aïant forcé le
+passage, le vaisseau de ce Vice-amiral périt dans le tems que les
+Suédois s'en rendoient maîtres, et il ne leur en resta que le corps de
+Witte de Wit. Le roi de Suéde fit revêtir ce corps de satin blanc; fit
+couvrir son cercueil d'un magnifique drap mortuaire avec les armes du
+défunt; le fit mettre dans une galiote painte de noir, où il n'y avoit
+pour pavillons que des flames noires, et le renvoia au
+Lieutenant-Vice-admiral Général de Wassenaar, ou d'Opdam.« Die Leiche
+mit der Nationalflagge zu bedecken war damals noch nicht üblich; dagegen
+wurden bereits in einem Leichenzuge am Lande die Fahnen mit schwarzem
+Flor umwunden. »Im Jahre 1629 ward die Admiral-Lieutenants-Stelle von
+Holland offen, durch den Tod des Herrn von der Leck, und dieweil nunmehr
+auch Dorp (der sonsten die Flotte auf der Flämischen Küsten als General
+kommandiert hatte) in dem Lager zu Felde gebraucht ward, und derhalben
+notwendig ein Admiral zur See gehn müßte, hat der Herr Printz von
+Uranien Peter Heyn, der wegen so vieler stattlichen Taten in grosser
+Achtung war, dazu erwehlet. Dieses war nun der höchste Ruhm, den er
+allhier zu Lande erlangen kunte, er hat ihn aber nicht lange besessen
+und genossen, denn als er vor Duynkirchen lag, und nun vor hatte
+dasselbige Behältniß und zugleich das alte Raubnest zu stopfen, gerieth
+er mit den Duynkirchern in ein heftiges Gefechte, in welchem er dreyn
+von deß Feindes Schiffen eroberte, es wolte aber das Unglück, daß er im
+Anfang des Treffens durch eine große Stuckkugel benebenst dem Kapitän
+Blom, zu großer Betrübniß meist aller Einwohner getroffen und erschossen
+ward. Sein Leichnam ward auf den vierdten Julii mit einem grossen Zulauf
+von Menschen begraben. Vor der Leiche gingen zween Fahnen Bürger in
+Trauerwaffen, und hatten ihre Koller mit schwartzen Bändern besetzet,
+die Fahnen mit schwartzen Band aufgewunden, wie auch die Trommeln mit
+schwarzem Tuch überzogen, die Musqueten unter den Armen tragend; und die
+Picken nachschleppend. Darauf folgeten, diejenigen so die Waffen und
+Kriegsgereitschafft trugen, welche alle Seekapitäne dieses Landes waren.
+Hauptmann Liedekerken trug das Wappen. Capitain Bornon, der älteste von
+den See-Capitainen ward das Casquet oder Helm angetragen, damit vor der
+Leiche herzugehen, weil er aber zu ohnmächtig war solches zu thun, alss
+der seine Gliedmassen in deß Landes-diensten verlohren hatte, ward
+solches Evert Antonissen von Amsterdam anbefohlen. Darnach folgete die
+Leiche, unter einer Decke, die von allen See-Capitainen, die zu Lande
+waren, getragen ward« ... (»Durchl. Seehelden«) Die romanischen
+Seefahrer brassen auch zum Zeichen der Trauer, besonders am Karfreitag,
+ihre Rahen über Kreuz, d. h. so, daß die einen nach vorn die andern nach
+hinten weisen. Natürlich kann Halbstocks die Flagge nur gesetzt werden
+wenn sie wirklich an einem Stock, Flaggenstock, geführt wird, sonst weht
+sie halbmast, und wenn sie an der Besansgaffel fährt heißt das
+betreffende Kommando: »Flagge halb!«
+
+Ein seemännisches Auge wird am Lande oft dadurch verletzt, daß es an
+Freudentagen Flaggen sehen muß, die nicht ganz vorgeholt sind. Das sieht
+dann wie Halbstocks aus oder erinnert doch wenigstens daran und macht
+daher den Eindruck einer Trauerkundgebung. Um dieses zu vermeiden
+sollten auch die Flaggenstangen so gestaltet sein, daß über den Knopf,
+bis zu dem die Flagge gehißt wird, keinerlei Verzierung hinausragt, auch
+keine Kaiserkrone; die gehört da nicht hin.
+
+
+*Hals*, der,
+
+Mehrzahl die Halsen; so heissen die unteren Ecken der Untersegel und die
+vorderen Ecken der Stagsegel, Schratsegel und Bootssegel; so heißen auch
+die daran befestigten Taue mit denen die Untersegel nach vorne geholt
+werden und (an der Luvseite) steif gesetzt werden, (während die an
+gleicher Stelle angebrachten Schooten das Segel nach hinten zu
+festhalten). Bei Besansegeln, Stagsegeln etc. etc. wird der Hals
+allerdings »geholt«, aber die Vermutung Breusings, der Name des Halses
+käme von diesem Holen oder Halen, ist doch nicht nahe liegend genug.
+Jedenfalls liegt die gewöhnliche Bedeutung von Hals viel näher und
+genügt zur Erklärung vollständig. Der Hals bildet ja nicht bloß das
+kürzere oder längere bewegliche Verbindungsglied zwischen Kopf und
+Schultern, sondern auch an leblosen Dingen das dünne, lange, grade oder
+gebogene, vorgestreckte Ende; man denke an den Hals einer Flasche, einer
+Kanne, eines Ankers. Und das Tau am Hals des Segels dürfen wir um so
+eher Hals nennen als ein mittelhochdeutsches Halse auch ein Tau
+bedeutete, nämlich den Strick, die Leine (oder den Riemen) der
+Leithunde, der ihnen, um sie zu führen, um den Hals gelegt wird. Das
+ergibt ein ganz ähnliches Bild. Im Angelsächsischen ward der Bug sehr
+sinnreich und treffend, namentlich bei der damaligen Bauart des
+Vorstevens, heals genannt; dichterisch (Beówulf) fâmig-heals, auch flota
+fâmig-heals, das schaumhalsige Schiff; jedenfalls schöner wie
+fàmig-bord, Schaumbord.
+
+Das Auge, (die Öffnung, das Loch im Segel) durch welches bei Gaffel- und
+Topsegeln der Hals am Mast befestigt wird, heißt *Halsauge*. Die Öffnung
+in der Bordwand -- sei es an Steuerbord, sei es an Backbord -- durch
+welche der Großsegelshals in das Schiff führt, heißt *Halsgat*; dieses
+liegt, wenn die Rahen beim Winde gebraßt sind, lotrecht unter der Nock
+der Großrahe.
+
+
+*Halsen*
+
+unterscheidet sich von wenden, mit dem es die Bedeutung »umkehren«
+gemein hat, dadurch, daß beim Wenden das Schiff durch den Wind gedreht
+wird, während man beim Halsen das Schiff so weit es überhaupt abfallen
+kann, abfallen läßt und es dann über den andern Bug wieder an den Wind
+bringt. Letzteres geschieht, weil dadurch viel gewonnenes Luv verloren
+geht, nur wenn entweder eine Wendung versagt (manche Schiffe sind wegen
+ihrer Bauart schwer durch den Wind zu bringen) oder in ganz schlechtem
+Wetter, bei Sturm und hoher See, wo sich das Wenden von selbst
+verbietet. Daraus folgt, daß man beim Aufkreuzen nicht halsen darf, wenn
+man etwas gewinnen will, sondern wenden muß. Beim Halsen müssen die
+Halsen besonders gut bedient werden und spielen eine so wichtige Rolle,
+daß es kein Wunder ist, wenn das ganze Manöver nach ihnen genannt ist.
+
+
+*Halten* die See,
+
+heißt in See bleiben, auch wenn dieselbe sehr stürmisch wird. Es gehört
+dazu ein tüchtiges Schiff und eine brauchbare Besatzung. Kann ein Schiff
+die See nicht mehr halten, so muß es einen Hafen zu gewinnen suchen oder
+wenigstens irgendwo »unter Land«, d. h. im Schutze einer Küste ruhigeres
+Wasser aufsuchen.
+
+
+*Hamen*, der.
+
+1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem Lateinischen
+stammend.
+
+2. Ein ganz anderes Wort trotz der äußerlichen Gleichheit ist Hamen wie
+es in der Seemannssprache und überhaupt im Niederdeutschen gebraucht
+wird, nämlich für ein Netz zum Fischfang. Besonders häufig ist an der
+Nordseeküste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem
+starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf
+dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hängt mit dem
+althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hülle, Hemd, Sack, Beutel zusammen;
+über »Netzbeutel« mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist
+jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in
+sich befassen, beschließen. Luther: »Da beschlossen sie eine grosse
+Menge Fische.«
+
+
+*Hand über Hand*
+
+an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer mit einer Hand
+über die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, daß das Fieren Hand
+über Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets noch mit
+einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und der
+Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Träger einen Sarg ins Grab
+senken sah, der mag wohl das Gefühl gehabt haben, die Seile könnten
+ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg würde mit einem Ruck
+hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefaßt, so kann man ruhig
+sein, denn sie lassen den Sarg »Hand über Hand« hinab.
+
+
+*Handpferde*, die,
+
+sind in gewissen Abständen auf das Jackstag aufgestreifte Stroppen, die
+den aus- und einlegenden Bramrahegästen zum Festhalten mit den Händen
+dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die Pferde, die den Füßen unter
+der Rahe Halt gewähren, sind schon fälschlicherweise zu Pferden
+gestempelt worden, da sie doch mit solchen nichts zu thun haben, sondern
+dazu da sind, daß man auf sie peddet, tritt, was man bekanntlich mit dem
+Fuße besorgt, und nicht mit der Hand. Handpferd ist also ein Wort von
+Leuten gebildet, denen die eigentliche Bedeutung von (Fuß-) Pferd
+gänzlich unbewusst war.
+
+
+*Handspake*, die,
+
+heißt ein mit der Hand regierbarer hölzerner Hebel, mit dem ein Spill
+gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit getan wird,
+wohl auch einmal die, die sonst mit einem tüchtigen Knüppel verrichtet
+wird. Es wird z. B. eine Handspake einem gefangenen Haifisch, wenn er
+an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den Rachen gestoßen,
+damit er nicht um sich beißen kann.
+
+Das Ende der Spake, das für die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum
+Einstecken der Spake in die vierkante Spillspur oder Geschützspur ist
+dementsprechend vierkant. Da im Mittelniederländischen die Formen spake
+und spaike nebeneinander vorkommen, so ist klar, daß Spake nichts
+anderes ist als _Speiche_, und wirklich hört man zuweilen anstatt
+Handspake Handspeiche sagen.
+
+
+*Hansa*, die.
+
+Aubin hat die »villes anséatiques«, welche zusammen »la Honze
+Theutonique« bildeten, auf holländisch als »Aanzeesteeden« (Anseestädte)
+bezeichnet; auch wenn die Hansastädte wirklich alle an der See gelegen
+hätten, würde diese Erklärung doch nur den Wert eines Kuriosums haben.
+Aber auch diejenigen dürften irren, welche das Wort von den Ansen
+ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es wissen mußte,
+bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob sie nicht bloß
+Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgötter wären, wie alle
+die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: »In der nordischen
+Mythologie gilt für den Begriff deus die Benennung ås. Dieser Name muß
+auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen sein,« und
+zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun würde ja die
+Erklärung der Aspiration keine Mühe machen, aus ans kann leicht genug
+hans werden, aber so lange sich eine näherliegende Erklärung findet,
+darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet sich in
+dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein, Gesellschaft,
+Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Große gab einer von
+ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans. Dann kommt
+freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in Flandern
+auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebräuchliches für
+Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem
+Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu
+bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hieß, das bei
+der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung
+aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, daß
+es im Jahre 1309 heißen konnte: »mercatorum societas, que vulgariter
+hanse dicitur.« Doch kämpft der weitere Begriff »Kaufmannshanse« noch
+lange mit dem engeren »Innungshanse«. 1315: »si quis hanzam pistorum --
+Bäckerinnung -- intraverit.« 1345: »de der handwerken hanze winnet in
+der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse.« Also selbst in der
+Zeit, wo die Hansa schon in Blüte stand, war das Wort immer noch für
+eine gewöhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt allerdings,
+ein Hans sei ein »antecellens caeteros mortales fortuna et opibus,« und
+die Hansen seien »magnates, optimates; Ansi sive Hansi Gothica lingua
+dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus antecellunt: heroum
+et semideorum conditioni proximi et humanae sortis terminos egressi,«
+aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und bündig mit socius,
+collega übersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse bedeutet. Allerdings
+war die ursprüngliche Bedeutung mehr und mehr in den Hintergrund
+getreten, und mehr und mehr beschränkte sich das Wort darauf, der Name
+des großen Bundes der weltberühmten Handelsstädte zu sein, die
+allerdings einen »Verein, Haufen, eine Schar« bildeten, die sich sehen
+lassen konnte.
+
+In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried von Bremen aus dem Jahre 1181
+kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in einer Urkunde, die Kaiser
+Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem Kreuzzuge, von dem er nicht
+zurückkehren sollte, ausgestellt hat, 1188, ist es in demselben Sinne
+gebraucht: »absque hansa et absque thelonio.« Es war also jedenfalls ein
+in der Handelswelt sehr früh schon allgemein bekanntes und
+gebräuchliches Wort.
+
+
+*Hängematte*, die,
+
+ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche Begriffe, hängen
+und Matte, die beide in dem ursprünglichen Worte nicht vorhanden sind.
+Es stammt aus Westindien und hieß da hamaca. So haben es mit der Sache
+die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es übernommen, »a
+word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his first voyage
+says: »A great many Indians in canoes came to the ship today for the
+purpose of bartering their cotton, and »hamacas« or nets in which they
+sleep.« Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der Übernahme ins
+Niederländische begann die volksetymologische Anlehnung an vorhandene
+Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der deutsche
+Seemann hinwiederum konnte sich unter hang*mak* nichts Rechtes
+vorstellen und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an einen
+ihm geläufigen Begriff und machte unser Hänge*matte* daraus. Das konnte
+er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stück Segeltuch
+geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht abenteuerlich
+erscheinen ließ. Übrigens ist diese Schlafgelegenheit, die bei
+Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings als
+Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis jetzt
+erfolgreich auf Widerstand gestoßen; die schlafen nach wie vor in ihrer
+Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug, wie
+es die Leute auf den Friedens- d. h. Kriegskoggen der Hansa auch noch
+taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im
+Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der
+Raum frei sein mußte, Hängematten, die eben damals von Indien her
+eindrangen, eingeführt. Und zwar scheinen es Seeräuber gewesen zu sein,
+die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprünglich an zwei Bäumen
+hängende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhängen. 1702: les
+Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer«; so
+wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der
+Hängematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des
+»Durchläuchtigsten Seehelden« als hochdeutsches noch ungeläufig, denn er
+schreibt von Indianern: »Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden
+und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter
+sie des Nachts Feuer unter machen« ...
+
+
+*Hanger*, der,
+
+ist ursprünglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um den Top des
+Mastes oder die Nock der Rahe gehängt wird und in dessen
+herunterhängendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel
+des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehängt wird. Es versteht sich
+von selbst, daß der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise
+vorkommt. Jetzt nimmt man natürlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer:
+»Die Hanger des Fock- und Großmastes bestehen aus je einem kurzen
+Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplißt sind und in dessen
+Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist.« So
+wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann
+vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig.
+
+
+*Harpune*, die,
+
+eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von Fischen; von
+der *haken*förmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe den Namen
+hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort im
+Spanischen, Portugiesischen und Provençalischen arpar, französisch
+harper, packen, anhaken, reißen, zupfen (»Zupfgeige«) kommt, was aber in
+Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ändern würde. Spanisch
+heißt die Harpune arpon, portugiesisch arpao, französisch harpon. Über
+das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung
+Willmanns unter Havarie.
+
+
+*hart*,
+
+die eigentliche Bedeutung von hart ist. »stark, fest.« Sie kommt in dem
+seemännischen Kommando: »hart Backbord, hart Steuerbord, hart das
+Ruder!« zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, daß das Ruder so stark
+wie möglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie
+der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt,
+gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von »hart« noch an die Zeit
+der Pinne; diese wurden ja früher auch auf großen Schiffen allein zum
+Steuern gebraucht, und wenn es hieß »hart!« so wurde sie hart an die
+betreffende Bordwand heran gelegt.
+
+
+*Havarie*, die,
+
+= Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen und scherzhaft
+gebraucht, so daß z. B. ein Seemann zu einem kleinen Mädchen dessen
+Puppe entzwei ging, sagen kann: »Du hast wohl mit deiner Puppe Havarie
+gehabt«). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich schwierig weil
+zwei Wörter in einander spielen, die schwer auseinander zu halten sind,
+average im Sinne von Havarie und average im Sinne von Abschätzung,
+Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns ist die
+Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im Nebel
+herumgefahren worden ist. So ist z. B. (siehe »Bremer Wörterbuch«)
+behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän
+überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der
+Begriff Trinkgeld herauskäme. (»Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen
+gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom
+besten 2 Schinken«).
+
+Aber auch die Ableitung von Hafen, so daß Havarie ursprünglich Hafengeld
+wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den romanischen Sprachen das Wort
+diese Bedeutung, dazu auch noch die von Ausgangszoll, aber da das
+Niederdeutsche sie nicht kennt, so ist schon aus diesem Grunde diese
+Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt worden. Das Richtige wird
+sein, daß es von dem arabischen awar kommt, »gebrochen«, auf Waren
+bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das Wort mit dem Handel nach
+italienischen Seestädten und wurde da romanisiert; italienisch und
+portugiesisch avaria, spanisch averia und haberia, französisch avarie,
+niederländisch avary, havary, alles = Schaden an Schiff und (oder)
+Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht sich Wilmanns, Deutsche
+Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen des h gesprochen hat,
+sagt er: »Hinzugefügt ist h in heischen, althochdeutsch eiscôn (wohl
+unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in heikel, ferner in einigen
+mundartlichen Wörtern und in den fremden Hartschier (it. arsiero),
+Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen wie Hoboë (frz. hautbois),
+Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin (früher frz. harlegin,
+jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut erhoben.« Wobei zu
+bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im Gedanken an Hafen
+sich festgesetzt hat.
+
+Havarie grosse oft auch bloß Grosse genannt, ist eigentlich nur
+»beträchtliche« Havarie, hat sich aber zu einem bestimmten
+seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es aber heißt mettre de
+l'argent à la grosse, so hat das mit Havarie grosse nichts zu tun,
+sondern es ist dabei zu ergänzen (à la grosse) avanture, d. h. Geld auf
+Bodmerei geben.
+
+Schon Kilian hat das Wort in beiden Gestalten des Niederländischen:
+haverye und averye = jactura sive damnum in mari.
+
+
+*Heck*, das,
+
+ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und bedeutet einen
+eingehegten Raum, d. h. einen solchen, der an drei Seiten mit einem Heck
+(= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild wird deutlicher
+wenn man bedenkt, daß, ähnlich wie bei Schiffen mit einer Kampanje,
+früher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven Bordwand sondern
+nur mit Stützen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa wie Zaunpfähle,
+nur weiter aus einander, standen und unter einander mit Tauen oder
+Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen = schützen, da
+das Heck vor dem Überbordfallen oder vielmehr vor dem Inswasserfallen
+schützen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner, abgemachter Teil
+vor den Fenstern. Das »Bremer Wörterbuch« kennt hek als Zaun von
+Brettern, auch Tür eines Zaunes, »Heckgatter«, Schlagbaum. In Holland
+ist es »een getralied -- also ein gegittertes -- afschutsel.«
+Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand, Gitterpforte.
+
+*Heckbalken* heißt der Hauptquerbalken, der die beiden Hauptteile des
+Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den oberen oder
+das Heck. *Heckbord* ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu dem sich
+oder zu der sich die ursprünglichen einfachen Stützen allmählich
+ausgewachsen haben. Schon früh gab es Schiffe mit besonders hohem oder
+sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Gräfin Margaretha von
+Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: »Navis que dicitur Hegboth, que habet
+retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et feodatis quatuor
+denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit debet Comiti duos
+denarios et feodatis duos denarios.«
+
+
+*Heckanker*, s. Anker.
+
+
+*Heckdavit*, s. Davit.
+
+
+*Heissen*, s. hissen.
+
+
+*Helgen*, s. Helling.
+
+
+*Heling*, die,
+
+ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander gebunden werden.
+Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten aussehende ist die
+Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten, niederdeutsch holden, neigt,
+wie im Hochdeutschen so in verschiedenen anderen germanischen Sprachen
+stark nach e hin; »du hälst«; altsächsisch haldan, held; angelsächsisch
+healdan, heold, englisch hold, held, altnordisch halda, helt. Es steht
+daher zu vermuten, daß Heling eigentlich Helding hieß, einen Knoten der
+hält, der zwei Taue zusammenhält, bezeichnend.
+
+
+*Hellegat*, das,
+
+ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei Material und
+Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat, Zimmermannshellegat,
+Feuerwerkshellegat u. s. w. sind die Hellegats, wie die Mehrzahl des
+Wortes lautet, die unter der Verwaltung des betreffenden Deckoffiziers
+stehen.
+
+Gat heißt Loch in allen hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier,
+im Sinne von: dunkler, kleiner Ort. Helle bedeutet etwas Ähnliches,
+nämlich einen (dunklen) Ort in dem man etwas verbergen, bergen,
+aufbewahren kann. Der richtige Sinn steckt in dem verwandten
+neuhochdeutschen *hehlen*. Dieser findet sich zwar auch in »Hölle«, aber
+ohne daß man sagen dürfte, daß Hölle auf die Bedeutung und Benennung
+unseres Helle eingewirkt hätte, die beiden stehen vielmehr selbständig
+neben einander, denn hel oder helle bedeutet im Niederdeutschen und
+besonders im Ostfriesischen sowohl Hölle, (altnordisch hel, die
+Todesgöttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt) als Ort wo man etwas
+birgt, als auch 1. Loch, Höhlung, Vertiefung, Spalt, Graben,
+Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen und dunklen
+Raum in der Mühle, der als Bergeraum für die Geräte dient, 3. den
+dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim
+Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen werden, 4. das Aschenloch
+unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das -gat könnte
+also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des Wortes bliebe
+derselbe.
+
+Englisch hall; also ist Halle, was man kaum denken sollte, mit Hellegat
+nahe verwandt: Bergungsort.
+
+
+*Helling*, die;
+
+eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der ein neues Schiff
+gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist, beim Stapellauf
+die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann. Oft wird
+Helling auch für Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich allerlei
+Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von hellen,
+einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hängen, Hang und
+Neigung haben, neigen, überhängen, eine schräge, abschüssige, schiefe
+Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden, hellen,
+altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde =
+Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im
+Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehört der Name des Hafens »de
+Helder«, Stadt auf der äußersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner
+nicht in Helder, sondern »op den Helder« wohnen, so daß die Herkunft des
+Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung »Land das der See
+zugeneigt ist« sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen
+Bedeutung in Bezug auf die Lage außendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die
+Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur daß bei helder daran
+gedacht ist, daß das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr
+nach der See zu abfällt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas
+aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold
+von Larrelt bei Emden einen Güterkauf: »Sunt autem predia infrascripta
+duo graminata in Cornmede, tria graminata in liteka Helum« etc. etc.,
+zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor. Upheldinge hieß
+mittelniederdeutsch das Letzte im Faß, die Neige, weil man, wenns aufs
+Letzte geht, das Faß auf die heldinge = Helling, Neigung, legt. Bremer
+Wörterbuch: »de Tunne ligt up der Helnge«; »van der Helnge drinken«, von
+dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck, Gothisches Wörterbuch,
+vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch im Sinne von
+Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels, und setzt
+beide zu der indogermanischen Wurzel +kel heben, emporragen, so daß die
+Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den Namen
+bekommen hätte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der schief
+ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip doen
+hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs
+gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf,
+navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare.
+
+
+*Helm*, der.
+
+1. Als Kopfbedeckung mit Hülle und Hellegat verwandt, als Schutz,
+Verbergung des Hauptes.
+
+2. Für Ruder gebraucht und in diesem Sinne gewöhnlich für ein englisches
+Wort gehalten. Es ist aber von jeher in Deutschland im Gebrauch gewesen
+und wird noch gebraucht. Die eigentliche Bedeutung ist Ruderpinne.
+Ostfriesisch helm, Ruder, Steuerruder, Steuer, Ruder*pinne*.
+Wangerländisch hellem-holt Ruderholz, Ruderstange, Holz oder Stange zum
+Steuern. Althochdeutsch halm, heim, manubrium, in jochhalm,
+mittelhochdeutsch giechholme, Riemen oder Seil am Joch zum Leiten,
+Lenken, Steuern der Rinder. Im Mittelniederdeutschen heißt helm
+Handgriff; daher ist Hellebarde gekommen, eigentlich helm-barde =
+heftesachs, Schwert mit langem Handgriff, und helm-exe. Zu beachten ist,
+daß auch im Englischen helm zunächst nur die Bedeutung Griff hat,
+handle, und daß man bei der Erklärung des Wortes von einem Rade, das an
+Stelle des Handgriffes, der Pinne, getreten ist, völlig absehen muß.
+
+Die Verwandtschaft des gleichlautenden englischen und
+mittelniederdeutschen helve muß hier dahingestellt bleiben; möglich wäre
+es schon daß beiden dieselbe Wurzel zu Grunde läge mit der Bedeutung
+fassen, halten.
+
+
+*Hennegat*, das,
+
+die Öffnung in der Gilling des Hecks in welcher der Kopf des Ruders in
+das Innere des Schiffes führt. Damit das Seewasser nicht zugleich mit
+hineindringe, ist das Loch um den Kopf herum mit geteertem Segeltuch
+umkleidet. So kommt das Wort also nicht etwa von Henne = Hinten, wie
+angenommen worden ist, was es aber garnicht giebt; auch nicht von
+Hengegat, weil der Kopf des Ruders darin hinge, denn nicht der Kopf
+sondern das Ruder selbst hängt in den Fingerlingen, ich nehme vielmehr
+an, nach niederdeutschem Sprachgebrauch, besonders dem ostfriesischen,
+daß das Wort eigentlich Heinegat heißen muß, denn heinen heißt
+einfriedigen, umzäunen, umschließen, umgürten, umfriedigen; hein ist ein
+umschlossenes Gebiet und ist mit hegenschützen verwandt, so daß also ein
+Hennegat ein Gat ist, das durch einen Kranz von geteertem Segeltuch vor
+dem Einströmen des Wassers geschützt ist. Diese Erklärung paßt auch
+besonders gut für die Zusammensetzung *Henneschott*, die zwar etwas
+pleonastisch ist, da Schott schon allein etwas Schützendes bedeutet,
+aber dergleichen liebt die Sprache des Volkes, läßt sich wenigstens
+dadurch nicht stören, zumal gewöhnlich die Bedeutung des einen der
+beiden in der Zusammensetzung steckenden Wörter dem Bewußtsein
+entschwunden ist.
+
+
+*Henneschott*, das, s. Hennegat.
+
+
+*Hering*, der.
+
+Weil das a in dem scherzhaft gebrauchten »Harung« sich in vielen
+germanischen und namentlich auch romanischen Sprachen immer wieder
+ernstlich vordrängt, so hat man auf Abstammung vom lateinischen halec,
+halex, Salzfisch, Salzlake geschlossen. Doornkaat, Ostfriesisches
+Wörterbuch II. 41 führt jedoch überzeugend aus: »Da dieser Fisch den
+Küstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel früher bekannt war, als sie
+mit den Römern in Berührung kamen und er gerade zu den am Häufigsten und
+in großen Mengen an unseren Küsten vorkommenden Fischen gehört, bezw.
+besonders im Frühjahr stets massenhaft in den aggen genannten Reusen auf
+den Watten gefangen wird und demnach auch wohl von Urzeiten her und
+lange vor Entstehung der Seeschiffahrt schon ein Hauptnahrungsmittel
+unserer Küstenbewohner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, daß
+häring ein ur-niederdeutsch-friesisches Wort ist ... und von har, haer,
+her = Heer, Menge, Schaar abgeleitet wurde.«
+
+
+*Heringsbüse* s. Büse.
+
+
+*Heuer*, die,
+
+das Geld, der Lohn den ein Seemann für seine Dienste als Matrose
+empfängt, auch der Dienst selbst, z. B. Heuer auf einem Dampfer nehmen,
+sich auf eine Brigg verheuern. Das Wort ist eine Verhochdeutschung des
+niederdeutschen hür, das Miete in allen hochdeutschen Bedeutungen ist;
+hüren, mieten, ein Mädchen, eine Wohnung, ein Haus, (in Holland kann man
+sogar einen Ofen huuren). Im 17. Jahrhundert ist das Wort ins
+Hochdeutsche aufgenommen. Im Teuthonista heißt es huyren. Englisch hire,
+wie es sich denn in allen germanischen Sprachen und Mundarten findet,
+oft mit einem i anstatt des ü, so daß eine Verwandtschaft mit Heirat,
+früher Heurath, althochdeutsch hirat nicht unwahrscheinlich ist, (zu
+eines altdeutschen Mannes Hausgesinde gehörten alle Hausgenossen, die
+Diener, die Kinder, die Frau) und daß also die auch in Ostfriesland
+bekannte scherzhafte Redensart der Groninger: »de lange huur ingoan«,
+»die lange Miete eingehen«, für sich verheiraten, einen tieferen Sinn
+hätte, als die meisten Groninger sich träumen lassen.
+
+
+*Heuerbaas* s. Baas.
+
+
+*Hielen*, *Hiel*, *Hieling*, die.
+
+Hiel oder Hieling heißt der Fuß des Mastes, der in einer Spur steht, und
+der Fuß der Stenge, in dem sich die Scheibe des Stengewindreeps und das
+Schloßgat befinden. So heißt auch das hinterste Ende des Kiels. Es
+steckt also beides in dem Worte: *unten* und *hinten*. Was sich nun
+unten und hinten am menschlichen Leibe befindet, das ist die *Ferse*.
+Und in der That heißt niederdeutsch und auch in hochdeutschen Mundarten
+die Ferse Hiel. Ostfriesisch hil, hile; wangerländisch hil,
+angelsächsisch hel, englisch heel, niederländisch hiel. Auch der Fuß der
+Spanten heißt Hiel.
+
+Das Zeitwort hielen heißt ostfriesisch hilen und bedeutet up de hilen
+lopen, auf den Hacken oder Absetzen gehen; seemännisch aber bedeutet es
+»*nach hinten über hängen*«, so daß besonders hielen von einem Schiffe
+gesagt wird, das hinten tiefer liegt als vorne, bei dem also der Hiel
+des Kieles die hinterste und unterste Stelle ist, und man sagen kann,
+das Schiff läuft gleichsam auf den Hacken.
+
+
+*Hieven*
+
+ist eigentlich kein deutsches Seemannswort, wurde auch früher von
+deutschen Seeleuten nicht gebraucht, es scheint vielmehr als ob es erst
+in den Anfangszeiten der preußischen Kriegsmarine von England herüber
+gekommen sei, vielleicht durch in England und Amerika ausgebildete
+Seekadetten. Im Englischen spielt to heave eine große Rolle, (verwandt
+mit heben) besonders im Seemännischen: »to apply power to, as by means
+of a windlass, in order to pull or force in any direction; as, to heave
+a ship ahead, that is, to bring her forward when not under sail by means
+of cables or other appliance; to heave a ship astern, to cause her to
+recede; to heave up an anchor, to raise the anchor from the bottom of
+the sea.« Hieven wird man am besten mit »durch Anwendung von Kraft heben
+und bewegen« wiedergeben.
+
+
+*hissen*, hochziehen.
+
+Das »Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen
+Marine,« welches 1879 von der Kaiserlichen Admiralität herausgegeben
+worden ist, sagt dafür, »heißen« und fügt in Klammern bei »früher auch
+hissen.« Aber das Wort muß auch jetzt noch hissen und nicht heißen
+heißen. Früher, im Mündungsdelta des Rheins rief der Bootsmann (s.
+Hochbootsmann) den Matrosen sein Ho! zu, aber weiter östlich an den
+Nordseeküsten von West- bis Nordfriesland lautete der Zuruf an die
+Matrosen, zugleich an einem Tau zu ziehen, anders. Das sind gerade die
+Gegenden, wo die Leute sich, weil sie so ungern den Mund auftun, die
+offenen Endsilben, die früher ihre Sprache so klangvoll machten,
+gründlich abgewöhnt haben. Selbst wenn sie wirklich einmal etwas sagen
+wollen, muß sich das Wort mühsam den Weg durch das Gehege der
+geschlossenen Lippen und Zähne suchen. So ist also hier nicht das offene
+freie Ho! zu erwarten, man ließ den Mund zu und benutzte mehr bequem als
+höflich dasselbe Geräusch, das man mit der Zunge macht, wenn man Hunde,
+Schweine oder Gänse hetzt, man erzeugte die langgezogene Sibilans wie
+sie die Gänse selbst auch erzeugen, und daraus entwickelte sich
+lautmalend der Naturlaut hissss! Daraus entstand das Zeitwort hissen.
+
+In dem berühmten Teuthonista finden wir es als hysen, reizen, eine
+Schlange oder Gans; beim Kilianus als »hißen, hißchen, hitschen, hußen,
+sibilare, hetzen, instigare, agitare, Hunde auf den Wolf hetzen. Das
+Bremer Wörterbuch hat hisen und hiesen, warnt aber davor, diesen
+Schiffsausdruck mit hißen, hetzen, »den Hund up dat Swin hißen«
+zusammenzubringen. Eine Warnung die uns nicht abhalten kann, es dennoch
+zu tun. Denn wenn sowohl die Grundbedeutung als auch die Form beider
+Wörter dieselbe ist, wie kommen die Bremer Gelehrten dazu, zweierlei
+Wörter anzunehmen? Die höfliche Rücksicht, die den Menschen nicht mit
+einem Tier vergleicht, übt die Sprache nicht; der Hund wird angetrieben,
+den Wolf zu fassen, der Matrose wird angetrieben das Tau zu fassen und
+daran zu holen, für beides sagt sie hissen.
+
+Wenn nun infolge des Zurufes: »hiß, hiß!« an dem Tau geholt wird, das
+über eine an erhöhtem Punkte angebrachte Rolle läuft, so hat das zur
+Folge, daß der Gegenstand der an dem anderen Ende dieses Taues befestigt
+ist, in die Höhe geht. Dieses Indiehöhegehen hat im Laufe der Zeit mit
+hissen den Gedanken an hochziehen aufs Innigste verbunden, so innig, daß
+wir hissen einfach für hochziehen gebrauchen. Wir brauchen auch gar
+nicht mehr aufhissen zu sagen, in hissen allein liegt uns das »auf«
+schon mit. Darum wird auch nicht, oder wenigstens nicht immer,
+kommandiert »Hiß auf die Flagge!« sondern einfach »Hiß die Flagge!« oder
+vielmehr -- hochdeutsch sein sollend -- »Heiß die Flagge!« Sollte es mit
+aller Gewalt hochdeutsch sein, dann müßte hetzen gesagt werden. Aber:
+»Hetz die Flagge!« geht nicht; »heiß die Flagge« geht zwar auch nicht,
+aber es geht doch, weil das seemännische Ohr, namentlich das jüngere,
+sich schon daran gewöhnt hat.
+
+Im Französischen hatte 1702 das aus dem Niederdeutschen übernommene
+hißer schon genau dieselbe Bedeutung wie heute: »Hißer, ißer ... c'est
+hausser quelque chose ou l'élever. On dit Hisse la grande vergue, Hisse
+la vergue de miséne. Il nous le fit connoitre en hissant et amenant sept
+fois le pavillon. Il amena le pavillon qu'il voulut rehisser sur le
+champ. On dit, Hisse de la caliorne (Gien); Hisse du palan (Takel);
+Hisse d'avant; Hisse d'arriére; Hisse du palan d'étai (Stagtakel), Hisse
+du bredindin (kleineres Takel für leichtere Lasten); Hisse partous.
+C'est ainsi qu'on nomme la manoeuvre, pour faire hisser un fardeau à
+bord.« Die Franzosen gestehen aber die Herkunft aus dem Deutschen nicht
+gerne ein, wie ihnen überhaupt das häufige Vorkommen deutscher Wörter in
+ihrer Seemannssprache kein angenehmer Gedanke sein mag. In seinem 1848
+erschienenen Glossaire nautique bemüht sich Jal, allerdings wohl nach
+des berühmten Ducange Vorgang, hissen von dem griechischen hypsos, die
+Höhe, abzuleiten. Sonst ist sein Buch aber ganz verdienstvoll und
+lehrreich; die Widmung lautet: »Aux Marins qui ne dédaignent pas la
+Science historique, Aux Erudits qui s'occupent de Marine«.
+
+Im Holländischen ist aus dem Hetzruf hiss! huss! hoss! auch noch das
+Zeitwort hossen entstanden, das auf holländischen Kirmessen laut genug
+ertönt. Die sonst etwas bequemen und langsamen Holländer geraten bei
+dieser festlichen Gelegenheit mächtig in Bewegung, selbst in Städten wie
+Amsterdam, Rotterdam, 'sGravenhaage, Utrecht. Da muß der Fremde auf der
+Hut sein, sonst wird er auf offener Strasse in einen Strudel von
+Männlein und Fräulein gezogen, die ihn bekannt oder unbekannt, gern oder
+ungern, wohl oder übel an den Händen fassen und mit ihm in langen Reihen
+dahin chassieren, singend, johlend und »hoß! hoß!« rufend; das nennt man
+hossen.
+
+Im Englischen hat das Wort die Gestalt hoist angenommen. Es ist aber
+gleicher Herkunft, nämlich von dem auch im Englischen vorkommenden to
+hiss, welches dreierlei Bedeutung hat. 1. »To make a sound like that of
+the letter s by driving the breath between the tongue and the upper
+teeth, especially in contempt or disapprobation. (The merchants among
+the people shall hiss at thee. Ezechiel 28, 36). 2. To emit a similar
+sound: said of serpents, geese, and other animals, of water thrown on
+hot metal (gischen), of steam rushing through a small orifice. 3. To
+whizz, as an arrow or an other thing in rapid flight. (Shod with steel
+we hissed along the polished ice);« daß aber to hoist von diesem to hiss
+kommt, dafür spricht nicht nur die Übereinstimmung der Bedeutung,
+sondern auch die Form im Altenglischen to hoise, schottisch heeze. »The
+t seems to have been added as in against, amongst.« Als Bedeutung aber
+wird angegeben: »To raise, to lift, to heave; specially, to raise by
+means of block and tackle; as to hoist a sail, to hoist a heavy package
+to an upper room.«
+
+
+*Hochwasser* s. Flut.
+
+
+*Hock*, das.
+
+Die Engländer nennen jeden Rheinwein »hock«, das zunächst nur eine
+Abkürzung von »Hochheimer« ist (wie Gib von Gibraltar und Frisco für San
+Francisco), darum hat dieses Hock mit dem vorliegenden keine
+Gemeinschaft, welches einen Verschlag von Brettern bezeichnet, der zur
+Unterbringung von Tieren dient, Hühnerhock, Schafhock etc. etc. Die zum
+Schlachten mitgenommenen Tiere mußten sich mit den dunkelsten,
+schlechtesten Ecken begnügen, da wurde für sie ein Bretterverschlag
+abgeteilt. Der Raum hieß hok = Spitze, Ecke, Winkel, auch Richtung etc.
+etc. Als hernach den Schlachttieren ein anderer Platz angewiesen ward,
+blieb die hok natürlich wo sie war, aber der Bretterverschlag wanderte,
+beweglich gestaltet als Käfig, mit an den neuen Standort. Da man aber
+gewohnt war: »Die Schafe stehen in der hok«, so blieb man dabei und
+sagte weiter: die Schafe stehen in der hok, auch als sie frei an Deck im
+Käfig standen, der dann leicht für die eigentliche hok gehalten wurde.
+So kam der Verschlag zum Namen Hock, und da es nun einmal
+verhochdeutscht war mit kurzem o und ck (wohl in Gedanken an die Tiere
+die darinnen *hocken*) so kam es auf etwas Änderung mehr oder weniger
+nicht an, man machte das Femininum zum Neutrum. Von Hocken = gebückt
+sitzen, soll Höcker = Krämer kommen. Bedenkt man aber, daß hok = winkel
+ist und daß in Holland der Laden winkel und der Ladeninhaber winkelier
+heißt, weil in irgend einem Winkel er seinen Kram ursprünglich feil bot,
+so wird wahrscheinlicher daß Höcker, Höker von hoek = winkel kommt, wie
+ja auch der Laden von einem der großen Welthäuser ursprünglich nur ein
+(Fenster-)Laden war.
+
+
+*Hochbootsmann*, der.
+
+Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr gebraucht wird, aber
+doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des Seemannes entschwunden
+ist. Wenn im alten Griechenland die vielen Ruderer eines Schiffes
+zugleich anrudern und überhaupt Takt halten sollten, worauf nicht nur
+wegen des ordentlichen Aussehens allein, sondern vor allen Dingen auch
+der grösseren Kraftentfaltung zu Liebe gehalten werden musste, so konnte
+das nur durch ein Kommando, das für alle hörbar war, geregelt werden.
+Dieses Kommando gab der Keleustes, der Rudermeister, Bootsmann,
+Taktangeber oder wie man das Wort übersetzen will. Wie er das Zeichen
+gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der von keleuo kommt, rufen,
+zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon keleuma der Zuruf, der
+Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert ward. Keleustes heißt
+also ursprünglich Zurufer. Was aber der griechische Bootsmann seinen
+Ruderern zurief, welche Töne er von sich gab, welche Laute er hören
+ließ, das wissen wir nicht. Bekannt ist aber, daß auf Trieren, also auf
+Kriegsschiffen, der Bootsmann durch einen Maaten mit der Pfeife
+unterstützt wurde. Der hieß trieraules, der Schiffsflötenspieler,
+Schiffspfeifer.
+
+Nun übte im Mittelalter das Amt des Keleustes nachweislich der Bootsmann
+aus, und zwar mit Hilfe des Zurufes: »Hou, hou!« Er wurde dadurch, wie
+Kilianus sich ausdrückt, zum hortator, der die Leute ermahnte, durch
+Zuruf antrieb, *zugleich* ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen
+seemännischen Arbeit einzusetzen. Das kann allerdings auch und muß unter
+gewissen Umständen ohne lautes Rufen geschehen. Beim Wettrudern z. B.
+gibt der Bootssteurer nur durch das energische rythmische Vorbeugen des
+Oberkörpers den Takt an. Man hört dabei keinen Laut und darf keinen
+hören, außer dem eines allerdings mit großer Kraftanstrengung den
+Ruderern an die Köpfe gehauchten h! Das h nimmt unter den Buchstaben
+eine eigene Stellung ein. Es ist kein Konsonant, weil der Mundkanal bei
+seiner Bildung nicht verengert wird; es ist auch kein Vokal, weil ihm
+der Stimmton fehlt. Da wissen es die Gelehrten nirgends so recht
+unterzubringen. Wenn sie einmal einen eifrigen Bootsmannsmaaten beim
+Wettrudern sein h! herausschmettern hörten, dann wüßten sie, was ein h
+ist, nämlich noch immer das was es ursprünglich war, ein gutturaler
+Reibelaut, wobei je nach Geburt, Herkunft und Muttersprache, der eine
+mehr einen Velarlaut, der andere mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist
+aber eine gemeinsame Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten
+herbeizuführen, wo es nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann
+bedient sich der Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: »Zugleich!« indem
+er das »zu« so herausstößt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit
+spannende Pause von dem »gleich« getrennt ist, damit die Leute, sobald
+sie nun dieses »gleich« hören, alle mit einem Ruck ihren Biceps in
+Thätigkeit setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begnügte sich
+weder mit dem gutturalen Reibegeräusch beim Wettrudern noch gebrauchte
+der das »zugleich« der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer »hou«
+oder »ho!« darum hieß er Ho-Bootsmann. Und als hernach die
+Rollenverteilung so vorgenommen wurde, daß dem Schiemann die Aufsicht
+über die Takelage des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige über
+den Kreuz- oder Besanmast, dem Bootsmann aber die über den Großmast
+übertragen wurde, der auch »der hohe Mast« (wohl nach dem Dänischen)
+hieß, so konnte aus Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden.
+
+
+*Högedag*, der,
+
+auch Hagjedag, hieß früher der Tag an dem die Mannschaft Fleisch zu
+essen bekam und keinen Stockfisch, keine Erbsen und dergl. Was das in
+einer Zeit, wo es noch keine Konserven gab, bedeutete, ist leicht zu
+ermessen, und daher ists zu verstehen, daß ein solcher Tag ein
+Freudentag genannt wurde. Sich högen heißt ja sich freuen, vergl.
+högetid, Freudenzeit, Erntezeit, högedag, Gedenk-, Erinnerungstag, jeder
+Fest- und Freudentag; jetzt hochdeutsch nur noch in der Form Hochzeit
+gebräuchlich, welches also nicht »hohe Zeit«, sondern Freudenzeit
+bedeutet, (ebenso wenig hat auch goldene Hochzeit mit Gold etwas zu
+schaffen, sondern bedeutet eine unfruchtbare Hochzeit, die keine Kinder
+im Gefolge hat).
+
+
+*Hohle See*, s. hohe See 1.
+
+
+*Holen*,
+
+ziehen, zerren, reißen, raffen, schleppen, bringen, tragen, im
+Besonderen: *an einem Tau ziehen*. Ein weitverbreitetes deutsches Wort,
+niederdeutsch holen und halen, althochdeutsch halon, altenglisch halien,
+angelsächsisch geholian, altnordisch hala, spanisch halar, französisch
+haler (wie alle mit h beginnenden Seemannswörter des Französischen, aus
+dem Deutschen). Insofern holen nun wirklich ziehen bedeutet, ist das
+Kommando: »Hol steif, hol an« ohne weiteres klar, denn es bedeutet:
+»Zieh an!« Aber wenn hernach aus demselben Munde der Befehl kommt: »Fest
+holen!« und damit gemeint ist, daß nun nicht weiter gezogen werden soll,
+so bedeutet das eine holen das gerade Gegenteil von dem andern holen.
+Die Erklärung liegt im Niederdeutschen; holen und holen sind da zwei
+ganz verschiedene Wörter. Sie sind nur zufällig in der Form holen
+zusammengetroffen. Das eine heißt eigentlich halen, das andere holden.
+
+Da die Niederdeutschen, besonders die für das Seemännische so wichtigen
+Friesen, das a so dunkel wie o aussprechen, so klingt halen in ihrem
+Munde wie holen. Und da sie sichs mit dem Sprechen gar zu gern bequem
+machen, wobei es ihnen auf eine Hand voll Buchstaben nicht ankommt, so
+ließen sie in holden das d verschwinden und es ward ebenfalls zu holen.
+Das konnte um so eher geschehen als eine Verwechslung des einen holen
+mit dem andern für ein niederdeutsches Ohr ausgeschlossen war, teils
+weil sie verschieden ausgesprochen und betont wurden, teils wegen sehr
+wesentlicher Verschiedenheiten in der Konjugation. Alle diese
+Unterscheidungsmerkmale fielen aber bei der Aufnahme ins Neuhochdeutsche
+fort und dadurch ist erst die Verwechslung der beiden Zeitwörter mit
+einander möglich geworden. Um solche in Zukunft zu vermeiden, wird es
+kaum ein anderes Mittel geben als einfach die beiden zusammengefügten
+Zeitwörter wieder zu scheiden und sie schiedlich und friedlich neben
+einander zu gebrauchen als holen und halten. Dann kann kommandiert
+werden: »Holen!« und, wenn die Leute strammer, fester zufassen sollen:
+»Fest holen!«, wenn sie aber aufhören sollen mit holen: »Fest halten!«
+(nämlich so lange bis das Tau belegt oder doch wenigstens abgestoppt
+ist).
+
+Die angeführten Wörter fremder Sprachen haben den Vokal a; Beweis daß
+sie nicht von holden sondern von dem weit seemännischeren halen stammen.
+Über ein von haler gebildetes haleur s. unter treideln.
+
+
+*Hoch*,
+
+Adverbium, in der Verbindung »hoch beim Winde segeln«; es heißt dies: so
+nahe oder so dicht beim Winde segeln als solches ohne Durchdrehen
+überhaupt möglich ist, also daß die Segel zwar noch fest voll Wind
+stehen, eine bestimmte von dem Manne am Ruder ins Auge gefaßte Schot
+aber ein wenig Leben und Bewegung zeigt, d. h. killt. Hoch kommt
+übrigens allermeist nur in der Verneinung vor, wenn der wachthabende
+Offizier den beim Winde steuernden Leuten die Warnung (vor dem Fangen
+einer Eule) zuruft: »Nicht zu hoch!«
+
+
+*Hoft*, *Hofd*, das,
+
+kommt für sich allein selten vor, wie es scheint nur hie und da im Sinne
+von Schleusenhaupt oder Molenhaupt. Über die Verbindung Dodshofd siehe
+dieses. Hier ist Hofttau zu erklären. Es heißt Haupttau als etwas
+Hauptsächliches, Wichtiges, Dickes, Starkes; Hofttaue sind die dicken,
+starken Taue, die (mit den Weveleinen) die Wanten bilden, die dem Mast
+nach beiden Seiten hin festen Halt verleihen. Sie haben also den Zweck
+von Stagen, nur daß sie nicht in der Längsrichtung des Schiffes sondern
+in der Querrichtung stützen. Sie gehören zum stehenden Gut. Im
+Französischen heißen sie haubans, aubans, haut-bans (1702).
+
+
+*Hochdruckmaschine* s. Maschine.
+
+
+*Höhe*, die.
+
+1. Die *(Sonnen-)Höhe* nehmen oder messen heisst die Mittagshöhe der
+Sonne mit dem Oktanten beobachten, messen, peilen. Es geschah früher mit
+dem Quadranten, vorher mit dem Jakobsstab.
+
+2. *Seehöhe.* In diesem Sinne bei Luther, Luc. V. 4: »Fahre auf die Höhe
+und werfet eure Netze aus.« Hierüber äussert sich Breusing in der
+Einleitung zum »Seebuch«: »Die Gesetze der Perspektive fordern, daß bei
+Abbildung einer von oben gesehenen ebenen Fläche die entfernteren
+Punkte höher liegen als die näheren. So scheint auch dem Auge der am
+Strande Stehenden die See wie ein Hügel aufzusteigen, und ein Schiff,
+welches sich vom Strande entfernt, hat diesen Hügel hinaufzufahren. Von
+dieser Anschauung geleitet nennt der Seemann das äusserste dem Auge
+sichtbare Wasser die »Seehöhe«, und das in dieser Entfernung oder Höhe
+befindliche Schiff ist boven, während das dem Strande nahe als unten
+erscheint. Dem niederdeutschen boven entspricht das oberdeutsche »ob«,
+z. B. in Obwalden, d. h. Land oberhalb des Waldes, und in Land ob der
+Ens, d. h. oberhalb der Ens, und das englische off. In der hochdeutschen
+Schriftsprache ist uns das Wort (nämlich boven) leider abhanden
+gekommen, welches vollständig durch: »auf Seehöhe in der Nähe von« oder
+kurz durch »auf der Höhe von« wiederzugeben wäre«. So treffend hiervon
+manches ist, so ist doch der Unterschied von »Seehöhe« und »auf der Höhe
+von« nicht festgehalten. Und das muss er werden, denn wenn einer sagt:
+»ich bin jetzt auf der Höhe von Kap Skagen«, so meint er nicht die
+(vermeintliche) perspektive Höhe, sondern etwas ganz Reelles und
+Wirkliches, nämlich dass er nun »frei« von Kap Skagen ist und seinen
+Kurs ändern kann, was besonders angenehm ist, wenn man sich mühsam auf
+solche Höhe aufgekreuzt hat und nun abhalten darf. Das ist eine andere
+Höhe als wenn Christus zu Petrus sagt: »Fahre auf die Höhe!« nämlich
+
+3. »*Höhe von*« das heisst
+
+(a) die Höhe eines Vorgebirges haben, nämlich -- vgl. das eben unter 2
+Gesagte -- sich soweit luvwärts von dem Vorgebirge befinden, dass man
+dasselbe umsegeln kann.
+
+(b) die Höhe einer Insel oder einer Stadt haben heisst mit ihr auf
+demselben Breite- bezw. Längegrade sein. »Wir befanden uns auf der Höhe
+von »Bermuda«; wir waren gerade auf der Höhe von Habana.«
+
+Von hohem dichterischem Schwunge ist das Bild unter dem im Beówulf das
+Meer headu genannt wird. Head heisst hoch. Ob nun das Meer schlechthin
+hoch und erhaben genannt sein soll, oder ob dabei an die Höhe wie bei
+Petri Fischzug gedacht ist, bleibt natürlich dichterischem Verständnis
+überlassen. Ich möchte mich für das Letztere entscheiden, und zwar wegen
+der Zusammensetzung headu-lidend, welches Seegänger heisst, also einen
+Mann bedeutet, der auf die Höhe, auf die hohe See, auf grosser Fahrt
+fährt, im Gegensatze zu einem Binnenschiffer.
+
+
+*Hohe See*, die.
+
+1. Es ist hohe See, es steht hohe See, heisst: die Wellen gehen hoch,
+das Meer ist sehr bewegt, nicht von kleinen, unruhigen Wellen, die ein
+frisch aufgekommener Wind erzeugt, sondern von den großen lang
+dahinrollenden, durch anhaltendes Wehen erzeugten Ozeanwogen. Diese
+nennt man auch »*Hohle See*« namentlich wenn ihr Erzeuger sich bereits
+gelegt hat; hohl im Sinne einer Höhle, mit der man bei einiger
+Einbildungskraft und gutem Willen wohl das zwischen zwei hohen
+Wellenbergen gelegene Wellenthal vergleichen kann.
+
+2. »Auf hoher See sein« wird im Gegensatz zur Küste gesagt, vgl. Höhe 2.
+Wann die hohe See anfängt, ist nach Seemeilen nicht mathematisch genau
+zu sagen. Es beruht auf dem Gefühl. Mancher wird erst von Hoher See
+sprechen, wenn ihm alles Land aus Sicht gekommen ist, was aber der für
+die Sicherheit verantwortliche Seemann ist, der betrachtet sein Schiff
+schon als auf Hoher See befindlich, wenn er es so weit vom Lande ab hat,
+dass das Land ihm nicht mehr gefährlich werden kann, dass er also
+ungehindert von irgend einer Küste seinen Kurs absetzen kann.
+
+
+*Holm*, der,
+
+hieß im Mittelniederdeutschen Insel, auch in einem Flusse gelegene
+Insel, hauptsächlich im Ostseegebiet, doch nicht auf dasselbe
+beschränkt, denn »a. 1203 quemen de graven tor Hoya ut Fresslande (sic)
+und begunden eine festen to buwen up einen holm, so in der Wesser
+beflaten was.« Heute gebrauchen wir das Wort nur noch als
+Ortsbezeichnung: Bornholm, der Dänholm, Stockholm etc. etc. Im
+Angelsächsischen bedeutet es Meer, See; doch steht diese Bedeutung da
+ganz allein, so daß sie auf irgend einer Zufälligkeit beruhen mag, und
+uns nicht hindern kann, das Wort da hinzustellen, wohin es sprachlich
+gehört, zu collis, culmen.
+
+Weil auf solch einem Holm häufig ein Platz zum Schiffbau sich fand, so
+ist das Wort auch eine der mancherlei Bezeichnungen für Werft.
+
+Ein Holm ist bewachsen, vgl. Manson, See-Buch, Lübeck 1735, die
+Segelanweisung nach Wismar. »Die Wissenschaft oder die Märke hinein zu
+lauffen seynd diese: drinnen in Wißmar stehen zweene hohe Thürm, der
+Westere ist dick und oben stumpf, der östere schmal und spitzig, und
+die Kirche, da der schmalste Turm aufstehet, heist St. Nicolai-Kirche.
+Wenn man kommt aussen vor Hannibal, und wil ins Mittel-Tieff ein, soll
+man so lauften, daß man den östlichen schmalen Turm von St. Nicolai
+Kirchen in etwas nahe zusammen mit der westlichen Ecken von Pöel
+bekomme, und halte die so stehend, und gehen Süd-Südosten in und lasse
+Hannibal an Baackbord, und Lips, welches ist ein kleiner Graßholm, am
+Stührbord, von welchem Holm auf allen Seiten langer Grund ausschiest.«
+
+»Manchmal auch unbewachsen; derselbe über die Einfahrt von Gothland:
+»bleiben zweene kleine blosse Holmen am Baakbord.«
+
+Manchmal auch ein Berg; vergl. Lucas Janszoon Waghenaer »Spiegel der
+Zeevaerdt«, 1588, »Van daer naer de Corona zeyltmen aen S. ende S. ten
+O. ter tijt toe men een stuck weechs binnen den toren is, die op een
+ronde holm oft berch staet, so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eyland
+daer een Kercxken op staet.«
+
+
+*Hosenboje*, die,
+
+ist eine bei den Stationen der Deutschen Gesellschaft zur Rettung
+Schiffbrüchiger vorrätig gehaltene Boje, die von oben wie eine
+gewöhnliche Ring-Kork-Boje aussieht, ausserdem aber von unten noch mit
+einer Vorrichtung versehen ist, die einer Segeltuch-Badehose ähnlich
+sieht. Der Mann, der von einem gestrandeten Schiffe mit dem Rettungstau
+gerettet werden soll, hat mit den Beinen in diese Hose zu fahren, die
+Arme aber auf die Boje zu legen und wird so in der Boje an Land geholt.
+
+
+*Houari* = Takelage s. sliding gunter.
+
+
+*Hub*, der.
+
+1. In der Hydrographie die Höhe der Flut, das Mass um das die Flut sich
+*hebt*.
+
+2. In der Technik: Kolbenhub, Einzelhub, Hub vorwärts, Hub rückwärts,
+Doppelhub, Hubhöhe, Hublänge, Hubwechsel, Hubzähler etc. alles von
+heben, im Munde unserer seegehenden Maschinenleute dadurch etwas
+verundeutlicht, daß sie das b meist wie p aussprechen und Hup mit sehr
+langem u sagen, wodurch das Wort einen englischen Eindruck macht.
+
+
+*Huk*, die,
+
+heißt seemännisch eine Landzunge oder Landspitze, eine etwas
+vorspringende Küste; sonst auch Ecke, Winkel, ferner Angel, Türangel,
+Fischangel im Niederdeutschen. Die Nordsee bevorzugt Huk, Huk von Logum,
+Huk von Holland (geschrieben hoek, ausgesprochen Huk), Fährhuk (die
+Stelle an der der Kriegshafen Wilhelmshaven erbaut wurde); die Ostsee
+bevorzugt das Spitze bedeutende -ort: Friedrichsort, Darßerort,
+Brüsterort. Schon im »Seebuch« (1400) heißt huk und huek die Spitze
+eines Vorgebirges, Landspitze, -- »men moet den huek schuwen unde lede
+den by den lode uppe 5 ofte 6 vademe«; »de wil setten unter de cape
+Vincentz, de sal den ersten huk laten liggen und segelen bet under den
+anderen huk.«
+
+Kommt von der Wurzel kuc, biegen, krümmen, ist also genau genommen eine
+Stelle, wo man um die Ecke biegt, so daß man dann »under« ist wo man
+vorher boven war; siehe »Höhe.«
+
+Auch das äußerste Ende eines Bollwerks kann man Huk nennen; vergl.
+Manson, Seebuch, 1735: »Wil man auch in Travemünde einsegeln, so stehen
+Westen bey die andern Häuser in Travemünde 3 oder 4 dwaß Häuser, unter
+einem Dach, so daß man von das Norderste den weissen Giebel sehen kann,
+bringet den Hueck vons Osten Bollwerk, und dem Giebel überein, dar ist
+das Tieffste Wasser.«
+
+*Huker* ist ein breit und plump gebautes Nordseeschiff, wahrscheinlich
+ursprünglich ein Schiff zum Fangen von Fischen mit der Huk, der
+Schellfischangel.
+
+
+*Hulk*, die,
+
+heißt jetzt ein altes, für seinen Zweck nicht mehr gebrauchtes Schiff,
+das als Kaserne, Werkstatt, zu Unterrichtszwecken benützt wird. Das Wort
+ist heruntergekommen, denn im Mittelniederdeutschen war eine Hulk oder
+Holk etwas ganz anderes, Höheres, nämlich ein großer Kauffahrer, den die
+Schiffsbesichtigungskommission, wenn es damals schon eine gegeben hätte,
+hätte im Auge behalten müssen, denn er war so gebaut, daß er leicht als
+Kriegsschiff eingerichtet werden konnte. »Unde wunnen ene af dre grote
+holke unde etlicke andere clene schepe.« »Aldus quemen dar twe grote
+holke.« »De Lübeschen hadden by der borch ein gros schip, eynen holck.«
+»Eyn schipher van Lubeke seghelde myt eneme groten holke wol geladen.«
+(Lüb. Chron.) »Dar bleff eine nye holcke van Lubeck van 300 lasten.« Das
+Geschlecht wechselt also zwischen männlich und weiblich; jetzt ist es
+weiblich. Kilian, der mehr nach dem Niederländischen neigt, hat die Form
+hulcke: koop-vaerders schip = Holcas, navis oneraria, gravis,
+frumentaria, lata, navigium latum vastumque. Das »Bremer Wörterbuch«
+übersetzt Holk mit Kauffahrer: »1445 fingen die Bremer einen Holck mit
+Ledder« ... »Se nehmen ock einen Holck mit Figen, Rosinen und anderen
+Guderen.« Der Name stammt ans dem Griechischen: helkein, ziehen, holke
+das Ziehen, holkus der Zug, so daß wir uns die Hulk ursprünglich als
+gezogenes, getreideltes (Fluß-)Schiff zu denken haben. Als seegehendes
+Schiff ist es aber bereits durch eine Urkunde König Aethelreds
+(978-1016) bezeugt: »si adveniat ceol vel hulcus et ibi jaceat 4 denarii
+ad telonium.«
+
+
+*Hundewache*, die,
+
+auf deutschen Kriegsschiffen die Wache von 12 bis 4 Uhr nachts.
+(Anderweitig wird andere Wachzeit so genannt.) Das Wort hat mit Hund
+nichts zu tun, sondern ist nur eine volksetymologische Anlehnung daran,
+etwa mit dem Gedankengang: nachts von 12 bis 4 sollte man keinen Hund in
+Sturm und Wetter hinausjagen. Es ist wohl eigentlich Hintewache. In ganz
+Deutschland sagt man für »heute Nacht« heint oder hint, auch heinte oder
+hinte, wie man für »dieses Jahr« heuer sagt, diesjährig heurig;
+Hintewache ist also = »Heutnachtwache«; wer sie einmal gegangen ist in
+stürmischer Finsternis, der wird von der Form Hundewache nicht befremdet
+sein.
+
+
+*Hundspünt*, der,
+
+das spitz zulaufende Ende eines Taus um das eine Art Gewebe oder Netz
+gelegt ist. Solche Taue läßt man in der Form eines Hundspüntes
+auslaufen, die man häufiger durch eine enge Öffnung stecken muß, weil
+sie ohne diese Vorsichtsmaßregel auf die Dauer in ihre einzelnen Duchten
+auseinander gehen, sich »aufrebbeln« würden; = penis eines Hundes.
+Früher war auch Hundsfott im seemännischen Gebrauch für einen kleinen
+Stropp. Doch wird es jetzt selten gehört, außer etwa in der Bedeutung
+des Schimpfwortes, das freilich auch so lange die Studenten ihren
+Landesvater steigen lassen nicht aus dem deutschen Sprachgebrauch
+schwinden wird; »ein Hundsfott der ihn schimpfen soll.«
+
+
+*Hüsing*, das,
+
+eine Art dicken, starken Bindfadens, eine schön fest gedrehte Schnur,
+ein dünnes festes Seil, eine dünne aus drei Garnen geschlagene Leine
+oder wie man es nennen will, der Seemann nennts eben Hüsing. Das Wort
+kommt nur bei den an der Nordsee wohnenden Seeleuten vor, hier aber auch
+bei allen, und sonst nirgends; es muß also an den Nordseeküsten seinen
+Ursprung haben. Doornkaat vermutet daher wohl mit Recht, daß es
+ursprünglich eine Leine bedeutet habe mit der die Husen oder Hausen (von
+denen die Hausenblase kommt) gefangen werden. Eine gewöhnliche
+Angelschnur genügt zu diesem Zwecke nicht und es muß also etwas
+stärkeres genommen werden. Diese Vermutung erhält eine wesentliche
+Stütze durch die Verbindung die das Wort in Groningen eingegangen ist:
+huzelntau, huzelingtau (z = s), wie denn auch Molena (»Groningische
+Mundart«) sich die Vermutung Doornkaats angeeignet hat.
+
+
+*Hütte*, die,
+
+war lange Zeit der vornehmste Raum an Bord, auch auf Kriegschiffen,
+nämlich der Aufbau, das »oberste Stockwerk« des Hinterschiffes, also der
+Raum unter der Kampanje, wo die Kapitänskajüte und (die) Kammern der
+Offiziere waren. »Durchl. Seehelden«: »Der gute Admiral Lieutenant Tromp
+ward als er von der Hütte gieng geschossen; da er niederfiel ward er
+wieder aufgehoben, und auf Kissen in der Hütte niedergeleget, und starb
+mit diesen Worten im Munde: Ich habe gethan, halt guten Muth, o Herr sey
+mir und diesem armen Volck gnädig.« Das hat sich inzwischen durch den
+veränderten Schiffbau geändert, man hört das Wort kaum mehr außer in
+Holland, aber auch da bedeutet es nicht mehr was es früher bedeutete,
+sondern nur »een verblyfplaats der stuurlieden en andere mindere
+bevelhebbers«, also nicht grade das »Logis des Volks«, aber doch auch
+nicht mehr die Kajüte des Kapitäns, sondern etwa Unteroffiziermesse. Das
+geht auch aus dem wahren Sinne des seemännischen Sprichworts hervor, das
+Lüpkes, »Seemannssprüche« S. 44 angeführt: »Als het in die Kajuit
+regent, dan druipt het in de hut.« Das heißt aber nicht bloß, daß, wenn
+die Höheren leiden, die Niederen in Mitleidenschaft gezogen werden,
+sondern daß es diese in verstärktem Maße trifft, wie man sagt »Aus dem
+Regen in die Traufe kommen«; die Meinung ist die: Wenn der Kapitän den
+Steuermann in die Kajüte bittet und ihm da etwas vorhält etwa mit den
+Worten: »ich muß doch bitten«, so gibt der diese »Bitte« mit einem
+saftigen Donnerwetter weiter an die Leute in der Hütte.
+
+
+
+
+J.
+
+
+*ja! ja!*
+
+Der Posten an Bord ruft nachts ein dem Schiff sich näherndes Boot an:
+»Boot ahoi!« Für die Antwort aus dem Boot kommt es darauf an, wer darin
+sitzt. Ist es der Kommandant so wird der Name des Schiffes gerufen, ist
+es ein Offizier oder im Offiziersrang stehender Beamter, so lautet die
+Antwort ja! ja! Ist niemand von diesem Range im Boot, so wird nein!
+nein! gerufen.
+
+Es wird dabei an das, was an Bord zum Empfang des Bootes zu geschehen
+hat, gedacht worden sein, besonders auch um anzugeben, an welcher Seite
+des Schiffes das Boot anlegen wird, da nur die Offiziere etc. etc. an
+Steuerbord, alle andern an Backbord anlegen dürfen, bezw. müssen.
+
+
+*Jacht*, die,
+
+eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines Schiff.
+Holländisch jagt: »een jagtschip voor den pronk en het gemak. Van jagen,
+omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt; avysjagt,
+oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz.« In Ostfriesland ist
+jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie es sich auf der
+Landstraße zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast. Kilian: jaght =
+Liburnica, (Liburnen hießen die von den Illyriern erfundenen
+Schnellsegler) celox navis praedatoria piratica, myoparo, piraticus
+myoparo, navis triremis forma, incredibilis celeritatis. Die Seeräuber
+haben von jeher gehabt und mußten der Natur der Sache nach haben die
+schnellsten Schiffe.
+
+Unter dem »Schiffzeug auff der Donauw« das 1565 Frohnsperger anführt,
+kommen unter anderm vor: »weiter über die hundert guter ziemlicher ander
+Schiff, auch groß klein und ander Nachen, *Renn und Jagschiff*, so
+gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr und Streit gegen den
+Erbfeind (Türken) verordnet.« Eine nordische Expedition die 1594 von
+Holland aus über »Nova Zembla« hinaus unternommen und von Johann Huygen,
+einem der Teilhaber, beschrieben worden ist, bestand aus drei Schiffen.
+»Auf dem Schiff von Amsterdam war Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm
+Barentz von der Schelling, Bürger zu Amsterdam, ein erfahrener und wohl
+versuchter Seemann. Der hatte ein Schellinger Fischer-Jacht bey sich,
+ihn auf seiner fürgenommenen Reyse, wenn er etwa von den andern solte
+abkommen, Gesellschaft zu halten«. Ob er diese Jacht an Deck genommen
+hatte? Jedenfalls führte das Admiralsschiff eine Jacht an Bord mit, die
+ausgesetzt werden konnte. »Mittlerweile daß sie also durch das Eiß
+hinfuhren, sahen sie etliche Morsen oder Meer-Pferde auf den Eißschollen
+liegen; Einer von deß Admirals Volck schoß einen davon mit einer Kugel,
+und weil sie vermeynten, daß er dasselbe genug getroffen, *setzten sie
+die Jacht auss*, und verfolgten es so nahe, daß sie ihm noch ein Harpun
+in den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit genügsamer Leine
+nachschleppten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht überwältigen,
+weil es sich so gewaltig wehrte, daß es allen, die in der Jacht waren zu
+thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern,
+damit sie wieder dasselbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten
+ergriff, und die Eisen gantz krum biß, seine Zähne über den Bord hin
+schlug, die Schuyte umzureißen.« Es wird also hier Jacht und Schuyt
+(Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet
+(Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Kriegsschiffe. »Die Jacht der
+Windhund, fünffzig Last groß, mit zehn Stücken Geschütz und dreyssig
+Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stücken und
+vierzig Bootsgesellen führend.« »Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten,
+mit zehen Stücken und vier und fünfzig Matrosen«. »Die Jacht der David
+von sechzig Last, mit vierzehn Stücken, sechs Steinstücken, und
+zweiundvierzig Bootsgesellen.« Die große Jacht der Holländischen
+Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avoit 66 piés de long, 19 piés de
+large, et 6 piés de creux sous les goutieres.« »L'étrave avoit 9 pouces
+d'épais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 piés 3 quarts de large par le
+bas, 2 piés et un quart par le haut, 12 piés de hauteur, 10 piés de
+quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'épais u. s. w. Siehe
+Aubin, wo auch alle übrigen Maße ausführlich angegeben sind. Die »Heere
+Jacht« die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark
+vornüber neigendem Mast. Bemerkenswert ist, daß schon vor zweihundert
+Jahren das Wort französisch Yacht geschrieben wurde und daß auch damals
+in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebräuchlich war. Diese ist
+also nicht etwa englisch, sondern die Engländer haben den Namen mitsamt
+der Sache aus Holland bekommen. Daß sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht
+und nicht Jacht wählten, geschah aus Gründen der Aussprache, wie hätten
+die Engländer, wie vollends die Franzosen Jacht aussprechen sollen?
+
+In unserem gegenwärtigen neuhochdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch
+wird das Wort -- Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot
+gesprochen -- kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: »a light and
+elegantly fitted up vessel, used either for pleasure trips or racing, or
+as a vessel of state to convey kings, princes etc. etc. from one place
+to another by sea. There are two distinct species of yacht: the mere
+racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with fine
+lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant, commodious,
+well-proportioned travelling-yacht, often with steam propelling
+machinery, fit for a voyage round the world.«
+
+Daß aber diese Art Schiffe und ihr Name aus den Niederlanden nach
+England kamen, beweist eine Stelle aus dem berühmten Diary des Evelyn,
+der unter König Karl II. von England lebte und schrieb: »I sail'd this
+morning with his majesty in one of his *yachts*, (or pleasure-boats),
+vessels not known us till the Dutch E. India Company presented that
+curious piece to the king«, dessen Nichte Maria mit Wilhelm III. von
+Oranien sich verheiratete und mit ihrem Gemahl später (1689) den
+englischen Thron bestieg. Roeding (1794) beschreibt Bauart und Takelage
+der Jachten und fügt dann hinzu: »Man gebraucht die Jachten, die sehr
+schnell segeln, auch Nachrichten, Paquete und Briefe von einem Ort zum
+andern zu bringen, und solche nennt man Advisjachten und Postjachten.
+Etliche Städte und große Herren unterhalten auch Jachten zu ihrer
+Belustigung, die man Herrenjachten oder Spieljachten nennt.«
+
+Es ist bei der Erklärung festzuhalten, daß jagen zunächst nicht »auf die
+Jagd gehen« bedeutete, sondern sich schnell vorwärts bewegen, eilen,
+rasch laufen, wie es ja auch heute noch gebraucht wird; daher jach, jäh,
+jählings. Graff vermutet, das althochdeutsche jagon könne eine aspirirte
+Form von agan sein, was dann mit dem gotischen ogan, timere, und agian,
+terrere, verwandt wäre, sowie mit dem althochdeutschen egi, timor. Dann
+wäre Aegir (Oegir), der Meergott, ein Jäger, einer der die Elemente
+Wasser und Luft im Sturm vor sich herjagt.
+
+Früher gab es im Niederdeutschen auch die Form jageschip für schnelles
+Seeräuberschiff; »seerovers mit klenen jageschepen.«
+
+
+*Jackstag*, das,
+
+besteht (Dick u. Kretschmer II 126) aus zwei mit eingesplißten Augen auf
+den Rahenocken aufgestreiften Drahtenden, welche durch die an der
+Oberkante der Verstärkungsringe der Rahe angeschweißten Augen nach der
+Rahemitte fahren und hier, nachdem in jedes derselben eine Kausch
+eingebunden, an der Achterkante der Rahtakelblöcke durch einen Taljereep
+miteinander verbunden werden. Das Jackstag dient zum Annähen des oberen
+Segellieks.
+
+Obgleich oder vielmehr gerade weil jack als Abkürzung von Jakob im
+Englischen in so unzähligen Zusammensetzungen vorkommt, gewährt es für
+die Erklärung keinen Anhaltspunkt. Es bedarf dessen aber auch nicht, das
+Wort läßt sich aus dem Deutschen erklären. Es ist davon auszugehen, daß
+das Jagstack aus zwei Stücken besteht, die sich von zwei Seiten einander
+nähern da, wo sie sich am nächsten kommen, miteinander verbunden sind,
+wie zwei in einem Joche gehende Ochsen. Und an ein Joch, niederdeutsch
+juk (vergl. Juchart), denken wir, dem die Wurzel yug, fesseln, binden,
+verbinden, zusammenbinden zu Grunde liegt. Eben durch solches
+Zusammenbinden der beiden -- an Backbord, an Steuerbord befindlichen
+--Teile entsteht ein Jackstag. Das müßte also eigentlich Jukstag heißen
+und hat wohl auch ursprünglich so geheißen, namentlich im
+Niederländischen; von daher haben es die Engländer übernommen und, wie
+sie denn auf Verbindungen aus jack geradezu versessen sind, so haben sie
+jackstag daraus gemacht. Wir aber haben es in dieser Form wieder
+zurückempfangen, sodaß dieses Wort dieselbe Geschichte hat wie das
+vorhergehende.
+
+
+*Jager*, der,
+
+das allervorderste Segel des »Vorgeschirrs«, am verlängerten Bugspriet,
+dem *Jagerbaum*. Früher hießen auf Kriegsschiffen die beiden Kanonen,
+die zuvorderst am Vorsteven standen, Jager, weil sie bei der Jagd auf
+ein feindliches Schiff besonders gebraucht wurden. Daß gerade das
+vorderste Segel jetzt Jager heißt, ist sinnreich und bedeutungsvoll dem
+Namen der beiden Kanonen nachgebildet. Daß dabei wirklich an Jagd im
+Sinne von »ein Wild jagen« gedacht ist und nicht bloß an »schnell
+fahren«, beweist ein doppelter Umstand. Einmal der, daß im
+Niederländischen der Junge, der beim Treideln der Treckschuit das Pferd
+antreibt, jager heißt, gewöhnlich, weil er noch ein Piccolo ist, »het
+jagertje«. Vgl. die Nota beim Teuthonista: »dyt Jagen mach men oick op
+drijven duytschen.« Zum andern aber steckt in dem englischen Wort für
+Jager, jib, dieselbe Gedankenverbindung. Altfranzösisch heißt aler
+gibier, aler en gibier, être en gibier jagen, Vögel jagen; daher das
+neufranzösische gibier, Wildbret. Gibet, Galgen, soll eigentlich »Strick
+um den Hals« bedeuten, sodaß der Gedanke an eine Vogelschlinge nahe
+liegt.
+
+Wie ein Jäger in manchen oberdeutschen Dialekten ein »Jächter« heißt,
+so heißt unser Jager auf Wangerooge (die Schreibart mit e am Schlusse
+ist entgegen der preußischen von Langeoog und Spiekeroog die offizielle
+oldenburgische) jageder.
+
+
+*Jakobsleiter*, die,
+
+eine Strickleiter hoch oben an der Bramstenge, auf der die
+Oberbramsegelsgäste zu ihrer Oberbramrahe aufentern. Die Benennung
+dürfte, wie auch Jakobsstab, von den sehr bibelfesten reformierten
+Niederländern aufgebracht worden sein. Sie bezieht sich auf die von
+Jakob im Traum gesehene Himmelsleiter, Genesis 28, 12.
+
+
+*Jakobsstab*, der.
+
+Das Werkzeug, dessen sich die Astronomie vor Zeiten bediente, um die
+Sonnenhöhe zu beobachten. Auf dem Titelbild des Dictionaire de Marine
+von Aubin, Amsterdam 1702 ist eine Amsterdamer Werft abgebildet, auf der
+man unter allerlei sonstigen seemännischen Gerätschaften einen
+Jakobsstab liegen sieht; und rechts, auf dem Wappen von Amsterdam sitzt
+einer, der gerade im Begriff ist, mit einem solchen die Sonne zu messen;
+demgemäß hält er den dreifach gekreuzten Stab so in die Höhe, daß er
+sinnreich und bedeutungsvoll den Mittelpunkt des ganzen Bildes bildet.
+Der Name stammt, wie Jakobsleiter, aus der Bibel, Genesis 32, 11: »ich
+hatte nicht mehr als diesen Stab, da ich über diesen Jordan ging.« Auch
+auf dem Titelbild der Seekarten Waghenaer's Amsterdam 1588 steht am Heck
+eines alle Leinwand zeigenden Schiffes ein Mann im Begriff, mit dem
+Jakobsstab zu beobachten.
+
+
+*Jan Maat*
+
+ist eine scherzhafte, volkstümliche Bezeichnung für Matrose im
+niederdeutsch-niederländischen Sprachgebiet. Hier bedeutet Jan eine
+Abkürzung des ungemein beliebten und häufigen Namens Johannes, die aber
+kaum als eine solche empfunden wird, sondern als ganz selbständiger Name
+auftritt. Maat aber heißt Geselle, Genosse. Ein berühmter Sänger unserer
+Tage singt ein reizendes kleines Lied von einem Mädchen, das von
+verschiedenen »Fahrenden« gefragt wird, ob es mitfahren wolle. Jan Maat
+fragt auch; da aber der Sänger »Jean« Maat ausspricht, als ob es
+französisch wäre, geht ein gut Teil der Wirkung des Liedes verloren.
+
+
+*Jiggermast*, der,
+
+ist etwas Neumodisches, nämlich der zweithinterste Mast eines
+Fünfmastschiffes. Im Englischen heißt das, was wir Treiber nennen,
+nämlich ein (Mast mit) Segel ganz hinten am Heck, jigger, von to jig =
+rütteln, schütteln oder vielmehr *wackeln*. Die Bewegungen des Schiffes
+(ganz vorn und) ganz hinten werden am meisten empfunden und fallen am
+sichtbarsten in die Augen. Offenbar heißt darum der so weit hinten
+stehende Treiber jigger; Jiggermast würde also der gerüttelte,
+geschüttelte, wackelnde Mast sein.
+
+
+*Jnglefieldanker* s. Anker.
+
+
+*Jnhölzer*, die.
+
+Der gemeinschaftliche Name für alle einzelnen Stücke, aus denen ein
+Spant besteht, nämlich die Bauchstücke und Piekstücke mit ihren Sitzern
+und Auflangern.
+
+
+*Joch*, das.
+
+Wie alles im Schiffbau, so hat auch die Ruderpinne in unserer Zeit
+gewaltige Veränderungen erfahren, so daß von der ursprünglichen Pinne
+auf vielen Schiffen gar nichts mehr übrig geblieben ist. Man hat an ihre
+Stelle einen Kreissektor, einen ganzen Kreis, ein Parallelogramm
+gesetzt, und die einfachste Verbesserung ist noch die, daß man anstatt
+der Pinne zwei Jocharme auf die Ruderspindel gesetzt hat, an denen das
+Ruderreep befestigt ist. Dieses Joch bedeutet grosse Kraftersparnis und
+Sicherheit. Früher nannte man Ruderjoche zwei Taljen, die die Ruderpinne
+bei schwerem Wetter halten halfen.
+
+
+*Jolle*, die,
+
+heißt jetzt ein kleines Schiffsbeiboot das gewöhnlich gerudert wird,
+aber auch segeln kann und besonders als Kochboot für Köche und Stewards
+dient, auch gebraucht wird um Beurlaubte in geringerer Zahl an Land zu
+bringen oder wieder abzuholen, überhaupt ein Arbeitsboot, kurz aber
+ziemlich breit. Zu dem angegebenen Zwecke dient die Jolle schon seit
+Jahrhunderten. »Aldus was gemelte H. K. szulffander mith eynere jollen
+ilendes in de hauene nha zodaneme schepken gefaren« (aus Wismar 1520).
+Ostfriesisch jul, jülle, niederländisch jol, wangerländisch jel, auf der
+Spree gelle, sonst niederdeutsch auch golle und jölle, (g und j läßt
+sich oft nicht auseinanderhalten); dänisch jolle, englisch yawl,
+schwedisch jelle, julle, französisch jelle, jol. Wegen der Formen mit g
+im Anlaut ist Herkunft vom griechischen gaulos nicht unwahrscheinlich.
+Und zwar würde sogar die Form heute noch stimmen, da gaulos ein *ovales*
+phönizisches Lastschiff war. Ob nun die Friesen und Sachsen, die frühe
+schon die französischen Küsten mit ihren Schiffen befuhren, das
+inzwischen durchs Lateinische und Provençalische ins Französische
+gedrungene Wort mit heimgeführt haben, ob vielleicht in uralten Tagen
+schon die Phönizier selbst es an den Küsten der Nordsee zurückgelassen
+haben, das wird sich schwer entscheiden lassen. Jedenfalls hat es schon
+früh einen Zeitpunkt gegeben, wo die Jolle im Gedankengang deutscher
+Seeleute eine bedeutende Rolle spielte, da sie den einfachsten
+Flaschenzug nach ihr *Jolltau*, *Jollentau* auch kurzweg *Jolle*
+nannten.
+
+
+*Jollentau*, *Jolltau*, *Jolle*, die,
+
+ein Tau über eine Scheibe laufend. Schon mit einem solchen kann sich ein
+Mann selbst in die Höhe winden. Zunächst wird man nach dem
+(Schiffs)boot, das den Namen Jolle führt ein Haupttau desselben Jollen-
+oder Jolltau genannt haben, und erst hieraus ist der Kürze wegen Jolle
+entstanden, dessen Bedeutung zunächst allgemein Bootstau war, aber nach
+und nach auf ein besonderes Tau eingeschränkt wurde, wie Hochzeit
+ursprünglich jede Freudenzeit hieß und hernach auf eine große
+Freudenzeit des Lebens beschränkt wurde.
+
+
+*Junge*, der.
+
+Ein Schiffsjunge ist heutzutage etwas anderes als vor hundert Jahren ein
+Junge auf dem Schiffe war. Von diesem schreibt Roeding, daß solcher ein
+Knabe von 7-9 Jahren sei, der dem Kapitän und den übrigen
+Schiffsoffizieren zur Aufwartung diene. »Auf Kauffahrern trifft man
+gewöhnlich nur einen Kajütsjungen oder Kajütswächter an, für den
+Kapitän. Auf großen Schiffen aber befindet sich außer dem Kajütswächter
+noch ein Hofmeister, auch halten sich mehrere Schiffsoffiziere einen
+eigenen Jungen, so giebt es z. B. Bootsmannsjungen, Kochs-Jungen etc.
+etc. Bey jeder Back ist ebenfalls ein Junge, welcher der Backsjunge
+genannt wird.«
+
+Jetzt ist ein Schiffsjunge ein der Schule entwachsener junger Mensch,
+der zur See fährt, wohl auch einmal zu allerlei Dienstleistungen
+genötigt wird, aber dessen Hauptbeschäftigung doch die Erlernung der
+Seemannschaft und dessen Ziel die Heranbildung zum Matrosen, wo möglich
+zum Steuermann und Kapitän ist.
+
+Die Schiffsjungen der Kaiserlichen Marine sind junge, konfirmierte
+Burschen, die im Schiffsjungen-Institut, 24. April 1850 gegründet, auf
+Staatskosten so im Seemännischen und Militärischen ausgebildet werden,
+daß sie einmal brauchbare Unteroffiziere, und, wenn sie sich dazu
+eignen, Deckoffiziere werden können.
+
+
+*Jungfer*, die,
+
+ein Block ohne Scheibe, rund, breit, wie eine abgeplattete Kugel, mit
+drei Löchern in Gestalt eines Dreiecks; dient hauptsächlich dazu die
+Hofttaue der Wanten anzusetzen. Mit einigem guten Willen kann man in dem
+Block das rundliche Gesicht einer Jungfrau sich vorstellen. Andere
+Nationen haben ihrer Einbildungskraft eine andere Richtung gegeben; die
+Franzosen sagen, was vielleicht noch treffender ist, cap de mouton,
+Schafskopf, auch, weil der Block schwarz ist, cap de more, Mohrenkopf;
+die Holländer sagen neben juffer = Jungfer, dood-mans-oog, eines toten
+Mannes Auge; die romanischen Sprachen sagen bigota, wohl mit bigote =
+Knebelbart eins, haben also auch an das Gesicht eines Mannes, aber eines
+lebendigen, gedacht. Die entsprechenden drei Löcher einer Kokosnuß
+nennen die Engländer sehr bezeichnend monkey.
+
+
+*Jungmann*, der,
+
+ist ein eigentümlicher Mensch, kein Junge mehr und noch kein Mann, noch
+kein seebefahrener Vollmatrose, aber auch kein Schiffsjunge mehr = ein
+Jungmatrose. Seit die Marine die Ausbildung im Schiffsjungeninstitut
+abgekürzt hat, gibt es auch hier Jungmatrosen, die aber den Namen
+Leichtmatrosen führen, weil sie noch nicht ganz für voll, eigentlich
+schwer genug befunden werden.
+
+
+*Jütte, taube* s. Davit.
+
+
+
+
+K.
+
+
+*Kabbelung*, die,
+
+gewöhnlich in der Verbindung Stromkabbelung, das Zusammentreffen zweier
+Strömungen, der Streifen auf dem die Grenzen der zwei Strömungen an
+einanderschlagen und ein hörbares Geräusch verursachen. *Kabbeln* ist
+ein lautmalendes Wort, das schlagen, anschlagen, plätschern, klatschen
+bedeutet; »wenn die Wellen von zwei Seiten gegen einander schlagen und
+klatschen«; dann auch im übertragenen Sinne, aber nicht in dem von
+klatschen = schwätzen, nachsagen, sondern in dem von laut zanken,
+streiten, keifen; »sich kabbeln« = sich streiten. Indessen wird kabbeln
+nicht nur von dem Sichbegegnen zweier Strömungen, sondern auch überhaupt
+von dem Anschlagen des Wassers an irgend einen harten Gegenstand
+gebraucht.
+
+
+*Kabel*, das,
+
+ist ein starkes Tau, früher anstatt der jetzigen Ankerkette als Ankertau
+gebraucht, eine Trosse, Kabeltrosse; jetzt besonders wichtig
+unterseeisches, transatlantisches Telegraphenkabel.
+
+Lübeckische Chronik: »dat groteste schip konden se nicht weg bryngen,
+wente syn kabel was gehouwen.« Ein Tanz der Matrosen hieß kabeldanz,
+Renner, Brem. Chron.: »Dar dantzeden de boetslude den kabeldantz etlicke
+mahl, welches den commissarien seltzam was, doch woll gefell.«
+
+Der Teuthonista schreibt: »cabel = lyn, reep, seel, to vo dair mede men
+eyn schyp an dat lant vestiget offte merret.« Die Form cabel erinnert
+durch das c an den Ursprung des Wortes, griechisch kaplion; lateinisch
+capulum, caplum, abgeleitet von capere, fassen, halten. So ist das Wort
+schon vor bald 13 Jahrhunderten erklärt worden. Isidor von Sevilla, geb.
+560, gest. 636 n. Chr., der die Westgothen in Spanien zur katholischen
+Kirche zu bekehren suchte, und der das große Verdienst hat der
+germanischen Welt durch seine schriftstellerische Tätigkeit die
+klassische und patristische Gelehrsamkeit übermittelt zu haben, dessen
+Werke auch das ganze Wissen jener Zeit enthalten, hat zwar nicht die ihm
+nachgesagten »Pseudoisidorischen Dekretalen,« wohl aber ein großes Werk
+»Origines s. Etymologiae« geschrieben, eine Art Encyklopädie. Da lesen
+wir: »capulum funis a capiendo.«
+
+
+*Kabelaring*, die,
+
+kommt seit Einführung der Ankerkette an Stelle des Ankerkabels kaum mehr
+vor, war aber früher nötig, da man die dicken Ankertrossen selbst nicht
+gut um das Spill legen konnte wenn man Anker lichten wollte. Da wurde
+denn ein dünnes Tau an das Kabel befestigt und mit dem Spill
+eingewunden, so daß dann das dicke mit hereinkam. Eine Weiterbildung von
+Kabel. Bei Roeding ist eine sehr deutliche Abbildung und Beschreibung;
+da die Sache veraltet, tut eine solche hier wohl nicht not.
+
+
+*Kabelgarn*, das, s. Garn.
+
+
+*Kabellänge*, die,
+
+war früher ein vielgebrauchtes Maß zur See und ist auch jetzt noch im
+Gebrauch, wenn es sich nicht um genaue Angaben, sondern ungefähre
+Schätzung handelt.
+
+Jetzt wird auch zur See nach Metern gerechnet. Es war aber auch zur Zeit
+der Herrschaft der Kabellänge nicht einheitlich genau bestimmt, was oder
+wie lang eine solche wäre. Es gab Ankerkabel von 150, es gab auch solche
+von 120 »Faden«; doch waren erstere die normaleren. Schon 1588 finden
+wir das Wort bei Waghenaer: »Item om die Voort te treffen, so sult gy op
+twe Cabels lengte by de Clippen van de Backovens lancx zeylen.«
+
+
+*Kabine*, die,
+
+nur im Sprachgebrauch der Handelsmarine vorkommend, Wohn- und Schlafraum
+eines Offiziers oder Passagiers; auf Kriegsschiffen ausschließlich
+Kammer genannt. Das Wort stammt aus dem Keltischen, wo cab Zelt oder
+Hütte hieß. Das Bremer Wörterbuch hat die Form cave und bezeichnet
+damit eine von Latten und Brettern umschlossene Ecke, wo man Vieh
+hinstellt; also nicht den ganzen Stall, sondern einen Teil vom Ganzen,
+einen Koben, einen Schweinekoben. »Wenn der Bauer sein Kind etwa
+liebkosend zwischen beiden Knien einschließt, so spricht er: »ik hebbe
+den Jungen im Kaven«.« -- angelsächsisch cofa, englisch cabin. Eine
+Kabine konnte um so eher nach einem Kaven genannt werden als eine solche
+ursprünglich kein so eleganter Raum war, sondern schmucklos aus ein paar
+Brettern zusammengezimmert. Eine scherzhafte und verächtliche
+Weiterbildung ist Kabuf und Kabache.
+
+Ueber das Wort cab äußert sich Diefenbach, Celtica p. 118: cab ist ein
+uraltes kymrisches Wort und bedeutet Hütte, Zelt; im Breizonek
+(Bas-Breton, Mündungsgebiet der Loire): caban, cabannen = cabane. Die
+Briten haben also auf der Flucht nach Frankreich das Wort mit über den
+Kanal genommen und das Französische damit bereichert. Gälisch: caban =
+Hütte, Zelt. Daß das Wort im ganzen keltischen Sprachgebiet bekannt war,
+beweist die Bedeutung die Isidorus (Isidorus von Sevilla, gestorben 636,
+»originum s. etymologiarum libri XX«) dem aus dem Keltischen ins
+Mittellateinische gedrungenen Worte capanna = Hütte gibt: »Hanc rustici
+Capannam vocant, quod *unum* tantum *capiat*« (!) Daher italienisch
+capanna Strohhütte, spanisch cabanna, französisch cabane. Vergl.
+Kampanje, Kambüse, Kajüte.
+
+
+*Kadett*, der, s. Seekadett.
+
+
+*Kabliau*, der,
+
+der bekannte große, schwere, schmackhafte Seefisch der besonders auf den
+Neufundlandbänken zu Millionen gefangen und meist in der Form von
+Stockfisch gegessen wird, gadus morrhua. Der Name Kabliau ist seit Ende
+des 13. Jahrhunderts bekannt und seitdem bei allen seefahrenden Germanen
+(mit Ausnahme der Engländer) im Gebrauch. Er ist ein sehr gefräßiger
+Fisch, der gierig nach allem schnappt, weshalb auf den erwähnten
+Neufundlandbänken oft ein Mann 400 bis 500 Stück an einem Tage fängt.
+Daher liegt der Schluß nahe, der Name komme von kabbeln, von einer
+Wurzel gabh = schnappen, beißen, klaffen; niederdeutsch heißt der Fisch
+kabbeljau, kabeljau. Gegen einen Krug Rum kann man von den Fischern auf
+der genannten Bank (viel Franzosen) eine ganze Schiffsbesatzung satt
+machen mit Kabliau. Im Munde des Seemanns hat sich aber das Wort darum
+so eingebürgert, weil jedesmal wenn das Tieflot geworfen wird einer
+aussingt: »Warschau von untere, Kabliau en Flundere«, welcher Versanfang
+dann auch sonst gebraucht wird, wenn einer den andern »warschaut« (s.
+d.).
+
+
+*Kahn*, der,
+
+ein in der Seemannssprache -- außer im Scherz anstatt Schiff -- nicht
+gebräuchliches Wort für Boot, beinahe ausschließlich auf Binnensee- und
+Flußboote beschränkt, (wie z. B. am Rhein außer den zahlreichen
+Landstellen für die Dampfer es auch noch viele »Kahnstationen« gibt, auf
+denen ein Kahn längsseit des stoppenden Dampfschiffs kommt). Das würde
+aber an sich noch kein Beweis gegen die behauptete Abstammung von dem
+westindischen Worte canoe sein, da das Wort doch in allen Küstenländern
+der Nordsee zu Hause ist, wenn nicht das Wort schon vor der Entdeckung
+Amerikas bekannt gewesen wäre. Nun kommt aber in einer Lübecker Urkunde
+vom Jahre 1342 die Stelle vor: »nemen enen kanen gheladen mit vser
+borgher gude.«
+
+Mittelniederländisch kaen, neuniederländisch kaan, auf Wangerooge kunne;
+altnordisch kani und wohl von hier aus durch die Normannen ins
+Altfranzösische getragen als cane, neufranzösisch canot, denn wenn es
+dahin direkt aus dem Lateinischen gekommen wäre, so würde von canna die
+altfranzösische Form canne lauten. Wir müssen daher für die Erklärung im
+Germanischen bleiben. Da nun im Isländischen kaena sowohl Fischerboot
+als auch Schöpfgefäß genannt wird, diese beiden aber in ihrer
+einfachsten, ursprünglichen Gestalt aus ausgehöhltem Holz bestanden, der
+Kahn aus einem hohlen Stamm, und das Schöpfgefäß (*die Kanne*) aus einem
+hohlen Ast, so ist als gemeinschaftlicher und ursprünglicher Begriff der
+von »ausgehöhlt, hohl« anzunehmen, und die Wurzel khan, von der dann
+doch auch lateinisch canna und canalis kommen, so daß also, wenn auch
+auf Umwegen, Kanal und Kanone und Kanne und Kahn verwandtschaftlich
+zusammenkommen, mit dem Familienmerkmal des Hohlen, des mit Kunst
+Ausgehöhlten, Ausgegrabenen.
+
+
+*Kaje* (Kai), die.
+
+Nicht bloß eine Küste oder ein Gestade, auch nicht bloß Ufer und
+Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschenhand durch ein Bollwerk oder
+eine Mauer befestigte und für seemännische Zwecke bequem gemachte
+Wasserkante.
+
+Spanisch cayo, altfranzösisch caye, französisch quai, Damm an Flüssen,
+Deich. Niederländisch kaai, englisch kay, niederdeutsch Kaje, welche
+Form als die beste, bequemste und brauchbarste wieder eingeführt zu
+werden verdiente, wenn nicht überhaupt »der Staden« (s. d.) den Vorzug
+verdient. Das »Bremer Wörterbuch« gebraucht ausschließlich die Form
+Kaje, sie ist also vor hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus
+dem Munde unserer Seeleute ist sie ohnehin nie durch »Quai« verdrängt
+worden. Kilian hat die ähnliche Form, in der Aussprache aber wie Kaje
+lautend, Kaeye = litus, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches
+Wort. Wenn es auch aus dem Keltischen stammt, so ist es doch unserem
+Seemann schon vor unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut
+übergegangen. Dietz nimmt an das kymrische Wort cae, Zaun, Umzäunung,
+bretonisch kae, auch Deich, sei die Grundbedeutung, und Diefenbach
+(Celtica 116) bestätigt das. Und zwar kommt das Wort von einem
+keltischen Namen, der ursprünglich Jagd bedeutet (daher italienisch und
+rätisch caccia, spanisch, portugiesisch caça, französisch chasse), dann
+Jagdgehege, hernach überhaupt einen durch einen Zaun eingeschlossenen
+Raum, einen Haag; bald auch Zaun überhaupt; so im Kymrischen cae =
+hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus wird dann im Breizonek Wallmauer,
+also schon ganz unser Fall. Kaje war also anfangs keine Mauer, sondern
+ein Zaun, der nach und nach von immer stärkeren Pfählen gebildet wurde,
+bis allmählich unser Bollwerk daraus wurde. Daß eine Mauer nicht
+notwendig zu einer Kaje gehört wird bewiesen dadurch, daß man
+ausdrücklich von einer Kai-*Mauer* spricht, wenn man eine solche
+bezeichnen will.
+
+Der Übersetzer der »Durchlauchtigsten Seehelden« 1681 hat im
+Hochdeutschen durchgängig die Form »die Kay«, z. B. wo er von der
+mißlungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende spricht (1628): »In
+dieser Gestalt kamen sie an die Kay, ausserhalb der Stadt, allda stiegen
+sie über die Fehr und andere Schiffe, die in den Haven lagen« ...
+
+
+*Kaien.*
+
+Die Rahen nach der Länge des Schiffes, also parallel mit dem Kiel
+brassen und zugleich auftoppen; ein Manöver das auf Kriegsschiffen
+hauptsächlich beim Andecknehmen der Rahen ausgeführt wird, bei
+Handelsschiffen aber, die oft eng zusammen in einem Hafen liegen,
+vorgenommen wird, damit die Rahen andern Schiffen nicht im Wege sind.
+Weiland: »Kaaijen een seewoord, ook toppen genannt« geschieht »waneer
+het schip te veel slingert, of door eene engte moet.« Die nächste
+Bedeutung ist also die: Ein Schiff in Bezug auf seine Rahen in den
+Stand bringen in dem es für sich und andere am bequemsten *an der Kaje*
+liegen kann. Von dieser ersten Bedeutung (nicht nach der Zeit, sondern
+nach der seemännischen Schätzung ersten) kommt dann der Begriff: eine
+Rahe aus einer Lage in die andere bringen, auch wenn das Schiff nicht an
+der Kaje liegt oder durch eine Enge hindurch will, also bei dem vorher
+erwähnten Manöver, oder in dem Sinne wie 1699 das holländische Kaayen
+mit changer l'artimon übersetzt und mit »de besaan doorkaijen, of van
+d'eene sy tot d'andere brengen.«
+
+Die weitere Bedeutung von Kajen ist aber -- und hierbei kommt der
+eigentliche Sinn von Kaje als Schutzding zur Geltung -- schließen,
+dämmen, einschließen, eindämmen, mit einem Damm umgeben, abschließen,
+ostfriesisch inkajen, bekajen, ofkajen, umkajen.
+
+Mittelniederländisch kaeijen, appelere, intrare portum (also erste
+Bedeutung) altfriesisch aber kaya, schließen (zweite Bedeutung), wovon
+kay, Schlüssel (»mith fif keien te undslutane«); englisch key.
+
+
+*Kajüte*, die,
+
+der Raum, in dem der Kapitän haust, auf Passagierschiffen der
+gemeinschaftliche Raum der Kajütspassagiere. Mit Kambüse, Kabine, Koje
+und Kampanje verwandt, ähnlich wie Kambüse tautologische
+Zusammensetzung, nämlich vom keltischen cab = Bretterverschlag, und
+Hütte, vielleicht unter dem Einfluß des französischen cahute entstanden.
+Schon bei Kilian: kaiute, kaiuyte, cubile naucleri, cubiculum nauarchi,
+aber auch locus in navi ubi remi et gubernacula reponuntur. Im Dänischen
+hat sich das h von Hütte noch erhalten: kahyt.
+
+Das Wort Hütte ist auch für sich allein in seemännischem Gebrauch, s. s.
+v.
+
+
+*Kalfatern*,
+
+richtiger Kalfaten, heißt an einem Schiffe die Nahten (Fugen zwischen
+den Planken) mit Werg verstopfen, solche nachher mit kochendem Pech
+überziehen (und das Pech, welches neben den Nahten auf den Planken
+sitzen bleibt, mit Schrapern abschrapen). Das Werg wird mit den
+Kalfateisen, worauf mit dem Kalfathammer geschlagen wird, in die Nahten
+getrieben. »In Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und in etlichen
+andern Ländern gibt es eigene Arbeiter, welche die Schiffe kalfaten, und
+solche werden Kalfaterer genannt. An solchen Orten aber, wo eben keine
+Kriegsschiffe erbaut werden, wie z. B. in Hamburg, verrichten die
+Schiffszimmerleute diese Arbeit selbst! Man braucht dazu, 1. ein
+*Scharfeisen*, die Nahten etwas zu erweitern, damit das Werg besser
+eindringe, 2. ein *Kalfateisen*, stumpf, das Werg einzutreiben, 3. ein
+*Rabatteisen*, der Länge nach einmal oder zweimal wie eine Rabatte im
+Garten durch eine Vertiefung geteilt, zum weiteren Eintreiben des Wergs,
+und 4. das *Spikereisen* mit einer halbrunden Schneide, das Werg bei den
+Spikern und hölzerne Nägeln einzuschlagen.«
+
+Mit den *Nahthaken* wird vorher das alte Werg aus den Nahten
+herausgerissen.
+
+Bei großen Schiffen, deren Planken der Bordwände sehr stark sind, wird
+statt des Rabatteisens ein *Klamei*eisen gebraucht, mit einem eisernen
+Stiel, mit dem ein Kalfaterer das Eisen auf das Werg hält, während ein
+anderer mit dem *Moker* darauf schlägt; das nennt man *klameien*;
+(Weiterbildung des niederdeutschen klam = Pressung, Druck, Drang, Zwang,
+weil das Werg in die Naht gezwängt, gedrängt, gepreßt wird, mit Klamm,
+klemmen eins). Moker aber ist ein niederdeutscher Ausdruck für einen
+zweischlägigen Hammer, wahrscheinlich wegen seiner an beiden Seiten
+abgestutzten Gestalt, wobei man an mittelhochdeutsch mocke zu denken
+hat. (Möglich wäre auch immerhin, daß einmal von ganz ungewohnter Seite
+her ein Wort in die deutsche Sprache eingedrungen wäre, nämlich aus
+Finnland. Breusing schreibt: »Jakob Grimm erzählt in seinem Berichte
+über das finnische Heldengedicht Kalewala, daß es ihm früher nicht
+möglich gewesen wäre, die Herkunft dieses Wortes festzustellen; nun aber
+zeige es sich, daß es finnischen Stammes sei, denn mou-kara bedeute
+malleus maximus.«) Die Frage ist nun, was ist kalefaten für ein Wort? Es
+ist in der absonderlichsten Weise gedeutet worden. Schon Kilian erwähnt
+eine Deutung die mit kalos = schön und fat = Faß zusammenhängt. Das
+Bremer Wörterbuch schreibt: »Vom französischen cale, der untere Teil des
+Schiffes und fait von faire, machen.« Und Weiland hat kein Bedenken
+getragen, sich dieses anzueignen. Es liegt aber auf der Hand, daß davon
+keine Rede sein kann.
+
+Hätten wir nur das lateinische calefacio oder calefacto, dann wäre die
+Sache einfach, denn das heißt »warm machen,« und der Teer oder das Pech
+mit dem die Nahten ausgefüllt werden, muß dazu warm gemacht werden,
+daher Brabank, (s. d.) der Ort wo das Kalfaten geschieht. Nun kommt aber
+das Arabische dazwischen und zwar nicht etwa bloß das Neuarabische,
+sondern ein gut altarabisches, altsemitisches Wort, das auch im
+Syrischen und im Targum-Aramäischen zu finden ist. Die Bedeutung ist
+eigentlich = »entwinden, schälen«, dann »beschneiden,« dann »aufspunden«
+(den Pech- oder Lehmverschluß von einem Fasse nehmen), dann »schäumen«
+von Most; dann aber auch »ein Schiff kalfatern und teeren«. Darnach
+scheint, trotz des Teerens, der Begriff des Warmmachens doch nicht
+besonders in dem Worte zu liegen, sondern der Hauptnachdruck auf das
+Arbeiten mit dem Werg gelegt werden zu müssen, da dieses doch eine Rinde
+darstellt, die durch Entrinden oder Schälen des Hanfs genommen wird, ja
+es unterscheidet sich Werg geradezu dadurch von Hanf, daß es noch nicht
+ganz von der Holzfaser des Hanfstängels befreit, daß diese noch nicht
+genügend entrindet ist. So ist denn auch die Hauptbedeutung von Kalafa:
+»die Ritzen eines Schiffes mit Werg verstopfen« und dann erst bedeutet
+es, weil der Teer eben auch noch dazu gehört, teeren oder verpichen. Von
+»wärmen« ist also abzusehen, es müßte denn sein, daß durch das Dichten
+das ganze Schiff wärmer würde, allein daran denkt kein Seemann beim
+Kalfaten, nicht einmal in unserem rauhen Klima, geschweige denn unter
+der Sonne des Südens, und demgemäß ist calefacto bei Seite zu stellen,
+und bis auf Weiteres, nämlich bis jemand den Zusammenhang zwischen
+kalafa und calefacto darlegt, müssen wir die Ähnlichkeit beider Wörter
+für ein zufälliges Zusammentreffen erklären und kalfaten für ein
+Lehnwort aus dem Arabischen ansehen -- es gibt deren ja eine ganze
+Anzahl in der Seemannssprache. Zumal auch das mittelgriechische
+kalafatein entlehnungsverdächtig ist, das türkische kalfat aber einfach
+»Verstopfung« heißt, also mit »warm« nichts zu tun hat. Der Weg auf dem
+das Wort zu uns kam, ist durch diese Formen angedeutet: italienisch
+calafatare, spanisch calafatear, provençalisch calafatar, französisch
+calafater, niederländisch kalfateren, kalfaten.
+
+Der Kalefaktor, der bei einer Behörde die Amtsstuben heizt, kann sich
+also nicht für einen Verwandten des Kalfaterers ausgeben.
+
+In einem Briefe an Frau von Stein schreibt Goethe: »Ich kalfatere jetzt
+Fenster und Türen und will sehen, wie lange ich mich gegen die Unbilden
+der Witterung halte«; er gebraucht auch die Wendung »ein Kleid
+kalfatern.«
+
+
+*Kaliber*, das,
+
+die innere Weite eines Geschützrohres, auch »Seele« genannt, oder
+überhaupt eines Gewehrrohres. Das Wort wird aus dem Arabischen
+abgeleitet, kalib = Modell, also Modell zum Gießen des Geschützes,
+wobei das Modell die innere Seite des Rohres bestimmt. In Frankreich
+heißt calibre das Modell nach dem ein Schiff gebaut wird, unser Mall.
+Eine andere Ableitung ist die von qua libra? d. h. »von welchem Pfund
+oder Gewicht?«, wobei an die Kugel, an das Geschoß gedacht wäre;
+unwahrscheinlich.
+
+
+*Kalmen*, die,
+
+sind für Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heiße, regenreiche
+Striche am Äquator, oft, weil sie sich in der Richtung desselben
+gürtelartig weiterziehen, auch Kalmengürtel genannt. Man denkt dabei
+zuerst an Windstille und verbindet in der Vorstellung viel Regen damit,
+die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Spanischen und
+Portugiesischen heißt calma, wie auch im Italienischen, nicht bloß
+Windstille, Ruhe, sondern auch »heiße Tageszeit.« Mittellateinisch
+calma, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die
+Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an calor geschehen ist. Die
+heiße Tageszeit nötigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das
+Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d. h. für die Binnenländer
+und überhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im
+umgekehrten Gedankengang in Gebrauch genommen; da es ihm zunächst und
+vor allen Dingen um Wind zum Vorwärtskommen zu tun ist, so hat er die
+erzwungene Ruhe, die lästige Windstille in den Vordergrund gestellt und
+denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese
+natürlich grade auf See, wo sonst der Seewind das Leben erträglich
+macht, ziemlich unerträglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze
+zurückgetreten, daß man behaupten kann, daß in der Seemannssprache
+Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht,
+daß »bekalmt« sein nichts weiter heißt als »ohne Wind sein«, »in
+Windstille liegen« und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefühl
+für Hitze haben.
+
+
+*Kambüse*, die,
+
+die Schiffsküche. Eigentlich Kabüse und verwandt mit Kabine als eine
+Weiterbildung von cab. Jetzt steht die Kambüse an irgend einem
+beliebigen passenden Orte im Schiffe, aber eigentlich ist sie ein
+Bretterverschlag an Deck, ein Decksaufbau oder Deckshaus, das früher
+nicht nur als Küche sondern auch als Schutz- und Zufluchtsort für die
+Matrosen diente, sogar auch als Raum zum Aufbewahren von Vorräten.
+Niederländisch kabuis und kombuis, wie Hochdeutsch neben Kambüse auch
+Kombüse vorkommt. Keltisch cab, davon französisch cabinet. Bei Kilian
+kabuyse = promptuarium, cella promptuaria, plenaria. Exedra in navi,
+culina nautica. Die nasalierende Weiterbildung von Kabüse zu Kambüse
+entspricht der französischen von cab zu chambre, sowie im Englischen dem
+Verhältnis von cabin zu chamber. S. Kampanje. Die Lautverschiebung
+Kambuse-Kombüse hängt mit der niederdeutschen dumpfen und dunklen
+Aussprache des a zusammen, (Korl statt Karl). Das keltische cab bedeutet
+Bretterverschlag; -üse ist die niederdeutsche Form huse für Haus mit
+aphäriertem Anlaut, bezw. mit Schwund des aspirierten Anlautes wegen der
+Zusammensetzung mit cab. Das Wort hat also ursprünglich cabhus gelautet.
+Die Zusammensetzung ist um so eher zu begreifen, als die Bedeutung Haus
+bei cab schon früh nicht mehr gefühlt wurde und man doch recht deutlich
+sein wollte. Ich werde in dieser Annahme durch die Tatsache bestärkt,
+daß im Mittelniederdeutschen das Kern*haus* eines Apfels kabuse hieß.
+
+
+*Kambüsenbesteck*, das.
+
+Am Lande haben Köchinnen ihre militärischen Freunde manchmal vielleicht
+nur deshalb weil hie und da einmal etwas Eßbares abfällt. Ganz aus
+demselben Grunde hat der in der Kambüse sein Wesen treibende Koch seine
+Freunde unter den Unteroffizieren. Als einst auf hoher See die
+sämtlichen Mitglieder der Offiziermesse an Wurstvergiftung erkrankten,
+zeigten sich nicht nur bei dem Steward und seinen Maaten, sondern auch
+beim Koch und einigen Bootsmannsmaaten, die mit ihm befreundet waren,
+dieselben Vergiftungserscheinungen. So ist denn öfters in den Freizeiten
+in und bei der Kambüse gemütliche Versammlung in der über dies und
+jenes, namentlich aber auch über die Fragen, wie groß das Etmal und wie
+wohl das Mittagsbesteck sein möge, verhandelt wird. Da aber
+wissenschaftliche Bestimmungsmittel fehlen, so wird das Besteck
+»gegißt,« (s. gissen). Naturgemäß wird oft »vorbei« gegißt und das
+Besteck ist verkehrt. Darum nennt der Seemann jede falsche Vermutung,
+jede unrichtige Nachricht ein Kambüsenbesteck.
+
+
+*Kampanje*, die.
+
+Der Aufbau auf dem Achterdeck, ganz hinten am Heck, der ursprünglich
+Hütte hieß und lange Zeit auch neben Kampanje so genannt wurde;
+eigentlich nur das erhöhte Deck selbst, was daraus hervorgeht, daß die
+Kammern unter dem Aufbau Kammern *unter* der Kampanje genannt werden;
+indessen ist doch das Ganze eins und heute noch als Hütte anzusehen. So
+haben wir also auch hier wie bei Kabine, Kajüte und Kambüse auf das
+unter Kabine behandelte keltische cab zurückzugehen, und zwar auf die
+romanische Form capanna. Von dieser ist ein niederländisches Diminutivum
+kapannje gebildet, ein n fiel aus und das m kam rhinistisch hinzu durch
+Nasalierung des ersten a, wie in Kambüse. Bald verdunkelte sich auch,
+ebenfalls wie bei Kambüse, Kombüse in niederdeutscher Weise das a zu o,
+so daß schon Kilianus die Form kompanghe hat, op-boetsel, Acroteria. Die
+übrigen bekannten mittelniederdeutschen Formen sind kompandie,
+compannie, companie, compandie, sogar compagnie, stets erklärt mit:
+»Platz oben auf der Hütte«, vergl. die unter Badegast angeführte Stelle
+der Hamburger Chronik.
+
+Französisch ist das niederländische kompanje oder kampanje 1702 von
+Aubin übersetzt mit »le dessus de la Dunette proche du couronnement.«
+»On fait souvent devant la porte de la Dunette un couvert comme un petit
+appentis (Schutzdach), soutenu par des pilers et aux bouts du demipont
+des apuis et des balustrades, fort bien ouvragées« ... »On met au-dessus
+des dunettes, auprés du couronement, un banc pour s'asseoir, et au
+dessous une cage pour des volailles et pour des pigeons«; also war schon
+damals die Kampanje der Versammlungsort der (dienstfreien) Offiziere,
+die da auch schon ihre mitgebrachten Papageyen etc. etc. hängen hatten.
+Aber man darf Kampanje doch nicht mit Kompanie, Kumpanie = Gesellschaft
+zusammenbringen; auch nicht mit campagne für champagne von campania,
+Flur, Gefilde, »angenehmer Aufenthaltsort«; noch weniger mit campus,
+Schlachtfeld, wovon das deutsche Kampf kommt. Dergleichen Gedankengänge
+leiten die Sprache bei dergleichen Benennungen nicht; sie verfährt
+nüchtern und knüpft an das Nächste, wo möglich etwas Sichtbares und
+Greifbares, an; und das war hier der keltische Name cab = Hütte.
+
+
+*Kamerad*, der,
+
+italienisch camerata, spanisch camarada, französisch camarade, Gefährte,
+Genosse, eigentlich Kammergenosse, ursprünglich, wie Frauenzimmer, ein
+Kollektivbegriff, eigentlich Stubengenossenschaft, nachher erst auf eine
+einzelne Person angewandt.
+
+
+*Kammer*, die,
+
+kommt in der Sprache der Kriegsmarine in vielfacher Bedeutung vor.
+
+1. Der Privat-Wohn- und Schlafraum eines Offiziers etc. etc., der nur
+mit diesem Namen, niemals etwa Kabine genannt wird.
+
+2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs für die Mannschaft und zwar nur
+für neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut
+eines Kammer-Unteroffiziers steht.
+
+3. Der Raum am Gewehr.
+
+4. Die so wichtigen Pulverkammern.
+
+5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa daß sie auf
+dem Schiff wäre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern
+davon daß sie für ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes
+Schiff die Ausrüstungsgegenstände, Geräte, Möbel, Decken, Matten,
+Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines
+(Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten
+und putzen läßt.
+
+In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprüngliche engere
+Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch
+camara, mittelhochdeutsch kamera, nämlich Gewölbe, gewölbter Raum,
+sondern der spätere, weitere von Raum überhaupt.
+
+Neuerdings kommt, bei dem mächtigen Aufschwung der Photographie, außer
+der camera auch noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme.
+
+In Ostfriesland heißt Kammer zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur
+Schlafstube. Dagegen wird in Groningen Kammer für Haus gebraucht in der
+Verbindung Armenkammer, und man sagt daher wohl, wenn einer da hinein
+gesteckt worden ist, er sei »Kammerherr« geworden.
+
+
+*Kanal*, der,
+
+ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemüter beschäftigt und die
+Menschen bewegt, weil der überhandnehmende Eisenbahnverkehr gebieterisch
+Kanäle fordert.
+
+Das Sprachliche ist unter »Kahn« zu ersehen. Wie eine
+naiv-gottesfürchtige Zeit über die physische Möglichkeit und sittliche
+Berechtigung solcher »Störung der Natur« dachte, geht aus einer Stelle
+im »Durchläuchtigsten Seehelden« hervor, wo von der Entdeckung der
+Magellanstraße die Rede ist; »... hatten die Spanier mit den Portugiesen
+wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit unter einander gehabt,
+immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit einen Durch-Zug nach den
+Osten durch einen oder andern Weg zu finden gesuchet, weil aber das
+Glück diesem Vorhaben nicht fügen wollen, hat man bereits (d. h. nicht
+1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520 vor dem Antritt von
+Magellans Reise) den Gedanken gehabt, den Isthmum oder die Landenge von
+Darien, wo sie am schmälesten, zu durchgraben, daß, wenn also Norden mit
+dem Süden vereinigt würde, die Wahren und Kauffmannschafften desto
+leichter aus der einen in die andere See zu bringen wären. Weil aber
+ihrer viel über dieser Sache die Meinung hatten, daß man die den Wellen
+der See gesetzte Dämme und Gräntzen, welche die Natur selber gesetzet,
+nicht leichtsinniger Weise wegnehmen sollte, indem nicht sonder
+Bedenken, daß wenn die zwo Seeen in eines zusammengebracht würden, und
+die Norder-Wasser sich erheben sollten, das gantze Land möchte unter
+Wasser gesetzet werden. Daß eben um dieser Ursache willen vormals der
+König in Egypten Sosestris und zu unser Zeit der Türkische Kayser
+Soliman bewogen, die Durchgrabung der Cathabatnischen Land-Enge nicht
+vorzunehmen; andere konnten auch nicht begreiffen, daß alle harte und
+schwere Steinfelsen, welche die Natur der See gleichsam zu einen Zaum
+gegeben, solten können durchboret und viel weniger Weg genommen werden,
+haltend es für eine Thorheit und Leichtfertigkeit, dasjenige
+abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder aufzurichten, was durch die
+höchste Weisheit so vorsichtig und füglich verordnet worden, und hielten
+darfür, daß man die Strafe von Gottes mißfälliger Hand darüber mit Recht
+zu fürchten hätte, also, daß wegen dieser und andern Ursachen und
+Absehen beschlossen ward, keine Veränderung in der Gestalt der Natur zu
+machen.«
+
+
+*Kanthaken*, s. kentern.
+
+
+*Kaper*, der,
+
+ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde Schiffe
+wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In früheren Zeiten nahmen die
+kriegführenden Parteien Privatkapitäne mit ihren Schiffen als Kaper an
+und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer
+einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der
+wurde als kriegführend angesehen, wer nicht, als Seeräuber. Aber nicht
+immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch
+Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als
+Seeräuber. »Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den
+gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen
+apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve« (1539).
+Als Königin Margaretha von Norwegen und Dänemark gegen Albrecht von
+Mecklenburg als König von Schweden Krieg führte und nach der Schlacht
+bei Falköping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser Stadt eine
+furchtbare Hungersnot. Da erließen die Städte Rostock und Wismar eine
+Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen Kaperbriefen
+ausgerüstet die Küsten Dänemarks und Norwegens zu plündern, zugleich
+aber auch das bedrängte Stockholm mit Viktualien zu versehen. So strömte
+eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages
+Viktualienbrüder nannten oder kurzweg Vitalienbrüder. Damit aber war ein
+Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen ließ,
+denn diese Brüder mit ihrem Losungsworte: »Gottes Freund und aller Welt
+Feind!« machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen
+über jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem
+Friedensschluß, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehört hatte,
+hörten sie mit ihrer Seeräuberei nicht auf, die sie besonders von der
+ostfriesischen Küste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben,
+ja bis nach Rußland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus
+Störtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften
+Führer. Leider haben sich die ostfriesischen Häuptlinge dazu hergegeben,
+ihnen Unterschlupf zu gewähren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu
+machen; ja es konnte da heißen: »gleiche Brüder, gleiche Kappen«, denn
+der Seeräuberei waren diese Häuptlinge auch ohne die Vitalienbrüder
+schon eifrig genug ergeben. Überhaupt waren die sittlichen Begriffe in
+diesem Stücke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das
+ganze 16. Jahrhundert über noch so verworren, daß alle Anlieger der
+Nordsee diesem »unerlaubten Nahrungszweig« huldigten. Außer den
+Ostfriesen werden besonders die Engländer und Norweger namhaft gemacht.
+Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz war den Hugenotten mit
+einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge
+durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu
+Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz
+Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den
+Landtransport, sondern wählte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La
+Rochelle fand man einen »Schiffsmann« aus Lübeck, welcher »sich zur
+Heimreise anschickte«, also Rückfracht suchte. Demselben mußte jedoch
+der Inhalt der an Bord gebrachten Kiste verheimlicht werden, weil nach
+dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff
+unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das
+Schiff südwärts an die spanische Küste und nachdem es endlich den
+Ärmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und
+hergeworfen und entging nur mit Not den Überfällen englischer und
+norwegischer Seeräuber. Endlich wird nach vielen Fährlichkeiten am 11.
+August 1571 der Hafen von Lübeck erreicht. (Heintz, Schloßkirche zu
+Meisenheim, S. 32. 33).
+
+Das Wort kommt vom lateinischen capio.
+
+
+*Kapitän*, der,
+
+ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der Oberste, »das
+Haupt«, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von demselben kommt
+auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien, kapitulieren,
+Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef, Kataster etc.
+Kapitän hieß mittellateinisch capitaneus, altfranzösisch chevetaine und
+chataine, daher das englische chieftain.
+
+Noch zu den Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der
+Kriegsschiffe der Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das
+Schiff, sondern derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich
+hatte. Dieser letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so,
+während jener Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die
+seemännischen Manöver und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte.
+Wandte man ja auch auf ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um
+Verwechslungen vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es
+gegenwärtig folgende Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2.
+Fregattenkapitän = Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese
+werden alle drei angeredet: »Herr Kapitän!« Aus Höflichkeit, ohne daß er
+einen Anspruch darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so
+genannt: 4. Der Kapitänleutnant = Hauptmann.
+
+Im Mittelalter war Kapitän gleichbedeutend mit Häuptling. »1355 is Edo
+Wimkenn van den Richteren der Rüstring, Oistring und Wangers, nomtlik
+van Hillert van Laurens, Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho
+Kniphusen, Junge Hedde tho Welens etc erwelet und angenhamen mit synen
+Nakomelinge tho ein Capitain und Hovet de lande und luide vorthostaen
+und tho regeren, wente de Richter weren des amptes moede und
+averdratich.« Das erste und älteste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes
+Kapitänleutnant finde ich in einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem
+Schlosse Lützburg an den nachmaligen Feldmarschall Dodo von Knyphausen
+geschrieben worden ist: »Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den
+abendt, alß man die pforten zuschließen wollen, einen anschlagh uff dieß
+Hauß gemachet, indem er etzliche mußquettier bewerter Handt geschickett,
+alß nun aber solches mißgelungen und der _captain leutenambt_ vom Heren
+Ryngrawen, so im Kruege gewesen, auß dem schatthause angerufen worden«
+... Auf einem Grabdenkmal in der Schloßkirche zu Meisenheim (Heintz S.
+106) lesen wir von einem Kapitän-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre
+alt im Jahre 1688 gestorben ist: »Gedachtnuß Herren Carl Ludwig
+Schmitmans Herren Johan Daniel Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und
+Inspectoris In Gott Ruhenden Lieben Sohnes Gewesenen Kapidain
+Lieutenants Unter Dem Löblichen Schweizer Regiment Von Salis« ... 1747
+erschien zu Regensburg ein Buch »Auxilia historica oder Historischer
+Behulff«, in dem werden »die Offizier und Personen in einem einzigen
+Schiff« folgendermaßen aufgeführt: 1. Capitain ist in einem Schiff der
+Höchste, so das ganze Kommando darüber, und sehr streng, führet. Er hat
+einen Lieutenant. 2. Commandeur hat in einem Schiff nur das Commando
+über die Soldaten. 3. Schiffprediger ist ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist
+über die Segel, und die ganze Equipage. Wird auf dem Mittelländischen
+Meer Patron genennet. 5. Steuermann, Pilote, ist, der das Schiff mit dem
+Steuer-Ruder nach dem Compaß lencket, wohin es soll. Er muß in
+Geometria, Astronomia, Geographia, der Karten u. s. w. wohl erfahren
+sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und beobachten mit dem Schiffer
+die Einrichtung der Segel, bestellen die Wachten auf den Masten und
+beratschlagen sich immer wegen der Seekarten, davon sie dem Capitain
+Rapport geben. 6. Bosseman, der die Ancker beobachtet. 7. Weiteres ist
+darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey Barbier: Ein Schiffszimmermann
+oder Baumeister: ein Haupt-Constabler, und andere zwölff. Esquiman oder
+Schiemann, hat Aufsicht über die Pompe, ist sonst Quartier-Meister. Ein
+Buddelier mit seinen Gehülffen: Ein Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit
+Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser: Segelmacher: Tischler: Schmied:
+Feuerwerker: Profos u. s. w. und Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind
+die gemeine Bediente und Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt
+selbst von nöthen, verrichten, mit tawen, anckern, seeglen, wachen.
+Seynd in drey Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt,
+darüber der Schiffer und die zwey Steuermänner commandiren. Insgemein
+ein verwegenes Volck: Und hat es theils vonnöthen, massen sie in
+höchsten Stürmen auf den Bäumen und Stricken wie die Mucken herum fahren
+müssen.«
+
+
+*kappen*
+
+heißt im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet schneiden, durchschneiden,
+durchhauen. Den Mast kappen bedeutet nicht sowohl diesen selbst
+durchhauen, sondern vielmehr die ihn haltenden Hofttaue der Wanten,
+damit er abbreche und über Bord gehe. Die Ankertaue wurden gekappt, wenn
+man keine Zeit zum Ankerlichten hatte. Niederländisch kappen, die Haare
+schneiden, Kapper: der Friseur, französisch couper. Von diesem kommt
+unser Fremdwort coupon und das Zeitwort coupieren; auch Coupé.
+
+Ein Kapaun ist ein Kaphan, ein »geschnittener« Hahn; stammt zwar vom
+lateinischen capo, griechisch kapon, aber diese haben mit kappen
+dieselbe Wurzel, sodaß Kaphan ausnahmsweise einmal eine auch sprachlich
+zutreffende Volksetymologie ist.
+
+
+*Kardeel*, ein,
+
+ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau zusammengeschlagen wird,
+also ähnlicher Bedeutung wie Ducht, nur daß das Kardeel stärker und in
+sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen zusammengedreht ist.
+Niederdeutsch kordeel und karteel, auch kordel, wird nicht nur für den
+einzelnen Strang eines Taues, sondern auch für dieses selbst gebraucht:
+»idt is ock ein iderer schipper schüldich, gode starke kordell unde
+windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des Kopmans goder mede in
+unde vth setten kann.« (Dän. Seerecht). (Nicht zu verwechseln mit einem
+anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet, ein Quartteil als Maß
+oder Gewichtsbezeichnung.) Französisch heißen cordage »toutes les cordes
+qui sont emploiées dans les agrés d'un vaisseau«. Dieser corde stammt
+aus dem italischen corda, vom lateinischen chorda, entlehnt aus dem
+griechischen chorde, Darm, Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit
+erinnert und an das altnordische garnir, Eingeweide, Gedärme, mit Garn
+zu einer Wurzel gehörig, so daß also Garn und Kardeel entfernte Vettern
+sind. In oberdeutschen Mundarten heißt das, was in der hochdeutschen
+Schriftsprache Bindfaden genannt wird, Kordel mit kurzem e.
+
+Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore und kor; man liebt daselbst das
+Einsilbige. Niederländisch koord, koorde.
+
+Zu bemerken ist, daß es auch Tauwerk gibt, das aus vier Kardeelen
+zusammengeschlagen ist, und daß also doch die Ableitung Quartdeel nicht
+ganz undenkbar ist. Dann wäre kardeel als Teil eines Taues, als
+Quartteil, ein ganz anderes Wort wie kardeel als Tau selbst. Doch
+spricht hiergegen die Seltenheit vierschäftigen Tauwerks und vor allen
+Dingen die Tatsache, daß die Teile *drei*schäftigen Tauwerks
+hauptsächlich und vor allen Dingen Kardeele heißen.
+
+
+*Kartusche*, die,
+
+ein zylinderförmiger Beutel mit dem zum Laden einer Kanone
+nötigen Pulver. Ehedem war der Beutel, wie heute noch bei den
+Jagdgewehrpatronen, eine Papierrolle. Daher ward vom lateinischen charta
+für Papier im Italienischen cartoccio gebildet, altfranzösisch cartoche,
+französisch cartouche, niederländisch kardoese.
+
+Auch in der Bedeutung Umrahmung kommt das Wort vor, in der Architektur
+ein Ornament bezeichnend.
+
+
+*Karake*, die,
+
+niederländisch kraak, dänisch, schwedisch karake, englisch carack,
+französisch caraque, italienisch, spanisch, portugiesisch caraca;
+altfranzösisch carraque, vom spätlateinischen carraca, carrica,
+Lastschiff, lateinisch carrus, die Karre; wahrscheinlich keltischen
+Ursprungs. Nach Roeding die größte Art der ehemals gebräuchlichen
+Schiffe. Sie hatten zuweilen 7 bis 8 Stockwerk, worunter auch noch eines
+auf der Back war. Sie konnten 2000 französische Tonnen tragen und
+führten 2000 Mann Besatzung. Schon im Jahre 1350 schlugen die Spanier
+gegen die Engländer auf Karaken. Nun längst veraltet.
+
+
+*Karavele*, die.
+
+So hießen die Schiffe der Spanier und Portugiesen, die im Zeitalter der
+Entdeckungen nach fernen Küsten fuhren. Kolumbus hatte bei der ersten
+Fahrt nach Amerika drei solcher Karavelen unter seinem Kommando. »A
+caravel was narrow at the poop, wide at the bow, and carried a double
+tower at its stern and a single one at its bows. It had four masts and a
+bowsprit, and the principal sails were lateen sails.« Spanisch und
+italienisch caravela, Diminutivum des lateinischen carabus, griechisch
+carabos, ein leichtes Schiff, ein Boot und eine Krabbe.
+
+
+*Kasemattschiff*, das.
+
+Der Kampf zwischen Geschütz und Panzer ist noch nicht beendet. Es werden
+fortwährend neue Versuche angestellt, wie er am zweckmäßigsten zu führen
+sei, ohne daß Größe und Schwere ins Ungemessene gehen. Einer derselben
+ist die Einführung von Kasemattschiffen, bei denen die mittschiffs
+gelegene Batterie besonders gepanzert und als Kasematte behandelt ist.
+Dieses Wort hat eine große Zahl von Erklärungen gefunden, aber es geht
+ihnen wie den Gründen, wenn einer daran zu viele beibringt, so will
+keiner recht einleuchten. Es soll aus dem griechischen chasma, Mehrzahl
+chasmata = Grube, Höhlung kommen; aus casa mata, niedriges Haus; aus
+casa matta, mattes, totes, verstecktes Haus; aus casa und matar =
+schlachten, töten, also zu deutsch Mordkeller; andere denken an das
+italienische mattone, also Backstein- (aus Backsteinen gewölbtes,
+geschütztes) Haus, was am sinngemäßesten erscheint.
+
+
+*Kasteel*, das,
+
+ein erhöhter (turmartiger) Aufbau auf Deck, vom italienischen castello,
+spanisch castillo = Turm. Ist der Aufbau vorn auf der Back so heißt er
+Voor-Kasteel; hinten auf der Schanze: Achter-Kasteel.
+
+
+*Katten*, den Anker,
+
+heißt ihn, nachdem er an der Kette durch das Spill so weit gelichtet
+ist, daß der Ring über dem Wasser erscheint, bis unter den Krahnbalken
+aufwinden. Dazu gebraucht man einen Block, den Katblock, mit dem
+Kathaken daran; und ein Gien, das Katgien mit dem Läufer daran, dem
+Katläufer. Kat heißt niederdeutsch Katze; wie auch Bock, Widder, Kranich
+haben herhalten müssen, so ist dieser Name zunächst dem Block gegeben
+worden, offenbar wegen des katzenkrallenartigen Zugreifens seines
+Hakens, das an der Katze mit der auf der Werft schwere Lasten gefaßt und
+gehoben werden, noch deutlicher zu sehen ist.
+
+In der mittelalterlichen Belagerungskunst war katte der Name eines auf
+Rädern stehenden Sturmwerkes, in einer Hansa-Urkunde von 1363 heißt es:
+»Duo instrumenta machinalia, unum dictum un driuende werk, aliud dictum
+een katte;« woher noch heute der Name Kattenstrasse; dürfte aber eine
+Abkürzung von Katapult sein.
+
+
+*Kausch*, die,
+
+eine eiserne Hülse, bez. ein Füllring eines Tau-Oehrs oder Segel-Oehrs,
+womit dieses zur Verstärkung ausgefüttert ist. Der äußere Umkreis dieses
+Ringes hat eine Rinne in die das ihn umfassende Tau paßt. Neuhochdeutsch
+Kausche und Kauße. Niederländisch kous, schwedisch kausa, dänisch kause,
+französisch cosse, Hülse, Schale, Schote. Der Grundbegriff scheint
+Schale zu sein. Wie nun bei uns Schale auch ein Trinkgefäß
+(Kaffe-Schale, Sektschale) bedeutet, so weist Hildebrand in Grimms
+Wörterbuch im Deutsch-Litauischen ein kausche nach, das Kanne, Krug,
+Trinkgefäß bedeutet und bis nach Asien hin zu verfolgen ist.
+
+
+*Kavielnagel*, der.
+
+Die hölzernen oder eisernen »Nägel«, (wenn man ein so stumpfes Ding
+einen Nagel nennen kann) an denen die verschiedenen laufenden Taue
+»belegt« werden, heißen Kavielnagel. Wohl kein Wort der Seemannssprache
+kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie dieses, das sich schon
+dadurch als Fremdwort verdächtig macht: Koveinnagel, Koveljennagel,
+Kovejennagel, Karvielnagel, Karveilnagel, Karveinnagel, Kobiliennagel,
+Koveiljennagel, Kaveinnagel, Koviennagel, ja nach Breusing sogar
+Koffernagel. Die Form Kavielnagel kommt dem Ursprung aus dem
+italienischen caviglia am nächsten, das Holznagel, Bolzen bedeutet.
+Nagel ist im Deutschen also nur für solche hinzugefügt, denen unbewußt
+ist, daß Kaviel allein schon Nagel bedeutet.
+
+
+*Keep*, die,
+
+ist die in einen Block eingeschnittene rings herumlaufende Vertiefung,
+in die der Stropp, der um den Block gelegt wird, paßt, der dadurch vor
+dem Abrutschen bewahrt wird. Der Bedeutung nach dasselbe Wort wie Kerb,
+Kerbe, ohne daß es, wie man denken könnte, sprachlich mit ihm verwandt
+wäre. Denn keep, kep, kepe, kap, käpe kommt von kappen, schneiden, wie
+es ja auch einen Schnitt, Einschnitt bedeutet. Niederländisch keep; keep
+houden heißt Kurs halten, Strich halten, da der Strich am Kompaß ja
+nicht bloß ein Strich, sondern ein Einschnitt ist.
+
+
+*Kennung*, die.
+
+Das Wort ist jetzt nur noch vereinzelt in der Bedeutung Landkennung im
+Gebrauch, worunter man alles das an Kennzeichen versteht, daraus man als
+erfahrener Seemann erkennen kann, an welcher Küste man sich befindet:
+Berge, Kirch- und andere Türme, Mühlen, Baken, Bäume, Häuser etc. etc.,
+also alles was man jetzt *Landmarke* zu nennen pflegt.
+
+Bei den mittelalterlichen Seefahrern war Kennung ein Maß, und zwar ein
+ziemlich großes, für Entfernungen. Breusing bemerkt in der nautischen
+Einleitung zum »Seebuch« von 1400: »Das Maß wird von der Entfernung
+genommen sein, in welcher man auf See bei klarer Luft die Küste, ein
+Schiff oder dgl. »erkennen« kann. Es ist das natürlich sehr relativ und
+hängt von der Schärfe des Auges ab.« Man hatte deshalb auch kleine, gute
+kleine, und große Kennungen; letztere betrug 18 Seemeilen, die
+Entfernung von Dover nach Dungeness.
+
+Es fragt sich ob in der unter dwars angeführten Stelle unter Kennung
+ein Maß oder eine gute Landmarke zu verstehen ist.
+
+Eine der hervorragendsten Landkennungen an der deutschen Nordseeküste
+war der von Graf Johann XVI. von Oldenburg auf Wangerooge erbaute Turm.
+Vor undenklichen Zeiten hatte zum Besten der Seefahrer auf dieser damals
+so viel größeren Insel ein Turm gestanden, der aber längst durch Krieg
+und Wassersnot zerstört war. Graf Anton I. von Oldenburg hatte sich zwar
+1566 bewogen gefunden, den Kirchturm zu Blexen, damit er als ein Pharus
+diene, vierundzwanzig Fuß höher mauern zu lassen. Allein er ersetzte
+nicht den Wangerooger Leuchtturm. Nun zeigte Graf Johann, daß das
+Fräulein Maria von Jever Jeverland und Wangerland keinem Unwürdigen
+vermacht hatte. Er selbst spricht darüber zu uns durch einen Bericht des
+Doktors Herrmann Neuwald: »In vergangenen 1597 und 1598 Jahre hat Graff
+Johan zu Oldenburg etc. etc. auch in der Insel Wangerrohe, so zu Jever
+gehörig, auff der Elterleute zu Bremen (welche vom allgemeinen Kauffmann
+dazu vermügt) einstendiges mundt- und schriftliches bitten und ansuchen
+(inmassen das Wolselige Frewlein Maria zu Jever, von den Bremern zu offt
+und vielmahlen auch darumb bittlich angelangt) an stat eines alten
+umbgefallenen Thurms, so vor vielen undenklichen Jahren durch Krieg und
+sonsten abbruch der saltzen See, zu nichte worden, wiederumb einen newen
+stattlichen viereckigen hohen Thurm, mit zwo spitzen, und grossen
+unkosten auffbawen lassen, darbei auch biß an noch gearbeitet wird. Und
+hat mit demselbigen weiter die Gelegenheit, daß die Breite des Thurms
+zeigt ins Süden und Norden, und die Lenge ins Osten und Westen, beyde
+Thurmspitzen kommen die eine ins Norden, die ander ins Süden zu stehen,
+also die aus dem Westen auff der See, des Eylands oder Thurmbs ansichtig
+werden, sehen zwischen beyden spitzen durch, so lange sie ins Norden
+vors Eylandt kommen, und so bald sie so weit umbsegeln, daß sie beide
+Spitzen gegen einander haben, so seind sie auff der Weser, und können
+als dann ohne große Gefahr Bremen ablangen. Imgleichen ist es auch mit
+denen, so aussen Westen auff Hamburg die Elbe einlauffen wollen, welche
+gleicher Gestalt jhr merckzeichen an dem Thurm haben, und nunmehr auf
+der Weser die Seetonnen nicht hochnötig, dann ohne das, das Wolseliges
+Frewlein Maria zu Jever, die Legung dieser Tonnen, als mehrernteils in
+Jeverscher Iurisdiction, den Bremern nicht allerding verstattet. So ist
+auch die Norderse bißweilen dermassen ungestüm, daß man für den grossen
+Wällen ernante Seetonnen nicht sehen kann, oder dieselben wol gar
+abgestossen werden, dadurch dann offtmahls die Seefahrende Leute grosser
+gefehrlichkeit, wegen hoher Sande, unterworffen, den jennigen aber, so
+aus Hispanien, Norwegen und anderen abgelegenen Königreichen, auch
+Hollandt und Seelandt kommen, dienet der Thurm dazu, weile das Eylandt
+Wangerohe, das neheste an der See, daß die Schiffer, wann sie den Thurm
+vernehmen, wissen, wo sie sein, und also nach jhrem gefallen, die
+Seehafen, dahin sie gedenken, einlauffen können, sonderlich ist hieran
+auch gelegen, allen Schiffleuten, welche die Harle, Jade, Weser aus- und
+einfahren, auch die Nordsee auf Bremen, und viele andere Örter, zu jhrem
+grossen nutz und vorteil gebrauchen wollen, daß also bemelter Thurm vor
+etzlich viel tausend Thaler, verstendiger erkenntniß nach, jährlichs
+nicht zu entrathen, hat also Wolbemelter Graff Johann, allen Schiff- und
+Kauffleuten zu gutem, und steter Gedechtnuß, wie obberürt, den Thurm
+wiederumb erbawen und aufführen lassen.«
+
+Das »Seebuch« von Manson, aus dem Schwedischen übersetzt von Hans
+Wittenburgk, Schiffer in Wißmar, Lübeck 1735, beschreibt in einer
+Segelanweisung den »Einlauf nach Riga«: »Wenn man aus der See kommt, und
+man bekommt Kennung von den Rigischen Thürmen, welcher drey seyn, zwene
+gleicher Höhe, und der dritte etwas niedriger, so soll man so lauffen,
+daß man den niedrigen zwischen beiden hohen habe« ... Waghenaer, 1588,
+schreibt in seinem »Spiegel«: »Omme perfectelyk tot de conste ende
+wetenschappe der Zeevaert te gheraken is de principaelste middele, dat
+soo wanneer een Stuermann oft Bootsghesel, ut eenighe Landen, Riuiren
+oft Hauenen, zeylen wil, sal wel scherpelyk moeten letten, wat ghebome,
+Sloten, Toornen, Kercken, bekende Berghen, Duynen, Molens oft andere
+mercken daer op staen. Ende alle t' selfde alst nu een kenninghe van v
+begint te legghen, mette penne ontwerpen oft contrefaicten, ende dit op
+sekere ende ghewisse streken van den Compasse« ...
+
+
+*Kentern.*
+
+1. Einen Balken mit der Hand oder mit einem sogenannten Kanthaken so
+bewegen, daß er sich um seine Kante dreht und auf die andere Seite zu
+liegen kommt. Wenn das mehrere Male geschieht, so bewegt sich dadurch
+der Balken von seiner Stelle und man kann in dieser Hinsicht das Kentern
+als eine Art von Fortbewegungsmittel ansehen. Was den Kanthaken
+betrifft, so gebraucht der Seemann das Wort auch in übertragener
+Bedeutung; »jemanden am Kanthaken kriegen« heißt ihn gehörig fassen und
+vornehmen.
+
+2. Ein Schiff oder ein Boot kentert, wenn es sich unter allzugroßem
+Druck auf die Segel oder sonstigem Zusammentreffen widriger Umstände so
+auf die Seite legt, daß es seinen Schwerpunkt verliert und »über Kante«
+geht, so daß die Seite die bisher oben war und immer oben sein soll nach
+unten zu liegen kommt; das Wort müßte eigentlich käntern heißen.
+
+3. Der Strom kentert wenn Ebbestrom gewesen ist und nun Flutstrom
+einsetzt, der Strom also von der andern Seite oder Kante kommt.
+
+4. Der Anker kentert, indem er sich auf die Seite legt. Kante ist
+überhaupt ein in seemännischem Munde häufig gehörtes Wort, wo das
+Hochdeutsche Seite sagen würde, daher die berühmte Zusammensetzung
+waterkant für Küste, Seeseite.
+
+
+*Kerkedortje*, das, s. Schlappgording.
+
+
+*Kessel*, der.
+
+Das lateinische catinus = Holzschüssel hat sich infolge der großartigen
+Siege der Dampfkraft zu einem gewaltigen Dampferzeugungsapparat
+ausgewachsen. Es ist hier nicht der Ort ein Mehreres darüber zu sagen,
+als daß die verschiedenen Systeme von Kesselanlagen teils nach ihrer
+Gestaltung, teils nach ihren Erfindern und Verfertigern benannt werden:
+Kofferkessel, Zylinderkessel, Lokomotivkessel, Wasserrohrkessel;
+Belleville-, Niclausse-, Dürr-, Thornycroft-, Jarrow-, Normand- und
+Richard Schulz-Kessel.
+
+
+*Kette*, die,
+
+vom lateinischen catena, hat auf größeren Schiffen als Ankerkette das
+früher übliche Ankertau vollständig verdrängt. Sprachlich ist nur die
+Wendung »Kette stecken« zu erwähnen, weil sie in übertragener Bedeutung
+gebraucht wird. Es heißt eigentlich: »mehr Kette zu den Klüsen
+hinausstecken«, was stets zu geschehen hat wenn ein Sturm aufzukommen
+droht. Das Bild der aus der Klüse herauskommenden Kette schwebt dem
+Seemann vor, wenn er für das, was man sonst nennt »den heiligen Ulrich
+anrufen« oder »Kotzebues Werke herausgeben«, sagt: »Kette stecken«.
+Schon diese scherzhafte Bezeichnung beweist, daß Jan Maat mit seekranken
+Leuten nicht allzuviel Mitleiden hat.
+
+
+*Kettenschiffahrt*, die,
+
+ist eine Flußschiffahrt bei der der betreffende Dampfer sich selbst an
+einer Kette entlang schleppt, die in den Fluß versenkt ist. Die Kette
+geht vorn auf das Dampfschiff hinauf und, auf Rollen laufend, hinten
+wieder herunter. Eine Gesellschaft, die auf der Elbe von Magdeburg nach
+Hamburg dergleichen Schiffahrt betreibt, heißt »die Kette«.
+
+
+*Kieker*, der.
+
+1. Der Mann auf dem Ausguck, hochdeutsch schlechtweg »der Ausguck«
+genannt (und zwar mit etwas größerem Recht als der Soldat auf Posten die
+Schildwache heißt).
+
+2. Ein Fernrohr, jedes Fernrohr, besonders aber das lange für *ein*
+Auge.
+
+Kiken heißt gucken, kucken, sehen, schauen. Wahrscheinlich gehören
+kiken, sehen und kiken, stechen zu einer Wurzel, wie man auch von einem
+stechenden Blick und von einem Krimstecher spricht.
+
+
+*Kiel*, der.
+
+Die Erklärung dieses wichtigen Seemannswortes wird dadurch recht
+erschwert daß es im Mittelhochdeutschen zwei einander gleich lautende
+und doch Verschiedenes bedeutende Wörter Kiel und Kil gibt, von denen
+ersteres Seeschiff, letzteres Kiel in dem uns geläufigen Sinne heißt.
+Doch auch das möchte noch angehen. Aber da wir gewöhnt sind Kiel als
+Schiffsteil auch fürs ganze Schiff zu nehmen, so stehen wir in doppelter
+Gefahr Kil mit Kiel in eins zu verschmelzen. Zunächst ist jedenfalls
+festzuhalten
+
+1. daß es ein althochdeutsches Wort kiol gibt das Schiff bedeutet,
+mittelhochdeutsch kiel, altnordisch kioll (kjöll), angelsächsisch ceól,
+welches nachher im Altenglischen noch für »Schiff« gebraucht wurde, wie
+eine Urkunde des Königs Aethelred (978-1016), (gedruckt bei Höhlbaum,
+Hans. Urkundenbuch) beweist, wo es heißt: »si adveniat ceol vel hulcus
+(s. Hulk) et ibi jaceat 4 denarii ad telonum.« Das ist das alte
+Seeschiff, in dem die Angeln und Sachsen über Meer gingen.
+
+2. daß es auch ein altnordisch kiolr gibt, das Kiel bedeutet, alt- und
+mittelhochdeutsch kil, Federkiel und Schiffskiel, an den sich die
+Spanten als Rippen ansetzen, wie die einzelnen Rippen an den Federkiel.
+
+So sehr nun diese beiden Wörter auseinander zu halten sind, weil sie
+nun einmal grammatikalisch auseinander gehen, so stehe ich doch nicht
+an, zu glauben, daß beide ursprünglich doch aus einer und derselben
+Wurzel entsprossen sind, als welche Fick ku oder gu, schwellen annimmt.
+Diese Meinung wird dadurch bestärkt, daß unser Seemann anstatt
+Kielschwein Kolswin sagt, was doch von König Aethelreds Zeiten her ihm,
+dem äußerst zäh am Alten hangenden, könnte hängen geblieben sein.
+
+Urverwandt mit gaulos schiff, eigentlich Eimer, also etwas rundlich
+Anschwellendes. Es kann nicht auffallen, daß die Germanen und die
+Griechen ein seemännisches Wort urgemeinschaftlich haben, da sie doch
+stammverwandt und in uralten Zeiten mit einander über den Kaukasus
+gewandert sind. Indessen ist es nicht einmal unbedingt nötig
+Urverwandschaft zwischen gaulos und kiol anzunehmen, da ja Bischof
+Ulfilas, der Übersetzer der Bibel ins Gothische und damit Schöpfer der
+gothischen Schriftsprache, in Konstantinopel ausgebildet worden war und
+dort unzweifelhaft Gelegenheit genug hatte, seemännische Wörter kennen
+zu lernen und sie aus dem Griechischen in gothische Form zu übertragen,
+von wo aus sie dann ins Althochdeutsche übergingen. (Bei den vielen
+engen Berührungen der alten Deutschen mit den Römern kann natürlich eine
+unmittelbare Herübernahme lateinischer Seemannswörter ins Deutsche noch
+weniger befremden, zumal mit neuen, verbesserten Werkzeugen sich
+überhaupt leicht der neue Name aus der Fremde einbürgert).
+
+
+*Kielholen.*
+
+1. Ein Schiff, es geht natürlich nur bei kleineren, am Gestade oder Ufer
+so auf die Seite legen, daß man an den Stellen, die sonst unter Wasser
+sind, arbeiten kann; also eigentlich den Kiel trocken holen. Auch in
+übertragener Bedeutung »das Unterste zu oberst kehren«; wenn eine Frau
+»Rein Schiff«, d. h. große Frühjahrsreinigung des Hauses vorhat, so sagt
+wohl der dadurch erschreckte Mann in Holland: »zy zal beginnen te
+kielhalen« (Lüpkes, Seemannssprüche).
+
+2. Ein früher gebräuchliches sehr empfindliches Verfahren, das teils bei
+der Linientaufe als grausamer Scherz, teils von Rechts wegen als
+bitterer Ernst geübt wurde, darin bestehend, daß einer an einem Tau von
+der Nock der einen Seite der Großrahe unter dem Kiel durch zur Nock der
+andern Seite der Großrahe geholt wurde. Wenn man in Deutschland und
+Holland auch nicht, wie anfänglich bei großen Seeunternehmungen in
+England, die Gefängnisse entleerte um die Schiffe zu bemannen, so waren
+die Männer, die in früheren Zeiten ihren Handel in großen Wassern
+trieben, doch nicht grade die allersanftesten Brüder und mußten in
+strenger Zucht gehalten werden. Aubin beschreibt das Kielholen so:
+»C'est une sorte de punition qu'on pratique parmi les Hollandais, en
+cette maniére. On mène le coupable au bord du vaisseau, et on y atache
+une corde, au milieu de laquelle il est lié par le milieu du corps;
+ou-bien, on amène la vergue sur le vibord, et aïant mis le coupable sur
+le bout, on y atache la corde. Autour de son corps on met quelque chose
+de pesant, ou-bien l'atache à ses piés. La corde est aussi longue qu'il
+faut pour passer sous la quille du vaisseau. Un des bouts en est tenu de
+l'autre coté, par quelques-uns des plus forts matelos de l'équipage; et
+l'autre bout est celui qui est ataché au vibord, ou à la vergue. Le
+coupable, à lordre qu'en donne le Quartier-maitre, étant jetté à la mer,
+ceux qui tiennent la corde à l'autre bord du vaisseau, la tirent le plus
+vite qu'ils peuvent, de sorte qu'il passe avec une grande rapidité, dans
+l'eau, sous la quille. On recommence même quelquefois, et on le jette
+autant de fois que la Sentance le porte. Ce châtiment est rude et
+dangereux, car le moindre defaut de diligence ou d'adresse, de la part
+de ceux qui tirent la corde, ou quelque autre petit accident, peut être
+cause, que celui qu'on tire, se rompe ou bras, ou jambes, et même le
+cou, ou quelque autre parti du corps; si-bien qu'on le met au rang des
+peines capitales.«
+
+Der »Artykelbrief« der Generalstaaten, das Reglement der Marine der
+Niederlande, die Grundlage der Disziplin an Bord, hält strenge auf
+Zucht, Ordnung und Gottesfurcht. Es mögen hier einige Bestimmungen in
+Aubin's Übersetzung Raum finden. I. L'Amiral, le vice-amiral, le
+Capitaine, Lieutenant, ou tout autre qui commandera un vaisseau, prendra
+soin qu'on fasse tous les matins et tous les soirs la priére sur son
+bord, ou tout le mionde se tiendra prêt pour y assister, sur peine, en
+cas de défaut, de quatre sous d'amende pour la premiére fois; du duble
+pour la seconde fois; et d'être huit jours aux fers, au pain et à l'eau,
+pour la troisiême fois. II. Ceux qui ne se comporteront pas comme il
+faut, pendant qu'on lira la Parole de Dieu, ou qu'on fera la priére; qui
+riront, qui feront du bruit, et qui, de quelque maniére que ce soit, ne
+se tiendront pas dans un êtat modeste, seront conduits devant le mât, y
+recevront des coups de corde de tour de tout leur Quart, et paieront six
+sous d'amende au profit du Prévôt. III. Quiconque prendra le nom de Dieu
+en vain, ou jurera, sera aussi mené devant le mât, et battu de coups de
+corde par son Quart, et paiera deux sous d'amende, aplicable aux
+pauvres, et six sous au Prévôt. XXIX. Ceux qui demeureront endormis
+lors-que le siflet se fait entendre, et lors-qu'il faut venir faire le
+quart, seront punis pour la premiére fois arbitrairement, par l'ordre du
+Capitaine, et de l'avis des Oficiers; pour la seconde fois ils seront
+battus de bouts de corde par tout l'équipage; et la troisiéme fois ils
+auront *la cale par-desous la quille*.«
+
+
+*Kiellinie*, die.
+
+Wenn das Signal: »Im Kielwasser des Admirals folgen!« befolgt wird, dann
+segeln, oder vielmehr dampfen die Schiffe eines Geschwaders in
+Kiellinie, eines hinter dem andern, in genau abgemachten und inne zu
+haltenden gleichen Abständen, so daß also die Verlängerung der Linie des
+Kiels aller Schiffe in *einer* graden Linie verläuft.
+
+
+*Kielwasser*, das,
+
+der Streifen schäumend bewegten Wassers, den das Schiff bei seiner Fahrt
+hinter sich läßt. Der Winkel, den die Linie des Kielwassers mit der
+Richtung des Kiels macht, zeigt die Größe der Abtrift an. Doch wird
+Kielwasser wohl auch gleichbedeutend mit Kurs genommen, was z. B.
+geschieht, wenn der Befehl an die Schiffe eines Geschwaders ergeht, daß
+sie im Kielwasser des Admirals folgen sollen.
+
+
+*Kielschwein*, das.
+
+Verstärkung des Kiels. Mit Schwein hat das Wort aber nichts zu tun. Das
+hat Reinhold Werner »Schule des Seewesens« sehr wohl erkannt und sagt
+darum durchgängig anstatt Kielschwein Kielschweif. Das ist aber nur ein
+Verlegenheitsgriff und bringt uns nicht weiter. Wir müssen einen andern
+Weg der Erklärung einschlagen. Der niederdeutsche Seemann sagt Kielswin
+(eigentlich Kolswin s. Kiel). Swin heißt nun freilich auch Schwein, aber
+das Swin in Kielswin ist eben ein ganz anderes Ding als das Borstentier,
+das seinen Namen von der Diminutivform oder vielmehr Femininumform von
+Sau hat. Unser -swin hat von der Verstärkung den Namen. Das
+mittelniederdeutsche Wort swin hieß stark. Es ist zwar dasselbe wie das
+Hochdeutsche geschwind, früher mundartlich und auch jetzt noch manchmal
+ohne die Vorsilbe einfach schwind, aber es hieß anfänglich weiter
+nichts als groß, heftig, stark. »Do bouweden se en slot, unde is ein
+swinde vast hus.« (Lübecker Chronik.) »Dar weren sulen van glaze, de
+weren swynde grot« (Lübecker Passional.) Der Wechsel oder vielmehr die
+Erweiterung liegt nahe. Von swind in der Bedeutung stark kann man leicht
+zu geswind in der Bedeutung schnell kommen, man braucht nur an einen
+starken, kühnen, kräftigen, unternehmenden Menschen zu denken, der wird
+allemal auch ein schneller Mensch sein. Schon zu Anfang des 17.
+Jahrhunderts hatte sich diese Erweiterung bereits vollzogen und im
+Seegebrauch festgesetzt, wie wir aus dem niederdeutschen Fastnachtsspiel
+»Scriba«, das 1616 in Hamburg aufgeführt ward, erfahren. Da will eine
+Bäuerin ihren Sohn gern Latein lernen lassen und sagt zu dem Schreiber:
+»Herr Schryver, he haft suss en schwinden vorstand, he schol dat Lackyn
+wol grypen mit der hand.« Ja schon 1498 ist sie nachzuweisen. In diesem
+Jahre erschien die erste Ausgabe des Reineke de vos in niederdeutscher
+Sprache. Da heißt es: »Reinke log ser und swinde. Brun folgede en na
+alse ein blinde.«
+
+
+*Kill*, die,
+
+auch Kille, die, ist, ähnlich wie Priel, eine natürliche Wasserrinne,
+ein natürlicher Wasserlauf, namentlich auf dem Watt; niederländisch kil;
+altnordisch, isländisch kyll; nordfriesisch kiel = Brunnen, Quelle. Mit
+diesem letzteren Worte ist es eins, wie denn das Stammverbum zu Quelle
+auch ein i anstatt des e hat; gothisch qillan.
+
+
+*Kikebuse*, die,
+
+ein kleines, über Reifen gespanntes, tonnenförmiges Netz, worin das sich
+allmählich verengende und spitz zulaufende Ende des Stellnetzes oder der
+Fuke hineingesteckt wird, damit sich die in dem Stellnetze gefangenen
+Fische darin sammeln. Verbindung von kike = Gefäß (Feuerkike) und bus =
+Stall, Viehstall.
+
+Am Dollart werden diese Kikebuse noch jetzt aus Weiden geflochten und
+für sich allein zum Fangen von Aal und Granat gebraucht.
+
+
+*killen.*
+
+Die Segel killen, wenn sie hin- und herschlagen oder wappern, weil der
+Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen plötzlicher
+Richtungsveränderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern
+grade aus der Richtung in der die Rahe gebraßt ist; killen = schwappern,
+flattern, hin- und herschlagen, und zwar kurz und kräftig, nicht lahm
+und langsam wie wenn überhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es dasselbe
+Wort wie niederländisch killen, englisch kill = töten, d. h. schlaff
+machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quellan, chellen,
+chelen, mittelhochdeutsch quellen, quälen, töten, altenglisch quell,
+sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich vermindern,
+nachlassen, was der Bedeutung wegen beachtenswert ist, weil die Fahrt
+des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachläßt. Neuenglisch
+chill, das Zittern und Beben der Hände vor Frost in oberdeutschen
+Mundarten kellen oder gellen, »o Mutter die Hände gellen mir so!« sagt
+ein Kind, wenn die Hände so kalt sind, daß die Fingerspitzen sich
+anfühlen als bohre ein Wurm darin.
+
+So wenig das Killen eines ganzen Segels gewünscht wird, so ist es doch
+das Kennzeichen eines guten Rudergasten, daß er, wenn er hoch beim Winde
+steuern soll, so nahe an den Wind geht, daß wohl die Luvschot der
+Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der
+Beweis, daß er nicht höher steuern kann, aber auch nicht voller steuern
+will.
+
+
+*Kimm*, die, auch Kimmung, die.
+
+1. Der Horizont, der äußerste Gesichtskreis auf freiem Felde, besonders
+auf See; der äußerste Rand, da wo Erde und Himmel, besonders wo Meer und
+Himmel sich zu berühren scheinen, sich scheinbar mit einander verbinden.
+Mittelniederdeutsch kimme, niederländisch kim, englisch chimb, chime =
+Zarge, Rand einer Türe oder eines Tisches. Es liegt ein Thema zu Grunde
+mit der Bedeutung Zusammenfügung, Verbindung, Fuge, Verbindungsstelle.
+Im Angelsächsischen heißt cimbing commissura, Naht, wo zwei Dinge
+zusammentreffen. Niederdeutsch der äußerste Rand eines Dinges, nach dem
+Bremer Wörterbuch die über den Boden hinausspringenden Enden der
+Faßdauben.
+
+Da die Stelle, wo Himmel und Erde sich verbinden, das äußerste Ende der
+Erde darstellt, so konnte sich, wie Doornkaat bemerkt, von selbst die
+Bedeutung des Äußersten oder Entferntesten in Bezug auf ein Land und
+seine Bewohner entwickeln, und demgemäß der Volksname der Kimbern und
+der Landsname Kimmerien oder Kimbrien.
+
+2. Im Schiffbau derjenige Teil der Außenbordwand wo die größte Krümmung
+ist, wo der Boden in die Seite übergeht, wo also eine Verbindung des
+Bodens mit der Seite stattfindet, wie die Erde sich mit dem Himmel
+verbindet.
+
+Wenn ein Schiff bei einer Strandung auf die Seite fällt, so kommt es
+nach dem Gesetz der Schwere auf diese Kimmung zu liegen; etliche Planken
+ober- und unterhalb dieser Stelle heißen Kimmplanken, und die Weger
+oder Wäger (s. Wägerung) heißen Kimmwäger.
+
+
+*Kinbacksblock*, der.
+
+Jeder Block der eine Scheibe hat, hat auch eine gewisse Ähnlichkeit mit
+einer Kinbacke, oder vielmehr mit zweien, da die beiden Backen zu den
+Seiten der Scheiben sich damit sehr wohl vergleichen lassen.
+Kinbacksblock heißt einer aber besonders, weil er neben den Kinbacken
+auch gleichsam noch einen Mund hat, nämlich einen Ausschnitt, durch den
+man das Tau über die Scheibe legen kann ohne erst das Ende einstecken
+und ganz durchholen zu müssen, was oft gar nicht angängig wäre, weil
+beide Enden mit irgend einem umfangreichen Gegenstande verbunden sind
+und nicht von ihm gelöst werden können.
+
+
+*Kinke*, eine,
+
+ist eine Windung, eine Falte, ein Auge, eine Drehung in einem Tau, die
+sich leicht bildet, wenn es neu und zu hart gedreht ist; eine sehr
+gefährliche Sache, wenn das Tau durch einen Block laufen soll; es ist
+dann »unklar« und muß schleunigst klariert werden. Auch nennt man wohl
+die Biegungen eines aufgeschossenen Taues Kinken und warnt bei schnellem
+Ablaufen derselben: »Die Beine aus den Kinken bergen!« damit die Gewalt
+des abrollenden Taues sie nicht breche. »Sich aus den Kinken bergen«
+heißt auch allgemein in übertragenem Sinne sich vor irgend einer Gefahr
+in Sicherheit bringen. Die Benennung ist von kinke, einem
+niederdeutschen Worte für »gewundene Schnecke«, entnommen, das von
+conchile kommt; kinken niederländisch krumm liegen, verwirren; auch
+niederdeutsch verwickelt; das Bremer Wörterbuch sagt: »Auch die
+Schneider brauchen dies Wort, wenn der Faden im Nähen sich selbst
+verwickelt und einen Knoten macht.« Auf Wangerooge kink.
+
+
+*Klabautermann*, der,
+
+kommt von dem mittelhochdeutschen Kobold (und Mann, Koboldermann),
+lächerliche aus Holz oder Wachs gebildete Figur eines neckischen
+Hausgeistes (ursprünglich Götzenbild, Bildnis eines Hausgeistes, das
+über dem Herde angebracht wurde. Nachher in der christlichen Zeit wurden
+dergleichen Bilder nur noch zum Scherz oder zur Zierde auf den Kaminsims
+gestellt, aber ursprünglich hatten sie tiefere, religiöse Bedeutung,
+Simrock, Mythologie S. 450, 6. Aufl. Bonn 1887). Griechisch Kobalos,
+verschnittener Possenreißer, mittelniederländisch coubout,
+neuniederländisch Kabout, flämisch Kabot, Kabotermanneken. In dem immer
+mehr verschwindenden Aberglauben der Seeleute ein guter Schiffsgeist,
+der unten und oben, im Schiff und in der Takelage sein munteres Wesen
+treibt.
+
+
+*klabastern*,
+
+eigentlich klabautern, wie man auf Wangeroog sagt, (»dat is 'n ewig
+klabautern«, wenn lange gekreuzt werden muß). Es heißt schlagen,
+purzeln, polternd laufen, neckend jemand nachlaufen, sich dabei
+überstürzen (»Kobold schießen«) wie ein Kobold. Da dieses Wort zum
+Scherz herausfordert, so ist klabastern offenbar auch eine scherzhaft
+gebildete Form für klabautern. Um das Holländische als einen ans
+Lächerliche grenzenden deutschen Dialekt darzustellen behaupten
+Unkundige immer wieder, es heiße »und seine Jünger folgten ihm nach« in
+der holländischen Bibel »en sijne jongelingen klabasterten achter hem
+naa«; das ist eine böswillige Herabsetzung der kräftigen, klangvollen,
+für die öffentliche Rede wie für die zarte Lyrik gleich geeigneten
+holländischen Sprache, in der es kein Zeitwort klabastern gibt und in
+der die Jünger Jesu discipelen genannt werden. Wohl gibt es ein Zeitwort
+klauteren = klimmen, klettern, aber das könnte auch von klaauw = Klaue
+kommen, käme es aber auch von Klabautermann, so hat es dennoch nichts
+Lächerliches an sich.
+
+
+*Klafter*, das, vergl. Faden,
+
+kommt auch männlich, ja nach Kluge, sogar in allen drei Geschlechtern
+vor. Althochdeutsch klaftra. Die romanischen Wörter für Klafter braza,
+brasse sind bedeutungsverwandt, denn es ist das Maß der ausgespannten
+Arme; seemännisch nur Längenmaß von verschiedener Ausdehnung, (wie Fuß
+auch). Sonst auch als Kubikmaß gebraucht, »ein Klafter Holz«,
+ursprünglich so viel man mit den Armen umklaftern kann. Der Teuthonista
+sagt: clafter, clater, later, vadem, dat is eyns menschen lenghd, weil
+angenommen wird, daß ein Mensch so groß ist wie die Entfernung von
+Fingerspitze zu Fingerspitze bei ausgebreiteten Armen.
+
+Apostelgeschichte 27, 28 in der Uebersetzung Luthers: »Und sie senkten
+den Bleiwurf ein und fanden zwanzig Klafter tief«; das griechische Wort
+heißt orgyia und kommt von orego, ich strecke aus; es ist also hier der
+Raum zwischen den ausgestreckten Armen gemeint.
+
+
+*klameien*, s. kalfatern.
+
+
+*Klampe*, die
+
+1. die einfachsten Klampen sind weiter nichts als Stücke Holz, Klötze
+oder Kloben, dazu dienend, einer anderen Sache Festigkeit zu verleihen,
+z. B. Klampen der Mastspuren, Klampen auf denen die Wasserfässer fest
+liegen, Bugspriet-Wuhlings-Klampen, Treppenklampen an der Außenbordwand
+(Fallreepstreppe) für die Füße zum Treten und für die Hände zum
+Festhalten, Betingsklampen, Nockklampen u. s. w.
+
+2. Eine Vorrichtung zum Belegen, d. h. Festmachen des Endes eines Taues;
+hierbei hat das unter 1. erwähnte Stück Holz ungefähr die Gestalt eines
+Ambosses bekommen, dessen Mitte an der Bordwand befestigt ist, dessen
+beide Seitenarme aber frei stehen, so daß man das betreffende Tau
+mehrmals um sie schlagen und zuletzt mit einem Kopfschlag befestigen
+kann; diese heißen Belegklampen.
+
+3. Verholklampen haben lediglich den Zweck beim Holen oder Verholen dem
+Tau als Führung zu dienen.
+
+Niederdeutsch klump oder klampe bedeutet etwas womit man einem andern
+Dinge Haft, Halt, Festigkeit, Verbindung, Zusammenhalt gibt, Querholz,
+Kloben, Klotz, Querriegel, auch einen Steg über einen Graben.
+Niederländisch klamp = Klammer, Zapfen, Band; englisch clamp, Balken,
+Latte, Leiste, Stück Holz zur Verstärkung und Befestigung; norwegisch
+und schwedisch klamp, Klotz, Baumstumpf, Holzkloben. Es stecken also
+zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen. Beide liegen auch
+schon in dem Zeitwort klimpan, von dem Klampe abstammt und dessen
+Grundbedeutung nicht nur spalten (Klumpen also = gespaltenes Stück Holz)
+sondern auch klammern = anhangen, verbinden, haften ist; sie kommen
+beide in Klampe zusammen: »Stück Holz zum Befestigen.«
+
+
+*klar.*
+
+Dieses vielgebrauchte Seemannswort ist und bleibt in allen seinen
+Verwendungen immer das lateinische clarus = *rein*. Ob es nun klar,
+hell, deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklärt, gahr,
+fertig, bereit bedeutet, immer ist der Begriff rein das
+Ausschlaggebende. Sogar wenn das Kommando »Klar Schiff zum Gefecht!«
+kommt, ist die Bedeutung zunächst nur: rein das Schiff von allem was im
+Gefecht hinderlich sein könnte, fort mit allem was im Wege ist (und
+dann: her mit allem was zur Schlacht gebraucht wird, was man haben muß
+um zum Kampfe bereit zu sein). So sehr also »Rein Schiff« und »Klar
+Schiff« begrifflich von einander verschieden sind, sprachlich stehen
+sich die beiden Kommandos sehr nahe, nur daß bei »Rein Schiff« der
+Schmutz, bei »Klar Schiff« was sonst im Wege ist, entfernt wird.
+
+Mittelniederdeutsch: klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schön. Ein
+Hansareceß von 1386 spricht von einem »klare vorste unde dorluchtige
+here;« auch von einer claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen
+juncvrouwen ist in jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das
+Wort seemännisch gebraucht für »in guter Ordnung sein«: »und haelden
+beyde schepe tho hope und hadden unse dynck klaer« (zum Gefecht); »als
+wy nu menden, dat wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk
+under der luken was.«
+
+»Wache klar zum Manöver!« »Alle Mann auf, klar zum Manöver!« »Klar zum
+Wenden!« etc. etc. »Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der
+Schot« ... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bereit zu
+halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was
+dabei zunächst zu geschehen hat. »Klar machen zur Musterung!« bedeutet
+noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu
+machen. »Klar machen zur Kirche!« heißt den Altar aufstellen, Stühle und
+Bänke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hissen etc.
+etc. »Gig klar, Kutter klar!« lautet der Befehl, das betreffende Boot zu
+Wasser zu lassen, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die
+Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten
+Offizier gemeldet wird: »Kutter klar!« (*ist* klar), »Klar Deck«, »klar
+Deck überall!« heißt das Deck nach einem Manöver wieder in den vorigen
+Stand versetzen, so daß alles wieder für ein neues Manöver
+gebrauchsfähig bereit ist. Ein »*klarer Anker*« ein von seinem Tau,
+seiner Kette freier, d. h. wohl an dieselbe befestigter, aber von ihr
+frei d. h. ungehindert sich bewegender Anker, in seiner Verwendung von
+Tau oder Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der
+Marine, die nicht direkt etwas mit der Seemannschaft zu tun haben, einen
+klaren Anker, ohne Tau, die seemännischen Unteroffiziere einen unklaren,
+von einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil
+angenommen wird, daß sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu
+»*klariren*« d. h. klar zu machen. Klariren ist etwas anderes als
+aufklaren, indem letzteres ganz allgemein aufräumen bedeutet, ersteres
+aber gesagt wird, wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um
+ihren Zweck zu erfüllen, wenn z. B. ein Tau einen Kink hat und man
+diesen beseitigt.
+
+Das von klar kommende hochdeutsche erklären heißt
+niederdeutsch-seemännisch *verklaren*; daher *Verklarung* vor Gericht
+(s. d.) Das mittelniederdeutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen,
+ins Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen.
+
+Ein so häufig gebrauchtes Wort wird selbstverständlich auch in
+übertragenem Sinne angewandt. So heißt z. B. »klar beim Bolzen«
+überhaupt bereit sein zu irgend einem Werke, und »klar Deck machen«
+irgendwo aufräumen, dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im
+Mittelniederdeutschen unklar sogar in moralischem Sinne gebraucht ward
+für unehrlich; Lübecker Totentanz: »hefet unklar gewest in talle, mate,
+wichte, rekenschop und ok in kope«, sagt der Tod zum Kaufmann.
+
+Eine ganz auffallende Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar
+im Englischen vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein
+claret. Klaret war aber im Mittelniederdeutschen weißer Wein, weißer
+Gewürzwein, nämlich über Gewürz abgezogen und dann geklärter Wein.
+Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch II. 473: »In dem
+Catal. med. (Lübeck 1784) wird vinum claretum als weißer, vinum
+hippocraticum als roter Gewürzwein aufgeführt, und letzterer doppelt so
+hoch angesetzt als ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus
+Ryff in seiner kleinen Apoteck oder Konfektbüchlein, Straßburg 1552.
+
+»Ein kostlick klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water
+werpet, so isset nicht mehr water, sunder ein köstlich klareth edder
+czuckerwater.«
+
+
+*Klau*, die.
+
+Die Gaffeln sind zwar gabelförmig gestaltet aber die Gabelung daran
+heißt merkwürdigerweise nicht Gabel, sondern Klau = Klaue, weil sie wie
+eine Tierklaue den Schnaumast umklammert. Es heißt aber auch, nach einer
+auch anderweitig durch Seeleute mündlich bestätigten Angabe des
+Kapitänleutnants Frhrn. von Strombeck in der Marine-Rundschau
+(Übersetzung eines Kapitels über Jacht-Seemannschaft) der Teil des
+Segels, der sich zunächst der Klau befindet, Klau; in dieser Klau des
+Segels befindet sich eine Kausch zum Befestigen desselben.
+
+
+*Kleid*, das,
+
+heißt im Munde des Seemanns nicht dasselbe wie im Hochdeutschen, sondern
+nur Decke, wie im Ostfriesischen und überhaupt im Niederdeutschen und
+Niederländischen kleed = Decke, Teppich ist. Auch im Althochdeutschen
+war dem so; da hieß kleit Zeug, Tuch, (wie das englische cloth),
+banckleit = Bankdecke, (aber nicht Bankkissen, denn das hieß bankphulwe,
+wie noch jetzt in Hochdeutschland ein Kissen »Pilwe« heißt).
+Mittelhochdeutsch satelkleit = Satteldecke. Seemännisch:
+Hängemattskleid, Zwischendeckskleid.
+
+Dem entsprechend wird auch kleiden gebraucht, doch siehe in Bezug
+hierauf Schmarting, Platting, Schladding und Sarving; auch heißt das
+Wegnehmen nicht entkleiden, sondern *abkleiden*.
+
+
+*»Klein Holz«.*
+
+Die Redensart: »es gibt klein Holz« besagt so viel als: es geht etwas
+entzwei, es wird etwas zertrümmert, es zerbricht etwas (auch wenn es
+nicht von Holz ist); ja man kann auch, wenn ein ganzes Schiff am Felsen
+zerschellt, sagen daß es »klein Holz« gibt; das bedeutet dann
+»scheitern« in seiner wörtlichen Bedeutung.
+
+
+*Klinkerboot*, das,
+
+ist ein Boot, das als Außenhaut eine einfache Plankenlage hat, deren
+einzelne Gänge um einen geringen Teil ihrer Breite über einander
+greifen, indem jede Planke mit ihrer unteren Kante die Oberkante der
+unter ihr liegenden Planke bedeckt. Die über einander liegenden
+Plankenteile werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden.
+
+In Oldenburg, Ostfriesland und Holland heißen die Ziegelsteine mit denen
+die Chausseen gepflastert sind Klinker, weil sie so hart gebrannt sind,
+daß sie klingen wenn man daran klopft. Mit diesem Worte hat jedoch
+unmittelbar das Klinker in Klinkerboot nichts zu tun, vielmehr kommt
+zunächst das niederdeutsche klinken = nieten, festmachen, festschlagen
+ein Etwas auf ein anderes Etwas, fest verbinden mit einander; und zwar
+ist dabei an das Geräusch gedacht, das bei dem dazu nötigen Klopfen
+entsteht, indem klinken eine nasalierte Form von kliken ist, das den Ton
+andeutet der entsteht wenn Eisen auf Eisen schlägt: »klick«. Englisch
+clinch, nieten. Dasselbe onomatopoietische Wort wie unser klingen.
+
+
+*Klinsch*, eine,
+
+ist nichts weiter als das unter dem Einfluß des englischen clinch =
+Klinke etwas umgebildete deutsche Wort Klinke, entweder im Sinne von
+»gekrümmtes, umgebogenes Ende eines Dinges« oder eines »haftenden,
+packenden, haltenden Etwas«; beide Bedeutungen von klinken (s.
+Klinkerboot) passen auf Klinsch sehr wohl; klinken heißt allerdings
+»nieten«; aber das Nieten besteht darin, daß das spitze Ende eines
+Nagels, der durch das zu Nagelnde durchgedrungen und auf der andern
+Seite wieder herausgekommen ist, durch Klopfen umgebogen wird; dieses
+Umbiegen ist die ursprüngliche Art des Nietens, und im Gedanken an
+Biegung ist Klinke, ist auch Klinsch gebildet, denn eine solche ist ein
+solcher Knoten oder Stek, bei dem das Ende eines Taues in der Weise
+umgebogen ist, daß ein Auge entsteht; zunächst ein festes Auge; und dann
+wird noch einmal gebogen und der Tamp durch das feste Auge so
+durchgeholt, daß ein laufendes, bewegliches, veränderliches, sich dem zu
+befestigenden Gegenstand durch Biegen anpassendes Auge entsteht.
+
+
+*Klote*, die.
+
+Kloten sind kleine Hölzer in Gestalt einer Kugel oder eines Zylinders
+mit einem Loch in der Richtung der Längsachse, um laufendes Gut zu
+leiten. Man unterscheidet Wantklote und Rackklote; letztere (nach
+Dabovich, Naut.-techn. Wörterb.) italienisch bertoccio per trozze
+(Pater, paternostro); französisch pomme de racage, englisch
+parrel-truck; erstere italienisch conduttore di manovra (Mandola),
+französisch margouillet, englisch bull's eye, shroud truck. Die
+Erklärung ist in dem Begriff Kugel gegeben. Klot heißt in Ostfriesland
+die Kugel die bei dem berühmten »Klotschießen« (einem Werfspiel das im
+Winter wenn die Graften zugefroren sind mit Leidenschaft als Wettspiel
+zwischen Dorf und Dorf betrieben wird); heißt niederdeutsch überhaupt
+Kugel (und Hode), Ball, Klumpen, Kloß; mittelhochdeutsch kloz, Klumpen,
+Ball; es ist demnach unser hochdeutsches Kloß, entsprechend dem
+französischen pomme, Apfel; oder auch unser Klotz.
+
+
+*Klumpblock*, der,
+
+unterscheidet sich von einem gewöhnlichen einscheibigen Block durch den
+geringeren Scheibendurchmesser und die kürzere, gedrungenere Gestalt,
+hat also seinen Namen von Klumpen, wie auch der dicke, wenig zierliche
+Holzschuh der Ostfriesen und Holländer klump oder klumpe heißt.
+
+
+*Klüse*, die.
+
+Die Klüsen sind zwei Löcher an jeder Seite des Vorstevens durch die das
+Ankertau oder jetzt vielmehr die Kette fährt; mit Blei oder Kupfer
+ausgefüttert, damit das Wasser nicht zwischen die Inhölzer laufe.
+
+Es lag nahe, diese beiden Löcher mit zwei Nasenlöchern oder auch zwei
+Augen zu vergleichen, und dieser Vergleich ist denn auch in ausgiebiger
+Weise gemacht worden, namentlich in wenig vornehmer Rede, manchmal in
+recht vulgärer Art, so daß das Wort Klüse einen etwas knotigen
+Beigeschmack empfangen hat, ähnlich wie Panse, (»ich haue Dir eins in
+die Klüsen«). Klüse ist die niederdeutsche Form für Klause,
+althochdeutsch clusa, mittelhochdeutsch kluse = einsamer,
+*abgeschlossener*, (clusum von cludere, clausum von claudere) enger Raum
+(eines Einsiedlers, Klausners): abgeschlossener Behälter, Gebirgspaß,
+Engpaß, (»durch diese hohle Gasse muß er kommen«). Dieser letztere
+Begriff hat das Wort bei den Seeleuten in Aufnahme gebracht. Es kommt
+auch, wie (1702) im Niederländischen dafür die Form kluisgaaten bezeugt
+ist, die Verbindung klusgat = Klüsenloch vor, was aber ein
+tautologischer und volksetymologischer Verdeutlichungsversuch ist.
+
+
+*Knagge*, die,
+
+auch der (»ich schneide mir einen tüchtigen Knaggen Brot ab«) Dick und
+Kretschmer, Seemannschaft I 444: »Mitunter hat das Ruder noch eine
+Einrichtung, welche den Zweck hat, besonders beim Rückwärtsgang des
+Schiffes den Maximalausschlag des Ruders zu begrenzen. Zu dem Ende ist
+an jeder Seite des Ruders, etwa etwas höher als die obere Wasserlinie,
+ein eiserner oder metallener Knaggen oder Ansatz angebracht, der sich
+bei ganz hart gelegtem Ruder gegen den Steven legt und so ein weiteres
+Drehen des Ruders über den Maximalwinkel hinaus verhindert.« Das
+niederdeutsche Knagge, auch Knag, bedeutet dickes, unförmliches Stück,
+Brocken, Klumpen, Knorren, harter Ast im Holze, Baumstumpf, Wurzelstock;
+dann weiter Leiste, Zapfen, Pflock, hölzerner Wirbel.
+
+
+*Knecht*, der.
+
+Die Knechte sind aufwärts stehende Hölzer bei den Masten mit Querstücken
+an ihren oberen Enden und drehbaren Scheiben für die Führung schweren
+laufenden Gutes. In den Querstücken stecken die Nägel zum Belegen der
+durch die Scheibe geholten Enden. Das Wort Knecht ist nach dem Muster
+von »Stiefelknecht«, »stummer Diener« etc. gebraucht.
+
+
+*Kneifsteck*, der,
+
+ist ein Stek, der den Vorteil hat, leicht gelöst werden zu können; er
+ist nämlich so eingesteckt, daß das Ende, wenn Kraft darauf kommt,
+bekniffen ist; hört aber die Kraft auf, so kann man das bisher
+bekniffene Ende bequem herausziehen und den ganzen Stek leicht lösen;
+und selbst wenn Kraft darauf steht kann das bekniffene Ende ohne große
+Mühe dem Zustande des Bekniffenseins entzogen werden. »Bekniffen« sein
+in übertragenem Sinne ist ein wenig angenehmes Gefühl, nämlich eine Art
+von moralischem Katzenjammer, eine Lähmung und Hinderung fröhlicher
+Tatkraft in Folge eines gemachten Fehlers.
+
+Weil ein Kneifsteck, sobald man an dem bekniffenen Ende zieht, aufgeht,
+»schlippt«, so heißt er auch (s. d.) Schlippsteck.
+
+
+*Knickstag*, das,
+
+ist ein Sicherheitsstag, das in Tätigkeit zu treten hat, wenn das
+eigentliche Stag gebrochen ist. Es heißt darum auch wohl im Deutschen
+wie in den anderen Seemannssprachen der Nordsee Borgstag. Es ist also
+ein Reservestag, das seinen Namen vom niederdeutschen knick hat = Bruch,
+Sprung, Riß, weil es, wenn das betreffende Stag knickt, d. h. bricht --
+ein Tau »reißt« nie, es »bricht« in der Seemannssprache -- als Knickstag
+an seine Stelle tritt.
+
+
+*Knoten*, der.
+
+1. s. splissen und knoten. 2. s. Log. »das Schiff segelt sechs Knoten«,
+d. h. es segelt sechs Seemeilen in der Stunde. Die Meilen entsprechen
+den in bestimmten Entfernungen von einander befindlichen Knoten der beim
+Loggen abrollenden Logleine. Ein Schiff fährt so viele Seemeilen in der
+Stunde als Knoten der abrollenden Logleine in der Zeit eines ablaufenden
+Logglases (Sanduhr) gezählt werden.
+
+
+*knoten* s. splissen und knoten.
+
+
+*kockpit*, die.
+
+»An apartment under the lower gun-deck of a ship of war, ordinarily
+forming quarters for junior officers (and in action devoted to the
+surgeon and his assistents and patients).« Eigentlich der Kampfplatz für
+einen Hahnenkampf. Da nun »junior officers« manchmal etwas
+Kampfhahnartiges an sich haben, namentlich wenn sie allzulange zusammen
+an Bord desselben Schiffes bleiben, so hat man ihren Raum nach jener
+Arena genannt, wie man auch denselben Namen gegeben hat, »to the room in
+Westminster in which her majesty's privy-council hold their sittings«;
+es wird zwar behauptet, der Name käme, »from its having been the side of
+what was formerly the cock-pit belonging to the palace of Whitehall« ...
+aber wenn das wahr ist, so wird es doch höchstens die äussere
+Veranlassung gewesen sein, der innere Grund für die dauernde Herrschaft
+des Namens liegt wohl tiefer.
+
+Der Name ist für einen entsprechenden Raum wohl auch auf deutschen
+Kriegsschiffen gehört worden, vor 20-30 Jahren häufiger wie heute.
+
+
+*Kofferdamm*, der,
+
+und Korkdamm sind neumodische Wörter für neumodische Dinge, nämlich für
+bei der Panzerung notwendig gewordene Vorsichtsmaßregeln gegen
+Überflutungen durch über das Panzerdeck tretende Wassermassen. Sie haben
+also beide den Zweck eines Dammes, der eine in Gestalt von
+kofferartigen wasserdichten Zellen, der andere gleicht diesem in
+Gestalt, doch sind die Zellen mit Kork, Cellulose, Pflanzenmark oder
+dergl. angefüllt. Wenn ein Schuß durch ein eisernes oder stählernes
+Schiff geht, so ist das für das Schiff, und wie sich neuerdings vor Taku
+herausgestellt hat, auch für die Mannschaft gefährlich. Durch den Kork
+etc. etc. soll dann wenigstens bewirkt werden, daß das Loch sich
+einigermaßen wieder zuzieht, wie früher beim Holzschiffbau, zu dessen
+Zeiten manchmal ein Schiff ungezählte Schüsse bekam ohne zu sinken.
+
+
+*Kogge*, die,
+
+war das altfriesische Seeschiff von breiter und plumper Bauart, vorne
+und hinten rund und stumpf zulaufend, das nachher, etwas verbessert, in
+der Geschichte der Hanse eine große Bedeutung gewonnen hat. Die Koggen
+waren sowohl Handels- als Kriegsschiffe und werden in der friesischen
+Geschichte zur Zeit der Kreuzzüge oft erwähnt, da die Friesen in diesen
+Schiffen die Fahrt nach Palästina machten. Von der letzten, recht
+unglücklichen, die 1269 unter König Ludwig dem Heiligen unternommen
+wurde, erzählt Klopp, Ostfriesische Geschichte, I 136: »Also wurden
+wieder in allen Kirchen die eisenbeschlagenen Blöcke errichtet und
+Reiche und Arme brachten ihre Beisteuern dar. Aber durch die Erfahrung
+der früheren Züge konnten viele Fehler vermieden werden. Den Weibern
+ward die Teilnahme am Zuge völlig untersagt, damit die auf früheren
+Fahrten häufig vorgekommenen Ärgernisse das Mal unterblieben. Es wurde
+eingeschärft, daß nur diejenigen am Zuge Teil nehmen möchten, die sich
+mit Lebensmitteln genügend selbst versorgen könnten. Deshalb sollte
+jeder einzelne Pilger mindestens mitnehmen: sieben Mark Sterling, ferner
+ausreichende Kleidung, Waffen, sechs Fäßchen Butter, einen Schinken,
+eine und eine halbe Rindsseite oder zwei Scheffel Mehl. Am Freitage nach
+Ostern 1269 war alles bereit. Die Schiffe wurden von den Priestern
+geweiht und gesegnet und dann stiegen die Pilger andächtig hinein, viele
+von ihnen mit Blutschulden beladen, die sie durch tapfere Taten an den
+Türken zu sühnen gedachten. Aber bei Borkum wurden sie durch niedrigen
+Wind drei Wochen lang aufgehalten. Man zählte in Allem aus Friesland 50
+Koggen ... Der König Ludwig war schon vorausgesegelt und kämpfte in
+Afrika. Dort vereinigten sich die Friesen mit seinem Heere,
+vollbrachten mit demselben wackere Taten und starben durch die
+Anstrengung und die Einwirkungen des ungewohnten warmen Klimas
+haufenweise dahin. Nach dem Tode des Königs schwand die Aussicht auf
+Erfolg. Zwar segelten die Friesen weiter nach dem gelobten Lande, aber
+nur, um nach Darbringung reichlicher Beisteuern von da aus wieder
+heimzukehren. Auf der Rückkehr trennten sie sich, wurden hierhin und
+dorthin verschlagen, geplündert und beraubt und wenige gelangten nach
+vielen ausgestandenen Drangsalen arm und entblößt ins Vaterland wieder
+heim«; doch wohl kaum ohne etwas von der Seemannssprache des
+Mittelmeeres mitgebracht zu haben. Man hat oft verwundert gefragt, wie
+denn schon so früh ein arabisches, griechisches, lateinisches
+Seemannswort solle ins Niederdeutsche gekommen sein. Die rege
+Beteiligung der Friesen an den Kreuzzügen mag einen der Wege andeuten.
+
+Die älteste Erwähnung einer Kogge finde ich in einer, bei Friedländer,
+Ostfries. Urkundenbuch I. 12, abgedruckten Urkunde des Königs (Heinrichs
+III.) von England, d. d. Bedford, 13. Juli 1224: »Mandatum est maiori et
+vicecomitibus Londonensibus, quod, non obstante mandato domini regis eis
+facto de navibus arestandis, cogam Lamberti de Brema et cogam Bracheri
+de Amethis apud Londonum arestatas occasione predicta permittant sine
+inpedimento ad partes suas abire«. In den Urkunden, Recessen und Schraen
+aus der Hansazeit kommt das Wort unzählige Male vor, da es die damals
+gangbare Art von Schiffen bezeichnet, auch Kriegsschiffen. Der Name
+oorlogschip ist aber niederländisch. Die Hansa nannte ihre Kriegsschiffe
+Friedeschiffe, vredekoggen, weil sie eben als Kriegsschiffe für den
+Frieden und die »Befriedigung« des Handels zu sorgen hatten. Nach
+Hirsch, Handels- und Gewerbsgeschichte Danzigs 263, wird unter Kogge das
+Seeschiff im Gegensatz zum Flußschiff verstanden und sind holk, krever,
+barse und schute nur verschiedene Arten von Koggen. Doch sind
+bekanntlich dergleichen Schiffsnamen schwer auseinander zu halten; ihrer
+viele sind auch, weil die Formen und Größenverhältnisse zu unbestimmt
+sind, schwer zu bestimmten »Typen« zusammen zu bringen, wie denn z. B.
+in folgender Urkunde vom Jahre 1368 aus Lübeck schute doch nur ein
+Beiboot zu einer Kogge ist. »de stede ... schollen vthmaken teyn cogghen
+ghemanned mit ghuden wepeneren, dat is tho vorstande hunderd wapende
+man in enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een
+schute onde een snykke.«
+
+Auch im Altnordischen kommt das Wort schon früh vor, doch bemerkt
+Müllenhoff, daß es nur von hanseatischen, sächsischen Seeschiffen
+gebraucht wird; was also auf südlichen, romanischen Ursprung schließen
+läßt, so daß vielleicht grade die Kogge durch die erwähnten Kreuzzüge,
+in Gemeinschaft mit französischen Schiffen unternommen, das Wort in
+Aufnahme gebracht haben: altfranzösisch coque (neufranzösisch coche),
+spanisch, italienisch coca, cocca, vom lateinischen concha,
+Muschelschale, muschelartiges, muschelförmiges Gefäß, dann überhaupt
+Gefäß. Daher auch italienisch cocchio, Personenwagen, unsere Kutsche.
+
+
+*Kohlenbunker* s. Bunker.
+
+
+*Kohlenstander* s. Stander und Kohlenwippe.
+
+
+*Kohlenwippe*, die.
+
+Dick und Kretschmer, Seemannschaft 1. 314: »An einem Strecktau aus
+Stahldraht, welches je nach der Takelage oder der sonstigen Einrichtung
+des Schiffes zwischen den Unterrahen, den Ladebäumen, den Bootsdavits
+oder zwischen besonders vorgesehenen und im Bedarfsfalle aufzubringenden
+Spieren ausgeholt wird, werden in passenden und nach der Lage der
+Kohlenlöcher oder Kohlenpforten berechneten Abständen einfache
+Jollentaue angenäht, deren Läufer an dem einen Ende mit Haken versehen
+sind und deren holende Parten durch auf Deck befestigte Leitblöcke
+geschoren werden. In die Haken werden die gefüllten Kohlenkörbe gehängt,
+die holenden Parten werden entweder durch Menschenkraft oder durch
+Maschinenkraft durchgeholt. Die Jollentaue führen speziell den Namen
+»*Kohlenwippen*«, während das Strecktau auch mit dem Namen
+»*Kohlenstander*«? bezeichnet wird.«
+
+Diese Bezeichnungen müssen als treffend anerkannt werden, denn das
+Strecktau steht zwar nicht, woran man gewöhnlich bei Stehen denkt, »auf
+und nieder,« sondern horizontal, aber es ist doch ein stehendes, festes,
+möglichst unbewegliches Tau; das Jollentau aber muß wegen der
+Ortsveränderung, die mit dem Korbe voll Kohlen vor sich zu gehen hat,
+eine wippende d. h. schaukelnde Bewegung machen; wippen niederdeutsch:
+auf- und niederschweben machen, in's Schwingen und Schweben bringen;
+auch sich selbst schwingen, tanzen, hüpfen. Althochdeutsch wifan =
+winden; gothisch veipan, umwinden; Wurzel wip, winden.
+
+
+*Koje*, die.
+
+Im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nur Bett, niemals Kammer, wiewohl es
+mit Kabine, Kambüse und Kajüte verwandt ist. Die bei Erklärung dieser
+Worte angeführte Stammsilbe kab heißt niederdeutsch nicht nur kave,
+sondern auch kove und kowe. Da damit immer nur ein sehr bescheidener
+Raum bezeichnet wurde so lag es nahe, dem kowe die Diminutivendung je
+anzuhängen; bei der Aussprache fiel dann das w von selbst aus und Koje
+war gebildet. Derselbe Vorgang wäre anzunehmen, wenn man etwa das Wort
+vom lateinischen cuba, Schlafgemach, ableiten wollte. Das wäre nur noch
+etwas umständlicher und weitläufiger; und warum in die Ferne schweifen?
+Beachtenswert ist, daß schon zu Kilians Zeiten Koje nicht Kammer sondern
+Bett hieß. »Koye int schip: cubile nauticum, lectulus nautae.«
+
+Eine einfache hölzerne Bettstelle, wie sie an Bord gebraucht wird,
+führte früher den Namen Setkoje, Setzkoje, weil sie -- im Gegensatz zu
+fest eingebauten Kojen -- beweglich ist und von einem Ort an den anderen
+gesetzt werden kann. Zwei von dieser Art haben dem Verfasser der
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« im J. 1647 das Leben gerettet
+(s. Schönfahrsegel und Luv am Ende): »Mir war auch unter dem Wasser
+nicht allzuwol zu muthe, so, daß ich bald wieder oben kann, fühlete auch
+indem neue Krafft, und kam eine See die hub mich auff, so, daß ich biß
+unter die Arme aus dem Wasser kam, mir lieff auch kein Wasser über das
+Haupt wie zuvor geschehen, so, daß ich etwas von mir sehen konte, ward
+auch indem zwo Setkoyen oder kleine Betsteten, so man auff Schiffen
+gebrauchet gewahr, die von der See alsobald zu mir geworfen worden, also
+legte ich auff jeder Koje einen Arm und hing so in der Mitte, biß die
+Türken kamen und holten mich aus dem Wasser.«
+
+
+*Koker*, der.
+
+Bei hölzernen Schiffen wird der Ruderhals, bei eisernen die
+Ruderspindel in einem Umbau wasserdicht in das Schiffsinnere eingeführt,
+in der Regel indem an der Spindel eine Stopfbuchse angebracht wird.
+Diese Einführung, also die Hülle um die Spindel, heißt Koker. Das ist
+dasselbe Wort wie das ebenso gebräuchliche niederdeutsche kaker =
+*Köcher*, Gehäuse, Büchse, Futteral, Behälter, Röhre, Rinne. Verwandt
+mit Kogge, und Kachel und concha, von einer Grundbedeutung
+»umschließen,« und noch in verschiedenen anderen Verwendungen an Bord,
+immer aber mit dem Begriff »Umschließendes« -- Köcher -- gebraucht.
+
+
+*Kolderstock*, der,
+
+eine veraltete Rudervorrichtung, nämlich ein vertikaler Handgriff an der
+(horizontalen) Ruderpinne, durch das Koldergat, bezw. die Kolderluke
+nach oben führend. Hildebrand in Grimms Wörterbuch V 1612 hat von
+Chyträus, M. Kramer und Adelung das Wort übernommen und trotz der
+Veraltung beibehalten; er meint für Weiteres sei zuerst die allgemeine
+Bedeutung zu ermitteln. Nun haben bei vielen Benennungen die Geräusche,
+die die benannten Sachen machen den Ausschlag gegeben. Ich nehme daher
+an, daß Kolder nach dem Geräusch genannt ist, das durch das Steuern mit
+dem Kolderstock notwendig verursacht werden muß. Der Stock fährt nämlich
+der leichteren Beweglichkeit halber durch eine hölzerne Rolle, »Nuß«
+genannt, die sich mit ihm hin und her bewegt. Das kann nicht ohne das
+eigentümliche kullernde, kollernde Geräusch vor sich gehen, das sich
+allemal hören läßt wenn Holz auf Holz gerollt wird. So wäre also an
+kollern zu denken. Nun ist aber aus Holder Holler geworden; warum soll
+nicht auch aus Koller Kolder werden können? Zumal wenn vielleicht einem
+hochdeutschen Munde Koller nicht vornehm genug war? Man denke an die
+scherzhafte Bildung Klopfstock für Klopstock. Auf dem Wege vom
+Niederdeutschen ins Hochdeutsche haben viele Seemannswörter ähnliche
+Verdunkelung erfahren, vergl. löschen, Pferd, Maifeld.
+
+
+*Kofferkessel*, s. Kessel.
+
+
+*Kolk*, der.
+
+Grimm, V. 1613. hat viererlei Bedeutung für Kolk: 1. Erdloch, das von
+Wasser ausgespült oder ausgerissen worden ist. 2. Als Cisterne, Grube
+mit Wasser, braucht es selbst Luther einmal in der Bibel III. Mose XI.
+36. 3. Strudel im fließenden Wasser. 4. Doch die ursprüngliche Bedeutung
+scheint einfach Erdgrube, Grube überhaupt.
+
+Darnach wäre das Wort eine Weiterbildung des Stammes kul in Kuhle =
+Loch. Hildebrand weist aber für die unter 1. angegebene Bedeutung selbst
+auf kolken hin, gleich klucken, kluckern, klangmalend und »strudeln,
+gurgeln« bedeutend, ein dumpfes rollendes Geräusch machen, wie wenn
+Wasser sich mit Gewalt durch eine enge Bahn bricht. Kolk in der ersten
+Bedeutung, und nur mit dieser haben es Seeleute zu tun, ist aber, nach
+Dornkaat, »ein Loch oder eine Vertiefung in der Erde, welches beim
+Durchbruch oder Riß eines Deiches durch das mit Gewalt einströmende und
+die Erde herauswühlende Seewasser entsteht (wie z. B. 1825 bei der
+großen Sturmflut der über hundert Fuß tiefe Kolk bei dem Dorfe Larrelt,
+oder der Larrelter Kolk)«. Allerdings ist auch an der Wasserkante Kolk
+ebenfalls ein mit dem Spaten ausgegrabenes Loch, aber es ist doch
+anzunehmen, daß die durch kolkendes Wasser entstandenen Kolke eher waren
+als die von Menschenhand. Denken wir daran, daß der Kolkrabe seinen
+Namen jedenfalls vom Ton hat, den er von sich gibt, und daß im
+übertragenen Sinne »kolken«, »dazwischen kolken« doch auch nur
+»krächzen wie ein Kolkrabe« bedeutet, so gewinnt für Kolk unter 1,
+die Lautmalerei sehr an Wahrscheinlichkeit, und es mögen 2, 3 und 4
+Bedeutungserweiterungen bezw. -Verschiebungen sein, vielleicht vom
+Gedanken an Kuhle beeinflußt. Für die Ableitung von kolken = gurgeln
+spricht in Sonderheit die Bedeutung unter 3., Strudel, dessen Geräusch
+gurgelnd ist.
+
+
+*Kommodore*, der.
+
+»1. An officer, generally a captain, holding a temporary commission with
+a rank between that of captain and admiral, who commands a ship or
+detachment of ships in the absence of an admiral. 2. A title given by
+courtesy to the senior captain when three or more ships of war are
+cruising in Company. 3. The senior captain of a line of merchant
+vessels. 4. The President of a yachting club. 5. The convoy or leading
+ship in a fleet of merchantmen, which carries a light in her top to
+conduct the other ships.« Bei uns zeitweilig nur im Sinne von No. 1 in
+Gebrauch. Vom spanischen comendador.
+
+
+*Kompagnie*, die.
+
+Der unter diesem Namen bekannte Truppenverband der Armee und der Marine
+am Lande heißt an Bord Division; nicht zu verwechseln mit anderen,
+größeren Verbänden dieses Namens. Kompagnie ist ähnlich gebildet wie
+Kamerad (von Kammer) oder Geselle (von Saal), nämlich von panis und cum;
+die Leute von einer und derselben Kompagnie sind also Kumpane zusammen,
+Leute die mit einander gemeinschaftlich ihr Brot essen; daher auch
+Kumpanie und mit komisch-lateinischer Endung in alten Studentenliedern
+Kumpaneia.
+
+
+*Kompass*, der.
+
+Das bekannte Werkzeug zur genauen Bestimmung der Himmelsrichtung. Daß
+ein so wichtiges Stück der Seemannschaft im Laufe der Jahrhunderte
+vielerlei Verbesserungen erfahren hat, läßt sich denken. Es gibt gar
+verschiedene Arten von Kompassen. Hierher gehört nur das Sprachliche.
+Dieffenbach, »Celtica«, sucht mit großem Aufwand von Gelehrsamkeit zu
+beweisen, das Wort komme aus dem Keltischen, und zwar aus dem kymrischen
+Ast, nämlich von der Wurzel kam, kamp, Krümmung, davon comminus, Weg auf
+dem man umkehrt und so eine Krümmung macht; Schritt, Weg, Felge am Rad.
+Das ist doch weit hergeholt. Viel näher liegt und viel einfacher ist auf
+das Lateinische zurückzugehen, wie denn das Wort doch auf den ersten
+Blick dahin zurückweist, compassus = com-passus wurde auf dem Wege ins
+Altfranzösische schon im Provençalischen zu compas = gleicher Schritt,
+(Mitschritt); daher, wie auch im Spanischen, Takt, Versmaß, Maß und
+Werkzeug zum Messen. Wie nahe lag es da im Nautischen das wichtigste
+Maßwerkzeug, als es in den seemännischen Gebrauch kam, einfach
+schlechthin *das* Werkzeug zu nennen; der hat dann solches Übergewicht
+erlangt, daß es nur in dieser einen Bedeutung ins Deutsche (und viele
+andere Sprachen) überging. Das Italienische nennt zwar den Kompaß selbst
+bussola, (und demgemäß liest man in älteren deutschen Schriftstellern
+das Wort wohl auch einmal), aber es hat doch compasso für Zirkel als
+Meßinstrument, und es wäre kein Schade gewesen, wenn es die
+Weiterbildung dieses Wortes, die die Franzosen vornahmen mitgemacht
+hätte, denn Kompaß gibt doch eine viel sinngemäßere Bezeichnung ab als
+bussola, das nichts weiter als eine Büchse bedeutet, oder vielmehr ein
+Büchschen, lateinisch buxula von buxus, der Buchs, die Büchse;
+Arzneigefäß aus Buchsbaum. Der Begriff des Messens liegt so sehr in
+Kompaß, daß man lange Zeit im 16. Jahrhundert eine Vorrichtung zum
+Messen der Zeit, ein solarium, horologium, ein Sonnawer -- Sonnenuhr --
+einen Kompaß nannte; noch Schönsleder 1618 hat compasz oder
+Sonnenuhrlin.
+
+
+*Kontre-Admiral*, der.
+
+Was eigentlich unter diesem Dienstgrade ursprünglich zu verstehen war
+als das Wort noch keinen titelhaften Dienstgrad, sondern eine
+vorübergehende »Funktion« anzeigte, erhellt aus einer Verbindung der
+englischen mit der holländischen Bezeichnung, Rear Admiral und Schout by
+nacht. Rear ist die Nachhut, der Teil des Geschwaders which is behind
+the rest; Rear Admiral also der Befehlshaber der Nachhut. Unter
+Umständen war er auch der Stellvertreter des Flotten-Admirals. Während
+dieser nämlich am Tage von dem Vize-Admiral sich vertreten ließ,
+vertrat ihn des Nachts der Schulze bei Nacht, der Kontre- oder
+Gegenadmiral, wie man zu sagen pflegt »mein Gegenpart«, oder »ein
+Gegenstück.« Aubin, 1702: Contre-Amiral. C'est un Officier qui commande
+l'arriére garde, ou la derniére division d'une armée navale. Cette
+charge n'est qu'une simple qualité en France, car il n'y a point de
+Contre-Amiral fixe: il ne subsiste que pendant un armement considérable,
+ou les Officiers Généraux sont emploïez. Dans ces occasions le plus
+ancien des Chefs d'escadre porte le pavillon de Contre-amiral, qui est
+blanc, de figure quarrée et qui s'arbore à l'artimon. Mais en Hollande
+la qualité de schout-by-nagt est fixe comme les autres; aussi les
+fonctions de cet Oficier ne sontelles pas les mêmes en tout, que celles
+d'un Contre-amiral. Cependant comme elles en aprochent plus que des
+fonctions d'aucun autre Oficier en rang, on ne peut traduire plus
+convenablement le terme de Contre-amiral en Hollandois, que par celui de
+Schout-by-nagt. »Le Contre-amiral, ou Schout-by-nagt, est le troisiême
+Oficier des armees navales. Ses principales fonctions sont avoir l'oeil,
+pendant la nuit, à-ce-que tous les vaisseux gardent leur rang en
+naviguant, afin-qu'ils ne s'abordent pas, et qu'il n'y ait point de
+confusion; et c'est à lui de dénoncer ceux qui ne font pas leur devoir à
+cet égard.«
+
+Über die verschiedenen Befehlshaber lesen wir im »Durchläuchtigsten
+Seehelden« (1631): »Im Jahre 1585 ward Drak mit einer Flotte von fünff
+und zwantzig Segeln, und 2300. so Soldaten, als Boots-Leuten ausgesandt,
+und gieng den 22. Septembris von Pleymouth in die See, sein
+General-Stadthalter war Christoph Carlile; Antonius Pocoel sein
+Sergeant-Major. Capitain Mattheus Morgan, und John Samschon Corporale zu
+Felde. Die Land-capitaine waren ... Capitain Martin Forbischer, der
+gleichfalls seiner gethanen Reisen halber berühmt, war Vice-Admiral in
+der Primerose, capitain Franciscus Knolles war Rere-Admiral oder Schultz
+bey der Nacht, in dem Gallion Leicester.« Im Jahre 1607 setzten die
+Hochmögenden Herren Staaten den Jakob von Heemskerck zum Admiral und
+sandten ihn mit einer Flotte aus, »den schlaffenden Geist der Spanier
+aufzuwecken.«. »Diese Schiffe fuhren den 25. Martii auß dem Texel, und
+kamen den 27. an bey der Insul Wiht, allda sie vier Schiffe auß Seeland,
+unter den Capitainen Laurentz Jacobs Alceras, als Vice-Admiral, auf dem
+rothen Löwen, Martinus Hollart, Cornelius Faes, und Peter Cales
+antraffen, dessen letztern Schiff an den Grund gesegelt und geblieben
+war, aber die Gereitschafft und Vorrath samt dem Volck (außgenommen
+eylff Boots-Gesellen und fünff Soldaten, die zuerst mit dem Boot davon
+fahren wollen, und ertrunken) seyn auf die andern Schiff übergenommen
+worden. Von Rotterdam waren auch unter der Wiht ankommen, Capitain
+Lambert Hendricks, sonsten der schöne Lambert, Schaut bei Nacht, mit dem
+Schiffe der Tiger.«
+
+In der Kaiserlichen Marine ist Kontre-Admiral jetzt ein Dienstgrad, »une
+qualité fixe«, den ein im Range eines Generalmajors stehender
+Flaggoffizier bekleidet, einerlei was für einen Dienst er tut, einerlei
+auch, ob er ihn an Bord oder am Lande tut.
+
+
+*Kontrebande*, die.
+
+Zahllos sind die deutschen Wörter, die mit dem fremden Kontre verbunden
+sind. Kontrebande bedeutet eine Ladung oder Waren, die zu laden und zu
+führen verboten ist, die geführt wird contra bando, d. h. gegen
+öffentliches, gesetzlich verkündetes Verbot. Das bando ist deutscher
+Herkunft, mit Bann verwandt, vergl. abandonnieren.
+
+
+*Kopfschlag*, der.
+
+Wenn man mit mehreren Schlägen um eine Klampe, oder einen Knecht oder
+sonstwie ein Tau belegt, so heißt der oberste Schlag, der so gelegt ist,
+daß er sich selbst bekneift und nicht aufgehen kann, Kopfschlag. Soll
+eine Spier getaut oder aufgehißt werden, so nimmt man, nachdem man um
+sie einen Zimmer- oder Balkenstek gelegt hat, mit der Bucht der Jolle
+noch einen Kopfschlag; Kopf bedeutet hier also etwas das *über* einem
+anderen ist.
+
+
+*Korrespondentreeder*, der.
+
+Wenn mehrere Kauf- oder Geldleute zusammen einen Reedereivertrag machen,
+gemeinschaftlich ein Schiff zu befrachten, so führt einer von ihnen die
+Geschäfte mit dem Kapitän und anderen in Betracht kommenden Personen.
+Weil das mancherlei Schreibwerk mit sich bringt, so heißt dieser eine,
+der Geschäftsführer und bevollmächtigter Vertreter der andern ist,
+Korrespondentreeder.
+
+
+*Korsar*, der,
+
+der Seeräuber. Das lateinische cursus = der Lauf, die schnelle Bewegung
+zu Pferde, zu Wagen u. s. w., die Fahrt, Reise, der Weg, insbesondere zu
+Schiffe = der Kurs, heißt spanisch corsa. Dieser Form entsprechen das
+italienische corsare und corsale, spanisch corsario, cosario,
+provençalisch corsare, französisch corsaire, mittellateinisch corsarius.
+In der eigentlichen Bedeutung des Wortes liegt also nichts
+Seeräuberisches; das ist erst im Mittelalter hinzugekommen, doch wohl
+weil die Seeräuber ihren corsa besonders schneidig verfolgen mußten.
+
+
+*Korvette*, die.
+
+Ein neuerdings amtlich auf den Aussterbe-Etat gesetzter Name für ein
+größeres Kriegsschiff, der lange im Gebrauch der Marine war; man
+unterschied »Glattdeckskorvetten« mit den Kanonen an Deck und »Gedeckte
+Korvetten« die ein Deck mehr, das sogen. Batteriedeck, besaßen. Der Name
+stammt aus dem Lateinischen, wie schon Weigand richtig erkannt hat:
+»1721 die Courvette, aus lat. corbita = Lastschiff, von lat. corbis =
+Korb.« Offenbar hat ein Lastschiff bei den Römern eine etwas plumpe
+korbartige Gestalt, vielleicht war es sogar ursprünglich eine Art
+wirklichen Korbgeflechtes. In No. 28, Jahrgang 1895 der Wochenschrift
+»Nach dem Dienst« befindet sich ein Bild, »Schiffe auf dem Euphrat«, das
+uns die Herkunft von Korvette aus Korb deutlich vor die Augen stellt.
+Diese Schiffe sind wirklich nichts weiter als Körbe. Im Texte heißt es:
+»Die innerasiatischen Völkerschaften hassen nichts mehr als Änderung und
+Fortschritt, und auch die unter das Joch der Türken gekommenen Völker
+Kleinasiens zeigen denselben Charakterzug. Haus- und Feldgeräte sind
+noch von derselben urwüchsigen Form, welche nach den Erzählungen der
+Bibel und der alten Schriftsteller vor 3000 Jahren üblich war. Über den
+Euphrat führen fast keine Brücken; aber man bläst einfach die
+abgezogenen Felle von Ziegen auf, bindet sie zusammen, legt eine
+geflochtene Matte darüber, und das Schiff ist fertig. Ähnlich sind die
+Frachtkähne, welche wir auf unserm Bilde sehen. Sie sind von starkem
+Schilf geflochten und in ihrer Form dem Kürbis nachgebildet. Sie haben
+zwar eine große Tragfähigkeit, sind aber sehr schwer lenkbar, da sie
+sich zu leicht um sich selber drehen; auch sind sie fast nur
+stromabwärts zu benutzen und müssen stromaufwärts leer gezogen werden.«
+
+Ein geflochtener, oben offener, kürbisförmiger Korb verglichen mit
+unserem »Fürst Bismarck« zeigt uns einen bewundernswerten Fortschritt
+der Schiffsbaukunst.
+
+Corbita wurde im Spanischen zu corbeta, im Portugiesischen corveta,
+französisch corvette, früher courvette; so bei Aubin 1702, welcher
+schreibt: »C'est une espéce de barque longue, qui n'a qu'un mât et un
+petit trinquet et qui va à voile et à rames. Les Courvettes sont
+frequentés à Calais et à Dunquerque. D'ordinaire on en tient à la suite
+d'une armée navale pour aller à la découverte et pour porter des
+nouvelles.« Korvette war also vor 200 Jahren zwar bereits Kriegsschiff,
+hatte es aber damals noch nicht weiter als bis zum Aviso gebracht.
+
+Der Name Korvette ist in der deutschen Marine abgeschafft und durch
+»Kreuzer« ersetzt; die Rangstufe eines Majors der Armee nennt man noch
+immer mit dem Worte Korvettenkapitän.
+
+
+*Krabben fangen*
+
+wird scherzweise gesagt, wenn ein mit anderen zusammen im Takte
+rudernder Matrose einen Streich, »Pull« genannt, ausläßt, indem er mit
+dem Riemen nicht tief genug ins Wasser kommt, so daß, wenn er nun
+anzieht, das Wasser keinen Widerstand bietet und der Ruderer rückwärts
+zu fallen droht.
+
+
+*Kragen*, der.
+
+1. Des Mastes, ist ein Stück Presenning oder geteerten Segeltuches, das,
+wie ein Kragen um den Hals, um den Fuß des Mastes gelegt wird, da wo er
+durch das Deck geht, damit an dieser Stelle kein Wasser in das Schiff
+eindringt.
+
+2. Des Stags, ist ein Stropp oder ein Auge mit dem der unterste Teil
+eines Stags befestigt wird; auch dieser Stropp, dieses Auge, wird wie
+ein Kragen umgelegt, z. B. der Kragen des Fockstags um das Bugspriet.
+
+Von einem solchen Stagkragen ist in der »Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt«, Lübeck 1673, zu lesen: ... begegnete mir ein grosser
+Nordwesten Sturm, so daß ich mit kleinen Segeln mußte bey halten: weil
+nun das Gewitter länger anhielte, ward das Wasser deswegen sehr holl, so
+daß das Schiff dadurch sehr arbeitet, könte auch bißweilen nichtes mehr
+dann ein Siegel führen, biß endlich daß Bochspret die Vorsteve loß
+machte, es war aber ein Stück, so daroben war aufgesetzet und biß an die
+Klüsen hinunter lieff (also nicht der eigentliche Steven, sondern das
+Gallion); Weil es aber Nacht war, und wir kein Mohnschein hatten, auch
+sobald kein Mittel finden konten, daß wir es fäst machten, so waren wir
+entschlossen daß Bockspret weg zu hauen; Ging derowegen mit dem
+Zimmermann vor auff die Pflicht (der zweite Teil jener »Beschriving« ist
+hochdeutsch; im ersten Teile, der »in unser Saxsischen Sprack«
+geschrieben ist, würde das Wort Plicht gelautet haben; es sagt der
+Verfasser aber ausdrücklich: »Ick heb mi nicht gebunden an de Wörde und
+Nahmen, offt se wor nicht recht na dem Saxsischen luden; Sundern mi
+reguleret nor de Manner, alß idt by unsen Seefahrenden wert gespracken,
+up dat idt desto besser van ehm kan verstahn werden«), und hielt mich
+mit der einen Hand an den *grossen Kragen vons Stag*, mit der andern
+Hand den Zimmermann, daß er das Bochspret weghauen sollte; Indem kam
+eine See und nahm das Bockspret gantz mit sampt der Steve und Pflicht,
+welche unter drey Balcken hatte, und war die Focke-Mast darein gefüget
+mit Bretter und allem Uberbort: Ich und der Zimmermann wurden zu unserm
+Glücke inwerts geworffen, kamen hinters Both zu liegen, daß Bochspret
+aber schlug mit dem vor Ende hinterwerts, und holete die Focken-Mast mit
+daß Focken Stach hinten über, so daß das Focken Spar ins Raum brechen
+mußte, also mußten wir die Mast auch weghauen. Daß grosse Stach aber,
+weil es auff die Vorsteve fäst war, und dieselbe nun abgebrochen, so kam
+dasselbe Stach auch loß zu liegen, kontens auch in der finstern Nacht so
+bald nicht wieder fäst bekommen, also fiel die grosse Mast auch über
+Bort.«
+
+
+*Krahn*, der,
+
+eine Hebevorrichtung für schwere Lasten. Man unterscheidet feste Krähne,
+am Lande, und schwimmende oder Schwimmkrähne, die längsseit eines
+Schiffes fahren und Lasten an oder von Bord geben.
+
+Dasselbe Wort wie Kranich, weil nach Beinen, Hals und Schnabel dieses
+Tieres ursprünglich der Krahn hergestellt worden ist. So schon im
+Griechischen: geranos = Kranich und Hebezeug; vergl. Bock, Widder. An
+Bord der Schiffe gibt es *Krahnbalken* zum Heben von Lasten, Ankern etc.
+Krahnbalksweise steht etwas, das steht wie ein Krahnbalken, nicht grade
+von vorn, nicht grade von der Seite, sondern zwischen beiden Richtungen.
+Französisch (1702) gruan. Dasselbe Wort bedeutet auch Grütze, aliment
+ordinaire parmi les Hollandois qui en font leur potages sur les
+vaisseaux et qui même en quelque vaisseaux en servent jusqu' à vingt et
+une fois par semaine. Nach Diefenbach heißt in den keltischen Sprachen
+garan der Kranich, der »Langbeinige.«
+
+
+*Kraier*, der,
+
+ein Ostseeschiff mit Pfahltakelage (s. Polacker). In Ostfriesland heißt
+kreier, kreuer, kroier, krojer eine Art von Schlitten, die auf dem Watt
+gebraucht werden um die gefangenen Fische aus den Reusen zu holen; sie
+werden auf dem glatten Schlick des Watts von einem Mann, der krei-jager
+genannt wird, geschoben, und sind also die eigentlichen
+»Schlickrutscher«. Das ostfriesische Zeitwort kroien, krojen bedeutet
+schieben, wegschieben, verschieben, nach dem Winde drehen, umdrehen,
+versetzen; niederländisch kruijen, in einem Schiebkarren schieben,
+treiben, in Fluß und Bewegung kommen, namentlich von Eisschollen,
+mittelniederdeutsch kruijen und kroden; westfriesisch krodjen schwer
+tragen, ziehen, schleppen. In kroier ist also ein d ausgefallen, und
+erst dieser Schwund hat, wie öfters im Niederdeutschen, das i oder j
+bedingt. Demnach entspricht das Wort einem der neuhochdeutschen
+Schriftsprache abhanden gekommenen mittelhochdeutschen krod, das nach
+Grimm V 2412 Mühe, Belästigung bedeutet. Die Mühe ist eben ein Ziehen,
+ein Schieben, ein Schleppen von Lasten. Ein Kraier ist also ein
+Lastenschieber, Lastenschlepper, kurz ein Lastschiff.
+
+Die Kraier sind indessen nicht ausschließliche Eigentümlichkeit der
+Ostsee, man kannte sie schon im Mittelalter in Holland, vergl. das unter
+Krawelboot angeführte holländische Citat über Hoorn.
+
+
+*Krampe*, die,
+
+seemännisch nur weiblich, ein Eisen in der Form eines U, aber mit
+zugespitzten Enden, das in irgend ein Holz geschlagen wird um etwas
+daran befestigen zu können. Wegen der gekrümmten Gestalt verwandt mit
+Krampf, dem krankhaften Sichkrümmen der Glieder; Ablaut zu krimpfen,
+niederdeutsch krimpen, intrans, sich krumm zusammenziehen, wenn man
+Leibschmerzen hat, wenn man friert, vom Hunde, wenn er seine Notdurft
+verrichtet. Vergl. krimpen.
+
+
+*krängen.*
+
+Wenn das Schiff sich unter dem Einfluß von Wind, Wellen oder hart
+gelegtem Ruder auf die Seite neigt, so sagt man: es krängt. Die Größe
+der Krängung wird in Graden des Winkels angegeben, den das Deck mit dem
+Wasserspiegel bildet. »Wir krängten«, (d. h. das Schiff auf dem wir uns
+befanden krängte:) »25°«.
+
+Krängt ein Schiff einmal nach der einen und dann nach der andern Seite
+so nennt man das: es schlingert.
+
+Wegen der »krank«-haften Bewegung ist das Wort zu krank zu stellen. Die
+erste und ursprüngliche Bedeutung ist nach Hildebrand (Grimm V 2024) am
+deutlichsten in dem waidmännischen »krank« = verwundet zu finden, weil
+verwundete Tiere sich krümmen, sich hin und her winden, sich von einer
+Seite auf die andere werfen. Dem entspricht das im Beowulf vorkommende
+cringan = fallen im Kampfe, niederstürzen mit der sich windenden
+Bewegung eines zu Tode Getroffenen.
+
+Früher hieß krank auch krang, so daß die Abstammung des Wortes krängen
+von krank noch deutlicher in die Augen springt. Es heißt also: sich hin
+und her werfen wie ein Kranker oder Verwundeter. Im Nordfriesischen ist
+diese alte Bedeutung von krank noch zu erkennen in krenge = zu Falle
+bringen. Im Westfriesischen dagegen ist die Bedeutung verallgemeinert;
+omkrengen heißt da mit dem Wagen umdrehen, zur Seite fahren, ausweichen.
+
+
+*Krawelboot*, das,
+
+ist von der Lage der Planken zu einander genannt, die seine Bordwand
+bilden. Es hat nur eine Plankenlage (im Gegensatz zum Diagonalboot) und
+die Planken stoßen stumpf aufeinander. Sie sind also wie die
+Schiffsplanken neben einander befestigt und wie diese auch gedichtet
+oder kalfatert. Krawel ist Versetzung (Metathesis) von Karwel. Wie das
+englische carve zunächst nicht einschneiden oder ausschneiden, sondern
+nur schneiden bedeutet, so bedeutet das niederdeutsche karfe, karve
+nicht bloß »Kerbe«, sondern auch Schnitt, Abschnitt, Stück; umkarf ein
+Stück Brot ums ganze Brot herumgeschnitten. Das Schneiden, Abschneiden
+ist also ausschlaggebend, und zwar nicht nur weil die einzelnen Planken
+besonders sorgfältig geschnitten, gut auf einander passend geschnitten
+werden müssen; man darf gewiß auch daran denken, daß die beiden Planken
+»miteinander abschneiden« im Sinne von: »aufeinander oder aneinander
+genau passen.«
+
+Niederländisch karvielwerk; darunter versteht Roeding (1794) »alle
+Hölzer und Planken, die nicht klinkerweise über einander liegen, sondern
+mit ihren Kanten dicht an einander schließen.«
+
+Die ersten Spuren des Karvielwerks führen nach Hoorn in Holland (nach
+dem auch das Kap Hoorn den Namen hat) D. Delius in seiner Beschreibung
+von Hoorn: »In't jaer 1460 werden hier de eerste Carviel-schepen
+gemaeckt, daar men te vooren niet hadde dan Hulken, Razeilen en kraiers,
+en die altemal gewracht Crap-schuits wijze met de planken op malkander.«
+
+
+*kreuzen.*
+
+Eigentlich (= to cross) durch etwas ein Kreuz machen, durchkreuzen,
+ausstreichen, zu nichte machen. Im Seemännischen heißt es zunächst: sich
+aufkreuzen, wegen ungünstigen Windes, bei dem man nicht Kurs steuern
+kann, so kreuzen, daß man so hoch beim Winde segelt und segelnd hin- und
+herfährt, daß bei jedem Schlage, bei jedem Hin und bei jedem Her etwas
+von der eigentlichen Kursrichtung gewonnen wird und so das Schiff, wenn
+auch recht langsam, doch zu seinem Ziele kommt. Es mag der Gedanke zu
+Grunde liegen, daß auf diese Weise der eigentliche Kurs immer wieder
+gekreuzt wird, so daß jeder Schlag mit ihm ein Kreuz bildet; vielleicht
+hat auch die Redensart »kreuz und quer« mitgespielt; gleichbedeutend mit
+laviren.
+
+Sodann heißt kreuzen auch: sich längere Zeit auf einer und derselben
+Stelle, an derselben Küste, in demselben Meere, auf derselben Station
+sich aufhalten und hin- und herfahren um die Flagge zu zeigen und die
+Interessen seines Landes und seiner Angehörigen wahrzunehmen; im Kriege
+einen Hafen, eine Küste blockieren, feindliche Schiffe kapern etc. etc.
+Dabei ist an »Sichaufkreuzen« nicht gedacht, sondern nur an das Hin- und
+Herfahren. Daher der Name »Kreuzer« für Schiffe die den angegebenen
+Zwecken dienen, sich aber von dem »Aufkreuzen« immer weiter entfernen,
+da sie immer mehr auf die Dampfkraft gestellt werden, der man vor
+fünfzig Jahren, zur Zeit der »Deutschen Flotte«, noch so wenig für
+Kriegszwecke zutraute.
+
+
+*Kreuzknoten*, der.
+
+Im Grunde genommen ist jeder Knoten ein Kreuzknoten, da überhaupt nicht
+anders als übers Kreuz geknotet werden kann. Ein Kreuzknoten ist aber im
+Besonderen ein doppelter Ueberhandsknoten; man legt zuerst die beiden
+Tampen kreuzweise übereinander und nimmt dann den oberen Tampen über den
+unteren durch: das ist ein Ueberhandsknoten; tut man dasselbe noch
+einmal und zwar so, daß nachher die Tampen und Buchten neben einander
+liegen, so ist das ein Kreuzknoten.
+
+
+*Kreuzmast*, der,
+
+ist bei Vollschiffen der hinterste der drei Masten. Auf spanischen und
+anderen Schiffen (katholischer Völker) war am Kreuzmast oder in seiner
+Nähe ein Kruzifix oder ein Kreuz so angebracht, daß es vom Deck aus,
+namentlich vom Achterdeck aus zu sehen war. Wer auf das Achterdeck kam
+bezeugte diesem religiösen Symbol seine Achtung indem er es grüßte. Die
+Sitte dieses Grußes hatte sich so eingebürgert, daß, als, zuerst bei den
+Protestanten, hernach auch bei den Katholiken, das Kreuz nicht mehr
+angebracht wurde, der Gruß doch blieb, er wurde nun aus alter Gewohnheit
+dem nach dem Kreuze genannten Kreuzmast dargebracht. Noch heute grüßen
+alte Seeoffiziere jedesmal, so oft sie das Achterdeck betreten, nach dem
+Kreuzmast hin, auch wenn kein Mensch um den Weg ist, dem der Gruß
+gelten könnte.
+
+Alles was zum Kreuzmast gehört wird als Sammelbegriff auch *Kreuztop*,
+genannt. Und die einzelnen Teile werden zur Unterscheidung von denen des
+Groß- oder des Vortops durch Vorsetzen von Kreuz- bezeichnet. In Grimms
+Wörterbuch fehlt Kreuzmast. Dafür ist ein Wort aufgenommen, das es nicht
+gibt: Kreuzraa. Es gibt am Kreuzmast eine Bagienrahe, eine Kreuzmars-,
+Kreuzbram- und Kreuzoberbram-Rahe, aber keine Kreuzrahe. Und wenn man
+auch die Bagienrahe Kreuzrahe nennen wollte, etwa nach dem Vorgang von
+Groß- und Fockrahe, so ist doch die Erklärung, die Hildebrand dem Kampe
+entnommen hat, keine oder noch weniger als eine Erklärung: »Kreuzraa,
+auf Schiffen eine Art Raa«; der Kreuzmast hat keine besondere Art von
+Rahen, er hat Rahen, wie andere Rahen auch sind, nur daß sie eben am
+Kreuz- und nicht am Groß-, oder Fockmast festgemacht sind.
+
+
+*Kriegsschiff*, das.
+
+Ursprünglich war es im niederdeutschen Sprachgebrauch ein solches, das
+bestimmt war, Frieden und Sicherheit auf dem Meere zu schaffen und dem
+unerlaubten Nahrungszweig der Seeräuber zu wehren. Sie hießen daher
+nicht Kriegsschiffe, sondern vredeschepe. Lübecker Chronik: »De rad van
+Lubeck makede uth vredeschepe up de se tighen de Prusen, wente de nemen
+wat se krighen konden«.
+
+Althochdeutsch herikocho, eine Heer-Kogge, eine Kogge, die ein (kleines)
+»Heer« von Kriegsleuten führte. Mittelhochdeutsch herschif.
+Mittelniederdeutsch orlogschepe; orlog, orloge, orlage, orlege, orloch,
+orlech, orlich, orlinch hieß Krieg; altsächsisch urlag, althochdeutsch
+urlac, nicht etwa exlex, sondern Bestimmung, Schicksal, höhere
+Entscheidung, Gerichtskampf vor Gott. Lübecker Chronik: »scepe de to dem
+orleg vte weren.«
+
+Niederländisch oorlogschip. Englisch man-of-war, eigentlich Kriegsmann,
+aber mit so ausschließlicher Bedeutung von *Kriegschiff*, daß ein
+Kriegsschiffsmatrose genannt wird »a man-of-war's-man.«
+
+
+*krimpen*
+
+heißt das Sichdrehen des Windes oder, wie der Seemann sagt, das
+Herumgehen des Windes, besonders in unwillkommener Richtung und außerdem
+manchmal mit der Nebenbedeutung des Sichdrehens gegen die Sonne, was
+alte Seeleute als ein Zeichen kommenden Sturmes ansehen. Krumpen ist das
+niederdeutsche Zeitwort für das hochdeutsche krümmen, winden, einziehen,
+zusammenziehen, althochdeutsch krimpfen, mittelhochdeutsch krimpfen;
+davon das in Ostfriesland gebräuchliche krimper = Geburtswehe.
+
+Die Angabe Hildebrands in Grimms Wörterbuch V 2312 »der Wind krimpt
+(ein), wird schwächer, schrumpft ein gleichsam«, muß auf einem
+Mißverständnis beruhen, da beim Krimpen der Wind nicht schwächer sondern
+nur schraler wird, ja er wird dabei eher stärker. An sich heißt also
+jede Windrichtungsänderung krimpen, besonders aber diejenige, bei der
+man den gewünschten Kurs nicht mehr steuern kann und die schlechtes
+Wetter erwarten läßt; eine Änderung auf die der besonders achten muß,
+dem sie besonders bedeutsam und wichtig sein muß wegen der zu treffenden
+Vorsichtsmaßregeln. Ehrentraut, Fries. Archiv II. 72: »Wenn der Wind
+nördlich ist und dann westlich wird und dann wieder nördlich, dann sagt
+der Schiffer: »de win krimpet oder es krumpen. Darauf folgt leicht ein
+Sturm.« Und Röding bemerkt zu krimpen: »der Wind läuft gegen die Sonne
+rund, welches gewöhnlich schlechtes Wetter mit sich bringt.«
+Französisch: »se ranger contre le soleil.«
+
+Man weiß, was man von dergleichen Meteorologie zu halten hat.
+
+
+*Kronlin*, die,
+
+(Kronleine) nennt man auf Wangerooge und sonst an der Nordseeküste »das
+Tau womit das Hauptsegel aufgezogen wird.« Krone hat hier die Bedeutung
+von Kopf, Spitze, Oberstes, wie in Baumkrone oder dem Ausdruck: »es ist
+ihm etwas in die Krone gestiegen«; in Ostfriesland heißt eine Garnwinde,
+die auf einer aufrechtstehenden Stange läuft, Garnkrone. Um den
+angegebenen Zweck zu erfüllen muß das Tau durch einen Block an der
+Krone, am obersten Teil des Mastes der das Segel trägt fahren. Doch kann
+man es auch so erklären, daß diese Leine die »Haupt«-Leine bedeuten
+soll, wie man von einem »Haupt und Kronenstück« als etwas besonders
+Wichtigem redet.
+
+
+*Krulle*, die,
+
+ist das Schneckenhaus- oder lockenförmige Auslaufen des Gallions, oder
+vielmehr des Vorstevens in einer Verzierung, die man bei jonischen
+Säulenkapitellen voluta nennt, wegen des in sich selbst Zurückkehrens,
+volvere. Eine krulle heißt niederdeutsch ein gekrümmtes Etwas, Ringel,
+Locke, Schnörkel, geringelter Hobelspan, Schnecke; dergleichen
+Verzierungen können wenn sie künstlerisch ausgeführt sind, dem Bug ein
+sehr gefälliges Ansehen geben.
+
+
+*Kuff*, die,
+
+ein Seeschiff von festem, aber plumpem, breitem, rundem Bau, mit zwei
+Masten. Ostfriesisch, wangeroogisch, niederländisch kuf, so daß der
+Hinweis auf Kufe von selbst gegeben ist, mit der sich eine Kuff wegen
+der runden Bauart auch sehr wohl vergleichen läßt. Die Abstammung eines
+so alten, in die frühesten Kulturzeiten zurückweisenden und auf
+Flechtwerk als erste Entstehungsart hindeutenden Wortes (vergl.
+Korvette) vom lateinischen cupa = Faß will Hildebrand (Grimm V 2531)
+nicht glaubwürdig erscheinen; er nimmt zwar bei einer in Raum und Zeit
+so weit verzweigten Entwicklung ein Verflechten mit romanischen
+Anklängen an, aber in der Form von Wechselwirkung; nur beim Weinbau am
+Rhein, der ja von den Römern eingeführt wurde, nimmt er eine
+unmittelbare lateinische Beeinflussung von Kufe durch cuba an.
+
+Der Begriff des Runden und Plumpen ist in dem modernen Bewußtsein so
+sehr mit Kuff verbunden, daß man jedes auch ganz anders getakelte
+Schiff, ja jeden plumpen Dampfer verächtlicherweise eine Kuff nennt.
+
+Öfters hat die Kuff zur Erhöhung der Stabilität ein Schwert. Trotzdem
+nimmt sie viel Wasser über, vergl. Lüpkes, Seemannssprüche 12:
+
+ Kuffen un Smakken
+ Sünd Waterbakken;
+ Hoekers un Buisen
+ Sünd Seemannshuisen.
+
+
+*Kuntje*, das.
+
+»Wenn unsere Seeleute von Spanien Wein holten, so sahen sie, daß man die
+Fässer mit Keilen feststaute. Da nun im Spanischen ein Keil cuno heißt,
+so werden bis auf den heutigen Tag diese Staukeile von unseren Seeleuten
+Kuntjes genannt.« So hat das Wort Breusing im Jahrbuch des Vereins für
+niederdeutsche Sprachforschung richtig erklärt, nur daß der Keil im
+Spanischen cuna, nicht cuno (Münzstempel) heißt.
+
+
+*Kuhbrücke*, die, s. Kuhl.
+
+
+*Kuhl*, die.
+
+Das niederdeutsche Wort kuhl bedeutet Vertiefung, Einsenkung, Höhlung,
+Loch, Grube, Grab. Die Kuhl an Bord war früher größer, weiter
+ausgedehnt, denn sie umfaßte den ganzen vertieften Raum zwischen Back
+und Schanze (jetzt Kampanje), der nun in zwei Teile zerfällt, in den
+Teil hinter dem Großmast: das Achterdeck, und den vor dem Großmast, die
+Kuhl. Während der erstere Teil an Würde und Ansehen sehr gestiegen ist,
+ist der zweite eben so sehr gesunken, indem hier nun der Hauptraum von
+der Barring, die auch *Kuhbrücke* (eigentlich Kuhlbrücke) heißt,
+überdeckt wird. Es werden nämlich die Borgstengen und Borgrahen,
+überhaupt die Reserve-Rundhölzer hier so angebracht und gelagert, daß
+sie eine Art Deck, ein Dach, eine Brücke bilden, eben die Kuhbrücke. Auf
+dieser werden dann die schweren Schiffsbeiboote, Barkassen und Pinassen,
+aufbewahrt. Der Raum unter der Kuh(l)brücke heißt besonders die Kuhl,
+der Raum »*vor* dem Mast«; da ist die Mannschaft unter sich und kann
+sichs gemütlich machen, doch herrschen auch hier, wie bei jedem
+Zusammenleben von Menschen, ungeschriebene, stillschweigend anerkannte
+Gesetze der Raumverteilung.
+
+
+*Kuhfuss*, der,
+
+mittelniederdeutsch kovot = Brechstange. Also nicht zu verwechseln mit
+dem scherzhaften Namen für das Gewehr. Die Brechstange ist von Eisen und
+dient auch als Hebel zur Handhabung schwerer Lasten. Das eine Ende ist
+platt und hat eine Klaue wie eine Kuh, so daß man Nägel damit ausziehen
+kann wie mit einem »Kistenöffner.«
+
+
+*Kühlte*, die.
+
+In der Regel wird der Wind als kühlend angesehen, namentlich in unseren
+Breiten. Je mehr er also kühlt, desto stärker wird sein Wehen sein.
+Daher wird durch das Substantivum Kühlte der Grad der Windstärke
+ungefähr angegeben. Roeding: »Wenn bey stillem Wetter oder flacher See
+etwas Wind entsteht, der eine leichte Bewegung des Meers verursacht, so
+nennt man solches eine kleine Kühlte oder schlaffe Kühlte.
+
+Wird der Wind etwas stärker, so ist es eine labbere Kühlte, bey welcher
+ein Schiff ungefähr 3-4 Meilen in einer Wache zurücklegt ... Unter
+Bramsegelskühlte versteht man eine labbere Kühlte, bey welcher man
+Bramsegel führen kann, und unter Marssegel-Kühlte eine frische Kühlte,
+bey welcher man die Marssegel nicht reeft.« Bei steifer Kühlte fährt man
+mit gereeften Marssegeln, vergl. Windstärke.
+
+
+*Kurs*, der.
+
+Die Richtung die ein Schiff nehmen muß um an seinen Ort zu kommen.
+Lateinisch cursus, italienisch corso, französisch cours, Lauf, Weg, Gang
+einer Münzsorte, Stand eines Wertpapiers, Geldwert. Früher, im Seebuch
+1400 und überhaupt im Mittelniederdeutschen, gebrauchte man anstatt des
+Lehnwortes das gut deutsche holt = Halt, vom Halten der Ruderpinne. »Ich
+halte (die Ruderpinne so, daß mein Schiff nach oder) auf Lübeck
+(fährt).« Jetzt nur noch in der Bedeutung »abhalten auf« ... gebraucht,
+wenn der Kurs geändert wird auf eine bestimmte, von der bisherigen
+abweichenden Richtung. Lucas Janszoon Waghenaer in seinem »Spiegel der
+Zeevaerdt«, 1588, hat noch ein besseres und deutlicheres deutsches Wort
+für Kurs, nämlich Gang. »Een Schip comende van Cizarga oft Cesarien (soo
+ons volck dat noemen) ouer de Spaensche Zee met een noort noordtooste
+ganghe nae Heyssant« ... »Item een Schip dat comt van de Cape de
+Finisterre met een Noort noordtooste ganghe, ende vintet diep 80 vadem,
+so is hy van landt vier en twintich mijlen de grondt is cleyne swerte
+steenkens ghemengt met groff root sandt.«
+
+
+*Kurr*, die, auch (besser) Kur,
+
+ist ein Schleppnetz, in einem Rahmen eingespannt, zum Strand- und
+Grundfischen. Die Küstenbewohner der Nordsee schieben die Kur teils mit
+einer Stange vor sich her, die Kurbaum heißt, teils ziehen sie an einer
+Leine, der Kurleine, hinter sich her. Sonst niederdeutsch und
+nordfriesisch korre, altfriesisch koer, niederländisch korre,
+ursprünglich ein korbartiges Geflecht, denn das westfriesische koer
+heißt auch heute noch neben Netz *Korb*; auch eins mit kor in der
+Bedeutung Gefäß, Bienenkar. Wie weit Bedeutungen sich von ihrem Ursprung
+entfernen können beweist die Tatsache, daß in der Pfalz Knaben die sich
+für ihre gefangenen Hummeln ein Lehmgehäuse zusammenkneten, dieses auch
+Kar nennen.
+
+
+*Küste*, die,
+
+= Ufer, Seeufer, Gestade; hochdeutsch seit dem 17. Jahrhundert, (zuerst
+bei Stieber). Romanisches Wort, altfranzösisch coste, neufranzösisch
+côte, italienisch und spanisch costa, eigentlich Rippe, Seite, dann auf
+die Seite, den Landstreifen am Meere übertragen. Wenn Hildebrand (Grimm
+V 2878) meint: »zu uns wird es über Holland gekommen sein, denn schon
+Kilian am Ende des 16. Jahrhunderts verzeichnete kuste, koste, sodaß der
+Übertritt des o in ü mit von dort ausging«, so ist daraus nicht zu
+schließen, daß bei Kilian sich die erste Spur des Wortes überhaupt
+findet, denn schon 1400 hat das Seebuch kost und koste. Meist heißt
+freilich im Mittelniederländischen die Küste »wal«. »So de wind lange up
+de wal hadde gestahn und sick den wedder na der see kehrt, so kamen de
+floden spader.« Niederländisch wal, »aan den wal gaan«, an Land, auf
+Urlaub gehn. Kilian hat auch schon die Form see-kant, die als waterkant
+an der Nordsee weit verbreitet ist. Im Beówulf dagegen kommt wael vor,
+Wall, Damm, Schanze, Ufer.
+
+
+*Küstenbezirksinspektor*, der,
+
+ist ein von der Marine angestellter höherer zur Disposition gestellter
+Seeoffizier, der in seinem Küstenbezirk die Aufsicht über die richtige
+Betonnung des Fahrwassers, die Leuchtfeuer, Feuerschiffe, Baken, Bojen
+u. s. w. hat.
+
+
+*Kutter*, der,
+
+in der Marine das Beiboot zum Rudern oder Segeln, das besonders für die
+Fahrten der Offiziere an Land etc. etc. bestimmt ist, größer als die
+Jolle, kleiner als die Barkasse und auch vornehmer in Linienführung und
+Ausstattung.
+
+Sonst ein Fahrzeug das sich wenig von einer Jacht unterscheidet. Der
+Kutter, den Roeding abgebildet hat, trägt einen Pfahlmast, daran einen
+Besan, ein Marssegel geringeren Umfangs, ein Bramsegel und davor ein
+Stagsegel und einen Klüver; er macht den Eindruck eines »schneidigen«
+Seglers. Daher hat schon Halbertsma, Lex. Fris. vermutet, der Name komme
+von cut, schneiden (französisch couteau, lateinisch cultellus, Messer):
+»a nimble boat cutting the water.« Roeding berichtet von seiner Zeit
+(1794): »Wegen ihrer außerordentlichen Geschwindigkeit im Segeln werden
+sie in England viel zum Kontrebandehandel gebraucht. Die Regierung hält
+daher auch Kutter zu Küstenbewahrern, um diese Schleichhändler
+einzuholen. Letztere führen ungefähr 30 Mann Besatzung, 6-8 Kanonen und
+einige Drehbassen. Kutter welche in England zur Kauffardey bestimmt
+sind, dürfen nach den Gesetzen nicht so hohe Takelasche führen, als die
+Küstenbewahrer, damit sie diesen nicht entgehen können. Die Kutter
+dienen im Kriege auch zur Kaperey und als Advis-Jachten und Paquet-Bote.
+In Frankreich und insonderheit zu Dünkirchen bauet man sie jetzt
+ebenfalls.«
+
+
+
+
+L.
+
+*Labber*
+
+kommt nur in der Verbindung »labbere Kühlte« vor und ist gleichbedeutend
+mit dem sonstigen niederdeutschen labberig, das zumeist vom Geschmack
+gebraucht wird: fade, weichlich, süßlich, kraftlos, schlaff. Das
+letztere nähert sich dem seemännischen Gebrauch, denn bei der unter
+Kühlte angegebenen Fahrt, die ein Schiff bei labberer Kühlte macht,
+müssen die Segel wenigstens zeitweilig ziemlich schlaff herunter hängen.
+Indessen ist nicht nach dem Geschmack sondern nach dem Gehör das Wort
+gebildet, nach einem Schallstamme von dem Geräusch des Schmatzens beim
+Essen von Süßigkeiten und beim Küssen; daher Labberei, Schleckerei,
+Schmatzerei, Küsserei. Auch das seemännische labber erklärt sich aus dem
+Schall, aus dem Geräusch das die Segel machen, wenn ihnen zeitweilig der
+Wind ganz ausgeht; dann flattern und flappern, wappern und lappern (auch
+sonst schlagen: »he lapde hum en an de oren«) und labbern sie.
+
+
+*Labsalen.* Tauwerk mit Teer einreiben.
+
+Hat mit Labsal nichts zu tun, wiewohl ein richtiges Seemannsherz der
+Meinung ist, der Teer sei für das Tau ein Labsal. Aber der Seemann sagt
+gar nicht labsalen, das ist vornehmer sein sollende neuhochdeutsche
+Seemanns-Schiffssprache, er sagt labsalben und das Einreiben oder
+Einschmieren, was ist es anders als Einsalben? Und auch das »lab«
+erklärt sich auf sehr einfache Weise. Das Salben geschieht mit einem
+Lappen, niederdeutsch lap -- also lap-salben ist die richtige und ohne
+weiteres verständliche Form.
+
+Lap-döse (Lappendose) heißt der Kasten auf dem Schiffe, der die Lappen
+(zum Verbinden), Pflaster, einige Arzneien und Instrumente chirurgischer
+Art enthält, also »Pflasterkasten«; lap-dös bedeutet aber auch Flicken-
+oder Flickkorb, und also auch in dieser Hinsicht ein für manche fatale
+Bedeutungsähnlichkeit mit Pflasterkasten.
+
+In Groningen schimpft man einen der zerrissenes Zeug an hat Lapsak und
+Lapsalver, scherzweise auch Laplander. Schlecht angezogene Leute,
+»Lumpen und Lappen« wurden früher auf der Jagd zur Umstellung des Wildes
+gebraucht, daher: »durch die Lappen gehen.«
+
+Ueber die Erklärung von labsalen hilft sich Kilian hinweg, der doch ganz
+richtig lapsalven hat, mit der leichthin geäußerten Bemerkung es werde
+wohl »quacksalven« sein.
+
+
+*Labskausch*, der,
+
+eine Speise, Rindfleisch und Kartoffelmus gemischt. An Bord, von
+präserviertem Rindfleisch hergestellt, ist das oft ein zweifelhafter
+Genuß. Wenn aber der Seemann sich erst einmal der Seefahrt begeben hat
+und in die so beliebte Zivilversorgung gegangen ist, dann fängt dieses
+Essen an, ihm in verklärtem Lichte zu erscheinen, er denkt wunders wie
+fein es ihm einst geschmeckt habe und veranstaltet feierliche
+Labskauschessen. Die Etymologie ergibt sich schon aus Kilians
+Uebersetzung von lap, smout, »pinguis liquor ex coriorum loris sive
+segmentis,« also aus Streifen oder Lappen Fleisch, aus Lappenstücken;
+die waren kein Abfall, kein übrig Gebliebenes, sondern Stücke des
+weichen Bauchfleisches, der Bauchlappen des Rindviehs. Das Zeitwort
+lappen aber übersetzt Kilian mit farcinare, »farcieren«, eine »Farce«
+bereiten aus Fleisch. Die erste Silbe von Labskausch bedeutet also
+Hackfleisch; (die Kartoffel ist erst nachträglich hinzugekommen). Die
+zweite Silbe ist das niederdeutsche Kaus = Schüssel, Schale, so daß das
+Ganze also »eine Schüssel Gehacktes« heißt. Der Geschlechtswechsel hat
+sich vollzogen in einer Zeit, wo dem Sprachbewußtsein -Kausch als
+Schüssel nicht mehr gegenwärtig war.
+
+
+*laden*,
+
+mit Tragbarem beschweren, ganz verschieden von laden, wohin berufen.
+Unser laden heißt gothisch hlathan, eine Last auflegen. Es kommt manchem
+Schiffe für seine Fahrt sehr darauf an, daß es richtig geladen sei, daß
+es in Bezug auf die richtige Verteilung der Last sein Recht empfange,
+wenn das geschehen ist, dann nennt man es: »das Schiff ist auf seinen
+Paß geladen.« Der Raum für die Ladung heißt *Laderaum*. Die Linie, bis
+zu welcher das Schiff ohne Gefahr geladen werden kann, die *Ladelinie*,
+die Gesamtheit des Geladenen die *Ladung*; Schiffsladung, auch ein
+(allerdings ziemlich unbestimmtes) Maß bezeichnend, »Schiffsladung,
+Ladung schottischer Kohlen«.
+
+Das Laden einer Kanone, eines Gewehrs erinnert, wie das gleichbedeutende
+Fremdwort chargieren, noch deutlich an das Beschweren mit Tragbarem.
+
+Uebertragener Sinn: »er hat zu schwer, er hat schief geladen.«
+
+
+*Laffete*, die,
+
+das Gestell auf dem eine Kanone ruht. Zuerst bei Stieler 1691: Lafet,
+Lafete; Goethe: Lavete. Ein Lehnwort, französisch l'affût, aus dem
+lateinischen ad und fustis = Stock, Prügel, Baum, Holz; spanisch fuste,
+provençalisch fust. Noch vor hundert jahren, 1794, als Roeding sein
+Lexikon schrieb, war Laffete an Bord nicht ausschließlich in Gebrauch,
+da sagte man auch noch Rapert und Rampert, niederländisch rampaard, also
+Rammpferd, »Rollpferd« sagt Roeding. Das Gestell hieß also Pferd,
+(vergl. Bock, Widder, Krahn) und ward näher bezeichnet als Rammpferd,
+weil es aus- und eingerammt wurde beim Schießen und Exerzieren.
+
+
+*Lage*, die,
+
+alle Kanonen, die an einer Seite eines Schiffes auf einem Deck stehen
+(liegen), eine halbe Batterie, eine Breitseite. Sind mehrere Decks
+vorhanden, die Kanonen tragen, so heißen alle zusammen an einer Seite
+eine volle Lage. Dem entsprechend heißt: »eine Lage geben«, »eine volle
+Lage geben« die betreffenden Kanonen zugleich, (in Konzentration) auf
+ein feindliches Ziel abfeuern. Auch übertragen: »eine Lage Bier geben«,
+eine Runde Bier ausgeben, so daß jeder Teilnehmer der Tafelrunde ein
+Glas bekommt; jemanden mit einer vollen Lage von Schimpfwörtern dienen.
+
+
+*Lägel*, der, auch Legel.
+
+1. Kurze Stücke von Tauen deren Enden an das Liek eines Segels gesplißt
+werden, so daß sie mit diesem eine Art Ring oder wenigstens einen
+Halbkreis bilden. Es werden an ihnen die Bulins und anderes laufendes
+Tauwerk befestigt.
+
+2. Die Ringe um das Stag, an die das Vorliek des Stagsegels befestigt
+ist, an denen dieses Segel am Stag auf- und niederläuft; ebenso die
+Ringe um Schnaumast und Gaffel durch die die Gaffelsegel sich auf und
+nieder bewegen lassen. Den Ringen zu vergleichen, mit denen man eine
+Gardine oder Portière bewegt.
+
+Gehört zum niederdeutschen lag, leg = leer, frei, ledig, unbehindert,
+und zwar im Sinne der leichten Beweglichkeit, und dieses ist Kontraktion
+von ledig. Ledig ist einer der sich leicht rühren und bewegen kann; von
+Arbeit, Mühe, Beschwerde oder sonstiger Hinderung frei. Daher vermutet
+Dornkaat mit Wahrscheinlichkeit das ledig = lidig sei; lid aber heißt
+Glied, Gelenk, Stelle wo Arm und Beine sich bewegen, so daß die
+Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und ein Zustand bezeichnet wird, in dem
+einer oder etwas, oder ein Mittel durch das einer oder etwas biegsam,
+geschmeidig, beweglich, lenksam ist, sich frei bewegen kann. Diese
+Bedeutung stimmt mit dem Begriff von Lägel oder besser: Legel überein,
+denn ein Legel kann man sehr wohl als Glied oder Gelenk bezeichnen,
+dadurch das Segel bewegt und gelenkt und gerichtet wird.
+
+
+*längsdeck*,
+
+ein viel gebrauchtes Adverbium, die Längsrichtung des Decks bezeichnend;
+die Rahe liegt längsdeck, die Leute laufen mit dem Taljenläufer
+längsdeck. »Mit jemandem längsdeck gehen« heißt im übertragenen Sinne,
+ihm »über« sein, ihn überwältigen, ihm seinen Meister zeigen.
+
+
+*Längsstringer* s. Stringer.
+
+
+*Landung*, die,
+
+allgemein (die Landung des Columbus auf Guanahani) das Anlanden an einer
+Küste; besonders aber das Anlandsetzen von Waren; auf Kriegsschiffen das
+Ausschiffen von Truppen, im Frieden als Landungsmanöver geübt.
+
+Das Zeitwort landen hieß und heißt teilweise noch im Hochdeutschen
+länden, aber das niederdeutsche landen hat es wegen des Übergewichts der
+Seeschiffahrt in den Hintergrund gedrängt. Das Landen ist nicht immer
+wörtlich zu nehmen, es wird auch wohl von solchen Häfen gesagt, die gar
+keine Häfen sind, sondern offene Reeden, wer z. B. in Montevideo
+»landet«, der liegt so weit vom Lande ab, daß wenig genug davon zu sehen
+ist.
+
+
+*Landmarke* s. Kennung.
+
+
+*Lanen*, die,
+
+des Bootes sind die manchmal gitterartigen, dann auch Gräting genannten
+Bretter, die den inwendigen Boden des Bootes bilden. Sie liegen lose auf
+den Bauchstücken und können daher abgenommen werden, wenn man sie
+reinigen will oder wenn man das Wasser ausöst. Im Ostfriesischen heißt
+läne, län = Lehne, Geländer, Gitter, woran man sich hält oder worauf man
+sich stützt, worauf man einen Stütz- und Ruhepunkt findet. Lane dürfte
+also zu unserem Lehne zu stellen sein, die zwar jetzt besonders einen
+Halt und eine Stütze für Hände, den Kopf oder den Rücken bedeutet, aber
+ursprünglich war das anders, da bedeutete Lehne ein Lager, und lehnen
+»eine schiefe Stellung bilden, eine schräge Lage einnehmen« und diese
+nehmen die Beine der im Boot Sitzenden, namentlich der Rudernden ein,
+indem letztere sie noch gegen auf Lanen angebrachte Fußleisten anlehnen.
+
+
+*laschen*
+
+heißt zunächst verlängern, besonders von der Tätigkeit der
+Schiffszimmerleute gesagt, wenn sie zwei Balken so zusammenfügen, daß
+sie zwar auf einander liegen, aber zusammen doch nur die Dicke des einen
+haben. Sie werden dann so zusammen verbunden. Daher heißt laschen auch
+überhaupt verbinden, befestigen, festbinden, zwei Dinge mit einander
+zusammenbinden. Eine Lasche ist ein Stück Zeug oder Leder, das man
+irgendwo einsetzt, dazwischen setzt, ansetzt um etwas zu verlängern. Die
+Erklärung macht Schwierigkeiten. Doch gibt Kluge einen Weg an, auf den
+sie sich dürften heben lassen; darnach wäre das Wort mit Lappen
+verwandt, indem im Althochdeutschen ein vorausgesetztes lafska sich in
+laska verwandelt hätte.
+
+
+*Last*, die.
+
+1. Die Ladung, das Geladene; auch als bestimmtes Gewicht: eine Last
+Kohlen, eine Last Torf.
+
+2. Der Raum in dem die Ladung verstaut ist oder werden kann. Es ist
+Ableitungsform von laden, (du ladest mit ausgefallenem d) wie
+mittelniederdeutsch lest (von lädst). »Das deutsche Wort drang ins
+Romanische, französisch lest, Ballast, laste, italienisch lasto, Last,
+als Schiffsgewicht«. (Kluge). Diejenige Last, also derjenige Raum, der
+für eine stets sich gleich bleibende Ladung bestimmt ist, die zur
+Versorgung des Schiffes dient, wird nach dem was er enthält benannt:
+Brotlast, Fleischlast, Wasserlast.
+
+
+*Lastadie*, die.
+
+»Navale, locus ubi naves constituuntur, aedificantur, aut quassatae
+reparantur« ist bei Kilianus eine Lastagie, sonst meist, wie viele
+Straßen- und Platznamen in deutschen Seestädten beweisen, in der Form
+Lastadie gang und gäbe. Es fragt sich, welches die ursprünglichere Form
+ist. Die Endung agie ist eine weitverbreitete mittelniederdeutsche
+Kollektivendung. Ueberall wo eine Menge zusammengehöriger Dinge
+zusammengenannt werden soll, geschieht dies durch Anhängen der Endung
+agie. Sie wird zwar meist wie asche ausgesprochen, aber agie, asje,
+asche, acze, aghe abwechselnd geschrieben: Takelasje, Fustage, Fastage,
+Budelaghe, Segelasche, Segelacze, Segelacie, Stellage, Slytage,
+Ankeragie, Ankeracie, Eskipage: sogar Priesteragie für Pfarrhaus kommt
+vor. Im Englischen steht dafür die Endung age; lastage = Last im Sinne
+von Ladung, auch Ballast, und Last im Sinne von Laderaum. Und das eben
+gibt uns die ursprüngliche Bedeutung an die Hand. Stelle am Ufer, wo die
+für Schiffe bestimmten Lasten aufgestapelt waren, oder wo der Ballast
+lagerte, also Laststelle, Ladestelle, natürlich auch Löschstelle. Beim
+Laden oder Löschen stellt sich wohl das Bedürfnis heraus, an Ort und
+Stelle kleinere Reparaturen auszuführen, dafür wurden zunächst recht
+einfache und vorübergehende Einrichtungen in Anspruch genommen, aus
+denen sich jedoch nach und nach eine richtige Schiffbauwerkstätte, eine
+Werft entwickelte, die aber den Namen behielt, den der Ort von der Last
+erhalten hatte.
+
+Aber wie ward aus Lastagie Lastadie? Oder, für den Fall, daß doch
+Lastadie die ursprüngliche Form wäre, woher kommt das d in der Endung?
+Da ist auf das schöne deutsche Wort Staden hinzuweisen. Es ist
+gleichbedeutend mit Kai, Kaje (Quai!). In Straßburg i. E. gibt es einen
+St. Nicolausstaden, einen Schifferleutstaden, Fischerstaden, Pariser
+Staden, Kaufhausstaden u. s. w. Leider ist aber auch der Gebrauch dieses
+Wortes so ziemlich auf das Gebiet Hochdeutschlands beschränkt. Dafür
+kennt das Niederdeutsche ein allerdings immer ungebräuchlicher werdendes
+Stade, welches zunächst so viel wie Gestade, Ufer ist, dann aber auch
+allgemein Stätte, Stelle, Platz, Ort u. s. w. bedeutet und, wie Staden,
+von einem Zeitwort kommt, das die Bedeutung hat: etwas irgendwo
+hinstellen, zu Statten bringen, zum ruhigen Bestande bringen,
+aufstellen, sich verheiraten, einen begraben etc., womit auch das Wort
+Stalhof (Stadelhof) verwandt ist, wie das Haus hieß, das die Oesterlinge
+zur Zeit der Hansa in London hatten, in dem die deutschen Kaufleute ihre
+Waren ausgestellt hielten, (es mag hauptsächlich ein Musterlager gewesen
+sein, weil man ein Muster, eine Warenprobe heute noch einen Stal, ein
+Stälchen nennt).
+
+Also die Stätte, wo eine Last lagerte hieß Stade. Wie nahe lag da die
+Verbindung Laststade. Das eine st wurde als lästig gefallen ausgewiesen,
+so wie aus Raststede Rastede wurde. Der bloße Gedanke an Stade konnte
+bewirken, daß aus Lastagie Lastadie wurde. Da für letzteres aber auch
+die Form Lastadigen bezeugt ist, was eine Erinnerung an das von der
+richtigen Stelle verdrängte g von Lastagie sein könnte, so gewinnt
+dadurch die Ansicht das Übergewicht, daß Lastagie die ursprünglichere
+Form ist, aus welcher durch Anlehnung an die Vorstellung Last-stade
+Lastadie sich gebildet hat. Jetzt ist es durch Werft völlig verdrängt.
+
+
+*Lateinische Segel*
+
+haben als besonderes Kennzeichen die Eigenschaft dreieckig zu sein und
+an einer langen Rahe zu sitzen, die ihrerseits an einem niedrigen, meist
+etwas vornübergeneigten Mast sitzt. Diese Art stammt aus dem Mittelmeer,
+aus dem eigentlichen Sprachgebiet des Lateinischen, und wird daselbst
+von Galeeren, Schebecken, Pinken, Tartanen, Felucken, Galioten und
+überhaupt fast allen dort gebräuchlichen Fahrzeugen geführt. Solche
+Schiffe sind leicht zu bedienen und segeln gut beim Winde.
+
+
+*Laterne*, die.
+
+Diese allbekannte Lichtspenderin wird an Bord in verschiedenen Arten und
+zu verschiedenen Zwecken geführt, muß aber allemal so gesichert sein,
+daß auch der Sturm das darin brennende Licht, eine dicke Kerze, nicht
+auslöschen kann. Man hat Lauflaternen, Kompaßlaternen und besonders
+Positionslaternen. Diese sind von der größten Wichtigkeit, weil sie in
+der Dunkelheit das einzige Mittel sind, die Position, also nicht nur das
+Vorhandensein eines Schiffes überhaupt, sondern auch seine Fahrtrichtung
+zu erkennen zu geben oder zu erkennen. Zu diesem Zwecke brennt vorne an
+Steuerbord eine grüne, vorne an Backbord eine rothe Laterne, ist das
+Schiff ein Dampfer, so brennt hoch über den beiden am Stag eine Laterne
+mit weißem Licht, die Staglaterne.
+
+
+*Laufendes Gut*
+
+nennt man alle Taue die ihrer Natur und Bestimmung nach beweglich sind
+und bewegt werden durch Menschen, neuerdings auch durch Dampfkraft.
+Gegensatz: stehendes Gut, das nicht nur für sich selbst fest und
+unbeweglich zu stehen hat, sondern auch dazu hilft, daß andere Teile des
+Schiffes fest stehen, weil sie von ihm gestützt sind.
+
+
+*Läufer*, der,
+
+ehedem ein Mann dessen Beruf das Laufen war, ein Bote zu Fuß, Diener in
+besonderer Kleidung, der Kutsche Vornehmer vorauslaufend um Raum zu
+schaffen, auch Aufwärter etc. etc. (Ein Lauffeuer ist ein Strich
+ausgeschütteten Pulvers zum Anstecken von Gegenständen aus größerer
+Entfernung.) Seemännisch: 1. Das Ende eines Takels, einer Talje, einer
+Jolle an dem die Matrosen holen, und zwar sollen sie, besonders auf
+Kriegsschiffen, möglichst schnell holen, laufend holen, indem sie mit
+dem Läufer in der Hand längsdeck laufen, z. B. beim Hissen eines
+Kutters. 2. Ein Posten vor der Kajüte oder Messe, der Befehle
+überbringt, Botschaften ausrichtet, anmeldet etc. etc. (Treppen- und
+Flurläufer kommen wohl auch an Bord vor, sind aber nichts besonders
+Seemännisches). Doch ist in Bezug auf 1 zu bemerken, daß eigentlich das
+ganze Tau eines Takels mit allen seinen Parten Läufer heißt, weil es
+über die Scheiben der Blöcke läuft, daß aber die holende Part, weil hier
+das Laufen in doppeltem Sinne zum Bewußtsein kommt, auch besonders als
+Läufer in den Vordergrund tritt.
+
+
+*Laufplanken*, die,
+
+sind Planken die vom Schiffe an Land geschoben werden, damit man auf
+ihnen aus- oder einsteigen kann; besonders aber die Planken an beiden
+Seiten der inneren Bordwand durch die Back und Schanze so mit einander
+verbunden sind, daß man von dieser auf jene gehen kann, ohne an Deck
+hinabsteigen zu müssen. Auch auf offenen Flußfahrzeugen finden sich an
+der derselben Stelle Laufplanken, auf denen die Matrosen hin- und
+hergehn beim Staken.
+
+
+*Laufstag*, das,
+
+im engeren Sinne ist eine Haltevorrichtung für die Matrosen die am
+Bugspriet zu arbeiten haben, bestehend aus zwei gestreckten Tauen, die
+wie ein Geländer aussehen und zwischen denen man hindurchgehen kann. Da
+in der Nähe dieses Laufstages das Gallion ist (war), so mag mit ihm der
+Ausdruck »Stagläufer« für getrocknete, gelbe Erbsen in Verbindung
+stehen, die so schwer verdaulich für manchen Magen sind, daß sie
+manchmal gänzlich unverdaut in der Nähe des Laufstages wieder ans Licht
+kommen, (vergl. das Wort: »er sieht aus wie eine Erbse, die dreimal
+durch einen Soldaten gegangen ist«, von einem gelb und kränklich
+aussehenden Menschen gesagt).
+
+Im weiteren Sinne kann man Laufstag auch jedes Manntau nennen, also
+jedes zeitweilig geschorene Tau an dem der Mann an Bord sich festhalten
+kann, sei es an Deck bei so schlechtem Wetter, daß man ohne ein solches
+nicht stehen oder gehen kann, sei es beim Paradieren auf den Rahen, also
+das was man sonst *Strecktau* nennt, ein Tau, nach dem der Matrose die
+Hand ausstreckt um sich festzuhalten.
+
+
+*Launske*, e.
+
+Memeler Lootsen kommandieren: »e Launske Backbord dat Rohr« (Ruder),
+»fier weg e Launske achtern«! Nach schriftlicher Mitteilung eines
+früheren Ostseekapitäns ist das Wort aus dem englischen allowance
+verderbt und mit Diminutivendung versehen. Allowance ist aber Ration,
+Portion. Wie man nun von einer tüchtigen Ration Prügel und einer
+gehörigen Portion Schelte spricht, so sagt der Ostseemann: »e Launs
+Schelte oder Prügel bekommen«, wie er auch die Ration Essen oder Trinken
+Launs nennt. Die Verkleinerungsform deutet also das an was wir mit »ein
+Teilchen, ein Bischen, ein Stückchen« bezeichnen.
+
+
+*Lausepflicht*, die, s. Pflicht.
+
+
+*laviren*
+
+heißt so viel wie kreuzen, sich aufkreuzen; doch ist man unter Umständen
+froh wenn man beim Laviren wenigstens nicht zurückkommt; namentlich bei
+schwerem Wetter und hoher See. Aber die eigentliche Meinung ist doch
+die, daß man dabei Luv gewinnen möchte. Man mußte also richtiger luviren
+sagen, wie im Französischen auch wirklich die Formen louvier und
+louvoier bezeugt sind, Aubin 1702; sie sind offenbar aus dem
+niederländischen loef richtig gebildet, (während das französische lof
+sich von einer falschen Aussprache des Holländischen herschreiben wird).
+Das Wort erklärt sich aus dem Niederdeutschen, besonders dem
+Niederländischen. Da heißt dasselbe zuerst loeven, von loef, Windseite
+des Schiffes, dann mit der beliebten fremden Endung loeveren, endlich
+verderbt, vielleicht auch in der Erinnerung an eine uralte Form von Luv
+laf (Beówulf) lavéren; so hat es Kilian schon; ja bereits das Seebuch
+(1400) hat inlaveren; die hochdeutsche Form laviren kommt im 16.
+Jahrhundert vor. So fremdartig laviren aussieht, so ist es doch unser
+eigenster deutscher Besitz.
+
+
+*lecken*
+
+= Wasser durchlassen, bedeutet eigentlich dürsten, austrocknen, vor
+Trockenheit Ritzen bekommen und dann Wasser durchlassen; lechzen ist
+eigentlich auch rissig werden vor Trockenheit und erst übertragen »vor
+Trockenheit schmachten«, und ist iterative Bildung von lechen,
+austrocknen, weiter zurückführend auf das oberdeutsche Adjective lech =
+rissig, undicht, wofür wir jetzt die niederdeutsche Form leck haben
+(Heyne). Von der Schiffahrt her im 17. Jahrhundert in die Schriftsprache
+gekommen. Davon das Substantiv der Leck, *das Leck*, sogar die Lecke.
+
+Althochdeutsch lechen, Edda: leka, angelsächsisch lekkan, naß machen,
+tropfen, lecken (das Lecken mit der Zunge ist ein anderes Wort).
+
+
+*Leckasche*
+
+ist das, was an flüssigen Waren aus den Fässern rinnt und in Abzug zu
+bringen ist.
+
+Wie die Seefahrer des 17. Jahrhunderts ein Leck stopften erzählt der
+Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, Rostock 1673:
+»Weil wir nun auch ein Leckschiff hatten, gingen etzliche von dem Volck
+bey die Pump; wir andern gedachten uns von den Masten frey zu machen,
+daß Wasser aber nam im Schiff überhand, so, daß wir vermerkten, daß wir
+noch eine größere Leck bekommen hatten, welches eine große Bestürtzung
+unter dem Volck machte; Ich war bißweilen in dem Soct (Pumpensood),
+märckte endlich, daß das Wasser muste von ferne kommen, derowegen sandte
+ich den Zimmermann mit einigen nach den vordersten, sie machten den
+Vorluck auff, da wurden sie gewahr, daß das Wasser häuffig einbrausete,
+rieffen derowegen, daß da die Leck wär: wir hatten aber zu unsern Glück,
+wenig Gut in Boch gestauet, derhalben dürfften wir nur wenig Fässer in
+Stücken hauen, worin Verginisch Tobacksblätter wahren, den unsere Ladung
+war Zucker und Toback, daß Volk nam gantze Armen voll Tobacksblätter,
+und fielen damit gegen das Wasser an, und legten sich darauff, daß es
+nicht in die Höhe brausen konte, sonst konte man dar nicht beykommen,
+den es war anzusehen alß wenn der gantze Boch offen war; Wie nun das
+Wasser mit den Toback gedampffet, könte man darunter fühlen wo daß
+Wasser herkam, also funden wir erstlich ein Holtzen Nagel Gat, welchen
+Nagel daß Fockenspar (eine bis an die Bordwand reichende Planke der Spur
+des Fockmastes?) hatte ausgerissen, wir machten alsobald einen Pfropff
+von ein Stück Ochsenfleisch, drückten es dar hinein, legten dar ein
+wenig von einem Bret auff, und dar eine Streve gegen an, da ward es
+dicht, noch funden wir eine Planck mitten auffgeborsten, welches viel
+Wassers brachte, wir nahmen Ochsenfleisch, legten es gegen das Gat an,
+und dar Stücklein von Brettern auff, so zwischen die Inholtzen paste,
+und solches ward bestrebet, damit daß Wasser das Fleisch nicht
+wegtreiben konnte, da ward es dicht, welches uns einen guten Muht
+machte, und wenn wir mit solchem in der Eyl nicht waren vorgekommen,
+solte es bald mit uns ein böses Ende genommen haben. Wir pumpten das
+Wasser bald wieder aus, nachdem giengen wir bey die Masten, die immer
+gefährlich auff das Schiff anrammelten, und machten uns davon frey.«
+
+
+*Leck*
+
+wird auch als Adjektivum und Adverbium gebraucht, »das Schiff ist leck
+geworden«, »das Boot ist leck gesprungen«. Höchst auffallender Weise hat
+der Uebersetzer der »durchläuchtigsten Seehelden« anstatt leck »luck«.
+»Black war unterdessen mit siebenzig Segeln bey Fayer-hill unter die
+große Fischerey geraten, allda er dreyzehn Buys-Convoyer genommen,
+etliche Buysen geplündert, etliche vom Volck entblößet treiben lassen,
+und die übrigen jedwede seines Weges gejaget. Tromp der ihm vorgenommen
+ihn zu finden, ward bei Fayer-hil und Hitland von einem harten Sturm
+überfallen, er selber war in großer Gefahr zu sinken, weil das Schiff
+sehr luck worden, und bloß mit Bomben (Bumpen) noch oben zu halten.« Als
+oberdeutschem Manne war ihm das seemännische leck wohl unbekannt oder
+ungeläufig, er hatte aber einmal etwas davon gehört, daß es auf Schiffen
+Oeffnungen gäbe, die man Luken nenne.
+
+
+*Lee*, (ohne Artikel)
+
+die dem Winde abgekehrte Seite (des Schiffes). Breusing hat im Jahrbuch
+des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung 1876 sich die Deutung
+Kilians angeeignet, der lye mit »latus navis depressum« übersetzt und
+mit »quod a vento deprimitur« erklärt, indem er es mit ley = niedrig in
+Verbindung brachte. Darauf hat ihm aber Müllenhoff alsbald dargetan,
+daß an leg nicht zu denken sei. Mit Recht. Denn wenn auch zu gewissen
+Zeiten und unter gewissen Umständen an Bord die Leeseite die niedrigere
+Seite werden kann, so denkt dabei doch niemand an das Niedrige und das
+Wort Lee wird sehr oft da gebraucht wo von hoch oder niedrig gar keine
+Rede sein kann. Müllenhoff fügt seiner Ablehnung die Worte hinzu, er
+finde aus dem Germanischen keine Erklärung, so lange er sie auch im Auge
+gehabt und gesucht habe. Das kommt offenbar daher, daß er, wie auch
+Breusing mit einem zu engen Begriff von Lee gearbeitet hat, nämlich dem
+rein seemännischen. Es gilt aber zuerst sich den ganz allgemeinen
+Begriff und die umfassende Bedeutung von Lee klar zu machen. Es ist
+nicht nur die dem Winde abgekehrte Seite des Schiffes sondern jeder Ort
+wo man Schutz findet, Ruhe, Stille, Schatten, Obdach, Zufluchtsort.
+Spricht doch der Seemann selbst auf See, an Bord nicht bloß: »in Lee vom
+Schiffe«, sondern auch: »in Lee von der Luvbordwand«, (und da ist von
+ley, niedrig doch keine Rede); und ebensogut sagt er am Lande: »in Lee
+von einem Hause, von einer Mauer, von einem Busch« (wobei er an hoch
+oder niedrig erst recht nicht denkt), weil Haus, Mauer und Busch Schutz
+vor Wind, vor Regen oder Sonne gewähren. Überhaupt kam das Wort in
+allgemeinen Gebrauch ehe die Bedeutung so hervorragend seemännisch war,
+daß sie so nachdrücklich hätte auf die Sprache der Landbewohner
+zurückwirken können. Es ist das Wort vom Lande auf die See übertragen
+nicht umgekehrt. Sobald nun die Bedeutung Schutz, Schutz auch am Lande,
+festgehalten wird, kommt man ohne Weiteres auf das altnordische Wort
+hle; altsächsisch hleo, hlea, angelsächsisch hleo; sie alle bedeuten
+Schatten, Schutz, Schutzort, wobei gleich bemerkt sei, das Schatten vor
+der Sonne sowohl als Schutz vor ihren sengenden Strahlen, als auch als
+trübes, düsteres, trauriges Dunkel empfunden werden kann; so willkommen
+der Schatten um Johanni ist, so beengend, ja mit Todesahnungen erfüllend
+kann er in der Zeit der »zwölf Nächte« vom Weihnacht- bis zum
+Epiphanientage wirken.
+
+In einer sehr lehrreichen Abhandlung über den altdeutschen Mythus vom
+Körperschatten hat Rochholz »Deutscher Unsterblichkeitsglaube«,
+dargethan, daß Lee keineswegs ausschließlich oder auch nur hauptsächlich
+seemännisch ist. »Mit einerlei Wortstamm benennt unsere Sprache das
+schattige Waldgebirge, das dunkle Meer und das finstere Grab, diese
+drei großen Hauptgemarkungen, die das Land oder das Leben abgrenzen. Wir
+haben demgemäß Leewälder, Leberberge, Lebermeere und Leefelder, d. h.
+Grabfelder. Es ist nachzuweisen, wie die Vorstellungen über den Schatten
+in eben diesen Wortstämmen Le, Lew, Ler sich ausgebildet haben.« Indem
+er dieses tut, führt ihn sein Weg bis in das tiefste Binnenland, bis
+nach Österreich hinein. Uns aber geht besonders das Leemeer an. Der
+altnordische Wasserriese Hlê wohnt nach einer nordischen Sage auf der
+Insel Läsöe (Hlêsey) im Kattegat und hält sich dorten einen Hirten Snio,
+d. i. das Schneewehen vom Meere her. In weiterer Ausdehnung der Mythe
+bewohnt Hlê das unbeweglich stehende Eismeer, mare mortuum, welches die
+Isidorischen Glossen mit lebirmeri übersetzen. Die Seelen der
+Schiffbrüchigen finden in der Tiefe dieses Lebermeeres Zuflucht und
+Obdach unter umgestülpten Töpfen.
+
+An die Stelle solcher Hlêmeere traten in den Binnenländern die Leewasser
+und ihre geisterbehüteten Leebrücken. Auf der Leebrücke zwischen dem
+Flecken Schwyz und dem Dorfe Brunnen am Waldstädtersee sitzt die
+Nachtspinnerin und wen sie anhaucht, der erblindet, wird leeblind.
+
+Der Meeresgott Hlê ist natürlich nur eine andere Gestaltung der
+Schattengöttin Hel. Es möge aber genügen hier darauf hingewiesen zu
+haben, daß der gemeinsame Begriff von Leewald, Leemeer, Leefeld und
+Leebrücke der des Schattens, des Schutzes, des Zufluchtsortes ist und
+daß das Wort sich in jenen niederdeutschen Ortsnamen so oft wiederholt,
+die mit -leben zusammengesetzt sind: Eisleben, Wegeleben, Wanzleben,
+Ermsleben etc. Unter den zahlreichen Beinamen Odins kommt auch Hlêfreyr,
+Leeherr vor. Simrock meint, der bedeute jedenfalls seine Herrschaft über
+das Wasser. Aber was heißt Hlê-Herr? Doch zunächst einen Schutzherr oder
+Schirmherr, eine besondere Beziehung zum Meere liegt nicht darin. Und
+wenn der über Walhall reichende Wipfel der wunderbaren Weltesche
+Yggdrasil den Namen Laerad führt, so heißt das doch nur »Schutz und
+Schirm« spendend, und unter den Wurzeln dieser Esche quellen zwar drei
+Brunnen, aber mit dem Meere hat sie nichts zu tun. Ist nun die
+eigentliche Bedeutung von Lee Schutz, so ist es nicht zu verwundern, daß
+gerade die Seeleute sich im Laufe der Zeiten besonders das Wort
+angeeignet und bis auf unsere Tage im Gebrauch behalten haben; das liegt
+in der Natur der Sache, da für sie Schutz vor Sturm und Seenot eine
+besonders wichtige Sache ist. Dabei ist zu bedenken, daß auf Wangerooge
+angenehmes, warmes Wetter li-weder heißt und daß in der Edda laegi
+Meeresstille bedeutet. Daher haben die Verfasser des »Bremer
+Wörterbuches« auch schon das Richtige geahnt, als sie schrieben: »Lee
+oder Lehe, ein Dorf dieses Namens, eine halbe Meile von Bremen« (also
+Bremerlehe). Im Angelsächsischen ist hleow und hleowth eigentlich ein
+Ort, der (an der Sonne liegt und) vor dem Winde sicher ist: ein
+Zufluchtsort.« Und weiter: »Bei unseren Schiffern heißt lee ein Ort, wo
+die See stille ist und die Wellen nicht ankommen. »In't lee van't land«
+bezeichnet eine Station der Schiffe bei einer Insel oder Erdzunge, wo
+der Wind vom Lande absteht, und wo folglich dichte unter dem Lande die
+See vom Winde nicht beweget wird.«
+
+Und andererseits lesen wir in einer mittelniederdeutschen Chronik: »und
+wo woll den Deutschen und Lubschen alles thoiegen was und in der Lehe
+werden.« Hier ist allerdings eine ausschließlich seemännische Bedeutung
+von Lee unzweifelhaft, indem es für ein Segelschiff natürlich sehr
+hinderlich ist, sich in Lee eines feindlichen Schiffes zu befinden,
+nicht weil es leger, niedriger wäre, sondern weil es in seiner
+Bewegungsfreiheit der in Luv befindlichen Schiffe gegenüber im Nachteil
+ist. Insofern bedeutet Lee eine schwierige Lage, etwa diejenige einer
+Partei, die »ins Hintertreffen geraten« ist; Not, Bedrängnis,
+Schwierigkeit. Aber darum hätte der holländische Dichter ten Kate ly
+--so heißt Lee im Niederländischen -- doch nicht gleich von leiden
+ableiten sollen, was auch Kilian mit seinem latus navis depressum auf
+dem Gewissen hat. Adelung aber hat sogar ein altes lee = links
+herangezogen und dabei an Backbord, die linke Schiffsseite gedacht, als
+ob Backbord immer Lee und Steuerbord immer Luv wäre.
+
+
+*Leegierig*, s. luvgierig am Ende.
+
+
+*Leesegel*, das.
+
+Die Leesegel sind eine Vergrößerung gewisser Segel bei günstigem,
+beständigen Winde, eine Vermehrung der Segelfläche, und zwar nicht wie
+früher, als man die Segel nach unten zu durch ein Bonnet oder Bonnit
+vergrößerte, sondern neben, an der Seite, nämlich allemal an der
+Luvseite, da sie in Lee keinen Zweck hätten. Daher ist eine der
+beliebtesten Scherzfragen die: »Warum heißen die Leesegel Leesegel?«
+Antwort: »Weil sie stets in Luv stehen!« Das wäre also ein lucus a non
+lucendo.
+
+Breusing hat (Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 1879, S. 14
+und 15) folgenden Erklärungsversuch gemacht: »dann fand man, daß die
+früher übliche Verlängerung der Untersegel durch ein Bonnet wenig
+zweckentsprechend war, deshalb zog man es vor, bei günstigem Wetter die
+Segel an der dem Winde zugewendeten Seite durch einen Streifen
+Segeltuch, eine Leiste, niederländisch lyst zu verbreitern und nannte
+diese Beisegel im Niederländischen lystzeils, woraus durch euphonische
+Verschleifung der Konsonanten lyzeils und im Niederdeutschen lêseils
+wurden, und hieraus entstand der deutsche Name Leesegel, der mit dem
+einfachen Wort Lee durchaus keinen Zusammenhang hat, denn die Leesegel
+werden eben nicht in Lee gesetzt.« Diese Erklärung kann nicht richtig
+sein, denn erstens ist das Leesegel keine Leiste, sondern ein Segel, ein
+richtiges Segel, und ein solches, auch wenn es ziemlich lang und schmal
+ist, eine Leiste zu nennen, geht nicht an, wenn man bedenkt, was
+eigentlich eine Leiste ist. Sodann heißt im Niederländischen Leesegel
+lyseil, weil Lee im Niederländischen ly heißt; eine Form lystszeil gibt
+es nicht, Breusing hat sie auch nicht nachgewiesen; sollte sie sich ihm
+zufällig einmal irgendwo gezeigt haben, so könnte es höchstens als
+Erklärungsversuch geschehen sein, der aber nichts beweißt, wie
+unzähliche dergleichen Versuche von Weiland dartun.
+
+Es bietet sich uns eine andere Deutung von Leesegel ganz ungezwungen
+dar. Wie unter Lee bemerkt ist, heißt auf Wangerooge ein angenehmes,
+warmes Wetter li weder; dieses li ist das ostfriesische le -- lau, warm,
+mild; dabei sei dahingestellt ob dieses le von dem altnordischen hle --
+Schutz, Schatten, Schirm kommt, oder mit lau verwandt ist (welches aber
+auch mit hle, Lee eines Stammes sein dürfte). Weil im Ostfriesischen
+dieses le auch lau und lu heißt, so liegt der Gedanke an lau am
+nächsten. Doornkaart führt folgendes Beispiel für den Gebrauch an: »'t
+water is man äfen lê, das Wasser ist nur eben warm, lê water, lauwarmes
+Wasser; »'t is so 'n lauen lücht,« es ist eine so mildwarme, weiche,
+laue Luft, de wind weid so lau« etc. Wie auch die Verwandtschaft sei, le
+bedeutet gutes, schönes Wetter; ein Leesegel ist also ein
+*Schönwettersegel*.
+
+Von hier aus fällt nun auch ein Lichtstrahl auf die Etymologie des
+erwähnten Wortes Bonnet, mit dem die Leesegel heute noch in den
+romanischen Sprachen bezeichnet werden, das aber ursprünglich eine
+Verlängerung der Segel nach unten zu bedeutete. Eine solche konnte auch
+nur bei gutem Wetter vorgenommen werden, und es steckt also in Bonnet,
+italienisch bonetta, spanisch boneta, das lateinische bonus, mit einer
+schmeichlerischen, kosenden Verkleinerungsform, wie man ja auch bei uns
+von einem »schönen Wetterchen« spricht. Also auch hier die Bedeutung:
+»Gutwettersegel«, wie in früheren Tagen ja auch das Großsegel
+»Schönwettersegel« genannt wurde.
+
+
+*Leeweg*, der, s. Abtrift.
+
+
+*Leibholz*, das, s. Wassergang.
+
+
+*Legerwall*, der,
+
+ist eine Küste unter dem Winde, eine Küste auf die der Wind zuweht, so
+daß beide mit einander einen rechten Winkel bilden, vielleicht sogar,
+indem rechts und links das Land vorspringt, einen spitzen. Dann ist also
+eine Bucht vorhanden. Eine solche kann, wie die berüchtigte an der
+jütischen Küste, eine rechte »Jammerbucht« werden, wenn ein
+(Segel-)Schiff durch Wind und Sturm so nahe an die Küste getrieben wird,
+daß es in Gefahr steht durch Kreuzen nicht wieder frei zu kommen.
+Dasselbe Gefühl, das Breusing veranlaßt hat Lee = leg, niedrig, zu
+setzen hat wohl auch die Form Legerwall anstatt Leewall in Gang
+gebracht. Aber Leewall ist das richtige, wie schon ein Blick auf das
+englische Lee-shore beweist und wie es auch in der Natur der Sache
+liegt. Die Veränderung in Legerwall mag aber dadurch gefördert worden
+sein, daß es in der Regel eine niedrige Küste sein wird, die ein Schiff
+in solche Gefahr bringt, denn eine hohe sieht es in größerer Entfernung,
+braucht ihr also nicht so nahe zu kommen, daß die Verlegenheit des
+Legerwall eintritt.
+
+Gegen die Deutung Leewall könnte sprechen, daß das Gegenteil davon nicht
+Luvküste, sondern Opper- oder Upperwall hieß.
+
+Aber einmal kann eben der Upperwall später gebildet sein, als Gegensatz
+zu Legerwall, zur Zeit als dieses in dieser Form bereits aufgekommen
+war, und dann ist zu bemerken, daß man doch auch von einer Luvküste
+spricht, ja daß Upperwall in neuerer Zeit geradezu von Luvküste
+verdrängt worden ist.
+
+Legerwall gehörte zu dem Gefährlichsten was es für einen Seemann geben
+konnte. Der alte Kapitän der 1673 die »Beschrivung von der Kunst der
+Seefahrt« verfaßte, wußte davon zu erzählen. »Ich hätte billig Ursach
+mehr von Gottes Wunderwerken zu schreiben, wie ich zu zweyen mahlen in
+der Nordsee sonder Ruder gewesen, da daß eine auff die Quernes ist
+weggestoßen, und sind nachdem mit dem Schiffe sonder Ruder zu Rotterdam
+glücklich angekommen, daß andermahl durch einen starcken Nord
+Nordewesten Wind, unter Reveshoren daß Ruder weggeritten, und daß Schiff
+nach Allerheiligen, bei dunkern Mohn, durch das Katzen Gat zu Kopenhagen
+gebracht, und wie offt der Allerhöchste mich errettet, wann ich auf dem
+Legerwall von Sturm bin besetzt gewesen, da ich oftermahl nicht anders
+alß den Todt vor Augen gesehen, wie auch eins Mahls auff der Küst von
+Africa, nebenst Mamora, da wir bald in die Brandung waren, gab Gott daß
+der Wind sich legte, und indem auch raum ward, so, daß wir glücklich die
+Cap Spartel passierten, wann wir sonst an den Wall gekommen waren, und
+etzliche noch daß Leben, wie eine Beute davon gebracht, hätten die
+Mohren uns doch zu Schlaven gemacht.«
+
+
+*Leguan*, der,
+
+ein dicker bekleideter, beschmarteter, betakelter Kranz von Tauwerk, ein
+Stropp von besonderer Art, den man an besonders gefährdeten Stellen der
+Takelage zur Sicherung oder Schonung anlegt. So legte man zur Zeit der
+Segelschiffahrt vor dem Gefecht einen Leguan um Mast und Rahe, die
+beiden zusammenzuhalten wenn etwa Rack, Fall oder Toppnant zerschossen
+würden. Auch zur Verhütung des Schamfilens von stehendem Gut durch
+laufendes legte man wohl einen Leguan an, und oben um den etwas
+vorragenden Vorsteven eines Bootes kann man ihn heute noch gelegt sehen
+zur Milderung des Stoßes und Verhinderung von Schaden beim Anlegen. Wie
+kommt dieser Stropp zu dem Namen der großen Eidechse Iguana, iguana
+tuberculata, die auf deutsch Leguan heißt, jenes freundlichen und
+nützlichen, zum Fangen von Fliegen als Haustier gehaltenen munteren
+Tieres, das jedem Seemann bekannt ist, der einmal an den Küsten des
+tropischen Amerika weilte? Die Bezeichnung war offenbar zuerst
+scherzhaft. Der Stropp war ein Legan, weil er angelegt ward; weil das
+aber so sehr ähnlich wie Leguan klang, so lag für einen scherzhaft
+angelegten Seemann eine absichtliche Verwechslung nahe und die ist dann
+zur stehenden Bezeichnung geworden; also ähnlich wie ammer zu ammeral
+und Admiral wurde, so daß jetzt ein Eimer den Namen »Admiral« führt.
+Doch hat sich neben Leguan auch die ursprüngliche Form Legan bis auf
+diesen Tag erhalten, ja sie scheint sogar Leguan wieder etwas in den
+Hintergrund gedrängt zu haben.
+
+
+*Leibknoten*, der,
+
+ist ein Knoten, der nicht zuschliert, dessen Auge also stets offen
+bleibt, auch wenn Kraft darauf wirkt. Er wird besonders dazu verwandt,
+einen Menschen in die Höhe zu winden, der sich mit seinem Leibe in das
+offene Auge gesetzt hat. Leibknoten können auf verschiedene Weisen
+gesteckt werden, doch bleibt stets das Auge für den Leib eines Menschen
+offen.
+
+
+*Leichtmatrose*, s. Jungmann.
+
+
+*Leichter*, der,
+
+auch Leichterfahrzeug, ein kleines Schiff, das einem größeren die Ladung
+teilweise abnimmt, damit es nicht mehr so viel Tiefgang hat und in einen
+seichten Hafen einsegeln kann. Man hört und liest manchmal auch Lichter
+und Lichterfahrzeug, doch ist diese Form geeignet Verwechslungen
+herbeizuführen, s. Anker lichten, und daher ist, wiewohl lichten die
+richtige niederdeutsche Form für leichter machen ist, doch Leichter
+vorzuziehen. Das Mittelniederdeutsche sagte luchteschute. 1368: »Vortmer
+moghen si hebben eghene prame unde luchteschuten«. 1369 ... »und geven
+van dem prame ene mark vnd van der luchteschuten ene halve mark, darmede
+mogen se up unde ut schepen.« Ein luchteschute war also kleiner als ein
+prame.
+
+
+*Leine*, die.
+
+Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann für das Erzeugnis des
+Reepschlägers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: »Dünne Taue von
+verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf Schiffen
+dienen.«
+
+Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin, angelsächsisch line. Kommt vom
+lateinischen linum, das nicht nur Lein, Flachs bedeutet, sondern auch
+alles was daraus hergestellt wird: Faden, Schnur, Leinwand, Linnen,
+Segel, Netz, Seil, Tau.
+
+In übertragenem Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium,
+disciplina, also ein sittlicher Begriff.
+
+Auch unser Lineal stammt von linus, von der Leine mit der die
+Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie -- daher der Name
+-- ziehen (daher die ganze Wendung »Linien *ziehen*«), indem sie die
+geschwärzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen lassen, wo es
+abfärbt.
+
+Von den vielen Linien, die man auf Kartenblätter zog um die Grade zu
+bezeichnen war Eine so die Hauptlinie, daß man sie schlechthin »die
+Linie« nannte (Äquator.) Wer diese zum ersten Male passiert, muß sich
+gefallen lassen, daß allerlei »Hänselei« (von Hansa, denn wer in eine
+solche eintrat mußte allerlei über sich ergehen lassen) mit ihm
+getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache dabei ist das
+(Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe Wort ist, so ist
+der Name treffend (s. Schiffstaufe.)
+
+
+*Leitblock*, der,
+
+ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende Tau in eine
+andere Richtung zu leiten. Es kommt z. B. ein Läufer in senkrechter
+Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter Richtung
+werden; dann muß ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte Richtung
+überleiten.
+
+
+*Leiter*, der,
+
+ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter, die an die
+Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nämlich ein Tau an dem etwas
+geführt, von dem etwas geleitet wird, also ein schönes, kurzes Wort für
+Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es passend
+vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lägel als Ringe
+bewegen.
+
+
+*Leiwagen*, der.
+
+Es ist ein t ausgefallen, das Wort heißt eigentlich Leitwagen, wie
+Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat. Es ist ja auch
+ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin und her
+geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen Wagen zu
+denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar dasselbe Wort
+wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den Begriff des
+Bewegens darstellt: ein Gerät zum Hin- und Herbewegen. Nun ist zwar
+Leiwagen kein Gerät, sondern eine am Deck befestigte Vorrichtung, auf
+der sich die Pinne bewegt, aber er trägt seinen Namen doch mit Recht,
+denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten. Und auch wo der
+Leiwagen nicht für die Pinne, sondern für eine Schot bestimmt ist, dient
+er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu leiten.
+
+Das Wort wird öfters auch Leuwagen geschrieben, diese Form gebührt aber
+einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen.
+
+
+*lenz*,
+
+als Adjektivum und Adverbium in häufigem Gebrauch; es bedeutet *leer*.
+Das Bremer Wörterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nässe mehr ist. De
+Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser mehr
+geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist
+ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das
+Getränk alle ist. Niederländisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der
+Frühling bedeutet und seinen Namen vom Längerwerden der Tage hat, hat
+dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus
+zusammenhängen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich
+jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von »erschöpft«. 2.
+langsam, träge (so wie das Letzte aus einem Gefäß ausfließt). 3. zäh,
+klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flüssigkeiten zu sein pflegt).
+So recht will keine von den dreien, will überhaupt das ganze lentus
+nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden. Übertragen:
+»ich bin lenz«, ich habe kein Geld mehr.
+
+
+*lenzen.*
+
+1. vollständig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses, einer
+Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tänks, der
+Bilge erschöpfen; übertragen: jemanden ausplündern bei Spiel. 2. vor
+einem Sturme fahren, so daß der Sturm das Schiff mit nur wenigen und
+kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche (»vor Top und Takel«) vor sich
+hertreibt.
+
+Die Erklärung wird etwas erschwert dadurch, daß manchmal ohne
+Berechtigung und ohne Verständnis für den eigentlichen Hergang lenzen
+einfach mit »vor dem Winde segeln« gleichgesetzt wird. Die Wahrheit ist
+die, daß lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist, daß ein Segel
+nach dem andern weggenommen werden muß. Nun haben wir unter »lenz«
+gesehen, daß es leer bedeutet; lenzen also heißt leeren, zunächst von
+Flüssigkeiten; es kann aber auch im übertragenen Sinne gebraucht werden
+und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so werden wir es hier
+anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage leer machen von
+Segeln, so daß das Schiff schließlich nicht nur keine vollen Segel,
+sondern überhaupt keine Segel mehr führt. Von dem transitiven Gebrauch
+zum intransitiven war nur ein Schritt, und die Bedeutungsentwicklung
+von: »die Segel entfernen« bis zu: »das Schiff lenzt« lag nahe. Daß
+»lenzen« einen Sturm voraussetzt, beweist auch die Bezeichnung
+*Lenzsack*; den führt ein Rettungsboot im Inventar und gebraucht ihn bei
+hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist er anschaulich
+beschrieben: »ein trichterförmiger Sack aus starkem Segeltuch, dient
+dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und damit zu
+steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so gehoben wird,
+daß Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen. Hätte man dann
+keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer geworfen und
+übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Öffnung nach vorn, an
+einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem spitzen
+Ende befestigt ist. Da beim Schleppen die Mündung nach vorn ist, so
+füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen beträchtlichen Widerstand
+und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft man das stärkere Tau an der
+Mündung los und holt die dünne Leine an dem spitzen Ende ein, so wird
+der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann mit leichter Mühe ins Boot
+geholt werden.«
+
+
+*Leutnant zur See.*
+
+So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als deutsches in
+Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der französischen Abstammung
+sein Bewenden haben müssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt, Amt gedacht
+worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als ob ein
+Leutnant ein Mann wäre der ein Amt über Leute hätte. Allerdings findet
+sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hieß das Wort auch
+während des 30jährigen Krieges, aber das sind höchstens Versuche, das
+Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die ältesten
+Spuren führen nach Frankreich, wo das Wort schon im 15. Jahrhundert im
+Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und ursprünglich demgemäß
+für eine Statthalterwürde gebraucht. »Des Königs Lieutenant« ist der
+Mann, der »*anstatt*« des Königs das Kommando führt.
+
+Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant
+zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mußte sich mit
+Unterlieutenant zur See begnügen.
+
+
+*Leuchtturm*, s. Blüse.
+
+
+*Leuwagen*, der,
+
+ist ein Stock mit einer Bürste daran zum Waschen des Schiffes, ein
+Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein t ausgefallen,
+denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet das -wagen
+auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen dürfen, daß das Geschäft
+des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht gerade mit
+besonders fleißigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu heißt aber im
+Niederdeutschen faul, träge, unlustig zur Arbeit, insonderheit wird es
+auch von einem Menschen gebraucht, der faul in seinen Bewegungen ist;
+also auch einen, der sich nicht gern bückt. Ein solcher mag den Stiel an
+der Bürste erfunden haben, die ursprünglich sicher ohne ein solchen
+gebraucht wurde, also beschwerliches Bücken erforderte. Ganz peinliche
+und reinliche Hausfrauen halten heute noch darauf, daß ihre
+Dienstmädchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im Stehen abmachen.
+Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den Scheuerbürsten als eine
+»faule« Sache erschienen sein, so daß sie das Arbeiten mit dem ihnen
+unlieben Instrument als eine »leue Bewegung« zu brandmarken versuchen.
+Es hat sich aber doch Bahn gebrochen.
+
+
+*levendig*,
+
+werden die Segel gebraßt, wenn der Wind sie so fassen soll, daß sie
+killen, d. h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein Brett,
+sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist Weiterbildung
+des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche Form dafür. So
+weit wäre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig entsprechend,
+levéndig, sondern lévendig ausgesprochen. Doch hieß lebéndig früher auch
+lébendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was im 17. Jahrhundert
+noch vorkommt, bei Gryphius: »Man hat ein zartes Kind noch lebendig
+geschunden.« »Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden von
+Deutschland noch jetzt, die Rückung des Tones auf lebéndig ist aber auch
+schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen« (Heyne).
+
+ »Do he en sag liggen also,
+ Ward he wedder unfro
+ Darumme, dat Brûn noch levendig was.«
+
+ Reinke de Fos.
+
+Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie
+lebendig gegangen ist.
+
+
+*lichten*
+
+ist besonders in der Verbindung »Anker lichten« bekannt. Es ist von
+lichten = leicht machen, gänzlich verschieden, denn es heißt eigentlich
+lüften, nicht im Sinne von »frische Luft in eine Stube lassen«, sondern
+von »in die Luft erheben«. Man hört auch hie und da -- in Stade z. B. --
+Anker lüften. Die niederdeutsche Form ist aber liften; englisch lift. Im
+Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem Niederländischen zugeht,
+desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht für Graft, kracht für
+Kraft, lucht für Luft etc. So hat sich auch liften in lichten
+verschoben.
+
+
+*Liderung*, die,
+
+im Maschinenwesen ein Verschluß, ein Verschließen oder Verpacken irgend
+einer Öffnung, die man dicht haben will. Es ist das niederdeutsche Wort
+lid = Deckel, Verschluß, Tür, und dasselbe wie Lid in Augenlid,
+Altsächsisch hlidan, angelsächsisch hlidan, altenglisch hliden =
+bedecken, schließen; altfriesisch hlidia.
+
+Von lid auch das Zeitwort *lidern*, schließen, verpacken.
