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+Project Gutenberg's Vier Jahre Politischer Mord, by Emil Julius Gumbel
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Vier Jahre Politischer Mord
+ Fuenfte Auflage von ZWEI JAHRE MORD (13. bis 18. Tausend)
+
+Author: Emil Julius Gumbel
+
+Release Date: May 11, 2012 [EBook #39667]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK VIER JAHRE POLITISCHER MORD ***
+
+
+
+
+Produced by Odessa Paige Turner and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
+
+
+
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+
+[Anmerkungen zur Transkription: Die Rechtschreibung des Originals wurde
+beibehalten; auch Personen- und Ortsnamen bleiben uneinheitlich wie im
+Original. Hervorhebungen im Original durch _kursiv_ gesetzten Text sind
+hier mit _Unterstrichen_ umgeben; =Gleichheitszeichen= stehen für =fett=
+gedruckten Text.
+
+Transcriber's Note: Original spelling variations as well as variations
+in names of persons or places have not been standardized. Emphasis using
+_italic_ text has been marked by _underscores_, =bold= text is shown by
+=equal= signs.]
+
+
+_Fünfte Auflage von ZWEI JAHRE MORD (13. bis 18. Tausend)_
+
+_Anita Orienter zu eigen_
+
+E. J. GUMBEL
+
+VIER JAHRE POLITISCHER MORD
+
+VERLAG DER NEUEN GESELLSCHAFT
+
+BERLIN-FICHTENAU
+
+1922
+
+ »_Ich überreiche dem Herrn Reichsjustizminister
+ dieses Buch mit der formellen und
+ öffentlichen Aufforderung, den einzelnen Fällen
+ nachzugehen und uns über das Ergebnis
+ seiner Untersuchungen Auskunft zu geben._«
+
+ _Reichsjustizminister Radbruch
+ als Abgeordneter im Reichstag, 5. Juli 1921_
+
+Copyright by Verlag der Neuen Gesellschaft
+
+Berlin-Fichtenau
+
+
+
+
+INHALTSVERZEICHNIS
+
+ Seite
+
+
+ VIER JAHRE MORD
+
+ Die Morde bis zum März 1919 9
+ Von der Ermordung Eisners bis zum Sturz der bayrischen
+ Räterepublik 27
+ Die Ermordungen beim Kapp-Putsch 51
+ Individuelle Morde 64
+ Nicht aufgenommene Tötungen 82
+
+ ZUR SOZIOLOGIE DER POLITISCHEN MORDE
+
+ Das Werden der deutschen öffentlichen Meinung 87
+ Bayrische Räterepublik und Kapp-Putsch 95
+ Die Rechtsnatur der bayrischen Standgerichte und das
+ Schicksal der Hinterbliebenen 108
+ Regierungsäußerungen zu den politischen Morden 118
+ Die Organisation der politischen Morde 124
+ Die öffentliche Meinung und die Morde 142
+
+ TABELLEN
+
+ 161 von den Regierungstruppen in München Ermordete 43
+ Die von Rechts begangenen politischen Morde 73
+ Die von Links begangenen politischen Morde 79
+ Die Formen der politischen Morde 81
+ Die Sühne der politischen Morde 81
+ Kapp-Regierung und bayrische Räteregierung 99
+ Die strafgerichtliche Behandlung des Kapp-Putsches 100
+ Das Schicksal von 775 Kapp-Offizieren 101
+ Militärs der Kapp Regierung und der bayrischen
+ Räteregierung 102
+ Kappisten und Räterepublikaner in der Provinz 105
+
+
+
+
+Die folgenden Zeilen berichten über die politischen Morde, die seit dem
+9. November 1918 in Deutschland vorgekommen sind. Dabei sind gleichmäßig
+die von Links und die von Rechts begangenen Morde dargestellt. Ein Fall
+wurde aufgenommen, falls es sich dabei um eine vorbedachte,
+gesetzwidrige, durch innerpolitische Motive verursachte Tötung eines
+namentlich bekannten Deutschen durch einen anderen Deutschen handelte,
+wobei der Vorgang sich nicht als Massenhandlung sondern als individuelle
+Tat qualifizierte. Ich habe nur solche Fälle aufgenommen, wo die
+erschießende Partei nicht behauptet hat, daß sie von der Menge
+angegriffen wurde, und wo es sich nicht um eine Lynchung durch eine
+namenlose Menge oder andersgeartete Massenhandlungen, sondern um ganz
+bestimmte Täter handelte.
+
+In der Auswahl der Fälle bin ich bei den Morden von Rechts viel
+vorsichtiger verfahren als bei denen von Links. Ich habe daher mehrere
+Fälle von Links mitaufgenommen, die mehr den Charakter von Tumulten als
+von politischen Morden hatten.
+
+Auf die Exaktheit der Angaben habe ich in jedem einzelnen Falle die
+größtmögliche Sorgfalt verwendet und versucht, überall aktenmäßige
+Genauigkeit zu erreichen. Ich habe mich gestützt auf Gerichtsakten,
+Urteile, Entscheidungen über Einstellung des Verfahrens, Zeugenaussagen,
+Mitteilungen von Rechtsanwälten, von Hinterbliebenen, endlich
+Zeitungsnotizen. Die Prozeßberichte habe ich hauptsächlich in den
+rechtsstehenden Zeitungen studiert. In allen Fällen, wo das Material
+nicht genau war, wurde an die Angehörigen und Berichterstatter
+geschrieben. Blieben die Nachrichten unvollständig, so blieben die
+betreffenden Fälle weg. Ich kann somit jede hier vorgebrachte Behauptung
+einwandfrei belegen. Prinzipiell wurden nur solche Fälle aufgenommen, in
+denen der Name des Opfers mir bekannt wurde. Wo sich im Text auch
+anonyme Fälle finden, dienen sie nur zur Veranschaulichung der
+betreffenden Vorgänge. Nur an zwei Stellen bin ich von diesem Prinzip
+abgewichen. (Seite 18 und 32.)
+
+Der jeweilige Stand des Verfahrens war am schwierigsten zu ermitteln. Es
+ist daher möglich, daß in Fällen, wo mir kein Verfahren bekannt wurde,
+ein solches tatsächlich schwebt oder das Verfahren bereits eingestellt
+wurde. Dagegen glaube ich, daß die Zahl der von mir angeführten
+Bestrafungen vollständig ist.
+
+Das Buch kann keinen Anspruch darauf erheben, alle politischen Morde
+darzustellen, die in den letzten Jahren in Deutschland vorgekommen sind.
+Ich bitte daher alle Leser, welche weitere Fälle wissen, hierüber an den
+Verlag der Neuen Gesellschaft, Berlin-Fichtenau, zu schreiben.
+
+Das vorliegende Buch ist eine Fortsetzung und Erweiterung meiner
+Broschüre »Zwei Jahre Mord.« Ich hatte darin unter anderm die Behauptung
+aufgestellt, daß die deutsche Justiz über 300 politische Morde
+unbestraft läßt und hatte erwartet, daß dies nur zwei Wirkungen haben
+könne. Entweder die Justiz glaubt, daß ich die Wahrheit sage, dann
+werden die Mörder bestraft. Oder sie glaubt, daß ich lüge, dann werde
+ich als Verleumder bestraft. Tatsächlich ist etwas Drittes, völlig
+unvorhergesehenes eingetreten:
+
+Obwohl die Broschüre keineswegs unbeachtet blieb, ist von behördlicher
+Seite kein einziger Versuch gemacht worden, die Richtigkeit meiner
+Behauptungen zu bestreiten. Im Gegenteil, die höchste zuständige Stelle,
+der Reichsjustizminister, hat meine Behauptungen mehrmals ausdrücklich
+bestätigt. Trotzdem ist nicht ein einziger Mörder bestraft worden.
+
+Berlin, 16. Oktober 1922.
+
+
+
+
+VIER JAHRE MORD
+
+DIE MORDE BIS ZUM MÄRZ 1919
+
+
+Die Vorwärtsparlamentäre
+
+Im Januar 1919 hatten revolutionäre Arbeiter sich des Vorwärtsgebäudes
+bemächtigt. Die Regierungstruppen belagerten das Haus. Die
+Vorwärtsbesatzung schickte am 11. Januar frühmorgens als Parlamentäre,
+durch entsprechende Abzeichen kenntlich und natürlich unbewaffnet,
+folgende Leute:
+
+Redakteur Wolfgang _Fernbach_, Walter _Heise_, Werner _Möller_, Karl
+_Grubusch_, Erich _Kluge_, Arthur _Schötler_, _Wackermann_.
+
+Fernbach gehörte nicht zur Besatzung. Er war erst am Nachmittag des 10.
+in das Gebäude gegangen, um jemand zu besuchen, und konnte wegen der
+Absperrung nicht mehr heraus. Die sieben Parlamentäre wurden in die
+Dragonerkaserne in der Belle-Alliance-Straße 6 abgeführt und morgens 10
+Uhr erschossen. Nach der Meldung des Oberlts. v. Carnap an den Vater des
+erschossenen Fernbach wurden sie von eingedrungenen Soldaten gelyncht,
+obwohl sie waffenlos waren, ohne daß v. Carnap und der gleichfalls
+anwesende Major _Franz v. Stephani_ irgend etwas dagegen machen konnten.
+Major von Stephani dagegen schrieb an Frau Fernbach:
+
+»Fernbach hat sich mit unter den Spartakus-Anhängern befunden, die mit
+der Waffe in der Hand aus dem Vorwärts herausgeholt wurden und bei denen
+Dumdumgeschosse vorgefunden wurden. Sie hatten demgemäß während der
+Kampfhandlung ihr Leben verwirkt und der Tod hat durch Erschießen
+stattgefunden.«
+
+Auch diese Behauptungen entsprechen nicht den Tatsachen. Im
+Ledebourprozeß hat Graf Westarp, der die Belagerung leitete, am 23. Mai
+1919 als Zeuge vernommen, ausdrücklich erklärt, daß die sieben als
+Parlamentäre kenntlich waren, nicht mit der Waffe in der Hand ergriffen
+wurden und natürlich auch keine Dumdumgeschosse gehabt hatten. Auch
+Major von Stephani hat seine Behauptungen selbst später vor dem ersten
+Gardedivisionsgericht zurückgezogen (Erklärung des Kriegsgerichtsrates
+Hierholzer). Der wirkliche Vorgang war nach den übereinstimmenden, bei
+den Gerichtsakten befindlichen Aussagen des Soldaten Wilhelm Helms, des
+Soldaten Georg Schickram, der der ganzen Erschießung beiwohnte, des
+Sanitätsgefreiten Hans Stettin und des Soldaten Willi Köhn, schließlich
+den eigenen Aussagen v. Stephanis im Untersuchungsausschuß der preuß.
+Landesversammlung vom 3. Juni 1919 (vgl. den amtlichen Bericht, Seite
+48 und 49), daß Stephani selbst den Befehl zur Erschießung gegeben hat.
+Er berief sich dabei auf einen angeblichen Regierungsbefehl, der jedoch
+von der Regierung dementiert wurde (Aussage des Kriegsgerichtsrats
+Hierholzer vor dem Gericht der 1. Garde-Division, Reichswehrbrigade 3,
+Potsdam). Sogar die Namen von zwei der exekutierenden Soldaten,
+Wachtmeister Otto _Weber_, Feldkolonne 40, Staffelstab 10, Hannover, und
+Gefreiter Erich _Selzer_, Infanterieregiment 21 in Rudolstadt sind
+bekannt. Den sieben Toten waren die Schuhe und Kopfbedeckungen gestohlen
+(Bekundungen von Fernbach senior). Die Leiche des Möller wies (Bekundung
+der Frau Möller) zwei Bajonettstiche auf. Außerdem war ihm die linke
+Gesichtshälfte eingeschlagen. Auf eine Eingabe von Fernbach sen. vom 29.
+Januar 1919 erklärte die Staatsanwaltschaft, die Angelegenheit sei
+erledigt. Fernbachs Vater stellte am 26. März 1919 Strafantrag gegen
+Stephani wegen Mordes. Erst am 31. Januar 1920 teilte ihm das Gericht
+der Garde-Kav.-Div. in Potsdam mit, daß das Verfahren gegen Stephani
+wegen Ueberschreitung der Dienstgewalt demnächst stattfinden werde. Dies
+geschah aber nicht. Infolge Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit kamen
+die Akten am 10. Oktober 1920 an die Staatsanwaltschaft Berlin. Der
+Staatsanwaltschaftsrat vom Landgericht II, Dr. Ortmann, lehnte den Erlaß
+eines Haftbefehls gegen v. Stephani ab. Stephani wurde sogar weiter im
+Dienst verwendet und war bei den Kämpfen um München dabei (Sitzung des
+Untersuchungsausschusses der Landesversammlung vom 6. Mai 1919). Am 14.
+Juli 1921 hat das Landgericht II, gez. Hartmann, Siemens, Dr. Fränkel,
+die Beschuldigten v. Stephani, Weber und Seltzer »aus dem tatsächlichen
+Grunde mangelnden Beweises außer Verfolgung gesetzt.« Die Privatklage
+Fernbachs gegen v. Stephani wurde am 20. Dezember 1920 abgewiesen. Im
+März 1922 wurde sein Anspruch auf Schadenersatz gegen den Kriegsminister
+vom Landgericht I dem Grunde nach als berechtigt anerkannt. Bei den
+Klagen von fünf andern Hinterbliebenen verlangt der Fiskus den
+Identitätsnachweis. (Abschriften der Aussagen und Akten sind in meinem
+Besitz.)
+
+
+Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg
+
+Bei einer Haussuchung am 15. Januar 1919 wurden _Karl Liebknecht_ und
+_Rosa Luxemburg_ in Wilmersdorf, ohne Haftbefehl, durch die
+Einwohnerwehr verhaftet und nach dem Edenhotel, dem Quartier der
+Gardekavallerie-Schützendivision, gebracht. Nach der amtlichen
+Darstellung vom 16. Januar wurde Liebknecht auf der Flucht erschossen,
+Rosa Luxemburg durch eine große Menge gelyncht. »Die Transportführer
+traf kein Verschulden.« Nach den Aussagen im Prozeß spielte sich die
+Ermordung jedoch folgendermaßen ab:
+
+Der Platz vor dem Edenhotel war völlig leer. (Zweiter Verhandlungstag.)
+Karl Liebknecht wurde aus dem Hotel in ein Auto geführt. Der Jäger
+_Runge_ schlug ihm darauf zweimal von hinten mit dem Kolben auf den
+Kopf. Liebknecht sank halb bewußtlos zusammen. Die Offiziere saßen und
+standen um Liebknecht herum, ohne die Schläge zu verhindern. Das
+Kommando bestand aus den Offizieren Horst _v. Pflugk-Hartung_, _Stiege_,
+_Liepmann_, _v. Ritgen_, _Schulze_, Heinz _v. Pflugk-Hartung_ und dem
+Jäger Clemens _Friedrich_, alle natürlich schwer bewaffnet. An Stelle
+nach Moabit fuhr das Auto am Neuen See entlang in der Richtung nach der
+Charlottenburger Chaussee. An einer Stelle, wo ein völlig unbeleuchteter
+Fußweg abging, erlitt das Auto angeblich eine Panne. Liebknecht, der
+durch die Schläge auf den Kopf noch ganz benommen war, wurde gefragt, ob
+er noch gehen könne. Zwei Leute stützten ihn rechts und links, zwei
+gingen vor und zwei hinter ihm. Alle mit entsicherten Pistolen und
+Handgranaten bewaffnet. Nach wenigen Schritten wurde Liebknecht,
+angeblich weil er einen Fluchtversuch machte, erschossen. Den ersten
+Schuß gab Kapitän v. Pflugk-Hartung ab. Nach der Tat war das Auto wieder
+gebrauchsfähig. Dann wurde die Leiche als »unbekannt« eingeliefert.
+
+Als Rosa Luxemburg durch den Haupteingang fortgeführt wurde, stand
+derselbe Runge an der Tür. Hauptmann Petri hatte Befehl gegeben, man
+solle dafür sorgen, daß die Luxemburg nicht lebendig ins Gefängnis komme
+(Denkschrift des Vollzugsrates). Als Frau Luxemburg durch die Türe kam,
+schlug Runge ihr zweimal auf den Kopf, so daß sie umsank. Der den
+Transport führende Oberleutnant _Vogel_ hatte nichts dagegen getan. Man
+schob Frau Luxemburg in den Wagen. Als der Wagen abfuhr, sprang ein Mann
+hinten auf und schlug sie mit einem harten Gegenstand auf den Kopf.
+Unterwegs schoß Oberleutnant Vogel der Frau Luxemburg noch eine Kugel
+durch den Kopf. Man fuhr zwischen Landwehrkanal und Zoologischem Garten
+entlang. Am Landwehrkanal stand eine Gruppe Soldaten. Das Auto hielt,
+die Soldaten warfen die Leiche auf Befehl Vogels in den Kanal.
+
+Die am Mord Beteiligten ließen sich am Tage danach bei einem Gelage
+photographieren. (Vierter Verhandlungstag.)
+
+Wochenlang geschah in dieser Sache nichts. Die Regierung überließ die
+Untersuchung derselben Division, der die Mörder angehörten. Die
+Arbeiterräte Rusch und Struve, die zur Untersuchung beigezogen waren,
+beantragten eine Reihe von Verhaftungen. Als diese Anträge abgelehnt
+wurden, traten sie zurück. (31. Januar, 1919; Denkschrift der Mitglieder
+des Zentral- und Vollzugsrates.)
+
+Runge erhielt durch den Leutnant Liepmann falsche Papiere, wurde
+versetzt, dann flüchtig und war zunächst unauffindbar. Mitte April wurde
+er verhaftet, Oberleutnant Vogel am 20. Februar. Am 8. Mai begann die
+Verhandlung vor dem Kriegsgericht. Der Oberleutnant Grützner sagte aus,
+daß von Offiziersseite nachdrücklich auf ihn eingewirkt worden sei, die
+Wachmannschaften des Edenhotels zu einer günstigen Aussage zu bestimmen
+und ungeeignete Elemente von den Mannschaften zu entfernen. (Dritter
+Verhandlungstag.) Pflugk-Hartung gab zu, daß er dem Soldaten Peschel,
+dem Lenker des Autos, in dem Liebknecht abtransportiert wurde, 500 Mk.
+»geborgt« habe. Die Soldaten Grantke und Weber beschworen, daß
+Oberleutnant Vogel den Schuß auf Rosa Luxemburg abgegeben habe (dritter
+Verhandlungstag) und die Leiche ins Wasser werfen ließ (vierter
+Verhandlungstag). Zwei Angeklagte und Vogel selbst bestritten das
+erstere. Das Urteil lautete:
+
+»1. Der Jäger Runge wird wegen Wachvergehens im Feld, versuchten
+Totschlags in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung unter
+Mißbrauch seiner Waffe in zwei Fällen, in einem Fall mit erschwertem
+Wachverbrechen und Gebrauch von falschen Urkunden, zu zwei Jahren
+Gefängnis, zwei Wochen Haft und vier Jahren Ehrverlust und Entlassung
+aus dem Heer bestraft.
+
+2. Leutnant Liepmann wird wegen Anmaßung einer Befehlsbefugnis in
+Verbindung mit Begünstigung zu sechs Wochen verschärften Stubenarrests
+verurteilt.
+
+3. Oberleutnant Vogel wird wegen erschwerten Wachvergehens im Feld in
+Tateinheit mit Begünstigung in Ausübung des Dienstes, wegen Mißbrauch
+der Dienstgewalt und Beiseiteschaffung einer Leiche und wissentlich
+falscher Dienstmeldung zu zwei Jahren vier Monaten Gefängnis und
+Dienstentlassung verurteilt.«
+
+In der Urteilsbegründung nahm das Gericht (Vorsitzender
+Kriegsgerichtsrat Erhardt) bei Runge an, daß er aus eigenem Antrieb
+gehandelt habe.
+
+Bereits fünf Tage vor Beginn des Prozesses hatten Dr. Grabowski und
+Hauptmann Pabst dem Oberlt. Vogel durch das Polizeipräsidium Berlin und
+durch die Paßstelle des Auswärtigen Amtes einen Paß nach Holland
+verschafft. Am 14. Mai, dem letzten Verhandlungstag, teilte der
+Abgeordnete Cohn dies dem Kriegsminister Reinhardt und dem
+Ministerialdirektor Rauscher mit. Trotzdem konnte Vogel am 17. Mai mit
+Hilfe des Hauptmanns Jansen aus der Untersuchungshaft entführt werden
+und entkam nach Holland. (»Der Mord an Karl Liebknecht und Rosa
+Luxemburg«. Verlag der »Freiheit«).
+
+Runge legte am 6. Januar 1920 protokollarisch ein Geständnis ab, durch
+das die Urteilsbegründung völlig hinfällig wurde. Es heißt darin:
+
+»Was die Sache Liebknecht anbetrifft, hatte ich strikten Befehl von
+Offizieren, diesen Lumpen niederzuschlagen mit dem Kolben an der Stelle,
+wo er herauskommt. Ich war neu und konnte die Offiziere nicht erkennen,
+sah aber nachträglich, daß es meist meine Mitangeklagten waren. Was die
+Luxemburg anbetrifft, kamen Offiziere zu mir und sagten: Ich gebe Ihnen
+den Befehl, daß die Luxemburg das Edenhotel nicht mehr lebend verläßt.
+Merken Sie sich das. Kapitänleutnant v. Pflugk-Hartung schrieb sich
+meinen Namen auf und sagte zu mir: Sie wird Ihnen ja durch den
+Oberleutnant Vogel in die Arme geführt, so daß Sie nur zuschlagen dürfen
+... (was ich auch tat). Als die andern zurückkamen, brüsteten sie sich:
+»Liebknecht haben wir eine gebrannt. Es wurde eine Panne markiert und
+so die Flucht künstlich herbeigeführt.« Das hat mir auch Oberleutnant
+von Ritgen in der Untersuchungshaft später noch einmal gesagt.
+
+Die Untersuchung ist eine Komödie gewesen. Ich sprach mit
+Kriegsgerichtsrat Jörns wiederholt privat und er sagte mir: »Nehmen Sie
+ruhig alles auf sich, 4 Monate werden es nur, und Sie können sich dann
+immer wieder an uns wenden, wenn Sie in Not sind.« Die Zellentüren
+standen stets offen. Sämtliche Angeklagten machten den Richter, ich
+mußte den Angeklagten spielen, und es wurde immer gesagt, wenn ich meine
+Aussagen nicht richtig einlernte, läge mal eine Handgranate im Bett,
+wenn ich schlafen ginge. Mit dem Stab des Eden-Hotels stand ich öfters
+in telephonischer Verbindung. Ich mußte ihm vor meiner Flucht genau
+angeben, mit welchem Zug ich nach Flensburg fahre. -- Husar Otto Runge.«
+
+Hieraus (»Freiheit«, 9. Januar 1921) geht hervor, daß es sich in beiden
+Fällen um einen von den Offizieren wohlüberlegten Mord handelte.
+Trotzdem erfolgte nichts.
+
+In einer neuen Aussage (»Vorwärts« 29. und 30. Mai 1922) hat Runge noch
+genauere Mitteilungen über die beiden Ermordungen gemacht und angegeben,
+daß er durch Angehörige des Freikorps Roßbach mit falschen Papieren
+versehen und zu einer Reihe von falschen Aussagen vor Gericht veranlaßt
+wurde. Nach ihm hat auch Leutnant Krull der Frau Luxemburg, als sie im
+Auto saß, eine Kugel durch den Kopf geschossen.
+
+Gegen Krull war ein Verfahren wegen Mordes eingeleitet worden. Er
+gestand, beteiligt gewesen zu sein, widerrief aber dann. Darauf wurde
+das Verfahren mangels Beweisen eingestellt, später aber wieder
+aufgenommen. (»Vossische Zeitung« 22. August 1922.) Während er in
+Untersuchungshaft saß, erschien der Oberleutnant Siegfried Bracht in der
+Redaktion der »Roten Fahne« und bot die Uhr und Papiere von Rosa
+Luxemburg »gegen eine angemessene Entschädigung« an. Er behauptete,
+Deutschnationale hätten ihm 12_000 M. dafür geboten. Am 30. Mai 1922
+hatte sich Krull wegen Diebstahls und Bracht wegen Hehlerei vor der
+dritten Kammer des Landgerichts II (Vorsitzender Landgerichtsdirektor
+Dust, Staatsanwalt Dr. Ortmann) zu verantworten. Krull behauptete, die
+Uhr sei herrenloses Gut gewesen und im Edenhotel von Hand zu Hand
+gegangen.
+
+Krull hielt eine Rede: »Nichts liegt gegen uns vor, was man uns zum
+Vorwurf machen könnte. Jeder Deutsche atmete auf, als diese beiden
+Lumpen ins Jenseits befördert wurden. Der Dank des Vaterlandes gebührt
+uns dafür. Gegen Leute wie Rosa Luxemburg und Liebknecht muß Richter
+Lynch auftreten.« Krull wurde wegen Diebstahl in zwei Fällen zu drei
+Monaten Gefängnis verurteilt, Bracht wegen versuchten Betrugs zu 500 M.
+Geldstrafe. (Berliner Tageblatt, 2. Juni 1922.) Gegen das Urteil haben
+Staatsanwalt und Angeklagte Revision eingelegt.
+
+
+Die im Tegeler Forst Erschossenen
+
+Am 17. Januar 1919 meldete der »Abend«, daß vier Spartakisten, namens v.
+_Lojewski_, Hermann _Merks_, Richard _Jordan_ und _Milkert_, die während
+der Spandauer Spartakusumtriebe verhaftet worden waren, auf dem
+Transport nach Tegel im Tegeler Forst einen Fluchtversuch machten. Das
+Begleitkommando schoß auf die Flüchtigen und tötete sie sämtlich. Der
+gleichzeitig verhaftete Georg Merks, der beim selben Transport war,
+teilte jedoch der »Freiheit« (20. Januar 1919) mit: »Die 8 Verhafteten
+wurden in zwei offene Lastautos verladen. In jedem waren ca. 10 schwer
+bewaffnete Soldaten. Das Auto, in dem ich war, fuhr zuerst ab, in einem
+Abstand von 15 bis 20 Metern folgte das andere. Während beide Autos
+fuhren, wurde vom hinteren Auto plötzlich geschossen. Die
+Wachmannschaften erzählten dann, die Gefangenen seien geflohen. Bei
+einem wirklichen Fluchtversuch hätte das Auto natürlich gehalten.« Im
+Bericht der »Morgenpost« (18. Januar 1919) heißt es auch, daß »die
+Gefangenen versuchten, über das Geländer zu klettern, so daß die
+Erschießung im Wagen stattgefunden hat. Auf dem Auto standen Leutnant
+Pieper, Vizefeldwebel Plate, Grenadier Dahlke, 2 Grenadiere vom Regiment
+5, 2 Trainsoldaten, ein Herr _Sasse_ und ein ehemaliger Pionier Neese.
+Sasse gab den Befehl zum Schießen, der von den beiden Trainsoldaten
+ausgeführt wurde.« Trotz dieser präzisen Angaben, die die »Freiheit« am
+1. März 1920 brachte und der Staatsanwaltschaft übergab, wurde kein
+Verfahren eingeleitet.
+
+
+Ein Mord von links
+
+Am 13. Januar 1919 wurde in Hervest die Sicherheitswehr entwaffnet, das
+Waffenlager und das Kommissariat erstürmt. Die Gewalt lag bis zum
+Einrücken des Korps Lichtschlag am 15. Februar 1919 in Händen der
+Arbeiterschaft.
+
+Der Führer der bürgerlichen Parteien von Hervest, der Bureauvorsteher
+_Kohlmann_, zog sich während dieser Zeit die Feindschaft der
+Arbeiterschaft zu. Angeblich hat er auch die Regierungstruppen
+herbeigerufen. Am 10. Februar 1919 lauerten ihm die Bergleute Eduard
+_Albrecht_ (Kommunist) und Karl _Arnold_ (Mehrheitssozialist) auf und
+erschossen ihn.
+
+Beide wurden wegen Mordes zum Tode verurteilt, dann zu lebenslänglichem
+Zuchthaus begnadigt. (Aktenzeichen: 16 I. 283/19, Landgericht Essen.)
+
+
+Morde im Rheinland 1919
+
+Der Bergmann Aloys _Fulneczek_ in Bottrop, Fulenbrockstr. 24, war am 19.
+Februar 1919 als Delegierter der K.P.D. mit Delegierten der anderen
+Parteien zum Kommandanten der einrückenden Truppen des Hauptmann
+Lichtschlag zwecks Verhandlungen gegangen. Auf dem Rückwege wurde er von
+den Truppen festgehalten, mißhandelt, ins Gerichtsgefängnis in Bottrop
+eingeliefert und dort in der Zelle von dem Regierungssoldaten _Heuer_
+in Gegenwart eines zweiten Soldaten von hinten erschossen. Heuer wurde
+wegen Totschlags vor dem Militärgericht angeklagt, aber auf die Aussage
+seines Begleiters hin freigesprochen, weil er angeblich in Notwehr
+gehandelt. Der Militärfiskus ist in I. Instanz zum Schadenersatz
+verurteilt.
+
+Moritz _Steinicke_ aus Gelsenkirchen, Reichstr. 15, wurde in der Nacht
+vom 20. zum 21. Februar 1919 von zwei Schutzleuten, zwei Soldaten und
+einem Zivilisten ohne Haftbefehl verhaftet und von dem Führer der
+Abteilung, _Blumberg_ und einem Polizisten vor dem Hause Wilhelmstr. Nr.
+51 »auf der Flucht« erschossen. Steinicke war Mitglied der U.S.P.D., es
+lag nichts gegen ihn vor. Das Verfahren wurde eingestellt, weil Blumberg
+»zur Verhinderung des Fluchtversuches von seiner Waffe Gebrauch gemacht
+und also gemäß der ihm erteilten allgemeinen Instruktion gehandelt
+habe«. (Aktenzeichen 7 a. J. 585/19 der Staatsanwaltschaft Essen.)
+
+
+Die Lichtenberger »Greuel« und die Märzmorde
+
+Im März 1919 kam es zu Kämpfen zwischen den in der Revolution
+aufgestellten republikanischen Verbänden, die aufgelöst werden sollten,
+und den unter dem Befehl von Reinhardt stehenden Regierungstruppen und
+Freikorps. Den republikanischen Truppen schlossen sich einige Arbeiter
+an.
+
+In einem offiziellen Bericht vom 9. März 1919 teilte die
+Gardekavallerie-Schützendivision der Berliner Presse mit (vergl. z. B.
+»Deutsche Tagesztg.« vom 10. März): »Die Spartakisten führen zurzeit
+ihre Absicht, sich in Lichtenberg zu verschärftem Widerstand zu rüsten,
+aus. Das Polizeipräsidium wurde von ihnen gestürmt und sämtliche
+Bewohner, mit Ausnahme des Sohnes des Polizeipräsidenten, auf viehische
+Weise niedergemacht.«
+
+Aehnlich teilte Regierungsrat Doyé vom Ministerium des Inneren dem
+»Berliner Tageblatt« am 10. März 1919 die Erschießung von 57 Polizisten
+mit.
+
+Nach der »B. Z. am Mittag« vom 9. März wurden 60 Kriminalbeamte und
+viele andere Gefangene erschossen, und zwar wurden »Gefangene, die sich
+zur Wehr setzen wollten, teilweise von vier bis fünf Spartakisten
+gehalten, während der sechste ihnen mit der Pistole zwischen die Augen
+schoß.« Dabei stützte sich die »B. Z.« auf eine von »einer militärischen
+Befehlsstelle übermittelte eidliche Aussage von fünf Soldaten.«
+
+Diese Nachricht ging durch die ganze deutsche Presse und beeinflußte die
+öffentliche Meinung in schärfster Weise gegen die Spartakisten. Tagelang
+wimmelte es von blutrünstigen Schilderungen. So meldete die »Vossische
+Zeitung« und natürlich ebenso die rechtsstehende Presse am 10. März
+sogar 150 Ermordete.
+
+Alle diese Meldungen waren erlogen. Erst am 13. März meldete die »B.
+Z.«, daß die Beamten in Wirklichkeit entlassen worden waren. Am gleichen
+Tage erklärten die »Vossische« und der »Vorwärts« auf Grund der
+Aussagen des Bürgermeisters Ziethen, »daß sich alle Nachrichten über die
+Massenerschießungen von Schutzleuten und Kriminalbeamten bei der
+Eroberung des Lichtenberger Polizeipräsidiums als unwahr erwiesen
+haben.« Endlich nach der »B. Z.« vom 14. März und dem Nachruf auf die
+Gefallenen stellte sich heraus, daß nur zwei Beamte tot waren. Davon war
+einer im Kampf gefallen und über die Todesart des andern konnte nichts
+festgestellt werden.
+
+Auf Grund des Lichtenberger Beamtenmordes (»Deutsche Tageszeitung«,
+»Berl. Tageblatt« vom 10. März 1919) verhängte _Noske_ als
+Oberkommandierender in den Marken über Berlin das Standrecht und erließ
+folgende Anordnung (W. T. B., 9. März):
+
+»Die Grausamkeit und Bestialität der gegen uns kämpfenden Spartakisten
+zwingen mich zu folgendem Befehl: Jede Person, die mit den Waffen in der
+Hand gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu
+erschießen.«
+
+Daneben erließ die Gardekavallerie-Schützendivision selbständig einen
+Befehl, wonach auch Leute zu erschießen wären, in deren Wohnungen Waffen
+gefunden würden. Ein Nachweis der Teilnahme am Kampfe sei nicht nötig.
+Der Befehl lautete:
+
+ »Garde-Kav.-Division. Abt. I a. Nr. 20 950.
+
+ Befehl für den 10. 3. nachm. und den 11. 3.
+
+ Div.-St.-Qu., den 10. 3. 1919.
+
+ Leitsatz: Wer sich mit Waffen widersetzt oder plündert, gehört
+ sofort an die Mauer. Daß dies geschieht, dafür ist jeder Führer
+ mitverantwortlich.
+
+ Ferner sind aus Häusern, aus welchen auf die Truppen geschossen
+ wurde, sämtliche Bewohner, ganz gleich, ob sie ihre
+ Schuldlosigkeit beteuern oder nicht, auf die Straße zu stellen, in
+ ihrer Abwesenheit die Häuser nach Waffen zu durchsuchen;
+ verdächtige Persönlichkeiten, bei denen tatsächlich Waffen
+ gefunden werden, zu erschießen.
+
+ Ziffer 2 e: Jeder Hausbewohner oder Passant, der in unrechtmäßigem
+ Besitz von Waffen gefunden wird, ist festzunehmen und mit kurzem
+ Bericht in dem nächsten Gefängnis abzuliefern. Wer sich mit der
+ Waffe in der Hand zur Wehr setzt, ist sofort niederzuschießen.«
+
+Die »Politisch-Parlamentarischen Nachrichten« erklärten zwar am 18. März
+1919, »daß ihnen von zuständiger Seite versichert worden sei, ein
+derartiger Erlaß sei nicht ergangen«. Tatsächlich hat sich aber Marloh
+in seiner ersten Aussage vom 4. Dezember 1919 ausdrücklich auf diesen
+Befehl gestützt und hat ihn wörtlich verlesen.
+
+Die beiden Erlasse gehen weit über das Preußische Belagerungsgesetz vom
+4. Juni 1851 hinaus. Denn darnach entscheidet über einen Angeklagten ein
+aus zwei Zivilrichtern und zwei dem Hauptmannsrang angehörigen
+Offizieren bestehendes Kriegsgericht. Bei Todesurteilen ist die
+Bestätigung des Oberbefehlshabers nötig, außerdem liegt eine Frist von
+24 Stunden zwischen Urteil und Vollstreckung. Hier aber liegt die
+Entscheidung über Leben und Tod vollkommen im willkürlichen Ermessen
+einzelner Personen.
+
+Am 7. März, 11-1/4 Uhr, wurde der Angehörige der republikanischen
+Soldatenwehr des Depots 7, Fasanenstr., _Adolf Riga_ (42 Jahre,
+Kurfürstenstr. 114), von einem Angehörigen des Freikorps Lüttwitz auf
+Befehl eines Offiziers entwaffnet, als er von der Wache kam, obwohl er
+seinen Ausweis vorwies. Dann setzte Riga seinen Weg waffenlos fort. An
+der Absperrung vor dem Edenhotel wollte ihn ein Posten nicht
+durchlassen. Es kam zu einer Auseinandersetzung. Der bei dem Posten
+stehende Offizier gab dem Soldaten einen Befehl, worauf dieser unter dem
+Ruf »Straße frei« ihn von hinten erschoß. (Die Aussagen der Zeugen R. E.
+Kaufmann und E. K. Rosenberg sind in meinem Besitz. Beide Zeugen wurden,
+weil sie den Sachverhalt protokollarisch festlegen ließen, zwei Tage
+später verhaftet und drei Wochen eingesperrt.) Weder gegen den Offizier
+noch gegen den Soldaten wurde ein Verfahren eingeleitet. Die Witwe bekam
+nach einem Prozeß gegen den Fiskus eine Rente zugebilligt.
+
+
+Lynchungen im Lehrter Gefängnis
+
+Die Vorgänge im Lehrter Gefängnis schildert ein Augenzeuge, der wegen
+Herausgabe einer satirischen Zeitschrift verhaftet war, folgendermaßen
+(Wieland Herzfelde: »Schutzhaft«): »Man führte uns (am 8. März, abends)
+an den Eingang des Gefängnisses. Es hieß: »Zuerst den Matrosen _Peters_
+hineinführen!« Wir anderen mußten vor der Glastüre, durch die wir nur
+undeutlich beobachten konnten, stehen bleiben. Kaum war der Matrose
+eingetreten, erscholl der Ruf: »Haut ihn, schlagt ihn tot, an die
+Wand!«, wobei ein entsetzliches Gebrüll das ganze Gefängnis erfüllte und
+aus allen Ecken Soldaten mit Gewehren herbeistürzten und auf den
+Matrosen einschlugen. Dieser zog ein verborgenes Messer und kämpfte nun
+mit der Kraft des Verzweifelten gegen die Soldaten. Allmählich gelangten
+so die Kämpfenden in den Hintergrund, woselbst wir nichts mehr
+wahrnehmen konnten, nur noch fortwährende Kolbenschläge hörten, woraus
+sich schließen ließ, daß der Matrose sich aufs äußerste verteidigte. Er
+wurde unserer Ueberzeugung nach totgeschlagen, denn verschiedene
+Offiziere und Chargierte stellten unter grausamem Schmunzeln und
+Händereiben fest, daß er zu »Hackepeter« verarbeitet worden sei.
+
+Nachmittags um vier Uhr vernahmen wir plötzlich dasselbe Gebrüll wie am
+Vorabend. Dasselbe Herbeistürzen aus allen Ecken des Gebäudes und
+Rasseln von Gewehren, so daß wir uns sagten, daß die Lynchung nicht auf
+Erregung, sondern auf System zurückzuführen sei. Gegen Abend erfuhr ein
+Mitgefangener vom wachthabenden Unteroffizier, daß zwei Galizier
+totgeschlagen worden seien.«
+
+Der damalige Gouverneur von Berlin, Schöpflin, schrieb hierüber an die
+»Freiheit« folgenden Brief (23. April 1919.):
+
+»Die beiden Galizier sind erschossen worden, nachdem sie vorher auch
+mißhandelt worden sind. Sie sollen Schußwaffen unter dem Mantel
+versteckt gehalten haben und befanden sich im Besitze von Juwelen und
+Wertsachen, die vermutlich von der Beteiligung an einer Plünderung
+herrührten. Der eine der Galizier heißt Abraham _Melichowitsch_ und war
+russischer Kriegsgefangener. Die Erschießung ist bei hereingebrochener
+Dunkelheit erfolgt. Es wird angenommen, daß die Tötung von Soldaten des
+Transportkommandos vorgenommen worden ist, nachdem ein Offizier, der die
+Transportkolonne befehligte, bei der Einlieferung die beiden
+Erschossenen beschuldigt hatte, Waffen versteckt getragen und geraubt zu
+haben. Unverständlich bleibt die Erschießung der beiden Galizier wegen
+des ihnen zur Last gelegten Vergehens. Es muß angenommen werden, daß
+ihnen sowohl die Waffen wie die vermutlich geraubten Wertsachen schon
+vor der Einlieferung abgenommen worden sind. Auf Grund des Standrechts,
+das damals Gültigkeit hatte, hätten die beiden, wenn überhaupt, sofort
+erschossen werden können, nicht aber erst nach der Einlieferung und
+offenbar ohne Befehl, also rein willkürlich.«
+
+Augenzeugen des Vorfalls berichten dagegen Folgendes: »Am 9. März lagen
+wir, ca. 30 Mann, verhaftet in der Waldschenke des Zoologischen Gartens.
+Von Waffenbesitz konnte, da alle Gefangenen vorher untersucht worden
+waren, keine Rede sein. Am späten Nachmittag wurden ca. 10 Mann in einem
+Auto verladen. Zwei Gefangene, von denen der eine ein Mitglied der
+Matrosendivision, der andere ein Russe war, wurden von den
+Lüttwitztruppen die Treppe heruntergeworfen, unter fortwährenden
+Kolbenschlägen vor das Auto geführt, wie ein Gegenstand hineingeworfen
+und auf dem Lastwagen in unbeschreiblicher Weise viehisch bearbeitet.
+Als sie blutend am Boden lagen, wurde ihnen befohlen, stramm zu stehen.
+Nachdem die beiden wie leblos dalagen, setzte sich das Auto in Bewegung.
+Etwas so Schreckliches hatten wir im ganzen Feldzug nicht erlebt. Als
+ein Soldat mit dem Messer auf sie losgehen wollte, ließ der
+Transportführer, ein jugendlicher Herr, der vorher unserer Vernehmung
+beim Kriegsgerichtsrat Jörns beigewohnt hatte, dies nicht zu. Die andern
+Mißhandlungen ließ er stillschweigend zu. Der Matrose hatte uns erzählt,
+er sei verhaftet worden, weil er mit dem Rad gegen einen Drahtverhau
+gefahren war. Der Russe, weil er auf der Straße gesagt hatte,
+Deutschland sei noch nicht reif zum Bolschewismus.
+
+Vor dem Zellengefängnis angekommen, wurden die beiden, obwohl sie ganz
+hinten lagen, als erste herausgezogen. Sie waren also wohl schon
+gemeldet. Sie wurden in das Gefängnis geschleift, wir hatten den
+Eindruck, als wenn man Zeugen fernhalten wollte. Die Soldaten,
+Angehörige der Reinhardttruppen, mehr oder weniger betrunken, empfingen
+die beiden mit tierischem Gebrüll. Wir sahen, wie die Gefangenen durch
+den Gefängnisflügel hindurchgeworfen wurden in den Hof. Ein Soldat kam
+zurück und zeigte sein abgebrochenes Gewehr mit den Worten: »Jetzt kommt
+die andere Hälfte auch noch dran.« Als wir vor die Schreibstube kamen,
+hörten wir im Hof Schüsse fallen.«
+
+Die früheren Reichswehrsoldaten (Pioniere), Schlosser Adalbert _Arndt_
+und stud. ing. Arthur _Schneider_ kamen am 20. März 1922 vor das
+Schwurgericht des Landgerichts I (Vorsitz: Landgerichtsdirektor Dr.
+Weigert). Zeugen bestätigten, daß die beiden mit Gewehrkolben auf die
+waffenlosen Gefangenen eingeschlagen hatten, andere, daß sie geschossen
+hatten. Die drei Leichen wurden zunächst auf einen Müllhaufen, dann von
+einem Lastauto, das Schneider lenkte, in den Tiergarten geworfen. Arndt
+und Schneider wurden wegen versuchten Totschlags und schwerer
+Körperverletzung zu je 1 Jahr und 6 Monate Zuchthaus verurteilt.
+(Berliner Volkszeitung, 21. und 22. März 1922.)
+
+
+Die Erschießung von drei Jungen
+
+Am 10. März kamen zu dem jungen Kurt _Friedrich_ (16 Jahre) seine beiden
+Freunde Hans _Galuska_ (16 Jahre) und Otto _Werner_ (18 Jahre) in die
+Wohnung der Mutter des Friedrich, am Schlesischen Bahnhof 3, zu Besuch.
+Die drei jungen Menschen hatten sich nie mit Politik beschäftigt. Sie
+waren kaum beisammen, als 8 Regierungssoldaten auf Grund einer
+Denunziation ankamen. Sie durchsuchten die Wohnung, ohne daß ihnen auch
+nur ein einziges belastendes Stück in die Hände gefallen wäre. Darauf
+erklärten sie die drei jungen Menschen für verhaftet und führten sie ab.
+Die letzten Worte, die Kurt Friedrich sagen konnte, waren: »Mutter,
+meine Papiere sind in Ordnung, ich habe nichts auf dem Gewissen«.
+
+Die Mutter begab sich in die Schule in der Andreasstraße, wo
+Reinhardttruppen lagen, und sah, wie die Drei abgeführt wurden und
+schrecklich heulten. Der befehlshabende Offizier ließ die Frau nicht zu
+Worte kommen. Am 12. März, nach zwei schrecklichen Tagen des Wartens,
+erhielt Frau Friedrich von Bekannten die Nachricht, Hans Galuska läge im
+Leichenschauhaus. Sie fand dort die drei jungen Freunde als Tote wieder.
+Sie waren am 11. März als »unbekannt« eingeliefert worden. Kurt
+Friedrich hatte einen Kopf- und Hüftschuß. Die neuen Stiefel waren ihm
+gestohlen. Hans Galuska hatte ebenfalls zwei Schußwunden, darunter eine
+an der Stirn, und mehrere Verletzungen durch Schläge. Es fehlten ihm:
+Hut, Kragen, Kravatte, Ulster, Jackett und Stiefel. Otto Werners Gesicht
+war beinahe unkenntlich, außerdem war der eine Arm völlig zerschossen,
+so daß anzunehmen ist, daß er ihn vors Gesicht gehalten hat. Die Sache
+wurde der Staatsanwaltschaft mitgeteilt. (»Freiheit«, 26. März 1919.) Es
+erfolgte jedoch weder gegen die beteiligten Mannschaften noch gegen die
+verantwortlichen Offiziere ein Verfahren.
+
+Dagegen haben nach einem Schreiben des Heeresabwicklungsamtes Preußen an
+den Anwalt der Frau Friedrich (Abschrift in meinem Besitz), »die
+umfangreichen Ermittelungen ergeben, daß Friedrich wegen Verdachts der
+Beteiligung an spartakistischen Umtrieben verhaftet und aus Anlaß eines
+Fluchtversuches erschossen wurde«. Zeugenaussagen für diese Behauptungen
+sind nicht aufgeführt.
+
+
+Handgranatenstiele als Erschießungsgrund
+
+Am 11. März wurde in der Wohnung des Tischlers Richard _Borchard_ eine
+Haussuchung gehalten, da er angeblich geschossen hatte. Es wurde nur ein
+leerer russischer Patronenrahmen ohne Munition gefunden, den ein
+Verwandter 1914 als Andenken aus dem Feld geschickt hatte. Daraufhin
+wurde er verhaftet und kam in das Polizeipräsidium. Am Dienstag, den 18.
+März, fand die Frau ihren Mann als Leiche im Schauhaus wieder. Er hatte
+einen Schuß durch den Kopf erhalten. Dem Getöteten hatte man die neuen
+Schuhe und Strümpfe weggenommen.
+
+Borchardt hatte sich politisch nie betätigt, er war ein Gegner des
+Aufstandes und stand auf seiten der Regierungstruppen. (»Freiheit«, 20.
+März 1919.)
+
+Bei einer Waffensuche bei dem Arbeiter Paul _Dänschel_ in der
+Andreasstr. 62 fanden Soldaten aus dem Korps Lüttwitz am 12. März zwei
+Handgranatenstiele und ein altes Seitengewehr. Die Stiele entstammten
+der Fabrik, in der der 19 jährige Sohn der Familie, Alfred, beschäftigt
+war. Er hatte die Stiele mit nach Hause genommen, um sich daraus ein
+Schreibzeug anzufertigen. Am 12. wurden Vater und Sohn aus dem Bett
+heraus verhaftet und, ohne daß irgendein Grund vorlag, in der
+Handwerkerschule Andreasstr. 1/2 erschossen. Die Vernehmung war durch
+den Leutnant Siegfried _Winter_ aus Adlershof, Bismarckstr. 25, geleitet
+worden. Dieser gab auch Auftrag, die Leichen abzuholen. Als die
+Feuerwehr die Toten abholte, waren ihnen sämtliche Wertsachen und
+Papiere abgenommen, auch die Schuhe hatte man ihnen geraubt.
+(»Vorwärts«, 15., 17., 19. März 1919.) Winter wanderte nach Argentinien
+aus. Am 11. Dezember 1920 stellte der Oberstaatsanwalt vom Landgericht
+I, Berlin das Verfahren ein.
+
+
+Die 29 Matrosen
+
+Die amtliche Nachricht lautete (»Berl. Tageblatt«, 12. März 1919.): »In
+der Französischen Str. 32 wurde gestern die Kassenverwaltung der
+Volksmarinedivision von Regierungstruppen besetzt. Frühere Angehörige
+der jetzt aufgelösten Volksmarinedivision, die von dort noch Gelder
+holen wollten, sind festgenommen worden. Die Gefangenen trugen
+teilweise noch Waffen. Infolgedessen kam es bei der Verhaftung zu
+tätlichem Widerstand. Die Mannschaften der Regierungstruppen ließen sich
+von ihren Führern kaum vor Uebergriffen zurückhalten, da die Erbitterung
+durch die Vorgänge der letzten Tage natürlich sehr angewachsen war. Es
+wurde Munition, darunter auch Dumdumgeschosse, beschlagnahmt. Von den
+rund 250 Gefangenen mußten 24 auf der Stelle erschossen werden. Die
+übrigen sind unter starker Bedeckung in das Moabiter Zellengefängnis
+eingeliefert worden und sehen dort einer Aburteilung durch das
+außerordentliche Kriegsgericht entgegen.«
+
+Der wirkliche Vorgang war (vgl. Prozeßbericht, »Deutsche Zeitung« vom 5.
+bis 10. Dezember 1919): Am 11. März 1919 war ein Löhnungsappell der
+Volksmarinedivision angesetzt. General Lüttwitz gab dem Leutnant Marloh
+Auftrag, dort möglichst viele Mitglieder zu verhaften. Die 250 Matrosen,
+die völlig ordnungsliebende Elemente waren, -- ein Teil hatte bei den
+Unruhen die Reichsbank bewacht, -- kamen einzeln, beinahe alle
+unbewaffnet, um sich die ihnen zustehende Löhnung zu holen. Sie wurden
+einzeln überwältigt und gefangengesetzt.
+
+Marloh fühlte sich durch die vielen Gefangenen bedroht und telephonierte
+an Oberst Reinhardt um Hilfe. Oberst Reinhardt sagte zu Leutnant
+Schröter: »Gehen Sie zu Marloh und sagen Sie ihm, er müsse durchgreifen.
+Denken Sie an Lichtenberg, wo 60 Polizeibeamte erschossen wurden«.
+Schröter meldete Marloh, er solle energisch durchgreifen. Marloh
+telephonierte gleich darauf nochmals um Hilfe. Darauf ließ Oberleutnant
+v. Kessel dem Marloh durch Leutnant Wehmeyer ausrichten (zweiter
+Verhandlungstag): »Bestellen Sie dem Oberleutnant Marloh, daß Oberst
+Reinhardt sehr wütend sei, weil er gegen die 300 Matrosen zu schlapp
+vorgehe. Er solle in ausgiebigstem Maße von der Waffe Gebrauch machen,
+und wenn er 150 Mann erschösse. Alles, was er erschießen könne, solle er
+erschießen. Die Verstärkung würde noch ein bis eineinhalb Stunden auf
+sich warten lassen. Oberst Reinhardt wisse auch gar nicht, wo er mit den
+300 Leuten bleiben solle.«
+
+Marloh gehorchte, sortierte die Leute, indem er diejenigen, die
+besonders intelligent erschienen, gute Anzüge oder Schmucksachen hatten,
+besonders stellte (erster Verhandlungstag, 4. Dezember 1919). Dann ließ
+er durch den Offizierstellvertreter _Penther_ 29 Leute mit dem
+Maschinengewehr erschießen. »Die Schußwirkung war furchtbar. Vielen
+Leuten wurde die Schädeldecke völlig abgerissen. Die Gehirnmasse
+spritzte umher, Leichen und Verwundete fielen übereinander.« (Erster
+Verhandlungstag, 4. Dezember 1919.) Die Namen der Ermordeten sind nach
+der »Zukunft« (29. November 1919): Jakob _Bonczyk_, Paul _Brandt_,
+Theodor _Biertümpel_, Ernst _Bursian_, Kurt _Dehn_, Otto _Deubert_,
+Willy _Ferbitz_, Robert _Göppe_, Baruch _Handwohl_, Walter _Harder_,
+Alfred _Hintze_, Anton _Hintze_, Hermann _Hinze_, Walter _Jacobowsky_,
+Otto _Kanneberg_, Willy _Kuhle_, Max _Kutzner_, Martin _Lewitz_, Herbert
+_Lietzau_, Max _Maszterlerz_, Ernst _Mörbe_, Karl _Pobantz_, Paul
+_Rösner_, Siegfried _Schulz_, Paul _Ulbrich_, Werner _Weber_, Karl
+_Zieske_, Gustav _Zühlsdorf_. Die anderen Matrosen wurden ins Gefängnis
+geschafft und bald darauf als unschuldig entlassen.
+
+Marloh erstattete einen wahrheitsgetreuen Bericht an Oberleutnant v.
+Kessel. Auf Anraten Kessels ersetzte er ihn Mitte Mai durch einen
+anderen, wonach er die Erschießung durch eigenen Entschluß auf Grund des
+Noske-Erlasses vorgenommen habe. Zuletzt wurde in Gegenwart des Obersten
+Reinhardt noch ein dritter Bericht geschrieben. Marloh blieb monatelang
+unbehelligt. Erst als ein Haftbefehl am 2. Juni vorlag, riet ihm Kessel
+zu flüchten, und stellte ihm zu diesem Zwecke falsche Papiere aus, die
+Leutnant Wehmeyer dem Marloh übergab. Leutnant Hoffmann brachte ihm
+Geld. (Zweiter Verhandlungstag.) Am 9. Dezember wurde Marloh von der
+Anklage des Totschlags und des Mißbrauches der Dienstgewalt
+freigesprochen, wegen unerlaubter Entfernung zu drei Monaten Festung und
+wegen Benutzung gefälschter Urkunden zu 30 Mk. Geldstrafe verurteilt. In
+der Urteilsbegründung wurde festgestellt, »daß die Erschießungen
+objektiv unberechtigt waren, daß die Matrosen, die mit Waffen kamen,
+gültige Waffenscheine besaßen, daß keine Plünderer dabei waren, daß die
+Lage Marlohs nicht so bedrohlich war, daß er zum Waffengebrauch
+berechtigt war, daß er jedoch glaubte, einen Dienstbefehl vor sich zu
+haben« (Vorsitzender: Kriegsgerichtsrat Welt).
+
+Der Ausschuß II für Feststellung von Entschädigung für Aufruhrschäden
+verneinte den Anspruch der Hinterbliebenen auf eine Rente, da die
+Erschießungen in Ausübung der Staatsgewalt als ein Akt der
+Strafvollstreckung erfolgt seien. Den meisten Hinterbliebenen wurden
+jedoch vom Fiskus im Vergleichswege nach einem Zivilprozesse größere
+Abfindungssummen ausbezahlt.
+
+Kessel wurde Hauptmann, Hoffmann Oberleutnant bei der Sicherheitswehr
+(»Freiheit«, 7. Dezember.). Gegen Reinhardt und Kessel wurde wegen der
+Befehle, die sie Marloh gegeben hatten, kein Verfahren eingeleitet;
+gegen Kessel wurde nur ein Verfahren wegen eines im Verlauf des
+Prozesses geleisteten Meineids eingeleitet. (14. März 1921.) Am 23. März
+1921 wurde er auch von der Anklage des Meineids freigesprochen.
+(Eingehende Prozeßberichte in der »Deutschen Zeitung«.) Zuletzt wurden
+Wehmeyer und Hoffmann wegen Beihilfe zur Flucht vom Schöffengericht
+freigesprochen. (»Deutsche Tageszeitung«, 27. 9. 21.)
+
+
+Vizewachtmeister Marcus
+
+Vizewachtmeister Marcus vom Freikorps Lützow hatte am 12. März Befehl,
+die Langestraße abzusperren. Er schritt mit 25 Mann die Straße ab und
+rief laut »Straße frei, Fenster zu!« Angeblich ist dieser Befehl nicht
+beachtet worden. Unter anderem sah er aus dem Fenster eines Hauses eine
+weibliche Gestalt auf die Straße heruntersehen. Angeblich hat er darauf
+auf ein daneben befindliches blindes Fenster geschossen, aber das offene
+Fenster getroffen. Durch diesen Schuß wurde die zwölfjährige Schülerin
+_Slovek_ getötet. Ein anderes Mädchen, Erwine _Dahle_, erhielt einen
+Herzschuß, als es aus einem Schlächterladen trat. Der 73 jährige
+Fliesenleger Karl _Becker_ ist durch einen Kopfschuß getötet worden. Auf
+die gleiche Weise kamen dann noch drei Menschen um, die nicht die
+geringste Beziehung zu den damaligen Unruhen hatten.
+
+Ursprünglich war gegen Marcus ein Verfahren wegen sechsfachen Mordes
+eingeleitet. Doch wurde dies eingestellt. Dagegen wurde er wegen
+vorsätzlicher, nicht mit Ueberlegung begangener Tötung von zwei Menschen
+vor dem Schwurgericht angeklagt. Bei der Verhandlung am 21. und 22.
+Januar 1921 (Verhandlungsbericht im »Vorwärts« vom 25.) berief Marcus
+sich auf die Befehle seiner Vorgesetzten und wurde von den als Zeugen
+vernommenen Offizieren zum Teil gedeckt. Marcus wurde wegen Totschlags
+freigesprochen, wegen einiger Unterschlagungen zu fünf Monaten Gefängnis
+verurteilt. Gegen die Offiziere, die solche Befehle gegeben haben, wurde
+kein Verfahren eingeleitet.
+
+Der Eisenbahnarbeiter Alfred _Musick_ wurde am 12. März 1919 in seiner
+Wohnung nach einer ergebnislosen Haussuchung durch Soldaten des
+Freikorps Lüttwitz verhaftet und nach der Andreasschule transportiert.
+Oberleutnant _Wecke_ ließ ihn mit vier anderen abtransportieren. Die
+Fünf wurden beim Passieren der Schillingbrücke angeschossen und ins
+Wasser geworfen. (Aussagen der Begleitmannschaft: »Die Fünf schwimmen
+schon.«) Musick konnte sich schwerverletzt durch Schwimmen retten, wurde
+entdeckt und wieder in die Andreasschule geführt. Vizewachtmeister
+_Marcus_ führte ihn in die Revierstube, kam zurück und erzählte: »Oben
+habe ich ihn vor die Wand gestellt und gesagt, gehen Sie nur herein;
+darauf antwortete er, hier ist ja keine Tür, in dem Moment hatte ich ihn
+schon in den Kopf geschossen«. Die Leiche wurde beraubt und als
+unbekannt in die Sammelstelle in der Distelmeyerstr. eingeliefert.
