summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
-rw-r--r--.gitattributes3
-rw-r--r--39562-8.txt9618
-rw-r--r--39562-8.zipbin0 -> 232751 bytes
-rw-r--r--39562-h.zipbin0 -> 251426 bytes
-rw-r--r--39562-h/39562-h.htm11639
-rw-r--r--39562-h/images/floral.pngbin0 -> 482 bytes
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
8 files changed, 21273 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..6833f05
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,3 @@
+* text=auto
+*.txt text
+*.md text
diff --git a/39562-8.txt b/39562-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..d3793d8
--- /dev/null
+++ b/39562-8.txt
@@ -0,0 +1,9618 @@
+The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
+Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
+ Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12
+
+Author: Thomas Babington Macaulay
+
+Translator: Wilhelm Hartwig Beseler
+
+Release Date: April 29, 2012 [EBook #39562]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT ***
+
+
+
+
+Produced by Louise Hope, Delphine Lettau and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+[Zeichen _wie so_ bedeuten Gesperrt; +wie so+ bedeuten Antiqua
+(nicht-Fraktur); =wie so= bedeuten Fettschrift.]
+
+
+
+
+ Thomas Babington Macaulay's
+
+ =Geschichte von England=
+
+
+ seit der
+
+ Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
+
+
+ Aus dem Englischen.
+
+
+ Vollständige und wohlfeilste
+
+ +Stereotyp-Ausgabe.+
+
+
+ Sechster Band:
+
+ enthaltend Kapitel 11 und 12.
+
+
+ =Leipzig, 1856=
+ _G. H. Friedlein._
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+
+
+ =Elftes Kapitel.=
+
+ _Wilhelm von Oranien._
+
+
+
+
+ =Inhalt.=
+
+ Seite
+ Wilhelm und Marie 5
+ Festlichkeiten durch ganz England 6
+ Festlichkeiten in Holland 6
+ Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee 6
+ Reaction der öffentlichen Meinung 7
+ Stimmung der Tories 9
+ Stimmung der Whigs 11
+ Ministerielle Einrichtungen 12
+ Wilhelm sein eigner Minister des Auswärtigen 13
+ Danby 14
+ Halifax 15
+ Nottingham 15
+ Shrewsbury 17
+ Die Admiralität 17
+ Das Schatzamt 17
+ Das große Siegel 18
+ Die Richter 18
+ Der Hofstaat 19
+ Untergeordnete Ernennungen 21
+ Die Convention in ein Parlament verwandelt 22
+ Die Mitglieder der beiden Häuser werden aufgefordert
+ die Eide zu leisten 25
+ Fragen bezüglich des Einkommens 26
+ Abschaffung der Herdsteuer 28
+ Entschädigung der Vereinigten Provinzen 29
+ Meuterei in Ipswich 29
+ Die erste Meutereibill 32
+ Suspension der Habeas-Corpus-Acte 35
+ Unpopularität Wilhelm's 36
+ Popularität Mariens 38
+ Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton-Court verlegt 40
+ Der Hof in Kensington 42
+ Wilhelm's ausländische Günstlinge 43
+ Allgemeine schlechte Verwaltung 44
+ Uneinigkeit unter den Staatsdienern 46
+ Das Departement der auswärtigen Angelegenheiten 49
+ Religionsstreitigkeiten 50
+ Die Hochkirchenpartei 51
+ Die Niederkirchenpartei 52
+ Wilhelm's Pläne bezüglich der Kirchenverfassung 53
+ Burnet, Bischof von Salisbury 54
+ Nottingham's Pläne in Bezug auf die kirchliche Verfassung 56
+ Die Toleranzbill 58
+ Die Comprehensionsbill 63
+ Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und Suprematseide 69
+ Die Bill zur Festsetzung des Krönungseides 79
+ Die Krönung 81
+ Beförderungen 83
+ Die Coalition gegen Frankreich 84
+ Die Verwüstung der Pfalz 84
+ Kriegserklärung gegen Frankreich 87
+
+
+[_Wilhelm und Marie._] Die Revolution war vollendet und die Decrete der
+Convention allenthalben mit Unterwerfung aufgenommen worden. London,
+seit fünfzig ereignißvollen Jahren treu der Sache der bürgerlichen
+Freiheit und des reformirten Glaubens, erklärte zuerst den neuen
+Herrschern seine Ergebenheit. Nachdem der erste Wappenherold unter den
+Fenstern von Whitehall den neuen Herrscher ausgerufen, ritt er mit
+feierlichem Gepränge den Strand entlang bis Temple Bar. Ihm folgten die
+Scepterträger der beiden Häuser, die beiden Sprecher Halifax und Powle
+und ein langer Zug von Equipagen mit Cavalieren und Gentlemen. Die
+Magistratsbeamten der City hielten ihre Thore geöffnet und schlossen
+sich der Prozession an. Vier Regimenter Miliz bildeten durch Ludgate
+Hill, um die St. Paulskirche herum und Cheapside entlang Spalier. Die
+Straßen, die Fenster und selbst die Dächer waren mit Zuschauern gefüllt.
+Alle Glocken von der Westminsterabtei bis zum Tower ließen ihr
+fröhliches Geläute ertönen. Vor der Börse wurde die Proclamation unter
+dem Jubel der versammelten Bürger bei Trompetenschall zum zweiten Male
+verlesen.
+
+Am Abend war jedes Fenster von Whitechapel bis Picadilly erleuchtet.
+Die Prunkgemächer des Palastes waren geöffnet und mit einer glänzenden
+Versammlung von Höflingen gefüllt, welche gekommen waren, dem Könige und
+der Königin die Hand zu küssen. Es waren die Whigs, die sich, von Glück
+und Siegesfreude strahlend, hier versammelt hatten. Einigen unter ihnen
+konnte man es wohl verzeihen, wenn sich ein Gefühl befriedigter Rache in
+ihre Freude mischte. Die am schwersten Gekränkte aber von Allen, welche
+die schlimmen Zeiten überlebt hatten, fehlte. Lady Russel war, während
+ihre Freunde sich in den Gallerien von Whitehall drängten, zu Haus
+geblieben, um an Den zu denken, der, wenn er noch gelebt hätte, bei der
+Feier dieses hochwichtigen Tages eine nicht unbedeutende Rolle gespielt
+haben würde. Ihre Tochter jedoch, welche einige Monate zuvor die
+Gemahlin des Lord Cavendish geworden, ließ sich durch dessen Mutter, die
+Gräfin von Devonshire, dem Königspaare vorstellen. Es existirt noch ein
+Brief, in welchem die junge Dame den Jubel der Bevölkerung, den
+Lichterglanz in den Straßen, das Gedränge in dem Empfangszimmer, die
+Schönheit Mariens und den Ausdruck, der die strengen Züge Wilhelm's
+veredelte und milderte, mit großer Lebendigkeit schildert. Die
+interessanteste Stelle darin ist die, wo die Verwaiste die wehmüthige
+Freude gesteht, mit der sie die verspätete Bestrafung des Mörders ihres
+Vaters mit ansah.[1]
+
+ [Anmerkung 1: Brief von Lady Cavendish an Sylvia. Lady Cavendish
+ hatte, wie die meisten jungen Damen jener Generation, beständig
+ die Romane der Scudery im Kopfe. Sie selbst ist Dorinda, ihre
+ Correspondentin, in der man ihre Cousine Johanna Allington
+ vermuthete, ist Sylvia; Wilhelm ist Armanzor und Maria ist
+ Phenixana. +London Gazette, Febr. 14. 1688/89; Narcissus
+ Luttrell's Diary+. Luttrell's Tagebuch, das ich sehr oft citiren
+ werde, befindet sich in der Bibliothek des Allerseelen-Collegiums,
+ dessen Vorsteher ich zu großem Danke verpflichtet bin für die
+ Bereitwilligkeit, mit der er mir die Benutzung dieses werthvollen
+ Manuscripts gestattete.]
+
+
+[_Festlichkeiten durch ganz England._] Dem Beispiele London's folgten
+auch die Provinzialstädte. Drei Wochen lang waren die Spalten der
+Journale mit Berichten über die Festlichkeiten gefüllt, durch die sich
+die öffentliche Freude kund gab: Cavalcaden von Gentlemen und
+Freisassen, Prozessionen von Sheriffs und Bailiffs im scharlachnen
+Amtskleide, Umzüge eifriger Protestanten mit orangefarbenen Fahnen und
+Bändern, Geschützsalven, Freudenfeuer, Illuminationen, Musikfeste,
+Bälle, Gastmähler, Rinnen und Röhren in denen Ale und Claret flossen.[2]
+
+ [Anmerkung 2: Siehe die +London Gazette+ vom Februar und März
+ 1688/89. und N. Luttrell's Tagebuch.]
+
+
+[_Festlichkeiten in Holland._] Noch herzlicher war die Freude
+unter den Holländern, als sie erfuhren, daß der erste Beamte ihrer
+Republik auf einen Thron erhoben worden. Wilhelm hatte am Tage
+seines Regierungsantritts an die Generalstaaten geschrieben, daß die
+Veränderung in seiner Stellung die Liebe zu seinem Vaterlande nicht
+geschmälert und daß seine neue Würde ihn hoffentlich in den Stand setzen
+werde, seine älteren Pflichten wirksamer zu erfüllen als je. Die
+olicharchische Partei, welche den Lehren Calvin's und dem Hause Oranien
+stets feindlich gesinnt gewesen, murmelte zwar leise, Sr. Majestät müsse
+das Statthalteramt niederlegen. Aber all' dieses Gemurmel wurde von dem
+Zujauchzen eines Volks übertäubt, das stolz war auf das Genie und das
+Glück seines großen Landsmannes. Es ward ein Tag zu Dankesbezeigungen
+bestimmt, und in allen Städten der sieben Provinzen äußerte sich die
+allgemeine Freude in Festlichkeiten, deren Kosten hauptsächlich durch
+freiwillige Gaben bestritten wurden. Alle Klassen nahmen Theil daran;
+der ärmste Tagelöhner konnte sich betheiligen, indem er einen
+Triumphbogen errichten half oder Reisig zu einem Freudenfeuer trug.
+Selbst die ruinirten Hugenotten konnten durch ihre Geschicklichkeit und
+ihre Erfindungsgabe mitwirken. Eine Kunst, die sie mit sich in die
+Verbannung genommen, war die Feuerwerkerei, und so erleuchteten sie
+jetzt zu Ehren des siegreichen Vorkämpfers ihres Glaubens die Kanäle von
+Amsterdam durch prachtvolle Feuerwerke.[3]
+
+Dem flüchtigen Beobachter konnte es scheinen, als hätte Wilhelm damals
+einer der beneidenswerthesten Menschen sein müssen; in der That aber war
+er einer der sorgenvollsten und unglücklichsten. Er wußte wohl, daß die
+Schwierigkeiten seiner Aufgabe erst begannen. Schon war die so glänzend
+angebrochene Morgenröthe seines Glücks umwölkt und viele Anzeichen
+verkündeten einen dunklen, stürmischen Tag.
+
+ [Anmerkung 3: Wagenaar, 61. Er führt die Protokolle der
+ Generalstaaten vom 2. März 1689 an. +London Gazette, April 11.
+ 1689+; +Monthly Mercury, April 1689+.]
+
+
+[_Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee._] Man machte die
+Bemerkung, daß zwei wichtige Stände wenig oder keinen Theil an den
+Festlichkeiten nähmen, durch welche in ganz England die Einsetzung der
+neuen Regierung gefeiert wurde. Nur sehr selten sah man einen Priester
+oder einen Soldaten unter den Leuten, die sich um die Marktsäulen
+versammelten, wo der König und die Königin ausgerufen wurden. Der
+Berufsstolz der Geistlichkeit und des Heeres war tief verletzt worden.
+Die Lehre vom Nichtwiderstande war den anglikanischen Geistlichen theuer
+gewesen; sie war ihr unterscheidendes Kennzeichen, sie war ihr
+Lieblingsthema. Wenn wir nach dem auf uns gekommenen Theile ihrer
+öffentlichen Vorträge urtheilen dürfen, so hatten sie über die Pflicht
+des passiven Gehorsams mindestens eben so oft und eifrig gepredigt, wie
+über die Dreieinigkeit und die Sühne.[4] Ihre Anhänglichkeit an ihren
+politischen Glauben war zwar hart geprüft und auf eine kurze Zeit
+erschüttert worden; aber mit Jakob's Tyrannei waren auch die bittern
+Gefühle verschwunden, welche diese Tyrannei in ihnen geweckt hatte. Der
+Pfarrer eines Kirchspiels war natürlich nicht geneigt, sich einer Sache
+anzuschließen, die ein thatsächlicher Triumph über die Grundsätze war,
+die seine Gemeinde ihn an jedem Jahrestage des Märtyrertodes[5] und der
+Restauration hatte verkündigen hören.
+
+Auch die Soldaten waren mißvergnügt. Sie haßten zwar den Papismus und
+hatten den verbannten König nicht geliebt; aber sie fühlten nur zu wohl,
+daß sie in dem kurzen Feldzuge, der das Schicksal ihres Vaterlandes
+entschieden, eine ruhmlose Rolle gespielt hatten. Vierzig schöne
+Regimenter, eine reguläre Armee, wie noch nie zuvor eine unter dem
+Banner England's gefochten, hatten sich über Hals und Kopf vor einem
+Eindringling zurückgezogen und sich ihm dann ohne Schwertstreich
+unterworfen. Diese große Streitmacht war bei der jüngsten Veränderung
+von gar keinem Einflusse gewesen; sie hatte eben so wenig etwas gethan,
+Wilhelm abzuwehren, als ihn ins Land zu bringen. Die Bauern, welche mit
+Heugabeln bewaffnet und auf Karrengäulen reitend, im Gefolge Lovelace's
+oder Delamere's umhergezogen waren, hatten einen größeren Theil an der
+Revolution genommen als jene glänzenden Haustruppen, deren Federhüte,
+geflickte Röcke und curbettirende Schlachtrosse die Londoner so oft in
+Hyde Park bewundert. Die Verstimmung der Armee wurde noch vermehrt durch
+die Spötteleien der Fremden, welche weder durch Befehle noch durch
+Strafen völlig unterdrückt werden konnten.[6] An verschiedenen Orten
+äußerte sich der Unmuth, den man bei einer tapferen und von Ehrgefühl
+beseelten Gemeinschaft von Männern unter solchen Umständen wohl erwarten
+darf, in beruhigender Weise. Ein in Cirencester liegendes Bataillon
+löschte die Freudenfeuer aus, ließ den König Jakob hoch leben und trank
+auf den Untergang seiner Tochter und seines Neffen. Die Garnison von
+Plymouth störte die Festlichkeiten in der Grafschaft Cornwall, es kam zu
+Schlägereien, und ein Mann wurde dabei getödtet.[7]
+
+ [Anmerkung 4: »Ich kann mit Bestimmtheit behaupten,« sagt ein
+ Schriftsteller, der in der Westminsterschule erzogen war, »daß auf
+ eine Predigt über die Buße, den Glauben und die Erneuerung des
+ heiligen Geistes, die ich hörte, drei von der andern Art kamen,
+ und es ist schwer zu sagen, ob Jesus Christus oder König Karl I.
+ öfter erwähnt und gepriesen wurde.« -- +Bisset's Modern Fanatick,
+ 1710+.]
+
+ [Anmerkung 5: Karl's I. -- D. Übersetzer.]
+
+ [Anmerkung 6: +Gazette de Paris+, 26. Jan. (5. Febr.) 1689;
+ +Orange Gazette, Jan. 10. 1688/89+.]
+
+ [Anmerkung 7: +Grey's Debates+, Howe's Rede vom 26. Febr. 1688/89;
+ Boscawen's Rede vom 1. März; +Narcissus Luttrell's Diary+, 23--27.
+ Febr.]
+
+
+[_Reaction der öffentlichen Meinung._] Die Mißstimmung der Geistlichkeit
+und der Armee konnte auch den Unaufmerksamsten nicht entgehen, denn
+beide Stände zeichneten sich von den übrigen Klassen durch in die Augen
+fallende Eigenthümlichkeiten in der Kleidung aus. »Die Schwarzröcke und
+die Rothröcke,« sagte ein heftiger Whig im Hause der Gemeinen, »sind der
+Fluch der Nation.«[8] Die Unzufriedenheit beschränkte sich jedoch nicht
+auf die Schwarzröcke und Rothröcke. Die Begeisterung, mit welcher Leute
+aller Stände Wilhelm zu Weihnachten in London bewillkommnet, hatte noch
+vor Ende Februar bedeutend nachgelassen. Der neue König selbst hatte,
+in dem Augenblicke als sein Ruhm und sein Glück den höchsten Punkt
+erreicht, die kommende Reaction vorhergesagt. Diese Reaction hätte
+allerdings auch ein minder scharfsichtiger Beobachter der menschlichen
+Dinge voraussehen können, denn sie muß hauptsächlich einem Gesetz
+zugeschrieben werden, das eben so feststeht wie die Gesetze, welche die
+Aufeinanderfolge der Jahreszeiten und den Wechsel der Passatwinde
+regeln. Es liegt in der Natur des Menschen, gegenwärtige Übel zu hoch,
+und gegenwärtiges Gute zu niedrig anzuschlagen, sich nach dem was er
+nicht hat zu sehnen, und mit dem was er hat unzufrieden zu sein. Dieser
+Hang, wie er sich bei dem Individuum zeigt, ist oft von lachenden und
+von weinenden Philosophen besprochen worden. Er war ein Lieblingsthema
+Horaz' und Pascal's, Voltaire's und Johnson's. Seinem Einflusse auf das
+Schicksal großer Gemeinschaften können die meisten Revolutionen und
+Gegenrevolutionen, von denen die Geschichte erzählt, zugeschrieben
+werden. Hundert Generationen sind seit der ersten großen nationalen
+Emancipation, von welcher Nachricht auf uns gekommen ist,
+vorübergegangen. In dem ältesten der Bücher lesen wir, daß ein Volk,
+unter einem grausamen Joche in den Staub gebeugt, von strengen
+Zuchtmeistern zur Arbeit gepeitscht, ohne nur Stroh zu einem Lager zu
+erhalten, und doch gezwungen die tägliche Anzahl Bausteine zu liefern,
+des Lebens müde ward und einen zum Himmel schreienden Jammerruf ertönen
+ließ. Die Sklaven wurden wunderbar befreit, und im Augenblicke ihrer
+Befreiung stimmten sie eine Dankes- und Siegeshymne an; doch schon nach
+wenig Stunden begannen sie ihre Sklaverei zurückzuwünschen und gegen den
+Anführer zu murren, der sie von dem leckeren Tische des Hauses der
+Knechtschaft hinweggelockt in die öde Wüste, die sie noch von dem Lande
+trennte, wo Milch und Honig fließen sollten. Seitdem ist die Geschichte
+jedes großen Befreiers eine Wiederholung der Geschichte Moses gewesen.
+Auf Freudenbezeigungen wie die am Ufer des rothen Meeres ist jederzeit,
+bis auf den heutigen Tag, sehr bald ein Murren wie das an den Wassern
+der Zwietracht gefolgt.[9] Die gerechteste und heilsamste Revolution muß
+viele Leiden hervorbringen. Die gerechteste und heilsamste Revolution
+kann nicht all' das Gute schaffen, das Leute von mangelhafter Bildung
+und sanguinischem Temperament von ihr erwarteten. Selbst der Weiseste
+vermag nicht, so lange sie noch neu ist, die Übel, die sie
+hervorgerufen, gegen die Übel, die sie beseitigt, mit vollkommener
+Genauigkeit abzuwägen. Denn die Übel, die sie hervorgerufen, werden
+gefühlt, die Übel aber, die sie beseitigt, werden nicht mehr gefühlt.
+
+So war es damals in England. Das Publikum war, wie immer während des
+Zustandes von Abkühlung, der auf Fieberanfälle folgt, mißmuthig, schwer
+zu befriedigen, unzufrieden mit sich selbst und unzufrieden mit denen,
+welche noch kürzlich seine Lieblinge gewesen. Der Waffenstillstand
+zwischen den beiden großen Parteien war zu Ende. Obwohl getrennt durch
+die Erinnerung an Alles was während eines Kampfes von einem halben
+Jahrhundert gethan und gelitten worden, hatte eine gemeinsame Gefahr sie
+auf einige Monate mit einander verbunden. Jetzt war die Gefahr vorüber,
+die Verbindung war aufgelöst und der alte Groll brach wieder in seiner
+ganzen Stärke hervor.
+
+ [Anmerkung 8: +Grey's Debates, Febr. 26. 1688/89.+]
+
+ [Anmerkung 9: Dieser Vergleich findet sich in zahlreichen
+ Predigten und Flugschriften aus der Zeit Wilhelm's III. Es
+ existirt auch eine schwache Nachahmung von +Absalom and
+ Ahitophel+, betitelt: +The Murmurers+. Wilhelm ist Moses; Cora,
+ Dathan und Abiram Bischöfe, die den Eid verweigern; Balaam, glaube
+ ich, Dryden, und Phineas Shrewsbury.]
+
+
+[_Stimmung der Tories._] Jakob war während der letzten Jahre seiner
+Regierung von den Tories noch mehr gehaßt worden als von den Whigs, und
+zwar nicht ohne Grund, denn den Whigs war er nur ein Feind, den Tories
+aber war er ein treuloser und undankbarer Freund gewesen. Doch die alten
+royalistischen Gefühle, welche in der Zeit seiner gesetzlosen Herrschaft
+erloschen zu sein schienen, waren durch sein Mißgeschick zum Theil
+wieder geweckt worden. Viele Lords und Gentlemen, welche im December für
+den Prinzen von Oranien und ein freies Parlament zu den Waffen
+gegriffen, sagten zwei Monate später, sie hätten sich mit fortreißen
+lassen, sie hätten zu großes Vertrauen in die Erklärung Sr. Hoheit
+gesetzt und hätten in ihm eine Uneigennützigkeit vermuthet, die, wie es
+sich jetzt zeige, nicht in seinem Charakter liege. Sie hätten dem König
+Jakob zu seinem eigenen Besten einen leichten Zwang auflegen, die
+Jesuiten und Renegaten, die ihn irre geleitet, bestrafen und von ihm
+eine Garantie für die Aufrechthaltung der bürgerlichen und kirchlichen
+Institutionen des Reichs erlangen, nicht aber ihn entthronen und
+verbannen wollen. Für seine schlechte Verwaltung fand man
+Entschuldigungsgründe. Sei es ein Wunder, daß er, durch Rebellen, welche
+dem Namen Protestanten Schande machten, schon als Knabe seinem
+Vaterlande entrissen, und gezwungen seine Jugend in Ländern zu verleben,
+wo die römisch-katholische Religion herrschte, durch diesen
+verführerischen Aberglauben angezogen worden? Sei es ein Wunder,
+daß sein Charakter durch die Verfolgungen und Verleumdungen einer
+unversöhnlichen Partei härter und strenger geworden als man anfangs
+geglaubt, und daß er, als die, welche es versucht hatten, seine Ehre zu
+vernichten und ihn seines Geburtsrechts zu berauben, endlich in seiner
+Gewalt waren, die Gerechtigkeit nicht genügend durch Nachsicht gemildert
+habe? Was endlich die schlimmste ihm zur Last gelegte Anschuldigung
+betreffe: daß er durch Adoptirung eines untergeschobenen Kindes seinen
+Töchtern ihr rechtmäßiges Erbe habe entziehen wollen, -- worauf gründe
+sich diese Anklage? Bloß auf geringfügige Umstände, die man wohl auf
+Rechnung des Zufalls oder der mit seinem Charakter nur zu sehr im
+Einklang stehenden Unbesonnenheit schreiben könne. Habe wohl je der
+einfältigste Dorfrichter einen Menschen ins Gefängniß geworfen, ohne
+stärkere Beweise zu verlangen, als die, auf welche hin das englische
+Volk seinen König des niedrigsten und abscheulichsten Betrugs schuldig
+erklärt habe? Allerdings habe er einige große Fehler begangen, und es
+sei nichts gerechter und verfassunggemäßer, als daß seine Rathgeber und
+Creaturen wegen dieser Fehler zur strengen Rechenschaft gezogen würden;
+auch verdiene von allen diesen Rathgebern und Creaturen Niemand mehr
+bestraft zu werden als die Rundkopf-Sectirer, deren Schmeichelei ihn
+ermuthigt habe, in der verderblichen Ausübung der Dispensationsgewalt zu
+beharren. Es sei ein Grundgesetz des Landes, daß der König nicht Unrecht
+thun könne und daß, wenn Kraft seiner Autorität Unrecht gethan werde,
+seine Rathgeber und Werkzeuge dafür verantwortlich seien. Diese große
+und wesentliche Regel unsrer Verfassung sei jetzt umgedreht worden.
+Die Speichellecker, welche von Rechtswegen zu bestrafen gewesen seien,
+erfreuten sich der Straflosigkeit, und der König, der von Rechtswegen
+nicht zu bestrafen sei, werde mit schonungsloser Strenge bestraft.
+Sei es anders möglich, als daß die Cavaliere England's, die Söhne der
+Krieger, welche unter Ruprecht gekämpft, bitteren Schmerz und Unwillen
+empfänden, wenn sie an das Schicksal ihres rechtmäßigen Lehnsherrn
+dächten, des Erben einer langen Reihe von Fürsten, der erst unlängst mit
+allem Glanze in Whitehall auf den Thron erhoben worden und jetzt ein
+Verbannter, ein Bittender, ein Bettler sei? Sein Unglück sei größer als
+selbst das des gefeierten Märtyrers, dessen Sprößling er sei. Der Vater
+sei durch erklärte Todfeinde hingeschlachtet worden, der Untergang des
+Sohnes sei das Werk seiner eigenen Kinder. Gewiß hätte die Strafe, wenn
+sie auch verdient sei, durch andere Hände auferlegt werden sollen. Und
+sei sie denn wirklich ganz verdient? Sei der unglückliche Mann nicht
+eher schwach und unbesonnen als schlecht? Besitze er nicht einige von
+den Eigenschaften eines vortrefflichen Fürsten? Man könne zwar nicht
+sagen, daß er ausgezeichnete Fähigkeiten habe, aber er sei thätig, er
+sei sparsam, er habe tapfer gefochten, er sei sein eigner Marineminister
+gewesen und habe als solcher seine Sache recht gut gemacht; er habe
+ferner, bevor seine geistlichen Leiter einen verhängnißvollen Einfluß
+auf ihn gewonnen, für einen Mann von strenger Gerechtigkeit gegolten,
+und endlich habe er, wenn er nicht von ihnen irre geführt worden sei,
+fast immer die Wahrheit gesprochen und ehrlich gehandelt. Bei so vielen
+Tugenden habe er, wenn er ein Protestant, ja selbst wenn er ein
+gemäßigter Katholik gewesen wäre, glücklich und ruhmvoll regieren
+können. Vielleicht sei es noch nicht zu spät für ihn, seine Fehler
+wieder gut zu machen. Man könne ihn wohl schwerlich für so verblendet
+und verderbt halten, daß er aus der empfangenen furchtbaren Lehre nicht
+Nutzen ziehen sollte, und wenn diese Lehre die Wirkung gehabt habe,
+die man vernünftigerweise davon erwarten dürfe, so werde England unter
+seinem rechtmäßigen Herrscher noch immer ein größeres Maß von Glück und
+Ruhe genießen können, als es von der Verwaltung des besten und
+tüchtigsten Usurpators zu erwarten habe.
+
+Wir würden denen, welche diese Sprache führten, sehr Unrecht thun, wenn
+wir annähmen, daß sie, als Gesammtheit, aufgehört hätten, den Papismus
+und Despotismus mit Abscheu zu betrachten. Wohl mag es einige Zeloten
+darunter gegeben haben, welche den Gedanken, ihrem Könige Bedingungen
+vorzuschreiben, nicht ertragen konnten und die bereit waren, ihn
+zurückzurufen ohne die geringste Zusicherung von seiner Seite, daß nicht
+augenblicklich die Indulgenzerklärung wieder publicirt, die hohe
+Commission wieder eingesetzt, Petre wieder in den Staatsrath berufen und
+die Fellows des Magdalenencollegiums wieder vertrieben werden sollten.
+Allein die Zahl dieser Männer war klein. Um so größer war dagegen die
+Zahl derjenigen Royalisten, welche bereit gewesen wären, sich aufs neue
+um Jakob zu schaaren, wenn er seine Irrthümer eingesehen und versprochen
+hätte, die Gesetze zu beobachten. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache,
+daß zwei talentvolle und erfahrene Staatsmänner, welche eine Hauptrolle
+in der Revolution gespielt hatten, wenige Tage nach derselben offen ihre
+Besorgniß äußerten, daß eine Restauration nahe bevorstehe. »Wenn König
+Jakob ein Protestant wäre,« sagte Halifax zu Reresby, »so könnten wir
+ihn keine vier Monate außer Landes halten.« -- »Wenn König Jakob,« sagte
+Danby um dieselbe Zeit zu dem nämlichen Manne, »dem Lande in Sachen der
+Religion nur einige Genugthuung geben wollte, was er leicht thun könnte,
+so würde es sehr schwer sein, ihm die Spitze zu bieten.«[10] Zum Glück
+für England war Jakob, wie immer, sein eigener schlimmster Feind. Kein
+Wort, aus dem man hätte abnehmen können, daß er sich wegen der
+Vergangenheit tadele oder daß er in Zukunft verfassunggemäß zu regieren
+gedenke, war aus ihm heraus zu bringen. Jeder Brief, jedes Gerücht, das
+seinen Weg von Saint-Germains nach England fand, ließ einsichtsvolle
+Männer fürchten, daß, wenn er in seiner gegenwärtigen Stimmung wieder
+zur Macht gelangen sollte, die zweite Tyrannei schlimmer sein würde,
+als die erste. So mußten denn die Tories in ihrer Gesammtheit, wenn auch
+ungern, eingestehen, daß sie für den Augenblick nur die Wahl hatten
+zwischen Wilhelm und dem öffentlichen Ruin. Daher ließen sie sich die
+neue Regierung unmuthig gefallen, ohne jedoch die Hoffnung ganz
+aufzugeben, daß der eigentlich rechtmäßige König früher oder später der
+Stimme der Vernunft noch Gehör geben werde, und ohne für den factischen
+König eine Spur von Loyalität zu empfinden.
+
+ [Anmerkung 10: +Reresby's Memoirs.+]
+
+
+[_Stimmung der Whigs._] Es ist die Frage, ob der neuen Regierung während
+der ersten Monate ihres Bestehens die Zuneigung der Whigs nicht
+gefährlicher war als die Abneigung der Tories. Offene Feindschaft kann
+kaum nachtheiliger sein als mäkelnde, eifersüchtige, anspruchsvolle
+Zuneigung, und solcher Art war die, welche die Whigs dem Herrscher ihrer
+Wahl erwiesen. Sie lobten und priesen ihn laut, sie waren bereit, ihn
+mit Gut und Blut gegen fremde und einheimische Feinde zu unterstützen.
+Aber ihre Zuneigung zu ihm war eine ganz eigenthümliche. Eine Loyalität
+wie die, welche die tapferen Edelleute beseelte, die für Karl I.
+kämpften, oder wie die, welche Karl II. den durch eine zwanzigjährige
+schlechte Verwaltung hervorgerufenen Gefahren und Schwierigkeiten
+entrissen: einem solchen Gefühl waren die Lehren Milton's und Sidney's
+nicht günstig, so wenig als ein durch einen Aufstand eben erst zur Macht
+gelangter Fürst hoffen durfte, es einzuflößen. Die whiggistische
+Regierungstheorie geht dahin, daß der König für das Volk, nicht das Volk
+für den König da ist; daß das Recht eines Königs in keinem andren Sinne
+göttlich ist als wie das Recht eines Parlamentsmitgliedes, eines
+Richters, eines Geschwornen, eines Mayors und eines Constabels; daß,
+so lange der erste Beamte im Staate den Gesetzen gemäß regiert, ihm
+Gehorsam und Ehrerbietung bezeigt werden muß; daß aber, sobald er die
+Gesetze verletzt, ihm Widerstand geleistet werden darf, und daß er, wenn
+er die Gesetze gröblich, systematisch und beharrlich verletzt, abgesetzt
+werden muß. Von der Richtigkeit dieser Principien hing die Gerechtigkeit
+von Wilhelm's Anspruch auf den Thron ab. Es liegt auf der Hand, daß
+zwischen Unterthanen, welche diesen Principien huldigten, und einem
+Herrscher, dessen Thronbesteigung der Sieg dieser Principien gewesen
+war, ein ganz andres Verhältniß stattfinden mußte als das, welches
+zwischen den Stuarts und den Cavalieren bestand. Die Whigs liebten
+Wilhelm zwar, aber sie liebten ihn nicht als König, sondern als
+Parteiführer, und es war nicht schwer vorauszusehen, daß ihr
+Enthusiasmus bald nachlassen würde, wenn er sich etwa weigerte, der
+bloße Führer ihrer Partei zu sein, und versuchen sollte, den König der
+ganzen Nation zu spielen. Zum Dank für die Hingebung, die sie seiner
+Sache bewiesen, verlangten sie von ihm, daß er einer der Ihrigen, ein
+zuverlässiger, eifriger Whig sei, daß er seine Gunst nur Whigs zu Theil
+werden lasse, daß er allen alten Groll und Haß der Whigs zu seinem
+eignen mache, und es stand mit nur zu gutem Grunde zu befürchten, daß,
+wenn er diese Erwartung täuschte, der einzige Theil der Nation, der
+seiner Sache eifrig zugethan war, ihm entfremdet werden würde.[11]
+
+Dies waren die Schwierigkeiten, von denen er sich im Augenblicke seiner
+Erhebung umringt sah. Wo es einen guten Ausweg gab, hatte er selten
+verfehlt, denselben zu wählen, jetzt aber hatte er nur die Wahl zwischen
+Wegen, die alle mit gleicher Wahrscheinlichkeit zum Verderben führten.
+Von der einen Partei durfte er keine aufrichtige Unterstützung erwarten,
+und die aufrichtige Unterstützung der andern konnte er sich nur dadurch
+erhalten, daß er selbst der entschiedenste Parteimann in seinem
+Königreiche, ein Shaftesbury auf dem Throne wurde. Verfolgte er die
+Tories, so verwandelte sich ihre Verstimmung unfehlbar in Wuth; gewährte
+er ihnen seine Gunst, so war es noch keineswegs gewiß, ob er dadurch
+ihre Zuneigung gewann, während es nur zu wahrscheinlich war, daß er dann
+seinen Halt im Herzen der Whigs verlieren werde. Etwas mußte er indeß
+thun, etwas mußte er wagen: es mußte ein Geheimrath vereidigt und alle
+wichtigen Staats- und Justizämter mußten besetzt werden. Es hierbei
+_Allen_ recht zu machen, war unmöglich, es war schon schwer genug, es
+_Jemandem_ recht zu machen; doch etwas mußte geschehen.
+
+ [Anmerkung 11: Hier, wie in vielen anderen Fällen, unterlasse ich
+ es, meine Quellen anzuführen, weil ihrer zu viele sind. Meine
+ Angaben über die Stimmung und gegenseitige Stellung der
+ politischen und religiösen Parteien unter der Regierung Wilhelm's
+ III. sind nicht aus einem einzelnen Werke, sondern aus Tausenden
+ vergessener Abhandlungen, Predigten und Satyren, kurz aus ganzen
+ Literatur geschöpft, die in alten Bibliotheken modert.]
+
+
+[_Ministerielle Einrichtungen._] Was man jetzt ein Ministerium nennt,
+das gedachte er nicht zu bilden. Überhaupt lernte England ein solches
+Ministerium erst kennen, als er einige Jahre auf dem Throne saß. Unter
+den Plantagenets, den Tudors und den Stuarts hatte es wohl Minister,
+aber kein Ministerium gegeben. Die Diener der Krone standen nicht, wie
+jetzt, in einem solidarischen Verhältnisse zu einander, man erwartete
+nicht von ihnen, daß sie, selbst in Fragen von höchster Bedeutung,
+gleicher Meinung seien. Oft waren sie sogar politische und persönliche
+Feinde und machten kein Geheimniß aus ihrer Feindschaft. Es galt noch
+nicht für nachtheilig und unschicklich, daß sie einander schwerer
+Verbrechen beschuldigten und daß Einer des Andren Kopf verlangte.
+Niemand hatte den Lordkanzler Clarendon heftiger angeklagt als Coventry,
+ein Mitglied der Schatzcommission. Niemand hatte den Lordschatzmeister
+Danby heftiger angeklagt als Winnington, der Generalprokurator. Nur ein
+Einigungspunkt war zwischen den Regierungsmitgliedern: ihr gemeinsames
+Oberhaupt, der Souverain. Die Nation betrachtete ihn als das wirkliche
+Oberhaupt der Verwaltung und tadelte ihn streng, wenn er seine hohen
+Functionen auf einen Unterthan übertrug. Clarendon sagt uns, daß den
+Engländern seiner Zeit nichts so verhaßt gewesen sei als ein
+Premierminister. Sie würden, meint er, lieber unter einem Usurpator wie
+Oliver stehen, der factisch wie nominell erster Beamter im Staate war,
+als unter einem rechtmäßigen Könige, der sie an einen Großwessier
+verwies. Eine der Hauptbeschuldigungen, welche die Vaterlandspartei
+gegen Karl II. erhoben, bestand darin, daß er zu indolent und
+vergnügungssüchtig sei, um die Rechnungsablagen des Staatshaushaltes und
+die Inventuren der militärischen Vorrathsmagazine sorgfältig zu prüfen.