+
+
+*Lieger*, der,
+
+ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst
+befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d. h. nicht
+bloß am Tage da weilt, sondern auch nachts da schläft (liegt). Er hat
+das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, für richtigen Verschluß
+aller Räume zu sorgen. Früher war ein Lieger ein ganz anderer Mann,
+nämlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfähiger
+Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfähigen
+Handlungsknechten.
+
+Lieger heißt auch das Bauchstück der Bodenwrange.
+
+
+*Lik*, *Liek*, das.
+
+Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem Rahsegel
+unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das Unterliek und
+die beiden stehenden Lieke rechts und links.
+
+Unser deutsches Wort »gleich« bestand ursprünglich aus der Vorsilbe ga
+und lika. Lika heißt Körper. Unser »Leiche« hatte nämlich noch im
+Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung »toter Leib« sondern galt auch
+für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher
+eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen
+Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber
+täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich;
+männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat;
+königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt,
+*gleich* einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im
+Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der
+Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek,
+wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei
+liekedeler hießen, Gleichteiler.
+
+In der Bedeutung Gestalt hat sich dieses Wort allein im Seemännischen
+erhalten, denn unser Liek ist ja das Tau, das die Umrisse der *Gestalt*
+des Segels genau darstellt. Eine beachtungswerte Verwendung hat unser
+Liek im Französischen gefunden in dem Worte ralingue, aus Rahliek
+entstanden. Das -liek hatte man aber nicht in seinem Werte erkannt,
+sondern für eine Art Endung gehalten, etwa für die niederdeutsche Endung
+-ing, und so wurde ralingue aus einem Worte, das eigentlich ralique
+hätte werden müssen.
+
+
+*Linie* = Aequator, s. Leine.
+
+
+*Linienschiff*, das,
+
+ist das größte und stärkste Panzerschiff, ein Schlachtschiff erster
+Ordnung, Hochseeschlachtschiff; müßte eigentlich Schlachtlinienschiff
+heißen, denn es ist ein solches, das stark genug ist, in einer
+Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kämpfen.
+
+
+*Lloyd*, der.
+
+In der ganzen Welt, besonders in der seemännischen, ist dieser Name
+bekannt, weil ihn eine ganze Reihe großer Schiffahrtsgesellschaften
+tragen. Es gibt einen österreichisch-ungarischen, einen russischen,
+einen germanischen Lloyd, einen Lloyd francais und vor allen Dingen
+denken wir an den »Norddeutschen Lloyd.« Von Bremerhaven nach Lehe geht
+es erst durch die »Bürgermeister Smidt-Straße«, dann durch die
+»Lloydstraße«. Wer Bürgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an
+seinem Denkmal auf dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war
+Lloyd?
+
+Es gab bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine
+Matrosenkneipe die »Lloyds coffee-house« hieß. Was dieser Mr. Lloyd
+sonst für ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm
+muß gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht bloß Matrosen bei ihm, es
+fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitäne, Makler,
+Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil
+es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man
+sich denken, daß sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt
+gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen.
+Aus diesen Besprechungszusammenkünften entstand 1716 eine Gesellschaft,
+die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen »Lloyds« führte und
+heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: »The collection and diffusion of
+marine intelligence, the insurance, classification, and certification of
+vessels and the transaction of business of various kinds connected with
+shipping.« Bei der Übernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s
+in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren
+gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft für
+eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus
+geschichtlich berechtigt.
+
+
+*Log*, das,
+
+ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius etwa 15
+cm mißt; es ist eine Leine daran befestigt, die *Logleine*, die über
+eine Rolle, *Logrolle*, läuft. *Loggen* heißt mit Hilfe dieses Logs,
+dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log
+ins Wasser wirft, das *Logglas*, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine
+Sanduhr, umdreht, die Leine eine von dem Glase angegebene bestimmte
+Zeit ablaufen läßt von der Rolle und dann an den Knoten der Leine
+abliest, wie viel Knoten das Schiff läuft, d. h. wie viele den Knoten
+entsprechende Seemeilen in der Stunde.
+
+Edward Wright hat zu London 1599 ein Werk unter dem Titel: »the
+Haven-finding art« herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem
+auch zum ersten Male der Name Log zu finden ist. Darüber schreibt
+Roeding (1794): »Der Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder
+dieses Instrumentes ist nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder
+davon Erwähnung, als in der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom
+Jahr 1607, welche Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in
+mehreren Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von
+Ausländern allgemein angenommen worden zu sein; es erwähnt dessen z. E.
+Günter 1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634,
+Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren
+Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses
+Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde,
+ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu
+verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.«
+
+Die Erfindung dürfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der
+Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stück Holz heißt.
+Ursprünglich war also von der Form eines Kreisausschnittes für das
+Brettchen keine Rede, es war das Log überhaupt kein (weil unten
+beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stück
+Holz an das die Leine befestigt war.
+
+Das *Loggbuch* ist das Schiffstagebuch, in welches der Offizier der
+Wache alles Bemerkenswerte einträgt sobald die Wache vorüber ist. Die
+Benennung geschieht a potiore, weil die richtige Eintragung der richtig
+geloggten Fahrt, d. h. der während der Wache zurückgelegten Strecke,
+eine sehr wichtige Sache ist. In der »Beschriving von der Kunst der
+Seefahrt«, Lübeck 1673 wird das ursprüngliche Stück Holz schon »ein
+hölzernes Schiffchen oder dreieckig Brettchen« genannt: »By etliken wert
+de wech, so dat schip aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes
+dorch ein holten schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven,
+gefunden und affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft
+und by nacht nicht wol tho dohnde ys.« Es ist aber trotz der
+Belemmerung heute auch noch nichts Besseres erfunden.
+
+Lucas Janszoon Waghenaer im »Spiegel der Zeevaerdt« empfiehlt schon
+damals, 1588, die Einrichtung einer Art Loggbuches: »Item tis oock goet
+dat een Stuerman alle morghens ende auonts by gheschrifte stelle oft dve
+stellen, wat coursen hy ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer
+nae inde Caerte af steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende
+canalen van hem syn legghende.«
+
+
+*Logger*, der,
+
+englisch Lugger, und so auch öfters in neuerer Zeit bei uns, wo es dann
+aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit Luggersegel, d.
+h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die Querlatten) so
+angeordnet ist, daß beim Wenden und Halsen kein Dippen erforderlich ist.
+
+Sonst war Logger ein »zum Kriege ausgerüstetes schnellsegelndes
+Fahrzeug« mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und einem Treiber
+(»Brodgewinner«). Der Ausleger ermöglichte das Führen mehrerer
+Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend gedacht
+werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort luken,
+ziehen, zerren, reißen, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch lug.
+
+
+*Logis*, das,
+
+ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen. Bemerkenswert
+ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute sprechen das s
+deutlich mit aus. Daran kann man merken, daß das Wort über Holland zu
+uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen französischen Wörtern
+das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf Wangerooge ist das
+Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner (s. d.)
+
+
+*Lohen*,
+
+die Segel, heißt sie mit Lohe tränken um sie dichter und haltbarer zu
+machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen der Segel auf
+unseren Küsten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heißt englisch tan, to
+tan heißt dementsprechend gerben, aber auch braun machen, dann
+übertragen bräunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und Wetter.
+
+
+*Lootse*, der,
+
+ein Mann, der Seefahrt und des Ortes kundig, der den Beruf hat, einem
+Schiff in schwierigem Fahrwasser den Weg in den Hafen oder aus dem Hafen
+zu zeigen; das Schiff zu lootsen. Um dieses Wort richtig erklären zu
+können, müssen wir vor allen Dingen von dem italienischen,
+französischen, englischen, holländischen piloto, pilote, piloot, pyloot
+ganz absehen, wenigstens zunächst. Diese Wörter werden oft mit Lootse
+zusammengebracht, haben aber nichts damit zu schaffen und können daher
+die Untersuchung nur trüben und verwirren. Auch der Versuch, das Wort zu
+Lot zu stellen, als sei der Lootse ein Mann der durch Loten die Tiefe
+des Wassers feststelle, muß aufgegeben werden. Das Bremer Wörterbuch
+sagt zwar: »Loots, Lootsmann = Piloot, der mit dem Senkblei die Tiefe
+des Wassers ergründet. Überhaupt ein erfahrener Mann, der das
+Fahrwasser, die Tiefen und Untiefen kennt«, aber dadurch wird die Sache
+nicht besser, denn wenn auch das zweite, mit dem erfahrenen Mann stimmt,
+das erste, mit dem Loten, stimmt keineswegs. Wer auch nur einmal in
+seinem Leben mit einem Lootsen gefahren ist, der muß wissen, daß ein
+solcher viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist und auf zu viel
+anderes zu achten hat, als daß er sich aufs Loten einlassen könnte. Dazu
+wird eigens ein Matrose abgeteilt, der die gelotete Tiefe laut aussingt.
+
+Auf die richtige Spur leitet uns das niederländische lodsman, englisch
+loadsman, altenglisch lodeman. Dieses lod aber hat mit lod = Blei nichts
+gemein, sondern heißt Weg. Ein lodsman ist also ein Wegmann, ein Mann
+der den Weg zeigt, und zwar, sinnverwandt mit dem brim-wisa = Führer zur
+See, ein Wasserwegweiser. Im Seebuch (1400) heißt der Name loedman und
+loetsman, lootsmann und dieser Ausdruck kehrt, wie Breusing (Jahrbuch V.
+8) anführt in allen nordischen Quellen des Seerechts wieder; »in den
+Jugemens d'Oleron als lodemann; water regt van Damme als laedsage;
+kostumen van Westcapelle als leydtsman; Waterrecht van Wisby als
+Leytsager und leytsman.« Kilian, der pylloot freilich mit »expertus
+nauta, qui bolide altitudinem maris explorat, nauta loci peritus«
+übersetzt, hat doch auch die Form lootsman.
+
+In einem Hansareceß von 1437 lesen wir: »Int erste hebbe ik gegeven deme
+losmanne, de my segelde in de Temese 6 Pf.« Und anderweitig: »So wan en
+schip van nodt wegen queme vor eyn land, dar yd hauen moste, vnde
+vmbekant were, so dat ydt eynen leydsagen bederuede« ... Weiter: »Wor en
+scipper wynnet enen sturman, eder enen letsagen edder enen
+schepesknapen, deme synt se to rechte schuldich syne reise wol to
+donde.« Auch im übertragenen und bildlichen Sinne in einem Adventsgebet:
+»O heerscopper aller heren vnde weldighe leytsaghe des slechtes
+Israhel.« Das früheste Zeugnis für die Form letsaghe fällt in das Jahr
+1299: »So wellik letsaghe jof sturman oder schipman, de sic vormedet
+heuet eneme unseme borghere, wil he enen vnsen borghere vorklaghen, dat
+schal he don vor sineme oldermanne« (Lüb. Urk.)
+
+Das Wort lootsman hat sich in dieser Gestalt, wie die Stelle aus dem
+Bremer Wörterbuch beweist, zwar bis in die neuere Zeit erhalten, daneben
+aber hat sich allmählich das Wort durch Verschlucken der Endsilbe in
+Lootse abgeschliffen, zunächst nur in der gesprochenen Sprache, so wie
+man boatswain Bosen ausspricht und das mann in Bootsmannsmaat
+verschluckt und Bootsmaat sagt.
+
+Das Wort ist also ein echt germanisches. Heißt doch im Altenglischen der
+Nordstern loadstar, Weg-, Leitstern, und der Magnet loadstone = Weg-,
+Leitstein. Und zwar ist das erste Wort in der Zusammensetzung mit
+unserem neuhochdeutschen *leiten* = führen verwandt, die wörtliche
+Übersetzung von Bootsmann also »Geleitsmann«. So war das Wort im
+Mittelalter in Deutschland, England, Holland und auch in Frankreich in
+Gebrauch.
+
+Nun kamen aber zur Hansazeit die Italiener in deutsch-niederländische
+Häfen. Die hatten bis dahin so etwas wie einen Lootsen in unserem Sinne
+gar nicht gekannt. Wohl hatten sie einen piloto, aber der stellte, wie
+aus der Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen bekannt ist, und wie
+Breusing a. a. O. vortrefflich ausgeführt hat, etwas ganz anderes dar,
+einen Mann, der einen ganz anderen Beruf hat als ein Lootse, nämlich
+überhaupt einen seekundigen Mann, der die Navigation auf offener See
+betreibt, wie wir z. B. aus den Reisen des Columbus wissen, daß der eine
+der Gebrüder Pinzon der piloto mayor des Geschwaders der ersten Fahrt
+war. »Ein Bedürfnis von Lootsen in unserem jetzigen Sinne, wo das Wort
+einen Wegweiser für enge gefährliche Fahrwasser bedeutet, besteht im
+mittelländischen Meere gar nicht. Die großen Handelsemporien
+Konstantinopel und Alexandria, Messina und Palermo, Venedig und Genua,
+Neapel, Marseille, Barcelona, Valencia, Malaga[3] liegen an offener See.
+Andererseits muß man bedenken, daß in früheren Zeiten der Schiffer
+eigentlich nur der Schiffsherr war und kein Seemann zu sein brauchte.
+Ulloa in seiner Conversationes sagt darüber: En lo antiguo eran dos
+ministerios separados, el de mandar las embarcaciones y el de
+dirigirlas. Los capitanes tenian el mando interior civil, economico y
+militar; y les pilotos eran los que desempenaban la parte nautica en
+pilotage y maniobra. So erklärt sich die Vorschrift, daß ein
+Schiffsherr, der nicht selbst Seemann war, einen der Schiffahrt kundigen
+Mann annehmen mußte, von selbst, und man hat hier nicht an einen Lootsen
+zu denken. Bei den Völkern des Mittelländischen Meeres hat das Wort
+piloto keine andere Bedeutung gehabt, als die wir mit einem »befahrenen
+Seemann« verbinden ... Auch der Nichtseemann begreift, wie widersinnig
+es wäre, für völlig unbekannte Gewässer (wie die von Columbus
+aufgesuchten) einen Lootsen anzustellen, der eben davon seinen Namen
+hat, daß er von einem ganz bestimmten Fahrwasser eine genaue
+Ortskenntnis besitzt, um als Wegweiser dienen zu können ... Erst nach
+dem Jahre 1300 kamen genuesische und venetianische Schiffe nach
+Antwerpen und lernten in den nordischen Meeren eigentliche Lootsen
+kennen. Denn hier lagen die Handelsplätze nicht wie im Mittelmeere an
+offener Seeküste. Hamburg und Bremen, Amsterdam, Rotterdam und
+Antwerpen, London und Bristol, Rouen und Nantes und Bordeaux liegen tief
+im Lande an Revieren, deren Eingang durch Sandbänke versperrt ist und wo
+die Möglichkeit des Einsegelns von der genauen Kenntnis der von Ebbe und
+Flut bedingten Wassertiefe und Gezeitströmung abhängig ist.« Aber für
+einen loodsmann war kein Wort im Italienischen, eben weil die Sache
+unbekannt war. Da halfen sie sich mit einem anderen Wort, mit einem, das
+wenigstens so ungefähr etwas Ähnliches anzudeuten schien und nannten den
+loodsman: pilota. Diese beiden haben sich dann so miteinander vermengt
+und vermischt, daß in Holland, England und Frankreich, vielleicht
+unterstützt durch den ähnlichen Klang, die romanische Form die
+germanische in den Hintergrund geschoben hat. Doch ist es ihr weder in
+Frankreich noch in Holland gelungen, sie ganz zu verdrängen. In
+Frankreich ist nämlich das normannische lodemann in locman, dieses in
+locmaneur (mit Anbildung an gouverneur = Steuermann) und dieses in das
+neufranzösiche lamaneur übergegangen, und lamanage heißt heute noch die
+Thätigkeit des Lootsen, während man im Altfranzösischen maronier sagte,
+vom kymrischen mar = Führer, oder vielmehr von dem Beinamen des
+Mercurius Marunus = Wegweiser; auf einer bei Baden gefundenen Inschrift
+aus der Römerzeit steht: »Marones (Name eines Volkes in den Alpen) enim
+appellantur viarum praemonstratores«.
+
+Was aber Holland betrifft, so beweist ein Blick in das 1629 erschienene
+erste deutsche Buch über Schiffbau, die Architectura Navalis von Josef
+Furttenbach, daß das germanische Wort damals noch galt. Es ist da ein
+durch seine Schnelligkeit berühmtes holländisches Schiff unter Segel
+abgebildet und genau beschrieben, ein Schiff, das einst zu Wasser
+schneller von Amsterdam nach Genua kam, als der Avis mit der Landpost,
+der melden sollte, daß das Schiff geladen sei. Es führte den Namen
+»*Lotzmann*« und hätte ihn nicht führen können, wenn nicht Lotsmann
+neben pylot in Holland noch gangbar gewesen wäre.
+
+Im Deutschen, und zwar in der deutschen Seemannssprache hat sich das
+deutsche Wort unbefleckt von piloto erhalten. Daher wir auch der Mühe
+überhoben sind, der Abstammung dieses Fremdwortes nachzugehen. Es macht
+sich zwar hie und da in hochdeutschen Büchern und namentlich Gedichten
+breit, aber es wird stets als Fremdwort empfunden. Und wenn bereits 1735
+im »Seebuch« Johann Manson schreibt: »Für tieffgehenden Schiffen ist
+nicht rathsam dieses Fahr-Wasser einzusiegeln (durch das Mitteltief nach
+Wismar), wo er nicht desto besser bekannt ist, sondern muß sich Piloten
+aus der Stadt nehmen«, so beweist das doch nur, daß damals schon die
+Fremdwörterei im Gange war, was ohnehin bekannt ist. Außerdem hat Hans
+Wittenburgk, Schiffer in Wismar, das Manson'sche Buch aus dem
+Schwedischen ins Hochdeutsche, so gut ers konnte, übersetzt.
+
+*Lootsenflagge* ist die als solche erkennbare weil besonders
+unterschiedene Flagge, die ein Schiff hißt zum Zeichen, daß es einen
+Lootsen haben will; auch die Flagge die der *Lootsendampfer*, der
+*Lootsenschuner* zeigt, der Lootsen abzugeben hat.
+
+Ein *Lootsenkommando* hat einen Lootsenkommandeur, Oberlootsen,
+Steuerleute, Lootsen, Lootsenaspiranten etc. etc.
+
+*Lootsenwasser* ist ein Fahrwasser, das man auf Karte und Segelanweisung
+hin nicht befahren kann, sondern nur mit Hilfe eines Lootsen. Waghenaer
+im »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, schreibt: »Dan men moet verstaen dat
+wij dese Tonnen ende Baecken alhier so aengeteckent hebben, als de selue
+int voorleden Jaer van 82 geleyt ende gestelt sijn geweest. Ende dat de
+diepten ende stroomen Jaerlyckx seer verloopen ende verandern:
+ouermidts d'onghestadighe sandtgronden, ende dat de gaten beneffens der
+Zee seer wyt ende breet worden, waer door dese stroomen al Lootsmans
+water syn, darmen hem versien moet van goede Piloten.« Ein neuer Beweis,
+wie man in Holland Lootsman und Pilot neben einander gebraucht hat.
+Vergl. auch Waghenaers Segelanweisung für Brest: »Oock meucht ghy van
+daer innewaerts seylen voor den hauen van Brest, maer daer leyt een
+Clippe ghenaemt de Bagyne recht binnen d'Oosthoeck van Croixduynen af,
+ontrent Midtswater aen de Noortzyde ist best daeromme te loopen. Voorts
+die inde hauen van Brest oft Landerneau wil wesen, moet schicken
+Lootsluyden in te cryghen wantet Lootsmans water is.«
+
+ [3] Diese Sätze sind am 17. Dezember 1900 geschrieben, am Tage, ja
+ in der Stunde, da die Nachricht vom Untergang S. M. S. »Gneisenau«
+ einging.
+
+
+*Löschen*,
+
+die Ladung des Schiffes an Land bringen.
+
+Bei dem neuhochdeutschen Zeitwort löschen denkt man zunächst an Brennen,
+sei es daß Holz oder Durst brennt. Eine Ladung löschen müßte demnach
+bedeuten, daß sie brennt und daß dem Feuer gewehrt wird. Das
+seemännische Löschen heißt aber eigentlich garnicht löschen, sondern
+lößen (und dieses ist unser hochdeutsches lösen). Das wird im
+Niederdeutschen in sehr allgemeinem Sinne gebraucht. Man sagt z. B. in
+Ostfriesland: eine Tür lösen oder los machen anstatt öffnen, und
+gebraucht lößen für frei machen, auslösen (vergl. Geld lösen, Erlös),
+befreien, entfernen, trennen, scheiden, entbinden, entfesseln; »stenen,
+törf, kalen, rogge etc. etc. lössen.« Die eigentliche Bedeutung von
+Löschen ist also: Die Ladung vom Schiffe (los =) *lösen* (entfernen, das
+Schiff entladen). Gothisch liusan = los, frei machen, leicht machen,
+lichten. Aubin: »Een ship lossen, Last lossen = Lichten, de goederen
+afschepen, outschepen, ontlasten, ontladen, ontlossen. Teuthonista:
+loyssen = ontbinden. Bremer Wörterbuch: »lossen, ein Schiff ausladen.
+Einige Oberländer sprechen unrecht löschen.«
+
+
+*Lose*, die s. durcholen.
+
+
+*Loskiel*, der,
+
+»ist eine unter dem Kiel angebrachte Holzplanke, welche mit demselben
+nur in solcher Weise verbunden wird, daß sie bei Grundberührungen sich
+loslösen kann, ohne daß Leckagen entstehen. Sie bietet also dem Schiff
+beim auf Grund Kommen einen gewissen Schutz« (Dick u. Kretzschmer I.
+85).
+
+
+*Loten*,
+
+die Tiefe des Wassers mit dem Lot messen, sei es mit dem Handlot, sei
+es mit dem »großen« oder Tieflot. Ersteres ist die häufigere Art,
+namentlich beim Einfahren in einen Hafen oder beim Ausfahren aus
+demselben üblich, wobei der lotende Matrose die gelotete Tiefe in Metern
+aussingt: »grade -- das a sehr lang -- fünfzehn! (wobei dann genügsame
+Gemüter immer wieder mit dem Scherze kommen, fünfzehn sei ja gar nicht
+grade) oder: »zwanzig Meter und keinen -- das ei sehr lang -- Grund!« --
+Die Zahl der Meter ist an den verschiedenfarbigen in die Lotleine
+eingeknoteten Streifen Zeug kenntlich.
+
+Das niederdeutsche lod heißt Blei, Lot ist also das Hochdeutsche
+»Senkblei«. Die Sache selbst ist eine uralte Einrichtung, vergl. die
+Beschreibung des Sturmes Apostelgeschichte 27, 27 und 28; Luther hat die
+Stelle übersetzt: »Da aber die vierzehente Nacht kam, und wir in Adria
+fuhren, um die Mitternacht, wähneten die Schiffleute, sie kämen etwa an
+ein Land. Und sie senkten den Bleiwurf ein und funden zwanzig Klafter
+tief, und über ein wenig von dannen senkten sie abermal und funden
+funfzehn Klafter.« Das griechische Zeitwort für »den Bleiwurf einsenken«
+heißt bolizo, von ballo ich werfe; dem entsprechend bolis beides heißt:
+Wurfgeschoß und Senkblei. Es ist klar, daß Bleiwurf viel treffender ist
+als Senkblei, denn das Werfen, das Schwingen und dann möglichst weit
+nach vorne Werfen des Bleies ist eine wesentliche Bedingung beim Loten.
+
+Das Seebuch (1400) nennt die Tätigkeit depen = tiefen, wie man jetzt
+wohl auch noch sagt: »ein Fahrwasser austiefen«, was nicht mit
+ausbaggern zu verwechseln ist.
+
+Der lotende Matrose steht außenbords, mittschiffs, auf einer Gräting und
+muß sich bei seiner Arbeit sehr weit nach vorne überbeugen um das Lot
+möglichst weit vom Schiff frei zu bekommen (hoher Schwung und weites
+Werfen ist Ehrensache); daher ist er mit einer Art von Schurz umgeben,
+der, am Schiffe befestigt, ihm Halt bietet und *Lotbrook* heißt. Die
+Leine heißt *Lotleine*.
+
+ Es trieben Südenwinde sie in die offne See,
+ Dem edlen Fahrtgesinde schuf es bitteres Weh,
+ Mit *tausend Leinen* hätte es den Meergrund nicht gefunden,
+ Die besten Schiffer stöhnten; allen war der Mut dahingeschwunden.
+
+Kilian hat »grond-loot, diep-loot, funis cum plumbo, quo fundus et maris
+altitudo exploratur.«
+
+Es bedarf kaum der Erwähnung daß das Senkblei am Lande nicht als Lot zum
+Messen der Tiefe, sondern einer lotrechten Linie dient. Überhaupt
+spielt Lot eine große Rolle, namentlich als (Blei-)Gewicht und als
+(Blei-)Kugel; »jemand eene loden, blaawe of huzaren boon geven«:
+bleierne, blaue oder Husarenkugel.
+
+Italienisch heißt das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten
+italienisch scandagliare (vom lateinischen scandere, messen);
+mittellateinisch scandilia, die Sprossen der Leiter, wobei daran zu
+denken ist, daß die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch
+spanisch-portugiesisch sonda, französisch sonde = Senkblei, sonder die
+Meerestiefe messen (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren.
+
+Waghenaer legt in seinem »Spiegel der Zeevaerdt«, 1588, ganz besonderes
+Gewicht auf fleißiges und sorgfältiges Loten. Er nennt es manchmal
+kurzweg »werfen«. »Twee kenninghen buyten Heys werpt gy 45 vadem«;
+manchmal auch tiefen, diepen: »Dicht by Heyssant ist diep 45 vadem, en
+daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.«
+
+
+*Lose*, die s. holen.
+
+
+*Luftkasten*, der.
+
+Luftkästen sind ein wesentliches Erfordernis eines Rettungsbootes,
+nämlich die Träger desselben durch Brandung und hohen Seegang. Sie
+müssen das Boot auch dann noch über Wasser halten, wenn es voll Wasser
+geschlagen ist. Es sind bei unseren Rettungsbooten neuester Art, die
+eine große Stabilität haben und doch leicht sind, weil aus verzinktem
+kannelierten Stahlblech gebaut, den sogen. deutschen Rettungsbooten, wie
+sie die »Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger« verwendet,
+kupferne Kästen zu beiden Seiten des Stechschwertes, die, wasserdicht
+verlötet, im Verhältnis zum Boot die Größe haben, die für den
+angegebenen Zweck erforderlich ist. Auf anderen Rettungsbooten, z. B.
+dem englischen life-boat, sind nicht nur zu beiden Seiten, sondern auch
+hinten und vorn solche Luftkästen, air-cases, angebracht. Sonst dienen
+auch einfach doppelte, hohle Bordwände dem Zwecke größerer Stabilität.
+
+
+*Luftzuführung* s. Windsack.
+
+
+*Luftsack* s. Windsack.
+
+
+*Luk*, das, auch *Luke*, die,
+
+eine viereckige Öffnung im Deck die als Zugang zu dem betreffenden Deck
+dient; früher mit einer Falltür verschließbar, im modernen
+Eisenschiffbau wohl durch eine eiserne Schiebeklappe zu verschließen.
+Wiewohl man Luke gewöhnlich nach dem Augenschein für eine Öffnung
+ansieht und auch als Öffnung erklärt, so hat doch nicht diese, sondern
+im Gegenteil das Verschließen, die Verschließbarkeit den Namen
+hergegeben, das Wort hat nämlich nichts mit Loch zu tun, sondern kommt
+von einem Zeitwort das schließen bedeutet, gotisch lukan, althochdeutsch
+luhhan, altnordisch luka, altfriesisch luka, altsächsisch lukan,
+angelsächsisch lucan, altenglisch luken, englisch lock, nordfriesisch
+loke, luka, laka; im Saterland luka, mittelhochdeutsch luchen,
+niederländisch luiken. Der Grundbegriff aller dieser Wörter ist aber
+ziehen, unser niederdeutsches, noch jetzt im allgemeinen Gebrauch
+stehendes luken = ziehen. Das Verschließen einer Tür ist ja vor allen
+Dingen ein Zuziehen derselben. Aber an eine Tür war am Morgen der
+indogermanischen Sprache, als das Wort geschaffen wurde, noch nicht
+gedacht, vielmehr ist der Ausdruck dem Leben der Hirten und einfachsten
+Ackerbauer entnommen, und zwar von einer ganz bestimmten Vorrichtung,
+nämlich einer durch Querstangen verschließbaren Umzäunung, Umhegung von
+Weideplätzen, von Hürden und Pferchen. Die wurden einfach dadurch
+verschlossen, daß eine Stange vor die Öffnung geschoben wurde; wurde die
+Stange wieder zurückgeschoben, so war der Raum wieder offen. Dasselbe
+Bild stellt sich uns dar, wenn wir an den ältesten Verschluß von Türen
+und Fensterläden denken: es war kein Schloß, sondern ein Riegel, der
+hin- und hergeschoben wurde. Die Stange, der Riegel wurden also geluckt,
+d. h. hin- und hergezogen oder geschoben, denn luken heißt ziehen und
+schieben. Je nachdem nun die Stange oder der Riegel hin- und
+hergeschoben wurde, war der Raum offen oder zu: daher schreibt sich
+dieses immer wieder hervortretende Schwanken der Bedeutung von luken
+zwischen schließen und öffnen, offenbar auch die von Luk, Luke zwischen
+Öffnung und Verschluß.
+
+»Das Luk« scheint zu veralten; »die Luke« mehr in Aufnahme zu kommen.
+Ausschließlich wird letzteres Geschlecht gebraucht in der oft gehörten
+Redensart: »Guckst Du mich aus *die* Luke?« Sie wird gebraucht, wenn man
+jemanden erkannt hat in seinen Absichten und ihm in der ersten
+Überraschung solchen Erkennens mitteilt, daß er »erkannt« sei.
+
+
+*Luv* meist, wie Lee, ohne Artikel.
+
+Es sind auffallend wenig Erklärungsversuche an dieses Wort
+herangetreten, gleichsam als ob sich an das schwierige Wort niemand so
+recht herangetraut hätte. Und es ist doch ein so wichtiges Wort für den
+Seemann. Wir müssen vor allen Dingen von der Frage ausgehen: Was ist
+Luv? Was will es sagen? Von welcher Anschauung mag die Benennung
+ausgegangen sein? Und da ist vor allen Dingen zu bemerken, daß Luv die
+Seite ist von der man mit dem (Segel-)Schiffe herkommt, also die Seite
+die man auf der Fahrt nach Lee zu hinter sich zurückläßt. Das stimmt
+zwar jetzt wo man »beim Winde« zu segeln gelernt hat, nicht mehr ganz,
+in alten Zeiten aber, wo bei der unbeholfenen Segelführung an ein
+Aufkreuzen nicht zu denken war, sondern nur mit raumen Winde Kurs
+gehalten werden konnte, da stimmte es. Man erklärt Luv jetzt gewöhnlich
+als die Seite, von der der Wind kommt, die Windseite. Das ist auch
+richtig. Aber eben so richtig ist, oder war es doch, zu sagen, die Seite
+wo das Schiff herkommt, oder die Seite die das Schiff auf seiner Fahrt
+hinter sich zurückläßt. Und dieser Begriff des Zurücklassens dürfte
+ausschlaggebend gewesen sein. Das Zurückgelassene heißt im
+Angelsächsischen laf. Im Beówulf kommt das Wort oft vor und bedeutet
+neben dem Zurückgelassenen den Nachlaß, das Erbe, besonders auch als
+vorzüglich kostbaren Gegenstand der Vererbung: das Schwert; echt
+dichterisch ist auch die Wendung sweorda laf, die das Schwert
+zurückgelassen hat, die vom Schwerte in männermordender Schlacht
+verschont geblieben sind.
+
+Dem entsprechend heißt im Altfriesischen leva, lewa, relinquere,
+nachlassen, davon lawa, Glaube; lawa, Gesetz, lawa, Erbe; allen dreien
+ist der Begriff gemeinsam: Zurückgelassenes, Restierendes, der Nachlaß;
+das was bleibt, wenn alle im Laufe der Zeiten dahingehen, das Dauernde,
+Feste, zu Haltende, Unvergängliche, Unverletzliche. Aber die
+Grundbedeutung ist zurücklassen. Dem entspricht im Gotischen laiba,
+Überbleibsel, althochdeutsch leiba. Im Seebuch, 1400, tritt dann das
+Wort in seemännischer Bedeutung auf, und zwar in der Form loff. Daneben
+aber laufen im Sprachgebrauch der Zeit lof = Windseite und lova, louwe =
+Hinterlassenschaft, loven, leven, zurücklassen. In einer unter Lee
+angeführten Stelle war gesagt, daß den Dänen und Lübeckern alles
+thoiegen und sie in der lehe waren; es heißt dann weiter: »Auerst de
+leve gott gaff gnade, dat de wind umbginck und de Denen und Lubeschen
+den loff kregen.« Es war altes ostfriesisches Landrecht: »Woir dat de
+frouwe ein man nimpt und tuigt ein Kind by em unde se stervet tho voeren
+und dat Kint darna, so soelen broedere und sustere de lova gelieke
+antasten.«
+
+In dieser letzteren Bedeutung ist das Wort beinahe ganz dem
+Sprachgebrauch entschwunden; sollte es darum sein, daß es von dem
+seemännischen verdrängt worden wäre? Denn das Seemannswort hat sich
+immer mehr Bahn gebrochen. Niederdeutsch lof, niederländisch loef, daher
+französisch lof und louvoyer; in Groningen loof, auf Wangerooge lauv;
+dänisch luv, schwedisch lofven. Der Vokal ist schwankend; die
+Physiologie der Lautbildung lehrt, daß Vokale immer schwankende Laute
+sind. Ein wenig mehr a- oder o- oder u-Lautfarbe macht also nichts aus;
+ja wer dem Seemann genau auf den Mund sieht, der kann wahrnehmen, wie
+Luv, das für gewöhnlich lang ist -- das Zeitwort luven ist immer lang,
+-- oft aber auch sehr kurz ausgesprochen wird und dann leicht auch heute
+noch zu dem alten Klange lov zurückkehrt, ja in lav überspringt, welch
+letzteres ja dann auch das ursprünglichere ist. Das Schwanken der
+Orthographie zwischen f und v ist selbstverständlich. Sprachlich steht
+also der Verwandtschaft nichts im Wege. Sachlich, wenn man an die alten
+Zeiten denkt, auch nicht. Doch ist zuzugeben, daß der Begriff sich in
+der neuzeitlichen Seemannssprache unter dem Einfluß der neuzeitlichen,
+verbesserten Segelführung etwas verschoben hat, namentlich der des
+Zeitwortes luven, das unter Umständen jetzt so ziemlich das Gegenteil
+von zurücklassen, nämlich entgegenkommen bedeuten kann, besonders als
+anluven. Aber das liegt in der Natur der Sache.
+
+Übertragen sagt man: »er luvt nicht darauf«, d. h. er hört nicht,
+gehorcht nicht, tut nicht was ihm gesagt wird; vom Luven des Schiffes
+hergenommen; »das Schiff luvt«, es gehorcht dem Ruder und geht mehr nach
+dem Wind.
+
+Im Englischen heißt die Seite von der der Wind herkommt windward; diesen
+Ausdruck hatte man früher in der deutschen Seemannssprache auch. Der
+Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« war, (s.
+Schönfahrsegel) von seinem venetianischen Schiffe kurz vor der
+Pulverexplosion über Bord gesprungen. »Wie ich nun gedachte nach dem
+Admiral zu schwemmen, muß ich es allezeit gegen die See halten, weil er
+zu *Windwärts* von mir war; Wen ich aber auff die See kam, lieff mich
+die Rabbeling (wohl verdruckt für Kabbeling) vom Wasser übers Häupt, so,
+daß ich nicht sehen konte, und weil zu zweyen mahlen einige Kordusen
+(Kartuschen) durch Unvorsichtigkeit waren in Brand gekommen, wodurch
+ich ziemlich kahl war versenget, waren mich auch die Augen davon hitzig
+geworden, so daß ich kein Saltzwasser in den Augen vertragen konte.«
+
+Doch kannte neben »windwärts« der Verfasser der »Beschriving« auch sehr
+wohl den Ausdruck »luv«, jedoch natürlich in den niederdeutschen Formen
+lof und loff. Die Stelle, in der die Ausdrücke vorkommen, ist so
+lehrreich für die Kenntnis der Seefahrt jener Zeit, daß sie hier
+Aufnahme finden möge. »Mich hat auch gut gedünkt etwas zu melden, wie
+ein Schiffer, der in der West- und Mittelländischen See nicht wol
+erfahren, und allda einige Örter besegeln müßte, sich hat vorzusehen,
+daß er nicht in der Heyden (Seeräuber) Gewalt kommen möge.
+
+Wenn nun ein Schiffer ümbtrent in der West- oder Middelländischen See
+seine Feinde gewahr würde, so sol er nicht verzagen, sondern sich Gott
+und seiner gnädigen Vorsorge anbefehlen. Kan ers entlauffen, umb unters
+Land sich zu salvieren, oder daß er wans finster wird, sein Kurß kan
+forsetzen, so tue ers in der Zeit, wo nicht, und daß sein Schiff etwas
+bewehret ist, so tue er sein bestes, und setze seine Segel daß er
+*lofen* und tragen (Richtung) halten kann; Nemblich dem grossen Halß zu,
+und gehe mit halben Wind, daß alle Segel ziehen können, und ob er ja
+sein Kurß deßwegen verändern müßte, so wil es doch nicht anders seyn,
+ihr könnet ihn aber lang vexieren und auffhalten; ehe und bevor er euch
+kann an Bort kommen; Denn, wo er nach euch zu kompt, umb euch an Bort zu
+legen, so müsset ihr auffdauwen (niederdeutsch touwen = eilen) und ihn
+das hinterste zukehren, doch nicht eher und bevor er euch bald an Bort
+ist, und gebet allezeit Feuer, Gott kan es endlich so schicken, daß ihr
+einen glücklichen Schuß tut, dadurch ihr dennoch endlich ihm entkommen
+möchtet; Weil ich nun bey solchen Handel selbst mit gewesen; da es uns
+gelungen, also hab ich den günstigen Leser hiermit zur Nachricht dienen
+wollen. Es war Anno 1645 ungefehr zwischen Cap S. Vincent und S. Hubes
+Huck 8 Meilen von dem Wall, da kamen auff uns zu fünff Türkische
+Schiffe, weil wir aber sahen, daß wir gegen sie nicht fechten konten;
+den wir nicht mehr dann zehn Stücken und noch ein Hamburger so bey uns
+war sechs Stücken auff hatte, täten wir unser bestes und machtens wie
+vor gedacht, daß wir mit halben Wind voraus lieffen, einer aber unter
+ihnen war eine Hollandische Fregat mit 28 Stücken Geschütz gemondiert,
+der siegelte uns endlich auff, und lieff den vorgedachten Hamburger
+vorbey, weil derselbe hinter uns anhielt; den der Türcke gedacht uns
+erst an Bort zu legen, der Hamburger würde den andern nicht entlauffen.
+
+Wie er aber näher kam, kehrten wir ihm daß hinter Schiff zu, und paßten
+auff, daß wir ihn mit unserm hintern Geschütz, so neunpfündige Kugeln
+schoß ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford wieder an, der Türcke
+aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus, er folgete uns aber
+wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir machtens aber wieder
+wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben auch indem auf ihn
+Feuer, traffen ihn also, daß sein Vormarssegel nicht allein von oben
+nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern auffrisse, dadurch
+er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der Vice-Admiral aber von
+den Türcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu legen, der ihn auch
+solches verdrehete und ihm daß Hinterschiff zukehrte, daß dem
+Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing, derowegen konnte er sein
+Segel nicht schrab (fest) setzen, daß er uns ferner verfolgen konnte;
+die andern drey so noch zurücke waren, schossen zwar mit ihren
+Bochstücken hinter uns an, welches ihn zurücke hielt, und was wir hinter
+aus schossen, foderte uns, so, daß wir endlich vor ihm das Land bekamen,
+sie aber dürfften dem Land nicht so nahe kommen, weil der Vice-Admiral
+durch sein Bochspret redloß war, derhalben musten sie uns endlich
+verlassen, wir aber gingen längst dem Wall nach S. Hubes, umb allda
+erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach S. Lucas
+zu suchen, dahin unser Wil war.«
+
+
+*Luvart*
+
+kommt in der Verbindung zu luvart häufig als Bezeichnung der Richtung
+vor aus der der Wind kommt. »Das Schiff segelt zu luvart von uns«;
+Gegensatz: »Das Boot fährt in Lee von uns«. Die Präposition zu ist
+fälschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die
+Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewußtsein hatte. Dieses Wort
+heißt nämlich eigentlich luvwärts und ist über luvwart zu luvart
+geworden, doch so, daß von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu
+hören ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlässiger luvert
+ausgesprochen wird. Die Form »luvwart« ist bezeugt als »Loffwart« in der
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673; der Verfasser trieb
+schwer havarirt in einem Novembersturm in der Nordsee: »Wir sahen auch
+ein Schiff zu *Loffwart* von uns; liessen derowegen ein Schau oder
+Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren« ...
+
+
+*Luvgierig*
+
+ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug dem Winde
+zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen Stauens der
+Ladung oder verkehrter Segelführung. Die beiden letzteren Ursachen
+lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler läßt sich nichts
+weiter machen, als daß man mit Ruderführung und Segelstellung die
+Luvgier zu heben sucht.
+
+Das Gegenteil nennt man leegierig; dabei fällt das Schiff allzuleicht ab
+und ist schwer beim Winde zu halten.
+
+
+*Luvküste*, die, s. Upperwall.
+
+
+
+
+M.
+
+
+*Maat*, der.
+
+Bei der Kaiserlichen Marine heißen die Männer, die man bei der Armee
+Unteroffiziere nennt Maate, die Sergeanten Obermaate, und werden je nach
+ihrem Dienstzweig noch näher bestimmt als Bootsmannsmaat,
+Feuerwerksmaat, Steuermannsmaat, Wachtmeistersmaat, Maschinistenmaat,
+Feuermeistersmaat, Meistersmaat, Materialienverwaltersmaat,
+Artilleristenmaat u. s. w., das sind dienstliche Titel. Eine
+vorübergehende Beschäftigung hat der Stewardsmaat, ein Matrose, der zur
+Unterstützung des Stewards befohlen ist. Dieser letztere Maat ist aber
+der eigentlichen allgemeinen Bedeutung des Wortes nach der richtige
+Maat, denn das Wort bedeutet einen Gehilfen, Gesellen, Genossen,
+»Assistenten«. Kilian übersetzt maet mit socius, collega, hat auch die
+überflüssigerweise erweiterte Form med-maet, wie man im
+Mittelniederdeutschen die pleonastische Form mategeselle hatte.
+Niederländisch maat, maatschappy, Gesellschaft. Englisch mate, Genosse,
+Gefährte in so allgemeinem Sinne, daß es sogar husband oder wife
+bezeichnen kann; auf Handelsschiffen der Steuermann, auf Kriegsschiffen
+wie bei uns. Nach dem Bremer Wörterbuch heißt dorten ein Kamerad maat;
+es nennt auch ein Mädchen das andere das neben ihm in *einem* Hause
+dient maatske. Maat ist Verkürzung des althochdeutschen gimazo, das ist
+einer, der mit einem anderen zusammen die Speise, maz, verzehrt, ein
+Mitspeisender, Mitesser, Tischgenosse, und zwar Genosse in seiner
+ursprünglichen Bedeutung von »zusammen etwas genießen«, d. h. essen. Das
+alt- und mittelhochdeutsche maz, gothisch maths, altnordisch matr,
+englisch meat heißt Speise, Nahrung, Essen, besonders zum Essen
+bestimmtes, zartes, schieres, weiches, gehacktes Schweinefleisch;
+niederdeutsch met, so daß also Maat und Mettwurst zusammengehören.
+
+Alle in Nowgorod sich aufhaltenden fremden Kaufleute waren in Haus- und
+Tischgenossenschaften abgeteilt; eine solche wird in einer Hansa-Urkunde
+des 14. Jahrhunderts mascop genannt; sonst heißt aber dieses Wort in
+jener Zeit matscop und matschop, also ähnlich dem angeführten
+maatschappy. In einer Lübecker Urkunde von 1347 heißt es: »Laten jo sere
+dancken, dat gy osen vrent onde osen math, heren W. hebbet vrentliken
+wedderdan sinen schaden.« In der Lübecker Chronik lesen wir: »Biscop
+Engelbert van Colne wart dot gheslaghen van greven Vrederike van Altena,
+de syn man was unde sin maath.« Doch war schon immer, so lange wir
+schriftliche Aufzeichnungen niederdeutscher Seemannssprache besitzen,
+das Wort maat in besonderem seemännischen Gebrauch. 1379: »Jtem dat B.
+syn knape sluch to der Sluus opt dat lant enen maten schipmann vor de
+noeze, dat he bloede.« 1564: »Darna Jacob geropen: mathe, wor syn ghy?
+helpet uns pumpen.« 1580: »Gerth sy houetbossmann unde Erasmus
+houetbossmanns mate gewesen.« 1580 also begegnet uns zum ersten Male der
+Bootsmannsmaat.
+
+
+*machen*
+
+wird im seemännischen Sinne nicht nur für »zurücklegen einer Strecke«
+gebraucht, z. B. wir machen neun Knoten oder Meilen, es heißt auch
+erreichen, in Sicht bekommen, anlaufen; z. B. wir machen Rio, sie
+machten Cap Skagen; genau wie im Englischen, »they that sail in the
+middle can make no land of either side.« Es ist hier ganz allgemein
+»etwas zu Stande bringen«, ähnlich wie in dem vor einigen Jahren wie
+eine Krankheit grassierenden »m. w.« = »machen wir.«
+
+
+*macklig*,
+
+richtiger macklich, denn es kommt von machen, niederdeutsch maken und
+bedeutet etwas, das so gemacht ist wie es gemacht sein muß um recht
+gemacht zu sein und damit man etwas Rechtes damit machen kann; also
+etwas Zweckentsprechendes, Brauchbares, Bequemes, Handliches wird man
+macklich nennen. »Der Hammer ist macklich«, d. h. er liegt gut in der
+Hand, man kann bequem damit arbeiten, »der Riemen ist macklich«, man
+kann bequem damit rudern. Macklich ist besonders im seemännischen Sinne
+auch das »was seemännisch gut gehalten ist«, vor dem Auge eines
+Seemannes Gnade findet. Ein echtes, rechtes nach Salzwasser riechendes
+Seemannswort, das aber bei neumodischen Seeleuten anfängt zu veralten.
+Vielleicht vom althochdeutschen Substantivum gimah (= Gemach,
+Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemächlichkeit, Ruhe,
+Pflege, häusliche Bequemlichkeit, wohnliche Räumlichkeit, Zimmer wo man
+sichs bequem macht) oder vielmehr vom niederdeutschen gemak, im gleichen
+Sinne, vergl. das Sprichwort: »frejen (freien) under en dak, is'n grot
+gemak« abgeleitetes, jedenfalls aber von maken = machen abstammendes
+Adjectivum.
+
+
+*Maifeld*, das,
+
+heißt bei nautischen oder architektonischen Messungen, besonders beim
+Hafenbau, der gewachsene Boden des festen Landes im Gegensatz zum
+Wasser. Und zwar nicht eigentlich der gewachsene Boden, sondern seine
+bewachsene Oberfläche, besonders als Wiese gedacht, als ein Feld das
+gemäht wird. Mähen heißt niederdeutsch maien; das niederdeutsche Maifeld
+hat also mit dem Wonnemonat nichts zu tun, sondern bedeutet Mähfeld.
+Doornkaat: »Ein zum Mähen oder Grasschneiden bestimmtes oder liegen
+gebliebenes Feld oder eine Wiese.«
+
+
+*Makler*, der,
+
+Schiffsmakler, auch Mäkler, ein Unterhändler in Schiffsangelegenheiten,
+bei Käufen und Verkäufen, Ausrüstungen u. s. w. Das Wort kommt von
+machen, niederdeutsch maken, und zwar von dem Iterativum dazu makeln.
+Man kann es ins Hochdeutsche übersetzen mit »Macher« im Sinne von
+Gelegenheitsmacher, Heiratsmacher oder -Vermittler, letzteres
+ostfriesisch makesman.
+
+Insofern ein Vermittler eines Kaufes unter Umständen bestrebt sein muß,
+um die Sache zu stande zu bringen, den Gegenstand des Handels schlecht
+zu machen und allerlei daran auszusetzen, »mäkelt« er daran herum,
+»bemäkelt« er sie.
+
+
+*mallen.*
+
+Wegen des Übrigen s. abmallen; hier nur die Erklärung (nach Dick und
+Kretschmer) was »gemallte Tiefe«, moulted depth, bedeutet, nämlich bei
+eisernen Schiffen die vertikale Entfernung der Oberkante des oberen
+Deckbalkens des Vermessungsdecks bis zur Oberkante des Kiels; bei
+hölzernen Schiffen die Entfernung der Oberkante der Oberdeckbalken bis
+zur Unterkante der Kielsponung.
+
+
+*»Mann über Bord!«*
+
+Ein Ruf, der sofort wie mit einem elektrischen Schlage das ganze Schiff
+in Bewegung bringt. Ist ein Mann über Bord gefallen, so ist das Nächste,
+ihm eine Rettungsboje zuzuwerfen und das Schiff zum Stillstand zu
+bringen; was bei einem Segelschiffe keine so ganz einfache Sache ist.
+Aber in diesem Falle werden die notwendigen Arbeiten seitens der Leute
+stets mit besonderem Feuereifer ausgeführt, so daß es einer Anspornung
+nicht bedarf. Es ist als ob jeder das Gefühl hätte, daß von seiner
+Bemühung das gefährdete Menschenleben abhänge.
+
+
+*Mamiering*, die.
+
+Ein Schlauch aus wasserdichtem Segeltuch, der über eine Röhre gestreift
+und daran befestigt ist, zum Zweck die durch die Röhre fließende
+Flüssigkeit weiter zu leiten. Offenbar steckt in der ersten Silbe das
+niederdeutsche mau = Ärmel, aber eigentlich nicht Ärmel in unserem
+Sinne, in dem ein solcher festgenäht ist, sondern loser Ärmel, wie man
+ihn früher über den Arm streifte. So heißen heute noch im
+Niederdeutschen die Pulswärmer, die auf den Unterarm gestreift werden,
+Muffen, was mit mau nahe verwandt ist; auch heißt Muffe ein eiserner
+Ring, der über die Verbindungsstelle zweier eiserner Rohre zur stärkeren
+Befestigung und Dichtung gestreift wird. Es liegt eine Wurzel zu Grunde,
+die mu lautet und drängen oder schieben bedeutet, von der auch das
+lateinische moveo, ich bewege, kommt. Der Begriff des Überstreifens ist
+also in mau gegeben; miering dürfte aus meren = verlängern gebildet
+sein, mit der niederdeutschen Endung ing: eine Verlängerung stellt die
+Mamiering ja unzweifelhaft dar, eine Verlängerung der Ausflußröhre, auf
+die die Mamiering ärmelartig aufgestreift ist. So müßte das Wort
+eigentlich maumering heißen; unter dem Einfluß der Zusammensetzung ist
+aber die erste Silbe durch Ausfallen des u gekürzt, die zweite aber
+unter dem Einfluß der Endung ing assimilierend in i umgelautet.
+
+
+*Manilaleine*, die,
+
+ein sehr leichtes, aber festes und haltbares, sauber und reinlich
+aussehendes Tauwerk; »dasselbe zeichnet sich vor dem Tauwerk aus
+gewöhnlichem Hanf durch größere Geschmeidigkeit, Elasticität und
+Dehnbarkeit sowie durch größere Unempfindlichkeit gegen Schamfielungen
+aus. Diese Vorteile im Verein mit dem Umstand, daß es auf dem Wasser
+schwimmt, machen es besonders geeignet zu Verholtrossen.« (Dick und
+Kretschmer, II. 3). Gefertigt aus Manilahanf, der Faser einer
+hauptsächlich auf den Philippinen wachsenden, von Manila ausgeführten
+musa-Art, genannt musa textilio. Sie ist nahe verwandt mit der musa
+sapientum oder paradisaica, die wir besser unter dem Namen Banane
+kennen, und mit der musa, die sich in unseren Gärten auf Rasenflächen
+als Solitärpflanze so vornehm ausnimmt.
+
+
+*Manöver*, das,
+
+eigentlich Handwerk, Handarbeit, französisch manoevre, italienisch
+manovra, spanisch maniobra, provençalisch manobra, mittellateinisch
+manopera, vom lateinischen manus, Hand und opera, Arbeit.
+
+Jetzt im seemännischen Gebrauch jede größere gemeinschaftliche auf
+Kommando ausgeführte Arbeit zur Bedienung des Schiffes oder zur
+Ausbildung der Leute. Das erste Kommando dabei heißt: »Klar zum
+Manöver!« sei es, daß ein Teil der Wache, die ganze Wache, alle Mann
+gewünscht werden, was dann dem Worte klar vorangehend näher bezeichnet
+wird. Den Höhepunkt aller Einzelmanöver bilden die großen Herbstmanöver,
+bei denen eine ganze Flotte sich zu gemeinschaftlichen Übungen
+versammelt.
+
+
+*mannen*,
+
+ein Boot, ein Schiff bemannen, mit Mannschaft versehen, namentlich auch
+mit Kriegsmannschaft. Im Mittelniederdeutschen hieß es -- natürlich nur
+für den weiblichen Teil -- heiraten: »Dit en secge ic nicht allene van
+den wiuen, de ghemannet syn, mer oec van den megheden, de noch mannen
+willen, onde dat schynt, dat eyn gemannet wyf beter is dan eyn maghet,
+de noch mannen sal.« Seemännisch spricht man von mannen im Sinne von:
+»von Mann zu Mann weiter geben«; Schiller: »durch der Hände lange Kette,
+um die Wette, fliegt der Eimer« ... daher Geschoßmanner, Pulvermanner
+etc. etc.
+
+
+*Mannloch*, das.
+
+Womöglich soll man im Schiff, auch bei den jetzigen labyrintartigen
+Raumverhältnissen, an jede Stelle, auch an solche, die für gewöhnlich
+unzugänglich ist, zur Vornahme gewisser Arbeiten wie Malen, Reinigen
+etc. gelangen können. Dazu sind in den sonst dichten Wänden kleine
+verschließbare Öffnungen angebracht, grade so groß, daß ein Mann
+hindurchkriechen kann; sie heißen Mannlöcher.
+
+
+*Mantel*, der.
+
+Dieses aus dem lateinischen mantellum stammende Lehnwort wird
+bekanntlich nicht nur zur Bezeichnung eines Kleidungsstückes für
+Menschen, sondern überhaupt im Sinne von Schutzkleid, Schutzbekleidung,
+sei sie von Holz, Stein oder Eisen, gebraucht. So hat man an Bord einen
+Schornsteinmantel und im neuesten Rettungsboot ist am Ruder ein
+metallener Mantel angebracht, der beweglich ist und bei schwerem Wetter
+als Verlängerung des Ruders herabgelassen wird, damit auch bei schwerem
+Wetter und hohem Seegang das Ruder nicht wirkungslos in der Luft
+schwebe.
+
+Siehe auch »Mantel und Takel.«
+
+
+*»Mantel und Takel«.*
+
+In dieser Verbindung bedeutet Mantel ein feststehendes starkes Tau und
+Takel einen Block mit Scheibe und Läufer. Breusing im Jahrbuch für
+niederdeutsche Sprachforschung 1876 S. 5 sagt: »Mantel ist das
+italienische Wort amanti, das spanische amantillos, das portugiesische
+amantilhos. Man hatte vergeblich nach der Herkunft desselben gesucht,
+bis uns Böckh in seinen »Urkunden über das Seewesen des attischen
+Staates« gelehrt hat, daß es im Mittelalter aus dem altgriechischen
+Worte himantes verderbt sei.« Darnach hätten wir in diesem Mantel eine
+volksetymologische Umbildung vom italienischen amanti und Anlehnung an
+Mantel zu sehen.
+
+
+*Manntau*, siehe Laufstag.
+
+
+*Marine*, die,
+
+das Seewesen, besonders das Seekriegswesen. Es ist zwar unter Marine
+auch die Handelsschiffahrt mit einbegriffen, doch muß dies besonders
+kenntlich gemacht werden, »Handelsmarine«; wenn keine besondere
+Unterscheidung hinzugefügt wird, so ist Kriegsmarine zu verstehen,
+(»Mein Sohn will zur Marine«, d. h. er will Seeoffizier werden) was
+schon aus der Bezeichnung »Reichs-Marine-Amt«, Marine-Offizier
+hervorgeht. Was dieses letzte Wort betrifft, so ist Marine-Offizier der
+weitere Begriff, auch die Offiziere der Marine-Infanterie, die
+Sanitäts-Offiziere, Ingenieure u. s. w. umfassend, während diejenigen
+Offiziere die man im Binnenlande Marine-Offiziere nennt, sich selbst als
+»See-Offiziere« bezeichnen. Unkundige Leute, die einen Bootsmannsmaaten
+nicht von einem Matrosen, geschweige denn von einem Feuerwerksmaaten,
+unterscheiden können, helfen sich in unseren Seestädten mit der
+allgemeinen Bezeichnung »Mariner«; im Binnenlande sagt man im gleichen
+Falle, zum Unterschied von einem Matrosen, bei dem man zunächst an einen
+Handelsmatrosen denkt, »Marinesoldat«.
+
+Während bereits im Altenglischen die Form mariner vorkommt, ist Marine
+bei uns zum ersten Male 1728 von Sperander à la mode-Sprache der
+Teutschen gebucht.
+
+Vom lateinischen Adjektivum marinus, das Meer betreffend.
+
+(Marinieren heißt eigentlich »Seegeschmack geben«.)
+
+Von diesem ward im Mittellateinischen marinarius gebildet, woraus das
+italienische marinaro, das französische marinier, das englische marine
+entstand und auch das mittelhochdeutsche marinaere und abgekürzt marner.
+
+Das sae-man im Beówulf bedeutet nur: »Krieger zur See«.
+
+
+*marlen*
+
+heißt zwei Dinge durch Marlschläge mit Marlleine mit Hilfe des
+Marlspiekers mit einander verbinden, z. B. das Segel an sein Liek
+festnähen. Ein Marlschlag entsteht, wenn man die Marlleine so um ein Tau
+etc. etc. legt, daß der Schlag das lose Ende festhält, so daß es sich
+nicht aufwickeln kann; was den Vorteil hat, daß, wenn einmal die
+Marlleine irgendwo bricht, nicht die ganze Leine aufgeht, sondern nur
+die Bruchstelle. Marlen nennt man auch das Verbinden von Tauwerk mit
+(altem) Segeltuch zum Schutz vor Nässe, doch ist dieses nicht mit
+Trensen oder Schmarten zu verwechseln. Der Marlspieker wird, weil r vor
+l für viele Zungen allzuschwer ist, so daß mancher Karl seinen eigenen
+Namen nicht aussprechen kann, meist Malspieker ausgesprochen und in
+Marlleine wird wohl das eine l als überflüssig ausgelassen, »marlin«.
+
+Marlen ist Iterativum (marrelen) zu marren, merren = festbinden, binden,
+befestigen; Teuthonista: merren; im Niederländischen wird der
+Mistelzweig marrentakken genannt, »dewyl men met de plant, om hare
+taaiheid maren, dat is binden kan.« Französisch heißt die Marlleine
+merlin, und davon ist das Zeitwort merliner = marlen gebildet,
+also ein recht unnötiger Umweg. Übrigens hieß die Marlleine im
+Mittelniederdeutschen marling und sogar marlink. »Item so scholen ock
+nene segelmaker to Kope hebben marlinge, husenge segelgarne to der
+schipper behuff, sundern scholen dat halen van den repern.« Lübecker
+Zunftrecht. Insonderheit hieß auch der Strick, an dem einer gehenkt
+wurde marling. Der alte Chronist Eggerik Beninga erzählt, daß zu König
+Radbods Zeiten ein Jüngling, der bereits tot am Galgen hing, durch des
+Missionars Wulfram Gebet wieder erweckt wurde, »und de Ketting und
+Marling sinnen tho bracken, de jungeling is thor erden gefallen.«
+
+
+*Mars*, der:
+
+»Mastkorb.« Oft genug sind Binnenländer, die von einem Mastkorb
+sprachen, mitleidig über die Achsel angesehen worden, »als ob der Mars
+ein Korb wäre, damit hat er ja nicht die geringste Ähnlichkeit«! Und
+doch hat Mastkorb seine volle Berechtigung. Früher ist er wirklich ein
+Korb gewesen, ein einfacher schlichter Korb, der mächtige Bau den wir
+jetzt Mars nennen. Der niederdeutsche Seemann sagt Märs oder Mers und
+beweist auch hier wieder sein zähes Festhalten am Ursprünglichen. Daß er
+»die« Mers sagt hängt nicht nur mit der niederdeutschen Unbestimmtheit
+des bestimmten Artikels zusammen, sondern mag noch eine ferne Erinnerung
+an merx, die Ware, Kaufmannsware sein, aus der Mers sich entwickelt hat.
+
+Im Mittelalter hatte das aus Italien nach Deutschland gekommene Institut
+des Feilbietens im Umherziehen, des Klein- und Hausierhandels, eine
+große und wichtige Bedeutung; es war »Handel _und Wandel_«. Wie so
+manches andere Kaufmannswort brachte der wandernde deutsche Händler das
+Wort merx aus Italien mit über die Alpen und gebrauchte es in der Form
+meersse, mersse, mers. Heißt doch heute noch im Französischen und im
+Munde und auf den Schildern deutscher Ladeninhaber Kramhandel mercerie,
+oft in Verbindung mit quincaillerie, das, so französisch es auch
+aussieht, doch deutsch ist. Die mers nun, die zum Hausieren bestimmte
+oder auch an den Straßenecken ausgebotene Ware ward in Körben
+herumgetragen und feil gehalten. So nannte man bald den Korb nach seinem
+Inhalte mers. Schon Kilianus sagt meersse, meers heiße »Korf«, corbis
+institutoris, canistrum institutorium, und zwar ist institutor ein Mann,
+der irgendwo steht, um Sachen zu verkaufen, bei uns hat er aber mehr
+gehockt als gestanden, denn wir nennen ihn Höcker. Meersmann aber
+übersetzt Kilian mit circitor, circuitor, das ist einer, der keinen
+festen Stand hat, sondern mit seinem Korbe umherzieht; meers-schiip aber
+mit corbita, siehe unter Korvette.
+
+Erst hieß also Mers nur die Ware im Korb; dann Ware und Korb; zuletzt
+Korb allein. In diesem Sinne, als Korb, wurde dann der Mers am Mast
+befestigt für den Mann am Ausguck. Mit dem Wachsen der Takelage und der
+damit verbundenen Notwendigkeit, Leute nach oben zu ihrer Bedienung zu
+schicken, ergab sich dann nach und nach das Bedürfnis, den Mars als Korb
+fallen zu lassen und ein Holzgestell mit einem Korbgeflecht oder
+Netzwerk als Schutz gegen Absturz zu errichten, aber der einmal
+angenommene Name blieb. Und wir sollten der größeren Deutlichkeit wegen
+lieber auch so schreiben wie der Seemann spricht, schon damit keiner auf
+den Gedanken komme, das Wort habe mit dem Kriegsgotte Mars (Mavors)
+etwas zu tun. Auch würden wir uns damit wieder in Übereinstimmung mit
+dem Sprachgebrauch der großen, herrlichen Seemannszeit der Hansa setzen.
+Denn daß die Mers sagte, dafür noch einige Beispiele. »Also halp en got,
+dat sie den Koggen behelden myt werhafter hant onde skoten dar mit
+haghelscote onde worpen mit stenen vte der mersen« (»Bremische
+Geschichtsquellen«). »Na mennighen daghen horden se bulderinghe der
+bulghen, alze eft se yegen eyn land floeghen onde lethen enen op styghen
+in de mersch, eft he yennich lant vernehme« (»Dänische Chronik«). Die im
+15. Jahrhundert erschienene Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann
+Korner erzählt von »66 schepe mit merssen vnde vorkastelen.«
+
+
+*Maschine*, die,
+
+lateinisch machina, griechisch mechane; es gibt neuerdings auf einem
+großen Linienschiffe so viele Dampf- und elektrische Maschinen, daß es
+sich von selbst verbietet, sie hier auch nur dem Namen nach aufzuzählen.
+Doch muß festgestellt werden, daß, wo einfach von Maschine die Rede ist,
+ohne nähere Bezeichnung die Schiffsmaschine gemeint ist. Der weiten
+Ausdehnung ihres Berufes wegen heißen die Leiter des Maschinenwesens an
+Bord neuerdings nicht mehr Maschinen-Ingenieure, sondern schlechtweg
+Ingenieure -- Ingenieur, Oberingenieur, Stabsingenieur,
+Oberstabsingenieur.
+
+
+*Masut*, das,
+
+ist Braunkohlenteeröl, das neuerdings anstatt der Kohlen vielfach zum
+Heizen von Schiffsdampfkesseln gebraucht wird. Die Sache stammt aus
+Rußland, und dementsprechend auch das Wort, das in den slavischen
+Sprachen »Fett« bedeutet, so daß also das Fettige, Oelige bei der
+Benennung den Ausschlag gegeben hat.
+
+
+*Mast*, der,
+
+früher Segelbaum, Baum der die (Rahen und durch sie die) Segel trägt.
+Ursprünglich hieß Mast überhaupt Baum, Baumstamm, denn das
+angelsächsische mäst, das das älteste Zeugnis für das Vorkommen des
+Wortes ist, bedeutet Baumstamm; die Taube nach der Sündflut setze sich
+auf »treoves telgum torhtum moste«. Es ist also anzunehmen, daß Mast im
+seemännischen Sinne ein Wort ist, das die Angelsachsen mit in ihre neue
+Heimat genommen haben. Mit ihrer Sprache war die der alten Friesen, von
+denen viele mit übers Meer gezogen sind, nahe verwandt, es darf daher
+für wahrscheinlich erklärt werden, daß auch sie das Wort Mast besaßen,
+und daß -- schon im Althochdeutschen -- von Friesland aus das
+althochdeutsche segilbaum durch mast wegen seiner Kürze bei den die
+Einsilbigkeit so sehr liebenden Seeleuten verdrängt worden ist.
+Segilbaum war aber ein so schönes und bezeichnendes Wort, daß es,
+wenigstens im Binnenlande, nie ganz außer Uebung gekommen ist; es paßte
+so schön zu Segelstange = Rahe, ja zu den Zeiten Piet Heyn's kam es vor,
+daß man für Mast selbst Segelstange sagte, was aber vielleicht
+Segelstänge lautete und bedeutete, also das was jetzt kurzweg Stenge
+heißt. »Sobald der Admiral unterdessen die Top-Flagge von seiner
+vorderen Segelstange wehen ließ, begaben sich die sieben Chalupen in
+aller eil nach den vier Schiffen« ... (durchl. Seehelden II. 64.)
+Zeitweilig war auch das pleonastische Maßbaum bei Seeleuten in Gebrauch,
+wie es von Nichtseeleuten heute noch gehört werden kann. Es wird Zeit,
+daß auch diese sich mit Mast begnügen, da es ja Baum bedeutet. Im
+Mittelniederländischen und Mittelniederdeutschen kam freilich öfter
+mastboom, mastbom vor; so nannte man sogar auch einen noch grünenden und
+wachsenden Baum, nämlich den zur Mast der Schweine dienlichen Baum, die
+Eiche; Beweis, wie jeder die Welt aus dem Gesichtswinkel seiner eigenen
+Angelegenheiten ansieht.
+
+Vom Schiff aus hat sich der Mast auch über das feste Land verbreitet als
+Flaggenmast, Exerziermast, Signalmast.
+
+Natürlich spielt ein so wichtiges Stück der Seemannssprache auch im
+übertragenen Sinne seine Rolle; man denke nur an das holländische
+Sprichwort: »Er kunnen geene twee grooten masten in een schip syn« d. h.
+nur einer kann im Hause das Regiment führen.
+
+Über *Mastkorb* s. Mars.
+
+
+*Matrose*, der,
+
+ein befahrener Seemann. Vordem hieß ein solcher Schiffsknecht,
+Schiffsknabe, Schiffskind, im Gegensatz zum Kapitän, dem Schiffer oder
+Schiffsherrn. Die Gesamtheit der Matrosen hieß Schiffskinder oder
+Schiffsvolk; ihre Kleidungsstücke und sonstigen Sachen Schiffskindergut.
+Das Wort Matrose ist erst im 17. Jahrhundert ins Hochdeutsche gekommen,
+und zwar aus dem Niederländischen; matroos hieß und heißt es da. Und
+dieses matroos geht wieder auf das Französische zurück, wo uns im 13.
+Jahrhundert die Formen mathelot, matelot, matenot begegnen. Es fragt
+sich aber: woher stammen diese? Und was ist die Bedeutung?
+
+Es liegen nicht weniger als vier verschiedene Deutungen vor.
+
+1. Hat man an das altniederländische maatgenot, Maatgenosse gedacht;
+aber wenn man sich auch -- zumal maatgeselle vorkommt -- über die
+Tautologie hinwegsetzen kann, so erregt der Umstand doch Bedenken, daß
+weder maat für sich noch genot für sich im Französischen Aufnahme
+gefunden haben, die Verbindung beider kann also keinesfalls in dieser
+Sprache sich vollzogen haben.
+
+2. Hat man versucht, das Wort mit Mast in Verbindung zu bringen, so daß
+ein Matrose als ein Mann zu denken wäre, der am Mast seine Hauptarbeit
+hat. Ein an sich anziehender Gedanke, aber schon Dietz hat darauf
+aufmerksam gemacht, daß dann im Französischen des 13. Jahrhunderts
+mastelot stehen müßte. Darum ist Dietz 3. auf das lateinische matta =
+Binsenmatte verfallen und erklärt das Wort aus mattarius, was einen
+Mattenmann bedeuten soll, einen der mit einem anderen auf oder unter
+einer Matte schläft, oder einen der sich überhaupt auf einer Matte sein
+Lager zurecht macht. Hier müßte vor allen Dingen der Gedanke an eine
+Hängematte ausgeschieden werden, die einmal gar keine Matte ist und die
+es überdies erst seit der Entdeckung Amerikas gibt. Die Erklärung hat
+dann insofern etwas Verlockendes als man annehmen könnte, das auf dem
+Wege vom Mittellateinischen ins Französische verloren gegangene r sei
+auf dem Wege vom Französischen ins Niederländische, vielleicht in Folge
+einer alten Erinnerung, wieder zu seinem Rechte gelangt. Ob aber das
+Schlafen auf einer Matte etwas dem Seemann so Eigentümliches ist, daß er
+davon sollte den Namen empfangen haben? Es schlafen sicher an den Küsten
+des Mittelmeers noch andere Leute auf Matten, wie sollte gerade der
+Seemann ein besonderer Mattenmensch sein?
+
+4. Müllenhoff ist der Meinung, der alten französischen Form liege das
+altnordische mötunautr zu Grunde, auch matunautr. Ihm stimmt Kluge bei
+unter Annahme normannischer Vermittelung. Das käme dem Sinne nach auf
+Nr. 1 hinaus, nur daß dann die Verbindung geschehen war, ehe die
+Nordmänner das Wort nach Frankreich getragen haben, so daß auf diese
+Weise die unter 1. erwähnte Schwierigkeit beseitigt wäre. Matunautr
+heißt ins Niederländische übersetzt allerdings maatgenot und bedeutet,
+maat in seinem ursprünglichen Sinne (von gimazo) genommen, Eßgenosse;
+eigentlich Tischgesellschaftsgenosse. Der dreifache Ausdruck desselben
+Gedankens darf dabei nicht stören, ein solcher kann eintreten, wenn
+einer der drei nicht mehr als solcher empfunden wird oder gar, wie hier,
+wo das gi (= cum) von gimazo bereits geschwunden war, für das
+Sprachgefühl des Volkes gar nicht mehr in Betracht kommt. (So steckt z.
+B. auch in dem alten kymryschen Namen für Ostsee morimarusa ein
+dreifacher Pleonasmus, Meermeersee, wobei sa nicht als See, sondern wohl
+nur als Endung empfunden ward.) Matunautr ist offenbar die Form aus der
+matenot entstanden ist, welche Form sich, wie erwähnt, bereits im 13.
+Jahrhundert in matelot umgebildet hatte. Welche Einflüsse nun bei der
+Übernahme ins Niederländische die Verschiebung in matroos verursacht
+oder gefördert haben ist unschwer zu erkennen. Man hat zunächst an den
+Plural matelots zu denken und daran, daß die Holländer heute noch gerne
+das stumme Schluß-s der Franzosen mit aussprechen. So war matlos
+gegeben; l und r aber wechseln so häufig mit einander, daß ganze
+Völkerschaften gar nicht wissen, ob sie l oder r sagen. So war die Form
+matros, matroos ein Plural, was aber bald vergessen ward, so daß schon
+im Niederländischen und erst recht bei der Aufnahme ins Deutsche ein
+neuer Plural auf en gebildet werden konnte.
+
+Daß aber eher vom gemeinsamen Essen der Name kommen konnte als vom
+gemeinsamen Schlafen, ist -- trotz Kamerad und Geselle -- dem nicht
+zweifelhaft, der bedenkt, eine wie große Rolle das Essen überhaupt im
+Leben -- man denke an Genosse, Kumpan, Kompagnie, Maat und Messe -- so
+auch besonders im Bordleben spielt, und der weiß, daß an Bord heute noch
+die Leute in Backschaften d. h. Eßgenossenschaften eingeteilt sind. So
+ist es unzweifelhaft, daß auch auf den Schiffen der Nordmänner die
+Männer in mötuneyti, in Eßgenossenschaften, besser in Genossenschaften
+eingeteilt waren. Ein solcher »Genosse« hieß matunautr, Backsgenosse,
+Backskamerad.
+
+Im 17. Jahrhundert wurde zwar schon Matrose gesagt, aber daneben auch
+noch von Bootsleuten und Bootsgesellen in ganz gleicher Bedeutung
+gesprochen. Zu einer Flotte Piet Heyn's gehörte z. B. nach den
+»Durchläuchtigsten Seehelden« II. 71: »das Schiff Harlem, von
+zweyhundert und achtzig Lasten, mit zwey Metallinen, zwey und zwanzig
+eisernen, und acht Steinstücken, und achtzig Bootsleuten bemannt; das
+Schiff Leiden zweyhundert und dreyssig Last groß, worauf zwey Metallene
+und zwey und zwantzig eiserne und 8. Steinstücken und fünff und
+siebenzig Matrosen; der schwarze Löw, hundert und achtzig Last groß, mit
+vier und zwantzig Stücken Geschütz (oder Götelingen) vier Stein Stücken,
+und siebentzig Bootsgesellen.« Bemerkenswert ist, daß nach Halbertsma im
+Friesischen der Matrose auch siler heißt (englisch sailor).
+
+Ein altes gutes deutsches Wort für Matrose, ja noch besser und
+bedeutungsvoller als dieses ist Seemann. Es deutet mehr den dauernden
+seemännischen (Lebens-)Beruf an. Wenn ein Binnenländer freiwillig bei
+der Marine eintritt und von dieser zum Kriegsdienst an Bord ausgebildet
+wird, so heißt er zwar auch Matrose, aber Seemann ist er darum doch noch
+nicht, das ist nur der, der auch in seinem Zivilverhältniß die Seefahrt
+als Beruf betreibt.
+
+
+*Maus*, die.
+
+Man sollte annehmen, daß dieses Substantivum in seiner Bedeutung nahe
+verwandt wäre mit einem ebenfalls seemännischen Zeitwort *mausen*. Es
+gehen jedoch die Begriffe zunächst sehr weit auseinander. Eine Maus ist
+eine knotenförmige Verdickung eines Taus an einer Stelle, wo ein um das
+Tau gehendes Auge am Zuschlieren verhindert werden soll oder einer
+Zeising fester Halt soll verliehen werden, daß sie nicht rutschen kann;
+diese Maus wird auf die Kabelaring gesetzt, jene auf das obere Ende des
+Stags, wo das Stagauge aufzuliegen kommt. Mausen aber heißt die offene
+Seite eines Blocks so schließen, daß er nicht aushaken kann; es
+geschieht mit Kabelgarn, das mit einem Schnitt leicht wieder zu
+entfernen ist.
+
+Beide Wörter haben mit Maus und mausen im hochdeutschen Sinne gar nichts
+zu tun, sie stellen vielmehr eine sehr irreführende hochdeutsche
+Verdunkelung eines sonst ganz klaren niederdeutschen Wortes dar, wobei
+es lehrreich ist zu sehen, wie Maus und mausen je eine besondere Seite
+der beiden in dem niederdeutschen Worte möten liegenden Begriffe
+entwickelt haben; möten heißt nämlich zunächst einfach »zusammenkommen«,
+zusammentreffen, begegnen, aber es ist eine vox media, das
+Zusammentreffen kann im günstigen, es kann auch im ungünstigen Sinne
+gemeint sein und im letzteren Falle »Widerstand leisten«, hemmen,
+hindern bedeuten. Und nun bedeutet das niederdeutsche Zeitwort möten
+--mausen -- das Zusammenkommen der beiden Teile eines Hakens, das
+Zusammentreffen des offenen Teiles mit dem anderen Teil in der
+Kabelgarnzeising. Das niederdeutsche Hauptwort möte aber bedeutet
+Hemmung, Hinderung. Dadurch, daß ein Block gemaust wird, wird er auch
+gehemmt und gehindert, nämlich am Aushaken, aber deutlicher wird doch
+das Bild, wenn wir den Begriff »zusammenkommen, sich vereinigen«
+festhalten, zumal alle Sprache Bildersprache war.
+
+Es ist also anzunehmen, daß die Maus ursprünglich, als das Hochdeutsche
+noch nicht dazwischen gekommen war, möte hieß, mausen aber möten. Daß
+man überhaupt auf eine »Uebersetzung« durch Maus kommen konnte, mag
+seine Erklärung, also seine Entschuldigung darin finden, daß möte
+altsächsisch muot, mittelhochdeutsch muot, auch muoz und moz hieß.
+
+
+*Meer*, das.
+
+Ein gemeingermanisches Wort, dessen uns bekannte älteste Form mari ist.
+Es ist behauptet worden, daß es aus der indogermanischen Wurzel mar,
+sterben, entsprossen, also mit morior und Mord verwandt sei, weil das
+Meer im Gegensatz zum Festlande mit seinem reichen Leben, Grünen und
+Blühen als tot anzusehen ist. Nun hat man zwar in grausamem Scherz die
+Nordsee wohl Mordsee genannt und kennt auch ein »totes Meer«, aber das
+Meer als solches ist keineswegs tot, sondern in mehr als einer Beziehung
+sehr lebendig. Wer je mit ihm in nähere Verbindung gekommen ist, und wie
+innig haben die alten Naturvölker sich mit dem Meere vertraut gemacht,
+der weiß auch, welch ein unendliches Leben und Weben, welch ein
+Sichregen und Sichbewegen, welch eine Fülle von Mannigfaltigkeit und
+Abwechslung das Meer bietet, das niemals dasselbe ist, nie einförmig,
+nie »tot.« Die Bezeichnung »totes Meer« hätte ja auch gar keinen Sinn,
+wenn für das Volksbewußtsein jedes Meer ein totes Meer wäre. Im
+Gegenteil, gerade im Lande des toten Meeres hat der Dichter des 104.
+Psalms gesungen: »Das Meer, das so groß und weit ist, da wimmelt's ohne
+Zahl, beide, große und kleine Tiere«.
+
+Wir müssen nach einem anderen Etymon suchen. Nun gibt es noch eine
+andere Wurzel, die zwar mit jener den gleichen Laut und die gleichen
+Buchstaben hat, aber einen ganz anderen Sinn: mar, glänzen, schimmern,
+leuchten, strahlen. Davon kommt das griechische Zeitwort marmairo,
+flimmern, funkeln, und Marmor, ein glänzender Stein. Nun braucht einer
+noch gar nicht das zauberische Meerleuchten einer Nacht im karaibischen
+Meere gesehen zu haben, er braucht nur einmal gegen Abend »am einsamen
+Fischerhause« gesessen und die Augen aufgetan zu haben, wie »das Meer
+erglänzte weit hinaus«, so wird er nicht mehr an den Tod, sondern an
+das Leben, an ein reiches glänzendes Leben denken.
+
+Man bedenke auch das andere Wort für Meer: See. Das ist doch nahe
+verwandt mit Seele, von derselben Wurzel su, bewegen, regen, beleben. Da
+haben wir das Gegenteil von Tod. Sollte das Meer einmal vom Tode, das
+andere Mal vom Leben den Namen empfangen haben?
+
+Ist unsere Deutung von Meer richtig, so ist Meer mit Mähr und Mährchen
+verwandt; mari als etwas von der Sonne beschienenes ist nicht nur
+leuchtend sondern auch berühmt und bekannt; daher althochdeutsch mari,
+mittelhochdeutsch maere = Kunde, Bericht, Erzählung.
+
+Der Name Margarete kommt ohnehin von Meer, denn »Perle« ist eigentlich
+Meergries, Korn des Meersandes; also ein echt seemännischer Name.
+
+Ein namhafter Erforscher des Keltischen nahm keltischen Ursprung von
+Meer an. Er verglich die keltischen Ortsnamen uralter Herkunft: Morini,
+Amorica, Morimarusa (Ostsee), Morbihan und führte die Formen an:
+kymrisch, kornisch und Breizonek (Mündung der Loire) mor; gadhelisch (d.
+h. dem Gälischen [Hochschottischen] und Irischen gemeinsam) muir,
+Genetiv mara. Uns genügt das althochdeutsche meri, mere (gotisch marei,
+angelsächsisch mere).
+
+
+*Meile*, die.
+
+Wenn der Seemann von Meile spricht, so meint er natürlich Seemeile,
+einer Gradminute entsprechend. Eigentlich bedeutet es aber 1000, nämlich
+1000 Schritte, milia passuum; italienisch der miglio, Plural miglia,
+milia ausgesprochen; es mag eine dunkle Erinnerung an die Herkunft sein,
+die den Seemann veranlaßt, niemals Meile, sondern immer »Mill« zu sagen.
+
+
+*Meridian*, der,
+
+oder Mittagskreis, von meridies, der Mittag, heißt am Himmel derjenige
+gedachte größte Kreis der Sphäre, welcher durch beide Weltpole und den
+Scheitelpunkt eines bestimmten Ortes geht.
+
+
+*Merk*, das,
+
+war früher = Landmarke, wird aber jetzt nur selten noch in diesem Sinne,
+etwa noch in der Verbindung »das ist ein gutes Merk« gebraucht. Sonst
+ist die Bedeutung darauf zusammengeschrumpft, daß es ein Kennzeichen an
+irgend einer Sache ist, an dem man sich etwas merken will, etwa einen
+Strich oder einen Streifen bildend. »Etwas mit einem Strich oder
+Streifen versehen«, das ist ja die uralte Bedeutung des unserem Mark zu
+Grunde liegenden Stammes, und Mark heißt zunächst nur Zeichen, dann
+Kennzeichen, Grenzzeichen, Grenze, davon Markgraf und marquis, spanisch
+marques, italienisch marchese.
+
+Merk ist die niederdeutsche Form für Mark. Im Seebuch (1400) heißt es
+merk und merke.
+
+Mark als Münze bedeutet ein bestimmt abgeschätztes und gekennzeichnetes,
+mit einer Marke versehenes Goldstück.
+
+
+*Messe*, die,
+
+ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen Messe
+Vereinigten sich, besonders zum Zwecke der gemeinschaftlichen Einnahme
+der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur der Raum,
+sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen heimatberechtigt sind,
+Messe heißt. Man spricht von einer Offiziermesse, einer Kadettenmesse,
+einer Deckoffiziermesse. Macht das Offizierkorps eines Schiffes Besuch,
+so wird eine Karte abgegeben: »Die Offiziermesse S. M. S.« ... Ein
+Mitglied der Messe wird zum Messevorstand erwählt. Nicht als ob dieser
+dann den Vorsitz bei Tische zu führen hätte, der steht auf
+Kriegsschiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die Verwaltung
+des gemeinschaftlichen Vermögens, die Beschaffung der Vorräte, überhaupt
+die ganze Verpflegung unter sich. Zum Essen gehört das Trinken. Daher
+wird ein anderes Mitglied der Messe beauftragt, die nötigen Getränke zu
+beschaffen und zu verwalten; das ist der Weinvorstand oder Vorstand der
+Weinmesse.
+
+In den Garnisonen des Königreichs Hannover hatten die Offiziere von der
+Verbindung mit England her ihre Messen. Sonst ist das Wort, wie es
+scheint, in Deutschland auf die Seemannssprache beschränkt geblieben.
+
+An Erklärungen fehlt es nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu
+wenige.
+
+1. Von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten ist der Gedanke an
+den katholischen Cultus und seine Messe; wenigstens in Bezug auf die
+landläufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des
+Priesters an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstück
+des Gottesdienstes teilzunehmen: »ite, missa est concio!« kommen soll.
+
+2. Weil bei Kirchmessen zahlreiche Andächtige zusammenkamen, so fanden
+sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen
+hatten. So entstand ein Markt, der Messe genannt ward und diesen Namen
+behielt als die Kirchmesse wegfiel; Frankfurter Messe, Leipziger Messe.
+Daß auch hiermit, trotz des »Zusammenkommens« der Leute, unsere Messe
+nichts zu tun hat, liegt auf der Hand.
+
+3. Weit eher könnte man an Herkunft von dem lateinischen mensa, der
+Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Messe in der Tat der
+gemeinsame »Tisch« ist. Wirklich heißt im Gothischen der Tisch auch mes;
+man könnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wäre
+denkbar auch für den Fall, daß die ältesten Messen gar keine Tische
+gehabt hätten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch
+Schüssel heißt. Aber es fehlen für das Wort die Zwischenglieder vom
+Gotischen zum Niederdeutschen, und hier ist Messe doch ausschließlich
+heimisch.
+
+Zeugnisse für die Herkunft aus dem Spanischen liegen nicht vor, im
+Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete gezeugt, ehe
+Spanien in Betracht kam. Überhaupt dürfen wir nicht in die Ferne
+schweifen, solange eine näherliegende Erklärung im Deutschen sich
+darbietet. Aus diesem Grunde muß auch
+
+4. Eine Deutung aus dem Französischen beanstandet werden, nach der das
+Wort Messe von mets, altfranzösisch mes kommen soll. Diese beiden heißen
+»Gericht, Speise«, nämlich im Sinne von »Aufgetragenes«, (aus der Küche
+in den Speisesaal) »Geschicktes«, von mitto ich schicke. Die ziemlich
+alte Schreibung mets für mes erklärt Dietz für eine etymologische, um
+das Wort an das Zeitwort mettre zu knüpfen.
+
+5. Man könnte auch an das althochdeutsche massenie, messeni denken,
+welches Hofstaat, Gefolge eines Fürsten bedeutet, so daß die Messe als
+»Stab« des Kommandanten gedacht wäre. Dieses messenie kommt von mansio,
+die Behausung. Und sprachlich könnte Messe um so eher davon abstammen,
+als Meßner = Küster davon herkommt, althochdeutsch mesinari,
+mittelhochdeutsch messenaere, mittellateinisch mesenarius, mansionarius;
+es könnte sogar mansio als Behausung in Messe stecken.
+
+Doch wir wenden uns zum germanischen Sprachgebiet.
+
+6. Hier tritt uns zunächst ein Zeitwort entgegen, das »zusammenkommen«
+bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen könnte, weil die
+Messe ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelsächsisch
+metan, altenglisch meten, altniedersächsisch motian, englisch meet. Aber
+gerade der Umstand, daß dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und
+nicht zu s werden ließ, verbietet uns mess mit meet zusammenzubringen.
+
+7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich auch die
+Ernährung an Bord so viel besser geworden ist, wird in der Messe nicht
+jedem sein Teil zugemessen. Zu Zeiten aber, wo das Essen oft recht knapp
+war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Messe an das altfriesische
+Zeitwort missa = entbehren zu denken geneigt war, da mag wohl ein
+Einteilen und Zumessen nötig gewesen sein. Man könnte daher an das
+althochdeutsche Zeitwort mezzan, messen, denken, angelsächsisch metan.
+Dann wäre Messe eines Stammes mit »Mutter«, denn Mutter bedeutet die
+Abmesserin, die Zuteilerin, »die Spendende«, neben dem Vater als dem
+»Beschützenden«. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht
+so, daß Messe unmittelbar von messen käme, es kommt vielmehr noch ein
+Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen.
+
+8. Das Essen, die Speise heißt gotisch mats, althochdeutsch maz,
+altniederdeutsch meti, angelsächsisch mete, altenglisch mete. (Weil das
+Fleisch ein so wichtiges Essen ist, so hat sich im Englischen und
+Niederdeutschen meat, met für eßbares Fleisch eingebürgert.)
+Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: *Essen und Trinken*.
+Hierzu ist zu vergleichen der altdeutsche mesiban, d. h. der Eßbann, das
+Speiseverbot, ein scharfes Verbot, einem Verbrecher Speise zu reichen.
+
+In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in
+Wien, heißt es: »Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon« ...
+gesündigt zu haben »in uncîdin sclâphun, uncîdin uuachun, in uncîdigimo
+mazze, uncîdigimo dranche« ... Unser neuhochdeutsches Wort Messer hieß
+althochdeutsch messisahs, also eigentlich »Eßschwert.«
+
+Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das
+Wort mess für Speise. Im Lübecker Zunftrecht steht die Bestimmung: »Men
+schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd aposteldages,
+vthgenahmer koken unde messwerk.« Doch hatte sich damals mess, dessen
+ursprünglicher Vokal a war, schon daneben über moes in mos, ja in mus
+verschoben. Letztere Form ist besonders bekannt aus der Verbindung
+musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes
+Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verbindung moshus = Speisehaus,
+Speisesaal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung
+verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemüse auch jetzt auf
+Pflanzenspeisen eingeschränkt ist, so hat es in diesem Sinne desto
+unbestrittener Geltung erlangt. Natürlich ist auch Mast damit verwandt,
+denn Mast heißt auch nichts weiter als Speise, Futter, Fütterung,
+Mästung und dieses hat erst in weiterer begrifflicher Entwickelung die
+Bedeutung »Fettmachung« erhalten; wovon mästen, das heute noch in
+Ostfriesland messen heißt.
+
+Vom angelsächsischen Hauptwort mete dagegen hat sich das angelsächsische
+Zeitwort metsian, mesan, altenglisch metsien = essen, gebildet; wobei in
+Betracht zu ziehen ist, daß heute noch im Englischen to mess = zusammen
+essen ist, so daß also der Begriff des gemeinschaftlichen Essens sich
+bis auf diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprünglich nicht, oder
+doch nicht immer geschehen, denn schon im Altsächsischen hieß mesa der
+Speisekorb, der Futterkorb; desgleichen im Altnordischen meis. Man saß
+also von Alters her an Bord um Futter- oder vielmehr Speise-Behälter
+herum, also um »Backen« im ursprünglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer
+die dergestalt zusammen aßen hieß »Meßgesinde«. Das wird uns zum ersten
+Male durch die Freiheiten der Stadt Brügge für deutsche Kaufleute vom
+Jahre 1309 bezeugt: »Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben
+alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der
+zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne,
+binnen haren herberghen zonder assise daer of te ghevene, up dat sy 't
+niet vort verkopen«. Für maisniede kommt im Flämischen auch meyssenye,
+messniede, maysinede vor. Das altnordische meis klingt hier deutlich
+durch. Der germanische Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses
+Wort ist im seemännischen Sinne nicht in England, sondern in den
+Niederlanden zuerst gebraucht worden.
+
+Es hat eine ähnliche Bedeutungsentwicklung wie Bursche,
+spätmittelhochdeutsch hieß burse Geldbeutel, Börse, Kasse; dann
+gemeinschaftliches Wohn- und Kosthaus der Studenten, wo sie aus
+gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt studentische
+Genossenschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche genannt
+wurde.
+
+Unter 7. ist gesagt worden, Messe ist mit Mutter verwandt. Das
+Mittelglied ist maz, Speise; dieses hieß nämlich ursprünglich
+ebensowenig Essen im Allgemeinen wie Fleisch im Besonderen, kommt auch
+wohl nicht von einem Stamme der »kochen,« sondern -- wie Mutter -- von
+einem der teilen, zuteilen, zumessen bedeutet, so daß maz also das
+(einem Menschen zum Verzehren) Zugemessene ist, woher dann Messe als
+der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede das Seine
+zugeteilt wird.
+
+
+*Messbrief*, der.
+
+Nach den Gesetzen des deutschen Reiches müssen alle Kauffahrteischiffe
+vermessen werden. Dick und Kretschmer I. 60: »Für die Berechnung
+des Brutto- und Nettogehaltes der Schiffe und Fahrzeuge
+ist ein Vermessungsprotokoll nach einem in der Vermessungsordnung
+vorgeschriebenen Schema aufzustellen und der obersten
+Vermessungsbehörde, dem Schiffsvermessungsamt, einzureichen. Auf Grund
+des Vermessungsprotokolls wird ein *Messbrief* ausgestellt.«
+
+
+*Metacentrum*, das,
+
+ist ein für die Berechnung der Stabilität eines Schiffes äußerst
+wichtiger mathematischer Punkt, nämlich der »jedesmalige
+Durchschnittspunkt der Vertikalen aus dem Deplacementsschwerpunkt in der
+aufrechten Lage des Schiffes mit der vertikalen aus dem jedesmaligen
+Deplacementsschwerpunkt bei jeder geneigten Lage.« So die technische
+Erklärung bei Dick und Kretschmer I. 114, 115; die sprachliche Anmerkung
+zu dieser Stelle ist jedoch zu berichtigen. Es heißt da: »Das Wort
+Metacentrum, welches sich zuerst in Bourguers Werk »Traité du Navire«
+1746 angeführt findet, kann nur aus den lateinischen Worten meta
+(Endpunkt, Ziel) und centrum zusammengesetzt, betrachtet werden; nach
+anderer Ansicht auch als eine Zusammensetzung der griechischen Worte
+Méta (Wechsel) und kentron (centrum)«. Meta ist aber, wie unzählige
+andere Zusammensetzungen beweisen, z. B. Metamorphose, Metapher,
+Metaphysik, Metastase, Metempsychose, die griechische Präposition, die
+inmitten, zwischen, unter, in Verbindung, in Gemeinschaft, im Verein, in
+Begleitung, gepaart, mit, nebst, neben, unter, nach, zu, auf u. s. w.
+bedeutet; im Allgemeinen ist sie Bezeichnung einer Gemeinschaft:
+Metacentrum ist also der Punkt, den die zwei genannten senkrechten
+Linien mit einander *gemeinschaftlich* haben, mit der auch in meta
+liegenden Nebenbedeutung, daß dieses Centrum räumlich *über* dem
+Deplacementsschwerpunkt liegt.
+
+
+*Miek*, die,
+
+ist begrifflich nahe mit Klau verwandt, wird aber nicht nur für den
+gabelförmigen Ausschnitt der Gaffel, sondern auch für den gegabelten
+Stock oder Pfahl gebraucht, in dem der niedergelegte Mast, der
+Besansbaum etc. etc. festliegt; in Ostfriesland auch das
+gabelförmige Holz an der Pumpe, in dem der Schwengel sich bewegt.
+Mittelniederländisch, bei Kilian micke = furca, Gabel. Sollte nicht, da
+die Gabel doch eines der ursprünglichsten mechanischen Werkzeuge
+darstellt, Miek eine Zusammenziehung von Mechanik sein? Daß eine solche
+möglich, ja tatsächlich vorhanden ist, beweist die Tatsache, daß im
+Gebiet des Rheinfränkischen Mick die mechanische Vorrichtung zum Hemmen
+beider Wagenräder heißt; im Gegensatz zu dem nur ein Rad hemmenden, weit
+einfacheren Hemmschuh, stellt sie eine Mechanik dar, deren
+Zusammenziehung in Mick um so eher möglich war, als sie meist mit dem
+Ton auf der letzten Silbe ausgesprochen wurde und wird.
+
+
+*mistig*, vergl. diesig,
+
+bedeutet nebliges, trübes, »dreckiges« Wetter. »Must gy int Schager-Rack
+by nacht offt in mistig wedder laverren« ... Vom niederdeutschen,
+niederländischen, englischen mist = Nebel; »mist het den oost in der
+kist« (Brem. Wörterbuch). Im Beówulf mistig, mist-heid = Nebelkippe;
+Kilian miest = nebula. Davon Mistel als die Pflanze die durch den Mist
+der Vögel auf Bäumen ausgesät wird. Denn dieses niederdeutsche Mist und
+unser hochdeutsches Mist sind ein und dasselbe Wort, nur in der
+Bedeutung ein wenig auseinandergegangen. Sanskrit-Wurzel mih = ergießen,
+besprengen; beregnen; auch ein Substantiv mih ist vorhanden: feiner
+Regen, Nebel. Althochdeutsch migan, neuniederdeutsch migen = pissen,
+harnen; lateinisch mingere.
+
+
+*Missweisung*, s. Variation.
+
+
+*Mittagshöhe*, die,
+
+nämlich der Sonne, ist »die Höhe der Sonne wenn der Mittagspunkt
+derselben im Mittagskreise seines Beobachters steht, welches die größte
+Höhe ist, die sie für diesen Beobachter erreichen kann.«
+
+
+*Mittagsschuss*, der,
+
+ist ein in einem Kriegshafen von dem jeweiligen Wachtschiff abgefeuerter
+Kanonenschuß zum Zeichen, daß es genau 12 Uhr ist. Es haben sich mit der
+Zeit und mit dem Gange ihrer Uhren die übrigen Schiffe und auch die
+Uhren am Lande, soweit der Einfluß der Marine in dieser Beziehung
+reicht, nach diesem Schusse zu richten.
+
+
+*Mittagswimpel*, der,
+
+ist auf unseren Kriegschiffen der Wimpel der gehißt wird wenn es zum
+»Schaffen«, zum Mittagessen geht, also ein hochwillkommenes Signal,
+zumal es nicht nur die Essenszeit, sondern überhaupt die Mittagspause im
+Dienste, die mittägliche Freizeit von 12 bis 1-1/2 h bezeichnet.
+
+
+*Mittagskreis*, der, s. Meridian.
+
+
+*Mitteldruckmaschine*, s. Maschine.
+
+
+*mittschiffs*
+
+ist ein ziemlich unbestimmtes Adverbium mit dem etwas näher bestimmt
+wird das sich nicht »vorn«, aber auch nicht »achtern« befindet. An eine
+mathematische Mitte ist schon garnicht zu denken. Aber das ist zu
+betonen, daß es nicht bloß die ungefähre Mitte zwischen hinten und
+vorne, also nicht bloß die Mitte der Länge nach, sondern auch die Mitte
+der Breite nach bedeutet, und zwar die ganze von hinten nach vorne
+gedachte, von beiden Bordwänden gleich weit abstehende Mittellinie oder
+Längsachse des Schiffes. Man sagt: »Das Schiff wurde mittschiffs
+gerammt«, bei einem Vollschiff also etwa zwischen Großmast und Fockmast;
+man sagt aber auch: »Das Schiff hat sein Ruder mittschiffs liegen« d. h.
+die Ruderpinne befindet sich in der Mitte zwischen beiden Bordwänden, in
+der Mittellinie.
+
+
+*Moker*, der, s. Kalfatern.
+
+
+*Mole*, die,
+
+im Munde des niederdeutschen Seemanns wohl auch Mulje, ist jetzt ein
+Steindamm oder vielmehr eine Kaimauer, die den Eingang eines Hafens
+zugleich bildet und schützt. Früher ganz allgemein ein Damm oder Deich.
+In der Chronik des Landes Dithmarschen von Neocorus heißt es: »up de
+mohle is ein grot inbrock geschehen«. Holländisch mole, dänisch mullie,
+schwedisch mölja, englisch mole, französisch mole, italienisch molo,
+spanisch muelle, portugiesisch molhe -- alles zurückgehend auf das
+lateinische moles, Masse, Last, große Steinmasse, Damm. Bei San Lucar de
+Barrameda befand sich sehr früh eine Mole. 1588 schreibt Waghenaer im
+»Spiegel der Zeevaerdt«: »Voorts om te weten die mercken vanden steen
+oft droochte die int gadt van S. Lucas ligghende syn, als de Molen ende
+t'witte Clooster staende opt Oostereynde van S. Lucas ouer een comende«
+...
+
+
+*Monsun*, der,
+
+ist ein im Indischen Ozean in regelmäßigen Perioden stets aus gleicher
+Richtung wehender starker, sich oft bis zum Sturm steigender Wind, von
+Oktober bis März aus Nordost, von April bis September aus Südwest
+wehend. Das Wort lautet französisch monson, monçon, spanisch monzon,
+portugiesisch monsao und stammt aus dem Arabischen, wo mansim bedeutet a
+time, a season, the favourable season for sailing to India; also:
+günstige Jahreszeit.
+
+
+*Mooring*, die,
+
+ist eine besondere Befestigung eines Schiffes durch Anker, Ketten,
+Taue, um es in der Lage zu halten, in der man es haben will, aus der es
+um irgendwelcher Gründe, wie Raummangel, Rücksicht auf die Windrichtung,
+willen sich nicht herausbewegen soll; also eine Befestigung des Schiffes
+zur Vermeidung des Schwojens. Man nennt es auch »ein Schiff vertäuen«.
+Vergl. auch Spring. Das Zeitwort mooren, häufiger vermooren, hat seinen
+langen o-Laut von der dunklen niederdeutschen Aussprache des a, denn es
+heißt eigentlich marren = binden, festbinden, befestigen. Von ihm ist
+das andere seemännische Zeitwort marlen ein Iterativum. Schon dem
+Teuthonista war das Wort bekannt, und zwar in der Form merren; er
+schreibt: »cabel-lyn reep, seel, to vo dair mede men eyn schyp an dat
+lant vestiget offte merret«.
+
+
+*Morgenwache* s. Wache.
+
+
+*Mufferdeischuner*, der,
+
+(vergl. John Brinckman, »Kasper Ohm un ik«), ein Schuner, oder vielmehr
+eine Brigg, oder noch besser eine Schunerbrigg, eine Brigantine, »that
+is square-rigged forward and schooner-rigged aft«, also ein Schiff, das
+am vorderen Maste Rahesegel, am achteren Schratsegel (s. d.) hat.
+Mufferdei soll eine von deutschen Seeleuten zurechtgemachte Form des im
+Englischen gebräuchlichen Hermaphrodite sein, würde also ein Zwitterding
+bedeuten, wegen der zweierlei Segel oder zweierlei Masten. Aber
+zweierlei Segel und Masten hat schließlich jedes Schiff. Die Erklärung
+mag hier dahingestellt bleiben, da das Wort ohnehin in der
+neuhochdeutschen Seemannssprache kaum gebraucht wird. Im
+Korrespondenzblatt für niederdeutsche Sprachforschung vom Jahre 1895 ist
+Näheres darüber nachzulesen.
+
+
+*Mundpfropfen*, der,
+
+ein Pfropfen, der in die Mündung einer Kanone gesteckt wird, wenn
+diese außer Gebrauch ist. Das Wort bedürfte der Aufnahme nicht, wenn man
+nicht im Munde der Kriegsschiffsleute öfters die Frage, in übertragenen
+Sinne als Ausdruck der Verlegenheit, hörte: »Wo legen wir den
+Mundpfropfen hin«. Dieses geflügelte Wort stammt aus einer
+Geschützinstruktion an Bord eines S. M. Schiffe. Als einmal ein
+Feuerwerksmaat seiner Geschützbedienung genau alle Handgriffe und
+Bewegungen beim Klarmachen eines Geschützes zum Exerzieren
+auseinandergesetzt hatte, endigte er seine Instruktion etwas allzu
+wichtig tuend mit den Worten: »Nun entsteht aber noch die große Frage:
+wo legen wir den Mundpfropfen hin?«, den zum Exerzieren aus der Mündung
+herausgenommenen.
+
+
+*mustern*
+
+heißt jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich in dem
+Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also zusehen, ob
+er oder es dem Muster gemäß, musterhaft ist. Auf unseren Kriegsschiffen
+ist Musterung schlechthin die tägliche Musterung der Mannschaft und des
+Schiffes durch den Kommandanten, welche als »Sonntagsmusterung«
+besonders feierlich und gründlich vorgenommen wird. Es gibt aber auch
+besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehr- etc. Musterung. Im
+Teuthonista heißt das Wort noch monsteren, und so kann man es auch heute
+noch seemännisch und überhaupt niederdeutsch hören. In dieser Form läßt
+es seine Abstammung von monstrare zeigen, deutlicher erkennen. Doch hat
+das Wort eine wesentliche Bedeutungsverschiebung erlitten, denn
+eigentlich ist es der Mann der mustert, nämlich sich seinem Kommandanten
+zeigt, aber jetzt heißt es: »Der Kommandant mustert den Mann.« Die
+Verschiebung hat sich wohl über das Substantivum Musterung bewegt, indem
+diese die Veranstaltung ist, bei der die Matrosen sich zeigen, bei der
+sie also besehen werden, und dieses »Besehen« ist dann als das
+Wichtigste in den Vordergrund getreten.
+
+»Er läßt sich anmustern«, sagt man, wenn einer sich zum Eintritt in
+einen Dienst vorstellt, »zeigt«; er wird dann in die Musterrolle
+eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem Dienst treten,
+gebildet, ohne daß der Begriff monstrare überhaupt noch in Betracht
+käme, der aber in dem kaufmännischen Muster und in Monstrum noch zu
+erkennen ist.
+
+
+*Mut*, *Mutte*, die,
+
+ein Fahrzeug an der friesischen Küste mit flachem Boden und zwei
+Farunners anstatt einer Kajüte. Es sieht plump und wenig schmuck aus, so
+daß die Vermutung nahe genug liegt, der Name komme von mutte = Sau,
+Mutterschwein. Das ist nicht gerade fein, aber die Weserkähne werden von
+den Hamburgern Schweinsköpfe genannt, wogegen die Weserschiffer die
+Hamburger Ewer mit dem Ehrennamen »Kreijenkieper« nennen und von ihnen
+zu sagen pflegen: »Groß von Masten, klein von Lasten.«
+
+
+
+
+N.
+
+
+*Nachen*, der,
+
+ist eigentlich kein seemännisches Wort mehr. Wohl ist es früher eins
+gewesen, denn im Beówulf wird naca sogar für seegehendes Schiff
+gebraucht, aber zur Zeit ist es nur bei Nichtseeleuten und nur im
+Binnenlande, namentlich in Hochdeutschland als gleichbedeutend mit Kahn,
+das auch kaum seemännisch gebraucht wird, üblich.
+
+Es besteht die Neigung, Worten die mit a anlauten ein n vorzusetzen, z.
+B. ärs, närs; Ast, Nast; ost, nost; arren, narren (mit dem Schlitten
+fahren); ort, nort (Spitze). Das kommt daher, daß das n unbestimmten
+Artikels zu dem Anfangs-a des Substantivums hinübergezogen wird, wie
+Nobiskrug aus 'n Abyssuskrug entstanden ist. So könnte man Nachen
+erklären als Achen mit solch einem n davor. In der Tat findet sich
+nämlich dieses Achen in oberdeutschen Mundarten vor, niederdeutsch aak,
+ake, ak; niederländisch aak neben naak. Wenn man nun ak oder ach für die
+ursprünglichere Form ansehen dürfte, so ließ sich die Sache so erklären:
+man sprach von einer Achenfahrt und meinte damit eine Wasserfahrt (aha,
+ahwa, aqua, ach, ahe, a = Wasser) und hernach meinte man, zu Zeiten, da
+ach als Wasser nicht mehr verständlich war, Achen sei das, womit man auf
+den Wasser fährt, ein Boot. Dem steht aber die angelsächsische Form naca
+entgegen, da sich zur Zeit des Beówulf diese Bedeutungsverschiebung noch
+nicht vollzogen haben konnte. Es muß demnach eine andere Erklärung
+gesucht werden. Mit einiger Zaghaftigkeit hat man auf das lateinische
+navis hingewiesen. Ich möchte eine andere Möglichkeit erwähnen.
+Bekanntlich ist das lateinische nix aus snix entstanden. Dem
+entsprechend könnte auch in unserem Worte ein anlautendes s geschwunden
+sein. Dann käme es von einer Wurzel sna, snu und gehörte zum
+althochdeutschen snahhan = gleiten, schlüpfen, schleichen, kriechen,
+sich bewegen, fließen durchs Wasser gleiten, schwimmen, vergl. englisch
+snake, Schlange, auch niederdeutsch snake = Schlange. Dann wäre Nachen
+»ein durch Wasser dahingleitendes Ding.« Aber die Sprache hätte sich
+dann nicht mit einmaligem Schwund eines Anlautes begnügt, sondern es
+wäre ein zweimaliger erfolgt; es wäre außer dem s auch noch zuweilen
+das n abgefallen und Nachen wäre nicht aus Achen, sondern Achen aus
+Nachen entstanden.
+
+
+*Nachtwache*, die, s. Wache.
+
+
+*Nadir*, der,
+
+ist der dem Zenith entgegengesetzte Pol des Horizontes, der Fußpunkt im
+Gegensatz zum Scheitelpunkt, der Punkt der auf der anderen Seite der
+Erdkugel dem Scheitelpunkt entgegengesetzt ist. Arabisch und persisch
+nadir, nazir, von nazara gleich sein, sich entsprechen, entgegengesetzt
+sein, ein Gegenstück zu etwas bilden.
+
+
+*Nagelbank*, die,
+
+ist ein an der Binnenseite des Wants oder sonst an passender Stelle
+angebrachtes Stück Holz, in dem die Koveinnägel zum Belegen laufenden
+Gutes befestigt sind.
+
+
+*Naht*, die,
+
+bedarf nur im Sinne von Decksnaht einer Erklärung, indem es die Fuge
+zwischen zwei Decksplanken bedeutet. Es hat also mit nähen keine
+Gemeinschaft, kommt vielmehr vom althochdeutschen hnôjan, nuoen =
+einsetzen, genau zusammenfügen; davon althochdeutsch hno, nô, nua, nuo,
+nuoha = Fuge, schmale Ritze, Nut. Dieses Nut wäre die richtige Form des
+Wortes, wie es unsere Handwerker auch täglich gebrauchen, Naht aber ist
+auch eine der vielen Verdunkelungen, die von Unkundigen bei der Aufnahme
+ins Hochdeutsche verschuldet worden sind.
+
+
+*Nahrungszweig, erlaubter*,
+
+nennt man wohl scherzhaft die Seefahrt. Wenn einer ihrer bei andauernd
+schlechtem Wetter oder sehr langem Seetörn recht müde ist und sie
+verwünschen möchte, so fängt er wohl mit einer Verwünschung an,
+unterbricht sich dann aber und sagt: »na, sie ist ja aber ein erlaubter
+Nahrungszweig.« Der Ausdruck stammt aus der alten Litanei, die auf
+Schiffen, wo ein Pfarrer ist, an Bord und in den Marinekirchen am Lande
+am Bußtag gebetet wird und bis vor Kurzem eine Fürbitte enthielt für
+Bergbau, Handel, Seefahrt »und andere erlaubte Nahrungszweige.« Das
+Gebet ist also zu einer Zeit verfaßt, in der die Seefahrt vielfach als
+unerlaubter Nahrungszweig, als Seeräuberei, betrieben wurde.
+
+
+*Navigationsoffizier*, der,
+
+ist an Bord der Kriegsschiffe der Offizier der alles unter sich hat, was
+zur Navigation im engeren Sinne gehört, dessen Aufgabe vor allen Dingen
+die Bestimmung des Mittagsbestecks ist, der überhaupt die astronomischen
+Beobachtungen anzustellen und zu leiten hat, der das Meteorologische
+besorgt, unter dessen Verantwortung die Chronometer bedient werden, der
+die Karten- und Instrumentenkammer unter sich hat, also einen
+verantwortungsvollen Posten bekleidet. Daher wird ein älterer Offizier
+dazu genommen, der nächste nach dem ersten Offizier; er ist wachfrei und
+hat auch sonst mit dem Schiffsdienst weniger zu tun, damit er sich ganz
+seiner besonderen Aufgabe widmen könne. Unter ihm steht mit seinen
+Maaten und Gasten der Steuermann, den man bei der Marine eine Zeit lang
+Navigations-Bootsmann nannte; nicht sehr glücklich, so daß man
+erfreulicherweise bald wieder davon abkam. Das Fremdwort Navigation war
+schon früh im Gebrauch. Waghenaer gebraucht es schon 1588: »Alsoo onse
+particuliere Zee-Caerten die wy vande Westersche, Oostersche ende
+Noordtsche navigatien, eensdeels hebben laten vtgaen ende d'andere (met
+Godes hulp) mede van meyninghe syn eerstdaechs int licht te doen
+brenghen« ...
+
+
+*Napier'scher Turm*, der, s. Turm.
+
+
+*Neer*, das,
+
+heißt das fallende Wasser, der Ebbstrom, der zurückfließende,
+rückläufige Strom, das Wasser, das durch irgend ein Hindernis eine der
+Hauptströmung entgegengesetzte Stromrichtung erhält, wie dies bei der
+vorspringenden Stelle eines Ufers, bei einer Sandbank etc. etc.
+geschieht; niederländisch neer, neere = Gegenstrom. Doornkaat dürfte mit
+seiner Vermutung recht haben, daß neer Zusammenziehung von neder =
+niedrig sei, indem Ebbestrom das ursprünglich Ausschlaggebende war, und
+der hat niedrig Wasser im Gefolge.
+
+
+*Nehrung*, die,
+
+Name der langen, schmalen Halbinsel an der preußischen Ostseeküste. Weil
+Nehrung eine schmale, also auch enge Landzunge ist, so hat man an das
+altsächsische narn enge gedacht. Da aber eine solche Landzunge leicht
+Änderungen in der Strömung, Strudel und dergl. erzeugt, so wäre in
+Betracht zu ziehen, ob wir hier nicht eine Weiterbildung von Neer (s.
+d.) vor uns haben.
+
+
+*Nes*, die,
+
+auch Nesse, Halbinsel, Vorsprung, Landzunge, Name der Halbinsel Nesse
+bei Emden, der Ortschaft Nesse bei Norden; englisch ness, in Sheerness;
+altnordisch, norwegisch nes; schwedisch näs, dänisch nes, naes
+Vorgebirge, Kap; Lindesnäs und andere. Das Wort ist kein anderes als die
+niederdeutsche Form für unser hochdeutsches Nase.
+
+
+*Niklausse-Kessel* s. Kessel.
+
+
+*Niederdruckmaschine* s. Maschine.
+
+
+*Niederholer*, der,
+
+ist ein laufendes Tau, das an solchen Segeln angebracht wird, die, wenn
+ihr Fall losgemacht ist, nicht von selbst sinken, sondern, eben mit
+Hilfe des Niederholers, niedergeholt werden müssen. Er wirkt in der
+entgegengesetzten Richtung des Aufholers. Klüver und Stagsegel haben
+dergleichen Niederholer.
+
+Auch gibt es Niederholer für die Bramrahe und Oberbramrahe, die mit
+diesem Niederholer an Deck bezw. in den Mars niedergeholt werden.
+
+
+*Nipflut*, die
+
+= niedrige Flut. Das niederdeutsche Zeitwort nippen heißt mit dem Kopfe
+nicken, den Kopf sinken lassen. Dem entspricht das Hochdeutsche nippen,
+den Kopf öfters sinken lassen um in kleinen Schlucken zu trinken.
+Mittelniederdeutsch nipen sinken, niedergehen, heruntergehen, sich
+senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heißt Nicken, das Sichneigen
+des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff *niedergehen* kommt das
+angelsächsische nipan = obscurari, weil niedergehende Gestirne dunkel
+werden, bezw. dunkel machen. Es ist also Nipflut mit »niedrige« Flut zu
+übersetzen.
+
+Breusing mochte dieses Wort vergl. »Gezeiten«, nicht leiden, weil er es
+für englisch und deutschen Seeleuten unverständlich hielt. Er möchte
+dafür »taube Gezeit« eingeführt sehen. »Man unterscheidet Springzeit und
+taube Gezeit in ähnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen
+unterscheidet, die aufspringen, wenn sie voll und reif sind.« Es hat
+sich aber Nipflut so in der wissenschaftlichen Welt eingebürgert, daß an
+ein Verdrängen nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so
+ausschließlich englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s.
+d.) englisch ist.
+
+
+*nisseln*,
+
+fein, sanft, langsam regnen, so daß keine großen Tropfen, ja überhaupt
+kaum Tropfen, sondern kaum etwas mehr denn feiner Nebelregen
+herniederkommt. Das niederdeutsche Zeitwort nüsseln heißt langsam sein,
+zaudern, säumen, nicht vorwärts kommen, nichts beschicken, keine ganze
+Arbeit tun. Offenbar ist letzteres auch die Bedeutung von nisseln =
+regnen, ohne daß es ganzer, richtiger Regen ist, regnen mit halber
+Kraft, mit halber Arbeit. Nüsseln könnte gleich nüsteln sein, und dieses
+ist gleich nesteln, kleine, tiftelige Arbeit tun, Arbeit die viel Zeit
+braucht, ohne daß sie viel zu Stande bringt.
+
+
+*Nitsel*, das,
+
+auch Nitzel geschrieben, heißt ein dünnes, kurzes, getakeltes Stücken
+Garn, mit dem die Seeleute ihre Wäsche an der Wäschejolle zum Trocknen
+aufhängen oder vielmehr festbinden, besonders aber das Bändsel oder
+Nestel, mit dem man die Hängematte zusammennestelt, zurrt. Für Nestel
+hört man wohl auch Nistel und davon ist Nitsel eine einfache Umstellung.
+
+
+*Nock*, die,
+
+die spitze Ecke eines Segels, die äußerste Spitze einer Rahe. Weiland:
+»Nok een woord, dat in het gemeen het opperste toppunt van iets, het
+niderste einde schijnt beteekend te hebben. In het bijsonder is het in
+gebruik voor het opperste van het dak.« Auch im Niederdeutschen wird es
+für First gebraucht; norwegisch nuk, Bergspitze.
+
+Die Grundbedeutung ist biegen, beugen, krümmen, in einem Winkel sich
+umbiegen, eine scharfe Ecke bilden. So hieß also zuerst die äußerste
+Ecke des Segels Nock, und von ihr ist der Name auf den
+nächstbenachbarten äußersten Teil der Rahe übergegangen; wie umgekehrt
+der Name Klau vom Ende der Gaffel auf den benachbarten Teil des Segels
+überging.
+
+Da durch das Nicken eine Biegung und Krümmung entsteht, so wird Nock zu
+nicken zu stellen sein und als verwandt mit Nacken und Genick angesehen
+werden müssen.
+
+
+*Nockgording* s. Gording.
+
+
+*Normandkessel* s. Kessel.
+
+
+*Normalnull* s. Nullpunkt.
+
+
+*Normänner*, die,
+
+heißen zwei querschiffs stehende an den Betings befestigte eiserne Arme,
+dazu dienend, den Betingschlag der Ankerkette frei von Deck und die
+beiden Parten frei von einander zu halten. Früher war ein Normanne ein
+Stück Holz zur Befestigung des Ankertaus; der Name stammt aus England,
+wo man die Vorrichtung für so alt gehalten haben muß, daß sie noch von
+den alten Normannen, die mit Wilhelm dem Eroberer nach England kamen,
+abstammend angesehen wurde.
+
+
+*Notschuss*, der,
+
+ein Schuß den ein Schiff in Seenot abfeuert um Hilfe herbeizurufen. Er
+hat natürlich nur Sinn und Zweck, wenn überhaupt eine Küste nahe ist und
+wenn sich an ihr Rettungsmittel befinden, die auf den gefeuerten
+Kanonenschuß hin bereit sind, in Tätigkeit zu treten.
+
+
+*Null!*
+
+hört man an Bord oft rufen wenn Beobachtungen oder Messungen vorgenommen
+werden bei denen es darauf ankommt, einen genauen Zeitpunkt zu haben. Es
+gehören zwei zu solcher Messung, einer der das Meßinstrument und einer
+der die Uhr im Auge hat. Sobald der bestimmte Zeitpunkt da ist, wird in
+demselben Augenblick kurz, laut, scharf Null! gerufen; man könnte auch
+irgend einen anderen Ton von sich geben, aber dieser ist kurz und
+deutlich und daher einmal als zweckentsprechend eingeführt, zuerst
+natürlich, weil der genannte Augenblick als Nullpunkt für die Berechnung
+dienen sollte.
+
+
+*Nullpunkt*, der,
+
+Dick und Kretschmer I. 232: »Die Pegel der Hafenplätze beziehen sich auf
+das mittlere örtliche Niedrigwasser. Werden die Nullpunkte jedoch in
+Verbindung gebracht mit dem Normal-Null, gleich dem Amsterdamer Null
+oder dem mittleren Wasserstande der Ostsee, gleich 37 m unter dem
+Normalhöhenpunkte der Sternwarte in Berlin, dann ergibt sich das
+Folgende: Der Nullpunkt des Pegels liegt unter Normal-Null
+
+ in Wilhelmshaven 0,578 m
+ " Bremerhaven 2,075 "
+ " Brunsbüttel 0,230 "
+ " Holtenau 0,330 "
+ " Cuxhaven 3,639 "
+
+
+
+
+O.
+
+
+*Ocean*, der,
+
+griechisch okeanos, bei Homer der die Erde wie das Meer rings
+einschließende Weltstrom, Urquell alles dessen was ist, aus dessen
+Fluten sich die Gestirne erheben, so wie sie auch wieder in ihn
+zurückkehren. Später das Weltmeer, von dem es im Besonderen wieder einen
+indischen und westlichen Ocean gab. Okeanos war in der griechischen
+Mythologie personifiziert, Sohn des Uranos und der Gäa, Gemahl der
+Thetis, Vater einer Menge von Söhnen und Töchtern (der Gewässer), ein
+Gott, der an Macht nur dem Zeus wich. Der deutsche Seemann kennt nur
+drei Oceane, den atlantischen, den er gern kurzweg den Atlantik nennt,
+den großen, für den er gern Südsee sagt, und den indischen. Die
+Engländer haben außerdem noch einen arctic und einen antarctic ocean.
+
+In dem Worte Ocean steckt unser altdeutsches aha, lateinisch aqua =
+Wasser, mit verdunkeltem a wie bei dem oog in Wangeroog, Spiekeroog,
+Langeoog etc. etc.
+
+
+*Ochsenauge*, das,
+
+war vor hundert Jahren für nichts anderes im Gebrauch als für eine
+Öffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein Stückchen
+blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint, durch solch
+eine Öffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man bekomme ihn
+daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese Öffnung zeigt.
+»Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenüber steht, so hat es die Farben
+eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine Wettergalle. Steht
+es aber bei der Sonne, so ist es gewöhnlich ein Vorbote von schlechtem
+Wetter.« Seit uralten Zeiten waren große Augen bei den Frauen für schön
+geachtet, daher das berühmte boopis im Lateinischen wiedergegeben werden
+konnte mit »grandibus oculis praedita.« Es lag nahe, einen solch
+freundlichen Himmelsblick ein Auge zu nennen, daß es gerade ein
+Ochsenauge sein mußte, zeugt davon, daß unter unsern Seeleuten schon im
+18. Jahrhundert sich junge Leute befanden, die die Bänke hoher Schulen
+gedrückt und mit dem vermeintlich freien Seeleben vertauscht hatten.
+
+Heute heißt in begrifflicher Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge
+ein kleines, rundes, wenig aber doch immerhin etwas Licht spendendes
+Stück Glas, das in einer Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei
+es, daß es von oben durch das Deck, sei es, daß es von der Seite durch
+die Bordwand leuchtet, Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei
+uns meist Bullei genannt.
+
+
+*orientieren*,
+
+kommt ursprünglich aus der Baukunst und wurde zuerst von Kirchen
+gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden, daß der
+Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete Kirche hieß
+und heißt orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte sich jeder
+leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten, weshalb man bald
+»sich oder jemanden orientieren« gebrauchte für informieren,
+zurechtweisen, belehren u. s. w. Aus dem Umstande, daß mittelalterliche
+Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen Teilen nicht genau
+orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage geschlossen, man habe
+die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar nach der Magnetnadel
+vorgenommen, aber die Mißweisung außer Acht gelassen.
+
+
+*Orkan*, der.
+
+So heißt jetzt jeder Sturm, der sich über das gewöhnliche Maß des
+Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der Bezeichnung
+orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal ein Glasdach
+abgedeckt wird; ursprünglich waren aber nur die besonders schweren
+westindischen Stürme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem
+karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch
+huracan, welches die dem Ursprünglichen am nächsten kommende Form sein
+dürfte; italienisch uracano, französisch ouragan, niederländisch orkaan.
+Die Engländer haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane.
+Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen.
+
+
+*Orlogschiff*, das, s. Kriegsschiff.
+
+
+*Orlopbalken*, *Orlop*, *Overlop*, s. Deck.
+
+
+*Ort*, der.
+
+Es gibt fünf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1. Schusterahle, 2. Maß,
+3. eine Münze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz. Sie kommen aber alle
+fünf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer Punkt, Anfang, Ecke,
+Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der See in den
+Bezeichnungen Darserort, Brüsterort, Friedrichsort erhalten hat und der
+in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen oort noch
+ausschließlich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd für
+Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die
+Messerspitze heißt, wie im Angelsächsischen ord ganz allgemein
+Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Maß und Gewicht und Münze
+sagt Kluge, 276: »Zunächst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch
+ein Kreuz in vier Orten, d. h. Ecken geteilten Münzen ausgegangen und
+erst dann auf Maß und Gewicht übertragen worden.«
+
+Die Bezeichnung Örtje, Örtchen für die kleine ostfriesische Münze, im
+Werte von 1-1/4 alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht
+verewigt, das Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der
+hannoverschen Garnison in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat.
+
+»Wen gy von ein Land na dat ander segeln willen, und gy alßden juw
+Gissing willen maken, so möcht gy erst den Huck offt Ort des Landes,
+dewars, von juw aff gegeben, ehr und bevor gy de Glese kehren,«
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, 1673. Daß Ort ein langes o
+hat, geht schon aus den obigen alten Formen hervor, wird aber bestätigt
+durch das »Seebuch« von Manson, Lübeck 1735: »Vons West Ende von Femern
+nach dem Inlauff von Kiel ist es Westen zum Süden 5 Meilen, die Förde
+ist groß und weit, ihr lasset das Casteel, *Friedrichs Ohrt* im
+Aufsegeln am Stührbord, man gehet dann das Förde auf nach der Stadt zu.
+
+Von Kieler-Föhrde biß Eckern-Förde ist es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist
+gleichfals eine grosse weite Förde, man segelt hier für die Stadt
+gleiches Nahmens.«
+
+
+*ösen*
+
+heißt schöpfen, ausschöpfen, besonders das Wasser aus einem Boot mit
+einem Schöpfer, Ösfaß genannt, ausschöpfen. Schon Kilian übersetzt oozen
+mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch, indem
+es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration. Das
+beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das Wasser
+das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das
+Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die
+Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben.
+Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch
+hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer.
+
+Friesisch eaze, mittelst des easfet. »Wol beslein, zei Anke de scipper,
+it scip forlern, ind it easfet bihalden.« Bei der Lüneburger
+Salzgewinnung heißt oseammer, osammer der Schöpfeimer und der
+Solschöpfer führt den Namen oser. Von Bremen bis Wangerooge heißt der
+unterste Rand des Daches von dem das Regenwasser auf die Erde tröpfelt
+oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz im ganzen niederdeutschen
+Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen; »een öse, dar dat segel
+mit genettet werdt.« Und auch im Oberdeutschen heißt Oese das
+Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel, Griff, denn
+das kommt gemäß einem bei Willmans I. 85 auseinandergesetzten
+Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das = Ohr ist.
+
+Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: »er verast es;«
+das muß eigentlich heißen: »er veröst es«, gießt es aus, verschüttet es.
+
+
+
+
+P.
+
+
+*P. and O.*
+
+Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine Schiffahrtslinie die
+ihre Verbindungen mit der Peninsula d. h. Spanien und Portugal und mit
+dem Orient d. h. mit Ostindien etc. etc. unterhält. Im Abkürzen sind die
+Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für Francisco und Hock für
+»Hochheimer« kann man auf jedem englischen Kriegsschiffe hören, und in
+ganz Indien, China und Japan hört man nie anders als von P. and O. =
+Dampfern reden, wenn man von dieser englischen Linie und ihren Schiffen
+spricht.
+
+
+*p. m.* s. a. m.
+
+
+*Pageie*, die,
+
+heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der afrikanischen Küste und
+auch bei den Indianern eine Art Riemen mit breitem Blatt. Wort und Sache
+scheinen zu uns auf dem Wege über Frankreich gekommen zu sein,
+französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und der Ruderer mit diesem
+Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht auf den Dollbord
+aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes sitzende pagayeur
+rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder haltend. »L'effet de
+la Pagaye est plus considérable que celui de l'aviron, mais sa manoeuvre
+exige plus de force et fatigue davantage.« (Bonnefoux et Paris, marine à
+voiles 542.)
+
+
+*paddeln*
+
+heißt auf eigentümliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen. Es
+scheint, daß in England sich der Name Pageie nicht eingebürgert hat, (s.
+d.) vielleicht weil man dorten für ein ähnliches Werkzeug den sehr
+populären Namen paddle hatte, der sich nicht verdrängen ließ, »a sort of
+short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and
+boats.« Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders
+indessen das Zeitwort paddeln, eine Tätigkeit anzeigend durch die das
+Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentümliches Schwimmen, so
+bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder
+eine »Kröte« hieß aber angelsächsisch pada und heißt englisch paddock,
+niederdeutsch padde.
+
+
+*Packung*, die.
+
+Packen heißt zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen für die Reise
+in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer Kommode
+unterbringen, in Ordnung bringen, sichern; daher heißt die Dichtung
+einer Gas- oder Dampfröhre, weil sie eine Sicherung darstellt, Packung
+s. Bagger, Baginrahe, Packetboot.
+
+
+*Packetboot*, das,
+
+ein Schiff das regelmäßige Fahrten ausführt und dabei Passagiere, Güter,
+Packete und Briefe befördert, also das vorstellt, was man jetzt
+gewöhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit dem
+niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und
+Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn
+wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen
+Stück alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack
+vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, daß alles was
+zusammengeschnürt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als
+Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heißt
+Packetpost, das Schiff das dergleichen befördert Packetboot.
+
+
+*Pall*, das,
+
+ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rücklauf zu verhindern. Pall,
+englisch pallet, heißt das im Winkel gebogene Ende des Armes eines
+sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zähne des Zahnrades eingreift.
+Das Bremer Wörterbuch kennt das Wort in verschiedenen Bedeutungen. »Wenn
+das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen die (das Spill
+drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher haben wir die
+sehr gebräuchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich stehen,
+standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to Pall
+kamen, übel anlaufen, mit vieler Mühe seinen Zweck erreichen.«
+
+Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff
+steht pall, steht fest. Überhaupt ist mit dem Worte der Begriff »*fest*«
+verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun,
+das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem
+auch in deutschen und niederländischen Städten (Halle, Altona, Utrecht)
+beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der
+Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht
+zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen;
+allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen
+mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff »fest« doch noch
+stärker zur Geltung gekommen zu sein.
+
+Ich finde das Substantivum »die Pallen« zuerst in der »Beschriving van
+der Kunst der Seefahrt«, 1673: »Es sähe überall sauer aus, und die Noth
+war da, derohalben entschloß ich, daß wir wolten daß erste Land für das
+beste erkiesen; auff daß wir in der See nicht vergehen möchten; den
+zuvor dürffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil
+die Pallen von daß Bratspieß weg wahren, den so wir zum Ancker gehen
+mußten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so
+der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Korß nachs
+heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande
+Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de
+Wall.«
+
+
+*palmen*
+
+heißt Hand über Hand holen, also nicht wie solches auf Kriegsschiffen
+gewöhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand auflaufen, sondern mit
+wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand vor die andere setzt, in
+die Höhe ziehen; das Gegenteil davon ist fieren, was auch Hand über Hand
+geschehen muß damit der zu fierende Gegenstand oder vielmehr das an ihm
+befestigte Tau nicht schliere.
+
+Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die
+stolzen Palmen wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer flachen
+Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben.
+
+Die Hand wurde auch ebensogut wie der Fuß und der Ellbogen als Maß
+benutzt und man gebraucht dementsprechend palmen auch für messen.
+
+
+*Palstek*, der.
+
+Stek heißt Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch eine Schlinge;
+Pal heißt Pfahl; darum aus dem Ganzen einen »Pfahlstich« zu machen ist
+ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut
+niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentümliche des Palsteks ist, daß
+er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dükdalben gelegt wird,
+auch wenn Kraft darauf kommt, und daß man, sobald die Kraft zu wirken
+aufhört, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem
+Dükdalben abnehmen und über einen anderen streifen kann, wenn etwa ein
+Schiff verholt werden soll.
+
+
+*Pampero*, der,
+
+ist ein heftiger, plötzlich und überraschend aufkommender, mit schwerer
+Bö einsetzender Wind an der Küste von Südamerika; aus Westen wehend, hat
+er seinen Namen von den Pampas, über die er hinwegstreicht. Schon
+manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist gekentert, wenn es sich an
+jenen Küsten von einer so schwer vorherzusehenden »weißen Bö«
+überraschen ließ.
+
+
+*Pantry*, die,
+
+ausgesprochen Päntry, also über England zu uns gekommen, bedeutet jetzt
+den zu einer Messe gehörigen Anrichteraum, in dem die Gläser, Teller,
+Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen werden. Vorräte
+werden in diesem Raume nicht verstaut, doch muß früher wenigstens ein
+gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten worden sein,
+denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also eigentlich
+Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und pantry ist das
+französische paneterie.
+
+
+*Panzer*, der.
+
+Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean durchfurchen haben
+ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen.
+Da heißt pantex der Leib, gewöhnlich in der Mehrzahl und poetisch
+gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus ward italienisch pancia,
+spanisch panza, provençalisch pansa, französisch panse;
+mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der Pansen, Wanst, Bauch,
+Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkäuer. Von Menschen wird es jetzt nur
+noch in sehr freier Rede gebraucht und in stehenden derben Redensarten:
+»Ich trete Dir vor, in den Pans!« »Sük de Pans full fräten.« Doch
+spricht das Volk auch ganz harmlos: »Mit ledige (leeren) Pansen is god
+dansen«, wo der Gebildete sagen würde: »plenus venter non studet
+libenter.«
+
+Den Teil der Rüstung der den Unterleib deckte nannten die Italiener
+panciera, spanisch pancere, altfranzösisch panchire, mittelniederdeutsch
+(Kil.) pans-yser oder panssier. Es war eine schuppenförmige
+Stahlschürze, die hat sich inzwischen zu halbmeterdicken Stahlplatten
+ausgewachsen.
+
+Die Panzerung eines Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je
+nach dem Material, dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen
+führen; so spricht man von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten,
+Nickelstahlplatten, Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u. s. w.
+
+
+*Pardun*, das.
+
+Die Parduns sind stehendes Gut und stützen die Stengen nach der Seite
+und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung un, oen
+geschrieben, kommt im Niederländischen, woher das Wort -- es lautet
+daselbst perdoen -- stammen wird, häufig vor; katoen, blazoen, latoen,
+plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die Stammsilbe par
+dürfte von bar, par = tragen kommen, denn das Pardun ist ein tragendes,
+haltendes, festhaltendes Etwas. Es müßte, wenn diese Ableitung richtig
+ist, eigentlich Parun heißen; aber so gut man, wie in Kiel geschieht,
+der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl Kardel sagen kann, so gut
+kann sich auch hier das d eingeschlichen haben, zumal bar, par die
+Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie Geberde und Hellebarde,
+Helleparte beweisen.
+
+
+*Part*, die.
+
+Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im Mittelhochdeutschen
+für Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgemäß wird es noch heute
+häufig gehört: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine »gute Partie«, eine
+Landpartie; seemännisch als Anteil an einem Bodmereigeschäft,
+Schiffspart, und dann sehr häufig im Gebrauch für »Teil eines Taues,«
+und dann auch wohl die Parte. So heißt jeder einzelne Teil des Läufers
+eines Takels der von einer Scheibe bis zur anderen geht, so daß ein
+Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben.
+
+Ein einfaches Tau, das überhaupt durch keine Scheibe geschoren ist, das
+man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen würde, nennt der
+Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe
+zusammengebogen, so daß dessen beide Enden neben einander liegen, so
+heißt die so gebildete Bucht eine doppelte Part.
+
+
+*Passat*, der,
+
+ist der nördlich und südlich vom Äquator regelmäßig aus Nordost bezw.
+Südost und annähernd stets in der gleichen Stärke wehende, dem Seemann
+hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwähnte spanische paso heißt
+nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher Bedeutung es schon
+allein zur Erklärung von Passat genügen würde, sondern auch »Strich der
+Vögel«. Wie nun die Vögel auf ihrem Zuge nach oder vom Süden stets den
+gleichen Strich inne halten, so streicht auch der Passat stets auf
+demselben Strich, aus bekannten physischen Ursachen. Englisch heißt der
+Passat tradewind; trade heißt ursprünglich Weg, Lauf, Pfad; Passat wäre
+also ein Wegwind, der stets denselben Weg weht. Es liegt auf der Hand,
+daß in diesem allgemeinen Sinne auch die Monsune Passate sind; doch
+haben die ihren eigenen arabisch-persischen Namen behalten.
+
+
+*Passer*, der,
+
+ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel geläufiger ist.
+Ursprünglich hieß unser Kompaß in den romanischen Sprachen compasso und
+bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meßinstrument; die jetzige
+Bedeutung als Instrument zum Messen der Himmelsrichtung ist später
+hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen Bedeutungen
+auch die von Takt, Versmaß, überhaupt von Maß und von Werkzeug zum
+Messen. Fuß, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind Maße vom
+menschlichen Leibe genommen; ein solches Maß ist auch der Schritt, sogar
+jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom Schritt zum Messen
+und vom Messen zum Meßwerkzeug war jedesmal nur ein Schritt.
+
+Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte gebraucht,
+die man darum auch Paßkarte nannte.
+
+
+*Pegel*, der.
+
+Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen. Es bedeutet
+im Mittelalter ganz besonders ein Maß zum Messen von Getränken, wobei
+die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes angebracht war.
+Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts herausgegebene
+»Bremer Wörterbuch« bemerkt hierzu: »Vor Zeiten bedeutete Pegel ein
+gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch also einen
+inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei den
+Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist
+noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit
+verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein
+jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen,
+trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe
+auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf
+gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch
+noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein
+großer Säufer sein.« Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken.
+Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach
+allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim
+Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die
+Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte
+jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. »Sed to,
+ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet«,
+beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher
+stammt auch der Vers: »Is it ein mester, moet man en firen, so moet he
+am ersten sinen pegel utliren.« Der alte Kilianus Duffläus erklärt
+peghel mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri, mensurare
+und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s. peilen).
+Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem Trinkgefäß,
+es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die Bedeutung
+ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit Beil ist
+wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil und
+heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so zu
+denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes
+Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.
+
+
+*peilen*,
+
+etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen, bestimmen.
+Die Sonne peilen, sie mit einem Peil- oder Azimutal-Kompaß beobachten,
+in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die Tiefe
+desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt wird,
+untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem Peilkompaß
+bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem Kompaßstriche es liegt.
+Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz untersuchen, wie hoch das Wasser
+in der Pumpe steht. Peilen ist zusammengezogen aus pegelen, indem das g
+der größeren Bequemlichkeit wegen ausfiel und aus den beiden dann
+zusammengetroffenen e der Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von
+Pegel (s. d.). Was heute Peilkompaß heißt, nannte der Verfasser der
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 noch durchgängig
+Pegel-Compaß. »Tho Pegelinge averst der Landen, Torens, Huken und Baken,
+imgeliken der Sünnen up und underganck, is nichts bequemeres, den ein
+recht Pegel-Kompaß, wil se averst mennigen tho dür sin (dar doch offt
+Schip, Man und Gut angelegen is) so werender ock weinig by der See
+gefunden, de se gebrucken offt bei sik föhren, behelpen sick, in Platz
+von dessen, mit ein Kompaß mit ein Pin, dar man sik ok thor Noth wohl
+mit behelpen kan, wen man wet dat de Drat unter de Rose Süden und Norden
+gelecht is. Dat seckerste holde ick awerst vor best.«
+
+
+*Penterhaken*, der.
+
+Früher gab es einen Penterbalken, ein Pentertakel und einen Penterhaken,
+sie bildeten zusammen gleichsam eine Reservevorrichtung die beim
+Ankerlichten in Tätigkeit trat. Bei der neuzeitigen großen Umwälzung die
+das ganze Ankergeschirr erlebt hat, ist als letzte Erinnerung daran nur
+der Penterhaken geblieben, und auch ihn führt das amtliche
+Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der Kaiserlichen Marine
+schon nicht mehr unter den zahlreichen anderen Haken auf. Er faßt beim
+Ankerlichten in den Ring des Ankers. Das niederdeutsche Wort pennen
+heißt: in einander stecken, in einander fügen, verbinden, schließen,
+riegeln, vergl. das englische to pin = einstecken, anstecken, heften,
+anheften, befestigen, festmachen. Das Zeitwort pennen kommt von Pinne,
+einem Ding zum Ein-, Auf-, Feststecken, Festhalten, Festmachen,
+Verschließen, Verbinden; mittellateinisch pinna, der Nagel.
+
+Vergl. übrigens »Porteurleine« am Schluß. Der Penterhaken und die
+Porteurleine gehören so nahe zusammen, daß die Annahme beinahe
+unabweislich ist, daß Penter eine volkstümliche Form von Porteur, oder
+Porteur eine gelehrte Form von Penter ist.
+
+
+*Peter, blauer*,
+
+eine blaue Flagge als Abfahrtssignal eines Schiffes. Durch Hissen
+desselben gibt der Kapitän zu erkennen, daß er die Absicht hat, in See
+zu gehen und daß also, wer an Bord gehört, sich einzufinden habe. Die
+Bezeichnung stammt aus dem Englischen, wo sie scherzweise aufkam als
+Umbildung von blue repeater, einer blauen Kontre-Signal-Flagge.
+
+
+*Pferde*,
+
+heißen die Taue unterhalb der Rahen, auf denen die Matrosen beim
+Segelsetzen oder -bergen stehen. Sie haben mit dem Lehnwort aus dem
+Lateinischen Pferd = Roß nichts zu tun. Vielmehr kommt das Wort davon,
+daß die Matrosen auf diese Taue mit ihren Füßen *treten*. Treten hieß
+angelsächsisch paddan, peddan, eigentlich wandeln, laufen, spazieren
+gehen, also in dem Sinne, in dem wir von einem Pflastertreten sprechen.
+Niederdeutsch pedden. Es kommt aber auch die Form perren und perden vor.
+In Hinterpommern nennt man »in Menschenkot treten« »in't Fossise perre.«
+Das was einer perd kann er leicht ein Perd nennen und das
+Neuhochdeutsche hat im Mißverstand ein Pferd daraus gemacht.
+
+
+*Pflicht*, die.
+
+Doornkaat: »Auf kleinen Schiffen und namentlich solchen, deren Raum
+offen ist und die kein eigentliches Deck oder Vordeck haben, ein
+abgezimmerter mit einem Deck oder Verdeck versehener kleiner Raum im
+Hinter- und Vorderteil von Fluß- und Wattschiffen oder Tjalken, welcher
+im Hinterteil die Stelle einer Kajüte auf großen Schiffen vertritt und
+als solche achterpflicht heißt, während die förpflicht oder der bedeckte
+und abgezimmerte Raum im Vorderteil solcher Schiffe auch forunder
+genannt wird (s. Farunner).« Es ist die Form Pflicht eine der
+schlimmsten hochdeutschen Verdunkelungen der Seemannssprache. Das Wort
+heißt nicht Pflicht, sondern Plicht. Niederdeutsch plicht;
+niederländisch plecht, plicht; auf Wangerooge pliucht; schwedisch und
+dänisch pligt; norwegisch plitt; offenbar verwandt mit dem englischen
+plight = Decke, da die Plicht doch bedeckt ist und ein Deck darstellt.
+Das »Bremer Wörterbuch« sagt: Pligt = ein kleiner Raum vorn und hinten
+auf einem Schiffe. Es war aber ursprünglich wohl die Bedeutung auf den
+vorderen Raum beschränkt. Das geht einesteils aus der Übersetzung
+Kilians hervor, der plecht van 't schip mit prora wiedergibt,
+andernteils auch aus der Bezeichnung *Plichtanker*. Der heißt so, weil
+er auf der Plicht seinen Platz hat, um stets bei der Hand zu sein. Den
+Anker braucht man aber in der Regel vorn; so war die forplicht
+jedenfalls die eigentliche Plicht. Das wird auch durch den noch
+gangbaren Ausdruck *Bootspflicht* bestätigt, denn so heißt der erhöhte,
+mit einem Gräting gedeckte Teil vorn, am Bug eines Bootes. Noch
+deutlicher wird dies durch die Zusammensetzung »*Lausepflicht*«. Damit
+ist der Raum vorn am Gallion bezeichnet; da wo der Mann seine Notdurft
+verrichtet, macht er auch seine Toilette, da kämmt er sich, und daß der
+derbe Seemann die Plicht, auf der sich die Leute zu kämmen pflegen,
+Lauseplicht nennt, wer wird sich darüber verwundern?
+
+
+*Pforte*, die,
+
+eine verschließbare Öffnung in der Bordwand. Es gab oder gibt
+Ladepforten, Ballastpforten, Ruderpforten, Piekpforten, Jagdpforten
+(ganz vorne für die Jagdstücke, die beim Jagen eines fliehenden Feindes
+in Tätigkeit treten), Luftpforten, Lichtpforten, Stückpforten. Die
+letzteren sind auf den Kriegsschiffen von besonderer Bedeutung, und
+darum versteht man, wenn schlechthin Pforte gesagt wird, stets eine
+Geschützpforte darunter. Das lateinische porta heißt bekanntlich Tür,
+Tor, es liegt ihm aber ein griechisches Zeitwort zu Grunde, das
+durchgehen, passieren bedeutet. Insofern ist die Bezeichnung Pforte doch
+nicht unglücklich gewählt, wenn auch durch diese keine Menschen gehen.
+
+
+*Piek*, die.
+
+Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat es irgend
+etwas mit »Spitze, Äußerstes« zu tun. Die Achterpiek, Hinterpiek ist der
+äußerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil des Schiffes; heißt
+meist kurzweg die Piek, während der entsprechende vorderste Teil, wenn
+er überhaupt Piek genannt wird, mit Vorderpiek näher bezeichnet werden
+muß. Aber nicht nur das Äußerste nach hinten oder vorn, sondern auch
+nach oben heißt Piek; diese Bedeutung ist sogar die ursprünglichere. So
+heißt z. B. sogar das Tau mit dem die Gaffel des Besans so getoppt wird,
+daß ihre Nock sich in die Höhe streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen
+auf Piek setzen ist ein anderer Ausdruck für kaien, nämlich sie so auf
+und nieder setzen, daß sie weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken
+heißt »Riemen hoch« nehmen, sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar
+nicht spitz aber doch das Äußerste am Riemen ist, in die Höhe halten.
+
+Piek ist dasselbe Wort wie pique im französischen Kartenspiel und
+bedeutet Pike, Lanze, Speer, Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch
+und portugiesisch pica, italienisch picca, was mit picco, spanisch und
+portugiesisch pico, französisch pic, angelsächsisch pic englisch peak
+zusammengehört, alles mehr oder weniger Spitze bedeutend.
+
+Das Piekfall hieß früher Dirk, Gaffeldirk, jetzt heißt Dirk nicht mehr
+das Tau zum Auftoppen der Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des
+Besansbaums.
+
+
+*Pier*, die,
+
+ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck für das was wir
+gewöhnlich Moole nennen, also für einen Steindamm, für eine steinerne
+Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder zum
+Anlegen und Festmachen für Schiffe. Das Wort kommt vom französischen
+pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den
+Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hölzerne Bollwerk
+wohl auch eine Pier nennen hören. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: »By
+westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer
+d'inwoonders haer visschers barken onder legghen.« Er hielt es damals
+also doch für nötig Piere zu übersetzen und zu erklären, weil es für
+einen Niederländer auch in jener überaus fremdwortfreundlichen und
+-reichen Zeit ein erklärungsbedürftiges Fremdwort war.
+
+
+*Pijacket*, *Peajacket*, *Pijacke*.
+
+Der kurze Überzieher der Mannschaften, die bei der Kaiserlichen Marine
+dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient haben, mit anderen
+(Civil-)Knöpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die letztangeführte
+Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste zugleich; hat auch den
+Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des 14. Jahrhunderts kommt
+im Spanischen un jaque de seda vor, eine seidene Jacke. Neuspanisch
+jaco, italienisch giaco, französisch jaque, niederländisch jasje, zoort
+van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach Ducange, zu Beauvais ein
+Häuptling gewesen sein mit Namen Jaque, der, wenn er zum Kampfe auszog,
+einen kurzen Oberrock getragen habe; daher das zweite Wort in der
+Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet ebenfalls Jacke. Die fremde
+unverstandene Bezeichnung Jacke genügte dem deutschen Küstenbewohner
+nicht für das bald heimisch gewordene Kleidungsstück, (die Häuptlinge
+auf den Siegeln des 14. und 15. Jahrhunderts tragen bis auf die Knie
+gehende Röcke) darum verbanden sie sie mit dem altgewohnten Worte für
+Rock py, pye, welches heute noch in Ostfriesland pe, peje, pei, pi heißt
+und einen kurzen Unterrock von rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen
+pye, pey, pige, pikke, pike, eine Jacke, ein warmes Unterkleid von
+Flanell; in Holland pij, pije, in Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem
+Griechischen durch das Gothische zu uns gekommen, indem baite,
+Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu paida wurde; angelsächsisch
+peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit, Hemd, hemdähnliches
+Kleidungsstück; niederdeutsch pede, nach Schwund des d kontrahiert zu
+pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege ins
+Niederdeutsche zurückgedrängte i, woraus dann leicht das einfache pi
+werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine
+Rockjacke. In Groningen heißt es piejekker, aber auch molvanger, monkie
+(auch bei uns manchmal zu hören) schort, twiefelder, twiefeloar und,
+mehr deutlich als fein, vreischieter.
+
+Zu bemerken ist, daß die Handelsmatrosen das Kleidungsstück nicht etwa
+von der Kriegsmarine überkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es
+sogar so eingebürgert, daß der Dichter Vondel es nennen kann: »Een
+dracht, die sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.«
+
+Ziemlich spät erst ist im Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In
+den gerichtlichen Inventarien, die in Wismar während der Jahre 1438 bis
+1547 aufgenommen worden sind, kommt für Rock das Wort pyge ohne
+Verbindung mit Jacke vor. Dafür ist es aber eine andere Verbindung
+eingegangen und heißt szepyge, also Seerock, Seewamms; vielleicht das
+was man heute Lootsenjacke oder Seelenwärmer nennt; irgend etwas Warmes,
+Gefüttertes, denn der Schreiber der jenes Inventar aufnahm hat es mit
+»rot foderhemmede« verdeutlicht, rotes, gefüttertes Hemd.
+
+Pijacket ist n., Pijacke f.
+
+
+*Pinass(e)*, die,
+
+auch (fälschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der großen Beiboote,
+jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens Dampfpinasse oder *-pinass*
+gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und Weglassung des auslautenden e.
+Offenbar zuerst ein aus dem Holze der Fichte, pinus gebautes Boot. Der
+Name ist im romanischen Sprachgebiet entstanden und weiter gebildet:
+ital. pinaccia, spanisch pinaza, französisch (um 1700 als Seemannswort
+allgemein im Gebrauch) pinasse. Das e ist stumm, also tut der Seemann
+recht, es unausgesprochen zu lassen, es würde in seinem Munde recht
+geziert lauten.
+
+Im spanisch-englischen Kriege unter Königin Elisabeth waren Pinassen als
+wirkliche seegehende, seeschlachtfähige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als
+im Jahre 1596 die Königin es für ratsam hielt, »den Spanischen ihr
+angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fühlen zu
+lassen«, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche
+Affäre hatte. Davon berichtet der Verfasser der »Durchläuchtigsten
+Seehelden« I 405: »Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Kühn
+war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt,
+das Volck aber davon gerettet.« Als im Jahre 1625 die Spanier den
+Holländern Bahia wieder abzunehmen sich rüsteten, waren bei der
+aussegelnden Flotte einunddreißig Gallionen, eine Caravell, drei
+Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der
+Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin groß genug, Bahia mit
+belagern zu helfen.
+
+
+*Pinke*, die.
+
+Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen für gar verschiedenartige Fahrzeuge
+im Mittelländischen Meere und in der Nordsee. So verschieden sie auch
+gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprünglich alle mit einander
+gemein, daß sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist Verwandtschaft
+mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem Pink eine
+nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk kommt sie
+bereits in der Hamburger Chronik vor: »Reynke wert myt noch eynem van
+den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle boyers and
+euers hadde.« Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor »den bogert
+... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho soeken.« Es
+muß also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles Schiff
+gewesen sein. Man gebraucht sie in Holland zum Heringsfang. Waghenaer,
+»Spiegel der Zeevaerdt«, 1588: »Leyt mede op dese stroomen de bequame
+vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war Waghenaers Heimat), al waer soo
+veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder Zee) op sekeren tyt des Jaers
+ghevanghen wert, alsser op een telte met de Buysen, Boots ende Pincken
+de Maze ingebracht ende verhandelt wert.«
+
+
+*Pinne*, die.
+
+Der hölzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt wird, die
+Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heißt Nagel, Zweck,
+Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stück Holz zum
+Festhalten, Befestigen, Verschließen. Die Zusammenstellung mit penna,
+Feder, Floßfeder ist allzu gekünstelt. Weit natürlicher läßt sich das
+Wort, wie Pinaß, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar
+ursprünglich von Fichtenholz war.
+
+
+*Pirat*, der, der Seeräuber.
+
+Das Wort stammt aus dem Griechischen peirates, von peiraein = versuchen,
+unternehmen, sein Glück in Abenteuern suchen, auf Raub ausgehen, das
+Meer auf Raub befahren. Lateinisch pirata, italienisch pirate und
+pirato, französisch pirate. Dazu das Fremdwort *Piraterie*, der Seeraub,
+die Seeräuberei. Göthe: »Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind
+sie, nicht zu trennen.«
+
+
+*Pirogue*, die,
+
+ist ein Fahrzeug das in der Südsee und in Indien gebraucht wird, woher
+auch der Name stammt, der französisch pirogue, spanisch piragua lautet.
+Es hat verschiedene Veränderungen erfahren, aber das Eigentümliche aller
+Piroguen ist, daß sie Einbäume sind, aus einem Stamm gefertigt. Demgemäß
+können sie nur klein und rank sein und haben daher einen Auslieger
+(outrigger).
+
+
+*Planke*, die.
+
+Bord, Diele, Bohle, Brett und Planke sind begrifflich nicht ganz leicht
+auseinander zu halten. Die beiden letzteren z. B. sind vielfach
+gleichbedeutend, so daß man oft für Brett Planke und für Planke Brett
+sagen kann. Doch neigt der Sprachgebrauch dahin, daß man ein dickes,
+starkes, langes, großes Brett Planke nennt, was schon daraus erhellt,
+daß Planke keine Verkleinerungsform kennt, während man häufig von einem
+Brettchen spricht. Eine Packkiste ist aus Brettern, eine Zigarrenkiste
+aus Brettchen zusammengenagelt, nicht aus Planken, aber das Deck eines
+Schiffes besteht nicht aus Brettern, sondern aus Planken. Im
+Allgemeinen wird man sagen können, daß, wohl wegen der Verwendung des
+Wortes beim Schiffbau und im Schiffsleben, Planke im Nieder-, Brett im
+Hochdeutschen bevorzugt wird. Planke stammt aber aus dem Romanischen, es
+ist mit dem piemontesischen pianca, Steg; provençalisch planca, plancha;
+französisch planche, Brett; lateinisch planca = Brett, Bohle aus einer
+Wurzel plak entstanden, von der Doornkaat es unentschieden läßt, ob sie
+etwas flaches, plattes oder etwas gespaltenes bedeutet. Schon in einer
+mittelniederdeutschen Urkunde aus Göttingen vom Jahre 1348 finden wir
+das Wort, aber mit anlautendem b anstatt p, (was nicht zu verwundern
+ist, da auch heute noch selbst in Niederdeutschland das p von Planke
+ziemlich weich ausgesprochen wird). »We lovet, dat we neynerleyghe buv
+mer scholen buwen darsulves von steynwerke eder von bomwerke, dar
+ienecherleyghe eyrkenere utgan van blanken eder van graven.«
+
+
+*Plate*, die,
+
+eine breite, flache, platte Sandbank von größerer Ausdehnung. Das Wort
+Plate ist niederdeutsche Form für Platte, irgend ein breites flaches
+Etwas von Stein, Holz, Eisen etc. etc. Vom griechischen plate, und
+dieses von einer Wurzel prath sich ausbreiten. In Ostfriesland nennen
+sie eine Plate eine Sandbank die bei Flut überschwemmt wird, bei Ebbe
+trocken fällt. Es gibt aber auch Platen in der Weser, in der Ostsee etc.
+etc. Was letztere betrifft, so lesen wir in Manson, See-Buch, Lübeck
+1735 bei Gelegenheit einer Segelanweisung nach Wismar: »Als einem aber
+der Wind nicht fugen wolte, dieses Tonnen-Tieff einzusiegeln, muß er
+aussen um den Hannibal auf 6 oder ja 5 Fadem loden, und nach den
+Küsterhöft zu lauffen, und segeln die Mittel-Tieff. West-Südwest von der
+Tonnen ein klein Stück seynd zwo runde Sandbänken, die heissen Platen,
+die läßt man am Stührbord. Hannibal lieget Nordwest zum Norden eine
+kleine halbe Meil von der Kirchen die auf Poel stehet.«
+
+
+*Plattfusswache*, s. Wache.
+
+
+*Plattformdeck*, s. Deck.
+
+
+*Platting*, die,
+
+ist ein aus Kabel- oder Schiemannsgarn geflochtener Zopf, der nach der
+Zahl seiner Garne schmäler oder breiter ist und auch nach dieser Zahl
+genannt wird, Dreigarnplatting, Fünfgarnplatting etc. etc. Die Zahl der
+Garne ist stets ungrade. Wie sehr sie auch untereinander verschieden
+sind, so haben sie doch alle das gemein, daß sie, eben weil sie nicht
+gedreht, sondern geflochten sind, ein *plattes* Geflecht darstellen.
+Man stellt wohl auch sehr schöne runde und vierkante Plattings her; die
+werden eben mit demselben Rechte, wiewohl sie eigentlich keine Plattings
+sind, so genannt mit dem man eine Fensterscheibe, wiewohl sie jetzt
+keine Scheibe mehr sondern ein Viereck ist, doch noch Scheibe nennt, und
+mit dem sie niederdeutsch Raute heißt, obgleich sie die rautenförmige
+Gestalt längst verloren hat.
+
+Die Platting dient zur Bekleidung der Taue an Stellen wo sie besonderen
+Schutzes bedürfen.
+
+
+*Pockholz*, das,
+
+ein sehr hartes Holz aus dem man Blockscheiben, Kegelkugeln u. s. w.
+drechselt. Der Name hat eine eigentümliche Geschichte. Der Westindische
+Baum von dem das Holz kommt, eine Gattung der Zygophyllen, heißt
+guajacum officinale L. und wird Guajak-, Franzosen-, Pock- oder
+Heiligenholz genannt. Die Erklärung ist bereits bei Kilian zu finden. Er
+bemerkt zu pock-hout: »ebenus, hebenus, hebenum, guiacum: lignum
+expugnandae lui venereae accomodatissimum, lignum Indum, vulgo gaiatum«
+und spaensche pocken übersetzt er mit »morbus Gallicus, scabies
+Hispanica, Neapolitana, lues Venerea: siphylis: serpigo Indica.« Von den
+»spanischen Pocken« stammt der Name des Holzes, von der lues venerea, zu
+deren Heilung heute noch ein Decoct von diesem lignum vitae angewandt
+wird.
+
+
+*Polacker*, der,
+
+ist ein Mittelmeerschiff, dessen eigentümliches Kennzeichen Pfahlmasten
+sind, d. h. Masten die aus einem Stück bestehen und keine Stenge haben.
+Wo diese Art Masten auch bei uns vorkommt, da nennt man die Takelage
+eines solchen Fahrzeuges Polackertakelage. Das Wort kommt vom
+lateinischen palus, der Pfahl; italienisch und spanisch polacra,
+französisch und englisch polacre; im Deutschen, Niederländischen,
+Dänischen und Schwedischen konnte sich das Wort um so eher einbürgern
+und die Form Polacker annehmen als hier das Wort Polack für Pole gangbar
+war.
+
+
+*Poller*, der.
+
+Die Poller sind starke Balken, die allein oder zu zweien an Deck oder am
+Lande angebracht sind zum Belegen von Trossen beim Festmachen oder
+Verholen. Neuerdings sind teilweise eiserne Gestelle daraus geworden,
+die mit einem Balken wenig Ähnlichkeit mehr haben, aber doch auch noch
+den Namen Poller tragen, der Balken bedeutet. Polder hat schon Kilian
+richtig mit trabs übersetzt, und Polder muß das Wort eigentlich auch
+geschrieben werden, wiewohl es der Bequemlichkeit wegen meist Poller
+ausgesprochen wird, wie so viele ähnliche niederdeutsche Wörter. Es
+kommt mit dem französischen poutre, altfranzösisch pouldre = Balken, von
+dem mittellateinischen poledrus.
+
+
+*Poop*, die,
+
+ausgesprochen Pup mit langem u, ist »the highest and aftermost part of a
+ship's deck, or a partial deck extending close aft, above the complete
+deck of a vessel«. Wir hätten dieses Wort nicht nötig, denn man könnte
+stets mit unserem gut deutschen Kampanje auskommen, indessen da es nun
+einmal öfters gehört wird, so sei hier bemerkt, daß es die englische
+Form für das lateinische puppis, Hinterteil des Schiffes ist, im
+Gegensatz zu prora, dem Vorderteil; doch wurden poetisch beide Wörter
+auch zur Bezeichnung des ganzen Schiffes gebraucht, während das
+Sprichwort »mihi prora et puppis est« besagte: das ist mir die
+Hauptsache, mein Ein und mein Alles, mein Hauptplan etc. etc.
+
+
+*Popoffka*, die,
+
+ist ein Küstenverteidigungspanzerschiff von kreisförmiger Gestalt.
+Seitdem die alte übliche Schiffsform verlassen ist, tauchen immer neue
+Gestaltungen auf. Nach einem Gedanken des englischen Ingenieurs Elders
+hat der russische Admiral Popoff Kreisfahrzeuge mit zwölf Kielen
+ausgedacht, die nach ihm Popoffkas heißen. Sie können nur geringe Fahrt
+machen und eignen sich schon deshalb nur zur Küstenverteidigung.
+
+
+*Ponton*, das,
+
+ist eigentlich das, was man in Ostfriesland eine Pünte nennt, ein
+großer, flacher, länglich viereckiger Kahn, der meist als Fährboot über
+Flüsse verwendet wird. Es dient also anstatt einer Brücke, daher mag es
+kommen, daß sich die Behauptung, ponton stamme von pons = Brücke ab, so
+hartnäckig erhält. Allerdings kommt von pons die Bezeichnung für Deck in
+den romanischen Sprachen pont, aber ponton wird doch wohl vom
+lateinischen ponto kommen, und das soll ein gallisches Wort sein, den
+Römern als Bezeichnung eines gallischen Lastschiffes bekannt geworden,
+eines Transportschiffes, wie sie denn auch eine Schiffsbrücke, eine
+Fähre, nicht pons, sondern ponto nannten, Genitiv pontonis. Es ist also
+pont = Deck von unserem Ponton zu trennen. Dieses hat sich in neuerer
+Zeit ein einflußreiches Gebiet erobert. Nicht nur, daß die Armee aus
+Pontons Schiffbrücken schlägt, auch die Marine verwendet Pontons auf
+ihren Werften, wo sie als Verschluß der Docks und Kammerschleusen --
+zugleich allerdings auch der Brücken -- dienen. Sie haben zur Zeit wenig
+mehr von gallischen Transportschiffen an sich, haben überhaupt oft kaum
+mehr Schiffsgestalt, aber das bringt der veränderte Zweck ihres Daseins
+mit sich.
+
+
+*Porteurleine*, die,
+
+ist die Leine, die den Anker unter dem Krahnbalken festhält. Breusing
+nennt Pertürleine »das Tau, welches den Anker, ehe man ihn fallen läßt,
+unter dem Krahnbalken festhält oder trägt« und sagt, daß er »offenbar
+von dem französischen porteur abzuleiten ist.« Diese Ableitung liegt
+allerdings nahe genug. Man könnte ohne Weiteres an portere, portare
+denken, wenn nicht nur das Deutsche, Holländische, Dänische und
+Schwedische, sondern auch das Englische, Französische, Italienische,
+Spanische und Portugisische eine Porteurleine hätten. Aber die
+romanischen Sprachen, die es doch zuerst haben müßten, wenn es von
+portare käme, haben dieses Wort nicht. Und doch steckt portare sicher
+darin. Darum denke ich an einen Umweg, nämlich zunächst an das
+französische port-bossoir, an das unter dem Krahnbalken sitzende,
+demselben Halt und Stütze verleihende Knie. Mit diesem port hält die
+genannte Leine nächste Nachbarschaft, und nach solcher Nachbarschaft
+sind zahlreiche seemännische Ausdrücke gebildet, vergl. Klaue und Nock.
+So mag das Wort zunächst Porterleine geheißen haben, und Porteurleine
+würde dann wissenschaftliche Umbildung im Gedanken an Porteur sein,
+vorgenommen bei der Übernahme ins Hochdeutsche. Die Form Perturlin ist
+niederdeutsch.
+
+Es kommt allerdings auch die Form Penturleine vor, so daß -- vergl.
+Penterhaken -- »Porteur« vielleicht nur eine etymologische Veränderung
+von »Penter« ist. Es wäre freilich auch denkbar, daß das »Penter« in
+Penterhaken von dem »Porteur« in Porteurleine käme.
+
+
+*Prahm*, der,
+
+war ehedem ein Schiff so gut oder schlecht man es in alten Tagen hatte.
+Jetzt ist er heruntergekommen und wird nur noch als Kohlenprahm,
+Wasserprahm, Proviantprahm Munitionsprahm gebraucht um diese Dinge
+längsseits eines Schiffes zu bringen und zur Übernahme für dasselbe
+bereit zu halten. Das geringste und unscheinbarste aller Boote, kaum
+mehr den Namen eines Bootes verdienend, ist der Scheuerprahm, ein
+Seelenverkäufer, der zum Reinigen der Außenbordwand benutzt wird und
+nicht nur das Aschenbrödel, sondern auch gleichsam die komische Person
+unter den Schiffsbooten spielt, aber ebenfalls die Gestalt eines Prahms
+hat, breit, flach, mit einem Rand versehen. Daß der Prahm bessere Zeiten
+sah, erfahren wir aus dem Gudrunliede:
+
+ Hagen war indessen gegangen auf einen Prahm,
+ Noch eh' sich ihm geöffnet der wohlverschloss'ne Kram,
+ Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle,
+ So schied man von dem König der Frauen holde Schar in jäher Schnelle.
+
+Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in
+Niederdeutschland gebräuchlich, dänisch pram = Fähre und Rand,
+altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram,
+breites Flußschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es
+ein zur indogermanischen Wurzel par gehöriges Wort pramu gibt; die
+Bedeutung ist die von »übersetzen«, wie sie auch mit fahren
+zusammenhängt. Der Übergang aus dem Slavischen ins Nordische muß sehr
+früh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur
+Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren
+Prähmen beherrschten und die nordischen Küsten so oft mit ihren
+Raubzügen heimsuchten, daß ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt
+wurde, also um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat
+der berühmte geistliche Seeheld, Bischof Absalon von Roeskilde, auf,
+ermunterte König Waldemar den Großen -- Absalon war der Größere -- und
+sein Volk, sich zum Widerstand zu ermannen, das Joch abzuschütteln und
+den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der
+Schöpfer einer dänischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem
+Muster eines gestrandeten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat
+auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie
+aussahen, wissen wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln
+und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Kälte zu einem so
+hohen Grade gestiegen war, daß die Mannschaft, die Proviant zu den
+Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die
+Räder festfroren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit
+großer Beschwerlichkeit zu Fuße nach dem Hafen, wo die Flotte lag,
+treiben mußte, beklagte Absalon die Männer und sprach ihnen sein
+Bedauern aus, daß sie für das Vaterland so viel Mühsal leiden müßten.
+Sie aber antworteten, sie trügen mit Lust ein Mühsal, welches sie dem
+Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbänken der Seeräuber zu sitzen,
+vorzögen (vergl. Saxo Grammaticus).
+
+
+*Praktika*, die,
+
+heißt die Verkehrserlaubniß für ein Schiff. Ist ein solches in einen
+Hafen eingelaufen, so erscheinen der Hafenkapitän und der Hafenarzt, um
+festzustellen, ob gesundheitliche Bedenken gegen den Verkehr seiner
+Besatzung und seiner Passagiere mit dem Lande bestehen. Ist das der
+Fall, so muß das Schiff Quarantäne halten, ist es nicht der Fall, so
+erhält es die Praktika; eigentlich die Erlaubnis zu »praktizieren,«
+französisch pratiquer, italienisch pratticare, mittellateinisch
+practicare, vom griechischen prattein, tun, machen, handeln, ausüben
+(die Kunst des Arztes, des Anwaltes). Die üble Nebenbedeutung,
+namentlich in der Mehrzahl »Praktiken,« ist schon früh dem Worte
+angehängt worden. Im Französischen heißt pratique überhaupt traite,
+communication, commerce.
+
+
+*preien*,
+
+heißt ein anderes Schiff anrufen um mit ihm wichtige Mitteilungen
+auszutauschen, was, wenn eins von den zweien oder auch alle beide lange
+Seetörns hinter sich haben, von großer Bedeutung sein kann. Das Anrufen
+geschieht mit den Worten: »Schiff ahoi!« und oft mit Zuhilfenahme eines
+Sprachrohres. Die Preidistanz ist das, was man hochdeutsch Rufweite
+nennt.
+
+Das Wort wird in Ostfriesland auch am Lande gebraucht für jemanden
+anreden, auf ihn einreden, ihn bereden, ihm zusprechen. Niederländisch
+preijen, schwedisch preja, dänisch praje. Es hieß altenglisch schon
+breien und ist das jetzige englische pray beten, bitten, anrufen,
+ersuchen, einladen, auffordern; altfranzösisch preier, »und dieses wohl
+aus lat. precari von prex, precis (Bitte)«. Doornkaat. Nach Ehrentraut,
+Fries. Archiv II, 69 heißt preien auf Wangeroog jemanden anrufen auch in
+dem Sinne »jemanden wecken.«
+
+Fritz Reuter, »Ut mine Stromtid« I. 288, führt in einem klassischen
+Seemannsvergleich das Wort in der Form praien an. Die ganze Stelle ist
+echt seemännisch. »Knapp was hei (Fritz) denn nu mit Lovise ne lütte Tid
+tausamen west, dunn smet hei den Frugenshaß mitsammt de ganze Erinnerung
+an Marie Möllers Waschschöttel un Spiskamer äwer Burd un verlöd tau den
+Ballast von Romanenideen schippslastenwis »die junge aufkeimende Liebe
+zu Louisen« -- as hei sine nige Ladung för siek sülwst deklarierte -- un
+as hei des' nu unner sine Hartens-Luken wegstaut hadd und all de
+Belämmerungen, dei em von sine Jugend wegen noch anhaken künnen,
+intreckt hadd, un hei nu mit sick sülwst, sine Leiw un sin Schipp klor
+was, segelte hei los. In de Irst krüzte un lawirte hei herümmer, un sin
+leiw Tanten stunn om't Äuwer un wüßt nich, wohen hei stüren ded', äwer
+dat wohrte nicht lang', dann würd sin Kurs strammer, un as hei irst up
+de hohe See von »seinen Gefühlen« was, un de Topsegel uphiste, dunn sach
+sei denn mit Schrecken, wohen hei dat Stüer richt't hadd, un dat ehr
+leiw Swestersähn nich beter as en räuklosen Seeröwer, Pirat un Korsor
+was, dei up 'ne schändliche Wis' Jagd up de lütte, smucke Brigg maken
+ded', worin sei all ehre mütterlichen Hoffnungen einschippt hadd.«
+
+Sei praiete em en por Mal an, woso? un woans? äwer de Pirat let sick
+nich stüren, sei schot en por Mal in ehre Hartens-Angst mit Notsignalen
+noch ehren Paster 'räwer« ...
+
+
+*Presenning*, die,
+
+wasserdichte Decke aus (geteertem) Segeltuch, durch Umstellung oft auch
+in der Form Persenning vorkommend; doch hieß es 1702 bei Aubin schon
+Preesening. Man gebraucht es zum Zudecken von Luken, zum Bedecken von
+Proviant in offenen Booten, zum Schutze an Deck stehender Kanonen,
+überhaupt dazu, etwas vor Nässe zu schützen. Es kommt von préceinte,
+einem veralteten französischen Worte, das Umhüllung bedeutet und mit dem
+lateinischen Zeitwort praecingo, ich umgürte, umgebe, zusammenhängt.
+
+
+*Priel*, der,
+
+eine Wasserrinne im Watt, die auch zur Zeit der Ebbe voll Wasser bleibt,
+ein schmales Rinnsal, eine Wasserlache, oft recht tief und, weil der
+Boden Schlick ist, für Jäger oder Fischer die hineingeraten sehr
+gefährlich, da man sich schwer ohne fremde Hilfe wieder herausarbeiten
+kann. Es ist das neuhochdeutsche Wort Briel, Brühl, althochdeutsch
+brogil, broil = Sumpf.
+
+Wenn die Rinne breit und tief genug ist für die Schiffahrt, so heißt sie
+Balje.
+
+
+*Prikke*, die,
+
+hat den Zweck einer Bake, ist aber einfacher als diese, indem sie nur
+ein zur Bezeichnung des Fahrwassers oder einer Untiefe ins Wasser oder
+vielmehr in den Grund gesteckte Stange ist, etwa mit einem Strohwisch
+oder Reisigbesen an der Spitze. Es gibt ein weitverbreitetes
+niederdeutsches und niederländisches Zeitwort prikken, das sowohl
+stechen als stecken bedeutet; davon das Iterativum prikkeln. Da diese
+Stangen in die Erde gesteckt werden, so ist die Erklärung ohne Weiteres
+gegeben.
+
+
+*Prise*, die.
+
+Wenn ein Kriegsschiff oder ein Kaper ein feindliches Handelsschiff
+wegnimmt, so ist dieses eine Prise, von prendre, nehmen. Es fragt sich
+nur, ob es unter Beobachtung des bestehenden Seerechtes geschehen ist.
+Das muß unter Umständen durch ein Schiedsgericht festgestellt werden.
+Erklärt dieses, daß das Schiff rechtmäßig genommen ist, so erklärt es
+damit dasselbe für eine »gute Prise« d. h. für eine rechtmäßige.
+
+
+*Propeller*, der,
+
+gehört eigentlich der Sprache des deutschen Seemanns nicht an, aber man
+liest das englische Wort zuweilen in Büchern. Es kommt von propello,
+vorwärtstreiben. Und zwar bezeichnet es nicht das was einen Raddampfer,
+sondern das was einen Schraubendampfer vorwärts treibt, man sagt also
+anstatt Propeller viel besser, deutlicher, kürzer: Schraube.
+
+
+*pullen.*
+
+Dieses Zeitwort wird wohl öfters einmal anstatt rudern gebraucht; doch,
+wie es scheint, nur von solchen, die dadurch ihre Bekanntschaft mit dem
+Englischen dartun wollen, also bewußt als Fremdwort. Der niederdeutsche
+Seemann sagt rojen, und in der Kaiserlichen Marine heißt es amtlich
+rudern; pullen muß also um so mehr als unberechtigter Eindringling
+angesehen werden, als rudern im Englischen selbst viel besser und
+deutlicher mit row bezeichnet wird, pull aber zunächst ganz allgemein
+»ziehen« heißt. Da nun beim Rudern ja allerdings am Riemen »gezogen«
+wird, so bedeutet es unter Umständen auch rudern, es wäre aber kein
+Schade, wenn das Wort wieder verschwände.
+
+
+*Pumpe*, die,
+
+die bekannte mechanische Vorrichtung zum Heben von Wasser. Die modernen
+Kriegsschiffe haben ein so kompliziertes Pumpensystem, daß ein
+ordentliches Studium dazu gehört, alle die verschiedenartigen Pumpen
+kennen zu lernen, und daß ein eigener *Pumpenmeister* kommandiert werden
+muß, der die Pumpen bedient und der womöglich schon während des Baues
+sich mit ihrer Anlage bekannt gemacht hat. Pumpe ist dasselbe Wort wie
+Bombe und hieß auch vor zweihundert Jahren im Oberdeutschen noch Bombe.
+Es ist ein Schallwort (bum!) und bedeutet zunächst ein Geräusch, einen
+Lärm; daher provençalisch bomba, Prahlerei, Gepränge, spanisch pompa,
+französisch pompe, neuhochdeutsch Pomp, bombastisch, Pump- (Pomp-) Hose.
+Lateinisch bombus = Gesumse, Geräusch von einem surrenden, summenden
+Geschoß; italienisch ribombare widerhallen. Die Pumpe hat also den Namen
+von dem Geräusch, das sie macht, kann aber zunächst auch vom Zeitwort
+bombare, trinken, schlürfen, saugen abgeleitet sein, denn die Pumpe
+saugt das Wasser auf; aber auch dieses Zeitwort ist naturlautmalend, so
+daß die Sache ziemlich auf dasselbe hinauskommt.
+
+
+*Pumpensod* s. »Bilge« am Ende und »Sodraum«.
+
+
+*purren*
+
+wird an Bord für »wecken« gebraucht. Es heißt aber sonst im
+niederdeutschen Sprachgebiet stechen, stoßen, stacheln, treiben, reizen,
+kann also nur insofern wecken bedeuten als solches durch Stoßen,
+Klopfen, Reizen etc. etc. bewirkt wird.
+
+Auch das Hochdeutsche hat ein Zeitwort purren, das heißt aber sausen,
+brausen, rauschen, brummen. Doch dürften die beiden unter einen Hut zu
+bringen sein, wenn man beide als lautmalend ansieht (purr! oder auch
+bloß prrr!). Es liegt auf der Hand, daß bei der Lautmalerei die Begriffe
+ziemlich weit auseinander gehen können, so daß ein und derselbe Ton
+sowohl reizen als brummen bedeuten kann.
+
+Diese Erklärung wird unterstützt durch das Zeitwort verpurren: eine
+Sache verderben, einen Fang verhindern, ein Mißlingen verursachen, etwa
+durch ein vorzeitiges oder unglückliches purrendes Geräusch.
+
+
+*Putjer*, der,
+
+ist ein Mensch der geringe, niedrige Arbeit tut. Das Wort stammt aus der
+Seemannssprache und wird in wegwerfendem, geringschätzigem Sinne
+gebraucht. Es hieß mittelniederdeutsch putker, puteker und bedeutete
+Schiffsknecht, Kajütenjunge, den niedrigsten Diener an Bord, der mit den
+*puten* -- so hießen die Pützen damals -- zu tun hatte, also wusch,
+scheuerte, rein machte und der jedenfalls auch das nützliche aber wenig
+ehrenvolle Amt eines Gallionsinspektors versah (die Aborte rein hielt).
+Davon kommt auch das niederdeutsche Eigenschaftswort pütjerich,
+pütscherich, kleinlich, beschränkt, gering.
+
+Statt Putjer hört man auch Butjer. Und in dieser Form ist das Wort noch
+mehr herabgesunken, so daß es jetzt hauptsächlich für Herumsteher,
+Eckensteher, Bollwerksbruder, Gelegenheitsarbeiter gebraucht wird.
+
+
+*Püttings*, die,
+
+sind Ketten die den Jungfern der Wanten nach unten zu Halt und
+Festigkeit verleihen. Die Püttings der Unterwanten sind in die Bordwand
+eingelassen, fahren durch die Rüst und halten da die Jungfern fest. Die
+Marspüttings über die der Seemann unter Verachtung des »Soldatenloches«
+in den Mars entert, also die Püttings der Stengewanten fahren von deren
+Jungfern durch den Mars hinunter nach dem Unterwant, auf diesem sitzt
+eine »Wurst«, und an der Wurst sind sie befestigt. In Pütting liegt
+irgendwie auch der Begriff von »Wurst«. So sonderbar es klingt, wir
+müssen dabei auf das englische pudding Bezug nehmen, denn das bedeutet
+ursprünglich ebenfalls Wurst. Französisch boudin, Wurst, eigentlich
+etwas Aufgetriebenes oder Geschwollenes; ostfriesisch ist püt eine Düte,
+ein Beutel, eine Tasche, ein Kropf, ein Fleischwulst, Fettwulst,
+Ausbauschung, Anschwellung. Die Püttings sind aber Ausbauschungen, sie
+schwellen nach außen zu, nach dem Rande der Rüst bezw. des Marses an;
+das würde schon allein genügen, sie mit püt zusammen zu bringen. Da aber
+die Wurst an der sie befestigt sind, ihren Einfluß geltend gemacht haben
+wird, so lag ein mit Pudding im Sinne von Wurst verwandtes Wort erst
+recht nicht allzufern zur Bezeichnung dieser Anschwellung.
+
+
+*Pütze*, die,
+
+heißt an Bord der Eimer. Man hat Holzpützen und Segeltuchpützen
+(Admirale); Bootspützen, Deckwaschpützen, Teerpützen u. a. m. Im Mittel-
+und Neuniederdeutschen heißt put der Brunnen, aus dem Lateinischen, von
+puteus stammend. Daher stammt das niederdeutsche Zeitwort putten, Wasser
+(aus einem Brunnen) schöpfen. Daher stammt auch das mittelniederdeutsche
+putse als etwas womit man Wasser aus dem put schöpft. Putse wäre also
+die richtige Form des Wortes. Woher mit einem Male in die
+neuhochdeutsche Seemannssprache der Umlaut gekommen ist, ist
+unerfindlich; man wäre geneigt denselben auf Rechnung des
+Neuhochdeutschen zu setzen, wenn nicht auch von Wangerooge her püds
+bezeugt wäre.
+
+Kilian hat schon die kurze Form putse, während der Teuthonista noch
+puteymer sagt.
+
+
+
+
+Q.
+
+
+*Quarantäne*, die,
+
+die Zeit die ein Schiff ohne Praktika liegen bleiben muß, weil es aus
+pestverdächtigem Hafen kommt und daher auf seinen Gesundheitszustand hin
+beobachtet werden muß. Wie lange solches zu geschehen hat richtet sich
+nach landesüblichem Gebrauche und den geltenden gesetzlichen
+Bestimmungen. Ursprünglich wollte man auf alle Fälle sicher gehen und
+nahm vierzig Tage an. Daß es gerade so viele waren hatte einen ganz
+bestimmten Grund. Man dachte an die vierzig Tage der Passion, der
+Leidenszeit Christi. Die hieß zuerst italienisch quarantana, französisch
+quarantaine, von quaranta, contrahirt aus quadraginta. Von dem
+kirchlichen Gebrauch hat die Seemannssprache das Wort übernommen.
+
+
+*Quarter-Deck*, das,
+
+nennt man zuweilen noch -- das Wort ist aber im Aussterben begriffen und
+wird mehr und mehr durch das reindeutsche Achterdeck verdrängt -- den
+Teil des Oberdecks hinter dem Großmast bis zum Kreuzmast. Er darf von
+den Mannschaften nur dienstlich und in angemessener Haltung betreten
+werden. Auch zwischen denen, für die das Achterdeck vorbehalten ist,
+wird noch ein Unterschied gemacht, indem im Hafen oder unter Dampf die
+Steuerbordseite, unter Segel die Luvseite des Achterdecks noch besonders
+dem Kommandanten vorbehalten bleibt. Quarterdeck kam uns über England
+aus dem Süden; italienisch quartiere, spanisch quartel, französisch
+quartier, das abgeteilte Viertel eines Raumes, in weiterem Sinne ein
+Raum ohne Rücksicht auf genaues Maß, eine Wohnung, Zimmer, Gemach,
+Quartier, Unterkunft. Bei Stadtviertel ist bekanntlich ebenso wenig von
+mathematischer oder arithmetischem Viertel die Rede, wie Schiller an
+Mathematik dachte, da er von der »größeren Hälfte« seiner Schuld sprach,
+oder wie wir, wenn wir vom »Kreise« Bütow oder Lauenburg reden.
+
+
+*Quartier*, das,
+
+jetzt gewöhnlich »das Quartier der Wache.« Es gibt Schönwetterzeiten, da
+der Offizier der Wache mit einiger Sicherheit voraussehen kann, daß
+während der nächsten Stunden ein Manöver mit der ganzen Wache nicht
+nötig werden wird. Dann läßt er einen Teil der Wache sich im Zeug an
+Deck unter ein Sonnensegel zum Schlafen niederlegen, und nur die
+notwendigsten Leute zum Rudergehen, Postenstehen, Loggen und anderen
+laufenden Arbeiten bleiben wach. Das ist das Quartier der Wache; es
+braucht nicht gerade ein Viertel derselben zu sein, es bedeutet
+überhaupt keine bestimmte Anzahl, sondern nur »Teil« oder »Abteilung«
+oder »abgeteilte Leute«. Der Begriff Quartier darf um so weniger
+arithmetisch gefaßt werden als er überhaupt ursprünglich garnichts mit
+Arithmetik zu tun hatte. Denn früher hieß die ganze Wache Quartier. »Um
+acht Uhr zog ein neues Quartier auf«, »um zwölf Uhr wurde das alte
+Quartier abgelöst.« Es hieß also, da man »vier auf, vier ab« oder »Wache
+um Wache« ging, die Hälfte der ganzen Mannschaft Quartier. Quartier war
+völlig gleichbedeutend mit Wache. Das erklärt sich sprachlich ganz
+einfach. Von dem Stamm var, wehren, hüten, wachen, kommt das gothische
+vards, angelsächsisch ward (vergl. Steward), althochdeutsch wart,
+mittelhochdeutsch wart = Wart, Wärter, Hüter, Wächter; davon das
+spanische guardia; durch deutsche Kriegsleute dahin getragen hat wart
+dasselbe Schicksal gehabt wie wera, das zu guerra wurde; guardia nahm im
+Französischen die Form garde an, Wächter, und gardes, Wache. Statt
+gardes kam aber bald quart oder le Quart auf. Das fand als quartier
+seinen Weg ins Niederländische, und von da kehrte das deutsche Wort in
+fremder Form als Quartier zu uns, in die niederdeutsche Seemannssprache,
+zurück. Über Quart hat Aubin (1702) Folgendes, da die niederländischen
+Formen dabei stehen, gewinnt es für uns an Wert und macht die Sache
+deutlicher. Quart, Gardes, Le Quart. Niederländisch: Quartier, Wagt.
+C'est l'espace du tems qu'une partie des gens de l'équipage d'un
+vaisseau veille pour faire le Service tandisque le rest dort. Chaque
+nation a son quart de différente durée, et même parmi les vaisseaux
+d'une même nation le quart est inégal: toutefois il est toujours mesuré
+et déterminé par horloges, chaque horloge étant fixé à une demi-heure.
+En France dans les vaisseaux du Roi le quart est souvent de huit
+horloges. Dans les autres vaisseaux il est tantôt de six, tantôt de
+sept, et quelquefois de huit. A chaque fois qu'on commence et qu'on lève
+le quart on sonne la cloche pour en avertir l'équipage. On dit, Ce
+matelot n'a pas fait le quart. Ce Timonier a fait lever le quart un
+horloge plutôt qu'il ne faloit. En Angleterre le quart est de quatres
+heures, et en Turquïe de cinq.« »Quart. Les gens du Quart.
+Niederländisch: Quartier, Quartiervolk. Le Capitaine, ou Commandant d'un
+navire doit faire la division de ses Quarts, et en faire écrire la
+disposition dans un tableau qu'on atache à la porte de sa chambre, ou au
+mât d'artimon.« »Le premier Quart, ou Quart de tribord. Niederländisch:
+Eerste wagt, Nagt-wagt, Hoofdtwagt. C'est celui qui est pris le premier,
+c'est-à-dire, immédiatement après l'aube, ou à l'entrée de la nuit. Ce
+premier quart est aussi apellé Quart de tribord, et est fait par les
+Oficiers subalternes en pié, ou par les plus anciens d'entre les
+subalternes.« »Le second Quart est pris aussi-tôt que le premier quart
+est fini, ce qui arive ordinairement â minuit. Celui-ci se fait presque
+toujours par les Oficiers subalternes qui sont en second, ou par les
+moins anciens Oficiers d'entre les subalternes; Quart de babord.
+Niederländisch Hondtwagt«, vergl. das deutsche Hundewache. »Quart du
+jour. Niederländisch de laatste nagt-wagt, Morgen-wagt. C'est celui qui
+est pris à la fin du second quart, et qui amène le jour, c'est-à-dire
+que le jour paroît avantque ce quart soit fini.« »Prendre le Quart,
+Niederländisch op de wagt gaan.« »Etre de Quart, faire son Quart, de
+wagt hebben, syn quartier waaken.« »Apeller au quart, niederländisch
+porren, unser purren = wecken.« »Au Quart, au Quart. Niederländisch:
+Quart, Quart, c'est la manière d'apeller ceux dont le tour vient de
+faire le quart.« Dieses Purren geschah auch auf deutschen Schiffen mit
+dem Rufe: »Quartier, Quartier!« Doch wurde dieses Wort nicht bloß
+gerufen, sondern in der den deutschen Seeleuten eigenen langgezogenen
+Weise ausgesungen. Und meist begnügte man sich nicht mit den beiden
+Worten, sondern sang, wie beim Werfen des großen Lothes, einen ganzen
+Vers, einen Quartiervers. Diese Verse führen in den Gedankengang jener
+Seeleute ein und zeigen zugleich, welcher Sprache sie sich bedienten.
+Daher mögen hier ihrer etliche aus der Mitte des siebzehnten
+Jahrhunderts eine Stelle finden.
+
+ Quarteer, Quarteer, wilt my verstahn,
+ Ein ander Quarteer mut waken gahn,
+ Gott vorlehn uns synen Frede,
+ Glück und beholden Reiß darmede!
+
+ Hir fahre wy mit Gott vorheven,
+ Gott will uns unse Sünd vorgeven,
+ Unse Sünd und Missedaht,
+ Up Gott steit all unse Thoverlaht.
+
+ Glück und beholden Reiß,
+ Gottes Genad uns begleit,
+ Gut Weder vor de Wind,
+ Gott mack unsen Fiend blind.
+
+ Gott der Herr gewe gut Gesicht,
+ Achter düster, vör dat Licht,
+ Einen rumen Wind und gut Vorspoet!
+ Dat doet uns allthosamen goht.
+
+ Gott wil dit gute Schip bewahren,
+ Mit all de jenen de dar mit fahren,
+ Mast, Kehl, Steng, Rohr, Stag und Wand,
+ Bewahr uns Herr durch dine Hand!
+
+ Gott bewahr dit gode Schip,
+ Vor einigen Ungelück,
+ Vor See, vor Sand, vor Führ, vor Strand,
+ Vor den bösen Höllschen Vyand!
+
+ Gott bewahr uns vor Ungelück,
+ Vor Rövers, Törcken und er Tück,
+ He holde uns by synem Wort,
+ Dat wy ehn prisen hir und dort.
+
+ Gott help uns in ein gude Have,
+ Na unsen Wunsch und synen Lave,
+ Mit ein dicht Schip gesunden Mann,
+ Heruth Quarteer in Gottes Nahm.
+
+ Heruth Quarteer und beydt nicht lang,
+ Und wilt den Mann tho Rohr verfangen
+ Laht ehn ock nicht langer stahn,
+ Dit Quarteer mut schlapen gahn.
+
+ Gott laht den Schipper lange leven,
+ Wen he uns wert den Brandwin gewen,
+ Gott geve ehm guds tho aller Stund!
+ Dat wünsch ick ehm van Harten grund.
+
+ De Stürmann ys van guder Art,
+ He schrifft he past des Schepes Fahrt,
+ Mit synen Bage ys he bereit,
+ Wen ehr de Sünn naed Süden geit.
+
+ Man tho Rohr guder Held!
+ Wyl gy syn ant Rohr gestellt,
+ Wacht dat Rohr stüret gewiß,
+ Unsre Höpening up juw ys.
+
+ Unser Klenod dat Compaß,
+ Ein wackend Oge und dat Glaß,
+ Is ein Foht dar men up buwet,
+ Doch alleen unsen Gott vertruwet.
+
+ Jungmann stet hirup bedacht,
+ Nehmt de Pump in guder acht,
+ Brucket dat Loth sparet neen Lien,
+ Lath de Vorsorge by juw syn.
+
+ Riset up Kock gode Maht!
+ Muntert juw uth juwen Schlap,
+ Vor frischet juw Fisch unde Fleisch,
+ Gott geve uns Glück und beholden Reiß.
+
+
+*Quartier geben*
+
+ist = Pardon geben. Quartier ist hierbei im Sinne von Unterkunft zur
+Erhaltung des Lebens genommen, s. Quarter-Deck. Wenn einer einen
+Gefangenen macht und ihm das Leben schenkt muß er ihm auch für
+Unterkunft sorgen und zwar schon seines eigenen Vorteils wegen für eine
+*sichere* Unterkunft.
+
+Den Ausdruck Quartier geben für die eine Seite entspricht auf der
+anderen »Quartier begehren« d. h. die Waffen strecken.
+
+
+*Quast*, der,
+
+heißt wegen der Ähnlichkeit der Gestalt in der Seemannssprache der
+Pinsel. Eigentlich ist -- vergl. Badegast -- Quast ein Laubbüschel,
+Zweigbüschel, Reisigbündel. Es kommt als quest häufig und in vielen
+Verbindungen im Mittelniederdeutschen vor: klederquest, Kleiderquast,
+die Kleider auszuklopfen; heide-quast, Quast aus Heidekraut, die Töpfe
+und anderes Küchengerät zu reinigen, wi-quest, Weihwedel; witjen-quest,
+dicker Pinsel von Schweinsborsten um die Wände zu witjen, zu weißen.
+Hochdeutsch kennen wir das Wort hauptsächlich als Quaste.
+
+»Mit dem weißen, dem schwarzen Quast malen« sagt der Seemann, je
+nachdem der Vorgesetzte bei der Besichtigung des Schiffes gnädig oder
+ungnädig ist.
+
+
+
+
+R.
+
+
+*Rabatteisen*, das, s. Kalfaten.
+
+
+*Rack*, das,
+
+heißt die Vorrichtung mittelst deren die Rahe an den Mast befestigt
+wird. Sie hat im Laufe der Zeit mancherlei technische Veränderungen
+erfahren, ist auch verschieden bei Unterrahen, verschieden bei
+Marsrahen, verschieden bei Gaffeln, aber das Gemeinsame ist und bleibt
+stets dies, daß das Rack, bestehe es nun, wie ursprünglich aus einem Tau
+auf dem rosenkranzartig runde Holzkugeln, Rackkloten, aufgezogen sind,
+die das Auf- und Abziehen erleichtern, oder aus Rackketten und
+Racktaljen, immer dasjenige Etwas ist, das die Rahe an den Mast
+heranbringt, mit ihm in Berührung bringt und an ihm festhält. Dieser
+Begriff liegt aber in dem niederdeutschen Zeitwort raken. Dornkaat gibt
+dafür für das Ostfriesische folgende Bedeutungen an: treffen oder
+erreichen, eine Bewegung machen wohin oder worauf los, sich bewegen vor,
+kommen zu, berühren, anrühren, reichen an ..., wohin kommen, gelangen,
+geraten, zusammenstoßen. Es ist also klar, daß Rack zu diesem raken
+gehört. Das seemännische Zeitwort racken aber ist dann wiederum von Rack
+gebildet: das tun was mit einem Rack getan wird, die Rahe an den Mast
+befestigen.
+
+Rack heißt niederländisch rak, schwedisch rack, norwegisch, dänisch
+rakke, altnordisch rakki, isländisch racki. Aus dem Germanischen ist das
+Wort ins Französische gegangen: raque.
+
+Nur der Englische ging eigene Wege. Hier heißt das Rack parrel, was von
+apparrel, Zurichtung gekürzt sein soll. Doch klingt das sehr allgemein.
+Sollte nicht am Ende pearl, niederländisch parrel, in dem Worte stecken,
+so daß die Rackkloten mit den Perlen eines Rosenkranzes verglichen
+worden wären? Der Gedankengang lag nahe genug.
+
+
+*Rahe*, die.
+
+»Segelstange.« Wird auch Raa, Raae, Rah geschrieben. Das aus einem
+aufgeweichten g entstandene h verlangt sein Recht. Mittelniederdeutsch
+rhaa; hier ist das h, wenn es auch an verkehrter Stelle steht, doch
+nicht ganz verloren gegangen; Lübecker Zunftrecht: »Ein lehrknecht, de
+sine lehrjahre uthgedenet, schal tom provestücke maken ein rhaa, mast
+vnd roer.« Das Erste was einem beim Anblick einer Rahe in die Augen
+fällt ist daß sie ragt, weit in die Luft hinausragt. Und das Ragende hat
+bei der Benennung gewiß den Ausschlag gegeben. Gothisch rakjan, ragen.
+Schon im Althochdeutschen hatte sich die Lautverschiebung vollzogen:
+raha, Stange; mittelhochdeutsch schon rahe wie heute. Altnordisch râ;
+Teuthonista: rae, des scheeps balck geheyten en ra dair dat segel of
+seyle an gevesticht is. Niederländisch ree. Diese letzten drei Formen
+sind Zusammenziehungen nach Schwund der Gutturale oder des aus ihr
+entstandenen h und bedeuten ein Zugeständniß an niederdeutsche
+Einsilbigkeit. Die Schreibart Rahe, als an die Herkunft erinnernd, ist
+vorzuziehen. Beim Otfried kommt eine Stelle vor: »Zimboron thia racha«,
+was wohl mit dem erwähnten raha verwandt sein dürfte.
+
+
+*Raketenapparat*, der,
+
+ist eine Vorrichtung zur Rettung von Menschen aus Seenot, wie sie die
+unter dem Protektorat des Kaisers stehende »Deutsche Gesellschaft zur
+Rettung Schiffbrüchiger« auf den Rettungsstationen an den deutschen
+Küsten vorrätig hält. Das Erste und Hauptsächliche an der Sache ist, daß
+eine Rakete, an der eine dünne Leine befestigt ist, über das gefährdete
+Schiff hinweggeschossen wird, und daß man an Bord dieses Schiffes die
+Leine erfaßt und festhält. Alles andere ergibt sich dann nach der
+genauen Handhabungsvorschrift der genannten Gesellschaft von selbst.
+(Vergl. auch »Hosenboje«) Rakete, englisch rocket, (nicht zu verwechseln
+mit dem Ballschläger racket, der in Deutschland im Mittelalter raket
+hieß, von rete = Netz eine Diminutivform, also Schlagnetz) italienisch
+rochetta, Diminutivum vom italienischen rocca, althochdeutsch roccho,
+rocco = Rocken. Das Wort ist also deutsch und kommt von der Ähnlichkeit
+einer pulvergefüllten Papierhülse mit einem Spinnrocken.
+
+
+*rammen.*
+
+Durch anrennen in den Grund bohren, zu bohren versuchen. Es gibt ein
+althochdeutsches Zeitwort ramen, mittelhochdeutsch ramen: aufs Korn
+nehmen, nach etwas trachten. Da haben wir schon dasselbe Wort. Davon kam
+zunächst ramme, Balken oder Klotz zum Einstoßen von Pfählen oder Steinen
+in die Erde; Sturmbock zum Einrennen von Toren und Mauern, Widder.
+
+Der Bock, der Widder gibt die Erklärung, denn der hieß und heißt
+mundartlich heute noch ram, mittelhochdeutsch ram, althochdeutsch rammo,
+von einer Wurzel ra, die stoßen bedeutet.
+
+Rammen kann ein Schiff füglich nur wenn es mit seinem Vorderteil dem
+anderen in die Seite fährt. Daher muß sein Steven, sein Bug als
+*Rammsteven*, *Rammbug* gestaltet sein; es ist dann ein Rammschiff.
+
+
+*Randsomhölzer*, die,
+
+sind die Hölzer aus denen der Holzschiffbau das hinterste und auch das
+vorderste Spant zusammensetzt, so daß also die hinteren mit den Wrangen
+und dem Heckbalken den Spiegel, die vorderen den Bug angeben. Das Wort
+stammt aus dem Niederländischen, wo es randsoenhouten heißt. Randsoen
+besteht aus der beliebten niederländischen Endung oen, sprich un,
+(vergl. Pardun) und rand. In der Tat bilden diese Hölzer den hintersten
+bezw. vordersten Rand des Schiffes, daher sie auch im Englischen fashion
+pieces heißen, d. h. »Façonstücke«, Stücke die die Gestalt bestimmen.
+Die Randsomhölzer sind stärker als die gewöhnlichen Spanten. Bei dem zur
+Zeit in Kiel im Bau befindlichen Südpolarexpeditionsschiffe werden, wie
+fachmännische Seite mündlich berichtet, die Randsomhölzer besonders
+verstärkt um dem Eise desto mehr Widerstand bieten zu können.
+
+Für gewöhnlich wird angenommen, daß es nur hinten Randsomhölzer gibt,
+doch sagen Männer vom Fach, daß sie auch vorne vorkommen.
+
+
+*rank*
+
+ist ein Schiff, wenn es sich leicht auf die eine oder die andere Seite
+legt, wenn es zum Krängen neigt. Das Gegenteil davon ist »stabil«. Ob
+ein Schiff rank oder stabil ist, hängt von der Lage seines Metacentrums
+(s. d.) ab.
+
+Das verwandte hochdeutsche Zeitwort steckt noch in unserem verrenken,
+»drehen, hin und her ziehen«. Daher auch Ranke; für eine Pflanze das
+Mittel sich festzuhalten, doch so daß sie Spielraum hat sich hin und her
+zu bewegen durch die Federkraft der spiralförmigen Rankengestalt. Rank
+ist in der Einzahl als Substantivum nicht gebräuchlich, desto mehr in
+der Mehrzahl Ränke, eine schnelle Wendung, eine krumme Bewegung, eine
+List andeutend; im Mittelhochdeutschen war aber die Einzahl rank =
+schnelle, drehende Bewegung gebräuchlich. Im Niederländischen sagt man
+wohl von einem Mädchen, sie sei »een rank meisje«; das heißt nicht, wie
+Weiland meint, ein dünnes, sondern vielmehr ein flinkes, bewegliches
+Mädchen.
+
+
+*Rapert*, das,
+
+ein jetzt ziemlich veraltetes Wort für Laffette. Eigentlich Rampert,
+niederländisch rampaard, also Rammpferd. Während die Laffette in den
+romanischen Sprachen Wagen (carretta) heißt, hat man sich in den
+germanischen das Kanonenrohr als auf ein Pferd gebunden vorgestellt,
+Rammpferd aber gewählt, weil es beim Schießen stößt wie ein ram, ein
+Widder (s. rammen).
+
+
+*Rauchsegel*, das.
+
+Wenn ein Segelschiff, das auch Dampfkraft hat, diese letztere zeitweilig
+benützt, so müssen die (natürlich fest gemachten) Segel mit Bezügen
+versehen werden, damit der Rauch sie nicht schwärze. Ein solcher Bezug
+ist ein Rauchsegel; Segel weil aus Segeltuch hergestellt, wie man auch
+von Sonnen- oder Regensegel spricht. Sie wurden früher und werden wohl
+auch jetzt noch treffender Rauch*bezüge* genannt.
+
+
+*Raum*, der,
+
+ohne nähere Bezeichnung bedeutet auf Handelsschiffen den Raum zur
+Aufnahme der Ladung, den Laderaum, niederdeutsch rum. Alle anderen
+Räume, sie mögen noch so bedeutsam sein, müssen besonders bezeichnet und
+benannt werden, Kajüte, Pflicht, Farunner, nur der Raum, auf den es bei
+einem solchen Schiffe allerdings hauptsächlich ankommt, heißt *der*
+Raum.
+
+Vor Zeiten war Raum in gewissen Zusammensetzungen gleichbedeutend mit
+Deck z. B. Ober-Raum = Oberdeck. Es erzählen die »Durchläuchtigsten
+Seehelden«, Sulzbach 1681 von Andreas Doria: »Es will aber das Krieges
+Glück nicht allezeit fügen, und ein so tapferer Kriegsmann wird nirgends
+gefunden, dem es nicht etwa einmal zu wider lauffen sollte. Und warlich
+so viel herrliche Thaten mochten wol ein oder zwey widerwärtige Fälle
+überwägen. Doria hatte zu Spesia das teutsche Fußvolck von Madrucci auf
+viertzig Galeyen eingenommen, und wiewohl ihm nicht unbewust war, daß
+die Türckische Flotte sich in der See aufhielte, verhoffte er
+gleichwohl, dieselbige entweder an Gaetta, oder an einem andern
+benachbarten Orte an das Land zu setzen; weil es aber Nacht worden, und
+er wegen seines hohen Alters nicht länger oben auf dem *Ober-Raum*
+bleiben konnte, hat er befohlen, daß man von der Insel Ponza sich
+abhalten solte, es wurden aber die Galeyen entweder durch den Strom,
+oder durch Unvorsichtigkeit der Steuerleute, so nahe an dem Ort, da die
+Türken lagen, getrieben, daß sie ihnen eher auf den Hals kamen, als sie
+sich zum fechten fertig machen konten. Derohalben Doria Befehl thät, daß
+man auf das füglichste, als es immer müglich zu weichen, bedacht seyn
+solte, aber unter denselben ward eine Galeye verloren, wie auch noch
+andere sechse, so die gantze Nacht, und den halben folgenden Tag von
+den Türken verfolget, und benebenst sieben hundert Teutschen, und einem
+Obersten, genommen wurden.«
+
+
+*raumen*
+
+ist die seemännische Form für das neuhochdeutsche Wort räumen, sich von
+der Stelle bewegen, den Platz verlassen, Raum machen oder geben, Platz
+machen, niederdeutsch rumen, mittelhochdeutsch rumen, althochdeutsch
+ruman, angelsächsisch rumjan. Seemännisch bedeutet: »Der Wind raumt«, er
+verändert seine Richtung, aber nicht wie beim Krimpen, in ungünstiger,
+sondern in günstiger Richtung, so daß man besser Kurs steuern und die
+Segel aufbrassen d. h. den Wind unter günstigerem Winkel auf die Segel
+wirken lassen kann. Wenn der Wind so günstig ist, ungefähr backstags
+weht, so spricht man von raumem Wind und kann raumschots segeln; man
+spricht auch von *raumer See*, wenn das Schiff freie Bahn hat, wenn ihm
+genug *Seeraum* zur Verfügung steht.
+
+
+*rauschen lassen*
+
+heißt eine Sache nicht langsam an einem Tau fieren, sondern das Tau
+loswerfen und so den Gegenstand dem Gesetze seiner Schwere übergeben,
+daß er diesem Gesetze folgend zu Boden saust. Rauschen heißt nach Kluge
+brausen, sausen, stürmen, eilig einhereilen, entsprechend dem
+niederländischen ruischen, englisch to rush = stürzen. Diese letzte
+Bedeutung erinnert an einen sehr gefährlichen Scherz, der eigentlich
+kaum ein Scherz genannt werden kann, darin bestehend, daß man einen
+schlafend oder doch ahnungslos in der Hängematte Liegenden »rauschen«
+läßt, indem man heimlich die Befestigung der Hängematte am
+Hängemattshaken löst.
+
+
+*reddern*
+
+die Segel, heißt, sie durch Ordnen der Brassen, Schoten u. s. w. so in
+den Stand setzen, daß sie zum sofortigen Gebrauch bereit, klar zum
+Segelsetzen sind. Das niederdeutsche Zeitwort reden, mit dem auch Reede
+verwandt ist, bedeutet »bereit machen«, eigentlich fertig machen zum
+Reiten, sattelfertig für das Besteigen eines Pferdes, seinen Anzug
+ordnen. In vielen Konjugationsformen von reden stellt sich ein doppeltes
+d ein. Von einer solchen geminierten Form ist reddern ein Faktitivum,
+besonders als solches gebildet ohne Rücksicht auf den eigentlichen schon
+an sich faktitiven Sinn des Zeitwortes.
+
+
+*Ree!*
+
+ist auf Segelschiffen der Handelsmarine dasselbe Kommando, das auf
+Kriegsschiffen: »Klar zum Wenden!« lautet, bedeutet also den Befehl,
+daß jeder sich auf seinem Posten bereit zu halten habe zu den stets
+wichtigen Manövern des Wendens. Das erste Kommando zum wirklichen Beginn
+desselben heißt jetzt »Luv zum Wenden!« Früher hieß es: »Ruder (-Pinne)
+in Lee!« Es ist behauptet worden, Ree wäre eine sehr starke
+Zusammenziehung dieses Kommandos, (»Ruder in Lee«, »Rulee«, »Ree«) aber
+das stimmt schon dem Sinne nach nicht, da Ree dem »Ruder in Lee«
+zeitlich und begrifflich vorangeht. Ree ist allerdings eine Kontraktion,
+aber von rede und daß dieses nichts anderes als »bereit«, »fertig«,
+»klar zum Manöver« heißt, weiß jeder, der den Ursprung von Reede kennt.
+
+
+*Reede*, die,
+
+ist ein Ankerplatz für Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein
+niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts
+ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist für
+die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man könnte ruhig Rede
+schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden muß, und nur um es
+von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise
+Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet französisch rade, spanisch,
+portugiesisch und italienisch rada, ist aber deutschen Ursprungs. Wir
+müssen auf das Gothische zurückgehen. Da heißt garaiths angeordnet,
+garaidjan bereit machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig
+machen. Und zwar liegt dem Worte ursprünglich der Begriff des Reitens zu
+Grunde; »bereit« ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie
+der fertig (fährtig) ist, der bereit ist, auf den Wagen, auf dem er
+fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bereit machen.
+Mittelniederdeutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu
+Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet,
+(Häuptling zu Greetsiel) bei Bremen, daß er den Verbundbrief noch nicht
+geschickt habe, »wente de inseghel des mene landes een dele nycht al
+rede synt.« Die älteste deutsche Form für Rede ist reyde, reide, rede;
+diese drei kommen bereits 1400 im »Seebuch« vor. Gewöhnlich aber reyde
+in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein
+kaiserliches Reskript vom 2. März 1634 von Bremischem »Convoy-, Tonnen-,
+Baken-, Hafen-, Reyder-, Consumtions- und Schreibgeld.« Dieses
+Reydergeld nennt der aus Mitteldeutschland stammende oldenburgische
+Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. »Aber dessen ungeachtet haben die
+von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuter- und
+Tonnengeldt und dergleichen von den Schiffen zu nehmen« ... Allmählich
+aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz
+gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen
+Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunächst rede und dann des
+Öfteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf
+Handelsschiffen der Befehl: »Klar zum Manöver« einfach ree! heißt. Von
+diesem rede = bereit hat Reede den Namen. In einem alten Stralsunder
+Vocabularium heißt es: »reyde het de stede vor de hauene, dar man en
+schip reydet, rede makt to segelende.« Das ist ungefähr, aber doch nicht
+ganz richtig. Nicht darum heißt der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da
+rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen
+Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist.
+Erst wenn es im Hafen völlig aufgetakelt, bemannt, geladen, ausgerüstet
+ist, kann es hinaus auf die Reede, bereit Anker auf zu gehen sobald der
+Befehl dazu ergeht und der Wind dazu günstig ist. Die meisten Reeden
+würden sich gar nicht zum Ausrüsten und Laden eines Schiffes eignen.
+
+In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf
+umgekehrtem Wege zu erklären, so daß Reede -- englisch road -- als Weg
+zum Reiten, zum Fahren für Schiffe das ursprünglichere wäre und das
+Eigenschaftswort rede eben davon käme, daß das Schiff, das auf der Reede
+liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen großen Umweg, den man um so
+mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf dasselbe,
+nämlich auf den aus »reiten« entstandenen Begriff »bereit« hinauskommt.
+
+Das Wort hat reiche Beziehungen im Romanischen. Außer dem erwähnten rada
+finden wir im Italienischen arredo, spanisch arreo, portugiesisch
+arreio, altfranzösisch arroi = Zurüstung, Putz, Geräte; italienisch
+arredare zurüsten, corredo, altfranzösisch conroi, Ausrüstung. Alles vom
+gothischen raidjan. Dazu auch französisch agrès Takelwerk, agréer
+auftakeln; altfranzösisch agrei überhaupt Ausrüstung, Vorrat; wofür der
+Teuthonista schyp gereytscap hat; mittelniederdeutsch bei Kilian
+gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bereitschaft, daß man ein
+Testament selgerede, Bereitschaft der Seele zum Sterben nannte.
+
+»Auf die Reede gehen« heißt auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt
+1588 Waghenaer anstatt ankern »Reede machen.« »Daer leyt een banck
+buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt Reefhoren,
+streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot sommighe
+plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe plaetsen door
+zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende norden wind.«
+
+
+*Reederei*, die,
+
+heißt eine Firma, die ihr gehörige Schiffe fahren läßt, wozu gehört, daß
+sie dieselben vorher ausrüsten, bemannen und laden läßt, also rede macht
+(s. Reede). Der Inhaber einer Reederei heißt *Reeder*, niederländisch
+reeder, altnordisch, isländisch reidari, norwegisch reidar, schwedisch
+redare, dänisch reder. Eigentlich heißt Reeder weiter nichts als
+Bereiter, Anfertiger, Zu- oder Ausrüster z. B. linnen-reder, Leineweber.
+Wenn aber bloß Reeder gesagt wird, so ist ein Schiffsreeder gemeint.
+
+
+*Reep*, das,
+
+ist nicht nur das Tauwerk im Dienste der Seemannschaft, in
+Niederdeutschland heißt von Alters her jedes Seil, jeder Strick, jeder
+Strang Reep: das Reep der Glocken, das Reep des Henkers, sogar die
+Meßschnur heißt als Seil zum Messen in einer Skra die Lübeck etwa 1290
+nach Lübischem Recht an den Hof der Deutschen in Nowgorod verfügt hat,
+repe: »So we one begrepen wert mit eime valschen repe oder mit einer
+valschen elen unde darmede met« ... Doch muß es schon dem Teuthonista
+vor mehr denn 400 Jahren geläufig gewesen sein, bei Reep hauptsächlich
+an den seemännischen Gebrauch zu denken, denn nachdem er zuerst ganz
+allgemein gesagt hat, es sei ein »seyl of towe«, fügt er hinzu: »repe of
+seyl tot den segel of seyle op den schyp dyenende«, »repe of seyl in den
+schyp der men in den wyntstorm gebruict«, »repe dar men dat segel in den
+schyp mede op trect.« Gothisch heißt es raip, althochdeutsch reif.
+Dieses letztere wird aber für zwei Begriffe gebraucht, für Seil und für
+Ring. Das muß daher kommen, daß ein »aufgeschossenes« Seil wie ein Ring
+daliegt, zumal wenn anstatt des Hanftaues eine wilde Waldrebe gebraucht
+wird, wie es das ursprüngliche war. Wer gesehen hat, wie noch jetzt in
+einfachen ländlichen Verhältnissen an Stelle eines Strickes eine
+Waldrebe gebraucht wird, der kann sich leicht vorstellen, daß ein Reep
+im Grunde nichts anderes ist als eine Rebe. Das gothische Wort
+skaudaraip pflegt man wohl mit Schuhriemen zu übersetzen, es war aber
+ursprünglich nicht etwa ein Lederriemen, sondern einfach ein Stück
+Rebe. Wenn die altdeutschen Damen, wie aus dem Worte wida, Haarband,
+hervorgeht, zum Aufbinden ihrer langen blonden Haare eine wida, Weide,
+benützten, ähnlich wie heutzutage die Besenbinder die Birkenreiser
+zusammenbinden, so werden die Männer sich auch wohl mit einer Rebe als
+Schuhband begnügt haben. Im Laufe der Zeiten ist aber die Herkunft des
+Wortes Reep von Rebe als dem bindenden Material so aus dem Bewußtsein
+der Leute entschwunden, daß man in Ostfriesland sogar ein aus Stroh
+gedrehtes Seil ein Strohreep nennt.
+
+Mit Reep ist auch Rippe verwandt mit der gemeinschaftlichen Bedeutung
+Umschlingung. Man hat versucht, Reep davon abzuleiten, daß der
+Reepschläger den Hanf »rupft« beim Rückwärtsgehen; das dürfte kaum
+angängig sein.
+
+
+*Reffen*, *reefen*.
+
+Die Segel kleiner machen, sei es daß der Wind an Stärke zunimmt, sei es
+daß man aus irgend einem Grunde kleinere Fahrt machen, mit geringerer
+Geschwindigkeit segeln will. Richtiger reefen. Es ist ganz unerfindlich,
+wie das ff in das Wort gekommen sein mag. Es muß irgend ein Unkundiger
+an raffen gedacht haben, weil das Segel beim Reffen von der Rahe aus mit
+der Hand gerafft wird. Der Seemann spricht aber reefen, niemals reffen.
+Und er tut recht, denn reffen kommt von *Reef* und dieses von Reep.
+Hören wir Roeding's allgemeines Wörterbuch der Marine über das
+Technische: »Man bindet nämlich durch dünne Linien, (Leine, Band,
+Bändsel, Reffbändsel,) die Reefbanden genannt werden, und in einem quer
+über das Segel genähetem Streif Segeltuchs befestigt sind, und auf
+beiden Seiten des Segels herabhängen ... einen Teil desselben um die Raa
+fest, so daß der übrige nicht eingebundene Teil allein dem Winde
+ausgesetzt bleibt.« So viele »quer über das Segel genähete« Streifen
+einander parallel in gewissen Abständen vorhanden sind, so viele Reefen
+können »eingesteckt« werden. Nun ist Reep zu vergleichen und zu beachten
+daß Reep früher nicht nur ein Tau, sondern auch einen Leinwandstreifen
+bedeutete, (ähnlich wie unser Riemen für Lederstreifen von dem
+griechischen rhyma, Seil, kommt). Diese Leinwandstreifen, zur
+Verstärkung des Segels da aufgenäht wo die Reffbändsel zu sitzen kommen,
+sind eigentlich die Reefe; reefen aber ist das davon abgeleitete
+Zeitwort. So erklärt sich auch das Kommando: »Das erste, zweite, dritte,
+vierte Reef in die Marssegel!« natürlich von oben gerechnet.
+
+Um aber denen, die an raffen gedacht haben, alle Gerechtigkeit
+widerfahren zu lassen, so ist nicht ausgeschlossen, daß raffen im Sinne
+von umfassen und halten eines Stammes mit Reep, Rebe und Rippe ist,
+entstammt der Wurzel die im Sanskrit rabh heißt und fassen, umfassen
+bedeutet.
+
+Beim Ankern wird nicht gereeft, da werden die Segel aufgegeit (s. d.).
+Da wo Karl Simrock von Oegir (Aegir) handelt und über das Schiff
+»Ellida« aus der Frithjofsage von Tegner eine Stelle anführt, die im
+Original »refvade seglet sig sjelf« lautet, hätte er Gelegenheit gehabt,
+diesen, der ja nicht Seemann sondern Bischof war, zu verbessern. Er hat
+sie sich aber entgehen lassen, so daß wir bei ihm in Uebersetzung lesen:
+
+ Tags darauf stand Wiking am Meer, und sieh, wie ein Seeaar,
+ Wenn er die Beute verfolgt, in die Bucht einlief ihm ein
+ Drachschiff.
+ Niemand sah man darauf, ja es stand selbst keiner am Steuer;
+ Dennoch fand's den geschlängelten Weg durch Klippen und
+ Scheeren,
+ Gleich als bewohnt es ein Geist, und als es dem Strande sich
+ nahte,
+ *Reffte* das Segel sich selbst, unberührt von menschlichen
+ Händen
+ Senkte der Anker sich nieder und biß mit dem Zahne den
+ Seegrund.
+ Stumm stand Wiking und sahs; da sangen die spielenden Wogen:
+ »Oegir gedenkt, den du bargest, der Schuld und schenkt
+ Dir den Drachen.«
+
+
+*Regatta*, die.
+
+Das Wort ist jetzt für jedes zur *See* stattfindende Wettfahren in
+Gebrauch: Segelregatta = Wettsegeln; Bootsregatta = Bootswettsegeln;
+Ruderregatta = Bootswettrudern. Das Wort stammt aus Venedig und ist
+lange Zeit nur dorten für die Wettfahrten der Gondeln angewandt worden.
+
+
+*Regelchronometer*, der.
+
+Wie Regelkompaß der maßgebende Kompaß ist, so ist Regelchronometer
+derjenige, nach dem man sich von Schiffs wegen ein für allemal richtet,
+der Hauptchronometer. Zum Vergleich und zur größeren Sicherheit gibt es
+auf größeren, nach den Anforderungen der Neuzeit ausgerüsteten Schiffen
+mehrere Chronometer, aber einer dient als Regel und Richtschnur.
+
+
+*Regelkompass*, der,
+
+ist der Kompaß, nachdem sich der Kommandant, der Navigationsoffizier,
+der wachhabende Offizier richten, er muß daher in der Nähe der Stelle
+angebracht sein, von der aus diese drei ihre Befehle ergehen lassen,
+nahe der Kommandobrücke und dazu möglichst hoch, schon um den
+magnetischen Einflüssen der Umgebung nach Möglichkeit entrückt zu sein.
+Da mit dem Regelkompaß auch gepeilt wird, so muß er schon darum einen
+freien, übersichtlichen Stand haben. Ist dieser in der Nähe der
+Kommandobrücke nicht möglich, so muß ein eigener *Peilkompass* an
+passender Stelle angebracht werden. Einen besonderen *Steuerkompass*,
+den die Leute am Ruder bequem sehen können, gibt es ohnehin.
+
+
+*Regensegel*, s. Rauchsegel.
+
+
+*Registerbrief*, der,
+
+die amtliche Bescheinigung der heimischen maßgebenden Behörde, die ein
+Schiff mit sich führt über seine Nationalität, seine rechtliche
+Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation; sein Ausweis andern Staaten
+gegenüber, daß es den Schutz seiner Flagge seitens seines Heimatsstaates
+genießt; das darüber ausgestellte Certifikat, der Brief, muß eine
+Beschreibung des Schiffes enthalten, den Namen und die nähere
+Bezeichnung des Eigentümers, des Kapitäns etc. und eine Angabe darüber,
+daß es in die heimischen Register eingetragen ist.
+
+
+*Reibholz*, das,
+
+ist nicht mit der Bezeichnung Reibholz = Streichholz zu verwechseln,
+sondern bedeutet das Holz, das zwischen einem an einer Kaimauer
+liegenden Schiffe und der Kaimauer selbst sich befindet und verhütet,
+daß das Schiff sich an den Steinen der Mauer reibt, also ein Mittel
+gegen das Schamfilen. Wird die Vorsichtsmaßregel von Bord aus getroffen,
+so bedient man sich eines Fenders; von Land aus, so nennt man das dazu
+verwendete Holz Reibholz, doch können natürlich auch Bord und Land
+zusammenwirken.
+
+
+*Reichskommissar*, der,
+
+für das Seemannswesen, ist der Beamte des Reichs, der, ein früherer
+Seeoffizier, angestellt ist um bei Seegerichtsverhandlungen mit Recht zu
+sprechen und dabei sein seemännisches Verständniß zur richtigen
+Beurteilung eines See-Unglücksfalles im besonderen in die Wagschale
+fallen zu lassen.
+
+
+*Reil*, das,
+
+ist das zuweilen noch gehörte, schlecht ausgesprochene Wort für
+Oberbramsegel: royal. Es heißt eigentlich königlich, offenbar weil
+dieses Segel das höchste, oberste an Bord ist. Es könnte aber auch sein,
+weil die royal navy es zuerst in Gebrauch gehabt hätte. Doch das müssen
+die Engländer unter sich ausmachen. Es beschränkt sich der Gebrauch des
+Namens bei uns auf das Oberbramsegel; die Oberbramstenge und
+Oberbramrahe ist bei uns überall nicht nach diesem royal benannt.
+
+
+*»Reise, reise!«*
+
+Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die neue Wache die
+»verfangen« soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf für englisch gehalten
+worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heißt. Und doch wurden in
+Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe Britannien
+daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im Altfriesischen, das seit
+fünfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird, hieß es: »riys oer ein!
+Di sinne scynt yn dyn naest!« Aufstehen, sich erheben hieß eben
+altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch risan,
+mittelhochdeutsch risen, mittelniederdeutsch noch ziemlich spät und
+zwar, wie die davon abgeleiteten Wörter bezeugen, nahe an reisen
+anklingend, ebenfalls risen. Daher kommt nämlich ein Reisiger, einer der
+sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische
+pleonastische Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im
+Althochdeutschen hieß reisa Aufbruch, Kriegszug, und daraus entstand
+nach und nach unser »Reise« im Sinne von: »So jemand eine Reise tut,«
+dabei gilt es ja und galt es früher noch mehr, sich früh zu erheben,
+»der Sonne entgegen« zu gehen.
+
+Sehr deutlich hat die Architektur in ihrem Worte Riese die Bedeutung
+»sich erheben« festgehalten. Sie unterscheidet in der Gothik bei einer
+Fiale, diesem kleinen schlanken Türmchen, den Leib und den Riesen, und
+dieser ist der Teil der sich verjüngend nach oben strebt.
+
+1673 hieß niederdeutsch das Steigen, das Höhergehen der Sonne noch
+risen; »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«: »im gewissesten tho
+gahn, so mag man diese Pegeling 2. à 3. mahl dohn, und ein jedermahl
+anschriven, doch mut solckes kort na ein ander geschehen ehr de Sün vel
+rist.«
+
+»Wenn gy nu sünd by Norden de Sünn, dat ys wen de Sünn Südwart van juv
+ys, und upt Högeste ys geresen, so nehmet den Stock (Jakobsstab), und
+settet ehn an dat buten Kant, nevens juw Ogappel, und schufet dat Krütz
+so lang, dat gy dat bawenste Ende vant Krütz recht int midden up de Sünn
+krigen, und dat underste Ende just an de Kimmen offt Horizont des
+Waters. Wachtet den ein weinich und proberet ydt wedder, und wat de Sünn
+den höger reist, dat halet dat Krütz na juw, bet gy sehn dat de Sünn
+nicht mehr riest, so ys ydt wol.«
+
+
+*Reling*, die.
+
+Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Kriegsschiffsseeleute heutzutage
+unter Reling etwas anderes verstehen als was sie eigentlich ist. Denn
+sie nennen die ganze Bordwand soweit sie über das Oberdeck hinausragt
+Reling, während sie eigentlich doch nur ein auf dieser Bordwand
+aufsitzendes Geländer bedeutet. Es waren auf dieser Bordwand Stützen
+angebracht, und diese waren mit Riegeln unter einander verbunden, so daß
+diese Riegel das Geländer bildeten. Riegel heißt niederdeutsch Regel;
+daher zunächst Regeling und dann nach Schwund des g und Zusammenziehung
+der beiden e Reling. Roeding (1794) hat eine leicht verständliche
+Beschreibung: »Regelingen sind lange dünne hölzerne Riegel die von Zeit
+zu Zeit durch hölzerne Stützen getragen werden, die man Finknetzstützen
+oder Regelingsstützen nennt. Letztere sind auch manchmal von Eisen und
+beide zusammengenommen bilden ein Geländer um den Bord des Schiffes,
+welches die Schanzkleidung trägt. Auf Kriegsschiffen sind die
+Finknetzstützen gewöhnlich von Eisen und doppelt; statt der Regelingen
+scheert man gern einen Leier (Leiter) von hinlänglich starkem Tauwerk
+durch ein Loch an ihrem oberen Ende. Vom Leier bis zum Bord wird nach
+innen und außen ein Netz von dünner Lien befestigt, welches das Finknetz
+heißt. Zwischen beide werden im Gefecht und bei gutem Wetter zum
+Auslüften die Hangematten des Schiffsvolks gestauet, die eine Art von
+Brustwehr machen, welche zuletzt mit einer Schanzkleidung von gemaltem
+Segeltuch oder bloßer Presenning bedeckt wird.«
+
+
+*Remorqueur*, der.
+
+Am Rhein hält man es für geschmackvoll, einen Schleppdampfer remorqueur
+zu nennen und von remorquieren zu sprechen. Französisch rémorquer,
+italienisch remorchiare, spanisch remolcar, vom lateinischen remulcum =
+Schlepptau, remulcare, griechisch remulkein, am Seil ziehen, ins
+Schlepptau nehmen.
+
+
+*Reveille*, die.
+
+Mit Bezug auf dieses Wort sind wir französischer als die Franzosen. Denn
+die reden nicht von Reveille, sondern sagen battre la diane; holländisch
+die Diana slaan. Diana heißt die Morgenwache, italienisch diana, der
+Morgenstern, eigentlich stella diana, von dem verschwundenen Adjektiv
+diano, von dies, der Tag. Die Göttin der Jagd ist durch Mißverständnis
+in die seemännische Gesellschaft gekommen. Übrigens hat man sich
+besonnen und sagt jetzt anstatt Reveille Wecken.
+
+
+*Revier*, das,
+
+ist das Fährwasser in einem schiffbaren Flusse. Es ist also ganz
+überflüssig Flussrevier zu sagen. Diese nähere Bestimmung ist zu Revier
+nur hinzugefügt worden, weil in verschiedenen hochdeutschen
+Verbindungen, wie z. B. Jagdrevier, Forstrevier, Revierförster, und auch
+für sich allein stehend das Wort Revier die Beziehungen zu Fluß, die es
+ursprünglich besaß, verloren hat. Es kommt von rivière, Fluß; dann
+Gegend am Fluß, also Ufer; dann Gegend am Ufer, und zuletzt einfach
+Gegend, Bezirk. Mittelhochdeutsch rivier, und so meist auch
+mittelniederdeutsch, die zweite Silbe mit sehr langem i, fließendes
+Wasser, Fluß, Strom. Die Formen revier, rivier, rever wechseln mit
+einander. Es ist zu beachten, daß seemännisch nicht jedes fließende
+Wasser, sondern nur das schiffbare Revier heißt. In den
+»durchläuchtigsten Seehelden« (1681) wird von einer holländischen
+Gesandtschaft nach England aus dem Jahre 1664 berichtet. Der Gesandte,
+Herr von Goch, »hatte noch denselbigen Abend geheime Audientz bei dem
+König, da anfänglich nichts als allerley Freund- und Höfflichkeiten
+vorgiengen. Aber Se. Majt. fiel zum ersten auf die Sachen der Ost- und
+West-Indischen Compagnie davon er unter anderen Reden sagte: Es wäre
+unerträglich, daß die West-Indische Compagnie mit etlichen wenigen
+Vestungen, und einem Schiffe drey oder viere (drei oder vier Schiffen),
+ohne fernere Besitzung einiges Landes die gantze Africanische Küste mit
+derselben Rivieren und Strömen unsicher machen und andern den Handel
+alle verhindern und incommodiren solte.«
+
+
+*Riemen*, der,
+
+besser Remen, das seemännische Wort für das Werkzeug zur Fortbewegung
+eines Boots, das im nichtseemännischen Leben *Ruder* genannt wird. Daß
+Remen zu Riemen gemacht und so in die Lage gebracht wurde, mit einem
+Lederstreifen verwechselt zu werden, war ein ziemlich kühnes Wagnis,
+zumal es Leute gemacht haben, die doch wohl kaum ahnen konnten, daß die
+beiden Wörter am letzten Ende auf eine Wurzel zurückgeführt werden
+können. Tatsache ist, daß jetzt Remen = Ruder und Riemen = Lederstreifen
+zwei sehr verschiedene Dinge sind.
+
+Remen ist als seemännisches Wort zuerst, und zwar schon in
+althochdeutscher Zeit, am Oberrhein gebraucht worden. Von da ist es den
+Rhein hinabgewandert und hat sich an den Küsten der Nordsee und auch
+--wie zahlreiche mittelniederdeutsche Urkunden beweisen -- an der Ostsee
+ausgebreitet. An den Oberrhein haben ihr remus die Römer gebracht,
+vielleicht der römische Admiral Crescentius, dessen Votivstein im Museum
+in Köln steht, oder einer seinesgleichen, denn es gab römische Seeleute
+genug am Rhein. Es fragt sich jedoch, wie die alten Deutschen dazu
+kamen, das fremde Wort für eine Sache anzunehmen, die ihnen doch
+unzweifelhaft schon lange vor der Zeit der römischen Herrschaft am Rhein
+bekannt war. Sie hatten doch gewiß auch in der vorrömischen Zeit einen
+deutschen Namen für das Fortbewegungsmittel ihrer Einbäume. Da sie nicht
+so neuerungssüchtig waren wie ihre spätgeborenen Söhne, so muß der
+uralte Name zu Gunsten des neuen darum aufgegeben oder doch
+zurückgedrängt worden sein (s. Ruder) weil das neue Werkzeug ein
+wesentlich verbessertes, brauchbareres, handlicheres darstellte als das
+bis dahin gebrauchte. Es mag also hier gegangen sein wie mit der
+verbesserten Mahlvorrichtung molina, der zu Liebe die Väter ihr Wort
+quairn so ziemlich in Vergessenheit geraten ließen und Mühle sagen
+lernten. Wahrscheinlich hatten die Rheinländer bis dahin mit Pagaien aus
+freier Hand gerudert, während remus auf dem Dollbord aufliegend
+gehandhabt wurde. Die Schreibart Remen ist der von Riemen aus
+geschichtlichen, sprachlichen und sachlichen Gründen vorzuziehen, s.
+auch Ruder und rojen. Französisch rame ist wohl dem italienischen,
+spanischen, portugiesischen rama, Ast, nachgebildet aber in seiner
+Bedeutung doch durch remus bestimmt, das der französischen Sprache
+ursprünglich gewiß nicht fehlte, aber ihr als eine zu ausdruckslose
+Form, denn es hätte rein lauten müssen, mißfiel. Wangerländisch rium,
+Ehrentraut II. 62. Nordfriesisch reem.
+
+Auffallend hat sich der Begriff eretmos und der rhyma in dem Worte
+vereinigt, das die Rheinschiffsleute in der Schweiz gebrauchen:
+»Zugruder.«
+
+
+*Riff*, das,
+
+kommt vom altnordischen rifa, schlitzen, spalten und bedeutet etwas
+Gespaltenes, zersplittertes, zerklüftetes Felsgebilde. Dann aber auch im
+weiteren Sinne jede sich ins Meer hinausstreckende, von Wasser bedeckte
+Bank, auch wenn sie eine Sandbank ist; besonders auch eine sich unter
+Wasser hinziehende Korallenbank. An sich liegt die Bedeutung »unter
+Wasser befindlich« nicht in dem Worte, sie wird aber im seemännischen
+Sprachgebrauche unwillkürlich damit verbunden.
+
+Mittelniederdeutsch rif, ref, reve; »we schipbrokich gudt vindt by dem
+Strande, de schal dat antwerten der negesten Stadt ... van den
+upgefischeden gude schall men eme geven, de dat gevunden heft, dat
+twintigste deel; hale he dat ock ut der see van dem reve, so behort hem
+dat drudde deel.« Das war Lübisches Recht. Das Rigaer sagt: »So we
+scipbroken gut vindet oppe dem vorende, de sal daraf hebben den
+twintegesten deel; de et halet uppe deme reue vppe der ze, de zulen
+hebben den dridden del.«
+
+
+*Rof*, das,
+
+ist ein Aufbau an Deck, der als Unterkunftsraum für die
+Schiffsmannschaft dient. Das niederdeutsche rof heißt Decke in allen
+Bedeutungen, die dieses Wort im Hochdeutschen hat. Die Bedeutung ist
+also der von Plicht ähnlich.
+
+Angelsächsisch hrof, Dach, englisch roof, niederländisch roef, Kajüte,
+mittelniederdeutsch (Kilian) roef = puppis concameratio. Altnordisch
+hrof, das Dach, unter dem ein Schiff gebaut wurde, kleine Schiffswerft.
+Edda: raefr = Dach. Altfriesisch hrof.
+
+Mittelniederdeutsch auch roffe: »Schipper Albert sy achter vth dem roffe
+inn de kokenn gekahmen,« Bremer Urkunde von 1564.
+
+Das Wort ist mit Robe verwandt, denn das ursprünglichste Kleid war nur
+eine Decke. Wahrscheinlich liegt das Zeitwort rauben zu Grunde, so daß
+rof etwas Geraubtes, einen Raub bedeutet; sei es daß man auf dem
+Beutezuge dem Feinde zuerst und hauptsächlich seine Decken, seine
+Kleider raubte; sei es daß man noch weiter zurückgehen und daran denken
+muß, daß die ersten und ältesten Decken Tierfelle waren, die der Mensch
+dem Tier erst rauben mußte um sich damit bedecken zu können.
+
+
+*rojen* s. rudern.
+
+
+*Rolle*, die,
+
+ist die Verteilung jedes einzelnen Mannes auf seinen Posten beim
+Exerzieren und Manöverieren. Wie der Theaterdirektor die einzelnen
+Mitglieder seiner Bühne auf ihre Posten stellt und jedem seine Rolle
+zuteilt, so teilt an Bord der Erste Offizier die Rollen aus und stellt
+jeden auf seinen Platz. Je nachdem es sich bei dieser Verteilung um
+Segel-, Ruder-, Gefechts-, und Feuerlöschübungen handelt gibt es eine
+Segel-, Ruder-, Gefechts-, Feuer-Rolle. Jedesmal wird, ehe ein solches
+Manöver beginnt, genau untersucht ob auch jeder da steht, wo er nach der
+Rolle stehen soll. Diese Rolle ist aber schon lange keine Rolle mehr,
+sondern ein richtiges Buch, das *Rollenbuch*, von dem jeder Offizier
+sich genaue Kenntnis verschaffen muß.
+
+Rollen heißt sich um einen Mittelpunkt drehend bewegen. Eine Rolle ist
+eine walzenförmig zusammengerollte Schrift; ein geschriebenes
+Verzeichnis, das den Namen Rolle behält, auch wenn es nicht mehr die
+Form einer Rolle, sondern die eines Buches hat. Von rota, das Rad, oder
+vielmehr von rotula, das Rädchen.
+
+
+*rollen*
+
+heißt eigentlich sich wie ein rotula, ein Rädchen, um seine Achse
+drehen. Daher ist die theoretische Bestimmung, nach welcher rollen =
+schlingern ist, zwar richtig, aber sie entspricht nicht dem populären
+Sprachgebrauch unserer Seeleute. Die nennen die Bewegung des Schiffes in
+der Richtung von Steuerbord nach Backbord und zurück *schlingern*; die
+Bewegung des Schiffes von achtern nach vorne und umgekehrt, also das
+Eintauchen des Schiffes mit den Heck oder dem Bug in ein Wellental und
+das entsprechende Wiederhochkommen *stampfen*; die für nicht ganz
+seefeste Leute aber sehr unangenehme Verbindung beider Bewegungen mit
+einander nennt man *rollen*.
+
+
+*Roring*, der,
+
+heißt der Ring an der Spitze des Ankerschaftes durch den der Anker mit
+der Ankerkette verbunden wird. Das Wort wird auch Rooring und Röring
+geschrieben, heißt aber neuerdings meistens Schäkel. Diese letztere
+Bezeichnung ist offenbar in Anbetracht dessen in Aufnahme gekommen, daß
+man sich sagte, daß ja der Roring eigentlich gar kein Ring ist, sondern
+wegen der einen offenen von beiden Seiten den Schaft umfassenden Stelle
+weit eher einem Schäkel ähnlich sieht. Dieser Gedankengang ist richtig,
+bildet aber keinen Vorwurf gegen die Seeleute früherer Tage, die das
+Wort Röring gebildet und gebraucht haben. Denn einmal war der Roring
+damals wirklich ein Ring, und dann hat das Wort mit Ring überhaupt
+garnichts zu schaffen und hieß im Niederdeutschen die Roring (oder
+vielmehr, wie gleich zu erwähnen sein wird: Röring). Zu Rödings Zeiten
+hieß so auch die aus altem Tauwerk hergestellte Bekleidung des
+Ankerringes, die man vornahm um denselben vor Rost zu schützen und um
+ihn dicker zu machen, damit das Ankertau sich desto besser um denselben
+schließen könne. Röding nennt diese Bekleidung Ankerrührung oder Röring,
+und zwar: die Ankerrührung oder der Röring. Er hat aber offenbar etwas
+Nebensächliches für die Hauptsache gehalten. Nicht die Bekleidung war
+das Wichtige, sondern der Ring selbst, und der treffliche Mann ist wohl
+auch nur darum auf die Bekleidung verfallen, weil er sich sonst für den
+Ring das Femininum nicht erklären konnte. Das erklärt sich aber leicht,
+wenn man von der im Grunde doch -- wie Schäkel beweist --
+nebensächlichen Ringform dieses Stückes absieht und, anstatt an die
+Gestalt, an den Zweck desselben denkt. Der Roring hat den Zweck, zu
+ermöglichen, daß der Anker durch die Ankerkette bewegt, umgestoßen, von
+der Stelle gerückt werde. Eine solche Bewegung heißt an der deutschen
+Nordseeküste röring, von dem Zeitwort rören, rühren, bewegen, regen,
+anfassen, treffen, erreichen. Roring also (richtiger, wie bei Röding,
+Röring) hat seinen Namen daher, weil damit die Stelle bezeichnet wird,
+entweder wo Kabel und Anker sich berühren, treffen, sich erreichen;
+oder, und das will noch einleuchtender erscheinen, davon, daß der Anker
+mittelst des Rorings bewegt, umgestoßen, von der Stelle gerückt, gerührt
+wird. Nicht davon, daß der Ring das bewegliche Ding am Anker ist, heißt
+er »Bewegung«, sondern davon, daß durch ihn -- abgesehen davon daß er im
+Übrigen die Gestalt eines Ringes hat -- der Anker seine Bewegung erhält.
+So erklärt sich auch ungezwungen zweierlei. Einmal die Form Röring und
+sodann das Femininum. Männlich ist das Wort erst bei der Aufnahme ins
+Hochdeutsche geworden, weil man dabei an Ring dachte, ohne aber zu
+bedenken, daß dann, wenn Ring zur Geltung gebracht werden sollte, auch
+Rorring hätte geschrieben werden müssen, dann hätte man es wenigstens
+mit Berührungsring übersetzen können, die zweite Silbe im Worte heißt
+aber nicht -ring, sondern -ing und ist weiter nichts als die
+niederdeutsche Form der Endung -ung.
+
+Da aber unter dem Einfluß der ringförmigen Gestalt sich die männliche
+Form »der Röring« einmal festgesetzt hat und schwer durch die weibliche
+Form »die Röring« wieder zu verdrängen gewesen wäre, so ist es
+eigentlich für das sprachliche Gefühl mit Freude zu begrüßen, daß der
+Eindringling nun in »Schäkel« einen so mächtigen Gegner erhalten hat.
+
+Das niederdeutsche Zeitwort rören heißt niederländisch roeren,
+altfriesisch hrera, auf Wangerooge rer, im Saterland röre; altsächsisch
+hrorjan, angelsächsisch reran, altenglisch hroren, altnordisch hroera,
+norwegisch und schwedisch röra, dänisch röre; althochdeutsch hruorjan,
+hroren, mittelhochdeutsch ruoren. Aus dieser dem Doornkaat entnommenen
+Zusammenstellung geht hervor, daß die Form röring ihre volle
+niederdeutsch-seemännische Berechtigung hat.
+
+
+*Rose*, die,
+
+heißt an Bord die Kompaßrose. Das Wort erklärt sich nach dem bekannteren
+Windrose von selbst, wenn auch eine sehr beträchtliche Phantasie dazu
+gehört, in dem Bild der verschiedenen Kompaßstriche eine Rose zu
+erblicken. Doch mag bei der Neigung der Alten, auch dergleichen Dinge zu
+schmücken, ein besonderer Schmuck die Veranlassung gegeben haben, diese
+runde Tafel Rose zu nennen. Auf französischen Kompassen des 18.
+Jahrhunderts und besonders auch des 17., ist in der Mitte ein Mann zu
+Pferde abgebildet, auf den acht Hauptstrichen sind Menschenköpfe und
+sonstige Verzierungen angebracht. Der Strich für Nord ist aber von einer
+französischen Lilie in der bekannten heraldischen Form gebildet.
+Nichtsdestoweniger hieß die Scheibe schon damals auch im Französischen
+rose; so mag also anstatt der Lilie zu anderer Zeit oder an anderen
+Orten eine Rose als Verzierung gedient haben.
+
+
+*Rosenlaschung*, die.
+
+Wenn irgendwo zwei Augen, wie man die Ringe am Ende eines Taues nennt,
+mit einander verbunden werden sollen, so geschieht dies mit einem
+Taljereep, dessen beide Enden sich in der Mitte der Verbindung kreuzen.
+Um die Kreuzungsstelle werden die beiden Parten einigemale zur größeren
+Festigkeit so herumgewickelt, daß aus den schneckenhausförmig neben
+einander liegenden Schlägen eine Art Scheibe entsteht, die man mit der
+nötigen Einbildungskraft wohl für etwas Rosenartiges halten kann.
+
+
+*Routine*, die,
+
+die Zeiteinteilung, Ordnung des Tageslaufes, genaue Bestimmung, was an
+einem Tage, wann und in wie langer Zeit es zu geschehen hat. Diese
+Bedeutung hatte das Wort ursprünglich nicht; weder im Lateinischen, noch
+im Italienischen, noch im Französischen. Es kommt von rumpere brechen;
+davon via rupta ein gebrochener Weg, das Gegenteil von einer gebrochenen
+Linie, indem der Weg möglichst gerade und direkt durch Felsen gebrochen
+worden ist, wie die Donau entlang am Eisernen Tor, also eine Kunststraße
+im Gegensatz zu den Karawanenwegen der Elfenbeinträger in Afrika, wo
+sich der Pfad um jeden Stein, der im Wege liegt, herumschlängelt. Von
+demselben Worte stammt italienisch rotta, spanisch, portugiesisch,
+provençalisch rota, altfranzösisch route, Bruch, Bruchteil, Abteilung
+eines Heeres, ein Trupp Soldaten, eine »Rotte«; dann überhaupt einen
+Bruchteil einer größeren Versammlung bezeichnend, wobei der Bruch aus
+dem Bewußtsein geschwunden und nur der Teil geblieben ist; davon »sich
+zusammenrotten.«
+
+Unser seemännischer Sinn von Routine entstand durch folgende
+Bedeutungsentwicklung. Auch bei via rupta ging, als man via wegließ,
+doch nicht etwa die Bedeutung Weg (vergl. die Entstehung von Straße aus
+via saxis quadratis strata, wo strata doch verhältnismäßig das
+unbedeutendere Wort in der Verbindung darstellt), sondern vielmehr die
+Bedeutung »gebrochen« verloren, so daß route, wie man für rupta sagte,
+bald ganz allgemein für Weg im Gebrauch war; zunächst im Sinne von
+zurückgelegtem Weg, durchwanderter Strecke; daher portugiesisch rota,
+Lauf des Schiffes; dann auch für eine noch zurückzulegende Strecke. Ein
+Mann aber, der des Weges kundig war, hieß routier. Und davon ist erst
+routine gekommen. Es bedeutet zunächst nur durch Übung erlangte Kenntnis
+des Weges. Dann bald bloß Übung, Gewandtheit, Geschicklichkeit,
+Kenntnis, Pfiffigkeit, Routiniertheit. Demnach ist Schiffsroutine nicht
+nur der Wegweiser für den Tageslauf, sondern auch der Weg selbst, auf
+dem die Schiffsmannschaft durch richtige Einteilung und Ausnutzung der
+Zeit die nötige Übung und Gewandtheit im Schiffsdienste erlangen kann.
+
+Eine richtige Routine -- in der Schule sagt man Stundenplan --
+auszuarbeiten ist eine schwere Sache, bei der sehr viel zu
+berücksichtigen ist; sie liegt in den Händen des Ersten Offiziers.
+
+
+*Rücker*, der,
+
+ist ein Tau, einerseits an der Bram- oder Oberbramrahe, andererseits an
+dem Bram- bezw. Oberbramraheniederholer befestigt und dazu dienend, die
+Rahe, wenn sie gekait und an Deck genommen werden soll, zu rücken, d. h.
+los zu machen von der bisherigen Stelle, durch einen Ruck zu entfernen,
+also zu rücken, zu bewegen.
+
+
+*Ruder*, das.
+
+1. Eine Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes. 2. Ein Werkzeug zum
+Fortbewegen eines Bootes. Auf Kriegsschiffen ist nur die erste Bedeutung
+im Gebrauch, sonst überall im deutschen Sprachgebiet hat sich die zweite
+im Munde von Seeleuten und Nichtseeleuten erhalten, wiewohl schon zur
+Zeit der römischen Herrschaft am Rhein Remen oder Riemen (s. d.) vom
+lateinischen remus herübergenommen wurde. Es wird auch nie gelingen, dem
+Worte sein Hausrecht im Deutschen zu rauben, dazu war es denn doch zu
+fest eingewohnt und -gewurzelt als das fremde Wort eindrang.
+
+Indessen hatten Ruder und Remen in *einer* Wiege gelegen, indem beide
+von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in der Form
+ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung bedeuten kann:
+stoßen, treiben, schieben, ziehen, rücken. Eine Zeit lang sind die
+beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich in der Bedeutung
+wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die Trennung vollzogen hat,
+läßt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber im Griechischen
+geschehen sein, so daß eretmos noch für beide die gemeinschaftliche Form
+darstellte. Das hätten wir uns etwa so vorzustellen. Es gab vom gleichen
+Stamme wie eretmos ein griechisches Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von
+welcher unser (Leder-) Riemen herkommt. Unter Anlehnung an dieses
+Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das Fortbewegungsmittel remus
+gebildet, durch Aphäresis des anlautenden e und Schwund des t. Beide,
+rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das Schiff fortzubewegen, das
+Zugseil und der Remen, ja vielleicht die Fortbewegung mit dem Zugseil
+die ursprüngliche und das Rudern kam erst später auf. Dann hätte man
+also die alte Bezeichnung der Fortbewegung durch Ziehen (»treideln« s.
+d.) für die neue Fortbewegung durch Rudern beibehalten, etwa wie wir
+jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork, wiewohl es sich dabei um
+einen gar keine Segel führenden Dampfer handelt.
+
+Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes, sondern
+auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere Bedeutung
+hatte, folgte man naturgemäß nicht dem Zuge und Einfluß von rhyma,
+sondern bildete eretmos selbständig weiter, und zwar auf dem Wege vom
+Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphäresis) des e und
+Abschwächung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und
+Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt,
+daß die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in
+vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung
+vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie
+remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als
+ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern
+wieder zusammen. Und wenn der fremde -- remus -- sich auch zeitweilig
+vordrängte, ja sich für das Werkzeug zur Fortbewegung ausschließlich im
+Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische -- als
+»Ruder« -- sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den
+Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung
+behalten.
+
+Es ist auffallend, wie kurz sich die Isländer ihr Wort für Remen
+zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so wieder auf die
+ursprüngliche Bewegungswurzel zurückgegangen, während doch schon im
+Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hieß.
+
+
+*rudern*,
+
+die Tätigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft als
+Fortbewegungsmittel, ausgeübt wird, (während die Tätigkeit die mit dem
+Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heißt, daher wird
+dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche
+Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt
+*rojen*. Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch
+der angelsächsischen Form für Ruder, ruodor oder rodor, gebildet.
+Niederländisch roeijen, englisch to row, isländisch roa; »Bágd er ad
+*róa* einni ár,« mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lüpkes
+»Seemannssprüche.« Altnordisch róa; »I vindi skal vid höggva, vedri á
+sjó róa; myrkri vid man spjalla, mörg ern dags augu«, »Im Winde soll man
+Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern
+kosen; viele Augen hat der Tag.« Lüpkes p. 146. Angelsächsisch rôwan.
+
+Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Ruder und rudern wohl auch eine
+Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so daß man daran
+zu denken hätte, wie das Ruder das Wasser »spaltet«; indessen ist das
+doch ein recht nebensächlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im
+Altkirchenslavischen graba sowohl »ich grabe« als auch »ich rudere«
+(grabe in den Wellen) heißt.
+
+
+*Ruderbälle*, die,
+
+bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln die den Zweck
+haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder liegt. Der eine
+Ball ist rot, der andere grün. Sie hängen möglichst nach allen
+Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an der
+Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden
+Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder
+Hintermann mit seinem Ruder manövriert und also wissen kann, wessen man
+sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenstöße durch die
+Ruderbälle vermieden werden.
+
+
+*Rudergat*, s. Hennegat.
+
+
+*Ruderjoch*, s. Joch.
+
+
+*Ruderpinne*, s. Pinne.
+
+
+*Ruderreep*, s. Reep.
+
+
+*Rundhölzer*, die,
+
+sind alle walzenförmigen Hölzer die zur Takelage gehören: Masten,
+Stengen, Rahen, Spieren, Giekbäume, Gaffeln, Sprieten, Ruten etc. etc.
+Ein Rundholz braucht um so zu heißen nicht notwendig ein Holz zu sein;
+auch die eisernen Masten und Rahen gehören im weiteren Sinne zu den
+Rundhölzern und haben auf den Werften ihren Platz im Rundhölzerschuppen.
+Hier kommt also mehr das Runde wie das Hölzerne in Betracht.
+
+
+*Rund* achtern! rund vorn!
+
+lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt, wenn das Schiff so weit
+durch den Wind gegangen ist, daß man die Rahen oder vielmehr die Segel
+über den anderen Bug brassen kann, so daß dann die Nock, die vorher
+hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund ist nicht mathematisch
+zu nehmen, sondern so zu verstehen, daß die Rahe sich teilweise um den
+Mast dreht. In der Handelsmarine heißt das entsprechende Kommando:
+»Gaan!« = gehen.
+
+
+*Rundsel*, die,
+
+ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen sich beim Rudern
+bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht rund, aber er ist mit
+einem runden Metallstück ausgefüttert; daher der Name. Wenn nicht
+gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines Brett, das
+Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: »Rundseln dicht«, weshalb
+die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal für die Rundseln
+selbst fälschlicherweise gehalten worden sind.
+
+
+*Rüst*, die,
+
+ist die Vorrichtung an der Außenbordwand des Schiffes zu beiden Seiten
+die den Wanttauen bezw. deren Jungfern zum Halt dient. Sie findet sich
+an Backbord und an Steuerbord, an jedem Mast und besteht aus starken,
+vorspringenden, gerüstartig angebrachten Planken, die nach unten zu
+durch schräge eiserne Träger gestützt sind. Das Wort kommt wie das
+hochdeutsche Gerüst vom althochdeutschen hrustan, zurecht machen, bereit
+machen, zurüsten; davon mittelhochdeutsch geruste = Vorrichtung,
+Zurüstung, Bau, Maschine, Werkzeug, Gerät, Waffenrüstung, Schmuck.
+Neuhochdeutsch müßte das Wort eigentlich Gerüste heißen, aber des
+Seemannes niederdeutsche Liebe zur Kürze betätigt sich in Weglassung der
+Vorsilbe und der Endung.
+
+
+
+
+S.
+
+
+*sacken*
+
+ist ein niederdeutsches Zeitwort das in der Seemannssprache oft
+gebraucht wird und dem hochdeutschen »senken« entspricht, oder vielmehr
+entsprechen sollte; senken nämlich ist Faktitiv oder Causativ von
+sinken: »sinken machen«. Aber wie das Hochdeutsche senken und sinken
+ebenso oft verwechselt wird wie wägen und wiegen, so macht auch der
+Seemann zwischen senken und sinken keinen Unterschied, er sagt für beide
+sacken. Ja man kann sagen, daß sacken in seinem Munde öfters sinken als
+senken bedeutet. Durchsacken, einsacken, wegsacken, untersacken sind
+gleich sinken, während auch die Wendung »sacken lassen«, die ebenfalls
+den Begriff sinken enthält, oft gebraucht wird. Andererseits aber heißt
+absacken »ein Schiff oder Boot den Strom hinunter treiben lassen«.
+
+Senken heißt althochdeutsch sanchjan; es ist durch Nasalierung der
+Wurzel sack entstanden, wir haben also in sacken die ursprünglichere,
+nichtnasalierte Form.
+
+
+*Saling*, die,
+
+ist ein auf Backen an beiden Seiten des oberen Endes des Untermastes
+aufsitzendes Gerüst aus Längs- und Querhölzern auf dem hinwiederum der
+Mars aufsitzt, dessen hauptsächlichster Zweck nicht etwa der eines
+»Mastkorbes« ist, sondern der, die Jungfern zum Anspannen der
+Stengewanten zu tragen. Die Saling des Untermastes tritt jedoch, eben
+weil der Mars auf ihr sitzt, wenig in die Erscheinung, wird vielmehr
+leicht für einen Teil des Marses gehalten. Eine desto selbständigere
+Rolle spielt die Bramsaling auf den Backen der Marsstenge; sie ist nicht
+mit Brettern bedeckt und fällt daher als solche mehr in die Augen. Sie
+vertritt die Stelle des Marses insofern an ihr die Bramwanten befestigt
+und gespannt werden.
+
+Der Name Saling kommt von sitzen, aber nicht weil sie sitzt, sondern
+weil etwas, nämlich der Mars, auf ihr sitzt. Er heißt eigentlich
+Sadeling = Sattelung; vom gotischen sitan, sitzen, satjan, setzen kommt
+das althochdeutsche satal, satul, satol, satil; angelsächsisch sadul,
+sadol, sadl; niederdeutsch sadel; davon sadeling = sadelung. Die Tenuis
+ward erst zur Media und dann verschwand der Dentallaut überhaupt; indem
+sich ein langes a aus dem kurzen a und dem e bildete war Saling fertig:
+ein Ding zum Aufsitzen, Draufsitzen. Darum führt auch die Bramsaling
+ihren Namen doch mit Recht; wenn auch kein Mars auf ihr sitzt, so sitzen
+desto mehr die Matrosen oder Schiffsjungen darauf, denen sie ein Stütz-
+und Ausgangspunkt für die Arbeiten, die sie als Bram- und
+Oberbramsegelsgäste zu verrichten haben, dient.
+
+
+*Salut*, der.
+
+Das Schießen eines Saluts ist das Abgeben einer bestimmten Anzahl von
+(blinden) Kanonenschüssen als Gruß, als Ehrenbezeugung für den
+Landesherrn und für alle diejenigen, die nach dem Salutreglement dazu
+berechtigt sind. Dazu werden die Kanonen mit *Salutkartuschen* geladen,
+(mit Pulver, ohne Geschoß).
+
+*Salutfähig*, d. h. berechtigt oder verpflichtet zu *salutieren* sind
+aber nur Kriegsschiffe von gewisser Größe und Stärke der Artillerie. Dem
+Salut gleich stand ursprünglich *Salve*, eine einmalige gleichzeitige
+Abfeuerung von mehreren Kanonen als Gruß, ein feierliches
+Begrüßungsschießen, das dem Gegrüßten ein salve! zurufen sollte; hernach
+wurde eine Begrüßung des Feindes mit geladenen Kanonen daraus.
+
+*Salutleine* nennt man wohl auch das Paradirstrecktau, das Manntau an
+dem die Matrosen sich festhalten wenn sie zum Gruß und zur
+Ehrenbezeugung die Rahen bemannen, sich auf den Rahen in Reihen
+aufstellen.
+
+Es mag in früheren Zeiten manchmal regellos salutiert worden sein.
+Wenigstens ermahnt ein Geschwaderbefehl d. d. 25. Mai 1652,
+unterschrieben M. Herberts Tromp, zur Ordnung und Sparsamkeit. »Es wird
+auch ausdrücklich verboten einige unnöthige Ehren-Schüsse zu thun,
+sondern deß Landes Pulver und Bley zu bewahren und rathsam damit
+umzugehen; jedoch so man bei einigen andern außländischen
+Kriegs-Schiffen kommt, wodurch einige Begrüsung mit Lösung deß
+Geschützes zu thun, zu des Landes Reputation erfordert wird, in solchem
+Fall haben sie die Ehre unseres Landes in acht zu nehmen, und in aller
+Ehrbarkeit Hand zu haben.«
+
+
+*Salve*, die, s. Salut.
+
+
+*Sandwichpanzerung*, die, s. Panzerung.
+
+
+*Sargassosee*, die,
+
+heißt eine Stelle im Atlantischen Ocean, auch atlantische Krautwiese
+genannt; das Sargassomeer, vom lateinischen sargassum, der Seetang. »Der
+sich nach der iberischen Küste herwendende und als nordafrikanische
+Strömung wieder in die Nordäquatorialströmung übergehende Zweig des
+Golfstromes schließt eine große Ellipse ein, die ein sehr ruhiges Gebiet
+im Atlantischen Ozean bildet, ein Gebiet von 65000 Quadratmeilen oder
+ein Drittel so groß wie Europa. Dieser Raum ist nach den Vorgängen
+Humboldts und Maurys als »Sargassomeer« bekannt geworden, und man
+erzählte, daß in ihm das Sargasso oder der Meertang (fucus natans) in so
+ungeheuren Mengen zusammengeballt treibe, daß dadurch die Schiffahrt
+behindert werde. Neue Untersuchungen ergeben jedoch, daß es sich um mehr
+oder minder dicht treibende, bis 60 Meter lange, je nach der
+Windrichtung schwimmende, abgerissene Krautstreifen handelt, die
+zwischen 20° und 35° nördl. Br. und zwischen 35° west. L. und Westindien
+und dem Ostrande des Golfstromes vorkommen. Von einer Behinderung der
+Fahrt durch dieselben ist nirgends die Rede.« (Andree.)
+
+
+*Sarving*, die,
+
+ist ein aus altem Kabelgarn geflochtener Zopf, der mit Platting
+Ähnlichkeit hat, aber nicht ganz so platt, sondern dicker ist. Die
+Sarving wird gebraucht zur Bekleidung von Tauwerk, da wo es viel Reibung
+auszuhalten hat und der Abnutzung sehr ausgesetzt ist. Um es vor dieser
+zu bewahren, um es zu (kon)*servieren* wird die Sarving gemacht, die
+eigentlich Serving heißt. Sarving ist nur die volkstümliche Aussprache.
+
+
+*Schaar*, die,
+
+ist eine bei Sturmfluten verschließbare Öffnung in einem Deich zum
+Durchfahren von Wagen etc., eine Lücke, die man absichtlich zu diesem
+Zwecke gelassen hat. Das Wort ist verwandt mit Scharte, Schießscharte,
+und stammt von der Wurzel skar, von der auch scheren und Schaar =
+Abteilung, Haufe stammt, sie bedeutet spalten, scheiden, teilen,
+schneiden. Das Wort kommt auch als Ortsbezeichnung vor, ebenso wie Siel,
+da ebenso wie bei diesem auch bei einem Schaar sich gern Menschen
+ansiedeln, weil hier ohnehin ein großer Menschenverkehr stattfindet, wie
+auch bei einer Brücke, weshalb zahlreiche Ortsnamen mit Brücke, Brück zu
+tun haben.
+
+
+*schaffen*, seemännisch = essen.
+
+Schaffner, Schöffe, Schoppen, Schöpfung, englisch shape = Gestalt und
+viel andere Wörter dieser großen Sippe kommen alle von der Wurzel skap
+mit der Grundbedeutung schaffen, schöpfen, ordnen. Dem altgermanischen
+Heidentum fehlte, wie Schade ausführt, ein Ausdruck für etwas, wovon es
+keine Idee hatte, nämlich für schaffen, von der höchsten Potenz dieser
+Tätigkeit, dem göttlichen Schaffen. Daher nahmen die Germanen, als
+ihnen vom Christentum her die Schöpfungsidee kam, das Wort von einer
+(man kann wohl sagen kunstmäßigen) Hantierung, vom Formen und Gestalten
+einer festen Masse durch grabende und stechende Werkzeuge, faßte es
+gewissermaßen als ein Schnitzen auf (skapjan), während der Lituslave
+seinen Ausdruck dafür, noch hausbackener, von den Formen einer weichen
+knetbaren Masse nahm, wozu ihm die tägliche Käsebereitung in jeder
+ländlichen Wirtschaft ein Bild gab.
+
+Für unsern Zweck genügt es, das althochdeutsche scaffari, scaffare,
+mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schöpfer, Bildner,
+Hausmeister, Verwalter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen Mann
+bezeichnet, der das Essen und Trinken durch Schöpfen herbeischafft und
+aufträgt oder auftragen läßt. Diesem Vorgange ist begrifflich verwandt
+das italienische minestra = Suppe, minestrare die Suppe anrichten,
+lateinisch ministrare, bei Tische auftragen.
+
+Hierher gehört die Bremer Schaffermahlzeit, ursprünglich eine durchaus
+seemännische Veranstaltung, nämlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der
+Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühling Kapitäne und Reeder mit
+einander den Proviant für die aussegelnden Schiffe kosteten. Schaffer
+heißt, nach dem Bremer Wörterbuch, der Mann, der die Anordnung und
+Besorgung einer Mahlzeit hat, auch überhaupt ein Verwandter des Hauses;
+Aufwärter bei einem Hochzeitsschmause, welches aber bei den Bauern die
+nächsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begräbnis
+und bei dem Leichenschmaus in Groningen Anschaffer heißen; heutzutage
+tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf,
+schöpfen sie nicht mehr aus dem Kessel, bedienen nicht mehr bei Tische,
+sie halten nur die Tischreden und -- bezahlen das Essen; nur insofern
+kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im
+Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Kasse führte;
+überhaupt einen, der die Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache
+übernimmt, einen procurator.
+
+Daß aber der Seemann bei der ursprünglichen Bedeutung geblieben ist und
+schaffen für essen sagt, erinnert einmal daran, daß in früheren Zeiten
+die Leute, die zusammen aßen, alle aus einer Schüssel schöpften, sodann
+daß einer das Essen aus der Kambüse herbeizuschaffen hatte, (der heute
+»Backschaft« heißt) und endlich daß das Essen eben ein wirkliches
+Schöpfen war, indem die Leute nicht mit Messer und Gabel, sondern nur
+mit dem Löffel aßen.
+
+
+*Schaft*, der,
+
+des Ankers ist der große, lange, schwere, oben dünner werdende Teil des
+Ankers zwischen den Armen und dem Stock. Man spricht auch von
+Lanzenschaft, Gewehrschaft, sogar von Stiefelschaft. Das Wort heißt
+niederdeutsch auch scheft und schecht, wie denn ft und cht im
+Niederdeutschen sehr leicht in einander übergehen. Das Stammwort ist
+skaban, unser schaben, niederdeutsch schafen, hobeln. Also ein
+zurechtgehobeltes Stück Holz. Es ist bekannt, daß der Ankerschaft früher
+auch bei großen, schweren Ankern von Holz war.
+
+Anstatt schecht kommt auch einfach scheg und schegg vor. So heißt z. B.
+bei hölzernen Schiffen das vorderste Holz, das noch vor dem Vorsteven
+sitzt und oben in das Gallion übergeht. Auch spricht man vom Scheg des
+Ruders und meint damit den Ruderschaft.
+
+
+*Schäkel*, der,
+
+heißt ein Ring, ein Glied einer Kette. *Schäkeln*, ein Glied der Kette
+in ein anderes Glied fügen, so daß eine lange Kette daraus wird. Die
+Erklärung ist am deutlichsten aus dem entsprechenden englischen Worte
+shackle zu ersehen, das sowohl Kettenglied als auch Fessel, Handfessel,
+Handschellen, Beinschellen heißt; angelsächsisch sceacul, scacul,
+Fessel, Halseisen. Offenbar ist diese Bedeutung Fessel die
+ursprüngliche. Eine Fessel aber war zunächst ein Mittel in der Hand von
+Räubern, ihre Opfer zu binden. Räuber aber hießen, wie wir aus der
+Geschichte der Kreuzigung Christi wissen, Schächer. Das niederdeutsche
+Zeitwort hierzu heißt heute noch schaken, rauben. Der friedliche
+Kettenschäkel hat also den Namen von der äußeren Ähnlichkeit mit dem
+unfriedlichen Räuberwerkzeug (s. schaken).
+
+
+*schaken*
+
+heißt rütteln, schütteln, gewaltsam bewegen; seemännisch das Rütteln und
+Schütteln mit dem man versucht, bei einem Takel oder einer Talje den
+Reibungswiderstand der durch die Blöcke fahrenden Taue zu verringern um
+dieselben beweglicher, läufiger zu machen. *Abschaken* heißt solches
+vornehmen in der Absicht, nach dem Gebrauch eines Takels die tublocks
+(s. d.) geholten Taue wieder rückwärts zu bewegen, damit die Blöcke
+wieder auseinander kommen und so das Takel aufs Neue wieder
+gebrauchsfähig werde. Das Wort schaken, auf ein aus einer Basis ska
+erweitertes Thema skak zurückgehend, bedeutet ursprünglich -- wie
+seemännisch heute noch -- ganz allgemein »bewegen«; dann bewegen mit
+Anwendung von Gewalt: rauben, mit Gewalt wegführen, eine Jungfrau
+vergewaltigen, seinen Teil der Beute an sich reißen.
+
+
+*Schaluppe*, die.
+
+1. Gattungsname für alle Schiffsboote, von der Kapitänsschaluppe (Gig)
+an bis zur Travaljeschaluppe (Jolle).
+
+2. In deutschen Häfen ist Schaluppe weiterhin ziemlich gleichbedeutend
+mit Jacht; Fahrzeug mit einem Mast, großem Schratsegel, Topsegel,
+Brefock.
+
+3. heißt sloop in der englischen Marine ein kleines Kriegsschiff,
+ehemals eins unter 24 Kanonen, dreimastig oder schnauartig, zwischen
+Korvette und Kanonenboot.
+
+Der Name bedeutet also Schiffe und Boote von so verschiedener Art, daß
+sie kaum irgendwie unter einen Hut zu bringen sind, es wäre denn der
+gemeinschaftliche Begriff »Fahrzeug«. Und in der Tat kommt von dem
+Zeitwort slupen das Wort. Es heißt schlüpfen, gleiten, sich gleitend
+bewegen, sich bewegen, »fahren.« Daraus auch französisch chaloupe,
+spanisch chalupa, niederdeutsch slupe. Im Mittelniederdeutschen gab es
+ein slope, Fahrzeug zum Fortschaffen von Waren, welches aber auf dem
+Lande gebraucht wurde. Sloepe als Fahrzeug zu Wasser war aber schon dem
+Kilian bekannt. Niederländisch sloep; norwegisch, schwedisch, dänisch
+slup. Das niederdeutsche slupen heißt auch schlüpfen. Es wäre daher
+denkbar, daß eine slup ursprünglich ein Küstenfahrzeug gewesen wäre, das
+bei schlechtem Wetter darauf angewiesen war, einen Unterschlupf unter
+Land zu suchen.
+
+
+*schamfilen*
+
+heißt durch Reiben verletzen. »Ein Schiff schamfilt an der Schleuse,« d.
+h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die Farbe ab, daß
+das Holz zum Vorschein kommt. »Ein Tau schamfilt,« d. h. es reibt sich
+an einem festen Gegenstand und nützt sich so vor der Zeit ab. Um
+dergleichen zu verhüten hat man verschiedene Mittel: Fender,
+Sarving, überhaupt Bekleidung des Tauwerks, und besonders auch
+*Schamfilungsmatten*.
+
+In Osterstade, jener friesischen Enclave jenseits der Unterweser, heißt
+schamp ein Fehler an der Gesundheit. In Ostfriesland heißt die Epidermis
+schampfel, womit nichts anders gesagt sein soll als daß die Oberhaut
+leicht verletzlich ist, durch Reiben und dergl. leicht beschädigt werden
+kann. Dem entsprechend heißt das niederdeutsche Zeitwort schampen
+streifen, im raschen Vorbeigehen leicht treffen und berühren, durch
+Streifen oder rasches Vorbeigehen und nahes Berühren eines Gegenstandes
+denselben äußerlich beschädigen und verletzen, jemanden leicht
+verletzen. In Westfalen heißt der Prellstein sehr bezeichnend
+schampsten. Aus schampen ist ein Interativum schamperen,
+schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, Formen die im
+Mittelniederdeutschen sehr häufig vorkommen, »he hadde nene scanferinge
+an der Hut gekregen«; doch manchmal auch für Schädigungen und
+Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: »anno 1428
+schamferden de stede vor Kopenhagen des Königs schepe« ... (Lappenberg,
+Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht und nur
+oberflächlich, wenigstens im seemännischen Gebrauch.
+
+In den Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der
+Lautverschiebung zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet
+worden. Und dieses schampelen ist in der Form schamfilen nach
+Ostfriesland übergesprungen und von da in die deutsche Seemannssprache
+eingedrungen, in der sich übrigens eine Erinnerung an das ursprüngliche
+schamp noch insofern erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhört,
+schampfilen hören kann. Daß i aber an die Stelle von e getreten ist mag
+eine Erinnerung daran sein, daß die Endung eigentlich -iren heißen
+müßte, die niederländisch -eren lautet.
+
+
+*Schandeckel*, der,
+
+ein Schutzdeck, eine Schutzbedeckung, eine Schutz gewährende Bedeckung
+von Holz, die an verschiedenen Stellen, die eben des Schutzes bedürftig
+sind, angebracht wird.
+
+Mit dem niederdeutschen Wort schanddeckel hat es keine Gemeinschaft,
+denn das bedeutet einen Deckel zur Bedeckung einer Schande, und so heißt
+ein Mann, der für Geld oder eine andere Belohnung ein von einem Reichen
+entehrtes Mädchen heiratet. Unser Schandeckel aber ist (vergl.
+schamfilen) aus schampdeckel entstanden, durch Schwund des p und indem
+sich der bequemeren Aussprache wegen das m in n verwandelte. Ein
+Schandeckel ist also eine Bedeckung, die das schampen, das Beschädigen
+des bedeckten Teiles verhindern soll.
+
+
+*Schanze*, die,
+
+hieß ein Stockwerk hinten auf dem oberen Deck, entsprechend der Back auf
+dem Vordeck; wurde vormals Hintercasteel genannt, jetzt ist die Kampanje
+an die Stelle getreten. Der Name kommt daher, daß rings um die Reling
+dieses Aufbaues im Gefecht eine Schanze errichtet wurde, nicht aus
+Reisigbündeln, sondern aus Hängematten. Um diese zu verdecken und
+überhaupt zum Zierrat fiel von der Reling an der äusseren Seite der
+Relingstütze und des Finknetzes ein etwa vier Fuß breites Tuch nach Art
+einer Gardine herab: das *Schanzkleid*. Ein solches hatte auch die
+Reling des Marses.
+
+Als im Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Hängematten auf der Reling in
+den Finknetzkästen ihren dauernden Platz erhielten, da trat an die
+Stelle des Schanzkleides das wasserdichte Hängemattskleid. Aber an den
+Marsen sind Schanzkleider geblieben und an der Kommandobrücke sind sie
+zum Schutz gegen Regen und Wind neu hinzugekommen; jedoch ohne jeglichen
+Prunk, während mit den früheren Schanzkleidern großer Luxus in Bezug auf
+Farbenpracht und Verzierung getrieben wurde. Die englischen
+Kriegsschiffe hatten Schanzkleider mit weißer oder gelber Borde besetzt.
+In Frankreich hießen sie pavois. Aubin (1702): »Par une Ordonnance de
+1670 le Roi de France a voulu qu'a l'avenir les pavois soient de couleur
+bleue semée de fleurs de lis jaunes, et qu'ils soient bordez de deux
+grandes bandes blanches.« Man nannte sie auch bastingures. »On met aussi
+des bastingures aux hunes. Celles des Hollandois sont rouges; ils les
+font presque toujours de baiette ou de drap, mais en ce cas on les
+double et on le garnit de telle, sorte entre les deux étofes, que les
+balles des mousquetes ne les peuvent percer.«
+
+
+*Schärpe*, die.
+
+Zwar kein seemännisches Wort, aber doch zum dienstlichen Anzug der
+Seeoffiziere gehörig, verdient es hier seine Stelle zu finden. In
+früheren Jahren gingen die Armen nicht mit einem Sack, sondern mit einem
+Topfe betteln. Der Topf hieß Scherbe. Wir sind heutzutage gewohnt, bei
+diesem Worte an etwas Zerbrochenes zu denken. Das mag daher kommen, daß
+man, namentlich auf dem Lande, nur zerbrochene Töpfe als
+»Blumenscherben« vor die Fenster stellt, weil den Leuten ganze Töpfe zu
+schade sind. Aber ursprünglich lag der Begriff des Zerbrochenen
+keineswegs in Scherbe. Wenn das Gefäß, in dem sich die Bettler das
+übriggebliebene Essen aus den Häusern zusammenholten, auch kein sehr
+elegantes war, heil mußte es doch sein, schon darum weil das Essen meist
+aus Suppe, Brei, Grütze etc. bestand. Wer sich die Sache recht deutlich
+vorstellen will der gehe um die Mittagszeit längsseits eines in Dienst
+gestellten, an der Kaimauer liegenden Schiffes, da kommen die
+sonderbarsten Betteltöpfe zum Vorschein, sogar alte Präservenbüchsen,
+für gewöhnlich nur von den Malern gebraucht, werden von armen Leuten
+herbeigeschleppt um das übriggebliebene Essen in Empfang zu nehmen.
+
+Da nun die Bettler mit ihrer Scherbe in alten Zeiten von Haus zu Haus,
+von Dorf zu Dorf zogen, so konnten oder mochten sie sie nicht immer in
+der Hand tragen, befestigten vielmehr ein Band daran und trugen sie über
+die Schulter gehängt. Bald hieß dieses ebenso wie der Topf, der daran
+hing: Scherbe. Und aus diesem Bande ist unsere Schärpe geworden. Sie
+diente schon im 13. Jahrhundert als Abzeichen der Ritter, war aber
+natürlich breiter und feiner als das Band, das sich die Bettler hatten
+leisten können. Sie ward entweder von der rechten Schulter nach der
+linken Hüfte getragen und ist in dieser Gestalt das Vorbild für die
+breiten Ordensbänder geworden und für die Bänder und Schärpen der
+studentischen Verbindungen, oder um den Leib gebunden. Die Damen
+schmückten die Schärpen ihrer Ritter mit feinen Stickereien, banden sich
+auch bald selbst wohl breite farbige Seidenbänder um die Taille, dem Obi
+ähnlich, den die japanischen Frauen tragen. Während so auf der einen
+Seite das alte Ehrenzeichen zum Putzstück herabsank, stieg es
+andererseits zum Feldzeichen, zum Kommandozeichen eines Heerführers
+empor, um so als Dienstabzeichen der Offiziere bei uns in Geltung zu
+kommen. Die beiden Arten, auf welche heutzutage bei der deutschen
+Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser die Schärpe getragen wird, waren im
+dreißigjährigen Kriege nebeneinander üblich.
+
+
+*Schau*, das,
+
+kommt nur in der einen Verbindung vor: »Flagge in Schau«, »die Flagge im
+Schau wehen lassen,« d. h. sie zusammengeknotet oder -gewickelt hissen.
+Röding: »Es ist dies ein unter allen Nationen gebräuchliches Signal,
+jemand an Bord zu rufen. Auf einer Reede weht die Flagge im Schau, wenn
+die am Ufer befindlichen Schlupen an Bord kommen sollen, und man unter
+Segel gehen will. Auf der See um andern Schiffen zu erkennen zu geben,
+daß man ihrer Hilfe bedarf und in Not ist. Bei Gewahrwerdung des Landes,
+um einen Lootsen an Bord zu rufen.«
+
+Jetzt hißt man im ersten Falle den blauen Peter, bezw. das betreffende
+Bootssignal; im zweiten Falle hißt man als Notsignal die Flagge
+verkehrt, das Oberste zu unterst; im dritten wird die Lootsenflagge
+gezeigt.
+
+Man könnte Schau für eines Stammes mit Schauer und Scheuer halten, aus
+der Wurzel sku, decken, verbergen, weil die Flagge im Schau gleichsam
+halb verdeckt und verborgen, nämlich so gehißt wird, daß man ihre nähere
+Beschaffenheit nicht deutlich erkennen kann, doch erregt hiergegen der
+Umstand Bedenken, daß die ersten derartigen Signale keine Flaggen,
+sondern sonst irgend ein hißbarer Gegenstand waren, ein Jacke, eine
+Hose, ein Hemd, wie z. B., nach Ehrentraut, Fries. Archiv, es früher
+Sitte war, daß ein Wangerooger Schiff, wenn es von der Reise heimgekehrt
+war, vor der Insel zu Anker ging und ein solches Kleidungsstück halbmast
+wehen ließ zum Zeichen, daß man ihm vom Lande her ein Boot schicken
+sollte. So ist es also doch richtiger, anzunehmen, daß wir in Schau das
+Schau von Brautschau, Deichschau, Heerschau vor uns haben und daß es mit
+dem schauen in warschauen (s. d.) verwandt ist.
+
+Etwas Ähnliches und doch ganz Anderes geschieht, wenn man die Flagge
+aufgetucht, also so wie sie zusammengelegt aus dem Schrank kommt,
+aufhißt. Das tut man, damit sie mit einem Ruck rasch an ihrer richtigen
+Stelle zum Auswehen gebracht werden kann.
+
+Nach Richthofen wurde im alten Ostfriesland ein Schau als Notzeichen
+auch am Lande gehißt. »Offtet also voelle op ene tyt, datter eyn rechter
+worde doet geslagen in den warve, soe sal de meente dat schow op theen
+ende de clocken an kleppen«. »So soelen se rechtevort en schw dat is een
+noetteken op setten«.
+
+Deutlich erhellt der Begriff eines seemännischen Schaus aus der
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, 1673: »Wir sahen auch (von
+einem in schwerem Novembersturm in der Nordsee havarierten Schiffe aus)
+ein Schiff zu Loffwart von uns; ließen derowegen ein Schau oder Zeichen
+weyhen, daß wir verlegen waren, also kam er nach uns zu, ich fragte dem
+Schiffer wohin er sein Will hätte? Er sagte, nach den Flie, ich bat ihn
+daß er mir helfen möchte, so wolte ich ihm eine Linie zu werffen, damit
+er ein Kabeltau zu sich holen konte, auff daß er unser Schiff dabey nach
+dem Flie schleppen möchte; den wir müsten da auch seyn: Er aber gab zur
+Antwort: es wäre spät im Jahr, auch grauete ihn daß bald Eyß kommen
+möchte: derowegen must er sein bestes tun daß er zu Hause komme; Es
+würde auch sein Volck damit nicht friedlich seyn: weil sie schon eine
+lange Reise gehabt, ich sagte wieder: ich wolte seinem Volcke eine halbe
+Ostersche Heur geben: oder was gute Männer erkennen könten, er aber
+antwortete nichts mehr und ging durch.
+
+Wir aber sahen ihn betrübet nach, was thäte aber Gott, weil wir in
+keiner geringen Noth und Gefahr wahren, schaffte Gotte der Herr daß uns
+Wetter und Wind zur Stund dienen muste, so, daß wir am andern Tage des
+Morgens vor dem Flie kamen, da alle Menschen Hülffe verschwunden, allein
+durch die Hülffe Gottes.
+
+Wie uns nun die Loetzen allda gewahr wurden, kam uns eine Galliot an
+Bord, die gab uns ein Lotes über, und wir langeten ihm ein Kabeltau, daß
+er uns schleppen konnte; also hülffen sie uns, weil es eben Fluht war,
+biß an die vierte Tonn, des andern Tages kamen wir ins Flie; des dritten
+Tages aber kam das vorbemeldte Schiff, welches uns in der Noht hatte
+verlassen« ...
+
+
+*Schauer*, der,
+
+ein plötzlich hereinbrechender aber auch bald wieder vorüberziehender
+Regen oder Hagel. Der Name kommt daher, daß durch einen solchen der
+Himmel bedeckt und verhüllt und verdunkelt wird, also von derselben
+Wurzel sku, von der auch das lateinische obscurus stammt. Niederdeutsch
+schuur, niederländisch schoer, angelsächsisch scur, altsächsisch skur,
+althochdeutsch scur, mittelhochdeutsch schur, schuwer, gothisch skura.
+
+
+*Schauerknoten*, der,
+
+ist ein Knoten am Ende eines Taues der dasselbe so verdickt, daß es
+hinter einem Loche seines eigenen Umfanges festsitzt, daß es am
+Durchrutschen durch das Loch verhindert wird. Das Wort ist eine
+Abkürzung; es müßte eigentlich heißen und hieß sonst auch allgemein
+Schauermannsknoten, was man auch jetzt noch hören kann. Offenbar weil
+die Schauerleute Taue mit solchen Knoten (und einem Haken) zum Ziehen
+und Schleppen der Warenballen zu benutzen pflegen.
+
+
+*Schauermann*, der,
+
+Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Löschen und Laden beschäftigter
+Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Räumen bekannt sein muß, im
+Übrigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht. In Groningen werden
+so genannt »personen die hun brood verdienen met schepen langs het
+Reitdiep te trekken«. Der in der Stadt Norden wohnhaft gewesene
+Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: »ein früher vom hiesigen
+Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe aus- und beladen
+mußte und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen eine
+feste Vergütung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung bestimmt
+war.« Niederländisch hießen dergleichen arbeiders (Aubin 1702) siuuwers,
+chiuwers, tsiuuwers. Weiland: »sjouw een last die zwaar valt om te
+dragen«, die man darum ziehen, schleppen muß. Man kann das Wort also
+füglich mit Lastträger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben, denn sjauen
+ist die niederländisch-ostfriesische Form für das althochdeutsche
+zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem gothischen taujau, aus einer
+Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also anzunehmen daß
+die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das Niederdeutsche macht
+sonst freilich die Verschiebung des gothischen t zu ts, z, für
+gewöhnlich nicht mit und hat demgemäß auch das Zeitwort tauen, englisch
+tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches Lehnwort ins
+Niederländische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren Wege ins
+Niederdeutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann -- tsauerman
+--Schauermann: ein Mann der Lasten taut d. h. zieht, schleppt, an einem
+Tau vorwärts bewegt.
+
+
+*Schebecke*, die,
+
+»a small three-masted vessel formerly much used by the Algerine
+corsairs, and now used to a small extent in Mediterranean commerce. It
+differs from the felucca chiefly in having several square sails, as well
+as latin sails, while the latter has only lateen sails«. Bei uns
+gebraucht man die Bezeichnung Schebecken-Takelage eben wegen der
+lateinischen Segel. Französisch chebec, englisch xebec, spanisch
+xabeque, italienisch sciabecco, zambecco, vom türkischen sumbeki,
+arabisch sumbuk, kleines Schiff.
+
+
+*scheitern*
+
+= Schiffbruch erleiden, bekanntlich auch im übertragenen Sinne von
+Nichtseeleuten oft gebraucht: gescheiterte Hoffnung, gescheiterte
+Existenz u. s. w. Das Zeitwort ist von Scheit gebildet. Der Gedanke
+liegt zu Grunde, daß bei einem wirklichen Schiffbruch das Schiff zu
+lauter Holzscheiten zerschlagen wird. Wie man auch seemännisch zu sagen
+pflegt: »es gibt klein Holz«, wenn etwas entzwei geht. Die
+Grundbedeutung von Scheit liegt in der indogermanischen Wurzel skhait,
+und kommt auf »scheiden«, spalten, hinaus.
+
+Das Wort ist kaum seemännisch zu nennen, da unsere niederdeutsche
+Seeleute sich ziemlich ablehnend dagegen verhalten. Der Grund ist klar:
+es müßte eigentlich in ihrem Mund schitern heißen und das käme doch
+allzu nah an schiten, das ja auch mit scheitern gleicher Abstammung ist.
+Weil aber im Hochdeutschen das t in dem Zeitwort für stercorisare sich
+zu s verschoben hat konnte man da ungehindert schiten für spalten sagen
+und schit für ein abgespaltenes Stück Holz; und man sagte im
+Mittelhochdeutschen auch so. Im Neuhochdeutschen diphthongierte sich das
+i zu ei, aber trotzdem hat sich der Seemann das Wort kaum angeeignet.
+
+
+*scheren.*
+
+1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben.
+
+2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen;
+kann auch durch eine Bretterwand geschehen.
+
+3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von
+einem Schiffe, von den unteren Wolken.
+
+4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren.
+
+5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren.
+
+6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um -- »Was schert mich Weib, was
+schert mich Kind« ...
+
+7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer
+Gesellschaft trennen: »scheren Sie sich zum T...!«
+
+8. in einer Weberei Garn scheren.
+
+Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gängig; und
+zwar ist 2. dahin erweitert, daß »ein Tau scheren« nicht nur gebraucht
+wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz
+allgemein, z. B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist,
+daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile
+geschieden wird. Die Grundbedeutung ist »abscheiden«. Althochdeutsch
+sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelsächsisch
+sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft
+hat, skera.
+
+Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander schroff
+»geschiedene« Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch skära,
+dänisch skjäre.
+
+
+*Schiemann*, der.
+
+»Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die Takelage des
+Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des großen Mastes
+und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes.« Kilian: »schim-man
+(schieman) proreta, qui in prora tutelae navis presidet.« »Vocatur ille
+in navibus cujus est omnium vasorum et instrumentorum curam habere«.
+Brem. Mscr. »Und dese jegenwardige beide menne mit ohm (dem Capitain)
+gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten schymman, auerst darnach
+houetbossman gewesen«, Brem. Urk. v. 1580. Nach einer Wismarer Urkunde
+von 1580 unterschied man: A. hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman,
+D. E. F. bosmans, G. puitker auf einem Schiffe; letzterer war der
+Geringste (s. Pütker). Dem deutschen Schiemann entspricht das dänische
+Skibmand und das schwedische Skipman, und das legt die Annahme nahe, daß
+Schiemann eigentlich Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheißen
+habe und daß das p vor m ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m
+assimiliert habe. Die Frage würde uns nichts weiter angehen, da die Tage
+des Schiemanns vorüber sind, und mit dem Amt wäre auch der Name
+ausgestorben, wenn nicht das Wort *Schiemannsgarn* ihn gerettet hätte,
+die Bezeichnung eines schönen, glatten, sauber geschlagenen zu den
+verschiedensten Zwecken verwendbaren dicken Bindfadens. Nach Weiland
+hätte der schimman davon den Namen, »om dat hy is de schim en schaduw
+van den hoogbootsman« (!)
+
+
+*Schiff*, das,
+
+hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen durchgemacht,
+daß es vermessen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen, was ein
+Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens »Schiff«.
+Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes gotisches
+Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, »hohl machen«. Es ist
+auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht, als habe in
+frühesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal i getragen.
+Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff hat einen
+reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da ist 1, das
+hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das altfriesische
+skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört mittelhochdeutsch schif,
+althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch skip, angelsächsisch scip,
+englisch ship, altsächsisch skip, neuniederländisch in der Einzahl
+schip, dänisch skib, französisch esquif (Boot). Zu 2, die
+neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen, mittel- und
+altniederländisch scheep, mittelniederdeutsch schep, schepen, scheper,
+althochdeutsch scef, scefsaufi, scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch
+skepe. Zu 3, bretonisch skaf, gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn
+wir nun in so verschiedenen Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen
+anstatt des i oder des e den Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn
+sein, auf eine vorgermanische Wurzel skap und auf das althochdeutsche
+skapjan als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan
+heißt schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen
+Schöpfungsberichtes: »etwas aus nichts ins Dasein rufen«, sondern gemäß
+dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: »aus rohem Stoffe
+etwas zu einer Gestalt herausbilden«. Und zwar geschah solches
+Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch
+»schaben«. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte.
+Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz
+etwas herstellen, »schaffen«; heißt durch Ausstechen, Ausgraben,
+Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen
+Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur
+ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet
+man bei den alten Deutschen so häufig eine Zusammenstellung von Schiffen
+und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil
+das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache
+ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus
+der Tätigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso
+einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff
+ist vaisseau, provençalisch vaissel, englisch vessel, italienisch
+vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gefäß. Das »Bremer Wörterbuch«
+glaubt die Sache damit abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme
+von schieben, »weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient
+hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben
+wurden«. Diese Erklärung ist um weniges besser als die scherzhafte, die
+vom schiefen Bau redet.
+
+Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß mittelniederdeutsch
+eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage geworden.
+
+Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe wie sie
+gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die Unterscheidung
+nach der Art der Takelage getroffen. Ein *Vollschiff* hat drei
+vollgetakelte d. h. mit Rahen versehene Masten; eine *Bark*, die
+besonders stark vertretene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat
+Groß- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine
+*Schunerbark* hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine
+unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine *Brigg* hat Groß- und
+Fockmast, vollgetakelt und am ersteren noch einen Besan, der aber
+Briggsegel heißt; eine *Polackerbrigg*, s. d., eine *Schunerbrigg* oder
+*Brigantine* ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein
+*Dreimast-Marssegel-Schuner* hat den Fockmast vollgetakelt und der
+Großmast ist gleich dem Besanmast, ein *Dreimast-Gaffel-Schuner* hat
+drei Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein
+*Dreimast-Topsegel-Schuner* ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur
+daß sein Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein *Marssegel-Schuner* hat
+den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein *Topsegel-Schuner*
+hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars- und
+Bramrahen führt; ein *Gaffel-Schuner* hat zwei einfache Schunermasten
+mit Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige,
+weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig
+Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn
+fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann
+man ihn auch bei uns nennen hören; ein *Chasse-Marée* s. d.; ein
+*Lugger* s. d.; ein *Kutter* s. d.; ein *Slup* s. *Schaluppe*.
+
+Außerdem gibt es *Viermastschiffe*, und zwar Viermast-Vollschiffe mit
+Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, »a small square
+sail on a mast and boom at the stern of a boat,« man würde also
+Treibermast sagen können; *Viermastbarkschiffe* mit Fockmast, Großmast,
+Kreuzmast und Besanmast; und *Viermastschuner*, ebenfalls mit Fockmast,
+Großmast, Kreuzmast und Besanmast. Und sogar zu *Fünfmastschiffen* hat
+man sich verstiegen, nämlich zu *Fünfmastvollschiffen*,
+*Fünfmastbarkschiffen*, *Fünfmastschunern*; als Namen für die Masten der
+ersteren sind in Vorschlag gebracht Fockmast, Großmast, Kreuzmast,
+Jiggermast, Achterkreuzmast; für die beiden letzteren Fockmast,
+Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast.
+
+Die *Kriegsschiffe* werden bei uns zur Zeit eingeteilt in Linienschiffe,
+Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer, Panzerkanonenboote,
+Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge.
+
+Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.
+
+
+*Schiffsbesichtigungskommission*, die,
+
+eine Kommission bei der Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem
+Seeoffizier und den nötigen technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es
+ist, Handelsdampfer auf ihre Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu
+besichtigen und sich über ihre Verwendbarkeit im Falle einer
+Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu erhalten. Schon vor 600 Jahren
+wußte man von einer, allerdings nur nach Bedarf im einzelnen Falle
+zusammentretenden Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte
+König Philipp der Schöne von Frankreich als Lehnsherr über Flandern »den
+Bürgern und Einwohnern von Lübeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg,
+Wismar, Rostock, Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche
+Meer befahrenden Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da
+zurück, es sey zu Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs
+freyen Handel gegen Erledigung der üblichen Abgaben. Jedoch sollten sie
+nirgends nach Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England,
+Schottland oder Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der
+Engländer unterworfen sind, einführen, noch selbst auf dem Meere
+verschiffen, bei Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Königs
+Gutdünken. Ebenso sollten sie keine Güter aus Frankreich nach England
+führen und daselbst verkaufen, bei gleicher Strafe. *Auch behält sich
+der König vor, ihre Schiffe, die er zum Kriegführen bedürfe, ihnen
+abzumieten oder abzukaufen, nach der Schätzung von vier unbescholtenen
+Männern, zur Hälfte aus ihrer, zur andern aus des Königs Untertanen
+genommen.*« (Sartorius. -- Lappenberg, Hansa, I 272.)
+
+
+*Schiffsregister*, das.
+
+»Um nun jederzeit den an den Schiffahrtsverhältnissen beteiligten
+Kreisen Gelegenheit zu geben, sich über den Zustand irgend
+eines Schiffes ausreichend zu unterrichten, werden von den
+Besichtigungsinstituten Register, d. h. Schiffslisten, herausgegeben.
+Diese enthalten außer dem Namen und dem Unterscheidungssignal der bei
+dem bezüglichen Besichtigungsinstitut klassifizierten Schiffe die
+Hauptdimensionen derselben, die Klassenzeichen (s. A), das Datum der
+letzten Besichtigung und die Angabe des Materials, aus welchem sie
+erbaut sind, u. dergl. m.« Besonders enthalten sie auch die
+Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei bedeutet
+
+k Kleine Küstenfahrt, die Fahrt längs den Küsten des Festlandes und den
+Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat
+südlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund,
+sowie längs der Küste der Ostsee.
+
+K Große Küstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee, im
+Englischen Kanal, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, sowie in
+überseeischen Gewässern ähnlicher Art.
+
+Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans,
+sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewässern und im
+Stillen Ozean.
+
+L. Große Fahrt, die für die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen
+überschreitende Fahrt.
+
+Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstärkungen für die Fahrt durch Eis
+versehen ist, erhalten außer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E).
+
+
+*Schiffstaufe*, die
+
+= Stapellauf. Diese Taufe erinnert äußerlich in zweierlei Hinsicht an
+das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie auch sonst damit zu
+tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was früher beim Sakrament der
+Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe geschieht, indem das
+Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu heißen pflegt, »in sein
+Element hinabtaucht.« Sodann ist die Namengebung mit dem Tauchen
+verbunden. Frühe schon ist das altgermanisch-heidnische
+Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden
+worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird -- wenigstens bei uns; bei
+anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders
+--der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher für die
+beteiligten Kreise ein spannendes Geschäft, aus den Einladungen, aus den
+Zurüstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede
+den kommenden Namen zu erraten.
+
+
+*schiften*
+
+heißt irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen, von
+einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen, besseren,
+unter veränderten Umständen richtigeren Platz anweisen, etwas teilen,
+abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das Wort ist
+niederdeutsche Form für schichten, nach dem so oft zur Anwendung
+gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und Gracht,
+Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele ähnliche sich einander
+entsprechen.
+
+
+*schlackern*
+
+bedeutet eine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit beim Rudern,
+infolge deren das Wasser spritzt und die im Boote befindlichen Leute naß
+macht. Ein niederdeutsches Wort, das gebraucht wird wenn ein Kind etwas
+von seiner Suppe auf das Tischtuch oder die Serviette tropfen läßt;
+sodann auch für anhaltenden feinen Regen, für Nässen, Schmutzen,
+Beschmutzen. Das Wort ist Iterativum von slaggen, das wir im
+Hochdeutschen in der Verbindung Niederschlag und Schlagregen kennen.
+
+
+*Schladding*, die.
+
+Es gibt viele Arten, auf die das Tauwerk an Stellen, wo es dem
+Schamfilen ausgesetzt ist, bekleidet und geschützt wird. Eine derselben
+nennt man Schladding, d. h. mit Schladding bekleiden. Das niederdeutsche
+Wort sladde heißt Lumpen, Lappen, Fetzen, Stück altes Zeug. Eine
+Schladding ist also die Bekleidung eines Taues mit altem Segeltuch.
+Sladde ist verwandt mit unserem schlodderig, bedeutet also etwas das
+schlaff, nachlässig, unordentlich lumpig herunterhängend ist.
+
+
+*Schlag*, der.
+
+1. Röding: »Wenn man ein Tau um einen Gegenstand herumschlägt, zum
+Beispiel um ein anderes Tau, um ein Spill u. s. w., so daß es eine ganze
+Umwälzung um diesen Gegenstand macht und die beiden Enden kreuzweise
+über einander zu liegen kommen, so ist dieses ein *ganzer* oder ein
+runder *Schlag*; macht man diese Umwälzung noch einmal, so ist es ein
+*doppelter Schlag*; geht die Umwälzung aber nicht rund um, so daß sich
+die beiden Enden nicht berühren, so ist es nur ein *halber Schlag*.«
+
+2. Wenn ein Schiff zu kreuzen genötigt ist und es fährt demgemäß einmal
+nach einer und dann nach der anderen Richtung, so nennt man jedesmal die
+nach einer Richtung zurückgelegte Strecke einen Schlag.
+
+3. Der Schlag mit dem Riemen beim Rudern; er ist ein »Schlag ins
+Wasser«, aber ein wirkungsvoller, nicht, wie im Hochdeutschen, eine
+vergebliche Arbeit.
+
+4. Wenn ein Schiff ungleich geladen ist und sich infolgedessen auf die
+Seite neigt, so sagt man: es hat Schlagseite.
+
+Alle diese seemännischen Bedeutungen von Schlag gehen, wie überhaupt
+auch sämtliche hochdeutsche Anwendungen des Wortes, auf die
+ursprüngliche Bedeutung des Zeitwortes schlagen zurück, gotisch slahan:
+unaufgehalten eine gewisse Richtung ein*schlagen*.
+
+
+*Schlappgording*, das,
+
+gehört zu den Gordingen der unteren, großen Segel und hilft deren Tuch
+nahe an die Rahe bringen, wenn sie festgemacht werden sollen. Und zwar
+holen die Buggordinge das Unterliek des Segels nach der Mitte der Rahe,
+die Nockgordinge das Seitenliek steif längs der Rahe. Nachdem dieses
+geschehen ist hängt immer loses Tuch schlapp, d. h. ohne daß eine andere
+Kraft als die der eigenen darauf steht, unter den Rahearmen. So sind
+denn hier auch noch Gordinge angebracht, die, weil sie das schlappe Tuch
+an die Rahe holen, Schlappgordinge heißen.
+
+
+*Schlaufe*, die,
+
+bedeutet das was hochdeutsch eine Schleife heißt, ein Öhr, eine Öffnung,
+eine Schlinge. Das Wort ist nichtniederdeutsches Dialektwort und daher
+dem niederdeutschen Seemann wenig mundgerecht. Althochdeutsch slouf,
+mittelhochdeutsch sloufe (Lexer, 233) von sloufen. Im Niederdeutschen
+ist slöpe, slove, slöfe = geschlungener Knoten.
+
+
+*Schlenge*, die,
+
+heißt ein faschinenartiges, von Pfählen festgehaltenes Reisiggeflecht
+zum Schütze der Küste oder des Ufers und zur Beförderung des
+Landanwuchses, da die Schlengen den Schlick bei ablaufendem Wasser
+zurückhalten und ansammeln. Sie finden sich überall da, wo es Schutz
+gilt gegen das Losreißen von Land durch die Meeresfluten und wo man
+zugleich dem Meere Land abgewinnen will, wie das am Dollart, an der Jade
+und anderswo bereits mit großem Erfolg versucht worden ist. Das Wort
+kommt von schlingen, niederdeutsch slengen, da das Reisig durch
+Verschlingen und Flechten Festigkeit erhält.
+
+
+*schleppen*,
+
+kommt für sich allein und in Zusammensetzungen wie abschleppen,
+aufschleppen, ausschleppen, einschleppen vor und bedeutet, daß ein
+Schiff ein anderes fortbewegt, das sich aus eigener Kraft nicht
+fortbewegen kann oder mag. Das schleppende Schiff heißt, wenn es das
+Schleppen als Beruf betreibt, Schlepper oder Schleppdampfer, und man
+sagt, daß es das geschleppte Schiff im Schlepp hat. Niederdeutsch
+slepen, Weiterbildung von slipen, heißt gleiten machen, machen daß sich
+etwas gleitend bewegt. Daher heißt eine Last schleppen nicht sie auf der
+Schulter tragen, sondern sie auf dem Boden hinter sich herziehen (s.
+Schlipp).
+
+
+*Schleuse*, die.