+
+
+Wegen eines Streichholzes erschossen
+
+Der Arbeiter _Piontek_ wurde am 12. März 1919, angeblich weil er sich
+geweigert hatte einem Soldaten Feuer zu geben, verhaftet, und in der
+Normannenstraße von dem Gefreiten _Ritter_ vom Infanterieregiment Nr. 50
+und dem Unteroffizier _Wendler_ erschossen. Wendler behauptete, ihm nur
+einen Gnadenschuß gegeben zu haben. Am 31. Januar 1922 verurteilte das
+Schwurgericht des Landgerichts III (Landgerichtsdirektor Mehlberg,
+Staatsanwaltschaftrat Weyermann) Ritter wegen versuchten Totschlags mit
+mildernden Umständen zu 3 Jahren Gefängnis, Wendler wurde
+freigesprochen. (Berliner Tageblatt, 1. Februar 1922.)
+
+Am 12. März 1919 wurde der Schneider Otto _Hauschild_, Fruchtstraße 26,
+am Ostbahnhof erschossen, weil er ein Gewehr in seiner Wohnung hatte;
+er besaß einen Ausweis der Republikanischen Soldatenwehr vom 10. März.
+
+Am 13. März wurden Paul _Biedermann_ und Hans _Gottschalk_ auf dem Wege
+zur Arbeit in der Friedrich-Karl-Straße auf Grund einer Denunziation
+verhaftet, in ein Lokal eingesperrt und vom Posten durch das Fenster
+erschossen. (»Freiheit«, 18., 20. u. 22. März 1919.)
+
+Berthold _Peters_ (geboren 28. März 1888), Klempner, seit Kriegsausbruch
+Matrose, wurde am 13. März 1919, vormittags 9-1/2 Uhr von einem Trupp
+Soldaten unter Führung eines Offiziers in seiner Wohnung, Tilsiter Str.
+49, verhaftet, zum Hauptmann _Poll_ in die Patzenhoferbrauerei, von dort
+in die Bötzowbrauerei geführt und vor 1 Uhr erschossen. Die Leiche wurde
+ausgeplündert: Uhr, Kette, Ring, Brieftasche, Börse und Stiefel wurden
+geraubt. Er war von Nachbarn als Spartakist denunziert worden. Ein
+Strafverfahren fand nicht statt. Die Hinterbliebenen bekamen im
+Zivilprozeß gegen den Fiskus eine Rente von 500 M. monatlich
+zugebilligt.
+
+
+Zwei Erschießungen durch Ltn. Baum
+
+Bei einer nächtlichen Runde des Detachements v. Grothe trat ein
+unbekannt gebliebener Mann, der einen Ausweis des Reichswehrministers
+vorwies, auf den Leutnant _Baum_ zu und sagte: »Herr Leutnant, lebt der
+Zigarrenhändler _Müller_ noch? Wenn Sie den kriegen, erschießen Sie ihn,
+den habe ich zweimal hinter den Barrikaden gesehen!«
+
+Baum begab sich nun am 12. März mit 10 Mann in das Zigarrengeschäft
+Memeler Str. 19. Johann Müller war gerade beim Rasieren und kam mit
+eingeseiftem Gesicht aus dem Hinterzimmer. Baum durchsuchte die Wohnung.
+Es wurden weder Waffen noch Munition gefunden.
+
+Der Leutnant sagte zu Müller: »Sie agitieren ja für die Unabhängigen;
+Sie haben acht Karten mit verdächtigen Punkten. Ich habe von anderen
+gehört, Sie haben auf uns geschossen. Verabschieden Sie sich von Ihrer
+Frau. Es ist meine Pflicht, Sie jetzt zu erschießen!« Die Frau und
+Tochter schrien laut auf. Leutnant Baum erblickte in dem
+stillschweigenden Verharren des Müller ein Schuldbekenntnis. Müller
+verrichtete ein Gebet, wurde dann an die Wand gestellt und 6 Mann
+schossen auf ihn. Müller brach zusammen. Ein Sanitäter sollte sich von
+der Vollstreckung des Todesurteils überzeugen und die Leiche
+wegschaffen. Der Sanitäter fand den Müller noch lebend. Auf Befehl des
+Angeklagten gab der zur Patrouille gehörende russische Schüler Alexander
+_Köhler_ dem Müller den Gnadenschuß. (»Vorwärts«, 16. August 1919.)
+
+Bei der Verhandlung (»Berl. Tageblatt«, 1. Juni 1920) wurde Baum
+freigesprochen mit der Begründung, daß er dem Noske-Erlaß vom 9. März
+gefolgt sei, der besagt, daß jeder, der mit der Waffe kämpfend
+angetroffen wird, erschossen werden soll.
+
+Am 13. März 1919 wurde bei einer Haussuchung bei dem Gastwirt Wilhelm
+_Bilski_, Weidenweg 71, ein Revolver gefunden, den, wie sofort
+festgestellt, ein Gast als Pfand gelassen hatte. Bilski wurde abgeführt
+und »standrechtlich« erschossen. Durch Zeugen, besonders Frau Bilski,
+wurde als leitender Offizier der Leutnant _Baum_ erkannt. Die Akten
+verschwanden von der Garde-Kav.-Schützendiv. Am 27. März 1920 wurde der
+Militärfiskus von der 26. Zivilkammer zu Schadenersatz verurteilt. In
+der Begründung wurde ausdrücklich anerkannt, »daß die Erschießung
+rechtswidrig war.« Das Verfahren gegen Baum wurde am 12. April 1920
+eingestellt. (Akten in meinem Besitz.)
+
+
+Zwei Erschießungen durch Ltn. Czekalla
+
+Nach dem »Berliner Tageblatt« vom 15. März wurde in der Holzmarktstr. 61
+ein Mann von über 60 Jahren namens _Abrahamson_ ohne weiteres im Hof
+erschossen, weil er bei einer Haussuchung Waffen, die er besaß, nicht
+angegeben hatte. Der alte, schwächliche Mann leistete keinerlei
+Widerstand. Der Offizier (ein Leutnant _Czekalla_ vom Freikorps Lützow,
+1. Schwadron) sagte, er sei berechtigt, jeden zu erschießen, der Waffen
+verheimliche.
+
+Ein Rechtsanwalt wurde bei dem Gespräch, das er zur Feststellung des
+Tatbestandes mit den Bewohnern des betreffenden Hauses führte,
+verhaftet, weil er »die Leute aufhetze«.
+
+Der gleiche Leutnant _Czekalla_ hat am 13. März, bei dem Klempnermeister
+_Wallmann_ eine Haussuchung vorgenommen. Wallmann war ein angesehener
+Mann, deutschnationaler Gesinnung. Aus dem Felde hatte er ein
+französisches Infanteriegewehr mitgebracht, das unbrauchbar war. Es war
+ihm belassen worden und eine Bescheinigung darüber erteilt. Zu dem
+französischen Gewehr besaß er einige französische Patronen. Endlich war
+er seit vielen Jahren im Besitz einer Browningpistole, die er aus
+Liebhaberei angeschafft hatte. Als der Leutnant Wallmann fragte, ob er
+einen Browning besitze, holte er den Browning sofort aus dem Ofen
+heraus. Darauf ließ ihn der Leutnant nach der Alexanderkaserne abführen.
+Als seine Braut weinte, sagte Wallmann: »Weine doch nicht; ich komme ja
+bestimmt wieder, denn ich habe ja nichts getan.« Wallmann wurde in der
+Alexanderkaserne auf Befehl des Leutnants in einem Pferdestall
+erschossen. Die Leiche wurde von den Soldaten ihrer Stiefel beraubt.
+
+Czekalla behauptet, auf direkten Befehl seines Vorgesetzten, des
+Rittmeisters Wilhelm von _Oertzen_ gehandelt zu haben. Das Verfahren
+gegen beide schwebt beim Landgericht I Berlin. (»Berliner Volkszeitung«,
+16. März 1922.)
+
+
+Jogisches und Dorrenbach
+
+»Am 10. März wurde auf Befehl Noskes der Redakteur der »Roten Fahne« Leo
+_Jogisches_ durch Angehörige der Gardekavallerie-Schützendivision
+verhaftet. Er sollte durch einen Soldaten dem Untersuchungsrichter
+zugeführt werden. Im Gebäude des Kriminalgerichts griff Jogisches den
+Soldaten« (Kriminalwachtmeister Ernst _Tamschik,_ »Freiheit«, 27. Mai
+1919) »an und wurde von ihm auf der Stelle niedergeschossen. Ein
+gleicher Fall war im Gebäude des Kriminalgerichts schon am Tage vorher
+vorgekommen.« (»Vossische Zeitung«, 11. März.)
+
+_Dorrenbach_, ein früherer Offizier, hatte sich der Revolution
+angeschlossen und wurde Führer der Volksmarinedivision. Wegen der
+Berliner Spartakusunruhen schwebte gegen ihn ein Haftbefehl. In Eisenach
+wurde er am 12. Mai 1919 verhaftet (»Freiheit«, 18. Mai 1919) und am 17.
+Mai durch den Staatsanwalt vernommen. Beim Rücktransport ins Gefängnis
+soll er einen Fluchtversuch unternommen haben und wurde von den Soldaten
+niedergeschossen. Schwer verletzt wurde er in die Charité gebracht, wo
+er starb. Vor seinem Tod erklärte er seinem Rechtsanwalt ausdrücklich,
+er sei nicht geflohen. (Ledebourprozeß, 3. Tag.) Den tödlichen Schuß
+hatte ebenfalls Kriminalwachtmeister Ernst _Tamschik_ abgegeben.
+Tamschik wurde später zum Leutnant bei der Sicherheitswehr
+Charlottenburg ernannt. Dann kam er zur Sicherheitspolizei nach
+Ostpreußen. (Bekundung des Oberwachtmeisters Kuhr in einem Prozeß, »Welt
+am Montag«, 25. Mai 1920.)
+
+
+Zwei Erschießungen auf der Flucht
+
+Am 13. März 1919 wurden der Maschinenschlosser Georg _Fillbrandt_ und
+der Arbeiter Paul _Szillinski_ in ihren Wohnungen Kastanienallee 29-30,
+nach ergebnislosen Haussuchungen, ohne daß ein Haftbefehl vorlag, durch
+4 Offiziere bzw. Fähnriche verhaftet, zum Stab des 1. Streifbatl.
+Reinhardt in der Griebenowstraße gebracht, und nach einem kurzen Verhör
+auf dem Exerzierplatz an der Schönhauser Allee von den begleitenden
+Soldaten erschossen. Die Leichen wurden ausgeplündert und an Ort und
+Stelle liegen gelassen. Als die Frau des Szillinski und die Tochter des
+Fillbrandt sich bei dem Stab erkundigten, wurde ihnen ein Protokoll
+vorgelesen, daß beide auf der Flucht erschossen worden seien. Durch die
+Zeugen Wilh. Domke, Herm. Kastner, Martha Pertz und Erich Abraham,
+welche der Erschießung zusahen, wurde aber festgestellt, daß die
+Verhafteten ruhig neben den Soldaten gegangen waren, und als die
+Soldaten »Halt« kommandierten, noch um ihr Leben gebeten hatten. Das
+Gericht nahm an, daß die Soldaten ohne Auftrag gehandelt hätten, weil
+kein Protokoll geführt worden war. Am 14. Februar 1921 wurde der
+Reichsfiskus zur Zahlung einer Unterhaltsrente an Frau Fillbrandt
+verurteilt, da die Erschießung durch die Soldaten unberechtigt war. Eine
+Bestrafung der Täter und Ermittlung der verantwortlichen Offiziere ist
+nicht erfolgt. (Aktenabschrift in meinem Besitz.)
+
+
+
+
+VON DER ERMORDUNG EISNERS BIS ZUM STURZ DER BAYRISCHEN RÄTEREPUBLIK
+
+
+Kurt Eisner
+
+Kurt _Eisner_ war Führer der Münchener Revolution vom 7. November und
+seither Ministerpräsident. Am 21. Februar wurde er auf dem Weg zum
+Landtag, wo er seinen Posten wegen der heftigen Angriffe gegen ihn
+niederlegen wollte (Mitteilung des W. T. B. vom 21. 2. 1919), von dem
+Leutnant Graf _Arco-Valley_ durch zwei Kopfschüsse getötet. Arco wurde
+gleich darauf von einem Mann der Begleitung Eisners niedergeschossen,
+jedoch später wiederhergestellt. Am 20. Januar 1920 wurde Arco zum Tode
+verurteilt. »Als der Verurteilte nach Verlesung des Todesurteils die
+Bitte an die ihm Wohlgesinnten richtete, von unüberlegten Taten
+abzusehen und am nationalen Aufbau mitzuarbeiten, erfolgte ein
+elementarer Beifallsausbruch der Zuhörerschaft, der sich in immer
+wiederholten Bravorufen und Händeklatschen minutenlang fortsetzte ...
+Die Menge auf der Straße empfing den Transport mit brausenden Hochrufen,
+man schwenkte Hüte und wehte mit Tüchern.« (»Deutsche Tageszeitung«, 20.
+Januar 1920.) Arco wurde gleich darauf zu lebenslänglicher Festungshaft
+begnadigt. Im Jahre 1922 wurde die Haft über Arco derartig gemildert,
+daß er tagsüber als Praktikant auf einem in der Nähe von Landsberg
+befindlichen Gut arbeiten kann.
+
+
+Major v. Gareis und Abgeordneter Osel
+
+Eisner war bei den Arbeitern sehr beliebt. In der Erregung über seine
+Ermordung drang der Metzger Aloys _Lindner_ und der Bäcker Georg Frisch
+in den Landtag ein. Lindner feuerte mehrere Schüsse auf den Minister
+Auer, der ein politischer Gegner Eisners war, da er glaubte, daß Auer
+mit der Ermordung Eisners zusammenhänge. Gleichzeitig fiel ein Schuß von
+der Tribüne, der den Abgeordneten _Osel_ tötete. Als Major v. Gareis
+sich Lindner entgegenstellte, schoß Lindner auch auf ihn und tötete ihn.
+Lindner flüchtete mit Hilfe von Karl Merkerts und Georg Schlunds ins
+Ausland. Deutsch-Oesterreich lieferte ihn aber aus, unter der Bedingung,
+daß er nicht zum Tode verurteilt werde, da die Todesstrafe dort
+abgeschafft ist. Der Angabe Lindners, daß er sich v. Gareis gegenüber in
+Notwehr befunden habe, maß das Gericht keinen Glauben zu. Lindner wurde
+wegen versuchten Totschlags und wegen erschwerten Totschlags am 15.
+Dezember 1919 zu 14 Jahren Zuchthaus verurteilt. Frisch wegen versuchten
+Totschlags zu 3-1/2 Jahren Gefängnis verurteilt, Merkert und Schlund
+erhielten wegen Begünstigung 1-1/2 bzw. 2 Monate Gefängnis mit
+Bewährungsfrist. (Prozeßberichte in den »Münchener Neuesten
+Nachrichten«, 9. bis 15. Dezember 1919.)
+
+
+Die Erschießungen im Luitpoldgymnasium
+
+Nach der Ermordung Eisners übernahm der Zentralrat die Macht. Die Kammer
+und das von ihr gebildete mehrheitssozialistische Ministerium Hoffmann
+floh nach Bamberg. Der Zentralrat erklärte am 7. April die Räterepublik.
+Die Führer waren Unabhängige und Mehrheitssozialisten. Durch einen
+Putsch gelang es am 13. April Anhängern der Regierung Hoffmann, einen
+Teil der Führer zu verhaften. Doch mißlang der Putsch. Die Betriebsräte
+ergriffen die Macht und proklamierten eine zweite kommunistische
+Räterepublik. Die Regierung Hoffmann sammelte Truppen dagegen. Bei dem
+Vormarsch wurden u. a. erschossen: 20 rote Soldaten, die am 29. April in
+Starnberg beim Essen unbewaffnet überrascht wurden, drei Sanitäter, die
+in Possenhofen beim Verwundetentransport waren und ein 68 jähriger Mann.
+(Dr. Schollenbruch im Münchener »Kampf«, 15. September 1919.)
+
+Im Luitpoldgymnasium, das als Kaserne der Roten Armee diente, waren am
+26. April die Stenotypistin Hella v. _Westarp_, der Eisenbahnsekretär
+_Daumenlang_, der Freiherr F. W. _v. Seydlitz_, die Kunstmaler Walter
+_Neuhaus_ und Walter _Deicke_, endlich der Prinz _von Thurn und Taxis_
+als Mitglieder eines »germanischen Ordens«, auch »Thulegesellschaft«
+genannt, eingeliefert worden, weil man bei ihnen gefälschte Stempel mit
+dem Faksimile des Oberkommandanten Eglhofer, Stempel des Vollzugsrates
+sowie Eisenbahnstempel gefunden hatte. (Aussagen im Prozeß, 11. u. 13.
+September.) Auch hatten sich in den Klubräumen Waffenlager befunden.
+(Aussagen am 8. September.) Am folgenden Tag wurden ferner ein Offizier
+v. _Teuchert_ und zwei Husaren der Armee v. Oven, _Linnenbrügger_ und
+_Hindorf_, als Gefangene eingeliefert. Außerdem befand sich dort der
+Prof. _Berger_, weil er ein Plakat der Räteregierung abgerissen hatte,
+und eine Reihe von Geiseln.
+
+Als immer neue Nachrichten von Erschießungen roter Soldaten kamen,
+entstand im Lager der Roten große Erregung. Das Infanterieleibregiment
+forderte den Oberkommandanten Eglhofer auf, als Repressalie seinerseits
+Gefangene zu erschießen. Am 30. April erhielt Fritz _Seidel_, der
+Kommandant des Luitpoldgymnasiums, angeblich hierzu den Befehl von
+Eglhofer. Doch hat Eglhofer selbst noch am gleichen Tage dies
+ausdrücklich bestritten. Zuerst wurden unter Leitung _Schickelhofers_
+und _Kammerstädters_ die zwei Husaren erschossen. Dabei beteiligten sich
+_Wiedl_ und Josef _Seidl_. Gleich darauf brachten Kick und Pürzer den
+schriftlichen Befehl Eglhofers zu weiteren Erschießungen. _Hesselmann_,
+_Gsell_ und _Haußmann_ beteiligten sich an der Auswahl der zu
+Erschießenden. Der Professor Berger schloß sich aus Mißverständnis dem
+abgeführten Trupp an. Seidl zitterte am ganzen Körper vor Aufregung und
+hatte jede Herrschaft über seine Soldaten verloren. Er konnte sie in
+ihrer Wut nicht mehr zurückhalten. Die Gefangenen wurden einzeln
+abgeführt und zwischen 4 und 5-1/2 Uhr nachmittags an die Wand gestellt
+und an einem Misthaufen von den aufgestellten 8 bis 10 Schützen durch
+Gewehrsalven auf das Kommando »Legt an, Feuer« erschossen. Als _Thurn
+und Taxis_ seine Unschuld beteuerte, wurde er nochmals in die Kanzlei
+geführt und nach Wiederholung des Befehls erschossen. _Hannes_, _Lermer_
+und _Riedmayer_ beteiligten sich an der Aufstellung (nach der
+Urteilsbegründung), _Fehmer_ und _Pürzer_ an der Erschießung. So kamen
+zehn Menschen um. Doch befand sich unter den Erschossenen, wie aus der
+mir vorliegenden beglaubigten Abschrift der Urteilsbegründung
+hervorgeht, keine Geisel.
+
+Haußmann, der verantwortlich war, beging am Abend der Erschießungen
+Selbstmord. _Eglhofer_ wurde nach seiner Gefangennahme am 3. Mai in der
+Residenz ohne Urteil erschossen. Seidel und Schickelhofer wurden wegen
+je zweier Verbrechen des Mordes zweimal zum Tode verurteilt. Wiedl,
+Pürzer, Fehmer und Josef Seidl wurden wegen je eines Mordes zum Tode
+verurteilt. Kick, Gsell, Hesselmann, Lermer, Hannes, Huber und Riedmayer
+wurden wegen Beihilfe zu je 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.
+(Vorsitzender Oberlandesgerichtsrat Aull.) Die Todesstrafen wurden am
+nächsten Tage vollstreckt. (Eingehende Prozeßberichte in den »Münchener
+Neuesten Nachrichten«, 1.-19. September 1919.) In einem zweiten Prozeß
+wurde auch Kammerstädter zum Tode verurteilt und das Urteil am nächsten
+Tag vollstreckt. (15. Oktober 1919.) Ferner wurden L. Debus, A.
+Strelenko und R. Greiner zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, »weil sie
+den Mord gefördert haben, indem sie eventuell bereit waren, selbst zu
+schießen«. (Urteilsbegründung in den »Münchener Neuesten Nachrichten«,
+14. Oktober 1919.)
+
+Im 3. Geiselmordprozeß wurde am 12. Juni 1920 Ferdinand Rotter zu 7
+Jahren Zuchthaus und Heinrich Walleshauser (17 Jahre alt) zum Tode
+verurteilt. Die Todesstrafe wurde vollstreckt.
+
+
+Andere Ermordungen während der bayrischen Räterepublik
+
+Max _Weinberger_ war während der Räterepublik Stadtkommandant von
+München. Er wurde beschuldigt, an Bürgerliche, insbesondere an die
+Thulegesellschaft, Waffen und Passierscheine ausgegeben zu haben.
+(Aussage im Geiselmordprozeß, 8. September.) Er wurde abgesetzt und in
+der Polizeidirektion eingesperrt. Eines Nachts wurde er in einem Auto
+fortgeführt. Das Auto wurde von einem Unbekannten zum Halten gebracht.
+Weinberger wurde erschossen. Seine Leiche wurde erst Ende Mai im
+Englischen Garten gefunden. Der Fall blieb völlig unaufgeklärt.
+
+In Miesbach tagte während der bayrischen Räterepublik ein
+Revolutionsgericht, um gegen Diebe und Plünderer vorzugehen.
+Vorsitzender war der Werkführer Richard Käs aus Mochenwangen. Beisitzer
+waren die Mitglieder des dortigen Aktionsausschusses, der Heizer Josef
+Mühlbauer aus Hofleiten, der Bergmann Michael Vogl aus Prien;
+Anklagevertreter der Stadtkommandant Radl. Da Käs sich in
+Gerichtssachen als Laie fühlte, erbat er sich Aufschluß bei dem dortigen
+Oberamtsrichter Dollacker, der sich auch bei einer Verhandlung
+beteiligte. Als Protokollführer im Falle Lacher diente der
+Oberamtsgerichtssekretär Bruckmeyer.
+
+In der Nacht vom 24. auf den 25. April 1919 kam der Rotgardist Ernst
+_Lacher_ aus München, der schon vorher bei der roten Armee in Miesbach
+als stellvertretender Kommandant tätig war, mit Mannschaften,
+Maschinengewehren und Minenwerfern in einem Sonderzug nach Miesbach, um
+angeblich mit Ermächtigung des Oberkommandanten Eglhofer die in Miesbach
+stehenden Truppen wegen andauernder Ausschreitungen abzulösen und die
+Stelle eines Stadtkommandanten zu übernehmen. Das Unternehmen Lachers
+mißglückte und er wurde festgenommen.
+
+Der Prokurist Georg _Graf_ aus Zigelbarden, der beim Oberkommando der
+Münchener Räteregierung Chef der geheimen Militärpolizei war, war
+während dieser Zeit in Miesbach und forderte in den nach dem mißlungenen
+Unternehmen gehaltenen Sitzungen des Exekutivkomitees, daß Lacher
+erschossen werde und beantwortete auch nach seiner Rückkehr nach München
+die an ihn gerichteten Anfragen in diesem Sinne. Graf war im Felde
+verschüttet gewesen, hatte sich in einer Nervenheilanstalt befunden und
+war Morphinist. Am 27. April 1919 wurde Lacher unter dem Druck der
+wütenden Rotgardisten zum Tode verurteilt und das Urteil vollstreckt.
+
+Am 13. Januar 1920 begann vor dem Volksgericht in München 2 der Prozeß
+gegen Graf und Genossen. Das Urteil für Graf lautete wegen Verbrechens
+der Beihilfe zum Hochverrat auf zwölf Jahre Zuchthaus und zehn Jahre
+Ehrverlust, Käs, Mühlbauer und Vogl wurden wegen je eines Verbrechens
+der Beihilfe zum Mord in Tateinheit mit Beihilfe zum Hochverrat zu je
+sechs, bzw. 3-1/2 bzw. vier Jahren Zuchthaus verurteilt. Dollacker und
+Bruckmeyer, die behaupteten unter dem Druck der Rotgardisten gehandelt
+zu haben, wurden überhaupt nicht angeklagt. (»Münchener Neueste
+Nachrichten«, 14., 15., 16. Januar 1920.) Acht Mitglieder des
+Aktionsausschusses waren schon früher zu Festungsstrafen von einem Jahr
+drei Monate bis zu zwei Jahren verurteilt worden.
+
+Der Stadtkommandant und Anklagevertreter _Radl_ wurde nach dem Sturz der
+Räterepublik standrechtlich erschossen.
+
+Den weiteren Nachforschungen der Polizei gelang es dann, die Namen der
+neun an der Erschießung beteiligten Rotgardisten zu ermitteln. Davon
+sind zwei tot, zwei unauffindbar. Gegen die übrigen fünf hat am 21.
+Februar 1922 der Prozeß stattgefunden. Sie behaupteten, sie seien von
+ihren dienstlichen Vorgesetzten zur Vollstreckung aufgefordert worden
+und seien von der Rechtmäßigkeit des Urteils überzeugt gewesen. Dies ist
+nicht unglaubwürdig. Denn man wußte damals in Südbayern nichts von der
+Existenz der Gegenregierung Hoffmanns, sondern hielt die Räteregierung
+für den einzigen Inhaber der tatsächlichen Gewalt in Bayern. Trotzdem
+beantragte der Staatsanwalt die Todesstrafe gegen sie. Die angeklagten
+früheren Rotgardisten Ebert, Blechinger und Essig wurden wegen Beihilfe
+zum Totschlag zu je 3 Jahren Gefängnis, Anzenberger zu 1 Jahr 6 Monate
+Gefängnis verurteilt. Der fünfte, Heuser wurde freigesprochen.
+(»Münchener Neueste Nachrichten«, 22. 2. 22.)
+
+Die zwölf Ermordeten waren die einzigen Opfer der Räterepublik. Dagegen
+hat der Einzug der Regierungstruppen in München Hunderten von
+Unschuldigen das Leben gekostet.
+
+
+Die Einnahme von München
+
+Am 1. Mai zogen die Truppen der Regierung Hoffmann in München ein. In
+dem amtlichen Communiqué schreibt die Regierung:
+
+»Nunmehr liegt das Ergebnis der von der Polizei angestellten Erhebungen
+über die Zahl der Opfer der Münchener Kampftage vom 30. April bis 8. Mai
+vor. Es bedurfte umfangreicher Arbeit, um diese Zusammenstellung
+anfertigen zu können. Die Leichenfrauen wurden angewiesen, alle Toten,
+die beerdigt wurden, zu melden. Auf Grund dieses Materials wurde dann
+durch die Kriminalkommissare bei den Angehörigen der nähere Sachverhalt
+erhoben. Bot dieser Weg auch keine Gewähr für die vollständige
+Richtigkeit, so war er doch der einzige, der eine einigermaßen
+verläßliche Zusammenstellung ermöglichte.
+
+Die Zahl der Todesopfer der Kämpfe beträgt nach dieser Zusammenstellung
+557. Davon fielen kämpfend 38 Mann der Regierungstruppen, 93 Angehörige
+der Roten Armee, 7 Russen und 7 Zivilpersonen. Standrechtlich erschossen
+wurden 42 Angehörige der Roten Armee und 144 Zivilpersonen. Bei 42 Toten
+konnte weder der Name, noch die Art des Todes festgestellt werden.
+Vermutlich befinden sich unter diesen 42 unbekannten Personen 18 Russen.
+
+»_Tödlich »verunglückt« bei den Kämpfen sind 184 Zivilpersonen, und zwar
+am 30. April 1, 1. Mai 36, 2. Mai 103, 3. Mai 16, 4. Mai 7, 6. Mai 21«._
+(»Münchener Neueste Nachrichten«, 10. Juni 1919.)
+
+Den 38 Gefallenen der Regierung Hoffmann stehen also offiziell 107
+Gefallene der Roten Armee, 186 standrechtlich Erschossene und 184
+»tödlich verunglückte« Anhänger der Räteregierung entgegen. Diese
+Angaben beziehen sich aber nur auf den Stadtbezirk München. So fehlen z.
+B. die oben erwähnten, in der Umgebung von München von den
+Regierungstruppen Erschossenen. Ferner sind natürlich alle Fälle nicht
+aufgeführt, wo Leute spurlos verschwanden und die Leichen nicht
+eingeliefert wurden, z. B. der siebzehnjährige Johann _Erb_ am 2. Mai.
+Die Zahl der Toten ist nach sozialistischen Angaben ungefähr tausend,
+eine Zahl, die nach Mitteilung beteiligter Soldaten des Generalkommandos
+Oven durchaus glaubhaft erscheint.
+
+Die 184 »tödlich Verunglückten« wird man als Opfer politischer Morde
+betrachten müssen. Dies geht aus der oben zitierten amtlichen
+Zusammenstellung selbst hervor. Denn in den letztgenannten 21 Fällen
+läßt sich die Technik des tödlichen Unglücksfalles genau nachweisen. Am
+6. wurden nämlich die 21 katholischen Gesellen ermordet. (Vgl. Seite
+41.) Außerdem bin ich in der Lage, weitere 140 in München in den
+Maitagen Ermordete namentlich aufzuführen. Wenn man also nicht annehmen
+will, daß der Regierungsbericht diese 140 Fälle vollkommen verschweigt
+oder den Tatsachen zuwider sie in eine der beiden andern Kategorien
+unterbringt und Fälle aus diesen Kategorien verschweigt, so ist man zu
+dem Schluß gezwungen, daß die 184 tödlich Verunglückten tatsächlich
+ermordet worden sind. Im folgenden einige Einzelfälle.
+
+
+»Da haben wir Schwein gehabt«
+
+_Huber_, Karl, Landsberger Str. 153, 27 Jahre alt, Mitglied der K.P.D.,
+wurde am 30. April nachts aus dem Bett geholt und am andern Morgen nach
+kurzem Verhör erschossen. Zeugen bestätigen, daß Huber in keiner Weise
+an Kampfhandlungen beteiligt war. Huber hatte bei seiner Festnahme etwa
+30 Mark in Bargeld, eine goldene Uhr, eine Uhr mit Stahlgehäuse,
+Gamaschen und eine Brieftasche bei sich. Sämtliche Gegenstände fehlten.
+Als die Schwester des Huber am 23. Mai wegen der Erschießung ihres
+Bruders Erkundigungen einziehen wollte, hörte sie zufällig, wie vor dem
+Hause, in dem die 2. Kompagnie des 1. Württembergischen Drag.-Regts.
+einquartiert war (Harlaching, Ueber der Klause), zwei Posten sich
+äußerten: »Mit dieser schweren Brieftasche und mit den Gamaschen haben
+wir mal Schwein gehabt.«
+
+_Bauer_, Johannes, Arbeiter, Unterföhring Nr. 3, 48 Jahre alt,
+parteilos, und dessen Sohn Johann, 17 Jahre alt, wurden am 30. April auf
+Grund einer Denunziation aus der Wohnung geholt und kurz darauf ohne
+Verhör erschossen. Der Vater war parteilos. Der Sohn Mitglied der
+Arbeiterwehr. Er hinterließ Frau und vier unmündige Kinder.
+
+Am 1. Mai wurden Peter _Huhn_ und Georg _Kistler_ in Großhesselohe und
+der Feinmechaniker _Höpfl_ in Grünwald ohne Urteil erschossen; Verfahren
+wurde eingestellt, weil Täter nicht zu ermitteln.
+
+Jakob _Münch_, Forstenrieder Str. 71, wurde am 1. Mai erschossen. Er
+wollte seine im Februar gefaßten Waffen abliefern und wurde dabei
+verhaftet.
+
+Benno _Huber_, Metzger, Großkarolinenfeld, war bei der Roten Armee in
+Rosenheim gewesen und wurde am 2. Mai im Bett erschossen. Hinterläßt
+eine Frau mit zwei Kindern.
+
+Der Schuhmacher Emeran _Rötzer_ und der Arbeiter _Kohlmann_ wurden am 2.
+Mai auf Grund von Denunziationen durch württembergische Truppen in ihren
+Wohnungen, Dreimühlenstr. 14, verhaftet und sofort ohne Urteil im
+Schlacht- und Viehhof erschossen. Sie hatten 3 Gewehre, die in ihrem
+Privatbesitz waren, darunter 2 Jagdgewehre, am selben Vormittag
+abgeliefert. Eine Untersuchung fand nicht statt. Sie wurden beschuldigt,
+einen Regierungssoldaten umgebracht zu haben. In Wirklichkeit hatten sie
+einen auf der Straße aufgelesenen verwundeten Rotgardisten beherbergt.
+Dieser wurde im Bett mit Gewehrkolben geschlagen, dann erschossen.
+Rötzer hinterläßt drei Kinder.
+
+_Faust_, Schreiner, leistete am 2. Mai freiwillig Sanitätsdienste bei
+der Armee v. Oven und trug eine Rote Kreuzbinde. Die Soldaten sahen dies
+für einen Ausweis der Roten Armee an und erschossen ihn. Kein Verfahren.
+
+Der Schriftsteller Hans _Schlagenhaufer_ in Unterhaching wurde am 1. Mai
+von dem Hauptmann _Liftl_ aufgefordert, seine Waffen abzugeben. Er
+bestritt, Waffen zu besitzen. Doch wurde ein Gewehr gefunden. Er wurde
+verhaftet, nach Stadelheim abgeführt und dort am 2. Mai ohne
+gerichtliches Verfahren erschossen. Nach einer der Witwe zugestellten
+Entscheidung erfolgte die Erschießung wegen des Gewehres und »weil er
+sich als Mitglied und späterer Schriftführer der K.P.D. während der
+Umsturzbewegung besonders hervorgetan habe.« Der Schadenersatzanspruch
+der Witwe auf Grund des Unruheschadengesetzes wurde am 8. November 1921
+vom Reichswirtschaftsgericht abgelehnt. (XVII. A. V. 950/21.) Das
+Verfahren gegen die Täter wurde eingestellt. Klage beim ordentlichen
+Gericht ist anhängig.
+
+
+Gustav Landauer
+
+Ueber die Art der »Unglücksfälle« orientiert weiter folgender Bericht in
+der Münchener »Neuen Zeitung« vom 3. Juni 1919: »Am 2. Mai stand ich als
+Wache vor dem großen Tor zum Stadelheimer Gefängnis. Gegen 1-1/4 Uhr
+brachte ein Trupp bayrischer und württembergischer Soldaten Gustav
+_Landauer_. Im Hof begegnete der Gruppe ein Major in Zivil (im Prozeß
+als Rittergutsbesitzer Freiherr _v. Gagern_ festgestellt), der mit einer
+schlegelartigen Keule auf Landauer einschlug. Unter Kolbenschlägen und
+den Schlägen des Majors sank Landauer zusammen. Er stand jedoch wieder
+auf und wollte zu reden anfangen. Da rief ein Vizewachtmeister: »Geht
+mal weg!« Unter Lachen und freudiger Zustimmung der Begleitmannschaften
+gab der Vizewachtmeister zwei Schüsse ab, von denen einer Landauer in
+den Kopf traf. Landauer atmete immer noch. Unter dem Ruf: »Geht zurück,
+dann lassen wir ihm noch eine durch!« schoß der Vizewachtmeister
+Landauer in den Rücken, daß es ihm das Herz herausriß und er vom Boden
+wegschnellte. Da Landauer immer noch zuckte, trat ihn der
+Vizewachtmeister mit Füßen zu Tode. Dann wurde ihm alles
+heruntergerissen und seine Leiche zwei Tage lang ins Waschhaus
+geworfen.« Wegen dieses Artikels wurde die »Neue Zeitung« unter
+Vorzensur gestellt.
+
+Das Oberkommando Oven brachte am 6. Juni einen Gegenbericht: »Landauer
+wurde von einem früheren Offizier geschlagen, als er etwas zu den
+Soldaten sagen wollte. Nach Aussagen aller Zeugen, mit Ausnahme eines
+einzigen, hat er mit einer Reitpeitsche, nicht mit einem Knüttel
+geschlagen. Keiner der bisher vernommenen Zeugen konnte angeben, daß
+unter Lächeln und freudiger Zustimmung der Begleitmannschaften auf
+Landauer geschossen worden sei ... Unrichtig ist, daß ein
+Vizewachtmeister drei Schüsse auf Landauer abgegeben hat. Vielmehr ist
+erwiesen, daß zwei Infanteristen mit Gewehr oder Karabiner und daß ein
+Mann, der als Kavallerist, als Sergeant, als Vizewachtmeister und als
+Offizierstellvertreter bezeichnet wurde, mit der Pistole einen Schuß auf
+Landauer abgegeben hat. Davon, daß Landauer alles heruntergerissen
+wurde, hat kein Zeuge etwas angegeben. Festgestellt ist nur, daß
+Landauer die Uhr abgenommen wurde. Der Besitzer der Uhr wurde bereits
+ermittelt.« Demnach hat Landauer weder einen Fluchtversuch unternommen,
+noch eine andere provokatorische Handlung versucht oder ausgeführt.
+
+Der Münchener Stadtrat Weigel teilt mir über die Agnoszierung der Leiche
+Landauers folgendes mit: »Landauers Leichnam fehlten Rock, Hose, Stiefel
+und Mantel. Nach dem Sektionsprotokoll waren drei Schüsse auf Landauer
+abgegeben, die alle tödlich waren. Der Brustschuß stammte nach Ansicht
+des Gerichtsarztes Dr. Schöpflin und des Prof. Oberndorfer
+wahrscheinlich nicht von einem Gewehr, sondern von einer Pistole. Doch
+wurde dies auf Ersuchen des Kriegsgerichtsrates Christoph nicht
+aufgenommen.«
+
+Freiherr v. Gagern bekam vom Amtsgericht München am 13. September 1919
+einen Strafbefehl über 300 Mark. Das Verfahren gegen weitere Beteiligte
+wurde eingestellt.
+
+»Vor dem Kriegsgericht in Freiburg kam die Anklage gegen den
+Unteroffizier _Digele_ wegen Tötung Gustav Landauers zur Verhandlung.
+Nachdem ein nicht ermittelter Soldat Landauer in den Kopf geschossen
+hatte, gab Digele auf Landauer einen Pistolenschuß ab. Der Angeklagte,
+ein Württemberger, der inzwischen bei den Baltikumtruppen zum
+Unteroffizier befördert wurde, berief sich darauf, daß er nur den Befehl
+eines Vorgesetzten ausgeführt habe. Das Gericht sprach ihn von der
+Anklage des Totschlages frei, weil er in dem Glauben sein konnte, nach
+Befehl zu handeln, und verurteilte ihn wegen Hehlerei, begangen durch
+Aneignung der Uhr des Toten, zu fünf Wochen Gefängnis, die durch die
+Untersuchungshaft verbüßt sind.« (»Münchner Neueste Nachrichten«, 22.
+März 1920.) (Ein ausführlicher Prozeßbericht, aus dem insbesondere die
+Richtigkeit der ersten Darstellung hervorgeht, findet sich in der
+Freiburger »Volkswacht« vom 22. und 23. März 1920.)
+
+Ich konnte trotz gütiger Unterstützung durch Behörden nicht feststellen,
+ob Gagern mit dem Hauptmann Freiherr v. Gagern-Rickholt (geboren am 21.
+1. 1887 in Worms) identisch ist, der am 25. 5. 1915 den belgischen Baron
+d'Udekem d'Acoz ermordete. Dieser wurde am 7. Juni 1916 zu 15 Jahren
+Zuchthaus verurteilt. Am 16. 1. 1919 aber vom Präsidenten des
+Reichsmilitärgerichts freigelassen. (Erklärung der Reichsregierung, 11.
+8. 1922.)
+
+Außer Landauer wurden in den ersten Maitagen in Stadelheim noch über 30
+wehrlose Gefangene von den Soldaten ohne weiteres Verfahren umgebracht.
+Herr Weigel teilt mir hierüber mit: »An der Wand eines inneren
+Gefängnishofes, dessen Tor auf den Friedhof hinausführt, habe ich an der
+Mauer in Brusthöhe 50 bis 60 Gewehreinschläge gesehen. Rekognosziert
+werden sollten 30 bis 40 Tote. Sie waren nach den Angaben der
+Gefängnisverwaltung aus dem Massengrab, wo sie ohne Särge lagen,
+herausgeholt und in die Särge gelegt worden. An das Massengrab zu gehen,
+wurde mir nicht gestattet. Nur wenige Särge wiesen Namen auf, darunter
+einen weiblichen.«
+
+Elf Leichen konnten nicht agnosziert werden. (Münchener »Neue Zeitung«,
+17. Juni 1919.)
+
+Das Verfahren gegen die Täter ist noch nicht abgeschlossen, hat aber
+bisher zu keinerlei Resultaten geführt.
+
+
+Erschießung -- keine offene Gewalt
+
+Der Hilfsarbeiter Josef _Sedlmaier_ wurde am 2. Mai 1919 in seiner
+Wohnung, Winterstr. 8 II., verhaftet. Sedlmaier war niemals bei der
+Roten Armee und hatte niemals an Kämpfen teilgenommen. Er hatte
+lediglich 14 Tage bei der Arbeiterwehr Sicherheitsdienst gemacht und
+sein Gewehr am 27. April eingeliefert.
+
+Nach den staatsanwaltschaftlichen Akten, A.V. XIX 1254/19, hat der
+betreffende Leutnant _Möller_, bayr. Schützenregiment 21, die Festnahme
+angeordnet, »weil er (Sedlmaier) mir nicht beweisen konnte, daß er sein
+Gewehr wirklich schon am 27. April abgeliefert habe.«
+
+Zu gleicher Zeit wurden die im gleichen Hause wohnenden Gebrüder
+_Altmann_ festgenommen. Nach den Angaben eines »unbekannten, nicht
+ermittelten Polizeiorgans« waren sie »gefährliche Spartakisten«.
+
+Die drei Verhafteten wurden einer »Standgerichtskommission« unter
+Vorsitz eines Hauptmannes vom 1. bayr. Schützenregiment vorgeführt und
+zum Erschießen bestimmt. Sie wurden in den Hof einer Lederfabrik,
+Pilgersheimer Str. 39, geführt; als sie dort einen bereits Erschossenen
+liegen sahen, begannen sie auseinanderzulaufen. Darauf wurden alle drei
+wegen Fluchtgefahr erschossen.
+
+Der Tumultschadenausschuß konstatiert aus den staatsanwaltschaftlichen
+Akten, daß alle Zeugen bezüglich des Sedlmaier nichts Belastendes
+bekundet haben. Schriftliche Aufzeichnungen über das »standgerichtliche«
+Verfahren wurden nicht gemacht. Der betreffende Hauptmann, der das
+»Standgericht« leitete, erklärte zu den Akten: »Ich habe in den ersten
+Tagen des Mai auf Grund von Angaben der Kriminalpolizei und von
+Vertrauenspersonen soviele Verhaftungen vornehmen lassen, daß ich mich
+unmöglich auf die Namen von Festgenommenen besinnen kann; auch kann ich
+nicht angeben, ob Sedlmaier und die beiden Altmann mir vorgeführt
+wurden, oder ob sie auf dem Wege zu mir erschossen wurden, weil sie
+einen Fluchtversuch machten.«
+
+Das Verfahren gegen Möller wurde eingestellt. Von einem Verfahren gegen
+den Hauptmann oder gegen die Soldaten, die die Erschießung vornahmen,
+ist nichts bekannt geworden, obwohl der Staatsanwaltschaft nach eigener
+Mitteilung die Namen bekannt sind.
+
+Der Tumultschadenausschuß billigte der Witwe, welche zwei minderjährige
+Kinder hat, eine kleine Rente zu.
+
+Hiergegen legte der Reichskommissär bei dem Tumultschadenausschuß
+Beschwerde zum Reichswirtschaftsgericht ein. Dieses hob den Beschluß auf
+und wies den Anspruch auf Entschädigung ab. In dem Beschluß heißt es:
+
+»Zunächst ist der Schaden in keinem Falle durch offene Gewalt
+verursacht. Denn die vollstreckende militärische Stelle hat, wie auch
+der Fall gelagert gewesen sein mag, stets amtliche Befugnisse ausüben
+wollen. Selbst ein Mißbrauch und eine Ueberschreitung von
+Amtsbefugnissen kann niemals als offene Gewalt angesprochen werden.
+Weiter aber ist auch in keinem der möglichen Fälle der Tod durch die
+Abwehr der offenen Gewalt der Spartakisten unmittelbar verursacht
+worden. Sedlmaier wurde durch seine Verhaftung dem Kreise der gegen die
+Spartakistenherrschaft eingesetzten unmittelbaren Abwehrmaßnahmen
+entrückt. In diesem Augenblick begann für ihn die Abwicklung eines
+außerhalb der unmittelbaren Gewaltabwehr liegenden besonderen
+strafrechtlichen Verfahrens ...«
+
+Nunmehr hat die Witwe eine Klage gegen den Militärfiskus beim
+ordentlichen Gericht eingereicht.
+
+Zu dem Brothändler Josef _Probst_ kamen am 2. Mai 5 Soldaten des
+Freikorps Epp. Sie durchsuchten nicht einmal die Wohnung, sondern
+forderten ihn nur auf mitzugehen, er komme gleich wieder. Er wurde
+sofort erschossen. Irgend ein gerichtliches Verfahren fand nicht statt.
+An den Kämpfen hatte sich Probst in keiner Weise beteiligt. Klage zum
+ordentlichen Gericht ist anhängig.
+
+
+Erschießung wegen Beschimpfung der Offiziere
+
+Josef Anton _Leib_, Daiserstr. 4, hatte eine Zeitschrift »Der
+Republikaner, Volksblatt für Süddeutsche Freiheit«, herausgegeben. Am 2.
+Mai bezog das Batl. Lindenfels, in der Mehrzahl aus Tübinger Studenten
+bestehend, Quartier in der Implerschule. Bei Leib wurden drei
+Haussuchungen abgehalten, es wurde aber nichts gefunden; dann wurde er
+mitgeschleppt und auf Befehl des Rittmeisters Freiherrn _von Lindenfels_
+im Hof des Restaurants Elysium erschossen. Als Begründung wurde
+angegeben, er habe »auf der Liste gestanden« und habe die Offiziere
+beschimpft. Gegen Freiherr v. Lindenfels wurde am 2. August 1920 Anklage
+erhoben. Er wurde freigesprochen (Wehrkreis-Kommando V Abt. IV.).
+
+Nach der Entscheidung des Tumultschadenausschusses hat L. sich am Kampfe
+nicht beteiligt und ist den Truppen nicht mit Waffen entgegengetreten.
+Da die Blätter geeignet gewesen seien, lebhafte Erregung in die
+Bevölkerung zu tragen, und da die Witwe zwar nicht mitgearbeitet, aber
+in Kenntnis der Sachlage die Einnahme aus den Blättern »bewußt
+mitgenossen« habe, erschien es nach Ansicht des Tumultschadenausschusses
+der Billigkeit entprechend, die Höchstrente der Witwe von damals 57 _M_
+90 [Pf] monatlich auf 30 Mark monatlich herabzusetzen, die Renten der
+fünf damals sämtlich minderjährigen Kinder von je 23 _M_ 80 [Pf]
+monatlich aber unverändert zu belassen.
+
+Das Reichswirtschaftsgericht hob diese Entscheidung am 20. Oktober 1921
+auf und wies nach ständiger Praxis sämtliche Ansprüche ab, denn »ein
+Mißbrauch von Amtsbefugnissen könne nie als offene Gewalt angesprochen
+werden.« (XVII A.V. 617/21.) Klage zum ordentlichen Gerichte ist
+anhängig.
+
+_Bauer_, Josef, Monteur, Schönstr. 60, 20 Jahre, parteilos, wurde am 3.
+Mai in Schleisheim angeblich wegen eines bei ihm vorgefundenen Briefes
+festgenommen, kurz darauf erschossen und ausgeraubt.
+
+_Nagl_, Josef, Maurerpolier, 31 Jahr, Sauerlach, wurde am 3. Mai in
+seiner Wohnung festgenommen und am Starnberger Bahnhof erschossen. Die
+Erschießung erfolgte, da angenommen wurde, Nagl sei Eigentümer eines in
+seiner Wohnung vorgefundenen Gewehres, das jedoch nachweislich einem bei
+Nagl wohnenden Alois Stöttel gehörte. Nach seiner Erschießung wurde die
+Leiche vollständig ausgeraubt. Es fehlten 100 Mark Bargeld. Nagl
+hinterläßt seine Frau.
+
+_Stettner_, Josef, Xylograph, Baaderstr. 65, wurde am 3. Mai bei
+Hilfeleistung eines Verwundeten am Gärtnerplatz erschossen. Hinterläßt
+Frau und 6 Kinder.
+
+_Tischer_, Johann, Maler, 37 Jahr, Zeppelinstr. 23, wurde am 3. Mai aus
+seiner Wohnung geholt, kam etwa nach einer halben Stunde zurück und
+wurde auf Grund einer Bemerkung, die er den Soldaten gegenüber gemacht
+hatte, wieder festgenommen und kurz darauf im Lehrerinnenseminar in der
+Frühlingstr. erschossen.
+
+_Zull_, Josef, Kutscher, 20 Jahr, Winterstr. 4, wurde am 3. Mai in
+seiner Wohnung verhaftet, schwer mißhandelt, halb erschlagen und am
+Kandidplatz erschossen. Er war bei der Republikanischen Schutzwehr
+gewesen.
+
+Anton _Oswald_ wurde auf Grund einer Denunziation des
+Kriminalwachtmeisters Keitler am 3. Mai morgens aus dem Bett geholt, da
+er bei der Entwaffnung der Schutzleute geholfen hatte. Er wurde in eine
+Kiesgrube gestellt, um erschossen zu werden. Schwer verwundet konnte er,
+da auftauchende rote Truppen die Erschießung verhinderten, sich in ein
+Haus schleppen, wo er ins Bett gelegt wurde. Dort wurde er gefunden, an
+einen Zaun geschleppt und endgültig erschossen. (Kein Verfahren.)
+
+
+Der Ermordete ist schuld
+
+Am 2. Mai 1919, nachmittag 5 Uhr, kamen zwei bewaffnete Soldaten des
+Freikorps Epp in die Wohnung Daisenhofener Str. 12 des Dr. Karl _Horn_,
+Professor für Mathematik und Physik, und brachten ihn nach dem Gefängnis
+Stadelheim. Dort verhörte ihn der Kommandant, Leutnant Heußer, und gab
+ihm einen Passierschein, auf welchem die Schlußworte standen: »Professor
+Dr. Karl Horn irrtümlich verhaftet«.
+
+Horn kehrte um 8 Uhr abends in seine Wohnung zurück. Am nächsten Morgen
+früh acht Uhr traten abermals zwei Bewaffnete des Freikorps Epp in die
+Wohnung und brachten ihn in das Haus Tegernseer Landstraße 98, wo die
+Befehlsstelle mit dem Stab des 1. Bataillons des Schützenregiments I
+(Freikorps Epp) lag. Dort wurde er im Hofe von dem herbeigeholten
+diensttuenden Leutnant Josef _Dinglreiter_ (Bataillonsadjutant) ohne
+Verhör kurz mit den den Worten abgefertigt: »Ab nach Stadelheim,
+erledigt« und drei Soldaten zum Transport übergeben. Horn versuchte
+umsonst, seinen Passierschein vorzuweisen.
+
+Von einem dieser drei Soldaten wurde Horn auf der vor dem Haus
+Stadelheimer Str. 33 befindlichen Wiese um 8-3/4 Uhr durch einen Schuß
+von rückwärts durch den Kopf getötet. Die Begleitmannschaft raubte
+Schuhe, Uhr mit Kette und Anhänger, plünderte die Taschen und versuchten
+den Ehering abzuziehen. (Aussage des Augenzeugen Georg Gruber in meinem
+Besitz.) Die Leiche wurde quer über dem Fußweg liegen gelassen.
+
+Der Täter, wahrscheinlich Unteroffizier Georg _Grammetsberger_, kehrte
+zur Stadt zurück, die beiden andern Soldaten gingen nach Stadelheim. Um
+1/2-3 Uhr nachmittags wurde die Leiche von der Gattin und dem
+neunjährigen Sohne am Tatort gefunden. Das Verfahren gegen
+Grammetsberger wurde eingestellt. Gegen Dinglreiter fand kein Verfahren
+statt.
+
+Sowohl das Landgericht München wie das Oberlandesgericht München haben
+die Klage der Witwe abgewiesen, da eigenes Verschulden des Getöteten
+vorliegt. Dieser habe zu »jenem Kreis von Leuten gehört, die die
+Bevölkerung aufgehetzt und dadurch mittelbar die Ausschreitungen der
+Soldaten selbst erzeugt haben.« Die Sache geht jetzt ans Reichsgericht.
+
+
+Eine Frau als Zielscheibe
+
+Georg _Kling_ und seine Tochter Marie _Kling_ taten am 2. Mai in Giesing
+freiwillig Sanitätsdienste bei der Roten Armee in einer Station an der
+Weinbauerstraße. Sie waren mit Roten Kreuzbinden versehen. Am 3. Mai
+wurde Georg Kling auf die Polizeistation Tegernseer Landstraße
+transportiert, weil seine andere Tochter Anni angeblich Munition
+getragen habe. Marie ging freiwillig mit. Der Schutzmann Keitler
+behauptete, Marie habe mit der Sanitätsflagge den Roten Zeichen gegeben.
+Sie kam vor ein Standgericht, wurde auf Grund von Zeugenaussagen von
+Regierungstruppen freigesprochen und sollte am 4. Mai entlassen werden.
+Als der Vater sie morgens abholen wollte, war sie schon nach Stadelheim
+abgeführt. Augenzeugen bekunden, daß sie dort als Zielscheibe verwendet
+wurde. Zuerst wurde sie ins Fußgelenk, dann in die Wade, dann
+Oberschenkel, zuletzt in den Kopf geschossen. Eine Verhandlung gegen die
+Täter fand nicht statt. Denn bei der Aufhebung der
+Militärgerichtsbarkeit waren die Akten »verloren« gegangen.
+
+Peter _Lohmar_, Journalist, wurde am 3. Mai auf dem Transport in den
+Gasteiganlagen, angeblich, weil er sich gewehrt hatte, erschossen.
+Tatsächlich konnte er als Kriegsinvalide überhaupt nur am Stock gehen.
+Das Verfahren ist eingestellt.
+
+Der Bankbeamte Hans _Bulach_ wurde am 3. Mai auf dem Transport in den
+Gasteiganlagen von demselben Gefreiten angeblich auf der Flucht
+erschossen.
+
+Der Tagelöhner Theodor _Kirchner_ aus der Winterstr. 4 wurde am 3. Mai
+ohne jedes gerichtliche Verfahren in der Kirbacher Str. 11 erschossen,
+obwohl er sich weder an den Kämpfen beteiligt, noch sonst strafrechtlich
+verfehlt hatte. Ein Gewehr hatte er vorher schon freiwillig ohne
+Aufforderung eingeliefert. Er hinterließ eine Witwe und 2 Kinder im
+Alter von 2 und 4 Jahren.
+
+Der Tumultschadenausschuß billigte den Hinterbliebenen eine Rente zu.
+Hiergegen legte der Reichskommissar beim Tumultschadenausschuß
+Beschwerde ein; in der Begründung derselben heißt es: »Als Kirchner
+erschossen wurde, war er vollständig wehrlos und von Kirchner drohte
+daher keinerlei offene Gewalt, demzufolge konnte seine Erschießung auch
+nicht die Abwehr einer offenen Gewalt von seiner Seite bezwecken,
+naturgemäß konnte durch diese Erschießung auch nicht die etwa von
+anderer Seite drohende Gewalt abgewehrt werden ...«
+
+Das Reichswirtschaftsgericht hob die Entscheidung auf und wies die
+sämtlichen Ansprüche ab. Klage zum ordentlichen Gericht schwebt.
+
+Der Privatier Christian _Frohner_, Paulaner Platz 27, wurde am 3. Mai
+wegen Verdachtes der Teilnahme an der Aufruhrbewegung von Truppen des
+Freikorps Lützow festgenommen. Am 5. Mai 1919 wurde er auf dem Transport
+vom »Standgericht« in der Hofbräuhaushalle zur Befehlsstelle der Gruppe
+Siebert von dem ihn begleitenden Gefreiten erschossen. Der Bescheid des
+Tumultschadenausschusses stellte fest, daß die Erschießung »angeblich
+aus Notwehr« erfolgte. Die Leiche wurde ausgeraubt.
+
+Der Antrag auf Zuerkennung einer Rente auf Grund des
+Tumultschadengesetzes wurde in beiden Instanzen abgelehnt. Klage zum
+ordentlichen Gericht ist anhängig.
+
+Das gegen den Gefreiten wegen Mord eingeleitete Verfahren wurde
+eingestellt, weil ein Zeuge nicht auffindbar gewesen ist. Derselbe
+Gefreite hat auch Bulach und Lohmar umgebracht.
+
+Der Monteurhelfer Leonhard _Dorsch_, am Feuerbachl 6, wurde nach den der
+Witwe vom Tumultschadenausschuß mitgeteilten Feststellungen vom Militär
+am 4. Mai verhaftet, »da er der Zugehörigkeit zur Roten Armee verdächtig
+war«. Er wurde zunächst einem Gerichtsoffizier in der Wache des 16.
+Stadtbezirkes zum Verhör vorgeführt und später »auf nicht aufgeklärte
+Weise, vermutlich bei einem Fluchtversuch« erschossen. Kein Verfahren.
+
+
+Die zwölf Perlacher Arbeiter
+
+Am 4. Mai rückte das Freikorps Lützow in Perlach, wo niemals gekämpft
+worden war, ein. Die Offiziere konferierten mit dem protestantischen
+Pastor _Hell_. (Angeblich holten sie dort ein Wäschepaket ab.) Dann
+requirierten sie ein Zimmer im Gasthof zur Post und verhafteten die
+Arbeiter Johann _Licht_ und Georg _Koch_. Um 3 Uhr morgens wurden dann
+auf Grund einer Liste u. a. folgende Perlacher Arbeiter, teils
+Parteilose, teils Mitglieder der Mehrheitssozialdemokratie, aus ihren
+Betten geholt: Adalbert _Dengler_, Georg _Eichner_, Sebastian
+_Hufnagel_, Georg _Jacob_, Josef _Jakob_, Johann _Keil_, Albert _Krebs_,
+Josef _Ludwig_, August _Stöber_, Konrad _Zeller_. Bei dem Hafnermeister
+Ludwig waren drei ergebnislose Haussuchungen vorausgegangen. Keil und
+Dengler hatten Waffen besessen, sie jedoch am 1. Mai laut Aufforderung
+abgeliefert. Als der Wirt den Verhafteten Kaffee geben lassen wollte,
+hieß es, »die brauchen nichts mehr«. Die Verhafteten mußten
+Brieftaschen, Messer und Geldbörsen abgeben, wurden in der Früh um 5 Uhr
+auf ein Lastauto verladen und nach dem Hofbräuhauskeller gebracht.