+Als Jakob auf den Thron kam, beschloß er, keinen Lordgroßadmiral, kein
+Admiralitätscollegium zu ernennen, sondern die ganze Leitung der
+Marineangelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, und diese
+Einrichtung, welche heutzutage von Männern aller Parteien für im
+höchsten Grade verfassungswidrig und nachtheilig erklärt werden würde,
+fand damals allgemeinen Beifall selbst bei Solchen, die nicht geneigt
+waren, seine Handlungsweise in einem günstigen Lichte zu betrachten. Wie
+vollständig das Verhältniß, in welchem der König zu seinem Parlamente
+und zu seinen Ministern stand, durch die Revolution verändert worden
+war, erkannten anfangs selbst die erleuchtetsten Staatsmänner nicht. Man
+glaubte allgemein, daß die Regierung, wie in früherer Zeit, wieder durch
+von einander unabhängige Beamte geleitet werden und daß Wilhelm die
+Oberaufsicht über dieselben führen werde. Auch erwartete man
+zuversichtlich, daß ein Fürst von Wilhelm's Befähigung und Erfahrung
+viele wichtige Geschäfte ohne allen fremden Rath und Beistand besorgen
+werde.
+
+
+[_Wilhelm sein eigner Minister des Auswärtigen._] Man hatte daher nichts
+zu erinnern, als man erfuhr, daß Wilhelm die Leitung der auswärtigen
+Angelegenheiten sich selbst vorbehalten habe. Allerdings blieb auch kaum
+etwas Andres übrig, denn mit der einzigen Ausnahme Sir Wilhelm Temple's,
+den nichts bewogen haben würde, aus seiner Zurückgezogenheit wieder ins
+öffentliche Leben zu treten, gab es damals keinen Engländer, der sich
+als fähig erwiesen hatte, eine wichtige Unterhandlung mit fremden
+Mächten zu einem ersprießlichen und ehrenvollen Ende zu führen. Viele
+Jahre waren verstrichen, seit England sich mit Gewicht und Würde in die
+Angelegenheiten der großen Republik der Nationen eingemischt. Die
+Aufmerksamkeit der geschicktesten englischen Staatsmänner war lange fast
+ausschließlich durch Zerwürfnisse in Bezug auf die bürgerliche und
+kirchliche Verfassung ihres eigenen Landes in Anspruch genommen worden.
+Die Streitigkeiten wegen der papistischen Verschwörung und der
+Ausschließungsbill, wegen der Habeas-Corpusacte und der Testacte hatten
+einen Überfluß, man könnte fast sagen eine Fluth von solchen Talenten
+erzeugt, welche in einer durch innere Spaltungen zerrissenen
+Gesellschaft Männer zu Macht und Ansehen erheben. Das ganze Festland
+hatte keine so geschickten und schlauen Parteiführer, keine so gewandten
+parlamentarischen Taktiker, keine so schlagfertigen und beredten
+Wortführer aufzuweisen als in Westminster versammelt waren. Aber es
+bedurfte einer ganz andren Schule, um einen Minister des Auswärtigen zu
+bilden, und die Revolution hatte England plötzlich in eine Lage
+versetzt, in welcher die Dienste eines großen Ministers für die
+auswärtigen Angelegenheiten unentbehrlich waren.
+
+Wilhelm eignete sich ganz vorzüglich zur Ausfüllung dieses Postens, dem
+die vollendetsten Staatsmänner seines Reiches nicht gewachsen waren. Er
+hatte sich schon seit geraumer Zeit als Unterhändler ausgezeichnet. Er
+war der Schöpfer und die Seele der europäischen Coalition gegen das
+Übergewicht Frankreichs. Der leitende Faden, ohne den es gefährlich war,
+das große und verwickelte Labyrinth der festländischen Politik zu
+betreten, war in seinen Händen. Daher wagten es seine englischen Räthe,
+so talentvoll und thätig sie sonst waren, während seiner Regierung nur
+selten, sich in den Theil der Staatsgeschäfte einzumischen, die er zu
+seinem speciellen Departement erwählt hatte.[12]
+
+Die innere Verwaltung England's konnte dagegen nur unter dem Beirathe
+und der Mitwirkung englischer Minister geleitet werden. Die Wahl, welche
+Wilhelm bei Ernennung dieser Minister traf, bewies, daß er sich
+vorgenommen hatte, keine Partei auszuschließen, die geneigt war, seinen
+Thron zu stützen. Den Tag darauf, nachdem ihm im Bankethause die Krone
+überreicht worden, wurde der Geheime Rath vereidigt. Die meisten Räthe
+waren Whigs; doch standen auch die Namen mehrerer ausgezeichneter Tories
+auf der Liste.[13] Die vier höchsten Staatsämter wurden vier Edelleuten
+übertragen, welche die vier Hauptklassen der Politiker repräsentirten.
+
+ [Anmerkung 12: Folgende Stelle aus einer damaligen Schrift drückt
+ die allgemeine Ansicht über diesen Punkt aus: »Die auswärtigen
+ Angelegenheiten kennt er besser als wir; in Bezug auf die
+ einheimischen Staatsgeschäfte aber bringt es ihm keine Unehre,
+ wenn wir ihm über sein Verhältniß zu uns, über die Natur desselben
+ und über das was er am zweckmäßigsten zu thun hat, unsre Meinung
+ sagen.« -- +An Honest Commoner's Speech+.]
+
+ [Anmerkung 13: +London Gazette, Febr. 18. 1688/88.+]
+
+
+[_Danby._] In praktischer Befähigung und geschäftlicher Erfahrung war
+keiner seiner Zeitgenossen Danby überlegen. Er hatte ein starkes Anrecht
+auf die Dankbarkeit des neuen Herrscherpaares, denn durch seine
+Geschicklichkeit war ihre Vermählung trotz unbesiegbar scheinender
+Schwierigkeiten zu Stande gebracht worden. Die Feindschaft, die er stets
+gegen Frankreich gehegt, war eine kaum minder gewichtige Empfehlung. Er
+hatte die Einladung vom 30. Juni unterzeichnet, hatte den Aufstand im
+Norden veranstaltet und geleitet und hatte in der Convention seinen
+ganzen Einfluß und seine ganze Beredtsamkeit wider den Regentschaftsplan
+aufgeboten. Trotzdem betrachteten ihn die Whigs mit unüberwindlichem
+Mißtrauen und Widerwillen. Sie konnten es nicht vergessen, daß er in
+schlimmen Tagen der erste Minister des Staats, das Haupt der Cavaliere,
+der Vorkämpfer der Prärogative, der Verfolger der Dissenters gewesen.
+Selbst indem er ein Rebell wurde, hatte er nicht aufgehört ein Tory zu
+sein. Wohl hatte er das Schwert gegen die Krone gezogen, aber nur zur
+Vertheidigung der Kirche. Wohl hatte er in der Convention durch seinen
+Widerstand gegen den Regentschaftsplan Gutes gewirkt, auf der andren
+Seite aber hatte er geschadet durch beharrliche Aufrechthaltung des
+Satzes, daß der Thron nicht erledigt und die Stände nicht berechtigt
+seien, über die Besetzung desselben zu entscheiden. Die Whigs waren
+daher der Meinung, er müsse sich für seine neuerlichen Verdienste
+dadurch reichlich belohnt erachten, daß man ihm die Strafe für die ihm
+zehn Jahre früher zur Last gelegten Vergehen erlasse. Er dagegen
+schätzte seine unleugbar eminenten Talente und Dienste nach ihrem vollen
+Werthe und hielt sich für berechtigt zu dem hohen Posten eines
+Lordschatzmeisters, den er früher bekleidet. Seine Erwartung wurde
+jedoch getäuscht. Wilhelm erachtete es grundsätzlich für wünschenswerth,
+die Macht und das Patronat des Schatzamts unter mehrere Commissarien zu
+theilen. Er war der erste König von England, der vom Beginn bis zum
+Schlusse seiner Regierung den weißen Stab niemals den Händen eines
+einzelnen Unterthanen anvertraute. Danby ward die Wahl freigestellt
+zwischen der Präsidentschaft im Geheimen Rathe und einem
+Staatssekretariat. Er entschied sich verdrüßlich für die Präsidentschaft
+und während die Whigs murrten, als sie ihn so hoch gestellt sahen,
+bemühte er sich kaum, seinen Aerger darüber zu verbergen, daß er nicht
+noch höher gestellt worden war.[14]
+
+ [Anmerkung 14: +London Gazette, Febr. 18. 1688/89; Reresby's
+ Memoirs.+]
+
+
+[_Halifax._] Halifax, der Ausgezeichnetste unter der kleinen Partei die
+sich rühmte, daß sie zwischen den Whigs und Tories das Gleichgewicht
+erhielt, übernahm das Geheimsiegel und blieb nach wie vor Sprecher im
+Hause der Lords.[15] Er hatte sich durch streng gesetzliche Opposition
+gegen die letzte Regierung hervorgethan und mit großer Gewandtheit gegen
+die Dispensationsgewalt gesprochen und geschrieben; aber er hatte von
+dem Invasionsplane nichts wissen wollen, er hatte, selbst als die
+Holländer schon auf dem vollen Marsche gegen London waren, noch darauf
+hingearbeitet, eine Versöhnung zu Stande zu bringen, und er hatte Jakob
+erst dann verlassen, als dieser den Thron verließ. Von dem Augenblicke
+der schimpflichen Flucht aber hatte der scharfblickende Trimmer in der
+Überzeugung, daß ein gütlicher Vergleich nicht mehr möglich sei, einen
+entscheidenden Entschluß gefaßt. Er hatte sich in der Convention
+glänzend hervorgethan, und es war ein besonders glücklicher Griff, daß
+man ihn zu dem Ehrenamte ernannt, dem Prinzen und der Prinzessin von
+Oranien im Namen aller Stände England's die Krone zu überreichen, denn
+soweit man überhaupt sagen kann, daß unsre Revolution den Charakter
+eines einzelnen Geistes trug, trug sie sicherlich den Charakter des
+großen, aber besonnenen Geistes Halifax'. Doch die Whigs waren nicht in
+der Stimmung, einen neueren Dienst als Ersatz für ein altes Vergehen
+anzunehmen, und das Vergehen Halifax' war in der That ein arges gewesen.
+Vor langer Zeit hatte er während eines harten Freiheitskampfes in ihren
+vordersten Reihen gestritten, und als sie endlich siegten, als Whitehall
+in ihrer Gewalt zu sein schien, als sich eine nahe Aussicht auf
+Herrschaft und Rache eröffnete, da war er, und mit ihm das Glück,
+ins feindliche Lager übergegangen. In der großen Debatte über die
+Ausschließungsbill hatte seine Beredtsamkeit sie zu Boden geschmettert
+und der verzagten Hofpartei neuen Lebensmuth eingeflößt. Allerdings war
+er, obgleich er sie in den Tagen ihres übermüthigen Glücks verlassen,
+zur Zeit der Noth in ihre Reihen zurückgekehrt; aber jetzt, da die Noth
+vorüber war, vergaßen sie, daß er zu ihnen zurückgekehrt, und erinnerten
+sich nur noch, daß er sie verlassen hatte.[16]
+
+ [Anmerkung 15: +London Gazette, Febr. 18. 1688/89; Lords'
+ Journals.+]
+
+ [Anmerkung 16: +Burnet II. 4.+]
+
+
+[_Nottingham._] Der Ärger, mit dem sie Danby im Staatsrathe präsidiren
+und Halifax das Geheimsiegel führen sahen, wurde nicht vermindert durch
+die Nachricht, daß Nottingham zum Staatssekretär ernannt sei. Einige von
+den eifrigen Kirchenmännern, welche nie aufgehört hatten, die Lehre vom
+Nichtwiderstande zu predigen, in deren Augen die Revolution nicht zu
+rechtfertigen war, die für eine Regentschaft gestimmt und bis zuletzt
+bei der Behauptung geblieben waren, daß der englische Thron nicht einen
+Augenblick erledigt sein könne, hielten es gleichwohl für ihre Pflicht,
+sich der Entscheidung der Convention zu unterwerfen. Sie hatten, sagten
+sie, sich nie gegen Jakob aufgelehnt und Wilhelm nicht gewählt; da sie
+aber jetzt einen Fürsten auf dem Thron sahen, den sie allerdings nie
+darauf gesetzt haben würden, waren sie der Meinung, daß kein göttliches
+oder menschliches Gesetz es ihnen zur Pflicht machte, den Kampf weiter
+fortzusetzen. Sie glaubten in der Bibel sowohl wie im Gesetzbuche
+Vorschriften zu finden, die nicht mißverstanden werden könnten. Die
+Bibel befiehlt Gehorsam gegen die bestehenden Gewalten an. Das
+Gesetzbuch enthält einen Paragraphen, welcher besagt, daß kein Unterthan
+deshalb als ein Übelthäter betrachtet werden solle, weil er sich dem im
+factischen Besitz des Thrones befindlichen Könige anschließe. Aus diesen
+Gründen glaubten Viele, die zur Einsetzung der neuen Regierung nicht
+mitgewirkt hatten, daß sie derselben ihre Unterstützung gewähren
+könnten, ohne weder Gott noch einen Menschen zu beleidigen. Einer der
+ausgezeichnetsten Staatsmänner dieser Schule war Nottingham. Auf sein
+Ansuchen hatte die Convention, bevor der Thron besetzt war, den
+Unterthaneneid dergestalt umgeändert, daß er und seine Meinungsgenossen
+diesen Eid unbedenklich leisten konnten. »Meine Grundsätze,« sagte er,
+»gestatten mir nicht, mich bei der Wahl eines Königs zu betheiligen. Ist
+aber ein König einmal gewählt, so gebieten mir meine Grundsätze, ihm
+einen strengeren Gehorsam zu bezeigen, als er von Denen erwarten darf,
+die ihn gewählt haben.« Zum Erstaunen einiger von Denen, die ihn am
+meisten schätzten, willigte er jetzt ein, im Staatsrathe zu sitzen und
+die Sekretariatssiegel anzunehmen. Wilhelm hoffte ohne Zweifel, diese
+Ernennung werde von der Geistlichkeit und der toryistischen Landgentry
+als eine genügende Bürgschaft dafür angesehen werden, daß er gegen die
+Kirche nichts Böses im Sinne habe. Selbst Burnet, der späterhin eine
+starke Abneigung gegen Nottingham fühlte, gestand in einigen bald nach
+der Revolution geschriebenen Abhandlungen, daß der König richtig
+geurtheilt und daß der zur Unterstützung der neuen Herrscher ehrlich
+verwendete Einfluß des toryistischen Staatssekretärs England vor großen
+Calamitäten bewahrt habe.[17]
+
+ [Anmerkung 17: Diese Abhandlungen finden sich in einem
+ Handschriftenbande, der zur Harley'schen Sammlung gehört und mit
+ der Nummer 6584 bezeichnet ist. Sie bilden thatsächlich die ersten
+ Entwürfe zu einem großen Theile von Burnet's +History of His Own
+ Times+. Die Zeitpunkte, zu welchen die verschiedenen Theile dieses
+ höchst merkwürdigen und interessanten Werkes abgefaßt wurden, sind
+ angegeben. Fast das Ganze wurde vor Mariens Tode geschrieben. Erst
+ zehn Jahre später begann Burnet seine Geschichte der Regierung
+ Wilhelm's für den Druck vorzubereiten. Während dieses Zeitraums
+ hatten sich seine Ansichten, über Menschen sowohl als Dinge, sehr
+ geändert. Deshalb ist der erste Entwurf so außerordentlich
+ werthvoll, denn er enthält manche Thatsachen, die er nachher
+ auszulassen für räthlich hielt, und einige Urtheile, welche er
+ später zu ändern Ursache fand. Ich muß jedoch gestehen, daß mir
+ seine ersten Ansichten gewöhnlich besser gefallen. Wenn seine
+ Geschichte einmal neu gedruckt würde, sollte sie mit diesem
+ Manuscriptbande sorgfältig verglichen werden. Überall wo ich mich
+ auf diese Handschrift beziehe, kann der Leser annehmen, daß sie
+ etwas enthält, was sich in seiner gedruckten Geschichte nicht
+ findet.
+
+ Über Nottingham's Ernennung siehe +Burnet II. 8+, +London Gazette,
+ March 7. 1688/89+ und +Clarendon's Diary, Febr. 15+.]
+
+
+[_Shrewsbury._] Der andre Staatssekretär war Shrewsbury.[18] Seit
+Menschengedenken hatte kein so junger Mann einen so hohen Posten bei der
+Regierung bekleidet. Er hatte eben erst sein achtundzwanzigstes
+Lebensjahr zurückgelegt. Gleichwohl erblickte Niemand, mit Ausnahme der
+feierlichen Formalisten bei der spanischen Gesandtschaft, in seiner
+Jugend ein Hinderniß für seine Ernennung.[19] Er hatte sich schon durch
+die hervorragende Rolle, die er bei der Befreiung seines Vaterlandes
+gespielt, einen Platz in der Geschichte gesichert. Seine Talente, seine
+Kenntnisse, sein liebenswürdiges Benehmen und sein sanfter Charakter
+machten ihn allgemein beliebt. Besonders die Whigs beteten ihn fast an.
+Niemand ahnete, daß er mit vielen großen und gewinnenden Eigenschaften
+solche Fehler des Geistes und Herzens verband, welche den Rest seines
+unter so günstigen Auspicien begonnenen Lebens ihm selbst zur Last und
+seinem Lande fast nutzlos machen sollten.
+
+ [Anmerkung 18: +London Gazette, Febr. 18. 1688/89.+]
+
+ [Anmerkung 19: Don Pedro de Ronquillo macht diese Bemerkung.]
+
+
+[_Die Admiralität._] Die Leitung der Marineangelegenheiten und der
+Finanzen wurde Collegien übertragen. Herbert ward erster Commissar der
+Admiralität. Er hatte unter der vorigen Regierung Reichthum und Würden
+aufgegeben, als er sah, daß er sie mit Ehren und mit gutem Gewissen
+nicht behalten konnte; er hatte die denkwürdige Einladung nach dem Haag
+überbracht und die holländische Flotte auf der Fahrt von Helvoetsluys
+nach Torbay befehligt. In Bezug auf Muth und Berufstüchtigkeit genoß er
+eines hohen Rufes. Wohl wußte man, daß er auch seine Thorheiten und
+Fehler begangen, aber sein neuerliches Benehmen in einer Zeit schwerer
+Prüfung hatte Alles wieder gut gemacht und berechtigte zu der Hoffnung,
+daß seine fernere Laufbahn eine ruhmvolle sein werde. Ihm zur Seite im
+Admiralitätscollegium standen zwei ausgezeichnete Mitglieder des Hauses
+der Gemeinen: Wilhelm Sacheverell, ein Whigveteran, der sich bei seiner
+Partei eines großen Ansehens erfreute, und Sir Johann Lowther, ein
+rechtschaffener und äußerst gemäßigter Tory, der in Bezug auf Vermögen
+und parlamentarische Bedeutung unter der englischen Gentry eine der
+ersten Stellen einnahm.[20]
+
+ [Anmerkung 20: +London Gazette, March 11. 1688/89.+]
+
+
+[_Das Schatzamt._] An die Spitze der Finanzen wurde Mordaunt, einer der
+heftigsten Whigs, gestellt, warum, ist schwer zu sagen. Sein romanhafter
+Muth, sein ruheloser Geist, seine excentrischen Einfälle, sein Hang zu
+verzweifelten Wagnissen und staunenerregenden Effecten waren eben keine
+Eigenschaften, die ihm bei finanziellen Operationen und Unterhandlungen
+von besonderem Nutzen sein konnten. Der zweite Schatzcommissar und
+zugleich Kanzler der Schatzkammer war Delamere, ein womöglich noch
+heftigerer Whig als Mordaunt. Außerdem saßen zwei whiggistische
+Mitglieder des Hauses der Gemeinen in dem Collegium: Sir Heinrich Capel,
+Bruder jenes Earls von Essex, der sich im Tower entleibte, und Richard
+Hampden, der Sohn des großen Führers des Langen Parlaments. Der
+Commissar aber, auf dem die Hauptlast der Geschäfte ruhte, war
+Godolphin. Dieser schweigsame, einsichtsvolle, fleißige und harmlose,
+für keine Regierung schwärmende, aber jeder Regierung nützliche Mann war
+nach und nach ein fast unentbehrlicher Theil der Staatsmaschiene
+geworden. Obgleich ein Anhänger der Landeskirche, hatte er sich doch an
+einem von Jesuiten geleiteten Hofe emporgeschwungen. Obwohl er für eine
+Regentschaft gestimmt hatte, war er doch das wirkliche Oberhaupt eines
+mit Whigs angefüllten Schatzamtes. Seine Fähigkeiten und Kenntnisse,
+welche unter der vorigen Regierung die Mängel Bellasyse's und Dower's
+ausgeglichen hatten, waren auch jetzt nöthig, um die Mängel Mordaunt's
+und Delamere's zu übertragen.[21]
+
+ [Anmerkung 21: +London Gazette, March 11. 1688/89.+]
+
+
+[_Das große Siegel._] Die Verleihung des großen Siegels hatte einige
+Schwierigkeiten. Der König wünschte es zuerst Nottingham anzuvertrauen,
+dessen Vater es mehrere Jahre mit großer Auszeichnung geführt hatte.[22]
+Nottingham aber lehnte es ab, und es wurde deshalb Halifax angetragen,
+der es ebenfalls ablehnte. Beide Lords fühlten ohne Zweifel, daß dies
+ein Amt sei, das sie nicht mit Ehren für sich selbst und mit Nutzen für
+den Staat verwalten konnten. In alten Zeiten war das Staatssiegel zwar
+größtentheils in den Händen von Nichtjuristen gewesen. Selbst noch im
+siebzehnten Jahrhundert hatten es zwei ausgezeichnete Männer geführt,
+welche in keinem Rechtscollegium studirt hatten. Dechant Williams war
+Lordsiegelbewahrer Jakob's I., Shaftesbury Lordkanzler Karls II.
+gewesen; aber solche Ernennungen konnten nicht länger ohne ernste
+Nachtheile stattfinden. Die Billigkeit hatte sich allmälig zu einer
+verwickelten Wissenschaft ausgebildet, welche kein menschlicher Verstand
+ohne lange und angestrengte Studien ausüben konnte, selbst Shaftesbury
+hatte bei all' seinem scharfen Verstande seinen Mangel an technischen
+Kenntnissen schmerzlich gefühlt,[23] und während der fünfzehn Jahre,
+welche verstrichen waren, seitdem er das Siegel niedergelegt, waren
+diese technischen Kenntnisse seinen Nachfolgern immer nothwendiger
+geworden. Daher wagte es weder Nottingham, obwohl er einen Schatz
+juristischer Kenntnisse besaß, wie man ihn selten bei einem Manne
+findet, der die Rechtswissenschaft nicht studirt hat, noch Halifax,
+obgleich er bei den Gerichtssitzungen des Hauses der Lords oft die
+Versammlung durch sein treffendes Urtheil und durch seine scharfe Logik
+in Erstaunen gesetzt, das höchste Amt, das ein englischer Laie bekleiden
+kann, anzunehmen. Nach langem Zaudern wurde das Siegel einer Commission
+von ausgezeichneten Juristen, mit Maynard an der Spitze, übertragen.[24]
+
+ [Anmerkung 22: Ich habe mich an die mir am wahrscheinlichsten
+ dünkende Erzählung der Sache gehalten. Man ist aber in Zweifel
+ gewesen, ob Nottingham aufgefordert wurde, Kanzler, oder nur
+ erster Commissar des großen Siegels zu werden. Vergleiche Burnet,
+ II. 3, und Boyer's +History of William, 1702+. Narcissus Luttrell
+ spricht zu wiederholten Malen, sogar noch am Schlusse des Jahres
+ 1692, von Nottingham als muthmaßlichem Kanzler.]
+
+ [Anmerkung 23: Roger North erzählt einen ergötzlichen Fall von
+ Shaftesbury's Verlegenheit.]
+
+ [Anmerkung 24: +London Gazette, March 4. 1688/89.+]
+
+
+[_Die Richter._] Die Wahl der Richter machte der neuen Regierung Ehre.
+Jedes Mitglied des Geheimraths wurde aufgefordert eine Liste
+einzureichen. Diese Listen wurden miteinander verglichen und zwölf
+Männer von hervorragendem Talent und Verdienst ausgewählt.[25] Pollexfen
+hatte in Folge seiner juristischen Kenntnisse und seiner whiggistischen
+Grundsätze Anspruch auf den höchsten Platz. Aber man erinnerte sich,
+daß er in den westlichen Grafschaften bei den Assisen, welche auf die
+Schlacht von Sedgemoor folgten, als Commissar der Krone fungirt hatte.
+Es geht zwar aus den Berichten über die Untersuchungen hervor, daß er,
+wenn er überhaupt von der Krone bevollmächtigt war, so wenig that als er
+konnte und daß er es den Richtern überließ, Zeugen und Gefangene
+einzuschüchtern. Dessenungeachtet aber war sein Name in der öffentlichen
+Meinung mit den blutigen Assisen untrennbar verbunden. Er konnte daher
+nicht füglich an die Spitze des höchsten Criminalgerichtshofes gestellt
+werden.[26] Nachdem er einige Wochen als Generalfiskal fungirt, ward er
+zum Oberrichter der Common Pleas ernannt. Sir John Holt, ein noch junger
+Mann, aber ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit, Rechtschaffenheit und
+Muth, wurde Oberrichter der King's Bench, Sir Robert Atkyns, ein
+ausgezeichneter Jurist, der einige Jahre in ländlicher Zurückgezogenheit
+zugebracht, der aber in Westminster Hall noch immer eines großen Rufes
+genoß, wurde zum ersten Baron[27] ernannt. Powell, der wegen seiner
+ehrenwerthen Erklärung zu Gunsten der Bischöfe abgesetzt worden war,
+nahm seinen Sitz unter den Richtern wieder ein. Treby wurde Pollexfen's
+Nachfolger als Generalfiskal, und Somers wurde zum Prokurator
+ernannt.[28]
+
+ [Anmerkung 25: +Burnet II. 5.+]
+
+ [Anmerkung 26: +The Protestant Mask taken off from the Jesuited
+ Englishman, 1692+.]
+
+ [Anmerkung 27: Die Richter der Schatzkammer werden Barons genannt.
+ Der Übersetzer.]
+
+ [Anmerkung 28: Diese Ernennungen wurden erst am 6. Mai in der
+ Gazette bekannt gemacht, einige derselben aber waren schon früher
+ erfolgt.]
+
+
+[_Der Hofstaat._] Zwei der höchsten Ämter im königlichen Hofstaate
+wurden mit zwei englischen Cavalieren besetzt, welche ganz geeignet
+waren, die Zierde eines Hofes zu werden. Der hochherzige und
+kenntnißreiche Devonshire ward zum Obersthofmeister ernannt. Niemand
+hatte in der entscheidenden Crisis für England mehr gethan und gewagt.
+Indem er England's Freiheiten wiederhergestellt, hatte er auch das
+Vermögen seines eigenen Hauses wiedererlangt. Seine Schuldverschreibung
+über dreißigtausend Pfund wurde unter den Papieren gefunden, welche
+Jakob in Whitehall zurückgelassen, und von Wilhelm vernichtet.[29]
+
+Dorset wurde Lordkammerherr und verwendete den Einfluß und das Patronat
+seiner Stellung, wie schon seit langer Zeit seine Privatmittel, zur
+Aufmunterung des Genies und zur Linderung des Mißgeschicks. Eine der
+ersten Maßregeln, die er zu ergreifen gezwungen war, muß einem Mann von
+so edlem Charakter und so warmer Theilnahme für alles Ausgezeichnete in
+Künsten und Wissenschaften, sehr schmerzlich gewesen sein. Dryden konnte
+nicht länger Hofdichter bleiben. Das Publikum würde es nicht geduldet
+haben, unter den Dienern Sr. Majestät einen Papisten zu sehen, und
+Dryden war nicht nur ein Papist, sondern ein Apostat. Außerdem hatte er
+die Schuld seines Glaubensabfalls noch dadurch erschwert, daß er die
+Kirche, die er verlassen, verleumdet und verspottet hatte. Er hatte sie,
+wie man scherzweise sagte, behandelt, wie die heidnischen Verfolger des
+Alterthums ihre Kinder behandelten. Er hatte sie in die Haut eines
+wilden Thieres gekleidet und sie dann zur öffentlichen Belustigung
+gehetzt.[30] Er wurde entlassen, erhielt aber von der Privatgüte des
+freigebigen Kammerherrn eine seinem zurückgezogenen Gehalt
+gleichkommende Pension. Dessenungeachtet fuhr der abgesetzte +poeta
+laureatus+, der eben so arm an Edelsinn wie reich an Geistesgaben war,
+Jahr aus Jahr ein fort, den nicht erlittenen Verlust zu beklagen, bis
+endlich sein Gejammer Äußerungen wohlverdienter Verachtung von Seiten
+ehrenwerther Jakobiten hervorrief, welche ihren Grundsätzen Alles
+aufgeopfert hatten, ohne deshalb ein bittendes oder klagendes Wort laut
+werden zu lassen.[31]
+
+Im königlichen Hofstaat wurden auch einige von den holländischen
+Edelleuten angestellt, die sich der besonderen Gunst des Königs
+erfreuten. Bentinck bekam das hohe Amt des ersten Kammerherrn mit einem
+jährlichen Gehalt von fünftausend Pfund; Zulestein erhielt die
+Oberaufsicht über die königliche Garderobe, und Oberstallmeister ward
+Auverquerque, ein tapferer Soldat, der das Blut der Nassau und das Blut
+der Horn in sich vereinigte und der mit gerechtem Stolze ein kostbares
+Schwert trug, welches ihm die Generalstaaten in Anerkennung des Muthes
+verliehen hatten, mit dem er an dem blutigen Tage von Saint-Denis
+Wilhelm das Leben gerettet.
+
+Das Amt des Vicekammerherrn der Königin wurde einem Manne zu Theil, der
+sich eben erst im öffentlichen Leben bemerkbar gemacht hatte und dessen
+Name in der Geschichte dieser Regierung häufig vorkommen wird. Johann
+Howe, oder, wie er gewöhnlich genannt wurde, Jack Howe, war von dem
+Burgflecken Cirencester zur Convention gesandt worden. Seine äußere
+Erscheinung war die eines Mannes, dessen Körper durch die unablässige
+Thätigkeit eines ruhelosen und reizbaren Geistes aufgerieben worden. Er
+war lang, hager und bleich, und sein unruhiges, stechendes Auge hatte
+einen Ausdruck von Wildheit und Verschlagenheit. Er war seit mehreren
+Jahren als kleiner Dichter bekannt, und einige der zügellosesten
+Spottlieder, welche in den Kaffeehäusern circulirten, wurden ihm
+zugeschrieben. Im Hause der Gemeinen aber entfalteten sich seine Talente
+wie sein giftiges Wesen am auffallendsten. Er war noch keine drei Wochen
+Mitglied desselben, als er sich schon durch seine Sprachgewandtheit,
+seine beißende Schärfe und seine Hartnäckigkeit bemerkbar gemacht hatte.
+Scharfsinn, Energie und Kühnheit erhoben ihn bald zu dem Range eines
+bevorzugten Menschen. Seine Feinde -- und er hatte viele Feinde --
+sagten jedoch, daß er seine persönliche Sicherheit selbst in der
+heftigsten Aufregung nicht aus den Augen lasse und die Soldaten mit
+einer Rücksicht behandle, die er gegen Damen oder Bischöfe niemals
+zeige. Aber Niemand besaß in größerem Maße den gefährlichen Muth,
+der dem Widerwillen und dem Hasse trotzt und sogar darum buhlt. Keine
+Schicklichkeitsgründe vermochten ihn in Schranken zu halten, sein Haß
+war unversöhnlich, und er besaß eine merkwürdige Geschicklichkeit darin,
+die schwachen Seiten starker Geister herauszufinden. Alle seine großen
+Zeitgenossen fühlten gelegentlich seinen Stachel. Einmal schlug dieser
+Stachel eine Wunde, die sogar Wilhelm aus seiner ruhigen Fassung brachte
+und ihm die Äußerung entlockte, daß er wohl wünschte ein Privatmann zu
+sein, damit er Mr. Howe zu einer kurzen Unterredung hinter Montague
+House einladen könne. Gegenwärtig jedoch gehörte Howe zu den eifrigsten
+Stützen der neuen Regierung und richtete alle seine Sarkasmen und
+Ausfälle gegen die Mißvergnügten.[32]
+
+ [Anmerkung 29: Kennet's +Funeral Sermon on the first Duke of
+ Devonshire+, und +Memoirs of the Family of Cavendish, 1708+.]
+
+ [Anmerkung 30: Siehe ein Gedicht betitelt: +A Votive Tablet to the
+ King and Queen+.]
+
+ [Anmerkung 31: Siehe Prior's Widmung seiner Gedichte an Dorset's
+ Sohn und Nachfolger, und Dryden's +Essay on Satire+ als Einleitung
+ zu den Übersetzungen aus Juvenal. In Collier's +Short View of
+ the Stage+ wird Dryden's weibische Klagsucht bitter verhöhnt.
+ In Blackmore's +Prince Arthur+, ein Gedicht, das bei aller
+ seiner Werthlosigkeit einige interessante Anspielungen auf
+ zeitgenössische Personen und Dinge enthält, kommen folgende
+ Strophen vor:
+
+ Der Dichter Chor an seiner Thüre stand
+ Und harrt' der milden Spende seiner Hand.
+ Auch Laurus zeigt sich in dem magren Schwarm,
+ Der alte Barde voller Groll und Harm;
+ Verlangt Gehör und drängt und stößt mit Fuß und Arm.
+ Das Haus Sakil's, der Musen Schloß, erklang
+ Von endlosem Geschrei und lautem Sang.
+ Dem guten Sakil selbst Laurus gern seinen Segen schenkt,
+ Doch Sakil's Fürst und Gott er stets mit Flüchen nur bedenkt,
+ Sakil ohn' Unterschied sein Brot vertheilt,
+ Den Schmeichler hasset er, des Dichters Noth er heilt.
+
+ Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß Sakil Sackville und daß
+ Laurus eine Umschreibung des bekannten Spottnamens Bayes ist.]
+
+ [Anmerkung 32: Kaum ein andrer Mann der damaligen Zeit wird in
+ Flugschriften und Satiren häufiger erwähnt als Howe. In der
+ berüchtigten +Petition of Legion+ wird er »das schamlose Ärgerniß
+ der Parlamente« genannt. Merkwürdig ist auch was Mackay über ihn
+ sagt. In einem 1690 geschriebenen Gedicht, daß ich nur als
+ Manuscript gesehen habe, kommt folgende Stelle vor.
+
+ »Zuerst Jack Howe mit seinem furchtbaren Talent;
+ Glücklich das Weib, das seinem Spottlied entgeht;
+ Gegen die Damen sein Muth keine Grenzen kennt;
+ Vor dem Dragoner er mit gezogenem Hute steht.«]
+
+
+[_Untergeordnete Ernennungen._] Die niederen Stellen bei allen
+öffentlichen Ämtern wurden unter beide Parteien vertheilt; der größere
+Antheil aber kam auf die Whigs. Einige Personen, die dem Namen Whig
+wenig Ehre machten, wurden in der That glänzend für Dienste belohnt,
+die kein braver Mann geleistet haben würde. Wildman wurde zum
+Generalpostmeister ernannt, und Ferguson erhielt eine einträgliche
+Sinekure bei der Steuererhebung. Das Amt des Schatz-Prokurators war eben
+so wichtig als verhaßt. Dieser Beamte hatte politische Prozesse zu
+führen, die Beweise zu sammeln, den Anwalt der Krone zu instruiren,
+dafür zu sorgen, daß die Gefangenen nicht gegen ungenügende Bürgschaft
+in Freiheit gesetzt wurden, und darauf zu sehen, daß die Juries nicht
+aus regierungsfeindlichen Personen zusammengesetzt wurden. Zu den Zeiten
+Karl's und Jakob's waren die Schatz-Prokuratoren mit nur zu gutem Grunde
+beschuldigt worden, daß sie gegen dem Hofe mißliebige Personen die
+empörendsten Chikanen anwendeten. Die neue Regierung hätte hier eine
+Wahl treffen sollen, die über jeden Verdacht erhaben war. Leider
+entschieden sich Mordaunt und Delamere für Aaron Smith, einen hämischen
+und characterlosen Politiker, der in den Tagen der papistischen
+Verschwörung der Rechtsbeistand des Titus Oates und in das
+Ryehousecomplot tief verwickelt gewesen war. Richard Hampden, ein Mann
+von entschiedenen Ansichten, aber von gemäßigter Gesinnung, erhob
+Einwendungen gegen diese Ernennung. Aber seine Einwürfe wurden nicht
+beachtet. Die Jakobiten, welche Smith haßten und auch Ursache dazu
+hatten, behaupteten er habe seine Stelle dadurch erlangt, daß er den
+Lords des Schatzes die Hölle heiß gemacht, und besonders ihnen gedroht
+habe, es würde Hampden das Leben kosten, wenn sie seine (Smith's)
+gerechten Ansprüche nicht befriedigten.[33]
+
+ [Anmerkung 33: +Sprat's True Account+; +Letter to Chief Justice
+ Holt, 1694+; +Letter to Secretary Trenchard, 1694.+]
+
+
+[_Die Convention in ein Parlament verwandelt._] Es vergingen einige
+Wochen, ehe die vorerwähnten Ernennungen öffentlich bekannt gemacht
+wurden, und währenddem hatte sich viel Wichtiges ereignet. Sobald der
+neue Geheimrath vereidigt war, mußte demselben eine ernste und
+dringliche Frage vorgelegt werden. Konnte die gegenwärtig tagende
+Convention in ein Parlament verwandelt werden? Die Whigs, welche eine
+überwiegende Majorität im Unterhause hatten, waren sämmtlich für die
+Bejahung dieser Frage. Die Tories dagegen, welche wußten, daß die
+öffentliche Stimmung sich während des letzten Monats bedeutend verändert
+hatte, und von einer allgemeinen Wahl eine ansehnliche Verstärkung
+hofften, waren für die Verneinung. Sie behaupteten, daß zum Bestehen
+eines Parlaments königliche Ausschreiben unerläßlich seien. Die
+Convention sei nicht durch solche Ausschreiben einberufen worden und
+dieser ursprüngliche Mangel könne jetzt nicht nachgeholt werden; daher
+seien die beiden Häuser bloße Privatklubbs und müßten sofort
+auseinandergehen.