+
+»Ein sehr nützliches Wassergebäude, vermittelst dessen sich das Wasser
+in dem von dieser Schleuse eingeschlossenen Raum oder in der Kammer
+derselben erhöhen und erniedrigen läßt.« (Roeding) Schleusen, die einen
+Hafen vor den Bewegungen der Ebbe und Flut verschließen, waren demnach
+vor 100 Jahren noch nicht üblich. Da eine Schleuse ein Verschlußding
+ist, so hat man zur Erklärung auf das althochdeutsche sliozan,
+schließen, schließen wollen; das geht aber nicht, weil sonst sich das z
+zu t im Niederdeutschen und Niederländischen hätte verschieben müssen,
+das ist aber nicht geschehen, da Schleuse hier nicht slüt und sluyt,
+sondern slüs und sluys heißt. Daher müssen wir im romanischen
+Sprachgebiet Umschau halten, wo man früh mit Erbauung von Wasserwerken
+begann. Schleuse kommt in der Tat von daher. Vom lateinischen excludere
+ist zunächst das mittellateinische exclusa, sclusa gebildet, davon das
+spanische esclusa und französische écluse, das sich durchs Holländische
+-- sluys, sprich sleus -- zum deutschen Schleuse weitergebildet hat.
+
+
+*Schlick*, der,
+
+ist der an den Nordseeküsten sich niederschlagende zarte, weiche, fette,
+schlüpfrige, sehr fruchtbare Meeresschlamm, die Erde aus der Kooge,
+Groden und Polder bestehen, aus der der Marschboden sich gebildet hat.
+Neuerdings bringt man von der Küste den ausgebaggerten Schlick ins
+Binnenland zur Verbesserung unfruchtbarer Moor- und Haidestrecken.
+
+Das Wort müßte eigentlich Schlich oder wenigstens Schliek heißen und
+heißt an Ort und Stelle auch slik mit langem i, weil es von sliken,
+schleichen, gleiten, schlüpfen kommt; also »schlüpfrige Erde.«
+
+»Schlickrutscher« nennt man an der Nordsee scherzweise die Küstenfahrer.
+
+
+*schlieren*,
+
+bedeutet das Rutschen einer Sache; z. B. wenn einer ein Tau fiert und er
+fiert es nicht Hand über Hand, sondern läßt es sich durch die Hand
+rutschen, was unter Umständen eine schmerzliche Verletzung derselben
+verursachen kann, so schliert das Tau. Oder es macht einer eine
+Schlinge, die sich nicht zuziehen soll und er macht sie nicht ganz
+richtig, daß sie sich doch gleitend zusammenzieht, so heißt es: der
+Knoten schliert zu. Ein niederdeutsches Zeitwort, eigentlich sliren, mit
+der Bedeutung gleiten, schlüpfen, rutschen; zusammengezogen aus
+sliddern, dem bekannten Zeitwort schliddern für schleifen, glitschen,
+wie es Kinder auf zugefrorener Gosse betreiben.
+
+
+*schlingern*
+
+bedeutet im Sprachgebrauche des Seemanns das Schwanken des Schiffes nach
+beiden Seiten hin, das Sichüberlegen bald nach Steuerbord, bald nach
+Backbord. Das Zeitwort ist Iterativum vom niederdeutschen slingen, und
+dieses bedeutet eigentlich: sich bewegen wie eine Schlange,
+Schlangenbewegungen machen, also das hochdeutsche »schlängeln.«
+
+Um die keineswegs zu den Annehmlichkeiten der Seefahrt gehörigen
+Schlangenbewegungen eines Schiffes zu vermindern, werden in neuerer Zeit
+an den Schiffen besondere *Schlingerkiele* angebracht. »Sie sind stets
+symmetrisch auf beiden Schiffsseiten in der Kimm, d. h. an der Stelle
+des Schiffsbodens angebracht, welche die Abrundung zwischen dem
+horizontalen und vertikalen Teile bildet. Sie erstrecken sich der Länge
+nach etwa über die halbe Schiffslänge, und zwar in der Mitte des
+Schiffes, und sind an den vorderen und hinteren Enden in einer schlanken
+Kurve abgerundet«.
+
+
+*Schlipp*, die,
+
+ist eine Art Helling, eine geneigte Ebene am Wasser, auf die man ein
+ausbesserungsbedürftiges Schiff aufschleppt. Aber nicht vom Schleppen
+hat sie den Namen, sondern von schlippen; denn nicht daß das Schiff
+aufgeschleppt wird ist die Hauptsache und hat bei der Benennung den
+Ausschlag gegeben, sondern die bequeme Art, auf die man das
+ausgebesserte Schiff wieder zu Wasser bekommt, indem man es einfach
+schlippen läßt. Darum ist es nicht ratsam, daß man, wie neuerdings wohl
+geschieht, die Schlipp Schleppe nennt, denn Schleppe ist etwas das
+geschleppt wird; das fertig ausgebesserte Schiff wird aber nicht
+geschleppt, abgeschleppt wie ein auf Grund geratenes Fahrzeug, sondern
+man läßt es schlippen, auf der Schlipp, auf der geneigten Ebene zum
+Wasser hinab gleiten; grade wie man eine Ankerkette durch öffnen des
+*Schlippschäkels schlippen*, d. h. ins Wasser hinabgleiten läßt, wenn
+man keine Zeit hat den Anker zu lichten. Niederdeutsch slippen =
+schlüpfen, gleiten, hinabgleiten.
+
+
+*Schloiknie*, das.
+
+»Die Schloikniee dienen dazu, den Auslieger des Galjons von der Seite zu
+umfassen und mit dem Bug des Schiffes zu verbinden. Auf jeder Seite des
+Galjons liegen deren zwei; der gebogene Arm liegt mit seiner hohlen Bugt
+gegen den Bug des Schiffes, und zwar auf dem Bergholz, der andere Arm
+ist mit dem Ausleger verbolzt.« Bobrik II. 2. 2371. Das für unser Auge
+etwas sonderbar aussehende Schloi müßte eigentlich Sloi heißen und hat
+im Niederländischen, woher es stammt, die Form sluy. Unser
+niederdeutsches sluten = schließen heißt nämlich im Niederdeutschen
+sluiten, sluyten, und bedeutet ursprünglich biegen, krümmen,
+zusammenbiegen, vereinigen, verbinden, lateinisch claudeo. Dieser
+Begriff liegt ganz und voll in Schloiknie, das mit zwei Armen eine
+Verbindung herstellt zwischen Schiff und Gallion.
+
+
+*Schlossholz*, das,
+
+ist kein Holz, sondern ein vierkantiges Stück Eisen, das durch das
+Schloßgat am Fuße der Stenge durchgesteckt wird, so daß die beiden
+vorstehenden Enden auf die Längssaling aufzusitzen kommen und so die
+Last der Stenge tragen. Das Schloßholz ist also nicht nur kein Holz, es
+ist auch kein Schloß. Es müßte Schlußholz oder Schließholz heißen, da es
+den Anschluß der Stenge an den Mast bewirken hilft und niederdeutsch
+slotholz, niederländisch slothout, sluthout im Dänischen, sluthult im
+Schwedischen heißt. Im Mittelhochdeutschen heißt sloz Schlußstein eines
+Gewölbes.
+
+
+*Schmack*, die,
+
+ein Küstenfahrzeug mit flachem Boden, vorn und hinten voll und rund
+gebaut, mit einem Pfahlmast und einem Treiber. Englisch smack: »A large
+sloop, with a gaff-topsail and a running bowsprit, used chiefly in the
+coasting and fishing trade.« Französisch semaque, niederländisch smak,
+niederdeutsch smak und smakke. Das Wort steht für Schnack, vielleicht
+weil die Erinnerung an Schnack = Geschwätz vermieden werden sollte.
+
+Im Niederdeutschen ist snake eine Art von Schlangen, die sich im Wasser,
+in Sümpfen und alten Gräben aufhält und herumkriecht und schleicht. Von
+dieser Bewegung wird das an den Küsten herumkriechende und schleichende
+-- vergl. »Schlickrutscher« -- glatte Fahrzeug den Namen haben. Schon im
+Althochdeutschen gab es einen Schiffsnamen snacga, mittelhochdeutsch
+snacke, und zwar war es ein »langsam fahrendes« Schiff, mit sneggo,
+Schnecke (s. Schnigge) verwandt, vom althochdeutschen snahan, kriechen,
+schleichen. Man dachte also jedenfalls an ein schwerfälliges Schiff,
+denn man machte auch in althochdeutschen Zeiten schon Unterschiede
+zwischen langsamen und schnelleren Schiffen. So bedeutete seit dem 5.
+Jahrhundert unserer Zeitrechnung tragamunt, tragemunt, tragmunt ein sehr
+schnellfahrendes Schiff, altnordisch dromundr; altfranzösisch dromon;
+griechisch dromon, der Läufer, (nicht zu verwechseln mit dem tragemunt,
+aus dem unser Dragoman (s. d.) entstanden ist).
+
+Verwandt ist mit Schmack auch das angelsächsische snacca. Aus der
+französischen Form für Schmack semaque ist das italienische semacca, das
+spanische, portugiesische zumaca entstanden.
+
+
+*Schmarting*, die,
+
+ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten Stelle mit altem
+Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie Schladding, nur daß man bei
+beiden Wörtern von verschiedenen Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei
+Schladding von der Bekleidung, bei Schmarting aber von dem Schaden, der
+entsteht, wenn die betreffende Stelle nicht bekleidet ist, denn dann
+gibt es eine Schmarting, ostfriesisch-niederländisch smarting, eine
+durch Reiben entzündete Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte
+Verletzung; smarten heißt schmerzen, aber nicht so allgemein wie im
+Hochdeutschen, sondern: »durch Reiben wund werden und dann wehe tun«;
+daher das Wort smartfel = schampfel (s. schamfilen) für Epidermis, da
+diese sich durch Reiben an einem harten Gegenstand leicht »schamfilt«
+und dann sehr schmerzt. Solches Reiben zu verhüten, solche »Schmarting«
+zu verhindern, wird eine Schmarting angelegt.
+
+
+*Schmeerreep*, das,
+
+ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in Wirkung zu treten,
+wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde nicht halten sollte;
+also etwas das an sich überflüssig ist und nur der größeren Vorsicht
+halber, um ein Übriges zu tun, benützt wird, damit man desto besser und
+sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das Sprichwort zu
+Grunde liegen: »Wer gut schmeert, der gut fährt«, d. h. wer dem Kutscher
+kein Trinkgeld gibt, der fährt zwar auch, wer ihm aber eins verabreicht,
+der fährt besser, schneller, sicherer. Jemanden schmieren heißt ihn
+bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern, und eine
+Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die *Schmiergording* gewesen.
+
+Es braucht kaum ausdrücklich bemerkt zu werden, daß das Gesagte nur den
+Wert einer Vermutung hat und daß unser Wort noch einer
+wissenschaftlichen Erklärung harrt.
+
+
+*Schmiege*, die,
+
+heißt der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock der
+Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d. h. die Abweichung
+vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des Schiffes
+gemäß an den Spanten findet; ein Schrägemaß. Die Bedeutung von schmiegen
+ist »sich eng an etwas drücken«, wobei man sich, wenn es not tut, aus
+der geraden in eine geneigte Lage bewegen muß, seinen Winkel zu
+verändern genötigt sein kann. Hierher gehören auch schmücken, weil das
+schmückende Kleid sich anschmiegt und *schmuggeln*, weil der Schmuggler
+ein sehr anschmiegendes Wesen haben muß, um hinter einem Baum oder Busch
+Deckung suchen zu können.
+
+
+*Schnabel*, der,
+
+meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der vorderste Teil des
+Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels ist. Schon bei den
+Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnäbelte Gestalt, wie die
+columna rostrata hinlänglich beweist. Aus rostrum ist spanisch und
+portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch schon im
+Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht worden
+war, als zwar volkstümliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei uns wird
+Schnabel für Mund gebraucht, aber nur in verächtlichem Sinne. Der
+Seemann sagt von seinem Schiff lieber: »es steckt die Nase in den Wind«
+als: »es steckt den Schnabel in den Wind«.
+
+Das Wort gehört zu der in schnappen enthaltenen Wurzel snab.
+
+
+*Schnau*, die,
+
+ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln, aber mit der
+besonderen Eigentümlichkeit, daß für den Besan ein besonderer Mast
+errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Großmast, so nahe, daß
+sein oberes Ende zwischen der Längssaling dieses Mastes befestigt ist.
+Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau selbst
+verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten *Schnaumasten*
+stehen für die Schratsegel und den Besan.
+
+Schnau kommt vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die
+Schnauze; ursprünglich hat also nicht dieser eigentümliche Mast, sondern
+der besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen
+hergegeben, das rostrum. Niederländisch snauw, dänisch snau, schwedisch
+snau, englisch snow, französisch senau, italienisch senau, portugiesisch
+senau. Das Bremer Wörterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende
+Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es
+von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder
+schmal und scharf zugeht, gebraucht, z. B. Schiffe sind *up de snau*
+gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen.« So hat ja auch im Hochdeutschen
+eine Kanne eine »Schnauze.«
+
+
+*Schnicke*, die,
+
+war zu Rödings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, bloß in der Nordsee
+gebräuchliches Fahrzeug zum Fisch- und Austernfang, kleiner als die
+Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz zulaufendes
+Fährboot für Binnenkanäle. Zur mittelniederdeutschen Zeit war es ein
+Beiboot einer Kogge. In einer Lübischen Urkunde von 1368 heißt es: de
+stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden wepenern, dat
+is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken kogghen onde tho
+giwelken koggen schollen wesen een schute onde een snykke.« Es ist
+eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen Ursprungs mit
+diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten, schlüpfen,
+schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen Schnellsegler.
+Niederländisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja, dänisch snekke,
+snakke, althochdeutsch snacga.
+
+
+*Schnürboden*, der.
+
+Wenn die Pläne und Zeichnungen eines Schiffes fertig sind und es geht
+nun an die Ausführung, so ist die erste Arbeit das Abschnüren des
+Schiffes. »Es ist dies eine Arbeit, welche das Aufzeichnen der
+Konstruktionslinien des Schiffes in natürlicher Größe auf dem Fußboden
+eines besonders hierfür gebauten Raumes, des sogenannten Schnürbodens,
+ausmacht.« Das Aufzeichnen geschieht nach den betreffenden Maßen der
+Pläne mittelst der Meßschnur.
+
+
+*Schoner*, auch *Schuner*, der.
+
+Das Kennzeichnende dieses seetüchtigen, gutsegelnden, leicht zu
+bedienenden schmucken Segelschiffes ist die ausgiebige Verwendung von
+Schratsegeln. Wenn man von einer Schuner-Takelage spricht, so sind stets
+Schratsegel gemeint im Gegensatz zu Rahesegeln. So sagt man z. B.
+Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das vorne Rahen, hinten Schunertakelage
+hat. Niederländisch schoener, schwedisch, dänisch skooner, französisch
+schouner, italienisch, spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner,
+scooner. Das Wort soll amerikanischen, neuenglischen -- im
+geographischen Sinne -- Ursprunges sein. »It seems to have been proved
+beyond controvercy that the name, like the vessel itself, is of American
+origin, being from a New England word *scoon*, to skim or skip upon the
+water, to make ducks and drakes. The first vessel of the kind is said to
+have been built at Gloucester, Mass »by Captain Andrew Robinson about
+1713; and the name was given to it from the following circumstance.
+Captain R. hat constructed a vessel, which he masted and rigged in the
+manner that schooners now are, and on her going off the Stocks into the
+water a bystander cried out; »O how she scoons!« R. instantly replied:
+»A scooner let her be;« and from that time this class of vessels has
+gone by that name.« Also von der leichten, schwebenden Bewegung ist der
+Name genommen.
+
+
+*Schönfahrsegel*, das,
+
+verkürzt *Schoversegel* (bei Röding). Man sollte denken, das wäre die
+richtige Bezeichnung für Leesegel, weil diese nur bei schönem Wetter
+gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern das Großsegel
+heißt so. Offenbar darum, weil es das hauptsächlichste Segel ist, das
+dem Winde die meiste Fläche darbietet, das also die schönste d. h.
+schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das am längsten
+stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel, vor dem
+sichs am schönsten beiliegen ließ. Der Verfasser der »Beschriving von
+der Kunst der Seefahrt,« Lübeck 1673, schreibt: »Wie ich Anno 1647 in
+des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns zu, zwischen
+Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von Tripoli, gemondiert
+mit 36 Stücken und 16 Metanen Bassen: wir fochten mit ihnen von dem
+Morgen biß an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war ein hartes Gefecht,
+so, daß wir unterweilen ein dem andern eine geraume Zeit an Bort lagen,
+biß endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder fünff und fünfftzig
+hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren auffflohe und das
+Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu meinem Glück gerade
+zuvor über Bort gesprungen, weil ich sahe, daß ich nicht länger Zeit
+hatte da zu bleiben, daß Wasser ging aber ziemlich holl, weil wir die
+vorige Nacht vor ein Schonvorsegel hätten beygelegen, welches auch beyde
+Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thäte, daß man kaum das
+stehend darin behalten konte.«
+
+
+*Schore*, die,
+
+oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Stütze dienender Balken; so
+heißen z. B. die Bäume, mit denen man ein aufgeschlepptes oder im Dock
+befindliches Schiff stützt, Schoren. Niederländisch schoor, altenglisch
+schore, englisch schore. Es bedeutet ein geschnittenes, gespaltetes
+Stück Holz und ist mit scheren gleicher Herkunft von skeren (Präter.
+schor), aus der Wurzel skar, schneiden, spalten.
+
+
+*Schot*, die,
+
+das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten und hinten,
+die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels nach hinten
+holt. Eigentlich heißt aber die Ecke Schot, an der dieses Tau befestigt
+ist. Der größeren Deutlichkeit wegen, heißt diese Ecke jetzt
+tautologisch Schothorn oder Schothörn; Schot allein würde aber völlig
+genügen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das daran sitzende
+Tau übergesprungen wäre. Denn Schot heißt Schooß = Zipfel, Ecke,
+herunterhängender Teil eines Kleides, Rockschooß. Also: Ecke des Segels.
+Von Schot kommt altfranzösisch escota, französisch écoute, spanisch,
+portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan, schiezan,
+sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschießens, des
+Vorspringens. Angelsächsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts,
+Schooß; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch
+nicht, sonst hätte er nicht eine so umständliche Umschreibung desselben
+gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemännisch zu erkennen; er
+hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis
+angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis.
+
+Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; *Wasserschoten*
+sind die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar naß werdenden Schoten der
+Unterleesegel. Die Ausdrücke Binnenschot und Außenschot erklären sich
+von selbst.
+
+
+*Schott*, das.
+
+Die neuen großen Schiffe sind alle durch Querwände in verschiedene
+Abteilungen geteilt, die mit verschließbaren Türen versehen sind. Sind
+diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von einander
+wasserdicht getrennten Räumen. Wenn nun in Folge einer Havarie einer
+derselben voll Wasser läuft, so werden die anderen nicht in
+Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott.
+
+Bremer Wörterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltür, wodurch eine
+zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln,
+verschließen, absondern durch eine Scheidung, wofür man auch
+*abschotten* sagt, einen kleineren Raum von einem größeren durch eine
+Bretterwand trennen.
+
+Bei unseren neuen großen Schleusen haben sie auch Schotten, man hat aber
+die seemännische Form dafür verschmäht und gemeint, eine hochdeutsche
+Form wählen zu sollen und sagt daher *Schütze*. Es ist das Schott ja
+auch ein Schutz, aber Schott hätte genügt; niederdeutsch schot und
+schüt: »ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hölzerner Schieber, eine
+Holzklappe etc. zum Schütten oder Abhalten (Absperren, Abschließen etc.)
+und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen das Ein-
+und Durchbrechen des Wassers bei Sturmfluten, oder auch zum Schütten
+oder Ein- und Aussperren des Viehes.«
+
+In oldenburgischen und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal
+eine Anzeige: »Geschüttet ein Schaf; abzuholen im Schüttstall bei N. N.«
+
+Kilianus: schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut,
+schot = septum, locus conclusus.
+
+
+*schralen.*
+
+Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, daß er anfängt für die Fahrt
+des Schiffes ungünstig zu werden, so daß man bald nicht mehr Kurs halten
+kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heißt schralen schlecht,
+ungünstig werden; schral heißt ostfriesisch schlecht, mager, dünn,
+elend, arm, knapp; man kann schralen also übersetzen mit knapp werden,
+der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Stärke, denn das
+würde abflauen heißen, sondern vielmehr in Bezug auf seine Richtung, so
+daß man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr beim Winde
+steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. »Unzureichend« dürfte der
+allgemeine Begriff von schral sein; niederländisch schraal,
+westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dänisch
+skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen
+Nebenbedeutungen. Beim seemännischen Gebrauch des Wortes ist es nicht
+ganz ausgeschlossen, daß bei der ungünstigen Drehung, die der Wind
+macht, auch zugleich ein schwächeres Wehen eintritt, doch ist zunächst
+sicher nur an die Richtung gedacht.
+
+
+*schrapen*,
+
+mit einem *Schraper* die Farbe von etwas abkratzen, um es dann neu und
+besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das außer in der Form
+schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und bedeutet:
+mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln, streichen;
+Rüben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen; auch: sich
+den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer Lübecker
+Reformationsgeschichte von 1529-1531 heißt es: »Und verstunden sik de
+lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen manne
+sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort scholden
+handelen und ordelen.«
+
+Der Schraper ist ein dreieckiges Stück Eisen mit scharfen Kanten und
+einem Stiel.
+
+Von der Form schrabben für schrapen kommt auch das bekannte Wort
+*Schrubber*, ein scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fußbodens, des
+Decks; ein »Leuwagen.«
+
+
+*Schratsegel*, das.
+
+Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren sind Schratsegel.
+Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle Gaffelsegel
+gemeinschaftlich bezeichnet, so daß Jager, Klüver, Stagsegel,
+Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Großgaffelsegel, Besan und Briggsegel
+unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefaßt werden. Im
+Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in schräger
+Richtung verläuft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz zuläuft. Der
+Name ist also gewählt für das was allen Schratsegeln auch wirklich
+gemeinsam ist, daß sie nicht grade, sondern schief geschnitten sind. So
+nennt man schratdok »ein dreykantiges Halstuch des Frauenzimmers, deren
+zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen entstanden sind.« Diese
+Vorstellung lag wahrscheinlich auch der Benennung der Schratsegel zu
+Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau die Form eines solchen
+dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man könnte sich zwar die Sache
+auch so vorstellen, daß die Schratsegel immer schräge stehen, während
+die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant gebraßt werden, aber
+dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche Begriff von schrat, der
+nicht sowohl das *dreieckig* Geschnittene, sondern vielmehr das
+dreieckig *Geschnittene* ist, denn die Wurzel dazu ist skru = schneiden,
+von der auch der Familiennamen Schröder = Schneider kommt. Ein
+Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam ein
+in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel.
+
+
+*Schraubenbrunnen*, der,
+
+ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die Schraube hängt, wenn
+ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will. Die Schraube wird
+gelichtet, d. h. aus dem Wasser herausgezogen und in dem Brunnen
+aufgehängt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme. Doch wird durch
+solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes geschwächt, so daß man
+in Erwägung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht den geringen Vorteil
+der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe.
+
+
+*schricken.*
+
+Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges fiert. Es
+ist z. B. ein Kutter vorn etwas höher gehißt wie hinten; da es aber für
+das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, daß der Kutter grade
+hängt, so muß der vordere Kutterläufer geschrickt werden. Oder es tritt
+Regen ein, der die Brassen naß macht und zusammenzieht, so daß sie
+allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen geschrickt. Da das
+Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft steht, so ist das
+Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende muß vorsichtig
+sein, daß er das Ende gut belegt hält, damit das Tau in seiner Gewalt
+bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe verwandt und
+mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das demselben zu Grunde
+liegende althochdeutsche screckon heißt auffahren, aufspringen,
+springen, hüpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem entspricht
+das niederdeutsche schrikken = springen, einen plötzlichen Ruck machen
+oder bekommen, auffahren, zurückfahren, schrecken, erschrecken. Doch
+kommt das seemännische schricken nicht unmittelbar vom althochdeutschen
+screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch schrecken = springen
+machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe Wort, das eine Köchin
+gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem heißen Wasser
+plötzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser schälen lasse.
+
+
+*Schrims*, das,
+
+ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen Stücken Garn,
+teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort würde wenig bekannt
+sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise gebraucht würde,
+um das gekochte präservierte Rindfleisch zu benennen, das leicht wie
+Strähne eines aufgedrehten Taues auseinanderfällt, daher es auch noch
+öfters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das Wort dürfte aus
+dem Englischen herübergekommen sein und müßte wohl Schrimps geschrieben
+werden, denn das -- jedenfalls mit dem mittelhochdeutschen schrimpen
+verwandte -- englische schrimp heißt Knirps, Zwerg, und mundartlich
+heißt im Englischen shrimp irgend etwas Kleines, Unbedeutendes,
+Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall stimmt.
+
+
+*Schrubber*, der, s. schrapen.
+
+
+*Schuner*, der, s. Schoner.
+
+
+*Schute*, die,
+
+ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem Tiefgang, zur
+Beförderung von Personen und Gütern auf Flüssen und Kanälen. Sie sind
+weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern werden
+getreidelt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der
+niederländische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem
+Pferde sitzt und es antreibt heißt het jagertje). Sie bildet ein sehr
+angenehmes Beförderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf einem
+holländischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wissen, wie bequem
+und gemütlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch Röding
+(1794) nennt sie »bequem« und weiß von vielen Arten Schuten in Holland,
+darunter sogar auch Segelschuten.
+
+Die großen Elbkähne, die von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter
+nach Hamburg kommen, nennt er »Hamburger Schute« und beschreibt sie als
+stattliche Schiffe von 120 Fuß Länge. In und bei Berlin ist der Name
+heute noch sehr gebräuchlich. Riecke, »Ursprung und Name der Städte
+Berlin und Köln an der Spree« behauptet sogar: »Der märkische Name
+Schute für Kahn ist vom keltisch-gälischen sguit, ein Boot, abzuleiten.«
+Dagegen spricht aber das frühe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man
+möchte daher eher auf niederdeutschen Ursprung schließen. Im
+Mittellateinischen hieß Schute escauda, das könnte von dem französischen
+Namen der Schelde kommen, wie denn in der Tat nach einer Urkunde von
+1252 ein Schiff, das auf der Scarpe, einem Nebenflusse der Schelde fuhr,
+scarpoise hieß.
+
+Indessen liegt eine andere Erklärung viel näher. Die Alten haben einem
+Schiff gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So dürfen wir auch
+hier annehmen, daß ein von scheten = schießen kommender Stamm schut zu
+Grunde liegt, indem Schute ein (verhältnismäßig schnell, weil vom Pferde
+gezogenes,) dahinschießendes Boot ist.
+
+Das Fahrzeug muß schon früh, im Mittelalter, bekannt gewesen sein, wenn
+man bedenkt, daß es nach der Hamburger Chronik bereits in
+mittelniederdeutscher Zeit zu einem scherzhaften Vergleich herangezogen
+werden konnte, die feindlichen Schiffe »weren doch man appelscuten, dar
+weren se unverzaget vor.«
+
+Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuytken = Boot.
+
+In den Niederlanden muß in früheren Zeiten eine schuit so wohnlich
+gewesen sein, daß der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein
+abenteuerlicher war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein
+Plakat erlassen gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van
+Jesuiten en andere Priesters, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of
+Religieuse Personen, van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten
+Bürger des Landes ihrer gesetzmäßigen Obrigkeit abwendig machten »ende
+tot moorderye van Prinsen ende Potentaten« verleiteten. Sie wurden
+verbannt, und eine Strafe von 200 Gulden dem auferlegt »in wiens
+Huysen, Velden, Schepen ofte Schuyten« sie ihr Wesen trieben.
+
+
+*Schutzdeck*, das,
+
+ist ein Deck von Kriegsschiffen, das geschützt ist gegen das Aufschlagen
+feindlicher Geschosse. Der Schutz wird durch Panzerplatten oder stärkere
+Stahlplatten, die das Zwischendeck bedecken, gewährt. Dieses heißt daher
+auch wohl Panzerdeck; das Schutzdeck unterscheidet sich von ihm nur
+durch die geringere Dicke der Platten.
+
+
+*Schütze*, die, s. Schott.
+
+
+*Schwabber*, der,
+
+ist ein Hilfsmittel beim Deckwaschen und vertritt an Bord die Stelle
+eines Scheuertuches, ist aber kein Tuch, sondern besteht aus losen
+Strähnen von Kabelgarn, die oben durch eine Takelung quastenartig mit
+einander verbunden sind, wie denn überhaupt der Schwapper oder Schwabber
+mit einer großen langen Quaste Ähnlichkeit hat. Man trocknet damit nach
+dem Deckwaschen das noch an Deck stehende Wasser auf, indem man damit
+hin und her fährt. Von diesem Hinundherfahren kommt der Name.
+Ostfriesisch heißt swäpen mit irgendwelchem biegsamen, elastischen,
+schwanken und schlanken Gegenstande eine Schwingung, eine Hin- und
+Herbewegung machen; gotisch sveip, angelsächsisch svap, altnordisch
+sveip sind Präterita von sveipan, svipan, svipa. Davon kommt auch
+swäpen, mit der Peitsche schlagen und sweper = Besen und viele andere
+Wörter, die alle mit Hin- und Herbewegung zu tun haben. Aufschwabbern
+heißt Wasser mit einem Schwabber aufnehmen.
+
+Französisch (1702) souabre; niederländisch swabber, dweil; englisch
+swab; dänisch svaber; schwedisch svabb.
+
+
+*schwajen*
+
+auch schwoien, schwojen = schwingen. Das »Bremer Wörterbuch« behauptet,
+das Wort käme von wehen her. »S wird im Niedersächsischen vielen
+abgeleiteten Wörtern vorgesetzt zur Verstärkung der Bedeutung, oder eine
+Heftigkeit der Handlung anzudeuten; slabben von labben = auflecken wie
+die Hunde; swelen, Gras dörren, von welen = welken; spreden =
+ausbreiten, von breden. So auch holländisch: slink von link = sinister;
+swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern = naschen, von
+likken = lecken.« Wenn das richtig wäre, könnte man sagen, der Ausdruck
+schwajen käme daher, daß das Schiff vom Wehen (wajen) des Windes
+herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch lange
+nicht immer vom Winde besorgt, sondern öfter noch von der Strömung, von
+Ebbe und Flut, in Kanälen auch von Menschenhand, und dann ist auch die
+ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten verstärkenden s nicht
+richtig. In allen den angezogenen Beispielen gehört das s vielmehr
+wesentlich mit zum Stamm, und die Bremer haben sich mit diesem s ebenso
+geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr anlautenden Wörter, von
+denen behauptet wird: »W vertritt in unserer Sprache oft die Stelle des
+äolischen Digamma und wird sonderlich oft dem r vorgesetzt, wo andere
+Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es die Bedeutung des Wortes
+zu verstärken und demselben eine größere Heftigkeit beizulegen«. Das
+verhält sich grade umgekehrt. Das w im Anlaut vor r gehört zum Stamm und
+ist nicht im Niederdeutschen hinzugefügt, sondern vielmehr im
+Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere hierüber s. unter Wrack.
+
+Nicht von waijen kommt schwajen, sondern vielmehr von schwingen, dessen
+Bedeutung es ja auch ganz und voll hat. Im Ostfriesischen heißt es
+swajen = sich schwingend und schwebend bewegen, einen Schwung, eine
+Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung machen, und wird nicht nur von
+Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz allgemein gebraucht. Doornkaat
+gibt die Beispiele: »De fögels swajen dör de lücht, he swaide net, as of
+he 'n bitje anschaten was; de weg swaid bold na links un dan wer na
+rechts«, und bemerkt dazu: »Es hat hier in swaj zweifellos ein Übergang
+oder eine Erweichung vom älteren g in j stattgefunden, so daß der Stamm
+swaj für swag steht, der selbst aber wieder aus swang entstand ...
+welches zu schwingen gehört.« Die Ableitung von schwingen dürfte richtig
+sein. Das o in der Schreibweise schwojen mag sich aus der ostfriesischen
+dunklen Aussprache des a erklären, welche so ziemlich wie o klingt. Am
+einfachsten hat man die Frage, ob a, ob o in Groningen gelöst, da
+gebrauchen sie beide Vokale nebeneinander und sagen, um keinem zu nahe
+zu treten, zwoaien: »Het omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit
+smal, dan heft men het op enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien;
+zulk een plaats het (heißt) zwoaiplaats«, ostfriesisch swaj-wik oder
+auch kurzweg swaje.
+
+Zu dem Übergang von g in j sei bemerkt, daß derselbe sich noch
+keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flusse ist und daß unser
+Seemann das g bei der Aussprache noch hörbar mitklingen läßt, und zwar
+als palatales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgeräusch, also
+ähnlich wie ch.
+
+
+*Schweinsrücken*, der.
+
+1. Eine Untiefe in der Jade vor der Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven,
+neuerdings durch Schlengenwerk befestigt mit der Absicht, dadurch einen
+günstigen Einfluß auf Strom-, Schlick- und Fahrwasserverhältnisse
+auszuüben.
+
+2. Bei modernen Schiffen, die eine von der früheren sehr verschiedene
+Ankergeschirreinrichtung haben, ein schräger Aufbau auf dem Deck im Bug
+oder auf dem Heck, auf welchem der Anker lagert.
+
+Das Wort erklärt sich im Vergleich mit dem Eselsrücken in der gotischen
+Baukunst: von der Gestalt.
+
+
+*schwellen.*
+
+Im Binnenlande spricht man von schwellenden Segeln, sagt auch
+dichterisch, daß sich die Segel zur Fahrt schwellen. So gerne nun der
+Seemann es sieht, wenn sie das tun, seemännisch ist der Ausdruck nicht.
+Man wird niemals einen wirklichen Seemann von schwellenden Segeln reden
+hören. Solch dichterische Sprache vermeidet er geradezu ängstlich. Er
+sagt: »volle Segel.«
+
+
+*Schwert*, das,
+
+ist eine Vorrichtung die bei flachgehenden Fahrzeugen, wenn sie beim
+Winde segeln, das Abtreiben und gegebenen Falles das Kentern verhindern
+soll. Sie besteht nämlich aus einem Brett an jeder Seite, das beim
+Segeln am Winde in Lee ins Wasser gelassen wird um den Widerstand zu
+vermehren. Hierzu hat Röding einen seiner äußerst spärlichen
+etymologischen Versuche gemacht. Er ist artig genug: »Es hat daher
+seinen Namen, weil es an der Seite des Schiffes ungefähr so hängt, wie
+ein Schwert an der Seite« (des Mannes). Nur daß es dann doch besser
+Schild hieße, und die Sache bei unseren modernen Jachten und
+Rettungsbooten nicht mehr stimmt. Dick und Kretschmer, II. 282: »Für
+kleine zum Privatgebrauch bestimmte Boote empfiehlt sich mit Rücksicht
+auf Stabilität, geringen Tiefgang, Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit
+eine breite und flache Form des Bootskörpers. Diese Form bietet aber
+einen verhältnismäßig sehr geringen seitlichen Wasserwiderstand und
+besitzt in Folge dessen für das Segeln am Wind oder bei Dwarswind den
+Nachteil, daß das Boot stark abtreibt. Diesen Nachteil soll das
+sogenannte Schwert ausgleichen. Es besteht aus einer eisernen oder
+hölzernen (dreieckigen, trapezförmigen oder rechteckigen) senkrechten
+Platte, welche entweder für fest am Kiel des Bootes angebracht ist oder
+aber beweglich ist und mittelst einer einfachen Vorrichtung je nach
+Bedarf heruntergelassen oder aufgeholt werden kann. In letzterem Fall
+ist in das Innere des Bootes, in seiner Längsschiffsebene, ein schmaler
+Kasten eingebaut, welcher das aufgeholte Schwert in sich aufnehmen
+soll«, -- der Schwertbrunnen.
+
+
+*Schwertmatte*, die,
+
+eine der an Bord zahlreich gebrauchten Matten, die ihren Namen von der
+Art ihrer Verfertigung hat. Es fertigen sich nämlich richtige alte
+Matrosen ihre Matten selbst an. Um die Schwertmatte zu weben, denn ein
+Weben muß man die Anfertigung nennen, verfährt man ähnlich wie auf einem
+sehr primitiven Webstuhl, doch so daß zwei Parten von beiden Seiten
+kommen und sich kreuzen. Damit das Durchstecken der Parten möglich
+werde, steckt man jedesmal ein hölzernes Schwert durch den Zettel oder
+Aufzug und dreht es auf die hohe Kante. Von diesem Schwert, oder
+vielmehr von den zwei Schwertern die gebraucht werden, stammt der Name.
+
+
+*Schwieping*, die,
+
+das spitz zulaufende Ende eines Taues, das entsteht wenn man das Tau
+aufdreht und beim Wiederzusammendrehen nach und nach mehr Kabelgarn
+entfernt. Das Wort heißt niederländisch zweep, und das gibt die
+Erklärung; zweep, auch zwiep heißt Peitsche; niederdeutsch swepe;
+angelsächsisch svip, altnordisch svipa. Eine Peitsche wie sie in
+einfachen Verhältnissen ein Fuhrmann sich selbst aus Hanf zu drehen
+pflegt, ist oben dick und läuft nach unten allmählich dünn zu; daher der
+Name dieses dünn zulaufenden Taues, verbunden mit der niederdeutschen
+Endung ing. Vergl. übrigens auch Hundspünt.
+
+
+*schwichten*
+
+bedeutet, zwei stehende Taue durch eine Leine hin und her mit einander
+verbinden und fest zusammenziehen, so daß die beiden ohnehin schon
+festen Taue nur noch fester, steifer und unbeweglicher stehen. Die
+eigentliche Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes swichten,
+niederländisch zwichten ist die unseres hochdeutschen Zeitwortes
+»beschwichtigen«, also ruhig machen. Aber wenn zwei stehende Taue
+»ruhig« gemacht werden sollen, so müssen sie »fest« gemacht werden. Auch
+bei schwichten findet sich dieselbe Lautverschiebung die unter schiften
+erwähnt ist; althochdeutsch swiftjan, mittelhochdeutsch swiften,
+beschwichtigen.
+
+
+*Schwimmdock*, das,
+
+ist eine schwimmende Vorrichtung zum Docken von Schiffen. Es besteht in
+der Hauptsache aus zwei Seitenwänden, die durch einen Boden mit einander
+verbunden sind. Die beiden schmalen Seiten vorn und hinten sind offen.
+Die Seitenwände sind hohl und können voll Wasser gelassen werden.
+Geschieht das, so sinkt das Schwimmdock so tief ins Wasser, daß ein
+Schiff sich zwischen die beiden Wände legen kann. Wird das Wasser aus
+diesen wieder ausgepumpt, so geht das Dock mit dem darin befindlichen
+Schiffe in die Höhe, letzteres trocken legend. Der Name Schwimmdock
+dient zur Unterscheidung von einem ausgegrabenen, mit Steinen
+ausgemauerten Trockendock.
+
+
+*Schwimmponton*, s. Dock.
+
+
+*Scotsman*, der,
+
+ist eine hölzerne Latte oder ein entsprechendes Stück Eisen um an
+gefährdeten Stellen das stehende Gut vor dem Schamfilen zu bewahren,
+eine Schamfilungslatte. Wie der Normann an der Beting, so wird der
+Schottländer an der Takelage haben herhalten müssen für eine kurze und
+bündige Bezeichnung einer seinem Lande eigentümlichen, also von
+schottischen Seeleuten auf andere übergegangenen Vorrichtung. Der
+niederdeutsche Seemann pflegte »Schottschmann« zu sagen; daraus wurde
+durch nachlässige Aussprache Schuttschmann, und hieraus durch
+volksetymologische Umbildung sogar »Schutzmann«.
+
+
+*See.*
+
+1. Der See, ein Binnensee.
+
+2. Die See.
+
+a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heißt
+absegeln, abdampfen, abfahren. »Ich gehe morgen in See«, »ich gehe nach
+Hongkong in See«.
+
+b. Eine hohe Meereswoge; »wir nahmen Seeen über«, die Wogen gingen so
+hoch, daß sie uns über die Reling an Deck schlugen; »wir kamen
+dwarssees«, so zu liegen, daß die Seeen von der Seite auf uns zukamen.
+»Eine See nahm den Schiffsjungen mit über Bord«.
+
+Diese letztere Bedeutung von See könnte noch einmal für die Etymologie
+des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heißt, so
+hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen.
+Diese Annahme gewönne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen
+dürfte, daß die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die
+ursprünglichere wäre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See im
+Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist für
+Landsee, und das erwähnte gotische saiws heißt mehr Sumpf wie Meer, also
+eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, überschwemmtes Gebiet,
+und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf
+gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in
+den Vordergrund der Betrachtung getreten, so daß also See auf irgend
+eine Weise den k-Laut am Ende eingebüßt hatte.
+
+Die Entscheidung in der Frage wird erst gefallt werden können, wenn man
+sagen kann, was zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See
+steht begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem
+Eigenschaftsworte saevus.
+
+Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns weiter
+bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde,
+bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch für See annimmt,
+dann kommt die See und der See in einem Begriff, »bewegt« zusammen, denn
+bewegt sind sie beide.
+
+
+*Seebeine*, die.
+
+Wer überhaupt zum ersten Male oder nach längerem Landaufenthalt zum
+ersten Male wieder an Bord kommt, der muß zunächst darnach trachten, daß
+seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes gewöhnen, so daß er auch
+im Sturm noch einigermaßen sicher stehen und gehen kann. Wenn er soweit
+ist, dann hat er Seebeine. Französisch (Aubin 1702:) avoir le pié marin;
+man nennt den Mann der Seebeine hat auch gradezu pié marin; »On apelle
+ainsi un homme qui a le pié si seur et si ferme, quil peut se tenir
+debout pendant le roulis d'un vaisseau.« Niederländisch zee-voeten
+hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en -voeten hebben.
+
+Doch nennt man im Französischen mit tieferer Bedeutung einen Mann pié
+marin. »Il se dit aussi de celui qui entend bien la navigation, et qui
+est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu'un Officier a le pié marin les
+gens de l'équipage ont bien plus de confiance en sa conduite.«
+
+
+*seefest*
+
+ist ein Mensch wenn er zur See fahren kann ohne *seekrank* zu werden, d.
+h. ohne daß er seine Beschäftigung wegen *Seekrankheit* unterbrechen
+muß. Kleine Unbehaglichkeiten, vorübergehende Übelkeiten kommen wohl
+auch einmal einen seefesten Mann an; seekrank wird eigentlich nur der
+genannt, der »Kette steckt« oder dem das Essen und das Rauchen gar
+nicht mehr schmecken will.
+
+Geschütze, Boote, Anker, Kisten, Kasten, Schränke u. s. w. sind »seefest
+gezurrt« wenn sie so befestigt sind, daß sie auch bei hohem Seegang
+nicht »über Stag« gehen können.
+
+
+*Seekadett*, der.
+
+Die wörtliche Übersetzung von Kadett ist Junker, junger Herr (jonkheer)
+jüngerer Sohn, aber ursprünglich bedeutete es: junger, kleiner Hauptmann
+oder Häuptling, denn das Wort stammt vom lateinischen capitettum, das
+eine Diminutivform zu caput ist; noch zutreffender wäre also: »kleiner
+(zukünftiger) Kapitän.« Im Altfranzösischen hieß cadet noch capdet.
+
+Wer Seeoffizier werden will tritt in die Marine als Seekadett ein.
+
+
+*seeklar*
+
+ist ein Schiff wenn es klar, d. h. fertig zum Auslaufen ist. Dazu gehört
+für ein Schiff, das auf eine weite, lange Reise geht, eine umfassende
+Vorbereitung und Ausrüstung. Bei Kriegsschiffen findet daher vor dem
+Auslaufen des Schiffes eine genaue Seeklarbesichtigung statt, die der
+Stationschef selbst abhält, bezw. durch seinen Generalarzt, seinen
+Stabsingenieur abhalten läßt, die ihn bei der Besichtigung zu begleiten
+haben.
+
+
+*Seemann*, der,
+
+ist jetzt die allgemeine Bezeichnung für einen seebefahrenen Mann, der
+die Seefahrt als Beruf betreibt. »Der Junge will »»Seemann«« werden.«
+Daher auch das Wort »*Seemannschaft*« für den Inbegriff alles dessen,
+was ein tüchtiger Seemann wissen muß, wobei im weiteren Sinne auch die
+Navigation eingeschlossen ist. Doch hat, wie in allen Wissenschaften, so
+auch bei dieser, in neuerer Zeit ein solcher Aufschwung stattgefunden,
+eine solche Vermehrung und Bereicherung, daß Einer nicht mehr Alles
+wissen kann.
+
+Vergl. Matrose.
+
+Während heutzutage ein Seemann ein Mann ist, der friedlich seinem Berufe
+nachgeht, wird im Beówulf unterschieden zwischen Leuten die nur
+überhaupt die See durchschiffen und Leuten, die zur See kämpfen; nur die
+letzteren hießen Seeleute. Ein sae-man war also nicht ein Seemann,
+sondern ein »Kriegsmann zur See«.
+
+Ein eigentümliches Zusammentreffen ist es, daß im Mittelniederdeutschen
+seeman, seman ein Mann heißt, der unter dem Pantoffel steht, »de sick
+van dem wyve regeren leth, dar dat wyff de brock drecht;« niederländisch
+en wijffwl, Jan ligt achter, die voor woont als t' huys omgekeert is.
+
+Nicolaus Gryse: »Dat öuerst vrouwe Seeman daryegen mundtwercket vnde
+anmeldet, dat dat frouwen regement auer den man dat erste vnde oldeste
+gewesen sy.«
+
+»Denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann vth kribbischer bössheit mit
+vndenstliken worden vörbolgener wyse awer dwer vnd dwas alse einer
+seemanche hebberecht ankarret, ansnarret vnde anfaret vnd trotzichlick
+auer de nese houwet, vthhaltert vnde vth halippet ... dat sulue ys grote
+sunde und schande.«
+
+Dieses Wort ist nur wegen seiner lautlichen Ähnlichkeit an Seemann
+angelehnt; im Mittelhochdeutschen hieß ein Pantoffelheld und auch eine
+den Pantoffel schwingende Frau »Simon«, und das war eine ebensolche
+Anlehnung an den bekannten jüdischen Namen Simon, vielleicht mit dem
+Gedanken an die Bedeutung im Hebräischen »ein Hörender, Gehorchender.«
+Eigentlich hieß das Wort »Sie-Mann« und bezeichnete eine Frau als eine,
+die der Mann im Hause ist.
+
+
+*Seemannshaus*, das,
+
+ist ein Erholungshaus für Seeleute, in dem sie Bücher, Papier, Feder und
+Tinte, angenehmen Aufenthalt, gute und billige Verpflegung finden, und
+vor allen Dingen den Gefahren schlechter Kneipen entzogen sind. Nach dem
+Vorbilde der englischen Sailors Homes entstehen jetzt auch in
+Deutschland dergleichen Anstalten zum Wohle des seefahrenden Mannes;
+sind sie von der *Seemannsmission* eingerichtet, so heißen sie
+*Seemannsheime*.
+
+
+*Seeräuber*, der,
+
+war im Sprachgebrauch der früheren Hansazeit nicht das, was man sonst
+Pirat, Korsar, Flibustier oder Vitallienbruder nannte, sondern ein Mann,
+der mit seinem Schiffe auf mehr oder weniger eigene Faust Fehde trieb
+und den Feind schädigte wo und wie es ihm möglich war. Aber immer nur
+den Feind und immer nur als kriegführende Partei, also ähnlich wie die
+Vitallienbrüder in ihrer ersten, nach damaligem Recht einigermaßen
+rechtmäßigen Zeit. Hierüber schreibt Sartorius, Hansa, I. 90 treffend:
+»Über Seeräuber wird oft und viel geklagt und Friedensschiffe wurden
+gegen sie in die See gesandt. Allein diese waren selten eigentliche
+Seeräuber, den Namen teilten sich beide kämpfende Teile wechselseitig
+zu, da Repressalien gewöhnlich waren, und bey eingetretenen Bedrückungen
+mit gleichem geantwortet wurde. Auf diese Art von wechselseitiger
+Seeräuberei blieben alle Feindseligkeiten zwischen den deutschen
+Städten, den Engländern und Schotten beschränkt.« Wie es noch 1673 auf
+deutschen Meeren aussah, verrät eine Segelanweisung in der »Beschriving
+von der Kunst der Seefahrt«: »... so pegelt erstlick mit ein Compaß, wat
+Streck dat gy de Nase von juw hebben, und wo fern gy juw van de Wall
+gist tho wesen, datsülvige teckent mit ein Stip Kryt in de Paßkart,
+(schrivet ydt ock in ein Memorial Bock, alles wat gy in de Kart tecken,
+up dat wen de Kart dorch Rövers offt sünst, juw affhendig gemaket worde,
+gy juw dennoch na dem Memorial richten können.«)
+
+
+*Seesoldat*, der,
+
+ist ein Soldat, der bei einem der drei kaiserlichen Seebataillone dient,
+die sich gegenwärtig in China befinden, sonst aber in den heimischen
+Marinegarnisonen den Infanteriedienst besorgen. Die Offiziere werden auf
+einige Jahre von der Armee zur Marine kommandiert; einige von ihnen
+fahren auch an Bord der Schulschiffe als Instrukteure für die
+Seekadetten im Infanteristischen. Im Binnenlande wird ein Kriegsmatrose
+öfters Marinesoldat genannt und dann mit einem Seesoldaten verwechselt.
+Sie sind aber sehr aus einander zu halten.
+
+
+*Seetage*, die, s. *Seetörn*.
+
+
+*Seetörn*, der,
+
+ist eine unbestimmte Anzahl von Seetagen, d. h. solchen Tagen, die man
+hinter einander auf See zubringt oder zugebracht hat. Man gebraucht das
+Wort Törn auch sonst in der Seemannssprache häufig und zwar oft
+gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Fremdworte Tour. Wie man
+hochdeutsch sagt: »Das ist meine Tour,« anstatt »ich bin an der Reihe,«
+so sagt man seemännisch: »Das ist mein Törn,« Rudertörn, Wachtörn u. s.
+w.
+
+Außerdem spricht man in der speziellen Seemannschaft von einem Törn;
+wenn man ein Tau einmal um irgend einen festen Gegenstand herumgelegt
+hat, so hat man einen »Törn« genommen, wofür man auch »Schlag« sagen
+kann; ist irgendwo zufällig eine Schlinge in dem Tau entstanden, hat es
+eine Drehung gemacht, die es nicht machen sollte, und es ist in Folge
+dessen eine Bucht entstanden, so ist das auch ein Törn, der aber
+möglichst bald wieder herausgedreht werden muß.
+
+Was Seetörn selbst angeht, so könnte man es, wenn man das Fremdwort Tour
+beseitigen will, einfach mit Seereise wiedergeben, wie wir ja auch im
+Binnenlande anstatt Tour Reise oder Ausflug sagen. Eigentlich müßte es
+ja Rundreise heißen, denn es kommt von tourner, drehen; englisch turn,
+und letzteres hat, wie die Aussprache beweist, den Vermittler gespielt.
+
+Der Seemann hat auch das Zeitwort törnen für drehen und vertörnen für
+verdrehen. Verwandt ist turnen und das mittelhochdeutsche turnei,
+neuhochdeutsch Turnier.
+
+
+*Seemeile*, die, s. Meile.
+
+
+*Seeraum*, der, s. raumen.
+
+
+*Seetriften*, die,
+
+nennt man das, was die See angetrieben hat, das Strandgut. In früheren
+Zeiten brauchte ein Schiff noch garnicht gestrandet zu sein, um mitsamt
+seiner Ladung als Strandgut angesehen zu werden. Es genügte, wenn eine
+grundroeringe, eine Berührung des landesherrlichen Strandes durch das
+Schiff stattgefunden hatte. Bremer Wörterbuch: Dies unmenschliche
+Strandrecht wurde auch aufs feste Land, auf Wagen und Pferde ausgedehnt.
+Wenn ein Wagen umgefallen war oder einige Güter davon gefallen waren, so
+fielen sie dem Landesherrn oder dessen Vögten heim. Imgleichen wurde ein
+Pferd eingezogen und weggenommen, wenn ein Reiter davon ins Wasser
+gefallen und ertrunken war. Renner in der Bremischen Chronik erzählt: Up
+einen Tidt hadde de Vaget (des Erzbischofs Johann I, 1307) thom
+Langwedel einen gefangenen Kopman und sprak thom Bischuppe: Here, düse
+Kopman hefft Grundroringe gedahn, und ist mit siner Kahren und Gude
+gefallen durch de Brugge, derhalven schall he juw geven grot Gudt.« (!)
+Doch vergl. hierzu was Winkelmann in seiner Oldenburgischen Chronik von
+dem 1598-1602 erbautem Turm auf Wangerooge schreibt: »Nach Abgang deren
+ins Norden gestandenen Kirchen ist der Mittelteil dieses Turmes zu dem
+Gottesdienst der Einwohner, das unterste und obriste aber, bei etwa
+vorgehendem Schiffbruch, zu Hinlegung der gestrandeten und salvirten
+oder gebergten Güter verordnet worden, massen die Herren Grafen, als
+Christlöbliche Obrigkeit nach aufgehobenem Strandrecht, niemaln mit den
+gestrandeten Gütern auf der See, Jhade und Weser mit der Schärfe
+verfahren, sondern dieselbige, zur Erhaltung ihrer Jurisdiktion, so sie
+auf gedachten Wassern haben, auf gebührliches Ansuchen rückgegebene
+Recognition und erlegten Berggelts vor die Hilfleistende, wieder
+abfolgen lassen, damit dem Beträngten keine größere Bedrängniß zugefügt
+werden möchte.«
+
+
+*Seewache*, die, s. Wache.
+
+
+*Seezeichen*, das,
+
+ist der allgemeine Name für Boje, Tonne, Bake etc. Die Seezeichen
+bezeichnen den Eingang in einen Hafen, die Fahrwasserrinne in einem
+Revier u. s. w. Man unterscheidet Winterseezeichen und
+Sommerseezeichen, letztere werden im Spätherbste eingezogen und durch
+die Winterseezeichen ersetzt.
+
+
+*Segel*, das,
+
+»ein aus mehreren Kleidern (Bahnen) von starker Leinwand oder von
+Baumwollenstoff zusammengenähtes Tuch,« das an den Masten, Rahen,
+Gaffeln, Stagen, Spieren eines Schiffes ausgespannt wird um den Wind
+damit aufzufangen und so das Schiff in Bewegung zu setzen. Ein Segel hat
+entweder nach seiner Gestalt und Einrichtung oder nach der Stelle, wo es
+angebracht ist, seinen Namen, der es von anderen Segeln unterscheidet.
+
+Die erste Erfinderin ist die Not. Es ist darum kein Wunder, daß die
+Menschen, sobald sie anfingen sich über den Naturzustand zu erheben, auf
+solch ein Fortbewegungsmittel verfielen. Doch scheint bei den alten
+Deutschen der Gebrauch der Segel nach Tacitus' Germania nicht allen
+Stämmen bekannt gewesen zu sein. Von den Batavern erzählt aber derselbe
+Geschichtschreiber, daß sie sich der sagula zum Segeln bedienten. Von
+sagulum kommt also der Name Segel. Weil aber sagulum der römische
+Kriegsmantel hieß und im Lateinischen keine seemännische Bedeutung
+hatte, so tragen manche Gelehrte gegen diese Ableitung Bedenken. Es ist
+indessen möglich, daß die erste Verwendung von sagulum zum Segeln eine
+gelegentliche gewesen wäre und daß gerade diese gelegentlich zufällige
+Verwendung des sagulum anstatt des velum oder linteum den Batavern den
+Namen nahe gelegt hätte, daß sie also durch eine zufällige Erscheinung
+auf den Gedanken gebracht worden wären, sagulum sei das wirkliche
+lateinische Wort für dieses ihnen alsbald sehr einleuchtende
+Fortbewegungsmittel.
+
+Die kurze, bequeme niederdeutsche Form, in der unser Seemann das Wort
+meist gebraucht, ist seil, diphthongiert nach geschwundenem g, und sie
+wird in mittelniederdeutschen Schriftdenkmälern sehr oft gefunden,
+wahrscheinlich ward sie schon aus dem Grunde bevorzugt, weil sonst segel
+= Segel und segel = Siegel leicht verwechselt worden wären; wie man auch
+anstatt segelen seilen sagte und dadurch von segeln = siegeln
+unterschied.
+
+
+*Segel setzen*, Segel bergen, Segel abschlagen s. (Segel) unterschlagen.
+
+
+*Segelkoje*
+
+ist der Aufbewahrungsort der abgeschlagenen oder noch nicht
+untergeschlagenen Segel und der Reservesegel, Schutzsegel, Rauchsegel,
+Sommersegel, Bezüge, Presennings; bemerkenswert ist, daß dies das
+einzige Mal ist, wo das Wort, das sonst an Bord immer ein Bett
+bezeichnet, eine Kammer bedeutet, vielleicht weil die Segel darin als
+ruhend, schlafend gedacht sind, wie man in der Botanik von einem
+schlafenden Auge spricht.
+
+
+*Segeln*
+
+bedeutet die Fortbewegung eines Schiffes oder Bootes, indem man den Wind
+auf die Segel wirken läßt.
+
+Die Alten hatten ein zwar nicht schönes, aber deutliches aus Segel bezw.
+segeln gebildetes Wort für Navigation: Segelasje, Segelatie, Segelasche.
+»Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673: »Ein klene Faut (Fehler)
+in de Pegelinge verorsaket ein grote Faute in de Segelatie.«
+
+
+*Segel kanten.*
+
+Kanten heißt eigentlich machen, daß etwas vierkant ist, etwas in den
+rechten Winkel bringen, ihm zur rechten Richtung verhelfen, machen daß
+es sich »kant« ausnehme. Im Niederländischen und Ostfriesischen heißt
+kant glatt, schier, zierlich, hübsch, fertig, gerade, schön. Segel
+kanten heißt also, sie so in Ordnung bringen daß sie so stehen wie sie
+stehen sollen: nach jeder Richtung hin tadellos. Dick u. Kretschmer II.
+322: »Dieses Manöver wird hauptsächlich nothwendig nach jedem
+allgemeinen Segelexercitium sowie auf der Morgenwache nach Tagesanbruch.
+Während nämlich bei Manövern mit alle Mann auf das Vorholen und
+Steifsetzen der einzelnen Enden im Interesse der Schnelligkeit nicht
+allzu viel Gewicht gelegt werden kann, ist die tadellose Ausführung von
+Segelmanövern bei Nacht infolge der herrschenden Dunkelheit in der Regel
+unmöglich.«
+
+Segel kanten ist also auf See ungefähr das, was man im Hafen mit
+»brassen und toppen« vor der Morgenmusterung bezeichnet.
+
+
+*seisen*,
+
+bei der Marine merkwürdigerweise zeisen genannt, heißt zusammenbinden,
+z. B. die Parten eines Taues mit einander verbinden, daß sie nicht
+rutschen können; das aufgegeite Segel beschlagen, an der Rahe
+festbinden; eine Kabelaring und ein Ankertau zusammenbinden, u. s. w.
+Das Mittel, mit dem solches geschieht heißt die Seising; das Wort hat
+aber eine doppelte Bedeutung: einmal das Mittel zum Binden, den Bändsel
+also, und sodann den Zustand des Gebundenseins. Das Wort kommt aus dem
+Französischen, von saisir; doch haben es die Franzosen zuerst von uns
+empfangen und von unserem althochdeutschen sazjan weitergebildet. Die
+Bedeutung ist: festmachen.
+
+
+*Seitentakel*, das.
+
+Seitentakel sind solche, die an jeder Seite des Mastes an die daselbst
+befindlichen Hanger befestigt werden und dazu dienen, Boote und andere
+schwere Lasten aus- oder einzusetzen. Man unterscheidet sie nach dem
+Mast an dem sie sich befinden. Sie haben einen Mantel, s. Mantel und
+Takel.
+
+
+*Semaphor*, der,
+
+zu deutsch »Zeichenträger« vom griechischen semaio, ich zeige, und
+phero, ich trage; eine Vorrichtung mit beweglichen Armen, ähnlich denen,
+mit denen auf Bahnhöfen die Einfahrtssignale gegeben werden. Die Arme
+kann man auch Flügel nennen und das Ganze mit »Flügeltelegraph«
+übersetzen.
+
+
+*Sente*, die,
+
+hat im modernen Eisenschiffbau teilweise eine andere Bedeutung erhalten
+als sie sie beim Holzschiffbau hatte. Damals nannte man Senten dünne,
+biegsame Latten, die von vorne nach hinten auf die Inhölzer genagelt
+wurden um die Biegung der Seitenplanken darnach gestalten zu können;
+naturgemäß fing man damit ganz unten am Kiel an und schritt allmählich
+nach oben zu weiter. Jetzt dienen die Senten zwar auch noch, in Form von
+starken Balken ausgeführt, als Lehrgerüst für die einzulegenden Spanten,
+fast immer im unteren Teil des Schiffes liegend und die Wölbung des
+Schiffsbodens bildend, aber es hat sich auch die Theorie des Wortes
+bemächtigt und gebraucht es als wissenschaftlichen Begriff, als gedachte
+Linie, nämlich für die Bezeichnung der Schnittlinie, welche eine schräg
+d. h. dachförmig durch den Schiffskörper gelegte Ebene mit der äußeren
+Schiffsform bildet; die Ebene heißt dann Sentebene. Zur Erklärung des
+Wortes müssen wir natürlich auf seine älteste Bedeutung zurückgehen:
+Latte zur Gestaltung des Schiffsbauches, und zwar zunächst seines
+untersten Teiles. Nun heißt das lateinische sentina zwar auf deutsch
+»die Bilge«, aber auch der Raum wo die Bilge sich sammelt, der unterste
+Schiffsraum, und ich stehe daher, bis eine bessere Erklärung gefunden
+wird, nicht an, Sente für eine Verkürzung von Sentine zu halten.
+
+
+*Setzbord*, der,
+
+eines Bootes ist eine breite und dünne Planke die man auf den Bord eines
+Bootes *setzt* um denselben zu erhöhen, damit das Boot nicht so leicht
+Wasser über nehme. Es heißt darum im Englischen washboard, weatherboard
+und water-board -- weil das Wasser bei schlechtem Wetter nicht über
+diesen Bord waschen soll.
+
+
+*Serving*, die, s. Sarving.
+
+
+*setzen.*
+
+Segel setzen heißt die Segel entfalten und dem Winde von der richtigen
+Seite darbieten, so daß sie in Tätigkeit treten und ausrichten können
+wozu sie bestimmt sind. Das Gegenteil davon, nämlich das Einziehen oder
+Festmachen der Segel heißt Segel bergen.
+
+*Setzen* in Bezug auf die Bewegung eines Schiffes s. stampfen.
+
+Am häufigsten ward im Mittelniederdeutschen setten und auch später noch
+setzen für *ankern* gebraucht; die Zahl der Belegstellen ist so groß,
+daß es nicht not tut einzelne anzuführen.
+
+
+*Sicht*, die,
+
+das Ansehen, der Anblick, der Zustand in dem man etwas sieht, mit den
+Augen wahrnimmt. Es ist ein Verbalabstractum zu sehen. »Der Leuchtturm
+kommt in Sicht«, »wir lagen in Sicht von Helgoland.« Es ist gleich dem
+hochdeutschen Gesicht in der Bedeutung »zu Gesicht bekommen.« Der
+hochdeutsche Übersetzer der »Durchläuchtigsten Seehelden«, Sulzbach
+1681, sagt sogar mißverstandener und mißverständlicher Weise »ins
+Gesicht bekommen«; er meint damit natürlich nicht »eine (Ohrfeige) ins
+Gesicht bekommen«, sondern schreibt: »Als die Holländische Flotte auf
+die Höhe vorbesagter massen kommen war, setzte sie ihren Lauff recht
+nach der Küste von Brasilien zu, welche sie den vierdten May ins Gesicht
+bekamen« ... Von Sicht hat sich der Seemann ein Eigenschaftswort
+*sichtig* gebildet, das in der Verbindung »sichtig Wetter« eine
+Witterung bedeutet bei der man gut, deutlich, weit sehen kann. Auch ein
+Zeitwort: *sichten*; verschieden von dem Zeitwort sichten = sieben,
+bedeutet es: »zu sehen bekommen«, »in Sicht bekommen«, »wir sichteten
+soeben den Pic von Teneriffa.« *Sichtweite* eines Leuchtfeuers ist der
+Umkreis, in dem das Feuer gesichtet werden kann; verschieden also von
+Sehweite, denn so heißt die Entfernung auf die einer sehen kann,
+Sichtweite aber die Entfernung auf die einer gesehen werden kann.
+
+
+*Signal*, das,
+
+heißt in der Seemannssprache jedes Zeichen, das man auf eine gewisse
+Entfernung hin gibt, um sich verständlich zu machen und einem andern
+etwas mitzuteilen, eine Anfrage an ihn zu richten, besonders auch ihm
+Befehle zu übermitteln. Das ursprünglichste Signal waren die Bewegungen
+des menschlichen Leibes, ein Winken mit dem Arm, ein Bücken des
+Oberkörpers (s. Bake). Bald lehrte die Erfinderin Not auch den Seemann
+andere Hilfsmittel, etwa einen gehißten Besen (Quast, s. Badegast), und
+vor allen Dingen das *Signalisieren* mit Flaggen, das sich noch immer,
+auch im internationalen Verkehr, erhalten hat. Zum richtigen Verständnis
+der Signale hat jede Nation ihr *Signalbuch*, in dem die Signale mit
+ihrer Bedeutung verzeichnet stehen. Außerdem haben sie alle zusammen ein
+internationales Signalbuch, mit dessen Hilfe ein Russe und ein
+Portugiese sich bestimmte Mitteilungen machen können, ohne daß sonst
+einer ein Wort vom andern versteht. Man signalisiert ferner mit
+Winkflaggen nach dem Morse-Alphabet, mit dem Semaphor, mit den
+verschiedensten Lichteffekten etc., aber bald wird die drahtlose
+Telegraphie allen diesen kleinen Aushilfsmitteln ein Ende machen. Bis
+dahin hat man eigene Signalgasten, Signalmaate, Obersignalmaate und
+eigene Signalzweigkompagnien bei den Matrosendivisionen.
+
+Signal kommt vom lateinischen signum, das Zeichen, oder vielmehr vom
+lateinischen signalis, »bestimmt ein Zeichen zu geben.«
+
+*Kontre-Signal* heißt das verabredete Zeichen, daß das Signal gesehen
+worden, bezw. verstanden ist.
+
+
+*Siel*, das,
+
+die bekannte Entwässerungsvorrichtung an den Nordseeküsten, die dem
+Binnenwasser Abfluß in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut muß durch
+das Siel die Öffnung im Deich verschlossen werden, damit das Meerwasser
+nicht das Land überschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die Schleuse
+des Siels geöffnet, so daß das während der Flut in einem Sammelbecken
+binnendeichs aufgestaute Wasser nach See zu abfließen kann. Wo ein Siel
+ist, da wohnt ein Sielwärter; wo einer wohnt, siedelt sich leicht ein
+anderer an. So entstehen die Dörfer mit der Endung Siel: Mariensiel,
+Rüstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren Sinne ist
+Siel irgend eine Wasserleitung, eine Abzugsrinne, ein Zuleitungsrohr
+etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueductus schon in der Historia
+de fundatione monasterii Rastedensis vor, die 1290-1310 etwa geschrieben
+ist.
+
+In dem Worte Siel steckt der Begriff von seihen, althochdeutsch sihan.
+Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung »Wasser durchlassen« hat, mag,
+wie Doornkaat vermutet, erst ein Substantivum sihila, ein Etwas was
+Wasser durchläßt, gebildet worden sein, was dann in sila kontrahiert
+wurde, dessen offene Endsilbe leider, wie bei so vielen altfriesischen
+Wörtern, geschwunden ist, so daß nun die einsilbigen Leute bei der
+Aussprache eines solchen Wortes den Mund nicht mehr aufzutun brauchen.
+
+
+*Sill*, das.
+
+Hauptsächlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die Schwelle. Das
+niederdeutsche Wort sülle, sül, mittelniederdeutsch sul, sulle, sille;
+niederländisch sulle: angelsächsisch syll, englisch sill, norwegisch
+svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem gotischen sulja,
+Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat zunächst an eine
+Anschwellung der Haut unter den Füßen zu denken, sodann wird Sohle als
+Träger und Grundbalken einer Tür gebraucht im Sinne einer Anschwellung,
+einer Erhöhung; was für ein Luksill an Bord besonders zutreffend ist,
+denn das ist besonders hoch, damit überkommende Seeen nicht in die
+unteren Schiffsräume laufen.
+
+
+*Sirene*, die,
+
+ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton von sich
+gibt und Schiffen im Nebel die Nähe des Landes kund tut. Die Benennung
+ist zwar nicht ganz sinngemäß, da diese Sirene das gerade Gegenteil
+beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern glücklich
+gewählt, als jeder gleich weiß, was darunter zu verstehen ist.
+
+Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte, sehen
+wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: »In demo mere
+sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri. Sirene
+sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin, dannan uf
+vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint man an demo
+mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin lides so
+gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz gesihit, so
+verd ez in unde brichit si.«
+
+
+*Skiff*, das.
+
+Dabovich nennt so, S. 1237, ein für eine Person eingerichtetes
+Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heißt so -- englisch skiff,
+französisch esquiff, deutsch sonst Schiff -- »any small boat. In
+merchant ship's boats the skiff is next in size to the launch or
+long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc.« Die Form
+des Wortes läßt auf nordischen Ursprung der Sache schließen.
+
+
+*Skorbut*, der,
+
+eine glücklicherweise unter dem Einfluß der besseren Schiffsverpflegung
+unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der Seeleute bei
+längeren Seetörns. Das Wort hieß zwar mittellateinisch scorbutus, stammt
+aber aus dem Niederländischen, wo scheur Riß heißt. Skorbut heißt
+neuniederländisch scheurbuik, aber die lateinische Form scorbutus zeigt,
+daß es früher scheurbut geheißen haben muß, also nichts mit Bauch zu tun
+hatte, sondern Hautriß bedeutete. Die Form scheurbuik ist
+volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist bei der
+Aufnahme ins Hochdeutsche durch Mißverständnis Scharbock geworden; da
+ist Skorbut denn doch deutlicher.
+
+
+*Sitzer*, der, s. Spant.
+
+
+*Sliding gunter.*
+
+Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem sliding gunter
+Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das moderne Lust- und
+Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden nur selten geführt,
+am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel ist von dreieckiger
+Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge untergeschlagen, die
+vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig niedrigen Maste auf und
+niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel genannt. Das Wort kommt
+mit der Sache aus England und bezieht sich -- ursprünglich wohl
+scherzweise -- auf Edmund Gunter und dessen Sliding-rule, »a sliding
+scale corresponding to logarithms for performing the multiplication and
+division of numbers without dividers.«
+
+Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder
+Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen
+Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.
+
+
+*sloopen*
+
+ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen Teile
+zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche Wort
+slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser
+hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl
+sprachlich als begrifflich.
+
+
+*Sodraum*, der,
+
+= Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend mit Bilge. Das
+sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge- und so auch Sodwasser. Sod
+und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die rauschende
+Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so bedeutet Sod die
+siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den Wellen gerüttelt
+und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im Niederdeutschen Brunnen,
+von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen, aufbrausen, aufwallen,
+aufquellen; »wie Brunnen von brennen und Welle von wallen.« Vergl. Bilge
+am Ende.
+
+
+*Sog*, der,
+
+heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser. Eigentlich
+heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines Schiffes, der Piek;
+der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe. Weiterhin hat sich
+dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von diesem Teile des
+Schiffes als bewegtes, schäumendes Wasser bei der Fahrt hinter sich
+gelassen wird. Das Wort sog ist zwar niederdeutsch, aber da Zug sonst
+überall im Niederdeutschen tog heißt, so ist hochdeutsche Entlehnung
+anzunehmen.
+
+
+*Soldatenloch*, das.
+
+»Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur Stütze der Marsstenge
+nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die erforderliche Spreizung
+zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung der Takelage
+erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung, das
+sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach den
+Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des stehenden
+Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das
+ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu
+ermöglichen.« (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z.
+B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht
+außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch,
+das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung
+sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen.
+
+Wie jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses
+häufig in der Form *Soldatengat*.
+
+
+*Sonnensegel*, das,
+
+ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die Sonne. Das
+Bedürfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schützen, ist schon
+immer empfunden worden, und man hat daher von jeher ähnliche
+Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck
+ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp
+(tentschip) = Zeltschiff; doch könnte auch ein Schiff mit einem
+Leinwanddach gemeint sein.
+
+
+*Sorgleine*, die,
+
+ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an Deck fährt oder
+sonst zugänglich ist und den Zweck hat, für den Fall, daß die übrigen
+Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht gebrauchsfähig
+wären, das Ruder wenigstens noch einigermaßen regieren zu können. Darum
+ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt. Der Name schon
+deutet den Zweck an: er ist eine Fürsorge für den Fall der Not, schweren
+Sturmes, Gefechtes etc. etc.
+
+
+*sorren* s. zurren.
+
+
+*Spake*, die,
+
+ein hölzerner Hebebaum zum Drehen des Spills, zum Bewegen der Kanonen
+und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord gebräuchlich. Sie muß
+»handlich« sein, sich mit der Hand regieren lassen; tut sie das, so
+führt sie den Namen Handspake. Neuerdings hört man unter dem Einfluß des
+zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch Hand*speiche*. Und in der
+Tat ist die Rad*speiche* und die Hand*spake* dasselbe. Altenglisch heißt
+spake, angelsächsisch space, spaca, mittelniederdeutsch speke,
+althochdeutsch speicha, die Radspeiche, radius. Das althochdeutsche
+spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stück Holz; und diese allgemeine
+Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der Kultur sowohl dem was wir
+Spake als dem was wir Speiche und auch dem was wir Spiker (s. d.)
+nennen.
+
+
+*Spant*, das.
+
+Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes genannt
+worden, die am Kiel wie an einem Rückgrat festsitzen. Röding kannte noch
+die Form Spann. Aber auch ohne sie würde sich die Etymologie von selbst
+ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die Wurzel von
+spannen bedeutet ziehen, die ursprüngliche Bedeutung von Spant ist also
+»etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes«. -- Ein Spant
+besteht aus dreierlei Stücken. Unten am Kiel sind die *Bauchstücke*
+befestigt, auf ihnen sitzen die *Sitzer*; daran schließen sich nach
+Bedarf die Auflanger. Das Bauchstück heißt auch Lieger; ihm eben
+entsprechen die Sitzer.
+
+
+*Spardeckschiff*, das, s. Schiff.
+
+
+*Speedykessel*, der, s. Kessel.
+
+
+*Speiback*, die.
+
+Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung ist das
+Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute öfters genötigt sind zu
+spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefäße -- Backen
+--aufgestellt, die mit Sand gefüllt sind und das vorstellen, was man
+hochdeutsch einen Spucknapf nennt.
+
+
+*Speigat*, das,
+
+heißt ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Höhe des Oberdecks, im
+Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch Sturzwellen
+übergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser gleichsam
+ausspeit. Nach Röding hätte früher jedes Deck seine Speigaten gehabt. Er
+schreibt: »Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern Decks an
+der äußersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu verhindern, daß
+die See, insonderheit wenn das Schiff auf der Seite liegt, nicht
+hineinstürze.« Das war trotzdem nicht ohne Gefahr, und darum sind diese
+Speigaten mit Recht abgeschafft worden.
+
+Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt
+behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren,
+aus deren Rachen das Wasser herausfließt, gegeben.
+
+Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen
+alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, daß infolge eines
+feindlichen Kanonenschusses »dat blod al ut den spegaten flot.«
+
+
+*Speisewasser*, das,
+
+hat seinen Namen nicht daher, daß etwa mit ihm die Speisen gekocht
+würden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist das getrennt von
+diesem in besonderen Tänks aufbewahrte, zum Kochen und Trinken nicht
+geeignete Süßwasser, das zum Speisen der Kessel, sowie für Bade- und
+Waschzwecke bestimmt ist.
+
+
+*Spesen*, die,
+
+nur in der Mehrzahl gebräuchlich, sind die Kosten für Fracht,
+Beförderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll u. s.
+w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware kommen.
+Wörtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von spesa =
+Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand, Lebensmittel;
+lateinisch expensa, Ausgabe.
+
+
+*Spiegel*, der,
+
+ist der vom Heckbalken und den Randsomhölzern begrenzte Teil des Hecks;
+er war früher ganz flach, wie er es bei großen Beibooten jetzt noch ist.
+Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er Fenster, in
+denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag, die Wellen
+spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur durch
+Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese gemalten
+Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber eines lag
+dem Künstler stets nahe: der Gedanke daran, daß, wenn sie wirkliche
+Fenster wären, sich das Meer darin spiegeln müßte, und so versuchten sie
+es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den geschilderten
+Fenstern zur Darstellung zu bringen.
+
+
+*Spier*, die,
+
+ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z. B. als
+Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden, als
+Leesegelsspier u. s. w. Ursprünglich eine »dünne Stange,« eigentlich
+eine *dünne*, schwanke, kleine Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung hat
+sich also ähnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea ist
+als Tautologie anzusehen.
+
+Hernach = Sparren; französisch (1704) esparres, éparres. In Groningen
+haben sie ein Zeitwort bespieren, jemanden ein (rechtliches) Hindernis
+in den Weg legen, ursprünglich eine Spier vor einen Weg machen, zum
+Zeichen, daß er verboten ist; hochdeutsch: »Ich werde ihm ein Stöckchen
+davor stecken«. Altfriesisch spiri = hasta, Speer. Bremer Wörterbuch:
+»Spier, eine jede kleine Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras- oder
+Kornspitze, welche eben aus der Erde kommt«. Daher denn auch:
+Kleinigkeit, ein wenig, ein bischen, etwas Geringes.
+
+Aus germanischer Wurzel spir, platzen, schwellen, wachsen, treiben,
+sprossen.
+
+
+*Spiker*, der,
+
+ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heißt aber eigentlich Holznagel, ja
+ursprünglich -- s. Spake -- nur ein Stück Holz, dann ein als Bolzen oder
+Nagel zugespitztes Stück Holz. Man spricht hochdeutsch von einem
+Speichernagel; tautologisch, denn in diesem »Speicher« steckt Speiche
+(Spake) = ein Stück Holz, ein Zapfen, ein »Zweck«, der als Nagel dient.
+Die ersten Nägel waren von Holz und hießen hochdeutsch Speicher,
+niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie überhaupt im
+Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, während im
+Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher,
+Speichernagel, Nagel.
+
+
+*Spill*, das,
+
+ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen sonstiger
+besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen die Last
+gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird dieses
+gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill
+wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie
+einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gangspill, auf den
+alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist
+Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende
+Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende
+Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird,
+indem man Spillspaken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in
+die Runde gehen.
+
+Ein eigentümliches Schicksal hat das romanische Wort für Spill gehabt.
+Es heißt englisch capstan, französisch cabestan, aus dem Spanischen
+stammend, wo es cabrestante heißt. Man hatte ursprünglich einen Bock
+(cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel, die cabria hieß. Als
+man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria aufrecht stellte, nannte
+man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit wäre die Sache in Ordnung.
+Aber die Niederländer brachten sie in Verwirrung. Schon bei Kilian ist
+ein capestant daraus geworden, und 1702 heißt das Spill kaapsta-ander,
+und daraus machten die Deutschen einen Kopfständer. Doch hatte schon
+vorher im Mittelniederdeutschen eine andere Verdunkelung stattgefunden,
+und zwar in kapstange. In einer Livländischen Urkunde vom Jahre 1407
+wird als Merkzeichen eines verschollenen Schiffes angegeben: »unde de
+kapstange si boven spitz und beneden, dar id touwe umme geit, gelike
+dicke.«
+
+Zu dieser Stelle bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-)
+Bande zu Schiller und Lübben S. 176: »Kapstange kann schwerlich capstan
+sein, da dieses (ein Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat,
+weshalb es auch Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange
+bedeuten, vergl. kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit
+Tauen befestigt wird, gleich dick sein.« Ich kann dem nicht beistimmen.
+Wie soll das verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein?
+Kapinge, das zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie
+die Bremer Urkunde von 1400 besagt: »ok moghen de Bremere kennynge weten
+onde kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum,
+Sandbank, »Plate« vor der Weser) ofte op dat rode zand.« An Bord führt
+man keine Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für
+gewöhnlich einen dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes
+Kennzeichen jenes verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben
+spitz war. Es hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken
+Teile noch irgend eine spitz zulaufende Verzierung.
+
+
+*Spinnaker*, der.
+
+Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise segeln, so gilt
+es, wenn sie keine Rahesegel führen, ihnen auf andere Weise die
+Möglichkeit zu geben, möglichst viel Leinwand vor dem Winde
+auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, »ein großes dreieckiges Segel
+aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast
+gehißt und mittelst eines *Spinnakerbaumes*, der an dem äußersten
+Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen
+Gabel gegen den Mast gestützt wird, ausgebreitet wird.« (Dick und
+Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der
+Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) veröffentlichten Übersetzung
+eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der
+Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt *Schwanenhals* genannten Gelenk,
+das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des
+Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Stütze und zum Halt dient. Der
+Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde
+gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lüftchen aufzufangen und
+auszunützen.
+
+Wort und Sache sind englisch; ersteres »from spin, in sense of to go
+rapidly.«
+
+
+*Spinnekopp*, der,
+
+ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels, das von ferne an
+das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hölzerner Kopf, ein
+längliches Stück Holz durch das verschiedene Löcher in regelmäßigen
+Abständen von einander gebohrt sind. Durch diese Löcher werden dünne
+Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am Firsttau des
+Sommersegels befestigt. Eben dadurch, daß diese das genannte Segel
+tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen Entfernungen in dem
+hölzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck, als habe da eine
+Riesenspinne ihr Werk getrieben.
+
+
+*spinnen*
+
+wird im Seemännischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders zu
+erwähnen ist daher nur die Redensart: »ein Garn spinnen«; etwas lang und
+ausführlich, »mit epischer Breite« erzählen, wie es alte Seeleute, wenn
+sie überhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die
+ursprüngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen
+Ausdruck spinnen für trinken und in »Spanferkel« liegt, nämlich ziehen,
+in die Länge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen,
+»einen Zug tun«, saugen.
+
+
+*Spleetflagge*, die,
+
+auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein dreieckiges Stück
+ausgeschnitten ist, so daß sie in zwei Spitzen endigt. Sie hat den Namen
+davon, daß sie wie gespalten aussieht, denn split oder splet ist die
+niederdeutsche Form für Spalt und bedeutet die Stelle, wo oder von wo
+aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel, Wege,
+Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar, spal
+= auseinandergehen.
+
+
+*Sporn*, der,
+
+ist die spitz zulaufende Verlängerung des Vorstevens bei Panzerschiffen,
+die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen; daher man auch
+Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das Schiff vorne, das
+Eigentümliche der Bedeutung aber ist »mit den Füßen stoßen,« daher ist
+auch Spur damit verwandt. (Kluge 355).
+
+
+*splissen*
+
+heißt zwei Taue so zusammenfügen und in einanderflechten, daß an der
+fest zusammengefügten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche
+Verdickung eintritt. Damit solches geschehen könne, muß man zuerst das
+Gegenteil von Zusammenfügen vornehmen, nämlich die beiden Taue, die mit
+einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers
+spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder
+mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und
+durch einander durchgesteckt werden können. Splissen nennt man zunächst
+eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehörige Arbeit;
+hochdeutsch spleißen, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als
+etwas Gesplissenes.
+
+Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die beiden Künste werden
+dem angehenden Seemann zusammen beigebracht. Deshalb heißt der
+Unterrichtsgegenstand stehend »Splissen und Knoten«. Die verschiedenen
+Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine Kunst. Der
+sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot oder
+truelover's-knot, ein künstliches, symbolisches Gebilde, das sich ohne
+Abbildung kaum beschreiben läßt, zumal es verschiedene Arten gibt. Als
+die Preußische Marine eingerichtet wurde und das Schiffsjungen-Institut
+ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine Zeit lang sich aufs
+Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten knüpfen. Das hat aber nicht
+lange gedauert.
+
+
+*Splitterdeck*, das.
+
+»Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers liegendes und mit
+einer stärkeren Beplattung als die gewöhnliche Decksbeplattung
+versehenes Zwischendeck heißt Splitterdeck.« »Es ist in der Regel nur
+dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des Gürtelpanzers ein
+Panzerdeck befindet.« (Dick u. Kretschmer). Es hat die Bestimmung, die
+unter ihm gelegenen Räume gegen Splitterwirkung zu schützen.
+
+
+*Sponung*, die.
+
+Das ostfriesische Zeitwort sponen heißt spalten, abspalten, einkerben.
+An den Stellen wo ein Balken an den andern anstößt oder mit ihm
+verbunden werden soll, muß, damit er sich fest anlegt, aus dem einen
+Balken ein Stück von der Gestalt des anderen herausgeschnitten werden.
+Dieser Schnitt heißt die Sponung. Nach Doornkaat hängt das Wort mit
+Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der Begriff des Gespaltenen zu
+Grunde.
+
+
+*Spriet*, das,
+
+eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein sogenanntes
+Sprietsegel ausspannt und der schräg liegende Baum, der als Mast
+angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet heißt.
+
+Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet es, als von
+sprießen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine Stange,
+einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis,
+angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; niederdeutsch spret. »Als
+der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn
+schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte
+sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er
+einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel
+(reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu
+schießen: »Odin hat euch alle!« Als das geschah, erschien ein Wurfspeer
+in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein
+Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit.« (Simrock, Myth. 176)
+
+Sodann aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum
+Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff *spreizen* dazwischen. Man
+kann die Begriffe aber so auseinander halten, daß man sagt: bei
+Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im
+Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut,
+emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan,
+englisch sprit; niederländisch spruiten.
+
+
+*Spring*, der, auch *Sprung*,
+
+ist der Auflauf des Vor- und Hinterschiffes im Vergleich zum
+Mittelschiff, so daß dieses der niedrigste Teil des Schiffes ist; die
+Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese Erhöhung hat Einfluß
+auf die Freibordhöhe. Das Wort kommt von springen im Sinne der
+Architektur. Wie man sagt: »die Ecke springt vor«, so ist hier gedacht:
+»das Deck springt höher.«
+
+
+*Spring*, der.
+
+Wenn man aus irgend einem Grunde das Schiff nicht so liegen haben will
+wie es sich, von der Strömung abgesehen, von selbst zum Winde legt; wenn
+man also nicht haben will, daß der Wind von vorne kommt, sondern,
+besserer Ventilation oder -- beim Kohlen-Übernehmen --grösserer
+Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug da ist um
+in der gewöhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will als
+Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren --
+so gibt man dem Schiffe die gewünschte Lage dadurch, daß man das
+Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann
+an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder
+sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: »das Schiff liegt auf dem
+Spring«, »ist auf den Spring geholt.« Unter den schier zahllosen Dingen
+und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet
+sich auch diese Trosse, »a rope passed out of a ships stern, and
+attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It
+is intended to bring her broadside to bear upon some object.«
+
+
+*Springflut*, die.
+
+Das Gegenteil von Nipflut. Während diese letztere die Flut zur Zeit der
+Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist, bedeutet
+Springflut die höchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und
+Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring für englisch ausgeben
+wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heißt Spring das
+Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland
+spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus »entspringen«
+und »Springbrunnen« sehen wir, daß auch im Neuhochdeutschen das
+althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist.
+
+Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der
+Ausdruck, den man hören und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz
+mechanisch und äußerlich ohne Rücksicht auf den Sinn von Spring als
+einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist.
+
+»Dat de Mahn de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides
+verorsaket, ys jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den
+Seefahrenden genoch bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben
+van Renates descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyßheit, int
+veerde Deel, dar He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat
+alßdenn de Flothen höger, und de Ebben syder fallen, welckes by uns ein
+Sprinckstrohm genöhmet werd« ... »Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt«, Lübeck 1673.
+
+
+*Stab*,
+
+der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und höheren
+Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der
+Feldmarschallstab das Zeichen hoher militärischer Gewalt, das Zeichen
+amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. »Der Stab« im
+neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausführenden Kräfte, die ein
+Befehlshaber um sich versammelt hält, auch wenn er nicht grade den Stab
+im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trägt, wie
+die Polizisten in England noch heute tun.
+
+Stabsarzt, Stabsingenieur, Stabszahlmeister sind jetzt lediglich
+Bezeichnungen eines Dienstgrades.
+
+
+*Staden*, der,
+
+ist leider kein eigentliches Seemannswort, weil nur von oberdeutschen
+Schiffern gebraucht; Straßburg, Basel, Zürich haben ihre Staden. Es
+bedeutet das Wort Flußufer, eine Stelle wo man stehen und wo man Güter
+hinstellen kann. Von der indogermanischen Wurzel sta = stehen, von der
+auch Gestade kommt. Betrübenderweise schon mehrfach durch quai
+verdrängt, (Limmatquai in Zürich). Wenn man noch wenigstens, da Quai
+ursprünglich ein niederdeutsches Seemannswort war, die Form Kai oder
+Kaje gewählt hätte.
+
+
+*Stag*, das,
+
+ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre Befestigung
+nach vorne erhält, während die Wanttaue zur Befestigung der Masten nach
+beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten die Masten
+hauptsächlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim Schlingern.
+Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fährt um den Top und von da
+nach dem Fuß des nächstvordern Mastes oder der nächstvordern Stenge,
+beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den entsprechenden
+Stellen des Vorgeschirrs.
+
+Niederländisch stag, isländisch, norwegisch, schwedisch, dänisch stag;
+englisch stay, französisch étai, spanisch und portugiesisch estay. Das
+Wort kommt von stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, stützt;
+mittelniederdeutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Stütze,
+Hilfe.
+
+Aber nicht nur zur Stütze der segeltragenden Masten und Stengen dienen
+die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel, dreieckige,
+*Stagsegel* genannt, die näher bezeichnet und benannt werden nach den
+Stagen an denen sie fahren.
+
+Wenn man das Schiff wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite
+über das Stag auf die andere Seite; daher man das Wenden auch nennt
+»*über Stag gehen*.«
+
+*Staglaterne* ist eine Laterne, die am Vorstengestag gehißt wird, hoch
+in der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen daß das
+Schiff unter Dampf ist. Auch die Ankerlaterne wird in ähnlicher Weise,
+doch niedriger, gehißt, zum Zeichen, daß das Schiff vor Anker liegt.
+
+Über Stagläufer s. Läufer.
+
+Ein schöner dichterischer Ausdruck für Pferd findet sich in der Edda:
+stagstjorn-marr, Stagsteuermähre, also ein Pferd das Stag und Steuer
+hat, dem der Zaum und Zügel als Halt dient und die Richtung angibt.
+
+Stagtalje, Stagtakel erklären sich von selbst.
+
+Von Stag ist seemännisch ein Zeitwort gebildet: *stagen* = stützen.
+
+*Wasserstag* heißt das Stag des Bugspriets nach dem Vorsteven zu, weil
+es so nahe am Wasser, das dem Wasser nächste Stag, ist.
+
+Es gibt auch noch einen von »wenden« verschiedenen Sinn von »über Stag
+gehen«, nämlich den von »fallen, umfallen«; wenn das Schiff z. B.
+plötzlich sehr »überholt«, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so
+geht etwas das nicht fest, seefest gezurrt ist »über Stag«, d. h. es
+verliert seinen Halt, seine Stütze, sein Gleichgewicht und fällt um.
+
+
+*staken*
+
+wird seemännisch für die Tätigkeit zur Fortbewegung eines kleineren
+Fahrzeuges in seichtem Wasser mit Hilfe von Staken oder Stangen
+gebraucht. Der Stakende stößt mit der Stake in den Grund und stößt so
+das Schiff vorwärts. Das niederdeutsche stake = Stange ist uns
+Hochdeutschen in dem Worte Stacket, Zaun von Pfählen, durchgeschnittenen
+Stangen, geläufig.
+
+
+*Standarte*, die,
+
+die Flagge des Landesherrn und der Mitglieder seines Hauses, im Großtop
+gehißt, die Gegenwart der Genannten an Bord anzeigend. Mittelhochdeutsch
+stanthart; bei Stieler 1691 Standart, mitttelniederdeutsch standart, bei
+Kilian standaerd = vexillum, signum; altfranzösich estendart,
+neufranzösisch étendart, spanisch estandarte, provençalisch estendart;
+italienisch stendardo, mittellateinisch standarda, vom lateinischen
+Zeitwort extendere = ausbreiten. Ursprünglich eine Reiterfahne.
+
+
+*stampfen*, s. schlingern.
+
+
+*Stander*, der.
+
+1. Eine dreieckige Signalflagge, s. Standarte.
+
+2. Verschieden von 1, auch der Ableitung nach, ist Stander,
+niederländisch staander, ein »Stehender«, nämlich ein stehendes Tau oder
+eine stehende Kette zum Tragen und Halten von Lasten, z. B.
+Drehreepstander, Kohlenstander. Stehend ist aber, wie Kohlenstander
+beweist, nicht im Sinne von »aufrecht stehend« gemeint, sondern im Sinne
+von »fest stehend«, im Gegensatz zu laufend, zu »laufendem Gut« als
+»stehendes Gut« betrachtet.
+
+3. Stander, der, oder Ständer, eine aufrecht stehende Stütze aus
+(hohlem) Eisen, an Stellen wo sie beim Exerzieren, im Gefecht u. s. w.
+hinderlich sind, beweglich und abnehmbar.
+
+Die beiden Stander 2. und 3. kommen von stan, stehen; Stander unter 1.
+von extendere, ausbreiten, entfalten.
+
+
+*Stänge*, die,
+
+ist die Verlängerung des Mastes nach oben in der Reihenfolge Marsstänge,
+Bramstänge, Öberbramstänge. Eine vielgebrauchte Nebenform dazu ist
+Stenge, wie Stänge selbst Nebenform zu Stange ist. Eine Diminutivform zu
+Stange ist Stengel. Die Verlängerung des Bugspriets heißt nicht Stänge,
+sondern Baum, Klüverbaum, Außenklüverbaum oder Jagerbaum.
+
+
+*Stapel*, der,
+
+ist das Gestell, das Gerüst, die Unterlage von hölzernen Stapelklötzen
+auf dem der Kiel eines im Bau (oder im Dock) befindlichen Schiffes ruht.
+Ist das Schiff fertig, so wird es vom Stapel gelassen, es läuft vom
+Stapel, sein Stapellauf findet statt. Zur Erklärung geht man wohl am
+besten auf das altfriesische stapul, stapel zurück, das den Block
+bedeutete, auf dem ein Kopf oder eine Hand abgehauen wurde, den
+Richtblock. Es ist also Stapel die aus dergleichen Stapeln errichtete
+Unterlage, auf der das Schiff beim Bau aufliegt. Weil nun diese
+Stapelklötze in gerader, geordneter Reihe liegen, so heißt stapeln etwas
+z. B. Holz, geordnet hinlegen oder hinsetzen, und zwar nicht bloß in
+einer Reihe, sondern wenn es die Ordnung erfordert auch auf einen
+Haufen; daher »ein Vermögen aufstapeln«, besonders auch Güter
+aufstapeln, namentlich gelöschte Ladungen, die aufzunehmen gewisse
+Städte das Vorrecht vor anderen hatten, das sogenannte *Stapelrecht*,
+wie es lange Zeit Emden für die Ems besaß. Daher niederländisch
+staapel-plaats (1704 bei Aubin), ein öffentlicher Handelsplatz, wohin
+die Kaufleute gewisser Gegenden ihre Waren bringen müssen um sie zum
+Verkauf auszustellen. Das Bremer Wörterbuch erklärt stapel mit »Haufe,
+nämlich ein ordentlicher gelegter Haufe in richtiger Reihe«, so wie die
+Stapelklötze liegen. Das Wort kommt von einem alten Thema stap, von dem
+das altsächsische Zeitwort stapan = setzen, stellen stammt. Kilian
+übersetzt stapel mit stabulatio, sedes, statio. Auch sonst kommt das
+Wort im Mittelniederdeutschen in zahlreichen Bedeutungen vor, z. B. auch
+in der von »Haublock eines Knochenhauers.«
+
+
+*stauen.*
+
+1. Wasser stauen heißt es irgendwie hemmen, daß es nicht weiter fließen
+kann, abdämmen, durch einen Damm am Fließen hindern, zum Stehen bringen.
+
+2. Waren in einem Schiffsraum unterbringen, niedersetzen, aufstellen,
+ihnen den richtigen Stand und die rechte Stelle geben, sie sachgemäß
+unterbringen, sie so legen oder stellen, daß sie nicht über Stag gehen.
+
+Im übertragenen Sinne: viel essen.
+
+Beide Bedeutungen kommen in der einen überein »*stehen machen*«.
+Niederdeutsch stauen; mittelniederdeutsch stouwen, stowen, auch in der
+Zusammensetzung understouwen. In einem Hansischen Vertrag von 1442 heißt
+es: »Unde de schipher schal deme kopmanne de vittallige (Lebensmittel)
+understouwen, unde schal sulven nene vittallige offte kopmansgud up den
+averlope (Overlop zwischen Back und Schanze) voren«. Altenglisch steowin
+und stowin, englisch stow; althochdeutsch stowan, stouwan, stuwan;
+mittelhochdeutsch stouwen = hemmen, stauen, stehend machen; aus einer
+Wurzel sta, stu = stehen.
+
+
+*Stechbolzen*, der,
+
+ist ein einfaches Tauende mit einem Auge an der einen Seite. Die
+Stechbolzen dienen dazu, den Teil des Segels der durch die Reeftaljen an
+die Rahe herangeholt ist an diese festzustecken. Das Wort ist
+Verhochdeutschung von Stekbolzen. Stek ist etwas was durch Durchstecken
+eines Taues durch ein Auge entstanden ist. Bolzen ist ein Etwas, das
+nach dem Ende hin verdickt ist; der Stechbolzen ist durch das Auge
+verdickt.
+
+
+*Stechschwert*, das, s. Schwert.
+
+
+*Stehendes Gut*, s. Stander 2.
+
+
+*Steife*, die, s. Metacentrum.
+
+
+*Stek*, der.
+
+Wenn man das Ende eines Taues mit dem Tau selbst zusammensteckt nachdem
+dieses um den zu befestigenden Gegenstand gelegt ist, und zwar so
+zusammensteckt, daß durch das Durchstecken des Endes eine Schlinge
+entsteht, die nicht schliert wenn Kraft darauf kommt, also nicht sich
+zum Knoten zusammenzieht, sondern leicht löslich bleibt, so hat man
+einen Stek gemacht. Man kann ihn auf verschiedene Weise machen. Je
+nachdem er gemacht ist oder nach dem Zwecke des Gebrauches hat er
+verschiedene Namen. *Ankerstek*, der Stek mit dem das Ankertau am Röring
+des Ankers befestigt wird; *Fischerstek* der, mit dem man Säcke zum
+Ein- und Ausladen befestigt; *Schotenstek*, mit dem man die Schot an das
+Schothörn festmacht; *Trompetenstek* zur einfachen Verkürzung eines zu
+langen Taus, das man nicht abschneiden will; *Zimmerstek*, um Rundhölzer
+beim Hissen gelegt; *Sackstek*, um zwei Taue an einander zu binden, u.
+a. m. Ein Palstek (s. d.) ist ein Stek mit dem man eine Troß um einen
+Pfahl, einen Dücdalben legt. Das Nähere gehört in das Gebiet der
+speziellen Seemannschaft. Das Wort steht als niederdeutsche Form für
+Stich, es ist gewählt, weil das Ende durchgesteckt wird; stecken aber
+ist Faktitivum zu stechen.
+
+
+*Stell*, das,
+
+ist ein echt seemännischer kurzer, knapper Ausdruck für
+Zusammenstellung. Man spricht von einem Stell Segel, das bedeutet eine
+Zusammenstellung von Segeln, so daß von jedem Segel das an Bord geführt
+wird, ein Exemplar vertreten ist; ebenso von einem Stell Flaggen etc.
+etc. Es bedeutet also das was wir im Hochdeutschen mit dem Fremdworte
+Sortiment bezeichnen.
+
+
+*Stelling*, die,
+
+ist ein Gestell, das aus einigen Querhölzern mit Brettern darüber
+besteht und an Tauen schwebt, so wie es die Maler haben wenn sie ein
+Haus anstreichen. An Bord gebraucht man eine Stelling um außenbords die
+Nahten zu kalfatern, die Außenbordwand zu malen, die Stängen zu schrapen
+u. s. w. Es heißt eigentlich Stelling, nicht sowohl weil es steht,
+sondern man sich darauf stellen kann; meist aber sitzen die Matrosen
+darauf und lassen die Beine herunterbaumeln.
+
+
+*Stenge*, s. Stänge.
+
+
+*Stern*, der, s. steuern.
+
+
+*Steuerbord*,
+
+die rechte Seite des Schiffes von vorn bis hinten, die ganze rechte
+Seite und zwar von hinten aus gesehen, in der Richtung der Fahrt
+betrachtet. Es ist der Bord über den in alter Zeit gesteuert wurde als
+dies noch mit einem Riemen oder einer Pagaie geschah. Vergl. *Backbord*.
+Steuerbord heißt in Holland stuurboord, sprich stürboord. Von da haben
+es die Franzosen übernommen mit der Aussprache stirbord und haben daraus
+durch Umstellung (Metathesis nennen es die Schriftgelehrten) stribord
+gemacht. Weil nun stribord die rechte Schiffsseite ist, so haben es
+nachher etliche aus dem Lateinischen deuten wollen, als ob es eine
+Abkürzung von dextribord wäre, und dextribord hat es auch eine Zeit lang
+auf französisch geheißen, bis man sich besann und wieder zu stribord
+zurückkehrte; da man ja in der französischen Seemannssprache schon so
+viele deutsche Seemannswörter hatte, kam es auf eins mehr auch nicht an.
+
+Mittelniederdeutsch sturbord; Seebuch (1400): »De dar wil segelen to
+Kalkesorde de sal laten dat twedeel van dem watere an backbort van eme
+unde dat dorde deel an sturbort.«
+
+Lucas Jansson Waghenaer, 1588 im »Spiegel der Zeevaerdt« hat
+stuyerboort: »... so sietmen aen stuyerboort een cleyn Eylant daer een
+Kercxken op staet.«
+
+
+*Steuerbordwache*, s. Wache.
+
+
+*Steuermann*, der,
+
+war früher der Mann der steuerte, indem er am Stern sitzend mit einem
+Ruder freihändig dem Fahrzeug die Richtung gab. In der Edda heißt er
+stjori = Lenker, angelsächsisch steorman, altenglisch steores mon,
+althochdeutsch stiurman, mittelhochdeutsch stiure, stiurman;
+(stieurmeier heißt dagegen Steuereinnehmer); althochdeutsch und
+mittelhochdeutsch auch scifmeister, Schiffsmeister.
+
+Jetzt steuert der Steuermann nicht mehr, er ist (wohl auch nicht grade
+respektvoll »Stürke« genannt) auf Handelsschiffen der Mann, der die
+Navigierung besorgt, nachdem er auf einer Steuermannsschule die Prüfung
+bestanden hat; auf Kriegsschiffen ist er ein Deckoffizier, der mit
+seinen Steuermannsmaaten und Steuermannsgasten das Navigationsressort
+unter Aufsicht und Verantwortung des Navigationsoffiziers verwaltet. Das
+Steuern besorgen auf dem Schiffe die Rudergänger, im Boot der
+Bootssteurer.
+
+
+*steuern*,
+
+ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren; angelsächsisch
+steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran; altfriesisch stiura,
+stiora, isländisch styra. Gothisch stiurjan; mittelhochdeutsch stiuren.
+Zur Erklärung geht man passend von dem niederdeutschen Eigenschaftswort
+stur aus, das »stark« bedeutet, und vergleicht dazu die Bedeutungen
+dieses mittelhochdeutschen stiuren: stützen, lenken, leiten, lindern,
+beschränken, Einhalt tun, mäßigen, treiben, stoßen, bedrängen,
+unterstützen, helfen, wozu verhelfen, versehen mit, beschenken,
+ausstatten, als Abgabe entrichten, Steuer zahlen, Steuer auflegen,
+erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch sehr ein, daß das
+althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und Grundbegriff von steuern
+sei. Ein Starker mußte das Ruder führen, ja der Stärkste wird es geführt
+haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch Rad besaß, sondern der
+Steuernde saß im Heck, oder vielmehr in dem von stiuren den Namen
+führenden *Stern*, und lenkte mit dem Ruder (daher Steuerruder,
+stiurruodar, was damals paßte, jetzt aber nicht mehr gesagt werden kann,
+seemännisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das Fahrzeug durch
+Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand regierte. -- Von
+dieser Tätigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen Regiment war nur
+ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der Blick aller auf den
+Stärksten, Mutigsten, Kühnsten. Der Stärkste am Ruder ward wie von
+selbst der Führer, der Herr, der Häuptling, der Herzog der anderen; er
+kam ans Staatsruder, an die Regierung, angelsächsisch steor, styr;
+altenglisch steore; althochdeutsch stiura; wie man denn im
+Niederländischen noch heute jedes Regiment bestuur nennt:
+gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur,
+stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklärt sich auch Steuer als
+Abgabe. Zunächst freiwillige Abgabe an den Stärkeren zur Unterstützung
+bei seinem Aufwand für das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin.
+Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von
+der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede,
+zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmäßige in Aussteuer und
+Haussteuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt
+wird, Geschenk ins (neue) Haus.
+
+Wie die beiden Begriffe steuern und regieren zusammenhängen sieht man
+aus dem Teuthonista: stuyren: regieren een scheep of *anderswat*, oder
+sonst etwas; ja bereits im Beówulf finden wir styrian sowohl für lenken
+als auch für feststellen, ordnen.
+
+Das *Steuer*, also das was man seemännisch jetzt Ruder nennt, die
+Steuervorrichtung, hieß mittelniederdeutsch stur, stür; davon kommt die
+mittelniederdeutsche, auch im niederdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch
+noch vorhandene Wendung »over sture«, rückwärts, »over stür gan«,
+zunächst vom Schiff = »über den Achtersteven gehen«, rückwärts getrieben
+werden, dann auch bildlich: »den Krebsgang gehen.«
+
+
+*Stert*, der,
+
+ist ein kurzes Tauende das an einem Block -- der darum Stertblock heißt
+-- befestigt, gesplißt ist und an dem der Block irgendwo, wo er grade
+gebraucht werden soll, festgebunden werden kann. Einen ähnlichen Stert
+hat die Ankerboje zum Anfassen, die Leesegelspier zum Befestigen. Stert
+heißt im Niederdeutschen Schwanz, das althochdeutsche sterz, mundartlich
+noch heute als Sterz im Gebrauch. Der Ausdruck kommt von der
+Ähnlichkeit; ein Block mit einem Stert sieht einem kurzen dicken Tier
+mit einem langen Schwanze ähnlich.
+
+Im Mittelniederdeutschen war stert, wie es scheint, ein sehr beliebtes
+Wort, man wandte es sogar, weniger fein als deutlich, auf Menschen an:
+»Id syn itlike lude, die ore kleidere so kort maken, dat men sie achter
+in den stert mach syn.« Hirsch, Danziger Handelsgeschichte, berichtet
+aus dem Jahre 1447 von deutschen Seeleuten die den englischen gram
+waren: »vnd also in tauernen sittende seyden se, se wulden den
+Engelschen de sterte vor dem ersse aff houwen.« Im Redentiner Osterspiel
+von 1464 sagt der Teufel Oberster Lucifer zu seinen Unterteufeln: »De
+krugerschen myt ereme tappen Unde ok den monnik mit syner cappen. De
+holdet alle bi deme sterte.«
+
+Im Seebuch (1400) wird stert als Bezeichnung des spitzen Ausläufers
+eines Sandes, einer Sandbank gebraucht: »Item van den sulven sande
+strecket eyn stert aff, de het de Speyt« ... »Unde buten der Seynis sal
+he vinden 55 vadem, unde komet nicht neyer by nachte, umme des stertes
+willen, wente he strecket verne in de see.«
+
+
+*Steven*, der,
+
+ist ein starker auf und nieder stehender Balken am Bug und am Heck, der
+an diesen Stellen die Gestalt des Schiffes bestimmt; den Lauf des Bugs
+vorne und die Form des Hecks hinten; vorn heißt er Vorsteven, hinten
+Achtersteven; an den Steven stoßen die Seitenplanken der beiden Borde an
+und sind mit ihm durch eine Sponung verbunden. Früher kannte man es
+nicht anders als daß der Vorsteven weit überkragte, auslud oder
+überschoß, oft um den achten Teil der ganzen Schiffslänge. Dem modernen
+Dampfschiffsbau blieb es vorbehalten, den Vorsteven zurückspringen oder
+wenigstens senkrecht verlaufen zu lassen; für das Auge des Seemanns
+keine Verschönerung. Auch ist bei den großen neuen eisernen oder
+stählernen Schiffen der Steven längst kein Balken mehr, sondern eine in
+einem Stück gegossene Eisen- oder Stahlmasse.
+
+Das Wort Steven gehört in das weitverbreitete Gebiet der Wurzel sta =
+stehen, und zwar so daß Stab und Stamm dabei mitspielen und einmal mehr
+Stab, das andere Mal mehr Stamm in den Vordergrund tritt. Altsächsisch
+stamn, ein aus einem Stamm (Einbaum!) gefertigtes oder mit einem Stamm
+(Steven) versehenes Fahrzeug. Altfriesisch stef, stev, Pfahl, Stab,
+Grenzpfahl, vor allen Dingen ein Kreuzpfahl, an dem jemand zum Beweise
+seiner Unschuld eine gewisse Zeit unbeweglich mit ausgebreiteten Armen
+stehen mußte. Hielt er die gesetzte Zeit nicht aus, so wurde er
+sachfällig. Auch standen beide Parteien am Kreuze, und der es am
+längsten aushalten konnte, erhielt die triumphante Sentenz, wie Wiarda
+mitteilt. Dieses Ordale genannte examen crucis hat übrigens Ludwig der
+Fromme schon abgeschafft.
+
+Angelsächsisch stafn, stefn, stemn = Baumstamm und Steven. Steven ist
+also der Teil des Schiffes der durch einen Stamm Festigkeit erhält,
+durch ihn verstärkt und versteift ist. Das bezieht sich allerdings
+besonders auf das Vorderteil des Schiffes. Aber es war in alten Zeiten
+schon so und ist auch heute noch so, daß, wenn kurzweg von Steven die
+Rede ist, man zuerst und hauptsächlich an den Vorsteven denkt. Schon in
+der Edda hieß stafn das Vorderteil des Schiffes und stafn-tjald war ein
+daselbst aufgeschlagenes Zelt. Auch die alten Friesen sagten stewen und
+meinten den Vorsteven; Emsiger Land-Recht: »Huarsoma annen ut smit eter
+stewene, that ma hine eter stiure wither haut«, wenn man jemanden beim
+Vorderteile des Schiffes auswirft, daß man ihn beim Hinterteile
+wiederkriegt. Das war auch im Mittelniederdeutschen so: Hamburger
+Chronik: »vnd synt de Hamborger vnd Bremer myt schepen tor seewert
+gerucket ... vnd weg genamen, wat en vor steuen gekamen is.«
+
+
+*Steward*, der.
+
+Diese Bezeichnung des »Kellners« bezw. Ökonomen an Bord sieht sehr
+englisch aus, stammt aber von deutschen Eltern ab. Sie bedeutet
+ursprünglich einen Viehhüter. Das mag den Earls of Leicester, in deren
+Familie das Amt eines Lord high steward als das vornehmste im Lande
+erblich war, schon nicht mehr bewußt gewesen sein, aber Tatsache ist,
+daß das Wort angelsächsisch stigeward und stiward, altenglisch styward
+hieß und eine Zusammensetzung des altdeutschen Wortes stiga,
+Schweinestall, Schafstall, überhaupt Stall und wart Wärter ist. Insofern
+in alten Tagen, wie es Walter Scott im Ivanhoe an Cedrik und seinem
+Wambo so meisterhaft geschildert hat, der Viehstand eines vermögenden
+Mannes das Hauptstück seines Vermögens ausmachte, auch in jenen
+unruhigen und rechtsunsicheren Tagen ein energischer, mutiger,
+kampfgeübter Mann als Wächter, Hüter und Verteidiger dieses
+Besitzstandes nötig war, war dieses Amt gar nicht so unwichtig, und es
+nimmt uns nicht Wunder, daß solch ein Viehhüter sich allmählich zu
+höherem ausgewachsen hat. So gut wie der Marschall sich gefallen lassen
+muß, daß sein Amtstitel Pferdeknecht bedeutet, so gut kann es jeder
+Steward mit ansehen, daß er vom Stallknecht abstammt. Was man übrigens
+damals unter einem Stall verstand, war aber gewiß nichts weiter als ein
+Pferch, ein Verschlag von Latten, eine Hürde in die die Tiere des Nachts
+getrieben wurden. Nur so erklärt sich das sonst befremdliche altdeutsche
+Wort Stiga. Wir müssen annehmen, daß die Wände des Pferches wie eine
+Leiter, eine Stiege gestaltet waren und auch zum Steigen benutzt wurden.
+Ward ist ein weitverbreitetes, gemeingermanisches Wort, von dem auch das
+wie ein Fremdwort aussehende Garde stammt, auch Münzwardein, Wartefrau
+und Wirt (gotisch vairdus, sprich wärdus, noch heute wird Wirt vielfach
+wie Wärd ausgesprochen), wie denn der Begriff Wirt dem von Steward auf
+einem Kriegsschiffe auch in der Bedeutung sehr nahe kommt. Die ganze
+Sippe geht zurück auf althochdeutsch wartjan, warten, aufwarten, hüten,
+pflegen (daher êwart der Priester, der Hüter des Rechtes), gotisch
+vards, altfriesisch wardia, altenglisch ward, altisländisch vördr. Da
+das Wort unser deutsches Eigentum ist, so kann uns niemand verwehren es
+Ste-ward anstatt Stjuward auszusprechen: sprechen es doch selbst die
+Engländer nur in Folge der falschen Meinung Stjuard aus, daß es aus stew
+und ard bestände, da es doch aus ste und ward besteht.
+
+
+*stoppen*
+
+heißt in der Seemannssprache »eine Bewegung aufhalten«, »machen, daß
+etwas sich nicht weiter bewegt«, z.B. eine Maschine, ein laufendes Tau,
+eine Logleine, eine Ankerkette. Das entsprechende Kommando heißt:
+»Stopp« oder »Stop«! oft mit einer lang gedehnten scharf betonten Endung
+e, »Stoppé!« Im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt stoppen:
+stopfen, füllen, voll machen, verstopfen, dicht machen, stehend machen,
+hemmen, aufhalten, angelsächsisch stoppian, altsächsisch stuppon,
+althochdeutsch stoppon. Vom lateinischen stuppare, mit stuppa = Werg
+verstopfen, italienisch stoppare, altspanisch estopar, französisch
+étouper = »to stop with tow«. Diese Bedeutung »mit Werg verstopfen«
+führt uns den ursprünglichen Vorgang vor Augen: man verstopfte die
+Ausflußöffnung irgend eines Flüssigkeitsbehälters mit Werg und
+versperrte dadurch der Flüssigkeit den Weg, daß sie nicht in Bewegung
+geraten, daß sie sich nicht aus dem Gefäß herausbewegen konnte, von hier
+aus entwickelte sich die Bedeutung weiter bis zu dem allgemeinen
+Begriffe »hemmen.« Das Wort ist also mit stauen bedeutungsverwandt.
+
+Bei Kilian wird het schip stoppen sogar noch mit kalfaten wiedergegeben,
+man dachte damals also noch an das Werg.
+
+Es gibt an Bord verschiedene Arten eine Bewegung zu hemmen. Ein Tau wird
+mit einem Abstopper abgestoppt, der auch kurz Stopper heißt oder
+Taustopper, da er ein kurzes Tauende darstellt mit dem ein Tau, das
+geholt wurde, so lange festgehalten wird bis es belegt ist und sich
+selbst hält. Besonders wichtig sind, von der Dampfmaschine und ihren
+Vorrichtungen zum Stoppen abgesehen, die Stopper der Ankerkette. Je nach
+dem Orte wo sie in Tätigkeit treten oder nach der Weise wie sie
+arbeiten, spricht man von Zwischendecksstoppern, Decksstoppern,
+Kneifstoppern, Zungenstoppern und Schlippstoppern.
+
+
+*Stosstalje*, die,
+
+dient, wie auch der Stoßstander, zum Abstützen der Unterrahen wenn das
+Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin- und hergestoßen
+würden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer schweren Last viel
+Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also ihren Namen nicht
+davon, daß sie stoßen, sondern davon, daß sie das Stoßen verhüten
+sollen.
+
+
+*Strak*, die,
+
+ist die Richtung in der etwas verläuft, die Gestalt oder der Zug wie
+eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak, einer
+Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in denen
+sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe, Streifen,
+Strecke u. s. w. bedeutet nämlich das niederdeutsche Wort strack, das
+auch für Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von striken =
+strecken, eine Bewegung, einen Zug machen.
+
+
+*Strand*, der,
+
+sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit Wasser bedeckt,
+bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal Land und einmal
+Wasser ist; so im »Seebuch,« 1400, und noch bei Röding 1794. Jetzt aber
+ziemlich gleichbedeutend mit Küste, namentlich wenn diese flach ist.
+Allenfalls daß man in Seebädern im besonderen Sinne von einem (sandigen,
+nicht schlickigen) Badestrande redet.
+
+Auch *stranden* wird nicht mehr als scharf umgränzter Begriff gebraucht,
+sondern häufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden
+kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener
+Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne
+irgendwelchen Schaden zu nehmen.
+
+Das Wort Strand ist ziemlich spät aus dem Niederdeutschen ins
+Neuhochdeutsche übergegangen.
+
+Was die sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten
+Sprachgebiet stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als
+ob die Bedeutung »sandiger (Bade-)Strand« die ursprüngliche wäre, indem,
+wie Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht
+zu Grunde liegen könnte, daß das Knirschen des Sandes beim Betreten
+andeuten dürfte.
+
+
+*Strandgut*, das, s. Seetriften.
+
+
+*Stratus*, s. Cirrus.
+
+
+*Streckbug*, der.
+
+Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen, den anderen Weg
+sie nach der anderen Seite gedreht; d. h. man hat sie einmal über den
+Backbord-, das andere Mal über den Steuerbordbug gebraßt und sagt dann:
+»wir fahren über den Backbord- oder über den Steuerbordbug.« Nun
+geschieht es, daß man über den einen Bug weiter in der Richtung des
+eigentlichen Kurses vorwärts kommt als über den andern, daß man über den
+einen Bug eine größere Strecke gewinnt, sich näher dem Ziele
+entgegenstreckt, darum heißt dieser Bug der Streckbug.
+
+
+*strecken*, den Kiel.
+
+Hier ist strecken in dem gewöhnlichen hochdeutschen Sinne dieses Wortes
+gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von Zug, Richtung,
+Verlauf. Den Kiel strecken heißt eigentlich ihn grade machen, ihm seine
+Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben, bedeutet aber im
+weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des wirklichen Baues
+eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehört, die erste an die
+Öffentlichkeit tretende und etwas von dem zukünftigen Schiffe in die
+Erscheinung bringende Tätigkeit, nachdem der Zeichensaal und der
+Schnürboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit dem Strecken des
+Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in dieser Hinsicht
+hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an sich.
+
+
+*Strecktau*, das, s. Laufstag.
+
+
+*Strich*, der.
+
+Man hat die Kompaßrose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt und jeden
+derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen gegeben. Diese
+32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber noch einmal
+geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so daß man auf
+Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da
+nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des »Seebuches«, 1400, sagt
+Breusing in der Einleitung: »Die Kompaßangaben im Seebuche gehen nur bis
+auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebräuchlich ist, bis auf
+Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der
+Zusatz »ein wenig nach« gebraucht (en luttik tegen norden), womit die
+Größe eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz:
+»reichlich« (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Größe von beinahe
+einem halben Strich angedeutet sein mag.«
+
+
+*streichen*
+
+wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen
+Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch
+striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch
+strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen
+lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das
+hochdeutsche »streichen« irgend eine beliebige Bewegung nach irgend
+einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach
+zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts.
+Abwärts wurden früher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der
+Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so
+daß die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine
+Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d. h. es
+holt sie nieder.
+
+Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando: »Streich!« Teils
+streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher, als das Ruder es
+bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am Steuerbord, wenn es
+sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils an beiden Seiten,
+wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder in eine rückläufige
+Bewegung geändert werden soll.
+
+Im Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß
+es unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so
+allgemein bedeutete es »sich gefangen geben« Lübische Chronik: »Pawel
+sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van
+sich«, daher denn auch striken ganz allgemein als »nachgeben, klein bei
+geben« gebraucht wurde. 1530: »De heillosen papen weren so trotzig, dat
+se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer
+stiff by eren dingen«; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen
+bedeutet »aufhören zu kämpfen,« so gut könnte es auch bedeuten »aufhören
+zu arbeiten,« und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne
+gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort
+striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen desselben bis
+hin zum »Stricke machen« ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin
+manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken
+dem Arbeitgeber gewiß ein böser »Streich« gespielt.
+
+Dieses Streichen wirft auch das richtige Licht auf das Wort
+Zapfenstreich. Die Segel streichen heißt aufhören mit kämpfen, den
+Zapfen streichen heißt aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den
+Zapfen zumacht und den Gästen Feierabend gebietet.
+
+
+*Stringer*, der,
+
+»Längsstringer sind noch weiter (als die Seiten-Kielschweine) seitlich
+liegende, dem Kielschwein ähnliche Längsverbände. Decksstringer sind auf
+den Decksbalken an den Bordseiten liegende Platten, welche mit den
+Balken, der Außenhaut und den Querspanten, verbunden werden.« (Dick und
+Kretschmer, I. 83.) So gibt es auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die
+Bedeutung wird durch die Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo
+klar, das zusammenziehen, also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also
+ein Verbinder, ein Ding, das einen Verband herstellt; auf deutsch
+kurzweg »ein Binder.« Wir haben das Wort auf dem Umwege über England
+empfangen, wo stringer bedeutet »in ship-building an inside strake of
+plank or of plates, secured to the ribs and supporting the ends of the
+beams.«
+
+
+*Strom*, der,
+
+wird seemännisch nicht für einen schiffbaren Fluß gebraucht, der
+vielmehr Revier (Rivier) heißt, sondern für Meer, für die freie offene
+See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgängig mit Beziehung auf
+Meeresströmungen, ausgenommen in Meeren wo es solche gibt, die Ebbe-
+und Flutströmungen, s. unten. Strom ist im Munde des Seemanns das, was
+man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In einer alten Göttinger
+Urkunde steht: »... unde de unse unde ok den gemenen copmann uppe dem
+vryen seestrome groffliken beschediget.« Desgleichen in einer anderen:
+»do dusse lude van Engeren uth Britannien verdreven weren und leghen an
+den seestrome unde krygeden myt den Britanniern.«
+
+Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem Binnenhafen lag
+und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen ist) an eine Boje
+oder vor Anker: »Das Schiff verholt auf dem Strom.«
+
+Im »Seebuch« (1400) ist unter Strom meistens der Flut- und Ebbestrom des
+Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet:
+»Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket
+lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege
+water west ton suden mane.«
+
+
+*Stropp*, der,
+
+ist ein in sich selbst zurückkehrendes kurzes Tau, ein kurzes Tau ohne
+Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stück Tau gemachter Ring, der
+durch das Zusammensplissen der beiden Enden entstanden ist. Solch ein
+Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch gelegt, auch sieht man
+oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen eines Bootes am
+Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp, den man um ihn
+gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stückgut gehißt. Es ist
+also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und nützliches
+seemännisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten klassischen
+Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt. Lateinisch stroppus,
+gedrehter Riemen zur Sänfte oder zum Anbinden der Ruder an die
+Ruderbank, dünner Kranz von Bast gedreht; griechisch strophos, das von
+Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene Band, der Gurt, das
+Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe, das Wenden oder
+Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho, estropha, drehen,
+wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte der Kunst, führt
+ein griechisches Wort an, das stroppos heißt und von Festus in der
+Bedeutung »Kranz« aufgeführt wird. Gellius hat das lateinische stroppus
+als »Band.« Grade dieselben Bedeutungen vereinigt das Wort in unser
+Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof von Sevilla
+Isidorus sagt in seinem berühmten Buche Origines s. Etymologiae:
+»struppi quibus remi ad scalmos alligantur.« Als stropp führt Wright es
+aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im Mittelniederländischen;
+im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch für den Strick des Henkers:
+»hoe gheerne solde een dief, die enen strop om sinen hals hadde ...
+weder gheuen, dat hie ghestolen hadde.« Es gab damals auch stropballien,
+solche Baljen, die mit einem Stropp versehen waren, »dar de Kalk inne
+vpn thorn gewunden warth.«
+
+Italienisch stroppo, französisch 1702 etrope und estrope, jetzt étroppe,
+portugiesisch estropo.
+
+*Bestroppen*, etwas mit einem Stropp versehen, z. B. einen Block, und so
+gebrauchsfertig machen. Daher auch übertragen: »Das werden wir
+bestroppen,« d. h. »das wollen wir machen.«
+
+
+*Stück*, das,
+
+war früher ein allgemeiner Ausdruck für Kanone. »Ein Schiff mit 48
+Stück.« Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim Exerzieren
+mit Stücken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die Stücken los!
+4. Holt die Stücken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6. Platloth ab! 7.
+Stopft das Zündgat! 8. Kratzer in die Stücken! 9. Wischer in die
+Stücken! 10. Öffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die Stücken! 12.
+Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stücken! 14. Setzt an
+Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zündgaten! 16. Kraut in die
+Zündgaten! 17. Deckt die Zündgaten! 18. Stücken an Bord! 19. Faßt den
+Kuhfuß und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die Lunte ab! 22.
+Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die Bezeichnung
+Geschütz in den Vordergrund getreten, doch so daß Kommando 3 stets
+»Kanonen los!« hieß, da doch das unmittelbar vorhergehende Kommando
+gelautet hatte: »An die Geschütze!« Ganz neuerdings ist durch die
+Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund
+getreten. Stück hat sich aber nie ganz verloren; Stückpforten hat es
+immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die
+Bezeichnung »Stückmeister« in Aufnahme gekommen.
+
+
+*Sturmdeck*, s. Deck.
+
+
+*Sturmtor*, s. Schleuse.
+
+
+*Sturmtreiber*, s. Treiber.
+
+
+*Sturzsee*, die,
+
+ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so hoch ist, daß
+sie über die im Sturme sich neigende Reling oder das Schanzkleid hinweg
+auf Deck stürzt; um das überkommende Wasser wieder zu entfernen, sind in
+das Schanzkleid neuerdings größere Öffnungen dicht über dem Deck
+eingeschnitten; man nennt sie *Stürzpforten*, weil das Wasser zu diesen
+Pforten wieder hinausstürzen soll.
+
+
+*stützen*
+
+kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemännischen vor;
+besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim
+Steuern. Wenn befohlen war, daß das Ruder nach irgend einer Richtung hin
+gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung
+gedreht werden, so wird kommandiert: »stütz!« oder: »stütz so!«
+Niederdeutsch stütten, welches oft anstatt stützen zu hören ist, anstatt
+»stütz so« heißt es dann »stütti!« wohl auch in Anlehnung an das
+englische steady, »steer the ship a steady course«.
+
+
+*Südwester*, der,
+
+ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder Öltuch-Hut zum Schutze
+gegen Sturm und Regen.
+
+Grimm erklärt West aus dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere
+Meere paßt das nicht, würde auch zu dem Südwester nicht stimmen, der
+seinen Namen gerade davon hat, daß es eben bei Süd-West am meisten
+stürmt und regnet. Doch heißt vis nicht nur Meeresstille, sondern
+überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm vermutet auch eine gotische Form
+vistr, gegen Abend, adversum occidentem.
+
+
+*Superkargo*, s. Cargo.
+
+
+*Süsswasser*, das,
+
+ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es, daß es in Tänks von
+Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei es, daß es aus
+Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen oft mit vieler
+Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann lieber
+Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich für
+die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht wird.
+
+
+
+
+T.
+
+
+*Taifun*, der.
+
+Der mit Recht so gefürchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das Wort kommt
+nach einem mir zugegangenen sachverständigen Urteil von der Kantoner
+Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht für das Auge
+wiedergeben lassen, die aber für das Ohr tai fung lauten. »Tai heißt
+»groß« und fung »Wind«. Nun nennen zwar die Chinesen jeden starken Wind
+tai fung, während sie für einen Taifun noch den speziellen Ausdruck fung
+kü haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem französischen il
+fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrücke beruhen ja nicht
+immer auf der gründlichsten Kenntnis der chinesischen Sprache. Da tai
+fung außerordentlich häufig (auch schon in der Kinderstube, aus der und
+von deren Amah's sich wohl vielfach die Kenntnis chinesischer Wörter
+seitens der früheren Europäer herleiten wird) gehört wird, und da
+überdies ta fung kü wieder so ähnlich klingt, so glaube ich, braucht man
+keinen Zweifel zu hegen.
+
+Merkwürdig ist das Verschwinden des g am Ende. Die Engländer schreiben
+wie taifoon auch Kowloon für kau lung (»Neun Drachen«) die chinesische
+Stadt und daher auch die britische Halbinsel Hongkong gegenüber. Ich
+erkläre mir das aus dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und
+des Französischen der alten katholischen Missionare. So auch Kanton
+statt Kwang-tung oder Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king.
+Daß der Laut der Kantoner Aussprache für die Europäer maßgebend geworden
+ist, findet sich auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der
+Kantoner Aussprache Jat pun (mit verschlucktem, kaum hörbarem t in jat).
+Jat heißt Sonne, pun heißt Ursprung oder Aufgang.«
+
+
+*Takel*, das,
+
+ein »Flaschenzug«, Windezeug aus zwei oder mehreren Blöcken (s. d.).
+Niederländisch, dänisch und schwedisch takel, englisch tackle,
+französisch palan à itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem
+Stamme mit Tau. Früher die Gesamtheit aller Taue, überhaupt des ganzen
+Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung »Vor Top und Takel«
+hervorgeht.
+
+Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel = trajectus,
+transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus, ut pontonem
+dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3. taekel =
+hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien.
+
+Es liegt nahe, an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch
+zagil, angelsächsisch tägel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda,
+besonders equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt
+hat und die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare
+abschnitten zu Schiffstauen, vergl. jedoch *Tau*, s. a. *Gut*. Über die
+Zusammenstellung »Takel und Mantel« s. Mantel.
+
+Das Takel wird erst durch das Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne
+Mantel ist es eine Talje (s. d.).
+
+
+*Takelage*, die,
+
+die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehört. Das Wort hieß
+mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche
+ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines
+Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders
+als unter französischem Einfluß entstanden sein wird. Hätte es auf dem
+Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wäre überhaupt
+kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen.
+Übrigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz
+überflüssig, da Takel ursprünglich für sich allein schon ein solcher
+Begriff war.
+
+Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdländerei, scheint sich erst die
+Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens finden wir da erst
+Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der moderne
+Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden, daß er
+sogar Stellasche, Kledasche und -- Fressasche spricht. Kilian hat die
+Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes.
+
+In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje
+gesagt, wie denn überhaupt alle die zahlreichen Wörter mit der
+Sammelendung -age so ausgesprochen werden.
+
+
+*Takeln*, *betakeln*, *auftakeln*, *abtakeln*, *Takelung* s. Takler.
+
+
+*Takler*, der.
+
+Jeder rechte Seemann muß ein Takler sein, d. h. die Arbeit des Takelns
+verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und beim Auf-
+oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen können. Alle diese
+Wörter kommen ja schließlich auf eines hinaus: seemännisches Vermögen
+mit dem Tauwerk richtig umgehen zu können und ihm die Gestalt und
+Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner
+Bestimmung gebraucht wird.
+
+Insonderheit heißt betakeln das abgeschnittene Ende eines Taues so mit
+einem Bändsel befestigen, daß die Kardeele nicht aufgehen. Takeln
+überhaupt heißt splissen und knoten und dergl. Will man eine derartige
+Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so nennt man sie eine Takelung. Wird
+ein Schiff in Dienst gestellt und es bekommt seine Segel und sein
+Tauwerk und es wird alles an seiner richtigen Stelle gesetzt und
+geschoren, so heißt das auftakeln, das Gegenteil davon aber abtakeln.
+
+Auf der Werft hat man eigene Takler und eine besondere Werkstatt für
+sie.
+
+Ein Frauenzimmer, das sich sehr geputzt hat ist »mächtig aufgetakelt«;
+doch sagt man auch ohne Vorwurf »fein aufgetakelt«, s. Takel.
+
+
+*Talfahrt*, die,
+
+ist bei der Flußschiffahrt die Fahrt den Strom abwärts, während die
+Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heißt.
+
+*Talweg* ist der Stromstrich, die Mitte eines Flußes. So wurde am 9.
+Februar 1801 zu Lunéville, als man das alte deutsche Reich über den
+Haufen warf, unter Zustimmung von »Kaiser und Reich« beschlossen, der
+Talweg des Rheins solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich
+sein.
+
+
+*Talje*, die,
+
+ist ein an Bord völlig unentbehrliches Werkzeug, ein Flaschenzug, der
+oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten einen einscheibigen
+Block hat. Die beiden Blöcke sind durch ein Tau verbunden, das, da es
+über die Scheiben der Blöcke läuft, Läufer heißt, Taljenläufer.
+
+So wie die Talje sich zunächst dem Auge darstellt, nämlich in
+unbenütztem Zustande, sind die beiden Blöcke noch zusammen, so daß sie
+wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt hat. Von
+diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name. Man kann
+auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei (ungleiche)
+Teile teilt.
+
+Französisch heißt der Schneider bekanntlich tailleur, der Einschnitt
+taille, einschneiden, schneiden tailler; italienisch taglia, spanisch
+taja, talla, portugiesisch und provençalisch talha = Schnitt,
+Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das lateinische talea =
+abgeschnittenes Stück zurück; (daher auch Detail und Talon). Kilian hat
+talie = incisura. Niederländisch (1702) taalie. Da die Franzosen den
+Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so scheint Talje direkt
+aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen worden zu sein; gewiß
+schon früh, denn solch ein handliches und brauchbares Hilfsmittel werden
+sich die friesischen Kreuzfahrer sicher nicht haben entgehen lassen.
+
+
+*Tamp*, der.
+
+Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heißt Tamp, auch der Tampen.
+Das Ursprüngliche dürfte das abgeschnittene kurze Ende sein; nämlich das
+Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei uns in der
+Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in der Hand
+eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man früher
+Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im Kriegsbuch
+berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander vergleichen
+(vertragen) wollten, dann habe er »einen Vergleicher, ist ungefährlich
+eines Armes lang.« Doch ist das Schlagen der Mannschaft jetzt verboten.
+Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher ihre Strafe, mit
+einem Tau, »ungefährlich eines Armes lang«; es geht aber auch ganz gut
+mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade in der Nähe
+aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl Nasalierung vom
+niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber bedeutet einen
+Schlag, einen »Klapps«; ein Tamp war also ursprünglich das Tau oder der
+Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und ist dann nach und
+nach in die allgemeine Bedeutung Tauende übergegangen.
+
+
+*Tänk*, der,
+
+ist ein an Bord gebräuchlicher Aufbewahrungsbehälter für Wasser,
+Petroleum, Öl u. s. w., überhaupt für Flüssigkeiten, Wein, Bier etc.
+etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein größeres, oft viereckiges,
+sonst auch dem Raum angepaßtes Gefäß.
+
+Ein Tänkschiff ist ein solches das eingerichtet ist, Petroleum ohne die
+Fässer in sich aufzunehmen, so daß es drüben in Amerika in die
+entsprechenden Behälter eingepumpt und hüben wieder ausgepumpt wird.
+
+Das Wort kommt aus dem Englischen, wo es tank heißt. Und zwar ist da,
+wie die englischen Provinzialismen und das Schottische beweisen, ein s
+im Anlaut abgefallen. Es stammt vom lateinischen stagnum, eine Pfütze
+stehenden Wassers (daher auch stagnieren); italienisch stagno, spanisch
+estanque, altfranzösisch estanc, neufranzösisch étang.
+
+
+*Tau*, *Tauwerk*, das,
+
+ungefähr gleichbedeutend mit Seil. Ursprüngliche Bedeutung ist:
+Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, daß jedes beliebige Werkzeug
+ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem vartouwe = Wagen
+und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat. Tau hat also
+dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit ihm zusammen
+eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere. Gotisch taujau
+= tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas *tut*.
+Althochdeutsch ziohan, (altsächsisch tiohan), ziehen, oder zawjan,
+machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergerät,
+Fuhrwerk, Wagen, *Schiffsgerät*, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige
+aber im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf
+Handwerk, Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das
+französische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar
+heißt sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und
+das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. »schlafendes Auge« in der
+Botanik). *Tauwerk* ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom
+Reepschläger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch
+Drahttauwerk.
+
+
+*tauen*, (*vertauen*, *vertäuen*)
+
+(mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der Stelle ziehen und an einem
+anderen Orte wieder festmachen, alles vermittelst eines *Taues*. Aubin
+unterscheidet zwischen toüer und remorquer (s. Remorqueur): »Remorquer
+signifie le changement de place qu'on fait à un vaisseau par le moien
+d'un bâtiment à rames (so wurde die schwedische Fregatte »Eugenie« in
+der Magellanstraße aus dem Bereiche eines der daselbst so heftig, aber
+örtlich beschränkt wehenden Wirbelwinde durch ihre Boote um eine
+Felsenecke getaut oder vertaut, wo es totenstill war) et toüer signifie
+le même remuëment par le moien du cabestan ou par la hansiére.«
+
+Ist das Schiff an der Stelle angekommen wo man es haben will, so wird es
+festgemacht, an einem Bollwerk, einer Pier, einer Boje; insofern solches
+mit einem Tau geschieht heißt es vertäuen, wangerländisch vertojen.
+
+In Holland heißt aanturen ein Tier zum Weiden mit einem Tau festbinden,
+ostfriesisch tüddern, daher vertüddert oder vertütert anstatt »unklar«,
+verwirrt, bei Stricken, Bindfaden, Nähgarn.
+
+
+*Taube Jütte*, die s. Davit.
+
+
+*Taube Gezeit* s. Nipflut.
+
+
+*Teakholz*, das.
+
+»This timber is excellent for ship-building, and has been called the oak
+of the East. It works easily, and, though porous, is strong and durable;
+it is easily seasoned and shrinks but little, and from containing a
+resinous oil it resists the action of water, and repels the attacks of
+insects of all kinds.« Es ist das Holz der Tectona grandis aus der
+Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und den Molukken bis
+zu gewaltiger Höhe wächst und sehr breite und lange Blätter hat. Teak
+ist ein tamilisches Wort.
+
+
+*Teer*, der,
+
+ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes, mit
+harzigen Teilen vermischtes dickflüssiges Öl, das Tauwerk, Holz,
+Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der
+Feuchtigkeit schützt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht
+besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzüge, Jacken, denen
+kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht bloß Blaujacken,
+sondern auch *Teerjacken* genannt werden. Viele Leute lieben den
+Teergeruch.
+
+Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen empfangen. Gotisch triu
+= Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in Wachholder, Maßholder,
+Holunder; die indogermanische Grundlage ist derw --, griechisch drüs,
+Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch derwa, finnisch derwas, lappisch
+tarwas, Kien = Harz = Teerholz; esthnisch terw, finnisch terwa,
+gädhelisch tearr, kymrisch tar, bretonisch ter = pix. »Die Entwicklung
+der Formen deutet auf Osteuropa als Heimat des Wortes, die keltischen
+Wörter sind dann aus dem Deutschen entlehnt.«
+
+Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im ganzen
+niederdeutschen Sprachgebiet früh verbreitet. Im Beòwulf heißt
+niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff.
+
+
+*Tender*, der,
+
+»a small vessel employed to attend a larger one for supplying her with
+provisions and other stores, or to convey intelligence and the like.«
+Also ein kleineres Schiff, das einem großen beigegeben ist, um seinen
+Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem Schiffsboot oder einem
+Beiboot dadurch unterschieden, daß es nicht an Bord des größeren
+Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu groß ist, und daß es
+seine eigene ständige, aber vom größeren Schiffe abhängige Besatzung
+hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als Kommandanten.
+
+Bekanntlich heißt Tender auch der der Lokomotive eines Eisenbahnzuges
+beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht.
+
+Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen, irgendwohin
+richten, lenken, reichen, darreichen, für etwas sich bemühen, arbeiten,
+ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit Intendantur gleicher
+Herkunft.
+
+
+*Tide*, die,
+
+ist -- vergl. Gezeiten -- die Zeit von Ebbe und Flut, die Flutzeit, die
+Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und einer Flut;
+doch wird an der Nordseeküste das Wort so gebraucht, daß man dabei eher
+geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere gemeint sein,
+so muß das schon besonders irgendwie angedeutet werden, entweder
+dadurch, daß man nach Breusing »taube Gezeit« oder nach Dornkaat »dode
+ti« (ostfriesisch heißt tide auch tie und ti) sagt, namentlich zu der
+Zeit, wo der Mond im Viertel steht, während eine tide zur Zeit des Voll-
+oder Neumondes spring-tide heißt.
+
+Das Wort Tide ist von vielen für englisch gehalten und Teid
+ausgesprochen worden. Mit Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch kommt es
+als gut deutsches Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. »mit
+halver tide«; »en quarter, dordendeel, twedeel tydes«; »myt ener halven
+tiden«; auch in der Mehrzahl: »de tyde van Calismains, Engelant.« 1588
+hat Waghenaer das Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije,
+auch spricht er der größeren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von
+watergetijde.
+
+
+*Tidehafen*, der.
+
+In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, daß, ob zwar eine Tide Flut
+*und* Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil der Verbindung
+ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein Fluthafen, nämlich ein
+offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener Hafen, der nur zur Zeit
+des Hochwassers zugänglich ist.
+
+Die gangbare niederländische Zusammenziehung tij für tide war schon
+Waghenaer 1588 sehr geläufig; er spricht häufig von »tij hauen,« ja
+sogar von Tijbuckinghen als den besten, die natürlich in Holland
+verzehrt werden, während die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe
+hinauf nach Deutschland, Böhmen, Ungarn und bis zur Türkei gehen, »al
+waer de selve Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten
+ende gheconsumeert wert.«
+
+
+*Tief*, das,
+
+ist im seemännischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar mehr eine
+Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei Inseln; eine
+Strecke, die tief genug ist für Schiffe. Dep heißt sonst niederdeutsch
+Graben, Kanal, Fluß, niederländisch diep (Nieuwediep, sprich Nüwediep),
+englisch deep, Tiefe, See, Meer; »Anything remarkable for depth, sea,
+ocean.« Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so daß es nicht
+bloß Meerestiefe, sondern (Luther) überhaupt Meer bedeutet.
+
+
+*Tiefgangsmarke*, s. Ahming.
+
+
+*Tiefladelinie*, die,
+
+ist eine außenbords an einem Handelsschiffe angebrachte, durch einen
+Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt, wie tief ohne Gefahr für
+Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug geladen werden darf. Das
+richtet sich nach der Bauart und Güte des Schiffes, nach der Art der
+Ladung und besonders auch nach dem Bestimmungsort, indem ein Schiff für
+große Fahrten nicht so tief geladen werden darf, wie ein Binnenfahrer.
+
+Es wäre zu wünschen, daß ein allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz
+gegeben würde.
+
+
+*Tieflot*, das,
+
+hieß sonst das »schwere« oder »große« Lot, ein Lot, das dazu dient,
+größere Tiefen auszuloten als das Handlot es vermag, s. loten. Da zum
+Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des Schiffes
+beschäftigt sind, so verständigen sich diese unter einander durch
+Aussingen, wobei der berühmte Vers ausgesungen oder gerufen wird:
+Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das große Lot Und
+schlägt euch alle tot. »Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck
+gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, alß dat Duiep
+Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See,
+und sünst dar men underschetlicke Gründen hefft; welckes bewilen gude
+Narichtunge gifft.« »Kunst der Seefahrt,« 1673.
+
+
+*Timmerstek* s. Stek.
+
+
+*Tjalk*, die,
+
+ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug für
+Küstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im
+Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause
+ist, schreibt man in Folge der eigentümlichen Aussprache des j im Anlaut
+oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand
+läßt für Tjalk auf eine ursprüngliche Form Jalk schließen. In der Tat
+kennt und hat auch das »Bremer Wörterbuch« noch diese Form. So geht das
+Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurück und dürfte eine
+Diminutivform davon darstellen, die über Jolleken, Jolken, Jolk sich
+entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hören. Es ist
+dabei zu bedenken, daß Jolle, wenn sie wirklich durch die Phönizier mit
+ihrem gaulos an unsere Küsten gelangt ist, damals kein so kleines Boot
+war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug.
+
+
+*Tonne*, die.
+
+1. Ein Seezeichen, das ursprünglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber
+aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr ähnlich sieht. Aber
+der Name ist geblieben und hat sogar dienen müssen zur Zusammenfassung
+der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die
+Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und überhaupt in Ordnung
+halten, heißen jetzt *Tonnenleger*, Dampftonnenleger. Früher, z. B. zur
+Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hießen
+sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunächst zur Unterhaltung
+der Seezeichen bestimmt waren, so heißen sie noch heute *Tonnengelder*.
+
+2. Spricht man von Tonne im Sinne von *Tonnengehalt*. Dieser bedeutet
+die Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag,
+bezw. die Anzahl der Registertonnen als Raummaß für die
+Schiffsvermessung; eine solche Tonne mißt 2,832 cbm; während eine Tonne
+als Schiffslast 1000 Kgr. wiegt.
+
+Schon frühzeitig ist man im *Betonnen* eines Fahrwassers von der
+eigentlichen Tonnenform der größeren Deutlichkeit der Unterscheidung
+zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch,
+Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine Ähnlichkeit hatten.
+Waghenaer, »Spiegel der Zeevaerdt« 1588, schreibt: »Op alle de stroomen
+van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste
+rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als
+hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein
+Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op
+de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de
+ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met
+korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange
+mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder
+sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen
+onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen
+fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de
+contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.«
+
+
+*Tonnenbojer*, der.
+
+Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen, wangerländisch
+tunbujer.
+
+Als die Bremer dem Grafen Anton Günther von Oldenburg, ja dem Kaiser und
+Reich mit Gewalt entgegentraten um einen den Oldenburgern vom Kaiser
+bewilligten Weserzoll zu hindern, war das Mittel der Gewalt -- ein
+einziger »Tonnenboyer«. Der genügte der freien Reichs- und Hansastadt
+Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des Kaisers und des Grafen zu
+hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken ähnlich einem Zollkreuzer,
+mit einigen Kanonen, für gewöhnlich friedlicher Beschäftigung obliegend,
+aber gelegentlich zu kriegerischen Zwecken verwendet. Übrigens hatte man
+früher auch gewöhnliche kleinere Handelsschiffe, die Bojer hießen, aber
+mit dem Legen von Bojen nichts zu tun hatten, sondern nur nach dem
+Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem
+Maste, die kaum die hohe See hielten, wie aus einer alten Nachricht
+erhellt: »anno 1525 im pasken (Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit
+enem bojer mit enem smaksegel in Engelant, das touoren angehört was.«
+
+
+*Topp*, der,
+
+in der Einzahl richtiger: *Top*. Spitze, Äußerstes, Höchstes; höchste
+Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Großtop, Kreuztop
+den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und dran ist,
+so daß pars pro toto genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe oder
+Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp, eigentlich
+im Singular bloß Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit
+unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in
+seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten
+welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlußlauten entstanden
+waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt
+Wilmanns, daß sie besonders lehrreich sei, »weil sie sich zum großen
+Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig
+fortschreitende Änderung der Konsonanten und die sie regelnden Kräfte
+gewährt.« »Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5. bis 7.
+Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele
+romanische Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche
+aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus;
+die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der
+Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer
+wird die Wirkung.« An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im
+Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene
+Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z.
+Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist
+also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher
+Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es
+bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze
+gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das
+herabhängende, geflochtene Haar, sondern den »Schopf«, das nach oben
+zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet)
+bedeute. Wenn Shakespeare sagt: »To take the present time by the top«;
+so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den
+Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen
+hätte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen.
+
+Im Niederländischen heißt top so allgemein das Oberste, Äußerste, »die
+Krone« von etwas, daß man sogar vom »top van den vinger« spricht.
+
+
+*Top und Takel.*
+
+Vor Top und Takel segeln heißt, ohne jegliches Segel zu setzen sich dem
+Sturme preisgeben, so daß also lediglich das Schiff selbst und seine
+Takelage dem Sturme eine Angriffsfläche bietet. Es liegt auf der Hand,
+daß das äußerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder Sterben geht. Darum
+heißt französisch das »aller à mats et à cordes« auch »aller à la
+dérive, aller à Dieu et au tems« (Aubin, 1702). Dänisch: »med top og
+tavl«, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut und Haaren. In
+Holland, überhaupt bei allen seefahrenden Völkern sind ähnliche
+Redewendungen in Gebrauch; »over Gods genaade drijven«; »sig aan het
+geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.«
+
+
+*Toppnant*, weiblich.
+
+Toppnanten sind »Taue, die an beiden Nocken der Rahen und am Top des
+Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen Block aufs Deck
+hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal zu erhalten oder
+sie auch nach Umständen gegen den Horizont zu neigen«, vergl. Kajen.
+Treffend heißen die Toppnanten französisch balancines. »On s'en sert
+pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle est dans la situation
+naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon qu'il est à propos«
+(Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute ich, daß Toppnant
+nichts weiter ist als eine Verkürzung von Toppenende, das zuerst
+Toppnend geheißen haben mag und dann ohne Rücksicht auf die Herkunft,
+vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche Seemannssprache, bei
+welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesündigt wurde, die
+gegenwärtige Gestalt erhielt. Daß »Ende«, das Ende eines Taues, für das
+Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende.
+
+Die Rahe mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heißt sie toppen.
+
+
+*tot*
+
+wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht:
+
+1. Totes Gewicht s. Deplacement.
+
+2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der über der
+Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskörpers, der sich über
+Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser
+verdrängen, weil er also nicht mit trägt, sondern getragen werden muß.
+
+3. Totes Holz. So heißen die Kielklötze. Sie heißen so im Gegensatze zu
+dem lebendigen, beweglichen Schiffe.
+
+4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heißt, gegen den Strom so viel
+Fahrt machen, daß man ihn überwindet und trotz des Stromes noch vorwärts
+kommt, seinem Ziele sich nähert. Ein Schiff tot segeln, heißt, es
+überholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es.
+
+
+*toppen* s. brassen und toppen.
+
+
+*Törn*, der, s. Seetörn.
+
+
+*Torpedo*, der.
+
+In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem Torpedo ziemlich
+ausschließlich einen Offensiv-Torpedo (während die Defensiv-Torpedos
+Minen genannt werden), also das bekannte zigarrenähnliche Geschoß, mit
+Schießbaumwolle geladen, von komprimierter Luft durch eine kleine
+Schraube getrieben, unter Wasser sich mit ziemlicher Geschwindigkeit auf
+ein feindliches Schiff zu bewegend, um da zu explodieren und das Ziel in
+die Luft zu sprengen. Das Nähere gehört nicht hierher, ist auch in
+tiefes Geheimnis gehüllt.
+
+Nur muß bemerkt werden, daß fälschlicherweise im Binnenlande und sogar
+auch in Kriegshafenstädten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein
+*Torpedoboot* meint, nämlich ein Boot, das lediglich zum Schießen mit
+Torpedos eingerichtet ist und ausschließlich dazu bestimmt ist, während
+die großen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so
+nebenbei haben.
+
+Torpedos müssen rasch arbeiten; es ist daher ein eigentümliches
+Zusammentreffen, daß das Wort eigentlich steif, langsam, plump,
+unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe,
+unförmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo)
+empfangen. Er hat ihn allerdings für diese moderne Seekriegswaffe nicht
+hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fähigkeit,
+elektrische Schläge auszuteilen.
+
+
+*Torpedooffizier*, der.
+
+Ein Torpedooffizier verhält sich zu einem Torpederoffizier wie ein
+Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier, d. h. der
+Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das Militärische am
+Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schießen, während der
+Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der Verwaltung in
+Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden Lebensberuf. Der
+Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine Zeit lang das
+Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein anderes Kommando
+bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier, Kommandant u. s. w.
+
+
+*Trackkarte*, die,
+
+ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks, d. h. die Strecken
+die sie auf See zurückgelegt haben, einzeichnen, den Weg den sie
+»gezogen« sind (denn track hängt mit dem niederdeutschen,
+niederländischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen.
+Seemännischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung,
+allenfalls noch als Anhaltspunkt für das Gedächtnis in Bezug auf
+Strömungen, vorherrschende Windrichtungen, überstandene Stürme, Länge
+der Seetörns u. s. w.
+
+
+*Treibbake* = Schwimmbake, s. Bake.
+
+
+*Treiber*, der,
+
+ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal auch bei
+sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste fahrendes, über
+das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl (s. Tjalk)
+-Takelage. Es soll den Großbaum entlasten und durch den Druck auf das
+Heck den Bug gegen die See halten.
+
+Ist schweres Wetter, so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer,
+stärkerer *Sturmtreiber*.
+
+Früher hatte man auch auf Vollschiffen einen Treiber. Er fuhr an einer
+Leesegelsspier, die an der Nock der Besansgaffel gehißt war; die Schoten
+wurden an einer über die Reling gelegten Spier ausgeholt. Es war also
+dieser Treiber eine Art Rahsegel. Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor
+dem Winde segelte, der Besan also nicht zur Geltung kam. Viel half der
+Treiber freilich auch nicht, aber er trieb das Schiff immerhin etwas
+schneller weiter, half also die Fahrt beschleunigen und so das Verdienst
+mehren und führte darum den sinnreichen Namen »Brodgewinner.«
+
+
+*treiben.*
+
+Das bekannte Lied: »Treibe, treibe, Schifflein treibe!« klingt ganz nett
+im Salon; im seemännischen Sinne ist treiben keine angenehme Bewegung,
+sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht sähe. Ein Schiff
+treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt eines
+Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt »vor Top und Takel« wenn der
+Sturm so schwer ist, daß es keine Segel führen kann. Es treibt »vor
+Anker« wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz der
+Anker in Bewegung gerät. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und allen
+möglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom oder
+ungünstiger Wind es von seinem Kurse abdrängen.
+
+
+*treideln*
+
+ist die offizielle Bezeichnung für das, was sonst treilen, trauen,
+treieln, treueln, troilen heißt und die Tätigkeit eines Menschen
+bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen
+Fluß oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heißt Treil; französisch
+traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort
+traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen
+ist, woher das d hineingekommen ist. Man könnte denken, sie habe sich
+aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab,
+das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so könnten
+die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen hätte dabei
+das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen
+Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder
+troilen. 1323: »Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen
+dicitur.« 1343: »We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat
+to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde
+neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen.« 1348: »Also dat
+de ghenne, de twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde
+neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen
+na ereme behoue.« Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus für
+Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: »Ok so mögen de schiplude troylen
+vp mynen oueren.« Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des
+Gedankens daran, daß der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze
+Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So könnte ein
+Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten
+sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mußte und zur
+Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, daß der noch teilweise von
+Kaiser Trajan herrührende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als
+Halbwölbung in den Felsen eingehauen, teils als hängender Weg gebaut
+war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und daß treppeln so
+viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist.
+
+Es wäre auch möglich, daß der Gedanke an trödeln das d in treideln
+gebracht hätte, weil das Geschäft zuweilen recht langsam vor sich geht.
+
+Die Franzosen haben für den Mann, der es betreibt, ein seine Tätigkeit
+sehr deutlich beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen
+Zeitwort holen (s. d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz
+mit ihm und rief ihm früher an der Loire und sonst in Frankreich das
+Wort arrache-persil, Petersilienausreißer, zum Spott zu. Sprichwörtlich
+sagte man nicht unwitzig: »arrache-persil navigue aussi.« Sie
+antworteten mit einer Flut von Schimpfreden, ähnlich wie die Flößer auf
+dem Neckar, wenn die Tübinger Studenten ihnen zuriefen: »Jockele sperr!«
+
+Englisch to drail; holländisch (Weiland) treil: denkelyk een
+bastaardwoord van het fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken,
+afkomstig. Eene lyn, om een schip voort te trekken. Voorts -- und das
+bedeutet eine bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich übrigens
+auch in Ostfriesland findet -- »ook het gesamenlyke touwwerk van een
+schip: van zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd.
+
+Het schip word met zeil en treil verkocht.«
+
+
+*trekken*, s. treideln.
+
+
+*Trempel*, s. Drempel.
+
+
+*trensen*
+
+heißt teils zur Verstärkung, teils des besseren Aussehens wegen um ein
+Tau ein anderes dünneres so herumlegen oder schlängeln, daß letzteres
+den Raum zwischen den Kardeelen des ersteren, die Vertiefungen,
+ausfüllt. Ankertaue wurden, Wanttaue werden zur Verstärkung, Sceptertaue
+des besseren Aussehens wegen getrenst.
+
+Das Wort ist schon früh aus dem Spanischen gekommen, wo trenzar flechten
+heißt. Kilian hat es als trensse = funiculus, vinculum reitinaculum
+equorum, also als Trense im Sinne von Pferdezaum, vom spanischen
+Substantivum zu trenzar trenza die Flechte, Zopf, trenzado geflochtener
+Zopf an den Mähnen der Pferde.
+
+Im seemännischen Sinne bei Aubin 1702: emmieller un étai = een stag
+trensen; tusschen de staagen met dunne draaden woelen« (s. Wuhling).
+
+
+*Tresidderplatte*, s. Panzerplatte.
+
+
+*Trift*, s. Abtrift und Seetrift.
+
+
+*triftig*
+
+ist das Schiff, wenn es treibt (s. treiben). Seetriftige Güter sind
+solche, die auf der See treiben oder von der See an die Küste getrieben
+werden. Hanseatische Urkunde von 1513: »vorder schal unde mach de
+copmann schipbrochich affte zeedriftich gut sulvest bergen effte bergen
+laten.« Ditmarsische Urkunde von 1384: »Se scholen hebben den drudden
+del des ghudes, dat drifftich worden were.« Bremer Urkunde von 1564:
+»Jacob R. sy mt synem bochsprede inn ohre houwet tow gedreuen, dar her
+also se beide thosamende drifftich gewurden vnde inn grundt gedreuen
+weren.«
+
+
+*trimmen*
+
+heißt: »in Ordnung bringen.« »Die Segel trimmen«, sie in
+gebrauchsfähigen, ordnungsmäßigen Zustand versetzen; »Kohlen trimmen,«
+sie richtig in den Kohlenbunkern unterbringen.
+
+Von dem englischen trim mit deutscher Endung weiter gebildet und erst in
+neuerer Zeit, unter der Herrschaft des Dampfes siegreich durchgedrungen.
+Angelsächsisch trymian, trymman, befestigen, fest machen, in Ordnung
+bringen; trum = stark, fest, englisch to trim, »to put in due order for
+any purpose.« Auch im übertragenen Sinne: »Leute trimmen,« gut
+einexerzieren, gut auf eine Sache einüben; »seine Leute gut im Trimm
+haben.«
+
+Einen besonderen Sinn hat Trimm in der Verbindung *Trimmberechnung*.
+Diese hat den Zweck, die Tauchungsänderung eines Schiffes vorne und
+hinten bei Verschiebung von Gewichtung in der Längsrichtung zu
+berechnen, und Trimm hat hier die Bedeutung von trim = »to adjust, as a
+ship or boat, by arranging the cargo or disposing the weight of persons
+or goods so equally on each side of the centre and at each end that she
+shall sit well on the water and sail well. A vessel is said to be
+trimmed by the head or by the stern respectively when the weight is so
+disposed as to make her draw more water towards the head than towards
+the stern, or the reverse.«
+
+
+*trissen*
+
+nannte man bei der ausgestorbenen Blinde das, was man bei anderen
+Rahsegeln brassen nennt. Mittelniederdeutsch trisse, trysse, tritse =
+Winde; s. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch IV. 613;
+trissen drehen, schwingen, winden. Erhalten ist das Wort im
+niederdeutschen triseln, herumlaufen, taumeln, schwindeln, und drüseln,
+zaudern, zögern, ostfriesisch trüseln und triseln, unsicher, hin und her
+wankend gehen, hin und her wanken und schwanken, wie ein Ohnmächtiger
+oder ein Betrunkener. Also: »hin und her bewegen.«
+
+
+*Trompetenstek* s. Stek.
+
+
+*Troier*, der,
+
+das Flanellhemde, das unsere Kriegsschiffsmatrosen auf der bloßen Haut
+tragen, vorn auf der Brust mit einigen blauen Streifen besetzt.
+
+In Ostfriesland heißt (Doornkaat III 437) tröje, troi eine gestrickte
+wollene Unterjacke für Männer, ohne Knöpfe, die als Bluse oder Hemd über
+den Kopf angezogen wird. Im Groningenschen heißt so eine gestrickte
+Weste »een gebreide mansborstrok, die de plaats vervult van hemdrok.«
+Schon beim Teuthonista kommt das Wort für Jacke vor in der Form troye.
+Auch sonst häufig in mittelniederdeutschen Urkunden z. B. in einem
+Stendaler Privileg der Kürschner und Schneider vom Jahre 1346: »vortmer
+we eyn werk sick bededingeth tu makende mit bomwullen als eyn troye
+edder des ghelik, maket de schroder dat wandelbar, dat schal he beteren
+mit dren schillingen« oder in der Lübecker Chronik: »des blef de reise
+na, unde dar ward af achter en pels unde vor en troye.« Das »Bremer
+Wörterbuch« bemerkt, daß troje, troye in einer alten Urkunde als eine
+Waffenrüstung vorkam, ein Koller oder Brustharnisch. In der Tat steht in
+einem Oldenburger Statut von 1345 ... »zinen helm ofte ysern hut, zine
+yseren huven, zine troyen, zine armeleden.« Und weiter: »en iewelk
+lantman ... schal hebben to ewighen tyden ene troyen, enen ysern hud, en
+par wapenhanschen, enen schilt, ene worpbarden vnde enen peck van
+zestein voten vnde kortere nicht.« Aber auch hier bedeutet troye
+offenbar weiter nichts als Wams, etwa ein Lederwams, wie es eben damals
+Bauern und andere Leute, die den Krieg nicht rittermäßig im
+Brustharnisch führten, zu tragen pflegten. Diese Verwendung von troye
+hilft also nicht bei der Erklärung, und der Versuch Doornkaats, es vom
+althochdeutschen triuwa, bezw. von tro, troi in der Bedeutung fest,
+sicher abzuleiten, leuchtet nicht ein.
+
+Mittelhochdeutsch troie = Wamms: Dafür führen nach Diefenbach Schiller
+und Lübben IV. 614 eine Form triplois auf. Dies könnte auf eine Spur
+führen. Da neben triplois gleichzeitig diplois steht, so ist anzunehmen,
+daß damit die Qualität und Herstellungsart des Stoffes, aus dem der
+troie gemacht war, angedeutet werden soll, wie man im Deutschen von
+fünfschäftigem Zeug oder im Französischen von taffetas deux bouts
+spricht. Es kann also triplois ein dickes, warmes, mit drei doppelten
+Wollfäden gestricktes Wams gewesen sein, und aus triplois wird beim
+Übergang ins Mittelhochdeutsche durch Schwund der mittleren, unbequemen
+Buchstaben so gut troie, zunächst troi, geworden sein, wie aus
+paraveredus Pferd geworden ist.
+
+Das r am Schlusse von Troier hat sich erst beim Übergang aus dem
+Neuniederdeutschen ins Neuhochdeutsche aus Unkenntnis des Ersteren
+hinzugefunden.
+
+
+*Trosse*, die,
+
+auch Troß, ist ein besonders dickes, starkes, langes Tau aus Hanf,
+Manilahanf (dann auch Manilaleine genannt) oder Draht, das zum Verholen
+von Schiffen und auch sonst überall da gebraucht wird, wo viel zu halten
+ist, z. B. wenn ein Schiff sich an ein Bollwerk legt.
+
+Das Wort kommt im Mittelniederdeutschen für ein Tau vor, das außerhalb
+des Wassers gebraucht wird, wie es im Lübischen Zunftrecht heißt:
+»Vorthert warckgarne dat schal nen reper slan tho kabellen, to
+waterthowen, anders nergent to men tho trossen.«
+
+Niederdeutsch -- ostfriesisch -- niederländisch versteht man unter tros,
+trosse ein Bündel oder Büschel von Beeren; Weiland: »tros = een bundel
+van onderling vereenigde dingen: een groote tros druiven.« Die Bedeutung
+vereinigt sich mit der Trosse der Seemannschaft in dem Begriffe binden,
+zusammenbinden. Daher mittelhochdeutsch trossen = packen, Gepäck
+zusammenbinden und aufladen (woher Troß, Troßknecht). Neufranzösisch
+trousser, altfranzösisch torser, provençalisch trossar, italienisch
+torciare: zusammendrehen, festbinden, vom lateinischen torquere.
+Mittellateinisch trossa, das Heubündel, Strohbündel, spanisch troza,
+Seil zum Binden.
+
+
+*Trysegel*, das,
+
+ist der zuweilen, neuerdings besonders auf Lustjachten, gebrauchte, dem
+Englischen entnommene Ausdruck für das deutsche Schratsegel. Wegen der
+vorherrschend dreieckigen Gestalt dieser Segel dürfte das Wort auf
+irgend eine Weise mit dem lateinischen tres, tria zusammenhängen.
+
+
+*tublocks.*
+
+Wenn man an einer Talje so lange holt bis es nicht weiter geht, so ist
+der eine Block an den andern gekommen, man hat die Talje also »Block an
+Block«, »tublocks« geholt. Damit ist das Holen zu Ende. Soll es weiter
+gehen, so muß eine neue Talje aufgeschlagen werden. Daher die
+übertragene Bedeutung: »ich bin mit meinem Gelde tublocks, ich bin mit
+meinen Zigarren, mit meinen Vorräten tublocks.«
+
+
+*Tümmler*, der.
+
+1. Der Stehauf, ein schwankendes, taumelndes, sich von selbst
+aufrichtendes und aufstellendes Glas, englisch tumbler.
+
+2. Der Delphin, wegen seiner eigenartigen Bewegung, die ihn öfters als
+einen Taumelnden, Sichdrehenden sichtbar an der Oberfläche des Wassers
+erscheinen läßt. Daher ein Seesoldat scherzweise ein Tümmler genannt
+wird, wohl wegen des taumelnden Ganges an Bord in Folge der mangelnden
+»Seebeine«.
+
+
+*Türkischer Bund*, Knoten s. Knoten.
+
+
+*Turm*, der.
+
+Unter Turm versteht man in der modernen Seemannssprache einen
+gepanzerten oder geschützten turmartigen Aufbau. Derartige Türme dienen
+auf unseren Panzerschiffen zum Schutze besonders wichtiger Stellen. Man
+unterscheidet hauptsächlich Kommandotürme und Geschütztürme. Erstere
+schützen den Kommandanten und die ihn im Kommando Unterstützenden, sowie
+die Kommandoapparate oder -elemente, besonders auch die Leitungen der
+elektrischen Befehlsübertragungen.
+
+Die Geschütztürme schützen die Kanone mit ihrer Mannschaft. Sie sind
+meist so eingerichtet, daß, um die Geschütze zu richten, nicht diese
+selbst gedreht werden, sondern es wird der Turm, in dem die Kanone
+steht, bewegt. Man hat, nach ihren Erfindern benannt, verschiedene
+Türme, den Coles'schen, den Ericson'schen, den Napier'schen Panzerturm.
+Der Barbetteturm, auch kurz Barbette genannt nach der heiligen Barbara,
+der Schutzheiligen der Artilleristen, hat die Eigentümlichkeit, daß
+seine Geschütze »über Bank« d. h. über den Rand der Turmwand hinweg
+schießen.
+
+
+*Twist*, der,
+
+heißt die Wischbaumwolle die, besonders in der Maschine, zum Wischen,
+Putzen, auch zum Abwischen der von Maschinenöl beschmutzten Hände,
+benützt wird. Ursprünglich ein Garn, zweimal gedreht; dann überhaupt
+gedreht, verwickelt, zusammengeballt. Das niederdeutsche twist heißt
+auch Zwist, Zwietracht, es steckt immer die Zahl zwei, twe darinnen, wie
+in Zwieback, zwiespältig, zwiefach; »twie in dem jare«, zweimal im
+Jahre, sollten nach dem Lagerbuch des drosten Jakob van der Sprecken vom
+Jahre 1428, die Herren bei ihren »belenden luden« einkehren.
+
+
+
+
+U.
+
+
+*»Überall!«*
+
+lautet der Ruf mit dem »Alle Mann« in der Frühe geweckt werden, während
+der Ruf beim Wecken der neuen Wache »Reise! Reise!« (s. d.) heißt. Das
+»Überall« ist zum größeren Nachdruck von einem mächtigen Gepfeife des
+Bootsmanns und seiner Maate begleitet. Man nannte das früher
+»Reveille«, jetzt heißt es »Wecken«. Und das ist gut, denn mit diesem
+Worte waren deutsche Seeleute französischer als die französischen, die
+gar nicht Reveille sagen, sondern battre la diane. Das haben die
+Holländer treuherzig übersetzt: »die Diana slaan« und gewiß, wenn sie
+überhaupt etwas dabei gedacht haben, an die alte Göttin Diana gedacht.
+Warum sollte auch gerade die Göttin der Jagd beim Aufstehen der Seeleute
+»geschlagen« werden? Sie nannten freilich auch die »Morgenwache« Diana.
+Aber die Franzosen selbst haben das Wort wieder aus dem Italienischen.
+Da heißt diana der Morgenstern, eigentlich Stella diana, der Tagesstern,
+der das Herrannahen des Tages verkündigt, von dem verloren gegangenen
+aus dies gebildeten Adjektiv diano.
+
+Unsere treffliche Flottenvereins-Wochenschrift führt trefflich den Titel
+»Überall«, weil überall in Deutschland ihr Weckruf zu Gunsten einer
+»achtunggebietenden Flotte«, wie man vor fünfzig Jahren sagte, gehört
+werden soll.
+
+
+*»Über Bord«*
+
+unterscheidet sich sehr wesentlich von »Von Bord«. Dieses wird
+gebraucht, wenn jemand oder etwas auf ordnungsmäßige Weise von Bord
+geht. Man sagt: »Dienstlich oder mit Urlaub oder krank oder bei
+Außerdienststellung von Bord gehen; das Boot setzt von Bord ab; die
+Takelage, die Artillerie, das Inventar von Bord geben«, dagegen: »etwas
+über Bord (ins Wasser) werfen, der Hut geht (nicht so häufig fliegt)
+über Bord, der Mann fällt über Bord; Leiche über Bord setzen.« Rostocker
+Chronik: »a. 1566 synt van Denen ond dudsche ock vel tot bleuen, de
+hefft men auer bort na sebruck geworpen ond en gelt by gebunden, dat se
+konden begrawen werden, wen se an land quemen.«
+
+
+*unterfangen*
+
+wird gebraucht, wenn man etwas irgendwo fest bindet, wo es möglichst
+wenig im Wege ist und möglichst wenig Platz einnimmt, namentlich wenn
+man etwas an der Decke irgend eines Raumes fest bindet, so daß es da
+hängt ohne den Raum seiner eigentlichen Bestimmung zu entziehen. Das
+Wort wird *unter*fangen betont, es ist nicht in dem ethischen Sinne,
+indem man sagt »ich habe mich unter*fangen*« d. h. »ich habe es gewagt«,
+gebraucht, sondern in dem rein mechanischen des Befestigens. Wenn fangen
+mit paça, das im Sanscrit Strick heißt, und mit pax, der Friede, das
+eigentlich »Befestigung« bedeutet, verwandt ist, so gebraucht es in der
+Verbindung »unterfangen« die Seemannssprache in seiner urspünglichsten
+Bedeutung: »etwas (unter Deck, unter der Decke) befestigen, festbinden.«
+
+
+*Über Stag gehen* s. Stag.
+
+
+*unklar* s. klar.
+
+
+*unterschlagen*
+
+mit dem Ton auf unter, heißt das Segel aus der Segelkoje holen und mit
+der dazu gehörigen Rahe verbinden, es an der Rahe befestigen. Das
+Gegenteil davon heißt Segel abschlagen. Segel unterschlagen und
+abschlagen unterscheidet sich also sehr wesentlich von Segel setzen und
+Segel bergen. Segel setzen heißt die untergeschlagenen Segel ausspannen,
+Segel bergen die ausgespannten Segel wieder einziehen, zusammenfalten
+und festbinden, aber untergeschlagen lassen, so daß sie jederzeit leicht
+wieder gesetzt werden können.
+
+Die eigentliche Bedeutung von schlagen ist: »eine Bewegung zu etwas hin
+machen.
+
+
+*unsichtig* s. sichtig.
+
+
+*Unterwindluftzuführung* s. Windsack.
+
+
+*unter Land*
+
+sagt man für »im Schutze des Landes«. Ein Schiff befindet sich unter
+Land, wenn zwischen ihm und dem Winde Land liegt, das ihm den Wind
+abhält oder doch abschwächt, also wenn es sich an einer Luvküste
+befindet. Es ist also bei dieser Redensart zu ergänzen: »unter (dem
+Schutze von) Land.«
+
+
+
+
+V.
+
+
+*Variation*, die.
+
+Die verschiedenen für den seefahrenden Mann wichtigen Ablenkungen:
+Variation, Mißweisung, magnetische Deklination, Deviation, astronomische
+Deklination, stellen sich gemäß befreundeter fachmännischer Auskunft
+kurz so dar: Eine jede nur in ihrem Schwerpunkte unterstützte, sonst
+aber frei schwebende Magnetnadel stellt sich in die magnetische
+Nord-Südlinie. Der Winkel, den diese magnetische Nord-Südlinie mit der
+astronomischen Nordsüdlinie bildet, heißt »*Missweisung*«, »*Variation*«
+oder auch »*magnetische Deklination*«.
+
+Nur an einem völlig eisenfreien Orte steht die Nadel in der magnetischen
+Nordsüdlinie, ist Eisen in der Nähe der Nadel, -- wie an Bord der
+Schiffe -- so weicht die Magnetnadel um einen gewissen Winkel (dessen
+Größe unter anderen Ursachen auch von der Entfernung, Lage u. s. w. des
+Eisens zur Nadel abhängt) von der magnetischen Nord-Südlinie ab. Dieser
+Winkel wird »*Deviation*« genannt. Die Deviation ändert sich mit dem
+Kurse des Schiffes.
+
+»Abweichung stammt aus der nautischen Astronomie und ist die
+Verdeutschung des Wortes »*Deklination*«; nämlich »*Abweichung*« der
+Gestirne vom Äquator des Himmels.«
+
+Die »Beschriving von der Kunst der Seefahrt« 1673 hat eine eigene
+Abhandlung »Thom Dörden: Wo men de declinatie der Sünnen finden, und die
+Instrumenten tho meting des Poles hochte gebrucken sal.«
+
+
+*Ventilator*, der, s. Windsack.
+
+
+*Verbodmen* s. Bodmerei.
+
+
+*Verdeck*, nicht seemännisch, s. Deck.
+
+
+*verfahren*
+
+hat eine ganz andere Bedeutung als das althochdeutsche farfaran =
+dahinfahren, sterben; auch wird es im anderen Sinne gebraucht als wenn
+man von einer verfahrenen Sache spricht; schon näher kommt man der
+seemännischen Bedeutung, wenn man an das in und um Gröningen
+gebräuchliche vervoaren denkt, das = verhuizen, also = umziehen ist,
+eine andere Wohnung beziehen oder von einem Orte zum andern ziehen. Man
+spricht nämlich: »eine Trosse verfahren« und meint damit, sie von einer
+Stelle (wo sie keine Dienste mehr leisten kann) nach einer anderen (wo
+sie wieder fest gemacht wird) bringen, z. B. von einem Poller oder von
+einer Boje nach der andern verfahren beim Verholen eines Schiffes oder
+beim Durchschleusen eines solchen. Und zwar ist der ursprüngliche
+Gedanke der gewesen, daß die Ortsveränderung der Trosse mit Hilfe eines
+Bootes vorgenommen, daß sie ausgefahren und dann von einer Stelle zur
+andern weiter gefahren wurde.
+
+
+*verfangen.*
+
+1. Ein Tau verfangen, einen Stopper auf ein so lange von den holenden
+Matrosen festgehaltenes Tau schlagen und so fest machen, daß es nicht
+wieder zurücklaufen kann. So gebraucht, hat verfangen den Sinn des
+hochdeutschen fangen.
+
+2. Eine Beting verfangen, die Beting bei starkem Zug des Ankertaues auf
+dem Deck abstützen. Hier nähert sich der Begriff dem von 3, indem die
+Abstützung gleichsam im Falle der Not an die Stelle der eigentlichen
+Beting zu treten hat; er hat aber auch etwas von 1. an sich, da die
+Abstützung ein Festmachen, eine Verhinderung der Bewegung in erster
+Linie darstellen soll.
+
+3. Einen Posten verfangen, d. h. ihn ablösen. In diesem Sinne wird das
+Wort in Ostfriesland und in Holland gebraucht für »an die Stelle eines
+anderen treten.« Wenn in Holland einer Soldat werden soll und er kauft
+sich für Geld einen anderen, der für ihn eintritt, so ist dieser andere
+sein plaatsvervanger. Ein solcher »Stellvertreter« hieß altfriesisch
+forifongera, forifonghera, forifongere (Richthofen 751). »Sa hwa sa
+breke, thet hi bete, hit ne se, thet hi forifongera winne« d. h. was
+einer zerbricht, muß er büßen, es sei denn daß er einen findet, der an
+seine Stelle tritt, für ihn die Buße übernimmt.
+
+Schon das althochdeutsche far, -fir, -for, -fer, -fahan hatte eine
+reiche Bedeutung von »fassen« an bis hin zu »sich zu etwas
+verpflichten«, »sich eines Dinges unterfangen«, die letztere Bedeutung
+kommt der seemännischen nahe im Sinne von »sich einer Stellvertretung
+unterfangen.«
+
+Auch hat ja unser hochdeutsches »verfangen« alle drei seemännische
+Bedeutungen in sich; wenn etwas verfängt so hält es, so stützt es und es
+tritt an die Stelle von etwas; vergl. »verfänglich.«
+
+Am häufigsten hört man an Bord verfangen im Sinne von ablösen, schon
+weil das Kommando »Ruder und Posten verfangen« alle Stunde wiederkehrt;
+doch hört mans auch im Sinne von »stellvertreten«; so wird der Offizier
+der Wache zu einem anderen sagen, wenn er aus irgend einem Grunde
+genötigt ist, sich auf kurze Zeit zu entfernen: »Bitte verfangen Sie
+mich eine Viertelstunde.«
+
+
+*vergissen*, sich, s. gissen.
+
+
+*verholen*,
+
+etwas von einer Stelle auf die andere schaffen. Ein Schiff verholen
+heißt, es mittelst Holens an einer ausgefahrenen Trosse auf einen
+anderen Platz legen. Außer der Trosse gehören dazu noch andere
+Vorrichtungen: Verholspill, Verholklüsen, Verholklampen, doch gehts zur
+Not auch ohne diese.
+
+
+*Verklarung*, die.
+
+Verklarung ablegen heißt: sich vor dem zuständigen Richter über einen an
+Bord auf See erlebten Unfall, eine Havarie etc. etc. verhören lassen und
+dabei sich über die näheren Umstände erklären, sie erläutern, die Sache
+deklarieren. Verklaren heißt an sich weiter nichts als erklären, wie man
+auch in hochdeutschen Mundarten anstatt erklären verklären sagt; es
+hieß aber besonders schon im Mittelniederdeutschen »vor Gericht
+erklären.« Lübecker Urkunde von 1413: »Alse de vorescrevenen schelinge
+in yegenwardicheyt vnses rades ... vorlud vnde vorclared worden.«
+
+Altfriesisch foerclaria, erklären; foerclaringhe = Verklarung.
+
+
+*Verklicker*, der,
+
+ist eine leicht vom Winde zu bewegende, sich also nach jedem Luftzug
+richtende und daher die Windrichtung genau anzeigende Vorrichtung aus
+Kork mit Federn, meist aber, namentlich auf Kriegsschiffen, ein
+»Windstander« aus leichtem Flaggentuch. Er wird an einer Stelle
+angebracht, wo ihn der wachhabende Offizier gut sehen kann und wo er
+unbeeinflußt ist von dem Winde der etwa durch ein Segel aus seiner Bahn
+gelenkt sein könnte.
+
+Was ein Seemann ist, der kann zwar ohne dergleichen Hilfsmittel mit der
+Nase oder den Ohren die Richtung des Windes genau angeben, aber der
+Sicherheit wegen und um einen Vergleich zu haben hat er einen
+Verklicker. Man würde in Versuchung stehn ihn Verglieker, Vergleicher,
+zu nennen, wenn es nicht ein altes niederdeutsches Wort verglicker gäbe,
+das der Teuthonista mit scrutator, catascopus, circulator übersetzt und
+von dem das »Bremer Wörterbuch« schreibt: »verklicken jemandes Vergehen
+angeben, verraten, verklicker ein Angeber, Verräter.« In Ostfriesland
+heißt der Spiegel vor dem Fenster, den man sonst in Deutschland Spion
+nennt, Verklicker. Wie neugierige Frauen in diesem Verglicker sehen, wer
+auf der Straße geht, so sieht der wachhabende Offizier an seinem
+Verklicker, woher der Wind weht; der Verklicker ist ihm in der Tat ein
+Verräter und Angeber, der die Windrichtung angibt und verrät.
+
+
+*Verlat*, das,
+
+hochdeutsch Verlaß, Gelaß; im Allgemeinen in Ostfriesland ein Raum in
+dem man etwas läßt, besonders aber eine Kasten- und Doppelschleuse,
+worin man das Oberwasser der Kanäle zum gelegentlichen Gebrauch
+zurückhält und aufspeichert um es nachher wieder abzulassen.
+
+Wie alle dergleichen Wörter auch als Ortsbezeichnung, z. B. Ditzumer
+Verlat.
+
+
+*vermooren*,
+
+ein Schiff das vor Anker liegt besonders fest oder in einer besonderen
+Richtung fest legen mit Hilfe von mehreren Ankern. In vermooren steckt
+das althochdeutsche marrjan, mittelhochdeutsch marren, merren = halten,
+befestigen, anbinden, anschirren; angelsächsisch merran, englisch to
+moor = »to confine or secure a ship in a particular station, as by
+cables and anchors or by chains.«
+
+
+*verstauen* s. stauen.
+
+
+*vertäuen* s. Tau.
+
+
+*vertonen*
+
+heißt eine leichte, skizzenhafte Zeichnung von einer Insel, einer Bucht,
+einer Küste machen. Solch eine Zeichnung nennt der Seemann eine
+Vertonung. Sie hat einmal für den Zeichner selbst den Zweck, sich
+genauer die Gestaltung des Landes mit seinen Bergen, Hügeln, Kirchen,
+Türmen, Mühlen, Häusern und Bäumen einzuprägen, also sich eine gute
+Landkennung zu verschaffen, sodann aber auch die Vertonung zum gleichen
+Behufe an andere weiter zu vergeben, auf Seekarten zu veröffentlichen
+etc. Tonen ist ein weitverbreitetes niederdeutsch-niederländisches
+Zeitwort das »zeigen« bedeutet; daher tonbank, der Tresen, der
+Ladentisch, die Bank, auf der den Kunden die Waren gezeigt werden. Im
+Mittelniederdeutschen hieß tonen noch besonders »jemandem eine Urkunde
+vorzeigen, ein Dokument vorlegen,« und das Vorzeigen hieß toninge.
+
+Zur Zeit mangelhafter Kenntnis der nautischen Berechnungen kam noch mehr
+auf eine gute Landkennung an wie heutzutage. Deshalb wirft 1670 der
+Verfasser der »Beschriving von der Kunst der Seefahrt,« ein alter
+befahrener, in manchem Sturm und Schiffbruch erprobter Schiffer, die
+Frage auf: »Wo mag man de Landen und Gelegenheit des Fahrwaters kennen
+lehren?« und erteilt darauf folgende Antwort, aus der -- wenn das Wort
+selbst auch nicht gebraucht ist -- doch hervorgeht, daß damals fleißig
+vertont wurde. »Wenn man vom einig Land affsegelt, so most men wol
+Achtinge hebben, up wat Art dat Land an tho sehnde ys, wat vor Karcken,
+Torens, Mölens, Backen, Husen, offt Berge und andere kenlicke Teckens,
+dat dar umbtrent syn, men kan ock datsülvige na Gelegenheit affmahlen
+offt afftecken und pegelen upt Compaß, wo ein jeglich Tohren, Möhl,
+Karck etc. van ju ys, und warpen ock dat Loth und sehn wo deep, und wat
+vom Grund dat dar umbtrent ys, und nehmen ock Achting wo dat Land na
+grade int Affseegelnt vorandert, und wen gy sehen, dat sick dat Land
+vorändert, so trekket eder mahlet ydt wedder aff und pegelt mit juw
+Compaß, wo ein jeglick Ding von juw steit, und so da örde (Spitzen) offt
+Hucken vant Land tho sehnde syn, so pegelt se ock inn geliken aff,
+warpet ock wedder dat Loet, und seht wo sick de Grund und Düpte
+vorändert, desgeliken möge gy ock solches wedderumb dohn, wen dat Land
+begint ant Water tho kamen, und schrieven solckes wedder an, up wat
+Streck de klenlickste Platzen offt Tekens vom juw liggen und wat Deepte
+gy alßden dar hebben, endlick möge gy solckes noch ins dohn, alß gy dat
+Land achter van de Compagnie (Kampanje) effen sehen könet, den stiget in
+de Marß offt an de Stengen..« Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu
+Enckhuyzen, der im Jahre 1588 seinen »Spiegel der Zeevaerdt« herausgab,
+hat als praktischer Seemann besonders viel auf Vertonungen gehalten,
+ihrer auch eine große Zahl auf seinen Seekarten beigebracht, neben
+Schiffen unter vollen Segeln und fröhlich in ihrem Element spielenden
+Fischen. Er versichert auch ausdrücklich, er habe mit »diversche Piloten
+ende bevaren Stuerlieden« über seine Karten und Segelanweisungen
+»ghecommuniceert, vertoont ende na haerlieder memorialen ghecorrigeert.«
+
+
+*verschalken.*
+
+Bei sehr schlechtem Wetter, wenn Gefahr vorhanden ist, daß Sturzseen
+überkommen, werden die Luken, durch die das Salzwasser ins Innere des
+Schiffes dringen könnte, verschalkt, d. h. sie werden zugedeckt mit
+ihrer Gräting und darüber wird ein Stück wasserdichten Segeltuches
+genagelt; doch so daß die Nägel leicht wieder ausgezogen werden können,
+wenn die Gefahr vorüber ist. Zu diesem Zwecke werden die Nägel nicht bis
+an ihre Köpfe eingeschlagen, sondern man legt erst ein Holzklötzchen
+unter als Unterlage und Stütze gegen zu tiefes Eindringen. Dieses
+Klötzchen, im Niederdeutschen schalk (auch Stütze, Unterlage, Träger
+bedeutend, eigentlich *ein Knecht*) genannt, hat dem Zeitwort
+verschalken zum Dasein verholfen.
+
+
+*Very'sche Pistole*, s. Cordes'sches Gewehr.
+
+
+*Vierdeckschiff*, s. Deck.
+
+
+*Viermastschiff*, s. Schiff.
+
+
+*vierschäftiges Tauwerk*, s. Tauwerk.
+
+
+*»vier auf, vier ab«*, s. Wache.
+
+
+*Vitalienbrüder*, s. Kaper.
+
+
+*Vize-Admiral*, s. Admiral.
+
+
+*Violinblock*
+
+ist ein Block der Ähnlichkeit mit einer Violine hat, weil in der Mitte
+ein Einschnitt ist wie bei einer solchen. Violine heißt bekanntlich auch
+Fidel, und diese Form gibt die Erklärung an die Hand; mittelhochdeutsch
+fidele, aus mittellateinisch vitula, fidula, woraus italienisch,
+spanisch, portugiesisch viola; vom lateinischen vitulari springen wie
+ein vitula, ein Kälbchen, sich lustig geberden. (Geige kommt wegen der
+Ähnlichkeit mit einer Hammelkeule vom französischen gigot.)
+
+
+*Vollschiff*, s. Schiff.
+
+
+*voll Segel*, s. »am Winde«.
+
+
+*»voll und bei«*, s. »am Winde.«
+
+
+*»vor dem Mast«*, s. Kuhl.
+
+
+*Vorgeschirr*, s. Vortop.
+
+
+*Vorhandsmann*, der,
+
+ist ein tüchtiger, brauchbarer, zuverlässiger, erfahrener Seemann, der
+bei seemännischen Arbeiten, Exerzitien und Manövern den Vorarbeiter
+macht, der vor den andern steht, das Tau an dem geholt werden soll längs
+gibt, den Stopper aufschlägt, die Belegschläge abnimmt, das Tau abstoppt
+und schließlich wieder belegt und die Lose aufschießt.
+
+
+*von Bord*, s. über Bord.
+
+
+*vorhissen*, s. hissen.
+
+
+*vorlastig*
+
+ist ein Schiff, das vorn tiefer als es sollte und als seiner
+Segelfähigkeit zuträglich ist im Wasser liegt, sei es infolge falschen
+Stauens der Ladung, sei es aus anderen Ursachen. Vorlastig darf ein
+Schiff nicht sein, weit eher etwas achterlastig, weil dann das Ruder
+wirksamer ist; deshalb ist achterlastig auch = steuerlastig. Beim
+Wettsegeln ist die richtige Verteilung der Leute im Boot von großer
+Wichtigkeit.
+
+
+*vor dem Wind*, s. lenzen.
+
+
+*Vormast*, *Vormars*, s. Vortop.
+
+
+*Vormittagswache*, s. Wache.
+
+
+*Vorsteven*, s. Steven.
+
+
+*Vortop*, der,
+
+müßte nach dem Muster von Großtop und Kreuztop eigentlich Focktop
+heißen, aber einmal liegt dieses Wort dem Seemann nicht mundgerecht und
+sodann gehört auch das ganze Vorgeschirr des Bugspriets dazu: Stagsegel,
+Klüver, Jager und alles was damit zusammenhängt, insofern, nämlich der
+Offizier der bei Segelmanövern den Fockmast unter sich hat auch dieses
+alles beaufsichtigt und von Leuten der Fockmastdivision bedienen läßt.
+
+
+
+
+W.
+
+
+*Wache*, die.
+
+Unter Wache versteht man an Bord einmal die Tätigkeit des Wachegehens,
+sodann die Zeit die gewacht wird und endlich die Gesamtheit derer, die
+auf Wache sind.
+
+»Ich habe die Wache,« sagt der Offizier, den man Offizier der Wache
+nennt. Offizier der Wache ist aber nicht gleichbedeutend mit
+Wachoffizier. Es kann einer Wachoffizier und Offizier der Wache zugleich
+sein; er kann aber auch Wachoffizier sein und braucht doch nicht gerade
+Offizier der Wache zu sein. Es kann auch einer Offizier der Wache sein,
+ohne daß er Wachoffizier ist, z. B. der Navigationsoffizier, wenn er den
+wachhabenden Offizier zum Frühstück verfängt. Unter den Offizieren eines
+Schiffes sind nämlich immer einige, in der Regel vier, mit der
+Bestimmung, die Wachen zu gehen, an Bord kommandiert; sie heißen
+Wachoffiziere, wie es auch einen Navigationsoffizier, einen
+Batterieoffizier, einen Kadettenoffizier, einen Flaggleutnant, einen
+Adjutanten gibt. Die Wachoffiziere gehen unter sich abwechselnd in der
+Regel in vier Wachen, d. h. in vier Zeiträumen von je vier Stunden.
+
+»Ich bin auf Wache,« sagen die Matrosen, Schiffsjungen, Heizer etc. Die
+Mannschaft geht in zwei Wachen, oder »Wache um Wache,« oder »vier auf,
+vier ab«. Es ist also immer die eine Hälfte der Besatzung für den
+notwendigen Schiffsdienst zur Stelle; (s. aber Quartier der Wache.) Die
+eine heißt Steuerbordwache, die andere Backbordwache, mit entsprechenden
+Wachabzeichen auf der rechten oder linken Schulter. Damit nun nicht jede
+Wache jeden neuen Tag immer wieder dieselben Stunden auf Wache komme, so
+wird die Wache von 4 h bis 8 h p. m. von beiden Wachen in zwei Hälften
+gegangen; sie führt zuweilen den Namen Plattfußwache, auch bloß »der
+Plattfuß«; manchmal heißt auch der zweite Teil, von 6 h bezw. 6 h 30 bis
+8 h so. Irgend ein Scherz mag dieser scherzhaften Bezeichnung zu Grunde
+liegen; sie wird in der Marine nicht angewandt und überhaupt nur selten
+mehr gehört. Über die Nachtwache s. Hundewache.
+
+Nur in See geht man vierstündige Wache; im Hafen wechselt es Tag um Tag,
+das nennt man »Hafenwache gehen.« Sonst heißt Hafenwache auch noch die
+Hafenpolizeiwache, bezw. eine Hafenpolizeipatrouille. S. auch
+*Quartier*.
+
+
+*Wachtmeister*, der,
+
+war ursprünglich der Unteroffizier, der die Wache beaufsichtigte, jetzt
+ist er bei der Marine der Mann im Range eines Feldwebels, der die
+Polizei ausübt, also der Profoß, der Rumormeister. Zu den Zeiten
+Leonhart Fronspergers, als der Soldat, der Dienste zur See nahm, sich
+sein Weib oder Kebsweib mit an Bord nahm, war über die Weiber und Kinder
+ein eigener Weibel gesetzt, der strenge Ordnung halten mußte und nicht
+zu säuberlich mit seinen Pflegebefohlenen umging. Er führte den schönen
+Namen Hurenwaibel. (1565) Wachtmeister ist begrifflich genau dasselbe
+wie Quartiermeister.
+
+
+*Wägerung*, die,
+
+auch Garnierung genannt, ist die innere Bekleidung der Außenwand eines
+Schiffes. Die Bretter oder Platten die von außen an den Querspanten
+befestigt werden, bilden die Außenbordwand; die Bretter oder Platten aus
+Holz, Eisen oder Stahl, die an der Innenseite dieser Spanten befestigt
+werden, bilden die Wägerung, auch Wegerung. Ostfriesisch heißt wage die
+Wand, altfriesisch wag, westfriesisch weage, saterländisch wage,
+wangerländisch woch; angelsächsisch vag, altenglisch wag, altnordisch
+veggo, norwegisch vegg, schwedisch vagg, dänisch vaeg. Von wägen, ein
+Gewicht bestimmen, dann auch ein Maß, eine Gestalt bestimmen, einen Raum
+bestimmen, was durch die ihn umgebenden Wände geschieht, wie dann
+überhaupt die Wägerung in ihrem Verlaufe die Gestalt des Schiffes
+angibt.
+
+
+*Wall*, der,
+
+bedeutet in der Seemannssprache nicht sowohl das was man etwa einen
+Festungswall nennt, der Begriff ist bedeutend erweitert, so daß Wall
+überhaupt für Küste oder Land gebraucht wird. Niederländische und auch
+ostfriesische Matrosen sagen: »Aan den wall gaan« für »an Land, auf
+Urlaub gehen.« Im Angelsächsischen heißt sae-veall auch weiter nichts
+als Küste. Und doch muß das Wort ursprünglich eine irgendwie von
+Menschenhand zum Gebrauch des Seemanns geeignet gemachte Küste bedeutet
+haben. Auch wenn es vom lateinischen vallum durch sehr frühzeitige
+Entlehnung kommen sollte, so ist doch Menschenhand mit im Spiele. Und
+zwar -- vergl. Kaje -- bediente sie sich dabei des Holzes zur
+Herstellung einer -- natürlich noch sehr ursprünglichen und einfachen
+--Art von Bollwerk. Nun fehlt zwar im Althochdeutschen das Wort wal, wie
+Kluge sagt, zufällig, aber wir haben doch glücklicherweise im Gotischen
+ein Wort das uns zu Hilfe kommt: valus, das zwar nur Stock, Rute
+bedeutet, aber uns grade deswegen darauf hinweist, daß Wall ebenso wie
+Kaje erst eine Art Zaun aus Stöcken oder Pfählen gewesen ist und sich
+dann im Laufe der Zeiten zu Weiterem ausgewachsen hat. Um dieses
+gotischen valus willen möchte ich die von Kluge für sehr
+unwahrscheinlich gehaltene Urverwandtschaft mit dem lateinischen vallum
+doch nicht so weit wegwerfen, also Wall nicht für ein lateinisches
+Lehnwort halten.
+
+Niederdeutsch auch Wal, »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673:
+»Ok kan men de Compassen proberen, wen men erst uth ein Gat, offt
+langest de Wal, edder sünst vom ein Land na dat ander segelt,
+vornehmlick dar weinig Strom gaet. Wen men den na dat Compaß, und nicht
+na dat Oge offt Land so hen stüret, und men den wol achting up sinn Korß
+gifft, wor men mit solken Korß vor falt, so kan men sik den desto beter
+darna richten, offt de Compassen Ostlick offt Westlick vant Norden
+wiken.«
+
+
+*Wallgang*, der.
+
+Zu den Einrichtungen, die die Seiten eines geschützten Schiffes schützen
+sollen, gehören auch die Wallgänge, das sind wasserdichte Räume an der
+Bordwand, »die durch senkrecht stehende Längsschotten, die sogenannten
+Wallgangsschotten, gebildet werden. Das innerste Wallgangsschott ist im
+Allgemeinen in solcher Entfernung von der Bordwand angeordnet, daß der
+Sporn eines rammenden Schiffes es unter gewöhnlichen Umständen nicht
+mehr verletzen kann. Die Wallgänge und der Doppelboden sollen das Schiff
+auch gegen die Gefahren von Explosionen schützen, die sich in der Nähe
+der Außenhaut vollziehen.« Dick und Kretschmer I. 559. Der Ausdruck
+Wallgang ist der Festungsbaukunst entnommen: »Gang hinter dem Wall«,
+wobei der Panzer die Stelle des Walles vertreten muß.
+
+
+*Wake*, die,
+
+ist eine offene Stelle im Eise, die entweder in Folge natürlicher
+Ursachen überhaupt nicht zugefroren war, oder aber künstlich ins Eis
+geschlagen ist für Zwecke des Fischfanges etc. Das Letztere, also das
+künstlich aufgehauene Eis ist auch für die Schiffahrt von Bedeutung, wie
+schon aus der Lübecker Chronik erhellt: »De hovetman .. leth in der
+nacht umb de (im Eise liegenden) schepe grote waken howen unde de
+issschulveren leth he under drucken.« Niederländisch wak, Nebenform von
+wek, weich, und dieses vom Präteritum wek von wiken, weichen, also eine
+Stelle die »weich« ist, weichend, die »nach« gibt, keinen Widerstand
+leistet.
+
+
+*Walrückendeckschiff*, das, s. Schiff.
+
+Der Walfisch ist übrigens ein besonderer Freund des Seemanns wegen
+seiner munteren, beweglichen, scherzhaften Art. Er ist ein
+»Herumtreiber« und hat davon auch den Namen, dem das gotische walwian zu
+Grunde liegt, altfriesisch walen, niederdeutsch walen = wälzen,
+unbeständig sich hin und her bewegen. Das Wort hat eine sehr große
+Verwandtschaft, zu der auch das Wort Walze = Wanderschaft im Munde
+unserer Handwerksburschen gehört.
+
+
+*Wanholz*, das,
+
+oder wankantiges Holz ist das Holz so wie es gewachsen ist, das noch
+erst vierkantig gesägt werden muß, ehe es zum Schiffbau Verwendung
+finden kann. »Die erste Diele, welche an jeder Seite abgesägt wird und
+die an einer Seiten einen Rücken hat wird das Schillstück oder
+Schellstück (Schalenstück) genannt, die zweyte, welche an beyden Seiten
+platt aber schiefe Kanten hat, die Schelldiele und die dritte, welche
+ebenfalls noch schiefe Kanten hat die Wandiele.« (Röding). Die Bedeutung
+geht auf Abfall, Abnahme, Verminderung zurück, althochdeutsch wanon,
+vermindern, angelsächsisch vanjan, altenglisch wanjen, englisch wane
+abnehmen, daher wane of the moon. Das letzte Viertel des Mondes, in
+welchem Sinne wan auch im Mittelniederdeutschen gebraucht worden ist, wo
+überhaupt wan sehr häufig vorkommt für »nicht voll«, mangelnd, fehlend,
+gebrechend, mangelhaft, fehlerhaft; ja aus dem Begriffe »nicht voll« ist
+sogar der von »leer« entstanden. Man vergleiche: wanback, ein
+schwächlicher Mensch der keinen breiten Rücken (back) hat, wanbar,
+wandicht, wanfett, wangar, wanklör, wanlustig, wanrad, wanrip,
+wanstaltig, wansturig, wantide, eine wenig bemerkbare Flut und Ebbe,
+wantiedig u. s. w.
+
+
+*Want*, das,
+
+auch Wand, ist die Stütze des Mastes oder der Stänge nach der Seite zu,
+bewirkt durch starke Taue, Want- oder Hofdtaue (Haupttaue), die um den
+Kopf des Mastes oder der Stänge gelegt und an der Seite des Schiffes,
+der Rüst, oder an der Seite des Marses befestigt sind; sie müssen eisern
+stehen und gehören daher zum stehenden Gut.
+
+Ein Blick auf ein Segelschiff zeigt uns, daß die Wanten zu beiden Seiten
+des Untermastes nichts weiter sind als stützende Seitenwände, und es
+gehörte auch kein allzu kühner Gedankensprung dazu, den Namen der Stütze
+eines Hauses auch hier anzuwenden, zumal wenn man sich die Entstehung
+der ersten Wände aus Holz und Holzgeflecht (Staken) vergegenwärtigt.
+Dagegen muß man allerdings die im Binnenlande so weit verbreitete
+Meinung bei Seite lassen als habe das Want den Zweck einer Strickleiter.
+Das ist etwas ganz Nebensächliches. Nebensächlich ist auch, daß die
+Hofdtaue der Wanten unter einander mit Weveleine verbünden, »ausgewebt«
+sind (wodurch die Sprossen der Strickleiter entstehen). Man kann daher
+auch nicht, wie es Breusing wollte, Müllenhoff aber schon für unmöglich
+erklärte, wegen dieses »Webens« Want mit Want = Tuch, Leinewand gleich
+setzen. Die Sache ist vielmehr ganz einfach: Wie die Wand das Haus
+stützt, so stützt das Want den Mast. Der Wechsel des Geschlechtes kann
+im Niederdeutschen nicht befremden, zumal es noch ein Neutrum want gibt,
+das Fischereigerätschaft heißt und von Einfluß gewesen sein kann.
+
+Doch sind Breusing und Müllenhoff mit ihren scheinbar so weit
+auseinander gehenden Erklärungen in Wirklichkeit einander ziemlich nahe,
+denn Wand = Hauswand und Want = Leinewand und viele andere deutsche
+Wörter kommen zuletzt doch auf eine und dieselbe Grundbedeutung und auch
+auf dieselbe Wurzel hinaus mit der Bedeutung *wenden*, *winden*. Die
+Sippe ist so groß, daß sie hier nicht weiter in den Bereich der
+Betrachtung gezogen werden kann.
+
+
+*Warlblock*, der.
+
+Wart ist eine Kontraktion von warvel = Wirbel, bedeutet also eine
+Vorrichtung, die sich dreht. Warlblock ist ein Block dessen Haken
+drehbar ist, wodurch dann auch der ganze Block drehbar wird, was unter
+Umständen wünschenswert sein kann, z. B. bei neuem, sich leicht noch
+verdrehendem Tauwerk. Warl stammt von althochdeutschen hwerban ab, ist
+also mit Werft verwandt.
+
+
+*Warpanker*, der.
+
+Soll ein Schiff verholt werden ohne daß Bojen, Ducdalben, Poller oder
+dergl. in der Nähe sind, an die man eine Troß verfahren könnte, so muß
+man sich mit einem Anker helfen, indem man ihn ausfährt an die Stelle wo
+man hin will und sich dann mittelst der Ankerkette dahin aufwindet.
+Dieses Winden heißt warfen oder warpen, althochdeutsch hwerban (vergl.
+Warlblock und Werft) sich bewegen, sich wenden, sich drehen. Der gute
+alte Röding hat sich von Breusing müssen zurechtweisen lassen, daß er
+Warpanker mit Wurfanker wiedergegeben hat, da er doch mit Werfen nichts
+zu tun habe. Letzteres ist nicht ganz richtig, denn geworfen wird der
+Warpanker auch, wie jeder andere Anker; es ist ja die Bestimmung des
+Ankers, geworfen zu werden. Aber in der Sache selbst hat Breusing Recht,
+auch darin, daß er vor den Rödingschen Übersetzungen ins Hochdeutsche
+warnt. Röding war eben kein Seemann. Daß aber auch seebefahrene Leute
+seemännische Wörter durch schiefe Übersetzung ins Deutsche recht
+verdunkeln können, sieht man an Bobrik. Von ihm bemerkt Ehrentraut,
+Friesisches Archiv II. 65 daß er plicht mit Pflicht wiedergegeben habe
+und sagt dazu: »Wohl mit Recht ist an diesem Buche (dem nautischen
+Wörterbuche Leipzig 1850) das Bestreben, die niederdeutschen Ausdrücke
+zu verhochdeutschen, getadelt worden.«
+
+
+*warschauen*
+
+ist ein an Bord sehr häufig gehörtes, echt seemännisches Wort mit der
+Bedeutung: jemandem zurufen, daß er sich in Acht nehmen soll vor einer
+drohenden Gefahr, jemanden erinnern, daß er etwas tun soll, jemanden
+benachrichtigen, daß für ihn etwas an der Zeit ist, jemandem mitteilen,
+daß etwas worauf er gewartet hat nun so weit ist.
+
+Das Wort war im Mittelniederdeutschen in häufigem Gebrauch. Livländische
+Urkunde von 1410: »Darum so willet juwe schipheren unde Koplüde war
+schuwen, wo dat se segelen.« Auch nichtseemännisch, ostfriesische
+Urkunde von 1413: »Ende waerschuwen ju ende alle gade lude, dat sie sick
+huden voer dezen eerlosen, treulozen, meynedighen man.« Es trat damals
+noch die Bedeutung mehr hervor die das Wort heute noch in erster Linie
+im Niederländischen hat, waarschuwen = *warnen*. So auch negativ,
+Hamburger Chronik: »Darna is graue Christoffer in Zelant angekamen
+vngewarschuwet vnde heft dat land gebrantscattet«, d. h. ohne gewarnt zu
+haben.
+
+Ostfriesisch warschoen, warschoun; saterländisch warsgauje, auf
+Wangerooge warschaun, nordfriesisch warskauin.
+
+Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes war ist dasselbe wie unser
+wahr = sicher, gewiß, richtig, wirklich, zuverlässig, aber mit der
+Nebenbedeutung »gewahr«, sichtig, inne, kundig; ostfriesisch: »Ik kan 't
+net war worden wo 't is« ich kann es nicht erfahren, nicht gewahr
+werden.
+
+Der zweite Teil -- schuwen -- heißt scheuen und scheu machen, scheuchen;
+warschauen also wörtlich: »jemanden aufscheuchen, daß er einer Sache
+gewahr wird.«
+
+In dem aus dem Jahre 1673 stammenden höchst seltenen Buche: »Beschriving
+van der Kunst der Seefahrt, darin durch gewisse Grund-Regulen wert
+angewiset, wo men en Schip aver See, von dem einen Platse tho dem
+andern bringen sal, Allen jungen und unerfahrenen See-Lüden tho denst
+und sünderlicken Nutzen thosamen gebracht und in der Neddersaxschen
+Sprack beschreven dorch P. V. D. H. Leffhebber der Navigatie. Lübeck,
+Gedrückt by Seel. Schmalhertzens Erven 1673. Dise Bocken werden von dem
+Autor mit egender Hand undergeschreven, den Koper thor Naricht, up dat
+he von den Nadrückers de licht ein Faut hirin begahn möchten nicht
+achtergahn werde. Werdt verköfft neffens der Herings-Caje in de sphera
+mundi in Lübeck by« ... nennt der Verfasser das was wir jetzt Vorrede
+nennen würden »Warschuving an den Leser.« Und in dieser Warschuving
+heißt es wieder: »Ok wen jemand einige Engelsche Gaten wold ein offt uth
+segelen und einen Engelschen Lotz an Bord hefft, de mag den Lotz wol
+warschuwen, dat de düdsche Compassen mit den Engelschen ein halven
+Streck verschelen, up dat durch de Pegeling und Korsch nen Fauten begahn
+werden.«
+
+
+*Wäschejolle*, die,
+
+ist eine Verbindung von Tauen die geschoren wird wenn Zeug- und
+Hängemattswäsche war. Sind die Wäschestücke rein, so werden sie mit
+Nitseln an dem Tau festgebunden das in der Richtung von vorn nach hinten
+in gewisse Höhe mittelst der Jolltaue aufgehißt wird; dann hängt die
+Wäsche hoch oben, manchmal in verschiedenen Reihen über einander, luftig
+und frei im Winde zum Trocknen.
+
+
+*Wasserhose*, die,
+
+ist eine Wettersäule auf See, eine Trombe, ein Dreh- oder Wirbelsturm
+von sehr geringem Durchmesser. Durch eine eigentümliche drückende und
+saugende Bewegung veranlaßt er auf dem Lande einen Luft oder Sandwirbel
+(Windhose, Sandhose), auf See aber einen Wasserwirbel den man
+Wasser-oder Seehose nennt. (Seehose ist übrigens auch eine wirkliche
+Hose, nämlich eine, die der Seemann sich nur auf See anzieht um sie
+»aufzutragen«, während die »Landhose« nur angezogen wird, wenn er sich
+fein macht und »an den Wall« geht.) Das Merkwürdige bei der Wasserhose
+ist, daß der Bewegung von unten eine Bewegung von oben her entspricht,
+daß mit ihr sich ein aus den Wolken sich herabsenkender »rotierender
+Dunstkegel zu einer schlauchartigen fortschreitenden Säule« vereinigt.
+Von dieser schlauchartigen Gestalt ist der Name Hose gewählt, der zuerst
+in diesem Sinne, nach Kluge bei Stieler 1695 gebucht ist.
+
+In den Begriff Hose ist Verwirrung gekommen durch das Abschneiden der
+früher mit der Hose ein Stück bildenden Strümpfe; nun nennen im
+germanischen Sprachgebiet die einen das obere Stück Hose und die andern
+das untere, das diejenigen die das obere Hose nennen wegen des
+Abgeschnittenseins Strumpf (Stumpf) heißen. Diese Verwirrung mag mit
+dazu beigetragen haben das Wort überhaupt als minderwertig in Mißkredit
+zu bringen.
+
+
+*Wasser machen.*
+
+Wenn ein Schiff leck ist, so daß durch das Leck Wasser ins Schiff läuft,
+oder wenn sich sonst aus irgend einem Grunde Wasser im Schiffe
+ansammelt, so sagt man: es macht Wasser; es macht so und so viele
+Zentimeter Wasser in einer Stunde, heißt also: es läßt so und so viel
+Zentimeter Wasser in einer Stunde durch undichte Nähte, durch eine
+undichte Stelle u. s. w. ein. Danach richtet sich dann das Pumpen.
+Französisch faire eau.
+
+
+*Wassergang*, der,
+
+ist eine rings um das Deck eines Schiffes an der Bordwand entlang
+laufende Wasserrinne die das an Deck kommende Wasser sammelt und durch
+die Speigaten ableitet. Röding: »Die Bugt der Verdecke macht daß das
+Wasser nach den beiden Seiten derselben abläuft, wohin man denn ein
+Stück legt, welches die äußere Deckplanke gegen Bord an und den Anfang
+der Weger zugleich bildet. Dieses Stück läuft innen rund herum um das
+ganze Schiff und heißt der Wassergang.« Die äußerste Deckplanke für sich
+als solche heißt Leibholz, sie ist so gestaltet, daß sie eine starke
+Verbindung bildet.
+
+
+*Wasserlast* s. Last.
+
+
+*Wasserschot* s. Schot.
+
+
+*Wasserstag* s. Stag.
+
+
+*Wasserschaut*, der,
+
+ist ein Aufsichtsbeamter der Hafenpolizei, besonders für das Heuerwesen;
+»un officier chargé de surveiller les engagements des matelots«. In
+seiner halb hochdeutschen Gestalt sieht das Wort sonderbar aus, es wäre
+schon besser man hätte es bei dem guten alten waterschout gelassen.
+Schout by nacht heißt im Niederländischen der Kontre-Admiral; schout für
+sich allein der Schulze, Gemeindevorsteher. Es liegt in schout überhaupt
+der Begriff Beamter, Richter, Amtmann, Hauptmann, Aufseher, ursprünglich
+Steuerempfänger oder vielmehr Steuereinforderer, denn das ganze Wort
+hieß mittelniederländisch (Kilian) schoutheet, schoutheyt,
+schoud-heescher, schout-heys: »praetor, quod jus debiti petat sive
+exigat,« also Schultheiß, der Beamte der die Schuld, die Steuer heischt
+oder heißt, d. i. sie zu bezahlen befiehlt, sie einfordert, einzieht.
+Aus Schultheiß ist Schultze verkürzt, der Familienname Schultze ist also
+mit einem tz älter und ehrwürdiger.
+
+Wollte man das waterschout verdeutschen, so hätte man nicht auf halbem
+Wege stehn bleiben dürfen, sondern Wasserschulze sagen müssen.
+
+
+*Watt*, das,
+
+ist ein seichtes, bei Flut überschwemmtes, bei Ebbe trocken fallendes
+Gebiet an der Meeresküste, zwischen Inseln, vor Flußmündungen, in
+Buchten und Busen. Es bedeutet eine Stelle wo man (zu Zeiten, wenn auch
+mit Anstrengung) gehen kann, oder vielmehr *waten*. Im Gotischen hieß
+vato, Mehrzahl vatna, Wasser; davon das althochdeutsche watan im Wasser
+vorwärts dringen, gehen, schreiten; altsächsisch vadan, altnordisch
+vadha, durchs Wasser schreiten, also unser neuhochdeutsches waten. Die
+germanische Wurzel wad »im Wasser schreiten« deckt sich mit dem
+urverwandten lateinischen vadere, wozu vadum, die Furt, italienisch
+guado und vado, spanisch vado = seichte Stelle im Wasser. Die Bedeutung
+»Furt« trifft auch heute noch zu und ist für Watt besonders bezeichnend,
+da solch ein Watt zur Zeit der Ebbe mit Wagen befahren werden kann. Auf
+diese Weise verkehren die ostfriesischen Inseln auch ohne Schiffe mit
+dem Festlande.
+
+
+*Webeleine*, die.
+
+Wenn man sich das Want als Strickleiter denkt, so sind, die Webeleinen
+die Sprossen; gewöhnlich Weveleinen genannt. Weben, niederdeutsch weven
+heißt eigentlich bewegen und wird von Luther in diesem Sinne gleich
+leben gebraucht, »du machest fröhlich alles was da webet.« Besonders ist
+bei »weben« an das »hin- und herbewegen« wie es beim Weben mit dem
+Weberschifflein geschieht, gedacht. Man nennt auch die Tätigkeit des
+Anbringens der Webeleinen zwischen den Hofdtauen das »*Ausweben* der
+Wanten«.
+
+Die zu Grunde liegende Wurzel va, wa hat eine ganz besonders zahlreiche
+Nachkommenschaft, auch unter den Seemannswörtern, es liegt aber allen
+Vettern der großen Sippe der *eine* Begriff zu Grunde: *bewegen*.
+
+
+*Werft*, die.
+
+Die etymologische Untersuchung dieses so wichtigen Seemannswortes wird
+dadurch etwas erschwert, daß sich immer wieder ein Wort dazwischen
+drängt, das mit Werft gar nichts zu tun hat, aber ähnlich lautet: Warf.
+Das haben wir von Werft gänzlich zu trennen, wiewohl auch das Wort
+Schiffswarf vorkommt, weil es eben leicht möglich ist, daß eine Werft
+auf einer Warf angelegt wird. Warf nämlich, auch Warv, Warp, ja sogar
+Werf, kommt von werfen und bedeutet eine Anhöhe die nicht natürlich
+gewachsen, sondern künstlich aufgeworfen ist. So heißt in
+Nordwestdeutschland eine künstliche Anhöhe, auf der eine, (Wind-) Mühle
+steht Mühlenwarf, -- Werft aber kommt von einem Zeitwort das gotisch
+hvairban, althochdeutsch, hwerban, werban, wervan, altsächsisch
+huerbhan, altenglisch hwerfen, nordfriesisch werwan, altfriesisch werva,
+in der Edda hverfa, heutzutage werben heißt. Das bedeutet ursprünglich
+sich drehen (woher Wirbel, wirbeln, Wirbelwind), sich hin und her
+bewegen, sich um jemanden herum etwas zu schaffen machen, (der Werber
+der mit dem Kalbfell im Lande umherzog). Dieses Werben hat also
+ursprünglich denselben Sinn wie das lateinische volvere, von welchem der
+Name der bekannten schneckenförmig in sich selbst zurückkehrenden
+jonischen Kapitälverzierung Voluta kommt und das spanische vuelta, »dar
+una vuelta«, einen Spaziergang machen, »vuelta abajo«.
+
+Hernach hat sich der Sinn von werben erweitert: sich umtun, sich
+bemühen, tätig sein, etwas betreiben, ausrichten. Daher Gewerbe. Gewerbe
+und Handel sind nahe verwandt. Denkt man an diese Verwandtschaft, so
+begreift man die so häufig vorkommende Verbindung Handel und Wandel. Der
+erste Handel geschah im Wandeln, im Wandern, bestand im Werben, im Hin-
+und Hergehen bei den Kunden von Haus zu Haus (hausieren). Das
+mittelniederdeutsche werf: Wendung, Windung, Drehung, Umdrehung,
+Bewegung, Geschäft, Industrie, Gewerbefleiß, Betriebsamkeit.
+
+Demgemäß bedeutet Werft genau dasselbe wie Arsenal. Denn dieses ist aus
+dem arabischen dar-çanah, Haus der Betriebsamkeit, Haus wo etwas
+gemacht, gefertigt, gebaut wird, gebildet.
+
+Das alte mittelniederdeutsche Wörterbuch Teuthonista faßt sich kurz:
+»Werff längs eyn Water.« Kilianus, etwas später, gebraucht werf allein
+nur für Tätigkeit, Gewerbe, Handlung, in der Zusammensetzung spricht er
+aber von schip-werf, so daß damals also werf für sich allein diese
+Bedeutung noch nicht hatte, Dafür hat er aber ein anderes Wort, das im
+Mittelniederdeutschen von Wichtigkeit war und allgemein, eben weil werf
+noch Gewerbe bedeutete, für Schiffswerft gebraucht wurde, nämlich
+Lastagie, auch als Lastadie im Gebrauch und in dieser Form heute noch in
+deutschen Seestädten als Strassen- und Platzname üblich. Das Nähere
+unter Lastadie.
+
+
+*Welle*, die.
+
+1. die bekannte, wälzende, wogende, flutende, rauschende Bewegungsform
+des Wassers.
+
+2. die Schraubenwelle, die lange Achse, die die Verbindung der
+Schiffsdampfmaschine mit der Schraube herstellt.
+
+Beide Wörter haben mit Welle = Reisigbündel, mit Walze, Walzer,
+Walfisch, wallen und vielen andern ein und denselben Ursprung, von der
+indogermanischen Wurzel wel, drehen, walzen; althochdeutsch wellan
+(lateinisch volvere), angelsächsisch weallan, wellen, wogen, weallian
+umherstreifen. Eine Welle ist also etwas, das sich wälzt (1) oder sich
+dreht (2). Natürlich ist die Bewegung einer Meereswelle nicht nur eine
+Bewegung um die eigene Achse, so daß die einzelne Welle immer an
+derselben Stelle bliebe, sie bewegt sich auch nebenbei noch weiter
+vorwärts (oder rückwärts), je nach Gewalt und Richtung der bewegenden
+Kraft. Man vergleicht eine Welle am besten mit der auch sprachlich
+verwandten Walze, die sich sowohl um ihre eigene Achse als auch vorwärts
+oder rückwärts bewegt.
+
+*Wellenberg* ist der über den gewöhnlichen Wasserspiegel erhabene Teil
+einer Welle, *Wellenthal* der unter demselben befindliche. Die Spitze
+eines Wellenberges heißt *Wellengipfel*, fortgesetzt gedacht:
+*Wellenkamm*.
+
+Ein *Wellenbrecher* ist ein Steindamm oder dergleichen vor einem
+Hafeneingang, wie z. B. das Breakwater vor Plymouth, mit dem Zweck, den
+Schiffen im Hafen ein ruhigeres Liegen zu verschaffen. Neuerdings giebt
+es auch auf den Panzern *Wellenbrecher*; sie bilden bei niedrigem
+Vorderteil eine Art Schanzkleid auf der Back, das Überbrechen der Wellen
+zu verhüten.
+
+
+*Weirpumpe* s. Pumpe.
+
+
+*wenden* s. halsen.
+
+
+*Wettergalle*, die,
+
+besondere weißliche Wolkenformation, Vorbote bald eintretendes Windes
+(Windgalle) oder Regens (Regengalle). Es hängt wohl mit gäl = gelb
+zusammen, denn die Farbe ist mehr gelb wie weiß, unter Umständen sogar
+grünlichgelb, sodaß an Verwandschaft mit unserer hochdeutschen Galle zu
+denken ist. Das Wort ist aber wenig gebräuchlich.
+
+
+*Wieling*, die,
+
+ist eine Vorrichtung zur Vermeidung des Schamfilens, nämlich ein rund
+wie ein Kranz gedrehtes (und dann wohl mit Leder bezogenes) Stück alten
+Tauwerkes; neuerdings einfach ein rundes, ausgepolstertes Ledersäckchen.
+Es wird ehe das Boot anlegt an einem Stückchen Leine außenbords getan,
+damit das Boot, wenn es der Landungs- oder Fallreepstreppe nahe kommt,
+sich seine Farbe nicht abreibe. Setzt das Boot ab, so werden die
+Wielings eingenommen; es ist ein großes seemännisches Vergehen, ein Boot
+mit einer Wieling außenbords hängend fahren zu lassen. Der Name kommt
+offenbar von der Gestalt, die in einfachen Verhältnissen und Zeiten
+einen Kranz, eine Wurst, ein Rad bildete; niederländisch wiel,
+ostfriesisch wel, englisch wheel mit niederdeutscher Endung.
+
+
+*Wimpel*, der,
+
+eine lange, gespaltene, schmale Flagge, so schmal daß man eigentlich
+kaum von einer Flagge reden kann und eben darum Wimpel sagt. Er wird am
+Großtop als Kommandozeichen eines Kommandanten, der nicht Admiral ist,
+gehißt und weht seiner Leichtigkeit wegen leicht aus. Wenn ein Schiff
+von einer langen ausländischen Reise heimkehrt, so gestaltet sich das
+Kommandozeichen zu einem Freudenzeichen, dann wird der Wimpel so weit
+verlängert, daß er über das ganze Schiff hinwegwehend bis ans Wasser
+reicht; das ist der *Heimatswimpel*.
+
+Im Mittelniederdeutschen hieß wimpel, auch wumpel, zunächst der Schleier
+als Kopfbedeckung; so heißt es im alten Rigaer Stadtrecht: »et ne mach
+neyn vrowe copen got ane eren vormeunt .. sunder wimpele unde
+strickitte.« Besonders hieß wimpel auch der Nonnenschleier. Sodann aber
+nannte man so eine lange schmale, schleierähnliche Fahne; Lübecker
+Chronik: »Se slugen se in de vlucht unde nemen en twe hoftbanren und twe
+wumpel myt S. Andreas cruce getekent.«
+
+Bei der Erklärung ergibt sich eine Schwierigkeit, nämlich eine unbequeme
+Übereinstimmung des Hochdeutschen mit dem Niederdeutschen in Bezug auf
+das p; das Wort müßte hochdeutsch eigentlich wimfel heißen, wenn es
+niederdeutsch wimpel heißt; es heisst aber althochdeutsch wimpal,
+mittelhochdeutsch wimpel. Vielleicht liegt eine nasalierte Form aus der
+Wurzel vom wippen, »sich hin und her bewegen« vor, so daß also Wimpel
+sowohl im Sinne von Flagge wie von Schleier etwas leicht vom Winde hin
+und her Bewegtes wäre.
+
+
+*Windas*, die,
+
+ist eine Art von Spill um Anker zu lichten und sonstige schwere Lasten
+zu bewegen. As ist = Achse; es liegt, wie auch in Achsel, der Begriff
+einer Bewegung, einer Drehung zu Grunde. Eben durch eine drehende
+Bewegung windet man mit dieser Windas die betreffende Last. Und zwar
+steht diese Achse nicht wie bei einem Gangspill, sondern sie liegt
+horizontal und dreht sich wie ein Bratspieß, daher sie auch Bratspill
+genannt wird.
+
+
+*Windflagge* = Windstander, s. Verklicker.
+
+
+*Windreep*, das,
+
+bekannter unter dem Namen Stängewindreep, ist das Reep oder Tau mit dem
+die Stänge aufgewunden wird. Es fährt vom Eselshaupt durch den Fuß der
+Stänge wieder zum Eselshaupt und von da an Deck, wo es mit einer Talje,
+Stängewindreepstalje, bedient wird.
+
+
+*Windsack*, der,
+
+ist eigentlich kein Sack, sondern ein Schlauch und wird auch Windsegel
+und Luftsack genannt. Er wird über die Höhe der Reling hinaus gehißt,
+fängt hier den Wind auf und leitet ihn durch die Luken in die unteren
+Räume des Schiffes. Da die unter Wasser liegenden Teile der natürlichen
+Lüftung ganz entbehren müssen, so ist die künstliche von großer
+Wichtigkeit. Daher ist man bald darauf verfallen, neben den Windsäcken,
+die nur ein Notbehelf sind, feste Ventilatoren mit nach dem Winde
+drehbaren Köpfen einzubauen. Besonders notwendig sind diese für solche
+Räume, in denen sich giftige Gase entwickeln.
+
+Seitdem die Maschine eine so große Rolle spielt, mußte man für besonders
+reichliche Zufuhr von Luft für die Feuer unter den Kesseln künstlich
+sorgen und hat besondere Einrichtungen hierfür getroffen; je nachdem es
+sich dabei um die Zufuhr von oben oder von unten durch einen besonderen
+Kanal handelt, spricht man von Oberwind oder von Unterwind und
+dementsprechend von Oberwindluftzuführung und Unterwindluftzuführung;
+Oberwindzuführung und Unterwindzuführung würde aber genügen.
+
+
+*Windstärke*, die,
+
+wird noch immer nach einer Skala bezeichnet, die zur Zeit der
+Segelschiffahrt und mit besonderer Rücksicht auf sie von dem
+Kommandanten des englischen Kriegsschiffes »Woolwich«, Beaufort, im
+Jahre 1805 ersonnen worden ist und nach ihm Beaufort-Skala genannt wird.
+Er ist von der Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes ausgegangen und
+berechnet die Stärke des Windes bei den geringen Graden nach der Fahrt
+des Schiffes, bei den höheren nach der Möglichkeit der Segelführung.
+Darnach ist
+
+ Windstärke O: Stille.
+
+ " 1: Leiser Zug, sodaß das Schiff eben steuerfähig ist.
+
+ " 2: Leicht. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei
+ macht 1-2 Knoten.
+
+ " 3: Schwach. Ein Schiff unter allen Segeln voll u. bei
+ macht 3-4 Knoten.
+
+ " 4: Mäßig. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei
+ macht 5-6 Knoten.
+
+ " 5: Frisch. Schiff kann noch führen: Oberbramsegel.
+
+ " 6: Stark. " " " " einfach gereefte
+ Mars- und Bramsegel.
+
+ " 7: Hart. Schiff kann noch führen: doppelt gereefte
+ Marssegel, Klüver.
+
+ " 8: Stürmisch. Schiff kann noch führen: dreifach gereefte
+ Marssegel.
+
+ " 9: Sturm. Schiff k. n. führen: dicht ger. Marssegel.
+
+ " 10: Starker Sturm. Schiff kann noch führen: dicht
+ gereeftes Großmarssegel und gereefte Fock.
+
+ " 11: Harter Sturm. Alle Segel fest bis auf die Sturmsegel.
+
+ " 12: Orkan. Kein Segel hält mehr Stand.
+
+Im Zeitalter des Dampfes hat sich das Bedürfnis nach einer anderen Skala
+herausgestellt. Dem kommt Börgen entgegen, indem er die
+Windgeschwindigkeiten in Metern pro Stunde berechnet. Nach der
+Börgen'schen Reduktionsformel ist
+
+ Windstärke 0 eine Geschwindigkeit von 0,0 m p. Sekunde
+
+ " 1 " " " 1,6 m " "
+
+ " 2 " " " 3,3 m " "
+
+ " 3 " " " 5,2 m " "
+
+ " 4 " " " 7,3 m " "
+
+ " 5 " " " 9,6 m " "
+
+ " 6 " " " 12,0 m " "
+
+ " 7 " " " 14,6 m " "
+
+ " 8 " " " 17,3 m " "
+
+ " 9 " " " 20,2 m " "
+
+ " 10 " " " 23,3 m " "
+
+ " 11 " " " 26,6 m " "
+
+ " 12 " " " 30,0 m " "
+
+
+*Worthingtonpumpe*, die, s. Pumpe.
+
+
+*Wrack*, das,
+
+ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar gewordenes
+Schiff.
+
+So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr abgeneigt war (vergl.
+Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat ihn doch das
+Niederdeutsche und mit ihm die Seemannssprache bis auf den heutigen Tag
+in einer ganzen Anzahl von Wörtern beibehalten.
+
+Wrack geht zurück auf das gotische vrikan, dessen Stamm vrak ist und das
+rächen, tadeln, verbannen (angelsächsisch vräc, Verbannung wraeca, ein
+Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, für nicht gut erklären,
+ausstoßen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoßenes das
+nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nämlich zunächst ein
+Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, daß
+man es »für nicht mehr gut« erklären muß; oft heißt daher auch ein
+einzelnes Stück oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im
+Altfriesischen hieß wrac beschädigt; verwandt mit dem gothischen vraiqs,
+krumm, schräg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein
+gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern
+überhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken für untauglich erklären, = dem
+erwähnten gotischen vrikan im Sinne von tadeln; ausschießen, verwerfen.
+Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das
+Untaugliche verwerfen muß. Daher heißt wrack auch etwas das nur einen
+gewissen Schönheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem
+etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst
+wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u. s. w. Die älteste mir
+bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August
+1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der König
+Heinrich II. von England Lübeck und andere deutsche Städte vom
+Standrecht befreite: »... volentes etiam, ut si contigerit naves vestras
+in partibus nostris periclitari et de tali nave periclitata, aliquis
+homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in
+illa navi contenta remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod
+Wreccum dicitur, veris dominis extorqueantur.«
+
+Der Verfasser der »Beschriving van der Kunst der Seefahrt«, Lübek 1673,
+berichtet von durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe:
+»es war auch Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein
+wegen Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten
+und des Bochsprets zu zerbrochen, und beschädiget, daß es mehr vor ein
+*Wrack* den ein Schiff anzusehen war.«
+
+Nach Werner: »Schule des Seewesens« machen die (Holz-)Schiffbauer einen
+ausgiebigen Gebrauch von dem Worte Wrack, indem sie minderwertiges Holz
+noch einmal unterscheiden und dabei von »Wrack« und von »Wracks-Wrack«
+sprechen.
+
+*Abwracken*, ein altes Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s.
+sloopen.
+
+Zu vergleichen Grimm VIII. 14: »im neueren isländischen wird ein fem.
+raeki, vindicta aufgeführt (Biörn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens
+älter ein verbum raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected,
+outcast, neben dem verbum reka entsprechen, Vigfusson 506. im subst. wie
+in dem verbum rächen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff
+beschlossen, das setzen außerhalb der landrechts und die austreibung aus
+dem lande in folge angriffs auf den landfrieden, eine mildere und nicht
+entehrende art derjenigen strafe, als deren höchste und zugleich
+vogelfrei machende stufe die verurteilung zum wargus (Geächteten)
+angesehen werden muss.«
+
+Das mittelniederländische Zeitwort wraecken hatte eine ähnliche
+Bedeutung, nämlich »vom richtigen Kurs abgebracht werden«, vergl.
+Waghenaer, »Spiegel der Zeevaerdt,« Amsterdam 1588: ... »so moet ghy
+somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende
+setten v Compasse achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v
+Schip *wraeckt* oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen
+quade ghissinge en maeckt« ...
+
+
+*Wrange*, die,
+
+bedeutete ursprünglich nur ein schiefes, schräges, umgebogenes Stück
+Holz beim Schiffbau und ward früher als Spiegelwrange für den schiefen
+Verband zwischen Steven und Randsomhölzern und als Bodenwrange oder
+Flurwrange für den Lieger oder das Bauchstück zunächst am Kiel
+gebraucht. Jetzt, im Eisenschiffbau ist Spiegelwrange ganz weggefallen,
+über Bodenwrangen aber schreiben Dick und Kretzschmer I 83: »Der Kiel
+ist der unterste Teil des Schiffes, gewissermaßen seine Grundlage; auf
+ihm stehen die Querspanten oder Rippen, welche die Schiffsform bilden
+und die aus einer Verbindung von Stahl- oder Eisenplatten mit Façonstahl
+oder -Eisen bestehen. Ihre im Boden liegenden querschiffs angeordneten
+Plattenteile nennt man *Bodenwrangen*, auch Bauchstücke.« Der Name
+Wrange ist also geblieben. Bei Aubin 1702 heißen die Wrangen varangues;
+man sieht auf den ersten Blick daß auch dieses Wort, wie so viele andere
+der Seemannssprache, die Franzosen von uns entliehen haben; fürs
+Niederländische giebt der Genannte: Buikstukken, Leggers,
+vloer-wrangens, vloer-houten, Wrangens op de Kiel an.
+
+Im Ostfriesischen ist wrange oder wranger -- vergl. das hochdeutsche
+Range -- ein »verdrehter« Mensch, Quäl- und Plagegeist, querköpfiger
+Mensch; wrang aber heißt zusammenziehend, niederländisch wrang,
+mittelniederländisch wrangh. Es kommt mit dem englischen wrong, wrang,
+verdreht, verkehrt, schief, krumm, töricht, schlecht, schlimm, unrecht,
+ungerecht, von wringen, Präteritum wrang, sich drehend und windend
+bewegen z. B. nasse Wäsche auswringen; meist mit der Nebenbedeutung daß
+das Drehen mit Drang und Druck geschieht. Diese hat Bodenwrange freilich
+nicht, aber der Begriff Drehung, Biegung hat hier den Ausschlag gegeben.
+
+
+*Wreifholz*, das,
+
+ein Holz das an einem Tau außenbords gehängt wird wenn das Schiff sich
+nicht an der Mole oder einem Bollwerk reiben soll, also eine Art Fender.
+
+Auch ein halb verhochdeutschtes Wort, das entweder niederdeutsch
+wrifholz oder dann ganz hochdeutsch Reibholz heißen müßte. Wrifen heißt
+reiben; niederländisch wryven, mittelniederdeutsch wriven. Dazu, wie mir
+eine befreundete Hand schreibt, deren Wiege in Pommern gestanden hat,
+wribbeln als Iterativum von wrifen, etwas zwischen den Fingern (zer-)
+reiben.
+
+
+*wricken*,
+
+ein Boot fortbewegen mit nur einem Riemen durch ein eigentümliches Hin-
+und Herdrehen des an einem Einschnitt am Heck sich bewegenden Riemens.
+
+Nach Schade hat das unter Wrack erwähnte gothische vrikan folgende
+Bedeutungen: drängen, drücken, pressen, drängend bewegen und wenden,
+drehen, abdrehen, ausdrehen; vorwärts drängen, treiben, eifrig
+betreiben; fortdrängen, wegdrängen, drängend beseitigen, verstoßen,
+verfolgen, strafen, abwenden, ausdrehen; ostfriesisch heißt wricken
+etwas mit Nachdruck hin und her bewegen. Das eben ist die Tätigkeit, die
+beim Wricken eines Bootes ausgeübt wird. Dadurch bewegt es sich zwar
+etwas hin und her, aber das gleicht sich mit jeder Drehung des Riemens
+wieder aus, so daß das Boot doch seinen graden Kurs auf sein Ziel zu
+beibehält, wenn auch wrick-wrack wackelig bedeutet, wie in dem
+mittelniederdeutschen Verse bei Schiller und Lübben: »Darmit gink hei
+den wrick den wrack, na Bremen leit he gliden.«
+
+
+*Wuling*, die,
+
+ist eine starke Befestigung zweier Gegenstände miteinander durch Umlegen
+eines (alten, sich nicht mehr reckenden) Taues, das mehrere Gänge
+nebeneinander wie Schraubengänge gelegt wird; das nennt man wulen oder
+bewulen. Dadurch entsteht an der Stelle nicht nur eine Verstärkung,
+sondern auch eine Verdickung und es ist daher für die Ableitung an unser
+hochdeutsches Wort Wulst zu denken. Wie Geschwulst von schwellen, so
+kommt Wulst von wellen, althochdeutsch wellan = drehen, wälzen, rollen,
+lateinisch volvere, von einer Wurzel val = winden, drehen, wälzen,
+wickeln, umbinden, festbinden. Mittelniederdeutsch wolen. In der Chronik
+des Lübecker Dominikaners Hermann Korner (Handschrift aus dem 15.
+Jahrhundert in Wien) heißt es: »nemen de maste van den olden schepen, de
+see senken wolden vor dat Reveshol, undde woleden de harde tosamende«.
+Die »Beschriving van der Kunst der Seefahrt« 1673 hat »wölen«: »musten
+auch (auf stark havariertem Schiffe) daß Vorschiff mit eine Pferde Linie
+zusammen wölen, sonst wolten die Anckers mit dem Vorschiff fort.«
+
+
+*wünschen*
+
+ist ein hie und da gehörtes Seemannswort von eigentümlicher
+Entstehungsart. Es hat mit unserem sonst üblichen hochdeutschen wünschen
+= einen Wunsch haben, keine Verwandtschaftsbeziehungen. Es bedeutet
+vielmehr winden, aufwinden, in die Höhe winden, und ist durch die von
+Professor Dunger in Dresden gerügte Engländerei ins Deutsche gekommen.
+Englisch winch = Winde ist Veranlassung zu der Bildung dieses
+Fremdwortes mit einheimischer Endung geworden; es müßte also »winschen«
+heißen und hat sich ganz ohne Berechtigung an unser gutes altes
+deutsches wünschen herangedrängt.
+
+
+
+
+Y.
+
+
+*Yacht*, die s. Jacht.
+
+
+*Yarrowkessel* s. Kessel.
+
+
+*Yawl*, die.
+
+Dieses Wort ist in der Verbindung Yawl-Takelage in neuerer Zeit durch
+das Yacht-Vergnügen aus England zu uns gekommen. Es ist aber deutscher
+Herkunft, denn Yawl ist nur die englische Form für das deutsche Jolle.
+Es verhält sich also Yawl zu Jolle wie Yacht zu Jacht. Nichts anderes
+ist auch das jolly in dem englischen jolly-boat, s. auch Tjalk.
+
+
+
+
+Z.
+
+
+*Zapfenstreich* s. streichen.
+
+
+*zeisen* s. seisen.
+
+
+*Zeptertau*, das,
+
+ist ein besonders sorgfältigerweise zugetakeltes Tau, das als Geländer
+an Stellen dient, wo Gefahr des Fallens vorliegt. Es wird durch eiserne
+Stützen geschoren. Stütze ist die ursprüngliche Bedeutung dessen was wir
+jetzt als Zeichen der Herrschaft in der Hand eines Fürsten sehen und
+Zepter oder Scepter nennen; mittelhochdeutsch zepter, französisch
+sceptre, italienisch scettro, lateinisch sceptrum, griechisch skeptron,
+von skeptein, stützen, lehnen.
+
+
+*Zimmersteck*, s. Stek.
+
+
+*Zungenstopper*, s. Stopper.
+
+
+*zurren*,
+
+bedeutet binden, festbinden, zusammenbinden, festschnüren. Alles was für
+gewöhnlich einige Bewegungsfreiheit hat, wird, wenn das Schiff in die
+See geht und einigermaßen schlechtes Wetter zu gewärtigen ist, gezurrt,
+damit es nicht wackle oder gar über Stag gehe. Besonders aber spricht
+man vom Zurren der Hängematten; das wird vorgenommen wenn der Mann
+aufgestanden ist. Dann ist sein Erstes daß er seine Hängematte
+zusammenbindet um sie an dem dazu bestimmten Orte zu verstauen.
+
+Französisch serrer. Dieses ist zunächst ins Niederländische
+übergegangen, wo es sjorren heißt und ganz unserem zurren entspricht.
+Von da kam es als sorren in die niederdeutsche Seemannssprache, in der
+es nach und nach unter hochdeutschem Einflusse die durch nichts
+begründete Form zurren annahm. Aubin, 1702: serrer de voiles = klein
+zeil maaken; serrer les voiles = de zeilen beslaan; geschieht durch
+Festbinden.
+
+*Zurrbaum* und *Zurrbrook* werden beim Seefestzurren der Boote
+gebraucht.
+
+
+*Zweidecker*, s. Schiff.
+
+
+*Zwischendeck*, s. Deck.
+
+
+*Zwischen Wind und Wasser*
+
+nennt man die Gegend der Schwimmebene eines Schiffes, der Wasserlinie,
+des Wasserpasses; eine Gegend, die besonderen Gefahren im Gefecht
+ausgesetzt ist, indem hier einschlagende Geschosse ihre schlimmste
+Wirkung ausüben können. Daher auch gerade dieser Teil eines modernen
+Kriegsschiffes den stärksten Schutz durch Panzerung erhält.
+
+
+
+
+Druckfehler-Verzeichnis.
+
+
+(Fehler die sich unschwer als Versehen des Setzers erkennen und leicht
+verbessern lassen, z. B. Feminium anstatt Femininum, Fauenzimmer anstatt
+Frauenzimmer, Takelake anstatt Takelage, wird der geneigte Leser gebeten
+zu entschuldigen; hier darum nur die Verbesserung einiger
+sinnstörender:)
+
+ Seite 46 Zeile 6 von oben anstatt bellons: bellows,
+
+ " 60 " 6 " " " nur: uur,
+
+ " 67 " 6 " " " huhhan: luhhan,
+
+ " 80 " 13 " " " altmodisch: altnordisch,
+
+ " 96 " 19 " " " genau: gemein,
+
+ " 99 " 1 " " " seiner: jener,
+
+ " 110 " 4 " " " Da: Sa,
+
+ " 111 " 18 " " " pelit: petit,
+
+ " 140 " 11 " unten " signeum: Signum,
+
+ " 142 " 8 " " " Fauen: Fanen,
+
+ " 206 " 1 " oben " näher: höher,
+
+ " 235 " 21 " " " Dacht: Ducht,
+
+ " 465 " 6 " unten " ligh: high.
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der
+deutschen Seemannssprache, by Gustav Goedel
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH ***
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+works. See paragraph 1.E below.
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+
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+The Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der deutschen
+Seemannssprache, by Gustav Goedel
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Seemannssprache
+
+Author: Gustav Goedel
+
+Release Date: May 22, 2012 [EBook #39762]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH ***
+
+
+
+
+Produced by Heiko Evermann and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+
+
+
+
+<div class="tnbox">
+
+<p class="noindent">Zur Transkription: Varianten der Schreibweise und Interpunktion
+ wurden nicht angeglichen (Ausnahme: Waghenaer, &#8222;Spiegel der Zeewaerdt&#8223;). Die im "<a href="#Druckfehler-Verzeichnis">Druckfehler-Verzeichnis</a>" des Originals genannten Fehler wurden für diese
+Transkription korrigiert.</p>
+
+<p class="noindent">Transcriber's Note: Original spelling and
+punctuation variations have not been been standardized except for title and author of &#8222;Spiegel der Zeewaerdt&#8223; by Waghenaer. Errors mentioned in the original "<a href="#Druckfehler-Verzeichnis">Druckfehler-Verzeichnis</a>" (errata) have been corrected by the
+transcriber.
+</p>
+
+</div>
+
+
+
+<h1>
+ <span id="id1"> Etymologisches Wörterbuch</span>
+
+ <span id="id2"> der</span>
+
+ <span id="id3"> deutschen Seemannssprache.</span>
+
+ <span id="id4"> Von</span>
+
+ <span id="id5">Gustav Goedel.</span>
+
+</h1>
+
+<div class="center1">
+
+ <p><span class="strong1">Kiel</span> und <span class="strong1">Leipzig.</span></p>
+
+ <p><strong>Verlag von Lipsius &amp; Tischer.</strong></p>
+
+ <p>1902.</p>
+
+</div>
+
+
+<hr />
+
+<p class="indh6"><a href="#A">A</a> <a href="#B">B</a> <a href="#C">C</a> <a href="#D">D</a>
+ <a href="#E"> E</a> <a href="#F"> F</a> <a href="#G"> G</a> <a href="#H">H</a> <a href="#J">J</a> <a href="#K">K</a>
+ <a href="#L"> L</a> <a href="#M"> M</a> <a href="#N"> N</a> <a href="#O">O</a> <a href="#P">P</a>
+ <a href="#Q"> Q</a> <a href="#R"> R</a> <a href="#S"> S</a> <a href="#T">T</a> <a href="#U">U</a>
+ <a href="#V"> V</a> <a href="#W"> W</a> <a href="#Y"> Y</a> <a href="#Z"> Z</a> </p>
+
+<p class="indh6"><a href="#Druckfehler-Verzeichnis">Druckfehler-Verzeichnis</a></p>
+
+<hr />
+
+<h2>
+<span><a id="A"></a>A.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">A.</span> Dieser Buchstabe wird in der deutschen Seemannssprache angewandt zur
+Bezeichnung der Klasse, in der ein Schiff sich nach der Einschätzung
+seines Wertes durch den Germanischen Lloyd befindet. Die Jahre nach
+deren Verlauf die Besichtigung zu einer neuen Einschätzung zu
+wiederholen ist, werden dem Buchstaben eingefügt,</p>
+
+<p class="center">
+<img src="images/image01.jpg" width="52" height="30" alt="Schiffsregistersymbol A mit 4" />
+</p>
+
+<p class="noindent"> deuten also
+schon den höheren oder geringeren Wert eines Schiffes an, der dann noch
+näher bestimmt wird durch eine dem A vorgesetzte Zahl, die bis 100 gehen
+kann und die Klassennummer des Schiffes angibt; je höher die Nummer,
+desto größer der Wert. Im Übrigen s. Schiffsregister.</p>
+
+<p><span class="strong1">a. m.</span> heißt ante meridiem. Von den astronomischen Berechnungen her ist
+dem Seemann diese Bezeichnung so geläufig, daß er sie auch am Lande
+gerne als Zeitbestimmung anwendet. Es ist auch deutlich und bequem
+zugleich, die Zeit von nachts 12 h bis mittags 12 h mit a. m. und die
+Zeit von mittags 12 h bis nachts 12 h mit p. m. (post meridiem) näher zu
+bestimmen. Es heißt dann a. m. nicht bloß vormittags, sondern auch
+morgens und nachts; denn 1 h a. m. bedeutet nachts 1 h; und p. m. heißt
+nicht nur nachmittags, sondern auch abends und nachts, indem 11 h 50 p.
+m. nachts 10 Minuten vor zwölf bedeutet. h. ist hora, Stunde, Uhr und
+kommt ebenfalls von den nautischen Berechnungen her.</p>
+
+<p><span class="strong1">abandonniren</span>, von Seiten des Versicherten dem Versicherer ein
+verunglücktes oder vom Feinde genommenes Schiff gegen einen gewissen
+Prozentsatz der Versicherungssumme <strong>überlassen</strong><a id="Page_2"></a>
+ <span class="pagenum">[2]</span> und sich aller
+Ansprüche darauf begeben. Ein Wort, das wir zwar in französischer Form
+gebrauchen, das auch samt dem Substantiv Abandonnement aus dem
+französischen Seerecht zu uns herübergekommen ist, das aber seinerseits
+doch wieder von dem echt deutschen Worte ban, bann stammt, welches ein
+Gebot oder Verbot unter richterlicher Strafandrohung, Gerichtsbarkeit
+und deren Gebiet bedeutet, entsprechend dem angelsächsischen bann,
+englisch bann, Bann, Acht, Aufgebot, Bekanntmachung (Kluge). Schon früh
+entlehnten die Franzosen das Wort aus dem Deutschen, vermutlich in der
+Merowingerzeit, und machten das altfranzösische bandon, Befehl,
+Jurisdiction, öffentliche Verkündigung daraus; in Verbindung mit dem
+Präfix a und der Endung er ward es zu dem neufranzösischen Zeitwort
+abandonner ausgestaltet, mit seinen zahlreichen Bedeutungen, denen allen
+aber der Begriff verlassen, aufgeben gemein ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">abgewinnen.</span> Es gilt für ein Zeichen besonderer seemännischer
+Tüchtigkeit, wenn es dem Kapitän eines Schiffes gelingt, einem anderen
+die Luv oder den Wind abzugewinnen, d.&nbsp;h. sein Schiff so geschickt zu
+führen, daß es näher, höher, dichter an den Wind kommt als das andere.
+Zu Zeiten der Herrschaft des Segels konnte dies für Kriegsschiffe in der
+Seeschlacht von entscheidender Bedeutung werden und ist es mehr als
+einmal geworden; jetzt handelt es sich dabei mehr um einen seemännischen
+Ehrenpunkt. Das andere Schiff ist dann &#8222;unter dem Winde&#8223; und hat die Luv
+verloren. Man sagt auch: einem den Wind <strong>abkneifen</strong>.</p>
+
+<p><span class="strong1">abdichten</span> s. kalfatern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Abendwache</span> s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">abentern</span> s. entern.</p>
+
+<p><span class="strong1">abfallen</span> s. abhalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Abfahrtssignal</span> s. Blauer Peter.</p>
+
+<p><span class="strong1">abflauen</span> s. flau.</p>
+
+<p><span class="strong1">abfieren</span> s. fieren.</p>
+
+<p><span class="strong1">abhalten</span> 1. so segeln, dass das Schiff, das beim Winde segelt, raumeren
+(s. d.) Wind erhält, also &#8222;die Richtung des Schiffes dergestalt ändern,
+daß der Wind, welcher vorher auf das Vorderteil oder die Seite desselben
+gerichtet war, mehr von hinten in die Segel fällt&#8223; (Roeding). Natürlich
+kann man aber ein Schiff nur soweit abhalten bis der Wind recht von
+achtern<a id="Page_3"></a>
+ <span class="pagenum">[3]</span> kommt; würde das Abhalten dann noch fortgesetzt, dann würde
+Anluven daraus (s. d. und &#8222;Halsen&#8223;). 2. überhaupt eine Kursveränderung
+vornehmen, ohne Rücksicht auf die Windrichtung, auch auf Dampfschiffen,
+wenn es gilt auf ein Ziel, das außerhalb der bisher gesteuerten Richtung
+lag, loszusteuern, z.&nbsp;B. abhalten auf ein begegnendes Schiff, auf ein
+treibendes Boot. Das Wort abhalten führt uns in die ältesten Zeiten
+germanischer Schiffahrt zurück, in denen man mit einem Riemen steuerte,
+den man frei in der Hand hatte und hielt; daher steuern im
+Althochdeutschen auch haban, halten hieß; abhalten also wörtlich: das
+Schiff von seiner alten Richtung ab in eine neue steuern. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die
+Bewegung, die das Schiff macht, auf dem abgehalten wird, heisst
+<span class="strong1">abfallen</span>, das Schiff fällt ab; was freilich auch manchmal ohne Abhalten,
+d.&nbsp;h. ohne Absicht, in Folge von Unachtsamkeit beim Steuern geschehen
+kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Abfallen ist fälschlich mit Abtreiben (s. d.) für eins gehalten
+worden. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Friesen gebrauchen affalle in übertragenem Sinne. &#8222;Wie
+täusche ich mich&#8223;: &#8222;Ho falt my dat af&#8223; (Halbertsma).</p>
+
+<p><span class="strong1">abkleiden</span> s. kleiden.</p>
+
+<p><span class="strong1">abkneifen</span> s. abgewinnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">ablandig</span>, von einem Winde, der vom Lande ab nach See zu weht. Das Wort
+wird schon im Jahre 1400 gebraucht in einer Segelanweisung für die
+französische Küste: &#8222;Item van der Pleymark to Gloylande dat sind twe
+Kenninge; dat Kors is ostsutost up enen afflandigen wynt&#8223;. &#8222;Item wille
+gy tusschen den sande doer segelen bet toe Kerkloe up enen afflandigen
+wint, so mote gy tusschen sunte Margreten sande unde deme lande insegeln
+uppe 6 offte 7 vademe unde leyden dat sant bet to Jerremode&#8223;. (Eine
+Kenning war in jenen Tagen nicht nur ein Kennzeichen, sondern besonders
+eine gute Anseglungsmarke; hier aber ist eine gewisse Strecke Weges
+gemeint, drei oder vier Meilen, je nachdem ene cleyne, gude oder grote
+Kenning gemeint war. leyden heißt vorbeifahren).</p>
+
+<p><span class="strong1">Ablenkung</span> s. Variation.</p>
+
+<p><span class="strong1">ablegen</span>, gleichbedeutend mit <span class="strong1">absetzen</span> im Sinne von: ein Boot mit einem
+Bootshaken so weit vom Fallreep (s. d.) oder der Landungstreppe
+entfernen, daß man die bis dahin hochgehaltenen Riemen fallen lassen und
+anrudern kann. Beide Worte, ablegen und absetzen, haben auch die
+allgemeine Bedeutung von abfahren, jedoch nur der gegebenen Erklärung
+gemäß,<a id="Page_4"></a>
+ <span class="pagenum">[4]</span> mit dem Boot, nie mit dem Schiff&#8223;. &#8222;Das Boot legt um 6 Uhr
+von der Mole ab.&#8223; &#8222;Der Kutter setzt Punkt 2 Uhr von Bord ab;&#8223; dabei ist
+die für das Boot eigentlich passive Bedeutung in die aktive Rede
+umgewandelt. Absetzen ist etwas gebräuchlicher als ablegen.</p>
+
+<p><span class="strong1">abmallen</span>, auch bemallen. Wenn die Schiffszimmerleute ein Stück Holz in
+eine bestimmt und genau vorgeschriebene Form behauen wollen, so machen
+sie sich erst aus dünnen Brettern ein <span class="strong1">Mall</span>, d.&nbsp;h. eine Art Modell. Nach
+diesem zeichnen sie sich die richtigen Linien auf dem zu behauenden Holz
+vor: das heißt ab- oder bemallen; offenbar nichts weiter als das
+Hochdeutsche malen, welches von Mal kommt, und dieses bedeutet Fleck,
+Narbe, Zeichen, malen also: mit einem Zeichen versehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Mit dem
+weitverbreiteten niederdeutschen Adjectiv mall hat das Wort wohl kaum
+etwas zu tun, denn das bedeutet wirbelig, mutwillig, leichtfertig,
+unklug, töricht, verliebt, toll, verrückt, schlimm, schlecht u.&nbsp;s.&nbsp;w. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Eine viel größere und wichtigere Rolle spielt das Mall im modernen
+Eisenschiffbau, wo es als Holzschablone, nach welcher die Eisenspanten
+und andere Teile des Schiffes ausgearbeitet werden, unentbehrlich ist.
+<span class="strong1">Mallkante</span> der Spanten ist diejenige Kante, von welcher aus auf dem
+Schnürboden (s. d.), wo ein Schiff zuerst für die Bauausführung in
+natürlicher Größe aufgezeichnet wird, die Schmiege (s. d.) des Spantes
+der Schiffsform entsprechend abgesetzt wird. Eben nach der Linie der
+Spantenkanten wird das Mall angefertigt. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Gemallte Tiefe</span> ist die Tiefe
+eines Schiffes, welche gemessen, bezw. berechnet wird um den Freibord
+(s. d.) festzustellen, oder die Tieflade-Wasserlinie. Hier heißt mallen
+einfach messen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wenn die Ableitung von malen nicht so nahe läge,
+müßte man sich versucht fühlen an das lateinische Wort für Maß modus zu
+denken, modulus, im Altfranzösischen contrahirt zu molle; englisch
+mould.</p>
+
+<p><span class="strong1">abmoien.</span> Das nicht mit dem allgemein niederdeutschen Worte moie, Muhme,
+Tante, auch nicht mit moie, Mühe, Arbeit, Kummer, in Verbindung zu
+bringende Adjectiv <span class="strong1">moi</span> scheint &nbsp;&mdash;&nbsp;außer im seemännischen Gebrauch &nbsp;&mdash;&nbsp;
+nicht über Holland und Ostfriesland hinausgekommen zu sein. Hier ist es
+aber ganz allgemein verbreitet und im Sinne von <span class="strong1">schön</span> im Gebrauch; en
+moie meid (holl: een mooie meisje) ein hübsches Mädchen, moi weer,
+schönes Wetter. Verfasser fuhr einmal in ostfriesischem<a id="Page_5"></a>
+ <span class="pagenum">[5]</span>
+Sprachgebiet durch frisches Maiengrün auf dem Rade. Da begegnete ihm ein
+Bauer, der mühsam etliche Schweine vor sich her trieb. &#8222;Dat is moier dan
+Swindriven,&#8223; meinte er vom Radeln. &nbsp;&mdash;&nbsp;Wenn das Wetter sehr trübe und
+stürmisch war und der Himmel wird klarer (klart auf, siehe aufklaren 1.)
+und der Sturm nimmt ab, dann sagt der Seemann &#8222;es moit ab.&#8223; Beide
+Begriffe, das Schönerwerden des Wetters und das Abnehmen des Sturmes
+sind in abmoien sehr treffend vereinigt; offenbar hat auf die
+Zusammensetzung der Präposition ab mit dem von moi gebildeten Zeitwort
+moien der Gedanke an das Abnehmen, Abflauen (s. d.) des Windes
+eingewirkt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Spanier erst scheinen das jetzt so sehr eingebürgerte
+Wort nach den Niederlanden gebracht zu haben. Sie führten wohl als
+Kenner weiblicher Schönheit ihr Wort majo, zierlich, geputzt,
+geschmückt, viel im Munde. &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß es mit dem Mai, als dem Monat der die
+Natur schmückt, zusammenhängt, muß bezweifelt werden. Das hat sich ein
+Dichter so zurechtgelegt; die Sprache verfährt nüchterner. Hat doch
+&#8222;Wonnemonat&#8223; nicht einmal etwas mit Wonne zu tun. Bleibt also für majo
+nur die Herkunft aus dem lateinischen majus, groß, hehr, ansehnlich,
+stattlich, übrig.</p>
+
+<p><span class="strong1">abmustern</span> s. mustern.</p>
+
+<p><span class="strong1">abreiten</span>, einen Sturm vor Anker. Es lag nahe an das Reiten auf einem
+Pferde zu denken, denn das vor einer oder mehreren Ketten auf den
+hochgehenden Wogen auf- und abtanzende Schiff mag wohl mit einem mutig
+stampfenden und steigenden Pferde verglichen werden, aber es hat dieses
+&#8222;reiten&#8223; damit so wenig zu tun wie Friedhof mit Frieden. Denn einmal
+sagt man nicht bloß: &#8222;Das Schiff reitet einen Sturm ab&#8223;, sondern es
+reitet auch bei schönem Wetter, sobald es auf einer Reede vor Anker
+liegt. Sodann müßte das Wort, wenn es unser hochdeutsches Reiten
+anginge, niederdeutsch riden heißen, es heißt aber reiden, weil es von
+dem niederdeutschen reide = Reede kommt, von der Reede auf der ein
+Schiff liegt, wenn es zur Abfahrt bereit ist, oder die es aufsucht um
+besseres Wetter vor Anker abzuwarten; reiden, rheden war im
+Mittelniederdeutschen gleich &#8222;vor Anker liegen&#8223;; wir würden also gut
+tun, größerer Deutlichkeit halber auch heute noch reiden und abreiden zu
+schreiben. Althochdeutsch ritan. Das heißt übrigens nicht reiten in
+unserem modernen Sinne, sondern überhaupt sich von einem Orte zum
+anderen<a id="Page_6"></a> <span class="pagenum">[6]</span>
+ bewegen, fahren zu Wagen oder <span class="strong1">zu Schiff</span>, von einem Stamme
+rid mit dem Grundbegriff der Ordnung, der ordnungsmäßigen Bewegung. Und
+so kommen (wie Friedhof und Freithof) das Reiten auf einer Reede und das
+Reiten auf einem Pferde schließlich doch auf einen und denselben
+Ursprung hinaus. Das Nähere unter Reede.</p>
+
+<p><span class="strong1">abschaken</span> s. schaken.</p>
+
+<p><span class="strong1">abschlagen.</span> 1. Auf Kriegsschiffen mit der Trommel ein Zeichen geben, daß
+die Musterung oder sonst ein Schiffsdienst beendet ist und die Leute
+wegtreten können.</p>
+
+<p>2. Allgemein seemännisch: Ein Segel von einer Rahe losmachen, nicht im
+Sinne des Kommandos: Segel los! sondern im Sinne der Taklerarbeit ein
+Segel völlig von der Rahe loslösen und an Deck nehmen; das Gegenteil von
+&#8222;ein Segel unterschlagen&#8223;. Der Gebrauch beider Wörter, wie auch von
+Beschlag und beschlagen, erklärt sich aus dem unter <span class="strong1">Schlag</span> Gesagten.</p>
+
+<p>3. = Abschnüren (s. d.)</p>
+
+<p><span class="strong1">abschleppen</span> s. schleppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">abschlingern.</span> Wenn ein Schiff so heftig schlingert (s. d.), daß von der
+Gewalt der Schlingerbewegung ein Mast bricht und über Bord geht, so hat
+sich das Schiff diesen Mast abgeschlingert.</p>
+
+<p><span class="strong1">abschnüren.</span> (Vergl. abmallen und Schnürboden). Mit einer Meßschnur die
+Form und Gestalt der einzelnen Teile eines zu erbauenden Schiffes im
+natürlichen Maßstabe aufzeichnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">absegeln.</span> 1. In See gehen. Ursprünglich von Segelschiffen gebraucht,
+erhielt es die allgemeine Bedeutung von abfahren, abreisen und wird
+heutzutage in diesem Sinne auch von Dampfern gebraucht die gar keine
+Segel führen.</p>
+
+<p>2. Einen Mast, gewöhnlicher: sich einen Mast absegeln. Es geschieht wenn
+für die betreffende Windstärke zu viel Segel geführt werden oder wenn
+bei plötzlich aufkommender Bö die Segel nicht schnell genug verkleinert
+bezw. geborgen werden können.</p>
+
+<p>3. Eine bestimmte Strecke in einer bestimmten Zeit unter Segel
+zurücklegen.</p>
+
+<p><span class="strong1">abschricken</span> s. schricken.</p>
+
+<p><span class="strong1">absetzen.</span> 1. ein Boot s. <span class="strong1">ablegen</span>. 2. Das Besteck, (s. d.), den Ort des
+Schiffes, an dem es sich nach der Mittags- oder einer sonstigen
+Berechnung oder auch nach Gissung (s. d.) zur Zeit befindet, auf der
+Karte durch ein kleines Kreuz mit einem<a id="Page_7"></a>
+ <span class="pagenum">[7]</span> Kreis darum (&#10753;) bezeichnen. Setzen (Factitiv von sitzen, urgermanisch aus
+der Wurzel sed, gothisch sitan, lateinisch sedere) verbunden mit ab,
+letzteres aus der Vorstellung heraus, daß das Etmal, (s. d.) das
+abgesetzt wird, ein von der ganzen zurückzulegenden Strecke
+abzuziehender, abzunehmender, abzurechnender Teil ist.</p>
+
+<p>3. Das Deck mit dem Absetzer. Dieser ist ein einem Schrubber ähnliches
+Werkzeug, mit dem nach einem Regen oder nach dem Deckwaschen das Wasser
+nicht nur oberflächlich beseitigt, sondern, soweit es sich tun läßt, aus
+den Decksplanken herausgedrückt und gepreßt wird, damit sie desto
+rascher trocknen. Noch vor zwanzig Jahren nahm man auch auf
+Kriegsschiffen zu diesem Zweck ein einer Handspake (s. d.), nicht
+unähnliches Stück Holz, das an einem Ende entsprechend abgeflacht war,
+jetzt noch auf kleinen Handelsschiffen in Gebrauch ist und Handabsetzer
+heißt. Die K. M. gebraucht nur noch die schrubberähnlichen
+Gummiabsetzer.</p>
+
+<p>4. <span class="strong1">Absetzdock</span> nennt man eine neue besondere Art von Schwimmdocks (s.
+d.), welche das aus dem Wasser gehobene Schiff auf eine entsprechend
+konstruierte Helling abladen (absetzen) können, worauf sie dann sofort
+ein neues Schiff zu heben und abzusetzen im Stande sind. Englisch
+depositing dock.</p>
+
+<p>5. Auf dem Schnürboden (s. d. und abmallen): die Formen des zu bauenden
+Schiffes in natürlicher Größe aufzeichnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">abstoppen</span>, Abstopper s. stoppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">abtakeln</span> s. takeln.</p>
+
+<p><span class="strong1">Abtrift.</span> Das niederdeutsche Wort drift (Wurzel drib) heißt: 1.
+Viehweide, weil man dahin das Vieh treibt. 2. Eine Herde, die getrieben
+wird. 3. Betreiben, Trieb, Eifer, Ungestüm. 4. Das Antreiben von
+Schiffen und Gütern an den Strand. Eine Oldenburgische Urkunde vom Jahre
+1565 sagt, dat alle angeschlagene roerlose schepe, wrack, drift und
+guider der hogen overicheit vorfallen sin. 5. Das Antreiben eines
+Schiffes an ein anderes. Ein altes Bremer Statut bestimmt: So welk man
+den anderen anzeghelt up ene drifft ... de anzeghelinge effte de drift
+scal men tughen (verklaren, s. d.). Dazu das Adjectiv driftich, auf dem
+Wasser treibend, von Schiffen und Gütern; Bremische Urkunde von 1564:
+Jacob R. sy mit synem bochsprete inn ohre houwet tow gedreuen, dar her
+also se beide thosamende drifftich<a id="Page_8"></a>
+ <span class="pagenum">[8]</span> gewurden unde inn grundt
+gedreuen weren. &nbsp;&mdash;&nbsp; Abtrift, Abtreiben (nicht zu verwechseln mit
+Abfallen) ist zwar nicht so schlimm, wie denn überhaupt das Wort drift
+seiner schlimmsten Bedeutung nach und nach verlustig gegangen ist und
+jetzt eigentlich nur noch den Sinn von Bewegung hat, indessen ist doch
+etwas Unangenehmes, weil nicht genau Berechenbares dabei. Abtrift
+entsteht nämlich wenn ein Schiff beim Winde segelt; dann kann die
+Richtung der Fortbewegung nicht ganz gleich der Richtung des Kieles
+sein, es wird stets etwas nach Lee (s. d.), nämlich nach der Seite hin
+abgetrieben, nach der der Wind weht. Daher bei Notierung des gesteuerten
+Kurses stets ein gewisser Bruchteil eines Kompaßstriches nach
+mutmaßlicher Schätzung als Abtrift in Rechnung gebracht werden muß. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Die Abtrift wird auch der Leeweg genannt. (s. Lee).</p>
+
+<p><span class="strong1">abwracken</span>, s. Wrack.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ache</span>, die. Hochdeutsches, wohl nur mundartlich gebrauchtes Wort; die
+Ache, oft auch der Achen, niederdeutsch ak und aak, französisch aque,
+acque. &nbsp;&mdash;&nbsp; Früher hießen am Rhein hochbordige Boote mit flachem Boden so,
+in denen der Rheinwein nach Holland gebracht wurde. Jetzt kann man am
+Rhein jedes beliebige Ruderboot &#8222;Ache&#8223; nennen hören. In Ostfriesland
+heißt but-ak ein kleines Boot zum Buttfang. In Holland aak eine Art von
+Lastschiffen mit plattem Boden, eine &#8222;Kölnische&#8223; aak. Es ist unser
+allbekanntes Nachen mit abgefallenem N. Dieses selbst ist freilich in
+seiner Abstammung noch zweifelhaft. Kluge läßt die Verwandtschaft mit
+dem lateinischen Worte navis, bezw. den Übergang des indogermanischen
+nav &nbsp;&mdash;&nbsp; in das germanische naq &nbsp;&mdash;&nbsp;dahin gestellt. Doornkaat steht nicht
+an, nicht nur ein abgefallenes n anzunehmen, sondern meint, es sei auch
+vor dem n noch ein s abgefallen, wie lateinisch nix aus snix entstanden
+sei. Dann böte die Abstammung aus der Wurzel snu, bewegen, laufen,
+eilen, fließen, schwimmen und treiben sehr wenig Schwierigkeit, und es
+wären zugleich auch die beiden Bootsbezeichnungen Schnicke und Schnacke
+und der Schiffsname Schmacke erklärt, (ostfriesisch smak, holländisch
+smakk, englisch, schwedisch smack) wovon französisch semaque,
+italienisch semaca, spanisch, portugiesisch zumaca kommen, &#8222;ein
+Seeschiff oder Frachtfahrzeug mit flachem Boden, was vorne und hinten
+sehr voll und rund gebaut ist und neben dem Hauptmast (aus einem Stück)
+hinten auf dem Heck<a id="Page_9"></a>
+ <span class="pagenum">[9]</span> noch einen kleinen Besahn-Mast hat&#8223;. Dann wäre
+das Wort auch mit dem ostfriesischen snake, snak, Schlange, englisch
+snake verwandt, entweder wegen der Gestalt oder der Bewegung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Achtknoten</span>, Knoten in Gestalt einer 8; wie dergleichen Knoten geknüpft
+werden, ist einem, der nicht in die Geheimnisse des &#8222;Splissens und
+Knotens&#8223; eingeweiht ist, schwer verständlich zu machen.</p>
+
+<p><span class="strong1">achter</span>, <span class="strong1">achtern</span> steht allgemein im Niederdeutschen an Stelle des
+Hochdeutschen after, <span class="strong1">hinter</span>, <span class="strong1">hinten</span>. Im Altniederdeutschen, z.&nbsp;B. noch
+im Heliand, hieß es auch after, aber im 9. und 10. Jahrhundert brach
+sich die Lautverschiebung von f in ch Bahn; vergl. Luft mit lucht, Kraft
+und Kracht, Graft mit gracht. &nbsp;&mdash;&nbsp; Als Präposition, als Adjektiv, als
+Adverbium, stets bezieht sich achter oder achtern auf das Hinterteil des
+Schiffes, allein oder in Zusammensetzungen. Hier einige der wichtigsten.
+<span class="strong1">Achterebbe</span>, die letzte Zeit der Ebbe, und achtervlot, die letzte Zeit
+der Flut, kommen an der Nordseeküste nachweislich schon um das Jahr 1400
+vor. <span class="strong1">Achtersteven</span> (s. Steven) ist schon 1548 bei Kilianus Duffläus zu
+finden, der puppis bald mit achtereynde, bald mit achterkasteel, bald
+mit achtersteven wiedergibt. Wenn ein Schiff sich rückwärts bewegt weil
+die Segel &#8222;back&#8223; (s. d.) stehen, so wird nicht ohne Galgenhumor gesagt:
+&#8222;wir segeln über den Achtersteven&#8223;; wofür man auch sagen kann, &#8222;over
+stür&#8223;, oder noch kürzer aber weniger fein &#8222;achterärs&#8223;, welcher
+Bezeichnung die alte französische Redewendung culer ziemlich genau
+entspricht, um 1700 bei Aubin vorkommend. In Westfalen (Woeste) kommt
+ächteraers für rückwärts im Allgemeinen vor, vergl. die Redensart: &#8222;dat
+get ächteraers as de hane krasset,&#8223; wie denn daselbst auch von einem,
+der zwei Fliegen mit einer Klappe schlägt, gesagt wird: &#8222;vör bitt hä,
+ächter schitt hä&#8223;, von einem Bauer hergenommen, der Birnenessen und
+seinen Behuf verrichten zu vereinigen wußte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die hintere Last (s. d.)
+im Schiffe heißt <span class="strong1">Achterlast</span>; ist es hinten zu schwer beladen, so ist es
+<span class="strong1">achterlastig</span> (welches Wort man in der Gegend von Groningen zur
+Bezeichnung eines gewissen Dranges anwendet). Bekanntes Kommando: &#8222;Alle
+Mann <span class="strong1">achteraus</span>!&#8223; wenn die Mannschaft eines Kriegsschiffes sich auf dem
+<span class="strong1">Achterdeck</span>, das sie nur dienstlich betreten darf, versammeln soll. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Auf größeren Schiffen hat der Kommandant außer einer mehr offiziellen
+Vor- noch eine mehr<a id="Page_10"></a>
+ <span class="pagenum">[10]</span> private <span class="strong1">Achterkajüte</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp; Edda: aptr,
+rückwärts, hinten, wieder, zum zweiten Male. Beówulf: äfter, darauf,
+nachher, zurück, in Folge; im Angelsächsischen blieb das f unverschoben
+und ist so ins Englische übergegangen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Admiral</span>, der. &#8222;Von gewalt, Amt und Befelch eines General Obersten, den
+man auff dem Wasser oder Meer Admiral pflegt zu nennen,&#8223; schreibt 1565
+Leonhart Frohnsperger, &#8222;Bürger zu Ulm&#8223;, in seinem Buch &#8222;Von Kayserlichen
+Kriegßrechten etc. etc.: &#8222;Erstlich, wo ein Herr selbs nit bey dem
+fürgenommen Krieg sein kann, wil oder wer, der mag oder soll an statt
+sein, ein fürtrefflichen, erfahrnen, geübten, dergleichen der dazu von
+hohem stammen, oder sonst ehrlichs geschlechts geboren, zu einem
+Obersten über alle Schiff und Hauffen, zu Roß und Fuß, Geschütz,
+Munition und was dern notturft mehr erheißt, haben, ordnen und dem
+Kriegsvolck fürsetzen etc. etc.&#8223; Noch bis in das 17. Jahrhundert hinein
+bedeutet das Wort Admiral ganz allgemein einen Befehlshaber zur See;
+titelhaft ist es erst vor etwa 250 Jahren geworden. Wir unterscheiden:
+Admiral mit dem Range eines Generals der Infanterie, Vize-Admiral mit
+dem eines Generallieutnants, Kontre-Admiral mit dem eines Generalmajors;
+zusammenfassend werden alle drei als Flaggoffiziere bezeichnet, weil sie
+das Recht haben, als Zeichen ihrer Kommandogewalt eine Admiralsflagge zu
+hissen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort hat eine lange Geschichte. Seine Abstammung aus dem Arabischen
+ist unbestritten. Nur fragt es sich, ob es bloß aus amir oder aus
+amir-al-bahr entstanden ist. Letzteres heißt Befehlshaber zur See,
+ersteres bloß Befehlshaber. Insofern wäre die Abstammung von
+amir-al-bahr entschieden vorzuziehen, wenn nur nicht die älteste Form
+des Wortes im Spanischen, das es uns übermittelt hat, almiraje <span class="strong1">de la mar</span>
+hieße, hernach almirante de la mar. Wenn almiraje und almirante aus
+amir-al-bahr entstanden wären, dann hießen sie ja schon allein für sich,
+ohne das de la mar, Befehlshaber zur See, da man sich aber veranlaßt
+sah, um einen Befehlshaber zur See zu bezeichnen das de la mar
+hinzuzufügen, so folgt daraus, daß almiraje oder almirante für sich
+allein noch nicht Befehlshaber zur See bedeutete, also nicht aus
+amir-al-bahr, sondern aus dem einfachen amir entstanden war, da man doch
+annehmen kann, daß in alten Tagen die Spanier arabisch genug konnten, um
+zu wissen, daß al-bahr = de la mar war.<a id="Page_11"></a>
+ <span class="pagenum">[11]</span> &nbsp;&mdash;&nbsp; Zwar spricht wegen der
+Endung al in Admiral der erste Eindruck für die Ableitung aus
+amir-al-bahr, denn sie klingt arabisch genug. Es stellt sich aber bei
+näherem Zusehen heraus, daß das al in der Endung mit der arabischen
+Genitivpartikel al gar nichts zu tun hat, denn in der ersten Zeit der
+Übernahme aus dem Arabischen fehlt das al am Schlusse ganz, es ist also
+nicht mit übernommen worden. Die Endung des Wortes hieß vielmehr
+zunächst echt spanisch aje (almiraje) und verwandelte sich hernach,
+offenbar in Anlehnung an die geläufigen Endungen von commandante und
+imperante, ebenfalls in ante (almirante). Daß ein l zwischen a und m
+gelangt ist, so daß zuerst der Anfang des Wortes so lautete wie jetzt
+der Schluß, al, hat vielleicht in einer unbewußten Huldigung an die
+arabische Herkunft seinen Grund, das l hat sich aber kein allgemeines
+Bürgerrecht zu erwerben gewußt, nicht einmal im Spanischen selbst, wo
+neben almirante sich immer wieder auch amirante findet. &nbsp;&mdash;&nbsp; In diesen
+beiden Formen ging das Wort auf die Wanderschaft. In der Provence machte
+man amirat, dann amirant, daraus; im Altfranzösischen amirant. In
+Italien nahm es zuerst die Form almiraglio an, assimiliert in
+ammiraglio, ausgesprochen ammiralio. Nun ward es ins Mittellateinische
+übersetzt: amiratus. Von hier aus erklärt sich die Entstehung der
+Anfangssilbe ad. Man brachte amiratus mit admiror in Verbindung, etwa
+mit dem Gedankengang, daß ein Admiral ein &nbsp;&mdash;&nbsp; nicht etwa wunderlicher,
+sondern bewundernswerter Mann sei, wie denn wirklich im Jahre 1508
+Admiral mit &#8222;ein wunderer des Meeres Oceani&#8223;, 1534 mit &#8222;verwunderer des
+Meeres&#8223; übersetzt ward. Aus admiratus, wie das Wort nun hieß, bildete
+man in Erinnerung an ammiraglio die weitere Form admiralius, welche sich
+bequem an bekannte Wörter wie general und official anpaßte; daraus ist
+endlich durch Wegfallen der Endung ius unser heutiges Wort Admiral
+entstanden. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Für die Abstammung aus dem bloßen amir spricht auch der Umstand, daß in
+der Tat das Wort Admiral in seinen verschiedenen Durch- und
+Übergangsformen nur im Allgemeinen zur Bezeichnung eines Befehlshabers,
+ohne Bezugnahme auf die See, im Gebrauch war; der Fürst der Sarazenen
+hieß so; der Emir von Babylon wird im 13. Jahrhundert in dem nach einer
+altfranzösischen Quelle bearbeiteten Gedichte &#8222;Flore und Blancheflur&#8223; so
+genannt; sogar der deutsche Kaiser zur Zeit der Troubadoure. Es
+wird<a id="Page_12"></a>
+ <span class="pagenum">[12]</span> behauptet, durch die Sicilianer und Genuesen sei das Wort zu
+seiner jetzigen Bedeutung gekommen, wie auch, daß es durch die Kreuzzüge
+aus der Levante gekommen sei. Sicher ist, daß in Spanien 1246 Ramon
+Bonifaz aus Burgos vom König Ferdinand dem Heiligen zuerst mit der Würde
+eines almirante im Sinne von Seebefehlshaber bekleidet wurde. Er war
+also der erste <span class="strong1">Admiral</span>. Lange blieb daselbst die Admiralswürde bei dem
+Hause Enriquez; später wurde der Infant Don Felipe damit bekleidet. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+In Frankreich wurde das Amt dem Florent de Varenne 1270 beigelegt. Bis
+dahin hieß auch der Befehlshaber einer Flotte capitaine. &#8222;La Charge
+d'Amiral supprimée en France l'année 1626 fut rétablie en faveur de M.
+le comte de Vermandois l'an 1669, aiant été suppléée pendant cet
+intervalle, par la charge de Grand-maître, chef et Surintendant de la
+navigation et commerce de France qui demeura éteinte, par la mort de M.
+le duc de Beaufort, arivée la même année 1669.&#8223; (Aubin). Im 18.
+Jahrhundert war die höchste Admiralswürde bei dem Hause der Herzöge von
+Penthièvre erblich unter dem Titel &#8222;Amiral de France,&#8223; &#8222;das ist
+Generalissimus der Flotten und Vorsteher des ganzen Seewesens&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; In
+den Vereinigten Niederlanden war der Erbstatthalter Admiraal Generaal,
+die Würde war im Hause der Prinzen von Oranien erblich und konnte selbst
+auf den weiblichen Stamm fallen. &nbsp;&mdash;&nbsp; In England kommt admiral schon 1300
+in Robert of Gloucester's chronicle vor. 1632 ward der Posten eines Lord
+high admiral mit der Kommandobefugnis über die ganze britische Marine
+geschaffen. Der Herzog von York, der spätere König Jakob II., bekleidete
+ihn eine Zeit lang. Sonst ist er selten besetzt gewesen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+Mittelniederdeutschen hieß das Wort amiral, ammiral, ammeral, war aber
+so wenig titelhaft, daß in den Tagen der Hansa ein und derselbe Mann
+bald ammeral bald scypper = Schiffer genannt wurde. Bei Kilianus (1548)
+sehen wir zwei Versuche, das Wort ameral zu erklären, neben einander her
+laufen. Er übersetzt es einmal mit praefectus, dominus, patronus, ohne
+von der See zu reden, und leitet es von dem uralten deutschen Worte
+ambaht, ambacht = Amt ab, indem er Ammann, Amtmann als Übergangsglied in
+Anspruch nimmt. Sodann aber übersetzt er es auch mit archithalassus,
+praefectus maris, praefectus classis, und kommt richtig darauf: arabice
+amir, rex, sive imperator. &nbsp;&mdash;&nbsp; Beinahe sieht es so aus als ob dem
+Verfasser der<a id="Page_13"></a>
+ <span class="pagenum">[13]</span> &#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223; noch etwas davon
+vorgeschwebt hätte, daß Admiral ursprünglich, dem Arabischen
+entsprechend, nur einen Befehlshaber überhaupt bedeutete, denn er
+berichtet, Sultan Soliman habe den Chaireddin Barbarossa zum
+&#8222;See-Admiral&#8223; ernannt. Er hatte zwar zur See keine Seide gesponnen, &#8222;der
+Groß-Herr hat ihn dennoch mit einem sehr guten Gesichte empfangen (wol
+wissend, daß alles mehr dem abwechselnden Glück, als seinem Versaumnuß,
+oder dem Mangel seiner Tapferkeit und Anführung zuzuschreiben) und hat
+ihn in Vergeltung seines guten Willens, und in Erkändtnis seiner
+Tapferkeit und Anführung, zum See-Admiral gemacht&#8223; ... Über die Aufnahme
+des Wortes ins Hochdeutsche sagt Kluge: &#8222;Erasmus Alberus und Dasypodius
+1540 und Frisius 1541 kennen es noch nicht; Amiral findet sich 1561 bei
+Maaler, 1570 bei Hadr. Junius Nomencl., 1582 bei Golius Onomast.,
+Admiral 1562 bei Crusius Gramm. Schon Henisch 1616 bevorzugt die Form
+Admiral.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Merkwürdigkeit halber sei angeführt, wie weit man mit
+Erklärungen vorbeihauen kann. Das Groot Nederduitsch Taalkundig
+Woordenboek von Weiland schreibt, Admiral komme &#8222;van het oude ital.
+miraglio dat den spiegel van het schip beteekent; dewyl hier vorheen de
+plaats des bevelhebbers was, en hy zyn bevelen al miraglio gaf.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>&#8222;Der Admiral&#8223; wird auch oft kurzweg gesagt, wenn man das Admiralsschiff,
+das Flaggschiff meint. &#8222;Wir folgen im Kielwasser des Admirals.&#8223;
+&#8222;Durchläuchtigste Seehelden&#8223;: &#8222;Die Schiffe waren: Amsterdam groß 400
+Last als Admiral, und hatte 237 Mann auf, 20 Metalline und eiserne
+Stücken Geschütz. Delft der Vice-Admiral war gleichfalls 400 Last groß,
+mit 242 Köpffen bemannt&#8223; ...</p>
+
+<p>Auch ist Admiral eine nicht nur im Scherze, sondern in vollem Ernste
+dienstlich gebrauchte Bezeichnung für Pütze (s. d.) = Eimer. Sie stammt
+offenbar noch aus der Zeit wo man statt Admiral noch Ammeral sagte und
+statt Eimer Ammer. Wie leicht konnte ein scherzhafter Matrose darauf
+verfallen, einmal statt ammer ammeral zu sagen, und das bürgerte sich
+hernach so ein, daß niemand mehr etwas dabei fand; Eimer, Emmer, Ammer,
+Ambar, amphora.</p>
+
+<p><span class="strong1">Admiralität</span> hieß bis etwa vor zehn Jahren die oberste kaiserliche
+Marine-Behörde, als Oberkommando und Verwaltung noch in einer Hand
+lagen, in der Hand des &#8222;Chefs der Admiralität.&#8223;<a id="Page_14"></a>
+ <span class="pagenum">[14]</span> Die Behörde ist
+aufgehoben, nur der Titel <span class="strong1">Admiralitätsrat</span> ist geblieben.
+<span class="strong1">Admiralitätsanker</span> s. Anker.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ahoi!</span> Der Ruf mit dem ein Schiff oder ein Boot angerufen wird, &#8222;Schiff
+ahoi! Boot ahoi!&#8223; Man muß sich hüten tiefere Bedeutungen suchen zu
+wollen wo keine sind. Das Wort ist eine einfache Interjektion, weiter
+nichts, gebildet und gewählt von dem Bedürfnis weithin gehört zu werden.
+Im Englischen heißt es to hail a ship. Das hat man wohl übersetzt: einem
+Schiffe Heil zurufen; ist aber auch nur eine Interjektion und hat mit
+Heil nichts zu schaffen. Niederdeutsch halen, anhalen; es ist im Grunde
+dasselbe Wort wie das im Hochdeutschen so häufig gebrauchte holen. Das
+heißt niederdeutsch auch halen. Die Bedeutung der zu Grunde liegenden
+Wurzel ist: einen Ton oder Laut von sich geben; tönen, rauschen, lauten,
+schreien, rufen, hallen, Hallo machen, durch Halloschreien jemanden
+herbeirufen, näher kommen machen, also herbeiholen, man könnte sagen:
+einen herbeihalloen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch der Ruf Gut Heil! oder All Heil! hat mit
+Heil nichts zu tun, sondern ist eben nur ein Ruf, ein Zuruf, ein Gruß,
+eine Interjektion. Ebenso der alte Schlachtruf der freien Friesen: &#8222;Eala
+fria Fresena!&#8223; Auch hier hat man eala mit Heil übersetzen wollen, da es
+doch nur eine Interjektion ist, wie die angelsächsische Übersetzung von
+Luc. VII. 14: &#8222;Jüngling, ich sage dir, stehe auf!&#8223; mit &#8222;eala geonge
+aris!&#8223; beweist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wird bei Dunkelheit ein auf ein Kriegsschiff
+zukommendes Boot mit ahoi! angerufen und die Antwort lautet nein! nein!
+so ist kein Offizier im Boot; ja! ja! so ist ein Offizier oder im
+Offizierrang Stehender darinnen; wird der Name des Schiffes geantwortet,
+so ist der Kommandant im Boot; heißt es: &#8222;Flagge&#8223;! so kommt ein
+Flaggoffizier (Admiral).</p>
+
+<p><span class="strong1">Ahming</span>, die. Auch kurzweg die Ahm genannt, bedeutet dieses Wort das vorn
+und hinten am Schiff angemalte Maß, welches den Tiefgang desselben
+anzeigt; beruht nach Kluge auf mittellateinischem Worte ama, Gefäß,
+Weinmaß, griechisch ame, lat. ama, Feuereimer. Im Mittelhochdeutschen
+wurde, wie in Mond, das a zu o, daher das neuhochdeutsche Ohm. Im
+Mittelniederdeutschen hieß es ame und bedeutete &#8222;das bei der Obrigkeit
+aufbewahrte (gewöhnlich kupferne) Richtmaß, nach welchem die im Verkehr
+zu gebrauchenden Meßgefäße geprüft und alsdann mit einem Zeichen ihrer
+Richtigkeit vom Eichmeister versehen<a id="Page_15"></a>
+ <span class="pagenum">[15]</span> wurden&#8223;. Auch dieses Zeichen
+hieß ame; die Thätigkeit des Eichmeisters amen; hochdeutsch ahmen; daher
+das Wort <span class="strong1">nachahmen</span>, das einzige von der Sippe, das uns in der
+Umgangssprache geblieben ist und alle Tage gebraucht wird: &#8222;nach Maßgabe
+eines Musters sich ähnlich ausdrücken oder betragen&#8223;. Dieses Nachahmen
+hieß lange Zeit einfach ahmen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort Ahming ist in Gefahr durch
+&#8222;<span class="strong1">Tiefgangsmarke</span>&#8223; verdrängt zu werden; es wäre schade, man könnte dann
+auch ebenso gut Ausschlammungs-Maschine anstatt Bagger oder
+Holzglättungsinstrument anstatt Hobel sagen.</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Alle Mann!&#8223;</span> Das Kommando demzufolge jeder an Bord, der an Manövern mit
+&#8222;Alle Mann&#8223; oder an der &#8222;Alle Mann-Musterung&#8223; teilzunehmen verpflichtet
+ist, an Deck, beziehungsweise an der ihm angewiesenen Stelle anzutreten
+hat, sei es, daß das Manöver zur Übung geschehe, sei es, daß eine Bö so
+stark einsetzt, daß ihr die Wache nicht gewachsen ist, daß ein &#8222;Mann
+über Bord&#8223; fiel oder sonst eine Arbeit zu tun sei, die alle Hände (engl.
+&#8222;all hands&#8223;!) erfordert, z.&nbsp;B. wenn ein Schiff auf einem Korallenriff
+auffährt und nun alsbald die Bemühungen beginnen, wieder loszukommen; da
+heißt es dann abwechselnd &#8222;Alle Mann an Steuerbord&#8223; und &#8222;Alle Mann
+Backbord&#8223;, &#8222;Alle Mann voraus&#8223;, &#8222;Alle Mann achteraus&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Binnenlande
+rednerisch und dichterisch sehr oft, aber selten seemännisch ganz
+richtig gebrauchte Wendung; oft hört man &#8222;Alle Mann auf Deck!&#8223; sagen,
+was an Bord nicht gesagt wird, wo es bloß &#8222;Alle Mann!&#8223; heißt, allenfalls
+noch: &#8222;Alle Mann auf!&#8223;, dann wird aber jedesmal hinzugefügt: &#8222;Klar zum
+Manöver!&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">am Winde</span> segeln heißt so viel wie &#8222;beim Winde&#8223; segeln. Richtig am Winde
+liegen oder beim Winde segeln heißt so steuern, daß bei richtiger
+Segelstellung, bei welcher die unteren Segel etwas weiter angebraßt
+werden als die oberen, der Wind so weit von vorne einkommt, daß das
+Vorliek des Großoberbramsegels sich eben bewegt, oder, wie der Seemann
+sagt, killt (s. d.), dann stehen die übrigen, niedrigeren und größeren
+Segel alle voll Wind, weshalb auch beim Kreuzen das Kommando gegeben
+wird: &#8222;Voll Segel halten&#8223; oder &#8222;voll und bei&#8223;. Wird zu hoch am Winde
+gesteuert, so besteht die Gefahr, daß man &#8222;eine Eule fängt&#8223;, daß das
+Schiff &#8222;durchdreht&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">An Bord.</span> In dieser Wendung zeigt sichs besonders deutlich<a id="Page_16"></a>
+ <span class="pagenum">[16]</span> wie pars
+pro toto, Bord für Schiff gebraucht wird. An Bord gehen, an Bord sein,
+sich an Bord befinden, Bordkommando, Bordaufenthalt, Bordleben,
+Bordessen, Bordkleidung u.&nbsp;s.&nbsp;w.Bei diesen und unzähligen anderen
+Zusammensetzungen kann man für Bord Schiff einsetzen ohne den Sinn zu
+ändern. Das Signal für diejenigen, die an Bord gehören, daß sie an Bord
+kommen sollen, weil das Schiff in See zu gehen beabsichtigt, ist eine
+blaue Flagge, genannt &#8222;<span class="strong1">der blaue Peter</span>&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anholen.</span> Wenn beim Bootssegeln beim Winde gesteuert werden soll, so muß
+der zu Luvart sitzende Bootssteurer das Großsegelsschothörn (s.
+Schothörn) möglichst nahe, oder wie der Seemann sagt möglichst hart, an
+sich heranbringen; was geschieht, indem er die Großsegelsschot <span class="strong1">anholt</span>.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Bei Rahesegeln müssen, wenn vor dem Winde gefahren wird, beide
+Schoten angeholt werden, damit das Segel möglichst steif steht und seine
+ganze Fläche in möglichster Ausdehnung dem Winde darbietet. Schon
+Kilianus (1547) hat das Wort, und zwar gebraucht er die Wendung:
+anhaelen het seyl; aber er übersetzt das falsch mit stringere vela, es
+muß heißen pandere vela.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anbrassen</span> s. brassen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anker</span>, der. Lehnwort aus dem Lateinischen, ancora. Plinius schreibt die
+Erfindung des Ankers den Tyrrheniern zu. &#8222;Aber schon die Griechen hatten
+vervollkommnete Anker mit Armen und Zähnen daran, die in den Grund
+fassen konnten&#8223;, die daher oft geradezu odontes, dentes, Zähne genannt
+wurden. Sehr früh, lange vor dem Jahre 1000 unserer Zeitrechnung, ist
+das Wort ins Deutsche übernommen worden, denn schon im &#8222;Béowulf&#8223; finden
+wir ancor und ancor-bend = Ankertau. Das ältere, einheimische Wort für
+die Sache hieß im Althochdeutschen senchil und senchilstein. Die
+Bedeutung ist ohne Weiteres jedem klar, der etwa einmal in der
+Magellanstraße die Pescheräh-Frauen (die da alle Arbeit tun müssen) ein
+Boot durch Versenkung eines an einem Tau befestigten Steines &#8222;verankern&#8223;
+sah. Nach dem Bericht der ältesten Schriftsteller gebrauchten die ersten
+Völker anstatt der Anker nur Körbe voller Steine und Säcke voller Sand,
+die sie an Taue gebunden in die See warfen. Auf solche Weise banden die
+Helden auf dem Argo ihr Schiff an Felsen oder warfen an Stricke
+gebundene Steine ins Meer, um sich damit festliegend zu machen, solcher
+simplen Anker bedienen<a id="Page_17"></a>
+ <span class="pagenum">[17]</span> sich auch noch heutzutage manche Völker,
+bei denen die Schiffahrt noch in ihrer Kindheit ist&#8223;. Übrigens
+geschieht solches auch bei anderen Völkern, man kann es selbst bei
+deutschen Bootsführern oft genug sehen.</p>
+
+<p>Die althochdeutsche Form war ancher. Indessen scheint das Wort im
+Althochdeutschen doch noch nicht allgemein bekannt gewesen zu sein,
+wenigstens lesen wir in einer Bemerkung zu einer um das Jahr 1000
+geschriebenen Übersetzung des Boëthius de consolatione philosophiae:
+&#8222;anchorae daz sint suarin isen&#8223;. Das hätte nicht gesagt zu werden
+brauchen, wenn man es als allgemein bekannt hätte voraussetzen können.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Merkwürdig ist die Wandlung des Geschlechtes. Im Lateinischen ist das
+Wort weiblich, im Hochdeutschen männlich, der Seemann aber gebraucht es
+gerne sächlich.</p>
+
+<p>Teile eines Ankers: Der Schaft, das Kreuz, die Arme mit den Händen,
+Spaten, Schaufeln oder Pflügen, der Ankerstock, durch das obere dünnere
+Ende des Schaftes gesteckt, das Auge mit dem Schäckel d.&nbsp;h. der Röring.
+(s. d.)</p>
+
+<p>Man unterscheidet nach ihrer Gestalt, ihrer Konstruktion oder ihren
+Konstrukteuren: Admiralitäts- oder Normalanker, Inglefieldanker,
+Hallanker, Martinsanker, Trotmannsanker, Smithanker, Porteranker,
+Rodgeranker, Schirm-, Pilz-, Schild- oder Minenanker, Dregganker. (s.
+d.)</p>
+
+<p>Nach Art der Verwendung unterscheidet man Buganker, Heckanker,
+Warpanker, Rüst- oder Reserveanker, Not- oder Pflichtanker, (s. Pflicht)
+Bootsanker.</p>
+
+<p>Siehe auch Katten, Fischen, Schweinsrücken, Baxterlagerung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ankerboje</span>, die. Da das vor Anker liegende Schiff schwoit (s. schwoien),
+d.&nbsp;h. sich unter dem Einfluß des Windes oder Stromes um seinen Anker
+herumbewegt, also seinen Ort des Öfteren wechselt; da es aber nötig ist,
+stets zu wissen, wo der Anker liegt, so wird ehe derselbe zu Wasser
+gelassen wird eine Boje (s. d.) an ihm befestigt; die schwimmt dann über
+ihm auf dem Wasser, zeigt seine Lage an und heißt Ankerboje.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ankerdobber</span>, der.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ankerflott</span>, das.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ankerkogert</span>, der. Alle drei Wörter bezeichnen einfachere Vorrichtungen
+mit demselben Zwecke, der heutzutage hauptsächlich der Ankerboje
+zugewiesen ist, die Stelle wo der Anker liegt<a id="Page_18"></a>
+ <span class="pagenum">[18]</span> kenntlich zu machen.
+<span class="strong1">Dobber</span> ist ein schwimmendes Stück Holz, das seinen Namen daher hat, daß
+es im bewegten Wasser stets in Bewegung ist, immer mit den Wellen hin
+und her, auf und nieder geht. Im Ostfriesischen kommt das Wort in der
+Form Dubber = Stößer vor, im niederländischen heißt das Zeitwort dazu
+dobbern, ostfriesisch dubbern, Frequentativum zu dubben, zur Wurzel dhu,
+sich heftig bewegen, gehörig.</p>
+
+<p><span class="strong1">Flotten</span> kommen gewöhnlich und hauptsächlich bei Fischernetzen vor. So
+heißen die runden Holz- oder Korkstücke rings um das Netz herum, die es
+flott (s. d.) d.&nbsp;h. schwimmend erhalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kogert</span> dürfte mit Kogge (s. d.) zusammenhängen, sei es, daß etwa die
+Kriegskoggen der Hansa zuerst solche Vorrichtung führten, sei es, daß
+das Zeichen in Gestalt einer Kogge aus Holz oder Kork geschnitten war,
+sei es, daß das Wort mit Kogge zusammen auf die Muschelgestalt
+zurückgeht. Jedenfalls ist das Wort alt und stammt aus der Zeit der
+Koggen, denn in dem &#8222;ältesten Stadt-, Schiff- und Landrecht Hamburgs&#8223;
+steht die gesetzliche Verordnung: &#8222;unde licht enich anker sunder douwer
+efte kogert, unde schade aff queme, den schall he half beteren.&#8223; (307,5,
+herausgeg. v. Lappenberg, vergl. Schiller und Lübben, II, 513.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Ankergrund</span>, der. Die Stelle wo man zu Anker gehen kann. Wenn der Grund
+daselbst die geeignete Tiefe hat, nicht zu weich (schliekig, s. d.) zum
+Festhalten des Ankers ist, wenn er rein, d.&nbsp;h. ohne Klippen ist, so
+heißt er guter Ankergrund. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Es liegt auf der Hand, daß alles, was auf das wichtige Geschäft des
+Ankerns Bezug hat, in der Gedankenwelt und demgemäß auch in der
+gewöhnlichen Umgangssprache des täglichen Lebens der Seeleute und
+Küstenbewohner auch am Lande eine große Rolle spielt. So ist der Anker
+das Sinnbild der Hoffnung geworden, auch bei Binnenländern, so spricht
+ein alter Seemann auch &#8222;am Wall&#8223;, daß er irgendwo vor Anker gehe, so
+heißt es von einem ungeschickten Menschen, er sei wie ein Anker, der
+immer ins Wasser komme und doch nicht schwimmen lerne und im Friesischen
+(vergl. Halbertsma, Lex. Fris.) wird das Wort Ankergrund bildlich so
+gebraucht: &#8222;Lien him nat; daer is nin ankergroun&#8223;, borg ihm nicht, er
+kanns nicht wiedergeben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Mittelalter (Seebuch, 1400) sagte man:
+&#8222;dar is gud anckerholt&#8223;; ein Grund, der den Anker gut &#8222;hält&#8223;.<a id="Page_19"></a>
+ <span class="pagenum">[19]</span> </p>
+
+<p><span class="strong1">Ankern</span>, zu Anker gehen. Das ganze seemännische Ankermanöver wird damit
+bezeichnet, von dem Kommando an: &#8222;Klar zum Ankern&#8223; bis zum Ausbringen
+der Fallreepstreppe. Im Jahre 1400 ist im Niederdeutschen ancker setten
+bezeugt, auch wohl kurzweg setten. Besonders auch Waghenaer, 1588, und
+die &#8222;Beschriving van der Kunst der Zeevaerdt&#8223;, 1673, gebrauchen setten
+oder setzen für ankern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anlaufen</span> s. Anlegen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anlegen.</span> Ein <span class="strong1">Boot</span> legt an. Von seegehenden Schiffen sagen Seeleute
+nicht, daß sie anlegen im Sinne von &#8222;irgendwo ankommen&#8223;. Es wird im
+Gegenteil als unseemännisch belächelt und höchstens einer Dame
+verziehen, wenn sie fragt: &#8222;Legen Sie auch in Montevideo an?&#8223; schon weil
+man daselbst gar nicht &#8222;anlegen&#8223;, sondern nur ankern kann. Wird ein
+Hafen vorübergehend besucht, so heißt es ihn anlaufen; &#8222;wir laufen
+Singapore an&#8223;. Wenn man den Bestimmungshafen nennen will, sagt man: &#8222;Das
+Schiff geht nach Rio&#8223; ... &#8222;ist unterwegs nach Newyork&#8223;, &#8222;ist bestimmt
+nach Kalkutta&#8223;, &#8222;segelt (auch von Dampfern) nach, oder besser noch: <span class="strong1">auf</span>
+Valpareiso, fährt auf Yokohama&#8223;. Englisch: bound for ... und das kommt
+nicht etwa von to bind, binden, so daß das Schiff mit gebundener
+Segelordre führe, sondern heißt eigentlich boun. Das d ist angehängt
+entsprechend dem d in sound, von sonus; isländisch buinn, von bua,
+bearbeiten, vorbereiten, fertig machen, verwandt mit &#8222;Bauer&#8223;.</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p> Willing wie sought your shores, and hither bound</p>
+ <p>The port so long desired at length we found.</p>
+
+ <p class="author">Dryden.</p>
+</div>
+
+<p>Am Bestimmungsort angekommen, geht das Schiff vor Anker, legt sich
+längsseit einer Pier oder Kaje (Quai) oder &#8222;macht fest&#8223; an einem
+Bollwerk, einem Dükdalben, einer Boje. Wird ja das Wort anlegen
+gebraucht, so geschieht es mit dem Akkusativ: &#8222;Das Schiff legt an <span class="strong1">das</span>
+Bollwerk an&#8223;, während ein Boot an <span class="strong1">dem</span> Bollwerk, an der Treppe, an dem
+Fallreep anlegt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anliegen.</span> &#8222;Was liegt an?&#8223; Diese Frage bedeutet dem Sinne nach dasselbe
+wie: &#8222;Welcher Kurs wird gesteuert?&#8223; Nur wird erstere mit größerer
+Genauigkeit und Bestimmtheit gestellt, etwa vom Kommandanten im Sinne
+der Beaufsichtigung, wenn er sich vergewissern will, ob der befohlene
+Kurs auch wirklich gesteuert wird, was, wenn das Schiff beim Winde
+segelt, nicht immer<a id="Page_20"></a>
+ <span class="pagenum">[20]</span> möglich ist. Das Wort erklärt sich aus der
+Einrichtung des Kompasses, dessen Scheibe in Striche eingeteilt ist und
+der an seinem festen Teile einen Strich hat, nach dem gesteuert wird.