+Ludwig wurde gleich hinter das Auto geführt und um 6 Uhr morgens
+erschossen. Einige der Verhafteten wurden dann von Offizieren verhört.
+Keiner war bei der Roten Armee gewesen. Keiner hatte sich an den Kämpfen
+beteiligt, bei keinem waren Waffen gefunden worden, Zeugen schildern,
+daß die Gefangenen einen niedergeschlagenen, ja geistesabwesenden
+Eindruck machten und flehentlich um ihr Leben baten. Zwischen 11 und 1
+Uhr wurden in Abständen erst zwei, dann drei Personen auf dem Hof auf
+einem Kohlenhaufen erschossen. Zwei weitere Gefangene, zuerst
+zurückgestellt, wurden später erschossen. Insgesamt wurden in Abständen
+12 Gefangene ohne Urteil, ohne den Schatten eines Rechts erschossen.
+Nach der Erschießung wurden den Toten ihre sämtlichen Wertgegenstände
+und Papiere geraubt. Gegen keinen einzigen der Täter oder der
+verantwortlichen Offiziere ist jemals auch nur verhandelt worden.
+(Aussagen von 14 Augenzeugen sind in meinem Besitz.) 12 Frauen und 35
+minderjährige Kinder waren der Ernährer beraubt. Die von den
+Hinterbliebenen auf Grund des Aufruhrschadengesetzes erhobenen
+Rentenansprüche wurden vom Reichswirtschaftsgericht am 14. August 1921
+mit der Begründung abgewiesen, die Erschießung sei keine offene Gewalt
+gewesen. (XVII, A.V. 747/21.)
+
+Josef _Graf_, 18 Jahre, wurde am 3. Mai verhaftet. Ein Offizier teilte
+dem Vater mit, der Fall werde am nächsten Tag ordnungsgemäß verhandelt.
+Am 4. Mai, morgens 1/2-6 Uhr, wurde er auf offener Straße (Warngauer
+Straße) erschossen und die Leiche liegen gelassen. (Kein Verfahren.)
+
+Josef _Siegl_, Sanitätssoldat, Rheintaler Str. 64, tat während der
+Räterepublik keinen Dienst und ging erst am 1. Mai wieder in Dienst. Auf
+dem Weg nach Hause wurde er am 5. Mai wegen seiner Roten Kreuzbinde
+erschossen. Die Leiche wurde ausgeraubt.
+
+_Schäffer_, Josephine, Kaufmannsfrau, Hohenzollernstr. 72, wurde am 5.
+Mai auf dem Transport nach dem Abteilungsstab des Freikorps Lützow in
+der Nähe der Giselaschule erschossen. Nach der Erschießung wurde ihre
+Wohnung durchsucht und Gegenstände im Werte von 3000 Mark entwendet. Ihr
+Mann war in Haft. Ein Verfahren gegen die Täter ist nicht eingeleitet.
+
+
+Die 21 katholischen Gesellen
+
+Am 6. Mai fand eine Versammlung des katholischen Gesellenvereins St.
+Joseph wegen Theaterangelegenheiten im Vereinslokal, Augustenstr. 71,
+statt. Sie wurde als »spartakistisch« denunziert. Auf Grund eines
+Befehls des Hauptmanns v. Alt-Stutterheim wurden die Gesellen durch eine
+Patrouille unter Führung des Offizierstellvertreters Priebe verhaftet,
+weil ein Versammlungsverbot existierte. Hauptmann _v. Alt-Stutterheim_
+musterte die Verhafteten auf der Straße. Die Leute schrien, sie seien
+unschuldig; er sagte, das gehe ihn nichts an, und ließ es zu, daß die
+Leute furchtbar mißhandelt wurden. Sieben Gefangene wurden im Hof des
+Hauses Karolinenplatz 5 erschossen. Die anderen wurden in den Keller
+eingeliefert. Die Soldaten, zum Teil in angetrunkenem Zustand,
+trampelten auf den Gefangenen herum, stießen sie wahllos mit dem
+Seitengewehr nieder und schlugen derartig um sich, daß ein Seitengewehr
+sich verbog und daß das Hirn herumspritzte. So töteten sie weitere 14
+Leute und plünderten dann die Leichen aus. Fünf Gefangene wurden schwer
+verwundet. »Die Leichen der Erschossenen schauten fürchterlich aus.
+Einem war die Nase ins Gesicht hineingetreten, andern fehlte der halbe
+Hinterkopf«. (Erster Verhandlungstag.) »Wenn einer der Verwundeten sich
+noch regte, wurde auf ihn eingeschlagen und eingestochen. Zwei Soldaten,
+die sich umfaßt hatten, führten einen wahren Indianertanz neben den
+Leichen auf, schrien und heulten.« (»Bayr. Kurier«, 23. Oktober 1919.)
+Die Soldaten glaubten ein Recht dazu zu haben, da ihnen durch ihren
+Hauptmann Hoffmann erklärt worden war, wenn sie einen Spartakisten
+sähen, sollten sie gleich von der Waffe Gebrauch machen. Ein Soldat
+meldete sich denn auch dienstlich von der Erschießung der 21
+Spartakisten zurück. Der größte Teil der Täter konnte nicht festgestellt
+werden. Das Sektionsprotokoll verschwand aus den Akten. Die Namen der
+Ermordeten waren: J. _Lachenmaier_, J. _Stadler_, F. _Adler_, J.
+_Bachhuber_, S. _Ballat_, A. _Businger_, J. _Fischer_, M. _Fischer_, F.
+_Grammann_, M. _Grünbauer_, J. _Hamberger_, J. _Krapf_, J. _Lang_, B.
+_Pichler_, P. _Prachtl_, L. _Ruth_, K. _Samberger_, F. _Schönberger_, A.
+_Stadler_, F. _Stöger_, K. _Wimmer_.
+
+Am 25. Oktober 1919 wurde der Soldat Jakob _Müller_ und der
+Vizefeldwebel Konstantin _Makowski_ zu 14 Jahren Zuchthaus, _Grabasch_
+zu einem Jahr Gefängnis wegen Totschlags verurteilt. Gegen die
+verantwortlichen Offiziere der Gardedivision wurde kein Verfahren
+eingeleitet. Das Verfahren gegen den Hauptmann von Alt-Stutterheim wurde
+eingestellt. (»Münchener Neueste Nachrichten« und »Bayrischer Kurier«,
+21. bis 26. Oktober 1919.) (_Schlag_, Das Blutbad am Karolinenplatz.)
+Vorsitzender war Oberlandesgerichtsrat Hieber, Staatsanwalt Dr. Mugler.
+
+Am 4. November wurde der ehemalige Husar Stefan _Latosi_, der in der
+betr. Nacht blutbefleckt mit gestohlenen Uhren und Geldbörsen den Keller
+verlassen hatte, wegen Verbrechen des Totschlags freigesprochen, wegen
+schweren Diebstahls zu 10 Jahren Zuchthaus verurteilt. (»Münchener
+Neueste Nachrichten«, 5. November 1921.)
+
+Da mir leider der Platz fehlt alle Münchener »tödlichen Unglücksfälle«
+auch nur mit wenigen Worten zu schildern, begnüge ich mich, die mir
+bekannten in tabellarischer Form darzustellen. Der Vorgang ist eintönig
+immer dasselbe: Denunziation, Verhaftung, Erschießung an der nächsten
+Mauer, Plünderung der Leiche. Der Täter bleibt straflos, denn ein
+Verfahren wird gar nicht eingeleitet.
+
+Die folgende Liste umfaßt 161 Ermordete und 273 Hinterbliebene. Sie
+enthält auch die im Text bereits aufgeführten Fälle.
+
+161 VON DEN REGIERUNGSTRUPPEN IN MÜNCHEN ERMORDETE
+
+ ==============================================================
+ Lfd.| _Name_ | Wohnort, Beruf
+ Nr.| | Alter, Zahl der Hinterbliebenen
+ | | Datum, Ort der Ermordung
+ | | Bemerkung
+ ====+=====================+==================================+
+ 1 | _Adler, Franz_ | Kath. Ges.-Verein
+ | | Augustenstr. 41, Schlosser
+ | | Alter: 25, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | vollst. ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 2 | 2 _Brüder | Winterstr. 8, --
+ | Altmann_ | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Pilgersheimerstraße 39
+ | | Verfahren eingestellt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 4 | _Aschenbrenner, M._ | Tegernseerlandstraße 18, Spengler
+ | | Alter: --, Hinterbliebene: 3
+ | | 7. V. 19, Hohenzollernschule
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 5 | _Bachhuber, Josef_ | Kath. Ges.-Verein, Maler
+ | | Alter: 19, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | vollst. ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 6 | _Barth, Georg_ | Lilienstr. 62, Hoteldiener
+ | | Alter: 30, Hinterbliebene: 1
+ | | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
+ | | Schuhe, Hose, Mantel geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 7 | _Barth, R. Anton_ | Nockherstr. 38, Kutscher
+ | | Alter: 18, Hinterbliebene: 1
+ | | 4. V. 19, Ostfriedhof
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 8 | _Bauer, Johann_ | Unterföhring 3, Beruf: --
+ | | Alter: 17, Hinterbliebene: --
+ | | 30.IV. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 9 | _Bauer, Johannes_ | Unterföhring 3, Arbeiter
+ | | Alter: 48, Hinterbliebene: 5
+ | | 30.IV. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 10 | _Bauer, Josef_ | Schönstr. 60, Monteur
+ | | Alter: 20, Hinterbliebene: 6
+ | | 3. V. 19, Schleißheim
+ | | ausgeraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 11 | _Bischl, Michael_ | Oberländerstr. 11, Schlosser
+ | | Alter: 18, Hinterbliebene: 2
+ | | 2. V. 19, Ruprechtstr.
+ | | erschlagen und erschossen
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 12 | _Bongratz, Peter_ | Westendstr. 161, Gehilfe
+ | | Alter: 25, Hinterbliebene: 8
+ | | 5. V. 19, Schlachthof
+ | | gold. Uhr, 3 goldene Ringe,
+ | | Ueberzieher, Hut geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 13 | _Bulach, Johann_ | Mariahilfstr. 3, Bankbeamter
+ | | Alter: 37, Hinterbliebene: 3
+ | | 3. V. 19, Gasteiganlagen
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 14 | _Bullat, Sebastian_ | Kath. Ges.-Verein, Schmied
+ | | Alter: 19, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 15 | _Brucker, Oskar_ | Hochstr. 31, Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, Salvatorkeller
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 16 | _Buscher, Andreas_ | Tegernseerlandstraße 28,
+ | | Bauhilfsarbeit.
+ | | Alter: 29, Hinterbliebene: --
+ | | 4. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 17 | _Businger, Anton_ | Kath. Ges.-Verein, Buchbinder
+ | | Alter: 22, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 18 | _Crusius, Ludwig_ | Weinbauernstr. 1, Schlosser
+ | | Alter: 37, Hinterbliebene: 2
+ | | 2. V. 19, Knollwiese
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 19 | _Dal Sasso, Josef_ | Bavariastr. 9, Kutscher
+ | | Alter: 35, Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, Menterschweige
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 20 | _Demann, Johann_ | Wendelsteinstr. 9, Bahnarbeiter
+ | | Alter: 21, Hinterbliebene: 3
+ | | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 21 | _Dengler, Adalbert_ | Perlach, Prinzregentenstr. 46,
+ | | Taglöhner
+ | | Alter: 46, Hinterbliebene: 6
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 22 | _Dietz, Theodor_ | i. d. Grube 25, Spengler
+ | | Alter: 30, Hinterbliebene: 2
+ | | 2. V. 19, Maximiliank.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 23 | _Dorfmeister, Aug._ | Siebenbrunnerstr., Ingenieur
+ | | Alter: 28, Hinterbliebene: 4
+ | | 2. V. 19, Harlaching
+ | | erschlagen, erschossen,
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 24 | _Dorsch, Leonhard_ | Feuerbachl 6, Monteurgehilfe
+ | | Alter: 25, Hinterbliebene: --
+ | | 4. V. 19, Frauenhoferbrücke
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 25 | _Eckert, Max_ | Miliechplatz 1, Friseur
+ | | Alter: 45, Hinterbliebene: 4
+ | | 2. V. 19, Kühbachstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 26 | _Effhauser, Lorenz_ | Jahnstr. 31, Monteurgehilfe
+ | | Alter: 28, Hinterbliebene: 1
+ | | 1. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 27 | _Eichner, Georg_ | Perlach 196, Bahnarbeiter
+ | | Alter: 35, Hinterbliebene: 5
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 28 | _Enzenberger, Joh._ | Winterstr. 13, Schleifer
+ | | Alter: 24, Hinterbliebene: 3
+ | | Datum: -- , Harlachinger Weg
+ | | 143 M., Brieftasche, Ehering,
+ | | Uhr, Windjacke geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 29 | _Ewald, Jakob_ | Tegernseerlandstraße 71,
+ | | Hilfsmonteur
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
+ | | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 30 | _Faltermeier, Otto_ | Peißenbergstr. 1, Metzger
+ | | Alter: 28, Hinterbliebene: 3
+ | | 2. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 31 | _Faust, sen._ | Kistlerstr. 1, Schreiner
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, i. d. Wohnung
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 32 | _Faust, jun._ | Kistlerstr. 1, Schreiner
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 33 | _Felser, Martin_ | Mondstr. 1, Bauarbeiter
+ | | Alter: 23, Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 34 | _Feigl, Ludwig_ | Herzogstandstr. 1, Metzger
+ | | Alter: 41, Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 35 | _Fichtl, Johann_ | Perlach 46, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: 43, Hinterbliebene: 7
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 36 | _Fischalk, Anton_ | Schönstr. 60, Gärtner
+ | | Alter: 24, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Krüppelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 37 | _Fischer, Joseph_ | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
+ | | Alter: 23, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 38 | _Fischer, Karl_ | Raintalerstr. 72, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: 20, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Knollhof
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 39 | _Fischer, Michael_ | Kath. Ges.-Verein, Schneider
+ | | Alter: 21, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenplatz 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 40 | _Frohner, Christ._ | Paulanerplatz 27, Privatier
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhauskeller
+ | | gold. Zwicker, Uhr, Börse, Stock
+ | | gestohl.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 41 | _Ganserer, Ludwig_ | Wohnort: -- , Schlosser
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Residenz
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 42 | _Geigl, Michael_ | Unterhaching 14, Schriftsetzer
+ | | Alter: 39, Hinterbliebene: 2
+ | | 1. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 43 | _Geltl, Johann_ | Schönstr. 76, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: 20, Hinterbliebene: 1
+ | | Datum: -- , Knollkiesgrube
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 44 | _Gerhard, Karl_ | Oberanger 53, Kaufmann
+ | | Alter: 28, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Jakobplatz
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 45 | _Goldbrunner, Joh._ | Tegernseerlandstraße 125,
+ | | Eisendreher
+ | | Alter: 22, Hinterbliebene: 1
+ | | Datum: -- , Giesingerberg
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 46 | _Graf, Josef_ | Gietlstr. 15, Schlosser
+ | | Alter: 18, Hinterbliebene: --
+ | | 4. V. 19, Warngauerstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 47 | _Gramann, Franz_ | Kath. Ges.-Verein, Schneider
+ | | Alter: 19, Hinterbliebene:--
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 48 | _Grünbauer, Math._ | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
+ | | Alter: 24, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 49 | _Hamberger, Joh._ | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
+ | | Alter: 19, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 50 | _Hain, Leo_ | Belgradstr. 107, Masch.-Mstr.
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 3
+ | | 8. V. 19, Karl Theod.-W.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 51 | _Hausler, Rich._ | Großhadern 19, Elektrotechn.
+ | | Alter: 19, Hinterbliebene: 2
+ | | 1. V. 19, Großhadern
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 52 | _Hausmann, Wilh._ | Weißenburger Straße 2, Friseur
+ | | Alter: 30, Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, i. s. Wohnung
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 53 | _Hecksteiger, Max_ | Kühbachstr. 16, Maurer
+ | | Alter: 36, Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 54 | _Heimerer, Anton_ | Tegernseerlandstraße 30,
+ | | Eisenhobler
+ | | Alter: 49, Hinterbliebene: 5
+ | | 3. V. 19, Knollgrube
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 55 | _Heimkirchner, | Elsenheimerstr. 28, Hilfsarbeiter
+ | Jul._ | Alter: 21, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Ausstellung
+ | | 230,-- M., Uhr und Kette, Hut und
+ | | Stiefel geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 56 | _Heinritzl, Josef_ | Wendelsteinstr. 2, Bauarbeiter
+ | | Alter: 22, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Knollanwesen
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 57 | _Hillenbrand, Joh._ | Ackerstr. 116, Fensterreinig.
+ | | Alter: 20, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Siboldstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 58 | _Hof, Sebastian_ | Forstenriederstr. 2, Schlosser
+ | | Alter: 32, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Forstenrieder Ecke
+ | | Holzapfelstraße
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 59 | _Horn, Karl_ | Daisenhofenerstraße 12, Prof. d.
+ | | Mathematik
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Stadelheimerstraße 33
+ | | Uhr, Kette, Schuhe geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 60 | _Höpfl_ | Grünwald, Feinmechaniker
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 1. V. 19, Grünwald
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 61 | _Hörl, Max_ | Weinbauernstr. 2, Schuhmacher
+ | | Alter: 33, Hinterbliebene: 3
+ | | Datum: --, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 62 | _Huber, Karl_ | Landsbergerstraße 153, Kutscher
+ | | Alter: 27, Hinterbliebene: --
+ | | 1. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ | | 30 M., 2 Uhren, Gamaschen,
+ | | Brieftasche geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 63 | _Hufnagel, Sebast._ | Perlach, Rosenheimerstr. 5,
+ | | Taglöhner
+ | | Alter: 47, Hinterbliebene: 3
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhauskeller
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 64 | _Huhn, Peter_ | Großhesselohe, Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 1. V. 19, Großhesselohe
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 65 | _Jakob, Georg_ | Perlach 104, Schreiner
+ | | Alter: 37, Hinterbliebene: 3
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 66 | _Jakob, Josef_ | Perlach, Putzbrunnerstr., Maurer
+ | | Alter: 40, Hinterbliebene: 6
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 67 | _Kapfhammer, Max_ | Rottmannstr. 23, Taglöhner
+ | | Alter: 50, Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Stigelmeierpl.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 68 | _Keil, Johann_ | Perlach 46, Taglöhner
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 69 | _Kollmeder, Blas._ | Baaderstr. 2, Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 29.IV. 19, Starnberg
+ | | 200 M., Leuchtblattuhr geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 70 | _Kininger, Ruppert_ | Reifenstuhlstr. 12, Monteur
+ | | Alter: 30, Hinterbliebene: 3
+ | | 3. V. 19, Schlachthof
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 71 | _Kirchner, Theodor_ | Winterstr. 4, Taglöhner
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 3
+ | | 3. V. 19, Kühbachstr. 11
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 72 | _Kistler, Georg_ | Großhesselohe, Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 1. V. 19, Großhesselohe
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 73 | _Kling, Maria_ | Edelweißstr. 11, Kontoristin
+ | | Alter: 23, Hinterbliebene: --
+ | | 4. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 74 | _Kobahn, Otto_ | Pilgersheimerstr. 2,
+ | | Schreinerlehrl.
+ | | Alter: 16, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 75 | _Koch, Aug. Georg_ | Perlach 46, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 9
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 76 | _Koller, Ignatz_ | Abelestr. 1, Schäffler
+ | | Alter: 25, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Kapuzinerstr.
+ | | 80 M., Ring, Ueberzieher, Schuhe
+ | | geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 77 | _Kohlmann, Joh._ | Dreimühlenstr. 14, Taglöhner
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 6
+ | | 2. V. 19, Schlachthof
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 78 | _Koyer, Josef_ | Frauenstr. 3, Metzger
+ | | Alter: 20, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Marienstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 79 | _König, Anton_ | Mehring b. Augsb., Elektromont.
+ | | Alter: 34, Hinterbliebene: 2
+ | | 2. V. 19, Schlachthof
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 80 | _Köstelmaier, | Landsbergerstraße 163,
+ | Xaver_ | Malergehilfe
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
+ | | 1. V. 19, Schäftlarn
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 81 | _Krapf, Josef_ | Kath. Ges.-Verein, Schneider
+ | | Alter: 21, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 82 | _Kraus, Karl_ | Gallmeierstr. 6, Händler
+ | | Alter: 34, Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Ort der Ermordung --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 83 | _Krebs, Albert_ | Perlach 46, Gußmeister
+ | | Alter: 38, Hinterbliebene: 5
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 84 | _Lachenmaier, | Kath. Ges.-Verein, Großhadern,
+ | Josef_ | Lindenallee 8, Herbergsvater
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 85 | _Landauer, Gustav_ | Wohnort: -- , Schriftsteller
+ | | Alter: 49, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Stadelheim
+ | | Rock, Hose, Stiefel, Mantel u.
+ | | Uhr geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 86 | _Lang, Josef_ | Kath. Ges.-Verein, Schlosser
+ | | Alter: 26, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 87 | _Leib, Anton_ | Daiserstr. 44, Redakteur
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 6
+ | | 2. V. 19, Elysium
+ | | Täter: v. Lindenfels
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 88 | _Link, Karl_ | Barthstr. 2, Kutscher
+ | | Alter: 40, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Hofbräuhausk.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 89 | _Lohmar, Josef_ | Kühbachstr. 18, Fuhrmann
+ | | Alter: 41, Hinterbliebene: 5
+ | | 2. V. 19, Giesingerberg
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 90 | _Lohmar, Peter_ | Wohnort: -- , Journalist
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Gasteiganlagen
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 91 | _Ludwig, Josef_ | Perlach 134, Hafnermeister
+ | | Alter: 56, Hinterbliebene: 5
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 92 | _Mages, Georg_ | Landsbergerstraße 163,
+ | | Bauarbeiter
+ | | Alter: 17, Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Pettenkoferstraße 11
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 93 | _Mairiedl, Josef_ | Großhadern, Bauerstr. 39
+ | | Schreiner
+ | | Alter: 35, Hinterbliebene: 1
+ | | 1. V. 19, v. d. Dorf Großhadern
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 94 | _Mandel, Karl_ | Wohnort: -- , Redakteur
+ | | Alter: 33, Hinterbliebene: 3
+ | | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
+ | | größerer Geldbetrag gestohlen
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 95 | _Meißenhalter, | Wohnort: -- , Taglöhner
+ | Rupp._ | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Tegernseerlandstr. 32
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 96 | _Nagl, Josef_ | Sauerlach, Maurerpolier
+ | | Alter: 31, Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, Starnberger Bhf.
+ | | 100 M. geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 97 | _Neumeier, Hans_ | Lothringerstr. 11, Pflasterer
+ | | Alter: 23, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Ostfriedhof
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 98 | _Niederreiter, | Untere Grasstr. 18, Pflasterer
+ | Josef_ | Alter: 29, Hinterbliebene: 3
+ | | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ | | Uhr, Geld, Schuhe u. Ringe
+ | | geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 99 | _Noak, Ernst_ | Großhadern 36, Monteur
+ | | Alter: 27, Hinterbliebene: --
+ | | 1. V. 19, Waldfriedhof
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 100 | _Obermaier, Joh._ | Entenbachstr. 12, Metallgießer
+ | | Alter: 21, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 101 | _Oswald, Anton_ | Kesselbergstr. 2, Maurer
+ | | Alter: 31, Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ | | 300 M., Uhr u. Kette [geraubt]
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 102 | _Pasch, Josef_ | Wohnort: -- , Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, Tegernseerlandstr. 132
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 103 | _Peller, Josef_ | Alpenstr. 27, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Wiese a. d.
+ | | Daiserstraße
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 104 | _Pichler, Bernh._ | Kath. Ges.-Verein, Tapezier
+ | | Alter: 26, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 105 | _Platzer, Josef_ | Boosstr. 5, Spengler
+ | | Alter: 18, Hinterbliebene: 1
+ | | Datum: -- , Ohlmüllerstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 106 | _Prachtl, Paul_ | Kath. Ges.-Verein, Spengler
+ | | Alter: 29, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 107 | _Probst, Josef_ | Kirchenstr. 38, Brothändler
+ | | Alter: 30, Hinterbliebene: 2
+ | | 2. V. 19, Maximiliank.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 108 | _Rabl, Georg_ | Aignerstr. 16, Eisendreher
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 1
+ | | 3. V. 19, Pfarrhofstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 109 | _Raffner, Josef_ | Kesselbergstr. 6, Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Knollwiese
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 110 | _Raidel, Josef_ | Wirthstr. 1a, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: 35, Hinterbliebene: 3
+ | | 3. V. 19, Wirthstr. 1a
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 111 | _Rainer, August_ | Großhadern 19, Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 1. V. 19, Neufriedenheim
+ | | Uhr u. Zigarettenetui geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 112 | _Reinhardt, Viktor_ | Arcostr. 9, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: 23, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 113 | _Reith, Ludwig_ | Kath. Ges.-Verein, Schneider
+ | | Alter: 22, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 114 | _Rieger, Josef_ | Breisacherstr. 19, Maurer
+ | | Alter: 34, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 115 | _Reischl, Josef_ | Zugspitzstr. 15, Maurer
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
+ | | 4. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 116 | _Rötzer, Emeran_ | Dreimühlenstr. 14, Schuhmacher
+ | | Alter: 42, Hinterbliebene: 3
+ | | 2. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 117 | _Ruither, Joseph_ | Hans Miliechstr. 10, Stuckateur
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Cremmermühle
+ | | 80 M. u. Bekleidung geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 118 | _Russer, Karl_ | Zugspitzstr. 13, Steinmetz
+ | | Alter: 28, Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ | | vollst. ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 119 | _Samberger, Karl_ | Kath. Ges.-Verein, Schneider
+ | | Alter: 25, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 120 | _Samisch, Wilhelm_ | Preisingstr. 8, Spengler
+ | | Alter: 45, Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Herzogpark
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 121 | _Sammer, Alfons_ | Kesselbergstr. 6, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
+ | | Datum: -- , Knollwiese
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 122 | _Sedlmaier, Jos._ | Winterstr. 8, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: 42, Hinterbliebene: 3
+ | | 2. V. 19, Pilgersheimerstraße 39
+ | | Verfahren eingestellt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 123 | _Seidl, Georg_ | Trappentreustr. 32, Bauarbeiter
+ | | Alter: 32, Hinterbliebene: 1
+ | | 1. V. 19, Donnersbergbr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 124 | _Seidner, Philipp_ | Unterföhring, Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | Datum: -- , Elsässer Str.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 125 | _Sigl, Josef_ | Raintalerstr. 64, Krankenwärter
+ | | Alter: 35, Hinterbliebene: 2
+ | | 5. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 126 | _Sontheimer, Josef_ | Erhardstr. 11, Kaufmann
+ | | Alter: 52, Hinterbliebene: --
+ | | 4. V. 19, Franziskaner
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 127 | _Schäffer, | Hohenzollernstr. 72, Kaufmannsfr.
+ | Josefine_ | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 5. V. 19, Elisabethplatz
+ | | Wohnung vollständig ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 128 | _Schermer, | Boschetsriedstr. 43, Schlosser
+ | Heinrich_ | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
+ | | Datum: -- , Ort der Ermordung: --
+ | | als Verwundeter erschossen u.
+ | | ausgeraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 129 | _Schlagenhaufer, | Unterhaching, Redakteur
+ | H._ | Alter: 54, Hinterbliebene: 1
+ | | 2. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 130 | _Schlagintweit, | Tegernseerlandstraße 125,
+ | Jak._ | Beruf: --
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 4
+ | | 2. V. 19, Knollwiese
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 131 | _Schnellbögl, | Humboldstr. 20, Maler
+ | Georg_ | Alter: 54, Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Kirbachstr. 11
+ | | Uhr u. Kette geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 132 | _Schönberger, | Kath. Ges.-Verein, Bäcker
+ | Fritz_ | Alter: 19, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 133 | _Schredinger, Joh._ | Daisenhofenerstraße 4, Schmied
+ | | Alter: 21, Hinterbliebene: 4
+ | | 3. V. 19, Stadelheim
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 134 | _Schwaiger, Jak._ | Dreimühlenstr. 9, Zimmerer
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 2
+ | | Datum: -- , Sendlingertorpl.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 135 | _Schwarz, Johann_ | Breisacherstr. 16, Mechaniker
+ | | Alter: 21, Hinterbliebene: --
+ | | 4. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 136 | _Stadler, Anton_ | Kath. Ges.-Verein, Techniker
+ | | Alter: 35, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 137 | _Stadler, Jacob_ | Kath. Ges.-Verein, Buchhalter
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 138 | _Steidle, Max_ | Parkstr. 13, Bäcker
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | Datum: -- , Zur roten Wand
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 139 | _Steingrübl, Josef_ | Palmstr. 8, Mechanikerlhrl.
+ | | Alter: 16, Hinterbliebene: --
+ | | 2. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 140 | _Stelzer, Johann_ | Orleanstr. 61, Fuhrmann
+ | | Alter: 21, Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Ludwigsbrücke
+ | | ins Wasser geworfen
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 141 | _Stettner, Josef_ | Baaderstr. 65, Xylograph
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 7
+ | | 3. V. 19, Gärtnerplatz
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 142 | _Stiegler, Ludwig_ | Kirchplatz 10, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | Datum: -- , Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 143 | _Stöber, August_ | Perlach, Arbeiter
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 144 | _Stöger, Felix_ | Kath. Ges.-Verein, Schuhmacher
+ | | Alter: 24, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenplatz 5
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 145 | _Streicher, Joseph_ | Sommerstr. 57, Hilfsarbeiter
+ | | Alter: 25, Hinterbliebene: 2
+ | | 2. V. 19, Stadelheim
+ | | 54 M. u. Uhr geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 146 | _Tischer, Johann_ | Zeppelinstr. 23, Maler
+ | | Alter: 37, Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Seminar, Frühlingstraße
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 147 | _Trunk, Johann_ | Gietlstr., Bäcker
+ | | Alter: 23, Hinterbliebene: --
+ | | 4. V. 19, Stadelheim
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 148 | _Thuringer, Fried._ | Hirschbergstr. 20, Schmied
+ | | Alter: 18, Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Zugspitzstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 149 | _Vogel_ | Fürstenfeldbruck, Matrose
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 30.IV. 19, Fürstenfeldbruck
+ | | geraubt Schuhe, Gamaschen,
+ | | Brieftsch. 300 M
+ | | Täter: v. Lindenfels
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 150 | _Waffler, Franz_ | Siebenbrunn 1, Taglöhner
+ | | Alter: 29, Hinterbliebene: 3
+ | | 2. V. 19, Krüppelheim
+ | | vollst. ausgeraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 151 | _Wagner, Karl_ | Aventinstr. 8, Installateur
+ | | Alter: 37, Hinterbliebene: 3
+ | | 2. V. 19, Hofbräuhausk.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 152 | _Walter, Baptist_ | Nockherstr. 23, Schlosser
+ | | Alter: 36, Hinterbliebene: 5
+ | | 4. V. 19, Ort der Ermordung: --
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 153 | _Waock, Ludwig_ | Preisingstr. 15, Taglöhner
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 3
+ | | 4. V. 19. Wasserburgerhof
+ | | 2 Goldringe, 1 Silberring geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 154 | _Wiesheu_ | Wohnort: -- , Dienstknecht
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: --
+ | | 1. V. 19. Großföhren
+ | | Täter: Feldwbl. Maulbeck,
+ | | Art.-Abt. 24, 3. Battr.,
+ | | Ingolstadt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 155 | _Wimmer, Karl_ | Kath. Ges.-Verein, Zimmermann
+ | | Alter: 23, Hinterbliebene: --
+ | | 6. V. 19, Karolinenpl. 5
+ | | ausgeraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 156 | _Wittmann, Johann_ | a. d. Schweige 5, Lackierer
+ | | Alter: 46, Hinterbliebene: 1
+ | | 5. V. 19, Schlachthof
+ | | 50 M. u. Uhr geraubt
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 157 | _Wohlmuth, Alois_ | Großhadern, Schweizer
+ | | Alter: 37, Hinterbliebene: 9
+ | | 1. V. 19, Großhadern
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 158 | _Woppmann, Xaver_ | Sandstr. 30, Polier
+ | | Alter: 51, Hinterbliebene: 2
+ | | 3. V. 19, Hafemeier, Dachauerstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 159 | _Zeller, Konrad_ | Perlach 116, Arbeiter
+ | | Alter: -- , Hinterbliebene: 7
+ | | 5. V. 19, Hofbräuhausk.
+ | | ausgeplündert
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 160 | _Zimmermann, Jos._ | Pilgersheimerstr. 76, Taglöhner
+ | | Alter: 29, Hinterbliebene: 4
+ | | 2. V. 19, Mondstr.
+ ----+---------------------+----------------------------------+
+ 161 | _Zull, Joseph_ | Winterstr. 4, Kutscher
+ | | Alter: 20, Hinterbliebene: --
+ | | 3. V. 19, Kandidplatz
+ ==============================================================
+
+Die vorstehende Liste ist keineswegs vollständig. Denn nach den
+amtlichen Angaben sind in München allein 184 Menschen »tödlich
+verunglückt«. Die Liste enthält aber nur 161 Namen, die sich außerdem
+auf München und Umgebung beziehen.
+
+Auch die 186 »standrechtlichen« Erschießungen waren, wie auf
+Seite 112 eingehend bewiesen wird, völlig ungesetzlich. Da alle
+Unterscheidungsmerkmale zwischen beiden Kategorien fehlen, läßt sich
+nicht einmal im einzelnen nachweisen, wer »tödlich verunglückt« und wer
+»standrechtlich« erschossen worden ist. Trotzdem habe ich nur die
+amtlich als »tödlich verunglückt« Bezeichneten als ermordet gerechnet.
+Nur in 22 Fällen hat ein gerichtliches Verfahren stattgefunden. _Nur
+vier Täter sind bestraft worden._
+
+
+Der Polizeiagent Blau
+
+_Blau_ war Agent und Lockspitzel der politischen Polizei. Er gehörte
+im Aufstand vom Januar 1919 zur Besatzung der Büxensteindruckerei
+und hatte auch ein Auto beschlagnahmt. Nach dem Sturz der
+Räterepublik war er in München tätig und gab sich dort als flüchtiger,
+unterstützungsbedürftiger Kommunist aus. (Dritter und vierter
+Verhandlungstag.) Er wurde erkannt und nach Berlin gelockt. Dort wurde
+er in einer Kommunistenversammlung am 1. August 1919 als Spitzel
+festgestellt; wollte jedoch einen Gegenbeweis antreten. Er übernachtete
+mit _Hoppe_ bei einem gewissen Pohl. Dort erschien dann nach Angabe
+Hoppes ein nicht ermittelter Polizeiagent und bot Hoppe Gift an, um Blau
+umzubringen. (Dritter Verhandlungstag.) Am nächsten Tag übernachteten
+Blau und Hoppe in der Wohnung _Winklers_. Dort erschienen nach Angabe
+Hoppes drei Leute, darunter wahrscheinlich der Polizeiagent Schreiber,
+boten ihm dieselbe Flasche Morphium an und forderten, man müsse mit Blau
+Schluß machen. Daraufhin habe er die Wohnung verlassen, sei jedoch
+zurückgekehrt. Unterdessen sei Blau ermordet worden. Die Leiche wurde
+dann in den Kanal geworfen. Dort wurde sie am 7. August gefesselt
+gefunden.
+
+ Am 24. Juni 1920 begann der Prozeß. _Fichtmann_ und Hoppe waren wegen
+Mordes, Winkler wegen Beihilfe angeklagt. Fichtmann trat einen
+Alibibeweis an. Der Hauptbelastungszeuge Toifl sagte aus, es gebe eine
+organisierte Terroristengruppe. Doch mußte er sich sagen lassen, er sei
+der Anführer bei einem Raubüberfall auf den Diamantenhändler Orlowski
+gewesen und habe hierzu Waffen von der Reichswehr besorgt. Seine
+Behörde habe ihm sogar am Schluß noch gestattet, das geraubte Geld zu
+behalten. Ueber alle diese Dinge befragt, verweigerte er die Auskunft.
+Er gab zu, versucht zu haben, eine militärpolitische Abteilung
+der Kommunistischen Partei zu gründen und Befehle zu Ueberfällen auf
+Druckereien weitergegeben zu haben. (Sechster und siebenter
+Verhandlungstag.) Nach Aussage des Wachtmeisters Henke hatte die
+Garde-Kavallerie-Schützendivision allein 110 Spitzel. (Dritter
+Verhandlungstag.)
+
+Am 5. Juli wurde Fichtmann freigesprochen. Hoppe bekam wegen Beihilfe
+zum Totschlag unter Ablehnung mildernder Umstände 6 Jahre Zuchthaus,
+Winkler wegen Beihilfe 3 Jahre Gefängnis. Gegen die stark belasteten
+Polizeispitzel Schreiber und Toifl wurde kein Verfahren eingeleitet.
+(Eingehende Prozeßberichte in allen Berliner Zeitungen.)
+
+
+
+
+DIE ERMORDUNGEN BEIM KAPP-PUTSCH
+
+
+Stadtverordneter Futran
+
+Als Kapp am 13. März 1920 Berlin eroberte, konnte, wie bekannt, Noske in
+ganz Berlin keinen regierungstreuen Soldaten finden. Alle Regimenter,
+die gesamte Sicherheitswehr und die Einwohnerwehr gingen über. So
+schrieb die Zentrale der Einwohnerwehren in einem Flugblatt von der
+»neuen Regierung der Arbeit«. Zur Abwehr organisierten sich die
+Arbeiter. Als Kapp entfloh, geschah dies unter der Flagge, die beiden
+Regierungen hätten sich geeinigt. Die Verhältnisse lagen völlig wirr und
+man wußte von den Truppen nicht, ob sie wieder zur Regierung Ebert-Bauer
+oder noch zur Gegenregierung Kapp-Lüttwitz hielten.
+
+In Köpenick hatten sich die Arbeiter und auch Teile der Bürgerschaft
+unter Führung von _Futran_ aus den dort liegenden Beständen bewaffnet.
+Innerhalb der Stadt blieb alles ruhig. Die sogenannte Rote Garde machte
+nämlich hauptsächlich Sicherheitsdienst zusammen mit der Polizei,
+bewachte die städtischen Lebensmittelvorräte usw. Das Potsdamer
+Jägerregiment, Btl. Nr. 3, rückte an. Auch politisch rechtsstehende
+Leute, wie der Bürgermeister Behnke (vgl. seine Aussage vor dem
+Standgericht), waren sich über den Charakter der anrückenden Truppen
+durchaus im unklaren, da sie noch das Zeichen der Regierung Kapp, das
+Hakenkreuz, am Helm trugen. Es kam zu einem Kampf, wobei Gefangene
+gemacht wurden. Als durch telephonische Anfrage in Berlin festgestellt
+wurde, daß die Truppen wieder zur Regierung Ebert hielten, gab Futran
+selbst Befehl, die Waffen niederzulegen. Eine Zeitfreiwilligen-Eskadron
+zog am 21. kampflos ein, erklärte den verschärften Belagerungszustand
+und errichtete ein Standgericht. Futran, der sich so unschuldig fühlte,
+daß er sogar aufs Rathaus ging, wurde am gleichen Tag wegen der Delikte,
+die er vor Verkündung des Belagerungszustandes begangen haben sollte,
+zum Tode verurteilt. Im Protokoll, das in meinem Besitz ist, heißt es:
+
+»Gründe: Durch Zeugen und teilweise eigenes Geständnis des Angeklagten
+ist einwandfrei erwiesen, daß er das Haupt des kommunistischen
+Aufstandes gewesen ist, daß er eine Rote Armee organisierte und zu
+bewaffnetem Widerstande gegen die anrückenden Regierungstruppen
+aufgefordert habe. Ferner hat er die gefangenen Offiziere mit dem Tode
+durch Erschießen bedroht, sowie die verwundeten Gefangenen als
+Schwerverbrecher behandeln lassen. Das Urteil wurde sofort durch eine
+Gruppe der 4. Schwadron unter Führung des Leutnants _Kubich_ im Hofe
+der Bötzowbrauerei, Grünauer Straße, vollstreckt. Das Standgericht der
+4. freiw. Eskadron v. Bebell, Kapitänleutnant; Hedal, Unteroffizier;
+Jacks, Freiwilliger; Kubich, Leutnant.«
+
+Zur selben Zeit wie Futran wurden »standrechtlich erschossen« der
+Arbeiter W. _Dürre_ auf Grund einer Denunziation, bei ihm seien Waffen
+versteckt, obwohl zweimalige Haussuchung das Gegenteil bewies; ferner
+der Arbeiter Fritz _Kegel_. Es war den Angehörigen Dürres und Kegels
+trotz aller Bemühungen bis heute unmöglich, eine Urteilsbegründung zu
+erfahren. (Zeugenaussagen sind in meinem Besitz.) Ferner wurde der
+Arbeiter Karl _Gratzke_ und der 17 jährige, etwas beschränkte Karl
+_Wienecke_ ohne irgend welches Verfahren auf der Stelle erschossen, weil
+sie Waffen versteckt hatten.
+
+Die Truppen verließen die Stadt am gleichen Tage; am nächsten wurden die
+Standgerichte aufgehoben. Alle Versuche, eine Sühne dieser Taten zu
+erlangen, sind gescheitert.
+
+
+Zehn Offiziere gegen einen Geisteskranken
+
+Der geisteskranke Lokomotivführer _Weigelt_ aus der Alvenslebener Straße
+11, ein streng patriotischer Mann, versuchte am 24. März 1920 in die
+Kadettenanstalt Lichterfelde einzudringen, wo eine hauptsächlich aus
+Offizieren bestehende Freiwilligenabteilung lag, angeblich um sich »für
+den Schützengraben zu melden.« Er wurde vom Torposten festgenommen, in
+der Wachstube mit einem von ihm mitgebrachten Gummiknüppel so
+geschlagen, daß er am Kopf blutete, die Treppe heraufgeschleppt, so daß
+am andern Tag noch dort Blut lag und in das Zimmer des Leutnant _Schütz_
+(Regierungsbaumeister) gebracht. Dort waren 10 Offiziere, über die er
+angeblich herfiel. Obwohl er schrie: »Meine Herren Offiziere, lassen Sie
+mich doch laufen, ich bin doch krank«, wurde er durch einen Schuß des
+Leutnant _Jansen_ und 3 Schüsse des Leutnant _Schütz_ getötet. Die
+Schüsse gingen von oben durch die Schädeldecke, so daß anzunehmen ist,
+daß er am Boden lag. Schütz kam im Juli 1920 vor das Gericht der
+Zeitfreiwilligenabteilung, nach Aufhebung der Militärgerichtsbarkeit am
+24. Februar 1921 vor das Landgericht II (Landgerichtsdirektor Steltzer,
+Staatsanwaltschaftsrat Dr. Ortmann). Schütz wurde freigesprochen, da er
+angab in Notwehr gehandelt zu haben. (Prozeßbericht in allen Berliner
+Zeitungen.)
+
+
+Beschießung einer offenen Stadt
+
+In Mecklenburg hatte General v. Lettow-Vorbeck den Kapp-Putsch
+organisiert und die verfassungsmäßige Regierung verhaftet. Zur Abwehr
+waren die Arbeiter in den Generalstreik getreten.
+
+Am 14. März beschloß eine Volksversammlung in Waren den Generalstreik
+zur Abwehr des Kapp-Putsches. Der »Führer des Reichswehrkommandos Boek«,
+Leutnant Peter v. Lefort, und der »Beauftragte der Reichswehrbrigade
+für Waren«, Rittmeister Stefan _v. Lefort_, verlangten am 17. sofortige
+Ablieferung aller Waffen und Wiederaufnahme der Arbeit und drohten mit
+Todesstrafen. Das Ministerium in Schwerin und General von Lettow-Vorbeck
+erklärten auf Anfrage aus Waren, daß die genannten Dienststellen nicht
+existieren und daß kein diesbezüglicher Auftrag gegeben sei. Am nächsten
+Tage drohten die Leforts, »bei Nichterfüllung des Brigadebefehls Waren
+nach Artillerievorbereitung mit stürmender Hand zu nehmen.« Als Frist
+setzten sie 11 Uhr 43 Min. fest. Als ihnen eine Deputation entgegenfuhr,
+verlangten sie bedingungslose Uebergabe der Stadt und 30 Geiseln. Darauf
+feuerten sie 5 Granatschüsse auf die Stadt ab. Der Sachschaden war
+bedeutend, mehrere Einwohner wurden verletzt, der Arbeiter _Dunn_ und
+der Friseur _Schliecker_ getötet; der Schuhmachermeister _Berg_, der
+Kürschner _Gerber_ und Fräulein _Köhler_ starben an den Verletzungen.
+Stefan v. Lefort wurde durch Beschluß des Landgerichts Güstrow vom 20.
+V. 21 außer Verfolgung gesetzt. Der andere ist flüchtig und lebt zur
+Zeit in Oesterreich. Sie behaupten, »in Notwehr« gehandelt zu haben.
+(Vgl. Aktenmäßige Darstellung der Arbeiten der Stadtverwaltung von Waren
+vom 14. bis 22. März 1920.)
+
+
+Erschießung auf Grund von Kappgesetzen
+
+Bei dem Tagelöhner Wilhelm _Wittke_ in Niendorf bei Wismar fand am 17.
+März 1920, morgens, eine Versammlung statt, bei der die streikenden
+Arbeiter beschlossen, wegen einer Lohndifferenz bei dem Gutsbesitzer
+Gesandten a. D. Baron _Brandenstein_ vorzusprechen. Auch über den
+Kapp-Putsch wurde gesprochen. Baron Brandenstein ließ aus Schwerin
+Militär (Freikorps Roßbach, Reichswehrbrigade, Kommando 9) kommen.
+Darauf wurde nachts bei Wittke eine Haussuchung gehalten und Wittke vor
+das Haus des Barons Brandenstein geschleppt. Ein Soldat sagte dabei zu
+Frau Wittke: »Nehmen Sie man gleich Abschied, in einer Stunde ist der
+Kerl eine Leiche!« Gleichzeitig wurden auch die Arbeiter Johann
+_Steinfurt_, Fritz Möller und Adolf Möller dorthin gebracht. Baron
+Brandenstein trat aus dem Schloß, deutete auf Steinfurt und Wittke und
+sagte: »Das sind die Richtigen.« Daraufhin wurden die beiden von den
+Truppen Kapps vor ein angebliches Standgericht gestellt und zum Tode
+verurteilt. Noch in der Nacht wurden sie erschossen.
+
+Die Staatsanwaltschaft in Schwerin hat das später wegen dieser Sache
+eingeleitete Verfahren eingestellt. (Die Aussagen des Fritz und Adolf
+Möller und der Frau Wittke sind in meinem Besitz. Baron Brandenstein,
+dem ich das Manuskript eingesandt habe, hat in einem Briefe den hier
+vorgebrachten Behauptungen nicht widersprochen, jedoch hinzugefügt, die
+Verurteilung sei »auf Grund der erlassenen Gesetze erfolgt«. Er
+persönlich habe sich gegen das Todesurteil ausgesprochen. In einem
+zweiten Brief behauptete er aber, der Name des verantwortlichen
+Offiziers sei ihm nicht bekannt.)
+
+
+Der Gutsbesitzer Herr über Leben und Tod
+
+Am 18. März 1920 leitete der Arbeiter F. _Slomski_ aus Karow in einer
+Wirtschaft in Hof Mecklenburg eine Versammlung streikender Arbeiter. Es
+erschienen Autos mit mehreren Offizieren und zirka 60 Mann des Freikorps
+Roßbach. Alle Leute mußten antreten. Darauf kam der Rittergutsbesitzer
+_Bachmann_, bei dem Slomski arbeitete, und suchte sich die Leute aus.
+Slomski wurde verhaftet und von den Soldaten schrecklich mißhandelt.
+Unterdessen verhandelten Bachmann und ein Offizier und bildeten ein
+angebliches Standgericht. Slomski wurde von acht Mann und zwei Chargen
+an seiner Wohnung vorbeigeführt, wo seine Frau und Kinder standen und
+schrecklich schrien. Kurz hinter dem Dorfe wurde er um 1/2-12 Uhr
+erschossen. Die Leiche wurde der Witwe ins Haus gebracht. Die
+Staatsanwaltschaft hat ein gegen Bachmann eingeleitetes Verfahren am 7.
+10. 20 eingestellt, »da der Tatbestand einer vorsätzlichen, bewußt
+rechtswidrigen Handlung ausgeschlossen.«
+
+(Die Aussagen der Zeugen Karl Ritentiedt zu Karow, Friedrich Mündt, Hof
+Mecklenburg, Wilhelm Schwarz, Hof Mecklenburg, Joachim Bliemeister, Hof
+Mecklenburg, Wilhelm Druwe zu Hohen-Viecheln, Carl Hopp zu Petersdorf,
+Ernst Bohnhoft zu Rosenthal sind in meinem Besitz.)
+
+
+Taten der Demminer Ulanen
+
+In Gnoien zogen am 18. März 1920 die Demminer Ulanen unter dem
+Rittmeister _Obernitz_ ein, weil die Arbeiter dort die Herrschaft Kapps
+nicht anerkannten. Der Maurer _Gräbler_, Vorsitzender der dortigen
+U.S.P., wurde morgens früh aus dem Bett geholt und trotz allen Bittens
+seiner Frau und seiner sechs Kinder auf Befehl eines Offiziers ohne
+Verhör, 100 Meter von seinem eigenen Haus entfernt, auf offener Straße
+erschossen. Die Truppen verhafteten dann 96 Arbeiter und brachten sie
+nach Demmin. Dabei wurde der 63 jährige _Puffpoff_ derartig mißhandelt,
+daß er zusammenbrach und nach kurzer Zeit starb. Kurz vor Demmin
+schossen dort aufgestellte Soldaten in den Gefangenentrupp hinein,
+töteten vier und verletzten sehr viele. (»Das freie Wort«, 4. April
+1920, und persönliche Mitteilung des Redakteurs Kühn auf Grund der
+Verhandlungen im Mecklenburgischen Ministerium.) Das
+Ermittlungsverfahren wegen Gräbler schwebt beim Landgericht Rostock seit
+Juni 1920; das Verfahren wegen der Gefangenenerschießung beim
+Oberstaatsanwalt in Greifswald.
+
+Am 19. März 1920 rückte die Reichswehr aus Demmin, unter Führung des
+Leutnants _Meinecke_, Bataillon »Jarmen« in Stavenhagen ein, wo alles
+ruhig war. Sie gaben Befehl: »Straße frei!« und als dies nicht sogleich
+erfolgen konnte, schossen sie in die Menge. Um zu vermitteln, ging der
+60 jährige Stadtrat _Seidel_ mit erhobenen Händen auf die Straße und
+wurde nach wenigen Worten sofort erschossen. Das Verfahren gegen
+Meinecke wurde eingestellt, »da er in Notwehr gehandelt habe.« (»Das
+freie Wort«, Schwerin, 24.3.1920.)
+
+
+Hermann Litzendorf
+
+Am 19. März 1920 wurde der Arbeiter Hermann _Litzendorf_ aus Bahrendorf
+auf der Landstraße bei Grevesmühlen auf Befehl des Rittergutsbesitzers
+Dr. Simon auf Schmachthagen festgenommen, in einen Keller des Gutes
+eingesperrt und am andern Morgen, als er zu fliehen versuchte,
+erschossen. Dr. Simon zahlte dem Vater des Litzendorf 5000 Mark als
+Entschädigung aus.
+
+Nach Angabe der Zeugen Friedrich Siggelkow und Julius Waschull ist Otto
+Bobsien der Täter.
+
+Die Staatsanwaltschaft beim Mecklenburg-Schwerinschen Landgericht
+stellte das Verfahren gegen Jürgen _Bade_, Felix _Wimarn_, Josef
+_Bender_, Otto _Bobsien_ am 29. Oktober 1920 ein. In der Begründung
+heißt es: »Es ist mit größter Wahrscheinlichkeit anzunehmen, daß der Tod
+des Litzendorf durch den von _Bender_ abgegebenen Schuß herbeigeführt
+worden ist. Doch hat er sich zu der Tötung für berechtigt gehalten und
+es konnte ihm nicht vorgeworfen werden, daß er bei genügender
+Ueberlegung die Unrichtigkeit dieser Annahme hätte erkennen müssen.«
+
+
+Die Erschießung in der Sandgrube
+
+Der Arbeiter Paul _Jahnke_ in Hungersdorf, Funktionär des
+Landarbeiterverbandes, wurde am 20. März von 10 Zeitfreiwilligen unter
+Führung des früheren Leutnants _Thormann_ auf Grund der Angabe seines
+Gutsherrn, _v. Puttkammer_, verhaftet. Eine Durchsuchung seiner Wohnung
+gab nichts Belastendes. Bei der Patrouille waren Leutnant Franz
+_Harlinghausen_, Kurt _Wegner_ und Johannes _Dickmann_. Herr v.
+Puttkammer bat wiederholt, dafür zu sorgen, daß Jahnke nicht
+wiederkomme, was Harlinghausen versprach. Jahnke wurde abtransportiert
+und in eine Sandgrube geführt. Darauf erschoß ihn Harlinghausen mit zwei
+Schüssen aus unmittelbarer Nähe während Wegner und Dickmann nach ihren
+eigenen Angaben (im Prozeß) zusahen. Im Einverständnis mit dem Mörder
+meldete Thormann dann einen Fluchtversuch. Doch wurde durch andere
+Zeugen, besonders durch den Kutscher, der Vorgang ermittelt.
+Harlinghausen ging, als ein Haftbefehl gegen ihn erlassen wurde, ins
+Ausland. Thormann, der Führer der Patrouille, Wegner und Dickmann, die
+zugaben, gewußt zu haben, daß Jahnke erschossen werden sollte, wurden am
+8. Dezember 1920 freigesprochen, v. Puttkammer wurde nur als Zeuge
+vernommen. (»Das freie Wort«, Schwerin, 9. Dezember 1920; »Vorwärts«,
+11. Dezember 1920.) Herr v. Puttkammer gab vor Gericht an, daß er eine
+Gehirnerschütterung erlitten habe und daß seine Worte daher nicht ernst
+genommen werden könnten. Das Verfahren gegen Harlinghausen, der
+vollständig geständig war, wurde auf Grund der Amnestie im März 1922
+eingestellt. (»Freiheit«, 21. März 22.)
+
+
+Morde in Breslau
+
+Am 13. März 1920 wurde in Breslau der Redakteur der »Schlesischen
+Arbeiterzeitung«, Bernhard _Schottländer_, Mitglied der U.S.P.D., von
+Soldaten des Freikorps Aulock zusammen mit über 30 anderen Personen
+verhaftet. Die Verhafteten wurden zunächst im Generalkommando mit Wissen
+der Offiziere gefoltert. »In der Nacht des 16. wurde er aus dem
+Gefängnis Kletschkaustr. von drei Soldaten zu einer Vernehmung nach dem
+Generalkommando abgeholt. Die Soldaten zeigten einen vom
+Militärbefehlshaber unterzeichneten Auslieferungsbefehl vor. Seitdem ist
+Schottländer spurlos verschwunden. Das Generalkommando und die
+zuständige Kommandantur wissen von nichts. Der Befehl soll gefälscht
+sein.« (Aufruf des Breslauer Polizeipräsidenten, März 1920.) Bei Oswitz
+hat die Oder seine Leiche ans Land gespült. (Vgl. Aulock-Prozeß, März
+1921.) Der »Münchener Volkswille«, 5. Jan. 1921, meldete, die Ermordung
+sei auf Befehl des Oberleutnants _Schmitz_, z. Z.
+Linienschiffsstamm-Division Ostsee in Pillau, erfolgt. Dagegen ist nach
+der Meinung des Staatsanwalts (»Voss. Ztg.«, 16. Januar 1921) die
+Ermordung durch zwei Offiziere und zwei Soldaten, die alle vier bisher
+unauffindbar waren, erfolgt.
+
+Der Maschinenschlosser Alfred _Schramm_, Siebenhufnerstr. 72, der
+Bankbeamte Karl _Boronow_, Gräbschenerstr. 3, der Kohlenarbeiter
+Heinrich _Romane_, Gräbschenerstr. 77 und der Redakteur _Demmig_ wurden
+in der Nacht zum 14. März durch Soldaten der Regierung Kapp unter
+Führung von Offizieren verhaftet. Seither sind sie spurlos verschwunden.
+Der Führer der Patrouille, die Boronow verhaftete, war Leutnant
+_Kaufmann_ von der zweiten Marinebrigade. Der Schlosser Max _Hoffmann_
+wurde am 15. März wegen Verteilung sozialdemokratischer Flugblätter, der
+Eisenbahnschlosser Wilhelm _Böhm_, Herdainstr. 38, am 16. März als
+Streikposten, der Koch Heinz _Herkenrat_ vom Hotel Riegner am 19. März
+auf Grund einer Denunziation einer Frau Neumann aus Skarsine durch
+Soldaten der Regierung Kapp verhaftet und »auf der Flucht« erschossen.
+Der Führer der Patrouille, die Herkenrat verhaftete, war Oberleutnant
+_Müller_. Herkenrats Leiche wurde ausgeplündert. (»Breslauer
+Volkswacht«, vom 31., 24., 22., 19. März 1920.)
+
+Eine Bestrafung der Täter ist in keinem Fall erfolgt, im Gegenteil: Das
+Reichsgericht hat die über die Soldaten Walter, Biskup und Brefka wegen
+der Folterungen gefällten Urteile auf Grund der politischen Amnestie
+aufgehoben (18. Juni 1921). Sie wurden dann als Hilfsaufseher im
+Gefängnis Schweidnitz angestellt. (Preuß. Landtag, 14. Sept. 1921.)
+
+
+Die 14 Arbeiter von Bad Thal
+
+Beim Kapp-Putsch erklärte sich der Kommandeur der Reichswehrbrigade 15,
+Generalmajor Hagenberg, für Kapp. Die Regierung von Gotha jedoch hielt
+zur Verfassung, wurde für abgesetzt erklärt und zum Teil im Namen des
+Reichskanzlers Kapp verhaftet. Freiherr v. Schenk, Bezirksbefehlshaber
+von Marburg, weigerte sich, am 14. März eine Erklärung zu geben, ob er
+zu Ebert oder zu Kapp halte, und erklärte, nur den Befehlen, die aus
+Kassel kämen, zu gehorchen. In Kassel aber war General von Schöler, der
+zu Lüttwitz hielt. Am 19. März forderte v. Schenk zur Bildung einer
+Studentenwehr auf. Am 20. März 1920 rückte das hauptsächlich aus
+Korporationsstudenten zusammengesetzte Zeitfreiwilligen-Bataillon unter
+Führung des Fregattenkapitäns v. Selchow von Marburg nach Thüringen aus,
+um dort »Ruhe und Ordnung« wiederherzustellen. (»Berl. Tageblatt«, 20.
+Juni 1920.) Die Studenten zogen mit Musik, mit Fahnen und Bändern
+geschmückt, aus. Der Rektor beschwor den Geist von 1914. Es kamen
+nämlich von den militärischen Dienststellen alle möglichen
+Schauermeldungen über das »in vollem Aufruhr befindliche Thüringen«,
+über die »Machtzentren der aufrührerischen Bewegung« in dem friedlichen
+Ruhla, über die »heftigen Kämpfe um Gotha, Erfurt, Eisenach«, über
+»Artillerie, Minenwerfer und zahlreiche Maschinengewehre«. (Broschüre
+des Feldwebels Schaumlöffel: »Das Studentenkorps Marburg in Thüringen«.)