+
+Darauf wurde ihnen erwiedert, das königliche Ausschreiben sei eine bloße
+Formalität und es würde der unvernünftigste Irrwahn sein, wenn man um
+einer hohlen Form willen das Wesen unserer Gesetze und Freiheiten
+bedenklichen Zufällen aussetzen wollte. Wo immer man den Souverain, die
+geistlichen und weltlichen Peers und die von den Wahlkörpern des Reichs
+frei gewählten Volksvertreter versammelt sähe, habe man das Wesen eines
+Parlaments. Ein solches Parlament sei jetzt da, und könne es wohl etwas
+Thörichteres geben, als es zu einem Zeitpunkte aufzulösen, wo jede
+Stunde kostbar sei, wo zahlreiche wichtige Angelegenheiten sofortige
+gesetzmäßige Erledigung verlangten, und wo dem Staate Gefahren drohten,
+welche nur durch die vereinten Anstrengungen des Königs, der Lords und
+der Gemeinen abgewendet werden könnten? Ein Jakobit könne sich
+allerdings aus haltbaren Gründen weigern, diese Convention als ein
+Parlament anzuerkennen, denn er sei der Ansicht, daß sie von vornherein
+eine ungesetzliche Versammlung gewesen, daß alle ihre Beschlüsse
+ungültig und die Souveraine, die sie eingesetzt, Usurpatoren seien.
+Mit welcher Consequenz aber könne irgend einer von Denen, welche
+behaupteten, es müsse unverweilt durch Ausschreiben unter dem großen
+Siegel Wilhelm's und Marien's ein neues Parlament einberufen werden,
+die Autorität in Frage stellen, welche Wilhelm und Marien auf den Thron
+gesetzt habe? Wer Wilhelm als rechtmäßigen König ansähe, müsse
+nothwendig auch die Körperschaft von der dieser König sein Recht habe,
+als rechtmäßigen Großen Rath des Landes betrachten. Nach dem nämlichen
+Grundsatze könnten Diejenigen, welche ihn zwar nicht als einen
+rechtmäßigen König betrachteten, aber doch der Überzeugung seien,
+daß sie ihm als factischen Könige den Huldigungseid leisten dürften,
+sicherlich auch die Convention als ein factisch bestehendes Parlament
+anerkennen. Es liege auf der Hand, daß die Convention die Urquelle sei,
+aus der die Autorität aller zukünftigen Parlamente abgeleitet werden und
+daß von der Rechtsgültigkeit der Beschlüsse der Convention die
+Rechtsgültigkeit jedes zukünftigen Gesetzes abhängen müsse. Wie könne
+der Strom höher steigen als die Quelle? Sei es nicht eine Absurdität,
+wenn man behaupten wolle, die Convention sei die höchste Macht im
+Staate, und doch eine Null, sie sei eine Legislatur für den höchsten
+aller Zwecke, und doch keine Legislatur für die geringfügigsten Zwecke;
+sie sei befugt, den Thron für erledigt zu erklären, die Thronfolge
+abzuändern, die Grenzen der Verfassung zu bestimmen, und doch nicht
+befugt, die unbedeutendste Verordnung zur Ausbesserung eines Hafendammes
+oder zur Erbauung einer Pfarrkirche zu erlassen?
+
+Diese Argumente würden selbst dann von großem Gewicht gewesen sein, wenn
+alle Präcedenzfälle für die entgegengesetzte Meinung gesprochen hätten.
+In der That aber bot unsre Geschichte nur einen Fall dar, welcher
+überhaupt hier angezogen werden konnte, und dieser Fall sprach
+entschieden zu Gunsten des Satzes, daß königliche Ausschreiben zum
+Bestehen eines Parlaments nicht unbedingt nöthig seien. Kein königliches
+Ausschreiben hatte die Convention einberufen, welche Karl II.
+zurückrief. Gleichwohl war jene Convention noch nach seiner Restauration
+beisammen geblieben, hatte Gesetze gegeben, das Budget aufgestellt, eine
+Amnestieacte erlassen und die Lehnsdienstleistungen abgeschafft. Diese
+Maßnahmen waren durch eine Autorität sanctionirt worden, von der keine
+Partei im Staate ohne Ehrerbietung sprechen konnte. Hale hatte
+wesentlichen Theil daran genommen und hatte stets behauptet, daß sie
+streng gesetzlich seien. Auch Clarendon, so wenig er geneigt war, irgend
+eine, die Rechte der Krone oder das Ansehen des Siegels, dessen Bewahrer
+er war, beeinträchtigende Doctrin zu begünstigen, hatte erklärt, daß,
+wenn Gott der Nation zu einem äußerst kritischen Zeitpunkte ein gutes
+Parlament gegeben habe, es die größte Thorheit sein würde, technische
+Mängel in dem Instrument zu suchen, durch welches ein solches Parlament
+zusammenberufen sei. Konnte irgend ein Tory behaupten, daß die
+Convention von 1660 ehrwürdigeren Ursprungs gewesen sei als die von
+1689? War ein Schreiben, das der erste Prinz von Geblüt auf Ansuchen der
+gesammten Pairie und Hunderter von Gentlemen, welche Grafschaften und
+Städte vertraten, erlassen hatte, nicht eine mindestens eben so gute
+Vollmacht als ein Beschluß des Rumpfparlaments?
+
+Schwächere Gründe als diese würden den Whigs, welche die Majorität des
+Geheimen Raths bildeten, genügt haben. Der König begab sich demnach am
+fünften Tage nach seiner Proklamirung mit königlichem Gepränge in das
+Haus der Lords und nahm seinen Sitz auf dem Throne ein. Die Gemeinen
+wurden hereingerufen und er erinnerte nun seine Zuhörer mit vielen
+huldvollen Ausdrücken an die gefährliche Lage des Landes, und ermahnte
+sie, diejenigen Schritte zu thun, welche unnöthigen Verzögerungen im
+Gange der Staatsgeschäfte vorbeugen könnten. Seine Rede wurde von den
+zahlreich versammelten Gentlemen mit dem leisen Gemurmel aufgenommen,
+durch welches unsere Vorfahren ihren Beifall zu erkennen zu geben
+pflegten und das oft an geheiligteren Stätten als die Kammer der Peers
+war, gehört wurde.[34] Sobald er sich wieder entfernt hatte, wurde eine
+die Convention für ein Parlament erklärende Bill auf den Tisch der Lords
+gelegt und ohne weiteres von ihnen angenommen. Bei den Gemeinen dagegen
+gab es eine heiße Debatte. Das Haus erklärte sich zu einem Comité,
+und die Aufregung war so groß daß, nachdem die Autorität des Sprechers
+beseitigt war, die Ordnung kaum noch aufrecht erhalten werden konnte. Es
+wurden scharfe persönliche Ausfälle gewechselt. Der Ausruf »Hört ihn!«
+den man ursprünglich nur zur Dämpfung ordnungswidrigen Geräusches und um
+die Mitglieder daran zu erinnern, daß es ihre Pflicht sei, der
+Discussion aufmerksam zu folgen, gebraucht hatte, war nach und nach das
+geworden was er jetzt ist, nämlich ein Ausruf, welcher je nach der
+Betonung, die man ihm gab, Bewunderung, Zustimmung, Entrüstung oder Hohn
+ausdrückte. Bei dieser Gelegenheit riefen die Whigs so geräuschvoll
+Hört! Hört! daß die Tories sich über Unschicklichkeit beklagten.
+Seymour, der Führer der Minorität, erklärte, daß von Freiheit der
+Debatte nicht mehr die Rede sein könne, wenn solcher Lärm geduldet
+werde. Einige alte whiggistische Mitglieder fühlten sich dadurch
+veranlaßt, ihn zu erinnern, daß, wenn er den Vorsitz führte, zuweilen
+ein gleiches Geschrei gehört und nicht verboten worden sei. So gereizt
+und erbittert indeß beide Parteien auch waren, bekundeten doch die
+beiderseitigen Reden die hohe Achtung vor Gesetz und verjährtem Recht,
+welche seit langer Zeit ein characteristischer Zug der Engländer ist und
+die, wenn sie auch zuweilen in Pedanterie und Aberglauben ausartet,
+immerhin ihr Gutes hat. Selbst in dieser wichtigen Krisis, als die
+Nation sich noch in der Gährung einer Revolution befand, erörterten
+unsere Staatsmänner ausführlich und ernst alle Umstände, welche bei der
+Absetzung Eduard's II. und Richard's II. obgewaltet, und untersuchten
+mit ängstlicher Genauigkeit, ob die Versammlung, welche, mit dem
+Erzbischof Lanfranc an der Spitze, Robert von der Normandie vom Throne
+ausschloß und Wilhelm den Rothen darauf setzte, nachher noch fortfuhr,
+als gesetzgebender Körper des Landes zu wirken oder nicht. Es wurde viel
+über die Geschichte der Ausschreiben, viel über die Etymologie des
+Wortes Parlament gesagt. Bemerkenswerth ist es, daß der alte Maynard
+derjenige Redner war, der die Sache von dem staatsmännischsten
+Gesichtspunkte auffaßte. Er hatte während der bürgerlichen Zwistigkeiten
+von fünfzig ereignißvollen Jahren gelernt, daß Fragen, welche die
+höchsten Interessen des Staats berührten, nicht durch Wortklaubereien
+und durch Brocken von juristischem Französisch und juristischem
+Latein entschieden werden konnten, und da er anerkanntermaßen der
+scharfsinnigste und gelehrteste englische Jurist war, durfte er seine
+Gedanken und Gesinnungen unumwunden aussprechen, ohne Gefahr zu laufen,
+der Ignoranz oder Anmaßung beschuldigt zu werden. Er verwarf die ganze
+Büchergelehrsamkeit, welche einige in solchen Dingen weit weniger
+erfahrene Männer als er in die Discussion gezogen hatten, als kleinlich
+und übel angebracht. »Wir stehen,« sagte er, »in diesem Augenblicke
+nicht auf dem gebahnten Wege. Wenn wir daher entschlossen sind, nur auf
+diesem Wege fortzugehen, so werden wir gar nicht vorwärts kommen. Wer in
+einer Revolution sich vornimmt, nichts zu thun was nicht streng der
+herkömmlichen Form gemäß ist, gleicht einem Menschen, der sich in der
+Wildniß verirrt hat und beständig nur ruft: Wo ist die Landstraße?
+ich will nur auf der Landstraße gehen! -- In einer Wildniß muß man
+denjenigen Weg einschlagen, auf dem man nach Hause gelangt. In einer
+Revolution müssen wir das höchste Gesetz, das Wohl des Staates, zur
+Richtschnur nehmen.« Ein andrer Rundkopfveteran, der Oberst Birch,
+sprach in gleichem Sinne und argumentirte mit großer Gewandtheit und
+Schärfe aus dem Präcedenzfalle von 1660. Seymour und seine Anhänger
+wurden im Comité geschlagen und wagten es nicht, das Haus über den
+Bericht abstimmen zu lassen. Die Bill ging rasch durch und erhielt am
+zehnten Tage nach Wilhelm's und Mariens Thronbesteigung die königliche
+Zustimmung.[35]
+
+ [Anmerkung 34: Van Citters, 19. Febr. (1. März) 1688/89.]
+
+ [Anmerkung 35: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 1+. Siehe die
+ Protokolle der beiden Häuser und +Grey's Debates+. Die
+ Beweisführung zu Gunsten der Bill ist in der Pariser Gazette vom
+ 5. und 12. März 1689 gut zusammengefaßt.]
+
+
+[_Die Mitglieder der beiden Häuser werden aufgefordert die Eide zu
+leisten._] Das Gesetz, welches die Convention in ein Parlament
+verwandelte, enthielt einen Paragraphen, welcher bestimmte, daß nach dem
+1. März in keinem der beiden Häuser Jemand Sitz und Stimme haben solle,
+der nicht dem neuen Königspaare den Huldigungseid geleistet habe. Diese
+Verordnung brachte die ganze Gesellschaft in große Aufregung. Die
+Anhänger der verbannten Dynastie hofften und sagten mit Bestimmtheit
+voraus, daß die Eidverweigerer zahlreich sein würden. Die Minorität in
+beiden Häusern, meinten sie, werde der Sache der erblichen Monarchie
+treu bleiben. Es werde vielleicht hier und da einen Verräther geben, die
+große Masse Derer aber, welche für eine Regentschaft gestimmt hatten,
+werde fest bleiben. Zwei Bischöfe höchstens würden die Usurpatoren
+anerkennen. Seymour werde sich eher aus dem öffentlichen Leben
+zurückziehen, als seinen Grundsätzen untreu werden, Grafton habe sich
+schon vorgenommen, nach Frankreich zu entfliehen und seinem Oheim zu
+Füßen zu fallen. Solche Gerüchte machten während der letzten Hälfte des
+Februar durch alle Kaffeehäuser die Runde. Die Aufregung im Publikum war
+so groß, daß, wenn ein angesehener Mann zwei Tage hintereinander an
+seinen gewohnten Aufenthaltsorten vermißt wurde, man sich gleich
+zuraunte, er sei nach Saint-Germains entwichen.[36]
+
+Der zweite März kam heran und das Resultat schlug die Befürchtungen der
+einen Partei nieder und zerstörte die Hoffnungen der andren. Der Primas
+hielt sich zwar mit einigen seiner Suffraganen beharrlich fern, aber
+drei Bischöfe und dreiundsiebzig weltliche Peers leisteten die Eide.
+Bei der nächsten Sitzung des Oberhauses fanden sich noch einige Prälaten
+mehr ein; kurz, binnen einer Woche hatten ungefähr hundert Lords die
+Bedingungen zur Einnahme ihrer Plätze erfüllt. Andere, welche durch
+Krankheit verhindert waren zu erscheinen, sandten Entschuldigungen und
+Versicherungen ihrer Anhänglichkeit an Ihre Majestäten. Grafton
+widerlegte alle über ihn in Umlauf gebrachten Märchen, indem er gleich
+am ersten Tage zur Eidesleistung erschien. Zwei Mitglieder der
+kirchlichen Commission, Mulgrave und Sprat, beeilten sich ihren Fehler
+dadurch gut zu machen, daß sie Wilhelm Treue und Gehorsam schworen.
+Beaufort, der lange als Typus eines Royalisten der alten Schule gegolten
+hatte, unterwarf sich nach kurzem Schwanken. Aylesbury und Dartmouth,
+obwohl zwei heftige Jakobiten, trugen eben so wenig Bedenken, den
+Huldigungseid zu leisten, als sie nachher Bedenken trugen, ihn zu
+brechen.[37] Die Hyde schlugen verschiedene Richtungen ein. Rochester
+fügte sich dem Gesetz; Clarendon aber zeigte sich widerspenstig. Viele
+fanden es sonderbar, daß der Bruder, der so lange zu Jakob gehalten, bis
+dieser flüchtete, sich weniger hartnäckig erwies, als der Bruder, der im
+holländischen Lager gewesen war. Die Erklärung ist vielleicht darin zu
+suchen, daß Rochester durch Verweigerung der Eide viel mehr verloren
+haben würde als Clarendon. Clarendon's Einkünfte hingen nicht vom
+Belieben der Regierung ab; Rochester aber hatte einen Jahrgehalt von
+viertausend Pfund, den er fortzubeziehen nicht hoffen durfte, wenn er
+sich weigerte, das neue Herrscherpaar anzuerkennen. Er hatte in der That
+so viele Feinde, daß es sogar einige Monate zweifelhaft schien, ob man
+ihm unter irgend welchen Bedingungen die glänzende Belohnung lassen
+werde, die er sich durch Verfolgung der Whigs und durch einen Sitz in
+der Hohen Commission erworben hatte. Vor diesem harten Schlage für seine
+Vermögensumstände wurde er durch die Verwendung Burnet's bewahrt, den er
+schwer beleidigt und der sich jetzt rächte wie es einem christlichen
+Priester ziemte.[38]
+
+Im Unterhause wurden am zweiten März vierhundert Mitglieder vereidigt,
+darunter auch Seymour. Durch seinen Abfall ward der Muth der Jakobiten
+gebrochen, und die Minorität folgte mit sehr wenigen Ausnahmen seinem
+Beispiele.[39]
+
+ [Anmerkung 36: Van Citters sowohl als Ronquillo erwähnen die
+ ängstliche Spannung, welche bis zum Bekanntwerden des Resultats in
+ London herrschte.]
+
+ [Anmerkung 37: +Lords' Journals, March 1688/89+.]
+
+ [Anmerkung 38: Siehe die Briefe, welche Rochester und Lady
+ Ranelagh bei dieser Gelegenheit an Burnet schrieben.]
+
+ [Anmerkung 39: +Commons' Journals, March 2. 1688, 89+. Ronquillo
+ schrieb: +»Es de gran consideracion que Seimor haya tomado el
+ juramento; porque es el arrengador y el director principal, en la
+ casa de los Comunes, de los Anglicanos.«+ 8.(18.) März 1688/89.]
+
+
+[_Fragen bezüglich des Einkommens._] Schon vor dem zur Eidesabnahme
+bestimmten Tage hatten die Gemeinen eine wichtige Frage zu berathen
+begonnen, welche keinen Aufschub gestattete. Während des Interregnums
+hatte Wilhelm als provisorisches Haupt der Verwaltung die Steuern
+erhoben und sie für den Staatsdienst verwendet, ein Verfahren, dessen
+Angemessenheit von Niemandem, der die Revolution billigte, bestritten
+werden konnte. Jetzt aber war die Revolution vorüber, der Thron war
+wieder besetzt, die Häuser waren versammelt, das Gesetz war in voller
+Kraft, und es wurde nöthig, ohne Verzug zu entscheiden, zu welchem
+Einkommen die Regierung berechtigt war.
+
+Niemand leugnete, daß alle Ländereien und erblichen Besitzungen der
+Krone mit dieser auf die neuen Herrscher übergegangen waren. Eben so
+wenig leugnete Jemand, daß alle Einkünfte, welche der Krone auf eine
+bestimmte Anzahl Jahre bewilligt worden, verfassunggemäß bis zum Ablauf
+des Termins beansprucht werden durften. Allein das Parlament hatte Jakob
+große Revenüen auf Lebenszeit verwilligt und ob diese von Wilhelm und
+Marien in Anspruch genommen werden konnten, so lange Jakob noch lebte,
+das war eine Frage, über welche die Ansichten getheilt waren.
+
+Holt, Treby, Pollexfen und überhaupt alle angesehenen Whigjuristen, mit
+Ausnahme Somers', meinten, diese Einkünfte seien dem vorigen Könige in
+seiner politischen Eigenschaft, aber auf seine natürliche Lebenszeit,
+bewilligt worden, und sie seien daher, so lange er in einem fremden
+Lande zubringe, an Wilhelm und Marien zu bezahlen. Aus einem sehr
+gedrängten und unzusammenhängenden Berichte über die Debatte geht
+hervor, daß Somers von dieser Ansicht abwich. Er war der Meinung, daß,
+wenn die Parlamentsacte, welche die in Rede stehenden Abgaben
+aufgebürdet, ihrem Geiste nach ausgelegt würde, das Wort Leben als
+gleichbedeutend mit dem Worte Regierung betrachtet werden müsse, und daß
+sonach die Frist, auf welche diese Abgaben der Krone bewilligt worden,
+erloschen sei. Dies war unzweifelhaft die richtige Meinung, denn es war
+geradezu widersinnig, Jakob's Interesse bei dieser Verwilligung als zu
+gleicher Zeit mit seiner Person und auch mit seinem Amte verknüpft zu
+betrachten, in einem Athem zu sagen, die Kaufleute von London und
+Bristol müßten Geld hergeben, weil er physisch noch lebe, und seine
+Nachfolger müßten dieses Geld bekommen, weil er politisch todt sei. Das
+Haus theilte entschieden die Ansicht Somers'. Die Mitglieder waren im
+Allgemeinen für die Vornahme einer großen Reform, denn man sah ein, daß
+ohne eine solche die Rechtserklärung nur eine unvollkommene Garantie für
+die öffentliche Freiheit sein würde. Während des Kampfes, den fünfzehn
+aufeinanderfolgende Parlamente gegen vier aufeinanderfolgende Könige
+geführt, war die Macht des Geldes die Hauptwaffe der Gemeinen gewesen,
+und wenn sich die Vertreter des Volks einmal verleiten ließen, diese
+Waffe aufzugeben, hatten sie jedesmal sehr bald Ursache gehabt, ihre
+allzu leichtgläubige Loyalität zu bereuen. In der Zeit der stürmischen
+Freude, welche auf die Restauration folgte, war Karl II. fast durch
+Acclamation ein großes Einkommen auf Lebenszeit bewilligt worden. Doch
+schon nach einigen Monaten gab es kaum einen ehrenwerthen Cavalier im
+Lande, der sich nicht gesagt hätte, daß die Zahlmeister der Nation
+weiser gehandelt haben würden, wenn sie die Mittel zur Abstellung der
+Mißbräuche, welche alle Zweige der Verwaltung schändeten, in ihrer Hand
+behalten hätten. Jakob II. hatte von seinem unterwürfigen Parlamente
+ohne eine opponirende Stimme ein Einkommen erlangt, welches hingereicht
+haben würde, die gewöhnlichen Staatsausgaben für seine ganze Lebenszeit
+zu bestreiten, und noch ehe er dieses Einkommen ein halbes Jahr
+genossen, machte sich die Mehrzahl Derer, welche so freigebig gegen ihn
+gewesen, bittere Vorwürfe wegen ihrer Liberalität. Wenn man der
+Erfahrung, einer langen und schmerzlichen Erfahrung, trauen durfte, so
+gab es keine wirksame Sicherheit gegen schlechte Verwaltung, sobald der
+Souverain nicht genöthigt war, sich öfters an seinen Großen Rath um
+Geldunterstützung zu wenden. Fast alle rechtschaffenen und
+einsichtsvollen Männer stimmten daher darin überein, daß wenigstens ein
+Theil der Zuschüsse nur auf kurze Termine verwilligt werden dürften. Und
+welcher Zeitpunkt war wohl geeigneter zur Einführung dieses neuen Modus
+als das Jahr 1689, der Anfang einer neuen Regierung, einer neuen
+Dynastie, einer neuen Ära in der constitutionellen Verwaltung? Die
+Meinung über diesen Gegenstand war so mächtig und allgemein, daß die
+abweichende Minorität nachgab. Es wurde zwar kein formeller Beschluß
+gefaßt, aber das Haus verfuhr nach der Annahme, daß die Jakob auf
+Lebenszeit bewilligten Einkünfte durch seine Abdankung aufgehoben
+seien.[40]
+
+Es war unmöglich, ohne Untersuchung und Berathung eine neue Feststellung
+des Einkommens vorzunehmen. Die Schatzkammer wurde daher angewiesen, die
+nöthigen Vorlagen zu beschaffen, welche das Haus in den Stand setzten,
+die öffentlichen Ausgaben und Einnahmen abzuschätzen. Inzwischen wurde
+den augenblicklichen Bedürfnissen des Staats mit geziemender Liberalität
+genügt. Eine durch directe monatliche Besteurung zu erhebende
+außerordentliche Unterstützung wurde dem Könige gewährt. Es wurde eine
+Verordnung erlassen, welche alle Diejenigen, die seit seiner Landung in
+seinem Namen die Jakob zugesprochenen Abgaben erhoben, für schuldlos
+erklärte, und die erloschenen Abgaben wurden noch auf einige Monate
+verlängert.
+
+ [Anmerkung 40: +Grey's Debates, Febr. 25, 26, 27. 1688/89.+]
+
+
+[_Abschaffung der Herdsteuer._] Auf seinem ganzen Marsche von Torbay bis
+London war Wilhelm von dem niederen Volke mit Bitten bestürmt worden,
+daß er es von der unerträglichen Last des Herdgeldes befreien möchte.
+Diese Abgabe scheint in der That alle die schlimmsten Übelstände in sich
+vereinigt zu haben, die man irgend einer Steuer zur Last legen kann. Sie
+war unverhältnißmäßig, und zwar in der verderblichsten Weise, denn sie
+lastete schwer auf dem Armen, und leicht auf dem Reichen. Ein Landmann,
+dessen ganzes Besitzthum keine zwanzig Pfund werth war, mußte zehn
+Schilling bezahlen, während der Herzog von Ormond oder der Herzog von
+Newcastle, deren Güter eine halbe Million werth waren, nur vier bis fünf
+Pfund bezahlten. Die Einsammler waren ermächtigt, das Innere jedes
+Hauses im Lande zu untersuchen, die Familien bei ihrer Mahlzeit zu
+stören, die Thüren der Schlafzimmer zu erbrechen, und, wenn die
+verlangte Summe nicht pünktlich bezahlt wurde, den Tisch, auf dem den
+armen Kindern ihr Gerstenbrot zugeschnitten wurde, oder das Kissen unter
+dem Haupte der Wöchnerin wegzunehmen und zu verkaufen. Eben so wenig
+vermochte das Schatzamt den Herdgeldmann wirksam daran zu hindern, daß
+er seine Vollmacht mit Härte ausübte, denn die Steuer war verpachtet und
+die Regierung war in Folge dessen genöthigt, die Gewaltthätigkeiten und
+Erpressungen, welche zu allen Zeiten den Namen Zöllner sprüchwörtlich zu
+dem verhaßtesten von der Welt gemacht haben, stillschweigend hingehen zu
+lassen.
+
+Auf Wilhelm hatten die vernommenen Klagen und Beschwerden einen so
+erschütternden Eindruck gemacht, daß er den Gegenstand bei einer der
+ersten Sitzungen des Geheimen Raths zur Sprache brachte. Er forderte das
+Haus der Gemeinen durch eine Botschaft auf, zu erwägen, ob zweckmäßigere
+Einrichtungen den Mißbräuchen, welche so große Unzufriedenheit erregt
+hätten, wirksam abhelfen könnten, und setzte hinzu, daß er gern in die
+gänzliche Abschaffung der Steuer willigen würde, wenn es sich
+herausstellen sollte, daß die Mißbräuche von der Steuer unzertrennlich
+seien.[41] Diese Mittheilung ward mit lautem Beifall aufgenommen.
+Allerdings gab es einige Finanzmänner der alten Schule, welche
+murmelten, daß Mitleid mit den Armen wohl etwas Schönes sei, daß aber
+kein Theil der Staatseinkünfte so pünktlich auf den Tag einginge als das
+Herdgeld, daß die Goldschmiede nicht immer bewogen werden könnten,
+auf die Sicherheit des nächsten Quartals der Zölle oder der Accise zu
+leihen, daß es aber nicht schwer sei, auf eine Herdgeldverschreibung
+Vorschüsse zu erhalten. Im Hause der Gemeinen wagten die so Denkenden es
+nicht, ihre Stimmen gegen die allgemeine Ansicht zu erheben; im Hause
+der Lords aber entspann sich ein Kampf, dessen Ausgang eine Zeitlang
+zweifelhaft schien. Endlich aber erwirkte der kräftig angewendete
+Einfluß des Hofes eine Acte, kraft welcher die Kaminsteuer als ein
+Zeichen von Sklaverei erklärt und unter vielen Dankesversicherungen
+gegen den König für alle Seiten abgeschafft wurde.[42]
+
+ [Anmerkung 41: +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, March 1.
+ 1688/89+.]
+
+ [Anmerkung 42: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 10.+; +Burnet II.
+ 13.+]
+
+
+[_Entschädigung der Vereinigten Provinzen._] Die Gemeinen bewilligten
+nach kurzer Debatte und ohne Abstimmung sechsmalhunderttausend Pfund zu
+dem Zwecke, die Kosten der Expedition, welche England befreit hatte, den
+Vereinigten Provinzen zurückzuerstatten. Die Leichtigkeit, mit der diese
+bedeutende Summe einem schlauen, thätigen und sparsamen Volke bewilligt
+ward, das in politischer Beziehung unser Bundesgenosse, in commercieller
+Hinsicht aber unser gefährlichster Nebenbuhler war, erregte außerhalb
+der Kammern einiges Murren und war mehrere Jahre lang ein Lieblingsthema
+für die Sarkasmen der toryistischen Tagesschriftsteller.[43] Die
+Freigebigkeit des Hauses war jedoch leicht zu erklären. An dem nämlichen
+Tage, an welchem dieser Gegenstand berathen wurde, trafen in Westminster
+beunruhigende Nachrichten ein und überzeugten Viele, die zu einer andren
+Zeit geneigt gewesen wären, jede von den Holländern eingeschickte
+Rechnung einer strengen Prüfung zu unterwerfen, daß unser Land die
+Dienste fremder Truppen noch nicht entbehren konnte.
+
+ [Anmerkung 43: +Commons' Journals, March 15. 1688/89.+ Noch im
+ Jahre 1713 spielte Arbuthnot im fünften Theile des +John Bull+ mit
+ viel Witz auf diesen Gegenstand an. »Was Euren +Venire Facias+
+ betrifft,« sagt John zu Nick Frog, »so habe ich Euch für einen
+ schon bezahlt.«]
+
+
+[_Meuterei in Ipswich._] Frankreich hatte den Generalstaaten den Krieg
+erklärt und die Generalstaaten hatten in Folge dessen vom Könige von
+England die Unterstützung verlangt, die er durch den Vertrag von
+Nimwegen zu leisten verpflichtet war.[44] Er hatte einige Bataillone
+nach Harwich verordert, um sich dort zur Überfahrt nach dem Festlande
+bereit zu halten. Die alten Soldaten Jakob's waren meist in einer sehr
+schlechten Stimmung, und dieser Befehl übte keine besänftigende Wirkung
+aus. Am größten war die Unzufriedenheit in dem Regimente, das
+gegenwärtig als das erste der Linie bezeichnet wird. Obgleich dieses
+Regiment der englischen Armee angehörte, hatte es doch seit der Zeit,
+da es zuerst unter dem großen Gustav kämpfte, fast ausschließlich aus
+Schotten bestanden, und die Schotten haben nie verfehlt, in jedem Lande,
+wohin ihr abenteuerlicher und ehrgeiziger Sinn sie führte, die geringste
+ihrem Heimathlande bewiesene Geringschätzung zu fühlen und zu ahnden.
+Offiziere wie Gemeine murmelten, daß der Beschluß einer ausländischen
+Versammlung in ihren Augen nichts gelte. Wenn sie überhaupt ihres
+Treuschwurs für König Jakob VII. entbunden werden könnten, so müsse dies
+durch die Stände von Edinburg, nicht durch die Convention von
+Westminster geschehen. Ihr Unmuth wuchs, als sie erfuhren, daß Schomberg
+zu ihrem Obersten ernannt war. Vielleicht hätten sie es sich zur Ehre
+schätzen sollen, den Namen des größten Soldaten Europa's zu führen, aber
+bei aller seiner Tapferkeit und militärischen Tüchtigkeit war er doch
+nicht ihr Landsmann, und während der sechsundfunfzig Jahre, welche
+verstrichen waren, seitdem sich ihr Regiment in Deutschland seine ersten
+Lorbeern verdiente, war es nie von einem Andren als einem Hopburn oder
+einem Douglas commandirt worden. In dieser gereizten Stimmung erhielten
+sie Befehl, zu den Streitkräften zu stoßen, die sich in Harwich
+sammelten. Es wurde viel gemurrt, doch kam es zu keinem Ausbruch, bis
+das Regiment in Ipswich anlangte. Hier gaben zwei Hauptleute, welche
+eifrige Anhänger des verbannten Königs waren, das Zeichen zur Empörung.
+Der Marktplatz füllte sich bald mit hin und her rennenden Pikenmännern
+und Musketiren. Schüsse wurden aufs Gerathewohl nach allen Richtungen
+hin abgefeuert. Diejenigen Offiziere, welche die Meuterer im Zaume zu
+halten versuchten, wurden überwältigt und entwaffnet. Endlich gelang es
+den Leitern des Aufstandes, einige Ordnung herzustellen und sie
+marschirten nun an der Spitze ihrer Anhänger aus Ipswich ab. Die kleine
+Armee bestand aus etwa achthundert Mann. Sie hatten vier Kanonen
+mitgenommen und sich der Kriegskasse bemächtigt, die eine bedeutende
+Summe Geldes enthielt. Eine halbe Meile von der Stadt wurde Halt
+gemacht, eine allgemeine Berathung gepflogen und beschlossen, daß die
+Meuterer in ihr Heimathsland zurückeilen und mit ihrem rechtmäßigen
+Könige leben und sterben wollten. Demgemäß brachen sie in Eilmärschen
+nach dem Norden auf.[45]
+
+Als die Nachricht in London eintraf, war die Bestürzung groß. Es hieß,
+daß auch bei anderen Regimentern sich beunruhigende Symptome gezeigt
+hätten und besonders daß ein in Harwich liegendes Füsilircorps große
+Lust zu haben scheine, dem in Ipswich gegebenen Beispiele zu folgen.
+»Wenn diese Schotten,« sagte Halifax zu Reresby, »nicht auf
+Unterstützung rechnen können, so sind sie verloren; haben sie aber im
+Einverständniß mit Anderen gehandelt, dann ist die Gefahr in der That
+sehr ernst.«[46] Das Wahre scheint zu sein, daß eine Verschwörung
+bestand, die in vielen Heerestheilen Verzweigungen hatte, daß aber die
+Verschwörer durch die Festigkeit der Regierung und des Parlaments im
+Schach gehalten wurden. Es ward eben eine Ausschußsitzung des Geheimen
+Raths gehalten, als die Nachricht von dem Aufstande in London eintraf.
+Wilhelm Harbord, der Vertreter des Burgfleckens Launceston, welcher
+Mitglied des Ausschusses war, wurde von seinen Collegen ersucht, sich
+sogleich in das Haus der Gemeinen zu begeben und dort das Vorgefallene
+mitzutheilen. Er ging, erhob sich auf seinem Platze und erzählte seine
+Geschichte. Der Geist der Versammlung trug der Lage der Dinge gebührende
+Rechnung. Howe war der Erste, der kräftiges Einschreiten verlangte.
+»Ersuchet den König,« sagte er, »seine holländischen Truppen gegen diese
+Leute zu entsenden. Ich wüßte nicht, wem man sonst trauen könnte.« --
+»Die Sache ist kein Spaß,« sagte der alte Birch, welcher Oberst im
+Dienste des Parlaments gewesen war und das mächtigste und berühmteste
+Haus der Gemeinen, das es je gegeben, durch dessen eigene Soldaten
+zweimal hatte säubern und zweimal hatte auseinandersprengen sehen; »wenn
+Ihr das Übel um sich greifen laßt, werdet Ihr binnen wenigen Tagen eine
+Armee auf dem Halse haben. Ersuchet den König, auf der Stelle Reiter und
+Fußvolk abzusenden, und zwar seine eigenen Leute, auf die er sich
+verlassen kann, damit dieses Volk mit einem Schlage niedergeworfen
+wird.« Jetzt fingen auch die Männer der langen Robe Feuer. »Das Wissen
+meines Berufs ist hier unnütz,« sagte Treby. »Es kommt hier darauf an,
+der Gewalt mit Gewalt entgegenzutreten und im Felde das zu behaupten,
+was wir im Senate gethan haben.« -- »Schreibt an die Sheriffs,« sprach
+Oberst Mildmay, Mitglied für Essex, »und laßt die Miliz aufbieten. Es
+sind ihrer Hundertfunfzigtausend Mann und lauter gute Engländer; sie
+werden Euch nicht im Stiche lassen.« Es wurde beschlossen, daß alle in
+der Armee angestellten Mitglieder des Hauses vom Besuche des Parlaments
+dispensirt werden sollten, damit sie sich unverzüglich auf ihre
+militärischen Posten begeben könnten. Sodann wurde einstimmig eine
+Adresse votirt, welche den König ersuchte, energische Maßregeln zur
+Unterdrückung des Aufstandes zu ergreifen und eine Proklamation zu
+erlassen, welche die öffentliche Rache auf die Rebellen herabrief.
+Ein Mitglied deutete darauf hin, daß es vielleicht gut sei, wenn Sr.