+Der dem zu steuernden Kurs entsprechende Strich der beweglichen
+Kompaßscheibe muß &#8222;anliegen&#8223; d.&nbsp;h. an dem Strich liegen, genau dem
+Strich gegenüber liegen, der an der unbeweglich mit dem Schiff
+verbundenen Kompaßdose angebracht ist und die Richtung des Kiels angibt.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Französisch: &#8222;ou as-tu le cap?&#8223;; wohin ist der Bug, der Schnabel,
+oder wie der Seemann lieber sagt, die Nase gerichtet?</p>
+
+<p><span class="strong1">Anluven</span> s. luv.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anmustern</span> s. mustern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anracken</span> s. Rack.</p>
+
+<p><span class="strong1">Anschlagen.</span> Mit der Glocke oder der Trommel ein Zeichen zum Beginn eines
+allgemeinen Schiffsdienstes geben, anschlagen zur Musterung, zu &#8222;Klar
+Schiff&#8223;, zum Gottesdienst.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ansegeln.</span> 1. Das Ansegeln, die Eröffnung der Segeljahreszeit beim K.
+&#8222;Yachtklub&#8223; zu Kiel.</p>
+
+<p>2. einen Hafen, einen Leuchtturm, ein anderes Schiff ansegeln, ihm
+segelnd nahen. Früher sagte man &#8222;antun&#8223;, sich dem Lande nähern, in Sicht
+von Land kommen, soviel wie:</p>
+
+<p><span class="strong1">Ansteuern.</span> Ist das Fahrwasser unbekannt, ist anzunehmen daß die Karten
+ungenau sind oder hat man sonst Grund besonders vorsichtig zu sein im
+Ansegeln einer Küste oder Hafeneinfahrt, so schickt man ein Boot dem
+Schiffe voraus, das Fahrwasser auszuloten; dieses Verfahren nennt man,
+weil dabei die Wassertiefe festgestellt wird: <span class="strong1">Antiefen</span>.
+</p>
+
+<p><span class="strong1">Arbeiten.</span> Der Seemann personificirt sein Schiff gerne. Darüber hat sich
+der Dichter und Reichsministerialrat Wilhelm Jordan in einem
+Etatsvorschlag für die ehemalige deutsche Flotte so ausgesprochen: &#8222;Das
+Schlimmste aber ist, daß auf dem Dampfer wie schon oben angedeutet, kein
+vollendeter Seemann ausgebildet werden kann. Denn seine Segel sind nur
+Nebenkraft und selbst bei voller Bemastung und Takelung läßt sich die
+feinere Segelführung, die das Schiff zugleich durch die Leinwand
+steuert, daß es, wie das Pferd der bloßen Führung am Halse, dem
+leisesten Winke gehorcht, auf dem langgestreckten und rudergelenkten
+Dampfschiff niemals gründlich erlernen. Darum ist es auch dem Seemann
+ein toter, äußerlich bewegter Körper, dem nicht er,<a id="Page_21"></a>
+ <span class="pagenum">[21]</span> sondern der
+stets mit scheelen Augen angesehene Maschinist und der mißachtete Heizer
+gebieten, während ihm sein Segelschiff zum lebendigen Wesen wird, mit
+dem er bald durch eine geistige Zuneigung verwächst. Und dies in jeder
+Schilderung des Seelebens als sein innerster Kern, als sein höchster
+Reiz hervortretende eigene Verhältnis, das es dem Matrosen notwendig
+macht, sein Fahrzeug als Femininum zu denken und benennen, ist
+keineswegs bloß ein schöner Flitter des Seeberufs: es ist von der
+höchsten praktischen Bedeutung, es bildet ein Hauptfundament der
+Seemannsehre, und wo es fehlt, da ist der Gehorsam und die Pflichttreue
+bis zur Wagnis des Lebens für die Erhaltung des Schiffes bloß ein
+abstraktes Gebot. So seltsam sich eine solche Hinweisung auf ein so
+feines und phantastisches psychologisches Moment in Gesellschaft der
+trockenen Zahlen einer Budgetvorlage ausnehmen muß, kann ich doch nicht
+umhin, es als einen Hauptgrund mit geltend zu machen für die
+Notwendigkeit, baldmöglichst auch einige Segelschiffe auf den Stapel zu
+stellen&#8223;.</p>
+
+<p>Eine Personification ist es auch, wenn gesagt wird: &#8222;das Schiff
+arbeitet&#8223;, d.&nbsp;h. es bewegt sich schwer in stürmischer See. Es liegt dann
+auch nahe, die dabei unvermeidlichen Reibungs- und andere Geräusche als
+Seufzen, Ächzen und Stöhnen zu bezeichnen.</p>
+
+<p>Daß Arbeit, wie Doornkaat gemeint hat, aus der Vorsilbe ar und dem
+althochdeutschen Zeitwort peitjan, gebieten, kommen soll, will nicht
+einleuchten, schon weil in deutschen Mundarten Arbeit vielfach Arwed
+heißt, mit dem Ton auf dem ganz langen A und sehr kurzem e,
+(angelsächsisch earfod, earfede) und das bedeutete doch eine gar zu
+starke Tonverschiebung. Man hat auch an die in aro, ich pflüge, liegende
+Wurzel, also an die erste aller Arbeiten, die Feldarbeit, gedacht (&#8222;im
+Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen&#8223;), allein ein
+anderer Gedanke liegt näher: In uralten Tagen überließ der freie
+Deutsche alle Arbeit dem Unfreien. Daher liegt in dem Worte Arbeit, das
+mit altslovenisch rabu = Knecht, mit böhmisch rabota = Arbeit,
+Knechtsarbeit und mit dem vorgermanischen orbho = Knecht, zusammenhängt,
+leider nicht der Begriff freier, fröhlicher Mannesarbeit, sondern der
+der seufzenden Knechtesarbeit, der Mühe, der Beschwerde, der Not, und
+der ist auch in der Redewendung &#8222;das Schiff arbeitet&#8223; vorhanden.<a id="Page_22"></a>
+ <span class="pagenum">[22]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Armada</span>, die. Das spanische Wort für Kriegsflotte kommt meines Wissens im
+Deutschen zum ersten Male vor in dem 1565 zu &#8222;Frankfurt am Mayn&#8223;
+erschienenen Buche von Leonhart Frohnsperger: &#8222;Von Kayßerlichen
+Kriegßrechten Malefitz und Schuldhändeln, Ordnung und Regiment&#8223; x. x.,
+aus welchem ein Abdruck der die Kriegsführung zur See betreffenden
+Abschnitte in der Marine-Rundschau, 1898, 2. Heft mit seemännischen
+Anmerkungen erschienen ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Arsenal</span>, das, aus dem Arabischen dar-azzana, Werkhaus, unter Carl V. und
+durch den damaligen lebhaften Verkehr der Deutschen mit Italien und
+Spanien zu uns gekommen, wie Armada (s. d.) und viele andere
+Mittelmeerwörter. Werkhaus erinnert an die eigentliche Bedeutung von
+Werft (s. d.). Nach Roeding (1794) begriff man zu seiner Zeit unter dem
+Namen Arsenal nicht allein die Gebäude, in welchen alle zur Ausrüstung
+einer Flotte erforderlichen Sachen aufbewahrt werden, sondern auch die
+Werftstellen, wo solche verfertigt werden, als Reepschlägereien,
+Segelmachereien, Stückgießereien, Ankerschmieden, Bäckereien,
+Schiffszimmerwerfte u.&nbsp;s.&nbsp;w.Er schreibt: &#8222;Die ältesten Arsenäle, wovon
+wir Nachricht haben, sind diejenigen, welche der König Salomo anlegen
+ließ. Eins derselben befand sich zu Joppe für seine Schiffe auf der
+mittelländischen See, und das andere zu Eziongeber, welches für seine
+Schiffe auf dem Roten Meer bestimmt war. Die Griechen und Römer hatten
+ebenfalls Arsenäle, wovon der letztern ihre sich zu Ravenna, Misena und
+Frejus, am Pontus Euxinus, am Rhein und an der Donau befanden. (Thucid.
+lib VII. Sueton in August. c 49, Tac. Annal. lib IV). Das berühmteste
+von allen See-Arsenälen ist jetzt das Venezianische, wo sogar
+Linienschiffe unter Dach liegen&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auf und nieder</span>, ein der Seemannssprache &nbsp;&mdash;&nbsp; auch im Holländischen (op en
+neer), Dänischen (op og ned) und Schwedischen (up och ned)
+eigentümlicher, aber die Sache sehr deutlich und anschaulich treffender
+Ausdruck für die Richtung in der sich ein Gegenstand befindet, die wir
+senkrecht oder lotrecht nennen, die Rahe ist &#8222;auf und nieder&#8223; (zum
+Aufhissen), der Anker ist &#8222;auf und nieder&#8223;, d.&nbsp;h. er hängt frei am
+Krahnbalken, bereit entweder fallen gelassen oder gekattet zu werden.
+(s. Katten).</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Auf Riemen!&#8223;</span> Kommando beim Bootsrudern, veranlaßt die Bootsruderer,
+ihre Riemen mit dem Blatt so hoch aus dem Wasser<a id="Page_23"></a>
+ <span class="pagenum">[23]</span> zu nehmen, daß
+sie in der Richtung der Duchten (s. d.) frei in die Luft hinausragen,
+und sie in dieser Lage, genau ausgerichtet, so lange zu halten, bis das
+Kommando &#8222;Ruder an!&#8223; kommt. Es geschieht teils zur Minderung der Fahrt,
+teils als Ehrenbezeugung für Offiziere, während für Kommandanten und
+Flagg-Offiziere &#8222;Riemen hoch!&#8223; kommandiert wird, worauf die Riemen
+senkrecht &#8222;auf und nieder&#8223; gehalten werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufbänken.</span> Wenn aus irgend einem Grunde eine Zeit lang kein Dampf
+gebraucht wird, die Maschine aber doch bereit sein soll, baldigst wieder
+in Gebrauch zu treten, so werden die Feuer unter den Kesseln aufgebänkt,
+d.&nbsp;h. klein gemacht, dadurch daß man sie nicht über den ganzen Rost
+ausgebreitet brennen läßt, sondern in Gestalt einer schmalen Bank
+aufhäuft, doch so, daß sie in kurzer Zeit wieder ausgebreitet und zum
+vollen Brennen gebracht werden können.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufbrassen</span>, s. brassen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufduven</span>, s. lenzen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufentern</span>, s. entern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auffangen</span>, greifen, fassen, festmachen (skr. pàça, Strick, weil dieser
+&#8222;faßt!&#8223;). Die seemännische Bedeutung ist: etwas festbinden, was lose
+ist, aber nicht lose sein soll und sich nicht bewegen darf. Offenbar ist
+das Wort in Gebrauch gekommen im Gedanken an ein sich bewegendes, im
+Winde oder von der Bewegung des Schiffes hin und her schlagendes Tau,
+das man zu fangen, zu erhaschen suchen muß; das ist die erste Bedeutung
+von auffangen. Aber zur Tätigkeit des Fassens gehört die des Haltens,
+daß das Tau nicht wieder schlagen kann; das wird verhindert durch
+Festbinden, welches die zweite Bedeutung von auffangen ist. Die hat sich
+dann dahin erweitert, daß man auch nichtschlagendes Tauwerk auffängt;
+wenn z.&nbsp;B. Deck gewaschen werden und das an Deck aufgeschossene Tauwerk
+nicht im Wege sein und nicht naß werden soll, wird es aufgefangen, d.&nbsp;h.
+zusammengebunden und hoch gehängt. Von hier aus ist der Begriff noch
+weiter und zwar so ausgedehnt worden, daß auffangen ganz allgemein für
+aufhangen gebraucht wird, so daß man, wenn die niederdeutsche Form
+opvangen dem nicht entgegen wäre, auf den Schluß kommen könnte, es müßte
+auffangen dasselbe wie aufhangen sein.<a id="Page_24"></a>
+ <span class="pagenum">[24]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Auffrischen</span> ist dasselbe Wort das auch das Neuhochdeutsche gebraucht,
+wenn es sagt: &#8222;Der Maler frischt das Bild auf,&#8223; nur daß es hier
+transitiv gebraucht wird, während es im Seemännischen intransitiv ist:
+&#8222;Der Wind frischt auf&#8223;. Frisch ist etwas, das eben erst entstanden ist,
+frisches Obst, frisches Gemüse. &#8222;Es frischt auf&#8223; heißt also: es kommt
+ein neuer und zwar stärkerer Wind auf, es fängt stärker an zu wehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufgeien.</span> Vermittelst der Geitaue, Bukgordinge und Nockgordinge die
+Segel unter die Rahen holen, damit sie festgemacht werden können. Das
+Wort kommt nur in der Seemannssprache vor, niederländisch opgyen,
+schwedisch giga up, dänisch gige, gie op; die Etymologie ist unter geien
+gegeben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufhissen</span>, s. hissen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufholen.</span> Der Unterschied zwischen aufholen und aufhissen wird
+schwerlich ganz genau festgehalten werden können. Sie bedeuten beide
+dasselbe, nur der seemännische Sprachgebrauch entscheidet, wo das eine,
+wo das andere Wort anzuwenden ist. Im Allgemeinen muß jedoch gesagt
+werden, daß aufholen sich &nbsp;&mdash;&nbsp; von den Fällen, in denen es sich um einen
+<span class="strong1">Aufholer</span> handelt, abgesehen &nbsp;&mdash;&nbsp; auf die allereinfachste Tätigkeit mittels
+eines allereinfachsten Werkzeuges, nämlich eines schlichten Taues
+bezieht. Wenn z.&nbsp;B. einem Manne im Mars ein Teertopf hinaufgegeben
+werden soll, so läßt er ein Tau herab, der Topf wird daran befestigt und
+dann <span class="strong1">holt</span> er ihn Hand über Hand <span class="strong1">hinauf</span>; hier könnte man nicht von
+aufhissen sprechen. Doch darf man darum nicht denken, daß einer immer
+oben ist, wenn er &#8222;aufholt&#8223;; wenn z.&nbsp;B. irgendwo ein Aufholer geschoren
+ist, der durch einen oben befestigten Block an Deck läuft oder eine
+Talje darstellt, so kann von unten aus aufgeholt werden, und dafür kann
+man ebenso gut auch aufhissen sagen, wie beim Aufholer eines Stagsegels,
+Rackaufholer, Brokaufholer, Dempgordingsaufholer. Beim
+Stückpfortenaufholer wird man indessen seiner ganzen Beschaffenheit nach
+nur von aufholen, nicht von hissen sprechen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufklaren.</span> 1. Gleich &#8222;sich aufklären&#8223;, hell werden, besser Wetter
+werden. &#8222;Es klart auf&#8223;, es wird schön. 2., &#8222;Klar Deck&#8223; machen d.&nbsp;h. nach
+einem Manöver wieder alles aufräumen, wegbringen was im Wege ist, und
+alles so in Stand setzen, daß es zu einem neuen Manöver gebrauchsfähig
+ist. Das Kommando<a id="Page_25"></a>
+ <span class="pagenum">[25]</span> heißt &#8222;Deck aufklaren&#8223;. 3., Überhaupt: Ordnung
+machen, aufräumen. Siehe klar.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufkommen</span>, eigentlich in die Höhe kommen, zu Macht, Ansehen, Einfluß,
+Stellung und Geltung kommen; neu auf der Bildfläche erscheinen und näher
+kommen; seemännisch: &#8222;Das eine Schiff kommt dem anderen auf&#8223;, es fährt
+schneller, holt es ein; dann: nach gelegtem Ruder wieder auf die alte
+Ruderlage kommen, überhaupt sagt man, wenn ein Schiff dem Ruder gut
+gehorcht: &#8222;es kommt vor seinem Ruder auf&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">aufmachen</span>, in der Verbindung &#8222;Dampf aufmachen&#8223;, heißt Dampf erzeugen und
+bereit halten, damit auf gegebenes Kommando die Maschine angehen könne.
+Dampf &#8222;aufmachen&#8223; kommt nicht etwa daher, daß ein Absperrventil
+aufgemacht, geöffnet würde, ist auch nicht in dem Sinne gebraucht in dem
+der verlorene Sohn sagte: &#8222;ich will mich aufmachen und zu meinem Vater
+gehen&#8223;; auch nicht wie man sagt &#8222;eine Ware hübsch aufmachen&#8223;, zurichten,
+zurechtmachen, sondern &#8222;Dampf aufmachen&#8223; ist falsch geschrieben, es muß
+heißen &#8222;&#8218;Dampf auf!&#8219; machen&#8223;, so wie man sagt &#8222;&#8218;Alle Mann!&#8219; machen&#8223;
+oder: &#8222;wir machen &#8218;Anker auf!&#8219;&#8223; Das Kommando heißt: &#8222;Dampf auf&#8223;. Wenn
+das ausgeführt ist, dann hat das Schiff &#8222;Dampf auf&#8223;. Man kann aber eben
+so gut sagen &#8222;das Schiff liegt &#8218;<span class="strong1">unter</span> Dampf&#8219;&#8223;. Die Präposition &#8222;auf&#8223; ist
+also nicht so genau zu nehmen; man könnte sonst an das Aufsteigen des
+Dampfes beim Sieden des Wassers denken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufkreuzen</span>, s. kreuzen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufkrimpen</span>, s. krimpen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufscheeren</span>, vergl. <span class="strong1">scheeren</span>. Wenn ein seemännisches Manöver zu Ende ist
+und &#8222;klar Deck&#8223; gemacht wird, so wird das laufende Tauwerk
+&#8222;aufgeschoren&#8223;, d.&nbsp;h. zu neuem Manöver in Ordnung gebracht (s.
+aufschießen). Aufscheeren ist also der Teil des Deckaufklarens, der sich
+auf das Tauwerk bezieht. Das letzte Kommando z.&nbsp;B. beim Wenden war
+früher nicht &#8222;Klar Deck&#8223;, sondern &#8222;Scheert auf die Taue&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Aufscheeren
+bedeutet auch so viel wie aufkommen, ein anderes Schiff einholen, ihm
+längsseit kommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufschiessen</span>, im Hochdeutschen im Sinne der Seemannschaft nicht
+gebräuchlich, kommt vom althochdeutschen sciozan, fortschnellend
+bewegen. Eine solche Bewegung machen die Matrosen, wenn sie bei &#8222;Klar
+Deck&#8223; das laufende Gut aufklaren,<a id="Page_26"></a>
+ <span class="pagenum">[26]</span> aufscheeren oder aufschießen.
+Man unterscheidet: mit der Sonne, gegen die Sonne, segelklar, in
+Scheiben, in Buchten aufschießen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufpentern.</span> Das was jetzt Krahnbalken heißt (und auf Kriegsschiffen auch
+bereits &#8222;im Verschwinden gepeilt&#8223; wird) hieß früher Penterbalken: der
+vorn am Schiffe außenbords quer abstehende Balken an dem der Anker frei
+auf und nieder hängen kann. Das Substantivum Penterbalken ist veraltet,
+aber das Zeitwort aufpentern ist geblieben: den am Penterbalken oder
+vielmehr Krahnbalken hängenden, aufgekatteten (s. katten) Anker mit dem
+Penterhaken fassen und mit der Pentertalje an das Schiff heranholen und
+festmachen. Mittelniederdeutsch pin, niederländisch penn, ostfriesisch
+penne, niederdeutsch penn heißt Pinne (s. d.), Pflock, Zapfen zum
+Festhalten, zum Festmachen. Davon dürfte das Zeitwort, das ja festmachen
+bedeutet, weitergebildet sein. Das t ist das ostfriesische Einschiebe-t
+vor n in Diminutivformen; so wie aus Anna Antje, so wird aus penn pentje
+gemacht und davon pentjern, pentern gebildet sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufschricken</span>, s. schricken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aufstoppen</span>, s. stoppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auftakeln.</span> Mit der Takelage (s. d.) versehen, ein Schiff seemännisch
+zurüsten. Auch in übertragenem Sinne: aufputzen, nicht nur im Munde der
+Seeleute, Immermann im &#8222;Münchhausen&#8223; spricht von einem &#8222;ganz blümerant
+aufgetakelten&#8223; Fräulein. Man erzählt sich einen Scherz, der von keiner
+geringeren Stelle als von der allerhöchsten stammen soll. &#8222;Warum ist im
+Englischen Schiff stets weiblich und auch im Deutschen ein männlicher
+Schiffsname weiblich gebraucht (&#8222;die Moltke&#8223;)?&#8223; &#8222;Weil es so viel kostet
+es aufzutakeln&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auftun.</span> &#8222;Die Küste tut sich auf&#8223; heißt sie kommt in Sicht, bildlich
+gesprochen wegen des allmählichen Höherkommens, Heraufkommens des
+angesteuerten Landes; wohl auch im Gedanken daran, daß sich irgendwo
+eine vorerst dem Auge noch nicht sichtbare Einfahrt öffnen, auftun wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auftoppen</span>, s. toppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auftuchen</span>, ein Tuch, Kleid (s. d.), Segel, einen Teppich, eine Flagge
+zusammenlegen, zusammenrollen. Wenn eine Flagge kunstgerecht
+&#8222;aufgetucht&#8223; ist, so kann sie aufgetucht vorgehißt werden, um erst auf
+ein gegebenes Kommando alsbald ausgerissen zu werden und sofort
+auszuwehen.<a id="Page_27"></a>
+ <span class="pagenum">[27]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Aufziehen.</span> &#8222;Segel aufziehen&#8223; ist in der heutigen Seemannssprache nicht
+mehr geläufig, man sagt dafür Segel setzen, aufholen, hissen etc. etc.,
+es scheint aber früher eine sehr gangbare Redewendung gewesen zu sein,
+da dieselbe in übertragenem Sinne im Neuhochdeutschen weit verbreitet
+ist: &#8222;Alle Segel aufziehen&#8223; um etwas zu erreichen, alle Minen springen
+lassen, etwas mit allem Eifer und allen Mitteln betreiben; neuerdings:
+etwas mit &#8222;Volldampf&#8223; betreiben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auge</span>, das. Jede in ein Tau gemachte künstliche Schlinge, auch eine runde
+Öffnung in einem Handwerkszeug, im Ankerschaft, in einem Bolzen, daher
+Augbolzen; eines Stags Auge ist der Teil des Stags der um den Top des
+Mastes liegt. Immer ist die Erklärung aus der bildlichen Redeweise
+gegeben. Auch sonst gebräuchlich, wo irgend etwas nur von Ferne einem
+Auge ähnlich sieht: Fettauge, Pfauenauge, Punkt auf dem Würfel, Loch im
+Hammer für den Stiel. Ochsenauge hat eine doppelte Bedeutung;
+seemännisch bezeichnet es eine kleine, runde Fensteröffnung;
+gastronomisch das was man gewöhnlich Spiegeleier nennt. &nbsp;&mdash;&nbsp;Augplatte und
+Augsplissung erklären sich hiernach von selbst.</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Aus dem Ruder laufen&#8223;</span> ist eine in engem Fahrwasser, in Kanälen und
+Flußläufen sehr gefährliche, in ihren Ursachen noch kaum ganz
+aufgeklärte Erscheinung. Sie zeigt sich (nach Dick und Kretschmer,
+Handbuch der Seemannschaft) sowohl bei Schraubendampfern als auch bei
+Raddampfern und Schleppzügen und charakterisiert sich dadurch, daß ein
+seitlich der tiefen Fahrrinne fahrendes Schiff plötzlich scharf nach der
+tieferen Seite des Fahrwassers hinüberscheert und in dieser Bewegung
+auch durch Ruderlegen hartgegenan nicht oder wenigstens nicht sofort
+aufgehalten werden kann. Fällt in diesem Fall nicht sofort ein Anker
+oder kann man der Drehbewegung nicht sofort durch verschiedenen
+Schraubengang wirksam entgegentreten, so läuft das Schiff in der Regel
+auf dem gegenüber liegenden Ufer auf. Auch können unter solchen
+Umständen leicht Kollisionen stattfinden.</p>
+
+<p><span class="strong1">ausfahren.</span> 1. = ausreisen, das Schiff ist auf der Ausfahrt, gleich
+Ausreise, ein Gegensatz zu Heimreise.</p>
+
+<p>2. transitiv: eine Leine, eine Trosse ausfahren, deren eines Ende an
+Bord des Schiffes bleibt. Das andere Ende wird in einem Boot an irgend
+eine Stelle gefahren um es da an einer Boje, einem Poller, einem Spill
+festzumachen. Wird dasselbe<a id="Page_28"></a>
+ <span class="pagenum">[28]</span> dann weiter an einem andern Poller
+festgemacht, so heißt diese Tätigkeit verholen. Über das Verholen eines
+Schiffes s. verholen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ausfracht</span>, s. Fracht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ausguck</span>, der, nicht bloß seemännisch sondern auch sonst im Reich
+gebraucht für den Ort, von wo aus einer Ausschau hält, für die Tätigkeit
+des Ausguckens und für den Mann der ausguckt, (letzteres ähnlich wie der
+Posten, die Schildwache, das Frauenzimmer, der Hof gebraucht). Doch ist
+das Ausgucken nicht auf den Ausguck beschränkt, &#8222;sie hat sich schier die
+Augen ausgeguckt nach ihrem Liebsten.&#8223; Die &#8222;Gucke&#8223; heißt in
+Süddeutschland das Tuch, das die Mädchen und Frauen bei Feldarbeit so
+weit über den Kopf gezogen haben, daß sie nur eben noch herausgucken
+können. Der Ort hieß in alten Zeiten Wart oder Luginsland, welch
+letzteres Wort heute noch als Ortsbezeichnung vorkommt (Worms).
+Niederdeutsch Kieken, s. Kieker. Im Allemannischen heißt gucken lugen
+und in der österreichischen Marine dementsprechend der Ausguck Auslugg,
+(s. Dabovich, nautisch. techn. Wörterbuch).</p>
+
+<p><span class="strong1">Ausholer</span>, der, ist ein laufendes Tau das etwas ausholt, oder vielmehr
+mit dem etwas ausgeholt wird. Ein Gaffelsegel wird mit dem Ausholer so
+geholt, daß es sich bis zur Nock der Gaffel oder bis zur Nock des
+Besansbaums ausdehnt, ausbreitet, ausspannt. Auch der Klüver hat seinen
+Ausholer, das Gegenteil des Klüverniederholers. Sogar der Klüverbaum
+kann einen Ausholer haben, durch den er nach außen geschoben wird; hier
+vertritt dann der Ausholer die Stelle dessen, was bei den Stängen
+Windreep heißt.</p>
+
+<p><span class="strong1">ausklarieren</span>, s. verklaren und klar.</p>
+
+<p><span class="strong1">auslegen.</span> Auf das Kommando &#8222;leg aus!&#8223; laufen die vorher aufgeenterten
+und bereit stehenden Matrosen nach Steuerbord und nach Backbord auf die
+Rahe hinaus und legen sich da mit dem Leibe auf die Rahe, die Füße in
+die Pferde (s. d.) stellend, den Rücken nach hinten, den Kopf und den
+Oberkörper nach vorn geneigt um, auch ohne sich mit den Händen
+festzuhalten, das Gleichgewicht zu behalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ausleger</span> heißt ein bewegliches Bugspriet oder ein beweglicher Besan zum
+Ein- und Ausholen; auf Wangerog utliger.</p>
+
+<p><span class="strong1">Auslieger.</span> 1. ein Schiff das &#8222;draußen&#8223; liegt oder fährt als
+Küstenwachtschiff.<a id="Page_29"></a>
+ <span class="pagenum">[29]</span></p>
+
+<p>2. die eigenartige Vorrichtung der Südseeinsulaner bei ihren Booten, die
+sich gleichsam als ein zweites, kleineres Boot neben dem Hauptboot
+darstellt, mit ihm fest verbunden zur Verhütung des Kenterns. Durch
+zahlreiche aus der Südsee mitgebrachte, von dortigen Fischern
+verfertigte Modelle ist diese sinnreiche Einrichtung bei uns bekannt
+geworden.</p>
+
+<p><span class="strong1">auslothen</span> s. lothen.</p>
+
+<p><span class="strong1">ausösen</span> s. ösen.</p>
+
+<p><span class="strong1">ausscheiden</span>, aufhören mit einer Arbeit, aufhören zu reden
+ u.&nbsp;s.&nbsp;w., ein
+sonst im Deutschen in diesem Sinne ungewöhnliches Wort. Man sagt wohl
+&#8222;aus einer Gesellschaft oder einem Verein ausscheiden&#8223;, &#8222;einen Fall aus
+der Verhandlung ausscheiden&#8223; u.&nbsp;s.&nbsp;w. &#8222;Ausscheiden mit Zeugflicken&#8223;,
+&#8222;ausscheiden mit Deckwaschen&#8223;, &#8222;ausscheiden mit Unterricht&#8223; u.&nbsp;s.&nbsp;w. im
+Sinne von aufhören ist aus dem Niederdeutschen in die Seemannssprache
+gekommen, und zwar nicht in dem Sinn, daß etwa ein Einzelner aus der
+Reihe der Zeugflickenden ausscheiden solle, sondern daß das ganze
+Zeugflicken ein Ende zu nehmen habe. Doch ist auch hier der Begriff
+<span class="strong1">trennen</span> der ausschlaggebende: wenn die Leute sich vom Deckwaschen
+trennen, so bedeutet das eben das Aufhören des Deckwaschens. Vergl.
+<span class="strong1">scheitern</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">ausscheeren</span> s. scheeren.</p>
+
+<p><span class="strong1">aussegeln.</span> 1. in See gehen.</p>
+
+<p>2. ein Schiff aussegeln heißt schneller fahren als es, es ein- und
+überholen (also mehr wie ihm &#8222;aufkommen&#8223;). Man kann auch den Wind
+aussegeln, das müßte aber eigentlich ausdampfen heißen, denn es wird
+gesagt wenn der Wind von hinten kommt und das Schiff unter Dampf so viel
+Fahrt macht, daß der Wind nicht zu spüren ist, weil man vor ihm
+herläuft.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aussenhaupt</span> s. Schleuse.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aussenschot</span> s. Schot.</p>
+
+<p><span class="strong1">auswehen</span> s. auftuchen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Aviso</span>, der, engl. advice-boat, franz. barque d'avis, ital. barca
+d'avviso, span. und portug. yaque de aviso. Vom lat. visum gesehen,
+altital. viso, provençalisch, altfranz. vis, Gutachten, Nachricht,
+Anzeige; also ein Nachrichtenschiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Axiometer</span>, der. Eine Vorrichtung aus der am Standorte des Kapitäns oder
+wachhabenden Offiziers, ohne daß das Ruder sichtbar ist, doch ersehen
+werden kann, wie dasselbe liegt,<a id="Page_30"></a>
+ <span class="pagenum">[30]</span> d.&nbsp;h. ob es <span class="strong1">richtig</span> liegt, vom
+griech. axioo, ich halte für wahr, für richtig.</p>
+
+<p><span class="strong1">Azimuth</span>, der. Der Bogen des Horizontes, welcher zwischen dem
+Mittagspunkt und dem Scheitelkreise des Sterns enthalten ist; arabisch
+as-semuta, die Wege.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="B"></a>B.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Baas</span>, der. Seemännisch wird das Wort hauptsächlich in der Verbindung
+Heuerbaas gebraucht, den Mann zu bezeichnen, der es als Geschäft
+betreibt, unbeschäftigten Matrosen eine Heuer zu vermitteln. Auch
+Schlafbaas kommt im seemännischen Sprachgebrauch vor für Quartiergeber
+oder Logiswirt. Sonst wird das Wort Baas gebraucht um das zu bezeichnen,
+was man im Hochdeutschen einen &#8222;Kerl&#8223; nennt. Althochdeutsch faths, Herr,
+Vorgesetzter; sanscr. patir, Herr; indogermanische Wurzel pa, schützen,
+erhalten, wovon unser &#8222;Vater&#8223;. Insbesondere hat das Wort jetzt den Sinn
+&#8222;Meister&#8223;, Handwerksmeister. In Westfalen: akesbas = Flußschiffer,
+Bootsmann. Bei Kilianus heißt das Wort baes, er sagt: &#8222;Sicambri regem
+suum Basan sive Basanum solent appellare, anno ut scribit Tritemius,
+ante Christum natum 284.&#8223; Dieffenbach: &#8222;mittellat. vassus = Diener;
+daher vasallus, vasletus, valetus = valet, kymr, gwas = Knabe, Diener;
+Breizonnek: gwaz = Mann. Gaedhelisch: uasal = elevé, excellent. Daher
+basus = Hauptmann, Krieger, Ritter im Capitol. Carol.</p>
+
+<p><span class="strong1">Back</span>, die. 1. Der vorderste, erhöhte Teil des Schiffes.</p>
+
+<p>2. Ein Gefäß, rund, flach, aus hölzernen Dauben, von hölzernen oder
+eisernen Reifen zusammengehalten, mulden- oder kummenartig aussehend;
+als Eßback, Spülback, Speiback im seemännischen Gebrauch; sonst auch
+noch Regenback, Wasserback.</p>
+
+<p>3. Adverbium. &#8222;Das Segel steht back&#8223;, d.&nbsp;h. der Wind füllt es von der
+verkehrten Seite, von vorn anstatt von hinten.</p>
+
+<p>4. Backbord, die linke Seite des Schiffes von hinten aus gesehen und
+gerechnet, und zwar die ganze linke Seite von hinten bis ganze vorne,
+nicht etwa nur wie Weigand zuerst fälschlich gemeint hat, &#8222;die linke
+hintere Seite des Schiffes.&#8223; So genau der<a id="Page_31"></a>
+ <span class="pagenum">[31]</span> treffliche Mann in
+seiner geliebten Wetterau Bescheid wußte, so fern lag ihm die See. Lebte
+er doch in einer Zeit, in der eine Denkschrift über eine zu gründende
+preussische Kriegsflotte die denkwürdigen Worte gelassen aussprechen
+konnte: &#8222;Da das Wasser bekanntlich nicht unser Element ist.&#8223; ... Es ist
+auch leicht zu verstehen und demgemäß zu verzeihen, daß dieser Irrtum
+entstanden ist. Offenbar hatte ein Kundiger ganz richtig gesagt:
+&#8222;Backbord ist die linke Seite von hinten gesehen&#8223; und daraus konnte ein
+Fernstehender leicht &#8222;linke hintere Seite&#8223; machen.</p>
+
+<p>5. Backschaft, die Genossenschaft derer die zu einer Back, zu einer
+Eßback natürlich, gehören; besonders heißt aber auch noch Backschaft
+derjenige, welcher in der Back das Essen aus der Kambüse herbeischafft.</p>
+
+<p>6. Backstag. Ein Stag das nicht wie die andern abwärts, sondern
+rückwärts, backwärts läuft. Daher: Backstagsbrise, ein Wind der fürs
+Segeln der allergünstigste ist. Er weht in der Richtung des Backstags,
+also etwa in einem Winkel von 45° die Längsachse des Schiffes treffend.</p>
+
+<p>Es liegt dieser ganzen Sippe eine Wurzel zu Grunde, die bewegen
+bedeutet, und zwar &#8222;sich biegend, krümmend bewegen.&#8223; Die gemeinsame
+Bedeutung der genannten sechs Wörter ist also: etwas Gebogenes,
+Gekrümmtes, Rundliches, Rundes. Es liegt auf der Hand, daß hieraus sich
+ein sehr reichhaltiger Wortschatz entwickeln mußte. Nach Dieffenbach
+kommt daher das kymrische bach, gälisch bac = Haken. Nach Kluge kommt
+das Wort Bauch von einer Wurzel biegen, (allerdings wohl kaum als
+&#8222;biegsame Stelle&#8223;, sondern eher als &#8222;gebogene&#8223;, runde Stelle). Im
+Niederdeutschen heißt Back der (gekrümmte, gebogene) Rücken. Von der
+Rundung dürfte auch althochdeutsch bacho, altfranzösisch bacon, englisch
+bacon, Speckseite, Schinken kommen, (entsprechend Bache das (weibliche)
+wilde Schwein). Daß Backe noch das ganze Mittelalter hindurch auch in
+Deutschland Schinken bedeutete, erhellt aus der reizenden Geschichte,
+die Simrock, Mythologie, 6. Aufl. S. 333 von dem Backen am roten Turm zu
+Wien erzählt. In einer Urkunde des Königs Jaroslav Jaroslawitsch von
+Nowgorod (Nogarden) vom Jahre 1269 wird gesagt, daß der lodienman, der
+Mann der die lodie, das Leichterfahrzeug, führt, für eine Fahrt die Newa
+auf und ab &#8222;enen baken&#8223; zur Beköstigung haben solle. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+Angelsächsischen finden wir die<a id="Page_32"></a>
+ <span class="pagenum">[32]</span> Form bäc = dorsum und bäcling =
+retrorsum. In der Edda bedeutet bakfall das Rückwärtsfallen, die
+Rückwärtsbewegung des Oberkörpers beim angestrengten Rudern. Im
+Einzelnen ist zu den genannten sechs Wörtern zu bemerken:</p>
+
+<p>Zu 1. Die Bezeichnung Back für den vordersten Teil des Schiffes ist
+vielleicht von dem niederdeutschen bek = Schnabel beeinflußt, wegen der
+Nähe des Schiffsschnabels, des rostrums; doch genügt zur Erklärung ein
+Hinweis auf die da vorne besonders starke Biegung (s. Bug) des Schiffes.
+Die Wurzel bleibt überall dieselbe. Auf und unter der Back vor dem
+Fockmast ist die eigentliche Heimat des Kriegsschiffsmatrosen; hier
+fühlt er sich frei, hier darf er sich gehen lassen; &#8222;hier bin ich
+Mensch, hier darf ichs sein&#8223;, wenigstens in der Freizeit.</p>
+
+<p>Zu 2. &#8222;Zehn Minuten vor acht Glas, Zeit zu Backen und Banken&#8223;, soll, als
+seiner Zeit der neue Chef der Admiralität General von Caprivi zum ersten
+Male an Bord eines Kriegsschiffes war, ihm gemeldet worden sein, und er
+soll diese Meldung mit einem liebenswürdigen Lächeln des
+Unverständnisses entgegengenommen haben. &#8222;Backen und Banken&#8223; ist das
+Kommando, daß man am Kürzesten mit &#8222;Tischdecken und Auftragen&#8223;
+übersetzen könnte, wenn der Tisch für die Mannschaften an Bord überhaupt
+gedeckt würde. Es bedeutet, daß die (Tische und) Bänke, die bis dahin
+der Raumersparnis wegen zusammengeklappt an der Decke befestigt waren,
+heruntergenommen, aufgeklappt und aufgestellt werden sollen und daß die
+&#8222;Backschaft&#8223; mit der &#8222;Back&#8223; zur Kambüse gehn und das Essen holen soll.
+In früheren Zeiten gab es keine Tische, da mußten sich die Leute so gut
+sie konnten zum Essen um ihre &#8222;Back&#8223; gruppieren. Als die Tische
+aufkamen, war der Seemann so an seine Back gewöhnt, daß er diesen Namen
+ohne Weiteres auf den Tisch übertragen hat. So nennt man ja auch, durch
+einen ähnlichen Vorgang bewogen, die viereckigen Stücke Glas in unsern
+Fenstern Scheiben, wiewohl eine Scheibe doch eigentlich etwas Rundes
+bedeutet. Back heißt nun sowohl das runde Gefäß als auch der viereckige
+Tisch auf dem es steht. Halbertsma in seinem Lexicon Friesicum übersetzt
+das eine Mal ganz richtig bak mit &#8222;alveus, linter in qua coquus cibum
+nautis offert&#8223;, und das andere Mal übersetzt er das Kommando: &#8222;Kom oan'e
+bak&#8223; mit: &#8222;accedite ad mensam!&#8223; Auch sonst wohl wird im Holländischen in
+Anlehnung an die<a id="Page_33"></a>
+ <span class="pagenum">[33]</span> Seemannssprache bak für Tisch gebraucht. &#8222;Van de
+bak noa't gemak is's menschen gerak.&#8223; (Bedarf, Bedürfnis, Notdurft sagt
+man im Groningen'schen.) Doch wußte man wenigstens vor zweihundert
+Jahren daselbst noch genau, was eigentlich eine Back ist, denn da ist es
+französisch mit plat wiedergegeben und Backsgesellen sind, &#8222;ceux qui
+mangent à même plat&#8223;, und zwar natürlich plat de bois. Zu dem Kommando
+&#8222;Banken&#8223; ist übrigens die Verwandtschaft des Wortes in den romanischen
+Sprachen zu vergleichen. Bank heißt italienisch, spanisch und
+portugiesisch banco, bedeutet aber heute nicht mehr bloß Bank, sondern
+auch Tisch, Wechslertisch; daher Bank im Sinne von Geldinstitut, Bankier
+und Bankrott, letzteres von der dem Zahlungsunfähigen öffentlich entzwei
+gebrochenen Bank. Der Ursprung, ebenso wie vom französischen banc, ist
+deutsch. Abgeleitet ist italienisch banchetto, Bänkchen und Gasterei,
+banchett are Gasterei halten, bankettieren, ursprünglich &#8222;Bänke zum
+Gelage zurüsten&#8223;; mittelhochdeutsch benken: &#8222;Hie ward gebenket schone,
+tuoch unde brot uf geleit.&#8223;</p>
+
+<p>Zu 3. Wenn der Wind von vorn in ein Segel weht, was übrigens nicht immer
+auf Unachtsamkeit, sondern dann stets mit Absicht herbeigeführt wird,
+wenn das segelnde Schiff seine Fahrt mindern und still liegen will, ohne
+daß es Segel birgt und ankert, so sind sie vom Winde nach rückwärts
+gerundet, und der Rücken heißt, wie gesagt, niederdeutsch bak.</p>
+
+<p>Zu 4. Backbord ist ein sehr wichtiges und viel gebrauchtes Wort,
+namentlich darum weil das ganze Schiff nach seiner Längsrichtung in zwei
+große Hälften eingeteilt wird, die mit Steuerbord und Backbord
+bezeichnet werden, und weil alles an und auf dem Schiffe was sich
+doppelt, auf der einen und auf der anderen Seite, findet nach Steuerbord
+oder nach Backbord unterschieden wird: Steuerbord-Bordwand,
+Backbord-Bordwand; Steuerbord-Anker, Backbord-Anker; Steuerbord-Kutter,
+Backbord-Kutter; Steuerbord-Nock, Backbord-Nock; ja sogar
+Steuerbord-Wache und Backbord-Wache mit entsprechenden Abzeichen auf der
+rechten oder linken Schulter. Und dann das wichtige Kommando für den
+Mann am Ruder: &#8222;Backbord!&#8223; Wir müssen daher fragen, was das Wort
+bedeutet und wie es aufgekommen ist.</p>
+
+<p>Ein holländischer Sprachforscher hat behauptet: &#8222;De stuurman heeft de
+roerpen aan de regterzyde en, derwaarts gekeert,<a id="Page_34"></a>
+ <span class="pagenum">[34]</span> heeft hy dus hes
+linkerboord achter den rug, vandaar stuur = en bakboord.&#8223; Darauf
+antwortet aber ein anderer treffend: &#8222;Neen, de sturman heft de roerpen,
+nu aan de regter- dan aan de linkerzyde, al naar dat de wind van dezen
+of genen kant invalt, en bakboord blyft niet te min onverandert bakboord
+en gevolgelyk ook stuurboord, stuurboord.&#8223; So weit ist das richtig. Aber
+im Weiteren irrt auch er. &#8222;Volgens eene vry algemeene overlevering is de
+vorsprong van de spreekwyse stuurboord en bakbord de volgende. De
+stuurlieden hadden vorheen hun verblyf in hutten, aan de regterzyde van
+het schip; de matroozen daarentegen in bakken (om by bepalde getale te
+schaften) afgedeeld aan de linkerzyde, en van daar stuur- en bakboord.&#8223;
+Ein dritter aber stellte sich die Sache so vor: &#8222;Een stuurman met de
+regterhand aan het roer, en ter linkerzyde den schaftbak, om onder de
+hand te kunnen eten.&#8223; Man braucht sich das Bild nur auszumalen um die
+Erklärung immer abenteuerlicher zu finden. Auch die Unterscheidung
+zwischen Steuerleuten und Matrosen ist willkürlich und die Behauptung,
+jene hätten in Hütten an Steuerbord, diese hätten ohne Hütten in
+Backschaften abgeteilt an Backbord logiert, ist völlig unhaltbar; als ob
+die Steuerleute nicht auch in Backschaften abgeteilt gewesen wären! Nein
+&nbsp;&mdash;&nbsp;, sondern wer einmal ein altes Vikingerfahrzeug sich angesehen und mit
+einiger Aufmerksamkeit auf dem Boden des Museums Vaterländischer
+Altertümer in Kiel geweilt hat, dem kann die Entstehung des Ausdruckes
+nicht mehr zweifelhaft sein. Der Steuermann saß in alten Tagen hinten im
+Boot rechts und steuerte mit einem pagaienartigen Riemen, den er in
+beiden Händen hielt, also daß beide Arme über das Dollbord hinausragten.
+Dabei mußte sich der Leib, &nbsp;&mdash;&nbsp; nicht der Kopf, denn der war mit dem
+Gesicht auf den Bug gerichtet, &nbsp;&mdash;&nbsp; ganz dem Bord, über den gesteuert
+ward, zudrehen und demgemäß war der Back, der Rücken des Steuernden, dem
+entgegengesetzten Bord zugewandt. Bei dieser Erklärung kommt auch die
+zweite Silbe in Backbord zu ihrem Rechte; der Steurer war ja fest an die
+Bordwand angelehnt.</p>
+
+<p>Zuerst kommt das Wort in der Form bacbort, backbort im Seebuch (1400)
+vor. &#8222;Unde sal so insegelen, dat he twedeel van dem watere schal hebben
+an backbort van eme&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der 1475 in Cleve erschienene &#8222;Teuthonista&#8223; hat
+nur bak im Sinne von Gefäß, capisterium, &#8222;eyn muede oder eyn trog, do
+die pherde<a id="Page_35"></a>
+ <span class="pagenum">[35]</span> *uss essent.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Cornelius Kilianus Duffläus im
+Dictionarium teutonico-latinum von 1548 hat backbord zwar, gibt aber
+eine kindliche Erklärung: &#8222;navigii sinistra pars, pars navigii quae
+furnum et focum continet&#8223;, also am Backbord sei der Backofen und der
+Herd gewesen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nicht unbemerkt soll bleiben, daß eine alte pommersche
+Übersetzung des 23. Psalms den fünften Vers (Luther: &#8222;Du schenkest mir
+voll ein&#8223;) wiedergibt mit: &#8222;Du givst mi een ganz bak vul.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Backen und Füllen</span>, ist ein seemännisches Manöver, das zwar in unserer
+Zeit des Dampfes und der Schleppdampfer nicht oft mehr gemacht wird, das
+aber doch dem Kapitän oder Lootsen, der es versteht, großen Nutzen
+bringt, indem er sich durch Backen und Füllen seiner Segel durch einen
+Revier oder ein sonstiges enges und gekrümmtes Fahrwasser
+hindurchbringen kann, vorausgesetzt, daß er die Gezeiten, die
+Wassertiefe, die Stromkabbelungen u.&nbsp;s.&nbsp;w. genau kennt. Es besteht
+darin, daß man die Segel abwechselnd &#8222;back&#8223; (s. d.) kommen läßt und dann
+wieder so braßt, daß sie voll Wind werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Backstag</span>, das, ist beim Klüverbaum das, was bei den Untermasten die
+Wanttaue sind, dient also dazu, dem Klüverbaum nach den Seiten zu
+Festigkeit zu geben. Es fährt vom Kopfe des Klüverbaums nach beiden
+Seiten durch die Nocken der blinden Rahe nach dem Vorschiff, wo es
+befestigt wird. Da Klüverbaum und Rahe einen rechten Winkel bilden, so
+sind sie die beiden Katheten des rechtwinkligen Dreiecks und das
+Backstag ist die entsprechende Hypotenuse, die in einer Richtung
+verläuft, die auch da, wo sie mit dem Backstag garnichts zu tun hat,
+doch &#8222;<span class="strong1">backstags</span>&#8223; genannt wird, z.&nbsp;B. sagt man: &#8222;es weht eine
+<span class="strong1">Backstagsbrise</span>&#8223; d.&nbsp;h., der Wind kommt in derselben Richtung auf die
+Segel zu, wie das Backstag von der Nock der blinden Rahe auf den Kopf
+des Klüverbaumes; also in der vorteilhaftesten, die es zum Segeln geben
+kann.</p>
+
+<p><span class="strong1">Badegast</span>, der. So werden diejenigen Mitglieder der Offiziersmesse
+genannt, welche weder Seeleute noch Kombattanten sind: Ärzte, Auditeure,
+Pfarrer, Zahlmeister etc. Wie kam man dazu, ihnen diesen Namen
+beizulegen? Es ist vermutet worden, weil sie ein bequemes, bademäßiges
+Leben führen. Es mag ja sein, daß wohl ein Offizier, der nachts auf die
+stürmische Wache muß,<a id="Page_36"></a>
+ <span class="pagenum">[36]</span> denkt und sagt: ja, diese Herren, die haben
+es gut, die brauchen nicht vier Stunden auf der Kommandobrücke zu
+stehn, die führen das reine Badeleben. Aber der Ursprung des Wortes ist
+doch ein ganz anderer. Das Wort hieß früher nicht Badegast, sondern
+Badequast, und dieses diente als Bezeichnung von Leuten, die nicht gern
+kämpfen wollten, und von diesen ist es übertragen auf solche, die
+überhaupt zu kämpfen nicht bestimmt und berufen sind.</p>
+
+<p>Das Wort muß sprachlich und geschichtlich erklärt werden.</p>
+
+<p>Sprachlich. Ein Badequast war im ganzen Mittelalter ein kleiner Quast
+oder Besen, eine Art Rute, aus Birken- oder anderen Zweigen gebunden,
+wie man sie zu mehrfachen Zwecken beim Baden gebrauchte. Einmal vertrat
+solch ein Quast in Ermangelung von Badehosen diese durch Bedeckung der
+Blöße. Aber der Hauptzweck war ein gesundheitlicher. Man rieb, scheuerte
+oder peitschte sich mit dem kleinen Besen die Haut zur Reinigung und
+Anregung ihrer Tätigkeit. Diese Tätigkeit nannte man quästen oder
+questen. Gustav Freitag erzählt eine Geschichte aus der Selbstbiographie
+des 1520 geborenen Stralsunder Bürgermeisters Bartholomäus Sastrow. Der
+hatte in seiner Jugend einmal gegen das Verbot seines Vaters gebadet. Da
+sprach dieser: &#8222;Habt ihr gebadet, so muß ich euch <span class="strong1">quästen</span>;&#8223; dabei
+ergriff er die Rute, warf dem Söhnlein die Kleider über den Kopf und
+lohnte ihm nach Verdienst. &nbsp;&mdash;&nbsp; Althochdeutsch questa, mittelhochdeutsch
+queste, Büschel von Reisig, Laubbüschel, Wedel zum Fegen und Kehren,
+also unser heutiges &#8222;Besen&#8223;; badequeste, badekoste, Badewedel,
+Badeschürze. Die das &#8222;Questen&#8223; besorgende Bademagd, die auch riberin,
+die Reiberin, hieß, war nicht immer die allertugendhafteste, so daß das
+Wort bald einen zweideutigen Sinn erhielt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Questenbinder =
+Besenbinder. Irrtümlicherweise wird das Wort Quast heutzutage sogar für
+Kranz gebraucht, vergl. was Jakob Grimm nach Otmars Volkssagen von einem
+alten Gebrauche in dem besenbindenden Dorfe Questenberg am Harz erzählt.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Bei Reuter kommt die Bezeichnung Questen für Tannenzweige vor.
+Teuthonista: qwast, wyqwast, Weihwedel; er gebraucht qwesten geradezu
+für balneare. Kilianus: quast = quispel, borstel, Kleerborstel,
+Kleiderbürste. Edda: Kvistr, Zweig; nordfriesisch quest, Ast, Zweig.
+Dänisch Kost, Laubbüschel; schwedisch quast, Besen, Wedel. Bremisches
+Wörterbuch: heid-queste, abgestumpfter Besen von Heidekraut zum
+Scheuern. Quast heißt heutzutage in<a id="Page_37"></a>
+ <span class="pagenum">[37]</span> der Seemannssprache jedweder
+Pinsel, insonderheit spricht man von einem Theerquast, welches Wort
+aber auch am Lande seit unvordenklicher Zeit in Niederdeutschland in
+Gebrauch ist. Bei Riepe in Ostfriesland liegt ein Stück Land das
+Theerquast heißt, weil der frühere Besitzer seinem Ortsgeistlichen mit
+dem Theerquast ins Gesicht geschlagen hat und für diesen Frevel das
+Stück Land zur Strafe hergeben mußte.</p>
+
+<p>Geschichtlich. Das Wort ist ursprünglich ein Schimpfwort gewesen; es lag
+der Vorwurf des Verrates und der Feigheit darin. Und zwar finden wir in
+zahlreichen Urkunden, daß besonders die Lübecker mit diesem Worte
+verhöhnt wurden. Hernach erst hat Badequast im Allgemeinen die Bedeutung
+eines furchtsamen Menschen empfangen. Wie das gekommen sein mag, ahnen
+wir, wenn wir an den doppelten Sinn des Wortes &#8222;Waschlappen&#8223; denken,
+welches ja sowohl in der eigentlichen als auch in der übertragenen
+Bedeutung an beide Bedeutungen von Badegast, Badequast erinnert. Die
+Lübecker sind aber bei einer ganz bestimmten geschichtlichen
+Veranlassung zu dem Schimpfnamen Badequast gekommen. Im Jahre 1427
+hatten sich die Hamburger und Lübecker verabredet, daß ihre Schiffe sich
+zum Kampfe wider die Dänen im Belt versammeln sollten. Es war ein
+bestimmter Tag und eine bestimmte Stunde dazu festgesetzt worden. Damit
+nun die befreundeten Hamburger und Lübecker sich auch im Gewühl einer zu
+erwartenden Seeschlacht als Freunde erkennen könnten, verabredeten sie
+ein gemeinschaftliches Erkennungszeichen. Dieses war ein &#8222;achter up de
+compannien&#8223; steckender <span class="strong1">Badequast</span>, also ein Besen, wie sie ja auch zur
+Bezeichnung des Fahrwassers an den Küsten ausgesteckt werden. &nbsp;&mdash;&nbsp; Aber
+die Hamburger erschienen eher auf dem Sammelplatz als die Lübecker. Und
+da die Dänen bereits zur Stelle waren, ging der Tanz alsbald los, da
+diese keine Veranlassung hatten, erst noch auf die Lübecker zu warten.
+Als es zwischen Dänen und Hamburgern bereits heiß herging, erschienen
+endlich auch die Lübecker. Als sie aber sahen, wie die Sache stand,
+dachten sie: weit davon ist gut vor dem Schuß, und machten, anstatt
+tapfer in den Kampf mit einzugreifen, daß sie wieder in ihre Trave
+kamen; &#8222;do se auerst segen, dat de sake so stunt, <span class="strong1">steken se den
+badequast hynder</span> und leden dragen na der Trauen; und worden de Hamborger
+gefangen und ore schepe genamen.&#8223; Wer will es ihnen da verdenken, daß
+sie auf die Lübecker wütend<a id="Page_38"></a>
+ <span class="pagenum">[38]</span> waren, und sie nicht grade sehr
+liebenswürdig und schmeichelhaft an jene Badequäste erinnerten? Und
+obwohl bald darauf, 1431, die Lübecker durch die Einnahme von Flensburg
+jene Scharte glänzend wieder auswetzten, so ist doch ein solcher Beiname
+leichter erworben als wieder in Vergessenheit gebracht. Noch im Jahre
+1511 &#8222;stupede ein schipper vom Amsterdam to Ryga den arent (Adler), dat
+lubsche wapent, mit roden.&#8223; &#8222;Ein anderer schipper kerede den lubschen
+arent umb, dat hovet neden, de voete baven, und bestak sin schip mit
+questen vom mey (Maien, Birkenreisern) gemaket den Lübschen tho hone
+undt tho spotte.&#8223;</p>
+
+<p>Also Badequast ist ein Schimpfwort gewesen für einen, der sich um die
+aktive Teilnahme an einer Seeschlacht drückte, oder überhaupt an einer
+Schlacht. In einem alten Spottverse heißt es:</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p>Vord an bist ein wundderlich gast,</p>
+ <p> Du sleist hinder na mit Philippes badequast,</p>
+ <p>Nener logen deistu di schemen,</p>
+ <p>Du segst, do id scholde an ein drepend gan</p>
+ <p>Do fund man de heren hinder dem busche stan,</p>
+ <p> Dat mag di wol hebben gedromed.</p>
+
+</div>
+
+<p>In einem anderen:</p>
+
+
+<div class="poem">
+
+ <p> Ok Bokelen fast</p>
+ <p> Du den badequast</p>
+ <p>Nu forest in dinem schilde,</p>
+ <p> Dar na bestan</p>
+ <p> Du woldest han</p>
+ <p>Den vor Marien bilde.</p>
+
+</div>
+
+<p>Von hier bis zu Leuten, deren Beruf die Führung der Waffen überhaupt
+nicht ist, war, wahrscheinlich im Anfang scherzhafterweise, kein weiter
+Weg. Und bald konnte man die Nichtkämpfer an Bord der Kriegsschiffe um
+so eher und harmloser und ohne sie zu beleidigen Badequäste nennen als
+nach und nach die Lübecker Geschichte in Vergessenheit geraten und die
+ursprüngliche Bedeutung des Wortes dem Sprachbewußtsein entschwunden
+war. Man hatte Badequäste an Bord ohne zu wissen was Badequäste waren.
+Da kam denn das Neuhochdeutsche und gewann, gerade auf den
+Kriegsschiffen, immer mehr Einfluß. Offenbar wurde nun Badequast als
+eine mundartliche, plattdeutsche Verschlechterung von Badegast
+angesehen, &#8222;sie haben ja auch ein so<a id="Page_39"></a>
+ <span class="pagenum">[39]</span> bequemes Leben, diese
+Badegäste&#8223;, und so hat sich das Wort Badegast eingebürgert. Um den
+Vorgang ganz zu verstehen braucht man nur an jene &#8222;höhere Tochter&#8223; zu
+denken, der Klopstock nicht fein genug war, sie schrieb &#8222;Klopfstock&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Im Andenken an die Lübecker Quastgeschichte mag hernach in Hamburg und
+anderen niederdeutschen Gegenden das Schimpfwort &#8222;Hans Quast&#8223;
+aufgekommen sein. In dem niederdeutschen aus dem Jahre 1618 stammenden,
+von J. Bolte und W. Seelmann herausgegebenen Schauspiel &#8222;Hanenreyerey&#8223;
+schimpft einer einen anderen neben den schönen Ehrennamen Hans
+Schubberug, Hans Hasenkihl, Hans Kladdehack, Hans Rustefihl auch Hans
+Quast, und die Herausgeber bemerken hierzu: &#8222;Vgl. ndl. Kwast, Pinsel,
+bildlich Narr.&#8223; Hans Quast kommt als Schimpfwort im Hannöverschen (s.
+Schambach) besonders aber auch in Hamburg vor, vgl. Schütze 2, 102 Hans
+Quast, alberner, närrischer Mensch. &#8222;Hans Quast vom Steendoor Settet sie
+Mütz up een Oor.&#8223; Nach einem mir zugegangenen Schreiben eines
+Seeoffiziers ist das Schimpfwort auch in der Mark Brandenburg verbreitet
+und hat sogar noch heute in seiner Bedeutung einen Anklang an den
+ursprünglichen Sinn, indem ein Knabe einen anderen, den er vergeblich
+zum Kampfe herausgefordert hat, &#8222;Hans Quast&#8223; nennt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß aber Quast
+anstatt Gast gesagt wurde, und zwar nicht hie und da einmal, sondern
+oft, so daß es dem Munde des Volkes durchaus geläufig war, wird dadurch
+bewiesen, daß Quast in ein vielgebrauchtes Sprichwort übergegangen ist,
+mittelniederdeutsch: &#8222;darna man darna quast&#8223; d.&nbsp;h. wie der Mann ist, so
+wird er als Gast behandelt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bagger</span>, der. Eine in neuerer Zeit zu immer größerer Bedeutung gelangte
+Vorrichtung zum Ausschöpfen von Schlick, Sand, Erde aus dem Wasser.
+Ursprünglich ein höchst einfaches Werkzeug, ähnlich einem Obstpflücker
+oder einem Klingelbeutel: an einem langen Stiel ein Ring mit einem
+Säckchen daran. Dieses Säckchen hieß im Niederdeutschen bag, wie noch
+heute im Englischen Bag einen Sack, Reisesack, Geldsack, Kornsack
+bedeutet. Man hat sogar heute noch in England die alte einfache
+Vorrichtung: &#8222;bag and spoon&#8223;, &#8222;an arrangement used in dredging for river
+sand, and consisting of a bag attached by the mouth to an iron hoop
+which is fastened to a long pole, by means of which it is sunk to the
+bottom of the river and dragged along<a id="Page_40"></a>
+ <span class="pagenum">[40]</span> so that the bag is filled.&#8223;
+Auch in Deutschland hat man in kleinen Verhältnissen noch immer etwas
+Ähnliches im Gebrauch. Das Ende des 18. Jahrhunderts erschienene
+sogenannte &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223; übersetzt Bagger mit &#8222;mudder-hamen&#8223; und
+bemerkt dazu: &#8222;Ein eiserner Ring, woran ein Netzbeutel befestigt ist,
+mittelst dessen man den Schlamm aus den Wasserlösen, Wetterungen und
+Sielgräben ziehet;&#8223; wobei die Frage entsteht, was ein Netzbeutel sei,
+ein Netz, oder ein Beutel? &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch in Holland gebraucht man dieses
+einfache Werkzeug noch; Halbertsma im Lexikon friesicum übersetzt
+baggern mit: &#8222;reti vel sacco ex panno cannabino extremitati gracilis
+conti (Stange) affixo coenum trahere e fundo aquae&#8223;, wobei sich auch
+wieder die unbegreifliche Unbestimmtheit reti vel sacco findet, da der
+Stoff doch mit ex panno cannabino deutlich genug bestimmt ist als aus
+Leinwand bestehend. Also kein Netz, sondern ein Sack, niederdeutsch bag;
+daher Bagger.</p>
+
+<p>Zuweilen wird der durch den Bagger zu Tage geförderte Schlamm, Mud,
+Mudder oder Schlick (s. d.) auch Bagger genannt. Das mag man als
+Abkürzung von Baggerschlamm (Groningen: bagger-cerde, bagger-modder)
+oder Bagger-Erde gelten lassen, wie ja im Ostfriesischen auch der
+baggel-turf kurzweg baggel heißt, aber darum hätten sich deutsche
+Sprachforscher doch nicht zu der Behauptung versteigen dürfen, Bagger
+käme daher, daß man den Bagger vom Meeresgrund herausbefördere. Das ist
+eine völlige Umkehrung der Tatsache, denn die geförderte Masse ist nach
+dem fördernden Werkzeug benannt. Das hieß, wie gesagt, ursprünglich Bag.
+Die damit ausgeübte Tätigkeit hieß baggern. Als nun später der Ursprung
+von baggern aus Bag dem Bewußtsein entschwunden war, und der
+niederdeutsche Name Bag nicht verstanden ward von hochdeutschen
+Wasserbaumeistern, aber doch das Bedürfnis nach einem Namen für das
+inzwischen zur Maschine herangewachsene Werkzeug sich einstellte, so
+kehrte man nicht etwa zu dem ursprünglichen Bag zurück, sondern bildete
+aus dem, aus dem Substantivum Bag entstandenen Zeitwort baggern ein
+neues Substantivum Bagger. Diese Neubildung ist wenigstens noch
+einigermaßen kurz und gut ausgefallen; was hätte werden können, vermögen
+wir zu ahnen, wenn wir lesen, daß in einer wissenschaftlichen
+Zeitschrift jemand dem das Wort Bagger fern lag, den Vorschlag machen
+konnte, das holländische<a id="Page_41"></a>
+ <span class="pagenum">[41]</span> Wort modder-molen mit
+Ausschlammungsmaschine zu übersetzen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Etymon von Bag ist Balg,
+Tierbalg, vergl. Balje, Bagienrahe, Bilge, Packetdampfer.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bagienrahe</span>, die. Die unterste Rahe am Kreuzmast, ohne Segel. Dieser
+letztere Umstand, daß die Rahe kein Segel hat, scheint mir, ähnlich wie
+bei der blinden Rahe, den Ausschlag bei der Benennung gegeben zu haben,
+die eine <span class="strong1">Bettel</span>-Rahe bedeuten dürfte. Im Französischen heißt sie, oder
+hieß sie 1702 Pöbel-Rahe, la vergue de foule; zur gleichen Zeit ward sie
+holländisch een onnutte ree, eine unnütze Rahe genannt: &#8222;De begyn ree is
+een lose en onnutte ree, behalven om de schooten van het kruis-zeil daar
+by van onderen uit te halen.&#8223; Wir müssen auf das unter Bagger behandelte
+bag zurückgehen. Es hat eine weite Verbreitung, auch starke
+Bedeutungsverschiebungen erlebt. In die romanischen Sprachen ist es
+stark eingedrungen. Provençalisch bagua, spanisch baga = Packseil;
+altfranzösisch bague, Bündel. Davon bagage = Gepäck. Insofern nun die
+alten Kriegsknechte mit den Erbeuteten und Erplünderten (dem &#8222;Plunder&#8223;)
+nicht haushälterisch umgingen, sondern es bald wieder an den Mann oder
+vielmehr an die Frau (Marketenderin) brachten, so ward trotz der
+Plünderung reicher Städte die Bagage eines Söldners als etwas
+Verächtliches und Geringes angesehen, und aus bagage ward bagatelle.
+Weil sich aber bei den Bagagenwagen nicht nur allerlei Männlein
+zweifelhaften Handwerks, sondern auch allerlei Fräulein zweifelhaften
+Rufes herumtrieben, so kam wie das deutsche Wort Hurenpack, Lumpenpack,
+Diebespack, so im Italienischen bagascia, in Spanien bagasa, in Portugal
+bagasca, in der Provence baguassa, im Altfranzösischen bagasse, bajasse
+auf zur Bezeichnung einer feilen Dirne. Im Niederdeutschen dagegen
+entwickelte sich der Sinn von bag in anderer Richtung. Das wichtigste
+Ausrüstungsstück eines Bettlers war entweder ein Scherben für die
+Bettelsuppen oder ein Sack für das Bettelbrot. Von diesem bag haben
+Bettelnonnen den Namen Bagienen empfangen. Nach ihnen mag &nbsp;&mdash;&nbsp; zuerst
+scherzhaft &nbsp;&mdash;&nbsp;die des Segels entbehrende Rahe wegen ihrer Armut genannt
+worden sein. Hat man doch in Holland auch eine Kuh ohne Hörner bagyn
+genannt, und in Westfalen heißt heute noch Begine nicht nur ein
+verschnittenes Schwein, sondern auch ein törichtes, unnützes
+Frauenzimmer. Zu Kilianus' Zeiten hieß beghyne<a id="Page_42"></a>
+ <span class="pagenum">[42]</span> ein aschfarbener
+Ochse, weil die Bagienen solche Kleider trugen. In Bremen nannte man und
+nennt man wahrscheinlich noch eine gewisse Art von Hauben Begine, weil
+diese Nonnen dergleichen getragen haben. Weigand schreibt: &#8222;Adelung acht
+dezen naam, waarschynlykst, afkomstig van het oude begge d. i. bedelen,
+dewyl de Begynen voornamelyk van het bedelen bestonden,&#8223; kann sich aber,
+trotzdem dies doch der Wahrheit sehr nahe kommt, doch nicht enthalten
+von einer Herzogin Begga von Brabant zu fabeln, die im Jahre 635
+ermordet worden sein soll. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Teuthonista ist das Wort Baghyne
+geschrieben. Die Nonnen des Namens waren in niederdeutschen Seestädten
+sehr weit verbreitet, die Anwendung des Namens in übertragener Bedeutung
+lag daher nahe. Es heißt, nach Waghenaer, &#8222;Spiegel der Zeewaerdt&#8223;, 1573,
+sogar ein Felsen in der Hafeneinfahrt von Brest Bagiene.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bai</span>, die, ist ein aus den romanischen Sprachen zu uns gekommenes Wort
+für Meerbusen. Bei Aubin, Dictionaire de Marine, 1702 baye und baie.
+Derselbe gibt für das Niederländische die Form baai an. Italienisch
+baja, spanisch baja, Hafen. Aus dem Niederländischen ins Niederdeutsche
+und von hier um die Mitte des 17. Jahrhunderts ins Hochdeutsche
+gedrungen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bake</span>, die. &#8222;Signum secundum quod navis regitur&#8223;, diese Erklärung
+Halbertsma's dürfte in ihrer Kürze am treffendsten die
+verschiedenartigen Bedeutungen des Wortes Bake zusammenfassen. Denn wie
+eine Bake auch aussehen und wo sie auch angebracht sein möge, ihr Zweck
+ist für den Seemann doch immer der, seinem Schiff weisend und warnend
+den rechten Weg zu zeigen. Ein sehr altes deutsches Wort, das
+ursprünglich noch keineswegs ein Seezeichen, Segelmarke, Feuerzeichen,
+Landmarke u. dergl., sondern ganz allgemein Zeichen bedeutete. Es ist
+mit bücken verwandt, und dieses mit biegen. Die einfachsten und
+ursprünglichsten Zeichen sind ja die, daß man mit dem Kopfe nickt, den
+Oberkörper nach vorn biegt, sich bückt oder eine ähnliche Körperbewegung
+macht. Jeder der auf eine größere Entfernung einem anderen ein Zeichen
+giebt, wird unwillkürlich dabei seinen Oberkörper vornüber beugen, und
+eben diese Bewegung ist das was die Alten baken oder beken nannten.
+Dieser Name ward dann schon früh auf eine Stange übertragen, mit der man
+jemandem zuwinkte (Zaunpfahl!) oder die man als ein Zeichen
+<a id="Page_43"></a> <span class="pagenum">[43]</span> für
+irgend etwas in den Boden steckte. Damit man diese Stange auf größere
+Entfernung desto besser sehe, wurde an ihrer Spitze ein Bündel Stroh
+oder Reisig befestigt. Noch heute stecken unsere Landleute da, wo die
+Polizei eine Warnungstafel anbringen würde, eine Stange mit einem
+Strohwisch in die Erde, und jeder weiß was das bedeutet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Solche
+Baken, also Pfähle mit Reisigbündeln, haben in alten Tagen für das
+Signal- und Nachrichtenwesen eine große Rolle gespielt. Wenn in
+Friesland hohe Fluten drohten oder ein Wind nahte, dann wurde die
+Gemeinde zusammengerufen durch &#8222;tha Klocka an to slan, iefta (oder) tha
+bekena of to stekene.&#8223; Oder die Gefahr wurde &#8222;mith boeda iefte bakena&#8223;
+den Freunden kund getan. Nachts ward das Reisigbündel auf der Stange
+angesteckt und hieß dann Feuerbake, &#8222;vierbaeck.&#8223; Es war den Wächtern
+genau vorgeschrieben, wann und in welchen Zeitabständen sie ihr
+Feuerzeichen zu entzünden hatten. Wie sehr aber in altfriesischen Zeiten
+der allgemeine Begriff von Zeichen noch galt, geht daraus hervor, daß
+auch das Läuten der Glocken ein baken genannt wird. Im Theuthonista (XV.
+Jahrh.) steht bake gleichbedeutend mit hagelkruys und bezeichnet ein zur
+Erinnerung an einen verwüstenden Hagel errichtetes Gedenkzeichen in Form
+eines Kreuzes. Im Angelsächsischen ward beácen sogar vom Kreuze Christi
+gebraucht, als Siegeszeichen, sige-beácen. Im Beówulf (VIII. Jahrh.)
+steht becn schlechthin als Zeichen; beácen heißt Feldzeichen,
+Feldherrnzeichen, was aber damals noch keine Flagge, sondern der am Mast
+aufgehißte Schild des Höchstkommandierenden war; auch kommt
+heofones-beácen vor, Himmelszeichen, d.&nbsp;h. Feuersäule. &nbsp;&mdash;&nbsp; Brennende
+Baken dienten als Hochzeitsfackeln im friesischen Brautzuge. &nbsp;&mdash;&nbsp; In dem
+oldenburgischen Saterland, jener friesischen Enclave im Moor nach dem
+Münsterländischen zu, wo sich viele Reste des Altfriesischen erhalten
+haben (gesammelt von J. U. Minßen und in Ehrentrauts friesischen Archiv
+veröffentlicht) feierte man noch im XIX. Jahrhundert den Dienstag Abend
+der Fastnacht als &#8222;Bekenseivend.&#8223; Darüber berichtet Strackerjan
+(&#8222;Aberglaube und Sagen aus dem Herzogtum Oldenburg&#8223;): &#8222;Wer noch beinhaft
+(gehfähig, also noch einigermaßen nüchtern) war, machte sich ein langes
+Strohbündel von 4 bis 6 Zoll im Durchmesser und 8 bis 12 Fuß Länge, das
+dicht und straff mit Bändern umwickelt war. Diese Beken (plattdeutsch
+<a id="Page_44"></a>
+ <span class="pagenum">[44]</span> Baken) wurden mit Dunkelwerden angezündet, und die
+Leute schwärmten damit in den Feldern umher, tolle Lieder singend und
+wild schreiend.&#8223;</p>
+
+<p>Bake als Seezeichen im engeren Sinne, also nicht blos als
+Warnungszeichen, sondern als Wegzeichen oder vielmehr als Segelzeichen
+finden wir zum ersten Male in dem auf der Kommerzbibliothek in Hamburg
+aufbewahrten, von Karl Kloppmann, Arthur Breusing und Christoph Walter
+herausgegebenen &#8222;Seebuch&#8223;, das um das Jahr 1400 geschrieben worden ist
+und zahlreiche Segeldirektionen enthält, mit Berücksichtigung der Tiden,
+Stromläufe, Seezeichen u.&nbsp;s.&nbsp;w. Da lesen wir: &#8222;also gy wilt segelen int
+Vly so sole gy den torne unde de baken over en bringen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Dann findet
+sich das Wort in einer alten Chronik des Landes Dithmarschen in
+ähnlichem Sinne: &#8222;Im Augusto vell ein gruwlich water ... welches
+allenthalben den acker und wege dergestalt verdekde, also dat men ...
+pale und baken stecken moste, dat man nicht des rechten weges feilede.&#8223;
+Kilian aber erklärt Bake schon nur mehr mit &#8222;seemerk&#8223; und nennt auch
+Bake das was heutzutage im seemännischen Gebrauche Boje heißt.
+Jedenfalls ist das Wort jetzt ausschließlich Seemannseigentum. Kluge
+erklärt es mit &#8222;Zeichen an der Hafeneinfahrt und zur Warnung vor
+Untiefen&#8223;, und berichtet, daß es im Hochdeutschen zuerst von Sperander
+1727 als &#8222;Leuchtturm&#8223; verzeichnet worden ist.</p>
+
+<p>Ins Englische ist das Wort schon zu der angelsächsischen Zeit
+übergegangen und es lautet jetzt beacon. Naturgemäß spielt es in dieser
+Sprache eine große Rolle: &#8222;a mark or object of some kind placed
+conspicuously on a coast or over a rock or shoal at sea for the guidance
+of vessels.&#8223; &#8222;Various hills in England got the name of Beacon from the
+fact of signal-fires having been formerly lighted on them.&#8223; Überhaupt
+scheint in England der Gedanke an Feuer oder Licht in den Begriff von
+beacon heute noch hineinzuspielen, denn das Zeitwort to beacon heißt to
+afford light or aid, as a beacon; to light up; to illumine; to signal,
+welch letztere Bedeutung sich mit besonderer Kraft behauptet hat, was
+uns das noch verwandte Zeitwort to beckon beweist, &#8222;to make a sign to
+another by nodding, winking, or a motion of the hand or finger&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von
+beacon kommt dann weiter beaconage, eine Abgabe zur Unterhaltung der
+Baken. Das ward in Deutschland als juristen-lateinisches Wort
+beconagium<a id="Page_45"></a>
+ <span class="pagenum">[45]</span> bekannt, wie die Gelehrten des Bremer Wörterbuches uns
+berichten, ist zum Glück aber wieder außer Gebrauch gekommen. Die Bake
+selbst aber ist nicht nur geblieben, sondern hat sich im Laufe der Zeit
+und des großen technischen Fortschrittes der Seemannschaft zu etwas ganz
+anderem ausgewachsen als einer sich beim Anblick eines mittelalterlichen
+Strohwisches hätte träumen lassen. Gibt es jetzt doch sogar Baken, in
+denen Nahrungsmittel, Betten, Decken für Schiffbrüchige enthalten sind,
+also Rettungsbaken, wie es Baken mit Richtungsfeuer,
+Landerkennungsbaken, Pfahlbaken, Steinbaken, Treibbaken, Signalbaken und
+Winkbaken gibt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wegen der nahen Bedeutungsverwandtschaft ist Boje zu
+vergleichen. Das Wort Bake hat sich so allgemeine Geltung verschafft,
+daß es beinahe ausschließlich herrscht, und daß alle anderen
+Bezeichnungen für dieselbe Sache, wie Fuse, Prikke, Steuder, Wacker,
+Wethe kaum mehr bekannt und höchstens noch auf beschränktem Gebiet in
+einzelnen Gegenden im Munde der Leute sind. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das älteste mir zu
+Gesicht gekommene Bild einer Bake hat Lucas Janszoon Waghenaer,
+Steuermann zu Enckhuysen, in seinem berühmten Buche: &#8222;Spiegel der
+Zeevaerdt,&#8223; das in Leyden gedruckt, in &#8222;Amsteeredam&#8223; in eben dem Jahre
+1588 erschienen ist, in dem die &#8222;unüberwindliche Armada&#8223; überwunden
+ward. Da heißt es &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. Tonne &nbsp;&mdash;&nbsp;: &#8222;ende aen de ander zyden op de
+sanden ofte platen staen gemeenlyck de Baekens met korven bouen op in
+deser manieren&#8223;, und ist dann eine Stange abgebildet mit einem Ball aus
+Korbgeflecht an der Spitze, wie man ihn auch heute noch als Sturmball
+etc. etc. gebraucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Balje</span>, die.</p>
+
+<p>1. Ein Wasserbehälter = Bütte.</p>
+
+<p>2. Ein Wasserlauf zwischen den Watten, fahrbar auch bei Ebbe, z.&nbsp;B. die
+blaue Balje bei Wangeroog.</p>
+
+<p>Französisch 1702: baille; holländisch 1702: baalie; Groningen: boalie,
+boalje, melkboalie, Melkeimer.</p>
+
+<p>Beide Bedeutungen sind aus alten Zeiten bezeugt, indem das &#8222;Seebuch&#8223;
+balge für Wasserlauf hat und der Teuthonista baly für vas, Faß. Das
+Gemeinschaftliche der Bedeutung ist der Begriff &#8222;Wasserbehälter&#8223;. Die
+Balje im Watt behält ja ihr Wasser auch bei ablaufendem Wasser, bildet
+also gleichsam eine Balje im Sinne von Bütte. Es ist auf das unter
+&#8222;Bagger&#8223; Gesagte zu verweisen.<a id="Page_46"></a>
+ <span class="pagenum">[46]</span> Das heute noch in England
+gebräuchliche bag hieß altenglisch bagge, a beggars bagge, ein
+Bettelsack; gälisch bag, kymrisch baich, bretonisch beach = Last,
+Bündel. Der Dudelsack oder die Sackpfeife heißt im englischen
+bekanntlich bagpipe. &#8222;The bagpipe consists of a leathern bag, which
+receives the air from the mouth, or from bellows; and of pipes, into
+which the air is pressed from the bag by the performers elbow.&#8223; Was
+heute &#8222;a leathern bag&#8223; ist, das war, wie bekannt, früher ein Balg,
+Ziegenbalg oder dergleichen. Wenn wir nun bedenken, daß im Lombardischen
+der Weinschlauch baga heißt, und daß Weinschläuche nichts anderes waren
+und sind als Bälge, so kommen wir auf Balg als Etymon zu Bag. In der Tat
+sind überall die ersten Säcke der Menschen abgebalgte Tierhäute gewesen.
+Bag ist aus Balg durch Schwund des unbequemen l entstanden. Hieß doch im
+angelsächsischen bag noch baelg, und im gälischen kommt neben bag auch
+balg vor. Natürlich wurde solch ein Balg nicht bloß zum Weintransport
+benützt, er diente, namentlich auch bei seegehenden Schiffen, als
+Wasserbehälter und Wasserbehälter ist die Balje. Das Wort wird oft auch
+Balge geschrieben und erinnert in dieser Schreibart noch mehr an seine
+Abstammung von Balg. Gotisch balgs = Schlauch, mati-balgs = Brotsack,
+Reisetasche, Eßsack; althochdeutsch: balg, was ins keltische als bulga
+übergegangen ist; Festus: &#8222;bulgas Galli sacculos scorteos vocant&#8223;.
+Mittelhochdeutsch: balc = Hülse (gleichsam das abgezogene Fell des
+Korns), Schlauch, großes Trinkgefäss. &nbsp;&mdash;&nbsp; Um zu verstehen, wie aus Balge
+Balje geworden ist genügt es, an die Schreibweise im &#8222;Seebuch&#8223; ballighe,
+oder noch einfacher und näher liegend an die weitverbreitete Aussprache
+des g wie j zu denken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ballast</span>, der. Eine Last aus Sand, Eisen etc. die nur eingenommen wird um
+dem Schiffe den nötigen Tiefgang zu verleihen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Über die Bedeutung
+diese Wortes ist vielerlei vermutet worden. Es sollte von Bale = Bole =
+Last kommen, weil es eine Last sei, die auf Bohlen liegt. Aber dann wäre
+jede Last Ballast, denn worauf soll sie anders zu liegen kommen als auf
+Bohlen? &nbsp;&mdash;&nbsp; Es sollte Back-Last, Rücklast, sein; allein, nicht jede
+Rücklast ist Ballast, sie kann sogar sehr wertvoll sein. Dann hat man an
+das keltische bal = Sand gedacht, aber nicht jeder Ballast ist Sand.
+Halbertsma hat sich folgender Phantasie hingegeben:<a id="Page_47"></a>
+ <span class="pagenum">[47]</span> Bar-lest =
+saburra, ex bara, unda, et lest, onus; &#8222;saburra enim impedit quo minus
+vacua navis vi undae et venti in latus prosternatur&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Und doch ist
+die Erklärung, auf die meines Wissens noch niemand verfallen ist, sehr
+einfach. Man muß zunächst von Kriegsschiffen ganz absehen und an
+Handelsschiffe denken, denen alles darauf ankommt, gewinnreiche Ladung
+zu bekommen für Hin- und Rückfahrt. Wenn ihm das nicht gelingt, so muß
+es freilich des nötigen Tiefganges wegen irgend eine Ladung einnehmen,
+auch solche, die hernach einfach wieder ausgeladen und als unnütz
+beiseite geworfen werden muß. Das ist dann eine schlechte, böse, üble,
+nicht lohnende Last. Und eben darum heißt sie Ballast. Bal hieß in allen
+germanischen Sprachen, heißt teilweise sogar heute noch schlecht.
+Gotisch balvjan, einem Böses tun, ihn plagen; althochdeutsch bale,
+malitia, balemund, schlechter Vormund, auch palo und bale, Verderben,
+Bosheit, Qual, Pein (Ballast zu fahren macht den Schiffer Qual und Pein
+genug); altsächsisch balu, Übel, baluwerk, Übeltat, baluspraka,
+verderbliche, schlechte Rede; angelsächsisch balu, bealu, perniciosus,
+malus; altenglisch bale, malus; altfriesisch bael, böse, bael mond,
+baelmond, schlechter Vormund. Im späteren Friesisch finden wir
+baldedich, gewalt-übel-tätig, balstiurrich, schlecht zu steuern, von
+einem, der in seinem Zorn, seiner Wut schwer zu behandeln ist;
+bal-éarich ist einer der schlecht hört. Auch im Nordfriesischen (Outsen)
+kommt balstürig, schwer zu lenken, als sehr bekanntes Wort vor.
+Desgleichen in Bremen für frevelhaft, gewalttätig. In Groningen sagt
+man: &#8222;doar is't bal&#8223;, da ist es verkehrt, da steht es böse, da ist's
+nicht in Ordnung. Ein unnützes Kind heißt da geradezu ballast. Ein
+Junge, der nicht hören will, ist ein &#8222;Schlechtohr&#8223;, &#8222;'n baloorn van 'n
+jong&#8223;. Ähnlich heißt in Westfalen balhaerig, schlecht hörend, und zwar
+nicht taub, sondern schwerhörig von einem der aus Bosheit und Unart
+nicht hören will. &nbsp;&mdash;&nbsp; Also &#8222;unnütze Last&#8223;. Das Richtige scheint schon der
+Teuthonista geahnt zu haben, der es mit onnutte scheepvracht wiedergibt.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Desgleichen Kilianus: bal vet. Holl. malus, inutilis, baldaed
+malefactum, baldaedigh maleficus; ballast: inutilis farcina, inutile
+onus, quo navis oneratur, ut stabilior sit. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Übrigen ist die
+älteste Urkunde, in der ich das Wort gefunden habe, ein Hansa-Receß vom
+Jahre 1442.</p>
+
+<p><span class="strong1">Banjerdeck</span>, das eigentlich bloß Banjer, heißt auf kleinem<a id="Page_48"></a>
+ <span class="pagenum">[48]</span> Schiff
+mit nur einem Deck der kleine Platz vor der Kajüte wo die Leute ihre
+&#8222;Logis&#8223; haben. Banje ist Diminutivum vom niederdeutschen ban, das nicht
+nur wie im Hochdeutschen Bahn einen freien Weg, sondern überhaupt eine
+freie Strecke, einen freien Platz oder Raum bedeutet. Also: Der für die
+Mannschaft freie Raum.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bank</span>, die. 1. Im eigentlichen Sinne: Bank zum Sitzen, s. Backen und
+Banken; Ruderbank, s. ducht. 2. Übertragen: Austernbank, Felsenbank,
+Korallenbank, Mudderbank, Sandbank, Nebelbank, Wolkenbank, Nagelbank
+(mit den Koveinnägeln s. d.) Bank wird als nasalierte Form von Back,
+Rücken, rundliche Erhöhung angesehen, was mit den Wörtern, bezw.
+Zusammensetzungen in übertragener Bedeutung nicht übel stimmt, besonders
+mit Sandbank, wofür man auch Sandrücken sagt. Kluge gibt einen
+vorgermanischen Stamm bhangi an, was der Verwandtschaft mit Back
+widersprechen würde, falls bhangi nicht eine vorgermanische Nasalierung
+der Wurzel von Back &nbsp;&mdash;&nbsp; bhag &nbsp;&mdash;&nbsp; wäre.</p>
+
+<p><span class="strong1">Baratterie</span>, die. Dieses in der deutschen Marine ungebräuchliche, von
+Dabovich, &#8222;Nautisch-technisches Wörterbuch der Marine&#8223; für die
+österreichische Seemannssprache bezeugte Wort war dem gelehrten Roeding
+in Hamburg vor hundert Jahren kein fremdes. &#8222;Hierunter versteht man alle
+Betrügereien, die von Schiffern, zum Schaden der Rheder und Befrachter,
+gemacht werden können. Z. E. Verfälschung und Bestehlung der Güter, oder
+Nebenwege, die mit dem Schiff, ohne Wissen der Rheder, gemacht werden.&#8223;
+Holländisch, dänisch, schwedisch Baraterie, englisch barattery,
+französisch baratterie, italienisch, spanisch, portugiesisch baratteria.
+Diese Einmütigkeit ist auffallend. Man hat unter den Rhedern wohl
+übereinstimmend solches Verfahren verurteilt als eine Art von Seeraub,
+wollte es aber nicht geradezu Piraterie nennen und verfiel daher auf
+dieses ähnlich genug und doch nicht so hart lautende Wort.</p>
+
+<p><span class="strong1">Barbetteschiff</span>, das, ein (Panzer-) Schiff mit gepanzerten
+Barbettetürmen, die wegen der darin aufgestellten Geschütze besonders
+starke Panzer tragen, während der übrige Teil des Schiffes leichter
+gepanzert ist. Der Name kommt von der heiligen Barbara, bei den
+Katholiken die Schutzpatronin der Artillerie; ihr zu Ehren heißt auf
+französischen Kriegsschiffen die Pulverkammer St. Barbe. Die heilige
+Barbara war eine<a id="Page_49"></a>
+ <span class="pagenum">[49]</span> römische Jungfrau, die um ihres christlichen
+Glaubens willen den Märtyrertod erlitt, ihre Henker aber wurden vom
+Blitz erschlagen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Barbican.</span> Insofern deutsche Kriegsschiffsboote an der Treppe dieses
+Namens an der Kaje zu Plymouth anzulegen pflegen, gehört dieses Wort
+hierher. Im Mittelhochdeutschen hieß barbigan der Teil der äußersten
+Festungswerke, aus dem Ausfälle gemacht wurden. Altfranzösisch
+barbacane, Brustwehr mit Schießscharten. Soll aus dem Arabischen
+bab-kanah, a gateway, kommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bardse</span>, s. Bark.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bark</span>, die. Ein Segelschiff mit drei Masten, von denen die beiden
+vordersten Rahen, der dritte nur Schratsegel führt. In der Form Barke
+bedeutet es überhaupt ein Schiff oder ein Boot, namentlich, und jetzt so
+ziemlich ausschließlich, in dichterischer Rede. Die Erklärung bietet
+zwei Möglichkeiten: man denkt entweder an bark = Rinde oder man greift
+auf die Wurzel bhar, tragen, zurück. Fände sich das Wort nur in den
+germanischen Sprachen, so könnte man mit Wackernagel das altnordische
+barkr, Bark, mit börkr, Borke, Rinde, für nahe verwandt halten. Wie
+manche Naturvölker heute noch tun, so mögen in uralten Zeiten auch
+unsere Väter Boote aus Baumrinde verfertigt haben. Aber bezeugt ist es
+uns nicht, und wer die neuerdings hie und da ausgegrabenen Schiffe
+gesehen hat, der weiß, daß die Verdrängung des altdeutschen Einbaums
+durch kunstvoll zusammengefügte Holzschiffe schon nach Jahrtausenden
+gezählt werden kann. Überdies haben auch alle romanischen Sprachen das
+Wort, und es kommt als barca bereits im frühesten Mittellatein vor; dann
+italienisch, spanisch, portugiesisch barca, französisch barque,
+(kymrisch, Breizonek und gälisch barc) wovon barge, Boot, baril und
+barique, Faß. &nbsp;&mdash;&nbsp; Da ist es doch das Einfachste, zumal ein griechischer
+Name baris für einen Kahn, besonders ein ägyptisches Nilschiff, bezeugt
+ist, an griechisch phero, lateinisch fero, deutsch im ganzen
+niederdeutschen Sprachgebiet heute noch bören, zu denken, ein Wort das
+in sehr verschiedener Bedeutung vorkommt: gebähren, gebahren, Gebühren,
+Bahre, Beere, Birne, Baron, aber immer den Begriff des Tragens
+ausdrückt. Bei einem Schiffe, das ganz besonders zum Tragen bestimmt
+ist, liegt also bören näher als Borke. &nbsp;&mdash;&nbsp; Schon früh im
+Mittelniederdeutschen kommt die Form bardse, barse, im Seebuch 1400
+bartze, bardzee<a id="Page_50"></a>
+ <span class="pagenum">[50]</span> vor. Hätte man damals das Bewußtsein gehabt, einem
+einheimischen Worte gegenüber zu stehen und an Borke gedacht, man hätte
+solche sonderbare Veränderungen davon nicht vorgenommen; dies ist
+wenigstens eher zu begreifen, wenn man annimmt, daß ein Lehnwort
+mundgerecht gemacht werden sollte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Barkasse</span>, die. Das größte der Schiffsbeiboote, zum Rudern und Segeln
+eingerichtet, manchmal auch Dampfbarkasse. &nbsp;&mdash;&nbsp;Einige Erklärungen haben es
+sich leicht gemacht und einfach gesagt: Barkasse von Bark, aber wie oder
+wo sich diese ja an sich nicht undenkbare Weiterbildung vollzogen hat,
+das sagen sie nicht. Das Wort hat anderen Ursprung. Vom lateinischen
+arca ward ein italienisches arcaccia, spanisch arcaza, Kasten, gebildet,
+französisch arcasse = Kastell im Hinterteil des Schiffes. An dieser
+arcasse war ein großer Balken, grande barre, angebracht, der (grande)
+barre d'arcasse hieß und als Davit diente (s. d.), nämlich zum
+Aufhängen, Hissen und Fieren des größten Schiffsbeibootes. Und das
+empfing von dem Balken an dem es hing den Namen Barkasse.</p>
+
+<p><span class="strong1">Barkun</span>, der. &#8222;Barkuns sind hölzerne oder eiserne, nicht drehbare, dafür
+aber auslegbare Krähne, an welchen ein oder mehrere Boote klar zum
+Fieren aufgehängt werden können.&#8223; Nach dieser von Dick und Kretschmer,
+Handbuch der Seemannschaft, gegebenen sachlichen Erklärung und nach dem,
+was unter &#8222;Barkasse&#8223; nachzulesen ist, dürfte es klar sein, daß Barkun im
+Gedanken an barce d'arcasse gebildet, nämlich abgekürzt und mit einer
+neuen mundgerechten Endung, und zwar, wie ein Blick auf Pardun und
+andere Wörter ähnlicher Endung beweist, in niederdeutschem Sprachgebiet,
+versehen worden ist, denn die Bedeutung von Barkun ist so ziemlich
+dieselbe von barre d'arcasse. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">Barring</span>, die. Barrings sind von Bord zu Bord reichende und in guter
+Deckshöhe über dem Oberdeck oder Aufbaudeck angebrachte Decksbalken, die
+häufig, namentlich bei kleineren Schiffen, noch mit einem Deck, dem
+Barringsdeck, belegt sind; bestimmt zum Tragen von Schiffsbeibooten und
+Reservehölzern etc. Ebenso wie Bark und Barre von der Wurzel bhar =
+tragen abstammend, sei es daß dabei unmittelbar antragen, sei es daß an
+barre, Tragbalken, gedacht ist; wahrscheinlich letzteres, so daß wir
+also das hochdeutsche Barre mit niederdeutscher Endung vor uns
+haben.<a id="Page_51"></a>
+ <span class="pagenum">[51]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Bare</span> = Welle, s. Barre.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bärme</span> s. Berme.</p>
+
+<p><span class="strong1">Barre</span>, die, seichte Stelle vor einer Flußmündung, durch Ablagerung des
+vom Flusse mit sich geführten Sandes, ein Hindernis, eine Beschränkung
+des Aus- und Einsegelns. Schranke ist die zu Grunde liegende Bedeutung.
+Von der unter Bark erwähnten Wurzel bhar, tragen, kommt althochdeutsch
+bara, para, Balken, zunächst als etwas Tragendes, Tragbalken, sodann
+aber auch etwas Beschränkendes, Schranke, eingehegtes Stück Land,
+abgeteiltes Stück Feld. Mittelhochdeutsche barre = Schranke, Zaun,
+Gehege; verbarren durch Schranken versperren; englisch bar; französisch
+barriére, besonders aber barre, Stange, Balken, Rost, Klampe,
+Ruderpinne, barres de hune = Salingshölzer; und das unter Barkasse
+nachzulesende barre d'arcasse; barre de cabestan, Spillspaken. Keltisch
+bar, Ast. Spanisch barrera, davon embarazo, französisch embarras,
+Sperrung, Hindernis, und barricade (barricata). &nbsp;&mdash;&nbsp; Von gleicher,
+&#8222;tragen&#8223; bedeutender Wurzel kommt auch das niederdeutsche bar, bare,
+mittelniederländisch baere, niederländisch baar, Woge, Welle,
+Sturzwelle, Brandung; vergl. Lüpkes Seemannssprüche: &#8222;barra waegen,
+barra streamen&#8223;, &#8222;Wellen wogen, Wellen strömen&#8223;; sei es daß die Wellen
+tragen, sei es daß sie getragen (gehoben bewegt) werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bauchgording</span>, die, gewöhnlich Bukgording, oft auch noch kürzer
+Buggerding lautend, wie Nockgording (s. d.) Noggerding. Ein vom Winde
+gefülltes Segel sieht in der Mitte aus wie ein wohlgerundeter Bauch; die
+Taue die dazu dienen beim Segelbergen diese bauchige Stelle des Segels
+aufzugeien heißen Bauchgordinge. Gording, Görde, Gördel ist ein Gurt,
+Gürtel, Band, Riemen, irgend etwas zum Binden und Gürten, besonders
+Beinkleider. Die altdeutschen Frauen banden ihre Haare mit einer wida,
+einer Weide, auf; da ist es nicht zu verwundern wenn die Männer für
+Befestigung ihres Anzuges eine (schwanke, biegsame) <span class="strong1">Gerte</span> verwandten;
+gothisch gairda, angelsächsisch gyrd, altenglisch gurd, englisch girt,
+altnordisch gjördh, isländisch gjörd, norwegisch gjord und gyrda.
+Gording im seemännischen Gebrauch wird man also am besten mit Gurttau
+übersetzen; also Bauchgurttau.</p>
+
+<p><span class="strong1">Batterie</span>, die. Der Standort der Geschütze; ist ein eigenes Deck für die
+Geschütze da, so heißt dieses das Batteriedeck,<a id="Page_52"></a>
+ <span class="pagenum">[52]</span> oder auch kurzweg
+die Batterie. Besonders aber heißt, wie am Lande, eine unter sich zu
+einem bestimmten Verbande gehörige Anzahl von Geschützen Batterie;
+Steuerbordbatterie, Backbordbatterie; auch die Gesamtheit aller
+Geschütze, vergl. das Kommando beim Geschützexerzieren: &#8222;Batterie halt!&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Mit Bataillon einer Herkunft, sowie mit Bataille, von battre
+schlagen; wahrscheinlich auch wie Bataillon Lehnwort des 30jährigen
+Krieges und von der Landarmee an Bord übertragen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Baxterlagerung</span>, s. Baxterspill.</p>
+
+<p><span class="strong1">Baxterspill</span>, das, eine nach dem Erfinder genannte verbesserte und
+vereinfachte neue Art von Spill (s. d.). Durch Trennung der
+Kettentrommel vom Spillkörper ist erreicht worden, daß die &#8222;mühsame
+Arbeit, welche früher das Legen der Kette um das Spill und das Abnehmen
+derselben vom Spill verursachte&#8223; erspart wird. &#8222;Das Spill ist im Moment
+klar zum Hieven, und auch das Abstoppen der laufenden Kette vollzieht
+sich in erheblich sicherer und einfacherer Weise.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;In Verbindung mit
+dem Baxterspill kommt in neuerer Zeit auch bei Kriegsschiffen für die
+Buglagerung der Inglefield und Hall-Anker, seltener für die Hecklagerung
+die sogenannnte <span class="strong1">Baxterlagerung</span> zur Anwendung.&#8223; &#8222;Diese Lagerung
+charakterisiert sich dadurch, daß die Anker in die Klüsen hineingehievt
+werden.&#8223; Früher hingen die Anker längsseits. Das kommt auch jetzt noch
+vor, ist aber veraltet; ebenso wie das &#8222;Gang&#8223;-Spill.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bedaren</span>, zur Ruhe kommen, vom Sturm; auch von einem aufgeregten
+Menschen, daher bedard, beruhigt, und bedardheit, Ruhe, Bedächtigkeit.
+Doornkaat meint, das Wort komme nur im Niederdeutschen und
+Niederländischen und sonst nirgends, so weit ihm bekannt, vor. Es ist
+aber außerdem noch ein dänisches (bedare) und schwedisches (bedara)
+Seemannswort, und zwar dorten wie bei uns im Sinne von abmojen, kalmen
+gebraucht. Roeding: &#8222;Wenn das Wetter anfängt still und ruhig zu werden,
+und der Wind aufhört zu wehen, so sagt man: es bedaart.&#8223; Es ist
+allerdings ein Wort mit auffallend geringer Sippschaft; von der Wurzel
+dhar, halten, haften, bleiben, abstammend.</p>
+
+<p><span class="strong1">Befahren.</span> Als Zeitwort so viel wie auf etwas fahren, einen Weg, eine
+Straße, das Meer befahren. Als Adjektiv einen Mann bezeichnend, der viel
+zur See gefahren ist; oder vielmehr, wie der Seemann sagt, gefahren hat.
+Ist einer so befahren, daß er<a id="Page_53"></a>
+ <span class="pagenum">[53]</span> das Kap Hoorn und das Kap der guten
+Hoffnung umschifft hat, so darf er, wie verlautet, an einigen
+Küstenplätzen in seemännischer Gesellschaft &nbsp;&mdash;&nbsp; beide Beine auf den Tisch
+legen. Einen nicht-befahrenen, unerfahrenen Seeoffizier nennt
+Aristophanes, wie Roeding behauptet, einen &#8222;Asalaminrium&#8223;, also einen,
+der nicht ist wie die von Salamis.</p>
+
+<p><span class="strong1">Befluten</span>, &#8222;unter Wasser setzen&#8223;. Alle Munitionskammern an Bord S. M.
+Schiffe sind zum Unterwassersetzen (Befluten) einzurichten, damit bei
+einem Schiffsbrande der Explosionsgefahr begegnet werden kann. Es gibt
+natürliche Beflutung bei tiefliegenden Munitionskammern, die unmittelbar
+durch Bodenventile beflutet werden können; künstliche Beflutung bei
+hochliegenden Munitionskammern, die durch Dampfpumpen beflutet werden
+müssen; und gemischte, wo beide Arten in Kraft treten, die Worterklärung
+ergiebt sich von selbst aus Flut (s. d.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Bei.</span> Das Kommando für die Leute am Ruder wenn sie bei dem Winde, am
+Winde (s. d.) steuern sollen. Wenn nicht so hart am oder beim Winde
+gesegelt, also nicht &#8222;gekniffen&#8223; werden soll, dann heißt das Kommando:
+&#8222;voll und bei!&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Beiboote</span>, die, auch Schiffsboote; &#8222;jedes Schiff ist mit einer Anzahl von
+Booten ausgerüstet, welche die verschiedenartigsten Anforderungen zu
+erfüllen im Stande sein sollen. Dieselben dienen nämlich zum Verkehr der
+Besatzung mit dem Lande oder anderen Schiffen, zur Beschaffung von
+Material, Wasser, Proviant u.&nbsp;s.&nbsp;w., zum Ausfahren von Ankern und
+Trossen, zum Auffischen über Bord gefallener Menschen oder Gegenstände,
+zur Ausbildung der Mannschaft im Rudern und Segeln, als Rettungsmittel
+für die Besatzung bei Schiffsunfällen, bei Landungszwecken zum Aus-und
+Einschiffen des Landungskorps, zum Ausloten unbekannter Fahrstraßen, zur
+Herstellung von Sperren.&#8223; &#8222;Da zur Erfüllung dieser verschiedenen Zwecke
+teilweise ganz verschiedenartige Rücksichten und Anforderungen maßgebend
+sein müssen, so ergibt sich ohne Weiteres die Notwendigkeit
+verschiedener Bootsklassen oder Gattungen.&#8223; (Dick u. Kr.) Als da sind
+(in der K. Marine): Dampfbeiboote, Motorboote, Barkassen, Pinassen,
+Kutter, Gigs, Jollen, Dingis, Walfischboote und Beiboote für
+Torpedoboote.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beidrehen</span> heißt an den Wind gehen (s. &#8222;am Winde&#8223;) oder auch das segelnde
+Schiff sonst auf irgend eine Weise zum Stillstand bringen, hauptsächlich
+durch Backbrassen der in Betracht<a id="Page_54"></a>
+ <span class="pagenum">[54]</span> kommenden Segel. Vor allen
+Dingen ist aber wichtig das seemännische Manöver des Beidrehens, des an
+den Wind Gehens, im Sturm. Wenn das Schiff eine Weile &#8222;gelenzt&#8223; hat, d.
+h. vor dem Sturm gelaufen ist, und der Kapitän kann wegen zu hohen
+Seeganges oder will, weil ihm die Richtung nicht paßt, das Lenzen nicht
+fortsetzen, so dreht er bei. Das muß mit Geschick und Umsicht gemacht
+werden, damit Sturzseeen dem Schiff nicht gefährlich werden. Die Folge
+des Beidrehens ist das <span class="strong1">Beiliegen</span>. Das Schiff &#8222;liegt bei&#8223; (dem Winde) bis
+besser Wetter eintritt, und es handelt sich hauptsächlich darum, daß es
+mit dem Kopfe auf der See liegt, nicht abfällt (s. d.), weil es dann die
+See besser hält, weniger Sturzseeen übernimmt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beibuchten.</span> Wenn ein Tau aufgeschossen wird, was, je nachdem es gedreht
+ist, mit der Sonne oder gegen die Sonne zu geschehen hat, so entstehen
+so viele Buchten &nbsp;&mdash;&nbsp; von biegen &nbsp;&mdash;&nbsp; so viele Kreise das Tau beim
+Aufschießen bildet. Wenn diese Kreise oder Buchten nicht so viel Platz
+einnehmen oder aus irgend einem Grunde, z.&nbsp;B. beim Deckwaschen
+aufgehängt werden sollen, so werden sie mit einem Band oder Bändsel
+zusammengebunden, damit sie nicht &#8222;unklar&#8223; werden und leicht wieder
+gebrauchsfähig gemacht werden können. Dieses Zusammenbinden heißt
+beibuchten. Im übertragenen Sinne heißt einen beibuchten ihn einsperren,
+in Arrest schicken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beilbrief</span>, der, früher Bielbrief, niederländisch bylbrief, dänisch
+bül-brev, schwedisch bil-bref. Weil das Wort englisch bill of sale
+heißt, so könnte vermutet werden, diese bill hätte dem Beilbrief den
+Namen gegeben, er würde also eine Tautologie darstellen. Das würde nun
+an sich nichts ausmachen, weil es öfters vorkommt, aber ich sehe doch
+nicht an, bei dem Worte an Beil, Schiffszimmermannsbeil zu denken. Es
+bedeutet ja einen Kontrakt zur Erbauung eines Schiffes, der zwischen
+&#8222;einem Zimmermann und Demjenigen, der ein Schiff bauen läßt, gemacht,&#8223;
+schriftlich abgeschlossen wird; das Beil aber ist und bleibt doch immer
+des Zimmermanns Hauptwerkzeug. Bestärkt wurde ich in diesen Gedanken
+durch das Eigenschaftswort beilfertig, bielfertig, niederländisch
+bylvaardig, dänisch bilfaerdig, schwedisch bilfardigt, welches das
+Schiff als fertig im Holzwerk bezeichnet ohne Takelage und Zubehör, also
+in dem Stande, bis zu welchem das Beil die Hauptarbeit an ihm getan
+hat.<a id="Page_55"></a>
+ <span class="pagenum">[55]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Bekaier</span>, der, heißt dem Wortlaut nach ein Tau das zum Kaien dient, hieß
+aber früher auch der Oberlee-Segelsniederholer, auch das Tau, womit das
+oberste Ende der &#8222;Besansrute&#8223; aufgetoppt wurde, beim &#8222;Überstaggehen&#8223;,
+und heißt auf Schmacken, Jachten und Kuffen die Braß der Bagienrahe, die
+nach vorne fährt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bekleiden</span>, das, Tauwerk an Stellen, wo es dem Reiben, also dem
+Schamvielen, ausgesetzt ist, mit Schmarting, Matten, Schlatting,
+Schiemannsgarn, Sarving, Platting etc. umwickeln; es wird auch Leder
+dazu genommen; die wichtigste Bekleidung aber ist die der Wanttaue, die,
+nachdem sie mit einer Trensing versehen sind, in ihrer ganzen Länge mit
+Schiemannsgarn fest umwickelt werden. Auch das Deck eines Schiffes kann
+bekleidet werden, s. Kleid.</p>
+
+<p><span class="strong1">Belauf</span>, der, die Gestalt und Richtung, in der ein Balken, z.&nbsp;B. ein
+Lieger, Bauchstück oder eine Wrange, Bodenwrange verläuft;
+dementsprechend auch die äußere Gestalt des Schiffsbodens, oder die
+Verengung desselben, vorne oder hinten; man sagt von einem Schiff, daß
+es einen feinen Belauf hat, wenn es sich vorn und hinten sehr verengt
+und spitz zuläuft. (Roeding, Datovich).</p>
+
+<p><span class="strong1">belegen</span>, ein &#8222;laufendes&#8223; Tau mehrmals um ein Belegholz, z.&nbsp;B. eine
+Klanpe oder einen Koveinnagel, kreuzförmig über einander schlagen, um es
+fest zu machen. Die Koveinnägel heißen darum auch Belegnägel und die
+Bank an der sie befestigt sind, Belegbank, so wie die Klanpe auch
+Belegklanpe genannt wird. Man spricht auch vom Belegen eines Befehls,
+wenn einem gegebenen Auftrage nicht weitere Folge gegeben werden soll,
+oder wenn er zurückgenommen wird; das ist bildlich: das belegte Tau
+bewegt sich nicht mehr und der belegte Befehl gilt nicht mehr.</p>
+
+<p><span class="strong1">belemmern.</span> Wo es, wie auf einem Schiffe, auf Ausnützung des Raumes
+ankommt, da muß dafür gesorgt werden, daß keiner der vielen Gegenstände,
+die an Bord gebraucht werden, dem anderen im Wege stehe und seinen
+Gebrauch verhindere oder erschwere, d.&nbsp;h. belemmere. Auch ein Mensch
+kann den andern belemmern, wenn er ihm Wege steht oder &#8222;zu nahe auf der
+Pelle sitzt&#8223;. Es bedeutet aufhalten, hemmen, hindern, <span class="strong1">lähmen</span>. Es ist
+verwandt mit lahm, ein Frequentativum des mittelniederdeutschen belemen,
+althochdeutsch bilemjan, pilemmen, bilemen. Es wird auch gebraucht, wenn
+ein Raum, ein Boden, eine Last zu voll gepackt ist, daß man sich nicht
+darinnen bewegen, rühren kann. &nbsp;&mdash;&nbsp;<a id="Page_56"></a>
+ <span class="pagenum">[56]</span> Daß die &#8222;Beschriving van der
+Kunst der seefahrt&#8223;, das Loggen als eine &#8222;belemmering&#8223; ansieht, ist
+unter Log nachzulesen; wie Fritz Reuter Belemmerung anwendet, s. unter
+praien. Belemmertheit ward im Mitteldeutschen aber zuweilen auch für
+Beschäftigung gebraucht: &#8222;De ander remedie (gegen gulsicheit,
+Gefräßigkeit) is ... Van redelike dinghen belemmerthede.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">benauen.</span> Ein Schiff benaut das andere, wenn es ihm, &#8222;die Luv (-seite)
+abgewinnend&#8223;, den Wind zum Segeln wegnimmt. Sodann heißt benauen ein
+feindliches Schiff in einem Hafen einschließen und bewachen, daß es
+nicht heraus kann. Endlich sagt man, wenn die Luft von Natur schwül oder
+durch Verbrauch im engen Raum mit vielen Menschen verdorben ist, &#8222;es ist
+benaut&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vom niederdeutschen nau, mitteldeutsch nouwe, niederländisch
+naauw, dicht, enge, beengt, bedrängt, beschränkt, knapp, genau; das <span class="strong1">nau</span>
+in genau ist die hochdeutsche Verwandtschaft.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bendsel</span>, der und das, auch Bindsel, ein Band, ein Stück Bindfaden; nicht
+zu verwechseln mit dem hochdeutschen Bändel, welches ein Diminutivum von
+Band ist; vielmehr dürfte Bindsel eine Verkürzung von Bindseil sein und
+Bendsel nur eine Nebenform dazu.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bergen</span>, Am häufigsten findet sich im seemännischen Gebrauch die Wendung
+&#8222;Segel bergen&#8223;, ein Kommando das immer ertönt, wenn die Segel
+&#8222;eingezogen&#8223; d.&nbsp;h. festgemacht werden sollen. Daneben spricht man vom
+Bergen einer Ladung bei gestrandetem oder sonst gefährdetem Schiffe, man
+sagt auch &#8222;sich bergen&#8223;. Der gemeinschaftliche Begriff ist: in
+Sicherheit bringen, und zwar ist, da dem Stamme bhergh die Bedeutung
+&#8222;hoch, Anhöhe&#8223; beiwohnt, der ursprüngliche Sinn ohne Weiteres klar: sich
+vor einer Flut, einer Überschwemmung oder sonstigen Gefahr auf einen
+Berg (womöglich in eine Burg) begeben und so in Sicherheit bringen. Nur
+bei &#8222;Segel bergen&#8223; hat sich die Bedeutung so weit verflacht, daß es,
+auch wenn kein Sturm naht und kein Segel in Gefahr steht weggerissen zu
+werden, sondern auch beim Segelmanöver im Hafen und bei gutem Wetter
+gesagt wird. Eigentlich nur noch bei Seeleuten übrig, die andern sagen
+jetzt verbergen und haben noch den Begriff des heimlichen, des
+Versteckens hinzugetan. Althochdeutsch pergan (gothisch bairgan)
+angelsächsisch beorgan, niederländisch bargen. Vergl. Herberge,
+althochdeutsch heriberga, Ort wo ein Heer geschützt lagern<a id="Page_57"></a>
+ <span class="pagenum">[57]</span> kann.
+Die älteste Bedeutung des jetzt so friedlichen Wortes ist also
+kriegerisch; italienisch albergo, altspanisch, neuspanisch und
+portugiesisch albergue, altfranzösisch herberc, neufranzösisch auberge.
+In alten Zeiten hatte man vielfach &#8222;Freiberge&#8223; (woher die zahlreichen
+Städtenamen), Berge wohin ein Verfolgter fliehen konnte und wo er eine
+Zeit lang unverletzlich war. Es gab in Eiderstedt und Dithmarsen
+Freyberge, davon 3 in Eiderstedt, einer bei jedem Gericht, &#8222;wo ein
+Missetäter auf drei Tage sich frei und sicher bergen konnte.&#8223; Daher die
+Türme auf den Höfen mittelalterlicher Burgen Bergfriede, richtiger
+Bergfriete, Bergfreite. Und was jetzt bei uns Friedhof heißt, müßte
+Frithof = Freithof geschrieben werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Berghölzer</span>, die, sind Verstärkungen der Außenbordwand und somit des
+ganzen (hölzernen) Schiffes; sie laufen der Länge nach um das ganze
+Schiff herum, sind also eigentlich Außenbordsplanken, nur stärker wie
+diese und daher über sie herausragend und die glatte Fläche der Bordwand
+unterbrechend. Das Zeitwort bergen, ostfriesisch bargen, heißt im
+niederdeutschen Sprachgebrauch nicht nur verstecken, in Sicherheit
+bringen, sondern auch sonst sichern, bedecken, schützen. Da nun das
+große Bergholz grade an der breitesten Stelle des Schiffes angebracht
+ist, so bedeutet der Name nicht nur eine Sicherung und Befestigung des
+Schiffes im Allgemeinen, sondern auch im Besonderen einen Schutz der am
+meisten gefährdeten Stelle gegen Stoß oder Anprall an ein anderes
+Schiff, an ein Bollwerk, eine Kaje, eine Pier etc. etc. Ich finde das
+Wort (in der niederdeutschen Form Barchholt) zum ersten Male in der
+&#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt,&#8223; 1673, in einer Segelanweisung
+wie man &#8222;by Harvestdagen upt sekerste dorch dat Schager Rack, offt uth
+den Sund na den Schagen&#8223; segelt. &#8222;Truwet awerst den Schagen by Nacht
+nicht tho veel, ydt wehr den Saack dat gy gut und sichtlick Wedder
+hadden, alß men by Dage buten de Trendel langest segelt, und dat men den
+upt Barchholt mit de Foeten by dat Water steit, so kom men Lesö by
+klaren Weder even sehen&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Berme</span>, die, Deichberme, Deichrand; französisch berme, Rand eines
+Festungsgrabens; spanisch berma; englisch brim, angelsächsisch brymme,
+Rand, Saum; niederländisch kommen beide Formen vor; breme, Rand und
+berme, Deich. Beweis, daß<a id="Page_58"></a>
+ <span class="pagenum">[58]</span> Berme nichts weiter als eine durch
+Metathesis veränderte Form von bram ist, welches (vergl. Bram und Bräm)
+den äußersten Rand bedeutet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ob der Name der Stadt Bremen von breme,
+brim, Rand, so daß Bremen also ein Uferort wäre, oder von brim, Meer, so
+daß er einen Meerort darstellte, oder vom angelsächsischen breme,
+berühmt, abzuleiten ist, haben die Bremer die Wahl.</p>
+
+<p><span class="strong1">Besan</span>, der. Das große Gaffelsegel am Kreuzmast, der, wenn er keine Rahen
+hat, also wenn das Schiff Barktakelage besitzt, eben nach dem Besan
+Besanmast genannt wird. Die Erklärung des Namens wird erschwert durch
+das Vorkommen anderer, ähnlich lautender. So gab es im Mittelalter eine
+Münze, die italienisch bisante, spanisch und portugiesisch besante,
+provençalisch bezan, altfranzösisch besant, englisch ebenfalls besant
+hieß. Sie hat aber, aus dem Mittelmeer stammend, mit unserm Besan nichts
+zu tun, (trotzdem dieser in seiner Gestalt an ein lateinisches Segel
+erinnert), denn sie hieß lateinisch byzantus, griechisch byzantos; es
+ist also klar, woher sie stammt (wie der Taler von Joachimstal, der
+Heller aus Hall, der Batzen aus Bern seinen Ursprung an der Stirn trägt)
+und was sie bedeutet. &nbsp;&mdash;&nbsp;Sodann gab es nach Kilian ein niederländisches
+Wort besaen, das Eierschale und eine Art billigen alaungegerbten Leders
+bezeichnete; damit ist auch nichts gewonnen. Wichtiger für uns ist es,
+daß Kilianus ein Wort besane hat, das er mit epidromus übersetzt, dessen
+Wichtigkeit aber darin besteht, daß er dafür auch die Form mesaene
+beibringt, denn nun dürfen wir auch annehmen, daß unser Besan einmal mit
+m angelautet hat. Er heißt zwar im Holländischen und Schwedischen auch
+bezaan, besan, aber dänisch mesan, englisch mizen, italienisch mezzana,
+spanisch mezana, portugiesisch mezena, französisch mizaine &nbsp;&mdash;&nbsp;und alle
+diese Wörter sollen aus dem Lateinischen stammen, und zwar nach Kluge
+aus medius, so daß also ursprünglich an einem anderen, <span class="strong1">mittleren</span>,
+Standort das Segel seine Verwendung gefunden haben muß. 1695 Mesansegel,
+1732 Bezaansegel, jetzt kurz: der Besan.</p>
+
+<p><span class="strong1">Besatzung</span>, die, eines Schiffes heißt die Gesamtheit derer die auf ihm
+eingeschifft sind zu dauerndem, dienstlichen Aufenthalt; die
+Schiffsmannschaft, früher Equipage, welches Wort in seiner fremden
+Gestalt uns kaum noch daran erinnert, daß es<a id="Page_59"></a>
+ <span class="pagenum">[59]</span> von dem
+niederdeutschen scip stammt und niederdeutsch eskipage hieß, alles
+zusammenfassend was zur Bemannung und Ausrüstung eines Schiffes nötig
+ist; bald auch die Ausrüstung eines sich auf dem Lande bewegenden
+Fahrzeuges, Kriegsgepäck, Reisegerät, Kutsche und Pferde.</p>
+
+<p><span class="strong1">beschlagen</span>, s. Beschlagseising.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beschlagseising</span>, der. Beschlagen, althochdeutsch bislahan,
+mittelhochdeutsch beslahen: schlagen auf, festschlagen, umfangen,
+umschließen (s. Schlag), verschließen, bedecken u.&nbsp;s.&nbsp;w. Die meisten
+Bedeutungen sind im seemännischen dieselben wie im Hochdeutschen, nur
+beschlagen bedarf der Erwähnung insofern es das Festbinden der
+aufgegeiten Segel an die Rahe bedeutet; solches geschieht mittelst der
+Beschlagseisings, Bändseln, an denen das eine Ende spitz zuläuft, das
+andere mit einem Auge versehen ist; s. seisen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beschute</span>, die. Seemännisch nur in Verbindung mit Hartbrot, &#8222;eine
+Beschute Hartbrot&#8223;, sei es wegen der Gestalt, sei es wegen des
+Hartgebackenen, Zwiebackähnlichen. Niederländisch bischuyt, nichts
+anderes denn eine volkstümliche Form des französischen biscuit.
+Zwey-Back sagt der Übersetzer der &#8222;durchläuchtigsten Seehelden&#8223; 1681. Er
+beschreibt die Entdeckung der Magellanstraße und erzählt von einem
+Patagonier, der &#8222;auf einer Mahlzeit einen ganzen Korb mit Zwey-Back
+aufgegessen, und in einem Zuge soviel Wein, als ein Wasser-Eimer halten
+möchte, ausgesoffen.&#8223; Als ob sie auf dem Geschwader Magellans ihr Brot
+und ihren Wein nicht besser hätten anwenden können, die wahrlich knapp
+genug waren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beschmarten</span>, s. Schmarting und bekleiden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Besetzt sein</span>, s. Legerwall.</p>
+
+<p><span class="strong1">Besteck</span>, das. 1. Der Entwurf, der genaue Plan eines zu bauenden
+Schiffes; auch eines zu bauenden Hauses. Ein ähnliches Wort wie Riß von
+ritzen (Runen ritzen, writan, to write, schreiben); ein Plan, der nicht
+umrissen, sondern mit Stichen bezeichnet, mit Stecknadeln abgesteckt
+ist. 2. Das Mittagsbesteck oder überhaupt die Bezeichnung der Stelle, wo
+sich nach genauer Berechnung, wenn es aber nicht anders sein kann, auch
+nach Gissung, das Schiff zu einer bestimmten Zeit befindet, der Punkt,
+wo Länge und Breite sich schneiden (s. absetzen), ein Punkt, an welchem
+die Spitze des Zirkels ein kleines Loch in das Papier<a id="Page_60"></a>
+ <span class="pagenum">[60]</span> der Seekarte
+<span class="strong1">sticht</span>. In der weiteren Entwicklung des Begriffes Besteck = Plan, Maß,
+ist Besteck auch schlechthin zu Maß geworden; ein Maß von Torf.
+Groningen: &#8222;alles noa bestek hebben&#8223;, alles so haben, wie es sich
+gehört. Auch gleichbedeutend mit Regel, Ordnung, Zeiteinteilung.
+Ostfriesland: &#8222;wat hebben dei menschen 'n roar bestek, zy eten om vier
+uur.&#8223; Ein Abstecher ist demnach eine Abweichung von dem ursprünglichen
+Reiseplan und -Wege. &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß &#8222;Besteck&#8223; in der Tat von dem &#8222;Stich&#8223; des
+Zirkels in das Papier der Seekarte den Namen hat, geht aus einer Stelle
+bei Waghenaer, &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;, &#8222;Amstelredam&#8223; 1588, hervor: &#8222;Soo
+sal hy alsdann nemen twee Passers, (Zirkel) met d' een de mylen metende
+die hy ghist ghezeylt te hebben. Ende met den anderen Passer lancxt
+Compasse stryckende de Cours die hy ghezeylt heefd tot dat de voeten van
+de Passers aen den anderen comen, daer weder een <span class="strong1">sticke met eenen
+scherpen Passer oft plompe naelde settende</span>, soo datment met cryt wederom
+wt doen cän&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bestroppen</span>, einen Stropp (s. d.) um einen Block, der zu diesem Zwecke
+mit einer Keep (s. d.) versehen ist, legen und festbändseln, damit er
+irgendwo, wo er Halt hat, befestigt werden kann. Im übertragenen Sinne
+gebraucht der Seemann das Wort häufig da, wo ein anderer sagen würde:
+das wollen wir schon machen, das wollen wir wohl kriegen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Betel</span> s. Kalfatern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beting</span>, die eine Vorrichtung zur Befestigung der Ankerketten an Bord,
+starkes querschiffs laufendes, abgestütztes Gestell. Bett und Beet haben
+beide die Bedeutung: Bleib-, Haft-, Sitz-oder Ruheding, von der Wurzel
+bhad = binden, fesseln, festen und haften, halten, tragen. Beting ist
+ein niederdeutsches Wort von derselben Herkunft, bei dem der Gedanke an
+das Halten, Festhalten des Ankertaues zum Ausdruck gekommen ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Beweert</span> ist ein Schiff, wenn es wegen schlechten Wetters verhindert ist,
+in See zu gehen. Doch kommt das Wort nicht etwa davon her, daß widriger
+Wind oder sonst schlechtes Wetter ihn solches wehrte, vielmehr ist
+beweert eine Zusammenziehung von bewettert, oder vielmehr, da es sich um
+niederdeutsches Gebiet handelt, von beweddert; das niederdeutsche wedder
+ist ja durchgängig im Munde des einsilbigen Volkes zu weer, wér
+geworden.<a id="Page_61"></a>
+ <span class="pagenum">[61]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Bilander</span>, der, ein zweimastiges Schiff in Schweden, England und
+besonders in Holland gebräuchlich, das als besonderes
+Unterscheidungsmerkmal eine eigenartige Stellung der großen Rahe und
+dieser entsprechende trapezförmige Gestalt des Großsegels hat. Die Rahe
+macht mit dem Mast ungefähr einen Winkel von 45°, ihre oberste Nock
+befindet sich über dem Heck, die unterste über dem Mittelschiff. Diese
+Gestalt ist offenbar mit Rücksicht auf enges Fahrwasser gewählt, um
+nicht so viel Raum in Anspruch zu nehmen. Denn für Binnenschiffahrt und
+Fahrt &#8222;<span class="strong1">bi Lande</span>&#8223; ist das Fahrzeug bestimmt. Vier bis fünf Mann genügen
+zur Handhabung der Segel.</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p> &#8222;Why choose we, then, like bilanders to creep</p>
+ <p> Along the coast, and land in view to keep.&#8223;</p>
+
+ <p class="author"> Dryden.</p>
+
+</div>
+
+<p><span class="strong1">Bilge</span>, die. Der unterste Raum des Schiffes in dem sich das eingedrungene
+Wasser sammelt; auch dieses Wasser selbst. Letzteres ist die
+ursprüngliche Bedeutung des Wortes, welches mit Balg nahe verwandt ist.
+Balg aber entstammt einer Wurzel, die &#8222;anschwellen&#8223; bedeutet. Offenbar
+hatte man, wie ja alle Sprache ursprünglich Bildersprache war, einen
+aufgeblasenen oder mit Wasser gefüllten Balg vor Augen. Aus derselben
+Wurzel stammt das in Ostfriesland vielfach gebrauchte Verbum belgen,
+niederländisch belghen, angelsächsisch belgan, englisch to bulge. Auch
+im Mittelniederdeutschen war dieses belgen gebräuchlich. Es bedeutet in
+Bewegung kommen, in Hitze und Zorn geraten, dick werden, anschwellen,
+&#8222;geschwollen sein auf jemanden&#8223;, weil einem zornigen Menschen das Blut
+zu Kopf steigt, das Gesicht sich rötet, die Adern aufschwellen und dick
+hervortreten. Der Begriff des Anschwellens ist auf das Wasser angewandt
+worden, (&#8222;das Wasser rauscht, das Wasser schwoll&#8223;). Eine solche
+rauschende, schwellende Woge heißt, entsprechend dem erwähnten belgen,
+Bülge; schwedisch bölja, dänisch, bolge, altnordisch bylgja, wie denn
+sinnreich und bedeutungsvoll eine der Töchter des Meergottes Ägir in der
+Edda Bylgia genannt wird. Dieses Bülge aber brauchen wir nur mit i
+anstatt mit ü zu schreiben, (im Englischen wird es sowohl bulge als auch
+bilge geschrieben), dann haben wir unser urdeutsches, nur etwas
+anglisiert ausgesprochenes Seemannswort Bilge. Mit einiger Phantasie
+können wir uns leicht vorstellen, wie bei den alten<a id="Page_62"></a>
+ <span class="pagenum">[62]</span> deutschen
+Seefahrern in ihren immerhin kleinen, oft offenen Schiffen diese im
+untersten Schiffsraum hin- und herwogenden, schwellenden Bülgen, deren
+Anschwellen es mit aller Macht zu bekämpfen galt, eine wichtige Rolle im
+Schiffsleben gespielt haben.</p>
+
+<p>Im Althochdeutschen hieß bulga ein Ranzen, Felleisen, lederner Sack und
+belgan aufgebracht sein, zornig sein, aufschwellen; mittelhochdeutsch
+bulga die aufgeschwollene Woge. Aber gegen bulga im Sinne von Bilge hat
+sich das Hochdeutsche lange gesträubt, denn nicht immer ist den
+Deutschen die <span class="strong1">Bewegung</span> des Bilgewassers bei der Benennung das
+Ausschlaggebende gewesen. Es scheint als ob der Begriff der Bewegung
+erst an der im Vergleich zum Mittelmeer so viel bewegteren Nordsee in
+den Vordergrund getreten und daß Bilge daher lange Zeit ausschließlich
+niederdeutsches Eigentum gewesen wäre. Im Althochdeutschen hatte man
+zwar, wie bemerkt, das Wort bulga, aber die Bilge nannte man sentine.
+Dieses Wort stammt aus dem Mittelmeer, es ist das lateinische sentina
+und beweist, daß man in jenen sanfteren Gewässern bei der Namengebung
+mehr an den üblen Geruch des betreffenden Wassers als an seine Bewegung
+gedacht hat, denn sentina heißt Jauche, Abwasser, Auswurf, Hefe, Unflat;
+daher französisch sentine zugleich Pfuhl und Bilge heißt, englisch
+sentine Senkgrube, Sammelstelle stinkenden Wassers. Wer einmal
+Bilgewasser gerochen hat, der wird sich also über die Benennung im
+Althochdeutschen nicht wundern. &nbsp;&mdash;&nbsp; Als unterster Raum im Schiffe diente
+die sentine in Zeiten, da man auf Hygiene wenig achtete und sich um die
+Gesundheit der Gefangenen nicht viel bekümmerte, auch als Gefängnis, als
+Arrestlokal. Und dieser Umstand könnte vielleicht zur Erklärung des
+Wortes sentinelle, englisch sentinel dienen. Daß dasselbe von sentire,
+wahrnehmen, direkt abgeleitet wäre, ist doch kaum anzunehmen, man müßte
+denn einem Posten, einer &#8222;Schildwache&#8223; eine ganz besondere, in der Nähe
+der sentine noch dazu sehr übel angebrachte Sensibilität zuschreiben
+wollen. Daß aber der Posten vor der sentine sentinelle genannt worden
+ist, wird den nicht wundern, der weiß, daß der Mann, der bei den
+Schilden Wache stand, selbst Schildwache genannt worden ist. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Holländische Matrosen nennen die Bilge nicht unwitzig pis-bak, auch
+pis-gat, kurzweg auch bloß gat, Loch. Das ging ins Französische über als
+gatte, jatte, und die französischen Matrosen machte daraus scherzweise
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Agathe.<a id="Page_63"></a>
+ <span class="pagenum">[63]</span></p>
+
+<p>Es gab früher noch ein drittes Wort für Bilge, das aber meines Wissens
+nur noch im Gröningenschen im Gebrauch ist: durk. Halbertsma erklärt es:
+&#8222;spatium in navis fundo inter tabulatum interius et exterius,
+receptaculum aquae stillantis per rimas, sentina&#8223;. Im ostfriesischen
+kommt das Wort nur noch in der Form turk vor, Bezeichnung für den
+hintersten, abgeteilten, dunklen Teil eines Mäherzeltes. Aber im
+schwedischen ist es erhalten, nur daß da durk einen Schiffsraum
+bedeutet, der als Last dient, also immerhin die der Bilge nahen Räume.
+Der Teuthonista hat das Wort in der Form dorrick, &#8222;dat dyepste van den
+scheep den water naist&#8223;; &#8222;dorrick in en schip, dair sych al dat water in
+den schip vergadert, sentina&#8223;. Angelsächsisch thurruc, auch im
+englischen noch als thorruke bekannt. Mittelniederdeutsch hieß es dork;
+aber durk dürfte die ursprüngliche, auf Lautmalerei beruhende Benennung
+der da unten, wo es fürchterlich ist, gurgelnden Gewässer sein.</p>
+
+<p>Ein viertes Wort wird heute noch gebraucht: Sod, oft in der
+Zusammensetzung Pumpensod; &#8222;der niedrigste Ort im Schiffe beym großen
+Mast, wo die Pumpen stehen und wohin sich wegen der Krümmung oder des
+Springs des Schiffes alles im Raum befindliche Wasser durch die
+Nüstergaten zusammenzieht&#8223; (Röding II 310). Dieser Raum heißt in der
+&#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223; 1673 &#8222;Soet&#8223;. Die Bedeutung
+kommt der von Bilge sehr nahe, denn Sod ist das niederdeutsche und
+niederländische sod oder sot = Brunnen, und kommt mit sode = das Sieden,
+Kochen, Brodeln, Aufkochen, Aufwallen, Aufquellen, Aufstoßen, (daher
+&#8222;Sodbrennen&#8223;) von seden = sieden, kochen, wallen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bewulen</span> s. (wulen) Wuling.</p>
+
+<p><span class="strong1">Billen</span>, die. Die untere Rundung des Schiffes hinten, wodurch der Spiegel
+mit der Seite des Schiffes vereinigt wird; auch Backen genannt;
+italienisch il rotondo della poppa. Der zu Grunde liegende Begriff ist
+der des Runden; heißen doch die ebenfalls Rundungen bedeutenden Backen
+am menschlichen Leibe, da wo der Rücken nicht mehr anständig ist, im
+Niederdeutschen billen; &#8222;Kinder fan willen (die sagen &#8222;ich will&#8223; anstatt
+&#8222;ich bitte&#8223;) krigen wat för de billen.&#8223; &#8222;Der Stuhl ist noch billenwarm
+von dem eben jemand aufgestanden ist.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Also ein ziemlich derbes Wort,
+aber treffend und deutlich, und darauf kommts der Sprache vor allen
+Dingen an.<a id="Page_64"></a>
+ <span class="pagenum">[64]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">binnen</span>, inwendig, drinnen. Althochdeutsch binnen, mittelhochdeutsch
+binnen, jetzt im Hochdeutschen so ziemlich auf &#8222;Binnenland&#8223;
+eingeschränkt, während in Niederdeutschland das Wort noch in manchen
+anderen Verbindungen erhalten ist. In Holland wird so oft jemand an die
+Tür klopft da wo wir herein! rufen würden &#8222;binnen!&#8223; gerufen.
+Seemännisch: binnenbords, Binnengewässer, Binnenseite, Binnenhafen,
+binnen laufen (für Schutz suchen in einem Hafen, auch bloß gleich
+einlaufen) Binnenschoot (am Leesegel). Entstanden aus beinnen, wie boven
+aus be-oben und buten aus be-uten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Brise</span>, die, jetzt für gewöhnlich gleichbedeutend mit Bö ohne Rücksicht
+auf die Himmelsrichtung für einen plötzlich aufkommenden, scharfen, wo
+möglich von Schnee und Hagel begleiteten Wind. Das war früher anders. Da
+konnte man nicht sagen: es kommt eine Brise aus Osten auf, so wenig wie
+eine Zeitung die in einer Hafenstadt erscheint hätte schreiben dürfen:
+&#8222;Boreas blies mit vollen Backen aus Südwest&#8223;, oder wie es auf dem
+Vogelsberg mit Recht gesagt werden kann: &#8222;Hier bläst der Nordwind aus
+allen Himmelsrichtungen.&#8223; Denn da wußte man noch, daß Bise Nordwind
+bedeutet. Althochdeutsch bîsa, mittelhochdeutsch bise, boreas;
+piemontesisch und provençalisch bisa, Nordwind; französisch bise. Ein
+deutsches Wort, das Weigand I. 223 wohl nicht mit Unrecht als
+&#8222;Beiß&#8223;-Wind erklärt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Dazu gehört italienisch bigio, provençalisch und
+französisch bis = grau, schwärzlich; das hängt damit zusammen, daß man
+in Frankreich den Nordwind bise nannte, mit seinem altdeutschen Namen,
+und daß bei Nordwind der Himmel grau und schwärzlich war. Ja man dachte
+sich den Norden überhaupt schwarz und dunkel, denn im Altfranzösischen
+hieß bise geradezu nördliche Gegend, Norden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Blakepumpe</span> s. Pumpe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bleilatsch</span>, der, ein an Bord gespieltes Unterhaltungsspiel, bei dem es
+auf die Geschicklichkeit im Werfen mit einer Bleischeibe nach einer an
+Deck aufgezeichneten Figur ankommt. Eine Latsche ist ein
+niedergetretener Schuh oder ein solcher ohne Kappe oder Hinterleder;
+latschen heißt gehen ohne daß man die Füße recht vom Boden aufhebt, mit
+den Sohlen auf dem Boden dahinschlurren und -schleichen. So gleitet die
+durch die<a id="Page_65"></a>
+ <span class="pagenum">[65]</span> Luft geworfene Bleiplatte eine Zeit lang an Deck hin,
+ehe sie an ihrem Ziele liegen bleibt.</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Blauer Peter&#8223;</span> s. &#8222;an Bord.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Blinde Rahe</span>, die, ist ein kurzes Rundholz am Bugspriet, das den Zweck
+hat, demjenigen Teil des stehenden Gutes, der den Klüverbaum nach den
+Seiten zu rückwärts stützen soll, eine größere Spreizung, also mehr Halt
+und Festigkeit zu geben. Ein Segel hat diese Rahe nicht. Aber in
+früheren Zeiten hatte sie eins. Es gab da sogar zwei blinde Rahen mit
+Segeln, mit viereckigen Rahsegeln. Sie nützten zwar wenig, diese Segel,
+und hießen darum Blinde, obere Blinde und untere oder große Blinde, und
+eben daher hießen die beiden Rahen Blinde-Rahen. Überhaupt hieß jedes
+Segel, wenn und solange es, durch ein anderes stehendes Segel verdeckt
+oder &#8222;benommen&#8223;, ohne Wind war, ein blindes Segel. Da dies bei den
+beiden Segeln unter dem Bugspriet allermeist der Fall war, waren sie
+eigentlich zwecklos und leisteten nichts. Mit der Bezeichnung &#8222;blind&#8223;
+wird wie mit &#8222;taub&#8223;, etwas benannt, was nicht ganz so ist wie es sollte
+sein, nicht leistet wozu es bestimmt ist, z.&nbsp;B. blindes Glas, blindes
+Fenster, blinder Passagier, &#8222;mit dem Blinden spielen.&#8223; Im Friesischen
+und Angelsächsischen heißt unsere &#8222;taube Nessel&#8223; &#8222;blinde Nessel&#8223; als
+eine Pflanze die blüht, ohne Frucht zu bringen; vergl. &#8222;taube Nuß&#8223;, Nuß
+die keinen (Frucht) Kern hat. Die Würfelseite ohne Punkte, (Augen) heißt
+friesisch bline dobbelstien. In Westfalen nennen sie das, was man
+anderwärts einen &#8222;Nachtwächter&#8223; am Wege nennt, einen blinnen hasen, weil
+es nicht wegläuft wenn man darauf tritt. Englisch ist die &#8222;schwache
+Seite&#8223; eines Menschen seine blindside. &#8222;He is too great a lover of
+himself, this is one of his blindsides; the best of men, I fear, are not
+without them.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Weil die &#8222;Blinde&#8223; genannten Segel überflüssig waren,
+kamen sie ab, aber die eine &#8222;Blinde-Rahe&#8223; ist als blinde Rahe geblieben,
+denn sie ist, wie oben angegeben, nicht überflüssig und zwecklos, wenn
+sie auch den entsprechenden Namen erhalten bezw. behalten hat. Insofern
+der eigentliche Zweck einer Rahe der ist, ein Segel zu tragen, führt sie
+ihn auch mit einem gewissen Recht. Auf den Seekarten des Lucas Janszoon
+Waghenaer im &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;, 1588, ist der freie Raum, den das
+Meer bietet, mit Vertonungen, schön verzierten Titelkartuschen und
+dergl. ausgefüllt; daneben auch mit allerlei Seetieren<a id="Page_66"></a>
+ <span class="pagenum">[66]</span> und
+namentlich mit Schiffen unter Segel. Die meisten von diesen haben die
+Blinde gesetzt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Blinkfeuer</span>, das. &#8222;Ein Leuchtturm mit rotierendem Leuchtapparat, dessen
+Licht durch kurze Intervallen von Dunkelheit unterbrochen wird und dann
+plötzlich wieder erscheint.&#8223; Ein &#8222;Blink&#8223; ist eine klare Stelle am
+Himmel, die sich zuweilen bei nebligem oder dunklem Wetter zeigt.
+Während im Hochdeutschen die Sippe seltener vorkommt, z.&nbsp;B. in der
+Allitteration &#8222;blink und blank&#8223;, als Zeitwort blinken und in der Wendung
+&#8222;mit den Augen blinkern&#8223;, findet sie im Niederdeutschen um so
+zahlreichere Verwendung, zumal auch blick und bliken dazu genommen
+werden müssen, da blink und blinken davon nur nasaliert sind. Blik =
+Schein, Glanz, Strahl, Leuchten, Zeichen, Kennzeichen; davon bliksem,
+bliksen, bliks = Blitz. &nbsp;&mdash;&nbsp; Blink, ebenfalls Blitz, Glanz, momentanes
+Leuchten, kurzer heller Schein; &#8222;alle dre mienuten smit dat lücht fan de
+furtorn 'n blink afer 't water.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Blinke, blink &#8222;eine glänzende Stelle
+im Watt, welche namentlich beim Sonnenschein durch ihren hellen Schein
+weithin sichtbar ist. Es sind diejenigen Stellen, welche nach
+eingetretener Ebbe wegen ihrer Undurchlässigkeit länger naß bleiben&#8223;
+(Doornkaat). Es gibt auch noch ein blinke, blink als grüner Anger bei
+Dörfern und Städten, was wohl von brink kommt, einen erhöhten,
+bewachsenen Weideplatz bezeichnend. Dazu die Zeitwörter bliken = Schein
+und Glanz machen, wonach aussehen, sichtbar und offenbar werden,
+erhellen, sich zeigen, und blinken = blinken, leuchten, glänzen,
+blitzen, funkeln; davon das Frequentativum blinkern, zwinkern, blinzeln.
+Kommen alle mit Birke wegen der glänzenden scheinenden Rinde von der
+Wurzel bhrag, bharg, bhark, glänzen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Schon althochdeutsch blican,
+glänzen, blicfiur, Blitzfeuer. Angelsächsisch blican, leuchten; aber
+altenglisch blink = aspectus. &nbsp;&mdash;&nbsp;Roeding kennt &#8222;Blickfeuer, gewisse
+Signäle die man in der Nacht auf Schiffen durch Ansteckung etwas Pulvers
+von Zeit zu Zeit macht, um sich unter einander Nachricht zu geben, wo
+man sich befindet.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Block</span>, der. Dieses für die Seemannschaft so wichtige Werkzeug, das einem
+jeden aus der Physik als Teil eines &#8222;Flaschenzuges&#8223; bekannt ist und das
+hauptsächlich aus zwei Teilen, dem Gehäuse und der Scheibe, besteht, hat
+seinen Namen von einem Klotz; denn nichts anderes bedeutete das
+althochdeutsche biloh,<a id="Page_67"></a>
+ <span class="pagenum">[67]</span> mittelhochdeutsch bloch, als Klotz, Stück
+eines Baumstammes, dickes Brett, Bohle, Holzblock, Block in
+Gefängnissen; altfriesisch bloc, &#8222;vppa thet bloc iefta inna thet kalde
+yrsen sle,&#8223; in diesem Sinne wird aber meist, schon im
+Mittelniederdeutschen, Stock gesagt. Indessen ist Block die treffendere
+Bezeichnung, denn es kommt vom gothischen lukan, althochdeutsch luhhan,
+angelsächsisch lucan, und das heißt schließen, verschließen (s. Luke).
+Das Wort Block führt also in die frühesten, einfachsten Zeiten zurück in
+denen man zum Verschließen von Öffnungen weiter nichts hatte als einen
+Holzklotz. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es gibt eine große Anzahl von Blöcken an Bord, mit
+verschiedener Gestalt und Bestimmung, die auch je nach Art und Zweck
+verschiedene Namen führen. Die meisten davon erklären sich durch
+Zusammensetzungen wie Hakenblock, Bauchgordingsblock, Leesegelsfallblock
+von selbst. Sonst s. Violinblock, Warrelblock, Steertblock,
+Kinnbacksblock, Dodshofd und Spinnekopf.</p>
+
+<p><span class="strong1">Block an Block</span> s. tublocks.</p>
+
+<p><span class="strong1">Blockade</span>, die. Sperrung eines Hafens, einer Küste. In diesem Worte ist
+die ursprüngliche Bedeutung von Block (s. d.) wieder zum Vorschein
+gekommen: Verschluß. Das französische bloc und bloquer, das italienische
+bloccare, das spanische bloquear sind also deutschen Ursprungs.
+Blockieren war in Deutschland schon vor dem 30jährigen Kriege
+gebräuchlich. Blockade dagegen wird nach Kluge erst seit 1686
+verzeichnet.</p>
+
+<p><span class="strong1">blockieren</span> s. Blockade.</p>
+
+<p><span class="strong1">Blüse</span>, die. Neben den Leuchttürmen hatten sich lange Jahrhunderte
+hindurch offene Feuer an erhabener Stelle erhalten die gleichem Zwecke
+dienten, jetzt aber unseren modernen Beleuchtungsmitteln gewichen sind.
+Sagt doch schon Roeding: &#8222;Auf Blüsen brennt gewöhnlich ein
+Steinkohlenfeuer, da aber die Flammen desselben, wenn frische Kohlen
+aufgeschüttet werden, eine Zeitlang erlöscht, oder auch durch die
+Nachlässigkeit des Hüters, der es nicht oftmals genug auffrischt, nur
+ein schwaches Licht von sich wirft, so sind die Leuchttürme, auf welchen
+Lampen brennen, diesen Blüsen vorzuziehen.&#8223; Mit blasen verwandt,
+anblasen, anfachen, brennen und flammen machen; englisch to blush, rot
+werden, erröten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auf Wangeroog war erst ein Leuchtturm, dann eine
+Blüse oder Feuerbake und dann wieder ein Leuchtturm. Winckelmann hat in
+seiner um die Mitte des siebzehnten<a id="Page_68"></a>
+ <span class="pagenum">[68]</span> Jahrhunderts verfaßten
+oldenburgischen Chronik davon berichtet. &#8222;Dieses Eyland ist vorzeiten
+viel grösser als gegenwärtig, gewesen, solle, nach der Alten Berieht,
+sowohl in- als auswendig des Hafens oder Strandes, durch hohe
+Wasserfluten und starke Stürme, mehr als die Helfte mit der Zeit sich
+verloren haben, ist itzo nur eine halbe Meile lang, und eine halbe
+vierteil Meile breit, und denen auf der West- oder Nordseefahrenden sehr
+nützlich, als dahin sie sich bei Sturmzeiten begeben und vor dem
+Schiffbruch retten können, wie sichs dann oft begiebt, daß am selbigen
+Ort 40, 50, 60 und mehr große Lastschiffe zusammenkommen und sich
+daselbst to lang, bis das Ungewitter vorbey, aufhalten, dahero solche
+Stelle von den Schiffleuten pro tutissima navium statione, vor einem
+sicheren Schiffhafen gerühmt wird. Auf diesem Eylandt sind zwo Kirchen,
+die eine ins Norden, ist noch vor kurzer Zeit, die andere aber ins
+Westen mitten auf dem Eylandt mit einem hohen dicken Turm und einem Dorf
+gestanden. Jene ist durch die Ungestümigkeit des Meeres in Vorjahren
+hinweg gangen, deren Rudera und Kennzeichen, auch zur Ebbezeit die
+Abteilung der Äcker und die bei den Häusern gehabte Brunnen, man noch
+merklich sehen kann. Die Einwohner finden jehands daselbst einige alte
+silberne Münze und andere Sachen. Der Ort wird sonsten Oldenoge genand,
+worüber nun mehr die allergrosseste Schiffe fahren. Der ins Westen
+stehende ansehnlicher dicker Turm ist im Jahre 1597 von Herrn Graf
+Johansen, auf der Elterleut zu Bremen schrift- und mündliches Ersuchen
+zum besten zu erbauen angefangen und im Jahr 1602 vollendet worden;
+dessen Kosten an Materialien und Handwerkslohn, ohne die Fuhren und
+Frohnen der Untertanen, sich auf die vierundzwanzigtausend Reichstaler
+belauft. Oben darauf hat eine große eiserne mit Rüben-Öhl gefüllete
+brennende Lampen durch 48 Fenster geleuchtet, den Seefahrenden Leuten
+bey tunkelen und einfallenden Sturmgewitters Zeiten, zu verhütung
+Schiffbruchs, die Gegend und den Ort in der See zu zeigen, daß man davon
+sagen mögen:</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p>Naufragus aequoreis ne Nauta periret in undis</p>
+ <p>Hac facibus turri nocte docetur iter.</p>
+
+</div>
+
+<p>Dieweilen aber solche Lampen durch die Fenster nicht weit in die See
+geschienen, und nachgehends die Feuerbaken erfunden sind; Als lässet
+Herr Graf Anthon Günther eine Feuerbake<a id="Page_69"></a>
+ <span class="pagenum">[69]</span> ins Norden auf einen
+Sandhügel und noch zwey und zwanzig Stuffen hoch aufrichten, und das
+Feuer mit Schottischen Steinkohlen von Michaelis bis gegen Christtag,
+und wieder gegen Fastnacht bis Ostern, alstets unterhalten, welches in
+die vierdhalb Meile wegs aus der See gesehen wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bö</span>, die. Eine plötzlich entstehende, kurze Zeit dauernde Windsbraut, bei
+der man je nach der Stärke oder den Begleiterscheinungen von Sturmbö,
+Hagelbö, Regenbö, spricht. Es dürfte mit Bake verwandt sein. Hört man
+genauer zu, so sagt ja der niederländische Seemann nicht schlechthin und
+kurzab Bö, sondern er macht das ö lang und zieht es am Schlusse in ein i
+hinüber. Wer jemals einen Kieler Fischer den Namen des Seebades und
+Fischerdorfes Laboe aussprechen hörte, der wird den Klang kennen, wenn
+Laboe auch eine andere Herkunft aufweist. Im ostfriesischen heißt das
+Wort geradezu Böje. Und dieses i dürfte der letzte Rest eines flüchtig
+gewordenen Gutturallautes sein, eines k oder g, wie denn im dänischen
+das Wort, heute das g noch hat, byge. Zu Grund wird ein Zeitwort liegen,
+das altfriesisch und saterländisch beja, nordfriesisch boje, dänisch
+boje, westfriesisch buwgjen, holländisch buigen heißt, das deutsche
+beugen, biegen, bücken. Eben davon haben wir Bake abgeleitet, wegen der
+biegenden, beugenden, bückenden Bewegung des Körpers. Nun eröffnet sich
+für die Entstehung von Bö eine doppelte Möglichkeit. Entweder, was das
+Nächste sein dürfte, die Bö biegt, beugt Bäume und Masten, (oder bricht
+sie, wenn sie nicht biegen wollen), oder sie ist eben aufzufassen als
+eine Biegung, Beugung, Ablenkung, eine plötzliche Veränderung des
+Wetters.</p>
+
+<p>Und wie wir in Bezug auf die Gemütsstimmung eines Menschen wohl von
+&#8222;schlechtem Wetter&#8223; sprechen, so wird in Ostfriesland für unbeständige,
+umspringende, sich hin- und herdrehende Stimmung, für eine
+wetterwendische Gemütsart die Bezeichnung Böje gebraucht. Und gerade
+dieser Gebrauch hilft die Vermutung der Verwandtschaft mit Bake stützen,
+denn für Böje in diesem Sinne wird noch häufiger Bök oder Böke gesagt,
+das Wendung, Kehr, Drehung, Wechsel, Laune bedeutet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bock</span>, der, ein aus zwei Stangen aufgerichtetes Gestell, mit dessen Hilfe
+man Lasten aufwindet. Ungleich dem Sturmbock, der von des Ziegenbocks
+Neigung zum Stoßen den Namen hat, ist dieser Bock nach dem mit seinen
+Hörnern sich vornüber neigenden<a id="Page_70"></a>
+ <span class="pagenum">[70]</span> Ziegenbock genannt, während
+Sägebock einfach das Bild eines solchen Tieres in seiner ganzen äußeren
+Gestalt darstellt. Wohl von einer Wurzel bhug, wegen des Sichbückens zum
+Stoß. &nbsp;&mdash;&nbsp; s. Krahn.</p>
+
+<p><span class="strong1">Boden</span>, der, &#8222;ein uraltes indogermanisches Wort&#8223; mit der Bedeutung &#8222;Grund
+und Boden&#8223;; dann auch das Untere, Unterste, Unterlage für etwas, davon:
+Aufbewahrungsort. Das Wort hieß althochdeutsch bodam, mittelhochdeutsch
+bodem; so heißt es auch heute noch in deutschen Mundarten. Angelsächsich
+botm, englisch bottom. Dieses in der ursprünglichen Form ist für die
+Seemannssprache wichtig wegen Bodmerei (s. d.). Man spricht von
+Außenboden, Innenboden, Doppelboden u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bodenwrange</span>, die, auch Bauchstück genannt, das unterste, zunächst am
+Kiel sitzende Spantstück. Es hat seinen Namen von der Krümmung. Wenn
+auch gerade das unterste (Bauch-) Stück des Spants noch nicht so sehr
+gekrümmt ist, so beginnt doch bei ihm die Krümmung; es ist daher
+zweifellos, daß Wrange von wringen, biegen, drehen, kommt. Wrange heißt
+in Ostfriesland auch ein &#8222;verdrehter&#8223; Mensch; das hochdeutsche, wie
+gewöhnlich das anlautende w vor r abwerfend, sagt dafür Range. &nbsp;&mdash;&nbsp; Davon
+das französische varangue.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bodmerei</span>, die, ein Darlehensgeschäft, Vorschuß auf die, auf dem Boden
+(früher Bodem) des Schiffes, d.&nbsp;h. im Schiffe liegenden, zur Ausfahrt
+geladenen Waren. Französisch la bomerie; Aubin: &#8222;Comme l'argent que l'on
+préte, et qui raporte quinze, vingt et jusques à trente pour cent, selon
+les risques, n'est prêté, pour l'ordinaire, que sur la quille du
+vaisseau, qui chez les Hollandais s'apelle Bodem, d'où ils on fait
+Bodmerye, on a aussi apellé ce prêt, Bomerie.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Kilianus Duffel.:
+boomerye rectius bodemrye, tax: bodmerye a bodem i. carina navis, foenus
+nauticum, usura maritima. &nbsp;&mdash;&nbsp; In Holland heißt verbodemt hout hout dat
+komt per bodem, d.&nbsp;h. an Bord eines Schiffes und mit einem Floß. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die
+über das Geldgeschäft aufgenommene Urkunde heißt Bodmerei-Brief,
+unterschieden von Beilbrief (s. d.), weshalb die Erklärung &#8222;Vorschuß auf
+den Kiel eines Schiffes&#8223; ungenau ist, weil man dabei an den Bau eines
+Schiffes denken könnte, während doch die Ladung des Schiffes gemeint
+ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Boje</span>, die. Ein Seezeichen, nach Zweck und Gebrauch ähnlich der Bake, nur
+daß die Boje schwimmt und die Bake meistens auf dem Lande oder dem
+Meeresgrunde befestigt ist.<a id="Page_71"></a> <span class="pagenum">[71]</span>
+ Nach der Gestalt unterscheidet man
+Bakenboje, Blockboje, Glockenboje, Kegelboje, Pfahlboje, Spierenboje,
+Tonnenboje, wie denn auch Tonne (s. d.) allein häufig, ebenso wie Boje
+und Bake, für Seezeichen gebraucht, und zwar, wie es scheint, in neuerer
+Zeit immer häufiger angewandt wird. (&#8222;Lootsen- und Betonnungswesen&#8223;).
+Nach der Farbe unterschieden giebt es weiße, schwarze, rote, gestreifte
+und gewürfelte Bojen. Nach ihrem Zweck: Ankerboje, Anseglungsboje,
+Hafenboje, Mooringsboje, Rettungsboje, Signalboje, Verholboje,
+Vertäuboje, Festmacherboje, Warnboje, Warpboje, Wrackboje,
+Deviationsboje. Boje ist ein Lehnwort aus dem Lateinischen und bedeutete
+ursprünglich nur Fessel. Bei dem lateinischen Schriftsteller Festus
+kommt es mit der Erklärung vor: &#8222;genus vinculorum tam ferreae quam
+ligneae,&#8223; ist dann in das Altitalienische übergangen, wo es noch boja
+hieß, ins Provençalische, wo es die Form boia annahm, und ins
+Französische, wo es altfranzösisch als buie, Kette, Fessel vorkommt. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Weil der Henker dem Spitzbuben gleichsam eine Halsfessel anlegt, so
+heißt er im Italienischen boja. Boja bedeutet nicht bloß Kette, sondern
+irgend ein zum Fesseln geeignetes Ding, zum Beispiel einen Riemen, aus
+einer Tierhaut, genauer einer Ochsenhaut geschnitten, und da bos der
+Ochse heißt, so ist also Riemen aus Ochsenhaut die älteste Bedeutung.
+Nun fesselte man, band man fest an solchen Riemen, an ein Tau, an eine
+Kette ein Stück Holz in der Weise, daß das eine Ende am Holze fest war,
+das andere an einem auf dem Meeresgrunde liegenden Stein. Und bald
+übertrug man den Namen des haltenden Dinges auf das Gehaltene und nannte
+das Stück Holz nach der boja, die es festhielt, Boje. Offenbar hat sich
+diese Bedeutungsübertragung auf dem Durchgang durch das Französische
+vollzogen, wo 1702 Boje in der Form bouée vorkommt: &#8222;une marque faite
+d'un morceau de bois ataché à l'orin.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Aber noch weiter ist man mit
+der Übertragung der Bedeutung gegangen, so weit, daß von der
+ursprünglichen gar nichts mehr vorhanden ist. Diese Neugeburt kam in
+drei Abschnitten zu Stande: 1. Boje = Fessel. 2., Boje = gefesseltes
+Stück Holz oder Kork oder dergl. 3., ein Stück (Ring von) Kork ganz ohne
+Fessel, frei durch die Luft als Rettungsboje dem ins Wasser Gefallenen
+zugeworfen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Doch war im Holländischen vor 200 Jahren die Bedeutung
+Fessel auch den Seeleuten noch durchaus geläufig, denn einen &#8222;in de
+ysers<a id="Page_72"></a>
+ <span class="pagenum">[72]</span> of boyen setten&#8223;, hieß einen in Eisen, in Fesseln legen.
+Kilianus, über 150 Jahre früher, hat das Wort als bouye = vinculum
+pedis; dann aber auch = anchoralia tabula, anchorae index in superficie
+aquae natans, also Ankerboje. Diese Bedeutung im übertragenen Sinne ist
+also die älteste und ist auch hauptsächlich in das Bewußtsein der
+(nichtseemännischen) Schriftsteller übergegangen: Schreibt doch Weiland:
+&#8222;boei = eene ton, of een blok hetwelk op het water dryft en de plaats
+aanwyst, waar het anker ligt.&#8223; Sonst kennt er auch boei noch als Band,
+&#8222;met de stalen boei aan 't been.&#8223; In der Mehrzahl heißt es: Gefängniß.
+Auch bildlich gebraucht: &#8222;met de boejen des huwelyks (der Ehe) belast.&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Siehe auch &#8222;Tonnenboyer.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Bollwerk</span>, das, kommt in der Seemannssprache nur im Sinne von &#8222;hölzerne
+Brücke&#8223; vor, aus Pfählen und Bohlen entlang einer Mauer, einem Wall oder
+Damm als Liegeplatz für Schiffe erbaut, oder auch ins Wasser
+hinausgebaut zum (vorübergehenden) Anlegen von Schiffen. So leidet es
+keinen Zweifel, daß das Wort von Bohle kommt. Schon im &#8222;Seebuch&#8223; 1400
+lesen wir: &#8222;unde van Nergeden to Revele achter dat bolwerk, dat sind dre
+weke seys.&#8223; &#8222;dat Kors ist ost.&#8223; (&#8222;weke sees&#8223; ist ein noch zweifelhaftes
+Wegemaß zur See aus jener Zeit.) Aus dieser Segelanweisung ersehen wir,
+wie sehr die Hansa auf gute Hafenanlagen bedacht war. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das deutsche
+Wort drang als boulevard ins Französische; es war also von den Leuten zu
+Mainz doppelt Unrecht, daß sie anfänglich ihre schönste neue Straße
+Boulevard genannt haben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von Bollwerk kommt ein Zeitwort bollwerken,
+das ein Bollwerk machen bedeutet, figürlich aber für schwer arbeiten,
+scherzweise auch als verbollwerken für verarbeiten, bewältigen,
+verprügeln gebraucht wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bolzen</span>, der. Alle die verschiedenen Arten von Bolzen die es an Bord
+gibt, haben, wie im ganzen deutschen Sprachgebiet, die Bedeutung eines
+(längeren oder kürzeren, dickeren oder dünneren) Nagels. Man
+unterscheidet aber je nach Gestalt und Bestimmung Ringbolzen, die am
+Kopfe einen beweglichen Ring haben, Augbolzen, deren Kopf ein Auge, eine
+augenförmige Öffnung hat; Splintbolzen, die an der Spitze ein kleines
+längliches Loch zum Durchstecken eines Splints haben usw. &#8222;Klar beim
+Bolzen!&#8223; ist ein aus seemännischem Munde oft zu hörendes, scherzweise
+auch da, wo es gar keine Bolzen zu besetzen und<a id="Page_73"></a>
+ <span class="pagenum">[73]</span> zu bedienen gibt,
+gebrauchtes Kommando mit der Bedeutung &#8222;nun aufgepaßt!&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Bonnet</span>, das, ist bei uns veraltet, bei den Franzosen aber kommt es als
+bonnette, den Engländern als bonnet noch vor. Es ist eine Vergrößerung
+der Untersegel, die bei gutem Wetter und beständigem Winde angebracht
+wird. Also etwas Ähnliches wie Leesegel, nur daß ein solches <span class="strong1">neben</span> dem
+eigentlichen Segel, das Bonnet aber an der <span class="strong1">Unter</span>kante des Segels
+angebracht wird. Mittelhochdeutsch bonit, 1461: &#8222;en holk, geheten
+Marienknecht, mit deme segel, bonitzs, veer kabels, veer ankers&#8223; u.&nbsp;s.&nbsp;w. Bonnet war der Name einer Art von Zeug, Leinwand oder dergl., daher
+eine aus solchem Zeug verfertigte Mütze bonnet hieß und in England heute
+noch so heißt. Aus gleichem oder ähnlichem Zeug war auch die
+Verlängerung des Segels; man gebrauchte sie auch zum Verstopfen eines
+Lecks. &nbsp;&mdash;&nbsp;Da das Bonnet eine Verlängerung des Segels bedeutete, so nahm
+es auch, den Begriff Verlängerung besonders auffassend, ganz allgemein
+die Bedeutung &#8222;Verlängerung&#8223; an, Verlängerung eines Baumes, einer
+Leiter, eines Löschbordes u.&nbsp;s.&nbsp;w. &nbsp;&mdash;&nbsp; Eine andere Erklärung ist, da
+obige nicht ganz überzeugend zu sein scheint, unter Leesegel gegeben;
+sie dürfte vielleicht eher einleuchten, zumal im Französischen, vergl.
+Aubin, 1702, bonnette nicht nur Bonnet in obigen Sinne, sondern auch im
+weiteren Sinne Leesegel heißt und Leesegel ein Schönwettersegel
+bedeutet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Boot</span>, das. In Hochdeutschland kommt dieses Wort auch heute noch kaum
+vor, dafür ist es desto weiter im niederdeutschen Sprachgebiet
+verbreitet; und was ein richtiger niederdeutscher Seemann ist, der sagt
+&#8222;die Boot&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das erste Zeugnis für das Vorkommen des Wortes finde ich
+in einer Urkunde des Königs Äthelred (978-1016): &#8222;Qui ad pontem venisset
+cum uno bato, ubi piscis inesset.&#8223; In der Edda finden wir es als batr
+(neben eikja, einem aus einer Eiche ausgehöhltem Boote). Kluge sagt:
+&#8222;Der Ursprung von angels. bat = germ. baita &nbsp;&mdash;&nbsp; (vorgerm. bhoido &nbsp;&mdash;&nbsp;?) ist
+noch nicht aufgeklärt.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Die altnordische Form beit erinnert an das
+Schiffszimmermannswerkzeug Beitel, und von hier aus liegt die Vermutung
+nicht allzu fern, es möchte wegen der Bearbeitung mit dem Beitel dem
+Worte ein Stamm zu Grunde liegen, der graben, stechen, hauen, spalten
+bedeutet, zumal es ein mittelniederdeutsches Zeitwort booten gibt, das
+schlagen, <a id="Page_74"></a>
+ <span class="pagenum">[74]</span> stoßen, stechen bedeutet. An die Wurzel bhad stoßen,
+oder bhid hauen wird also zu denken sein, so daß Boot etwas Ausgehauenes
+oder Ausgestochenes, etwas aus einem Baumstamm mit dem Beitel
+Ausgehöhltes wäre, ein &#8222;Einbaum&#8223;. Noch heute hat man in Ostfriesland das
+Zeitwort böten, schlagen, stoßen; althochdeutsch bozan. Und daneben in
+ganz Norddeutschland, im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet das
+Zeitwort böten, heizen. Die beiden könnten mit einander verwandt sein,
+insofern zum Heizen die menschliche Tätigkeit des Stoßens, Stechens,
+Stocherns, Stokens unentbehrlich ist. Da aber böten auch feuern
+bedeutet, so erinnert es uns daran, daß man dem Beitel mit Feuer zu
+Hilfe gekommen ist und in uralten Zeiten das Boot mit Feuer ausgehöhlt
+hat, so daß uns also das Wort in die allerersten Culturanfänge
+zurückführen könnte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zusammensetzungen wie Bootssteurer, Bootssegel,
+Bootskompaß sind ohne Weiteres verständlich. <span class="strong1">Bootspfropfen</span> nennt man den
+Korkpfropfen mit dem das kleine Wasserablaufloch im Boden des Bootes
+verstopft wird, ehe man das Boot zu Wasser läßt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bootsmann</span>, der. Der Deckoffizier dem die Aufsicht über die gesamte
+Takelage und das eigentlich Seemännische, soweit es Arbeitsverteilung
+und Verwaltung des Inventars betrifft, übertragen ist. Englisch
+boatswain, ein eigentümliches Wort, denn swein bedeutet Knecht,
+Schweineknecht, Schweinhirt; swain junger Hirt, Junge, Bursch der etwas
+mit der Schweinherde zu tun hat (vergl. Steward). Französisch bossemann.
+Im Seebuch 1400 kommt die Form boesman vor, sonst mittelniederdeutsch
+bosmann, wo es aber noch jeden bezeichnet, der in einem Boot ist, so daß
+also alle Leute im Boote Bootsleute waren; schließlich hieß überhaupt
+jeder Seemann bosmann. &#8222;De boslüde hebben Rode Clawes vorkregen, welk
+ein bose tyranne west was, und hebben en in grapenbraden stucke
+tohowen.&#8223; (Schiller und Lübben II. 153) s. a. Hochbootsmann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein
+<span class="strong1">Bootsmannsstuhl</span> ist eine (aus Segeltuch hergestellte) Sitzgelegenheit
+die an einem Tau auf- und niedergeholt werden kann. Er wird gebraucht
+Verwundete aus dem Mars an Deck niederzulassen, seemännische Arbeiten in
+der Takelage auszuführen und dergl. So nennt man auch den &#8222;Stuhl&#8223; der an
+einem Tau fährt, das vom Mast eines gestrandeten Schiffes an Land
+gegeben ist um Schiffbrüchige zu retten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bootsmannshellegat</span>, s. Hellegat.<a id="Page_75"></a>
+ <span class="pagenum">[75]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Bootsmannsmaat</span>, siehe Maat. </p>
+
+<p><span class="strong1">Bootsmannsstuhl</span>, siehe Bootsmann.</p>
+
+<p><span class="strong1">Börtschiff</span>, das, ein Schiff, das zu einer festen und bestimmten Zeit
+regelmäßige Fahrten nach einem und demselben Orte (und wieder zurück)
+macht; &#8222;d'r is 'n börtfard up Amsterdam inrigt.&#8223; Mit bören = tragen von
+phero, fero, aber nicht weil das Schiff die Lasten trägt, sondern weil
+es ihm <span class="strong1">gebührt</span>, regelmäßig zu fahren, nachdem der börtmann oder
+börtschipper sich einmal dazu verpflichtet und die Sache übernommen hat,
+oder auch, weil das, was sich gebührt in der Ordnung, in der Reihe ist:
+(regelmäßige) Reihenfahrt betreibt. Weiterhin bedeutet bört die
+Reihenfolge nach der sich etwas wechselweise zuträgt &#8222;de bört is an mi&#8223;;
+&#8222;'t is nu min bört&#8223;. Brem. Wörterbuch: Börtlüde sind die
+Schmackschiffer, die wöchentlich von Bremen nach Amsterdam und Hamburg,
+in einer privilegierten Anzahl, wechselweise fahren müssen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bord</span>, der. Dieses im Munde des Seemannes so häufig gehörte Wort heißt
+ursprünglich weiternichts wie <span class="strong1">Brett</span> und stammt mit &#8222;bören&#8223; und der
+ganzen weitverbreiteten Sippe von der Wurzel bhar, bedeutet also etwas
+Tragendes. Früh schon entwickelte sich, weil man mit Brettern etwas
+baute, einen Raum einschloß und begrenzte, die Bedeutung Rand, Rand des
+Schiffes, Schiffsbord; worauf dann der Teil für das Ganze genommen und
+<span class="strong1">Bord für Schiff</span> gesagt wurde, doch nicht ohne daß die beiden
+ursprünglichen Bedeutungen daneben im Gebrauche geblieben wären. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein
+gemeingermanisches Wort, im gothischen als fötubaurd, Fußbrett, Schemel
+bezeugt, althochdeutsch bort, Brett, Tafel, Tisch, altnordisch bord,
+Tafel, Brett, (Edda: bord, Bord des Schiffes, Tisch). Die Bedeutung
+Tafel, Tisch ist aus der von Rand hervorgegangen, weil man um den Rand
+des Tisches herumsitzt. Und im Altsächsischen hieß bord nicht nur Tisch,
+sondern auch Haus, aus Borden, Bördern gebaut, ähnlichem Gedankengang
+folgend der heute noch anstatt &#8222;in meinem Hause&#8223; sagt: &#8222;in meinen vier
+Wänden, in meinen vier Pfählen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Für &#8222;<span class="strong1">Schiff</span>&#8223; wird bord schon früh,
+im Angelsächsischen, &#8222;on borde&#8223; und im Altfriesischen gebraucht: &#8222;and
+taegh ne weer inoer boerd&#8223;, &#8222;und zog ihn wieder binnenbords.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Aus dem
+althochdeutschen bort, Rand, ist unser neuhochdeutsches Borte
+hervorgegangen. Es ist auch als bordo ins Italienische, Spanische,
+Portugiesische gegangen,<a id="Page_76"></a>
+ <span class="pagenum">[76]</span> als bord ins Französische, = Rand,
+Schiffsrand. Daraus entstand das spanische Zeitwort bordar, einfassen,
+(mit einem Rande besticken) sticken; das französische (border) broder,
+woher unser Fremdwort Bordure, mit der fremden Form aber dem
+einheimischen alten Sinn. Im Altfranzösischen hieß borde Baracke, davon
+bordele, bordel (ital. bordelle) = Hüttchen, kleine, unansehnliche,
+schlechte (Bretter-) Bude. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zu vergleichen ist die
+Bedeutungsentwicklung von Diele, althochdeutsch dilo, dil,
+mittelhochdeutsch dile: Brett, bretterne Wandbekleidung, Zimmerdecke,
+Bretterwand, (&#8222;gedielter&#8223;) Fußboden, &#8222;Diele&#8223;, Schiffsverdeck. Vielleicht
+ist Bord zeitweilig ebenso wie Diele für Deck, Schiffsverdeck gebraucht
+worden. In der Zollrolle der Gräfin Margarethe von Flandern vom Jahre
+1252 heißt es: &#8222;Scuta que bordum habet debet Comiti duos dinarios; si
+vero bordo carent, debet Comiti unum denarium.&#8223; Sartorius und Lappenberg
+bemerken dazu: &#8222;Die Schute mit einem (größeren, höheren) Bord ist von
+größerem Umfange, als die ohne oder mit einem kleinen Bord.&#8223; Durch diese
+Erklärung wird aber die Sache nur noch dunkler, denn die Begriffe
+&#8222;größer&#8223; und &#8222;kleiner&#8223; sind hineingetragen. Es steht da nur von einer
+Schute die einen Bord hat und von einer die keinen hat. Einen Bord im
+Sinne von Rand muß aber jedes Schiff haben, auch das kleinste. So darf
+man vielleicht annehmen, es sei Deck gemeint, so daß ein gedecktes
+Schiff das Doppelte der Abgabe eines ungedeckten zu zahlen hatte. Diese
+Vermutung gewinnt an Wahrscheinlichkeit, wenn man in einer Bremer
+Urkunde von 1312 und 1315 liest: &#8222;Si naui, que dicitur eke, hoc
+commiserint, centum, si alia vocata <span class="strong1">bortskip</span>, sexaginta marcis etc. etc.
+debebunt emendare.&#8223; Es gab also Schiffe die Bortschiffe hießen; da aber
+jedes Schiff einen Bord hat, so muß etwas anderes als Bord, Rand,
+gemeint sein, das den Namen gab, und da liegt Deck am nächsten. Dasselbe
+gilt für das mittelniederdeutschen Urkunden eigene, noch heute in den
+west- und ostpreußischen Häfen gebräuchliche bordinge; Brem. Stat. 1489:
+&#8222;nemondt schall myt synen bordinghen of schepenn legghen oan der slacht
+(Bollwerk), dat wuppengeldt (Krahngeld, Hafenabgabe) sy dann thovoren
+entrichtet.&#8223; Oldenburgische Urkunde von 1549: &#8222;Ike hadde ene burdinge
+dat is ein stark schepe als ein punte, dar er siene perde mit auer
+furde&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp;S. &#8222;an Bord&#8223;, &#8222;von Bord&#8223;, &#8222;über Bord.&#8223;<a id="Page_77"></a>
+ <span class="pagenum">[77]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">borden</span>, ungefähr gleichbedeutend mit entern (s. d.), auch anborden, sich
+an jemandes Bord mit seinem Borde legen, Schiff an Schiff (Bord an Bord)
+liegen, namentlich im Nahekampfe einer Seeschlacht. Von einem anderen
+mittelalterlichen, ebenfalls in der Zeit der Hansa viel gebrauchten
+borderen, welches Zweikampf, Turnier, bedeutet (und von Buhurt kommt)
+wohl zu unterscheiden. Je niedriger ein Schiff ist, desto mehr ist es im
+Kampfe gegen ein hochbordiges im Nachteil. In einem Hansa-Receß von 1440
+lesen wir: ... &#8222;unde hadden nicht so vele skepe to huss alse dar do
+injegen behoff was, unde de skepe de gi hadden, se weren ok nicht so
+grote, dat se myt den Hollenders skepe borden konden, wente se hadden
+grote Spansche schepe.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Borg</span> &nbsp;&mdash;&nbsp; in Borgbendsel, Borgbraß, Borgrahe, Borgstag, Borgstenge,
+Borgwanttau u.&nbsp;a.&nbsp;m. bedeutet das was wir heute Reserve zu nennen
+belieben, wenn wir uns gebildet ausdrücken wollen. Der Seemann ist aber
+bei seinem Borg geblieben, welches eigentlich Sicherheit bedeutet. Um
+auf alle Fälle, auch wenn eine Rahe oder Stenge bricht, sicher zu gehen,
+nimmt man eine zweite Rahe oder Stenge mit an Bord die dann Borgrahe,
+Borgstenge heißt. Breusing tadelt Roeding, daß er nicht gesagt hat, daß
+dieses Borg nichts mit dem auf Borg geben gemein hat; mit Unrecht, denn
+einmal lag es überhaupt nicht in Roedings Absicht, etymologische
+Untersuchungen anzustellen, und dann: was ist denn der Unterschied
+zwischen Borg in dem einen und Borg in dem andern Sinne? Es handelt sich
+beide Male um Sicherheit. Und wenn beim Borgen auch jetzt nicht immer
+mehr ein Pfand als Sicherheit verlangt oder gegeben wird, so tritt zwar
+der Begriff Sicherheit nicht mehr so in den Vordergrund, er ist aber
+doch noch vorhanden, und wäre es nur in dem Wort, in dem Versprechen des
+Schuldners, zu einer gewissen Zeit das Geborgte wiederzugeben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bottelier</span>, der. Der Unteroffizier der den Proviant an Bord zu verwalten
+hat, also eine sehr wichtige Persönlichkeit, was schon daraus zu
+erkennen ist, daß er sich nicht Botelir sondern Bottelié nennen läßt,
+als ob es französisch wäre. Und es ist doch gut deutsch. Im
+Althochdeutschen hieß der Bottich botacha, mittelhochdeutsch botige;
+davon kommt butiglaere, büttiglaere, putigler, der Schenk, Mundschenk.
+Von Bottich kommt Bütte, von Bütte als Verkleinerungsform Buttel
+(Buddel),<a id="Page_78"></a>
+ <span class="pagenum">[78]</span> niederdeutsch Bottel, und hiervon kommt Bottelier, nur
+daß im seemännischen Gebrauch die verengte Bedeutung wieder erweitert
+ist, daß man nicht bloß an Flaschen, sondern vor allen Dingen an Fässer
+denkt, auch wenn sie gar kein Getränk, sondern Fleisch oder Butter oder
+Hartbrot enthalten. Noch mehr ist der Begriff in Westfalen erweitert, wo
+eine Magd, die auf größeren Gütern für das Bier und <span class="strong1">die Wäsche</span> des
+Gesindes sorgt, Buddeliersche heißt, während anderseits der
+Kellermeister des Abtes von Werden den Titel buttelierer führte. &nbsp;&mdash;&nbsp; In
+Holland haben sie ein Sprichwort, das läßt tief blicken. &#8222;Als kok en
+bottelier zamen kyven, hoort men, waar de boter gebleven is.&#8223; Lüpkes hat
+das übersetzt: &#8222;Wenn Koch und Kellermeister mit einander streiten,
+zanken, hört man (durch ihre wechselseitigen Vorwürfe), wo die Butter
+geblieben ist.&#8223; &#8222;Kellermeister&#8223; ist, da es selbst das vornehmste Schiff
+bis jetzt noch nicht zu einem Keller gebracht hat, sehr kühn angewandt,
+wahrscheinlich in Erinnerung an das andere Sprichwort: &#8222;Da weiß kein
+Mensch, wer Koch oder Kellermeister ist.&#8223; Es hätte sehr wohl Bottelier
+können stehen bleiben, denn das Wort ist unter den Lesern der
+&#8222;Seemannssprüche&#8223; allgemein bekannt. &nbsp;&mdash;&nbsp; In seinem großen Werke über
+Japan erzählt der Deutsche Kämpfer, der aber sein Buch holländisch
+herausgegeben hat, der erste Taikun Taikosama sei in seiner Jugend
+Bottelier bei einem japanischen Edelmann gewesen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Brabank</span>, die. Ursprünglich ein Ort wo seemännische Arbeit getan wurde,
+an einer Küste oder einem Ufer; also bedeutungsverwandt mit Lastadie und
+Werft. Während nun Lastadie &nbsp;&mdash;&nbsp; habent sua fata verba! &nbsp;&mdash;&nbsp; so ziemlich aus
+dem Mund der Menschen gekommen ist, hat Werft ein großartiges Glück in
+der Welt gemacht; Brabank hat sich zwar erhalten, aber in bescheidenen,
+enger gewordenen Grenzen, indem es jetzt die Gesamtheit der auf einer
+Werft beschäftigten Seeleute bedeutet. &#8222;Er ist auf der Brabank, von der
+Brabank, gehört zur Brabank,&#8223; das heißt er gehört dem Allgemeinen
+Betriebsdepôt der Werft an, verrichtet allerlei vorkommende
+Seemannsarbeit, besorgt das Verholen von Schiffen, widmet sich dem
+beschaulichen Geschäft eines Liegers etc. etc. Im Niederdeutschen hieß
+das Wort das ganze Mittelalter hindurch Brakbank, und die Tätigkeit die
+auf der Brakbank ausgeübt wurde nannte man braken. Nun hat<a id="Page_79"></a>
+ <span class="pagenum">[79]</span> Grimm
+bei Besprechung des Zeitworts braten, welches von der Wurzel bhrag
+stammt, den Gedanken geäußert, daß vor dem t in braten ein k ausgefallen
+sei, daß also braten für brakten stehe oder das k mit t einfach
+getauscht habe. Durch die Form Brakbank wird das vermutete k zur
+Gewißheit. Und gegen einen Tausch zwischen k und t ist nichts zu
+erinnern, er kommt in jeder Kinderstube täglich vor, und es gibt ganze
+Völkerschaften, die die beiden Buchstaben so durcheinander werfen, ohne
+daß sie sich dessen überhaupt bewußt sind, ob sie ein k, ob sie ein t
+sprechen. Wenn in einem alten Hamburger Schauspiel eine Frau Lackin
+anstatt Latin sagen konnte, dann konnte man sicher auch braten für
+braken sagen. Und man tat es auch. Im Hochdeutschen hieß das Wort und
+heißt es braten, im Niederdeutschen braden; doch hielt sich hier nach
+niederdeutscher Art in der Erinnerung an den Stamm bhrag auch braghen.
+In dem &#8222;Redentiner Osterspiel,&#8223; so genannt weil es von einem Ungenannten
+am 20. November 1464 zu Redentin im Kirchspiel Neuburg bei Wismar
+vollendet wurde, geht Lucifer mit den verschiedenen Handwerkern wegen
+ihrer Handwerkskniffe und -Betrügereien ins Gericht. Dem Schneider
+(niederdeutsch scroder oder schrodere, daher der weitverbreitete
+Familienname Schroeder) fällt er das Urteil:</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p> &#8222;Desseme schrodere dat syn recht</p>
+ <p>Unde werpet ene an der helle grunt,</p>
+ <p> Dar schal he ligghen so en hunt</p>
+ <p>Unde an der ewighen nette braghen</p>
+ <p> He heft so mennighen man bedraghen.&#8223;</p>
+
+</div>
+
+<p>Der niederdeutsche Seemann blieb zunächst, sich auf nichts Neues
+einlassend, bei dem gutturalen Laut, nur daß er statt der Media die
+Tenuis nahm und nicht Bragh = sondern Brakbank sagte. Als aber im Laufe
+der Zeit das Hochdeutsche auf seinem Siegeszuge zu mächtig wurde, konnte
+er sich doch einer Änderung, einer sprachlichen Weiterentwicklung nicht
+entziehen. Aber lieber als daß er den beliebten Tausch von k und t
+mitgemacht hätte, machte er kurzen Prozeß, warf den unbequemen
+Konsonanten vor dem b ganz hinaus und sagte in seiner kurzen, bequemen
+Art kurzweg Brabank. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es hat sich indessen auch noch ein Wort Brakbank
+erhalten, hochdeutsch Brechbank, das aber mit dem unsrigen nichts zu tun
+hat, wiewohl es auch nicht ganz ohne<a id="Page_80"></a>
+ <span class="pagenum">[80]</span> Beziehung zur Seemannschaft
+ist, denn so heißt ja die hölzerne Bank zum Brechen des Haufes, auf der
+die Schäven gebrochen werden, damit sie sich von der Hanffaser lösen.
+Unser Brabank aber ist keine wirkliche Bank, sondern, wie Sandbank,
+bildlich, für eine erhöhte Stelle an einer Küste oder einem Ufer
+angewandt, und zwar war es ein Ort, wo besonders das Dichten und
+Kalfatern vorgenommen wurde. Ein Schiff kalfatern nannte man bragen:
+&#8222;Item wen ein schipper dichten en bragen leht.&#8223; Im Lübeckischen alten
+Zunftrecht heißt es; &#8222;Idt schall ock kein werckmann uf der braeckbank to
+werkende angenahmen werden, idt sy den hie genochsamb vor einen
+werckmann up der lastadien (Werft) bekandt und darto duchtig&#8223;
+(Befähigungsnachweis!). Der Kalfaterer hieß brager. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nun hieß
+altnordisch bradha &nbsp;&mdash;&nbsp; so früh schon hatte sich der t-Laut verschoben &nbsp;&mdash;&nbsp;
+theeren, verpichen, mit Theer oder Pech überziehen, bradh das mit Ther
+bestrichene Holz. Wir haben dabei an braten im Sinne von heiß machen,
+wärmen, erhitzen, durch Hitze zum Schmelzen bringen zu denken, wie man
+Speck ausbrät. Der Theer muß erst vom Feuer gleichsam gebraten, d.&nbsp;h.
+flüssig gemacht werden, ehe man mit ihm kalfatern kann. Kalfatern (s.
+d.) thut, trotzdem es erst ihr Hauptgeschäft war, die Brabank aber jetzt
+nicht mehr, das wird von Schiffszimmerleuten, die nicht zur Brabank
+gehören, besorgt. Roeding hatte also die alte Brabank noch im Auge, da
+er vor 100 Jahren schrieb: &#8222;Ein am Ufer befindlicher Platz, der mit
+Spillen, Gienen und anderem Zubehör versehen ist, um daselbst Schiffe zu
+kielholen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Wie Lastadie als Straßenbezeichnung erhalten geblieben
+ist, so muß es in Danzig eine Straße oder einen Platz des Namens Brabank
+geben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Eine auffallende Ähnlichkeit hat das bretonische rabank, es
+hat aber nichts mit Brabank zu tun, sondern kommt von rap = Reep.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bewulen</span> s. Wuling.</p>
+
+<p><span class="strong1">brack</span>, salzig, bitter, trübe, schlammig, verdorben, schlecht,
+unbrauchbar. Brackwasser ist Süßwasser mit Salzwasser gemischt, also zum
+Trinken unbrauchbar. Dann übertragen auf andere unbrauchbare Dinge,
+verdorbene Waren, nicht vorschriftsmäßige Lieferungen oder nicht
+verwendbare Teile einer solchen; bracken heißt dergleichen Gegenstände
+als brack bezeichnen, condemniren, ausmustern, verwerfen. Schon Kilianus
+hat das Wort brack in beiden Bedeutungen: &#8222;salsus, aquae marinae saporem
+quodam<a id="Page_81"></a>
+ <span class="pagenum">[81]</span> modo referens&#8223; und brack goed, &#8222;merces submersae, salo sive
+aqua marina corruptae.&#8223; Die Bedeutung ist also ursprünglich: &#8222;durch
+Salzwasser verdorben&#8223;, dann überhaupt verdorben. Und zwar hat der
+Gedanke an bei einem hereinbrechenden Unglück hereinbrechendes
+Meerwasser den Ausschlag bei der Benennung gegeben. Das Wort kommt also
+von brechen; an Schiffbruch und Deichbruch ist zunächst zu denken und
+dann an die dadurch verursachte Beschädigung. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223;
+schreibt: &#8222;Brack = Salzwasser mit Flußwasser gemengt. &#8222;Brakke Grund&#8223; ein
+Boden der salziges Wasser gibt.&#8223; Und daher soll Brake an der untern
+Weser seinen Namen haben, &#8222;weil Wasser, was auf diese Weise vermengt
+ist, gebrochen pflegt genannt zu werden.&#8223; Kaum, sondern Brack, Brake ist
+eine Stelle wo einmal ein Deich gebrochen war. S. a. <span class="strong1">Wrack</span>. Die
+Bedeutung kommt nach Sinn und Form unserem &#8222;Gebrechen&#8223;, &#8222;gebrechlich&#8223;
+nahe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bram</span> = Bramstänge, Bramrahe, Bramsegel, Bramtuch, Bramsaling,
+Bramtoppnanten, Brampardunen, Bramschoten, Bramwanten, Brambulin,
+Bramfall, Brambraß, Bramleesegel, überhaupt: Bramgut. Alle diese Wörter
+&nbsp;&mdash;&nbsp; in deren Zusammensetzung je das zweite Wort an seiner Stelle
+nachzusehen &nbsp;&mdash;&nbsp; erklären sich aus ihrer Verbindung mit der Bramstänge. Es
+gilt also das <span class="strong1">bram</span> in diesem Worte zu erklären. Bekanntlich ist die
+Bramstänge die Fortsetzung der Marsstänge nach oben. Sie war früher, ehe
+die Oberbramstänge erfunden war und ist auf Schiffen, die solche nicht
+führen, der höchste, obere Teil des Mastes. &nbsp;&mdash;&nbsp;In Holland sagt man von
+einem Manne, der bei uns Großhans heißt, der also &#8222;den grooten heer
+uithangt&#8223;, er sei ein &#8222;heelen bram,&#8223; er sei hoch gestochen. Dies bram
+heißt hoch. Es stammt von der &#8222;Hasenheide&#8223;, die hin und her in ganz
+Europa an Feldrainen, auf Waldlichtungen, auf dürrer Heide wächst und,
+außer Hasenheide, noch Pfriemenkraut, Brämme, Bräme, Bram heißt,
+spartium scoparium L. Die uns bekannteste Art ist die mit den grünen,
+dünnen, schwanken Reisern und den gelben, weithin leuchtenden
+Schmetterlingsblüthen. Sie heißt vielfach Ginster. In Frankreich genêt
+(von genista) und hat Verwandte die als Ziersträucher dienen. Ein Reis
+(plant) dieses genêt pflegte Gottfried von Anjou an seinen Helm zu
+stecken, woher der berühmte Name Plantagenet. Wir machen Besen aus dem
+Ginster und nennen es Besenginster, jedoch nur auf hochdeutsch.
+Das<a id="Page_82"></a>
+ <span class="pagenum">[82]</span> Volk sagt Bräme oder Bram, auch wohl Bremme, (&#8222;Wirtshaus zur
+goldenen Bremme&#8223; bei Saarbrücken kriegerischen Andenkens vom Sommer
+1870), Brom in Brombeere ist damit gleicher Abstammung. Althochdeutsch
+hieß prama, brama, mittelhochdeutsch brame Dornstrauch, stachligter
+Strauch, Brombeerstrauch. Sehr bezeichnend, denn die Grundbedeutung von
+Bram ist spitz, scharf, stechend, vorstehend, vorragend, Spitze,
+Höchstes, Äußerstes. Die Bramstänge heißt also so als Spitze, Höchstes,
+Äußerstes des Mastes und überhaupt des ganzen Schiffes. Der Name kommt
+demnach nicht sowohl von der Gestalt einer dünnen, langen, schwanken
+Ginster = Dornenstrauch- oder Brombeergerte, sondern von dem
+Hinaufstehen, Hervorragen, Aufwärtsstreben der Reiser. Wäre jenes
+anzunehmen, dann wäre Bramstänge eine Tautologie. Nicht als ob solche
+nicht denkbar wäre, es giebt ihrer genug, aber einfacher und klarer ist
+doch das Bild, wenn wir die Vorstellung &#8222;hinaufragen&#8223; festhalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bräm</span>, der. Vergl. Bram; dieses heißt nicht nur das Höchste nach oben zu,
+sondern auch das Äußerste nach außen zu, also nicht bloß Anhöhe, sondern
+auch Ufer, Küstensaum, Saum eines Gewandes, Rand, Rand einer Mütze,
+Mützenbräm der Offiziere etc. Da dieser Mützenbräm der Väter mit Pelz
+besetzt war, so sagt man: Die Mütze war mit Pelz verbrämt, wie man auch
+von einem verbrämten Kleide spricht, wenn der Saum besetzt ist. (Sogar
+Augenbraue und Augenwimper kommen von Bram. Mittelhochdeutsch hießen sie
+augbram und windbram, Rand über dem Auge, Schutz des Augenrandes vor dem
+Winde.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Brandung</span>, die. Die Bewegung der an einer Küste, einem Felsen etc. etc.
+sich brechenden Meereswogen. Schon im Beówulf kommt brant, bront vor für
+tosend, schäumend, von Schiff und Flut gebraucht. Es ist bei der
+Benennung ausgegangen von dem was das Ohr hört, nicht von dem was das
+Auge sieht, denn Brandung ist mit Brand dasselbe Wort, und man hat dabei
+an das Geräusch des Brennens, das Brausen, Zischen und Gischen einer
+Feuersbrunst zu denken. Das Zeitwort dazu heißt <span class="strong1">branden</span>, vom
+niederdeutschen brannen = brennen und von Brandung beeinflußt. In
+Ostfriesland gebraucht das Volk das Wort Brandung selten oder nie, sagt
+vielmehr See. &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß das Geräusch den Ausschlag gab, geht aus dem
+Altnordischen, Angelsächsischen und Altenglischen hervor, wo Brandung
+brim heißt, von breman,<a id="Page_83"></a>
+ <span class="pagenum">[83]</span> brummen, brausen, lateinisch fremere,
+griechisch bremein. Indessen kommt schließlich alles auf eines hinaus,
+denn im Sanscrit heißt bhramas prasselnde Flamme.</p>
+
+<p><span class="strong1">Brander</span>, der, heißt eigentlich Brenner. Die Form ist niederdeutsch, in
+Anlehnung an Brand und brannen = brennen. In Holland heißt ein Mann der
+irgend etwas brennt, sei es Kaffee, Branntwein oder Backstein ein
+brander. Seemännisch, ein Schiff das anderen sich brennend naht um sie
+in Brand zu stecken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Brass</span>, die. Das Tau an der Nock der Rahe mit dem diese gebraßt d.&nbsp;h.
+vorwärts oder rückwärts bewegt wird, je nachdem die Segel nach dem Winde
+gerichtet werden müssen. Die beiden vom Mast abstehenden Teile einer
+Rahe gleichen zwei ausgebreiteten Armen. Daher ist anzunehmen, daß das
+Tau an solchem Arm mit dem lateinischen und griechischen Worte für Arm,
+brachium, brachion, verwandt und durchs Romanische zu uns gekommen ist.
+Französisch brasse, Klafter, Schnur, Seil; provençalisch brassa,
+spanisch und portugiesisch braza, Klafter (was man mit den Armen fassen,
+greifen, umfassen kann); englisch brace, Tragband, Handhabe; diese
+letztere Bedeutung würde dem Gebrauche von Braß als Handhabe am Ende der
+Rahe am besten entsprechen. Das seemännische Braß heißt französisch
+bressin, weil das den Namen tragende Tau am bras (Arm) befestigt ist; es
+müßte daher eigentlich brassin lauten; aber brassin hieß schon das
+Gebräu, und davon sollte es unterschieden werden. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Anbrassen</span> heißt so
+brassen, daß das Segel mit der Luvseite weiter nach vorn kommt,
+aufbrassen, daß es weiter nach hinten kommt. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Brassen und toppen</span> heißt
+nach einem Segelmanöver, im Hafen aber vor der Morgenmusterung die
+gesamte Takelage einer genauen Besichtigung unterziehen und, wenn nötig,
+in einen tadellosen hafenmäßigen Zustand bringen; besonders jede Rahe in
+den rechten Winkel zur Längsachse des Schiffes brassen und sie in den
+rechten Winkel mit ihrem Maste toppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bratspill</span>, das. Vorrichtung einfacher Art zum Ankerlichten. Muß
+eigentlich heißen Bratspitt = Bratspieß, weil es wie ein solcher gedreht
+wird. Da aber die Vorrichtung wie das Spill gebraucht wird, so lag die
+etymologisierende Veränderung in Bratspill, als Anlehnung an den stärker
+gewordenen Begriff nahe. In Holland heißt das Werkzeug &nbsp;&mdash;&nbsp; eine
+horizontale hölzerne Welle &nbsp;&mdash;&nbsp; braadspit; das englische windlass und das
+französische<a id="Page_84"></a>
+ <span class="pagenum">[84]</span> vindas haben das Bild einer hölzernen Welle oder
+Achse, die oder mit der man windet, ebenfalls deutlich festgehalten. In
+der &#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223;, Lübeck, 1678 steht: &#8222;weil
+die Pallen von das Bratspieß weg wahren.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Breitfock</span> (Brefock), die. Wenn Schiffe, die für gewöhnlich nur Gaffel-,
+Spriet- oder Gieksegel (Schratsegel) führen, vor dem Winde fahren, so
+setzen sie ein breites, viereckiges Rahsegel &nbsp;&mdash;&nbsp;das einzige das sie
+setzen können &nbsp;&mdash;&nbsp;; es befindet sich &nbsp;&mdash;&nbsp; nach Roeding &nbsp;&mdash;&nbsp; an der Bagienrahe,
+(die am Großmast angebracht ist, weil ein Kreuzmast nicht vorhanden).
+Dieses Segel heißt Breitfock, da es dem achterlichen Winde eine
+möglichst breite Angriffsfläche darbieten soll um besser ziehen (s.
+Fock) zu können.</p>
+
+<p><span class="strong1">Briese</span>, die. Das Wehen des Windes, besonders wenn er nicht zu stark
+weht. Man sagt zwar &#8222;es briest auf&#8223; oder &#8222;es briest tüchtig&#8223; und spricht
+von einer frischen, kräftigen, strammen Briese, aber sobald der Wind zum
+Sturm anwächst, wird er nicht mehr Briese genannt. Da in England breeze
+ein sanfter Wind, in Italien brezza ein kalter, windiger Nebel, in
+Spanien bisa der Nordostwind heißt und in letzterer Sprache bisa und
+brisa gleichbedeutend sind und neben einander gebraucht werden, so mag
+Briese nur eine andere Form für Biese, Bise (s. d.) sein. Wenigstens
+fällt es schwer, das Wort mit dem niederdeutschen brusen, brausen, oder
+mit dem niederländischen brysen, brechen, zusammenzubringen, es müßte
+denn sein, daß man sich eine &#8222;spiegel&#8223;-glatte See vorgestellt hätte,
+deren Spiegel von der aufkommenden Briese &#8222;gebrochen&#8223; und mit
+Katzenpfötchen bedeckt wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Brigg</span>, die, ein Segelschiff mit zwei mit Rahen versehenen Masten. Das
+Wort kommt &nbsp;&mdash;&nbsp; wie wohl auch die Sache &nbsp;&mdash;&nbsp; aus dem Mittelmeer. Die
+Grundbedeutung ist Unruhe, Geschäftigkeit. Italienisch briga, Lärm,
+Getümmel, Geschäft, brigare, eifrig streben, dringend bitten, brigata,
+Gesellschaft, Rotte, Heerschaar, (Brigade); brigantino Raubschiff,
+Seeräuberfahrzeug. In diesem Sinne ist es zuerst ins Deutsche gekommen,
+oft mit der Umstellung Bergantine; so hat es schon Kilianus: bergantine
+= navis piratica. Es liegt auf der Hand, daß ein Seeräuberschiff ein
+schnelles Fahrzeug sein mußte, das der ehrliche, &#8222;erlaubte&#8223; Handel
+(&#8222;Nahrungszweig&#8223;) sich zum Muster nehmen konnte. Das hat er auch getan,
+aber das Wort war dem niederdeutschen einsilbigen Seemann zu lang, er
+kürzte es ab in Brigg.<a id="Page_85"></a>
+ <span class="pagenum">[85]</span> </p>
+
+<p><span class="strong1">Brille</span>, die. Was eine Brille im Munde des Seemanns bedeutet ergibt sich
+am deutlichsten aus der Beschreibung der <span class="strong1">Brille für den Aussenklüverbaum</span>
+bei Dick und Kretschmer. Sie &#8222;besteht aus einem vierkantigen und einem
+runden Teil; beide Teile sind durch einen Steg mit einander verbunden.
+Die Brille wird mit dem Vierkant so über die Nock des Klüverbaums
+gestreift, daß der zur Aufnahme des Außenklüverbaums bestimmte runde
+Teil sich am Steuerbord befindet.&#8223; Also eine Art von Eselshaupt. Der
+runde Teil, der Einfassung einer alten runden Brille ähnlich, hat den
+Namen veranlaßt. Brille stammt von dem Edelstein beryllus, der zuerst
+als Zauber- und Wahrsageglas diente, dann als Sehglas geschliffen zur
+Unterstützung schwacher Augen; zunächst für <span class="strong1">ein</span> Auge, dann für beide.</p>
+
+<p><span class="strong1">Brook</span>, die, ein Tau oder ein Geflecht von dünner Leine, dazu bestimmt,
+etwas festzuhalten und zu sichern damit es an seiner Stelle bleibe; auch
+ein Stück geteertes Segeltuch vor einer Öffnung befestigt, in die kein
+Wasser eindringen soll. Verleihung von Festigkeit und Schutz ist also
+der Zweck einer Brook. Beides wird dem menschlichen Leibe durch die &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Hose gewährt, namentlich wenn sie nicht mit Hosenträgern getragen,
+sondern durch einen Gürtel oder, wie beim Seemann üblich, durch einen
+enganliegenden Hosenbund gehalten wird. Hose heißt aber niederdeutsch
+Brook; ein sehr altes Wort, das bei den Römern braca hieß, aber als
+Fremdwort bekannt war, wie denn auch nicht nur die Perser, sondern auch
+die Germanen und die Gallier unter dem gleichen Namen ein Kleidungsstück
+trugen das nicht nur den Beinen Schutz, sondern auch den Hüften Halt und
+Festigkeit verlieh. (Hosen-) Gurt wird also die Hauptbedeutung des
+Wortes am sinngemäßesten wiedergeben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Buchse</span>, die, wird im seemännischen Sprachgebrauch vielfach anstatt
+Büchse gesagt; Beweis, wie sehr dieser am Alten auch da festhält, wo das
+ihm so nahe liegende Niederdeutsche Weiterbildung mitgemacht hat. Denn
+das vom griechischen pyxis (aus puxos Buchs, Buchsbaum) stammende Wort,
+das mittelhochdeutsch buhse, mittelniederdeutsch busse hieß, hat sogar
+im Neuniederdeutschen den Umlaut angenommen (büsse) den die
+Seemannssprache bisher mit Erfolg abgelehnt hat. Das englische box wird
+auch in deutsch-seemännischen Munde oft gehört, sogar (scherzweise) für
+Kammer, um die Enge einer solchen zu kennzeichnen.<a id="Page_86"></a>
+ <span class="pagenum">[86]</span> </p>
+
+<p><span class="strong1">Bucht</span>, die. 1. Die Biegung eines aufgeschossenen oder sonst &#8222;gebogenen&#8223;
+Taues. 2. Bucht im neuhochdeutschen Sinne eines kleinen Meerbusens, Ort
+wo die Küste sich einbiegt. Nach Heyne ist das Wort erst im 18.
+Jahrhundert aus Niederdeutschland in die hochdeutsche Schriftsprache
+gedrungen. So hat also das Niederdeutsche diesen althochdeutschen Besitz
+vor dem Verluste gerettet, denn von dem althochdeutschen biogan biegen
+gab es schon in alten Zeiten ein Substantivum biugo = sinus.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bug</span>, der. Der vorderste, stark gebogene Teil des Schiffes; die Biegung
+ist das den Ausschlag bei der Benennung Gebende. Das hat Weigand (I.
+278) zwar geleugnet, indem er sagt, bug käme nicht von biegen wegen des
+uo im althochdeutschen und mittelhochdeutschen buoc; aber ohne Erfolg,
+denn woher soll das althochdeutsche buog, das obere Gelenk des Oberarms
+und des Schenkels, anders kommen als von biogan? Gothisch biugan, biegen
+und beugen; Sanscrit bhug, inflectum esse (gekrümmt). Es ist behauptet
+worden: &#8222;Die uralten Bezeichnungen von Körperteilen wie Arm, Bug, Herz,
+Nase, Niere etc. etc. beruhen auf dunklen Wurzeln, von denen wir
+nirgends mehr eine Spur finden; sie gehören eben zum allerältesten
+Wortbestande der indogermanischen Sprache.&#8223; Für Bug liegt aber die
+Annahme einer Wurzel die biegen bedeutet so nahe, daß man sich ihr nicht
+entziehen kann. Auch Bogen ist verwandt, altdeutsch bogo, boge =
+Halbkreis, Waffe, Sattelbogen; niederländisch boog, wozu Aubin bemerkt:
+&#8222;ce mot se dit de toutes les choses qui se sont en ligne courbe.&#8223; Bug
+heißt niederländisch allerdings nicht boog sondern boeg, aber Weiland
+sagt: &#8222;boeg van buigen, het voorste gedeelte van een schip, waar het
+sterk gebogen is.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Kilianus gebraucht bocht und boech als völlig
+gleichbedeutend. &nbsp;&mdash;&nbsp; Angelsächsisch bôg, englisch bough. In der Edda wird
+für Biegung, Krümmung, bugr gebraucht. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Über den Steuerbord-, über
+den Backbordbug anliegen oder segeln&#8223; heißt: Das Schiff liegt auf der
+Steuerbord-, auf der Backbordseite am Winde, segelt mit der Steuerbord-,
+mit der Backbordseite der Segel beim Winde. Das sind zwei sehr
+verschiedene Fälle; will der Seemann aber sagen: &#8222;auf alle Fälle&#8223;, so
+sagt er: &#8222;über jeden Bug&#8223;, auch da wo es sich nicht um Seemannschaft
+handelt; Groningen: &#8222;Hy prebjerret it op alle bugen um rik to wirden.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Bugsieren</span>, ein Schiff durch ein anderes schleppen, in dem<a id="Page_87"></a>
+ <span class="pagenum">[87]</span> der
+schleppende Dampfer die schleppende Troß, die an seinem Heck belegt ist,
+am Bug des zu schleppenden Schiffes festmacht. Wenn das s nicht wäre, so
+könnte man annehmen, das ieren sei einfache Endung, so aber muß an eine
+Zusammensetzung gedacht werden. Diese ergibt sich aus dem Holländischen
+und Ostfriesischen, wo sjoren, festmachen, sjuren, ziehen, schleppen
+bedeutet. Man hat also die Wahl, anzunehmen daß bugsieren vom
+holländischen sjoren kommt und von Bug, so daß also das Wort hieße: &#8222;ein
+Tau am Bug festmachen,&#8223; oder vom ostfriesischen sjuren und Bug, so daß
+es hieße: &#8222;ein Schiff an seinem Bug ziehen, schleppen&#8223;; vielleicht haben
+auch beide Bedeutungen in einander gespielt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Eine eigenartige Form
+hat der Übersetzer der &#8222;Durchlauchtigsten Seehelden,&#8223; Sulzbach 1681, dem
+Worte gegeben. Er beschreibt die Seeschlacht bei Lepanto und gibt an,
+daß die Nachhut der Christen unter dem Marquis de Santa Cruz Alvaro
+Bacciano hauptsächlich aus Galeazzen bestanden habe, &#8222;von denen jedwede
+sechs und fünfftzig grosse Stück-Geschütz, zwölffe in den Vordertheil,
+zwölffe in den Hindertheil, und sechzehn an jedweder Seite, und sechs
+hundert Fuß-Knechte auf hatten, ... und weil sie so schwer waren, hat
+man, damit sie nicht dahinten bleiben sollten, sie nahe an den Feind
+büchsiren oder fortziehen lassen, daher sie auch die ersten waren,
+welche auf den Feind ohne Verhinderung der andern Galeyen zu schießen
+begunten.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Bugspriet</span>, das, eine Art Mast, nur daß er nicht aufrecht steht, sondern
+im Winkel geneigt über den Bug hinausragt. Spriet heißt eigentlich
+Spieß, Stange, Spiere, Baum; auch die Stange die diagonal in das deshalb
+Sprietsegel genannte Bootssegel gesteckt wird um es auszubreiten. Es ist
+darum schwer zu entscheiden, ob es von spriotan = sprießen oder von
+spritan = spreizen kommt; der Bedeutung nach wäre beides möglich. Das
+französische beaupré ist aus Bugspriet mundgerecht gemacht. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+Niederdeutschen früher bochspreeth und bockspreet, bochspreth; &#8222;und syn
+bochspreth qwam in Klawes Wendes focken tackel to staende. Do lepen twe
+boesmans (Matrosen) van den unsen int focken tackel und houven eme dat
+stach und bolynen van synem bochsprete&#8223; ... In einer Verklarung am 31.
+Oktober 1564 zu Bremen abgelegt heißt es: ... &#8222;erschenen F. W. und
+bekennet onde getuget, dat vorleden<a id="Page_88"></a>
+ <span class="pagenum">[88]</span> sonnauend den 12. October sick
+ein storm erhauen, ond sy datsulnige mall J. R. by A. G. sinem schepe
+hengedreven, ond also he jegen gedachten A. G. schip gekamen, sy J.
+bochspreeth in A. bachstaken geraket.&#8223; In einer zweiten Verklarung über
+denselben Fall heißt es: &#8222;doch nichtes desto weniger J. R. mit synem
+bockspreet in ohre hovettow gedreuen sy.&#8223; (Schiller und Lübben VI. 26).</p>
+
+<p><span class="strong1">Buhne</span>, die, ein Flechtwerk von Reisig zum Schutze eines Ufers, einer
+Küste gegen das Wasser. Es ist im Grunde genommen nur eine andere Form
+für Bühne. Dieses heißt Bretterboden, Boden eines Hauses, Decke eines
+Zimmers, bretterne Erhöhung, Bretterverschlag, Bretterverkleidung, und
+eine Verkleidung bildet auch die Buhne, nur daß sie nicht aus Brettern
+sondern aus Reisern hergestellt ist. Es bedeutet auch Fischzaun und
+Fischkasten, und zwar einen solchen auch wenn er aus Brettern
+hergestellt ist, so wie auch ein aus Brettern hergestellter Uferschutz
+noch Buhne genannt wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Buk</span> = Bauch.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bulin</span>, die, ein Tau das an der Seite eines Rahsegels ungefähr in der
+Mitte des stehenden Lieks befestigt ist und dazu dient, das Segel steif
+beim Winde zu halten und seinen Bauch möglichst weit nach vorne zu
+holen, damit das beim Winde segelnde Schiff möglichst viel Wind in seine
+Segel bekomme und größere Fahrt mache. Da die Bulin an einer sehr
+gebogenen Stelle des Segels sitzt, so ist anzunehmen, daß sie vom Biegen
+den Namen habe; und wirklich hieß sie früher auch Buglin; Kilianus
+schreibt boech-lyne. &nbsp;&mdash;&nbsp; Davon das französische bouline; á la bouline,
+beim Winde. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Befestigung der Bulin am stehenden Liek erfolgt durch
+<span class="strong1">Bulinsspruten</span>, Verbindung von zwei oder drei einfachen Stroppen, welche
+den Zug der Bulin auf einen großen Teil des Lieks verteilen, ausbreiten,
+aus<span class="strong1">spreiten</span> sollen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bumboot</span>, das, ein Boot in dem Händler allerlei Lebens- und Genußmittel
+feilhalten oder an Bord bringen, Obst, Gebäck und dergleichen Dinge, die
+in der Bordverpflegung nicht vorgesehen sind. Das Wort kommt nicht etwa
+von pumpen, wiewohl Bumbootsleute leider manchmal auch borgen, sondern
+ist mit Buhne verwandt, im Sinne von Fischkasten. So hieß ein Boot mit
+einer Buhne Bun- oder Bumboot, und zwar in Flandern und<a id="Page_89"></a>
+ <span class="pagenum">[89]</span>
+Südholland, wo dergleichen Fischerfahrzeuge gebräuchlich sind. Sie
+werden aber auch als Lootsenfahrzeuge benützt und eignen sich, grade
+wegen der Buhne, dem Fischtank in der Mitte, besonders zum Aufstapeln
+und Feilbieten von Verkaufsgegenständen. Englisch bumboat, a boat for
+carrying provisions to a ship at a distance from shore. Doch ist
+letzteres nicht mehr ganz zutreffend, da es jetzt auch Bumbootsleute,
+namentlich Bumbootsfrauen gibt, die nicht at a distance from shore ihr
+Wesen treiben, die gar kein Boot; geschweige denn ein Bumboot besitzen
+oder benützen, sondern einfach ihre Waren in einem abgelegten
+Kinderwagen längsseits eines am Bollwerk oder dem Kai liegenden Schiffes
+bringen. Der Name aber, Bumbootsmann oder Bumbootsfrau, ist geblieben.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">Bullei</span>, das, eine kleine, runde Scheibe von dickem Glas im Deck selbst,
+im Decksfenster, besonders aber auch in der Bordwand zum Einlassen des
+Lichtes. Aus dem englischen bull's-eye gebildet, = Ochsenauge. Auge wird
+in den verschiedensten Bedeutungen bildlich und in übertragenem Sinne
+gebraucht, sodaß uns die Aufnahme in die Seemannssprache nicht wundern
+kann, s. Ochsenauge.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bullentau</span>, das. Man benützte früher besonders eingerichtete Prähme,
+Hulke, abgetakelte Kriegsschiffe etc. etc. um ein Schiff das gekielholt
+werden sollte auf die Seite zu legen. Sie hießen Bullen, weil sie sehr
+stark und steif sein mußten wie der Nacken eines Stiers. Das andere
+Schiff ward mit sehr starken Tauen auf die Seite gezogen, die Bullentaue
+hießen. Als die Bullen selbst schon lange nicht mehr gebraucht wurden,
+nannte man die Taue, die irgendwo zur Verstärkung, zur Aushilfe, zu
+besonderer Befestigung in besonderem Falle dienten, immer noch
+Bullentaue.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bund, türkischer</span>, eine Takelung am Ende eines Taues, besonders eines
+Strecktaues, das Besuchern des Schiffes in die Hand gegeben wird zum
+Festhalten und das darum etwas eleganter getakelt ist in Gestalt eines
+Turbans, wofür schon seit Jahrhunderten der Ausdruck &#8222;türkischer Bund&#8223;
+in Deutschland in Gebrauch ist. Wenn nur das Aufdrehen des
+abgeschnittenen Endes vermieden werden sollte, so würde ein Hundspünt
+(s. d.) genügen; der türkische Bund wird also aus Schönheitsrücksichten
+gemacht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bunker</span>, der. Kohlenbunker sind durch eiserne Schotte abgegränzte<a id="Page_90"></a>
+ <span class="pagenum">[90]</span>
+Schiffsräume die zur Unterbringung des Schiffsbedarfs an Kohlen dienen.
+Durch die großen Fortschritte des Dampfes haben die Bunker eine noch vor
+wenig Jahrzehnten ungeahnte Vergrößerung erfahren. Etymologisch hängt
+das Wort mit Buhne zusammen in der Bedeutung Brettergestell,
+Bretterunterlage für die Ladung, dann Laderaum, manchmal auch das in
+demselben Befindliche, die Ladung selbst. So wurde das Wort bonik, bonk,
+bunk im Mittelalter gebraucht, wie aus zahlreichen Zeugnissen erhellt.
+In einer Hansa-Urkunde von 1225 heißt es: &#8222;Item aliquis veniens cum navi
+ad portum tytulo vendicionis aperit et dividit res suas, quod sie
+nominamus: ofte he sinen bonich breket, vendens aliquam partem rerum
+suarum&#8223; ... Eine Apenrader Skraa sagt: &#8222;item, eyn schipman, de eyn
+schiphere heth onde de mit em in deme schepe sin, de en open eren bonnyk
+nicht, er se vornoghed hebben dat schiplon&#8223;, (lat. Text: &#8222;item, nauta
+dictus skipher et secum in navi existentes sua bunkae non aperiant,
+antequam satisfactum fuerit pro naulo.&#8223;) Hansa-Urkunde von 1364: &#8222;were
+dat een bonk ghebroken worde in den schepen, dat gut, dat men upschepet,
+unde dut in den schepen blift, schal haluen tollen gheuen.&#8223; Hansa-Receß
+von 1388: &#8222;it., en schal men nen gud by westen der Maase utschepen umb
+ostwert to vorende. Men werit, dat en schipher qweme by westen der Maase
+in Zeland, de mach dar synen bonnik breken und bringen dat gud by sworen
+eeden tho dem stapel.&#8223; In einer dieser Formen und in der Bedeutung
+Laderaum ist zur Hansazeit das Wort nach England gekommen, wo es bald
+teils in eingeschränktem teils in erweitertem Sinne mehrfache Verwendung
+fand und sich einbürgerte. So heißt denn nun im Englischen bunk: &#8222;a
+wooden box or case, serving as a seat during the day and a bed at
+night;&#8223; bunker aber heißt: &#8222;a bench or sort of chest that serves for a
+seat&#8223;; also eine Sitzbank die zugleich als Aufbewahrungsraum diente, so
+an die Bordwand gebaut aus Brettern, daß die Vorderwand und der Sitz
+grade waren, die von der Bordwand selbst gebildete Rückwand wegen der
+Gillung aber schief zulief, der Raum unten also nicht so breit war wie
+oben. (Noch heute wird auf kleinen und kleinsten Schiffen der Raum so
+ausgenützt). Diese chest diente zur Aufbewahrung, zum &#8222;Verstauen&#8223; von
+allen möglichen Dingen, auch von Kohlen zum Kochen der Speisen. Als aber
+Kohlen für die Dampf- und mancherlei anderen<a id="Page_91"></a>
+ <span class="pagenum">[91]</span> Maschinen gebraucht
+wurden, da war es mit der Sitzgelegenheit bald vorbei, denn die Bunker
+nahmen immer größeren Umfang an und wurden stattliche Räume, deren eine
+Wand aber immer noch mit der Bordwand zusammenfällt, und ihre Gillung
+mitmacht, da sie zwischen Maschine und Bordwand angebracht zu werden
+pflegt. &nbsp;&mdash;&nbsp; In der Zeit des siegreich vordringenden Dampfes ist denn das
+alte deutsche Wort in der neuen, fremd erscheinenden Gestalt Bunker und
+in der beschränkten Bedeutung Kohlenbunker wieder heimgekehrt, nicht
+mehr Ladung im Allgemeinen, sondern nur Laderaum für die zum
+Schiffsgebrauch dienenden Kohlen bezeichnend. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Jahre 1898 tauchte
+plötzlich das Zeitwort &#8222;bunkern&#8223; auf. Irgend ein
+Seemanöverberichterstatter hatte sagen hören: &#8222;morgen füllen wir unser
+Bunker (mit Kohlen) auf,&#8223; und dachte, vielleicht weil ihm flunkern so
+geläufig war, diese Tätigkeit heiße seemännisch bunkern; war er aber
+seemännisch gebildet, und wußte daß das Wort bunkern gar kein Wort war,
+so mag er den Drang in sich gefühlt haben eine große Tat zu tun und
+setzte das geschmackvolle Wort als eigene Zeugung in die Welt. So ward
+denn mit einem Male in den verschiedensten Zeitungen bunkern den
+Nichtseeleuten als ein seemännisches Wort versetzt. Es scheint aber
+schon wieder im Verschwinden gepeilt werden zu können und wird
+hoffentlich bald wieder der Vergessenheit anheimgeben worden sein; man
+könnte sonst ebenso gut anstatt ernten auch scheuern, anstatt dreschen
+flegeln und anstatt schreiben federn sagen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Bunsch</span>, der, = Bündel, von binden, vergl. v. Strombeck, Mar.-Rundschau
+1899 p. 1127: &#8222;Nach dem Setzen (des Großsegels) die Läufer der Fallen
+und Taljen aufschließen (verdruckt für aufschießen), die Zeisinge in
+kleine Bunsche legen, die Bezüge klar zum Verstauen im Segelraum
+zusammenlegen.&#8223; Ein Wort das nur mundartlich vorkommt, und zwar in
+Niederdeutschland, ein Bunsch Garn, ein Bunsch Wolle; während man in
+Hochdeutschland Gebund sagt, ein Gebund Flachs etc. etc. Etwas
+zusammengebundenes oder wenigstens etwas das so zusammengelegt ist, daß
+es wie zusammengebunden aussieht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Büse</span>, die, ein Schiff zum Heringsfang, Heringsbüse, stark gebaut, früher
+mit zwei Masten, jetzt nur mit einem. Mittelniederdeutsch buse, butze;
+&#8222;de Hollander, de do in der ze weren up den herynk vank wol mit dre
+hundert bussen, vif vredeschepen<a id="Page_92"></a>
+ <span class="pagenum">[92]</span> (Kriegsschiffe, Fischereischutz!)
+darbi.&#8223; (Lüb. Chronik). &#8222;Bertoldus Schulenberg recognouit, quod Nicolao
+Schulenberge pertineat in dimidio nauis secilicet butza de XVI lestis.&#8223;
+(Wismar 1329). Nach Diez kommt es aus dem Lateinischen, ist aber dann
+bereits sehr früh entlehnt, da es schon im Angelsächsischen bus hieß (in
+der Zusammensetzung bus-carlas Schiffskerle, Schiffsleute)
+Niederländisch buis; englisch buss, &#8222;a small vessel, from 50 to 70 tons
+burden, carrying two masts (also ungleich den Emder Heringsbüsen) and
+two sheds or cabins, one at each end, used in herring-fishing.&#8223; &#8222;Really
+the same word as box&#8223; fügt das Imperial Dictionary hinzu; kurz und
+bündig, ob aber ganz richtig? &nbsp;&mdash;&nbsp; Mittellateinisch bucia, buza, (während
+box damals buxis und poxis hieß, aus griechisch puxos, Buchs, Buchsbaum)
+provençalisch bus, altspanisch buzo, altfranzösisch busse, buse, buce.</p>
+
+<p><span class="strong1">Buserun</span>, der, eine Bramtuchjacke, vom Hals bis zu den Hüften reichend,
+beliebtes Kleidungsstück der Seeleute, in Österreich &#8222;Bordleibel&#8223;
+genannt. Ein zusammengesetztes Wort. Rune, Run heißt in Ostfrießland
+eine Jacke, die als Überwurf zum Schutze bei der Arbeit getragen wird.
+Buse kommt jedenfalls von busen, welches ebenfalls in Ostfriesland im
+Sinne von ungestüm sein, sich stark bewegen, sich ausdehnen, schwellen
+blähen gebraucht wird; sei es nun, daß dabei direkt an busen gedacht
+ist, sodaß ein sich bauschendes, vom Winde aufgeblähtes Kleidungsstück
+gemeint ist, sei es daß es ein den Busen bedeckendes Gewand darstellen
+soll, in welchem Falle die Verwandtschaft doch dieselbe bleibt, da Busen
+ebenfalls etwas Schwellendes bedeutet; etwas Sichausdehnendes,
+Gerundetes. Ich möchte mich für Ersteres entscheiden, so daß das Weite,
+Faltige den Ausschlag gegeben hätte, zumal es im Mittelniederdeutschen
+ein Wort buys gab, das schon allein für sich weites, faltiges Obergewand
+hieß. In diesem Falle wäre die Zusammensetzung tautologisch, aber das
+teilt sie mit Pijacke und manchem anderen seemännischen Worte. Gegen den
+Gedanken an &#8222;Busen&#8223; könnte auch der Umstand sprechen, daß dieses jetzt
+meist &#8222;bossem&#8223; gesprochen wird und auch im Mittelniederdeutschen schon
+überwiegend bosem hieß, wofür leicht viele Zeugnisse beizubringen wären,
+da Busen im juristischen Sinne die direkt ab- oder aufsteigende
+Verwandschaft hieß und in vielen Rechtsurkunden vorkommt. (Partus
+sequitur ventrem, das Kind folgt dem Busen).<a id="Page_93"></a>
+ <span class="pagenum">[93]</span> &nbsp;&mdash;&nbsp; Zudem wird das
+Wort oft Buscherun ausgesprochen und das bringt es dem Begriff
+&#8222;bauschen&#8223; noch näher. Es ist nicht nur in Friesland, sondern bis in das
+ostpreußische Seegebiet hinauf in Gebrauch und heißt dänisch busserunne
+(nach einer schriftlichen Mitteilung eines Königl. Navigationslehrers,
+der früher Ostseekapitän war). &nbsp;&mdash;&nbsp; Häufig in der Dimitutivform
+&#8222;Busseruntje&#8223;, &#8222;Busserunchen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Butluv</span>, das. &#8222;So heißt eine Art starke Spier, welche vorne an beiden
+Seiten des Gallions in der Richtung aus dem Schiff liegt, welche die
+Fockrah hat, wenn man dicht beim Winde segelt.&#8223; (Roeding.) Durch das
+Butluv fährt der Fockhals. Buten heißt draußen; Butjadingen das Land
+&#8222;buta Jada&#8223; (jenseits der Jade, von Rüstringen aus gesehen); ein
+butenkierl ist ein Fremder (schon im Teuthonista butenmynsch) und als
+solcher für jeden Ostfriesen verdächtig. &nbsp;&mdash;&nbsp; Luv heißt in seiner
+ursprünglichsten Bedeutung einfach ein Stück Holz, ein Pflock, eine
+Stange, ein Balken, und in diesem Sinne ist es hier gebraucht (s. Luv.)</p>
+
+
+
+<h2><span><a id="C">C</a>.</span></h2>
+
+<p class="center1 strong1">(Vergl. K.)</p>
+
+
+<p><span class="strong1">capsizen</span> wird als Fremdwort manchmal für Kentern gebraucht; englisch
+capsize, to upset or overturn. Die Engländer wissen aber selbst nicht,
+woher dieses ihr Wort kommt. Es drängt sich der Gedanke an das
+Purzelbaumschlagen auf, das man in Niederdeutschland
+&#8222;Kopheisterschießen&#8223;, doch wohl auch &#8222;Kopsheisterschießen&#8223; heißt. Da
+dieses dieselbe Bewegung darstellt, die ein kenterndes Boot macht, so
+wäre es nicht unmöglich, daß capsize davon herstammt, also seinen
+Ursprung aus dem niederdeutschen Kinderspiel herzuleiten hätte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Cargo</span>, die Ladung eines (Handels-) Schiffes. Vom lateinischen carrus,
+der Wagen, kommt zunächst carricare, (auf den Wagen) laden, davon dann
+das spanische Zeitwort cargar, laden, woraus das Substantivum cargo
+gebildet ist. <span class="strong1">Supercargo</span>, der von der Rhederei bestellte mit an Bord
+eingeschiffte kaufmännische Verwalter der Ladung, dessen Geschäft es
+ist, den<a id="Page_94"></a>
+ <span class="pagenum">[94]</span> Verkauf der Waren zu besorgen und überhaupt die das
+Schiff betreffenden kaufmännischen Verhandlungen zu führen. Von carrus
+kommt auch Carneval (carrus navalis, der Schiffswagen; bei den alten
+Deutschen wurde im Frühling zur Feier der Wiedereröffnung der Schiffahrt
+ein festlicher Umzug gehalten, bei dem unter allerlei Verkleidung und
+Scherz ein Wagen in Gestalt eines Schiffes umhergefahren wurde). Von
+carrus kommt auch Charge (s. d.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Certepartie</span>, s. Certificat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Certificat</span>, das, ein Zeugnis, ein Schein, eine Bescheinigung über
+wichtige das Schiff und seinen Führer betreffende Eigenschaften und
+Fähigkeiten. Zu den Schiffspapieren gehören folgende Certificate: Der
+Classificirungsschein, der Meßbrief, der Registerbrief, der Beilbrief,
+der Befähigungsschein (Qualifications-Attest; die Certepartie, der
+Schiffsfrachtbrief, Schiffsfrachtvertrag, das Connaissement, der
+Verladungsschein). Der Unterschied zwischen Certepartie (eigentlich
+Cartepartie, bei Roeding Chartepartie) und Connossement (Conaissement)
+besteht darin, daß sich letzteres nur auf einen Frachtbrief über einen
+Teil der Ladung bezieht, ersteres aber gebraucht wird, wenn ein Kaufmann
+ein ganzes Schiff befrachtet, trotzdem eigentlich &nbsp;&mdash;&nbsp; partie gerade auf
+einen Teil schließen ließe. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Herkunft aus dem lateinischen liegt
+auf der Hand.</p>
+
+<p><span class="strong1">Charge</span>, die, eigentlich Ladung, wie man denn auch vom Chargieren eines
+Gewehres oder einer Kanone spricht, bedeutet den Dienstgrad, den jemand
+in der Rangstufe der Unter- oder Oberoffiziere einnimmt oder bekleidet.
+Wie Cargo vom lateinischen carrus, der Wagen, carricare laden; also
+einer, der mit etwas beladen ist, auf den eine Würde, ein Amt, ein
+Dienst gelegt ist. Es ist dabei zunächst an die Bürde gedacht, hernach
+aber auch mehr und mehr an die Würde, so daß es in manchen Redewendungen
+nur von letzterer gebraucht wird. Neuerdings wird vorschriftsmäßig in
+der Marine anstatt Charge Dienstgrad gesagt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Chasse marée</span> heißt ein französisches Küstenfahrzeug mit Fockmast,
+Großmast und Treibermast, Lugger- und Topsegeln; wegen der Segel könnte
+man es mit Lugger oder Logger übersetzen, am einfachsten aber wäre es
+durch &#8222;Jacht&#8223; wiedergegeben. &#8222;Bateau des côtes de la Bretagne,
+solidement construit, le plus souvent ponté, et parfailement approprié à
+la navigation de ces<a id="Page_95"></a>
+ <span class="pagenum">[95]</span> parages. Le Chasse-Marée navigue bien, il est
+très-convenable pour la pêche et pour le petit cabotage; il porte deux
+mâts inclinés sur l'arriére gréés avec beaucoup de simplicité, et
+souvent un troisième &nbsp;&mdash;&nbsp; das ist der Treibermast &nbsp;&mdash;&nbsp; dit de Tapecul&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Cirrocumulus</span>, s. Cirrus.</p>
+
+<p><span class="strong1">Cirrostratus</span>, s. Cirrus.</p>
+
+<p><span class="strong1">Cirrus.</span> Federige Wolkenbildung = Federwolke, von cirrus = Haarbüschel,
+natürliche Haarlocke, Federbüschel am Kopfe der Vögel. Cirrostratus, die
+federige Schichtwolke, von sterno, stravi, stratum sternere, hinbreiten
+(davon auch unsere Straße, via strata). Cirrocumulus, die federige
+Haufenwolke, von cumulus, der Haufe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Citadellschiff</span>, das, bezeichnet ein Panzerschiff, dessen Panzer nicht
+die ganze Länge des Schiffes bedeckt, sondern nur den Raum einschließt,
+der die wichtigsten Anlagen, die besonderen Schutzes bedürfen, enthält.
+Man könnte sagen, die Citadelle wäre ein Panzer im Panzer, wenn Panzer
+für Panzerschiff allgemein verständliche Abkürzung wäre. Die Bezeichnung
+Citadelle ist, davon abgesehen, daß sie ein Fremdwort darstellt,
+zutreffend gewählt, sie stammt vom französischen citadelle, das
+seinerseits vom italienischen citta, Stadt, kommt und eine kleine
+Festung bei einer größeren Stadt bedeutet, in die die belagerten
+Bewohner der Stadt, wenn diese nicht mehr zu halten ist, sich als
+äußersten Zufluchtsort zurückziehen können. So verhält sich also die
+Citadelle an Bord zu dem ganzen Panzerschiff wie die citta zur
+citadelle.</p>
+
+<p><span class="strong1">Compartement</span>, das. (Wasserdichte) Abteilung des Schiffes, aus dem
+englischen, vom lateinischen compartior, ich teile ab. Die Kriegsschiffe
+alle werden jetzt so gebaut, daß sie in einzelne Abteilungen zerfallen,
+die gegen einander wasserdicht abgeschlossen werden können, so daß eine
+oder mehrere mit Wasser (durch einen Zusammenstoß, durch Auflaufen auf
+einen Felsen, oder auch &nbsp;&mdash;&nbsp; bei Feuer &nbsp;&mdash;&nbsp; durch den Willen des
+Kommandanten) gefüllt werden können, ohne daß das ganze Schiff sinkt.
+Das Fremdwort ist im Aussterben begriffen, seitdem unsere
+Schiffsbaukunst sich von England unabhängig gemacht hat. (s. Schott.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Compound</span> &nbsp;&mdash;&nbsp; heißt zusammengesetzt, vom lateinischen componere, und kommt
+im Englischen in unzählbaren Verwendungen vor; seemännisch haben wir im
+Deutschen deren zwei<a id="Page_96"></a>
+ <span class="pagenum">[96]</span> herübergenommen. 1. Compound-Maschine, eine
+Maschine, bei der der Dampf nach einander in zwei Zylindern expandiert,
+bei der aber die Zylinder nebeneinander liegen, so daß deren Kolben an
+zwei rechtwinklig zu einander versetzten Kurbeln arbeiten, (also nicht
+immer gleichzeitig auf dem toten Punkte stehen). 2. Compound =
+Panzerplatte (steel faced armour plate), &#8222;stahlbekleidete
+Walzeisenpanzerplatte&#8223;; Stahlplatten und Eisenplatten
+zusammengeschweißt, eine Vereinigung der Härte und Undurchdringlichkeit
+des Stahles mit der Zähigkeit des Eisens, so daß die Vorzüge beider
+Materialien, nicht aber ihre Nachteile, zur Geltung kommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Concentration</span>, die, deckt sich begrifflich mit dem, was man &#8222;Breitseite&#8223;
+zu nennen gewohnt war, und bedeutet die Richtung sämtlicher Geschütze
+auf der einen Seite eines Schiffes auf einen Punkt, der getroffen werden
+soll. Es gibt bestimmte Zeichen auf Deck, nach denen die Kanonen
+gerichtet werden, um in Concentration zu stehen, sie heißen
+Concentrationsmarken. Sämtliche Kanonen einer Schiffsseite haben in
+dieser Ladestellung ein <span class="strong1">Zentrum</span> für ihre Richtung <span class="strong1">mit</span> einander gemein;
+daher der (dem lateinischen entlehnte) Name.</p>
+
+<p><span class="strong1">Contrebrass</span>, die, heißt die Braß der Großrahe die in <span class="strong1">entgegen</span>gesetzter
+Richtung der eigentlichen Braß fährt und dieser zu wesentlicher
+Unterstützung dient. Mit ihr wird vorzugsweise das Bewegen der Großrahe
+ausgeführt, während die Achterbraß dieselbe stützt. Die Achterbraß fährt
+nach achtern, nach dem Kreuzmast; die Contrebraß nach vorne, nach dem
+Fockmast. Gewöhnlich <span class="strong1">Grosscontrebrass</span> genannt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Convoy</span>, der, aus dem Französischen vom lateinischen con und via, einer
+der mit einem anderen denselben Weg geht oder fährt; seemännisch das
+Kriegsschiff oder die Kriegsschiffe, die Handelsschiffe in Kriegszeiten
+über See begleiten, damit sie nicht gekapert werden. <span class="strong1">Convoyieren</span> heißt
+also mit einem Handelsschiff als Geleit- und Beschirmungsschiff fahren.
+Der solchem Schiffe bezw. seiner Ladung zur Versendung nach dem
+Bestimmungsorte mitgegebene Abfertigungs- oder Begleitschein heißt
+Convoybrief.</p>
+
+<p><span class="strong1">Cordes'sches Gewehr</span>, das, ist ein Gewehr zum Schießen einer Leine,
+wodurch eine Verbindung zwischen Rettungsboot und Schiff hergestellt
+werden kann, wenn das Boot nicht an das<a id="Page_97"></a>
+ <span class="pagenum">[97]</span> Schiff gelangen kann. Die
+Wurfweite beträgt 70 m. Aus dem Gewehr können auch Leuchtkugeln
+geschossen werden, um bei Nacht dem in Not befindlichen Schiff das Nahen
+des Rettungsbootes anzuzeigen. Die Very'sche Pistole dient auch zum
+Signalgeben durch Leuchtkugeln; sie ist Hinterlader, ihre Handhabung
+daher sehr einfach, weil die Zündmasse gleich mit in der fertigen
+Patrone liegt. (Dick und Kretschmer, II. 315.) Cordes und Very sind die
+Namen der Erfinder.</p>
+
+<p><span class="strong1">Crew</span>, die, heißt eine Gemeinschaft von Seeleuten, die Gesamtheit derer,
+die sich an Bord eines Schiffen from
+Schiffes befinden, die zusammen die Bemannung eines
+Bootes ausmachen, Schiffscrew, Bootscrew. Besonders aber wird es in der
+Marine gebraucht für die Gesamtheit derer, die mit einander in einem und
+demselben Jahre als (See-) Kadetten eingetreten sind. &#8222;Wir sind von der
+75er Crew,&#8223; &#8222;er ist von meines Mannes Crew,&#8223; &#8222;sie sind Crew-Kameraden,&#8223;
+&#8222;wir feiern unser Crewfest.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; So unzweifelhaft englisch Form,
+Aussprache und nächste Herkunft sind, so ist doch das Wort
+gemeingermanisch und bedeutet nichts weiter als Wachstum, das was (in
+einem Jahre) gewachsen ist (&#8222;Crescenz&#8223; sagen sie am Rhein), was in einem
+Jahre als Zuwachs zur Marine gekommen ist oder was durch langes enges
+Beisammensein an Bord und Zusammentragen von Freud, Leid und Arbeit
+zusammengewachsen ist. Verwandt mit dem niederdeutschen greien, groien,
+grojen (s. Groden), althochdeutsch gruoan, gruan, gruen, gröen, cröen,
+mittelhochdeutsch grüen, grüjen, mittelniederdeutsch groien,
+altfriesisch groia, growa, angelsächsich growan, altnordisch groa,
+norwegisch groe, schwedisch gro: alles grünen, wachsen bedeutend. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vom
+lateinischen cresco kommt das französische croître wachsen, recroître
+wieder (nach-) wachsen und davon recru (unser Rekrut), also der
+Wiedernachgewachsene, der &#8222;Nachwuchs&#8223;. Davon dann recruter ausheben,
+sich rekrutieren, seinen Nachwuchs beziehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Insofern crew (früher
+crue geschrieben, altisländisch kru) und recru eigentlich dieselbe
+Bedeutung haben, treffen die getrennte Wege gegangenen Vettern der
+großen Wortsippe wieder sehr nahe zusammen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zu bemerken ist hierbei,
+daß es ein mittelniederdeutsches Wort krup, krop gibt, das Vieh
+bedeutet, besonders Rindvieh, aber auch Pferde. Schiller und Lübben
+vermochten es nicht zu deuten und bemerkten richtig nur so viel, daß es
+nicht von krupen = kriechen komme, da es sich<a id="Page_98"></a>
+ <span class="pagenum">[98]</span> ja nicht um
+kriechende Tiere handle. Es erscheint mir sehr wahrscheinlich, daß
+dieses krup gleich crew ist, d.&nbsp;h. das Vieh das einem Besitzer
+(ursprünglich vielleicht auch bloß in <span class="strong1">einem</span> Jahre) gewachsen ist, wobei
+noch einmal zu vergleichen altfriesisch growa, angelsächsisch growan,
+wachsen. In dieser Annahme werde ich durch den daneben hergehenden,
+gleichbedeutenden Begriff queck bestärkt. Eine mittelalterliche
+Rechtsbestimmung sagt: &#8222;So die beiden oldern jeven einem Kinde mit &nbsp;&mdash;&nbsp; it
+is gelt ofte ein hovet krops ... und so dat queme, dat dat Kind sturve,
+deme dat gelt unde queck bit den beiden olden blyven.&#8223; Hier wird also
+ein Stück (&#8222;Haupt&#8223;) Vieh, weil es lebendig ist mit dem Worte bezeichnet
+das &#8222;Leben&#8223; bedeutet. So gewiß man aber Vieh Leben nennen kann, kann man
+es auch &#8222;Gewachsenes&#8223;, Wachstum, (also auch hier &#8222;Crescenz&#8223;) nennen; man
+muß nur dabei im Auge haben wie wichtig einem Viehzüchter sein Vieh und
+das Wachsen (und Gedeihen) dieses seines Hauptbesitzstandes ist. So war
+es für die Betroffenen geradezu eine Lebensfrage, wenn einmal die krup
+von einer Sturmflut überrascht wurde: wie es in einer dithmarsischen
+Chronik heißt: &#8222;umme dusse tidt was ein mechtich storme ... insonderheit
+averraschet dat water an etlichen orden dat krup.&#8223; Denn, so sagt ein
+anderer aus jener Zeit, &#8222;alle volkere van erst an hebben ehren
+vonehmsten rikedom im krupe gehatt.&#8223; Es fragt sich also noch sehr, ob
+die Angeln und Sachsen nicht schon das Wort krup mit über den Kanal
+genommen und drüben zu crew umgestaltet haben, so daß wir es also auch
+hier, trotz der so sehr englischen Gestalt, doch mit einem deutschen
+Worte zu tun hätten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Culmination</span>, die, ist der Durchgang eines Gestirns durch den
+Mittagskreis. Die Beobachtung jener Höhe, die es bei diesem Durchgang
+hat, stellt seine Mittagshöhe fest und ist von ganz besonderer
+Wichtigkeit für Feststellung des Ortes, da sich ein Schiff befindet.
+Deshalb wird das Wort culminieren im Munde der Seeleute auch in
+übertragener Bedeutung gebraucht. &#8222;Na, endlich culminiert?&#8223; wird einer
+gefragt, der sehr lange geschlafen hat; culmen = Gipfel, Höhepunkt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Cumulus</span> s. Cirrus.</p>
+
+<p><span class="strong1">Cyclon</span>, der. Das griechische Wort für Kreis, Kyklos, hat seit Cyklops,
+dem Schmiedeknecht Vulkans mit dem einen <span class="strong1">runden</span> Auge auf der Stirn, die
+weiteste Verwendung in allen gebildeten<a id="Page_99"></a>
+ <span class="pagenum">[99]</span> Sprachen gefunden: auch
+zur Beziehung jener gewaltigen Drehstürme in denen, namentlich ehe das
+Drehungsgesetz der Stürme bekannt war (ein deutscher Gelehrter, Dove,
+hat es zuerst aufgestellt), manches Schiff mit Mann und Maus
+untergegangen ist. Cyclone haben einen Durchmesser von 200 bis 500
+Seemeilen, der sich um einen windstillen Mittelpunkt (&#8222;ein kalmes
+Centrum&#8223;) dreht und mit einer Geschwindigkeit bis zu 30 Seemeilen in der
+Stunde fortschreiten kann. Sie drehen sich auf der nördlichen Halbkugel
+nach entgegengesetzter Richtung wie auf der südlichen, nämlich auf
+dieser mit, auf jener entgegen dem Zeiger einer Uhr. Es geht ihnen eine
+eigentümliche Windstille und tiefer Barometerfall voraus. Seitdem man
+das Drehungsgesetz kennt, kann man ausweichen, unter Umständen aber
+sogar die Drehung benutzen zu einer desto schnelleren Fahrt.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="D"></a>D.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Davit</span>, das. Vorrichtung zum Aufhissen und Aufhängen der Schiffsbeiboote.
+Meyers Konversationslexikon behauptet mit einer Sicherheit die einer
+besseren Sache würdig wäre, das Wort sei englisch. Gewiß wird es
+jenseits des Kanals in derselben Bedeutung gebraucht, aber seine Wiege
+hat an deutscher Seeküste gestanden. Denn weder in der englischen Form
+davit, noch in der schwedischen david, noch in der dänischen davit, noch
+in der holländischen jutt gibt das Wort irgend einen Sinn, den gibt es
+nur im Deutschen, und zwar in seine Bestandteile zerlegt und in seiner
+ursprünglichen niederdeutschen Form: Dove Jitte, d.&nbsp;h. taube Jütte.
+Jütte ist ein gangbarer weiblicher Vorname, Koseform von Judith. Der
+Name diente einst allgemein zur allgemeinen Bezeichnung des weiblichen
+Geschlechts. Man sagt noch heute vielfach mal Jitte für albernes
+Frauenzimmer. Aus dem Mittelalter ist uns der Spruch erhalten: &#8222;Lange
+Kleder un körten syn, dat is syne arth der leven yuten,&#8223; Im &#8222;Reinke de
+Vos&#8223; heißt es, da Braun der Bär beim Bauer Rustefyl in die Klemme
+geraten war: &#8222;De Kärkher unde de koester bede. De kwemen dar ok mid erem
+geräde. De papen-meiershe (Pfarrköchin), de<a id="Page_100"></a>
+ <span class="pagenum">[100]</span> het fru Jütte, de was
+de, de de baste grütte konde bereiden un koken&#8223; ... Um Bremen herum und
+mehr nach Oldenburg und Ostfriesland hin sagte man Jitte. Eine &#8222;dove
+Jitte&#8223; ist nach dem &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223; &#8222;ein Weibsbild das nicht gut
+hört.&#8223; &#8222;Jumfer Jitte mit dem holten Titte, Schimpfname für ein junges
+Frauenzimmer, deren Busen nicht sonderlich begabt ist.&#8223; Es kommt auch
+die Bezeichnung &#8222;dumme Jitte&#8223; eben so häufig vor wie dumme Trine, dumme
+Liese, schlampige Suse, faule Grete, dove Greetje. Ueberhaupt spielt die
+Volkssprache gern mit dergleichen Frauennamen. Man denke nur an
+&#8222;schnelle Kathrine.&#8223; So sagt man &#8222;Jumfer Kattel&#8223; für &#8222;menses&#8223; &#8222;Gretchen
+in der Küche&#8223; heißt ein ungeborenes Mädchen, wie &#8222;Jan im Keller&#8223; ein
+ungeborener Knabe. &#8222;Gretchen vom Deich&#8223; wird das Kreuzbramsegel genannt.
+&#8222;Frau Johanna&#8223;, dame Janne, nannten die französischen Matrosen eine
+dickbauchige korbumflochtene Flasche, was mißverstanden als Demijohn ins
+englische überging und von da nach Norddeutschland kam, wo es für
+Korbflaschen, in denen Portwein, Madeira und dergleichen Getränke
+versandt werden, gebraucht wird und sich eine deutsche Aussprache mit
+ungewöhnlich langem i gefallen lassen muß. &#8222;Liese&#8223; heißt ein Trinkkrug
+nicht unbedeutenden Inhalts; &#8222;Liese&#8223; nannten die Soldaten in früheren
+Zeiten das Strohbündel, auf dem sie liegen mußten, wenn sie Stockprügel
+bekamen. Wie gern das Volk dergleichen Namen wählt, lehren die
+volkstümlichen Namen für Nigella damascena: Braut in Haaren, Jungfer im
+Grünen, Gretel im Grünen, Teufel im Busch, Gretel in der Hütte, Gretchen
+im Busch, Gretel in der Hecke, Gretel unter den Stauden. Und wie gern
+der Seemann mit dem ewig Weiblichen zu thun hat, beweist der Name
+&#8222;Jungfer&#8223; für einen Block von eigenartiger Gestalt. So ist es denn nicht
+zu verwundern, daß wir in seinem Munde die &#8222;dove Jitte&#8223; finden. Was aber
+bezeichnet er damit? Daß der Davit früher keine so verbesserte
+Vorrichtung zum Schwingen war wie heute, liegt auf der Hand. Vor hundert
+Jahren begnügte man sich noch mit einer recht einfachen Sache. Einfach
+sogar wörtlich genommen, denn damals bestand der Davit nicht aus zwei,
+sondern nur aus einem Balken, der zuerst gar nicht zum Bootaussetzen
+oder Einsetzen, sondern nur zum Ankerlichten bestimmt war. Roeding, der
+zu Hamburg 1794 das vortreffliche &#8222;Allgemeine Wörterbuch der Marine&#8223;
+herausgegeben hat schreibt über &#8222;taube Jütte&#8223;: &#8222;Eine<a id="Page_101"></a>
+ <span class="pagenum">[101]</span> kurze und
+etwas gekrümmte Sparre von starkem Holz, an deren einem Ende sich eine
+Scheibe befindet. Sie wird gebraucht, wenn man den Anker im Boot
+lichtet. Man setzt nämlich die Jütte hinten ins Boot, so daß das Ende,
+woran die Scheibe befindlich, etwas über den Spiegel des Boots ragt.
+Über die Scheibe legt man alsdann das Bojereep und windet mit dem
+Bratspill darauf.&#8223; &#8222;Ähnliche, aber gerade Jütten gebraucht man auch in
+den Marssen, die Luvpardunen auszusetzen oder zu spannen&#8223; ... Man kann
+sich nun leicht vorstellen, daß die eine in Betracht kommende Sparre so
+in die Spur eingesetzt wurde, daß ein Mann sie mit beiden Armen umfaßte,
+etwa wie einer seine Jütte umarmt; es war aber nur eine hölzerne, herz-
+und gefühllose, &#8222;taube&#8223;, dove Jütte (wie man auch von einer tauben Nuß
+spricht). Einmal nun im Scherz dove Jütte oder dove Jitt genannt,
+leuchtete dieser scherzende Vergleich bald allgemein ein, fand Beifall,
+Nachahmung, Aufnahme und erwarb sich schließlich in der
+zusammengezogenen bequeme Form davit (etwa über Dovjit, Dowit)
+Bürgerrecht in der Seemannssprache. Das Wort müßte demnach eigentlich
+die Davit heißen, wie der Seemann auch wohl sagt, die Marine schreibt
+aber der Davit; das Davit kann man auch hören, so daß für jeden
+Geschmack gesorgt ist. Die moderne Aussprache ist allerdings
+anglisierend Dävit.</p>
+
+<p><span class="strong1">Deck</span>, Mehrzahl: die Decks, seemännisch niemals Verdeck, ist, wie Decke,
+Dach, decken verwandt mit dem lateinischen tegere, bedecken, tectum,
+Dach; griechisch tegos, Dach. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Schiffe der Handelsmarine werden
+nach den Bauvorschriften des Germanischen Lloyds gemäß der Anordnung
+ihrer Decks benannt. Es gibt: 1. Volldeckschiffe mit drei oder vier
+Decks, 2. Spardeckschiffe, von etwas leichterer Bauart, 3. Hurrikan
+(Orkan-) Deckschiffe, 4. Sturmdeckschiffe, 5. Schiffe mit teilweisem
+Sturmdeck, 6. Schutzdeckschiffe, 7. Schiffe mit Schattendeck oder
+Schirmdeck (wie auf vielen Flußdampfern), 8. Glattdeckschiffe (ohne
+Aufbauten), 9. Brunnendeckschiffe (haben vorne und hinten je einen
+Aufbau, die Vertiefung dazwischen heißt der Brunnen), 10.
+Walrückendeckschiffe, bei denen die Seiten des Schiffes bogenförmig in
+das Hauptdeck übergehen, 11. Turmdeck- und Kofferdeckschiffe, bei denen
+der Laderaum gleichsam einen großen Koffer bildet, zum Selbsttrimmen der
+Ladung eingerichtet; darauf dann ein kleines Deck, das Turmdeck heißt,
+12. Tankschiffe,<a id="Page_102"></a>
+ <span class="pagenum">[102]</span> (s. Tank). Bei einem der neuen großen
+Passagierdampfer unterscheidet man von oben nach unten gerechnet: 1.
+Bootsdeck, 2. oberes Promenadendeck, 3. Promenadendeck, 4. Brückendeck,
+5. Hauptdeck, 6. Zwischendeck, 7. Unterdeck, 8. Orlopdeck. Dieses
+letztere war ursprünglich das einzige Deck, das zum Gehen für Menschen
+bestimmt war. Dieses Gehen an Deck hieß mittelniederdeutsch over (deck)
+lopen, daraus ist overlop geworden, (bei Kilianus overlop = boord van't
+schip) und das ist zu Orlop zusammengezogen; hat also mit Urlaub nichts
+zu tun, die wörtliche Übersetzung würde vielmehr etwa Lauf(-planke)
+sein. Insofern ein Deck aus (Decks-) Planken, aus Brettern, Dielen
+besteht hieß ein solches althochdeutsch dilla, mittelhochdeutsch dille,
+altnordisch thilja = Ruderbank; französisch tillac, spanisch tilla,
+portugiesisch tilha, Deck. &nbsp;&mdash;&nbsp; Früher sagte man zuweilen auch Raum
+anstatt Deck, s. Raum.</p>
+
+<p><span class="strong1">Deckoffizier</span>, der, eine ziemlich unglückliche allgemeine,
+zusammenfassende Bezeichnung für Maschinisten, Feuermeister,
+Feuerwerker, Bootsleute, Steuerleute, Zimmermeister,
+Materialienverwalter. Welcher Gedankengang der Bildung dieses jungen
+Wortes zu Grunde lag ist nicht recht erfindlich, es müßte denn sein, daß
+ursprünglich jedem der Deckoffiziere eines der verschiedenen Decks zur
+besonderen Beaufsichtigung zugedacht war. Aber auch das hat sich schon
+lange geändert; hat doch z.&nbsp;B. über das Zwischendeck ein Leutnant die
+Aufsicht und heißt dann Zwischendecksoffizier.</p>
+
+<p><span class="strong1">Declination</span>, s. Variation.</p>
+
+<p><span class="strong1">Deich</span>, der. Der das Land vor der See schützende Erdwall, im
+Hochdeutschen, in das das Wort erst zu Anfang des 18. Jahrhunderts aus
+dem Niederdeutschen gedrungen ist, gewöhnlich Damm genannt. Ein für den
+ganzen Bestand vieler Länderstrecken unentbehrliches aber sehr
+kostspieliges Werk der Menschenhand, daher in doppeltem Sinne treffend
+in Ostfriesland &#8222;de golden hoop&#8223;, der goldene Reif genannt. Das Wort ist
+mit Teig und mit Teich verwandt, sie stammen alle drei aus der Wurzel
+digh, bestreichen, verkitten, dichten, tasten, tastend formen (aus einer
+weichen, schlammigen Masse). Der Deich wird aus weicher, ausgegrabener
+Erde geformt. Weil diese Arbeit hauptsächlich mit dem Spaten geschieht,
+so hieß im altfriesischen dyka graben, und in dem ihm so nahe verwandten
+Angelsächsischen<a id="Page_103"></a>
+ <span class="pagenum">[103]</span> dic zugleich Deich und Graben. Altfranzösisch
+dik, französisch digue. Die Deichgeschworenen hießen altfriesisch
+dikaldermon. Die Leute die einen Deich bauen heißen diker und sind bei
+ihrer schweren Arbeit für ihren guten Appetit bekannt, wie sonst wohl
+die Scheunendrescher. Es konnte in früheren Tagen die Last des Deichens
+einem Besitzer so schwer werden, daß er lieber sein ganzes Besitztum
+aufgab und in die Fremde zog. Das tat er, indem er seinen Spaten in den
+Deich steckte. Wer ihn herauszog, ergriff Besitz von dem verlassenen
+Lande und trat in alle Rechte und Pflichten ein. (Spatenrecht).
+Naturgemäß spielt der Deich in den von ihm beschützten Ländern im Denken
+und im Sprachgebrauch der Leute eine große Rolle. Das beweisen
+zahlreiche Sprichwörter und geflügelte Worte, z.&nbsp;B. sagt drastisch aber
+wirkungsvoll einer der sich nicht hänseln lassen will in Westfriesland:
+&#8222;Ik bin niet von Kraien an diek scheten.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Deining</span>, <span class="strong1">Dünung</span>, die. Das sich Heben und Senken des Meeres in hohen
+glatten Wogen bei windstillem Wetter oder wenigstens nicht zu den Wellen
+im Verhältniß stehender Brise. Roeding: &#8222;Eine heftige Bewegung der See,
+die nach schweren Winden noch etliche Tage fortdauert, und selbst, wenn
+der Wind sich schon verändert hat, noch dieselbe Richtung behält. Ein
+Schiff, welches z.&nbsp;B. mit Ostwind durch den Kanal ins atlantische Meer
+segelt, kann daselbst bey eben diesem Winde noch ein Deining aus Süden
+haben, wenn es nämlich nicht lange vorher schwer aus dieser
+Himmelsgegend geweht hat.&#8223; Eben deswegen, weil Windrichtung und Seegang
+nicht immer einander entsprechen, heißt die betreffende Rubrik im
+Loggbuch &#8222;Windrichtung und Seegang&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es kann aber auch umgekehrt
+sein, daß die Dünung den Vorläufer eines Sturms bedeutet; in diesem
+Sinne heißt das Wort italienisch mar nuovo, im anderen mar vecchio oder
+morto, &#8222;tote See&#8223;, wiewohl sie ein Schiff lebendig genug schlingern
+macht. Ist mit Düne von gleicher Abstammung (daher s. d.) im Sinne von
+sich ausdehnen, in die Höhe gehen, hochgehen, &#8222;schnellen&#8223;; englisch
+swell, &#8222;a successeon of long unbroken waves setting in one direction, as
+after a storm.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Deisen</span>, achteraus gehen. Deisig oder diesig nennt der Seemann trübes,
+nasses, unfreundliches, &#8222;dreckiges&#8223;, nebliges Wetter. Es ist anzunehmen,
+daß das nordische mist für Nebel, diesiges, deisiges Wetter, wegen des
+Schmutzigen, Schmierigen, Mistigen<a id="Page_104"></a>
+ <span class="pagenum">[104]</span> des Nebels gewählt ist. Wenn
+aber für deisig mistig gesagt werden kann, so lag bei deisig auch der
+Gedanke an Mist machen, seine Notdurft verrichten nahe. Bei diesem
+Geschäft gehen viele Geschöpfe rückwärts, &#8222;über den Achtersteven&#8223;; man
+denke an einen Hund, oder auch an noch edlere Wesen. Auf diese Weise mag
+deisen zu der Bedeutung achteraus gehen, &#8222;über den Achtersteven&#8223; gehen
+gelangt sein. Bestärkt werde ich in dieser Vermutung dadurch, daß man
+von einem rückwärtsgehenden Schiffe auch sagt: &#8222;es deist aufs Gat&#8223;, und
+Gat heißt nicht nur Loch im Sinne der Ehre, sondern auch der Unehre. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Im Althochdeutschen hieß der Mist, der Stalldreck deisk, daisk.</p>
+
+<p><span class="strong1">Deissel</span>, Deiksel, Deksel, der, ein vielgebrauchtes Werkzeug der
+Zimmerleute, einer Axt ähnlich; doch steht beim Deissel die Schneide
+nicht parallel zum Stiel sondern perpendiculär. Das Wort kommt von einer
+Wurzel die hauen, hacken, spalten bedeutet und ist mit Deichsel
+zusammenzustellen, niederdeutsch dissel, althochdeutsch dihsila,
+mittelhochdeutsch dichsil, weil eine Deichsel ursprünglich nur eine
+abgehauene Stange war. Deichseln oder deikseln heißt etwas mit dem
+Deissel oder Deiksel zurechthauen und wird an Bord oft auch auf andere
+als hölzerne Dinge übertragen, etwa im Sinne von machen, fertig bringen.
+&#8222;Das wollen wir schon deikseln&#8223;, &#8222;das werden wir schon kriegen;&#8223; &#8222;das
+hast du fein gedeikselt!&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Dempgordinge</span>, die, sind die Taue mit denen der Besan gegeit wird, die
+Besansgeitaue, und zwar wird mit ihnen der obere schiefe dreieckige Teil
+des Besans nach der Besansgaffel zu geholt, während der untere Teil, der
+grade, viereckige mittelst der Besansbrook nach dem Schnaumast zu gegeit
+wird. Das niederdeutsche Zeitwort dempen heißt (s. Doornkaat) ersticken,
+löschen, niederdrücken, vermindern, stopfen, drückt also das, was in der
+Tat mit dem Segel geschieht beim Segelbergen, mit aller Deutlichkeit
+aus. Davon das Substantivum demper, dämpfer, &#8222;dar mut ins 'n demper up
+setd worden&#8223;, und das Adjectivum dempig, asthmatisch. Niederländisch
+dempen, mittelniederdeutsch dampen; in einer Urkunde von 1450 kommt das
+Wort vor im Sinne von &#8222;de kulen dempen und towerpen.&#8223; Althochdeutsch
+demphan, mittelhochdeutsch dempfen, dämpfen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Deplacement</span>, das, ist das Gesamtgewicht eines Schiffes. Man
+unterscheidet totes Gewicht und nützliche Zuladung. Zum Gewicht gehört
+(Dick und Kretschmer I. 29.)<a id="Page_105"></a>
+ <span class="pagenum">[105]</span> </p>
+
+<ul>
+<li>1. Das Gewicht des Schiffskörpers mit allen seinen Einrichtungen.</li>
+
+<li>2. Das Gewicht der Bemastung mit Segeln, Takelage und Rundhölzern, der Kambüsen, Wasserkasten.</li>
+
+<li>3. Das Gewicht der Mannschaft mit Leibesbedürfnissen, des Proviants, des Speise-, Wasch- und Trinkwassers.</li>
+
+<li>4. Das Gewicht der Ausrüstung, des Inventars und Materials.</li>
+
+<li>5. Das Gewicht der Maschinen, der Kessel mit darin befindlichem Wasser, der Kondensatoren, Rohrleitungen, des Treibapparats (Schraube, Schaufelrad und dergl.) mit Zubehör, der Reserveteile, des Materials und Inventars für die Maschine.</li>
+
+<li>6. Das Gewicht des Heizmaterials zur Dampferzeugung in den Kesseln und für sonstige Betriebe.</li>
+
+<li>7. Gewicht des etwa benötigten Ballastes.</li>
+</ul>
+
+
+<p>Die nützliche Zuladung oder Nutzladung umfasst:</p>
+
+<ul>
+<li>1. Gewicht der Frachtgüter.</li>
+
+<li>2. Gewicht der Passagiere mit Leibesbedürfnissen (Effekten), deren Proviant und Trinkwasser. &nbsp;&mdash;&nbsp; Hierzu tritt bei Kriegsschiffen:</li>
+
+<li>3. Gewicht der Geschütze mit Munition, der Torpedoarmierung mit Munition, des Panzers mit Holzhinterlage, des Panzer- und Schutzdecks, des Korkdamms, der Besatzung, der sonstigen Artillerie-, Torpedo- und Sprengdienstausrüstung, der elektrischen Einrichtungen, Apparate und Hilfsmaschinen.</li>
+</ul>
+
+<p><span class="strong1">Detail</span>, das. Inventar und Material an Bord stehen unter besonderer
+Aufsicht von Deckoffizieren, so das jeder sein ihn angehendes besonderes
+Teil zu verwalten hat. Diese Einzelnheit heißt Detail, Bootsmannsdetail,
+Steuermannsdetail etc. etc. Französisch détailler, eigentlich
+zerschneiden, von tailler, mittellateinisch taliare, zerstocken. Detail
+als ein zugeteiltes Stück würde seinen völlig ausreichenden und
+bezeichnenden Ausdruck finden in dem Worte Teil.</p>
+
+<p><span class="strong1">Deutel</span>, der. &#8222;Kleine viereckige spitze Keile von eichen Holz, welche in
+die Köpfe der hölzernen Schiffsnägel getrieben werden, damit sie
+durchaus fest schließen, und das Wasser auf keine Weise bey den Seiten
+der Nägel durchdringen kann&#8223;. (Röding). Das Wort heißt in Holland auch
+dreutel und dreutel ist offenbar auch bei uns die ursprüngliche Form
+gewesen. Wegen der Aussprache des Holländischen dreutel = drötel dürfen
+wir das Wort von dröteln ableiten, der niederdeutschen<a id="Page_106"></a>
+ <span class="pagenum">[106]</span> Form und
+Aussprache für das Hochdeutsche trödeln, dessen eigentliche Bedeutung
+drängen, pressen, drücken ist. Trödeln in unserem gewöhnlichen Sinne des
+Wortes heißt also sich langsam Herum<span class="strong1">drücken</span>, sich um eine Arbeit
+drücken, oder auch wie man kurz zu sagen pflegt: &#8222;sich drücken&#8223;. Die
+Bedeutung des Drückens, Drängens hat unserm Dreutel oder Deutel den
+Namen gegeben, weil der Holzkeil mit Gewalt in den Holznagel
+hineingedrängt wird. Um dies desto leichter zu können schlägt man vorher
+mit einem Eisen welches aber dieselbe Gestalt des Deutels hat und
+<span class="strong1">Deuteleisen</span> heißt, ein Loch in den Kopf des Nagels.</p>
+
+<p><span class="strong1">Deviation</span>, s. Variation.</p>
+
+<p><span class="strong1">Diagonalboot</span>, das. Der Name bezieht sich auf die Bauart der Bordwand des
+Bootes, oder der Außenhaut. Beim Diagonalboot besteht diese aus zwei
+Plankenlagen die entweder so angeordnet sind, daß die einzelnen Gänge in
+einem Winkel von 45° zum Kiel geneigt sind und sich gegenseitig ungefähr
+rechtwinklig kreuzen oder daß nur die innere Lage die diagonale Richtung
+hat und die äußere in der Längsrichtung des Bootes verläuft. Beide Lagen
+werden durch kupferne Gatnägel mit einander verbunden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dichten.</span> Die wichtige seemännische Arbeit die einzelnen Nähte zwischen
+den hölzernen Schiffsplanken wasserdicht zu machen. Dieses Dichten hat
+also mit der Dichtkunst eines Goethe oder Schiller nichts zu thun, die
+aus dem lateinischen dictare herkommt, sondern ist mit Deich und deichen
+verwandt. Das mittelniederdeutsche diken heißt noch deichen und dichten
+zugleich (deichen, dämmen, dicht machen, stopfen und graben.) Die
+gemeinsame Bedeutung ist: aus einem weichen, leicht zu bearbeitenden
+Stoff einen Schutz gegen eindringendes Wasser herstellen. Das Nähere
+über dichten s.&nbsp;u. kalfatern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Diesig</span>, auch deisig, nennt der Seemann ein nasses, kaltes,
+unfreundliches, trübes, nebliches Wetter; ein Wetter das auch &#8222;mistig&#8223;
+genannt wird. Diesig und mistig sind sehr nahe Bedeutungsverwandte, weil
+beide von Wörtern abstammen die &#8222;Excremente&#8223; bedeuten. Denn mistig kommt
+von Mist; zwar zunächst in der bei den germanischen Sprachen so weit
+verbreiteten Bedeutung von Nebel, aber die geht doch weiterhin wegen des
+Schmutzigen, Schmierigen des Nebelwetters auf Mist = Kot zurück. Und
+diesig, deisig, geht zurück auf das althochdeutsche deisc, daisc,
+dheisc, theisc = Mist, Dünger, Unrat.<a id="Page_107"></a>
+ <span class="pagenum">[107]</span> Beide Eigenschaftswörter,
+diesig und mistig, bezeichnen also &#8222;dreckiges Wetter.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Dingey</span>, <span class="strong1">Dingi</span>, das. Das kleinste der Schiffsbeiboote, gebraucht wenn ein
+einzelner Offizier, ohne viele Umstände zu machen und ohne eine größere
+Bootsbesatzung dem Schiffsdienst zu entziehen, von oder an Bord gehn
+will. Diese Bootsart ist erst in den letzten dreißig Jahren aufgekommen.
+Name und Sache stammen aus Ostindien: &#8222;dinghi, dingey a boat varying in
+size in different localities: the dinghies of Bombay are 12 to 20
+feet... the dinghies of Calcutta are small passage-boats for the poorer
+classes, rarely used with a sail; they are not painted, but merely
+rubbed with nut-oil, which imparts to them a sombre colour. This name is
+now also applied to a ship's small-boat.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Dippen</span>, die Flagge, sie zum Gruße niederholen. Das Wort müßte eigentlich
+diepen geschrieben werden. In Ostfriesland heißt es düpen und bedeutet
+tiefen, tiefer machen, niedriger hängen, herunterziehen. Die neuerdings
+(Herbst 1900) zwischen der Mehrzahl der deutschen Reedereien getroffene
+Vereinbarung über den Austausch des <span class="strong1">Flaggengrusses auf See</span> für die
+Schiffe der deutschen Handelsmarine enthält folgende Bestimmungen: 1.
+Sobald ein in Sicht kommendes Schiff als solches erkannt wird, mit dem
+Flaggengruß zu wechseln ist, ist sofort die Heckflagge zu setzen, ohne
+Rücksicht darauf, ob das andere Schiff dieselbe bereits führt, oder
+welchem Schiff die Pflicht des ersten Grußes obliegt. Die Flagge ist zu
+setzen, so lange die Positionslaternen nicht angezündet sind. 2. Die
+Pflicht des ersten Grußes hat: a. wenn ein Schiff vom andern überholt
+wird, das überholende Schiff, b. wenn eines der Schiffe still liegt, das
+in Fahrt befindliche Schiff, c. auf den von Europa ausgehenden Linien
+das auf der Ausreise befindliche Schiff, d. in allen übrigen Fällen
+dasjenige Schiff, das am nördlichsten steht. Beim Ein-und Auslaufen auf
+Häfen, sowie auf Revieren (d.&nbsp;h. Flüssen s. Revier), hat immer das nach
+See steuernde Schiff zuerst zu grüßen. Das hiernach zum Gruß
+verpflichtete Schiff hat seine Flagge zu dippen, sobald das andere
+Schiff in der Peilung zwei Strich vorderlicher als dwars steht,
+jedenfalls aber nicht später; die Flagge bleibt dann solange gedippt,
+bis von dem anderen Schiff der Gegengruß erfolgt ist, und ist alsdann
+wieder vorzuheißen. Haben die Schiffe einander passiert, so hat das zum
+ersten Gruß<a id="Page_108"></a>
+ <span class="pagenum">[108]</span> verpflichtet gewesene Schiff die Flagge zuerst wieder
+niederzuholen, sofern die Flagge nicht aus besonderen Gründen gesetzt
+bleiben muß.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dirk</span>, die, hieß früher auch das Piekfall der Besansgaffel, jetzt heißt
+so nur noch die Besansdirk oder Besansbaumdirk, kurzweg auch Baumdirk,
+neuerdings auch Besanstoppnant oder Baumtoppnant genannt, das Tau mit
+dem der Besansbaum aufgetoppt, oder wie man wegen der Dirk sagt,
+aufgedirkt wird. Dirk als Abkürzung von Dietrich ist ein im Gebiet der
+deutschen Seemannssprache sehr verbreiteter Vorname. Auch der falsche
+Schlüssel Dietrich heißt hier Dirk, und ein Schloß mit einen solchen
+öffnen nennt man dirken. Irgend einen Zusammenhang zwischen diesem Dirk
+und der seemännischen Dirk habe ich vergeblich gesucht. Daß Spitzbuben
+hinter Dietrich, dem beliebten Vornamen, ihr Diebeswerkzeug in der
+Gaunersprache zu verbergen suchen, beweist Kluge dadurch, daß der
+falsche Schlüssel auch Peterchen und Klaus genannt wurde. Man findet das
+begreiflich, weil sie das Ding nicht beim rechten Namen nennen durften.
+Aber warum sollte dies auch bei der Baumtoppnant der Fall sein? &nbsp;&mdash;&nbsp; Wir
+müssen uns daher anderweitig umsehen. Die Dirk, sei es als Piekfall, sei
+es als Baumdirk, dient zum Auftoppen, man <span class="strong1">zieht</span> also etwas damit in die
+Höhe. Es mag daher der Begriff &#8222;ziehen&#8223; in Betracht kommen, der in dem
+niederdeutsch-niederländischen Zeitwort trecken steckt; es hieß dieses
+im Gotischen trikan. Davon konnte leicht ein Substantivum trik gebildet
+werden. Da aber das vorgermanische Thema zu trikan darg ist, so mag trik
+auch drick gesprochen worden sein; drik aber konnte leicht, schon in
+Erinnerung an darg, aber auch sonst durch Metathelis leicht zu dirk
+werden, so daß die Dirk also ein Ziehding wäre. Das sind freilich alle
+Taue, aber warum soll nicht wenigstens eins davon von Ziehen den Namen
+haben? &nbsp;&mdash;&nbsp; Unter den vielen Bedeutungen die das englische trick hat ist
+auch eine im Sinne von &#8222;Zug.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Dispacheur</span>, der, der Mann, der Sachverständige, der schätzt, berechnet
+und verteilt, wieviel ein jeder, der an einem Schiffe Anteil hat, zahlen
+muß, zur Ausgleichung des Schadens, wenn das betreffende Schiff Havarie
+gelitten hat. Es muß ein vereidigter, vertrauenswürdiger, zu dem Amte
+staatlich bestellter Mann sein. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort kommt von Dispache und
+dieses vom spanischen<a id="Page_109"></a>
+ <span class="pagenum">[109]</span> despachar, abfertigen; englisch despatch;
+französisch dépécher; deutsches Fremdwort depeschieren, Depesche. Das
+Zeitwort soll vom spätlateinischen dispedico &nbsp;&mdash;&nbsp; dis als Negation und
+pedica, Fessel &nbsp;&mdash;&nbsp; kommen, würde also einen bedeuten, der mit
+ungefesseltem, eiligem Fuß abgefertigt ist, eine Botschaft zu bestellen,
+zu expedieren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Division</span>, die. Dieses Wort wird in der Marine in dreierlei Bedeutung
+gebraucht:</p>
+
+<p>1. Die gesamte Mannschaft eines Schiffes wird, wie in seemännischer
+Hinsicht in Wachen, so in militärischer Hinsicht in Divisionen
+eingeteilt, also in Verbände, die man ungefähr den Kompagnien bei der
+Landarmee vergleichen könnte.</p>
+
+<p>2. spricht man von Matrosendivisionen, Werftdivisionen, neuerdings auch
+von einer Schiffsjungen-Division. Das sind militärische Verbände am
+Lande, von einem Stabsoffizier kommandiert, etwa den Regimentern
+vergleichbar.</p>
+
+<p>3. heißt Division ein Verband von Kriegsschiffen, ein Teil eines
+Geschwaders oder einer Flotte. Es besteht zur Zeit über die Anzahl
+dieser Schiffe noch kaum eine bestimmte Vorschrift, doch wird in Zukunft
+die Vierzahl eine große Rolle spielen. In früheren Zeiten waren ziemlich
+genau bestimmte Zahlen festgelegt. Nach Brommy bestand eine <span class="strong1">Flotte</span>
+gewöhnlich aus wenigstens siebenundzwanzig Linienschiffen, außer
+Fregatten und anderen Fahrzeugen, und wurde in drei <span class="strong1">Geschwader</span>, jedes zu
+drei <span class="strong1">Divisionen</span>, geteilt. Aubin, 1702, sagt über Division: &#8222;C'est une
+certaine quantité de vaisseaux d'une armée navale, qui sont sous le
+commandement d' un Ofizier Général. La signification de ce terme n'est
+pas encore bien déterminée, car on s'en sert quelquefois pour marquer la
+troisième partie d' une armée navale, qu'on apelle autrement Escadre, et
+quelquefois c' en est la neuvième partie, ce qui arive lors-que l'armée
+est distribuée en trois escadres; car alors chaque escadre est
+distribuée en trois divisions, comme il se pratiqua pendant les
+campagnes navales de 1672 et 1673 dans la jonction des armée de France
+et d' Angleterre. Celle d' Angleterre formoit deux escadres, la rouge et
+la bleue, chacune partagée en trois divisions, et l'armée de France, qui
+formoit l'escadre blanche, étoit aussi distribuée en trois divisions.
+&#8218;Le Duc d' York commandoit l'escadre rouge, qui formoit le corps de
+bataile. Le Comte de Montaigu, ou de Sandwich, commandoit<a id="Page_110"></a>
+ <span class="pagenum">[110]</span>
+l'escadre bleüe qui faisoit l'aile gauche, et le Comte d'Estrée
+commandoit l'escadre blanche, qui faisoit l'aile droite. II y avoit
+aussi trois escadres dans l'armée de Hollande, et chaque escadre etoit
+pareillement distribuée en trois divisions. Sa marche étoit sur une
+ligne droite: le Lieutenant-amiral Général de Ruiter etoit an milieu
+avec la principule escadre&#8219;&#8223; ... Was also in Zukunft die Vierzahl
+bedeuten wird, bedeutete in jenen Tagen die Dreizahl.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dobber</span>, der, ein auf dem Wasser schwimmendes Stück Holz oder Kork, das
+die Stelle einer Boje versieht und die Lage eines unter Wasser
+befindlichen Gegenstandes, einer Angel, eines Netzes, eines Ankers
+anzeigt. Ostfriesisch dubber, vom Zeitwort dubbern, schlagen, pochen,
+stoßen, hin- und herschlagen, schwingen, schwanken; von der Bewegung die
+ein auf Wasser schwimmender, von den Wellen auf und nieder bewegter
+Gegenstand macht; &#8222;auf dem Wasser tanzen&#8223; nennt man sie wohl. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Kilianus kennt das Wort nur als zum Angelgerät gehörig: &#8222;calamus, qui
+suspendit hamum, ne fundum petat; cortex subereus lineae piscatoriae.&#8223;
+Halbertsma hat für Friesland die Form doaper, &#8222;in genere fluitans quid,
+quod suspendit hamum reteve; speciatim parallelopipedon ligneum parvum
+in aqua natans et sustinens funem, qui desinit in hamum.&#8223; Im Husumer
+Seerecht heißt es: &#8222;Kombt ein schip in einen haven driven, dat schal ein
+dubber up einen ancker hebben.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Mittelniederdeutschen heißt der
+Dobber auch Kogert: &#8222;unde licht enich anker sunder douwer ofte kogert,
+onde schade off queme, den schall he half beteren&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dock</span>, das, ist ein ausgegrabener und mit Quadersteinen ausgemauerter
+Raum, in dem ein Schiff ausgebessert wird. Wenn das zu dockende Schiff
+in diesen Raum hineingefahren ist, wird das Dock hinter ihm mit einem
+Ponton abgesperrt und das Wasser wird mit einer Dampfpumpe ausgepumpt.
+Je mehr das Schiff dadurch trocken fällt, desto mehr wird es von beiden
+Seiten mit Balken abgestützt bis es schließlich ganz trocken dasteht.
+Doch heißt nicht deswegen solch ein Dock Trockendock, sondern weil es im
+Gegensatz zu einem Schwimmdock (s. d.) auf dem Trockenen angelegt ist.
+Docken heißt ein Schiff ausbessern; &#8222;das Schiff wird gedockt&#8223;, man kann
+aber auch sagen &#8222;das Schiff dockt&#8223;, wie man sagt das Schiff &#8222;löscht&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Kilian hat eine niederdeutsche Form docke für Renne, Wasserrinne. Dem
+entsprechend leitet<a id="Page_111"></a>
+ <span class="pagenum">[111]</span> Grimm Dock vom italienischen doccia,
+französisch douche, spanisch ducha = Wasserröhre, Wasserrinne, ab. Und
+diese gehen entweder auf das lateinische (aquae) ductus oder auf das
+griechische doche, dochos, docheion = Gefäß, Behälter zurück. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+Englischen heißt dockyard Werft, dock allein meist in der Mehrzahl docks
+wird auch gebraucht für einen Liegeplatz von Schiffen. Da wo mir das
+Wort im seemännischen Sinne zuerst begegnet ist, bei Aubin 1702, wird es
+neben Dock in unserem Sinne auch als Ankerplatz oder Liegeplatz
+gebraucht. Es übersetzt nämlich Aubin das niederländische dok mit
+chambre, bassin, darsine und paradis. Er bemerkt dazu: &#8222;C'est la partie
+d'un port de mer la plus avancée dans la ville. Elle sert à retenir les
+galéres et autres bâtiments de mer, et est fermée d'une chaine. Elle est
+apellée Darsine sur la Méditerranée; mais sur l'Océan on apelle Paradis,
+Bassin, Chambre, les lieux retirez du port, oú les vaisseaux sont en
+plus grande seureté.&#8223; Vorher hat er aber auch dieselben Namen bassin,
+chambre und Darsine angewandt auf &#8222;un petit port particulier pratiqué
+dans un plus grand, oú l'on radoube les vaisseaux. Il ya de deux sortes
+de bassins; les uns qu'on peut toujours tenir secs, parce qu'on les
+ferme avec des portes; les autres qui sont ouverts, et dont le fond
+étant toujours mou et bourbeux, se remplit d'eau quand le flot monte, et
+se vuide quand la mer descend.&#8223; Im Jahre 1794 scheint es in Deutschland
+noch keine Docks gegeben zu haben, wenigstens weiß Röding von keinen zu
+berichten, da er doch schreibt: &#8222;Die neuerbauten Docken zu Karlscrona
+und Kronstadt, wovon die erste in einen Fels gehauen ist, sind
+unstreitig die musterhaftesten, auch sind die französischen in den Häfen
+zu Toulon, Brest und Rochefort und nicht minder die englischen
+merkwürdig. In Spanien, Portugal und Dänemark sind die Docken ebenfalls
+auf ähnliche Weise eingerichtet.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Jahre 1850 mußte das erste,
+neueingerichtete Schiffsjungenschulschiff &#8222;Mercur&#8223; in Karlskrona docken.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Mehrzahl: <span class="strong1">die Docks</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dodshoft</span>, das, eine besondere Art von Block oder Scheibe mit einem
+runden oder auch länglichen Loch in der Mitte; ihrer je zwei werden zum
+Festsetzen stehenden Gutes verwandt. Der Name mag von dem Loch kommen,
+das Dodmannsauge heißt. Die Einbildungskraft des Seemanns hat offenbar
+diese leere Höhlung im Block mit der leeren Augenhöhle eines
+Totenschädels<a id="Page_112"></a>
+ <span class="pagenum">[112]</span> verglichen und Dodsmannsauge genannt. Den Block der
+das Dodmannsauge aufweist Dodshoft (Dodmannshoft) zu nennen lag dann
+nahe. Zusammensetzungen, in denen Tod oder tot bildlich gebraucht sind,
+kommen nicht selten vor. Im &#8222;Seebuch&#8223; (1400) kommt dodeman,
+Dodemanshovet als Übersetzung für das Vorgebirge Deadmans Point vor.
+Sogar ein Gebäck aus Mehl, Zucker und Mandeln nennen sie in Groningen
+doodmansvinger.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dollart</span>, der. Name des im 13. und 14. Jahrhundert nach und nach durch
+Deichbrüche, ähnlich wie die Jade, entstandenen Meerbusens. Es ist
+behauptet worden der Name komme von der &#8222;tollen Art&#8223; dieses
+seemännischen Gewässers. Aber diese Behauptung hat nicht mehr Wert als
+die andere, daß Wangerooge &#8222;das Auge&#8223; von Wangerland heiße (da oog doch
+gleich dem hochdeutschen ach, Wasser ist). Der Dollart hat keine tollere
+Art wie die anderen Busen der Nordsee; verschiedene Fluten haben an
+seiner Entstehung gearbeitet (zuerst 1277); aus kleinen Anfängen ist er
+entstanden; zuerst mag nur ein Loch vorhanden gewesen sein, ein Kolk
+oder dergl. Nun gibt es im Ostfriesischen ein vielgebrauchtes Wort
+dollerd, dollert, dullert für talähnliche Mulde, Vertiefung, Senkung,
+großes weites Loch im Boden, Untiefe, Sumpf. Das hat zweifelsohne den
+Namen gegeben. Er ist in vielen deutschen Dialekten als delle erhalten;
+englisch dell.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dollbord</span>, s. Dolle.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dolle</span>, die, hölzerner (jetzt meist eiserner) Nagel in dem Dollbord des
+Ruderbootes befestigt, dazu bestimmt dem Riemen (Remen) beim Rudern als
+Stütz- und Drehpunkt zu dienen. Heißt eigentlich nichts weiter als ein
+Stück Holz, Baumstamm, Balken, Stange, Holzpflock, Bolzen. Von einem
+Stammverbum dolon, das mit dem Perfektum von fero, tuli, und mit tollo,
+tolero, tragen, halten (also auch mit unserem &#8222;Geduld&#8223;) verwandt ist.
+Althochdeutsch dolon, tholon, dolen, tholen; mittelhochdeutsch dolen;
+gothisch thulan; friesisch heißt Dolle dol, angelsächsisch thol,
+englisch thole, auch thole-pin (&#8222;Angli per abundantiam thole-pin, ut fit
+cum propria vis vocis in oblivionem cadit, notio enim clavi (pin) jam in
+thole haeret.&#8223;) Nach Vilmar ist Dolle, Dollnagel im Fuldaischen
+technischer Ausdruck der Zimmerleute für den starken hölzernen Nagel,
+welcher halb in den Durchzug und halb in den Balken befestigt wird,
+damit sich die Balken nicht verschieben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Kilianus hat schon die Form
+dolle: &#8222;lignum teres, cui struppis alligantur remi et obex remi.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Dollbord</span> ist die oberste Planke der Bootsaußenhaut, an der die Dollen
+befestigt sind. Der Name Dollbord ist auch da geblieben wo, wie beinahe
+durchgängig bei der Marine, die Dollen verschwunden sind und Rundseln
+Platz gemacht haben. Nur das Dingey und die Gig haben keine Rundseln,
+allerdings auch keine Dollen, sondern Gabeln, in denen der Riemen sich
+bewegt; sie haben aber den Namen Dollen behalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Domper</span>, der, das Tau (aus Draht) das der blinden Rahe Halt nach unten zu
+gewährt. Ganz vorne am Bug und niedrig über dem Wasser angebracht muß
+der Domper bei Seegang notwendigerweise mit dem Wasser in Berührung
+kommen und bei jeder höheren Woge untertauchen. Davon hat er den Namen.
+Früher, als man die Kanonen noch auf sehr einfache Art befestigte, kam
+es vor, daß sie durch das Schlingern des Schiffes vornüber fielen, das
+nannte man &#8222;die Kanonen dompen&#8223;. In Ostfriesland ist ein Zeitwort dumpen
+(niederländisch dompen) im Gebrauch: stoßen, drücken, niederdrücken,
+unterdrücken, ducken, tauchen, eintauchen, sinken machen, versenken;
+davon ist domper gebildet. Da unser tauchen dasselbe Wort ist wie
+taufen, und gothisch daupjan hieß, altsächsisch dopan, niederdeutsch
+dopen, so ist klar, daß das ostfriesische dumpen und das niederländische
+dompen rhinistische Formen (durch Nasalierung entstanden) von dopen
+sind, Domper also nichts anderes ist und bedeutet als<a id="Page_113"></a>
+ <span class="pagenum">[113]</span>Taucher.
+Das Zeitwort dompen wird auch sonst an Bord gebraucht im Sinne von
+&#8222;etwas nach unten zu bewegen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Downtonspumpe</span> s. Pumpe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Draggen</span> auch wohl dreggen, heißt etwas auf dem Grunde des Meeres
+Liegendes auffischen, aus dem Wasser ziehen. Ziehen ist die eigentliche
+Bedeutung des Wortes. Es ist mit tragen verwandt, niederdeutsch dragen,
+altfriesisch draga, drega, angelsächsisch dragan, altnordisch draga,
+schwedisch draga, dänisch drage, englisch drag, gothisch dragan,
+althochdeutsch tragen, trakan &nbsp;&mdash;&nbsp; alles heißt ziehen, schleppen,
+hinziehen, ausziehen. Das Werkzeug zum draggen heißt <span class="strong1">Dragge</span>, <span class="strong1">Dregge</span>,
+<span class="strong1">Dreg</span>. Es ist ein ankerartiges Ding mit vier Armen, manchmal auch nur mit
+dreien, die auf dem Grunde des Meeres hin und her bewegt den gesuchten
+Gegenstand fassen, greifen, festhalten sollen, damit er in die Höhe
+gezogen werden kann. Weil man<a id="Page_114"></a>
+ <span class="pagenum">[114]</span> die Arme mit den Klauen eines
+wilden Tieres, etwa eines Drachen, vergleichen kann, so haben harmlose
+Erklärer an dieses fabelhafte Tier gedacht um das Wort zu erklären.
+Nicht besser ist die Erklärung des Bremer Wörterbuches: &#8222;dragge, eine
+Art Anker mit 3 oder 4 Haken. Vielleicht von traag = tardus, weil er das
+Schiff an der Fahrt hindert&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; also &#8222;träge&#8223; macht (!) Noch schöner ist
+das Wort Dragge von dem Herausgeber des Kilianus'schen Wörterbuches,
+Gerhard Hasselt aus Arnheim, 1777 gedeutet worden: &#8222;dregge a drieghen,
+quia eo pisces <span class="strong1">decipiuntur</span>.&#8223; Nicht besser ist eine vierte Deutung, nach
+der dregge = dre-egge wäre: &#8222;tribus cuspidibus vel manibus anchora.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Französisch drague, Hohlschaufel um Sand, Erde, Schlick aus dem Wasser
+zu ziehen; englisch drag, Zugnetz. Immer spielt der Begriff des Ziehens
+in die Bedeutung hinein. &nbsp;&mdash;&nbsp; Dann ist aber freilich, weil die Dragge oder
+der Dreg Ankergestalt hatte, die Zusammensetzung Dreganker aufgekommen,
+auch Draganker; man hat auch wohl Anker wieder fallen lassen ohne daß
+das Wort die Bedeutung änderte; so kommt es, daß im Wangerländischen
+drag Bootsanker heißt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dragoman</span>, der, ist ein bei auswärtigen Gesandtschaften, bei Konsulaten
+in See- und Hafen- und anderen Städten angestellter Dolmetscher. Das
+Wort ist ursprünglich chaldäisch und bedeutet Erklärung (targumim);
+davon arabisch targana, auslegen, übersetzen, dolmetschen; arabisch
+targoman, mittellateinisch dragumanus, drogamundus, italienisch
+dragomanno, spanisch dragoman, französisch drogman. Tragemunt war im
+mittelhochdeutschen ein weitgereister, sprachkundiger Pilger, nicht zu
+verwechseln mit dem schnellsegelnden Schiffe tragamunt, s. Schmack.</p>
+
+<p><span class="strong1">Drehfeuer</span> s. Blinkfeuer.</p>
+
+<p><span class="strong1">Drehreep</span>, das. Roeding mißbilligt es, daß Drehreep oft mit Fall für ein
+und dasselbe gehalten werde. Das ist aber kein Wunder, denn sie haben
+beide denselben Zweck, ja es ist ursprünglich das ganze Fall der
+Rahsegel weiter nichts als ein Drehreep gewesen, nämlich ein Reep das
+bei (beweglichen) schweren Rahen an Deck genommen, ums Spill gelegt und
+gedreht wurde, wodurch die Rahe in die Höhe ging. Um dieses weitläufige
+Manöver nicht immer nötig zu haben, hat man an das Drehreep eine starke
+Talje (ein Takel) angebracht, mit der die Rahe bequem gehißt werden
+kann. Sie heißt Fall. Indessen muß beim Aufbringen<a id="Page_115"></a>
+ <span class="pagenum">[115]</span> oder an
+Decknehmen der Rahe auch heute noch die Talje ausgeschaltet und das
+Drehreep selbst an Deck genommen und, wenn auch nicht immer ums Spill
+gedreht, so doch mit kräftiger Besetzung geholt oder gefiert werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dreidecker</span> s. Deck. <span class="strong1">Dreimaster</span> s. Mast.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dreischäftig</span> heißt das Tauwerk, das aus drei Schäften, Strängen,
+Strähnen geschlagen ist, die man jetzt Kardeele nennt. Für die
+Abstammung dürfte am ehesten an das lateinische scapus, Schaft, Stiel,
+Stengel zu denken sein, und an seine Wurzel skap, die fassen, halten,
+befestigen bedeutet, so daß dreischäftiges Tauwerk solches wäre, das von
+drei Teilen zusammen<span class="strong1">gehalten</span> würde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Drempel</span>, der. Die Bretter die in den Stückpforten liegen und die vier
+Seiten derselben bilden. Sie bedecken die leeren Räume die zwischen den
+Inhölzern bleiben, damit zwischen dieselben kein Wasser dringen kann.
+Man unterscheidet einen Unterdrempel, zwei Seitendrempel, einen
+Oberdrempel, aber eigentlich gebührt der Name nur dem ersteren, und auch
+diesem nur uneigentlich, denn Drempel bedeutet Schwelle, Thürschwelle
+und kommt von trampen, trampeln, den unteren Teil des Thürrahmens, über
+den man ins Haus, in die Stube eintritt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Drift</span> s. Trift.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dübel</span>, der, heißt in der österreichischen Marine (nach Dabovich) der
+Zylinderzapfen, hat aber mit dem Teufel nichts zu thun, sondern ist eine
+Umbildung des englischen dowel, welches jeden beliebigen Zapfen
+bezeichnet, französisch douille, lateinisch ductile von duco, ich führe;
+also eigentlich Führung(s-Zapfen).</p>
+
+<p><span class="strong1">Dublieren</span>, um ein Vorgebirge herumsegeln. Der Begriff des doppelten
+ergiebt sich leicht, wenn man bedenkt, daß man das umschiffte Kap einmal
+von der einen und das andere Mal von der anderen Seite, also doppelt, zu
+sehen bekommt. &#8222;Sailing along the coast he doubled the promontory of
+Carthage.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Duc d' Alben</span>, <span class="strong1">Dukdalben</span>, <span class="strong1">Dükdalben</span>. Pfähle im Wasser, fest eingerammt
+und &nbsp;&mdash;&nbsp; gewöhnlich zu dreien &nbsp;&mdash;&nbsp; mit einander verbunden, zum Festmachen,
+Verholen u.&nbsp;s.&nbsp;w. von Schiffen dienend. Die falsche Meinung, der Name
+komme von dem des Herzogs von Alba, hat sich so festgesetzt, daß sie nur
+sehr schwer zu beseitigen sein wird. Allerdings heißt dieser im
+Holländischen Duc d'Alba, im Munde des Volkes Duc d'Alf. Der<a id="Page_116"></a>
+ <span class="pagenum">[116]</span>
+Gedanke an ihn lag also nicht allzufern, wenn man das Wort Dukdalben
+las. Ja es lag allzu nah, als daß man nicht Verdacht schöpfen sollte,
+denn das Nächste ist in sprachlichen Dingen nicht immer das Beste. So
+hat denn auch außer Onno Klopp in seiner ostfriesischen Geschichte
+meines Wissens niemand direkt und bestimmt gesagt, daß das Wort von
+Herzog Alba komme, es ist immer nur vermutet worden. Klopp bringt aber
+auch keinen Beweis für seine Behauptung. &nbsp;&mdash;&nbsp;Nun ist freilich das Wort vor
+der Zeit des 30jährigen Krieges unbezeugt. In den vielen Hansa-Rezessen,
+-Skraaen und sonstigen -Urkunden, die ich durchgesehen habe, habe ich
+nichts davon gefunden. Das 1400 geschriebene &#8222;Seebuch&#8223; kennt nichts
+dergleichen; Der Teuthonista, 1475 zu Cleve erschienen, ebenfalls nicht.
+Cornelius Kilianus Duffläus, 1548, kennt das Wort auch nicht, wiewohl er
+in Antwerpen lebte. Insofern könnte es also von Duc d'Alf kommen. Aber
+daß das Wort nicht bezeugt ist, beweist noch nicht, daß es nicht
+vorhanden war. Matthias Kramer, der im Jahre 1719 im Alter von 79 Jahren
+zu Nürnberg &#8222;Das königliche Nider-Hoch-Teutsch u. Hoch-Nider-Teutsch
+Dictionarium&#8223; veröffentlichte, könnte es haben wenn es von Alba herkäme,
+hat es aber nicht. Auch das um 1700 erschienene, in Amsterdam gedruckte
+&#8222;Dictionaire de Marine&#8223; von Aubin hat es nicht. Der Holländer Bilderdyk,
+ein scharfer Kopf, der vor 100 Jahren schrieb, hat es zuerst und nennt
+es auch gleich ganz richtig, oder wenigstens annähernd treffend &#8222;eene
+moedwillige verbastering von dokdulf.&#8223; Mit dem dokdulf hat er zwar nicht
+Recht, desto mehr aber damit, daß er die Form Duc d'Alf eine &#8222;mutwillige
+Verschlechterung&#8223; nennt. Wenn wir genau zuhören, wie der niederdeutsche
+Seemann sagt, so hören wir gar nicht Dükdalben oder Dükdalfen, sondern
+<span class="strong1">Dükdallen</span>, und zwar mit dem dunklen niederdeutschen a das wie o klingt.
+Dallen, dollen sind aber Balken, Pfähle. In Stralsund heißen die Pfähle
+am Bollwerk Dallen. In Friesland heißt unser Wort dykdollen; Halbertsma:
+&#8222;stirpes modicae arborum ad corroboranda lignea aggerum propugnacula;&#8223;
+also genau wie in Stralsund. Ist -dallen so klar gestellt, so fragt sich
+was das Dük- bedeutet. Es ist früher an Deich = Diek gedacht worden.
+Aber es liegt ein anderer Gedanke viel näher, das ist der an das
+niederdeutsche Zeitwort duken. Wir übersetzen es gewöhnlich mit tauchen,
+es<a id="Page_117"></a>
+ <span class="pagenum">[117]</span> bedeutet aber vor allen Dingen ducken, beugen, neigen, wie in
+der Wendung &#8222;de bomen duken sik för de wind.&#8223; Und diese Bedeutung paßt
+vortrefflich. Die Pfähle der Dükdallen stehen nicht gerad aufrecht, sie
+sind schief eingerammt, stehen im Winkel zu einander geneigt; die Dallen
+sind also gedukt &nbsp;&mdash;&nbsp; und das Gedukte ist gerade das in die Augen
+Fallende, das Charakteristische an ihnen: daher Dukdallen, das zu
+Dükdallen geworden ist wie Duker, der Taucher, zu Düker. So rechtfertigt
+sich auch der Plural. Es heißt stets Dükdallen, nie, auch wenn nur von
+einem einzelnen die Rede ist, Dükdall; das würde unverständlich sein,
+wenn an den Alba zu denken wäre, versteht sich aber von selbst, sobald
+wir an mehrere Dallen denken, die zu einem Dükdallen gehören.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ducht</span>, die, Ruderbank. Manchmal auch Duft, da f und ch sehr oft in
+einander übergehen. Das holländische doft hat Aubin (1702) mit banc de
+Galëre, de Galéasse übersetzt: &#8222;c'est un siége pour asseoir ceux, qui
+tirent à la rame, soit forçat, bonavoglie, ou matelot.&#8223; Doft oder Docht
+ist ein gemeingermanisches, sehr frühes Wort, althochdeutsch dofta,
+angelsächsisch thofte, und kommt von einer Wurzel, die bücken,
+niederbücken, sich <span class="strong1">ducken</span> bedeutet, so daß Ducht die Bank ist, auf der
+diejenigen sitzen, die sich beim Rudern vorn über neigen, nach vorne
+bücken, das ist eine zu bezeichnende Bewegung beim Rudern, als daß sie
+nicht hätte zur Bezeichnung verwandt werden sollen. Vielleicht auch ist
+dabei gedacht an das Niederhocken der Ruderer auf der Ducht. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">Ducht</span> (nannte oder) nennt man auch einen aus einer Anzahl Fäden
+zusammengedrehten Strang; drei Duchten bilden ein Kardeel, mehrere
+Kardeele werden zusammengeschlagen zu einem Tau. (s. dreischäftig)
+Dieses Wort hat mit dem obigen nichts zu tun, sondern ist unser
+hochdeutsches Docht; mittelhochdeutsch und althochdeutsch taht,
+altnordisch thattr, Faden, Docht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Durchdrehen</span>, unabsichtlich, durch einen Fehler des Mannes am Ruder beim
+Segeln am Winde so hart an den Wind gehen, daß der Wind das Segel von
+der verkehrten (vorderen) Seite füllt, &#8222;back&#8223; legt, und so das Schiff
+dazu kommt, über den Achtersteven, rückwärts zu segeln; eine, besonders
+bei schwerer See nicht ungefährliche Sache. Man nennt das auch wohl
+&#8222;eine Eule fangen&#8223;, wohl Anklang an das Sprichwort: &#8222;do hät en Uhl
+säten&#8223;,<a id="Page_118"></a>
+ <span class="pagenum">[118]</span> &#8222;da ists unglücklich zugegangen&#8223;. Französisch faire
+chapelle. &#8222;Durchgedreht&#8223; sagt der Seemann auch von einem, der einen
+Sparrn zu viel hat, oder den er im Ärger für &#8222;verrückt&#8223; erklärt, ohne
+daß der Betreffende wirklich geisteskrank zu sein braucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Durchholen</span>, ein Tau durch einen Block holen, ohne daß zugleich eine
+Last, die an dem Tau befestigt wäre, geholt würde, also das lose Tau
+holen, &#8222;die Lose durchholen&#8223; wie der seemännische Ausdruck lautet. Da
+dieses kein anstrengendes Geschäft, sondern eher ein Vergnügen ist, so
+heißt &#8222;die Lose durchholen&#8223; auch im Munde des Seemanns &#8222;sich amüsieren&#8223;.