+Trotzdem muß Schaumlöffel zugeben, daß das Bataillon am Tage darauf »vom
+Gegner unbehelligt in Eisenach einzog«, und vier Tage darauf zieht das
+Bataillon ebenso »unbehelligt«, ohne ein einziges Mal ins Gefecht
+gekommen zu sein, natürlich auch ohne einen einzigen Toten, Verwundeten
+oder Vermißten, in Gotha ein. (S. 66.)
+
+Auch in Bad Thal war alles ruhig. (Angabe des Schultheißen und des
+Wachtmeisters Heß im Prozeß.) An Hand einer Liste, die auf Grund völlig
+beweisloser Denunziationen zusammengestellt war, wurden 15 Arbeiter
+festgenommen. Fünf davon waren Mitglieder der Demokratischen Partei
+(Obuch im Landtag, 24. Nov. 1920). Am 25. März, morgens 7 Uhr, trat das
+Bataillon den Vormarsch auf Gotha an. Die verhafteten »Spartakisten«
+(natürlich sämtlich unbewaffnet), von einer Anzahl Studenten bewacht,
+beschlossen, in 500 m Abstand von der Truppe, den Zug. Noch vor 8 Uhr
+morgens wurden sie alle 15 in der Nähe Mechterstedts von den Studenten
+teils auf der Straße, teils unmittelbar am Rand der Straße erschossen.
+Die Leichen blieben ganz einfach liegen, der Zug ging _singend_ weiter.
+Angeblich hatten die Leute einen Fluchtversuch unternommen. Fast alle
+lagen nebeneinander. Alle mit fürchterlich zerschmettertem Kopf, also
+aus nächster Nähe erschossen. Die meisten Verletzungen waren derartig,
+daß der Sachverständige, Dr. Jänicke, im Prozeß aussagte, die Schädel
+seien total zertrümmert, so daß Feststellungen, von wo die Schüsse
+gekommen seien, nicht möglich waren. Bei zweien sei mit Sicherheit
+festzustellen, daß sie von vorne gekommen seien (Herzschuß), andere
+seien von hinten erfolgt. Einer geht von oben nach unten. (Vierter
+Verhandlungstag.)
+
+Die Namen der Getöteten waren: _Hornschuh_, _Hartmann_, _Döll_, _Patz_,
+drei Brüder _Füldner_, zwei Brüder _Soldan_, _Wedel_, _Rössiger_, zwei
+Brüder _Schröder_ und _Rosenstock_, alle Bürger aus Thal. Am 19. Juni
+wurde der stud. jur. Heinrich _Goebel_ aus Spangenberg, Leutnant a. D.,
+als Hauptangeklagter, ferner die Studenten cand. med. Heinrich
+_Engelbrecht_ aus Cassel, stud. med. Frank _Jahn_ aus Eberswalde, cand.
+jur. Hermann _Kraus_ aus Herne, Paul _Herhaber_ aus Duisburg, stud. med.
+Heinz _Schüler_ aus Cassel, cand. med. Ernst _Nebelmann_ aus Mühlheim a.
+d. Ruhr, cand. med. Kurt _Blum_ aus Gelnhausen, stud. dent. Julius
+_Völker_ aus Oberkirchen, Alfred _Voß_ aus Utsen, stud. med. Lorenz
+_Lange_, zum großen Teile ehemalige Offiziere, vom Kriegsgericht, d. h.
+von ihren eigenen Kameraden, freigesprochen. Einen Beweis für den
+Fluchtversuch konnten sie nicht erbringen. Das Verfahren wurde dann vom
+Schwurgericht wieder aufgenommen. Der Staatsanwalt hielt eine Rede, die
+die Studenten entlastete. Belastungszeugen, wie der Leutnant Duderstadt,
+wurden nicht vernommen. Die Studenten wurden von der Anklage des
+Totschlags und Mißbrauchs der Waffe freigesprochen. Da der Staatsanwalt
+auf Revision verzichtete, wurde das Urteil am 27. Dez. 1920
+rechtskräftig. (»Deutsche Tageszeitung«, 29. Dez. 1920; Duderstadt: »Der
+Schrei nach dem Recht«.)
+
+Das Verfahren gegen Goebel, Jonas und Gördt wegen Mißhandlung war auf
+Grund der Amnestie am 21. Februar 1921 eingestellt worden. Am 13.
+Februar 1922 verwarf das Reichsgericht die vom Staatsanwalt dagegen
+eingelegte Revision. (W. T. B.)
+
+
+Tierarzt Neubert
+
+In der Stadt Sömmerda waren die Arbeiter wegen des Kappputsches in den
+Generalstreik getreten, hatten die Einwohnerwehr entwaffnet und einige
+der Führer festgesetzt. Am 24. März 1920 rückte die Reichswehr an und
+beschoß die Stadt. Die Streikleitung schickte den Tierarzt _Neubert_ zu
+den Truppen, um zu verhandeln.
+
+Fest steht, daß Neubert von der Truppe vor der Stadt Sömmerda
+festgenommen wurde, als er als Parlamentär zum Kommandeur sich begeben
+hatte. Später wurde er in die Stadt geführt und dort im Rathauskeller
+untergebracht. Nach einiger Zeit wurde er auf Befehl des
+Truppenkommandeurs von Reichswehrsoldaten wieder vor die Stadt gebracht.
+Dieser Befehl wurde vom Kommandeur deshalb erteilt, weil Neubert in der
+Stadt vor der Wut der gegen ihn äußerst aufgebrachten Bevölkerung nicht
+sicher genug untergebracht war. Vor der Stadt lief Neubert weg, und es
+wurde hinter ihm hergeschossen. Schließlich wurde er von einem Soldaten
+auf kurze Entfernung getroffen, der dann noch mit dem Gewehrkolben auf
+ihn einschlug und einen zweiten Schuß auf ihn abgab. (Brief des
+Oberstaatsanwaltes in Erfurt N 6 I 1195/20 vom 20. August 1920, auf die
+Anzeige der Frau Neubert.)
+
+Wegen der Erschießung des Neubert schwebte ein Verfahren beim Gericht
+der Reichswehrbrigade 11. Infolge der Aufhebung der
+Militärgerichtsbarkeit wurde das Verfahren von der Staatsanwaltschaft
+Erfurt übernommen. Am 9. Oktober 1920 stellte der Oberstaatsanwalt in
+Erfurt den Antrag auf Eröffnung der Voruntersuchung gegen vier
+Angehörige des Reichswehr-Inftr.-Reg. 21. Das Verfahren schwebt noch.
+(Aktenabschrift in meinem Besitz.)
+
+
+Morde im Ruhrgebiet
+
+»Ich will Ihnen mitteilen, daß auch noch in den letzten 14 Tagen eine
+Anzahl Personen erschossen worden sind, ohne daß man ein Gerichtsurteil
+abgewartet hätte. So ist mir mitgeteilt worden, daß in Essen zwei
+Personen, in Heißen sechs Personen ohne Urteil erschossen wurden.«
+(Steinbrink, Preuß. Landtag, 29. April 1920.)
+
+Darauf antwortete der Minister des Innern, Severing:
+
+»Es ist richtig, daß in Mühlheim, Duisburg, Essen und in anderen Orten
+willkürliche Erschießungen durch Soldaten vorgekommen sind« ... »Die
+Erschießungen von denen der Herr Abgeordnete Steinbrink gesprochen hat,
+waren nicht Vollstreckungen von Todesurteilen, gefällt von
+Standgerichten oder außerordentlichen Kriegsgerichten, sondern rein
+willkürliche Erschießungen; irgendeine Truppe, die dazu keinen Auftrag
+hatte, hat sich Leute herausgeholt, die im Geruch des Bolschewismus oder
+Spartakismus standen, und derartige Leute sind ohne Federlesen in einer
+ganzen Reihe von Städten erschossen worden. Das ist amtliches Material,
+das mir von den von mir eingesetzten Zivilkommissaren beweiskräftig
+zugetragen worden ist.«
+
+Der Bergmann Jos. _Soyka_ aus Bottrop, Trewsstr. 77, hat in der
+Sicherheitswehr bis zum 31. März Dienst getan und dann seine Waffen
+abgegeben. An Kämpfen hatte er nicht teilgenommen. Am 3. April morgens
+wurde er von 4 Leuten der Marinebrigade Löwenfeld aus seinem Haus
+herausgeholt. Nach einer Anfrage bei seinem Vorgesetzten ließ ihn
+Kapitänleutnant _Meyerhofer_ aus Kiel ohne Untersuchung erschießen. Ein
+Verfahren ist nicht eingeleitet. Ein Zivilprozeß gegen den Militärfiskus
+schwebt unter 5. O. 305/21 beim Landgericht Essen.
+
+Der Bergarbeiter Paul _Graf_ und der Knappschaftsälteste Paul _Langer_,
+beide aus Duisburg-Beeck, wurden in der Nacht vom 4. auf 5. April 1920
+von den Sipo-Wachtmeistern _Mehl_ und _Friedrich_ und einem dritten
+Unbekannten ohne Haftbefehl aus ihren Wohnungen geholt und »auf der
+Flucht« erschossen. Gegen beide lag nicht das geringste vor. Nach der
+ärztlichen Obduktion wiesen beide Verletzungen an Stirn und Brust auf.
+Das Verfahren gegen die Täter schwebt.
+
+_Rogowski_ aus Essen wurde beim Einrücken der Reichswehr am 6. April
+1920 auf Grund einer Denunziation verhaftet und im Essener Rathause nach
+einem kurzen Verhör »zum Tode verurteilt« und auf Befehl des
+Gerichtsoffiziers Leutnant _Linsemeier_ durch den Feldwebel _Block_
+erschossen. Der hinzugerufene Oberst v. Baumbach, der die grundlose
+Erschießung nicht mehr verhindern konnte, hat der Familie sein Beileid
+ausgesprochen und sie pekuniär unterstützt. Gegen Block und Linsemeier
+ist ein Verfahren wegen Mord eingeleitet. Block ist in Haft.
+
+Joh. _Schürmann_ aus Essen, Holsterhauser Straße 1, und Engelbert _Kläs_
+aus Essen, Holsterhauser Straße 101, wurden am 6. April 1920 von
+Mannschaften der 3. Marinebrigade ohne jeden Grund verhaftet,
+mißhandelt, nach Mühlheim überführt, dort von Leutnant _Sinnesheimer_
+»zum Tode verurteilt«, und mit Kolben erschlagen. Der
+Reichsmilitärfiskus wurde zum Schadenersatz verurteilt. (Aktenzeichen 8.
+0. 611/20 des Landgerichts Essen, 3 U. 177/21 Oberlandesgericht Hamm.)
+Gegen die Täter ist nichts veranlaßt.
+
+Der Bergmann Friedrich _Lichtenauer_ in Essen-Borbeck, Ardelhütte 68 und
+Hermann _Riesner_ in Essen, Kesselstr. 56, hatten, auf Veranlassung des
+Bürgermeisters Basel in Essen und mit Wissen der Reichswehr nach der
+Auflösung der Roten Armee zwecks Verhütung von Plünderungen bis zum
+Einzug der Reichswehr, versehen mit einer weißen Armbinde und einem
+Ausweis, gestempelt von der Stadt Essen, Sicherheitsdienst getan. Die
+Reichswehr war davon benachrichtigt. Der Leutnant einer Patrouille,
+Wilhelm _Goeke_ aus Schwelm, Kölnerstr. 78, ließ beim Einrücken am 6.
+April 1920 beide erschießen. Angeblich wurde Lichtenauer auf der Flucht,
+Reißner in Notwehr erschossen. Der Militärfiskus wurde in erster Instanz
+zum Schadenersatz verurteilt. (3 U. 300/21 Oberlandesgericht Hamm.) Ein
+Verfahren gegen Goeke ist eingestellt worden.
+
+Hermann _Witschel_ aus Essen und ein gewisser _Rösner_, Mitglieder der
+christlichen Gewerkschaften, waren als Freiwillige am 7. April 1920 in
+die Reichswehr (Korps Lützow, Abt. des Hauptmann _Schmidt_) eingetreten.
+Zwei Tage darauf wurden sie als angebliche Spartakisten von ihren
+Kameraden mit Kolben totgeschlagen, ausgeraubt und heimlich verscharrt.
+Ein Zivilprozeß schwebt unter 8. 0. 559/20 beim Landgericht Essen.
+
+Der Straßenbahner Friedrich _Siek_ aus Altenessen, Böhmerheide 122,
+wurde am 8. April 1920, morgens 1/2-4 Uhr von einem Wachtmeister und 2
+Mann der Sipo ohne Haftbefehl verhaftet und 2 Minuten vom Hause entfernt
+»auf der Flucht erschossen«. Gegen Siek lag nicht das geringste vor. Das
+Verfahren gegen die beiden Täter ist eingestellt. (4. 0. 425/20
+Landgericht Essen.)
+
+Der Straßenbahner Max _Maurer_, Essen, Rankestr. 26, hatte am 17. April
+einen Heuwagen der Reichswehrtruppen versehentlich angefahren, wobei ein
+Feldwebel der Marinebrigade _Löwenfeld_ unerheblich verletzt wurde. In
+der folgenden Nacht wurde er von 20 Angehörigen der Marinebrigade
+Löwenfeld, die in einem Lastauto von Bottrop kamen, verhaftet und »auf
+der Flucht erschossen«. Gegen die Täter _Gaul_, _Grupat_ und _Fuchs_ ist
+nichts veranlaßt. (Aktenzeichen 3 U. 343/21 Oberlandesgericht Hamm;
+vergl. auch Seite 116.)
+
+Der Schlosser _Borucki_ aus Bottrop, Weckelstr. 21, wurde in der Nacht
+vom 24. zum 25. April 1920 von Angehörigen der Marinebrigade Löwenfeld
+unter der Führung des Sergeanten _Adler_ verhaftet, ins Amtsgericht
+Bottrop gebracht, dort mißhandelt, aus seiner Zelle herausgeholt und in
+einem angrenzenden Gerstenfeld trotz seines Flehens erschossen. Der
+Reichsmilitärfiskus wurde zum Schadenersatz verurteilt. (Aktenzeichen 8.
+0. 664/20 des Landgerichts Essen.) Gegen die Täter ist nichts veranlaßt.
+
+Die Bergleute Rich. _Peledun_ (Vertrauensmann der U.S.P.D.) und Jos.
+_Mainka_ aus Bottrop (Tägtisbeckstr. 15, bzw. Westringstraße 33) wurden
+am 17. Mai von den Heereskriminalbeamten der Marinebrigade Löwenfeld,
+_Grimm_ und _Eversberg_ in Bottrop auf Grund eines militärischen
+Haftbefehls vom April 1920 verhaftet. Die Marinebrigade Löwenfeld war
+damals längst von Bottrop abgerückt. Der Haftbefehl, für den der
+Militärbefehlshaber überhaupt nicht zuständig war, hätte daher
+mindestens von der Polizeibehörde vollstreckt werden müssen. Gegen beide
+lag nichts vor. Sie wurden mit der Bahn bis Paderborn transportiert und
+dann nachts um 1/2-12 Uhr in einem Wald »auf der Flucht« erschossen, die
+Leichen beraubt. Ein Verfahren gegen die Täter ist nicht erfolgt.
+
+Kapitän von Löwenfeld, der Führer der nach ihm benannten Marinebrigade
+wurde später Kommandant eines neuerbauten kleinen Kreuzers. (Anfrage im
+Reichstage, 17. Juni 1922.) Die Regierung antwortete darauf, Löwenfeld
+sei für die Vorkommnisse nicht verantwortlich. (Reichstag, 30. Juni 22.)
+
+Am 1. April 1920 rückte die Reichswehr in Haltern ein. Aus Angst vor den
+Schüssen flüchteten 14 Kanalarbeiter mit ihren Werkzeugen in den Keller
+des Kolonialwarenhändlers _Meis_. Die Truppen drangen dort ein, und
+töteten alle 15. Die Namen der Ermordeten sind: Aug. _Barth_ aus
+Rothenburg (geb. 8. 6. 87), Aug. _Dann_ aus Rothenburg (15. 11. 97),
+Karl _Edelmann_ aus Rothenburg (5. 2. 91), Leonhard _Frankenberger_ aus
+Rothenburg (11. 5. 01), F. _Gläßer_ aus Füllhammer (29. 12. 92), Paul
+_Gläßer_ aus Schweidnitz (9. 10. 97), Joh. _Hasenstab_ aus Rothenburg
+(15. 3. 01), Georg _Helbling_ aus Reutlingen (7. 6. 91), Fr. _Hurzera_
+(15. 5. 68), Th. _Ignazia_ aus Milzilmark (8. 12. 67), Fr. _Joppe_ aus
+Ullersdorf (30. 7. 00), Rob. _Krimm_ aus Rothenburg (8. 6. 87), Rob.
+_Riesbeck_ aus Honst (22. 3. 83), Gottl. _Rottenbücher_ aus Rothenburg
+(8. 6. 87), Händler Josef _Meis_.
+
+»Eine Ausgrabung am 7. Juli 1920 ergab, daß bei 10 Leichen keine
+Schußwunden vorhanden waren, aber die Schädel waren eingeschlagen und
+die Hälse durchschnitten. Einige Leichen sind ohne Hosen und Schuhe
+begraben worden.« (Ludwig, Reichstag, 29. Juli 1920.) Die Namen der
+verantwortlichen Offiziere wurden ermittelt. Da sie aber angeblich nicht
+zu finden waren, stellte die Staatsanwaltschaft das Verfahren ein.
+
+Eine Frau Käthe _Pintsch_ aus Witten a. d. Ruhr wurde erschossen, weil
+sie angeblich einen Revolver im Strumpf verborgen hatte. Eine
+Krankenschwester bezeugte, daß sie der Frau einen Geldbetrag übergeben
+hatte, den sie im Strumpf verbarg. Den Befehl zur Erschießung gab nach
+Zeugenaussage (vgl. »Sozialist«, Nr. 10, 7. Juli 1921) der Leutnant
+_Horst Kohl_ aus München, Leopoldstraße 238. Ein Verfahren gegen ihn ist
+bisher nicht eingeleitet, obwohl die Zeugenaussagen natürlich sofort den
+zuständigen militärischen Behörden übergeben wurden.
+
+Der Anstreicher Friedrich Steinbiß, wohnhaft Essen, Schlachthof,
+berichtete am 10. April 1920 im »Ruhrecho«:
+
+»Am Donnerstag, den 8. April, spät nachmittags, wurden zwei Arbeiter,
+angeblich Rotgardisten, auf dem Schlachthof durch Militär eingeliefert.
+Aus dem Wachtraum hörte ich bald darauf Schreien, sodaß ich annahm, die
+Verhafteten würden geschlagen. Nach einiger Zeit, es war inzwischen
+dunkel geworden, wurden die beiden Leute aus dem Wachtraum
+herausgeschickt und entfernten sich in gewöhnlicher Gangart. Der eine
+ging durch die Tür in der Richtung nach der Stoppenbergerstraße, während
+der andere über den Hof an der Rampe vorbei sich der Eisenbahn zuwandte.
+Als der erste etwa 30-40 Meter draußen vor dem Tore war, wurde er durch
+einen Soldaten erschossen. Auch der zweite wurde kurze Zeit später tot
+aufgefunden. Die Soldaten behaupteten, beide hätten einen Fluchtversuch
+unternommen. Nach meiner Ansicht ist das ausgeschlossen. Beide sollen
+nur Sicherheitsdienst getan haben.«
+
+Die Täter konnten nicht ermittelt werden. Der Oberstaatsanwalt in Essen
+stellte das Verfahren ein. (Aktenzeichen 18 I 738/20.)
+
+Man lese den Bericht des sozialdemokratischen Abgeordneten Osterroth
+(»Freiheit«, 9. April 1920 und »Ruhrecho«, 20. April), die Rede des
+Abgeordneten Obuch vom 24. November 1920 und die Broschüre von Josef
+Ernst »Kapptage im Industriegebiet«. Hierin sind eine Reihe von weiteren
+Ermordungen im Ruhrgebiet zum Teil mit Namen aufgeführt.
+
+
+»Ich kann für ihn nicht garantieren«
+
+Am 1. April hatten in der Nähe von Hüls in Westfalen Kämpfe zwischen
+Angehörigen der roten Armee und Regierungstruppen stattgefunden. Im
+Anschluß daran wurde ein Haus in Hüls von der Reichswehr umstellt und
+alle Bewohner herausgeholt. Sie waren sämtlich waffenlos. Der Landjäger
+_Hachmeyer_ erklärte, daß er für alle Bewohner bis auf den Bergarbeiter
+_Hülsbusch_ garantieren könne, daß sie keine Spartakisten seien. Darauf
+wurde Hülsbusch an die Wand gestellt und von einem Unteroffizier
+erschossen. Seine Papiere wurden geraubt.
+
+Wie in einem Beleidigungsprozeß des Hachmeyer gegen den Parteisekretär
+der U.S.P. Herwig in Recklinghausen vor dem Schöffengericht festgestellt
+wurde, hatte Hülsbusch sich an den Kämpfen nicht beteiligt. Herwig wurde
+wegen der Aussage, Hachmeyer sei Schuld am Tode des Hülsbusch, wegen
+Beleidigung zu 100 M. Geldstrafe verurteilt. (»Freiheit«, 24. April
+1921, 20. Mai 1922.)
+
+Die Witwe erhob Anspruch auf Grund des Tumultschadengesetzes, die in
+erster Instanz abgewiesen wurden. Am 15. Mai 22 war Verhandlung vor dem
+Reichswirtschaftsgericht als Beschwerdestelle. Die Beschwerde wurde
+zurückgewiesen mit der Begründung, die Erschießung sei berechtigt
+gewesen, wenn Hülsbusch sich am Aufstand beteiligt hätte. Darüber, ob er
+sich beteiligt hätte, könne nicht auf Grund des Tumultschadengesetzes,
+sondern nur in einem ordentlichen Prozeß gegen den Reichsfiskus
+entschieden werden.
+
+
+Linksmorde beim Kapp-Putsch
+
+In der Gemeinde Kleinkugel bei Halle existierte eine Einwohnerwehr mit
+14 Gewehren und einem Maschinengewehr. Während des Kapp-Putsches
+forderten die Arbeiter von den Gutsbesitzern Herausgabe der Waffen. Auf
+Anraten der Reichswehr versteckte der Gutsbesitzer _Walter_ die
+Gewehrschlösser. Am 18. März holte die Reichswehr die Gewehre ab. Am 19.
+März fuhr sein Sohn per Rad nach Halle, um Geld dorthin zu bringen. Er
+nahm dabei die Gewehrschlösser mit. In Kanena wurde er von den Arbeitern
+aufgehalten, die Gewehrschlösser wurden gefunden. Walter wurde zur Grube
+Alwiner Verein als Gefangener geführt. Dort wurde ihm vorgeworfen, daß
+die Reichswehr auf sein Anraten Leute erschossen habe. Die Arbeiter
+beschlossen darauf ihn zu töten und teilten ihm dies mit. Er wurde von
+zwei Arbeitern zu einem Trockenschuppen geführt und dort um 3/4-10 Uhr
+durch einen Kopfschuß getötet. Der Arbeiter Rasch wurde bei der
+Verhandlung freigesprochen, da Zeugen beschworen, daß er nicht der
+Mörder sei.
+
+Am 21. März 1920 kamen einige Kaliarbeiter aus Staßfurt zu dem
+Rittergutsbesitzer _Henze_ in Trebitz und verlangten Wagen, um nach
+Halle fahren zu können. Die Bahn ging nämlich nur bis Wallwitz. Henze
+weigerte sich zunächst. Bald darauf kamen 40 weitere Arbeiter mit
+Handgranaten und entsicherten Gewehren. Henze und seine Schwester wurden
+umringt. Es kam zu einem heftigen Wortwechsel und Tätlichkeiten. Henze
+erhielt einen Lungenschuß und einen Kolbenschlag auf den Schädel, seine
+Schwester einen Herzschuß. Als Mörder des Henze wurde der Arbeiter Karl
+_Felix_ aus Hechlingen, der den tödlichen Schlag getan, unter
+Zubilligung mildernder Umstände zu fünf Jahren Gefängnis und der
+Kesselschmied Erich _Rolle_ aus Hechlingen zu 12 Jahren Zuchthaus, der
+Mörder von Fräulein Henze, der Arbeiter Karl _Steinbach_ aus Wallwitz,
+ebenfalls zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt.
+
+Der Reichswehrsoldat _Sametz_ wurde am 28. März 1920 von der roten Armee
+bei Dorsten gefangen genommen. Er wurde dem Maschinisten Gottfried
+_Karuseit_ aus Gelsenkirchen als Abschnittskommandeur und Leiter der
+Kämpfe in Dorsten vorgeführt. Dieser ließ ein Kriegsgericht, bestehend
+aus den Kompagnieführern, die zunächst erreichbar waren, bilden. Die
+Kompagnieführer verurteilten den Sametz (einen früheren Baltikumer)
+wegen Spionage zum Tode. Karuseit, der sich später selber als
+Militärspitzel entpuppte, suchte die Leute zur Vollstreckung des Urteils
+aus und ließ Sametz noch in derselben Nacht erschießen. Ein Verfahren
+gegen Karuseit wegen Mordes schwebt vor dem Schwurgericht Essen. (16.
+aJ. 597/20.)
+
+Ernst _Langensiepen_ aus Barmen wurde während der Herrschaft der roten
+Armee im Gerichtsgefängnis in Essen eingeliefert. In der Nacht des 3.
+April 20 wurde er von 4 Rotgardisten aus der Zelle geholt und im
+sogenannten Leichenkeller erschossen. Die Täter sind geflüchtet, die
+Untersuchung schwebt noch. Langensiepen soll Militärspitzel gewesen und
+deshalb zum Tode verurteilt worden sein.
+
+
+
+
+INDIVIDUELLE MORDE
+
+
+»Verräter verfallen der Fehme«
+
+Hans _Hartung_ war in Halle und München unter den Kommunisten als
+Spitzel tätig, gleichzeitig soll er geheime Waffenlager der bayrischen
+Einwohnerwehr an die Entente verraten haben. In Zusmarshausen waren
+Waffen der Einwohnerwehr von dem Rittmeister Gustav _Beurer_ unter
+Mithilfe des Oberleutnants Dr. Josef _Berger_, des Amtsrichters
+_Wanderer_ und des Bankbeamten Lorenz versteckt worden. Von Hartung
+fürchtete man Verrat. Anfang März 1921 wurde seine Leiche bei
+Zusmarshausen in einem Bach gefunden. Sie war im Auto dorthin gebracht
+worden. Wahrscheinlich hat Beurer ihn ins Auto gelockt und zusammen mit
+Berger erschossen. Die Leiche war mit Steinen beschwert, in eine vorher
+von Berger und Wanderer ausgesuchte tiefe Stelle des Baches geworfen
+worden. Berger, der sich im Rausch verraten hatte und Beurer wurden im
+März 22 verhaftet, bereits im Juni aber wegen »Mangels an Beweisen«
+entlassen. (»Berliner Tageblatt«, 26. 3. 22, »Münchener Neueste
+Nachrichten«, 3. 6. 22.)
+
+Das Dienstmädchen Maria _Sandmeier_ aus München, Tegernseerlandstraße
+20, wurde am 6. Oktober 1920 im Forstenriederpark erdrosselt gefunden.
+Die Leiche war im Auto dorthin geschafft worden. Die Sandmeier hatte
+gedroht, dem Entwaffnungskommissar des Reichs ein Waffenlager anzugeben.
+Als Täter wurde der Leutnant Hans _Schweighart_ vom Freikorps Oberland
+in Innsbruck im Dezember 1921 verhaftet (»Vossische Zeitung«, 8. 12.
+1921) und an Bayern ausgeliefert. Eine Verhandlung fand bisher nicht
+statt.
+
+
+Hans Paasche
+
+Hans _Paasche_ war zuerst Offizier in den Kolonien und war unter den
+Schrecken des Kolonialkrieges zum Pazifisten geworden. Während des
+Krieges schwebte gegen ihn ein Hochverratsprozeß, weil er ein Flugblatt,
+das ihm ein Agent provocateur im Auftrag der Polizei zustellte,
+verbreitet hatte. (Wolfgang Heine, »Deutsche Tageszeitung«, 26. Oktober
+1920.)
+
+Paasche hatte in den ersten Tagen der Revolution eine Rolle gespielt,
+sich aber dann auf sein Gut Waldfrieden in der Neumark zurückgezogen.
+Auf Grund einer von Berlin ausgegangenen Denunziation, wonach bei ihm
+die Waffen für die kommunistische Kampforganisation untergebracht seien,
+fand bei ihm am 22. Mai 1920 unter Führung des Oberleutnants _Koppe_
+eine Haussuchung nach Waffen statt, die von 60 Soldaten unter Führung
+von zwei Offizieren durchgeführt wurde.
+
+Paasche saß in Badehosen an seinem See und fischte, als der Gendarm
+Wendland ihn bat, ins Schloß zu kommen, weil dort Herrschaften auf ihn
+warteten. Ein Haftbefehl bestand nicht. Als Paasche die Postenkette
+erblickte, wurde er mißtrauisch, wandte sich um »zu einem
+Fluchtversuch«. Gemäß dem Befehl, »wonach sie zu schießen hätten, wenn
+eine festgenommene Person auf dreimaliges Haltrufen nicht stände« (amtl.
+Bericht des Oberleutnants Koppe, »Vossische Zeitung«, 1. Juni 1920),
+erschossen ihn die Soldaten. Den tödlichen Schuß gab der Schütze
+_Diekmann_ ab. Um Stimmung zu machen, berichtete das
+Reichswehrschutzregiment in Deutsch-Krone am 25. Mai 1920 im »Berliner
+Tageblatt«: »Wie mitgeteilt wird, sollen bei Paasche eine größere Anzahl
+Dumdumgeschosse gefunden worden sein.« Diese haltlose Behauptung wurde
+später nicht mehr aufrecht erhalten. In den verschiedenen amtlichen
+Berichten, insbesondere dem des Preußischen Ministeriums des Innern
+(»Berliner Tageblatt«, 3. Juni 1920) wurde zugegeben, daß absolut nichts
+Belastendes gefunden wurde. Die Regierung versprach strengste
+Untersuchung und Bestrafung der Schuldigen. Die Untersuchung endete
+folgendermaßen:
+
+ »Herrn Viktor Fränkl, Justizrat, Berlin.
+
+ Das Verfahren ist am 27. November 1920 eingestellt, weil eine
+ strafbare Handlung nicht nachweisbar ist. Der Tod des Paasche ist
+ auf ein Zusammentreffen nicht voraussehbarer unglücklicher
+ Umstände zurückzuführen, für welche niemand strafrechtlich
+ verantwortlich zu machen ist.
+
+ Schneidemühl, den 6. Dezember 1920.
+
+ Der Oberstaatsanwalt. Unterschrift: (unleserlich).«
+
+Eine Beschwerde hiergegen beim Generalstaatsanwalt wurde am 21. Februar
+1921 abgewiesen.
+
+
+Paul Hoffmann in Flensburg
+
+Auf Grund der Angaben eines Spitzels namens Paul _Reichardt_ wurde der
+Flensburger Kommunist Paul _Hoffmann_ am 28. Dezember 1920 auf Befehl
+des Kommandeurs der Flensburger Sicherheitspolizei, Major _v. Plüskow_,
+verhaftet, weil er einen Putsch vorbereitet habe. Nachts wird er zur
+Kaserne gebracht. Als er am Morgen ins Untersuchungsgefängnis geführt
+werden sollte, hat Hoffmann angeblich dem Wachtmeister einen Stoß vor
+die Brust gegeben, um entfliehen zu können. Darauf habe die
+Wachbegleitmannschaft nach dreimaligem Haltrufen zwei Schüsse abgegeben.
+Hoffmann war sofort tot. Eine strenge Untersuchung wurde von der
+Regierung zugesagt. Major v. Plüskow wurde strafversetzt. (»Deutsche
+Allgemeine Zeitung«, 4. Januar 1921; »Voss. Zeitung«, 4. Januar 1921;
+Minister Severing, Reichstag, 14. Januar 1921.) Sonst geschah nichts.
+
+
+Wilhelm Sült
+
+_Sült_, Führer der Elektrizitätsarbeiter bei mehreren Streiks, wurde am
+30. März 1921 durch die politische Polizei (Abt. 1 A) in Schutzhaft
+genommen. Als er am 1. April zur Vernehmung ins Polizeipräsidium
+gebracht wurde, soll er nach dem amtlichen Bericht (»Vossische Zeitung«,
+1. April) dem Beamten einen Stoß versetzt haben und die Treppe
+hinaufgesprungen sein, worauf der Beamte, _Janike_, zweimal auf ihn
+schoß und ihn in die Leber und Nieren traf. Sült erklärte seinem
+Rechtsanwalt Dr. Weinberg auf dem Totenbett, er habe weder den Beamten
+gestoßen, noch sei er geflohen. Als Sült am Boden lag, wurde er von
+einem Polizeioffizier mit dem Ruf: »Verrecke, Du Aas« (»Das Tagebuch«,
+9. April), mit Füßen getreten. Zunächst wurde er einfach auf einer
+Pritsche liegen gelassen. Um 1/2-5 Uhr kam Dr. Eylenburg, wurde aber
+nicht vorgelassen mit der Begründung, Sült sei schon in der Charité.
+Erst um 7 Uhr abends kam er dorthin. »Vor der Operation hatte er schon
+1-1/2 Liter Blut verloren« (Prof. Lubarsch). Am 2. April, morgens 4 Uhr,
+starb er. Gegen alle Vorschriften wurde die Leiche bereits am Vormittag
+seziert. Dr. Klauber, der verabredungsgemäß an der Sektion teilnehmen
+sollte, fand die Leiche bereits seziert vor. »Es fehlten sämtliche
+Eingeweide, so daß über die Art der Verletzung durchaus nichts mehr
+festgestellt werden konnte. Zu meiner großen Überraschung war die Stelle
+der Einschußwunde herausgeschnitten.« Durch die voreilige Sektion war
+die Möglichkeit einer weiteren Aufklärung beseitigt. Eine Bestrafung
+wegen dieses Falles ist nicht erfolgt. (Vergl. Preußische
+Landesversammlung vom 18. April, Berliner Stadtverordnetenversammlung
+vom 23. April, »B.Z. am Mittag«, 8. April, Eingehende Darstellung im
+»Tagebuch«, 9., 23., 30. April, 14. Mai.)
+
+
+Max Hölz
+
+Im März 1921 brach in Mitteldeutschland ein Aufstand aus. Die Schuld
+daran lag im wesentlichen bei den Kommunisten. _Hölz_ war militärischer
+Führer einer sogenannten »Roten Armee«. Zu ihrem Unterhalt nahm sie eine
+Reihe von »Requisitionen« vor; auch wurden Gebäude in die Luft
+gesprengt. Zu dem Rittergutsbesitzer _Heß_ in Roitschenhagen kam Hölz
+mit einem bewaffneten Haufen und verlangte Geld und Mäntel. Heß sagte
+zuerst zu, lief dann einige Schritte fort. Es entstand ein Tumult, in
+dem Heß durch mehrere Schüsse umkam. Genaueres darüber, wer alles
+geschossen hatte, war nicht zu ermitteln. Die Zeugen widersprachen sich.
+Das Gericht unterstellte es als wahr, daß Hölz unnötiges Blutvergießen
+vermeiden wollte, und verurteilte ihn zu lebenslänglichem Zuchthaus.
+Nach der Urteilsbegründung »steht fest, daß Hölz sich an der Tötung des
+Gutsbesitzers Heß beteiligt hat. Das Gericht hat jedoch das Moment der
+Ueberlegung verneint. Es liegt also Totschlag vor«. (Prozeßberichte in
+allen Berliner Zeitungen, 13. bis 23. Juni 1921.)
+
+
+Die Schupo in Mitteldeutschland
+
+Als wegen der Märzunruhen 1921 eine Abteilung der Düsseldorfer
+Schutzpolizei sich Klostermansfeld näherte, ging ihr der
+stellvertretende Gemeindevorsteher Paul _Müller_ (Kommunist) entgegen,
+erklärte, im Orte sei alles ruhig, und zog an der Spitze der Polizisten,
+zusammen mit dem Hauptmann, der das Kommando führte, in den Ort ein.
+Obwohl er die Arbeiter ausdrücklich gewarnt hatte, wurde aus dem Ort
+geschossen, wobei Müller natürlich ebenfalls bedroht war. Am Nachmittag
+wurde Müller aufgefordert, sich bei dem Hauptmann der Schutzpolizei zu
+melden, was er tat. Um 9 Uhr abends wurde er in Einzelhaft genommen. Am
+Morgen des 27. März wurde er auf der Chaussee nach Leinbach, etwa 150
+Meter vom Orte entfernt, erschossen aufgefunden. Das Gefängnis, in das
+er angeblich gebracht werden sollte, lag in einer ganz andern Richtung.
+Die Leiche zeigte am Kopfe Spuren von Mißhandlungen.
+
+Das Verfahren wurde am 21. April 1921 eingestellt, da »Müller
+wahrscheinlich auf der Flucht erschossen worden sei«, später jedoch
+wieder aufgenommen. (Aktenabschrift in meinem Besitz.)
+
+Die im folgenden dargestellten Fälle beruhen auf den Verhandlungen des
+Untersuchungsausschusses der preußischen Landesversammlung betr. die
+Unruhen in Mitteldeutschland vom November 1921. Dabei hat sich u. a.
+herausgestellt, daß in keinem dieser Fälle ein Verfahren durch den
+Staatsanwalt eingeleitet worden war.
+
+In Querfurt wurden am Ostermontag, 28. März, nach entsetzlichen
+Mißhandlungen die Gefangenen _Peter_, der Lagerhalter des Konsumvereins
+_Straube_ (Kommunist) und ein Dritter erschossen.
+
+Die Täter gehörten zur Düsseldorfer Schupo unter dem Grafen _Poninski_.
+Der Konsumverein wurde ausgeplündert.
+
+In Besenstedt wurden der Sanitäter Kurt _Herzau_ und der Arbeiter Gustav
+_Thieleke_, in Bischofsrode am 1. Ostertag acht Gefangene, darunter der
+Knecht _Pawlack_ aus Helbra und der Bergmann _Weiner_ und ein gewisser
+_Dietrich_ durch Düsseldorfer Polizisten, in Schraplau am 2. Ostertag
+sechs Gefangene, darunter Martin _Deutsch_, _Müller_, _Poblentz_ und
+_Trautmann_, in einem Kalkofen erschossen.
+
+Bei der Einnahme des Leunawerkes sahen die Offiziere bei den
+Mißhandlungen durch Oberwachtmeister Heim und andere Sipoleute zu: Einem
+Gefangenen, bei dem eine Pistole gefunden worden war, wurde der Schädel
+eingeschlagen, sodaß das Gehirn an die Wand spritzte. Ein anderer mußte
+sich selbst erschießen. Insgesamt wurden 9 Leute umgebracht, darunter
+_Lederer_, _Isecke_ und _Zillmann_. In Mitteldeutschland war kein
+Standrecht verhängt worden. In keinem Fall hat eine Bestrafung
+stattgefunden.
+
+
+Wie eine Erschießung auf der Flucht insceniert wird
+
+Während des Märzaufstandes 1921 kam die Merseburger Polizeihundertschaft
+am 31. März durch Gröbers. Dort wurden ihnen von anderen Truppen die
+Leichen der verstümmelten Beamten gezeigt, die dort gefallen waren. So
+wurden sie zu Morden aufgestachelt. Der kommunistische Ortsvorsteher von
+Osmünde, _Mosenhauer_, war verhaftet worden. Auf der Straße nach
+Schkeuditz wurde er vom Auto geholt, unter furchtbaren Schlägen auf den
+Kopf ins Feld getrieben und von dem nicht zur Bewachungsmannschaft
+gehörigen Wachtmeister Rudolf _Böhm_ »auf der Flucht« erschossen.
+
+In seiner ersten Vernehmung am 28. April 1921 durch den Regierungsrat
+Dr. Kielhorn war Böhm geständig. Er sagte aus: »als ich sah, daß der
+Ortsvorsteher übers Feld _ging_, riß ich einem neben mir stehenden
+Beamten den Karabiner weg und schoß, in der Annahme, daß er fliehen
+wolle. Ich hatte nicht »Halt« gerufen.«
+
+Nach der Aussage des Oberwachtmeisters Lichtenberg vor dem
+Untersuchungsausschuß des Preußischen Landtages wurde Mosenhauer zweimal
+absichtlich auf das Feld geschickt, damit man ihn erschießen könne. Beim
+ersten Mal gingen zufällig einige Telegraphenarbeiter vorbei, deshalb
+wurde er wieder zurückgerufen. Als die Zeugen sich entfernt hatten,
+schickte man Mosenhauer das zweite Mal hinaus. Er ging zögernd und sich
+häufig umwendend. Der Schuß fiel, als er das Gesicht nach der Straße
+zuwendete. Die tödliche Wunde erhielt er an der linken Brustseite vorn.
+Die Leiche lag mit dem Gesicht zum Auto. Am 31. Oktober 1921 wurde Böhm
+vor dem Schwurgericht Halle (Anklagevertreter Staatsanwaltschaftsrat
+Luther, Vorsitzender Landgerichtsdirektor Thorwest) freigesprochen.
+(Vergl. Erich Kuttner: Der Freispruch eines Geständigen. »Die Glocke«,
+1. Mai 1922. Untersuchungsausschuß 29. Oktober 1921.)
+
+
+Karl Gareis
+
+Karl _Gareis_ war Abgeordneter der U.S.P.D. im bayerischen Landtag. Er
+hatte sich verhaßt gemacht durch seinen Kampf gegen die Einwohnerwehr
+und durch Aufdeckung einer Spitzelaffäre, bei der ein gewisser Dobner
+wegen angeblichen Verrats eines Waffenlagers an die Entente von
+Studenten beinahe umgebracht worden war. Am 10. Juni 1921 wurde er
+nachts auf dem Heimweg vor seiner Wohnung erschossen. Zur Erklärung der
+Tat beachte man den Brief Meier-Koys, des früheren Vorsitzenden der
+bayerischen Königspartei. Danach ist der zweite Landeshauptmann der
+bayerischen Einwohnerwehren, Kanzler, der Ansicht: »Die Verräter sind
+umzubringen, und zwar unter Hinterlassung eines Merkmals, das die Motive
+der Tat zweifelsfrei erscheinen läßt. Der Führer braucht bei der
+Ausführung nicht ängstlich zu sein. Hinter ihm (Kanzler) stehe der
+Ministerpräsident« (Reichstag, 17. Juni 1921). Als Täter kommt der oben
+auf Seite 64 genannte Leutnant _Schweighart_ in Betracht. Wenigstens
+wurde dies bei seiner Auslieferung von den österreichischen Behörden
+vermerkt. (Vergl. auch S. 138.)
+
+
+Kriminalwachtmeister Buchholz
+
+Die »Hundertschaft zur besonderen Verwendung« unterstützte die
+aufrührerischen Truppen im Baltikum, indem sie durch Bestechungen von
+Eisenbahnbeamten den Transport von Geld dorthin ermöglichte. Beim
+Kapp-Putsch stellte sie sich sofort auf die Seite der einrückenden
+Marinebrigade. Trotzdem blieb sie unangefochten. Im Sommer 1920 wurde in
+ihr der geheime »Bund der Ringmannen« unter Hauptmann Stennes gebildet,
+der zahlreiche Waffen vor der Ablieferung versteckte. Eine Durchsuchung
+verlief ergebnislos, da die Hundertschaft vorher gewarnt worden war.
+Ueber die vermutlichen Verräter der Waffenschiebung wurde nachts ein
+Geheimgericht gehalten. (Vergl. Berliner Tageblatt, 10. September 1921.)
+_Buchholz_ bezahlte auf Geheiß seiner Vorgesetzten bis in die Tausende
+gehende Beträge an Zivilangestellte, d. h. Spitzel.
+
+Man befürchtete von Buchholz eine Aufdeckung dieser Vorgänge. Am 13.
+Juni 1921 wurde er in der Schloßkaserne Charlottenburg tot aufgefunden.
+Angeblich hat er wegen Unterschlagung Selbstmord begangen. Doch konnte
+eine Unterschlagung nicht nachgewiesen werden. Nach dem Gutachten des
+Gerichtssachverständigen, Medizinalrat Dr. Störmer (»Frankfurter
+Zeitung«, 18. August 1921), handelte es sich »bestimmt um Tötung durch
+dritte Hand.« Die Untersuchung gegen die Hundertschaft wurde zunächst
+niedergeschlagen, »da von Zeugen, die unter ständiger Bedrohung seitens
+der Hundertschaft stehen, wahrheitsgemäße Angaben nicht zu erwarten
+seien.« (Mitteilung des Polizeiwachtmeisters Asmus, »Berliner
+Tageblatt«, 24. Juli 1921.)
+
+Am 2. Dezember 1921 wurden die Wachtmeister _Erren_ und _Meyer_ von der
+Anklage des Mordes freigesprochen. (Prozeßberichte in allen Berliner
+Zeitungen.) Erren war im Zimmer gewesen, »zum telephonieren«, als der
+zum fortgehen angezogene Buchholz aus einer Entfernung von über 30 cm
+von hinten die Kugel durch den Kopf, angeblich von eigener Hand,
+empfing.
+
+
+Erzberger
+
+Als _Erzberger_ am 26. Januar 1920 das Gerichtsgebäude in Moabit
+verließ, feuerte der Schüler und Fähnrich a. D. Oltwig _v. Hirschfeld_
+auf ihn zwei Schüsse ab, die ihn schwer verletzten. Bei der Vernehmung
+erklärte er, Erzberger sei ein Schädling und habe wissentlich gegen
+Deutschland gearbeitet. Er erklärte, seine Kenntnisse über Erzberger aus
+einer Broschüre Helfferichs zu besitzen. Hirschfeld wurde am 21. Februar
+1920 wegen Körperverletzung zu 1 Jahr 6 Monate Gefängnis verurteilt.
+(Prozeßbericht in allen Berliner Zeitungen.)
+
+Erzberger hatte sich, um den Ausgang seines Prozesses mit Helfferich
+abzuwarten, aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen. Am 26. August 1921
+wurde er bei einem Spaziergange im Badeorte Griesbach im Schwarzwald von
+zwei jungen Leuten überfallen und erschossen. Sein Begleiter, der
+Abgeordnete Dietz, wurde verwundet. Als er schon am Boden lag,
+vergewisserten sich die Mörder durch weitere Schüsse (im ganzen 12), daß
+er tot sei. Dann entflohen sie.
+
+Als man nach den möglichen Tätern suchte, stellte sich heraus, daß
+Hirschfeld bereits am 27. April 1921 angeblich wegen Krankheit aus dem
+Gefängnis auf vier Monate beurlaubt worden war und nicht zurückgekehrt
+war. (»Berliner Tageblatt«, 30. August 1921.) Er benutzte seinen Urlaub
+zu vielstündigen Radpartien. Zur Zeit der Begehung der Tat hielt er sich
+im benachbarten Calmbach auf. Er wurde in Berlin ermittelt und verbüßte
+ab 10. September den Rest seiner Strafe. (»Frankfurter Zeitung«, 15.
+September 1921.) Dann wurde er für geisteskrank erklärt, aus der
+psychiatrischen Klinik in Freiburg wieder entlassen, zuletzt aber doch
+zur Absitzung der Strafe verhaftet. (»Berliner Tageblatt«, 18. Mai 1922,
+»Lokal-Anzeiger«, 10. Mai 1922.)
+
+Als Mörder wurden die in München wohnhaften Heinrich _Schulz_ und
+Heinrich _Tillessen_ ermittelt. Beide sind frühere Offiziere, dann kamen
+sie in den Stab der Marinebrigade Ehrhard, (»Berliner Tageblatt«, 21.
+September 1921.) Zuletzt arbeiteten sie in der Landwirtschaftlichen
+Zentralgenossenschaft bei Geheimrat Heim. Sie sind Mitglieder des
+Deutschvölkischen Schutz- und Trutzbundes, der Arbeitsgemeinschaft
+Oberland, die früher in Oberschlesien als Freikorps war, und einer
+deutschnationalen Geheimorganisation, der Organisation C (Mitteilung des
+badischen Staatspräsidenten Dr. Trunk, 22. September 1921.)
+
+Ziele der Organisation waren: Weiterverbreitung des nationalen
+Gedankens, Bekämpfung des Internationalismus, des Judentums und Sammlung
+entschlossener Männer. »Verräter verfallen der Fehme.« Die Mitglieder
+waren zu unbedingtem Gehorsam verpflichtet. Schulz und Tillesen besaßen
+falsche Pässe auf den Namen Trost und Schwind. Sie flüchteten nach
+Ungarn. Als sie in Budapest eine Depesche an den Rechtsanwalt Adolf
+Müller in München aufgaben, wurden sie erkannt und verhaftet, aber auf
+telephonische Anordnung des Oberstadthauptmanns Dr. Hetheny wieder
+freigelassen. Vergl. Aussage des Kriminalinspektors Schumacher im
+Offenburger Prozeß (»Berliner Tageblatt«, 9. Juni 1922.)
+
+Der frühere Kapitänleutnant Manfred _v. Killinger_, der Vorgesetzte von
+Schulz und Tillessen in der Organisation C (offiziell: Bayerische
+Holzverwertungsgesellschaft) wurde angeklagt, den Mördern Beistand
+geleistet zu haben. Er hatte nämlich ihre Koffer in Verwahrung genommen,
+Briefe in Empfang genommen und auch nach dem Mord mit beiden verkehrt.
+Killinger war ursprünglich Offizier gewesen, dann kämpfte er gegen die
+bayerische Räte-Republik, machte den Kapp-Putsch mit und besetzte das
+Reichswehrministerium. Nach seiner Verhaftung fand man bei ihm einen
+Versuch einer Paßfälschung. Am 13. Juni 1922 wurde er vom Schwurgericht
+Offenburg freigesprochen (Berichte in allen Berliner Zeitungen).
+
+Die einzige Verurteilung, die bis jetzt in der Erzbergersache erfolgte,
+betrifft den verantwortlichen Redakteur des Offenburger Tageblatts,
+Franz Huber. Dieser wurde nämlich, weil er Teile der Anklageschrift
+veröffentlicht hatte, zu 1000 M. Geldstrafe verurteilt. (»Berliner
+Tageblatt«, 17. August 1922.)
+
+
+Walter Rathenau
+
+Als Rathenau, Minister des Aeußeren, am 24. Juni 1922 von seiner Villa
+im Grunewald ins Auswärtige Amt fahren wollte, wurde sein Auto von einem
+andern, von Ernst Werner _Techow_ (21 Jahre) geleiteten Auto, in dem der
+Oberleutnant a. D. Erwin _Kern_ und Hermann _Fischer_ saßen, überholt.
+Kern und Fischer schossen mit einer Maschinenpistole auf Rathenau und
+warfen eine Handgranate auf ihn. Rathenau war sofort tot. Das Auto
+hatten die Großindustriellen Johann und Franz _Küchenmeister_ aus
+Freiberg in Sachsen, Mitglieder des Deutschen Schutz- und Trutzbundes,
+zur Verfügung gestellt. Die drei erstgenannten waren früher Mitglieder
+der Brigade Ehrhardt, dann der Organisation C und waren am Kapp-Putsch
+beteiligt gewesen. Die Maschinenpistole hatte Christian Ilsemann (21
+Jahre), Sekretär des Schutz- und Trutzbundes in Schwerin, geliefert. Der
+angebliche Leutnant Willy _Günther_ (27 Jahre), ein Psychopath und
+Deserteur, hatte den Plan mit ausgearbeitet und die Garage vermittelt.
+Er war Mitglied des Bundes der Aufrechten, des Deutschbundes, des
+Deutschen Offiziersbundes und des Deutschnationalen Jugendbundes. Auf
+einem »Nestabend« dieses Bundes ließ er sich als Mörder Rathenaus
+feiern. In seinem Besitz befanden sich Briefe von Helfferich,
+Ludendorff, Jagow und Oberst Bauer. Einer der zehn Briefe Ludendorffs
+enthielt unter anderm die Worte: »Lieber Günther« und: »mit herzlichem
+Gru?. Beihilfe leistete der Gymnasiast Hans Gerd _Techow_ (16 Jahre).
+Der ehemalige Kadett Ernst _v. Salomon_ (20 Jahre) vermittelte die
+Verbindung mit Waldemar _Niedrig_ (22 Jahre), der ursprünglich das Auto
+lenken sollte. Das Auto stand in Berlin bei den Garagebesitzern
+_Schütt_ und _Diestel_.
+
+Nach der Tat erzählte Techow ihnen: »Die Sache hat geklappt. Rathenau
+liegt. Wir haben es getan, um die Roten zum Angriff zu reizen. Uns ging
+das Geld aus.« Dann fuhr er in seinen Tennisklub. Techow floh dann auf
+das Gut seines Onkels Behrens. Von diesem wurde er der Polizei
+übergeben. Behrens erhielt darauf eine Menge Drohbriefe.
+
+Kern und Fischer wurden nach langem Suchen am 18. Juli auf der Burg
+Saaleck bei Bad Kösel in der Wohnung des Schriftstellers Dr. Hans
+Wilhelm _Stein_ von der Polizei gestellt. Kern fiel bei der Schießerei
+mit den Beamten, Fischer erschoß sich selbst.
+
+Am 3. Oktober 1922 begann die Verhandlung vor dem Staatsgerichtshof in
+Leipzig. Günther bekam eine Sendung von Pralinen, die mit Arsen
+vergiftet waren. Er gab davon den andern Angeklagten, mit denen er
+während der Verhandlung verkehren durfte. Zum Teil erkrankten sie daran.
+Die Absender konnten nicht festgestellt werden. Am 14. Oktober wurden
+wegen Beihilfe zum Mord Ernst Werner Techow zu 15 Jahren Zuchthaus und
+10 Jahren Ehrverlust, Hans Gerd Techow zu 4 Jahren und 1 Monat
+Gefängnis, Günther zu 8 Jahren Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust,
+Niedrig und von Salomon zu 5 Jahren Zuchthaus und 5 bzw. 4 Jahren
+Ehrverlust, Ilsemann wegen Verstoß gegen die Waffenordnung, Schütt und
+Diestel wegen Begünstigung zu je 2 Monaten Gefängnis, Tillessen und
+Plaas wegen Nichtanzeige eines drohenden Verbrechens zu 3 bzw. 2 Jahren
+Gefängnis verurteilt. E. W. Techow wurde von der Anklage der
+Mittäterschaft freigesprochen. (Vorsitzender Dr. Hagens, Staatsanwalt
+Dr. Ebermayer.)
+
+Gegen Tillessen schwebt noch eine Untersuchung wegen Beihilfe bei dem
+Attentat auf Scheidemann und wegen der Befreiung der Kriegsverbrecher
+Boldt und Dittmar. Auf die Organisation C wurde bei der Beweisaufnahme
+nicht näher eingegangen. Das Verfahren gegen Dr. Stein und gegen den
+Kapitänleutnant a. D. Wolfgang _Dietrich_, der den Tätern auf der Flucht
+neue Anzüge verschafft hatte, schwebt noch. Johann Küchenmeister, bei
+dem ein Waffenlager gefunden worden war und einer der Beteiligten,
+Günther _Brandt_ sind flüchtig. Das Verfahren gegen den 17 jährigen
+Primaner _Stubenrauch_, der als erster den Plan gehabt hatte, Rathenau
+zu ermorden, wurde eingestellt. Er besucht weiter sein Gymnasium in
+Steglitz. (Berichte in allen Berliner Zeitungen.)
+
+Im folgenden sind alle bisher behandelten Morde in tabellarischer Form
+zusammengestellt.