+Majestät Denen, die sich im Guten unterwürfen, Verzeihung zusichere;
+allein das Haus verwarf wohlweislich diesen Vorschlag. »Es ist jetzt
+nicht der Augenblick,« wurde sehr richtig bemerkt, »zu einer Nachsicht,
+die wie Furcht aussehen würde.« Die Adresse wurde sogleich ins
+Haus der Lords gesandt und von diesen genehmigt. Zwei Peers, zwei
+Grafschaftsvertreter und zwei Abgeordnete von Burgflecken wurden damit
+an den Hof geschickt. Wilhelm empfing sie sehr gnädig und sagte ihnen,
+daß er bereits die nöthigen Befehle gegeben habe. In der That waren auch
+schon mehrere Regimenter Reiterei und Dragoner unter dem Commando
+Ginkell's, eines der tapfersten und geschicktesten Offiziere der
+holländischen Armee, nach dem Norden entsendet worden.[47]
+
+Mittlerweile eilten die Aufständischen durch die Gegend zwischen
+Cambridge und dem Wash. Ihr Weg führte über eine weite, öde Moorstrecke,
+die mit der ganzen Feuchtigkeit von dreizehn Grafschaften gesättigt war
+und auf welcher den größten Theil des Jahres ein grauer Nebel lagerte,
+über den sich der viele Meilen im Umkreise sichtbare prächtige Thurm von
+Ely erhob. In dieser traurigen, mit großen Schwärmen wilder Vögel
+bedeckten Gegend führte damals ein halbwildes Volk, bekannt unter dem
+Namen der Breedlings, ein amphibienartiges Leben, von einem Eiland
+festen Grund und Bodens zum andren theils watend theils rudernd.[48] Die
+Straße gehörte zu den schlechtesten der ganzen Insel und als sich das
+Gerücht von der Annäherung der Rebellen verbreitete, wurden sie von dem
+Landvolke absichtlich noch mehr verschlechtert. Brücken wurden
+abgebrochen und Baumstämme quer über die Straßen gelegt, um das
+Fortschaffen der Kanonen zu erschweren. Dessenungeachtet drangen die
+schottischen Veteranen nicht nur mit großer Eil vor, sondern es gelang
+ihnen auch, ihre Artillerie mit fort zu bringen. So erreichten sie die
+Grafschaft Lincoln, und als sie nicht mehr weit voll Sleafort entfernt
+waren, erfuhren sie, daß Ginkell mit einer unüberwindlichen Truppenmacht
+ihnen hart auf den Fersen sei. Von Sieg konnte so wenig die Rede sein
+wie von Entkommen. Die tapfersten Krieger konnten gegen eine vierfache
+Übermacht nichts ausrichten, das vortrefflichste Fußvolk konnte einer
+Reiterschaar nicht entrinnen. Da indessen die Anführer wohl wußten, daß
+sie keinen Pardon zu erwarten hatten, drangen sie in ihre Mannschaften,
+das Glück einer Schlacht zu versuchen. Eine fast von allen Seiten von
+Sümpfen und Teichen eingeschlossene Stelle war in dieser Gegend leicht
+gefunden. Hier wurden die Insurgenten aufgestellt und die Kanonen
+an der einzigen Seite aufgefahren, die man durch natürliche
+Vertheidigungsmittel nicht hinreichend gedeckt glaubte. Ginkell befahl
+den Angriff an einer Stelle zu unternehmen, die sich außer dem Bereiche
+der Geschütze befand, und seine Dragoner sprangen muthig ins Wasser,
+obwohl es so tief war, daß ihre Pferde schwimmen mußten. Jetzt sank den
+Rebellen der Muth. Sie versuchten zu parlamentiren, ergaben sich aber
+schließlich auf Gnade und Ungnade und wurden unter starker Bedeckung
+nach London gebracht. Ihr Leben war verwirkt, denn sie hatten sich nicht
+blos der Meuterei, welche damals kein legales Verbrechen war, sondern
+des bewaffneten Widerstandes gegen den König schuldig gemacht. Wilhelm
+unterließ jedoch mit weiser Nachsicht, das Blut selbst der Strafbarsten
+zu vergießen. Einige von den Haupträdelsführern wurden vor die nächsten
+Assisen von Bury gestellt und des Hochverraths überwiesen; aber ihr
+Leben ward geschont. Die Übrigen erhielten einfach den Befehl, zu ihrer
+Pflicht zurückzukehren. Das vor Kurzem so aussätzige Regiment ging
+gehorsam nach dem Continent und zeichnete sich dort in vielen
+beschwerlichen Feldzügen durch Treue, Disciplin und Tapferkeit aus.[49]
+
+ [Anmerkung 44: Wagenaar LXI.]
+
+ [Anmerkung 45: +Commons' Journals, March 15. 1688/89.+]
+
+ [Anmerkung 46: +Reresby's Memoirs.+]
+
+ [Anmerkung 47: +Commons' Journals+ und +Grey's Debates, March 15.
+ 1688/89, London Gazette, March 18+.]
+
+ [Anmerkung 48: Über den Zustand dieser Gegend zu Ende des 17. und
+ zu Anfang des 18. Jahrhunderts siehe +Pepys' Diary+ vom 18. Sept.
+ 1663 und +Tour through the whole Island of Great Britain+, 1724.]
+
+ [Anmerkung 49: +London Gazette, March 25. 1689+; Van Citters an
+ die Generalstaaten vom 22. März (1. April); Briefe von Nottingham
+ im Staatsarchive vom 23. Juli und 9. Aug. 1689; +Historical Record
+ of the First Regiment of Foot+, auf Befehl der Regierung gedruckt.
+ Siehe auch eine interessante Abschweifung in der +Compleat History
+ of the Life and Military Actions of Richard, Earl of Tyrconnel+,
+ 1689.]
+
+
+[_Die erste Meutereibill._] Dieser Vorfall erleichterte eine wichtige
+Veränderung in unsrer Politik, eine Veränderung, welche zwar über kurz
+oder lang hätte vorgenommen werden müssen, die aber doch so leicht nicht
+hätte durchgeführt werden können, außer in einem Augenblicke der
+höchsten Gefahr. Die Zeit war endlich gekommen, wo es nöthig wurde,
+einen gesetzlichen Unterschied zwischen dem Soldaten und dem Bürger zu
+machen. Unter den Plantagenets und den Tudors hatte es kein stehendes
+Heer gegeben, und das stehende Heer, das England unter den letzten
+Königen des Hauses Stuart besessen, war von allen Parteien im Staate mit
+einem starken und nicht unbegründeten Widerwillen betrachtet worden.
+Das gemeine Recht gewährte dem Souverain nicht die Mittel, seine Truppen
+gebührend im Zaume zu halten, denn das Parlament, das sie als bloße
+Werkzeuge der Tyrannei betrachtete, hatte keine Lust gehabt, diese
+Mittel durch Gesetze zu bewilligen. Jakob hatte zwar seine bestochenen
+und servilen Richter dahin gebracht, daß sie einigen veralteten Gesetzen
+eine Auslegung gaben, die ihn in den Stand setzte, die Desertion mit
+einer Kapitalstrafe zu belegen. Allein diese Auslegung wurde von alten
+angesehenen Juristen als irrig betrachtet, und wäre sie auch richtig
+gewesen, so würde sie doch bei weitem nicht alles das geboten haben, was
+zur Aufrechthaltung der militärischen Disciplin nöthig war. Selbst Jakob
+wagte es nicht, auf das Erkenntniß eines Kriegsgerichts hin die
+Todesstrafe zu verhängen. Der Deserteur wurde wie ein gewöhnlicher
+Verbrecher behandelt, vor die Assisen gestellt, auf die von einer großen
+Jury herausgefundenen Klagegründe hin von einer kleinen Jury
+abgeurtheilt, und es stand ihm frei, jeden in der Anklageacte zu
+entdeckenden Formfehler zu seinem Gunsten zu benutzen.
+
+Indem die Revolution die Stellung des Fürsten und des Parlaments zu
+einander veränderte, hatte sie auch die gegenseitige Stellung der Armee
+und der Nation verändert. Der König und die Gemeinen waren jetzt einig
+und beide wurden durch die größte Militärmacht bedroht, die es seit dem
+Untergange des römischen Reichs in Europa gegeben hatte. Binnen wenigen
+Wochen konnten dreißigtausend sieggewohnte, von geschickten und
+erfahrenen Feldherren angeführte Veteranen aus den Häfen der Normandie
+und der Bretagne an unsere Küsten übersetzen. Daß eine solche
+Truppenmacht eine dreifache Anzahl von Milizen ohne große Schwierigkeit
+auseinandersprengen würde, konnte Niemand bezweifeln, der vom Kriege
+etwas verstand. Man mußte also reguläre Soldaten haben, und wenn man
+solche haben mußte, so war es im Interesse ihres eigenen wirksamen
+Bestehens, wie zur Sicherheit jeder andren Klasse durchaus nothwendig,
+daß sie unter einer strengen Disciplin gehalten wurden. Eine schlecht
+disciplinirte Armee ist zu allen Zeiten nichts weiter als eine
+kostspieligere und zügellosere Miliz gewesen, ohnmächtig gegen einen
+auswärtigen Feind und nur dem Lande selbst gefährlich, zu dessen
+Vertheidigung sie unterhalten wird. Es muß demnach eine strenge
+Grenzlinie zwischen den Soldaten und der übrigen Gesellschaft gezogen
+werden. Im Interesse der öffentlichen Freiheit müssen sie, inmitten der
+Freiheit, unter eine despotische Zucht gestellt werden. Sie müssen einem
+schärferen Strafcodex und einer nachdrücklicheren Prozeßordnung
+unterworfen sein, als nach denen die ordentlichen Gerichtshöfe
+verfahren. Gewisse Handlungen, welche bei dem Bürger unschuldig sind,
+müssen bei dem Soldaten Verbrechen sein. Gewisse Handlungen, welche bei
+dem Bürger mit Geldbuße oder Gefängniß geahndet werden, müssen bei dem
+Soldaten mit dem Tode bestraft werden. Die Maschinerie, vermittelst
+welcher die Gerichtshöfe die Schuld oder Unschuld eines angeklagten
+Bürgers feststellen, ist zu langsam und zu verwickelt, um auf einen
+angeklagten Soldaten Anwendung finden zu können, denn die militärische
+Insubordination ist von allen vorkommenden Krankheiten des Staatskörpers
+diejenige, welche die promptesten und eingreifendsten Gegenmittel
+erheischt. Wird das Übel nicht gleich im Keime erstickt, so breitet es
+sich aus, und weit kann es sich nicht ausbreiten ohne Gefahr für die
+eigentlichen Lebensnerven der Gesellschaft. Im Interesse des Gemeinwohls
+muß daher in Feldlagern eine summarische Gerichtsbarkeit von furchtbarer
+Ausdehnung strengen Tribunalen, aus Männern des Schwerts bestehend,
+übertragen werden.
+
+Obgleich es aber gewiß war, daß das Land zu jenem Zeitpunkte ohne
+berufsmäßige Soldaten nicht sicher sein konnte, und eben so gewiß, daß
+berufsmäßige Soldaten schlimmer als nutzlos sein mußten, wenn sie nicht
+unter ein willkürlicheres und strengeres Regiment gestellt wurden als
+andere Leute, so konnte doch ein Haus der Gemeinen es nicht ohne große
+Besorgniß wagen, die Existenz eines stehenden Heeres anzuerkennen und
+die Mittel zur Unterhaltung desselben zu bewilligen. Es gab kaum einen
+bedeutenden Staatsmann, der nicht oft die Überzeugung ausgesprochen
+hätte, daß unsre Verfassung und ein stehendes Heer nicht nebeneinander
+bestehen könnten. Die Whigs hatten es bei jeder Gelegenheit wiederholt,
+daß stehende Heere die freien Institutionen der Nachbarvölker vernichtet
+hätten. Eben so oft hatten die Tories es wiederholt, daß auf unsrer
+Insel ein stehendes Heer die Kirche umgestürzt, die Gentry tyrannisirt
+und den König gemordet habe. Kein Führer der einen wie der andren Partei
+konnte darauf antragen, daß ein solches Heer fortan eine bleibende
+Staatseinrichtung sein sollte, ohne sich der Beschuldigung grober
+Inconsequenz auszusetzen. Die Meuterei von Ipswich und der panische
+Schrecken, den dieselbe hervorgerufen, erleichterten die Durchführung
+eines Schrittes, der außerdem höchst schwierig gewesen sein würde. Es
+ward eine kurze Bill eingebracht, welche mit der bündigen Erklärung
+begann, daß das englische Recht von stehenden Heeren und Kriegsgerichten
+nichts wisse. Hierauf wurde verordnet, daß in Anbetracht der großen
+Gefahren, welche in diesem Augenblicke dem Staate drohten, kein Mann,
+der im besoldeten Dienst der Krone stehe, bei Todesstrafe oder
+derjenigen milderen Strafe, die ein Kriegsgericht für genügend halten
+würde, seine Fahnen verlassen oder sich gegen seine vorgesetzten
+Offiziere auflehnen dürfe. Dieses Gesetz sollte nur sechs Monate in
+Kraft bleiben, und viele von Denen, welche dafür stimmten, glaubten
+wahrscheinlich, daß es nach Ablauf dieser Frist als erloschen betrachtet
+werden würde. Die Bill ging rasch und leicht durch. Im Hause der
+Gemeinen wurde nicht eine einzige Abstimmung darüber vorgenommen. Eine
+mildernde Clausel, welche ein eigenthümliches Licht auf die damaligen
+Sitten wirft, wurde nach der dritten Lesung als Zusatz angefügt. Diese
+Clausel bestimmte, daß ein Kriegsgericht zu keiner andren Zeit als in
+den Stunden zwischen sechs Uhr Morgens und ein Uhr Nachmittags ein
+Todesurtheil fällen sollte. Man speiste damals zeitiger als jetzt, und
+es war nur zu wahrscheinlich, daß ein Gentleman unmittelbar nach Tisch
+in einem Zustande sein werde, in welchem ihm das Leben seiner
+Mitmenschen nicht füglich anvertraut werden konnte. Mit diesem
+Amendement wurde die erste und conciseste von unseren zahlreichen
+Meutereibills den Lords zugeschickt, durchlief dort binnen wenigen
+Stunden alle parlamentarischen Stadien und ward vom Könige
+genehmigt.[50]
+
+So geschah ohne eine einzige abweichende Stimme im Parlamente, und ohne
+das leiseste Murren unter dem Volke, der erste Schritt zu einer
+Veränderung, welche zum Wohle des Staates nothwendig geworden war, die
+aber zur Zeit jede Partei im Staate mit der größten Besorgniß und dem
+entschiedensten Widerwillen betrachtete. Die sechs Monate vergingen und
+die öffentliche Gefahr war noch immer dieselbe. Die zur Aufrechthaltung
+der militärischen Disciplin nöthige Gewalt wurde der Krone nochmals auf
+kurze Zeit zugestanden. Die Vollmacht erlosch wieder, und wieder wurde
+sie erneuert. So versöhnte die Gewohnheit ganz allmälig die öffentliche
+Meinung mit den einst so verhaßten Namen: stehendes Heer und
+Kriegsgericht. Die Erfahrung bewies, daß in einem wohleingerichteten
+Staate berufsmäßige Soldaten einem auswärtigen Feinde Respect einflößen
+und doch der bürgerlichen Gewalt gehorsam sein könnten. Was zuerst als
+Ausnahme geduldet worden, begann nun als Regel betrachtet zu werden.
+Keine Session verging mehr ohne eine Meutereibill. Als es endlich klar
+wurde, daß eine politische Umgestaltung von höchster Wichtigkeit in
+einer Weise stattfand, daß man es kaum bemerkte, da erhoben einige
+Aufwiegler, welche die Hand der Regierung schwächen wollten, und auch
+einige ehrenwerthe Männer, die eine aufrichtige, obwohl unverständige
+Achtung vor jeder alten constitutionellen Tradition hegten und nicht
+begreifen konnten, daß eine Einrichtung, die auf der einen Stufe des
+gesellschaftlichen Fortschritts schädlich ist, auf einer andren Stufe
+unerläßlich sein kann, ein lautes Geschrei. Dieses Geschrei wurde jedoch
+mit den Jahren immer schwächer und schwächer. Die mit jedem Frühjahr
+wiederkehrende Debatte über die Meutereibill wurde bald nur noch als
+eine Gelegenheit betrachtet, bei welcher hoffnungsvolle junge Redner,
+die eben aus dem Christchurch-Collegium kamen, debutiren und erzählen
+konnten, wie die Garden des Pisistratus sich der Citadelle von Athen
+bemächtigten und wie die prätorianischen Cohorten das Römische Reich an
+Didius verkauften. Endlich wurden diese Declamationen zu lächerlich,
+um immer aufs neue wiederholt zu werden. Der altfränkischste,
+überspannteste Politiker konnte unter der Regierung Georg's III.
+schwerlich noch behaupten, daß man keine regulären Truppen brauche, oder
+daß das gewöhnliche Recht, von den ordentlichen Gerichtshöfen
+gehandhabt, unter solchen Truppen die Disciplin mit Erfolg aufrecht
+erhalten könne. Da alle Parteien über das allgemeine Prinzip einig
+waren, so ging eine lange Reihe von Meutereibills ohne Discussion durch,
+ausgenommen wenn ein einzelner Artikel des Militärstrafgesetzbuches
+einer Abänderung bedurfte. Dem Umstande, daß die Armee so allmälig und
+fast unmerklich eine der Institutionen England's geworden, ist es
+vielleicht zuzuschreiben, daß sie in so vollkommenem Einklange mit allen
+anderen Institutionen gehandelt hat, in hundertsechzig Jahren nicht ein
+einziges Mal dem Throne untreu oder dem Gesetze ungehorsam geworden ist,
+nicht ein einziges Mal sich gegen die Gerichtshöfe aufgelehnt oder die
+Wahlkörper durch Drohungen eingeschüchtert hat. Bis auf den heutigen Tag
+jedoch fahren die Stände des Reichs mit lobenswerthem Mißtrauen fort,
+der in den Tagen der Revolution gezogenen Grenze von Zeit zu Zeit einen
+Markstein beizufügen. Jedes Jahr wiederholen sie feierlich den in der
+Rechtserklärung ausgesprochenen Grundsatz und bewilligen dann dem
+Souveraine die außerordentliche Befugniß, eine gewisse Anzahl Soldaten
+auf die Dauer weiterer zwölf Monate nach bestimmten Regeln zu
+unterhalten.
+
+ [Anmerkung 50: +Stat. 1. W. & M. sess. I. c. 5.+; +Commons'
+ Journals+; +March 28. 1689.+]
+
+
+[_Suspension der Habeas-Corpus-Acte._] In der nämlichen Woche, in
+welcher die erste Meutereibill auf den Tisch der Gemeinen niedergelegt
+wurde, ging ein andres durch den noch unbefestigten Zustand des
+Königreichs nöthig gewordenes temporäres Gesetz durch. Seit Jakob's
+Flucht waren viele Personen, welche muthmaßlich an seinen ungesetzlichen
+Handlungen starken Antheil gehabt oder in Complots zu seiner
+Restauration verwickelt gewesen, verhaftet und eingekerkert worden.
+Während der Vacanz des Thrones konnten diese Leute aus der
+Habeas-Corpus-Acte keinen Nutzen ziehen, denn die Maschinerie, durch
+welche allein diese Acte in Ausführung gebracht werden konnte, existirte
+nicht mehr, und während des ganzen Hilariustermins waren alle
+Gerichtshöfe in Westminster-Hall geschlossen geblieben. Jetzt, wo die
+ordentlichen Gerichte ihre Thätigkeit wieder beginnen sollten, fürchtete
+man, daß alle diejenigen Gefangenen, deren Prozesse nicht sogleich
+erledigt werden konnten, ihre Freiheit verlangen und erhalten würden.
+Es wurde deshalb eine Bill eingebracht, welche den König ermächtigte,
+solche Leute, bei denen er schlimme Absichten gegen seine Regierung
+vermuthete, einige Wochen lang in Haft zu halten. Diese Bill ward in
+beiden Häusern mit wenig oder keiner Opposition angenommen.[51] Allein
+die Mißvergnügten außerhalb der Kammern unterließen nicht zu bemerken,
+daß die Habeas-Corpus-Acte unter der vorigen Regierung nicht einen Tag
+suspendirt worden sei. Es sei Mode, Jakob einen Tyrannen und Wilhelm
+einen Befreier zu nennen. Dennoch habe der Befreier, noch ehe er einen
+Monat auf dem Throne gesessen, die Engländer eines kostbaren Rechtes
+beraubt, das der Tyrann respectirt habe.[52] Es ist dies ein Vorwurf,
+der jede aus einer Volksrevolution hervorgegangene Regierung fast
+unvermeidlich trifft. Die Menschen halten sich natürlich für berechtigt,
+von einer solchen Regierung eine mildere und freisinnigere Verwaltung zu
+verlangen, als man sie von einer alten und tief eingewurzelten Macht
+erwartet. Gleichwohl kann eine solche Regierung, da sie stets viele
+thätige Feinde, aber nicht die aus der Rechtmäßigkeit und Verjährung
+hervorgehende Stärke hat, sich anfangs nur durch eine Wachsamkeit und
+Strenge halten, deren eine alte und tief eingewurzelte Macht nicht
+bedarf. Außerordentliche und unregelmäßige Vertheidigungen der
+öffentlichen Freiheit sind zuweilen nothwendig; aber, obgleich
+nothwendig, ziehen sie doch fast immer einige zeitweilige Verkürzungen
+eben dieser Freiheit nach sich, und jede solche Verkürzung ist ein
+fruchtbares und plausibles Thema für Spott und Schmähung.
+
+ [Anmerkung 51: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 2.+]
+
+ [Anmerkung 52: Ronquillo vom 8.(18.) März 1689.]
+
+
+[_Unpopularität Wilhelm's._] Leider war es nur zu wahrscheinlich, daß
+die gegen Wilhelm gerichteten Sarkasmen und Schmähungen ein geneigtes
+Ohr finden würden. Jede der beiden großen Parteien hatte ihre Gründe,
+unzufrieden mit ihm zu sein, und in einigen Beschwerden stimmten beide
+Parteien mit einander überein. Sein Benehmen gab fast allgemeinen
+Anstoß. In der That eignete er sich viel besser dazu, eine Nation zu
+retten, als einen Hof zu zieren. In den höchsten staatsmännischen
+Talenten kam ihm unter seinen Zeitgenossen Keiner gleich. Er hatte Pläne
+entworfen, die an Großartigkeit und Kühnheit denen eines Richelieu nicht
+nachstanden, und er hatte sie mit einem Takt und einer Besonnenheit
+durchgeführt, die eines Mazarin würdig waren. Zwei Länder, die Sitze der
+bürgerlichen Freiheit und des reformirten Glaubens, waren durch seine
+Weisheit und durch seinen Muth vor den schlimmsten Gefahren behütet
+worden. Holland hatte er von fremden, England von einheimischen Feinden
+befreit. Anscheinend unübersteigliche Hindernisse hatten sich zwischen
+ihm und seinen Plänen aufgethürmt, und sein Genie hatte diese
+Hindernisse in Schrittsteine verwandelt. Seine Geschicklichkeit hatte es
+dahin zu bringen gewußt, daß die Erbfeinde seines Hauses ihm halfen
+einen Thron besteigen und daß die Verfolger seines Glaubens ihm
+behülflich waren, seinen Glauben gegen Verfolgung zu schützen. Flotten
+und Heere, welche aufgeboten worden waren ihm Widerstand zu leisten,
+hatten sich ohne einen Kampf seinen Befehlen unterworfen. Politische und
+kirchliche Parteien, durch tödtlichen Haß getrennt, hatten ihn als ihr
+gemeinsames Oberhaupt anerkannt. Ohne Blutvergießen, ohne Verheerungen
+hatte er einen Sieg errungen, im Vergleich mit dem alle Siege Gustav's
+und Turenne's unbedeutend waren. Binnen wenigen Wochen hatte er die
+gegenseitige Stellung sämmtlicher Staaten Europa's verändert und das
+Gleichgewicht wiederhergestellt, welches durch das Übergewicht einer
+Macht gestört worden war. Fremde Völker ließen seinen eminenten
+Eigenschaften volle Gerechtigkeit widerfahren. In jedem festländischen
+Staate, wo es protestantische Gemeinden gab, sandte man heiße Dankgebete
+zu Gott, der aus dem Stamme seiner Diener, Moritz' des Befreiers von
+Deutschland, und Wilhelm's des Befreiers von Holland, einen dritten
+Befreier, den weisesten und mächtigsten von allen, hatte hervorgehen
+lassen. In Wien, in Madrid, ja selbst in Rom ward der tapfere und
+scharfsinnige Ketzer als das Haupt des großen Bundes gegen das Haus
+Bourbon geehrt, und sogar in Versailles war der Haß, den man gegen ihn
+empfand, stark mit Bewunderung gemischt.
+
+Bei uns wurde er minder günstig beurtheilt. In der That, unsere
+Vorfahren betrachteten ihn in dem allerschlechtesten Lichte. Die
+Franzosen, die Deutschen und die Italiener sahen ihn aus einer solchen
+Entfernung, daß sie nur das Große erkannten und daß seine kleinen Fehler
+ihnen entgingen. Den Holländern stand er nahe, denn er war selbst
+ein Holländer. In seinem Verkehr mit ihnen wurde er von der
+vortheilhaftesten Seite betrachtet; bei ihnen fühlte er sich vollkommen
+heimisch, und unter ihnen hatte er sich seine ersten und theuersten
+Freunde gewählt. Den Engländern aber erschien er unter einem höchst
+ungünstigen Gesichtspunkte. Er stand ihnen zu gleicher Zeit zu nahe und
+zu fern. Er lebte mitten unter ihnen, so daß die geringsten Eigenheiten
+seines Charakters und seiner Sitten ihnen nicht entgehen konnten;
+dennoch aber lebte er abgesondert von ihnen und war in ihren Augen in
+Sprache, Neigungen und Gewohnheiten entschieden ein Fremdling.
+
+Es war seit langer Zeit eine der Hauptfunctionen unserer Regenten, an
+der Spitze der Londoner Gesellschaft zu stehen. Diese Function hatte
+Karl II. mit ungeheurem Glück ausgeübt. Seine Leutseligkeit, seine
+hübschen Anekdoten, die Art und Weise, wie er tanzte und Ball spielte,
+der Ton seines herzlichen Lachens, waren jedem Londoner bekannt. Einmal
+sah man ihn unter den Ulmen von St. James Park mit Dryden über Poesie
+plaudern;[53] ein andermal lag sein rechter Arm auf Durfey's Schulter
+und der linke ruhte auf einem andren, während sein Begleiter +»Phillida,
+Phillida«+ oder +»To horse, brave boys, to Newmarket, to horse«+
+sang.[54] Auch Jakob war, obwohl viel weniger lebhaft und leutselig,
+doch ebenfalls zugänglich und gegen Leute, die ihm nicht in den Weg
+traten, sogar artig. Diese Geselligkeit aber ging Wilhelm gänzlich ab.
+Er verließ nur selten sein Arbeitskabinet, und wenn er einmal in den
+Empfangszimmern erschien, so stand er ernst und sinnend unter dem
+Schwarme der Cavaliere und Hofdamen, ohne daß ein Scherz, oder nur ein
+Lächeln seinen Lippen entschlüpfte. Sein unfreundliches Aussehen, sein
+Stillschweigen und die kurzen, trocknen Antworten, die er gab, wenn er
+nicht länger schweigen konnte, entfremdeten ihm Adel und Gentry, welche
+gewohnt waren, von ihren königlichen Gebietern auf die Schulter
+geklopft, Jack oder Harry gerufen, wegen gewonnener Wetten
+beglückwünscht und mit bekannten Schauspielerinnen aufgezogen zu werden.
+Die Frauen vermißten die ihrem Geschlecht gebührenden Huldigungen. Sie
+bemerkten, daß der König selbst mit der Frau, der er so viel verdankte
+und die er aufrichtig liebte und achtete, in einem etwas gebieterischen
+Tone sprach.[55] Es amüsirte und verdroß sie zugleich, wie er, als die
+Prinzessin Anna einmal bei ihm speiste und die ersten grünen Erbsen auf
+die Tafel kamen, den ganzen Inhalt der Schüssel verzehrte, ohne Ihrer
+Königlichen Hoheit einen Löffelvoll davon anzubieten, und sie erklärten,
+dieser große Feldherr und Staatsmann sei nicht viel besser als ein
+niederländischer Bär.[56]
+
+Ein Mangel, der ihm als ein Verbrechen angerechnet wurde, war sein
+schlechtes Englisch. Er sprach unsre Sprache, aber nicht gut. Sein
+Accent war ausländisch, seine Aussprache entbehrte der Eleganz und sein
+Vokabularium schien nicht umfänglicher zu sein, als es zur Erledigung
+von Geschäften nöthig war. Dem Umstande, daß es ihm schwer wurde sich
+auszudrücken und daß er sich seiner schlechten Aussprache bewußt war,
+müssen seine Schweigsamkeit und seine kurzen Antworten, die so großes
+Ärgerniß gaben, theilweis zugeschrieben werden. Unsre Literatur zu
+goutiren oder zu verstehen war er unfähig. Nicht ein einziges Mal
+während seiner ganzen Regierung erschien er im Theater.[57] Die Dichter,
+welche pindarische Verse zu seinem Lobe schrieben, beklagten sich, daß
+ihre sublimen Poesien über seinen Horizont gingen,[58] Wer indessen die
+panegyrischen Oden jener Zeit kennt, wird vielleicht der Meinung sein,
+daß er durch seine Unbekanntschaft damit nicht viel verlor.
+
+ [Anmerkung 53: Man vergleiche was Spence darüber in seinen
+ +Anecdotes of the Origin of Dryden's Medals+ sagt.]
+
+ [Anmerkung 54: +Guardian, No. 67+.]
+
+ [Anmerkung 55: Man hat zahlreiche Beweise, daß Wilhelm zwar ein
+ sehr liebevoller aber nicht immer galanter Gemahl war. Doch keinen
+ Glauben verdient die Anekdote, welche in dem Briefe erzählt wird,
+ den Dalrymple 1773 thörichterweise als von Nottingham herrührend
+ veröffentlichte, in der Ausgabe von 1790 aber wohlweislich
+ wegließ. Wie Jemand, der die geringste Kenntniß von der Geschichte
+ der damaligen Zeit hatte, sich so gröblich irren konnte, ist
+ schwer zu begreifen, besonders da die Handschrift durchaus keine
+ Ähnlichkeit mit der Nottingham's hat, welche Dalrymple genau
+ kannte. Der Brief ist offenbar ein gewöhnlicher Neuigkeitsbrief,
+ von einem Scribenten verfaßt, der den König und die Königin
+ nur bei einer öffentlichen Gelegenheit gesehen und dessen
+ Anekdoten sich auf keine bessere Autorität gründen als auf
+ Kaffeehausgeschwätz.]
+
+ [Anmerkung 56: Ronquillo; Burnet, II, 2.; +The Duchess of
+ Marlborough's Vindication+. In einem Hirtendialog zwischen
+ Philander und Palämon, der 1691 erschien, wird das Mißfallen
+ erwähnt, mit welchem die vornehmen Damen Wilhelm betrachteten.
+ Philander sagt:
+
+ Der Mann sollt' haben doch etwas mehr Verstand
+ Sonst fällt er noch ein zweites Mal durch schwache Frauenhand.]
+
+ [Anmerkung 57: Tutchin's +Observator+ vom 16. November 1706.]
+
+ [Anmerkung 58: Prior, dem Wilhelm viel Gutes erwies und der sich
+ sehr dankbar dafür zeigte, sagt uns, daß der König poetische
+ Lobreden nicht verstand. Die Stelle findet sich in einer höchst
+ interessanten Handschrift, welche Lord Lansdowne besitzt.]
+
+
+[_Popularität Mariens._] Seine Gemahlin that allerdings ihr Möglichstes,
+um das Fehlende zu ergänzen, und sie war in der That vortrefflich
+geeignet, an der Spitze eines Hofes zu stehen. Sie war nicht nur von
+Geburt, sondern auch in ihren Neigungen und Gesinnungen eine
+Engländerin. Sie besaß ein hübsches Gesicht, eine majestätische Haltung,
+ein sanftes, heiteres Gemüth und leutselige, gewinnende Manieren. Ihr
+Geist war, obwohl sehr unvollkommen ausgebildet, ungemein lebhaft; ihrer
+Unterhaltung fehlte es nicht an weiblichem Witz und Muthwillen und ihre
+Briefe waren so gut abgefaßt, daß sie wohl verdient hätten,
+orthographisch richtig geschrieben zu sein. Sie fand viel Geschmack an
+den leichteren Zweigen der Literatur und trug nicht wenig dazu bei,
+unter den vornehmen Damen Bücher in Aufnahme zu bringen. Die makellose
+Reinheit ihres Privatlebens und die strenge Gewissenhaftigkeit, mit der
+sie ihre religiösen Pflichten erfüllte, waren um so achtungswerther, als
+sie durchaus frei war von Tadelsucht und den bösen Leumund eben so wenig
+unterstützte wie das Laster. In dem Mißfallen an üblen Nachreden stimmte
+sie zwar mit ihrem Gemahl vollkommen überein; aber Beide äußerten ihr
+Mißfallen auf verschiedene und sehr charakteristische Weise. Wilhelm
+beobachtete das tiefste Stillschweigen, warf aber dem Verleumder einen
+Blick zu, daß ihm, wie Jemand sagte, der einem solchen Blick einmal
+begegnet war, sich aber wohl hütete, ihm zum zweiten Male zu begegnen,
+die Geschichte im Halse stecken blieb.[59] Marie suchte dem Geschwätz
+über Entführungen, Zweikämpfe und Spielschulden dadurch ein Ende zu
+machen, daß sie die Schwätzer sehr ruhig aber doch nachdrücklich fragte,
+ob sie ihre Lieblingspredigt, die des Doctors Tillotson über den bösen
+Leumund, gelesen hätten. Ihre Wohlthaten spendete sie mit freigebiger
+Hand und richtigem Takt, und obgleich sie nie damit prahlte, wußte man
+doch, daß sie ihre eigenen Bedürfnisse einschränkte, um Protestanten zu
+unterstützen, welche die Verfolgung aus Frankreich und Irland vertrieben
+hatte und die in den Mansarden London's darbten. Ihr Benehmen war so
+liebenswürdig, daß die Ehrenwertheren unter Denen, welche die Art und
+Weise ihrer Erhebung auf den Thron mißbilligten, und selbst unter Denen,
+die sie als Königin gar nicht anerkennen wollten, allgemein mit Achtung
+und Liebe von ihr sprachen. In den jakobitischen Libellen der damaligen
+Zeit, die an Gift und Galle Alles was die neuere Zeit derartiges
+hervorgebracht, weit hinter sich zurücklassen, wird ihrer nicht oft mit
+Strenge gedacht. Sie äußerte sogar selbst zuweilen ihre Verwunderung
+darüber, daß Pasquillanten, die sonst nichts achteten, doch ihren Namen
+respectirten. Gott, sagte sie, kenne ihre schwachen Seiten. Sie sei zu
+empfindlich gegen Schmähungen und Verleumdungen, er habe ihr gnädig eine
+Prüfung erspart, die über ihre Kräfte gehe, und der beste Dank, den sie
+ihm dafür bezeigen könne, bestehe darin, daß sie keine boshaften
+Ausfälle über den Charakter Anderer dulde. Überzeugt, daß sie das volle
+Vertrauen und die ganze Zuneigung ihres Gemahls besaß, brach sie seinen
+scharfen Reden bald durch sanfte, bald durch scherzhafte Antworten die
+Spitze ab und verwendete die ganze Macht ihrer vielen liebenswürdigen
+Eigenschaften dazu, ihm die Herzen des Volks zu gewinnen.[60]
+
+ [Anmerkung 59: +Mémoires originaux sur le règne et la cour de
+ Frédéric I., Roi de Prusse, écrits par Christophe, Comte de Dohna.
+ Berlin 1833.+ Es ist auffällig, daß dieses interessante Werk in
+ England fast unbekannt ist. Das einzige Exemplar, das mir zu
+ Gesicht gekommen, erhielt ich durch die Gefälligkeit des Sir
+ Robert Adair. +»Le Roi,«+ sagt Dohna, +»avoit une autre qualité
+ très estimable, qui est celle de n'aimer point qu'on rendit de
+ mauvais offices à personne par des railleries.«+ Der Marquis de la
+ Forêt versuchte es einst, Se. Majestät auf Kosten eines englischen
+ Cavaliers zu unterhalten. +»Ce prince,«+ schreibt Dohna, +»prit
+ son air sévère, et, le regardant sans mot dire lui fit rentrer les
+ paroles dans le ventre. Le Marquis m'en fit ses plaintes quelques
+ heures après. J'ai mal pris ma bisque', dit-il; j'ai cru faire
+ l'agréable sur le chapitre de Milord . . . ., mais j'ai trouvé à
+ qui parler, et j'ai attrapé un regard du roi qui m'a fait passer
+ l'envie de rire.«+ Dohna glaubte Wilhelm werde es mit dem Rufe
+ eines Franzosen weniger genau nehmen, und versuchte ebenfalls das
+ Experiment. Aber, sagt er, +»j'eus à peu près le même sort que M.
+ de la Forêt.«+]
+
+ [Anmerkung 60: Vergleiche den Bericht des Whigs Burnet über Marien
+ mit dem was der Tory Evelyn in seinem Tagebuche unterm 8. März
+ 1694/95, und mit dem, was der Eidverweigerer über sie sagt, der
+ 1695 den Brief an Erzbischof Tennison in Bezug auf ihren Tod
+ schrieb. Der Eindruck, den Wilhelm's Schroffheit und Zurückhaltung
+ und Mariens Anmuth und Liebenswürdigkeit auf das Volk machten,
+ spricht sich in den Überresten der Straßenpoesie jener Zeit aus.
+ Folgendes eheliche Gespräch kann man noch auf dem Originalblatte
+ lesen:
+
+ Dann sprach Marie, unsre gnäd'ge Königin:
+ Mein hoher König und Gemahl, wo wollt Ihr hin?
+ Drauf sagt er rasch: Den nenn' ich keinen Mann,
+ Der sein Geheimniß einem Weib vertrauet an.
+ Die Kön'gin hierauf spricht bescheiden:
+ Der güt'ge Himmel woll' Euch denn geleiten,
+ Euch schützen vor Gefahr, mein fürstlicher Gemahl,
+ Das wird mein bester Trost sein allzumal.