+&#8222;Da wollen wir einmal die Lose durchholen&#8223;, sagt wohl einer zum andern
+nach langer Seefahrt angesichts des winkenden Hafens.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dürrkessel</span>, s. Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Düne</span>, die, Sandhügel, Sandrücken, sandige Erhöhung am Meer. Es ist an
+Verwandtschaft mit dem griechischen thin, Haufe, Sandhaufe am
+Meeresufer, gedacht worden und an eine Sanscritform, die eilen, laufen
+bedeutet, so daß die Düne wegen ihrer Veränderlichkeit und Beweglichkeit
+so hieße (Weigand); aber dem widerspricht doch sehr der Gebrauch des
+Wortes in allen keltischen Sprachen, wo es als Endung keltischer
+Städtenamen geradezu einen festen, befestigten Ort bedeutet; gaedhelisch
+dun, kymrisch din, Breizonek, kornisch dun: Anhöhe, Burg, Hügel;
+englisch town, Stadt und down, Düne; französisch dune. Vielleicht
+verwandt mit der Wurzel des althochdeutschen Zeitworts thenian, dehnen,
+ausdehnen, in die Höhe gehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dünung</span>, s. Deining.</p>
+
+<p><span class="strong1">Dwaidel</span>, der, ein Wischer, aus alten Lumpen gefertigt, die an einem
+Stiele befestigt sind, womit der Matrose auf Handelsschiffen, namentlich
+kleineren, sein Fahrzeug reinigt. Auch Dweil. Ist das sonst im
+Niederdeutschen gebräuchliche Dwele, Handdwele, altdeutsch dwahila,
+niederländisch dwaele, englisch towell, franz. touaille, wangerländisch
+dweil. Hochdeutsch Quehle und Zwehle mit großer Verwandtschaft in allen
+germanischen und romanischen Sprachen. Grundbedeutung: Etwas zum Netzen,
+Naßmachen, Waschen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Davon Zeitwort dweilen, waschen, Deck waschen.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;(Davon durch Aphäresis des d und indem der Lippenlaut w zu einem
+Zungenlaut f wurde: Faidel, Feidel, Feudel, Scheuertuch).</p>
+
+<p><span class="strong1">Dwars</span> bedeutet <span class="strong1">quer</span> und ist nur eine andere, niederdeutsche Form eben
+dieses Adverbiums. Althochdeutsch twer, dwer,<a id="Page_119"></a>
+ <span class="pagenum">[119]</span> angelsächsisch
+thveores, altnordisch thvers, altfriesisch thwers, twers,
+mittelniederländisch dwars. Im &#8222;Seebuch&#8223;, 1400, dweers, im Teuthonista
+dwerss; Kil. dwaers, dweers. In oberdeutschen Mundarten zwerch. Das Wort
+wird an Bord oft gebraucht, namentlich bei Geschwadermanövern, wo neben
+der Kiellinie die <span class="strong1">Dwarslinie</span> eine wichtige Formation der Schiffe ist. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+In Ostfriesland wird dwars und dwas auch außerhalb der Seemannssprache
+überall da gebraucht, wo man im Hochdeutschen quer gebraucht, sogar
+dwaskop wird für Querkopf gesagt; von dwas, dwass im Sinne von verdreht
+kommt dann unser vulgäres dwatsch. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Dwars ab&#8223; von einem Turm, einer
+Bake heißt, sich dem Turm oder der Bake gerade gegenüber befinden. &#8222;Item
+twisschen Engelandesende unde Lizart middes in de Montzbaye licht en
+hochachtich berch, dat is ene gude kenninge, also en man kumpt dwers ut
+der See&#8223; heißt es im &#8222;Seebuch&#8223; (1400); Engelandesende ist das, was wir
+jetzt kurz Landsend nennen; noch bei Waghenaer, 1588, heißt dieses
+Vorgebirge Engellandesende.</p>
+
+
+<h2>
+<span><a id="E"></a>E.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Ebbe</span>, die, das Zurückfließen des Wassers nach einer Flut und der Stand
+des niedrigsten Zurückgeflossenseins. Man hat das Wort mit ebnen
+zusammen bringen wollen, so daß Ebbe die ausgleichende, ebnende
+Meeresbewegung darstellte, durch die nach den Anschwellen der Flut der
+Meeresspiegel wieder gleich und glatt gemacht würde. Aber das tut die
+Ebbe gar nicht, sie macht das Meer weder eben noch gleich, bringt es
+nicht auf den mittleren Wasserstand, sondern unter denselben hinunter,
+macht also den Wasserstand immer aufs Neue wieder ebensogut wie die Flut
+ungleich. Auch hat es nichts mit dem in &#8222;Abend&#8223; steckenden Begriff des
+Abnehmens, des Sinkens zu tun, vielmehr kommt für die Erklärung das
+gothische ibuks, sich rückwärts bewegend, in Betracht, und das
+althochdeutsche ippihhon, zurückrollen, und abuh, abgewendet,
+umgewendet, verkehrt; mittelhochdeutsch ebech, ebich, ebch = umgedreht;
+noch heute in oberdeutschen Mundarten im Gebrauch, wo gesagt wird: &#8222;Du
+hast deinen Strumpf<a id="Page_120"></a>
+ <span class="pagenum">[120]</span> auf die ebche Seite angezogen&#8223;, &#8222;der Baum
+steht auf der ebchen (der Sonne abgekehrten) Seite des Berges&#8223;; auch
+eber, aber, appa, Stelle am Ufer wo das Wasser still steht (Ulm), und
+für das Schmelzen des Schnees gebraucht (&#8222;es ist so schön appa, sand d'
+Alma so grün&#8223;, schwäbisch, &#8222;der Schnee ist weg (und deswegen) sind die
+Hochweiden so grün&#8223;). Ebbe ist also das sich rückwärts bewegende,
+zurückfließende, zurückkehrende Wasser im Sinne des lateinischen
+recessus. Altfriesisch ebba: &#8222;dy Frisa thoer oen neen heerferd fora fara
+dan mitta ebba ut ende mit da floed op.&#8223; Angelsächsisch ebba, englisch
+ebb, hier besonders oft im übertragenen Sinne gebraucht, &#8222;I felt them
+slowly ebbing, name and fame&#8223;, Tennyson; auch als Adjectivum: &#8222;The water
+there is very low and ebb&#8223;, Holland. Mittelniederdeutsch schon ebbe,
+niederländisch eb, dänisch ebbe, schwedisch ebb, französisch (1702) ebe,
+il y a ebe. &nbsp;&mdash;&nbsp; Eine Ebbe und eine Flut zusammen heißt eine Tide, (nicht
+englisch, sondern deutsch auszusprechen).</p>
+
+<p><span class="strong1">Eiland</span>, das, im Munde des niederdeutschen Matrosen gebräuchliches Wort
+für Insel. Man hat es mit Einland erklären wollen, allein für sich im
+Meer liegendes Land, ähnlich wie Einsiedler gebildet. Bedenkt man aber,
+daß in der Edda ey für sich allein schon Insel bedeutet; norwegisch oy,
+schwedisch ö, dänisch oe, mittelhochdeutsch owe, awe, ouwe, ouge, auwe,
+ouw, auw, althochdeutsch awa, auwa, ouwa, owa; mittelniederländisch
+ooghe, oghe, aeghe, auge; friesisch oge, oog; (neuhochdeutsch Aue,
+grünes, wasserreiches Land; daher Aurich, Owen in Württemberg, die
+&#8222;goldene Aue&#8223; und viele Zusammensetzungen mit au), und daß alle diese
+Formen sich dem gothischen ahva = Wasser, lateinisch aqua, ungezwungen
+zugesellen lassen, so kann kein Zweifel sein, daß Eiland nichts weiter
+als Wasserland, Land im Wasser bedeutet. Die Wurzel ist ak, sich
+bewegen, eilen, rennen (daher auch equus, das Pferd) <span class="strong1">rinnen</span>; erhalten in
+vielen deutschen Ortsnamen, die am Wasser liegen: Kreuznach, Teinach,
+Neckarsteinach, (dann in vielen Flußnamen in denen das k zu einem h
+verflüchtig und dieses demnächst ganz ausgefallen ist: Ahe und A, auch
+Ehe, wohern Emden = Ehemünden). Bei der Neigung, aus a ein o zu machen
+(Wald, wold, Karl, Korl) mußte ach im Niederdeutschen, besonders im
+Friesischen zu og, oog, ooge werden; Wangerooge, Spiekeroog, Langeoog,
+Schirmonnikoog,<a id="Page_121"></a>
+ <span class="pagenum">[121]</span> Middoge, Nordernye(oog); (die Erklärung: Auge ist
+schön gedacht aber nicht sprachlich begründet). Wir haben in dem ei von
+Eiland eine der zahllosen Formen zu sehen, die a = Wasser im
+Niederdeutschen angenommen hat; wangerländisch öeland,
+mittelostfriesisch oyelauhn, mittelniederdeutsch eyland, eland, oland;
+altfriesisch alond; schwedisch öland (die Insel Oeland, vergl. Far oer,
+Far-Inseln). &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Jahre 1286 hieß der Name der Insel Neuwerk am Ausfluß
+der Ebbe: O; 1299 und 1300 kommt dann die Bezeichnung nova O vor; vergl.
+Greifswalder Oie.</p>
+
+<p><span class="strong1">Einbuchtung</span>, s. Bucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Einender</span>, s. Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Einfieren</span>, s. Fieren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Einholen</span>, s. holen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Einkeepen</span>, s. Keep.</p>
+
+<p><span class="strong1">Eins</span>, seemännische Redensart: &#8222;in Eins bringen&#8223;, d.&nbsp;h. zwei feste Punkte
+am Lande so peilen, daß sie sich decken, daß sie <span class="strong1">ein</span> Punkt werden. &#8222;Du
+darfst (um in die Moolen einzufahren) das Ruder nicht eher hart
+Steuerbord legen, als bis du das rote Licht und die große Bake &#8222;in Eins&#8223;
+gebracht hast, oder auch bloß &#8222;in Eins&#8223; hast.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Eisdragge</span>, Eisanker s. Dragge.</p>
+
+<p><span class="strong1">Eisenkrank</span>, ist ein (hölzernes) Schiff, dessen Eisenteile, namentlich
+die Bolzen verrostet sind und der Ausbesserung bedürfen. Krank kann
+eigentlich nur sein, was lebet und sich zu bewegen vermag (vergl.
+krängen), aber der Seemann personifiziert gern, namentlich sein Schiff,
+wie denn überhaupt das Volk gerade durch Personifikation sich sehr
+treffend auszudrücken vermag; &#8222;die Tür schreit nach Öl&#8223; wenn sie rankst;
+&#8222;die Stange will ihr Recht&#8223;, sagte ein Maurer, der Löcher für eine
+Eisenstange machen sollte in die Leibung eines Fensters; vergl. deisen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Embargo</span>, der, eine Beschlagnahme eines Schiffes, sei es im Kriege durch
+eine feindliche Macht, sei es im Frieden durch obrigkeitliche Anordnung.
+Durch Embargo wird das Schiff verhindert, den Hafen zu verlassen, also
+in seiner Bewegung beschränkt. Daher ist die Form des Wortes und die
+nächste Herkunft zwar spanisch, die Abstammung aber deutsch, denn das
+mittelhochdeutsche barre (s. Barre) hieß schon nicht mehr bloß Balken,
+sondern Zaun, Gehege, <span class="strong1">Schranke</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp; Früher nannte man &#8222;ein Schiff mit
+Embargo belegen&#8223; auch das, was jetzt zu den Obliegenheiten der
+Schiffsbesichtigungskommission (s. d.) gehört.<a id="Page_122"></a>
+ <span class="pagenum">[122]</span> In England ist das
+Wort so gang und gäbe, daß man es bildlich anwenden kann, &#8222;to lay an
+embargo on free speech.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Ende</span>, das. Seemännisch das Ende (oder auch der Anfang) eines Taues; dann
+aber auch alles was zwischen Anfang und Ende ist, das ganze Tau. Ende
+ist der Punkt oder die Stelle in Raum und in der Zeit wo etwas aufhört.
+&#8222;Da indessen zwischen Anfang und Ende stets eine gewisse Strecke und
+Länge (dem Raum und der Zeit nach) liegt und ein Ende nicht sein kann,
+ohne daß vom Anfang bis zum Schluß von Etwas eine gewisse Raum- und
+Zeitlänge verfließt, so gebraucht man das Wort Ende auch in der
+Bedeutung von einer mehr oder weniger langen Erstreckung und Ausdehnung
+in den Raum oder in die Zeit hinaus.&#8223; (Doornkaat). So spricht man von
+einem kürzeren oder längeren Ende Wurst, oder sagt: ich will dich noch
+ein Ende begleiten. Zu bemerken ist, daß, wenn man bei einem Tau von
+einem Ende spricht, man zwar zunächst an einen Teil eines Taues denkt,
+daß der Teil aber nicht etwa abgeschnitten zu sein braucht; im
+Gegenteil, nur weil er noch ein Teil vom Ganzen ist, kann das ganze Tau
+nach ihm Ende genannt werden, pars pro toto. &nbsp;&mdash;&nbsp; Sprichwörtlich sagt der
+Seemann: &#8222;da ist das Ende von weg&#8223;, d.&nbsp;h. &#8222;es hört &#8222;sich&#8223; alles auf&#8223;,
+&#8222;es ist gar nichts mehr zu machen,&#8223; &#8222;es steht sehr schlimm.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">enkelt</span> heißt einzeln und wird in der Verbindung enkelte Part gebraucht
+für ein Tau, das nicht eine Talje bildet, nicht (in gleichsam zwei
+besonderen Teilen) über eine Scheibe läuft, überhaupt ohne technisches
+Hilfsmittel, also auch ohne Kraftersparnis, wie ein gewöhnlicher Strick,
+gebraucht wird. &nbsp;&mdash;&nbsp; Bei Kilianus eenckel, simplex. In Westfalen heißt en
+enkelten daler ein Taler in <span class="strong1">einem</span> Stück; in Ostfriesland oft im
+Gegensatz zu doppelt gebraucht, auch für einfache, nicht gefüllte
+Blumen. Verwandt mit dem gothischen ainakls, einzeln, einsam, wobei
+Uhlenbeck auf das altschwedische aenkja Witwe und aenkil, Witwer,
+hinweist.</p>
+
+<p><span class="strong1">entern</span>, ein feindliches Schiff in der Seeschlacht mit <span class="strong1">Enterdreggen</span> (s.
+Dragge) an sich ziehen um dasselbe zu ersteigen und zu erobern; dabei
+wurde eine säbelartige Waffe geschwungen, die in der Marine noch als
+&#8222;<span class="strong1">Entermesser</span>&#8223; bekannt ist. Vom spanischen entrar, lateinisch intrare,
+hineingehen, welches bereits auch die Bedeutung eindringen,
+hineindringen, angreifen hatte, die unserm entern eigen ist. Das
+englische to enter wird in den allerverschiedensten<a id="Page_123"></a>
+ <span class="pagenum">[123]</span> Bedeutungen
+auch seemännisch gebraucht, to enter into a harbour, to enter a ship at
+the custom-house, aber nicht im Sinne von entern, das heißt board = &#8222;to
+go on board a vessel; specifically, to enter a vessel by force in
+combat.&#8223; Das Gleiche gilt für das Französische; da kommt entrer oft
+genug vor, unser entern aber heißt aborder, und das Substantivum
+abordage, zugleich ein Übersegeln, Rammen. Kilianus kennt das Wort noch
+nicht, er hat wohl ein endteren, aber das bedeutet bei ihm &#8222;schnattern
+wie eine Ente.&#8223; Auch Leonhard Frohnsperger 1565 gebraucht das Wort nicht
+an einer Stelle, wo er es hätte gebrauchen müssen, wenn es ihm bekannt
+gewesen wäre, und es wäre doch gerade bei ihm am ehesten zu vermuten, da
+er unter Carl V. gedient hat und mit seiner ganzen Seemannschaft stark
+dem Spanischen zuneigt; vergl. das Kapitel seines berühmten Buches &#8222;Von
+Kayserlichen Kriegßrechten etc. etc.&#8223;: &#8222;Von dem Meer, See, Schiff oder
+Wasser krigen, fahren und ziehen, sampt dero nottürftigen gebräuch, an
+Kriegßvolck zu Roß und Fuß, Geschütz und Munition, in lust, schimpff
+oder ernst, gegen Freunden oder Feinden, zu halten und zu gebrauchen.&#8223;
+MDLXV Kluge: &#8222;seit Stielers Zeitungslust 1695 verzeichnet; schon bei
+Chyträus Kap. 36 bezeugt.&#8223;</p>
+
+<p>In der bisher behandelten Bedeutung ist aber das Wort angesichts der
+neuzeitlichen artilleristischen Seekriegsführung so gut wie veraltet, da
+wohl kaum je mehr ein Schiff wird geentert werden. Desto mehr Bedeutung
+hat aber das Wort und wird es behalten in einem anderen Sinne. In
+Anlehnung an den Begriff hinüberklettern, hinaufklettern, der in Entern
+liegt, hat man durchgängig in der Seemannssprache das Wort entern für
+&#8222;klettern&#8223; in Gebrauch genommen, und zwar nicht nur für das
+Hinaufsteigen, was ja dem eigentlichen Sinne noch entsprechen würde,
+sondern auch für das demselben entsprechende Wiederhinabsteigen:
+aufentern, niederentern. Kommandos: &#8222;enter auf!&#8223; &#8222;enter nieder!&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+&#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223; 1681 wird das Wort entern im eigentlichen
+Sinne gebraucht: &#8222;Als sie (Admiral Heyn und seine Leute) auf die
+Spanischen ankamen, wollten diese sich zur Wehr stellen, aber nach dem
+ein paar mal die Musqueten auf sie gelöset wurden, entfiel ihnen der
+Mut. Als sie an den Boord kamen, funden sie kein Mittel wegen der Höhe
+der Schiffe hinauf zu kommen und zu <span class="strong1">entern</span>. Ohngefehr hieng ein
+Schiff-Seil<a id="Page_124"></a>
+ <span class="pagenum">[124]</span> herauß, woran ein Matrose hinauf stieg, und da er
+droben war, rund herum nach Seilen und Stricken suchte, solche feste zu
+machen, und den andern, so darunter waren, zuzuwerffen, welches sie mit
+guter Gemächlichkeit täten, daß die Spanier zusahen, und gantz keine
+gegen Wehr darwider täten. Als nun inzwischen die andern Schiffe
+enterten, riefen die Teutschen Buen guerra, gut Quartier, darauf die
+Spanier alle hinunter lieffen.&#8223; Doch vermeidet dasselbe Buch an anderer
+Stelle das Wort entern, wo man es erwarten sollte. &#8222;Hierauf fuhren sie
+fort, den Caca fuego zu verfolgen, und versprach Drack dem ersten, der
+dasselbige ersehen wurde, eine guldene Ketten zum Boten-Brod. Nun
+geschah, daß Johann Drak eins hinauf stiege, und ohngefehr umb drey Uhr
+nach Mittags, dasselbige ins Gesicht bekam, umb sechs Uhr waren sie
+schon darbey, da nun Drak ihnen drey Schüsse gegeben und ihre
+Segel-Stange herunter gestossen, legte er ihnen an Bord, und sein Volck
+sprang hinein und funden allda einen großen Reichtum&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Erlaubnisabzeichen</span>, das, war in den Anfangszeiten des
+Schiffsjungeninstitutes ein Abzeichen der Würde eines Bootsmannsmaaten,
+der noch kein eigentlicher Bootsmannsmaat war, sondern nur an Bord die
+Dienste eines solchen versah; wenn er aber an Land ging, so war er
+gehalten, das Abzeichen (den Anker) den er nur an Bord zu tragen die
+Erlaubnis hatte, abzulegen und zurückzulassen, offenbar traute man ihm
+seiner großen Jugend wegen noch nicht die Fähigkeit zu, den Stand eines
+Unteroffiziers auch am Lande würdig zu vertreten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Erster Offizier</span>, der nächste nach dem Kommandanten, im Behinderungsfalle
+und auch sonst in vielen anderen Fällen sein Stellvertreter, ihm für
+alles was im Schiffe vorgeht verantwortlich, überhaupt ein Mann, auf dem
+für gewöhnlich die ganze Last des Schiffsdienstes liegt. Er heißt Erster
+Offizier nicht etwa nur als primus inter pares oder weil er der
+Dienstälteste in der Messe ist, also nicht in dem Sinn, in dem man sagt
+&#8222;Erster Wachoffizier&#8223;, sondern etwa so wie man sagt: &#8222;Erster
+Staatsanwalt.&#8223; Also die Bezeichnung eines besonderen Amtes, einer einem
+Manne amtlich und dienstlich übertragenen Stellung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Eselshaupt</span>, das. Das Verbindungsstück am Kopfe des Mastes, durch das die
+Stänge mit dem Maste verbunden ist. Ein ziemlich sonderbares Wort.
+Breusing sagt: &#8222;Ich möchte glauben,<a id="Page_125"></a>
+ <span class="pagenum">[125]</span> daß der ursprüngliche Name
+Eselshuf gewesen ist, da diesem die Gestalt genau entspricht, während
+man für die Bezeichnung Eselshaupt gar keinen Anhalt hat.&#8223; Huf für Haupt
+zu setzen ist ein Griff, dem die Verlegenheit allzudeutlich anzusehen
+ist. Haupt ist auf alle Fälle festzuhalten, weil der niederdeutsche
+Seemann Hofd sagt und dieses Hofd auch noch in anderer Verbindung, z.&nbsp;B.
+Dodshofd, vorkommt, wo es unzweifelhaft Haupt bedeutet. Haupt muß also
+stehen bleiben. Aber wenn wir uns den Esel näher betrachten, so hat er
+mit der Zoologie ebenso wenig zu tun wie das Schwein in Kielschwein. Es
+handelt sich vielmehr um die Anatomie des menschlichen Leibes, wie Haupt
+schon vermuten läßt. Dem Haupt zunächst verbunden ist die Schulter, die
+Achsel. Dieses Wort aber lautet althochdeutsch ahsla, auch ahsel,
+angelsächsisch eaxl, altsächsisch ahsla, altisländisch öxl, italienisch
+ascella, provençalisch aissela, mittelniederdeutsch assel und asle. Da
+liegt doch die Vermutung nahe genug, daß aus diesem Assel Esel geworden
+ist. Das Eselshaupt stellt die Verbindung von Kopf und Schulter dar.
+Durch die eine, runde Öffnung ragt die Stange gleichsam als Haupt nach
+oben, die andere, viereckige Öffnung sitzt als Schulter zu dem dazu
+gehörigen Haupte nach unten zu auf dem Maste auf. Daß die Stänge als das
+Haupt angesehen werden kann, wird der nicht bestreiten, der weiß, daß
+sie sogar einen Zopf hat (s. Topp). Beide, Haupt und Achsel, treffen zum
+letzten Male im Eselshaupt zusammen; daher wird dieser gewiß Eselshaupt
+= niederdeutsch Aselshofd sein, zumal wenn Pferd in Vergleich gezogen
+wird. &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß das Wort in der Gestalt Aselshofd zur Zeit nicht
+nachweisbar ist, darf uns nicht beirren. Vielleicht findet es sich noch
+einmal. Aber wenn auch nicht, so ist damit noch nicht bewiesen, daß es
+überhaupt nicht vorkam, denn, wenn es nicht ganz zufällig in irgend eine
+alte Urkunde geriet, wer hätte es aufschreiben sollen? Wer schreiben
+konnte, das waren die Mönche, und die kannten das Wort nicht oder hatten
+keine Veranlassung es aufzuschreiben. Und wer das Wort kannte, das waren
+die braven Seeleute, aber die konnten nicht schreiben. Wenn aber auch
+die Zusammensetzung Aselhofd nicht belegt werden kann, so kann doch
+bewiesen werden, daß die mittelniederdeutsche Form für Achsel nicht nur
+Asel, sondern auch Esel hieß. Auf der Oldenburgischen Bibliothek findet
+sich ein altes geschriebenes<a id="Page_126"></a>
+ <span class="pagenum">[126]</span> Gebetbuch vom Jahre 1473, darin
+kommt die Stelle vor: &#8222;Bedenk, wo se up sine klenlike eselen dat sware
+cruce leyden.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Da also Esel = Achsel und Hofd = Haupt ist, so hätte
+man anstatt Eselshofd getrost hochdeutsch Achselhaupt sagen dürfen. Daß
+man Eselshaupt vorzog, ist am Ende nicht einmal so verwunderlich, da das
+e in Esel eigentlich ein a sein müßte, von wegen asinus. Niederdeutsch
+heißt der Esel auch heute noch Äsel, und zwischen diesem und Asel ist
+lautlich ein sehr geringer Unterschied. Aber sachliche Bedenken geben
+bei solchen Wortbildungen nicht den Ausschlag, sonst hätte unser
+deutsches Flüssigkeitsmaß Oxhoft (Ochsenhaupt) auf dem Wege nach England
+nicht zu einem Hogshead (Schweinskopf) werden können.</p>
+
+<p><span class="strong1">Etmal</span>, das. Ein Etmal ist in der Seemannssprache ein Zeitraum von 24
+Stunden, und zwar vom Mittag des einen bis zum Mittag des andern Tages
+gerechnet. &#8222;Wir haben ein Etmal von 300 Seemeilen&#8223; heißt also: wir haben
+in 24 Stunden 300 Seemeilen zurückgelegt. Auch insofern ist ein Etmal
+ein Zeitraum von 24 Stunden, als in dieser Zeit zweimal Ebbe und zweimal
+Flut stattfindet, es erstreckt sich also über zwei Tiden; jedoch kommt
+es auch vor, daß Küstenbewohner nur eine Tide, also die Zeit von 12
+Stunden so nennen. Aber schon Kilianus kennt das Wort im ersten Sinne
+und übersetzt es mit dies naturalis: 24 horarum spatium. Ganz unbefangen
+leitet er es von eten = essen ab, &#8222;prandere quia astrologi incipiunt
+diem a meridie: nempe cum sol ingreditur circulum meridianum, quo
+tempore vulgo pranditur.&#8223; Ähnlich Weiland: er nimmt etmal = eetmal, &#8222;dit
+schynt te zien op het gebruik der Ouden van slechts eenmal daags, en wel
+omtrent den middag, eenen hoofdmaaltyd te doen.&#8223; Man könnte sich
+versucht fühlen, das für einen Witz zu halten wenn die
+Wörterbücherschreiber nicht sonst so ernste Leute wären. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das -mal ist
+ohne Weiteres klar; es bedeutet (gothisch mel, althochdeutsch mal) einen
+Punkt, (Mal, Muttermal, malen) dann Zeitpunkt, dann Zeit überhaupt,
+besonders aber auch Zeitpunkt des Essens (weshalb unser Mahlzeit eine
+der vielen Tautologieen der deutschen Sprache darstellt). &nbsp;&mdash;&nbsp; Die erste
+Silbe &#8222;et&#8223; wird von Diefenbach als ein verstärkendes, die Wiederkehr
+anzeigendes, also ein iteratives (von iter, iterum) Präfix erklärt.
+Tatian: in itmalens tage Ostrono, am wiederkehrenden Tage der Ostern. In
+Beówulf kommt die Zusammensetzung edhwyrft vor = Wiederkehr,<a id="Page_127"></a>
+ <span class="pagenum">[127]</span>
+(Rückkehr des alten Zustandes nach der Rückkehr von Grendels Mutter),
+ferner ed-wendan sich zurückwenden, und ed-wenden die Wendung, der
+Wechsel. Im Altfriesischen hat Etmal schon die seemännische Bedeutung:
+&#8222;Dat schilma binna trim Etmelum fifiuchta&#8223;, &#8222;das soll man binnen dreimal
+24 Stunden befechten.&#8223; Neufriesisch: et-grode, noch einmal gewachsen
+(nachdem das Gras bereits gemäht oder abgeweidet war, auch et-grün)
+vergl. Kilianus et-groen, na-weyde, Nachweide; etwende, die Stelle wo
+der Pflug beim Pflügen am Ende des Ackers immer wieder umkehren muß,
+hochdeutsch (oberdeutsch) Gewandung. Die mittelalterliche Bezeichnung
+eddach, ettink für einen regelmäßig in bestimmten Zeitabschnitten
+wiederkehrenden Gerichtstag hat weder mit echt = Gesetz, noch mit ed =
+Eid zu tun, denn Gesetz und Eid kommen bei jedem Gerichtstag in
+Anwendung und können daher eine besondere Art nicht bezeichnen, sondern
+ist eben et-dag, ein bestimmter, regelmäßig wiederkehrender Tag, schon
+weil dafür auch markding gesagt wird, was sicher einen bestimmten
+Zeitpunkt andeutet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Was das seemännische Etmal betrifft, so empfiehlt
+Lucas Janszoon Waghenaer in seinem &#8222;Spiegel der Zeewaerdt&#8223;, 1588, sehr,
+es regelmäßig auf der Karte zu bezeichnen. Er schreibt: &#8222;Tis seer goet
+alle Etmalen eens af te steken, ende te teckenen watmen ghezeylt ende
+behouden heeft, op datmen inde graden sien mach wat hoochde men heeft,
+ende hoe alle de hoecken ende landen van u zyn legghende.&#8223; Derselbe
+Waghenaer spricht auch wiederholt von einem Etmal des Mondes.</p>
+
+<p><span class="strong1">Eule fangen</span> s. durchdrehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Evolutionsbogen</span>, der, verschieden von Drehkreis. Letzteres ist die
+gleichmäßige Bewegung im Kreise, ehe aber das bis zum Legen des Ruders
+gradeaus steuernde Schiff unter dem Einfluß des gelegten Ruders in die
+regelmäßige Drehung eintritt, muß es einen Bogen beschreiben, eine
+Kurve, die der Evolutionsbogen heißt. Man unterscheidet demgemäß auch
+einen Evolutionsdurchmesser und einen Drehkreisdurchmesser. Lateinisch
+evolvo, sich entrollen, aufrollen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ewer</span>, der. Name eines kleinen Fluß-, Kanal- oder Wattschiffes, besonders
+bekannt durch die Hamburger Hafenboote dieses Namens. Doornkaat meint,
+es sei über die Herkunft des Namens mit irgend welcher Sicherheit nichts
+zu sagen. Wenn man aber bedenkt, daß in zahlreichen
+mittelniederdeutschen Urkunden<a id="Page_128"></a>
+ <span class="pagenum">[128]</span> eever, ewar und envare neben und
+durcheinander gebraucht werden und daß envare in dem Zolltarif der
+Margarethe von Flandern vom Jahre 1252 erklärt ist als ein &#8222;navis, que
+dicitur envare, que habet remex retro pendens (debet) comiti IV. den,&#8223;
+so ist der Gedanke doch sicher nicht zu kühn, daß das Boot ursprünglich
+von <span class="strong1">einem</span> Manne <span class="strong1">gefahren</span> wurde, und zwar mit einem Riemen, der retro
+pendens war, so daß also das Boot durch Wricken fortbewegt wurde.
+Einfahrer wäre also die Hochdeutsche Übersetzung. Natürlich ist dabei
+nicht angenommen, daß das Schiff 1252 noch von <span class="strong1">einem</span> Manne gefahren
+wurde, sondern nur, daß es sich &nbsp;&mdash;&nbsp; wer weiß wann? &nbsp;&mdash;&nbsp; aus solch kleinen
+Verhältnissen heraus entwickelt habe, ähnlich wie Fregatte sich aus
+einem Ruderschiff zu einem Dreimaster ausgewachsen hat. &nbsp;&mdash;&nbsp;Breusing hatte
+sich sehr in den Gedanken eingelebt, Ewer sei gleich Eber, wiewohl ihm
+bekannt war, daß in den beiden Worten zwei ganz verschiedene anlautende
+e stecken. Und als Müllenhoff das Gewicht seines Ansehens gegen die
+Gleichstellung in die Wagschale warf, da ließ er freilich den Eber
+fallen, aber man merkt es dem verdienten Manne doch an, wie schwer es
+ihm ward. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">Exerziermast</span>, der, ist ein Mast der nicht zu einem Schiffe gehört,
+sondern am Lande, in der Nähe einer Kaserne angebracht, aber sonst ganz
+als Schiffsmast getakelt ist, und an dem ungeübte Matrosen,
+Schiffsjungen etc. etc. ihre Übungen im Entern etc. etc. anstellen. Er
+hat also ungefähr die Bedeutung eines Turngerätes für angehende
+Seeleute; auch wohl die eines schönen Spielzeuges für heranwachsende
+Knaben.</p>
+
+
+<h2>
+<span><a id="F"></a>F.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Faden</span>, der, dasselbe wie Klafter, ein Maß von 5-6 Fuß; bedeutet,
+ebenfalls wie Klafter, ursprünglich Umarmung mit beiden ausgestreckten
+Armen. Beide Wörter sind als Maß ähnlich gebildet wie Elle von
+(Ellenbogen) Elbogen. Besonders bedeutet Faden eine Schnur, eine Faser
+zu einem &#8222;Faden&#8223; gedreht, die so lang ist, daß sie von der Hand des
+einen ausgestreckten Armes<a id="Page_129"></a>
+ <span class="pagenum">[129]</span>
+ zu der Hand des anderen ausgestreckten
+Armes reicht. Noch im 17. Jahrhundert fadem, englisch fathom, in
+deutschen Mundarten Fadem. Althochdeutsch fadam, beide ausgestreckten
+Arme, angelsächsisch fädm, die umspannenden Arme, Umarmung, daher Macht,
+Schutz, Busen, Schooß. Edda: fadmr, die ausgebreiteten Arme; gotisch
+fahan, fangen, umfangen; griechisch petannymi, ausbreiten. Vom
+lateinischen patere, offen stehen, sagt Kluge, daß es schon &#8222;weiter
+abseits&#8223; liege; also entfernte Verwandtschaft. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das französische
+brasse hat genau die Bedeutung unseres Wortes Faden: die Entfernung der
+beiden Arme (bras), wenn sie ausgestreckt sind. &nbsp;&mdash;&nbsp; Meist wurde Faden als
+Tiefmaß gebraucht. Waghenaer 1588 bemerkt einleitend zu seinen
+Seekarten: &#8222;Tcyfer ghetal gestelt ontrent alle Havenen, Riuiren,
+Stroomen, Canalen binnen ende buyten inde zee, oock op de ondiepten ende
+sanden, beteekent hoe veel vadem dese plaetsen diep zyn ... alles met
+half vloet.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Doch gebraucht derselbe Waghenaer Faden auch für
+Bezeichnung einer Entfernung: &#8222;Item een myle buyteu de Clippen van
+Obenrack leyt een rudtse (Fels) onder 't water, ist dat ghy laueren moet
+tusschen die Fours ende Obenrack, so comt de voors. rudtse niet naerden
+dan veertich vadem, West zuydtwest ende Zuydtwest vande seuen Eylanden,
+comt den lande niet naerder dan op veertich vadem.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Fahne</span>, die, gehört streng genommen nicht hierher, da der Seemann anstatt
+Fahne Flagge sagt, doch ist ja neuerdings in der Marine der Dienstgrad
+Fähnrich zur See (für Seekadett) eingeführt. Fahne heißt eigentlich
+Tuch, Fahnentuch ist also tautologisch. Gotisch fana, Zeug, Tuch;
+althochdeutsch, altsächsisch, fano, linteum, vexillum; lateinisch
+pannus, Tuch, mittellateinisch auch Fahne und Tapete (Panneel);
+griechisch penos, Gewand; von der indogermanischen Verbalwurzel pan, pen
+= ziehen, spinnen, hängen. Altfranzösisch fanon, Tuch; aber gonfalon,
+italienisch gonfalone stammen vom altdeutschen guntfano, &#8222;Kampftuch&#8223; ab.
+Finnisch faana, die Fahne. Der Fähnrich hieß althochdeutsch faneri,
+Fahnenträger. Das englische pennant wird jetzt unter dem Einfluß von
+pendeo, hängen, in der Form pendant gebraucht, wobei man broad pendant =
+Flagge und long pendant = Wimpel unterscheidet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fähre</span>, die, ist von Fährschiff so zu unterscheiden, daß Fähre ein
+flaches, niedriges Fahrzeug bedeutet mit dem Menschen,<a id="Page_130"></a>
+ <span class="pagenum">[130]</span> Pferde,
+Wagen, ja neuerdings ganze Eisenbahnzüge an einer bestimmten, dazu
+eingerichteten Stelle über einen Fluß oder ein sonstiges Gewässer
+gesetzt werden; es geschieht mit Staken oder Riemen, mit Hilfe eines
+Taues, einer Kette, mit Dampfbetrieb. &nbsp;&mdash;&nbsp;Fährschiff aber ist ein
+wirkliches Schiff, das auf Flüssen, Seeen, Kanälen und in
+Küstengewässern regelmäßige Fahrten von einem Ort zum andern macht und
+für einen festgesetzten Preis Passagiere und Waren mitnimmt; also
+ähnlich wie Börtschiff, nur vielleicht mit kürzeren Fahrten.</p>
+
+<p><span class="strong1">fahren</span> wird auch in der Seemannssprache in der gewöhnlichen
+neuhochdeutschen Bedeutung gebraucht. Daneben jedoch noch in einem
+Sinne, der der eigentlichen Bedeutung &#8222;sich von einem Orte zum anderen
+bewegen&#8223; widerspricht. Man sagt: &#8222;Das Tau fährt nach vorne, nach
+achtern, nach unten.&#8223; Beim laufenden Gut möchte das noch angebracht
+sein, wiewohl es bei seinem Laufen eigentlich auch nicht seinen Ort
+verändert; aber beim stehenden Gut muß man sich schon zwingen, daran zu
+denken, daß es auch einmal noch nicht stehend war und erst beim
+Auftakeln des Schiffes in seine Stellung geführt worden ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Außerdem
+gebraucht der Seemann fahren im Sinne von &#8222;zur See fahren.&#8223; &#8222;Ich bin mit
+ihm gefahren,&#8223; heißt: &#8222;ich bin mit ihm zusammen an Bord gewesen, mit ihm
+zusammen auf einem Schiffe gefahren.&#8223; &#8222;Ich fahre auf Handelsschiffen,&#8223;
+sogar: &#8222;ich fahre auf Südamerika&#8223; (mundartlich: &#8222;ich mache in Amerika,&#8223;
+jedoch nur von einer einzelnen Reise, während der Seemann, der &#8222;auf&#8223;
+Amerika fährt, damit sagen will, daß er wiederholt und mit einer
+gewissen Regelmäßigkeit mit seinem Schiffe die Fahrt dahin betreibt.)
+Ein &#8222;befahrener&#8223; Mann ist einer, der entsprechend lange zur See gefahren
+hat &nbsp;&mdash;&nbsp; der Seemann sagt stets &#8222;ich <span class="strong1">habe</span> gefahren,&#8223; offenbar weil er sich
+dabei, wie ein Kutscher am Lande, aktiv vorkommt &nbsp;&mdash;&nbsp; um in der
+Seemannschaft erfahren zu sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fahrrinne</span>, die, eine natürliche Rinne im Watt in der man auch bei Ebbe
+noch fahren kann; sodann die natürliche Vertiefung in einem Hafen im
+Verlaufe der Richtung die ein Schiff steuern muß, um nicht auf Grund zu
+geraten, daher meist Fahrwasserrinne genannt, Wasser wo man fahren kann.
+Besonders aber ein künstlich hergestellter Weg durchs Wasser, sei es,
+daß man ihn mit Eisbrechern durchs Eis gebahnt, sei es, daß man ihn
+ausgebaggert hat. &nbsp;&mdash;&nbsp; Früher hatte man ein seemännisches<a id="Page_131"></a>
+ <span class="pagenum">[131]</span> Wort
+Fahrweg. Im Seebuch, 1400, kommt es oft vor und bedeutet den Weg draußen
+auf offener See, im Gegensatz zu Reede, den Weg, wo man vom Lande
+unbehindert fahren kann, jedoch mit der Beschränkung die heutzutage das
+Fremdwort Route andeutet, Wasserstraße als nächster Weg von einem Orte
+zum andern. &#8222;Item in der reyde van der Nysse maket vul see sudsudwesten
+mane (Mond), unde uppe der stille suden mane, unde buten in deme varwege
+maket vul see sudwesten mane.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;Denselben Sprachgebrauch hat 1588 noch
+Waghenaer: &#8222;tusschen Heys en Belysle mede 30 vadem. Ende buyten de
+vaerweg ist diep 35 vadem. Binnen 't vaerwater zynde vintment diep 25
+vadem. Twee kenninghen buyten Heys, werpt ghy 45 vadem.&#8223; Es ist also ein
+Unterschied zwischen einem äußeren Fahrweg und einem inneren Fahrwasser.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fahrt</span>, die. 1. = Reise; die Fahrt nach Kapstadt, eine Fahrt ins
+Mittelmeer.</p>
+
+<p>2., die Fortbewegung, der Lauf, die Geschwindigkeit des Schiffes; &#8222;das
+Schiff ist in Fahrt,&#8223; &#8222;das Schiff hat schon oder hat noch Fahrt&#8223;, &#8222;es
+ist in voller Fahrt&#8223;, &#8222;es fährt mit halber Fahrt&#8223;. Auch in übertragenem
+Sinne von Menschen gebraucht: &#8222;der ist in der Fahrt&#8223;, &#8222;die ist mächtig
+in der Fahrt&#8223;, wenn jemand recht im Eifer ist.</p>
+
+<p>3. Man unterscheidet &#8222;Große Fahrt&#8223;, &#8222;Kleine Fahrt&#8223;, s. Schiffsregister.
+Je nachdem einer ein Steuermannsexamen macht, erhält er das Patent für
+die seinem Wissen and Können entsprechende Fahrt, &#8222;große Fahrt&#8223;,
+&#8222;Küstenfahrt&#8223; u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p>Früher unterschied man nur &#8222;große und kleine Seefahrt&#8223;, und erstere war
+besonders die Fahrt nach Ost- oder Westindien. Der Verfasser der
+&#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223; Lübeck 1673, spricht in einem
+Vorwort an den &#8222;günstigen Leser&#8223; von den Fortschritten, die der Mensch
+in der Observation gemacht habe. &#8222;Wil se nu dorch dise Erfahrenheit
+gedachten vel Provit tho erlangen, so hebben se dise Kunst ümmermehr na
+gesöcht, bet se entlick vel rike Landen und Eilanden up gefunden;
+Insünderheit dat Rick America, so den Olden in den vorigen Tiden hell
+unbekannt gewesen, welckes nu als ein nie Werrelt geachtet wert. &nbsp;&mdash;&nbsp; Se
+hebben sick ock herna in dise Kunst mehr geövet, und insünderheit die
+Europsche Natie darunder de Nedderlanders nicht van de minneste gewesen,
+alß by er uth gegeven Böck tho<a id="Page_132"></a>
+ <span class="pagenum">[132]</span> sehende, welcke Böck wi ock by
+unser Schipfahrt gebrucken, wil ui bet Dato nemand gefunden, de in unser
+Saxsischen Sprack etwas van der Kunst der Seefahrt beschreven hebben,
+dar idt doch ein hochnödich Warck schint tho wesen, na dem mahl vel van
+unsen Seefahrenden nicht wol in der Holländischen Sprack noch in er Böck
+tho lesen erfahren, so, dat se dat sulvige, wat se lesen, nicht recht
+verstahn noch begripen könen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ock sunt de Nedderlandesche Böck mit
+der <strong>groten Seefahrt</strong> mehrendeles vorfüllet, welckes besteit in Affdeling
+der Sphera der Werrelt, Bewegung der Hemmelen, im gelicken de dre
+Huckes, Krum Streck, langet und bret Recknung, und vel ander Regulen, de
+uth der Astronomie und Cosmographie genahmen; Welckes unsen jungen
+Seefahrenden weinig Nutzen bringet, na den mahl so selden de Ost- und
+West-Indyen befahren. Se werden averst velmehr dorch de mannigfoldigen
+Regulen up geholden, wil se de sünder Anwising und gud Underricht nicht
+lehren noch underscheden können, wat Regelen er tho der <strong>groten offt
+klenen Seefahrt</strong> fodderlick und nütlick sin!&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Fahrzeug</span>, das, ist im Allgemeinen eine Bezeichnung für alles was Schiff
+heißt, jedoch im Besonderen oft mit der Nebenbedeutung des Geringeren,
+Minderwertigen, Kleinen. Ein Panzerschiff erster Güte wird man kaum ein
+Fahrzeug nennen; dagegen spricht man von Werft-, Hafen-,
+Lootsenfahrzeugen. Das Wort ist neueren Ursprungs, erst seit 1695
+bezeugt, und soll eigentlich niederdeutsch sein. Im
+Mittelniederdeutschen war es aber unbekannt, da kommt nur ein vartouwe
+vor, das aber Fahrgeschirr = Wagen, bedeutet, wiewohl sonst tuch und tug
+in mannigfachem Gebrauch stand, namentlich auch im Sinne von Kriegszeug.
+Und auch im Neuniederdeutschen ist das Wort kaum gebräuchlich.
+Vielleicht daß es sich aus dem Niederländischen, wo vaartuig öfters
+gebraucht wird, eingeschlichen hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fake</span>, <span class="strong1">Facke</span>, die, meist in der Mehrzahl gebraucht: die Faken, sind die
+Zwischenräume zwischen den einzelnen Spanten oder Inhölzern. Als man die
+Kriegsschiffe noch von Holz baute, wurden in der Wasserlinie die Faken
+mit Holz ausgefüllt zum Schutze gegen feindliche Kugeln. Das Wort ist
+nichts anderes als das niederdeutsche vak = Fach, Behälter, durch
+Scheidewände eingeschlossener und abgegrenzter Raum, Abteilung,
+Abschnitt, Behälter. Die Faken sind also die Fächer zwischen den
+Spanten.<a id="Page_133"></a>
+ <span class="pagenum">[133]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Fall</span>, das. &#8222;Ein Fall ist ein Tau, das zum Aufhissen oder Streichen eines
+Gegenstandes bestimmt ist und entweder in einem Takel oder einfach über
+eine Scheibe läuft. Die vorzüglichsten an Bord sind die Fallen der
+verschiedenen Rahsegel, der Gaffel und der Stagsegel. Die Mars- und
+Bramrahen sind mittelst eines Drehreeps mit dem oberen Blocke ihres
+Falles verbunden&#8223;. (Brommy, &#8222;die Marine&#8223;). Jedes Segel hat ein Fall.
+Aber merkwürdigerweise dient bei allen Segeln das Fall wohl zum
+Aufziehen derselben, aber nicht bei allen zum Fallenlassen. Während
+nämlich die Rahsegel mit ihren Rahen durch das Fall aufgehißt werden
+und, wenn man das Fall fiert, von selbst fallen, dienen die
+Stagsegelsfallen entgegen ihrem Namen nur zum Aufhissen; von selbst
+fallen sie nicht an dem betreffenden Stag herunter, auch wenn das Fall
+ganz lose ist; sie bedürfen darum noch eines besonderen Niederholers.
+vergl. Drehreep.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fallhorn</span>, das, ist das was sonst &#8222;Kopf des Stagsegels&#8223; heißt, nämlich
+das spitz wie ein Horn zulaufende obere Ende des Stagsegels, an dem das
+Fall befestigt ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fallreep</span>, das. Nicht leicht ist bei einem Worte der ursprüngliche,
+einfache und klare Sinn so verdunkelt und vergessen worden, wie bei
+diesem. Reep ist gleich Tau. Fallreep ist also das Tau, das man einem,
+der die Stufen der Bordwand hinauf wollte, hinabfallen ließ, sich daran
+festzuhalten. So bedeutet also das heutige Kommando &#8222;Fallreep!&#8223;
+eigentlich: &#8222;Fall Reep!&#8223; oder &#8222;laß fallen das Reep&#8223;, für den an Bord
+Kommenden (oder auch von Bord Gehenden). Weil dies von einer bestimmten
+Stelle aus geschah, nämlich eben von da, wo in der Bordwand die schmalen
+Trittbretter eingelassen waren, so nannte man die ganze Gegend da in der
+Nähe nach diesem fallenden Reep &#8222;am Fallreep&#8223;, &#8222;beim Fallreep&#8223;, oder
+auch kurzweg &#8222;Fallreep&#8223;, und der Nachtposten, der da steht, kann nun
+aussingen: &#8222;Steuerbord-Fallreep, oder Backbord-Fallreep alles wohl!&#8223; Man
+denkt gar nicht mehr an das Reep oder Tau, man glaubt, es mit einer
+einfachen Ortsbezeichnung zu tun zu haben. So erklärt es sich auch, daß
+in späteren, bequemeren Zeiten, als man statt der Bordwandtrittbretter
+richtige transportable Treppen einführte, diese Fallreepstreppen genannt
+wurden, wiewohl diese gerade durch ihr Geländer das Fallreep überflüssig
+machten, so daß die sogenannten Fallreepsgäste das Tau nur noch
+symbolisch in die eigene Hand nehmen und<a id="Page_134"></a>
+ <span class="pagenum">[134]</span> nur so tun, als ob sie
+es dem Kommenden oder Gehenden hinreichten. Es ist dies lediglich eine
+den Offizieren etc. etc. erwiesene Ehrenbezeugung geworden, auch dann
+noch erwiesen, wenn das Schiff am Bollwerk oder an der Werftkaje liegt.
+Wie sehr die ursprüngliche Bedeutung dem Bewußtsein entschwunden ist,
+lehrt besonders deutlich das Kommando: &#8222;Vier Fallreep&#8223; (für einen
+Stabsoffizier die Ehrenbezeugung), als ob der Fallreepsgast Fallreep
+genannt werden könnte, oder die Redewendung: &#8222;Er lehnt sich zum Fallreep
+hinaus&#8223;, wobei keineswegs an das Reep, sondern an den Einschnitt in der
+Bordwand, der einer Tür ohne oberen Drempel gleicht, gedacht ist. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Indessen gibt es doch Gelegenheiten, wo das Reep noch wieder zu Ehren
+kommt und fällt; in See oder auf offener, sehr bewegter Rhede, wo das
+Schiff sich stark bewegt und die Treppe nicht ausgebracht werden kann.
+Da muß man, wenn es nicht gar über eine Jakobsleiter am Besansbaum geht,
+die Trittbretter an der Bordwand benützen und zieht das Reep aus leicht
+begreiflichen Gründen den Einschnitten zum Halten in den Trittbrettern
+vor. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Bedeutungsverschiebung ist nicht neu. Schon Aubin 1702 hat
+das holländische val-reep mit échelle de poupe übersetzt, was der
+erwähnten Jakobsleiter entspricht. Die Entwickelung ist also die: Tau,
+Tau-(Strick-)Leiter, Leiter, Treppe. Auch übersetzte er es sinnreich mit
+tire-vieilles: &#8222;Ce sont deux cordes qui ont des noeuds de distance au
+distance. Elles pendent le long du vaisseau endehors, savoir une corde
+de chaque coté de l'échelle&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Übersetzer der &#8222;Durchläuchtigsten
+Seehelden&#8223; hat sich die Sache mit Fallreep leicht gemacht und einfach
+Falltreppe gesagt. Er beschreibt eine Begegnung des Kaisers Karl V. mit
+König Franz I. &#8222;an den Bord des Käysers, da der König mit einer
+köstlichen zubereiteten Chaloup von Aquamorto, in Begleitung des
+Montmorancus, des Hertzogs und Cardinals von Lothringen ankommen war.
+Der Käyser begegnete dem König an der <span class="strong1">Fall-Treppen</span>, und empfing ihn mit
+aller Freundlichkeit, und führte ihn nach dem Hinter-Teil des Schiffes,
+allda sie viele Stunden mit einander in sehr ergötzlichem Gespräch
+zubrachten, unter welchem die fürnehmsten Herren Seiner Käyserlichen
+Majestät Hände zu küssen kamen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Fangleine</span>, die, eine lange, dünne aber feste Leine, die aufgeschossen,
+von Bord aus an Land (oder umgekehrt) auf ziemlich weite Entfernung,
+wenn der Werfer seine Sache versteht, geworfen
+<a id="Page_135"></a>
+ <span class="pagenum">[135]</span> wird. Derjenige
+dem die Leine zugeworfen ist muß sie fangen, einholen und holt dann die
+am andern Ende der Fangleine befestigte Trosse mit ein, um sie am
+nächsten Poller oder Ducdallen festzumachen. <span class="strong1">Fangleine eines Bootes</span> ist
+eine etwas stärkere Leine, die als Schlepptau dient. <span class="strong1">Fangtaue</span> sind dünne
+Tauenden, mit denen etwas im Wege Hängendes aufgebunden,
+beiseitegebunden, aufgefangen wird. <span class="strong1">Fangstander</span> ist ein Stück Kette das
+das im Davit hängende Boot tragen hilft und also die Taljenläufer
+desselben entlastet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auf Wangerooge sollen sie das Ankertau fangelin
+nennen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fardage</span>, die. Packmaterial, Holz, Spähne, Rohr etc. etc. zwischen die
+einzelnen Teile (Colli) der Ladung gestopft um sie vor dem Rütteln,
+Schütteln und Stoßen zu schützen, überhaupt vor Bewegung. Stammt aus dem
+Französischen wo fardeau (altfranzösisch fardel) ein Bündel bedeutet;
+die Vorstellung ist also die, daß das Packmaterial in Bündeln zwischen
+die einzelnen Kisten, Kasten, Fässer u.&nbsp;s.&nbsp;w. gestopft wird; auch kommt
+im Englischen, außer diesen fardage, ein Substantiv fardel vor, welches
+ebenfalls Bündel heißt, und wie dieses oft im Sinne von unangenehmer,
+widerwärtiger &#8222;Last&#8223; gebraucht wird, so daß man wohl auch bei Fardage an
+ein dem Seemann lästiges, unnützes, wertloses Stück der Ladung, das nur
+so als notwendiges Übel mitgeschleppt wird, denken darf.</p>
+
+<p><span class="strong1">Farunner</span>, das, ist auf Tjalken, Muten und Snicken das Logis der
+Matrosen, überhaupt der aus wenigen Leuten bestehenden Besatzung.
+Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 62, sagt von einer Tjalk, daß sie
+rund gezimmert ist, &#8222;hat aber keine Kajüte, sondern einen Raum, worin
+die Mannschaft sich aufhält und schläft: dait farunner, und zwar ein
+doppeltes, hinten und vorn, auch ein rum (Raum, Laderaum).&#8223; Das Farunner
+unterscheidet sich von der Kajüte dadurch, daß es nicht so hoch ist und
+man nicht aufrecht darin stehen kann, und daß darin gekocht wird.
+Ursprünglich trug nur der vordere abgeteilte und gedeckte Raum den Namen
+farunner oder farunder, denn das far ist gleich för und es kommen die
+Formen förunder und vorunder vor. Letztere ist die älteste die mir
+bekannt geworden ist; sie steht in einer Bremer Urkunde von 1564: &#8222;darvp
+alsuort Jacob onde Albert de pumpen angegrepen, he, tuge, averst sy in
+dat vorunder gegann, synn steuell onde kleider angetaghenn&#8223; ...
+För,
+<a id="Page_136"></a>
+ <span class="pagenum">[136]</span> vor ist gleich vorne, forunner also das &#8222;Vornunter&#8223;, der
+Raum wo die Leute vorne ihren Unterschlupf haben. Daß man hernach auch
+einen hinteren Unterkunftsraum so nannte, wird den nicht wundern, der
+das goldene Kopfeisen der Friesinnen kennt, oder die neumodischen
+Waschschwämme, die gar keine Schwämme sind, sondern aus Gummi verfertigt
+werden; sie heißen aber Schwämme.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fastgaljas</span>, die, vergl. Galeere, ein schnelles Schiff. Das Wort kommt in
+dem niederdeutschen &#8222;Kasper Ohm en ik&#8223; von John Brinkmann vor. Wir haben
+es hier nur mit der ersten Silbe zu tun. Fast ist unser neuhochdeutsches
+fest. Der Sinn ist im Niederdeutschen weiter als im Hochdeutschen. Denn
+da heißt es nicht nur unbewegt, dauerhaft, beständig, haltbar, &#8222;fest wie
+Magdeburg&#8223;, nicht nur noch allgemeiner sicher, gewiß, zuverlässig,
+kräftig, stark, tüchtig, sondern auch schnell. Zur Tüchtigkeit gehört
+eben in gewissen Fällen Schnelligkeit (vergl. Kielschwein). Darum heißt
+fast nicht immer fest, sondern manchmal das Gegenteil von fest, nämlich
+beweglich, sehr beweglich, schnell beweglich, schnell. Ein tüchtiges
+Schiff ist nur dasjenige, welches die nötige Geschwindigkeit entwickelt,
+wie der nur ein tüchtiger Bote ist, der seine Botschaft mit einiger
+&#8222;Fixigkeit&#8223; ausrichtet. Im Englischen ist auch einer, der schnell vom
+Flecke kommt &#8222;a fast traveller.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Felucke</span>, die, ein langes, schmales Fahrzeug des mittelländischen Meeres,
+mit zwei etwas nach vorne geneigten niedrigen Masten, hochragenden
+lateinischen Segeln und acht bis zwölf Riemen an jeder Seite. Sie ist
+meist ungedeckt, hat aber am Heck eine Hütte zum Schutze gegen Wind und
+Wetter. Kennzeichnend ist auch der lange spitze Schnabel, an dem der
+Hals des Focksegels befestigt wird. Doch gibt es auch andere, größere
+Felucken mit namhaften Abweichungen von dieser Beschreibung. Die ganze
+Art von Fahrzeugen muß aber, trotz früher oft gerühmter Geschwindigkeit,
+vor dem siegreichen Dampf die Segel streichen und wird bald vom Meere
+verschwunden sein. Stammt aus dem Arabischen felukah, von fulk = Schiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fender</span>, der, eine Art Polster aus umsponnenem Kork, dazu bestimmt, das
+Schiff, wenn es durch eine Schleuse geht oder an ein Bollwerk, vor dem
+Schamfilen zu schützen, indem es zwischen Bordwand und Mauer gehängt
+wird. Erst in neuerer Zeit in die<a id="Page_137"></a>
+ <span class="pagenum">[137]</span> deutsche Seemannssprache, die
+früher nur Wreifhölzer kannte, aufgenommenes aus England gekommenes
+Wort. Vom lateinischen defendere verteidigen, behüten, beschützen,
+bewahren. &#8222;Schutz&#8223; würde also die Übersetzung ins deutsche sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Feuerschiff</span>, das, ist ein Schiff, das die Stelle eines Feuerturmes
+vertritt, an einem Orte verankert, wo sich ein Turm nicht bauen läßt, wo
+aber doch wegen der Beschaffenheit des Fahrwassers ein besonders
+deutliches, weithin sichtbares Feuerzeichen nötig ist. Es hat keine
+eigenen Fortbewegungsmittel. Der Mast oder die Masten dienen nur zum
+Hissen der Laternen bei Nacht, der Signalbälle bei Tage. Der Ausdruck
+Feuerschiff erinnert, wie Leuchtfeuer und Feuerturm, noch an die Zeit,
+in der auf dem Turm wirkliche Holz- oder Kohlenfeuer brannten. Da diese
+jetzt durch Lichter verschiedener Art verdrängt sind, so ist der engl.
+Ausdruck light-ship sinngemäßer als unser deutsches Feuerschiff; bei
+Turm haben wir uns auch den veränderten Umständen angepaßt und sagen
+Leuchtturm, aber Feuerschiff hat sich siegreich behauptet.</p>
+
+<p><span class="strong1">fieren</span>, das Gegenteil von holen, ein Tau ablaufen lassen und so den
+Gegenstand, der an dasselbe festgebunden ist, nicht näher an sich
+heranholen, sondern weiter von sich entfernen. Die Versuchung liegt
+nahe, bei diesem Worte an feiern zu denken, das ja niederdeutsch fieren
+heißt; von fir = Feier, Feiertage, lateinisch feriae, Tage an denen
+keine Arbeit getan wird, wo die Arbeit ruht. Dieser Versuchung ist
+Weiland unterlegen; er schreibt: &#8222;vieren = rüsten (ruhen); den teugel
+vieren is, hem niet strak vasthouden, laten schieten.&#8223; Allerdings wird
+ja &#8222;geruht&#8223;, nachgelassen mit der Arbeit des Holens beim fieren (wenn
+überhaupt unmittelbar vorher geholt worden ist), aber das gibt doch
+nicht bei der Bedeutung von fieren den Ausschlag, denn nachlassen mit
+holen bedeutet doch noch kein wiederablaufenlassen dessen das man geholt
+hat, sondern erfordert nur, daß das Geholte festgehalten und belegt
+wird. Überdies braucht dem Fieren ein Holen gar nicht unmittelbar
+voraufzugehen, so daß schon darum nicht von Ruhe, Nichtweiterarbeiten,
+Nichtweiterholen die Rede sein kann. Auch verbietet sich der Gedanke von
+feiern von selbst, wenn wir bedenken, was das heißt: &#8222;he let en fieren&#8223;;
+das heißt doch wörtlich: &#8222;er läßt einen streichen&#8223;, und wir haben da das
+andere niederdeutsche Wort fieren, welches auch unser<a id="Page_138"></a>
+ <span class="pagenum">[138]</span>
+seemännisches ist, mit <span class="strong1">fern</span> verwandt ist und streichen heißt, fahren,
+gehen, laufen, schießen, gleiten; firen laten: los lassen, gehen lassen,
+frei geben, Raum und Freiheit geben sich zu bewegen; in die Ferne, ins
+Weite gehen, nicht bleiben und haften, nicht gehalten werden, &nbsp;&mdash;&nbsp; das ist
+die Folge des Fierens, und das Gefierte, das nun nicht mehr gehalten
+wird, sackt, senkt sich, sinkt so lange bis es anderweitig Halt und
+Stütze findet. Bei einer Verhandlung über einen Seeunfall im Jahre 1564
+sagte zu Bremen ein Augenzeuge aus &#8222;dat N. dat spreeth loss gelatenn,
+sin schip vmme geswengeth ond dat grote anker ond touwe vthgefiret, ond
+he, tughe, dat plichtgarde (Pflichtleine) othgestekenn und gespraken:
+wat wylle gy vele fireinn? wy liggen alle an der grundt.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Fest holen</span> s. holen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Festzeisen</span> s. zeisen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fid</span>, <span class="strong1">fidden</span>, nicht zu verwechseln mit fitten (s. d.) Fid ist eine aus
+hartem Holze gemachte runde Pinne, mit der man beim Splissen und Knoten
+die einzelnen Duchten von den Enden der Taue auseinander hält um
+durchstecken zu können. Das Auseinanderhalten nennt man fidden. Das Wort
+dürfte vom englischen to fit kommen, welches seinerseits wohl auf das
+gothische fetjan zurückgeführt wird, schmücken, dann in den zahllosen
+Bedeutungen von &#8222;zurechtmachen&#8223; gebraucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fingerlinge</span>, die, nennt man starke eiserne Hänge am Achtersteven, in
+welche das Ruder mit den Haken eingehängt wird; es kann indessen auch
+umgekehrt gemacht werden, daß das Ruder die Fingerlinge hat und der
+Steven die Haken. Man stelle sich eine in ihren Angeln sich drehende Tür
+vor. Zu Fingerling ist Däumling zu vergleichen. Es bedeutet eine Hülle,
+in die ein Finger paßt, wie der Däumling eine Umhüllung in die der
+Daumen grade hineingeht; wer sich am Finger verletzt hat und keinen
+dicken Verband haben will, der zieht den abgeschnittenen Finger eines
+ledernen Handschuhs, einen Fingerling, über, an dessem hinteren Ende ein
+Band befestigt ist, das ums Handgelenk gebunden wird. Ehrentraut
+(Friesisches Archiv, II. 65) schreibt: &#8222;Das Steuerruder: dat rôr am
+Hinterteil hängt in vier eisernen Haken, welche in Büchsen sitzen. Diese
+Büchsen heißen da fingelin (Sing.: dju fingelin);&#8223; und zwar bezieht sich
+das auf die Sprache der Wangerooger Seeleute.<a id="Page_139"></a>
+ <span class="pagenum">[139]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Finknetzkasten</span>, der. Der obere, kastenartige Abschluß der Reeling, in
+dem die Hängmatten verstaut werden. Diese wurden ursprünglich auf
+Kriegsschiffen vor der Schlacht auf die Reeling gebracht als Schutz
+gegen feindliche Kugeln. Hieraus entwickelte sich ein bleibender
+Verwahrungsort für die Hängematten mit entsprechender Gestaltung der
+Bordwand, kastenartig mit einem geteerten &#8222;Kleid&#8223; zum Überdecken. Aber
+wenn diese Einrichtung getroffen war, wurden im Falle einer Schlacht die
+Hängematten als Brustwehr mit großen Netzen befestigt. Diese führten den
+Namen Finknetze von dem niederdeutschen Schiffsnamen pink; das Fahrzeug
+dieses Namens war sehr vielseitig, wurde namentlich aber in
+Niederdeutschland als Fischerboot benützt, weshalb Kilianus das Wort
+auch mit navis piscatoria wiedergibt. Das große Netz dieser Pink hieß
+Pinknetz. (Kil.: pinck-net, rete majus). Der Übergang von Pink zu Fink
+stellt eine sehr gangbare Lautverschiebung dar. Das p des Umlautes wird
+zunächst affriziert zu pf und dann gestattet sich bequeme Aussprache in
+Nord- und Mitteldeutschland gerne die Spirans statt der Affricata: Ferd,
+Fand, Fund. &nbsp;&mdash;&nbsp; Anstatt des Finknetzes für die Hängematten ward dann ein
+Kasten für sie gebaut, aber der Name blieb erhalten, es wird bloß Kasten
+hinzugefügt: Finknetzkasten.</p>
+
+<p><span class="strong1">fischen</span>, hat in der Seemannssprache außer dem gewöhnlichen Sinn auch
+noch den von festmachen, befestigen, unterbringen und zwar den bereits
+aus dem Wasser geholten (gekatteten) Anker. Der nachmalige Admiral
+Brommy beschreibt in seinem aus Athen datierten (Dezember 1847) Buche
+&#8222;Die Marine&#8223; den Vorgang des Ankerfischens: &#8222;So wie der Ring des Ankers
+über dem Wasser sich zeigt, haken zwei Bakgasten den Katzblock in
+denselben ein, das Gangspill wird wiederum gepallt. Schnell wird nun der
+Läufer der Katztakel angeholt, der Anker mittelst dieser an den
+Krahnbalken gezogen und durch die Penturleine daselbst befestigt. Der
+Fischhaken wird über den Schaft des Ankers geworfen und durch die
+Fischtakel derselbe auf die Seite gebracht, wo er mit der Rüstleine
+festgemacht wird.&#8223; Wie alles in der Seefahrt, so hat sich auch in diesem
+Stücke seit 1847 viel geändert; so hat man inzwischen einen Fischdavit
+erfunden und andere Neuerungen der Technik angebracht; die Bezeichnungen
+katten und fischen sind aber geblieben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fitten.</span> Ehe ein Schiff ins Dock geht muß es &nbsp;&mdash;&nbsp; also unter
+<a id="Page_140"></a>
+ <span class="pagenum">[140]</span> Wasser
+&nbsp;&mdash;&nbsp; gefittet werden, d.&nbsp;h., es muß genau die gegenwärtige Form seines
+Kiels festgestellt werden, damit darnach die Stapelklötze so aufgebaut
+werden können, daß nachher im Dock wenn das Wasser sinkt und das Schiff
+sich auf die Klötze setzt, der Kiel in allen Teilen genau und richtig
+unterstützt ist, namentlich auch in etwaigen beschädigten Teilen, sei
+es, daß der Kiel durch die Länge der Zeit von seiner ursprünglichen Form
+gewichen ist, sei es, daß durch Festkommen eine Havarie entstanden, eine
+Beschädigung hervorgerufen ist. Diese festzustellen, den Fehler genau
+graphisch darzustellen dient eine Vorkehrung, eine Art Rahmen, <span class="strong1">die Fitte</span>
+genannt. Und die Tätigkeit heißt fitten. Es liegt nahe an eine der
+vielen Bedeutungen des englischen to fit zu denken. Aber keine von ihnen
+paßt. Desto besser paßt ein noch viel näher liegendes niederdeutsches
+Zeitwort fitjen, das zunächst tadeln bedeutet, dann aber auch mäkeln,
+kritisieren, <span class="strong1">geflissentlich Mängel aufsuchen</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fischerstek</span>, s. Stek.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fjord</span> s. Föhrde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Flagge</span>, die. Kilianus erklärt das Wort fenlyn durch flammeum,
+flammeolum, d.&nbsp;h. Brautschleier, weil in Rom dieser flammend rot war.
+Eine ähnliche Gedankenverbindung drängt sich auf zwischen Schleier und
+Flagge, wenn man nicht an die Farbe, sondern an das Wehen und Flattern
+eines Schleiers denkt. Was flattert das flackert auch. Und von Flackern
+kommt der Name. Er ist neueren Ursprungs, zuerst nach Kluge 1613
+gebucht. Englisch flag, im Angelsächsischen war aber das Wort, weil
+wahrscheinlich auch die Sache unbekannt, obgleich schon die Flotte
+Wilhelms des Eroberers mit wehenden Flaggen an der englischen Küste
+landete. Im Beówulf heißt das, was wir Flagge nennen, segn = Signum, war
+aber keine Fahne, sondern ein Schild. Der hoch am Maste befestigte
+Schild galt als das Zeichen der Gegenwart des Befehlshabers; war der
+König selbst an Bord, so hißte man einen Schild von Golde. Sogar zu
+Häupten des toten Königs Skild banden sie, als sie ihn im
+reichgeschmückten Schiffe dem Meere übergaben, ein goldenes &#8222;segn&#8223;. Es
+gibt natürlich an Bord eines Schiffes vielerlei Flaggen: Kriegsflaggen,
+Nationalflaggen, Post- und Zollflaggen, Lootsenflaggen, Bootsflaggen,
+Signalflaggen, Winkflaggen, den blauen Peter, Admiralsflaggen etc. Was
+letztere betrifft, so genügte früher zur Unterscheidung des Ranges, wenn
+man sah an welchem Maste die Admiralsflagge<a id="Page_141"></a>
+ <span class="pagenum">[141]</span> gehißt war; jetzt,
+seitdem es überhaupt nur noch Gefechtsmasten auf den in Betracht
+kommenden Schiffen gibt, müssen die Admiralsflaggen unter sich
+verschieden sein. &nbsp;&mdash;&nbsp; In England unterschied man früher (bis 1864)
+Admirals of the red, of the white, of the blue flag, und in jeder dieser
+Farben gab es wieder einen Admiral, einen Vice- und einen Kontreadmiral,
+(wonach zu berichtigen Lüpkes, Seemannssprüche p. 63, wo angeführt ist,
+daß im englischen Sprichwort Admiral of the red (flag) einen &#8222;Söffel&#8223;
+bedeutet, wegen der roten Nase, Admiral of the white einen Feigling und
+Admiral of the blue einen Schankwirt, wegen der blauen Schürze). &nbsp;&mdash;&nbsp; Weil
+er das Recht hat, eine Flagge zu führen, nennt man den Admiral
+<span class="strong1">Flaggoffizier</span>; <span class="strong1">Flaggleutnant</span> aber heißt der Offizier, der des
+Flaggoffiziers, der ein Geschwader führt, rechte Hand ist. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Flaggenparade</span> heißt das feierliche Hissen und Niederholen der
+Kriegsflagge. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Flaggen sind von feinem, wollenem Zeug, das zwar
+mit dem was wir sonst Tuch nennen gar keine Ähnlichkeit hat, aber doch
+<span class="strong1">Flaggentuch</span> heißt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Leine, an die die Flagge angesteckt wird, oder
+vielmehr zwischen die sie eingeknebelt wird, heißt <span class="strong1">Flagg-</span>(nicht
+Flaggen-)<span class="strong1">leine</span>. Das Schiff, auf dem der Geschwaderchef seine Flagge
+gesetzt hat, ist sein <span class="strong1">Flaggschiff</span>, auch wird es das Flaggschiff des
+Geschwaders genannt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zu bemerken ist, daß die für ein an die Sprache
+der deutschen Marine gewöhntes Ohr sehr störend klingenden Formen
+Flaggenoffizier, Flaggenleutnant, Flaggenschiff etc. etc. in der
+österreichischen Marine gang und gäbe und auch im dienstlichen Gebrauche
+sind. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es war von jeher üblich mit wehenden Flaggen zu kämpfen;
+&#8222;Durchläuchtigste Seehelden&#8223; II 449: &#8222;unterdessen wuchs das Wasser (im
+Hafen von Ostende, es handelt sich um einen Anschlag der Franzosen auf
+diesen) ziemlich an, da denn mit einem Nordost-Wind zehn mit Volck
+geladene Barcken, mit fliegenden Flaggen und Wimpeln, Trommelschlag,
+bereitem Gewehr, und die von des Königes (es war 1658) und Mazarini
+Leib-Guarde ihre blaue Bardürete und andere Röcke, und die Befehlhaber
+ihre Federn und Feldzeichen anhabend, und den Marschall in der Mitten,
+mit seinem Orden des H. Geistes, hinein kamen: der Wind war so gut, daß
+als sie über die Bank, die an dem Eingang des Havens liegt, kommen, es
+ihnen nicht möglich war, (weil sie zugleich von den einlauffenden
+starcken Strom fort getrieben wurden) die Fahrt aufzuhalten.<a id="Page_142"></a>
+ <span class="pagenum">[142]</span> In
+dieser Gestalt kamen sie an die Kay.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Von der Aufstellung der
+spanischen und Venediger Schiffe unter Don Juan d'Austria bei Lepanto
+berichtet derselbe Verfasser: &#8222;Unter anderen Ordnungen war auch diese,
+woran nach aller Meinung sehr viel gelegen war, umb die bestellte
+Ordnung in dem Fechten zu halten, in Betrachtung, daß sowohl die
+Königlichen als Venedischen Galeyen unter einander vermengt waren, daß
+dieselbigen ein jede ihr besonder unterschieds-Zeichen haben sollten,
+damit sie sich in dem Schlagen leichtlich wieder unter ihre Flagge
+begeben konten, und also hatten die von der Bataille ein klein blau
+Fahne auf dem Gipffel eines jeden Mastbaums; die von dem rechten Fliegel
+eine grüne Banderol oder Fahne, an dem Ende der Segel-Stangen, die in
+dem linken Fliegel eine gelbe, und die im Nachzuge eine weisse auf dem
+hinder Theil der Schiffe.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;Wenn man Leonhart Frohnsberger glauben
+darf, der 1565 so gut wie ers verstand über See und Seemannschaft
+geschrieben hat, so wurde in seinen Tagen mit Flaggen ein
+außerordentlicher Luxus getrieben. &#8222;Eines grossen hohen Potentaten
+Schiff der lust oder zier nach zu versehen, mag außwendig ober dem
+Wasser, gar überall mit deß Herren farben und Reimen gemalt und
+angestrichen werden, deßgleichen das vorder und Hinderhauß oder Schloß
+am Schiff, mag allenthalben auff das zierlichst mit Fanen oder Panier,
+wie mans denn pflegt zu nennen, so auch mit des Herrn Wappen und Farben
+gemalt, auffgesteckt werden, dareyn auch Reymen und vergülte Knöpff
+darauff zu setzen, und dann insonderheit, muß das hinder und vorder
+Schloß am Schiff zu aller vorderst und hinderst, ein zimlichen Platz zu
+beyden seiten oder ecken, auch von solchem Schloß kommen zu der Belle
+(belle, zwischen Groß- und Fockmast), weiter vom Schiff zwo viereckechte
+grosse Fanen, gleichfalls mit solchen farben, Reimen und Wappen, gar
+oben dem Tymon (&#8222;Steuerpflicht&#8223;) soll auch ein grosser Fanen sein,
+welcher die andern an der grösse alle übertrifft, und dann auf jeder
+Seiten des Hauß oder Schloß gegen dem Mästen, sollen sechs oder acht
+Fanen sein, und auff den Mastkörben vom großen Mast sollen rund umb, von
+der Breite und Höhe der gemeldten Mastkörb, auch mit Reymen, farben und
+Wappen geziert, und auch angehengt sein, zu dem mag oder soll noch ein
+gespaltener grosser breiter langer Standart oder Panier, der biß ins
+Wasser raicht, und auf dem Mast von<a id="Page_143"></a>
+ <span class="pagenum">[143]</span> gemeldtem Mastkorb soll auch
+ein großer Fanen, mit farben, Reymen und Wappen geziert sein, fliegen
+oder hangen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">flaggen</span> heißt: die Flagge hissen oder setzen, wird aber in diesem Sinne
+für eine einzelne Flagge bei der Marine nur am Lande gebraucht; &#8222;die
+fiskalischen Gebäude haben zu flaggen&#8223;, &#8222;die Werft, das Lazaret flaggt&#8223;.
+An Bord, wo sich das tägliche Hissen der Flagge im Hafen von selbst
+versteht, sagt man nur dann, daß das Schiff geflaggt habe, wenn es über
+die Toppen geflaggt oder Flaggengala angelegt hat, wie solches bei hohen
+vaterländischen Festen, Kaisersgeburtstag etc. etc. zu geschehen pflegt,
+indem die Signalflaggen in langer bunter Reihe vom Bug bis zum Heck, an
+einem langen Tau befestigt, &#8222;über die Toppen&#8223;, von Mast zu Mast wehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Flaggenparade</span>, ist eine militärische Feierlichkeit an Bord der
+Kriegsschiffe im Hafen, nämlich das feierliche Hissen der Flagge um 9 h.
+a. m. und das feierliche Niederholen (nicht Streichen) derselben bei
+Sonnenuntergang. Dabei tritt die Wache ins Gewehr, die Musik spielt den
+Präsentiermarsch und der Flagge werden die militärischen Ehren erwiesen,
+während die an Deck befindlichen Offiziere durch Anlegen der Hand an die
+Mütze sie grüßen. Das ist ein alter Brauch. Von der abendlichen
+Flaggenparade erzählt schon Frohnsberger 1565, er gebraucht zwar das
+Wort nicht und erwähnt auch die Flagge nicht, aber es ist doch nichts
+anderes. &#8222;Item wann es auf dem Meer oder Wasser schier zu der Sonne
+niedergang kompt, so entbieten alle umbhaltende oder fahrende Schiff dem
+öbersten Potentaten ehr und reverentz, zu dreymal auff einander, durch
+ein laut und groß Wasser, gleich einem Ave Maria oder Feldgeschrey, oder
+werden etwan mit Stück Büchsen drey schüß kurtz auff einander, zum
+zeichen der nachtwach, gethan, dazu etwan mit Baucken, Trommeten, sampt
+anderen Pfeiffen und Trummen, überlaut zum dritten mal gegen deß
+öbersten Schiff erzeiget. Hergegen wird dem gantzen Hauffen oder allen
+Schiffen, so umbher oder mit fahren und halten, hinwider ein gruß mit
+dancksagen erzeigt, darauff die Losungen auff etliche stund, zu halber
+oder gantzer nacht, nach dem es dem Herrn gefällig, empfangen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Flaschenpost</span>, die. Wenn Schiffbrüchige ihre letzten Grüße auf einen
+Zettel schreiben, in eine Flasche stecken und diese fest verschlossen
+über Bord werfen, in der Hoffnung, es werde<a id="Page_144"></a>
+ <span class="pagenum">[144]</span> ein günstiger Strom
+sie an irgend eine zivilisierte Küste treiben, so nennt man dies eine
+Flaschenpost, wiewohl es mit unserem Lehnwort Post (von positis equis)
+wenig genug zu tun hat. Man wirft aber auch ohne schiffbrüchig zu sein
+zuweilen Flaschenposten über Bord mit Angabe des Ortes, des Datums und
+der Adresse des Absenders, um aus dem Orte ihrer Ankunft auf die
+Richtung der Meeresströmung schließen zu können.</p>
+
+<p><span class="strong1">flau</span>, flaue Brise = schwacher Wind; davon die Wendung &#8222;der Wind flaut
+ab&#8223;, wird schwächer; auch: &#8222;das Interesse flaut ab&#8223;, &#8222;flaue
+Geschäftszeit&#8223; etc. etc. Wenn wir das Wort vom althochdeutschen flawen
+fließen, strömen, schwimmen, waschen, spülen, ableiten dürfen, so ist
+das Wort nicht nur jetzt seemännisch, sondern ist es auch immer gewesen,
+und wir hätten uns die Bedeutungsentwicklung so vorzustellen: auf oder
+im Wasser schwimmend, durch Liegen in Feuchtigkeit erweicht, weich,
+matt, schwach, kraftlos, gleichgültig (wie ein &#8222;Waschlappen&#8223;),
+verschwommen, blaß.</p>
+
+<p><span class="strong1">Flechting</span>, die. Scheinbar sind die beiden einander an Steuerbord und an
+Backbord entsprechenden Hofdtaue zwei Taue, in Wirklichkeit bestehen die
+beiden aber aus einem Tau, das in der Mitte ein großes Auge hat, mit dem
+es über den Top des Mastes gestreift wird, so daß die eine Hälfte nach
+Steuerbord, die andere Hälfte nach Backbord fährt. Dieses Auge muß fest
+um den Mast sitzen und glatt anliegen, so als ob es um den Mast
+geflochten wäre. Da ihrer mehrere über einander zu liegen kommen, so
+sieht das Ganze in der Tat wie ein Geflecht aus, und der Name hat also
+seine Berechtigung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Flibustier</span>, der = Seeräuber, stammt in seiner gegenwärtigen Gestalt aus
+dem Französischen, aber der Ursprung ist deutsch. Es gibt in England ein
+Fährschiff das den Namen flyboat führt und aus den Niederlanden
+übernommen ist, wo es vlieboot heißt, nach den Vlielandern auf Vlieland,
+welche Insel durch het Vlie von Terschelling getrennt ist. Da es nun
+geschichtlich nur zu fest steht, daß die Bewohner der ganzen friesischen
+Küste von den ältesten Zeiten her bis zu den Tagen der Kontinentalsperre
+nicht immer die Seefahrt als &#8222;erlaubten Nahrungszweig&#8223; betrieben,
+sondern den Bremer und Hamburger Schiffen ebenso gut nachgestellt haben,
+wie die binnenländischen Ritter den Wagen der Kaufleute auf der
+Landstraße, so könnte<a id="Page_145"></a>
+ <span class="pagenum">[145]</span> das Wort schon von Fliebooter kommen, wenn
+nicht die alte französische Form fribustier neben flibustier stünde. Das
+kann ja nun eine der überall so beliebten aus sprachphysiologischen
+Gründen geschehene Verwechslungen von l und r sein. Doch wäre es
+denkbar, daß dieses r als organisch angesehen werden könnte, und dann
+müßte man das Wort von Freibeuter ableiten; sonst auch Aventurier, und
+im Mittelalter Vitalienbrüder (s. d.) genannt, in amerikanischen
+Gewässern bucaneer, französisch boucanier, von boucan einem caribischen
+Worte für räuchern, weil die ersten französischen Ansiedler auf Hayti
+wilde Ochsen und Schweine jagten und ihr Fleisch räucherten, dann aber
+auch gegen die Spanier freibeuterten. Vlieboote waren seegehende
+Kriegsschiffe; im Treffen bei Cadix 1596 waren ihrer etliche mit Erfolg
+tätig auf Seite der Engländer, &#8222;Durchläuchtigste Seehelden&#8223; I. 405: &#8222;In
+allen diesen grausamen Gefechten, waren der Englischen nicht über
+hundert Mann geblieben, wiewohl viel von ihren Schiffen offtmals durch
+und durch geschossen worden, ja etliche wol zu Zwey-und zwantzig malen.
+Der Pinas, des Ritters Robert Southwell, der zu Kühn war, das Schiff
+Philippus anzugreifen, ward mit demselbigen verbrandt, das Volck aber
+davon gerettet. Einer von den holländischen Vlie-Booten, der sich
+durchgehends tapffer und wol gehalten, gerieth auch durch sein eigen
+Pulver in Brandt, und blieb mit allem Volck, ausgenommen sieben oder
+acht Mann, die durch angewendeten grossen Fleiß erhalten wurden.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Flieger</span>, der, ein für gewöhnlich nicht gefahrenes, auf Kriegsschiffen
+überhaupt nicht übliches Segel das nur bei gutem beständigem Wetter
+zwischen dem Stengenstagsegel und dem Bramstengenstagsegel gesetzt wird,
+überhaupt alle zwischen den eigentlichen Stagsegeln angebrachten
+Hilfsstagsegel. Ein Schiff mit solchen gewährt einen besonders schönen
+Anblick und kann auf den Beschauer den Eindruck erwecken als flöge es.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Auf Wangerooge heißt dagegen flieger eine schmale Flagge die am Maste
+fliegen gelassen wird und die durch ihr Fliegen die Windrichtung angibt.
+Vergl. Verkliker.</p>
+
+<p><span class="strong1">flott</span>, ist das was schwimmt, weshalb auch im Niederdeutschen die Sahne,
+der Rahm der auf der Milch schwimmt, Flott genannt wird; dergleichen ein
+auf der Suppe schwimmendes Fettauge. In übertragener Bedeutung &#8222;flotter
+Bursch, flotter
+<a id="Page_146"></a>
+ <span class="pagenum">[146]</span> Student&#8223;, im 18. Jahrhundert zuerst in der
+Studentensprache gebraucht. Das Wort ist verwandt mit dem griechischen
+ploo schwimmen, plotos schwimmend, das auf einer Wurzel plu beruht, die,
+im Lateinischen pluit es regnet, pluvium Regen bildend, im
+Althochdeutschen zu flawen geworden ist. Angelsächsisch flowan und
+fleotan, fließen, altnordisch floa auf dem Wasser treiben, altfriesisch
+fleta fließen, dazu fleth, flethe, flette = beweglich, vlottend gued =
+bewegliches, mobiles Gut, Möbel. Wenn ein Anker sich vom Grunde
+losgerissen hatte und trieb, so nannte man ihn altfriesisch flodfarend
+und billigte dem vor seinem Anker treibenden Schiffe Suspension der
+Seevorschrift zu: &#8222;Iding thing is ter set umbe thes flodfarende
+anckeren.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;Wenn ein Schiff &#8222;aufgefahren&#8223; ist, so werden alle Versuche
+angestellt, es wieder flott zu bekommen, es wieder zum Schwimmen zu
+bringen. In den &#8222;Durchlauchtigsten Seehelden&#8223; 1681 wird flott = gehend
+gebraucht. Peter Petersen Heyn, der holländische Admiral, machte einen
+Anschlag wieder die Portugiesen in Bahia, &#8222;darüber die Holländer nicht
+mehr als fünfzig Mann verlohren, nebenst etlichen Verwundeten, worunter
+der Admiral selber war, welcher eine Kugel durch den linken Arm, und
+einen Splitter vor das Schienbein bekommen hatte. Sein Schiff benebenst
+dem Schiffe Geldria geriet auch auf den Sand, da sie von dem feindlichen
+Geschütz tapfer getroffen wurden. Geldria, wiewohl es mehr als sechzig
+mahl getroffen ward, ward endlich wieder <span class="strong1">flott oder gehend</span>, aber das
+Admiral-Schiff ward also fest sitzend beschossen, kunte aber nicht
+wieder flott oder gehend werden, daher es in den Brand gestecket und
+verlassen ward.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Flotte</span>, die, ein Verband von Schiffen, Kriegsflotte, Handelsflotte,
+Fischerflotte, Panzerflotte; auch der ganze Bestand einer Nation an
+Kriegsschiffen, &#8222;die deutsche Flotte&#8223; etc. etc. Das Wort stammt von der
+unter flott angegebenen Wurzel und hat sich selbständig im
+niederdeutschen Sprachgebiet entwickelt. Es gibt allerdings auch ein
+italienisches, gleichbedeutendes Wort flota, portugiesisch frota,
+spanisch flota, französisch flotte. Aber unser &#8222;Flotte&#8223; hat mit ihnen
+nichts zu tun, weit eher umgekehrt. Denn wenn die romanischen Wörter
+auch von fluctus kommen, da altfranzösisch flote Menge, Schwarm hieß, &nbsp;&mdash;&nbsp;
+man sagte flote de gens, flote de nefs, flote de poile, Haarflocke &nbsp;&mdash;&nbsp;,
+ja wenn es auch sogar den Anschein hat, als sei das Wort nach
+Hochdeutschland<a id="Page_147"></a>
+ <span class="pagenum">[147]</span> &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">nach</span> 1565, da der Ulmer Leonhart Frohnsperger
+es noch nicht kennt und statt dessen Armada sagt, wie denn überhaupt
+seine Kenntnisse sich auf südliche Seemannswörter beschränken, von der
+Hansa und deren Sprachgebiet hat er kaum eine Ahnung &nbsp;&mdash;&nbsp; nicht aus
+Niederdeutschland, sondern aus dem Mittelmeer gekommen, was aus der Form
+in der es zuerst auftrat: Flotta zu schließen ist und um derentwillen es
+1617 im &#8222;Teutschen Michel&#8223; als Fremdwort verspottet worden ist, so
+bemerkt doch Diez gewiß richtig, daß seine ursprüngliche Bedeutung durch
+den Einfluß des niederländischen vloot eine der modernen sich
+anbequemende nähere Bestimmung erhalten habe. Jedenfalls hat an den
+Küsten der Nordsee Flotte schon früh eine Vereinigung von Schiffen
+bedeutet. Altfriesisch flothe: &#8222;ende thet bi der Elwa biland tha
+flothe.&#8223; Und wenn auch im Beówulf flota nur ein einzelnes Schiff
+bedeutet, so genügt das Wort dennoch zum Beweis für ein vom Mittelmeer
+unabhängiges Dasein. &nbsp;&mdash;&nbsp; Dagegen ist Flottille rein romanischen Ursprungs
+vom spanischen flottilla, kleine (Silber-)Flotte, 18. Jahrhundert. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Der Übersetzer der &#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223; 1681 gebraucht das
+Fremdwort Flotta und das einheimische Flotte neben einander;
+wahrscheinlich hat er ersteres aus seinem hochdeutschen
+Sprachbewußtsein, letzteres aus seinem Original, das holländisch
+geschrieben ist. Eine holländische Flotte segelte 1628 nach Westindien
+unter Pit Heyn. &#8222;Das Schiff, der schwartze Reuter, das Einhorn und der
+Fuchs, bekamen Befehl vorauß zu segeln, und darob zu seyn, daß sie deß
+Morgens allezeit wieder bei der Flotta seyn möchten. Und als sie sich
+den zehenden Julii auf der Höhe von vierzehn Graden und sechs und
+zwantzig Minuten, und deß andern Tages auf dreyzehen Graden und vier und
+fünfzig Minuten Norderbreite befunden, befahl der General (Admiral Heyn
+nämlich) der Jacht (Aviso!) dem Fuchs, nach dem Untergang deß Mondes
+vorauß zu segeln, und wenn sie etwa Land gewahr würden, der Flotte
+solches mit einem Schuß kund zu thun.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Flut</span>, die, das Zuströmen, Anschwellen des Wassers, oft gleichbedeutend
+mit Welle, vielfach im übertragenen Sinne (Flut von Schimpfreden,
+altfriesisch im Sinne von Einfall, Überfall: &#8222;jenst den wilda witzinges
+(Seeräuber) floed&#8223;). Stammt mit den unter flott und Flotte besprochenen
+Wörtern von der Wurzel plu, flu = fließen; davon gothisch flodus, Flut,
+altnordisch flod, angelsächsisch<a id="Page_148"></a>
+ <span class="pagenum">[148]</span> flod, althochdeutsch fluot; auch
+in vielen slavischen Wörtern die in irgend einer Verbindung mit Wasser,
+schwimmen fließen, stehen steckt dieselbe Wurzel. Was man aber unter
+Flut im engeren und besonderen seemännischen Sinne versteht, das ist der
+Gegensatz zu Ebbe, das Heranfließen des &#8222;kommenden&#8223;, &#8222;steigenden&#8223;
+Wassers; mit Ebbe zusammen eine Tide bildend, doch so, daß Flut in der
+Verbindung beider das größere Gewicht hat, so daß bei Tide immerhin mehr
+an die Flut als an die Ebbe gedacht wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fluttor</span> s. Schleuse.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fock</span>, die, das unterste große viereckige Segel an dem nach ihm benannten
+<span class="strong1">Fockmast</span>, entsprechend dem Großsegel am Großmast. War früher dreieckig,
+was schon daraus hervorgeht, daß es ein viereckiges Segel gibt, das
+Breitfock heißt; das kann nur Sinn haben, wenn die eigentliche Fock
+schmal d.&nbsp;h. dreieckig war, wofür auch der Name der Fock in den
+romanischen Sprachen zeugt, italienisch trincheto, portugiesisch
+traquete, spanisch trinquete, (das englische trinket ist zwar gleicher
+Herkunft, bedeutet aber ein anderes Segel, eins das jetzt noch dreieckig
+ist, ein Topsegel) vom lateinischen triquetrus, dreieckig; französisch
+trinquet, Fockmast, also Mast der dreieckige Segel trägt. Es heißt aber
+auch mât de miséne, von miséne = Fock. Daher hat Aubin (1702) bei der
+Übersetzung der holländischen Wörter breefock und stagfock das Wort fock
+beibehalten und foques de miséne gesagt. Er rechtfertigt das mit
+folgenden Worten: &#8222;Comme on ne sait point quel nom ont en François ces
+deux voiles qu'on voit, en Hollande, aux galiotes, et à diverses sortes
+de petits bâtimens, on prend la liberté de leur donner celuici, qui peut
+assez leur convénir, si en éfet il n'y en avoit point encore d'autres;
+et s'il y en a d'autres on sera obligé à ceux qui voudront les aprendre.
+Cependant on ne voit pas qu'on puisse se dispenser de parler de ces
+sortes de voiles. Elles servent toutes deux tour-â-tour, selon le vent,
+et jamais ensemble. C'est le mât où est la grande voile, qui les
+soutient aussi: elles sont par-devant vis-â-vis de la foque de beaupré.
+Celle qui s'apelle Bree-fok, est une voile quarée qui sert quand on a
+vent arriére, ou vent largue; et quand on va à la bouline (&#8222;beim Winde&#8223;)
+on l'ôte, et on lui substitue l'autre voile, apellée Stag-fok, qui est à
+tiers point, et fort pointue par le haut.&#8223;<a id="Page_149"></a>
+ <span class="pagenum">[149]</span> Unzweifelhaft ist also
+das Wort niederländisch-niederdeutsch, und an der Nordsee haben wir nach
+dem Etymon zu suchen. Nun kennt schon Kilian ein focke = minimum velum
+ad proram, also Stagfock, auch ein breede focke, aber auch ein Zeitwort
+focken = velefico. Focken hieß also schon damals ganz einfach &#8222;segeln&#8223;,
+wie es heute noch in Holland heißt. Ganz im Allgemeinen aber hat das
+mittelniederdeutsche focken den Sinn von <span class="strong1">ziehen</span>, aufziehen. Die Fock ist
+also ein <span class="strong1">Ziehding</span>, wobei es wenig ausmacht, ob sie gezogen wird oder
+zieht. Das Nächstliegende ist wohl, daran zu denken, daß sie aufgezogen
+wird, so daß also die Stagfock das Ursprüngliche und Namengebende wäre.
+Da man indessen hinten (im Boot) einen Treiber hat, warum soll man nicht
+vorne im Schiff einen Zieher haben? Es wäre dann also die (Stag-)Fock
+als das vorderste Segel als das Schiff hinter sich herziehend gedacht.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; So sehr hat das niederdeutsche focken alle Bedeutungen von ziehen,
+daß das Wort auch für &#8222;es zieht,&#8223; &#8222;es ist Zug,&#8223; &#8222;Zugluft&#8223; gebraucht
+wird, selbst wenn der Zug sich zum Sturm verstärkt; dänisch fyge, in
+einem Schneesturm treiben, schwedisch foga, vom Winde gejagt werden,
+isländisch fok, Schneesturm; mittelhochdeutsch foche, Windfegemühle,
+fochen, das Getreide durch den Wind derselben von der Spreu sondern;
+dialektisch focher = Blasebalg; neuhochdeutsch fauchen; beim Teuthonista
+vocken = wehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Niederdeutsch heißt Focke ein Ort, wo es zieht, ein
+Platz der dem Winde sehr ausgesetzt ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch &#8222;von dannen ziehen&#8223;
+heißt das Wort im Mittelniederdeutschen. Im &#8222;Reinke de Vos&#8223; sucht der
+Fuchs den Wolf zu überreden, ihn frei zu lassen. Der antwortet ihm aber:</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p> Og, wo sholdestu mi dänne fokken,</p>
+ <p>Lete ik di los mid sodaneme lokken. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+</div>
+
+<p>Auch ziehen im Sinne von erziehen und aufziehen heißt focken; in
+Ostfriesland wird es sowohl vom Aufziehen eines Menschen als auch eines
+Tieres, also für erziehen und züchten, gebraucht; fokkere, Züchterei,
+Viehhof, fokker, Erzieher, Züchter; doch ist zu bemerken, daß das Wort
+focker im Sinne von reicher Mann, Geizhals nicht von unserem focken
+stammt, sondern eine niederdeutsche Form für den Familiennamen Fugger
+ist, die schon Kilian gebraucht hat für Alleinhändler, Monopolist,
+monopola, ja er sagt sogar &#8222;pantopola vulgo fuggerus&#8223;; fokerye =
+monopolium. &nbsp;&mdash;&nbsp; Und damit ja keine Bedeutung von &#8222;ziehen&#8223; fehle,<a id="Page_150"></a>
+ <span class="pagenum">[150]</span>
+so heißt mittelniederdeutsch focken sogar &#8222;jemanden aufziehen&#8223; in der
+Bedeutung von foppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Föhrde</span>, die, eine Bucht, Bai, ein Meerbusen. Eigentlich eine Furt
+(mundartlich Fahrt), Fahrstelle, Fahrweg, Einfahrt, Durchfahrt; sodann
+in Ostfriesland das Thor einer Einfahrt; Sprüchwort: &#8222;wen de forde
+krakd, is se nog net to, wen dat kalf blarrd is het nog gen ko.&#8223;
+Altfriesisch forda, daher der alte Name für Münster i. W.:
+Mimigardaforda; englisch ford, Furt; altnordisch fjördhr, schwedisch,
+dänisch fjord; althochdeutsch vurt. Kommt nicht etwa von porta, sondern
+von fahren, weil, wenn man aus der offenen See kommt, die Föhrde den
+verengerten Weg darstellt, auf dem man in den Hafen oder die Flußmündung
+hineinfährt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fracht</span>, die.</p>
+
+<p>1. Gebühr für Beförderung der Waren.</p>
+
+<p>2. die Ladung eines Wagens oder Schiffes,</p>
+
+<p>3. die Ware selbst</p>
+
+<p>Die zuerst genannte Bedeutung ist die ursprüngliche. Man hat zur
+Erklärung an das niederländische Iterativum von fahren: verchen =
+führen, gedacht und dabei eine Metathesis angenommen; dem könnte das
+schweizerische fergen, anfahren anbringen, die im Hause gefertigte Ware
+in der Fabrik abliefern, entsprechen, das jedoch auch eine
+Zusammenziehung von fertigen sein könnte, wobei zu bemerken ist, daß
+auch dann der Ursprung das Zeitwort fahren wäre. (Fertig: bereit zum
+Fahren). Einleuchtender ist aber die Ableitung vom althochdeutschen
+frehton verdienen, freht Verdienst, Lohn; französisch fret, spanisch
+flete, portugiesisch frete, mittellateinisch fretta, schwedisch frakt,
+dänisch fragt; englisch freight. Möglicherweise steckt unser fragen in
+frehton, daß man also an das Fragen im Sinne von Fordern, Ausmachen oder
+Ausbedingen des Lohnes für die Beförderung von Ware zu denken hätte.
+Doch ist zu bedenken, daß 1673 in der &#8222;Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt&#8223; Fracht gleichbedeutend mit Reise gebraucht ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fregatte</span>, jetzt ein großes, vollgetakeltes Kriegsschiff, dessen Gestalt
+und Größe sich aber bei dem Wechsel der Benennungen wie von Schiffen
+überhaupt, so besonders von Kriegsschiffen nicht genau angeben läßt. Bis
+vor Kurzem hießen in der deutschen Marine diejenigen Schiffe Fregatten,
+die vor zwanzig Jahren gedeckte Korvetten hießen und die man jetzt
+&#8222;Große Kreuzer&#8223;<a id="Page_151"></a>
+ <span class="pagenum">[151]</span> nennen könnte, wenn sie nicht Schulschiffe wären
+und hießen, &#8222;Stein&#8223;, &#8222;Moltke&#8223;, &#8222;Gneisenau&#8223; etc. etc., also Vollschiff
+mit Batteriedeck. Aber so wars nicht immer. Leonhard Frohnsperger in
+seinem &#8222;Kayserlichen Kriegßrecht&#8223;, 1565, führt alle zehn Arten von
+Schiffen auf die damals zu einer Armada gehörten:</p>
+
+<p>Zu besserem verstandt und gemeiner eynleitung wirdt solches hiemit
+ungefährlichen nachfolgender gelegenheit zu halten fürgenommen, demnach
+ein oberster Kriegßherr oder Potentat, stattliches oder geringes
+vermögen, darzu in die nehe oder weite, auch lang oder kurtz mit einer
+Armada zu verrücken, willens oder vorhabens ist, so wirt ein jedes
+Schiff, so zu der Wehr gericht, mit seim eigen und besonderen
+Schiffherren oder Hauptmann, sampt der notwendigen Personen zu jeder
+sachen tauglich, auff nachfolgender monier, art oder gattung, versehen,
+etc.</p>
+
+<p>Erstlich erfordert ein Armada vor allem, zu dem wenigsten ein groß
+gewaltigs Lastschiff, in oder bey welchem sich der öberst sampt sein
+verordneten Kriegßrähten, meistes theils eigner Person pflegt zu
+erhalten, derwegen solches vor allem mit gutem Kriegßvolck, Geschütz,
+Munition und Profandt nach notturfft, auch zu der Gegenwehr mit
+widerstand versehen.</p>
+
+<p>Zu dem andern, so folgen aller nechst bey solchem etliche grosse streit
+Schiff, welche gleicher gestalt in ziemlicher grösse, vor den Galeen zum
+Schiff streit, Sturm oder Schlachten, mit gutem Geschütz, Kriegßvolck,
+Munition und ander notturfft, so denn zu dem schertz gehört, oder der
+sachen gemäß und tauglich, auch nach notturfft versehen werden, etc.</p>
+
+<p>Zu dem dritten, folgen auff solche der grossen Galeen oder Galleatzen,
+welche auch nicht minderer gestalt dann hie oben vernommen, zu der Wehr
+und streit mit gutem Geschütz und dero zugehör, nach dem besten mit
+aller notturfft versehen.</p>
+
+<p>Zu dem vierdten, folgt weiter bey solchen der geschnebelten grossen
+Galleen, welche mit guter Ruder Ordnung so zu dem nachtrieb, angriff
+oder lauff, auch sonst mit aller notturfft seiner art, nach dem besten
+versehen.</p>
+
+<p>Zu dem fünfften, so wirt auch neben oder bey solchen, der gar grossen
+und hohen Galeen geschiffet, aber doch nicht so groß als die streit
+Schiff, welche vor andern zu dem Sturm und streit dienstlichen
+angeführt, auch mit aller notturft demnach verordnet werden.<a id="Page_152"></a>
+ <span class="pagenum">[152]</span></p>
+
+<p>Zu dem sechsten, werden auch daneben andere grosse Schiff, welche etwan
+Mathonen<a id="Mat1"></a><a href="#fn1" class="fnanchor">[1]</a> genannt, mit geschiffet, so auch gleicher gestalt zu dem
+Feind mit Geschütz, Wehr und streit allermassen versehen, zur neben
+Profandt und ander Kriegßrüstung, darinn und mit fort gebraucht mag
+werden.</p>
+
+
+<p class="footnote"><a id="fn1"></a><a href="#Mat1" class="label">[1]</a> Wenn wirklich damals die Galeeren Mattonen hiessen, so hat
+sich doch diese Bezeichnung ziemlich bald darauf eingeschränkt auf einen
+Teil einer Galeere, und noch dazu einen gar nicht besonders wichtigen
+oder hervorragenden Teil. Im vorigen Jahrhundert hiess Mattone nur &#8222;ein
+Tau, das an einen am untersten Ende des Carro befindlichen Ring
+befestigt wird, und vermittelst welches man die Rahe nach hinten oder
+nach vorne zieht, wenn man das Segel wenden will&#8223;. Natürlich handelt es
+sich um eine lateinische Rahe, deren unterer Teil eben Carro heisst.</p>
+
+
+<p>Zu dem siebenden, werden nachfolgend grosse raub, jag und Rennschiff,
+auch zu gleich mit gutem leichtem Geschütz, und der Land oder Wasser art
+und gelegenheit erkündiget, mit Kriegßleuten wol besetzet, durch welche
+der Gegenteil oder Feind erstmals ersucht, zu Scharmützeln auß und an zu
+reitzen oder umbzuschweiffen, abgefertiget werden.</p>
+
+<p>Zu dem achten, folgen auch einer Armada, groß, lang, tieff, weit Nachen,
+so aller massen und gestalt nach notturfft zum Streit, Krieg und Wehr,
+wie andere, mit geführt, und nach notturfft in widerstand gerüst und
+versehen werden.</p>
+
+<p>Zu dem neundten, werden erklärter massen mittel und ander klein Nachen,
+welche auch etwan Rahaten genannt in ziemlicher anzal mit geführt, in
+welchen auch nicht minder allerley nottürfftige Kriegßrüstung, neben zu
+schiffen, mit verordnet und geführt werden.</p>
+
+<p>Zu dem zehenden, werden ander art oder gattung aber noch kleiner Schiff,
+welche etwan Strazapinen auff Spannisch genannt unter solchem Zeug mit
+zu führen verordnet, darzu noch weiter ein ziemliche notturfft Zillen,
+Kannen oder Weidling,<a id="Wei2"></a><a href="#fn2" class="fnanchor">[2]</a> auß oder in welchen von einem in das ander zu
+fahren oder kommen ist, solche werden aber doch fast neben andere so was
+groß, angehenckt, mit und fortgebracht, etc.</p>
+
+<p class="footnote"><a id="fn2"></a><a href="#Wei2" class="label">[2]</a> Kommt, wie Zille, nur im oberdeutschen Sprachgebrauch für
+Boot vor; ob ursprünglich korbartig aus Weiden geflochten?</p>
+
+<p>Zu oberzeltem schiffen werden noch mehr art oder Geschlecht vernommen,
+welches zu lang alles nach notturfft oder ein jedes insonderheit
+auszuführen ein überfluß, dieweil sonst ein jedes mit seinem eigen
+Namen, Fanen oder Panier, zu einem gemerck underschiedlichen<a id="Page_153"></a>
+ <span class="pagenum">[153]</span>
+verzeichnet, darmit eins vor oder gegen dem andern erkennt und gebraucht
+mag werden, zu dem so fehrt jede gattung nach der Armada gebrauch darzu,
+etwan mit aufrechtem oder außgesteckten Fendlein in ziemlicher weite von
+dem andern, doch in guter bequem und tauglicher Schiff und Zugordnung,
+welche der zal nach nicht wol müglichen underschiedlich zu erklären,
+dann ein Schiff etwan über drey, vier odert fünffhundert Personen, so
+hergegen ein schlechtes nit halb sovil, minder oder mehr, sampt anderer
+notturfft pflegt zu ertragen, etc.</p>
+
+<p>Auffallenderweise ist hier nicht von Fregatten die Rede, wiewohl
+Frohnsperger doch sonst mit mittelländischen Seemannsausdrücken besser
+bekannt ist als mit niederdeutschen. Dagegen führt er unter den Schiffen
+die &#8222;auff der Donauw&#8223; fahren eine Fregaten auf, und zwar als &#8222;nit so
+vollkommenlich und starck als ein Bergantin oder ein Fusten&#8223;, also
+nichts Hervorragendes. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch hundert Jahre später (1681) in den
+&#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223; bedeutet Fregatte noch nicht das große
+Kriegsschiff späterer Zeiten, sondern ungefähr das was wir heute einen
+Aviso nennen. Da lesen wir nämlich bei Gelegenheit der Beschreibung der
+Seeschlacht von Lepanto: &#8222;Und als sie nun die Standarte des
+Verbündnüsses, welche in der Mitten ein Creutz hatte, zum Zeichen des
+Streites aufgestecket, wolte er (nämlich der Oberbefehlshaber &#8222;Don Jan&#8223;,
+Don Juan d'Austria) noch einmal in Person die ganze Flotte durchsehen,
+und nachdem er benebenst Louis de Cordona und Johann Sora, auf eine
+<span class="strong1">schnelle und leichte Fregatt</span> sich begeben, gantz in weissen Waffen, und
+ein Christen-Bild in seiner linken Hand haltend, hat er aller Orten den
+Leuten einen tapffern Muth zugesprochen&#8223; ... Aubin (1702) unterscheidet:
+Frégate legére: &#8222;C'est un vaisseau de guerre, bon voilier, qui n'a qu'un
+pont: il est ordinairement monté depuis seize jusques à vingtcinq piéces
+de canon&#8223;. Frégate d'avis: &#8222;C'est un petit vaisseau qui porte des
+paquets et des ordres à l'armée. On s'en sert aussi pour aller
+reconnoître les vaisseux&#8223; Frégaton: &#8222;Cest un bâtiment Vénitien commun
+sur le golphe Adriatique, coupé à coupe quarré et qui porte un artimon,
+un grand mât et un beaupré.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Roeding (1794): &#8222;Ein dreymastiges
+Kriegsschiff, welches weniger als fünfzig Kanonen führt. Die Fregatten
+sind überhaupt scharf gebaut und zum Schnellsegeln eingerichtet. Sie
+müssen
+<a id="Page_154"></a>
+ <span class="pagenum">[154]</span> dabei insonderheit die Eigenschaft haben, gut beim Winde
+zu segeln, und auch bei schwerem Winde See halten zu können, weil sie
+hauptsächlich zum Kreuzen bey einer Flotte gebraucht werden, oder die
+Bewegung des Feindes auszukundschaften, Depeschen zu überbringen,
+Kauffahrer zu convoyieren und dergleichen mehr.&#8223; Also ganz Aviso. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Fregatte ist also in Bezug auf Gestalt, Bauart, Takelage u.&nbsp;s.&nbsp;w. eine
+nichtssagende Bezeichnung und heißt eigentlich weiter nichts als Schiff.
+Ein solches wird italienisch bastimento, etwas Gebautes, genannt. Mit
+demselben Rechte oder noch größerem kann man es etwas Gezimmertes
+nennen, und das tut Fregatte, denn es kommt von fabricor, zimmern;
+fabricata, zusammengezogen farcata, fracata, italienisch fregata,
+spanisch fragata, portugiesisch fragata, holländisch fregat, dänisch
+fregat, schwedisch fregatt, englisch frigate. &nbsp;&mdash;&nbsp; Aus der neuen
+Dienstgradbezeichnung der deutschen Marine, Fregattenkapitän,
+Oberstleutnantsrang, Mitte zwischen Korvettenkapitän und Kapitän zur
+See, kann man ungefähr erkennen, wie hoch eine Fregatte an maßgebender
+Stelle eingeschätzt wird: höher als eine Korvette und niedriger als ein
+(von einem Kapitän zur See geführtes) Linienschiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Freibord</span>, der. Der über Wasser gelegene Teil eines Schiffes, der
+demselben die nötige Sicherheit bietet, weil er die Reserveschwimmkraft
+darstellt. Je <span class="strong1">freier</span>, d.&nbsp;h. je höher <span class="strong1">der Bord</span> sich über das Wasser
+erhebt, ein je größerer Teil des Schiffes sich also über Wasser
+befindet, eine desto größere Schwimmsicherheit ist vorhanden. Es ist
+klar wie wichtig es, namentlich für die offene, sturmbewegte See, sein
+muß, das richtige Verhältnis des Freibords zum eingetauchten Teil des
+Schiffes, d.&nbsp;h. die richtige Ladelinie, zu finden, damit das Schiff
+seine volle Ladung nehmen kann und doch nicht überladen wird. Man hat
+verschiedene Methoden der Berechnung angewandt, Ratschläge erteilt, die
+Sache wissenschaftlich erforscht, Verordnungen erlassen, Gesetze
+gegeben, in Deutschland, dem Lande der Gesetze, besteht jedoch noch kein
+staatliches, kein Reichstiefladeliniengesetz, auch kein
+Tiefladelinienzwang; nur ein freiwilliger Versuch ist 1900 unter
+Kaiserlicher Belobigung gemacht worden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Freiwache</span>, s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Frischwachs</span>, das, spielen ist eines der beliebtesten Seemannsspiele,
+aber etwas derb. Der Name ist ebenso sonderbar wie das, übrigens schon
+vor mehr als 200 Jahren von uns aus
+<a id="Page_155"></a>
+ <span class="pagenum">[155]</span> zu den Franzosen
+übergegangene, Spiel. Es besteht darin, daß einer stehend sich mit dem
+Kopf in den Schooß eines ihm gegenüber Sitzenden neigt und so sich &#8222;die
+Hosen spannt&#8223;. Dann hauen die Umstehenden mit der flachen Hand ihn
+kräftig, manchmal recht kräftig auf den Hinteren, und er soll nach dem
+Gefühl erraten, wer ihn geschlagen hat. Gelingt es ihm, so muß der
+Erratene seine Stelle einnehmen; gelingt es &nbsp;&mdash;&nbsp; wie meistens &nbsp;&mdash;&nbsp; nicht,
+oder doch nicht auf den ersten Schlag, so geht das Spiel weiter und es
+wachsen die Schläge frisch, d.&nbsp;h. immer wieder aufs Neue, wie jedes Jahr
+der Kohl wieder frisch wächst.</p>
+
+<p><span class="strong1">Frischwasser</span>, das, heißt jedes auch noch so alte &#8222;Süßwasser&#8223; im
+Gegensatz zu Salz-, See- oder Brackwasser. Die Frischwasserfrage ist
+seit Erfindung der Destillierapparate nicht mehr so brennend wie früher,
+wo sie eine Lebensfrage war für seegehende Schiffe und belagerte
+Festungen. Man hat daher lange über die Frage der Herstellung von
+Süßwasser aus Salzwasser nachgedacht, Prämien ausgeschrieben und viele
+vergebliche Versuche angestellt, bis unsere Zeit die verhältnismäßig so
+einfache Sache zu Stande brachte, die übrigens schon einmal der Lösung
+nahe gewesen zu sein scheint. Bei der Belagerung der Festung auf Gerbi
+durch die Türken 1560 entstand unter den Belagerten eine große Not,
+&#8222;indem der Mangel an Wasser in der Festung je länger je grösser ward,
+woraus erfolgete, daß sie erst das Meel mit See-Wasser kneten und
+backen, wie auch die Speise kochen mußten, die doch ohne dieses, damit
+sie desto länger sollte wehren, an sich selbst gesaltzen genug war.
+Welches alles, nebenst der beharrlichen Arbeit und grosser Hitze, den
+Durst noch grösser machte. Diesen gewaltigen Durst, entweder zu
+entgehen, oder zu mindern, durfften die armen Leute nicht wohl genug
+essen, wodurch sie so verschmachteten, daß sie sich selber schwerlich
+auf den Beinen halten, ich geschweige denn, die Arbeit und den Streit
+ausstehn konnten, und warlich dieses machte sie verzweifelt, daß sie
+lieber wünschten zu sterben, als zu leben, und die noch das Leben
+etlichermaßen lieben konnten, erwehleten etwas anders, das noch
+schlimmer war, als der Tod, und gaben sich selber in der Türken Hände,
+für denen sie doch von Natur ein Schrecken hatten, und verkauften ihre
+theure und köstliche Freiheit für einen schlechten Bauch voll Wassers.
+Alles Gold und Silber, das da vorhanden seyn mochte, verlor seinen
+Preiß<a id="Page_156"></a>
+ <span class="pagenum">[156]</span> und Werth, angesehn ein groß Stück Geldes nicht genug war
+ein klein Faß voll Wasser zu bezahlen. Derjenige, welcher alles genau
+aufgezeichnet hat, was in diesem Jammerstande fürgefallen, erzehlet, daß
+einer ist gefunden worden, der alle seine Güter, die viel tausend
+Ducaten werth waren, abstehen wolte, an dem, der ihm die gantze Zeit
+über, dieser äussersten Noth, mit Wasser unterhalten und versorgen
+würde.</p>
+
+<p>Ein Sicilian Sebastian de Pollere genandt, schlug vor, mit distilliren
+und überziehen eine gute Menge Wasser zu verschaffen, für welche
+Erfindung ihm Don Alvaro eine große Verehrung versprochen. Also ließ er
+durch die Teutschen, so allda waren, achtzehn-Brenn-Zeuge verfertigen,
+weil man nicht Materie, mehr dergleichen zu machen, bey der Hand hatte,
+und also grieff man zum Werk, aber was man immer brennete, so konte man
+doch des Tages nicht mehr, als fünff und dreissig Barilen, oder kleine
+Väßlein, und bißweilen nicht mehr als fünff und zwantzig überziehen,
+welches ein kleiner Vorrat für so viel Volcks war. Dieses
+überdistillierte Wasser ward so süsse befunden, daß wenn es mit Wasser
+aus den Zieh-Brunnen vermenget ward, wie saltzig dasselbe auch war,
+dennoch keinen unangenehmen Schmack gab. Der General Alvaro machte
+demnach eine Vermischung auf diese Weise: Er nahm fünfftzig Väßgen
+Zieh-Brunnen-Wasser, vierund zwantzig von dem distillirten Wasser und
+hundert von dem Wasser aus Cisternen, und wenn er das also zusammen
+gemenget, gab er davon zwey Saltzierlein des Tages für einen jeden
+Soldaten, der in dem Gewehr, und eines für denjenigen, so nicht bewehret
+war.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Fuke</span>, die, beschreibt Doornkaat, Ostfr. Wörterbuch I 567 als ein
+&#8222;Stellnetz mit weit aufgesperrten Seitenflügeln, was sich nach innen zu
+immer mehr verengt und hinten eine kleine Öffnung zum Durchschlüpfen der
+Fische hat, vor welchem wieder ein zweites kleines Netz (Kikebus)
+vorgebunden wird, um solches abbinden und die gefangenen Fische mit
+Leichtigkeit herausnehmen zu können. Fig. Enge, Klemme, Bedrängnis.&#8223; Es
+gibt auch noch ein friesisches Wort fak = Fischbehälter, Umzäunung im
+Wasser für den Fischfang; beide kommen offenbar &nbsp;&mdash;&nbsp; verwandt mit pangere
+von einer Wurzel pak in der Bedeutung fassen, greifen halten, umfassen,
+umschließen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Fuse</span> s. Bake.<a id="Page_157"></a>
+ <span class="pagenum">[157]</span></p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="G"></a>G.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Gaan achter!</span> und gaan vor! sind Kommandos beim Wenden, auf
+Handelsschiffen öfters gehört. Auf Kriegsschiffen wird: &#8222;Rund achtern&#8223;,
+&#8222;Rund vorn!&#8223; kommandiert, was deutlicher und zutreffender ist, denn auf
+dieses Kommando hin sollen sich doch die Segel, bezw. Rahen von dem
+einen Bord nach dem andern drehen und das können sie nicht ohne daß man
+an das Rundgehen eines Karrussels erinnert wird. Gaan ist die
+niederdeutsche Form für gehen, gemeint ist rund gehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gaffel</span>, die. Wenn man in deutschen Wörterbüchern liest: &#8222;Gaffel, eine
+Art Rahe&#8223;, so ist damit wenig genug gesagt, und das Wenige ist nicht
+einmal richtig. Denn die Segel an Bord werden ja in Rahsegel und
+Gaffelsegel grade mit Rücksicht darauf unterschieden und
+auseinandergehalten, ob sie an einer Rahe, ob sie an einer Gaffel
+befestigt sind. Wenn nicht gesegelt wird so steht die Rahe quer zur
+Längsachse des Schiffes, die Gaffel aber liegt mit ihr in einer Linie.
+Gaffel bedeutet Gabel, wegen der gabelförmigen Gestalt in der sie sich
+an den (Schnau-) Mast anschließt, ihn gaffel-, gabelartig umfassend.
+Wegen der Ableitung kommt das althochdeutsche gibil = Giebel in
+Betracht, (gothisch gibla, altnordisch gafl, Giebel in gabelförmiger
+Gestalt, so daß die beiden Giebelbalken, am Dachfirst übereinander
+ragend, sich kreuzend, eine Gabel bilden, Edda: gafl, gabelförmige
+Giebelwand), verwandt mit gebal, Schädel, und also mit dem griechischen
+kefale, Kopf, von indogermanischer Grundform ghebhala. Den Giebel kann
+man sich sehr wohl als den Kopf, das Haupt des Hauses vorstellen. Von
+der (gabelförmigen) Gestalt desselben hat sich dann erst die Bedeutung
+Gabel entwickelt, aber bereits im Althochdeutschen, gabala,
+mittelhochdeutsch gabile. Man hat zwar behauptet, Gabel komme von geben,
+aber dann müßte man an eine Heu- oder Mistgabel denken, denn Eßgabeln
+sind eine sehr junge Erfindung; es sind noch keine 200 Jahre her, daß
+ein Altenaer Drahtzieher sich über solch ein Ding als etwas ihm
+Unbekanntes wunderte, und ein Meierin in der Grafschaft Limburg ihre
+Leute aufforderte: &#8222;Kinner, wasket
+<a id="Page_158"></a>
+ <span class="pagenum">[158]</span> iuk de finger, vi hett silad.&#8223;
+Von der Ähnlichkeit mit Giebel käme dann weiter gapan = gaffen, klaffen,
+gähnen, den Mund weit aufmachen; ginundagap = Chaos, Urzustand der Erde
+in der germanischen Mythologie. Französisch gable = Giebel. Dietz sagt,
+das erinnere an das altlateinische gabalus = Kreuz; &#8222;da indessen das
+Wort in den übrigen romanischen Mundarten fehlt, so wird es ratsamer
+sein, es auf das althochdeutsche gabala, Gabel, als seine nächste Quelle
+zurückzuleiten.&#8223; Nach Grimm, Deutsche Sagen, I. 7. wäre der Name des
+gothischen Stammes der Gepiden mit Gaffel verwandt. Er erzählt nach
+Jornandes, die Gothen wären anfangs aus Scanzien unter Berich blos mit
+dreien Schiffen ausgefahren. &#8222;Von diesen Schiffen fuhr eins langsamer
+wie die andern, darum wurde es Gepanta (das gaffende) geheißen und davon
+bekam der Stamm den Unnamen der Gepiden.&#8223; &#8222;Die gewöhnliche Ableitung von
+beiten (goth. beidan) warten ist unzulässig, die hier gegebene von
+Gapan, Gepan, unserm Gaffen, dagegen natürlich; das Wort bedeutet: das
+Maul aufsperren, stutzen, gähnen, und hat gleich dem lat. hiare den
+Nebensinn von harren, faul und unentschlossen sein.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Gaffelgeer</span>, s. Geer.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gaffelklau</span>, s. Klau.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gala</span>, die. Die Uniform der Seeoffiziere bei besonders feierlichen
+Gelegenheiten. Aus dem Arabischen. Es gibt zwar ein althochdeutsches
+Wort geili, Üppigkeit, Stolz, Prunk, und das würde der Bedeutung nach
+das Etymon sein können; auch könnte man an das althochdeutsche galan
+denken, welches singen, (daher Nachtigal), fröhlich sein, Feste feiern
+bedeutet, so daß Gala also ein Festgewand wäre. Das ist es auch, aber
+der deutsche Sprachgebrauch bietet, so viel ich sehen kann, keinen
+Anknüpfungspunkt, während im Spanischen gala schon früh Feierkleid,
+Anstand, Anmut heißt. Da liegt der Gedanke an das arabische chalach,
+Ehrenkleid als fürstliches Geschenk, so nahe, daß wir ihn nicht abweisen
+dürfen, wenn uns einer mit dem griechischen kalos, schön, oder agallein
+schmücken, dazwischen kommen möchte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Galeere</span>, Galei, Galeide, Galee, Galé, Galea, Galia, Galine, Galeasse,
+Galeone, Galeote, Galiote, Galeazza, Galerate, Galione, Galizabra,
+Galeota u.&nbsp;s.&nbsp;w. sind verschiedene Formen eines Schiffsnamens dessen
+einfachste Gestalt Galee ist. Bei allen landesüblichen<a id="Page_159"></a>
+ <span class="pagenum">[159]</span>
+Verschiedenheiten ist doch bis in die neuere Zeit dies festgehalten
+worden: es handelt sich um ein <span class="strong1">schmales</span> Schiff das <span class="strong1">gerudert</span> wird, oder,
+wenn es für gewöhnlich auch segelt, doch in gewissen Fällen gerudert
+werden kann. Hier eine lateinische Beschreibung aus Venedig aus dem
+Jahre 1501: &#8222;Galeacearum quamlibet cuparum quingentarum sub tegmine: in
+detecto autem totidem pondus deportare, inquiunt. Cupas (Tonnen) vero
+singulas ponderis mille librarum computant ... Galeacearum quaelibet
+ducentorum fere hominum ministerio, stipendio conductorum indigere
+videtur. Ad remorum, ac velorum administrationem, centum quinquaginta
+addicuntur, tot enim remos quaelibet ipsarum (quamvis ob Navigii
+magnitudinem remis parum utantur) affert. Nam solo tempore malaciarum,
+ut proximum aliquem portum ingrediantur, et exeant, aut se in aliquam
+partem mutent, et convolvant, remis agitur.&#8223; Und eine niederdeutsche
+(Rostock 1519): &#8222;So we avervaret mit einer Galleiden, dat is ein
+lankhaftich schip, unde geit van dem einen over bet to dem anderen jo
+bilank dem overe unde holt alle nacht to lande, unde heft sostich banke
+in beiden halven, unde to jewelker bank horen dre man mit roderen unde
+en schutte, unde nemet alle dage versche spise unde kost, des men in den
+koggen nicht hebben mach.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Zur Erklärung hat man auch hier gemeint,
+das Arabische heranziehen zu sollen und an châlia, junges Kamel, dann
+kleines Schiff gedacht. Und wer wüßte nicht, daß umgekehrt das Kamel oft
+genug &#8222;das Schiff der Wüste&#8223; genannt worden ist. Aber wir haben eine
+nähere, bessere Erklärung: das griechische galeos, Haifisch, oder
+galeotes, Schwertfisch. Namentlich die Gestalt des letzteren dürfte bei
+der Benennung den Ausschlag gegeben haben, war auch besonders passend
+wegen des &#8222;Rammsporns&#8223; von dem wir in einer alten Beschreibung der Galea
+lesen: &#8222;lignum a prora praefixum habet et vulgo calcar dicitur, quo
+rates hostium transfiguntur percussae.&#8223; Althochdeutsch galie, galine =
+Galeere, langes Ruderschiff, davon galiner, Schiffer auf einer galine,
+und galinhus, Schiffshaus, Arsenal. Mittelhochdeutsch hieß galiot
+Seeräuber, Schiffer, Fährmann, eigentlich Galeerensklave. Gerade durch
+die armen an die Ruderbank Jahre lang Tag und Nacht angeschmiedeten
+Gefangenen ist das Wort Galeere ja zu weiterer Verbreitung gelangt als
+andere mittelalterliche Schiffsausdrücke. &nbsp;&mdash;&nbsp; Für unsere heimische
+Seefahrt kommen jetzt nur noch<a id="Page_160"></a>
+ <span class="pagenum">[160]</span> (Galeassen) Galjassen (s.
+Fastgaljaß) und Galioten in Betracht. Letztere, Wangerooge sagt galjot,
+haben zwei Masten und ein rundes Heck, wodurch sie sich von den
+Galjassen mit plattem Heck unterscheiden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Galion</span>, <span class="strong1">Gallion</span>, das, ist ein Vorbau vor dem Vorsteven. Noch vor Kurzem,
+ehe der Eisenschiffbau alle alten Formen über den Haufen warf, ragte das
+Gallion mehr oder weniger weit nach vorn in mehr oder weniger schön
+geschwungener Form, so daß von dem Verlauf seiner Linien viel von der
+Schönheit eines Schiffes abhing. Es war aber eigentlich eine unnütze
+Beschwerung des Vorschiffes und beförderte die Kielgebrechlichkeit. Bald
+wird von dem ehemaligen Bau nur noch zweierlei übrig sein.</p>
+
+<p>1. Das Gallion im Sinne von Abtritt. Wo das Gallion überragte eignete es
+sich hierzu besonders gut, namentlich wenn eine Mamierung als
+Leitungsröhre untergenagelt war. Der Mann der die Sitze und Grätings
+reinhält führt den Titel Gallionsinspektor. Jetzt ist es dem Gallion
+gegangen wie der Kombüse. Es ist an irgend einen passenden Ort im
+Schiffe verlegt worden, aber der Name ist geblieben.</p>
+
+<p>2. Das Gallionsbild, eine Figur in der die Linien des Gallions bezw. des
+Buges auslaufen oder mit der dieser Teil des Schiffes geschmückt ist.
+Der Schmuck muß in Beziehung zum Namen des Schiffes stehen. Trägt es den
+Namen eines Menschen, so ist dessen Büste üblich; eines Tieres, so wird
+das ganze Tier in Holz nachgebildet. Bei anderen Namen hilft man sich
+mit Wappen, Emblemen, Allegorien, Idealfiguren u.&nbsp;s.&nbsp;w. In den
+Niederlanden wurde als Gallionsbild lange Zeit ausschließlich der
+niederländische Löwe verwandt, so daß &#8222;der Löwe&#8223; gleichbedeutend mit
+Gallionsbild war. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Der Name &#8222;Galion&#8223; bezeichnete Jahrhunderte hindurch namentlich in
+Spanien und Portugal, schwere dreimastige Kriegsschiffe, s. Galeere. Es
+kam vor, daß Galionen einen Vorbau hatten von mehr als dem zehnten Teil
+ihrer ganzen Länge. Als nun der Name als Bezeichnung einer
+Schiffsgattung außer Gebrauch kam, ist er wenigstens in eingeschränkter
+Bedeutung als Bezeichnung des vordersten Teiles, des Teiles der für jene
+Schiffe besonders bezeichnend war, geblieben. Und zwar ging das so zu,
+daß längere Zeit hindurch Galion beides hieß: Schiff und Vorbau; Kilian:
+galeon navis major und rostrum navis. &nbsp;&mdash;&nbsp;<a id="Page_161"></a>
+ <span class="pagenum">[161]</span> Die Edda, die ein
+Gallion nicht kennt, kennt aber ein geschnitztes Bild am Vorsteven, das
+offenbar das Bild eines menschlichen Gesichtes vorstellen sollte, denn
+es hieß grima, die Maske. Wenn sie daher den vordersten Teil des
+Schiffes hofud, Haupt, nennt, so ist das nicht bloß dichterisch zu
+verstehen, sondern wir haben dabei an ein wirkliches, am Vorsteven
+angebrachtes Gallionsbild in Gestalt eines menschlichen Hauptes zu
+denken. &nbsp;&mdash;&nbsp; Bei den Alten nannte man zwei starke mit eisernen Spitzen
+versehene Balken am Vorderteil der Kriegsschiffe rostra, Schnäbel;
+griechisch embola. Mit denselben suchte man die feindlichen Schiffe zu
+rammen. Die den Antiaten abgenommenen Rostra wurden als Siegestrophäen
+auf dem Forum aufbewahrt, woher dann die Rednerbühne und der sie
+umgebende Raum den Namen rostra führte. Bekannt ist die columna rostrata
+des Duilius.</p>
+
+<p><span class="strong1">Garn</span>, das, ein dünnes Gespinst aus Hanf, einfach, doppelt, drei- und
+mehrfach zusammengedreht. Das dünnste ist das Nähgarn, zweidrähtig zum
+Nähen der Segel. Dann kommt das Segelgarn, dann das Kabelgarn, das zu
+allen Arten von Tauwerk zusammengeschlagen wird; Schiemannsgarn s.
+Schiemann, Stoßgarn, Liengarn, Trensgarn u.&nbsp;s.&nbsp;w. Gewisse Arten, z.&nbsp;B.
+Schiemannsgarn, wurden früher an Bord selbst gesponnen und mit einer
+Mühle, Woid genannt, gedreht. Daher bildlich &#8222;ein Garn spinnen&#8223; = eine
+Geschichte erzählen indem man sehr ausführlich wird und die Sache in die
+Länge zieht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gangspill</span> s. Spill.</p>
+
+<p><span class="strong1">Garnat</span> s. Stagtalje. Nicht zu verwechseln mit dem kleinen
+wohlschmeckenden Seekrustentier, das in Holland Garneele und Graneele,
+in Ostfriesland Garnat und Granat heißt. Letzteres ist offenbar die
+ursprüngliche Bezeichnung wegen der beiden eigentümlichen und sehr
+auffälligen Fühlhörner die ganz wie Gerstengrannen aussehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gat</span>, das, oft in der Verkleinerungsform Gatje oder Gatchen, heißt
+eigentlich nichts anderes als Loch, sei es für sich allein, sei es in
+Verbindungen wie Hellegat, Speigat, Soldatengat. Die Grundbedeutung ist:
+Öffnung durch die man oder etwas hindurchgehen kann, von der Wurzel ga =
+gehen. Gothisch gatoo, althochdeutsch gaza, Gasse; altnordisch gata,
+Pfad, schmaler Gang. Beówulf geat = Öffnung, Tor, durch das gegangen
+wird; Edda: gatt, Eingang, Tür (Gatter). Teuthonista:<a id="Page_162"></a>
+ <span class="pagenum">[162]</span> gat = hol,
+lock. Bei Kilianus hat gat schon die Bedeutung, die im
+Mittelniederdeutschen weit verbreitet war (und es in Holland heute noch
+ist: foramen podicis, so daß dorten sogar der sogen. cul de Paris &#8222;het
+gatje&#8223; hieß:) &#8222;Unde hadde one yn deme water ghehat, mit beyden benen
+wente an dat gath.&#8223; &#8222;Unser vyande stryt is dat, dat se uns vleigen in
+dat gat.&#8223; &#8222;So prechtig seten er de Kleder up er gat.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Überhaupt heißt
+wie das Hinterteil eines jeden Dinges, so auch besonders des Schiffes
+Gat. Ein rundgattet Schiff ist ein Schiff mit rundem, gerundetem Heck,
+im Gegensatz zu einem plattgatteten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Gat wird auch topographisch
+gebraucht für eine enge Durchfahrt, z.&nbsp;B. Kattegat (Katzengat),
+Schottegat auf Curaçao: Waghenaer, 1588, schreibt: &#8222;Van Garmsey tot
+Jarsey S. O. ontrent vyf mylen, al waer mede goede Rede is: van Jarsey
+tot S. Malo ontrent Zuyden ist acht mylen ende is een tye hauen daer
+Clippen voor 'tgat liggen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Garnierung</span> s. Wägerung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gast</span>, der. Dieses Wort wird in besonderem seemännischem Sinne gebraucht
+um einen Mann (Matrosen etc. etc.) zu bezeichnen der vorübergehend
+irgendwo einen Posten auszufüllen hat, z.&nbsp;B. Oberbramsegelsgast,
+Rudergast, Bootsgast. Aber auch (eigentlich fälschlich, da Gast doch nur
+einen irgendwo vorübergehend sich Aufhaltenden bedeutet) zur Bezeichnung
+einer dauernden Verwendung, wie Steuermannsgast; ja sogar eines
+<span class="strong1">Lebensberufes</span>: Zimmermanns-, Bäckers-, Malers- etc. etc. Gast. Mehrzahl
+sonst meist Gasten, jetzt mehr Gäste, da das Hochdeutsche über das
+Niederdeutsche die Oberhand gewinnt. Sowohl unserem Gast als dem
+lateinischen hostis liegt die westindogermanische Form ghostis =
+Fremdling zu Grunde, (dessen Wurzel ghas = essen sein soll, so daß ein
+Gast also zuerst als Esser erscheint). &#8222;Beachtenswert ist&#8223; sagt Kluge
+treffend, &#8222;nach wie verschiedenen Seiten Germanen und Römer das alt
+ererbte Wort für &#8222;Fremdling&#8223; begrifflich umgebildet haben: dem Römer
+wird der Fremdling zum Feind, bei den Germanen genießt er die größten
+Vorrechte.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;In Holland und Ostfriesland heißen die Armenhäuser
+Gasthäuser, entsprechend den hochdeutschen Elendenherbergen,
+Unterkunftsstätten <span class="strong1">für Fremde</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gebeling</span>, die, (auch wohl Gobelung) ist eine im Laderaum angebrachte
+Bretterwand, die in der Kielrichtung läuft und verhüten soll, daß die
+Ladung übergeht, d.&nbsp;h. beim Schlingern von<a id="Page_163"></a>
+ <span class="pagenum">[163]</span> der einen auf die
+andere Seite geschleudert wird. An das niederdeutsche Zeitwort kippen,
+das allerdings sich auf die Seite legen, stürzen, fallen, rücken, hin-
+und herbewegen, stoßen, schlagen, umschlagen bedeutet, ist nicht zu
+denken, schon darum nicht, weil diese Wand gerade das Umschlagen der
+Ladung verhindern soll. Offenbar ist Gebeling eine niederdeutsche
+Weiterbildung von Giebel, ostfriesisch gäfel, sonst niederdeutsch und
+niederländisch gevel. Denn dieses gevel heißt nicht nur Giebel, sondern
+auch &nbsp;&mdash;&nbsp; ebenso wie Giebel auch &nbsp;&mdash;&nbsp; Giebelwand, und hieraus konnte sich
+leicht der allgemeine Begriff Wand entwickeln. Vergleiche altnordisch
+gafl, Giebel, Endwand eines Hauses; norwegisch gavl, Endbrett,
+Querbrett. &nbsp;&mdash;&nbsp; Durch die niederländische Form geveling, die dänische
+geveling oder die schwedische gafling hat sich Roeding verleiten lassen,
+anstatt Gebeling Geweling zu schreiben, wozu im Deutschen kein Grund
+vorhanden ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Geck</span>, der.</p>
+
+<p>1. Die Gabelstange einer Pumpe, in der der Geckstock, der
+Pumpenschwengel, sich dreht.</p>
+
+<p>2. Eine Rauchhaube, ein drehbarer Schornsteinaufsatz. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Da das Wort auch sonst im Niederdeutschen ein (drehbares) Gelenk
+bedeutet, so ist anzunehmen, daß der Begriff des Drehens, des Drehbaren
+in diesen Wörtern steckt. Vielleicht gehört auch Geck = Narr dazu, weil
+ein solcher als ein lustig tanzender, springender, sich drehender Mensch
+gedacht werden kann. S. auch Giek und Gig.</p>
+
+<p><span class="strong1">Geer</span>, die, auch die Geerde genannt, von welchem Worte Geer nur eine
+verkürzte Form ist; meist, weil sie paarweise auftreten, in der Mehrzahl
+die Geeren, und weil sie zur Gaffel gehören, Gaffelgeeren genannt;
+niederländisch geerden, dänisch gerderne, schwedisch garder. Es sind die
+beiden Halttaue die die Gaffel von Steuerbord und von Backbord
+festhalten; wenn das Gaffelsegel nicht steht, halten die Geeren die
+Gaffel zu gleichen Teilen mittschiffs; steht es, so hält nur die
+Luvgeer. Aber allemal ist das Halten der Gaffel die Hauptsache, und wir
+haben hier die seltene Erscheinung, daß auch einmal ein französisches
+Wort das einen Teil der Takelage bezeichnet, aus Frankreich nach den
+Niederlanden und nach Niederdeutschland seinen Weg genommen hat. &#8222;On
+appelle Gardes ou Palans de Gardes (Vangs), les deux palans qui servent
+à maintenir la corne d'artimon, et qui, à cet<a id="Page_164"></a>
+ <span class="pagenum">[164]</span> effet, sont frappés
+à son estrémité et agissent de chaque côté du couronnement où ils sont
+accrochés, chacun, à un piton; ce sont, en quelque sorte, les bras de la
+corne.&#8223; (Bonnefoux et Paris, Dictionnaire de Marine). Maintenir ist die
+Aufgabe der Geeren und das wird durch garder ausgedrückt; davon garde;
+davon Geerd; davon Geer. Indessen haben die Franzosen, als sie uns das
+Wort gaben, nur eine alte Schuld zurückgezahlt, denn garder ist unser
+altes, gutes, deutsches warten = hüten, schützen, wahren, bewahren,
+halten. Die Rückzahlung scheint aber spät erfolgt zu sein, da 1702 garde
+in diesem Sinne (Aubin), wie es scheint, selbst in Frankreich noch nicht
+bekannt war.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gefechtsmars</span>, der.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gefechtsmast</span>, der, beides Errungenschaften des modernen
+Kriegsschiffsbaues, der nur noch auf den Dampf als Fortbewegungsmittel
+denkt. Gesegelt wird nicht mehr oder doch kaum mehr. So braucht man auch
+keine Masten und Rahen zum Segeln mehr, und keine Marsen von denen aus
+die oberen Segel bedient werden. Aber die Marsen der alten Kriegsschiffe
+hatten nicht nur ihren eigentlichen, seemännischen, sondern auch einen
+kriegerischen Zweck, sie wurden im Gefecht als Station für die
+Scharfschützen gebraucht. Und diesem Zweck zu Liebe hat man dem Mars
+nicht ganz den Garaus gemacht. Man macht zum Hauptzweck was früher
+Nebenzweck war und baut einen Gefechtsmars. Da ein Mars aber ohne Mast
+nicht möglich ist, so baut man auch einen Gefechtsmast. Es ist vom Alten
+jedoch nur der alte Name geblieben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gehr</span>, die, auch die <span class="strong1">Gehrung</span>, nennt man das spitze, schmale, dreieckige
+Zulaufen der Ecken eines Segels, &#8222;auf Gehrung schneiden&#8223; heißt ein Segel
+spitz zuschneiden. Zu vergleichen ist das ostfriesische gären,
+niederländisch geeren, schräg oder spitz zulaufen oder auslaufen, einen
+Winkel oder ein Dreieck bilden. Mit dem uralten Worte Geer das einem am
+Niederrhein siegreich vordringenden Heerhaufen deutscher Krieger den
+Namen Germanen eingetragen hat, hat unser Wort nur auf ziemlichem Umwege
+etwas zu tun. Zuerst kommt vielmehr (Graff, althochdeutscher
+Sprachschatz) gero in Betracht, nordisch geiri, friesisch gara-segmentum
+panni figura triqueta; altfriesisch gara, Schooß: Teuthonista ghere =
+Zipfel, Schooß; Kilian gheere = sinus, limbus; heute noch in
+hochdeutschen Mundarten Gehre = Schoß;<a id="Page_165"></a>
+ <span class="pagenum">[165]</span> niederdeutsch gäre und
+gere = Keil, Zipfel, Rockschooß, längliches dreieckiges Stück Land. Den
+Ausschlag bei der Benennung hat also die Form dieses Teils vom Segel
+gegeben, die figura triqueta. Aber auch der Ger der Germanen lief spitz
+zu, und ist darum sicher ein Vetter dieser Gehr. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nicht nur in der
+Segelmacherwerkstatt, sondern auch beim Tischlerhandwerk ist das Wort
+Gehrung im Gebrauch und bedeutet hier das spitze Zulaufen zweier Hölzer
+die unter irgend einem Winkel zusammenstoßen sollen; der angewandte
+Schnitt heißt Gehrungsschnitt. Sollen z.&nbsp;B. zwei Leisten unter einem
+rechten Winkel zusammenstoßen, so wird bei jedem ein Gehrungsschnitt von
+45° gemacht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Geien</span> nennt man die Tätigkeit die mittels der <span class="strong1">Geitaue</span> (s. aufgeien)
+ausgeübt wird, wenn man stehende Segel die geborgen werden sollen
+hochzieht, zusammenfaßt und durch die Gei- (und andere, siehe Nock- und
+Bukgordings) Taue so zusammengefaltet hält, daß sie von den auf den
+Rahen ausliegenden Matrosen mit den Händen gerafft und festgemacht
+werden können. Der Sinn und Begriff des Zeitwortes geien ist durch das,
+wie es scheint von Bobrik verschuldete, Hineinspielen von Geik, Geichel,
+Geiktau getrübt worden. Geiktau und Geitau sind aber durchaus
+verschiedene Wörter, wenn auch das Geiktau bei einem Gieksegel die
+Stelle eines Geitaus vertreten kann und wenn auch Breusing gemeint hat,
+man müsse wegen des schwedischen giga unser geien geihen schreiben, da
+doch das Schwedische auch von Geiktau beeinflußt sein kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Unser
+geien müßte vielmehr eigentlich gaien geschrieben werden, wie es auch
+meistens gesprochen wird. Nun gibt es ein niederdeutsches Zeitwort gaden
+das sich zusammenfügen, zusammenkommen, vereinigen, verbinden,
+aneinanderschließen bedeutet. Und davon gab es schon bei Kilianus eine
+Form gayen, die unserem geien sehr nahe kommt, wie denn auch heute noch
+das Niederdeutsche gerne zwischen zwei Vokalen das d ausfallen und mit
+einem i- y- oder j-artigen Laut klingen läßt, vergl. das niederländische
+muijen das aus muiden entstanden ist oder unser rojen = rudern
+(mittelniederdeutsch roeden und roeijen) und das ostfriesische rojen =
+roden, moje = müde etc. etc. Der Form nach würde also der Ableitung
+geien-gaien-gaden nichts im Wege stehen und die Bedeutung steht ihr erst
+recht nicht entgegen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Ableitung von Geiktau, Geichel etc. etc. s.
+unter Giek.<a id="Page_166"></a>
+ <span class="pagenum">[166]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Gemallte Tiefe</span> s. abmallen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Genickstag</span> s. Stag.</p>
+
+<p><span class="strong1">Geschwader</span>, das. Ein Kommandoverband von mehreren Kriegsschiffen unter
+einem Admiral. Die älteste niederdeutsche Form in der mir das Wort
+begegnet ist, ist geswad in Renner, Livl. Hist.: &#8222;He belegerde Revel mit
+25000 Russen, 4 geswade haveluiden&#8223; ... &#8222;mit 22 fenlin landsknechten und
+elven geswader haveluiden.&#8223; Diese haveluiden waren wohl Hofbesitzer und
+es dürften daher unter diesen Geschwadern Reiter-Verbände zu verstehen
+sein, so dass also am Lande sich frühzeitig die gegenwärtige Bedeutung
+Schwadron herausgebildet hat. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zunächst bedeutet es aber nur ein
+Viereck von Soldaten, denn es stammt von quatuor ab. Zu vergleichen ist
+das italienische, spanische, portugiesische quadro = Viereck, Rahmen,
+Gemälde, französisch cadre, Rahmen (auch im militärischen Sinne); dann
+weiter: italienisch squadra &nbsp;&mdash;&nbsp; vielleicht aus exquatra &nbsp;&mdash;&nbsp;, spanisch
+esquadra, französisch equerre, Winkelmass, Viereck von Leuten, Rotte;
+endlich: spanisch esquadron, französisch escadron, Heeresabteilung.
+Kilianus hat squadron = agmen quadratus, das Wort ist demnach wohl unter
+Karl V nach Deutschland gekommen. Die einfachste deutsche Form ist
+Schwadron; Geschwader ist durch Hinzufügung der Vorsilbe ge und dadurch
+bedingte Abschwächung der Endung entstanden. Das Präfix ge findet sich
+oft, man denke an Ge-fahr, Ge-spann, Ge-nade, Ge-laube, Glück = Gelück.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Erst spät ist das Wort in seemännischen Gebrauch genommen worden; bei
+Roeding 1794 begegnete es mir zum ersten Male; sonst sagte man immer
+Flotte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gestade</span>, das, jetzt allgemein für Küste gebraucht, ursprünglich aber ein
+Ort an der Küste, ein Platz am Ufer wo man nicht nur Waren für die
+Schiffe, sondern auch diese selbst aufstellen konnte, also eine
+Hafenanlage mit einfachen Aufschleppvorrichtungen. Vom althochdeutschen
+stadon, mittelhochdeutsch staden im Sinne von landen, am Lande die
+Schiffsgüter aufstellen, also eigentlich Landungsstelle; oberdeutsch
+Staden; althochdeutsch stad, mittelhochdeutsch stade. Der eigentliche
+Begriff ist der von irgendwo hinstellen und dadurch das, was vorher in
+Bewegung war zur Ruhe zu bringen; daher bestatten sowohl begraben als
+auch heiraten bedeuten kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Vorsilbe ge ist dieselbe wie in
+Geschwader und in Gezeiten.<a id="Page_167"></a>
+ <span class="pagenum">[167]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Gezeiten</span>, die. Das Wort getide hiess mittelniederdeutsch 1. ganz
+allgemein Zeit im Sinne eines Sammelbegriffes, &#8222;to allen getiden,&#8223; in
+aeternum. 2. Die Zeit die <span class="strong1">eine</span> Ebbe und <span class="strong1">eine</span> Flut umfaßt: &#8222;in jeder
+etmahl (s. Etmal) vorachtert das getide 4/5 parten von ein Uhr.&#8223; 3. Die
+kanonische Horen; &#8222;dar was eyn yunck broder, de so verkeert was dat he
+ghene ghetyde en wolde lesen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Althochdeutsch gizit,
+mittelhochdeutsch gezit = Zeit, hora, Gebetsstunde, altsächsisch getidi,
+horae canonicae. Jetzt wird das Wort nur noch seemännisch und zwar
+hydrographisch-astronomisch-meteorologisch gebraucht als
+Gesamtbezeichnung, als zusammenfassender Allgemeinbegriff für Ebbe und
+Flut und was damit in Verbindung steht; Gezeitenberechnung,
+Gezeitentafeln etc. etc. s. a. Tide. &nbsp;&mdash;&nbsp; Breusing: &#8222;Es ist unter unseren
+Geographen die Meinung verbreitet, als ob das hochdeutsche Wort Gezeit
+von Heinrich Berghaus erfunden, jedenfalls zuerst gebraucht sei. Das ist
+irrig; es tritt bereits im 16. Jahrhundert auf. Zuerst ist es mir
+begegnet in Guicciardini: Beschreibung der Niederlande; Frankfurt, 1582,
+fol. pag. 17 ff. Dann im 17. Jahrhundert in: Amerika durch Ziegler, bei
+de Bry; Frankfurt, 1617, fol. pag. 350. Im 18. Jahrhundert findet es
+sich in Krünitz' Encyklopädie, s. v. 18. Thl. 1779. Letzterer hat
+bereits die Gezeit, während Ziegler noch dem ndd. das getide
+entsprechend das Gezeit hat. Ich verstehe nicht, weshalb man sich von
+manchen Seiten gegen den Gebrauch des guten hochdeutschen Wortes
+sträubt, und möchte lieber sehen, dass sich unsere geographischen
+Lehrbücher endlich einmal von dem Worte Nippfluten, engl. neaptides,
+lossagten, welches kein deutscher Seemann und Küstenbewohner, wenn er
+nicht englisch kann, versteht, geschweige denn gebraucht,&#8223; s. Nipfluth.</p>
+
+<p><span class="strong1">Giek</span>, das, auch Geik, deutlicher der Giekbaum, ist die Spier mit der der
+unterste Teil eines nach ihm benannten Gieksegels ausgesetzt wird; in
+der Marine nur bei Bootssegeln in Gebrauch. Der Giekbaum hat an dem
+inneren Ende einen Haken der in das Auge eines um den Mast liegenden
+Bügels gehakt wird, in dem dann der Giekbaum sich dreht. Giek hat
+demnach mit Geck dieselbe Bedeutung: drehen, sich drehend bewegen,
+beweglich sein. Das Tau womit der Giekbaum aufgetoppt wird heisst nach
+ihm Giektau, Geiktau, Geichel. Auffallend ist, dass dieselbe Spier, die
+Giek heisst, auch Giep (s. d.) genannt wird.<a id="Page_168"></a>
+ <span class="pagenum">[168]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Gien</span>, das, ist nichts weiter als unser deutsches Tackel, also eine Talje
+von besonderer Stärke, welche dadurch erzielt wird, dass man anstatt der
+einscheibigen drei- oder vierscheibige Blöcke nimmt. Es dient zum
+Bewegen besonders schwerer Lasten. So gab es zur Zeit, da die
+Kriegsdampfer noch zum Segeln eingerichtet waren, eine Vorrichtung die
+Schraube zu lichten, damit dieselbe die Fahrt nicht hemme; solches
+Schraubelichten geschah mit einem Schraubengien, einem sehr starken
+Takel, das eine Trosse von ungewöhnlicher Stärke bewegte, die um die
+Scheibe des Schraubenheberahmens gelegt ward (und wohl auch für sich
+allein Gien genannt ward, aber nur im Sinn des pars pro toto). Es ist
+also ein Gien das in der Mechanik unter dem Namen Flaschenzug bekannte
+Werkzeug in besonderer Verstärkung. Das Wort kommt durchs Englische vom
+lateinischen ingenium, ist also mit Ingenieur verwandt und stellt eine
+(verkürzte) Zusammenziehung von engine dar, welch letzterer Name der
+Vorrichtung um so eher gegeben werden konnte, als früher man sie noch
+komplizierter (mit einem Bock etc.) herstellte. &#8222;Gin a contraction of
+engine, 1. A machine or instrument by which the mechanical powers are
+employed in aid of human strength; especially a machine used instead of
+a crane, consisting essentially of three poles from 12 to 15 feet in
+length, often tapering from the lower extremity to the top, and united
+together at their upper extremities, whence a block and tackle is
+suspended, the lower extremities being planted in the ground about 8 or
+9 feet asunder, and there being a kind of windlass attached to two of
+the legs.&#8223; Mit gin, dem von juniperus ginevra herkommenden Branntwein
+hat das Wort nichts zu thun. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Gienblock</span>, <span class="strong1">Gienläufer</span>, <span class="strong1">Gientau</span> erklären
+sich nach dem Gesagten von selbst.</p>
+
+<p><span class="strong1">gieren.</span> Wenn ein Schiff nach irgend einer Seite hin von dem
+vorgeschriebenen Kurse vorschriftswidrig abweicht, so giert es; sei es
+dass solches durch Schuld der Leute am Ruder, sei es dass es durch die
+eigentümliche Bauart des Schiffes verursacht ist. Ein Schiff ist
+luvgierig, wenn es das Bestreben hat nach Luv, leegierig, wenn es das
+Bestreben hat nach Lee abzuweichen; doch gieren die meisten Schiffe dann
+an meisten wenn sie recht vor dem Winde segeln. Das ist ein Nachteil,
+weil der Weg verlängert wird. Wird aber beim Winde gesteuert und ein
+Schiff ist luvgierig, so können die Segel leicht anfangen zu giepen,
+ja<a id="Page_169"></a>
+ <span class="pagenum">[169]</span> das Schiff kann &#8222;durchdrehen.&#8223; Das Wort bedeutet nichts
+anderes als unser &#8222;begierig sein&#8223;, ein starkes, heftiges, sinnliches
+Streben nach etwas haben. Im Ostfriesischen wird gieren nicht bloss
+seemännisch gebraucht, sondern auch sonst im Sinne von abirren vom
+rechten Wege, ablenken, abschwenken, auch im moralischen Sinne:
+ausschweifen; man sagte früher auch begieren anstatt begehren. Im Jahre
+1605 war ein Mädchen geschwängert und dafür von dem fürstlichen
+Matrimonial-Kommissarius zu schwerer Geldstrafe oder Landesverweisung
+verurteilt worden. (Der Mann kam in solchen Fällen billiger weg). Da sie
+nicht alles bezahlen konnte, legten sich die wenigen Nonnen, die noch
+als Staatspensionärinnen in dem (aufgehobenen) Kloster Thedingen wohnten
+ins Mittel und machten an den Fürsten eine Eingabe: &#8222;Sonsten aber
+presentiren sich die Conventualen zu Tedingen, wofern S. G. sich an den
+Brüchen nichts abgehn lassen wollen, solches und waß Ihre Gn. <span class="strong1">begierten</span>,
+an ihrem Kostgeld abziehen zu lassen,&#8223; (Rentei-Rechnung des Amtes Leer).</p>
+
+<p><span class="strong1">Giep</span>, das, ist der Sache nach dasselbe wie Giek (s. d.) nur wird bei
+dieser Benennung die Sache von einer anderen Seite aus angesehen.
+Während man bei Giek das Bewegliche im Auge hat, denkt man bei Giep an
+das Gespreizte, Auseinandergesperrte, indem giepen von gapen weiter
+gebildet ist wie gibbeln von gabbeln; gapen aber heißt gähnen, den Mund
+aufmachen, ihn weit auseinander machen. Von Giep gibt es ein Zeitwort
+<span class="strong1">giepen</span>, das bezeichnet was man bei Rahesegeln durchdrehen nennt, &#8222;eine
+Eule fangen.&#8223; Wenn das Gieksegel von vorne Wind faßt und zurückschlägt,
+was entweder durch plötzliches Umschlagen des Windes oder beim
+Aufkreuzen und Beimwindeliegen durch Unachtsamkeit des Steuernden
+geschehen kann, so schlägt das Giep auf die andere Seite, das nennt man
+giepen. Durch dieses Zurückschlagen, behauptet Roeding, seien schon im
+Boot sitzende Leute erschlagen oder über Bord geschleudert worden. Daher
+wird von vorsichtigen Seeleuten der Giekbaum mit einem Bullentau
+gesichert.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gig</span>, die, ein leicht und schlank und etwas zierlicher als die andern
+gebautes, rasch bewegliches Boot zum Rudern und Segeln; auf
+Kriegsschiffen ausschließlich dem Kommandanten persönlich für seine
+Fahrten an Land, auf andere Schiffe, zu Ausflügen etc. zur Verfügung
+stehend. Mit Giek und Geck von einerlei Abstammung,<a id="Page_170"></a>
+ <span class="pagenum">[170]</span> wie denn auf
+Wangerooge Gek dazu gesagt wird. Man darf wohl dabei an das
+neuhochdeutsche gaukeln denken, sich rasch hin und her bewegen wie ein
+Gaukler, ein Taschenspieler, dessen ganze Kunst bekanntlich in dem Satze
+besteht, daß Geschwindigkeit keine Hexerei ist. Zu vergl. althochdeutsch
+goukolon, mittelhochdeutsch goukeln, Zauberei, Narrenspossen treiben.
+Kluge weist auf das siebenbürgische gekel, Marionette, und das
+gleichbedeutende thüringische gekelman hin, (und allerdings muß man
+dabei an etwas Bewegliches denken), und sagt: &#8222;Verwandt scheint
+althochdeutsch gougaron, mittelhochdeutsch gougern, umherschweifen,
+ferner mittelhochdeutsch gogeln, sich ausgelassen geberden, hin und her
+flattern, gogel Adj. ausgelassen, üppig, giege M. Narr;&#8223; bei Narr denkt
+er freilich an &#8222;Betörter&#8223;, man kann aber auch eben so gut an die
+&#8222;Narrenspossen&#8223; des Mittelhochdeutschen denken, an einen ausgelassenen,
+lustig tanzenden und springenden Menschen, der, wie man zu sagen pflegt,
+&#8222;närrisches Zeug&#8223; treibt, wie es in dem bekannten Studentenliede heißt:
+&#8222;Unser Herrgott der muß am Ende selber drüber lachen, Was die Menschen
+für närrische Sachen tun machen.&#8223; Da nun offenbar der ganzen Sippe Geck,
+Giek und ihren Verwandten bis zum Gaukler hin der Begriff des &#8222;leicht
+Beweglichen&#8223; zu Grunde liegt, so ist gewiß auch Gig, dieses leicht
+bewegliche Boot, mit zur Familie zu rechnen; wenn je ein Boot auf den
+Wellen &#8222;gaukelt&#8223;, so ist es eben die Gig.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gilling</span>, die, auch Gillung, heißt jede Verschmälerung, oder Erweiterung
+eines sonst grade verlaufenden Gegenstandes. So spricht man von der
+Gillung eines Segels, und vor allen Dingen nennt man beim Schiff den
+hervorspringenden, beziehungsweise den zurückspringenden Teil der
+Bordwand, die sich nach unten zu verjüngt, des Hecks, das unten schmäler
+und kürzer wird, also die Veränderung der Formlinie, die Krümmung der
+Geraden. Ob man sagen will: das Heck springt oben vor, oder: das Heck
+tritt unten zurück, &nbsp;&mdash;&nbsp; das hängt ja ganz davon ab, wie sich der
+Beschauer die Sache denken will. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Tischler nennen den vor- oder
+zurückspringenden Teil einer Holzkante Kehlung, und beide, Gillung und
+Kehlung, dürften ein und dasselbe Wort, nur mit verschiedener Aussprache
+sein. So darf man also eine Verwandtschaft mit Keil, niederdeutsch Kil,
+annehmen, und das Wort müßte Kilung geschrieben werden, wie auch die
+Tischler und<a id="Page_171"></a>
+ <span class="pagenum">[171]</span> andere Handwerker nicht Kehlung, sondern Keilung
+schreiben müßten, denn mit Kehle = Höhlung hat das Wort schon darum
+nichts zu schaffen, weil öfters, wenn der Keil wirklich einmal eine
+Rinne, Rille oder Höhlung hat, er alsbald Hohlkehle genannt wird, was
+nicht der Fall wäre, wenn Kehle schon allein Höhlung bedeutete. Die
+keilförmig zulaufende Gestalt gibt den Ausschlag; ein Keil ist ein
+schief oder schräge verlaufendes, in einer Spitze oder scharfen Kante
+auslaufendes Ding. Kil ist Benennung eines keilförmigen Grundstücks bei
+Wirdum; wahrscheinlich hat auch die Kieler Bucht, der Kieler Hafen von
+einer keilähnlichen Gestalt den Namen; &#8222;keilähnlich&#8223; braucht dabei nicht
+gepreßt zu werden, sondern muß im weiteren Sinne einer gebrochenen oder
+gebogenen Linie verstanden werden, wie es schon im Mittelalter bei
+geographischen Bezeichnungen verstanden wurde, da Kilian kille und kiele
+einfach mit sinus, Busen, übersetzt, sonst auch kyl. In diesem weiteren
+Sinne gebrauchen unsere Metallarbeiter das Wort Kehlung; sie nennen so
+jede von der Geraden abweichende Linie, dafern sie nicht grade im
+rechten Winkel verläuft, namentlich aber auch wenn sie eine Rundung
+darstellt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gischt</span>, der, heißt eine Sprühsee, die vom Sturm schäumend gemachte
+Oberfläche des Meeres, namentlich da wo sie sich bricht, mit
+milchartiger Farbe und eigentümlich verklingendem Geräusch verbunden. Um
+dieses Geräusches willen könnte man an Lautmalerei denken, wenn es nicht
+ein Zeitwort gischen gäbe, das mit dem mittelhochdeutschen jesen und dem
+althochdeutschen jësan = &#8222;gären machen&#8223; verwandt ist, von der
+Sanskritwurzel yas, sieden, kochen. Indessen ist auch dieses lautmalend,
+wie das ähnlich klingende zischen, (&#8222;und es wallet und siedet und
+brauset und zischt&#8223;.) Daß bei gischen auf den Laut und nicht auf die
+Bewegung oder die Farbe geachtet ist, beweist der hochdeutsche Gebrauch
+des Zeitwortes beim Plätten. Da tupfen die Frauen mit nassem Finger an
+den Bolzen, um zu prüfen, ob er heiß genug sei, was er ist wenn &#8222;es
+gischt.&#8223; Man nennt auch gischen das Geräusch, das heißes Eisen, bezw.
+das Wasser macht, wenn ein Schmied die Zange mit dem eben geschmiedeten
+Stück zum Abkühlen in kaltes Wasser hält, (&#8222;wie wenn Wasser mit Feuer
+sich mengt, bis zum Himmel spritzet der dampfende Gischt&#8223;).</p>
+
+<p><span class="strong1">Gissen</span>, heißt in der Seemannssprache &#8222;vermuten&#8223; und wird nur in ganz
+bestimmter Verbindung gebraucht: &#8222;gegißtes Besteck&#8223;.<a id="Page_172"></a>
+ <span class="pagenum">[172]</span> Wenn das
+Wetter unsichtig ist, so daß genaue astronomische Beobachtungen
+unmöglich sind, so wird das Besteck gegißt, d.&nbsp;h. es wird nach dem
+Loggen, nach der in den letzten 24 Stunden durch das Loggen
+festgesetzten Geschwindigkeit der Fahrt mit Berücksichtigung von
+Abtrift, Strömung und andern in Betracht kommenden Umständen ungefähr
+berechnet, auf welchem Längs-und Breitegrade am Mittag eines gegebenen
+Tages man sich befindet. Geschieht dies vom Koch und seinen Freunden in
+der Kambüse, oder sonst von Unberufenen ohne die nötige Unterlage und
+Genauigkeit, so wird es zum Kambüsenbesteck, geschieht es von Schiffs
+wegen durch den Navigationsoffizier, so heißt es &#8222;gegißtes Besteck.&#8223;
+Gissen ist ein allgemein-niederdeutsches Wort, das im Hochdeutschen
+nicht vorkommt, aber in dem Zeitwort vergessen steckt; es heißt denken,
+sinnen, meinen, raten, glauben, hoffen, mutmaßen, wähnen; englisch
+guess, schwedisch gisse, norwegisch gissa. Die Grundbedeutung ist halten
+(dafür halten). &#8222;Gissen maket bewillen missen&#8223; ist ein alter
+niederdeutscher Seemannsspruch; buten gissen = wider Erwarten, wider
+Vermuten; &#8222;alle unsalighen pleghen ere geiselen swaerer gissen den
+andern lude gheiselen.&#8223; &#8222;Wen men ock dagelikes Achtinge gifft, wo veel
+Fahrt dat Schip dorch dat Water hefft, und sick solckes inbildet, und
+entholt (einprägt und behält), dat he mit solcken Fortganck, daß dat
+Schip maket, so veel Milen in dat Etmahl segelen mag, alß he dorch
+Verandering der Brede und angesegelde Korß befunden hefft, so kan man
+mit der Tydt tho gode <span class="strong1">Gissinge</span> kamen&#8223;, &#8222;Kunst der Seefahrt&#8223; 1673.</p>
+
+<p><span class="strong1">Glasen</span>, nennt man das Anschlagen der halben Stunden an der
+Schiffsglocke. Noch vor hundert Jahren wurde von den Leuten am Ruder die
+Zeit nicht nach der Uhr, sondern nach dem (Stunden- oder vielmehr
+Halbstunden-) Glas gemessen. Wenn eine neue Wache aufzog, fing eine neue
+Rechnung an und der Steuermann drehte das Glas um. War es abgelaufen,
+also war eine halbe Stunde vorbei, so ward gemeldet: &#8222;<span class="strong1">ein</span> Glas!&#8223;
+ und <span class="strong1">ein</span>
+Schlag an die Glocke getan und das Glas aufs Neue gedreht, war es wieder
+abgelaufen, so erfolgte die Meldung: &#8222;zwei Glas,&#8223; es wurde zweimal
+angeschlagen und das Glas abermals gedreht, und so fort bis die
+vierstündige Wache vorbei war, also bis das Glas achtmal abgelaufen, bis
+acht Glas an der Glocke angeschlagen waren. Dann zog eine neue Wache auf
+und die<a id="Page_173"></a>
+ <span class="pagenum">[173]</span> Rechnung begann wieder von vorne. Hieran hat sich in der
+Neuzeit wenig geändert, nämlich nur das, daß man an Stelle der Gläser
+Uhren hat, aber die alte Benennung ist geblieben und die Mehrzahl von
+Glas bildet der Seemann auch heute noch nicht Gläser sondern Glasen,
+oder vielmehr er gebraucht das Wort nur in der Einzahl: &#8222;acht Glas&#8223;;
+hierin dem deutschen Zecher oberdeutscher Zunge gleich, der auch nicht
+acht Gläser, sondern acht Glas Bier trinkt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nach dem Gesagten könnte
+ein jeder Nichtseemann sich eigentlich leicht ausrechnen, daß &#8222;fünf
+Glas&#8223; entweder morgens halb sieben, oder vormittags halb elf, oder
+nachmittags halb drei, oder abends halb sieben, oder spät abends halb
+elf, oder nachts halb drei sein muß. Es soll aber Leute geben die das
+niemals lernen. Jedenfalls wirkt diese Rechnung zunächst befremdend auf
+den, der die Planken eines Schiffes betritt, soll auch, wie erzählt
+wird, so auf den General von Caprivi als er Chef der Admiralität
+geworden war, gewirkt haben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Goletta</span>, die, französisch goëlette, ist eigentlich ein Wort der
+italienischen Seemannssprache, wird aber wohl auch aus deutsch- und
+namentlich österreichisch-seemännischem Munde vernommen; ins Deutsche
+wird man es am passendsten mit Schuner übersetzen, und zwar, da sonst
+noch verschiedene nähere Bestimmungen dazu kommen müssten, mit Schuner
+in der einfachsten Form eines Gaffelschuners, eines Vor- und
+Achterschuners. Der Name dürfte, ähnlich wie vlyboot von dem Vly, von
+der Festung Goletta genommen sein, die in der Seekriegsgeschichte eine
+so grosse Rolle gespielt hat, als Kaiser Karl V. in eigener Person sie
+dem Chaireddin Barbarossa nach blutiger Belagerung mit Sturm abnahm.
+Davon erzählt der Verfasser der &#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223;: &#8222;Die
+Gelegenheit nun des Orts Goletta ist also beschaffen: Ein steinern
+Thurn, nebenst angebautem Boll-Werk, stehet an der Enge, durch welche
+der Meer-Busen von Carthago, die Wellen der See in den darbey gelegenen
+Meer-Raum einlässet, und vor kleine Schiffe, biß an die Stadt Tunis
+hinan, Raum und Zugang giebt. Dieses Meer ist swölff italienische Meilen
+breit und lang, aber an beyden Seiten so seichte, daß man anders nicht,
+als in der Mitten der Tieffe dahinein kommen kann. Den Zugang aus der
+See, verwahret der obgemeldte Thurn, der mit dem umherliegenden
+Boll-Werk oder Bevestigung beschützet wird, die so groß, daß man einen
+großen
+<a id="Page_174"></a>
+ <span class="pagenum">[174]</span> Haufen Volcks darinne zur Besatzung lassen kann. Diesen
+Thurn hatte Barbarossa mit vielen Geschütze versehen, um dadurch seine
+Flotte, die inwendig in dem Meer aufgeleget war, zu beschirmen&#8223; ...
+&#8222;Niemals, seit dem Gebrauch des Geschützes in der Welt gewesen, hat man
+weder, mit grösserer Gewalt, Zurüstung, Fleiss einen Ort angegriffen,
+denn dergestalt war das Knallen und Donnern des niemals still stehenden
+Geschützes, daß die Erde nicht allein zu erzittern und zu beben begonte,
+sondern auch dem Ansehen nach selber von einander bersten, und alles
+verschlingen wollte: Die See selber, die vorher stille und ruhig gewesen
+war, ward hierdurch gleichsam mit verunruhiget, da inzwischen der Himmel
+durch den unaufhörlichen Dampff und Rauch sich aus dem Gesichte
+verlohr.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Golf</span>, der, gleichbedeutend mit Meerbusen. Erst spät ins Deutsche
+eingedrungenes Wort, vom griechischen kolpos stammend, mit wölben von
+einer Wurzel, = Busen, Schoß, Falte im Gewand, busenartige Vertiefung,
+Meerbusen, Bucht; italienisch golfo, spanisch golfo, provençalisch
+golfo. Davon französisch golfe und gouffre, woraus zu sehen, daß das
+Wort aus Frankreich zu uns gekommen ist, und zwar über die Niederlande,
+da Kilian es in der Form gouffre verzeichnet hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">gondeln</span>, scherzhaft für &#8222;zur See fahren.&#8223; &#8222;Nun gondeln wir in diesem
+angenehmen Wetter schon acht Tage umher&#8223;, wird wohl gesagt wenn Sturm
+und Regen die Fahrt recht unangenehm machen. Den scherzhaften
+Beigeschmack dürfte das Wort auf dem Wege über Berlin bekommen haben, wo
+die Aussprache bekanntlich &#8222;jondeln&#8223; ist, und so ausgesprochen klingt es
+noch um einen Ton scherzhafter. Byron beschreibt diese venezolanische
+Wasserdroschke, Gondola genannt, so:</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p>Didst ever see a gondola? for fear</p>
+ <p>You should not, I'll describe it exactly:</p>
+ <p>'Tis a long covered boat that's common here,</p>
+ <p>Carved at the prow, built lightly but compactly.</p>
+ <p>Row'd by two rowers, each call'd &#8222;gondolier,&#8223;</p>
+ <p>It glides along the water looking blackly,</p>
+ <p>Just like a coffin clapt in a canoe,</p>
+ <p>Where none can make out what you say or do.</p>
+
+</div>
+
+<p>Gondel ist frühzeitig, d.&nbsp;h. vor etwa 360 Jahren in (hoch-)deutschen
+Gebrauch gekommen, Kluge führt die Diminutivform Gündelein<a id="Page_175"></a>
+ <span class="pagenum">[175]</span> an und
+bemerkt, daß Gondelein schon 1574 in Zeitungen über italienische
+Verhältnisse vorkommt. Die Seemannssprache hat sich, abgesehen von der
+modernen scherzhaften Weise, dem Worte gegenüber ablehnend verhalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gording</span>, die. Gordinge heissen mit Ausnahme der Geitaue alle Taue mit
+denen ein Segel aufgegeit wird. Und zwar heißen Bukgordinge diejenigen,
+die am unteren Liek des Segels befestigt sind und den unteren Teil, den
+Buk d.&nbsp;h. Bauch desselben aufholen; alle viereckigen Segel haben solche
+&#8222;Bukerdings,&#8223; wie der Seemann das Wort gerne ausspricht. Grosse
+viereckige Segel haben auch noch Nockgordinge (&#8222;Nockgordings&#8223;) die am
+stehenden Liek befestigt sind und die Seiten des Segels aufholen. Sehr
+hohe Marssegel haben zu Zeiten wohl noch weitere Gordinge am stehenden
+Liek, die man Schmiergordinge nennt. Der Unterschied zwischen Gordingen
+und Geitauen ist der, daß erstere vor, letztere hinter dem Segel zur
+Rahe hinauffahren. Dempgordinge nennt man die Taue mit denen Besan =
+(Schrat-)Segel unter die Besansruthe oder -Gaffel geholt werden. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Gording heißt auf hochdeutsch Gürtung, da die Segel gleichsam gegürtet
+werden, die Gordinge (und Geitaue) also Gürtel darstellen; gothisch
+gaird, altsächsisch gyrdels, althochdeutsch gurtila, altnordisch gjörd;
+in der Edda wird der Kraft verleihende Gürtel das Tor megin-gjardar
+genannt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gösch</span>, die, heißt die Flagge die am Ende des Bugspriets an einem Stocke,
+dem Göschstocke, an Sonn-, Feier- und anderen Tagen von besonderer
+Bedeutung weht. Bei unseren Kriegsschiffen besteht die Gösch aus dem
+oberen inneren Felde der Kriegsflagge, schwarz, weiss, rot mit dem
+eisernen Kreuz. Das Wort Gösch muß eigentlich Gös heißen, denn es ist
+aus Holland zu uns gekommen, wo es geus heißt, ausgesprochen Gös. So
+hießen die Kämpfer in dem Unabhängigkeitskriege der Niederländer gegen
+Spanien. Das Wort bedeutet Bettler. Als die 300 Verbündeten am 5. April
+1566 zu Brüssel der Regentin Margarethe ihre Bittschrift überreichten
+und diese sich zu entfärben schien, flüsterte ihr der Graf von
+Barlaimont zu, sie solle sich vor einem Haufen Bettler (gueux) nicht
+fürchten. Dessen eingedenk trank man sich alsbald darauf bei der Tafel
+unter diesem Namen zu, und: es leben die Geusen! wurde mit allgemeinem
+Geschrei des Beifalls gerufen. Nach aufgehobener Tafel erschien der Graf
+von<a id="Page_176"></a>
+ <span class="pagenum">[176]</span> Brederode mit einer Betteltasche und bald waren alle mit
+solchen versehen. Das Dasein seiner Beschützer mußte dem Volke
+versinnlicht und der Eifer der Partei durch ein sichtbares Zeichen in
+Athem erhalten werden; dazu war kein besseres Mittel, als diesen Namen
+der Geusen öffentlich zur Schau zu tragen und die Zeichen der
+Verbrüderung davon zu entlehnen. In wenig Tagen wimmelte die Stadt
+Brüssel von aschgrauen Kleidern, wie man sie an Bettelmönchen und
+Büßenden sah. Die ganze Familie mit dem Hausgesinde eines Verschworenen
+warf sich in die Ordenstracht. Einige führten hölzerne Schüsseln mit
+dünnem Silberblech überzogen, eben solche Becher, oder auch Messer, den
+ganzen Hausrat der Bettlerzunft, an den Hüten oder liessen sie an dem
+Gürtel herunterhängen. Um den Hals hingen sie eine goldene oder silberne
+Münze, nachher der Geusenpfennig genannt, deren eine Seite das Brustbild
+des Könige zeigte, mit der Inschrift: &#8222;Dem Könige getreu.&#8223; Auf der
+andern sah man zwei zusammengefaltete Hände, die eine Provianttasche
+hielten, mit den Worten: &#8222;bis zum Bettelsack.&#8223; Daher schreibt sich der
+Name der Geusen, den nachher in den Niederlanden alle diejenigen trugen,
+welche vom Papsttum abfielen und die Waffen gegen den König ergriffen.
+(Schiller.) Oft wurden sie auch watergeusen genannt wegen ihrer
+Tüchtigkeit zu Wasser. Leute die so sehr auf äußerliche Abzeichen
+hielten, hatten gewiß auch ein solches, oder mehrere in der Flagge die
+sie führten. In der Tat erfahren wir, daß es in jenen kriegerischen
+Tagen bei den Geusen eine Flagge gab mit drei P., die bedeuteten &#8222;Pugno
+Pro Patria.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Bekanntlich fing der eigentliche Krieg mit der Einnahme
+der Festung Briel durch die Geusen an. Davon lesen wir: &#8222;Lorsque le
+Comte de la Marc vint devant la Brille avex ses vaisseaux il portoit dix
+deniers dans son Pavillon, pour marquer qu'il venoit s'oposer à la levée
+du dixiéme denier que le Duc d'Albe vouloit exiger.&#8223; Es werden die
+Geusen in ihrem Stolz und Trotz auch noch andere ihrer Abzeichen in der
+Flagge geführt haben. Nach ihnen sahen Leute, die den Namen Geusen als
+einen Ehrennamen ansahen, mit Begeisterung. Wäre es da ein Wunder, wenn
+die Flagge, die Geusenzeichen trug, selbst geus genannt worden wäre? Und
+wirklich belehrt uns Aubin, daß die Bugflagge zu seiner Zeit, Ende des
+sechzehnten Jahrhunderts, geus geheißen hat, (wie sie denn auch noch
+jetzt so heißt). Sonst werden wohl die Leute nach ihrer Flagge<a id="Page_177"></a>
+ <span class="pagenum">[177]</span>
+genannt, hier finden wir den umgekehrten Fall, daß die Flagge nach den
+Leuten heißt. Daß aber grade die Bugflagge den Namen der Geusen führt,
+mag zufällig sein, kann aber auch irgend einen besonderen
+geschichtlichen Grund haben und dürfte mit dem Umstande zusammenhängen,
+daß überhaupt in jenen Tagen die Bugflagge häufiger als heute gesetzt
+ward. Und die Geusen werden sie nach dem was wir von ihnen gehört haben
+nicht weniger, sondern mehr als andere Leute geführt haben. &nbsp;&mdash;&nbsp;Man hört
+den oberen inneren Teil der Kriegsflagge, welcher die Gösch ausmacht,
+auch wohl Jack nennen. Das kommt von der englischen Bezeichnung &#8222;Union
+Jack&#8223; für dieses Feld. &#8222;The union or union flag of Britain, the national
+banner of the United Kingdom, is formed by the union of the cross of St.
+George (red on a white ground), the diagonal cross or saltire of St.
+Andrew (white on a blue ground), and the diagonal cross of St. Patrick
+(red on a white ground)&#8223;; stellt also die Union zwischen England,
+Schottland und Irland dar. Jack aber ist im Englischen eine populäre
+Form für James (vom französischen Jacques, Jakob), eine so populäre, daß
+sie in unzähligen Wendungen, Bedeutungen, Zusammensetzungen und
+sprichwörtlichen Redensarten gebraucht wird. Union Jack aber &#8222;was named
+after James I, under whose direction the first union flag was
+constructed and who signed his name Jacques.&#8223; Wobei zu bemerken ist, daß
+es in den Zeiten schwerer innerer Kämpfe auch eine Flagge gab, die union
+flag hieß, rot mit der Inschrift: &#8222;For the protestant religion And the
+Liberty of England&#8223;; es war also nichts Ungewöhnliches, daß man die
+Flagge in Zeichen oder Worten zu denen reden ließ, die unter ihr fuhren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Granate</span>, die, modernes Geschoß von zerstörender Wirkung, namentlich
+durch sein Zersplittern. Es kommen sprachlich vier ziemlich
+gleichlautende Wörter in Betracht: 1. Granat als Baum; 2. Granat als
+Edelstein; 3. Granat als Geschoß; 4. Granat als Seekrustentier. Davon
+kommen die ersten drei von granum, das Korn; 1. wegen der vielen Körner
+die die Frucht, der Granatapfel, enthält; (Granáda, die Stadt der
+Granatbäume); 2. wegen der körnigen Beschaffenheit; 3. wegen der in
+ihnen enthaltenen Pulverkörner; 4. aber hat dagegen den Namen von den
+beiden langen Fühlhörnern, die genau aussehen wie (Gersten-)Grannen. Was
+die Granate, die hier allein weiter in Betracht kommt, angeht,<a id="Page_178"></a>
+ <span class="pagenum">[178]</span> so
+ist bekannt, dass sie ursprünglich nicht aus Kanonen geschossen, sondern
+als Handgranate mit der Hand unter die Feinde geworfen wurde. Der Mann,
+der dieses immerhin nicht ungefährliche Geschäft zu besorgen hatte,
+mußte ein alter, erprobter, kaltblütiger Soldat sein; er führte von
+seinem Geschäft den Namen Grenadier, so daß derselbe also ursprünglich
+für einen Soldaten, der keine Handgranaten warf, eine Auszeichnung,
+ähnlich wie Gardist, sein sollte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gräting</span>, die. Ein Gestell von unter einander übers Kreuz verbundenen
+Latten, von dem das Wasser bequem abfliesst, überall da angebracht wo
+Leute an Bord lange stehen sollen, damit sie trocken stehen, am Ruder,
+am Fallreep etc. etc. Ein aus dem Lateinischen stammendes, mit
+niederdeutscher Endung versehenes, englisch ausgesprochenes Wort. Lat.
+crates, Korb, heißt althochdeutsch cratto und chrezzo, Geflecht,
+Korbgeflecht (noch jetzt in Hochdeutschland Keez = Kiepe). (Auch die
+Form grede kommt für Unterlager für Waren vor; diese vielleicht aber,
+weil das Wort auch Stufe und Treppe bedeutet doch wohl vom lat. gradus).
+Aus dem Diminitivum von crates, craticola, entstand das französische
+grille, Rost, Gitter, italienisch gretola, Stäbchen des Käfigs.
+Niederländisch kratte = Korb; littauisch Kratis, Gitter und Kratelis,
+Rost. Sehr früh traten an die Stelle von crates Formen mit anlautender
+Media, mittellateinisch grates, graticula, italienisch grata,
+Flechtwerk, Gatter, Rost; spanisch gradilla, Rost; englisch grate (daher
+cradle Korb, Flechtwerk, geflochtene Wiege). Bedenkt man, dass Gräting
+auch eine Vorrichtung ist, die vor Türen liegt, damit man, ehe man
+eintritt, die Füsse daran reinige, und dass an Stelle des einem Geflecht
+nicht unähnlichen Holzgitters vielfach wirkliches Reisig-Geflecht tritt,
+(ja, dass heute noch in manchen Gegenden Deutschlands in ärmlichen
+Verhältnissen einfach ein Zweig Tannenreisig vor die Tür gelegt wird) so
+ist die Bedeutungsentwickelung ohne weiteres einleuchtend. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die
+deutschen Eisenarbeiter nennen Gräting die Gittertür eines Ofens, also
+ganz im Sinne von Rost.</p>
+
+<p><span class="strong1">Groden</span>, der, heißt in Ostfriesland und Oldenburg ein bereits grün
+bewachsenes, durch Buhnen, Schlengen etc. etc. dem Meere abgewonnenes
+Land, und zwar eigentlich aussendeichs, doch behält es den Namen auch
+wenn es nachher eingedeicht wird, so daß manchmal von einem Groden die
+Rede ist da wo gar<a id="Page_179"></a>
+ <span class="pagenum">[179]</span> kein Deich mehr zu sehen ist; nordfriesisch
+Koog, (könnte Cuxhaven wohl gleich Koogshaven sein?), westlich der Ems
+Polder. Es kommt &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. Crew &nbsp;&mdash;&nbsp; vom friesischen groya, groien =
+crescere, wachsen, eigentlich grünen. Es muss ja grün werden was wachsen
+soll. In der Edda heißt poetisch die Erde groandi, die &#8222;Grünende.&#8223;
+Gothisch gras = Gras, altsächsisch und althochdeutsch gras, gehören
+hierher, ablautend mit dem mittelhochdeutschen gruose, junger Trieb der
+Pflanzen; die indogermanische Wurzel ist ghro, vergl. das lateinische
+gramen, Gras; griechisch chloros, grün, welches wohl eine Dissimilation
+aus chroros ist. Früher hatte man für Groden auch die Form groenden; die
+Tossenser groenden in Butjadingen werden im J. 1566 in Verhandlungen
+über das Spatenrecht genannt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Grog</span>, der, das bekannte Getränk, ursprünglich nur aus Rum und Wasser
+gemischt. &#8222;From &#8222;Old Grog&#8223;, a nickname given to Admiral Vernon, who
+introduced the beverage, from his wearing a grogram cloak in rough
+weather.&#8223; Von anderer Seite wird einleuchtender behauptet, das Wort
+stamme vom Admiral Sir Evans W. Grog her, der Ende des 18. Jahrhunderts
+zuerst den Matrosen den Rum mit Wasser gemischt allowanceweise
+verabreichen ließ. Das mag diesen schlecht gefallen haben und um ihrem
+Mißfallen Ausdruck zu geben nannten sie das so wenig kräftige Getränk
+mit dem Namen seines Erfinders; sie sahen es eben als eine
+Verschlechterung des Rums, nicht als eine Verbesserung des Wassers an.
+Wie leicht Getränknamen sich einbürgern ist bekannt, man braucht nur an
+den Pariser &#8222;Bock&#8223; zu denken. Selbst Wörter, die bisher einen ganz
+anderen Sinn hatten, nehmen in manchem Munde ausschließlich den eines
+Getränkes an: Korn, Kümmel, Benediktiner. Sekt war sonst immer der
+&#8222;trockene&#8223; spanische Wein, den Sir John Falstaff zu gerne trank und hat
+erst durch den berühmten Schauspieler Devrient die Bedeutung von
+Champagner erhalten. Über allowance s. Launs.</p>
+
+<p><span class="strong1">Grossmast</span>, der, auf Vollschiffen oder Barken der mittelste, größte,
+meist auch höchste Mast; ein sehr wichtiges Ding für ein Segelschiff.
+Was der Erste Offizier unter den Offizieren ist, das ist der Großmast
+unter den Masten. Geht doch auch, nach dem seemännischen Sprichwort, der
+Erste Offizier nur in Begleitung des Grossmastes von Bord. &nbsp;&mdash;&nbsp; Alles was
+an Segel, Tauen u. dgl. an Bord mehrfach, nämlich für jeden Mast
+besonders vorhanden<a id="Page_180"></a>
+ <span class="pagenum">[180]</span> ist, wird nach dem Mast benannt zu dem es
+gehört, und zwar durch Vorsetzen des Namens des betreffenden Mastes,
+also Großmarsrahe, Großrahe, Großbramstenge, Großmars, Großrüst u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+Alles sich auf den Großmast Beziehende wird unter der Bezeichnung
+&#8222;Großtop&#8223; zusammengefaßt, wie alles auf den Kreuzmast Bezügliche
+&#8222;Kreuztop&#8223; heißt; Focktop wird jedoch nicht gesagt, weil hier auch noch
+das ganze Vorgeschirr in Betracht kommt; man sagt statt dessen &#8222;Vortop&#8223;.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Abweichend von der übrigen Benennung der Segel heißt das unterste
+derselben am Großmast: <span class="strong1">Grosssegel</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Grummetstropp</span>, der, ein runder Stropp, aus einem Kardeel vom
+aufgedrehten Stück eines (bereits gebrauchten, alten) Taues. Es hat
+dieses Grummet mit dem Grummet = Grünmaht, dem zarten Schnitt des (nur
+grünenden, nicht wie beim ersten blühenden) Grases wohl nichts zu tun,
+wiewohl man diesen auch als &#8222;Überbleibsel&#8223; bezeichnen könnte, und
+wiewohl auch unser Grummet nach dem Material genannt wird aus dem man
+ihn anfertigt. Es gibt nämlich ein niederdeutsches Wort grumm = Schutt,
+Zerriebenes, und eine Mehrzahl grumpen = Stücke, Brocken, Zerbröckeltes,
+also auch Auseinandergeteiltes, besonders aber auch Überbleibsel. Das
+niederländische grommen, die Eingeweide ausnehmen, hängt damit zusammen.
+Und eben ein auseinandergedrehtes, übrig gebliebenes Stück Tau, dem die
+Kardeele wie Eingeweide aus dem Leibe geholt sind, wird zu einem
+Grummetstropp benützt, und es kann dazu um so eher altes Tauwerk
+genommen werden, als ein solcher nichts weiter zu halten, sondern nur zu
+verhüten hat, dass an den betreffenden Stellen die Takelage schamfilt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Grund</span>, der, wird in der Seemannsprache hauptsächlich im Sinne von
+Meeresboden gebraucht. Beim Lothen mit dem Handloth hört man den damit
+beauftragten Matrosen oft genug aussingen: &#8222;15 Meter und keinen Grund!&#8223;
+Eine wichtige Sache ist es, mit dem grossen Loth den Meeresgrund auf
+seine Beschaffenheit zu untersuchen. Zu diesem Zwecke wird das Lot mit
+Talg bestrichen, die Erde die dann daran hängen bleibt, wenn es den
+Meeresgrund berührt, ist eine Grundprobe, je nach ihren Bestandteilen
+aus Sand, Muscheln oder dergl. hat man unter Umständen einen gewissen
+Anhaltspunkt für die Gegend in der sich das Schiff befindet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Sonst
+ist der Seemann ängstlich bemüht,<a id="Page_181"></a>
+ <span class="pagenum">[181]</span> eine &#8222;gründliche&#8223; Berührung zu
+vermeiden, nicht nur weil es überhaupt gefährlich ist, wenn das Schiff
+auf Grund kommt, sondern es steckt offenbar den Seeleuten noch eine
+Scheu davor im Blute von den Zeiten her, da es Rechtens war, dass ein
+Schiff mitsamt seiner Ladung dem verfiel, dessen Grund es berührt hatte.
+Ein barbarisches Recht, oder vielmehr Unrecht, diese grundroringe, das
+Grundrührrecht, das sich übrigens nicht nur auf Schiffe und die See
+beschränkte, sondern auch von anderen Fahrzeugen auf dem festen Lande
+galt. So konnte es vorkommen, daß einer mit seinem Wagen über eine
+Brücke fahren wollte und wegen schlechten Zustandes derselben umwarf;
+dann wurde nicht der, der die Brücke hätte bauen und bessern sollen,
+bestraft, sondern der Fuhrmann, und zwar durch Beschlagnahme des Wagens
+samt der Ladung. Karl V. (peinliche Halsgerichtsordnung, Art. 218)
+schaffte dieses &#8222;Recht&#8223; ab.</p>
+
+<p><span class="strong1">Grünes Licht</span> s. Laterne.</p>
+
+<p><span class="strong1">Gut</span>, das. Die Takelage, das gesamte Tauwerk an Bord heißt mit dem
+Sammelnamen &#8222;Gut&#8223;; wird aber dann auch in &#8222;stehendes Gut&#8223;, &#8222;laufendes
+Gut&#8223;, Reservegut u.&nbsp;s.&nbsp;w. unterschieden. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Gut&#8223; heißt auch die
+Gesamtheit der geladenen oder zu ladenden Güter. Bestehen diese aus
+Kisten, Fässern, Ballen und dergl., so spricht man von Stückgut, während
+Korn, Kohlen, Salz u.&nbsp;s.&nbsp;w. Stürzgut ausmachen.</p>
+
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="H"></a>H.</span>
+</h2>
+
+
+<p><span class="strong1">h.</span> s. a. m.</p>
+
+<p><span class="strong1">Haartuch</span>, das, ist grobes, haarenes Tuch, das in der Gestalt von Läufern
+an Deck gelegt wird wenn man Geschosse mannt, damit möglichst jeder Stoß
+vermieden werde. Die sprachliche Erklärung muß mit zwei Wörtern rechnen,
+mit Haar in der Bedeutung Menschenhaar, Pferdehaar, und einem veralteten
+Haar das Flachs bedeutete, (in Flachshaar kommen die beiden zusammen).
+Doch ist Haartuch nicht von Flachs, sondern der Name Haar muß auch für
+Werg in Gebrauch gewesen sein, denn aus Werg war das härene Tuch
+ursprünglich gefertigt; englisch hards = Werg.<a id="Page_182"></a>
+ <span class="pagenum">[182]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Hackbord</span> = Heckbord, s. Heck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hafen</span>, der, kommt von haben = halten, ist also ein Ort wo das Schiff
+gehalten wird, ein (sicherer, bequemer) Halteort. Zu vergleichen ist das
+althochdeutsche hafjan, heffjan = heben, aufheben, Grundbedeutung:
+fassen, greifen, halten, behalten, lateinisch capere. So ist also Hafen
+= Topf dasselbe Wort, ein Gefäß, das etwas enthält. Auch Hof ist nahe
+verwandt, und ists also im Grunde ein Streit um des Kaisers Bart wenn
+darüber gestritten wird, ob ein Wort wie Marienhafe eigentlich Marienhof
+oder Marienhafen zu deuten sei. Die niederdeutsche Schreibweise ist
+Haven. Es war also eine Anerkennung des niederdeutschen Wesens der
+Seemannssprache als König Wilhelm I. befahl, den am 17. Juni 1869 nach
+ihm getauften neuen Kriegshafen Wilhelmshaven mit einem v zu schreiben.
+(Otfried, ein Mann aus Franken, in Weißenburg 868 seinen &#8222;Krist&#8223;
+schreibend, hat zuerst, und zwar nur im Inlaute, das v angewandt anstatt
+f). &nbsp;&mdash;&nbsp; Das englische harbour hat mit unserem Hafen nichts zu tun, ist
+vielmehr dasselbe wie das deutsche &#8222;Herberge&#8223;, ein Platz, wo ein Heer
+sein Nachtlager aufschlug. Dagegen ist Kabel mit unserm Worte einer
+Abstammung. In der Edda hat das Wort hafn noch so sehr den Begriff haben
+und halten, daß es nicht nur Besitz (&#8222;Habe&#8223;) und Hafen, sondern auch die
+Schiffsmannschaft bedeutet, die Mannschaft die das Schiff enthält,
+skipshofn. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das französische havre ist noch umstritten; die Aspiration
+deutet auf deutschen Ursprung. Da aber ein spanisches und
+portugiesisches abra = Hafen vorhanden ist, so ist man hierfür auf das
+keltische aber in Ortsnamen zurückgegangen, welches Flußmündung, auch
+das Zusammentreffen einer solchen mit einem Hafen bedeutet. Es wäre aber
+noch eher denkbar, daß die Spanier das ihnen ohnehin ungelegene h
+einfach fallen ließen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hafengeld</span>, das, ist eine an den Staat zu entrichtende Abgabe, die, je
+nach ihrer Größe verschieden, ein und ausgehenden Schiffen für Benützung
+der Einrichtungen, als da sind Bollwerke, Kajen, Bojen, Tonnen,
+Leuchtfeuer eines Hafens, berechnet werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hafenkapitän</span>, der, ist der Offizier, gewöhnlich ein zur Disposition
+gestellter Seeoffizier, der die Aufsicht über den Hafen hat, der auch
+besonders die Ordnung und Reihenfolge der im Hafen liegenden Schiffe
+bestimmt, das Aus- und Einlaufen regelt, die Arbeiten beim
+Durchschleusen und überhaupt den ganzen<a id="Page_183"></a>
+ <span class="pagenum">[183]</span> Schleusenbetrieb leitet,
+die Deiche im Auge zu halten, bei Sturmfluten auf seinem Posten zu sein
+hat u. dergl. Wo es sich nicht um einen Kriegshafen handelt, heißt der
+entsprechende Beamte <span class="strong1">Hafenmeister</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hafenwache</span>, die. 1. Die Wache die an Bord der Kriegsschiffe im Hafen
+gegangen wird im Gegensatz zur Seewache, zwar länger wie diese, nämlich
+einen ganzen Tag dauernd, aber nicht so verantwortungsvoll und daher
+minder anstrengend. 2. Die Hafenpolizei, ihr Wachthaus am Hafen und ihr
+Polizeiboot auf dem Hafen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hafenzeit</span>, ist die Zeit zu der ein bestimmter Hafen Hochwasser hat. &#8222;Die
+Verzeichnisse der bekannten Hafenzeiten geben unmittelbar nur die
+Zeitpunkte des Hochwassers an Neu- und Vollmondstagen. Für die übrigen
+Tage müssen also im erforderlichen Falle die Tidestunden durch Rechnung
+gefunden werden. Der Hauptpunkt dieser Rechnung ist die tägliche
+Verspätung des Mondes, d.&nbsp;h. der Zeitunterschied zwischen seiner
+Kulmination und derjenigen der Sonne, weil sich demgemäß ... auch die
+Tidestunden ändern. Die genaue Berechnung kann nur mit Hülfe nautischer
+Kalender oder astronomischer Ephemeriden geschehen.&#8223; (Bobrik,
+Seefahrtskunde I 161.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Haff</span>, das. Kurisches Haff, Frisches Haff, Pommersches Haff, die drei
+großen Strandseen an der Küste der Ostsee. Haff heißt eigentlich Meer;
+angelsächsisch haef, nordisch haf, mittelniederdeutsch haf; 1255: &#8222;The
+bruthere (des Ordens) geven vri that haf und then Strand to allerhande
+donde.&#8223; &#8222;Se vurden de Konynge to schepe auer dat wilde haf.&#8223; Hamb.
+Chron. &nbsp;&mdash;&nbsp; Dieses Wort mit dieser Bedeutung kommt dem Sprachforscher
+ziemlich unbequem, denn Hafen paßt so schön zu haben, da aber Haff Meer
+bedeutet, so wird diese Verwandschaft schwankend. Kluge, Etym.
+Wörterbuch, 5. Auflage S. 150 sagt darüber: &#8222;Da man keine ursprüngliche
+Verschiedenheit von Worten für <span class="strong1">Hafen</span> und <span class="strong1">Meer</span> anzunehmen braucht und da
+jedenfalls die Bedeutung &#8222;Hafen&#8223; aus der Bedeutung &#8222;Meer&#8223; abgeleitet ist
+&nbsp;&mdash;&nbsp; das Umgekehrte wäre wohl nicht denkbar &nbsp;&mdash;&nbsp; so wird die unter Hafen
+gegebene gewöhnliche Annahme, Hafen sei eigentlich &#8222;Behälter,&#8223;
+problematisch. Wahrscheinlich ist also <span class="strong1">Hafen</span> etwa &#8222;marina&#8223; im Sinne von
+&#8222;statio marina&#8223; zu deuten. Angelsächsisches haef &#8222;Meer&#8223; als &#8222;sich
+erhebendes&#8223; im Sinne von lateinischem altum (&#8222;hohe See&#8223;) zu<a id="Page_184"></a>
+ <span class="pagenum">[184]</span> <span class="strong1">heben</span>
+(Wurzel haf, vorgermanisch kap) zu ziehen, ist nicht unmöglich, aber
+kaum wahrscheinlich.&#8223; Doch hat letzteres sehr viel für sich, wenn man
+bedenkt, wie gern heut noch der niederdeutsche Seemann von der &#8222;hohen
+See&#8223; spricht und sich der Wendungen bedient wie &#8222;auf der Höhe von&#8223;,
+&#8222;Hochseeschiff&#8223;. Das Meer stellt sich nicht nur in dichterischer Sprache
+als etwas &#8222;Erhabenes&#8223; dar, es ist in der That etwas für das Auge des
+Beschauers &#8222;sich Erhebendes&#8223;, einerlei ob er am Strande steht, ob an
+Bord eines Schiffes, oder etwa auf dem Kraterwall des Pics von Tenerifa.
+Wer je auf diesem gestanden hat, wird es nie vergessen, wie ringsumher
+das Meer so hoch aufsteigt, daß man auf einer Höhe von beinahe
+viertausend Metern das Gefühl hat, die Kimm liege einem grade gegenüber
+auf gleicher Höhe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hahnepot</span>, die, ist ein von einem bestimmten Punkte aus in verschiedene
+Zweige auseinander gehendes Tau, sei es zur Verteilung einer Last indem
+man die Angriffspunkte vermehrt, sei es zum Schutze einer dem Schamfilen
+ausgesetzten Stelle. Der Name kommt von der Ähnlichkeit mit einem
+Hahnenfuß. Die Sache ist im Grunde dieselbe wie die unter Spinnekopf
+behandelte. Doch geht beim Piekfall das eine Tau nur in zwei Arme, die
+die Gaffel tragen, aus einander.</p>
+
+<p><span class="strong1">Haken</span>, der, ist in der Seemannschaft wie in vielen anderen Zweigen
+menschlicher Tätigkeit ein vielgebrauchtes unentbehrliches Ding und
+kommt in unzähligen Fällen zur Anwendung. Sprachlich bedürfen indessen
+kaum zwei oder drei ein Wort der Erklärung. Etwa Kenterhaken; ein Haken
+mit einer Stange daran, dazu dienend Balken zu kentern, d.&nbsp;h. durch
+umkanten weiter fort zu bewegen. Enterhaken wurden, als überhaupt noch
+geentert wurde, zum Heranholen und Festhalten des feindlichen Schiffes
+verwandt. Bootshaken ist der Haken mit längerer, dünner Stange daran,
+mit dem ein abfahrendes Boot abgesetzt, ein landendes angelegt, d.&nbsp;h.
+ans Schiff, ans Bollwerk, an die Treppe herangeholt wird. Für
+Kenterhaken hört man eben so oft Kanthaken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Halbstocks</span> oder <span class="strong1">Halbmast</span> sind zwei Adverbia als nähere Bestimmung zu den
+Zeitwörtern holen oder hissen. Die Flagge nämlich wird Halbstocks oder
+Halbmast geholt oder gehisst zum Zeichen der Trauer, sei es daß ein
+hervorragender Toter am Lande geehrt werden soll, sei es daß ein
+Gestorbener sich an Bord befindet. Früher wurden auch die Marssegel nur
+auf halber<a id="Page_185"></a>
+ <span class="pagenum">[185]</span> Höhe geführt an Bord eines Schiffes, auf dem sich die
+Leiche eines Offiziers befand. Vor Zeiten, vergl. Gösch, wo man mit
+Flaggen größeren Aufwand trieb, als heute, und wo ihre Farbe und Form
+noch nicht so genau vorgeschrieben waren, es auch noch keine festen
+Salut- und Flaggenvorschriften gab, wurden je nach Gefühl und Vermögen
+mancherlei Flaggehrungen gewährt. &#8222;Lorsque Witte Cornelesz. de Wit,
+Vice-amiral de Hollande fut tué dans la bataille du passage du Sond, qui
+se donna entre les Suédois et les Hollandois l'an 1658 et que les
+Hollandois gagnérent, aïant forcé le passage, le vaisseau de ce
+Vice-amiral périt dans le tems que les Suédois s'en rendoient maîtres,
+et il ne leur en resta que le corps de Witte de Wit. Le roi de Suéde fit
+revêtir ce corps de satin blanc; fit couvrir son cercueil d'un
+magnifique drap mortuaire avec les armes du défunt; le fit mettre dans
+une galiote painte de noir, où il n'y avoit pour pavillons que des
+flames noires, et le renvoia au Lieutenant-Vice-admiral Général de
+Wassenaar, ou d'Opdam.&#8223; Die Leiche mit der Nationalflagge zu bedecken
+war damals noch nicht üblich; dagegen wurden bereits in einem
+Leichenzuge am Lande die Fahnen mit schwarzem Flor umwunden. &#8222;Im Jahre
+1629 ward die Admiral-Lieutenants-Stelle von Holland offen, durch den
+Tod des Herrn von der Leck, und dieweil nunmehr auch Dorp (der sonsten
+die Flotte auf der Flämischen Küsten als General kommandiert hatte) in
+dem Lager zu Felde gebraucht ward, und derhalben notwendig ein Admiral
+zur See gehn müßte, hat der Herr Printz von Uranien Peter Heyn, der
+wegen so vieler stattlichen Taten in grosser Achtung war, dazu erwehlet.
+Dieses war nun der höchste Ruhm, den er allhier zu Lande erlangen kunte,
+er hat ihn aber nicht lange besessen und genossen, denn als er vor
+Duynkirchen lag, und nun vor hatte dasselbige Behältniß und zugleich das
+alte Raubnest zu stopfen, gerieth er mit den Duynkirchern in ein
+heftiges Gefechte, in welchem er dreyn von deß Feindes Schiffen
+eroberte, es wolte aber das Unglück, daß er im Anfang des Treffens durch
+eine große Stuckkugel benebenst dem Kapitän Blom, zu großer Betrübniß
+meist aller Einwohner getroffen und erschossen ward. Sein Leichnam ward
+auf den vierdten Julii mit einem grossen Zulauf von Menschen begraben.
+Vor der Leiche gingen zween Fahnen Bürger in Trauerwaffen, und hatten
+ihre Koller mit schwartzen Bändern besetzet, die<a id="Page_186"></a>
+ <span class="pagenum">[186]</span> Fahnen mit
+schwartzen Band aufgewunden, wie auch die Trommeln mit schwarzem Tuch
+überzogen, die Musqueten unter den Armen tragend; und die Picken
+nachschleppend. Darauf folgeten, diejenigen so die Waffen und
+Kriegsgereitschafft trugen, welche alle Seekapitäne dieses Landes waren.
+Hauptmann Liedekerken trug das Wappen. Capitain Bornon, der älteste von
+den See-Capitainen ward das Casquet oder Helm angetragen, damit vor der
+Leiche herzugehen, weil er aber zu ohnmächtig war solches zu thun, alss
+der seine Gliedmassen in deß Landes-diensten verlohren hatte, ward
+solches Evert Antonissen von Amsterdam anbefohlen. Darnach folgete die
+Leiche, unter einer Decke, die von allen See-Capitainen, die zu Lande
+waren, getragen ward&#8223; ... (&#8222;Durchl. Seehelden&#8223;) Die romanischen
+Seefahrer brassen auch zum Zeichen der Trauer, besonders am Karfreitag,
+ihre Rahen über Kreuz, d.&nbsp;h. so, daß die einen nach vorn die andern nach
+hinten weisen. Natürlich kann Halbstocks die Flagge nur gesetzt werden
+wenn sie wirklich an einem Stock, Flaggenstock, geführt wird, sonst weht
+sie halbmast, und wenn sie an der Besansgaffel fährt heißt das
+betreffende Kommando: &#8222;Flagge halb!&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein seemännisches Auge wird am
+Lande oft dadurch verletzt, daß es an Freudentagen Flaggen sehen muß,
+die nicht ganz vorgeholt sind. Das sieht dann wie Halbstocks aus oder
+erinnert doch wenigstens daran und macht daher den Eindruck einer
+Trauerkundgebung. Um dieses zu vermeiden sollten auch die Flaggenstangen
+so gestaltet sein, daß über den Knopf, bis zu dem die Flagge gehißt
+wird, keinerlei Verzierung hinausragt, auch keine Kaiserkrone; die
+gehört da nicht hin.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hals</span>, der, Mehrzahl die Halsen; so heissen die unteren Ecken der
+Untersegel und die vorderen Ecken der Stagsegel, Schratsegel und
+Bootssegel; so heißen auch die daran befestigten Taue mit denen die
+Untersegel nach vorne geholt werden und (an der Luvseite) steif gesetzt
+werden, (während die an gleicher Stelle angebrachten Schooten das Segel
+nach hinten zu festhalten). Bei Besansegeln, Stagsegeln etc. etc. wird
+der Hals allerdings &#8222;geholt&#8223;, aber die Vermutung Breusings, der Name des
+Halses käme von diesem Holen oder Halen, ist doch nicht nahe liegend
+genug. Jedenfalls liegt die gewöhnliche Bedeutung von Hals viel näher
+und genügt zur Erklärung vollständig. Der Hals bildet ja nicht bloß das
+kürzere oder längere bewegliche Verbindungsglied<a id="Page_187"></a>
+ <span class="pagenum">[187]</span> zwischen Kopf
+und Schultern, sondern auch an leblosen Dingen das dünne, lange, grade
+oder gebogene, vorgestreckte Ende; man denke an den Hals einer Flasche,
+einer Kanne, eines Ankers. Und das Tau am Hals des Segels dürfen wir um
+so eher Hals nennen als ein mittelhochdeutsches Halse auch ein Tau
+bedeutete, nämlich den Strick, die Leine (oder den Riemen) der
+Leithunde, der ihnen, um sie zu führen, um den Hals gelegt wird. Das
+ergibt ein ganz ähnliches Bild. Im Angelsächsischen ward der Bug sehr
+sinnreich und treffend, namentlich bei der damaligen Bauart des
+Vorstevens, heals genannt; dichterisch (Beówulf) fâmig-heals, auch flota
+fâmig-heals, das schaumhalsige Schiff; jedenfalls schöner wie
+fàmig-bord, Schaumbord. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Auge, (die Öffnung, das Loch im Segel)
+durch welches bei Gaffel- und Topsegeln der Hals am Mast befestigt wird,
+heißt <span class="strong1">Halsauge</span>. Die Öffnung in der Bordwand &nbsp;&mdash;&nbsp; sei es an Steuerbord, sei
+es an Backbord &nbsp;&mdash;&nbsp;durch welche der Großsegelshals in das Schiff führt,
+heißt <span class="strong1">Halsgat</span>; dieses liegt, wenn die Rahen beim Winde gebraßt sind,
+lotrecht unter der Nock der Großrahe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Halsen</span> unterscheidet sich von wenden, mit dem es die Bedeutung
+&#8222;umkehren&#8223; gemein hat, dadurch, daß beim Wenden das Schiff durch den
+Wind gedreht wird, während man beim Halsen das Schiff so weit es
+überhaupt abfallen kann, abfallen läßt und es dann über den andern Bug
+wieder an den Wind bringt. Letzteres geschieht, weil dadurch viel
+gewonnenes Luv verloren geht, nur wenn entweder eine Wendung versagt
+(manche Schiffe sind wegen ihrer Bauart schwer durch den Wind zu
+bringen) oder in ganz schlechtem Wetter, bei Sturm und hoher See, wo
+sich das Wenden von selbst verbietet. Daraus folgt, daß man beim
+Aufkreuzen nicht halsen darf, wenn man etwas gewinnen will, sondern
+wenden muß. Beim Halsen müssen die Halsen besonders gut bedient werden
+und spielen eine so wichtige Rolle, daß es kein Wunder ist, wenn das
+ganze Manöver nach ihnen genannt ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Halten</span> die See, heißt in See bleiben, auch wenn dieselbe sehr stürmisch
+wird. Es gehört dazu ein tüchtiges Schiff und eine brauchbare Besatzung.
+Kann ein Schiff die See nicht mehr halten, so muß es einen Hafen zu
+gewinnen suchen oder wenigstens irgendwo &#8222;unter Land&#8223;, d.&nbsp;h. im Schutze
+einer Küste ruhigeres Wasser aufsuchen.<a id="Page_188"></a>
+ <span class="pagenum">[188]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Hamen</span>, der. 1. In hochdeutschen Mundarten ein Angelhaken, aus dem
+Lateinischen stammend.</p>
+
+<p>2. Ein ganz anderes Wort trotz der äußerlichen Gleichheit ist Hamen wie
+es in der Seemannssprache und überhaupt im Niederdeutschen gebraucht
+wird, nämlich für ein Netz zum Fischfang. Besonders häufig ist an der
+Nordseeküste der schufham, das Schiebnetz, ein Netz, das oben an einem
+starken mit einer langen Stange versehenen Reifen versehen ist und auf
+dem Grunde des Wassers hingeschoben wird. Das Wort hängt mit dem
+althochdeutschen hamo, Kleid, Decke, Hülle, Hemd, Sack, Beutel zusammen;
+über &#8222;Netzbeutel&#8223; mag der Weg zu Netz gegangen sein. Der Sinn ist
+jedenfalls klar, denn die Wurzel ham bedeutet umfassen, erfassen, in
+sich befassen, beschließen. Luther: &#8222;Da beschlossen sie eine grosse
+Menge Fische.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Hand über Hand</span> an einem Tau holen oder dasselbe fieren, indem man immer
+mit einer Hand über die andere greift. Sehr wichtig ist es oft, daß das
+Fieren Hand über Hand geschehe, damit der zu fierende Gegenstand stets
+noch mit einer Hand festgehalten wird, das Tau also nicht schlieren und
+der Gegenstand nicht rauschen kann. Wer jemals Träger einen Sarg ins
+Grab senken sah, der mag wohl das Gefühl gehabt haben, die Seile könnten
+ihnen durch die Hand rutschen und der Sarg würde mit einem Ruck
+hinabfahren. Haben aber Seeleute die Stricke gefaßt, so kann man ruhig
+sein, denn sie lassen den Sarg &#8222;Hand über Hand&#8223; hinab.</p>
+
+<p><span class="strong1">Handpferde</span>, die, sind in gewissen Abständen auf das Jackstag
+aufgestreifte Stroppen, die den aus- und einlegenden Bramrahegästen zum
+Festhalten mit den Händen dienen. Ein sonderbar gebildetes Wort. Die
+Pferde, die den Füßen unter der Rahe Halt gewähren, sind schon
+fälschlicherweise zu Pferden gestempelt worden, da sie doch mit solchen
+nichts zu thun haben, sondern dazu da sind, daß man auf sie peddet,
+tritt, was man bekanntlich mit dem Fuße besorgt, und nicht mit der Hand.
+Handpferd ist also ein Wort von Leuten gebildet, denen die eigentliche
+Bedeutung von (Fuß-) Pferd gänzlich unbewusst war.</p>
+
+<p><span class="strong1">Handspake</span>, die, heißt ein mit der Hand regierbarer hölzerner Hebel, mit
+dem ein Spill gedreht, eine Kanone bewegt und allerlei sonstige Arbeit
+getan wird, wohl auch einmal die, die sonst mit einem tüchtigen Knüppel
+verrichtet wird. Es wird<a id="Page_189"></a>
+ <span class="pagenum">[189]</span> z.&nbsp;B. eine Handspake einem gefangenen
+Haifisch, wenn er an Bord geholt und auf Deck gelegt ist, tief in den
+Rachen gestoßen, damit er nicht um sich beißen kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Ende der
+Spake, das für die Hand bestimmt ist, ist rund, das zum Einstecken der
+Spake in die vierkante Spillspur oder Geschützspur ist dementsprechend
+vierkant. Da im Mittelniederländischen die Formen spake und spaike
+nebeneinander vorkommen, so ist klar, daß Spake nichts anderes ist als
+<strong>Speiche</strong>, und wirklich hört man zuweilen anstatt Handspake Handspeiche
+sagen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hansa</span>, die. Aubin hat die &#8222;villes anséatiques&#8223;, welche zusammen &#8222;la
+Honze Theutonique&#8223; bildeten, auf holländisch als &#8222;Aanzeesteeden&#8223;
+(Anseestädte) bezeichnet; auch wenn die Hansastädte wirklich alle an der
+See gelegen hätten, würde diese Erklärung doch nur den Wert eines
+Kuriosums haben. Aber auch diejenigen dürften irren, welche das Wort von
+den Ansen ableiten. Allerdings nannten, wie schon Jornandes, der es
+wissen mußte, bezeugt, die Gothen ihre Vornehmen und Reichen so, als ob
+sie nicht bloß Menschen, sondern von den Asen abstammende Halbgötter
+wären, wie alle die gewaltigen nordischen Helden. I. Grimm sagt: &#8222;In der
+nordischen Mythologie gilt für den Begriff deus die Benennung ås. Dieser
+Name muß auch in Hochdeutschland und Sachsen früher allgemein gewesen
+sein,&#8223; und zwar war er es in der althochdeutschen Form ans. Nun würde ja
+die Erklärung der Aspiration keine Mühe machen, aus ans kann leicht
+genug hans werden, aber so lange sich eine näherliegende Erklärung
+findet, darf man sich bei einer ferneren nicht beruhigen. Und sie findet
+sich in dem ebenfalls gothischen Worte hansa, welches Verein,
+Gesellschaft, Haufe, Menge, Abteilung, Schar bedeutet. Karl der Große
+gab einer von ihm zu Regensburg errichteten Vereinigung den Namen hans.
+Dann kommt freilich das Wort nicht eher wieder vor, als bis es 1127 in
+Flandern auftaucht, als ein in der Kaufmannschaft gebräuchliches für
+Handelsinnung und Eingangszoll. Die Bedeutung Eingangszoll mag von dem
+Gebrauch kommen, Eintrittsgeld beim Eintritt in einen Verein zu
+bezahlen, wie denn wirklich Hense oder Hanse auch das Geld hieß, das bei
+der Aufnahme in eine Hanse bezahlt wurde. In der Bedeutung Handelsinnung
+aber erscheint das Wort 1236 in Hamburg und verbreitet sich bald so, daß
+es im Jahre 1309 heißen konnte: &#8222;mercatorum societas, que vulgariter
+hanse dicitur.&#8223;<a id="Page_190"></a>
+ <span class="pagenum">[190]</span> Doch kämpft der weitere Begriff &#8222;Kaufmannshanse&#8223;
+noch lange mit dem engeren &#8222;Innungshanse&#8223;. 1315: &#8222;si quis hanzam
+pistorum - Bäckerinnung - intraverit.&#8223; 1345: &#8222;de der handwerken hanze
+winnet in der Stadt to Driburch, de dridde penninc is de unse.&#8223; Also
+selbst in der Zeit, wo die Hansa schon in Blüte stand, war das Wort
+immer noch für eine gewöhnliche Handwerksinnung in Gebrauch. Kilian sagt
+allerdings, ein Hans sei ein &#8222;antecellens caeteros mortales fortuna et
+opibus,&#8223; und die Hansen seien &#8222;magnates, optimates; Ansi sive Hansi
+Gothica lingua dicuntur ii, qui caeteros mortales fortuna et opibus
+antecellunt: heroum et semideorum conditioni proximi et humanae sortis
+terminos egressi,&#8223; aber vorher hat er doch hans schlechtweg und kurz und
+bündig mit socius, collega übersetzt, was eben Genosse, Innungsgenosse
+bedeutet. Allerdings war die ursprüngliche Bedeutung mehr und mehr in
+den Hintergrund getreten, und mehr und mehr beschränkte sich das Wort
+darauf, der Name des großen Bundes der weltberühmten Handelsstädte zu
+sein, die allerdings einen &#8222;Verein, Haufen, eine Schar&#8223; bildeten, die
+sich sehen lassen konnte. &nbsp;&mdash;&nbsp; In einer Urkunde des Erzbischofs Siegfried
+von Bremen aus dem Jahre 1181 kommt Hansa als Handelsabgabe vor, und in
+einer Urkunde, die Kaiser Friedrich Barbarossa ein Jahr vor dem
+Kreuzzuge, von dem er nicht zurückkehren sollte, ausgestellt hat, 1188,
+ist es in demselben Sinne gebraucht: &#8222;absque hansa et absque thelonio.&#8223;
+Es war also jedenfalls ein in der Handelswelt sehr früh schon allgemein
+bekanntes und gebräuchliches Wort.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hängematte</span>, die, ist eine ziemlich gewagte Anlehnung an zwei deutsche
+Begriffe, hängen und Matte, die beide in dem ursprünglichen Worte nicht
+vorhanden sind. Es stammt aus Westindien und hieß da hamaca. So haben es
+mit der Sache die Spanier gefunden und in dieser Gestalt haben sie es
+übernommen, &#8222;a word of Indian origin. Columbus in the Narrative of his
+first voyage says: &#8222;A great many Indians in canoes came to the ship
+today for the purpose of bartering their cotton, and &#8222;hamacas&#8223; or nets
+in which they sleep.&#8223; Daraus haben die Franzosen hamac gemacht. Bei der
+Übernahme ins Niederländische begann die volksetymologische Anlehnung an
+vorhandene Begriffe; die hamac hing; also ward eine hangmak daraus. Der
+deutsche Seemann hinwiederum konnte sich unter hang<span class="strong1">mak</span> nichts Rechtes
+vorstellen<a id="Page_191"></a>
+ <span class="pagenum">[191]</span> und gestattete sich abermals eine kleine Andeutung an
+einen ihm geläufigen Begriff und machte unser Hänge<span class="strong1">matte</span> daraus. Das
+konnte er um so eher, als im Laufe der Zeiten aus dem Netz ein Stück
+Segeltuch geworden war, das den Gedanken an eine Matte nicht
+abenteuerlich erscheinen ließ. Übrigens ist diese Schlafgelegenheit, die
+bei Kriegsschiffsmatrosen vorgeschrieben und bei Touristen neuerdings
+als Sport sehr in Aufnahme gekommen ist, bei unsern Zivilmatrosen bis
+jetzt erfolgreich auf Widerstand gestoßen; die schlafen nach wie vor in
+ihrer Koje, einem Bretterverschlag mit Strohsack und richtigem Bettzeug,
+wie es die Leute auf den Friedens- d.&nbsp;h. Kriegskoggen der Hansa auch
+noch taten, denn erst als man anfing (im 16. Jahrhundert) auch im
+Zwischendeck Kanonen aufzustellen, wurden, da zu ihrer Bedienung der
+Raum frei sein mußte, Hängematten, die eben damals von Indien her
+eindrangen, eingeführt. Und zwar scheinen es Seeräuber gewesen zu sein,
+die zuerst auf den Gedanken kamen, das ursprünglich an zwei Bäumen
+hängende Ding als Schlafgelegenheit an Bord aufzuhängen. 1702: les
+Flibustiers s'en servent pour y dormir lorsqu' ils sont en mer&#8223;; so
+wenig allgemein war also vor zweihundert Jahren der Gebrauch der
+Hängematten. Sogar das Wort war 1681 dem Verfasser des
+&#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223; als hochdeutsches noch ungeläufig, denn er
+schreibt von Indianern: &#8222;Wenn sie essen, so sitzen sie auff der Erden
+und wenn sie schlaffen, so tun sie solches in hangenden Decken, darunter
+sie des Nachts Feuer unter machen&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Hanger</span>, der, ist ursprünglich ein kurzes Ende eines dicken Taues, das um
+den Top des Mastes oder die Nock der Rahe gehängt wird und in dessen
+herunterhängendem Ende sich eine Kausch befindet, in die das Seitentakel
+des Mastes, das Nocktakel der Rahe, eingehängt wird. Es versteht sich
+von selbst, daß der Hanger des Mastes ebenso wie der der Rahe paarweise
+vorkommt. Jetzt nimmt man natürlich Drahttau dazu; Dick und Kretschmer:
+&#8222;Die Hanger des Fock- und Großmastes bestehen aus je einem kurzen
+Drahtende, in dessen Tampen Kauschen eingesplißt sind und in dessen
+Mitte ein auf den Top des Mastes passendes Auge eingebunden ist.&#8223; So
+wird also der Hanger doppelt. Die beiden Hanger eines Tops haben dann
+vier Arme; die des Kreuztops aber sind einarmig.<a id="Page_192"></a>
+ <span class="pagenum">[192]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Harpune</span>, die, eine speerartige Waffe mit Widerhaken zum Harpunieren von
+Fischen; von der <span class="strong1">haken</span>förmigen Gestalt so genannt, von der auch Harfe
+den Namen hat, wenn der nicht vielmehr von dem entsprechenden Zeitwort
+im Spanischen, Portugiesischen und Provençalischen arpar, französisch
+harper, packen, anhaken, reißen, zupfen (&#8222;Zupfgeige&#8223;) kommt, was aber in
+Bezug auf die sprachliche Verwandtschaft nichts ändern würde. Spanisch
+heißt die Harpune arpon, portugiesisch arpao, französisch harpon. Über
+das hinzugekommene h im Anlaut, die Aspiration, vergl. die Bemerkung
+Willmanns unter Havarie.</p>
+
+<p><span class="strong1">hart</span>, die eigentliche Bedeutung von hart ist. &#8222;stark, fest.&#8223; Sie kommt
+in dem seemännischen Kommando: &#8222;hart Backbord, hart Steuerbord, hart das
+Ruder!&#8223; zum Ausdruck, denn damit wird befohlen, daß das Ruder so stark
+wie möglich nach der betreffenden Seite hin gedreht, oder vielmehr, wie
+der Seemann noch immer, auch wenn ein Rad da ist, zu sagen pflegt,
+gelegt werden soll. Es erinnert der Gebrauch von &#8222;hart&#8223; noch an die Zeit
+der Pinne; diese wurden ja früher auch auf großen Schiffen allein zum
+Steuern gebraucht, und wenn es hieß &#8222;hart!&#8223; so wurde sie hart an die
+betreffende Bordwand heran gelegt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Havarie</span>, die, = Seeschaden an Schiff und Ladung, (oft auch übertragen
+und scherzhaft gebraucht, so daß z.&nbsp;B. ein Seemann zu einem kleinen
+Mädchen dessen Puppe entzwei ging, sagen kann: &#8222;Du hast wohl mit deiner
+Puppe Havarie gehabt&#8223;). Die Erklärung wird für die Engländer ziemlich
+schwierig weil zwei Wörter in einander spielen, die schwer auseinander
+zu halten sind, average im Sinne von Havarie und average im Sinne von
+Abschätzung, Durchschnitt, Verteilung; doch das ist ihre Sache. Für uns
+ist die Erklärung einfacher, wiewohl auch hier viel mit der Stange im
+Nebel herumgefahren worden ist. So ist z.&nbsp;B. (siehe &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223;)
+behauptet worden, es käme von averig, übrig, sei also das dem Kapitän
+überher bewilligte Geld, Zugabe, so daß für Havarie schließlich der
+Begriff Trinkgeld herauskäme. (&#8222;Anno 1405 wurd dat Rahthues to Bremen
+gebuwet, do idt fullenbracht, gaff de Raht den Arbeiderluden averich tom
+besten 2 Schinken&#8223;). &nbsp;&mdash;&nbsp; Aber auch die Ableitung von Hafen, so daß
+Havarie ursprünglich Hafengeld wäre, erregt Bedenken. Wohl hat in den
+romanischen Sprachen das Wort diese Bedeutung, dazu auch noch die von
+Ausgangszoll, aber da das Niederdeutsche<a id="Page_193"></a>
+ <span class="pagenum">[193]</span> sie nicht kennt, so ist
+schon aus diesem Grunde diese Erklärung durch Dietz mit Recht abgelehnt
+worden. Das Richtige wird sein, daß es von dem arabischen awar kommt,
+&#8222;gebrochen&#8223;, auf Waren bezogen: Beschädigung. Wahrscheinlich kam das
+Wort mit dem Handel nach italienischen Seestädten und wurde da
+romanisiert; italienisch und portugiesisch avaria, spanisch averia und
+haberia, französisch avarie, niederländisch avary, havary, alles =
+Schaden an Schiff und (oder) Ladung. Über das Hinzukommen des h spricht
+sich Wilmanns, Deutsche Grammatik I 72 aus. Nachdem er von dem Wegfallen
+des h gesprochen hat, sagt er: &#8222;Hinzugefügt ist h in heischen,
+althochdeutsch eiscôn (wohl unter dem Einfluß von heißen), vielleicht in
+heikel, ferner in einigen mundartlichen Wörtern und in den fremden
+Hartschier (it. arsiero), Hawarie (frz. avarie, it. avaria). In anderen
+wie Hoboë (frz. hautbois), Harpune (ndl. harpoen, frz. harpon), Harlekin
+(früher frz. harlegin, jetzt arlequin) ist das stumme Zeichen zum Laut
+erhoben.&#8223; Wobei zu bemerken ist, daß das h in havarie doch am Ende im
+Gedanken an Hafen sich festgesetzt hat. &nbsp;&mdash;&nbsp; Havarie grosse oft auch bloß
+Grosse genannt, ist eigentlich nur &#8222;beträchtliche&#8223; Havarie, hat sich
+aber zu einem bestimmten seerechtlichen Begriff herausgebildet. Wenn es
+aber heißt mettre de l'argent à la grosse, so hat das mit Havarie grosse
+nichts zu tun, sondern es ist dabei zu ergänzen (à la grosse) avanture,
+d.&nbsp;h. Geld auf Bodmerei geben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Schon Kilian hat das Wort in beiden
+Gestalten des Niederländischen: haverye und averye = jactura sive damnum
+in mari.</p>
+
+<p><span class="strong1">Heck</span>, das, ist der hinterste oberste Teil des Schiffsrumpfes und
+bedeutet einen eingehegten Raum, d.&nbsp;h. einen solchen, der an drei Seiten
+mit einem Heck (= Hag, Hecke, Zaun, Einfassung) umgeben ist. Das Bild
+wird deutlicher wenn man bedenkt, daß, ähnlich wie bei Schiffen mit
+einer Kampanje, früher das Hinterteil nicht mit einer festen, massiven
+Bordwand sondern nur mit Stützen (vergl. Reeling) umgeben war, die etwa
+wie Zaunpfähle, nur weiter aus einander, standen und unter einander mit
+Tauen oder Ketten verbunden zu werden pflegten. Verwandt ist hegen =
+schützen, da das Heck vor dem Überbordfallen oder vielmehr vor dem
+Inswasserfallen schützen soll. Im Nordfriesischen ist heck ein kleiner,
+abgemachter Teil vor den Fenstern. Das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223; kennt hek als
+Zaun von Brettern, auch<a id="Page_194"></a>
+ <span class="pagenum">[194]</span> Tür eines Zaunes, &#8222;Heckgatter&#8223;,
+Schlagbaum. In Holland ist es &#8222;een getralied &nbsp;&mdash;&nbsp; also ein gegittertes &nbsp;&mdash;&nbsp;
+afschutsel.&#8223; Ostfriesisch hek, Einfriedigung, Gitter, Gitterwand,
+Gitterpforte. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Heckbalken</span> heißt der Hauptquerbalken, der die beiden
+Hauptteile des Achterschiffes scheidet, den unteren oder Spiegel und den
+oberen oder das Heck. <span class="strong1">Heckbord</span> ist der Rand, die Reeling des Hecks, zu
+dem sich oder zu der sich die ursprünglichen einfachen Stützen
+allmählich ausgewachsen haben. Schon früh gab es Schiffe mit besonders
+hohem oder sonst bedeutsamem Heck, wie eine Urkunde der Gräfin
+Margaretha von Flandern aus dem Jahre 1252 zeigt: &#8222;Navis que dicitur
+Hegboth, que habet retro anulos ferreos debet Comiti IIII denarios et
+feodatis quatuor denarios; sie vero retro anulos ferreos non habuerit
+debet Comiti duos denarios et feodatis duos denarios.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Heckanker</span>, s. Anker.</p>
+
+<p><span class="strong1">Heckdavit</span>, s. Davit.</p>
+
+<p><span class="strong1">Heissen</span>, s. hissen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Helgen</span>, s. Helling.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hellegat</span>, das, ein dunkler Raum ganz unten im Schiff in dem allerlei
+Material und Inventar aufbewahrt wird. Bootsmannshellegat,
+Zimmermannshellegat, Feuerwerkshellegat u.&nbsp;s.&nbsp;w. sind die Hellegats, wie
+die Mehrzahl des Wortes lautet, die unter der Verwaltung des
+betreffenden Deckoffiziers stehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Gat heißt Loch in allen
+hochdeutschen Bedeutungen, also auch, wie hier, im Sinne von: dunkler,
+kleiner Ort. Helle bedeutet etwas Ähnliches, nämlich einen (dunklen) Ort
+in dem man etwas verbergen, bergen, aufbewahren kann. Der richtige Sinn
+steckt in dem verwandten neuhochdeutschen <span class="strong1">hehlen</span>. Dieser findet sich
+zwar auch in &#8222;Hölle&#8223;, aber ohne daß man sagen dürfte, daß Hölle auf die
+Bedeutung und Benennung unseres Helle eingewirkt hätte, die beiden
+stehen vielmehr selbständig neben einander, denn hel oder helle bedeutet
+im Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen sowohl Hölle,
+(altnordisch hel, die Todesgöttin, Totenreich, Reich der Hel, Unterwelt)
+als Ort wo man etwas birgt, als auch 1. Loch, Höhlung, Vertiefung,
+Spalt, Graben, Wasserleitung, 2. den unteren, in der Regel fensterlosen
+und dunklen Raum in der Mühle, der als Bergeraum für die Geräte dient,
+3. den dunklen Raum unter dem Werktische der Schneider, worin die beim
+Zuschneiden abfallenden Tuchreste geworfen<a id="Page_195"></a>
+ <span class="pagenum">[195]</span> werden, 4. das
+Aschenloch unter dem Herde zum Bergen der Asche, 5. unser Hellegat. Das
+&nbsp;&mdash;&nbsp; gat könnte also als tautologisch ganz wegfallen und der Sinn des
+Wortes bliebe derselbe. &nbsp;&mdash;&nbsp;Englisch hall; also ist Halle, was man kaum
+denken sollte, mit Hellegat nahe verwandt: Bergungsort.</p>
+
+<p><span class="strong1">Heling</span>, die, ist ein Knoten oder Stek, mit dem zwei Taue an einander
+gebunden werden. Es gibt verschiedene Arten, die am elegantesten
+aussehende ist die Kreuzheling. Das deutsche Zeitwort halten,
+niederdeutsch holden, neigt, wie im Hochdeutschen so in verschiedenen
+anderen germanischen Sprachen stark nach e hin; &#8222;du hälst&#8223;; altsächsisch
+haldan, held; angelsächsisch healdan, heold, englisch hold, held,
+altnordisch halda, helt. Es steht daher zu vermuten, daß Heling
+eigentlich Helding hieß, einen Knoten der hält, der zwei Taue
+zusammenhält, bezeichnend.</p>
+
+<p><span class="strong1">Helling</span>, die; eine zum Wasser geneigte Ebene auf einer Werft, auf der
+ein neues Schiff gebaut wird, geneigt, damit es, wenn es fertig ist,
+beim Stapellauf die schiefe Ebene hinab in sein Element gleiten kann.
+Oft wird Helling auch für Werft selbst gebraucht, da bei ihr sich
+allerlei Schiffbauvorrichtungen (siehe Lastadie) befinden. Kommt von
+hellen, einer Assimilisation vom niederdeutschen helden = hängen, Hang
+und Neigung haben, neigen, überhängen, eine schräge, abschüssige,
+schiefe Ebene bilden; althochdeutsch heldan, mittelhochdeutsch helden,
+hellen, altnordisch halla; althochdeutsch halda, mittelhochdeutsch halde
+= Halde, Bergeshalde, Bergesabhang; verwandt wohl auch hold und Huld, im
+Sinne von jemandem geneigt sein. Hierher gehört der Name des Hafens &#8222;de
+Helder&#8223;, Stadt auf der äußersten Spitze von Nordholland, deren Bewohner
+nicht in Helder, sondern &#8222;op den Helder&#8223; wohnen, so daß die Herkunft des
+Wortes von helder in der allgemeinen Bedeutung &#8222;Land das der See
+zugeneigt ist&#8223; sich von selbst ergibt. Und zwar ist Helder der sonstigen
+Bedeutung in Bezug auf die Lage außendeichs, auf den Seeanwuchs, auf die
+Fruchtbarkeit, genau dasselbe wie Groden, nur daß bei helder daran
+gedacht ist, daß das Neuland nach dem Deich zu ansteigt oder vielmehr
+nach der See zu abfällt, niedriger ist. Altfriesisch hilde = declivitas
+aggeris, helling der dijk. Im Jahre 1364 bekundet der Pastor Liuppold
+von Larrelt bei Emden einen Güterkauf: &#8222;Sunt autem predia infrascripta
+duo graminata in<a id="Page_196"></a>
+ <span class="pagenum">[196]</span> Cornmede, tria graminata in liteka Helum&#8223; etc.
+etc., zu gleicher Zeit kommt auch die Form helliken schon vor.
+Upheldinge hieß mittelniederdeutsch das Letzte im Faß, die Neige, weil
+man, wenns aufs Letzte geht, das Faß auf die heldinge = Helling,
+Neigung, legt. Bremer Wörterbuch: &#8222;de Tunne ligt up der Helnge&#8223;; &#8222;van
+der Helnge drinken&#8223;, von dem Rest aus dem Fasse trinken. Uhlenbeck,
+Gothisches Wörterbuch, vergleicht gothisch hallus, Fels (doch wohl auch
+im Sinne von Felsabhang) mit dem altnordischen hallr, Bergabhang, Fels,
+und setzt beide zu der indogermanischen Wurzel *kel heben, emporragen,
+so daß die Helling also doch nicht von oben, sondern von unten her den
+Namen bekommen hätte, nicht von der schief abfallenden, sondern von der
+schief ansteigenden Ebene. Aubin 1702: abatre un vaisseau = een schip
+doen hellen om te Kiel-halen, wo also das Aufdieseiteneigen des Schiffs
+gemeint ist. Kilian hat den weiteren Begriff helling als schepwerf,
+navale, neben dem Zeitwort helden = inclinare.</p>
+
+<p><span class="strong1">Helm</span>, der. 1. Als Kopfbedeckung mit Hülle und Hellegat verwandt, als
+Schutz, Verbergung des Hauptes.</p>
+
+<p>2. Für Ruder gebraucht und in diesem Sinne gewöhnlich für ein englisches
+Wort gehalten. Es ist aber von jeher in Deutschland im Gebrauch gewesen
+und wird noch gebraucht. Die eigentliche Bedeutung ist Ruderpinne.
+Ostfriesisch helm, Ruder, Steuerruder, Steuer, Ruder<span class="strong1">pinne</span>.
+Wangerländisch hellem-holt Ruderholz, Ruderstange, Holz oder Stange zum
+Steuern. Althochdeutsch halm, heim, manubrium, in jochhalm,
+mittelhochdeutsch giechholme, Riemen oder Seil am Joch zum Leiten,
+Lenken, Steuern der Rinder. Im Mittelniederdeutschen heißt helm
+Handgriff; daher ist Hellebarde gekommen, eigentlich helm-barde =
+heftesachs, Schwert mit langem Handgriff, und helm-exe. Zu beachten ist,
+daß auch im Englischen helm zunächst nur die Bedeutung Griff hat,
+handle, und daß man bei der Erklärung des Wortes von einem Rade, das an
+Stelle des Handgriffes, der Pinne, getreten ist, völlig absehen muß. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Die Verwandtschaft des gleichlautenden englischen und
+mittelniederdeutschen helve muß hier dahingestellt bleiben; möglich wäre
+es schon daß beiden dieselbe Wurzel zu Grunde läge mit der Bedeutung
+fassen, halten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hennegat</span>, das, die Öffnung in der Gilling des Hecks in welcher der Kopf
+des Ruders in das Innere des Schiffes führt.
+<a id="Page_197"></a>
+ <span class="pagenum">[197]</span> Damit das Seewasser
+nicht zugleich mit hineindringe, ist das Loch um den Kopf herum mit
+geteertem Segeltuch umkleidet. So kommt das Wort also nicht etwa von
+Henne = Hinten, wie angenommen worden ist, was es aber garnicht giebt;
+auch nicht von Hengegat, weil der Kopf des Ruders darin hinge, denn
+nicht der Kopf sondern das Ruder selbst hängt in den Fingerlingen, ich
+nehme vielmehr an, nach niederdeutschem Sprachgebrauch, besonders dem
+ostfriesischen, daß das Wort eigentlich Heinegat heißen muß, denn heinen
+heißt einfriedigen, umzäunen, umschließen, umgürten, umfriedigen; hein
+ist ein umschlossenes Gebiet und ist mit hegenschützen verwandt, so daß
+also ein Hennegat ein Gat ist, das durch einen Kranz von geteertem
+Segeltuch vor dem Einströmen des Wassers geschützt ist. Diese Erklärung
+paßt auch besonders gut für die Zusammensetzung <span class="strong1">Henneschott</span>, die zwar
+etwas pleonastisch ist, da Schott schon allein etwas Schützendes
+bedeutet, aber dergleichen liebt die Sprache des Volkes, läßt sich
+wenigstens dadurch nicht stören, zumal gewöhnlich die Bedeutung des
+einen der beiden in der Zusammensetzung steckenden Wörter dem Bewußtsein
+entschwunden ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Henneschott</span>, das, s. Hennegat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hering</span>, der. Weil das a in dem scherzhaft gebrauchten &#8222;Harung&#8223; sich in
+vielen germanischen und namentlich auch romanischen Sprachen immer
+wieder ernstlich vordrängt, so hat man auf Abstammung vom lateinischen
+halec, halex, Salzfisch, Salzlake geschlossen. Doornkaat, Ostfriesisches
+Wörterbuch II. 41 führt jedoch überzeugend aus: &#8222;Da dieser Fisch den
+Küstenbewohnern der Nordsee jedenfalls viel früher bekannt war, als sie
+mit den Römern in Berührung kamen und er gerade zu den am Häufigsten und
+in großen Mengen an unseren Küsten vorkommenden Fischen gehört, bezw.
+besonders im Frühjahr stets massenhaft in den aggen genannten Reusen auf
+den Watten gefangen wird und demnach auch wohl von Urzeiten her und
+lange vor Entstehung der Seeschiffahrt schon ein Hauptnahrungsmittel
+unserer Küstenbewohner bildete, so ist es viel wahrscheinlicher, daß
+häring ein ur-niederdeutsch-friesisches Wort ist ... und von har, haer,
+her = Heer, Menge, Schaar abgeleitet wurde.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Heringsbüse</span> s. Büse.</p>
+
+<p><span class="strong1">Heuer</span>, die, das Geld, der Lohn den ein Seemann für seine
+<a id="Page_198"></a>
+ <span class="pagenum">[198]</span> Dienste
+als Matrose empfängt, auch der Dienst selbst, z.&nbsp;B. Heuer auf einem
+Dampfer nehmen, sich auf eine Brigg verheuern. Das Wort ist eine
+Verhochdeutschung des niederdeutschen hür, das Miete in allen
+hochdeutschen Bedeutungen ist; hüren, mieten, ein Mädchen, eine Wohnung,
+ein Haus, (in Holland kann man sogar einen Ofen huuren). Im 17.
+Jahrhundert ist das Wort ins Hochdeutsche aufgenommen. Im Teuthonista
+heißt es huyren. Englisch hire, wie es sich denn in allen germanischen
+Sprachen und Mundarten findet, oft mit einem i anstatt des ü, so daß
+eine Verwandtschaft mit Heirat, früher Heurath, althochdeutsch hirat
+nicht unwahrscheinlich ist, (zu eines altdeutschen Mannes Hausgesinde
+gehörten alle Hausgenossen, die Diener, die Kinder, die Frau) und daß
+also die auch in Ostfriesland bekannte scherzhafte Redensart der
+Groninger: &#8222;de lange huur ingoan&#8223;, &#8222;die lange Miete eingehen&#8223;, für sich
+verheiraten, einen tieferen Sinn hätte, als die meisten Groninger sich
+träumen lassen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Heuerbaas</span> s. Baas.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hielen</span>, <span class="strong1">Hiel</span>, <span class="strong1">Hieling</span>, die. Hiel oder Hieling heißt der Fuß des Mastes,
+der in einer Spur steht, und der Fuß der Stenge, in dem sich die Scheibe
+des Stengewindreeps und das Schloßgat befinden. So heißt auch das
+hinterste Ende des Kiels. Es steckt also beides in dem Worte: <span class="strong1">unten</span> und
+<span class="strong1">hinten</span>. Was sich nun unten und hinten am menschlichen Leibe befindet,
+das ist die <span class="strong1">Ferse</span>. Und in der That heißt niederdeutsch und auch in
+hochdeutschen Mundarten die Ferse Hiel. Ostfriesisch hil, hile;
+wangerländisch hil, angelsächsisch hel, englisch heel, niederländisch
+hiel. Auch der Fuß der Spanten heißt Hiel. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Zeitwort hielen heißt
+ostfriesisch hilen und bedeutet up de hilen lopen, auf den Hacken oder
+Absetzen gehen; seemännisch aber bedeutet es &#8222;<span class="strong1">nach hinten über hängen</span>&#8223;,
+so daß besonders hielen von einem Schiffe gesagt wird, das hinten tiefer
+liegt als vorne, bei dem also der Hiel des Kieles die hinterste und
+unterste Stelle ist, und man sagen kann, das Schiff läuft gleichsam auf
+den Hacken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hieven</span> ist eigentlich kein deutsches Seemannswort, wurde auch früher von
+deutschen Seeleuten nicht gebraucht, es scheint vielmehr als ob es erst
+in den Anfangszeiten der preußischen Kriegsmarine von England herüber
+gekommen sei, vielleicht durch in England und Amerika ausgebildete
+Seekadetten. Im Englischen<a id="Page_199"></a>
+ <span class="pagenum">[199]</span> spielt to heave eine große Rolle,
+(verwandt mit heben) besonders im Seemännischen: &#8222;to apply power to, as
+by means of a windlass, in order to pull or force in any direction; as,
+to heave a ship ahead, that is, to bring her forward when not under sail
+by means of cables or other appliance; to heave a ship astern, to cause
+her to recede; to heave up an anchor, to raise the anchor from the
+bottom of the sea.&#8223; Hieven wird man am besten mit &#8222;durch Anwendung von
+Kraft heben und bewegen&#8223; wiedergeben.</p>
+
+<p><span class="strong1">hissen</span>, hochziehen. Das &#8222;Handwörterbuch für technische Ausdrücke in der
+Kaiserlichen Marine,&#8223; welches 1879 von der Kaiserlichen Admiralität
+herausgegeben worden ist, sagt dafür, &#8222;heißen&#8223; und fügt in Klammern bei
+&#8222;früher auch hissen.&#8223; Aber das Wort muß auch jetzt noch hissen und nicht
+heißen heißen. Früher, im Mündungsdelta des Rheins rief der Bootsmann
+(s. Hochbootsmann) den Matrosen sein Ho! zu, aber weiter östlich an den
+Nordseeküsten von West- bis Nordfriesland lautete der Zuruf an die
+Matrosen, zugleich an einem Tau zu ziehen, anders. Das sind gerade die
+Gegenden, wo die Leute sich, weil sie so ungern den Mund auftun, die
+offenen Endsilben, die früher ihre Sprache so klangvoll machten,
+gründlich abgewöhnt haben. Selbst wenn sie wirklich einmal etwas sagen
+wollen, muß sich das Wort mühsam den Weg durch das Gehege der
+geschlossenen Lippen und Zähne suchen. So ist also hier nicht das offene
+freie Ho! zu erwarten, man ließ den Mund zu und benutzte mehr bequem als
+höflich dasselbe Geräusch, das man mit der Zunge macht, wenn man Hunde,
+Schweine oder Gänse hetzt, man erzeugte die langgezogene Sibilans wie
+sie die Gänse selbst auch erzeugen, und daraus entwickelte sich
+lautmalend der Naturlaut hissss! Daraus entstand das Zeitwort hissen. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+In dem berühmten Teuthonista finden wir es als hysen, reizen, eine
+Schlange oder Gans; beim Kilianus als &#8222;hißen, hißchen, hitschen, hußen,
+sibilare, hetzen, instigare, agitare, Hunde auf den Wolf hetzen. Das
+Bremer Wörterbuch hat hisen und hiesen, warnt aber davor, diesen
+Schiffsausdruck mit hißen, hetzen, &#8222;den Hund up dat Swin hißen&#8223;
+zusammenzubringen. Eine Warnung die uns nicht abhalten kann, es dennoch
+zu tun. Denn wenn sowohl die Grundbedeutung als auch die Form beider
+Wörter dieselbe ist, wie kommen die Bremer Gelehrten dazu, zweierlei
+Wörter anzunehmen? Die höfliche Rücksicht, die den Menschen nicht
+mit<a id="Page_200"></a>
+ <span class="pagenum">[200]</span> einem Tier vergleicht, übt die Sprache nicht; der Hund wird
+angetrieben, den Wolf zu fassen, der Matrose wird angetrieben das Tau zu
+fassen und daran zu holen, für beides sagt sie hissen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wenn nun
+infolge des Zurufes: &#8222;hiß, hiß!&#8223; an dem Tau geholt wird, das über eine
+an erhöhtem Punkte angebrachte Rolle läuft, so hat das zur Folge, daß
+der Gegenstand der an dem anderen Ende dieses Taues befestigt ist, in
+die Höhe geht. Dieses Indiehöhegehen hat im Laufe der Zeit mit hissen
+den Gedanken an hochziehen aufs Innigste verbunden, so innig, daß wir
+hissen einfach für hochziehen gebrauchen. Wir brauchen auch gar nicht
+mehr aufhissen zu sagen, in hissen allein liegt uns das &#8222;auf&#8223; schon mit.
+Darum wird auch nicht, oder wenigstens nicht immer, kommandiert &#8222;Hiß auf
+die Flagge!&#8223; sondern einfach &#8222;Hiß die Flagge!&#8223; oder vielmehr &nbsp;&mdash;&nbsp;
+hochdeutsch sein sollend &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Heiß die Flagge!&#8223; Sollte es mit aller
+Gewalt hochdeutsch sein, dann müßte hetzen gesagt werden. Aber: &#8222;Hetz
+die Flagge!&#8223; geht nicht; &#8222;heiß die Flagge&#8223; geht zwar auch nicht, aber es
+geht doch, weil das seemännische Ohr, namentlich das jüngere, sich schon
+daran gewöhnt hat. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Französischen hatte 1702 das aus dem
+Niederdeutschen übernommene hißer schon genau dieselbe Bedeutung wie
+heute: &#8222;Hißer, ißer ... c'est hausser quelque chose ou l'élever. On dit
+Hisse la grande vergue, Hisse la vergue de miséne. Il nous le fit
+connoitre en hissant et amenant sept fois le pavillon. Il amena le
+pavillon qu'il voulut rehisser sur le champ. On dit, Hisse de la
+caliorne (Gien); Hisse du palan (Takel); Hisse d'avant; Hisse d'arriére;
+Hisse du palan d'étai (Stagtakel), Hisse du bredindin (kleineres Takel
+für leichtere Lasten); Hisse partous. C'est ainsi qu'on nomme la
+manoeuvre, pour faire hisser un fardeau à bord.&#8223; Die Franzosen gestehen
+aber die Herkunft aus dem Deutschen nicht gerne ein, wie ihnen überhaupt
+das häufige Vorkommen deutscher Wörter in ihrer Seemannssprache kein
+angenehmer Gedanke sein mag. In seinem 1848 erschienenen Glossaire
+nautique bemüht sich Jal, allerdings wohl nach des berühmten Ducange
+Vorgang, hissen von dem griechischen hypsos, die Höhe, abzuleiten. Sonst
+ist sein Buch aber ganz verdienstvoll und lehrreich; die Widmung lautet:
+&#8222;Aux Marins qui ne dédaignent pas la Science historique, Aux Erudits qui
+s'occupent de Marine&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Holländischen ist aus dem Hetzruf hiss!
+huss! hoss! auch noch das Zeitwort hossen entstanden,<a id="Page_201"></a>
+ <span class="pagenum">[201]</span> das auf
+holländischen Kirmessen laut genug ertönt. Die sonst etwas bequemen und
+langsamen Holländer geraten bei dieser festlichen Gelegenheit mächtig in
+Bewegung, selbst in Städten wie Amsterdam, Rotterdam, 'sGravenhaage,
+Utrecht. Da muß der Fremde auf der Hut sein, sonst wird er auf offener
+Strasse in einen Strudel von Männlein und Fräulein gezogen, die ihn
+bekannt oder unbekannt, gern oder ungern, wohl oder übel an den Händen
+fassen und mit ihm in langen Reihen dahin chassieren, singend, johlend
+und &#8222;hoß! hoß!&#8223; rufend; das nennt man hossen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Englischen hat das
+Wort die Gestalt hoist angenommen. Es ist aber gleicher Herkunft,
+nämlich von dem auch im Englischen vorkommenden to hiss, welches
+dreierlei Bedeutung hat. 1. &#8222;To make a sound like that of the letter s
+by driving the breath between the tongue and the upper teeth, especially
+in contempt or disapprobation. (The merchants among the people shall
+hiss at thee. Ezechiel 28, 36). 2. To emit a similar sound: said of
+serpents, geese, and other animals, of water thrown on hot metal
+(gischen), of steam rushing through a small orifice. 3. To whizz, as an
+arrow or an other thing in rapid flight. (Shod with steel we hissed
+along the polished ice);&#8223; daß aber to hoist von diesem to hiss kommt,
+dafür spricht nicht nur die Übereinstimmung der Bedeutung, sondern auch
+die Form im Altenglischen to hoise, schottisch heeze. &#8222;The t seems to
+have been added as in against, amongst.&#8223; Als Bedeutung aber wird
+angegeben: &#8222;To raise, to lift, to heave; specially, to raise by means of
+block and tackle; as to hoist a sail, to hoist a heavy package to an
+upper room.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Hochwasser</span> s. Flut.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hock</span>, das. Die Engländer nennen jeden Rheinwein &#8222;hock&#8223;, das zunächst nur
+eine Abkürzung von &#8222;Hochheimer&#8223; ist (wie Gib von Gibraltar und Frisco
+für San Francisco), darum hat dieses Hock mit dem vorliegenden keine
+Gemeinschaft, welches einen Verschlag von Brettern bezeichnet, der zur
+Unterbringung von Tieren dient, Hühnerhock, Schafhock etc. etc. Die zum
+Schlachten mitgenommenen Tiere mußten sich mit den dunkelsten,
+schlechtesten Ecken begnügen, da wurde für sie ein Bretterverschlag
+abgeteilt. Der Raum hieß hok = Spitze, Ecke, Winkel, auch Richtung etc.
+etc. Als hernach den Schlachttieren ein anderer Platz angewiesen ward,
+blieb die hok natürlich wo sie<a id="Page_202"></a>
+ <span class="pagenum">[202]</span> war, aber der Bretterverschlag
+wanderte, beweglich gestaltet als Käfig, mit an den neuen Standort. Da
+man aber gewohnt war: &#8222;Die Schafe stehen in der hok&#8223;, so blieb man dabei
+und sagte weiter: die Schafe stehen in der hok, auch als sie frei an
+Deck im Käfig standen, der dann leicht für die eigentliche hok gehalten
+wurde. So kam der Verschlag zum Namen Hock, und da es nun einmal
+verhochdeutscht war mit kurzem o und ck (wohl in Gedanken an die Tiere
+die darinnen <span class="strong1">hocken</span>) so kam es auf etwas Änderung mehr oder weniger
+nicht an, man machte das Femininum zum Neutrum. Von Hocken = gebückt
+sitzen, soll Höcker = Krämer kommen. Bedenkt man aber, daß hok = winkel
+ist und daß in Holland der Laden winkel und der Ladeninhaber winkelier
+heißt, weil in irgend einem Winkel er seinen Kram ursprünglich feil bot,
+so wird wahrscheinlicher daß Höcker, Höker von hoek = winkel kommt, wie
+ja auch der Laden von einem der großen Welthäuser ursprünglich nur ein
+(Fenster-)Laden war.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hochbootsmann</span>, der. Ein Wort, das zwar von der Kriegsmarine nicht mehr
+gebraucht wird, aber doch noch nicht ganz aus dem Sprachschatze des
+Seemannes entschwunden ist. Wenn im alten Griechenland die vielen
+Ruderer eines Schiffes zugleich anrudern und überhaupt Takt halten
+sollten, worauf nicht nur wegen des ordentlichen Aussehens allein,
+sondern vor allen Dingen auch der grösseren Kraftentfaltung zu Liebe
+gehalten werden musste, so konnte das nur durch ein Kommando, das für
+alle hörbar war, geregelt werden. Dieses Kommando gab der Keleustes, der
+Rudermeister, Bootsmann, Taktangeber oder wie man das Wort übersetzen
+will. Wie er das Zeichen gab, erhellt aus seinem griechischen Namen, der
+von keleuo kommt, rufen, zurufen, antreiben, ermahnen, befehlen; davon
+keleuma der Zuruf, der Befehl, das Gebot, der Takt, in welchem gerudert
+ward. Keleustes heißt also ursprünglich Zurufer. Was aber der
+griechische Bootsmann seinen Ruderern zurief, welche Töne er von sich
+gab, welche Laute er hören ließ, das wissen wir nicht. Bekannt ist aber,
+daß auf Trieren, also auf Kriegsschiffen, der Bootsmann durch einen
+Maaten mit der Pfeife unterstützt wurde. Der hieß trieraules, der
+Schiffsflötenspieler, Schiffspfeifer. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nun übte im Mittelalter das Amt
+des Keleustes nachweislich der Bootsmann aus, und zwar mit Hilfe des
+Zurufes: &#8222;Hou, hou!&#8223; Er wurde dadurch, wie Kilianus sich ausdrückt, zum
+hortator, der<a id="Page_203"></a>
+ <span class="pagenum">[203]</span> die Leute ermahnte, durch Zuruf antrieb, <span class="strong1">zugleich</span>
+ihre Kraft zu irgend einer gemeinsamen seemännischen Arbeit einzusetzen.
+Das kann allerdings auch und muß unter gewissen Umständen ohne lautes
+Rufen geschehen. Beim Wettrudern z.&nbsp;B. gibt der Bootssteurer nur durch
+das energische rythmische Vorbeugen des Oberkörpers den Takt an. Man
+hört dabei keinen Laut und darf keinen hören, außer dem eines allerdings
+mit großer Kraftanstrengung den Ruderern an die Köpfe gehauchten h! Das
+h nimmt unter den Buchstaben eine eigene Stellung ein. Es ist kein
+Konsonant, weil der Mundkanal bei seiner Bildung nicht verengert wird;
+es ist auch kein Vokal, weil ihm der Stimmton fehlt. Da wissen es die
+Gelehrten nirgends so recht unterzubringen. Wenn sie einmal einen
+eifrigen Bootsmannsmaaten beim Wettrudern sein h! herausschmettern
+hörten, dann wüßten sie, was ein h ist, nämlich noch immer das was es
+ursprünglich war, ein gutturaler Reibelaut, wobei je nach Geburt,
+Herkunft und Muttersprache, der eine mehr einen Velarlaut, der andere
+mehr einen Palatallaut artikuliert. Ist aber eine gemeinsame
+Kraftanstrengung der Matrosen bei Gelegenheiten herbeizuführen, wo es
+nicht so sehr auf peinliche Stille ankommt, dann bedient sich der
+Bootsmannsmaat des bekannten Zurufs: &#8222;Zugleich!&#8223; indem er das &#8222;zu&#8223; so
+herausstößt, das es durch eine kleine, die Aufmerksamkeit spannende
+Pause von dem &#8222;gleich&#8223; getrennt ist, damit die Leute, sobald sie nun
+dieses &#8222;gleich&#8223; hören, alle mit einem Ruck ihren Biceps in Thätigkeit
+setzen. Der Bootsmann in Kilians Tagen aber begnügte sich weder mit dem
+gutturalen Reibegeräusch beim Wettrudern noch gebrauchte der das
+&#8222;zugleich&#8223; der Arbeitsverteilung, sondern schrie nur immer &#8222;hou&#8223; oder
+&#8222;ho!&#8223; darum hieß er Ho-Bootsmann. Und als hernach die Rollenverteilung
+so vorgenommen wurde, daß dem Schiemann die Aufsicht über die Takelage
+des Fockmastes, dem Bootsmannsmaaten diejenige über den Kreuz- oder
+Besanmast, dem Bootsmann aber die über den Großmast übertragen wurde,
+der auch &#8222;der hohe Mast&#8223; (wohl nach dem Dänischen) hieß, so konnte aus
+Ho-Bootsmann leicht Hochbootsmann werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Högedag</span>, der, auch Hagjedag, hieß früher der Tag an dem die Mannschaft
+Fleisch zu essen bekam und keinen Stockfisch, keine Erbsen und dergl.
+Was das in einer Zeit, wo es noch keine Konserven gab, bedeutete, ist
+leicht zu ermessen, und daher<a id="Page_204"></a>
+ <span class="pagenum">[204]</span> ists zu verstehen, daß ein solcher
+Tag ein Freudentag genannt wurde. Sich högen heißt ja sich freuen,
+vergl. högetid, Freudenzeit, Erntezeit, högedag, Gedenk-,
+Erinnerungstag, jeder Fest- und Freudentag; jetzt hochdeutsch nur noch
+in der Form Hochzeit gebräuchlich, welches also nicht &#8222;hohe Zeit&#8223;,
+sondern Freudenzeit bedeutet, (ebenso wenig hat auch goldene Hochzeit
+mit Gold etwas zu schaffen, sondern bedeutet eine unfruchtbare Hochzeit,
+die keine Kinder im Gefolge hat).</p>
+
+<p><span class="strong1">Hohle See</span>, s. hohe See 1.</p>
+
+<p><span class="strong1">Holen</span>, ziehen, zerren, reißen, raffen, schleppen, bringen, tragen, im
+Besonderen: <span class="strong1">an einem Tau ziehen</span>. Ein weitverbreitetes deutsches Wort,
+niederdeutsch holen und halen, althochdeutsch halon, altenglisch halien,
+angelsächsisch geholian, altnordisch hala, spanisch halar, französisch
+haler (wie alle mit h beginnenden Seemannswörter des Französischen, aus
+dem Deutschen). Insofern holen nun wirklich ziehen bedeutet, ist das
+Kommando: &#8222;Hol steif, hol an&#8223; ohne weiteres klar, denn es bedeutet:
+&#8222;Zieh an!&#8223; Aber wenn hernach aus demselben Munde der Befehl kommt: &#8222;Fest
+holen!&#8223; und damit gemeint ist, daß nun nicht weiter gezogen werden soll,
+so bedeutet das eine holen das gerade Gegenteil von dem andern holen.
+Die Erklärung liegt im Niederdeutschen; holen und holen sind da zwei
+ganz verschiedene Wörter. Sie sind nur zufällig in der Form holen
+zusammengetroffen. Das eine heißt eigentlich halen, das andere holden.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Da die Niederdeutschen, besonders die für das Seemännische so
+wichtigen Friesen, das a so dunkel wie o aussprechen, so klingt halen in
+ihrem Munde wie holen. Und da sie sichs mit dem Sprechen gar zu gern
+bequem machen, wobei es ihnen auf eine Hand voll Buchstaben nicht
+ankommt, so ließen sie in holden das d verschwinden und es ward
+ebenfalls zu holen. Das konnte um so eher geschehen als eine
+Verwechslung des einen holen mit dem andern für ein niederdeutsches Ohr
+ausgeschlossen war, teils weil sie verschieden ausgesprochen und betont
+wurden, teils wegen sehr wesentlicher Verschiedenheiten in der
+Konjugation. Alle diese Unterscheidungsmerkmale fielen aber bei der
+Aufnahme ins Neuhochdeutsche fort und dadurch ist erst die Verwechslung
+der beiden Zeitwörter mit einander möglich geworden. Um solche in
+Zukunft zu vermeiden, wird es kaum ein anderes Mittel geben als einfach
+die beiden zusammengefügten Zeitwörter<a id="Page_205"></a>
+ <span class="pagenum">[205]</span> wieder zu scheiden und sie
+schiedlich und friedlich neben einander zu gebrauchen als holen und
+halten. Dann kann kommandiert werden: &#8222;Holen!&#8223; und, wenn die Leute
+strammer, fester zufassen sollen: &#8222;Fest holen!&#8223;, wenn sie aber aufhören
+sollen mit holen: &#8222;Fest halten!&#8223; (nämlich so lange bis das Tau belegt
+oder doch wenigstens abgestoppt ist). &nbsp;&mdash;&nbsp; Die angeführten Wörter fremder
+Sprachen haben den Vokal a; Beweis daß sie nicht von holden sondern von
+dem weit seemännischeren halen stammen. Über ein von haler gebildetes
+haleur s. unter treideln.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hoch</span>, Adverbium, in der Verbindung &#8222;hoch beim Winde segeln&#8223;; es heißt
+dies: so nahe oder so dicht beim Winde segeln als solches ohne
+Durchdrehen überhaupt möglich ist, also daß die Segel zwar noch fest
+voll Wind stehen, eine bestimmte von dem Manne am Ruder ins Auge gefaßte
+Schot aber ein wenig Leben und Bewegung zeigt, d.&nbsp;h. killt. Hoch kommt
+übrigens allermeist nur in der Verneinung vor, wenn der wachthabende
+Offizier den beim Winde steuernden Leuten die Warnung (vor dem Fangen
+einer Eule) zuruft: &#8222;Nicht zu hoch!&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Hoft</span>, <span class="strong1">Hofd</span>, das, kommt für sich allein selten vor, wie es scheint nur
+hie und da im Sinne von Schleusenhaupt oder Molenhaupt. Über die
+Verbindung Dodshofd siehe dieses. Hier ist Hofttau zu erklären. Es heißt
+Haupttau als etwas Hauptsächliches, Wichtiges, Dickes, Starkes; Hofttaue
+sind die dicken, starken Taue, die (mit den Weveleinen) die Wanten
+bilden, die dem Mast nach beiden Seiten hin festen Halt verleihen. Sie
+haben also den Zweck von Stagen, nur daß sie nicht in der Längsrichtung
+des Schiffes sondern in der Querrichtung stützen. Sie gehören zum
+stehenden Gut. Im Französischen heißen sie haubans, aubans, haut-bans
+(1702).</p>
+
+<p><span class="strong1">Hochdruckmaschine</span> s. Maschine.</p>
+
+<p><span class="strong1">Höhe</span>, die.</p>
+
+<p>1. Die <span class="strong1">(Sonnen-)Höhe</span> nehmen oder messen heisst die Mittagshöhe der Sonne
+mit dem Oktanten beobachten, messen, peilen. Es geschah früher mit dem
+Quadranten, vorher mit dem Jakobsstab.</p>
+
+<p>2. <span class="strong1">Seehöhe.</span> In diesem Sinne bei Luther, Luc. V. 4: &#8222;Fahre auf die Höhe
+und werfet eure Netze aus.&#8223; Hierüber äussert sich Breusing in der
+Einleitung zum &#8222;Seebuch&#8223;: &#8222;Die Gesetze der Perspektive fordern, daß bei
+Abbildung einer von oben gesehenen<a id="Page_206"></a>
+ <span class="pagenum">[206]</span> ebenen Fläche die entfernteren
+Punkte höher liegen als die näheren. So scheint auch dem Auge der am
+Strande Stehenden die See wie ein Hügel aufzusteigen, und ein Schiff,
+welches sich vom Strande entfernt, hat diesen Hügel hinaufzufahren. Von
+dieser Anschauung geleitet nennt der Seemann das äusserste dem Auge
+sichtbare Wasser die &#8222;Seehöhe&#8223;, und das in dieser Entfernung oder Höhe
+befindliche Schiff ist boven, während das dem Strande nahe als unten
+erscheint. Dem niederdeutschen boven entspricht das oberdeutsche &#8222;ob&#8223;,
+z.&nbsp;B. in Obwalden, d.&nbsp;h. Land oberhalb des Waldes, und in Land ob der
+Ens, d.&nbsp;h. oberhalb der Ens, und das englische off. In der hochdeutschen
+Schriftsprache ist uns das Wort (nämlich boven) leider abhanden
+gekommen, welches vollständig durch: &#8222;auf Seehöhe in der Nähe von&#8223; oder
+kurz durch &#8222;auf der Höhe von&#8223; wiederzugeben wäre&#8223;. So treffend hiervon
+manches ist, so ist doch der Unterschied von &#8222;Seehöhe&#8223; und &#8222;auf der Höhe
+von&#8223; nicht festgehalten. Und das muss er werden, denn wenn einer sagt:
+&#8222;ich bin jetzt auf der Höhe von Kap Skagen&#8223;, so meint er nicht die
+(vermeintliche) perspektive Höhe, sondern etwas ganz Reelles und
+Wirkliches, nämlich dass er nun &#8222;frei&#8223; von Kap Skagen ist und seinen
+Kurs ändern kann, was besonders angenehm ist, wenn man sich mühsam auf
+solche Höhe aufgekreuzt hat und nun abhalten darf. Das ist eine andere
+Höhe als wenn Christus zu Petrus sagt: &#8222;Fahre auf die Höhe!&#8223; nämlich</p>
+
+<p>3. &#8222;<span class="strong1">Höhe von</span>&#8223; das heisst</p>
+
+
+<p>(a) die Höhe eines Vorgebirges haben, nämlich &nbsp;&mdash;&nbsp; vgl. das eben unter 2
+Gesagte &nbsp;&mdash;&nbsp; sich soweit luvwärts von dem Vorgebirge befinden, dass man
+dasselbe umsegeln kann.</p>
+
+<p>(b) die Höhe einer Insel oder einer Stadt haben heisst mit ihr auf
+demselben Breite- bezw. Längegrade sein. &#8222;Wir befanden uns auf der Höhe
+von Bermuda&#8223;; &#8222;wir waren gerade auf der Höhe von Habana.&#8223;</p>
+
+<p>Von hohem dichterischem Schwunge ist das Bild unter dem im Beówulf das
+Meer headu genannt wird. Head heisst hoch. Ob nun das Meer schlechthin
+hoch und erhaben genannt sein soll, oder ob dabei an die Höhe wie bei
+Petri Fischzug gedacht ist, bleibt natürlich dichterischem Verständnis
+überlassen. Ich möchte mich für das Letztere entscheiden, und zwar wegen
+der Zusammensetzung headu-lidend, welches Seegänger heisst,
+also<a id="Page_207"></a>
+ <span class="pagenum">[207]</span>
+einen Mann bedeutet, der auf die Höhe, auf die hohe See, auf grosser
+Fahrt fährt, im Gegensatze zu einem Binnenschiffer.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hohe See</span>, die.</p>
+
+<p>1. Es ist hohe See, es steht hohe See, heisst: die Wellen gehen hoch,
+das Meer ist sehr bewegt, nicht von kleinen, unruhigen Wellen, die ein
+frisch aufgekommener Wind erzeugt, sondern von den großen lang
+dahinrollenden, durch anhaltendes Wehen erzeugten Ozeanwogen. Diese
+nennt man auch &#8222;<span class="strong1">Hohle See</span>&#8223; namentlich wenn ihr Erzeuger sich bereits
+gelegt hat; hohl im Sinne einer Höhle, mit der man bei einiger
+Einbildungskraft und gutem Willen wohl das zwischen zwei hohen
+Wellenbergen gelegene Wellenthal vergleichen kann.</p>
+
+<p>2. &#8222;Auf hoher See sein&#8223; wird im Gegensatz zur Küste gesagt, vgl. Höhe 2.
+Wann die hohe See anfängt, ist nach Seemeilen nicht mathematisch genau
+zu sagen. Es beruht auf dem Gefühl. Mancher wird erst von Hoher See
+sprechen, wenn ihm alles Land aus Sicht gekommen ist, was aber der für
+die Sicherheit verantwortliche Seemann ist, der betrachtet sein Schiff
+schon als auf Hoher See befindlich, wenn er es so weit vom Lande ab hat,
+dass das Land ihm nicht mehr gefährlich werden kann, dass er also
+ungehindert von irgend einer Küste seinen Kurs absetzen kann.</p>
+
+<p><span class="strong1">Holm</span>, der, hieß im Mittelniederdeutschen Insel, auch in einem Flusse
+gelegene Insel, hauptsächlich im Ostseegebiet, doch nicht auf dasselbe
+beschränkt, denn &#8222;a. 1203 quemen de graven tor Hoya ut Fresslande (sic)
+und begunden eine festen to buwen up einen holm, so in der Wesser
+beflaten was.&#8223; Heute gebrauchen wir das Wort nur noch als
+Ortsbezeichnung: Bornholm, der Dänholm, Stockholm etc. etc. Im
+Angelsächsischen bedeutet es Meer, See; doch steht diese Bedeutung da
+ganz allein, so daß sie auf irgend einer Zufälligkeit beruhen mag, und
+uns nicht hindern kann, das Wort da hinzustellen, wohin es sprachlich
+gehört, zu collis, culmen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Weil auf solch einem Holm häufig ein Platz
+zum Schiffbau sich fand, so ist das Wort auch eine der mancherlei
+Bezeichnungen für Werft. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein Holm ist bewachsen, vgl. Manson,
+See-Buch, Lübeck 1735, die Segelanweisung nach Wismar. &#8222;Die Wissenschaft
+oder die Märke hinein zu lauffen seynd diese: drinnen in Wißmar stehen
+zweene hohe Thürm, der Westere ist dick und oben stumpf, der östere
+schmal und spitzig,<a id="Page_208"></a>
+ <span class="pagenum">[208]</span> und die Kirche, da der schmalste Turm
+aufstehet, heist St. Nicolai-Kirche. Wenn man kommt aussen vor Hannibal,
+und wil ins Mittel-Tieff ein, soll man so lauften, daß man den östlichen
+schmalen Turm von St. Nicolai Kirchen in etwas nahe zusammen mit der
+westlichen Ecken von Pöel bekomme, und halte die so stehend, und gehen
+Süd-Südosten in und lasse Hannibal an Baackbord, und Lips, welches ist
+ein kleiner Graßholm, am Stührbord, von welchem Holm auf allen Seiten
+langer Grund ausschiest.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Manchmal auch unbewachsen; derselbe über
+die Einfahrt von Gothland: &#8222;bleiben zweene kleine blosse Holmen am
+Baakbord.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Manchmal auch ein Berg; vergl. Lucas Janszoon Waghenaer
+&#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;, 1588, &#8222;Van daer naer de Corona zeyltmen aen S.
+ende S. ten O. ter tijt toe men een stuck weechs binnen den toren is,
+die op een ronde holm oft berch staet, so sietmen aen stuyerboort een
+cleyn Eyland daer een Kercxken op staet.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Hosenboje</span>, die, ist eine bei den Stationen der Deutschen Gesellschaft
+zur Rettung Schiffbrüchiger vorrätig gehaltene Boje, die von oben wie
+eine gewöhnliche Ring-Kork-Boje aussieht, ausserdem aber von unten noch
+mit einer Vorrichtung versehen ist, die einer Segeltuch-Badehose ähnlich
+sieht. Der Mann, der von einem gestrandeten Schiffe mit dem Rettungstau
+gerettet werden soll, hat mit den Beinen in diese Hose zu fahren, die
+Arme aber auf die Boje zu legen und wird so in der Boje an Land geholt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Houari</span> = Takelage s. sliding gunter.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hub</span>, der.</p>
+
+<p>1. In der Hydrographie die Höhe der Flut, das Mass um das die Flut sich
+<span class="strong1">hebt</span>.</p>
+
+<p>2. In der Technik: Kolbenhub, Einzelhub, Hub vorwärts, Hub rückwärts,
+Doppelhub, Hubhöhe, Hublänge, Hubwechsel, Hubzähler etc. alles von
+heben, im Munde unserer seegehenden Maschinenleute dadurch etwas
+verundeutlicht, daß sie das b meist wie p aussprechen und Hup mit sehr
+langem u sagen, wodurch das Wort einen englischen Eindruck macht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Huk</span>, die, heißt seemännisch eine Landzunge oder Landspitze, eine etwas
+vorspringende Küste; sonst auch Ecke, Winkel, ferner Angel, Türangel,
+Fischangel im Niederdeutschen. Die Nordsee bevorzugt Huk, Huk von Logum,
+Huk von Holland (geschrieben<a id="Page_209"></a>
+ <span class="pagenum">[209]</span> hoek, ausgesprochen Huk), Fährhuk
+(die Stelle an der der Kriegshafen Wilhelmshaven erbaut wurde); die
+Ostsee bevorzugt das Spitze bedeutende &nbsp;&mdash;&nbsp; ort: Friedrichsort, Darßerort,
+Brüsterort. Schon im &#8222;Seebuch&#8223; (1400) heißt huk und huek die Spitze
+eines Vorgebirges, Landspitze &nbsp;&mdash;&nbsp;, &#8222;men moet den huek schuwen unde lede
+den by den lode uppe 5 ofte 6 vademe&#8223;; &#8222;de wil setten unter de cape
+Vincentz, de sal den ersten huk laten liggen und segelen bet under den
+anderen huk.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Kommt von der Wurzel kuc, biegen, krümmen, ist also
+genau genommen eine Stelle, wo man um die Ecke biegt, so daß man dann
+&#8222;under&#8223; ist wo man vorher boven war; siehe &#8222;Höhe.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch das äußerste
+Ende eines Bollwerks kann man Huk nennen; vergl. Manson, Seebuch, 1735:
+&#8222;Wil man auch in Travemünde einsegeln, so stehen Westen bey die andern
+Häuser in Travemünde 3 oder 4 dwaß Häuser, unter einem Dach, so daß man
+von das Norderste den weissen Giebel sehen kann, bringet den Hueck vons
+Osten Bollwerk, und dem Giebel überein, dar ist das Tieffste Wasser.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Huker</span> ist ein breit und plump gebautes Nordseeschiff, wahrscheinlich
+ursprünglich ein Schiff zum Fangen von Fischen mit der Huk, der
+Schellfischangel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hulk</span>, die, heißt jetzt ein altes, für seinen Zweck nicht mehr
+gebrauchtes Schiff, das als Kaserne, Werkstatt, zu Unterrichtszwecken
+benützt wird. Das Wort ist heruntergekommen, denn im
+Mittelniederdeutschen war eine Hulk oder Holk etwas ganz anderes,
+Höheres, nämlich ein großer Kauffahrer, den die
+Schiffsbesichtigungskommission, wenn es damals schon eine gegeben hätte,
+hätte im Auge behalten müssen, denn er war so gebaut, daß er leicht als
+Kriegsschiff eingerichtet werden konnte. &#8222;Unde wunnen ene af dre grote
+holke unde etlicke andere clene schepe.&#8223; &#8222;Aldus quemen dar twe grote
+holke.&#8223; &#8222;De Lübeschen hadden by der borch ein gros schip, eynen holck.&#8223;
+&#8222;Eyn schipher van Lubeke seghelde myt eneme groten holke wol geladen.&#8223;
+(Lüb. Chron.) &#8222;Dar bleff eine nye holcke van Lubeck van 300 lasten.&#8223; Das
+Geschlecht wechselt also zwischen männlich und weiblich; jetzt ist es
+weiblich. Kilian, der mehr nach dem Niederländischen neigt, hat die Form
+hulcke: koop-vaerders schip = Holcas, navis oneraria, gravis,
+frumentaria, lata, navigium latum vastumque. Das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223;
+übersetzt Holk mit Kauffahrer: &#8222;1445 fingen die Bremer einen Holck mit
+Ledder&#8223; ... &#8222;Se nehmen<a id="Page_210"></a>
+ <span class="pagenum">[210]</span> ock einen Holck mit Figen, Rosinen und
+anderen Guderen.&#8223; Der Name stammt ans dem Griechischen: helkein, ziehen,
+holke das Ziehen, holkus der Zug, so daß wir uns die Hulk ursprünglich
+als gezogenes, getreideltes (Fluß-)Schiff zu denken haben. Als
+seegehendes Schiff ist es aber bereits durch eine Urkunde König
+Aethelreds (978-1016) bezeugt: &#8222;si adveniat ceol vel hulcus et ibi
+jaceat 4 denarii ad telonium.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Hundewache</span>, die, auf deutschen Kriegsschiffen die Wache von 12 bis 4 Uhr
+nachts. (Anderweitig wird andere Wachzeit so genannt.) Das Wort hat mit
+Hund nichts zu tun, sondern ist nur eine volksetymologische Anlehnung
+daran, etwa mit dem Gedankengang: nachts von 12 bis 4 sollte man keinen
+Hund in Sturm und Wetter hinausjagen. Es ist wohl eigentlich Hintewache.
+In ganz Deutschland sagt man für &#8222;heute Nacht&#8223; heint oder hint, auch
+heinte oder hinte, wie man für &#8222;dieses Jahr&#8223; heuer sagt, diesjährig
+heurig; Hintewache ist also = &#8222;Heutnachtwache&#8223;; wer sie einmal gegangen
+ist in stürmischer Finsternis, der wird von der Form Hundewache nicht
+befremdet sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hundspünt</span>, der, das spitz zulaufende Ende eines Taus um das eine Art
+Gewebe oder Netz gelegt ist. Solche Taue läßt man in der Form eines
+Hundspüntes auslaufen, die man häufiger durch eine enge Öffnung stecken
+muß, weil sie ohne diese Vorsichtsmaßregel auf die Dauer in ihre
+einzelnen Duchten auseinander gehen, sich &#8222;aufrebbeln&#8223; würden; = penis
+eines Hundes. Früher war auch Hundsfott im seemännischen Gebrauch für
+einen kleinen Stropp. Doch wird es jetzt selten gehört, außer etwa in
+der Bedeutung des Schimpfwortes, das freilich auch so lange die
+Studenten ihren Landesvater steigen lassen nicht aus dem deutschen
+Sprachgebrauch schwinden wird; &#8222;ein Hundsfott der ihn schimpfen soll.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Hüsing</span>, das, eine Art dicken, starken Bindfadens, eine schön fest
+gedrehte Schnur, ein dünnes festes Seil, eine dünne aus drei Garnen
+geschlagene Leine oder wie man es nennen will, der Seemann nennts eben
+Hüsing. Das Wort kommt nur bei den an der Nordsee wohnenden Seeleuten
+vor, hier aber auch bei allen, und sonst nirgends; es muß also an den
+Nordseeküsten seinen Ursprung haben. Doornkaat vermutet daher wohl mit
+Recht, daß es ursprünglich eine Leine bedeutet habe mit der die Husen
+oder Hausen (von denen die Hausenblase kommt) gefangen<a id="Page_211"></a>
+ <span class="pagenum">[211]</span> werden.
+Eine gewöhnliche Angelschnur genügt zu diesem Zwecke nicht und es muß
+also etwas stärkeres genommen werden. Diese Vermutung erhält eine
+wesentliche Stütze durch die Verbindung die das Wort in Groningen
+eingegangen ist: huzelntau, huzelingtau (z = s), wie denn auch Molena
+(&#8222;Groningische Mundart&#8223;) sich die Vermutung Doornkaats angeeignet hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Hütte</span>, die, war lange Zeit der vornehmste Raum an Bord, auch auf
+Kriegschiffen, nämlich der Aufbau, das &#8222;oberste Stockwerk&#8223; des
+Hinterschiffes, also der Raum unter der Kampanje, wo die Kapitänskajüte
+und (die) Kammern der Offiziere waren. &#8222;Durchl. Seehelden&#8223;: &#8222;Der gute
+Admiral Lieutenant Tromp ward als er von der Hütte gieng geschossen; da
+er niederfiel ward er wieder aufgehoben, und auf Kissen in der Hütte
+niedergeleget, und starb mit diesen Worten im Munde: Ich habe gethan,
+halt guten Muth, o Herr sey mir und diesem armen Volck gnädig.&#8223; Das hat
+sich inzwischen durch den veränderten Schiffbau geändert, man hört das
+Wort kaum mehr außer in Holland, aber auch da bedeutet es nicht mehr was
+es früher bedeutete, sondern nur &#8222;een verblyfplaats der stuurlieden en
+andere mindere bevelhebbers&#8223;, also nicht grade das &#8222;Logis des Volks&#8223;,
+aber doch auch nicht mehr die Kajüte des Kapitäns, sondern etwa
+Unteroffiziermesse. Das geht auch aus dem wahren Sinne des seemännischen
+Sprichworts hervor, das Lüpkes, &#8222;Seemannssprüche&#8223; S. 44 angeführt: &#8222;Als
+het in die Kajuit regent, dan druipt het in de hut.&#8223; Das heißt aber
+nicht bloß, daß, wenn die Höheren leiden, die Niederen in
+Mitleidenschaft gezogen werden, sondern daß es diese in verstärktem Maße
+trifft, wie man sagt &#8222;Aus dem Regen in die Traufe kommen&#8223;; die Meinung
+ist die: Wenn der Kapitän den Steuermann in die Kajüte bittet und ihm da
+etwas vorhält etwa mit den Worten: &#8222;ich muß doch bitten&#8223;, so gibt der
+diese &#8222;Bitte&#8223; mit einem saftigen Donnerwetter weiter an die Leute in der
+Hütte.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="J"></a>J.</span>
+</h2>
+
+
+<p><span class="strong1">ja! ja!</span> Der Posten an Bord ruft nachts ein dem Schiff sich näherndes
+Boot an: &#8222;Boot ahoi!&#8223; Für die Antwort aus dem Boot kommt es darauf an,
+wer darin sitzt. Ist es der Kommandant<a id="Page_212"></a>
+ <span class="pagenum">[212]</span> so wird der Name des
+Schiffes gerufen, ist es ein Offizier oder im Offiziersrang stehender
+Beamter, so lautet die Antwort ja! ja! Ist niemand von diesem Range im
+Boot, so wird nein! nein! gerufen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es wird dabei an das, was an Bord
+zum Empfang des Bootes zu geschehen hat, gedacht worden sein, besonders
+auch um anzugeben, an welcher Seite des Schiffes das Boot anlegen wird,
+da nur die Offiziere etc. etc. an Steuerbord, alle andern an Backbord
+anlegen dürfen, bezw. müssen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jacht</span>, die, eigentlich nur ein einmastiges aber schnellsegelndes kleines
+Schiff. Holländisch jagt: &#8222;een jagtschip voor den pronk en het gemak.
+Van jagen, omdat het snel zeilt, of schielyk voortgetrokken wordt;
+avysjagt, oorlogsjagt, speeljagt, trekjagt, Zeiljagt enz.&#8223; In
+Ostfriesland ist jachtje ein Fuhrwerk, Pferd und Wagen zusammen, so wie
+es sich auf der Landstraße zeigt. Auf Wangerooge jacht, mit einem Mast.
+Kilian: jaght = Liburnica, (Liburnen hießen die von den Illyriern
+erfundenen Schnellsegler) celox navis praedatoria piratica, myoparo,
+piraticus myoparo, navis triremis forma, incredibilis celeritatis. Die
+Seeräuber haben von jeher gehabt und mußten der Natur der Sache nach
+haben die schnellsten Schiffe. &nbsp;&mdash;&nbsp; Unter dem &#8222;Schiffzeug auff der Donauw&#8223;
+das 1565 Frohnsperger anführt, kommen unter anderm vor: &#8222;weiter über die
+hundert guter ziemlicher ander Schiff, auch groß klein und ander Nachen,
+<span class="strong1">Renn und Jagschiff</span>, so gleicher gestalt mit aller notturfft zu der Wehr
+und Streit gegen den Erbfeind (Türken) verordnet.&#8223; Eine nordische
+Expedition die 1594 von Holland aus über &#8222;Nova Zembla&#8223; hinaus
+unternommen und von Johann Huygen, einem der Teilhaber, beschrieben
+worden ist, bestand aus drei Schiffen. &#8222;Auf dem Schiff von Amsterdam war
+Schiffer und Steuer Mann, Wilhelm Barentz von der Schelling, Bürger zu
+Amsterdam, ein erfahrener und wohl versuchter Seemann. Der hatte ein
+Schellinger Fischer-Jacht bey sich, ihn auf seiner fürgenommenen Reyse,
+wenn er etwa von den andern solte abkommen, Gesellschaft zu halten&#8223;. Ob
+er diese Jacht an Deck genommen hatte? Jedenfalls führte das
+Admiralsschiff eine Jacht an Bord mit, die ausgesetzt werden konnte.
+&#8222;Mittlerweile daß sie also durch das Eiß hinfuhren, sahen sie etliche
+Morsen oder Meer-Pferde auf den Eißschollen liegen; Einer von deß
+Admirals Volck schoß einen davon mit einer Kugel, und weil sie
+vermeynten, daß er dasselbe genug getroffen, <span class="strong1">setzten sie die</span><a id="Page_213"></a>
+ <span class="pagenum">[213]</span>
+<span class="strong1">Jacht auss</span>, und verfolgten es so nahe, daß sie ihm noch ein Harpun in
+den Leib wurfen, und also eine gute Weile mit genügsamer Leine
+nachschleppten; gleichwol konnten sie es dennoch nicht überwältigen,
+weil es sich so gewaltig wehrte, daß es allen, die in der Jacht waren zu
+thun genug machte, ja gegen sie anflohe, die Hacken samt den Rudern,
+damit sie wieder dasselbige sich widersetzten, mit seinen Pfoten
+ergriff, und die Eisen gantz krum biß, seine Zähne über den Bord hin
+schlug, die Schuyte umzureißen.&#8223; Es wird also hier Jacht und Schuyt
+(Schute) gleichbedeutend gebraucht. Doch waren unter Admiral Piet
+(Peter) Heyn Jachten ganz ansehnliche Kriegsschiffe. &#8222;Die Jacht der
+Windhund, fünffzig Last groß, mit zehn Stücken Geschütz und dreyssig
+Boots Gesellen. Die Jacht der Hase, von sechzig Lasten, zehn Stücken und
+vierzig Bootsgesellen führend.&#8223; &#8222;Die Jacht Armuyden, von neunzig Lasten,
+mit zehen Stücken und vier und fünfzig Matrosen&#8223;. &#8222;Die Jacht der David
+von sechzig Last, mit vierzehn Stücken, sechs Steinstücken, und
+zweiundvierzig Bootsgesellen.&#8223; Die große Jacht der Holländischen
+Ostindischen Kompagnie vom Jahre 1671 avoit 66 piés de long, 19 piés de
+large, et 6 piés de creux sous les goutieres.&#8223; &#8222;L'étrave avoit 9 pouces
+d'épais endedans, 6 pouces en-dehors, 2 piés 3 quarts de large par le
+bas, 2 piés et un quart par le haut, 12 piés de hauteur, 10 piés de
+quete; la quille 12 pouces de large et 10 pouces d'épais u.&nbsp;s.&nbsp;w. Siehe
+Aubin, wo auch alle übrigen Maße ausführlich angegeben sind. Die &#8222;Heere
+Jacht&#8223; die er abbildet ist ein ganz ansehnliches Schiff mit hohem stark
+vornüber neigendem Mast. Bemerkenswert ist, daß schon vor zweihundert
+Jahren das Wort französisch Yacht geschrieben wurde und daß auch damals
+in Holland neben Jacht, Jagt, die Form Yacht gebräuchlich war. Diese ist
+also nicht etwa englisch, sondern die Engländer haben den Namen mitsamt
+der Sache aus Holland bekommen. Daß sie sowohl, wie die Franzosen, Yacht
+und nicht Jacht wählten, geschah aus Gründen der Aussprache, wie hätten
+die Engländer, wie vollends die Franzosen Jacht aussprechen sollen? &nbsp;&mdash;&nbsp;
+In unserem gegenwärtigen neuhochdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch
+wird das Wort &nbsp;&mdash;&nbsp; Jacht geschrieben und leider noch immer oft Jot
+gesprochen &nbsp;&mdash;&nbsp; kaum anders als in diesem Sinne gebraucht: &#8222;a light and
+elegantly fitted up vessel, used either for pleasure trips or racing, or
+as a vessel of state<a id="Page_214"></a>
+ <span class="pagenum">[214]</span> to convey kings, princes etc. etc. from one
+place to another by sea. There are two distinct species of yacht: the
+mere racer with enormous spars and sails and deeply-ballasted hull, with
+fine lines, but sacrificing everything to speed; and the elegant,
+commodious, well-proportioned travelling-yacht, often with steam
+propelling machinery, fit for a voyage round the world.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß aber
+diese Art Schiffe und ihr Name aus den Niederlanden nach England kamen,
+beweist eine Stelle aus dem berühmten Diary des Evelyn, der unter König
+Karl II. von England lebte und schrieb: &#8222;I sail'd this morning with his
+majesty in one of his <span class="strong1">yachts</span>, (or pleasure-boats), vessels not known us
+till the Dutch E. India Company presented that curious piece to the
+king&#8223;, dessen Nichte Maria mit Wilhelm III. von Oranien sich
+verheiratete und mit ihrem Gemahl später (1689) den englischen Thron
+bestieg. Roeding (1794) beschreibt Bauart und Takelage der Jachten und
+fügt dann hinzu: &#8222;Man gebraucht die Jachten, die sehr schnell segeln,
+auch Nachrichten, Paquete und Briefe von einem Ort zum andern zu
+bringen, und solche nennt man Advisjachten und Postjachten. Etliche
+Städte und große Herren unterhalten auch Jachten zu ihrer Belustigung,
+die man Herrenjachten oder Spieljachten nennt.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Es ist bei der
+Erklärung festzuhalten, daß jagen zunächst nicht &#8222;auf die Jagd gehen&#8223;
+bedeutete, sondern sich schnell vorwärts bewegen, eilen, rasch laufen,
+wie es ja auch heute noch gebraucht wird; daher jach, jäh, jählings.
+Graff vermutet, das althochdeutsche jagon könne eine aspirirte Form von
+agan sein, was dann mit dem gotischen ogan, timere, und agian, terrere,
+verwandt wäre, sowie mit dem althochdeutschen egi, timor. Dann wäre
+Aegir (Oegir), der Meergott, ein Jäger, einer der die Elemente Wasser
+und Luft im Sturm vor sich herjagt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Früher gab es im Niederdeutschen
+auch die Form jageschip für schnelles Seeräuberschiff; &#8222;seerovers mit
+klenen jageschepen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Jackstag</span>, das, besteht (Dick u. Kretschmer II 126) aus zwei mit
+eingesplißten Augen auf den Rahenocken aufgestreiften Drahtenden, welche
+durch die an der Oberkante der Verstärkungsringe der Rahe angeschweißten
+Augen nach der Rahemitte fahren und hier, nachdem in jedes derselben
+eine Kausch eingebunden, an der Achterkante der Rahtakelblöcke durch
+einen Taljereep miteinander verbunden werden. Das Jackstag dient zum
+Annähen des oberen Segellieks. &nbsp;&mdash;&nbsp; Obgleich oder vielmehr gerade
+weil<a id="Page_215"></a>
+ <span class="pagenum">[215]</span> jack als Abkürzung von Jakob im Englischen in so unzähligen
+Zusammensetzungen vorkommt, gewährt es für die Erklärung keinen
+Anhaltspunkt. Es bedarf dessen aber auch nicht, das Wort läßt sich aus
+dem Deutschen erklären. Es ist davon auszugehen, daß das Jagstack aus
+zwei Stücken besteht, die sich von zwei Seiten einander nähern da, wo
+sie sich am nächsten kommen, miteinander verbunden sind, wie zwei in
+einem Joche gehende Ochsen. Und an ein Joch, niederdeutsch juk (vergl.
+Juchart), denken wir, dem die Wurzel yug, fesseln, binden, verbinden,
+zusammenbinden zu Grunde liegt. Eben durch solches Zusammenbinden der
+beiden &nbsp;&mdash;&nbsp; an Backbord, an Steuerbord befindlichen &nbsp;&mdash;&nbsp; Teile entsteht ein
+Jackstag. Das müßte also eigentlich Jukstag heißen und hat wohl auch
+ursprünglich so geheißen, namentlich im Niederländischen; von daher
+haben es die Engländer übernommen und, wie sie denn auf Verbindungen aus
+jack geradezu versessen sind, so haben sie jackstag daraus gemacht. Wir
+aber haben es in dieser Form wieder zurückempfangen, sodaß dieses Wort
+dieselbe Geschichte hat wie das vorhergehende.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jager</span>, der, das allervorderste Segel des &#8222;Vorgeschirrs&#8223;, am verlängerten
+Bugspriet, dem <span class="strong1">Jagerbaum</span>. Früher hießen auf Kriegsschiffen die beiden
+Kanonen, die zuvorderst am Vorsteven standen, Jager, weil sie bei der
+Jagd auf ein feindliches Schiff besonders gebraucht wurden. Daß gerade
+das vorderste Segel jetzt Jager heißt, ist sinnreich und bedeutungsvoll
+dem Namen der beiden Kanonen nachgebildet. Daß dabei wirklich an Jagd im
+Sinne von &#8222;ein Wild jagen&#8223; gedacht ist und nicht bloß an &#8222;schnell
+fahren&#8223;, beweist ein doppelter Umstand. Einmal der, daß im
+Niederländischen der Junge, der beim Treideln der Treckschuit das Pferd
+antreibt, jager heißt, gewöhnlich, weil er noch ein Piccolo ist, &#8222;het
+jagertje&#8223;. Vgl. die Nota beim Teuthonista: &#8222;dyt Jagen mach men oick op
+drijven duytschen.&#8223; Zum andern aber steckt in dem englischen Wort für
+Jager, jib, dieselbe Gedankenverbindung. Altfranzösisch heißt aler
+gibier, aler en gibier, être en gibier jagen, Vögel jagen; daher das
+neufranzösische gibier, Wildbret. Gibet, Galgen, soll eigentlich &#8222;Strick
+um den Hals&#8223; bedeuten, sodaß der Gedanke an eine Vogelschlinge nahe
+liegt. &nbsp;&mdash;&nbsp;Wie ein Jäger in manchen oberdeutschen Dialekten ein &#8222;Jächter&#8223;
+heißt, so heißt unser Jager auf Wangerooge (die Schreibart mit e am
+Schlusse ist entgegen der preußischen von Langeoog und Spickeroog die
+offizielle oldenburgische) jageder.<a id="Page_216"></a>
+ <span class="pagenum">[216]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Jakobsleiter</span>, die, eine Strickleiter hoch oben an der Bramstenge, auf
+der die Oberbramsegelsgäste zu ihrer Oberbramrahe aufentern. Die
+Benennung dürfte, wie auch Jakobsstab, von den sehr bibelfesten
+reformierten Niederländern aufgebracht worden sein. Sie bezieht sich auf
+die von Jakob im Traum gesehene Himmelsleiter, Genesis 28, 12.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jakobsstab</span>, der. Das Werkzeug, dessen sich die Astronomie vor Zeiten
+bediente, um die Sonnenhöhe zu beobachten. Auf dem Titelbild des
+Dictionaire de Marine von Aubin, Amsterdam 1702 ist eine Amsterdamer
+Werft abgebildet, auf der man unter allerlei sonstigen seemännischen
+Gerätschaften einen Jakobsstab liegen sieht; und rechts, auf dem Wappen
+von Amsterdam sitzt einer, der gerade im Begriff ist, mit einem solchen
+die Sonne zu messen; demgemäß hält er den dreifach gekreuzten Stab so in
+die Höhe, daß er sinnreich und bedeutungsvoll den Mittelpunkt des ganzen
+Bildes bildet. Der Name stammt, wie Jakobsleiter, aus der Bibel, Genesis
+32, 11: &#8222;ich hatte nicht mehr als diesen Stab, da ich über diesen Jordan
+ging.&#8223; Auch auf dem Titelbild der Seekarten Waghenaer's Amsterdam 1588
+steht am Heck eines alle Leinwand zeigenden Schiffes ein Mann im
+Begriff, mit dem Jakobsstab zu beobachten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jan Maat</span> ist eine scherzhafte, volkstümliche Bezeichnung für Matrose im
+niederdeutsch-niederländischen Sprachgebiet. Hier bedeutet Jan eine
+Abkürzung des ungemein beliebten und häufigen Namens Johannes, die aber
+kaum als eine solche empfunden wird, sondern als ganz selbständiger Name
+auftritt. Maat aber heißt Geselle, Genosse. Ein berühmter Sänger unserer
+Tage singt ein reizendes kleines Lied von einem Mädchen, das von
+verschiedenen &#8222;Fahrenden&#8223; gefragt wird, ob es mitfahren wolle. Jan Maat
+fragt auch; da aber der Sänger &#8222;Jean&#8223; Maat ausspricht, als ob es
+französisch wäre, geht ein gut Teil der Wirkung des Liedes verloren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jiggermast</span>, der, ist etwas Neumodisches, nämlich der zweithinterste Mast
+eines Fünfmastschiffes. Im Englischen heißt das, was wir Treiber nennen,
+nämlich ein (Mast mit) Segel ganz hinten am Heck, jigger, von to jig =
+rütteln, schütteln oder vielmehr <span class="strong1">wackeln</span>. Die Bewegungen des Schiffes
+(ganz vorn und) ganz hinten werden am meisten empfunden und fallen am
+sichtbarsten in die Augen. Offenbar heißt darum der so weit hinten
+stehende Treiber jigger; Jiggermast würde also der gerüttelte,
+geschüttelte, wackelnde Mast sein.<a id="Page_217"></a>
+ <span class="pagenum">[217]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Jnglefieldanker</span> s. Anker.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jnhölzer</span>, die. Der gemeinschaftliche Name für alle einzelnen Stücke, aus
+denen ein Spant besteht, nämlich die Bauchstücke und Piekstücke mit
+ihren Sitzern und Auflangern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Joch</span>, das. Wie alles im Schiffbau, so hat auch die Ruderpinne in unserer
+Zeit gewaltige Veränderungen erfahren, so daß von der ursprünglichen
+Pinne auf vielen Schiffen gar nichts mehr übrig geblieben ist. Man hat
+an ihre Stelle einen Kreissektor, einen ganzen Kreis, ein Parallelogramm
+gesetzt, und die einfachste Verbesserung ist noch die, daß man anstatt
+der Pinne zwei Jocharme auf die Ruderspindel gesetzt hat, an denen das
+Ruderreep befestigt ist. Dieses Joch bedeutet grosse Kraftersparnis und
+Sicherheit. Früher nannte man Ruderjoche zwei Taljen, die die Ruderpinne
+bei schwerem Wetter halten halfen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jolle</span>, die, heißt jetzt ein kleines Schiffsbeiboot das gewöhnlich
+gerudert wird, aber auch segeln kann und besonders als Kochboot für
+Köche und Stewards dient, auch gebraucht wird um Beurlaubte in
+geringerer Zahl an Land zu bringen oder wieder abzuholen, überhaupt ein
+Arbeitsboot, kurz aber ziemlich breit. Zu dem angegebenen Zwecke dient
+die Jolle schon seit Jahrhunderten. &#8222;Aldus was gemelte H. K. szulffander
+mith eynere jollen ilendes in de hauene nha zodaneme schepken gefaren&#8223;
+(aus Wismar 1520). Ostfriesisch jul, jülle, niederländisch jol,
+wangerländisch jel, auf der Spree gelle, sonst niederdeutsch auch golle
+und jölle, (g und j läßt sich oft nicht auseinanderhalten); dänisch
+jolle, englisch yawl, schwedisch jelle, julle, französisch jelle, jol.
+Wegen der Formen mit g im Anlaut ist Herkunft vom griechischen gaulos
+nicht unwahrscheinlich. Und zwar würde sogar die Form heute noch
+stimmen, da gaulos ein <span class="strong1">ovales</span> phönizisches Lastschiff war. Ob nun die
+Friesen und Sachsen, die frühe schon die französischen Küsten mit ihren
+Schiffen befuhren, das inzwischen durchs Lateinische und Provençalische
+ins Französische gedrungene Wort mit heimgeführt haben, ob vielleicht in
+uralten Tagen schon die Phönizier selbst es an den Küsten der Nordsee
+zurückgelassen haben, das wird sich schwer entscheiden lassen.
+Jedenfalls hat es schon früh einen Zeitpunkt gegeben, wo die Jolle im
+Gedankengang deutscher Seeleute eine bedeutende Rolle spielte, da sie
+den einfachsten Flaschenzug nach ihr <span class="strong1">Jolltau</span>, <span class="strong1">Jollentau</span> auch kurzweg
+<span class="strong1">Jolle</span> nannten.<a id="Page_218"></a>
+ <span class="pagenum">[218]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Jollentau</span>, <span class="strong1">Jolltau</span>, <span class="strong1">Jolle</span>, die, ein Tau über eine Scheibe laufend. Schon
+mit einem solchen kann sich ein Mann selbst in die Höhe winden. Zunächst
+wird man nach dem (Schiffs)boot, das den Namen Jolle führt ein Haupttau
+desselben Jollen-oder Jolltau genannt haben, und erst hieraus ist der
+Kürze wegen Jolle entstanden, dessen Bedeutung zunächst allgemein
+Bootstau war, aber nach und nach auf ein besonderes Tau eingeschränkt
+wurde, wie Hochzeit ursprünglich jede Freudenzeit hieß und hernach auf
+eine große Freudenzeit des Lebens beschränkt wurde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Junge</span>, der. Ein Schiffsjunge ist heutzutage etwas anderes als vor
+hundert Jahren ein Junge auf dem Schiffe war. Von diesem schreibt
+Roeding, daß solcher ein Knabe von 7-9 Jahren sei, der dem Kapitän
+und den übrigen Schiffsoffizieren zur Aufwartung diene. &#8222;Auf Kauffahrern
+trifft man gewöhnlich nur einen Kajütsjungen oder Kajütswächter an, für
+den Kapitän. Auf großen Schiffen aber befindet sich außer dem
+Kajütswächter noch ein Hofmeister, auch halten sich mehrere
+Schiffsoffiziere einen eigenen Jungen, so giebt es z.&nbsp;B.
+Bootsmannsjungen, Kochs-Jungen etc. etc. Bey jeder Back ist ebenfalls
+ein Junge, welcher der Backsjunge genannt wird.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Jetzt ist ein
+Schiffsjunge ein der Schule entwachsener junger Mensch, der zur See
+fährt, wohl auch einmal zu allerlei Dienstleistungen genötigt wird, aber
+dessen Hauptbeschäftigung doch die Erlernung der Seemannschaft und
+dessen Ziel die Heranbildung zum Matrosen, wo möglich zum Steuermann und
+Kapitän ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Schiffsjungen der Kaiserlichen Marine sind junge,
+konfirmierte Burschen, die im Schiffsjungen-Institut, 24. April 1850
+gegründet, auf Staatskosten so im Seemännischen und Militärischen
+ausgebildet werden, daß sie einmal brauchbare Unteroffiziere, und, wenn
+sie sich dazu eignen, Deckoffiziere werden können.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jungfer</span>, die, ein Block ohne Scheibe, rund, breit, wie eine abgeplattete
+Kugel, mit drei Löchern in Gestalt eines Dreiecks; dient hauptsächlich
+dazu die Hofttaue der Wanten anzusetzen. Mit einigem guten Willen kann
+man in dem Block das rundliche Gesicht einer Jungfrau sich vorstellen.