+
+DIE VON RECHTS BEGANGENEN POLITISCHEN MORDE
+
+ ================================================================
+ L. | Datum, | Name des | Name des |
+ Nr. | Name des | Verantwort- | Ausführen- |
+ | Getöteten, | lichen, | den, |
+ | Art der Tötung | Schicksal | Schicksal |
+ ====+=======================+================+=================+
+ 1 | 11. I. 19 | Major | Weber, |
+ | _W. Fernbach_ | Franz v. | Seltzer |
+ | _W. Heise_ | Stephani | keine |
+ | _W. Möller_ | keine | Anklage |
+ | _K. Grubusch_ | Anklage | |
+ | _E. Kluge_ | | |
+ | _A. Schöttler_ | | |
+ | _Wackermann_ | | |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 8 | 15. I. 19 | H. v. Pflugk- | Hr. v. Pflugk- |
+ | _Dr. K. Liebknecht_ | Hartung | Hartung, |
+ | »auf der Flucht« | freigesprochen | Stiege, |
+ | | | Lippmann, |
+ | | | Ritgen, |
+ | | | Schulze |
+ | | | Friedrich |
+ | | | freigesprochen |
+ | | | Krull 3 Mon. G. |
+ | | | Bracht 500 M. |
+ | | | Geldstrafe |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 9 | 15. I. 19 | Oberl. Vogel, | Oberltn. Vogel, |
+ | _Dr. Rosa Luxemburg_ | Vogel entkom. | Jäg. Runge |
+ | »gelyncht« | | Runge 2 J. Gef. |
+ | | | 2 Wochen Haft |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 10 | 17. I. 19 | Sasse | 2 Trainsoldaten |
+ | _R. Jordan_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | _H. Merx_ | | |
+ | _v. Lojewski_ | | |
+ | _Milkert_ | | |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 14 | 19. II. 19 | unbekannt | Heuer |
+ | _Fulneczek_ | unbekannt | freigesprochen |
+ | angebl. Notwehr | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 15 | 21. II. 19 | unbekannt | Blumberg |
+ | _M. Steinicke_ | unbekannt | Verf. eingest. |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 16 | 21. II. 19 | -- | Graf Arco |
+ | _Kurt Eisner_ | -- | Valley |
+ | willkürl. Erschießung | | lebensl. Fest. |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 17 | 7. III. 19 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Adolf Riga_ | keine Anklage | keine Anklage |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 18 | 8. III. 19 | unbekannt | Arth. Schneider |
+ | _Abr. Melichowitz_ u. | keine Anklage | Ad. Arndt |
+ | _ein Matrose_ | | je 1 Jahr 6 Mo- |
+ | _Peters_ | | nate Zuchthaus |
+ | im Gef. gelyncht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 21 | 10. III. 19 | Wachtmstr. E. | unbekannt |
+ | _Leo Jogisches_ | Tamschik | keine Anklage |
+ | _Dorrenbach_ | Z. Ltn. | |
+ | »auf der Flucht« | beförd. | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 23 | 10. III. 19 | unbekannt | unbekannt |
+ | _H. Galuska_ | keine Anklage | keine Anklage |
+ | _K. Friedrich_ | | |
+ | _O. Werner_ | | |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 26 | 11. III. 19 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Richard Borchard_ | keine Anklage | keine Anklage |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 27 | 11. III. 19 | Oberst | Offizierstellv. |
+ | _Bonczyk_ | Reinhard | Penther |
+ | _Brandt_ | Hptm. | Ltn. Marloh |
+ | _Biertümpel_ | v. Kessel | Marloh 3 Mon. |
+ | _Bursian_ | Reinhardt | Fest. u. 30 M. |
+ | _Dehn_ | nicht | Geldstr., Pen- |
+ | _Deubert_ | angeklagt | ther z. Ltn. |
+ | _Ferbitz_ | v. Kessel | befördert |
+ | _R. Göppe_ | freigesprochen | |
+ | _Handwohl_ | | |
+ | _Harder_ | | |
+ | _A. Hintze_ | | |
+ | _H. Hintze | | |
+ | _Hinze_ | | |
+ | _Jakubowsky_ | | |
+ | _O. Kanneberg_ | | |
+ | _Kuhle_ | | |
+ | _Kutzner_ | | |
+ | _Lewitz_ | | |
+ | _H. Lietzau_ | | |
+ | _Maszterlerz_ | | |
+ | _Mörbe_ | | |
+ | _Pobantz_ | | |
+ | _Rösner_ | | |
+ | _Schulz_ | | |
+ | _Ulbrich_ | | |
+ | _Weber_ | | |
+ | _Zieske_ | | |
+ | _Zühlsdorf_ | | |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 55 | 12. III. 19 | unbekannt | Vizew. Marcus |
+ | _Sloveck_ | kein Verfahren | freigesprochen |
+ | _E. Dahle_ | | |
+ | _K. Becker_ | | |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 58 | 12. III. 19 | Lt. S. Winter | unbekannt |
+ | _P. u. A. Daenschel_ | Verfahr. ein- | keine Anklage |
+ | angebl. Standrecht | gestellt | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 60 | 12. III. 19 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Otto Hauschild_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 61 | 12. III. 19 | Oberl. Wecke | Vizew. Marcus |
+ | _Alfred Musick_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 62 | 12. III. 19 | unbekannt | Ritter |
+ | _Piontek_ | kein Verfahren | u. Wendler |
+ | willkürl. Erschießung | | Ritter 3 J. |
+ | | | Gef., Wendler |
+ | | | freigsp. |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 63 | 12. III. 19 | Leutnant Baum | Alex. Köhler |
+ | _Joh. Müller_ | freigesprochen | kein Verfahren |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 64 | 13. III. 19 | Leutnant Baum | unbekannt |
+ | _Wilh. Bilski_ | Verf. eingest. | keine Anklage |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 65 | 13. III. 19 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Paul Biedermann_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | _Hans Gottschalk_ | | |
+ |willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 67 | 13. III. 19 | Hauptmann Poll | unbekannt |
+ | _Berthold Peters_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 68 | 13. III. 19 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Georg Fillbrandt_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | _Paul Szillinski_ | | |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 70 | 13. III. 19 | | |
+ | _Abrahamsohn_ | unbekannt | Lt. Czekalla |
+ | | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | _Wallmann_ | Rtm. | Lt. Czekalla |
+ | angebl. Standrecht | v. Oertzen | Verf. schwebt |
+ | | Verfahr. schw. | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 72 | 30. IV. 19 | Gen. v. Oven | -- |
+ | _1 Zivilist_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ 73 | 1. V. 19 | (v. Gagern | Diegele 5 Woch. |
+ | _36 Zivilisten_ | 200 M.) | Gefängnis |
+ 109 | 2. V. 19 | | |
+ | _103 Zivilisten_ | | |
+ 212 | 3. V. 19 | | |
+ | _16 Zivilisten_ | | |
+ 228 | 4. V. 19 | | |
+ | _7 Zivilisten_ | | |
+ 235 | 6. V. 19 | | |
+ | _21 kath. Gesellen_ | Hptm. v. | Jakob Müller |
+ | »tödlich verungl.« | Sutterheim, | Makowski |
+ | (Namen in der | Offizier- | je 14 Jahre |
+ | Tabelle Seite 43) | stell. Paul | Zuchthaus |
+ | | Priebe | Grabasch, |
+ | | Verf. eingest. | Latosi |
+ | | | 1 J. Gef., |
+ | | | 10 J. Zhs. |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 256 | 21. III. 20 | Kapt. Bebbel | Ltn. Kubich |
+ | _A. Futran_ | keine Unters. | keine Unters. |
+ | _W. Dürre_ | | |
+ | _Fritz Kegel_ | | |
+ | _K. Wienecke_ | | |
+ | _K. Gratzke_ | | |
+ | angeblich Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 261 | 13. III. 20 | Oberl. Schmitz | unbekannt |
+ | _Schottländer_ | Unters. | Unters. |
+ | gelyncht | erfolgl. | erfolgl. |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 262 | 13. III. 20 | Lt. Kaufmann | unbekannt |
+ | _Demmig_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | _Schramm_ | | |
+ | _Boronow_ | | |
+ | _Romane_ | | |
+ | willk. Tötung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 266 | 15. III. 20 | Obtlt. Müller | unbekannt |
+ | _Hoffmann_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | _Böhm_ | | |
+ | _Herkenrath_ | | |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 269 | 17. III. 20 | Baron v. | Freikorps |
+ | _Wittke_ | Brandenstein | Roßbach |
+ | _Steinfurth_ | Verf. einge- | Verf. einge- |
+ | angebl. Standrecht | stellt | stellt |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 271 | 18. III. 20 | Rittergutsbes. | Freikorps |
+ | _Slomski_ | Bachmann | Roßbach |
+ | angebl. Standrecht | Verf. einge- | Verf. einge- |
+ | | stellt | stellt |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 272 | 18. III. 20 | Rittm. | unbekannt |
+ | _Puffpoff_ | Obernitz | kein Verfahren |
+ | gelyncht | kein Verfahren | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 273 | 18. III. 20 | Rittm. | unbekannt |
+ | _Gräbler_ | Obernitz | Verf. schwebt |
+ |angebl. Standrecht | Verf. schwebt | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 274 | 18. III. 20 | Stefan und | unbekannt |
+ | _Dunn_ | Peter | keine Anklage |
+ | _Schlieker_ | v. Lefort | |
+ | _Berg_ | Verf. schwebt | |
+ | _Köhler_ | | |
+ | _Gerber_ | | |
+ | angebl. Notwehr | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 279 | 19. III. 20 | Ltn. Simon (?) | Bender |
+ | _H. Litzendorf_ | Verf. eingest. | Verf. eingest. |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 280 | 19. III. 20 | Ltn. Meinecke | unbekannt |
+ | _Seidel_ | keine Unters. | keine Unters. |
+ | in Notwehr | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 281 | 20. III. 20 | Ltn. Thormann | Harlinghausen |
+ | _Paul Jahnke_ | freigesprochen | Verf. eingest. |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 282 | 25. III. 20 | Ltn. Göbel | Engelbrecht, |
+ | _Hornschuh_ | freigesprochen | Jahn, Kraus, |
+ | _Hartmann_ | | Herhaber, Schü- |
+ | _Döll_ | | ler, Nebelmann, |
+ | _Patz_ | | Blume, Völker, |
+ | _3 Füldner_ | | Voß, Lange |
+ | _2 Soldau_ | | freigesprochen |
+ | _Wedel_ | | |
+ | _Rössiger_ | | |
+ | _2 Schröter_ | | |
+ | _Rosenstock_ | | |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 296 | 24. III. 20 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Tierarzt Neubert_ | Verf. schwebt | Verf. schwebt |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 297 | 24. III. 20 | -- | Ltn. Schütz |
+ | _Weigelt_ | -- | freigesprochen |
+ | angebl. Notwehr | | Ltn. Jansen |
+ | | | keine Anklage |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 298 | 1. IV. 20 | Hachmeyer | unbekannt |
+ | _Hülsbusch_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 299 | 1. IV. 20 | unbekannt | unbekannt |
+ | _A. Barth_ | Verf. | Verf. |
+ | _E. Dann_ | eingestellt | eingestellt |
+ | _K. Edelmann_ | | |
+ | _L. Frankenberger_ | | |
+ | _Fr. Glässer_ | | |
+ | _P. Glässer_ | | |
+ | _J. Hasenstab_ | | |
+ | _G. Helbing_ | | |
+ | _F. Hurzera_ | | |
+ | _Th. Ignasiak_ | | |
+ | _Fr. Joppe_ | | |
+ | _R. Krimm_ | | |
+ | _R. Riesbeck_ | | |
+ | _G. Rottenbücher_ | | |
+ | _Meis_ | | |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 314 | 3. IV. 20 | Kap.-Ltn. | unbekannt |
+ | _Jos. Soyka_ | Meyerhofer | kein Verfahren |
+ | angeblich. Standrecht | kein Verfahren | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 315 | 5. IV. 20 | unbekannt | Wachtm. Mehl |
+ | _Paul Graf_ | Verf. schwebt | Friedrich |
+ | _Paul Langer_ | | Verf. schwebt |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 317 | 6. IV. 20 | Lt. Linsemaier | Block |
+ | _Rogowski_ | Verf. schwebt | Verf. schwebt |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 318 | 6. IV. 20 | Ltn. Sinnes- | unbekannt |
+ | _Joh. Schürmann_ | heimer | kein Verfahren |
+ | _Eug. Kläs_ | kein Verfahren | |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 320 | 6. IV. 20 | Ltn. Goeke | unbekannt |
+ | _Fr. Lichtenauer_ | Verf. eingest. | kein Verfahren |
+ | »a. d. Flucht« | | |
+ | _Herm. Rießner_ | | |
+ | angebl. Notw. | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 322 | 9. IV. 20 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Herm. Witschel_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | _Rösner_ | | |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 324 | 8. IV. 20 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Fr. Sieck_ | Verf. eingest. | Verf. eingest. |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 325 | 17. IV. 20 | unbekannt | Gaul, Grupat, |
+ | _Max Maurer_ | kein Verfahren | Fuchs |
+ | »auf der Flucht« | | kein Verfahren |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 326 | 25. IV. 20 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Br. Borucki_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 327 | 17. V. 20 | unbekannt | Grimm, |
+ | _Rich. Peledun_ | kein Verfahren | Eversberg |
+ | _Jos. Mainka_ | | kein Verfahren |
+ | »auf der Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 329 | -- | Ltn. Horst | unbekannt |
+ | _Käthe Pintsch_ | Kohl | kein Verfahren |
+ | willkürl. Erschießung | kein Verfahren | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 330 | 22. V. 20 | Oberl. Koppe |Schütze |
+ | _Hans Paasche_ | Verf. eingest. | Diekmann |
+ | »auf der Flucht« | | Verf. eingest. |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 331 | 6. X. 20 | unbekannt | Lt. H. Schweig- |
+ | _Marie Sandmeier_ | Verf. schwebt | hart |
+ | willkürl. Erdroßlung | | Verf. schwebt |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 332 | 28. XII. 20 | Maj. | unbekannt |
+ | _Paul Hoffmann_ | v. Plüskow | Verf. eingest. |
+ | »auf der Flucht« | Verf. eingest. | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 333 | 4. III. 21 | unbekannt | Rittm. Beurer |
+ | _Hans Hartung_ | Verf. schwebt | Oberl. Berger |
+ | willkürl. Erschießung | | Verf. schwebt |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 334 | 26. III. 21 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Paul Müller_ | Verf. schwebt | Verf. schwebt |
+ | »a. d. Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 335 | 27. III. 21 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Herzau_ | Verf. schwebt | Verf. schwebt |
+ | _Thielecke_ | | |
+ | _Pawlack- | | |
+ | _Weiner_ | | |
+ | _Dietrich_ | | |
+ 340 | 28. III. 21 | | |
+ | _Peter_ | | |
+ | _Straube_ | | |
+ | _Deutsch_ | | |
+ | _Müller_ | | |
+ | _Poblentz_ | | |
+ | _Trautmann_ | | |
+ | _Lederer_ | | |
+ | _Isecke_ | | |
+ | _Zillmann_ | | |
+ | angebl. Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 349 | 31.III. 21 | -- | Unterof. |
+ | _Mosenhauer_ | -- | R. Böhm |
+ | »a. d. Flucht« | | freigesprochen |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 350 | 30. III. 21 | unbekannt | Janicke |
+ | _Wilh. Sült_ | kein Verfahren | Verf. schwebt |
+ | »a. d. Flucht« | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 351 | 10. VI. 21 | Lt. | unbekannt |
+ | _Karl Garels_ |Schweighart? | Unters. schwebt |
+ | willkürl. Erschießung |Unters. schwebt |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 352 | 13. VI. 21 | Hptm. Stennes? | Erren (?), |
+ | _Buchholz_ | kein Verfahren | Meyer (?) |
+ | angebl. Selbstmord | | freigesprochen |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 353 | 26. VIII. 21 | unbekannt | H. Schulz, H. |
+ | _M. Erzberger_ | Unters. | Tillessen |
+ | willkürl. Erschießung | schwebt | Unters. schwebt |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 354 | 24. VI. 22 | unbekannt | E. W. Techow, |
+ | _W. Rathenau_ | kein Verfahren | Kern u. |
+ | willkürl. Erschießung | | Fischer, |
+ | | | Günther, Gerd |
+ | | | Techow, Brand, |
+ | | | Niedrig, |
+ | | | v. Salomon, |
+ | | | Ilsemann, |
+ | | | Schütt, |
+ | | | Diestel, |
+ | | | Tillessen, |
+ | | | Plaas |
+ | +----------------+ |
+ | | Kern gefallen, Fischer Selbstm. |
+ | | W. Techow 15 J. Zth., G. Techow |
+ | | 4 J. 1 Mon. Gef., Günther 8 J. |
+ | | Zth., Niedrig, v. Salomon je 5 |
+ | | J. Zth., Ilsemann, Schütt, |
+ | | Diestel je 2 Mon. Gef., |
+ | | Tillessen 3 J. Gef., Plaas |
+ | | 2 J. G. |
+ ================================================================
+ =Gesamtzahl: 354 politische Morde von rechts=
+ ================================================================
+ =Gesamtsühne: 90 Jahre, 2 Monate Einsperrung,
+ 730 M. Geldstrafe und 1 lebenslängliche Haft=
+ ================================================================
+
+DIE VON LINKS BEGANGENEN POLITISCHEN MORDE
+
+ ================================================================
+ L. | Datum, | Name des | Name des |
+ Nr. | Name des | Verantwort- | Ausführen- |
+ | Getöteten, | lichen, | den, |
+ | Art der Tötung | Schicksal | Schicksal |
+ ====+=======================+================+=================+
+ 1 | 13. II. 19 | -- | O. Albrecht |
+ | _Kohlmann_ | -- | K. Arnold |
+ | willkürl. Erschießung | | Albrecht |
+ | | | lebensl. |
+ | | | Zuchthaus |
+ | | | Arnold lebensl. |
+ | | | Z. |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 2 | 21. II. 19 | -- | nicht ermittelt |
+ | _Abg. Osel_ | -- | Lindner 14 J. |
+ | willkürl. Erschießung | | Z. Frisch |
+ | | | 3-1/2 J. |
+ | | | Gefängnis |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 3 | 21. II. 19 |-- | Metzger |
+ | _Major v. Gareis_ |-- | Lindner |
+ | angebl. Notwehr | | Merkert 1-1/2 |
+ | | | M. Gefängnis |
+ | | | Schlund 2 Mon. |
+ | | | Gefängnis |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 4 | -- | unbekannt | unbekannt |
+ | _Max Weinberger_ | kein Verfahren | kein Verfahren |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 5 | 30. III. 19 | Eglhofer, | Josef Seidl, |
+ | _F. K. v. Teuchert_ | Fritz Seidel | Kammerstädter, |
+ | _F. W. v. Seydlitz_ | Eglhofer will- | Schickelhofer, |
+ | _F. Linnenbrügger_ | kürlich | Kick, Gsell, |
+ | _Walter Hindorf_ | erschl. | Hannes, Huber, |
+ | _Prof. Ernst Berger_ | Fritz Seidel | Hesselmann, |
+ | _Sekr. Daumenlang_ | z. Tode | Lermer, Wiedl, |
+ | _Hella v. Westarp_ | verurteilt | Fehmer, Pürzer, |
+ | _W. Neuhaus_ | | Riedmayer |
+ | _W. Deicke_ +----------------+ |
+ | _Prinz Thurn u. | Josef Seidl, Schickelhofer, |
+ | Taxis_ | Kammerstädter, Wiedl, Pürzer, |
+ | als Repress. | Fehmer, Walleshauser z. Td. |
+ | willkürl. erschossen | verurteilt |
+ | | Kick, Gsell, Hesselmann, Lermer, |
+ | | Hannes, Huber, Riedmayer, Debus, |
+ | | Strelenko und Greiner zu je 15 |
+ | | Jahre Zuchth. |
+ | | Rotter 7 J. Z. |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 15 | 25. IV. 19 | Rich. Käs, Gg. | Blechinger, |
+ | _Ernst Lacher_ | Graf, Radl | Ebert, Essig, |
+ | angebliches | Käs 6 J. | Vogl, |
+ | Standrecht | Zuchth. | Mühlbauer, |
+ | | Graf 12 Jahre | Anzenberger |
+ | | Zuchth., Radl | Vogl 4 J. |
+ | | stdrechtl. | Zuchthaus, |
+ | | ersch. | Mühlbauer 3-1/2 |
+ | | | J. Zuchthaus |
+ | +----------------+ |
+ | | Anzenberger 1 J. 6 Mon. Gef. |
+ | | Ebert, Blechinger, Essig je 3 |
+ | | J. Gefängnis |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 16 | 2. VIII. 19 | Polizeiagent | unbekannt |
+ | _Polizeiag. Blau_ | Toifl? | (Hoppe) |
+ | erdrosselt | kein Verfahren | Hoppe 6 J. Z. |
+ | | | Winkler 3 J. G. |
+ | | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 17 | 19.III. 20 | unbekannt | unbekannt |
+ | _Gutsbesitz. Walter_ | Verf. eingest. | Verf. eingest. |
+ | willkürl. Erschießung | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 18 | 21. III. 20 | -- | Felix, Rolle, |
+ | _Gutsbesitz. Henze | -- | Steinbach |
+ | u. Schwester_ | | Felix 5 J. |
+ | willkürl. Erschießung | | Gef., Rolle und |
+ | | | Steinbach 12 |
+ | | | Jahre Zuchthaus |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 20 | 28. III. 20 | G. Karuseit | unbekannt |
+ | _Sametz_ | Verf. schwebt | Verf. schwebt |
+ | angebl. | | |
+ | Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 21 | 3. IV. 20 | unbekannt | unbekannt |
+ | _E. Langensiepen_ | Verf. schwebt | Verf. schwebt |
+ | angebl. | | |
+ | Standrecht | | |
+ ----+-----------------------+----------------+-----------------+
+ 22 | 30. III. 21 | Max Hölz | unbekannt |
+ | _Gutsbesitzer Heß_ | Lebensl. | -- |
+ | willkürl. Erschießung | Zuchth. | |
+ ================================================================
+ =Gesamtzahl: 22 Morde von links=
+ ================================================================
+ =Gesamtsühne: 10 Erschießungen, 248 Jahre, 9 Monate
+ Einsperrung, 3 lebenslängliche Zuchthausstrafen=
+ ================================================================
+
+DIE FORMEN DER POLITISCHEN MORDE
+
+ =====================================================
+ »Tödlich verunglückt« | 184 | Als Repressalie | 10 |
+ | | erschossen
+ ----------------------+-----+-----------------+-----+
+ Willkürlich | 73 | Willkürlich | 8 |
+ erschossen | | erschossen | |
+ ----------------------+-----+-----------------+-----+
+ »Auf der Flucht | 45 | |
+ erschossen« | | |
+ ----------------------+-----+-----------------+-----+
+ Angebliches | 37 | Angebliches | 3 |
+ Standrecht | | Standrecht | |
+ ----------------------+-----+-----------------+-----+
+ Angebliche | 9 | Angebliche | 1 |
+ Notwehr | | Notwehr | |
+ ----------------------+-----+-----------------+-----+
+ Im Gefängnis oder | 5 | |
+ Transport gelyncht | | |
+ ----------------------+-----+ |
+ Angeblicher | 1 | |
+ Selbstmord | | |
+ =====================================================
+ Summe der von | 354 | Summe der von | 22 |
+ Rechtsstehenden | | Linksstehenden | |
+ Ermordeten | | Ermordeten | |
+ =====================================================
+
+DIE SÜHNE DER POLITISCHEN MORDE
+
+ ===========================================================
+ | Politische Morde | Gesamtzahl |
+ +============================================+======+ +
+ | begangen | von | von | |
+ | | Linksstehenden | Rechtsstehenden | |
+ +================+-----+ | +-----+ |
+ | Gesamtzahl der Morde | 22 | 354 | 376 |
+ +----------------------+----------+-----------+-----------+
+ | davon ungesühnt | 4 | 326 | 330 |
+ +----------------------+----------+-----------+-----------+
+ | teilweise gesühnt | 1 | 27 | 28 |
+ +----------------------+----------+-----------+-----------+
+ | gesühnt | 17 | 1 | 18 |
+ +----------------------+----------+-----------+ |
+ | Zahl der | 38 | 24 | |
+ | Verurteilungen | | | |
+ +----------------------+----------+-----------+ |
+ | Geständige Täter | -- | 23 | |
+ | freigesprochen | | | |
+ +----------------------+----------+-----------+ |
+ | Geständige Täter | -- | 3 | |
+ | befördert | | | |
+ +----------------------+----------+-----------+ |
+ | Dauer der | 15 Jahre | 4 Monate | |
+ | Einsperrung | | | |
+ | pro Mord | | | |
+ +----------------------+----------+-----------+ |
+ | Zahl der | 10 | -- | |
+ | Hinrichtungen | | | |
+ +----------------------+----------+-----------+ |
+ | Geldstrafe | -- | 2 Papier- | |
+ | pro Mord | | mark | |
+ ===========================================================
+
+
+
+
+NICHT AUFGENOMMENE TÖTUNGEN
+
+
+Wie bereits in der Einleitung hervorgehoben, macht die vorliegende
+Sammlung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Zunächst habe ich
+natürlich alle Körperverletzungen weggelassen, die nicht tödlich
+ausgingen, wie z. B. den Ueberfall auf _von Gerlach_, Dr. Magnus
+_Hirschfeld_, die Attentate auf den Abgeordneten _Auer_, auf
+_Scheidemann_, _Harden_ usw., bei denen der Mordversuch offenkundig war.
+
+Ferner habe ich in die Sammlung nicht aufgenommen:
+
+1. Die Opfer von Demonstrationen, Straßenkämpfen und von Lynchungen
+durch eine erregte Menge, wie sie vielfach z. B. während der Märzunruhen
+in Berlin, während des Kapp-Putsches und im Rheinland vorgekommen sind.
+Während des Kapp-Putsches wurden Hunderte von Arbeitern durch die
+meuternden Truppen und auch manche Soldaten durch Arbeiter erschossen.
+So fiel z. B. Hauptmann _Bertold_ im Straßenkampf gegen die Arbeiter von
+Harburg. Von anderen Opfern von Unruhen seien kurz erwähnt: die 20 in
+Königshütte am 2. Januar 1919 erschossenen streikenden Arbeiter, die 5
+durch die Garde-Kav.-Schützendivision in der Weinmeisterstraße im
+Februar 1919 Erschossenen, die 34 in der Köpenicker Straße in Berlin im
+März 1919 erschossenen Kommunisten, die 5 Reichswehrsoldaten, die durch
+die Baltikumer in Soest im Juni 1920 erschossen wurden. Zuletzt die 2
+durch die auf Borkum stationierte Küstenwehr am 31. Dezember 1920
+Erschossenen. Von der linken Seite stehen dem u. a. eine Reihe von
+Lynchungen gegenüber, die durch eine erregte Menge vorgenommen wurden,
+z. B. der Fall des sächsischen Kriegsministers _Neuring_ und des
+Oberstleutnants _v. Klüber_ in Halle, die Fälle am Wasserturm in Essen,
+am Rathaus in Schöneberg usw.
+
+2. Alle Fälle, wo die erschießende Partei behauptet, daß sie von der
+Menge angegriffen wurde, gleichgültig, ob dies nachweisbar ist oder
+nicht. Daher habe ich nicht behandelt: die Erschießung von 17
+Arbeitslosen in Breslau am 13. Februar 1919, die Erschießung des
+Arbeiters Hermann _Mark_ in der Müllerstraße in Berlin am 3. Oktober
+1919, die Erschießung eines Kriegsbeschädigten in Spandau am 12.
+Dezember 1919, die Erschießungen von 42 Demonstranten vor dem Reichstag
+am 13. Januar 1920, die Erschießung des Arbeiters _Jusselbeck_ bei einer
+Versammlung in Oberhausen am 16. Februar 1920.
+
+3. Alle Ermordungen, denen keine deutschen innerpolitischen Motive
+zugrunde liegen, also alle Erschießungen in Oberschlesien, ferner die
+Ermordung des französischen Sergeanten _Mannheim_, die Ermordung eines
+polnischen Kommunisten _Körner_ (Rozenblum) durch einen anderen Polen in
+der Petersburgerstraße in Berlin, und von verschiedenen Türken durch
+Armenier. Endlich alle Fälle, wo es sich wahrscheinlich um einen
+persönlichen Racheakt handelte, wie die Ermordung des Abgeordneten
+_Haase_ durch _Voß_ und die Ermordung des Studenten _Kahn_ in
+Baden-Baden.
+
+4. Alle Fälle, wo die Erschießung auf Grund eines kriegsgerichtlichen
+Urteils erfolgte, weil hierbei meistens wenigstens das formale Recht
+gewahrt blieb. Daher ist die Erschießung von _Leviné_ nicht aufgenommen.
+Dagegen habe ich die Erschießungen in Köpenick gebracht, da es sich hier
+meines Erachtens um Justizmorde handelt. Natürlich habe ich auch
+diejenigen Fälle erwähnt, wo »standrechtliche Erschießungen« durch
+meuternde Truppen auf Grund der Verordnungen Kapps vorgenommen wurden.
+
+5. Alle Fälle, in denen es mir nicht gelungen ist, genügend Material zu
+bekommen. Hierunter fällt die Erschießung eines Sanitäters Hans _Müller_
+in der Neuenburger Straße in Berlin am 11. Januar 1919, die Erschießung
+von _Pieser_ in Spandau am 11. Januar 1919, des Kommunisten _Meseberg_
+in Halle am 24. März 1919, die Erschießung des Arbeiters _Pludra_ im
+März 1919 in Halle a. S. durch den Freiwilligen Hans _Haneling_ auf
+Befehl des Oberleutnants _Kornalewski_ (Feld-Art.-Reg. 45) und des
+Führers der 2. Streifkompagnie des Freikorps Halle _Huberti_ alias
+_Roth_, ungefähr 50 willkürliche Erschießungen während der Märzunruhen
+in Berlin, z. B. die des Soldaten _Neese_ am 12. März 1919, die
+Erschießung des Willi _Bressert_ in Kottbus am 2. August 1919, die
+Erschießung des Kommunisten _Hammer_ in Remscheid im September 1919, die
+Erschießung des 20 jährigen August _Kluwig_ durch den Vizefeldwebel
+_Moeßmann_ (6. Kompagnie des Freikorps Schütz) bei Hamborn im März 1920,
+die Erschießung des 19 jährigen Wilhelm _Bölke_ in Adlershof am 19. März
+1920, die Erschießung der Arbeiter Paul _Reinke_ und Emil _Dagner_ am
+22. März 1920 auf Befehl des Major _Kloß_ durch den Leutnant _Schefler_
+in Wesel, die Ermordung von Arbeitern durch Reichswehrsoldaten in
+Schallenberg und Tunzenhausen im März 1920, die Erschießung eines
+Arbeiters in Parin bei Grevesmühlen am 20. März 1920 auf Befehl des
+Wirtschafters des Gutes Oberhof, eine Reihe von Ermordungen von Bürgern
+bei Halle im März 1920, nämlich des Bergrats Dr. _Vogelsang_ in Eisleben
+am 16. März, des Bürgermeisters von Osterfeld, des Rittergutsbesitzers
+_Barth_ in Poserna, des Pastors _Niehus_ in Burg Liebenau am 20. März,
+des Landesjägers _Herr_ in Teutschenthal, des Schriftstellers _Schott_
+in Langenberg-Reuß, des Freiherrn _von Knigge_ in Endorf, die Ermordung
+des Bürgermeisters _Jaeckel_ in Osterfeld durch Kommunisten, die
+Erschießung des bolschewistischen Kuriers Paul _de Mott_ am 5. April
+1920 im Gefängnis Wesel durch den ihn bewachenden Gefreiten
+_Getischorek_ »auf der Flucht« und die Ermordung des Arbeiters Karl
+_Schluck_ am 15. April 1920 in Altenbochum durch Angehörige des
+Freikorps Epp; ferner die Erschießung des Arbeiters Otto _Haase_ am 9.
+Juni 1921 in Berlin.
+
+Selbst nach dieser scharfen Auswahl sind noch die geschilderten Fälle
+übrig geblieben.
+
+
+
+
+ZUR SOZIOLOGIE DER
+
+POLITISCHEN MORDE
+
+DAS WERDEN DER DEUTSCHEN ÖFFENTLICHEN MEINUNG
+
+
+Wenn man sich die oben geschilderten Morde und die noch schrecklichere
+Klassenjustiz ins Gedächtnis ruft, so drängt sich die Frage auf: Wie
+sind solche Dinge in einem früher so geordneten Land möglich, das sicher
+zu den führenden Kulturnationen unserer Zeit gehört und das nach seiner
+Verfassung eine freiheitliche, demokratische Republik ist?
+
+Um dies zu untersuchen, müssen wir die historische Bedingtheit, das
+Werden dieses heutigen Geistes verfolgen. Drei Phasen sind dabei zu
+unterscheiden: Die Entwicklung vor dem Krieg, die während des Krieges
+und die nach dem 9. November 1918.
+
+Schon vor dem Kriege hat Deutschland, wenn auch nicht ganz mit Recht,
+den Ruf besessen, ein militärisches, d. h. halb feudalistisches Land zu
+sein, das gegenüber den westlichen Demokratien im Rückstand sei. Dieser
+Auffassung widersprechen die sozialen Einrichtungen Deutschlands und die
+außerordentlichen Leistungen seiner Wissenschaft und Technik. Begründet
+ist diese Auffassung zunächst durch den überwiegenden Einfluß des
+Militärs auf Staat und Gesellschaft, dann aber auch durch die
+grundsätzlich negierende Stellung, die Deutschland gegenüber den Haager
+Konferenzen eingenommen hat. Es bleibe unerörtert, inwieweit diese
+Versuche einer Pazifizierung der Welt tatsächlich möglich und
+aussichtsreich waren. Worauf es ankommt, ist, daß durch diese Haltung
+die Meinung entstanden ist, daß Deutschland ein militaristisches Land
+sei. Diese Weltauffassung hat auch in der Tat die Außenpolitik in
+wichtigen Momenten, z. B. in der Frage der Schiedsgerichtsbarkeit
+entscheidend beherrscht.
+
+
+Drei Ursachen des Militarismus
+
+Als Hauptursachen dieser Einstellung wird man in Kürze folgendes
+anführen können.
+
+(a) Die Entstehung Preußens auf einem Kolonialgebiet, wo eine
+ursprünglich dünne deutsche Oberschicht eine breite slavische
+Unterschicht beherrschte, und die ungünstige Lage Deutschlands machten
+früher einen großen militärischen Aufwand nötig. Schon zur
+Rechtfertigung seiner eigenen Existenz mußte dann das Militär die
+Möglichkeit der Erhaltung des Friedens auf einem andern Wege als dem
+der Rüstung auch in Zeiten leugnen, wo dieser Weg nicht mehr
+wirkungsvoll, sondern umgekehrt sogar schädlich war.
+
+(b) Gerade die relative Neuheit des deutschen Einheitsstaates, der ganz
+zu Unrecht als eine Erfüllung der demokratischen Träume der 48er
+hingestellt wurde, unterstützte die Wirksamkeit dieser Ideologie. Die
+bürgerliche Revolution von 48 hatte den nationalen Gedanken betont,
+nicht im Sinne des heutigen Imperialismus, sondern als ein
+freiheitliches Gegengewicht gegen die herrschende dynastische
+Staatsauffassung. Das Volk und nicht die Fürsten sollten es sein, worauf
+sich der Staat aufbaue. Den nationalen Gedanken, der ohne seinen
+sozialen Inhalt nur eine leere Form blieb, übernahm Bismarck als ein
+Mittel zur Machtvergrößerung der Dynastie Hohenzollern und so konnte die
+Fiktion entstehen, das Reich von 1870 sei eine Fortsetzung der
+revolutionären, demokratischen Tendenzen von 1848. Blut und Eisen hätten
+das von oben verwirklicht, was das revolutionäre Bürgertum von unten
+nicht hatte vollenden können. So wird der Militarismus künstlich mit
+einem idealen Schimmer umkleidet.
+
+(c) Der große wirtschaftliche Aufschwung Deutschlands nach 1870 wurde
+nicht als eine Folge des Fallens der inneren Zollschranken und der
+gleichzeitig überall steigenden Konjunktur, sondern als eine Folge des
+militärischen Sieges aufgefaßt. Daher bleiben die Offiziere, die
+»Begründer der deutschen Größe«, auch im Frieden die gesellschaftlich
+maßgebende Schicht. Ein Staat aber, in dem das Militär, sei es direkt,
+sei es durch das Reserveoffiziersunwesen, herrscht, muß seiner Natur
+nach kriegerisch auftreten.
+
+Wir sehen also, daß das Bürgertum in Deutschland, das als Träger einer
+Demokratie in Betracht kam, selbst seinen Feind, den Militarismus
+stützte.
+
+
+Zur Kriegsschuld
+
+Die Auffassung aber, wonach Deutschland während langer Jahre nur davon
+geträumt habe, über die übrige, »demokratisch und friedlich gesinnte
+Welt« herzufallen, um sie zu erobern, ist falsch. Will man von einer
+deutschen Schuld sprechen, so müßte man folgende drei Gesichtspunkte
+unterscheiden: (a) Die Schuld des herrschenden Wirtschaftssystems
+überhaupt, das den Krieg und seine Vorbereitung zu einem für gewisse
+besitzende Klassen lohnenden Geschäft macht. Der Anteil Deutschlands
+hieran bestand z. B. in dem Ausbau des Dumping-Systems, der unsinnigen
+Marokko-Politik usw.; (b) die Schuld der deutschen Diplomaten, die im
+unbedingten Glauben an Blut und Eisen in den Julitagen von 1914 alle
+friedlichen Mittel solange verwarfen, bis sie den Krieg unvermeidbar
+gemacht haben; (c) eine Schuld des ganzen deutschen Volkes, das den
+Krieg als etwas Herrliches, Begeisterungswürdiges empfand.
+
+Wenn ganz Deutschland den Krieg ursprünglich unbedingt bejahte, so darf
+man auch hierin nicht einen Beweis des militärischen Eroberungswillens
+sehen. Der Glauben, von Rußland überfallen zu sein und die Meinung,
+tatsächlich die europäische Kultur gegen die Barbarei verteidigen zu
+müssen, war allgemein verbreitet. Der Krieg gegen Frankreich wurde mit
+der bekannten Lüge der Fliegerbombe von Nürnberg begründet, die
+allgemein geglaubt wurde. Der Ueberfall auf Belgien schien nur die
+berechtigte Abwehr gegenüber einem angeblichen früheren Einmarsch der
+Franzosen.
+
+
+Die Lügentechnik der Presse
+
+Die unorganisierte Verbreitung von Lügen wich bald einer systematischen
+Irreführung der öffentlichen Meinung.
+
+Die Mittel hierzu waren Zensur, Belagerungszustand und Schutzhaft.
+Offiziell erstreckte sich die Zensur nur auf militärische
+Angelegenheiten. Daher hat man alles Politische als militärisch
+betrachtet. Beinahe täglich wurden den Redaktionen Richtlinien, Befehle
+oder Verbote zugesandt. Mehrmals wöchentlich wurde eine
+»Pressekonferenz« gehalten, um die »richtigen« Nachrichten zu lancieren
+und um zu verhindern, daß sich eine selbständige öffentliche Meinung
+bildete. Der Sinn der Anweisungen war stets: »So und so verhält es sich,
+aber so und so wünschen wir es dargestellt« (manchmal hieß es sogar
+wörtlich so). Sorgfältig wurde verhüllt, daß es überhaupt eine Zensur
+gebe. Hierzu diente auch das Verbot, von der Zensur gestrichene Stellen
+weiß zu lassen, was in allen anderen Ländern erlaubt war. Wurden im
+Reichstag Uebergriffe von Zensoren erörtert, so strich der betreffende
+Zensor in lokalen Berichten die ganzen Mitteilungen darüber (Reichstag
+30. Mai 1916). Jahrelang hat man jede Theateraufführung, jede
+wissenschaftliche und künstlerische Bemerkung, jede Annonce, ja jedes
+Witzblatt sorgfältig darauf geprüft, wie sie auf die Stimmung des Volkes
+wirken. Jahrelang hat man verboten, gewisse unliebsame Ereignisse und
+die Namen gewisser unbeliebter Persönlichkeiten überhaupt nur zu
+erwähnen, sodaß das Volk nicht einmal erfuhr, daß es Menschen gab, die
+protestierten. Umgekehrt hat man gewisse Halbgötter für sakrosankt
+erklärt. Die oberste Heeresleitung, eine durch und durch politische
+Organisation, durfte nicht in den Bereich der Diskussion gezogen werden.
+
+Auch über die Meinungen der Presse wurde das Volk völlig irregeführt.
+Man zwang die gesamte Presse, Regierungsmeinungen als redaktionelle
+Aeußerungen einzusetzen, ohne daß die Presse die Möglichkeit irgend
+welcher Kritik hatte.
+
+Beim Ueberschreiten auch nur einer der vielen Zensurbestimmungen drohte
+den Zeitungen Verbot auf Tage, Wochen oder bis zum Kriegsende, den
+Redakteuren die schärfsten Strafen. (Reichstag, 28. Oktober 1916.) War
+ein Blatt mit all diesen Mitteln noch nicht klein zu kriegen, so kam es
+unter Vorzensur. Die Zensurbeschwerden mit allem, was dazu gehört, wie
+Belagerungszustand und Schutzhaft, füllen Tausende von Seiten der
+Reichstagsberichte. Zur Zensur kamen dann noch die vielen kleinen
+Mittel, die der Regierung zur Verfügung stehen. Regierungstreue Organe
+wurden bei der Papierverteilung besonders berücksichtigt, die Redakteure
+der oppositionellen Blätter eingezogen. Neue oppositionelle Blätter
+durften nicht erscheinen. Man gründete Korrespondenzen, die umsonst
+abgedruckt werden durften (z. B. deutsche Kriegsnachrichten) und hatte
+so eine regierungstreue Provinzpresse.
+
+
+Die Knebelung der öffentlichen Meinung
+
+Abgesehen von der Presse hat man zur vaterländischen Lügenpropaganda das
+Theater, das Kino, das Plakat, das Trambahnbillett, die
+Zündholzschachtel, selbst das Abortpapier herangezogen. Mit allen
+Mitteln wurde die öffentliche Meinung unterdrückt.
+
+Durch Schreibverbot, Schutzhaft, Einziehung zum Militär und Hilfsdienst,
+Redeverbot, Zwangsaufenthalt, geheime Brief- und Telephonzensur hat man
+unbequeme Leute mundtot gemacht. Ohne Möglichkeit einer Rechtfertigung
+saßen Tausende in Schutzhaft. Ein dichtes Netz von Spitzeln und Agents
+provocateurs umgab jedes politische Leben (Reichstag, 31. Oktober 1916).
+Durch Versammlungsverbote verhinderte man, daß der Volkswille
+manifestiert wurde. Unbeliebte Reichstagsabgeordnete durften nicht zu
+ihren Wählern sprechen. Gleichzeitig wurde den dadurch Betroffenen
+untersagt, das Verbot bekanntzugeben, sodaß es aussehen mußte, als wenn
+sie sich zu anderen Ansichten bekehrt hatten. Wurde eine Schrift
+beschlagnahmt oder eine Organisation aufgelöst, so wurde gleichzeitig
+jede Mitteilung hierüber verboten. Nicht nur gegen Einzelne ist man so
+vorgegangen, dem ganzen Elsaß-Lothringischen Landtag ist verboten
+worden, über die Lebensfrage des Landes zu sprechen, nämlich über seine
+künftige verfassungsmäßige Stellung (Reichstag, 6. und 26. Juni 1918).
+
+Systematisch wurde die Denunziation gezüchtet. Der tapfere Leiter dieses
+Reichskrieges war der Polizeidirektor Henniger von der Abteilung Ia des
+Polizeipräsidiums. (Am 9. November entflohen, jetzt wieder im Amt.) Den
+Denkwilligen entzog man jedes Tatsachenmaterial. Geburt und Grab,
+Unglücksfälle und Verbrechen, Streiks, Volkskundgebungen, alles hat man
+unterschlagen. Nicht bekannt werden durfte z. B. die Zahl der im Kriege
+oder in der Heimat Gestorbenen, die Zahl des Geburtenrückganges, die
+exakten Zahlen der Ernte. Manche vollständigen Reichstagsstenogramme
+mußten illegal erscheinen; Mitteilungen des Gesundheitsamtes, selbst
+Artikel des Kriegsernährungsamtes wurden von der Zensur verboten. Auch
+dem Reichstag und selbst Regierungsstellen war keine Möglichkeit
+gegeben, sich wahrheitsgemäß zu unterrichten. So war das deutsche Volk
+völlig desorientiert und stand hilflos den Lügen gegenüber, die ihm Tag
+für Tag von der Regierung und der kriegshetzerisch feilen Presse geboten
+wurden.
+
+
+Die Revolution
+
+Die Deutsche Republik ist, wie man weiß, nicht das Resultat des
+Aufstrebens der deutschen Bürger, sondern die Folge der Niederlage
+seiner Generale. Vor der Verantwortung retteten sie sich. Auf ihren
+Wunsch wurde eine neue fortschrittliche Regierung gegründet, deren Zweck
+nur sein sollte, sofort einen günstigen Waffenstillstand herbeizuführen.
+Rein militärische Gründe waren es, die zu diesem Schritt zwangen. Das
+deutsche Heer stand vor der größten Niederlage aller Zeiten. »Das
+Friedensangebot muß morgen noch herauskommen. Heute hielt die Truppe
+noch, was morgen ist, läßt sich nicht voraussagen«, so schreibt
+Ludendorff selbst. (Vorgeschichte des Waffenstillstands, Tel. Nr. 21.)
+Und Hindenburg telegraphiert an die Waffenstillstandskommission, wenn
+keine Milderungen zu erreichen sind, sind die Bedingungen anzunehmen.
+Ueber Nacht entstehen im Heer die Soldatenräte, die Arbeitermassen
+zwingen die Herrscher zur Abdankung.
+
+Aber diese Revolution entspricht nicht dem üblichen Bild. Die
+wesentliche psychologische Ursache, die jahrelange Unzufriedenheit der
+Masse fehlte. Bis 1914 herrschte im allgemeinen Zufriedenheit. Das
+Standard of Life war gestiegen, das Land befand sich auf einer
+aufsteigenden Linie. Als die deutsche Politik Schiffbruch erlitt, folgte
+nicht ein Umsturz, sondern nur ein Einsturz, und da die Dynastien sich
+mit dem Militarismus identifiziert hatten, so schickte man sie zum
+Teufel.
+
+Große Hoffnung bestand, daß dies der Ausgangspunkt einer demokratischen
+Entwicklung werden könne, daß ein Erwachen aus dem Bann der Lügen
+stattfinden würde.
+
+
+Weimarer Verfassung und Wirklichkeit
+
+Formal hat sich in Deutschland wirklich etwas geändert. Denn seit der
+Weimarer Verfassung ist Deutschland nominell eine Demokratie. Danach
+geht die Staatsgewalt vom Volk aus. Die Richter sind unabhängig und nur
+dem Gesetz unterworfen. _Ausnahmegerichte sind unstatthaft_, niemand
+darf seinem gesetzmäßigen Richter entzogen werden. Die
+Militärgerichtsbarkeit ist aufgehoben. Alle Deutschen sind vor dem
+Gericht gleich. Die Freiheit der Person ist unverletzlich. Personen,
+denen die Freiheit entzogen ist, sind spätestens am darauffolgenden Tage
+davon in Kenntnis zu setzen, von welcher Behörde und aus welchem Grunde
+die Entziehung der Freiheit angeordnet ist. Das Brief-, Telegraph- und
+Fernsprechgeheimnis ist unverletzlich. Eine Zensur findet nicht statt.
+In allen Schulen ist sittliche Bildung, staatsbürgerliche Gesinnung,
+persönliche und berufliche Tüchtigkeit im Geiste des deutschen Volkstums
+und der Völkerversöhnung zu erstreben.
+
+Wer diese herrlichen Bestimmungen, wie sie in der Weimarer Verfassung
+niedergelegt sind, liest, wird schwerlich daran zweifeln können, daß
+Deutschland eine vollendete Demokratie sei.
+
+Aber es ist eine bekannte Tatsache, daß es leider unmöglich ist, aus dem
+Wortlaut einer Verfassung auf den Grad der Demokratie zu schließen, den
+ein Land hat. Wenn man z. B. nach den Pronunziamentos mancher Generale
+schließen wollte, wären sie wahre Engel und würden allen Menschen die
+Segnungen des Paradieses bieten. Dem ist nicht so. Man muß vielmehr noch
+die Ausführungsbestimmungen, die weiteren Gesetze, die Rechte der
+Polizei, den Geist der Verwaltung und vor allem den geistigen Zustand
+eines Landes berücksichtigen, um unsere Frage zu entscheiden. Hier
+bekommen wir nun sofort ein anderes Bild.
+
+Die Leute des Ancien Régime werden in Deutschland noch immer hoch
+verehrt. Der Kaiser gilt als eine mystische Persönlichkeit, ja es konnte
+sogar in den extremen rechten Kreisen eine Christuslegende entstehen,
+wonach Wilhelm die Sünden seines Volkes auf sich genommen und durch
+seine freiwillige Verbannung sich für Deutschland geopfert habe.
+Entsprechend werden auch die Angehörigen seines Hauses, selbst wenn sie
+sich gemeiner Verbrechen schuldig gemacht haben, noch immer hoch
+verehrt. Ein Hohenzoller hat sich Verfehlungen gegen den § 175
+(Homosexualität) zuschulden kommen lassen, ein anderer hat sich in eine
+Wirtshausrauferei eingelassen, ein dritter ist wegen
+Kapitalsverschiebungen rechtskräftig verurteilt worden. Weite Kreise des
+Volkes sehen in ihnen doch noch immer Menschen höheren Schlages.
+
+Die Republik ist unerhört demokratisch -- gegen ihre Feinde. Während die
+Hohenzollern 1866 nicht daran dachten, dem von ihnen gestürzten König
+und den Fürsten einen Pfennig Entschädigung zu zahlen und sie sogar ohne
+weiteres ihres Landes verwiesen, hat die Republik den Hohenzollern ihr
+ganzes Eigentum gelassen. Ja, auch wo es strittig war, ob es sich um
+Staatsgut oder Privatgut der Hohenzollern handelte, hat man ihnen nicht
+einen Pfennig genommen. Im Gegenteil, Jahr um Jahr schickte der gute
+deutsche Steuerzahler Millionen nach Amerongen, damit sein Kaiser in der
+Verbannung würdig lebe und damit ihm nicht die Möglichkeit genommen sei,
+die Kräfte zu sammeln, um die Republik zu stürzen. Kein einziger
+Thronprätendent ist des Landes verwiesen worden. Die Behörden haben die
+Bezeichnung »Königlich« und »Kaiserlich« nur zum Teil gestrichen. Z. B.
+steht selbst in dem Haus, wo der württembergische Staatspräsident wohnt,
+noch unangefochten ein Schild, wonach dieses Haus das »Königliche
+Ministerium des Aeußeren« sei. Auch die Berliner Akademie der
+Wissenschaften nennt sich noch immer königlich.
+
+Um diese Mentalität zu verstehen, muß man folgendes beachten.
+
+
+Tatsachen und Ueberzeugungen
+
+Es ist sehr selten, daß die Menschen sich durch die Tatsachen wirklich
+überzeugen lassen. Meistens ziehen sie vor, besonders, wenn wie hier,
+die mächtigen mit dem Militär verschwägerten Interessen des
+Großkapitals hinter der Bildung der öffentlichen Meinung durch die
+Zeitung stehen, aus der rauhen Wirklichkeit ins süße Reich der Märchen
+zu flüchten. Denn es ist bitter, langjährige Ueberzeugungen zu opfern.
+Daher wird zur Erhaltung des Prestiges noch heute geleugnet, daß
+Deutschlands Militärmacht an der vereinigten Militärmacht der ganzen
+Welt gescheitert ist. Vielmehr: »die Heimat hat die Front von hinten
+erdolcht«, sozusagen, das Volk hat die Generale verraten. Damit ist die
+nationale Eitelkeit der Unüberwindbarkeit gerettet, die ganze Politik
+der letzten 50 Jahre gerechtfertigt. Endlich ist ein Prügelknabe
+gefunden; die Zurückgebliebenen, die Drückeberger, die Juden sind an
+allem Schuld.
+
+Daß von Regierungsseite das Volk nicht aufgeklärt wurde, liegt daran,
+daß die Regierung in ihrem zum Teil von ihr provozierten Kampf gegen die
+bolschewistische Linke die rechtsstehenden »Ordnungsleute«, auf die sie
+sich stützte, nicht allzusehr verschnupfen wollte. In ihrer
+Machtlosigkeit und verhängnisvollen Kurzsichtigkeit hat die Regierung
+sogar die Möglichkeit eines Militärputsches geleugnet, ihre eigenen
+Gegner bewaffnet, die Arbeiterschaft, auf die sie sich stützen konnte,
+entwaffnet. Der Kapp-Putsch scheiterte nicht etwa an der Abwehr der
+besitzenden und intellektuellen Klassen -- diese haben im Gegenteil ihn
+jubelnd begrüßt -- vielmehr an der entschlossenen Abwehr des
+Proletariats und an seiner mangelhaften politischen und technischen
+Ausbildung.
+
+Die wirtschaftlichen Ursachen dieser psychischen Einstellung liegen auf
+der Hand. Das deutsche Bürgertum hat eine Zeitlang, ob mit Recht oder
+Unrecht spielt keine Rolle, die heute herrschende Wirtschaftsordnung,
+auf der seine Existenz beruht, für bedroht gehalten. In dieser Situation
+pflegt eine herrschende Klasse stets rücksichtslos ihre Prinzipien über
+Bord zu werfen, soweit sie sie in ihrem Kampfe hindern, nur um ihre
+Existenz zu retten. Auch die dritte französische Republik hat zu ihrem
+Beginn im Kampfe gegen den Kommunismus nach rein militaristischen
+Motiven gehandelt. Der Sturz der Kommune hat Tausenden das Leben
+gekostet, die Kommune selbst nur wenigen. Aehnlich schrecken die
+herrschenden Klassen Deutschlands wegen des ihrer Meinung nach noch
+immer drohenden Bürgerkriegs vor keiner Verletzung der demokratischen
+Prinzipien, ihrer eignen Grundlage zurück.
+
+
+Der Frieden von Versailles
+
+Eine wesentliche Ursache an diesen Zuständen ist auch die
+imperialistische Politik der Entente. Dem besiegten kaiserlichen
+Deutschland des 5. Oktober stellte die Entente mit Recht die denkbar
+schärfsten Waffenstillstandsbedingungen. Aber auch nach der Revolution
+hat die Entente die ursprünglichen Bedingungen aufrecht erhalten, ja sie
+noch verschärft. Dies war für eine mögliche deutsche Revolution ein
+schwerer Schlag. Denn es war die Hoffnung aller geistig Selbständigen
+in Deutschland, die Entente werde beim Sieg ihr Wort wahr machen, dieser
+Krieg gelte nicht dem deutschen Volke, er gelte nur einem innerlich
+zermürbten Feudalismus, der den Frieden der Welt bedrohe. Die Mehrzahl
+der Deutschen muß also der Opposition mißtrauen, die ihnen die Sache der
+Entente als gerecht darstellte. Die Entente hat nichts getan, um die
+ehrlichen Kämpfer auf der anderen Seite, wie Eisner, zu unterstützen.
+Dadurch hat sie die Reaktion verstärkt und selbst dazu beigetragen, daß
+nach der Revolution vielfach die alten Leute an der Spitze blieben.
+
+Auch nach dem Waffenstillstand hat die Entente ihre Politik, Unmögliches
+zu fordern, fortgesetzt und damit dazu beigetragen, daß Deutschland
+nicht bereit war, das Mögliche zu leisten. Denn diese Forderungen
+rechtfertigen in den Augen der Deutschen wieder die Politik der alten
+Regierung, und so treiben Verschärfungen der Ententebedingungen
+einerseits, und Anwachsen eines neuen deutschen Chauvinismus
+andrerseits, sich gegenseitig in die Höhe.
+
+Am stärksten hat der Friedensvertrag von Versailles den Nationalismus
+wieder geweckt. Was man ihm vor allem vorwerfen muß, ist die Tatsache,
+daß er ein Diktatfrieden ist, daß er Deutschland mehr schädigt, als er
+der Entente nützt. Der Idee des verletzten Rechtes ist keineswegs Genüge
+geleistet worden, indem Elsaß-Lothringen auf Grund des angeblichen
+historischen Rechtes an Frankreich kam. Eine Volksabstimmung hätte den
+lebendigen Willen der Bevölkerung ergeben und hätte gleichzeitig den
+imperialistischen Schreiern in Deutschland den Mund gestopft. Posen und
+Westpreußen sind ohne Abstimmung an Polen gekommen. Die Abstimmung in
+Ostpreußen, wo die Verhältnisse ähnlich liegen wie in den beiden
+Provinzen, ergab 95 Prozent für Deutschland. Danzig und Memel wurden
+gegen ihren Willen von Deutschland abgetrennt. Eupen und Malmedy kamen
+ohne Abstimmung an Belgien. Die Bevölkerung hatte ein Recht zum Protest,
+das natürlich wegen der zu erwartenden Ausweisung von niemand ausgeübt
+wurde. Deutsch-Oesterreich, das in Volksabstimmungen in überwältigender
+Mehrheit den Anschluß an Deutschland forderte, wurde der Anschluß
+verboten. Wegen Oberschlesien hat man sich drei Jahre lang nicht zu
+einer definitiven Lösung entschließen können. Vielleicht wäre jede
+Lösung besser gewesen, als das Hinziehen und Warten und die dadurch
+entstandene Spannung.
+
+Endlich hat die Entente so ziemlich in allen Punkten nachgegeben, wo sie
+nicht hätte nachgeben sollen und nicht nachgegeben in allen Punkten, wo
+sie hätte nachgeben sollen. Als Beispiel diene die Auslieferungsfrage.
+Die Entente hätte diese Forderung niemals stellen sollen. Wenn sie aber
+schon gestellt war, so hätte sie auch durchgeführt werden müssen, da
+sonst alle nationalen Instinkte erweckt wurden, ohne daß dem verletzten
+Recht Genüge geworden ist. Auch in der Entwaffnungsfrage hätte die
+Entente schärfer vorgehen dürfen. Dagegen hätte man die riesigen
+Besatzungskosten weit besser zum Wiederaufbau Nordfrankreichs verwenden
+können. In den wirtschaftlichen Forderungen hat die Entente Deutschland
+sicher Unmögliches zugemutet, wie der katastrophale Sturz der Mark
+bewiesen hat. Jede ungerechte oder unmögliche Belastung Deutschlands
+stärkt aber den Nationalismus.
+
+
+Ursachen der Ententehaltung
+
+Auf der Seite der Entente haben die großen wirtschaftlichen
+Schwierigkeiten, unter denen sie (insbesondere Frankreich) zu leiden
+hat, und die Furcht, ein wirkliches demokratisches Deutschland werde die
+Opposition im eigenen Land zu sehr stärken, dazu beigetragen, den
+Imperialisten den Sieg zu verschaffen. Die Entente selbst unterstützt
+durch ihre Politik den deutschen Militarismus und dies aus dreierlei
+Gründen. Zunächst (im Jahre 1919) aus Furcht vor dem angeblichen
+Bolschewismus in Deutschland, zu dessen Bekämpfung ein Heer nötig sei.
+Dann mag die bekannte Theorie vom europäischen Gleichgewicht in der
+heutigen englischen Politik wieder eine Rolle spielen. Endlich aber
+wissen die französischen Militärs genau, daß ihnen nur die Existenz des
+preußischen Militarismus eine Lebensberechtigung gibt und sie hüten sich
+natürlich davor, durch seine tatsächliche Vernichtung ihre eigene
+Existenz zu untergraben.
+
+So sind denn die heutigen Zustände in Deutschland nicht die Folge
+irgendeiner spezifisch deutschen Mentalität, sie sind zunächst
+historisch bedingt. Und sie entstehen jeden Tag neu, einerseits durch
+die Angst des deutschen Bürgertums um seine Existenz, andererseits durch
+die Tatsache, daß das Verhalten der Entente gerade die Imperialisten in
+Deutschland stützt.
+
+
+
+
+BAYRISCHE RÄTEREPUBLIK UND KAPP-PUTSCH
+
+
+Die bayrische Räterepublik
+
+Nach der Ermordung Eisners übernahm der bayrische Zentralrat die Macht
+und erklärte am 7. April 1919 die Räterepublik. Während ihrer Dauer
+wurden zwölf Menschen willkürlich umgebracht. Das Ministerium bildete
+sich in Bamberg neu, sammelte Truppen und eroberte am 1. Mai München.
+Dabei wurden 457 Menschen willkürlich umgebracht. (Vgl. Seite 113.)
+
+Zur Aburteilung der Räterepublikaner wurden Sondergerichte, die
+sogenannten bayrischen Volksgerichte vom 12. Juli 1919 geschaffen. Diese
+sind so ziemlich für alle politischen Delikte zuständig. Sie bedeuten
+eine juristische Neuerung, da für Hoch- und Landesverrat das
+Reichsgericht zuständig sein sollte. Obwohl das beschleunigte Verfahren
+dieser Gerichte und das Fehlen der üblichen Rechtskautelen die Gefahren
+eines Justizirrtums erheblich vergrößern, sind hier alle Rechtsmittel
+ausgeschlossen. Gegen die Urteile dieser Gerichte gibt es weder Revision
+noch Berufung, auch die Wiederaufnahme des Verfahrens findet nicht
+statt. Ein Rechtsirrtum kann und soll also nicht wieder gut gemacht
+werden. (Vgl. Felix Halle, Deutsche Sondergerichtsbarkeit, Berlin 1922.)
+Nach einer amtlichen Auskunft des bayrischen Bevollmächtigten von
+Nüßlein im Rechtsausschuß des Reichstags wurden wegen Beteiligung an der
+Rätebewegung 2209 Personen verurteilt, davon 65 zu Zuchthaus, 1737 zu
+Gefängnis, 407 zu Festung. (Kuttner, Warum versagt die Justiz, p. 61.)
+Nach der bayrischen Staatszeitung vom 20. Februar 1920 waren bis zum 20.
+Februar 1920 (also in einem halben Jahr) von den 25 Volksgerichten 5233
+Strafprozesse erledigt worden. So rasch arbeiten die bayrischen
+Volksgerichte. Von den 12 Morden der Räterepublik wurden 11 gesühnt, die
+wesentlichen Führer teils willkürlich, teils gesetzlich (Leviné)
+getötet.
+
+
+Der Kapp-Putsch
+
+Am 13. März 1920 eroberte _Kapp_ mit Baltikumern durch einen Handstreich
+Berlin.