+
+ Diese Strophen befinden sich in einer werthvollen Sammlung, welche
+ Mr. Richard Holer anlegte und die jetzt Eigenthum des Mr. Broderip
+ ist, der so gefällig war, sie mir zu leihen. In einem der
+ zügellosesten jakobitischen Pasquille vom Jahre 1689 wird Wilhelm,
+ seiner Gemahlin gegenüber, als ein »Bauerlümmel« bezeichnet, über
+ den sie sich nur lustig mache.]
+
+
+[_Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton Court verlegt._] Hätte
+sie noch lange die beste Gesellschaft London's um sich versammelt, so
+würde ihre Freundlichkeit und Leutseligkeit wahrscheinlich noch viel
+dazu beigetragen haben, den ungünstigen Eindruck, den sein finstres und
+abstoßendes Wesen machte, zu verwischen. Leider war es ihm jedoch seiner
+Gesundheit wegen unmöglich, in Whitehall zu residiren. Die Luft von
+Westminster, vermischt mit den feuchten Ausdünstungen des Flusses,
+der bei Springfluthen die Höfe des Palastes überschwemmte, mit dem
+Steinkohlenrauche von zweimalhunderttausend Schornsteinen und mit den
+mephitischen Dünsten des Kothes, den man damals ungehindert in den
+Straßen sich anhäufen ließ, war ihm unerträglich, denn er hatte eine
+schwache Brust und außerordentlich feine Geruchsnerven. Sein unheilbares
+Asthma machte reißende Fortschritte, und seine Ärzte erklärten es für
+unmöglich, daß er das Ende des Jahres erleben könne. Sein Gesicht war so
+leichenhaft, daß er kaum noch zu erkennen war. Diejenigen, welche mit
+ihm zu verkehren hatten, hörten ihn mit Entsetzen nach Athem ringen und
+husten, daß ihm die Thränen über die Wangen liefen.[61] Und sein Geist,
+so stark er übrigens war, litt mit dem Körper. Wohl war sein Urtheil
+noch so klar und scharf als je; aber seit einigen Monaten war eine
+merkliche Erschlaffung der Energie eingetreten, durch die er sich früher
+ausgezeichnet hatte; selbst seine holländischen Freunde flüsterten
+einander zu, daß er nicht mehr der Nämliche sei, der er im Haag
+gewesen.[62] Es war schlechterdings nothwendig, daß er London verließ,
+und er verlegte daher seine Residenz in die reinere Luft von Hampton
+Court. Dieses von dem prachtliebenden Wolsey begonnene Schloß war ein
+schönes Muster der Architectur, welche unter den ersten Tutors in
+England blühte; die Gemächer desselben aber waren nach den Begriffen des
+17. Jahrhunderts nicht ganz geeignet für eine königliche Wohnung. Unsere
+Souveraine hatten daher seit der Restauration diese Residenz nur selten
+und nur dann benutzt, wenn sie einige Zeit recht eingezogen leben
+wollten. Da aber Wilhelm gesonnen war, das verlassene Gebäude zu seinem
+Hauptwohnsitze zu erwählen, mußte er Bauten und Anpflanzungen vornehmen,
+was ihm im Grunde gar nicht unlieb war. Denn, wie die Mehrzahl seiner
+Landsleute, fand er Vergnügen daran, ein Landhaus auszuschmücken,
+und nächst der Jagd waren Baukunst und Gärtnerei seine
+Lieblingszerstreuungen. Er hatte bereits in einer sandigen Haide von
+Geldern ein Paradies geschaffen, das viele Neugierige aus Holland und
+Westphalen herbeizog. Marie hatte den Grundstein zu dem Schlosse gelegt,
+und Bentinck hatte die Anlage der Fischteiche geleitet. Es gab dort
+Wasserfälle und Grotten, eine große Orangerie und ein Vogelhaus, das
+Hondekoeter zahlreiche Exemplare buntgefiederter Vögel lieferte.[63] Der
+König sehnte sich in seiner glänzenden Verbannung nach dieser
+Lieblingsresidenz und fand einigen Trost darin, daß er sich an den Ufern
+der Themse ein zweites Loo schaffen konnte. Bald war eine große
+Bodenfläche mit regelmäßigen Alleen und Gartenanlagen bedeckt. Viel
+müßiger Scharfsinn wurde aufgeboten, um das verwickelte grüne Labyrinth
+anzulegen, das fünf Generationen von Londoner Sonntagsbesuchern mit
+Staunen und Freude erfüllt hat. Dreißigjährige Linden wurden aus den
+benachbarten Wäldern dahin verpflanzt, um die Alleen zu beschatten.
+Künstliche Springbrunnen warfen ihren Wasserstrahl zwischen den
+Blumenbeeten empor. Ein neues Residenzschloß, zwar nicht vom reinsten
+Styl, aber stattlich, geräumig und bequem, erstand unter Wren's Leitung.
+Das Wandgetäfel war mit dem reichen und zarten Schnitzwerk eines Gibbons
+verziert. Die Treppenhäuser entzückten das Auge durch Verrio's herrliche
+Fresken. In jedem Winkel des Gebäudes zeigte sich ein Überfluß von
+reizenden Tändeleien, welche englischen Augen noch ungewohnt waren.
+Marie hatte aus dem Haag eine Liebhaberei für chinesisches Porzellan
+mitgebracht, und sie legte jetzt in Hampton Court eine große Sammlung
+häßlicher Figuren und Gefäße an, auf denen Häuser, Bäume, Brücken und
+Mandarine in haarsträubendstem Widerspruch mit allen Regeln der
+Perspective abgemalt waren. Diese Mode, welche so von der
+liebenswürdigen Königin eingeführt wurde, verbreitete sich rasch und
+weit. Nach wenigen Jahren enthielt fast jedes vornehme Haus im
+Königreiche ein Museum solcher grotesker Spielereien. Selbst
+Staatsmänner und Generäle schämten sich nicht des Rufes, den Werth von
+Theekannen und Drachen richtig schätzen zu können, und die Satyriker
+wiederholten lange Zeit hindurch, daß eine schöne Dame ihr buntbemaltes
+Porzellangeschirr eben so hoch halte als ihren Affen und viel höher als
+ihren Gatten.[64] Doch der neue Palast wurde auch mit Kunstwerken andrer
+Art ausgeschmückt. Es ward eine Gallerie für die Cartons von Raphael
+gegründet. Diese herrlichen Bilder, damals und noch heute die schönsten
+diesseits der Alpen, waren durch Cromwell vor dem Schicksale bewahrt
+worden, das die meisten anderen Meisterwerke der Sammlung Karl's I.
+getroffen; aber man hatte sie viele Jahre in ihren hölzernen Kisten
+ruhen lassen. Jetzt wurden sie aus dem Dunkel hervorgezogen, um von den
+Künstlern mit Bewunderung und Verzweiflung betrachtet zu werden. Die
+Kosten der Bauten und Einrichtungen von Hampton Court waren ein
+Gegenstand bitterer Beschwerde für viele Tories, welche die grenzenlose
+Verschwendung, mit der Karl II. die Wohnung der Herzogin von Portsmouth
+gebaut und umgebaut, möblirt und anders möblirt, nur sehr mild getadelt
+hatten.[65] Die Kosten waren jedoch nicht der Hauptgrund der
+Unzufriedenheit, welche Wilhelm's Residenzwechsel erregte. Es gab keinen
+Hof mehr in Westminster; Whitehall, einst der tägliche Sammelplatz der
+Vornehmen und Mächtigen, der Schönen und Heiteren, der Ort, wohin
+Dandies kamen, um ihre neuen Perrücken zu zeigen, Ritter der Galanterie,
+um mit schönen Damen zu liebäugeln, Politiker, um ihr Glück zu
+verfolgen, Müßiggänger, um Neuigkeiten zu hören, Landedelleute, um die
+königliche Familie zu sehen, war jetzt, zur lebhaftesten Zeit des
+Jahres, während London mit Fremden und Einheimischen gefüllt und das
+Parlament versammelt war, gänzlich verödet. Eine einsame Schildwache
+schritt auf dem von Gras überwucherten Pflaster vor dem Eingange auf und
+ab, der einst zu eng gewesen war für die sich begegnenden Ströme der
+kommenden und gehenden Höflinge. Die Dienste, welche die Hauptstadt dem
+Könige geleistet, waren groß und noch neu, und man meinte, er habe diese
+Dienste wohl besser vergelten können, als damit, daß er London
+behandelte, wie Ludwig Paris behandelt habe. Halifax hatte den Muth,
+dies anzudeuten; aber wenige Worte, die keine Erwiederung zuließen,
+brachten ihn zum Schweigen. »Wollen Sie, daß ich sterbe?« sagte Wilhelm
+in gereiztem Tone.[66]
+
+ [Anmerkung 61: +Burnet II. 2.+; +Burnet M.S. Harl. 6584.+
+ Ronquillo spricht sich noch viel umständlicher aus: +»Nada se ha
+ visto desfigurado+; +y, quantas veces he estado con el, le he
+ visto toser tanto que se le saltaban las lagrimas, y se ponia
+ moxado y arrancando; y confiesan los medicos que es una asma
+ incurable.«+ 8.(18.) März 1689. Avaux schrieb in demselben Sinne
+ aus Irland: +»La santé de l'usurpateur est fort mauvaise. L'on ne
+ croit pas qu'il vive un an.«+ 8.(18.) April.]
+
+ [Anmerkung 62: +»Hasta decir los mismos Hollandeses que lo
+ desconozean«+, sagt Ronquillo. +»Il est absolument mal propre pour
+ le rôle qu'il a à jouer à l'heure qu'il est,«+ sagt Avaux.
+ +»Slothful and sickly,«+ sagt Evelyn, 29. März 1689.]
+
+ [Anmerkung 63: Siehe Harris' Beschreibung von Loo, 1699.]
+
+ [Anmerkung 64: Wer die Werke Pope's und Addison's kennt, wird sich
+ ihrer Sarkasmen über diese Mode erinnern. Lady Marie Wortley
+ Montague schlug sich auf die andre Seite. »Alte Chinoiserien,«
+ sagt sie, »machen Niemandes Geschmack Unehre, da der Herzog von
+ Argyle Gefallen daran fand, dessen Einsicht niemals, weder von
+ seinen Freunden noch von seinen Feinden, in Zweifel gezogen worden
+ ist.«]
+
+ [Anmerkung 65: Über die Bauten in Hampton Court siehe +Evelyn's
+ Diary, Juli 16. 1689+; +The Tour through Great Britain, 1724+;
+ +the British Apelles+; +Horace Walpole on Modern Gardening+;
+ +Burnet II. 2, 3.+
+
+ Als Evelyn 1662 in Hampton Court war, waren die Cartons noch nicht
+ zu sehen. Die Triumphe von Andrea Montegna galten damals für die
+ schönsten Gemälde des Palastes.]
+
+ [Anmerkung 66: +Burnet, II. 2+; +Reresby's Memoirs.+ Ronquillo
+ schreibt wiederholt in diesem Sinne. Zum Beispiel: +»Bien quisiera
+ que el Rey fuese mas comunicable, y se acomodase un poco mas al
+ humor sociable de los Ingleses, y que estubiera en Londres: pero
+ es cierto que sus achaques no se lo permiten.«+ 8.(18.) Juli 1689.
+ Avaux schreibt um dieselbe Zeit aus Irland an Croissy: +»Le Prince
+ d'Orange est toujours à Hampton Court, et jamais à la ville: et le
+ peuple est fort mal satisfait de cette manière bizarre et
+ retirée.«+]
+
+
+[_Der Hof in Kensington._] Es zeigte sich bald, daß Hampton Court zu
+weit vom Hause der Lords und der Gemeinen wie von den öffentlichen
+Ämtern entfernt war, um der gewöhnliche Wohnsitz des Souverains werden
+zu können. Anstatt jedoch nach Whitehall zurückzukehren, beschloß
+Wilhelm, eine andre Residenz zu beziehen, welche zur Leitung der
+Regierungsgeschäfte nahe genug bei der Hauptstadt lag, doch aber nicht
+so nahe, um im Bereiche der Atmosphäre zu sein, in der er keine Nacht
+zubringen konnte ohne Gefahr, zu ersticken. Einmal dachte er an Holland
+House, die Villa der vornehmen Familie Rich, und er residirte wirklich
+einige Wochen daselbst.[67] Endlich aber entschied er sich für
+Kensington House, den Landsitz des Earl von Nottingham. Es wurde für
+achtzehntausend Guineen angekauft, und dem Ankaufe folgten neue Bauten,
+neue Anpflanzungen, neue Geldausgaben und neue Unzufriedenheit.[68]
+Gegenwärtig wird Kensington House als zu London gehörend betrachtet;
+damals aber war es ein Landsitz und konnte zu jenen Zeiten der
+Straßenräuber und nächtlichen Ruhestörer, der kothigen Straßen und
+schlechten Beleuchtung, nicht füglich der Sammelplatz der vornehmen
+Gesellschaft sein.
+
+ [Anmerkung 67: Mehrere von seinen Briefen an Heinsius sind von
+ Holland House datirt.]
+
+ [Anmerkung 68: +Narcissus Luttrell's Diary+; +Evelyn's Diary,
+ Feb. 25. 1689/90.+]
+
+
+[_Wilhelm's ausländische Günstlinge._] Es war wohl bekannt, daß der
+König, der die englische Noblesse und Gentry so unfreundlich behandelte,
+in einem kleinen Kreise seiner Landsleute herablassend, vertraulich und
+selbst heiter sein, seine Gedanken in fröhlicher Unterhaltung
+aussprechen und sein Glas oft, vielleicht zu oft, füllen konnte, und
+dies erschwerte in den Augen unserer Vorfahren seine Schuld. Unsere
+Vorfahren hätten jedoch so viel gesunden Sinn und Gerechtigkeitsliebe
+haben sollen, um zuzugestehen, daß der Patriotismus, den sie an sich
+selbst als eine Tugend betrachteten, bei ihm kein Fehler sein konnte. Es
+war ungerecht ihn deshalb zu tadeln, daß er die Liebe, die er zu seinem
+Geburtslande hegte, nicht mit einem Male auf unsre Insel übertrug. Wenn
+er in den Hauptsachen seine Pflicht gegen England erfüllte, konnte man
+es ihm wohl nachsehen, daß er für Holland eine zärtliche Vorliebe
+bewahrte. Eben so wenig verdient es einen Vorwurf, daß er in den Tagen
+seiner Größe Gefährten nicht entfernte, die in seiner Kindheit mit ihm
+gespielt, ihm durch alle Wechselfälle des Jünglings- und des
+Mannesalters treu zur Seite gestanden, welche den ekelhaftesten und
+gefährlichen Ansteckungen trotzend, an seinem Krankenlager gewacht,
+im heißesten Schlachtgewühl sich zwischen ihn und die französischen
+Schwerter geworfen, und deren Anhänglichkeit nicht dem Statthalter oder
+dem Könige, sondern einfach Wilhelm von Nassau galt. Auch darf man
+hinzusetzen, daß seine alten Freunde, wenn er sie mit seinen neuen
+Höflingen verglich, in seiner Achtung steigen mußten. Alle seine
+holländischen Kameraden verdienten, ohne Ausnahme, sein Vertrauen bis
+ans Ende seines Lebens. Wohl konnten sie mit ihm schmollen, und, wenn
+sie schmollten, hart und mürrisch sein; niemals aber, mochten sie auch
+noch so erzürnt und unwillig sein, hörten sie auf seine Geheimnisse zu
+bewahren, und mit der Treue wahrer Edelleute und Soldaten über seine
+Interessen zu wachen. Unter seinen englischen Rathgebern war solche
+Treue selten.[69] Es ist traurig, aber nicht mehr als gerecht
+anzuerkennen, daß er nur zu guten Grund hatte, von unsrem
+Nationalcharacter eine schlechte Meinung zu hegen. Dieser Character war
+zwar im Wesentlichen so wie er immer gewesen ist. Wahrheitsliebe,
+Biederkeit und männliche Unerschrockenheit waren damals wie noch jetzt
+den Engländern vorzugsweise eigen. Aber so allgemein verbreitet diese
+Eigenschaften unter der Masse des Volks sein mochten, in der Klasse,
+welche Wilhelm am besten kannte, waren sie nur selten zu finden. Der
+Maßstab der Ehre und Tugend war während seiner Regierung unter unseren
+Staatsmännern sehr tief gesunken. Seine Vorfahren hatten ihm einen mit
+allen Lastern der Restauration befleckten Hof hinterlassen, einen Hof,
+der von Schmarotzern wimmelte, welche bereit waren, beim ersten Umschlag
+des Glücks ihn zu verlassen, wie sie seinen Oheim verlassen hatten. Wohl
+fand sich hier und da unter dem schamlosen Haufen ein Mann von wahrer
+Rechtschaffenheit und echtem Gemeinsinn. Aber selbst ein solcher Mann
+konnte nicht lange in solcher Umgebung leben, ohne daß seine strengen
+Grundsätze und sein Gefühl für Recht und Unrecht in die größte Gefahr
+geriethen. Es war ungerecht, einen von Schmeichlern und Verräthern
+umgebenen Fürsten deshalb zu tadeln, daß er einige Diener in seiner Nähe
+behalten wollte, die er hinreichend erprobt hatte, um überzeugt zu sein,
+daß sie ihm bis zum Tode treu bleiben würden.
+
+ [Anmerkung 69: De Foe entschuldigt Wilhelm im zweiten Theile
+ seines +True Born Englishman+ folgendermaßen:
+
+ Wir tadeln Wilhelm, daß er hat zu viel Gefallen
+ An Deutschland's, Frankreich's, Holland's Söhnen allen
+ Und selten mittheilt Großes von dem Staat
+ Den Männern, welche sitzen in seinem brit'schen Rath.
+ Der Grund davon ist nicht schwer beizubringen:
+ Weil wir nur gar zu oft ihn hintergingen.
+ Und in der That, das Narrenhaus ihm würd' gebühren,
+ Wenn er getraut hätt' England's Cavalieren.
+ Die Fremden stets gehorsam mit ihm zogen,
+ Und nur von Engländern er immer ward betrogen.]
+
+
+[_Allgemeine schlechte Verwaltung._] Und dies war nicht der einzige
+Punkt, in welchem unsere Vorfahren sich ungerecht gegen ihn zeigten.
+Sie hatten erwartet, daß ein so ausgezeichneter Feldherr und Staatsmann,
+sobald er an der Spitze der Regierung stände, einen glänzenden Beweis --
+was für einen wußten sie selbst nicht recht -- von Genie und Thatkraft
+geben werde. Unglücklicherweise ging während der ersten Monate seiner
+Regierung fast Alles schlecht. Seine bitter getäuschten Unterthanen
+maßen ihm die Schuld bei und begannen zu zweifeln, ob er den Ruf
+verdiene, den er sich beim ersten Eintritt ins öffentliche Leben
+geschaffen und den der glänzende Erfolg seiner letzten großen
+Unternehmung auf den höchsten Punkt gesteigert hatte. Wären sie in einer
+Stimmung gewesen, um unbefangen urtheilen zu können, so würden sie
+eingesehen haben, daß er für die schlechte Verwaltung, über die sie sich
+mit gutem Grunde beschwerten, nicht verantwortlich war. Er konnte für
+jetzt nur mit der Maschinerie arbeiten, die er vorgefunden hatte,
+und diese Maschinerie war eitel Rost und Verfall. Von der Zeit der
+Restauration bis zur Zeit der Revolution war die erfolgreiche Thätigkeit
+jedes Zweiges der Verwaltung fast beständig durch Nachlässigkeit und
+Betrug gehemmt worden. Ehrenstellen und öffentliche Ämter, Peers- und
+Baronetstitel, Regimenter, Fregatten, Gesandtschaftsposten,
+Gouverneursstellen, Commissariate, Pachtungen von Krongütern,
+Lieferungscontracte auf Bekleidungsstücke, Lebensmittel und Munition,
+Begnadigungen für begangene Mordthaten, Diebstähle und Brandstiftungen
+wurden in Whitehall fast eben so offen verkauft wie Spargel in
+Coventgarden oder Heringe in Billingsgate. Kupplerisches Volk hatte
+beständig in den Umgebungen des Hofes nach Kundschaft umhergespäht, und
+unter ihnen hatten zu Karl's Zeiten die Courtisanen, zu Jakob's Zeiten
+die Priester das meiste Glück gehabt. Von dem Palaste aus, welcher der
+Hauptsitz dieser Pestilenz gewesen war, hatte sich die Ansteckung über
+alle Ämter und über alle Klassen der Beamten verbreitet und überall
+Schwäche und Desorganisation hervorgerufen. Die Verderbtheit machte so
+reißende Fortschritte, daß acht Jahre nach der Zeit, da Oliver Cromwell
+der Schiedsrichter Europa's gewesen, der Donner der Kanonen de Ruyters
+im Tower von London gehört wurde. Die Krebsschäden, die jene große
+Demüthigung über das Land gebracht, hatten seitdem immer tiefer und
+immer weiter um sich gegriffen. Man muß Jakob die Gerechtigkeit
+widerfahren lassen, daß er einige von den gröbsten Mißbräuchen, welche
+die Marineverwaltung schändeten, abgeschafft hatte. Doch trotz seiner
+Reformbestrebungen entlockte die Marineverwaltung Männern, welche das
+Seewesen Frankreich's und Holland's kannten, nur ein mitleidiges
+Achselzucken. Noch schlechter war die Militärverwaltung. Die Höflinge
+ließen sich von den Obersten bestechen, die Obersten betrogen die
+Soldaten, die Kriegscommissare schickten lange Rechnungen über Dinge
+ein, welche nie geliefert worden waren, die Arsenalinspectoren
+verkauften die öffentlichen Vorräthe und steckten den Erlös in ihre
+Tasche. Obgleich aber diese Krebsschäden unter der Regierung Karl's und
+Jakob's entstanden und zur Reife gediehen waren, machten sie sich doch
+erst unter Wilhelm's Regierung ernstlich fühlbar. Denn Karl und Jakob
+hatten sich damit begnügt, die Vasallen und Pensionäre eines mächtigen
+und ehrgeizigen Nachbars zu sein; sie unterwarfen sich seinem
+Übergewicht, sie vermieden mit kleinmüthiger Ängstlichkeit Alles,
+was ihn hätte beleidigen können, und so beugten sie auf Kosten der
+Unabhängigkeit und Würde der alten, ruhmvollen Krone, welche zu tragen
+sie nicht werth waren, einem Kampfe vor, der sofort gezeigt haben würde,
+wie ohnmächtig unter ihrer verkehrten Regierung das einst mächtige Reich
+geworden war. Es lag weder in Wilhelm's Macht noch in seinem Character,
+in die Fußtapfen ihrer schimpflichen Politik zu treten. Nur durch
+Waffengewalt konnte die Freiheit und die Religion England's gegen den
+furchtbarsten Feind geschützt werden, der unsre Insel bedroht hatte,
+seitdem die Hebriden mit den Trümmern der Armada bedeckt worden. Der
+Staatskörper, der im Zustande der Ruhe einen oberflächlichen Anschein
+von Gesundheit und Kraft gezeigt hatte, war jetzt in die Nothwendigkeit
+versetzt, jeden Nerv zu einem Kampfe auf Leben und Tod anzuspannen,
+und es zeigte sich sofort, daß er der Anstrengung nicht gewachsen war.
+Gleich nach den ersten Versuchen stellte sich eine völlige
+Muskelerschlaffung, ein gänzlicher Mangel an Übung und Erfahrung heraus.
+Diese Versuche schlugen, mit kaum einer Ausnahme, fehl, und jeden
+Fehlschlag legte das Volk nicht _den_ Regenten, deren schlechte
+Verwaltung die Gebrechen des Staats hervorgerufen, sondern _dem_
+Regenten zur Last, unter welchem die Gebrechen des Staats sichtbar
+wurden.
+
+Wäre Wilhelm ein so unumschränkter Herrscher gewesen als Ludwig, so
+hätte er allerdings diejenigen energischen Heilmittel anwenden können,
+welche der englischen Staatsverwaltung sehr bald die Elasticität
+wiedergegeben haben würde, die ihr seit Oliver's Tode fehlte. Aber die
+augenblickliche Beseitigung tief eingewurzelter Mißbräuche war eine
+Aufgabe, welche weit über die Kraft eines schon durch das Gesetz, und
+noch mehr durch die Schwierigkeiten seiner Stellung sehr eingeengten
+Fürsten ging.[70]
+
+ [Anmerkung 70: Ronquillo war so einsichtsvoll und gerecht,
+ Einräumungen zu machen, welche die Engländer nicht machten.
+ Nachdem er in einem Schreiben vom 1.(11.) März 1689 den traurigen
+ Zustand des Heer- und Seewesens geschildert, sagt er: +»De esto no
+ tiene culpa el Principe de Oranges; per que pensar que se han de
+ poder volver en dos meses tres Reynes de abaxo arriba es una
+ extravagancia.«+ Der Lordpräsident Stair sagt in einem ungefähr
+ vier Wochen später aus London datirten Briefe, daß die
+ Verzögerungen in der englischen Verwaltung den Ruhm des Königs
+ geschmälert hätten, »doch ohne seine Schuld.«]
+
+
+[_Uneinigkeit unter den Staatsdienern._] Einige der größten
+Schwierigkeiten seiner Lage entsprangen aus dem Benehmen der Minister,
+auf die er sich als Neuling in den Details der englischen
+Staatsangelegenheiten hinsichtlich der ihm nöthigen Aufschlüsse über
+Menschen und Dinge verlassen mußte. Es fehlte seinen vornehmsten
+Rathgebern zwar nicht an Befähigung; aber die eine Hälfte ihrer
+Befähigung wurde dazu angewendet, der andren Hälfte entgegenzuwirken.
+Zwischen dem Lord-Präsidenten und dem Geheimsiegelbewahrer bestand eine
+tief eingewurzelte Feindschaft.[71] Diese Feindschaft hatte zwölf Jahre
+vor der Zeit begonnen, als Danby Lord Schatzmeister, ein Verfolger der
+Nonconformisten und hartnäckiger Vertheidiger der Kronrechte wurde, und
+als Halifax als einer der beredtesten Führer der Vaterlandspartei zur
+Auszeichnung gelangte. Unter der Regierung Jakob's hatten beide
+Staatsmänner der Opposition angehört, und ihre gemeinsame Feindschaft
+gegen Frankreich und gegen Rom, gegen die Hohe Commission und gegen das
+Dispensationsrecht hatte eine anscheinende Aussöhnung herbeigeführt;
+sobald sie aber wieder zusammen im Amte waren, erwachte die alte
+Abneigung von neuem. Man hätte meinen sollen, daß der Haß der Whigpartei
+gegen Beide ein festeres Zusammenhalten zwischen ihnen bewirken müßte;
+in Wahrheit aber sah Jeder von ihnen mit Wohlgefallen die dem Andren
+drohende Gefahr. Danby bemühte sich, eine starke Phalanx von Tories um
+sich zu schaaren. Unter dem Vorwande geschwächter Gesundheit zog er sich
+vom Hofe zurück, kam selten in den Staatsrath, dem zu präsidiren seine
+Pflicht war, brachte viel Zeit auf dem Lande zu, und nahm kaum einen
+andren Antheil an den Staatsgeschäften, als daß er über alle Maßregeln
+der Regierung mäkelte und spottete, auf seinen Privatvortheil spekulirte
+und seinen persönlichen Günstlingen Stellen verschaffte.[72] In Folge
+dieses Abfalls wurde Halifax Premierminister, insoweit man unter dieser
+Regierung einen Minister überhaupt Premierminister nennen konnte. Eine
+ungeheure Geschäftslast fiel auf ihn, und er war nicht im Stande, diese
+Last zu tragen. An Geist und Beredtsamkeit, an umfassendem Verständniß
+und scharfer Unterscheidungsgabe hatte er unter den Staatsmännern seiner
+Zeit nicht seines Gleichen. Aber eben diese Fruchtbarkeit, eben dieser
+Scharfsinn, die seiner Unterhaltung, seinen Reden und seinen Schriften
+einen besondern Reiz verliehen, machten ihn zur schnellen Entscheidung
+praktischer Fragen untauglich. Gerade sein ungewöhnlicher Scharfsinn
+machte ihn langsam, denn er sah so viele Gründe für und wider jedes
+mögliche Verfahren, daß er mehr Zeit brauchte, um zu einem Entschlusse
+zu kommen, als ein beschränkter Kopf gebraucht haben würde. Anstatt mit
+seinem ersten Gedanken zufrieden zu sein, replicirte er sich selbst
+immer und immer wieder. Wer ihn sprechen hörte, mußte zugeben, daß er
+wie ein Engel sprach; aber wenn er Alles was sich sagen ließ erschöpft
+hatte und zum Handeln kam, war nur zu oft der rechte Augenblick zum
+Handeln vorüber.
+
+Inzwischen bemühten sich die beiden Staatssekretäre fortwährend, ihren
+Gebieter nach direct einander entgegengesetzten Richtungen zu ziehen.
+Jeder Plan, jede Person, welche der Eine empfahl, ward von dem Andren
+verworfen. Nottingham wurde nicht müde zu wiederholen, daß die alte
+Rundkopfpartei, die Partei, welche Karl I. um's Leben gebracht und gegen
+das Leben Karl's II. conspirirt hatte, im Prinzip republikanisch und daß
+die Tories die einzig wahren Freunde der Monarchie seien. Shrewsbury
+entgegnete, daß die Tories wohl Freunde der Monarchie sein könnten, daß
+sie aber Jakob als ihren Monarchen betrachteten. Nottingham erzählte
+beständig im königlichen Kabinet von tollen Hirngespinnsten, mit denen
+sich einige alte Kalbskopfesser, die Überreste der einst mächtigen
+Partei Bradshaw's und Ireton's, in den Wirthshäusern der City noch immer
+beschäftigten. Shrewsbury zeigte wüthende Pasquille vor, welche die
+Jakobiten tagtäglich in den Kaffeehäusern vertheilten. »Jeder Whig,«
+sagte der Torysekretär, »ist ein Feind der Prärogative Eurer Majestät.«
+-- »Jeder Tory,« sagte der Whigsekretär, »ist ein Feind des Rechtstitels
+Eurer Majestät.«[73]
+
+Auch im Schatzamte gab es nichts als Eifersüchteleien und
+Zänkereien.[74] Der erste Commissar, Mordaunt, und der Kanzler der
+Schatzkammer, Delamere, waren zwar Beide eifrige Whigs; aber obgleich
+sie dem nämlichen politischen Glauben anhingen, waren sie doch von ganz
+verschiedenem Character. Mordaunt war flatterhaft, verschwendrisch und
+großmüthig. Die Schöngeister der damaligen Zeit witzelten über die Art
+und Weise, wie er von Hampton-Court nach der Börse und von der Börse
+zurück nach Hampton-Court flog; man konnte nicht begreifen wie er Zeit
+fand zu seinem Anzuge, zu den Staatsgeschäften, zu Liebschaften und zum
+Balladendichten.[75] Delamere war finster und empfindlich, streng in
+seinen Privatsitten und pünktlich in seinen Andachtsübungen, aber gierig
+nach unedlem Gewinn. Die beiden ersten Finanzbeamten wurden daher Feinde
+und harmonirten nur in dem Hasse gegen ihren Collegen Godolphin. Wie kam
+er in dieser Zeit des protestantischen Übergewichts nach Whitehall, er,
+der mit Papisten im Amte gesessen, der sich kein Gewissen daraus gemacht
+hatte, Maria von Modena in den Götzendienst der Messe zu begleiten? Der
+kränkendste Umstand aber war, daß Godolphin, obgleich sein Name in der
+Commission die dritte Stelle einnahm, thatsächlich der erste Lord des
+Schatzes war. Denn in financiellem Wissen und in Geschäftserfahrung
+waren Mordaunt und Delamere im Vergleich zu ihm wahre Schulknaben, und
+dies erkannte Wilhelm sehr bald.[76]
+
+Ähnliche Fehden wütheten auch in den übrigen großen Amtscollegien wie in
+allen untergeordneten Schichten der Staatsdiener. In jedem Zollhause,
+in jedem Arsenale gab es einen Shrewsbury und einen Nottingham, einen
+Delamere und einen Godolphin. Die Whigs beklagten sich, daß es keinen
+Verwaltungszweig gäbe, in welchem nicht Creaturen der gestürzten Partei
+zu finden wären. Umsonst führe man zur Rechtfertigung an, daß diese
+Männer in den Geschäftsdetails erfahren, daß sie im Besitz amtlicher
+Traditionen seien und daß die Freunde der Freiheit, nachdem sie
+Jahrelang von den öffentlichen Ämtern ausgeschlossen gewesen, unmöglich
+befähigt sein könnten, mit einem Male die ganze Leitung der Geschäfte
+auf sich zu nehmen. Die Erfahrung habe allerdings ihren Werth,
+sicherlich aber sei die erste aller Qualificationen eines Dieners die
+Treue, und kein Tory könne ein wahrhaft treuer Diener der neuen
+Regierung sein. Wenn König Wilhelm klug wäre, so würde er sich lieber
+auf Neulinge, die von Eifer für sein Interesse und für seine Ehre
+beseelt wären, als auf Veteranen verlassen, welche zwar Geschick und
+Kenntnisse besitzen könnten, dieses Geschick und diese Kenntnisse aber
+zur Herbeiführung seines Untergangs anwenden würden.
+
+Die Tories dagegen beklagten sich, daß ihr Antheil an der Regierung in
+keinem Verhältniß zu ihrer Anzahl und zu ihrem Gewicht im Lande stehe,
+daß überall alte und nützliche Staatsdiener um keines andren Verbrechens
+willen, als weil sie Freunde der Monarchie und der Kirche wären, von
+ihren Posten vertrieben worden seien, um Ryehouseverschwörern und
+Conventikelbesuchern Platz zu machen. Diese Emporkömmlinge, wohlerfahren
+in der Kunst der Parteibewegungen, aber unwissend in Allem was zu ihrem
+neuen Beruf gehöre, würden erst anfangen etwas zu lernen, wenn sie durch
+ihre Fehler die Nation ruinirt hätten. Von einem hochgestellten Beamten
+müsse man doch sicherlich mehr verlangen, als daß er nur ein Rebell und
+Schismatiker sei. Was solle aus den Finanzen, was aus der Marine werden,
+wenn Whigs, die nicht den einfachsten Rechnungsabschluß verständen,
+das Staatseinkommen verwalten, wenn Whigs, die in ihrem Leben kein
+Seemagazin betreten, die Flotte ausrüsten sollten?[77]
+
+Das Wahre ist, daß die Beschuldigungen, welche die beiden Parteien gegen
+einander erhoben, in beträchtlicher Ausdehnung wohl begründet, der Tadel
+aber, den Beide auf Wilhelm warfen, ungerecht war. Geschäftliche
+Erfahrung war fast ausschließlich nur unter den Tories, aufrichtige
+Anhänglichkeit an die neue Ordnung der Dinge fast nur unter den Whigs zu
+finden. Der König konnte nichts dafür, daß Kenntniß und Eifer, welche
+vereinigt einen schätzbaren Diener des Staats bilden, damals nur
+getrennt oder gar nicht vorhanden waren. Stellte er Leute der einen
+Partei an, so lief er große Gefahr, Fehlgriffe zu thun. Stellte er Leute
+der andren Partei an, so lief er große Gefahr, verrathen zu werden.
+Stellte er Leute beider Parteien an, so war immer noch einige Gefahr,
+daß er Fehlgriffe that oder Verräther wählte, und zu diesen Gefahren kam
+dann noch die Gewißheit der Uneinigkeit. Er konnte Whigs und Tories
+nebeneinanderstellen, sie zu verschmelzen lag nicht in seiner Macht.
+Mochten sie auch in dem nämlichen Amte, an dem nämlichen Pulte arbeiten,
+sie waren und blieben Feinde und stimmten nur darin überein, daß sie
+gegen den Fürsten murrten, der es versuchen wollte, den Vermittler
+zwischen ihnen zu spielen. Unter solchen Umständen mußte die Verwaltung,
+die fiscalische, wie die militärische und maritime, unvermeidlich
+schwach und schwankend sein; nichts konnte ganz auf die richtige Art und
+ganz zur rechten Zeit geschehen; die Uneinigkeiten, von denen kaum eine
+Staatsbehörde frei war, mußten Calamitäten erzeugen und jede Calamität
+mußte die Spaltung verschlimmern, aus der sie entstanden war.
+
+ [Anmerkung 71: +Burnet II. 4.+; +Reresby's Memoirs.+]
+
+ [Anmerkung 72: +Reresby's Memoirs+; +Burnet MS. Harl. 6584.+]
+
+ [Anmerkung 73: +Burnet II. 3, 4, 15.+]
+
+ [Anmerkung 74: +Burnet II. 5.+]
+
+ [Anmerkung 75:
+
+ Woher nimmt er die Stunden, sagt,
+ Die er dem Hofe widmet und der Stadt,
+ Den Staatsgeschäften und der Liebe Macht,
+ Der Eitelkeit und auch der Geistes Saat?
+
+ +The Modern Lampooners. Ein Gedicht von 1690.+]
+
+ [Anmerkung 76: +Burnet II. 4.+]
+
+ [Anmerkung 77: Ronquillo nennt die Whigbeamten +»Gente que no
+ tienen practica ni experiencia.«+ Er setzt hinzu: +»Y de esto
+ proce de el pasarse un mes y un otro, sin executarse nada.«+ 24.