+Andere Nationen haben ihrer Einbildungskraft eine andere Richtung
+gegeben; die Franzosen sagen, was vielleicht noch treffender ist, cap de
+mouton, Schafskopf, auch, weil der Block schwarz ist, cap de more,
+Mohrenkopf; die Holländer sagen neben juffer = Jungfer,<a id="Page_219"></a>
+ <span class="pagenum">[219]</span>
+dood-mans-oog, eines toten Mannes Auge; die romanischen Sprachen sagen
+bigota, wohl mit bigote = Knebelbart eins, haben also auch an das
+Gesicht eines Mannes, aber eines lebendigen, gedacht. Die entsprechenden
+drei Löcher einer Kokosnuß nennen die Engländer sehr bezeichnend monkey.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jungmann</span>, der, ist ein eigentümlicher Mensch, kein Junge mehr und noch
+kein Mann, noch kein seebefahrener Vollmatrose, aber auch kein
+Schiffsjunge mehr = ein Jungmatrose. Seit die Marine die Ausbildung im
+Schiffsjungeninstitut abgekürzt hat, gibt es auch hier Jungmatrosen, die
+aber den Namen Leichtmatrosen führen, weil sie noch nicht ganz für voll,
+eigentlich schwer genug befunden werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Jütte, taube</span> s. Davit.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="K"></a>K.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Kabbelung</span>, die, gewöhnlich in der Verbindung Stromkabbelung, das
+Zusammentreffen zweier Strömungen, der Streifen auf dem die Grenzen der
+zwei Strömungen an einanderschlagen und ein hörbares Geräusch
+verursachen. <span class="strong1">Kabbeln</span> ist ein lautmalendes Wort, das schlagen,
+anschlagen, plätschern, klatschen bedeutet; &#8222;wenn die Wellen von zwei
+Seiten gegen einander schlagen und klatschen&#8223;; dann auch im übertragenen
+Sinne, aber nicht in dem von klatschen = schwätzen, nachsagen, sondern
+in dem von laut zanken, streiten, keifen; &#8222;sich kabbeln&#8223; = sich
+streiten. Indessen wird kabbeln nicht nur von dem Sichbegegnen zweier
+Strömungen, sondern auch überhaupt von dem Anschlagen des Wassers an
+irgend einen harten Gegenstand gebraucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kabel</span>, das, ist ein starkes Tau, früher anstatt der jetzigen Ankerkette
+als Ankertau gebraucht, eine Trosse, Kabeltrosse; jetzt besonders
+wichtig unterseeisches, transatlantisches Telegraphenkabel. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Lübeckische Chronik: &#8222;dat groteste schip konden se nicht weg bryngen,
+wente syn kabel was gehouwen.&#8223; Ein Tanz der Matrosen hieß kabeldanz,
+Renner, Brem. Chron.: &#8222;Dar dantzeden de boetslude den kabeldantz etlicke
+mahl, welches den commissarien seltzam was, doch woll gefell.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Der
+Teuthonista<a id="Page_220"></a>
+ <span class="pagenum">[220]</span> schreibt: &#8222;cabel = lyn, reep, seel, to vo dair mede
+men eyn schyp an dat lant vestiget offte merret.&#8223; Die Form cabel
+erinnert durch das c an den Ursprung des Wortes, griechisch kaplion;
+lateinisch capulum, caplum, abgeleitet von capere, fassen, halten. So
+ist das Wort schon vor bald 13 Jahrhunderten erklärt worden. Isidor von
+Sevilla, geb. 560, gest. 636 n. Chr., der die Westgothen in Spanien zur
+katholischen Kirche zu bekehren suchte, und der das große Verdienst hat
+der germanischen Welt durch seine schriftstellerische Tätigkeit die
+klassische und patristische Gelehrsamkeit übermittelt zu haben, dessen
+Werke auch das ganze Wissen jener Zeit enthalten, hat zwar nicht die ihm
+nachgesagten &#8222;Pseudoisidorischen Dekretalen,&#8223; wohl aber ein großes Werk
+&#8222;Origines s. Etymologiae&#8223; geschrieben, eine Art Encyklopädie. Da lesen
+wir: &#8222;capulum funis a capiendo.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kabelaring</span>, die, kommt seit Einführung der Ankerkette an Stelle des
+Ankerkabels kaum mehr vor, war aber früher nötig, da man die dicken
+Ankertrossen selbst nicht gut um das Spill legen konnte wenn man Anker
+lichten wollte. Da wurde denn ein dünnes Tau an das Kabel befestigt und
+mit dem Spill eingewunden, so daß dann das dicke mit hereinkam. Eine
+Weiterbildung von Kabel. Bei Roeding ist eine sehr deutliche Abbildung
+und Beschreibung; da die Sache veraltet, tut eine solche hier wohl nicht
+not.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kabelgarn</span>, das, s. Garn.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kabellänge</span>, die, war früher ein vielgebrauchtes Maß zur See und ist auch
+jetzt noch im Gebrauch, wenn es sich nicht um genaue Angaben, sondern
+ungefähre Schätzung handelt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Jetzt wird auch zur See nach Metern
+gerechnet. Es war aber auch zur Zeit der Herrschaft der Kabellänge nicht
+einheitlich genau bestimmt, was oder wie lang eine solche wäre. Es gab
+Ankerkabel von 150, es gab auch solche von 120 &#8222;Faden&#8223;; doch waren
+erstere die normaleren. Schon 1588 finden wir das Wort bei Waghenaer:
+&#8222;Item om die Voort te treffen, so sult gy op twe Cabels lengte by de
+Clippen van de Backovens lancx zeylen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kabine</span>, die, nur im Sprachgebrauch der Handelsmarine vorkommend, Wohn-
+und Schlafraum eines Offiziers oder Passagiers; auf Kriegsschiffen
+ausschließlich Kammer genannt. Das Wort stammt aus dem Keltischen, wo
+cab Zelt oder Hütte hieß. Das Bremer Wörterbuch hat die Form cave und
+bezeichnet damit<a id="Page_221"></a>
+ <span class="pagenum">[221]</span> eine von Latten und Brettern umschlossene Ecke,
+wo man Vieh hinstellt; also nicht den ganzen Stall, sondern einen Teil
+vom Ganzen, einen Koben, einen Schweinekoben. &#8222;Wenn der Bauer sein Kind
+etwa liebkosend zwischen beiden Knien einschließt, so spricht er: &#8222;ik
+hebbe den Jungen im Kaven&#8223;.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; angelsächsisch cofa, englisch cabin.
+Eine Kabine konnte um so eher nach einem Kaven genannt werden als eine
+solche ursprünglich kein so eleganter Raum war, sondern schmucklos aus
+ein paar Brettern zusammengezimmert. Eine scherzhafte und verächtliche
+Weiterbildung ist Kabuf und Kabache. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ueber das Wort cab äußert sich
+Diefenbach, Celtica p. 118: cab ist ein uraltes kymrisches Wort und
+bedeutet Hütte, Zelt; im Breizonek (Bas-Breton, Mündungsgebiet der
+Loire): caban, cabannen = cabane. Die Briten haben also auf der Flucht
+nach Frankreich das Wort mit über den Kanal genommen und das
+Französische damit bereichert. Gälisch: caban = Hütte, Zelt. Daß das
+Wort im ganzen keltischen Sprachgebiet bekannt war, beweist die
+Bedeutung die Isidorus (Isidorus von Sevilla, gestorben 636, &#8222;originum
+s. etymologiarum libri XX&#8223;) dem aus dem Keltischen ins Mittellateinische
+gedrungenen Worte capanna = Hütte gibt: &#8222;Hanc rustici Capannam vocant,
+quod <span class="strong1">unum</span> tantum <span class="strong1">capiat</span>&#8223; (!) Daher italienisch capanna Strohhütte,
+spanisch cabanna, französisch cabane. Vergl. Kampanje, Kambüse, Kajüte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kadett</span>, der, s. Seekadett.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kabliau</span>, der, der bekannte große, schwere, schmackhafte Seefisch der
+besonders auf den Neufundlandbänken zu Millionen gefangen und meist in
+der Form von Stockfisch gegessen wird, gadus morrhua. Der Name Kabliau
+ist seit Ende des 13. Jahrhunderts bekannt und seitdem bei allen
+seefahrenden Germanen (mit Ausnahme der Engländer) im Gebrauch. Er ist
+ein sehr gefräßiger Fisch, der gierig nach allem schnappt, weshalb auf
+den erwähnten Neufundlandbänken oft ein Mann 400 bis 500 Stück an einem
+Tage fängt. Daher liegt der Schluß nahe, der Name komme von kabbeln, von
+einer Wurzel gabh = schnappen, beißen, klaffen; niederdeutsch heißt der
+Fisch kabbeljau, kabeljau. Gegen einen Krug Rum kann man von den
+Fischern auf der genannten Bank (viel Franzosen) eine ganze
+Schiffsbesatzung satt machen mit Kabliau. Im Munde des Seemanns hat sich
+aber das Wort darum so eingebürgert, weil jedesmal wenn das
+Tieflot<a id="Page_222"></a>
+ <span class="pagenum">[222]</span> geworfen wird einer aussingt: &#8222;Warschau von untere,
+Kabliau en Flundere&#8223;, welcher Versanfang dann auch sonst gebraucht wird,
+wenn einer den andern &#8222;warschaut&#8223; (s. d.).</p>
+
+<p><span class="strong1">Kahn</span>, der, ein in der Seemannssprache &nbsp;&mdash;&nbsp; außer im Scherz anstatt Schiff
+&nbsp;&mdash;&nbsp; nicht gebräuchliches Wort für Boot, beinahe ausschließlich auf
+Binnensee- und Flußboote beschränkt, (wie z.&nbsp;B. am Rhein außer den
+zahlreichen Landstellen für die Dampfer es auch noch viele
+&#8222;Kahnstationen&#8223; gibt, auf denen ein Kahn längsseit des stoppenden
+Dampfschiffs kommt). Das würde aber an sich noch kein Beweis gegen die
+behauptete Abstammung von dem westindischen Worte canoe sein, da das
+Wort doch in allen Küstenländern der Nordsee zu Hause ist, wenn nicht
+das Wort schon vor der Entdeckung Amerikas bekannt gewesen wäre. Nun
+kommt aber in einer Lübecker Urkunde vom Jahre 1342 die Stelle vor:
+&#8222;nemen enen kanen gheladen mit vser borgher gude.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Mittelniederländisch kaen, neuniederländisch kaan, auf Wangerooge kunne;
+altnordisch kani und wohl von hier aus durch die Normannen ins
+Altfranzösische getragen als cane, neufranzösisch canot, denn wenn es
+dahin direkt aus dem Lateinischen gekommen wäre, so würde von canna die
+altfranzösische Form canne lauten. Wir müssen daher für die Erklärung im
+Germanischen bleiben. Da nun im Isländischen kaena sowohl Fischerboot
+als auch Schöpfgefäß genannt wird, diese beiden aber in ihrer
+einfachsten, ursprünglichen Gestalt aus ausgehöhltem Holz bestanden, der
+Kahn aus einem hohlen Stamm, und das Schöpfgefäß (<span class="strong1">die Kanne</span>) aus einem
+hohlen Ast, so ist als gemeinschaftlicher und ursprünglicher Begriff der
+von &#8222;ausgehöhlt, hohl&#8223; anzunehmen, und die Wurzel khan, von der dann
+doch auch lateinisch canna und canalis kommen, so daß also, wenn auch
+auf Umwegen, Kanal und Kanone und Kanne und Kahn verwandtschaftlich
+zusammenkommen, mit dem Familienmerkmal des Hohlen, des mit Kunst
+Ausgehöhlten, Ausgegrabenen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kaje</span> (Kai), die. Nicht bloß eine Küste oder ein Gestade, auch nicht bloß
+Ufer und Ladeplatz an sich, sondern eine von Menschenhand durch ein
+Bollwerk oder eine Mauer befestigte und für seemännische Zwecke bequem
+gemachte Wasserkante. &nbsp;&mdash;&nbsp; Spanisch cayo, altfranzösisch caye, französisch
+quai, Damm an Flüssen, Deich. Niederländisch kaai, englisch kay,
+niederdeutsch Kaje, welche Form als die beste, bequemste und
+brauchbarste<a id="Page_223"></a>
+ <span class="pagenum">[223]</span> wieder eingeführt zu werden verdiente, wenn nicht
+überhaupt &#8222;der Staden&#8223; (s. d.) den Vorzug verdient. Das &#8222;Bremer
+Wörterbuch&#8223; gebraucht ausschließlich die Form Kaje, sie ist also vor
+hundert Jahren schriftdeutsch gewesen, und aus dem Munde unserer
+Seeleute ist sie ohnehin nie durch &#8222;Quai&#8223; verdrängt worden. Kilian hat
+die ähnliche Form, in der Aussprache aber wie Kaje lautend, Kaeye =
+litus, ora; es ist also ein altes, gutes, deutsches Wort. Wenn es auch
+aus dem Keltischen stammt, so ist es doch unserem Seemann schon vor
+unvordenklichen Zeiten in Fleisch und Blut übergegangen. Dietz nimmt an
+das kymrische Wort cae, Zaun, Umzäunung, bretonisch kae, auch Deich, sei
+die Grundbedeutung, und Diefenbach (Celtica 116) bestätigt das. Und zwar
+kommt das Wort von einem keltischen Namen, der ursprünglich Jagd
+bedeutet (daher italienisch und rätisch caccia, spanisch, portugiesisch
+caça, französisch chasse), dann Jagdgehege, hernach überhaupt einen
+durch einen Zaun eingeschlossenen Raum, einen Haag; bald auch Zaun
+überhaupt; so im Kymrischen cae = hedge, im Breizonek kae = Haag. Daraus
+wird dann im Breizonek Wallmauer, also schon ganz unser Fall. Kaje war
+also anfangs keine Mauer, sondern ein Zaun, der nach und nach von immer
+stärkeren Pfählen gebildet wurde, bis allmählich unser Bollwerk daraus
+wurde. Daß eine Mauer nicht notwendig zu einer Kaje gehört wird bewiesen
+dadurch, daß man ausdrücklich von einer Kai-<span class="strong1">Mauer</span> spricht, wenn man eine
+solche bezeichnen will. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Übersetzer der &#8222;Durchlauchtigsten
+Seehelden&#8223; 1681 hat im Hochdeutschen durchgängig die Form &#8222;die Kay&#8223;, z.
+B. wo er von der mißlungenen Unternehmung der Franzosen auf Ostende
+spricht (1628): &#8222;In dieser Gestalt kamen sie an die Kay, ausserhalb der
+Stadt, allda stiegen sie über die Fehr und andere Schiffe, die in den
+Haven lagen&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Kaien.</span> Die Rahen nach der Länge des Schiffes, also parallel mit dem Kiel
+brassen und zugleich auftoppen; ein Manöver das auf Kriegsschiffen
+hauptsächlich beim Andecknehmen der Rahen ausgeführt wird, bei
+Handelsschiffen aber, die oft eng zusammen in einem Hafen liegen,
+vorgenommen wird, damit die Rahen andern Schiffen nicht im Wege sind.
+Weiland: &#8222;Kaaijen een seewoord, ook toppen genannt&#8223; geschieht &#8222;waneer
+het schip te veel slingert, of door eene engte moet.&#8223; Die nächste
+Bedeutung ist also die: Ein Schiff in Bezug auf seine Rahen in
+den
+<a id="Page_224"></a>
+ <span class="pagenum">[224]</span> Stand bringen in dem es für sich und andere am bequemsten <span class="strong1">an
+der Kaje</span> liegen kann. Von dieser ersten Bedeutung (nicht nach der Zeit,
+sondern nach der seemännischen Schätzung ersten) kommt dann der Begriff:
+eine Rahe aus einer Lage in die andere bringen, auch wenn das Schiff
+nicht an der Kaje liegt oder durch eine Enge hindurch will, also bei dem
+vorher erwähnten Manöver, oder in dem Sinne wie 1699 das holländische
+Kaayen mit changer l'artimon übersetzt und mit &#8222;de besaan doorkaijen, of
+van d'eene sy tot d'andere brengen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Die weitere Bedeutung von Kajen
+ist aber &nbsp;&mdash;&nbsp; und hierbei kommt der eigentliche Sinn von Kaje als
+Schutzding zur Geltung &nbsp;&mdash;&nbsp; schließen, dämmen, einschließen, eindämmen,
+mit einem Damm umgeben, abschließen, ostfriesisch inkajen, bekajen,
+ofkajen, umkajen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Mittelniederländisch kaeijen, appelere, intrare
+portum (also erste Bedeutung) altfriesisch aber kaya, schließen (zweite
+Bedeutung), wovon kay, Schlüssel (&#8222;mith fif keien te undslutane&#8223;);
+englisch key.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kajüte</span>, die, der Raum, in dem der Kapitän haust, auf Passagierschiffen
+der gemeinschaftliche Raum der Kajütspassagiere. Mit Kambüse, Kabine,
+Koje und Kampanje verwandt, ähnlich wie Kambüse tautologische
+Zusammensetzung, nämlich vom keltischen cab = Bretterverschlag, und
+Hütte, vielleicht unter dem Einfluß des französischen cahute entstanden.
+Schon bei Kilian: kaiute, kaiuyte, cubile naucleri, cubiculum nauarchi,
+aber auch locus in navi ubi remi et gubernacula reponuntur. Im Dänischen
+hat sich das h von Hütte noch erhalten: kahyt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort Hütte ist
+auch für sich allein in seemännischem Gebrauch, s. s. v.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kalfatern</span>, richtiger Kalfaten, heißt an einem Schiffe die Nahten (Fugen
+zwischen den Planken) mit Werg verstopfen, solche nachher mit kochendem
+Pech überziehen (und das Pech, welches neben den Nahten auf den Planken
+sitzen bleibt, mit Schrapern abschrapen). Das Werg wird mit den
+Kalfateisen, worauf mit dem Kalfathammer geschlagen wird, in die Nahten
+getrieben. &#8222;In Holland, Frankreich, Spanien, Portugal und in etlichen
+andern Ländern gibt es eigene Arbeiter, welche die Schiffe kalfaten, und
+solche werden Kalfaterer genannt. An solchen Orten aber, wo eben keine
+Kriegsschiffe erbaut werden, wie z.&nbsp;B. in Hamburg, verrichten die
+Schiffszimmerleute diese Arbeit selbst! Man braucht dazu, 1. ein
+<span class="strong1">Scharfeisen</span>, die Nahten etwas zu erweitern, damit das Werg besser
+eindringe,
+<a id="Page_225"></a>
+ <span class="pagenum">[225]</span> 2. ein <span class="strong1">Kalfateisen</span>, stumpf, das Werg einzutreiben, 3.
+ein <span class="strong1">Rabatteisen</span>, der Länge nach einmal oder zweimal wie eine Rabatte im
+Garten durch eine Vertiefung geteilt, zum weiteren Eintreiben des Wergs,
+und 4. das <span class="strong1">Spikereisen</span> mit einer halbrunden Schneide, das Werg bei den
+Spikern und hölzerne Nägeln einzuschlagen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Mit den <span class="strong1">Nahthaken</span> wird
+vorher das alte Werg aus den Nahten herausgerissen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Bei großen
+Schiffen, deren Planken der Bordwände sehr stark sind, wird statt des
+Rabatteisens ein <span class="strong1">Klamei</span>eisen gebraucht, mit einem eisernen Stiel, mit
+dem ein Kalfaterer das Eisen auf das Werg hält, während ein anderer mit
+dem <span class="strong1">Moker</span> darauf schlägt; das nennt man <span class="strong1">klameien</span>; (Weiterbildung des
+niederdeutschen klam = Pressung, Druck, Drang, Zwang, weil das Werg in
+die Naht gezwängt, gedrängt, gepreßt wird, mit Klamm, klemmen eins).
+Moker aber ist ein niederdeutscher Ausdruck für einen zweischlägigen
+Hammer, wahrscheinlich wegen seiner an beiden Seiten abgestutzten
+Gestalt, wobei man an mittelhochdeutsch mocke zu denken hat. (Möglich
+wäre auch immerhin, daß einmal von ganz ungewohnter Seite her ein Wort
+in die deutsche Sprache eingedrungen wäre, nämlich aus Finnland.
+Breusing schreibt: &#8222;Jakob Grimm erzählt in seinem Berichte über das
+finnische Heldengedicht Kalewala, daß es ihm früher nicht möglich
+gewesen wäre, die Herkunft dieses Wortes festzustellen; nun aber zeige
+es sich, daß es finnischen Stammes sei, denn mou-kara bedeute malleus
+maximus.&#8223;) Die Frage ist nun, was ist kalefaten für ein Wort? Es ist in
+der absonderlichsten Weise gedeutet worden. Schon Kilian erwähnt eine
+Deutung die mit kalos = schön und fat = Faß zusammenhängt. Das Bremer
+Wörterbuch schreibt: &#8222;Vom französischen cale, der untere Teil des
+Schiffes und fait von faire, machen.&#8223; Und Weiland hat kein Bedenken
+getragen, sich dieses anzueignen. Es liegt aber auf der Hand, daß davon
+keine Rede sein kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Hätten wir nur das lateinische calefacio oder
+calefacto, dann wäre die Sache einfach, denn das heißt &#8222;warm machen,&#8223;
+und der Teer oder das Pech mit dem die Nahten ausgefüllt werden, muß
+dazu warm gemacht werden, daher Brabank, (s. d.) der Ort wo das Kalfaten
+geschieht. Nun kommt aber das Arabische dazwischen und zwar nicht etwa
+bloß das Neuarabische, sondern ein gut altarabisches, altsemitisches
+Wort, das auch im Syrischen und im Targum-Aramäischen zu finden ist. Die
+Bedeutung<a id="Page_226"></a>
+ <span class="pagenum">[226]</span> ist eigentlich = &#8222;entwinden, schälen&#8223;, dann
+&#8222;beschneiden,&#8223; dann &#8222;aufspunden&#8223; (den Pech- oder Lehmverschluß von einem
+Fasse nehmen), dann &#8222;schäumen&#8223; von Most; dann aber auch &#8222;ein Schiff
+kalfatern und teeren&#8223;. Darnach scheint, trotz des Teerens, der Begriff
+des Warmmachens doch nicht besonders in dem Worte zu liegen, sondern der
+Hauptnachdruck auf das Arbeiten mit dem Werg gelegt werden zu müssen, da
+dieses doch eine Rinde darstellt, die durch Entrinden oder Schälen des
+Hanfs genommen wird, ja es unterscheidet sich Werg geradezu dadurch von
+Hanf, daß es noch nicht ganz von der Holzfaser des Hanfstängels befreit,
+daß diese noch nicht genügend entrindet ist. So ist denn auch die
+Hauptbedeutung von Kalafa: &#8222;die Ritzen eines Schiffes mit Werg
+verstopfen&#8223; und dann erst bedeutet es, weil der Teer eben auch noch dazu
+gehört, teeren oder verpichen. Von &#8222;wärmen&#8223; ist also abzusehen, es müßte
+denn sein, daß durch das Dichten das ganze Schiff wärmer würde, allein
+daran denkt kein Seemann beim Kalfaten, nicht einmal in unserem rauhen
+Klima, geschweige denn unter der Sonne des Südens, und demgemäß ist
+calefacto bei Seite zu stellen, und bis auf Weiteres, nämlich bis jemand
+den Zusammenhang zwischen kalafa und calefacto darlegt, müssen wir die
+Ähnlichkeit beider Wörter für ein zufälliges Zusammentreffen erklären
+und kalfaten für ein Lehnwort aus dem Arabischen ansehen &nbsp;&mdash;&nbsp; es gibt
+deren ja eine ganze Anzahl in der Seemannssprache. Zumal auch das
+mittelgriechische kalafatein entlehnungsverdächtig ist, das türkische
+kalfat aber einfach &#8222;Verstopfung&#8223; heißt, also mit &#8222;warm&#8223; nichts zu tun
+hat. Der Weg auf dem das Wort zu uns kam, ist durch diese Formen
+angedeutet: italienisch calafatare, spanisch calafatear, provençalisch
+calafatar, französisch calafater, niederländisch kalfateren, kalfaten.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Der Kalefaktor, der bei einer Behörde die Amtsstuben heizt, kann sich
+also nicht für einen Verwandten des Kalfaterers ausgeben. &nbsp;&mdash;&nbsp; In einem
+Briefe an Frau von Stein schreibt Goethe: &#8222;Ich kalfatere jetzt Fenster
+und Türen und will sehen, wie lange ich mich gegen die Unbilden der
+Witterung halte&#8223;; er gebraucht auch die Wendung &#8222;ein Kleid kalfatern.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kaliber</span>, das, die innere Weite eines Geschützrohres, auch &#8222;Seele&#8223;
+genannt, oder überhaupt eines Gewehrrohres. Das Wort wird aus dem
+Arabischen abgeleitet, kalib = Modell, also Modell<a id="Page_227"></a>
+ <span class="pagenum">[227]</span> zum Gießen des
+Geschützes, wobei das Modell die innere Seite des Rohres bestimmt. In
+Frankreich heißt calibre das Modell nach dem ein Schiff gebaut wird,
+unser Mall. Eine andere Ableitung ist die von qua libra? d.&nbsp;h. &#8222;von
+welchem Pfund oder Gewicht?&#8223;, wobei an die Kugel, an das Geschoß gedacht
+wäre; unwahrscheinlich.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kalmen</span>, die, sind für Segelschiffe sehr unbeliebte windstille, heiße,
+regenreiche Striche am Äquator, oft, weil sie sich in der Richtung
+desselben gürtelartig weiterziehen, auch Kalmengürtel genannt. Man denkt
+dabei zuerst an Windstille und verbindet in der Vorstellung viel Regen
+damit, die Benennung kommt aber von der Hitze. Im Spanischen und
+Portugiesischen heißt calma, wie auch im Italienischen, nicht bloß
+Windstille, Ruhe, sondern auch &#8222;heiße Tageszeit.&#8223; Mittellateinisch
+calma, die Sonnenhitze, vom griechischen kauma, Brand, Hitze, wobei die
+Entstehung des l aus au wohl in Anlehnung an calor geschehen ist. Die
+heiße Tageszeit nötigt, Schatten und Ruhe zu suchen, und so mochte das
+Wort die Bedeutung Stille, Ruhe entwickeln; d.&nbsp;h. für die Binnenländer
+und überhaupt die Leute am Lande; der Seemann hat das Wort wohl im
+umgekehrten Gedankengang in Gebrauch genommen; da es ihm zunächst und
+vor allen Dingen um Wind zum Vorwärtskommen zu tun ist, so hat er die
+erzwungene Ruhe, die lästige Windstille in den Vordergrund gestellt und
+denkt dabei wenig oder gar nicht mehr an die Hitze, wiewohl diese
+natürlich grade auf See, wo sonst der Seewind das Leben erträglich
+macht, ziemlich unerträglich ist. So sehr ist der Begriff Hitze
+zurückgetreten, daß man behaupten kann, daß in der Seemannssprache
+Kalmen gleichbedeutend mit Windstille sind; was schon daraus hervorgeht,
+daß &#8222;bekalmt&#8223; sein nichts weiter heißt als &#8222;ohne Wind sein&#8223;, &#8222;in
+Windstille liegen&#8223; und auch von Segeln gesagt wird, die doch kein Gefühl
+für Hitze haben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kambüse</span>, die, die Schiffsküche. Eigentlich Kabüse und verwandt mit
+Kabine als eine Weiterbildung von cab. Jetzt steht die Kambüse an irgend
+einem beliebigen passenden Orte im Schiffe, aber eigentlich ist sie ein
+Bretterverschlag an Deck, ein Decksaufbau oder Deckshaus, das früher
+nicht nur als Küche sondern auch als Schutz- und Zufluchtsort für die
+Matrosen diente, sogar auch als Raum zum Aufbewahren von Vorräten.
+Niederländisch kabuis und kombuis, wie Hochdeutsch neben
+<a id="Page_228"></a>
+ <span class="pagenum">[228]</span> Kambüse
+auch Kombüse vorkommt. Keltisch cab, davon französisch cabinet. Bei
+Kilian kabuyse = promptuarium, cella promptuaria, plenaria. Exedra in
+navi, culina nautica. Die nasalierende Weiterbildung von Kabüse zu
+Kambüse entspricht der französischen von cab zu chambre, sowie im
+Englischen dem Verhältnis von cabin zu chamber. S. Kampanje. Die
+Lautverschiebung Kambuse-Kombüse hängt mit der niederdeutschen dumpfen
+und dunklen Aussprache des a zusammen, (Korl statt Karl). Das keltische
+cab bedeutet Bretterverschlag; &nbsp;&mdash;&nbsp; üse ist die niederdeutsche Form huse
+für Haus mit aphäriertem Anlaut, bezw. mit Schwund des aspirierten
+Anlautes wegen der Zusammensetzung mit cab. Das Wort hat also
+ursprünglich cabhus gelautet. Die Zusammensetzung ist um so eher zu
+begreifen, als die Bedeutung Haus bei cab schon früh nicht mehr gefühlt
+wurde und man doch recht deutlich sein wollte. Ich werde in dieser
+Annahme durch die Tatsache bestärkt, daß im Mittelniederdeutschen das
+Kern<span class="strong1">haus</span> eines Apfels kabuse hieß.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kambüsenbesteck</span>, das. Am Lande haben Köchinnen ihre militärischen
+Freunde manchmal vielleicht nur deshalb weil hie und da einmal etwas
+Eßbares abfällt. Ganz aus demselben Grunde hat der in der Kambüse sein
+Wesen treibende Koch seine Freunde unter den Unteroffizieren. Als einst
+auf hoher See die sämtlichen Mitglieder der Offiziermesse an
+Wurstvergiftung erkrankten, zeigten sich nicht nur bei dem Steward und
+seinen Maaten, sondern auch beim Koch und einigen Bootsmannsmaaten, die
+mit ihm befreundet waren, dieselben Vergiftungserscheinungen. So ist
+denn öfters in den Freizeiten in und bei der Kambüse gemütliche
+Versammlung in der über dies und jenes, namentlich aber auch über die
+Fragen, wie groß das Etmal und wie wohl das Mittagsbesteck sein möge,
+verhandelt wird. Da aber wissenschaftliche Bestimmungsmittel fehlen, so
+wird das Besteck &#8222;gegißt,&#8223; (s. gissen). Naturgemäß wird oft &#8222;vorbei&#8223;
+gegißt und das Besteck ist verkehrt. Darum nennt der Seemann jede
+falsche Vermutung, jede unrichtige Nachricht ein Kambüsenbesteck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kampanje</span>, die. Der Aufbau auf dem Achterdeck, ganz hinten am Heck, der
+ursprünglich Hütte hieß und lange Zeit auch neben Kampanje so genannt
+wurde; eigentlich nur das erhöhte Deck selbst, was daraus hervorgeht,
+daß die Kammern unter dem Aufbau Kammern <span class="strong1">unter</span> der Kampanje genannt
+werden; indessen<a id="Page_229"></a>
+ <span class="pagenum">[229]</span> ist doch das Ganze eins und heute noch als Hütte
+anzusehen. So haben wir also auch hier wie bei Kabine, Kajüte und
+Kambüse auf das unter Kabine behandelte keltische cab zurückzugehen, und
+zwar auf die romanische Form capanna. Von dieser ist ein
+niederländisches Diminutivum kapannje gebildet, ein n fiel aus und das m
+kam rhinistisch hinzu durch Nasalierung des ersten a, wie in Kambüse.
+Bald verdunkelte sich auch, ebenfalls wie bei Kambüse, Kombüse in
+niederdeutscher Weise das a zu o, so daß schon Kilianus die Form
+kompanghe hat, op-boetsel, Acroteria. Die übrigen bekannten
+mittelniederdeutschen Formen sind kompandie, compannie, companie,
+compandie, sogar compagnie, stets erklärt mit: &#8222;Platz oben auf der
+Hütte&#8223;, vergl. die unter Badegast angeführte Stelle der Hamburger
+Chronik. &nbsp;&mdash;&nbsp; Französisch ist das niederländische kompanje oder kampanje
+1702 von Aubin übersetzt mit &#8222;le dessus de la Dunette proche du
+couronnement.&#8223; &#8222;On fait souvent devant la porte de la Dunette un couvert
+comme un petit appentis (Schutzdach), soutenu par des pilers et aux
+bouts du demipont des apuis et des balustrades, fort bien ouvragées&#8223; ...
+&#8222;On met au-dessus des dunettes, auprés du couronement, un banc pour
+s'asseoir, et au dessous une cage pour des volailles et pour des
+pigeons&#8223;; also war schon damals die Kampanje der Versammlungsort der
+(dienstfreien) Offiziere, die da auch schon ihre mitgebrachten Papageyen
+etc. etc. hängen hatten. Aber man darf Kampanje doch nicht mit Kompanie,
+Kumpanie = Gesellschaft zusammenbringen; auch nicht mit campagne für
+champagne von campania, Flur, Gefilde, &#8222;angenehmer Aufenthaltsort&#8223;; noch
+weniger mit campus, Schlachtfeld, wovon das deutsche Kampf kommt.
+Dergleichen Gedankengänge leiten die Sprache bei dergleichen Benennungen
+nicht; sie verfährt nüchtern und knüpft an das Nächste, wo möglich etwas
+Sichtbares und Greifbares, an; und das war hier der keltische Name cab =
+Hütte. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kamerad</span>, der, italienisch camerata, spanisch camarada, französisch
+camarade, Gefährte, Genosse, eigentlich Kammergenosse, ursprünglich, wie
+Frauenzimmer, ein Kollektivbegriff, eigentlich Stubengenossenschaft,
+nachher erst auf eine einzelne Person angewandt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kammer</span>, die, kommt in der Sprache der Kriegsmarine in vielfacher
+Bedeutung vor.<a id="Page_230"></a>
+ <span class="pagenum">[230]</span> </p>
+
+<p>1. Der Privat-Wohn- und Schlafraum eines Offiziers etc. etc., der nur
+mit diesem Namen, niemals etwa Kabine genannt wird.</p>
+
+<p>2. Der Raum zur Aufbewahrung des Zeugs für die Mannschaft und zwar nur
+für neues, noch ungebrauchtes, unverausgabtes Zeug, das unter der Obhut
+eines Kammer-Unteroffiziers steht.</p>
+
+<p>3. Der Raum am Gewehr.</p>
+
+<p>4. Die so wichtigen Pulverkammern.</p>
+
+<p>5. Die Schiffskammer, die ihren Namen davon hat, nicht etwa daß sie auf
+dem Schiff wäre, denn da ist sie nicht, sondern auf der Werft, sondern
+davon daß sie für ein bestimmtes, zur Zeit nicht in Dienst gestelltes
+Schiff die Ausrüstungsgegenstände, Geräte, Möbel, Decken, Matten,
+Laternen, Besen und dergl. birgt; diese steht unter der Aufsicht eines
+(Werft-) Kammerverwalters, der die Sache verwaltet und in Ordnung halten
+und putzen läßt.</p>
+
+<p>In allen diesen Bedeutungen steckt zwar nicht der ursprüngliche engere
+Sinn von Kammer, griechisch kamara, lateinisch camera, althochdeutsch
+camara, mittelhochdeutsch kamera, nämlich Gewölbe, gewölbter Raum,
+sondern der spätere, weitere von Raum überhaupt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Neuerdings kommt,
+bei dem mächtigen Aufschwung der Photographie, außer der camera auch
+noch wohl eine Dunkelkammer in Aufnahme. &nbsp;&mdash;&nbsp; In Ostfriesland heißt Kammer
+zum Unterschied von (heizbarer) Stube nur Schlafstube. Dagegen wird in
+Groningen Kammer für Haus gebraucht in der Verbindung Armenkammer, und
+man sagt daher wohl, wenn einer da hinein gesteckt worden ist, er sei
+&#8222;Kammerherr&#8223; geworden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kanal</span>, der, ein Wort das neuerdings mehr als je die Gemüter beschäftigt
+und die Menschen bewegt, weil der überhandnehmende Eisenbahnverkehr
+gebieterisch Kanäle fordert. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Sprachliche ist unter &#8222;Kahn&#8223; zu
+ersehen. Wie eine naiv-gottesfürchtige Zeit über die physische
+Möglichkeit und sittliche Berechtigung solcher &#8222;Störung der Natur&#8223;
+dachte, geht aus einer Stelle im &#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223; hervor,
+wo von der Entdeckung der Magellanstraße die Rede ist; &#8222;... hatten die
+Spanier mit den Portugiesen wegen derselben Moluccas einige Streitigkeit
+unter einander gehabt, immassen man, seit des Columbi Reisen, allezeit
+einen Durch-Zug nach den Osten durch einen oder andern Weg zu finden
+gesuchet, weil aber das Glück diesem Vorhaben nicht fügen wollen, hat
+man bereits (d.&nbsp;h. nicht 1681 beim Erscheinen des Buches, sondern 1520
+vor dem Antritt von Magellans Reise)<a id="Page_231"></a>
+ <span class="pagenum">[231]</span> den Gedanken gehabt, den
+Isthmum oder die Landenge von Darien, wo sie am schmälesten, zu
+durchgraben, daß, wenn also Norden mit dem Süden vereinigt würde, die
+Wahren und Kauffmannschafften desto leichter aus der einen in die andere
+See zu bringen wären. Weil aber ihrer viel über dieser Sache die Meinung
+hatten, daß man die den Wellen der See gesetzte Dämme und Gräntzen,
+welche die Natur selber gesetzet, nicht leichtsinniger Weise wegnehmen
+sollte, indem nicht sonder Bedenken, daß wenn die zwo Seeen in eines
+zusammengebracht würden, und die Norder-Wasser sich erheben sollten, das
+gantze Land möchte unter Wasser gesetzet werden. Daß eben um dieser
+Ursache willen vormals der König in Egypten Sosestris und zu unser Zeit
+der Türkische Kayser Soliman bewogen, die Durchgrabung der
+Cathabatnischen Land-Enge nicht vorzunehmen; andere konnten auch nicht
+begreiffen, daß alle harte und schwere Steinfelsen, welche die Natur der
+See gleichsam zu einen Zaum gegeben, solten können durchboret und viel
+weniger Weg genommen werden, haltend es für eine Thorheit und
+Leichtfertigkeit, dasjenige abzubrechen, und nach seinen Sinn wieder
+aufzurichten, was durch die höchste Weisheit so vorsichtig und füglich
+verordnet worden, und hielten darfür, daß man die Strafe von Gottes
+mißfälliger Hand darüber mit Recht zu fürchten hätte, also, daß wegen
+dieser und andern Ursachen und Absehen beschlossen ward, keine
+Veränderung in der Gestalt der Natur zu machen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kanthaken</span>, s. kentern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kaper</span>, der, ist ein Schiff, das im Kriege darauf ausgeht, dem Feinde
+Schiffe wegzunehmen oder sonst Schaden zu tun. In früheren Zeiten nahmen
+die kriegführenden Parteien Privatkapitäne mit ihren Schiffen als Kaper
+an und gaben ihnen Vollmacht und Auftrag, dem Feinde Abbruch zu tun. Wer
+einen Kaper-, mittelniederdeutsch bestel-Brief aufweisen konnte, der
+wurde als kriegführend angesehen, wer nicht, als Seeräuber. Aber nicht
+immer hielten sich die Kaper an ihren Brief, sondern verursachten auch
+Schaden zu dem sie nicht ausgesandt waren, also auf eigene Faust, als
+Seeräuber. &#8222;Dusse seerovers hebben sick eigens gewalts understahn den
+gemeinen kopman wedder alle recht unde billicheit up der gemeinen
+apenbaren see tho beschedigende baven ohre eigene bestellbreve&#8223; (1539).
+Als Königin Margaretha von Norwegen und Dänemark gegen Albrecht von
+Mecklenburg als<a id="Page_232"></a>
+ <span class="pagenum">[232]</span> König von Schweden Krieg führte und nach der
+Schlacht bei Falköping 1389 Stockholm belagerte, entstand in dieser
+Stadt eine furchtbare Hungersnot. Da erließen die Städte Rostock und
+Wismar eine Aufforderung an alle Seeleute, mit mecklenburgischen
+Kaperbriefen ausgerüstet die Küsten Dänemarks und Norwegens zu plündern,
+zugleich aber auch das bedrängte Stockholm mit Viktualien zu versehen.
+So strömte eine Menge Freibeuter herzu, die sich wegen dieses Auftrages
+Viktualienbrüder nannten oder kurzweg Vitalienbrüder. Damit aber war ein
+Strom entfesselt, der sich Jahrzehnte lang nicht wieder bannen ließ,
+denn diese Brüder mit ihrem Losungsworte: &#8222;Gottes Freund und aller Welt
+Feind!&#8223; machten zwischen Freund und Feind keinen Unterschied und fielen
+über jedes Schiff her, das ihnen in den Weg kam. Auch nach dem
+Friedensschluß, da jeder Schein einer Berechtigung aufgehört hatte,
+hörten sie mit ihrer Seeräuberei nicht auf, die sie besonders von der
+ostfriesischen Küste aus gegen die Hamburger und Bremer Schiffe trieben,
+ja bis nach Rußland und in den Meerbusen von Biskaya ausdehnten. Klaus
+Störtebeker, Goedecke Michael, Wichmann und Wigbold waren die namhaften
+Führer. Leider haben sich die ostfriesischen Häuptlinge dazu hergegeben,
+ihnen Unterschlupf zu gewähren und gemeinschaftliche Sache mit ihnen zu
+machen; ja es konnte da heißen: &#8222;gleiche Brüder, gleiche Kappen&#8223;, denn
+der Seeräuberei waren diese Häuptlinge auch ohne die Vitalienbrüder
+schon eifrig genug ergeben. Überhaupt waren die sittlichen Begriffe in
+diesem Stücke so verwirrt worden durch die Kaperei und blieben auch das
+ganze 16. Jahrhundert über noch so verworren, daß alle Anlieger der
+Nordsee diesem &#8222;unerlaubten Nahrungszweig&#8223; huldigten. Außer den
+Ostfriesen werden besonders die Engländer und Norweger namhaft gemacht.
+Der Herzog Wolfgang von Pfalz-Zweibrücken-Veldenz war den Hugenotten mit
+einem ansehnlichen Heere zu Hilfe gezogen und nach siegreichem Zuge
+durch ganz Frankreich kurz vor dem Frieden von St. Germain (1570) zu
+Nessun bei Limoges gestorben. Sein Leichnam sollte in seiner Residenz
+Meisenheim am Glan beigesetzt werden. Man wagte aber nicht den
+Landtransport, sondern wählte den Seeweg. In der Hugenottenfestung La
+Rochelle fand man einen &#8222;Schiffsmann&#8223; aus Lübeck, welcher &#8222;sich zur
+Heimreise anschickte&#8223;, also Rückfracht suchte. Demselben mußte jedoch
+der Inhalt der an Bord gebrachten<a id="Page_233"></a>
+ <span class="pagenum">[233]</span> Kiste verheimlicht werden, weil
+nach dem damaligen Aberglauben ein mit einer Leiche segelndes Schiff
+unrettbar seinem Untergange entgegenging. Zuerst warf ein Sturm das
+Schiff südwärts an die spanische Küste und nachdem es endlich den
+Ärmelkanal erreicht, wurde es dort durch heftiges Unwetter hin- und
+hergeworfen und entging nur mit Not den Überfällen englischer und
+norwegischer Seeräuber. Endlich wird nach vielen Fährlichkeiten am 11.
+August 1571 der Hafen von Lübeck erreicht. (Heintz, Schloßkirche zu
+Meisenheim, S. 32. 33). &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort kommt vom lateinischen capio.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kapitän</span>, der, ist der Führer, bezw. Befehlshaber eines Schiffes, der
+Oberste, &#8222;das Haupt&#8223;, denn vom lateinischen caput kommt das Wort. Von
+demselben kommt auch Kadett, Korporal, Kapital, Kapitel, Kapitularien,
+kapitulieren, Kapitell, Kap, Kappes, Kappzaum, Kapuze, da capo, Chef,
+Kataster etc. Kapitän hieß mittellateinisch capitaneus, altfranzösisch
+chevetaine und chataine, daher das englische chieftain. &nbsp;&mdash;&nbsp; Noch zu den
+Zeiten des achtzigjährigen Krieges war an Bord der Kriegsschiffe der
+Hauptmann nicht derjenige Mann an Bord, der das Schiff, sondern
+derjenige, der die eingeschifften Soldaten unter sich hatte. Dieser
+letztere war der eigentliche Kapitän und hieß auch so, während jener
+Schiffer, Steuermann, Bootsmann hieß und nur die seemännischen Manöver
+und überhaupt das Nautische zu besorgen hatte. Wandte man ja auch auf
+ihn einmal das Wort Kapitän an, so sagt man, um Verwechslungen
+vorzubeugen, Seekapitän. In der Marine gibt es gegenwärtig folgende
+Kapitäne: 1. Kapitän zur See = Oberst. 2. Fregattenkapitän =
+Oberstleutnant. 3. Korvettenkapitän = Major. Diese werden alle drei
+angeredet: &#8222;Herr Kapitän!&#8223; Aus Höflichkeit, ohne daß er einen Anspruch
+darauf hätte, wird wohl auch hie und da einmal so genannt: 4. Der
+Kapitänleutnant = Hauptmann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Mittelalter war Kapitän
+gleichbedeutend mit Häuptling. &#8222;1355 is Edo Wimkenn van den Richteren
+der Rüstring, Oistring und Wangers, nomtlik van Hillert van Laurens,
+Tanno Iben tho Sandell, Mester Olrick tho Kniphusen, Junge Hedde tho
+Welens etc erwelet und angenhamen mit synen Nakomelinge tho ein Capitain
+und Hovet de lande und luide vorthostaen und tho regeren, wente de
+Richter weren des amptes moede und averdratich.&#8223; Das erste und älteste
+Zeugnis für das Vorkommen des Wortes Kapitänleutnant finde ich in<a id="Page_234"></a>
+ <span class="pagenum">[234]</span>
+einem Briefe, der im Jahre 1623 aus seinem Schlosse Lützburg an den
+nachmaligen Feldmarschall Dodo von Knyphausen geschrieben worden ist:
+&#8222;Der obrist Syton hatt vor 3 tagen jegen den abendt, alß man die pforten
+zuschließen wollen, einen anschlagh uff dieß Hauß gemachet, indem er
+etzliche mußquettier bewerter Handt geschickett, alß nun aber solches
+mißgelungen und der <strong>captain leutenambt</strong> vom Heren Ryngrawen, so im Kruege
+gewesen, auß dem schatthause angerufen worden&#8223; ... Auf einem Grabdenkmal
+in der Schloßkirche zu Meisenheim (Heintz S. 106) lesen wir von einem
+Kapitän-Lieutenant Schmidtmann, der 31 Jahre alt im Jahre 1688 gestorben
+ist: &#8222;Gedachtnuß Herren Carl Ludwig Schmitmans Herren Johan Daniel
+Schmidtmanns, Hiesigen Pfarrers Und Inspectoris In Gott Ruhenden Lieben
+Sohnes Gewesenen Kapidain Lieutenants Unter Dem Löblichen Schweizer
+Regiment Von Salis&#8223; ... 1747 erschien zu Regensburg ein Buch &#8222;Auxilia
+historica oder Historischer Behulff&#8223;, in dem werden &#8222;die Offizier und
+Personen in einem einzigen Schiff&#8223; folgendermaßen aufgeführt: 1.
+Capitain ist in einem Schiff der Höchste, so das ganze Kommando darüber,
+und sehr streng, führet. Er hat einen Lieutenant. 2. Commandeur hat in
+einem Schiff nur das Commando über die Soldaten. 3. Schiffprediger ist
+ein Feld-Pater. 4. Schiffer ist über die Segel, und die ganze Equipage.
+Wird auf dem Mittelländischen Meer Patron genennet. 5. Steuermann,
+Pilote, ist, der das Schiff mit dem Steuer-Ruder nach dem Compaß
+lencket, wohin es soll. Er muß in Geometria, Astronomia, Geographia, der
+Karten u.&nbsp;s.&nbsp;w. wohl erfahren sein. Es seynd zwei auf einem Schiff, und
+beobachten mit dem Schiffer die Einrichtung der Segel, bestellen die
+Wachten auf den Masten und beratschlagen sich immer wegen der Seekarten,
+davon sie dem Capitain Rapport geben. 6. Bosseman, der die Ancker
+beobachtet. 7. Weiteres ist darauf ein Schreiber oder Secretari: Zwey
+Barbier: Ein Schiffszimmermann oder Baumeister: ein Haupt-Constabler,
+und andere zwölff. Esquiman oder Schiemann, hat Aufsicht über die Pompe,
+ist sonst Quartier-Meister. Ein Buddelier mit seinen Gehülffen: Ein
+Mund-Koch: Ein Schiff-Koch mit Bedienten: Lotsmann oder Wegweiser:
+Segelmacher: Tischler: Schmied: Feuerwerker: Profos u.&nbsp;s.&nbsp;w. und
+Boots-Leuth, Matrosen, Matelots, sind die gemeine Bediente und
+Schiff-Volck, so alles, was in der See-Fahrt selbst von nöthen,
+verrichten, mit tawen,<a id="Page_235"></a>
+ <span class="pagenum">[235]</span> anckern, seeglen, wachen. Seynd in drey
+Wachten oder Compagnien, jede zu 100 Mann abgetheilt, darüber der
+Schiffer und die zwey Steuermänner commandiren. Insgemein ein verwegenes
+Volck: Und hat es theils vonnöthen, massen sie in höchsten Stürmen auf
+den Bäumen und Stricken wie die Mucken herum fahren müssen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">kappen</span> heißt im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet schneiden,
+durchschneiden, durchhauen. Den Mast kappen bedeutet nicht sowohl diesen
+selbst durchhauen, sondern vielmehr die ihn haltenden Hofttaue der
+Wanten, damit er abbreche und über Bord gehe. Die Ankertaue wurden
+gekappt, wenn man keine Zeit zum Ankerlichten hatte. Niederländisch
+kappen, die Haare schneiden, Kapper: der Friseur, französisch couper.
+Von diesem kommt unser Fremdwort coupon und das Zeitwort coupieren; auch
+Coupé. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein Kapaun ist ein Kaphan, ein &#8222;geschnittener&#8223; Hahn; stammt
+zwar vom lateinischen capo, griechisch kapon, aber diese haben mit
+kappen dieselbe Wurzel, sodaß Kaphan ausnahmsweise einmal eine auch
+sprachlich zutreffende Volksetymologie ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kardeel</span>, ein, ist einer der einzelnen Teile aus denen ein Tau
+zusammengeschlagen wird, also ähnlicher Bedeutung wie Ducht, nur daß das
+Kardeel stärker und in sich schon geschlagen, aus einzelnen Teilen
+zusammengedreht ist. Niederdeutsch kordeel und karteel, auch kordel,
+wird nicht nur für den einzelnen Strang eines Taues, sondern auch für
+dieses selbst gebraucht: &#8222;idt is ock ein iderer schipper schüldich, gode
+starke kordell unde windtakel in dem schepe tho holdende, dar man des
+Kopmans goder mede in unde vth setten kann.&#8223; (Dän. Seerecht). (Nicht zu
+verwechseln mit einem anderen kartel, karteel, welches Quart bedeutet,
+ein Quartteil als Maß oder Gewichtsbezeichnung.) Französisch heißen
+cordage &#8222;toutes les cordes qui sont emploiées dans les agrés d'un
+vaisseau&#8223;. Dieser corde stammt aus dem italischen corda, vom
+lateinischen chorda, entlehnt aus dem griechischen chorde, Darm,
+Darmsaite, was an sehr alte Kulturzeit erinnert und an das altnordische
+garnir, Eingeweide, Gedärme, mit Garn zu einer Wurzel gehörig, so daß
+also Garn und Kardeel entfernte Vettern sind. In oberdeutschen Mundarten
+heißt das, was in der hochdeutschen Schriftsprache Bindfaden genannt
+wird, Kordel mit kurzem e. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ostfriesisch korde, zusammengezogen kore
+und kor; man liebt daselbst das Einsilbige. Niederländisch<a id="Page_236"></a>
+ <span class="pagenum">[236]</span> koord,
+koorde. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zu bemerken ist, daß es auch Tauwerk gibt, das aus vier
+Kardeelen zusammengeschlagen ist, und daß also doch die Ableitung
+Quartdeel nicht ganz undenkbar ist. Dann wäre kardeel als Teil eines
+Taues, als Quartteil, ein ganz anderes Wort wie kardeel als Tau selbst.
+Doch spricht hiergegen die Seltenheit vierschäftigen Tauwerks und vor
+allen Dingen die Tatsache, daß die Teile <span class="strong1">drei</span>schäftigen Tauwerks
+hauptsächlich und vor allen Dingen Kardeele heißen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kartusche</span>, die, ein zylinderförmiger Beutel mit dem zum Laden einer
+Kanone nötigen Pulver. Ehedem war der Beutel, wie heute noch bei den
+Jagdgewehrpatronen, eine Papierrolle. Daher ward vom lateinischen charta
+für Papier im Italienischen cartoccio gebildet, altfranzösisch cartoche,
+französisch cartouche, niederländisch kardoese. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch in der Bedeutung
+Umrahmung kommt das Wort vor, in der Architektur ein Ornament
+bezeichnend.</p>
+
+<p><span class="strong1">Karake</span>, die, niederländisch kraak, dänisch, schwedisch karake, englisch
+carack, französisch caraque, italienisch, spanisch, portugiesisch
+caraca; altfranzösisch carraque, vom spätlateinischen carraca, carrica,
+Lastschiff, lateinisch carrus, die Karre; wahrscheinlich keltischen
+Ursprungs. Nach Roeding die größte Art der ehemals gebräuchlichen
+Schiffe. Sie hatten zuweilen 7 bis 8 Stockwerk, worunter auch noch eines
+auf der Back war. Sie konnten 2000 französische Tonnen tragen und
+führten 2000 Mann Besatzung. Schon im Jahre 1350 schlugen die Spanier
+gegen die Engländer auf Karaken. Nun längst veraltet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Karavele</span>, die. So hießen die Schiffe der Spanier und Portugiesen, die im
+Zeitalter der Entdeckungen nach fernen Küsten fuhren. Kolumbus hatte bei
+der ersten Fahrt nach Amerika drei solcher Karavelen unter seinem
+Kommando. &#8222;A caravel was narrow at the poop, wide at the bow, and
+carried a double tower at its stern and a single one at its bows. It had
+four masts and a bowsprit, and the principal sails were lateen sails.&#8223;
+Spanisch und italienisch caravela, Diminutivum des lateinischen carabus,
+griechisch carabos, ein leichtes Schiff, ein Boot und eine Krabbe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kasemattschiff</span>, das. Der Kampf zwischen Geschütz und Panzer ist noch
+nicht beendet. Es werden fortwährend neue Versuche angestellt, wie er am
+zweckmäßigsten zu führen sei, ohne daß Größe und Schwere ins Ungemessene
+gehen. Einer<a id="Page_237"></a>
+ <span class="pagenum">[237]</span> derselben ist die Einführung von Kasemattschiffen,
+bei denen die mittschiffs gelegene Batterie besonders gepanzert und als
+Kasematte behandelt ist. Dieses Wort hat eine große Zahl von Erklärungen
+gefunden, aber es geht ihnen wie den Gründen, wenn einer daran zu viele
+beibringt, so will keiner recht einleuchten. Es soll aus dem
+griechischen chasma, Mehrzahl chasmata = Grube, Höhlung kommen; aus casa
+mata, niedriges Haus; aus casa matta, mattes, totes, verstecktes Haus;
+aus casa und matar = schlachten, töten, also zu deutsch Mordkeller;
+andere denken an das italienische mattone, also Backstein- (aus
+Backsteinen gewölbtes, geschütztes) Haus, was am sinngemäßesten
+erscheint.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kasteel</span>, das, ein erhöhter (turmartiger) Aufbau auf Deck, vom
+italienischen castello, spanisch castillo = Turm. Ist der Aufbau vorn
+auf der Back so heißt er Voor-Kasteel; hinten auf der Schanze:
+Achter-Kasteel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Katten</span>, den Anker, heißt ihn, nachdem er an der Kette durch das Spill so
+weit gelichtet ist, daß der Ring über dem Wasser erscheint, bis unter
+den Krahnbalken aufwinden. Dazu gebraucht man einen Block, den Katblock,
+mit dem Kathaken daran; und ein Gien, das Katgien mit dem Läufer daran,
+dem Katläufer. Kat heißt niederdeutsch Katze; wie auch Bock, Widder,
+Kranich haben herhalten müssen, so ist dieser Name zunächst dem Block
+gegeben worden, offenbar wegen des katzenkrallenartigen Zugreifens
+seines Hakens, das an der Katze mit der auf der Werft schwere Lasten
+gefaßt und gehoben werden, noch deutlicher zu sehen ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; In der
+mittelalterlichen Belagerungskunst war katte der Name eines auf Rädern
+stehenden Sturmwerkes, in einer Hansa-Urkunde von 1363 heißt es: &#8222;Duo
+instrumenta machinalia, unum dictum un driuende werk, aliud dictum een
+katte;&#8223; woher noch heute der Name Kattenstrasse; dürfte aber eine
+Abkürzung von Katapult sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kausch</span>, die, eine eiserne Hülse, bez. ein Füllring eines Tau-Oehrs oder
+Segel-Oehrs, womit dieses zur Verstärkung ausgefüttert ist. Der äußere
+Umkreis dieses Ringes hat eine Rinne in die das ihn umfassende Tau paßt.
+Neuhochdeutsch Kausche und Kauße. Niederländisch kous, schwedisch kausa,
+dänisch kause, französisch cosse, Hülse, Schale, Schote. Der
+Grundbegriff scheint Schale zu sein. Wie nun bei uns Schale auch ein
+Trinkgefäß (Kaffe-Schale, Sektschale) bedeutet, so weist Hildebrand in
+Grimms<a id="Page_238"></a>
+ <span class="pagenum">[238]</span> Wörterbuch im Deutsch-Litauischen ein kausche nach, das
+Kanne, Krug, Trinkgefäß bedeutet und bis nach Asien hin zu verfolgen
+ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kavielnagel</span>, der. Die hölzernen oder eisernen &#8222;Nägel&#8223;, (wenn man ein so
+stumpfes Ding einen Nagel nennen kann) an denen die verschiedenen
+laufenden Taue &#8222;belegt&#8223; werden, heißen Kavielnagel. Wohl kein Wort der
+Seemannssprache kommt in so vielen verschiedenen Formen vor, wie dieses,
+das sich schon dadurch als Fremdwort verdächtig macht: Koveinnagel,
+Koveljennagel, Kovejennagel, Karvielnagel, Karveilnagel, Karveinnagel,
+Kobiliennagel, Koveiljennagel, Kaveinnagel, Koviennagel, ja nach
+Breusing sogar Koffernagel. Die Form Kavielnagel kommt dem Ursprung aus
+dem italienischen caviglia am nächsten, das Holznagel, Bolzen bedeutet.
+Nagel ist im Deutschen also nur für solche hinzugefügt, denen unbewußt
+ist, daß Kaviel allein schon Nagel bedeutet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Keep</span>, die, ist die in einen Block eingeschnittene rings herumlaufende
+Vertiefung, in die der Stropp, der um den Block gelegt wird, paßt, der
+dadurch vor dem Abrutschen bewahrt wird. Der Bedeutung nach dasselbe
+Wort wie Kerb, Kerbe, ohne daß es, wie man denken könnte, sprachlich mit
+ihm verwandt wäre. Denn keep, kep, kepe, kap, käpe kommt von kappen,
+schneiden, wie es ja auch einen Schnitt, Einschnitt bedeutet.
+Niederländisch keep; keep houden heißt Kurs halten, Strich halten, da
+der Strich am Kompaß ja nicht bloß ein Strich, sondern ein Einschnitt
+ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kennung</span>, die. Das Wort ist jetzt nur noch vereinzelt in der Bedeutung
+Landkennung im Gebrauch, worunter man alles das an Kennzeichen versteht,
+daraus man als erfahrener Seemann erkennen kann, an welcher Küste man
+sich befindet: Berge, Kirch- und andere Türme, Mühlen, Baken, Bäume,
+Häuser etc. etc., also alles was man jetzt <span class="strong1">Landmarke</span> zu nennen pflegt.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Bei den mittelalterlichen Seefahrern war Kennung ein Maß, und zwar
+ein ziemlich großes, für Entfernungen. Breusing bemerkt in der
+nautischen Einleitung zum &#8222;Seebuch&#8223; von 1400: &#8222;Das Maß wird von der
+Entfernung genommen sein, in welcher man auf See bei klarer Luft die
+Küste, ein Schiff oder dgl. &#8222;erkennen&#8223; kann. Es ist das natürlich sehr
+relativ und hängt von der Schärfe des Auges ab.&#8223; Man hatte deshalb auch
+kleine, gute kleine, und große Kennungen; letztere betrug 18 Seemeilen,
+die Entfernung von Dover nach Dungeness. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es fragt sich ob in der
+unter dwars<a id="Page_239"></a>
+ <span class="pagenum">[239]</span> angeführten Stelle unter Kennung ein Maß oder eine
+gute Landmarke zu verstehen ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Eine der hervorragendsten
+Landkennungen an der deutschen Nordseeküste war der von Graf Johann XVI.
+von Oldenburg auf Wangerooge erbaute Turm. Vor undenklichen Zeiten hatte
+zum Besten der Seefahrer auf dieser damals so viel größeren Insel ein
+Turm gestanden, der aber längst durch Krieg und Wassersnot zerstört war.
+Graf Anton I. von Oldenburg hatte sich zwar 1566 bewogen gefunden, den
+Kirchturm zu Blexen, damit er als ein Pharus diene, vierundzwanzig Fuß
+höher mauern zu lassen. Allein er ersetzte nicht den Wangerooger
+Leuchtturm. Nun zeigte Graf Johann, daß das Fräulein Maria von Jever
+Jeverland und Wangerland keinem Unwürdigen vermacht hatte. Er selbst
+spricht darüber zu uns durch einen Bericht des Doktors Herrmann Neuwald:
+&#8222;In vergangenen 1597 und 1598 Jahre hat Graff Johan zu Oldenburg etc.
+etc. auch in der Insel Wangerrohe, so zu Jever gehörig, auff der
+Elterleute zu Bremen (welche vom allgemeinen Kauffmann dazu vermügt)
+einstendiges mundt- und schriftliches bitten und ansuchen (inmassen das
+Wolselige Frewlein Maria zu Jever, von den Bremern zu offt und
+vielmahlen auch darumb bittlich angelangt) an stat eines alten
+umbgefallenen Thurms, so vor vielen undenklichen Jahren durch Krieg und
+sonsten abbruch der saltzen See, zu nichte worden, wiederumb einen newen
+stattlichen viereckigen hohen Thurm, mit zwo spitzen, und grossen
+unkosten auffbawen lassen, darbei auch biß an noch gearbeitet wird. Und
+hat mit demselbigen weiter die Gelegenheit, daß die Breite des Thurms
+zeigt ins Süden und Norden, und die Lenge ins Osten und Westen, beyde
+Thurmspitzen kommen die eine ins Norden, die ander ins Süden zu stehen,
+also die aus dem Westen auff der See, des Eylands oder Thurmbs ansichtig
+werden, sehen zwischen beyden spitzen durch, so lange sie ins Norden
+vors Eylandt kommen, und so bald sie so weit umbsegeln, daß sie beide
+Spitzen gegen einander haben, so seind sie auff der Weser, und können
+als dann ohne große Gefahr Bremen ablangen. Imgleichen ist es auch mit
+denen, so aussen Westen auff Hamburg die Elbe einlauffen wollen, welche
+gleicher Gestalt jhr merckzeichen an dem Thurm haben, und nunmehr auf
+der Weser die Seetonnen nicht hochnötig, dann ohne das, das Wolseliges
+Frewlein Maria zu Jever, die Legung dieser Tonnen, als mehrernteils in
+Jeverscher Iurisdiction, den<a id="Page_240"></a>
+ <span class="pagenum">[240]</span> Bremern nicht allerding verstattet.
+So ist auch die Norderse bißweilen dermassen ungestüm, daß man für den
+grossen Wällen ernante Seetonnen nicht sehen kann, oder dieselben wol
+gar abgestossen werden, dadurch dann offtmahls die Seefahrende Leute
+grosser gefehrlichkeit, wegen hoher Sande, unterworffen, den jennigen
+aber, so aus Hispanien, Norwegen und anderen abgelegenen Königreichen,
+auch Hollandt und Seelandt kommen, dienet der Thurm dazu, weile das
+Eylandt Wangerohe, das neheste an der See, daß die Schiffer, wann sie
+den Thurm vernehmen, wissen, wo sie sein, und also nach jhrem gefallen,
+die Seehafen, dahin sie gedenken, einlauffen können, sonderlich ist
+hieran auch gelegen, allen Schiffleuten, welche die Harle, Jade, Weser
+aus- und einfahren, auch die Nordsee auf Bremen, und viele andere Örter,
+zu jhrem grossen nutz und vorteil gebrauchen wollen, daß also bemelter
+Thurm vor etzlich viel tausend Thaler, verstendiger erkenntniß nach,
+jährlichs nicht zu entrathen, hat also Wolbemelter Graff Johann, allen
+Schiff- und Kauffleuten zu gutem, und steter Gedechtnuß, wie obberürt,
+den Thurm wiederumb erbawen und aufführen lassen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Das &#8222;Seebuch&#8223; von
+Manson, aus dem Schwedischen übersetzt von Hans Wittenburgk, Schiffer in
+Wißmar, Lübeck 1735, beschreibt in einer Segelanweisung den &#8222;Einlauf
+nach Riga&#8223;: &#8222;Wenn man aus der See kommt, und man bekommt Kennung von den
+Rigischen Thürmen, welcher drey seyn, zwene gleicher Höhe, und der
+dritte etwas niedriger, so soll man so lauffen, daß man den niedrigen
+zwischen beiden hohen habe&#8223; ... Waghenaer, 1588, schreibt in seinem
+&#8222;Spiegel&#8223;: &#8222;Omme perfectelyk tot de conste ende wetenschappe der
+Zeevaert te gheraken is de principaelste middele, dat soo wanneer een
+Stuermann oft Bootsghesel, ut eenighe Landen, Riuiren oft Hauenen,
+zeylen wil, sal wel scherpelyk moeten letten, wat ghebome, Sloten,
+Toornen, Kercken, bekende Berghen, Duynen, Molens oft andere mercken
+daer op staen. Ende alle t' selfde alst nu een kenninghe van v begint te
+legghen, mette penne ontwerpen oft contrefaicten, ende dit op sekere
+ende ghewisse streken van den Compasse&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Kentern.</span></p>
+
+<p>1. Einen Balken mit der Hand oder mit einem sogenannten Kanthaken so
+bewegen, daß er sich um seine Kante dreht und auf die andere Seite zu
+liegen kommt. Wenn das mehrere Male<a id="Page_241"></a>
+ <span class="pagenum">[241]</span> geschieht, so bewegt sich
+dadurch der Balken von seiner Stelle und man kann in dieser Hinsicht das
+Kentern als eine Art von Fortbewegungsmittel ansehen. Was den Kanthaken
+betrifft, so gebraucht der Seemann das Wort auch in übertragener
+Bedeutung; &#8222;jemanden am Kanthaken kriegen&#8223; heißt ihn gehörig fassen und
+vornehmen.</p>
+
+<p>2. Ein Schiff oder ein Boot kentert, wenn es sich unter allzugroßem
+Druck auf die Segel oder sonstigem Zusammentreffen widriger Umstände so
+auf die Seite legt, daß es seinen Schwerpunkt verliert und &#8222;über Kante&#8223;
+geht, so daß die Seite die bisher oben war und immer oben sein soll nach
+unten zu liegen kommt; das Wort müßte eigentlich käntern heißen.</p>
+
+<p>3. Der Strom kentert wenn Ebbestrom gewesen ist und nun Flutstrom
+einsetzt, der Strom also von der andern Seite oder Kante kommt.</p>
+
+<p>4. Der Anker kentert, indem er sich auf die Seite legt. Kante ist
+überhaupt ein in seemännischem Munde häufig gehörtes Wort, wo das
+Hochdeutsche Seite sagen würde, daher die berühmte Zusammensetzung
+waterkant für Küste, Seeseite.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kerkedortje</span>, das, s. Schlappgording.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kessel</span>, der. Das lateinische catinus = Holzschüssel hat sich infolge der
+großartigen Siege der Dampfkraft zu einem gewaltigen
+Dampferzeugungsapparat ausgewachsen. Es ist hier nicht der Ort ein
+Mehreres darüber zu sagen, als daß die verschiedenen Systeme von
+Kesselanlagen teils nach ihrer Gestaltung, teils nach ihren Erfindern
+und Verfertigern benannt werden: Kofferkessel, Zylinderkessel,
+Lokomotivkessel, Wasserrohrkessel; Belleville-, Niclausse-, Dürr-,
+Thornycroft-, Jarrow-, Normand- und Richard Schulz-Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kette</span>, die, vom lateinischen catena, hat auf größeren Schiffen als
+Ankerkette das früher übliche Ankertau vollständig verdrängt. Sprachlich
+ist nur die Wendung &#8222;Kette stecken&#8223; zu erwähnen, weil sie in
+übertragener Bedeutung gebraucht wird. Es heißt eigentlich: &#8222;mehr Kette
+zu den Klüsen hinausstecken&#8223;, was stets zu geschehen hat wenn ein Sturm
+aufzukommen droht. Das Bild der aus der Klüse herauskommenden Kette
+schwebt dem Seemann vor, wenn er für das, was man sonst nennt &#8222;den
+heiligen Ulrich anrufen&#8223; oder &#8222;Kotzebues Werke herausgeben&#8223;,
+sagt:<a id="Page_242"></a>
+ <span class="pagenum">[242]</span> &#8222;Kette stecken&#8223;. Schon diese scherzhafte Bezeichnung
+beweist, daß Jan Maat mit seekranken Leuten nicht allzuviel Mitleiden
+hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kettenschiffahrt</span>, die, ist eine Flußschiffahrt bei der der betreffende
+Dampfer sich selbst an einer Kette entlang schleppt, die in den Fluß
+versenkt ist. Die Kette geht vorn auf das Dampfschiff hinauf und, auf
+Rollen laufend, hinten wieder herunter. Eine Gesellschaft, die auf der
+Elbe von Magdeburg nach Hamburg dergleichen Schiffahrt betreibt, heißt
+&#8222;die Kette&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kieker</span>, der.</p>
+
+<p>1. Der Mann auf dem Ausguck, hochdeutsch schlechtweg &#8222;der Ausguck&#8223;
+genannt (und zwar mit etwas größerem Recht als der Soldat auf Posten die
+Schildwache heißt).</p>
+
+<p>2. Ein Fernrohr, jedes Fernrohr, besonders aber das lange für <span class="strong1">ein</span> Auge.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Kiken heißt gucken, kucken, sehen, schauen. Wahrscheinlich gehören
+kiken, sehen und kiken, stechen zu einer Wurzel, wie man auch von einem
+stechenden Blick und von einem Krimstecher spricht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kiel</span>, der. Die Erklärung dieses wichtigen Seemannswortes wird dadurch
+recht erschwert daß es im Mittelhochdeutschen zwei einander gleich
+lautende und doch Verschiedenes bedeutende Wörter Kiel und Kil gibt, von
+denen ersteres Seeschiff, letzteres Kiel in dem uns geläufigen Sinne
+heißt. Doch auch das möchte noch angehen. Aber da wir gewöhnt sind Kiel
+als Schiffsteil auch fürs ganze Schiff zu nehmen, so stehen wir in
+doppelter Gefahr Kil mit Kiel in eins zu verschmelzen. Zunächst ist
+jedenfalls festzuhalten</p>
+
+<p>1. daß es ein althochdeutsches Wort kiol gibt das Schiff bedeutet,
+mittelhochdeutsch kiel, altnordisch kioll (kjöll), angelsächsisch ceól,
+welches nachher im Altenglischen noch für &#8222;Schiff&#8223; gebraucht wurde, wie
+eine Urkunde des Königs Aethelred (978-1016), (gedruckt bei Höhlbaum,
+Hans. Urkundenbuch) beweist, wo es heißt: &#8222;si adveniat ceol vel hulcus
+(s. Hulk) et ibi jaceat 4 denarii ad telonum.&#8223; Das ist das alte
+Seeschiff, in dem die Angeln und Sachsen über Meer gingen.</p>
+
+<p>2. daß es auch ein altnordisch kiolr gibt, das Kiel bedeutet, alt- und
+mittelhochdeutsch kil, Federkiel und Schiffskiel, an den sich die
+Spanten als Rippen ansetzen, wie die einzelnen Rippen an den Federkiel.</p>
+
+<p>So sehr nun diese beiden Wörter auseinander zu halten sind,<a id="Page_243"></a>
+ <span class="pagenum">[243]</span> weil
+sie nun einmal grammatikalisch auseinander gehen, so stehe ich doch
+nicht an, zu glauben, daß beide ursprünglich doch aus einer und
+derselben Wurzel entsprossen sind, als welche Fick ku oder gu, schwellen
+annimmt. Diese Meinung wird dadurch bestärkt, daß unser Seemann anstatt
+Kielschwein Kolswin sagt, was doch von König Aethelreds Zeiten her ihm,
+dem äußerst zäh am Alten hangenden, könnte hängen geblieben sein. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Urverwandt mit gaulos schiff, eigentlich Eimer, also etwas rundlich
+Anschwellendes. Es kann nicht auffallen, daß die Germanen und die
+Griechen ein seemännisches Wort urgemeinschaftlich haben, da sie doch
+stammverwandt und in uralten Zeiten mit einander über den Kaukasus
+gewandert sind. Indessen ist es nicht einmal unbedingt nötig
+Urverwandschaft zwischen gaulos und kiol anzunehmen, da ja Bischof
+Ulfilas, der Übersetzer der Bibel ins Gothische und damit Schöpfer der
+gothischen Schriftsprache, in Konstantinopel ausgebildet worden war und
+dort unzweifelhaft Gelegenheit genug hatte, seemännische Wörter kennen
+zu lernen und sie aus dem Griechischen in gothische Form zu übertragen,
+von wo aus sie dann ins Althochdeutsche übergingen. (Bei den vielen
+engen Berührungen der alten Deutschen mit den Römern kann natürlich eine
+unmittelbare Herübernahme lateinischer Seemannswörter ins Deutsche noch
+weniger befremden, zumal mit neuen, verbesserten Werkzeugen sich
+überhaupt leicht der neue Name aus der Fremde einbürgert).</p>
+
+<p><span class="strong1">Kielholen.</span></p>
+
+<p>1. Ein Schiff, es geht natürlich nur bei kleineren, am Gestade oder Ufer
+so auf die Seite legen, daß man an den Stellen, die sonst unter Wasser
+sind, arbeiten kann; also eigentlich den Kiel trocken holen. Auch in
+übertragener Bedeutung &#8222;das Unterste zu oberst kehren&#8223;; wenn eine Frau
+&#8222;Rein Schiff&#8223;, d.&nbsp;h. große Frühjahrsreinigung des Hauses vorhat, so sagt
+wohl der dadurch erschreckte Mann in Holland: &#8222;zy zal beginnen te
+kielhalen&#8223; (Lüpkes, Seemannssprüche).</p>
+
+<p>2. Ein früher gebräuchliches sehr empfindliches Verfahren, das teils bei
+der Linientaufe als grausamer Scherz, teils von Rechts wegen als
+bitterer Ernst geübt wurde, darin bestehend, daß einer an einem Tau von
+der Nock der einen Seite der Großrahe unter dem Kiel durch zur Nock der
+andern Seite der Großrahe geholt wurde. Wenn man in Deutschland und
+Holland auch<a id="Page_244"></a>
+ <span class="pagenum">[244]</span> nicht, wie anfänglich bei großen Seeunternehmungen
+in England, die Gefängnisse entleerte um die Schiffe zu bemannen, so
+waren die Männer, die in früheren Zeiten ihren Handel in großen Wassern
+trieben, doch nicht grade die allersanftesten Brüder und mußten in
+strenger Zucht gehalten werden. Aubin beschreibt das Kielholen so:
+&#8222;C'est une sorte de punition qu'on pratique parmi les Hollandais, en
+cette maniére. On mène le coupable au bord du vaisseau, et on y atache
+une corde, au milieu de laquelle il est lié par le milieu du corps;
+ou-bien, on amène la vergue sur le vibord, et aïant mis le coupable sur
+le bout, on y atache la corde. Autour de son corps on met quelque chose
+de pesant, ou-bien l'atache à ses piés. La corde est aussi longue qu'il
+faut pour passer sous la quille du vaisseau. Un des bouts en est tenu de
+l'autre coté, par quelques-uns des plus forts matelos de l'équipage; et
+l'autre bout est celui qui est ataché au vibord, ou à la vergue. Le
+coupable, à lordre qu'en donne le Quartier-maitre, étant jetté à la mer,
+ceux qui tiennent la corde à l'autre bord du vaisseau, la tirent le plus
+vite qu'ils peuvent, de sorte qu'il passe avec une grande rapidité, dans
+l'eau, sous la quille. On recommence même quelquefois, et on le jette
+autant de fois que la Sentance le porte. Ce châtiment est rude et
+dangereux, car le moindre defaut de diligence ou d'adresse, de la part
+de ceux qui tirent la corde, ou quelque autre petit accident, peut être
+cause, que celui qu'on tire, se rompe ou bras, ou jambes, et même le
+cou, ou quelque autre parti du corps; si-bien qu'on le met au rang des
+peines capitales.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Der &#8222;Artykelbrief&#8223; der Generalstaaten, das
+Reglement der Marine der Niederlande, die Grundlage der Disziplin an
+Bord, hält strenge auf Zucht, Ordnung und Gottesfurcht. Es mögen hier
+einige Bestimmungen in Aubin's Übersetzung Raum finden. I. L'Amiral, le
+vice-amiral, le Capitaine, Lieutenant, ou tout autre qui commandera un
+vaisseau, prendra soin qu'on fasse tous les matins et tous les soirs la
+priére sur son bord, ou tout le mionde se tiendra prêt pour y assister,
+sur peine, en cas de défaut, de quatre sous d'amende pour la premiére
+fois; du duble pour la seconde fois; et d'être huit jours aux fers, au
+pain et à l'eau, pour la troisiême fois. II. Ceux qui ne se comporteront
+pas comme il faut, pendant qu'on lira la Parole de Dieu, ou qu'on fera
+la priére; qui riront, qui feront du bruit, et qui, de quelque maniére
+que ce soit, ne<a id="Page_245"></a>
+ <span class="pagenum">[245]</span> se tiendront pas dans un êtat modeste, seront
+conduits devant le mât, y recevront des coups de corde de tour de tout
+leur Quart, et paieront six sous d'amende au profit du Prévôt. III.
+Quiconque prendra le nom de Dieu en vain, ou jurera, sera aussi mené
+devant le mât, et battu de coups de corde par son Quart, et paiera deux
+sous d'amende, aplicable aux pauvres, et six sous au Prévôt. XXIX. Ceux
+qui demeureront endormis lors-que le siflet se fait entendre, et
+lors-qu'il faut venir faire le quart, seront punis pour la premiére fois
+arbitrairement, par l'ordre du Capitaine, et de l'avis des Oficiers;
+pour la seconde fois ils seront battus de bouts de corde par tout
+l'équipage; et la troisiéme fois ils auront <span class="strong1">la cale par-desous la
+quille</span>.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kiellinie</span>, die. Wenn das Signal: &#8222;Im Kielwasser des Admirals folgen!&#8223;
+befolgt wird, dann segeln, oder vielmehr dampfen die Schiffe eines
+Geschwaders in Kiellinie, eines hinter dem andern, in genau abgemachten
+und inne zu haltenden gleichen Abständen, so daß also die Verlängerung
+der Linie des Kiels aller Schiffe in <span class="strong1">einer</span> graden Linie verläuft.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kielwasser</span>, das, der Streifen schäumend bewegten Wassers, den das Schiff
+bei seiner Fahrt hinter sich läßt. Der Winkel, den die Linie des
+Kielwassers mit der Richtung des Kiels macht, zeigt die Größe der
+Abtrift an. Doch wird Kielwasser wohl auch gleichbedeutend mit Kurs
+genommen, was z.&nbsp;B. geschieht, wenn der Befehl an die Schiffe eines
+Geschwaders ergeht, daß sie im Kielwasser des Admirals folgen sollen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kielschwein</span>, das. Verstärkung des Kiels. Mit Schwein hat das Wort aber
+nichts zu tun. Das hat Reinhold Werner &#8222;Schule des Seewesens&#8223; sehr wohl
+erkannt und sagt darum durchgängig anstatt Kielschwein Kielschweif. Das
+ist aber nur ein Verlegenheitsgriff und bringt uns nicht weiter. Wir
+müssen einen andern Weg der Erklärung einschlagen. Der niederdeutsche
+Seemann sagt Kielswin (eigentlich Kolswin s. Kiel). Swin heißt nun
+freilich auch Schwein, aber das Swin in Kielswin ist eben ein ganz
+anderes Ding als das Borstentier, das seinen Namen von der Diminutivform
+oder vielmehr Femininumform von Sau hat. Unser &nbsp;&mdash;&nbsp; swin hat von der
+Verstärkung den Namen. Das mittelniederdeutsche Wort swin hieß stark. Es
+ist zwar dasselbe wie das Hochdeutsche geschwind, früher mundartlich und
+auch jetzt noch manchmal ohne die Vorsilbe einfach schwind, aberes
+<a id="Page_246"></a>
+ <span class="pagenum">[246]</span> hieß anfänglich weiter nichts als groß, heftig, stark. &#8222;Do
+bouweden se en slot, unde is ein swinde vast hus.&#8223; (Lübecker Chronik.)
+&#8222;Dar weren sulen van glaze, de weren swynde grot&#8223; (Lübecker Passional.)
+Der Wechsel oder vielmehr die Erweiterung liegt nahe. Von swind in der
+Bedeutung stark kann man leicht zu geswind in der Bedeutung schnell
+kommen, man braucht nur an einen starken, kühnen, kräftigen,
+unternehmenden Menschen zu denken, der wird allemal auch ein schneller
+Mensch sein. Schon zu Anfang des 17. Jahrhunderts hatte sich diese
+Erweiterung bereits vollzogen und im Seegebrauch festgesetzt, wie wir
+aus dem niederdeutschen Fastnachtsspiel &#8222;Scriba&#8223;, das 1616 in Hamburg
+aufgeführt ward, erfahren. Da will eine Bäuerin ihren Sohn gern Latein
+lernen lassen und sagt zu dem Schreiber: &#8222;Herr Schryver, he haft suss en
+schwinden vorstand, he schol dat Lackyn wol grypen mit der hand.&#8223; Ja
+schon 1498 ist sie nachzuweisen. In diesem Jahre erschien die erste
+Ausgabe des Reineke de vos in niederdeutscher Sprache. Da heißt es:
+&#8222;Reinke log ser und swinde. Brun folgede en na alse ein blinde.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kill</span>, die, auch Kille, die, ist, ähnlich wie Priel, eine natürliche
+Wasserrinne, ein natürlicher Wasserlauf, namentlich auf dem Watt;
+niederländisch kil; altnordisch, isländisch kyll; nordfriesisch kiel =
+Brunnen, Quelle. Mit diesem letzteren Worte ist es eins, wie denn das
+Stammverbum zu Quelle auch ein i anstatt des e hat; gothisch qillan.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kikebuse</span>, die, ein kleines, über Reifen gespanntes, tonnenförmiges Netz,
+worin das sich allmählich verengende und spitz zulaufende Ende des
+Stellnetzes oder der Fuke hineingesteckt wird, damit sich die in dem
+Stellnetze gefangenen Fische darin sammeln. Verbindung von kike = Gefäß
+(Feuerkike) und bus = Stall, Viehstall. &nbsp;&mdash;&nbsp; Am Dollart werden diese
+Kikebuse noch jetzt aus Weiden geflochten und für sich allein zum Fangen
+von Aal und Granat gebraucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">killen.</span> Die Segel killen, wenn sie hin- und herschlagen oder wappern,
+weil der Wind aus Versehen des Steuernden oder wegen plötzlicher
+Richtungsveränderung weder von vorne noch von hinten kommt, sondern
+grade aus der Richtung in der die Rahe gebraßt ist; killen = schwappern,
+flattern, hin- und herschlagen, und zwar kurz und kräftig, nicht lahm
+und langsam wie wenn überhaupt kein Wind geht. Trotzdem ist es dasselbe
+Wort wie<a id="Page_247"></a>
+ <span class="pagenum">[247]</span> niederländisch killen, englisch kill = töten, d.&nbsp;h.
+schlaff machen, der treibenden Kraft berauben; althochdeutsch quellan,
+chellen, chelen, mittelhochdeutsch quellen, quälen, töten, altenglisch
+quell, sterben, langsam hinsterben, hinschwinden, abnehmen, sich
+vermindern, nachlassen, was der Bedeutung wegen beachtenswert ist, weil
+die Fahrt des Schiffes durch das Killen vermindert wird und nachläßt.
+Neuenglisch chill, das Zittern und Beben der Hände vor Frost in
+oberdeutschen Mundarten kellen oder gellen, &#8222;o Mutter die Hände gellen
+mir so!&#8223; sagt ein Kind, wenn die Hände so kalt sind, daß die
+Fingerspitzen sich anfühlen als bohre ein Wurm darin. &nbsp;&mdash;&nbsp; So wenig das
+Killen eines ganzen Segels gewünscht wird, so ist es doch das
+Kennzeichen eines guten Rudergasten, daß er, wenn er hoch beim Winde
+steuern soll, so nahe an den Wind geht, daß wohl die Luvschot der
+Oberbramsegels, aber nicht das ganze Segel killt; das ist dann der
+Beweis, daß er nicht höher steuern kann, aber auch nicht voller steuern
+will.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kimm</span>, die, auch Kimmung, die. 1. Der Horizont, der äußerste
+Gesichtskreis auf freiem Felde, besonders auf See; der äußerste Rand, da
+wo Erde und Himmel, besonders wo Meer und Himmel sich zu berühren
+scheinen, sich scheinbar mit einander verbinden. Mittelniederdeutsch
+kimme, niederländisch kim, englisch chimb, chime = Zarge, Rand einer
+Türe oder eines Tisches. Es liegt ein Thema zu Grunde mit der Bedeutung
+Zusammenfügung, Verbindung, Fuge, Verbindungsstelle. Im Angelsächsischen
+heißt cimbing commissura, Naht, wo zwei Dinge zusammentreffen.
+Niederdeutsch der äußerste Rand eines Dinges, nach dem Bremer Wörterbuch
+die über den Boden hinausspringenden Enden der Faßdauben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Da die
+Stelle, wo Himmel und Erde sich verbinden, das äußerste Ende der Erde
+darstellt, so konnte sich, wie Doornkaat bemerkt, von selbst die
+Bedeutung des Äußersten oder Entferntesten in Bezug auf ein Land und
+seine Bewohner entwickeln, und demgemäß der Volksname der Kimbern und
+der Landsname Kimmerien oder Kimbrien. &nbsp;&mdash;&nbsp; 2. Im Schiffbau derjenige Teil
+der Außenbordwand wo die größte Krümmung ist, wo der Boden in die Seite
+übergeht, wo also eine Verbindung des Bodens mit der Seite stattfindet,
+wie die Erde sich mit dem Himmel verbindet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wenn ein Schiff bei einer
+Strandung auf die Seite fällt, so kommt es nach dem Gesetz der Schwere
+auf diese Kimmung zu liegen; etliche Planken ober- und unterhalb dieserStelle
+<a id="Page_248"></a>
+ <span class="pagenum">[248]</span> heißen Kimmplanken, und die Weger oder Wäger (s. Wägerung)
+heißen Kimmwäger.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kinbacksblock</span>, der. Jeder Block der eine Scheibe hat, hat auch eine
+gewisse Ähnlichkeit mit einer Kinbacke, oder vielmehr mit zweien, da die
+beiden Backen zu den Seiten der Scheiben sich damit sehr wohl
+vergleichen lassen. Kinbacksblock heißt einer aber besonders, weil er
+neben den Kinbacken auch gleichsam noch einen Mund hat, nämlich einen
+Ausschnitt, durch den man das Tau über die Scheibe legen kann ohne erst
+das Ende einstecken und ganz durchholen zu müssen, was oft gar nicht
+angängig wäre, weil beide Enden mit irgend einem umfangreichen
+Gegenstande verbunden sind und nicht von ihm gelöst werden können.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kinke</span>, eine, ist eine Windung, eine Falte, ein Auge, eine Drehung in
+einem Tau, die sich leicht bildet, wenn es neu und zu hart gedreht ist;
+eine sehr gefährliche Sache, wenn das Tau durch einen Block laufen soll;
+es ist dann &#8222;unklar&#8223; und muß schleunigst klariert werden. Auch nennt man
+wohl die Biegungen eines aufgeschossenen Taues Kinken und warnt bei
+schnellem Ablaufen derselben: &#8222;Die Beine aus den Kinken bergen!&#8223; damit
+die Gewalt des abrollenden Taues sie nicht breche. &#8222;Sich aus den Kinken
+bergen&#8223; heißt auch allgemein in übertragenem Sinne sich vor irgend einer
+Gefahr in Sicherheit bringen. Die Benennung ist von kinke, einem
+niederdeutschen Worte für &#8222;gewundene Schnecke&#8223;, entnommen, das von
+conchile kommt; kinken niederländisch krumm liegen, verwirren; auch
+niederdeutsch verwickelt; das Bremer Wörterbuch sagt: &#8222;Auch die
+Schneider brauchen dies Wort, wenn der Faden im Nähen sich selbst
+verwickelt und einen Knoten macht.&#8223; Auf Wangerooge kink.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klabautermann</span>, der, kommt von dem mittelhochdeutschen Kobold (und Mann,
+Koboldermann), lächerliche aus Holz oder Wachs gebildete Figur eines
+neckischen Hausgeistes (ursprünglich Götzenbild, Bildnis eines
+Hausgeistes, das über dem Herde angebracht wurde. Nachher in der
+christlichen Zeit wurden dergleichen Bilder nur noch zum Scherz oder zur
+Zierde auf den Kaminsims gestellt, aber ursprünglich hatten sie tiefere,
+religiöse Bedeutung, Simrock, Mythologie S. 450, 6. Aufl. Bonn 1887).
+Griechisch Kobalos, verschnittener Possenreißer, mittelniederländisch
+coubout, neuniederländisch Kabout, flämisch Kabot,<a id="Page_249"></a>
+ <span class="pagenum">[249]</span>
+Kabotermanneken. In dem immer mehr verschwindenden Aberglauben der
+Seeleute ein guter Schiffsgeist, der unten und oben, im Schiff und in
+der Takelage sein munteres Wesen treibt.</p>
+
+<p><span class="strong1">klabastern</span>, eigentlich klabautern, wie man auf Wangeroog sagt, (&#8222;dat is
+'n ewig klabautern&#8223;, wenn lange gekreuzt werden muß). Es heißt schlagen,
+purzeln, polternd laufen, neckend jemand nachlaufen, sich dabei
+überstürzen (&#8222;Kobold schießen&#8223;) wie ein Kobold. Da dieses Wort zum
+Scherz herausfordert, so ist klabastern offenbar auch eine scherzhaft
+gebildete Form für klabautern. Um das Holländische als einen ans
+Lächerliche grenzenden deutschen Dialekt darzustellen behaupten
+Unkundige immer wieder, es heiße &#8222;und seine Jünger folgten ihm nach&#8223; in
+der holländischen Bibel &#8222;en sijne jongelingen klabasterten achter hem
+naa&#8223;; das ist eine böswillige Herabsetzung der kräftigen, klangvollen,
+für die öffentliche Rede wie für die zarte Lyrik gleich geeigneten
+holländischen Sprache, in der es kein Zeitwort klabastern gibt und in
+der die Jünger Jesu discipelen genannt werden. Wohl gibt es ein Zeitwort
+klauteren = klimmen, klettern, aber das könnte auch von klaauw = Klaue
+kommen, käme es aber auch von Klabautermann, so hat es dennoch nichts
+Lächerliches an sich.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klafter</span>, das, vergl. Faden, kommt auch männlich, ja nach Kluge, sogar in
+allen drei Geschlechtern vor. Althochdeutsch klaftra. Die romanischen
+Wörter für Klafter braza, brasse sind bedeutungsverwandt, denn es ist
+das Maß der ausgespannten Arme; seemännisch nur Längenmaß von
+verschiedener Ausdehnung, (wie Fuß auch). Sonst auch als Kubikmaß
+gebraucht, &#8222;ein Klafter Holz&#8223;, ursprünglich so viel man mit den Armen
+umklaftern kann. Der Teuthonista sagt: clafter, clater, later, vadem,
+dat is eyns menschen lenghd, weil angenommen wird, daß ein Mensch so
+groß ist wie die Entfernung von Fingerspitze zu Fingerspitze bei
+ausgebreiteten Armen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Apostelgeschichte 27, 28 in der Uebersetzung
+Luthers: &#8222;Und sie senkten den Bleiwurf ein und fanden zwanzig Klafter
+tief&#8223;; das griechische Wort heißt orgyia und kommt von orego, ich
+strecke aus; es ist also hier der Raum zwischen den ausgestreckten Armen
+gemeint.</p>
+
+<p><span class="strong1">klameien</span>, s. kalfatern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klampe</span>, die</p>
+
+<p>1. die einfachsten Klampen sind weiter nichts als Stücke<a id="Page_250"></a>
+ <span class="pagenum">[250]</span> Holz,
+Klötze oder Kloben, dazu dienend, einer anderen Sache Festigkeit zu
+verleihen, z.&nbsp;B. Klampen der Mastspuren, Klampen auf denen die
+Wasserfässer fest liegen, Bugspriet-Wuhlings-Klampen, Treppenklampen an
+der Außenbordwand (Fallreepstreppe) für die Füße zum Treten und für die
+Hände zum Festhalten, Betingsklampen, Nockklampen u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p>2. Eine Vorrichtung zum Belegen, d.&nbsp;h. Festmachen des Endes eines Taues;
+hierbei hat das unter 1. erwähnte Stück Holz ungefähr die Gestalt eines
+Ambosses bekommen, dessen Mitte an der Bordwand befestigt ist, dessen
+beide Seitenarme aber frei stehen, so daß man das betreffende Tau
+mehrmals um sie schlagen und zuletzt mit einem Kopfschlag befestigen
+kann; diese heißen Belegklampen.</p>
+
+<p>3. Verholklampen haben lediglich den Zweck beim Holen oder Verholen dem
+Tau als Führung zu dienen.</p>
+
+<p>Niederdeutsch klump oder klampe bedeutet etwas womit man einem andern
+Dinge Haft, Halt, Festigkeit, Verbindung, Zusammenhalt gibt, Querholz,
+Kloben, Klotz, Querriegel, auch einen Steg über einen Graben.
+Niederländisch klamp = Klammer, Zapfen, Band; englisch clamp, Balken,
+Latte, Leiste, Stück Holz zur Verstärkung und Befestigung; norwegisch
+und schwedisch klamp, Klotz, Baumstumpf, Holzkloben. Es stecken also
+zwei Bedeutungen in dem Wort: Klammer und Klumpen. Beide liegen auch
+schon in dem Zeitwort klimpan, von dem Klampe abstammt und dessen
+Grundbedeutung nicht nur spalten (Klumpen also = gespaltenes Stück Holz)
+sondern auch klammern = anhangen, verbinden, haften ist; sie kommen
+beide in Klampe zusammen: &#8222;Stück Holz zum Befestigen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">klar.</span> Dieses vielgebrauchte Seemannswort ist und bleibt in allen seinen
+Verwendungen immer das lateinische clarus = <span class="strong1">rein</span>. Ob es nun klar, hell,
+deutlich, durchsichtig, unvermischt, schier, abgeklärt, gahr, fertig,
+bereit bedeutet, immer ist der Begriff rein das Ausschlaggebende. Sogar
+wenn das Kommando &#8222;Klar Schiff zum Gefecht!&#8223; kommt, ist die Bedeutung
+zunächst nur: rein das Schiff von allem was im Gefecht hinderlich sein
+könnte, fort mit allem was im Wege ist (und dann: her mit allem was zur
+Schlacht gebraucht wird, was man haben muß um zum Kampfe bereit zu
+sein). So sehr also &#8222;Rein Schiff&#8223; und &#8222;Klar Schiff&#8223; begrifflich von
+einander verschieden sind, sprachlich<a id="Page_251"></a>
+ <span class="pagenum">[251]</span> stehen sich die beiden
+Kommandos sehr nahe, nur daß bei &#8222;Rein Schiff&#8223; der Schmutz, bei &#8222;Klar
+Schiff&#8223; was sonst im Wege ist, entfernt wird. &nbsp;&mdash;&nbsp; Mittelniederdeutsch:
+klar = klar, hell, strahlend, herrlich, schön. Ein Hansareceß von 1386
+spricht von einem &#8222;klare vorste unde dorluchtige here;&#8223; auch von einer
+claren eddelen vorstinne, von einer claren edelen juncvrouwen ist in
+jenen Tagen die Rede. Aber auch schon damals ward das Wort seemännisch
+gebraucht für &#8222;in guter Ordnung sein&#8223;: &#8222;und haelden beyde schepe tho
+hope und hadden unse dynck klaer&#8223; (zum Gefecht); &#8222;als wy nu menden, dat
+wy it klaer hadden, so horde wy, dat dar noch folk under der luken was.&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Wache klar zum Manöver!&#8223; &#8222;Alle Mann auf, klar zum Manöver!&#8223; &#8222;Klar
+zum Wenden!&#8223; etc. etc. &#8222;Klar beim Bolzen, klar beim Fall, klar bei der
+Schot&#8223; ... sind alles Befehle an die Leute die es angeht, sich bereit zu
+halten zu dem Kommenden und ihre Aufmerksamkeit auf das zu richten, was
+dabei zunächst zu geschehen hat. &#8222;Klar machen zur Musterung!&#8223; bedeutet
+noch nicht die Musterung selbst, sondern den Befehl, sich dazu fertig zu
+machen. &#8222;Klar machen zur Kirche!&#8223; heißt den Altar aufstellen, Stühle und
+Bänke zurechtsetzen, den Kirchenwimpel anstecken, fertig zum Hissen etc.
+etc. &#8222;Gig klar, Kutter klar!&#8223; lautet der Befehl, das betreffende Boot zu
+Wasser zu lassen, zu bemannen und fertig zum Einsteigen an die
+Fallreepstreppe zu legen, was, wenn es alles geschehen ist, dem ersten
+Offizier gemeldet wird: &#8222;Kutter klar!&#8223; (<span class="strong1">ist</span> klar), &#8222;Klar Deck&#8223;, &#8222;klar
+Deck überall!&#8223; heißt das Deck nach einem Manöver wieder in den vorigen
+Stand versetzen, so daß alles wieder für ein neues Manöver
+gebrauchsfähig bereit ist. Ein &#8222;<span class="strong1">klarer Anker</span>&#8223; ein von seinem Tau, seiner
+Kette freier, d.&nbsp;h. wohl an dieselbe befestigter, aber von ihr frei d.
+h. ungehindert sich bewegender Anker, in seiner Verwendung von Tau oder
+Kette nicht gehemmt. Daher tragen die Unteroffiziere der Marine, die
+nicht direkt etwas mit der Seemannschaft zu tun haben, einen klaren
+Anker, ohne Tau, die seemännischen Unteroffiziere einen unklaren, von
+einem Tau umschlungenen, in ein Tau verwickelten Anker, weil angenommen
+wird, daß sie in der Lage sind, einen unklaren Anker zu &#8222;<span class="strong1">klariren</span>&#8223; d.&nbsp;h.
+klar zu machen. Klariren ist etwas anderes als aufklaren, indem
+letzteres ganz allgemein aufräumen bedeutet, ersteres aber gesagt wird,
+wenn eine Sache nicht so ist wie sie sein soll, um ihren Zweck<a id="Page_252"></a>
+ <span class="pagenum">[252]</span> zu
+erfüllen, wenn z.&nbsp;B. ein Tau einen Kink hat und man diesen beseitigt. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Das von klar kommende hochdeutsche erklären heißt
+niederdeutsch-seemännisch <span class="strong1">verklaren</span>; daher <span class="strong1">Verklarung</span> vor Gericht (s.
+d.) Das mittelniederdeutsche Zeitwort klaren bedeutet hell machen, ins
+Reine bringen, eine Rechnung bezahlen; intransitiv: erhellen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein so
+häufig gebrauchtes Wort wird selbstverständlich auch in übertragenem
+Sinne angewandt. So heißt z.&nbsp;B. &#8222;klar beim Bolzen&#8223; überhaupt bereit sein
+zu irgend einem Werke, und &#8222;klar Deck machen&#8223; irgendwo aufräumen,
+dazwischenfahren, Ordnung schaffen; wie denn im Mittelniederdeutschen
+unklar sogar in moralischem Sinne gebraucht ward für unehrlich; Lübecker
+Totentanz: &#8222;hefet unklar gewest in talle, mate, wichte, rekenschop und
+ok in kope&#8223;, sagt der Tod zum Kaufmann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Eine ganz auffallende
+Bedeutungsverschiebung hat sich mit dem Wort klar im Englischen
+vollzogen. Da nennt man heutzutage allgemein Rotwein claret. Klaret war
+aber im Mittelniederdeutschen weißer Wein, weißer Gewürzwein, nämlich
+über Gewürz abgezogen und dann geklärter Wein. Schiller und Lübben,
+Mittelniederdeutsches Wörterbuch II. 473: &#8222;In dem Catal. med. (Lübeck
+1784) wird vinum claretum als weißer, vinum hippocraticum als roter
+Gewürzwein aufgeführt, und letzterer doppelt so hoch angesetzt als
+ersterer. Die Bereitung beider beschreibt Gwaltherus Ryff in seiner
+kleinen Apoteck oder Konfektbüchlein, Straßburg 1552. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Ein kostlick
+klareth edder czuckerwater; wenn men czucker int water werpet, so isset
+nicht mehr water, sunder ein köstlich klareth edder czuckerwater.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Klau</span>, die. Die Gaffeln sind zwar gabelförmig gestaltet aber die Gabelung
+daran heißt merkwürdigerweise nicht Gabel, sondern Klau = Klaue, weil
+sie wie eine Tierklaue den Schnaumast umklammert. Es heißt aber auch,
+nach einer auch anderweitig durch Seeleute mündlich bestätigten Angabe
+des Kapitänleutnants Frhrn. von Strombeck in der Marine-Rundschau
+(Übersetzung eines Kapitels über Jacht-Seemannschaft) der Teil des
+Segels, der sich zunächst der Klau befindet, Klau; in dieser Klau des
+Segels befindet sich eine Kausch zum Befestigen desselben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kleid</span>, das, heißt im Munde des Seemanns nicht dasselbe wie im
+Hochdeutschen, sondern nur Decke, wie im Ostfriesischen und überhaupt im
+Niederdeutschen und Niederländischen kleed = Decke, Teppich ist. Auch im
+Althochdeutschen war dem so; da<a id="Page_253"></a>
+ <span class="pagenum">[253]</span> hieß kleit Zeug, Tuch, (wie das
+englische cloth), banckleit = Bankdecke, (aber nicht Bankkissen, denn
+das hieß bankphulwe, wie noch jetzt in Hochdeutschland ein Kissen
+&#8222;Pilwe&#8223; heißt). Mittelhochdeutsch satelkleit = Satteldecke. Seemännisch:
+Hängemattskleid, Zwischendeckskleid. &nbsp;&mdash;&nbsp; Dem entsprechend wird auch
+kleiden gebraucht, doch siehe in Bezug hierauf Schmarting, Platting,
+Schladding und Sarving; auch heißt das Wegnehmen nicht entkleiden,
+sondern <span class="strong1">abkleiden</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Klein Holz&#8223;.</span> Die Redensart: &#8222;es gibt klein Holz&#8223; besagt so viel als: es
+geht etwas entzwei, es wird etwas zertrümmert, es zerbricht etwas (auch
+wenn es nicht von Holz ist); ja man kann auch, wenn ein ganzes Schiff am
+Felsen zerschellt, sagen daß es &#8222;klein Holz&#8223; gibt; das bedeutet dann
+&#8222;scheitern&#8223; in seiner wörtlichen Bedeutung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klinkerboot</span>, das, ist ein Boot, das als Außenhaut eine einfache
+Plankenlage hat, deren einzelne Gänge um einen geringen Teil ihrer
+Breite über einander greifen, indem jede Planke mit ihrer unteren Kante
+die Oberkante der unter ihr liegenden Planke bedeckt. Die über einander
+liegenden Plankenteile werden durch kupferne Gatnägel mit einander
+verbunden. &nbsp;&mdash;&nbsp; In Oldenburg, Ostfriesland und Holland heißen die
+Ziegelsteine mit denen die Chausseen gepflastert sind Klinker, weil sie
+so hart gebrannt sind, daß sie klingen wenn man daran klopft. Mit diesem
+Worte hat jedoch unmittelbar das Klinker in Klinkerboot nichts zu tun,
+vielmehr kommt zunächst das niederdeutsche klinken = nieten, festmachen,
+festschlagen ein Etwas auf ein anderes Etwas, fest verbinden mit
+einander; und zwar ist dabei an das Geräusch gedacht, das bei dem dazu
+nötigen Klopfen entsteht, indem klinken eine nasalierte Form von kliken
+ist, das den Ton andeutet der entsteht wenn Eisen auf Eisen schlägt:
+&#8222;klick&#8223;. Englisch clinch, nieten. Dasselbe onomatopoietische Wort wie
+unser klingen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klinsch</span>, eine, ist nichts weiter als das unter dem Einfluß des
+englischen clinch = Klinke etwas umgebildete deutsche Wort Klinke,
+entweder im Sinne von &#8222;gekrümmtes, umgebogenes Ende eines Dinges&#8223; oder
+eines &#8222;haftenden, packenden, haltenden Etwas&#8223;; beide Bedeutungen von
+klinken (s. Klinkerboot) passen auf Klinsch sehr wohl; klinken heißt
+allerdings &#8222;nieten&#8223;; aber das Nieten besteht darin, daß das spitze Ende
+eines Nagels, der durch das zu Nagelnde durchgedrungen und auf der
+andern Seite<a id="Page_254"></a>
+ <span class="pagenum">[254]</span> wieder herausgekommen ist, durch Klopfen umgebogen
+wird; dieses Umbiegen ist die ursprüngliche Art des Nietens, und im
+Gedanken an Biegung ist Klinke, ist auch Klinsch gebildet, denn eine
+solche ist ein solcher Knoten oder Stek, bei dem das Ende eines Taues in
+der Weise umgebogen ist, daß ein Auge entsteht; zunächst ein festes
+Auge; und dann wird noch einmal gebogen und der Tamp durch das feste
+Auge so durchgeholt, daß ein laufendes, bewegliches, veränderliches,
+sich dem zu befestigenden Gegenstand durch Biegen anpassendes Auge
+entsteht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klote</span>, die. Kloten sind kleine Hölzer in Gestalt einer Kugel oder eines
+Zylinders mit einem Loch in der Richtung der Längsachse, um laufendes
+Gut zu leiten. Man unterscheidet Wantklote und Rackklote; letztere (nach
+Dabovich, Naut.-techn. Wörterb.) italienisch bertoccio per trozze
+(Pater, paternostro); französisch pomme de racage, englisch
+parrel-truck; erstere italienisch conduttore di manovra (Mandola),
+französisch margouillet, englisch bull's eye, shroud truck. Die
+Erklärung ist in dem Begriff Kugel gegeben. Klot heißt in Ostfriesland
+die Kugel die bei dem berühmten &#8222;Klotschießen&#8223; (einem Werfspiel das im
+Winter wenn die Graften zugefroren sind mit Leidenschaft als Wettspiel
+zwischen Dorf und Dorf betrieben wird); heißt niederdeutsch überhaupt
+Kugel (und Hode), Ball, Klumpen, Kloß; mittelhochdeutsch kloz, Klumpen,
+Ball; es ist demnach unser hochdeutsches Kloß, entsprechend dem
+französischen pomme, Apfel; oder auch unser Klotz.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klumpblock</span>, der, unterscheidet sich von einem gewöhnlichen einscheibigen
+Block durch den geringeren Scheibendurchmesser und die kürzere,
+gedrungenere Gestalt, hat also seinen Namen von Klumpen, wie auch der
+dicke, wenig zierliche Holzschuh der Ostfriesen und Holländer klump oder
+klumpe heißt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Klüse</span>, die. Die Klüsen sind zwei Löcher an jeder Seite des Vorstevens
+durch die das Ankertau oder jetzt vielmehr die Kette fährt; mit Blei
+oder Kupfer ausgefüttert, damit das Wasser nicht zwischen die Inhölzer
+laufe. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es lag nahe, diese beiden Löcher mit zwei Nasenlöchern oder
+auch zwei Augen zu vergleichen, und dieser Vergleich ist denn auch in
+ausgiebiger Weise gemacht worden, namentlich in wenig vornehmer Rede,
+manchmal in recht vulgärer Art, so daß das Wort Klüse einen etwas
+knotigen Beigeschmack empfangen hat, ähnlich wie Panse, (&#8222;ich haue
+Dir<a id="Page_255"></a>
+ <span class="pagenum">[255]</span> eins in die Klüsen&#8223;). Klüse ist die niederdeutsche Form für
+Klause, althochdeutsch clusa, mittelhochdeutsch kluse = einsamer,
+<span class="strong1">abgeschlossener</span>, (clusum von cludere, clausum von claudere) enger Raum
+(eines Einsiedlers, Klausners): abgeschlossener Behälter, Gebirgspaß,
+Engpaß, (&#8222;durch diese hohle Gasse muß er kommen&#8223;). Dieser letztere
+Begriff hat das Wort bei den Seeleuten in Aufnahme gebracht. Es kommt
+auch, wie (1702) im Niederländischen dafür die Form kluisgaaten bezeugt
+ist, die Verbindung klusgat = Klüsenloch vor, was aber ein
+tautologischer und volksetymologischer Verdeutlichungsversuch ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Knagge</span>, die, auch der (&#8222;ich schneide mir einen tüchtigen Knaggen Brot
+ab&#8223;) Dick und Kretschmer, Seemannschaft I 444: &#8222;Mitunter hat das Ruder
+noch eine Einrichtung, welche den Zweck hat, besonders beim
+Rückwärtsgang des Schiffes den Maximalausschlag des Ruders zu begrenzen.
+Zu dem Ende ist an jeder Seite des Ruders, etwa etwas höher als die
+obere Wasserlinie, ein eiserner oder metallener Knaggen oder Ansatz
+angebracht, der sich bei ganz hart gelegtem Ruder gegen den Steven legt
+und so ein weiteres Drehen des Ruders über den Maximalwinkel hinaus
+verhindert.&#8223; Das niederdeutsche Knagge, auch Knag, bedeutet dickes,
+unförmliches Stück, Brocken, Klumpen, Knorren, harter Ast im Holze,
+Baumstumpf, Wurzelstock; dann weiter Leiste, Zapfen, Pflock, hölzerner
+Wirbel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Knecht</span>, der. Die Knechte sind aufwärts stehende Hölzer bei den Masten
+mit Querstücken an ihren oberen Enden und drehbaren Scheiben für die
+Führung schweren laufenden Gutes. In den Querstücken stecken die Nägel
+zum Belegen der durch die Scheibe geholten Enden. Das Wort Knecht ist
+nach dem Muster von &#8222;Stiefelknecht&#8223;, &#8222;stummer Diener&#8223; etc. gebraucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kneifsteck</span>, der, ist ein Stek, der den Vorteil hat, leicht gelöst werden
+zu können; er ist nämlich so eingesteckt, daß das Ende, wenn Kraft
+darauf kommt, bekniffen ist; hört aber die Kraft auf, so kann man das
+bisher bekniffene Ende bequem herausziehen und den ganzen Stek leicht
+lösen; und selbst wenn Kraft darauf steht kann das bekniffene Ende ohne
+große Mühe dem Zustande des Bekniffenseins entzogen werden. &#8222;Bekniffen&#8223;
+sein in übertragenem Sinne ist ein wenig angenehmes Gefühl, nämlich eine
+Art von moralischem Katzenjammer, eine Lähmung und Hinderung fröhlicher
+Tatkraft in Folge eines gemachten<a id="Page_256"></a>
+ <span class="pagenum">[256]</span> Fehlers. &nbsp;&mdash;&nbsp; Weil ein
+Kneifsteck, sobald man an dem bekniffenen Ende zieht, aufgeht,
+&#8222;schlippt&#8223;, so heißt er auch (s. d.) Schlippsteck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Knickstag</span>, das, ist ein Sicherheitsstag, das in Tätigkeit zu treten hat,
+wenn das eigentliche Stag gebrochen ist. Es heißt darum auch wohl im
+Deutschen wie in den anderen Seemannssprachen der Nordsee Borgstag. Es
+ist also ein Reservestag, das seinen Namen vom niederdeutschen knick hat
+= Bruch, Sprung, Riß, weil es, wenn das betreffende Stag knickt, d.&nbsp;h.
+bricht &nbsp;&mdash;&nbsp; ein Tau &#8222;reißt&#8223; nie, es &#8222;bricht&#8223; in der Seemannssprache &nbsp;&mdash;&nbsp; als
+Knickstag an seine Stelle tritt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Knoten</span>, der. 1. s. splissen und knoten. 2. s. Log. &#8222;das Schiff segelt
+sechs Knoten&#8223;, d.&nbsp;h. es segelt sechs Seemeilen in der Stunde. Die Meilen
+entsprechen den in bestimmten Entfernungen von einander befindlichen
+Knoten der beim Loggen abrollenden Logleine. Ein Schiff fährt so viele
+Seemeilen in der Stunde als Knoten der abrollenden Logleine in der Zeit
+eines ablaufenden Logglases (Sanduhr) gezählt werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">knoten</span> s. splissen und knoten.</p>
+
+<p><span class="strong1">kockpit</span>, die. &#8222;An apartment under the lower gun-deck of a ship of war,
+ordinarily forming quarters for junior officers (and in action devoted
+to the surgeon and his assistents and patients).&#8223; Eigentlich der
+Kampfplatz für einen Hahnenkampf. Da nun &#8222;junior officers&#8223; manchmal
+etwas Kampfhahnartiges an sich haben, namentlich wenn sie allzulange
+zusammen an Bord desselben Schiffes bleiben, so hat man ihren Raum nach
+jener Arena genannt, wie man auch denselben Namen gegeben hat, &#8222;to the
+room in Westminster in which her majesty's privy-council hold their
+sittings&#8223;; es wird zwar behauptet, der Name käme, &#8222;from its having been
+the side of what was formerly the cock-pit belonging to the palace of
+Whitehall&#8223; ... aber wenn das wahr ist, so wird es doch höchstens die
+äussere Veranlassung gewesen sein, der innere Grund für die dauernde
+Herrschaft des Namens liegt wohl tiefer. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Name ist für einen
+entsprechenden Raum wohl auch auf deutschen Kriegsschiffen gehört
+worden, vor 20&nbsp;&mdash;&nbsp;30 Jahren häufiger wie heute.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kofferdamm</span>, der, und Korkdamm sind neumodische Wörter für neumodische
+Dinge, nämlich für bei der Panzerung notwendig gewordene
+Vorsichtsmaßregeln gegen Überflutungen durch über das Panzerdeck
+tretende Wassermassen. Sie haben also beide<a id="Page_257"></a>
+ <span class="pagenum">[257]</span> den Zweck eines
+Dammes, der eine in Gestalt von kofferartigen wasserdichten Zellen, der
+andere gleicht diesem in Gestalt, doch sind die Zellen mit Kork,
+Cellulose, Pflanzenmark oder dergl. angefüllt. Wenn ein Schuß durch ein
+eisernes oder stählernes Schiff geht, so ist das für das Schiff, und wie
+sich neuerdings vor Taku herausgestellt hat, auch für die Mannschaft
+gefährlich. Durch den Kork etc. etc. soll dann wenigstens bewirkt
+werden, daß das Loch sich einigermaßen wieder zuzieht, wie früher beim
+Holzschiffbau, zu dessen Zeiten manchmal ein Schiff ungezählte Schüsse
+bekam ohne zu sinken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kogge</span>, die, war das altfriesische Seeschiff von breiter und plumper
+Bauart, vorne und hinten rund und stumpf zulaufend, das nachher, etwas
+verbessert, in der Geschichte der Hanse eine große Bedeutung gewonnen
+hat. Die Koggen waren sowohl Handels- als Kriegsschiffe und werden in
+der friesischen Geschichte zur Zeit der Kreuzzüge oft erwähnt, da die
+Friesen in diesen Schiffen die Fahrt nach Palästina machten. Von der
+letzten, recht unglücklichen, die 1269 unter König Ludwig dem Heiligen
+unternommen wurde, erzählt Klopp, Ostfriesische Geschichte, I 136: &#8222;Also
+wurden wieder in allen Kirchen die eisenbeschlagenen Blöcke errichtet
+und Reiche und Arme brachten ihre Beisteuern dar. Aber durch die
+Erfahrung der früheren Züge konnten viele Fehler vermieden werden. Den
+Weibern ward die Teilnahme am Zuge völlig untersagt, damit die auf
+früheren Fahrten häufig vorgekommenen Ärgernisse das Mal unterblieben.
+Es wurde eingeschärft, daß nur diejenigen am Zuge Teil nehmen möchten,
+die sich mit Lebensmitteln genügend selbst versorgen könnten. Deshalb
+sollte jeder einzelne Pilger mindestens mitnehmen: sieben Mark Sterling,
+ferner ausreichende Kleidung, Waffen, sechs Fäßchen Butter, einen
+Schinken, eine und eine halbe Rindsseite oder zwei Scheffel Mehl. Am
+Freitage nach Ostern 1269 war alles bereit. Die Schiffe wurden von den
+Priestern geweiht und gesegnet und dann stiegen die Pilger andächtig
+hinein, viele von ihnen mit Blutschulden beladen, die sie durch tapfere
+Taten an den Türken zu sühnen gedachten. Aber bei Borkum wurden sie
+durch niedrigen Wind drei Wochen lang aufgehalten. Man zählte in Allem
+aus Friesland 50 Koggen ... Der König Ludwig war schon vorausgesegelt
+und kämpfte in Afrika. Dort vereinigten<a id="Page_258"></a>
+ <span class="pagenum">[258]</span> sich die Friesen mit
+seinem Heere, vollbrachten mit demselben wackere Taten und starben durch
+die Anstrengung und die Einwirkungen des ungewohnten warmen Klimas
+haufenweise dahin. Nach dem Tode des Königs schwand die Aussicht auf
+Erfolg. Zwar segelten die Friesen weiter nach dem gelobten Lande, aber
+nur, um nach Darbringung reichlicher Beisteuern von da aus wieder
+heimzukehren. Auf der Rückkehr trennten sie sich, wurden hierhin und
+dorthin verschlagen, geplündert und beraubt und wenige gelangten nach
+vielen ausgestandenen Drangsalen arm und entblößt ins Vaterland wieder
+heim&#8223;; doch wohl kaum ohne etwas von der Seemannssprache des
+Mittelmeeres mitgebracht zu haben. Man hat oft verwundert gefragt, wie
+denn schon so früh ein arabisches, griechisches, lateinisches
+Seemannswort solle ins Niederdeutsche gekommen sein. Die rege
+Beteiligung der Friesen an den Kreuzzügen mag einen der Wege andeuten.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Die älteste Erwähnung einer Kogge finde ich in einer, bei
+Friedländer, Ostfries. Urkundenbuch I. 12, abgedruckten Urkunde des
+Königs (Heinrichs III.) von England, d. d. Bedford, 13. Juli 1224:
+&#8222;Mandatum est maiori et vicecomitibus Londonensibus, quod, non obstante
+mandato domini regis eis facto de navibus arestandis, cogam Lamberti de
+Brema et cogam Bracheri de Amethis apud Londonum arestatas occasione
+predicta permittant sine inpedimento ad partes suas abire&#8223;. In den
+Urkunden, Recessen und Schraen aus der Hansazeit kommt das Wort
+unzählige Male vor, da es die damals gangbare Art von Schiffen
+bezeichnet, auch Kriegsschiffen. Der Name oorlogschip ist aber
+niederländisch. Die Hansa nannte ihre Kriegsschiffe Friedeschiffe,
+vredekoggen, weil sie eben als Kriegsschiffe für den Frieden und die
+&#8222;Befriedigung&#8223; des Handels zu sorgen hatten. Nach Hirsch, Handels- und
+Gewerbsgeschichte Danzigs 263, wird unter Kogge das Seeschiff im
+Gegensatz zum Flußschiff verstanden und sind holk, krever, barse und
+schute nur verschiedene Arten von Koggen. Doch sind bekanntlich
+dergleichen Schiffsnamen schwer auseinander zu halten; ihrer viele sind
+auch, weil die Formen und Größenverhältnisse zu unbestimmt sind, schwer
+zu bestimmten &#8222;Typen&#8223; zusammen zu bringen, wie denn z.&nbsp;B. in folgender
+Urkunde vom Jahre 1368 aus Lübeck schute doch nur ein Beiboot zu einer
+Kogge ist. &#8222;de stede ... schollen vthmaken teyn cogghen ghemanned mit
+ghuden wepeneren, dat is tho vorstande hunderd<a id="Page_259"></a>
+ <span class="pagenum">[259]</span> wapende man in
+enen giwelken kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute
+onde een snykke.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch im Altnordischen kommt das Wort schon früh
+vor, doch bemerkt Müllenhoff, daß es nur von hanseatischen, sächsischen
+Seeschiffen gebraucht wird; was also auf südlichen, romanischen Ursprung
+schließen läßt, so daß vielleicht grade die Kogge durch die erwähnten
+Kreuzzüge, in Gemeinschaft mit französischen Schiffen unternommen, das
+Wort in Aufnahme gebracht haben: altfranzösisch coque (neufranzösisch
+coche), spanisch, italienisch coca, cocca, vom lateinischen concha,
+Muschelschale, muschelartiges, muschelförmiges Gefäß, dann überhaupt
+Gefäß. Daher auch italienisch cocchio, Personenwagen, unsere Kutsche.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kohlenbunker</span> s. Bunker.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kohlenstander</span> s. Stander und Kohlenwippe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kohlenwippe</span>, die. Dick und Kretschmer, Seemannschaft 1. 314: &#8222;An einem
+Strecktau aus Stahldraht, welches je nach der Takelage oder der
+sonstigen Einrichtung des Schiffes zwischen den Unterrahen, den
+Ladebäumen, den Bootsdavits oder zwischen besonders vorgesehenen und im
+Bedarfsfalle aufzubringenden Spieren ausgeholt wird, werden in passenden
+und nach der Lage der Kohlenlöcher oder Kohlenpforten berechneten
+Abständen einfache Jollentaue angenäht, deren Läufer an dem einen Ende
+mit Haken versehen sind und deren holende Parten durch auf Deck
+befestigte Leitblöcke geschoren werden. In die Haken werden die
+gefüllten Kohlenkörbe gehängt, die holenden Parten werden entweder durch
+Menschenkraft oder durch Maschinenkraft durchgeholt. Die Jollentaue
+führen speziell den Namen &#8222;<span class="strong1">Kohlenwippen</span>&#8223;, während das Strecktau auch mit
+dem Namen &#8222;<span class="strong1">Kohlenstander</span>&#8223;? bezeichnet wird.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Diese Bezeichnungen
+müssen als treffend anerkannt werden, denn das Strecktau steht zwar
+nicht, woran man gewöhnlich bei Stehen denkt, &#8222;auf und nieder,&#8223; sondern
+horizontal, aber es ist doch ein stehendes, festes, möglichst
+unbewegliches Tau; das Jollentau aber muß wegen der Ortsveränderung, die
+mit dem Korbe voll Kohlen vor sich zu gehen hat, eine wippende d.&nbsp;h.
+schaukelnde Bewegung machen; wippen niederdeutsch: auf- und
+niederschweben machen, in's Schwingen und Schweben bringen; auch sich
+selbst schwingen, tanzen, hüpfen. Althochdeutsch wifan = winden;
+gothisch veipan, umwinden; Wurzel wip, winden.<a id="Page_260"></a>
+ <span class="pagenum">[260]</span> </p>
+
+<p><span class="strong1">Koje</span>, die. Im Sprachgebrauch der Kriegsmarine nur Bett, niemals Kammer,
+wiewohl es mit Kabine, Kambüse und Kajüte verwandt ist. Die bei
+Erklärung dieser Worte angeführte Stammsilbe kab heißt niederdeutsch
+nicht nur kave, sondern auch kove und kowe. Da damit immer nur ein sehr
+bescheidener Raum bezeichnet wurde so lag es nahe, dem kowe die
+Diminutivendung je anzuhängen; bei der Aussprache fiel dann das w von
+selbst aus und Koje war gebildet. Derselbe Vorgang wäre anzunehmen, wenn
+man etwa das Wort vom lateinischen cuba, Schlafgemach, ableiten wollte.
+Das wäre nur noch etwas umständlicher und weitläufiger; und warum in die
+Ferne schweifen? Beachtenswert ist, daß schon zu Kilians Zeiten Koje
+nicht Kammer sondern Bett hieß. &#8222;Koye int schip: cubile nauticum,
+lectulus nautae.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;Eine einfache hölzerne Bettstelle, wie sie an Bord
+gebraucht wird, führte früher den Namen Setkoje, Setzkoje, weil sie &nbsp;&mdash;&nbsp;
+im Gegensatz zu fest eingebauten Kojen &nbsp;&mdash;&nbsp; beweglich ist und von einem
+Ort an den anderen gesetzt werden kann. Zwei von dieser Art haben dem
+Verfasser der &#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223; im J. 1647 das
+Leben gerettet (s. Schönfahrsegel und Luv am Ende): &#8222;Mir war auch unter
+dem Wasser nicht allzuwol zu muthe, so, daß ich bald wieder oben kann,
+fühlete auch indem neue Krafft, und kam eine See die hub mich auff, so,
+daß ich biß unter die Arme aus dem Wasser kam, mir lieff auch kein
+Wasser über das Haupt wie zuvor geschehen, so, daß ich etwas von mir
+sehen konte, ward auch indem zwo Setkoyen oder kleine Betsteten, so man
+auff Schiffen gebrauchet gewahr, die von der See alsobald zu mir
+geworfen worden, also legte ich auff jeder Koje einen Arm und hing so in
+der Mitte, biß die Türken kamen und holten mich aus dem Wasser.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Koker</span>, der. Bei hölzernen Schiffen wird der Ruderhals, bei eisernen die
+Ruderspindel in einem Umbau wasserdicht in das Schiffsinnere eingeführt,
+in der Regel indem an der Spindel eine Stopfbuchse angebracht wird.
+Diese Einführung, also die Hülle um die Spindel, heißt Koker. Das ist
+dasselbe Wort wie das ebenso gebräuchliche niederdeutsche kaker =
+<span class="strong1">Köcher</span>, Gehäuse, Büchse, Futteral, Behälter, Röhre, Rinne. Verwandt mit
+Kogge, und Kachel und concha, von einer Grundbedeutung &#8222;umschließen,&#8223;
+und noch in verschiedenen anderen Verwendungen an Bord, immer aber mit
+dem Begriff &#8222;Umschließendes&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Köcher &nbsp;&mdash;&nbsp; gebraucht.<a id="Page_261"></a>
+ <span class="pagenum">[261]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Kolderstock</span>, der, eine veraltete Rudervorrichtung, nämlich ein
+vertikaler Handgriff an der (horizontalen) Ruderpinne, durch das
+Koldergat, bezw. die Kolderluke nach oben führend. Hildebrand in Grimms
+Wörterbuch V 1612 hat von Chyträus, M. Kramer und Adelung das Wort
+übernommen und trotz der Veraltung beibehalten; er meint für Weiteres
+sei zuerst die allgemeine Bedeutung zu ermitteln. Nun haben bei vielen
+Benennungen die Geräusche, die die benannten Sachen machen den Ausschlag
+gegeben. Ich nehme daher an, daß Kolder nach dem Geräusch genannt ist,
+das durch das Steuern mit dem Kolderstock notwendig verursacht werden
+muß. Der Stock fährt nämlich der leichteren Beweglichkeit halber durch
+eine hölzerne Rolle, &#8222;Nuß&#8223; genannt, die sich mit ihm hin und her bewegt.
+Das kann nicht ohne das eigentümliche kullernde, kollernde Geräusch vor
+sich gehen, das sich allemal hören läßt wenn Holz auf Holz gerollt wird.
+So wäre also an kollern zu denken. Nun ist aber aus Holder Holler
+geworden; warum soll nicht auch aus Koller Kolder werden können? Zumal
+wenn vielleicht einem hochdeutschen Munde Koller nicht vornehm genug
+war? Man denke an die scherzhafte Bildung Klopfstock für Klopstock. Auf
+dem Wege vom Niederdeutschen ins Hochdeutsche haben viele Seemannswörter
+ähnliche Verdunkelung erfahren, vergl. löschen, Pferd, Maifeld.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kofferkessel</span>, s. Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kolk</span>, der. Grimm, V. 1613. hat viererlei Bedeutung für Kolk: 1. Erdloch,
+das von Wasser ausgespült oder ausgerissen worden ist. 2. Als Cisterne,
+Grube mit Wasser, braucht es selbst Luther einmal in der Bibel III. Mose
+XI. 36. 3. Strudel im fließenden Wasser. 4. Doch die ursprüngliche
+Bedeutung scheint einfach Erdgrube, Grube überhaupt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Darnach wäre das
+Wort eine Weiterbildung des Stammes kul in Kuhle = Loch. Hildebrand
+weist aber für die unter 1. angegebene Bedeutung selbst auf kolken hin,
+gleich klucken, kluckern, klangmalend und &#8222;strudeln, gurgeln&#8223; bedeutend,
+ein dumpfes rollendes Geräusch machen, wie wenn Wasser sich mit Gewalt
+durch eine enge Bahn bricht. Kolk in der ersten Bedeutung, und nur mit
+dieser haben es Seeleute zu tun, ist aber, nach Dornkaat, &#8222;ein Loch oder
+eine Vertiefung in der Erde, welches beim Durchbruch oder Riß eines
+Deiches durch das mit Gewalt einströmende und<a id="Page_262"></a>
+ <span class="pagenum">[262]</span> die Erde
+herauswühlende Seewasser entsteht (wie z.&nbsp;B. 1825 bei der großen
+Sturmflut der über hundert Fuß tiefe Kolk bei dem Dorfe Larrelt, oder
+der Larrelter Kolk)&#8223;. Allerdings ist auch an der Wasserkante Kolk
+ebenfalls ein mit dem Spaten ausgegrabenes Loch, aber es ist doch
+anzunehmen, daß die durch kolkendes Wasser entstandenen Kolke eher waren
+als die von Menschenhand. Denken wir daran, daß der Kolkrabe seinen
+Namen jedenfalls vom Ton hat, den er von sich gibt, und daß im
+übertragenen Sinne &#8222;kolken&#8223;, &#8222;dazwischen kolken&#8223; doch auch nur &#8222;krächzen
+wie ein Kolkrabe&#8223; bedeutet, so gewinnt für Kolk unter 1, die Lautmalerei
+sehr an Wahrscheinlichkeit, und es mögen 2, 3 und 4
+Bedeutungserweiterungen bezw. &nbsp;&mdash;&nbsp; Verschiebungen sein, vielleicht vom
+Gedanken an Kuhle beeinflußt. Für die Ableitung von kolken = gurgeln
+spricht in Sonderheit die Bedeutung unter 3., Strudel, dessen Geräusch
+gurgelnd ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kommodore</span>, der. &#8222;1. An officer, generally a captain, holding a temporary
+commission with a rank between that of captain and admiral, who commands
+a ship or detachment of ships in the absence of an admiral. 2. A title
+given by courtesy to the senior captain when three or more ships of war
+are cruising in Company. 3. The senior captain of a line of merchant
+vessels. 4. The President of a yachting club. 5. The convoy or leading
+ship in a fleet of merchantmen, which carries a light in her top to
+conduct the other ships.&#8223; Bei uns zeitweilig nur im Sinne von No. 1 in
+Gebrauch. Vom spanischen comendador.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kompagnie</span>, die. Der unter diesem Namen bekannte Truppenverband der Armee
+und der Marine am Lande heißt an Bord Division; nicht zu verwechseln mit
+anderen, größeren Verbänden dieses Namens. Kompagnie ist ähnlich
+gebildet wie Kamerad (von Kammer) oder Geselle (von Saal), nämlich von
+panis und cum; die Leute von einer und derselben Kompagnie sind also
+Kumpane zusammen, Leute die mit einander gemeinschaftlich ihr Brot
+essen; daher auch Kumpanie und mit komisch-lateinischer Endung in alten
+Studentenliedern Kumpaneia.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kompass</span>, der. Das bekannte Werkzeug zur genauen Bestimmung der
+Himmelsrichtung. Daß ein so wichtiges Stück der Seemannschaft im Laufe
+der Jahrhunderte vielerlei Verbesserungen erfahren hat, läßt sich
+denken. Es gibt gar verschiedene Arten<a id="Page_263"></a>
+ <span class="pagenum">[263]</span> von Kompassen. Hierher
+gehört nur das Sprachliche. Dieffenbach, &#8222;Celtica&#8223;, sucht mit großem
+Aufwand von Gelehrsamkeit zu beweisen, das Wort komme aus dem
+Keltischen, und zwar aus dem kymrischen Ast, nämlich von der Wurzel kam,
+kamp, Krümmung, davon comminus, Weg auf dem man umkehrt und so eine
+Krümmung macht; Schritt, Weg, Felge am Rad. Das ist doch weit hergeholt.
+Viel näher liegt und viel einfacher ist auf das Lateinische
+zurückzugehen, wie denn das Wort doch auf den ersten Blick dahin
+zurückweist, compassus = com-passus wurde auf dem Wege ins
+Altfranzösische schon im Provençalischen zu compas = gleicher Schritt,
+(Mitschritt); daher, wie auch im Spanischen, Takt, Versmaß, Maß und
+Werkzeug zum Messen. Wie nahe lag es da im Nautischen das wichtigste
+Maßwerkzeug, als es in den seemännischen Gebrauch kam, einfach
+schlechthin <span class="strong1">das</span> Werkzeug zu nennen; der hat dann solches Übergewicht
+erlangt, daß es nur in dieser einen Bedeutung ins Deutsche (und viele
+andere Sprachen) überging. Das Italienische nennt zwar den Kompaß selbst
+bussola, (und demgemäß liest man in älteren deutschen Schriftstellern
+das Wort wohl auch einmal), aber es hat doch compasso für Zirkel als
+Meßinstrument, und es wäre kein Schade gewesen, wenn es die
+Weiterbildung dieses Wortes, die die Franzosen vornahmen mitgemacht
+hätte, denn Kompaß gibt doch eine viel sinngemäßere Bezeichnung ab als
+bussola, das nichts weiter als eine Büchse bedeutet, oder vielmehr ein
+Büchschen, lateinisch buxula von buxus, der Buchs, die Büchse;
+Arzneigefäß aus Buchsbaum. Der Begriff des Messens liegt so sehr in
+Kompaß, daß man lange Zeit im 16. Jahrhundert eine Vorrichtung zum
+Messen der Zeit, ein solarium, horologium, ein Sonnawer &nbsp;&mdash;&nbsp; Sonnenuhr &nbsp;&mdash;&nbsp;
+einen Kompaß nannte; noch Schönsleder 1618 hat compasz oder
+Sonnenuhrlin.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kontre-Admiral</span>, der. Was eigentlich unter diesem Dienstgrade
+ursprünglich zu verstehen war als das Wort noch keinen titelhaften
+Dienstgrad, sondern eine vorübergehende &#8222;Funktion&#8223; anzeigte, erhellt aus
+einer Verbindung der englischen mit der holländischen Bezeichnung, Rear
+Admiral und Schout by nacht. Rear ist die Nachhut, der Teil des
+Geschwaders which is behind the rest; Rear Admiral also der Befehlshaber
+der Nachhut. Unter Umständen war er auch der Stellvertreter des
+Flotten-Admirals. Während dieser nämlich am Tage von dem Vize-Admiral
+<a id="Page_264"></a>
+ <span class="pagenum">[264]</span> sich vertreten ließ, vertrat ihn des Nachts der
+Schulze bei Nacht, der Kontre- oder Gegenadmiral, wie man zu sagen
+pflegt &#8222;mein Gegenpart&#8223;, oder &#8222;ein Gegenstück.&#8223; Aubin, 1702:
+Contre-Amiral. C'est un Officier qui commande l'arriére garde, ou la
+derniére division d'une armée navale. Cette charge n'est qu'une simple
+qualité en France, car il n'y a point de Contre-Amiral fixe: il ne
+subsiste que pendant un armement considérable, ou les Officiers Généraux
+sont emploïez. Dans ces occasions le plus ancien des Chefs d'escadre
+porte le pavillon de Contre-amiral, qui est blanc, de figure quarrée et
+qui s'arbore à l'artimon. Mais en Hollande la qualité de schout-by-nagt
+est fixe comme les autres; aussi les fonctions de cet Oficier ne
+sontelles pas les mêmes en tout, que celles d'un Contre-amiral.
+Cependant comme elles en aprochent plus que des fonctions d'aucun autre
+Oficier en rang, on ne peut traduire plus convenablement le terme de
+Contre-amiral en Hollandois, que par celui de Schout-by-nagt. &#8222;Le
+Contre-amiral, ou Schout-by-nagt, est le troisiême Oficier des armees
+navales. Ses principales fonctions sont avoir l'oeil, pendant la nuit,
+à-ce-que tous les vaisseux gardent leur rang en naviguant, afin-qu'ils
+ne s'abordent pas, et qu'il n'y ait point de confusion; et c'est à lui
+de dénoncer ceux qui ne font pas leur devoir à cet égard.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Über die
+verschiedenen Befehlshaber lesen wir im &#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223;
+(1631): &#8222;Im Jahre 1585 ward Drak mit einer Flotte von fünff und zwantzig
+Segeln, und 2300. so Soldaten, als Boots-Leuten ausgesandt, und gieng
+den 22. Septembris von Pleymouth in die See, sein General-Stadthalter
+war Christoph Carlile; Antonius Pocoel sein Sergeant-Major. Capitain
+Mattheus Morgan, und John Samschon Corporale zu Felde. Die
+Land-capitaine waren ... Capitain Martin Forbischer, der gleichfalls
+seiner gethanen Reisen halber berühmt, war Vice-Admiral in der
+Primerose, capitain Franciscus Knolles war Rere-Admiral oder Schultz bey
+der Nacht, in dem Gallion Leicester.&#8223; Im Jahre 1607 setzten die
+Hochmögenden Herren Staaten den Jakob von Heemskerck zum Admiral und
+sandten ihn mit einer Flotte aus, &#8222;den schlaffenden Geist der Spanier
+aufzuwecken.&#8223;. &#8222;Diese Schiffe fuhren den 25. Martii auß dem Texel, und
+kamen den 27. an bey der Insul Wiht, allda sie vier Schiffe auß Seeland,
+unter den Capitainen Laurentz Jacobs Alceras, als Vice-Admiral, auf dem
+rothen Löwen,<a id="Page_265"></a>
+ <span class="pagenum">[265]</span> Martinus Hollart, Cornelius Faes, und Peter Cales
+antraffen, dessen letztern Schiff an den Grund gesegelt und geblieben
+war, aber die Gereitschafft und Vorrath samt dem Volck (außgenommen
+eylff Boots-Gesellen und fünff Soldaten, die zuerst mit dem Boot davon
+fahren wollen, und ertrunken) seyn auf die andern Schiff übergenommen
+worden. Von Rotterdam waren auch unter der Wiht ankommen, Capitain
+Lambert Hendricks, sonsten der schöne Lambert, Schaut bei Nacht, mit dem
+Schiffe der Tiger.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; In der Kaiserlichen Marine ist Kontre-Admiral
+jetzt ein Dienstgrad, &#8222;une qualité fixe&#8223;, den ein im Range eines
+Generalmajors stehender Flaggoffizier bekleidet, einerlei was für einen
+Dienst er tut, einerlei auch, ob er ihn an Bord oder am Lande tut.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kontrebande</span>, die. Zahllos sind die deutschen Wörter, die mit dem fremden
+Kontre verbunden sind. Kontrebande bedeutet eine Ladung oder Waren, die
+zu laden und zu führen verboten ist, die geführt wird contra bando, d.
+h. gegen öffentliches, gesetzlich verkündetes Verbot. Das bando ist
+deutscher Herkunft, mit Bann verwandt, vergl. abandonnieren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kopfschlag</span>, der. Wenn man mit mehreren Schlägen um eine Klampe, oder
+einen Knecht oder sonstwie ein Tau belegt, so heißt der oberste Schlag,
+der so gelegt ist, daß er sich selbst bekneift und nicht aufgehen kann,
+Kopfschlag. Soll eine Spier getaut oder aufgehißt werden, so nimmt man,
+nachdem man um sie einen Zimmer- oder Balkenstek gelegt hat, mit der
+Bucht der Jolle noch einen Kopfschlag; Kopf bedeutet hier also etwas das
+<span class="strong1">über</span> einem anderen ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Korrespondentreeder</span>, der. Wenn mehrere Kauf- oder Geldleute zusammen
+einen Reedereivertrag machen, gemeinschaftlich ein Schiff zu befrachten,
+so führt einer von ihnen die Geschäfte mit dem Kapitän und anderen in
+Betracht kommenden Personen. Weil das mancherlei Schreibwerk mit sich
+bringt, so heißt dieser eine, der Geschäftsführer und bevollmächtigter
+Vertreter der andern ist, Korrespondentreeder.</p>
+
+<p><span class="strong1">Korsar</span>, der, der Seeräuber. Das lateinische cursus = der Lauf, die
+schnelle Bewegung zu Pferde, zu Wagen u.&nbsp;s.&nbsp;w., die Fahrt, Reise, der
+Weg, insbesondere zu Schiffe = der Kurs, heißt spanisch corsa. Dieser
+Form entsprechen das italienische corsare und corsale, spanisch
+corsario, cosario, provençalisch corsare, französisch corsaire,
+mittellateinisch corsarius. In der eigentlichen<a id="Page_266"></a>
+ <span class="pagenum">[266]</span> Bedeutung des
+Wortes liegt also nichts Seeräuberisches; das ist erst im Mittelalter
+hinzugekommen, doch wohl weil die Seeräuber ihren corsa besonders
+schneidig verfolgen mußten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Korvette</span>, die. Ein neuerdings amtlich auf den Aussterbe-Etat gesetzter
+Name für ein größeres Kriegsschiff, der lange im Gebrauch der Marine
+war; man unterschied &#8222;Glattdeckskorvetten&#8223; mit den Kanonen an Deck und
+&#8222;Gedeckte Korvetten&#8223; die ein Deck mehr, das sogen. Batteriedeck,
+besaßen. Der Name stammt aus dem Lateinischen, wie schon Weigand richtig
+erkannt hat: &#8222;1721 die Courvette, aus lat. corbita = Lastschiff, von
+lat. corbis = Korb.&#8223; Offenbar hat ein Lastschiff bei den Römern eine
+etwas plumpe korbartige Gestalt, vielleicht war es sogar ursprünglich
+eine Art wirklichen Korbgeflechtes. In No. 28, Jahrgang 1895 der
+Wochenschrift &#8222;Nach dem Dienst&#8223; befindet sich ein Bild, &#8222;Schiffe auf dem
+Euphrat&#8223;, das uns die Herkunft von Korvette aus Korb deutlich vor die
+Augen stellt. Diese Schiffe sind wirklich nichts weiter als Körbe. Im
+Texte heißt es: &#8222;Die innerasiatischen Völkerschaften hassen nichts mehr
+als Änderung und Fortschritt, und auch die unter das Joch der Türken
+gekommenen Völker Kleinasiens zeigen denselben Charakterzug. Haus- und
+Feldgeräte sind noch von derselben urwüchsigen Form, welche nach den
+Erzählungen der Bibel und der alten Schriftsteller vor 3000 Jahren
+üblich war. Über den Euphrat führen fast keine Brücken; aber man bläst
+einfach die abgezogenen Felle von Ziegen auf, bindet sie zusammen, legt
+eine geflochtene Matte darüber, und das Schiff ist fertig. Ähnlich sind
+die Frachtkähne, welche wir auf unserm Bilde sehen. Sie sind von starkem
+Schilf geflochten und in ihrer Form dem Kürbis nachgebildet. Sie haben
+zwar eine große Tragfähigkeit, sind aber sehr schwer lenkbar, da sie
+sich zu leicht um sich selber drehen; auch sind sie fast nur
+stromabwärts zu benutzen und müssen stromaufwärts leer gezogen werden.&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Ein geflochtener, oben offener, kürbisförmiger Korb verglichen mit
+unserem &#8222;Fürst Bismarck&#8223; zeigt uns einen bewundernswerten Fortschritt
+der Schiffsbaukunst. &nbsp;&mdash;&nbsp; Corbita wurde im Spanischen zu corbeta, im
+Portugiesischen corveta, französisch corvette, früher courvette; so bei
+Aubin 1702, welcher schreibt: &#8222;C'est une espéce de barque longue, qui
+n'a qu'un mât et un petit trinquet et qui va à voile et à rames. Les
+Courvettes sont frequentés à Calais et à Dunquerque. D'ordinaire on en
+tient<a id="Page_267"></a>
+ <span class="pagenum">[267]</span> à la suite d'une armée navale pour aller à la découverte et
+pour porter des nouvelles.&#8223; Korvette war also vor 200 Jahren zwar
+bereits Kriegsschiff, hatte es aber damals noch nicht weiter als bis zum
+Aviso gebracht. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Name Korvette ist in der deutschen Marine
+abgeschafft und durch &#8222;Kreuzer&#8223; ersetzt; die Rangstufe eines Majors der
+Armee nennt man noch immer mit dem Worte Korvettenkapitän.</p>
+
+<p><span class="strong1">Krabben fangen</span> wird scherzweise gesagt, wenn ein mit anderen zusammen im
+Takte rudernder Matrose einen Streich, &#8222;Pull&#8223; genannt, ausläßt, indem er
+mit dem Riemen nicht tief genug ins Wasser kommt, so daß, wenn er nun
+anzieht, das Wasser keinen Widerstand bietet und der Ruderer rückwärts
+zu fallen droht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kragen</span>, der.</p>
+
+<p>1. Des Mastes, ist ein Stück Presenning oder geteerten Segeltuches, das,
+wie ein Kragen um den Hals, um den Fuß des Mastes gelegt wird, da wo er
+durch das Deck geht, damit an dieser Stelle kein Wasser in das Schiff
+eindringt.</p>
+
+<p>2. Des Stags, ist ein Stropp oder ein Auge mit dem der unterste Teil
+eines Stags befestigt wird; auch dieser Stropp, dieses Auge, wird wie
+ein Kragen umgelegt, z.&nbsp;B. der Kragen des Fockstags um das Bugspriet.</p>
+
+<p>Von einem solchen Stagkragen ist in der &#8222;Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt&#8223;, Lübeck 1673, zu lesen: ... begegnete mir ein grosser
+Nordwesten Sturm, so daß ich mit kleinen Segeln mußte bey halten: weil
+nun das Gewitter länger anhielte, ward das Wasser deswegen sehr holl, so
+daß das Schiff dadurch sehr arbeitet, könte auch bißweilen nichtes mehr
+dann ein Siegel führen, biß endlich daß Bochspret die Vorsteve loß
+machte, es war aber ein Stück, so daroben war aufgesetzet und biß an die
+Klüsen hinunter lieff (also nicht der eigentliche Steven, sondern das
+Gallion); Weil es aber Nacht war, und wir kein Mohnschein hatten, auch
+sobald kein Mittel finden konten, daß wir es fäst machten, so waren wir
+entschlossen daß Bockspret weg zu hauen; Ging derowegen mit dem
+Zimmermann vor auff die Pflicht (der zweite Teil jener &#8222;Beschriving&#8223; ist
+hochdeutsch; im ersten Teile, der &#8222;in unser Saxsischen Sprack&#8223;
+geschrieben ist, würde das Wort Plicht gelautet haben; es sagt der
+Verfasser aber ausdrücklich: &#8222;Ick heb mi nicht gebunden an de Wörde und
+Nahmen,<a id="Page_268"></a>
+ <span class="pagenum">[268]</span> offt se wor nicht recht na dem Saxsischen luden; Sundern
+mi reguleret nor de Manner, alß idt by unsen Seefahrenden wert
+gespracken, up dat idt desto besser van ehm kan verstahn werden&#8223;), und
+hielt mich mit der einen Hand an den <span class="strong1">grossen Kragen vons Stag</span>, mit der
+andern Hand den Zimmermann, daß er das Bochspret weghauen sollte; Indem
+kam eine See und nahm das Bockspret gantz mit sampt der Steve und
+Pflicht, welche unter drey Balcken hatte, und war die Focke-Mast darein
+gefüget mit Bretter und allem Uberbort: Ich und der Zimmermann wurden zu
+unserm Glücke inwerts geworffen, kamen hinters Both zu liegen, daß
+Bochspret aber schlug mit dem vor Ende hinterwerts, und holete die
+Focken-Mast mit daß Focken Stach hinten über, so daß das Focken Spar ins
+Raum brechen mußte, also mußten wir die Mast auch weghauen. Daß grosse
+Stach aber, weil es auff die Vorsteve fäst war, und dieselbe nun
+abgebrochen, so kam dasselbe Stach auch loß zu liegen, kontens auch in
+der finstern Nacht so bald nicht wieder fäst bekommen, also fiel die
+grosse Mast auch über Bort.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Krahn</span>, der, eine Hebevorrichtung für schwere Lasten. Man unterscheidet
+feste Krähne, am Lande, und schwimmende oder Schwimmkrähne, die
+längsseit eines Schiffes fahren und Lasten an oder von Bord geben. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Dasselbe Wort wie Kranich, weil nach Beinen, Hals und Schnabel dieses
+Tieres ursprünglich der Krahn hergestellt worden ist. So schon im
+Griechischen: geranos = Kranich und Hebezeug; vergl. Bock, Widder. An
+Bord der Schiffe gibt es <span class="strong1">Krahnbalken</span> zum Heben von Lasten, Ankern etc.
+Krahnbalksweise steht etwas, das steht wie ein Krahnbalken, nicht grade
+von vorn, nicht grade von der Seite, sondern zwischen beiden Richtungen.
+Französisch (1702) gruan. Dasselbe Wort bedeutet auch Grütze, aliment
+ordinaire parmi les Hollandois qui en font leur potages sur les
+vaisseaux et qui même en quelque vaisseaux en servent jusqu' à vingt et
+une fois par semaine. Nach Diefenbach heißt in den keltischen Sprachen
+garan der Kranich, der &#8222;Langbeinige.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kraier</span>, der, ein Ostseeschiff mit Pfahltakelage (s. Polacker). In
+Ostfriesland heißt kreier, kreuer, kroier, krojer eine Art von
+Schlitten, die auf dem Watt gebraucht werden um die gefangenen Fische
+aus den Reusen zu holen; sie werden auf dem glatten Schlick des Watts
+von einem Mann, der krei-jager genannt wird,<a id="Page_269"></a>
+ <span class="pagenum">[269]</span> geschoben, und sind
+also die eigentlichen &#8222;Schlickrutscher&#8223;. Das ostfriesische Zeitwort
+kroien, krojen bedeutet schieben, wegschieben, verschieben, nach dem
+Winde drehen, umdrehen, versetzen; niederländisch kruijen, in einem
+Schiebkarren schieben, treiben, in Fluß und Bewegung kommen, namentlich
+von Eisschollen, mittelniederdeutsch kruijen und kroden; westfriesisch
+krodjen schwer tragen, ziehen, schleppen. In kroier ist also ein d
+ausgefallen, und erst dieser Schwund hat, wie öfters im Niederdeutschen,
+das i oder j bedingt. Demnach entspricht das Wort einem der
+neuhochdeutschen Schriftsprache abhanden gekommenen mittelhochdeutschen
+krod, das nach Grimm V 2412 Mühe, Belästigung bedeutet. Die Mühe ist
+eben ein Ziehen, ein Schieben, ein Schleppen von Lasten. Ein Kraier ist
+also ein Lastenschieber, Lastenschlepper, kurz ein Lastschiff. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die
+Kraier sind indessen nicht ausschließliche Eigentümlichkeit der Ostsee,
+man kannte sie schon im Mittelalter in Holland, vergl. das unter
+Krawelboot angeführte holländische Citat über Hoorn.</p>
+
+<p><span class="strong1">Krampe</span>, die, seemännisch nur weiblich, ein Eisen in der Form eines U,
+aber mit zugespitzten Enden, das in irgend ein Holz geschlagen wird um
+etwas daran befestigen zu können. Wegen der gekrümmten Gestalt verwandt
+mit Krampf, dem krankhaften Sichkrümmen der Glieder; Ablaut zu krimpfen,
+niederdeutsch krimpen, intrans, sich krumm zusammenziehen, wenn man
+Leibschmerzen hat, wenn man friert, vom Hunde, wenn er seine Notdurft
+verrichtet. Vergl. krimpen.</p>
+
+<p><span class="strong1">krängen.</span> Wenn das Schiff sich unter dem Einfluß von Wind, Wellen oder
+hart gelegtem Ruder auf die Seite neigt, so sagt man: es krängt. Die
+Größe der Krängung wird in Graden des Winkels angegeben, den das Deck
+mit dem Wasserspiegel bildet. &#8222;Wir krängten&#8223;, (d.&nbsp;h. das Schiff auf dem
+wir uns befanden krängte:) &#8222;25°&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Krängt ein Schiff einmal nach der
+einen und dann nach der andern Seite so nennt man das: es schlingert. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Wegen der &#8222;krank&#8223;-haften Bewegung ist das Wort zu krank zu stellen. Die
+erste und ursprüngliche Bedeutung ist nach Hildebrand (Grimm V 2024) am
+deutlichsten in dem waidmännischen &#8222;krank&#8223; = verwundet zu finden, weil
+verwundete Tiere sich krümmen, sich hin und her winden, sich von einer
+Seite auf die andere werfen. Dem entspricht das im Beowulf vorkommende
+cringan = fallen im Kampfe, niederstürzen mit der<a id="Page_270"></a>
+ <span class="pagenum">[270]</span> sich windenden
+Bewegung eines zu Tode Getroffenen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Früher hieß krank auch krang, so
+daß die Abstammung des Wortes krängen von krank noch deutlicher in die
+Augen springt. Es heißt also: sich hin und her werfen wie ein Kranker
+oder Verwundeter. Im Nordfriesischen ist diese alte Bedeutung von krank
+noch zu erkennen in krenge = zu Falle bringen. Im Westfriesischen
+dagegen ist die Bedeutung verallgemeinert; omkrengen heißt da mit dem
+Wagen umdrehen, zur Seite fahren, ausweichen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Krawelboot</span>, das, ist von der Lage der Planken zu einander genannt, die
+seine Bordwand bilden. Es hat nur eine Plankenlage (im Gegensatz zum
+Diagonalboot) und die Planken stoßen stumpf aufeinander. Sie sind also
+wie die Schiffsplanken neben einander befestigt und wie diese auch
+gedichtet oder kalfatert. Krawel ist Versetzung (Metathesis) von Karwel.
+Wie das englische carve zunächst nicht einschneiden oder ausschneiden,
+sondern nur schneiden bedeutet, so bedeutet das niederdeutsche karfe,
+karve nicht bloß &#8222;Kerbe&#8223;, sondern auch Schnitt, Abschnitt, Stück; umkarf
+ein Stück Brot ums ganze Brot herumgeschnitten. Das Schneiden,
+Abschneiden ist also ausschlaggebend, und zwar nicht nur weil die
+einzelnen Planken besonders sorgfältig geschnitten, gut auf einander
+passend geschnitten werden müssen; man darf gewiß auch daran denken, daß
+die beiden Planken &#8222;miteinander abschneiden&#8223; im Sinne von: &#8222;aufeinander
+oder aneinander genau passen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Niederländisch karvielwerk; darunter
+versteht Roeding (1794) &#8222;alle Hölzer und Planken, die nicht klinkerweise
+über einander liegen, sondern mit ihren Kanten dicht an einander
+schließen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Die ersten Spuren des Karvielwerks führen nach Hoorn in
+Holland (nach dem auch das Kap Hoorn den Namen hat) D. Delius in seiner
+Beschreibung von Hoorn: &#8222;In't jaer 1460 werden hier de eerste
+Carviel-schepen gemaeckt, daar men te vooren niet hadde dan Hulken,
+Razeilen en kraiers, en die altemal gewracht Crap-schuits wijze met de
+planken op malkander.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">kreuzen.</span> Eigentlich (= to cross) durch etwas ein Kreuz machen,
+durchkreuzen, ausstreichen, zu nichte machen. Im Seemännischen heißt es
+zunächst: sich aufkreuzen, wegen ungünstigen Windes, bei dem man nicht
+Kurs steuern kann, so kreuzen, daß man so hoch beim Winde segelt und
+segelnd hin- und herfährt, daß bei jedem Schlage, bei jedem Hin und bei
+jedem Her etwas von der eigentlichen Kursrichtung gewonnen wird und so
+das<a id="Page_271"></a>
+ <span class="pagenum">[271]</span> Schiff, wenn auch recht langsam, doch zu seinem Ziele kommt.
+Es mag der Gedanke zu Grunde liegen, daß auf diese Weise der eigentliche
+Kurs immer wieder gekreuzt wird, so daß jeder Schlag mit ihm ein Kreuz
+bildet; vielleicht hat auch die Redensart &#8222;kreuz und quer&#8223; mitgespielt;
+gleichbedeutend mit laviren. &nbsp;&mdash;&nbsp; Sodann heißt kreuzen auch: sich längere
+Zeit auf einer und derselben Stelle, an derselben Küste, in demselben
+Meere, auf derselben Station sich aufhalten und hin- und herfahren um die
+Flagge zu zeigen und die Interessen seines Landes und seiner Angehörigen
+wahrzunehmen; im Kriege einen Hafen, eine Küste blockieren, feindliche
+Schiffe kapern etc. etc. Dabei ist an &#8222;Sichaufkreuzen&#8223; nicht gedacht,
+sondern nur an das Hin- und Herfahren. Daher der Name &#8222;Kreuzer&#8223; für
+Schiffe die den angegebenen Zwecken dienen, sich aber von dem
+&#8222;Aufkreuzen&#8223; immer weiter entfernen, da sie immer mehr auf die
+Dampfkraft gestellt werden, der man vor fünfzig Jahren, zur Zeit der
+&#8222;Deutschen Flotte&#8223;, noch so wenig für Kriegszwecke zutraute.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kreuzknoten</span>, der. Im Grunde genommen ist jeder Knoten ein Kreuzknoten,
+da überhaupt nicht anders als übers Kreuz geknotet werden kann. Ein
+Kreuzknoten ist aber im Besonderen ein doppelter Ueberhandsknoten; man
+legt zuerst die beiden Tampen kreuzweise übereinander und nimmt dann den
+oberen Tampen über den unteren durch: das ist ein Ueberhandsknoten; tut
+man dasselbe noch einmal und zwar so, daß nachher die Tampen und Buchten
+neben einander liegen, so ist das ein Kreuzknoten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kreuzmast</span>, der, ist bei Vollschiffen der hinterste der drei Masten. Auf
+spanischen und anderen Schiffen (katholischer Völker) war am Kreuzmast
+oder in seiner Nähe ein Kruzifix oder ein Kreuz so angebracht, daß es
+vom Deck aus, namentlich vom Achterdeck aus zu sehen war. Wer auf das
+Achterdeck kam bezeugte diesem religiösen Symbol seine Achtung indem er
+es grüßte. Die Sitte dieses Grußes hatte sich so eingebürgert, daß, als,
+zuerst bei den Protestanten, hernach auch bei den Katholiken, das Kreuz
+nicht mehr angebracht wurde, der Gruß doch blieb, er wurde nun aus alter
+Gewohnheit dem nach dem Kreuze genannten Kreuzmast dargebracht. Noch
+heute grüßen alte Seeoffiziere jedesmal, so oft sie das Achterdeck
+betreten, nach dem Kreuzmast hin, auch wenn kein Mensch um den Weg ist,
+dem<a id="Page_272"></a>
+ <span class="pagenum">[272]</span> der Gruß gelten könnte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Alles was zum Kreuzmast gehört
+wird als Sammelbegriff auch <span class="strong1">Kreuztop</span>, genannt. Und die einzelnen Teile
+werden zur Unterscheidung von denen des Groß- oder des Vortops durch
+Vorsetzen von Kreuz- bezeichnet. In Grimms Wörterbuch fehlt Kreuzmast.
+Dafür ist ein Wort aufgenommen, das es nicht gibt: Kreuzraa. Es gibt am
+Kreuzmast eine Bagienrahe, eine Kreuzmars-, Kreuzbram- und
+Kreuzoberbram-Rahe, aber keine Kreuzrahe. Und wenn man auch die
+Bagienrahe Kreuzrahe nennen wollte, etwa nach dem Vorgang von Groß- und
+Fockrahe, so ist doch die Erklärung, die Hildebrand dem Kampe entnommen
+hat, keine oder noch weniger als eine Erklärung: &#8222;Kreuzraa, auf Schiffen
+eine Art Raa&#8223;; der Kreuzmast hat keine besondere Art von Rahen, er hat
+Rahen, wie andere Rahen auch sind, nur daß sie eben am Kreuz- und nicht
+am Groß-, oder Fockmast festgemacht sind.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kriegsschiff</span>, das. Ursprünglich war es im niederdeutschen Sprachgebrauch
+ein solches, das bestimmt war, Frieden und Sicherheit auf dem Meere zu
+schaffen und dem unerlaubten Nahrungszweig der Seeräuber zu wehren. Sie
+hießen daher nicht Kriegsschiffe, sondern vredeschepe. Lübecker Chronik:
+&#8222;De rad van Lubeck makede uth vredeschepe up de se tighen de Prusen,
+wente de nemen wat se krighen konden&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Althochdeutsch herikocho, eine
+Heer-Kogge, eine Kogge, die ein (kleines) &#8222;Heer&#8223; von Kriegsleuten
+führte. Mittelhochdeutsch herschif. Mittelniederdeutsch orlogschepe;
+orlog, orloge, orlage, orlege, orloch, orlech, orlich, orlinch hieß
+Krieg; altsächsisch urlag, althochdeutsch urlac, nicht etwa exlex,
+sondern Bestimmung, Schicksal, höhere Entscheidung, Gerichtskampf vor
+Gott. Lübecker Chronik: &#8222;scepe de to dem orleg vte weren.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Niederländisch oorlogschip. Englisch man-of-war, eigentlich Kriegsmann,
+aber mit so ausschließlicher Bedeutung von <span class="strong1">Kriegschiff</span>, daß ein
+Kriegsschiffsmatrose genannt wird &#8222;a man-of-war's-man.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">krimpen</span> heißt das Sichdrehen des Windes oder, wie der Seemann sagt, das
+Herumgehen des Windes, besonders in unwillkommener Richtung und außerdem
+manchmal mit der Nebenbedeutung des Sichdrehens gegen die Sonne, was
+alte Seeleute als ein Zeichen kommenden Sturmes ansehen. Krumpen ist das
+niederdeutsche Zeitwort für das hochdeutsche krümmen, winden, einziehen,
+zusammenziehen, althochdeutsch krimpfen, mittelhochdeutsch<a id="Page_273"></a>
+ <span class="pagenum">[273]</span>
+krimpfen; davon das in Ostfriesland gebräuchliche krimper = Geburtswehe.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Die Angabe Hildebrands in Grimms Wörterbuch V 2312 &#8222;der Wind krimpt
+(ein), wird schwächer, schrumpft ein gleichsam&#8223;, muß auf einem
+Mißverständnis beruhen, da beim Krimpen der Wind nicht schwächer sondern
+nur schraler wird, ja er wird dabei eher stärker. An sich heißt also
+jede Windrichtungsänderung krimpen, besonders aber diejenige, bei der
+man den gewünschten Kurs nicht mehr steuern kann und die schlechtes
+Wetter erwarten läßt; eine Änderung auf die der besonders achten muß,
+dem sie besonders bedeutsam und wichtig sein muß wegen der zu treffenden
+Vorsichtsmaßregeln. Ehrentraut, Fries. Archiv II. 72: &#8222;Wenn der Wind
+nördlich ist und dann westlich wird und dann wieder nördlich, dann sagt
+der Schiffer: &#8222;de win krimpet oder es krumpen. Darauf folgt leicht ein
+Sturm.&#8223; Und Röding bemerkt zu krimpen: &#8222;der Wind läuft gegen die Sonne
+rund, welches gewöhnlich schlechtes Wetter mit sich bringt.&#8223;
+Französisch: &#8222;se ranger contre le soleil.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Man weiß, was man von
+dergleichen Meteorologie zu halten hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kronlin</span>, die, (Kronleine) nennt man auf Wangerooge und sonst an der
+Nordseeküste &#8222;das Tau womit das Hauptsegel aufgezogen wird.&#8223; Krone hat
+hier die Bedeutung von Kopf, Spitze, Oberstes, wie in Baumkrone oder dem
+Ausdruck: &#8222;es ist ihm etwas in die Krone gestiegen&#8223;; in Ostfriesland
+heißt eine Garnwinde, die auf einer aufrechtstehenden Stange läuft,
+Garnkrone. Um den angegebenen Zweck zu erfüllen muß das Tau durch einen
+Block an der Krone, am obersten Teil des Mastes der das Segel trägt
+fahren. Doch kann man es auch so erklären, daß diese Leine die
+&#8222;Haupt&#8223;-Leine bedeuten soll, wie man von einem &#8222;Haupt und Kronenstück&#8223;
+als etwas besonders Wichtigem redet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Krulle</span>, die, ist das Schneckenhaus- oder lockenförmige Auslaufen des
+Gallions, oder vielmehr des Vorstevens in einer Verzierung, die man bei
+jonischen Säulenkapitellen voluta nennt, wegen des in sich selbst
+Zurückkehrens, volvere. Eine krulle heißt niederdeutsch ein gekrümmtes
+Etwas, Ringel, Locke, Schnörkel, geringelter Hobelspan, Schnecke;
+dergleichen Verzierungen können wenn sie künstlerisch ausgeführt sind,
+dem Bug ein sehr gefälliges Ansehen geben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kuff</span>, die, ein Seeschiff von festem, aber plumpem, breitem, rundem Bau,
+mit zwei Masten. Ostfriesisch, wangeroogisch,<a id="Page_274"></a>
+ <span class="pagenum">[274]</span> niederländisch kuf,
+so daß der Hinweis auf Kufe von selbst gegeben ist, mit der sich eine
+Kuff wegen der runden Bauart auch sehr wohl vergleichen läßt. Die
+Abstammung eines so alten, in die frühesten Kulturzeiten zurückweisenden
+und auf Flechtwerk als erste Entstehungsart hindeutenden Wortes (vergl.
+Korvette) vom lateinischen cupa = Faß will Hildebrand (Grimm V 2531)
+nicht glaubwürdig erscheinen; er nimmt zwar bei einer in Raum und Zeit
+so weit verzweigten Entwicklung ein Verflechten mit romanischen
+Anklängen an, aber in der Form von Wechselwirkung; nur beim Weinbau am
+Rhein, der ja von den Römern eingeführt wurde, nimmt er eine
+unmittelbare lateinische Beeinflussung von Kufe durch cuba an. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der
+Begriff des Runden und Plumpen ist in dem modernen Bewußtsein so sehr
+mit Kuff verbunden, daß man jedes auch ganz anders getakelte Schiff, ja
+jeden plumpen Dampfer verächtlicherweise eine Kuff nennt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Öfters hat
+die Kuff zur Erhöhung der Stabilität ein Schwert. Trotzdem nimmt sie
+viel Wasser über, vergl. Lüpkes, Seemannssprüche 12:</p>
+
+ <div class="poem">
+
+ <p> Kuffen un Smakken</p>
+ <p> Sünd Waterbakken;</p>
+ <p>Hoekers un Buisen</p>
+ <p> Sünd Seemannshuisen.</p>
+
+</div>
+
+<p><span class="strong1">Kuntje</span>, das. &#8222;Wenn unsere Seeleute von Spanien Wein holten, so sahen
+sie, daß man die Fässer mit Keilen feststaute. Da nun im Spanischen ein
+Keil cuno heißt, so werden bis auf den heutigen Tag diese Staukeile von
+unseren Seeleuten Kuntjes genannt.&#8223; So hat das Wort Breusing im Jahrbuch
+des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung richtig erklärt, nur daß
+der Keil im Spanischen cuna, nicht cuno (Münzstempel) heißt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kuhbrücke</span>, die, s. Kuhl.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kuhl</span>, die. Das niederdeutsche Wort kuhl bedeutet Vertiefung, Einsenkung,
+Höhlung, Loch, Grube, Grab. Die Kuhl an Bord war früher größer, weiter
+ausgedehnt, denn sie umfaßte den ganzen vertieften Raum zwischen Back
+und Schanze (jetzt Kampanje), der nun in zwei Teile zerfällt, in den
+Teil hinter dem Großmast: das Achterdeck, und den vor dem Großmast, die
+Kuhl. Während der erstere Teil an Würde und Ansehen sehr gestiegen ist,
+ist der zweite eben so sehr gesunken, indem hier nun der Hauptraum von
+der Barring, die auch <span class="strong1">Kuhbrücke</span> (eigentlich Kuhlbrücke) heißt, überdeckt
+wird. Es werden nämlich die Borgstengen<a id="Page_275"></a>
+ <span class="pagenum">[275]</span> und Borgrahen, überhaupt
+die Reserve-Rundhölzer hier so angebracht und gelagert, daß sie eine Art
+Deck, ein Dach, eine Brücke bilden, eben die Kuhbrücke. Auf dieser
+werden dann die schweren Schiffsbeiboote, Barkassen und Pinassen,
+aufbewahrt. Der Raum unter der Kuh(l)brücke heißt besonders die Kuhl,
+der Raum &#8222;<span class="strong1">vor</span> dem Mast&#8223;; da ist die Mannschaft unter sich und kann sichs
+gemütlich machen, doch herrschen auch hier, wie bei jedem Zusammenleben
+von Menschen, ungeschriebene, stillschweigend anerkannte Gesetze der
+Raumverteilung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kuhfuss</span>, der, mittelniederdeutsch kovot = Brechstange. Also nicht zu
+verwechseln mit dem scherzhaften Namen für das Gewehr. Die Brechstange
+ist von Eisen und dient auch als Hebel zur Handhabung schwerer Lasten.
+Das eine Ende ist platt und hat eine Klaue wie eine Kuh, so daß man
+Nägel damit ausziehen kann wie mit einem &#8222;Kistenöffner.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kühlte</span>, die. In der Regel wird der Wind als kühlend angesehen,
+namentlich in unseren Breiten. Je mehr er also kühlt, desto stärker wird
+sein Wehen sein. Daher wird durch das Substantivum Kühlte der Grad der
+Windstärke ungefähr angegeben. Roeding: &#8222;Wenn bey stillem Wetter oder
+flacher See etwas Wind entsteht, der eine leichte Bewegung des Meers
+verursacht, so nennt man solches eine kleine Kühlte oder schlaffe
+Kühlte. &nbsp;&mdash;&nbsp;Wird der Wind etwas stärker, so ist es eine labbere Kühlte,
+bey welcher ein Schiff ungefähr 3-4 Meilen in einer Wache zurücklegt ...
+Unter Bramsegelskühlte versteht man eine labbere Kühlte, bey welcher man
+Bramsegel führen kann, und unter Marssegel-Kühlte eine frische Kühlte,
+bey welcher man die Marssegel nicht reeft.&#8223; Bei steifer Kühlte fährt man
+mit gereeften Marssegeln, vergl. Windstärke.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kurs</span>, der. Die Richtung die ein Schiff nehmen muß um an seinen Ort zu
+kommen. Lateinisch cursus, italienisch corso, französisch cours, Lauf,
+Weg, Gang einer Münzsorte, Stand eines Wertpapiers, Geldwert. Früher, im
+Seebuch 1400 und überhaupt im Mittelniederdeutschen, gebrauchte man
+anstatt des Lehnwortes das gut deutsche holt = Halt, vom Halten der
+Ruderpinne. &#8222;Ich halte (die Ruderpinne so, daß mein Schiff nach oder)
+auf Lübeck (fährt).&#8223; Jetzt nur noch in der Bedeutung &#8222;abhalten auf&#8223; ...
+gebraucht, wenn der Kurs geändert wird auf eine bestimmte, von der
+bisherigen abweichenden Richtung. Lucas Janszoon Waghenaer<a id="Page_276"></a>
+ <span class="pagenum">[276]</span> in
+seinem &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;, 1588, hat noch ein besseres und
+deutlicheres deutsches Wort für Kurs, nämlich Gang. &#8222;Een Schip comende
+van Cizarga oft Cesarien (soo ons volck dat noemen) ouer de Spaensche
+Zee met een noort noordtooste ganghe nae Heyssant&#8223; ... &#8222;Item een Schip
+dat comt van de Cape de Finisterre met een Noort noordtooste ganghe,
+ende vintet diep 80 vadem, so is hy van landt vier en twintich mijlen de
+grondt is cleyne swerte steenkens ghemengt met groff root sandt.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Kurr</span>, die, auch (besser) Kur, ist ein Schleppnetz, in einem Rahmen
+eingespannt, zum Strand- und Grundfischen. Die Küstenbewohner der
+Nordsee schieben die Kur teils mit einer Stange vor sich her, die
+Kurbaum heißt, teils ziehen sie an einer Leine, der Kurleine, hinter
+sich her. Sonst niederdeutsch und nordfriesisch korre, altfriesisch
+koer, niederländisch korre, ursprünglich ein korbartiges Geflecht, denn
+das westfriesische koer heißt auch heute noch neben Netz <span class="strong1">Korb</span>; auch eins
+mit kor in der Bedeutung Gefäß, Bienenkar. Wie weit Bedeutungen sich von
+ihrem Ursprung entfernen können beweist die Tatsache, daß in der Pfalz
+Knaben die sich für ihre gefangenen Hummeln ein Lehmgehäuse
+zusammenkneten, dieses auch Kar nennen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Küste</span>, die, = Ufer, Seeufer, Gestade; hochdeutsch seit dem 17.
+Jahrhundert, (zuerst bei Stieber). Romanisches Wort, altfranzösisch
+coste, neufranzösisch côte, italienisch und spanisch costa, eigentlich
+Rippe, Seite, dann auf die Seite, den Landstreifen am Meere übertragen.
+Wenn Hildebrand (Grimm V 2878) meint: &#8222;zu uns wird es über Holland
+gekommen sein, denn schon Kilian am Ende des 16. Jahrhunderts
+verzeichnete kuste, koste, sodaß der Übertritt des o in ü mit von dort
+ausging&#8223;, so ist daraus nicht zu schließen, daß bei Kilian sich die
+erste Spur des Wortes überhaupt findet, denn schon 1400 hat das Seebuch
+kost und koste. Meist heißt freilich im Mittelniederländischen die Küste
+&#8222;wal&#8223;. &#8222;So de wind lange up de wal hadde gestahn und sick den wedder na
+der see kehrt, so kamen de floden spader.&#8223; Niederländisch wal, &#8222;aan den
+wal gaan&#8223;, an Land, auf Urlaub gehn. Kilian hat auch schon die Form
+see-kant, die als waterkant an der Nordsee weit verbreitet ist. Im
+Beówulf dagegen kommt wael vor, Wall, Damm, Schanze, Ufer.</p>
+
+<p><span class="strong1">Küstenbezirksinspektor</span>, der, ist ein von der Marine angestellter<a id="Page_277"></a>
+ <span class="pagenum">[277]</span>
+höherer zur Disposition gestellter Seeoffizier, der in seinem
+Küstenbezirk die Aufsicht über die richtige Betonnung des Fahrwassers,
+die Leuchtfeuer, Feuerschiffe, Baken, Bojen u.&nbsp;s.&nbsp;w. hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Kutter</span>, der, in der Marine das Beiboot zum Rudern oder Segeln, das
+besonders für die Fahrten der Offiziere an Land etc. etc. bestimmt ist,
+größer als die Jolle, kleiner als die Barkasse und auch vornehmer in
+Linienführung und Ausstattung. &nbsp;&mdash;&nbsp; Sonst ein Fahrzeug das sich wenig von
+einer Jacht unterscheidet. Der Kutter, den Roeding abgebildet hat, trägt
+einen Pfahlmast, daran einen Besan, ein Marssegel geringeren Umfangs,
+ein Bramsegel und davor ein Stagsegel und einen Klüver; er macht den
+Eindruck eines &#8222;schneidigen&#8223; Seglers. Daher hat schon Halbertsma, Lex.
+Fris. vermutet, der Name komme von cut, schneiden (französisch couteau,
+lateinisch cultellus, Messer): &#8222;a nimble boat cutting the water.&#8223;
+Roeding berichtet von seiner Zeit (1794): &#8222;Wegen ihrer außerordentlichen
+Geschwindigkeit im Segeln werden sie in England viel zum
+Kontrebandehandel gebraucht. Die Regierung hält daher auch Kutter zu
+Küstenbewahrern, um diese Schleichhändler einzuholen. Letztere führen
+ungefähr 30 Mann Besatzung, 6-8 Kanonen und einige Drehbassen. Kutter
+welche in England zur Kauffardey bestimmt sind, dürfen nach den Gesetzen
+nicht so hohe Takelasche führen, als die Küstenbewahrer, damit sie
+diesen nicht entgehen können. Die Kutter dienen im Kriege auch zur
+Kaperey und als Advis-Jachten und Paquet-Bote. In Frankreich und
+insonderheit zu Dünkirchen bauet man sie jetzt ebenfalls.&#8223;</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="L"></a>L.</span>
+</h2>
+
+
+<p><span class="strong1">Labber</span> kommt nur in der Verbindung &#8222;labbere Kühlte&#8223; vor und ist
+gleichbedeutend mit dem sonstigen niederdeutschen labberig, das zumeist
+vom Geschmack gebraucht wird: fade, weichlich, süßlich, kraftlos,
+schlaff. Das letztere nähert sich dem seemännischen Gebrauch, denn bei
+der unter Kühlte angegebenen Fahrt, die ein Schiff bei labberer Kühlte
+macht, müssen die Segel wenigstens zeitweilig ziemlich schlaff herunter
+hängen. Indessen<a id="Page_278"></a>
+ <span class="pagenum">[278]</span> ist nicht nach dem Geschmack sondern nach dem
+Gehör das Wort gebildet, nach einem Schallstamme von dem Geräusch des
+Schmatzens beim Essen von Süßigkeiten und beim Küssen; daher Labberei,
+Schleckerei, Schmatzerei, Küsserei. Auch das seemännische labber erklärt
+sich aus dem Schall, aus dem Geräusch das die Segel machen, wenn ihnen
+zeitweilig der Wind ganz ausgeht; dann flattern und flappern, wappern
+und lappern (auch sonst schlagen: &#8222;he lapde hum en an de oren&#8223;) und
+labbern sie.</p>
+
+<p><span class="strong1">laden</span>, mit Tragbarem beschweren, ganz verschieden von laden, wohin
+berufen. Unser laden heißt gothisch hlathan, eine Last auflegen. Es
+kommt manchem Schiffe für seine Fahrt sehr darauf an, daß es richtig
+geladen sei, daß es in Bezug auf die richtige Verteilung der Last sein
+Recht empfange, wenn das geschehen ist, dann nennt man es: &#8222;das Schiff
+ist auf seinen Paß geladen.&#8223; Der Raum für die Ladung heißt <span class="strong1">Laderaum</span>. Die
+Linie, bis zu welcher das Schiff ohne Gefahr geladen werden kann, die
+<span class="strong1">Ladelinie</span>, die Gesamtheit des Geladenen die <span class="strong1">Ladung</span>; Schiffsladung, auch
+ein (allerdings ziemlich unbestimmtes) Maß bezeichnend, &#8222;Schiffsladung,
+Ladung schottischer Kohlen&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Laden einer Kanone, eines Gewehrs
+erinnert, wie das gleichbedeutende Fremdwort chargieren, noch deutlich
+an das Beschweren mit Tragbarem. &nbsp;&mdash;&nbsp; Uebertragener Sinn: &#8222;er hat zu
+schwer, er hat schief geladen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Labsalen.</span> Tauwerk mit Teer einreiben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Hat mit Labsal nichts zu tun,
+wiewohl ein richtiges Seemannsherz der Meinung ist, der Teer sei für das
+Tau ein Labsal. Aber der Seemann sagt gar nicht labsalen, das ist
+vornehmer sein sollende neuhochdeutsche Seemanns-Schiffssprache, er sagt
+labsalben und das Einreiben oder Einschmieren, was ist es anders als
+Einsalben? Und auch das &#8222;lab&#8223; erklärt sich auf sehr einfache Weise. Das
+Salben geschieht mit einem Lappen, niederdeutsch lap &nbsp;&mdash;&nbsp; also lap-salben
+ist die richtige und ohne weiteres verständliche Form. &nbsp;&mdash;&nbsp;lap-döse
+(Lappendose) heißt der Kasten auf dem Schiffe, der die Lappen (zum
+Verbinden), Pflaster, einige Arzneien und Instrumente chirurgischer Art
+enthält, also &#8222;Pflasterkasten&#8223;; lap-dös bedeutet aber auch Flicken- oder
+Flickkorb, und also auch in dieser Hinsicht ein für manche fatale
+Bedeutungsähnlichkeit mit Pflasterkasten. &nbsp;&mdash;&nbsp; In Groningen schimpft man
+einen der zerrissenes Zeug<a id="Page_279"></a>
+ <span class="pagenum">[279]</span> an hat Lapsak und Lapsalver,
+scherzweise auch Laplander. Schlecht angezogene Leute, &#8222;Lumpen und
+Lappen&#8223; wurden früher auf der Jagd zur Umstellung des Wildes gebraucht,
+daher: &#8222;durch die Lappen gehen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Ueber die Erklärung von labsalen
+hilft sich Kilian hinweg, der doch ganz richtig lapsalven hat, mit der
+leichthin geäußerten Bemerkung es werde wohl &#8222;quacksalven&#8223; sein. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">Labskausch</span>, der, eine Speise, Rindfleisch und Kartoffelmus gemischt. An
+Bord, von präserviertem Rindfleisch hergestellt, ist das oft ein
+zweifelhafter Genuß. Wenn aber der Seemann sich erst einmal der Seefahrt
+begeben hat und in die so beliebte Zivilversorgung gegangen ist, dann
+fängt dieses Essen an, ihm in verklärtem Lichte zu erscheinen, er denkt
+wunders wie fein es ihm einst geschmeckt habe und veranstaltet
+feierliche Labskauschessen. Die Etymologie ergibt sich schon aus Kilians
+Uebersetzung von lap, smout, &#8222;pinguis liquor ex coriorum loris sive
+segmentis,&#8223; also aus Streifen oder Lappen Fleisch, aus Lappenstücken;
+die waren kein Abfall, kein übrig Gebliebenes, sondern Stücke des
+weichen Bauchfleisches, der Bauchlappen des Rindviehs. Das Zeitwort
+lappen aber übersetzt Kilian mit farcinare, &#8222;farcieren&#8223;, eine &#8222;Farce&#8223;
+bereiten aus Fleisch. Die erste Silbe von Labskausch bedeutet also
+Hackfleisch; (die Kartoffel ist erst nachträglich hinzugekommen). Die
+zweite Silbe ist das niederdeutsche Kaus = Schüssel, Schale, so daß das
+Ganze also &#8222;eine Schüssel Gehacktes&#8223; heißt. Der Geschlechtswechsel hat
+sich vollzogen in einer Zeit, wo dem Sprachbewußtsein &nbsp;&mdash;&nbsp; Kausch als
+Schüssel nicht mehr gegenwärtig war.</p>
+
+<p><span class="strong1">Laffete</span>, die, das Gestell auf dem eine Kanone ruht. Zuerst bei Stieler
+1691: Lafet, Lafete; Goethe: Lavete. Ein Lehnwort, französisch l'affût,
+aus dem lateinischen ad und fustis = Stock, Prügel, Baum, Holz; spanisch
+fuste, provençalisch fust. Noch vor hundert jahren, 1794, als Roeding
+sein Lexikon schrieb, war Laffete an Bord nicht ausschließlich in
+Gebrauch, da sagte man auch noch Rapert und Rampert, niederländisch
+rampaard, also Rammpferd, &#8222;Rollpferd&#8223; sagt Roeding. Das Gestell hieß
+also Pferd, (vergl. Bock, Widder, Krahn) und ward näher bezeichnet als
+Rammpferd, weil es aus- und eingerammt wurde beim Schießen und
+Exerzieren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lage</span>, die, alle Kanonen, die an einer Seite eines Schiffes<a id="Page_280"></a>
+ <span class="pagenum">[280]</span> auf
+einem Deck stehen (liegen), eine halbe Batterie, eine Breitseite. Sind
+mehrere Decks vorhanden, die Kanonen tragen, so heißen alle zusammen an
+einer Seite eine volle Lage. Dem entsprechend heißt: &#8222;eine Lage geben&#8223;,
+&#8222;eine volle Lage geben&#8223; die betreffenden Kanonen zugleich, (in
+Konzentration) auf ein feindliches Ziel abfeuern. Auch übertragen: &#8222;eine
+Lage Bier geben&#8223;, eine Runde Bier ausgeben, so daß jeder Teilnehmer der
+Tafelrunde ein Glas bekommt; jemanden mit einer vollen Lage von
+Schimpfwörtern dienen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lägel</span>, der, auch Legel.</p>
+
+<p>1. Kurze Stücke von Tauen deren Enden an das Liek eines Segels gesplißt
+werden, so daß sie mit diesem eine Art Ring oder wenigstens einen
+Halbkreis bilden. Es werden an ihnen die Bulins und anderes laufendes
+Tauwerk befestigt.</p>
+
+<p>2. Die Ringe um das Stag, an die das Vorliek des Stagsegels befestigt
+ist, an denen dieses Segel am Stag auf- und niederläuft; ebenso die
+Ringe um Schnaumast und Gaffel durch die die Gaffelsegel sich auf und
+nieder bewegen lassen. Den Ringen zu vergleichen, mit denen man eine
+Gardine oder Portière bewegt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Gehört zum niederdeutschen lag, leg =
+leer, frei, ledig, unbehindert, und zwar im Sinne der leichten
+Beweglichkeit, und dieses ist Kontraktion von ledig. Ledig ist einer der
+sich leicht rühren und bewegen kann; von Arbeit, Mühe, Beschwerde oder
+sonstiger Hinderung frei. Daher vermutet Dornkaat mit Wahrscheinlichkeit
+das ledig = lidig sei; lid aber heißt Glied, Gelenk, Stelle wo Arm und
+Beine sich bewegen, so daß die Gelenkigkeit, die Beweglichkeit und ein
+Zustand bezeichnet wird, in dem einer oder etwas, oder ein Mittel durch
+das einer oder etwas biegsam, geschmeidig, beweglich, lenksam ist, sich
+frei bewegen kann. Diese Bedeutung stimmt mit dem Begriff von Lägel oder
+besser: Legel überein, denn ein Legel kann man sehr wohl als Glied oder
+Gelenk bezeichnen, dadurch das Segel bewegt und gelenkt und gerichtet
+wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">längsdeck</span>, ein viel gebrauchtes Adverbium, die Längsrichtung des Decks
+bezeichnend; die Rahe liegt längsdeck, die Leute laufen mit dem
+Taljenläufer längsdeck. &#8222;Mit jemandem längsdeck gehen&#8223; heißt im
+übertragenen Sinne, ihm &#8222;über&#8223; sein, ihn überwältigen, ihm seinen
+Meister zeigen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Längsstringer</span> s. Stringer.<a id="Page_281"></a>
+ <span class="pagenum">[281]</span> </p>
+
+<p><span class="strong1">Landung</span>, die, allgemein (die Landung des Columbus auf Guanahani) das
+Anlanden an einer Küste; besonders aber das Anlandsetzen von Waren; auf
+Kriegsschiffen das Ausschiffen von Truppen, im Frieden als
+Landungsmanöver geübt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Zeitwort landen hieß und heißt teilweise
+noch im Hochdeutschen länden, aber das niederdeutsche landen hat es
+wegen des Übergewichts der Seeschiffahrt in den Hintergrund gedrängt.
+Das Landen ist nicht immer wörtlich zu nehmen, es wird auch wohl von
+solchen Häfen gesagt, die gar keine Häfen sind, sondern offene Reeden,
+wer z.&nbsp;B. in Montevideo &#8222;landet&#8223;, der liegt so weit vom Lande ab, daß
+wenig genug davon zu sehen ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Landmarke</span> s. Kennung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lanen</span>, die, des Bootes sind die manchmal gitterartigen, dann auch
+Gräting genannten Bretter, die den inwendigen Boden des Bootes bilden.
+Sie liegen lose auf den Bauchstücken und können daher abgenommen werden,
+wenn man sie reinigen will oder wenn man das Wasser ausöst. Im
+Ostfriesischen heißt läne, län = Lehne, Geländer, Gitter, woran man sich
+hält oder worauf man sich stützt, worauf man einen Stütz- und Ruhepunkt
+findet. Lane dürfte also zu unserem Lehne zu stellen sein, die zwar
+jetzt besonders einen Halt und eine Stütze für Hände, den Kopf oder den
+Rücken bedeutet, aber ursprünglich war das anders, da bedeutete Lehne
+ein Lager, und lehnen &#8222;eine schiefe Stellung bilden, eine schräge Lage
+einnehmen&#8223; und diese nehmen die Beine der im Boot Sitzenden, namentlich
+der Rudernden ein, indem letztere sie noch gegen auf Lanen angebrachte
+Fußleisten anlehnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">laschen</span> heißt zunächst verlängern, besonders von der Tätigkeit der
+Schiffszimmerleute gesagt, wenn sie zwei Balken so zusammenfügen, daß
+sie zwar auf einander liegen, aber zusammen doch nur die Dicke des einen
+haben. Sie werden dann so zusammen verbunden. Daher heißt laschen auch
+überhaupt verbinden, befestigen, festbinden, zwei Dinge mit einander
+zusammenbinden. Eine Lasche ist ein Stück Zeug oder Leder, das man
+irgendwo einsetzt, dazwischen setzt, ansetzt um etwas zu verlängern. Die
+Erklärung macht Schwierigkeiten. Doch gibt Kluge einen Weg an, auf den
+sie sich dürften heben lassen; darnach wäre das Wort mit Lappen
+verwandt, indem im Althochdeutschen ein vorausgesetztes lafska sich in
+laska verwandelt hätte.<a id="Page_282"></a>
+ <span class="pagenum">[282]</span> </p>
+
+<p><span class="strong1">Last</span>, die.</p>
+
+<p>1. Die Ladung, das Geladene; auch als bestimmtes Gewicht: eine Last
+Kohlen, eine Last Torf.</p>
+
+<p>2. Der Raum in dem die Ladung verstaut ist oder werden kann. Es ist
+Ableitungsform von laden, (du ladest mit ausgefallenem d) wie
+mittelniederdeutsch lest (von lädst). &#8222;Das deutsche Wort drang ins
+Romanische, französisch lest, Ballast, laste, italienisch lasto, Last,
+als Schiffsgewicht&#8223;. (Kluge). Diejenige Last, also derjenige Raum, der
+für eine stets sich gleich bleibende Ladung bestimmt ist, die zur
+Versorgung des Schiffes dient, wird nach dem was er enthält benannt:
+Brotlast, Fleischlast, Wasserlast.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lastadie</span>, die. &#8222;Navale, locus ubi naves constituuntur, aedificantur, aut
+quassatae reparantur&#8223; ist bei Kilianus eine Lastagie, sonst meist, wie
+viele Straßen- und Platznamen in deutschen Seestädten beweisen, in der
+Form Lastadie gang und gäbe. Es fragt sich, welches die ursprünglichere
+Form ist. Die Endung agie ist eine weitverbreitete mittelniederdeutsche
+Kollektivendung. Ueberall wo eine Menge zusammengehöriger Dinge
+zusammengenannt werden soll, geschieht dies durch Anhängen der Endung
+agie. Sie wird zwar meist wie asche ausgesprochen, aber agie, asje,
+asche, acze, aghe abwechselnd geschrieben: Takelasje, Fustage, Fastage,
+Budelaghe, Segelasche, Segelacze, Segelacie, Stellage, Slytage,
+Ankeragie, Ankeracie, Eskipage: sogar Priesteragie für Pfarrhaus kommt
+vor. Im Englischen steht dafür die Endung age; lastage = Last im Sinne
+von Ladung, auch Ballast, und Last im Sinne von Laderaum. Und das eben
+gibt uns die ursprüngliche Bedeutung an die Hand. Stelle am Ufer, wo die
+für Schiffe bestimmten Lasten aufgestapelt waren, oder wo der Ballast
+lagerte, also Laststelle, Ladestelle, natürlich auch Löschstelle. Beim
+Laden oder Löschen stellt sich wohl das Bedürfnis heraus, an Ort und
+Stelle kleinere Reparaturen auszuführen, dafür wurden zunächst recht
+einfache und vorübergehende Einrichtungen in Anspruch genommen, aus
+denen sich jedoch nach und nach eine richtige Schiffbauwerkstätte, eine
+Werft entwickelte, die aber den Namen behielt, den der Ort von der Last
+erhalten hatte. &nbsp;&mdash;&nbsp;Aber wie ward aus Lastagie Lastadie? Oder, für den
+Fall, daß doch Lastadie die ursprüngliche Form wäre, woher kommt das d
+in der Endung? Da ist auf das schöne deutsche Wort Staden hinzuweisen.
+Es ist gleichbedeutend mit Kai, Kaje (Quai!). In<a id="Page_283"></a>
+ <span class="pagenum">[283]</span> Straßburg i. E.
+gibt es einen St. Nicolausstaden, einen Schifferleutstaden,
+Fischerstaden, Pariser Staden, Kaufhausstaden u.&nbsp;s.&nbsp;w. Leider ist aber
+auch der Gebrauch dieses Wortes so ziemlich auf das Gebiet
+Hochdeutschlands beschränkt. Dafür kennt das Niederdeutsche ein
+allerdings immer ungebräuchlicher werdendes Stade, welches zunächst so
+viel wie Gestade, Ufer ist, dann aber auch allgemein Stätte, Stelle,
+Platz, Ort u.&nbsp;s.&nbsp;w. bedeutet und, wie Staden, von einem Zeitwort kommt,
+das die Bedeutung hat: etwas irgendwo hinstellen, zu Statten bringen,
+zum ruhigen Bestande bringen, aufstellen, sich verheiraten, einen
+begraben etc., womit auch das Wort Stalhof (Stadelhof) verwandt ist, wie
+das Haus hieß, das die Oesterlinge zur Zeit der Hansa in London hatten,
+in dem die deutschen Kaufleute ihre Waren ausgestellt hielten, (es mag
+hauptsächlich ein Musterlager gewesen sein, weil man ein Muster, eine
+Warenprobe heute noch einen Stal, ein Stälchen nennt). &nbsp;&mdash;&nbsp; Also die
+Stätte, wo eine Last lagerte hieß Stade. Wie nahe lag da die Verbindung
+Laststade. Das eine st wurde als lästig gefallen ausgewiesen, so wie aus
+Raststede Rastede wurde. Der bloße Gedanke an Stade konnte bewirken, daß
+aus Lastagie Lastadie wurde. Da für letzteres aber auch die Form
+Lastadigen bezeugt ist, was eine Erinnerung an das von der richtigen
+Stelle verdrängte g von Lastagie sein könnte, so gewinnt dadurch die
+Ansicht das Übergewicht, daß Lastagie die ursprünglichere Form ist, aus
+welcher durch Anlehnung an die Vorstellung Last-stade Lastadie sich
+gebildet hat. Jetzt ist es durch Werft völlig verdrängt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lateinische Segel</span> haben als besonderes Kennzeichen die Eigenschaft
+dreieckig zu sein und an einer langen Rahe zu sitzen, die ihrerseits an
+einem niedrigen, meist etwas vornübergeneigten Mast sitzt. Diese Art
+stammt aus dem Mittelmeer, aus dem eigentlichen Sprachgebiet des
+Lateinischen, und wird daselbst von Galeeren, Schebecken, Pinken,
+Tartanen, Felucken, Galioten und überhaupt fast allen dort
+gebräuchlichen Fahrzeugen geführt. Solche Schiffe sind leicht zu
+bedienen und segeln gut beim Winde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Laterne</span>, die. Diese allbekannte Lichtspenderin wird an Bord in
+verschiedenen Arten und zu verschiedenen Zwecken geführt, muß aber
+allemal so gesichert sein, daß auch der Sturm das darin brennende Licht,
+eine dicke Kerze, nicht auslöschen kann. Man hat Lauflaternen,
+Kompaßlaternen und besonders<a id="Page_284"></a>
+ <span class="pagenum">[284]</span> Positionslaternen. Diese sind von
+der größten Wichtigkeit, weil sie in der Dunkelheit das einzige Mittel
+sind, die Position, also nicht nur das Vorhandensein eines Schiffes
+überhaupt, sondern auch seine Fahrtrichtung zu erkennen zu geben oder zu
+erkennen. Zu diesem Zwecke brennt vorne an Steuerbord eine grüne, vorne
+an Backbord eine rothe Laterne, ist das Schiff ein Dampfer, so brennt
+hoch über den beiden am Stag eine Laterne mit weißem Licht, die
+Staglaterne.</p>
+
+<p><span class="strong1">Laufendes Gut</span> nennt man alle Taue die ihrer Natur und Bestimmung nach
+beweglich sind und bewegt werden durch Menschen, neuerdings auch durch
+Dampfkraft. Gegensatz: stehendes Gut, das nicht nur für sich selbst fest
+und unbeweglich zu stehen hat, sondern auch dazu hilft, daß andere Teile
+des Schiffes fest stehen, weil sie von ihm gestützt sind.</p>
+
+<p><span class="strong1">Läufer</span>, der, ehedem ein Mann dessen Beruf das Laufen war, ein Bote zu
+Fuß, Diener in besonderer Kleidung, der Kutsche Vornehmer vorauslaufend
+um Raum zu schaffen, auch Aufwärter etc. etc. (Ein Lauffeuer ist ein
+Strich ausgeschütteten Pulvers zum Anstecken von Gegenständen aus
+größerer Entfernung.) Seemännisch: 1. Das Ende eines Takels, einer
+Talje, einer Jolle an dem die Matrosen holen, und zwar sollen sie,
+besonders auf Kriegsschiffen, möglichst schnell holen, laufend holen,
+indem sie mit dem Läufer in der Hand längsdeck laufen, z.&nbsp;B. beim Hissen
+eines Kutters. 2. Ein Posten vor der Kajüte oder Messe, der Befehle
+überbringt, Botschaften ausrichtet, anmeldet etc. etc. (Treppen- und
+Flurläufer kommen wohl auch an Bord vor, sind aber nichts besonders
+Seemännisches). Doch ist in Bezug auf 1 zu bemerken, daß eigentlich das
+ganze Tau eines Takels mit allen seinen Parten Läufer heißt, weil es
+über die Scheiben der Blöcke läuft, daß aber die holende Part, weil hier
+das Laufen in doppeltem Sinne zum Bewußtsein kommt, auch besonders als
+Läufer in den Vordergrund tritt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Laufplanken</span>, die, sind Planken die vom Schiffe an Land geschoben werden,
+damit man auf ihnen aus- oder einsteigen kann; besonders aber die
+Planken an beiden Seiten der inneren Bordwand durch die Back und Schanze
+so mit einander verbunden sind, daß man von dieser auf jene gehen kann,
+ohne an Deck hinabsteigen zu müssen. Auch auf offenen Flußfahrzeugen
+finden sich an der derselben Stelle Laufplanken, auf denen die Matrosen
+hin- und hergehn beim Staken.<a id="Page_285"></a>
+ <span class="pagenum">[285]</span> </p>
+
+<p><span class="strong1">Laufstag</span>, das, im engeren Sinne ist eine Haltevorrichtung für die
+Matrosen die am Bugspriet zu arbeiten haben, bestehend aus zwei
+gestreckten Tauen, die wie ein Geländer aussehen und zwischen denen man
+hindurchgehen kann. Da in der Nähe dieses Laufstages das Gallion ist
+(war), so mag mit ihm der Ausdruck &#8222;Stagläufer&#8223; für getrocknete, gelbe
+Erbsen in Verbindung stehen, die so schwer verdaulich für manchen Magen
+sind, daß sie manchmal gänzlich unverdaut in der Nähe des Laufstages
+wieder ans Licht kommen, (vergl. das Wort: &#8222;er sieht aus wie eine Erbse,
+die dreimal durch einen Soldaten gegangen ist&#8223;, von einem gelb und
+kränklich aussehenden Menschen gesagt). &nbsp;&mdash;&nbsp; Im weiteren Sinne kann man
+Laufstag auch jedes Manntau nennen, also jedes zeitweilig geschorene Tau
+an dem der Mann an Bord sich festhalten kann, sei es an Deck bei so
+schlechtem Wetter, daß man ohne ein solches nicht stehen oder gehen
+kann, sei es beim Paradieren auf den Rahen, also das was man sonst
+<span class="strong1">Strecktau</span> nennt, ein Tau, nach dem der Matrose die Hand ausstreckt um
+sich festzuhalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Launske</span>, e. Memeler Lootsen kommandieren: &#8222;e Launske Backbord dat Rohr&#8223;
+(Ruder), &#8222;fier weg e Launske achtern&#8223;! Nach schriftlicher Mitteilung
+eines früheren Ostseekapitäns ist das Wort aus dem englischen allowance
+verderbt und mit Diminutivendung versehen. Allowance ist aber Ration,
+Portion. Wie man nun von einer tüchtigen Ration Prügel und einer
+gehörigen Portion Schelte spricht, so sagt der Ostseemann: &#8222;e Launs
+Schelte oder Prügel bekommen&#8223;, wie er auch die Ration Essen oder Trinken
+Launs nennt. Die Verkleinerungsform deutet also das an was wir mit &#8222;ein
+Teilchen, ein Bischen, ein Stückchen&#8223; bezeichnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lausepflicht</span>, die, s. Pflicht.</p>
+
+<p><span class="strong1">laviren</span> heißt so viel wie kreuzen, sich aufkreuzen; doch ist man unter
+Umständen froh wenn man beim Laviren wenigstens nicht zurückkommt;
+namentlich bei schwerem Wetter und hoher See. Aber die eigentliche
+Meinung ist doch die, daß man dabei Luv gewinnen möchte. Man mußte also
+richtiger luviren sagen, wie im Französischen auch wirklich die Formen
+louvier und louvoier bezeugt sind, Aubin 1702; sie sind offenbar aus dem
+niederländischen loef richtig gebildet, (während das französische lof
+sich von einer falschen Aussprache des Holländischen herschreiben wird).
+Das Wort erklärt sich aus dem Niederdeutschen,<a id="Page_286"></a>
+ <span class="pagenum">[286]</span> besonders dem
+Niederländischen. Da heißt dasselbe zuerst loeven, von loef, Windseite
+des Schiffes, dann mit der beliebten fremden Endung loeveren, endlich
+verderbt, vielleicht auch in der Erinnerung an eine uralte Form von Luv
+laf (Beówulf) lavéren; so hat es Kilian schon; ja bereits das Seebuch
+(1400) hat inlaveren; die hochdeutsche Form laviren kommt im 16.
+Jahrhundert vor. So fremdartig laviren aussieht, so ist es doch unser
+eigenster deutscher Besitz.</p>
+
+<p><span class="strong1">lecken</span> = Wasser durchlassen, bedeutet eigentlich dürsten, austrocknen,
+vor Trockenheit Ritzen bekommen und dann Wasser durchlassen; lechzen ist
+eigentlich auch rissig werden vor Trockenheit und erst übertragen &#8222;vor
+Trockenheit schmachten&#8223;, und ist iterative Bildung von lechen,
+austrocknen, weiter zurückführend auf das oberdeutsche Adjective lech =
+rissig, undicht, wofür wir jetzt die niederdeutsche Form leck haben
+(Heyne). Von der Schiffahrt her im 17. Jahrhundert in die Schriftsprache
+gekommen. Davon das Substantiv der Leck, <span class="strong1">das Leck</span>, sogar die Lecke.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Althochdeutsch lechen, Edda: leka, angelsächsisch lekkan, naß machen,
+tropfen, lecken (das Lecken mit der Zunge ist ein anderes Wort). &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Leckasche</span> ist das, was an flüssigen Waren aus den Fässern rinnt und in
+Abzug zu bringen ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wie die Seefahrer des 17. Jahrhunderts ein Leck
+stopften erzählt der Verfasser der &#8222;Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt&#8223;, Rostock 1673: &#8222;Weil wir nun auch ein Leckschiff hatten,
+gingen etzliche von dem Volck bey die Pump; wir andern gedachten uns von
+den Masten frey zu machen, daß Wasser aber nam im Schiff überhand, so,
+daß wir vermerkten, daß wir noch eine größere Leck bekommen hatten,
+welches eine große Bestürtzung unter dem Volck machte; Ich war bißweilen
+in dem Soct (Pumpensood), märckte endlich, daß das Wasser muste von
+ferne kommen, derowegen sandte ich den Zimmermann mit einigen nach den
+vordersten, sie machten den Vorluck auff, da wurden sie gewahr, daß das
+Wasser häuffig einbrausete, rieffen derowegen, daß da die Leck wär: wir
+hatten aber zu unsern Glück, wenig Gut in Boch gestauet, derhalben
+dürfften wir nur wenig Fässer in Stücken hauen, worin Verginisch
+Tobacksblätter wahren, den unsere Ladung war Zucker und Toback, daß Volk
+nam gantze Armen voll Tobacksblätter, und fielen damit gegen das Wasser
+an, und legten sich darauff, daß es nicht in die Höhe brausen konte,
+sonst konte man dar nicht<a id="Page_287"></a>
+ <span class="pagenum">[287]</span> beykommen, den es war anzusehen alß
+wenn der gantze Boch offen war; Wie nun das Wasser mit den Toback
+gedampffet, könte man darunter fühlen wo daß Wasser herkam, also funden
+wir erstlich ein Holtzen Nagel Gat, welchen Nagel daß Fockenspar (eine
+bis an die Bordwand reichende Planke der Spur des Fockmastes?) hatte
+ausgerissen, wir machten alsobald einen Pfropff von ein Stück
+Ochsenfleisch, drückten es dar hinein, legten dar ein wenig von einem
+Bret auff, und dar eine Streve gegen an, da ward es dicht, noch funden
+wir eine Planck mitten auffgeborsten, welches viel Wassers brachte, wir
+nahmen Ochsenfleisch, legten es gegen das Gat an, und dar Stücklein von
+Brettern auff, so zwischen die Inholtzen paste, und solches ward
+bestrebet, damit daß Wasser das Fleisch nicht wegtreiben konnte, da ward
+es dicht, welches uns einen guten Muht machte, und wenn wir mit solchem
+in der Eyl nicht waren vorgekommen, solte es bald mit uns ein böses Ende
+genommen haben. Wir pumpten das Wasser bald wieder aus, nachdem giengen
+wir bey die Masten, die immer gefährlich auff das Schiff anrammelten,
+und machten uns davon frey.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Leck</span> wird auch als Adjektivum und
+Adverbium gebraucht, &#8222;das Schiff ist leck geworden&#8223;, &#8222;das Boot ist leck
+gesprungen&#8223;. Höchst auffallender Weise hat der Uebersetzer der
+&#8222;durchläuchtigsten Seehelden&#8223; anstatt leck &#8222;luck&#8223;. &#8222;Black war
+unterdessen mit siebenzig Segeln bey Fayer-hill unter die große
+Fischerey geraten, allda er dreyzehn Buys-Convoyer genommen, etliche
+Buysen geplündert, etliche vom Volck entblößet treiben lassen, und die
+übrigen jedwede seines Weges gejaget. Tromp der ihm vorgenommen ihn zu
+finden, ward bei Fayer-hil und Hitland von einem harten Sturm
+überfallen, er selber war in großer Gefahr zu sinken, weil das Schiff
+sehr luck worden, und bloß mit Bomben (Bumpen) noch oben zu halten.&#8223; Als
+oberdeutschem Manne war ihm das seemännische leck wohl unbekannt oder
+ungeläufig, er hatte aber einmal etwas davon gehört, daß es auf Schiffen
+Oeffnungen gäbe, die man Luken nenne.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lee</span>, (ohne Artikel) die dem Winde abgekehrte Seite (des Schiffes).
+Breusing hat im Jahrbuch des Vereins für niederdeutsche Sprachforschung
+1876 sich die Deutung Kilians angeeignet, der lye mit &#8222;latus navis
+depressum&#8223; übersetzt und mit &#8222;quod a vento deprimitur&#8223; erklärt, indem er
+es mit ley = niedrig in Verbindung brachte. Darauf hat ihm aber
+Müllenhoff alsbald dargetan,<a id="Page_288"></a>
+ <span class="pagenum">[288]</span> daß an leg nicht zu denken sei. Mit
+Recht. Denn wenn auch zu gewissen Zeiten und unter gewissen Umständen an
+Bord die Leeseite die niedrigere Seite werden kann, so denkt dabei doch
+niemand an das Niedrige und das Wort Lee wird sehr oft da gebraucht wo
+von hoch oder niedrig gar keine Rede sein kann. Müllenhoff fügt seiner
+Ablehnung die Worte hinzu, er finde aus dem Germanischen keine
+Erklärung, so lange er sie auch im Auge gehabt und gesucht habe. Das
+kommt offenbar daher, daß er, wie auch Breusing mit einem zu engen
+Begriff von Lee gearbeitet hat, nämlich dem rein seemännischen. Es gilt
+aber zuerst sich den ganz allgemeinen Begriff und die umfassende
+Bedeutung von Lee klar zu machen. Es ist nicht nur die dem Winde
+abgekehrte Seite des Schiffes sondern jeder Ort wo man Schutz findet,
+Ruhe, Stille, Schatten, Obdach, Zufluchtsort. Spricht doch der Seemann
+selbst auf See, an Bord nicht bloß: &#8222;in Lee vom Schiffe&#8223;, sondern auch:
+&#8222;in Lee von der Luvbordwand&#8223;, (und da ist von ley, niedrig doch keine
+Rede); und ebensogut sagt er am Lande: &#8222;in Lee von einem Hause, von
+einer Mauer, von einem Busch&#8223; (wobei er an hoch oder niedrig erst recht
+nicht denkt), weil Haus, Mauer und Busch Schutz vor Wind, vor Regen oder
+Sonne gewähren. Überhaupt kam das Wort in allgemeinen Gebrauch ehe die
+Bedeutung so hervorragend seemännisch war, daß sie so nachdrücklich
+hätte auf die Sprache der Landbewohner zurückwirken können. Es ist das
+Wort vom Lande auf die See übertragen nicht umgekehrt. Sobald nun die
+Bedeutung Schutz, Schutz auch am Lande, festgehalten wird, kommt man
+ohne Weiteres auf das altnordische Wort hle; altsächsisch hleo, hlea,
+angelsächsisch hleo; sie alle bedeuten Schatten, Schutz, Schutzort,
+wobei gleich bemerkt sei, das Schatten vor der Sonne sowohl als Schutz
+vor ihren sengenden Strahlen, als auch als trübes, düsteres, trauriges
+Dunkel empfunden werden kann; so willkommen der Schatten um Johanni ist,
+so beengend, ja mit Todesahnungen erfüllend kann er in der Zeit der
+&#8222;zwölf Nächte&#8223; vom Weihnacht- bis zum Epiphanientage wirken. &nbsp;&mdash;&nbsp; In einer
+sehr lehrreichen Abhandlung über den altdeutschen Mythus vom
+Körperschatten hat Rochholz &#8222;Deutscher Unsterblichkeitsglaube&#8223;,
+dargethan, daß Lee keineswegs ausschließlich oder auch nur hauptsächlich
+seemännisch ist. &#8222;Mit einerlei Wortstamm benennt unsere Sprache das
+schattige Waldgebirge, das dunkle<a id="Page_289"></a>
+ <span class="pagenum">[289]</span> Meer und das finstere Grab,
+diese drei großen Hauptgemarkungen, die das Land oder das Leben
+abgrenzen. Wir haben demgemäß Leewälder, Leberberge, Lebermeere und
+Leefelder, d.&nbsp;h. Grabfelder. Es ist nachzuweisen, wie die Vorstellungen
+über den Schatten in eben diesen Wortstämmen Le, Lew, Ler sich
+ausgebildet haben.&#8223; Indem er dieses tut, führt ihn sein Weg bis in das
+tiefste Binnenland, bis nach Österreich hinein. Uns aber geht besonders
+das Leemeer an. Der altnordische Wasserriese Hlê wohnt nach einer
+nordischen Sage auf der Insel Läsöe (Hlêsey) im Kattegat und hält sich
+dorten einen Hirten Snio, d. i. das Schneewehen vom Meere her. In
+weiterer Ausdehnung der Mythe bewohnt Hlê das unbeweglich stehende
+Eismeer, mare mortuum, welches die Isidorischen Glossen mit lebirmeri
+übersetzen. Die Seelen der Schiffbrüchigen finden in der Tiefe dieses
+Lebermeeres Zuflucht und Obdach unter umgestülpten Töpfen. &nbsp;&mdash;&nbsp; An die
+Stelle solcher Hlêmeere traten in den Binnenländern die Leewasser und
+ihre geisterbehüteten Leebrücken. Auf der Leebrücke zwischen dem Flecken
+Schwyz und dem Dorfe Brunnen am Waldstädtersee sitzt die Nachtspinnerin
+und wen sie anhaucht, der erblindet, wird leeblind. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Meeresgott
+Hlê ist natürlich nur eine andere Gestaltung der Schattengöttin Hel. Es
+möge aber genügen hier darauf hingewiesen zu haben, daß der gemeinsame
+Begriff von Leewald, Leemeer, Leefeld und Leebrücke der des Schattens,
+des Schutzes, des Zufluchtsortes ist und daß das Wort sich in jenen
+niederdeutschen Ortsnamen so oft wiederholt, die mit -leben
+zusammengesetzt sind: Eisleben, Wegeleben, Wanzleben, Ermsleben etc.
+Unter den zahlreichen Beinamen Odins kommt auch Hlêfreyr, Leeherr vor.
+Simrock meint, der bedeute jedenfalls seine Herrschaft über das Wasser.
+Aber was heißt Hlê-Herr? Doch zunächst einen Schutzherr oder Schirmherr,
+eine besondere Beziehung zum Meere liegt nicht darin. Und wenn der über
+Walhall reichende Wipfel der wunderbaren Weltesche Yggdrasil den Namen
+Laerad führt, so heißt das doch nur &#8222;Schutz und Schirm&#8223; spendend, und
+unter den Wurzeln dieser Esche quellen zwar drei Brunnen, aber mit dem
+Meere hat sie nichts zu tun. Ist nun die eigentliche Bedeutung von Lee
+Schutz, so ist es nicht zu verwundern, daß gerade die Seeleute sich im
+Laufe der Zeiten besonders das Wort angeeignet und bis auf unsere Tage
+im Gebrauch behalten haben; das liegt in der Natur der Sache, da
+für<a id="Page_290"></a>
+ <span class="pagenum">[290]</span> sie Schutz vor Sturm und Seenot eine besonders wichtige Sache
+ist. Dabei ist zu bedenken, daß auf Wangerooge angenehmes, warmes Wetter
+li-weder heißt und daß in der Edda laegi Meeresstille bedeutet. Daher
+haben die Verfasser des &#8222;Bremer Wörterbuches&#8223; auch schon das Richtige
+geahnt, als sie schrieben: &#8222;Lee oder Lehe, ein Dorf dieses Namens, eine
+halbe Meile von Bremen&#8223; (also Bremerlehe). Im Angelsächsischen ist hleow
+und hleowth eigentlich ein Ort, der (an der Sonne liegt und) vor dem
+Winde sicher ist: ein Zufluchtsort.&#8223; Und weiter: &#8222;Bei unseren Schiffern
+heißt lee ein Ort, wo die See stille ist und die Wellen nicht ankommen.
+&#8222;In't lee van't land&#8223; bezeichnet eine Station der Schiffe bei einer
+Insel oder Erdzunge, wo der Wind vom Lande absteht, und wo folglich
+dichte unter dem Lande die See vom Winde nicht beweget wird.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Und
+andererseits lesen wir in einer mittelniederdeutschen Chronik: &#8222;und wo
+woll den Deutschen und Lubschen alles thoiegen was und in der Lehe
+werden.&#8223; Hier ist allerdings eine ausschließlich seemännische Bedeutung
+von Lee unzweifelhaft, indem es für ein Segelschiff natürlich sehr
+hinderlich ist, sich in Lee eines feindlichen Schiffes zu befinden,
+nicht weil es leger, niedriger wäre, sondern weil es in seiner
+Bewegungsfreiheit der in Luv befindlichen Schiffe gegenüber im Nachteil
+ist. Insofern bedeutet Lee eine schwierige Lage, etwa diejenige einer
+Partei, die &#8222;ins Hintertreffen geraten&#8223; ist; Not, Bedrängnis,
+Schwierigkeit. Aber darum hätte der holländische Dichter ten Kate ly &nbsp;&mdash;&nbsp;
+so heißt Lee im Niederländischen &nbsp;&mdash;&nbsp; doch nicht gleich von leiden
+ableiten sollen, was auch Kilian mit seinem latus navis
+depressum auf dem Gewissen hat. Adelung aber hat sogar ein altes lee =
+links herangezogen und dabei an Backbord, die linke Schiffsseite
+gedacht, als ob Backbord immer Lee und Steuerbord immer Luv wäre. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Leegierig</span>, s. luvgierig am Ende.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leesegel</span>, das. Die Leesegel sind eine Vergrößerung gewisser Segel bei
+günstigem, beständigen Winde, eine Vermehrung der Segelfläche, und zwar
+nicht wie früher, als man die Segel nach unten zu durch ein Bonnet oder
+Bonnit vergrößerte, sondern neben, an der Seite, nämlich allemal an der
+Luvseite, da sie in Lee keinen Zweck hätten. Daher ist eine der
+beliebtesten Scherzfragen die: &#8222;Warum heißen die Leesegel Leesegel?&#8223;
+Antwort: &#8222;Weil sie stets in Luv stehen!&#8223; Das wäre also ein lucus a non
+lucendo. &nbsp;&mdash;&nbsp; Breusing hat (Jahrbuch für niederdeutsche
+Sprachforschung<a id="Page_291"></a>
+ <span class="pagenum">[291]</span> 1879, S. 14 und 15) folgenden Erklärungsversuch
+gemacht: &#8222;dann fand man, daß die früher übliche Verlängerung der
+Untersegel durch ein Bonnet wenig zweckentsprechend war, deshalb zog man
+es vor, bei günstigem Wetter die Segel an der dem Winde zugewendeten
+Seite durch einen Streifen Segeltuch, eine Leiste, niederländisch lyst
+zu verbreitern und nannte diese Beisegel im Niederländischen lystzeils,
+woraus durch euphonische Verschleifung der Konsonanten lyzeils und im
+Niederdeutschen lêseils wurden, und hieraus entstand der deutsche Name
+Leesegel, der mit dem einfachen Wort Lee durchaus keinen Zusammenhang
+hat, denn die Leesegel werden eben nicht in Lee gesetzt.&#8223; Diese
+Erklärung kann nicht richtig sein, denn erstens ist das Leesegel keine
+Leiste, sondern ein Segel, ein richtiges Segel, und ein solches, auch
+wenn es ziemlich lang und schmal ist, eine Leiste zu nennen, geht nicht
+an, wenn man bedenkt, was eigentlich eine Leiste ist. Sodann heißt im
+Niederländischen Leesegel lyseil, weil Lee im Niederländischen ly heißt;
+eine Form lystszeil gibt es nicht, Breusing hat sie auch nicht
+nachgewiesen; sollte sie sich ihm zufällig einmal irgendwo gezeigt
+haben, so könnte es höchstens als Erklärungsversuch geschehen sein, der
+aber nichts beweißt, wie unzähliche dergleichen Versuche von Weiland
+dartun. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es bietet sich uns eine andere Deutung von Leesegel ganz
+ungezwungen dar. Wie unter Lee bemerkt ist, heißt auf Wangerooge ein
+angenehmes, warmes Wetter li weder; dieses li ist das ostfriesische le
+&nbsp;&mdash;&nbsp; lau, warm, mild; dabei sei dahingestellt ob dieses le von dem
+altnordischen hle &nbsp;&mdash;&nbsp; Schutz, Schatten, Schirm kommt, oder mit lau
+verwandt ist (welches aber auch mit hle, Lee eines Stammes sein dürfte).
+Weil im Ostfriesischen dieses le auch lau und lu heißt, so liegt der
+Gedanke an lau am nächsten. Doornkaart führt folgendes Beispiel für den
+Gebrauch an: &#8222;'t water is man äfen lê, das Wasser ist nur eben warm, lê
+water, lauwarmes Wasser; &#8222;'t is so 'n lauen lücht,&#8223; es ist eine so
+mildwarme, weiche, laue Luft, de wind weid so lau&#8223; etc. Wie auch die
+Verwandtschaft sei, le bedeutet gutes, schönes Wetter; ein Leesegel ist
+also ein <span class="strong1">Schönwettersegel</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von hier aus fällt nun auch ein
+Lichtstrahl auf die Etymologie des erwähnten Wortes Bonnet, mit dem die
+Leesegel heute noch in den romanischen Sprachen bezeichnet werden, das
+aber ursprünglich eine Verlängerung der Segel nach unten zu bedeutete.
+Eine solche konnte<a id="Page_292"></a>
+ <span class="pagenum">[292]</span> auch nur bei gutem Wetter vorgenommen werden,
+und es steckt also in Bonnet, italienisch bonetta, spanisch boneta, das
+lateinische bonus, mit einer schmeichlerischen, kosenden
+Verkleinerungsform, wie man ja auch bei uns von einem &#8222;schönen
+Wetterchen&#8223; spricht. Also auch hier die Bedeutung: &#8222;Gutwettersegel&#8223;, wie
+in früheren Tagen ja auch das Großsegel &#8222;Schönwettersegel&#8223; genannt
+wurde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leeweg</span>, der, s. Abtrift.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leibholz</span>, das, s. Wassergang.</p>
+
+<p><span class="strong1">Legerwall</span>, der, ist eine Küste unter dem Winde, eine Küste auf die der
+Wind zuweht, so daß beide mit einander einen rechten Winkel bilden,
+vielleicht sogar, indem rechts und links das Land vorspringt, einen
+spitzen. Dann ist also eine Bucht vorhanden. Eine solche kann, wie die
+berüchtigte an der jütischen Küste, eine rechte &#8222;Jammerbucht&#8223; werden,
+wenn ein (Segel-)Schiff durch Wind und Sturm so nahe an die Küste
+getrieben wird, daß es in Gefahr steht durch Kreuzen nicht wieder frei
+zu kommen. Dasselbe Gefühl, das Breusing veranlaßt hat Lee = leg,
+niedrig, zu setzen hat wohl auch die Form Legerwall anstatt Leewall in
+Gang gebracht. Aber Leewall ist das richtige, wie schon ein Blick auf
+das englische Lee-shore beweist und wie es auch in der Natur der Sache
+liegt. Die Veränderung in Legerwall mag aber dadurch gefördert worden
+sein, daß es in der Regel eine niedrige Küste sein wird, die ein Schiff
+in solche Gefahr bringt, denn eine hohe sieht es in größerer Entfernung,
+braucht ihr also nicht so nahe zu kommen, daß die Verlegenheit des
+Legerwall eintritt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Gegen die Deutung Leewall könnte sprechen, daß
+das Gegenteil davon nicht Luvküste, sondern Opper- oder Upperwall hieß.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Aber einmal kann eben der Upperwall später gebildet sein, als
+Gegensatz zu Legerwall, zur Zeit als dieses in dieser Form bereits
+aufgekommen war, und dann ist zu bemerken, daß man doch auch von einer
+Luvküste spricht, ja daß Upperwall in neuerer Zeit geradezu von Luvküste
+verdrängt worden ist. &nbsp;&mdash;&nbsp;Legerwall gehörte zu dem Gefährlichsten was es
+für einen Seemann geben konnte. Der alte Kapitän der 1673 die
+&#8222;Beschrivung von der Kunst der Seefahrt&#8223; verfaßte, wußte davon zu
+erzählen. &#8222;Ich hätte billig Ursach mehr von Gottes Wunderwerken zu
+schreiben, wie ich zu zweyen mahlen in der Nordsee sonder Ruder gewesen,
+da daß eine auff die Quernes ist weggestoßen, und sind nachdem mit dem
+Schiffe sonder Ruder zu Rotterdam<a id="Page_293"></a>
+ <span class="pagenum">[293]</span> glücklich angekommen, daß
+andermahl durch einen starcken Nord Nordewesten Wind, unter Reveshoren
+daß Ruder weggeritten, und daß Schiff nach Allerheiligen, bei dunkern
+Mohn, durch das Katzen Gat zu Kopenhagen gebracht, und wie offt der
+Allerhöchste mich errettet, wann ich auf dem Legerwall von Sturm bin
+besetzt gewesen, da ich oftermahl nicht anders alß den Todt vor Augen
+gesehen, wie auch eins Mahls auff der Küst von Africa, nebenst Mamora,
+da wir bald in die Brandung waren, gab Gott daß der Wind sich legte, und
+indem auch raum ward, so, daß wir glücklich die Cap Spartel passierten,
+wann wir sonst an den Wall gekommen waren, und etzliche noch daß Leben,
+wie eine Beute davon gebracht, hätten die Mohren uns doch zu Schlaven
+gemacht.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Leguan</span>, der, ein dicker bekleideter, beschmarteter, betakelter Kranz von
+Tauwerk, ein Stropp von besonderer Art, den man an besonders gefährdeten
+Stellen der Takelage zur Sicherung oder Schonung anlegt. So legte man
+zur Zeit der Segelschiffahrt vor dem Gefecht einen Leguan um Mast und
+Rahe, die beiden zusammenzuhalten wenn etwa Rack, Fall oder Toppnant
+zerschossen würden. Auch zur Verhütung des Schamfilens von stehendem Gut
+durch laufendes legte man wohl einen Leguan an, und oben um den etwas
+vorragenden Vorsteven eines Bootes kann man ihn heute noch gelegt sehen
+zur Milderung des Stoßes und Verhinderung von Schaden beim Anlegen. Wie
+kommt dieser Stropp zu dem Namen der großen Eidechse Iguana, iguana
+tuberculata, die auf deutsch Leguan heißt, jenes freundlichen und
+nützlichen, zum Fangen von Fliegen als Haustier gehaltenen munteren
+Tieres, das jedem Seemann bekannt ist, der einmal an den Küsten des
+tropischen Amerika weilte? Die Bezeichnung war offenbar zuerst
+scherzhaft. Der Stropp war ein Legan, weil er angelegt ward; weil das
+aber so sehr ähnlich wie Leguan klang, so lag für einen scherzhaft
+angelegten Seemann eine absichtliche Verwechslung nahe und die ist dann
+zur stehenden Bezeichnung geworden; also ähnlich wie ammer zu ammeral
+und Admiral wurde, so daß jetzt ein Eimer den Namen &#8222;Admiral&#8223; führt.
+Doch hat sich neben Leguan auch die ursprüngliche Form Legan bis auf
+diesen Tag erhalten, ja sie scheint sogar Leguan wieder etwas in den
+Hintergrund gedrängt zu haben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leibknoten</span>, der, ist ein Knoten, der nicht zuschliert, dessen Auge also
+stets offen bleibt, auch wenn Kraft darauf wirkt. Er<a id="Page_294"></a>
+ <span class="pagenum">[294]</span> wird
+besonders dazu verwandt, einen Menschen in die Höhe zu winden, der sich
+mit seinem Leibe in das offene Auge gesetzt hat. Leibknoten können auf
+verschiedene Weisen gesteckt werden, doch bleibt stets das Auge für den
+Leib eines Menschen offen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leichtmatrose</span>, s. Jungmann.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leichter</span>, der, auch Leichterfahrzeug, ein kleines Schiff, das einem
+größeren die Ladung teilweise abnimmt, damit es nicht mehr so viel
+Tiefgang hat und in einen seichten Hafen einsegeln kann. Man hört und
+liest manchmal auch Lichter und Lichterfahrzeug, doch ist diese Form
+geeignet Verwechslungen herbeizuführen, s. Anker lichten, und daher ist,
+wiewohl lichten die richtige niederdeutsche Form für leichter machen
+ist, doch Leichter vorzuziehen. Das Mittelniederdeutsche sagte
+luchteschute. 1368: &#8222;Vortmer moghen si hebben eghene prame unde
+luchteschuten&#8223;. 1369 ... &#8222;und geven van dem prame ene mark vnd van der
+luchteschuten ene halve mark, darmede mogen se up unde ut schepen.&#8223; Ein
+luchteschute war also kleiner als ein prame.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leine</span>, die. Eine der zahlreichen Bezeichnungen die der Seemann für das
+Erzeugnis des Reepschlägers oder Seilers anwendet. Roeding sagt: &#8222;Dünne
+Taue von verschiedener Dicke, die zu mannigfaltigem Gebrauch auf
+Schiffen dienen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Altfriesisch lina, neuniederdeutsch lin,
+angelsächsisch line. Kommt vom lateinischen linum, das nicht nur Lein,
+Flachs bedeutet, sondern auch alles was daraus hergestellt wird: Faden,
+Schnur, Leinwand, Linnen, Segel, Netz, Seil, Tau. &nbsp;&mdash;&nbsp; In übertragenem
+Sinne, da die Leine als Leitseil diente, directorium, disciplina, also
+ein sittlicher Begriff. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch unser Lineal stammt von linus, von der
+Leine mit der die Zimmerleute sich auf das zu behauende Holz eine Linie
+&nbsp;&mdash;&nbsp; daher der Name &nbsp;&mdash;&nbsp; ziehen (daher die ganze Wendung &#8222;Linien <span class="strong1">ziehen</span>&#8223;),
+indem sie die geschwärzte Leine anziehen und dann auf das Holz schnellen
+lassen, wo es abfärbt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von den vielen Linien, die man auf
+Kartenblätter zog um die Grade zu bezeichnen war Eine so die Hauptlinie,
+daß man sie schlechthin &#8222;die Linie&#8223; nannte (Äquator.) Wer diese zum
+ersten Male passiert, muß sich gefallen lassen, daß allerlei &#8222;Hänselei&#8223;
+(von Hansa, denn wer in eine solche eintrat mußte allerlei über sich
+ergehen lassen) mit ihm getrieben wird; Linientaufe. Die Hauptsache
+dabei ist das (Unter-)Tauchen. Da taufen und tauchen ein und dasselbe
+Wort ist, so ist der Name treffend (s. Schiffstaufe.) <a id="Page_295"></a>
+ <span class="pagenum">[295]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Leitblock</span>, der, ist ein Block, der den Zweck hat, das durch ihn fahrende
+Tau in eine andere Richtung zu leiten. Es kommt z.&nbsp;B. ein Läufer in
+senkrechter Richtung zur Verwendung, geholt soll er aber in wagrechter
+Richtung werden; dann muß ein Leitblock die senkrechte in die wagerechte
+Richtung überleiten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leiter</span>, der, ein ganz anderes Wort als die von lehnen stammende Leiter,
+die an die Wand etc. gelehnt wird zum Steigen, nämlich ein Tau an dem
+etwas geführt, von dem etwas geleitet wird, also ein schönes, kurzes
+Wort für Leitseil. Bei Stagsegeln etc. laufen sie, wie Roeding es
+passend vergleicht, wie eine Gardinenstange auf der sich die Lägel als
+Ringe bewegen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leiwagen</span>, der. Es ist ein t ausgefallen, das Wort heißt eigentlich
+Leitwagen, wie Dabovich es auch schreibt und schon Roeding gekannt hat.
+Es ist ja auch ein Leiwagen eine Vorrichtung auf der die Ruderpinne hin
+und her geleitet wird. Bei -wagen ist aber nicht an einen wirklichen
+Wagen zu denken, sondern an das niederdeutsche wege, welches zwar
+dasselbe Wort wie Wagen, Wage und Wiege ist, aber noch allgemeiner den
+Begriff des Bewegens darstellt: ein Gerät zum Hin- und Herbewegen. Nun
+ist zwar Leiwagen kein Gerät, sondern eine am Deck befestigte
+Vorrichtung, auf der sich die Pinne bewegt, aber er trägt seinen Namen
+doch mit Recht, denn er dient dazu, die Bewegung der Pinne zu leiten.
+Und auch wo der Leiwagen nicht für die Pinne, sondern für eine Schot
+bestimmt ist, dient er doch demselben Zwecke: die Bewegung der Schot zu
+leiten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort wird öfters auch Leuwagen geschrieben, diese Form
+gebührt aber einem ganz anderen Dinge, s. Leuwagen.</p>
+
+<p><span class="strong1">lenz</span>, als Adjektivum und Adverbium in häufigem Gebrauch; es bedeutet
+<span class="strong1">leer</span>. Das Bremer Wörterbuch sagt: lens = trocken, da keine Nässe mehr
+ist. De Pumpe geit lens: die Pumpe will nicht mehr ziehen, kein Wasser
+mehr geben (weil keins mehr da ist); de kann is lens: die Kanne ist
+ausgetrunken. Enen lens maken, einen so lange beschmausen, bis das
+Getränk alle ist. Niederländisch lens = zonder vocht. Mit dem Lenz, der
+Frühling bedeutet und seinen Namen vom Längerwerden der Tage hat, hat
+dieses lenz nichts zu tun, es soll vielmehr mit dem lateinischen lentus
+zusammenhängen. Dieses hat aber dreierlei Bedeutungen, von denen sich
+jeder die ihm einleuchtende aussuchen kann: 1. die von &#8222;erschöpft&#8223;. 2.
+langsam, träge (so wie das Letzte<a id="Page_296"></a>
+ <span class="pagenum">[296]</span> aus einem Gefäß ausfließt). 3.
+zäh, klebrig, (so wie das Unterste bei vielen Flüssigkeiten zu sein
+pflegt). So recht will keine von den dreien, will überhaupt das ganze
+lentus nicht einleuchten, aber noch ist nichts Besseres gefunden.
+Übertragen: &#8222;ich bin lenz&#8223;, ich habe kein Geld mehr.</p>
+
+<p><span class="strong1">lenzen.</span> 1. vollständig leer und trocken machen, den Inhalt eines Fasses,
+einer Cisterne, eines Brunnens, einer Kanne, einer Flasche, eines Tänks,
+der Bilge erschöpfen; übertragen: jemanden ausplündern bei Spiel. 2. vor
+einem Sturme fahren, so daß der Sturm das Schiff mit nur wenigen und
+kleinen Segeln oder auch ganz ohne solche (&#8222;vor Top und Takel&#8223;) vor sich
+hertreibt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Erklärung wird etwas erschwert dadurch, daß manchmal
+ohne Berechtigung und ohne Verständnis für den eigentlichen Hergang
+lenzen einfach mit &#8222;vor dem Winde segeln&#8223; gleichgesetzt wird. Die
+Wahrheit ist die, daß lenzen einen Sturm voraussetzt, der so stark ist,
+daß ein Segel nach dem andern weggenommen werden muß. Nun haben wir
+unter &#8222;lenz&#8223; gesehen, daß es leer bedeutet; lenzen also heißt leeren,
+zunächst von Flüssigkeiten; es kann aber auch im übertragenen Sinne
+gebraucht werden und in ganz allgemeiner Bedeutung von leeren; und so
+werden wir es hier anzusehen haben: die Rahen, den Mast, die Takelage
+leer machen von Segeln, so daß das Schiff schließlich nicht nur keine
+vollen Segel, sondern überhaupt keine Segel mehr führt. Von dem
+transitiven Gebrauch zum intransitiven war nur ein Schritt, und die
+Bedeutungsentwicklung von: &#8222;die Segel entfernen&#8223; bis zu: &#8222;das Schiff
+lenzt&#8223; lag nahe. Daß &#8222;lenzen&#8223; einen Sturm voraussetzt, beweist auch die
+Bezeichnung <span class="strong1">Lenzsack</span>; den führt ein Rettungsboot im Inventar und
+gebraucht ihn bei hohem Seegang. Bei Dick und Kretschmer (II. 315) ist
+er anschaulich beschrieben: &#8222;ein trichterförmiger Sack aus starkem
+Segeltuch, dient dazu, das Boot der Länge nach vor der See zu halten und
+damit zu steuern, wenn durch hohe See das Hinterteil des Bootes so
+gehoben wird, daß Steuerriemen oder Steuerruder aus dem Wasser kommen.
+Hätte man dann keinen Lenzsack, so würde das Boot von der See quer
+geworfen und übergerollt werden. Der Lenzsack wird, mit der Öffnung nach
+vorn, an einem starken Tau geschleppt, während eine dünne Leine an dem
+spitzen Ende befestigt ist. Da beim<a id="Page_297"></a>
+ <span class="pagenum">[297]</span> Schleppen die Mündung nach
+vorn ist, so füllt sich der Sack mit Wasser, leistet einen
+beträchtlichen Widerstand und hält dadurch das Boot vor der See. Wirft
+man das stärkere Tau an der Mündung los und holt die dünne Leine an dem
+spitzen Ende ein, so wird der Sack umgekehrt, klappt zusammen und kann
+mit leichter Mühe ins Boot geholt werden.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Leutnant zur See.</span> So sehr man auch versucht hat das Wort Leutnant als
+deutsches in Anspruch zu nehmen, so wird es doch bei der französischen
+Abstammung sein Bewenden haben müssen. Es ist sonst an ambacht, Ambt,
+Amt gedacht worden, weil das Volk in manchen Gegenden Leutnamt sagt, als
+ob ein Leutnant ein Mann wäre der ein Amt über Leute hätte. Allerdings
+findet sich schon ums Jahr 1500 die Form Leutenamt und so hieß das Wort
+auch während des 30jährigen Krieges, aber das sind höchstens Versuche,
+das Wort mundgerecht zu machen und dem Deutschen anzubequemen. Die
+ältesten Spuren führen nach Frankreich, wo das Wort schon im 15.
+Jahrhundert im Gebrauch war, bestehend aus lieu und tenant und
+ursprünglich demgemäß für eine Statthalterwürde gebraucht. &#8222;Des Königs
+Lieutenant&#8223; ist der Mann, der &#8222;<span class="strong1">anstatt</span>&#8223; des Königs das Kommando führt.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Noch vor Kurzem bedeutete Lieutenant zur See den jetzigen Oberleutnant
+zur See, der jetzige Leutnant zur See aber mußte sich mit
+Unterlieutenant zur See begnügen.<a id="Page_298"></a>
+ <span class="pagenum">[298]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Leuchtturm</span>, s. Blüse.</p>
+
+<p><span class="strong1">Leuwagen</span>, der, ist ein Stock mit einer Bürste daran zum Waschen des
+Schiffes, ein Schrubber. In diesem Worte ist nicht wie bei Leiwagen ein
+t ausgefallen, denn hier wird keine Bewegung geleitet. Allerdings deutet
+das -wagen auch eine Bewegung an, aber man wird annehmen dürfen, daß das
+Geschäft des Schiff- bezw. Deckwaschens als ein wenig angenehmes nicht
+gerade mit besonders fleißigen Bewegungen geschah und geschieht. Leu
+heißt aber im Niederdeutschen faul, träge, unlustig zur Arbeit,
+insonderheit wird es auch von einem Menschen gebraucht, der faul in
+seinen Bewegungen ist; also auch einen, der sich nicht gern bückt. Ein
+solcher mag den Stiel an der Bürste erfunden haben, die ursprünglich
+sicher ohne ein solchen gebraucht wurde, also beschwerliches Bücken
+erforderte. Ganz peinliche und reinliche Hausfrauen halten heute noch
+darauf, daß ihre Dienstmädchen die Arbeit der Stubenreinigung nicht im
+Stehen abmachen. Ihnen mag die Anbringung eines Stabes an den
+Scheuerbürsten als eine &#8222;faule&#8223; Sache erschienen sein, so daß sie das
+Arbeiten mit dem ihnen unlieben Instrument als eine &#8222;leue Bewegung&#8223; zu
+brandmarken versuchen. Es hat sich aber doch Bahn gebrochen.</p>
+
+<p><span class="strong1">levendig</span>, werden die Segel gebraßt, wenn der Wind sie so fassen soll,
+daß sie killen, d.&nbsp;h. sich bewegen, nicht tot und steif stehen wie ein
+Brett, sondern flattern wie ein lebendiges Wesen. Lebendig ist
+Weiterbildung des Participiums lebend, und levendig ist niederdeutsche
+Form dafür. So weit wäre die Sache richtig. Aber es wird nicht, lebendig
+entsprechend, levéndig, sondern lévendig ausgesprochen. Doch hieß
+lebéndig früher auch lébendig, der Ton lag also auf der Stammsilbe, was
+im 17. Jahrhundert noch vorkommt, bei Gryphius: &#8222;Man hat ein zartes Kind
+noch lebendig geschunden.&#8223; &#8222;Das dauert landschaftlich in vielen Gegenden
+von Deutschland noch jetzt, die Rückung des Tones auf lebéndig ist aber
+auch schon im 14. Jahrhundert nachzuweisen&#8223; (Heyne).</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p>&#8222;Do he en sag liggen also,</p>
+ <p>Ward he wedder unfro</p>
+ <p>Darumme, dat Brûn noch levendig was.&#8223;</p>
+
+ <p class="author"> Reinke de Fos.</p>
+
+</div>
+
+
+<p>Wegen der Betonung weist Kluge auf Holunder hin, dem es ebenso wie
+lebendig gegangen ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">lichten</span> ist besonders in der Verbindung &#8222;Anker lichten&#8223; bekannt. Es ist
+von lichten = leicht machen, gänzlich verschieden, denn es heißt
+eigentlich lüften, nicht im Sinne von &#8222;frische Luft in eine Stube
+lassen&#8223;, sondern von &#8222;in die Luft erheben&#8223;. Man hört auch hie und da &nbsp;&mdash;&nbsp;
+in Stade z.&nbsp;B. &nbsp;&mdash;&nbsp; Anker lüften. Die niederdeutsche Form ist aber liften;
+englisch lift. Im Niederdeutschen nun, und je mehr es nach dem
+Niederländischen zugeht, desto leichter wird f in ch umgewandelt: gracht
+für Graft, kracht für Kraft, lucht für Luft etc. So hat sich auch liften
+in lichten verschoben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Liderung</span>, die, im Maschinenwesen ein Verschluß, ein Verschließen oder
+Verpacken irgend einer Öffnung, die man dicht haben will. Es ist das
+niederdeutsche Wort lid = Deckel, Verschluß, Tür, und dasselbe wie Lid
+in Augenlid, Altsächsisch hlidan, angelsächsisch hlidan, altenglisch
+hliden = bedecken, schließen; altfriesisch hlidia. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von lid auch das
+Zeitwort <span class="strong1">lidern</span>, schließen, verpacken.<a id="Page_299"></a>
+ <span class="pagenum">[299]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Lieger</span>, der, ist ein Mann von der Brabank, der auf einem nicht in Dienst
+befindlichen, auf der Werft liegenden Kriegsschiffe wohnt, d.&nbsp;h. nicht
+bloß am Tage da weilt, sondern auch nachts da schläft (liegt). Er hat
+das Schiff in Bezug auf Feuer etc. zu bewachen, für richtigen Verschluß
+aller Räume zu sorgen. Früher war ein Lieger ein ganz anderer Mann,
+nämlich wie Hirsch, Danzig, S. 227 berichtet, ein dispositionsfähiger
+Handlungsgehilfe im Unterschied von nichtdispositionsfähigen
+Handlungsknechten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Lieger heißt auch das Bauchstück der Bodenwrange.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lik</span>, <span class="strong1">Liek</span>, das. Das Tau, mit dem ein Segel eingefaßt ist. Bei einem
+Rahsegel unterscheidet man viererlei Lieke: Das Rahliek oben, das
+Unterliek und die beiden stehenden Lieke rechts und links. &nbsp;&mdash;&nbsp; Unser
+deutsches Wort &#8222;gleich&#8223; bestand ursprünglich aus der Vorsilbe ga und
+lika. Lika heißt Körper. Unser &#8222;Leiche&#8223; hatte nämlich noch im
+Mittelhochdeutschen nicht die Bedeutung &#8222;toter Leib&#8223; sondern galt auch
+für den lebendigen Leib, für die Körpergestalt, (so wie stinken früher
+eine vox media war und auch von Rosen und Veilchen und der köstlichen
+Nardensalbe der Maria zu Bethanien gesagt wurde). Wir sprechen aber
+täglich unzählige Male ahnungslos das Wort aus in dem Suffix = lich;
+männlich ist einer der die Gestalt, Form und Art eines Mannes hat;
+königlich ist einer der die Haltung und Gestaltung eines Königs besitzt,
+<span class="strong1">gleich</span> einem Könige ist. Im Niederländischen und überhaupt im
+Niederdeutschen hat sich g nicht eingebürgert, da hält man sich mit der
+Vorsilbe auch in ihrer abgekürzten Gestalt nicht auf, sondern sagt liek,
+wie denn in Ostfriesland in früheren Zeiten eine politische Partei
+liekedeler hießen, Gleichteiler. &nbsp;&mdash;&nbsp; In der Bedeutung Gestalt hat sich
+dieses Wort allein im Seemännischen erhalten, denn unser Liek ist ja das
+Tau, das die Umrisse der <span class="strong1">Gestalt</span> des Segels genau darstellt. Eine
+beachtungswerte Verwendung hat unser Liek im Französischen gefunden in
+dem Worte ralingue, aus Rahliek entstanden. Das -liek hatte man aber
+nicht in seinem Werte erkannt, sondern für eine Art Endung gehalten,
+etwa für die niederdeutsche Endung -ing, und so wurde ralingue aus einem
+Worte, das eigentlich ralique hätte werden müssen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Linie</span> = Aequator, s. Leine.</p>
+
+<p><span class="strong1">Linienschiff</span>, das, ist das größte und stärkste Panzerschiff, ein
+Schlachtschiff erster Ordnung, Hochseeschlachtschiff; müßte<a id="Page_300"></a>
+ <span class="pagenum">[300]</span>
+eigentlich Schlachtlinienschiff heißen, denn es ist ein solches, das
+stark genug ist, in einer Seeschlacht in der Schlachtlinie zu kämpfen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lloyd</span>, der. In der ganzen Welt, besonders in der seemännischen, ist
+dieser Name bekannt, weil ihn eine ganze Reihe großer
+Schiffahrtsgesellschaften tragen. Es gibt einen
+österreichisch-ungarischen, einen russischen, einen germanischen Lloyd,
+einen Lloyd francais und vor allen Dingen denken wir an den
+&#8222;Norddeutschen Lloyd.&#8223; Von Bremerhaven nach Lehe geht es erst durch die
+&#8222;Bürgermeister Smidt-Straße&#8223;, dann durch die &#8222;Lloydstraße&#8223;. Wer
+Bürgermeister Smidt war, das steht deutlich genug an seinem Denkmal auf
+dem Bremerhavener Marktplatze zu lesen. Aber wer war Lloyd? &nbsp;&mdash;&nbsp; Es gab
+bereits zu Anfang des achtzehnten Jahrhunderts in London eine
+Matrosenkneipe die &#8222;Lloyds coffee-house&#8223; hieß. Was dieser Mr. Lloyd
+sonst für ein Mann war wissen wir nicht, aber die Verpflegung bei ihm
+muß gut gewesen sein, denn es verkehrten nicht bloß Matrosen bei ihm, es
+fanden sich nach und nach auch Steuerleute, Schiffskapitäne, Makler,
+Kaufleute, Reeder bei ihm ein. Da gab denn ein Wort das andere, und weil
+es lauter Leute waren, die mit dem Seewesen zu tun hatten, so kann man
+sich denken, daß sich die Unterhaltung meist um Schiffe und Schiffahrt
+gedreht hat. Und besonders lag ihnen die Schiffsversicherung am Herzen.
+Aus diesen Besprechungszusammenkünften entstand 1716 eine Gesellschaft,
+die nach dem Orte ihres Beisammenseins den Namen &#8222;Lloyds&#8223; führte und
+heute noch besteht. Ihre Aufgabe ist: &#8222;The collection and diffusion of
+marine intelligence, the insurance, classification, and certification of
+vessels and the transaction of business of various kinds connected with
+shipping.&#8223; Bei der Übernahme des Wortes ins Deutsche ist das Genetiv-s
+in Lloyds, das man in England bis heute treu bewahrt hat, verloren
+gegangen. Dieses vielen schon so befremdlich vorgekommene s, oft für
+eine Pluralform gehalten, ist als eine Erinnerung an jenes Kaffehaus
+geschichtlich berechtigt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Log</span>, das, ein flaches Brettchen wie ein Quadrant gestaltet dessen Radius
+etwa 15 cm mißt; es ist eine Leine daran befestigt, die <span class="strong1">Logleine</span>, die
+über eine Rolle, <span class="strong1">Logrolle</span>, läuft. <span class="strong1">Loggen</span> heißt mit Hilfe dieses Logs,
+dieser Loggvorrichtung, die Fahrt des Schiffes messen, indem man das Log
+ins Wasser wirft, das <span class="strong1">Logglas</span>, eigentlich Loggglas, d. i. eine kleine
+Sanduhr, umdreht, die<a id="Page_301"></a>
+ <span class="pagenum">[301]</span> Leine eine von dem Glase angegebene
+bestimmte Zeit ablaufen läßt von der Rolle und dann an den Knoten der
+Leine abliest, wie viel Knoten das Schiff läuft, d.&nbsp;h. wie viele den
+Knoten entsprechende Seemeilen in der Stunde. &nbsp;&mdash;&nbsp; Edward Wright hat zu
+London 1599 ein Werk unter dem Titel: &#8222;the Haven-finding art&#8223;
+herausgegeben, in dem die erste Beschreibung, in dem auch zum ersten
+Male der Name Log zu finden ist. Darüber schreibt Roeding (1794): &#8222;Der
+Verfasser dieser Beschreibung, oder der Erfinder dieses Instrumentes ist
+nicht bekannt; auch findet man nicht eher wieder davon Erwähnung, als in
+der Beschreibung einer Reise nach Ostindien, vom Jahr 1607, welche
+Purchas herausgab, nach dieser Zeit aber wird in mehreren
+Reisebeschreibungen davon geredet, und es scheint auch von Ausländern
+allgemein angenommen worden zu sein; es erwähnt dessen z. E. Günter
+1623, Snellius 1624, Metius 1631, Oughtred 1633, Herigone 1634,
+Saltonstall 1636, Norwood 1637, Fournier 1643, und fast alle neueren
+Schriftsteller, die von der Navigation geschrieben haben. Es ist dieses
+Instrument jetzt noch eben so beschaffen, als wie es erfunden wurde,
+ungeachtet man verschiedene Versuche gemacht hat, dasselbe zu
+verbessern, oder es durch andere Erfindungen ganz zu entbehren.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Die
+Erfindung dürfte also in England gemacht sein; dahin deutet auch der
+Name, denn Log ist das englische log, das einfach ein Stück Holz heißt.
+Ursprünglich war also von der Form eines Kreisausschnittes für das
+Brettchen keine Rede, es war das Log überhaupt kein (weil unten
+beschwert aufrechtstehendes) Brettchen, sondern ein beliebiges Stück
+Holz an das die Leine befestigt war. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das <span class="strong1">Loggbuch</span> ist das
+Schiffstagebuch, in welches der Offizier der Wache alles Bemerkenswerte
+einträgt sobald die Wache vorüber ist. Die Benennung geschieht a
+potiore, weil die richtige Eintragung der richtig geloggten Fahrt, d.&nbsp;h.
+der während der Wache zurückgelegten Strecke, eine sehr wichtige Sache
+ist. In der &#8222;Beschriving von der Kunst der Seefahrt&#8223;, Lübeck 1673 wird
+das ursprüngliche Stück Holz schon &#8222;ein hölzernes Schiffchen oder
+dreieckig Brettchen&#8223; genannt: &#8222;By etliken wert de wech, so dat schip
+aver see maket, mit ein gemarckede Lin, welckes dorch ein holten
+schepigen offt drehuckig bretien wert utgedreven, gefunden und
+affgemeten, welckes averst veel belemmeringe an sich heft und by nacht
+nicht wol tho dohnde ys.&#8223; Es ist aber trotz der Belemmerung<a id="Page_302"></a>
+ <span class="pagenum">[302]</span> heute
+auch noch nichts Besseres erfunden. &nbsp;&mdash;&nbsp; Lucas Janszoon Waghenaer im
+&#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223; empfiehlt schon damals, 1588, die Einrichtung
+einer Art Loggbuches: &#8222;Item tis oock goet dat een Stuerman alle morghens
+ende auonts by gheschrifte stelle oft dve stellen, wat coursen hy
+ghezeyelt ende behouden heeft, op datmen daer nae inde Caerte af
+steecken ende ouerslaen mach, hoe de hoecken ende canalen van hem syn
+legghende.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Logger</span>, der, englisch Lugger, und so auch öfters in neuerer Zeit bei
+uns, wo es dann aber nur ein offenes Boot oder kleine Jacht bedeutet mit
+Luggersegel, d.&nbsp;h. Segel das nach chinesischer Art (doch ohne die
+Querlatten) so angeordnet ist, daß beim Wenden und Halsen kein Dippen
+erforderlich ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Sonst war Logger ein &#8222;zum Kriege ausgerüstetes
+schnellsegelndes Fahrzeug&#8223; mit zwei Masten, sehr starkem Ausleger und
+einem Treiber (&#8222;Brodgewinner&#8223;). Der Ausleger ermöglichte das Führen
+mehrerer Stagsegel. Weil die Stagsegel nicht treibend, sondern ziehend
+gedacht werden, so ist als Etymon zu Logger und Lugger das Zeitwort
+luken, ziehen, zerren, reißen, zupfen in Betracht zu ziehen; englisch
+lug.</p>
+
+<p><span class="strong1">Logis</span>, das, ist der Ort an Bord wo die Matrosen wohnen und schlafen.
+Bemerkenswert ist an diesem Fremdworte die Aussprache. Unsere Seeleute
+sprechen das s deutlich mit aus. Daran kann man merken, daß das Wort
+über Holland zu uns gekommen ist, wo auch in Commis und anderen
+französischen Wörtern das stumme s als nicht stumm angesehen wird. Auf
+Wangerooge ist das Logis wenn kein Raum an Deck dazu da ist ein farunner
+(s. d.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Lohen</span>, die Segel, heißt sie mit Lohe tränken um sie dichter und
+haltbarer zu machen; sie empfangen dadurch das bekannte braune Aussehen
+der Segel auf unseren Küsten- und Kanalfahrern; die Eichenrinde heißt
+englisch tan, to tan heißt dementsprechend gerben, aber auch braun
+machen, dann übertragen bräunen, von den Sonnenstrahlen, von Wind und
+Wetter.</p>
+
+<p><span class="strong1">Lootse</span>, der, ein Mann, der Seefahrt und des Ortes kundig, der den Beruf
+hat, einem Schiff in schwierigem Fahrwasser den Weg in den Hafen oder
+aus dem Hafen zu zeigen; das Schiff zu lootsen. Um dieses Wort richtig
+erklären zu können, müssen wir vor allen Dingen von dem italienischen,
+französischen, englischen,<a id="Page_303"></a>
+ <span class="pagenum">[303]</span> holländischen piloto, pilote, piloot,
+pyloot ganz absehen, wenigstens zunächst. Diese Wörter werden oft mit
+Lootse zusammengebracht, haben aber nichts damit zu schaffen und können
+daher die Untersuchung nur trüben und verwirren. Auch der Versuch, das
+Wort zu Lot zu stellen, als sei der Lootse ein Mann der durch Loten die
+Tiefe des Wassers feststelle, muß aufgegeben werden. Das Bremer
+Wörterbuch sagt zwar: &#8222;Loots, Lootsmann = Piloot, der mit dem Senkblei
+die Tiefe des Wassers ergründet. Überhaupt ein erfahrener Mann, der das
+Fahrwasser, die Tiefen und Untiefen kennt&#8223;, aber dadurch wird die Sache
+nicht besser, denn wenn auch das zweite, mit dem erfahrenen Mann stimmt,
+das erste, mit dem Loten, stimmt keineswegs. Wer auch nur einmal in
+seinem Leben mit einem Lootsen gefahren ist, der muß wissen, daß ein
+solcher viel zu sehr mit anderen Dingen beschäftigt ist und auf zu viel
+anderes zu achten hat, als daß er sich aufs Loten einlassen könnte. Dazu
+wird eigens ein Matrose abgeteilt, der die gelotete Tiefe laut aussingt.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Auf die richtige Spur leitet uns das niederländische lodsman,
+englisch loadsman, altenglisch lodeman. Dieses lod aber hat mit lod =
+Blei nichts gemein, sondern heißt Weg. Ein lodsman ist also ein Wegmann,
+ein Mann der den Weg zeigt, und zwar, sinnverwandt mit dem brim-wisa =
+Führer zur See, ein Wasserwegweiser. Im Seebuch (1400) heißt der Name
+loedman und loetsman, lootsmann und dieser Ausdruck kehrt, wie Breusing
+(Jahrbuch V. 8) anführt in allen nordischen Quellen des Seerechts
+wieder; &#8222;in den Jugemens d'Oleron als lodemann; water regt van Damme als
+laedsage; kostumen van Westcapelle als leydtsman; Waterrecht van Wisby
+als Leytsager und leytsman.&#8223; Kilian, der pylloot freilich mit &#8222;expertus
+nauta, qui bolide altitudinem maris explorat, nauta loci peritus&#8223;
+übersetzt, hat doch auch die Form lootsman. &nbsp;&mdash;&nbsp; In einem Hansareceß von
+1437 lesen wir: &#8222;Int erste hebbe ik gegeven deme losmanne, de my segelde
+in de Temese 6 Pf.&#8223; Und anderweitig: &#8222;So wan en schip van nodt wegen
+queme vor eyn land, dar yd hauen moste, vnde vmbekant were, so dat ydt
+eynen leydsagen bederuede&#8223; ... Weiter: &#8222;Wor en scipper wynnet enen
+sturman, eder enen letsagen edder enen schepesknapen, deme synt se to
+rechte schuldich syne reise wol to donde.&#8223; Auch im übertragenen und
+bildlichen Sinne in einem Adventsgebet: &#8222;O heerscopper aller heren vnde
+weldighe<a id="Page_304"></a>
+ <span class="pagenum">[304]</span> leytsaghe des slechtes Israhel.&#8223; Das früheste Zeugnis
+für die Form letsaghe fällt in das Jahr 1299: &#8222;So wellik letsaghe jof
+sturman oder schipman, de sic vormedet heuet eneme unseme borghere, wil
+he enen vnsen borghere vorklaghen, dat schal he don vor sineme
+oldermanne&#8223; (Lüb. Urk.) &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort lootsman hat sich in dieser Gestalt,
+wie die Stelle aus dem Bremer Wörterbuch beweist, zwar bis in die neuere
+Zeit erhalten, daneben aber hat sich allmählich das Wort durch
+Verschlucken der Endsilbe in Lootse abgeschliffen, zunächst nur in der
+gesprochenen Sprache, so wie man boatswain Bosen ausspricht und das mann
+in Bootsmannsmaat verschluckt und Bootsmaat sagt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort ist also
+ein echt germanisches. Heißt doch im Altenglischen der Nordstern
+loadstar, Weg-, Leitstern, und der Magnet loadstone = Weg-, Leitstein.
+Und zwar ist das erste Wort in der Zusammensetzung mit unserem
+neuhochdeutschen <span class="strong1">leiten</span> = führen verwandt, die wörtliche Übersetzung von
+Bootsmann also &#8222;Geleitsmann&#8223;. So war das Wort im Mittelalter in
+Deutschland, England, Holland und auch in Frankreich in Gebrauch. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nun
+kamen aber zur Hansazeit die Italiener in deutsch-niederländische Häfen.
+Die hatten bis dahin so etwas wie einen Lootsen in unserem Sinne gar
+nicht gekannt. Wohl hatten sie einen piloto, aber der stellte, wie aus
+der Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen bekannt ist, und wie
+Breusing a. a. O. vortrefflich ausgeführt hat, etwas ganz anderes dar,
+einen Mann, der einen ganz anderen Beruf hat als ein Lootse, nämlich
+überhaupt einen seekundigen Mann, der die Navigation auf offener See
+betreibt, wie wir z.&nbsp;B. aus den Reisen des Columbus wissen, daß der eine
+der Gebrüder Pinzon der piloto mayor des Geschwaders der ersten Fahrt
+war. &#8222;Ein Bedürfnis von Lootsen in unserem jetzigen Sinne, wo das Wort
+einen Wegweiser für enge gefährliche Fahrwasser bedeutet, besteht im
+mittelländischen Meere gar nicht. Die großen Handelsemporien
+Konstantinopel und Alexandria, Messina und Palermo, Venedig und Genua,
+Neapel, Marseille, Barcelona, Valencia, Malaga<a id="Mal3"></a><a href="#fn3" class="fnanchor">[3]</a> liegen an offener See.
+Andererseits muß man bedenken, daß in früheren Zeiten der Schiffer
+eigentlich nur der Schiffsherr war und kein Seemann zu sein brauchte.
+Ulloa in seiner Conversationes<a id="Page_305"></a>
+ <span class="pagenum">[305]</span> sagt darüber: En lo antiguo eran dos ministerios
+separados, el de mandar las embarcaciones y el de dirigirlas. Los
+capitanes tenian el mando interior civil, economico y militar; y les
+pilotos eran los que desempenaban la parte nautica en pilotage y
+maniobra. So erklärt sich die Vorschrift, daß ein Schiffsherr, der nicht
+selbst Seemann war, einen der Schiffahrt kundigen Mann annehmen mußte,
+von selbst, und man hat hier nicht an einen Lootsen zu denken. Bei den
+Völkern des Mittelländischen Meeres hat das Wort piloto keine andere
+Bedeutung gehabt, als die wir mit einem &#8222;befahrenen Seemann&#8223; verbinden
+... Auch der Nichtseemann begreift, wie widersinnig es wäre, für völlig
+unbekannte Gewässer (wie die von Columbus aufgesuchten) einen Lootsen
+anzustellen, der eben davon seinen Namen hat, daß er von einem ganz
+bestimmten Fahrwasser eine genaue Ortskenntnis besitzt, um als Wegweiser
+dienen zu können ... Erst nach dem Jahre 1300 kamen genuesische und
+venetianische Schiffe nach Antwerpen und lernten in den nordischen
+Meeren eigentliche Lootsen kennen. Denn hier lagen die Handelsplätze
+nicht wie im Mittelmeere an offener Seeküste. Hamburg und Bremen,
+Amsterdam, Rotterdam und Antwerpen, London und Bristol, Rouen und Nantes
+und Bordeaux liegen tief im Lande an Revieren, deren Eingang durch
+Sandbänke versperrt ist und wo die Möglichkeit des Einsegelns von der
+genauen Kenntnis der von Ebbe und Flut bedingten Wassertiefe und
+Gezeitströmung abhängig ist.&#8223; Aber für einen loodsmann war kein Wort im
+Italienischen, eben weil die Sache unbekannt war. Da halfen sie sich mit
+einem anderen Wort, mit einem, das wenigstens so ungefähr etwas
+Ähnliches anzudeuten schien und nannten den loodsman: pilota. Diese
+beiden haben sich dann so miteinander vermengt und vermischt, daß in
+Holland, England und Frankreich, vielleicht unterstützt durch den
+ähnlichen Klang, die romanische Form die germanische in den Hintergrund
+geschoben hat. Doch ist es ihr weder in Frankreich noch in Holland
+gelungen, sie ganz zu verdrängen. In Frankreich ist nämlich das
+normannische lodemann in locman, dieses in locmaneur (mit Anbildung an
+gouverneur = Steuermann) und dieses in das neufranzösiche lamaneur
+übergegangen, und lamanage heißt heute noch die Thätigkeit des Lootsen,
+während man im Altfranzösischen maronier sagte, vom kymrischen mar =
+Führer, oder vielmehr von dem Beinamen des Mercurius<a id="Page_306"></a>
+ <span class="pagenum">[306]</span> Marunus =
+Wegweiser; auf einer bei Baden gefundenen Inschrift aus der Römerzeit
+steht: &#8222;Marones (Name eines Volkes in den Alpen) enim appellantur viarum
+praemonstratores&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Was aber Holland betrifft, so beweist ein Blick in
+das 1629 erschienene erste deutsche Buch über Schiffbau, die
+Architectura Navalis von Josef Furttenbach, daß das germanische Wort
+damals noch galt. Es ist da ein durch seine Schnelligkeit berühmtes
+holländisches Schiff unter Segel abgebildet und genau beschrieben, ein
+Schiff, das einst zu Wasser schneller von Amsterdam nach Genua kam, als
+der Avis mit der Landpost, der melden sollte, daß das Schiff geladen
+sei. Es führte den Namen &#8222;<span class="strong1">Lotzmann</span>&#8223; und hätte ihn nicht führen können,
+wenn nicht Lotsmann neben pylot in Holland noch gangbar gewesen wäre. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Im Deutschen, und zwar in der deutschen Seemannssprache hat sich das
+deutsche Wort unbefleckt von piloto erhalten. Daher wir auch der Mühe
+überhoben sind, der Abstammung dieses Fremdwortes nachzugehen. Es macht
+sich zwar hie und da in hochdeutschen Büchern und namentlich Gedichten
+breit, aber es wird stets als Fremdwort empfunden. Und wenn bereits 1735
+im &#8222;Seebuch&#8223; Johann Manson schreibt: &#8222;Für tieffgehenden Schiffen ist
+nicht rathsam dieses Fahr-Wasser einzusiegeln (durch das Mitteltief nach
+Wismar), wo er nicht desto besser bekannt ist, sondern muß sich Piloten
+aus der Stadt nehmen&#8223;, so beweist das doch nur, daß damals schon die
+Fremdwörterei im Gange war, was ohnehin bekannt ist. Außerdem hat Hans
+Wittenburgk, Schiffer in Wismar, das Manson'sche Buch aus dem
+Schwedischen ins Hochdeutsche, so gut ers konnte, übersetzt. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Lootsenflagge</span> ist die als solche erkennbare weil besonders
+unterschiedene Flagge, die ein Schiff hißt zum Zeichen, daß es einen
+Lootsen haben will; auch die Flagge die der <span class="strong1">Lootsendampfer</span>, der
+<span class="strong1">Lootsenschuner</span> zeigt, der Lootsen abzugeben hat. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein <span class="strong1">Lootsenkommando</span>
+hat einen Lootsenkommandeur, Oberlootsen, Steuerleute, Lootsen,
+Lootsenaspiranten etc. etc. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Lootsenwasser</span> ist ein Fahrwasser, das man
+auf Karte und Segelanweisung hin nicht befahren kann, sondern nur mit
+Hilfe eines Lootsen. Waghenaer im &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;, 1588,
+schreibt: &#8222;Dan men moet verstaen dat wij dese Tonnen ende Baecken alhier
+so aengeteckent hebben, als de selue int voorleden Jaer van 82 geleyt
+ende gestelt sijn geweest. Ende dat de diepten ende<a id="Page_307"></a>
+ <span class="pagenum">[307]</span> stroomen
+Jaerlyckx seer verloopen ende verandern: ouermidts d'onghestadighe
+sandtgronden, ende dat de gaten beneffens der Zee seer wyt ende breet
+worden, waer door dese stroomen al Lootsmans water syn, darmen hem
+versien moet van goede Piloten.&#8223; Ein neuer Beweis, wie man in Holland
+Lootsman und Pilot neben einander gebraucht hat. Vergl. auch Waghenaers
+Segelanweisung für Brest: &#8222;Oock meucht ghy van daer innewaerts seylen
+voor den hauen van Brest, maer daer leyt een Clippe ghenaemt de Bagyne
+recht binnen d'Oosthoeck van Croixduynen af, ontrent Midtswater aen de
+Noortzyde ist best daeromme te loopen. Voorts die inde hauen van Brest
+oft Landerneau wil wesen, moet schicken Lootsluyden in te cryghen wantet
+Lootsmans water is.&#8223;</p>
+
+<p class="footnote"><a id="fn3"></a><a href="#Mal3" class="label">[3]</a> Diese Sätze sind am 17. Dezember 1900 geschrieben, am Tage,
+ja in der Stunde, da die Nachricht vom Untergang S. M. S. &#8222;Gneisenau&#8223;
+einging.</p>
+
+<p><span class="strong1">Löschen</span>, die Ladung des Schiffes an Land bringen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Bei dem
+neuhochdeutschen Zeitwort löschen denkt man zunächst an Brennen, sei es
+daß Holz oder Durst brennt. Eine Ladung löschen müßte demnach bedeuten,
+daß sie brennt und daß dem Feuer gewehrt wird. Das seemännische Löschen
+heißt aber eigentlich garnicht löschen, sondern lößen (und dieses ist
+unser hochdeutsches lösen). Das wird im Niederdeutschen in sehr
+allgemeinem Sinne gebraucht. Man sagt z.&nbsp;B. in Ostfriesland: eine Tür
+lösen oder los machen anstatt öffnen, und gebraucht lößen für frei
+machen, auslösen (vergl. Geld lösen, Erlös), befreien, entfernen,
+trennen, scheiden, entbinden, entfesseln; &#8222;stenen, törf, kalen, rogge
+etc. etc. lössen.&#8223; Die eigentliche Bedeutung von Löschen ist also: Die
+Ladung vom Schiffe (los =) <span class="strong1">lösen</span> (entfernen, das Schiff entladen).
+Gothisch liusan = los, frei machen, leicht machen, lichten. Aubin: &#8222;Een
+ship lossen, Last lossen = Lichten, de goederen afschepen, outschepen,
+ontlasten, ontladen, ontlossen. Teuthonista: loyssen = ontbinden. Bremer
+Wörterbuch: &#8222;lossen, ein Schiff ausladen. Einige Oberländer sprechen
+unrecht löschen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Lose</span>, die s. durcholen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Loskiel</span>, der, &#8222;ist eine unter dem Kiel angebrachte Holzplanke, welche
+mit demselben nur in solcher Weise verbunden wird, daß sie bei
+Grundberührungen sich loslösen kann, ohne daß Leckagen entstehen. Sie
+bietet also dem Schiff beim auf Grund Kommen einen gewissen Schutz&#8223;
+(Dick u. Kretzschmer I. 85).</p>
+
+<p><span class="strong1">Loten</span>, die Tiefe des Wassers mit dem Lot messen, sei<a id="Page_308"></a>
+ <span class="pagenum">[308]</span> es mit dem
+Handlot, sei es mit dem &#8222;großen&#8223; oder Tieflot. Ersteres ist die
+häufigere Art, namentlich beim Einfahren in einen Hafen oder beim
+Ausfahren aus demselben üblich, wobei der lotende Matrose die gelotete
+Tiefe in Metern aussingt: &#8222;grade &nbsp;&mdash;&nbsp; das a sehr lang &nbsp;&mdash;&nbsp; fünfzehn! (wobei
+dann genügsame Gemüter immer wieder mit dem Scherze kommen, fünfzehn sei
+ja gar nicht grade) oder: &#8222;zwanzig Meter und keinen &nbsp;&mdash;&nbsp; das ei sehr lang
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Grund!&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Zahl der Meter ist an den verschiedenfarbigen in die
+Lotleine eingeknoteten Streifen Zeug kenntlich. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das niederdeutsche
+lod heißt Blei, Lot ist also das Hochdeutsche &#8222;Senkblei&#8223;. Die Sache
+selbst ist eine uralte Einrichtung, vergl. die Beschreibung des Sturmes
+Apostelgeschichte 27, 27 und 28; Luther hat die Stelle übersetzt: &#8222;Da
+aber die vierzehente Nacht kam, und wir in Adria fuhren, um die
+Mitternacht, wähneten die Schiffleute, sie kämen etwa an ein Land. Und
+sie senkten den Bleiwurf ein und funden zwanzig Klafter tief, und über
+ein wenig von dannen senkten sie abermal und funden funfzehn Klafter.&#8223;
+Das griechische Zeitwort für &#8222;den Bleiwurf einsenken&#8223; heißt bolizo, von
+ballo ich werfe; dem entsprechend bolis beides heißt: Wurfgeschoß und
+Senkblei. Es ist klar, daß Bleiwurf viel treffender ist als Senkblei,
+denn das Werfen, das Schwingen und dann möglichst weit nach vorne Werfen
+des Bleies ist eine wesentliche Bedingung beim Loten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Seebuch
+(1400) nennt die Tätigkeit depen = tiefen, wie man jetzt wohl auch noch
+sagt: &#8222;ein Fahrwasser austiefen&#8223;, was nicht mit ausbaggern zu
+verwechseln ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der lotende Matrose steht außenbords, mittschiffs,
+auf einer Gräting und muß sich bei seiner Arbeit sehr weit nach vorne
+überbeugen um das Lot möglichst weit vom Schiff frei zu bekommen (hoher
+Schwung und weites Werfen ist Ehrensache); daher ist er mit einer Art
+von Schurz umgeben, der, am Schiffe befestigt, ihm Halt bietet und
+<span class="strong1">Lotbrook</span> heißt. Die Leine heißt <span class="strong1">Lotleine</span>.</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p> Es trieben Südenwinde sie in die offne See,</p>
+ <p>Dem edlen Fahrtgesinde schuf es bitteres Weh,</p>
+ <p> Mit <span class="strong1">tausend Leinen</span> hätte es den Meergrund nicht gefunden,</p>
+ <p> Die besten Schiffer stöhnten; allen war der Mut dahingeschwunden.</p>
+
+</div>
+
+<p>Kilian hat &#8222;grond-loot, diep-loot, funis cum plumbo, quo fundus et maris
+altitudo exploratur.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Es bedarf kaum der Erwähnung daß das Senkblei
+am Lande nicht als Lot zum Messen der Tiefe,<a id="Page_309"></a>
+ <span class="pagenum">[309]</span> sondern einer
+lotrechten Linie dient. Überhaupt spielt Lot eine große Rolle,
+namentlich als (Blei-)Gewicht und als (Blei-)Kugel; &#8222;jemand eene loden,
+blaawe of huzaren boon geven&#8223;: bleierne, blaue oder Husarenkugel. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Italienisch heißt das Senkblei scandaglio, spanisch escandallo; loten
+italienisch scandagliare (vom lateinischen scandere, messen);
+mittellateinisch scandilia, die Sprossen der Leiter, wobei daran zu
+denken ist, daß die Grade an der Senkschnur bemerkt waren; auch
+spanisch-portugiesisch sonda, französisch sonde = Senkblei, sonder die
+Meerestiefe messen (aus sub-undare, in das Meer tauchen), sondieren.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Waghenaer legt in seinem &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;, 1588, ganz besonderes
+Gewicht auf fleißiges und sorgfältiges Loten. Er nennt es manchmal
+kurzweg &#8222;werfen&#8223;. &#8222;Twee kenninghen buyten Heys werpt gy 45 vadem&#8223;;
+manchmal auch tiefen, diepen: &#8222;Dicht by Heyssant ist diep 45 vadem, en
+daer binnen ist oneffen daermen qualyck diepen can.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Lose</span>, die s. holen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Luftkasten</span>, der. Luftkästen sind ein wesentliches Erfordernis eines
+Rettungsbootes, nämlich die Träger desselben durch Brandung und hohen
+Seegang. Sie müssen das Boot auch dann noch über Wasser halten, wenn es
+voll Wasser geschlagen ist. Es sind bei unseren Rettungsbooten neuester
+Art, die eine große Stabilität haben und doch leicht sind, weil aus
+verzinktem kannelierten Stahlblech gebaut, den sogen. deutschen
+Rettungsbooten, wie sie die &#8222;Deutsche Gesellschaft zur Rettung
+Schiffbrüchiger&#8223; verwendet, kupferne Kästen zu beiden Seiten des
+Stechschwertes, die, wasserdicht verlötet, im Verhältnis zum Boot die
+Größe haben, die für den angegebenen Zweck erforderlich ist. Auf anderen
+Rettungsbooten, z.&nbsp;B. dem englischen life-boat, sind nicht nur zu beiden
+Seiten, sondern auch hinten und vorn solche Luftkästen, air-cases,
+angebracht. Sonst dienen auch einfach doppelte, hohle Bordwände dem
+Zwecke größerer Stabilität.</p>
+
+<p><span class="strong1">Luftzuführung</span> s. Windsack.</p>
+
+<p><span class="strong1">Luftsack</span> s. Windsack.</p>
+
+<p><span class="strong1">Luk</span>, das, auch <span class="strong1">Luke</span>, die, eine viereckige Öffnung im Deck die als Zugang
+zu dem betreffenden Deck dient; früher mit einer Falltür verschließbar,
+im modernen Eisenschiffbau wohl durch eine eiserne Schiebeklappe zu
+verschließen. Wiewohl man Luke gewöhnlich nach dem Augenschein für eine
+Öffnung ansieht<a id="Page_310"></a>
+ <span class="pagenum">[310]</span> und auch als Öffnung erklärt, so hat doch nicht
+diese, sondern im Gegenteil das Verschließen, die Verschließbarkeit den
+Namen hergegeben, das Wort hat nämlich nichts mit Loch zu tun, sondern
+kommt von einem Zeitwort das schließen bedeutet, gotisch lukan,
+althochdeutsch luhhan, altnordisch luka, altfriesisch luka, altsächsisch
+lukan, angelsächsisch lucan, altenglisch luken, englisch lock,
+nordfriesisch loke, luka, laka; im Saterland luka, mittelhochdeutsch
+luchen, niederländisch luiken. Der Grundbegriff aller dieser Wörter ist
+aber ziehen, unser niederdeutsches, noch jetzt im allgemeinen Gebrauch
+stehendes luken = ziehen. Das Verschließen einer Tür ist ja vor allen
+Dingen ein Zuziehen derselben. Aber an eine Tür war am Morgen der
+indogermanischen Sprache, als das Wort geschaffen wurde, noch nicht
+gedacht, vielmehr ist der Ausdruck dem Leben der Hirten und einfachsten
+Ackerbauer entnommen, und zwar von einer ganz bestimmten Vorrichtung,
+nämlich einer durch Querstangen verschließbaren Umzäunung, Umhegung von
+Weideplätzen, von Hürden und Pferchen. Die wurden einfach dadurch
+verschlossen, daß eine Stange vor die Öffnung geschoben wurde; wurde die
+Stange wieder zurückgeschoben, so war der Raum wieder offen. Dasselbe
+Bild stellt sich uns dar, wenn wir an den ältesten Verschluß von Türen
+und Fensterläden denken: es war kein Schloß, sondern ein Riegel, der
+hin- und hergeschoben wurde. Die Stange, der Riegel wurden also geluckt,
+d.&nbsp;h. hin- und hergezogen oder geschoben, denn luken heißt ziehen und
+schieben. Je nachdem nun die Stange oder der Riegel hin- und
+hergeschoben wurde, war der Raum offen oder zu: daher schreibt sich
+dieses immer wieder hervortretende Schwanken der Bedeutung von luken
+zwischen schließen und öffnen, offenbar auch die von Luk, Luke zwischen
+Öffnung und Verschluß. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Das Luk&#8223; scheint zu veralten; &#8222;die Luke&#8223; mehr
+in Aufnahme zu kommen. Ausschließlich wird letzteres Geschlecht
+gebraucht in der oft gehörten Redensart: &#8222;Guckst Du mich aus <span class="strong1">die</span> Luke?&#8223;
+Sie wird gebraucht, wenn man jemanden erkannt hat in seinen Absichten
+und ihm in der ersten Überraschung solchen Erkennens mitteilt, daß er
+&#8222;erkannt&#8223; sei.</p>
+
+<p><span class="strong1">Luv</span> meist, wie Lee, ohne Artikel. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es sind auffallend wenig
+Erklärungsversuche an dieses Wort herangetreten, gleichsam als ob sich
+an das schwierige Wort niemand so recht herangetraut hätte. Und es ist
+doch ein so wichtiges Wort für den<a id="Page_311"></a>
+ <span class="pagenum">[311]</span> Seemann. Wir müssen vor allen
+Dingen von der Frage ausgehen: Was ist Luv? Was will es sagen? Von
+welcher Anschauung mag die Benennung ausgegangen sein? Und da ist vor
+allen Dingen zu bemerken, daß Luv die Seite ist von der man mit dem
+(Segel-)Schiffe herkommt, also die Seite die man auf der Fahrt nach Lee
+zu hinter sich zurückläßt. Das stimmt zwar jetzt wo man &#8222;beim Winde&#8223; zu
+segeln gelernt hat, nicht mehr ganz, in alten Zeiten aber, wo bei der
+unbeholfenen Segelführung an ein Aufkreuzen nicht zu denken war, sondern
+nur mit raumen Winde Kurs gehalten werden konnte, da stimmte es. Man
+erklärt Luv jetzt gewöhnlich als die Seite, von der der Wind kommt, die
+Windseite. Das ist auch richtig. Aber eben so richtig ist, oder war es
+doch, zu sagen, die Seite wo das Schiff herkommt, oder die Seite die das
+Schiff auf seiner Fahrt hinter sich zurückläßt. Und dieser Begriff des
+Zurücklassens dürfte ausschlaggebend gewesen sein. Das Zurückgelassene
+heißt im Angelsächsischen laf. Im Beówulf kommt das Wort oft vor und
+bedeutet neben dem Zurückgelassenen den Nachlaß, das Erbe, besonders
+auch als vorzüglich kostbaren Gegenstand der Vererbung: das Schwert;
+echt dichterisch ist auch die Wendung sweorda laf, die das Schwert
+zurückgelassen hat, die vom Schwerte in männermordender Schlacht
+verschont geblieben sind. &nbsp;&mdash;&nbsp; Dem entsprechend heißt im Altfriesischen
+leva, lewa, relinquere, nachlassen, davon lawa, Glaube; lawa, Gesetz,
+lawa, Erbe; allen dreien ist der Begriff gemeinsam: Zurückgelassenes,
+Restierendes, der Nachlaß; das was bleibt, wenn alle im Laufe der Zeiten
+dahingehen, das Dauernde, Feste, zu Haltende, Unvergängliche,
+Unverletzliche. Aber die Grundbedeutung ist zurücklassen. Dem entspricht
+im Gotischen laiba, Überbleibsel, althochdeutsch leiba. Im Seebuch,
+1400, tritt dann das Wort in seemännischer Bedeutung auf, und zwar in
+der Form loff. Daneben aber laufen im Sprachgebrauch der Zeit lof =
+Windseite und lova, louwe = Hinterlassenschaft, loven, leven,
+zurücklassen. In einer unter Lee angeführten Stelle war gesagt, daß den
+Dänen und Lübeckern alles thoiegen und sie in der lehe waren; es heißt
+dann weiter: &#8222;Auerst de leve gott gaff gnade, dat de wind umbginck und
+de Denen und Lubeschen den loff kregen.&#8223; Es war altes ostfriesisches
+Landrecht: &#8222;Woir dat de frouwe ein man nimpt und tuigt ein Kind by em
+unde se stervet tho voeren und dat Kint darna, so soelen broedere
+und<a id="Page_312"></a>
+ <span class="pagenum">[312]</span> sustere de lova gelieke antasten.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; In dieser letzteren
+Bedeutung ist das Wort beinahe ganz dem Sprachgebrauch entschwunden;
+sollte es darum sein, daß es von dem seemännischen verdrängt worden
+wäre? Denn das Seemannswort hat sich immer mehr Bahn gebrochen.
+Niederdeutsch lof, niederländisch loef, daher französisch lof und
+louvoyer; in Groningen loof, auf Wangerooge lauv; dänisch luv,
+schwedisch lofven. Der Vokal ist schwankend; die Physiologie der
+Lautbildung lehrt, daß Vokale immer schwankende Laute sind. Ein wenig
+mehr a- oder o- oder u-Lautfarbe macht also nichts aus; ja wer dem
+Seemann genau auf den Mund sieht, der kann wahrnehmen, wie Luv, das für
+gewöhnlich lang ist &nbsp;&mdash;&nbsp; das Zeitwort luven ist immer lang &nbsp;&mdash;&nbsp;, oft aber
+auch sehr kurz ausgesprochen wird und dann leicht auch heute noch zu dem
+alten Klange lov zurückkehrt, ja in lav überspringt, welch letzteres ja
+dann auch das ursprünglichere ist. Das Schwanken der Orthographie
+zwischen f und v ist selbstverständlich. Sprachlich steht also der
+Verwandtschaft nichts im Wege. Sachlich, wenn man an die alten Zeiten
+denkt, auch nicht. Doch ist zuzugeben, daß der Begriff sich in der
+neuzeitlichen Seemannssprache unter dem Einfluß der neuzeitlichen,
+verbesserten Segelführung etwas verschoben hat, namentlich der des
+Zeitwortes luven, das unter Umständen jetzt so ziemlich das Gegenteil
+von zurücklassen, nämlich entgegenkommen bedeuten kann, besonders als
+anluven. Aber das liegt in der Natur der Sache. &nbsp;&mdash;&nbsp; Übertragen sagt man:
+&#8222;er luvt nicht darauf&#8223;, d.&nbsp;h. er hört nicht, gehorcht nicht, tut nicht
+was ihm gesagt wird; vom Luven des Schiffes hergenommen; &#8222;das Schiff
+luvt&#8223;, es gehorcht dem Ruder und geht mehr nach dem Wind. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+Englischen heißt die Seite von der der Wind herkommt windward; diesen
+Ausdruck hatte man früher in der deutschen Seemannssprache auch. Der
+Verfasser der &#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223; war, (s.
+Schönfahrsegel) von seinem venetianischen Schiffe kurz vor der
+Pulverexplosion über Bord gesprungen. &#8222;Wie ich nun gedachte nach dem
+Admiral zu schwemmen, muß ich es allezeit gegen die See halten, weil er
+zu <span class="strong1">Windwärts</span> von mir war; Wen ich aber auff die See kam, lieff mich die
+Rabbeling (wohl verdruckt für Kabbeling) vom Wasser übers Häupt, so, daß
+ich nicht sehen konte, und weil zu zweyen mahlen einige Kordusen
+(Kartuschen) durch Unvorsichtigkeit waren in Brand<a id="Page_313"></a>
+ <span class="pagenum">[313]</span> gekommen,
+wodurch ich ziemlich kahl war versenget, waren mich auch die Augen davon
+hitzig geworden, so daß ich kein Saltzwasser in den Augen vertragen
+konte.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Doch kannte neben &#8222;windwärts&#8223; der Verfasser der &#8222;Beschriving&#8223;
+auch sehr wohl den Ausdruck &#8222;luv&#8223;, jedoch natürlich in den
+niederdeutschen Formen lof und loff. Die Stelle, in der die Ausdrücke
+vorkommen, ist so lehrreich für die Kenntnis der Seefahrt jener Zeit,
+daß sie hier Aufnahme finden möge. &#8222;Mich hat auch gut gedünkt etwas zu
+melden, wie ein Schiffer, der in der West- und Mittelländischen See
+nicht wol erfahren, und allda einige Örter besegeln müßte, sich hat
+vorzusehen, daß er nicht in der Heyden (Seeräuber) Gewalt kommen möge.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Wenn nun ein Schiffer ümbtrent in der West- oder Middelländischen See
+seine Feinde gewahr würde, so sol er nicht verzagen, sondern sich Gott
+und seiner gnädigen Vorsorge anbefehlen. Kan ers entlauffen, umb unters
+Land sich zu salvieren, oder daß er wans finster wird, sein Kurß kan
+forsetzen, so tue ers in der Zeit, wo nicht, und daß sein Schiff etwas
+bewehret ist, so tue er sein bestes, und setze seine Segel daß er <span class="strong1">lofen</span>
+und tragen (Richtung) halten kann; Nemblich dem grossen Halß zu, und
+gehe mit halben Wind, daß alle Segel ziehen können, und ob er ja sein
+Kurß deßwegen verändern müßte, so wil es doch nicht anders seyn, ihr
+könnet ihn aber lang vexieren und auffhalten; ehe und bevor er euch kann
+an Bort kommen; Denn, wo er nach euch zu kompt, umb euch an Bort zu
+legen, so müsset ihr auffdauwen (niederdeutsch touwen = eilen) und ihn
+das hinterste zukehren, doch nicht eher und bevor er euch bald an Bort
+ist, und gebet allezeit Feuer, Gott kan es endlich so schicken, daß ihr
+einen glücklichen Schuß tut, dadurch ihr dennoch endlich ihm entkommen
+möchtet; Weil ich nun bey solchen Handel selbst mit gewesen; da es uns
+gelungen, also hab ich den günstigen Leser hiermit zur Nachricht dienen
+wollen. Es war Anno 1645 ungefehr zwischen Cap S. Vincent und S. Hubes
+Huck 8 Meilen von dem Wall, da kamen auff uns zu fünff Türkische
+Schiffe, weil wir aber sahen, daß wir gegen sie nicht fechten konten;
+den wir nicht mehr dann zehn Stücken und noch ein Hamburger so bey uns
+war sechs Stücken auff hatte, täten wir unser bestes und machtens wie
+vor gedacht, daß wir mit halben Wind voraus lieffen, einer aber unter
+ihnen war eine Hollandische Fregat mit 28 Stücken Geschütz
+gemondiert,<a id="Page_314"></a>
+ <span class="pagenum">[314]</span> der siegelte uns endlich auff, und lieff den
+vorgedachten Hamburger vorbey, weil derselbe hinter uns anhielt; den der
+Türcke gedacht uns erst an Bort zu legen, der Hamburger würde den andern
+nicht entlauffen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wie er aber näher kam, kehrten wir ihm daß hinter
+Schiff zu, und paßten auff, daß wir ihn mit unserm hintern Geschütz, so
+neunpfündige Kugeln schoß ziemlich wol traffen, loffeden auch alsoford
+wieder an, der Türcke aber kam inmittelst etwas zu Loffwart hinten aus,
+er folgete uns aber wieder nach, und wolte wieder an Bort kommen, wir
+machtens aber wieder wie zuvor, und kehrten ihm das hinterste zu, gaben
+auch indem auf ihn Feuer, traffen ihn also, daß sein Vormarssegel nicht
+allein von oben nieder fiel, sondern auch von einem Ende zum andern
+auffrisse, dadurch er uns nicht so bald wiederumb besegeln konte: der
+Vice-Admiral aber von den Türcken gedachte unssern Cammeraten an Bort zu
+legen, der ihn auch solches verdrehete und ihm daß Hinterschiff
+zukehrte, daß dem Vice-Admiral sein Bochspret vor die Steve hing,
+derowegen konnte er sein Segel nicht schrab (fest) setzen, daß er uns
+ferner verfolgen konnte; die andern drey so noch zurücke waren, schossen
+zwar mit ihren Bochstücken hinter uns an, welches ihn zurücke hielt, und
+was wir hinter aus schossen, foderte uns, so, daß wir endlich vor ihm
+das Land bekamen, sie aber dürfften dem Land nicht so nahe kommen, weil
+der Vice-Admiral durch sein Bochspret redloß war, derhalben musten sie
+uns endlich verlassen, wir aber gingen längst dem Wall nach S. Hubes,
+umb allda erstlich in Salvo zu kommen, und ferner Compagney mit uns nach
+S. Lucas zu suchen, dahin unser Wil war.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Luvart</span> kommt in der Verbindung zu luvart häufig als Bezeichnung der
+Richtung vor aus der der Wind kommt. &#8222;Das Schiff segelt zu luvart von
+uns&#8223;; Gegensatz: &#8222;Das Boot fährt in Lee von uns&#8223;. Die Präposition zu ist
+fälschlich zu luvart gekommen in einer Zeit in der man die
+Zusammensetzung von luvart nicht mehr im Bewußtsein hatte. Dieses Wort
+heißt nämlich eigentlich luvwärts und ist über luvwart zu luvart
+geworden, doch so, daß von dem geschwundenen w manchmal noch etwas zu
+hören ist, wenn nicht das Wort noch bequemer und nachlässiger luvert
+ausgesprochen wird. Die Form &#8222;luvwart&#8223; ist bezeugt als &#8222;Loffwart&#8223; in der
+&#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223; 1673; der Verfasser trieb
+schwer havarirt in einem Novembersturm<a id="Page_315"></a>
+ <span class="pagenum">[315]</span> in der Nordsee: &#8222;Wir sahen
+auch ein Schiff zu <span class="strong1">Loffwart</span> von uns; liessen derowegen ein Schau oder
+Zeichen weyhen, daß wir verlegen waren&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Luvgierig</span> ist ein Schiff, wenn es die Neigung hat, sich mit seinem Bug
+dem Winde zuzudrehen, sei es infolge seiner Bauart, oder falschen
+Stauens der Ladung oder verkehrter Segelführung. Die beiden letzteren
+Ursachen lassen sich beseitigen, gegen den erstgenannten Fehler läßt
+sich nichts weiter machen, als daß man mit Ruderführung und
+Segelstellung die Luvgier zu heben sucht. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Gegenteil nennt man
+leegierig; dabei fällt das Schiff allzuleicht ab und ist schwer beim
+Winde zu halten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Luvküste</span>, die, s. Upperwall.</p>
+
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="M"></a>M.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Maat</span>, der. Bei der Kaiserlichen Marine heißen die Männer, die man bei
+der Armee Unteroffiziere nennt Maate, die Sergeanten Obermaate, und
+werden je nach ihrem Dienstzweig noch näher bestimmt als Bootsmannsmaat,
+Feuerwerksmaat, Steuermannsmaat, Wachtmeistersmaat, Maschinistenmaat,
+Feuermeistersmaat, Meistersmaat, Materialienverwaltersmaat,
+Artilleristenmaat u.&nbsp;s.&nbsp;w., das sind dienstliche Titel. Eine
+vorübergehende Beschäftigung hat der Stewardsmaat, ein Matrose, der zur
+Unterstützung des Stewards befohlen ist. Dieser letztere Maat ist aber
+der eigentlichen allgemeinen Bedeutung des Wortes nach der richtige
+Maat, denn das Wort bedeutet einen Gehilfen, Gesellen, Genossen,
+&#8222;Assistenten&#8223;. Kilian übersetzt maet mit socius, collega, hat auch die
+überflüssigerweise erweiterte Form med-maet, wie man im
+Mittelniederdeutschen die pleonastische Form mategeselle hatte.
+Niederländisch maat, maatschappy, Gesellschaft. Englisch mate, Genosse,
+Gefährte in so allgemeinem Sinne, daß es sogar husband oder wife
+bezeichnen kann; auf Handelsschiffen der Steuermann, auf Kriegsschiffen
+wie bei uns. Nach dem Bremer Wörterbuch heißt dorten ein Kamerad maat;
+es nennt auch ein Mädchen das andere das neben ihm in <span class="strong1">einem</span> Hause dient
+maatske. Maat ist Verkürzung des althochdeutschen gimazo, das ist einer,
+der mit einem anderen zusammen<a id="Page_316"></a>
+ <span class="pagenum">[316]</span> die Speise, maz, verzehrt, ein
+Mitspeisender, Mitesser, Tischgenosse, und zwar Genosse in seiner
+ursprünglichen Bedeutung von &#8222;zusammen etwas genießen&#8223;, d.&nbsp;h. essen. Das
+alt- und mittelhochdeutsche maz, gothisch maths, altnordisch matr,
+englisch meat heißt Speise, Nahrung, Essen, besonders zum Essen
+bestimmtes, zartes, schieres, weiches, gehacktes Schweinefleisch;
+niederdeutsch met, so daß also Maat und Mettwurst zusammengehören. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Alle in Nowgorod sich aufhaltenden fremden Kaufleute waren in Haus- und
+Tischgenossenschaften abgeteilt; eine solche wird in einer Hansa-Urkunde
+des 14. Jahrhunderts mascop genannt; sonst heißt aber dieses Wort in
+jener Zeit matscop und matschop, also ähnlich dem angeführten
+maatschappy. In einer Lübecker Urkunde von 1347 heißt es: &#8222;Laten jo sere
+dancken, dat gy osen vrent onde osen math, heren W. hebbet vrentliken
+wedderdan sinen schaden.&#8223; In der Lübecker Chronik lesen wir: &#8222;Biscop
+Engelbert van Colne wart dot gheslaghen van greven Vrederike van Altena,
+de syn man was unde sin maath.&#8223; Doch war schon immer, so lange wir
+schriftliche Aufzeichnungen niederdeutscher Seemannssprache besitzen,
+das Wort maat in besonderem seemännischen Gebrauch. 1379: &#8222;Jtem dat B.
+syn knape sluch to der Sluus opt dat lant enen maten schipmann vor de
+noeze, dat he bloede.&#8223; 1564: &#8222;Darna Jacob geropen: mathe, wor syn ghy?
+helpet uns pumpen.&#8223; 1580: &#8222;Gerth sy houetbossmann unde Erasmus
+houetbossmanns mate gewesen.&#8223; 1580 also begegnet uns zum ersten Male der
+Bootsmannsmaat.</p>
+
+<p><span class="strong1">machen</span> wird im seemännischen Sinne nicht nur für &#8222;zurücklegen einer
+Strecke&#8223; gebraucht, z.&nbsp;B. wir machen neun Knoten oder Meilen, es heißt
+auch erreichen, in Sicht bekommen, anlaufen; z.&nbsp;B. wir machen Rio, sie
+machten Cap Skagen; genau wie im Englischen, &#8222;they that sail in the
+middle can make no land of either side.&#8223; Es ist hier ganz allgemein
+&#8222;etwas zu Stande bringen&#8223;, ähnlich wie in dem vor einigen Jahren wie
+eine Krankheit grassierenden &#8222;m. w.&#8223; = &#8222;machen wir.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">macklig</span>, richtiger macklich, denn es kommt von machen, niederdeutsch
+maken und bedeutet etwas, das so gemacht ist wie es gemacht sein muß um
+recht gemacht zu sein und damit man etwas Rechtes damit machen kann;
+also etwas Zweckentsprechendes, Brauchbares, Bequemes, Handliches wird
+man macklich nennen. &#8222;Der Hammer ist macklich&#8223;, d.&nbsp;h. er liegt gut in
+der Hand, man<a id="Page_317"></a>
+ <span class="pagenum">[317]</span> kann bequem damit arbeiten, &#8222;der Riemen ist
+macklich&#8223;, man kann bequem damit rudern. Macklich ist besonders im
+seemännischen Sinne auch das &#8222;was seemännisch gut gehalten ist&#8223;, vor dem
+Auge eines Seemannes Gnade findet. Ein echtes, rechtes nach Salzwasser
+riechendes Seemannswort, das aber bei neumodischen Seeleuten anfängt zu
+veralten. Vielleicht vom althochdeutschen Substantivum gimah (= Gemach,
+Bequemlichkeit, Annehmlichkeit, Behaglichkeit, Gemächlichkeit, Ruhe,
+Pflege, häusliche Bequemlichkeit, wohnliche Räumlichkeit, Zimmer wo man
+sichs bequem macht) oder vielmehr vom niederdeutschen gemak, im gleichen
+Sinne, vergl. das Sprichwort: &#8222;frejen (freien) under en dak, is'n grot
+gemak&#8223; abgeleitetes, jedenfalls aber von maken = machen abstammendes
+Adjectivum.</p>
+
+<p><span class="strong1">Maifeld</span>, das, heißt bei nautischen oder architektonischen Messungen,
+besonders beim Hafenbau, der gewachsene Boden des festen Landes im
+Gegensatz zum Wasser. Und zwar nicht eigentlich der gewachsene Boden,
+sondern seine bewachsene Oberfläche, besonders als Wiese gedacht, als
+ein Feld das gemäht wird. Mähen heißt niederdeutsch maien; das
+niederdeutsche Maifeld hat also mit dem Wonnemonat nichts zu tun,
+sondern bedeutet Mähfeld. Doornkaat: &#8222;Ein zum Mähen oder Grasschneiden
+bestimmtes oder liegen gebliebenes Feld oder eine Wiese.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Makler</span>, der, Schiffsmakler, auch Mäkler, ein Unterhändler in
+Schiffsangelegenheiten, bei Käufen und Verkäufen, Ausrüstungen u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+Das Wort kommt von machen, niederdeutsch maken, und zwar von dem
+Iterativum dazu makeln. Man kann es ins Hochdeutsche übersetzen mit
+&#8222;Macher&#8223; im Sinne von Gelegenheitsmacher, Heiratsmacher oder
+-Vermittler, letzteres ostfriesisch makesman. &nbsp;&mdash;&nbsp; Insofern ein Vermittler
+eines Kaufes unter Umständen bestrebt sein muß, um die Sache zu stande
+zu bringen, den Gegenstand des Handels schlecht zu machen und allerlei
+daran auszusetzen, &#8222;mäkelt&#8223; er daran herum, &#8222;bemäkelt&#8223; er sie.</p>
+
+<p><span class="strong1">mallen.</span> Wegen des Übrigen s. abmallen; hier nur die Erklärung (nach Dick
+und Kretschmer) was &#8222;gemallte Tiefe&#8223;, moulted depth, bedeutet, nämlich
+bei eisernen Schiffen die vertikale Entfernung der Oberkante des oberen
+Deckbalkens des Vermessungsdecks bis zur Oberkante des Kiels; bei
+hölzernen Schiffen die Entfernung der Oberkante der Oberdeckbalken bis
+zur Unterkante der Kielsponung.<a id="Page_318"></a>
+ <span class="pagenum">[318]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Mann über Bord!&#8223;</span> Ein Ruf, der sofort wie mit einem elektrischen Schlage
+das ganze Schiff in Bewegung bringt. Ist ein Mann über Bord gefallen, so
+ist das Nächste, ihm eine Rettungsboje zuzuwerfen und das Schiff zum
+Stillstand zu bringen; was bei einem Segelschiffe keine so ganz einfache
+Sache ist. Aber in diesem Falle werden die notwendigen Arbeiten seitens
+der Leute stets mit besonderem Feuereifer ausgeführt, so daß es einer
+Anspornung nicht bedarf. Es ist als ob jeder das Gefühl hätte, daß von
+seiner Bemühung das gefährdete Menschenleben abhänge.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mamiering</span>, die. Ein Schlauch aus wasserdichtem Segeltuch, der über eine
+Röhre gestreift und daran befestigt ist, zum Zweck die durch die Röhre
+fließende Flüssigkeit weiter zu leiten. Offenbar steckt in der ersten
+Silbe das niederdeutsche mau = Ärmel, aber eigentlich nicht Ärmel in
+unserem Sinne, in dem ein solcher festgenäht ist, sondern loser Ärmel,
+wie man ihn früher über den Arm streifte. So heißen heute noch im
+Niederdeutschen die Pulswärmer, die auf den Unterarm gestreift werden,
+Muffen, was mit mau nahe verwandt ist; auch heißt Muffe ein eiserner
+Ring, der über die Verbindungsstelle zweier eiserner Rohre zur stärkeren
+Befestigung und Dichtung gestreift wird. Es liegt eine Wurzel zu Grunde,
+die mu lautet und drängen oder schieben bedeutet, von der auch das
+lateinische moveo, ich bewege, kommt. Der Begriff des Überstreifens ist
+also in mau gegeben; miering dürfte aus meren = verlängern gebildet
+sein, mit der niederdeutschen Endung ing: eine Verlängerung stellt die
+Mamiering ja unzweifelhaft dar, eine Verlängerung der Ausflußröhre, auf
+die die Mamiering ärmelartig aufgestreift ist. So müßte das Wort
+eigentlich maumering heißen; unter dem Einfluß der Zusammensetzung ist
+aber die erste Silbe durch Ausfallen des u gekürzt, die zweite aber
+unter dem Einfluß der Endung ing assimilierend in i umgelautet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Manilaleine</span>, die, ein sehr leichtes, aber festes und haltbares, sauber
+und reinlich aussehendes Tauwerk; &#8222;dasselbe zeichnet sich vor dem
+Tauwerk aus gewöhnlichem Hanf durch größere Geschmeidigkeit, Elasticität
+und Dehnbarkeit sowie durch größere Unempfindlichkeit gegen
+Schamfielungen aus. Diese Vorteile im Verein mit dem Umstand, daß es auf
+dem Wasser schwimmt, machen es besonders geeignet zu Verholtrossen.&#8223;
+(Dick und Kretschmer, II. 3). Gefertigt aus Manilahanf, der Faser<a id="Page_319"></a>
+ <span class="pagenum">[319]</span>
+einer hauptsächlich auf den Philippinen wachsenden, von Manila
+ausgeführten musa-Art, genannt musa textilio. Sie ist nahe verwandt mit
+der musa sapientum oder paradisaica, die wir besser unter dem Namen
+Banane kennen, und mit der musa, die sich in unseren Gärten auf
+Rasenflächen als Solitärpflanze so vornehm ausnimmt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Manöver</span>, das, eigentlich Handwerk, Handarbeit, französisch manoevre,
+italienisch manovra, spanisch maniobra, provençalisch manobra,
+mittellateinisch manopera, vom lateinischen manus, Hand und opera,
+Arbeit. &nbsp;&mdash;&nbsp; Jetzt im seemännischen Gebrauch jede größere
+gemeinschaftliche auf Kommando ausgeführte Arbeit zur Bedienung des
+Schiffes oder zur Ausbildung der Leute. Das erste Kommando dabei heißt:
+&#8222;Klar zum Manöver!&#8223; sei es, daß ein Teil der Wache, die ganze Wache,
+alle Mann gewünscht werden, was dann dem Worte klar vorangehend näher
+bezeichnet wird. Den Höhepunkt aller Einzelmanöver bilden die großen
+Herbstmanöver, bei denen eine ganze Flotte sich zu gemeinschaftlichen
+Übungen versammelt.</p>
+
+<p><span class="strong1">mannen</span>, ein Boot, ein Schiff bemannen, mit Mannschaft versehen,
+namentlich auch mit Kriegsmannschaft. Im Mittelniederdeutschen hieß es
+&nbsp;&mdash;&nbsp; natürlich nur für den weiblichen Teil &nbsp;&mdash;&nbsp;heiraten: &#8222;Dit en secge ic
+nicht allene van den wiuen, de ghemannet syn, mer oec van den megheden,
+de noch mannen willen, onde dat schynt, dat eyn gemannet wyf beter is
+dan eyn maghet, de noch mannen sal.&#8223; Seemännisch spricht man von mannen
+im Sinne von: &#8222;von Mann zu Mann weiter geben&#8223;; Schiller: &#8222;durch der
+Hände lange Kette, um die Wette, fliegt der Eimer&#8223; ... daher
+Geschoßmanner, Pulvermanner etc. etc.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mannloch</span>, das. Womöglich soll man im Schiff, auch bei den jetzigen
+labyrintartigen Raumverhältnissen, an jede Stelle, auch an solche, die
+für gewöhnlich unzugänglich ist, zur Vornahme gewisser Arbeiten wie
+Malen, Reinigen etc. gelangen können. Dazu sind in den sonst dichten
+Wänden kleine verschließbare Öffnungen angebracht, grade so groß, daß
+ein Mann hindurchkriechen kann; sie heißen Mannlöcher.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mantel</span>, der. Dieses aus dem lateinischen mantellum stammende Lehnwort
+wird bekanntlich nicht nur zur Bezeichnung eines Kleidungsstückes für
+Menschen, sondern überhaupt im Sinne von Schutzkleid, Schutzbekleidung,
+sei sie von Holz, Stein oder<a id="Page_320"></a>
+ <span class="pagenum">[320]</span> Eisen, gebraucht. So hat man an Bord
+einen Schornsteinmantel und im neuesten Rettungsboot ist am Ruder ein
+metallener Mantel angebracht, der beweglich ist und bei schwerem Wetter
+als Verlängerung des Ruders herabgelassen wird, damit auch bei schwerem
+Wetter und hohem Seegang das Ruder nicht wirkungslos in der Luft
+schwebe. &nbsp;&mdash;&nbsp; Siehe auch &#8222;Mantel und Takel.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Mantel und Takel&#8223;.</span> In dieser Verbindung bedeutet Mantel ein
+feststehendes starkes Tau und Takel einen Block mit Scheibe und Läufer.