+
+Der einsetzende Generalstreik zwang ihn zum Rücktritt und zur Flucht. In
+Abwehr des Kapp-Putsches wurden von links, abgesehen von den in
+Straßenkämpfen und Tumulten Umgekommenen, nur zwei Menschen willkürlich
+umgebracht. Im Verlauf des Putsches wurden von Rechts 74 Menschen
+willkürlich umgebracht. Daß Kapp intellektueller Urheber der 74
+politischen Morde ist, ergibt sich aus folgender Verordnung (Nr. 19):
+
+»Die Rädelsführer, die sich der in der Verordnung zur Sicherung
+volkswirtschaftlicher Betriebe und in der Verordnung zum Schutz des
+Arbeitswesens unter Strafe gestellten Handlungen schuldig machen,
+desgleichen die Streikposten, werden mit dem Tode bestraft. Diese
+Verordnung tritt am 17. März 1920, 4 Uhr nachmittags, in Kraft. Der
+Reichskanzler, gez. Kapp«.
+
+Ferner drahtete er an alle Truppenteile (vgl. Brammer: »Fünf Tage
+Militärdiktatur«, S. 21):
+
+»Bitte allen Führern bekanntzugeben, daß ich jede entschlossene
+Dienstauffassung, auch wenn sie im Zwange der Not gegen einzelne
+bisherige Bestimmungen verstoßen sollte, persönlich decke. Es kommt mir
+ganz besonders darauf an, daß jeder Deutsche und insbesondere jeder
+militärische Führer künftig verantwortungsfreudig mehr leiste als der
+tote Buchstabe seiner Pflicht bisher gebot.«
+
+Kapp flüchtete nach Schweden, stellte sich dann aber freiwillig, wurde
+sofort wegen einer Operation von der Untersuchungshaft befreit und starb
+am 13. Juni 1922 an einem Krebsleiden. Sein Rittergut war seinem Sohn
+zur Bewirtschaftung übergeben worden, obwohl Kapps Vermögen angeblich
+beschlagnahmt worden war. (Antwort des preußischen
+Landwirtschaftsministers auf eine Anfrage, »Berliner Tageblatt«, 4.
+Oktober 1921.) Frau Kapp bezieht von der Landschaft eine Rente.
+(Preußischer Pressedienst, 12. Januar 1922.)
+
+Das Verfahren gegen _Lettow-Vorbeck_ wurde eingestellt. Als einziger
+Kapp-Anhänger wurde v. _Jagow_ zu 5 Jahren Festung verurteilt. General
+_Lüttwitz_ hat später sogar von der Regierung eine Pension gefordert.
+Auf eine diesbezügliche Anfrage (Reichstag, 14. Februar 1922) hat die
+Regierung erklärt, da die Akten noch nicht vorlägen, könne eine Antwort
+nicht erteilt werden.
+
+Die Anhänger Kapps, die in höheren Posten der Verwaltung und des Heeres
+standen, wurden darin belassen. Die meisten Führer des Kapp-Putsches
+haben sich über ein Jahr in München und Umgebung aufgehalten.
+(Reichskanzler Dr. Wirth, 15. September 1921.)
+
+Kapitän Ehrhardt wurde zuerst mit voller gesetzlicher Pension entlassen.
+Man wagte nicht, gegen ihn vorzugehen. (Vgl. »Vossische Zeitung«, 23.
+Oktober 1920.) Erst später wurde ein Haftbefehl gegen ihn wenigstens
+offiziell erlassen. Während dieser Zeit konnte er noch mit dem Münchener
+Polizeipräsidenten _Pöhner_ »wegen Unterbringung einzelner Gruppen
+seiner Leute« verhandeln. (Staatssekretär Dr. Schweyer im bayrischen
+Landtagsausschuß, 17. September 1921.)
+
+Seinen 3000 Soldaten von der Marinebrigade war für die Zeit des Putsches
+eine tägliche Zulage von 7 M. und für den Sturz der Ebertregierung eine
+Extrabelohnung von 50 M. von der Kappregierung versprochen worden. Die
+Ebertregierung zahlte diese Summe von 16_000 Goldmark (nach dem
+damaligen Stand berechnet) aus. (Vgl. Rudolf Mann, »Mit Ehrhardt durch
+Deutschland«, Seite 168 und 206.)
+
+Keiner der durch Kapp verursachten Morde ist gesühnt. Gegen die
+Kappanhänger wurde nicht wie gegen die Räterepublikaner eine
+Sondergerichtsbarkeit ins Leben gerufen. Das zuständige ordentliche
+Gericht, das Reichsgericht hat so langsam gearbeitet, daß infolge der
+Amnestie die meisten Teilnehmer des Kapp-Putsches nicht einmal in
+Untersuchung genommen wurden.
+
+Das größte Unrecht, das nach der Niederwerfung des Kapp-Putsches
+geschehen ist, besteht in der Art der Durchführung der Amnestie. Sie
+sollte nur die dummen Mitläufer von der Verantwortung befreien. Die
+Führer, die Urheber, die Anstifter sollten nicht darunterfallen. Daher
+wurde von den Gerichten, selbst bei den meisten Generalen und Ministern
+die Führereigenschaft verneint. Bei den gleichzeitigen Ausschreitungen
+der Arbeiterschaft dagegen wurde die Führereigenschaft selbst einfachen
+Parteifunktionären zuerkannt, so daß man sie trotz der Amnestie
+verurteilen konnte.
+
+Das Reichsgericht nimmt nur neun Führer an. Welche Heroen der Tatkraft
+müssen sie gewesen sein, um allein fast ein ganzes Reich acht Tage lang
+zu beherrschen! Von 775 beteiligten Offizieren ist keiner bestraft
+worden. Sie waren alle keine Führer, nur Mitläufer. Keiner der Offiziere
+hat Verantwortungsfreudigkeit genug gehabt, gegen diese Bezeichnung zu
+protestieren. Keiner hat erklärt: Wenn man mir nachsagt, daß ich bei
+einem so verantwortungsvollen Schritt, wie eine Rebellion, nur ein
+Mitläufer war, wenn man von mir behauptet, daß ich eine solche Handlung
+aus Blindheit mitmache, meine Pflicht nicht kenne, so leugnet man mein
+Führertum, meine Offiziersqualifikation überhaupt. Ich stehe zu meiner
+Tat. Ein einziger -- Zivilist -- hat es gewagt, so zu handeln -- nachdem
+er im Ausland in Sicherheit war. Und als Kapp sich freiwillig stellte,
+tat er es nur, weil er nach dem Vorgang des Jagowprozesses wußte, daß er
+keine oder fast keine Strafe zu erwarten hatte.
+
+Eine weitere Ungerechtigkeit der damals gewährten Amnestie besteht
+darin, daß sie sich nur auf die gegen _das Reich_ gerichteten
+Unternehmen bezog. Dagegen galt die bayrische Räterepublik als ein nur
+gegen Bayern gerichtetes Unternehmen, obwohl die Räterepublik die
+Beziehungen zum Reich abgebrochen hatte und dem bayrischen Gesandten
+Weisung gegeben hatte, seinen Posten zu verlassen. So wurden die
+Räterepublikaner eingesperrt, die Kappanhänger amnestiert.
+
+Interessant ist übrigens, daß eine gelegentlich des Kapp-Putsches
+herausgegebene Verordnung des Reichspräsidenten _Ebert_ vom 19. März
+1920 »zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung«,
+welche außerordentliche Kriegsgerichte einsetzte, sich nicht gegen Kapp
+und seine Anhänger richtete, sondern gegen die bei der Niederwerfung des
+Kapp-Putsches entstandenen kleineren Unruhen von Links. Obwohl der
+Kapp-Putsch eine viel größere Ausdehnung besessen hatte, wurde gegen ihn
+nicht mit Hilfe der Sondergerichtsbarkeit eingeschritten. (Vgl. Halle,
+Sondergerichtsbarkeit.)
+
+Die folgenden Tabellen zeigen das Schicksal der Anhänger und Führer beim
+Kapp-Putsch und bei der bayrischen Räterepublik.
+
+KAPPREGIERUNG
+
+ ==============================================================
+ Lfd.| Name | Rang | Schicksal
+ Nr. | | |
+ ==============================================================
+ | | |
+ 1 | _Wolfgang Kapp_ | Reichskanzler | gestorben
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 2 | _Bang_ | Finanzminister | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 3 | _Dr. Traub_ | Preuß. Kultusminister | amnestiert
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 4 | _Gottl. v. | Minister des Innern | 5 J. Festung
+ | Jagow_ | |
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 5 | _Zumbroich_ | Reichsjustizminister | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 6 | _Trebitsch- | Oberzensor | im Ausland
+ | Lincoln_ | |
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 7 | _Dr. Schiele_ | Reichswirtschafts- | Verf.
+ | | minister | eingest.
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 8 | _Krämer_ | Preuß. |
+ | | Wirtschaftsminister | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 9 | _v. Falken- | Chef der Reichs- | in Freiheit
+ | hausen_ | kanzlei |
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 10 | _Dr. Sönksen_ | Reichspostminister | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 11 | _Frhr. v. | Preuß. | in Freiheit
+ | Wangenheim_ | Landwirtschafts- |
+ | | minister |
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 12 | _Eduard Meyer_ | Universitätsrektor | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 13 | _Müller- | tätig in der | in Freiheit
+ | Lobwitz_ | Reichskanzlei |
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 14 | _Stubbendorf_ | tätig in der | in Freiheit
+ | | Reichskanzlei |
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 15 | _Dr. Bredereck_ | Pressechef | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 16 | _W. Harnisch_ | Pressechef | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 17 | _Dr. Grabowski_ | Propagandist | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 18 | _Lensch_ | im Presseamt | in Freiheit
+ -----+-----------------+-----------------------+--------------
+ 19 | _A. de la | im Presseamt | in Freiheit
+ | Croix_ | |
+ ==============================================================
+ Die strafgerichtliche Behandlung des Kapp-Putsches
+
+ (Mitteilung des Reichsjustizminister an den Reichstag
+ vom 21. Mai 1921)
+
+ Zahl der amtlich bekanntgewordenen Kapp- Verbrechensfälle 705
+
+ Davon:
+ Amnestiert 412
+ Durch Tod und andere Gründe in Wegfall gekommen 109
+ Verfahren eingestellt 176
+ Noch nicht erledigt 7
+ Bestraft 1
+
+ Schicksal von 775 Offizieren, die am Kapputsch beteiligt waren
+ (»Amtliche Ergebnisse des Ausschusses zur Prüfung des
+ Verhaltens der Offiziere während der Märzvorgänge«)
+ ==============================================================
+ Art | Zahl der | Zahl der | Gesamtzahl
+ der | Offiziere in | Offiziere | der
+ Erledigung | der Marine | im Landheer | Offiziere
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ | | |
+ Einstellung des | | |
+ Verfahrens | 119 | 367 | 486
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ Beurlaubung | 40 | 51 | 91
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ Versetzung | 37 | 20 | 57
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ Dienstenthebung | 18 | 30 | 48
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ Disziplinare Er- | 12 | 1 | 13
+ ledigung | | |
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ Noch keine Ent- | 5 | 69 | 74
+ scheidung | | |
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ Verabschiedung | 4 | 2 | 6
+ ------------------+---------------+--------------+------------
+ 235 540 775
+ ==============================================================
+ =Gesamtstrafe: 5 Jahre=
+ ==============================================================
+
+MILITÄRS DER KAPP-REGIERUNG
+
+ ==============================================================
+ Lfd.| Name | Rang | Schicksal
+ Nr. | | |
+ ==============================================================
+ 1 | _Ludendorff_ | General (nahm an | keine Anklage
+ | | allen Kabinett- |
+ | | sitzungen der |
+ | | Kappregierung teil) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 2 | _Freih. v. | Reichswehrminister | im Ausland
+ | Lüttwitz_ | und |
+ | | Oberbefehlshaber |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 3 | _v. Hülsen_ | Adjutant d. | in Freiheit
+ | | Oberbefehlsh. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 4 | _v. Klewitz_ | Stabschef | in Freiheit
+ | | b. v. Hülsen |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 5 | _v. Trotha_ | Admiral | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 6 | _v. Oven_ | General | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 7 | _v. Dassel_ | General | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 8 | _v. Watter_ | General | in die
+ | | | Ebertreg.
+ | | | übernommen
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 9 | _v. Loßberg_ | Generalmajor | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 10 | _Bauer_ | Oberst | im Ausland
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 11 | _Ehrhardt_ | Kapitän(Eroberer | steckbrieflich
+ | | v. Berlin) | verfolgt
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 12 | _Hpt. Pabst_ | persönlicher Adj. | in Freiheit
+ | | Kapps |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 13 | _Freih. | Freikorpsführer | in Freiheit
+ | v. Lützow_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 14 | _Maj. Schulz_ | Freikorpsführer | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 15 | _Ltn. Roßbach_ | Freikorpsführer | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 16 | _Hpt. Pfeffer | Freikorpsführer | in Freiheit
+ | v. Salomon_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 17 | _v. Löwenfeld_ | Freikorpsführer | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 18 | _Aulock_ | Freikorpsführer | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 19 | _Vaupel_ | Hauptmann | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 20 | _v. Kessel_ | Polizeihauptmann | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 21 | _v. Puttkammer_ | Hauptmann | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 22 | _v. Patow_ | Hauptmann im | in Freiheit
+ | | Oberkom. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 23 | _Reinhardt_ | Oberst (erschien | in Freiheit
+ | | ohne Befehl b. d. |
+ | | Brigade 15) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 24 | _Neubarth_ | Batterieführer | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 25 | _v. Hülsen | Leutnant | in Freiheit
+ | jun._ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 26 | _v. Borries_ | Leutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 27 | _v. | Oberleutnant | in Freiheit
+ | Knobelsdorff_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 28 | _v. Amman_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 29 | _v. Auer_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 30 | _v. Borries_ | General | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 31 | _v. Bock_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 32 | _Frh. v. | Oberst | in Freiheit
+ | Blomberg_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 33 | _v. Bernuth_ | Gen.-Leutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 34 | _Frh. | Oberleutnant | in Freiheit
+ | v. Czettritz | |
+ | u. Neuhaus_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 35 | _Frh. | Rittmeister | in Freiheit
+ | v. Durant_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 36 | _Frh. v. Erffa_ | Leutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 37 | _v. Falken- | Major | in Freiheit
+ | hausen_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 38 | _v. Frantzin_ | Hauptmann | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 39 | _v. Grothe_ | Oberstleutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 40 | _v. d. Hardt_ | General | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 41 | _Frh. | Oberstleutnant | in Freiheit
+ | v. Hadeln_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 42 | _Frh. v. | Oberleutnant | in Freiheit
+ | Hammerstein_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 43 | _v. Hagen_ | Major (Dessau) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 44 | _v. | Oberst (Pasewalk) | in Freiheit
+ | Knobelsdorff_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 45 | _v. Kleist_ | Rittmeister | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 46 | _v. Lefort_ | Leutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 47 | _v. Möhl_ | Generalmajor | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 48 | _Frh. | Rittmeister | in Freiheit
+ | v. Mirbach_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 49 | _v. Neufville_ | Rittmeister | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 50 | _v. Platen_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 51 | _v. Rudolphi_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 52 | _v. Rössing_ | Oberstleutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 53 | _v. Rosen_ | Oberst | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 54 | _v. Seydlitz_ | Rittmeister | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 55 | _Frh. | Hauptmann | in Freiheit
+ | v. Schade_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 56 | _Frh. Treusch | Leutnant | in Freiheit
+ | v. Buttlar- | |
+ | Brandenfels_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 57 | _v. Uechtritz_ | Rittmeister | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 58 | _v. Wulffen_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 59 | _v. Ziehlberg_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 60 | _v. Heimburg._ | Oberleutnant | in Freiheit
+ ==============================================================
+ =Gesamtstrafe: Null=
+ ==============================================================
+
+BAYRISCHE RÄTEREGIERUNG
+
+ ==============================================================
+ Lfd.| Name | Rang | Schicksal
+ Nr. | | |
+ ==============================================================
+ | | |
+ 1 | _E. Leviné_ | Vorsitzender d. | erschossen
+ | | Vollzugsrates der |
+ | | Betriebsräte |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 2 | _Dr. Tobias | Mitglied des | 15 Jahre Zucht-
+ | Axelrod_ | Vollzugsrats | haus n. Rußl.
+ | | | ausgetauscht
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 3 | _Ewald Ochel_ | Mitglied des | 1 J. 5 Mon. Fe-
+ | | Vollzugsrats | stung durch
+ | | | Schutzhaft
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 4 | _Wilh. Duske_ | Mitglied des | 2 J. Festung
+ | | Vollzugsrats |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 5 | _Fritz Schürg_ | Mitglied des | 2 J. Festung
+ | | Vollzugsrats |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 6 | _Dr. A. Wadler_ | Wohnungskommissar | 8 J. Zuchthaus
+ ----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 7 | _Ernst Nikisch_ | Vorsitzender des | 2 Jahre Festung
+ | | Zentralrats |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 8 | _Gust. | Volksbeauftragter | im Gefängn. er-
+ | Landauer_ | für Volks- | schlagen
+ | | aufklärung |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 9 | _Dr. O. | Vorsitzender der | 1-1/2 Jahre
+ | Neurath_ | Sozialisierungs- | Fest.,
+ | | kommission | entlassen
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 10 | _Hans Dosch_ | Polizeipräsident | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 11 | _Ernst Mehrer_ | Stadtkommandant | 1-1/2 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 12 | _K. Petermaier_ | Adjutant des | 1-1/2 J. Festung
+ | | Stadtkommandanten |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 13 | _Paulukum_ | Verkehrsminister | 3-1/2 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 14 | _Paul Zamert_ | Propagandist | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 15 | _E. Kiese- | Verkehrskommission | 2-1/2 J. Festung
+ | wetter_ | |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 16 | _Dandistel_ | Kommission zur | 6 J. Festung
+ | | Unterstützung der |
+ | | politischen |
+ | | Flüchtlinge |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 17 | _Jos. Weigand_ | Schreiber bei der | 3 J. Festung
+ | | Komm. zur |
+ | | Bekämpfung der |
+ | | Gegenrevolution |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 18 | _Hanns | Betriebsrat | 3 J. Festung
+ | Kullmann_ | |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 19 | _Ad. Schmidt | im Ministerium f. | 1 J. 6 M. Fest.
+ | II_ | soziale Fürsorge |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 20 | _Karl Götz_ | Kommission zur | 1 J. 3 M. Fest.
+ | | Bekämpfung der |
+ | | Gegenrevolution |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 21 | _Frieda | Propagandaausschuß | 1 J. 9 M. mit
+ | Rubiner_ | K.P.D. | Bewährungsf.
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 22 | _H. Wiedemann_ | Propagandist | 1 J. 3 M. Fest.
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 23 | _Frau Reichel_ | Beihilfe z. Flucht | 2 Mon. Festung
+ | | Tollers |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 24 | _Hans Reichel_ | Beihilfe z. Flucht | 4 Mon. Festung
+ | | Tollers |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 25 | _E. Trautner_ | Beihilfe z. Flucht | 5 M. Gefängnis
+ | | Tollers |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 26 | _Willy Reue_ | Kommission zur | 1 J. 3 M. Fest.
+ | | Bekämpfung der |
+ | | Gegenrevolution |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 27 | _Max Strobl_ | Leiter der | 7 J. Zuchthaus
+ | | Kommission z. |
+ | | Bekämpfung d. |
+ | | Gegenrevolution |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 28 | _F. Mair- | Polizeipräsident | 2 J. Gefängnis
+ | günther_ | in München | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 29 | _L. Mühlbauer_ | Mitglied des | 1-1/4 J. Festung
+ | | Revolutions- | mit Bewähr.-
+ | | tribunals | Frist
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 30 | _Erich Mühsam_ | Propagandist | 15 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 31 | _Paul Grassl_ | Mitglied des | 1 J. 10 M. Fest.
+ | | Revolutions- |
+ | | tribunals |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 32 | _S. Wiedenmann_ | Obmann der K.P.D. | 4 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 33 | _V. Baumann_ | Redakteur der | 1-1/2 J. Festung
+ | | Münchener Roten |
+ | | Fahne |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 34 | _Alex. | revolutionärer | 1-1/2 J.
+ | Strasser_ | Hochschulrat | Festungshaft m.
+ | | | Bewährungsfrist
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 35 | _Otto Hausdorf_ | revolutionärer | 1-1/2 J. Festung
+ | | Hochschulrat | m. Bewährungsfr.
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 36 | _Cillebiller_ | revolutionärer | desgl.
+ | | Hochschulrat |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 37 | _Gertraud | revolutionärer | desgl.
+ | Kaestner_ | Hochschulrat |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 38 | _Wilh. Hagen_ | revolutionärer | 1 J. 4 M. Fest.
+ | | Hochschulrat | m. Bewähr.-F.
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 39 | _Lessie Sachs_ | Sekretärin im | 1 J. 3 M. Fest.
+ | | Kriegsministerium |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 40 | _Dr. Rothen- | Propagandist | 7 J. Festungsh.
+ | felder_ | |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 41 | _Wilh. | Betriebsrat | 1-1/2 J. Fest.
+ | Gerhards_ | |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 42 | _Willy Ertel_ | Sektionsführer | 3 J. Festungsh.
+ | | d. K.P.D. |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 43 | _Sontheimer_ | Propagandist | erschlagen
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 44 | _K. Steinhardt_ | Betriebsrat | 9 M. Festungs-
+ | | | haft
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 45 | _Ferd. Rotter_ | Vors. d. Betriebs- | 7 J. Zuchthaus
+ | | obleute |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 46 | _Kirmayer_ | Komm. z. Bek. d. | 4 J. Zuchthaus
+ | | Gegenrevolution |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 47 | _Hans Schroll_ | in der | 5 J. Zuchthaus
+ | | Verhaftungskomm. |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 48 | _Wernich_ | in d. | 3 J. Zuchthaus
+ | | Beschlagnahmekomm. |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 49 | _Max Weber_ | stellv. | 1-1/4 J. Festung
+ | | Polizeipräsident |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 50 | _Martens_ | Vors. | 6 J. Festung
+ | | Wirtschaftskomm. |
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 51 | _Sondheimer_ | Propagandist | 1-1/4 J. Festung
+ -----+-----------------+--------------------+-----------------
+ 52 | _Kronauer_ | Mitgl. d. | 1-1/4 J. Festung
+ | | Rev.-Tribunals |
+ ==============================================================
+ =Gesamtstrafe: 135 Jahre 2 Monate=
+ ==============================================================
+
+MILITÄRS DER RÄTE-REGIERUNG
+
+ ==============================================================
+ Lfd.| Name | Rang | Schicksal
+ Nr. | | |
+ ==============================================================
+ 1 | _R. Eglhofer_ | Oberkommandierender | erschlagen
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 2 | _Eugen Maria | Adj. d. | 12 J. Festung
+ | Karpf_ | Oberkommand. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 3 | _Wilh. | Mitgl. d. | 3 J. Festung
+ | Reichart_ | Militärkomm. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 4 | _Ernst Toller_ | Kommand. im | 5 J. Festung
+ | | Abschnitt Dachau |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 5 | _G. | Adj. des | 5-1/2 J.
+ | Klingelhöfer_ | Kommandeurs | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 6 | _E. Wollenberg_ | Kommandeur d. | 2 J. Festung
+ | | Infanterie |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 7 | _H.F.S. | Kommandeur d. | 1-1/2 J.
+ | Bachmair_ | Artillerie | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 8 | _R. Podubecky_ | Kommand. d. | 3 J. Festung
+ | | Fernsprechtruppen |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 9 | _Winkler_ | Kommand. eines | 4 J. Zuchthaus
+ | | Abschn. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 10 | _G. Riedinger_ | Adj. d. Kommandeurs | 1-1/2 J.
+ | | | Festung
+ | | in Starnberg | entlass.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 11 | _Er. Günther_ | in d. Kommandant. | 1 J. 9 M. Fest.
+ | | Dachau |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 12 | _Fritz Walter_ | Rotgardist | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 13 | _Max Schwab_ | im | 4 J. Festung
+ | | Kriegsministerium |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 14 | _H. | Streckenkommandant | 3 J. Festung
+ | Taubenberger_ | in Dachau |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 15 | _Gottfr. | Rotgardist | 1-1/2 J.
+ | Bareth_ | | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 16 | _Max Huber_ | Rotgardist | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 17 | _Peter Regler_ | Rotgardist | 2 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 18 | _Haßlinger_ | Rotgardist | 5 J. Festg.
+ | | | (begnadigt)
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 19 | _And. Rauscher_ | Rotgardist | 1 J. 4 M. Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 20 | _M. Reichert_ | Rotgardist u. | 1 J. 3 M. Fest.
+ | | Propagandist |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 21 | _Jos. Vogt_ | Rotgardist | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 22 | _Josef Faust_ | Rotgardist | 3 J. Zuchthaus
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 23 | _Rentsch_ | Rotgardist | 5 J. Zuchthaus
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 24 | _Zöllner_ | Rotgardist | 3 J. Zuchthaus
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 25 | _Karl Zimmet_ | Soldatenrat | 1 J. 3 M. Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 26 | _Karl Höhrat_ | Soldatenrat | 6 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 27 | _Kuhn_ | Rotgardist | 2 J. F., 2 J.
+ | | | 2 Mon. Gef.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 28 | _Josef Seidel_ | Wachkommandant | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 29 | _Seidel_ | Rotgardist | 4 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 30 | _Ernst Bauer_ | Rotgardist | 2 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 31 | _Rich. Wagner_ | Rotgardist | 2 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 32 | _Thekla Egl_ | Krankenschw. u. | 1 J. 3 M. Fest.
+ | | Parlamentärin |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 33 | _A. Schinnagel_ | Arzt in der Roten | 15 Mon. Fest.
+ | | Armee |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 34 | 70 | Angehörige d. | je 1-1/4 J.
+ | | Leibregiments wegen | Fest.
+ | | Erstürmung von | (n. Abbüß. ein.
+ | | Rosenheim | Teils entlass.)
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 35 | _Ziller_ | Soldatenr. | 3 J. Zuchthaus
+ | | Eisenb.-Abt. I |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 36 | _Joh. | Polizeiwachtmeister | 4 J. Festung
+ | Tanzmeier_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 37 | _Murböck_ | Transportführer | 4 J. Zuchth.
+ | | | (in Fest.
+ | | | verwdlt.)
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 38 | _Marschall_ | Kurier | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 39 | _Jos. | Rotgardist | 3 J. Festung
+ | Anreither_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 40 | _Jak. Nickl_ | Rotgardist | 2-1/2 J.
+ | | | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 41 | _W. Seyler_ | Adj. d. | 1 J. 6 M.
+ | | Kriegsministers | Festg.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 42 | _K. Kaltdorf_ | im | 1 J. 6 M.
+ | | Kriegsministerium |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 43 | _H. Tannen_ | Rotgardist | 2 J. Gefängnis
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 44 | _Hans Frank_ | Parlamentär d. | erschossen
+ | | Augsburger |
+ | | Arbeiterrats |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 45 | _Karl Gans_ | Zugführer | 5 J. Zuchthaus
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 46 | _Joh. Demstedt_ | Zugführer | 6 J. Zuchthaus
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 47 | _J. | Zweiter Obmann | 5 J. Zuchthaus
+ | Jackermeier_ | K.P.D. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 48 | _Joh. Wittmann_ | Rotgardist | 4 J. Zuchthaus
+ | | (Rosenheim) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 49 | _Jos. Hagel_ | Kriminalpolizist | 4-1/2 J.
+ | | | Zuchth.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 50 | _Georg Graf_ | Militärpolizei | 12 J. Zuchthaus
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 51 | _Phil. Böhrer_ | Rev.-Arbeiterrat | 12 J. Zuchthaus
+ | | (Augsb.) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 52 | _Hiltner_ | Rotgardist | 2 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 53 | _Otto Knieriem_ | Akt.-Ausschuß | 5 J. Festung
+ | | Würzburg |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 54 | _Mich. Schmidt_ | Rotgardist | 2 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 55 | _Albert Berger_ | Erwerbslosenr. | 3 J. Festung
+ | | (Augsburg)
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 56 | _Appler_ | Rotgardist | 4 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 57 | _Berk_ | Flugzeugführer | 4 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 58 | _Ibel_ | Zahlmeister | 1 J. 4 M. Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 59 | _J. Toblasch_ | Proviantmstr. | 2-1/2 J.
+ | | i. Dachau | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 60 | _Kolbinger_ | Rotgardist | 2 Jahre Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 61 | _J. Wittmann_ | Rotgardist | 2-1/2 J.
+ | | | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 62 | _Joh. Strauss_ | Soldatenrat | 1 J. 6 M. Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 63 | _Ludwig Hörl_ | Bahnhofswache | 3 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 64 | _Erzberger_ | Lazarettchef | 1-1/2 J.
+ | | | Festung
+ | | | (entkommen)
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 65 | _Martin Gruber_ | Abteilungsführer |3 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 66 | _Hans Strasser_ | Bhf.-Kommand. | 1 J. 6 M. Fest.
+ | | (Dachau) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 67 | _Otto Mehrer_ | Mitgl. | 1 J. 6 M. Fest.
+ | | d. Militärkomm. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 68 | _Hofer_ | Kriegsministerium, | 4 J. Festung
+ | | Abtlg. |
+ | | Infanterie |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 69 | _Ferd. Killer_ | Soldatenrat | 5 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 70 | _Karl Gans_ | Rotgardist | 6 J. Zuchthaus
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 71 | _Paul Hübsch_ | Propagandist | 1 J. 6 M. Gefg.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 72 | _Max Pletz_ | Stadtkommandantur | 1 J. 6 M. Fest.
+ | | München |
+ ==============================================================
+ =Gesamtstrafe: 276 Jahre 6 Mon. Einsperrung, 2 Erschießungen=
+ ==============================================================
+
+KAPPISTEN IN DER PROVINZ
+
+ ==============================================================
+ Lfd.| Name | Rang | Schicksal
+ Nr. | | |
+ ==============================================================
+ | | |
+ 1 | _v. Levetzow_ | Konteradmiral a. D. | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 2 | _v. Winterfeld_ | Leiter der Sipo | in Freiheit
+ | | in Kiel |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 3 | _Lindemann_ | Früh. | in Freiheit
+ | | Oberbürgermeister |
+ | | in Kiel |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 4 | _Frh. von u. | Landrat | in Freiheit
+ | zu Steinfurth_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 5 | _v. Pauly_ | Regierungspräsid. | in Freiheit
+ | | (Kiel) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 6 | _Frh. v. | Garnisonältester, | in Freiheit
+ | Wangenheim_ | Oberst (Hamburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 7 | _Völkers_ | Oberst (Hamburg) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 8 | _Ledebour_ | Oberst (Hamburg) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 9 | _Heide_ | Hauptmann (Hamburg) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 10 | _v. Rauchhaupt_ | Rittmeister | in Freiheit
+ | | (Hamburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 11 | _v. Mackensen_ | Hauptmann (Hamburg) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 12 | _Dr. Jakobsohn, | Propagandist | in Freiheit
+ | Rechtsanwalt_ | (Hamburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 13 | _v. Sydow_ | Major (Hamburg) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 14 | _v. Menges_ | Oberst b. d. Sipo | in Freiheit
+ | | (Altona) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 15 | _v. Lettow- | Generalmaj. | in Freiheit
+ | Vorbeck_ | (Mecklenbg.) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 16 | _Dr. | Ministerpräsident | in Freiheit
+ | Wendthausen_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 17 | _Ribbentropp_ | Generalmajor | in Freiheit
+ | | (Mecklbg.) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 18 | _v. Estorff_ | Generalleutnant | in Freiheit
+ | | (Königsberg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 19 | _August Winnig_ | Oberpräsid. | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 20 | _Graf | Generalleutnant | in Freiheit
+ | Schmettow_ | (Breslau) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 21 | _v. Friedeburg_ | General (Breslau) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 22 | _Obst. Schwerk_ | Polizeipräsident | in Freiheit
+ | | (Breslau) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 23 | _v. Kessel_ | Oberpräsident v. | gestorben
+ | (Ob. Glauche) | Schles. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 24 | _v. Grodegg_ | Propagandist | in Freiheit
+ | | (Magdebg.) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 25 | _v. Brüning_ | früh. Landrat | in Freiheit
+ | | (Darmstadt) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 26 | _v. Hagenberg_ | Generalmajor | in Freiheit
+ | | (Weimar) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 27 | _Heims_ | Major (Gotha) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 28 | _v. Schöler_ | General (Kassel) | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 29 | _Frh. v. | Bezirksbefehlshab. | in Freiheit
+ | Schenk_ | (Marburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 30 | _Banke_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 31 | _Czettritz_ | Oberst | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 32 | _Frh. v. | Major | in Freiheit
+ | Coburg_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 33 | _Guhr_ | Oberstleutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 34 | _Eckardt_ | Leutnant. Rgt. 30 | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 35 | _Gallmeister_ | Hauptmann | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 36 | _Humann_ | Freg.-Kapitän | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 37 | _Hünecke_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 38 | _v. Heusinger_ | Rittmeister | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 39 | _Kleindienst_ | Leutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 40 | _Lynker_ | Major | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 41 | _Meinshausen_ | Hauptmann | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 42 | _Notnagel_ | Oberstleutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 43 | _Nettesheim_ | Leutnant a. D. | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 44 | _Rörig_ | Oberleutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 45 | _Scheele_ | Leutnant | in Freiheit
+ | | (Aldenburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 46 | _Schmidt_ | Leutnant | in Freiheit
+ | | (Aldenburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 47 | _Schulz_ | Oberleutnant, | in Freiheit
+ | | Art. 9 |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 48 | _Stolz_ | Oberst | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 49 | _Strauch_ | Hauptmann | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 50 | _Sturt_ | Oberleutnant | in Freiheit
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 51 | _Waas_ | Hauptmann | in Freiheit
+ ==============================================================
+ =Gesamtstrafe: Null=
+ ==============================================================
+
+RÄTEREPUBLIKANER IN DER PROVINZ
+
+ ==============================================================
+ Lfd.| Name | Rang | Schicksal
+ Nr. | | |
+ ==============================================================
+ | | |
+ 1 | _Guido Kopp_ | Vors. K.P.D. | 4 J. Zuchthaus
+ | | Rosenheim |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 2 | _Gg. Schumm_ | Art.-Kommandeur in | 6 J. Zuchthaus
+ | | Rosenheim |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 3 | _Josef Renner_ | Truppenführer in | 4 J. Festung
+ | | Rosenheim |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 4 | _Hans Meler_ | Wirtschaftskomm. | 1-1/4 J.
+ | | (Rosenheim) | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 5 | _M. Gnad_ | Rotgardist | 2-1/2 J.
+ | | (Augsburg) | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 6 | _W. Olschewsky_ | Truppenführer | 7 J. Festung
+ | | in Augsbg. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 7 | _Max Weber_ | Propagandist | 1-1/2 J.
+ | | i. Augsbg. | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 8 | _Karl Marx_ | Politisch. Leiter | 4 J. Festung
+ | | in Augsburg |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 9 | _Dr. A. Maier_ | Politisch. Leiter | 6 J. Festung
+ | | i. Starnberg |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 10 | _Joh. Elbert_ | Soldatenrat (Lohr) | 2 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 11 | _Toni Waibel_ | Vorsitzender d. | 15 J. Festung
+ | | Aktionsausschusses | (entkomm.)
+ | | in Würzbg. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 12 | _H. Schuchardt_ | Aktionsausschuß, | 1-1/2 J.
+ | |Würzbg. | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 13 | _Val. Hartig_ | Mitgl. d. | 7 J. Festung
+ | | Aktionsaussch. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 14 | _Rudolf Hartig_ | Mitgl. d. | 2 J. Festung
+ | | Aktionsaussch. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 15 | _Fritz Sauber_ | Propagandist | 12 J. Festung
+ | | (Würzburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 16 | _A. | Propagandist | 10 J. Festung
+ | Hagemeister_ | (Würzburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 17 | _L. | Kommandeur | 7 J. Festung
+ | Egensberger_ | (Würzburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 18 | _Georg Hornung_ | Mitgl. d. | 10 J. Festung
+ | | Aktionsaussch. |
+ | | Würzburg, Kriegs- |
+ | | ministerium München |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 19 | _Leo Reichert_ | Soldatenrat | 2 J. Festung
+ | | (Würzburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 20 | _Paul Förster_ | Soldatenrat | 3 J. Festung
+ | | (Würzburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 21 | _A. Westrich_ | Korps-Soldatenrat | 6 J. Festung
+ | | (Würzburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 22 | _Ludw. Bedacht_ | Soldatenrat | 5 J. Festung
+ | | (Würzburg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 23 | _Adolf Schmidt_ | Mitgl. d. | 3 J. Festung
+ | | Aktionsaussch., |
+ | | Kempten |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 24 | _Cl. Schreiber_ | Mitgl. d. | 2 J. Festung
+ | | Aktionsaussch., |
+ | | Kempten |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 25 | _M. | Mitgl. d. | 1-1/4 J.
+ | Bohnenberger_ | Aktionsaussch., | Festung
+ | | Kempten |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 26 | _Heinr. | Mitgl. d. | 1-1/2 J.
+ | Pfeiffer_ | Aktionsaussch., | Festung
+ | | Landshut |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 27 | _Ludwig Vogl_ | im Aktionsaussch. | 1 J. 4 M.
+ | | Landshut | Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 28 | _Franz Müller_ | Soldatenrat | 1 J. 4 M.
+ | | Landshut | Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 29 | _Peter Blössl_ | Aktionsaussch. | 10 J. Festung
+ | | Augsbg. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 30 | _Aug. Hoeck_ | Rev. Arbeiterrat | 4 J. Festung
+ | | Augsbg. |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 31 | _E. Ringelmann_ | Zensor in Würzburg | 5 J. Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 32 | _Göpfert_ | Bürgermeister v. | 15 M. Festung
+ | | Rosenheim
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 33 | _Langenegger_ | Wohnungskommissar, | 3 J. Festung
+ | | Rosenheim |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 34 | _J. | Stadtkommand., | 4 J. Festung
+ | Rheinheimer_ | Rosenheim |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 35 | _Hans Elbert_ | Propagandist, | 2 J. Festung
+ | | Aschaffenburg |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 36 | _M. Schneller_ | Arbeiterrat, | 1 J. 3 M.
+ | | Kempten |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 37 | _W. Schmidt I_ | Aktionsaussch., | 1 J. 3 M.
+ | | Kempten | Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 38 | _H. | Aktionsaussch., | 6 M. Festung
+ | Bohnenberger_ | Kempten |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 39 | _Alfr. Kleiner_ | Rev. Arbeiterrat, | 1 J. 3 M.
+ | | Kempten | Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 40 | _Rich. Blähr_ | Propagand., | 1 J. 3 M.
+ | | Reichartshofen | Fest.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 41 | _Dreidl_ | Rev. Arbeiterrat, | 6 Mon. Fest.
+ | | Kempten | m.
+ | | | Bewährungsfr.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 42 | _Penzl_ | Revolut.-Trib. | 3 J. Zuchthaus
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 43 | _Bergmaier_ | Revolut.-Trib. | 3 J. Zuchthaus
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 44 | _Ertl_ | Revolut.-Trib. | }
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+
+ 45 | _Rass_ | Revolut.-Trib. | }
+ | | Miesbach |
+ | | |
+ -----+-----------------+---------------------+
+ 46 | _Gruber_ | Revolut.-Trib. | }
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+
+ 47 | _Griesbeck_ | Revolut.-Trib. | } je 1 J. 3 M.
+ | | Miesbach | bis
+ -----+-----------------+---------------------+ 2. J.
+ 48 | _Zimmermann_ | Revolut.-Trib. | } Festung
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+
+ 49 | _Priller_ | Revolut.-Trib. | }
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+
+ 50 | _Waizmann_ | Revolut.-Trib. | }
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+
+ 51 | _Stohwasser_ | Revolut.-Trib. | }
+ | | Miesbach |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 52 | _R. Steuer_ | Untersuchungsführer | 1 J. 3 M.
+ | | b. Rev.-Gericht, | Fest.
+ | | Kempten |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 53 | _J. Miglitsch_ | Sicherheitsdienst | 1 J. 3 M. Fest.
+ | | d. A.- u. |
+ | | S.-Räte |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 54 | _Ch. | Propagandist | 6 M. Festung
+ | Raitberger_ | |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 55 | _Lichtenbauer_ | Rotgardist | 2 J. Gefängnis
+ | | (Kempten) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 56 | _Jos. Zäuner_ | Arbeiterrat | 1 J. 3. Mon.
+ | | (Ingolstadt) | Gef.
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 57 | _Ellenbeck_ | Entwaffnung von | 3 J. Festung
+ | | Schutzleuten |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 58 | _Hehret_ | Entwaffnung von | 2-1/2 J.
+ | | Schutzleuten | Festung
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 59 | _Hans Kain_ | Propagandist | 6 J. Festung
+ | | (Starnberg) |
+ -----+-----------------+---------------------+----------------
+ 60 | _Hans Seffert_ | Polit. Leiter | 3 J. Festung
+ | | (Starnberg) |
+ ==============================================================
+ =Gesamtstrafe: 204 Jahre, 2 Monate Einsperrung=
+ ==============================================================
+
+Demnach sind gegen die Anhänger der bayrischen Räterepublik Strafen von
+insgesamt 616 Jahren Einsperrung verhängt worden. Gegen die Anhänger des
+Kapp-Putsches 5 Jahre Einsperrung. Dabei ist noch zu beachten, daß die
+bayrischen Zahlen unvollständig, die Kapp-Zahlen vollständig sind.
+
+
+
+
+DIE RECHTSNATUR DER BAYRISCHEN STANDGERICHTE UND DAS SCHICKSAL DER
+HINTERBLIEBENEN
+
+
+Nach der Einnahme von München durch die Regierungstruppen am 1. Mai 1919
+setzten sie »Standgerichte« genannte, wilde Feldgerichte ein, bei denen
+irgend ein Leutnant oder sonst jemand in der Weise Gericht spielte, daß
+er die Erschießung einfach anordnete. Sogar Unteroffiziere waren so
+Richter über Leben und Tod. Die Gerichte tagten in irgend einer Schenke
+ohne Anwendung irgend eines Gesetzbuchs. Akten wurden nicht geführt. In
+wenigen Minuten wurde das »Urteil« gefällt und an irgend einer Wand
+durch Erschießen vollstreckt.
+
+Eine Unterscheidung zwischen den »tödlich Verunglückten« (184) und
+»standrechtlich Erschossenen« (186) (vergl. S. 31) ist, da alle
+Unterscheidungsmerkmale fehlten, gar nicht durchführbar. So sind z. B.
+»standrechtliche« Erschießungen wegen Beleidigung des Offizierkorps
+vorgekommen, ebenso wurden zahlreiche Personen erschossen, weil man
+angeblich bei ihnen Waffen gefunden hatte, und zwar zu einer Zeit, in
+welcher die von der Regierung und vom Oberkommando gesetzte
+Waffenablieferungsfrist noch nicht abgelaufen war.
+
+
+Die 53 unbewaffneten Russen
+
+Mit welcher Willkür bei diesem »Standrecht« vorgegangen wurde, beweist
+der Fall der 53 unbewaffneten Russen in Gräfelfing.
+
+Die Räteregierung hatte die in den Gefangenenlagern befindlichen Russen
+befreit und zum Eintritt in die Rote Armee aufgefordert. Am 1. Mai
+wurden am Bahnhof Pasing 53 Russen, ohne Waffen, in deutscher Uniform,
+die aus München kamen, festgenommen. Sie wurden nach Lochham gebracht
+und dort, wie Augenzeugen berichten, schrecklich mißhandelt. Als einer
+aus der Reihe treten wollte, um seine Unschuld zu beteuern, wurde er
+niedergeschossen. Die andern wurden ins Feuerhaus in Gräfelfing
+eingesperrt. Die dort liegende württembergische Sicherheitskompagnie Nr.
+21 forderte wütend ihre sofortige Erschießung. Am 2. Mai um 1/2-6 Uhr
+morgens wurden alle 52 von einem »Standgericht« auf einmal zum Tode
+verurteilt. Die Russen beteuerten, an Kämpfen nicht teilgenommen zu
+haben. Den Gegenbeweis hat das Standgericht gar nicht zu führen
+versucht. In der ganzen Umgebung war nicht gekämpft worden. Um 1/2-9
+Uhr vormittags wurden sie in einer Kiesgrube erschossen. Der Fall wurde
+vom Staatsanwalt untersucht, doch fand er keinen Grund einzuschreiten.
+(»Der Kampf«, München, 4. Dezember 1919.)
+
+
+Das Standrecht des Dr. Roth
+
+Generalmajor Haas, Oberbefehlshaber der Gruppe West, hatte unter
+juristischem Beistand durch den späteren _bayrischen Justizminister Dr.
+Roth_ am 1. Mai folgenden Tagesbefehl erlassen:
+
+I. a 628.
+
+ Zur Klärung der Befugnisse der Truppen gegenüber der Bevölkerung
+ wird bekannt gegeben:
+
+ 1. Wer den Regierungstruppen mit Waffen in der Hand
+ gegenübertritt, wird ohne weiteres erschossen.
+
+ 2. Für Gefangene, die sonst während des Kampfes gemacht werden und
+ nicht unter Ziffer 1 fallen, hat der Gruppenkommandeur wie im
+ Felde Feldgerichte zu bilden, die über die standgerichtliche
+ Erschießung zu befehlen haben.
+
+ Das Urteil ist sofort zu vollstrecken unter Aufnahme einer
+ Niederschrift.
+
+ 3. In allen übrigen Fällen und wenn in Fall 2 nicht auf
+ Erschießung erkannt ist, ist Ueberweisung der Festgenommenen an
+ das standrechtliche Gericht nötig.
+
+ gez. Haas.
+
+Auf Grund dieses Tagesbefehls wurde am 3. Mai der Angestellte am
+städtischen Schlacht- und Viehhof Josef _Boesl_ (20 Jahre alt) nach
+einem »standgerichtlichen« Verfahren wegen angeblicher Teilnahme an den
+Kämpfen in München mit sechs anderen Personen in der Kapuzinerstraße
+erschossen. Das gegen den Generalmajor eingeleitete kriegsgerichtliche
+Ermittlungsverfahren wegen fahrlässiger Tötung wurde durch Verfügung des
+Gerichtsherrn des Württg. Gerichts der 27. Division, Abt. III, vom 16.
+März 1920 eingestellt.
+
+In der Begründung heißt es: »Dieser Befehl wurde von Generalmajor Haas,
+dessen Stabschef Major Seiser und von Hauptmann d. R. Roth,
+Bezirkshauptmann bei der Polizeidirektion in München als juristischem
+Berater entworfen, beraten und gutgeheißen und vom Kommandeur
+verantwortlich gezeichnet. _In seiner Ziffer 2 hatte dieser Befehl keine
+Stütze in den bestehenden Gesetzen_« ... »Der Kampf der alten Regierung
+gegen die Räteregierung war ein Bürgerkrieg. Im Nationalitätenkrieg
+gelten geschriebene und ungeschriebene Gesetze, den Bürgerkrieg dagegen
+charakterisiert eine gewisse Gesetzlosigkeit.....
+
+Jedenfalls befanden und fühlten sich die Regierungstruppen gegenüber den
+Rätetruppen in einem fortdauernden Zustand der Notwehr, auf Grund dessen
+schließlich jede Tat eine Entschuldigung hätte finden können. Um die
+Rechte der Regierungstruppen zu umschreiben und nicht jeden Exzeß zu
+dulden, erging der Befehl; ein Befehl, der Exzesse verhindern, nicht sie
+fördern wollte, der auf keinen Vorgang Bezug nehmen konnte und für einen
+gesetzlosen Zustand erst eine feste Form schaffen mußte. Wenn dieser
+Befehl allein aus der Not geboren zu der voreiligen Füsilierung geführt
+hat, so ist dies entfernt nicht in der Absicht dessen gewesen, der ihn
+verantwortlich gezeichnet hat, auch konnte dieser Erfolg nicht
+vorausgesehen werden.... Wenn trotzdem Fehlgriffe in Gestalt übereilter
+Urteile und allzu rascher Vollstreckung derselben vorgekommen sind, so
+kann dem Beschuldigten hieraus kein Vorwurf, auch nicht der Vorwurf der
+Fahrlässigkeit der Verhinderung der Vollstreckung der Urteile gemacht
+werden, weil er von dieser überhaupt nichts erfuhr. Sich die Bestätigung
+jedes Todesurteils vorzubehalten, war bei den bestehenden Zuständen rein
+unmöglich und _ein derartiger Befehl wäre von den Truppen gar nicht
+respektiert worden_. Ausschreitungen waren leider in jenen kritischen
+Tagen nicht selten, aber sie hatten ihren Grund in der allgemeinen
+krankhaften Erregung aller; den Einzelnen dafür verantwortlich zu
+machen, hieße keineswegs der Gerechtigkeit dienen....«
+
+Der Vater des Erschossenen wandte sich am 3. Juli 1919 mit einer Eingabe
+an das Generalkommando Oven. Dieses teilte ihm am 11. Juli 1919 mit, daß
+die Eingabe dem bayrischen Ministerium für militärische Angelegenheiten
+zur Begutachtung weitergeleitet wurde. Das Abwicklungsamt des früheren
+bayrischen Ministeriums für militärische Angelegenheiten teilte am
+18. Oktober 1919 auf Anfrage des Vaters mit, daß die Erhebungen
+betreffend der Erschießung seines Sohnes Josef Boesl noch nicht
+zum Abschluß gebracht seien. Am 6. Dezember 1919 wurde von der
+gleichen Stelle mitgeteilt, daß sein Sohn von einem Standgericht des
+1. Württg. Freiwilligen-Regts. wegen Beteiligung am Kampfe gegen die
+Regierungstruppen zum Tode verurteilt worden sei und daß das Urteil von
+diesem Regiment vollstreckt wurde. Seine Gesuche seien daher an das
+Abwicklungsamt Württemberg abgegeben worden. Das Kriegsministerium
+Stuttgart teilte mit Postkarte vom 10. Dezember 1919 mit, daß das
+Schreiben des Vaters vom 6. Dezember 1919 dem Wehrkreiskommando
+übergeben worden sei. Das Wehrkreiskommando teilte unterm 17. Dezember
+1919 mit, das Schreiben sei dem Gericht der früheren 27. Division
+in Ulm zur zuständigen Verfügung übergeben worden. Eine Eingabe
+des Vaters an den Reichswehrminister vom 22. Mai 1920 wurde an das
+Heeresabwicklungsamt Preußen, Verpflegungsabteilung abgegeben, das dem
+Vater sachliche Belehrung erteilte. Ein weiteres Schreiben des Vaters
+vom 11. Juli 1920 an das Reichsabwicklungsamt wurde nach dessen
+Mitteilung an das Heeresabwicklungsamt-Hauptamt zur weiteren Bearbeitung
+geleitet. Das Heeresabwicklungsamt Württemberg teilte ihm unterm 7.
+Dezember 1920 auf den Schadensersatzantrag vom 10. Mai 1920 wörtlich
+mit: »Eine Rechtsverpflichtung der Heeresverwaltung zum Schadenersatz
+liegt nicht vor. Das Heeresabwicklungsamt Württemberg bedauert, dem
+dortigen Gesuch nicht entsprechen zu können. Eine Wiederholung des
+Gesuches wäre zwecklos; die Auflösung der Abwicklungsstellen des alten
+Heeres ist außerdem zum 31. Dezember d. Js. angeordnet.«
+
+Diese Behandlung der Hinterbliebenen ist typisch für die ganzen
+Münchener Fälle.
+
+ * * * * *
+
+Der Ingenieur August _Dorfmeister_ wurde am 2. Mai 1919 im Krüppelheim
+in der Harlachingerstr. erschossen. Nach den Feststellungen des
+Tumultschadenausschusses ist laut Bericht des Kriegsgerichtsrates
+bei der Reichswehrbrigade 13. Abteilung Ulm, »wahrscheinlich«
+von einem Standgericht verurteilt worden, das auf Grund des
+Befehls des Generalmajors Haas eingesetzt war. Der Beschluß des
+Tumultschadenausschusses stellt fest, daß dieser Befehl ungesetzlich
+war, und daß dem Toten irgendwelche Beteiligung an den Kämpfen oder
+Gewalttätigkeiten bei der Verfolgung seiner politischen Ziele nicht
+nachgewiesen worden seien.
+
+Die in erster Instanz zuerkannte Rente wurde vom
+Reichswirtschaftsgericht nach ständiger Praxis gestrichen. Klage zum
+ordentlichen Gerichte ist anhängig.
+
+Die Staatsanwaltschaft hat das Verfahren gegen Unbekannt eingestellt.
+
+
+Ein Befehl des General v. Oven
+
+Einen Beweis dafür, daß sogar dem Militär die Rechtswidrigkeit der
+standrechtlichen Erschießungen bekannt war, bildet der folgende Befehl
+vom 5. Mai 1919:
+
+Freikorps Lützow O. U., München, den 7. Mai 1919. III Br. B. Nr. 0595
+Abschrift von Abschrift.
+
+ Generalkommando v. Oven. Ia/119/V/19 K. H. Qu. den 5. Mai 1919.
+ Betr. Verfahren gegen die Bevölkerung.
+
+ 1. Wer mit der Waffe in der Hand betroffen wird, wird auf
+ der Stelle erschossen.
+
+ 2. Wer festgenommen ist, kann nur noch gerichtlich
+ abgeurteilt werden; zuständig ist das standrechtliche
+ Gericht.
+
+ 3. Das standrechtliche Gericht wird seinen Sitz im Gebäude
+ des Amtsgerichts haben.
+
+ 4. _Jedes andere Verfahren gegen Festgenommene ist
+ unzulässig, insbesondere die Aburteilung durch
+ militärische Feldgerichte. Wo derartige militärische
+ Feldgerichte gebildet sind, sind sie sofort aufzuheben;
+ etwa von ihnen gefällte Urteile dürfen nicht vollstreckt
+ werden; mit dem Beschuldigten ist nach Ziffer 2 zu
+ verfahren._
+
+ 5. Die bisher von den Truppen festgenommenen Personen, die
+ sich noch im militärischen Gewahrsam befinden, sind von
+ den Truppenteilen in Listen aufzunehmen. Diese Liste mit
+ den beizulegenden Tatberichten sind der Stadtkommandantur
+ zu übersenden.
+
+ gez. v. Oven, Generalleutnant.
+ F. d. R.
+ V. s. d. G. K.
+ D. Ch. d. G. St.
+ gez. v. Unruh, Major.
+
+ Zusatz des Freikorps.
+
+ Sofort.
+
+ Vorstehende Bestimmungen sind den Mannschaften eingehend bekannt
+ zu geben.
+
+ A. B. gez. Körner, Rittmeister.
+
+Trotz dieses Befehls sind »standrechtliche« Erschießungen noch am 7.,
+»tödliche Unglücksfälle« noch am 8. Mai vorgekommen.
+
+
+Die Rechtswidrigkeit der bayrischen standrechtlichen Erschießungen
+
+Durch die Verordnung des bayrischen Gesamtministeriums vom 25. April
+1919 wurde für das rechtsrheinische Bayern das Standgericht verhängt und
+Standgerichte im Sinne des Kriegszustandes wurden eingesetzt. Aber die
+»standrechtlichen« Erschießungen sind nicht von diesen Standgerichten
+angeordnet worden.
+
+Von dem gesetzmäßigen bayrischen Standrecht ist nur ein einziges
+Todesurteil gefällt worden, nämlich gegen Dr. _Eugen Leviné_.
+
+Denn das bayrische Standrecht beruhte auf dem bayrischen Landesgesetze
+über den Kriegszustand vom 5. November 1912. (Gesetz- und
+Verordnungsblatt, S. 1161, Webers Gesetzsammlung, Bd. 41, S. 180.) Zu
+dem Gesetz sind Vollzugsvorschriften über das standrechtliche Verfahren
+ergangen in einer Ministerialbekanntmachung vom 13. März 1913
+(Gesetz-und Verordnungsblatt, S. 97, Webers Gesetzsammlung, Bd. 41, S.
+349.), sowie in einer Ministerialbekanntmachung die Vollstreckung der
+militärgerichtlich und standrechtlich erkannten Todesstrafen betreffend
+vom 17. März 1913. (Bayr. Justiz-Ministerialblatt, 1913, S. 53.)
+
+Ein gesetzliches standrechtliches Verfahren im Sinne des
+Kriegszustandsgesetzes und seiner Ausführungsbestimmungen lag danach nur
+dann vor, wenn das standrechtliche Gericht nach Maßgabe des Gesetzes und
+seiner Ausführungsbestimmungen zusammengesetzt war und das gesetzmäßig
+vorgeschriebene Verfahren beachtete. Als Besetzung waren drei
+Berufsrichter, zwei Militärpersonen und zwei Laienbeisitzer ohne
+Stimmrecht (die Letzteren als eine Art Kontrollpersonen)
+vorgeschrieben. Bezüglich des Verfahrens waren Art. 7. des
+Kriegszustandsgesetzes, die dort angegebenen Vorschriften des bayr.
+Feuerbachschen Strafgesetzbuches von 1813 (Webers Gesetzsammlung, Bd. 1,
+S. 414) mit den in Art. 7 und den Ausführungsbestimmungen dazu
+vorgeschriebenen Abänderungen maßgebend.
+
+Da jedoch bei den sogenannten Standgerichten keine einzige dieser
+Bedingungen eingehalten worden ist, so waren diese »Standgerichte«,
+welche ohne Einsetzung durch eine dazu befugte Stelle und ohne irgend
+welche gesetzmäßige und verwaltungsmäßige Kontrolle tätig waren, nicht
+nur ungesetzliche, sondern durchaus gesetzwidrige Einrichtungen.
+
+Dem somit bewiesenen Satz, daß die gesamten bayrischen
+Standrechtsurteile völlig ungesetzlich waren, haben sich, wie oben
+gezeigt, auch die maßgebenden Behörden angeschlossen.
+
+
+Gesamtzahl der in München willkürlich Getöteten
+
+Für die bayrischen Standgerichte waren also keinerlei gesetzliche
+Grundlagen vorhanden. Es ist auch von Regierungsseite nie versucht
+worden, das Vorgehen der Truppen als legal zu rechtfertigen. Trotzdem
+ist gegen keinen der Soldaten, die an den 184 »standrechtlichen«
+Erschießungen mitgewirkt haben, irgendeine Anklage erhoben worden. Im
+Fall Lacher dagegen, wo Rotgardisten ein ungesetzliches Standrecht
+eingesetzt hatten, wurden Gefängnisstrafen im Gesamtbetrag von über 50
+Jahren verhängt.
+
+Auch die Erschießungen wegen angeblicher oder tatsächlicher Beteiligung
+am Kampf waren natürlich, da sie von solchen »Standgerichten« angeordnet
+wurden, völlig ungesetzlich.
+
+Faßt man die im Stadtbezirk »standrechtlich« Erschossenen 186 Mann und
+die 184 tödlichen »Unglücksfälle« zusammen und rechnet man dazu die 53
+in Gräfelfing erschossenen Russen, die 20 in Starnberg, die 4 in
+Possenhofen, die 3 in Großhesselohe bezw. Grünwald und die 3 in
+Großhadern Erschossenen, ferner die in Schleißheim, Harlaching,
+Schäftlarn und Großföhren Erschossenen (je einer), so kommt man auf eine
+Gesamtzahl von _457 in München willkürlich Getöteten_. Auch diese Zahl
+ist, da sie größtenteils auf amtlichen Angaben beruht, sicher zu klein.