+ Juni 1689. In einem der unzähligen »Gespräche«, welche damals
+ erschienen, wirft der toryistische Interlocutor die Frage auf:
+ »Meint Ihr, die Regierung würde mit Geschäftsunkundigen besser
+ daran sein?« Der Whig antwortet: »Besser unwissende Freunde als
+ vielwissende Feinde.«]
+
+
+[_Das Departement der auswärtigen Angelegenheiten._] Ein Departement gab
+es jedoch, das gut verwaltet wurde: das Departement der auswärtigen
+Angelegenheiten. Hier leitete Wilhelm Alles, ohne weder den Rath noch
+den Beistand irgend eines englischen Staatsmannes in Anspruch zu nehmen.
+Nur einen unschätzbaren Gehülfen hatte er zur Seite: Anton Heinsius,
+welcher einige Wochen nach Beendigung der Revolution Großpensionär
+von Holland wurde. Heinsius war als Mitglied der Partei, welche
+auf die Macht des Hauses Oranien eifersüchtig war und gern auf
+freundschaftlichem Fuße mit Frankreich stehen wollte, ins öffentliche
+Leben eingetreten. Im Jahre 1681 aber war er mit einer diplomatischen
+Mission nach Versailles geschickt worden, und ein kurzer Aufenthalt
+daselbst hatte eine vollständige Änderung in seinen Ansichten
+herbeigeführt. Bei näherer Bekanntschaft wurde er beunruhigt durch die
+Macht und gereizt durch die Anmaßung dieses Hofes, von dem er, so lange
+er ihn aus der Entfernung gesehen, eine vortheilhafte Meinung gehegt
+hatte. Er fand, daß sein Vaterland verachtet wurde, er sah seine
+Religion verfolgt, und sein officieller Character schützte ihn nicht
+vor einigen persönlichen Kränkungen, die er bis zum letzten Tage seiner
+langen Laufbahn nicht vergaß. Als treuer Anhänger Wilhelm's und
+unversöhnlicher Feind Ludwig's kehrte er nach Hause zurück.[78]
+
+Das Amt des Großpensionärs war immer ein wichtiges Amt, ganz besonders
+aber dann, wenn der Statthalter vom Haag abwesend war. Wären Heinsius'
+politische Ansichten noch dieselben gewesen wie früher, so hätten alle
+großen Pläne Wilhelm's scheitern können. Zum Glück aber bestand zwischen
+diesen beiden ausgezeichneten Männern eine vollkommene Freundschaft,
+die bis zu dem Tage, wo der Tod sie löste, nicht einen Augenblick durch
+Argwohn oder Mißhelligkeiten getrübt wurde. Über alle großen Fragen der
+europäischen Politik waren sie gleicher Meinung, und sie correspondirten
+lebhaft und rückhaltlos mit einander, denn es hielt zwar schwer, ehe
+Wilhelm Jemandem Vertrauen schenkte, wem er es aber schenkte, dem
+schenkte er es ganz. Die Correspondenz ist noch vorhanden und gereicht
+Beiden zur größten Ehre. Die Briefe des Königs würden allein schon zur
+Genüge beweisen, daß er einer der größten Staatsmänner war, welche
+Europa hervorgebracht hat. So lange er lebte, begnügte sich der
+Großpensionär damit, der gehorsamste, zuverlässigste und verschwiegenste
+Diener zu sein; nach dem Ableben des Gebieters aber erwies sich der
+Diener als befähigt, die Stelle des Gebieters mit seltenem Geschick zu
+vertreten, und er war in ganz Europa als ein Mitglied des großen
+Triumvirats berühmt, das den Stolz Ludwig's XIV. demüthigte.[79]
+
+ [Anmerkung 78: +Négociations de M. le Comte d'Avaux, 4. Mars
+ 1683+; +Torcy's Memoirs.+]
+
+ [Anmerkung 79: Die Originalcorrespondenz zwischen Wilhelm
+ und Heinsius ist holländisch. Eine französische Übersetzung
+ sämmtlicher Briefe Wilhelm's, und eine englische
+ Übersetzung einiger Briefe Heinsius' befinden sich unter den
+ Mackintosh-Manuscripten. Der Baron Sirtema de Grovestins, dem die
+ Originale zu Gebote standen, führt in seiner +»Histoire des luttes
+ et rivalités entre les puissances maritimes et la France«+ häufig
+ Stellen daraus an. Zwischen seiner Version und der meinigen ist
+ zwar im Style ein bedeutender Unterschied, im Wesentlichen aber
+ ein sehr geringer.]
+
+
+[_Religionsstreitigkeiten._] Die auswärtige Politik England's, von
+Wilhelm persönlich, in innigem Einverständniß mit Heinsius, geleitet,
+war damals außerordentlich geschickt und erfolgreich. In jedem andren
+Verwaltungszweige aber waren die aus der gegenseitigen Erbitterung der
+Parteien entspringenden Nachtheile nur zu sichtbar. Und dies war noch
+nicht Alles. Zu den aus der gegenseitigen Erbitterung der politischen
+Parteien entspringenden Übeln gesellten sich andere Übel, welche aus dem
+gegenseitigen Hasse der Religionssecten entsprangen.
+
+Das Jahr 1689 bildet in der kirchlichen Geschichte England's eine nicht
+minder wichtige Epoche als in der bürgerlichen. In diesem Jahre wurde
+die erste gesetzliche Indulgenz gegen die Dissenters bewilligt. In
+diesem Jahre wurde der letzte ernstliche Versuch gemacht, die
+Presbyterianer in den Schooß der englischen Landeskirche zu bringen. Von
+diesem Jahre datirt ein neues Schisma, trotz früherer ähnlicher Vorgänge
+von Männern hervorgerufen, welche stets erklärt hatten, daß sie
+Kirchenspaltungen mit besonderem Abscheu und Präcedenzfälle mit
+besonderer Verehrung betrachteten. In diesem Jahre begann der lange
+Kampf zwischen zwei großen Parteien von Conformisten. Diese beiden
+Parteien hatten zwar seit der Reformation von jeher unter verschiedenen
+Formen in der anglikanischen Kirche existirt, aber bis nach der
+Reformation standen sie einander nicht in regelmäßiger und permanenter
+Schlachtordnung gegenüber und waren daher nicht unter bestimmten Namen
+bekannt. Kurz nach Wilhelm's Thronbesteigung begannen sie die
+Hochkirchenpartei und die Niederkirchenpartei genannt zu werden und
+lange vor dem Ende seiner Regierung waren diese Bezeichnungen allgemein
+gebräuchlich.[80]
+
+Im Sommer des Jahres 1688 hatte es den Anschein gehabt, als ob die
+Spaltungen, welche so lange den großen Körper der englischen
+Protestanten zerrissen, fast ihre Endschaft erreicht hätten. Die
+Streitigkeiten über Bischöfe und Synoden, über geschriebene Gebete und
+extemporirte Gebete, über weiße Röcke und schwarze Röcke, über
+Besprengen und Eintauchen, über Knien und Sitzen, waren auf kurze Zeit
+eingestellt. Die dichtgedrängte Phalanx, welche damals gegen die
+Papisterei im Felde stand, füllte den ganzen Zwischenraum aus, welcher
+Sancroft von Bunyan trennte. Prälaten, die sich noch vor Kurzem als
+Verfolger der religiösen Freiheit ausgezeichnet hatten, erklärten sich
+jetzt zu Freunden derselben und ermahnten ihren Klerus, stets in
+gastfreundlichem und dienstbereiten Verkehr mit den Separatisten zu
+leben. Separatisten auf der andren Seite, welche noch vor kurzem Mitren
+und Batistärmel für die Livree des Antichrist erklärt hatten,
+erleuchteten zu Ehren der Prälaten ihre Fenster und warfen Holz in die
+Freudenfeuer.
+
+Diese Gesinnungen steigerten sich fortdauernd, bis sie ihren Höhepunkt
+an dem denkwürdigen Tage erreichten, an welchem der gemeinsame
+Unterdrücker endlich Whitehall verließ und eine mit orangefarbenen
+Bändern geschmückte zahllose Menge zu St. James den gemeinsamen Befreier
+begrüßte. Als die Londoner Geistlichkeit, mit Compton an der Spitze,
+herbeikam, um dem Manne, dessen Gott sich als Werkzeug zur Rettung der
+Kirche und des Staats bedient, ihren Dank auszusprechen, schlossen sich
+dem Zuge auch einige hervorragende nonconformistische Geistliche an.
+Viele gute Menschen freuten sich zu hören, daß fromme und gelehrte
+presbyterianische Geistliche im Gefolge eines Bischofs gegangen, mit
+brüderlicher Freundlichkeit von ihm begrüßt und im Empfangszimmer von
+ihm seine lieben und geachteten Freunde genannt worden waren, die zwar
+durch einige Meinungsverschiedenheiten in unwichtigen Punkten von ihm
+getrennt, durch christliche Liebe und gemeinsamen Eifer für das
+Wesentliche des reformirten Glaubens aber mit ihm verbunden seien. Nie
+hatte es zuvor und nie hat es seitdem in England einen zweiten solchen
+Tag gegeben. Der Strom der Gefühle war schon im Umschlagen begriffen,
+und die Ebbe trat noch rascher ein als die Fluth eingetreten war.
+
+ [Anmerkung 80: Obwohl diese ganz angemessenen Benennungen meines
+ Wissens in keinem während der ersten Regierungsjahre Wilhelm's
+ gedruckten Buche vorkommen, nehme ich doch keinen Anstand, mich
+ derselben bei Darstellung der Ereignisse jener Jahre zu bedienen,
+ wie es auch von Anderen geschehen ist.]
+
+
+[_Die Hochkirchenpartei._] In Zeit von wenigen Stunden begann der
+Hochkirchliche, von zärtlicher Liebe für den Feind, dessen Tyrannei
+jetzt nicht mehr gefürchtet ward, und von Abneigung gegen die
+Bundesgenossen, deren Dienste entbehrlich geworden waren, erfüllt zu
+werden. Es war leicht, beide Gefühle zu befriedigen, indem man die
+schlechte Verwaltung des verbannten Königs den Dissenters zur Last legt.
+Sr. Majestät -- so lautete jetzt die Sprache nur zu vieler
+anglikanischer Geistlichen -- würde ein vortrefflicher Regent gewesen
+sein, wäre er nicht zu vertrauensvoll, und zu nachsichtig gewesen. Er
+habe sein Vertrauen einer Klasse von Leuten geschenkt gehabt, die seine
+Stellung, seine Familie und seine Person mit unversöhnlicher Erbitterung
+haßten. Durch den vergeblichen Versuch, ihre Zuneigung zu gewinnen, habe
+er sich zu Grunde gerichtet. Er habe sie, in Widerspruch mit dem Gesetz
+und dem einmüthigen Sinne der alten royalistischen Partei, von dem
+Drucke des Strafcodex befreit, habe ihnen gestattet, Gott auf ihre
+eigene armselige und geschmacklose Weise öffentlich zu verehren, habe
+sie zur Richterbank und in den Geheimrath zugelassen, ihnen Pelzroben,
+goldene Ketten, Gehalte und Pensionen gewährt. Zum Dank für seine
+Liberalität seien diese Leute, welche einst so trotzig in ihrem Gebahren
+und so unbändig in ihrer Opposition selbst gegen die rechtmäßige
+Autorität gewesen, die niedrigsten Schmeichler geworden. Sie hätten ihm
+noch Beifall zugejauchzt und ihn ermuthigt, als schon die ergebensten
+Freunde seines Hauses sich voll Scham und Kummer aus seinem Palaste
+entfernt gehabt. Wer habe die Religion und die Freiheit seines
+Vaterlandes schändlicher verkauft als Titus? Wer habe eifriger für die
+Dispensationsgewalt gestritten als Alsop? Wer habe ungestümer auf die
+Verfolgung der sieben Bischöfe gedrungen als Lobb? Welcher nach einer
+Dechanei lüsterne Kaplan habe, selbst wenn er am 30. Januar oder am 29.
+Mai in Anwesenheit des Königs gepredigt, jemals plumpere Schmeicheleien
+zu Tage gebracht, als man sie leicht in den Adressen auffinden könne,
+durch welche dissentirende Glaubensgesellschaften ihren Dank für die
+ungesetzliche Indulgenzerklärung ausgedrückt hätten? Sei es zu
+verwundern, wenn ein Fürst, der nie juristische Werke studirt, nur seine
+rechtmäßige Prärogative auszuüben geglaubt habe, als er so durch eine
+Partei ermuthigt worden sei, welche jederzeit mit ihrem Hasse gegen
+willkürliche Gewalt geprahlt habe? Durch solche Leitung irregeführt,
+sei er immer weiter auf dem falschen Wege fortgeschritten, habe er sich
+endlich Herzen entfremdet, welche früher ihr bestes Blut zu seiner
+Vertheidigung vergossen haben würden, habe er keine anderen Stützen
+behalten als seine alten Feinde, und, als der Tag der Gefahr gekommen,
+habe er gefunden, daß die Gesinnungen seiner alten Feinde gegen ihn noch
+die nämlichen waren wie zu der Zeit, da sie ihn seines Erbes zu berauben
+versucht und gegen sein Leben conspirirt hatten. Jeder Verständige habe
+längst gewußt, daß die Sectirer keine Liebe zur Monarchie hegten; jetzt
+habe es sich gezeigt, daß sie eben so wenig Liebe zur Freiheit hegten.
+Ihren Händen Gewalt anzuvertrauen, werde ein Mißgriff sein, der der
+Nation nicht minder verderblich werden müsse als dem Throne. Wenn es, um
+etwas übereilt gegebene Zusicherungen zu erfüllen, für nöthig erachtet
+werden sollte, ihnen Erleichterung zu gewähren, so müsse jedes
+Zugeständniß von Beschränkungen und Vorsichtsmaßregeln begleitet sein.
+Vor Allem dürfe Niemandem, der ein Feind der kirchlichen Verfassung des
+Landes sei, irgend eine Betheiligung an der Civilverwaltung gestattet
+werden.
+
+
+[_Die Niederkirchenpartei._] Zwischen den Nonconformisten und den
+strengen Conformisten stand die Niederkirchenpartei. Diese Partei
+enthielt und enthält noch jetzt zwei ganz verschiedene Elemente: ein
+puritanisches und ein latitudinarisches Element. Über fast jede Frage,
+die sich auf die kirchliche Verfassung wie auf das Ceremoniell des
+öffentlichen Gottesdienstes bezog, waren jedoch der puritanische
+Niederkirchliche und der latitudinarische Niederkirchliche vollkommen
+einig. Sie sahen in der bestehenden Kirchenverfassung und in dem
+bestehenden Ceremoniell keinen Mangel, keinen Übelstand, der es
+ihnen hätte zur Pflicht machen können, Dissenters zu werden.
+Nichtsdestoweniger waren sie der Meinung, daß die Verfassung sowohl wie
+das Ceremoniell Mittel und nicht Zwecke seien und daß der wesentliche
+Geist des Christenthums ohne Bischöfe und ohne ein allgemeines Gebetbuch
+bestehen könne. Als Jakob auf dem Throne saß, waren sie die
+Hauptwerkzeuge zur Bildung der großen Coalition gegen Papisterei und
+Tyrannei gewesen und sie führten 1689 noch dieselbe versöhnliche
+Sprache, die sie 1688 geführt hatten. Die Gewissensscrupel der
+Nonconformisten tadelten sie mild. Es sei unzweifelhaft eine große
+Schwäche zu glauben, daß es etwas Sündhaftes sein könne, einen weißen
+Chorrock zu tragen, ein Kreuz zu schlagen, oder an dem Geländer eines
+Altars zu knieen. Die höchste Autorität aber habe die unzweideutigsten
+Vorschriften darüber erlassen, wie solche Schwäche zu behandeln sei. Der
+schwache Bruder sei nicht zu verdammen, nicht zu verachten; Gläubige von
+stärkerem Geiste seien gehalten, ihn durch große Nachgiebigkeit zu
+beschwichtigen und sorgfältig jeden Stein des Anstoßes, der ihn
+Veranlassung geben könne, Andersdenkende zu verletzen, aus seinem Wege
+zu entfernen. Ein Apostel habe erklärt, daß er, obwohl er selbst gegen
+den Genuß von thierischer Nahrung und Wein kein Bedenken hege, doch
+lieber Pflanzen essen und Wasser trinken wolle, als daß er dem
+Geringsten seiner Heerde ein Ärgerniß gäbe. Was würde er wohl von
+Kirchenfürsten gedacht haben, welche um eines Gewandes, einer Geberde
+oder einer Stellung willen nicht nur die Kirche gespalten, sondern alle
+Gefängnisse England's mit Männern von orthodoxem Glauben und frommem
+Lebenswandel gefüllt hätten? Die tadelnden Bemerkungen, welche die
+Hochkirchlichen über das neuerliche Benehmen der Dissenters gemacht,
+wurden von den Niederkirchlichen für höchst ungerecht erklärt. Das
+Wunder liege nicht darin, daß einige wenige Nonconformisten dankbar eine
+Indulgenz angenommen hätten, die, so gesetzwidrig sie auch gewesen, doch
+ihnen die Thüren ihrer Kerker geöffnet und ihre häusliche Ruhe gesichert
+habe, sondern darin, daß die Nonconformisten im allgemeinen der Sache
+einer Verfassung treu geblieben seien, von deren Wohlthaten sie lange
+ausgeschlossen gewesen. Es sei höchst unbillig, die Fehler einiger
+weniger Individuen einer ganzen großen Partei zur Last zu legen. Selbst
+unter den Bischöfen der Landeskirche habe Jakob Werkzeuge und
+Schmeichler gefunden. Das Benehmen Cartwright's und Parker's sei viel
+weniger zu entschuldigen gewesen, als das Alsop's und Lobb's. Gleichwohl
+würden Diejenigen, welche die Dissenters für die Fehler Alsop's und
+Lobb's verantwortlich hielten, es ohne Zweifel für sehr unvernünftig
+erklären, wenn man die Landeskirche für die weit größere Schuld
+Cartwright's und Parker's verantwortlich machen wolle.
+
+Die Geistlichen der Niederkirche waren eine Minorität, und zwar keine
+große Minorität ihres Standes; ihr Gewicht aber stand weit über dem
+Verhältniß ihrer Anzahl, denn sie waren in der Hauptstadt stark
+vertreten, sie hatten daselbst großen Einfluß und das Durchschnittsmaß
+ihrer Intelligenz und wissenschaftlichen Bildung war bei ihnen höher als
+bei ihrem Stande im allgemeinen. Wir wurden ihre numerische Stärke
+wahrscheinlich noch zu hoch anschlagen, wenn wir sie auf ein Zehntel der
+gesammten Geistlichkeit schätzten. Es wird jedoch schwerlich bestritten
+werden können, daß sie in ihrer Mitte eben so viele Männer von
+ausgezeichneter Beredtsamkeit und Gelehrsamkeit zählten, als sich unter
+den übrigen neun Zehnteln zusammengenommen fanden. Unter den Laien, die
+sich der herrschenden Landeskirche angeschlossen, war das Verhältniß der
+Parteien ziemlich gleich. Die Linie, welche sie trennte, war in der That
+sehr wenig unterschieden von der Linie, welche die Whigs und Tories
+trennte. Im Hause der Gemeinen, welches gewählt worden war, als die
+Whigs die Oberhand hatten, war die Niederkirchenpartei entschieden
+überwiegend; bei den Lords aber herrschte ein fast genaues Gleichgewicht
+und es bedurfte nur sehr geringfügiger Umstände, um die Wagschale
+emporzuschnellen.
+
+
+[_Wilhelm's Pläne bezüglich der Kirchenverfassung._] Das Oberhaupt der
+Niederkirchenpartei war der König. Er war als Presbyterianer erzogen
+worden, seiner rationalen Überzeugung nach war er ein Latitudinarier,
+und persönlicher Ehrgeiz sowohl als auch höhere Beweggründe vermochten
+ihn, zwischen den protestantischen Secten als Vermittler aufzutreten.
+Sein Bestreben war auf die Einführung dreier großer Reformen in den die
+kirchlichen Angelegenheiten betreffenden Gesetzen gerichtet. Sein erster
+Zweck war, den Dissenters die Erlaubniß zur freien und ungestörten
+Abhaltung ihres Gottesdienstes zu erwirken. Sein zweiter Zweck war,
+in dem anglikanischen Ritual und Kirchenregiment solche Abänderungen
+vorzunehmen, welche die gemäßigten Nonconformisten gewinnen konnten,
+ohne Diejenigen zu verletzen, denen jenes Ritual und Kirchenregiment
+theuer war. Sein dritter Zweck war, den Protestanten ohne Unterschied
+der Secten bürgerliche Ämter zugänglich zu machen. Alle drei Zwecke
+waren gut, aber nur der erste war zur Zeit erreichbar. Für den zweiten
+kam er zu spät, für den dritten zu früh.
+
+
+[_Burnet, Bischof von Salisbury._] Wenige Tage nach seiner
+Thronbesteigung that er einen Schritt, welcher seine Gesinnungen in
+Bezug auf Kirchenregiment und öffentlichen Gottesdienst unverkennbar
+andeutete. Er fand nur einen Bischofsstuhl unbesetzt. Seth Ward, der
+viele Jahre hindurch das Kirchspiel von Salisbury verwaltet und sich als
+einer von den Begründern der Königlichen Societät ehrenvoll
+ausgezeichnet hatte, starb, nachdem er seine Fähigkeiten längst
+überlebt, während das Land durch die Wahlen für die Convention bewegt
+wurde, ohne zu wissen, daß große Ereignisse, von denen nicht das
+unwichtigste unter seinem eignen Dache stattgefunden, seine Kirche und
+sein Vaterland vom Untergange gerettet hatten. Die Wahl eines
+Nachfolgers war nicht leicht. Diese Wahl mußte unvermeidlich von der
+Nation als ein Prognostikon von höchster Bedeutung betrachtet werden.
+Außerdem mußte die Anzahl der Geistlichen, die sich während der
+Streitigkeiten der letzten drei Jahre durch Gelehrsamkeit,
+Beredtsamkeit, Muth und Rechtschaffenheit ausgezeichnet hatten, den
+König in Verlegenheit setzen. Burnet erhielt den Vorzug. Sein Anrecht
+war unzweifelhaft groß; aber Wilhelm würde gewiß eine ruhigere Regierung
+gehabt haben, wenn er mit der wohlverdienten Beförderung seines Kaplans
+noch einige Zeit gewartet und die erste hohe geistliche Würde, welche
+nach der Revolution durch die Krone zu vergeben war, einem der neuen
+Regierung ergebenen, aber dem Klerus nicht allgemein verhaßten berühmten
+Theologen verliehen hätte. Unglücklicherweise war Burnet's Name der
+großen Mehrzahl der anglikanischen Geistlichen verhaßt. Obwohl er, dem
+Prinzip nach, keineswegs zur extremen Fraction der latitudinarischen
+Partei gehörte, so wurde er doch vom Volke als die Personifikation des
+Latitudinarismus betrachtet. Diese Auszeichnung verdankte er der
+hervorragenden Stellung, die er in der Literatur und der Politik
+einnahm, der Gewandtheit seiner Zunge und seiner Feder und vor Allem der
+Offenheit und Unerschrockenheit seines Characters, einer Offenheit,
+welche kein Geheimniß bewahren konnte, und einer Unerschrockenheit, die
+vor keiner Gefahr zurückbebte. Er hegte nur eine geringe Meinung von der
+Gesammtheit seiner geistlichen Brüder und mit seiner gewohnten
+Indiscretion ließ er sich oft verleiten, diese Meinung auszusprechen.
+Dafür haßten sie ihn aber auch mit einer Erbitterung, die auf ihre
+Nachfolger überging und noch jetzt, nach anderthalbem Jahrhundert, nicht
+nachzulassen scheint.
+
+Sobald der Beschluß des Königs bekannt wurde, fragte man sich überall:
+Was wird der Erzbischof thun? Sancroft hatte sich von der Convention
+fern gehalten, er hatte sich geweigert, einen Sitz im Geheimen Rathe
+einzunehmen, er hatte aufgehört zu confirmiren, zu ordiniren und
+einzusetzen, und nur selten sah man ihn außerhalb der Mauern seines
+Palastes zu Lambeth. Bei jeder Gelegenheit erklärte er, daß er sich noch
+immer durch seinen alten Unterthaneneid gebunden erachte. Burnet
+betrachtete er als ein Ärgerniß für den Priesterstand, als einen
+Presbyterianer im Chorrock. Der Prälat, der seine Hände auf dieses
+unwürdige Haupt legte, würde mehr als eine große Sünde begehen. Er würde
+an geheiligter Stätte und vor einer großen Versammlung von Gläubigen zu
+gleicher Zeit einen Usurpator als König anerkennen und einem
+Schismatiker den Rang eines Bischofs verleihen. Eine Zeit lang erklärte
+Sancroft mit Bestimmtheit, er werde der Anordnung Wilhelm's nicht Folge
+leisten. Lloyd von St. Asaph, der gemeinschaftliche Freund des
+Erzbischofs und des neuerwählten Bischofs, drang umsonst mit Bitten und
+Vorstellungen in ihn. Nottingham, der von allen der neuen Regierung
+anhängenden Laien am besten mit dem Klerus stand, bot seinen Einfluß
+ebenfalls auf, doch mit keinem besseren Erfolge. Die Jakobiten sagten
+überall, daß sie des guten alten Primas gewiß seien, daß er den Muth
+eines Märtyrers habe und daß er entschlossen sei, in der Sache der
+Monarchie und der Kirche der äußersten Strenge der Gesetze zu trotzen,
+mit denen die willfährigen Parlamente des 16. Jahrhunderts das
+königliche Supremat geschützt hatten. Er hielt sich in der That lange;
+im letzten Augenblicke aber sank ihm der Muth, und er sah sich nach
+einem Auswege um. Zum Glück ließ sich sein Gewissen eben so oft durch
+kindische Auskunftsmittel beruhigen, wie es durch kindische Bedenken
+beunruhigt wurde. Ein kindischerer Ausweg als der, zu welchem er bei
+dieser Gelegenheit griff, ist in allen Werken der Casuisten nicht zu
+finden. Er wollte nicht persönlich Theil an der Feierlichkeit nehmen; er
+wollte nicht öffentlich für den Prinzen und die Prinzessin als König und
+Königin beten; er wollte nicht ihr Mandat verlangen, die Verlesung
+desselben anbefehlen und dann für die Befolgung sorgen. Aber er stellte
+eine Vollmacht aus, welche drei seiner Suffraganen, gleichviel welche,
+ermächtigte, in seinem Namen und als seine Delegaten die Sünden zu
+begehen, die er selbst nicht begehen mochte. Die Vorwürfe aller Parteien
+brachten ihn bald dahin, daß er sich seiner selbst schämte. Nun
+versuchte er es, die Augenscheinlichkeit seines Fehlers durch Mittel zu
+verdecken, welche noch schimpflicher waren als der Fehler selbst. Er
+entfernte aus den öffentlichen Acten, die er in seiner Verwahrung hatte,
+das Dokument, durch welches er seine Amtsbrüder ermächtigt, anstatt
+seiner zu handeln, und wurde nur mit Mühe bewogen, es wieder
+herauszugeben.[81]
+
+Burnet war indessen kraft dieses Dokuments zum Bischofe geweiht worden.
+Als er das nächste Mal Marien besuchte, erinnerte sie ihn an die
+Unterredungen, welche sie im Haag über die wichtigen Pflichten und die
+große Verantwortlichkeit der Bischöfe mit einander gepflogen hatten.
+»Ich hoffe,« sagte sie, »daß Sie Ihre Ansichten praktisch ausüben
+werden.« Ihre Hoffnung wurde nicht getäuscht. Was man auch von Burnet's
+Meinungen in Bezug auf Civil- und Kirchenverfassung, oder von der
+Gesinnung und dem Urtheil denken mag, welche er bei Verfechtung dieser
+Meinungen an den Tag legte, auch der böswilligste Parteigeist konnte
+nicht zu leugnen wagen, daß er seine Heerde mit einem Eifer, einer
+Sorgfalt und einer Uneigennützigkeit hütete, die den reinsten Zeiten der
+Kirche würdig waren. Seine geistliche Oberherrschaft erstreckte sich
+über Wiltshire und Berkshire. Diese Grafschaften theilte er in
+Distrikte, die er fleißig besuchte. Jeden Sommer verwendete er etwa zwei
+Monate darauf, täglich von Kirche zu Kirche zu predigen, zu katechisiren
+und zu confirmiren. Als er starb, gab es in seinem Kirchspiele keinen
+Winkel, wo das Volk nicht sieben bis acht Mal Gelegenheit gehabt hatte,
+seine Belehrungen zu empfangen und seinen Rath zu erbitten. Das
+schlechteste Wetter, die grundlosesten Wege hielten ihn nicht ab, diese
+Pflichten zu erfüllen. Einmal als die Flüsse ausgetreten waren, setzte
+er sich lieber der größten Lebensgefahr aus, als daß er die Erwartung
+einer Landgemeinde, welche eine Predigt von dem Bischof zu hören hoffte,
+getäuscht hätte. Die Armuth der niederen Geistlichkeit war fortwährend
+ein Gegenstand der Besorgniß für sein menschenfreundliches und edles
+Herz. Er war unermüdlich und zuletzt glücklich in seinen Bemühungen,
+ihnen von Seiten der Krone die unter dem Namen »Königin Anna's
+Schenkung« bekannte Unterstützung zu verschaffen.[82] Wenn er durch
+seine Diöcese reiste, war er ganz besonders darauf bedacht, ihnen nicht
+zur Last zu fallen. Anstatt sich von ihnen bewirthen zu lassen,
+bewirthete er sie. Er nahm sein Hauptquartier stets in einem
+Marktflecken, hielt daselbst offene Tafel und bemühte sich, durch seine
+schlichte Gastfreundschaft und liebevolle Freigebigkeit die Herzen Derer
+zu gewinnen, welche gegen seine Lehren eingenommen waren. Wenn er eine
+dürftig besoldete Pfarrstelle vergab, und er hatte deren viele zu
+vergeben, pflegte er dem Einkommen aus seiner eigenen Tasche zwanzig
+Pfund jährlich zuzulegen. Zehn vielversprechende junge Leute, deren
+jedem er dreißig Pfund jährlich aussetzte, studirten unter seinen Augen
+in Salisbury Theologie. Obwohl er mehrere Kinder hatte, hielt er sich
+doch nicht für berechtigt, Schätze für sie zu sammeln. Ihre Mutter hatte
+ihm ein anständiges Vermögen zugebracht; mit diesem Vermögen, sagte er
+immer, müßten sie sich begnügen. Er könne sich nicht um ihretwillen der
+Sünde schuldig machen, aus Einkünften, welche der Christenliebe und
+Wohlthätigkeit geweiht seien, ein Vermögen zu sammeln. Solche Tugenden
+werden in den Augen vernünftiger und vorurtheilsfreier Menschen gewiß
+vollkommenen Ersatz für jeden Fehler bieten, der ihm mit Grund zur Last
+gelegt werden kann.[83]
+
+ [Anmerkung 81: +Burnet II. 8.+; +Birch's Life of Tillotson+; +Life
+ of Kettlewell, part III. section 62.+]
+
+ [Anmerkung 82: Swift, der unter dem Namen Gregor Misosarum
+ schrieb, sagt boshafter und ehrloser Weise von Burnet, er habe der
+ Kirche diese Schenkung nicht gegönnt. Es kann Swift nicht
+ unbekannt gewesen sein, daß die Kirche diese Schenkung
+ hauptsächlich Burnet's beharrlicher Fürsprache verdankte.]
+
+ [Anmerkung 83: Siehe die Biographie Burnet's am Schlusse des
+ zweiten Bandes seiner Geschichte, seine handschriftlichen
+ Memoiren, Harl. 6584., seine Denkschriften über die Erstlinge und
+ Zehnten, und Somers' Briefe an ihn über diesen Gegenstand. Auch
+ vergleiche man was Dr. King, obwohl Jakobit, so gerecht war in
+ seinen +Anecdotes+ zu sagen. Ein höchst ehrenvolles Zeugniß für
+ Burnet's Tugenden, von einem andren Jakobiten, der ihn heftig
+ angegriffen, und gegen den er sich äußerst großmüthig gezeigt
+ hatte, von dem gelehrten und freimüthigen Thomas Baker, findet man
+ im +Gentleman's Magazine+ für August und September 1791.]
+
+
+[_Nottingham's Pläne in Bezug auf die kirchliche Verfassung._] Als er
+seinen Sitz im Hause der Lords einnahm, fand er diese Versammlung mit
+der Berathung kirchlicher Gesetze beschäftigt. Ein Staatsmann, der als
+treuer Anhänger der Landeskirche bekannt war, hatte es unternommen, die
+Sache der Dissenters zu vertheidigen. Kein Unterthan im ganzen Reiche
+nahm mit Bezug auf die religiösen Parteien eine so wichtige und
+gebietende Stellung ein als Nottingham. Mit dem Einflusse, welchen Rang,
+Reichthum und amtliche Würde verleihen, verband er den noch höheren
+Einfluß der wissenschaftlichen Bildung, der Beredtsamkeit und der
+Rechtschaffenheit. Sein orthodoxer Glaube, die Regelmäßigkeit seiner
+Andachtsübungen und die Reinheit seiner Sitten gaben seinen Ansichten
+über Fragen, welche die Interessen des Christenthums berührten, ein
+besonderes Gewicht. Von allen Ministern des neuen Herrscherpaares genoß
+er am meisten das Vertrauen der Geistlichkeit. Shrewsbury war sicherlich
+ein Whig und wahrscheinlich ein Freidenker, denn er hatte eine Religion
+verloren, und es war nicht deutlich zu erkennen, ob er eine andre
+gefunden. Halifax war seit vielen Jahren des Skepticismus, Deismus und
+Atheismus beschuldigt worden. Danby's Anhänglichkeit an das Episkopat
+und die Liturgie war mehr politischer als religiöser Natur. Nottingham
+aber war ein Sohn, den die Landeskirche mit Stolz den Ihrigen nannte.
+In Folge dessen konnten Vorschläge, die, wenn sie von seinen Collegen
+ausgegangen wären, unfehlbar einen panischen Schrecken unter der
+Geistlichkeit hervorgerufen haben würden, wenn er sie machte, eine
+günstige Aufnahme selbst bei den Universitäten und Kapiteln finden.
+Die Freunde der religiösen Freiheit sehnten sich mit gutem Grunde nach
+seiner Mitwirkung, und er war auch, bis zu einem gewissen Punkte, nicht
+abgeneigt, Hand in Hand mit ihnen zu gehen. Er war entschieden für eine
+Toleranz; er war sogar für eine Comprehension, wie man es damals nannte,
+das heißt er wünschte einige Abänderungen in dem anglikanischen
+Kirchenregiment und Ritual vorzunehmen, um dadurch die Bedenken der
+gemäßigten Presbyterianer zu heben. Aber die Testacte wollte er nicht
+aufgeben. Der einzige Fehler, den er an dieser Acte fand, war, daß sie
+nicht nachdrücklich genug sei und Schlupfwege offen lasse, durch die
+sich Schismatiker zuweilen in bürgerliche Ämter einschlichen. In der
+That war er gerade deshalb geneigt, in einige Abänderungen in der
+Liturgie zu willigen, weil er keine Lust hatte, sich von der Testacte zu
+trennen. Er meinte, wenn der Eingang in die Staatskirche nur ein klein
+wenig erweitert werde, würden sehr viele Leute, welche bis dahin
+zaudernd auf der Schwelle gestanden, sich hereindrängen. Diejenigen,
+welche dann noch draußen blieben, würden nicht zahlreich oder mächtig
+genug sein, um ein weiteres Zugeständniß erzwingen zu können, und würden
+sich gern mit einer bloßen Toleranz abfinden lassen.[84]
+
+Die Ansicht der Niederkirchlichen bezüglich der Testacte war von der
+seinigen durchaus verschieden. Vielen von ihnen aber schien es von
+höchster Wichtigkeit, seine Unterstützung bei den großen Fragen der
+Toleranz und der Comprehension zu erlangen. Aus den zerstreuten
+fragmentarischen Mittheilungen, welche auf uns gekommen sind, geht
+hervor, daß ein Vergleich zu Stande kam. Es ist gewiß, daß Nottingham es
+auf sich nahm, eine Toleranzbill und eine Comprehensionsbill
+einzubringen und sich nach besten Kräften zu bemühen, daß beide Bills im
+Hause der Lords angenommen würden. Und sehr wahrscheinlich ist es, daß
+einige von den leitenden Whigs in Anerkennung dieses großen Dienstes
+einwilligten, die Testacte vor der Hand unverändert fortbestehen zu
+lassen.
+
+Die Abfassung der Toleranzbill sowohl als der Comprehensionsbill hatte
+keine Schwierigkeiten. Vor neun oder zehn Jahren, als das Königreich von
+Angst vor einem papistischen Complot erfüllt und die Protestanten
+allgemein geneigt waren, sich gegen den gemeinsamen Feind zu verbinden,
+war die Lage der Dissenters vielfach discutirt worden. Die Regierung war
+damals bereit gewesen, der Whigpartei umfassende Zugeständnisse zu
+machen, unter der Bedingung, daß die Krone nach dem regelmäßigen Gange
+forterben dürfe. Zwei Gesetzentwürfe, von denen der eine den
+öffentlichen Gottesdienst der Nonconformisten gestattete, der andre
+einige Abänderungen in dem öffentlichen Gottesdienste der Staatskirche
+traf, waren vorbereitet worden und würden wahrscheinlich von beiden
+Häusern ohne Schwierigkeit angenommen worden sein, hätten nicht
+Shaftesbury und seine Coadjutoren sich geweigert, auf irgendwelche
+Bedingungen zu hören, und sich, indem sie nach Unerreichbarem die Hand
+ausstreckten, Vortheile entgehen lassen, welche leicht zu erlangen
+gewesen wären. An der Abfassung dieser Gesetzentwürfe hatte Nottingham,
+damals ein thätiges Mitglied des Hauses der Gemeinen, einen starken
+Antheil gehabt. Jetzt zog er sie aus dem Dunkel hervor, in welchem sie
+seit der Auflösung des Oxforder Parlaments geblieben waren, und legte
+sie mit einigen unbedeutenden Abänderungen auf den Tisch der Lords.[85]
+
+ [Anmerkung 84: Oldmixon möchte uns glauben machen, daß Nottingham
+ damals nicht abgeneigt gewesen sei, die Testacte aufzugeben. Aber
+ Oldmixon's Behauptung, welche durch keine Beweise unterstützt
+ wird, ist von gar keinem Gewicht, und alle Zeugnisse, die er
+ anführt, sprechen gegen seine Behauptung.]