+Breusing im Jahrbuch für niederdeutsche Sprachforschung 1876 S. 5 sagt:
+&#8222;Mantel ist das italienische Wort amanti, das spanische amantillos, das
+portugiesische amantilhos. Man hatte vergeblich nach der Herkunft
+desselben gesucht, bis uns Böckh in seinen &#8222;Urkunden über das Seewesen
+des attischen Staates&#8223; gelehrt hat, daß es im Mittelalter aus dem
+altgriechischen Worte himantes verderbt sei.&#8223; Darnach hätten wir in
+diesem Mantel eine volksetymologische Umbildung vom italienischen amanti
+und Anlehnung an Mantel zu sehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Manntau</span>, siehe Laufstag.</p>
+
+<p><span class="strong1">Marine</span>, die, das Seewesen, besonders das Seekriegswesen. Es ist zwar
+unter Marine auch die Handelsschiffahrt mit einbegriffen, doch muß dies
+besonders kenntlich gemacht werden, &#8222;Handelsmarine&#8223;; wenn keine
+besondere Unterscheidung hinzugefügt wird, so ist Kriegsmarine zu
+verstehen, (&#8222;Mein Sohn will zur Marine&#8223;, d.&nbsp;h. er will Seeoffizier
+werden) was schon aus der Bezeichnung &#8222;Reichs-Marine-Amt&#8223;,
+Marine-Offizier hervorgeht. Was dieses letzte Wort betrifft, so ist
+Marine-Offizier der weitere Begriff, auch die Offiziere der
+Marine-Infanterie, die Sanitäts-Offiziere, Ingenieure u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+umfassend, während diejenigen Offiziere die man im Binnenlande
+Marine-Offiziere nennt, sich selbst als &#8222;See-Offiziere&#8223; bezeichnen.
+Unkundige Leute, die einen Bootsmannsmaaten nicht von einem Matrosen,
+geschweige denn von einem Feuerwerksmaaten, unterscheiden können, helfen
+sich in unseren Seestädten mit der allgemeinen Bezeichnung &#8222;Mariner&#8223;; im
+Binnenlande sagt man im gleichen Falle, zum Unterschied von einem
+Matrosen, bei dem man zunächst an einen Handelsmatrosen denkt,
+&#8222;Marinesoldat&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Während bereits im Altenglischen die Form mariner
+vorkommt, ist Marine bei uns zum ersten Male 1728 von Sperander à la
+mode-Sprache der Teutschen gebucht. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vom lateinischen Adjektivum
+marinus, das Meer<a id="Page_321"></a>
+ <span class="pagenum">[321]</span> betreffend. &nbsp;&mdash;&nbsp; (Marinieren heißt eigentlich
+&#8222;Seegeschmack geben&#8223;.) &nbsp;&mdash;&nbsp; Von diesem ward im Mittellateinischen
+marinarius gebildet, woraus das italienische marinaro, das französische
+marinier, das englische marine entstand und auch das mittelhochdeutsche
+marinaere und abgekürzt marner. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das sae-man im Beówulf bedeutet nur:
+&#8222;Krieger zur See&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">marlen</span> heißt zwei Dinge durch Marlschläge mit Marlleine mit Hilfe des
+Marlspiekers mit einander verbinden, z.&nbsp;B. das Segel an sein Liek
+festnähen. Ein Marlschlag entsteht, wenn man die Marlleine so um ein Tau
+etc. etc. legt, daß der Schlag das lose Ende festhält, so daß es sich
+nicht aufwickeln kann; was den Vorteil hat, daß, wenn einmal die
+Marlleine irgendwo bricht, nicht die ganze Leine aufgeht, sondern nur
+die Bruchstelle. Marlen nennt man auch das Verbinden von Tauwerk mit
+(altem) Segeltuch zum Schutz vor Nässe, doch ist dieses nicht mit
+Trensen oder Schmarten zu verwechseln. Der Marlspieker wird, weil r vor
+l für viele Zungen allzuschwer ist, so daß mancher Karl seinen eigenen
+Namen nicht aussprechen kann, meist Malspieker ausgesprochen und in
+Marlleine wird wohl das eine l als überflüssig ausgelassen, &#8222;marlin&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Marlen ist Iterativum (marrelen) zu marren, merren = festbinden, binden,
+befestigen; Teuthonista: merren; im Niederländischen wird der
+Mistelzweig marrentakken genannt, &#8222;dewyl men met de plant, om hare
+taaiheid maren, dat is binden kan.&#8223; Französisch heißt die Marlleine
+merlin, und davon ist das Zeitwort merliner = marlen gebildet, also ein
+recht unnötiger Umweg. Übrigens hieß die Marlleine im
+Mittelniederdeutschen marling und sogar marlink. &#8222;Item so scholen ock
+nene segelmaker to Kope hebben marlinge, husenge segelgarne to der
+schipper behuff, sundern scholen dat halen van den repern.&#8223; Lübecker
+Zunftrecht. Insonderheit hieß auch der Strick, an dem einer gehenkt
+wurde marling. Der alte Chronist Eggerik Beninga erzählt, daß zu König
+Radbods Zeiten ein Jüngling, der bereits tot am Galgen hing, durch des
+Missionars Wulfram Gebet wieder erweckt wurde, &#8222;und de Ketting und
+Marling sinnen tho bracken, de jungeling is thor erden gefallen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Mars</span>, der: &#8222;Mastkorb.&#8223; Oft genug sind Binnenländer, die von einem
+Mastkorb sprachen, mitleidig über die Achsel angesehen worden, &#8222;als ob
+der Mars ein Korb wäre, damit hat er ja nicht die geringste
+Ähnlichkeit&#8223;! Und doch hat Mastkorb seine<a id="Page_322"></a>
+ <span class="pagenum">[322]</span> volle Berechtigung.
+Früher ist er wirklich ein Korb gewesen, ein einfacher schlichter Korb,
+der mächtige Bau den wir jetzt Mars nennen. Der niederdeutsche Seemann
+sagt Märs oder Mers und beweist auch hier wieder sein zähes Festhalten
+am Ursprünglichen. Daß er &#8222;die&#8223; Mers sagt hängt nicht nur mit der
+niederdeutschen Unbestimmtheit des bestimmten Artikels zusammen, sondern
+mag noch eine ferne Erinnerung an merx, die Ware, Kaufmannsware sein,
+aus der Mers sich entwickelt hat. &nbsp;&mdash;&nbsp;Im Mittelalter hatte das aus Italien
+nach Deutschland gekommene Institut des Feilbietens im Umherziehen, des
+Klein- und Hausierhandels, eine große und wichtige Bedeutung; es war
+&#8222;Handel <strong>und Wandel</strong>&#8223;. Wie so manches andere Kaufmannswort brachte der
+wandernde deutsche Händler das Wort merx aus Italien mit über die Alpen
+und gebrauchte es in der Form meersse, mersse, mers. Heißt doch heute
+noch im Französischen und im Munde und auf den Schildern deutscher
+Ladeninhaber Kramhandel mercerie, oft in Verbindung mit quincaillerie,
+das, so französisch es auch aussieht, doch deutsch ist. Die mers nun,
+die zum Hausieren bestimmte oder auch an den Straßenecken ausgebotene
+Ware ward in Körben herumgetragen und feil gehalten. So nannte man bald
+den Korb nach seinem Inhalte mers. Schon Kilianus sagt meersse, meers
+heiße &#8222;Korf&#8223;, corbis institutoris, canistrum institutorium, und zwar ist
+institutor ein Mann, der irgendwo steht, um Sachen zu verkaufen, bei uns
+hat er aber mehr gehockt als gestanden, denn wir nennen ihn Höcker.
+Meersmann aber übersetzt Kilian mit circitor, circuitor, das ist einer,
+der keinen festen Stand hat, sondern mit seinem Korbe umherzieht;
+meers-schiip aber mit corbita, siehe unter Korvette. &nbsp;&mdash;&nbsp; Erst hieß also
+Mers nur die Ware im Korb; dann Ware und Korb; zuletzt Korb allein. In
+diesem Sinne, als Korb, wurde dann der Mers am Mast befestigt für den
+Mann am Ausguck. Mit dem Wachsen der Takelage und der damit verbundenen
+Notwendigkeit, Leute nach oben zu ihrer Bedienung zu schicken, ergab
+sich dann nach und nach das Bedürfnis, den Mars als Korb fallen zu
+lassen und ein Holzgestell mit einem Korbgeflecht oder Netzwerk als
+Schutz gegen Absturz zu errichten, aber der einmal angenommene Name
+blieb. Und wir sollten der größeren Deutlichkeit wegen lieber auch so
+schreiben wie der Seemann spricht, schon damit keiner auf den Gedanken
+komme, das Wort<a id="Page_323"></a>
+ <span class="pagenum">[323]</span> habe mit dem Kriegsgotte Mars (Mavors) etwas zu
+tun. Auch würden wir uns damit wieder in Übereinstimmung mit dem
+Sprachgebrauch der großen, herrlichen Seemannszeit der Hansa setzen.
+Denn daß die Mers sagte, dafür noch einige Beispiele. &#8222;Also halp en got,
+dat sie den Koggen behelden myt werhafter hant onde skoten dar mit
+haghelscote onde worpen mit stenen vte der mersen&#8223; (&#8222;Bremische
+Geschichtsquellen&#8223;). &#8222;Na mennighen daghen horden se bulderinghe der
+bulghen, alze eft se yegen eyn land floeghen onde lethen enen op styghen
+in de mersch, eft he yennich lant vernehme&#8223; (&#8222;Dänische Chronik&#8223;). Die im
+15. Jahrhundert erschienene Chronik des Lübecker Dominikaners Hermann
+Korner erzählt von &#8222;66 schepe mit merssen vnde vorkastelen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Maschine</span>, die, lateinisch machina, griechisch mechane; es gibt
+neuerdings auf einem großen Linienschiffe so viele Dampf-und elektrische
+Maschinen, daß es sich von selbst verbietet, sie hier auch nur dem Namen
+nach aufzuzählen. Doch muß festgestellt werden, daß, wo einfach von
+Maschine die Rede ist, ohne nähere Bezeichnung die Schiffsmaschine
+gemeint ist. Der weiten Ausdehnung ihres Berufes wegen heißen die Leiter
+des Maschinenwesens an Bord neuerdings nicht mehr Maschinen-Ingenieure,
+sondern schlechtweg Ingenieure &nbsp;&mdash;&nbsp; Ingenieur, Oberingenieur,
+Stabsingenieur, Oberstabsingenieur.</p>
+
+<p><span class="strong1">Masut</span>, das, ist Braunkohlenteeröl, das neuerdings anstatt der Kohlen
+vielfach zum Heizen von Schiffsdampfkesseln gebraucht wird. Die Sache
+stammt aus Rußland, und dementsprechend auch das Wort, das in den
+slavischen Sprachen &#8222;Fett&#8223; bedeutet, so daß also das Fettige, Oelige bei
+der Benennung den Ausschlag gegeben hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mast</span>, der, früher Segelbaum, Baum der die (Rahen und durch sie die)
+Segel trägt. Ursprünglich hieß Mast überhaupt Baum, Baumstamm, denn das
+angelsächsische mäst, das das älteste Zeugnis für das Vorkommen des
+Wortes ist, bedeutet Baumstamm; die Taube nach der Sündflut setze sich
+auf &#8222;treoves telgum torhtum moste&#8223;. Es ist also anzunehmen, daß Mast im
+seemännischen Sinne ein Wort ist, das die Angelsachsen mit in ihre neue
+Heimat genommen haben. Mit ihrer Sprache war die der alten Friesen, von
+denen viele mit übers Meer gezogen sind, nahe verwandt, es darf daher
+für wahrscheinlich erklärt werden, daß auch sie das Wort Mast besaßen,
+und daß &nbsp;&mdash;&nbsp; schon im<a id="Page_324"></a>
+ <span class="pagenum">[324]</span> Althochdeutschen &nbsp;&mdash;&nbsp; von Friesland aus das
+althochdeutsche segilbaum durch mast wegen seiner Kürze bei den die
+Einsilbigkeit so sehr liebenden Seeleuten verdrängt worden ist.
+Segilbaum war aber ein so schönes und bezeichnendes Wort, daß es,
+wenigstens im Binnenlande, nie ganz außer Uebung gekommen ist; es paßte
+so schön zu Segelstange = Rahe, ja zu den Zeiten Piet Heyn's kam es vor,
+daß man für Mast selbst Segelstange sagte, was aber vielleicht
+Segelstänge lautete und bedeutete, also das was jetzt kurzweg Stenge
+heißt. &#8222;Sobald der Admiral unterdessen die Top-Flagge von seiner
+vorderen Segelstange wehen ließ, begaben sich die sieben Chalupen in
+aller eil nach den vier Schiffen&#8223; ... (durchl. Seehelden II. 64.)
+Zeitweilig war auch das pleonastische Maßbaum bei Seeleuten in Gebrauch,
+wie es von Nichtseeleuten heute noch gehört werden kann. Es wird Zeit,
+daß auch diese sich mit Mast begnügen, da es ja Baum bedeutet. Im
+Mittelniederländischen und Mittelniederdeutschen kam freilich öfter
+mastboom, mastbom vor; so nannte man sogar auch einen noch grünenden und
+wachsenden Baum, nämlich den zur Mast der Schweine dienlichen Baum, die
+Eiche; Beweis, wie jeder die Welt aus dem Gesichtswinkel seiner eigenen
+Angelegenheiten ansieht. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vom Schiff aus hat sich der Mast auch über
+das feste Land verbreitet als Flaggenmast, Exerziermast, Signalmast.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Natürlich spielt ein so wichtiges Stück der Seemannssprache auch im
+übertragenen Sinne seine Rolle; man denke nur an das holländische
+Sprichwort: &#8222;Er kunnen geene twee grooten masten in een schip syn&#8223; d.&nbsp;h.
+nur einer kann im Hause das Regiment führen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Über <span class="strong1">Mastkorb</span> s. Mars.</p>
+
+<p><span class="strong1">Matrose</span>, der, ein befahrener Seemann. Vordem hieß ein solcher
+Schiffsknecht, Schiffsknabe, Schiffskind, im Gegensatz zum Kapitän, dem
+Schiffer oder Schiffsherrn. Die Gesamtheit der Matrosen hieß
+Schiffskinder oder Schiffsvolk; ihre Kleidungsstücke und sonstigen
+Sachen Schiffskindergut. Das Wort Matrose ist erst im 17. Jahrhundert
+ins Hochdeutsche gekommen, und zwar aus dem Niederländischen; matroos
+hieß und heißt es da. Und dieses matroos geht wieder auf das
+Französische zurück, wo uns im 13. Jahrhundert die Formen mathelot,
+matelot, matenot begegnen. Es fragt sich aber: woher stammen diese? Und
+was ist die Bedeutung? &nbsp;&mdash;&nbsp; Es liegen nicht weniger als vier verschiedeneDeutungen vor.
+<a id="Page_325"></a>
+ <span class="pagenum">[325]</span></p>
+
+<p>1. Hat man an das altniederländische maatgenot, Maatgenosse gedacht;
+aber wenn man sich auch &nbsp;&mdash;&nbsp; zumal maatgeselle vorkommt &nbsp;&mdash;&nbsp; über die
+Tautologie hinwegsetzen kann, so erregt der Umstand doch Bedenken, daß
+weder maat für sich noch genot für sich im Französischen Aufnahme
+gefunden haben, die Verbindung beider kann also keinesfalls in dieser
+Sprache sich vollzogen haben.</p>
+
+<p>2. Hat man versucht, das Wort mit Mast in Verbindung zu bringen, so daß
+ein Matrose als ein Mann zu denken wäre, der am Mast seine Hauptarbeit
+hat. Ein an sich anziehender Gedanke, aber schon Dietz hat darauf
+aufmerksam gemacht, daß dann im Französischen des 13. Jahrhunderts
+mastelot stehen müßte. Darum ist Dietz 3. auf das lateinische matta =
+Binsenmatte verfallen und erklärt das Wort aus mattarius, was einen
+Mattenmann bedeuten soll, einen der mit einem anderen auf oder unter
+einer Matte schläft, oder einen der sich überhaupt auf einer Matte sein
+Lager zurecht macht. Hier müßte vor allen Dingen der Gedanke an eine
+Hängematte ausgeschieden werden, die einmal gar keine Matte ist und die
+es überdies erst seit der Entdeckung Amerikas gibt. Die Erklärung hat
+dann insofern etwas Verlockendes als man annehmen könnte, das auf dem
+Wege vom Mittellateinischen ins Französische verloren gegangene r sei
+auf dem Wege vom Französischen ins Niederländische, vielleicht in Folge
+einer alten Erinnerung, wieder zu seinem Rechte gelangt. Ob aber das
+Schlafen auf einer Matte etwas dem Seemann so Eigentümliches ist, daß er
+davon sollte den Namen empfangen haben? Es schlafen sicher an den Küsten
+des Mittelmeers noch andere Leute auf Matten, wie sollte gerade der
+Seemann ein besonderer Mattenmensch sein?</p>
+
+<p>4. Müllenhoff ist der Meinung, der alten französischen Form liege das
+altnordische mötunautr zu Grunde, auch matunautr. Ihm stimmt Kluge bei
+unter Annahme normannischer Vermittelung. Das käme dem Sinne nach auf
+Nr. 1 hinaus, nur daß dann die Verbindung geschehen war, ehe die
+Nordmänner das Wort nach Frankreich getragen haben, so daß auf diese
+Weise die unter 1. erwähnte Schwierigkeit beseitigt wäre. Matunautr
+heißt ins Niederländische übersetzt allerdings maatgenot und bedeutet,
+maat in seinem ursprünglichen Sinne (von gimazo) genommen, Eßgenosse;
+eigentlich Tischgesellschaftsgenosse. Der dreifache<a id="Page_326"></a>
+ <span class="pagenum">[326]</span> Ausdruck
+desselben Gedankens darf dabei nicht stören, ein solcher kann eintreten,
+wenn einer der drei nicht mehr als solcher empfunden wird oder gar, wie
+hier, wo das gi (= cum) von gimazo bereits geschwunden war, für das
+Sprachgefühl des Volkes gar nicht mehr in Betracht kommt. (So steckt z.
+B. auch in dem alten kymryschen Namen für Ostsee morimarusa ein
+dreifacher Pleonasmus, Meermeersee, wobei sa nicht als See, sondern wohl
+nur als Endung empfunden ward.) Matunautr ist offenbar die Form aus der
+matenot entstanden ist, welche Form sich, wie erwähnt, bereits im 13.
+Jahrhundert in matelot umgebildet hatte. Welche Einflüsse nun bei der
+Übernahme ins Niederländische die Verschiebung in matroos verursacht
+oder gefördert haben ist unschwer zu erkennen. Man hat zunächst an den
+Plural matelots zu denken und daran, daß die Holländer heute noch gerne
+das stumme Schluß-s der Franzosen mit aussprechen. So war matlos
+gegeben; l und r aber wechseln so häufig mit einander, daß ganze
+Völkerschaften gar nicht wissen, ob sie l oder r sagen. So war die Form
+matros, matroos ein Plural, was aber bald vergessen ward, so daß schon
+im Niederländischen und erst recht bei der Aufnahme ins Deutsche ein
+neuer Plural auf en gebildet werden konnte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß aber eher vom
+gemeinsamen Essen der Name kommen konnte als vom gemeinsamen Schlafen,
+ist &nbsp;&mdash;&nbsp; trotz Kamerad und Geselle &nbsp;&mdash;&nbsp; dem nicht zweifelhaft, der bedenkt,
+eine wie große Rolle das Essen überhaupt im Leben &nbsp;&mdash;&nbsp; man denke an
+Genosse, Kumpan, Kompagnie, Maat und Messe &nbsp;&mdash;&nbsp; so auch besonders im
+Bordleben spielt, und der weiß, daß an Bord heute noch die Leute in
+Backschaften d.&nbsp;h. Eßgenossenschaften eingeteilt sind. So ist es
+unzweifelhaft, daß auch auf den Schiffen der Nordmänner die Männer in
+mötuneyti, in Eßgenossenschaften, besser in Genossenschaften eingeteilt
+waren. Ein solcher &#8222;Genosse&#8223; hieß matunautr, Backsgenosse, Backskamerad.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Im 17. Jahrhundert wurde zwar schon Matrose gesagt, aber daneben auch
+noch von Bootsleuten und Bootsgesellen in ganz gleicher Bedeutung
+gesprochen. Zu einer Flotte Piet Heyn's gehörte z.&nbsp;B. nach den
+&#8222;Durchläuchtigsten Seehelden&#8223; II. 71: &#8222;das Schiff Harlem, von
+zweyhundert und achtzig Lasten, mit zwey Metallinen, zwey und zwanzig
+eisernen, und acht Steinstücken, und achtzig Bootsleuten bemannt; das
+Schiff Leiden zweyhundert und dreyssig Last groß, worauf zwey Metallene
+und zwey und zwantzig eiserne und 8.<a id="Page_327"></a>
+ <span class="pagenum">[327]</span> Steinstücken und fünff und
+siebenzig Matrosen; der schwarze Löw, hundert und achtzig Last groß, mit
+vier und zwantzig Stücken Geschütz (oder Götelingen) vier Stein Stücken,
+und siebentzig Bootsgesellen.&#8223; Bemerkenswert ist, daß nach Halbertsma im
+Friesischen der Matrose auch siler heißt (englisch sailor). &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein altes
+gutes deutsches Wort für Matrose, ja noch besser und bedeutungsvoller
+als dieses ist Seemann. Es deutet mehr den dauernden seemännischen
+(Lebens-)Beruf an. Wenn ein Binnenländer freiwillig bei der Marine
+eintritt und von dieser zum Kriegsdienst an Bord ausgebildet wird, so
+heißt er zwar auch Matrose, aber Seemann ist er darum doch noch nicht,
+das ist nur der, der auch in seinem Zivilverhältniß die Seefahrt als
+Beruf betreibt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Maus</span>, die. Man sollte annehmen, daß dieses Substantivum in seiner
+Bedeutung nahe verwandt wäre mit einem ebenfalls seemännischen Zeitwort
+<span class="strong1">mausen</span>. Es gehen jedoch die Begriffe zunächst sehr weit auseinander.
+Eine Maus ist eine knotenförmige Verdickung eines Taus an einer Stelle,
+wo ein um das Tau gehendes Auge am Zuschlieren verhindert werden soll
+oder einer Zeising fester Halt soll verliehen werden, daß sie nicht
+rutschen kann; diese Maus wird auf die Kabelaring gesetzt, jene auf das
+obere Ende des Stags, wo das Stagauge aufzuliegen kommt. Mausen aber
+heißt die offene Seite eines Blocks so schließen, daß er nicht aushaken
+kann; es geschieht mit Kabelgarn, das mit einem Schnitt leicht wieder zu
+entfernen ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Beide Wörter haben mit Maus und mausen im
+hochdeutschen Sinne gar nichts zu tun, sie stellen vielmehr eine sehr
+irreführende hochdeutsche Verdunkelung eines sonst ganz klaren
+niederdeutschen Wortes dar, wobei es lehrreich ist zu sehen, wie Maus
+und mausen je eine besondere Seite der beiden in dem niederdeutschen
+Worte möten liegenden Begriffe entwickelt haben; möten heißt nämlich
+zunächst einfach &#8222;zusammenkommen&#8223;, zusammentreffen, begegnen, aber es
+ist eine vox media, das Zusammentreffen kann im günstigen, es kann auch
+im ungünstigen Sinne gemeint sein und im letzteren Falle &#8222;Widerstand
+leisten&#8223;, hemmen, hindern bedeuten. Und nun bedeutet das niederdeutsche
+Zeitwort möten &nbsp;&mdash;&nbsp; mausen &nbsp;&mdash;&nbsp; das Zusammenkommen der beiden Teile eines
+Hakens, das Zusammentreffen des offenen Teiles mit dem anderen Teil in
+der Kabelgarnzeising. Das niederdeutsche Hauptwort möte aber
+bedeutet<a id="Page_328"></a>
+ <span class="pagenum">[328]</span> Hemmung, Hinderung. Dadurch, daß ein Block gemaust wird,
+wird er auch gehemmt und gehindert, nämlich am Aushaken, aber deutlicher
+wird doch das Bild, wenn wir den Begriff &#8222;zusammenkommen, sich
+vereinigen&#8223; festhalten, zumal alle Sprache Bildersprache war. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es ist
+also anzunehmen, daß die Maus ursprünglich, als das Hochdeutsche noch
+nicht dazwischen gekommen war, möte hieß, mausen aber möten. Daß man
+überhaupt auf eine &#8222;Uebersetzung&#8223; durch Maus kommen konnte, mag seine
+Erklärung, also seine Entschuldigung darin finden, daß möte altsächsisch
+muot, mittelhochdeutsch muot, auch muoz und moz hieß.</p>
+
+<p><span class="strong1">Meer</span>, das. Ein gemeingermanisches Wort, dessen uns bekannte älteste Form
+mari ist. Es ist behauptet worden, daß es aus der indogermanischen
+Wurzel mar, sterben, entsprossen, also mit morior und Mord verwandt sei,
+weil das Meer im Gegensatz zum Festlande mit seinem reichen Leben,
+Grünen und Blühen als tot anzusehen ist. Nun hat man zwar in grausamem
+Scherz die Nordsee wohl Mordsee genannt und kennt auch ein &#8222;totes Meer&#8223;,
+aber das Meer als solches ist keineswegs tot, sondern in mehr als einer
+Beziehung sehr lebendig. Wer je mit ihm in nähere Verbindung gekommen
+ist, und wie innig haben die alten Naturvölker sich mit dem Meere
+vertraut gemacht, der weiß auch, welch ein unendliches Leben und Weben,
+welch ein Sichregen und Sichbewegen, welch eine Fülle von
+Mannigfaltigkeit und Abwechslung das Meer bietet, das niemals dasselbe
+ist, nie einförmig, nie &#8222;tot.&#8223; Die Bezeichnung &#8222;totes Meer&#8223; hätte ja
+auch gar keinen Sinn, wenn für das Volksbewußtsein jedes Meer ein totes
+Meer wäre. Im Gegenteil, gerade im Lande des toten Meeres hat der
+Dichter des 104. Psalms gesungen: &#8222;Das Meer, das so groß und weit ist,
+da wimmelt's ohne Zahl, beide, große und kleine Tiere&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wir müssen
+nach einem anderen Etymon suchen. Nun gibt es noch eine andere Wurzel,
+die zwar mit jener den gleichen Laut und die gleichen Buchstaben hat,
+aber einen ganz anderen Sinn: mar, glänzen, schimmern, leuchten,
+strahlen. Davon kommt das griechische Zeitwort marmairo, flimmern,
+funkeln, und Marmor, ein glänzender Stein. Nun braucht einer noch gar
+nicht das zauberische Meerleuchten einer Nacht im karaibischen Meere
+gesehen zu haben, er braucht nur einmal gegen Abend &#8222;am einsamen
+Fischerhause&#8223; gesessen und die Augen aufgetan zu haben, wie &#8222;das Meer
+erglänzte weit hinaus&#8223;, so wird er nicht<a id="Page_329"></a>
+ <span class="pagenum">[329]</span> mehr an den Tod, sondern
+an das Leben, an ein reiches glänzendes Leben denken. &nbsp;&mdash;&nbsp; Man bedenke
+auch das andere Wort für Meer: See. Das ist doch nahe verwandt mit
+Seele, von derselben Wurzel su, bewegen, regen, beleben. Da haben wir
+das Gegenteil von Tod. Sollte das Meer einmal vom Tode, das andere Mal
+vom Leben den Namen empfangen haben? &nbsp;&mdash;&nbsp; Ist unsere Deutung von Meer
+richtig, so ist Meer mit Mähr und Mährchen verwandt; mari als etwas von
+der Sonne beschienenes ist nicht nur leuchtend sondern auch berühmt und
+bekannt; daher althochdeutsch mari, mittelhochdeutsch maere = Kunde,
+Bericht, Erzählung. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Name Margarete kommt ohnehin von Meer, denn
+&#8222;Perle&#8223; ist eigentlich Meergries, Korn des Meersandes; also ein echt
+seemännischer Name. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein namhafter Erforscher des Keltischen nahm
+keltischen Ursprung von Meer an. Er verglich die keltischen Ortsnamen
+uralter Herkunft: Morini, Amorica, Morimarusa (Ostsee), Morbihan und
+führte die Formen an: kymrisch, kornisch und Breizonek (Mündung der
+Loire) mor; gadhelisch (d.&nbsp;h. dem Gälischen [Hochschottischen] und
+Irischen gemeinsam) muir, Genetiv mara. Uns genügt das althochdeutsche
+meri, mere (gotisch marei, angelsächsisch mere).</p>
+
+<p><span class="strong1">Meile</span>, die. Wenn der Seemann von Meile spricht, so meint er natürlich
+Seemeile, einer Gradminute entsprechend. Eigentlich bedeutet es aber
+1000, nämlich 1000 Schritte, milia passuum; italienisch der miglio,
+Plural miglia, milia ausgesprochen; es mag eine dunkle Erinnerung an die
+Herkunft sein, die den Seemann veranlaßt, niemals Meile, sondern immer
+&#8222;Mill&#8223; zu sagen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Meridian</span>, der, oder Mittagskreis, von meridies, der Mittag, heißt am
+Himmel derjenige gedachte größte Kreis der Sphäre, welcher durch beide
+Weltpole und den Scheitelpunkt eines bestimmten Ortes geht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Merk</span>, das, war früher = Landmarke, wird aber jetzt nur selten noch in
+diesem Sinne, etwa noch in der Verbindung &#8222;das ist ein gutes Merk&#8223;
+gebraucht. Sonst ist die Bedeutung darauf zusammengeschrumpft, daß es
+ein Kennzeichen an irgend einer Sache ist, an dem man sich etwas merken
+will, etwa einen Strich oder einen Streifen bildend. &#8222;Etwas mit einem
+Strich oder Streifen versehen&#8223;, das ist ja die uralte Bedeutung des
+unserem Mark zu Grunde liegenden Stammes, und Mark heißt zunächst nur
+Zeichen, dann Kennzeichen, Grenzzeichen, Grenze, davon<a id="Page_330"></a>
+ <span class="pagenum">[330]</span> Markgraf
+und marquis, spanisch marques, italienisch marchese. &nbsp;&mdash;&nbsp;Merk ist die
+niederdeutsche Form für Mark. Im Seebuch (1400) heißt es merk und merke.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Mark als Münze bedeutet ein bestimmt abgeschätztes und
+gekennzeichnetes, mit einer Marke versehenes Goldstück.</p>
+
+<p><span class="strong1">Messe</span>, die, ist der Raum eines Schiffes, in dem die zu einer solchen
+Messe Vereinigten sich, besonders zum Zwecke der gemeinschaftlichen
+Einnahme der Mahlzeiten, zu versammeln pflegen, weshalb auch nicht nur
+der Raum, sondern auch die Gemeinschaft derer die darinnen
+heimatberechtigt sind, Messe heißt. Man spricht von einer Offiziermesse,
+einer Kadettenmesse, einer Deckoffiziermesse. Macht das Offizierkorps
+eines Schiffes Besuch, so wird eine Karte abgegeben: &#8222;Die Offiziermesse
+S. M. S.&#8223; ... Ein Mitglied der Messe wird zum Messevorstand erwählt.
+Nicht als ob dieser dann den Vorsitz bei Tische zu führen hätte, der
+steht auf Kriegsschiffen stets dem I. Offizier zu, er hat vielmehr die
+Verwaltung des gemeinschaftlichen Vermögens, die Beschaffung der
+Vorräte, überhaupt die ganze Verpflegung unter sich. Zum Essen gehört
+das Trinken. Daher wird ein anderes Mitglied der Messe beauftragt, die
+nötigen Getränke zu beschaffen und zu verwalten; das ist der
+Weinvorstand oder Vorstand der Weinmesse. &nbsp;&mdash;&nbsp; In den Garnisonen des
+Königreichs Hannover hatten die Offiziere von der Verbindung mit England
+her ihre Messen. Sonst ist das Wort, wie es scheint, in Deutschland auf
+die Seemannssprache beschränkt geblieben. &nbsp;&mdash;&nbsp; An Erklärungen fehlt es
+nicht. Es gibt deren eher zu viele als zu wenige.</p>
+
+<p>1. Von vornherein als ausgeschlossen zu betrachten ist der Gedanke an
+den katholischen Cultus und seine Messe; wenigstens in Bezug auf die
+landläufige Deutung dieses Wortes, nach der es von dem Zuruf des
+Priesters an diejenigen, welche nicht berechtigt waren an dem Hauptstück
+des Gottesdienstes teilzunehmen: &#8222;ite, missa est concio!&#8223; kommen soll.</p>
+
+<p>2. Weil bei Kirchmessen zahlreiche Andächtige zusammenkamen, so fanden
+sich auch Leute ein, die etwas zu verkaufen oder zur Schau zu stellen
+hatten. So entstand ein Markt, der Messe genannt ward und diesen Namen
+behielt als die Kirchmesse wegfiel; Frankfurter Messe, Leipziger Messe.
+Daß auch hiermit, trotz des &#8222;Zusammenkommens&#8223; der Leute, unsere Messe
+nichts zu tun hat, liegt auf der Hand.<a id="Page_331"></a>
+ <span class="pagenum">[331]</span></p>
+
+<p>3. Weit eher könnte man an Herkunft von dem lateinischen mensa, der
+Tisch, denken, weil die Hauptsache bei der Messe in der Tat der
+gemeinsame &#8222;Tisch&#8223; ist. Wirklich heißt im Gothischen der Tisch auch mes;
+man könnte auch das spanische meza zu Hilfe nehmen. Diese Deutung wäre
+denkbar auch für den Fall, daß die ältesten Messen gar keine Tische
+gehabt hätten, da das gotische mes nicht nur Tisch, sondern auch
+Schüssel heißt. Aber es fehlen für das Wort die Zwischenglieder vom
+Gotischen zum Niederdeutschen, und hier ist Messe doch ausschließlich
+heimisch. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zeugnisse für die Herkunft aus dem Spanischen liegen nicht
+vor, im Gegenteil, das Wort ist im niederdeutschen Sprachgebiete
+gezeugt, ehe Spanien in Betracht kam. Überhaupt dürfen wir nicht in die
+Ferne schweifen, solange eine näherliegende Erklärung im Deutschen sich
+darbietet. Aus diesem Grunde muß auch</p>
+
+<p>4. Eine Deutung aus dem Französischen beanstandet werden, nach der das
+Wort Messe von mets, altfranzösisch mes kommen soll. Diese beiden heißen
+&#8222;Gericht, Speise&#8223;, nämlich im Sinne von &#8222;Aufgetragenes&#8223;, (aus der Küche
+in den Speisesaal) &#8222;Geschicktes&#8223;, von mitto ich schicke. Die ziemlich
+alte Schreibung mets für mes erklärt Dietz für eine etymologische, um
+das Wort an das Zeitwort mettre zu knüpfen.</p>
+
+<p>5. Man könnte auch an das althochdeutsche massenie, messeni denken,
+welches Hofstaat, Gefolge eines Fürsten bedeutet, so daß die Messe als
+&#8222;Stab&#8223; des Kommandanten gedacht wäre. Dieses messenie kommt von mansio,
+die Behausung. Und sprachlich könnte Messe um so eher davon abstammen,
+als Meßner = Küster davon herkommt, althochdeutsch mesinari,
+mittelhochdeutsch messenaere, mittellateinisch mesenarius, mansionarius;
+es könnte sogar mansio als Behausung in Messe stecken. &nbsp;&mdash;&nbsp; Doch wir
+wenden uns zum germanischen Sprachgebiet.</p>
+
+<p>6. Hier tritt uns zunächst ein Zeitwort entgegen, das &#8222;zusammenkommen&#8223;
+bedeutet und deswegen vielleicht in Betracht kommen könnte, weil die
+Messe ein Zusammenkunftsort ist. Altfriesisch meta, angelsächsisch
+metan, altenglisch meten, altniedersächsisch motian, englisch meet. Aber
+gerade der Umstand, daß dieses meet sein t unverschoben bewahrt hat und
+nicht zu s werden ließ, verbietet uns mess mit meet zusammenzubringen.</p>
+
+<p>7. In unseren fortgeschrittenen Zeiten, in denen namentlich<a id="Page_332"></a>
+ <span class="pagenum">[332]</span> auch
+die Ernährung an Bord so viel besser geworden ist, wird in der Messe
+nicht jedem sein Teil zugemessen. Zu Zeiten aber, wo das Essen oft recht
+knapp war und wo mancher vielleicht bei dem Worte Messe an das
+altfriesische Zeitwort missa = entbehren zu denken geneigt war, da mag
+wohl ein Einteilen und Zumessen nötig gewesen sein. Man könnte daher an
+das althochdeutsche Zeitwort mezzan, messen, denken, angelsächsisch
+metan. Dann wäre Messe eines Stammes mit &#8222;Mutter&#8223;, denn Mutter bedeutet
+die Abmesserin, die Zuteilerin, &#8222;die Spendende&#8223;, neben dem Vater als dem
+&#8222;Beschützenden&#8223;. In der Tat kommt dieses Wort in Betracht. Doch nicht
+so, daß Messe unmittelbar von messen käme, es kommt vielmehr noch ein
+Mittelglied in Betracht und es liegt noch ein weiter Weg dazwischen.</p>
+
+<p>8. Das Essen, die Speise heißt gotisch mats, althochdeutsch maz,
+altniederdeutsch meti, angelsächsisch mete, altenglisch mete. (Weil das
+Fleisch ein so wichtiges Essen ist, so hat sich im Englischen und
+Niederdeutschen meat, met für eßbares Fleisch eingebürgert.)
+Altfriesisch mede, met, mat und meyt = Speise: <span class="strong1">Essen und Trinken</span>. Hierzu
+ist zu vergleichen der altdeutsche mesiban, d.&nbsp;h. der Eßbann, das
+Speiseverbot, ein scharfes Verbot, einem Verbrecher Speise zu reichen.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; In der Mainzer Beichte, einer Handschrift aus dem X. Jahrhundert in
+Wien, heißt es: &#8222;Ih gihun gode almahdigen unde allen godes engilon&#8223; ...
+gesündigt zu haben &#8222;in uncîdin sclâphun, uncîdin uuachun, in uncîdigimo
+mazze, uncîdigimo dranche&#8223; ... Unser neuhochdeutsches Wort Messer hieß
+althochdeutsch messisahs, also eigentlich &#8222;Eßschwert.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Dementsprechend erhielt sich im Mittelniederdeutschen sehr lange das
+Wort mess für Speise. Im Lübecker Zunftrecht steht die Bestimmung: &#8222;Men
+schall nener hande kramgued vthsetten des sondages vnd aposteldages,
+vthgenahmer koken unde messwerk.&#8223; Doch hatte sich damals mess, dessen
+ursprünglicher Vokal a war, schon daneben über moes in mos, ja in mus
+verschoben. Letztere Form ist besonders bekannt aus der Verbindung
+musdel, Musteil; so nannte man den Teil an Lebensmitteln der beim Todes
+Mannes der Witwe zufiel; erstere in der Verbindung moshus = Speisehaus,
+Speisesaal. Hernach hat sich mus als breiartige Speise weite Verbreitung
+verschafft, und wenn unser Sammelwort Gemüse auch jetzt auf
+Pflanzenspeisen eingeschränkt ist, so hat es in diesem Sinnedesto
+<a id="Page_333"></a>
+ <span class="pagenum">[333]</span> unbestrittener Geltung erlangt. Natürlich ist auch Mast
+damit verwandt, denn Mast heißt auch nichts weiter als Speise, Futter,
+Fütterung, Mästung und dieses hat erst in weiterer begrifflicher
+Entwickelung die Bedeutung &#8222;Fettmachung&#8223; erhalten; wovon mästen, das
+heute noch in Ostfriesland messen heißt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vom angelsächsischen
+Hauptwort mete dagegen hat sich das angelsächsische Zeitwort metsian,
+mesan, altenglisch metsien = essen, gebildet; wobei in Betracht zu
+ziehen ist, daß heute noch im Englischen to mess = zusammen essen ist,
+so daß also der Begriff des gemeinschaftlichen Essens sich bis auf
+diesen Tag erhalten hat. Das ist aber ursprünglich nicht, oder doch
+nicht immer geschehen, denn schon im Altsächsischen hieß mesa der
+Speisekorb, der Futterkorb; desgleichen im Altnordischen meis. Man saß
+also von Alters her an Bord um Futter- oder vielmehr Speise-Behälter
+herum, also um &#8222;Backen&#8223; im ursprünglichen Sinne. Die Gemeinschaft derer
+die dergestalt zusammen aßen hieß &#8222;Meßgesinde&#8223;. Das wird uns zum ersten
+Male durch die Freiheiten der Stadt Brügge für deutsche Kaufleute vom
+Jahre 1309 bezeugt: &#8222;Vord dat die vorseide coopmanne moghen hebben
+alrehande vitaelge ende alle maniere van dranke, die si bringhen bi der
+zee, ute ghesteken wyn onder hem ende hare maisniede te verteerne,
+binnen haren herberghen zonder assise daer of te ghevene, up dat sy 't
+niet vort verkopen&#8223;. Für maisniede kommt im Flämischen auch meyssenye,
+messniede, maysinede vor. Das altnordische meis klingt hier deutlich
+durch. Der germanische Ursprung ist also unzweifelhaft, und auch dieses
+Wort ist im seemännischen Sinne nicht in England, sondern in den
+Niederlanden zuerst gebraucht worden. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es hat eine ähnliche
+Bedeutungsentwicklung wie Bursche, spätmittelhochdeutsch hieß burse
+Geldbeutel, Börse, Kasse; dann gemeinschaftliches Wohn- und Kosthaus der
+Studenten, wo sie aus gemeinschaftlicher bursa lebten; dann zuletzt
+studentische Genossenschaft, deren einzelnes Mitglied ebenfalls Bursche
+genannt wurde. &nbsp;&mdash;&nbsp;Unter 7. ist gesagt worden, Messe ist mit Mutter
+verwandt. Das Mittelglied ist maz, Speise; dieses hieß nämlich
+ursprünglich ebensowenig Essen im Allgemeinen wie Fleisch im Besonderen,
+kommt auch wohl nicht von einem Stamme der &#8222;kochen,&#8223; sondern &nbsp;&mdash;&nbsp;wie
+Mutter &nbsp;&mdash;&nbsp; von einem der teilen, zuteilen, zumessen bedeutet, so daß maz
+also das (einem Menschen zum Verzehren) Zugemessene<a id="Page_334"></a>
+ <span class="pagenum">[334]</span> ist, woher
+dann Messe als der Ort wo, und die Versammlung, worin jedem Mitgliede
+das Seine zugeteilt wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Messbrief</span>, der. Nach den Gesetzen des deutschen Reiches müssen alle
+Kauffahrteischiffe vermessen werden. Dick und Kretschmer I. 60: &#8222;Für die
+Berechnung des Brutto- und Nettogehaltes der Schiffe und Fahrzeuge ist
+ein Vermessungsprotokoll nach einem in der Vermessungsordnung
+vorgeschriebenen Schema aufzustellen und der obersten
+Vermessungsbehörde, dem Schiffsvermessungsamt, einzureichen. Auf Grund
+des Vermessungsprotokolls wird ein <span class="strong1">Messbrief</span> ausgestellt.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Metacentrum</span>, das, ist ein für die Berechnung der Stabilität eines
+Schiffes äußerst wichtiger mathematischer Punkt, nämlich der
+&#8222;jedesmalige Durchschnittspunkt der Vertikalen aus dem
+Deplacementsschwerpunkt in der aufrechten Lage des Schiffes mit der
+vertikalen aus dem jedesmaligen Deplacementsschwerpunkt bei jeder
+geneigten Lage.&#8223; So die technische Erklärung bei Dick und Kretschmer I.
+114, 115; die sprachliche Anmerkung zu dieser Stelle ist jedoch zu
+berichtigen. Es heißt da: &#8222;Das Wort Metacentrum, welches sich zuerst in
+Bourguers Werk &#8222;Traité du Navire&#8223; 1746 angeführt findet, kann nur aus
+den lateinischen Worten meta (Endpunkt, Ziel) und centrum
+zusammengesetzt, betrachtet werden; nach anderer Ansicht auch als eine
+Zusammensetzung der griechischen Worte Méta (Wechsel) und kentron
+(centrum)&#8223;. Meta ist aber, wie unzählige andere Zusammensetzungen
+beweisen, z.&nbsp;B. Metamorphose, Metapher, Metaphysik, Metastase,
+Metempsychose, die griechische Präposition, die inmitten, zwischen,
+unter, in Verbindung, in Gemeinschaft, im Verein, in Begleitung,
+gepaart, mit, nebst, neben, unter, nach, zu, auf u.&nbsp;s.&nbsp;w. bedeutet; im
+Allgemeinen ist sie Bezeichnung einer Gemeinschaft: Metacentrum ist also
+der Punkt, den die zwei genannten senkrechten Linien mit einander
+<span class="strong1">gemeinschaftlich</span> haben, mit der auch in meta liegenden Nebenbedeutung,
+daß dieses Centrum räumlich <span class="strong1">über</span> dem Deplacementsschwerpunkt liegt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Miek</span>, die, ist begrifflich nahe mit Klau verwandt, wird aber nicht nur
+für den gabelförmigen Ausschnitt der Gaffel, sondern auch für den
+gegabelten Stock oder Pfahl gebraucht, in dem der niedergelegte Mast,
+der Besansbaum etc. etc. festliegt; in Ostfriesland auch das
+gabelförmige Holz an der Pumpe, in dem der Schwengel sich bewegt.
+Mittelniederländisch, bei Kilian micke = furca,<a id="Page_335"></a>
+ <span class="pagenum">[335]</span> Gabel. Sollte
+nicht, da die Gabel doch eines der ursprünglichsten mechanischen
+Werkzeuge darstellt, Miek eine Zusammenziehung von Mechanik sein? Daß
+eine solche möglich, ja tatsächlich vorhanden ist, beweist die Tatsache,
+daß im Gebiet des Rheinfränkischen Mick die mechanische Vorrichtung zum
+Hemmen beider Wagenräder heißt; im Gegensatz zu dem nur ein Rad
+hemmenden, weit einfacheren Hemmschuh, stellt sie eine Mechanik dar,
+deren Zusammenziehung in Mick um so eher möglich war, als sie meist mit
+dem Ton auf der letzten Silbe ausgesprochen wurde und wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">mistig</span>, vergl. diesig, bedeutet nebliges, trübes, &#8222;dreckiges&#8223; Wetter.
+&#8222;Must gy int Schager-Rack by nacht offt in mistig wedder laverren&#8223; ...
+Vom niederdeutschen, niederländischen, englischen mist = Nebel; &#8222;mist
+het den oost in der kist&#8223; (Brem. Wörterbuch). Im Beówulf mistig,
+mist-heid = Nebelkippe; Kilian miest = nebula. Davon Mistel als die
+Pflanze die durch den Mist der Vögel auf Bäumen ausgesät wird. Denn
+dieses niederdeutsche Mist und unser hochdeutsches Mist sind ein und
+dasselbe Wort, nur in der Bedeutung ein wenig auseinandergegangen.
+Sanskrit-Wurzel mih = ergießen, besprengen; beregnen; auch ein
+Substantiv mih ist vorhanden: feiner Regen, Nebel. Althochdeutsch migan,
+neuniederdeutsch migen = pissen, harnen; lateinisch mingere.</p>
+
+<p><span class="strong1">Missweisung</span>, s. Variation.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mittagshöhe</span>, die, nämlich der Sonne, ist &#8222;die Höhe der Sonne wenn der
+Mittagspunkt derselben im Mittagskreise seines Beobachters steht,
+welches die größte Höhe ist, die sie für diesen Beobachter erreichen
+kann.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Mittagsschuss</span>, der, ist ein in einem Kriegshafen von dem jeweiligen
+Wachtschiff abgefeuerter Kanonenschuß zum Zeichen, daß es genau 12 Uhr
+ist. Es haben sich mit der Zeit und mit dem Gange ihrer Uhren die
+übrigen Schiffe und auch die Uhren am Lande, soweit der Einfluß der
+Marine in dieser Beziehung reicht, nach diesem Schusse zu richten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mittagswimpel</span>, der, ist auf unseren Kriegschiffen der Wimpel der gehißt
+wird wenn es zum &#8222;Schaffen&#8223;, zum Mittagessen geht, also ein
+hochwillkommenes Signal, zumal es nicht nur die Essenszeit, sondern
+überhaupt die Mittagspause im Dienste, die mittägliche Freizeit von 12
+bis 1-1/2 h bezeichnet.<a id="Page_336"></a>
+ <span class="pagenum">[336]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Mittagskreis</span>, der, s. Meridian.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mitteldruckmaschine</span>, s. Maschine.</p>
+
+<p><span class="strong1">mittschiffs</span> ist ein ziemlich unbestimmtes Adverbium mit dem etwas näher
+bestimmt wird das sich nicht &#8222;vorn&#8223;, aber auch nicht &#8222;achtern&#8223; befindet.
+An eine mathematische Mitte ist schon garnicht zu denken. Aber das ist
+zu betonen, daß es nicht bloß die ungefähre Mitte zwischen hinten und
+vorne, also nicht bloß die Mitte der Länge nach, sondern auch die Mitte
+der Breite nach bedeutet, und zwar die ganze von hinten nach vorne
+gedachte, von beiden Bordwänden gleich weit abstehende Mittellinie oder
+Längsachse des Schiffes. Man sagt: &#8222;Das Schiff wurde mittschiffs
+gerammt&#8223;, bei einem Vollschiff also etwa zwischen Großmast und Fockmast;
+man sagt aber auch: &#8222;Das Schiff hat sein Ruder mittschiffs liegen&#8223; d.&nbsp;h.
+die Ruderpinne befindet sich in der Mitte zwischen beiden Bordwänden, in
+der Mittellinie.</p>
+
+<p><span class="strong1">Moker</span>, der, s. Kalfatern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mole</span>, die, im Munde des niederdeutschen Seemanns wohl auch Mulje, ist
+jetzt ein Steindamm oder vielmehr eine Kaimauer, die den Eingang eines
+Hafens zugleich bildet und schützt. Früher ganz allgemein ein Damm oder
+Deich. In der Chronik des Landes Dithmarschen von Neocorus heißt es: &#8222;up
+de mohle is ein grot inbrock geschehen&#8223;. Holländisch mole, dänisch
+mullie, schwedisch mölja, englisch mole, französisch mole, italienisch
+molo, spanisch muelle, portugiesisch molhe &nbsp;&mdash;&nbsp; alles zurückgehend auf das
+lateinische moles, Masse, Last, große Steinmasse, Damm. Bei San Lucar de
+Barrameda befand sich sehr früh eine Mole. 1588 schreibt Waghenaer im
+&#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;: &#8222;Voorts om te weten die mercken vanden steen
+oft droochte die int gadt van S. Lucas ligghende syn, als de Molen ende
+t'witte Clooster staende opt Oostereynde van S. Lucas ouer een comende&#8223;
+...</p>
+
+<p><span class="strong1">Monsun</span>, der, ist ein im Indischen Ozean in regelmäßigen Perioden stets
+aus gleicher Richtung wehender starker, sich oft bis zum Sturm
+steigender Wind, von Oktober bis März aus Nordost, von April bis
+September aus Südwest wehend. Das Wort lautet französisch monson,
+monçon, spanisch monzon, portugiesisch monsao und stammt aus dem
+Arabischen, wo mansim bedeutet a time, a season, the favourable season
+for sailing to India; also: günstige Jahreszeit.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mooring</span>, die, ist eine besondere Befestigung eines Schiffes<a id="Page_337"></a>
+ <span class="pagenum">[337]</span> durch
+Anker, Ketten, Taue, um es in der Lage zu halten, in der man es haben
+will, aus der es um irgendwelcher Gründe, wie Raummangel, Rücksicht auf
+die Windrichtung, willen sich nicht herausbewegen soll; also eine
+Befestigung des Schiffes zur Vermeidung des Schwojens. Man nennt es auch
+&#8222;ein Schiff vertäuen&#8223;. Vergl. auch Spring. Das Zeitwort mooren, häufiger
+vermooren, hat seinen langen o-Laut von der dunklen niederdeutschen
+Aussprache des a, denn es heißt eigentlich marren = binden, festbinden,
+befestigen. Von ihm ist das andere seemännische Zeitwort marlen ein
+Iterativum. Schon dem Teuthonista war das Wort bekannt, und zwar in der
+Form merren; er schreibt: &#8222;cabel-lyn reep, seel, to vo dair mede men eyn
+schyp an dat lant vestiget offte merret&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Morgenwache</span> s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mufferdeischuner</span>, der, (vergl. John Brinckman, &#8222;Kasper Ohm un ik&#8223;), ein
+Schuner, oder vielmehr eine Brigg, oder noch besser eine Schunerbrigg,
+eine Brigantine, &#8222;that is square-rigged forward and schooner-rigged
+aft&#8223;, also ein Schiff, das am vorderen Maste Rahesegel, am achteren
+Schratsegel (s. d.) hat. Mufferdei soll eine von deutschen Seeleuten
+zurechtgemachte Form des im Englischen gebräuchlichen Hermaphrodite
+sein, würde also ein Zwitterding bedeuten, wegen der zweierlei Segel
+oder zweierlei Masten. Aber zweierlei Segel und Masten hat schließlich
+jedes Schiff. Die Erklärung mag hier dahingestellt bleiben, da das Wort
+ohnehin in der neuhochdeutschen Seemannssprache kaum gebraucht wird. Im
+Korrespondenzblatt für niederdeutsche Sprachforschung vom Jahre 1895 ist
+Näheres darüber nachzulesen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mundpfropfen</span>, der, ein Pfropfen, der in die Mündung einer Kanone
+gesteckt wird, wenn diese außer Gebrauch ist. Das Wort bedürfte der
+Aufnahme nicht, wenn man nicht im Munde der Kriegsschiffsleute öfters
+die Frage, in übertragenen Sinne als Ausdruck der Verlegenheit, hörte:
+&#8222;Wo legen wir den Mundpfropfen hin&#8223;. Dieses geflügelte Wort stammt aus
+einer Geschützinstruktion an Bord eines S. M. Schiffe. Als einmal ein
+Feuerwerksmaat seiner Geschützbedienung genau alle Handgriffe und
+Bewegungen beim Klarmachen eines Geschützes zum Exerzieren
+auseinandergesetzt hatte, endigte er seine Instruktion etwas allzu
+wichtig tuend mit den Worten: &#8222;Nun entsteht aber noch die große Frage:
+wo legen wir den Mundpfropfen hin?&#8223;, den zum Exerzieren aus der Mündung
+herausgenommenen.<a id="Page_338"></a>
+ <span class="pagenum">[338]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">mustern</span> heißt jemanden oder etwas daraufhin ansehen, ob er oder es sich
+in dem Zustande befindet in dem er oder es sich befinden soll, also
+zusehen, ob er oder es dem Muster gemäß, musterhaft ist. Auf unseren
+Kriegsschiffen ist Musterung schlechthin die tägliche Musterung der
+Mannschaft und des Schiffes durch den Kommandanten, welche als
+&#8222;Sonntagsmusterung&#8223; besonders feierlich und gründlich vorgenommen wird.
+Es gibt aber auch besondere Musterungen: Reinlichkeits-, Zeug-, Gewehr-
+etc. Musterung. Im Teuthonista heißt das Wort noch monsteren, und so
+kann man es auch heute noch seemännisch und überhaupt niederdeutsch
+hören. In dieser Form läßt es seine Abstammung von monstrare zeigen,
+deutlicher erkennen. Doch hat das Wort eine wesentliche
+Bedeutungsverschiebung erlitten, denn eigentlich ist es der Mann der
+mustert, nämlich sich seinem Kommandanten zeigt, aber jetzt heißt es:
+&#8222;Der Kommandant mustert den Mann.&#8223; Die Verschiebung hat sich wohl über
+das Substantivum Musterung bewegt, indem diese die Veranstaltung ist,
+bei der die Matrosen sich zeigen, bei der sie also besehen werden, und
+dieses &#8222;Besehen&#8223; ist dann als das Wichtigste in den Vordergrund
+getreten. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Er läßt sich anmustern&#8223;, sagt man, wenn einer sich zum
+Eintritt in einen Dienst vorstellt, &#8222;zeigt&#8223;; er wird dann in die
+Musterrolle eingetragen. Dem entsprechend ist dann abmustern, aus dem
+Dienst treten, gebildet, ohne daß der Begriff monstrare überhaupt noch
+in Betracht käme, der aber in dem kaufmännischen Muster und in Monstrum
+noch zu erkennen ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Mut</span>, <span class="strong1">Mutte</span>, die, ein Fahrzeug an der friesischen Küste mit flachem Boden
+und zwei Farunners anstatt einer Kajüte. Es sieht plump und wenig
+schmuck aus, so daß die Vermutung nahe genug liegt, der Name komme von
+mutte = Sau, Mutterschwein. Das ist nicht gerade fein, aber die
+Weserkähne werden von den Hamburgern Schweinsköpfe genannt, wogegen die
+Weserschiffer die Hamburger Ewer mit dem Ehrennamen &#8222;Kreijenkieper&#8223;
+nennen und von ihnen zu sagen pflegen: &#8222;Groß von Masten, klein von
+Lasten.&#8223;<a id="Page_339"></a>
+ <span class="pagenum">[339]</span></p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="N"></a>N.</span>
+</h2>
+
+
+<p><span class="strong1">Nachen</span>, der, ist eigentlich kein seemännisches Wort mehr. Wohl ist es
+früher eins gewesen, denn im Beówulf wird naca sogar für seegehendes
+Schiff gebraucht, aber zur Zeit ist es nur bei Nichtseeleuten und nur im
+Binnenlande, namentlich in Hochdeutschland als gleichbedeutend mit Kahn,
+das auch kaum seemännisch gebraucht wird, üblich. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es besteht die
+Neigung, Worten die mit a anlauten ein n vorzusetzen, z.&nbsp;B. ärs, närs;
+Ast, Nast; ost, nost; arren, narren (mit dem Schlitten fahren); ort,
+nort (Spitze). Das kommt daher, daß das n unbestimmten Artikels zu dem
+Anfangs-a des Substantivums hinübergezogen wird, wie Nobiskrug aus 'n
+Abyssuskrug entstanden ist. So könnte man Nachen erklären als Achen mit
+solch einem n davor. In der Tat findet sich nämlich dieses Achen in
+oberdeutschen Mundarten vor, niederdeutsch aak, ake, ak; niederländisch
+aak neben naak. Wenn man nun ak oder ach für die ursprünglichere Form
+ansehen dürfte, so ließ sich die Sache so erklären: man sprach von einer
+Achenfahrt und meinte damit eine Wasserfahrt (aha, ahwa, aqua, ach, ahe,
+a = Wasser) und hernach meinte man, zu Zeiten, da ach als Wasser nicht
+mehr verständlich war, Achen sei das, womit man auf den Wasser fährt,
+ein Boot. Dem steht aber die angelsächsische Form naca entgegen, da sich
+zur Zeit des Beówulf diese Bedeutungsverschiebung noch nicht vollzogen
+haben konnte. Es muß demnach eine andere Erklärung gesucht werden. Mit
+einiger Zaghaftigkeit hat man auf das lateinische navis hingewiesen. Ich
+möchte eine andere Möglichkeit erwähnen. Bekanntlich ist das lateinische
+nix aus snix entstanden. Dem entsprechend könnte auch in unserem Worte
+ein anlautendes s geschwunden sein. Dann käme es von einer Wurzel sna,
+snu und gehörte zum althochdeutschen snahhan = gleiten, schlüpfen,
+schleichen, kriechen, sich bewegen, fließen durchs Wasser gleiten,
+schwimmen, vergl. englisch snake, Schlange, auch niederdeutsch snake =
+Schlange. Dann wäre Nachen &#8222;ein durch Wasser dahingleitendes Ding.&#8223; Aber
+die Sprache hätte sich dann nicht mit einmaligem Schwund eines Anlautes
+begnügt, sondern es wäre ein zweimaliger erfolgt; es wäre außer<a id="Page_340"></a>
+ <span class="pagenum">[340]</span>
+dem s auch noch zuweilen das n abgefallen und Nachen wäre nicht aus
+Achen, sondern Achen aus Nachen entstanden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nachtwache</span>, die, s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nadir</span>, der, ist der dem Zenith entgegengesetzte Pol des Horizontes, der
+Fußpunkt im Gegensatz zum Scheitelpunkt, der Punkt der auf der anderen
+Seite der Erdkugel dem Scheitelpunkt entgegengesetzt ist. Arabisch und
+persisch nadir, nazir, von nazara gleich sein, sich entsprechen,
+entgegengesetzt sein, ein Gegenstück zu etwas bilden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nagelbank</span>, die, ist ein an der Binnenseite des Wants oder sonst an
+passender Stelle angebrachtes Stück Holz, in dem die Koveinnägel zum
+Belegen laufenden Gutes befestigt sind.</p>
+
+<p><span class="strong1">Naht</span>, die, bedarf nur im Sinne von Decksnaht einer Erklärung, indem es
+die Fuge zwischen zwei Decksplanken bedeutet. Es hat also mit nähen
+keine Gemeinschaft, kommt vielmehr vom althochdeutschen hnôjan, nuoen =
+einsetzen, genau zusammenfügen; davon althochdeutsch hno, nô, nua, nuo,
+nuoha = Fuge, schmale Ritze, Nut. Dieses Nut wäre die richtige Form des
+Wortes, wie es unsere Handwerker auch täglich gebrauchen, Naht aber ist
+auch eine der vielen Verdunkelungen, die von Unkundigen bei der Aufnahme
+ins Hochdeutsche verschuldet worden sind.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nahrungszweig, erlaubter</span>, nennt man wohl scherzhaft die Seefahrt. Wenn
+einer ihrer bei andauernd schlechtem Wetter oder sehr langem Seetörn
+recht müde ist und sie verwünschen möchte, so fängt er wohl mit einer
+Verwünschung an, unterbricht sich dann aber und sagt: &#8222;na, sie ist ja
+aber ein erlaubter Nahrungszweig.&#8223; Der Ausdruck stammt aus der alten
+Litanei, die auf Schiffen, wo ein Pfarrer ist, an Bord und in den
+Marinekirchen am Lande am Bußtag gebetet wird und bis vor Kurzem eine
+Fürbitte enthielt für Bergbau, Handel, Seefahrt &#8222;und andere erlaubte
+Nahrungszweige.&#8223; Das Gebet ist also zu einer Zeit verfaßt, in der die
+Seefahrt vielfach als unerlaubter Nahrungszweig, als Seeräuberei,
+betrieben wurde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Navigationsoffizier</span>, der, ist an Bord der Kriegsschiffe der Offizier der
+alles unter sich hat, was zur Navigation im engeren Sinne gehört, dessen
+Aufgabe vor allen Dingen die Bestimmung des Mittagsbestecks ist, der
+überhaupt die astronomischen Beobachtungen anzustellen und zu leiten
+hat, der das Meteorologische<a id="Page_341"></a>
+ <span class="pagenum">[341]</span> besorgt, unter dessen Verantwortung
+die Chronometer bedient werden, der die Karten- und Instrumentenkammer
+unter sich hat, also einen verantwortungsvollen Posten bekleidet. Daher
+wird ein älterer Offizier dazu genommen, der nächste nach dem ersten
+Offizier; er ist wachfrei und hat auch sonst mit dem Schiffsdienst
+weniger zu tun, damit er sich ganz seiner besonderen Aufgabe widmen
+könne. Unter ihm steht mit seinen Maaten und Gasten der Steuermann, den
+man bei der Marine eine Zeit lang Navigations-Bootsmann nannte; nicht
+sehr glücklich, so daß man erfreulicherweise bald wieder davon abkam.
+Das Fremdwort Navigation war schon früh im Gebrauch. Waghenaer gebraucht
+es schon 1588: &#8222;Alsoo onse particuliere Zee-Caerten die wy vande
+Westersche, Oostersche ende Noordtsche navigatien, eensdeels hebben
+laten vtgaen ende d'andere (met Godes hulp) mede van meyninghe syn
+eerstdaechs int licht te doen brenghen&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Napier'scher Turm</span>, der, s. Turm.</p>
+
+<p><span class="strong1">Neer</span>, das, heißt das fallende Wasser, der Ebbstrom, der zurückfließende,
+rückläufige Strom, das Wasser, das durch irgend ein Hindernis eine der
+Hauptströmung entgegengesetzte Stromrichtung erhält, wie dies bei der
+vorspringenden Stelle eines Ufers, bei einer Sandbank etc. etc.
+geschieht; niederländisch neer, neere = Gegenstrom. Doornkaat dürfte mit
+seiner Vermutung recht haben, daß neer Zusammenziehung von neder =
+niedrig sei, indem Ebbestrom das ursprünglich Ausschlaggebende war, und
+der hat niedrig Wasser im Gefolge.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nehrung</span>, die, Name der langen, schmalen Halbinsel an der preußischen
+Ostseeküste. Weil Nehrung eine schmale, also auch enge Landzunge ist, so
+hat man an das altsächsische narn enge gedacht. Da aber eine solche
+Landzunge leicht Änderungen in der Strömung, Strudel und dergl. erzeugt,
+so wäre in Betracht zu ziehen, ob wir hier nicht eine Weiterbildung von
+Neer (s. d.) vor uns haben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nes</span>, die, auch Nesse, Halbinsel, Vorsprung, Landzunge, Name der
+Halbinsel Nesse bei Emden, der Ortschaft Nesse bei Norden; englisch
+ness, in Sheerness; altnordisch, norwegisch nes; schwedisch näs, dänisch
+nes, naes Vorgebirge, Kap; Lindesnäs und andere. Das Wort ist kein
+anderes als die niederdeutsche Form für unser hochdeutsches Nase.<a id="Page_342"></a>
+ <span class="pagenum">[342]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Niklausse-Kessel</span> s. Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Niederdruckmaschine</span> s. Maschine.</p>
+
+<p><span class="strong1">Niederholer</span>, der, ist ein laufendes Tau, das an solchen Segeln
+angebracht wird, die, wenn ihr Fall losgemacht ist, nicht von selbst
+sinken, sondern, eben mit Hilfe des Niederholers, niedergeholt werden
+müssen. Er wirkt in der entgegengesetzten Richtung des Aufholers. Klüver
+und Stagsegel haben dergleichen Niederholer. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch gibt es Niederholer
+für die Bramrahe und Oberbramrahe, die mit diesem Niederholer an Deck
+bezw. in den Mars niedergeholt werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nipflut</span>, die = niedrige Flut. Das niederdeutsche Zeitwort nippen heißt
+mit dem Kopfe nicken, den Kopf sinken lassen. Dem entspricht das
+Hochdeutsche nippen, den Kopf öfters sinken lassen um in kleinen
+Schlucken zu trinken. Mittelniederdeutsch nipen sinken, niedergehen,
+heruntergehen, sich senken. Ein niederdeutsches Substantiv nip heißt
+Nicken, das Sichneigen des Kopfes. Von dem allgemeinen Begriff
+<span class="strong1">niedergehen</span> kommt das angelsächsische nipan = obscurari, weil
+niedergehende Gestirne dunkel werden, bezw. dunkel machen. Es ist also
+Nipflut mit &#8222;niedrige&#8223; Flut zu übersetzen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Breusing mochte dieses
+Wort vergl. &#8222;Gezeiten&#8223;, nicht leiden, weil er es für englisch und
+deutschen Seeleuten unverständlich hielt. Er möchte dafür &#8222;taube Gezeit&#8223;
+eingeführt sehen. &#8222;Man unterscheidet Springzeit und taube Gezeit in
+ähnlichem Sinne, wie man leere, taube Schoten von denen unterscheidet,
+die aufspringen, wenn sie voll und reif sind.&#8223; Es hat sich aber Nipflut
+so in der wissenschaftlichen Welt eingebürgert, daß an ein Verdrängen
+nicht zu denken ist. Nach obigem ist es auch gar nicht so ausschließlich
+englisch wie Breusing dachte; ebensowenig wie tide (s. d.) englisch ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">nisseln</span>, fein, sanft, langsam regnen, so daß keine großen Tropfen, ja
+überhaupt kaum Tropfen, sondern kaum etwas mehr denn feiner Nebelregen
+herniederkommt. Das niederdeutsche Zeitwort nüsseln heißt langsam sein,
+zaudern, säumen, nicht vorwärts kommen, nichts beschicken, keine ganze
+Arbeit tun. Offenbar ist letzteres auch die Bedeutung von nisseln =
+regnen, ohne daß es ganzer, richtiger Regen ist, regnen mit halber
+Kraft, mit halber Arbeit. Nüsseln könnte gleich nüsteln sein, und dieses
+ist gleich nesteln, kleine, tiftelige Arbeit tun, Arbeit die viel Zeit
+braucht, ohne daß sie viel zu Stande bringt.<a id="Page_343"></a>
+ <span class="pagenum">[343]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Nitsel</span>, das, auch Nitzel geschrieben, heißt ein dünnes, kurzes,
+getakeltes Stücken Garn, mit dem die Seeleute ihre Wäsche an der
+Wäschejolle zum Trocknen aufhängen oder vielmehr festbinden, besonders
+aber das Bändsel oder Nestel, mit dem man die Hängematte
+zusammennestelt, zurrt. Für Nestel hört man wohl auch Nistel und davon
+ist Nitsel eine einfache Umstellung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nock</span>, die, die spitze Ecke eines Segels, die äußerste Spitze einer Rahe.
+Weiland: &#8222;Nok een woord, dat in het gemeen het opperste toppunt van
+iets, het niderste einde schijnt beteekend te hebben. In het bijsonder
+is het in gebruik voor het opperste van het dak.&#8223; Auch im
+Niederdeutschen wird es für First gebraucht; norwegisch nuk, Bergspitze.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Die Grundbedeutung ist biegen, beugen, krümmen, in einem Winkel sich
+umbiegen, eine scharfe Ecke bilden. So hieß also zuerst die äußerste
+Ecke des Segels Nock, und von ihr ist der Name auf den
+nächstbenachbarten äußersten Teil der Rahe übergegangen; wie umgekehrt
+der Name Klau vom Ende der Gaffel auf den benachbarten Teil des Segels
+überging. &nbsp;&mdash;&nbsp; Da durch das Nicken eine Biegung und Krümmung entsteht, so
+wird Nock zu nicken zu stellen sein und als verwandt mit Nacken und
+Genick angesehen werden müssen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nockgording</span> s. Gording.</p>
+
+<p><span class="strong1">Normandkessel</span> s. Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Normalnull</span> s. Nullpunkt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Normänner</span>, die, heißen zwei querschiffs stehende an den Betings
+befestigte eiserne Arme, dazu dienend, den Betingschlag der Ankerkette
+frei von Deck und die beiden Parten frei von einander zu halten. Früher
+war ein Normanne ein Stück Holz zur Befestigung des Ankertaus; der Name
+stammt aus England, wo man die Vorrichtung für so alt gehalten haben
+muß, daß sie noch von den alten Normannen, die mit Wilhelm dem Eroberer
+nach England kamen, abstammend angesehen wurde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Notschuss</span>, der, ein Schuß den ein Schiff in Seenot abfeuert um Hilfe
+herbeizurufen. Er hat natürlich nur Sinn und Zweck, wenn überhaupt eine
+Küste nahe ist und wenn sich an ihr Rettungsmittel befinden, die auf den
+gefeuerten Kanonenschuß hin bereit sind, in Tätigkeit zu treten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Null!</span> hört man an Bord oft rufen wenn Beobachtungen oder Messungen
+vorgenommen werden bei denen es darauf ankommt, einen genauen Zeitpunkt
+zu haben. Es gehören zwei zu solcher<a id="Page_344"></a>
+ <span class="pagenum">[344]</span> Messung, einer der das
+Meßinstrument und einer der die Uhr im Auge hat. Sobald der bestimmte
+Zeitpunkt da ist, wird in demselben Augenblick kurz, laut, scharf Null!
+gerufen; man könnte auch irgend einen anderen Ton von sich geben, aber
+dieser ist kurz und deutlich und daher einmal als zweckentsprechend
+eingeführt, zuerst natürlich, weil der genannte Augenblick als Nullpunkt
+für die Berechnung dienen sollte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Nullpunkt</span>, der, Dick und Kretschmer I. 232: &#8222;Die Pegel der Hafenplätze
+beziehen sich auf das mittlere örtliche Niedrigwasser. Werden die
+Nullpunkte jedoch in Verbindung gebracht mit dem Normal-Null, gleich dem
+Amsterdamer Null oder dem mittleren Wasserstande der Ostsee, gleich 37 m
+unter dem Normalhöhenpunkte der Sternwarte in Berlin, dann ergibt sich
+das Folgende: Der Nullpunkt des Pegels liegt unter Normal-Null</p>
+
+<table border="1" summary="Nullpunkt des Pegels unter Normal-Null">
+<tr><td class="tdleft">in Wilhelmshaven</td><td class="tdleft">0,578 m</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;"&nbsp;&nbsp;Bremerhaven</td><td class="tdleft">2,075&nbsp;&nbsp;"&nbsp;</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;"&nbsp;&nbsp;Brunsbüttel</td><td class="tdleft">0,230&nbsp;&nbsp;"&nbsp;</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;"&nbsp;&nbsp;Holtenau</td><td class="tdleft">0,330&nbsp;&nbsp;"&nbsp;</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;"&nbsp;&nbsp;Cuxhaven</td><td class="tdleft">3,639&nbsp;&nbsp;"&nbsp;</td></tr>
+</table>
+
+
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="O"></a>O.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Ocean</span>, der, griechisch okeanos, bei Homer der die Erde wie das Meer
+rings einschließende Weltstrom, Urquell alles dessen was ist, aus dessen
+Fluten sich die Gestirne erheben, so wie sie auch wieder in ihn
+zurückkehren. Später das Weltmeer, von dem es im Besonderen wieder einen
+indischen und westlichen Ocean gab. Okeanos war in der griechischen
+Mythologie personifiziert, Sohn des Uranos und der Gäa, Gemahl der
+Thetis, Vater einer Menge von Söhnen und Töchtern (der Gewässer), ein
+Gott, der an Macht nur dem Zeus wich. Der deutsche Seemann kennt nur
+drei Oceane, den atlantischen, den er gern kurzweg den Atlantik nennt,
+den großen, für den er gern Südsee sagt, und den indischen. Die
+Engländer haben außerdem noch einen arctic und einen antarctic ocean. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+In dem Worte Ocean steckt unser altdeutsches aha, lateinisch aqua =
+Wasser, mit verdunkeltem<a id="Page_345"></a>
+ <span class="pagenum">[345]</span> a wie bei dem oog in Wangeroog,
+Spiekeroog, Langeoog etc. etc.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ochsenauge</span>, das, war vor hundert Jahren für nichts anderes im Gebrauch
+als für eine Öffnung, die man bei dickem Wetter in den Wolken sieht, ein
+Stückchen blauen Himmels bei sonst grauer Bedeckung. Roeding meint,
+durch solch eine Öffnung habe sich der Wind einen Weg gebahnt und man
+bekomme ihn daher oftmals kurz nachher von der Seite, wo sich diese
+Öffnung zeigt. &#8222;Wenn ein Ochsenauge der Sonne gegenüber steht, so hat es
+die Farben eines Regenbogens, und alsdann nennt man es auch eine
+Wettergalle. Steht es aber bei der Sonne, so ist es gewöhnlich ein
+Vorbote von schlechtem Wetter.&#8223; Seit uralten Zeiten waren große Augen
+bei den Frauen für schön geachtet, daher das berühmte boopis im
+Lateinischen wiedergegeben werden konnte mit &#8222;grandibus oculis
+praedita.&#8223; Es lag nahe, einen solch freundlichen Himmelsblick ein Auge
+zu nennen, daß es gerade ein Ochsenauge sein mußte, zeugt davon, daß
+unter unsern Seeleuten schon im 18. Jahrhundert sich junge Leute
+befanden, die die Bänke hoher Schulen gedrückt und mit dem vermeintlich
+freien Seeleben vertauscht hatten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Heute heißt in begrifflicher
+Anlehnung an diesen Gebrauch von Ochsenauge ein kleines, rundes, wenig
+aber doch immerhin etwas Licht spendendes Stück Glas, das in einer
+Kammer die Stelle eines Fensters vertritt, sei es, daß es von oben durch
+das Deck, sei es, daß es von der Seite durch die Bordwand leuchtet,
+Ochsenauge; englisch bull's eye, daher auch bei uns meist Bullei
+genannt.</p>
+
+<p><span class="strong1">orientieren</span>, kommt ursprünglich aus der Baukunst und wurde zuerst von
+Kirchen gebraucht, die nach altchristlichem Gebrauch so gebaut wurden,
+daß der Chor nach Osten zeigte. Eine solche nach oriens gerichtete
+Kirche hieß und heißt orientiert. Nach einer orientierten Kirche konnte
+sich jeder leicht in Bezug auf die Himmelsrichtungen unterrichten,
+weshalb man bald &#8222;sich oder jemanden orientieren&#8223; gebrauchte für
+informieren, zurechtweisen, belehren u.&nbsp;s.&nbsp;w. Aus dem Umstande, daß
+mittelalterliche Kirchen entweder im ganzen oder gar nur in einzelnen
+Teilen nicht genau orientiert sind, hat ein Baumeister unserer Tage
+geschlossen, man habe die Orientierung der betreffenden Kirchen zwar
+nach der Magnetnadel vorgenommen, aber die Mißweisung außer Acht
+gelassen.<a id="Page_346"></a>
+ <span class="pagenum">[346]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Orkan</span>, der. So heißt jetzt jeder Sturm, der sich über das gewöhnliche
+Maß des Sturmes hinaus steigert, ja im Binnenlande ist man mit der
+Bezeichnung orkanartiger Sturm schon bei der Hand, wenn irgendwo einmal
+ein Glasdach abgedeckt wird; ursprünglich waren aber nur die besonders
+schweren westindischen Stürme, die Cyclone, damit gemeint, denn aus dem
+karaibischen Meer haben die Spanier das Wort mitgebracht; spanisch
+huracan, welches die dem Ursprünglichen am nächsten kommende Form sein
+dürfte; italienisch uracano, französisch ouragan, niederländisch orkaan.
+Die Engländer haben das anlautende h stehen lassen und sagen hurricane.
+Bei uns ist es erst in der neuhochdeutschen Zeit in Aufnahme gekommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Orlogschiff</span>, das, s. Kriegsschiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Orlopbalken</span>, <span class="strong1">Orlop</span>, <span class="strong1">Overlop</span>, s. Deck.
+</p>
+<p><span class="strong1">Ort</span>, der. Es gibt fünf verschiedene Bedeutungen von Ort: 1.
+Schusterahle, 2. Maß, 3. eine Münze, 4. eine Landspitze, 5. ein Platz.
+Sie kommen aber alle fünf in dem einen Begriff Spitze zusammen, spitzer
+Punkt, Anfang, Ecke, Winkel, Rand, Platz; einem Begriff, der sich an der
+See in den Bezeichnungen Darserort, Brüsterort, Friedrichsort erhalten
+hat und der in dem althochdeutschen Ort und dem mittelniederdeutschen
+oort noch ausschließlich lag; wie denn auch im Altfriesischen oerd für
+Schwertspitze gebraucht ward, und in Groningen noch heute oort die
+Messerspitze heißt, wie im Angelsächsischen ord ganz allgemein
+Waffenspitze. In Bezug auf die Bedeutungen Maß und Gewicht und Münze
+sagt Kluge, 276: &#8222;Zunächst ist diese Bedeutung von dem viereckigen durch
+ein Kreuz in vier Orten, d.&nbsp;h. Ecken geteilten Münzen ausgegangen und
+erst dann auf Maß und Gewicht übertragen worden.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Bezeichnung
+Örtje, Örtchen für die kleine ostfriesische Münze, im Werte von 1-1/4
+alten hannoverschen Pfennigen, ist in dem Spottgedicht verewigt, das
+Mitte des vorigen Jahrhunderts ein Offizier der hannoverschen Garnison
+in Aurich auf Ostfriesland gemacht hat. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Wen gy von ein Land na dat
+ander segeln willen, und gy alßden juw Gissing willen maken, so möcht gy
+erst den Huck offt Ort des Landes, dewars, von juw aff gegeben, ehr und
+bevor gy de Glese kehren,&#8223; &#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223;,
+1673. Daß Ort ein langes o hat, geht schon aus den obigen alten Formen
+hervor, wird aber bestätigt durch das &#8222;Seebuch&#8223; von Manson, Lübeck 1735:
+&#8222;Vons<a id="Page_347"></a>
+ <span class="pagenum">[347]</span> West Ende von Femern nach dem Inlauff von Kiel ist es
+Westen zum Süden 5 Meilen, die Förde ist groß und weit, ihr lasset das
+Casteel, <span class="strong1">Friedrichs Ohrt</span> im Aufsegeln am Stührbord, man gehet dann das
+Förde auf nach der Stadt zu. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von Kieler-Föhrde biß Eckern-Förde ist
+es Nord-Nordwesten 2 Meilen ist gleichfals eine grosse weite Förde, man
+segelt hier für die Stadt gleiches Nahmens.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">ösen</span> heißt schöpfen, ausschöpfen, besonders das Wasser aus einem Boot
+mit einem Schöpfer, Ösfaß genannt, ausschöpfen. Schon Kilian übersetzt
+oozen mit haurire, und von einer Form dieses Zeitworts stammt es auch,
+indem es aus haustum weitergebildet ist mit geschwundener Aspiration.
+Das beweisen die Formen mit au, in der Edda ausa, gießen; auster das
+Wasser das sich am Boden eines Fahrzeuges sammelt, eigentlich das
+Auszuschöpfende; aust-skota, das Schöpfgefäß. Es beweisen es auch die
+Formen die bis auf heute das h des Anlautes behalten haben.
+Wangeroogisch und überhaupt neuniederdeutsch hozen, neuniederländisch
+hoosen = schöpfen, hoosvat = gieter, Gießer. &nbsp;&mdash;&nbsp;Friesisch eaze, mittelst
+des easfet. &#8222;Wol beslein, zei Anke de scipper, it scip forlern, ind it
+easfet bihalden.&#8223; Bei der Lüneburger Salzgewinnung heißt oseammer,
+osammer der Schöpfeimer und der Solschöpfer führt den Namen oser. Von
+Bremen bis Wangerooge heißt der unterste Rand des Daches von dem das
+Regenwasser auf die Erde tröpfelt oese und oesing, also Dachtraufe. Kurz
+im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt ösen schöpfen oder gießen;
+&#8222;een öse, dar dat segel mit genettet werdt.&#8223; Und auch im Oberdeutschen
+heißt Oese das Schöpfgefäß; nicht zu verwechseln mit Oese = Ohr, Henkel,
+Griff, denn das kommt gemäß einem bei Willmans I. 85
+auseinandergesetzten Lautverschiebungsgesetze vom gothischen auso, das =
+Ohr ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Man sagt, wenn einer etwas mutwillig umkommen läßt: &#8222;er
+verast es;&#8223; das muß eigentlich heißen: &#8222;er veröst es&#8223;, gießt es aus,
+verschüttet es.<a id="Page_348"></a>
+ <span class="pagenum">[348]</span>
+</p>
+
+
+<h2>
+<span><a id="P"></a>P.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">P. and O.</span> Abkürzung für Peninsular and Oriental Line, eine
+Schiffahrtslinie die ihre Verbindungen mit der Peninsula d.&nbsp;h. Spanien
+und Portugal und mit dem Orient d.&nbsp;h. mit Ostindien etc. etc. unterhält.
+Im Abkürzen sind die Engländer groß; Gib für Gibraltar und Frisco für
+Francisco und Hock für &#8222;Hochheimer&#8223; kann man auf jedem englischen
+Kriegsschiffe hören, und in ganz Indien, China und Japan hört man nie
+anders als von P. and O. = Dampfern reden, wenn man von dieser
+englischen Linie und ihren Schiffen spricht.</p>
+
+<p><span class="strong1">p. m.</span> s. a. m.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pageie</span>, die, heißt nach Roeding (1794) bei den Negern an der
+afrikanischen Küste und auch bei den Indianern eine Art Riemen mit
+breitem Blatt. Wort und Sache scheinen zu uns auf dem Wege über
+Frankreich gekommen zu sein, französisch pagaye, Zeitwort pagayer, und
+der Ruderer mit diesem Werkzeug heißt pagayeur. Die Pageie wird nicht
+auf den Dollbord aufgelegt, sondern der an der Bordwand des Bootes
+sitzende pagayeur rudert aus freier Hand, die Pageie auf und nieder
+haltend. &#8222;L'effet de la Pagaye est plus considérable que celui de
+l'aviron, mais sa manoeuvre exige plus de force et fatigue davantage.&#8223;
+(Bonnefoux et Paris, marine à voiles 542.)</p>
+
+<p><span class="strong1">paddeln</span> heißt auf eigentümliche Art rudern oder im Wasser sich bewegen.
+Es scheint, daß in England sich der Name Pageie nicht eingebürgert hat,
+(s. d.) vielleicht weil man dorten für ein ähnliches Werkzeug den sehr
+populären Namen paddle hatte, der sich nicht verdrängen ließ, &#8222;a sort of
+short oar with a broad blade used in propelling and steering canoes and
+boats.&#8223; Paddel ist aber auch bei uns neben Pageie in Gebrauch, besonders
+indessen das Zeitwort paddeln, eine Tätigkeit anzeigend durch die das
+Wasser, sei es durch Rudern, sei es durch eigentümliches Schwimmen, so
+bewegt wird, wie ein Frosch es beim Schwimmen bewegt. Ein Frosch oder
+eine &#8222;Kröte&#8223; hieß aber angelsächsisch pada und heißt englisch paddock,
+niederdeutsch padde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Packung</span>, die. Packen heißt zuerst ein Packet machen, dann seine Sachen
+für die Reise in einen Koffer legen, dann sie in einer Truhe, einer
+Kommode unterbringen, in Ordnung bringen,<a id="Page_349"></a>
+ <span class="pagenum">[349]</span> sichern; daher heißt
+die Dichtung einer Gas- oder Dampfröhre, weil sie eine Sicherung
+darstellt, Packung s. Bagger, Baginrahe, Packetboot.</p>
+
+<p><span class="strong1">Packetboot</span>, das, ein Schiff das regelmäßige Fahrten ausführt und dabei
+Passagiere, Güter, Packete und Briefe befördert, also das vorstellt, was
+man jetzt gewöhnlich einen Postdampfer nennt. Das Wort Packet ist mit
+dem niederdeutschen bag verwandt, das Sack bedeutet, s. Bagger und
+Bagienrahe. Aus balg = Tierhaut ward bag = Sack; aus bag ward Pack, denn
+wer keinen bag hatte, der band sein Zeug einfach mit einem beliebigen
+Stück alter Leinewand zusammen, und das stellte dann auch einen Pack
+vor. Dann erweiterte sich der Begriff dahin, daß alles was
+zusammengeschnürt oder auch nur in ein Papier eingewickelt war schon als
+Packet angesehen wurde. Die Post die dergleichen besorgt heißt
+Packetpost, das Schiff das dergleichen befördert Packetboot.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pall</span>, das, ist eine eiserne Sperre am Spill, dessen Rücklauf zu
+verhindern. Pall, englisch pallet, heißt das im Winkel gebogene Ende des
+Armes eines sogen. Ankers in einer Uhr, das in die Zähne des Zahnrades
+eingreift. Das Bremer Wörterbuch kennt das Wort in verschiedenen
+Bedeutungen. &#8222;Wenn das Sperreisen in eine solche Kerbe greift, so rufen
+die (das Spill drehenden) Matrosen: Pall! und machen eine Pause. Daher
+haben wir die sehr gebräuchlichen Redensarten: pall staan: unbeweglich
+stehen, standhafte Gegenwehr tun; to Pall setten, fest setzen; slim to
+Pall kamen, übel anlaufen, mit vieler Mühe seinen Zweck erreichen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Auch in der Seemannssprache unserer Tage adverbial gebraucht: Das Schiff
+steht pall, steht fest. Überhaupt ist mit dem Worte der Begriff &#8222;<span class="strong1">fest</span>&#8223;
+verbunden. Er hat also nichts mit dem Pall in Pall-Mall (Malje) zu tun,
+das von palla = Ball und maglio (malleus) Hammer kommt und ein ehedem
+auch in deutschen und niederländischen Städten (Halle, Altona, Utrecht)
+beliebtes Ballspiel bedeutete, sondern kommt vom lateinischen pala, der
+Spaten. Dieses Werkzeug scheinen die Alten aber ausgedehnter gebraucht
+zu haben als wir, denn es kommt seinerseits von pango = festschlagen;
+allerdings schlagen auch wir die Kanten des mit dem Spaten Gegrabenen
+mit dem Spaten fest, aber in pala scheint der Begriff &#8222;fest&#8223; doch noch
+stärker zur Geltung gekommen zu sein. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ich finde das
+Substantivum<a id="Page_350"></a>
+ <span class="pagenum">[350]</span> &#8222;die Pallen&#8223; zuerst in der &#8222;Beschriving van der
+Kunst der Seefahrt&#8223;, 1673: &#8222;Es sähe überall sauer aus, und die Noth war
+da, derohalben entschloß ich, daß wir wolten daß erste Land für das
+beste erkiesen; auff daß wir in der See nicht vergehen möchten; den
+zuvor dürffte ich mich nicht mit dem harten Wind an den Wall geben, weil
+die Pallen von daß Bratspieß weg wahren, den so wir zum Ancker gehen
+mußten, konnten wir solches nicht wieder auffbekommen, gedacht auch, so
+der Wind Westlich blieb, wolten wir den andern Tag unser Korß nachs
+heilige Land (Helgoland) setzen, den wir waren damahls neben dem Eylande
+Just, so an die Fresische Kost gelegen ungefehr acht Meilen von de
+Wall.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">palmen</span> heißt Hand über Hand holen, also nicht wie solches auf
+Kriegsschiffen gewöhnlich geschieht, den zu hissenden Gegenstand
+auflaufen, sondern mit wenig Matrosen, indem jeder von ihnen eine Hand
+vor die andere setzt, in die Höhe ziehen; das Gegenteil davon ist
+fieren, was auch Hand über Hand geschehen muß damit der zu fierende
+Gegenstand oder vielmehr das an ihm befestigte Tau nicht schliere. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Kommt vom lateinischen palma, das Innere der Hand, von dem auch die
+stolzen Palmen wegen der Ähnlichkeit ihrer Blätter mit einer flachen
+Hand und ihren ausgebreiteten Fingern den Namen haben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Hand wurde
+auch ebensogut wie der Fuß und der Ellbogen als Maß benutzt und man
+gebraucht dementsprechend palmen auch für messen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Palstek</span>, der. Stek heißt Stich, vom Durchstechen eines Tauendes durch
+eine Schlinge; Pal heißt Pfahl; darum aus dem Ganzen einen &#8222;Pfahlstich&#8223;
+zu machen ist ein unangebrachter Versuch der Verhochdeutschung eines gut
+niederdeutschen Seemannswortes. Das Eigentümliche des Palsteks ist, daß
+er nicht zuschliert wenn er um einen Poller oder Dükdalben gelegt wird,
+auch wenn Kraft darauf kommt, und daß man, sobald die Kraft zu wirken
+aufhört, den Palstek ohne Weiteres wieder von dem Pfahl, dem Poller, dem
+Dükdalben abnehmen und über einen anderen streifen kann, wenn etwa ein
+Schiff verholt werden soll.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pampero</span>, der, ist ein heftiger, plötzlich und überraschend aufkommender,
+mit schwerer Bö einsetzender Wind an der Küste von Südamerika, aus
+Westen wehend, hat er seinen Namen von den Pampas, über die er
+hinwegstreicht. Schon manches Schiff lag dem Kentern nahe oder ist
+gekentert, wenn es sich an jenen<a id="Page_351"></a>
+ <span class="pagenum">[351]</span> Küsten von einer so schwer
+vorherzusehenden &#8222;weißen Bö&#8223; überraschen ließ.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pantry</span>, die, ausgesprochen Päntry, also über England zu uns gekommen,
+bedeutet jetzt den zu einer Messe gehörigen Anrichteraum, in dem die
+Gläser, Teller, Messer, Gabeln etc. etc. aufbewahrt und auch abgewaschen
+werden. Vorräte werden in diesem Raume nicht verstaut, doch muß früher
+wenigstens ein gewisser Vorrat von (Hart-) Brot in der Pantry gehalten
+worden sein, denn von panis, das Brot, hat sie ihren Namen, der also
+eigentlich Brotkammer bedeutet; das Mittelglied zwischen panis und
+pantry ist das französische paneterie.</p>
+
+<p><span class="strong1">Panzer</span>, der. Die gewaltigen Panzerschiffe die jetzt den Ocean
+durchfurchen haben ihren Namen vom Unterleib. Panzer ist ein Lehnwort
+aus dem Lateinischen. Da heißt pantex der Leib, gewöhnlich in der
+Mehrzahl und poetisch gebraucht als pantices, die Eingeweide. Daraus
+ward italienisch pancia, spanisch panza, provençalisch pansa,
+französisch panse; mittelniederdeutsch panse, pantze, pantse, der
+Pansen, Wanst, Bauch, Magen, Kuhmagen, Magen der Wiederkäuer. Von
+Menschen wird es jetzt nur noch in sehr freier Rede gebraucht und in
+stehenden derben Redensarten: &#8222;Ich trete Dir vor, in den Pans!&#8223; &#8222;Sük de
+Pans full fräten.&#8223; Doch spricht das Volk auch ganz harmlos: &#8222;Mit ledige
+(leeren) Pansen is god dansen&#8223;, wo der Gebildete sagen würde: &#8222;plenus
+venter non studet libenter.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Den Teil der Rüstung der den Unterleib
+deckte nannten die Italiener panciera, spanisch pancere, altfranzösisch
+panchire, mittelniederdeutsch (Kil.) pans-yser oder panssier. Es war
+eine schuppenförmige Stahlschürze, die hat sich inzwischen zu
+halbmeterdicken Stahlplatten ausgewachsen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Panzerung eines
+Schiffes besteht aus einzelnen Panzerplatten die je nach dem Material,
+dem Erfinder, dem Ort der Verfertigung ihre Namen führen; so spricht man
+von Stahlpanzerplatten, Compoundpanzerplatten, Nickelstahlplatten,
+Harweyisierten Platten, Tressiderplatten u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pardun</span>, das. Die Parduns sind stehendes Gut und stützen die Stengen nach
+der Seite und nach hinten zu und verleihen ihnen festen Halt. Die Endung
+un, oen geschrieben, kommt im Niederländischen, woher das Wort &nbsp;&mdash;&nbsp; es
+lautet daselbst perdoen &nbsp;&mdash;&nbsp;stammen wird, häufig vor; katoen, blazoen,
+latoen, plantsoen, festoen, galjoen, menizoen, vermiljoen. Die
+Stammsilbe par dürfte<a id="Page_352"></a>
+ <span class="pagenum">[352]</span> von bar, par = tragen kommen, denn das
+Pardun ist ein tragendes, haltendes, festhaltendes Etwas. Es müßte, wenn
+diese Ableitung richtig ist, eigentlich Parun heißen; aber so gut man,
+wie in Kiel geschieht, der bequemeren Aussprache wegen anstatt Karl
+Kardel sagen kann, so gut kann sich auch hier das d eingeschlichen
+haben, zumal bar, par die Neigung hat, sich mit d weiterzubilden, wie
+Geberde und Hellebarde, Helleparte beweisen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Part</span>, die. Das Wort kommt von pars, der Teil, und wird schon im
+Mittelhochdeutschen für Teil, Anteil, Abteilung gebraucht. Demgemäß wird
+es noch heute häufig gehört: Halbpart, Partei, Partie Waren, eine &#8222;gute
+Partie&#8223;, eine Landpartie; seemännisch als Anteil an einem
+Bodmereigeschäft, Schiffspart, und dann sehr häufig im Gebrauch für
+&#8222;Teil eines Taues,&#8223; und dann auch wohl die Parte. So heißt jeder
+einzelne Teil des Läufers eines Takels der von einer Scheibe bis zur
+anderen geht, so daß ein Takel doppelt so viele Parten hat als Scheiben.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Ein einfaches Tau, das überhaupt durch keine Scheibe geschoren ist,
+das man also im Binnenlande einfach als Strick bezeichnen würde, nennt
+der Seemann eine enkelte Part, einzelne Part. Wird aber dasselbe
+zusammengebogen, so daß dessen beide Enden neben einander liegen, so
+heißt die so gebildete Bucht eine doppelte Part.</p>
+
+<p><span class="strong1">Passat</span>, der, ist der nördlich und südlich vom Äquator regelmäßig aus
+Nordost bezw. Südost und annähernd stets in der gleichen Stärke wehende,
+dem Seemann hochwillkommene Wind. Das unter Passer erwähnte spanische
+paso heißt nicht nur Schritt, Gang, Art zu schreiten, in welcher
+Bedeutung es schon allein zur Erklärung von Passat genügen würde,
+sondern auch &#8222;Strich der Vögel&#8223;. Wie nun die Vögel auf ihrem Zuge nach
+oder vom Süden stets den gleichen Strich inne halten, so streicht auch
+der Passat stets auf demselben Strich, aus bekannten physischen
+Ursachen. Englisch heißt der Passat tradewind; trade heißt ursprünglich
+Weg, Lauf, Pfad; Passat wäre also ein Wegwind, der stets denselben Weg
+weht. Es liegt auf der Hand, daß in diesem allgemeinen Sinne auch die
+Monsune Passate sind; doch haben die ihren eigenen arabisch-persischen
+Namen behalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Passer</span>, der, ist das was uns jetzt unter dem Namen Zirkel geläufiger
+ist. Ursprünglich hieß unser Kompaß in den romanischen Sprachen compasso
+und bedeutete weiter nichts als Zirkel = Meßinstrument; die jetzige
+Bedeutung als Instrument zum Messen<a id="Page_353"></a>
+ <span class="pagenum">[353]</span> der Himmelsrichtung ist
+später hinzugekommen. Im Spanischen hat paso neben vielen anderen
+Bedeutungen auch die von Takt, Versmaß, überhaupt von Maß und von
+Werkzeug zum Messen. Fuß, Spanne, Hand (palma), Elbogen, Klafter sind
+Maße vom menschlichen Leibe genommen; ein solches Maß ist auch der
+Schritt, sogar jetzt im Zeitalter des Meters noch sehr gangbar. Vom
+Schritt zum Messen und vom Messen zum Meßwerkzeug war jedesmal nur ein
+Schritt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Insbesondere wurde der Passer zum Absetzen auf der Seekarte
+gebraucht, die man darum auch Paßkarte nannte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pegel</span>, der. Maß zum Messen des Wasserstandes bei Meeren, Seen, Flüssen.
+Es bedeutet im Mittelalter ganz besonders ein Maß zum Messen von
+Getränken, wobei die messende Skala an der inneren Wand des Trinkgefäßes
+angebracht war. Das von einigen Gelehrten Ende des 18. Jahrhunderts
+herausgegebene &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223; bemerkt hierzu: &#8222;Vor Zeiten bedeutete
+Pegel ein gewisses Maß flüssiger Sachen. Nächstdem nannte man hier auch
+also einen inwendigen Ring einer Kanne, der zum Abmessen des Trunkes bei
+den Gelagen diente. Unter den Meisterstücken der hiesigen Zinngießer ist
+noch jetzt eine Kanne mit Pegeln gebräuchlich. Da eine solche Kanne mit
+verschiedenen dergleichen Ringen versehen gewesen, so hatte ehedem ein
+jeder der Saufbrüder grade bis auf einen solchen Ring, ohne abzusetzen,
+trinken müssen. Hatte er diesen verfehlt, so war er genötigt, zur Strafe
+auf den folgenden zu trinken. Wobei der ziemlich unhöfliche Zuruf
+gewöhnlich gewesen: Suup up den Pegel, du Flegel! Daher sagt man auch
+noch: enen goden Pegel supen, einen guten Trunk verstehen können, ein
+großer Säufer sein.&#8223; Daher also stammt der Ausdruck picheln für Trinken.
+Man sieht, die Deutschen befleißigten sich von jeher des Trunkes nach
+allen Regeln der Kunst. Doch tat der Pegel gute Dienste beim
+Einschenken, indem man, wie bei den Kindersaugflaschen, durch die
+Striche an der Wand genau den Inhalt des Gefäßes sehen konnte. So konnte
+jeder wissen, ob er für sein Geld auch sein rechtes Maß bekam. &#8222;Sed to,
+ys dat recht getappet? Is dar doch ein gantz pegel weggeschnappet&#8223;,
+beklagte sich im Mittelalter ein Mecklenburger beim Wirt. Ebendaher
+stammt auch der Vers: &#8222;Is it ein mester, moet man en firen, so moet he
+am ersten sinen pegel utliren.&#8223; Der alte Kilianus Duffläus erklärt
+peghel<a id="Page_354"></a>
+ <span class="pagenum">[354]</span> mit capacitas sive mensura vasis; peghelen mit metiri,
+mensurare und sagt auch schon öfters peylen anstatt peghelen (s.
+peilen). Nordfriesisch heißt Pegel nicht nur ein Maß an oder in einem
+Trinkgefäß, es kommt der Ausdruck auch beim Kornmessen vor. Also ist die
+Bedeutung ganz allgemein die eines Maßes. Die Verwandtschaft mit Beil
+ist wahrscheinlich. Beil hieß altnordisch biegel, althochdeutsch pigil
+und heißt in Bayern heute noch Beichel. Man hat sich also die Sache so
+zu denken, daß ursprünglich die Maße am Rande des (hölzernen) Gefäßes
+Einschnitte oder Kerben, mit einem Beile gehauen, waren.</p>
+
+<p><span class="strong1">peilen</span>, etwas abmessen, untersuchen, beobachten, messen, feststellen,
+bestimmen. Die Sonne peilen, sie mit einem Peil-oder Azimutal-Kompaß
+beobachten, in welcher Himmelsgegend sie steht. Den Grund peilen, die
+Tiefe desselben mit dem Senkblei, welches daher das Peillot genannt
+wird, untersuchen; das Land peilen oder die Lage desselben mit dem
+Peilkompaß bestimmen, wie weit vom Schiffe und nach welchem
+Kompaßstriche es liegt. Die Pumpe peilen oder mit dem Peilholz
+untersuchen, wie hoch das Wasser in der Pumpe steht. Peilen ist
+zusammengezogen aus pegelen, indem das g der größeren Bequemlichkeit
+wegen ausfiel und aus den beiden dann zusammengetroffenen e der
+Diphthong ei wurde. Pegelen aber kommt von Pegel (s. d.). Was heute
+Peilkompaß heißt, nannte der Verfasser der &#8222;Beschriving van der Kunst
+der Seefahrt&#8223; 1673 noch durchgängig Pegel-Compaß. &#8222;Tho Pegelinge averst
+der Landen, Torens, Huken und Baken, imgeliken der Sünnen up und
+underganck, is nichts bequemeres, den ein recht Pegel-Kompaß, wil se
+averst mennigen tho dür sin (dar doch offt Schip, Man und Gut angelegen
+is) so werender ock weinig by der See gefunden, de se gebrucken offt bei
+sik föhren, behelpen sick, in Platz von dessen, mit ein Kompaß mit ein
+Pin, dar man sik ok thor Noth wohl mit behelpen kan, wen man wet dat de
+Drat unter de Rose Süden und Norden gelecht is. Dat seckerste holde ick
+awerst vor best.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Penterhaken</span>, der. Früher gab es einen Penterbalken, ein Pentertakel und
+einen Penterhaken, sie bildeten zusammen gleichsam eine
+Reservevorrichtung die beim Ankerlichten in Tätigkeit trat. Bei der
+neuzeitigen großen Umwälzung die das ganze Ankergeschirr erlebt hat, ist
+als letzte Erinnerung daran nur der Penterhaken geblieben, und auch ihn
+führt das amtliche Handwörterbuch<a id="Page_355"></a>
+ <span class="pagenum">[355]</span> für technische Ausdrücke in der
+Kaiserlichen Marine schon nicht mehr unter den zahlreichen anderen Haken
+auf. Er faßt beim Ankerlichten in den Ring des Ankers. Das
+niederdeutsche Wort pennen heißt: in einander stecken, in einander
+fügen, verbinden, schließen, riegeln, vergl. das englische to pin =
+einstecken, anstecken, heften, anheften, befestigen, festmachen. Das
+Zeitwort pennen kommt von Pinne, einem Ding zum Ein-, Auf-, Feststecken,
+Festhalten, Festmachen, Verschließen, Verbinden; mittellateinisch pinna,
+der Nagel. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vergl. übrigens &#8222;Porteurleine&#8223; am Schluß. Der Penterhaken
+und die Porteurleine gehören so nahe zusammen, daß die Annahme beinahe
+unabweislich ist, daß Penter eine volkstümliche Form von Porteur, oder
+Porteur eine gelehrte Form von Penter ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Peter, blauer</span>, eine blaue Flagge als Abfahrtssignal eines Schiffes.
+Durch Hissen desselben gibt der Kapitän zu erkennen, daß er die Absicht
+hat, in See zu gehen und daß also, wer an Bord gehört, sich einzufinden
+habe. Die Bezeichnung stammt aus dem Englischen, wo sie scherzweise
+aufkam als Umbildung von blue repeater, einer blauen
+Kontre-Signal-Flagge.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pferde</span>, heißen die Taue unterhalb der Rahen, auf denen die Matrosen beim
+Segelsetzen oder -bergen stehen. Sie haben mit dem Lehnwort aus dem
+Lateinischen Pferd = Roß nichts zu tun. Vielmehr kommt das Wort davon,
+daß die Matrosen auf diese Taue mit ihren Füßen <span class="strong1">treten</span>. Treten hieß
+angelsächsisch paddan, peddan, eigentlich wandeln, laufen, spazieren
+gehen, also in dem Sinne, in dem wir von einem Pflastertreten sprechen.
+Niederdeutsch pedden. Es kommt aber auch die Form perren und perden vor.
+In Hinterpommern nennt man &#8222;in Menschenkot treten&#8223; &#8222;in't Fossise perre.&#8223;
+Das was einer perd kann er leicht ein Perd nennen und das
+Neuhochdeutsche hat im Mißverstand ein Pferd daraus gemacht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pflicht</span>, die. Doornkaat: &#8222;Auf kleinen Schiffen und namentlich solchen,
+deren Raum offen ist und die kein eigentliches Deck oder Vordeck haben,
+ein abgezimmerter mit einem Deck oder Verdeck versehener kleiner Raum im
+Hinter- und Vorderteil von Fluß- und Wattschiffen oder Tjalken, welcher
+im Hinterteil die Stelle einer Kajüte auf großen Schiffen vertritt und
+als solche achterpflicht heißt, während die förpflicht oder der bedeckte
+und abgezimmerte Raum im Vorderteil solcher Schiffe auch forunder<a id="Page_356"></a>
+ <span class="pagenum">[356]</span>
+genannt wird (s. Farunner).&#8223; Es ist die Form Pflicht eine der
+schlimmsten hochdeutschen Verdunkelungen der Seemannssprache. Das Wort
+heißt nicht Pflicht, sondern Plicht. Niederdeutsch plicht;
+niederländisch plecht, plicht; auf Wangerooge pliucht; schwedisch und
+dänisch pligt; norwegisch plitt; offenbar verwandt mit dem englischen
+plight = Decke, da die Plicht doch bedeckt ist und ein Deck darstellt.
+Das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223; sagt: Pligt = ein kleiner Raum vorn und hinten
+auf einem Schiffe. Es war aber ursprünglich wohl die Bedeutung auf den
+vorderen Raum beschränkt. Das geht einesteils aus der Übersetzung
+Kilians hervor, der plecht van 't schip mit prora wiedergibt,
+andernteils auch aus der Bezeichnung <span class="strong1">Plichtanker</span>. Der heißt so, weil er
+auf der Plicht seinen Platz hat, um stets bei der Hand zu sein. Den
+Anker braucht man aber in der Regel vorn; so war die forplicht
+jedenfalls die eigentliche Plicht. Das wird auch durch den noch
+gangbaren Ausdruck <span class="strong1">Bootspflicht</span> bestätigt, denn so heißt der erhöhte,
+mit einem Gräting gedeckte Teil vorn, am Bug eines Bootes. Noch
+deutlicher wird dies durch die Zusammensetzung &#8222;<span class="strong1">Lausepflicht</span>&#8223;. Damit ist
+der Raum vorn am Gallion bezeichnet; da wo der Mann seine Notdurft
+verrichtet, macht er auch seine Toilette, da kämmt er sich, und daß der
+derbe Seemann die Plicht, auf der sich die Leute zu kämmen pflegen,
+Lauseplicht nennt, wer wird sich darüber verwundern?</p>
+
+<p><span class="strong1">Pforte</span>, die, eine verschließbare Öffnung in der Bordwand. Es gab oder
+gibt Ladepforten, Ballastpforten, Ruderpforten, Piekpforten, Jagdpforten
+(ganz vorne für die Jagdstücke, die beim Jagen eines fliehenden Feindes
+in Tätigkeit treten), Luftpforten, Lichtpforten, Stückpforten. Die
+letzteren sind auf den Kriegsschiffen von besonderer Bedeutung, und
+darum versteht man, wenn schlechthin Pforte gesagt wird, stets eine
+Geschützpforte darunter. Das lateinische porta heißt bekanntlich Tür,
+Tor, es liegt ihm aber ein griechisches Zeitwort zu Grunde, das
+durchgehen, passieren bedeutet. Insofern ist die Bezeichnung Pforte doch
+nicht unglücklich gewählt, wenn auch durch diese keine Menschen gehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Piek</span>, die. Wo immer dieses Wort in der Seemannssprache vorkommt, da hat
+es irgend etwas mit &#8222;Spitze, Äußerstes&#8223; zu tun. Die Achterpiek,
+Hinterpiek ist der äußerste, hinterste, unterste, spitz zulaufende Teil
+des Schiffes; heißt meist kurzweg die Piek,<a id="Page_357"></a>
+ <span class="pagenum">[357]</span> während der
+entsprechende vorderste Teil, wenn er überhaupt Piek genannt wird, mit
+Vorderpiek näher bezeichnet werden muß. Aber nicht nur das Äußerste nach
+hinten oder vorn, sondern auch nach oben heißt Piek; diese Bedeutung ist
+sogar die ursprünglichere. So heißt z.&nbsp;B. sogar das Tau mit dem die
+Gaffel des Besans so getoppt wird, daß ihre Nock sich in die Höhe
+streckt, ebenfalls Piekfall. Die Rahen auf Piek setzen ist ein anderer
+Ausdruck für kaien, nämlich sie so auf und nieder setzen, daß sie
+weniger Raum einnehmen. Die Riemen pieken heißt &#8222;Riemen hoch&#8223; nehmen,
+sie mit der Spitze, dem Blatt, welches zwar nicht spitz aber doch das
+Äußerste am Riemen ist, in die Höhe halten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Piek ist dasselbe Wort
+wie pique im französischen Kartenspiel und bedeutet Pike, Lanze, Speer,
+Spitze, Bergspitze, Zinne, Gipfel; spanisch und portugiesisch pica,
+italienisch picca, was mit picco, spanisch und portugiesisch pico,
+französisch pic, angelsächsisch pic englisch peak zusammengehört, alles
+mehr oder weniger Spitze bedeutend. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Piekfall hieß früher Dirk,
+Gaffeldirk, jetzt heißt Dirk nicht mehr das Tau zum Auftoppen der
+Besansgaffel, sondern das zum Auftoppen des Besansbaums.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pier</span>, die, ist der englische, auch bei uns oft gebrauchte Ausdruck für
+das was wir gewöhnlich Moole nennen, also für einen Steindamm, für eine
+steinerne Mauer, in See hinausgebaut, zum Schutze der Hafeneinfahrt oder
+zum Anlegen und Festmachen für Schiffe. Das Wort kommt vom französischen
+pierre = Stein. Doch ist der Begriff des Steinernen ziemlich in den
+Hintergrund getreten, denn man kann jedes beliebige hölzerne Bollwerk
+wohl auch eine Pier nennen hören. Waghenaer 1588 hat die Form Piere: &#8222;By
+westen Sanson leydt Gyon ende heeft een Piere oft afstekent hooft daer
+d'inwoonders haer visschers barken onder legghen.&#8223; Er hielt es damals
+also doch für nötig Piere zu übersetzen und zu erklären, weil es für
+einen Niederländer auch in jener überaus fremdwortfreundlichen und
+-reichen Zeit ein erklärungsbedürftiges Fremdwort war.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pijacket</span>, <span class="strong1">Peajacket</span>, <span class="strong1">Pijacke</span>. Der kurze Überzieher der Mannschaften, die
+bei der Kaiserlichen Marine dienen, den sie, auch wenn sie ausgedient
+haben, mit anderen (Civil-)Knöpfen besetzt gerne noch weiter tragen. Die
+letztangeführte Form (Pijacke) ist die einfachste und richtigste
+zugleich; hat auch den Vorzug die deutscheste zu sein. Schon Ende des
+14. Jahrhunderts<a id="Page_358"></a>
+ <span class="pagenum">[358]</span> kommt im Spanischen un jaque de seda vor, eine
+seidene Jacke. Neuspanisch jaco, italienisch giaco, französisch jaque,
+niederländisch jasje, zoort van seemannsjas. Ums Jahr 1358 soll, nach
+Ducange, zu Beauvais ein Häuptling gewesen sein mit Namen Jaque, der,
+wenn er zum Kampfe auszog, einen kurzen Oberrock getragen habe; daher
+das zweite Wort in der Zusammensetzung. Das erste, Pi, bedeutet
+ebenfalls Jacke. Die fremde unverstandene Bezeichnung Jacke genügte dem
+deutschen Küstenbewohner nicht für das bald heimisch gewordene
+Kleidungsstück, (die Häuptlinge auf den Siegeln des 14. und 15.
+Jahrhunderts tragen bis auf die Knie gehende Röcke) darum verbanden sie
+sie mit dem altgewohnten Worte für Rock py, pye, welches heute noch in
+Ostfriesland pe, peje, pei, pi heißt und einen kurzen Unterrock von
+rauhem, grobem Tuch bezeichnet; in Bremen pye, pey, pige, pikke, pike,
+eine Jacke, ein warmes Unterkleid von Flanell; in Holland pij, pije, in
+Nordfriesland pie, pei, Rock. Aus dem Griechischen durch das Gothische
+zu uns gekommen, indem baite, Hirtenrock, Bauernkleid aus Ziegenfell, zu
+paida wurde; angelsächsisch peda, Untergewand; mittelhochdeutsch pfeit,
+Hemd, hemdähnliches Kleidungsstück; niederdeutsch pede, nach Schwund des
+d kontrahiert zu pee, pe mit einem leichten Anklang an das auf dem Wege
+ins Niederdeutsche zurückgedrängte i, woraus dann leicht das einfache pi
+werden konnte. Pijacke ist demnach ein Jackenrock, oder vielmehr eine
+Rockjacke. In Groningen heißt es piejekker, aber auch molvanger, monkie
+(auch bei uns manchmal zu hören) schort, twiefelder, twiefeloar und,
+mehr deutlich als fein, vreischieter. &nbsp;&mdash;&nbsp; Zu bemerken ist, daß die
+Handelsmatrosen das Kleidungsstück nicht etwa von der Kriegsmarine
+überkommen haben. Umgekehrt; und in Holland ist es sogar so
+eingebürgert, daß der Dichter Vondel es nennen kann: &#8222;Een dracht, die
+sterven zal, wanneer de schipvaert sterft.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Ziemlich spät erst ist im
+Deutschen Jacke mit Pi verbunden worden. In den gerichtlichen
+Inventarien, die in Wismar während der Jahre 1438 bis 1547 aufgenommen
+worden sind, kommt für Rock das Wort pyge ohne Verbindung mit Jacke vor.
+Dafür ist es aber eine andere Verbindung eingegangen und heißt szepyge,
+also Seerock, Seewamms; vielleicht das was man heute Lootsenjacke oder
+Seelenwärmer nennt; irgend etwas Warmes, Gefüttertes, denn der Schreiber
+der jenes Inventar aufnahm hat es mit &#8222;rot foderhemmede&#8223;<a id="Page_359"></a>
+ <span class="pagenum">[359]</span>
+verdeutlicht, rotes, gefüttertes Hemd. &nbsp;&mdash;&nbsp; Pijacket ist n., Pijacke f.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pinass(e)</span>, die, auch (fälschlich) Pinnass(e) geschrieben, eins der
+großen Beiboote, jetzt fast nur noch dampfend, daher meistens
+Dampfpinasse oder <span class="strong1">-pinass</span> gesagt wird, mit dem Ton auf Dampf und
+Weglassung des auslautenden e. Offenbar zuerst ein aus dem Holze der
+Fichte, pinus gebautes Boot. Der Name ist im romanischen Sprachgebiet
+entstanden und weiter gebildet: ital. pinaccia, spanisch pinaza,
+französisch (um 1700 als Seemannswort allgemein im Gebrauch) pinasse.
+Das e ist stumm, also tut der Seemann recht, es unausgesprochen zu
+lassen, es würde in seinem Munde recht geziert lauten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+spanisch-englischen Kriege unter Königin Elisabeth waren Pinassen als
+wirkliche seegehende, seeschlachtfähige Kriegsschiffe im Gebrauch. Als
+im Jahre 1596 die Königin es für ratsam hielt, &#8222;den Spanischen ihr
+angethanes Hertzleid selbst in ihrem tiefsten Eingeweide fühlen zu
+lassen&#8223;, sandte sie eine Flotte aus, die bei Cadix eine ruhmreiche
+Affäre hatte. Davon berichtet der Verfasser der &#8222;Durchläuchtigsten
+Seehelden&#8223; I 405: &#8222;Der Pinas des Ritters Robbert Southwel, der zu Kühn
+war, das Schiff Philippus anzugreiffen, ward mit demselben verbrandt,
+das Volck aber davon gerettet.&#8223; Als im Jahre 1625 die Spanier den
+Holländern Bahia wieder abzunehmen sich rüsteten, waren bei der
+aussegelnden Flotte einunddreißig Gallionen, eine Caravell, drei
+Tartanen und vier Pinassen. Wenn diese auch die kleinsten der
+Kriegsschiffe waren, so waren sie doch immerhin groß genug, Bahia mit
+belagern zu helfen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pinke</span>, die. Pink, Pinke, Pinkschiff sind Namen für gar verschiedenartige
+Fahrzeuge im Mittelländischen Meere und in der Nordsee. So verschieden
+sie auch gebaut und getakelt sind, eins hatten sie ursprünglich alle mit
+einander gemein, daß sie scharf und spitz gebaut waren. Daher ist
+Verwandtschaft mit dem unter Piek angegebenen Pik anzunehmen, von dem
+Pink eine nasalierte Form ist. Schon Kilian kannte sie und als peynk
+kommt sie bereits in der Hamburger Chronik vor: &#8222;Reynke wert myt noch
+eynem van den kapteins van der peynke angetastet, de gewalt auer alle
+boyers and euers hadde.&#8223; Und in den Monum. Liv. kommt die Stelle vor
+&#8222;den bogert ... tho senden in de see den freygebuter myt der pinke tho
+soeken.&#8223; Es muß also im Mittelalter eine Pinke ein starkes und schnelles
+Schiff gewesen sein.<a id="Page_360"></a>
+ <span class="pagenum">[360]</span> Man gebraucht sie in Holland zum
+Heringsfang. Waghenaer, &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223;, 1588: &#8222;Leyt mede op
+dese stroomen de bequame vermaerde Zeestede Enckhuyzen (sie war
+Waghenaers Heimat), al waer soo veel Harincx voor de Stadt (in de Zuyder
+Zee) op sekeren tyt des Jaers ghevanghen wert, alsser op een telte met
+de Buysen, Boots ende Pincken de Maze ingebracht ende verhandelt wert.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Pinne</span>, die. Der hölzerne Griff mit dem das Ruder gehalten und bewegt
+wird, die Ruderpinne. Das niederdeutsche penne, pinne, pin heißt Nagel,
+Zweck, Zapfen, ein vorn zugespitztes oder abgestumpftes Stück Holz zum
+Festhalten, Befestigen, Verschließen. Die Zusammenstellung mit penna,
+Feder, Floßfeder ist allzu gekünstelt. Weit natürlicher läßt sich das
+Wort, wie Pinaß, von pinus, die Fichte, ableiten, da eine Pinne offenbar
+ursprünglich von Fichtenholz war.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pirat</span>, der, der Seeräuber. Das Wort stammt aus dem Griechischen
+peirates, von peiraein = versuchen, unternehmen, sein Glück in
+Abenteuern suchen, auf Raub ausgehen, das Meer auf Raub befahren.
+Lateinisch pirata, italienisch pirate und pirato, französisch pirate.
+Dazu das Fremdwort <span class="strong1">Piraterie</span>, der Seeraub, die Seeräuberei. Göthe:
+&#8222;Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Pirogue</span>, die, ist ein Fahrzeug das in der Südsee und in Indien gebraucht
+wird, woher auch der Name stammt, der französisch pirogue, spanisch
+piragua lautet. Es hat verschiedene Veränderungen erfahren, aber das
+Eigentümliche aller Piroguen ist, daß sie Einbäume sind, aus einem Stamm
+gefertigt. Demgemäß können sie nur klein und rank sein und haben daher
+einen Auslieger (outrigger).</p>
+
+<p><span class="strong1">Planke</span>, die. Bord, Diele, Bohle, Brett und Planke sind begrifflich nicht
+ganz leicht auseinander zu halten. Die beiden letzteren z.&nbsp;B. sind
+vielfach gleichbedeutend, so daß man oft für Brett Planke und für Planke
+Brett sagen kann. Doch neigt der Sprachgebrauch dahin, daß man ein
+dickes, starkes, langes, großes Brett Planke nennt, was schon daraus
+erhellt, daß Planke keine Verkleinerungsform kennt, während man häufig
+von einem Brettchen spricht. Eine Packkiste ist aus Brettern, eine
+Zigarrenkiste aus Brettchen zusammengenagelt, nicht aus Planken, aber
+das Deck eines Schiffes besteht nicht aus Brettern, sondern aus<a id="Page_361"></a>
+ <span class="pagenum">[361]</span>
+Planken. Im Allgemeinen wird man sagen können, daß, wohl wegen der
+Verwendung des Wortes beim Schiffbau und im Schiffsleben, Planke im
+Nieder-, Brett im Hochdeutschen bevorzugt wird. Planke stammt aber aus
+dem Romanischen, es ist mit dem piemontesischen pianca, Steg;
+provençalisch planca, plancha; französisch planche, Brett; lateinisch
+planca = Brett, Bohle aus einer Wurzel plak entstanden, von der
+Doornkaat es unentschieden läßt, ob sie etwas flaches, plattes oder
+etwas gespaltenes bedeutet. Schon in einer mittelniederdeutschen Urkunde
+aus Göttingen vom Jahre 1348 finden wir das Wort, aber mit anlautendem b
+anstatt p, (was nicht zu verwundern ist, da auch heute noch selbst in
+Niederdeutschland das p von Planke ziemlich weich ausgesprochen wird).
+&#8222;We lovet, dat we neynerleyghe buv mer scholen buwen darsulves von
+steynwerke eder von bomwerke, dar ienecherleyghe eyrkenere utgan van
+blanken eder van graven.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Plate</span>, die, eine breite, flache, platte Sandbank von größerer
+Ausdehnung. Das Wort Plate ist niederdeutsche Form für Platte, irgend
+ein breites flaches Etwas von Stein, Holz, Eisen etc. etc. Vom
+griechischen plate, und dieses von einer Wurzel prath sich ausbreiten.
+In Ostfriesland nennen sie eine Plate eine Sandbank die bei Flut
+überschwemmt wird, bei Ebbe trocken fällt. Es gibt aber auch Platen in
+der Weser, in der Ostsee etc. etc. Was letztere betrifft, so lesen wir
+in Manson, See-Buch, Lübeck 1735 bei Gelegenheit einer Segelanweisung
+nach Wismar: &#8222;Als einem aber der Wind nicht fugen wolte, dieses
+Tonnen-Tieff einzusiegeln, muß er aussen um den Hannibal auf 6 oder ja 5
+Fadem loden, und nach den Küsterhöft zu lauffen, und segeln die
+Mittel-Tieff. West-Südwest von der Tonnen ein klein Stück seynd zwo
+runde Sandbänken, die heissen Platen, die läßt man am Stührbord.
+Hannibal lieget Nordwest zum Norden eine kleine halbe Meil von der
+Kirchen die auf Poel stehet.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Plattfusswache</span>, s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Plattformdeck</span>, s. Deck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Platting</span>, die, ist ein aus Kabel- oder Schiemannsgarn geflochtener Zopf,
+der nach der Zahl seiner Garne schmäler oder breiter ist und auch nach
+dieser Zahl genannt wird, Dreigarnplatting, Fünfgarnplatting etc. etc.
+Die Zahl der Garne ist stets ungrade. Wie sehr sie auch untereinander
+verschieden sind, so haben sie doch alle das gemein, daß sie, eben weil
+sie nicht gedreht,<a id="Page_362"></a>
+ <span class="pagenum">[362]</span> sondern geflochten sind, ein <span class="strong1">plattes</span> Geflecht
+darstellen. Man stellt wohl auch sehr schöne runde und vierkante
+Plattings her; die werden eben mit demselben Rechte, wiewohl sie
+eigentlich keine Plattings sind, so genannt mit dem man eine
+Fensterscheibe, wiewohl sie jetzt keine Scheibe mehr sondern ein Viereck
+ist, doch noch Scheibe nennt, und mit dem sie niederdeutsch Raute heißt,
+obgleich sie die rautenförmige Gestalt längst verloren hat.&nbsp;&mdash;&nbsp;Die
+Platting dient zur Bekleidung der Taue an Stellen wo sie besonderen
+Schutzes bedürfen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pockholz</span>, das, ein sehr hartes Holz aus dem man Blockscheiben,
+Kegelkugeln u.&nbsp;s.&nbsp;w. drechselt. Der Name hat eine eigentümliche
+Geschichte. Der Westindische Baum von dem das Holz kommt, eine Gattung
+der Zygophyllen, heißt guajacum officinale L. und wird Guajak-,
+Franzosen-, Pock- oder Heiligenholz genannt. Die Erklärung ist bereits
+bei Kilian zu finden. Er bemerkt zu pock-hout: &#8222;ebenus, hebenus,
+hebenum, guiacum: lignum expugnandae lui venereae accomodatissimum,
+lignum Indum, vulgo gaiatum&#8223; und spaensche pocken übersetzt er mit
+&#8222;morbus Gallicus, scabies Hispanica, Neapolitana, lues Venerea:
+siphylis: serpigo Indica.&#8223; Von den &#8222;spanischen Pocken&#8223; stammt der Name
+des Holzes, von der lues venerea, zu deren Heilung heute noch ein Decoct
+von diesem lignum vitae angewandt wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Polacker</span>, der, ist ein Mittelmeerschiff, dessen eigentümliches
+Kennzeichen Pfahlmasten sind, d.&nbsp;h. Masten die aus einem Stück bestehen
+und keine Stenge haben. Wo diese Art Masten auch bei uns vorkommt, da
+nennt man die Takelage eines solchen Fahrzeuges Polackertakelage. Das
+Wort kommt vom lateinischen palus, der Pfahl; italienisch und spanisch
+polacra, französisch und englisch polacre; im Deutschen,
+Niederländischen, Dänischen und Schwedischen konnte sich das Wort um so
+eher einbürgern und die Form Polacker annehmen als hier das Wort Polack
+für Pole gangbar war.</p>
+
+<p><span class="strong1">Poller</span>, der. Die Poller sind starke Balken, die allein oder zu zweien an
+Deck oder am Lande angebracht sind zum Belegen von Trossen beim
+Festmachen oder Verholen. Neuerdings sind teilweise eiserne Gestelle
+daraus geworden, die mit einem Balken wenig Ähnlichkeit mehr haben, aber
+doch auch noch den Namen Poller tragen, der Balken bedeutet. Polder hat
+schon Kilian richtig mit trabs übersetzt, und Polder muß das Wort
+eigentlich<a id="Page_363"></a>
+ <span class="pagenum">[363]</span> auch geschrieben werden, wiewohl es der Bequemlichkeit
+wegen meist Poller ausgesprochen wird, wie so viele ähnliche
+niederdeutsche Wörter. Es kommt mit dem französischen poutre,
+altfranzösisch pouldre = Balken, von dem mittellateinischen poledrus.</p>
+
+<p><span class="strong1">Poop</span>, die, ausgesprochen Pup mit langem u, ist &#8222;the highest and
+aftermost part of a ship's deck, or a partial deck extending close aft,
+above the complete deck of a vessel&#8223;. Wir hätten dieses Wort nicht
+nötig, denn man könnte stets mit unserem gut deutschen Kampanje
+auskommen, indessen da es nun einmal öfters gehört wird, so sei hier
+bemerkt, daß es die englische Form für das lateinische puppis,
+Hinterteil des Schiffes ist, im Gegensatz zu prora, dem Vorderteil; doch
+wurden poetisch beide Wörter auch zur Bezeichnung des ganzen Schiffes
+gebraucht, während das Sprichwort &#8222;mihi prora et puppis est&#8223; besagte:
+das ist mir die Hauptsache, mein Ein und mein Alles, mein Hauptplan etc.
+etc.</p>
+
+<p><span class="strong1">Popoffka</span>, die, ist ein Küstenverteidigungspanzerschiff von kreisförmiger
+Gestalt. Seitdem die alte übliche Schiffsform verlassen ist, tauchen
+immer neue Gestaltungen auf. Nach einem Gedanken des englischen
+Ingenieurs Elders hat der russische Admiral Popoff Kreisfahrzeuge mit
+zwölf Kielen ausgedacht, die nach ihm Popoffkas heißen. Sie können nur
+geringe Fahrt machen und eignen sich schon deshalb nur zur
+Küstenverteidigung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ponton</span>, das, ist eigentlich das, was man in Ostfriesland eine Pünte
+nennt, ein großer, flacher, länglich viereckiger Kahn, der meist als
+Fährboot über Flüsse verwendet wird. Es dient also anstatt einer Brücke,
+daher mag es kommen, daß sich die Behauptung, ponton stamme von pons =
+Brücke ab, so hartnäckig erhält. Allerdings kommt von pons die
+Bezeichnung für Deck in den romanischen Sprachen pont, aber ponton wird
+doch wohl vom lateinischen ponto kommen, und das soll ein gallisches
+Wort sein, den Römern als Bezeichnung eines gallischen Lastschiffes
+bekannt geworden, eines Transportschiffes, wie sie denn auch eine
+Schiffsbrücke, eine Fähre, nicht pons, sondern ponto nannten, Genitiv
+pontonis. Es ist also pont = Deck von unserem Ponton zu trennen. Dieses
+hat sich in neuerer Zeit ein einflußreiches Gebiet erobert. Nicht nur,
+daß die Armee aus Pontons Schiffbrücken schlägt, auch die Marine
+verwendet Pontons auf ihren Werften, wo sie als Verschluß der Docks und
+Kammerschleusen<a id="Page_364"></a>
+ <span class="pagenum">[364]</span> &nbsp;&mdash;&nbsp; zugleich allerdings auch der Brücken &nbsp;&mdash;&nbsp;
+dienen. Sie haben zur Zeit wenig mehr von gallischen Transportschiffen
+an sich, haben überhaupt oft kaum mehr Schiffsgestalt, aber das bringt
+der veränderte Zweck ihres Daseins mit sich.</p>
+
+<p><span class="strong1">Porteurleine</span>, die, ist die Leine, die den Anker unter dem Krahnbalken
+festhält. Breusing nennt Pertürleine &#8222;das Tau, welches den Anker, ehe
+man ihn fallen läßt, unter dem Krahnbalken festhält oder trägt&#8223; und
+sagt, daß er &#8222;offenbar von dem französischen porteur abzuleiten ist.&#8223;
+Diese Ableitung liegt allerdings nahe genug. Man könnte ohne Weiteres an
+portere, portare denken, wenn nicht nur das Deutsche, Holländische,
+Dänische und Schwedische, sondern auch das Englische, Französische,
+Italienische, Spanische und Portugisische eine Porteurleine hätten. Aber
+die romanischen Sprachen, die es doch zuerst haben müßten, wenn es von
+portare käme, haben dieses Wort nicht. Und doch steckt portare sicher
+darin. Darum denke ich an einen Umweg, nämlich zunächst an das
+französische port-bossoir, an das unter dem Krahnbalken sitzende,
+demselben Halt und Stütze verleihende Knie. Mit diesem port hält die
+genannte Leine nächste Nachbarschaft, und nach solcher Nachbarschaft
+sind zahlreiche seemännische Ausdrücke gebildet, vergl. Klaue und Nock.
+So mag das Wort zunächst Porterleine geheißen haben, und Porteurleine
+würde dann wissenschaftliche Umbildung im Gedanken an Porteur sein,
+vorgenommen bei der Übernahme ins Hochdeutsche. Die Form Perturlin ist
+niederdeutsch. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es kommt allerdings auch die Form Penturleine vor, so
+daß &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. Penterhaken &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Porteur&#8223; vielleicht nur eine etymologische
+Veränderung von &#8222;Penter&#8223; ist. Es wäre freilich auch denkbar, daß das
+&#8222;Penter&#8223; in Penterhaken von dem &#8222;Porteur&#8223; in Porteurleine käme.</p>
+
+<p><span class="strong1">Prahm</span>, der, war ehedem ein Schiff so gut oder schlecht man es in alten
+Tagen hatte. Jetzt ist er heruntergekommen und wird nur noch als
+Kohlenprahm, Wasserprahm, Proviantprahm Munitionsprahm gebraucht um
+diese Dinge längsseits eines Schiffes zu bringen und zur Übernahme für
+dasselbe bereit zu halten. Das geringste und unscheinbarste aller Boote,
+kaum mehr den Namen eines Bootes verdienend, ist der Scheuerprahm, ein
+Seelenverkäufer, der zum Reinigen der Außenbordwand benutzt wird und
+nicht nur das Aschenbrödel, sondern auch gleichsam die komische Person
+unter den Schiffsbooten spielt, aber ebenfalls<a id="Page_365"></a>
+ <span class="pagenum">[365]</span> die Gestalt eines
+Prahms hat, breit, flach, mit einem Rand versehen. Daß der Prahm bessere
+Zeiten sah, erfahren wir aus dem Gudrunliede:</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <p> Hagen war indessen gegangen auf einen Prahm,</p>
+ <p>Noch eh' sich ihm geöffnet der wohlverschloss'ne Kram,</p>
+ <p>Da schwebten Watens Anker schon hoch ob der Welle,</p>
+ <p> So schied man von dem König der Frauen holde Schar in jäher Schnelle.</p>
+
+</div>
+
+<p>Legerlotz bemerkt dazu: Prahm, breites Frachtschiff, noch jetzt in
+Niederdeutschland gebräuchlich, dänisch pram = Fähre und Rand,
+altnordisch pramr, eine Art von Schiffen, mittelhochdeutsch pram,
+breites Flußschiff. Nach Kluge entstammt das Wort dem Slavischen, wo es
+ein zur indogermanischen Wurzel par gehöriges Wort pramu gibt; die
+Bedeutung ist die von &#8222;übersetzen&#8223;, wie sie auch mit fahren
+zusammenhängt. Der Übergang aus dem Slavischen ins Nordische muß sehr
+früh, ja kann nur zu der Zeit gesehen sein, da die Slaven nicht nur
+Wagrien (Ostholstein) bewohnten, sondern auch die ganze Ostsee mit ihren
+Prähmen beherrschten und die nordischen Küsten so oft mit ihren
+Raubzügen heimsuchten, daß ihr Name nur mit Furcht und Schrecken genannt
+wurde, also um die Mitte des zwölften Jahrhunderts. Um diese Zeit trat
+der berühmte geistliche Seeheld, Bischof Absalon von Roeskilde, auf,
+ermunterte König Waldemar den Großen &nbsp;&mdash;&nbsp; Absalon war der Größere &nbsp;&mdash;&nbsp; und
+sein Volk, sich zum Widerstand zu ermannen, das Joch abzuschütteln und
+den Wenden mit ihren eigenen Waffen zu begegnen. Er wurde so der
+Schöpfer einer dänischen Marine. Und wie man einst in Rom nach dem
+Muster eines gestrandeten punischen Schiffes eine Flotte baute, so hat
+auch Absalon sich die Schiffe seiner Feinde zum Muster genommen. Wie sie
+aussahen, wissen wir nicht genau, aber jedenfalls waren sie zum Segeln
+und auch zum Rudern eingerichtet. Denn als einmal die Kälte zu einem so
+hohen Grade gestiegen war, daß die Mannschaft, die Proviant zu den
+Schiffen bringen sollte, sich der Wagen nicht bedienen konnte, weil die
+Räder festfroren und man daher alles auf Pferde packen und diese mit
+großer Beschwerlichkeit zu Fuße nach dem Hafen, wo die Flotte lag,
+treiben mußte, beklagte Absalon die Männer und sprach ihnen sein
+Bedauern aus, daß sie für das Vaterland so viel Mühsal leiden müßten.
+Sie aber antworteten,<a id="Page_366"></a>
+ <span class="pagenum">[366]</span> sie trügen mit Lust ein Mühsal, welches sie
+dem Geschicke, als Sklaven auf den Ruderbänken der Seeräuber zu sitzen,
+vorzögen (vergl. Saxo Grammaticus).</p>
+
+<p><span class="strong1">Praktika</span>, die, heißt die Verkehrserlaubniß für ein Schiff. Ist ein
+solches in einen Hafen eingelaufen, so erscheinen der Hafenkapitän und
+der Hafenarzt, um festzustellen, ob gesundheitliche Bedenken gegen den
+Verkehr seiner Besatzung und seiner Passagiere mit dem Lande bestehen.
+Ist das der Fall, so muß das Schiff Quarantäne halten, ist es nicht der
+Fall, so erhält es die Praktika; eigentlich die Erlaubnis zu
+&#8222;praktizieren,&#8223; französisch pratiquer, italienisch pratticare,
+mittellateinisch practicare, vom griechischen prattein, tun, machen,
+handeln, ausüben (die Kunst des Arztes, des Anwaltes). Die üble
+Nebenbedeutung, namentlich in der Mehrzahl &#8222;Praktiken,&#8223; ist schon früh
+dem Worte angehängt worden. Im Französischen heißt pratique überhaupt
+traite, communication, commerce.</p>
+
+<p><span class="strong1">preien</span>, heißt ein anderes Schiff anrufen um mit ihm wichtige
+Mitteilungen auszutauschen, was, wenn eins von den zweien oder auch alle
+beide lange Seetörns hinter sich haben, von großer Bedeutung sein kann.
+Das Anrufen geschieht mit den Worten: &#8222;Schiff ahoi!&#8223; und oft mit
+Zuhilfenahme eines Sprachrohres. Die Preidistanz ist das, was man
+hochdeutsch Rufweite nennt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort wird in Ostfriesland auch am
+Lande gebraucht für jemanden anreden, auf ihn einreden, ihn bereden, ihm
+zusprechen. Niederländisch preijen, schwedisch preja, dänisch praje. Es
+hieß altenglisch schon breien und ist das jetzige englische pray beten,
+bitten, anrufen, ersuchen, einladen, auffordern; altfranzösisch preier,
+&#8222;und dieses wohl aus lat. precari von prex, precis (Bitte)&#8223;. Doornkaat.
+Nach Ehrentraut, Fries. Archiv II, 69 heißt preien auf Wangeroog
+jemanden anrufen auch in dem Sinne &#8222;jemanden wecken.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Fritz Reuter,
+&#8222;Ut mine Stromtid&#8223; I. 288, führt in einem klassischen Seemannsvergleich
+das Wort in der Form praien an. Die ganze Stelle ist echt seemännisch.
+&#8222;Knapp was hei (Fritz) denn nu mit Lovise ne lütte Tid tausamen west,
+dunn smet hei den Frugenshaß mitsammt de ganze Erinnerung an Marie
+Möllers Waschschöttel un Spiskamer äwer Burd un verlöd tau den Ballast
+von Romanenideen schippslastenwis &#8222;die junge aufkeimende Liebe zu
+Louisen&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; as hei sine nige Ladung för siek sülwst deklarierte &nbsp;&mdash;&nbsp; un as
+hei des' nu unner sine Hartens-Luken<a id="Page_367"></a>
+ <span class="pagenum">[367]</span> wegstaut hadd und all de
+Belämmerungen, dei em von sine Jugend wegen noch anhaken künnen,
+intreckt hadd, un hei nu mit sick sülwst, sine Leiw un sin Schipp klor
+was, segelte hei los. In de Irst krüzte un lawirte hei herümmer, un sin
+leiw Tanten stunn om't Äuwer un wüßt nich, wohen hei stüren ded', äwer
+dat wohrte nicht lang', dann würd sin Kurs strammer, un as hei irst up
+de hohe See von &#8222;seinen Gefühlen&#8223; was, un de Topsegel uphiste, dunn sach
+sei denn mit Schrecken, wohen hei dat Stüer richt't hadd, un dat ehr
+leiw Swestersähn nich beter as en räuklosen Seeröwer, Pirat un Korsor
+was, dei up 'ne schändliche Wis' Jagd up de lütte, smucke Brigg maken
+ded', worin sei all ehre mütterlichen Hoffnungen einschippt hadd.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p>Sei praiete em en por Mal an, woso? un woans? äwer de Pirat let sick
+nich stüren, sei schot en por Mal in ehre Hartens-Angst mit Notsignalen
+noch ehren Paster 'räwer&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Presenning</span>, die, wasserdichte Decke aus (geteertem) Segeltuch, durch
+Umstellung oft auch in der Form Persenning vorkommend; doch hieß es 1702
+bei Aubin schon Preesening. Man gebraucht es zum Zudecken von Luken, zum
+Bedecken von Proviant in offenen Booten, zum Schutze an Deck stehender
+Kanonen, überhaupt dazu, etwas vor Nässe zu schützen. Es kommt von
+préceinte, einem veralteten französischen Worte, das Umhüllung bedeutet
+und mit dem lateinischen Zeitwort praecingo, ich umgürte, umgebe,
+zusammenhängt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Priel</span>, der, eine Wasserrinne im Watt, die auch zur Zeit der Ebbe voll
+Wasser bleibt, ein schmales Rinnsal, eine Wasserlache, oft recht tief
+und, weil der Boden Schlick ist, für Jäger oder Fischer die
+hineingeraten sehr gefährlich, da man sich schwer ohne fremde Hilfe
+wieder herausarbeiten kann. Es ist das neuhochdeutsche Wort Briel,
+Brühl, althochdeutsch brogil, broil = Sumpf. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wenn die Rinne breit und
+tief genug ist für die Schiffahrt, so heißt sie Balje.</p>
+
+<p><span class="strong1">Prikke</span>, die, hat den Zweck einer Bake, ist aber einfacher als diese,
+indem sie nur ein zur Bezeichnung des Fahrwassers oder einer Untiefe ins
+Wasser oder vielmehr in den Grund gesteckte Stange ist, etwa mit einem
+Strohwisch oder Reisigbesen an der Spitze. Es gibt ein weitverbreitetes
+niederdeutsches und niederländisches Zeitwort prikken, das sowohl
+stechen als stecken bedeutet; davon das Iterativum prikkeln. Da diese
+Stangen in<a id="Page_368"></a>
+ <span class="pagenum">[368]</span> die Erde gesteckt werden, so ist die Erklärung ohne
+Weiteres gegeben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Prise</span>, die. Wenn ein Kriegsschiff oder ein Kaper ein feindliches
+Handelsschiff wegnimmt, so ist dieses eine Prise, von prendre, nehmen.
+Es fragt sich nur, ob es unter Beobachtung des bestehenden Seerechtes
+geschehen ist. Das muß unter Umständen durch ein Schiedsgericht
+festgestellt werden. Erklärt dieses, daß das Schiff rechtmäßig genommen
+ist, so erklärt es damit dasselbe für eine &#8222;gute Prise&#8223; d.&nbsp;h. für eine
+rechtmäßige.</p>
+
+<p><span class="strong1">Propeller</span>, der, gehört eigentlich der Sprache des deutschen Seemanns
+nicht an, aber man liest das englische Wort zuweilen in Büchern. Es
+kommt von propello, vorwärtstreiben. Und zwar bezeichnet es nicht das
+was einen Raddampfer, sondern das was einen Schraubendampfer vorwärts
+treibt, man sagt also anstatt Propeller viel besser, deutlicher, kürzer:
+Schraube.</p>
+
+<p><span class="strong1">pullen.</span> Dieses Zeitwort wird wohl öfters einmal anstatt rudern
+gebraucht; doch, wie es scheint, nur von solchen, die dadurch ihre
+Bekanntschaft mit dem Englischen dartun wollen, also bewußt als
+Fremdwort. Der niederdeutsche Seemann sagt rojen, und in der
+Kaiserlichen Marine heißt es amtlich rudern; pullen muß also um so mehr
+als unberechtigter Eindringling angesehen werden, als rudern im
+Englischen selbst viel besser und deutlicher mit row bezeichnet wird,
+pull aber zunächst ganz allgemein &#8222;ziehen&#8223; heißt. Da nun beim Rudern ja
+allerdings am Riemen &#8222;gezogen&#8223; wird, so bedeutet es unter Umständen auch
+rudern, es wäre aber kein Schade, wenn das Wort wieder verschwände.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pumpe</span>, die, die bekannte mechanische Vorrichtung zum Heben von Wasser.
+Die modernen Kriegsschiffe haben ein so kompliziertes Pumpensystem, daß
+ein ordentliches Studium dazu gehört, alle die verschiedenartigen Pumpen
+kennen zu lernen, und daß ein eigener <span class="strong1">Pumpenmeister</span> kommandiert werden
+muß, der die Pumpen bedient und der womöglich schon während des Baues
+sich mit ihrer Anlage bekannt gemacht hat. Pumpe ist dasselbe Wort wie
+Bombe und hieß auch vor zweihundert Jahren im Oberdeutschen noch Bombe.
+Es ist ein Schallwort (bum!) und bedeutet zunächst ein Geräusch, einen
+Lärm; daher provençalisch bomba, Prahlerei, Gepränge, spanisch pompa,
+französisch pompe, neuhochdeutsch Pomp, bombastisch, Pump- (Pomp-) Hose.
+Lateinisch bombus = Gesumse, Geräusch von einem surrenden,<a id="Page_369"></a>
+ <span class="pagenum">[369]</span>
+summenden Geschoß; italienisch ribombare widerhallen. Die Pumpe hat also
+den Namen von dem Geräusch, das sie macht, kann aber zunächst auch vom
+Zeitwort bombare, trinken, schlürfen, saugen abgeleitet sein, denn die
+Pumpe saugt das Wasser auf; aber auch dieses Zeitwort ist
+naturlautmalend, so daß die Sache ziemlich auf dasselbe hinauskommt. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Pumpensod</span> s. &#8222;Bilge&#8223; am Ende und &#8222;Sodraum&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">purren</span> wird an Bord für &#8222;wecken&#8223; gebraucht. Es heißt aber sonst im
+niederdeutschen Sprachgebiet stechen, stoßen, stacheln, treiben, reizen,
+kann also nur insofern wecken bedeuten als solches durch Stoßen,
+Klopfen, Reizen etc. etc. bewirkt wird. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch das Hochdeutsche hat ein
+Zeitwort purren, das heißt aber sausen, brausen, rauschen, brummen. Doch
+dürften die beiden unter einen Hut zu bringen sein, wenn man beide als
+lautmalend ansieht (purr! oder auch bloß prrr!). Es liegt auf der Hand,
+daß bei der Lautmalerei die Begriffe ziemlich weit auseinander gehen
+können, so daß ein und derselbe Ton sowohl reizen als brummen bedeuten
+kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Diese Erklärung wird unterstützt durch das Zeitwort verpurren:
+eine Sache verderben, einen Fang verhindern, ein Mißlingen verursachen,
+etwa durch ein vorzeitiges oder unglückliches purrendes Geräusch.</p>
+
+<p><span class="strong1">Putjer</span>, der, ist ein Mensch der geringe, niedrige Arbeit tut. Das Wort
+stammt aus der Seemannssprache und wird in wegwerfendem,
+geringschätzigem Sinne gebraucht. Es hieß mittelniederdeutsch putker,
+puteker und bedeutete Schiffsknecht, Kajütenjunge, den niedrigsten
+Diener an Bord, der mit den <span class="strong1">puten</span> &nbsp;&mdash;&nbsp;so hießen die Pützen damals &nbsp;&mdash;&nbsp; zu
+tun hatte, also wusch, scheuerte, rein machte und der jedenfalls auch
+das nützliche aber wenig ehrenvolle Amt eines Gallionsinspektors versah
+(die Aborte rein hielt). Davon kommt auch das niederdeutsche
+Eigenschaftswort pütjerich, pütscherich, kleinlich, beschränkt, gering.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Statt Putjer hört man auch Butjer. Und in dieser Form ist das Wort
+noch mehr herabgesunken, so daß es jetzt hauptsächlich für Herumsteher,
+Eckensteher, Bollwerksbruder, Gelegenheitsarbeiter gebraucht wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Püttings</span>, die, sind Ketten die den Jungfern der Wanten nach unten zu
+Halt und Festigkeit verleihen. Die Püttings der Unterwanten sind in die
+Bordwand eingelassen, fahren durch die Rüst und halten da die Jungfern
+fest. Die Marspüttings über die<a id="Page_370"></a>
+ <span class="pagenum">[370]</span> der Seemann unter Verachtung des
+&#8222;Soldatenloches&#8223; in den Mars entert, also die Püttings der Stengewanten
+fahren von deren Jungfern durch den Mars hinunter nach dem Unterwant,
+auf diesem sitzt eine &#8222;Wurst&#8223;, und an der Wurst sind sie befestigt. In
+Pütting liegt irgendwie auch der Begriff von &#8222;Wurst&#8223;. So sonderbar es
+klingt, wir müssen dabei auf das englische pudding Bezug nehmen, denn
+das bedeutet ursprünglich ebenfalls Wurst. Französisch boudin, Wurst,
+eigentlich etwas Aufgetriebenes oder Geschwollenes; ostfriesisch ist püt
+eine Düte, ein Beutel, eine Tasche, ein Kropf, ein Fleischwulst,
+Fettwulst, Ausbauschung, Anschwellung. Die Püttings sind aber
+Ausbauschungen, sie schwellen nach außen zu, nach dem Rande der Rüst
+bezw. des Marses an; das würde schon allein genügen, sie mit püt
+zusammen zu bringen. Da aber die Wurst an der sie befestigt sind, ihren
+Einfluß geltend gemacht haben wird, so lag ein mit Pudding im Sinne von
+Wurst verwandtes Wort erst recht nicht allzufern zur Bezeichnung dieser
+Anschwellung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Pütze</span>, die, heißt an Bord der Eimer. Man hat Holzpützen und
+Segeltuchpützen (Admirale); Bootspützen, Deckwaschpützen, Teerpützen u.&nbsp;a.&nbsp;m. Im
+Mittel- und Neuniederdeutschen heißt put der Brunnen, aus dem
+Lateinischen, von puteus stammend. Daher stammt das niederdeutsche
+Zeitwort putten, Wasser (aus einem Brunnen) schöpfen. Daher stammt auch
+das mittelniederdeutsche putse als etwas womit man Wasser aus dem put
+schöpft. Putse wäre also die richtige Form des Wortes. Woher mit einem
+Male in die neuhochdeutsche Seemannssprache der Umlaut gekommen ist, ist
+unerfindlich; man wäre geneigt denselben auf Rechnung des
+Neuhochdeutschen zu setzen, wenn nicht auch von Wangerooge her püds
+bezeugt wäre. &nbsp;&mdash;&nbsp; Kilian hat schon die kurze Form putse, während der
+Teuthonista noch puteymer sagt.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="Q"></a>Q.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Quarantäne</span>, die, die Zeit die ein Schiff ohne Praktika liegen bleiben
+muß, weil es aus pestverdächtigem Hafen kommt und daher auf seinen
+Gesundheitszustand hin beobachtet werden<a id="Page_371"></a>
+ <span class="pagenum">[371]</span> muß. Wie lange solches
+zu geschehen hat richtet sich nach landesüblichem Gebrauche und den
+geltenden gesetzlichen Bestimmungen. Ursprünglich wollte man auf alle
+Fälle sicher gehen und nahm vierzig Tage an. Daß es gerade so viele
+waren hatte einen ganz bestimmten Grund. Man dachte an die vierzig Tage
+der Passion, der Leidenszeit Christi. Die hieß zuerst italienisch
+quarantana, französisch quarantaine, von quaranta, contrahirt aus
+quadraginta. Von dem kirchlichen Gebrauch hat die Seemannssprache das
+Wort übernommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Quarter-Deck</span>, das, nennt man zuweilen noch &nbsp;&mdash;&nbsp; das Wort ist aber im
+Aussterben begriffen und wird mehr und mehr durch das reindeutsche
+Achterdeck verdrängt &nbsp;&mdash;&nbsp; den Teil des Oberdecks hinter dem Großmast bis
+zum Kreuzmast. Er darf von den Mannschaften nur dienstlich und in
+angemessener Haltung betreten werden. Auch zwischen denen, für die das
+Achterdeck vorbehalten ist, wird noch ein Unterschied gemacht, indem im
+Hafen oder unter Dampf die Steuerbordseite, unter Segel die Luvseite des
+Achterdecks noch besonders dem Kommandanten vorbehalten bleibt.
+Quarterdeck kam uns über England aus dem Süden; italienisch quartiere,
+spanisch quartel, französisch quartier, das abgeteilte Viertel eines
+Raumes, in weiterem Sinne ein Raum ohne Rücksicht auf genaues Maß, eine
+Wohnung, Zimmer, Gemach, Quartier, Unterkunft. Bei Stadtviertel ist
+bekanntlich ebenso wenig von mathematischer oder arithmetischem Viertel
+die Rede, wie Schiller an Mathematik dachte, da er von der &#8222;größeren
+Hälfte&#8223; seiner Schuld sprach, oder wie wir, wenn wir vom &#8222;Kreise&#8223; Bütow
+oder Lauenburg reden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Quartier</span>, das, jetzt gewöhnlich &#8222;das Quartier der Wache.&#8223; Es gibt
+Schönwetterzeiten, da der Offizier der Wache mit einiger Sicherheit
+voraussehen kann, daß während der nächsten Stunden ein Manöver mit der
+ganzen Wache nicht nötig werden wird. Dann läßt er einen Teil der Wache
+sich im Zeug an Deck unter ein Sonnensegel zum Schlafen niederlegen, und
+nur die notwendigsten Leute zum Rudergehen, Postenstehen, Loggen und
+anderen laufenden Arbeiten bleiben wach. Das ist das Quartier der Wache;
+es braucht nicht gerade ein Viertel derselben zu sein, es bedeutet
+überhaupt keine bestimmte Anzahl, sondern nur &#8222;Teil&#8223; oder &#8222;Abteilung&#8223;
+oder &#8222;abgeteilte Leute&#8223;. Der Begriff Quartier darf um so weniger
+arithmetisch gefaßt werden als er überhaupt<a id="Page_372"></a>
+ <span class="pagenum">[372]</span> ursprünglich
+garnichts mit Arithmetik zu tun hatte. Denn früher hieß die ganze Wache
+Quartier. &#8222;Um acht Uhr zog ein neues Quartier auf&#8223;, &#8222;um zwölf Uhr wurde
+das alte Quartier abgelöst.&#8223; Es hieß also, da man &#8222;vier auf, vier ab&#8223;
+oder &#8222;Wache um Wache&#8223; ging, die Hälfte der ganzen Mannschaft Quartier.
+Quartier war völlig gleichbedeutend mit Wache. Das erklärt sich
+sprachlich ganz einfach. Von dem Stamm var, wehren, hüten, wachen, kommt
+das gothische vards, angelsächsisch ward (vergl. Steward),
+althochdeutsch wart, mittelhochdeutsch wart = Wart, Wärter, Hüter,
+Wächter; davon das spanische guardia; durch deutsche Kriegsleute dahin
+getragen hat wart dasselbe Schicksal gehabt wie wera, das zu guerra
+wurde; guardia nahm im Französischen die Form garde an, Wächter, und
+gardes, Wache. Statt gardes kam aber bald quart oder le Quart auf. Das
+fand als quartier seinen Weg ins Niederländische, und von da kehrte das
+deutsche Wort in fremder Form als Quartier zu uns, in die niederdeutsche
+Seemannssprache, zurück. Über Quart hat Aubin (1702) Folgendes, da die
+niederländischen Formen dabei stehen, gewinnt es für uns an Wert und
+macht die Sache deutlicher. Quart, Gardes, Le Quart. Niederländisch:
+Quartier, Wagt. C'est l'espace du tems qu'une partie des gens de
+l'équipage d'un vaisseau veille pour faire le Service tandisque le rest
+dort. Chaque nation a son quart de différente durée, et même parmi les
+vaisseaux d'une même nation le quart est inégal: toutefois il est
+toujours mesuré et déterminé par horloges, chaque horloge étant fixé à
+une demi-heure. En France dans les vaisseaux du Roi le quart est souvent
+de huit horloges. Dans les autres vaisseaux il est tantôt de six, tantôt
+de sept, et quelquefois de huit. A chaque fois qu'on commence et qu'on
+lève le quart on sonne la cloche pour en avertir l'équipage. On dit, Ce
+matelot n'a pas fait le quart. Ce Timonier a fait lever le quart un
+horloge plutôt qu'il ne faloit. En Angleterre le quart est de quatres
+heures, et en Turquïe de cinq.&#8223; &#8222;Quart. Les gens du Quart.
+Niederländisch: Quartier, Quartiervolk. Le Capitaine, ou Commandant d'un
+navire doit faire la division de ses Quarts, et en faire écrire la
+disposition dans un tableau qu'on atache à la porte de sa chambre, ou au
+mât d'artimon.&#8223; &#8222;Le premier Quart, ou Quart de tribord. Niederländisch:
+Eerste wagt, Nagt-wagt, Hoofdtwagt. C'est celui qui est pris le premier,
+c'est-à-dire, immédiatement après l'aube, ou à l'entrée<a id="Page_373"></a>
+ <span class="pagenum">[373]</span> de la
+nuit. Ce premier quart est aussi apellé Quart de tribord, et est fait
+par les Oficiers subalternes en pié, ou par les plus anciens d'entre les
+subalternes.&#8223; &#8222;Le second Quart est pris aussi-tôt que le premier quart
+est fini, ce qui arive ordinairement â minuit. Celui-ci se fait presque
+toujours par les Oficiers subalternes qui sont en second, ou par les
+moins anciens Oficiers d'entre les subalternes; Quart de babord.
+Niederländisch Hondtwagt&#8223;, vergl. das deutsche Hundewache. &#8222;Quart du
+jour. Niederländisch de laatste nagt-wagt, Morgen-wagt. C'est celui qui
+est pris à la fin du second quart, et qui amène le jour, c'est-à-dire
+que le jour paroît avantque ce quart soit fini.&#8223; &#8222;Prendre le Quart,
+Niederländisch op de wagt gaan.&#8223; &#8222;Etre de Quart, faire son Quart, de
+wagt hebben, syn quartier waaken.&#8223; &#8222;Apeller au quart, niederländisch
+porren, unser purren = wecken.&#8223; &#8222;Au Quart, au Quart. Niederländisch:
+Quart, Quart, c'est la manière d'apeller ceux dont le tour vient de
+faire le quart.&#8223; Dieses Purren geschah auch auf deutschen Schiffen mit
+dem Rufe: &#8222;Quartier, Quartier!&#8223; Doch wurde dieses Wort nicht bloß
+gerufen, sondern in der den deutschen Seeleuten eigenen langgezogenen
+Weise ausgesungen. Und meist begnügte man sich nicht mit den beiden
+Worten, sondern sang, wie beim Werfen des großen Lothes, einen ganzen
+Vers, einen Quartiervers. Diese Verse führen in den Gedankengang jener
+Seeleute ein und zeigen zugleich, welcher Sprache sie sich bedienten.
+Daher mögen hier ihrer etliche aus der Mitte des siebzehnten
+Jahrhunderts eine Stelle finden.</p>
+
+<div class="poem">
+
+ <div class="stanza">
+
+ <p>Quarteer, Quarteer, wilt my verstahn,</p>
+ <p>Ein ander Quarteer mut waken gahn,</p>
+ <p>Gott vorlehn uns synen Frede,</p>
+ <p>Glück und beholden Reiß darmede!</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Hir fahre wy mit Gott vorheven,</p>
+ <p>Gott will uns unse Sünd vorgeven,</p>
+ <p>Unse Sünd und Missedaht,</p>
+ <p>Up Gott steit all unse Thoverlaht.</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p> Glück und beholden Reiß,</p>
+ <p>Gottes Genad uns begleit,</p>
+ <p>Gut Weder vor de Wind,</p>
+ <p>Gott mack unsen Fiend blind.<a id="Page_374"></a>
+ <span class="pagenum">[374]</span></p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Gott der Herr gewe gut Gesicht,</p>
+ <p>Achter düster, vör dat Licht,</p>
+ <p>Einen rumen Wind und gut Vorspoet!</p>
+ <p>Dat doet uns allthosamen goht.</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Gott wil dit gute Schip bewahren,</p>
+ <p>Mit all de jenen de dar mit fahren,</p>
+ <p>Mast, Kehl, Steng, Rohr, Stag und Wand,</p>
+ <p>Bewahr uns Herr durch dine Hand!</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Gott bewahr dit gode Schip,</p>
+ <p>Vor einigen Ungelück,</p>
+ <p>Vor See, vor Sand, vor Führ, vor Strand,</p>
+ <p>Vor den bösen Höllschen Vyand!</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Gott bewahr uns vor Ungelück,</p>
+ <p>Vor Rövers, Törcken und er Tück,</p>
+ <p>He holde uns by synem Wort,</p>
+ <p>Dat wy ehn prisen hir und dort.</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Gott help uns in ein gude Have,</p>
+ <p>Na unsen Wunsch und synen Lave,</p>
+ <p>Mit ein dicht Schip gesunden Mann,</p>
+ <p>Heruth Quarteer in Gottes Nahm.</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Heruth Quarteer und beydt nicht lang,</p>
+ <p>Und wilt den Mann tho Rohr verfangen</p>
+ <p>Laht ehn ock nicht langer stahn,</p>
+ <p>Dit Quarteer mut schlapen gahn.</p>
+
+</div>
+
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Gott laht den Schipper lange leven,</p>
+ <p>Wen he uns wert den Brandwin gewen,</p>
+ <p>Gott geve ehm guds tho aller Stund!</p>
+ <p>Dat wünsch ick ehm van Harten grund.</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>De Stürmann ys van guder Art,</p>
+ <p>He schrifft he past des Schepes Fahrt,</p>
+ <p>Mit synen Bage ys he bereit,</p>
+ <p>Wen ehr de Sünn naed Süden geit.<a id="Page_375"></a>
+ <span class="pagenum">[375]</span></p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+ <p>Man tho Rohr guder Held!</p>
+ <p>Wyl gy syn ant Rohr gestellt,</p>
+ <p>Wacht dat Rohr stüret gewiß,</p>
+ <p>Unsre Höpening up juw ys.</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p> Unser Klenod dat Compaß,</p>
+ <p>Ein wackend Oge und dat Glaß,</p>
+ <p>Is ein Foht dar men up buwet,</p>
+ <p> Doch alleen unsen Gott vertruwet.</p>
+
+</div>
+
+<div class="stanza">
+
+ <p>Jungmann stet hirup bedacht,</p>
+ <p>Nehmt de Pump in guder acht,</p>
+ <p>Brucket dat Loth sparet neen Lien,</p>
+ <p>Lath de Vorsorge by juw syn.</p>
+
+</div>
+
+ <div class="stanza">
+
+ <p>Riset up Kock gode Maht!</p>
+ <p>Muntert juw uth juwen Schlap,</p>
+ <p> Vor frischet juw Fisch unde Fleisch,</p>
+ <p>Gott geve uns Glück und beholden Reiß.</p>
+
+</div>
+</div>
+
+<p><span class="strong1">Quartier geben</span> ist = Pardon geben. Quartier ist hierbei im Sinne von
+Unterkunft zur Erhaltung des Lebens genommen, s. Quarter-Deck. Wenn
+einer einen Gefangenen macht und ihm das Leben schenkt muß er ihm auch
+für Unterkunft sorgen und zwar schon seines eigenen Vorteils wegen für
+eine <span class="strong1">sichere</span> Unterkunft. &nbsp;&mdash;&nbsp; Den Ausdruck Quartier geben für die eine
+Seite entspricht auf der anderen &#8222;Quartier begehren&#8223; d.&nbsp;h. die Waffen
+strecken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Quast</span>, der, heißt wegen der Ähnlichkeit der Gestalt in der
+Seemannssprache der Pinsel. Eigentlich ist &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. Badegast &nbsp;&mdash;&nbsp;Quast
+ein Laubbüschel, Zweigbüschel, Reisigbündel. Es kommt als quest häufig
+und in vielen Verbindungen im Mittelniederdeutschen vor: klederquest,
+Kleiderquast, die Kleider auszuklopfen; heide-quast, Quast aus
+Heidekraut, die Töpfe und anderes Küchengerät zu reinigen, wi-quest,
+Weihwedel; witjen-quest, dicker Pinsel von Schweinsborsten um die Wände
+zu witjen, zu weißen. Hochdeutsch kennen wir das Wort hauptsächlich als
+Quaste. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Mit dem weißen, dem schwarzen Quast malen&#8223; sagt der Seemann,
+je nachdem der Vorgesetzte bei der Besichtigung des Schiffes gnädig oder
+ungnädig ist.<a id="Page_376"></a>
+ <span class="pagenum">[376]</span></p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="R"></a>R.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Rabatteisen</span>, das, s. Kalfaten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rack</span>, das, heißt die Vorrichtung mittelst deren die Rahe an den Mast
+befestigt wird. Sie hat im Laufe der Zeit mancherlei technische
+Veränderungen erfahren, ist auch verschieden bei Unterrahen, verschieden
+bei Marsrahen, verschieden bei Gaffeln, aber das Gemeinsame ist und
+bleibt stets dies, daß das Rack, bestehe es nun, wie ursprünglich aus
+einem Tau auf dem rosenkranzartig runde Holzkugeln, Rackkloten,
+aufgezogen sind, die das Auf- und Abziehen erleichtern, oder aus
+Rackketten und Racktaljen, immer dasjenige Etwas ist, das die Rahe an
+den Mast heranbringt, mit ihm in Berührung bringt und an ihm festhält.
+Dieser Begriff liegt aber in dem niederdeutschen Zeitwort raken.
+Dornkaat gibt dafür für das Ostfriesische folgende Bedeutungen an:
+treffen oder erreichen, eine Bewegung machen wohin oder worauf los, sich
+bewegen vor, kommen zu, berühren, anrühren, reichen an ..., wohin
+kommen, gelangen, geraten, zusammenstoßen. Es ist also klar, daß Rack zu
+diesem raken gehört. Das seemännische Zeitwort racken aber ist dann
+wiederum von Rack gebildet: das tun was mit einem Rack getan wird, die
+Rahe an den Mast befestigen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Rack heißt niederländisch rak,
+schwedisch rack, norwegisch, dänisch rakke, altnordisch rakki,
+isländisch racki. Aus dem Germanischen ist das Wort ins Französische
+gegangen: raque. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nur der Englische ging eigene Wege. Hier heißt das
+Rack parrel, was von apparrel, Zurichtung gekürzt sein soll. Doch klingt
+das sehr allgemein. Sollte nicht am Ende pearl, niederländisch parrel,
+in dem Worte stecken, so daß die Rackkloten mit den Perlen eines
+Rosenkranzes verglichen worden wären? Der Gedankengang lag nahe genug.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rahe</span>, die. &#8222;Segelstange.&#8223; Wird auch Raa, Raae, Rah geschrieben. Das aus
+einem aufgeweichten g entstandene h verlangt sein Recht.
+Mittelniederdeutsch rhaa; hier ist das h, wenn es auch an verkehrter
+Stelle steht, doch nicht ganz verloren gegangen; Lübecker Zunftrecht:
+&#8222;Ein lehrknecht, de sine lehrjahre uthgedenet, schal tom provestücke
+maken ein rhaa, mast vnd roer.&#8223; Das Erste was einem beim Anblick einer
+Rahe in die<a id="Page_377"></a>
+ <span class="pagenum">[377]</span> Augen fällt ist daß sie ragt, weit in die Luft
+hinausragt. Und das Ragende hat bei der Benennung gewiß den Ausschlag
+gegeben. Gothisch rakjan, ragen. Schon im Althochdeutschen hatte sich
+die Lautverschiebung vollzogen: raha, Stange; mittelhochdeutsch schon
+rahe wie heute. Altnordisch râ; Teuthonista: rae, des scheeps balck
+geheyten en ra dair dat segel of seyle an gevesticht is. Niederländisch
+ree. Diese letzten drei Formen sind Zusammenziehungen nach Schwund der
+Gutturale oder des aus ihr entstandenen h und bedeuten ein Zugeständniß
+an niederdeutsche Einsilbigkeit. Die Schreibart Rahe, als an die
+Herkunft erinnernd, ist vorzuziehen. Beim Otfried kommt eine Stelle vor:
+&#8222;Zimboron thia racha&#8223;, was wohl mit dem erwähnten raha verwandt sein
+dürfte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Raketenapparat</span>, der, ist eine Vorrichtung zur Rettung von Menschen aus
+Seenot, wie sie die unter dem Protektorat des Kaisers stehende &#8222;Deutsche
+Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger&#8223; auf den Rettungsstationen an
+den deutschen Küsten vorrätig hält. Das Erste und Hauptsächliche an der
+Sache ist, daß eine Rakete, an der eine dünne Leine befestigt ist, über
+das gefährdete Schiff hinweggeschossen wird, und daß man an Bord dieses
+Schiffes die Leine erfaßt und festhält. Alles andere ergibt sich dann
+nach der genauen Handhabungsvorschrift der genannten Gesellschaft von
+selbst. (Vergl. auch &#8222;Hosenboje&#8223;) Rakete, englisch rocket, (nicht zu
+verwechseln mit dem Ballschläger racket, der in Deutschland im
+Mittelalter raket hieß, von rete = Netz eine Diminutivform, also
+Schlagnetz) italienisch rochetta, Diminutivum vom italienischen rocca,
+althochdeutsch roccho, rocco = Rocken. Das Wort ist also deutsch und
+kommt von der Ähnlichkeit einer pulvergefüllten Papierhülse mit einem
+Spinnrocken.</p>
+
+<p><span class="strong1">rammen.</span> Durch anrennen in den Grund bohren, zu bohren versuchen. Es gibt
+ein althochdeutsches Zeitwort ramen, mittelhochdeutsch ramen: aufs Korn
+nehmen, nach etwas trachten. Da haben wir schon dasselbe Wort. Davon kam
+zunächst ramme, Balken oder Klotz zum Einstoßen von Pfählen oder Steinen
+in die Erde; Sturmbock zum Einrennen von Toren und Mauern, Widder. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Der Bock, der Widder gibt die Erklärung, denn der hieß und heißt
+mundartlich heute noch ram, mittelhochdeutsch ram, althochdeutsch rammo,
+von einer Wurzel ra, die stoßen bedeutet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Rammen kann ein Schiff
+füglich nur wenn es mit<a id="Page_378"></a>
+ <span class="pagenum">[378]</span> seinem Vorderteil dem anderen in die
+Seite fährt. Daher muß sein Steven, sein Bug als <span class="strong1">Rammsteven</span>, <span class="strong1">Rammbug</span>
+gestaltet sein; es ist dann ein Rammschiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Randsomhölzer</span>, die, sind die Hölzer aus denen der Holzschiffbau das
+hinterste und auch das vorderste Spant zusammensetzt, so daß also die
+hinteren mit den Wrangen und dem Heckbalken den Spiegel, die vorderen
+den Bug angeben. Das Wort stammt aus dem Niederländischen, wo es
+randsoenhouten heißt. Randsoen besteht aus der beliebten
+niederländischen Endung oen, sprich un, (vergl. Pardun) und rand. In der
+Tat bilden diese Hölzer den hintersten bezw. vordersten Rand des
+Schiffes, daher sie auch im Englischen fashion pieces heißen, d.&nbsp;h.
+&#8222;Façonstücke&#8223;, Stücke die die Gestalt bestimmen. Die Randsomhölzer sind
+stärker als die gewöhnlichen Spanten. Bei dem zur Zeit in Kiel im Bau
+befindlichen Südpolarexpeditionsschiffe werden, wie fachmännische Seite
+mündlich berichtet, die Randsomhölzer besonders verstärkt um dem Eise
+desto mehr Widerstand bieten zu können. &nbsp;&mdash;&nbsp; Für gewöhnlich wird
+angenommen, daß es nur hinten Randsomhölzer gibt, doch sagen Männer vom
+Fach, daß sie auch vorne vorkommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">rank</span> ist ein Schiff, wenn es sich leicht auf die eine oder die andere
+Seite legt, wenn es zum Krängen neigt. Das Gegenteil davon ist &#8222;stabil&#8223;.
+Ob ein Schiff rank oder stabil ist, hängt von der Lage seines
+Metacentrums (s. d.) ab. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das verwandte hochdeutsche Zeitwort steckt
+noch in unserem verrenken, &#8222;drehen, hin und her ziehen&#8223;. Daher auch
+Ranke; für eine Pflanze das Mittel sich festzuhalten, doch so daß sie
+Spielraum hat sich hin und her zu bewegen durch die Federkraft der
+spiralförmigen Rankengestalt. Rank ist in der Einzahl als Substantivum
+nicht gebräuchlich, desto mehr in der Mehrzahl Ränke, eine schnelle
+Wendung, eine krumme Bewegung, eine List andeutend; im
+Mittelhochdeutschen war aber die Einzahl rank = schnelle, drehende
+Bewegung gebräuchlich. Im Niederländischen sagt man wohl von einem
+Mädchen, sie sei &#8222;een rank meisje&#8223;; das heißt nicht, wie Weiland meint,
+ein dünnes, sondern vielmehr ein flinkes, bewegliches Mädchen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rapert</span>, das, ein jetzt ziemlich veraltetes Wort für Laffette. Eigentlich
+Rampert, niederländisch rampaard, also Rammpferd. Während die Laffette
+in den romanischen Sprachen Wagen<a id="Page_379"></a>
+ <span class="pagenum">[379]</span> (carretta) heißt, hat man sich
+in den germanischen das Kanonenrohr als auf ein Pferd gebunden
+vorgestellt, Rammpferd aber gewählt, weil es beim Schießen stößt wie ein
+ram, ein Widder (s. rammen).</p>
+
+<p><span class="strong1">Rauchsegel</span>, das. Wenn ein Segelschiff, das auch Dampfkraft hat, diese
+letztere zeitweilig benützt, so müssen die (natürlich fest gemachten)
+Segel mit Bezügen versehen werden, damit der Rauch sie nicht schwärze.
+Ein solcher Bezug ist ein Rauchsegel; Segel weil aus Segeltuch
+hergestellt, wie man auch von Sonnen- oder Regensegel spricht. Sie
+wurden früher und werden wohl auch jetzt noch treffender Rauch<span class="strong1">bezüge</span>
+genannt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Raum</span>, der, ohne nähere Bezeichnung bedeutet auf Handelsschiffen den Raum
+zur Aufnahme der Ladung, den Laderaum, niederdeutsch rum. Alle anderen
+Räume, sie mögen noch so bedeutsam sein, müssen besonders bezeichnet und
+benannt werden, Kajüte, Pflicht, Farunner, nur der Raum, auf den es bei
+einem solchen Schiffe allerdings hauptsächlich ankommt, heißt <span class="strong1">der</span> Raum.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Vor Zeiten war Raum in gewissen Zusammensetzungen gleichbedeutend mit
+Deck z.&nbsp;B. Ober-Raum = Oberdeck. Es erzählen die &#8222;Durchläuchtigsten
+Seehelden&#8223;, Sulzbach 1681 von Andreas Doria: &#8222;Es will aber das Krieges
+Glück nicht allezeit fügen, und ein so tapferer Kriegsmann wird nirgends
+gefunden, dem es nicht etwa einmal zu wider lauffen sollte. Und warlich
+so viel herrliche Thaten mochten wol ein oder zwey widerwärtige Fälle
+überwägen. Doria hatte zu Spesia das teutsche Fußvolck von Madrucci auf
+viertzig Galeyen eingenommen, und wiewohl ihm nicht unbewust war, daß
+die Türckische Flotte sich in der See aufhielte, verhoffte er
+gleichwohl, dieselbige entweder an Gaetta, oder an einem andern
+benachbarten Orte an das Land zu setzen; weil es aber Nacht worden, und
+er wegen seines hohen Alters nicht länger oben auf dem <span class="strong1">Ober-Raum</span> bleiben
+konnte, hat er befohlen, daß man von der Insel Ponza sich abhalten
+solte, es wurden aber die Galeyen entweder durch den Strom, oder durch
+Unvorsichtigkeit der Steuerleute, so nahe an dem Ort, da die Türken
+lagen, getrieben, daß sie ihnen eher auf den Hals kamen, als sie sich
+zum fechten fertig machen konten. Derohalben Doria Befehl thät, daß man
+auf das füglichste, als es immer müglich zu weichen, bedacht seyn solte,
+aber unter denselben ward eine Galeye verloren, wie auch noch andere
+sechse,<a id="Page_380"></a>
+ <span class="pagenum">[380]</span> so die gantze Nacht, und den halben folgenden Tag von den
+Türken verfolget, und benebenst sieben hundert Teutschen, und einem
+Obersten, genommen wurden.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">raumen</span> ist die seemännische Form für das neuhochdeutsche Wort räumen,
+sich von der Stelle bewegen, den Platz verlassen, Raum machen oder
+geben, Platz machen, niederdeutsch rumen, mittelhochdeutsch rumen,
+althochdeutsch ruman, angelsächsisch rumjan. Seemännisch bedeutet: &#8222;Der
+Wind raumt&#8223;, er verändert seine Richtung, aber nicht wie beim Krimpen,
+in ungünstiger, sondern in günstiger Richtung, so daß man besser Kurs
+steuern und die Segel aufbrassen d.&nbsp;h. den Wind unter günstigerem Winkel
+auf die Segel wirken lassen kann. Wenn der Wind so günstig ist, ungefähr
+backstags weht, so spricht man von raumem Wind und kann raumschots
+segeln; man spricht auch von <span class="strong1">raumer See</span>, wenn das Schiff freie Bahn hat,
+wenn ihm genug <span class="strong1">Seeraum</span> zur Verfügung steht.</p>
+
+<p><span class="strong1">rauschen lassen</span> heißt eine Sache nicht langsam an einem Tau fieren,
+sondern das Tau loswerfen und so den Gegenstand dem Gesetze seiner
+Schwere übergeben, daß er diesem Gesetze folgend zu Boden saust.
+Rauschen heißt nach Kluge brausen, sausen, stürmen, eilig einhereilen,
+entsprechend dem niederländischen ruischen, englisch to rush = stürzen.
+Diese letzte Bedeutung erinnert an einen sehr gefährlichen Scherz, der
+eigentlich kaum ein Scherz genannt werden kann, darin bestehend, daß man
+einen schlafend oder doch ahnungslos in der Hängematte Liegenden
+&#8222;rauschen&#8223; läßt, indem man heimlich die Befestigung der Hängematte am
+Hängemattshaken löst.</p>
+
+<p><span class="strong1">reddern</span> die Segel, heißt, sie durch Ordnen der Brassen, Schoten
+u.&nbsp;s.&nbsp;w. so in den Stand setzen, daß sie zum sofortigen Gebrauch bereit, klar zum
+Segelsetzen sind. Das niederdeutsche Zeitwort reden, mit dem auch Reede
+verwandt ist, bedeutet &#8222;bereit machen&#8223;, eigentlich fertig machen zum
+Reiten, sattelfertig für das Besteigen eines Pferdes, seinen Anzug
+ordnen. In vielen Konjugationsformen von reden stellt sich ein doppeltes
+d ein. Von einer solchen geminierten Form ist reddern ein Faktitivum,
+besonders als solches gebildet ohne Rücksicht auf den eigentlichen schon
+an sich faktitiven Sinn des Zeitwortes.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ree!</span> ist auf Segelschiffen der Handelsmarine dasselbe Kommando, das auf
+Kriegsschiffen: &#8222;Klar zum Wenden!&#8223; lautet, bedeutet<a id="Page_381"></a>
+ <span class="pagenum">[381]</span> also den
+Befehl, daß jeder sich auf seinem Posten bereit zu halten habe zu den
+stets wichtigen Manövern des Wendens. Das erste Kommando zum wirklichen
+Beginn desselben heißt jetzt &#8222;Luv zum Wenden!&#8223; Früher hieß es: &#8222;Ruder
+(-Pinne) in Lee!&#8223; Es ist behauptet worden, Ree wäre eine sehr starke
+Zusammenziehung dieses Kommandos, (&#8222;Ruder in Lee&#8223;, &#8222;Rulee&#8223;, &#8222;Ree&#8223;) aber
+das stimmt schon dem Sinne nach nicht, da Ree dem &#8222;Ruder in Lee&#8223;
+zeitlich und begrifflich vorangeht. Ree ist allerdings eine Kontraktion,
+aber von rede und daß dieses nichts anderes als &#8222;bereit&#8223;, &#8222;fertig&#8223;,
+&#8222;klar zum Manöver&#8223; heißt, weiß jeder, der den Ursprung von Reede kennt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Reede</span>, die, ist ein Ankerplatz für Schiffe im Gegensatz zu Hafen. Ein
+niederdeutsches Wort, das als Rhede und Rede Ende des 17. Jahrhunderts
+ins Hochdeutsche drang. Wie sich aus dem Folgenden ergeben wird, ist für
+die Schreibweise Rhede gar kein Grund vorhanden. Man könnte ruhig Rede
+schreiben, da das e ohnehin lang gesprochen werden muß, und nur um es
+von Rede = Sprache zu unterscheiden, empfiehlt es sich, die Schreibweise
+Reede zu bevorzugen. Das Wort lautet französisch rade, spanisch,
+portugiesisch und italienisch rada, ist aber deutschen Ursprungs. Wir
+müssen auf das Gothische zurückgehen. Da heißt garaiths angeordnet,
+garaidjan bereit machen, zubereiten, mittelhochdeutsch gereite fertig
+machen. Und zwar liegt dem Worte ursprünglich der Begriff des Reitens zu
+Grunde; &#8222;bereit&#8223; ist aber der, der fertig ist aufs Pferd zu steigen, wie
+der fertig (fährtig) ist, der bereit ist, auf den Wagen, auf dem er
+fahren will, zu steigen. Althochdeutsch reiten, reiden = bereit machen.
+Mittelniederdeutsch rede = fertig. Nach einer Urkunde im Archiv zu
+Bremen entschuldigt sich Enno Edzardisna, hovetling in der Greet,
+(Häuptling zu Greetsiel) bei Bremen, daß er den Verbundbrief noch nicht
+geschickt habe, &#8222;wente de inseghel des mene landes een dele nycht al
+rede synt.&#8223; Die älteste deutsche Form für Rede ist reyde, reide, rede;
+diese drei kommen bereits 1400 im &#8222;Seebuch&#8223; vor. Gewöhnlich aber reyde
+in den meisten niederdeutschen Urkunden. Dem entsprechend spricht ein
+kaiserliches Reskript vom 2. März 1634 von Bremischem &#8222;Convoy-, Tonnen-,
+Baken-, Hafen-, Reyder-, Consumtions- und Schreibgeld.&#8223; Dieses
+Reydergeld nennt der aus Mitteldeutschland stammende oldenburgische
+Chronist Hamelmann 1598 Reutergeld. &#8222;Aber<a id="Page_382"></a>
+ <span class="pagenum">[382]</span> dessen ungeachtet haben
+die von Bremen im Jahr 85 wieder solchen vertrag angefangen Reuter- und
+Tonnengeldt und dergleichen von den Schiffen zu nehmen&#8223; ... Allmählich
+aber ist der Diphthong ei geschwunden und hat dem einfachen e Platz
+gemacht. Derselbe Vorgang hat sich mit dem niederdeutschen
+Eigenschaftsworte reide abgespielt; es wird zunächst rede und dann des
+Öfteren durch Schwund des d, wie slee von slede, kurz ree, wie ja auf
+Handelsschiffen der Befehl: &#8222;Klar zum Manöver&#8223; einfach ree! heißt. Von
+diesem rede = bereit hat Reede den Namen. In einem alten Stralsunder
+Vocabularium heißt es: &#8222;reyde het de stede vor de hauene, dar man en
+schip reydet, rede makt to segelende.&#8223; Das ist ungefähr, aber doch nicht
+ganz richtig. Nicht darum heißt der Ankerplatz Reede, weil das Schiff da
+rede gemacht wird, sondern weil es bereits rede ist, wenn es diesen
+Platz aufsucht; weil es nicht eher auf Rede geht, als bis es rede ist.
+Erst wenn es im Hafen völlig aufgetakelt, bemannt, geladen, ausgerüstet
+ist, kann es hinaus auf die Reede, bereit Anker auf zu gehen sobald der
+Befehl dazu ergeht und der Wind dazu günstig ist. Die meisten Reeden
+würden sich gar nicht zum Ausrüsten und Laden eines Schiffes eignen. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+In der Marine-Rundschau 1892 ist der Versuch gemacht, Reede auf
+umgekehrtem Wege zu erklären, so daß Reede &nbsp;&mdash;&nbsp; englisch road &nbsp;&mdash;&nbsp; als Weg
+zum Reiten, zum Fahren für Schiffe das ursprünglichere wäre und das
+Eigenschaftswort rede eben davon käme, daß das Schiff, das auf der Reede
+liegt, rede ist. Das bedeutet aber einen großen Umweg, den man um so
+mehr sparen kann, als die Sache auch so zuletzt doch auf dasselbe,
+nämlich auf den aus &#8222;reiten&#8223; entstandenen Begriff &#8222;bereit&#8223; hinauskommt.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort hat reiche Beziehungen im Romanischen. Außer dem erwähnten
+rada finden wir im Italienischen arredo, spanisch arreo, portugiesisch
+arreio, altfranzösisch arroi = Zurüstung, Putz, Geräte; italienisch
+arredare zurüsten, corredo, altfranzösisch conroi, Ausrüstung. Alles vom
+gothischen raidjan. Dazu auch französisch agrès Takelwerk, agréer
+auftakeln; altfranzösisch agrei überhaupt Ausrüstung, Vorrat; wofür der
+Teuthonista schyp gereytscap hat; mittelniederdeutsch bei Kilian
+gereide. So sehr lag in dem Worte der Begriff Bereitschaft, daß man ein
+Testament selgerede, Bereitschaft der Seele zum Sterben nannte. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Auf
+die Reede gehen&#8223; heißt auf der Reede zu Anker gehen. Deshalb sagt
+1588<a id="Page_383"></a>
+ <span class="pagenum">[383]</span> Waghenaer anstatt ankern &#8222;Reede machen.&#8223; &#8222;Daer leyt een
+banck buyten Iutlandt von Dodenbarch een myl inde Zee ghenaemt
+Reefhoren, streckende west ten zuyden wel acht mylen lanck, is tot
+sommighe plaetsen niet dieper dan dry vadem, daermen tot sommighe
+plaetsen door zeylen ende rede maken mach voor eenen noordtwesten ende
+norden wind.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Reederei</span>, die, heißt eine Firma, die ihr gehörige Schiffe fahren läßt,
+wozu gehört, daß sie dieselben vorher ausrüsten, bemannen und laden
+läßt, also rede macht (s. Reede). Der Inhaber einer Reederei heißt
+<span class="strong1">Reeder</span>, niederländisch reeder, altnordisch, isländisch reidari,
+norwegisch reidar, schwedisch redare, dänisch reder. Eigentlich heißt
+Reeder weiter nichts als Bereiter, Anfertiger, Zu- oder Ausrüster z.&nbsp;B.
+linnen-reder, Leineweber. Wenn aber bloß Reeder gesagt wird, so ist ein
+Schiffsreeder gemeint.</p>
+
+<p><span class="strong1">Reep</span>, das, ist nicht nur das Tauwerk im Dienste der Seemannschaft, in
+Niederdeutschland heißt von Alters her jedes Seil, jeder Strick, jeder
+Strang Reep: das Reep der Glocken, das Reep des Henkers, sogar die
+Meßschnur heißt als Seil zum Messen in einer Skra die Lübeck etwa 1290
+nach Lübischem Recht an den Hof der Deutschen in Nowgorod verfügt hat,
+repe: &#8222;So we one begrepen wert mit eime valschen repe oder mit einer
+valschen elen unde darmede met&#8223; ... Doch muß es schon dem Teuthonista
+vor mehr denn 400 Jahren geläufig gewesen sein, bei Reep hauptsächlich
+an den seemännischen Gebrauch zu denken, denn nachdem er zuerst ganz
+allgemein gesagt hat, es sei ein &#8222;seyl of towe&#8223;, fügt er hinzu: &#8222;repe of
+seyl tot den segel of seyle op den schyp dyenende&#8223;, &#8222;repe of seyl in den
+schyp der men in den wyntstorm gebruict&#8223;, &#8222;repe dar men dat segel in den
+schyp mede op trect.&#8223; Gothisch heißt es raip, althochdeutsch reif.
+Dieses letztere wird aber für zwei Begriffe gebraucht, für Seil und für
+Ring. Das muß daher kommen, daß ein &#8222;aufgeschossenes&#8223; Seil wie ein Ring
+daliegt, zumal wenn anstatt des Hanftaues eine wilde Waldrebe gebraucht
+wird, wie es das ursprüngliche war. Wer gesehen hat, wie noch jetzt in
+einfachen ländlichen Verhältnissen an Stelle eines Strickes eine
+Waldrebe gebraucht wird, der kann sich leicht vorstellen, daß ein Reep
+im Grunde nichts anderes ist als eine Rebe. Das gothische Wort
+skaudaraip pflegt man wohl mit Schuhriemen zu übersetzen, es war aber
+ursprünglich nicht etwa ein Lederriemen, sondern einfach ein Stück
+Rebe.<a id="Page_384"></a>
+ <span class="pagenum">[384]</span> Wenn die altdeutschen Damen, wie aus dem Worte wida,
+Haarband, hervorgeht, zum Aufbinden ihrer langen blonden Haare eine
+wida, Weide, benützten, ähnlich wie heutzutage die Besenbinder die
+Birkenreiser zusammenbinden, so werden die Männer sich auch wohl mit
+einer Rebe als Schuhband begnügt haben. Im Laufe der Zeiten ist aber die
+Herkunft des Wortes Reep von Rebe als dem bindenden Material so aus dem
+Bewußtsein der Leute entschwunden, daß man in Ostfriesland sogar ein aus
+Stroh gedrehtes Seil ein Strohreep nennt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Mit Reep ist auch Rippe
+verwandt mit der gemeinschaftlichen Bedeutung Umschlingung. Man hat
+versucht, Reep davon abzuleiten, daß der Reepschläger den Hanf &#8222;rupft&#8223;
+beim Rückwärtsgehen; das dürfte kaum angängig sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Reffen</span>, <span class="strong1">reefen</span>. Die Segel kleiner machen, sei es daß der Wind an Stärke
+zunimmt, sei es daß man aus irgend einem Grunde kleinere Fahrt machen,
+mit geringerer Geschwindigkeit segeln will. Richtiger reefen. Es ist
+ganz unerfindlich, wie das ff in das Wort gekommen sein mag. Es muß
+irgend ein Unkundiger an raffen gedacht haben, weil das Segel beim
+Reffen von der Rahe aus mit der Hand gerafft wird. Der Seemann spricht
+aber reefen, niemals reffen. Und er tut recht, denn reffen kommt von
+<span class="strong1">Reef</span> und dieses von Reep. Hören wir Roeding's allgemeines Wörterbuch der
+Marine über das Technische: &#8222;Man bindet nämlich durch dünne Linien,
+(Leine, Band, Bändsel, Reffbändsel,) die Reefbanden genannt werden, und
+in einem quer über das Segel genähetem Streif Segeltuchs befestigt sind,
+und auf beiden Seiten des Segels herabhängen ... einen Teil desselben um
+die Raa fest, so daß der übrige nicht eingebundene Teil allein dem Winde
+ausgesetzt bleibt.&#8223; So viele &#8222;quer über das Segel genähete&#8223; Streifen
+einander parallel in gewissen Abständen vorhanden sind, so viele Reefen
+können &#8222;eingesteckt&#8223; werden. Nun ist Reep zu vergleichen und zu beachten
+daß Reep früher nicht nur ein Tau, sondern auch einen Leinwandstreifen
+bedeutete, (ähnlich wie unser Riemen für Lederstreifen von dem
+griechischen rhyma, Seil, kommt). Diese Leinwandstreifen, zur
+Verstärkung des Segels da aufgenäht wo die Reffbändsel zu sitzen kommen,
+sind eigentlich die Reefe; reefen aber ist das davon abgeleitete
+Zeitwort. So erklärt sich auch das Kommando: &#8222;Das erste, zweite, dritte,
+vierte Reef in die Marssegel!&#8223; natürlich<a id="Page_385"></a>
+ <span class="pagenum">[385]</span> von oben gerechnet. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Um aber denen, die an raffen gedacht haben, alle Gerechtigkeit
+widerfahren zu lassen, so ist nicht ausgeschlossen, daß raffen im Sinne
+von umfassen und halten eines Stammes mit Reep, Rebe und Rippe ist,
+entstammt der Wurzel die im Sanskrit rabh heißt und fassen, umfassen
+bedeutet. &nbsp;&mdash;&nbsp;Beim Ankern wird nicht gereeft, da werden die Segel
+aufgegeit (s. d.). Da wo Karl Simrock von Oegir (Aegir) handelt und über
+das Schiff &#8222;Ellida&#8223; aus der Frithjofsage von Tegner eine Stelle anführt,
+die im Original &#8222;refvade seglet sig sjelf&#8223; lautet, hätte er Gelegenheit
+gehabt, diesen, der ja nicht Seemann sondern Bischof war, zu verbessern.
+Er hat sie sich aber entgehen lassen, so daß wir bei ihm in Uebersetzung
+lesen:</p>
+
+<p>Tags darauf stand Wiking am Meer, und sieh, wie ein Seeaar, Wenn er die
+Beute verfolgt, in die Bucht einlief ihm ein Drachschiff. Niemand sah
+man darauf, ja es stand selbst keiner am Steuer; Dennoch fand's den
+geschlängelten Weg durch Klippen und Scheeren, Gleich als bewohnt es ein
+Geist, und als es dem Strande sich nahte, <span class="strong1">Reffte</span> das Segel sich selbst,
+unberührt von menschlichen Händen Senkte der Anker sich nieder und biß
+mit dem Zahne den Seegrund. Stumm stand Wiking und sahs: da sangen die
+spielenden Wogen: &#8222;Oegir gedenkt, den du bargest, der Schuld und schenkt
+Dir den Drachen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Regatta</span>, die. Das Wort ist jetzt für jedes zur <span class="strong1">See</span> stattfindende
+Wettfahren in Gebrauch: Segelregatta = Wettsegeln; Bootsregatta =
+Bootswettsegeln; Ruderregatta = Bootswettrudern. Das Wort stammt aus
+Venedig und ist lange Zeit nur dorten für die Wettfahrten der Gondeln
+angewandt worden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Regelchronometer</span>, der. Wie Regelkompaß der maßgebende Kompaß ist, so ist
+Regelchronometer derjenige, nach dem man sich von Schiffs wegen ein für
+allemal richtet, der Hauptchronometer. Zum Vergleich und zur größeren
+Sicherheit gibt es auf größeren, nach den Anforderungen der Neuzeit
+ausgerüsteten Schiffen mehrere Chronometer, aber einer dient als Regel
+und Richtschnur.</p>
+
+<p><span class="strong1">Regelkompass</span>, der, ist der Kompaß, nachdem sich der Kommandant, der
+Navigationsoffizier, der wachhabende Offizier richten, er muß daher in
+der Nähe der Stelle angebracht sein, von der aus diese drei ihre Befehle
+ergehen lassen, nahe der Kommandobrücke und dazu möglichst hoch, schon
+um den<a id="Page_386"></a>
+ <span class="pagenum">[386]</span> magnetischen Einflüssen der Umgebung nach Möglichkeit
+entrückt zu sein. Da mit dem Regelkompaß auch gepeilt wird, so muß er
+schon darum einen freien, übersichtlichen Stand haben. Ist dieser in der
+Nähe der Kommandobrücke nicht möglich, so muß ein eigener <span class="strong1">Peilkompass</span> an
+passender Stelle angebracht werden. Einen besonderen <span class="strong1">Steuerkompass</span>, den
+die Leute am Ruder bequem sehen können, gibt es ohnehin.</p>
+
+<p><span class="strong1">Regensegel</span>, s. Rauchsegel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Registerbrief</span>, der, die amtliche Bescheinigung der heimischen
+maßgebenden Behörde, die ein Schiff mit sich führt über seine
+Nationalität, seine rechtliche Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation;
+sein Ausweis andern Staaten gegenüber, daß es den Schutz seiner Flagge
+seitens seines Heimatsstaates genießt; das darüber ausgestellte
+Certifikat, der Brief, muß eine Beschreibung des Schiffes enthalten, den
+Namen und die nähere Bezeichnung des Eigentümers, des Kapitäns etc. und
+eine Angabe darüber, daß es in die heimischen Register eingetragen ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Reibholz</span>, das, ist nicht mit der Bezeichnung Reibholz = Streichholz zu
+verwechseln, sondern bedeutet das Holz, das zwischen einem an einer
+Kaimauer liegenden Schiffe und der Kaimauer selbst sich befindet und
+verhütet, daß das Schiff sich an den Steinen der Mauer reibt, also ein
+Mittel gegen das Schamfilen. Wird die Vorsichtsmaßregel von Bord aus
+getroffen, so bedient man sich eines Fenders; von Land aus, so nennt man
+das dazu verwendete Holz Reibholz, doch können natürlich auch Bord und
+Land zusammenwirken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Reichskommissar</span>, der, für das Seemannswesen, ist der Beamte des Reichs,
+der, ein früherer Seeoffizier, angestellt ist um bei
+Seegerichtsverhandlungen mit Recht zu sprechen und dabei sein
+seemännisches Verständniß zur richtigen Beurteilung eines
+See-Unglücksfalles im besonderen in die Wagschale fallen zu lassen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Reil</span>, das, ist das zuweilen noch gehörte, schlecht ausgesprochene Wort
+für Oberbramsegel: royal. Es heißt eigentlich königlich, offenbar weil
+dieses Segel das höchste, oberste an Bord ist. Es könnte aber auch sein,
+weil die royal navy es zuerst in Gebrauch gehabt hätte. Doch das müssen
+die Engländer unter sich ausmachen. Es beschränkt sich der Gebrauch des
+Namens bei uns auf das Oberbramsegel; die Oberbramstenge und
+Oberbramrahe ist bei uns überall nicht nach diesem royal benannt.<a id="Page_387"></a>
+ <span class="pagenum">[387]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Reise, reise!&#8223;</span> Der Ruf mit dem der Bootsmannsmaat der alten Wache die
+neue Wache die &#8222;verfangen&#8223; soll aufweckt. Wie oft ist dieser Ruf für
+englisch gehalten worden, wo to rise bekanntlich aufstehen heißt. Und
+doch wurden in Ostfriesland Leute mit dem Rufe riis! geweckt, lange ehe
+Britannien daran dachte die Wogen zu beherrschen. Schon im
+Altfriesischen, das seit fünfhundert Jahren nicht mehr gesprochen wird,
+hieß es: &#8222;riys oer ein! Di sinne scynt yn dyn naest!&#8223; Aufstehen, sich
+erheben hieß eben altfriesisch risan, gotisch urreisan, althochdeutsch
+risan, mittelhochdeutsch risen, mittelniederdeutsch noch ziemlich spät
+und zwar, wie die davon abgeleiteten Wörter bezeugen, nahe an reisen
+anklingend, ebenfalls risen. Daher kommt nämlich ein Reisiger, einer der
+sich aufmacht, zu Felde zu ziehen. Daher das schweizerische
+pleonastische Reislaufen, in fremden Kriegsdienst treten. Schon im
+Althochdeutschen hieß reisa Aufbruch, Kriegszug, und daraus entstand
+nach und nach unser &#8222;Reise&#8223; im Sinne von: &#8222;So jemand eine Reise tut,&#8223;
+dabei gilt es ja und galt es früher noch mehr, sich früh zu erheben,
+&#8222;der Sonne entgegen&#8223; zu gehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Sehr deutlich hat die Architektur in
+ihrem Worte Riese die Bedeutung &#8222;sich erheben&#8223; festgehalten. Sie
+unterscheidet in der Gothik bei einer Fiale, diesem kleinen schlanken
+Türmchen, den Leib und den Riesen, und dieser ist der Teil der sich
+verjüngend nach oben strebt. &nbsp;&mdash;&nbsp; 1673 hieß niederdeutsch das Steigen, das
+Höhergehen der Sonne noch risen; &#8222;Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt&#8223;: &#8222;im gewissesten tho gahn, so mag man diese Pegeling 2. à 3.
+mahl dohn, und ein jedermahl anschriven, doch mut solckes kort na ein
+ander geschehen ehr de Sün vel rist.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Wenn gy nu sünd by Norden de
+Sünn, dat ys wen de Sünn Südwart van juv ys, und upt Högeste ys geresen,
+so nehmet den Stock (Jakobsstab), und settet ehn an dat buten Kant,
+nevens juw Ogappel, und schufet dat Krütz so lang, dat gy dat bawenste
+Ende vant Krütz recht int midden up de Sünn krigen, und dat underste
+Ende just an de Kimmen offt Horizont des Waters. Wachtet den ein weinich
+und proberet ydt wedder, und wat de Sünn den höger reist, dat halet dat
+Krütz na juw, bet gy sehn dat de Sünn nicht mehr riest, so ys ydt wol.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Reling</span>, die. Es ist nicht zu verkennen, daß unsere Kriegsschiffsseeleute
+heutzutage unter Reling etwas anderes verstehen als was sie eigentlich
+ist. Denn sie nennen die ganze Bordwand<a id="Page_388"></a>
+ <span class="pagenum">[388]</span> soweit sie über das
+Oberdeck hinausragt Reling, während sie eigentlich doch nur ein auf
+dieser Bordwand aufsitzendes Geländer bedeutet. Es waren auf dieser
+Bordwand Stützen angebracht, und diese waren mit Riegeln unter einander
+verbunden, so daß diese Riegel das Geländer bildeten. Riegel heißt
+niederdeutsch Regel; daher zunächst Regeling und dann nach Schwund des g
+und Zusammenziehung der beiden e Reling. Roeding (1794) hat eine leicht
+verständliche Beschreibung: &#8222;Regelingen sind lange dünne hölzerne Riegel
+die von Zeit zu Zeit durch hölzerne Stützen getragen werden, die man
+Finknetzstützen oder Regelingsstützen nennt. Letztere sind auch manchmal
+von Eisen und beide zusammengenommen bilden ein Geländer um den Bord des
+Schiffes, welches die Schanzkleidung trägt. Auf Kriegsschiffen sind die
+Finknetzstützen gewöhnlich von Eisen und doppelt; statt der Regelingen
+scheert man gern einen Leier (Leiter) von hinlänglich starkem Tauwerk
+durch ein Loch an ihrem oberen Ende. Vom Leier bis zum Bord wird nach
+innen und außen ein Netz von dünner Lien befestigt, welches das Finknetz
+heißt. Zwischen beide werden im Gefecht und bei gutem Wetter zum
+Auslüften die Hangematten des Schiffsvolks gestauet, die eine Art von
+Brustwehr machen, welche zuletzt mit einer Schanzkleidung von gemaltem
+Segeltuch oder bloßer Presenning bedeckt wird.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Remorqueur</span>, der. Am Rhein hält man es für geschmackvoll, einen
+Schleppdampfer remorqueur zu nennen und von remorquieren zu sprechen.
+Französisch rémorquer, italienisch remorchiare, spanisch remolcar, vom
+lateinischen remulcum = Schlepptau, remulcare, griechisch remulkein, am
+Seil ziehen, ins Schlepptau nehmen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Reveille</span>, die. Mit Bezug auf dieses Wort sind wir französischer als die
+Franzosen. Denn die reden nicht von Reveille, sondern sagen battre la
+diane; holländisch die Diana slaan. Diana heißt die Morgenwache,
+italienisch diana, der Morgenstern, eigentlich stella diana, von dem
+verschwundenen Adjektiv diano, von dies, der Tag. Die Göttin der Jagd
+ist durch Mißverständnis in die seemännische Gesellschaft gekommen.
+Übrigens hat man sich besonnen und sagt jetzt anstatt Reveille Wecken.</p>
+
+<p><span class="strong1">Revier</span>, das, ist das Fährwasser in einem schiffbaren Flusse. Es ist also
+ganz überflüssig Flussrevier zu sagen. Diese nähere Bestimmung ist zu
+Revier nur hinzugefügt worden, weil in verschiedenen<a id="Page_389"></a>
+ <span class="pagenum">[389]</span>
+hochdeutschen Verbindungen, wie z.&nbsp;B. Jagdrevier,Forstrevier,
+Revierförster, und auch für sich allein stehend das Wort Revier die
+Beziehungen zu Fluß, die es ursprünglich besaß, verloren hat. Es kommt
+von rivière, Fluß; dann Gegend am Fluß, also Ufer; dann Gegend am Ufer,
+und zuletzt einfach Gegend, Bezirk. Mittelhochdeutsch rivier, und so
+meist auch mittelniederdeutsch, die zweite Silbe mit sehr langem i,
+fließendes Wasser, Fluß, Strom. Die Formen revier, rivier, rever
+wechseln mit einander. Es ist zu beachten, daß seemännisch nicht jedes
+fließende Wasser, sondern nur das schiffbare Revier heißt. In den
+&#8222;durchläuchtigsten Seehelden&#8223; (1681) wird von einer holländischen
+Gesandtschaft nach England aus dem Jahre 1664 berichtet. Der Gesandte,
+Herr von Goch, &#8222;hatte noch denselbigen Abend geheime Audientz bei dem
+König, da anfänglich nichts als allerley Freund- und Höfflichkeiten
+vorgiengen. Aber Se. Majt. fiel zum ersten auf die Sachen der Ost- und
+West-Indischen Compagnie davon er unter anderen Reden sagte: Es wäre
+unerträglich, daß die West-Indische Compagnie mit etlichen wenigen
+Vestungen, und einem Schiffe drey oder viere (drei oder vier Schiffen),
+ohne fernere Besitzung einiges Landes die gantze Africanische Küste mit
+derselben Rivieren und Strömen unsicher machen und andern den Handel
+alle verhindern und incommodiren solte.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Riemen</span>, der, besser Remen, das seemännische Wort für das Werkzeug zur
+Fortbewegung eines Boots, das im nichtseemännischen Leben <span class="strong1">Ruder</span> genannt
+wird. Daß Remen zu Riemen gemacht und so in die Lage gebracht wurde, mit
+einem Lederstreifen verwechselt zu werden, war ein ziemlich kühnes
+Wagnis, zumal es Leute gemacht haben, die doch wohl kaum ahnen konnten,
+daß die beiden Wörter am letzten Ende auf eine Wurzel zurückgeführt
+werden können. Tatsache ist, daß jetzt Remen = Ruder und Riemen =
+Lederstreifen zwei sehr verschiedene Dinge sind. &nbsp;&mdash;&nbsp; Remen ist als
+seemännisches Wort zuerst, und zwar schon in althochdeutscher Zeit, am
+Oberrhein gebraucht worden. Von da ist es den Rhein hinabgewandert und
+hat sich an den Küsten der Nordsee und auch &nbsp;&mdash;&nbsp; wie zahlreiche
+mittelniederdeutsche Urkunden beweisen &nbsp;&mdash;&nbsp; an der Ostsee ausgebreitet. An
+den Oberrhein haben ihr remus die Römer gebracht, vielleicht der
+römische Admiral Crescentius, dessen Votivstein im Museum in Köln steht,
+oder einer seinesgleichen, denn<a id="Page_390"></a>
+ <span class="pagenum">[390]</span> es gab römische Seeleute genug am
+Rhein. Es fragt sich jedoch, wie die alten Deutschen dazu kamen, das
+fremde Wort für eine Sache anzunehmen, die ihnen doch unzweifelhaft
+schon lange vor der Zeit der römischen Herrschaft am Rhein bekannt war.
+Sie hatten doch gewiß auch in der vorrömischen Zeit einen deutschen
+Namen für das Fortbewegungsmittel ihrer Einbäume. Da sie nicht so
+neuerungssüchtig waren wie ihre spätgeborenen Söhne, so muß der uralte
+Name zu Gunsten des neuen darum aufgegeben oder doch zurückgedrängt
+worden sein (s. Ruder) weil das neue Werkzeug ein wesentlich
+verbessertes, brauchbareres, handlicheres darstellte als das bis dahin
+gebrauchte. Es mag also hier gegangen sein wie mit der verbesserten
+Mahlvorrichtung molina, der zu Liebe die Väter ihr Wort quairn so
+ziemlich in Vergessenheit geraten ließen und Mühle sagen lernten.
+Wahrscheinlich hatten die Rheinländer bis dahin mit Pagaien aus freier
+Hand gerudert, während remus auf dem Dollbord aufliegend gehandhabt
+wurde. Die Schreibart Remen ist der von Riemen aus geschichtlichen,
+sprachlichen und sachlichen Gründen vorzuziehen, s. auch Ruder und
+rojen. Französisch rame ist wohl dem italienischen, spanischen,
+portugiesischen rama, Ast, nachgebildet aber in seiner Bedeutung doch
+durch remus bestimmt, das der französischen Sprache ursprünglich gewiß
+nicht fehlte, aber ihr als eine zu ausdruckslose Form, denn es hätte
+rein lauten müssen, mißfiel. Wangerländisch rium, Ehrentraut II. 62.
+Nordfriesisch reem. &nbsp;&mdash;&nbsp;Auffallend hat sich der Begriff eretmos und der
+rhyma in dem Worte vereinigt, das die Rheinschiffsleute in der Schweiz
+gebrauchen: &#8222;Zugruder.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Riff</span>, das, kommt vom altnordischen rifa, schlitzen, spalten und bedeutet
+etwas Gespaltenes, zersplittertes, zerklüftetes Felsgebilde. Dann aber
+auch im weiteren Sinne jede sich ins Meer hinausstreckende, von Wasser
+bedeckte Bank, auch wenn sie eine Sandbank ist; besonders auch eine sich
+unter Wasser hinziehende Korallenbank. An sich liegt die Bedeutung
+&#8222;unter Wasser befindlich&#8223; nicht in dem Worte, sie wird aber im
+seemännischen Sprachgebrauche unwillkürlich damit verbunden. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Mittelniederdeutsch rif, ref, reve; &#8222;we schipbrokich gudt vindt by dem
+Strande, de schal dat antwerten der negesten Stadt ... van den
+upgefischeden gude schall men eme geven, de dat gevunden heft, dat
+twintigste deel; hale he dat ock ut der see van dem reve, so<a id="Page_391"></a>
+ <span class="pagenum">[391]</span>
+behort hem dat drudde deel.&#8223; Das war Lübisches Recht. Das Rigaer sagt:
+&#8222;So we scipbroken gut vindet oppe dem vorende, de sal daraf hebben den
+twintegesten deel; de et halet uppe deme reue vppe der ze, de zulen
+hebben den dridden del.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Rof</span>, das, ist ein Aufbau an Deck, der als Unterkunftsraum für die
+Schiffsmannschaft dient. Das niederdeutsche rof heißt Decke in allen
+Bedeutungen, die dieses Wort im Hochdeutschen hat. Die Bedeutung ist
+also der von Plicht ähnlich. &nbsp;&mdash;&nbsp; Angelsächsisch hrof, Dach, englisch
+roof, niederländisch roef, Kajüte, mittelniederdeutsch (Kilian) roef =
+puppis concameratio. Altnordisch hrof, das Dach, unter dem ein Schiff
+gebaut wurde, kleine Schiffswerft. Edda: raefr = Dach. Altfriesisch
+hrof. &nbsp;&mdash;&nbsp;Mittelniederdeutsch auch roffe: &#8222;Schipper Albert sy achter vth
+dem roffe inn de kokenn gekahmen,&#8223; Bremer Urkunde von 1564. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort
+ist mit Robe verwandt, denn das ursprünglichste Kleid war nur eine
+Decke. Wahrscheinlich liegt das Zeitwort rauben zu Grunde, so daß rof
+etwas Geraubtes, einen Raub bedeutet; sei es daß man auf dem Beutezuge
+dem Feinde zuerst und hauptsächlich seine Decken, seine Kleider raubte;
+sei es daß man noch weiter zurückgehen und daran denken muß, daß die
+ersten und ältesten Decken Tierfelle waren, die der Mensch dem Tier erst
+rauben mußte um sich damit bedecken zu können.</p>
+
+<p><span class="strong1">rojen</span> s. rudern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rolle</span>, die, ist die Verteilung jedes einzelnen Mannes auf seinen Posten
+beim Exerzieren und Manöverieren. Wie der Theaterdirektor die einzelnen
+Mitglieder seiner Bühne auf ihre Posten stellt und jedem seine Rolle
+zuteilt, so teilt an Bord der Erste Offizier die Rollen aus und stellt
+jeden auf seinen Platz. Je nachdem es sich bei dieser Verteilung um
+Segel-, Ruder-, Gefechts-, und Feuerlöschübungen handelt gibt es eine
+Segel-, Ruder-, Gefechts-, Feuer-Rolle. Jedesmal wird, ehe ein solches
+Manöver beginnt, genau untersucht ob auch jeder da steht, wo er nach der
+Rolle stehen soll. Diese Rolle ist aber schon lange keine Rolle mehr,
+sondern ein richtiges Buch, das <span class="strong1">Rollenbuch</span>, von dem jeder Offizier sich
+genaue Kenntnis verschaffen muß. &nbsp;&mdash;&nbsp;Rollen heißt sich um einen
+Mittelpunkt drehend bewegen. Eine Rolle ist eine walzenförmig
+zusammengerollte Schrift; ein geschriebenes Verzeichnis, das den Namen
+Rolle behält, auch wenn<a id="Page_392"></a>
+ <span class="pagenum">[392]</span> es nicht mehr die Form einer Rolle,
+sondern die eines Buches hat. Von rota, das Rad, oder vielmehr von
+rotula, das Rädchen.</p>
+
+<p><span class="strong1">rollen</span> heißt eigentlich sich wie ein rotula, ein Rädchen, um seine Achse
+drehen. Daher ist die theoretische Bestimmung, nach welcher rollen =
+schlingern ist, zwar richtig, aber sie entspricht nicht dem populären
+Sprachgebrauch unserer Seeleute. Die nennen die Bewegung des Schiffes in
+der Richtung von Steuerbord nach Backbord und zurück <span class="strong1">schlingern</span>; die
+Bewegung des Schiffes von achtern nach vorne und umgekehrt, also das
+Eintauchen des Schiffes mit den Heck oder dem Bug in ein Wellental und
+das entsprechende Wiederhochkommen <span class="strong1">stampfen</span>; die für nicht ganz seefeste
+Leute aber sehr unangenehme Verbindung beider Bewegungen mit einander
+nennt man <span class="strong1">rollen</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Roring</span>, der, heißt der Ring an der Spitze des Ankerschaftes durch den
+der Anker mit der Ankerkette verbunden wird. Das Wort wird auch Rooring
+und Röring geschrieben, heißt aber neuerdings meistens Schäkel. Diese
+letztere Bezeichnung ist offenbar in Anbetracht dessen in Aufnahme
+gekommen, daß man sich sagte, daß ja der Roring eigentlich gar kein Ring
+ist, sondern wegen der einen offenen von beiden Seiten den Schaft
+umfassenden Stelle weit eher einem Schäkel ähnlich sieht. Dieser
+Gedankengang ist richtig, bildet aber keinen Vorwurf gegen die Seeleute
+früherer Tage, die das Wort Röring gebildet und gebraucht haben. Denn
+einmal war der Roring damals wirklich ein Ring, und dann hat das Wort
+mit Ring überhaupt garnichts zu schaffen und hieß im Niederdeutschen die
+Roring (oder vielmehr, wie gleich zu erwähnen sein wird: Röring). Zu
+Rödings Zeiten hieß so auch die aus altem Tauwerk hergestellte
+Bekleidung des Ankerringes, die man vornahm um denselben vor Rost zu
+schützen und um ihn dicker zu machen, damit das Ankertau sich desto
+besser um denselben schließen könne. Röding nennt diese Bekleidung
+Ankerrührung oder Röring, und zwar: die Ankerrührung oder der Röring. Er
+hat aber offenbar etwas Nebensächliches für die Hauptsache gehalten.
+Nicht die Bekleidung war das Wichtige, sondern der Ring selbst, und der
+treffliche Mann ist wohl auch nur darum auf die Bekleidung verfallen,
+weil er sich sonst für den Ring das Femininum nicht erklären konnte. Das
+erklärt sich aber leicht, wenn man von der im Grunde doch &nbsp;&mdash;&nbsp;wie Schäkel
+beweist &nbsp;&mdash;&nbsp; nebensächlichen Ringform dieses Stückes<a id="Page_393"></a>
+ <span class="pagenum">[393]</span> absieht und,
+anstatt an die Gestalt, an den Zweck desselben denkt. Der Roring hat den
+Zweck, zu ermöglichen, daß der Anker durch die Ankerkette bewegt,
+umgestoßen, von der Stelle gerückt werde. Eine solche Bewegung heißt an
+der deutschen Nordseeküste röring, von dem Zeitwort rören, rühren,
+bewegen, regen, anfassen, treffen, erreichen. Roring also (richtiger,
+wie bei Röding, Röring) hat seinen Namen daher, weil damit die Stelle
+bezeichnet wird, entweder wo Kabel und Anker sich berühren, treffen,
+sich erreichen; oder, und das will noch einleuchtender erscheinen,
+davon, daß der Anker mittelst des Rorings bewegt, umgestoßen, von der
+Stelle gerückt, gerührt wird. Nicht davon, daß der Ring das bewegliche
+Ding am Anker ist, heißt er &#8222;Bewegung&#8223;, sondern davon, daß durch ihn &nbsp;&mdash;&nbsp;
+abgesehen davon daß er im Übrigen die Gestalt eines Ringes hat &nbsp;&mdash;&nbsp; der
+Anker seine Bewegung erhält. So erklärt sich auch ungezwungen zweierlei.
+Einmal die Form Röring und sodann das Femininum. Männlich ist das Wort
+erst bei der Aufnahme ins Hochdeutsche geworden, weil man dabei an Ring
+dachte, ohne aber zu bedenken, daß dann, wenn Ring zur Geltung gebracht
+werden sollte, auch Rorring hätte geschrieben werden müssen, dann hätte
+man es wenigstens mit Berührungsring übersetzen können, die zweite Silbe
+im Worte heißt aber nicht -ring, sondern -ing und ist weiter nichts als
+die niederdeutsche Form der Endung -ung. &nbsp;&mdash;&nbsp; Da aber unter dem Einfluß
+der ringförmigen Gestalt sich die männliche Form &#8222;der Röring&#8223; einmal
+festgesetzt hat und schwer durch die weibliche Form &#8222;die Röring&#8223; wieder
+zu verdrängen gewesen wäre, so ist es eigentlich für das sprachliche
+Gefühl mit Freude zu begrüßen, daß der Eindringling nun in &#8222;Schäkel&#8223;
+einen so mächtigen Gegner erhalten hat. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das niederdeutsche Zeitwort
+rören heißt niederländisch roeren, altfriesisch hrera, auf Wangerooge
+rer, im Saterland röre; altsächsisch hrorjan, angelsächsisch reran,
+altenglisch hroren, altnordisch hroera, norwegisch und schwedisch röra,
+dänisch röre; althochdeutsch hruorjan, hroren, mittelhochdeutsch ruoren.
+Aus dieser dem Doornkaat entnommenen Zusammenstellung geht hervor, daß
+die Form röring ihre volle niederdeutsch-seemännische Berechtigung hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rose</span>, die, heißt an Bord die Kompaßrose. Das Wort erklärt sich nach dem
+bekannteren Windrose von selbst, wenn auch eine sehr beträchtliche
+Phantasie dazu gehört, in dem Bild der verschiedenen<a id="Page_394"></a>
+ <span class="pagenum">[394]</span>
+Kompaßstriche eine Rose zu erblicken. Doch mag bei der Neigung der
+Alten, auch dergleichen Dinge zu schmücken, ein besonderer Schmuck die
+Veranlassung gegeben haben, diese runde Tafel Rose zu nennen. Auf
+französischen Kompassen des 18. Jahrhunderts und besonders auch des 17.,
+ist in der Mitte ein Mann zu Pferde abgebildet, auf den acht
+Hauptstrichen sind Menschenköpfe und sonstige Verzierungen angebracht.
+Der Strich für Nord ist aber von einer französischen Lilie in der
+bekannten heraldischen Form gebildet. Nichtsdestoweniger hieß die
+Scheibe schon damals auch im Französischen rose; so mag also anstatt der
+Lilie zu anderer Zeit oder an anderen Orten eine Rose als Verzierung
+gedient haben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rosenlaschung</span>, die. Wenn irgendwo zwei Augen, wie man die Ringe am Ende
+eines Taues nennt, mit einander verbunden werden sollen, so geschieht
+dies mit einem Taljereep, dessen beide Enden sich in der Mitte der
+Verbindung kreuzen. Um die Kreuzungsstelle werden die beiden Parten
+einigemale zur größeren Festigkeit so herumgewickelt, daß aus den
+schneckenhausförmig neben einander liegenden Schlägen eine Art Scheibe
+entsteht, die man mit der nötigen Einbildungskraft wohl für etwas
+Rosenartiges halten kann.</p>
+
+<p><span class="strong1">Routine</span>, die, die Zeiteinteilung, Ordnung des Tageslaufes, genaue
+Bestimmung, was an einem Tage, wann und in wie langer Zeit es zu
+geschehen hat. Diese Bedeutung hatte das Wort ursprünglich nicht; weder
+im Lateinischen, noch im Italienischen, noch im Französischen. Es kommt
+von rumpere brechen; davon via rupta ein gebrochener Weg, das Gegenteil
+von einer gebrochenen Linie, indem der Weg möglichst gerade und direkt
+durch Felsen gebrochen worden ist, wie die Donau entlang am Eisernen
+Tor, also eine Kunststraße im Gegensatz zu den Karawanenwegen der
+Elfenbeinträger in Afrika, wo sich der Pfad um jeden Stein, der im Wege
+liegt, herumschlängelt. Von demselben Worte stammt italienisch rotta,
+spanisch, portugiesisch, provençalisch rota, altfranzösisch route,
+Bruch, Bruchteil, Abteilung eines Heeres, ein Trupp Soldaten, eine
+&#8222;Rotte&#8223;; dann überhaupt einen Bruchteil einer größeren Versammlung
+bezeichnend, wobei der Bruch aus dem Bewußtsein geschwunden und nur der
+Teil geblieben ist; davon &#8222;sich zusammenrotten.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Unser seemännischer
+Sinn von Routine entstand durch folgende Bedeutungsentwicklung.<a id="Page_395"></a>
+ <span class="pagenum">[395]</span>
+Auch bei via rupta ging, als man via wegließ, doch nicht etwa die
+Bedeutung Weg (vergl. die Entstehung von Straße aus via saxis quadratis
+strata, wo strata doch verhältnismäßig das unbedeutendere Wort in der
+Verbindung darstellt), sondern vielmehr die Bedeutung &#8222;gebrochen&#8223;
+verloren, so daß route, wie man für rupta sagte, bald ganz allgemein für
+Weg im Gebrauch war; zunächst im Sinne von zurückgelegtem Weg,
+durchwanderter Strecke; daher portugiesisch rota, Lauf des Schiffes;
+dann auch für eine noch zurückzulegende Strecke. Ein Mann aber, der des
+Weges kundig war, hieß routier. Und davon ist erst routine gekommen. Es
+bedeutet zunächst nur durch Übung erlangte Kenntnis des Weges. Dann bald
+bloß Übung, Gewandtheit, Geschicklichkeit, Kenntnis, Pfiffigkeit,
+Routiniertheit. Demnach ist Schiffsroutine nicht nur der Wegweiser für
+den Tageslauf, sondern auch der Weg selbst, auf dem die
+Schiffsmannschaft durch richtige Einteilung und Ausnutzung der Zeit die
+nötige Übung und Gewandtheit im Schiffsdienste erlangen kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Eine
+richtige Routine &nbsp;&mdash;&nbsp; in der Schule sagt man Stundenplan &nbsp;&mdash;&nbsp; auszuarbeiten
+ist eine schwere Sache, bei der sehr viel zu berücksichtigen ist; sie
+liegt in den Händen des Ersten Offiziers.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rücker</span>, der, ist ein Tau, einerseits an der Bram- oder Oberbramrahe,
+andererseits an dem Bram- bezw. Oberbramraheniederholer befestigt und
+dazu dienend, die Rahe, wenn sie gekait und an Deck genommen werden
+soll, zu rücken, d.&nbsp;h. los zu machen von der bisherigen Stelle, durch
+einen Ruck zu entfernen, also zu rücken, zu bewegen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ruder</span>, das. 1. Eine Vorrichtung zum Steuern eines Schiffes. 2. Ein
+Werkzeug zum Fortbewegen eines Bootes. Auf Kriegsschiffen ist nur die
+erste Bedeutung im Gebrauch, sonst überall im deutschen Sprachgebiet hat
+sich die zweite im Munde von Seeleuten und Nichtseeleuten erhalten,
+wiewohl schon zur Zeit der römischen Herrschaft am Rhein Remen oder
+Riemen (s. d.) vom lateinischen remus herübergenommen wurde. Es wird
+auch nie gelingen, dem Worte sein Hausrecht im Deutschen zu rauben, dazu
+war es denn doch zu fest eingewohnt und -gewurzelt als das fremde Wort
+eindrang. &nbsp;&mdash;&nbsp; Indessen hatten Ruder und Remen in <span class="strong1">einer</span> Wiege gelegen,
+indem beide von einer indogermanischen Bewegungswurzel abstammen, die in
+der Form ra, re, er, ar, ro vorkommt und jede Art von Fortbewegung
+bedeuten kann: stoßen,<a id="Page_396"></a>
+ <span class="pagenum">[396]</span> treiben, schieben, ziehen, rücken. Eine
+Zeit lang sind die beiden Hand in Hand ihren Weg gegangen und haben sich
+in der Bedeutung wenig von einander entfernt. Wo sich nachher die
+Trennung vollzogen hat, läßt sich nicht mehr genau angeben. Es kann aber
+im Griechischen geschehen sein, so daß eretmos noch für beide die
+gemeinschaftliche Form darstellte. Das hätten wir uns etwa so
+vorzustellen. Es gab vom gleichen Stamme wie eretmos ein griechisches
+Wort, rhyma, Seil, Zugseil, von welcher unser (Leder-) Riemen herkommt.
+Unter Anlehnung an dieses Fortbewegungsmittel rhyma ward aus eretmos das
+Fortbewegungsmittel remus gebildet, durch Aphäresis des anlautenden e
+und Schwund des t. Beide, rhyma und eretmos, waren ja Hilfsmittel, das
+Schiff fortzubewegen, das Zugseil und der Remen, ja vielleicht die
+Fortbewegung mit dem Zugseil die ursprüngliche und das Rudern kam erst
+später auf. Dann hätte man also die alte Bezeichnung der Fortbewegung
+durch Ziehen (&#8222;treideln&#8223; s. d.) für die neue Fortbewegung durch Rudern
+beibehalten, etwa wie wir jetzt sagen, das Schiff segelt nach Newyork,
+wiewohl es sich dabei um einen gar keine Segel führenden Dampfer
+handelt. &nbsp;&mdash;&nbsp;Eretmos aber diente nicht nur zur Fortbewegung des Schiffes,
+sondern auch zum Lenken desselben. Insofern es nun diese letztere
+Bedeutung hatte, folgte man naturgemäß nicht dem Zuge und Einfluß von
+rhyma, sondern bildete eretmos selbständig weiter, und zwar auf dem Wege
+vom Griechischen zum Germanischen, durch Abwerfen (Aphäresis) des e und
+Abschwächung der Tenuis zur Media, sowie durch Schwund des m und
+Vertauschung der griechischen mit germanischer Endung, (vorausgesetzt,
+daß die Weiterentwickelung des Wortes sich nicht schon in
+vorgriechischer Zeit auf gemeinschaftlicher indogermanischer Wanderung
+vollzogen hat). Jedenfalls ist das Wort nicht durchs Lateinische, wie
+remus, sondern durch das gothische rodra, Werkzeug zum Rudern, als
+ruodar ins Althochdeutsche gegangen. Hier trafen die beiden Vettern
+wieder zusammen. Und wenn der fremde &nbsp;&mdash;&nbsp;remus &nbsp;&mdash;&nbsp; sich auch zeitweilig
+vordrängte, ja sich für das Werkzeug zur Fortbewegung ausschließlich im
+Gebrauche des Seemanns festsetzte, so hat der einheimische &nbsp;&mdash;&nbsp; als
+&#8222;Ruder&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; sich doch im ganzen Binnenlande behauptet, ja auch bei den
+Seeleuten als Werkzeug oder Vorrichtung zum Steuern seine Geltung
+behalten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es ist auffallend, wie kurz sich die Isländer ihr
+Wort<a id="Page_397"></a>
+ <span class="pagenum">[397]</span> für Remen zurecht gemacht haben, sie sagen ar und sind so
+wieder auf die ursprüngliche Bewegungswurzel zurückgegangen, während
+doch schon im Sanskrit aritras das Ruder, arita der Ruderer hieß.</p>
+
+<p><span class="strong1">rudern</span>, die Tätigkeit, die mit dem Ruder, aber nur in seiner Eigenschaft
+als Fortbewegungsmittel, ausgeübt wird, (während die Tätigkeit die mit
+dem Ruder als Lenkungsmittel erfolgt, steuern (s. d.) heißt, daher wird
+dieses auch im Binnenlande Steuerruder genannt). Aber nur hochdeutsche
+Leute sagen rudern, was ein niederdeutscher Seemann ist, der sagt <span class="strong1">rojen</span>.
+Diese Form hat er sich aus der althochdeutschen oder eher noch der
+angelsächsischen Form für Ruder, ruodor oder rodor, gebildet.
+Niederländisch roeijen, englisch to row, isländisch roa; &#8222;Bágd er ad <span class="strong1">róa</span>
+einni ár,&#8223; mit einem Remen ist nicht gut rudern, vergl. Lüpkes
+&#8222;Seemannssprüche.&#8223; Altnordisch róa; &#8222;I vindi skal vid höggva, vedri á
+sjó róa; myrkri vid man spjalla, mörg ern dags augu&#8223;, &#8222;Im Winde soll man
+Holz hauen, bei gutem Wetter in die See rudern, im Finstern mit Weibern
+kosen; viele Augen hat der Tag.&#8223; Lüpkes p. 146. Angelsächsisch rôwan. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß dem Ruder und rudern wohl auch eine
+Wurzel ru zugeteilt worden ist, die spalten bedeutet, so daß man daran
+zu denken hätte, wie das Ruder das Wasser &#8222;spaltet&#8223;; indessen ist das
+doch ein recht nebensächlicher Gedanke (vergl. Ruder), wenn auch im
+Altkirchenslavischen graba sowohl &#8222;ich grabe&#8223; als auch &#8222;ich rudere&#8223;
+(grabe in den Wellen) heißt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ruderbälle</span>, die, bestehen aus zwei automatisch wirkenden Leinwandkegeln
+die den Zweck haben, jedem kenntlich zu machen, wie zur Zeit das Ruder
+liegt. Der eine Ball ist rot, der andere grün. Sie hängen möglichst nach
+allen Richtungen hin sichtbar, damit man, und das ist das Wichtigste an
+der Sache, auch auf den anderen Schiffen eines zusammen fahrenden
+Geschwaders zu jeder Zeit sehen kann, wie der Vorder-, Neben- oder
+Hintermann mit seinem Ruder manövriert und also wissen kann, wessen man
+sich von ihm zu versehen hat. Es sollen also Zusammenstöße durch die
+Ruderbälle vermieden werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rudergat</span>, s. Hennegat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ruderjoch</span>, s. Joch.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ruderpinne</span>, s. Pinne.</p>
+
+<p><span class="strong1">Ruderreep</span>, s. Reep.<a id="Page_398"></a>
+ <span class="pagenum">[398]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Rundhölzer</span>, die, sind alle walzenförmigen Hölzer die zur Takelage
+gehören: Masten, Stengen, Rahen, Spieren, Giekbäume, Gaffeln, Sprieten,
+Ruten etc. etc. Ein Rundholz braucht um so zu heißen nicht notwendig ein
+Holz zu sein; auch die eisernen Masten und Rahen gehören im weiteren
+Sinne zu den Rundhölzern und haben auf den Werften ihren Platz im
+Rundhölzerschuppen. Hier kommt also mehr das Runde wie das Hölzerne in
+Betracht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rund</span> achtern! rund vorn! lautet das Kommando beim Wenden, das erfolgt,
+wenn das Schiff so weit durch den Wind gegangen ist, daß man die Rahen
+oder vielmehr die Segel über den anderen Bug brassen kann, so daß dann
+die Nock, die vorher hinten war, nach vorne kommt, und umgekehrt. Rund
+ist nicht mathematisch zu nehmen, sondern so zu verstehen, daß die Rahe
+sich teilweise um den Mast dreht. In der Handelsmarine heißt das
+entsprechende Kommando: &#8222;Gaan!&#8223; = gehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rundsel</span>, die, ist der runde Einschnitt im Dollbord in dem die Riemen
+sich beim Rudern bewegen. Der eigentliche Einschnitt ist zwar nicht
+rund, aber er ist mit einem runden Metallstück ausgefüttert; daher der
+Name. Wenn nicht gerudert wird, so wird in den Ausschnitt ein kleines
+Brett, das Rundselbrett, gesteckt. Das Kommando lautet: &#8222;Rundseln
+dicht&#8223;, weshalb die Rundselbrettchen, wiewohl sie eckig sind, manchmal
+für die Rundseln selbst fälschlicherweise gehalten worden sind.</p>
+
+<p><span class="strong1">Rüst</span>, die, ist die Vorrichtung an der Außenbordwand des Schiffes zu
+beiden Seiten die den Wanttauen bezw. deren Jungfern zum Halt dient. Sie
+findet sich an Backbord und an Steuerbord, an jedem Mast und besteht aus
+starken, vorspringenden, gerüstartig angebrachten Planken, die nach
+unten zu durch schräge eiserne Träger gestützt sind. Das Wort kommt wie
+das hochdeutsche Gerüst vom althochdeutschen hrustan, zurecht machen,
+bereit machen, zurüsten; davon mittelhochdeutsch geruste = Vorrichtung,
+Zurüstung, Bau, Maschine, Werkzeug, Gerät, Waffenrüstung, Schmuck.
+Neuhochdeutsch müßte das Wort eigentlich Gerüste heißen, aber des
+Seemannes niederdeutsche Liebe zur Kürze betätigt sich in Weglassung der
+Vorsilbe und der Endung.<a id="Page_399"></a>
+ <span class="pagenum">[399]</span></p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="S"></a>S.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">sacken</span> ist ein niederdeutsches Zeitwort das in der Seemannssprache oft
+gebraucht wird und dem hochdeutschen &#8222;senken&#8223; entspricht, oder vielmehr
+entsprechen sollte; senken nämlich ist Faktitiv oder Causativ von
+sinken: &#8222;sinken machen&#8223;. Aber wie das Hochdeutsche senken und sinken
+ebenso oft verwechselt wird wie wägen und wiegen, so macht auch der
+Seemann zwischen senken und sinken keinen Unterschied, er sagt für beide
+sacken. Ja man kann sagen, daß sacken in seinem Munde öfters sinken als
+senken bedeutet. Durchsacken, einsacken, wegsacken, untersacken sind
+gleich sinken, während auch die Wendung &#8222;sacken lassen&#8223;, die ebenfalls
+den Begriff sinken enthält, oft gebraucht wird. Andererseits aber heißt
+absacken &#8222;ein Schiff oder Boot den Strom hinunter treiben lassen&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Senken heißt althochdeutsch sanchjan; es ist durch Nasalierung der
+Wurzel sack entstanden, wir haben also in sacken die ursprünglichere,
+nichtnasalierte Form.</p>
+
+<p><span class="strong1">Saling</span>, die, ist ein auf Backen an beiden Seiten des oberen Endes des
+Untermastes aufsitzendes Gerüst aus Längs- und Querhölzern auf dem
+hinwiederum der Mars aufsitzt, dessen hauptsächlichster Zweck nicht etwa
+der eines &#8222;Mastkorbes&#8223; ist, sondern der, die Jungfern zum Anspannen der
+Stengewanten zu tragen. Die Saling des Untermastes tritt jedoch, eben
+weil der Mars auf ihr sitzt, wenig in die Erscheinung, wird vielmehr
+leicht für einen Teil des Marses gehalten. Eine desto selbständigere
+Rolle spielt die Bramsaling auf den Backen der Marsstenge; sie ist nicht
+mit Brettern bedeckt und fällt daher als solche mehr in die Augen. Sie
+vertritt die Stelle des Marses insofern an ihr die Bramwanten befestigt
+und gespannt werden. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Name Saling kommt von sitzen, aber nicht
+weil sie sitzt, sondern weil etwas, nämlich der Mars, auf ihr sitzt. Er
+heißt eigentlich Sadeling = Sattelung; vom gotischen sitan, sitzen,
+satjan, setzen kommt das althochdeutsche satal, satul, satol, satil;
+angelsächsisch sadul, sadol, sadl; niederdeutsch sadel; davon sadeling =
+sadelung. Die Tenuis ward erst zur Media und dann verschwand der
+Dentallaut überhaupt; indem sich ein langes a aus dem kurzen a und
+dem<a id="Page_400"></a>
+ <span class="pagenum">[400]</span> e bildete war Saling fertig: ein Ding zum Aufsitzen,
+Draufsitzen. Darum führt auch die Bramsaling ihren Namen doch mit Recht;
+wenn auch kein Mars auf ihr sitzt, so sitzen desto mehr die Matrosen
+oder Schiffsjungen darauf, denen sie ein Stütz- und Ausgangspunkt für
+die Arbeiten, die sie als Bram- und Oberbramsegelsgäste zu verrichten
+haben, dient.</p>
+
+<p><span class="strong1">Salut</span>, der. Das Schießen eines Saluts ist das Abgeben einer bestimmten
+Anzahl von (blinden) Kanonenschüssen als Gruß, als Ehrenbezeugung für
+den Landesherrn und für alle diejenigen, die nach dem Salutreglement
+dazu berechtigt sind. Dazu werden die Kanonen mit <span class="strong1">Salutkartuschen</span>
+geladen, (mit Pulver, ohne Geschoß). &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Salutfähig</span>, d.&nbsp;h. berechtigt
+oder verpflichtet zu <span class="strong1">salutieren</span> sind aber nur Kriegsschiffe von gewisser
+Größe und Stärke der Artillerie. Dem Salut gleich stand ursprünglich
+<span class="strong1">Salve</span>, eine einmalige gleichzeitige Abfeuerung von mehreren Kanonen als
+Gruß, ein feierliches Begrüßungsschießen, das dem Gegrüßten ein salve!
+zurufen sollte; hernach wurde eine Begrüßung des Feindes mit geladenen
+Kanonen daraus. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Salutleine</span> nennt man wohl auch das Paradirstrecktau,
+das Manntau an dem die Matrosen sich festhalten wenn sie zum Gruß und
+zur Ehrenbezeugung die Rahen bemannen, sich auf den Rahen in Reihen
+aufstellen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es mag in früheren Zeiten manchmal regellos salutiert
+worden sein. Wenigstens ermahnt ein Geschwaderbefehl d. d. 25. Mai 1652,
+unterschrieben M. Herberts Tromp, zur Ordnung und Sparsamkeit. &#8222;Es wird
+auch ausdrücklich verboten einige unnöthige Ehren-Schüsse zu thun,
+sondern deß Landes Pulver und Bley zu bewahren und rathsam damit
+umzugehen; jedoch so man bei einigen andern außländischen
+Kriegs-Schiffen kommt, wodurch einige Begrüsung mit Lösung deß
+Geschützes zu thun, zu des Landes Reputation erfordert wird, in solchem
+Fall haben sie die Ehre unseres Landes in acht zu nehmen, und in aller
+Ehrbarkeit Hand zu haben.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Salve</span>, die, s. Salut.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sandwichpanzerung</span>, die, s. Panzerung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sargassosee</span>, die, heißt eine Stelle im Atlantischen Ocean, auch
+atlantische Krautwiese genannt; das Sargassomeer, vom lateinischen
+sargassum, der Seetang. &#8222;Der sich nach der iberischen Küste herwendende
+und als nordafrikanische Strömung wieder in die Nordäquatorialströmung
+übergehende Zweig des<a id="Page_401"></a>
+ <span class="pagenum">[401]</span> Golfstromes schließt eine große Ellipse
+ein, die ein sehr ruhiges Gebiet im Atlantischen Ozean bildet, ein
+Gebiet von 65000 Quadratmeilen oder ein Drittel so groß wie Europa.
+Dieser Raum ist nach den Vorgängen Humboldts und Maurys als
+&#8222;Sargassomeer&#8223; bekannt geworden, und man erzählte, daß in ihm das
+Sargasso oder der Meertang (fucus natans) in so ungeheuren Mengen
+zusammengeballt treibe, daß dadurch die Schiffahrt behindert werde. Neue
+Untersuchungen ergeben jedoch, daß es sich um mehr oder minder dicht
+treibende, bis 60 Meter lange, je nach der Windrichtung schwimmende,
+abgerissene Krautstreifen handelt, die zwischen 20° und 35° nördl. Br.
+und zwischen 35° west. L. und Westindien und dem Ostrande des
+Golfstromes vorkommen. Von einer Behinderung der Fahrt durch dieselben
+ist nirgends die Rede.&#8223; (Andree.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Sarving</span>, die, ist ein aus altem Kabelgarn geflochtener Zopf, der mit
+Platting Ähnlichkeit hat, aber nicht ganz so platt, sondern dicker ist.
+Die Sarving wird gebraucht zur Bekleidung von Tauwerk, da wo es viel
+Reibung auszuhalten hat und der Abnutzung sehr ausgesetzt ist. Um es vor
+dieser zu bewahren, um es zu (kon)<span class="strong1">servieren</span> wird die Sarving gemacht,
+die eigentlich Serving heißt. Sarving ist nur die volkstümliche
+Aussprache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schaar</span>, die, ist eine bei Sturmfluten verschließbare Öffnung in einem
+Deich zum Durchfahren von Wagen etc., eine Lücke, die man absichtlich zu
+diesem Zwecke gelassen hat. Das Wort ist verwandt mit Scharte,
+Schießscharte, und stammt von der Wurzel skar, von der auch scheren und
+Schaar = Abteilung, Haufe stammt, sie bedeutet spalten, scheiden,
+teilen, schneiden. Das Wort kommt auch als Ortsbezeichnung vor, ebenso
+wie Siel, da ebenso wie bei diesem auch bei einem Schaar sich gern
+Menschen ansiedeln, weil hier ohnehin ein großer Menschenverkehr
+stattfindet, wie auch bei einer Brücke, weshalb zahlreiche Ortsnamen mit
+Brücke, Brück zu tun haben.</p>
+
+<p><span class="strong1">schaffen</span>, seemännisch = essen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Schaffner, Schöffe, Schoppen,
+Schöpfung, englisch shape = Gestalt und viel andere Wörter dieser großen
+Sippe kommen alle von der Wurzel skap mit der Grundbedeutung schaffen,
+schöpfen, ordnen. Dem altgermanischen Heidentum fehlte, wie Schade
+ausführt, ein Ausdruck für etwas, wovon es keine Idee hatte, nämlich für
+schaffen, von der höchsten Potenz dieser Tätigkeit, dem göttlichen
+Schaffen.<a id="Page_402"></a>
+ <span class="pagenum">[402]</span> Daher nahmen die Germanen, als ihnen vom Christentum
+her die Schöpfungsidee kam, das Wort von einer (man kann wohl sagen
+kunstmäßigen) Hantierung, vom Formen und Gestalten einer festen Masse
+durch grabende und stechende Werkzeuge, faßte es gewissermaßen als ein
+Schnitzen auf (skapjan), während der Lituslave seinen Ausdruck dafür,
+noch hausbackener, von den Formen einer weichen knetbaren Masse nahm,
+wozu ihm die tägliche Käsebereitung in jeder ländlichen Wirtschaft ein
+Bild gab. &nbsp;&mdash;&nbsp; Für unsern Zweck genügt es, das althochdeutsche scaffari,
+scaffare, mittelhochdeutsch schaffaere, schaffaer, schaffer = Schöpfer,
+Bildner, Hausmeister, Verwalter, Schaffner zu kennen, ein Wort das einen
+Mann bezeichnet, der das Essen und Trinken durch Schöpfen herbeischafft
+und aufträgt oder auftragen läßt. Diesem Vorgange ist begrifflich
+verwandt das italienische minestra = Suppe, minestrare die Suppe
+anrichten, lateinisch ministrare, bei Tische auftragen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Hierher
+gehört die Bremer Schaffermahlzeit, ursprünglich eine durchaus
+seemännische Veranstaltung, nämlich eine Mahlzeit bei der kurz vor der
+Wiedereröffnung der Schiffahrt im Frühling Kapitäne und Reeder mit
+einander den Proviant für die aussegelnden Schiffe kosteten. Schaffer
+heißt, nach dem Bremer Wörterbuch, der Mann, der die Anordnung und
+Besorgung einer Mahlzeit hat, auch überhaupt ein Verwandter des Hauses;
+Aufwärter bei einem Hochzeitsschmause, welches aber bei den Bauern die
+nächsten Verwandten zu tun pflegen, wie auch die Helfer beim Begräbnis
+und bei dem Leichenschmaus in Groningen Anschaffer heißen; heutzutage
+tragen die Schaffer bei der Schaffermahlzeit die Speisen nicht mehr auf,
+schöpfen sie nicht mehr aus dem Kessel, bedienen nicht mehr bei Tische,
+sie halten nur die Tischreden und &nbsp;&mdash;&nbsp; bezahlen das Essen; nur insofern
+kann man noch von herbeischaffen reden. Doch hat schaffer im
+Mittelniederdeutschen auch einen Mann bedeutet, der die Kasse führte;
+überhaupt einen, der die Ausrichtung und Besorgung irgend einer Sache
+übernimmt, einen procurator. &nbsp;&mdash;&nbsp; Daß aber der Seemann bei der
+ursprünglichen Bedeutung geblieben ist und schaffen für essen sagt,
+erinnert einmal daran, daß in früheren Zeiten die Leute, die zusammen
+aßen, alle aus einer Schüssel schöpften, sodann daß einer das Essen aus
+der Kambüse herbeizuschaffen hatte, (der heute &#8222;Backschaft&#8223; heißt) und
+endlich daß das Essen eben ein wirkliches Schöpfen war, indem die Leute
+nicht mit Messer und Gabel, sondern nur mit dem Löffel aßen.<a id="Page_403"></a>
+ <span class="pagenum">[403]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Schaft</span>, der, des Ankers ist der große, lange, schwere, oben dünner
+werdende Teil des Ankers zwischen den Armen und dem Stock. Man spricht
+auch von Lanzenschaft, Gewehrschaft, sogar von Stiefelschaft. Das Wort
+heißt niederdeutsch auch scheft und schecht, wie denn ft und cht im
+Niederdeutschen sehr leicht in einander übergehen. Das Stammwort ist
+skaban, unser schaben, niederdeutsch schafen, hobeln. Also ein
+zurechtgehobeltes Stück Holz. Es ist bekannt, daß der Ankerschaft früher
+auch bei großen, schweren Ankern von Holz war. &nbsp;&mdash;&nbsp; Anstatt schecht kommt
+auch einfach scheg und schegg vor. So heißt z.&nbsp;B. bei hölzernen Schiffen
+das vorderste Holz, das noch vor dem Vorsteven sitzt und oben in das
+Gallion übergeht. Auch spricht man vom Scheg des Ruders und meint damit
+den Ruderschaft.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schäkel</span>, der, heißt ein Ring, ein Glied einer Kette. <span class="strong1">Schäkeln</span>, ein Glied
+der Kette in ein anderes Glied fügen, so daß eine lange Kette daraus
+wird. Die Erklärung ist am deutlichsten aus dem entsprechenden
+englischen Worte shackle zu ersehen, das sowohl Kettenglied als auch
+Fessel, Handfessel, Handschellen, Beinschellen heißt; angelsächsisch
+sceacul, scacul, Fessel, Halseisen. Offenbar ist diese Bedeutung Fessel
+die ursprüngliche. Eine Fessel aber war zunächst ein Mittel in der Hand
+von Räubern, ihre Opfer zu binden. Räuber aber hießen, wie wir aus der
+Geschichte der Kreuzigung Christi wissen, Schächer. Das niederdeutsche
+Zeitwort hierzu heißt heute noch schaken, rauben. Der friedliche
+Kettenschäkel hat also den Namen von der äußeren Ähnlichkeit mit dem
+unfriedlichen Räuberwerkzeug (s. schaken).</p>
+
+<p><span class="strong1">schaken</span> heißt rütteln, schütteln, gewaltsam bewegen; seemännisch das
+Rütteln und Schütteln mit dem man versucht, bei einem Takel oder einer
+Talje den Reibungswiderstand der durch die Blöcke fahrenden Taue zu
+verringern um dieselben beweglicher, läufiger zu machen. <span class="strong1">Abschaken</span> heißt
+solches vornehmen in der Absicht, nach dem Gebrauch eines Takels die
+tublocks (s. d.) geholten Taue wieder rückwärts zu bewegen, damit die
+Blöcke wieder auseinander kommen und so das Takel aufs Neue wieder
+gebrauchsfähig werde. Das Wort schaken, auf ein aus einer Basis ska
+erweitertes Thema skak zurückgehend, bedeutet ursprünglich &nbsp;&mdash;&nbsp; wie
+seemännisch heute noch &nbsp;&mdash;&nbsp; ganz allgemein &#8222;bewegen&#8223;; dann bewegen mit
+Anwendung von Gewalt: rauben, mit Gewalt<a id="Page_404"></a>
+ <span class="pagenum">[404]</span> wegführen, eine Jungfrau
+vergewaltigen, seinen Teil der Beute an sich reißen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schaluppe</span>, die.</p>
+
+<p>1. Gattungsname für alle Schiffsboote, von der Kapitänsschaluppe (Gig)
+an bis zur Travaljeschaluppe (Jolle).</p>
+
+<p>2. In deutschen Häfen ist Schaluppe weiterhin ziemlich gleichbedeutend
+mit Jacht; Fahrzeug mit einem Mast, großem Schratsegel, Topsegel,
+Brefock.</p>
+
+<p>3. heißt sloop in der englischen Marine ein kleines Kriegsschiff,
+ehemals eins unter 24 Kanonen, dreimastig oder schnauartig, zwischen
+Korvette und Kanonenboot.</p>
+
+<p>Der Name bedeutet also Schiffe und Boote von so verschiedener Art, daß
+sie kaum irgendwie unter einen Hut zu bringen sind, es wäre denn der
+gemeinschaftliche Begriff &#8222;Fahrzeug&#8223;. Und in der Tat kommt von dem
+Zeitwort slupen das Wort. Es heißt schlüpfen, gleiten, sich gleitend
+bewegen, sich bewegen, &#8222;fahren.&#8223; Daraus auch französisch chaloupe,
+spanisch chalupa, niederdeutsch slupe. Im Mittelniederdeutschen gab es
+ein slope, Fahrzeug zum Fortschaffen von Waren, welches aber auf dem
+Lande gebraucht wurde. Sloepe als Fahrzeug zu Wasser war aber schon dem
+Kilian bekannt. Niederländisch sloep; norwegisch, schwedisch, dänisch
+slup. Das niederdeutsche slupen heißt auch schlüpfen. Es wäre daher
+denkbar, daß eine slup ursprünglich ein Küstenfahrzeug gewesen wäre, das
+bei schlechtem Wetter darauf angewiesen war, einen Unterschlupf unter
+Land zu suchen.</p>
+
+<p><span class="strong1">schamfilen</span> heißt durch Reiben verletzen. &#8222;Ein Schiff schamfilt an der
+Schleuse,&#8223; d.&nbsp;h. es kommt der Schleuse zu nahe und reibt sich dabei die
+Farbe ab, daß das Holz zum Vorschein kommt. &#8222;Ein Tau schamfilt,&#8223; d.&nbsp;h.
+es reibt sich an einem festen Gegenstand und nützt sich so vor der Zeit
+ab. Um dergleichen zu verhüten hat man verschiedene Mittel: Fender,
+Sarving, überhaupt Bekleidung des Tauwerks, und besonders auch
+<span class="strong1">Schamfilungsmatten</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp; In Osterstade, jener friesischen Enclave jenseits
+der Unterweser, heißt schamp ein Fehler an der Gesundheit. In
+Ostfriesland heißt die Epidermis schampfel, womit nichts anders gesagt
+sein soll als daß die Oberhaut leicht verletzlich ist, durch Reiben und
+dergl. leicht beschädigt werden kann. Dem entsprechend heißt das
+niederdeutsche Zeitwort schampen streifen,<a id="Page_405"></a>
+ <span class="pagenum">[405]</span> im raschen Vorbeigehen
+leicht treffen und berühren, durch Streifen oder rasches Vorbeigehen und
+nahes Berühren eines Gegenstandes denselben äußerlich beschädigen und
+verletzen, jemanden leicht verletzen. In Westfalen heißt der Prellstein
+sehr bezeichnend schampsten. Aus schampen ist ein Interativum
+schamperen, schampferen, schamferen, scanferen gebildet worden, Formen
+die im Mittelniederdeutschen sehr häufig vorkommen, &#8222;he hadde nene
+scanferinge an der Hut gekregen&#8223;; doch manchmal auch für Schädigungen
+und Verletzungen gebraucht, die garnicht so sehr leicht waren: &#8222;anno
+1428 schamferden de stede vor Kopenhagen des Königs schepe&#8223; ...
+(Lappenberg, Hamb. Chron.) Aber in der Regel ist die Verletzung leicht
+und nur oberflächlich, wenigstens im seemännischen Gebrauch. &nbsp;&mdash;&nbsp; In den
+Niederlanden ist, nach einem bekannten Gesetz der Lautverschiebung
+zwischen l und r, schampelen aus schamperen gebildet worden. Und dieses
+schampelen ist in der Form schamfilen nach Ostfriesland übergesprungen
+und von da in die deutsche Seemannssprache eingedrungen, in der sich
+übrigens eine Erinnerung an das ursprüngliche schamp noch insofern
+erhalten hat, als man meist, wenn man genau zuhört, schampfilen hören
+kann. Daß i aber an die Stelle von e getreten ist mag eine Erinnerung
+daran sein, daß die Endung eigentlich -iren heißen müßte, die
+niederländisch -eren lautet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schandeckel</span>, der, ein Schutzdeck, eine Schutzbedeckung, eine Schutz
+gewährende Bedeckung von Holz, die an verschiedenen Stellen, die eben
+des Schutzes bedürftig sind, angebracht wird. &nbsp;&mdash;&nbsp; Mit dem niederdeutschen
+Wort schanddeckel hat es keine Gemeinschaft, denn das bedeutet einen
+Deckel zur Bedeckung einer Schande, und so heißt ein Mann, der für Geld
+oder eine andere Belohnung ein von einem Reichen entehrtes Mädchen
+heiratet. Unser Schandeckel aber ist (vergl. schamfilen) aus
+schampdeckel entstanden, durch Schwund des p und indem sich der
+bequemeren Aussprache wegen das m in n verwandelte. Ein Schandeckel ist
+also eine Bedeckung, die das schampen, das Beschädigen des bedeckten
+Teiles verhindern soll.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schanze</span>, die, hieß ein Stockwerk hinten auf dem oberen Deck,
+entsprechend der Back auf dem Vordeck; wurde vormals Hintercasteel
+genannt, jetzt ist die Kampanje an die Stelle getreten. Der Name kommt
+daher, daß rings um die Reling dieses Aufbaues im Gefecht eine Schanze
+errichtet wurde, nicht aus<a id="Page_406"></a>
+ <span class="pagenum">[406]</span> Reisigbündeln, sondern aus
+Hängematten. Um diese zu verdecken und überhaupt zum Zierrat fiel von
+der Reling an der äusseren Seite der Relingstütze und des Finknetzes ein
+etwa vier Fuß breites Tuch nach Art einer Gardine herab: das
+<span class="strong1">Schanzkleid</span>. Ein solches hatte auch die Reling des Marses. &nbsp;&mdash;&nbsp; Als im
+Verlaufe des 19. Jahrhunderts die Hängematten auf der Reling in den
+Finknetzkästen ihren dauernden Platz erhielten, da trat an die Stelle
+des Schanzkleides das wasserdichte Hängemattskleid. Aber an den Marsen
+sind Schanzkleider geblieben und an der Kommandobrücke sind sie zum
+Schutz gegen Regen und Wind neu hinzugekommen; jedoch ohne jeglichen
+Prunk, während mit den früheren Schanzkleidern großer Luxus in Bezug auf
+Farbenpracht und Verzierung getrieben wurde. Die englischen
+Kriegsschiffe hatten Schanzkleider mit weißer oder gelber Borde besetzt.
+In Frankreich hießen sie pavois. Aubin (1702): &#8222;Par une Ordonnance de
+1670 le Roi de France a voulu qu'a l'avenir les pavois soient de couleur
+bleue semée de fleurs de lis jaunes, et qu'ils soient bordez de deux
+grandes bandes blanches.&#8223; Man nannte sie auch bastingures. &#8222;On met aussi
+des bastingures aux hunes. Celles des Hollandois sont rouges; ils les
+font presque toujours de baiette ou de drap, mais en ce cas on les
+double et on le garnit de telle, sorte entre les deux étofes, que les
+balles des mousquetes ne les peuvent percer.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Schärpe</span>, die. Zwar kein seemännisches Wort, aber doch zum dienstlichen
+Anzug der Seeoffiziere gehörig, verdient es hier seine Stelle zu finden.
+In früheren Jahren gingen die Armen nicht mit einem Sack, sondern mit
+einem Topfe betteln. Der Topf hieß Scherbe. Wir sind heutzutage gewohnt,
+bei diesem Worte an etwas Zerbrochenes zu denken. Das mag daher kommen,
+daß man, namentlich auf dem Lande, nur zerbrochene Töpfe als
+&#8222;Blumenscherben&#8223; vor die Fenster stellt, weil den Leuten ganze Töpfe zu
+schade sind. Aber ursprünglich lag der Begriff des Zerbrochenen
+keineswegs in Scherbe. Wenn das Gefäß, in dem sich die Bettler das
+übriggebliebene Essen aus den Häusern zusammenholten, auch kein sehr
+elegantes war, heil mußte es doch sein, schon darum weil das Essen meist
+aus Suppe, Brei, Grütze etc. bestand. Wer sich die Sache recht deutlich
+vorstellen will der gehe um die Mittagszeit längsseits eines in Dienst
+gestellten, an der Kaimauer liegenden Schiffes, da kommen die
+sonderbarsten<a id="Page_407"></a>
+ <span class="pagenum">[407]</span> Betteltöpfe zum Vorschein, sogar alte
+Präservenbüchsen, für gewöhnlich nur von den Malern gebraucht, werden
+von armen Leuten herbeigeschleppt um das übriggebliebene Essen in
+Empfang zu nehmen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Da nun die Bettler mit ihrer Scherbe in alten
+Zeiten von Haus zu Haus, von Dorf zu Dorf zogen, so konnten oder mochten
+sie sie nicht immer in der Hand tragen, befestigten vielmehr ein Band
+daran und trugen sie über die Schulter gehängt. Bald hieß dieses ebenso
+wie der Topf, der daran hing: Scherbe. Und aus diesem Bande ist unsere
+Schärpe geworden. Sie diente schon im 13. Jahrhundert als Abzeichen der
+Ritter, war aber natürlich breiter und feiner als das Band, das sich die
+Bettler hatten leisten können. Sie ward entweder von der rechten
+Schulter nach der linken Hüfte getragen und ist in dieser Gestalt das
+Vorbild für die breiten Ordensbänder geworden und für die Bänder und
+Schärpen der studentischen Verbindungen, oder um den Leib gebunden. Die
+Damen schmückten die Schärpen ihrer Ritter mit feinen Stickereien,
+banden sich auch bald selbst wohl breite farbige Seidenbänder um die
+Taille, dem Obi ähnlich, den die japanischen Frauen tragen. Während so
+auf der einen Seite das alte Ehrenzeichen zum Putzstück herabsank, stieg
+es andererseits zum Feldzeichen, zum Kommandozeichen eines Heerführers
+empor, um so als Dienstabzeichen der Offiziere bei uns in Geltung zu
+kommen. Die beiden Arten, auf welche heutzutage bei der deutschen
+Kriegsmacht zu Lande und zu Wasser die Schärpe getragen wird, waren im
+dreißigjährigen Kriege nebeneinander üblich.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schau</span>, das, kommt nur in der einen Verbindung vor: &#8222;Flagge in Schau&#8223;,
+&#8222;die Flagge im Schau wehen lassen,&#8223; d.&nbsp;h. sie zusammengeknotet oder
+-gewickelt hissen. Röding: &#8222;Es ist dies ein unter allen Nationen
+gebräuchliches Signal, jemand an Bord zu rufen. Auf einer Reede weht die
+Flagge im Schau, wenn die am Ufer befindlichen Schlupen an Bord kommen
+sollen, und man unter Segel gehen will. Auf der See um andern Schiffen
+zu erkennen zu geben, daß man ihrer Hilfe bedarf und in Not ist. Bei
+Gewahrwerdung des Landes, um einen Lootsen an Bord zu rufen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Jetzt
+hißt man im ersten Falle den blauen Peter, bezw. das betreffende
+Bootssignal; im zweiten Falle hißt man als Notsignal die Flagge
+verkehrt, das Oberste zu unterst; im dritten wird die Lootsenflagge
+gezeigt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Man könnte Schau für eines Stammes mit Schauer und Scheuer
+halten, aus der Wurzel sku,<a id="Page_408"></a>
+ <span class="pagenum">[408]</span> decken, verbergen, weil die Flagge im
+Schau gleichsam halb verdeckt und verborgen, nämlich so gehißt wird, daß
+man ihre nähere Beschaffenheit nicht deutlich erkennen kann, doch erregt
+hiergegen der Umstand Bedenken, daß die ersten derartigen Signale keine
+Flaggen, sondern sonst irgend ein hißbarer Gegenstand waren, ein Jacke,
+eine Hose, ein Hemd, wie z.&nbsp;B., nach Ehrentraut, Fries. Archiv, es
+früher Sitte war, daß ein Wangerooger Schiff, wenn es von der Reise
+heimgekehrt war, vor der Insel zu Anker ging und ein solches
+Kleidungsstück halbmast wehen ließ zum Zeichen, daß man ihm vom Lande
+her ein Boot schicken sollte. So ist es also doch richtiger, anzunehmen,
+daß wir in Schau das Schau von Brautschau, Deichschau, Heerschau vor uns
+haben und daß es mit dem schauen in warschauen (s. d.) verwandt ist.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Etwas Ähnliches und doch ganz Anderes geschieht, wenn man die Flagge
+aufgetucht, also so wie sie zusammengelegt aus dem Schrank kommt,
+aufhißt. Das tut man, damit sie mit einem Ruck rasch an ihrer richtigen
+Stelle zum Auswehen gebracht werden kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nach Richthofen wurde im
+alten Ostfriesland ein Schau als Notzeichen auch am Lande gehißt.
+&#8222;Offtet also voelle op ene tyt, datter eyn rechter worde doet geslagen
+in den warve, soe sal de meente dat schow op theen ende de clocken an
+kleppen&#8223;. &#8222;So soelen se rechtevort en schw dat is een noetteken op
+setten&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Deutlich erhellt der Begriff eines seemännischen Schaus aus
+der &#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223;, 1673: &#8222;Wir sahen auch (von
+einem in schwerem Novembersturm in der Nordsee havarierten Schiffe aus)
+ein Schiff zu Loffwart von uns; ließen derowegen ein Schau oder Zeichen
+weyhen, daß wir verlegen waren, also kam er nach uns zu, ich fragte dem
+Schiffer wohin er sein Will hätte? Er sagte, nach den Flie, ich bat ihn
+daß er mir helfen möchte, so wolte ich ihm eine Linie zu werffen, damit
+er ein Kabeltau zu sich holen konte, auff daß er unser Schiff dabey nach
+dem Flie schleppen möchte; den wir müsten da auch seyn: Er aber gab zur
+Antwort: es wäre spät im Jahr, auch grauete ihn daß bald Eyß kommen
+möchte: derowegen must er sein bestes tun daß er zu Hause komme; Es
+würde auch sein Volck damit nicht friedlich seyn: weil sie schon eine
+lange Reise gehabt, ich sagte wieder: ich wolte seinem Volcke eine halbe
+Ostersche Heur geben: oder was gute Männer erkennen könten, er aber
+antwortete nichts mehr und ging durch. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wir aber<a id="Page_409"></a>
+ <span class="pagenum">[409]</span> sahen ihn
+betrübet nach, was thäte aber Gott, weil wir in keiner geringen Noth und
+Gefahr wahren, schaffte Gotte der Herr daß uns Wetter und Wind zur Stund
+dienen muste, so, daß wir am andern Tage des Morgens vor dem Flie kamen,
+da alle Menschen Hülffe verschwunden, allein durch die Hülffe Gottes. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Wie uns nun die Loetzen allda gewahr wurden, kam uns eine Galliot an
+Bord, die gab uns ein Lotes über, und wir langeten ihm ein Kabeltau, daß
+er uns schleppen konnte; also hülffen sie uns, weil es eben Fluht war,
+biß an die vierte Tonn, des andern Tages kamen wir ins Flie; des dritten
+Tages aber kam das vorbemeldte Schiff, welches uns in der Noht hatte
+verlassen&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Schauer</span>, der, ein plötzlich hereinbrechender aber auch bald wieder
+vorüberziehender Regen oder Hagel. Der Name kommt daher, daß durch einen
+solchen der Himmel bedeckt und verhüllt und verdunkelt wird, also von
+derselben Wurzel sku, von der auch das lateinische obscurus stammt.
+Niederdeutsch schuur, niederländisch schoer, angelsächsisch scur,
+altsächsisch skur, althochdeutsch scur, mittelhochdeutsch schur,
+schuwer, gothisch skura.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schauerknoten</span>, der, ist ein Knoten am Ende eines Taues der dasselbe so
+verdickt, daß es hinter einem Loche seines eigenen Umfanges festsitzt,
+daß es am Durchrutschen durch das Loch verhindert wird. Das Wort ist
+eine Abkürzung; es müßte eigentlich heißen und hieß sonst auch allgemein
+Schauermannsknoten, was man auch jetzt noch hören kann. Offenbar weil
+die Schauerleute Taue mit solchen Knoten (und einem Haken) zum Ziehen
+und Schleppen der Warenballen zu benutzen pflegen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schauermann</span>, der, Mehrzahl: die Schauerleute, ist ein beim Löschen und
+Laden beschäftigter Mann, der zwar mit dem Schiff und seinen Räumen
+bekannt sein muß, im Übrigen aber kein Seemann ist oder zu sein braucht.
+In Groningen werden so genannt &#8222;personen die hun brood verdienen met
+schepen langs het Reitdiep te trekken&#8223;. Der in der Stadt Norden wohnhaft
+gewesene Doornkaat bemerkt zu dem Worte sjauerman: &#8222;ein früher vom
+hiesigen Magistrat angestellter Hafenarbeiter, der die Schiffe aus- und
+beladen mußte und die Waren aufs Lager zu bringen hatte und zwar gegen
+eine feste Vergütung, wie sie in der hiesigen Sjauermans-Ordnung
+bestimmt war.&#8223; Niederländisch hießen dergleichen arbeiders (Aubin 1702)
+siuuwers, chiuwers,<a id="Page_410"></a>
+ <span class="pagenum">[410]</span> tsiuuwers. Weiland: &#8222;sjouw een last die zwaar
+valt om te dragen&#8223;, die man darum ziehen, schleppen muß. Man kann das
+Wort also füglich mit Lastträger oder vielmehr Lastzieher wiedergeben,
+denn sjauen ist die niederländisch-ostfriesische Form für das
+althochdeutsche zawjan, mittelhochdeutsch zouwen, aus dem gothischen
+taujau, aus einer Wurzel tu, du, die eine Bewegung andeutet. Es ist also
+anzunehmen daß die Form tsjauen aus tauen verschoben ist. Das
+Niederdeutsche macht sonst freilich die Verschiebung des gothischen t zu
+ts, z, für gewöhnlich nicht mit und hat demgemäß auch das Zeitwort
+tauen, englisch tow, beibehalten, es mag aber tsauen als oberdeutsches
+Lehnwort ins Niederländische gekommen sein, dann ist auf seinem weiteren
+Wege ins Niederdeutsche das ts zu sch geworden. Also tauermann &nbsp;&mdash;&nbsp;
+tsauerman &nbsp;&mdash;&nbsp; Schauermann: ein Mann der Lasten taut d.&nbsp;h. zieht,
+schleppt, an einem Tau vorwärts bewegt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schebecke</span>, die, &#8222;a small three-masted vessel formerly much used by the
+Algerine corsairs, and now used to a small extent in Mediterranean
+commerce. It differs from the felucca chiefly in having several square
+sails, as well as latin sails, while the latter has only lateen sails&#8223;.
+Bei uns gebraucht man die Bezeichnung Schebecken-Takelage eben wegen der
+lateinischen Segel. Französisch chebec, englisch xebec, spanisch
+xabeque, italienisch sciabecco, zambecco, vom türkischen sumbeki,
+arabisch sumbuk, kleines Schiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">scheitern</span> = Schiffbruch erleiden, bekanntlich auch im übertragenen Sinne
+von Nichtseeleuten oft gebraucht: gescheiterte Hoffnung, gescheiterte
+Existenz u.&nbsp;s.&nbsp;w. Das Zeitwort ist von Scheit gebildet. Der Gedanke
+liegt zu Grunde, daß bei einem wirklichen Schiffbruch das Schiff zu
+lauter Holzscheiten zerschlagen wird. Wie man auch seemännisch zu sagen
+pflegt: &#8222;es gibt klein Holz&#8223;, wenn etwas entzwei geht. Die
+Grundbedeutung von Scheit liegt in der indogermanischen Wurzel skhait,
+und kommt auf &#8222;scheiden&#8223;, spalten, hinaus. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort ist kaum
+seemännisch zu nennen, da unsere niederdeutsche Seeleute sich ziemlich
+ablehnend dagegen verhalten. Der Grund ist klar: es müßte eigentlich in
+ihrem Mund schitern heißen und das käme doch allzu nah an schiten, das
+ja auch mit scheitern gleicher Abstammung ist. Weil aber im
+Hochdeutschen das t in dem Zeitwort für stercorisare sich zu s
+verschoben hat konnte man da ungehindert<a id="Page_411"></a>
+ <span class="pagenum">[411]</span> schiten für spalten
+sagen und schit für ein abgespaltenes Stück Holz; und man sagte im
+Mittelhochdeutschen auch so. Im Neuhochdeutschen diphthongierte sich das
+i zu ei, aber trotzdem hat sich der Seemann das Wort kaum angeeignet.</p>
+
+<p><span class="strong1">scheren.</span></p>
+
+
+
+<p>1. teilen, abteilen; daher bescheeren, jedem sein Teil geben.
+</p>
+
+<p>2. eine Leine scheren, dadurch einen Raum von einem andern abteilen; kann auch durch eine Bretterwand geschehen.
+</p>
+
+<p>3. ausscheren, sich von der bisherigen Richtung scheiden, trennen von einem Schiffe, von den unteren Wolken.
+</p>
+
+<p>4. schneiden (mit der Schere); die Haare scheren, Tuch scheren.
+</p>
+
+<p>5. mähen, Gras scheren, Rasen scheren.
+</p>
+
+<p>6. sich bekümmern um, sich Mühe machen um &mdash; &#8222;Was schert mich Weib, was schert mich Kind&#8223; ...
+</p>
+
+<p>7. gehen, eilen, laufen, sich eilig entfernen, sich plötzlich von einer Gesellschaft trennen: &#8222;scheren Sie sich zum T...!&#8223;
+</p>
+
+<p>8. in einer Weberei Garn scheren.
+
+</p>
+
+
+<p>Nur die drei ersten Bedeutungen sind in der Seemannssprache gängig; und
+zwar ist 2. dahin erweitert, daß &#8222;ein Tau scheren&#8223; nicht nur gebraucht
+wird wenn dadurch ein Raum abgeschoren werden soll, sondern ganz
+allgemein, z.&nbsp;B. Wäschejollen scheren, wobei allerdings zu bedenken ist,
+daß durch jedes Scheren eines Taues schließlich der Raum in zwei Teile
+geschieden wird. Die Grundbedeutung ist &#8222;abscheiden&#8223;. Althochdeutsch
+sceran, mittelhochdeutsch schern; altnordisch skera, angelsächsisch
+sceran, im Altfriesischen, wo das Wort eine zahlreiche Verwandtschaft
+hat, skera. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die nordischen Scheren bedeuten geteilte, von einander
+schroff &#8222;geschiedene&#8223; Felsen, vergl. norwegisch skjera, schwedisch
+skära, dänisch skjäre.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schiemann</span>, der. &#8222;Der auf den Bootsmann folgende Unteroffizier, dem die
+Takelage des Fockmastes angeht, so wie dem Bootsmann die Takelage des
+großen Mastes und dem Bootsmannsmaat diejenige des Besahnmastes.&#8223;
+Kilian: &#8222;schim-man (schieman) proreta, qui in prora tutelae navis
+presidet.&#8223; &#8222;Vocatur ille in navibus cujus est omnium vasorum et
+instrumentorum curam habere&#8223;. Brem. Mscr. &#8222;Und dese jegenwardige beide
+menne mit ohm (dem Capitain) gesegelt dar dann Gerth Spanman thom ersten
+schymman, auerst darnach houetbossman gewesen&#8223;,<a id="Page_412"></a>
+ <span class="pagenum">[412]</span> Brem. Urk. v.
+1580. Nach einer Wismarer Urkunde von 1580 unterschied man: A.
+hovetbossmann, B. schymman, C. tymmerman, D. E. F. bosmans, G. puitker
+auf einem Schiffe; letzterer war der Geringste (s. Pütker). Dem
+deutschen Schiemann entspricht das dänische Skibmand und das schwedische
+Skipman, und das legt die Annahme nahe, daß Schiemann eigentlich
+Schipmann (entsprechend den Bootsmann) geheißen habe und daß das p vor m
+ausgefallen sei, beziehungsweise sich zu m assimiliert habe. Die Frage
+würde uns nichts weiter angehen, da die Tage des Schiemanns vorüber
+sind, und mit dem Amt wäre auch der Name ausgestorben, wenn nicht das
+Wort <span class="strong1">Schiemannsgarn</span> ihn gerettet hätte, die Bezeichnung eines schönen,
+glatten, sauber geschlagenen zu den verschiedensten Zwecken verwendbaren
+dicken Bindfadens. Nach Weiland hätte der schimman davon den Namen, &#8222;om
+dat hy is de schim en schaduw van den hoogbootsman&#8223; (!)</p>
+
+<p><span class="strong1">Schiff</span>, das, hat vom Einbaum bis zum Linienschiff so viele Wandlungen
+durchgemacht, daß es vermessen wäre, mit wenigen Worten sagen zu wollen,
+was ein Schiff sei. Wir fragen daher nur nach der Herkunft des Namens
+&#8222;Schiff&#8223;. Es ist behauptet worden, es läge ihm ein vorauszusetzendes
+gotisches Zeitwort skipan zu Grunde, etwa mit der Bedeutung, &#8222;hohl
+machen&#8223;. Es ist auch nicht zu leugnen, daß das Wort den Eindruck macht,
+als habe in frühesten, indogermanischen Zeiten die Stammsilbe den Vokal
+i getragen. Indessen verschieben sich Vokale leicht, und gerade Schiff
+hat einen reichen Wechsel zwischen a, e, i und sogar io aufzuweisen. Da
+ist 1, das hochdeutsche Schiff, 2, das niederländische scheep, 3, das
+altfriesische skapp, 4, das gädhelische sgiob. Zu 1, gehört
+mittelhochdeutsch schif, althochdeutsch scif, gothisch und altnordisch
+skip, angelsächsisch scip, englisch ship, altsächsisch skip,
+neuniederländisch in der Einzahl schip, dänisch skib, französisch esquif
+(Boot). Zu 2, die neuniederländische Mehrzahl von schip, schepen,
+mittel- und altniederländisch scheep, mittelniederdeutsch schep,
+schepen, scheper, althochdeutsch scef, scefsaufi,
+scefsaufig-schiffbrüchig, lettisch skepe. Zu 3, bretonisch skaf,
+gädhelisch scafa, griechisch skafos. Wenn wir nun in so verschiedenen
+Sprachen in dem Worte das wir Schiff nennen anstatt des i oder des e den
+Vokal a finden, so kann es nicht allzu kühn sein, auf eine
+vorgermanische Wurzel skap und auf<a id="Page_413"></a>
+ <span class="pagenum">[413]</span> das althochdeutsche skapjan
+als Ursprung zu schließen. Dieses letztere Zeitwort skapjan heißt
+schaffen. Allerdings nicht in dem Sinne des biblischen
+Schöpfungsberichtes: &#8222;etwas aus nichts ins Dasein rufen&#8223;, sondern gemäß
+dem altgermanisch-heidnischen Schöpfungsgedanken: &#8222;aus rohem Stoffe
+etwas zu einer Gestalt herausbilden&#8223;. Und zwar geschah solches
+Herausbilden aus dem Urstoff nach germanischer Vorstellung durch
+&#8222;schaben&#8223;. (s. schaffen = essen). Holz war der Stoff an den man dachte.
+Skapjan heißt, mit irgend einem Werkzeug in Holz arbeiten und aus Holz
+etwas herstellen, &#8222;schaffen&#8223;; heißt durch Ausstechen, Ausgraben,
+Aushöhlen, Schnitzen, Schneiden, Glätten, Hobeln, Schaben einen
+Baumstamm zu einem Boot gestalten und umschaffen. Das war zunächst nur
+ein Einbaum, aber so fing eben der Schiffbau an. Und eben darum findet
+man bei den alten Deutschen so häufig eine Zusammenstellung von Schiffen
+und Leichen und eine gewisse Gleichstellung von Schiff und Sarg, weil
+das Schiff sowohl wie der Sarg ein Einbaum war. So einfach die Sache
+ursprünglich war, so einfach, aber naheliegend war das Wort dafür aus
+der Tätigkeit bei der Herstellung der Sache zu finden. Eine zwar ebenso
+einfache, aber doch lange nicht so geistreiche Bezeichnung von Schiff
+ist vaisseau, provençalisch vaissel, englisch vessel, italienisch
+vascello vom lateinischen vas, vasculum = Gefäß. Das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223;
+glaubt die Sache damit abgetan zu haben, daß es schrieb, Schiff komme
+von schieben, &#8222;weil die ersten Schiffe, deren sich eine Nation bedient
+hat, ohne Zweifel kleine Schiffe waren, welche mit Stangen fortgeschoben
+wurden&#8223;. Diese Erklärung ist um weniges besser als die scherzhafte, die
+vom schiefen Bau redet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Ausrüstung etc. etc. eines Schiffes hieß
+mittelniederdeutsch eskipasje; daraus ist das französische Wort equipage
+geworden. &nbsp;&mdash;&nbsp; Hier eine kurze Übersicht über die Benennung der Schiffe
+wie sie gegenwärtig üblich ist. Bei den Segelschiffen wird die
+Unterscheidung nach der Art der Takelage getroffen. Ein <span class="strong1">Vollschiff</span> hat
+drei vollgetakelte d.&nbsp;h. mit Rahen versehene Masten; eine <span class="strong1">Bark</span>, die
+besonders stark vertretene Art von Segelschiffen für große Fahrt, hat
+Groß- und Fockmast mit Rahen, den Besanmast aber mit Schratsegeln, eine
+<span class="strong1">Schunerbark</span> hat Masten wie eine Bark, aber an Groß- und Fockmast keine
+unteren Rahesegel sondern Gaffelsegel, eine <span class="strong1">Brigg</span> hat Groß- und
+Fockmast, vollgetakelt und<a id="Page_414"></a>
+ <span class="pagenum">[414]</span> am ersteren noch einen Besan, der aber
+Briggsegel heißt; eine <span class="strong1">Polackerbrigg</span>, s. d., eine <span class="strong1">Schunerbrigg</span> oder
+<span class="strong1">Brigantine</span> ist wie die Schunerbark getakelt, doch ohne Besanmast, ein
+<span class="strong1">Dreimast-Marssegel-Schuner</span> hat den Fockmast vollgetakelt und der
+Großmast ist gleich dem Besanmast, ein <span class="strong1">Dreimast-Gaffel-Schuner</span> hat drei
+Besanmasten, die aber Schunermasten genannt werden; ein
+<span class="strong1">Dreimast-Topsegel-Schuner</span> ist gleich dem Dreimast-Gaffel-Schuner, nur
+daß sein Fockmast Mars- und Bramrahen führt; ein <span class="strong1">Marssegel-Schuner</span> hat
+den Fockmast vollgetakelt und einen Schunermast; ein <span class="strong1">Topsegel-Schuner</span>
+hat zwei Schunermasten, von denen jedoch der Fockmast Mars- und
+Bramrahen führt; ein <span class="strong1">Gaffel-Schuner</span> hat zwei einfache Schunermasten mit
+Gaffelsegel und Gaffeltopsegel und ist der eigentliche, richtige,
+weitverbreitete, leicht zu handhabende Schuner, wie er mit wenig
+Bemannung die weitesten Fahrten unternimmt. Die Engländer nennen ihn
+fore and aftschuner, weil beide Masten gleich getakelt sind, und so kann
+man ihn auch bei uns nennen hören; ein <span class="strong1">Chasse-Marée</span> s. d.; ein <span class="strong1">Lugger</span> s.
+d.; ein <span class="strong1">Kutter</span> s. d.; ein <span class="strong1">Slup</span> s. <span class="strong1">Schaluppe</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp; Außerdem gibt es
+<span class="strong1">Viermastschiffe</span>, und zwar Viermast-Vollschiffe mit Fockmast, Großmast,
+Kreuzmast, Jiggermast, von jigger, &#8222;a small square sail on a mast and
+boom at the stern of a boat,&#8223; man würde also Treibermast sagen können;
+<span class="strong1">Viermastbarkschiffe</span> mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und Besanmast; und
+<span class="strong1">Viermastschuner</span>, ebenfalls mit Fockmast, Großmast, Kreuzmast und
+Besanmast. Und sogar zu <span class="strong1">Fünfmastschiffen</span> hat man sich verstiegen,
+nämlich zu <span class="strong1">Fünfmastvollschiffen</span>, <span class="strong1">Fünfmastbarkschiffen</span>, <span class="strong1">Fünfmastschunern</span>;
+als Namen für die Masten der ersteren sind in Vorschlag gebracht
+Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Achterkreuzmast; für die
+beiden letzteren Fockmast, Großmast, Kreuzmast, Jiggermast, Besanmast.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Die <span class="strong1">Kriegsschiffe</span> werden bei uns zur Zeit eingeteilt in
+Linienschiffe, Küstenpanzerschiffe, Große Kreuzer, Kleine Kreuzer,
+Panzerkanonenboote, Schulschiffe, Spezialschiffe, Torpedofahrzeuge. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Über die Benennung der Schiffe nach der Anordnung ihrer Decks s. Deck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schiffsbesichtigungskommission</span>, die, eine Kommission bei der
+Kaiserlichen Marine, bestehend aus einem Seeoffizier und den nötigen
+technischen Mitgliedern, deren Aufgabe es ist, Handelsdampfer auf ihre
+Brauchbarkeit als Kriegschiffe zu besichtigen<a id="Page_415"></a>
+ <span class="pagenum">[415]</span> und sich über ihre
+Verwendbarkeit im Falle einer Mobilmachung etc. auf dem Laufenden zu
+erhalten. Schon vor 600 Jahren wußte man von einer, allerdings nur nach
+Bedarf im einzelnen Falle zusammentretenden
+Schiffsbesichtigungskommission. Im Jahre 1293 erteilte König Philipp der
+Schöne von Frankreich als Lehnsherr über Flandern &#8222;den Bürgern und
+Einwohnern von Lübeck, Gothland, Riga, Campen, Hamburg, Wismar, Rostock,
+Stralsund und Elbingen und einigen anderen das deutsche Meer befahrenden
+Kaufleuten, bey ihrer Fahrt auf Flandern oder von da zurück, es sey zu
+Wasser oder zu Land, in allen Teilen seines Reichs freyen Handel gegen
+Erledigung der üblichen Abgaben. Jedoch sollten sie nirgends nach
+Frankreich Wolle, Leder oder andere Waren aus England, Schottland oder
+Irland oder aus Landesteilen, die der Herrschaft der Engländer
+unterworfen sind, einführen, noch selbst auf dem Meere verschiffen, bei
+Verfall des Gutes und anderen Strafen nach des Königs Gutdünken. Ebenso
+sollten sie keine Güter aus Frankreich nach England führen und daselbst
+verkaufen, bei gleicher Strafe. <span class="strong1">Auch behält sich der König vor, ihre
+Schiffe, die er zum Kriegführen bedürfe, ihnen abzumieten oder
+abzukaufen, nach der Schätzung von vier unbescholtenen Männern, zur
+Hälfte aus ihrer, zur andern aus des Königs Untertanen genommen.</span>&#8223;
+(Sartorius. &nbsp;&mdash;&nbsp; Lappenberg, Hansa, I 272.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Schiffsregister</span>, das. &#8222;Um nun jederzeit den an den
+Schiffahrtsverhältnissen beteiligten Kreisen Gelegenheit zu geben, sich
+über den Zustand irgend eines Schiffes ausreichend zu unterrichten,
+werden von den Besichtigungsinstituten Register, d.&nbsp;h. Schiffslisten,
+herausgegeben. Diese enthalten außer dem Namen und dem
+Unterscheidungssignal der bei dem bezüglichen Besichtigungsinstitut
+klassifizierten Schiffe die Hauptdimensionen derselben, die
+Klassenzeichen (s. A), das Datum der letzten Besichtigung und die Angabe
+des Materials, aus welchem sie erbaut sind, u. dergl. m.&#8223; Besonders
+enthalten sie auch die Klassifizierung nach Art der Fahrten. Dabei
+bedeutet</p>
+
+<p>k Kleine Küstenfahrt, die Fahrt längs den Küsten des Festlandes und den
+Inseln der Nordsee vom Kap Gris Nez bis zum Aggerkanal, im Kattegat
+südlich von Friedrichshaven und Gothenburg, in den Belten und im Sund,
+sowie längs der Küste der Ostsee.</p>
+
+<p>K Große Küstenfahrt, die Fahrt in der Ostsee, in der Nordsee,<a id="Page_416"></a>
+ <span class="pagenum">[416]</span> im
+Englischen Kanal, im Mittelländischen und Schwarzen Meer, sowie in
+überseeischen Gewässern ähnlicher Art.</p>
+
+<p>Atl. Atlantische Fahrt, die Fahrt innerhalb des Atlantischen Ozeans,
+sowie Zwischenfahrten in indischen und chinesischen Gewässern und im
+Stillen Ozean.</p>
+
+<p>L. Große Fahrt, die für die vorhergehenden Fahrten festgesetzten Grenzen
+überschreitende Fahrt.</p>
+
+<p>Schiffe, deren Bug mit besonderen Verstärkungen für die Fahrt durch Eis
+versehen ist, erhalten außer dem Fahrzeichen noch die Bezeichnung: (E).</p>
+
+<p><span class="strong1">Schiffstaufe</span>, die = Stapellauf. Diese Taufe erinnert äußerlich in
+zweierlei Hinsicht an das christliche Sakrament der Taufe, wie wenig sie
+auch sonst damit zu tun hat. Einmal ist taufen = tauchen, was früher
+beim Sakrament der Taufe geschah und jetzt bei der Schiffstaufe
+geschieht, indem das Schiff, wie es bei den dabei gehaltenen Reden zu
+heißen pflegt, &#8222;in sein Element hinabtaucht.&#8223; Sodann ist die Namengebung
+mit dem Tauchen verbunden. Frühe schon ist das altgermanisch-heidnische
+Namensgebungsfest mit der christlichen Taufe zu einer Feier verbunden
+worden. Bis zum Augenblick der Taufe wird &nbsp;&mdash;&nbsp; wenigstens bei uns; bei
+anderen Nationen ist es, wie auch bei unseren Handelsschiffen, anders &nbsp;&mdash;&nbsp;
+der Name eines Kriegsschiffes geheim gehalten. Es ist daher für die
+beteiligten Kreise ein spannendes Geschäft, aus den Einladungen, aus den
+Zurüstungen und Vorbereitungen und zuletzt aus dem Verlauf der Taufrede
+den kommenden Namen zu erraten.</p>
+
+<p><span class="strong1">schiften</span> heißt irgend eine Sache von einer Seite auf die andere bringen,
+von einer Stelle auf die andere bewegen, ihr einen andern, neuen,
+besseren, unter veränderten Umständen richtigeren Platz anweisen, etwas
+teilen, abteilen, absondern, ordnen, anordnen, sichten, schichten. Das
+Wort ist niederdeutsche Form für schichten, nach dem so oft zur
+Anwendung gekommenen Gesetz der Lautverschiebung, nach dem Graft und
+Gracht, Schacht und Schaft, Kraft und kracht und viele ähnliche sich
+einander entsprechen.</p>
+
+<p><span class="strong1">schlackern</span> bedeutet eine Ungeschicklichkeit oder Unvorsichtigkeit beim
+Rudern, infolge deren das Wasser spritzt und die im Boote befindlichen
+Leute naß macht. Ein niederdeutsches Wort, das gebraucht wird wenn ein
+Kind etwas von seiner Suppe<a id="Page_417"></a>
+ <span class="pagenum">[417]</span> auf das Tischtuch oder die Serviette
+tropfen läßt; sodann auch für anhaltenden feinen Regen, für Nässen,
+Schmutzen, Beschmutzen. Das Wort ist Iterativum von slaggen, das wir im
+Hochdeutschen in der Verbindung Niederschlag und Schlagregen kennen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schladding</span>, die. Es gibt viele Arten, auf die das Tauwerk an Stellen, wo
+es dem Schamfilen ausgesetzt ist, bekleidet und geschützt wird. Eine
+derselben nennt man Schladding, d.&nbsp;h. mit Schladding bekleiden. Das
+niederdeutsche Wort sladde heißt Lumpen, Lappen, Fetzen, Stück altes
+Zeug. Eine Schladding ist also die Bekleidung eines Taues mit altem
+Segeltuch. Sladde ist verwandt mit unserem schlodderig, bedeutet also
+etwas das schlaff, nachlässig, unordentlich lumpig herunterhängend ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schlag</span>, der.</p>
+
+<p>1. Röding: &#8222;Wenn man ein Tau um einen Gegenstand herumschlägt, zum
+Beispiel um ein anderes Tau, um ein Spill u.&nbsp;s.&nbsp;w., so daß es eine ganze
+Umwälzung um diesen Gegenstand macht und die beiden Enden kreuzweise
+über einander zu liegen kommen, so ist dieses ein <span class="strong1">ganzer</span> oder ein runder
+<span class="strong1">Schlag</span>; macht man diese Umwälzung noch einmal, so ist es ein <span class="strong1">doppelter
+Schlag</span>; geht die Umwälzung aber nicht rund um, so daß sich die beiden
+Enden nicht berühren, so ist es nur ein <span class="strong1">halber Schlag</span>.&#8223;</p>
+
+<p>2. Wenn ein Schiff zu kreuzen genötigt ist und es fährt demgemäß einmal
+nach einer und dann nach der anderen Richtung, so nennt man jedesmal die
+nach einer Richtung zurückgelegte Strecke einen Schlag.</p>
+
+<p>3. Der Schlag mit dem Riemen beim Rudern; er ist ein &#8222;Schlag ins
+Wasser&#8223;, aber ein wirkungsvoller, nicht, wie im Hochdeutschen, eine
+vergebliche Arbeit.</p>
+
+<p>4. Wenn ein Schiff ungleich geladen ist und sich infolgedessen auf die
+Seite neigt, so sagt man: es hat Schlagseite.</p>
+
+<p>Alle diese seemännischen Bedeutungen von Schlag gehen, wie überhaupt
+auch sämtliche hochdeutsche Anwendungen des Wortes, auf die
+ursprüngliche Bedeutung des Zeitwortes schlagen zurück, gotisch slahan:
+unaufgehalten eine gewisse Richtung ein<span class="strong1">schlagen</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schlappgording</span>, das, gehört zu den Gordingen der unteren, großen Segel
+und hilft deren Tuch nahe an die Rahe bringen, wenn sie festgemacht
+werden sollen. Und zwar holen die Buggordinge das Unterliek des Segels
+nach der Mitte der Rahe, die<a id="Page_418"></a>
+ <span class="pagenum">[418]</span> Nockgordinge das Seitenliek steif
+längs der Rahe. Nachdem dieses geschehen ist hängt immer loses Tuch
+schlapp, d.&nbsp;h. ohne daß eine andere Kraft als die der eigenen darauf
+steht, unter den Rahearmen. So sind denn hier auch noch Gordinge
+angebracht, die, weil sie das schlappe Tuch an die Rahe holen,
+Schlappgordinge heißen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schlaufe</span>, die, bedeutet das was hochdeutsch eine Schleife heißt, ein
+Öhr, eine Öffnung, eine Schlinge. Das Wort ist nichtniederdeutsches
+Dialektwort und daher dem niederdeutschen Seemann wenig mundgerecht.
+Althochdeutsch slouf, mittelhochdeutsch sloufe (Lexer, 233) von sloufen.
+Im Niederdeutschen ist slöpe, slove, slöfe = geschlungener Knoten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schlenge</span>, die, heißt ein faschinenartiges, von Pfählen festgehaltenes
+Reisiggeflecht zum Schütze der Küste oder des Ufers und zur Beförderung
+des Landanwuchses, da die Schlengen den Schlick bei ablaufendem Wasser
+zurückhalten und ansammeln. Sie finden sich überall da, wo es Schutz
+gilt gegen das Losreißen von Land durch die Meeresfluten und wo man
+zugleich dem Meere Land abgewinnen will, wie das am Dollart, an der Jade
+und anderswo bereits mit großem Erfolg versucht worden ist. Das Wort
+kommt von schlingen, niederdeutsch slengen, da das Reisig durch
+Verschlingen und Flechten Festigkeit erhält.</p>
+
+<p><span class="strong1">schleppen</span>, kommt für sich allein und in Zusammensetzungen wie
+abschleppen, aufschleppen, ausschleppen, einschleppen vor und bedeutet,
+daß ein Schiff ein anderes fortbewegt, das sich aus eigener Kraft nicht
+fortbewegen kann oder mag. Das schleppende Schiff heißt, wenn es das
+Schleppen als Beruf betreibt, Schlepper oder Schleppdampfer, und man
+sagt, daß es das geschleppte Schiff im Schlepp hat. Niederdeutsch
+slepen, Weiterbildung von slipen, heißt gleiten machen, machen daß sich
+etwas gleitend bewegt. Daher heißt eine Last schleppen nicht sie auf der
+Schulter tragen, sondern sie auf dem Boden hinter sich herziehen (s.
+Schlipp).</p>
+
+<p><span class="strong1">Schleuse</span>, die. &#8222;Ein sehr nützliches Wassergebäude, vermittelst dessen
+sich das Wasser in dem von dieser Schleuse eingeschlossenen Raum oder in
+der Kammer derselben erhöhen und erniedrigen läßt.&#8223; (Roeding) Schleusen,
+die einen Hafen vor den Bewegungen der Ebbe und Flut verschließen, waren
+demnach vor 100 Jahren noch nicht üblich. Da eine Schleuse ein
+Verschlußding<a id="Page_419"></a>
+ <span class="pagenum">[419]</span> ist, so hat man zur Erklärung auf das
+althochdeutsche sliozan, schließen, schließen wollen; das geht aber
+nicht, weil sonst sich das z zu t im Niederdeutschen und
+Niederländischen hätte verschieben müssen, das ist aber nicht geschehen,
+da Schleuse hier nicht slüt und sluyt, sondern slüs und sluys heißt.
+Daher müssen wir im romanischen Sprachgebiet Umschau halten, wo man früh
+mit Erbauung von Wasserwerken begann. Schleuse kommt in der Tat von
+daher. Vom lateinischen excludere ist zunächst das mittellateinische
+exclusa, sclusa gebildet, davon das spanische esclusa und französische
+écluse, das sich durchs Holländische &nbsp;&mdash;&nbsp; sluys, sprich sleus &nbsp;&mdash;&nbsp; zum
+deutschen Schleuse weitergebildet hat.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schlick</span>, der, ist der an den Nordseeküsten sich niederschlagende zarte,
+weiche, fette, schlüpfrige, sehr fruchtbare Meeresschlamm, die Erde aus
+der Kooge, Groden und Polder bestehen, aus der der Marschboden sich
+gebildet hat. Neuerdings bringt man von der Küste den ausgebaggerten
+Schlick ins Binnenland zur Verbesserung unfruchtbarer Moor- und
+Haidestrecken. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort müßte eigentlich Schlich oder wenigstens
+Schliek heißen und heißt an Ort und Stelle auch slik mit langem i, weil
+es von sliken, schleichen, gleiten, schlüpfen kommt; also &#8222;schlüpfrige
+Erde.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Schlickrutscher&#8223; nennt man an der Nordsee scherzweise die
+Küstenfahrer.</p>
+
+<p><span class="strong1">schlieren</span>, bedeutet das Rutschen einer Sache; z.&nbsp;B. wenn einer ein Tau
+fiert und er fiert es nicht Hand über Hand, sondern läßt es sich durch
+die Hand rutschen, was unter Umständen eine schmerzliche Verletzung
+derselben verursachen kann, so schliert das Tau. Oder es macht einer
+eine Schlinge, die sich nicht zuziehen soll und er macht sie nicht ganz
+richtig, daß sie sich doch gleitend zusammenzieht, so heißt es: der
+Knoten schliert zu. Ein niederdeutsches Zeitwort, eigentlich sliren, mit
+der Bedeutung gleiten, schlüpfen, rutschen; zusammengezogen aus
+sliddern, dem bekannten Zeitwort schliddern für schleifen, glitschen,
+wie es Kinder auf zugefrorener Gosse betreiben.</p>
+
+<p><span class="strong1">schlingern</span> bedeutet im Sprachgebrauche des Seemanns das Schwanken des
+Schiffes nach beiden Seiten hin, das Sichüberlegen bald nach Steuerbord,
+bald nach Backbord. Das Zeitwort ist Iterativum vom niederdeutschen
+slingen, und dieses bedeutet eigentlich: sich bewegen wie eine Schlange,
+Schlangenbewegungen<a id="Page_420"></a>
+ <span class="pagenum">[420]</span> machen, also das hochdeutsche &#8222;schlängeln.&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Um die keineswegs zu den Annehmlichkeiten der Seefahrt gehörigen
+Schlangenbewegungen eines Schiffes zu vermindern, werden in neuerer Zeit
+an den Schiffen besondere <span class="strong1">Schlingerkiele</span> angebracht. &#8222;Sie sind stets
+symmetrisch auf beiden Schiffsseiten in der Kimm, d.&nbsp;h. an der Stelle
+des Schiffsbodens angebracht, welche die Abrundung zwischen dem
+horizontalen und vertikalen Teile bildet. Sie erstrecken sich der Länge
+nach etwa über die halbe Schiffslänge, und zwar in der Mitte des
+Schiffes, und sind an den vorderen und hinteren Enden in einer schlanken
+Kurve abgerundet&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schlipp</span>, die, ist eine Art Helling, eine geneigte Ebene am Wasser, auf
+die man ein ausbesserungsbedürftiges Schiff aufschleppt. Aber nicht vom
+Schleppen hat sie den Namen, sondern von schlippen; denn nicht daß das
+Schiff aufgeschleppt wird ist die Hauptsache und hat bei der Benennung
+den Ausschlag gegeben, sondern die bequeme Art, auf die man das
+ausgebesserte Schiff wieder zu Wasser bekommt, indem man es einfach
+schlippen läßt. Darum ist es nicht ratsam, daß man, wie neuerdings wohl
+geschieht, die Schlipp Schleppe nennt, denn Schleppe ist etwas das
+geschleppt wird; das fertig ausgebesserte Schiff wird aber nicht
+geschleppt, abgeschleppt wie ein auf Grund geratenes Fahrzeug, sondern
+man läßt es schlippen, auf der Schlipp, auf der geneigten Ebene zum
+Wasser hinab gleiten; grade wie man eine Ankerkette durch öffnen des
+<span class="strong1">Schlippschäkels schlippen</span>, d.&nbsp;h. ins Wasser hinabgleiten läßt, wenn man
+keine Zeit hat den Anker zu lichten. Niederdeutsch slippen = schlüpfen,
+gleiten, hinabgleiten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schloiknie</span>, das. &#8222;Die Schloikniee dienen dazu, den Auslieger des Galjons
+von der Seite zu umfassen und mit dem Bug des Schiffes zu verbinden. Auf
+jeder Seite des Galjons liegen deren zwei; der gebogene Arm liegt mit
+seiner hohlen Bugt gegen den Bug des Schiffes, und zwar auf dem
+Bergholz, der andere Arm ist mit dem Ausleger verbolzt.&#8223; Bobrik II. 2.