+Im obigen Text (vergl. S. 50) habe ich jedoch nur die amtlich als
+tödlich verunglückt Bezeichneten als ermordet gerechnet.
+
+Dabei hatte sich der die Operation gegen München leitende General von
+Oven in Ingolstadt dem Ministerpräsidenten Hoffmann gegenüber
+verpflichtet, daß er willkürliche Erschießungen nicht dulden würde.
+Vielmehr sollten alle Gefangenen, auch die Russen der Roten Armee vor
+ein Gericht gestellt werden. (Persönliche Mitteilung des jetzigen
+Abgeordneten Hoffmann.)
+
+
+Die Rechtslage der Hinterbliebenen
+
+Trotz der Rechtswidrigkeit der Tötung ist die Rechtslage der
+Hinterbliebenen so ungünstig wie möglich. In allen Fällen, in denen
+wegen derartiger Erschießungen Anzeige gemacht wurde, wurde die
+Untersuchung durch die Militärgerichte und die Militärbehörde geführt.
+Abgesehen von den Mördern der katholischen Gesellenvereinsmitglieder,
+von denen zwei wegen Diebstahls und zwei wegen Totschlags verurteilt
+wurden, haben diese Behörden keinen einzigen Täter ermitteln können. In
+zahllosen Fällen, in welchen Mordanzeigen unter genauer Angabe der
+Persönlichkeiten der Täter, der Tatumstände und unter Anbietung von
+Beweisen gemacht wurden, geschah nichts. In einigen Fällen, wie z. B.
+der Ermordung von Gustav Landauer, wurde der betreffende Täter mit der
+Begründung freigesprochen, er hätte geglaubt auf Befehl zu handeln.
+
+Die Geltendmachung zivilrechtlicher Ansprüche war von vornherein dadurch
+ungeheuer erschwert, daß drei Kontingente, das bayrische, preußische und
+württembergische (Reichswehr gab es damals noch nicht) in Frage kamen,
+daß also die Ersatzansprüche zivilrechtlicher Art sich naturgemäß gegen
+denjenigen Fiskus richten müssen, welchem der Täter wirklich oder
+mutmaßlich angehörte.
+
+Nach Artikel 2 des bayrischen Ausführungsgesetzes zur Zivilprozeßordnung
+vom 23. Februar 1879 (Ges.- und Verordnungsblatt, 1879, Seite 63 und
+1899, Seite 401) konnte dabei der Klageweg gegen den Fiskus nur
+beschritten werden, wenn zuvor die höchste zuständige Verwaltungsbehörde
+(damals das bayrische Militärministerium) um Abhilfe angegangen worden
+war und innerhalb sechs Wochen das Abhilfegesuch entweder nicht oder
+abschlägig beantwortet hatte. Für den Ersatzanspruch kommt nach
+Bayrischem Rechte der Artikel 60 des bayrischen Ausführungsgesetzes zu
+B.G.B. vom 9. 6. 1899 und das bayrische Landesgesetz vom 6. Dezember
+1913 über die Haftung des Militärfiskus für Handlungen von
+Militärpersonen (Gesetz- und Verordnungsblatt, Nr. 13, Seite 905) in
+Betracht. Nach diesen Bestimmungen konnte der in § 839 B.G.B.
+bezeichnete Anspruch nur dann gegen den Fiskus gerichtet werden, wenn
+eine Amtspflichtverletzung der in Frage kommenden Militärpersonen
+festgestellt werden konnte. Nicht dagegen, wenn eine rechtswidrige
+Handlung nur bei Gelegenheit der Amtsausübung begangen wurde. Die
+Feststellung einer Amtspflichtverletzung durch die Gerichte und eine
+Klage auf Schadenersatz wegen Amtspflichtverletzung ist nach bayrischem
+Landesrecht wiederum nur möglich, wenn zuvor der bayrische
+Verwaltungsgerichtshof eine »Vorentscheidung« darüber gefällt hat, daß
+die betreffende Militärperson in Ausübung der ihr anvertrauten
+öffentlichen Gewalt den Schaden vorsätzlich oder fahrlässig einem
+Dritten unter Ueberschreitung ihrer Amtsbefugnis oder Unterlassung einer
+ihr obliegenden Amtspflicht zugefügt hat. (Vgl. Artikel 7 Abs. II d.
+Bayer. Verwaltungsgerichtsgesetzes vom 8. August 1878, Ausgabe von Prof.
+Dr. Ant. Dyroff.)
+
+Infolge dieser überaus komplizierten Rechtslage und des Umstandes, daß
+als Gegner im Zivilprozeß gerade diejenigen Militärfisci figurierten,
+welche zugleich die Untersuchung der Sache hatten und begreiflicher
+Weise mit dem Material zu ihrer eignen Haftbarmachung nicht
+herausrückten, ist in Bayern _keine einzige Haftbarmachung des Fiskus
+wegen rechtswidriger Erschießung in den Maitagen gelungen_.
+
+Eine weitere Komplikation ergab sich daraus, daß es zweifelhaft war,
+welchen Fiskus die Haftung nach Aufhebung des bayrischen Militärfiskus
+und Organisation der Reichswehr eigentlich zu treffen habe, da die
+fraglichen Staatsverträge sich wohlweislich über diesen Punkt
+ausschwiegen.
+
+
+Die Auffassung des Reichswirtschaftsgerichts
+
+In Hinblick auf diese Schwierigkeiten suchen nun die betreffenden
+Hinterbliebenen sich dadurch zu helfen, daß sie sich wegen Entschädigung
+an die nach dem Reichsgesetz über die durch innere Unruhen verursachten
+Schäden vom 12. Mai 1920 vorgesehenen Feststellungsausschüsse wenden. (§
+6 des Reichsaufruhrschädenges.)
+
+Gemäß § 1 dieses Gesetzes bestehen Ersatzansprüche gegen das Reich wegen
+der Schäden an beweglichem und unbeweglichem Eigentum sowie an Leib und
+Leben, die im Zusammenhange mit inneren Unruhen durch offene Gewalt oder
+durch ihre Abwehr unmittelbar verursacht wurden. Auf Grund dieser
+Bestimmung haben die drei Münchener Ausschüsse zur Feststellung von
+Aufruhrschäden einer großen Anzahl von Hinterbliebenen die nach dem
+Aufruhrgesetz zuständigen Renten zuerkannt. Diese sämtlichen Bescheide
+sind auf Beschwerde der Fiskusvertreter von dem nach § 7 des
+Aufruhrschadengesetzes als Beschwerdeinstanz zuständigen
+Reichswirtschaftsgericht unter Abweisung der Schadenersatzansprüche
+aufgehoben worden. Die dürftigen Begründungen besagten, daß die
+Erschießung keine offene Gewalt im Sinne des § 1 sei, weil die Täter
+wenigstens amtliche Befugnisse wahrzunehmen glaubten und keine durch
+Abwehr offener Gewalt unmittelbar verursachten Schäden, weil durch die
+Verhaftung der Erschossenen der Kausalzusammenhang nach § 1 unterbrochen
+sei, d. h. wie das Reichswirtschaftsgericht sich sehr gewunden
+ausdrückt, weil durch die Verhaftung der Erschossenen diese dem Kreise
+der Maßnahmen entrückt waren, welche der unmittelbaren Abwehr der von
+den Aufrührern geübten offenen Gewalt dienen sollten. (Vergl. Seite 36.)
+
+Die grundlegende Entscheidung hat das Reichswirtschaftsgericht am 24.
+August 1921 in der Sache der Wwe. Josefa Fichtner von Perlach und 12
+Genossen unter XVII A.V. 747/21 gefällt. Seitdem ist eine große Reihe
+gleichartiger Entscheidungen ergangen, welche die fraglichen Ansprüche
+einfach schematisch abweisen.
+
+In diesen Bescheiden weist das Reichswirtschaftsgericht regelmäßig, was
+der reinste Hohn ist, darauf hin, daß die Betroffenen ja die Haftung des
+Militärfiskus auf Grund des § 839 und der landesrechtlichen
+Ausführungsgesetze über die Haftung des Militärfiskus in Anspruch nehmen
+können, wenn sie glauben, eine Amtspflichtverletzung von Militärpersonen
+feststellen zu können.
+
+Das Resultat war in allen fraglichen Fällen bisher, daß die
+Hinterbliebenen der widerrechtlich Erschossenen der Armenpflege zur Last
+gefallen sind.
+
+
+Die juristischen Grundlagen der Erschießungen »auf der Flucht«
+
+Diese Kniffe der Gerichte sind übrigens keineswegs bayrische
+Sonderrechte. So lehnte das Oberlandesgericht Hamm eine einstweilige
+Verfügung zu Gunsten der Hinterbliebenen des angeblich auf der Flucht
+erschossenen Max Maurer (vergl. S. 60) am 31. Oktober 1921 mit folgender
+Begründung ab:
+
+»Die Klägerinnen konnten mit ihrem Antrag nur durchdringen, wenn sie
+glaubhaft machten, daß den Mannschaften des Marineregiments 6 eine
+vorsätzliche oder fahrlässige Dienstverletzung zur Last fällt, gemäß den
+Bestimmungen des Preußischen Gesetzes über den Waffengebrauch des
+Militärs vom 20. März 1837. Dieses Gesetz ist weder früher (Entscheidung
+des Reichsgerichts, Bd. 100, S. 28) noch seit der Revolution abgeändert
+oder aufgehoben worden. Nach den §§ 1 und 5 des Gesetzes ist das Militär
+in allen Fällen zum Waffengebrauch befugt, wenn Verhaftete, Arrestanten
+oder Gefangene, welche ihnen zur Bewachung anvertraut sind, zu
+entspringen oder beim Transporte zu entfliehen suchen. Im § 10 des
+Gesetzes heißt es: »Daß beim Gebrauch der Waffen das Militär innerhalb
+der Schranken seiner Befugnisse gehandelt habe, wird vermutet, bis das
+Gegenteil erwiesen ist.« Diese Vermutung gilt, wie mit dem Reichsgericht
+anzunehmen ist, als Beweisregel des militärischen Rechtes, solange, bis
+sie durch den Nachweis des Gegenteils entkräftet ist. Der Behauptung des
+Beklagten gegenüber, daß der Ehemann und der Vater der Klägerinnen bei
+seinem Abtransport nach Gladbeck in der Nähe von Bottrop einen
+Fluchtversuch gemacht habe und dabei erschossen worden sei, war also von
+den Klägerinnen glaubhaft zu machen, daß ihr Ehemann und Vater ohne
+einen Fluchtversuch unternommen zu haben erschossen worden sei. Dieses
+konnte aber nicht für glaubhaft gemacht erachtet werden. Die Klägerinnen
+haben sich zur Glaubhaftmachung auf die Bekundung des Zeugen Sprenger
+bezogen, nach welcher Militärpersonen, welche Maurer festnahmen, erklärt
+haben, die Frau Maurer solle sich nur nicht so anstellen, der Mann komme
+nicht wieder. Aus dieser Aeußerung der Marinemannschaften wollen die
+Klägerinnen entnehmen, daß diese von vornherein die Absicht gehabt
+haben, ihren Ehemann und Vater ohne weiteres zu erschießen. Dadurch
+sei, so machen die Klägerinnen geltend, die Behauptung des Beklagten,
+daß Maurer bei einem Fluchtversuch erschossen sei, widerlegt. Dem kann
+aber nicht beigetreten werden. Die Erklärung der Marinemannschaft, der
+Mann komme nicht wieder, von der gar nicht feststeht, in welchem Sinne
+sie abgegeben ist, beweist allein nichts gegen die Richtigkeit dieser
+Behauptung. Auch die Schußverletzungen, welche die Leiche des Maurer
+nach dem Attest des Dr. med. Farrenkopf zu Bottrop aufwies, sprechen
+nicht gegen diese Behauptung des Beklagten. Außer mehreren Schüssen im
+Rücken hat Maurer allerdings einen Halsschuß in der Höhe des Kehlkopfes
+ungefähr 2 cm links von der Mittellinie erhalten. Es sei aber nicht
+ausgeschlossen, daß er sich auf der Flucht umgesehen und dabei diesen
+letzten Schuß bekommen hat. Kann hiernach die Behauptung des Beklagten,
+daß Maurer einen Fluchtversuch gemacht habe und hierbei erschossen
+worden sei, nicht für durch die Klägerin widerlegt erachtet werden, so
+wird diese Behauptung im Gegenteil durch die übereinstimmende Bekundung
+des Obermaschinisten Fuchs, des Gefreiten Gaul und des Gefreiten Kruppe
+bestätigt. Nach diesen Bekundungen hat auf dem Transport nach Gladbeck
+in der Nähe von Bottrop, als der Gefreite Gaul kurze Zeit zurückblieb,
+Maurer diese Gelegenheit benutzt, um über das Feld davon zu laufen. Der
+Gefreite Kruppe hat ihm dreimal »Halt« zugerufen und dann, da Maurer
+weiterlief, mit dem Gefreiten Gaul zusammen eine Reihe von Schüssen auf
+ihn abgegeben, bis er zusammenbrach.
+
+Bei dieser Sachlage konnte jedenfalls nicht für glaubhaft erachtet
+werden, daß den oben genannten Marinemannschaften nach den Bestimmungen
+des Gesetzes über den Waffengebrauch des Militärs vom 30. März 1837 eine
+Dienstverletzung zur Last fällt.
+
+Der Antrag der Klägerinnen auf Erlaß einer einstweiligen Verfügung war
+daher zurückzuweisen. Die Kosten des Verfahrens waren nach § 91 Z.P.O.
+den Klägerinnen aufzuerlegen.
+
+gez. Eickenbusch, gez. Frencking, Graul, Kalthoff, Gernheim.
+(Aktenzeichen 3 U 43--210 L G Hamm.)«
+
+Die Begründung lautet also folgendermaßen: Wenn jemand von Soldaten
+erschossen wird, so ist nach dem Gesetz vom 20. März 1837 prinzipiell
+anzunehmen, daß die Soldaten dazu ein Recht hatten. Die Soldaten
+brauchen dies gar nicht zu beweisen, sondern die Hinterbliebenen müssen
+beweisen, daß die Soldaten bei der Erschießung ihre Befugnis
+überschritten haben und daß ein Fluchtversuch nicht vorgelegen hat, was
+natürlich so gut wie unmöglich ist. Die hier vorliegenden Beweise, die
+den »Fluchtversuch« widerlegen, werden nicht anerkannt. Der Ausspruch:
+»Ihr Mann kommt nicht wieder«, und der Schuß von vorn in den Hals
+beweisen nichts gegen den Fluchtversuch.
+
+_Nach diesem Preußischen Gesetz vom 20. März 1837_, das nach dem
+Reichsgericht zu Recht besteht, _ist also durch das Zeugnis der Täter
+der Beweis der Rechtmäßigkeit der Tötung einwandfrei erbracht_. Man ist
+es zwar in Deutschland gewohnt, daß die Mörder strafrechtlich nicht
+gefaßt werden. Bisher hatten aber wenigstens einige Zivilgerichte die
+Objektivität, den Angehörigen der Opfer eine zivilrechtliche
+Entschädigung zuzubilligen. Nach der Rechtsprechung des Reichsgerichts
+wird selbst diese Möglichkeit so gut wie beseitigt.
+
+
+
+
+REGIERUNGSÄUSSERUNGEN ZU DEN POLITISCHEN MORDEN
+
+
+Die Stellung des Reichsjustizministers
+
+Prof. Dr. Radbruch hatte in der Reichstagssitzung vom 5. Juli 1921 unter
+Berufung auf die Broschüre »Zwei Jahre Mord« sich für eine Bestrafung
+der politischen Morde eingesetzt. Als er selbst Reichsjustizminister
+geworden war, schrieb er dem Autor dieser Zeilen folgenden Brief:
+
+Der Reichsminister der Justiz Berlin W 9, den 3. Dez. 1921. Voßstr. 4.
+Nr. IV c 6900 W
+
+ Für die auf Ihre Veranlassung durch den Verlag erfolgte
+ Uebersendung eines Exemplars der 4. Auflage der Broschüre »Zwei
+ Jahre Mord« danke ich verbindlichst. Schon mein Herr Amtsvorgänger
+ hat Veranlassung genommen, mit den Justizverwaltungen von Preußen,
+ Bayern und Mecklenburg in Verbindung zu treten. Nach den
+ Mitteilungen der genannten Justizverwaltungen war in einer Reihe
+ der in der Broschüre angegebenen Fälle ein Verfahren noch
+ anhängig, in anderen Fällen wurde auf Grund der Angaben der
+ Broschüre erneut geprüft, ob sich Handhaben für ein
+ strafrechtliches Einschreiten bieten. Ich habe meinerseits die
+ Aufmerksamkeit der Justizverwaltungen auf den erweiterten Inhalt
+ der neuen Auflage hingelenkt und um kurze Mitteilungen des
+ Sachverhalts und des Gangs des Verfahrens in den einzelnen Fällen
+ gebeten: Mitteilung der Ergebnisse an den Reichstag ist
+ beabsichtigt.
+
+ Auf Seite 50 der Broschüre wird zur Kennzeichnung des Verfahrens
+ gegen Kapp darauf hingewiesen, daß sich der Reichsjustizminister
+ Dr. Heintze in der Sitzung des Reichstags vom 27. Januar dieses
+ Jahres wie folgt geäußert habe: »Auch wird man einer
+ Vermögensbeschlagnahme gegen Kapp nähertreten«. Demgegenüber darf
+ ich, um Irrtümern vorzubeugen, folgendes bemerken: Der
+ Reichsjustizminister hat sich in der Sitzung des Reichstags vom
+ 26. Januar dieses Jahres zu den Maßnahmen geäußert, die zur
+ Verfolgung von Kapp und Genossen ergriffen sind. Nach den
+ stenographischen Berichten des Reichstags, 57. Sitzung, S. 2148,
+ lautete seine Ausführung wörtlich wie folgt:
+
+ »Gegen die Herren Kapp und die übrigen, die an der
+ hochverräterischen Unternehmung beteiligt und strafrechtlich
+ verfolgt sind, ist Haftbefehl und Steckbrief erlassen und die
+ Vermögensbeschlagnahme angeordnet und selbstverständlich
+ pflichtgemäß die Maßnahmen getroffen, die zur Durchführung dieser
+ Vermögensbeschlagnahme zu treffen sind.«
+
+ Dr. Radbruch.
+
+Demnach hat der Reichsjustizminister auf die Behauptung, daß in
+Deutschland in drei Jahren über 300 politische Morde von Rechts
+unbestraft geblieben sind, nur erwidert, eine Ministerrede sei falsch
+zitiert. Dieses falsche Zitat wurde natürlich in der vorliegenden
+Ausgabe sofort beseitigt.
+
+Die Kommunisten haben die Radbruch'sche Interpellation im Reichstag
+wieder aufgenommen. Die Abgeordneten Plettner, Hoffmann und Bartz haben
+am 14. September 1921 folgende kleine Anfrage Nr. 1027 an die Regierung
+gerichtet:
+
+»Herr E. J. Gumbel hat in einer Broschüre »Zwei Jahre Mord« eine
+Zusammenstellung der politischen Morde seit dem 9. November 1918 der
+Oeffentlichkeit übergeben. Herr Gumbel stellt fest, daß während dieser
+Zeit sich die von Rechts begangenen Mordtaten auf 314 belaufen, 26
+namentlich aufgeführte Personen stehen unter dem starken Verdacht der
+Mordbegünstigung oder Anstiftung, 35 namentlich aufgeführte Personen
+stehen unter dem dringenden Verdacht der Mordausführung. Herr Gumbel
+stellt weiter fest, daß bis heute noch kein politisches sowie
+militärisches Mitglied der Kappregierung bestraft wurde, wogegen allein
+gegen Mitglieder der bayrischen Räteregierung 519 Jahre 9 Monate
+Freiheitsstrafen und eine Anzahl Todesurteile vollstreckt worden sind.
+
+In der Reichstagssitzung vom 5. Juli 1921 hat der Abgeordnete Radbruch
+obengenannte Broschüre dem Herrn Justizminister überreicht mit der
+formellen, öffentlichen Aufforderung, den einzelnen Fällen nachzugehen
+und über das Ergebnis seiner Untersuchung Auskunft zu geben.
+
+Wir fragen an: Hat die Reichsregierung entsprechend der an sie
+gerichteten Aufforderung eine Untersuchung der in der Gumbelschen
+Broschüre aufgeführten Fälle veranlaßt?
+
+Zu welchem Ergebnis hat die Untersuchung geführt?
+
+Was gedenkt die Reichsregierung zu tun gegen die Staatsanwälte und
+Richter, die unter völliger Außerachtlassung jeder richterlichen
+Objektivität die Angeklagten freigesprochen oder das eingeleitete
+Verfahren eingestellt haben?«
+
+In der Reichstagssitzung vom 30. September 1921 hat darauf Herr Werner,
+Geh. Regierungsrat, Ministerialrat im Reichsjustizministerium, Kommissar
+der Reichsregierung, folgendes geantwortet: »Die strafrechtliche
+Verfolgung der Vorfälle, die den Gegenstand der Broschüre »Zwei Jahre
+Mord« bilden, gehört nicht zur Zuständigkeit von Organen der
+Reichsjustizverwaltung. Der Reichsminister der Justiz hat aber
+Veranlassung genommen, die Aufmerksamkeit der Justizverwaltungen
+von Preußen, Bayern und Mecklenburg auf die Broschüre zu lenken.
+Nach den von diesen eingegangenen Mitteilungen ist in einer Reihe
+der in der Broschüre angegebenen Fälle ein Verfahren anhängig, in
+anderen Fällen wird der Inhalt durch die zuständigen Organe der
+Landesjustizverwaltungen einer Prüfung nach der Richtung unterworfen,
+ob die gemachten Angaben neue Handhaben zu einem strafrechtlichen
+Einschreiten bieten.«
+
+Darauf fragte der Abgeordnete Bartz weiter: »Ist die Regierung in der
+Lage, anzugeben, in welchen Fällen ein Verfahren eingeleitet worden
+ist?« Der Präsident Loebe aber schnitt die Diskussion ab mit den Worten:
+»Das Wort wird nicht weiter gewünscht, die Anfrage ist erledigt.«
+
+Die Regierung hat also eine Untersuchung angestellt und das Resultat
+ist: Sie kann nicht behaupten (was sie doch sicher gern getan hätte),
+daß auch nur ein einziger der vielen dargestellten Fälle unrichtig sei.
+Damit ist also die Richtigkeit der Behauptungen zugegeben.
+
+Die von Herrn Radbruch bereits am 3. Dezember 1921 angekündigte
+Denkschrift ist noch immer nicht erschienen. Als der Verfasser in einer
+Versammlung äußerte, daß diese Denkschrift nie erscheinen werde, schrieb
+ihm Herr Radbruch folgenden Brief:
+
+Der Reichsminister der Justiz. Berlin W 9, den 2. Mai 1922. Voßstr. 5.
+Nr. IV c 1144. W.
+
+ In der von dem »Bund Neues Vaterland« einberufenen öffentlichen
+ Volksversammlung am 27. April d. Js. haben Sie Zeitungsnachrichten
+ zufolge ausgeführt, daß ich zwar eine Denkschrift über die Fälle
+ in Ihrer Broschüre »Zwei Jahre Mord« in Aussicht gestellt habe,
+ daß diese Denkschrift aber niemals erscheinen werde. Demgegenüber
+ lege ich Wert darauf, Ihnen an Hand der Akten Kenntnis von den
+ Schritten zu geben, die ich unternommen habe, um dem Reichstag
+ eine Darstellung des Sachverhalts und des Ganges des
+ strafrechtlichen Verfahrens in den einzelnen Fällen zugänglich zu
+ machen; ich würde es deshalb begrüßen, wenn ich Ihrem Besuch in
+ der nächsten Zeit entgegensehen dürfte. Wegen des Zeitpunktes
+ bitte ich um vorherigen telephonischen Anruf.
+
+ Dr. Radbruch.
+
+Als der Schreiber dieser Zeilen darauf Herrn Radbruch besuchte, zeigte
+er ihm mit anerkennenswerter Offenheit die Vorarbeiten zu dem Weißbuch.
+Darin sind alle Behauptungen dieses Buches mit dürren Worten amtlich
+bestätigt. Noch mehr: Die Wirklichkeit übertrifft die Angaben um vieles.
+_Und gerade deswegen ist der Autor dieser Zeilen heute mehr denn je
+überzeugt, daß die angekündigte Denkschrift trotz der guten Absichten
+des Ministers nie erscheinen wird._
+
+
+Die unzuständigen Staatsanwälte
+
+Die Broschüre »Zwei Jahre Mord« war an sämtliche Staatsanwaltschaften
+Deutschlands geschickt worden, in deren Bereich Morde passiert waren. Im
+folgenden die Antworten:
+
+Der Oberstaatsanwalt bei dem Landgericht. Potsdam, den 28. Aug. 1921.
+IX./199.
+
+ Den Empfang Ihrer mir zugesandten Broschüre »Zwei Jahre Mord«
+ bestätige ich Ihnen mit Dank.
+
+ Insofern scheint aber bei Ihrer Zuschrift ein Irrtum obzuwalten,
+ als Sie meine Zuständigkeit für die strafrechtliche Verfolgung
+ »einer Reihe von Morden« annehmen. Ich habe bei der Durchsicht des
+ Buches keinen einzigen Fall finden können, in dem durch den Ort
+ der Tat meine Zuständigkeit in Betracht kommt. Es haben auch nach
+ Ihrer eigenen Darstellung in allen Fällen bereits strafrechtliche
+ Ermittlungsverfahren seitens der zuständigen Stellen
+ stattgefunden.
+
+ In Vertretung: Unterschrift unleserlich.
+
+Der Oberstaatsanwalt. Marburg, den 31. August 1921. 3a J 817/21
+
+ Auf Ihr am 29. August 1921 eingegangenes Schreiben unter
+ gleichzeitiger Uebersendung der Broschüre »Zwei Jahre Mord«
+ erhalten Sie den Bescheid, daß ich nicht in der Lage bin, wegen
+ der darin geschilderten angeblichen Straftaten einzuschreiten, da
+ in keinem der Fälle der Tatort im hiesigen Bezirk liegt, und auch
+ keiner der Täter im hiesigen Bezirk seinen Wohnsitz hat.
+
+ I. V.: Ludwig.
+
+Der Oberstaatsanwalt. Hagen i. W., den 19. Sept. 1921. XV. 11/2227.
+Betrifft: Uebersendung des Buches: »Zwei Jahre Mord«.
+
+ Von den in dem Buch geschilderten Ereignissen hat keines sich in
+ dem mir unterstellten Bezirk abgespielt. Ich habe daher zu
+ Maßnahmen keinen Anlaß.
+
+ gez. Schenk. Stempel.
+ Beglaubigt. Hoffmann, Kanzleiangestellter.
+
+
+Verfahren schwebt
+
+Der Generalstaatsanwalt. Hamm, den 8. September 1921. Geschäfts-Nr. I
+350 1. 3771.
+
+ Soweit die in Ihrem Buch »Zwei Jahre Mord« erwähnten Fälle sich im
+ hiesigen Bezirke ereignet haben, schweben Ermittlungsverfahren.
+
+ I. V.: gez. Dr. Wilde.
+ Stempel. begl.: Fritz, Kzl.-Inspektor.
+
+Der erste Staatsanwalt bei dem Mecklenburg-Schwerinschen Landgericht zu
+Rostock i. Meckl. Rostock, den 19. Sept. 1921. Nr. J. 3334/21.
+
+ Zu Ihrer Vernehmung vom 5. 9. 1921 betr. Ihre Broschüre »Zwei
+ Jahre Mord« teile ich Ihnen hierdurch folgendes mit:
+
+ Ihre Ansicht, daß auch die angeblich in Niendorf bei Wismar
+ begangene Bluttat zur Zuständigkeit der Rostocker
+ Staatsanwaltschaft gehöre, ist falsch.
+
+ Es kommt Niendorf bei Kleinen in Frage, welches zur Zuständigkeit
+ der Staatsanwaltschaft Schwerin gehört. Sie schreiben ja auch
+ selbst, daß die Staatsanwaltschaft in Schwerin das Verfahren
+ eingestellt hat.
+
+ Wegen des von Ihnen unter der Ueberschrift »Taten der Demminer
+ Ulanen« behandelten Tatbestandes bemerke ich folgendes:
+
+ 1. Wegen der Erschießung des Arbeiters Gräbler ist bei der
+ hiesigen Staatsanwaltschaft seit Juni v. J. ein
+ Ermittlungsverfahren anhängig, welches, da die Ermittlungen sehr
+ schwierig und zeitraubend sind, bis heute noch nicht hat
+ abgeschlossen werden können.
+
+ 2. Wegen der Schicksale der übrigen seinerseits in Gnoien
+ verhafteten Arbeiter hat hier gleichfalls zunächst ein
+ Ermittlungsverfahren geschwebt. Nachdem sich aber herausgestellt
+ hatte, daß die gelegentlich des Abtransportes der Gefangenen
+ vorgekommenen Bluttaten auf preußischem Gebiet vor Demmin und in
+ Demmin sich zugetragen haben, habe ich das betr. Verfahren
+ insoweit zuständigkeitshalber am 14. Dezember 1920 an den 1.
+ Staatsanwalt in Greifswald abgegeben.
+
+ 3. Für die Erschießung des Stadtrates Seidel in Stavenhagen bin
+ ich gleichfalls nicht zuständig.
+
+ Soviel ich weiß, ist dieserhalb ein Ermittlungsverfahren beim 1.
+ Staatsanwalt in Güstrow anhängig gewesen.
+
+ Unterschrift unleserlich.
+
+Der Oberstaatsanwalt bei dem Landgericht. Breslau, den 31. August 1921.
+II 38/93
+
+ Ihr Buch »Zwei Jahre Mord« habe ich erhalten. Zu meinem Bedauern
+ bin ich aber auf Grund der bestehenden gesetzlichen Bestimmungen
+ nicht in der Lage, Ihnen Auskünfte über schwebende oder
+ abgeschlossene Strafverfahren zu erteilen, soweit sie in Ihrem
+ Buch behandelt sind und in den Bereich meiner Zuständigkeit
+ fallen.
+
+ I. V.: Poppendick, Erster Staatsanwalt. Stempel.
+ Beglaubigt. Sterk, Kzl.-Inspektor.
+
+Der Generalstaatsanwalt beim Landgericht I. Berlin NW 52, Turmstr. 91,
+den 25. April 1922. i J. 328/22.
+
+ In Ihrer Broschüre »Zwei Jahre Mord« 4. Aufl. S. 19, berichten Sie
+ über die Erschießung des Gastwirts Wilhelm Bilski und geben an,
+ daß nach Aussage von Zeugen der die Erschießung leitende Offizier
+ ein Leutnant Baum gewesen sei. Da sich diese Angabe in den Akten
+ nicht befindet, so bitte ich Sie ergebenst um schleunige
+ Mitteilung, worauf Ihre Kenntnis des Sachverhalts besteht und um
+ Benennung aller Personen, die über die Tat oder die Täter irgend
+ welche Auskunft zu geben vermögen.
+
+ I. A.: gez. Dr. Burchardi, Staatsanwaltschaftsrat.
+ Beglaubigt. Stempel. Schmidt, Kanzleiangestellter.
+
+
+Verfahren eingestellt
+
+Der Oberstaatsanwalt. Flensburg, den 20. Okt. 1921. 3 J 2889/20 5
+
+ Ihre Schrift »Zwei Jahre Mord« ist mir in Ihrem Auftrage vom
+ Verlage »Neues Vaterland« zugesandt worden, da in ihm aufgenommen
+ sind »eine Reihe von Morden, die innerhalb des für mich
+ zuständigen Gebietes vorgekommen sind«. In Frage kommt aber
+ lediglich die mit der Ueberschrift »Der Arbeiter Paul Hoffmann in
+ Flensburg« auf Seite 47 erwähnte Erschießung dieses Mannes in der
+ Nacht zum 19. Dezember 1920. Ueber diesen Vorfall ist am 29.
+ Dezember 1920 ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und am 3.
+ Januar 1921 Voruntersuchung gegen den Major von Plüskow, Leutnant
+ Dewald, Wachtmeister Arend und Kaufmann Reichardt beantragt
+ worden. Nach ihrem Abschluß sind die Angeschuldigten durch
+ Beschluß der Strafkammer des Landgerichts Flensburg vom 12. April
+ 1921 außer Verfolgung gesetzt worden.
+
+ Da Sie nach dem Inhalt Ihrer Schrift sowie dem Begleitschreiben
+ mit der Strafprozeßordnung sicher soweit vertraut sind, um zu
+ wissen, daß ich in einem Fall wie dem des Arbeiters Hoffmann von
+ Amts wegen einzuschreiten habe, trotzdem es aber nicht für richtig
+ gehalten haben, vor Herausgabe Ihrer Schrift Auskunft über das
+ Ergebnis meiner Ermittlungen zu erfordern, mir diese vielmehr erst
+ zugesandt haben, nachdem sie in zweiter Auflage erschienen ist,
+ glaube ich davon ausgehen zu dürfen, daß meine Begründung des
+ Antrages auf Außerverfolgungsetzung der Angeschuldigten und die
+ Gründe des ihm stattgegebenen Strafkammerbeschlusses für Sie ohne
+ Interesse sind.
+
+ Eine frühere Antwort war nicht möglich, da die Akten versandt
+ waren.
+
+ I. A.: gez. St.-A.-Rat Stolterfoth. Stempel.
+ Beglaubigt: Boese, Kanzleiinspektor.
+
+Der Oberstaatsanwalt. Essen, den 31. Oktober 1921. 18 J 738/20
+
+ Auf Ihre am 28. August 1921 hier eingegangene Strafanzeige
+ betreffend die Erschießung zweier Arbeiter in Essen.
+
+ In der fraglichen Angelegenheit sind bereits April 1920 von mir
+ und seitens der Militärbehörde eingehende Ermittlungen angestellt
+ worden. Sämtliche in Frage kommenden Zeugen, auch die in Ihrer
+ Broschüre benannten, sind vernommen worden. Die Täter haben jedoch
+ nicht ermittelt werden können. Ich habe daher das Verfahren
+ eingestellt.
+
+ Unterschrift: Unleserlich.
+
+Von den 35 Staatsanwaltschaften haben 26 nicht geantwortet, insbesondere
+die Staatsanwaltschaft München, wo die meisten Fälle passiert waren.
+Alle Antworten betreffen entweder Zuständigkeitsfragen oder sie lehnen
+Auskunft ab oder sie geben die Richtigkeit meiner Angaben zu. Auf die
+Materie selbst geht keine Antwort näher ein. Kein Staatsanwalt hat
+versucht, die Richtigkeit meiner Darstellung zu bestreiten. Aber auch
+kein Staatsanwalt hat auf Grund der hier mitgeteilten Tatsachen ein
+eingestelltes Verfahren wieder aufgenommen oder ein neues eröffnet. 330
+politische Morde, wovon 4 von links und 326 von rechts begangen wurden,
+sind und bleiben unbestraft.
+
+
+
+
+DIE ORGANISATION DER POLITISCHEN MORDE
+
+ _Ich habe die Mörderorganisationen als Illusion,
+ als Hirngespinst, als exaltierte Meinung
+ Einzelner angesehen, die irgendwelche Erscheinungen
+ verallgemeinerten. Ich muß mit tiefer
+ Erschütterung feststellen, daß ich an dieser
+ Feststellung nicht mehr festhalten kann._
+ _Abg. Stresemann, Reichstag am 5. Juli 1922_
+
+
+Wie oben gezeigt, sind in den letzten Jahren die meisten bedeutenden
+Führer der extremen und gemäßigten Linken bis in die Reihen des Zentrums
+durch ungesetzliche Handlungen beseitigt, dagegen ist kein einziger
+Führer der extremen Rechten getötet worden. Ueberhaupt sind von den
+Linksradikalen nur wenige Morde begangen worden, von den Rechtsradikalen
+sehr viele. Diese Morde sind außerordentlich differenziert. Jeder hat
+seine Eigenheit. Trotzdem lassen sich die bisherigen politischen Morde
+von Rechts auf drei Typen zurückführen, die sich im wesentlichen mit der
+Zeit ablösten.
+
+
+Die unorganisierten Morde
+
+Es bricht ein Linksaufstand aus oder es wird ein solcher provoziert (Typ
+1919). Einwohnerwehr, Studentenkorps und Freiwilligenverbände arbeiten
+an seiner Unterwerfung. Bei dieser Gelegenheit murkst man im Zeichen der
+»Ruhe und Ordnung« die persönlich oder durch Denunziation guter Freunde
+bekannten, ehrlichen Republikaner ab: Das sind Spartakisten. Weg damit!
+
+Die Truppen begehen zum Teil im angetrunkenen Zustand, zum Teil
+durch falsche Nachrichten aufgestachelt eine Reihe von weiteren
+Scheußlichkeiten. Die Offiziere sind fast immer beteiligt.
+
+Das bürgerliche Publikum, die sogenannte öffentliche Meinung, sieht in
+seiner blinden Angst um das heilige Eigentum nur die Gefahr, die ihm in
+dem Aufstand von Links droht. Die Verletzung des Rechtes aber, die in
+der Ermordung von angeblich am Aufruhr Beteiligten, meistens aber völlig
+Unbeteiligten besteht, läßt es kalt. Denn der Satz, daß ein Aufrührer
+auch ein Recht auf seinen Richter hat und nicht von einem kleinen
+Leutnant umgebracht werden darf, ist ihm keine Realität. Dies ist ein
+abstrakter Satz, der nichts mit dem Schutz des Eigentums zu tun hat.
+
+Dieser sozusagen handwerksmäßige Mord ist im kleinen Umkreis wirksam.
+Doch nur hier. Unfähig ist er, die großen, bekannten Republikaner zu
+erfassen. Hierzu dienen andere, bessere Methoden industrieller Art.
+
+
+Die halborganisierten Morde
+
+Ein Putsch von Rechts wird benützt. Viel unverhüllter kann hier gemordet
+werden. Trotzdem legt man großen Wert auf Aufrechterhaltung der
+Fiktionen. So wird die Behauptung verbreitet, ein Aufstand von Links sei
+vorbereitet und man wolle nur der rechtmäßigen Regierung dagegen helfen.
+Dann verfährt man wie oben. Aber während man vorher willkürlich mordete,
+ist man jetzt bereits auf Auswahl der »Richtigen« bedacht. Längst durch
+geheime Organisationen vorbereitete Listen dienen diesem Zweck. Man ist
+nicht etwa weniger blutdürstig und scheut auch nicht vor Massenmord
+zurück, aber man ist zielstrebiger geworden. Die Widerstrebenden, die
+sich »dem Aufbau«, der »Regierung der Arbeit« widersetzen, werden »auf
+Grund der erlassenen Gesetze« durch Standrecht beseitigt. Gelingt der
+Putsch, um so besser, mißlingt er, so werden die Gerichte schon dafür
+sorgen, daß den Mördern nichts passiert. Und sie haben dafür gesorgt.
+Kein einziger Mord von Rechts ist wirklich gesühnt. Selbst gegen
+geständige Mörder wird das Verfahren auf Grund der Kapp-Amnestie
+eingestellt.
+
+Die beiden Methoden sind trotz ihrer Wirksamkeit nicht zu allen Zeiten
+brauchbar. Vor allem nicht in ruhigen. Doch sind sie Vorarbeit;
+Bausteine zum Ziel: Tod allen Republikanern; Methoden zum Ausbau der
+Organisation.
+
+
+Der hochorganisierte Mord
+
+Am auffälligsten sind die Morde, die in Zeiten vollkommener Ruhe
+begangen wurden, wo weder ein wirklicher noch ein fiktiver Aufstand von
+Links vorlag. Hier versagen die bisherigen Entschuldigungen und
+Beschönigungen. Es bleiben nur zwei Methoden übrig.
+
+Erstens wird gesagt, es lohne nicht, darüber so viel Aufsehens zu
+machen. Der Mann war ja verrückt, er litt an Verfolgungswahn. Er
+glaubte, er werde eines Tages umgebracht. Ist dies nicht Beweis genug,
+daß er sein kommendes Los erkannte? Man sieht, was für Menschen zur
+Linken gehören. Indem man dem Toten sein einziges Gut, seinen guten
+Namen raubt, befreit man sich durch diesen leichenschänderischen Dreh
+von jeder Verantwortung. Immerhin verspricht die Regierung natürlich
+eine strenge Untersuchung. Von Zeit zu Zeit kommen immer kürzere
+Berichte über den ordnungsgemäßen Verlauf. Neue politische Probleme
+füllen die Zeitungen, nach einiger Zeit ebbt es in der Blätterflut ab.
+Nur einige Zeitungen, die immer schreien, kläffen noch. Bald ist der
+Tote vergessen.
+
+Oder der Mord wird schon vorher der Oeffentlichkeit plausibel gemacht.
+Das Opfer muß derart verdächtigt werden, daß seine Ermordung als ein
+befreiender Schritt, als eine Heldentat angesehen wird. »Endlich ist
+Deutschland diesen Menschen los, der so viel Unglück über sein Vaterland
+gebracht hat«. Viele Feinarbeit, hohe Kultur, glänzende Vorbereitung,
+planmäßiges Zusammenwirken gehören dazu, bis das Opfer erliegt. Angesagt
+zählt doppelt. Daher zunächst in der Oeffentlichkeit systematische Hetze
+zum Mord: »Der Mann ist ein Schädling. Er muß weg. Nur die nationale
+Einheitsfront kann helfen.« So belfert die Presse. Bis selbst der Letzte
+der Letzten in Kleinkuhdorf das weiß.
+
+
+Gibt es Mordorganisationen?
+
+Mordorganisationen im eigentlichen Sinn des Wortes, d.h. Organisationen,
+deren einziger Zweck der politische Mord ist, gibt es im heutigen
+Deutschland wahrscheinlich nicht. Wohl aber Organisationen, die den
+politischen Mord als Nebenzweck oder als Mittel zum Zweck bejahen. Ihre
+eigentlichen Ziele sind nationalistische. Drei an sich trennbare Ziele
+vereinen sich in ihnen. Das erste ist das _monarchistische_. Daher
+wenden sich diese Organisationen gegen die Republik und vor allem gegen
+ihre Repräsentanten. Dabei sind sich jedoch die verschiedenen
+Organisationen weder über die Form der kommenden Monarchie (ob absolut
+oder konstitutionell) noch über ihren Umfang (Deutscher Einheitsstaat
+oder Rückkehr aller Herrscher) noch über die Person des künftigen
+Monarchen (Wittelsbach oder Hohenzollern) einig. Vor allem fehlt ein
+populärer Thronkandidat. Dieser glückliche Zufall wird vielleicht
+ähnlich wie in Frankreich nach 1870 die Republik retten.
+
+Die zweite Tendenz ist die _imperialistische_. Der Friedensvertrag von
+Versailles hat Deutschland zerstückelt und hat ihm Gebiete mit deutscher
+Bevölkerung genommen. Demgegenüber sind Bestrebungen auf Wiedergewinnung
+der gegen ihren Willen von Deutschland abgetrennten Gebiete und auf
+Verbesserung von Deutschlands ökonomischer Lage vollkommen berechtigt.
+Darüber hinaus befürworten diese Vereine eine ausgesprochen
+imperialistische Politik, insbesondere den Rachekrieg.
+
+Die dritte Wurzel dieser Bewegungen ist der _Antisemitismus_. Er geht
+von ganz übertriebenen Vorstellungen über die Bedeutung und den Einfluß
+der Juden aus.
+
+Auch diese drei Programme werden zum Teil offiziell nicht zugegeben. Sie
+treten der Oeffentlichkeit gegenüber hinter berufsständischen, anderen
+politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Zielen zurück. Bei
+manchen Organisationen wird sogar streng an der Fiktion der politischen
+Neutralität festgehalten. Ueberall spielen die Offiziere der alten Armee
+die größte Rolle.
+
+Die drei Bewegungen kommen meistens untereinander vermengt vor. Die
+meisten Geheimbündler sind gleichzeitig Monarchisten, Imperialisten und
+Antisemiten. Die extremistische Einstellung der Organisationen führt sie
+zu dem Glauben, daß man mit der Tötung eines politischen Gegners
+gleichzeitig die von ihm vertretenen Ideen beseitigen könne. Eine
+zweite, davon prinzipiell verschiedene Wurzel von politischen Morden ist
+die manchmal zwingend auftretende Notwendigkeit der Beseitigung von
+unbequemen Mitwissern, von denen man einen Verrat der Organisation
+befürchtet.
+
+
+Kommunistische Geheimorganisationen
+
+Daß es auch kommunistische Geheimorganisationen gab, ist nicht zu
+bestreiten. Nach der Mentalität dieser Partei, die z. B. den
+Märzaufstand 1921 verursacht hat, ist an deren Existenz kaum zu
+zweifeln. Aber die Nachrichten hierüber haben sich in allen Fällen als
+maßlos übertrieben herausgestellt. Wo solche Organisationen tatsächlich
+bestanden, haben stets Spitzel und Provokateure von Rechtsparteien eine
+große Rolle gespielt. Das liegt daran, daß die Partei überhaupt mit
+Spitzeln stark durchsetzt ist. In München hat man sogar Bezirksführer,
+also Funktionäre, als Angehörige der Polizei entlarvt.
+
+In vielen Fällen waren auch die Nachrichten über kommunistische
+Geheimorganisationen nach der bewährten Methode »Haltet den Dieb«
+einfach aus der Luft gegriffen. Zur Verbreitung der Berichte dienten
+eigene deutschnationale Nachrichtenstellen.
+
+Auch ein Mann, dem man dies eigentlich nicht zutrauen sollte, General
+Ludendorff, hat sich neuerdings diesem Verfahren angeschlossen. In
+einem Interview mit dem Berliner Korrespondenten der »Daily Expreß«
+(»Vossische Zeitung«, 25. Juli 1922) sagte er: »Die Erklärung der
+Ermordung Dr. Rathenaus liegt in der Tatsache, daß die Ermordung
+deutscher Minister vor mehr als einem Jahr von kommunistischen
+Organisationen beschlossen worden ist. In ernsten politischen Kreisen
+gibt es keine Mörderorganisation.« Einen Beweis für diese Behauptung hat
+Ludendorff nicht angetreten.
+
+Ich will natürlich die Möglichkeit kommunistischer Geheimorganisationen
+nicht leugnen. Wahrscheinlich haben sie auch politische Schäden
+angerichtet. Sicher aber ist, daß sie für keinen einzigen politischen
+Mord verantwortlich zu machen sind.
+
+
+Geschichte der Geheimorganisationen
+
+Die Geheimbünde sind erwachsen auf dem Boden der Deutschen
+Vaterlandspartei. Nach der Revolution sammelten sie sich wieder in den
+offiziell unpolitischen Bürgerräten, Einwohnerwehren, Freikorps. Den
+größten Sammelherd, aus dem pilzartig die Geheimorganisationen
+entsprangen, bildete das Baltikumabenteuer. Unter einem angeblichen
+Fürsten Awalow-Bermondt und unter dem Grafen v. d. Goltz bildeten sich
+Armeen, z. B. die eiserne Division, die sogar eigenes Papiergeld
+(gedeckt durch die der deutschen Regierung gehörigen Waffenvorräte)
+ausgaben. Die Hoffnung auf Land trieb viele demobilisierte Soldaten
+dazu, sich von den von der deutschen Regierung öffentlich unterstützten
+Verbänden anwerben zu lassen. Nach dem kläglichen Scheitern des zuerst
+gegen die Bolschewisten, dann gegen die lettische Regierung geführten
+Kampfes fluteten die Baltikumer nach Deutschland zurück. Sie waren die
+Grundlage für den Kapp-Putsch, der ja auch mit der Fiktion des Kampfes
+gegen den Bolschewismus inszeniert wurde. Kaum war er gescheitert, so
+rief die Ebertregierung, die vor den aufrührerischen Truppen hatte
+flüchten müssen, dieselben Truppen zum Kampf gegen die Arbeiter ins
+Rheinland. Natürlich mußten so die am Kapp-Putsch beteiligten Truppen
+dieses Unternehmen für vollkommen legal halten.
+
+Die Freikorps wurden zum großen Teil auf Betreiben der Entente
+aufgelöst. Dies ging nicht immer einfach vor sich. So sollte z. B. in
+Soest im Juni 1920 die Maschinengewehrkompagnie Libau (eine baltische
+Formation, die seit dem November 1919 in Deutschland verpflegt wurde)
+aufgelöst werden. Sie leistete Widerstand und es kam zu einer Schießerei
+mit der Reichswehr, bei der fünf Reichswehrsoldaten getötet und mehrere
+schwer verwundet wurden. Vor dem Kriegsgericht in Münster kam es zur
+Verhandlung. Die Baltikumer gaben an, sie hätten geglaubt, Bolschewiki
+vor sich zu haben und wurden auf Grund dieses Putativ-Spartakismus
+freigesprochen. (»Freiheit«, 23. Juni 1920.)
+
+Dagegen wurde ein Soldat namens Kaiser, der sich nach dem Kapp-Putsch
+unerlaubt aus der Ehrhardt-Brigade entfernt hatte, weil er von einem
+Offizier mißhandelt worden war, zu sechs Wochen Gefängnis verurteilt.
+(Preuß. Landtag, 22. Mai 1922.) Auf eine Interpellation antwortete die
+Regierung, die Strafe bestehe zu Recht, weil die Marinebrigade des
+Kapitän Ehrhardt eine Truppe im Sinne des Militärstrafgesetzes gewesen
+sei.
+
+Aus dem Lebenslauf der einzelnen Individuen kann man den Werdegang der
+ganzen illegalen Bewegung studieren. Ein großer Teil der Mitglieder,
+soweit sie bekannt geworden sind, war nicht im Feld, weil sie damals
+noch zu jung waren. Zum Teil dienten sie als Hilfsdienstpflichtige oder
+als Jugendwehr. Dann wurden sie Mitglied einer Einwohnerwehr, kämpften
+in Freikorps gegen die bayerische Räterepublik, dann im Baltikum,
+machten den Kapp-Putsch mit und zuletzt finden wir sie beim Selbstschutz
+in Oberschlesien.
+
+
+Oberschlesien
+
+Zwei Zentren hat die Bewegung: Oberschlesien und München. Beide sind
+intim verknüpft. So hat z. B. das Freikorps Oberland in beiden
+»gekämpft«.
+
+In Oberschlesien sollte nach dem Vertrag von Versailles eine
+Volksabstimmung stattfinden. Die Entente verschob jedoch den Termin der
+Abstimmung von Monat zu Monat. So entstand unerhörte politische
+Spannung. Resultat waren drei Aufstände der Polen. Die polnische
+Regierung lehnte zwar offiziell jede Beteiligung daran ab. Doch kann man
+es als gesichert hinnehmen, daß sie die Bestrebungen, ein fait accompli
+zu schaffen, wie etwa in Posen oder Wilna, insgeheim begünstigte. Den
+ersten Aufstand schlugen deutsche Truppen nieder. Von beiden Seiten sind
+dabei unerhörte Grausamkeiten vorgekommen. Beim zweiten Aufstand
+sammelten sich die Deutschen in eigenen Organisationen, dem sogenannten
+Selbstschutz, der ursprünglich nur aus geborenen Oberschlesiern bestehen
+sollte, dann aber auch aus dem übrigen Reich regen Zuspruch erhielt.
+Bald ging man dazu über, auch diejenigen Deutschen zu bekämpfen, denen
+man mit Recht oder Unrecht internationale Neigungen zuschrieb. Auch
+Angehörige der Besatzungstruppen wurden ermordet. Aus dem großen
+diesbezüglichen Material mögen nur einige typische Fälle aufgeführt
+werden: Dr. Milecki aus Kattowitz wurde am 17. August 1919 gelegentlich
+der Hilfeleistung bei einem polnischen Verwundeten ermordet. In Hallimba
+wurden am 17. August 1919 zwei Arbeiter »auf der Flucht« erschossen.
+Ende Mai 1920 wurde der Besitzer des Hotels »Deutsches Haus« in
+Krappitz, Valentzyk, aus dem Gefängnis geholt. Die Mannschaft bestand
+aus dem Pferdewärter Eduard Seirer aus Pasing, dem Kriminalinspektor
+Fischer aus Bernburg (alias Friedrich) und dem Kriminalwachtmeister
+Josef Bump aus Carlskron. In Valentzyks Hotel war während der
+Besatzungszeit die französische Intendantur untergebracht gewesen. Auf
+Befehl des Freikorps Oberland wurde er an eine entlegene Stelle im Wald
+geführt und dort von _Bump_ erschossen.
+
+Am 30. Juli 1920 wurden drei Gefangene des Freikorps Oberland, Karl
+Görlitz aus Görlitz, Stefan Stellmach aus Bismarckhütte und ein gewisser
+Kauert, angeblich Kommunist, früher Freiwilliger des Bataillons
+Oesterreicher, von der Straße nach Kasimir weg in den Wald geführt und
+von Mußweiler (alias Weiland) erschossen. Die Leichen wurden
+ausgeplündert. (Paul Fröhlich »Wider den weißen Mord«.) Am 30. Juni 1921
+wurde der Betriebsrat der »Bismarckhütte«, Bruno Bochymek »auf der
+Flucht« erschossen. Man erinnere sich ferner an den Ueberfall in
+Petersdorf, wo u. a. der Spitzel Seichter ermordet wurde. (WTB., 18. Mai
+1922.) Auch in allerneuester Zeit sind Lynchungen durch den Selbstschutz
+vorgekommen. In Oppeln, Gleiwitz und anderen Orten Oberschlesiens wurden
+Frauen, die sich während der Besatzungszeit mit Franzosen eingelassen
+hatten, nackt ausgezogen, kahlgeschoren, mit Teer angestrichen und mit
+Peitschen durch die Straßen gehetzt. (»Deutsche Zeitung«, 13. Juli
+1922.)
+
+
+Der bayrische Partikularismus
+
+Der Brennpunkt der ganzen Bewegung ist in München zu suchen. Der
+Ausnahmezustand, der dort jahrelang aufrecht erhalten wurde und die
+Sondergerichte, beides Organisationen, die sich ausschließlich gegen
+Links wandten, begünstigten in hohem Maß die Bildung und verbrecherische
+Tätigkeit der Geheimorganisationen.
+
+Der andauernde Kampf gegen das Reich hat zum großen Teil den Sinn, die
+Geheimbünde zu schützen. Denn sie sind die Hauptträger der
+monarchistischen Propaganda und sind daher bei den im Grunde genommen
+monarchistischen Regierungen Kahr und Lerchenfeld beliebt. Die angeblich
+altbayrische Tradition der bayrischen Regierung ist eine reine Fiktion;
+denn Bayern war früher keineswegs ausgesprochen monarchistisch. Dazu
+kommt, daß die Hauptträger dieser bayrischen Fronde tatsächlich
+Ludendorff und die ihn umgebenden Teilnehmer der früheren obersten
+Heeresleitung, also gar keine Bayern sind.
+
+Seit dem Reichenhaller Kongreß der russischen Monarchisten beginnen auch
+diese in Bayern eine Rolle zu spielen. In der Oeffentlichkeit treten sie
+natürlich nicht hervor.
+
+Die augenblicklich in Bayern herrschende Stimmung wird wohl am besten
+durch die Tatsache beleuchtet, daß ein anerkannter katholischer
+Gelehrter, Domdekan Kiefel aus Regensburg, im Vorwort seines Buchs
+»Katholizismus und modernes Denken« vom Grafen Arco, dem Mörder Eisners,
+schreiben konnte: »Unser jugendlicher Nationalheld dessen selbstloser
+Idealismus allein in unserem Volk neues Leben entzünden könnte«. Das
+Bild Arcos ist in vielen Schaufenstern zu sehen. Seine Heimatgemeinde
+gab sogar Notgeld mit seinem Bild heraus, das allerdings bald aus dem
+Verkehr gezogen wurde.
+
+
+Namen von Geheimorganisationen
+
+Im Folgenden einige Namen von solchen Organisationen: Verband
+nationalgesinnter Soldaten, Bund der Aufrechten, Deutschvölkischer
+Schutz- und Trutzbund, Stahlhelm, Organisation »C«, Freikorps und
+Reichsfahne Oberland, Bund der Getreuen, Kleinkaliberschützen,
+Deutschnationaler Jugendbund, Notwehrverband, Jungsturm, Nationalverband
+Deutscher Offiziere, Orgesch, Roßbach, Bund der Kaisertreuen, Reichsbund
+Schwarz-Weiß-Rot, Deutschsoziale Partei, Deutscher Orden, Eos, Verein
+ehemaliger Baltikumer, Turnverein Theodor Körner, Allgemeiner
+deutschvölkischer Turnverein, Heimatssucher, Alte Kameraden, Unverzagt,
+Deutsche Eiche, Jungdeutscher Orden, Hermansorden, Nationalverband
+deutscher Soldaten, Militärorganisation der Deutschsozialen und
+Nationalsozialisten, Olympia (Bund für Leibesübungen), Deutscher Orden,
+Bund für Freiheit und Ordnung, Jungsturm, Jungdeutschlandbund,
+Jung-Bismarckbund, Frontbund, Deutscher Waffenring (Studentenkorps),
+Andreas-Hofer-Bund, Orka, Orzentz, Heimatbund der Königstreuen,
+Knappenschaft, Hochschulring deutscher Art, Deutschvölkische Jugend,
+Alldeutscher Verband, Christliche Pfadfinder, Deutschnationaler
+Beamtenbund, Bund der Niederdeutschen, Teja-Bund, Jungsturm,
+Deutschbund, Hermannsbund, Adler und Falke, Deutschland-Bund,
+Junglehrer-Bund, Jugendwanderriegen-Verband, Wandervögel völkischer Art,
+Reichsbund ehemaliger Kadetten.
+
+Ein großer Teil dieser Organisationen wurde auf Grund des Gesetzes zum
+Schutz der Republik aufgelöst. Bayern hat keinen dieser Verbände
+aufgelöst.
+
+Betrachten wir die Organisationen im Einzelnen. Der _Schutz-und
+Trutzbund_ ist wesentlich antisemitischer Natur, außenpolitisch nicht
+betont, jedoch zählt er in seinen Reihen zahlreiche Terroristen. Er soll
+200_000 Mitglieder umfassen.
+
+Der _Alldeutsche Verband_ ist wesentlich monarchistisch. Er will das
+Kaisertum durch einen Diktator vorbereiten. Außenpolitisch ist er
+aggressiv, vor allem gegen Frankreich und Polen, Mitgliederzahl ca.
+80_000. Sein Werk war der Kapp-Putsch.
+
+Der _Jungdeutsche Orden_ ist im Gegensatz zu den beiden obigen Verbänden
+militärisch organisiert und besitzt wohl heimliche Waffenlager. Seine
+Mitglieder -- angeblich ca. 80_000 -- haben sich durch einen Eid zu
+Gehorsam verpflichtet. Er gliedert sich in Gefolgschaften,
+Bruderschaften und Balleien.
+
+Der _Stahlhelm_ besitzt 300 Ortsgruppen und ca. 25_000 Mitglieder.
+
+Der Sportklub _Olympia_ ist ein Versuch, das aufgelöste Regiment
+Reinhardt fortzusetzen.
+
+Die _Orka_ (Organisation Kanzler) steht in enger Beziehung zu dem
+früheren bayerischen Ministerpräsidenten v. Kahr und dem ehemaligen
+Kronprinz Rupprecht. Sie ist entstanden aus der Tiroler Abteilung der
+Orgesch.