+
+ [Anmerkung 85: +Burnet II. 6+; Van Citters an die Generalstaaten,
+ 1.(11.) März 1689; +King William's Toleration being an explanation
+ of that liberty of conscience which may be expected from His
+ Majesty's Declaration, with a Bill for Comprehensions and
+ Indulgence, drawn up in order to an Act of Parliament, licensed
+ March 25. 1689.+]
+
+
+[_Die Toleranzbill._] Die Toleranzbill ging in beiden Häusern nach
+kurzer Debatte durch. Dieses berühmte Gesetz, das lange Zeit als die
+große Charte der Religionsfreiheit betrachtet wurde, ist seitdem
+umfassend modificirt worden und der jetzigen Generation fast nur dem
+Namen nach bekannt. Der Name wird jedoch von Vielen, welche vielleicht
+mit Verwunderung und Enttäuschung den wahren Character des Gesetzes
+kennen lernen werden, das sie in Ehren zu halten gewohnt waren, noch
+immer mit Achtung genannt.
+
+Mehrere Gesetze, welche zwischen der Thronbesteigung der Königin
+Elisabeth und der Revolution erlassen worden waren, schrieben Jedermann
+bei strengen Strafen vor, dem Gottesdienste der Kirche England's
+beizuwohnen und sich des Besuchs von Conventikeln zu enthalten. Die
+Toleranzacte widerrief keines dieser Gesetze, sondern bestimmte nur, daß
+sie auf Niemanden Anwendung finden sollten, der seine Loyalität durch
+Ablegung der Unterthanen- und Suprematseide und seinen protestantischen
+Glauben durch Unterzeichnung der Erklärung gegen die Transsubstantiation
+bezeuge.
+
+Die so gewährte Erleichterung kam sowohl den dissentirenden Laien
+als den dissentirenden Geistlichen zu Gute. Der dissentirende Klerus
+aber hatte noch einige besondere Ursachen zu Beschwerden. Die
+Conformitätsacte hatte Jedem eine Geldbuße von hundert Pfund auferlegt,
+der sich, ohne die bischöfliche Ordination empfangen zu haben, anmaßen
+sollte, das Abendmahl zu reichen. Die Fünfmeilenacte hatte viele fromme
+und gelehrte Geistliche von ihren Wohnplätzen und ihren Freunden
+vertrieben, um in unbekannten Dörfern, welche auf keiner Landkarte zu
+finden waren, unter Bauern zu leben. Die Conventikelacte hatte
+denjenigen Geistlichen, welche vor Separatistenversammlungen predigen
+sollten, schwere Geldbuße auferlegt, und in directem Widerspruche mit
+dem humanen Geiste unsres gemeinen Rechts waren die Gerichtshöfe
+angewiesen, diese Acte in umfassender Ausdehnung und zur wirksamen
+Unterdrückung des Dissents wie zur Aufmunterung der Angeber zu
+handhaben. Diese strengen Gesetze waren nicht aufgehoben, sondern nur,
+mit vielen Bedingungen und Vorbehalten, gemildert. Es war
+vorgeschrieben, daß jeder dissentirende Geistliche, ehe er seine
+Amtsverrichtungen ausüben durfte, mit eigenhändiger Namensunterschrift
+seinen Glauben an die Artikel der englischen Staatskirche, mit wenigen
+Ausnahmen, feierlich erklären müsse. Die Punkte, zu denen seine
+Zustimmung nicht verlangt wurde, waren: daß die Kirche die Befugniß
+habe, das Ceremoniell zu reguliren, daß die in dem Homilienbuche
+aufgestellten Lehren richtig seien, und daß die Ceremonie der Ordination
+nichts Abergläubisches und Abgöttisches an sich habe. Erklärte er sich
+für einen Baptisten, so brauchte er außerdem nicht zu versichern, daß
+die Taufe der Kinder ein lobenswerther Gebrauch sei. Wenn ihm aber seine
+Überzeugung nicht gestattete, vierunddreißig von den neununddreißig
+Artikeln und den größten Theil von noch zwei anderen Artikeln zu
+unterschreiben, so durfte er nicht predigen, ohne sich allen den Strafen
+auszusetzen, welche die Cavaliere zur Zeit ihrer Macht und ihrer Rache
+ersonnen hatten, um die schismatischen Prediger zu quälen und zu Grunde
+zu richten.
+
+Die Lage der Quäker war von der der übrigen Dissenters verschieden, und
+zwar zu ihrem Nachtheile. Der Presbyterianer, der Independent und der
+Baptist hatten keine Bedenken wegen des Suprematseides. Der Quäker aber
+weigerte sich, denselben zu leisten, nicht weil er gegen den Satz, daß
+fremde Fürsten und Prälaten in England keine Rechtsgewalt haben, etwas
+einzuwenden gehabt hätte, sondern weil sein Gewissen ihm nicht
+gestattete, auf irgend etwas zu schwören. Daher war er der Strenge eines
+Theiles des Strafcodex ausgesetzt, welcher schon lange bevor das
+Quäkerthum existirte von den Parlamenten Elisabeth's gegen die
+Römisch-Katholischen ausgearbeitet worden war. Die Toleranzacte erlaubte
+den Mitgliedern dieser harmlosen Secte, ihre Zusammenkünfte in Frieden
+abzuhalten, unter der Bedingung, daß sie drei Urkunden unterzeichneten:
+eine Erklärung gegen die Transsubstantiation, ein Versprechen der Treue
+gegen die Regierung, und ein christliches Glaubensbekenntniß. Die
+Einwendungen, welche der Quäker gegen die athanasianische Phraseologie
+machte, hatten ihm die Beschuldigung des Socinianismus zugezogen, und
+die starke Sprache, in der er zuweilen behauptete, daß er seine Kenntniß
+von überirdischen Dingen unmittelbarer Eingebung von Oben verdanke,
+hatte den Verdacht erweckt, daß er von der Autorität der heiligen
+Schrift nicht viel halte. Es wurde daher von ihm verlangt, daß er seinen
+Glauben an die Göttlichkeit des Sohnes und des heiligen Geistes, wie
+auch an die Inspiration des Alten und Neuen Testaments erklären solle.
+
+Dies waren die Bedingungen, unter denen die protestantischen Dissenters
+in England zum ersten Male Gott nach ihrer Überzeugung verehren durften.
+Es war ihnen ganz zweckmäßigerweise untersagt, ihre Versammlungen bei
+verschlossenen Thüren zu halten; eine Klausel aber, welche es für
+strafbar erklärte, ein Bethaus zu betreten, in der Absicht die
+Versammlung zu belästigen, schützte sie gegen feindliches Eindringen.
+
+Als ob die erwähnten Beschränkungen und Vorsichtsmaßregeln noch nicht
+ausreichend gewesen wären, wurde nachdrücklich erklärt, daß die
+Legislatur gegen keinen Papisten oder irgend Jemanden, der die Lehre von
+der Dreieinigkeit, wie sie in den Formularen der englischen Landeskirche
+aufgestellt ist, verwerfe, die geringste Nachsicht zu üben gedenke.
+
+Von allen Acten, die jemals von einem Parlamente erlassen wurden, ist
+die Toleranzacte vielleicht diejenige, welche auf die eigenthümlichen
+Mängel und auf die eigenthümlichen Vorzüge der englischen Gesetzgebung
+das grellste Licht wirft. Die Staatswissenschaft ist in einer Hinsicht
+der Mathematik vollkommen analog. Der Mathematiker kann leicht darthun,
+daß eine gewisse Kraft, welche vermittelst eines Hebels oder eines
+Flaschenzugs angewendet wird, zum Heben einer gewissen Last ausreicht.
+Seine Demonstration gründet sich auf die Voraussetzung, daß die
+Maschinerie von der Art ist, daß keine Last sie biegen oder zerbrechen
+kann. Wenn aber der Mechaniker, der vermittelst wirklicher Balken und
+Seile eine große Masse wirklicher Steine zu heben hat, sich auf den
+Lehrsatz, den er in Werken über Dynamik findet, unbedingt verlassen und
+die Unvollkommenheit seines Materials nicht mit in Anschlag bringen
+wollte, so würde sein ganzer Apparat von Balken, Rädern und Seilen bald
+zusammenstürzen, und er würde mit all' seinen mathematischen Kenntnissen
+als ein viel schlechterer Baumeister erfunden werden wie die bemalten
+Barbaren, welche Stonehenge erbauten, obgleich sie von dem
+Parallelogramm der Kräfte in ihrem Leben nichts gehört hatten. Wie sich
+der Mechaniker zu dem Mathematiker verhält, so verhält sich der
+praktische Staatsmann zu dem theoretischen Staatsmann. Es ist allerdings
+höchst wichtig, daß Gesetzgeber und Regierende die Theorie des Regierens
+genau kennen, wie es höchst wichtig ist, daß der Baumeister, der einen
+Obelisk auf sein Piedestal stellen oder eine Röhrenbrücke über einen
+Meeresarm legen soll, in der Theorie des Gleichgewichts und der Bewegung
+bewandert sei. Wie aber der, welcher wirklich zu bauen hat, an Vieles
+denken muß, wovon d'Alembert und Euler nie etwas erwähnt haben, so muß
+auch Der, welcher wirklich regieren soll, sich beständig durch
+Erwägungen leiten lassen, von denen in den Schriften Adam Smith's oder
+Jeremias Bentham's keine Rede ist. Der vollkommene Gesetzgeber hält die
+rechte Mitte zwischen dem Theoretiker, der nichts sieht als allgemeine
+Grundsätze, und dem bloßen Praktiker, der nur specielle Umstände ins
+Auge faßt. An Gesetzgebern, bei denen das spekulative Element bis zur
+völligen Ausschließung des praktischen vorherrschte, ist die Welt
+während der letzten achtzig Jahre auffallend fruchtbar gewesen. Ihrer
+Weisheit verdanken Europa und Amerika Dutzende von abortiven
+Verfassungen, welche gerade lange genug gelebt haben, um ein trauriges
+Aufsehen zu machen, und die dann unter krampfhaften Zuckungen
+verschieden sind. In der englischen Gesetzgebung aber hat das praktische
+Element vor dem spekulativen stets, und nicht selten ungebührlich
+vorgeherrscht. Nichts auf die Symmetrie, und viel auf die Zweckmäßigkeit
+zu geben; niemals eine Anomalie blos deshalb zu beseitigen, weil sie
+eine Anomalie ist; niemals eine Neuerung einzuführen, außer wenn sich
+ein Nachtheil fühlbar macht, und Neuerungen nur in so weit einzuführen
+als zur Hebung des Nachtheils nothwendig ist; niemals einen Vorschlag zu
+machen, der sich weiter erstreckte, als auf den speciellen Fall, für
+welchen Abhülfe zu schaffen ist: dies sind die Regeln, welche vom
+Zeitalter Johann's bis zum Zeitalter Victoria's die Verhandlungen
+unserer zweihundertfunfzig Parlamente geleitet haben. Unser nationaler
+Widerwille gegen alles Abstracte in der Staatswissenschaft ist
+allerdings so groß, daß er ein Fehler wird. Doch ist es vielleicht ein
+Fehler zum Guten. Daß wir bei der Verbesserung unserer Gesetze viel zu
+langsam gegangen sind, muß zugegeben werden. Obwohl aber in anderen
+Ländern gelegentlich ein rascherer Fortschritt stattgefunden haben mag,
+so würde es doch nicht leicht sein, ein andres Land zu nennen, in
+welchem so wenig Rückschritt stattgefunden hätte.
+
+Die Toleranzacte kommt dem Typus eines großen englischen Gesetzes sehr
+nahe. Einen Juristen, der in der Theorie der Gesetzgebung wohl
+bewandert, mit der Stimmung der Secten und Parteien aber, in welche die
+Nation zur Zeit der Revolution gespalten war, nicht genau bekannt wäre,
+würde jene Acte als ein wahres Chaos von Absurditäten und Widersprüchen
+erscheinen. Sie wird eine Prüfung nach richtigen allgemeinen Prinzipien
+nicht vertragen. Noch mehr, sie wird gar keine Prüfung nach irgend
+welchem, gleichviel ob richtigen oder falschen Prinzip vertragen. Das
+richtige Prinzip ist unzweifelhaft, daß ein rein theologischer Irrthum
+von der Civilobrigkeit nicht bestraft werden darf. Dieses Prinzip
+erkennt die Toleranzacte nicht nur nicht an, sondern sie leugnet es
+sogar positiv. Kein einziges von den harten Gesetzen, welche die Tudors
+oder die Stuarts gegen die Nonconformisten erlassen, ist aufgehoben.
+Verfolgung ist nach wie vor die allgemeine Regel; Toleranz ist die
+Ausnahme. Und dies ist noch nicht Alles. Die der Überzeugung gewählte
+Freiheit wird in der launenhaftesten Weise gewährt. Ein Quäker erlangt
+dadurch, daß er ein Glaubensbekenntniß in allgemeinen Ausdrücken ablegt,
+den vollen Genuß der Acte, ohne einen der neununddreißig Artikel zu
+unterschreiben. Ein Independentengeistlicher, der vollkommen bereit ist,
+die von dem Quäker verlangte Erklärung abzugeben, der aber wegen sechs
+oder sieben Artikeln Zweifel hegt, bleibt dem Strafgesetz unterworfen.
+Howe ist straffällig, wenn er predigt, ohne zuvor seine Zustimmung zu
+der anglikanischen Lehre vom Abendmahl feierlich erklärt zu haben. Penn,
+der das Abendmahl ganz verwirft, kann völlig ungehindert predigen, ohne
+irgend eine Erklärung über den Gegenstand abzugeben.
+
+Dies sind einige von den unleugbaren Fehlern, welche Jedem auffallen
+müssen, der die Toleranzacte nach dem Maßstabe der gesunden Vernunft
+betrachtet, welcher in allen Ländern und zu allen Zeiten der nämliche
+ist. Aber gerade diese Fehler können sich vielleicht als Vorzüge
+herausstellen, wenn wir die Leidenschaften und Vorurtheile Derer in
+Betracht ziehen, für welche die Toleranzacte erlassen wurde. Dieses an
+Widersprüchen, die jeder Stümper in der Politik entdecken kann,
+überreiche Gesetz leistete, was ein von den größten Meistern in der
+Staatswissenschaft auf das Geschicktste ausgearbeitetes Gesetz
+vielleicht nicht geleistet haben würde. Daß die obenangeführten
+Bestimmungen lästig, kindisch, einander widersprechend und mit der
+wahren Theorie der Religionsfreiheit nicht im Einklange sind, läßt sich
+nicht leugnen. Alles was zu ihrer Vertheidigung angeführt werden kann,
+ist, daß sie eine große Menge Hebel beseitigte, ohne eine große Menge
+Vorurtheile zu verletzen; daß sie mit einem Male und für immer, ohne
+eine einzige Abstimmung in einem der beiden Parlamentshäuser, ohne einen
+einzigen Straßenaufstand und fast ohne hörbares Murren selbst von Seiten
+der bigotteren Klassen, einer Verfolgung ein Ende machte, welche vier
+Generationen hindurch gewüthet, zahllose Herzen gebrochen, zahllose
+Herde verödet, die Gefängnisse mit Menschen gefüllt, welche für diese
+Welt zu gut waren, und Tausende von rechtschaffenen, fleißigen und
+gottesfürchtigen Landleuten und Handwerkern, welche den eigentlichen
+Kern einer Nation bilden, über den Ocean getrieben hatte, um unter den
+Wigwams rothhäutiger Indianer und den Lagerplätzen der Panther eine
+Zufluchtsstätte zu suchen. Solche Vertheidigungsgründe mögen einigen
+oberflächlichen Theoretikern vielleicht schwach vorkommen, Staatsmänner
+aber werden sie ohne Zweifel für vollkommen ausreichend erklären.
+
+Die Engländer von 1689 waren keineswegs geneigt, das Prinzip gelten zu
+lassen, daß religiöser Irrthum ungestraft bleiben dürfe. Dieses Prinzip
+war gerade damals unpopulärer als je, denn es war erst vor wenigen
+Monaten arglistiger Weise als Vorwand benutzt worden, um die
+Landeskirche zu verfolgen, die Grundgesetze des Reichs mit Füßen zu
+treten, Freigüter einzuziehen und die bescheidene Ausübung des
+Petitionsrechts als ein Verbrechen zu behandeln. Wenn damals eine
+Bill entworfen worden wäre, welche allen Protestanten völlige
+Gewissensfreiheit gewahrt hätte, so kann man mit Gewißheit behaupten,
+daß Nottingham eine solche Bill niemals eingebracht, daß alle Bischöfe,
+Burnet nicht ausgenommen, dagegen gestimmt haben würden, daß sie jeden
+Sonntag von zehntausend Kanzeln herab als eine Beleidigung gegen Gott
+und gegen alle Christen und als ein Freibrief für die ärgsten Ketzer und
+Gottesleugner bezeichnet worden wäre, daß Bates und Baxter sie eben so
+heftig verdammt haben würden als Ken und Sherlock, daß sie in der Hälfte
+der englischen Städte vom Pöbel verbrannt worden, daß sie nie ein
+Landesgesetz geworden wäre und daß sie schon das Wort Toleranz der
+Mehrheit des Volks auf viele Jahre hinaus verhaßt gemacht haben würde.
+Und dennoch, wenn eine solche Bill durchgegangen wäre, was würde sie
+mehr bewirkt haben als die Toleranzacte bewirkte?
+
+Es ist wahr, die Toleranzacte erkannte die Verfolgung als Regel an und
+gewährte die Gewissensfreiheit nur als Ausnahme. Aber eben so wahr ist
+es, daß die Regel nur gegen einige Hundert protestantischer Dissenters
+in Kraft blieb und daß die Wohlthat der Ausnahme sich auf
+Hunderttausende erstreckte.
+
+Es ist wahr, daß es theoretisch widersinnig war, von Howe die
+Unterzeichnung von vierunddreißig oder fünfunddreißig der anglikanischen
+Artikel zu verlangen, bevor er predigen durfte, und Penn predigen zu
+lassen, ohne daß er einen einzigen dieser Artikel unterzeichnete. Aber
+eben so wahr ist es, daß Beide, Penn wie Howe, unter jenem Gesetz nicht
+minder volle Freiheit zu predigen erlangten, als sie sie unter dem
+weisesten Codex genossen haben würden, den ein Beccaria oder Jefferson
+hätte ausarbeiten können.
+
+Die Berathung der Bill ging leicht von Statten. Nur ein Amendement von
+Wichtigkeit wurde vorgeschlagen. Einige eifrige Kirchenmänner im Hause
+der Gemeinen sagten, daß es wohl wünschenswerth sein dürfte, die
+Toleranz nur auf einen Zeitraum von sieben Jahren zu bewilligen und so
+eine Garantie für das gute Verhalten der Nonconformisten zu erlangen.
+Dieser Antrag aber wurde so ungünstig aufgenommen, daß Die, welche ihn
+gestellt hatten, es nicht wagten, das Haus darüber abstimmen zu
+lassen.[86]
+
+Der König gab mit voller Befriedigung seine Zustimmung, die Bill wurde
+Gesetz und die puritanischen Geistlichen drängten sich in allen
+Grafschaften zu den Quartalsitzungen, um zu schwören und zu
+unterzeichnen. Viele von ihnen mochten ihre Zustimmung zu den Artikeln
+allerdings wohl mit einigen stillschweigenden Vorbehalten erklären.
+Baxter aber wollte sein ängstliches Gewissen nicht gestatten den Schritt
+zu thun, bevor er eine Erklärung über den Sinn, in welchem er jeden
+Punkt verstand, zu Protokoll gegeben hatte. Das Schriftstück, welches
+er dem Gerichtshofe, vor dem er die Eide leistete, überreichte,
+ist noch vorhanden und enthält zwei Stellen von besonderem
+Interesse. Er erklärte, daß seine Billigung des athanasianischen
+Glaubensbekenntnisses sich auf denjenigen Theil beschränke, der ein
+wirkliches Glaubensbekenntniß sei, und daß er den Verdammungssätzen
+nicht beistimme. Ebenso erklärte er, daß er durch Unterschreibung des
+Artikels, der über Alle, welche behaupten, man könne auch ohne Christi
+Vermittlung selig werden, ein Anathema verhängt, Diejenigen nicht
+verdammt haben wolle, welche die Hoffnung hegen, daß aufrichtige und
+tugendhafte Ungläubige an den Wohlthaten der Erlösung Theil haben
+können. Viele von den dissentirenden Geistlichen London's erklärten ihre
+Verpflichtung zu diesen mildherzigen Gesinnungen.[87]
+
+ [Anmerkung 86: +Commons' Journals, May 17. 1689+]
+
+ [Anmerkung 87: Sense of the subscribed articles by the Ministers
+ of London, 1690; Calamy's Historical Additions to Baxter's Life.]
+
+
+[_Die Comprehensionsbill._] Die Geschichte der Comprehensionsbill bildet
+einen auffallenden Contrast zur Geschichte der Toleranzbill. Beide Bills
+hatten einen gemeinsamen Ursprung und, in bedeutender Ausdehnung, auch
+einen gemeinsamen Zweck. Sie wurden zu gleicher Zeit entworfen und zu
+gleicher Zeit bei Seite gelegt; sie geriethen zusammen in Vergessenheit
+und wurden nach Verlauf mehrerer Jahre zusammen wieder vor die Augen der
+Welt gebracht. Beide wurden von dem nämlichen Peer auf den Tisch des
+Oberhauses niedergelegt und beide wurden dem nämlichen Ausschusse
+überwiesen. Bald aber begann es sich zu zeigen, daß sie ein ganz
+verschiedenes Schicksal haben würden. Die Comprehensionsbill war zwar
+ein besseres Probestück legislativer Geschicklichkeit, als die
+Toleranzbill, war aber nicht, wie diese, den Bedürfnissen, Gefühlen und
+Vorurtheilen der lebenden Generation angepaßt. In Folge dessen wurde die
+Comprehensionsbill, während die Toleranzbill von allen Seiten
+Unterstützung fand, von allen Seiten angegriffen und zuletzt selbst von
+Denen, die sie eingebracht hatten, lau und schwach vertheidigt. Um die
+nämliche Zeit, wo die Toleranzbill unter allgemeiner Zustimmung der
+Staatsmänner Gesetz wurde, ward die Comprehensionsbill unter nicht
+minder allgemeiner Zustimmung fallen gelassen. Die Toleranzbill nimmt
+heute noch unter den wichtigen Gesetzen, welche in unsrer
+Verfassungsgeschichte Epochen bezeichnen, eine Stelle ein. Die
+Comprehensionsbill ist vergessen. Kein Sammler von Alterthümern hat sie
+der Aufbewahrung werth gehalten. Ein einziges Exemplar, das nämliche,
+welches Nottingham den Peers vorlegte, befindet sich noch unter unseren
+Parlamentsacten, ist aber nur einigen wenigen jetzt lebenden Personen zu
+Gesicht gekommen. Es ist ein glücklicher Umstand, daß aus diesem
+Exemplare fast die ganze Geschichte der Bill zu ersehen ist. Trotz der
+Durchstreichungen und hineincorrigirten Änderungen sind die
+ursprünglichen Worte leicht von denen zu unterscheiden, welche im
+Ausschuß oder bei der Berichterstattung hineingeschrieben wurden.[88]
+
+Die erste Klausel, wie sie bei Einbringung der Bill lautete, entband
+alle Geistlichen der Landeskirche der Nothwendigkeit, die neununddreißig
+Artikel zu unterschreiben. An die Stelle der Artikel war folgende
+Erklärung gesetzt: »Ich billige die Lehre und den Gottesdienst und das
+Regiment der Staatskirche England's, wie sie gesetzlich bestehen,
+als alles zur Seligkeit Nothwendige enthaltend, und verspreche in der
+Ausübung meines geistlichen Amtes demgemäß zu predigen und zu handeln.«
+Eine andre Klausel gewährte den Mitgliedern der beiden Universitäten
+gleiche Begünstigung.
+
+Ferner war bestimmt, daß jeder Geistliche, der nach presbyterianischer
+Weise ordinirt worden, ohne nochmalige Ordination alle Rechte eines
+Priesters der Landeskirche erlangen konnte. Er mußte jedoch in seine
+neuen Functionen durch Händeauflegen seitens eines Bischofs eingeführt
+werden, welcher dabei folgende Formel auszusprechen hatte: »Empfange die
+Ermächtigung, das Wort Gottes zu predigen, die Sakramente darzureichen
+und alle anderen geistlichen Amtsverrichtungen in der Kirche von England
+auszuüben.« Der so Aufgenommene war zur Bekleidung jedes Rectorats oder
+Vikariats im Königreiche befähigt.
+
+Dann folgten Klauseln, welche bestimmten, daß ein Geistlicher, außer in
+einigen wenigen Kirchen von besonderem Ansehen, den Chorrock tragen
+könne oder nicht, wie er es für gut fände, daß das Zeichen des Kreuzes
+bei der Taufe weggelassen werden dürfe, daß die Kinder ohne Pathen oder
+Pathinnen getauft werden dürften, wenn die Eltern es wünschten, und daß
+Leute, denen es Gewissensscrupel machte, das Abendmahl knieend zu
+empfangen, es sitzend empfangen dürften.
+
+Der Schlußsatz war in Form einer Petition gefaßt. Es war darin
+vorgeschlagen, daß die beiden Häuser den König und die Königin ersuchen
+sollten, eine Ordre zu erlassen, welche dreißig Theologen der
+Landeskirche ermächtigte, die Liturgie, die Kirchengesetze und die
+Einrichtung der geistlichen Gerichtshöfe zu untersuchen und die sich bei
+der Untersuchung als wünschenswerth herausstellenden Änderungen
+anzuempfehlen.
+
+Die Bill durchlief ruhig die ersten Stadien. Compton, welcher
+thatsächlich Primas war, seit Sancroft sich in Lambeth eingeschlossen
+hatte, unterstützte Nottingham aufs Kräftigste.[89] Im Ausschusse aber
+zeigte es sich, daß es eine starke Partei von Hochkirchlichen gab,
+welche entschlossen waren, kein einziges Wort, keine einzige Formalität
+aufzugeben, denen es schien, daß Gebete ohne den Chorrock keine Gebete,
+der Täufling ohne das Zeichen des Kreuzes kein Christ, und Brod und Wein
+keine Denkzeichen der Erlösung und keine Gnadenvehikel seien, wenn sie
+nicht knieend empfangen würden. Warum, fragten diese Männer, sollte der
+gehorsame und treue Sohn der Landeskirche den Verdruß haben, in ihre
+majestätischen Chöre die unehrerbietigen Gebräuche eines Conventikels
+eingeführt zu sehen? Warum sollten seine Gefühle, seine Vorurtheile,
+wenn es wirklich Vorurtheile wären, weniger berücksichtigt werden als
+die Launen der Schismatiker? Wenn, wie Burnet und Leute wie Burnet nicht
+müde wurden zu wiederholen, einem schwachen Bruder Nachsicht gebühre,
+gebühre sie demjenigen Bruder, dessen Schwäche in seiner übergroßen
+Liebe zu einem alten, einfachen und schönen Ritual bestehe, das von
+Kindheit an in seiner Phantasie mit dem Erhabensten und Theuersten eng
+verbunden sei, weniger als dem Bruder, dessen grämlicher und
+streitsüchtiger Geist beständig auf läppische Einwendungen gegen
+harmlose und heilsame Gebräuche sinne? Aber die Bedenklichkeit des
+Puritaners sei wahrlich nicht die Art der Bedenklichkeit, welche der
+Apostel den Gläubigen zu respectiren befohlen habe. Sie entspringe nicht
+aus einer krankhaften Zartheit des Gewissens, sondern aus Tadelsucht und
+geistlichem Hochmuth, und wer das Neue Testament studirt habe, dem könne
+es unmöglich entgangen sein, daß, während es unsre Pflicht sei Alles zu
+vermeiden was dem Schwachen ein Ärgerniß geben könne, göttliche
+Vorschrift und göttliches Beispiel uns lehrten, dem anmaßenden und
+lieblosen Pharisäer kein Zugeständniß zu machen. Sollte Alles was nicht
+zum Wesen der Religion gehöre, aufgegeben werden, sobald es einem Haufen
+Zeloten, denen Eigendünkel und Neuerungssucht die Köpfe verdreht hätte,
+nicht mehr gefalle? Bemaltes Glas, Musik, Feiertage und Festtage
+gehörten nicht zum Wesen der Religion. Sollten auf Verlangen der einen
+Schaar Fanatiker die Fenster der Kapelle von King's College zerbrochen
+werden? Sollte einer andren zu Gefallen die Orgel von Exeter verstummen?
+Sollten alle Dorfglocken schweigen, weil Tribulation Wholesome oder
+Diakonus Ananias sie für profan hielten? Sollte das Christfest kein
+Freudentag mehr sein? Sollte die Passionswoche nicht länger eine Zeit
+der Demüthigung bleiben? Diese Änderungen waren allerdings noch nicht
+vorgeschlagen worden. Wenn wir aber, argumentirten die Hochkirchlichen,
+einmal zugeben, daß etwas Harmloses und Erbauliches abgeschafft werde,
+weil es einigen beschränkten Köpfen und Grämlingen Anstoß giebt, wo
+sollen wir dann einhalten? Und ist es nicht wahrscheinlich, daß wir,
+indem wir so versuchen, ein Schisma zu heilen, ein andres hervorrufen
+können? Alle die Dinge, welche die Puritaner als Flecken der Kirche
+betrachten, werden von einem großen Theile der Bevölkerung zu den
+Schönheiten derselben gerechnet. Kann sie nicht, indem sie aufhört
+einigen mürrischen Rigoristen Ärgerniß zu geben, zu gleicher Zeit ihren
+Einfluß auf die Herzen Vieler verlieren, die sich jetzt an ihren
+Gebräuchen erfreuen? Steht nicht zu befürchten, daß für jeden
+Proselyten, den sie aus dem Bethause an sich zieht, zehn ihrer alten
+Söhne ihren verstümmelten Riten und des Schmuckes beraubten Tempeln den
+Rücken kehren und daß diese neuen Separatisten sich entweder zu einer
+viel mächtigeren Secte als die, welche wir jetzt zu versöhnen suchen,
+zusammenschaaren oder in der Heftigkeit ihres Abscheues vor einer kalten
+und unwürdigen Gottesverehrung sich verleiten lassen, zu dem feierlichen
+und glänzenden Götzendienst Rom's überzugehen?
+
+Es ist bemerkenswerth, daß Die, welche diese Sprache führten, keineswegs
+geneigt waren, für die doctrinellen Artikel der Staatskirche zu
+streiten. In Wahrheit hat seit den Zeiten Jakob's I. die große Partei,
+welche besonders für die anglikanische Kirchenverfassung und das
+anglikanische Ritual eingenommen war, sich immer stark zum Arminianismus
+hingeneigt und daher nie sehr fest an einem Glaubensbekenntniß gehangen,
+das von Reformatoren entworfen war, welche in Fragen der metaphysischen
+Theologie im Allgemeinen mit Calvin übereinstimmten. Eines von den
+characteristischen Kennzeichen dieser Partei ist die Geneigtheit, welche
+sie stets an den Tag gelegt hat, sich bei Punkten der dogmatischen
+Theologie lieber auf die aus Rom stammende Liturgie als auf die aus Genf
+stammenden Artikel und Homilien zu berufen. Die calvinistischen
+Mitglieder der Kirche haben dagegen stets behauptet, daß die
+wohlerwogene Meinung derselben über solche Punkte vielmehr in einer
+Homilie oder in einer Dankeshymne zu finden sei. Es scheint nicht,
+daß bei den Debatten über die Comprehensionsbill ein einziger
+Hochkirchlicher seine Stimme gegen die Klausel erhob, welche den Klerus
+der Nothwendigkeit entband, die Artikel zu unterschreiben und die in den
+Homilien enthaltene Doctrin für richtig zu erklären. Die Erklärung,
+welche in dem ursprünglichen Entwurf an die Stelle der Artikel gesetzt
+war, wurde sogar in der Berichterstattung sehr gemildert. Nach dem
+schließlichen Wortlaute der Klausel war den Dienern der Landeskirche
+vorgeschrieben zu erklären, nicht daß sie ihre Verfassung _billigten_,
+sondern bloß daß sie sich derselben unterwürfen. Wäre die Bill Gesetz
+geworden, so würden die dissentirenden Prediger die Einzigen im ganzen
+Königreiche geworden sein, welche die Artikel zu unterschreiben gehabt
+hätten.[90]
+
+Die Leichtigkeit mit der die eifrigen Freunde der Landeskirche das
+Glaubensbekenntniß derselben aufgaben, contrastirt auffallend mit der
+Begeisterung, mit der sie für die Verfassung und das Ritual derselben
+stritten. Die Klausel, welche presbyterianischen Geistlichen gestattete,
+ohne bischöfliche Ordination Pfründen zu besitzen, wurde verworfen.
+Die Klausel, welche skrupulösen Personen gestattete, sitzend zu
+communiciren, entging mit genauer Noth dem nämlichen Schicksale. Im
+Ausschusse wurde sie weggestrichen und bei der Berichterstattung nur mit
+großer Mühe wieder aufgenommen. Die Majorität der anwesenden Peers war
+gegen die vorgeschlagene Begünstigung und nur die Stellvertreter gaben
+gerade noch den entgegengesetzten Ausschlag.
+
+Inzwischen begann es sich jedoch zu zeigen, daß der Bill, welche die
+Anhänger der Hochkirche so heftig angriffen, von ganz andrer Seite
+Gefahren drohten. Die nämlichen Gründe, welche Nottingham bewogen hatten
+eine Comprehension zu unterstützen, machten dieselbe für eine große
+Anzahl von Dissenters zu einem Gegenstande der Besorgniß und Abneigung.
+Das Wahre ist, daß die Zeit für einen solchen Plan vorüber war. Wäre
+Elisabeth hundert Jahre früher, als die Spaltung unter den Protestanten
+noch neu war, so weise gewesen, von dem Verlangen der Beobachtung
+einiger weniger Formen abzustehen, welche ein großer Theil ihrer
+Unterthanen als papistisch betrachtete, so hatte sie vielleicht die
+entsetzlichen Calamitäten verhüten können, welche vierzig Jahre nach
+ihrem Tode die Kirche heimsuchten. Aber eine Kirchenspaltung hat in der
+Regel die Tendenz, sich zu vergrößern. Hätte Leo X., als die
+Erpressungen und Betrügereien der Ablaßkrämer zuerst den Unwillen
+Sachsen's erregten, diesem Unwesen mit kräftiger Hand gesteuert, so ist
+es nicht unwahrscheinlich, daß Luther im Schooße der römischen Kirche
+gestorben sein würde. Aber man ließ die Gelegenheit unbenutzt
+vorübergehen, und als wenige Jahre später der Vatikan durch
+Nachgiebigkeit in dem ursprünglichen Streitpunkte gern den Frieden
+erkauft haben würde, war der ursprüngliche Gegenstand des Streits fast
+vergessen. Der durch einen einzelnen Mißbrauch geweckte Prüfungsgeist
+hatte tausende entdeckt oder zu entdecken geglaubt; Controversen
+erzeugten Controversen, jeder Versuch, den einen Streit beizulegen,
+endigte damit, daß er einen andren hervorrief, und schließlich machte
+ein allgemeines Concil, das man während der ersten Stadien des Übels für
+ein untrügliches Heilmittel gehalten hatte, die Sache völlig
+hoffnungslos. In dieser Beziehung wie in vielen anderen gleicht die
+Geschichte des Puritanismus in England genau der Geschichte des
+Protestantismus in Europa. Das Parlament von 1689 konnte durch Duldung
+eines Gewandes oder einer Stellung der Nonconformität eben so wenig ein
+Ende machen, wie die Doctoren von Trient durch Regulirung des Ablasses
+die teutonischen Völker mit dem Papstthum versöhnen konnten. Im 16.