+2371. Das für unser Auge etwas sonderbar aussehende Schloi müßte
+eigentlich Sloi heißen und hat im Niederländischen, woher es stammt, die
+Form sluy. Unser niederdeutsches sluten = schließen heißt nämlich im
+Niederdeutschen sluiten, sluyten, und bedeutet ursprünglich biegen,
+krümmen, zusammenbiegen, vereinigen, verbinden, lateinisch claudeo.
+Dieser Begriff liegt ganz und voll in<a id="Page_421"></a>
+ <span class="pagenum">[421]</span> Schloiknie, das mit zwei
+Armen eine Verbindung herstellt zwischen Schiff und Gallion.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schlossholz</span>, das, ist kein Holz, sondern ein vierkantiges Stück Eisen,
+das durch das Schloßgat am Fuße der Stenge durchgesteckt wird, so daß
+die beiden vorstehenden Enden auf die Längssaling aufzusitzen kommen und
+so die Last der Stenge tragen. Das Schloßholz ist also nicht nur kein
+Holz, es ist auch kein Schloß. Es müßte Schlußholz oder Schließholz
+heißen, da es den Anschluß der Stenge an den Mast bewirken hilft und
+niederdeutsch slotholz, niederländisch slothout, sluthout im Dänischen,
+sluthult im Schwedischen heißt. Im Mittelhochdeutschen heißt sloz
+Schlußstein eines Gewölbes.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schmack</span>, die, ein Küstenfahrzeug mit flachem Boden, vorn und hinten voll
+und rund gebaut, mit einem Pfahlmast und einem Treiber. Englisch smack:
+&#8222;A large sloop, with a gaff-topsail and a running bowsprit, used chiefly
+in the coasting and fishing trade.&#8223; Französisch semaque, niederländisch
+smak, niederdeutsch smak und smakke. Das Wort steht für Schnack,
+vielleicht weil die Erinnerung an Schnack = Geschwätz vermieden werden
+sollte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Niederdeutschen ist snake eine Art von Schlangen, die sich
+im Wasser, in Sümpfen und alten Gräben aufhält und herumkriecht und
+schleicht. Von dieser Bewegung wird das an den Küsten herumkriechende
+und schleichende &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. &#8222;Schlickrutscher&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; glatte Fahrzeug den
+Namen haben. Schon im Althochdeutschen gab es einen Schiffsnamen snacga,
+mittelhochdeutsch snacke, und zwar war es ein &#8222;langsam fahrendes&#8223;
+Schiff, mit sneggo, Schnecke (s. Schnigge) verwandt, vom
+althochdeutschen snahan, kriechen, schleichen. Man dachte also
+jedenfalls an ein schwerfälliges Schiff, denn man machte auch in
+althochdeutschen Zeiten schon Unterschiede zwischen langsamen und
+schnelleren Schiffen. So bedeutete seit dem 5. Jahrhundert unserer
+Zeitrechnung tragamunt, tragemunt, tragmunt ein sehr schnellfahrendes
+Schiff, altnordisch dromundr; altfranzösisch dromon; griechisch dromon,
+der Läufer, (nicht zu verwechseln mit dem tragemunt, aus dem unser
+Dragoman (s. d.) entstanden ist). &nbsp;&mdash;&nbsp; Verwandt ist mit Schmack auch das
+angelsächsische snacca. Aus der französischen Form für Schmack semaque
+ist das italienische semacca, das spanische, portugiesische zumaca
+entstanden.<a id="Page_422"></a>
+ <span class="pagenum">[422]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Schmarting</span>, die, ist eine Bekleidung einer dem Schamfilen ausgesetzten
+Stelle mit altem Segeltuch, also im Wesentlichen dasselbe wie
+Schladding, nur daß man bei beiden Wörtern von verschiedenen
+Gesichtspunkten ausgegangen ist; bei Schladding von der Bekleidung, bei
+Schmarting aber von dem Schaden, der entsteht, wenn die betreffende
+Stelle nicht bekleidet ist, denn dann gibt es eine Schmarting,
+ostfriesisch-niederländisch smarting, eine durch Reiben entzündete
+Stelle auf der Haut, eine schmerzhafte Verletzung; smarten heißt
+schmerzen, aber nicht so allgemein wie im Hochdeutschen, sondern: &#8222;durch
+Reiben wund werden und dann wehe tun&#8223;; daher das Wort smartfel =
+schampfel (s. schamfilen) für Epidermis, da diese sich durch Reiben an
+einem harten Gegenstand leicht &#8222;schamfilt&#8223; und dann sehr schmerzt.
+Solches Reiben zu verhüten, solche &#8222;Schmarting&#8223; zu verhindern, wird eine
+Schmarting angelegt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schmeerreep</span>, das, ist ein Sicherheitstau, das geschoren wird, um in
+Wirkung zu treten, wenn das eigentliche Tau aus irgend einem Grunde
+nicht halten sollte; also etwas das an sich überflüssig ist und nur der
+größeren Vorsicht halber, um ein Übriges zu tun, benützt wird, damit man
+desto besser und sicherer fahre. Es mag der Benennung der Gedanke an das
+Sprichwort zu Grunde liegen: &#8222;Wer gut schmeert, der gut fährt&#8223;, d.&nbsp;h.
+wer dem Kutscher kein Trinkgeld gibt, der fährt zwar auch, wer ihm aber
+eins verabreicht, der fährt besser, schneller, sicherer. Jemanden
+schmieren heißt ihn bestechen, sich seiner durch Bestechung versichern,
+und eine Versicherung ist das Schmeerreep, ist auch die <span class="strong1">Schmiergording</span>
+gewesen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es braucht kaum ausdrücklich bemerkt zu werden, daß das
+Gesagte nur den Wert einer Vermutung hat und daß unser Wort noch einer
+wissenschaftlichen Erklärung harrt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schmiege</span>, die, heißt der mit einer beweglichen Zunge versehene Zollstock
+der Schiffszimmerleute, der dazu dient, die Schmiegung d.&nbsp;h. die
+Abweichung vom rechten Winkel zu messen, wie sie sich der Gestalt des
+Schiffes gemäß an den Spanten findet; ein Schrägemaß. Die Bedeutung von
+schmiegen ist &#8222;sich eng an etwas drücken&#8223;, wobei man sich, wenn es not
+tut, aus der geraden in eine geneigte Lage bewegen muß, seinen Winkel zu
+verändern genötigt sein kann. Hierher gehören auch schmücken, weil das
+schmückende Kleid sich anschmiegt und <span class="strong1">schmuggeln</span>,<a id="Page_423"></a>
+ <span class="pagenum">[423]</span> weil der
+Schmuggler ein sehr anschmiegendes Wesen haben muß, um hinter einem Baum
+oder Busch Deckung suchen zu können.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schnabel</span>, der, meist in der Verbindung Schiffsschnabel, ist der
+vorderste Teil des Schiffes, wie Schnabel der vorderste Teil des Vogels
+ist. Schon bei den Alten hatte der Bug eine rostrumartige, geschnäbelte
+Gestalt, wie die columna rostrata hinlänglich beweist. Aus rostrum ist
+spanisch und portugiesisch rostro = Angesicht entstanden, wie es auch
+schon im Lateinischen bei Plautus und anderen Schriftstellern gebraucht
+worden war, als zwar volkstümliche, aber nicht unedle Bezeichnung. Bei
+uns wird Schnabel für Mund gebraucht, aber nur in verächtlichem Sinne.
+Der Seemann sagt von seinem Schiff lieber: &#8222;es steckt die Nase in den
+Wind&#8223; als: &#8222;es steckt den Schnabel in den Wind&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort gehört zu
+der in schnappen enthaltenen Wurzel snab.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schnau</span>, die, ein Schiff wie eine Brigg, also zweimastig, mit Rahesegeln,
+aber mit der besonderen Eigentümlichkeit, daß für den Besan ein
+besonderer Mast errichtet ist, und zwar ganz dicht hinter dem Großmast,
+so nahe, daß sein oberes Ende zwischen der Längssaling dieses Mastes
+befestigt ist. Diese Einrichtung ist geblieben, auch nachdem die Schnau
+selbst verschwunden ist: man hat heute noch neben den Masten
+<span class="strong1">Schnaumasten</span> stehen für die Schratsegel und den Besan. &nbsp;&mdash;&nbsp; Schnau kommt
+vom niederdeutschen snau der Schnabel, eigentlich die Schnauze;
+ursprünglich hat also nicht dieser eigentümliche Mast, sondern der
+besonders auffallend oder hervorragende Schnabel den Namen hergegeben,
+das rostrum. Niederländisch snauw, dänisch snau, schwedisch snau,
+englisch snow, französisch senau, italienisch senau, portugiesisch
+senau. Das Bremer Wörterbuch sagt: snau = Schnauze, das hervorstehende
+Maul mit der Nase bei einigen Tieren. Im uneigentlichen Sinne wird es
+von einigen leblosen Dingen, deren vorderstes Ende hervorragt oder
+schmal und scharf zugeht, gebraucht, z.&nbsp;B. Schiffe sind <span class="strong1">up de snau</span>
+gebaut, wenn sie vorne spitz zulaufen.&#8223; So hat ja auch im Hochdeutschen
+eine Kanne eine &#8222;Schnauze.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Schnicke</span>, die, war zu Rödings Zeiten (1794) ein kurzes, rundes, bloß in
+der Nordsee gebräuchliches Fahrzeug zum Fisch-und Austernfang, kleiner
+als die Schmack; jetzt (Doornkaat) ein leichtes, langes und spitz
+zulaufendes Fährboot für Binnenkanäle.<a id="Page_424"></a>
+ <span class="pagenum">[424]</span> Zur mittelniederdeutschen
+Zeit war es ein Beiboot einer Kogge. In einer Lübischen Urkunde von 1368
+heißt es: de stede schollen othmaken teyn cogghen ghemannet mit ghuden
+wepenern, dat is tho vorstande hunderd wapende man in enen giwelken
+kogghen onde tho giwelken koggen schollen wesen een schute onde een
+snykke.&#8223; Es ist eigentlich dasselbe wie Schmack, jedenfalls gleichen
+Ursprungs mit diesem vom althochdeutschen snahan, kriechen, gleiten,
+schlüpfen, schleichen; es bedeutet also jedenfalls keinen besonderen
+Schnellsegler. Niederländisch snick, altnordisch, norwegisch snekkja,
+dänisch snekke, snakke, althochdeutsch snacga.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schnürboden</span>, der. Wenn die Pläne und Zeichnungen eines Schiffes fertig
+sind und es geht nun an die Ausführung, so ist die erste Arbeit das
+Abschnüren des Schiffes. &#8222;Es ist dies eine Arbeit, welche das
+Aufzeichnen der Konstruktionslinien des Schiffes in natürlicher Größe
+auf dem Fußboden eines besonders hierfür gebauten Raumes, des
+sogenannten Schnürbodens, ausmacht.&#8223; Das Aufzeichnen geschieht nach den
+betreffenden Maßen der Pläne mittelst der Meßschnur.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schoner</span>, auch <span class="strong1">Schuner</span>, der. Das Kennzeichnende dieses seetüchtigen,
+gutsegelnden, leicht zu bedienenden schmucken Segelschiffes ist die
+ausgiebige Verwendung von Schratsegeln. Wenn man von einer
+Schuner-Takelage spricht, so sind stets Schratsegel gemeint im Gegensatz
+zu Rahesegeln. So sagt man z.&nbsp;B. Schunerbrigg zu einem Fahrzeug, das
+vorne Rahen, hinten Schunertakelage hat. Niederländisch schoener,
+schwedisch, dänisch skooner, französisch schouner, italienisch,
+spanisch, portugiesisch scuna, englisch schooner, scooner. Das Wort soll
+amerikanischen, neuenglischen &nbsp;&mdash;&nbsp; im geographischen Sinne &nbsp;&mdash;&nbsp; Ursprunges
+sein. &#8222;It seems to have been proved beyond controvercy that the name,
+like the vessel itself, is of American origin, being from a New England
+word <span class="strong1">scoon</span>, to skim or skip upon the water, to make ducks and drakes.
+The first vessel of the kind is said to have been built at Gloucester,
+Mass &#8222;by Captain Andrew Robinson about 1713; and the name was given to
+it from the following circumstance. Captain R. hat constructed a vessel,
+which he masted and rigged in the manner that schooners now are, and on
+her going off the Stocks into the water a bystander cried out; &#8222;O how
+she scoons!&#8223; R. instantly replied: &#8222;A scooner let her<a id="Page_425"></a>
+ <span class="pagenum">[425]</span> be;&#8223; and
+from that time this class of vessels has gone by that name.&#8223; Also von
+der leichten, schwebenden Bewegung ist der Name genommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schönfahrsegel</span>, das, verkürzt <span class="strong1">Schoversegel</span> (bei Röding). Man sollte
+denken, das wäre die richtige Bezeichnung für Leesegel, weil diese nur
+bei schönem Wetter gefahren werden. Das ist aber nicht der Fall, sondern
+das Großsegel heißt so. Offenbar darum, weil es das hauptsächlichste
+Segel ist, das dem Winde die meiste Fläche darbietet, das also die
+schönste d.&nbsp;h. schnellste Fahrt verursacht. Auch war es das Segel, das
+am längsten stehen blieb, wenn andere bereits geborgen waren, das Segel,
+vor dem sichs am schönsten beiliegen ließ. Der Verfasser der
+&#8222;Beschriving von der Kunst der Seefahrt,&#8223; Lübeck 1673, schreibt: &#8222;Wie
+ich Anno 1647 in des Hertzogen von Venetien Diensten war, kamen auff uns
+zu, zwischen Candia und Malta in der Morgenstund der Admiral von
+Tripoli, gemondiert mit 36 Stücken und 16 Metanen Bassen: wir fochten
+mit ihnen von dem Morgen biß an den Abend ungefehr zu 6 Uhren. Es war
+ein hartes Gefecht, so, daß wir unterweilen ein dem andern eine geraume
+Zeit an Bort lagen, biß endlich unser Schiff durch 55 Fatiens, oder
+fünff und fünfftzig hundert Pundt Pulver, mit allen die darinnen wahren
+auffflohe und das Unterteil ging alsofort zu Grunde. Ich aber war zu
+meinem Glück gerade zuvor über Bort gesprungen, weil ich sahe, daß ich
+nicht länger Zeit hatte da zu bleiben, daß Wasser ging aber ziemlich
+holl, weil wir die vorige Nacht vor ein Schonvorsegel hätten beygelegen,
+welches auch beyde Schiffe ins bordiren so an einander rammeln thäte,
+daß man kaum das stehend darin behalten konte.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Schore</span>, die, oft auch pleonastisch Schorbaum, ist ein als Stütze
+dienender Balken; so heißen z.&nbsp;B. die Bäume, mit denen man ein
+aufgeschlepptes oder im Dock befindliches Schiff stützt, Schoren.
+Niederländisch schoor, altenglisch schore, englisch schore. Es bedeutet
+ein geschnittenes, gespaltetes Stück Holz und ist mit scheren gleicher
+Herkunft von skeren (Präter. schor), aus der Wurzel skar, schneiden,
+spalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schot</span>, die, das Tau, welches die untere Ecke eines Rahesegels nach unten
+und hinten, die hintere Ecke eines Gaffelsegels oder eines Stagsegels
+nach hinten holt. Eigentlich heißt aber die Ecke Schot, an der dieses
+Tau befestigt ist. Der größeren<a id="Page_426"></a>
+ <span class="pagenum">[426]</span> Deutlichkeit wegen, heißt diese
+Ecke jetzt tautologisch Schothorn oder Schothörn; Schot allein würde
+aber völlig genügen, wenn eben nicht der Name des Segelteiles auf das
+daran sitzende Tau übergesprungen wäre. Denn Schot heißt Schooß =
+Zipfel, Ecke, herunterhängender Teil eines Kleides, Rockschooß. Also:
+Ecke des Segels. Von Schot kommt altfranzösisch escota, französisch
+écoute, spanisch, portugiesisch escota, italienisch scotta, von sciozan,
+schiezan, sciezen, schissen; mit der Urbedeutung des Vorschießens, des
+Vorspringens. Angelsächsisch sceat, vorspringende Ecke; gotisch skauts,
+Schooß; mittelhochdeutsch schoz. Der Teuthonista kannte das Wort noch
+nicht, sonst hätte er nicht eine so umständliche Umschreibung desselben
+gegeben. Bei Kilian ist es aber deutlich als seemännisch zu erkennen; er
+hat schoot = gremium, sinus und schoot-horn: pes veli, extremum velis
+angulus; schoot viere = laxare funem sive imum angulum velis navis. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Die Schot wird im Einzelnen nach ihrem Segel benannt; <span class="strong1">Wasserschoten</span> sind
+die dem Wasser sehr nahen, manchmal sogar naß werdenden Schoten der
+Unterleesegel. Die Ausdrücke Binnenschot und Außenschot erklären sich
+von selbst.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schott</span>, das. Die neuen großen Schiffe sind alle durch Querwände in
+verschiedene Abteilungen geteilt, die mit verschließbaren Türen versehen
+sind. Sind diese geschlossen, so besteht das Schiff aus einzelnen von
+einander wasserdicht getrennten Räumen. Wenn nun in Folge einer Havarie
+einer derselben voll Wasser läuft, so werden die anderen nicht in
+Mitleidenschaft gezogen und das Schiff bleibt flott. &nbsp;&mdash;&nbsp; Bremer
+Wörterbuch: Schott = Riegel, Schub oder Falltür, wodurch eine
+zudringende Materie abgehalten wird; schotten = verriegeln,
+verschließen, absondern durch eine Scheidung, wofür man auch <span class="strong1">abschotten</span>
+sagt, einen kleineren Raum von einem größeren durch eine Bretterwand
+trennen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Bei unseren neuen großen Schleusen haben sie auch Schotten,
+man hat aber die seemännische Form dafür verschmäht und gemeint, eine
+hochdeutsche Form wählen zu sollen und sagt daher <span class="strong1">Schütze</span>. Es ist das
+Schott ja auch ein Schutz, aber Schott hätte genügt; niederdeutsch schot
+und schüt: &#8222;ein Brett oder eine lose Holzwand, ein hölzerner Schieber,
+eine Holzklappe etc. zum Schütten oder Abhalten (Absperren, Abschließen
+etc.) und Stauen des Wassers, bz. zum Schutz und zur Sicherheit gegen
+das Ein- und Durchbrechen des Wassers bei<a id="Page_427"></a>
+ <span class="pagenum">[427]</span> Sturmfluten, oder auch
+zum Schütten oder Ein- und Aussperren des Viehes.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; In oldenburgischen
+und ostfriesischen Zeitungen liest man wohl einmal eine Anzeige:
+&#8222;Geschüttet ein Schaf; abzuholen im Schüttstall bei N. N.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Kilianus:
+schutten = sepire, intersepire, intercludere, daher: schut, schot =
+septum, locus conclusus.</p>
+
+<p><span class="strong1">schralen.</span> Der Wind schralt, wenn er sich so dreht, daß er anfängt für
+die Fahrt des Schiffes ungünstig zu werden, so daß man bald nicht mehr
+Kurs halten kann. Das Gegenteil von raumen. Eigentlich heißt schralen
+schlecht, ungünstig werden; schral heißt ostfriesisch schlecht, mager,
+dünn, elend, arm, knapp; man kann schralen also übersetzen mit knapp
+werden, der Wind wird knapp, nicht in Bezug auf seine Kraft und Stärke,
+denn das würde abflauen heißen, sondern vielmehr in Bezug auf seine
+Richtung, so daß man nur noch knapp oder vielleicht schon gar nicht mehr
+beim Winde steuernd zugleich auch Kurs steuern kann. &#8222;Unzureichend&#8223;
+dürfte der allgemeine Begriff von schral sein; niederländisch schraal,
+westfriesisch schreal, nordfriesisch skral, norwegisch skral, dänisch
+skral, bei Kilian schrael; alle mit mehr oder weniger verschiedenen
+Nebenbedeutungen. Beim seemännischen Gebrauch des Wortes ist es nicht
+ganz ausgeschlossen, daß bei der ungünstigen Drehung, die der Wind
+macht, auch zugleich ein schwächeres Wehen eintritt, doch ist zunächst
+sicher nur an die Richtung gedacht.</p>
+
+<p><span class="strong1">schrapen</span>, mit einem <span class="strong1">Schraper</span> die Farbe von etwas abkratzen, um es dann
+neu und besser zu malen. Ein gemeinniederdeutsches Wort, das außer in
+der Form schrapen auch in der von schrappen und schrabben vorkommt und
+bedeutet: mit festem Drucke schaben, kratzen, scharren, striegeln,
+streichen; Rüben schaben, sich den Bart schaben, einen Fisch abschuppen;
+auch: sich den Bart oder den Mund (behaglich) streichen. In einer
+Lübecker Reformationsgeschichte von 1529-1531 heißt es: &#8222;Und verstunden
+sik de lude bi dem dome beter up ein mule to schrapen effte enen framen
+manne sin wyff tho schanden tho maken, als dat se over gades Wort
+scholden handelen und ordelen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Schraper ist ein dreieckiges
+Stück Eisen mit scharfen Kanten und einem Stiel. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von der Form
+schrabben für schrapen kommt auch das bekannte Wort <span class="strong1">Schrubber</span>, ein
+scharfer, steifer Besen zum Scheuern des Fußbodens, des Decks; ein
+&#8222;Leuwagen.&#8223;<a id="Page_428"></a>
+ <span class="pagenum">[428]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Schratsegel</span>, das. Alle Segel die nicht an einer Rahe oder Spier fahren
+sind Schratsegel. Mit diesem Namen werden also alle Stagsegel und alle
+Gaffelsegel gemeinschaftlich bezeichnet, so daß Jager, Klüver,
+Stagsegel, Stengestagsegel, Vorgaffelsegel, Großgaffelsegel, Besan und
+Briggsegel unter dem Begriff und Namen Schratsegel zusammengefaßt
+werden. Im Niederdeutschen ist schrat das, was einen Winkel bildet, in
+schräger Richtung verläuft, die Gestalt eines Keils hat, was spitz
+zuläuft. Der Name ist also gewählt für das was allen Schratsegeln auch
+wirklich gemeinsam ist, daß sie nicht grade, sondern schief geschnitten
+sind. So nennt man schratdok &#8222;ein dreykantiges Halstuch des
+Frauenzimmers, deren zwey durch die Zerschneidung eines vierkantigen
+entstanden sind.&#8223; Diese Vorstellung lag wahrscheinlich auch der
+Benennung der Schratsegel zu Grunde, da ja besonders ein Stagsegel genau
+die Form eines solchen dreieckigen Busentuches der Frauen hat. Man
+könnte sich zwar die Sache auch so vorstellen, daß die Schratsegel immer
+schräge stehen, während die Rahesegel doch zuweilen auch einmal Vierkant
+gebraßt werden, aber dem widerstreitet doch zu sehr der eigentliche
+Begriff von schrat, der nicht sowohl das <span class="strong1">dreieckig</span> Geschnittene, sondern
+vielmehr das dreieckig <span class="strong1">Geschnittene</span> ist, denn die Wurzel dazu ist skru =
+schneiden, von der auch der Familiennamen Schröder = Schneider kommt.
+Ein Schratsegel ist also eigentlich ein geschnittenes Segel, gleichsam
+ein in der Diagonale durchgeschnittenes Rahesegel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schraubenbrunnen</span>, der, ist ein im Heck angebrachter Schacht, in dem die
+Schraube hängt, wenn ein mit Dampfkraft versehenes Schiff segeln will.
+Die Schraube wird gelichtet, d.&nbsp;h. aus dem Wasser herausgezogen und in
+dem Brunnen aufgehängt, damit sie beim Segeln die Fahrt nicht hemme.
+Doch wird durch solchen Schraubenbrunnen das Heck eines Schiffes
+geschwächt, so daß man in Erwägung gezogen hat, ob dieser Nachteil nicht
+den geringen Vorteil der Aufhebung des Schraubenwiderstandes aufhebe.</p>
+
+<p><span class="strong1">schricken.</span> Man schrickt ein (belegtes) Tau, wenn man es um ein weniges
+fiert. Es ist z.&nbsp;B. ein Kutter vorn etwas höher gehißt wie hinten; da es
+aber für das Auge des Seemanns durchaus erforderlich ist, daß der Kutter
+grade hängt, so muß der vordere Kutterläufer geschrickt werden. Oder es
+tritt Regen ein,<a id="Page_429"></a>
+ <span class="pagenum">[429]</span> der die Brassen naß macht und zusammenzieht, so
+daß sie allzu straff angespannt sind, dann werden die Brassen
+geschrickt. Da das Schricken nur bei einem Tau geschieht auf dem Kraft
+steht, so ist das Schricken mit einem Ruck verbunden, und der Fierende
+muß vorsichtig sein, daß er das Ende gut belegt hält, damit das Tau in
+seiner Gewalt bleibe. Schricken ist mit dem Schreck in Heuschreck nahe
+verwandt und mit unserem hochdeutschen Worte Schrecken, denn das
+demselben zu Grunde liegende althochdeutsche screckon heißt auffahren,
+aufspringen, springen, hüpfen, sich heftig, mit einem Ruck bewegen. Dem
+entspricht das niederdeutsche schrikken = springen, einen plötzlichen
+Ruck machen oder bekommen, auffahren, zurückfahren, schrecken,
+erschrecken. Doch kommt das seemännische schricken nicht unmittelbar vom
+althochdeutschen screckon, sondern von screcken, mittelhochdeutsch
+schrecken = springen machen, in Schrecken setzen. Es ist also dasselbe
+Wort, das eine Köchin gebraucht, wenn sie ein hart gekochtes Ei aus dem
+heißen Wasser plötzlich in ganz kaltes bringt, damit es sich besser
+schälen lasse.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schrims</span>, das, ist Abfall von Tauwerk, ein Durcheinander von kleinen
+Stücken Garn, teils noch zu zupfen, teils schon gezupft. Das Wort würde
+wenig bekannt sein, wenn es nicht oft mit Galgenhumor vergleichsweise
+gebraucht würde, um das gekochte präservierte Rindfleisch zu benennen,
+das leicht wie Strähne eines aufgedrehten Taues auseinanderfällt, daher
+es auch noch öfters als Schrims geradezu Kabelgarn genannt wird. Das
+Wort dürfte aus dem Englischen herübergekommen sein und müßte wohl
+Schrimps geschrieben werden, denn das &nbsp;&mdash;&nbsp; jedenfalls mit dem
+mittelhochdeutschen schrimpen verwandte &nbsp;&mdash;&nbsp; englische schrimp heißt
+Knirps, Zwerg, und mundartlich heißt im Englischen shrimp irgend etwas
+Kleines, Unbedeutendes, Geringes, was begrifflich mit Schrims als Abfall
+stimmt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schrubber</span>, der, s. schrapen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schuner</span>, der, s. Schoner.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schute</span>, die, ein gedecktes Fahrzeug, lang und schmal, mit geringem
+Tiefgang, zur Beförderung von Personen und Gütern auf Flüssen und
+Kanälen. Sie sind weder zum Rudern noch zum Segeln eingerichtet, sondern
+werden getreidelt, teils von Menschen, teils von Pferden; daher der
+niederländische Name trek-schuit, Zieh-Schute; (der Junge der auf dem
+Pferde sitzt und es antreibt<a id="Page_430"></a>
+ <span class="pagenum">[430]</span> heißt het jagertje). Sie bildet ein
+sehr angenehmes Beförderungsmittel. Wer einmal mit einem solchen auf
+einem holländischen Kanal gefahren ist, der wird zu sagen wissen, wie
+bequem und gemütlich das geht. Zwar etwas langsam, aber sicher. Auch
+Röding (1794) nennt sie &#8222;bequem&#8223; und weiß von vielen Arten Schuten in
+Holland, darunter sogar auch Segelschuten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die großen Elbkähne, die
+von Berlin und anderen Orten die Elbe herunter nach Hamburg kommen,
+nennt er &#8222;Hamburger Schute&#8223; und beschreibt sie als stattliche Schiffe
+von 120 Fuß Länge. In und bei Berlin ist der Name heute noch sehr
+gebräuchlich. Riecke, &#8222;Ursprung und Name der Städte Berlin und Köln an
+der Spree&#8223; behauptet sogar: &#8222;Der märkische Name Schute für Kahn ist vom
+keltisch-gälischen sguit, ein Boot, abzuleiten.&#8223; Dagegen spricht aber
+das frühe Vorkommen des Wortes an der Nordsee. Man möchte daher eher auf
+niederdeutschen Ursprung schließen. Im Mittellateinischen hieß Schute
+escauda, das könnte von dem französischen Namen der Schelde kommen, wie
+denn in der Tat nach einer Urkunde von 1252 ein Schiff, das auf der
+Scarpe, einem Nebenflusse der Schelde fuhr, scarpoise hieß. &nbsp;&mdash;&nbsp; Indessen
+liegt eine andere Erklärung viel näher. Die Alten haben einem Schiff
+gerne nach der Bewegung den Namen gegeben. So dürfen wir auch hier
+annehmen, daß ein von scheten = schießen kommender Stamm schut zu Grunde
+liegt, indem Schute ein (verhältnismäßig schnell, weil vom Pferde
+gezogenes,) dahinschießendes Boot ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Fahrzeug muß schon früh,
+im Mittelalter, bekannt gewesen sein, wenn man bedenkt, daß es nach der
+Hamburger Chronik bereits in mittelniederdeutscher Zeit zu einem
+scherzhaften Vergleich herangezogen werden konnte, die feindlichen
+Schiffe &#8222;weren doch man appelscuten, dar weren se unverzaget vor.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Kilianus hat schuyte, navigiolum, und schuytken = Boot. &nbsp;&mdash;&nbsp; In den
+Niederlanden muß in früheren Zeiten eine schuit so wohnlich gewesen
+sein, daß der Gedanke in einer solchen zu wohnen kein abenteuerlicher
+war. Am 14. April 1649 haben die Generalstaaten ein Plakat erlassen
+gegen de schadelycke ende Moordtdadige Secte van Jesuiten en andere
+Priesters, Monicken, ende geseiyde Geestelycke of Religieuse Personen,
+van de Romsche Religie zynde, weil sie die guten Bürger des Landes ihrer
+gesetzmäßigen Obrigkeit abwendig machten &#8222;ende tot moorderye van Prinsen
+ende Potentaten&#8223; verleiteten. Sie wurden verbannt,<a id="Page_431"></a>
+ <span class="pagenum">[431]</span> und eine
+Strafe von 200 Gulden dem auferlegt &#8222;in wiens Huysen, Velden, Schepen
+ofte Schuyten&#8223; sie ihr Wesen trieben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schutzdeck</span>, das, ist ein Deck von Kriegsschiffen, das geschützt ist
+gegen das Aufschlagen feindlicher Geschosse. Der Schutz wird durch
+Panzerplatten oder stärkere Stahlplatten, die das Zwischendeck bedecken,
+gewährt. Dieses heißt daher auch wohl Panzerdeck; das Schutzdeck
+unterscheidet sich von ihm nur durch die geringere Dicke der Platten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schütze</span>, die, s. Schott.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schwabber</span>, der, ist ein Hilfsmittel beim Deckwaschen und vertritt an
+Bord die Stelle eines Scheuertuches, ist aber kein Tuch, sondern besteht
+aus losen Strähnen von Kabelgarn, die oben durch eine Takelung
+quastenartig mit einander verbunden sind, wie denn überhaupt der
+Schwapper oder Schwabber mit einer großen langen Quaste Ähnlichkeit hat.
+Man trocknet damit nach dem Deckwaschen das noch an Deck stehende Wasser
+auf, indem man damit hin und her fährt. Von diesem Hinundherfahren kommt
+der Name. Ostfriesisch heißt swäpen mit irgendwelchem biegsamen,
+elastischen, schwanken und schlanken Gegenstande eine Schwingung, eine
+Hin- und Herbewegung machen; gotisch sveip, angelsächsisch svap,
+altnordisch sveip sind Präterita von sveipan, svipan, svipa. Davon kommt
+auch swäpen, mit der Peitsche schlagen und sweper = Besen und viele
+andere Wörter, die alle mit Hin- und Herbewegung zu tun haben.
+Aufschwabbern heißt Wasser mit einem Schwabber aufnehmen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Französisch
+(1702) souabre; niederländisch swabber, dweil; englisch swab; dänisch
+svaber; schwedisch svabb.</p>
+
+<p><span class="strong1">schwajen</span> auch schwoien, schwojen = schwingen. Das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223;
+behauptet, das Wort käme von wehen her. &#8222;S wird im Niedersächsischen
+vielen abgeleiteten Wörtern vorgesetzt zur Verstärkung der Bedeutung,
+oder eine Heftigkeit der Handlung anzudeuten; slabben von labben =
+auflecken wie die Hunde; swelen, Gras dörren, von welen = welken;
+spreden = ausbreiten, von breden. So auch holländisch: slink von link =
+sinister; swayen, im Winde flattern, von wayen = wehen, slikkern =
+naschen, von likken = lecken.&#8223; Wenn das richtig wäre, könnte man sagen,
+der Ausdruck schwajen käme daher, daß das Schiff vom Wehen (wajen) des
+Windes herumgedreht oder geschwungen wird. Aber einmal wird solches doch
+lange nicht<a id="Page_432"></a>
+ <span class="pagenum">[432]</span> immer vom Winde besorgt, sondern öfter noch von der
+Strömung, von Ebbe und Flut, in Kanälen auch von Menschenhand, und dann
+ist auch die ganze Bremische Behauptung von dem vorgesetzten
+verstärkenden s nicht richtig. In allen den angezogenen Beispielen
+gehört das s vielmehr wesentlich mit zum Stamm, und die Bremer haben
+sich mit diesem s ebenso geirrt wie mit dem w der niederdeutschen auf wr
+anlautenden Wörter, von denen behauptet wird: &#8222;W vertritt in unserer
+Sprache oft die Stelle des äolischen Digamma und wird sonderlich oft dem
+r vorgesetzt, wo andere Dialekte ihn nicht kennen. Alsdann scheint es
+die Bedeutung des Wortes zu verstärken und demselben eine größere
+Heftigkeit beizulegen&#8223;. Das verhält sich grade umgekehrt. Das w im
+Anlaut vor r gehört zum Stamm und ist nicht im Niederdeutschen
+hinzugefügt, sondern vielmehr im Hochdeutschen abgeworfen. Das Weitere
+hierüber s. unter Wrack. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nicht von waijen kommt schwajen, sondern
+vielmehr von schwingen, dessen Bedeutung es ja auch ganz und voll hat.
+Im Ostfriesischen heißt es swajen = sich schwingend und schwebend
+bewegen, einen Schwung, eine Schwingung, Schwenkung, Drehung, Wendung
+machen, und wird nicht nur von Schiffen und Fahrzeugen, sondern ganz
+allgemein gebraucht. Doornkaat gibt die Beispiele: &#8222;De fögels swajen dör
+de lücht, he swaide net, as of he 'n bitje anschaten was; de weg swaid
+bold na links un dan wer na rechts&#8223;, und bemerkt dazu: &#8222;Es hat hier in
+swaj zweifellos ein Übergang oder eine Erweichung vom älteren g in j
+stattgefunden, so daß der Stamm swaj für swag steht, der selbst aber
+wieder aus swang entstand ... welches zu schwingen gehört.&#8223; Die
+Ableitung von schwingen dürfte richtig sein. Das o in der Schreibweise
+schwojen mag sich aus der ostfriesischen dunklen Aussprache des a
+erklären, welche so ziemlich wie o klingt. Am einfachsten hat man die
+Frage, ob a, ob o in Groningen gelöst, da gebrauchen sie beide Vokale
+nebeneinander und sagen, um keinem zu nahe zu treten, zwoaien: &#8222;Het
+omkeren van een vaartuig in een Kanaal; is dit smal, dan heft men het op
+enkele plaatsen verbreed um te kunnen zwoaien; zulk een plaats het
+(heißt) zwoaiplaats&#8223;, ostfriesisch swaj-wik oder auch kurzweg swaje.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Zu dem Übergang von g in j sei bemerkt, daß derselbe sich noch
+keineswegs befestigt hat, vielmehr noch im Flusse ist und daß unser
+Seemann das g bei der Aussprache noch hörbar mitklingen<a id="Page_433"></a>
+ <span class="pagenum">[433]</span> läßt, und
+zwar als palatales am vorderen harten Gaumen erzeugtes Reibungsgeräusch,
+also ähnlich wie ch.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schweinsrücken</span>, der.</p>
+
+<p>1. Eine Untiefe in der Jade vor der Hafeneinfahrt von Wilhelmshaven,
+neuerdings durch Schlengenwerk befestigt mit der Absicht, dadurch einen
+günstigen Einfluß auf Strom-, Schlick- und Fahrwasserverhältnisse
+auszuüben.</p>
+
+<p>2. Bei modernen Schiffen, die eine von der früheren sehr verschiedene
+Ankergeschirreinrichtung haben, ein schräger Aufbau auf dem Deck im Bug
+oder auf dem Heck, auf welchem der Anker lagert.</p>
+
+<p>Das Wort erklärt sich im Vergleich mit dem Eselsrücken in der gotischen
+Baukunst: von der Gestalt.</p>
+
+<p><span class="strong1">schwellen.</span> Im Binnenlande spricht man von schwellenden Segeln, sagt auch
+dichterisch, daß sich die Segel zur Fahrt schwellen. So gerne nun der
+Seemann es sieht, wenn sie das tun, seemännisch ist der Ausdruck nicht.
+Man wird niemals einen wirklichen Seemann von schwellenden Segeln reden
+hören. Solch dichterische Sprache vermeidet er geradezu ängstlich. Er
+sagt: &#8222;volle Segel.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Schwert</span>, das, ist eine Vorrichtung die bei flachgehenden Fahrzeugen,
+wenn sie beim Winde segeln, das Abtreiben und gegebenen Falles das
+Kentern verhindern soll. Sie besteht nämlich aus einem Brett an jeder
+Seite, das beim Segeln am Winde in Lee ins Wasser gelassen wird um den
+Widerstand zu vermehren. Hierzu hat Röding einen seiner äußerst
+spärlichen etymologischen Versuche gemacht. Er ist artig genug: &#8222;Es hat
+daher seinen Namen, weil es an der Seite des Schiffes ungefähr so hängt,
+wie ein Schwert an der Seite&#8223; (des Mannes). Nur daß es dann doch besser
+Schild hieße, und die Sache bei unseren modernen Jachten und
+Rettungsbooten nicht mehr stimmt. Dick und Kretschmer, II. 282: &#8222;Für
+kleine zum Privatgebrauch bestimmte Boote empfiehlt sich mit Rücksicht
+auf Stabilität, geringen Tiefgang, Schnelligkeit und Manövrierfähigkeit
+eine breite und flache Form des Bootskörpers. Diese Form bietet aber
+einen verhältnismäßig sehr geringen seitlichen Wasserwiderstand und
+besitzt in Folge dessen für das Segeln am Wind oder bei Dwarswind den
+Nachteil, daß das Boot stark abtreibt. Diesen Nachteil soll das
+sogenannte Schwert ausgleichen. Es besteht aus einer eisernen oder
+hölzernen<a id="Page_434"></a>
+ <span class="pagenum">[434]</span> (dreieckigen, trapezförmigen oder rechteckigen)
+senkrechten Platte, welche entweder für fest am Kiel des Bootes
+angebracht ist oder aber beweglich ist und mittelst einer einfachen
+Vorrichtung je nach Bedarf heruntergelassen oder aufgeholt werden kann.
+In letzterem Fall ist in das Innere des Bootes, in seiner
+Längsschiffsebene, ein schmaler Kasten eingebaut, welcher das aufgeholte
+Schwert in sich aufnehmen soll&#8223;, &nbsp;&mdash;&nbsp; der Schwertbrunnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schwertmatte</span>, die, eine der an Bord zahlreich gebrauchten Matten, die
+ihren Namen von der Art ihrer Verfertigung hat. Es fertigen sich nämlich
+richtige alte Matrosen ihre Matten selbst an. Um die Schwertmatte zu
+weben, denn ein Weben muß man die Anfertigung nennen, verfährt man
+ähnlich wie auf einem sehr primitiven Webstuhl, doch so daß zwei Parten
+von beiden Seiten kommen und sich kreuzen. Damit das Durchstecken der
+Parten möglich werde, steckt man jedesmal ein hölzernes Schwert durch
+den Zettel oder Aufzug und dreht es auf die hohe Kante. Von diesem
+Schwert, oder vielmehr von den zwei Schwertern die gebraucht werden,
+stammt der Name.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schwieping</span>, die, das spitz zulaufende Ende eines Taues, das entsteht
+wenn man das Tau aufdreht und beim Wiederzusammendrehen nach und nach
+mehr Kabelgarn entfernt. Das Wort heißt niederländisch zweep, und das
+gibt die Erklärung; zweep, auch zwiep heißt Peitsche; niederdeutsch
+swepe; angelsächsisch svip, altnordisch svipa. Eine Peitsche wie sie in
+einfachen Verhältnissen ein Fuhrmann sich selbst aus Hanf zu drehen
+pflegt, ist oben dick und läuft nach unten allmählich dünn zu; daher der
+Name dieses dünn zulaufenden Taues, verbunden mit der niederdeutschen
+Endung ing. Vergl. übrigens auch Hundspünt.</p>
+
+<p><span class="strong1">schwichten</span> bedeutet, zwei stehende Taue durch eine Leine hin und her mit
+einander verbinden und fest zusammenziehen, so daß die beiden ohnehin
+schon festen Taue nur noch fester, steifer und unbeweglicher stehen. Die
+eigentliche Bedeutung des niederdeutschen Zeitwortes swichten,
+niederländisch zwichten ist die unseres hochdeutschen Zeitwortes
+&#8222;beschwichtigen&#8223;, also ruhig machen. Aber wenn zwei stehende Taue
+&#8222;ruhig&#8223; gemacht werden sollen, so müssen sie &#8222;fest&#8223; gemacht werden. Auch
+bei schwichten findet sich dieselbe Lautverschiebung die unter schiften
+erwähnt ist; althochdeutsch swiftjan, mittelhochdeutsch swiften,
+beschwichtigen.<a id="Page_435"></a>
+ <span class="pagenum">[435]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Schwimmdock</span>, das, ist eine schwimmende Vorrichtung zum Docken von
+Schiffen. Es besteht in der Hauptsache aus zwei Seitenwänden, die durch
+einen Boden mit einander verbunden sind. Die beiden schmalen Seiten vorn
+und hinten sind offen. Die Seitenwände sind hohl und können voll Wasser
+gelassen werden. Geschieht das, so sinkt das Schwimmdock so tief ins
+Wasser, daß ein Schiff sich zwischen die beiden Wände legen kann. Wird
+das Wasser aus diesen wieder ausgepumpt, so geht das Dock mit dem darin
+befindlichen Schiffe in die Höhe, letzteres trocken legend. Der Name
+Schwimmdock dient zur Unterscheidung von einem ausgegrabenen, mit
+Steinen ausgemauerten Trockendock.</p>
+
+<p><span class="strong1">Schwimmponton</span>, s. Dock.</p>
+
+<p><span class="strong1">Scotsman</span>, der, ist eine hölzerne Latte oder ein entsprechendes Stück
+Eisen um an gefährdeten Stellen das stehende Gut vor dem Schamfilen zu
+bewahren, eine Schamfilungslatte. Wie der Normann an der Beting, so wird
+der Schottländer an der Takelage haben herhalten müssen für eine kurze
+und bündige Bezeichnung einer seinem Lande eigentümlichen, also von
+schottischen Seeleuten auf andere übergegangenen Vorrichtung. Der
+niederdeutsche Seemann pflegte &#8222;Schottschmann&#8223; zu sagen; daraus wurde
+durch nachlässige Aussprache Schuttschmann, und hieraus durch
+volksetymologische Umbildung sogar &#8222;Schutzmann&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">See.</span></p>
+
+<p>1. Der See, ein Binnensee.</p>
+
+<p>2. Die See.</p>
+
+<p>a. Das Meer; in See gehen (in die See stechen sagt kein Seemann) heißt
+absegeln, abdampfen, abfahren. &#8222;Ich gehe morgen in See&#8223;, &#8222;ich gehe nach
+Hongkong in See&#8223;.</p>
+
+<p>b. Eine hohe Meereswoge; &#8222;wir nahmen Seeen über&#8223;, die Wogen gingen so
+hoch, daß sie uns über die Reling an Deck schlugen; &#8222;wir kamen
+dwarssees&#8223;, so zu liegen, daß die Seeen von der Seite auf uns zukamen.
+&#8222;Eine See nahm den Schiffsjungen mit über Bord&#8223;.</p>
+
+<p>Diese letztere Bedeutung von See könnte noch einmal für die Etymologie
+des Wortes von Wichtigkeit werden. Da das Wort gotisch saiws heißt, so
+hat man Verwandtschaft mit dem lateinischen saevus, wild, angenommen.
+Diese Annahme gewönne bedeutend an Wahrscheinlichkeit, wenn man annehmen
+dürfte, daß die Bedeutung von See = wilde Woge, vielleicht die
+ursprünglichere<a id="Page_436"></a>
+ <span class="pagenum">[436]</span> wäre. Diese Seeen sind jedenfalls etwas die See
+im Sinne von Meer Kennzeichnendes. Aber freilich steht See zumeist für
+Landsee, und das erwähnte gotische saiws heißt mehr Sumpf wie Meer, also
+eine Senkung, eine Niederung, ein tiefliegendes, überschwemmtes Gebiet,
+und daher ist, zumal es ein althochdeutsches Wort gisig = See, Sumpf
+gibt, neuerdings eine germanische Wurzel sik, die sinken bedeutet, in
+den Vordergrund der Betrachtung getreten, so daß also See auf irgend
+eine Weise den k-Laut am Ende eingebüßt hatte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Entscheidung in
+der Frage wird erst gefallt werden können, wenn man sagen kann, was
+zuerst See genannt wurde: der See, oder die See. Der See steht
+begrifflich dem Zeitwort sinken nahe, die See dem Eigenschaftsworte
+saevus. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vielleicht kann der Gedanke an Verwandtschaft mit Seele uns
+weiter bringen. Dem Worte Seele liegt eine Bewegungswurzel su zu Grunde,
+bewegen, regen, erregen, aufregen; wenn man diese auch für See annimmt,
+dann kommt die See und der See in einem Begriff, &#8222;bewegt&#8223; zusammen, denn
+bewegt sind sie beide.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seebeine</span>, die. Wer überhaupt zum ersten Male oder nach längerem
+Landaufenthalt zum ersten Male wieder an Bord kommt, der muß zunächst
+darnach trachten, daß seine Beine sich an die Bewegungen des Schiffes
+gewöhnen, so daß er auch im Sturm noch einigermaßen sicher stehen und
+gehen kann. Wenn er soweit ist, dann hat er Seebeine. Französisch (Aubin
+1702:) avoir le pié marin; man nennt den Mann der Seebeine hat auch
+gradezu pié marin; &#8222;On apelle ainsi un homme qui a le pié si seur et si
+ferme, quil peut se tenir debout pendant le roulis d'un vaisseau.&#8223;
+Niederländisch zee-voeten hebben, zee-schoenen hebben, zee-handen en
+-voeten hebben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Doch nennt man im Französischen mit tieferer
+Bedeutung einen Mann pié marin. &#8222;Il se dit aussi de celui qui entend
+bien la navigation, et qui est fait aux fatigues de la mer. Lorsqu'un
+Officier a le pié marin les gens de l'équipage ont bien plus de
+confiance en sa conduite.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">seefest</span> ist ein Mensch wenn er zur See fahren kann ohne <span class="strong1">seekrank</span> zu
+werden, d.&nbsp;h. ohne daß er seine Beschäftigung wegen <span class="strong1">Seekrankheit</span>
+unterbrechen muß. Kleine Unbehaglichkeiten, vorübergehende Übelkeiten
+kommen wohl auch einmal einen seefesten Mann an; seekrank wird
+eigentlich nur der genannt, der &#8222;Kette steckt&#8223; oder dem das Essen und
+das Rauchen<a id="Page_437"></a>
+ <span class="pagenum">[437]</span> gar nicht mehr schmecken will. &nbsp;&mdash;&nbsp; Geschütze, Boote,
+Anker, Kisten, Kasten, Schränke u.&nbsp;s.&nbsp;w. sind &#8222;seefest gezurrt&#8223; wenn sie
+so befestigt sind, daß sie auch bei hohem Seegang nicht &#8222;über Stag&#8223;
+gehen können.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seekadett</span>, der. Die wörtliche Übersetzung von Kadett ist Junker, junger
+Herr (jonkheer) jüngerer Sohn, aber ursprünglich bedeutete es: junger,
+kleiner Hauptmann oder Häuptling, denn das Wort stammt vom lateinischen
+capitettum, das eine Diminutivform zu caput ist; noch zutreffender wäre
+also: &#8222;kleiner (zukünftiger) Kapitän.&#8223; Im Altfranzösischen hieß cadet
+noch capdet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wer Seeoffizier werden will tritt in die Marine als
+Seekadett ein. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">seeklar</span> ist ein Schiff wenn es klar, d.&nbsp;h. fertig zum Auslaufen ist.
+Dazu gehört für ein Schiff, das auf eine weite, lange Reise geht, eine
+umfassende Vorbereitung und Ausrüstung. Bei Kriegsschiffen findet daher
+vor dem Auslaufen des Schiffes eine genaue Seeklarbesichtigung statt,
+die der Stationschef selbst abhält, bezw. durch seinen Generalarzt,
+seinen Stabsingenieur abhalten läßt, die ihn bei der Besichtigung zu
+begleiten haben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seemann</span>, der, ist jetzt die allgemeine Bezeichnung für einen
+seebefahrenen Mann, der die Seefahrt als Beruf betreibt. &#8222;Der Junge will
+&#8222;&#8218;Seemann&#8223;&#8219; werden.&#8223; Daher auch das Wort &#8222;<span class="strong1">Seemannschaft</span>&#8223; für den
+Inbegriff alles dessen, was ein tüchtiger Seemann wissen muß, wobei im
+weiteren Sinne auch die Navigation eingeschlossen ist. Doch hat, wie in
+allen Wissenschaften, so auch bei dieser, in neuerer Zeit ein solcher
+Aufschwung stattgefunden, eine solche Vermehrung und Bereicherung, daß
+Einer nicht mehr Alles wissen kann. &nbsp;&mdash;&nbsp; Vergl. Matrose. &nbsp;&mdash;&nbsp; Während
+heutzutage ein Seemann ein Mann ist, der friedlich seinem Berufe
+nachgeht, wird im Beówulf unterschieden zwischen Leuten die nur
+überhaupt die See durchschiffen und Leuten, die zur See kämpfen; nur die
+letzteren hießen Seeleute. Ein sae-man war also nicht ein Seemann,
+sondern ein &#8222;Kriegsmann zur See&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp;Ein eigentümliches Zusammentreffen
+ist es, daß im Mittelniederdeutschen seeman, seman ein Mann heißt, der
+unter dem Pantoffel steht, &#8222;de sick van dem wyve regeren leth, dar dat
+wyff de brock drecht;&#8223; niederländisch en wijffwl, Jan ligt achter, die
+voor woont als t' huys omgekeert is. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nicolaus Gryse: &#8222;Dat öuerst
+vrouwe Seeman daryegen mundtwercket vnde anmeldet, dat dat
+frouwen<a id="Page_438"></a>
+ <span class="pagenum">[438]</span> regement auer den man dat erste vnde oldeste gewesen sy.&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp;&#8222;Denn wenn eine ehefrouwe eren ehemann vth kribbischer bössheit mit
+vndenstliken worden vörbolgener wyse awer dwer vnd dwas alse einer
+seemanche hebberecht ankarret, ansnarret vnde anfaret vnd trotzichlick
+auer de nese houwet, vthhaltert vnde vth halippet ... dat sulue ys grote
+sunde und schande.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Dieses Wort ist nur wegen seiner lautlichen
+Ähnlichkeit an Seemann angelehnt; im Mittelhochdeutschen hieß ein
+Pantoffelheld und auch eine den Pantoffel schwingende Frau &#8222;Simon&#8223;, und
+das war eine ebensolche Anlehnung an den bekannten jüdischen Namen
+Simon, vielleicht mit dem Gedanken an die Bedeutung im Hebräischen &#8222;ein
+Hörender, Gehorchender.&#8223; Eigentlich hieß das Wort &#8222;Sie-Mann&#8223; und
+bezeichnete eine Frau als eine, die der Mann im Hause ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seemannshaus</span>, das, ist ein Erholungshaus für Seeleute, in dem sie
+Bücher, Papier, Feder und Tinte, angenehmen Aufenthalt, gute und billige
+Verpflegung finden, und vor allen Dingen den Gefahren schlechter Kneipen
+entzogen sind. Nach dem Vorbilde der englischen Sailors Homes entstehen
+jetzt auch in Deutschland dergleichen Anstalten zum Wohle des
+seefahrenden Mannes; sind sie von der <span class="strong1">Seemannsmission</span> eingerichtet, so
+heißen sie <span class="strong1">Seemannsheime</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seeräuber</span>, der, war im Sprachgebrauch der früheren Hansazeit nicht das,
+was man sonst Pirat, Korsar, Flibustier oder Vitallienbruder nannte,
+sondern ein Mann, der mit seinem Schiffe auf mehr oder weniger eigene
+Faust Fehde trieb und den Feind schädigte wo und wie es ihm möglich war.
+Aber immer nur den Feind und immer nur als kriegführende Partei, also
+ähnlich wie die Vitallienbrüder in ihrer ersten, nach damaligem Recht
+einigermaßen rechtmäßigen Zeit. Hierüber schreibt Sartorius, Hansa, I.
+90 treffend: &#8222;Über Seeräuber wird oft und viel geklagt und
+Friedensschiffe wurden gegen sie in die See gesandt. Allein diese waren
+selten eigentliche Seeräuber, den Namen teilten sich beide kämpfende
+Teile wechselseitig zu, da Repressalien gewöhnlich waren, und bey
+eingetretenen Bedrückungen mit gleichem geantwortet wurde. Auf diese Art
+von wechselseitiger Seeräuberei blieben alle Feindseligkeiten zwischen
+den deutschen Städten, den Engländern und Schotten beschränkt.&#8223; Wie es
+noch 1673 auf deutschen Meeren aussah, verrät eine Segelanweisung in
+der<a id="Page_439"></a>
+ <span class="pagenum">[439]</span> &#8222;Beschriving von der Kunst der Seefahrt&#8223;: &#8222;... so pegelt
+erstlick mit ein Compaß, wat Streck dat gy de Nase von juw hebben, und
+wo fern gy juw van de Wall gist tho wesen, datsülvige teckent mit ein
+Stip Kryt in de Paßkart, (schrivet ydt ock in ein Memorial Bock, alles
+wat gy in de Kart tecken, up dat wen de Kart dorch Rövers offt sünst,
+juw affhendig gemaket worde, gy juw dennoch na dem Memorial richten
+können.&#8223;)</p>
+
+<p><span class="strong1">Seesoldat</span>, der, ist ein Soldat, der bei einem der drei kaiserlichen
+Seebataillone dient, die sich gegenwärtig in China befinden, sonst aber
+in den heimischen Marinegarnisonen den Infanteriedienst besorgen. Die
+Offiziere werden auf einige Jahre von der Armee zur Marine kommandiert;
+einige von ihnen fahren auch an Bord der Schulschiffe als Instrukteure
+für die Seekadetten im Infanteristischen. Im Binnenlande wird ein
+Kriegsmatrose öfters Marinesoldat genannt und dann mit einem Seesoldaten
+verwechselt. Sie sind aber sehr aus einander zu halten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seetage</span>, die, s. <span class="strong1">Seetörn</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seetörn</span>, der, ist eine unbestimmte Anzahl von Seetagen, d.&nbsp;h. solchen
+Tagen, die man hinter einander auf See zubringt oder zugebracht hat. Man
+gebraucht das Wort Törn auch sonst in der Seemannssprache häufig und
+zwar oft gleichbedeutend mit dem neuhochdeutschen Fremdworte Tour. Wie
+man hochdeutsch sagt: &#8222;Das ist meine Tour,&#8223; anstatt &#8222;ich bin an der
+Reihe,&#8223; so sagt man seemännisch: &#8222;Das ist mein Törn,&#8223; Rudertörn,
+Wachtörn u.&nbsp;s.&nbsp;w. &nbsp;&mdash;&nbsp; Außerdem spricht man in der speziellen
+Seemannschaft von einem Törn; wenn man ein Tau einmal um irgend einen
+festen Gegenstand herumgelegt hat, so hat man einen &#8222;Törn&#8223; genommen,
+wofür man auch &#8222;Schlag&#8223; sagen kann; ist irgendwo zufällig eine Schlinge
+in dem Tau entstanden, hat es eine Drehung gemacht, die es nicht machen
+sollte, und es ist in Folge dessen eine Bucht entstanden, so ist das
+auch ein Törn, der aber möglichst bald wieder herausgedreht werden muß.
+&nbsp;&mdash;&nbsp;Was Seetörn selbst angeht, so könnte man es, wenn man das Fremdwort
+Tour beseitigen will, einfach mit Seereise wiedergeben, wie wir ja auch
+im Binnenlande anstatt Tour Reise oder Ausflug sagen. Eigentlich müßte
+es ja Rundreise heißen, denn es kommt von tourner, drehen; englisch
+turn, und letzteres hat, wie die Aussprache beweist, den Vermittler
+gespielt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Seemann hat auch das Zeitwort törnen für drehen und
+vertörnen für verdrehen.<a id="Page_440"></a>
+ <span class="pagenum">[440]</span> Verwandt ist turnen und das
+mittelhochdeutsche turnei, neuhochdeutsch Turnier.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seemeile</span>, die, s. Meile.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seeraum</span>, der, s. raumen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seetriften</span>, die, nennt man das, was die See angetrieben hat, das
+Strandgut. In früheren Zeiten brauchte ein Schiff noch garnicht
+gestrandet zu sein, um mitsamt seiner Ladung als Strandgut angesehen zu
+werden. Es genügte, wenn eine grundroeringe, eine Berührung des
+landesherrlichen Strandes durch das Schiff stattgefunden hatte. Bremer
+Wörterbuch: Dies unmenschliche Strandrecht wurde auch aufs feste Land,
+auf Wagen und Pferde ausgedehnt. Wenn ein Wagen umgefallen war oder
+einige Güter davon gefallen waren, so fielen sie dem Landesherrn oder
+dessen Vögten heim. Imgleichen wurde ein Pferd eingezogen und
+weggenommen, wenn ein Reiter davon ins Wasser gefallen und ertrunken
+war. Renner in der Bremischen Chronik erzählt: Up einen Tidt hadde de
+Vaget (des Erzbischofs Johann I, 1307) thom Langwedel einen gefangenen
+Kopman und sprak thom Bischuppe: Here, düse Kopman hefft Grundroringe
+gedahn, und ist mit siner Kahren und Gude gefallen durch de Brugge,
+derhalven schall he juw geven grot Gudt.&#8223; (!) Doch vergl. hierzu was
+Winkelmann in seiner Oldenburgischen Chronik von dem 1598-1602 erbautem
+Turm auf Wangerooge schreibt: &#8222;Nach Abgang deren ins Norden gestandenen
+Kirchen ist der Mittelteil dieses Turmes zu dem Gottesdienst der
+Einwohner, das unterste und obriste aber, bei etwa vorgehendem
+Schiffbruch, zu Hinlegung der gestrandeten und salvirten oder gebergten
+Güter verordnet worden, massen die Herren Grafen, als Christlöbliche
+Obrigkeit nach aufgehobenem Strandrecht, niemaln mit den gestrandeten
+Gütern auf der See, Jhade und Weser mit der Schärfe verfahren, sondern
+dieselbige, zur Erhaltung ihrer Jurisdiktion, so sie auf gedachten
+Wassern haben, auf gebührliches Ansuchen rückgegebene Recognition und
+erlegten Berggelts vor die Hilfleistende, wieder abfolgen lassen, damit
+dem Beträngten keine größere Bedrängniß zugefügt werden möchte.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Seewache</span>, die, s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seezeichen</span>, das, ist der allgemeine Name für Boje, Tonne, Bake etc. Die
+Seezeichen bezeichnen den Eingang in einen Hafen, die Fahrwasserrinne in
+einem Revier u.&nbsp;s.&nbsp;w. Man unterscheidet<a id="Page_441"></a>
+ <span class="pagenum">[441]</span> Winterseezeichen und
+Sommerseezeichen, letztere werden im Spätherbste eingezogen und durch
+die Winterseezeichen ersetzt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Segel</span>, das, &#8222;ein aus mehreren Kleidern (Bahnen) von starker Leinwand
+oder von Baumwollenstoff zusammengenähtes Tuch,&#8223; das an den Masten,
+Rahen, Gaffeln, Stagen, Spieren eines Schiffes ausgespannt wird um den
+Wind damit aufzufangen und so das Schiff in Bewegung zu setzen. Ein
+Segel hat entweder nach seiner Gestalt und Einrichtung oder nach der
+Stelle, wo es angebracht ist, seinen Namen, der es von anderen Segeln
+unterscheidet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die erste Erfinderin ist die Not. Es ist darum kein
+Wunder, daß die Menschen, sobald sie anfingen sich über den Naturzustand
+zu erheben, auf solch ein Fortbewegungsmittel verfielen. Doch scheint
+bei den alten Deutschen der Gebrauch der Segel nach Tacitus' Germania
+nicht allen Stämmen bekannt gewesen zu sein. Von den Batavern erzählt
+aber derselbe Geschichtschreiber, daß sie sich der sagula zum Segeln
+bedienten. Von sagulum kommt also der Name Segel. Weil aber sagulum der
+römische Kriegsmantel hieß und im Lateinischen keine seemännische
+Bedeutung hatte, so tragen manche Gelehrte gegen diese Ableitung
+Bedenken. Es ist indessen möglich, daß die erste Verwendung von sagulum
+zum Segeln eine gelegentliche gewesen wäre und daß gerade diese
+gelegentlich zufällige Verwendung des sagulum anstatt des velum oder
+linteum den Batavern den Namen nahe gelegt hätte, daß sie also durch
+eine zufällige Erscheinung auf den Gedanken gebracht worden wären,
+sagulum sei das wirkliche lateinische Wort für dieses ihnen alsbald sehr
+einleuchtende Fortbewegungsmittel. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die kurze, bequeme niederdeutsche
+Form, in der unser Seemann das Wort meist gebraucht, ist seil,
+diphthongiert nach geschwundenem g, und sie wird in
+mittelniederdeutschen Schriftdenkmälern sehr oft gefunden,
+wahrscheinlich ward sie schon aus dem Grunde bevorzugt, weil sonst segel
+= Segel und segel = Siegel leicht verwechselt worden wären; wie man auch
+anstatt segelen seilen sagte und dadurch von segeln = siegeln
+unterschied. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Segel setzen</span>, Segel bergen, Segel abschlagen s. (Segel)
+unterschlagen. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Segelkoje</span> ist der Aufbewahrungsort der abgeschlagenen
+oder noch nicht untergeschlagenen Segel und der Reservesegel,
+Schutzsegel, Rauchsegel, Sommersegel, Bezüge, Presennings; bemerkenswert
+ist, daß dies das einzige Mal ist, wo das Wort, das sonst an Bord immer
+ein<a id="Page_442"></a>
+ <span class="pagenum">[442]</span> Bett bezeichnet, eine Kammer bedeutet, vielleicht weil die
+Segel darin als ruhend, schlafend gedacht sind, wie man in der Botanik
+von einem schlafenden Auge spricht. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Segeln</span> bedeutet die Fortbewegung
+eines Schiffes oder Bootes, indem man den Wind auf die Segel wirken
+läßt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Alten hatten ein zwar nicht schönes, aber deutliches aus
+Segel bezw. segeln gebildetes Wort für Navigation: Segelasje, Segelatie,
+Segelasche. &#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223; 1673: &#8222;Ein klene
+Faut (Fehler) in de Pegelinge verorsaket ein grote Faute in de
+Segelatie.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Segel kanten.</span> Kanten heißt eigentlich machen, daß etwas vierkant ist,
+etwas in den rechten Winkel bringen, ihm zur rechten Richtung verhelfen,
+machen daß es sich &#8222;kant&#8223; ausnehme. Im Niederländischen und
+Ostfriesischen heißt kant glatt, schier, zierlich, hübsch, fertig,
+gerade, schön. Segel kanten heißt also, sie so in Ordnung bringen daß
+sie so stehen wie sie stehen sollen: nach jeder Richtung hin tadellos.
+Dick u. Kretschmer II. 322: &#8222;Dieses Manöver wird hauptsächlich
+nothwendig nach jedem allgemeinen Segelexercitium sowie auf der
+Morgenwache nach Tagesanbruch. Während nämlich bei Manövern mit alle
+Mann auf das Vorholen und Steifsetzen der einzelnen Enden im Interesse
+der Schnelligkeit nicht allzu viel Gewicht gelegt werden kann, ist die
+tadellose Ausführung von Segelmanövern bei Nacht infolge der
+herrschenden Dunkelheit in der Regel unmöglich.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Segel kanten ist
+also auf See ungefähr das, was man im Hafen mit &#8222;brassen und toppen&#8223; vor
+der Morgenmusterung bezeichnet.</p>
+
+<p><span class="strong1">seisen</span>, bei der Marine merkwürdigerweise zeisen genannt, heißt
+zusammenbinden, z.&nbsp;B. die Parten eines Taues mit einander verbinden, daß
+sie nicht rutschen können; das aufgegeite Segel beschlagen, an der Rahe
+festbinden; eine Kabelaring und ein Ankertau zusammenbinden, u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+Das Mittel, mit dem solches geschieht heißt die Seising; das Wort hat
+aber eine doppelte Bedeutung: einmal das Mittel zum Binden, den Bändsel
+also, und sodann den Zustand des Gebundenseins. Das Wort kommt aus dem
+Französischen, von saisir; doch haben es die Franzosen<a id="Page_443"></a>
+ <span class="pagenum">[443]</span> zuerst von
+uns empfangen und von unserem althochdeutschen sazjan weitergebildet.
+Die Bedeutung ist: festmachen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Seitentakel</span>, das. Seitentakel sind solche, die an jeder Seite des Mastes
+an die daselbst befindlichen Hanger befestigt werden und dazu dienen,
+Boote und andere schwere Lasten aus- oder einzusetzen. Man unterscheidet
+sie nach dem Mast an dem sie sich befinden. Sie haben einen Mantel, s.
+Mantel und Takel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Semaphor</span>, der, zu deutsch &#8222;Zeichenträger&#8223; vom griechischen semaio, ich
+zeige, und phero, ich trage; eine Vorrichtung mit beweglichen Armen,
+ähnlich denen, mit denen auf Bahnhöfen die Einfahrtssignale gegeben
+werden. Die Arme kann man auch Flügel nennen und das Ganze mit
+&#8222;Flügeltelegraph&#8223; übersetzen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sente</span>, die, hat im modernen Eisenschiffbau teilweise eine andere
+Bedeutung erhalten als sie sie beim Holzschiffbau hatte. Damals nannte
+man Senten dünne, biegsame Latten, die von vorne nach hinten auf die
+Inhölzer genagelt wurden um die Biegung der Seitenplanken darnach
+gestalten zu können; naturgemäß fing man damit ganz unten am Kiel an und
+schritt allmählich nach oben zu weiter. Jetzt dienen die Senten zwar
+auch noch, in Form von starken Balken ausgeführt, als Lehrgerüst für die
+einzulegenden Spanten, fast immer im unteren Teil des Schiffes liegend
+und die Wölbung des Schiffsbodens bildend, aber es hat sich auch die
+Theorie des Wortes bemächtigt und gebraucht es als wissenschaftlichen
+Begriff, als gedachte Linie, nämlich für die Bezeichnung der
+Schnittlinie, welche eine schräg d.&nbsp;h. dachförmig durch den
+Schiffskörper gelegte Ebene mit der äußeren Schiffsform bildet; die
+Ebene heißt dann Sentebene. Zur Erklärung des Wortes müssen wir
+natürlich auf seine älteste Bedeutung zurückgehen: Latte zur Gestaltung
+des Schiffsbauches, und zwar zunächst seines untersten Teiles. Nun heißt
+das lateinische sentina zwar auf deutsch &#8222;die Bilge&#8223;, aber auch der Raum
+wo die Bilge sich sammelt, der unterste Schiffsraum, und ich stehe
+daher, bis eine bessere Erklärung gefunden wird, nicht an, Sente für
+eine Verkürzung von Sentine zu halten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Setzbord</span>, der, eines Bootes ist eine breite und dünne Planke die man auf
+den Bord eines Bootes <span class="strong1">setzt</span> um denselben zu erhöhen, damit das Boot
+nicht so leicht Wasser über nehme. Es heißt darum im Englischen
+washboard, weatherboard und water-board &nbsp;&mdash;&nbsp; weil das Wasser bei
+schlechtem Wetter nicht über diesen Bord waschen soll.</p>
+
+<p><span class="strong1">Serving</span>, die, s. Sarving.</p>
+
+<p><span class="strong1">setzen.</span> Segel setzen heißt die Segel entfalten und dem Winde von der
+richtigen Seite darbieten, so daß sie in Tätigkeit treten und ausrichten
+können wozu sie bestimmt sind. Das<a id="Page_444"></a>
+ <span class="pagenum">[444]</span> Gegenteil davon, nämlich das
+Einziehen oder Festmachen der Segel heißt Segel bergen. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Setzen</span> in
+Bezug auf die Bewegung eines Schiffes s. stampfen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Am häufigsten ward
+im Mittelniederdeutschen setten und auch später noch setzen für <span class="strong1">ankern</span>
+gebraucht; die Zahl der Belegstellen ist so groß, daß es nicht not tut
+einzelne anzuführen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sicht</span>, die, das Ansehen, der Anblick, der Zustand in dem man etwas
+sieht, mit den Augen wahrnimmt. Es ist ein Verbalabstractum zu sehen.
+&#8222;Der Leuchtturm kommt in Sicht&#8223;, &#8222;wir lagen in Sicht von Helgoland.&#8223; Es
+ist gleich dem hochdeutschen Gesicht in der Bedeutung &#8222;zu Gesicht
+bekommen.&#8223; Der hochdeutsche Übersetzer der &#8222;Durchläuchtigsten
+Seehelden&#8223;, Sulzbach 1681, sagt sogar mißverstandener und
+mißverständlicher Weise &#8222;ins Gesicht bekommen&#8223;; er meint damit natürlich
+nicht &#8222;eine (Ohrfeige) ins Gesicht bekommen&#8223;, sondern schreibt: &#8222;Als die
+Holländische Flotte auf die Höhe vorbesagter massen kommen war, setzte
+sie ihren Lauff recht nach der Küste von Brasilien zu, welche sie den
+vierdten May ins Gesicht bekamen&#8223; ... Von Sicht hat sich der Seemann ein
+Eigenschaftswort <span class="strong1">sichtig</span> gebildet, das in der Verbindung &#8222;sichtig
+Wetter&#8223; eine Witterung bedeutet bei der man gut, deutlich, weit sehen
+kann. Auch ein Zeitwort: <span class="strong1">sichten</span>; verschieden von dem Zeitwort sichten =
+sieben, bedeutet es: &#8222;zu sehen bekommen&#8223;.[P2: should be comma] &#8222;in Sicht
+bekommen&#8223;, &#8222;wir sichteten soeben den Pic von Teneriffa.&#8223; <span class="strong1">Sichtweite</span>
+eines Leuchtfeuers ist der Umkreis, in dem das Feuer gesichtet werden
+kann; verschieden also von Sehweite, denn so heißt die Entfernung auf
+die einer sehen kann, Sichtweite aber die Entfernung auf die einer
+gesehen werden kann.</p>
+
+<p><span class="strong1">Signal</span>, das, heißt in der Seemannssprache jedes Zeichen, das man auf
+eine gewisse Entfernung hin gibt, um sich verständlich zu machen und
+einem andern etwas mitzuteilen, eine Anfrage an ihn zu richten,
+besonders auch ihm Befehle zu übermitteln. Das ursprünglichste Signal
+waren die Bewegungen des menschlichen Leibes, ein Winken mit dem Arm,
+ein Bücken des Oberkörpers (s. Bake). Bald lehrte die Erfinderin Not
+auch den Seemann andere Hilfsmittel, etwa einen gehißten Besen (Quast,
+s. Badegast), und vor allen Dingen das <span class="strong1">Signalisieren</span> mit Flaggen, das
+sich noch immer, auch im internationalen Verkehr, erhalten hat. Zum
+richtigen Verständnis der Signale hat jede<a id="Page_445"></a>
+ <span class="pagenum">[445]</span> Nation ihr <span class="strong1">Signalbuch</span>,
+in dem die Signale mit ihrer Bedeutung verzeichnet stehen. Außerdem
+haben sie alle zusammen ein internationales Signalbuch, mit dessen Hilfe
+ein Russe und ein Portugiese sich bestimmte Mitteilungen machen können,
+ohne daß sonst einer ein Wort vom andern versteht. Man signalisiert
+ferner mit Winkflaggen nach dem Morse-Alphabet, mit dem Semaphor, mit
+den verschiedensten Lichteffekten etc., aber bald wird die drahtlose
+Telegraphie allen diesen kleinen Aushilfsmitteln ein Ende machen. Bis
+dahin hat man eigene Signalgasten, Signalmaate, Obersignalmaate und
+eigene Signalzweigkompagnien bei den Matrosendivisionen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Signal kommt
+vom lateinischen signum, das Zeichen, oder vielmehr vom lateinischen
+signalis, &#8222;bestimmt ein Zeichen zu geben.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Kontre-Signal</span> heißt das
+verabredete Zeichen, daß das Signal gesehen worden, bezw. verstanden
+ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Siel</span>, das, die bekannte Entwässerungsvorrichtung an den Nordseeküsten,
+die dem Binnenwasser Abfluß in das Meer verschafft. Zur Zeit der Flut
+muß durch das Siel die Öffnung im Deich verschlossen werden, damit das
+Meerwasser nicht das Land überschwemme. Zur Zeit der Ebbe wird dann die
+Schleuse des Siels geöffnet, so daß das während der Flut in einem
+Sammelbecken binnendeichs aufgestaute Wasser nach See zu abfließen kann.
+Wo ein Siel ist, da wohnt ein Sielwärter; wo einer wohnt, siedelt sich
+leicht ein anderer an. So entstehen die Dörfer mit der Endung Siel:
+Mariensiel, Rüstersiel, Karolinensiel, Neuharlingersiel etc. Im weiteren
+Sinne ist Siel irgend eine Wasserleitung, eine Abzugsrinne, ein
+Zuleitungsrohr etc. etc. In diesem Sinne kommt sile = aqueductus schon
+in der Historia de fundatione monasterii Rastedensis vor, die 1290-1310
+etwa geschrieben ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; In dem Worte Siel steckt der Begriff von
+seihen, althochdeutsch sihan. Aus diesem Zeitwort, das die Bedeutung
+&#8222;Wasser durchlassen&#8223; hat, mag, wie Doornkaat vermutet, erst ein
+Substantivum sihila, ein Etwas was Wasser durchläßt, gebildet worden
+sein, was dann in sila kontrahiert wurde, dessen offene Endsilbe leider,
+wie bei so vielen altfriesischen Wörtern, geschwunden ist, so daß nun
+die einsilbigen Leute bei der Aussprache eines solchen Wortes den Mund
+nicht mehr aufzutun brauchen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sill</span>, das. Hauptsächlich in der Verbindung Luksill gebraucht: die
+Schwelle. Das niederdeutsche Wort sülle, sül, mittelniederdeutsch sul,
+sulle, sille; niederländisch sulle: angelsächsisch syll,<a id="Page_446"></a>
+ <span class="pagenum">[446]</span> englisch
+sill, norwegisch svill, althochdeutsch swella, swelli, kommen mit dem
+gotischen sulja, Sohle, von einer Wurzel sval = schwellen. Man hat
+zunächst an eine Anschwellung der Haut unter den Füßen zu denken, sodann
+wird Sohle als Träger und Grundbalken einer Tür gebraucht im Sinne einer
+Anschwellung, einer Erhöhung; was für ein Luksill an Bord besonders
+zutreffend ist, denn das ist besonders hoch, damit überkommende Seeen
+nicht in die unteren Schiffsräume laufen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sirene</span>, die, ist ein Nebelsignalapparat, der einen weithin heulenden Ton
+von sich gibt und Schiffen im Nebel die Nähe des Landes kund tut. Die
+Benennung ist zwar nicht ganz sinngemäß, da diese Sirene das gerade
+Gegenteil beabsichtigt wie die klassischen Sirenen, aber doch insofern
+glücklich gewählt, als jeder gleich weiß, was darunter zu verstehen ist.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Wie sich ein althochdeutscher Physiologus eine Sirene vorstellte,
+sehen wir aus einer Wiener Handschrift des elften Jahrhunderts: &#8222;In demo
+mere sint uunderlihu unihtir, diu heizzent sirene unde onocentauri.
+Sirene sint meremannin unde sind uuibe gelih unzin ze demo nabilin,
+dannan uf vogele, unde mugin vile scono sinen (singen). So si gesehint
+man an demo mere varin, so sinen sio vilo scono, unzin si des uunnisamin
+lides so gelustigot uuerdin, daz si inslafin. So daz mermanni daz
+gesihit, so verd ez in unde brichit si.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Skiff</span>, das. Dabovich nennt so, S. 1237, ein für eine Person
+eingerichtetes Outrigger-Boot. Im Allgemeinen aber heißt so &nbsp;&mdash;&nbsp;englisch
+skiff, französisch esquiff, deutsch sonst Schiff &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;any small boat. In
+merchant ship's boats the skiff is next in size to the launch or
+long-boat, and is used for towing, running out a kedge etc.&#8223; Die Form
+des Wortes läßt auf nordischen Ursprung der Sache schließen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Skorbut</span>, der, eine glücklicherweise unter dem Einfluß der besseren
+Schiffsverpflegung unserer Zeit ihrer Schrecken beraubte Krankheit der
+Seeleute bei längeren Seetörns. Das Wort hieß zwar mittellateinisch
+scorbutus, stammt aber aus dem Niederländischen, wo scheur Riß heißt.
+Skorbut heißt neuniederländisch scheurbuik, aber die lateinische Form
+scorbutus zeigt, daß es früher scheurbut geheißen haben muß, also nichts
+mit Bauch zu tun hatte, sondern Hautriß bedeutete. Die Form scheurbuik
+ist volksetymologische Anlehnung an buik = Bauch, und daraus ist<a id="Page_447"></a>
+ <span class="pagenum">[447]</span>
+bei der Aufnahme ins Hochdeutsche durch Mißverständnis Scharbock
+geworden; da ist Skorbut denn doch deutlicher.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sitzer</span>, der, s. Spant.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sliding gunter.</span> Man spricht von einem sliding gunter Mast und einem
+sliding gunter Segel; beide sind zusammen, wie es scheint, durch das
+moderne Lust- und Rennjachtwesen nach Deutschland gekommen. Sie werden
+nur selten geführt, am meisten noch bei Kriegsschiffsbooten. Das Segel
+ist von dreieckiger Gestalt, sein oberer Teil ist an einer Stenge
+untergeschlagen, die vermöge zweier Eisenringe an dem verhältnismäßig
+niedrigen Maste auf und niederfährt oder gleitet, daher auch Gleitsegel
+genannt. Das Wort kommt mit der Sache aus England und bezieht sich &nbsp;&mdash;&nbsp;
+ursprünglich wohl scherzweise &nbsp;&mdash;&nbsp; auf Edmund Gunter und dessen
+Sliding-rule, &#8222;a sliding scale corresponding to logarithms for
+performing the multiplication and division of numbers without dividers.&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Man nennt die sliding gunter Takelage auch portugiesische oder
+Houari-Takelage; houari ist ein Wort der amerikanisch-indianischen
+Seemannssprache, von den Portugiesen nach Europa gebracht.</p>
+
+<p><span class="strong1">sloopen</span> ist soviel wie abwracken, ein altes Schiff in seine einzelnen
+Teile zerlegen und diese als Brennholz verkaufen. Das niederdeutsche
+Wort slopen heißt schleifen, abtragen, niederreißen. Es ist unser
+hochdeutsches schleifen, eine Festung, ein Haus schleifen; sowohl
+sprachlich als begrifflich.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sodraum</span>, der, = Kielraum, der unterste Raum im Schiffe, gleichbedeutend
+mit Bilge. Das sich hier sammelnde Wasser heißt wie Bilge- und so auch
+Sodwasser. Sod und Bilge sind bedeutungsverwandt. Denn wenn Bilge die
+rauschende Bewegung des nach ihr benannten Wassers bezeichnet, so
+bedeutet Sod die siedende Bewegung desselben, wenn das Schiff von den
+Wellen gerüttelt und geschüttelt wird. Im Uebrigen heißt sod im
+Niederdeutschen Brunnen, von seden = sieden in der Bedeutung aufkochen,
+aufbrausen, aufwallen, aufquellen; &#8222;wie Brunnen von brennen und Welle
+von wallen.&#8223; Vergl. Bilge am Ende.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sog</span>, der, heißt in Ostfriesland und in den Niederlanden das Kielwasser.
+Eigentlich heißt so die Form und Gestalt des Hinterteiles eines
+Schiffes, der Piek; der Zug oder Verlauf der Linien hinten am Schiffe.
+Weiterhin hat sich dann der Name auf das Wasser ausgedehnt, das von
+diesem Teile des Schiffes als<a id="Page_448"></a>
+ <span class="pagenum">[448]</span> bewegtes, schäumendes Wasser bei
+der Fahrt hinter sich gelassen wird. Das Wort sog ist zwar
+niederdeutsch, aber da Zug sonst überall im Niederdeutschen tog heißt,
+so ist hochdeutsche Entlehnung anzunehmen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Soldatenloch</span>, das. &#8222;Der Mars hat in erster Linie den Zweck, dem zur
+Stütze der Marsstenge nach den Seiten hin bestimmten stehenden Gut die
+erforderliche Spreizung zu geben, soll nebenbei aber auch die Bedienung
+der Takelage erleichtern. In der Mitte hat er eine vierkantige Öffnung,
+das sogenannte Soldatenloch, welches sich noch durch zwei Klappen nach
+den Seiten hin vergrößern läßt und den Zweck hat, das Auflegen des
+stehenden Guts des Untermastes, das Aufbringen der Marsstenge, sowie das
+ungehinderte Andeckfahren eines Teils des laufenden Guts zu
+ermöglichen.&#8223; (Dick u. Kretschmer, II. 87). Im Entern ungeübte Leute, z.
+B. die (See-)Soldaten, klettern, wenn sie in den Mars wollen, nicht
+außen herum an den Püttings hinauf, sondern kriechen durch dieses Loch,
+das daher von ihnen den Namen hat, wahrscheinlich weil sie der Meinung
+sind, der Zimmermann habe besonders für sie dieses Loch gelassen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wie
+jedes Loch an Bord ein gat genannt werden kann, so ist auch dieses
+häufig in der Form <span class="strong1">Soldatengat</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sonnensegel</span>, das, ein aus Segeltuch hergestelltes Schutzdach gegen die
+Sonne. Das Bedürfnis, sich gegen die brennenden Strahlen zu schützen,
+ist schon immer empfunden worden, und man hat daher von jeher ähnliche
+Vorrichtungen getroffen. Die alten Friesen scheinen sich einfach an Deck
+ein Zelt aufgeschlagen zu haben; sie hatten das Wort dendeschyp
+(tentschip) = Zeltschiff; doch könnte auch ein Schiff mit einem
+Leinwanddach gemeint sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sorgleine</span>, die, ist eine am Ruder angebrachte Leine oder Kette, die an
+Deck fährt oder sonst zugänglich ist und den Zweck hat, für den Fall,
+daß die übrigen Einrichtungen zum Steuern aus irgend einem Grunde nicht
+gebrauchsfähig wären, das Ruder wenigstens noch einigermaßen regieren zu
+können. Darum ist auf jeder Seite des Ruders eine Sorgleine befestigt.
+Der Name schon deutet den Zweck an: er ist eine Fürsorge für den Fall
+der Not, schweren Sturmes, Gefechtes etc. etc.</p>
+
+<p><span class="strong1">sorren</span> s. zurren.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spake</span>, die, ein hölzerner Hebebaum zum Drehen des Spills,<a id="Page_449"></a>
+ <span class="pagenum">[448]</span>] zum
+Bewegen der Kanonen und vielerlei anderen Verrichtungen an Bord
+gebräuchlich. Sie muß &#8222;handlich&#8223; sein, sich mit der Hand regieren
+lassen; tut sie das, so führt sie den Namen Handspake. Neuerdings hört
+man unter dem Einfluß des zur See fahrenden hochdeutschen Mannes auch
+Hand<span class="strong1">speiche</span>. Und in der Tat ist die Rad<span class="strong1">speiche</span> und die Hand<span class="strong1">spake</span>
+dasselbe. Altenglisch heißt spake, angelsächsisch space, spaca,
+mittelniederdeutsch speke, althochdeutsch speicha, die Radspeiche,
+radius. Das althochdeutsche spahha bezeichnete ein abgebrochenes Stück
+Holz; und diese allgemeine Bedeutung entsprach in den Anfangszeiten der
+Kultur sowohl dem was wir Spake als dem was wir Speiche und auch dem was
+wir Spiker (s. d.) nennen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spant</span>, das. Die Spanten sind oft und zutreffend die Rippen des Schiffes
+genannt worden, die am Kiel wie an einem Rückgrat festsitzen. Röding
+kannte noch die Form Spann. Aber auch ohne sie würde sich die Etymologie
+von selbst ergeben, da die Spanten vom Kiel ausgespannt werden. Die
+Wurzel von spannen bedeutet ziehen, die ursprüngliche Bedeutung von
+Spant ist also &#8222;etwas auseinander Gezogenes, auseinander Gespanntes&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Ein Spant besteht aus dreierlei Stücken. Unten am Kiel sind die
+<span class="strong1">Bauchstücke</span> befestigt, auf ihnen sitzen die <span class="strong1">Sitzer</span>; daran schließen sich
+nach Bedarf die Auflanger. Das Bauchstück heißt auch Lieger; ihm eben
+entsprechen die Sitzer.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spardeckschiff</span>, das, s. Schiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Speedykessel</span>, der, s. Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Speiback</span>, die. Eins der schlimmsten Vergehen wider die Schiffsordnung
+ist das Andeckspucken. Da aber Tabak kauende Leute öfters genötigt sind
+zu spucken, so hat man hie und da runde flache Holzgefäße &nbsp;&mdash;&nbsp; Backen &nbsp;&mdash;&nbsp;
+aufgestellt, die mit Sand gefüllt sind und das vorstellen, was man
+hochdeutsch einen Spucknapf nennt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Speigat</span>, das, heißt ein Gat, ein Loch in der Bordwand in der Höhe des
+Oberdecks, im Wassergang, durch das das Schiff das Wasser, das durch
+Sturzwellen übergekommen ist, das Regenwasser, das Deckwaschwasser
+gleichsam ausspeit. Nach Röding hätte früher jedes Deck seine Speigaten
+gehabt. Er schreibt: &#8222;Auf Kriegsschiffen haben die Speygaten des untern
+Decks an der äußersten Seite des Schiffes eine Mamiering, um zu
+verhindern, daß die See, insonderheit wenn das Schiff auf der
+Seite<a id="Page_450"></a>
+ <span class="pagenum">[450]</span> liegt, nicht hineinstürze.&#8223; Das war trotzdem nicht ohne
+Gefahr, und darum sind diese Speigaten mit Recht abgeschafft worden. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Bekanntlich hat man bei der Gotik die Wasserspeier mit vieler Sorgfalt
+behandelt und ihnen die Gestalt von in Stein gehauenen wilden Tieren,
+aus deren Rachen das Wasser herausfließt, gegeben. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Mittelniederdeutsch spegat; in einem von v. Liliencron herausgegebenen
+alten historischen Volksliede kommt die Stelle vor, daß infolge eines
+feindlichen Kanonenschusses &#8222;dat blod al ut den spegaten flot.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Speisewasser</span>, das, hat seinen Namen nicht daher, daß etwa mit ihm die
+Speisen gekocht würden, was mit Trinkwasser geschieht, sondern es ist
+das getrennt von diesem in besonderen Tänks aufbewahrte, zum Kochen und
+Trinken nicht geeignete Süßwasser, das zum Speisen der Kessel, sowie für
+Bade- und Waschzwecke bestimmt ist.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spesen</span>, die, nur in der Mehrzahl gebräuchlich, sind die Kosten für
+Fracht, Beförderung, Kommission, Schiffsversicherung, Hafenabgaben, Zoll
+u.&nbsp;s.&nbsp;w., also im Allgemeinen: Handlungsunkosten die auf eine Ware
+kommen. Wörtlich: Ausgaben; italienisch spese, Unkosten, Mehrzahl von
+spesa = Aufwand; aus dem mittellateinischen spensa, Aufwand,
+Lebensmittel; lateinisch expensa, Ausgabe.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spiegel</span>, der, ist der vom Heckbalken und den Randsomhölzern begrenzte
+Teil des Hecks; er war früher ganz flach, wie er es bei großen Beibooten
+jetzt noch ist. Bei hohen Schiffen mit entsprechend hohem Heck hatte er
+Fenster, in denen sich, wenn das Schiff in ruhigem Wasser vor Anker lag,
+die Wellen spiegelten. Bei niedrigeren Schiffen wurden die Fenster nur
+durch Holzwerk und entsprechende Malerei angedeutet. Man kennt diese
+gemalten Fenster als nicht gerade hervorragende Kunstleistungen. Aber
+eines lag dem Künstler stets nahe: der Gedanke daran, daß, wenn sie
+wirkliche Fenster wären, sich das Meer darin spiegeln müßte, und so
+versuchten sie es mit ihrer Kunst, das sich spiegelnde Wasser auf den
+geschilderten Fenstern zur Darstellung zu bringen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spier</span>, die, ist eine Stange, die an Bord vielfach Verwendung findet, z.
+B. als Backspier, an welcher im Hafen die Beiboote festgemacht werden,
+als Leesegelsspier u.&nbsp;s.&nbsp;w. Ursprünglich eine &#8222;dünne Stange,&#8223; eigentlich
+eine <span class="strong1">dünne</span>, schwanke, kleine<a id="Page_451"></a>
+ <span class="pagenum">[451]</span> Spitze, ein Grashalm. Die Bedeutung
+hat sich also ähnlich entwickelt wie die von Bram. Spierstaude = spiraea
+ist als Tautologie anzusehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Hernach = Sparren; französisch (1704)
+esparres, éparres. In Groningen haben sie ein Zeitwort bespieren,
+jemanden ein (rechtliches) Hindernis in den Weg legen, ursprünglich eine
+Spier vor einen Weg machen, zum Zeichen, daß er verboten ist;
+hochdeutsch: &#8222;Ich werde ihm ein Stöckchen davor stecken&#8223;. Altfriesisch
+spiri = hasta, Speer. Bremer Wörterbuch: &#8222;Spier, eine jede kleine
+Spitze, und in Sonderheit die zarte Gras-oder Kornspitze, welche eben
+aus der Erde kommt&#8223;. Daher denn auch: Kleinigkeit, ein wenig, ein
+bischen, etwas Geringes. &nbsp;&mdash;&nbsp;Aus germanischer Wurzel spir, platzen,
+schwellen, wachsen, treiben, sprossen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spiker</span>, der, ist jetzt gleichbedeutend mit Nagel, heißt aber eigentlich
+Holznagel, ja ursprünglich &nbsp;&mdash;&nbsp; s. Spake &nbsp;&mdash;&nbsp; nur ein Stück Holz, dann ein
+als Bolzen oder Nagel zugespitztes Stück Holz. Man spricht hochdeutsch
+von einem Speichernagel; tautologisch, denn in diesem &#8222;Speicher&#8223; steckt
+Speiche (Spake) = ein Stück Holz, ein Zapfen, ein &#8222;Zweck&#8223;, der als Nagel
+dient. Die ersten Nägel waren von Holz und hießen hochdeutsch Speicher,
+niederdeutsch Spiker. Letzteres hat sich, wie überhaupt im
+Niederdeutschen, so auch in der Seemannssprache erhalten, während im
+Hochdeutschen Speicher auf diesem Wege verschwunden ist: Speicher,
+Speichernagel, Nagel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spill</span>, das, ist die Vorrichtung zum Ankerlichten und auch zum Hissen
+sonstiger besonders schwerer Lasten. Die Ketten oder die Taue, an denen
+die Last gehißt werden soll, werden um das Spill genommen und dann wird
+dieses gedreht, so daß sich die Kette oder das Tau auf oder um das Spill
+wickelt. Auf großen Schiffen hat man ein Dampfspill, wenigstens wenn sie
+einigermaßen der Neuzeit entsprechen; auf älteren ein Gangspill, auf den
+alten, kleinen ein Bratspill oder eine Windas (s. d.). Spill ist
+Zusammenziehung von Spindel. Und zwar ist Bratspill eine liegende
+Spindel, die wie ein Bratspieß gedreht wird; Dampfspill eine stehende
+Spindel von starkem Bau; desgleichen das Gangspill, das gedreht wird,
+indem man Spillspaken in die Öffnungen steckt, mit denen die Matrosen in
+die Runde gehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein eigentümliches Schicksal hat das romanische Wort
+für Spill gehabt. Es heißt englisch capstan, französisch cabestan,
+aus<a id="Page_452"></a>
+ <span class="pagenum">[452]</span> dem Spanischen stammend, wo es cabrestante heißt. Man hatte
+ursprünglich einen Bock (cabron) zum Winden mit einer liegenden Spindel,
+die cabria hieß. Als man dieses Werkzeug verbesserte und die cabria
+aufrecht stellte, nannte man sie cabrestante, stehende Winde. Soweit
+wäre die Sache in Ordnung. Aber die Niederländer brachten sie in
+Verwirrung. Schon bei Kilian ist ein capestant daraus geworden, und 1702
+heißt das Spill kaapsta-ander, und daraus machten die Deutschen einen
+Kopfständer. Doch hatte schon vorher im Mittelniederdeutschen eine
+andere Verdunkelung stattgefunden, und zwar in kapstange. In einer
+Livländischen Urkunde vom Jahre 1407 wird als Merkzeichen eines
+verschollenen Schiffes angegeben: &#8222;unde de kapstange si boven spitz und
+beneden, dar id touwe umme geit, gelike dicke.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Zu dieser Stelle
+bemerkt freilich Breusing im sechsten (Nachtrags-) Bande zu Schiller und
+Lübben S. 176: &#8222;Kapstange kann schwerlich capstan sein, da dieses (ein
+Gangspill) oben gerade einen dicken Kopf hat, weshalb es auch
+Kopfständer verdeutscht wird. Es wird Signalstange bedeuten, vergl.
+kapinge. Die wird oben spitz, und unten, wo sie mit Tauen befestigt
+wird, gleich dick sein.&#8223; Ich kann dem nicht beistimmen. Wie soll das
+verschollene Schiff zu einer Signalstange gekommen sein? Kapinge, das
+zum Vergleich herangezogen wird, heißt überdies Bake, wie die Bremer
+Urkunde von 1400 besagt: &#8222;ok moghen de Bremere kennynge weten onde
+kapinge setten edder tunnen legghen oppe den Mellem (Mellum, Sandbank,
+&#8222;Plate&#8223; vor der Weser) ofte op dat rode zand.&#8223; An Bord führt man keine
+Baken mit sich. Und wenn das Spill auch allerdings für gewöhnlich einen
+dicken Kopf hat, so wird eben als besonderes Kennzeichen jenes
+verschollenen Schiffes angegeben, daß sein Spill oben spitz war. Es
+hatte also, was andere nicht hatten, oben auf dem dicken Teile noch
+irgend eine spitz zulaufende Verzierung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spinnaker</span>, der. Wenn Rennjachten mit raumem Wind oder achterlicher Brise
+segeln, so gilt es, wenn sie keine Rahesegel führen, ihnen auf andere
+Weise die Möglichkeit zu geben, möglichst viel Leinwand vor dem Winde
+auszubreiten. Dazu hilft ein Spinnaker, &#8222;ein großes dreieckiges Segel
+aus leichtem Baumwollstoff, welches vermittelst eines Falles am Mast
+gehißt und mittelst eines <span class="strong1">Spinnakerbaumes</span>, der an dem äußersten
+Schothorn des Segels befestigt und mit der am inneren Ende befindlichen
+Gabel<a id="Page_453"></a>
+ <span class="pagenum">[453]</span> gegen den Mast gestützt wird, ausgebreitet wird.&#8223; (Dick und
+Kretschmer II. 285/6). Nach der vom Freiherrn von Strombeck in der
+Marinerundschau (Oktober 1899 S. 1124-1136) veröffentlichten Übersetzung
+eines Kapitels aus einer englischen Seemannschaft, sitzt der
+Spinnakerbaum in einem nach der Gestalt <span class="strong1">Schwanenhals</span> genannten Gelenk,
+das in eine Spur am Mast eingesetzt wird und der Spur des
+Spinnakerbaumes zur Aufnahme und Stütze und zum Halt dient. Der
+Spinnaker findet sich nur auf Rennjachten, kann nur bei leichtem Winde
+gefahren werden, dient dann aber dazu, jedes Lüftchen aufzufangen und
+auszunützen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wort und Sache sind englisch; ersteres &#8222;from spin, in
+sense of to go rapidly.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Spinnekopp</span>, der, ist ein Hilfsmittel zur Befestigung eines Sonnensegels,
+das von ferne an das Gewebe einer Spinne erinnert. Es ist ein hölzerner
+Kopf, ein längliches Stück Holz durch das verschiedene Löcher in
+regelmäßigen Abständen von einander gebohrt sind. Durch diese Löcher
+werden dünne Taue gezogen und diese in immer weiterer Entfernung am
+Firsttau des Sommersegels befestigt. Eben dadurch, daß diese das
+genannte Segel tragenden Taue von zwei Seiten aus verschiedenen
+Entfernungen in dem hölzernen Kopf zusammenlaufen entsteht der Eindruck,
+als habe da eine Riesenspinne ihr Werk getrieben.</p>
+
+<p><span class="strong1">spinnen</span> wird im Seemännischen wie im Hochdeutschen gebraucht. Besonders
+zu erwähnen ist daher nur die Redensart: &#8222;ein Garn spinnen&#8223;; etwas lang
+und ausführlich, &#8222;mit epischer Breite&#8223; erzählen, wie es alte Seeleute,
+wenn sie überhaupt einmal den Mund auftun, lieben. Sie erinnert an die
+ursprüngliche Bedeutung von spinnen, die auch in dem studentischen
+Ausdruck spinnen für trinken und in &#8222;Spanferkel&#8223; liegt, nämlich ziehen,
+in die Länge ziehen und dabei drehen, herausziehen, trinkend ziehen,
+&#8222;einen Zug tun&#8223;, saugen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spleetflagge</span>, die, auch wohl Splitflagge, ist eine Flagge bei der ein
+dreieckiges Stück ausgeschnitten ist, so daß sie in zwei Spitzen endigt.
+Sie hat den Namen davon, daß sie wie gespalten aussieht, denn split oder
+splet ist die niederdeutsche Form für Spalt und bedeutet die Stelle, wo
+oder von wo aus sich etwas spaltet, der Scheidungspunkt zweier Schenkel,
+Wege, Linien; von spliten oder spleten = spalten, von einer Wurzel spar,
+spal = auseinandergehen.<a id="Page_454"></a>
+ <span class="pagenum">[454]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Sporn</span>, der, ist die spitz zulaufende Verlängerung des Vorstevens bei
+Panzerschiffen, die sie in den Stand setzt ein anderes Schiff zu rammen;
+daher man auch Rammsporn sagt. Der Reiter hat den Sporn hinten, das
+Schiff vorne, das Eigentümliche der Bedeutung aber ist &#8222;mit den Füßen
+stoßen,&#8223; daher ist auch Spur damit verwandt. (Kluge 355).</p>
+
+<p><span class="strong1">splissen</span> heißt zwei Taue so zusammenfügen und in einanderflechten, daß
+an der fest zusammengefügten Stelle kein Knoten und auch keine merkliche
+Verdickung eintritt. Damit solches geschehen könne, muß man zuerst das
+Gegenteil von Zusammenfügen vornehmen, nämlich die beiden Taue, die mit
+einander verbunden werden sollen, einzeln mittelst des Marlspikers
+spalten und auseinander teilen, damit dann die beiden Teile ein jeder
+mit seinen einzelnen Teilen gegenseitig in einander eingesteckt und
+durch einander durchgesteckt werden können. Splissen nennt man zunächst
+eigentlich nur dieses Spalten, dann aber die ganze dazu gehörige Arbeit;
+hochdeutsch spleißen, mittelhochdeutsch splizen; davon auch Splitter als
+etwas Gesplissenes. &nbsp;&mdash;&nbsp;Mit dem Splissen geht das Knoten Hand in Hand. Die
+beiden Künste werden dem angehenden Seemann zusammen beigebracht.
+Deshalb heißt der Unterrichtsgegenstand stehend &#8222;Splissen und Knoten&#8223;.
+Die verschiedenen Knoten kunstgerecht zu machen ist auch wirklich eine
+Kunst. Der sinnigste und bedeutsamste ist der englische truelove-knot
+oder truelover's-knot, ein künstliches, symbolisches Gebilde, das sich
+ohne Abbildung kaum beschreiben läßt, zumal es verschiedene Arten gibt.
+Als die Preußische Marine eingerichtet wurde und das
+Schiffsjungen-Institut ins Leben trat (24. April 1850), wollte man eine
+Zeit lang sich aufs Vornehme aufspielen und sagte anstatt knoten
+knüpfen. Das hat aber nicht lange gedauert.</p>
+
+<p><span class="strong1">Splitterdeck</span>, das. &#8222;Ein in der Richtung der Unterkante des Seitenpanzers
+liegendes und mit einer stärkeren Beplattung als die gewöhnliche
+Decksbeplattung versehenes Zwischendeck heißt Splitterdeck.&#8223; &#8222;Es ist in
+der Regel nur dann vorhanden, wenn sich an der Oberkante des
+Gürtelpanzers ein Panzerdeck befindet.&#8223; (Dick u. Kretschmer). Es hat die
+Bestimmung, die unter ihm gelegenen Räume gegen Splitterwirkung zu
+schützen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sponung</span>, die. Das ostfriesische Zeitwort sponen heißt spalten,
+abspalten, einkerben. An den Stellen wo ein Balken an<a id="Page_455"></a>
+ <span class="pagenum">[455]</span> den andern
+anstößt oder mit ihm verbunden werden soll, muß, damit er sich fest
+anlegt, aus dem einen Balken ein Stück von der Gestalt des anderen
+herausgeschnitten werden. Dieser Schnitt heißt die Sponung. Nach
+Doornkaat hängt das Wort mit Spahn zusammen, denn auch diesem liegt der
+Begriff des Gespaltenen zu Grunde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spriet</span>, das, eine Stange, Spiere, ein Baum; die Stange die diagonal ein
+sogenanntes Sprietsegel ausspannt und der schräg liegende Baum, der als
+Mast angesehen werden kann und, weil er am Bug hinausragt, Bugspriet
+heißt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es kommen in Spriet zwei Begriffe zusammen. An sich bedeutet
+es, als von sprießen stammend, als etwas Gesprossenes, einen Baum, eine
+Stange, einen Stab oder Stecken; Kilian: spriet = baculus pastoralis,
+angelsächsisch spreot = Stange, Pfahl, Spieß; niederdeutsch spret. &#8222;Als
+der Schwedenkönig Erich die Schlacht bei Fyriswall gegen Styrbiörn
+schlagen sollte, opferte Styrbiörn dem Thor, aber Erich dem Odin, weihte
+sich ihm und bestimmte die Frist seines Todes auf zehn Winter. Da sah er
+einen großen Mann mit breitem Hute, der gab ihm seinen Rohrstengel
+(reyrsproti) in die Hand, ihn über das feindliche Heer mit den Worten zu
+schießen: &#8222;Odin hat euch alle!&#8223; Als das geschah, erschien ein Wurfspeer
+in der Luft, flog über Styrbiörns Schlachtreihen und schlug sein
+Kriegsvolk wie ihn selbst mit Blindheit.&#8223; (Simrock, Myth. 176) &nbsp;&mdash;&nbsp; Sodann
+aber spielt, weil, wie erwähnt, ein Spriet bei manchen Segeln zum
+Ausspannen gebraucht wird, auch der Begriff <span class="strong1">spreizen</span> dazwischen. Man
+kann die Begriffe aber so auseinander halten, daß man sagt: bei
+Bugspriet steht der von Baum, bei Spriet der von spreizen im
+Vordergrunde; beide aber stammen von der germanischen Wurzel sprut,
+emporwachsen; mittelhochdeutsch spriezen; angelsächsisch sprutan,
+englisch sprit; niederländisch spruiten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Spring</span>, der, auch <span class="strong1">Sprung</span>, ist der Auflauf des Vor- und Hinterschiffes im
+Vergleich zum Mittelschiff, so daß dieses der niedrigste Teil des
+Schiffes ist; die Erhebung des Decks nach vorn und hinten zu. Diese
+Erhöhung hat Einfluß auf die Freibordhöhe. Das Wort kommt von springen
+im Sinne der Architektur. Wie man sagt: &#8222;die Ecke springt vor&#8223;, so ist
+hier gedacht: &#8222;das Deck springt höher.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Spring</span>, der. Wenn man aus irgend einem Grunde das<a id="Page_456"></a>
+ <span class="pagenum">[456]</span> Schiff nicht so
+liegen haben will wie es sich, von der Strömung abgesehen, von selbst
+zum Winde legt; wenn man also nicht haben will, daß der Wind von vorne
+kommt, sondern, besserer Ventilation oder &nbsp;&mdash;&nbsp; beim Kohlen-Übernehmen &nbsp;&mdash;&nbsp;
+grösserer Reinlichkeit wegen, von der Seite; oder wenn nicht Raum genug
+da ist um in der gewöhnlichen Weise vor Anker zu liegen; oder man will
+als Kriegsschiff seine Breitseite gegen eine feindliche Stellung kehren
+&nbsp;&mdash;&nbsp; so gibt man dem Schiffe die gewünschte Lage dadurch, daß man das
+Hinterteil mit Hilfe einer ausgebrachten Trosse dreht. Diese Trosse kann
+an der eigenen Ankerkette oder an einem Ducdalben oder einer Boje oder
+sonstwie festgemacht werden. Man sagt dann: &#8222;das Schiff liegt auf dem
+Spring&#8223;, &#8222;ist auf den Spring geholt.&#8223; Unter den schier zahllosen Dingen
+und Begriffen, die im Englischen mit Spring bezeichnet werden, befindet
+sich auch diese Trosse, &#8222;a rope passed out of a ships stern, and
+attached to a cable proceeding from her bow, when she is at anchor. It
+is intended to bring her broadside to bear upon some object.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Springflut</span>, die. Das Gegenteil von Nipflut. Während diese letztere die
+Flut zur Zeit der Mondviertel bedeutet, da die Flut am niedrigsten ist,
+bedeutet Springflut die höchste Flut wie sie zur Zeit des Vollmondes und
+Neumondes einzutreten pflegt. Man hat Spring für englisch ausgeben
+wollen. Es ist deutsch, niederdeutsch. In Ostfriesland heißt Spring das
+Aufspringen, Aufsteigen, Aufquellen, Aufwallen von Wasser; in Holland
+spring Quelle, Springbrunnen, Springflut, Ursprung. Aus &#8222;entspringen&#8223;
+und &#8222;Springbrunnen&#8223; sehen wir, daß auch im Neuhochdeutschen das
+althochdeutsche Spring, sprinc, = Quell, nicht ganz geschwunden ist. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Wie gedankenlos man zuweilen mit der Sprache umgeht beweist der
+Ausdruck, den man hören und auch lesen kann: Springebbe, der aber ganz
+mechanisch und äußerlich ohne Rücksicht auf den Sinn von Spring als
+einfacher Gegensatz von Springflut gebildet worden ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Dat de Mahn
+de Ebbe und Floht regeret, und de Vorloping des Getides verorsaket, ys
+jetzunder by ein jeder, und insunderheit by den Seefahrenden genoch
+bekandt, welckes Natur und Egenschop ys beschreben van Renates
+descartes, in dem Anfang sinder begehrden Wyßheit, int veerde Deel, dar
+He anwiset, dat erenehr de Mahn full, offt nie ys, dat alßdenn de
+Flothen höger, und de Ebben syder fallen,<a id="Page_457"></a>
+ <span class="pagenum">[457]</span> welckes by uns ein
+Sprinckstrohm genöhmet werd&#8223; ... &#8222;Beschriving van der Kunst der
+Seefahrt&#8223;, Lübeck 1673.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stab</span>, der eines Kriegsschiffes, wird gebildet von den Offizieren und
+höheren Beamten. Im Mittelhochdeutschen war stap = Stab, wie jetzt der
+Feldmarschallstab das Zeichen hoher militärischer Gewalt, das Zeichen
+amtlicher, besonders auch richterlicher Gewalt. &#8222;Der Stab&#8223; im
+neuzeitlichen Sinne sind die Gehilfen, die ausführenden Kräfte, die ein
+Befehlshaber um sich versammelt hält, auch wenn er nicht grade den Stab
+im mittelalterlichen Sinne als Abzeichen seiner Amtsgewalt trägt, wie
+die Polizisten in England noch heute tun. &nbsp;&mdash;&nbsp; Stabsarzt, Stabsingenieur,
+Stabszahlmeister sind jetzt lediglich Bezeichnungen eines Dienstgrades.</p>
+
+<p><span class="strong1">Staden</span>, der, ist leider kein eigentliches Seemannswort, weil nur von
+oberdeutschen Schiffern gebraucht; Straßburg, Basel, Zürich haben ihre
+Staden. Es bedeutet das Wort Flußufer, eine Stelle wo man stehen und wo
+man Güter hinstellen kann. Von der indogermanischen Wurzel sta = stehen,
+von der auch Gestade kommt. Betrübenderweise schon mehrfach durch quai
+verdrängt, (Limmatquai in Zürich). Wenn man noch wenigstens, da Quai
+ursprünglich ein niederdeutsches Seemannswort war, die Form Kai oder
+Kaje gewählt hätte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stag</span>, das, ein dickes Tau, durch das jeder Mast und jede Stenge ihre
+Befestigung nach vorne erhält, während die Wanttaue zur Befestigung der
+Masten nach beiden Seiten und nach hinten zu dienen. Die Stage halten
+die Masten hauptsächlich beim Stampfen des Schiffes, die Wanten beim
+Schlingern. Jeder Mast und jede Stenge hat ein Stag; es fährt um den Top
+und von da nach dem Fuß des nächstvordern Mastes oder der nächstvordern
+Stenge, beim Vortop oder bei einmastigen Schiffen nach den
+entsprechenden Stellen des Vorgeschirrs. &nbsp;&mdash;&nbsp; Niederländisch stag,
+isländisch, norwegisch, schwedisch, dänisch stag; englisch stay,
+französisch étai, spanisch und portugiesisch estay. Das Wort kommt von
+stan = stehen, als etwas, was etwas stehen macht, stützt;
+mittelniederdeutsch staeden, staeyen; bei Kilian staede, staye, Stütze,
+Hilfe. &nbsp;&mdash;&nbsp; Aber nicht nur zur Stütze der segeltragenden Masten und
+Stengen dienen die Stage, sie tragen nebenbei auch selbst Segel,
+dreieckige, <span class="strong1">Stagsegel</span> genannt, die näher bezeichnet und benannt werden
+nach den Stagen an denen sie<a id="Page_458"></a>
+ <span class="pagenum">[458]</span> fahren. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wenn man das Schiff
+wendet so gehen die Stagsegel von der einen Seite über das Stag auf die
+andere Seite; daher man das Wenden auch nennt &#8222;<span class="strong1">über Stag gehen</span>.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Staglaterne</span> ist eine Laterne, die am Vorstengestag gehißt wird, hoch in
+der Mitte zwischen beiden Positionslaternen, zum Zeichen daß das Schiff
+unter Dampf ist. Auch die Ankerlaterne wird in ähnlicher Weise, doch
+niedriger, gehißt, zum Zeichen, daß das Schiff vor Anker liegt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Über
+Stagläufer s. Läufer. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein schöner dichterischer Ausdruck für Pferd
+findet sich in der Edda: stagstjorn-marr, Stagsteuermähre, also ein
+Pferd das Stag und Steuer hat, dem der Zaum und Zügel als Halt dient und
+die Richtung angibt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Stagtalje, Stagtakel erklären sich von selbst.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Von Stag ist seemännisch ein Zeitwort gebildet: <span class="strong1">stagen</span> = stützen. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<span class="strong1">Wasserstag</span> heißt das Stag des Bugspriets nach dem Vorsteven zu, weil es
+so nahe am Wasser, das dem Wasser nächste Stag, ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es gibt auch
+noch einen von &#8222;wenden&#8223; verschiedenen Sinn von &#8222;über Stag gehen&#8223;,
+nämlich den von &#8222;fallen, umfallen&#8223;; wenn das Schiff z.&nbsp;B. plötzlich sehr
+&#8222;überholt&#8223;, sich unvermutet sehr auf die Seite legt, so geht etwas das
+nicht fest, seefest gezurrt ist &#8222;über Stag&#8223;, d.&nbsp;h. es verliert seinen
+Halt, seine Stütze, sein Gleichgewicht und fällt um.</p>
+
+<p><span class="strong1">staken</span> wird seemännisch für die Tätigkeit zur Fortbewegung eines
+kleineren Fahrzeuges in seichtem Wasser mit Hilfe von Staken oder
+Stangen gebraucht. Der Stakende stößt mit der Stake in den Grund und
+stößt so das Schiff vorwärts. Das niederdeutsche stake = Stange ist uns
+Hochdeutschen in dem Worte Stacket, Zaun von Pfählen, durchgeschnittenen
+Stangen, geläufig.</p>
+
+<p><span class="strong1">Standarte</span>, die, die Flagge des Landesherrn und der Mitglieder seines
+Hauses, im Großtop gehißt, die Gegenwart der Genannten an Bord
+anzeigend. Mittelhochdeutsch stanthart; bei Stieler 1691 Standart,
+mitttelniederdeutsch standart, bei Kilian standaerd = vexillum, signum;
+altfranzösich estendart, neufranzösisch étendart, spanisch estandarte,
+provençalisch estendart; italienisch stendardo, mittellateinisch
+standarda, vom lateinischen Zeitwort extendere = ausbreiten.
+Ursprünglich eine Reiterfahne.</p>
+
+<p><span class="strong1">stampfen</span>, s. schlingern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stander</span>, der.</p>
+
+<p>1. Eine dreieckige Signalflagge, s. Standarte.<a id="Page_459"></a>
+ <span class="pagenum">[459]</span></p>
+
+<p>2. Verschieden von 1, auch der Ableitung nach, ist Stander,
+niederländisch staander, ein &#8222;Stehender&#8223;, nämlich ein stehendes Tau oder
+eine stehende Kette zum Tragen und Halten von Lasten, z.&nbsp;B.
+Drehreepstander, Kohlenstander. Stehend ist aber, wie Kohlenstander
+beweist, nicht im Sinne von &#8222;aufrecht stehend&#8223; gemeint, sondern im Sinne
+von &#8222;fest stehend&#8223;, im Gegensatz zu laufend, zu &#8222;laufendem Gut&#8223; als
+&#8222;stehendes Gut&#8223; betrachtet.</p>
+
+<p>3. Stander, der, oder Ständer, eine aufrecht stehende Stütze aus
+(hohlem) Eisen, an Stellen wo sie beim Exerzieren, im Gefecht u.&nbsp;s.&nbsp;w.
+hinderlich sind, beweglich und abnehmbar.</p>
+
+<p>Die beiden Stander 2. und 3. kommen von stan, stehen; Stander unter 1.
+von extendere, ausbreiten, entfalten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stänge</span>, die, ist die Verlängerung des Mastes nach oben in der
+Reihenfolge Marsstänge, Bramstänge, Öberbramstänge. Eine vielgebrauchte
+Nebenform dazu ist Stenge, wie Stänge selbst Nebenform zu Stange ist.
+Eine Diminutivform zu Stange ist Stengel. Die Verlängerung des
+Bugspriets heißt nicht Stänge, sondern Baum, Klüverbaum, Außenklüverbaum
+oder Jagerbaum.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stapel</span>, der, ist das Gestell, das Gerüst, die Unterlage von hölzernen
+Stapelklötzen auf dem der Kiel eines im Bau (oder im Dock) befindlichen
+Schiffes ruht. Ist das Schiff fertig, so wird es vom Stapel gelassen, es
+läuft vom Stapel, sein Stapellauf findet statt. Zur Erklärung geht man
+wohl am besten auf das altfriesische stapul, stapel zurück, das den
+Block bedeutete, auf dem ein Kopf oder eine Hand abgehauen wurde, den
+Richtblock. Es ist also Stapel die aus dergleichen Stapeln errichtete
+Unterlage, auf der das Schiff beim Bau aufliegt. Weil nun diese
+Stapelklötze in gerader, geordneter Reihe liegen, so heißt stapeln etwas
+z.&nbsp;B. Holz, geordnet hinlegen oder hinsetzen, und zwar nicht bloß in
+einer Reihe, sondern wenn es die Ordnung erfordert auch auf einen
+Haufen; daher &#8222;ein Vermögen aufstapeln&#8223;, besonders auch Güter
+aufstapeln, namentlich gelöschte Ladungen, die aufzunehmen gewisse
+Städte das Vorrecht vor anderen hatten, das sogenannte <span class="strong1">Stapelrecht</span>, wie
+es lange Zeit Emden für die Ems besaß. Daher niederländisch
+staapel-plaats (1704 bei Aubin), ein öffentlicher Handelsplatz, wohin
+die Kaufleute gewisser Gegenden ihre Waren bringen müssen um sie zum
+Verkauf auszustellen. Das Bremer Wörterbuch erklärt stapel mit &#8222;Haufe,
+nämlich ein ordentlicher gelegter Haufe in richtiger Reihe&#8223;, so wie die
+Stapelklötze<a id="Page_460"></a>
+ <span class="pagenum">[460]</span> liegen. Das Wort kommt von einem alten Thema stap,
+von dem das altsächsische Zeitwort stapan = setzen, stellen stammt.
+Kilian übersetzt stapel mit stabulatio, sedes, statio. Auch sonst kommt
+das Wort im Mittelniederdeutschen in zahlreichen Bedeutungen vor, z.&nbsp;B.
+auch in der von &#8222;Haublock eines Knochenhauers.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">stauen.</span></p>
+
+<p>1. Wasser stauen heißt es irgendwie hemmen, daß es nicht weiter fließen
+kann, abdämmen, durch einen Damm am Fließen hindern, zum Stehen bringen.</p>
+
+<p>2. Waren in einem Schiffsraum unterbringen, niedersetzen, aufstellen,
+ihnen den richtigen Stand und die rechte Stelle geben, sie sachgemäß
+unterbringen, sie so legen oder stellen, daß sie nicht über Stag gehen.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Im übertragenen Sinne: viel essen.</p>
+
+<p>Beide Bedeutungen kommen in der einen überein &#8222;<span class="strong1">stehen machen</span>&#8223;.
+Niederdeutsch stauen; mittelniederdeutsch stouwen, stowen, auch in der
+Zusammensetzung understouwen. In einem Hansischen Vertrag von 1442 heißt
+es: &#8222;Unde de schipher schal deme kopmanne de vittallige (Lebensmittel)
+understouwen, unde schal sulven nene vittallige offte kopmansgud up den
+averlope (Overlop zwischen Back und Schanze) voren&#8223;. Altenglisch steowin
+und stowin, englisch stow; althochdeutsch stowan, stouwan, stuwan;
+mittelhochdeutsch stouwen = hemmen, stauen, stehend machen; aus einer
+Wurzel sta, stu = stehen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stechbolzen</span>, der, ist ein einfaches Tauende mit einem Auge an der einen
+Seite. Die Stechbolzen dienen dazu, den Teil des Segels der durch die
+Reeftaljen an die Rahe herangeholt ist an diese festzustecken. Das Wort
+ist Verhochdeutschung von Stekbolzen. Stek ist etwas was durch
+Durchstecken eines Taues durch ein Auge entstanden ist. Bolzen ist ein
+Etwas, das nach dem Ende hin verdickt ist; der Stechbolzen ist durch das
+Auge verdickt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stechschwert</span>, das, s. Schwert.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stehendes Gut</span>, s. Stander 2.</p>
+
+<p><span class="strong1">Steife</span>, die, s. Metacentrum.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stek</span>, der. Wenn man das Ende eines Taues mit dem Tau selbst
+zusammensteckt nachdem dieses um den zu befestigenden Gegenstand gelegt
+ist, und zwar so zusammensteckt, daß durch das Durchstecken des Endes
+eine Schlinge entsteht, die nicht schliert wenn Kraft darauf kommt, also
+nicht sich zum Knoten<a id="Page_461"></a>
+ <span class="pagenum">[461]</span> zusammenzieht, sondern leicht löslich
+bleibt, so hat man einen Stek gemacht. Man kann ihn auf verschiedene
+Weise machen. Je nachdem er gemacht ist oder nach dem Zwecke des
+Gebrauches hat er verschiedene Namen. <span class="strong1">Ankerstek</span>, der Stek mit dem das
+Ankertau am Röring des Ankers befestigt wird; <span class="strong1">Fischerstek</span> der, mit dem
+man Säcke zum Ein- und Ausladen befestigt; <span class="strong1">Schotenstek</span>, mit dem man die
+Schot an das Schothörn festmacht; <span class="strong1">Trompetenstek</span> zur einfachen Verkürzung
+eines zu langen Taus, das man nicht abschneiden will; <span class="strong1">Zimmerstek</span>, um
+Rundhölzer beim Hissen gelegt; <span class="strong1">Sackstek</span>, um zwei Taue an einander zu
+binden, u.&nbsp;a.&nbsp;m. Ein Palstek (s. d.) ist ein Stek mit dem man eine Troß
+um einen Pfahl, einen Dücdalben legt. Das Nähere gehört in das Gebiet
+der speziellen Seemannschaft. Das Wort steht als niederdeutsche Form für
+Stich, es ist gewählt, weil das Ende durchgesteckt wird; stecken aber
+ist Faktitivum zu stechen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stell</span>, das, ist ein echt seemännischer kurzer, knapper Ausdruck für
+Zusammenstellung. Man spricht von einem Stell Segel, das bedeutet eine
+Zusammenstellung von Segeln, so daß von jedem Segel das an Bord geführt
+wird, ein Exemplar vertreten ist; ebenso von einem Stell Flaggen etc.
+etc. Es bedeutet also das was wir im Hochdeutschen mit dem Fremdworte
+Sortiment bezeichnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stelling</span>, die, ist ein Gestell, das aus einigen Querhölzern mit Brettern
+darüber besteht und an Tauen schwebt, so wie es die Maler haben wenn sie
+ein Haus anstreichen. An Bord gebraucht man eine Stelling um außenbords
+die Nahten zu kalfatern, die Außenbordwand zu malen, die Stängen zu
+schrapen u.&nbsp;s.&nbsp;w. Es heißt eigentlich Stelling, nicht sowohl weil es
+steht, sondern man sich darauf stellen kann; meist aber sitzen die
+Matrosen darauf und lassen die Beine herunterbaumeln.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stenge</span>, s. Stänge.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stern</span>, der, s. steuern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Steuerbord</span>, die rechte Seite des Schiffes von vorn bis hinten, die ganze
+rechte Seite und zwar von hinten aus gesehen, in der Richtung der Fahrt
+betrachtet. Es ist der Bord über den in alter Zeit gesteuert wurde als
+dies noch mit einem Riemen oder einer Pagaie geschah. Vergl. <span class="strong1">Backbord</span>.
+Steuerbord heißt in Holland stuurboord, sprich stürboord. Von da haben
+es die Franzosen übernommen mit der Aussprache stirbord und haben daraus
+durch Umstellung (Metathesis nennen<a id="Page_462"></a>
+ <span class="pagenum">[462]</span> es die Schriftgelehrten)
+stribord gemacht. Weil nun stribord die rechte Schiffsseite ist, so
+haben es nachher etliche aus dem Lateinischen deuten wollen, als ob es
+eine Abkürzung von dextribord wäre, und dextribord hat es auch eine Zeit
+lang auf französisch geheißen, bis man sich besann und wieder zu
+stribord zurückkehrte; da man ja in der französischen Seemannssprache
+schon so viele deutsche Seemannswörter hatte, kam es auf eins mehr auch
+nicht an. &nbsp;&mdash;&nbsp; Mittelniederdeutsch sturbord; Seebuch (1400): &#8222;De dar wil
+segelen to Kalkesorde de sal laten dat twedeel van dem watere an
+backbort van eme unde dat dorde deel an sturbort.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Lucas Jansson
+Waghenaer, 1588 im &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223; hat stuyerboort: &#8222;... so
+sietmen aen stuyerboort een cleyn Eylant daer een Kercxken op staet.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Steuerbordwache</span>, s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Steuermann</span>, der, war früher der Mann der steuerte, indem er am Stern
+sitzend mit einem Ruder freihändig dem Fahrzeug die Richtung gab. In der
+Edda heißt er stjori = Lenker, angelsächsisch steorman, altenglisch
+steores mon, althochdeutsch stiurman, mittelhochdeutsch stiure,
+stiurman; (stieurmeier heißt dagegen Steuereinnehmer); althochdeutsch
+und mittelhochdeutsch auch scifmeister, Schiffsmeister. &nbsp;&mdash;&nbsp; Jetzt steuert
+der Steuermann nicht mehr, er ist (wohl auch nicht grade respektvoll
+&#8222;Stürke&#8223; genannt) auf Handelsschiffen der Mann, der die Navigierung
+besorgt, nachdem er auf einer Steuermannsschule die Prüfung bestanden
+hat; auf Kriegsschiffen ist er ein Deckoffizier, der mit seinen
+Steuermannsmaaten und Steuermannsgasten das Navigationsressort unter
+Aufsicht und Verantwortung des Navigationsoffiziers verwaltet. Das
+Steuern besorgen auf dem Schiffe die Rudergänger, im Boot der
+Bootssteurer.</p>
+
+<p><span class="strong1">steuern</span>, ein Schiff, ein Boot lenken. Altenglisch steoren;
+angelsächsisch steoran, stieran, styran; althochdeutsch stiuran;
+altfriesisch stiura, stiora, isländisch styra. Gothisch stiurjan;
+mittelhochdeutsch stiuren. Zur Erklärung geht man passend von dem
+niederdeutschen Eigenschaftswort stur aus, das &#8222;stark&#8223; bedeutet, und
+vergleicht dazu die Bedeutungen dieses mittelhochdeutschen stiuren:
+stützen, lenken, leiten, lindern, beschränken, Einhalt tun, mäßigen,
+treiben, stoßen, bedrängen, unterstützen,<a id="Page_463"></a>
+ <span class="pagenum">[463]</span> helfen, wozu verhelfen,
+versehen mit, beschenken, ausstatten, als Abgabe entrichten, Steuer
+zahlen, Steuer auflegen, erheben. Dann leuchtet die Annahme Schades doch
+sehr ein, daß das althochdeutsche stiuri, stark, der Ursprung und
+Grundbegriff von steuern sei. Ein Starker mußte das Ruder führen, ja der
+Stärkste wird es geführt haben in einer Zeit, wo man weder Pinne noch
+Rad besaß, sondern der Steuernde saß im Heck, oder vielmehr in dem von
+stiuren den Namen führenden <span class="strong1">Stern</span>, und lenkte mit dem Ruder (daher
+Steuerruder, stiurruodar, was damals paßte, jetzt aber nicht mehr gesagt
+werden kann, seemännisch auch nicht gesagt wird) fest und sicher das
+Fahrzeug durch Klippe und Brandung, indem er das Ruder aus freier Hand
+regierte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von dieser Tätigkeit des Regierens bis zu einem wirklichen
+Regiment war nur ein Schritt. In Zeiten wo es gilt, richtet sich der
+Blick aller auf den Stärksten, Mutigsten, Kühnsten. Der Stärkste am
+Ruder ward wie von selbst der Führer, der Herr, der Häuptling, der
+Herzog der anderen; er kam ans Staatsruder, an die Regierung,
+angelsächsisch steor, styr; altenglisch steore; althochdeutsch stiura;
+wie man denn im Niederländischen noch heute jedes Regiment bestuur
+nennt: gemeentebestuur, huisbestuur, scheepsbestuur, staatsbestuur,
+stadsbestuur, ja jeden Vereinsvorstand. So erklärt sich auch Steuer als
+Abgabe. Zunächst freiwillige Abgabe an den Stärkeren zur Unterstützung
+bei seinem Aufwand für das gemeine Wesen, gegeben auf seine Bitte hin.
+Daraus ward dann nach und nach ein Herkommen, ein Sitte; und wie es von
+der bede zur sede ging, so ging es nach und nach von der sede zur wede,
+zum Gesetz. Daneben aber blieb das Geschenkmäßige in Aussteuer und
+Haussteuer, wie mundartlich ein Hochzeitsgeschenk noch heute genannt
+wird, Geschenk ins (neue) Haus. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wie die beiden Begriffe steuern und
+regieren zusammenhängen sieht man aus dem Teuthonista: stuyren: regieren
+een scheep of <span class="strong1">anderswat</span>, oder sonst etwas; ja bereits im Beówulf finden
+wir styrian sowohl für lenken als auch für feststellen, ordnen. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Das <span class="strong1">Steuer</span>, also das was man seemännisch jetzt Ruder nennt, die
+Steuervorrichtung, hieß mittelniederdeutsch stur, stür; davon kommt die
+mittelniederdeutsche, auch im niederdeutsch-seemännischen Sprachgebrauch
+noch vorhandene Wendung &#8222;over sture&#8223;, rückwärts, &#8222;over stür gan&#8223;,
+zunächst vom Schiff = &#8222;über den Achtersteven gehen&#8223;, rückwärts getrieben
+werden, dann auch bildlich: &#8222;den Krebsgang gehen.&#8223;<a id="Page_464"></a>
+ <span class="pagenum">[464]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Stert</span>, der, ist ein kurzes Tauende das an einem Block &nbsp;&mdash;&nbsp; der darum
+Stertblock heißt &nbsp;&mdash;&nbsp; befestigt, gesplißt ist und an dem der Block
+irgendwo, wo er grade gebraucht werden soll, festgebunden werden kann.
+Einen ähnlichen Stert hat die Ankerboje zum Anfassen, die Leesegelspier
+zum Befestigen. Stert heißt im Niederdeutschen Schwanz, das
+althochdeutsche sterz, mundartlich noch heute als Sterz im Gebrauch. Der
+Ausdruck kommt von der Ähnlichkeit; ein Block mit einem Stert sieht
+einem kurzen dicken Tier mit einem langen Schwanze ähnlich. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+Mittelniederdeutschen war stert, wie es scheint, ein sehr beliebtes
+Wort, man wandte es sogar, weniger fein als deutlich, auf Menschen an:
+&#8222;Id syn itlike lude, die ore kleidere so kort maken, dat men sie achter
+in den stert mach syn.&#8223; Hirsch, Danziger Handelsgeschichte, berichtet
+aus dem Jahre 1447 von deutschen Seeleuten die den englischen gram
+waren: &#8222;vnd also in tauernen sittende seyden se, se wulden den
+Engelschen de sterte vor dem ersse aff houwen.&#8223; Im Redentiner Osterspiel
+von 1464 sagt der Teufel Oberster Lucifer zu seinen Unterteufeln: &#8222;De
+krugerschen myt ereme tappen Unde ok den monnik mit syner cappen. De
+holdet alle bi deme sterte.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Seebuch (1400) wird stert als
+Bezeichnung des spitzen Ausläufers eines Sandes, einer Sandbank
+gebraucht: &#8222;Item van den sulven sande strecket eyn stert aff, de het de
+Speyt&#8223; ... &#8222;Unde buten der Seynis sal he vinden 55 vadem, unde komet
+nicht neyer by nachte, umme des stertes willen, wente he strecket verne
+in de see.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Steven</span>, der, ist ein starker auf und nieder stehender Balken am Bug und
+am Heck, der an diesen Stellen die Gestalt des Schiffes bestimmt; den
+Lauf des Bugs vorne und die Form des Hecks hinten; vorn heißt er
+Vorsteven, hinten Achtersteven; an den Steven stoßen die Seitenplanken
+der beiden Borde an und sind mit ihm durch eine Sponung verbunden.
+Früher kannte man es nicht anders als daß der Vorsteven weit überkragte,
+auslud oder überschoß, oft um den achten Teil der ganzen Schiffslänge.
+Dem modernen Dampfschiffsbau blieb es vorbehalten, den Vorsteven
+zurückspringen oder wenigstens senkrecht verlaufen zu lassen; für das
+Auge des Seemanns keine Verschönerung. Auch ist bei den großen neuen
+eisernen oder stählernen Schiffen der Steven längst kein Balken mehr,
+sondern eine in einem Stück gegossene Eisen- oder Stahlmasse. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das
+Wort Steven gehört<a id="Page_465"></a>
+ <span class="pagenum">[465]</span> in das weitverbreitete Gebiet der Wurzel sta =
+stehen, und zwar so daß Stab und Stamm dabei mitspielen und einmal mehr
+Stab, das andere Mal mehr Stamm in den Vordergrund tritt. Altsächsisch
+stamn, ein aus einem Stamm (Einbaum!) gefertigtes oder mit einem Stamm
+(Steven) versehenes Fahrzeug. Altfriesisch stef, stev, Pfahl, Stab,
+Grenzpfahl, vor allen Dingen ein Kreuzpfahl, an dem jemand zum Beweise
+seiner Unschuld eine gewisse Zeit unbeweglich mit ausgebreiteten Armen
+stehen mußte. Hielt er die gesetzte Zeit nicht aus, so wurde er
+sachfällig. Auch standen beide Parteien am Kreuze, und der es am
+längsten aushalten konnte, erhielt die triumphante Sentenz, wie Wiarda
+mitteilt. Dieses Ordale genannte examen crucis hat übrigens Ludwig der
+Fromme schon abgeschafft. &nbsp;&mdash;&nbsp; Angelsächsisch stafn, stefn, stemn =
+Baumstamm und Steven. Steven ist also der Teil des Schiffes der durch
+einen Stamm Festigkeit erhält, durch ihn verstärkt und versteift ist.
+Das bezieht sich allerdings besonders auf das Vorderteil des Schiffes.
+Aber es war in alten Zeiten schon so und ist auch heute noch so, daß,
+wenn kurzweg von Steven die Rede ist, man zuerst und hauptsächlich an
+den Vorsteven denkt. Schon in der Edda hieß stafn das Vorderteil des
+Schiffes und stafn-tjald war ein daselbst aufgeschlagenes Zelt. Auch die
+alten Friesen sagten stewen und meinten den Vorsteven; Emsiger
+Land-Recht: &#8222;Huarsoma annen ut smit eter stewene, that ma hine eter
+stiure wither haut&#8223;, wenn man jemanden beim Vorderteile des Schiffes
+auswirft, daß man ihn beim Hinterteile wiederkriegt. Das war auch im
+Mittelniederdeutschen so: Hamburger Chronik: &#8222;vnd synt de Hamborger vnd
+Bremer myt schepen tor seewert gerucket ... vnd weg genamen, wat en vor
+steuen gekamen is.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Steward</span>, der. Diese Bezeichnung des &#8222;Kellners&#8223; bezw. Ökonomen an Bord
+sieht sehr englisch aus, stammt aber von deutschen Eltern ab. Sie
+bedeutet ursprünglich einen Viehhüter. Das mag den Earls of Leicester,
+in deren Familie das Amt eines Lord high steward als das vornehmste im
+Lande erblich war, schon nicht mehr bewußt gewesen sein, aber Tatsache
+ist, daß das Wort angelsächsisch stigeward und stiward, altenglisch
+styward hieß und eine Zusammensetzung des altdeutschen Wortes stiga,
+Schweinestall, Schafstall, überhaupt Stall und wart Wärter ist. Insofern
+in alten Tagen, wie es Walter Scott im Ivanhoe an<a id="Page_466"></a>
+ <span class="pagenum">[466]</span> Cedrik und
+seinem Wambo so meisterhaft geschildert hat, der Viehstand eines
+vermögenden Mannes das Hauptstück seines Vermögens ausmachte, auch in
+jenen unruhigen und rechtsunsicheren Tagen ein energischer, mutiger,
+kampfgeübter Mann als Wächter, Hüter und Verteidiger dieses
+Besitzstandes nötig war, war dieses Amt gar nicht so unwichtig, und es
+nimmt uns nicht Wunder, daß solch ein Viehhüter sich allmählich zu
+höherem ausgewachsen hat. So gut wie der Marschall sich gefallen lassen
+muß, daß sein Amtstitel Pferdeknecht bedeutet, so gut kann es jeder
+Steward mit ansehen, daß er vom Stallknecht abstammt. Was man übrigens
+damals unter einem Stall verstand, war aber gewiß nichts weiter als ein
+Pferch, ein Verschlag von Latten, eine Hürde in die die Tiere des Nachts
+getrieben wurden. Nur so erklärt sich das sonst befremdliche altdeutsche
+Wort Stiga. Wir müssen annehmen, daß die Wände des Pferches wie eine
+Leiter, eine Stiege gestaltet waren und auch zum Steigen benutzt wurden.
+Ward ist ein weitverbreitetes, gemeingermanisches Wort, von dem auch das
+wie ein Fremdwort aussehende Garde stammt, auch Münzwardein, Wartefrau
+und Wirt (gotisch vairdus, sprich wärdus, noch heute wird Wirt vielfach
+wie Wärd ausgesprochen), wie denn der Begriff Wirt dem von Steward auf
+einem Kriegsschiffe auch in der Bedeutung sehr nahe kommt. Die ganze
+Sippe geht zurück auf althochdeutsch wartjan, warten, aufwarten, hüten,
+pflegen (daher êwart der Priester, der Hüter des Rechtes), gotisch
+vards, altfriesisch wardia, altenglisch ward, altisländisch vördr. Da
+das Wort unser deutsches Eigentum ist, so kann uns niemand verwehren es
+Ste-ward anstatt Stjuward auszusprechen: sprechen es doch selbst die
+Engländer nur in Folge der falschen Meinung Stjuard aus, daß es aus stew
+und ard bestände, da es doch aus ste und ward besteht.</p>
+
+<p><span class="strong1">stoppen</span> heißt in der Seemannssprache &#8222;eine Bewegung aufhalten&#8223;, &#8222;machen,
+daß etwas sich nicht weiter bewegt&#8223;, z.&nbsp;B. eine Maschine, ein laufendes
+Tau, eine Logleine, eine Ankerkette. Das entsprechende Kommando heißt:
+&#8222;Stopp&#8223; oder &#8222;Stop&#8223;! oft mit einer lang gedehnten scharf betonten Endung
+e, &#8222;Stoppé!&#8223; Im ganzen niederdeutschen Sprachgebiet heißt stoppen:
+stopfen, füllen, voll machen, verstopfen, dicht machen, stehend machen,
+hemmen, aufhalten, angelsächsisch stoppian, altsächsisch stuppon,
+althochdeutsch stoppon. Vom lateinischen stuppare, mit stuppa = Werg<a id="Page_467"></a>
+ <span class="pagenum">[467]</span> verstopfen, italienisch stoppare, altspanisch estopar, französisch
+étouper = &#8222;to stop with tow&#8223;. Diese Bedeutung &#8222;mit Werg verstopfen&#8223;
+führt uns den ursprünglichen Vorgang vor Augen: man verstopfte die
+Ausflußöffnung irgend eines Flüssigkeitsbehälters mit Werg und
+versperrte dadurch der Flüssigkeit den Weg, daß sie nicht in Bewegung
+geraten, daß sie sich nicht aus dem Gefäß herausbewegen konnte, von hier
+aus entwickelte sich die Bedeutung weiter bis zu dem allgemeinen
+Begriffe &#8222;hemmen.&#8223; Das Wort ist also mit stauen bedeutungsverwandt. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Bei Kilian wird het schip stoppen sogar noch mit kalfaten wiedergegeben,
+man dachte damals also noch an das Werg. &nbsp;&mdash;&nbsp;Es gibt an Bord verschiedene
+Arten eine Bewegung zu hemmen. Ein Tau wird mit einem Abstopper
+abgestoppt, der auch kurz Stopper heißt oder Taustopper, da er ein
+kurzes Tauende darstellt mit dem ein Tau, das geholt wurde, so lange
+festgehalten wird bis es belegt ist und sich selbst hält. Besonders
+wichtig sind, von der Dampfmaschine und ihren Vorrichtungen zum Stoppen
+abgesehen, die Stopper der Ankerkette. Je nach dem Orte wo sie in
+Tätigkeit treten oder nach der Weise wie sie arbeiten, spricht man von
+Zwischendecksstoppern, Decksstoppern, Kneifstoppern, Zungenstoppern und
+Schlippstoppern.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stosstalje</span>, die, dient, wie auch der Stoßstander, zum Abstützen der
+Unterrahen wenn das Schiff heftig schlingert und die Rahen sonst hin-
+und hergestoßen würden, oder wenn auf die Rahe durch das Hissen einer
+schweren Last viel Kraft kommt. Diese Taljen und Stander haben also
+ihren Namen nicht davon, daß sie stoßen, sondern davon, daß sie das
+Stoßen verhüten sollen. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">Strak</span>, die, ist die Richtung in der etwas verläuft, die Gestalt oder der
+Zug wie eine Sache sich ausdehnt. So spricht man von einer Decksstrak,
+einer Spantenstrak, einer Reelingsstrak und meint damit die Linien in
+denen sich ein Deck etc. etc. hinzieht. Linie, Strich, Zug, Reihe,
+Streifen, Strecke u.&nbsp;s.&nbsp;w. bedeutet nämlich das niederdeutsche Wort
+strack, das auch für Landstrich, Gegend gebraucht wird, es kommt von
+striken = strecken, eine Bewegung, einen Zug machen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Strand</span>, der, sonst ein Streifen am Meer, der bald von der Flut mit
+Wasser bedeckt, bald von der Ebbe trocken gelegt wird, der also einmal
+Land und einmal Wasser ist; so im &#8222;Seebuch,&#8223;<a id="Page_468"></a>
+ <span class="pagenum">[468]</span> 1400, und noch bei
+Röding 1794. Jetzt aber ziemlich gleichbedeutend mit Küste, namentlich
+wenn diese flach ist. Allenfalls daß man in Seebädern im besonderen
+Sinne von einem (sandigen, nicht schlickigen) Badestrande redet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch
+<span class="strong1">stranden</span> wird nicht mehr als scharf umgränzter Begriff gebraucht,
+sondern häufig mit scheitern zusammengeworfen, wiewohl man doch stranden
+kann ohne zu scheitern, da schon manches gestrandete Schiff aus eigener
+Kraft oder mit fremder Hilfe wieder flott geworden ist, sogar ohne
+irgendwelchen Schaden zu nehmen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort Strand ist ziemlich spät
+aus dem Niederdeutschen ins Neuhochdeutsche übergegangen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Was die
+sehr schwierige Deutung des so einsam und allein im weiten Sprachgebiet
+stehenden Wortes betrifft, so sieht es beinahe so aus als ob die
+Bedeutung &#8222;sandiger (Bade-)Strand&#8223; die ursprüngliche wäre, indem, wie
+Doornkaat anzunehmen geneigt ist, ein schallmalendes Thema stradht zu
+Grunde liegen könnte, daß das Knirschen des Sandes beim Betreten
+andeuten dürfte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Strandgut</span>, das, s. Seetriften.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stratus</span>, s. Cirrus.</p>
+
+<p><span class="strong1">Streckbug</span>, der. Beim Kreuzen hat man einen Weg die Segel nach der einen,
+den anderen Weg sie nach der anderen Seite gedreht; d.&nbsp;h. man hat sie
+einmal über den Backbord-, das andere Mal über den Steuerbordbug gebraßt
+und sagt dann: &#8222;wir fahren über den Backbord- oder über den
+Steuerbordbug.&#8223; Nun geschieht es, daß man über den einen Bug weiter in
+der Richtung des eigentlichen Kurses vorwärts kommt als über den andern,
+daß man über den einen Bug eine größere Strecke gewinnt, sich näher dem
+Ziele entgegenstreckt, darum heißt dieser Bug der Streckbug.</p>
+
+<p><span class="strong1">strecken</span>, den Kiel. Hier ist strecken in dem gewöhnlichen hochdeutschen
+Sinne dieses Wortes gebraucht. Es ist verwandt mit Strak im Sinne von
+Zug, Richtung, Verlauf. Den Kiel strecken heißt eigentlich ihn grade
+machen, ihm seine Ausdehnung in der vorgeschriebenen Richtung geben,
+bedeutet aber im weiteren Sinne alles was zu dem eigentlichen Anfang des
+wirklichen Baues eines Schiffes, der immer mit dem Kiel beginnt, gehört,
+die erste an die Öffentlichkeit tretende und etwas von dem zukünftigen
+Schiffe in die Erscheinung bringende Tätigkeit, nachdem der Zeichensaal
+und der Schnürboden ihre Schuldigkeit getan haben. Es ist mit<a id="Page_469"></a>
+ <span class="pagenum">[469]</span> dem
+Strecken des Kiels eine gewisse Feierlichkeit verbunden, und auch in
+dieser Hinsicht hat die Sache etwas von einer Art Grundsteinlegung an
+sich.</p>
+
+<p><span class="strong1">Strecktau</span>, das, s. Laufstag.</p>
+
+<p><span class="strong1">Strich</span>, der. Man hat die Kompaßrose oder -Scheibe in 32 Teile eingeteilt
+und jeden derselben mit einem Strich bezeichnet und ihm einen Namen
+gegeben. Diese 32 Striche nennt man ganze Striche. Jeder Strich ist aber
+noch einmal geteilt, und jeder dieser Teile noch einmal, so daß man auf
+Viertelstriche genau steuern kann. Das war in alten Zeiten anders. Da
+nahm man es nicht so genau. Von den Zeiten des &#8222;Seebuches&#8223;, 1400, sagt
+Breusing in der Einleitung: &#8222;Die Kompaßangaben im Seebuche gehen nur bis
+auf ganze Striche und nicht, wie dies jetzt gebräuchlich ist, bis auf
+Viertelstriche. Soll die Richtung genauer bestimmt werden, so wird der
+Zusatz &#8222;ein wenig nach&#8223; gebraucht (en luttik tegen norden), womit die
+Größe eines Viertelstriches gemeint sein wird, oder der Zusatz:
+&#8222;reichlich&#8223; (wal so nortlik, wal so sutlik), womit die Größe von beinahe
+einem halben Strich angedeutet sein mag.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">streichen</span> wird seemännisch in der weiteren Bedeutung des niederdeutschen
+Zeitwortes striken gebraucht; angelsächsisch strikan, altenglisch
+striken, englisch strike, altniederdeutsch strijken, althochdeutsch
+strichen, altisländisch strinka, mittelhochdeutsch strichen, strichen
+lazen = in Bewegung setzen. Striken bedeutet allgemeiner als das
+hochdeutsche &#8222;streichen&#8223; irgend eine beliebige Bewegung nach irgend
+einer beliebigen Richtung hin. Im Seemännischen kommt eine Bewegung nach
+zwei Richtungen hin in Betracht, eine abwärts und eine rückwärts.
+Abwärts wurden früher die Segel gestrichen, indem man als Zeichen der
+Unterwerfung, als Eingeständnis der Niederlage die Rahen fallen ließ, so
+daß die Segel von selbst mit niedergingen. Da man jetzt im Gefecht keine
+Segel mehr führt, so streicht das besiegte Schiff seine Flagge, d.&nbsp;h. es
+holt sie nieder. &nbsp;&mdash;&nbsp; Rückwärts werden die Riemen bewegt auf das Kommando:
+&#8222;Streich!&#8223; Teils streicht man an Backbord, wenn das Boot sich rascher,
+als das Ruder es bewirken kann, nach Backbord drehen soll, teils am
+Steuerbord, wenn es sich um die entgegengesetzte Richtung handelt; teils
+an beiden Seiten, wenn die Fahrt des Bootes plötzlich aufgehalten oder
+in eine rückläufige Bewegung geändert werden soll.<a id="Page_470"></a>
+ <span class="pagenum">[470]</span> &nbsp;&mdash;&nbsp; Im
+Mittelniederdeutschen kam striken auch wohl ohne Objekt vor, so daß es
+unentschieden bleibt, ob Segel oder Flagge gestrichen wurden, so
+allgemein bedeutete es &#8222;sich gefangen geben&#8223; Lübische Chronik: &#8222;Pawel
+sprack tho dem Lombarder, he scholde striken und geven de goder van
+sich&#8223;, daher denn auch striken ganz allgemein als &#8222;nachgeben, klein bei
+geben&#8223; gebraucht wurde. 1530: &#8222;De heillosen papen weren so trotzig, dat
+se vor gades wort endlick nicht stricken wolden, sundern bleven jummer
+stiff by eren dingen&#8223;; (Lüb. Reformationsgeschichte). So gut streichen
+bedeutet &#8222;aufhören zu kämpfen,&#8223; so gut könnte es auch bedeuten &#8222;aufhören
+zu arbeiten,&#8223; und wir hätten, wenn wir das Wort in diesem Sinne
+gebrauchen wollten, einen deutlichen deutschen Ersatz für das Fremdwort
+striken, die Arbeit einstellen, womit allen Mißhandlungen desselben bis
+hin zum &#8222;Stricke machen&#8223; ein Ende bereitet wäre; es wird ja ohnehin
+manchmal schon streiken geschrieben, und manchmal wird mit dem striken
+dem Arbeitgeber gewiß ein böser &#8222;Streich&#8223; gespielt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Dieses Streichen
+wirft auch das richtige Licht auf das Wort Zapfenstreich. Die Segel
+streichen heißt aufhören mit kämpfen, den Zapfen streichen heißt
+aufhören mit zapfen, so daß der Wirt also den Zapfen zumacht und den
+Gästen Feierabend gebietet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Stringer</span>, der, &#8222;Längsstringer sind noch weiter (als die
+Seiten-Kielschweine) seitlich liegende, dem Kielschwein ähnliche
+Längsverbände. Decksstringer sind auf den Decksbalken an den Bordseiten
+liegende Platten, welche mit den Balken, der Außenhaut und den
+Querspanten, verbunden werden.&#8223; (Dick und Kretschmer, I. 83.) So gibt es
+auch Kimmstringer und Kastenstringer. Die Bedeutung wird durch die
+Herkunft des Wortes vom lateinischen stringo klar, das zusammenziehen,
+also verbinden bedeutet. Ein Stringer ist also ein Verbinder, ein Ding,
+das einen Verband herstellt; auf deutsch kurzweg &#8222;ein Binder.&#8223; Wir haben
+das Wort auf dem Umwege über England empfangen, wo stringer bedeutet &#8222;in
+ship-building an inside strake of plank or of plates, secured to the
+ribs and supporting the ends of the beams.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Strom</span>, der, wird seemännisch nicht für einen schiffbaren Fluß gebraucht,
+der vielmehr Revier (Rivier) heißt, sondern für Meer, für die freie
+offene See, und zwar nicht oder wenigstens nicht durchgängig mit
+Beziehung auf Meeresströmungen, ausgenommen<a id="Page_471"></a>
+ <span class="pagenum">[471]</span> in Meeren wo es
+solche gibt, die Ebbe- und Flutströmungen, s. unten. Strom ist im Munde
+des Seemanns das, was man im Mittelniederdeutschen sestrom nannte. In
+einer alten Göttinger Urkunde steht: &#8222;... unde de unse unde ok den
+gemenen copmann uppe dem vryen seestrome groffliken beschediget.&#8223;
+Desgleichen in einer anderen: &#8222;do dusse lude van Engeren uth Britannien
+verdreven weren und leghen an den seestrome unde krygeden myt den
+Britanniern.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Heute sagt man, wenn ein Schiff im Dock oder in einem
+Binnenhafen lag und es geht in freiem Wasser (wenn es auch ein Hafen
+ist) an eine Boje oder vor Anker: &#8222;Das Schiff verholt auf dem Strom.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Im &#8222;Seebuch&#8223; (1400) ist unter Strom meistens der Flut- und Ebbestrom des
+Meeres verstanden, wobei hoch strome hohe Flut, Springflut bedeutet:
+&#8222;Jtem van Bervlete to Seynehovede in deme varwege (Fahrwasser) maket
+lege water westsudwesten mane, und also id is hoch strom, so maket lege
+water west ton suden mane.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Stropp</span>, der, ist ein in sich selbst zurückkehrendes kurzes Tau, ein
+kurzes Tau ohne Ende, einen Kranz bildend, ein aus einem Stück Tau
+gemachter Ring, der durch das Zusammensplissen der beiden Enden
+entstanden ist. Solch ein Stropp wird um einen Block oder um eine Kausch
+gelegt, auch sieht man oft (aber nie auf Kriegsschiffsbooten) die Riemen
+eines Bootes am Dollbord mit einem Stropp befestigt; mit einem Stropp,
+den man um ihn gelegt hat, wird ein Warenbalken oder sonstiges Stückgut
+gehißt. Es ist also ein zwar unscheinbares, aber sehr wichtiges und
+nützliches seemännisches Hilfsmittel. Es war auch schon in alten
+klassischen Zeiten, sogar unter seinem jetzigen Namen bekannt.
+Lateinisch stroppus, gedrehter Riemen zur Sänfte oder zum Anbinden der
+Ruder an die Ruderbank, dünner Kranz von Bast gedreht; griechisch
+strophos, das von Leder oder Hanf zusammengedrehte oder geflochtene
+Band, der Gurt, das Tragband, Wickelband, Windel; verwandt mit strophe,
+das Wenden oder Drehen, daher unser Strophe; vom griechischen strepho,
+estropha, drehen, wenden, biegen, zusammendrehen. Winkelmann, Geschichte
+der Kunst, führt ein griechisches Wort an, das stroppos heißt und von
+Festus in der Bedeutung &#8222;Kranz&#8223; aufgeführt wird. Gellius hat das
+lateinische stroppus als &#8222;Band.&#8223; Grade dieselben Bedeutungen vereinigt
+das Wort in unser Seemannssprache. Der 560 n. Chr. geborene Erzbischof
+von Sevilla Isidorus sagt in<a id="Page_472"></a>
+ <span class="pagenum">[472]</span> seinem berühmten Buche Origines s.
+Etymologiae: &#8222;struppi quibus remi ad scalmos alligantur.&#8223; Als stropp
+führt Wright es aus dem Altenglischen an; Kilianus kannte es im
+Mittelniederländischen; im Mittelniederdeutschen war es im Gebrauch für
+den Strick des Henkers: &#8222;hoe gheerne solde een dief, die enen strop om
+sinen hals hadde ... weder gheuen, dat hie ghestolen hadde.&#8223; Es gab
+damals auch stropballien, solche Baljen, die mit einem Stropp versehen
+waren, &#8222;dar de Kalk inne vpn thorn gewunden warth.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Italienisch
+stroppo, französisch 1702 etrope und estrope, jetzt étroppe,
+portugiesisch estropo. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Bestroppen</span>, etwas mit einem Stropp versehen,
+z.&nbsp;B. einen Block, und so gebrauchsfertig machen. Daher auch übertragen:
+&#8222;Das werden wir bestroppen,&#8223; d.&nbsp;h. &#8222;das wollen wir machen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Stück</span>, das, war früher ein allgemeiner Ausdruck für Kanone. &#8222;Ein Schiff
+mit 48 Stück.&#8223; Zu Roedings Zeiten (1794) waren die Kommandos beim
+Exerzieren mit Stücken an Bord: 1. Stille! 2. Gebt Acht! 3. Macht die
+Stücken los! 4. Holt die Stücken ein! 5. Nehmt den Windpfropf ab! 6.
+Platloth ab! 7. Stopft das Zündgat! 8. Kratzer in die Stücken! 9.
+Wischer in die Stücken! 10. Öffnet die Karduse! 11. Die Kardus in die
+Stücken! 12. Setzt die Kardus an! 13. Kugel und Propf in die Stücken!
+14. Setzt an Kugel und Propf! 15. Den Bohrpfriem in die Zündgaten! 16.
+Kraut in die Zündgaten! 17. Deckt die Zündgaten! 18. Stücken an Bord!
+19. Faßt den Kuhfuß und die Handspake! 20. Pointirt! 21. Blaset die
+Lunte ab! 22. Nehmt das Platloth ab! 23. Feuer! Seit jener Zeit war die
+Bezeichnung Geschütz in den Vordergrund getreten, doch so daß Kommando 3
+stets &#8222;Kanonen los!&#8223; hieß, da doch das unmittelbar vorhergehende
+Kommando gelautet hatte: &#8222;An die Geschütze!&#8223; Ganz neuerdings ist durch
+die Schnellladekanonen das Wort Kanone wieder mehr in den Vordergrund
+getreten. Stück hat sich aber nie ganz verloren; Stückpforten hat es
+immer gegeben, und neuerdings ist bei der Kaiserlichen Marine auch die
+Bezeichnung &#8222;Stückmeister&#8223; in Aufnahme gekommen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sturmdeck</span>, s. Deck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sturmtor</span>, s. Schleuse.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sturmtreiber</span>, s. Treiber.</p>
+
+<p><span class="strong1">Sturzsee</span>, die, ist eine See im Sinne von Woge oder hoher Welle, die so
+hoch ist, daß sie über die im Sturme sich neigende<a id="Page_473"></a>
+ <span class="pagenum">[473]</span> Reling oder
+das Schanzkleid hinweg auf Deck stürzt; um das überkommende Wasser
+wieder zu entfernen, sind in das Schanzkleid neuerdings größere
+Öffnungen dicht über dem Deck eingeschnitten; man nennt sie
+<span class="strong1">Stürzpforten</span>, weil das Wasser zu diesen Pforten wieder hinausstürzen
+soll.</p>
+
+<p><span class="strong1">stützen</span> kommt in allen hochdeutschen Bedeutungen auch im Seemännischen
+vor; besonders zu nennen ist daher hier nur der Gebrauch des Wortes beim
+Steuern. Wenn befohlen war, daß das Ruder nach irgend einer Richtung hin
+gedreht werden sollte, und es soll nun nicht weiter in dieser Richtung
+gedreht werden, so wird kommandiert: &#8222;stütz!&#8223; oder: &#8222;stütz so!&#8223;
+Niederdeutsch stütten, welches oft anstatt stützen zu hören ist, anstatt
+&#8222;stütz so&#8223; heißt es dann &#8222;stütti!&#8223; wohl auch in Anlehnung an das
+englische steady, &#8222;steer the ship a steady course&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Südwester</span>, der, ein in den Nacken hinabfallender Segeltuch- oder
+Öltuch-Hut zum Schutze gegen Sturm und Regen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Grimm erklärt West aus
+dem gotischen vis = Meeresstille. Für unsere Meere paßt das nicht, würde
+auch zu dem Südwester nicht stimmen, der seinen Namen gerade davon hat,
+daß es eben bei Süd-West am meisten stürmt und regnet. Doch heißt vis
+nicht nur Meeresstille, sondern überhaupt Stille, Ruhe, Abend. Grimm
+vermutet auch eine gotische Form vistr, gegen Abend, adversum
+occidentem.</p>
+
+<p><span class="strong1">Superkargo</span>, s. Cargo.</p>
+
+<p><span class="strong1">Süsswasser</span>, das, ist dem Seemann der Gegensatz zu Salzwasser, sei es,
+daß es in Tänks von Hause oder aus irgend einem Hafen mitgenommen, sei
+es, daß es aus Salzwasser destilliert ist. Früher mußten die Matrosen
+oft mit vieler Mühe das Regenwasser auffangen. Übrigens sagt der Seemann
+lieber Frischwasser als Süßwasser, welches doch eigentlich hauptsächlich
+für die Unterscheidung von Süßwasser- und Salzwasserfischen gebraucht
+wird.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="T"></a>T.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Taifun</span>, der. Der mit Recht so gefürchtete ostasiatische Wirbelsturm. Das
+Wort kommt nach einem mir zugegangenen sachverständigen Urteil von der
+Kantoner Aussprache zweier Charaktere, die sich hier nicht für das Auge
+wiedergeben lassen, die aber für das Ohr tai fung lauten. &#8222;Tai heißt
+&#8222;groß&#8223; und fung<a id="Page_474"></a>
+ <span class="pagenum">[474]</span> &#8222;Wind&#8223;. Nun nennen zwar die Chinesen jeden
+starken Wind tai fung, während sie für einen Taifun noch den speziellen
+Ausdruck fung kü haben. Sie sagen ta fung ku. Das ta entspricht dem
+französischen il fait. Die aus dem Chinesischen kommenden Ausdrücke
+beruhen ja nicht immer auf der gründlichsten Kenntnis der chinesischen
+Sprache. Da tai fung außerordentlich häufig (auch schon in der
+Kinderstube, aus der und von deren Amah's sich wohl vielfach die
+Kenntnis chinesischer Wörter seitens der früheren Europäer herleiten
+wird) gehört wird, und da überdies ta fung kü wieder so ähnlich klingt,
+so glaube ich, braucht man keinen Zweifel zu hegen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Merkwürdig ist
+das Verschwinden des g am Ende. Die Engländer schreiben wie taifoon auch
+Kowloon für kau lung (&#8222;Neun Drachen&#8223;) die chinesische Stadt und daher
+auch die britische Halbinsel Hongkong gegenüber. Ich erkläre mir das aus
+dem Nasenlaute der Portugiesen (von Makao her) und des Französischen der
+alten katholischen Missionare. So auch Kanton statt Kwang-tung oder
+Kwang-tong; Tonkin statt Tong king oder Tung-king. Daß der Laut der
+Kantoner Aussprache für die Europäer maßgebend geworden ist, findet sich
+auch in dem Worte Japan (japanisch Nippon), von der Kantoner Aussprache
+Jat pun (mit verschlucktem, kaum hörbarem t in jat). Jat heißt Sonne,
+pun heißt Ursprung oder Aufgang.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Takel</span>, das, ein &#8222;Flaschenzug&#8223;, Windezeug aus zwei oder mehreren Blöcken
+(s. d.). Niederländisch, dänisch und schwedisch takel, englisch tackle,
+französisch palan à itague, etague, itacle, itagle, itaque. Von einem
+Stamme mit Tau. Früher die Gesamtheit aller Taue, überhaupt des ganzen
+Segelwerkes, wie aus der Zusammenstellung &#8222;Vor Top und Takel&#8223;
+hervorgeht. &nbsp;&mdash;&nbsp;Kilianus Duffl hat Takel in dreierlei Bedeutung 1. tackel
+= trajectus, transenna, funis latus in utraque fluminis ripa alligatus,
+ut pontonem dirigat et provehat. 2. tackel sax: trosse, remulcus. 3.
+taekel = hofd-touwe = funis nauticus major, also Gien. &nbsp;&mdash;&nbsp;Es liegt nahe,
+an das gotische tagl = Haar zu denken, althochdeutsch zagil,
+angelsächsisch tägel, englisch tail, altnordisch tagl, cauda, besonders
+equina, da man ja wohl von je her Taue aus Pferdehaar gekannt hat und
+die Frauen in Syrien in schwerer Kriegszeit sogar ihre Haare abschnitten
+zu Schiffstauen, vergl. jedoch <span class="strong1">Tau</span>, s. a. <span class="strong1">Gut</span>. Über die Zusammenstellung
+&#8222;Takel und Mantel&#8223; s. Mantel. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Takel wird erst durch das<a id="Page_475"></a>
+ <span class="pagenum">[475]</span>
+Hinzukommen des Mantels ein Takel; ohne Mantel ist es eine Talje (s.
+d.).</p>
+
+<p><span class="strong1">Takelage</span>, die, die Gesamtheit alles dessen das zum Segeln gehört. Das
+Wort hieß mittelniederdeutsch takelaghe und wird damals kaum takelasche
+ausgesprochen worden sein, wiewohl diese Bezeichnung eines
+Sammelbegriffes, die im Mittelniederdeutschen oft vorkommt, kaum anders
+als unter französischem Einfluß entstanden sein wird. Hätte es auf dem
+Wege seiner ferneren Entwickelung das h behalten, dann wäre überhaupt
+kaum jemand auf den Gedanken gekommen, es Takelasche auszusprechen.
+Übrigens ist die Form des Sammelbegriffes in diesem Falle ganz
+überflüssig, da Takel ursprünglich für sich allein schon ein solcher
+Begriff war. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im 18. Jahrhundert, in der Zeit der Fremdländerei,
+scheint sich erst die Aussprache asche festgesetzt zu haben. Wenigstens
+finden wir da erst Segelasche und, was dasselbe, Seilasche gedruckt. Der
+moderne Sprachgebrauch hat an der Endung solches Wohlgefallen gefunden,
+daß er sogar Stellasche, Kledasche und &nbsp;&mdash;&nbsp; Fressasche spricht. Kilian hat
+die Form taekelinghe; Takelung (s. d.) ist aber jetzt etwas anderes. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+In Ostfriesland wird heute noch nicht Takelasche, sondern Takelasje
+gesagt, wie denn überhaupt alle die zahlreichen Wörter mit der
+Sammelendung -age so ausgesprochen werden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Takeln</span>, <span class="strong1">betakeln</span>, <span class="strong1">auftakeln</span>, <span class="strong1">abtakeln</span>, <span class="strong1">Takelung</span> s. Takler.</p>
+
+<p><span class="strong1">Takler</span>, der. Jeder rechte Seemann muß ein Takler sein, d.&nbsp;h. die Arbeit
+des Takelns verrichten, eine Takelung herstellen, ein Ende betakeln und
+beim Auf- oder Abtakeln eines Schiffes seinen Mann stellen können. Alle
+diese Wörter kommen ja schließlich auf eines hinaus: seemännisches
+Vermögen mit dem Tauwerk richtig umgehen zu können und ihm die Gestalt
+und Beschaffenheit zu verleihen, in der es an seinem Orte und zu seiner
+Bestimmung gebraucht wird. &nbsp;&mdash;&nbsp; Insonderheit heißt betakeln das
+abgeschnittene Ende eines Taues so mit einem Bändsel befestigen, daß die
+Kardeele nicht aufgehen. Takeln überhaupt heißt splissen und knoten und
+dergl. Will man eine derartige Arbeit ganz allgemein bezeichnen, so
+nennt man sie eine Takelung. Wird ein Schiff in Dienst gestellt und es
+bekommt seine Segel und sein Tauwerk und es wird alles an seiner
+richtigen Stelle gesetzt und geschoren, so heißt das auftakeln, das
+Gegenteil<a id="Page_476"></a>
+ <span class="pagenum">[476]</span> davon aber abtakeln. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auf der Werft hat man eigene
+Takler und eine besondere Werkstatt für sie. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein Frauenzimmer, das
+sich sehr geputzt hat ist &#8222;mächtig aufgetakelt&#8223;; doch sagt man auch ohne
+Vorwurf &#8222;fein aufgetakelt&#8223;, s. Takel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Talfahrt</span>, die, ist bei der Flußschiffahrt die Fahrt den Strom abwärts,
+während die Fahrt in umgekehrter Richtung Bergfahrt heißt. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Talweg</span> ist
+der Stromstrich, die Mitte eines Flußes. So wurde am 9. Februar 1801 zu
+Lunéville, als man das alte deutsche Reich über den Haufen warf, unter
+Zustimmung von &#8222;Kaiser und Reich&#8223; beschlossen, der Talweg des Rheins
+solle die Grenze zwischen Deutschland und Frankreich sein.</p>
+
+<p><span class="strong1">Talje</span>, die, ist ein an Bord völlig unentbehrliches Werkzeug, ein
+Flaschenzug, der oben einen zweischeibigen (Violin-) Block und unten
+einen einscheibigen Block hat. Die beiden Blöcke sind durch ein Tau
+verbunden, das, da es über die Scheiben der Blöcke läuft, Läufer heißt,
+Taljenläufer. &nbsp;&mdash;&nbsp; So wie die Talje sich zunächst dem Auge darstellt,
+nämlich in unbenütztem Zustande, sind die beiden Blöcke noch zusammen,
+so daß sie wie ein Ganzes aussehen, das in der Mitte einen Einschnitt
+hat. Von diesem (allerdings nur scheinbaren) Einschnitt kommt der Name.
+Man kann auch an den Einschnitt denken, der den Violinblock in zwei
+(ungleiche) Teile teilt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Französisch heißt der Schneider bekanntlich
+tailleur, der Einschnitt taille, einschneiden, schneiden tailler;
+italienisch taglia, spanisch taja, talla, portugiesisch und
+provençalisch talha = Schnitt, Einschnitt, Wuchs. Das geht alles auf das
+lateinische talea = abgeschnittenes Stück zurück; (daher auch Detail und
+Talon). Kilian hat talie = incisura. Niederländisch (1702) taalie. Da
+die Franzosen den Flaschenzug nicht taille sondern palan nennen, so
+scheint Talje direkt aus dem Mittelmeer ins Niederdeutsche getragen
+worden zu sein; gewiß schon früh, denn solch ein handliches und
+brauchbares Hilfsmittel werden sich die friesischen Kreuzfahrer sicher
+nicht haben entgehen lassen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tamp</span>, der. Jedes Tauende, abgeschnitten oder nicht, heißt Tamp, auch der
+Tampen. Das Ursprüngliche dürfte das abgeschnittene kurze Ende sein;
+nämlich das Ende, das zur Aufrechterhaltung der Ordnung dient, wie bei
+uns in der Schule der Haselstock und in China der Bambus; der Tamp in
+der Hand eines schneidigen Stabswachtmeisters, eines Mannes, den man
+früher Rumormeister nannte und von dem Leonhart Frohnsperger im
+Kriegsbuch berichtet, wenn die Kriegsleute sich nicht mit einander
+vergleichen (vertragen) wollten, dann habe er &#8222;einen Vergleicher, ist
+ungefährlich eines Armes lang.&#8223; Doch ist das Schlagen der Mannschaft
+jetzt verboten. Nur Schiffsjungen bekommen noch mit diesem Vergleicher
+ihre Strafe, mit einem Tau, &#8222;ungefährlich eines Armes lang&#8223;; es geht
+aber auch ganz gut mit dem nicht abgeschnittenen Ende irgend eines grade
+in<a id="Page_477"></a>
+ <span class="pagenum">[477]</span> der Nähe aufgeschossenen laufenden Gutes. Tamp ist wohl
+Nasalierung vom niederdeutschen tap, wie tampon von tapon; tap aber
+bedeutet einen Schlag, einen &#8222;Klapps&#8223;; ein Tamp war also ursprünglich
+das Tau oder der Teil eines Taues, mit dem ein Klapps gegeben wurde und
+ist dann nach und nach in die allgemeine Bedeutung Tauende übergegangen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tänk</span>, der, ist ein an Bord gebräuchlicher Aufbewahrungsbehälter für
+Wasser, Petroleum, Öl u.&nbsp;s.&nbsp;w., überhaupt für Flüssigkeiten, Wein, Bier
+etc. etc. ausgenommen; eine Art Cisterne, ein größeres, oft viereckiges,
+sonst auch dem Raum angepaßtes Gefäß. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein Tänkschiff ist ein solches
+das eingerichtet ist, Petroleum ohne die Fässer in sich aufzunehmen, so
+daß es drüben in Amerika in die entsprechenden Behälter eingepumpt und
+hüben wieder ausgepumpt wird. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort kommt aus dem Englischen, wo
+es tank heißt. Und zwar ist da, wie die englischen Provinzialismen und
+das Schottische beweisen, ein s im Anlaut abgefallen. Es stammt vom
+lateinischen stagnum, eine Pfütze stehenden Wassers (daher auch
+stagnieren); italienisch stagno, spanisch estanque, altfranzösisch
+estanc, neufranzösisch étang.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tau</span>, <span class="strong1">Tauwerk</span>, das, ungefähr gleichbedeutend mit Seil. Ursprüngliche
+Bedeutung ist: Werkzeug zum Ziehen, hernach so erweitert, daß jedes
+beliebige Werkzeug ein Tau genannt werden konnte und man sogar von einem
+vartouwe = Wagen und von einem schriftau = Schreibzeug gesprochen hat.
+Tau hat also dieselbe allgemeine Bedeutung wie unser Zeug, das auch mit
+ihm zusammen eines Stammes ist, verwandt mit dem lateinischen ducere.
+Gotisch taujau = tun, machen; also jedes Werkzeug mit dem man etwas <span class="strong1">tut</span>.
+Althochdeutsch ziohan, (altsächsisch tiohan), ziehen, oder zawjan,
+machen, davon althochdeutsch zawa, Seil, Strick, Werkzeug, Webergerät,
+Fuhrwerk, Wagen, <span class="strong1">Schiffsgerät</span>, Schiffstau. Dieser zwar vielseitige aber
+im Grunde doch immer auf ein Ziehen mit der Hand, also auf Handwerk,
+Handarbeit hinauskommende Gebrauch des Wortes erinnert an das
+französische manoeuvre aus eben demselben Grunde Tau bedeutend, und zwar
+heißt sinnreich das laufende Gut manoeuvres courantes oder coulantes und
+das stehende Gut manoeuvres dormantes (vergl. &#8222;schlafendes Auge&#8223; in der
+Botanik). <span class="strong1">Tauwerk</span> ist das noch unverarbeitete Gut, so wie es vom
+Reepschläger kommt; Hanftauwerk, Manilatauwerk, neuerdings auch
+Drahttauwerk.<a id="Page_478"></a>
+ <span class="pagenum">[478]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">tauen</span>, (<span class="strong1">vertauen</span>, <span class="strong1">vertäuen</span>) (mit einem Tau) ziehen, ein Schiff von der
+Stelle ziehen und an einem anderen Orte wieder festmachen, alles
+vermittelst eines <span class="strong1">Taues</span>. Aubin unterscheidet zwischen toüer und
+remorquer (s. Remorqueur): &#8222;Remorquer signifie le changement de place
+qu'on fait à un vaisseau par le moien d'un bâtiment à rames (so wurde
+die schwedische Fregatte &#8222;Eugenie&#8223; in der Magellanstraße aus dem
+Bereiche eines der daselbst so heftig, aber örtlich beschränkt wehenden
+Wirbelwinde durch ihre Boote um eine Felsenecke getaut oder vertaut, wo
+es totenstill war) et toüer signifie le même remuëment par le moien du
+cabestan ou par la hansiére.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Ist das Schiff an der Stelle angekommen
+wo man es haben will, so wird es festgemacht, an einem Bollwerk, einer
+Pier, einer Boje; insofern solches mit einem Tau geschieht heißt es
+vertäuen, wangerländisch vertojen. &nbsp;&mdash;&nbsp; In Holland heißt aanturen ein Tier
+zum Weiden mit einem Tau festbinden, ostfriesisch tüddern, daher
+vertüddert oder vertütert anstatt &#8222;unklar&#8223;, verwirrt, bei Stricken,
+Bindfaden, Nähgarn.</p>
+
+<p><span class="strong1">Taube Jütte</span>, die s. Davit.</p>
+
+<p><span class="strong1">Taube Gezeit</span> s. Nipflut.</p>
+
+<p><span class="strong1">Teakholz</span>, das. &#8222;This timber is excellent for ship-building, and has been
+called the oak of the East. It works easily, and, though porous, is
+strong and durable; it is easily seasoned and shrinks but little, and
+from containing a resinous oil it resists the action of water, and
+repels the attacks of insects of all kinds.&#8223; Es ist das Holz der Tectona
+grandis aus der Ordnung der Verbenaceen, die in Indien, auf Ceylon und
+den Molukken bis zu gewaltiger Höhe wächst und sehr breite und lange
+Blätter hat. Teak ist ein tamilisches Wort.</p>
+
+<p><span class="strong1">Teer</span>, der, ein aus Fichten, Kiefern etc. etc. durch Brennen gewonnenes,
+mit harzigen Teilen vermischtes dickflüssiges Öl, das Tauwerk, Holz,
+Segeltuch u. dergl. gegen die Einwirkungen des Wetters, besonders der
+Feuchtigkeit schützt. Matrosen, die grade mit Teer umgehen, sehen nicht
+besonders reinlich aus. Sie tragen dann besondere Anzüge, Jacken, denen
+kein Teer mehr etwas schaden kann. Daher sie nicht bloß Blaujacken,
+sondern auch <span class="strong1">Teerjacken</span> genannt werden. Viele Leute lieben den
+Teergeruch. &nbsp;&mdash;&nbsp; Als etwas das vom Baume kommt hat Teer den Namen
+empfangen. Gotisch triu = Baum, Holz; englisch tree; vergl. -der in
+Wachholder, Maßholder, Holunder; die indogermanische<a id="Page_479"></a>
+ <span class="pagenum">[479]</span> Grundlage
+ist derw &nbsp;&mdash;&nbsp;, griechisch drüs, Eiche; Sanscrit daru = Baum. Littauisch
+derwa, finnisch derwas, lappisch tarwas, Kien = Harz = Teerholz;
+esthnisch terw, finnisch terwa, gädhelisch tearr, kymrisch tar,
+bretonisch ter = pix. &#8222;Die Entwicklung der Formen deutet auf Osteuropa
+als Heimat des Wortes, die keltischen Wörter sind dann aus dem Deutschen
+entlehnt.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort kommt Hochdeutsch erst 1556 vor, war aber im
+ganzen niederdeutschen Sprachgebiet früh verbreitet. Im Beòwulf heißt
+niw-tyrwed neugeteert, niw-tyrwedne naca, ein neugeteertes Schiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tender</span>, der, &#8222;a small vessel employed to attend a larger one for
+supplying her with provisions and other stores, or to convey
+intelligence and the like.&#8223; Also ein kleineres Schiff, das einem großen
+beigegeben ist, um seinen Verkehr mit dem Lande zu vermitteln, von einem
+Schiffsboot oder einem Beiboot dadurch unterschieden, daß es nicht an
+Bord des größeren Schiffes genommen werden kann, weil es dazu zu groß
+ist, und daß es seine eigene ständige, aber vom größeren Schiffe
+abhängige Besatzung hat, auch einen Offizier vom Stabe des Schiffes als
+Kommandanten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Bekanntlich heißt Tender auch der der Lokomotive eines
+Eisenbahnzuges beigegebene Wagen, der sie mit Kohlen etc. etc. versieht.
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort kommt vom lateinischen tendo, spannen, anspannen,
+irgendwohin richten, lenken, reichen, darreichen, für etwas sich
+bemühen, arbeiten, ein Zelt aufschlagen, lagern. Tender ist also mit
+Intendantur gleicher Herkunft.<a id="Page_480"></a>
+ <span class="pagenum">[480]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Tide</span>, die, ist &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. Gezeiten &nbsp;&mdash;&nbsp; die Zeit von Ebbe und Flut, die
+Flutzeit, die Flutperiode, die zeitliche Zusammensetzung einer Ebbe und
+einer Flut; doch wird an der Nordseeküste das Wort so gebraucht, daß man
+dabei eher geneigt ist, an Flut zu denken als an Ebbe. Soll letztere
+gemeint sein, so muß das schon besonders irgendwie angedeutet werden,
+entweder dadurch, daß man nach Breusing &#8222;taube Gezeit&#8223; oder nach
+Dornkaat &#8222;dode ti&#8223; (ostfriesisch heißt tide auch tie und ti) sagt,
+namentlich zu der Zeit, wo der Mond im Viertel steht, während eine tide
+zur Zeit des Voll- oder Neumondes spring-tide heißt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort Tide
+ist von vielen für englisch gehalten und Teid ausgesprochen worden. Mit
+Unrecht; denn schon 1400 im Seebuch<a id="Page_481"></a>
+ <span class="pagenum">[481]</span> kommt es als gut deutsches
+Wort vor, und zwar in den Formen tide und tyde. &#8222;mit halver tide&#8223;; &#8222;en
+quarter, dordendeel, twedeel tydes&#8223;; &#8222;myt ener halven tiden&#8223;; auch in
+der Mehrzahl: &#8222;de tyde van Calismains, Engelant.&#8223; 1588 hat Waghenaer das
+Wort in drei Formen: getijden, ghetijden und tije, auch spricht er der
+größeren Deutlichkeit halber wohl auch einmal von watergetijde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tidehafen</span>, der. In diesem Worte tritt es deutlich zu Tage, daß, ob zwar
+eine Tide Flut <span class="strong1">und</span> Ebbe bedeutet, die Flut doch den gewichtigeren Teil
+der Verbindung ausmacht, denn ein Tidehafen ist soviel wie ein
+Fluthafen, nämlich ein offener, nicht durch eine Schleuse geschlossener
+Hafen, der nur zur Zeit des Hochwassers zugänglich ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die gangbare
+niederländische Zusammenziehung tij für tide war schon Waghenaer 1588
+sehr geläufig; er spricht häufig von &#8222;tij hauen,&#8223; ja sogar von
+Tijbuckinghen als den besten, die natürlich in Holland verzehrt werden,
+während die minderwertigen Maertschen Buckingh die Elbe hinauf nach
+Deutschland, Böhmen, Ungarn und bis zur Türkei gehen, &#8222;al waer de selve
+Buckingh voor de goede leckernye mede vercocht, gesleten ende
+gheconsumeert wert.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Tief</span>, das, ist im seemännischen Sprachgebrauch ein Fahrwasser, und zwar
+mehr eine Fahrwasserrinne zwischen Untiefen, im Watt, zwischen zwei
+Inseln; eine Strecke, die tief genug ist für Schiffe. Dep heißt sonst
+niederdeutsch Graben, Kanal, Fluß, niederländisch diep (Nieuwediep,
+sprich Nüwediep), englisch deep, Tiefe, See, Meer; &#8222;Anything remarkable
+for depth, sea, ocean.&#8223; Hochdeutsch die Tiefe, aber im weitern Sinne, so
+daß es nicht bloß Meerestiefe, sondern (Luther) überhaupt Meer bedeutet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tiefgangsmarke</span>, s. Ahming.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tiefladelinie</span>, die, ist eine außenbords an einem Handelsschiffe
+angebrachte, durch einen Kreis gezogene horizontale Linie, die anzeigt,
+wie tief ohne Gefahr für Schiff, Ladung und Mannschaft ein Fahrzeug
+geladen werden darf. Das richtet sich nach der Bauart und Güte des
+Schiffes, nach der Art der Ladung und besonders auch nach dem
+Bestimmungsort, indem ein Schiff für große Fahrten nicht so tief geladen
+werden darf, wie ein Binnenfahrer. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es wäre zu wünschen, daß ein
+allgemeines deutsches Tieflademarkengesetz gegeben würde.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tieflot</span>, das, hieß sonst das &#8222;schwere&#8223; oder &#8222;große&#8223; Lot, ein Lot, das
+dazu dient, größere Tiefen auszuloten als das Handlot<a id="Page_482"></a>
+ <span class="pagenum">[482]</span> es vermag,
+s. loten. Da zum Auswerfen des Tieflotes Leute am Bug und am Heck des
+Schiffes beschäftigt sind, so verständigen sich diese unter einander
+durch Aussingen, wobei der berühmte Vers ausgesungen oder gerufen wird:
+Warschau von untere, Kabliau und Flundere, Jetzt kommt das große Lot Und
+schlägt euch alle tot. &#8222;Men mut ock nicht allein up de Gissing tho Warck
+gahn, den Gissung maket bewilen Missung, de Hulp middelen, alß dat Duiep
+Loet, mut flitig in acht genahmen werden, vornehmlich in der Nord-See,
+und sünst dar men underschetlicke Gründen hefft; welckes bewilen gude
+Narichtunge gifft.&#8223; &#8222;Kunst der Seefahrt,&#8223; 1673.</p>
+
+<p><span class="strong1">Timmerstek</span> s. Stek.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tjalk</span>, die, ein kleineres, ziemlich breites, kurzes, rundes Fahrzeug für
+Küstenschiffahrt mit einem Pfahlmast und einem Farunner. Im
+Niederdeutschen und besonders im Ostfriesischen, wo die Tjalk zu Hause
+ist, schreibt man in Folge der eigentümlichen Aussprache des j im Anlaut
+oft anstatt j ein tj, man sagt sogar oft tja anstatt ja. Dieser Umstand
+läßt für Tjalk auf eine ursprüngliche Form Jalk schließen. In der Tat
+kennt und hat auch das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223; noch diese Form. So geht das
+Wort also auf Jolle (englisch yawl, yal) zurück und dürfte eine
+Diminutivform davon darstellen, die über Jolleken, Jolken, Jolk sich
+entwickelt hat; kann man doch Tjalk auch Tjolk aussprechen hören. Es ist
+dabei zu bedenken, daß Jolle, wenn sie wirklich durch die Phönizier mit
+ihrem gaulos an unsere Küsten gelangt ist, damals kein so kleines Boot
+war wie heute, sondern ein seegehendes Fahrzeug.</p>
+
+<p><span class="strong1">Tonne</span>, die.</p>
+
+<p>1. Ein Seezeichen, das ursprünglich aus einer Tonne bestand, jetzt aber
+aus Eisen gefertigt wird und einer Tonne wenig mehr ähnlich sieht. Aber
+der Name ist geblieben und hat sogar dienen müssen zur Zusammenfassung
+der Tonnen, Bojen, Baken, Spieren in den einen Begriff Tonnenwesen. Die
+Schiffe, die dergleichen Seezeichen legen und überhaupt in Ordnung
+halten, heißen jetzt <span class="strong1">Tonnenleger</span>, Dampftonnenleger. Früher, z.&nbsp;B. zur
+Zeit der langen Oldenburgisch-Bremischen Weserzollstreitigkeiten, hießen
+sie Tonnenbojer. Da die Abgaben der Schiffe zunächst zur Unterhaltung
+der Seezeichen bestimmt waren, so heißen sie noch heute <span class="strong1">Tonnengelder</span>.<a id="Page_483"></a>
+ <span class="pagenum">[483]</span></p>
+
+<p>2. Spricht man von Tonne im Sinne von <span class="strong1">Tonnengehalt</span>. Dieser bedeutet die
+Zahl der Tonnen, die ein Schiff mit Sicherheit zu tragen vermag, bezw.
+die Anzahl der Registertonnen als Raummaß für die Schiffsvermessung;
+eine solche Tonne mißt 2,832 cbm; während eine Tonne als Schiffslast
+1000 Kgr. wiegt.</p>
+
+<p>Schon frühzeitig ist man im <span class="strong1">Betonnen</span> eines Fahrwassers von der
+eigentlichen Tonnenform der größeren Deutlichkeit der Unterscheidung
+zuliebe abgewichen. Namentlich in den Niederlanden war es Gebrauch,
+Tonnen auszulegen, die oft mit einer Tonne gar keine Ähnlichkeit hatten.
+Waghenaer, &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223; 1588, schreibt: &#8222;Op alle de stroomen
+van Hollandt, Vrieslandt ende Zeeland, sijn de tonnen aent opperste
+rondt en breedt, ende afgaende aent neerste eynde smal ende scherp als
+hier aan gheteeckent staet (folgt Abbildung eines Dinges, das wie ein
+Trichter aussieht), sijn swert ghepeckt of geteert, ligghen al meest op
+de rechter hant int wantzeylen aen de slincker int inecomen, ende aen de
+ander sijden op de sanden ofte platen staen gemeenlijk de Baeckens met
+korven bouen op in deser manieren (folgt Bild einer Bake: eine Stange
+mit einem runden korbgeflechtartigen Ball darauf) op datmerse te verder
+sien maech. Ende waermen eenige holken oft sanden soude mogen
+onderseylen, sijn (om dat de verhoeden) witte tonnen gelegt van dessen
+fatsoene (Bild einer richtigen Tonne) ende legghen altijt op de
+contrarie sijde van de voors. swerte tonnen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Tonnenbojer</span>, der. Ein Schiff, dazu bestimmt Tonnen und Bojen auszulegen,
+wangerländisch tunbujer. &nbsp;&mdash;&nbsp; Als die Bremer dem Grafen Anton Günther von
+Oldenburg, ja dem Kaiser und Reich mit Gewalt entgegentraten um einen
+den Oldenburgern vom Kaiser bewilligten Weserzoll zu hindern, war das
+Mittel der Gewalt &nbsp;&mdash;&nbsp; ein einziger &#8222;Tonnenboyer&#8223;. Der genügte der freien
+Reichs- und Hansastadt Bremen, um viele Jahre lang die Absicht des
+Kaisers und des Grafen zu hindern. Wir haben an ein Schiff zu denken
+ähnlich einem Zollkreuzer, mit einigen Kanonen, für gewöhnlich
+friedlicher Beschäftigung obliegend, aber gelegentlich zu kriegerischen
+Zwecken verwendet. Übrigens hatte man früher auch gewöhnliche kleinere
+Handelsschiffe, die Bojer hießen, aber mit dem Legen von Bojen nichts zu
+tun hatten, sondern nur nach dem Vorbilde der (Tonnen-)Bojer gebaut
+waren; kleine Fahrzeuge mit nur einem Maste, die kaum die hohe See
+hielten, wie aus einer alten Nachricht erhellt: &#8222;anno 1525 im pasken
+(Ostern) segelde Herm. Euers (Evers) mit enem bojer mit enem smaksegel
+in Engelant, das touoren angehört was.&#8223;</p>
+
+
+<p><span class="strong1">Topp</span>, der, in der Einzahl richtiger: <span class="strong1">Top</span>. Spitze, Äußerstes, Höchstes;
+höchste Spitze des Mastes, dann auch in der Verbindung Vortop, Großtop,
+Kreuztop den ganzen betreffenden Mast bedeutend mit allem was drum und
+dran ist, so daß pars pro toto genannt ist, wie man Dach für Haus, Köpfe
+oder Seelen für Menschen, Segel oder Kiel für Schiff sagt. Topp,
+eigentlich im Singular bloß Top, ist nichts anderes als Zopf, nur mit
+unverschobenem An- und Auslaut. Das niederdeutsche Sprachgebiet in
+seiner zähen Art hat die hochdeutsche Lautverschiebung von Konsonanten
+welche im Germanischen aus indogermanischen Verschlußlauten entstanden
+waren, nicht mitgemacht. Von dieser hochdeutschen Verschiebung sagt
+Wilmanns, daß sie besonders lehrreich sei, &#8222;weil sie sich zum großen
+Teil vor unseren Augen vollzieht und genauere Einsicht in die stetig
+fortschreitende Änderung der Konsonanten und die sie regelnden Kräfte
+gewährt.&#8223;<a id="Page_484"></a>
+ <span class="pagenum">[484]</span> &#8222;Der Beginn der Verschiebung fällt in die Zeit vom 5.
+bis 7. Jahrhundert unserer Zeitrechnung und deshalb sind ihr auch viele
+romanische Lehnwörter, die bis zum 8. Jahrhundert ins Deutsche
+aufgenommen sind, unterlegen. Von Oberdeutschland geht die Bewegung aus;
+die Sprache der Langobarden, Bayern, Alemannen und eines Teils der
+Franken wird von ihr ergriffen; je weiter nach Norden, um so schwächer
+wird die Wirkung.&#8223; An Top ist sie wirkungslos geblieben. Im
+Althochdeutschen ward die Tenuis des Anlauts durch das homogene
+Reibungsgeräusch von t affriziert, also von s, und so ward aus t ein z.
+Das homogene Reibungsgeräusch von p ist f, die Affrikation von p ist
+also pf. Da aber Top sich, wie gesagt, nach niederdeutscher
+Eigentümlichkeit an diesen Affrikationen nicht beteiligt hat, so ist es
+bis auf diesen Tag Top geblieben. Daß Top = Zopf aber für Mastspitze
+gebraucht werden konnte beweist uns, daß Zopf ursprünglich nicht das
+herabhängende, geflochtene Haar, sondern den &#8222;Schopf&#8223;, das nach oben
+zusammengefaßte und -gebundene Haar, den obersten Scheitel (toupet)
+bedeute. Wenn Shakespeare sagt: &#8222;To take the present time by the top&#8223;;
+so meinte er ja damit auch nicht die Stirnlocke, sondern vielmehr den
+Teil des Haarwuchses, an dem man etwa einen Ertrinkenden zu packen
+hätte, um ihn aus dem Wasser zu ziehen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Niederländischen heißt top
+so allgemein das Oberste, Äußerste, &#8222;die Krone&#8223; von etwas, daß man sogar
+vom &#8222;top van den vinger&#8223; spricht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Top und Takel.</span> Vor Top und Takel segeln heißt, ohne jegliches Segel zu
+setzen sich dem Sturme preisgeben, so daß also lediglich das Schiff
+selbst und seine Takelage dem Sturme eine Angriffsfläche bietet. Es
+liegt auf der Hand, daß das äußerste Gefahr bedeutet und auf Leben oder
+Sterben geht. Darum heißt französisch das &#8222;aller à mats et à cordes&#8223;
+auch &#8222;aller à la dérive, aller à Dieu et au tems&#8223; (Aubin, 1702).
+Dänisch: &#8222;med top og tavl&#8223;, ganz und gar, mit Kopf und Schwanz, mit Haut
+und Haaren. In Holland, überhaupt bei allen seefahrenden Völkern sind
+ähnliche Redewendungen in Gebrauch; &#8222;over Gods genaade drijven&#8223;; &#8222;sig
+aan het geweldt der winden en baaren (Wellen) overgeven.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Toppnant</span>, weiblich. Toppnanten sind &#8222;Taue, die an beiden Nocken der
+Rahen und am Top des Mastes oder auch unter dem Eselshaupt durch einen
+Block aufs Deck hinunter fahren, diese Taue dienen die Rahen horizontal
+zu erhalten oder sie auch<a id="Page_485"></a>
+ <span class="pagenum">[485]</span> nach Umständen gegen den Horizont zu
+neigen&#8223;, vergl. Kajen. Treffend heißen die Toppnanten französisch
+balancines. &#8222;On s'en sert pour tenir la vergue en balance, lors qu'elle
+est dans la situation naturelle, ou pour la tenir haute et basse, selon
+qu'il est à propos&#8223; (Aubin). Was das Wort selbst betrifft, so vermute
+ich, daß Toppnant nichts weiter ist als eine Verkürzung von Toppenende,
+das zuerst Toppnend geheißen haben mag und dann ohne Rücksicht auf die
+Herkunft, vielleicht bei Aufnahme in die neuhochdeutsche
+Seemannssprache, bei welcher Gelegenheit an gar manchem Orte gesündigt
+wurde, die gegenwärtige Gestalt erhielt. Daß &#8222;Ende&#8223;, das Ende eines
+Taues, für das Tau selbst gebraucht wird, siehe unter Ende. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Rahe
+mittelst der Toppnant auf und nieder bewegen heißt sie toppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">tot</span> wird in der Seemannssprache in folgenden Verbindungen gebraucht:</p>
+
+<p>1. Totes Gewicht s. Deplacement.</p>
+
+<p>2. Totes Werk. So nennt man den Teil des Schiffes, der über der
+Schwimmebene liegt, also den Teil des Schiffskörpers, der sich über
+Wasser befindet. Tot ist dieser Teil, weil er nicht hilft Wasser
+verdrängen, weil er also nicht mit trägt, sondern getragen werden muß.</p>
+
+<p>3. Totes Holz. So heißen die Kielklötze. Sie heißen so im Gegensatze zu
+dem lebendigen, beweglichen Schiffe.</p>
+
+<p>4. Tot segeln. Den Strom tot segeln, heißt, gegen den Strom so viel
+Fahrt machen, daß man ihn überwindet und trotz des Stromes noch vorwärts
+kommt, seinem Ziele sich nähert. Ein Schiff tot segeln, heißt, es
+überholen, ihm vorbeikommen, also schneller segeln als es.</p>
+
+<p><span class="strong1">toppen</span> s. brassen und toppen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Törn</span>, der, s. Seetörn.</p>
+
+<p><span class="strong1">Torpedo</span>, der. In der Kaiserlichen Marine versteht man unter einem
+Torpedo ziemlich ausschließlich einen Offensiv-Torpedo (während die
+Defensiv-Torpedos Minen genannt werden), also das bekannte
+zigarrenähnliche Geschoß, mit Schießbaumwolle geladen, von komprimierter
+Luft durch eine kleine Schraube getrieben, unter Wasser sich mit
+ziemlicher Geschwindigkeit auf ein feindliches Schiff zu bewegend, um da
+zu explodieren und das Ziel in die Luft zu sprengen. Das Nähere gehört
+nicht hierher, ist auch in tiefes Geheimnis gehüllt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nur muß bemerkt
+werden,<a id="Page_486"></a>
+ <span class="pagenum">[486]</span> daß fälschlicherweise im Binnenlande und sogar auch in
+Kriegshafenstädten oft Torpedo gesagt wird, wo man ein <span class="strong1">Torpedoboot</span>
+meint, nämlich ein Boot, das lediglich zum Schießen mit Torpedos
+eingerichtet ist und ausschließlich dazu bestimmt ist, während die
+großen Panzerschiffe und Kreuzer ihre Torpedoarmierung nur so nebenbei
+haben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Torpedos müssen rasch arbeiten; es ist daher ein
+eigentümliches Zusammentreffen, daß das Wort eigentlich steif, langsam,
+plump, unbeweglich bedeutet, denn in diesem Sinne hat der dicke, plumpe,
+unförmige Fisch seinen Namen Torpedo (vom lateinischen torpeo)
+empfangen. Er hat ihn allerdings für diese moderne Seekriegswaffe nicht
+hergeliehen wegen seiner Schnelligkeit, sondern seiner Fähigkeit,
+elektrische Schläge auszuteilen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Torpedooffizier</span>, der. Ein Torpedooffizier verhält sich zu einem
+Torpederoffizier wie ein Artillerieoffizier zu einem Feuerwerksoffizier,
+d.&nbsp;h. der Torpedooffizier steht in der Front und betreibt das
+Militärische am Torpedowesen, das Exerzieren, Instruieren und Schießen,
+während der Torpederoffizier sich am Lande dem Technischen und der
+Verwaltung in Torpedoangelegenheiten widmet als einem dauernden
+Lebensberuf. Der Torpedooffizier aber ist ein Seeoffizier, der nur eine
+Zeit lang das Torpedowesen an Bord unter sich hat und dann wieder ein
+anderes Kommando bekommt, als Batterieoffizier, Erster Offizier,
+Kommandant u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p><span class="strong1">Trackkarte</span>, die, ist eine Seekarte, auf der sich Seeleute ihre Tracks,
+d.&nbsp;h. die Strecken die sie auf See zurückgelegt haben, einzeichnen, den
+Weg den sie &#8222;gezogen&#8223; sind (denn track hängt mit dem niederdeutschen,
+niederländischen trekken, ziehen zusammen); ihre Seereisen.
+Seemännischen Wert hat dies nicht, es dient nur als Reiseerinnerung,
+allenfalls noch als Anhaltspunkt für das Gedächtnis in Bezug auf
+Strömungen, vorherrschende Windrichtungen, überstandene Stürme, Länge
+der Seetörns u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p><span class="strong1">Treibbake</span> = Schwimmbake, s. Bake.</p>
+
+<p><span class="strong1">Treiber</span>, der, ist ein ganz hinten am Stern von Lustjachten (manchmal
+auch bei sonstigen Segelbooten) angebrachtes, an niedrigem Maste
+fahrendes, über das Heck hinausragendes Schratsegel bei sogenannter Jawl
+(s. Tjalk) &nbsp;&mdash;&nbsp; Tagelake. Es soll den Großbaum entlasten und durch den
+Druck auf das Heck den Bug gegen die See halten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ist schweres Wetter,
+so tritt an die Stelle des Treibers ein kleinerer, stärkerer
+<span class="strong1">Sturmtreiber</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+<a id="Page_487"></a>
+ <span class="pagenum">[487]</span> Früher hatte man auch auf Vollschiffen einen
+Treiber. Er fuhr an einer Leesegelsspier, die an der Nock der
+Besansgaffel gehißt war; die Schoten wurden an einer über die Reling
+gelegten Spier ausgeholt. Es war also dieser Treiber eine Art Rahsegel.
+Es wurde gesetzt, wenn das Schiff vor dem Winde segelte, der Besan also
+nicht zur Geltung kam. Viel half der Treiber freilich auch nicht, aber
+er trieb das Schiff immerhin etwas schneller weiter, half also die Fahrt
+beschleunigen und so das Verdienst mehren und führte darum den
+sinnreichen Namen &#8222;Brodgewinner.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">treiben.</span> Das bekannte Lied: &#8222;Treibe, treibe, Schifflein treibe!&#8223; klingt
+ganz nett im Salon; im seemännischen Sinne ist treiben keine angenehme
+Bewegung, sondern bedeutet allemal etwas das man lieber nicht sähe. Ein
+Schiff treibt, wenn es nicht von Dampf oder Segel sondern von der Gewalt
+eines Sturmes in Bewegung gesetzt wird. Es treibt &#8222;vor Top und Takel&#8223;
+wenn der Sturm so schwer ist, daß es keine Segel führen kann. Es treibt
+&#8222;vor Anker&#8223; wenn die Anker im Sturm nicht halten, das Schiff also trotz
+der Anker in Bewegung gerät. Es ist dann oft so gut wie unlenkbar und
+allen möglichen Gefahren preisgegeben. Ein Schiff treibt ab, wenn Strom
+oder ungünstiger Wind es von seinem Kurse abdrängen.</p>
+
+<p><span class="strong1">treideln</span> ist die offizielle Bezeichnung für das, was sonst treilen,
+trauen, treieln, treueln, troilen heißt und die Tätigkeit eines Menschen
+bezeichnet, der an einer langen Leine um die Schulter ein Schiff einen
+Fluß oder einen Kanal entlang zieht. Die Leine heißt Treil; französisch
+traille, vom lateinischen tragula, Diminitivum von traha, vom Zeitwort
+traho ich ziehe. Die Form treideln ist auffallend, weil nicht zu ersehen
+ist, woher das d hineingekommen ist. Man könnte denken, sie habe sich
+aus dem Keltischen erhalten, wo es im Kymrischen ein Wort treidio gab,
+das laufen bedeutete; da treilen ja mit Laufen verbunden ist, so könnten
+die beiden Begriffe in einander geflossen sein und treilen hätte dabei
+das d von treidio in sich aufgenommen. Aber in mittelalterlichen
+Urkunden findet sich das d nicht, da steht immer nur treilen oder
+troilen. 1323: &#8222;Naves ducere volentibus, quod vulgariter troylen
+dicitur.&#8223; 1343: &#8222;We bekennet, dat wi vorkoft hebbet vnse dre molen stat
+to N. mit allem anschote, also dat man varen mach it water vp vnde
+neder, sunder hinder ouer vsen anschot velich treilen.&#8223; 1348: &#8222;Also dat
+de ghenne, de<a id="Page_488"></a>
+ <span class="pagenum">[488]</span> twischen Luneborch vnde Ulsen de Elmenowe vp vnde
+neddervaret, moghen vppe den oueren gan vnde de sceppe dar vppe troylen
+na ereme behoue.&#8223; Und in dem Privilegium des Herzogs Magnus für
+Braunschweig aus dem Jahre 1431 steht: &#8222;Ok so mögen de schiplude troylen
+vp mynen oueren.&#8223; Das d ist also neueren Datums; vielleicht Folge des
+Gedankens daran, daß der treilende Mann nur kleine Schritte, nur kurze
+Tritte machen kann, wegen der Last die er zieht. So könnte ein
+Iterativum von treten, tritteln, mit in den Begriff treilen geraten
+sein, dessen geminirtes t hinter dem Diphthong schwinden mußte und zur
+Media wurde. Dabei ist daran zu erinnern, daß der noch teilweise von
+Kaiser Trajan herrührende Treidelweg durchs eiserne Tor, der teils als
+Halbwölbung in den Felsen eingehauen, teils als hängender Weg gebaut
+war, von den Donauschiffern Treppelweg genannt wird und daß treppeln so
+viel wie trippeln und dieses Iterativum zu trappen ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Es wäre auch
+möglich, daß der Gedanke an trödeln das d in treideln gebracht hätte,
+weil das Geschäft zuweilen recht langsam vor sich geht. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Franzosen
+haben für den Mann, der es betreibt, ein seine Tätigkeit sehr deutlich
+beschreibendes Substantiv gebildet aus dem deutschen Zeitwort holen (s.
+d.) und nennen ihn haleur. Man hatte seinen Scherz mit ihm und rief ihm
+früher an der Loire und sonst in Frankreich das Wort arrache-persil,
+Petersilienausreißer, zum Spott zu. Sprichwörtlich sagte man nicht
+unwitzig: &#8222;arrache-persil navigue aussi.&#8223; Sie antworteten mit einer Flut
+von Schimpfreden, ähnlich wie die Flößer auf dem Neckar, wenn die
+Tübinger Studenten ihnen zuriefen: &#8222;Jockele sperr!&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Englisch to
+drail; holländisch (Weiland) treil: denkelyk een bastaardwoord van het
+fr. tirail ontlend, en darmede van tirer, trekken, afkomstig. Eene lyn,
+om een schip voort te trekken. Voorts &nbsp;&mdash;&nbsp; und das bedeutet eine
+bedeutende Erweiterung des Begriffes, der sich übrigens auch in
+Ostfriesland findet &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;ook het gesamenlyke touwwerk van een schip: van
+zeil, van treil, van roer, van snoer, van maste beroofd. &nbsp;&mdash;&nbsp; Het schip
+word met zeil en treil verkocht.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">trekken</span>, s. treideln.</p>
+
+<p><span class="strong1">Trempel</span>, s. Drempel.</p>
+
+<p><span class="strong1">trensen</span> heißt teils zur Verstärkung, teils des besseren Aussehens wegen
+um ein Tau ein anderes dünneres so herumlegen oder schlängeln, daß
+letzteres den Raum zwischen den Kardeelen<a id="Page_489"></a>
+ <span class="pagenum">[489]</span> des ersteren, die
+Vertiefungen, ausfüllt. Ankertaue wurden, Wanttaue werden zur
+Verstärkung, Sceptertaue des besseren Aussehens wegen getrenst. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das
+Wort ist schon früh aus dem Spanischen gekommen, wo trenzar flechten
+heißt. Kilian hat es als trensse = funiculus, vinculum reitinaculum
+equorum, also als Trense im Sinne von Pferdezaum, vom spanischen
+Substantivum zu trenzar trenza die Flechte, Zopf, trenzado geflochtener
+Zopf an den Mähnen der Pferde. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im seemännischen Sinne bei Aubin 1702:
+emmieller un étai = een stag trensen; tusschen de staagen met dunne
+draaden woelen&#8223; (s. Wuhling).</p>
+
+<p><span class="strong1">Tresidderplatte</span>, s. Panzerplatte.</p>
+
+<p><span class="strong1">Trift</span>, s. Abtrift und Seetrift.</p>
+
+<p><span class="strong1">triftig</span> ist das Schiff, wenn es treibt (s. treiben). Seetriftige Güter
+sind solche, die auf der See treiben oder von der See an die Küste
+getrieben werden. Hanseatische Urkunde von 1513: &#8222;vorder schal unde mach
+de copmann schipbrochich affte zeedriftich gut sulvest bergen effte
+bergen laten.&#8223; Ditmarsische Urkunde von 1384: &#8222;Se scholen hebben den
+drudden del des ghudes, dat drifftich worden were.&#8223; Bremer Urkunde von
+1564: &#8222;Jacob R. sy mt synem bochsprede inn ohre houwet tow gedreuen, dar
+her also se beide thosamende drifftich gewurden vnde inn grundt gedreuen
+weren.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">trimmen</span> heißt: &#8222;in Ordnung bringen.&#8223; &#8222;Die Segel trimmen&#8223;, sie in
+gebrauchsfähigen, ordnungsmäßigen Zustand versetzen; &#8222;Kohlen trimmen,&#8223;
+sie richtig in den Kohlenbunkern unterbringen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Von dem englischen
+trim mit deutscher Endung weiter gebildet und erst in neuerer Zeit,
+unter der Herrschaft des Dampfes siegreich durchgedrungen.
+Angelsächsisch trymian, trymman, befestigen, fest machen, in Ordnung
+bringen; trum = stark, fest, englisch to trim, &#8222;to put in due order for
+any purpose.&#8223; Auch im übertragenen Sinne: &#8222;Leute trimmen,&#8223; gut
+einexerzieren, gut auf eine Sache einüben; &#8222;seine Leute gut im Trimm
+haben.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Einen besonderen Sinn hat Trimm in der Verbindung
+<span class="strong1">Trimmberechnung</span>. Diese hat den Zweck, die Tauchungsänderung eines
+Schiffes vorne und hinten bei Verschiebung von Gewichtung in der
+Längsrichtung zu berechnen, und Trimm hat hier die Bedeutung von trim =
+&#8222;to adjust, as a ship or boat, by arranging the cargo or disposing the
+weight of persons or goods so equally on each side of the centre and at
+each end that she shall sit<a id="Page_490"></a>
+ <span class="pagenum">[490]</span> well on the water and sail well. A
+vessel is said to be trimmed by the head or by the stern respectively
+when the weight is so disposed as to make her draw more water towards
+the head than towards the stern, or the reverse.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">trissen</span> nannte man bei der ausgestorbenen Blinde das, was man bei
+anderen Rahsegeln brassen nennt. Mittelniederdeutsch trisse, trysse,
+tritse = Winde; s. Schiller und Lübben, Mittelniederdeutsches Wörterbuch
+IV. 613; trissen drehen, schwingen, winden. Erhalten ist das Wort im
+niederdeutschen triseln, herumlaufen, taumeln, schwindeln, und drüseln,
+zaudern, zögern, ostfriesisch trüseln und triseln, unsicher, hin und her
+wankend gehen, hin und her wanken und schwanken, wie ein Ohnmächtiger
+oder ein Betrunkener. Also: &#8222;hin und her bewegen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Trompetenstek</span> s. Stek.</p>
+
+<p><span class="strong1">Troier</span>, der, das Flanellhemde, das unsere Kriegsschiffsmatrosen auf der
+bloßen Haut tragen, vorn auf der Brust mit einigen blauen Streifen
+besetzt. &nbsp;&mdash;&nbsp; In Ostfriesland heißt (Doornkaat III 437) tröje, troi eine
+gestrickte wollene Unterjacke für Männer, ohne Knöpfe, die als Bluse
+oder Hemd über den Kopf angezogen wird. Im Groningenschen heißt so eine
+gestrickte Weste &#8222;een gebreide mansborstrok, die de plaats vervult van
+hemdrok.&#8223; Schon beim Teuthonista kommt das Wort für Jacke vor in der
+Form troye. Auch sonst häufig in mittelniederdeutschen Urkunden z.&nbsp;B. in
+einem Stendaler Privileg der Kürschner und Schneider vom Jahre 1346:
+&#8222;vortmer we eyn werk sick bededingeth tu makende mit bomwullen als eyn
+troye edder des ghelik, maket de schroder dat wandelbar, dat schal he
+beteren mit dren schillingen&#8223; oder in der Lübecker Chronik: &#8222;des blef de
+reise na, unde dar ward af achter en pels unde vor en troye.&#8223; Das
+&#8222;Bremer Wörterbuch&#8223; bemerkt, daß troje, troye in einer alten Urkunde als
+eine Waffenrüstung vorkam, ein Koller oder Brustharnisch. In der Tat
+steht in einem Oldenburger Statut von 1345 ... &#8222;zinen helm ofte ysern
+hut, zine yseren huven, zine troyen, zine armeleden.&#8223; Und weiter: &#8222;en
+iewelk lantman ... schal hebben to ewighen tyden ene troyen, enen ysern
+hud, en par wapenhanschen, enen schilt, ene worpbarden vnde enen peck
+van zestein voten vnde kortere nicht.&#8223; Aber auch hier bedeutet troye
+offenbar weiter nichts als Wams, etwa ein Lederwams, wie es eben damals
+Bauern und andere Leute, die den Krieg<a id="Page_491"></a>
+ <span class="pagenum">[491]</span> nicht rittermäßig im
+Brustharnisch führten, zu tragen pflegten. Diese Verwendung von troye
+hilft also nicht bei der Erklärung, und der Versuch Doornkaats, es vom
+althochdeutschen triuwa, bezw. von tro, troi in der Bedeutung fest,
+sicher abzuleiten, leuchtet nicht ein. &nbsp;&mdash;&nbsp; Mittelhochdeutsch troie =
+Wamms: Dafür führen nach Diefenbach Schiller und Lübben IV. 614 eine
+Form triplois auf. Dies könnte auf eine Spur führen. Da neben triplois
+gleichzeitig diplois steht, so ist anzunehmen, daß damit die Qualität
+und Herstellungsart des Stoffes, aus dem der troie gemacht war,
+angedeutet werden soll, wie man im Deutschen von fünfschäftigem Zeug
+oder im Französischen von taffetas deux bouts spricht. Es kann also
+triplois ein dickes, warmes, mit drei doppelten Wollfäden gestricktes
+Wams gewesen sein, und aus triplois wird beim Übergang ins
+Mittelhochdeutsche durch Schwund der mittleren, unbequemen Buchstaben so
+gut troie, zunächst troi, geworden sein, wie aus paraveredus Pferd
+geworden ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das r am Schlusse von Troier hat sich erst beim
+Übergang aus dem Neuniederdeutschen ins Neuhochdeutsche aus Unkenntnis
+des Ersteren hinzugefunden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Trosse</span>, die, auch Troß, ist ein besonders dickes, starkes, langes Tau
+aus Hanf, Manilahanf (dann auch Manilaleine genannt) oder Draht, das zum
+Verholen von Schiffen und auch sonst überall da gebraucht wird, wo viel
+zu halten ist, z.&nbsp;B. wenn ein Schiff sich an ein Bollwerk legt. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das
+Wort kommt im Mittelniederdeutschen für ein Tau vor, das außerhalb des
+Wassers gebraucht wird, wie es im Lübischen Zunftrecht heißt: &#8222;Vorthert
+warckgarne dat schal nen reper slan tho kabellen, to waterthowen, anders
+nergent to men tho trossen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Niederdeutsch &nbsp;&mdash;&nbsp; ostfriesisch &nbsp;&mdash;&nbsp;
+niederländisch versteht man unter tros, trosse ein Bündel oder Büschel
+von Beeren; Weiland: &#8222;tros = een bundel van onderling vereenigde dingen:
+een groote tros druiven.&#8223; Die Bedeutung vereinigt sich mit der Trosse
+der Seemannschaft in dem Begriffe binden, zusammenbinden. Daher
+mittelhochdeutsch trossen = packen, Gepäck zusammenbinden und aufladen
+(woher Troß, Troßknecht). Neufranzösisch trousser, altfranzösisch
+torser, provençalisch trossar, italienisch torciare: zusammendrehen,
+festbinden, vom lateinischen torquere. Mittellateinisch trossa, das
+Heubündel, Strohbündel, spanisch troza, Seil zum Binden.</p>
+
+<p><span class="strong1">Trysegel</span>, das, ist der zuweilen, neuerdings besonders auf<a id="Page_492"></a>
+ <span class="pagenum">[492]</span>
+Lustjachten, gebrauchte, dem Englischen entnommene Ausdruck für das
+deutsche Schratsegel. Wegen der vorherrschend dreieckigen Gestalt dieser
+Segel dürfte das Wort auf irgend eine Weise mit dem lateinischen tres,
+tria zusammenhängen.</p>
+
+<p><span class="strong1">tublocks.</span> Wenn man an einer Talje so lange holt bis es nicht weiter
+geht, so ist der eine Block an den andern gekommen, man hat die Talje
+also &#8222;Block an Block&#8223;, &#8222;tublocks&#8223; geholt. Damit ist das Holen zu Ende.
+Soll es weiter gehen, so muß eine neue Talje aufgeschlagen werden. Daher
+die übertragene Bedeutung: &#8222;ich bin mit meinem Gelde tublocks, ich bin
+mit meinen Zigarren, mit meinen Vorräten tublocks.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Tümmler</span>, der.</p>
+
+<p>1. Der Stehauf, ein schwankendes, taumelndes, sich von selbst
+aufrichtendes und aufstellendes Glas, englisch tumbler.</p>
+
+<p>2. Der Delphin, wegen seiner eigenartigen Bewegung, die ihn öfters als
+einen Taumelnden, Sichdrehenden sichtbar an der Oberfläche des Wassers
+erscheinen läßt. Daher ein Seesoldat scherzweise ein Tümmler genannt
+wird, wohl wegen des taumelnden Ganges an Bord in Folge der mangelnden
+&#8222;Seebeine&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">Türkischer Bund</span>, Knoten s. Knoten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Turm</span>, der. Unter Turm versteht man in der modernen Seemannssprache einen
+gepanzerten oder geschützten turmartigen Aufbau. Derartige Türme dienen
+auf unseren Panzerschiffen zum Schutze besonders wichtiger Stellen. Man
+unterscheidet hauptsächlich Kommandotürme und Geschütztürme. Erstere
+schützen den Kommandanten und die ihn im Kommando Unterstützenden, sowie
+die Kommandoapparate oder -elemente, besonders auch die Leitungen der
+elektrischen Befehlsübertragungen. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die Geschütztürme schützen die
+Kanone mit ihrer Mannschaft. Sie sind meist so eingerichtet, daß, um die
+Geschütze zu richten, nicht diese selbst gedreht werden, sondern es wird
+der Turm, in dem die Kanone steht, bewegt. Man hat, nach ihren Erfindern
+benannt, verschiedene Türme, den Coles'schen, den Ericson'schen, den
+Napier'schen Panzerturm. Der Barbetteturm, auch kurz Barbette genannt
+nach der heiligen Barbara, der Schutzheiligen der Artilleristen, hat die
+Eigentümlichkeit, daß seine Geschütze &#8222;über Bank&#8223; d.&nbsp;h. über den Rand
+der Turmwand hinweg schießen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Twist</span>, der, heißt die Wischbaumwolle die, besonders in der Maschine, zum
+Wischen, Putzen, auch zum Abwischen der von Maschinenöl beschmutzten
+Hände, benützt wird. Ursprünglich ein Garn, zweimal gedreht; dann
+überhaupt gedreht, verwickelt, zusammengeballt. Das niederdeutsche twist
+heißt auch Zwist, Zwietracht, es steckt immer die Zahl zwei, twe
+darinnen, wie in Zwieback, zwiespältig, zwiefach; &#8222;twie in dem jare&#8223;,
+zweimal im Jahre, sollten nach dem Lagerbuch des drosten Jakob van der
+Sprecken vom Jahre 1428, die Herren bei ihren &#8222;belenden luden&#8223;
+einkehren.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="U"></a>U.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Überall!&#8223;</span> lautet der Ruf mit dem &#8222;Alle Mann&#8223; in der Frühe geweckt
+werden, während der Ruf beim Wecken der neuen Wache &#8222;Reise! Reise!&#8223; (s.
+d.) heißt. Das &#8222;Überall&#8223; ist zum größeren Nachdruck von einem mächtigen
+Gepfeife des Bootsmanns<a id="Page_493"></a>
+ <span class="pagenum">[493]</span> und seiner Maate begleitet. Man nannte
+das früher &#8222;Reveille&#8223;, jetzt heißt es &#8222;Wecken&#8223;. Und das ist gut, denn
+mit diesem Worte waren deutsche Seeleute französischer als die
+französischen, die gar nicht Reveille sagen, sondern battre la diane.
+Das haben die Holländer treuherzig übersetzt: &#8222;die Diana slaan&#8223; und
+gewiß, wenn sie überhaupt etwas dabei gedacht haben, an die alte Göttin
+Diana gedacht. Warum sollte auch gerade die Göttin der Jagd beim
+Aufstehen der Seeleute &#8222;geschlagen&#8223; werden? Sie nannten freilich auch
+die &#8222;Morgenwache&#8223; Diana. Aber die Franzosen selbst haben das Wort wieder
+aus dem Italienischen. Da heißt diana der Morgenstern, eigentlich Stella
+diana, der Tagesstern, der das Herrannahen des Tages verkündigt, von dem
+verloren gegangenen aus dies gebildeten Adjektiv diano. &nbsp;&mdash;&nbsp; Unsere
+treffliche Flottenvereins-Wochenschrift führt trefflich den Titel
+&#8222;Überall&#8223;, weil überall in Deutschland ihr Weckruf zu Gunsten einer
+&#8222;achtunggebietenden Flotte&#8223;, wie man vor fünfzig Jahren sagte, gehört
+werden soll.</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;Über Bord&#8223;</span> unterscheidet sich sehr wesentlich von &#8222;Von Bord&#8223;. Dieses
+wird gebraucht, wenn jemand oder etwas auf ordnungsmäßige Weise von Bord
+geht. Man sagt: &#8222;Dienstlich oder mit Urlaub oder krank oder bei
+Außerdienststellung von Bord gehen; das Boot setzt von Bord ab; die
+Takelage, die Artillerie, das Inventar von Bord geben&#8223;, dagegen: &#8222;etwas
+über Bord (ins Wasser) werfen, der Hut geht (nicht so häufig fliegt)
+über Bord, der Mann fällt über Bord; Leiche über Bord setzen.&#8223; Rostocker
+Chronik: &#8222;a. 1566 synt van Denen ond dudsche ock vel tot bleuen, de
+hefft men auer bort na sebruck geworpen ond en gelt by gebunden, dat se
+konden begrawen werden, wen se an land quemen.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">unterfangen</span> wird gebraucht, wenn man etwas irgendwo fest bindet, wo es
+möglichst wenig im Wege ist und möglichst wenig Platz einnimmt,
+namentlich wenn man etwas an der Decke irgend eines Raumes fest bindet,
+so daß es da hängt ohne den Raum seiner eigentlichen Bestimmung zu
+entziehen. Das Wort wird <span class="strong1">unter</span>fangen betont, es ist nicht in dem
+ethischen Sinne, indem man sagt &#8222;ich habe mich unter<span class="strong1">fangen</span>&#8223; d.&nbsp;h. &#8222;ich
+habe es gewagt&#8223;, gebraucht, sondern in dem rein mechanischen des
+Befestigens. Wenn fangen mit paça, das im Sanscrit Strick heißt, und mit
+pax, der Friede, das eigentlich &#8222;Befestigung&#8223; bedeutet,<a id="Page_494"></a>
+ <span class="pagenum">[494]</span> verwandt
+ist, so gebraucht es in der Verbindung &#8222;unterfangen&#8223; die Seemannssprache
+in seiner urspünglichsten Bedeutung: &#8222;etwas (unter Deck, unter der
+Decke) befestigen, festbinden.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Über Stag gehen</span> s. Stag.</p>
+
+<p><span class="strong1">unklar</span> s. klar.</p>
+
+<p><span class="strong1">unterschlagen</span> mit dem Ton auf unter, heißt das Segel aus der Segelkoje
+holen und mit der dazu gehörigen Rahe verbinden, es an der Rahe
+befestigen. Das Gegenteil davon heißt Segel abschlagen. Segel
+unterschlagen und abschlagen unterscheidet sich also sehr wesentlich von
+Segel setzen und Segel bergen. Segel setzen heißt die untergeschlagenen
+Segel ausspannen, Segel bergen die ausgespannten Segel wieder einziehen,
+zusammenfalten und festbinden, aber untergeschlagen lassen, so daß sie
+jederzeit leicht wieder gesetzt werden können. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die eigentliche
+Bedeutung von schlagen ist: &#8222;eine Bewegung zu etwas hin machen. &nbsp;&mdash;&nbsp;</p>
+
+<p><span class="strong1">unsichtig</span> s. sichtig.</p>
+
+<p><span class="strong1">Unterwindluftzuführung</span> s. Windsack.</p>
+
+<p><span class="strong1">unter Land</span> sagt man für &#8222;im Schutze des Landes&#8223;. Ein Schiff befindet
+sich unter Land, wenn zwischen ihm und dem Winde Land liegt, das ihm den
+Wind abhält oder doch abschwächt, also wenn es sich an einer Luvküste
+befindet. Es ist also bei dieser Redensart zu ergänzen: &#8222;unter (dem
+Schutze von) Land.&#8223;</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="V"></a>V.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Variation</span>, die. Die verschiedenen für den seefahrenden Mann wichtigen
+Ablenkungen: Variation, Mißweisung, magnetische Deklination, Deviation,
+astronomische Deklination, stellen sich gemäß befreundeter
+fachmännischer Auskunft kurz so dar: Eine jede nur in ihrem Schwerpunkte
+unterstützte, sonst aber frei schwebende Magnetnadel stellt sich in die
+magnetische Nord-Südlinie. Der Winkel, den diese magnetische
+Nord-Südlinie mit der astronomischen Nordsüdlinie bildet, heißt
+&#8222;<span class="strong1">Missweisung</span>&#8223;, &#8222;<span class="strong1">Variation</span>&#8223; oder auch &#8222;<span class="strong1">magnetische Deklination</span>&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nur
+an einem völlig eisenfreien Orte steht die Nadel in der magnetischen
+Nordsüdlinie,<a id="Page_495"></a>
+ <span class="pagenum">[495]</span> ist Eisen in der Nähe der Nadel, &nbsp;&mdash;&nbsp; wie an Bord der
+Schiffe &nbsp;&mdash;&nbsp;so weicht die Magnetnadel um einen gewissen Winkel (dessen
+Größe unter anderen Ursachen auch von der Entfernung, Lage u.&nbsp;s.&nbsp;w. des
+Eisens zur Nadel abhängt) von der magnetischen Nord-Südlinie ab. Dieser
+Winkel wird &#8222;<span class="strong1">Deviation</span>&#8223; genannt. Die Deviation ändert sich mit dem Kurse
+des Schiffes. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Abweichung stammt aus der nautischen Astronomie und
+ist die Verdeutschung des Wortes &#8222;<span class="strong1">Deklination</span>&#8223;; nämlich &#8222;<span class="strong1">Abweichung</span>&#8223; der
+Gestirne vom Äquator des Himmels.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Die &#8222;Beschriving von der Kunst der
+Seefahrt&#8223; 1673 hat eine eigene Abhandlung &#8222;Thom Dörden: Wo men de
+declinatie der Sünnen finden, und die Instrumenten tho meting des Poles
+hochte gebrucken sal.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Ventilator</span>, der, s. Windsack.</p>
+
+<p><span class="strong1">Verbodmen</span> s. Bodmerei.</p>
+
+<p><span class="strong1">Verdeck</span>, nicht seemännisch, s. Deck.</p>
+
+<p><span class="strong1">verfahren</span> hat eine ganz andere Bedeutung als das althochdeutsche
+farfaran = dahinfahren, sterben; auch wird es im anderen Sinne gebraucht
+als wenn man von einer verfahrenen Sache spricht; schon näher kommt man
+der seemännischen Bedeutung, wenn man an das in und um Gröningen
+gebräuchliche vervoaren denkt, das = verhuizen, also = umziehen ist,
+eine andere Wohnung beziehen oder von einem Orte zum andern ziehen. Man
+spricht nämlich: &#8222;eine Trosse verfahren&#8223; und meint damit, sie von einer
+Stelle (wo sie keine Dienste mehr leisten kann) nach einer anderen (wo
+sie wieder fest gemacht wird) bringen, z.&nbsp;B. von einem Poller oder von
+einer Boje nach der andern verfahren beim Verholen eines Schiffes oder
+beim Durchschleusen eines solchen. Und zwar ist der ursprüngliche
+Gedanke der gewesen, daß die Ortsveränderung der Trosse mit Hilfe eines
+Bootes vorgenommen, daß sie ausgefahren und dann von einer Stelle zur
+andern weiter gefahren wurde.</p>
+
+<p><span class="strong1">verfangen.</span></p>
+
+<p>1. Ein Tau verfangen, einen Stopper auf ein so lange von den holenden
+Matrosen festgehaltenes Tau schlagen und so fest machen, daß es nicht
+wieder zurücklaufen kann. So gebraucht, hat verfangen den Sinn des
+hochdeutschen fangen.</p>
+
+<p>2. Eine Beting verfangen, die Beting bei starkem Zug des Ankertaues auf
+dem Deck abstützen. Hier nähert sich der Begriff dem von 3, indem die
+Abstützung gleichsam im Falle der Not an<a id="Page_496"></a>
+ <span class="pagenum">[496]</span> die Stelle der
+eigentlichen Beting zu treten hat; er hat aber auch etwas von 1. an
+sich, da die Abstützung ein Festmachen, eine Verhinderung der Bewegung
+in erster Linie darstellen soll.</p>
+
+<p>3. Einen Posten verfangen, d.&nbsp;h. ihn ablösen. In diesem Sinne wird das
+Wort in Ostfriesland und in Holland gebraucht für &#8222;an die Stelle eines
+anderen treten.&#8223; Wenn in Holland einer Soldat werden soll und er kauft
+sich für Geld einen anderen, der für ihn eintritt, so ist dieser andere
+sein plaatsvervanger. Ein solcher &#8222;Stellvertreter&#8223; hieß altfriesisch
+forifongera, forifonghera, forifongere (Richthofen 751). &#8222;Sa hwa sa
+breke, thet hi bete, hit ne se, thet hi forifongera winne&#8223; d.&nbsp;h. was
+einer zerbricht, muß er büßen, es sei denn daß er einen findet, der an
+seine Stelle tritt, für ihn die Buße übernimmt.</p>
+
+<p>Schon das althochdeutsche far, -fir, -for, -fer, -fahan hatte eine
+reiche Bedeutung von &#8222;fassen&#8223; an bis hin zu &#8222;sich zu etwas
+verpflichten&#8223;, &#8222;sich eines Dinges unterfangen&#8223;, die letztere Bedeutung
+kommt der seemännischen nahe im Sinne von &#8222;sich einer Stellvertretung
+unterfangen.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch hat ja unser hochdeutsches &#8222;verfangen&#8223; alle drei
+seemännische Bedeutungen in sich; wenn etwas verfängt so hält es, so
+stützt es und es tritt an die Stelle von etwas; vergl. &#8222;verfänglich.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Am häufigsten hört man an Bord verfangen im Sinne von ablösen, schon
+weil das Kommando &#8222;Ruder und Posten verfangen&#8223; alle Stunde wiederkehrt;
+doch hört mans auch im Sinne von &#8222;stellvertreten&#8223;; so wird der Offizier
+der Wache zu einem anderen sagen, wenn er aus irgend einem Grunde
+genötigt ist, sich auf kurze Zeit zu entfernen: &#8222;Bitte verfangen Sie
+mich eine Viertelstunde.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">vergissen</span>, sich, s. gissen.</p>
+
+<p><span class="strong1">verholen</span>, etwas von einer Stelle auf die andere schaffen. Ein Schiff
+verholen heißt, es mittelst Holens an einer ausgefahrenen Trosse auf
+einen anderen Platz legen. Außer der Trosse gehören dazu noch andere
+Vorrichtungen: Verholspill, Verholklüsen, Verholklampen, doch gehts zur
+Not auch ohne diese.</p>
+
+<p><span class="strong1">Verklarung</span>, die. Verklarung ablegen heißt: sich vor dem zuständigen
+Richter über einen an Bord auf See erlebten Unfall, eine Havarie etc.
+etc. verhören lassen und dabei sich über die näheren Umstände erklären,
+sie erläutern, die Sache deklarieren. Verklaren heißt an sich weiter
+nichts als erklären, wie man auch in hochdeutschen Mundarten anstatt
+erklären verklären<a id="Page_497"></a>
+ <span class="pagenum">[497]</span> sagt; es hieß aber besonders schon im
+Mittelniederdeutschen &#8222;vor Gericht erklären.&#8223; Lübecker Urkunde von 1413:
+&#8222;Alse de vorescrevenen schelinge in yegenwardicheyt vnses rades ...
+vorlud vnde vorclared worden.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Altfriesisch foerclaria, erklären;
+foerclaringhe = Verklarung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Verklicker</span>, der, ist eine leicht vom Winde zu bewegende, sich also nach
+jedem Luftzug richtende und daher die Windrichtung genau anzeigende
+Vorrichtung aus Kork mit Federn, meist aber, namentlich auf
+Kriegsschiffen, ein &#8222;Windstander&#8223; aus leichtem Flaggentuch. Er wird an
+einer Stelle angebracht, wo ihn der wachhabende Offizier gut sehen kann
+und wo er unbeeinflußt ist von dem Winde der etwa durch ein Segel aus
+seiner Bahn gelenkt sein könnte. &nbsp;&mdash;&nbsp; Was ein Seemann ist, der kann zwar
+ohne dergleichen Hilfsmittel mit der Nase oder den Ohren die Richtung
+des Windes genau angeben, aber der Sicherheit wegen und um einen
+Vergleich zu haben hat er einen Verklicker. Man würde in Versuchung
+stehn ihn Verglieker, Vergleicher, zu nennen, wenn es nicht ein altes
+niederdeutsches Wort verglicker gäbe, das der Teuthonista mit scrutator,
+catascopus, circulator übersetzt und von dem das &#8222;Bremer Wörterbuch&#8223;
+schreibt: &#8222;verklicken jemandes Vergehen angeben, verraten, verklicker
+ein Angeber, Verräter.&#8223; In Ostfriesland heißt der Spiegel vor dem
+Fenster, den man sonst in Deutschland Spion nennt, Verklicker. Wie
+neugierige Frauen in diesem Verglicker sehen, wer auf der Straße geht,
+so sieht der wachhabende Offizier an seinem Verklicker, woher der Wind
+weht; der Verklicker ist ihm in der Tat ein Verräter und Angeber, der
+die Windrichtung angibt und verrät.</p>
+
+<p><span class="strong1">Verlat</span>, das, hochdeutsch Verlaß, Gelaß; im Allgemeinen in Ostfriesland
+ein Raum in dem man etwas läßt, besonders aber eine Kasten- und
+Doppelschleuse, worin man das Oberwasser der Kanäle zum gelegentlichen
+Gebrauch zurückhält und aufspeichert um es nachher wieder abzulassen. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Wie alle dergleichen Wörter auch als Ortsbezeichnung, z.&nbsp;B. Ditzumer
+Verlat.</p>
+
+<p><span class="strong1">vermooren</span>, ein Schiff das vor Anker liegt besonders fest oder in einer
+besonderen Richtung fest legen mit Hilfe von mehreren Ankern. In
+vermooren steckt das althochdeutsche marrjan, mittelhochdeutsch marren,
+merren = halten, befestigen, anbinden, anschirren; angelsächsisch
+merran, englisch to moor = &#8222;to<a id="Page_498"></a>
+ <span class="pagenum">[498]</span> confine or secure a ship in a
+particular station, as by cables and anchors or by chains.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">verstauen</span> s. stauen.</p>
+
+<p><span class="strong1">vertäuen</span> s. Tau.</p>
+
+<p><span class="strong1">vertonen</span> heißt eine leichte, skizzenhafte Zeichnung von einer Insel,
+einer Bucht, einer Küste machen. Solch eine Zeichnung nennt der Seemann
+eine Vertonung. Sie hat einmal für den Zeichner selbst den Zweck, sich
+genauer die Gestaltung des Landes mit seinen Bergen, Hügeln, Kirchen,
+Türmen, Mühlen, Häusern und Bäumen einzuprägen, also sich eine gute
+Landkennung zu verschaffen, sodann aber auch die Vertonung zum gleichen
+Behufe an andere weiter zu vergeben, auf Seekarten zu veröffentlichen
+etc. Tonen ist ein weitverbreitetes niederdeutsch-niederländisches
+Zeitwort das &#8222;zeigen&#8223; bedeutet; daher tonbank, der Tresen, der
+Ladentisch, die Bank, auf der den Kunden die Waren gezeigt werden. Im
+Mittelniederdeutschen hieß tonen noch besonders &#8222;jemandem eine Urkunde
+vorzeigen, ein Dokument vorlegen,&#8223; und das Vorzeigen hieß toninge. &nbsp;&mdash;&nbsp;Zur
+Zeit mangelhafter Kenntnis der nautischen Berechnungen kam noch mehr auf
+eine gute Landkennung an wie heutzutage. Deshalb wirft 1670 der
+Verfasser der &#8222;Beschriving von der Kunst der Seefahrt,&#8223; ein alter
+befahrener, in manchem Sturm und Schiffbruch erprobter Schiffer, die
+Frage auf: &#8222;Wo mag man de Landen und Gelegenheit des Fahrwaters kennen
+lehren?&#8223; und erteilt darauf folgende Antwort, aus der &nbsp;&mdash;&nbsp; wenn das Wort
+selbst auch nicht gebraucht ist &nbsp;&mdash;&nbsp; doch hervorgeht, daß damals fleißig
+vertont wurde. &#8222;Wenn man vom einig Land affsegelt, so most men wol
+Achtinge hebben, up wat Art dat Land an tho sehnde ys, wat vor Karcken,
+Torens, Mölens, Backen, Husen, offt Berge und andere kenlicke Teckens,
+dat dar umbtrent syn, men kan ock datsülvige na Gelegenheit affmahlen
+offt afftecken und pegelen upt Compaß, wo ein jeglich Tohren, Möhl,
+Karck etc. van ju ys, und warpen ock dat Loth und sehn wo deep, und wat
+vom Grund dat dar umbtrent ys, und nehmen ock Achting wo dat Land na
+grade int Affseegelnt vorandert, und wen gy sehen, dat sick dat Land
+vorändert, so trekket eder mahlet ydt wedder aff und pegelt mit juw
+Compaß, wo ein jeglick Ding von juw steit, und so da örde (Spitzen) offt
+Hucken vant Land tho sehnde syn, so pegelt se ock inn geliken aff,
+warpet ock wedder dat Loet,<a id="Page_499"></a>
+ <span class="pagenum">[499]</span> und seht wo sick de Grund und Düpte
+vorändert, desgeliken möge gy ock solches wedderumb dohn, wen dat Land
+begint ant Water tho kamen, und schrieven solckes wedder an, up wat
+Streck de klenlickste Platzen offt Tekens vom juw liggen und wat Deepte
+gy alßden dar hebben, endlick möge gy solckes noch ins dohn, alß gy dat
+Land achter van de Compagnie (Kampanje) effen sehen könet, den stiget in
+de Marß offt an de Stengen..&#8223; Lucas Janszoon Waghenaer, Steuermann zu
+Enckhuyzen, der im Jahre 1588 seinen &#8222;Spiegel der Zeevaerdt&#8223; herausgab,
+hat als praktischer Seemann besonders viel auf Vertonungen gehalten,
+ihrer auch eine große Zahl auf seinen Seekarten beigebracht, neben
+Schiffen unter vollen Segeln und fröhlich in ihrem Element spielenden
+Fischen. Er versichert auch ausdrücklich, er habe mit &#8222;diversche Piloten
+ende bevaren Stuerlieden&#8223; über seine Karten und Segelanweisungen
+&#8222;ghecommuniceert, vertoont ende na haerlieder memorialen ghecorrigeert.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">verschalken.</span> Bei sehr schlechtem Wetter, wenn Gefahr vorhanden ist, daß
+Sturzseen überkommen, werden die Luken, durch die das Salzwasser ins
+Innere des Schiffes dringen könnte, verschalkt, d.&nbsp;h. sie werden
+zugedeckt mit ihrer Gräting und darüber wird ein Stück wasserdichten
+Segeltuches genagelt; doch so daß die Nägel leicht wieder ausgezogen
+werden können, wenn die Gefahr vorüber ist. Zu diesem Zwecke werden die
+Nägel nicht bis an ihre Köpfe eingeschlagen, sondern man legt erst ein
+Holzklötzchen unter als Unterlage und Stütze gegen zu tiefes Eindringen.
+Dieses Klötzchen, im Niederdeutschen schalk (auch Stütze, Unterlage,
+Träger bedeutend, eigentlich <span class="strong1">ein Knecht</span>) genannt, hat dem Zeitwort
+verschalken zum Dasein verholfen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Very'sche Pistole</span>, s. Cordes'sches Gewehr.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vierdeckschiff</span>, s. Deck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Viermastschiff</span>, s. Schiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">vierschäftiges Tauwerk</span>, s. Tauwerk.</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;vier auf, vier ab&#8223;</span>, s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vitalienbrüder</span>, s. Kaper.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vize-Admiral</span>, s. Admiral.</p>
+
+<p><span class="strong1">Violinblock</span> ist ein Block der Ähnlichkeit mit einer Violine hat, weil in
+der Mitte ein Einschnitt ist wie bei einer solchen. Violine heißt
+bekanntlich auch Fidel, und diese Form gibt die Erklärung an die Hand;
+mittelhochdeutsch fidele, aus mittellateinisch<a id="Page_500"></a>
+ <span class="pagenum">[500]</span> vitula, fidula,
+woraus italienisch, spanisch, portugiesisch viola; vom lateinischen
+vitulari springen wie ein vitula, ein Kälbchen, sich lustig geberden.
+(Geige kommt wegen der Ähnlichkeit mit einer Hammelkeule vom
+französischen gigot.)</p>
+
+<p><span class="strong1">Vollschiff</span>, s. Schiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">voll Segel</span>, s. &#8222;am Winde&#8223;.</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;voll und bei&#8223;</span>, s. &#8222;am Winde.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">&#8222;vor dem Mast&#8223;</span>, s. Kuhl.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vorgeschirr</span>, s. Vortop.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vorhandsmann</span>, der, ist ein tüchtiger, brauchbarer, zuverlässiger,
+erfahrener Seemann, der bei seemännischen Arbeiten, Exerzitien und
+Manövern den Vorarbeiter macht, der vor den andern steht, das Tau an dem
+geholt werden soll längs gibt, den Stopper aufschlägt, die Belegschläge
+abnimmt, das Tau abstoppt und schließlich wieder belegt und die Lose
+aufschießt.</p>
+
+<p><span class="strong1">von Bord</span>, s. über Bord.</p>
+
+<p><span class="strong1">vorhissen</span>, s. hissen.</p>
+
+<p><span class="strong1">vorlastig</span> ist ein Schiff, das vorn tiefer als es sollte und als seiner
+Segelfähigkeit zuträglich ist im Wasser liegt, sei es infolge falschen
+Stauens der Ladung, sei es aus anderen Ursachen. Vorlastig darf ein
+Schiff nicht sein, weit eher etwas achterlastig, weil dann das Ruder
+wirksamer ist; deshalb ist achterlastig auch = steuerlastig. Beim
+Wettsegeln ist die richtige Verteilung der Leute im Boot von großer
+Wichtigkeit.</p>
+
+<p><span class="strong1">vor dem Wind</span>, s. lenzen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vormast</span>, <span class="strong1">Vormars</span>, s. Vortop.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vormittagswache</span>, s. Wache.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vorsteven</span>, s. Steven.</p>
+
+<p><span class="strong1">Vortop</span>, der, müßte nach dem Muster von Großtop und Kreuztop eigentlich
+Focktop heißen, aber einmal liegt dieses Wort dem Seemann nicht
+mundgerecht und sodann gehört auch das ganze Vorgeschirr des Bugspriets
+dazu: Stagsegel, Klüver, Jager und alles was damit zusammenhängt,
+insofern, nämlich der Offizier der bei Segelmanövern den Fockmast unter
+sich hat auch dieses alles beaufsichtigt und von Leuten der
+Fockmastdivision bedienen läßt.<a id="Page_501"></a>
+ <span class="pagenum">[501]</span></p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="W"></a>W.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Wache</span>, die. Unter Wache versteht man an Bord einmal die Tätigkeit des
+Wachegehens, sodann die Zeit die gewacht wird und endlich die Gesamtheit
+derer, die auf Wache sind. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Ich habe die Wache,&#8223; sagt der Offizier,
+den man Offizier der Wache nennt. Offizier der Wache ist aber nicht
+gleichbedeutend mit Wachoffizier. Es kann einer Wachoffizier und
+Offizier der Wache zugleich sein; er kann aber auch Wachoffizier sein
+und braucht doch nicht gerade Offizier der Wache zu sein. Es kann auch
+einer Offizier der Wache sein, ohne daß er Wachoffizier ist, z.&nbsp;B. der
+Navigationsoffizier, wenn er den wachhabenden Offizier zum Frühstück
+verfängt. Unter den Offizieren eines Schiffes sind nämlich immer einige,
+in der Regel vier, mit der Bestimmung, die Wachen zu gehen, an Bord
+kommandiert; sie heißen Wachoffiziere, wie es auch einen
+Navigationsoffizier, einen Batterieoffizier, einen Kadettenoffizier,
+einen Flaggleutnant, einen Adjutanten gibt. Die Wachoffiziere gehen
+unter sich abwechselnd in der Regel in vier Wachen, d.&nbsp;h. in vier
+Zeiträumen von je vier Stunden. &nbsp;&mdash;&nbsp; &#8222;Ich bin auf Wache,&#8223; sagen die
+Matrosen, Schiffsjungen, Heizer etc. Die Mannschaft geht in zwei Wachen,
+oder &#8222;Wache um Wache,&#8223; oder &#8222;vier auf, vier ab&#8223;. Es ist also immer die
+eine Hälfte der Besatzung für den notwendigen Schiffsdienst zur Stelle;
+(s. aber Quartier der Wache.) Die eine heißt Steuerbordwache, die andere
+Backbordwache, mit entsprechenden Wachabzeichen auf der rechten oder
+linken Schulter. Damit nun nicht jede Wache jeden neuen Tag immer wieder
+dieselben Stunden auf Wache komme, so wird die Wache von 4 h bis 8 h p.
+m. von beiden Wachen in zwei Hälften gegangen; sie führt zuweilen den
+Namen Plattfußwache, auch bloß &#8222;der Plattfuß&#8223;; manchmal heißt auch der
+zweite Teil, von 6 h bezw. 6 h 30 bis 8 h so. Irgend ein Scherz mag
+dieser scherzhaften Bezeichnung zu Grunde liegen; sie wird in der Marine
+nicht angewandt und überhaupt nur selten mehr gehört. Über die
+Nachtwache s. Hundewache. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nur in See geht man vierstündige Wache; im
+Hafen wechselt es Tag um Tag, das nennt man &#8222;Hafenwache gehen.&#8223; Sonst
+heißt Hafenwache auch noch die Hafenpolizeiwache, bezw. eine
+Hafenpolizeipatrouille. S. auch <span class="strong1">Quartier</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wachtmeister</span>, der, war ursprünglich der Unteroffizier, der<a id="Page_502"></a>
+ <span class="pagenum">[502]</span> die
+Wache beaufsichtigte, jetzt ist er bei der Marine der Mann im Range
+eines Feldwebels, der die Polizei ausübt, also der Profoß, der
+Rumormeister. Zu den Zeiten Leonhart Fronspergers, als der Soldat, der
+Dienste zur See nahm, sich sein Weib oder Kebsweib mit an Bord nahm, war
+über die Weiber und Kinder ein eigener Weibel gesetzt, der strenge
+Ordnung halten mußte und nicht zu säuberlich mit seinen Pflegebefohlenen
+umging. Er führte den schönen Namen Hurenwaibel. (1565) Wachtmeister ist
+begrifflich genau dasselbe wie Quartiermeister.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wägerung</span>, die, auch Garnierung genannt, ist die innere Bekleidung der
+Außenwand eines Schiffes. Die Bretter oder Platten die von außen an den
+Querspanten befestigt werden, bilden die Außenbordwand; die Bretter oder
+Platten aus Holz, Eisen oder Stahl, die an der Innenseite dieser Spanten
+befestigt werden, bilden die Wägerung, auch Wegerung. Ostfriesisch heißt
+wage die Wand, altfriesisch wag, westfriesisch weage, saterländisch
+wage, wangerländisch woch; angelsächsisch vag, altenglisch wag,
+altnordisch veggo, norwegisch vegg, schwedisch vagg, dänisch vaeg. Von
+wägen, ein Gewicht bestimmen, dann auch ein Maß, eine Gestalt bestimmen,
+einen Raum bestimmen, was durch die ihn umgebenden Wände geschieht, wie
+dann überhaupt die Wägerung in ihrem Verlaufe die Gestalt des Schiffes
+angibt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wall</span>, der, bedeutet in der Seemannssprache nicht sowohl das was man etwa
+einen Festungswall nennt, der Begriff ist bedeutend erweitert, so daß
+Wall überhaupt für Küste oder Land gebraucht wird. Niederländische und
+auch ostfriesische Matrosen sagen: &#8222;Aan den wall gaan&#8223; für &#8222;an Land, auf
+Urlaub gehen.&#8223; Im Angelsächsischen heißt sae-veall auch weiter nichts
+als Küste. Und doch muß das Wort ursprünglich eine irgendwie von
+Menschenhand zum Gebrauch des Seemanns geeignet gemachte Küste bedeutet
+haben. Auch wenn es vom lateinischen vallum durch sehr frühzeitige
+Entlehnung kommen sollte, so ist doch Menschenhand mit im Spiele. Und
+zwar &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. Kaje &nbsp;&mdash;&nbsp;bediente sie sich dabei des Holzes zur Herstellung
+einer &nbsp;&mdash;&nbsp;natürlich noch sehr ursprünglichen und einfachen &nbsp;&mdash;&nbsp; Art von
+Bollwerk. Nun fehlt zwar im Althochdeutschen das Wort wal, wie Kluge
+sagt, zufällig, aber wir haben doch glücklicherweise im Gotischen ein
+Wort das uns zu Hilfe kommt: valus, das zwar nur Stock, Rute bedeutet,
+aber uns grade deswegen darauf hinweist,<a id="Page_503"></a>
+ <span class="pagenum">[503]</span> daß Wall ebenso wie Kaje
+erst eine Art Zaun aus Stöcken oder Pfählen gewesen ist und sich dann im
+Laufe der Zeiten zu Weiterem ausgewachsen hat. Um dieses gotischen valus
+willen möchte ich die von Kluge für sehr unwahrscheinlich gehaltene
+Urverwandtschaft mit dem lateinischen vallum doch nicht so weit
+wegwerfen, also Wall nicht für ein lateinisches Lehnwort halten. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Niederdeutsch auch Wal, &#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223; 1673:
+&#8222;Ok kan men de Compassen proberen, wen men erst uth ein Gat, offt
+langest de Wal, edder sünst vom ein Land na dat ander segelt,
+vornehmlick dar weinig Strom gaet. Wen men den na dat Compaß, und nicht
+na dat Oge offt Land so hen stüret, und men den wol achting up sinn Korß
+gifft, wor men mit solken Korß vor falt, so kan men sik den desto beter
+darna richten, offt de Compassen Ostlick offt Westlick vant Norden
+wiken.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Wallgang</span>, der. Zu den Einrichtungen, die die Seiten eines geschützten
+Schiffes schützen sollen, gehören auch die Wallgänge, das sind
+wasserdichte Räume an der Bordwand, &#8222;die durch senkrecht stehende
+Längsschotten, die sogenannten Wallgangsschotten, gebildet werden. Das
+innerste Wallgangsschott ist im Allgemeinen in solcher Entfernung von
+der Bordwand angeordnet, daß der Sporn eines rammenden Schiffes es unter
+gewöhnlichen Umständen nicht mehr verletzen kann. Die Wallgänge und der
+Doppelboden sollen das Schiff auch gegen die Gefahren von Explosionen
+schützen, die sich in der Nähe der Außenhaut vollziehen.&#8223; Dick und
+Kretschmer I. 559. Der Ausdruck Wallgang ist der Festungsbaukunst
+entnommen: &#8222;Gang hinter dem Wall&#8223;, wobei der Panzer die Stelle des
+Walles vertreten muß.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wake</span>, die, ist eine offene Stelle im Eise, die entweder in Folge
+natürlicher Ursachen überhaupt nicht zugefroren war, oder aber künstlich
+ins Eis geschlagen ist für Zwecke des Fischfanges etc. Das Letztere,
+also das künstlich aufgehauene Eis ist auch für die Schiffahrt von
+Bedeutung, wie schon aus der Lübecker Chronik erhellt: &#8222;De hovetman ..
+leth in der nacht umb de (im Eise liegenden) schepe grote waken howen
+unde de issschulveren leth he under drucken.&#8223; Niederländisch wak,
+Nebenform von wek, weich, und dieses vom Präteritum wek von wiken,
+weichen, also eine Stelle die &#8222;weich&#8223; ist, weichend, die &#8222;nach&#8223; gibt,
+keinen Widerstand leistet.<a id="Page_504"></a>
+ <span class="pagenum">[504]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Walrückendeckschiff</span>, das, s. Schiff. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Walfisch ist übrigens ein
+besonderer Freund des Seemanns wegen seiner munteren, beweglichen,
+scherzhaften Art. Er ist ein &#8222;Herumtreiber&#8223; und hat davon auch den
+Namen, dem das gotische walwian zu Grunde liegt, altfriesisch walen,
+niederdeutsch walen = wälzen, unbeständig sich hin und her bewegen. Das
+Wort hat eine sehr große Verwandtschaft, zu der auch das Wort Walze =
+Wanderschaft im Munde unserer Handwerksburschen gehört.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wanholz</span>, das, oder wankantiges Holz ist das Holz so wie es gewachsen
+ist, das noch erst vierkantig gesägt werden muß, ehe es zum Schiffbau
+Verwendung finden kann. &#8222;Die erste Diele, welche an jeder Seite abgesägt
+wird und die an einer Seiten einen Rücken hat wird das Schillstück oder
+Schellstück (Schalenstück) genannt, die zweyte, welche an beyden Seiten
+platt aber schiefe Kanten hat, die Schelldiele und die dritte, welche
+ebenfalls noch schiefe Kanten hat die Wandiele.&#8223; (Röding). Die Bedeutung
+geht auf Abfall, Abnahme, Verminderung zurück, althochdeutsch wanon,
+vermindern, angelsächsisch vanjan, altenglisch wanjen, englisch wane
+abnehmen, daher wane of the moon. Das letzte Viertel des Mondes, in
+welchem Sinne wan auch im Mittelniederdeutschen gebraucht worden ist, wo
+überhaupt wan sehr häufig vorkommt für &#8222;nicht voll&#8223;, mangelnd, fehlend,
+gebrechend, mangelhaft, fehlerhaft; ja aus dem Begriffe &#8222;nicht voll&#8223; ist
+sogar der von &#8222;leer&#8223; entstanden. Man vergleiche: wanback, ein
+schwächlicher Mensch der keinen breiten Rücken (back) hat, wanbar,
+wandicht, wanfett, wangar, wanklör, wanlustig, wanrad, wanrip,
+wanstaltig, wansturig, wantide, eine wenig bemerkbare Flut und Ebbe,
+wantiedig u.&nbsp;s.&nbsp;w.</p>
+
+<p><span class="strong1">Want</span>, das, auch Wand, ist die Stütze des Mastes oder der Stänge nach der
+Seite zu, bewirkt durch starke Taue, Want- oder Hofdtaue (Haupttaue),
+die um den Kopf des Mastes oder der Stänge gelegt und an der Seite des
+Schiffes, der Rüst, oder an der Seite des Marses befestigt sind; sie
+müssen eisern stehen und gehören daher zum stehenden Gut. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein Blick
+auf ein Segelschiff zeigt uns, daß die Wanten zu beiden Seiten des
+Untermastes nichts weiter sind als stützende Seitenwände, und es gehörte
+auch kein allzu kühner Gedankensprung dazu, den Namen der Stütze eines
+Hauses auch hier anzuwenden, zumal wenn man sich die Entstehung der
+ersten Wände aus Holz und Holzgeflecht<a id="Page_505"></a>
+ <span class="pagenum">[505]</span> (Staken) vergegenwärtigt.
+Dagegen muß man allerdings die im Binnenlande so weit verbreitete
+Meinung bei Seite lassen als habe das Want den Zweck einer Strickleiter.
+Das ist etwas ganz Nebensächliches. Nebensächlich ist auch, daß die
+Hofdtaue der Wanten unter einander mit Weveleine verbünden, &#8222;ausgewebt&#8223;
+sind (wodurch die Sprossen der Strickleiter entstehen). Man kann daher
+auch nicht, wie es Breusing wollte, Müllenhoff aber schon für unmöglich
+erklärte, wegen dieses &#8222;Webens&#8223; Want mit Want = Tuch, Leinewand gleich
+setzen. Die Sache ist vielmehr ganz einfach: Wie die Wand das Haus
+stützt, so stützt das Want den Mast. Der Wechsel des Geschlechtes kann
+im Niederdeutschen nicht befremden, zumal es noch ein Neutrum want gibt,
+das Fischereigerätschaft heißt und von Einfluß gewesen sein kann. &nbsp;&mdash;&nbsp;Doch
+sind Breusing und Müllenhoff mit ihren scheinbar so weit auseinander
+gehenden Erklärungen in Wirklichkeit einander ziemlich nahe, denn Wand =
+Hauswand und Want = Leinewand und viele andere deutsche Wörter kommen
+zuletzt doch auf eine und dieselbe Grundbedeutung und auch auf dieselbe
+Wurzel hinaus mit der Bedeutung <span class="strong1">wenden</span>, <span class="strong1">winden</span>. Die Sippe ist so groß,
+daß sie hier nicht weiter in den Bereich der Betrachtung gezogen werden
+kann.</p>
+
+<p><span class="strong1">Warlblock</span>, der. Wart ist eine Kontraktion von warvel = Wirbel, bedeutet
+also eine Vorrichtung, die sich dreht. Warlblock ist ein Block dessen
+Haken drehbar ist, wodurch dann auch der ganze Block drehbar wird, was
+unter Umständen wünschenswert sein kann, z.&nbsp;B. bei neuem, sich leicht
+noch verdrehendem Tauwerk. Warl stammt von althochdeutschen hwerban ab,
+ist also mit Werft verwandt.</p>
+
+<p><span class="strong1">Warpanker</span>, der. Soll ein Schiff verholt werden ohne daß Bojen,
+Ducdalben, Poller oder dergl. in der Nähe sind, an die man eine Troß
+verfahren könnte, so muß man sich mit einem Anker helfen, indem man ihn
+ausfährt an die Stelle wo man hin will und sich dann mittelst der
+Ankerkette dahin aufwindet. Dieses Winden heißt warfen oder warpen,
+althochdeutsch hwerban (vergl. Warlblock und Werft) sich bewegen, sich
+wenden, sich drehen. Der gute alte Röding hat sich von Breusing müssen
+zurechtweisen lassen, daß er Warpanker mit Wurfanker wiedergegeben hat,
+da er doch mit Werfen nichts zu tun habe. Letzteres ist nicht ganz
+richtig, denn geworfen wird der Warpanker auch, wie<a id="Page_506"></a>
+ <span class="pagenum">[506]</span> jeder andere
+Anker; es ist ja die Bestimmung des Ankers, geworfen zu werden. Aber in
+der Sache selbst hat Breusing Recht, auch darin, daß er vor den
+Rödingschen Übersetzungen ins Hochdeutsche warnt. Röding war eben kein
+Seemann. Daß aber auch seebefahrene Leute seemännische Wörter durch
+schiefe Übersetzung ins Deutsche recht verdunkeln können, sieht man an
+Bobrik. Von ihm bemerkt Ehrentraut, Friesisches Archiv II. 65 daß er
+plicht mit Pflicht wiedergegeben habe und sagt dazu: &#8222;Wohl mit Recht ist
+an diesem Buche (dem nautischen Wörterbuche Leipzig 1850) das Bestreben,
+die niederdeutschen Ausdrücke zu verhochdeutschen, getadelt worden.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">warschauen</span> ist ein an Bord sehr häufig gehörtes, echt seemännisches Wort
+mit der Bedeutung: jemandem zurufen, daß er sich in Acht nehmen soll vor
+einer drohenden Gefahr, jemanden erinnern, daß er etwas tun soll,
+jemanden benachrichtigen, daß für ihn etwas an der Zeit ist, jemandem
+mitteilen, daß etwas worauf er gewartet hat nun so weit ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das Wort
+war im Mittelniederdeutschen in häufigem Gebrauch. Livländische Urkunde
+von 1410: &#8222;Darum so willet juwe schipheren unde Koplüde war schuwen, wo
+dat se segelen.&#8223; Auch nichtseemännisch, ostfriesische Urkunde von 1413:
+&#8222;Ende waerschuwen ju ende alle gade lude, dat sie sick huden voer dezen
+eerlosen, treulozen, meynedighen man.&#8223; Es trat damals noch die Bedeutung
+mehr hervor die das Wort heute noch in erster Linie im Niederländischen
+hat, waarschuwen = <span class="strong1">warnen</span>. So auch negativ, Hamburger Chronik: &#8222;Darna is
+graue Christoffer in Zelant angekamen vngewarschuwet vnde heft dat land
+gebrantscattet&#8223;, d.&nbsp;h. ohne gewarnt zu haben. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ostfriesisch warschoen,
+warschoun; saterländisch warsgauje, auf Wangerooge warschaun,
+nordfriesisch warskauin. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der erste Teil des zusammengesetzten Wortes
+war ist dasselbe wie unser wahr = sicher, gewiß, richtig, wirklich,
+zuverlässig, aber mit der Nebenbedeutung &#8222;gewahr&#8223;, sichtig, inne,
+kundig; ostfriesisch: &#8222;Ik kan 't net war worden wo 't is&#8223; ich kann es
+nicht erfahren, nicht gewahr werden. &nbsp;&mdash;&nbsp; Der zweite Teil &nbsp;&mdash;&nbsp; schuwen &nbsp;&mdash;&nbsp;
+heißt scheuen und scheu machen, scheuchen; warschauen also wörtlich:
+&#8222;jemanden aufscheuchen, daß er einer Sache gewahr wird.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; In dem aus
+dem Jahre 1673 stammenden höchst seltenen Buche: &#8222;Beschriving van der
+Kunst der Seefahrt, darin durch gewisse Grund-Regulen wert angewiset, wo
+men en<a id="Page_507"></a>
+ <span class="pagenum">[507]</span> Schip aver See, von dem einen Platse tho dem andern
+bringen sal, Allen jungen und unerfahrenen See-Lüden tho denst und
+sünderlicken Nutzen thosamen gebracht und in der Neddersaxschen Sprack
+beschreven dorch P. V. D. H. Leffhebber der Navigatie. Lübeck, Gedrückt
+by Seel. Schmalhertzens Erven 1673. Dise Bocken werden von dem Autor mit
+egender Hand undergeschreven, den Koper thor Naricht, up dat he von den
+Nadrückers de licht ein Faut hirin begahn möchten nicht achtergahn
+werde. Werdt verköfft neffens der Herings-Caje in de sphera mundi in
+Lübeck by&#8223; ... nennt der Verfasser das was wir jetzt Vorrede nennen
+würden &#8222;Warschuving an den Leser.&#8223; Und in dieser Warschuving heißt es
+wieder: &#8222;Ok wen jemand einige Engelsche Gaten wold ein offt uth segelen
+und einen Engelschen Lotz an Bord hefft, de mag den Lotz wol warschuwen,
+dat de düdsche Compassen mit den Engelschen ein halven Streck
+verschelen, up dat durch de Pegeling und Korsch nen Fauten begahn
+werden.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">Wäschejolle</span>, die, ist eine Verbindung von Tauen die geschoren wird wenn
+Zeug- und Hängemattswäsche war. Sind die Wäschestücke rein, so werden
+sie mit Nitseln an dem Tau festgebunden das in der Richtung von vorn
+nach hinten in gewisse Höhe mittelst der Jolltaue aufgehißt wird; dann
+hängt die Wäsche hoch oben, manchmal in verschiedenen Reihen über
+einander, luftig und frei im Winde zum Trocknen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wasserhose</span>, die, ist eine Wettersäule auf See, eine Trombe, ein Dreh-
+oder Wirbelsturm von sehr geringem Durchmesser. Durch eine eigentümliche
+drückende und saugende Bewegung veranlaßt er auf dem Lande einen Luft
+oder Sandwirbel (Windhose, Sandhose), auf See aber einen Wasserwirbel
+den man Wasser- oder Seehose nennt. (Seehose ist übrigens auch eine
+wirkliche Hose, nämlich eine, die der Seemann sich nur auf See anzieht
+um sie &#8222;aufzutragen&#8223;, während die &#8222;Landhose&#8223; nur angezogen wird, wenn er
+sich fein macht und &#8222;an den Wall&#8223; geht.) Das Merkwürdige bei der
+Wasserhose ist, daß der Bewegung von unten eine Bewegung von oben her
+entspricht, daß mit ihr sich ein aus den Wolken sich herabsenkender
+&#8222;rotierender Dunstkegel zu einer schlauchartigen fortschreitenden Säule&#8223;
+vereinigt. Von dieser schlauchartigen Gestalt ist der Name Hose gewählt,
+der zuerst in diesem Sinne, nach Kluge bei Stieler 1695 gebucht<a id="Page_508"></a>
+ <span class="pagenum">[508]</span>
+ist. &nbsp;&mdash;&nbsp; In den Begriff Hose ist Verwirrung gekommen durch das
+Abschneiden der früher mit der Hose ein Stück bildenden Strümpfe; nun
+nennen im germanischen Sprachgebiet die einen das obere Stück Hose und
+die andern das untere, das diejenigen die das obere Hose nennen wegen
+des Abgeschnittenseins Strumpf (Stumpf) heißen. Diese Verwirrung mag mit
+dazu beigetragen haben das Wort überhaupt als minderwertig in Mißkredit
+zu bringen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wasser machen.</span> Wenn ein Schiff leck ist, so daß durch das Leck Wasser
+ins Schiff läuft, oder wenn sich sonst aus irgend einem Grunde Wasser im
+Schiffe ansammelt, so sagt man: es macht Wasser; es macht so und so
+viele Zentimeter Wasser in einer Stunde, heißt also: es läßt so und so
+viel Zentimeter Wasser in einer Stunde durch undichte Nähte, durch eine
+undichte Stelle u.&nbsp;s.&nbsp;w. ein. Danach richtet sich dann das Pumpen.
+Französisch faire eau.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wassergang</span>, der, ist eine rings um das Deck eines Schiffes an der
+Bordwand entlang laufende Wasserrinne die das an Deck kommende Wasser
+sammelt und durch die Speigaten ableitet. Röding: &#8222;Die Bugt der Verdecke
+macht daß das Wasser nach den beiden Seiten derselben abläuft, wohin man
+denn ein Stück legt, welches die äußere Deckplanke gegen Bord an und den
+Anfang der Weger zugleich bildet. Dieses Stück läuft innen rund herum um
+das ganze Schiff und heißt der Wassergang.&#8223; Die äußerste Deckplanke für
+sich als solche heißt Leibholz, sie ist so gestaltet, daß sie eine
+starke Verbindung bildet.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wasserlast</span> s. Last.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wasserschot</span> s. Schot.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wasserstag</span> s. Stag.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wasserschaut</span>, der, ist ein Aufsichtsbeamter der Hafenpolizei, besonders
+für das Heuerwesen; &#8222;un officier chargé de surveiller les engagements
+des matelots&#8223;. In seiner halb hochdeutschen Gestalt sieht das Wort
+sonderbar aus, es wäre schon besser man hätte es bei dem guten alten
+waterschout gelassen. Schout by nacht heißt im Niederländischen der
+Kontre-Admiral; schout für sich allein der Schulze, Gemeindevorsteher.
+Es liegt in schout überhaupt der Begriff Beamter, Richter, Amtmann,
+Hauptmann, Aufseher, ursprünglich Steuerempfänger oder vielmehr
+Steuereinforderer, denn das ganze Wort hieß mittelniederländisch<a id="Page_509"></a>
+ <span class="pagenum">[509]</span>
+(Kilian) schoutheet, schoutheyt, schoud-heescher, schout-heys: &#8222;praetor,
+quod jus debiti petat sive exigat,&#8223; also Schultheiß, der Beamte der die
+Schuld, die Steuer heischt oder heißt, d. i. sie zu bezahlen befiehlt,
+sie einfordert, einzieht. Aus Schultheiß ist Schultze verkürzt, der
+Familienname Schultze ist also mit einem tz älter und ehrwürdiger. &nbsp;&mdash;&nbsp;
+Wollte man das waterschout verdeutschen, so hätte man nicht auf halbem
+Wege stehn bleiben dürfen, sondern Wasserschulze sagen müssen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Watt</span>, das, ist ein seichtes, bei Flut überschwemmtes, bei Ebbe trocken
+fallendes Gebiet an der Meeresküste, zwischen Inseln, vor Flußmündungen,
+in Buchten und Busen. Es bedeutet eine Stelle wo man (zu Zeiten, wenn
+auch mit Anstrengung) gehen kann, oder vielmehr <span class="strong1">waten</span>. Im Gotischen hieß
+vato, Mehrzahl vatna, Wasser; davon das althochdeutsche watan im Wasser
+vorwärts dringen, gehen, schreiten; altsächsisch vadan, altnordisch
+vadha, durchs Wasser schreiten, also unser neuhochdeutsches waten. Die
+germanische Wurzel wad &#8222;im Wasser schreiten&#8223; deckt sich mit dem
+urverwandten lateinischen vadere, wozu vadum, die Furt, italienisch
+guado und vado, spanisch vado = seichte Stelle im Wasser. Die Bedeutung
+&#8222;Furt&#8223; trifft auch heute noch zu und ist für Watt besonders bezeichnend,
+da solch ein Watt zur Zeit der Ebbe mit Wagen befahren werden kann. Auf
+diese Weise verkehren die ostfriesischen Inseln auch ohne Schiffe mit
+dem Festlande.</p>
+
+<p><span class="strong1">Webeleine</span>, die. Wenn man sich das Want als Strickleiter denkt, so sind,
+die Webeleinen die Sprossen; gewöhnlich Weveleinen genannt. Weben,
+niederdeutsch weven heißt eigentlich bewegen und wird von Luther in
+diesem Sinne gleich leben gebraucht, &#8222;du machest fröhlich alles was da
+webet.&#8223; Besonders ist bei &#8222;weben&#8223; an das &#8222;hin- und her-bewegen&#8223; wie es
+beim Weben mit dem Weberschifflein geschieht, gedacht. Man nennt auch
+die Tätigkeit des Anbringens der Webeleinen zwischen den Hofdtauen das
+&#8222;<span class="strong1">Ausweben</span> der Wanten&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Die zu Grunde liegende Wurzel va, wa hat eine
+ganz besonders zahlreiche Nachkommenschaft, auch unter den
+Seemannswörtern, es liegt aber allen Vettern der großen Sippe der <span class="strong1">eine</span>
+Begriff zu Grunde: <span class="strong1">bewegen</span>.</p>
+
+<p><span class="strong1">Werft</span>, die. Die etymologische Untersuchung dieses so wichtigen
+Seemannswortes wird dadurch etwas erschwert, daß<a id="Page_510"></a>
+ <span class="pagenum">[510]</span> sich immer
+wieder ein Wort dazwischen drängt, das mit Werft gar nichts zu tun hat,
+aber ähnlich lautet: Warf. Das haben wir von Werft gänzlich zu trennen,
+wiewohl auch das Wort Schiffswarf vorkommt, weil es eben leicht möglich
+ist, daß eine Werft auf einer Warf angelegt wird. Warf nämlich, auch
+Warv, Warp, ja sogar Werf, kommt von werfen und bedeutet eine Anhöhe die
+nicht natürlich gewachsen, sondern künstlich aufgeworfen ist. So heißt
+in Nordwestdeutschland eine künstliche Anhöhe, auf der eine, (Wind-)
+Mühle steht Mühlenwarf, &nbsp;&mdash;&nbsp; Werft aber kommt von einem Zeitwort das
+gotisch hvairban, althochdeutsch, hwerban, werban, wervan, altsächsisch
+huerbhan, altenglisch hwerfen, nordfriesisch werwan, altfriesisch werva,
+in der Edda hverfa, heutzutage werben heißt. Das bedeutet ursprünglich
+sich drehen (woher Wirbel, wirbeln, Wirbelwind), sich hin und her
+bewegen, sich um jemanden herum etwas zu schaffen machen, (der Werber
+der mit dem Kalbfell im Lande umherzog). Dieses Werben hat also
+ursprünglich denselben Sinn wie das lateinische volvere, von welchem der
+Name der bekannten schneckenförmig in sich selbst zurückkehrenden
+jonischen Kapitälverzierung Voluta kommt und das spanische vuelta, &#8222;dar
+una vuelta&#8223;, einen Spaziergang machen, &#8222;vuelta abajo&#8223;. &nbsp;&mdash;&nbsp; Hernach hat
+sich der Sinn von werben erweitert: sich umtun, sich bemühen, tätig
+sein, etwas betreiben, ausrichten. Daher Gewerbe. Gewerbe und Handel
+sind nahe verwandt. Denkt man an diese Verwandtschaft, so begreift man
+die so häufig vorkommende Verbindung Handel und Wandel. Der erste Handel
+geschah im Wandeln, im Wandern, bestand im Werben, im Hin- und Hergehen
+bei den Kunden von Haus zu Haus (hausieren). Das mittelniederdeutsche
+werf: Wendung, Windung, Drehung, Umdrehung, Bewegung, Geschäft,
+Industrie, Gewerbefleiß, Betriebsamkeit. &nbsp;&mdash;&nbsp; Demgemäß bedeutet Werft
+genau dasselbe wie Arsenal. Denn dieses ist aus dem arabischen
+dar-çanah, Haus der Betriebsamkeit, Haus wo etwas gemacht, gefertigt,
+gebaut wird, gebildet. &nbsp;&mdash;&nbsp; Das alte mittelniederdeutsche Wörterbuch
+Teuthonista faßt sich kurz: &#8222;Werff längs eyn Water.&#8223; Kilianus, etwas
+später, gebraucht werf allein nur für Tätigkeit, Gewerbe, Handlung, in
+der Zusammensetzung spricht er aber von schip-werf, so daß damals also
+werf für sich allein diese Bedeutung noch nicht hatte, Dafür hat er aber
+ein anderes Wort, das im Mittelniederdeutschen von Wichtigkeit war
+und<a id="Page_511"></a>
+ <span class="pagenum">[511]</span> allgemein, eben weil werf noch Gewerbe bedeutete, für
+Schiffswerft gebraucht wurde, nämlich Lastagie, auch als Lastadie im
+Gebrauch und in dieser Form heute noch in deutschen Seestädten als
+Strassen- und Platzname üblich. Das Nähere unter Lastadie.</p>
+
+<p><span class="strong1">Welle</span>, die.</p>
+
+<p>1. die bekannte, wälzende, wogende, flutende, rauschende Bewegungsform
+des Wassers.</p>
+
+<p>2. die Schraubenwelle, die lange Achse, die die Verbindung der
+Schiffsdampfmaschine mit der Schraube herstellt.</p>
+
+<p>Beide Wörter haben mit Welle = Reisigbündel, mit Walze, Walzer,
+Walfisch, wallen und vielen andern ein und denselben Ursprung, von der
+indogermanischen Wurzel wel, drehen, walzen; althochdeutsch wellan
+(lateinisch volvere), angelsächsisch weallan, wellen, wogen, weallian
+umherstreifen. Eine Welle ist also etwas, das sich wälzt (1) oder sich
+dreht (2). Natürlich ist die Bewegung einer Meereswelle nicht nur eine
+Bewegung um die eigene Achse, so daß die einzelne Welle immer an
+derselben Stelle bliebe, sie bewegt sich auch nebenbei noch weiter
+vorwärts (oder rückwärts), je nach Gewalt und Richtung der bewegenden
+Kraft. Man vergleicht eine Welle am besten mit der auch sprachlich
+verwandten Walze, die sich sowohl um ihre eigene Achse als auch vorwärts
+oder rückwärts bewegt. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Wellenberg</span> ist der über den gewöhnlichen
+Wasserspiegel erhabene Teil einer Welle, <span class="strong1">Wellenthal</span> der unter demselben
+befindliche. Die Spitze eines Wellenberges heißt <span class="strong1">Wellengipfel</span>,
+fortgesetzt gedacht: <span class="strong1">Wellenkamm</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp; Ein <span class="strong1">Wellenbrecher</span> ist ein Steindamm
+oder dergleichen vor einem Hafeneingang, wie z.&nbsp;B. das Breakwater vor
+Plymouth, mit dem Zweck, den Schiffen im Hafen ein ruhigeres Liegen zu
+verschaffen. Neuerdings giebt es auch auf den Panzern <span class="strong1">Wellenbrecher</span>; sie
+bilden bei niedrigem Vorderteil eine Art Schanzkleid auf der Back, das
+Überbrechen der Wellen zu verhüten.</p>
+
+<p><span class="strong1">Weirpumpe</span> s. Pumpe.</p>
+
+<p><span class="strong1">wenden</span> s. halsen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wettergalle</span>, die, besondere weißliche Wolkenformation, Vorbote bald
+eintretendes Windes (Windgalle) oder Regens (Regengalle). Es hängt wohl
+mit gäl = gelb zusammen, denn die Farbe ist mehr gelb wie weiß, unter
+Umständen sogar grünlichgelb, sodaß an Verwandschaft mit unserer
+hochdeutschen Galle zu denken ist. Das Wort ist aber wenig
+gebräuchlich.<a id="Page_512"></a>
+ <span class="pagenum">[512]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Wieling</span>, die, ist eine Vorrichtung zur Vermeidung des Schamfilens,
+nämlich ein rund wie ein Kranz gedrehtes (und dann wohl mit Leder
+bezogenes) Stück alten Tauwerkes; neuerdings einfach ein rundes,
+ausgepolstertes Ledersäckchen. Es wird ehe das Boot anlegt an einem
+Stückchen Leine außenbords getan, damit das Boot, wenn es der Landungs-
+oder Fallreepstreppe nahe kommt, sich seine Farbe nicht abreibe. Setzt
+das Boot ab, so werden die Wielings eingenommen; es ist ein großes
+seemännisches Vergehen, ein Boot mit einer Wieling außenbords hängend
+fahren zu lassen. Der Name kommt offenbar von der Gestalt, die in
+einfachen Verhältnissen und Zeiten einen Kranz, eine Wurst, ein Rad
+bildete; niederländisch wiel, ostfriesisch wel, englisch wheel mit
+niederdeutscher Endung.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wimpel</span>, der, eine lange, gespaltene, schmale Flagge, so schmal daß man
+eigentlich kaum von einer Flagge reden kann und eben darum Wimpel sagt.
+Er wird am Großtop als Kommandozeichen eines Kommandanten, der nicht
+Admiral ist, gehißt und weht seiner Leichtigkeit wegen leicht aus. Wenn
+ein Schiff von einer langen ausländischen Reise heimkehrt, so gestaltet
+sich das Kommandozeichen zu einem Freudenzeichen, dann wird der Wimpel
+so weit verlängert, daß er über das ganze Schiff hinwegwehend bis ans
+Wasser reicht; das ist der <span class="strong1">Heimatswimpel</span>. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Mittelniederdeutschen
+hieß wimpel, auch wumpel, zunächst der Schleier als Kopfbedeckung; so
+heißt es im alten Rigaer Stadtrecht: &#8222;et ne mach neyn vrowe copen got
+ane eren vormeunt .. sunder wimpele unde strickitte.&#8223; Besonders hieß
+wimpel auch der Nonnenschleier. Sodann aber nannte man so eine lange
+schmale, schleierähnliche Fahne; Lübecker Chronik: &#8222;Se slugen se in de
+vlucht unde nemen en twe hoftbanren und twe wumpel myt S. Andreas cruce
+getekent.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Bei der Erklärung ergibt sich eine Schwierigkeit, nämlich
+eine unbequeme Übereinstimmung des Hochdeutschen mit dem Niederdeutschen
+in Bezug auf das p; das Wort müßte hochdeutsch eigentlich wimfel heißen,
+wenn es niederdeutsch wimpel heißt; es heisst aber althochdeutsch
+wimpal, mittelhochdeutsch wimpel. Vielleicht liegt eine nasalierte Form
+aus der Wurzel vom wippen, &#8222;sich hin und her bewegen&#8223; vor, so daß also
+Wimpel sowohl im Sinne von Flagge wie von Schleier etwas leicht vom
+Winde hin und her Bewegtes wäre.</p>
+
+<p><span class="strong1">Windas</span>, die, ist eine Art von Spill um Anker zu lichten und<a id="Page_513"></a>
+ <span class="pagenum">[513]</span>
+sonstige schwere Lasten zu bewegen. As ist = Achse; es liegt, wie auch
+in Achsel, der Begriff einer Bewegung, einer Drehung zu Grunde. Eben
+durch eine drehende Bewegung windet man mit dieser Windas die
+betreffende Last. Und zwar steht diese Achse nicht wie bei einem
+Gangspill, sondern sie liegt horizontal und dreht sich wie ein
+Bratspieß, daher sie auch Bratspill genannt wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Windflagge</span> = Windstander, s. Verklicker.</p>
+
+<p><span class="strong1">Windreep</span>, das, bekannter unter dem Namen Stängewindreep, ist das Reep
+oder Tau mit dem die Stänge aufgewunden wird. Es fährt vom Eselshaupt
+durch den Fuß der Stänge wieder zum Eselshaupt und von da an Deck, wo es
+mit einer Talje, Stängewindreepstalje, bedient wird.</p>
+
+<p><span class="strong1">Windsack</span>, der, ist eigentlich kein Sack, sondern ein Schlauch und wird
+auch Windsegel und Luftsack genannt. Er wird über die Höhe der Reling
+hinaus gehißt, fängt hier den Wind auf und leitet ihn durch die Luken in
+die unteren Räume des Schiffes. Da die unter Wasser liegenden Teile der
+natürlichen Lüftung ganz entbehren müssen, so ist die künstliche von
+großer Wichtigkeit. Daher ist man bald darauf verfallen, neben den
+Windsäcken, die nur ein Notbehelf sind, feste Ventilatoren mit nach dem
+Winde drehbaren Köpfen einzubauen. Besonders notwendig sind diese für
+solche Räume, in denen sich giftige Gase entwickeln. &nbsp;&mdash;&nbsp; Seitdem die
+Maschine eine so große Rolle spielt, mußte man für besonders reichliche
+Zufuhr von Luft für die Feuer unter den Kesseln künstlich sorgen und hat
+besondere Einrichtungen hierfür getroffen; je nachdem es sich dabei um
+die Zufuhr von oben oder von unten durch einen besonderen Kanal handelt,
+spricht man von Oberwind oder von Unterwind und dementsprechend von
+Oberwindluftzuführung und Unterwindluftzuführung; Oberwindzuführung und
+Unterwindzuführung würde aber genügen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Windstärke</span>, die, wird noch immer nach einer Skala bezeichnet, die zur
+Zeit der Segelschiffahrt und mit besonderer Rücksicht auf sie von dem
+Kommandanten des englischen Kriegsschiffes &#8222;Woolwich&#8223;, Beaufort, im
+Jahre 1805 ersonnen worden ist und nach ihm Beaufort-Skala genannt wird.
+Er ist von der Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes ausgegangen und
+berechnet die Stärke des Windes bei den geringen Graden nach der
+Fahrt
+<a id="Page_514"></a>
+ <span class="pagenum">[514]</span> des Schiffes, bei den höheren nach der Möglichkeit der
+Segelführung. Darnach ist</p>
+
+
+
+<table summary="Windstärken bei Vollschiffstakelage eines Kriegsschiffes">
+
+<tr><td class="tdleft">Windstärke</td><td class="tdright">O: </td><td class="tdleft">Stille.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">1: </td><td class="tdleft">Leiser Zug, sodaß das Schiff eben steuerfähig ist.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">2: </td><td class="tdleft">Leicht. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 1-2 Knoten.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">3: </td><td class="tdleft">Schwach. Ein Schiff unter allen Segeln voll u. bei macht 3-4 Knoten.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">4: </td><td class="tdleft">Mäßig. Ein Schiff unter allen Segeln voll und bei macht 5-6 Knoten.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">5: </td><td class="tdleft">Frisch. Schiff kann noch führen: Oberbramsegel.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">6: </td><td class="tdleft">Stark. Schiff kann noch führen: einfach gereefte Mars- und Bramsegel.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">7: </td><td class="tdleft">Hart. Schiff kann noch führen: doppelt gereefte Marssegel, Klüver.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">8: </td><td class="tdleft">Stürmisch. Schiff kann noch führen: dreifach gereefte Marssegel.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">9: </td><td class="tdleft">Sturm. Schiff k. n. führen: dicht ger. Marssegel.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">10: </td><td class="tdleft">Starker Sturm. Schiff kann noch führen: dicht gereeftes Großmarssegel und gereefte Fock.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">11: </td><td class="tdleft">Harter Sturm. Alle Segel fest bis auf die Sturmsegel.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">12: </td><td class="tdleft">Orkan. Kein Segel hält mehr Stand.</td></tr>
+
+</table>
+
+<p>Im Zeitalter des Dampfes hat sich das Bedürfnis nach einer anderen Skala
+herausgestellt. Dem kommt Börgen entgegen, indem er die
+Windgeschwindigkeiten in Metern pro Stunde berechnet. Nach der
+Börgen'schen Reduktionsformel ist</p>
+
+<table summary="Windstärken im Zeitalter des Dampfes">
+
+<tr><td class="tdleft">Windstärke</td><td class="tdright"> O </td><td class="tdright">eine Geschwindigkeit von</td><td class="tdright"> 0,0 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 1 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">1,6 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 2 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">3,3 m p. Sekunde.</td></tr>
+
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 3 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">5,2 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 4 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">7,3 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 5 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">9,6 m p. Sekunde.</td></tr>
+
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 6 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">12,0 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 7 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">14,6 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 8 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">17,3 m p. Sekunde.</td></tr>
+
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright"> 9 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">20,2 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">1O </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright"> 23,3 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">11 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">26,6 m p. Sekunde.</td></tr>
+<tr><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdright">12 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;"&nbsp;&nbsp;&nbsp;" </td><td class="tdright">30,0 m p. Sekunde.</td></tr>
+
+</table>
+
+
+<p><span class="strong1">Worthingtonpumpe</span>, die, s. Pumpe.<a id="Page_515"></a>
+ <span class="pagenum">[515]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Wrack</span>, das, ist ein durch Schiffbruch oder den Zahn der Zeit unbrauchbar
+gewordenes Schiff. &nbsp;&mdash;&nbsp; So sehr das Hochdeutsche von jeher dem Anlaut wr
+abgeneigt war (vergl. Graff, Althochdeutscher Sprachschatz zu WR) so hat
+ihn doch das Niederdeutsche und mit ihm die Seemannssprache bis auf den
+heutigen Tag in einer ganzen Anzahl von Wörtern beibehalten. &nbsp;&mdash;&nbsp; Wrack
+geht zurück auf das gotische vrikan, dessen Stamm vrak ist und das
+rächen, tadeln, verbannen (angelsächsisch vräc, Verbannung wraeca, ein
+Verbannter), tadelnd schelten, verfolgen, für nicht gut erklären,
+ausstoßen bedeutet. Ein Wrack ist also etwas vom Meere Ausgestoßenes das
+nicht mehr (als Schiff) brauchbar ist, etwas, nämlich zunächst ein
+Schiff, das durch Schiffbruch in einen solchen Zustand gebracht ist, daß
+man es &#8222;für nicht mehr gut&#8223; erklären muß; oft heißt daher auch ein
+einzelnes Stück oder ein Teil von einem Schiffe schon Wrack. Im
+Altfriesischen hieß wrac beschädigt; verwandt mit dem gothischen vraiqs,
+krumm, schräg, schief, was gerade sein sollte, nicht nur ein
+gescheitertes, und dadurch unbrauchbar gewordenes Schiff, sondern
+überhaupt etwas Schadhaftes. Daher wraken für untauglich erklären, = dem
+erwähnten gotischen vrikan im Sinne von tadeln; ausschießen, verwerfen.
+Im Hamburg ist ein Wraker ein Mann, der die Waaren beurteilen und das
+Untaugliche verwerfen muß. Daher heißt wrack auch etwas das nur einen
+gewissen Schönheitsfehler hat, und man nennt einen Menschen mit einem
+etwas verschobenen, schief gezogenen Gesichte wrak-snute; sonst
+wrak-good, wrak-hering, wrak-kese, wrak-teer u.&nbsp;s.&nbsp;w. Die älteste mir
+bekannte Stelle wo das Wort vorkommt ist eine Urkunde vom 26. August
+1176 (Gedruckt bei Sartorius-Lappenberg, Hansa, II. 8) in der König
+Heinrich II. von England Lübeck und andere deutsche Städte vom
+Standrecht befreite: &#8222;... volentes etiam, ut si contigerit naves vestras
+in partibus nostris periclitari et de tali nave periclitata, aliquis
+homo vivus evaserit et ad terram venerit, omnia bona et catalla (?) in
+illa navi contenta remaneant, quorum prius fuerunt nec ex eo quod
+Wreccum dicitur, veris dominis extorqueantur.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Der Verfasser der
+&#8222;Beschriving van der Kunst der Seefahrt&#8223;, Lübek 1673, berichtet von
+durchlebtem Sturm in der Nordsee und havariertem Schiffe: &#8222;es war auch
+Winters Tag, hatten auch ein Schiff, welches nicht allein wegen<a id="Page_516"></a>
+ <span class="pagenum">[516]</span>
+Masten und Segel redlos war, sondern auch wegen fallen der Masten und
+des Bochsprets zu zerbrochen, und beschädiget, daß es mehr vor ein <span class="strong1">Wrack</span>
+den ein Schiff anzusehen war.&#8223; &nbsp;&mdash;&nbsp; Nach Werner: &#8222;Schule des Seewesens&#8223;
+machen die (Holz-)Schiffbauer einen ausgiebigen Gebrauch von dem Worte
+Wrack, indem sie minderwertiges Holz noch einmal unterscheiden und dabei
+von &#8222;Wrack&#8223; und von &#8222;Wracks-Wrack&#8223; sprechen. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Abwracken</span>, ein altes
+Schiff abbrechen und zu Brennholz machen, s. sloopen. &nbsp;&mdash;&nbsp;Zu vergleichen
+Grimm VIII. 14: &#8222;im neueren isländischen wird ein fem. raeki, vindicta
+aufgeführt (Biörn Haldarson, 2, 220) dem wenigstens älter ein verbum
+raekja to reject, refuse und ein adj. raekr, rejected, outcast, neben
+dem verbum reka entsprechen, Vigfusson 506. im subst. wie in dem verbum
+rächen ist ein alter gemeingermanischer rechtsbegriff beschlossen, das
+setzen außerhalb der landrechts und die austreibung aus dem lande in
+folge angriffs auf den landfrieden, eine mildere und nicht entehrende
+art derjenigen strafe, als deren höchste und zugleich vogelfrei machende
+stufe die verurteilung zum wargus (Geächteten) angesehen werden muss.&#8223;
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Das mittelniederländische Zeitwort wraecken hatte eine ähnliche
+Bedeutung, nämlich &#8222;vom richtigen Kurs abgebracht werden&#8223;, vergl.
+Waghenaer, &#8222;Spiegel der Zeevaerdt,&#8223; Amsterdam 1588: ... &#8222;so moet ghy
+somtyts v Lootlyne, met en hout oft anders achter vt laten gaen, ende
+setten v Compasse achter om hooghe, ende sien by de linie lancz wat v
+Schip <span class="strong1">wraeckt</span> oft van den golffnen af gheworpen wert, op dat ghy gheen
+quade ghissinge en maeckt&#8223; ...</p>
+
+<p><span class="strong1">Wrange</span>, die, bedeutete ursprünglich nur ein schiefes, schräges,
+umgebogenes Stück Holz beim Schiffbau und ward früher als Spiegelwrange
+für den schiefen Verband zwischen Steven und Randsomhölzern und als
+Bodenwrange oder Flurwrange für den Lieger oder das Bauchstück zunächst
+am Kiel gebraucht. Jetzt, im Eisenschiffbau ist Spiegelwrange ganz
+weggefallen, über Bodenwrangen aber schreiben Dick und Kretzschmer I 83:
+&#8222;Der Kiel ist der unterste Teil des Schiffes, gewissermaßen seine
+Grundlage; auf ihm stehen die Querspanten oder Rippen, welche die
+Schiffsform bilden und die aus einer Verbindung von Stahl- oder
+Eisenplatten mit Façonstahl oder -Eisen bestehen. Ihre im Boden
+liegenden querschiffs angeordneten Plattenteile nennt man <span class="strong1">Bodenwrangen</span>,
+auch Bauchstücke.&#8223; Der Name Wrange ist also geblieben.<a id="Page_517"></a>
+ <span class="pagenum">[517]</span> Bei Aubin
+1702 heißen die Wrangen varangues; man sieht auf den ersten Blick daß
+auch dieses Wort, wie so viele andere der Seemannssprache, die Franzosen
+von uns entliehen haben; fürs Niederländische giebt der Genannte:
+Buikstukken, Leggers, vloer-wrangens, vloer-houten, Wrangens op de Kiel
+an. &nbsp;&mdash;&nbsp; Im Ostfriesischen ist wrange oder wranger &nbsp;&mdash;&nbsp; vergl. das
+hochdeutsche Range &nbsp;&mdash;&nbsp; ein &#8222;verdrehter&#8223; Mensch, Quäl- und Plagegeist,
+querköpfiger Mensch; wrang aber heißt zusammenziehend, niederländisch
+wrang, mittelniederländisch wrangh. Es kommt mit dem englischen wrong,
+wrang, verdreht, verkehrt, schief, krumm, töricht, schlecht, schlimm,
+unrecht, ungerecht, von wringen, Präteritum wrang, sich drehend und
+windend bewegen z.&nbsp;B. nasse Wäsche auswringen; meist mit der
+Nebenbedeutung daß das Drehen mit Drang und Druck geschieht. Diese hat
+Bodenwrange freilich nicht, aber der Begriff Drehung, Biegung hat hier
+den Ausschlag gegeben.</p>
+
+<p><span class="strong1">Wreifholz</span>, das, ein Holz das an einem Tau außenbords gehängt wird wenn
+das Schiff sich nicht an der Mole oder einem Bollwerk reiben soll, also
+eine Art Fender. &nbsp;&mdash;&nbsp; Auch ein halb verhochdeutschtes Wort, das entweder
+niederdeutsch wrifholz oder dann ganz hochdeutsch Reibholz heißen müßte.
+Wrifen heißt reiben; niederländisch wryven, mittelniederdeutsch wriven.
+Dazu, wie mir eine befreundete Hand schreibt, deren Wiege in Pommern
+gestanden hat, wribbeln als Iterativum von wrifen, etwas zwischen den
+Fingern (zer-) reiben.</p>
+
+<p><span class="strong1">wricken</span>, ein Boot fortbewegen mit nur einem Riemen durch ein
+eigentümliches Hin- und Herdrehen des an einem Einschnitt am Heck sich
+bewegenden Riemens. &nbsp;&mdash;&nbsp; Nach Schade hat das unter Wrack erwähnte
+gothische vrikan folgende Bedeutungen: drängen, drücken, pressen,
+drängend bewegen und wenden, drehen, abdrehen, ausdrehen; vorwärts
+drängen, treiben, eifrig betreiben; fortdrängen, wegdrängen, drängend
+beseitigen, verstoßen, verfolgen, strafen, abwenden, ausdrehen;
+ostfriesisch heißt wricken etwas mit Nachdruck hin und her bewegen. Das
+eben ist die Tätigkeit, die beim Wricken eines Bootes ausgeübt wird.
+Dadurch bewegt es sich zwar etwas hin und her, aber das gleicht sich mit
+jeder Drehung des Riemens wieder aus, so daß das Boot doch seinen graden
+Kurs auf sein Ziel zu beibehält, wenn auch wrick-wrack wackelig
+bedeutet, wie in dem mittelniederdeutschen Verse bei Schiller und
+Lübben: &#8222;Darmit gink hei den wrick den wrack, na Bremen leit he
+gliden.&#8223;<a id="Page_518"></a>
+ <span class="pagenum">[518]</span></p>
+
+<p><span class="strong1">Wuling</span>, die, ist eine starke Befestigung zweier Gegenstände miteinander
+durch Umlegen eines (alten, sich nicht mehr reckenden) Taues, das
+mehrere Gänge nebeneinander wie Schraubengänge gelegt wird; das nennt
+man wulen oder bewulen. Dadurch entsteht an der Stelle nicht nur eine
+Verstärkung, sondern auch eine Verdickung und es ist daher für die
+Ableitung an unser hochdeutsches Wort Wulst zu denken. Wie Geschwulst
+von schwellen, so kommt Wulst von wellen, althochdeutsch wellan =
+drehen, wälzen, rollen, lateinisch volvere, von einer Wurzel val =
+winden, drehen, wälzen, wickeln, umbinden, festbinden.
+Mittelniederdeutsch wolen. In der Chronik des Lübecker Dominikaners
+Hermann Korner (Handschrift aus dem 15. Jahrhundert in Wien) heißt es:
+&#8222;nemen de maste van den olden schepen, de see senken wolden vor dat
+Reveshol, undde woleden de harde tosamende&#8223;. Die &#8222;Beschriving van der
+Kunst der Seefahrt&#8223; 1673 hat &#8222;wölen&#8223;: &#8222;musten auch (auf stark
+havariertem Schiffe) daß Vorschiff mit eine Pferde Linie zusammen wölen,
+sonst wolten die Anckers mit dem Vorschiff fort.&#8223;</p>
+
+<p><span class="strong1">wünschen</span> ist ein hie und da gehörtes Seemannswort von eigentümlicher
+Entstehungsart. Es hat mit unserem sonst üblichen hochdeutschen wünschen
+= einen Wunsch haben, keine Verwandtschaftsbeziehungen. Es bedeutet
+vielmehr winden, aufwinden, in die Höhe winden, und ist durch die von
+Professor Dunger in Dresden gerügte Engländerei ins Deutsche gekommen.
+Englisch winch = Winde ist Veranlassung zu der Bildung dieses
+Fremdwortes mit einheimischer Endung geworden; es müßte also &#8222;winschen&#8223;
+heißen und hat sich ganz ohne Berechtigung an unser gutes altes
+deutsches wünschen herangedrängt.<a id="Page_519"></a>
+ <span class="pagenum">[519]</span></p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="Y"></a>Y.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Yacht</span>, die s. Jacht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Yarrowkessel</span> s. Kessel.</p>
+
+<p><span class="strong1">Yawl</span>, die.</p>
+
+<p>Dieses Wort ist in der Verbindung Yawl-Takelage in neuerer Zeit durch
+das Yacht-Vergnügen aus England zu uns gekommen. Es ist aber deutscher
+Herkunft, denn Yawl ist nur die englische Form für das deutsche Jolle.
+Es verhält sich also Yawl zu Jolle wie Yacht zu Jacht. Nichts anderes
+ist auch das jolly in dem englischen jolly-boat, s. auch Tjalk.</p>
+
+
+
+<h2>
+<span><a id="Z"></a>Z.</span>
+</h2>
+
+<p><span class="strong1">Zapfenstreich</span> s. streichen.</p>
+
+<p><span class="strong1">zeisen</span> s. seisen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Zeptertau</span>, das, ist ein besonders sorgfältigerweise zugetakeltes Tau,
+das als Geländer an Stellen dient, wo Gefahr des Fallens vorliegt. Es
+wird durch eiserne Stützen geschoren. Stütze ist die ursprüngliche
+Bedeutung dessen was wir jetzt als Zeichen der Herrschaft in der Hand
+eines Fürsten sehen und Zepter oder Scepter nennen; mittelhochdeutsch
+zepter, französisch sceptre, italienisch scettro, lateinisch sceptrum,
+griechisch skeptron, von skeptein, stützen, lehnen.</p>
+
+<p><span class="strong1">Zimmersteck</span>, s. Stek.</p>
+
+<p><span class="strong1">Zungenstopper</span>, s. Stopper.</p>
+
+<p><span class="strong1">zurren</span>, bedeutet binden, festbinden, zusammenbinden, festschnüren. Alles
+was für gewöhnlich einige Bewegungsfreiheit hat, wird, wenn das Schiff
+in die See geht und einigermaßen schlechtes Wetter zu gewärtigen ist,
+gezurrt, damit es nicht wackle oder gar über Stag gehe. Besonders aber
+spricht man vom Zurren der Hängematten; das wird vorgenommen wenn der
+Mann aufgestanden ist. Dann ist sein Erstes daß er seine Hängematte
+zusammenbindet um sie an dem dazu bestimmten Orte zu verstauen.<a id="Page_520"></a>
+ <span class="pagenum">[520]</span>
+&nbsp;&mdash;&nbsp; Französisch serrer. Dieses ist zunächst ins Niederländische
+übergegangen, wo es sjorren heißt und ganz unserem zurren entspricht.
+Von da kam es als sorren in die niederdeutsche Seemannssprache, in der
+es nach und nach unter hochdeutschem Einflusse die durch nichts
+begründete Form zurren annahm. Aubin, 1702: serrer de voiles = klein
+zeil maaken; serrer les voiles = de zeilen beslaan; geschieht durch
+Festbinden. &nbsp;&mdash;&nbsp; <span class="strong1">Zurrbaum</span> und <span class="strong1">Zurrbrook</span> werden beim Seefestzurren der
+Boote gebraucht.</p>
+
+<p><span class="strong1">Zweidecker</span>, s. Schiff.</p>
+
+<p><span class="strong1">Zwischendeck</span>, s. Deck.</p>
+
+<p><span class="strong1">Zwischen Wind und Wasser</span> nennt man die Gegend der Schwimmebene eines
+Schiffes, der Wasserlinie, des Wasserpasses; eine Gegend, die besonderen
+Gefahren im Gefecht ausgesetzt ist, indem hier einschlagende Geschosse
+ihre schlimmste Wirkung ausüben können. Daher auch gerade dieser Teil
+eines modernen Kriegsschiffes den stärksten Schutz durch Panzerung
+erhält.</p>
+
+
+<p class="center">
+<img src="images/image02.jpg" width="75" height="57" alt="Dekoration" />
+</p>
+
+
+<h2>
+<span><a id="Druckfehler-Verzeichnis"></a>Druckfehler-Verzeichnis. </span>
+</h2>
+
+
+<p>(Fehler die sich unschwer als Versehen des Setzers erkennen und leicht
+verbessern lassen, z.&nbsp;B. Feminium anstatt Femininum, Fauenzimmer anstatt
+Frauenzimmer, Takelake anstatt Takelage, wird der geneigte Leser gebeten
+zu entschuldigen; hier darum nur die Verbesserung einiger
+sinnstörender:) <a id="Page_521"></a>
+ <span class="pagenum">[521]</span></p>
+
+
+<table summary="Druckfehler-Verzeichnis">
+
+<tr><td class="tdleft">Seite</td><td class="tdright"> 46 </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;Zeile</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;6&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdleft">von oben </td><td class="tdleft">&nbsp;&nbsp;&nbsp;anstatt &nbsp;&nbsp;&nbsp; </td><td class="tdleft">bellons: bellows,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 60 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;6&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">nur: uur,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 67 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;6&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">huhhan: luhhan</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 80 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;13&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">altmodisch: altnordisch,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 96 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;19&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">genau: gemein,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 99 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;1&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">seiner: jener,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 110 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;4&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">Da: Sa,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 111 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;18&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">pelit: petit,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 140 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;11&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">von unten</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">signeum: Signum,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 142 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;8&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft"> Fauen: Fanen,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 206 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;1&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">von oben</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">näher: höher,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 235 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;21&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">"&nbsp;&nbsp;"</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">Dacht: Ducht,</td></tr>
+<tr><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> 465 </td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdright"> &nbsp;&nbsp;&nbsp;6&nbsp;&nbsp;&nbsp;</td><td class="tdcenter">von unten</td><td class="tdcenter">"</td><td class="tdleft">ligh: high.</td></tr>
+
+</table>
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Etymologisches Wörterbuch der
+deutschen Seemannssprache, by Gustav Goedel
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK ETYMOLOGISCHES WÖRTERBUCH ***
+
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+This and all associated files of various formats will be found in:
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+Produced by Heiko Evermann and the Online Distributed
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+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
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+electronic works
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+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
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+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
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+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
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+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
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+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
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+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
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+
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+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
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+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
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+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
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+ License. You must require such a user to return or
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+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
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+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
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+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
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+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+
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+
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+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
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+No investigation has been made concerning possible copyrights in
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