+
+Der _Deutsche Waffenring_ ist eine Zusammenfassung der nationalistischen
+Studentenorganisationen.
+
+Der _Bund für Freiheit und Ordnung_ ist ein Versuch der Fortführung der
+aufgelösten Selbstschutzverbände von Groß-Berlin.
+
+_Orgesch_ und Freikorps _Oberland_ sind spezifisch bayerische
+Organisationen, die zweifellos Waffenlager besitzen. Freikorps Oberland
+zählt nur wenige Mitglieder, ca. 2000, die Orgesch vielleicht 200_000.
+
+Am straffsten organisiert sind die _Arbeitsgemeinschaften_. Es sind dies
+frühere kleine Truppenteile, die in corpore auf einem großen Rittergut
+untergebracht sind. Die bekannteste ist die Arbeitsgemeinschaft
+_Roßbach_, welche aus Teilen des gleichnamigen Freikorps besteht. Der
+Stab verbirgt sich hinter der Firma »Deutsches Auskunfts- und
+Detektivbüro« Wannsee, Otto-Erich-Str. 10. In Mecklenburg heißt er »Bund
+für Berufsausbildung landwirtschaftlicher Arbeiter«. Aehnliche
+Organisationen sind: _Hubertus_, _Aulock_, _Heidebrecht_, _Dewitz_ und
+_Grenzmark_.
+
+Die Organisation der »_Brüder vom Stein_« wurde am 6. Juli 1921 im Hotel
+Hauffe, Leipzig, von derselben Versammlung gegründet, in der sich auf
+Befehl des Forstrats Escherich die dortige Orgesch auflöste. Geldgeber
+waren die Finanzausschüsse der sächsischen Industrie mit Hilfe der
+Bürgerbünde. Der Verein wurde beim Amtsgericht Leipzig eingetragen. Am
+2. November besaß er bereits 700_000 Mark Vermögen. Major a. D.
+Schneider in Bautzen war Leiter einer Selbstschutzorganisation, welche
+eine Fortsetzung der 1920 von der Orgesch und den Bürgerbünden
+aufgestellten Organisationen war. Der Fortbildungsschullehrer Ebersbach
+hatte hierfür in Cunnersdorf bei Frankenberg ein Waffenlager von über
+600 Gewehren und vier Maschinengewehren errichtet, das am 27. Oktober
+1921 beschlagnahmt wurde.
+
+Auch die Brigade _Ehrhardt_ hatte in Sachsen eine Abteilung im
+Klubgebäude der Studentenverbindung Saxonia, Elsterstraße, Leipzig. Dazu
+kam dann noch die Ritterschaft _Zollern_, eine geheime
+Jugendorganisation in Leipzig. In ihr war der Bruder von Tillessen
+Verbindungsmann der Organisation C.
+
+Der Sportverein _Silbernes Schild_ stellte die Fortsetzung der
+aufgelösten militärischen Organisation der Zeitfreiwilligen dar. Dieser
+Sportverein hatte eine militärische Leitung und war geschlossen der
+Orgesch angegliedert. (Mitteilung des sächs. Innenministers Lipinski, 2.
+November 1921.)
+
+
+Die soziale Struktur der Geheimbünde
+
+Manche dieser Organisationen verschwinden schon nach kurzer Existenz.
+Eine Reihe von neuen wird gegründet. Dies scheint völlig planlos
+und chaotisch vor sich zu gehen und ist doch sehr einfach.
+Die Zersplitterung in Wanderklubs, Arbeitsgemeinschaften,
+Sportorganisationen, Regimentsvereine, Schützengilden, Kriegervereine,
+Offiziersbünde, Organisationen für völkischen, nationalen und
+monarchistischen Aufbau, das ständige Verschwinden einiger dieser
+Gruppen und das Auftauchen neuer hat nur den Zweck der Verschleierung.
+Dieses Verfahren ermöglicht bei Verboten die Organisation
+weiterzuführen, jede beliebige Verbindung zu leugnen, jede Identität zu
+bestreiten und etwa eingedrungene Spitzel durch rasche Umstellung
+auszuschalten. Die Verbindung von den leitenden Stellen bis zu den
+letzten Ausläufern der Bewegung ist manchmal sehr lose. Stets muß die
+Oberleitung in der Lage sein, jede solche Verbindung zu dementieren.
+
+Wie lose diese Verbindungen bei strengem, gegenseitigem Vertrauen
+gehalten sind, zeigt das Attentat auf Harden, wo die einzelnen Stellen
+miteinander nur postlagernd verkehrten, ohne daß der Anstifter des
+Attentats seine vorgesetzte Stelle, die ihm das Geld schickte, überhaupt
+dem Namen nach kannte. Die Verbindung klappt so gut, daß es den Behörden
+bisher nicht gelungen ist, die Auftrag- und Geldgeber beim Rathenaumord
+festzustellen. Man hat zwar die Küchenmeister verhaftet, nicht aber die
+Köche, die diesen Brei rühren ließen.
+
+Eine große Zahl der Teilnehmer steht in jugendlichem Alter. Studenten,
+ja sogar Gymnasiasten stellen das Hauptkontingent. Gymnasiasten von 17
+Jahren haben bei der Ermordung Rathenaus entscheidend mitgewirkt. Da die
+heutigen Kinder trotz aller sozialdemokratischen Unterrichtsminister
+noch immer aus den alten Lehrbüchern lernen, welche auf das Kaisertum
+zugeschnitten sind, müssen sie die Ueberzeugung bekommen, daß das
+Kaisertum die einzig wahre Regierungsform ist und die Republik eine
+bedauerliche Verirrung, die man möglichst bald wieder gut machen müsse.
+Die jungen Terroristen handeln also durchaus bona fide und glauben echte
+Freiheitskämpfer zu sein, echte Nachfolger des Harmodius und
+Aristogeiton, des Brutus, wenn sie die wenigen Republikaner Deutschlands
+umbringen.
+
+Durch die große Zahl dieser Organisationen darf man sich nicht zu der
+Meinung verleiten lassen, daß sie alle selbständig wären. Sie bestehen
+vielmehr zum großen Teil aus denselben Leuten. Ein und dieselbe Person
+ist oft unter verschiedenen Namen Mitglied von zehn solchen
+Organisationen. Der Gesamtbestand der illegalen und halblegalen
+deutschnationalen Organisationen dürfte eine Viertelmillion nicht
+überschreiten. Was die Bewaffnung betrifft, so wird dieselbe auf
+allerhöchstens 150_000 Gewehre mit je 10 Schuß Munition, 2000 leichte
+und 500 schwere Maschinengewehre geschätzt. Schwere Kampfwaffen dürften
+kaum in nennenswerter Zahl vorhanden sein.
+
+Das größte Dunkel schwebt über den Geldgebern. Zu vermuten ist, daß die
+Großindustrie und die großen Rittergüter Geld zur Verfügung stellen.
+Ueber die Herkunft des Geldes ist im einzelnen nichts zu ermitteln. Nur
+die Herkunft kleinerer Summen hat sich nachweisen lassen:
+
+Der Major a. D. Erich Hansen hatte in Preußen die Einwohnerwehren
+organisiert und war dann in die entsprechende Stelle des
+Reichswehr-Ministeriums gerufen worden. Die Mitglieder der
+Einwohnerwehren wurden bei zwei Versicherungsgesellschaften versichert.
+Die Provision von insgesamt 60_000 Mark verwendete Hansen für einen
+schwarzen Fonds, der zur Vorbereitung des Kapp-Putsches diente. Hansen
+wurde wegen Bestechung angezeigt, aber vom Landgericht I freigesprochen.
+(»Berliner Tageblatt«, 24. Mai 1922.)
+
+Wie leicht es möglich ist, für solche Zwecke Geld zu bekommen, zeigt
+folgender Fall: Als der Kapitänleutnant Killinger von der Organisation C
+(der Vorgesetzte der Erzberger-Mörder Schulz und Tillessen) wegen des
+Verdachtes der Teilnahme an der Ermordung Erzbergers in Haft saß,
+besuchte sein früherer Bursche Rabenschlag den Generalmajor von Chrismar
+in Freiburg, den Major Hildenbrandt in Oberkirch, den Major Max Fröhlich
+in Oberkirch und den Obersten von Pilgrim in Karlsruhe, Schatzmeister
+einer deutschvölkischen Organisation, und erhielt von ihnen unter dem
+Vorwand, für Killinger sorgen zu wollen und zu versuchen, ihn zu
+befreien, ohne weiteres über 22_000 Mark, die Rabenschlag für sich
+selbst verbrauchte. In einem im Zusammenhang damit wegen Betrugs gegen
+die Staatskasse angestrengten Prozeß verweigerten die Offiziere die
+Auskunft (»Berliner Tageblatt«, 17. August 1922, Prozeßberichte in allen
+Berliner Zeitungen). Ein Verfahren gegen die Offiziere wurde nicht
+eingeleitet. Rabenschlag wurde wegen dieser und anderer Schwindeleien zu
+vier Monaten Gefängnis verurteilt.
+
+
+Die Besorgung falscher Papiere
+
+Einen interessanten Beitrag zur Kenntnis der illegalen
+deutschnationalen Organisationen liefert das Geständnis Runges. Es
+heißt darin: »Am 19. Mai 1921 wurde ich aus dem Gefängnis
+entlassen. Ein Kommissar und ein Rittmeister von der Sipo kamen in
+meine Wohnung und erklärten mir, ich müsse noch in der Nacht
+weggebracht werden, die Spartakisten könnten kommen und mich
+aufhängen. Ich wurde unter dem Namen Lange nach der Paulsborner
+Straße 4, Klinik von Professor Dr. Grauert, gebracht. Inzwischen
+war Leutnant Krull verhaftet worden und ich wurde als Zeuge
+gesucht. In die Klinik kam ein Dr. Schiffer, der in Schöneberg, Am
+Park 18, wohnt und einer nationalen Partei angehört. Schiffer
+verbot mir in ziemlich schroffer Weise, zur Vernehmung in Sachen
+Krull zu gehen und verschaffte mir falsche Papiere, die auf den
+Namen des Sergeanten Wilhelm Franz Rudolf aus Posen lauteten. Das
+erste Papier ist ein Entlassungsschein, datiert vom 1. April 1920,
+unterschrieben I. A.: Seeliger, Oberleutnant zur See. Es trägt den
+Stempel der Schiffsstammdivision der Ostsee. Das zweite Papier ist
+ein Stammrollenauszug auf denselben Namen mit der gleichen
+Unterschrift. Das dritte Schreiben ist ein Dienstleistungszeugnis
+für den Bürodiener Rudolf, ausgestellt vom Generalkommando des 7.
+Armeekorps. Es trägt das Datum: Münster, 15. Juni 1921 und ist
+unterzeichnet von Hauptmann von Chaulin. Man hat mich von der
+nationalen Klinik gar nicht erst nach Hause gelassen, sondern
+gleich mit einem Leutnant von Grabow nach Blankensee
+(Hinterpommern) geschickt. Später wurde ich nach Mecklenburg
+gebracht; immer auf den falschen Namen Rudolf.
+
+Inzwischen wurde ich weiter als Zeuge in dem Prozeß gegen den Leutnant
+Krull gesucht. Es wurden nun alle Anstrengungen gemacht, damit ich nicht
+gefunden wurde. Nun ließ der Untersuchungsrichter in Sachen Krull, Herr
+Dr. Leiden, mir durch meinen Stiefsohn mitteilen, ich sollte angeben, wo
+ich bin. Diese Mitteilung erhielt ich in Mecklenburg auf dem Gut Kalsow
+bei Kadlow, Kreis Wismar. Es war dort eine militärische Organisation
+untergebracht. Die Leute lagen als angebliche Landarbeiter auf den
+Gütern herum, um im Bedarfsfalle als Soldaten bereit zu sein. Leiter war
+der Major Weber. Diesem sagte ich: »Ich fahre jetzt nach Berlin, ich
+werde immer tiefer in die Sache hineingerissen.« Darauf ließ man mich
+nach Berlin fahren, gab mir aber drei Offiziere, Leutnant Bender,
+Leutnant Fuss und Leutnant v. Dallwitz als Begleiter mit, die mich nicht
+aus den Augen ließen. Diese drei Offiziere brachten mich gleich nach
+Wannsee, Otto-Friedrich-Straße 10, wo das Büro der Arbeitsgemeinschaft
+Roßbach ist. Dort wirkten Leutnant Roßbach sowie andere Offiziere namens
+Barthold, Köpke usw. auf mich ein. Ich sollte die Sache totschweigen und
+einfach sagen, ich kenne Krull nicht, ich könnte mich auf nichts mehr
+erinnern. Dafür sollte ich eine gute Stellung bekommen. Ich habe mich
+bei meiner Aussage, bei der ich nicht vereidigt wurde, leider durch das
+Drängen dieser Leute dahin beeinflussen lassen, daß ich in ähnlichem
+Sinne ausgesagt habe. Darauf sollte ich nun nach Oberschlesien zur
+Arbeitsgemeinschaft Roßbach abgeleitet werden. Ich bin nicht nach
+Schlesien gefahren.« (»Vorwärts«, 30. Mai 1922.)
+
+
+Freikorps Oberland
+
+Hauptorganisator des Freikorps Oberland und der sogenannten
+Nachrichtenzentrale München ist ein Hauptmann _von Kessel_ (alias
+Kiefer). Sein Büro befand sich 1921 Fürstenfelder Str. 13 II. Andere
+Büros liegen am Isartorplatz, im Gasthaus Adelmann. Es existieren
+verschiedene Unterabteilungen, so eine Spionageabteilung gegen das
+feindliche Ausland (Leutnant Pongratz, alias Geher), eine
+Einbruchsabteilung (Oberleutnant Rail, er führt auch die Kasse), eine
+Abteilung zur Beseitigung und Beobachtung Unzuverlässiger in den eigenen
+Reihen (Fehme), und eine Spionageabteilung gegen politische Gegner
+(Oberleutnant Graf). Außerdem existiert ein _Rollkommando_, in
+Oberschlesien Wurfkommando genannt, in dem nur ganz zuverlässige
+Offiziere Verwendung finden. Führer ist Hauptmann Oesterreicher (Lullu).
+Diese Abteilung dürfte eine Mordorganisation im eigentlichen Sinn sein.
+Einzelheiten über die gut funktionierende Organisation sind schwer zu
+erlangen, da nicht einmal die Mitglieder der einzelnen Abteilungen
+miteinander in Berührung kommen. Zum Befehlsempfang werden die einzelnen
+Leute, meistens frühere Offiziere, zu verschiedener Zeit in die
+einzelnen Büros bestellt. Mitglieder der Organisation sind: Leutnant
+Gröhl, Fischer, Stremer, Hauptmann Römer, genannt Peppo, Oberleutnant
+Reindl, Friedrich, Weinzierl und Sondermayer. Gauleiter ist Major
+Horodam, Knöbelstr. 8, Stabsleiter Georg Ashton, Heßstraße 6. Dort ist
+ebenfalls ein Büro. Waffenoffizier ist Oberleutnant Knaut, Fürstenstr.
+18. Leutnant Brandt ist Leiter der Waffen- und
+Munitionsbeschaffungsabteilung, Oberleutnant Fuhrmann hat die
+Transportmittel und das Kraftfahrwesen, Leutnant Lembert ist Offizier
+für das Artilleriewesen.
+
+Das Depot der Wirtschaftsstelle ist in der Luftschifferkaserne. Ein
+Waffenmeister namens Schurk wohnt in der Morassistraße, der andere
+Waffenmeister Dieter in der Herzog-Wilhelm-Straße.
+
+In der Fürstenstr. 18 a liegen die Stammrollen sämtlicher Offiziere und
+Mannschaften. Die Turn- und Sportabteilung der Nationalsozialisten
+arbeitet zusammen mit den Zeitfreiwilligen-Kompagnien 4 und 13.
+
+In den Satzungen der Reichsfahne Oberland heißt es: »Wir werden uns nie
+auflösen, kein feindliches Diktat wird uns wehrlos und somit ehrlos
+machen.« Jedes Mitglied der Reichsfahne Oberland versichert
+ehrenwörtlich, der Reichsfahne Mannestreue zu halten bis in den Tod und
+unbedingten Gehorsam allen Führern der Reichsfahne zu halten. »Verräter
+und Wortbrüchige verfallen der Fehme.« Das Zeichen des Freikorps
+Oberland ist ein Dolch mit Eichenlaub und schwarzweißroter Binde.
+
+Interessant ist ein Telegramm vom 4. September 1921 aus München an den
+angeblichen Geheimrat Berger, in dem es u. a. heißt: »Kohlen
+eingetroffen und Berichte. Ich bitte folgendes ungesäumt durchzuführen:
+Außer Nicke und Bürckmayer alles restlos sofort nach Plan entlassen oder
+hierher beordern. Entlassener Stefan denunziert bei Neitze. Letzteren
+aufklären, ersteren zu Tiefstein schicken. Verhandlungen mit Festigkeit,
+Ruhe und Taktik führen. Nicht abreisen ohne Ziel völlig erreicht und
+möglichst weiter Etappisierung der umgewandelten N. Z. erreicht zu
+haben. Erbitte Vollzugsmeldung.« (»Münchener Post« vom 1. Oktober 1921.)
+
+Nicke ist der Zahlmeister Ludwig Nicke aus der Kaulbachstraße, München.
+Er kam ins Gefängnis nach Breslau, weil er der Gruppe »Süd« 80_000 Mark
+unterschlagen haben soll. Der Freiwillige Stefan hatte erzählt, daß er
+dem Kriminalkommissar Heinze in Neiße Mitteilungen über das Freikorps
+machen wollte. Dies wurde bekannt und deshalb sollte Stefan nach
+»Tiefstein« geschickt werden. Das bedeutete die Anweisung an die
+Abteilung »Friedrich« des Freikorps, den Stefan umzubringen. Der
+Ausdruck Tiefstein kommt daher, weil die Abteilung Friedrich ein
+früheres Mitglied Hochstein wegen Verrat erschossen hatte. Herr Ashton
+schickte natürlich der Münchener Post eine Berichtigung, welche all
+diese Dinge bestritt. (»Münchener Post«, 10. Oktober 1921. Die gesamten
+hier gebrachten Angaben stellen den Zustand von 1921 dar.)
+
+Kessel wurde am 1. Oktober 1921 auf Veranlassung der Staatsanwaltschaft
+Breslau wegen Mordverdacht verhaftet, aber gleich darauf wieder
+entlassen. Am 23. Dezember 1921 wiederholte der Untersuchungsrichter
+beim Amtsgericht Breslau den Haftbefehl. Jetzt aber war Kessel natürlich
+längst über alle Berge.
+
+Der Hauptmann Dr. Fritz Römer, ein sehr rühriges Mitglied des Freikorps
+Oberland, wurde zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Er hatte, um die
+Bundeskasse aufzufüllen, vorgeschlagen, ein nach Oberammergau fahrendes
+Fremdenauto zu überfallen. (»Berliner Tageblatt«, 12. September 1922.)
+
+Ein Geheimschreiben der 25. Alarmkompagnie, Maschinengewehr-Sturmriege
+in München, das Verhaltungsmaßregeln für den Fall eines Rechtsputsches
+enthält, gibt interessante Einblicke in die dem Freikorps Oberland
+näherstehenden Kreise. Es heißt darin (»Freiheit«, 24. September 1921.):
+»Mit dem standrechtlichen Erschießen darf jetzt nicht mehr human
+verfahren werden, insbesondere müssen wir auf die Führer der
+republikanischen, sozialistischen und gewerkschaftlichen Organisationen
+unsere Späher wie auf das Wild hetzen ... Sozialistenführer und größere
+Schreier in der Wohnung gleich erschießen. Die Juden festnehmen und in
+den 4. Reserveplatz führen, wo sie samt und sonders gehenkt werden. Eher
+noch mit Sozialdemokraten Erbarmen haben, als mit Juden. Die Presse, mit
+Ausnahme der rechtsdemokratischen, nationalen und antisemitischen, ist
+sofort zu besetzen. Weigern sich Druckereiarbeiter für uns zu arbeiten,
+so sind die nächsten fünf zu erschießen und in den Druckereiräumen
+liegen zu lassen. Bei Sabotage an den Maschinen ist jeder sechste Mann
+zu erschießen. Straßenabsperrungen müssen rücksichtslos durchgeführt
+werden. Wer trotz des Verbotes die Straße betritt, gleich ob Bürger oder
+Proletarier, wird erschossen.«
+
+Die Affaire Dobner, der Ausgangspunkt zu einer Reihe von bayrischen
+Morden, zeigt, daß die Nationalisten auch bereit sind, vom Wort zur Tat
+überzugehen. Der frühere Reichswehrsoldat Dobner hatte erfahren, daß in
+Schloß Mirskofen Waffen versteckt waren. Er teilte dies durch
+Vermittlung des Polizeisekretärs Glaser (alias Seyfried) und des
+Polizeispitzels Bracher dem Oberleutnant und Tattersallbesitzer German
+Böhm (Polizeiname Pollinger) mit und erhielt hierfür 3000 Mark
+ausbezahlt. Im Auftrag Böhms sollte Dobner die Waffen den Studenten
+Schuster und Hermann Berchtold zeigen. In einem Auto Böhms, das Neunzer
+führte, wurde Dobner am 21. Oktober 1920 mit einem eisenbeschlagenen
+Stock auf den Kopf geschlagen und geknebelt. Die Studenten leuchteten
+mit einer Taschenlampe an ihm herum und sagten: »Der ist schon hin.« Der
+Chauffeur fragte: »Seid Ihr auch sicher, daß er schon tot ist?« Es
+gelang Dobner aus dem fahrenden Auto zu springen und zu entfliehen. Die
+Vermutung liegt nahe, daß man ihn beseitigen wollte, weil er das
+Waffenlager kannte. Im Prozeß wurde festgestellt, daß der Kaufmann
+Alfred Heller, Böhm und andere Angehörige der Polizei eine
+Waffenerwerbungskommission bildeten, welche die illegalen Waffenlager
+gegen Verrat (an das Reich, nicht etwa an die Entente) schützen sollten.
+Schuster und Berchtold wurden am 26. Januar 1921 zu je 250 Mark
+Geldstrafe verurteilt. Die Waffen, die einem Baron Fürstenberg gehörten,
+wurden gleich, nachdem die Sache publik war, weiter verschoben
+(Prozeßbericht in allen Münchener Zeitungen.)
+
+Die Ermordung des Abgeordneten Gareis hängt eng mit der Affäre Dobner
+zusammen. Gareis hatte sich sehr für die Aufdeckung dieser Sache
+eingesetzt. Er kannte geheime Protokolle der Einwohnerwehren und ihre
+Waffenlager. Man befürchtete, daß er sie an das Reich verraten könnte.
+Der Abgeordnete Unterleitner stellte im Reichstag am 17. Juni 1921 die
+Behauptung auf, daß der Mörder der Münchener politischen Polizei
+nahestehe. Er nannte als beteiligt Alfred Heller, Bezirksführer der
+Einwohnerwehr, den bereits genannten Böhm und Glaser und die Studenten
+Schuster und Berchtold. Nach anderen Auffassungen ist Hans Schweighart,
+der vermutliche Mörder des Dienstmädchens Sandmeyer, auch der Mörder von
+Gareis. Die Untersuchung der Falles Gareis durch die Münchener
+Staatsanwaltschaft ist bisher vollkommen ergebnislos verlaufen.
+
+
+Die Rolle der Münchener Polizei
+
+Die Münchener Polizeidirektion unter Pöhner arbeitete mit dem Oberland
+zusammen. Die Verbindung wurde durch einen Leutnant Weil aufrecht
+erhalten. Zahlreiche Akten des Freikorps Oberland gingen nach Zimmer
+117 der Polizeidirektion, Referat 6a, politische Abteilung,
+Regierungsrat Frick. Auch ist der Verdacht geäußert worden, daß die
+Flucht der Mörder Erzbergers nach Ungarn mit Hilfe falscher Pässe
+bewerkstelligt wurde, die der Münchener Polizeipräsident Pöhner
+ausgestellt hat. Folgender Fall macht diese Vermutung wahrscheinlich. In
+einem Münchener Hotel wurde ein Kaufmann Hans Eickmann von einem
+Polizisten verhaftet, weil er zwei Pässe hatte. Als Eickmann dann dem
+Polizeipräsidenten vorgeführt wurde, sagte Pöhner: »Der eine Paß ist
+falsch, geben sie ihn sofort her. Ich habe den Herrn in einer
+politischen Sache nach Ungarn gesandt. Der Mann wird entlassen, führen
+Sie ihn aber nicht durch die politische Abteilung.« (Reichstag, 17. Juni
+1921.)
+
+Aller Wahrscheinlichkeit nach fällt die Ermordung der Sandmeyer, des
+Abgeordneten Gareis, das Attentat auf Auer, die Ermordung des Leutnant
+Schweighardt und des Spitzels Hartung auf das Konto des Freikorps
+Oberland oder von Kreisen, die ihm nahe stehen.
+
+Bei alledem darf man sich nicht etwa vorstellen, daß in Bayern ständig
+eine bis zur Gluthitze gesteigerte politische Atmosphäre herrscht. Im
+Gegenteil, das offizielle Vertuschungssystem hat es mit sich gebracht,
+daß der Durchschnittsbürger von all diesen Vorgängen entweder überhaupt
+nichts erfährt oder sie als selbstverständlich betrachtet, ihre
+Erwähnungen aber als eine Berliner Hetze auffaßt. Denn die Presse, die
+abgesehen von den paar sozialistischen Organen politisch vollkommen
+rechts steht, auch wo sie sich demokratisch nennt, macht dieses
+Vertuschungssystem vollkommen mit.
+
+
+Die Organisation »C«
+
+Soweit Außenstehende dies zu beurteilen vermögen, scheint diejenige
+Organisation, in der die meisten Fäden zusammenlaufen, die Organisation
+»C« zu sein. Erwachsen ist sie ursprünglich aus einem Geheimbund der
+Garde-Kavallerie-Schützendivision. Heute stellt sie die direkte
+Fortsetzung der Brigade Ehrhardt dar. Ihr Name kommt daher, daß ihr
+Leiter, der frühere Kapitän Ehrhardt, innerhalb der Organisation den
+Namen Consul trug. Alle Mitglieder führen nämlich besondere Decknamen.
+Die Organisation zerfällt in eine Kampforganisation und eine Fehme. Die
+Fehme hat den Zweck, Persönlichkeiten, die sich den Zielen der
+Organisation widersetzen, zu bestrafen und unter Umständen zu ermorden.
+Ehrhardt hält sich gewöhnlich in Innsbruck auf, doch war er öfters auch
+in Budapest. Im Mai 1921 war er, obwohl steckbrieflich verfolgt, in
+Leipzig und traf dort mit Karl Tillessen zusammen. 1921 wurde aus der
+Organisation Consul der »Neudeutsche Bund«, ein gerichtlich
+eingetragener Verein, gegründet. Sein Leiter ist wiederum Kapitän
+Ehrhardt. (Vergl. »Berliner Tageblatt«, 19. August 1922.) Zur
+Finanzierung wurde versucht, eine Ehrhardt-Bank zu gründen. Die Leiter
+des deutschen Konsortiums waren Eberhardt von Puttkamer und Emil
+Schäfer; einer der Angestellten der mit der Ermordung Rathenaus in
+Zusammenhang stehende ehemalige Kadett Ernst von Salomon (»Berliner
+Tageblatt«, 17. August 1922). Schäfer war früher in der Schweiz wegen
+einer Reihe von Schiebungen zu mehreren Jahren Zuchthaus und
+Landesverweisung verurteilt worden (»Freiheit«, 17. August 1922). An der
+Münchener Stelle der Organisation C arbeitet Müldner, Franz-Josef-Str.
+3, der Oberamtmann Frick und der schon oben genannte Kriminalkommissar
+Glaser.
+
+Die Organisation C hat nachweislich die Ermordung Erzbergers und
+Rathenaus und die Attentate auf Scheidemann und Harden durchgeführt.
+
+Bei dem Studenten Günther, einem der Mitwisser des Rathenaumordes, der
+als Kurier der Organisation C zwischen Berlin und München hin- und
+herfuhr, wurden bei seiner Verhaftung zwei interessante Briefe entdeckt.
+Der eine ging vom Grafen Reventlow an den Dr. von Scheubner-Richter,
+München, Georgenstr. 42, der einen Wirtschaftsverband »Aufbau« leitet.
+Dieser dürfte die Verbindungsstelle zwischen den deutschen und
+russischen Monarchisten extremer Richtung darstellen. Der andere rührt
+von einem Mitarbeiter Reventlows, Petersen, her und ist an den
+Sanitätsrat Dr. Pittinger in München, den Nachfolger Escherichs bei den
+Einwohnerwehren, gerichtet. Die Briefe behandeln interne Differenzen
+zwischen den verschiedenen Organisationen und sind außerordentlich
+vorsichtig gehalten. (Vergl. »Vorwärts«, 9. Juli 1922.) Ludendorff wird
+darin mit Onkel Ludwig, Escherich als Onkel Emil bezeichnet. Man fand
+bei Günther auch einen Bericht über einen Besuch bei Herrn von Jagow in
+der Festung Gollnow und eine daran anschließende Münchener Reise. Herr
+Hemmeter, Nachfolger des Herrn v. Killinger in der Organisation C,
+teilte nach diesen Aufzeichnungen dem Günther mit, eine Wiederaufnahme
+des Jagowprozesses sei in München unerwünscht, weil man fürchte, Onkel
+Ludwig werde dabei vollends kompromittiert.
+
+
+Wie man Mörder mietet
+
+Am 3. Juli 1922 wurde Maximilian Harden in der Nähe seiner Wohnung im
+Grunewald von dem ehemaligen Leutnant Walter Ankermann und dem
+landwirtschaftlichen Beamten Herbert Weichhard aus Oldenburg überfallen
+und mit einer schweren Eisenstange niedergeschlagen. Harden wurde aus
+mehreren Wunden blutend von Passanten gefunden. »Nach der Festnahme
+Weichhards fand man in den Wohnungen der Beiden Stücke eines zerrissenen
+Telegramms, das auf Albert Wilhelm Grenz in Oldenburg als Anstifter
+hindeutete. Grenz und seine Frau wurden verhaftet. Nach anfänglichem
+Leugnen gestand er seine Beteiligung. Grenz vertreibt antisemitische
+Schriften und ist Leiter und Vorsitzender der deutschvölkischen
+Organisation in Ostfriesland, ebenso Vorsitzender des deutschen
+Treubundes. In seiner Behausung wurde eine Liste aller deutschvölkischen
+Anhänger, die zu Taten bereit wären, und eine Liste der in Ostfriesland
+wohnenden Juden gefunden. Wie Grenz angab, erhielt er Anfang März einen
+anonymen Brief aus München, der die Aufforderung enthielt, zwei junge,
+tatenfrohe Männer zu suchen, die bereit seien, für ihr Vaterland alles
+zu tun. Ihre Sicherstellung werde erfolgen. Antwort umgehend unter
+A.W.G. 500, Hauptpostamt München. Grenz trat an Weichard heran, der sich
+sofort zur Tat bereit erklärte und kurz darauf mit Ankermann bei Grenz
+erschien. Nun schrieb Grenz an die angegebene Adresse nach München, er
+habe zwei brave deutsche Männer gefunden. Schon wenige Tage darauf kam
+aus München ein brieflicher Dank für Grenz und für die beiden Männer.
+Und die weitere Mitteilung, sofort nach Frankfurt a. M. zu fahren, wo
+unter A.W.G. 500 hauptpostlagernd weitere Nachricht für Grenz liege.
+
+Diesem Verlangen kam Grenz nach; und bei seinem Eintreffen in Frankfurt
+a. M. lag dort ein Brief, in dem es heißt, daß zur Ausführung der Tat
+eine Summe beiliege, die entsprechend zu verteilen sei. Auch solle Grenz
+die beiden Leute förmlich verpflichten. Nach der Tat würde den beiden
+eine weitere Summe gezahlt werden, die die anliegende (es waren 23_000
+oder 25_000 M.) erheblich übersteige. Außerdem wird beiden Leuten, wenn
+sie Wert darauf legen, durch Vermittlung _Anstellung im bayerischen
+Staatsdienst in Aussicht gestellt_. Ein beigefügter Zettel in
+Maschinenschrift enthielt nur die Worte »Maximilian Harden«. Ein anderer
+Zettel gab folgende Verhaltungsmaßregeln: »Keine Briefe und keine
+Telegramme senden, tunlichst Auto benutzen, nicht viel reden, alles auf
+die Sache Bezügliche vernichten, nach der Tat nach verschiedenen
+Himmelsrichtungen auseinandergehen.« Grenz fuhr nach Oldenburg zurück
+und benachrichtigte die beiden in Aussicht genommenen Täter. Er
+verpflichtete sie in seiner Wohnung durch Handschlag förmlich und machte
+sie darauf aufmerksam, daß den Verräter die gleiche Strafe treffen
+würde, die Maximilian Harden zugedacht sei. Ankermann erhielt 10_000
+Mark, Weichard 7000 bis 8000 Mark. Die beiden reisten ab, führten aber
+nicht, wie verabredet, noch Ende März oder Anfang April die Tat aus,
+trieben sich vielmehr zuerst in Berlin herum, besuchten Bars und
+schrieben erst nach der Ermordung Rathenaus an Grenz, daß trotz der
+ungünstigen Konjunktur das Geschäft binnen kurzem perfekt gemacht werde.
+Der Brief, der die Ermordung »spätestens Dienstag« melden sollte, lag in
+der Wohnung der Täter fertig. Hier sein Wortlaut: »Sehr geehrter Herr,
+wir teilen Ihnen hiermit höflichst mit, daß uns trotz ungünstigster
+Konjunktur der Geschäftsabschluß geglückt ist.
+
+Wir sehen nunmehr Ihrem persönlichen schnellmöglichsten Kommen hierher
+entgegen und bitten höflichst und dringendst, alles Nötige zur
+Aufrechterhaltung der einmal eingegangenen Geschäftsverbindungen in die
+Wege zu leiten und mitzubringen.
+
+Nach dem jeweiligen Stand unserer Valuta halte ich baldmöglichstes
+Anbahnen der beabsichtigten Geschäftsverbindung mit der pp. Firma im
+Süden für unbedingt erforderlich. Ich verstehe darunter vorzugsweise die
+geplante baldigste Festanstellung unserer beiden Herren bei der pp.
+Firma, die ihnen ja auch vertragsmäßig in Aussicht gestellt ist. Für
+ihre und ihrer Familien Uebersiedlung ist naturgemäß Sorge zu tragen.
+
+Gleichzeitig bitten wir, bei Einlösung der Devisen dafür Sorge tragen zu
+wollen, daß die vereinbarte Anzahlung auch die entstandenen Unkosten und
+Verpflichtungen decken kann, also mindestens sechzigtausend Mark.
+Wünschenswert wäre, wenn unser Chef sich dazu verstehen könnte, die
+Schuldsumme in Höhe von dreißigtausend Mark extra auszuwerfen, sodaß die
+Herren Agenten keine Einbuße des ihnen Zustehenden erleiden.
+
+In der Hoffnung, daß unserem Bericht Ihrerseits der genügende Nachdruck
+verliehen wird, zeichnen wir mit ganz vorzüglicher Hochachtung -- immer
+die Alten.
+
+Da Ihnen unsere Anschrift bekannt ist, bitten wir, die
+Duplikatfrachtbriefe uns so schnell wie möglich zukommen zu lassen.
+Mündlich mehr.«
+
+»Duplikatfrachtbriefe«: falsche Pässe und Prämien, »Firma im Süden«:
+Organisation »Consul«. Ankermann, einst Couleurstudent mit weißem
+Stürmer, dann Oberleutnant mit Eisernem Kreuz erster Klasse, Liebling
+und Kostgänger öffentlich umlaufender Mädchen, trat am Morgen nach dem
+völkisch-heldischen Versuch, von hinten, »ohne Risiko«, einem Wehrlosen
+den Schädel einzuschlagen, in das Berliner Büro der deutschnationalen
+Partei und fragte nach dem Herrn von Dryander. Nicht anwesend. Wer denn?
+Graf York. Zu diesem Grafen sprach der Herr Oberleutnant: »Ich habe
+gestern befehlsgemäß Harden erledigt, muß deshalb verschwinden und
+komme, mir Reisegeld zu holen.« Antwort: »Ich kann da nichts machen,
+glaube aber, daß wir Herrn von Dryander im Meister-Saal finden werden;
+kommen Sie mit.« Das bekundet Graf York; behauptet, in der Etage allein,
+drum außerstande zur Sistierung gewesen zu sein; die Meisterfalle habe
+Ankermann gerochen und sei ausgerückt. Die drei Herren blieben auf
+freiem Fuß.« (»Zukunft«, 8. Juli 1922.)
+
+
+
+
+DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG UND DIE MORDE
+
+
+Die Nachwirkungen der politischen Morde
+
+Während noch das Opfer zuckt, stimmt die Presse schon den entsprechenden
+Ton an. »Entsetzlich, entsetzlich« schreien »Lokalanzeiger«, »Zeit«,
+»Tägl. Rundschau«, »Deutsche Tageszeitung«, usw.: »Wir mißbilligen
+politischen Mord von jeder Seite.« Doch schon ein leiser Unterton, der
+bald lauter und lauter wird: »Ja ist denn bewiesen, daß dies eine
+deutschnationale Tat ist?« Dick fließen die Krokodilstränen. Die
+Regierung erwacht für Minuten aus ihrer Lethargie: Scharfe Gesetze
+sollen die Republik schützen. Die Linken erheben laut Anklage gegen die
+Mörder. Da verstärkt sich der Unterton: »Wir sind gegen solche
+Ausschreitungen«, d. h. wir mißbilligen, daß man aufrichtig gegen den
+Mord ist, daß man eine Katze eine Katze und die deutschnationalen
+Geheimbündler Mörder nennt.
+
+Die Mörder entkommen. Die großen Ueberschriften in den Zeitungen klingen
+ab. Die »Gesetze zum Schutz der Republik« werden von überzeugten
+Antirepublikanern ihren Zwecken leicht dienstbar gemacht. Die Zeitungen
+sprechen von den vom »kommunistischen Ausland« gedungenen Mördern: »Ein
+Deutscher kann so etwas nicht tun.«
+
+Am interessantesten ist, was sich gleich nach dem Mord abspielt: Große
+Empörung im ganzen Land, besonders bei den Arbeitern, vereinzelt auch
+bei der Bourgeoisie. Als Protest gegen den Mord rufen die
+Arbeiterparteien entsprechend ihrer Einstellung zu Massenaktionen,
+Demonstrationsstreiks und Umzügen auf. Man weiß, daß bei besonnener
+Haltung der Polizei, insbesondere wenn man sie von der Straße vollkommen
+zurückzieht, infolge der großen Disziplin, die im allgemeinen bei den
+organisierten sozialistischen Parteien herrscht, eine solche
+Demonstration vollkommen ruhig ablaufen kann. Dies hat die Erfahrung in
+hunderten von Umzügen gezeigt. Aber ein solch ruhiger Verlauf liegt
+keineswegs im Interesse der Rechtsstehenden. Bezahlte agents
+provokateure, die durch Aufhetzung für Unruhe sorgen und provozierte
+Haltung der Polizei sorgen dafür, daß die Ruhe gestört wird. Es kommt zu
+einem Zusammenstoß der Menge mit der Polizei. Irgend woher fällt der
+berühmte erste Schuß. (Später kann nie festgestellt werden, von welcher
+Seite.) Rücksichtslos haut, schießt, schlägt, trampelt die gut
+organisierte Polizei auf die unbewaffnete Menge ein. Dutzende von toten
+Demonstranten, nicht etwa Polizisten, bedecken das Feld. Dies nimmt die
+Presse zu begründetem Anlaß, den fortwährenden Terror von Links, die
+Exzesse, nicht etwa der Polizei, sondern der Demonstranten, auf
+schärfste zu verurteilen, und zu schließen, daß die Demokratie, die
+Freiheit, die Verfassung bedroht sei -- nicht etwa durch die Mörder,
+sondern durch die »von Hetzern sinnlos aufgepeitschten Arbeitermassen.«
+Diese Argumentation ist besonders wirkungsvoll, wenn die Arbeiter im
+Laufe der Demonstration irgendwelche Symbole des Kaisertums zerstört
+haben.
+
+Bald ist die nötige Stimmung erreicht. Nicht die Mörder, die man bald
+vergißt, sind die Feinde der Republik, sondern die »Hetzer«, die zum
+ehrlichen Schutz der Republik riefen. Dann ist es nur gerecht, daß man
+die Mörder in Ruhe läßt und die Demonstranten einsperrt. Dieses
+Verfahren hat sich mit widerwärtiger Eintönigkeit bei jedem der letzten
+politischen Morde wiederholt und ist beinahe empörender als die Morde
+selbst.
+
+
+Die Haltung der deutschnationalen Presse
+
+Nachdem allmählich die Erinnerung an den Rathenaumord verblaßt, geht die
+deutschnationale Presse wieder zum Angriff über. So hat die »Deutsche
+Zeitung« in Berlin, in der Nummer vom 3. August 1922 eine Liste von 276
+angeblichen Morden von Links veröffentlicht. Diese Liste ist dann in
+vielen deutschnationalen Zeitungen nachgedruckt worden. Selbst wenn die
+Zahl 276 richtig wäre, wären demnach die politischen Morde von Links
+noch immer seltener als die von Rechts. Aber die Zusammenstellung
+entbehrt jeder Grundlage. Denn die »Deutsche Zeitung« hat alle
+diejenigen Kautelen gröblich verletzt, die bei der Statistik der
+politischen Morde zu beachten sind.
+
+Zunächst sind in der Liste ca. 150 im Kampf Gefallene aufgenommen,
+ferner ist in keinem einzelnen Fall genau untersucht, ob überhaupt
+politische Motive dem betreffenden Mord zugrunde liegen. Endlich sind
+nur 38 Fällen die Namen angegeben. In ganz wenigen Fällen sind präzise
+Angaben aufgeführt über Ort und Tat, so daß eine Identifikation des
+betreffenden Falles möglich ist. In den meisten Fällen handelt es sich
+um leere Behauptungen, die überhaupt nicht nachprüfbar sind, wie z. B.:
+»Im März 1920 wurde im Ruhrgebiet ein Soldat aufs grausamste ermordet.«
+Dazu kommen noch eine ganze Reihe von Rechenfehlern, welche zeigen, daß
+die Arbeit in ganz oberflächlicher Weise durchgeführt wurde.
+
+So heißt es in dieser Statistik:
+
+ 10. 7. März 1919. Ein Feldwebel mißhandelt und erschossen.
+
+ 11. 7. März 1919. Ein Regierungssoldat mißhandelt und erstochen.
+
+ 12. 7. März 1919. Ein Offizier niedergeschlagen und erschossen.
+
+ 13. Zwischen 6. und 10. März 1919. Ein Regierungssoldat
+ erschossen.
+
+ 14. 6. März 1919. Ein Gefreiter getötet.
+
+ 15-31. In der Zeit vom 7. bis 10. März 1919. 16 Regierungssoldaten
+ und ein Offizier erschossen oder totgeschlagen.
+
+ 32. 7. März 1919. Ein Regierungssoldat mißhandelt und erschossen.
+
+ 33. 7. März 1919. Ein Soldat Fritz Engler mißhandelt und
+ erschossen.
+
+ 34-37. 7. März 1919. Vier Soldaten durch Handgranaten getötet.
+
+ 38. 8. März 1919. Ein Regierungssoldat mißhandelt und erschossen.
+
+ 39. 8. März 1919. Zahlmeister W. Specht mit eigenem Revolver
+ erschossen.
+
+ 40. 9. März 1919. Ein Soldat erschossen.
+
+ 41. 9. März 1919. Krankenträger Pinkernell erschossen.
+
+ 42-43. 9. März 1919. Sicherheitssoldaten Hoffmann und Ehrhardt
+ erschossen.
+
+Hier werden also einzeln 16 Soldaten und ein Offizier aufgezählt, die
+angeblich während der Märzvorgänge in Berlin ermordet wurden. Und dann
+werden 16 Soldaten und ein Offizier auf einmal aufgeführt, die in
+derselben Zeit und derselben Stadt ermordet wurden. Man ist zur Annahme
+gezwungen, daß hierbei einfach dieselben Fälle zweimal gezählt wurden.
+
+Beim Märzaufstand 1921 führt der Verfasser 104 Bewohner
+Mitteldeutschlands ohne weitere Spezifikation als ermordet an. Auf Grund
+wessen soll man das glauben? Ein weiterer Beweis für die Ungenauigkeit
+dieser Statistik ist die Tatsache, daß sogar einige bekannte Fälle von
+Morden von Links fehlen.
+
+Bei jeder Statistik ist es eine selbstverständliche Forderung, daß man
+die Quellen angibt, aus denen man geschöpft hat, sodaß eine Nachprüfung
+der betreffenden Angaben möglich ist. Da ich in meiner Naivität annahm,
+daß solche Grundlagen auch dem Artikel der »Deutschen Zeitung« zugrunde
+lagen, schrieb ich ihr einen höflichen Brief, in dem ich sie um
+diesbezügliche nähere Angaben bat -- und habe natürlich niemals eine
+Antwort bekommen.
+
+Zusammenfassend kann man also sagen, daß es sich bei der Liste der
+Deutschen Zeitung um eine ganz willkürliche Zusammenstellung handelt,
+der jede Beweiskraft fehlt.
+
+
+Politische Differenzierung der Mordtechnik
+
+Wie ist die ungeheure Differenz von 354 Morden von Rechts zu 22 von
+Links zu erklären? Falsch wäre es meines Erachtens ohne weiteres zu
+sagen: »Die Linken stehen eben moralisch höher.« Dies kann schon
+deswegen nicht geschlossen werden, weil ja hier nur eine einzige
+Verbrechensart untersucht wurde. So sind die Eigentumsverbrechen z. B.
+nicht in den Kreis der Betrachtung gezogen. Bei ihnen könnte man
+vielleicht vermuten, daß sie sich entsprechend der sozialen Struktur im
+linken Lager häufiger als im rechten finden. Freilich darf hierbei
+wiederum nicht vergessen werden, daß die Eigentumsverbrechen im
+Gegensatz zu den Verbrechen gegen das Leben auch eine soziale Komponente
+haben, daß sie durch die Tatsache der heutigen Eigentumsverteilung zum
+größten Teil selbst erzeugt werden. Und in einer Gesellschaftsordnung,
+die dem Einzelnen den Kampf ums Dasein erleichtert, sich sicher
+zahlenmäßig sehr vermindern würden. Daß aber auch die
+Eigentumsverbrechen, die von Rechts geschehen, keineswegs selten sind,
+ersieht man aus den zahlreichen Plünderungen und Ausraubungen der
+Leichen. So wurden von 184 in München tödlich »Verunglückten« in 68
+Fällen die Leichen ausgeplündert.
+
+Der wirkliche Unterschied zwischen den Parteien ist meines Erachtens
+kein moralischer, sondern ein technischer. Die Anhänger der
+Linksparteien sind durch Jahrzehnte gewerkschaftlicher Schulung
+gegangen, die ihnen die Massenaktion als einzig wirksames Kampfmittel
+predigte. Denn der linken Bewegung liegt die materialistische
+Geschichtsauffassung zugrunde, welche die ökonomischen und technischen
+Momente als in der Geschichte wirkende Faktoren betont.
+
+Bei der Rechten fehlt eine solche Gewerkschafts-Schulung. Ihr handelt es
+sich darum, die für sie durch die Worte »Ruhe und Ordnung«
+charakterisierte anarchische Wirtschaftsordnung aufrecht zu erhalten.
+Und diesem Ziel entsprechen individuelle Mittel, die in ihrer Wirkung
+der anarchistischen »Propaganda der Tat« identisch sind. Denn die Rechte
+ist Anhängerin der heroischen Geschichtsauffassung, wonach der Held die
+Geschichte »macht«. Entsprechend ist die Rechte geneigt zu hoffen, sie
+könne die linke Opposition, die getragen ist durch die Hoffnung auf eine
+radikal andere Wirtschaftsordnung, dadurch vernichten, daß sie die
+Führer beseitigt. Und sie hat es getan: Alle Führer der Linken, die sich
+offen dem Krieg entgegensetzten, zu denen die Arbeiterschaft Vertrauen
+hatte, Liebknecht, Rosa Luxemburg, Eisner, Landauer, Jogisches usw. sind
+tot. In neuerer Zeit geht man, wie die Attentate auf Erzberger, Auer,
+Scheidemann und Rathenau beweisen, auch dazu über, die Führer der
+gemäßigten Parteien zu ermorden.
+
+Die Wirksamkeit dieser Technik für den Augenblick ist unbestreitbar. Die
+Linke hat keinen bedeutenden Führer mehr, keinen Menschen, von dem die
+Massen das Gefühl haben: Er hat soviel um uns gelitten, soviel für uns
+gewagt, daß wir ihm blindlings vertrauen können. Dadurch ist die
+Arbeiterbewegung zweifellos um Jahre zurückgeworfen. Der Erfolg ist um
+so größer, als in keinem Fall eine Bestrafung eingetreten ist.
+
+Daß diese Methoden beim Militär (die ganzen Morde von rechts sind von
+Offizieren oder Soldaten begangen worden) eine solche Verbreitung
+fanden, liegt natürlich an der psychischen Verrohung durch den Krieg, wo
+das Leben des Einzelnen nichts mehr gelten durfte. Einen besonders
+großen Einfluß hatten in dieser Hinsicht die zahlreichen ausgesprochenen
+und unausgesprochenen Befehle, keine Gefangenen zu machen.
+
+
+Politische Morde einst und jetzt
+
+Auch die Gleichgültigkeit, mit der man heute in Deutschland den
+politischen Morden und den Opfern von turbulent verlaufenen
+Straßendemonstrationen gegenübersteht, ist nur durch die Tatsache zu
+erklären, daß der Krieg uns gegenüber dem Wert des Menschenlebens
+abgestumpft hat.
+
+Die unglaubliche Milde des Gerichts ist den Tätern wohl bekannt. So
+unterscheiden sich die heutigen politischen Morde in Deutschland von den
+früher in anderen Ländern üblichen durch zwei Momente: Ihre
+Massenhaftigkeit und ihre Unbestraftheit. Früher gehörte zum politischen
+Mord immerhin eine gewisse Entschlußkraft. Ein gewisser Heroismus war
+dabei nicht zu leugnen: Der Täter riskierte Leib und Leben. Flucht war
+nur unter außerordentlichen Mühen möglich. Heute riskiert der Täter gar
+nichts. Mächtige Organisationen mit ausgebreiteten Vertrauensleuten im
+ganzen Lande sichern ihm Unterkunft, Schutz und materielles Fortkommen.
+»Gutgesinnte« Beamte, Polizeipräsidenten geben falsche »richtige
+Papiere«, zur eventuell nötigen Auslandsreise. Diese Technik hat sich
+seit den Tagen des Oberleutnant Vogel sehr gehoben. Man lebt in den
+besten Hotels herrlich und in Freuden. Kurz, der politische Mord ist aus
+einer heroischen Tat zur alltäglichen Handlung, ja beinahe zu einer
+leichten Erwerbsquelle für »rasch entschlossene Käufer« geworden.
+
+
+Die Mitschuld der Gerichte
+
+Diese Zustände wären natürlich ohne die allerdings vielleicht unbewußte
+Mithilfe der Gerichte undenkbar. Man kann es sogar geographisch
+beweisen. Im Rheinland, im besetzten Gebiet, ist die Morddichte viel
+geringer, als im übrigen Reich. Man weiß, daß dort die
+Rheinland-Kommission nicht den Interessenstandpunkt der deutschen
+Richter teilen würde. (Wer in ihrem Land ähnliche Dinge vorkommen
+würden, so würde sie natürlich wahrscheinlich genau so urteilen.) Ein
+weiterer Beweis der unbewußten Mitschuld der Gerichte an den Morden
+liegt in der Tatsache, daß die wörtliche Aufforderung zur Ermordung
+namhafter Pazifisten keineswegs als Delikt angesehen wird. Einige
+Papiermark Strafe -- und der Verbreiter der Aufforderung kann weiter die
+Saat des Hasses schüren. Am Tag nach der Ermordung Erzbergers stand im
+»Spandauer Tageblatt«: »Aufs Schaffott! Das zweite Opfer, Hello von
+Gerlach!« Der Autor, Lehmann, erhielt dafür von der Strafkammer des
+Landgerichts II 200 Mark Geldstrafe.
+
+Diese meine These, daß die Milde der deutschen Gerichte eine
+Voraussetzung der politischen Morde ist, wird auch von den meisten
+rechtsradikalen Blättern vertreten. Häufig kann man dort Sätze lesen,
+wie: »Es ist schade, daß der Landesverräter Soundso (ein Pazifist, dem
+in strafrechtlicher Hinsicht nicht das Mindeste auch nur nachgesagt
+werden kann) nicht in Deutschland, sondern in einem andern Lande lebt.
+Dort kann ihn leider nicht wie Erzberger der Arm der strafenden
+Gerechtigkeit erreichen«. Man kann demnach einen politischen Gegner, der
+im Ausland wohnt, nicht ermorden, aber nicht etwa, weil es technisch
+unmöglich wäre (dies ist nicht der Fall) sondern weil man dort das
+Risiko trägt, bestraft zu werden.
+
+Trotz dieser grauenhaften Tatsachen möchte ich die Behauptung, daß die
+deutschen Richter mit Bewußtsein das Recht beugen, nicht unbedingt
+bejahen. Sie lassen zwar über 300 Morde straflos ausgehen. Aber ich
+möchte für sie auf mildernde Umstände plaidieren. Es fehlt ihnen das
+Bewußtsein der Strafbarkeit ihrer Handlungen. Aus der alten Zeit her,
+wo das heutige Wirtschaftssystem von äußeren Angriffen unbedingt
+geschützt war und wo die Anhänger der Rechtsparteien unbestritten die
+oberen Schichten bildeten, ist ihnen der Gedanke, daß aus dieser Kaste
+eine Reihe von Mördern und Mordanstiftern hervorgehen könne,
+unvorstellbar. Daher werden die Mörder freigesprochen.
+
+Der größte Teil der öffentlichen Meinung stellt sich demgegenüber auf
+den von den zugrundeliegenden Interessen aus begreiflichen Standpunkt:
+»Roma locuta, causa finita«; die Gerichte haben die als Mörder
+Angeklagten freigesprochen. Sie sind unparteiisch. Die Sache ist
+erledigt. Nur ein geringer Teil protestierte und zwar im wesentlichen
+immer nur die Parteiangehörigen des jeweils Ermordeten. Diese Fiktion
+der Unparteilichkeit der deutschen Gerichte hat übrigens auch eine
+außenpolitische Ursache: Es soll gegenüber der Entente jeder Zweifel
+beseitigt werden, daß gegen die Kriegsverbrecher in Deutschland selbst
+gerechtermaßen eingeschritten wird.
+
+
+Die Technik des Freispruchs
+
+Die relativ wenigen Attentate gegen Reaktionäre sind so gut wie sämtlich
+durch schwere Strafe gesühnt, von den sehr zahlreichen Attentaten gegen
+Männer der Linken ist dagegen kein einziges gesühnt. Gutgläubigkeit,
+falsch verstandene Befehle, tatsächliche oder angebliche Verrücktheit
+waren hier immer Entschuldigungsgründe, soweit überhaupt ein Verfahren
+stattfand. Die meisten Verfahren werden von der Staatsanwaltschaft, die
+andern von den Strafkammern eingestellt.
+
+Wenn der Mörder und der Verlauf der Tat genau bekannt ist, so entwickelt
+sich folgende juristische Komödie. Ein Offizier hat einen Befehl
+gegeben, der dahin aufgefaßt werden konnte, Spartakisten sind zu
+erschießen. Der Untergebene erschießt Menschen, die er für Spartakisten
+hält, und wird freigesprochen, weil er in dem Glauben sein könnte, auf
+Befehl zu handeln. Er wird also wegen »Putativspartakismus«
+freigesprochen. Genau wie seinerzeit der Leutnant Forster wegen
+Putativnotwehr. Gegen den Offizier wird aber nicht eingeschritten. Denn
+der Befehl hat entweder nicht so gelautet oder, wenn er so gelautet hat,
+dann war er eben kein Dienstbefehl. Der »Spartakist« ist natürlich tot.
+Schuld ist ... das Karnickel. So endet das Verfahren vor dem
+Staatsanwalt. Am interessantesten ist dieser Vorgang dann, wenn in einem
+gleichzeitig angestrengten Zivilprozeß der Fiskus wegen der durch einen
+Soldaten oder Offizier durchgeführten Ermordung zu Schadenersatz
+verurteilt wird. Denn dann ist es gerichtsnotorisch, daß die Tötung
+ungesetzlich war. Trotzdem geschieht nichts gegen die Täter.
+
+Die öffentliche Meinung billigt im allgemeinen dies Verfahren. Denn eine
+geschickte Propaganda hat ihr beigebracht, jeder Feind des Militarismus
+sei ein Spartakist, also ein Feind der Menschheit, also vogelfrei.
+
+Wird ein Anhänger der linken Parteien von Rechts ermordet, so kann sich
+eben der Richter unwillkürlich nicht von der Vorstellung loslösen, daß
+der Ermordete sein Feind war, und schon durch seine Gesinnung eine
+schwere Strafe verdient hätte. Daß der Mörder eigentlich doch nur der
+strafenden Gerechtigkeit zuvorgekommen ist. Und schon deswegen mild zu
+behandeln ist. So kommt es häufig vor, daß bei der Gerichtsverhandlung
+nicht der Mörder, sondern der Ermordete moralisch vor dem Richter steht.
+Der Mörder aber gehört derselben sozialen Schicht, demselben Leben an
+wie der Richter. Unzählige soziale Bande verknüpfen den Mörder-Offizier
+mit dem Richter, der ihn freisprechen wird, dem Staatsanwalt, der das
+Verfahren einstellen wird, dem Zeugen, der den »Fluchtversuch« eingehend
+schildert. Sie sind Fleisch von einem Fleisch, Blut von einem Blut. Der
+Richter versteht ihre Sprache, ihr Fühlen, ihr Denken. Zart schwingt
+seine Seele unter der schweren Maske des Formalismus mit den Mördern
+mit. Der Mörder geht frei aus.
+
+Wehe aber, wenn der Mörder links steht. Dem Richter, der selbst zu den
+früher auch offiziell »oberen« Klassen gehört, ist der Gedanke, daß
+diese Wirtschaftsordnung geschützt werden müsse, von altersher vertraut.
+Beruht doch auf ihr seine eigene Stellung. Und jeder Gegner dieser
+Wirtschaftsordnung ist an sich verwerflich. Der Angeklagte ist jeder
+Schandtat fähig. Und kann er auch nur annähernd überführt werden, so ist
+strengste Bestrafung sein sicheres Los.
+
+Ich bin nicht optimistisch genug, um zu glauben, daß auf Grund meiner
+Arbeit auch nur einer der Mörder bestraft werden wird oder daß die
+politischen Morde aufhören. Sollte ich aber durch meine Zeilen dazu
+beigetragen haben, daß wenigstens die kommenden politischen Morde eine
+Sühne finden, so würde ich meine Aufgabe für erfüllt betrachten.
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Vier Jahre Politischer Mord, by Emil Julius Gumbel
+
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+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
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+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
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+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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