+Jahrhundert war das Quäkerthum noch unbekannt und es gab im ganzen
+Reiche nicht eine einzige Independenten- oder Baptistengemeinde. Zur
+Zeit der Revolution bildeten die Independenten, Baptisten und Quäker die
+Majorität der Dissenters und diese Secten konnten nicht durch
+Bedingungen gewonnen werden, welche der entschiedenste Niederkirchliche
+zu bieten geneigt gewesen wäre. Der Independent war der Ansicht, daß
+eine Landeskirche, welche durch was immer für eine Centralgewalt, ob
+Papst, Patriarch, König, Bischof oder Synode, regiert wurde, eine nicht
+schriftgemäße Institution und daß jede Gemeinschaft von Gläubigen unter
+Christi Autorität eine souveraine Gesellschaft sei. Der Baptist war noch
+unnachgiebiger als der Independent, und der Quäker noch unnachgiebiger
+als der Baptist. Daher würden Concessionen, welche vor Zeiten der
+Nonconformität ein Ende gemacht hätten, jetzt noch nicht die Hälfte der
+Nonconformisten befriedigt haben, und jedem Nonconformisten, den kein
+Zugeständniß befriedigen konnte, mußte nothwendig darum zu thun sein,
+daß auch keiner seiner Glaubensbrüder zu befriedigen war. Je liberaler
+die Bedingungen der Comprehension waren um so größer war die Besorgniß
+jedes Separatisten, welcher wußte, daß er in keinem Falle comprehensirt
+werden konnte. Es war also nur wenig Hoffnung, daß die Dissenters, auch
+wenn sie ungetheilt und wie Ein Mann handelten, von der Legislatur volle
+Zulassung zu bürgerlichen Rechten erlangen würden, und jede Hoffnung,
+diese Zulassung zu erlangen, mußte aufgegeben werden, wenn es Nottingham
+mit Hülfe einiger wohlmeinender aber kurzsichtiger Freunde der
+Religionsfreiheit möglich werden sollte, seinen Plan durchzuführen. Wenn
+seine Bill durchging, so erfolgte unzweifelhaft ein erheblicher Abfall
+von der Dissenterschaft, und jeder Abfall mußte von einer ohnehin schon
+in der Minderzahl befindlichen, unterdrückten und gegen mächtige Feinde
+kämpfenden Klasse schwer empfunden werden. Überdies mußte jeder Proselyt
+doppelt gezählt werden, einmal als Verlust für die Partei, welche gerade
+jetzt nur zu schwach war, und einmal als Gewinn für die schon zu starke
+Gegenpartei. Die Kirche war nur zu gut im Stande, allen Secten im
+Königreiche die Spitze zu bieten, und wenn diese Secten durch einen
+bedeutenden Abfall gelichtet und die Kirche durch einen bedeutenden
+Zugang verstärkt werden sollte, so war es offenbar mit aller Aussicht
+auf eine Milderung der Testacte vorbei und nur zu wahrscheinlich,
+daß die Toleranzacte bald wieder zurückgenommen werden würde.
+
+Selbst diejenigen presbyterianischen Geistlichen, deren Gewissensscrupel
+zu heben die Comprehensionsbill insbesondere bestimmt war, hegten
+keineswegs einhellig den Wunsch, sie angenommen zu sehen. Die
+talentvollsten und beredtsamsten Prediger waren seit dem Erscheinen der
+Indulgenzerklärung sehr angenehm in der Hauptstadt und anderen großen
+Städten placirt und sollten jetzt unter der sicheren Garantie einer
+Parlamentsacte die Duldung genießen, welche unter der Indulgenzerklärung
+gesetzwidrig und unsicher gewesen war. Die Lage dieser Männer war von
+der Art, daß die große Mehrzahl der Geistlichen der Landeskirche sie mit
+Recht beneiden konnten. In der That, nur wenige Parochialgeistliche
+waren so reichlich mit Bequemlichkeiten und Genüssen bedacht, als der
+Lieblingsprediger einer großen Nonconformistengemeinde in der City.
+Die freiwilligen Beiträge seiner wohlhabenden Zuhörer, bestehend aus
+Aldermen und Rathsherren, Kaufleuten, welche nach Westindien und
+der Levante Handel trieben, Ältesten der Fischhändler- und
+Goldschmiedgilden, setzten ihn in den Stand, Grundeigenthümer zu werden
+oder auf Hypotheken auszuleihen. Das feinste Tuch aus Blackwell Hall und
+das beste Geflügel von Leadenhall Market wurden ihm häufig ins Haus
+gebracht, sein Einfluß auf seine Gemeinde war ungeheuer. Kein Mitglied
+einer Separatistengesellschaft ging so leicht ein Compagniegeschäft ein,
+oder verheirathete seine Tochter, oder brachte seinen Sohn in die Lehre,
+oder gab seine Stimme bei einer Wahl ab, ohne seinen Seelsorger zu Rathe
+zu ziehen. In allen politischen und religiösen Fragen war der Geistliche
+das Orakel seiner Gemeinde. Seit vielen Jahren pflegte man im Volke zu
+sagen, daß ein ausgezeichneter Dissentergeistlicher nur seinen Sohn
+Advokat oder Arzt werden zu lassen brauche, um gewiß zu sein, daß er als
+Advokat Klienten und als Arzt Patienten haben werde. Während ein
+gewöhnliches Dienstmädchen in der Regel als die für einen Kaplan der
+Landeskirche passende Lebensgefährtin betrachtet wurde, galt es für
+ausgemacht, daß die Wittwen und Töchter reicher Bürger vorzugsweise den
+nonconformistischen Pastoren zukamen. Ein angesehener presbyterianischer
+Rabbi konnte somit wohl daran zweifeln, ob er in weltlicher Beziehung
+durch eine Comprehension etwas gewinnen werde. Er konnte allerdings eine
+Pfarre oder eine Vikarstelle bekleiden, wenn er eine bekam; inzwischen
+aber wurde er dem Mangel preisgegeben, sein Versammlungshaus wurde
+geschlossen, seine Gemeinde zerstreute sich unter die Pfarrkirchen, und
+wenn ihm eine Pfründe verliehen wurde, so bot sie ihm wahrscheinlich nur
+einen kärglichen Ersatz für das verlorne Einkommen. Eben so wenig durfte
+er hoffen, als Diener der anglikanischen Kirche die Autorität und das
+Ansehen zu erlangen, die er bisher genossen hatte. Von einem großen
+Theile dieser Kirche würde er stets als ein Überläufer betrachtet
+werden. Es war daher im Ganzen genommen sehr natürlich, wenn er da
+gelassen zu werden wünschte wo er war.[91]
+
+In Folge dessen entstand eine Spaltung in der Whigpartei. Der eine Theil
+war für die Entbindung der Dissenters von der Testacte und für Aufgeben
+der Comprehensionsbill, der andre Theil war für Unterstützung der
+Comprehensionsbill und für Verschiebung der Angelegenheit wegen der
+Testacte bis zu einer passenderen Zeit. Die Wirkung dieser Spaltung
+unter den Freunden der religiösen Freiheit war, daß die Anhänger der
+Hochkirche, obgleich sie im Hause der Gemeinen eine Minorität und im
+Hause der Lords keine Majorität bildeten, beiden gefürchteten Reformen
+mit Erfolg zu opponiren vermochten. Die Comprehensionsbill wurde nicht
+angenommen und die Testacte wurde nicht widerrufen.
+
+Gerade in dem Augenblicke als die beiden Fragen des Testes und der
+Comprehension sich in eine Weise mit einander zu verwickeln begannen,
+welche einen aufgeklärten und rechtschaffenen Staatsmann wohl in
+Verlegenheit setzen konnte, gesellte sich dazu noch eine dritte Frage
+von hoher Wichtigkeit.
+
+ [Anmerkung 88: Die Bill befindet sich in den Archiven des Hauses
+ der Lords. Es ist befremdend, daß diese große Sammlung wichtiger
+ Dokumente selbst von unseren gewissenhaftesten und fleißigsten
+ Geschichtsforschern ganz unbeachtet gelassen worden ist. Sie wurde
+ mir durch einen meiner werthesten Freunde, Mr. John Lefevre,
+ geöffnet und die Güte des Mr. Thoms unterstützte mich wesentlich
+ bei meinen Nachforschungen.]
+
+ [Anmerkung 89: Unter den Tanner'schen Manuscripten in der
+ Bodlejanischen Bibliothek befindet sich ein höchst interessanter
+ Brief von Compton an Sancroft über die Toleranzbill und die
+ Comprehensionsbill. »Dies,« sagt Compton, »sind zwei wichtige
+ Werke, bei denen die Existenz unsrer Kirche interessirt ist, und
+ ich hoffe, Sie werden sich aus dem Parlamente Exemplare davon
+ holen lassen. Denn obgleich wir unter einer Eroberung stehen,
+ hat Gott uns doch Gnade geschenkt vor den Augen unserer Herrscher,
+ und wir können unsre Kirche aufrecht halten, wenn wir wollen.«
+ Sancroft scheint nicht darauf geantwortet zu haben.]
+
+ [Anmerkung 90: Die Abneigung der Hochkirchlichen gegen die Artikel
+ ist Gegenstand einer interessanten Flugschrift, welche 1689 unter
+ dem Titel erschien: +A Dialogue between Timothy and Titus+.]
+
+ [Anmerkung 91: Tom Brown sagt in seiner derb komischen Manier von
+ den damaligen presbyterianischen Geistlichen, ihr Predigen »bringe
+ Geld ein, mit Geld kaufe man Grundbesitz und Grundbesitz sei
+ ein Genuß, nach dem jedem von ihnen gelüste, trotz ihres
+ scheinheiligen Gewinsels. Wären die Quartalbeiträge nicht, so
+ würde es kein Schisma und keine Separation mehr geben.« Er fragt,
+ wie es denkbar sei, daß sie, »wenn sie sich während der Spaltung
+ wie Gentlemen ständen, jemals Lehren predigen würden, welche den
+ Bruch heilen könnten?« -- +Brown's Amusements, Serious and
+ Comical.+ -- Einige interessante Beispiele von dem Einflusse, den
+ die vornehmsten Dissentergeistlichen ausübten, finden sich in
+ Hawkins' +Life of Johnson+. In dem »Tagebuche eines Bürgers, der
+ sich zur Ruhe gesetzt hat« (+Spectator 317+.) erlaubt sich Addison
+ einige sehr gute Witze über den Gegenstand. Der Mr. Nisby, dessen
+ Ansichten über den Frieden, den Großvezier und den gezuckerten
+ Kaffee mit so großem Respect angeführt werden, und der so
+ freigebig mit Marksknochen, Ochsenfleisch und einer Flasche von
+ Brooks & Hellier regalirt wird, ist John Nesbit, ein sehr
+ beliebter Prediger, der zur Zeit der Revolution Pastor einer
+ Dissentergemeinde in Hare Court, Aldergate Street, wurde. In
+ Wilson's +History and Antiquities of Dissenting Churches and
+ Meeting Houses in London, Westminster and Southwark+ findet man
+ mehrere Beispiele von nonconformistischen Predigern angeführt,
+ welche um diese Zeit zu hübschem Vermögen gelangten, meist durch
+ Heirathen, wie es scheint.]
+
+
+[_Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und Suprematseide._] Die
+seitherigen Huldigungs- und Suprematseide enthielten einige Ausdrücke,
+welche den Whigs stets mißfallen hatten, und wieder andere, welche
+Tories, die der neuen Ordnung der Dinge aufrichtig zugethan waren,
+für unanwendbar auf Fürsten hielten, welche das erbliche Recht nicht
+besaßen. Die Convention hatte daher, als der Thron noch erledigt war,
+die Huldigungs- und Suprematseide entworfen, durch die wir noch heute
+unsrem Souverain unsre Loyalität bezeugen. Durch die Acte, welche die
+Convention in ein Parlament verwandelte, wurde den Mitgliedern beider
+Häuser vorgeschrieben, die neuen Eide zu leisten. Bezüglich der anderen
+öffentlichen Beamten war es schwer zu sagen, wie das Gesetz stand.
+Die eine Wortformel war durch ordnungmäßig angenommene und noch nicht
+ordnungmäßig aufgehobene Gesetze vorgeschrieben. Eine andre Formel war
+durch die Rechtserklärung vorgeschrieben, ein Instrument, das zwar
+revolutionär und regelwidrig war, das aber wohl als jedem andren Gesetze
+an Autorität gleichstehend angesehen werden konnte. Die Praxis war in
+eben so großer Verwirrung als das Gesetz. Es wurde daher als nothwendig
+erkannt, daß die Legislatur unverzüglich eine Acte erließe, welche die
+alten Eide abschaffte und zugleich bestimmte, wann und von wem die neuen
+Eide geleistet werden sollten.
+
+Die Bill, welche diese wichtige Frage erledigte, ging vom Oberhause aus.
+Die meisten Bestimmungen boten der Meinungsverschiedenheit wenig
+Spielraum. Man war allgemein darüber einverstanden, daß in Zukunft
+Niemand ein bürgerliches, militärisches, geistliches oder akademisches
+Amt erhalten solle, der nicht Wilhelm und Marien die Eide geleistet
+habe. Eben so allgemein war man damit einverstanden, daß Jeder, der
+bereits ein bürgerliches oder militärisches Amt bekleidete, aus
+demselben entfernt werden sollte, wenn er nicht an oder vor dem 1.
+August 1689 die Eide leistete. Die heftigsten Leidenschaften beider
+Parteien aber wurden durch die Frage erregt, ob Personen, welche bereits
+kirchliche oder akademische Ämter inne hatten, gehalten sein sollten,
+dem Könige und der Königin, bei Strafe der Absetzung, Treue zu schwören.
+Niemand konnte sagen, welchen Eindruck ein Gesetz machen würde, das
+allen Mitgliedern eines großen, mächtigen und geheiligten Standes
+vorschrieb, unter der feierlichsten religiösen Bekräftigung eine
+Erklärung abzugeben, welche als ein förmlicher Widerruf alles dessen was
+sie seit vielen Jahren geschrieben und gepredigt hatten, angesehen
+werden konnte. Der Primas und einige der angesehensten Bischöfe waren
+schon aus dem Parlamente weggeblieben und ließen ohne Zweifel eher ihre
+Paläste und Einkünfte im Stiche, als daß sie die neuen Souveraine
+anerkannten. Dem Beispiele dieser hohen Prälaten folgten vielleicht eine
+Menge Geistlicher niederen Ranges, Hunderte von Canonici, Präbendarien
+und Collegiaten und Tausende von Pfarrern. Einem solchen Ereignisse
+konnte kein Tory, mochte er auch mit sich selbst völlig im Klaren
+darüber sein, daß er dem factischen Könige rechtmäßigerweise den
+Huldigungseid leisten könne, ohne die schmerzlichsten Regungen von
+Theilnahme für die Dulder und von Besorgniß für die Kirche
+entgegensehen.
+
+Einige Personen gingen so weit zu leugnen, daß ein Parlament überhaupt
+befugt sei, ein Gesetz zu erlassen, welches einem Bischofe bei Strafe
+der Absetzung vorschreibe, den Eid zu leisten. Keine irdische Macht,
+sagten sie, könne das Band zerreißen, das den Nachfolger der Apostel an
+seine Diöcese knüpfe. Was Gott zusammengefügt habe, könne der Mensch
+nicht trennen. Könige und Senate könnten Worte auf Pergament kritzeln
+und Figuren in Wachs drücken; aber diese Worte und Figuren könnten den
+Lauf der geistlichen Welt so wenig ändern wie den Lauf der physischen
+Welt. Wie der Schöpfer des Weltalls eine gewisse Ordnung festgesetzt
+habe, nach welcher es ihm gefalle, Winter und Sommer, Saat- und
+Erntezeit zu senden, eben so habe er eine gewisse Ordnung festgesetzt,
+nach der er seiner katholischen Kirche seine Gnade zu Theil werden
+lasse, und die letztere Ordnung sei, wie die erstere, unabhängig von den
+Gewalthabern und Fürsten der Welt. Eine Legislatur könne die Namen der
+Monate ändern, könne den Juni December und den December Juni nennen,
+aber trotz aller Legislatur werde Schnee fallen, wenn die Sonne im
+Steinbock, und Blumen blühen, wenn sie im Krebs stände. Eben so könne
+die Legislatur befehlen, daß Ferguson oder Muggleton im Palaste zu
+Lambeth wohnen, auf dem Throne Augustin's sitzen, Euer Gnaden genannt
+werden und bei Prozessionen vor dem ersten Herzoge gehen solle, trotz
+der Legislatur aber werde Sancroft, so lange er lebe, der einzig wahre
+Erzbischof von Canterbury, und Derjenige, der sich die erzbischöflichen
+Functionen anzumaßen wage, ein Schismatiker sein. Diese Doctrin wurde
+mit Gründen bewiesen, welche dem Knospen des Machtkrauts und einer
+gewissen Platte entlehnt waren, die Jakob der Kleine nach einer Legende
+des 4. Jahrhunderts auf der Stirn zu tragen pflegte. Ein von der
+Absetzung der Bischöfe handelndes Manuscript wurde um diese Zeit in der
+Bodlejanischen Bibliothek entdeckt und Gegenstand einer heftigen
+Polemik. Die eine Partei meinte, Gott habe dieses kostbare Werk
+wunderbarerweise an's Licht gezogen, um seine Kirche in einem äußerst
+kritischen Augenblicke zu leiten. Die andre Partei wunderte sich, wie
+man dem Unsinne eines namenlosen Scribenten des 13. Jahrhunderts die
+geringste Wichtigkeit beilegen könne. Es wurde viel geschrieben über die
+Absetzungen des Chrisostomus und des Photius, des Nikolaus Mysticus und
+des Cosmas Atticus. Mit besonderem Eifer aber wurde der Fall des
+Abjathar discutirt, den Salomo wegen Verraths aus dem Priesteramte
+entfernte. Keine geringe Quantität Gelehrsamkeit und Scharfsinn wurde
+auf den Versuch verwendet, zu beweisen, daß Abjathar, obgleich er den
+Leibrock trug und nach dem Urim antwortete, nicht wirklich Hoherpriester
+gewesen sei, daß er nur dann fungirt habe, wenn sein Vorgesetzter Zadoc
+durch Krankheit oder durch eine ceremonielle Entweihung abgehalten
+worden sei und daß daher die Handlung Salomo's kein Präcedenzfall sei,
+der dem Könige Wilhelm das Recht gebe, einen wirklichen Bischof
+abzusetzen.[92]
+
+Doch eine solche Argumentation, obwohl durch zahlreiche Citate aus der
+Mischna und aus Maimonides unterstützt, war im allgemeinen selbst
+eifrigen Kirchenmännern nicht genügend. Denn sie ließ eine kurze, aber
+einem einfachen Manne, der von griechischen Vätern und levitischen
+Genealogien nichts wußte, vollkommen verständliche Antwort zu. Ob König
+Salomo einen Hohenpriester abgesetzt habe, darüber konnte noch ein
+Zweifel obwalten; aber es unterlag nicht dem geringsten Zweifel, daß die
+Königin Elisabeth mehr als die Hälfte der Bischöfe England's ihrer
+Bisthümer beraubt hatte. Es war notorisch, daß vierzehn Prälaten ohne
+irgend welche Procedur bei einem geistlichen Gerichtshofe durch eine
+Parlamentsacte abgesetzt worden waren, weil sie das Supremat der Königin
+nicht hatten anerkennen wollen. Waren diese Absetzungen null und nichtig
+gewesen? War Bonner bis an sein Lebensende der einzig wahre Bischof von
+London geblieben? War sein Nachfolger ein Usurpator gewesen? Waren
+Parker und Jewel Schismatiker gewesen? Hatte sich die Convocation von
+1562, welche die Doctrin der englischen Staatskirche endgültig
+festgestellt, selbst außer dem Schooße der Kirche Christi befunden? Es
+konnte nichts Lächerlicheres geben als die Verlegenheit der Polemiker,
+welche eine Vertheidigung Elisabeth's auffinden sollten, die nicht auch
+eine Vertheidigung Wilhelm's war. Einige Zeloten gaben allerdings den
+eitlen Versuch auf, zwischen zwei Fällen einen Unterschied zu machen,
+zwischen denen, wie der einfachste Verstand einsah, kein Unterschied
+war, und gestanden offen zu, daß die Absetzungen von 1559 nicht zu
+rechtfertigen seien. Doch, sagte man, solle sich darüber Niemand
+beunruhigen, denn wenn auch die englische Kirche einmal schismatisch
+gewesen sei, so sei sie doch wieder katholisch geworden, als die von
+Elisabeth abgesetzten Bischöfe aufgehört hätten zu leben.[93] Die Tories
+waren indessen nicht allgemein geneigt zuzugeben, daß die
+Religionsgesellschaft, an der sie mit Liebe hingen, aus einem
+ungesetzlichen Bruche der Einheit entstanden sei. Sie faßten daher
+tieferen und haltbareren Grund. Sie behandelten die Frage als eine Frage
+der Humanität und Zeitgemäßheit. Sie sprachen viel von dem Danke, den
+die Nation dem Priesterstande schuldig sei, von dem Muthe und der Treue,
+womit dieser Stand, vom Primas bis herab zum jüngsten Diakonus,
+neuerdings die bürgerliche und kirchliche Verfassung des Reichs
+vertheidigt habe, von dem denkwürdigen Sonntage, an welchem in allen
+hundert Kirchen der Hauptstadt kaum ein Sklave zu finden gewesen war,
+der die Indulgenzerklärung verlesen hätte; von dem schwarzen Freitage,
+an welchem die Barke der sieben Prälaten unter den Segenswünschen und
+dem lauten Schluchzen einer zahlreichen Volksmenge durch das Wasserthor
+des Tower einfuhr. Die Festigkeit, mit der die Geistlichkeit, trotz
+aller Drohungen und Versuchungen, unlängst gethan habe, was sie ihrer
+Überzeugung nach für Recht gehalten, habe die Freiheit und die Religion
+England's gerettet. Müsse man nicht Nachsicht gegen sie üben, wenn sie
+sich jetzt weigerten etwas zu thun, wovon sie ihrer festen Überzeugung
+nach fürchteten, daß es Unrecht sei? Und was ist für Gefahr dabei, sagte
+man, wenn sie nachsichtig behandelt werden? Kein Mensch wird so albern
+sein vorzuschlagen, daß man ihnen gestatten solle, gegen die Regierung
+zu complottiren oder das Volk aufzuwiegeln. Sie stehen unter dem Gesetze
+wie andere Leute. Machen sie sich des Verraths schuldig, so hänge man
+sie auf. Machen sie sich der Empörung schuldig, so lege man ihnen
+Geldbußen und Gefängnißstrafe auf. Unterlassen sie bei ihrem
+öffentlichen Gottesdienste für den König Wilhelm, für die Königin Marie
+und für das unter diesen allerreligiösesten Souverainen versammelte
+Parlament zu beten, so bringe man die Strafbestimmungen der
+Uniformitätsacte in Anwendung. Genügt das noch nicht, so ermächtige man
+Se. Majestät, von irgend einem Geistlichen die Eide zu verlangen, und
+werden die Eide verweigert, so möge Absetzung erfolgen. Auf diese Weise
+kann jeder eidverweigernde Bischof oder Pfarrer, der zwar gesetzlich
+nicht zu überführen ist, doch aber in dem Verdachte steht, gegen die
+bestehende Ordnung der Dinge zu intriguiren, zu schreiben und zu
+sprechen, sofort seines Amtes entsetzt werden. Warum aber darauf
+bestehen, einen frommen und fleißigen Diener der Religion zu vertreiben,
+der gegen die Regierung nie einen Finger erhebt oder ein Wort ausspricht
+und der bei jedem Morgen- und Abendgottesdienste aus vollem Herzen um
+einen Segen für die von der Vorsehung über ihn gesetzten Regenten fleht,
+der aber einen Eid nicht leisten will, durch welchen er dem Volke das
+Recht zuzugestehen glaubt, einen Souverain abzusetzen? Wir thun gewiß
+Alles was nothwendig ist, wenn wir Leute dieser Art der Gnade des
+Fürsten preisgeben, dem sie Treue zu schwören sich weigern. Ist er
+geneigt, sich ihre Scrupel gefallen zu lassen, will er sie, trotz ihrer
+Vorurtheile, als unschuldige und nützliche Mitglieder der Gesellschaft
+betrachten, wer hat ein Recht, sich darüber zu beklagen?
+
+Die Whigs stritten heftig für die entgegengesetzte Ansicht. Sie
+analysierten mit einem durch Haß noch erhöhten Scharfsinn die Ansprüche
+der Geistlichkeit auf die öffentliche Dankbarkeit und gingen mitunter so
+weit, es gänzlich in Abrede zu stellen, daß der Stand sich im
+vorhergehenden Jahre um die Nation verdient gemacht habe. Es sei wohl
+wahr, daß Bischöfe und Priester gegen die Tyrannei des vorigen Königs
+aufgestanden seien, aber eben so wahr sei es, daß er, hätten sie sich
+nicht so hartnäckig der Ausschließungsbill widersetzt, niemals König
+geworden wäre und daß er, ohne ihre Schmeichelei und ihre Lehre
+vom passiven Gehorsam, es nie gewagt haben würde, sich solcher
+Tyrannei schuldig zu machen. Ihre Hauptthätigkeit habe seit einem
+Vierteljahrhundert darin bestanden, das Volk kriechen und den Fürsten
+dominiren zu lehren. Sie hätten das Blut Russel's, Sidney's und jedes
+muthigen, rechtschaffenen Engländers auf ihrem Gewissen, der
+hingeschlachtet worden sei, weil er das Land vom Papismus und
+Despotismus zu befreien versucht habe. Nie hätten sie einen Laut gegen
+Willkürherrschaft vernehmen lassen, bis die Willkürherrschaft sie selbst
+in ihrem Eigenthum und ihrer amtlichen Stellung zu bedrohen angefangen
+habe. Dann hätten sie freilich ihre alten Gemeinplätze von Unterwerfung
+unter Nero vergessen und nicht gesäumt, sich zu retten. Zugegeben,
+sagten diese eifrigen Disputanten, daß sie, indem sich selbst retteten,
+auch die Verfassung retteten. Sollen wir deshalb vergessen, daß sie sie
+vorher gefährdet hatten? und sollen wir sie dafür belohnen, indem wir
+ihnen jetzt gestatten, sie zu vernichten? Wir haben hier eine Klasse von
+Leuten vor uns, die mit dem Staate eng verwachsen ist. Ein großer Theil
+der Bodenerzeugnisse ist ihnen zu ihrem Unterhalte angewiesen. Ihre
+Oberhäupter haben Sitze in der gesetzgebenden Versammlung, große
+Landgüter und prächtige Paläste. Durch diesen privilegirten Stand wird
+die große Masse des Volks allwöchentlich vom Sitze der Autorität herab
+belehrt. Diesem privilegirten Stande ist die oberste Leitung der
+liberalen Erziehung übertragen. Oxford und Cambridge, Westminster,
+Winchester und Eton stehen unter priesterlicher Direction. Die
+Priesterschaft wird in bedeutendem Umfange den Character des hohen Adels
+und der Gentry der nächsten Generation bilden. Einige Mitglieder der
+höheren Geistlichkeit haben zahlreiche und einträgliche Pfründen zu
+vergeben. Andere haben das Privilegium, Richter zu ernennen, welche
+hochwichtige, die Freiheit, das Eigenthum und den Ruf der Unterthanen
+Ihrer Majestäten berührende Fragen entscheiden. Und ein vom Staate so
+begünstigter Stand soll dem Staate keine Bürgschaft geben? Nach welchem
+Prinzipe kann behauptet werden, daß es unnöthig sei, von einem
+Erzbischof von Canterbury oder einem Bischof von Durham das Gelöbniß der
+Treue gegen die Regierung zu verlangen, das nach Aller Überzeugung von
+jedem Laien verlangt werden muß, der der Krone in der bescheidensten
+amtlichen Stellung dient? Jeder Acciseinnehmer, jeder Zollbeamte,
+der den Eid verweigert, soll seines Brodes beraubt werden. Für diese
+geringen Märtyrer des passiven Gehorsams und des erblichen Rechts hat
+Niemand ein Wort. Ein geistlicher Magnat aber, der sich weigert zu
+schwören, soll Einkünfte, Patronat und Macht behalten dürfen, welche
+denen eines hohen Staatsbeamten gleichkommen. Man sagt es sei
+überflüssig, von einem Geistlichen die Eide zu verlangen, weil er
+bestraft werden könne, wenn er die Gesetze übertrete. Warum wendet man
+das nämliche Argument nicht auch zu Gunsten der Laien an? Und warum
+trägt der Geistliche Bedenken, die Eide zu leisten, wenn es sein ernster
+Wille ist, die Gesetze zu beobachten? Das Gesetz schreibt ihm vor,
+Wilhelm und Marien als König und Königin zu bezeichnen, dies an der
+heiligsten Stätte und bei Ausübung des feierlichsten aller religiösen
+Gebräuche zu thun. Das Gesetz verlangt von ihm zu beten, daß eine
+besondere Vorsehung über dem erlauchten Paare walte, daß es jeden Feind
+besiegen und daß sein Parlament durch Gottes Hand dahin geleitet werden
+möge, diejenigen Maßregeln anzuordnen, welche seine Sicherheit, seine
+Ehre und sein Wohlergehen fördern können. Können wir glauben, daß sein
+Gewissen ihm gestatte, dies Alles zu thun, nicht aber zu versprechen,
+daß er ein treuer Unterthan des Herrscherpaares sein wolle?
+
+Auf den Vorschlag, daß die eidverweigernden Geistlichen der Gnade des
+Königs preisgegeben werden sollten, erwiederten die Whigs mit einigem
+Rechte, daß kein gegen Se. Majestät ungerechterer Plan ersonnen werden
+könne. Die Angelegenheit, sagten sie, ist von nationaler Bedeutung, es
+ist eine Angelegenheit, an der jeder Engländer, der nicht der Sklave
+Frankreich's und Rom's sein will, das größte Interesse hat. In einem
+solchen Falle ist es der Stände des Reichs unwürdig, vor der
+Verantwortlichkeit, für das Gemeinwohl zu sorgen, zurückzuschrecken,
+sich selbst womöglich das Lob der Nachsicht und Liberalität zu
+verschaffen und dem Souverain das gehässige Werk der Proscription zu
+überlassen. Ein Gesetz, das von allen öffentlichen Beamten,
+bürgerlichen, wie militärischen und kirchlichen, ohne Unterschied der
+Person, die Eide verlangt, ist wenigstens unparteiisch. Es schließt
+jeden Verdacht der Parteilichkeit, des persönlichen Hasses, der geheimen
+Espionage und Ohrenbläserei aus. Wenn aber der Regierung ein
+willkürliches Schalten zugestanden wird, wenn der eine eidverweigernde
+Priester eine einträgliche Pfründe behalten darf, während man einen
+andren mit Weib und Kindern auf die Straße setzt, so wird jede Absetzung
+als ein Act der Grausamkeit betrachtet und dem Souverain und dessen
+Ministern als ein Verbrechen angerechnet werden.[94]
+
+So hatte das Parlament in einem und dem nämlichen Augenblicke zu
+entscheiden, welche Quantität von Erleichterung dem Gewissen der
+Dissenters gewährt und welche Quantität von Zwang dem Gewissen des
+Klerus der Landeskirche auferlegt werden sollte. Der König hoffte,
+daß es in seiner Macht stehen werde, einen allen Parteien angenehmen
+Vergleich zu Stande zu bringen. Er schmeichelte sich, daß die Tories
+bewogen werden könnten, den Dissenters ein Zugeständniß zu machen, unter
+der Bedingung, daß die Whigs mild gegen die Jakobiten verführen. Er
+beschloß, die Wirkung seiner persönlichen Intervention zu versuchen.
+Der Zufall wollte, daß er wenige Stunden, nachdem die Lords die
+Comprehensionsbill zum zweiten Male und die Bill wegen der Eide zum
+ersten Male verlesen hatten, Gelegenheit hatte, sich ins Parlament zu
+verfügen, um zu einem Gesetze seine Zustimmung zu geben. Er sprach vom
+Throne herab zu beiden Häusern und äußerte den ernstlichen Wunsch,
+daß sie einwilligen möchten, die bestehenden Gesetze dergestalt zu
+modificiren, daß die öffentlichen Ämter allen Protestanten zugänglich
+würden.[95] Man wußte wohl, daß er, wenn die Legislatur seinem Verlangen
+willfahrte, Geistliche, welche bereits Pfründen besaßen, im Genusse
+derselben zu lassen gedachte, ohne daß sie ihm den Huldigungseid
+leisteten. Sein Verfahren bei dieser Gelegenheit verdient unzweifelhaft
+das Lob der Uneigennützigkeit. Es gereicht ihm zur Ehre, daß er seinen
+Unterthanen Gewissensfreiheit zu erkaufen suchte, indem er ein Bollwerk
+seiner eignen Krone aufgab. Aber man muß gestehen, daß er weniger
+Klugheit als Tugendhaftigkeit bewies. Wenn Burnet gut unterrichtet war,
+so war Richard Hampden der einzige Engländer seines Geheimraths,[96] den
+er befragte, und Richard Hampden war, obgleich ein höchst ehrenwerther
+Mann, doch so weit davon entfernt, für die Whigpartei stehen zu können,
+daß er nicht einmal für seinen eignen Sohn Johann bürgen konnte, dessen
+von Haus aus rachsüchtiger Character durch den Stachel der Reue und
+Scham bis zum Ingrimm aufgereizt worden war. Der König überzeugte sich
+bald, daß die beiden Parteien einander mit einer Energie haßten, die
+ihrer Liebe fehlte. Die Whigs waren zwar fast einhellig der Meinung, daß
+der Sakramentstest abgeschafft werden müsse, sie waren aber keineswegs
+darin einig, daß der Augenblick dazu gut gewählt sei, und selbst
+diejenigen Whigs, welche am sehnlichsten wünschten, die Nonconformisten
+unverzüglich von der Nichtbefähigung zu bürgerlichen Ämtern entbunden zu
+sehen, waren fest entschlossen, sich die Gelegenheit zur Demüthigung und
+Bestrafung der Klasse nicht entgehen zu lassen, deren Mitwirkung
+hauptsächlich der furchtbare Umschwung der öffentlichen Stimmung
+zuzuschreiben war, der auf die Auflösung des Oxforder Parlaments folgte.
+Die Jane, die South, die Sherlock in die Lage zu versetzen, daß sie
+entweder verhungern oder öffentlich und mit dem Evangelium auf den
+Lippen alle prahlerischen Erklärungen vieler Jahre widerrufen mußten:
+das war eine zu köstliche Rache, als daß man sie sich hätte entgehen
+lassen können. Der Tory dagegen achtete und bemitleidete aufrichtig
+diejenigen Geistlichen, die sich wegen der Eide Gewissensscrupel
+machten. Der Test aber war seiner Ansicht nach für die Sicherheit der
+herrschenden Religion wesentlich nothwendig und durfte nicht aufgegeben
+werden zu dem Zwecke, einen wenn auch noch so ausgezeichneten Mann von
+einem wenn auch noch so schweren Ungemach zu befreien. Es würde
+allerdings ein schmerzlicher Tag für die Kirche sein, wenn die
+Bischofsbank, die Kapitelhäuser der Kathedralen und die Hallen der
+Collegien einige durch ihre Frömmigkeit und Gelehrsamkeit berühmte
+Männer vermißten. Aber ein noch viel schmerzlicherer Tag würde es für
+die Kirche sein, wenn ein Independent den weißen Stab trüge, oder ein
+Baptist auf dem Wollsack säße. Jede Partei suchte Denen zu dienen, für
+die sie sich interessirte, aber keine von beiden wollte ihren Feinden
+günstige Bedingungen zugestehen. Die Folge davon war daß die
+Nonconformisten vom Staatsdienste ausgeschlossen blieben und die
+Eidverweigerer von den kirchlichen Ämtern vertrieben wurden.
+
+Im Hause der Gemeinen hielt kein Mitglied es für zweckmäßig, die
+Aufhebung der Testacte zu beantragen. Aber es wurde Erlaubniß gegeben,
+eine Bill zur Aufhebung der Corporationsacte einzubringen, die kurz nach
+der Restauration vom Cavalierparlamente erlassen worden war und eine
+Bestimmung enthielt, welche allen Municipalbeamten vorschrieb, das
+heilige Abendmahl nach den Formen der englischen Kirche zu empfangen.
+Als diese Bill in Begriff war dem Ausschusse überwiesen zu werden,
+beantragten die Tories, daß der Ausschuß bedeutet werden sollte, in dem
+Gesetz über das Sacrament keine Änderung vorzunehmen. Diejenigen Whigs,
+welche eifrig für die Comprehension waren, müssen durch diesen Antrag in
+große Verlegenheit gesetzt worden sein. Für denselben zu stimmen wäre
+eine prinzipielle Inconsequenz gewesen; dagegen zu stimmen hätte so viel
+geheißen als mit Nottingham brechen. Es wurde ein Mittelweg gefunden.
+Die Vertagung der Debatte wurde beantragt, mit 116 gegen 114 Stimmen
+angenommen und der Gegenstand nicht wieder in Anregung gebracht.[97] Im
+Hause der Lords wurde ein Antrag auf Abschaffung des Sacramentstestes
+gestellt, aber mit großer Majorität verworfen. Viele von Denen, welche
+die Bill im Prinzip für richtig hielten, erachteten sie für nicht
+zeitgemäß. Es wurde ein Protest aufgesetzt, aber nur von einigen wenigen
+minder angesehenen Peers unterzeichnet. Es ist ein auffallender Umstand,
+daß zwei bedeutende Häupter der Whigpartei, welche in der Regel ihre
+parlamentarischen Pflichten sehr gewissenhaft erfüllten, bei dieser
+Gelegenheit abwesend waren.[98]
+
+Auf die Debatte über den Test folgte im Oberhause bald eine Debatte über
+die letzte Klausel der Comprehensionsbill. Diese Klausel bestimmte, daß
+dreißig Bischöfe und Priester beauftragt werden sollten, die Liturgie
+und die Kirchengesetze zu revidiren und Abänderungen vorzuschlagen. Über
+diesen Punkt waren die whiggistischen Peers fast Alle eines Sinnes. Sie
+waren in großer Zahl anwesend und sprachen warm. Warum, fragten sie,
+sollten nur Mitglieder des Priesterstandes mit dieser Revision
+beauftragt werden? Gehöre der Laienstand nicht auch zur englischen
+Kirche? Wenn die Commission ihren Bericht erstattet habe, würden Laien
+über die darin enthaltenen Änderungsvorschläge zu entscheiden haben.
+Keine Zeile im allgemeinen Gebetbuche könne anders als durch die
+Autorität des Königs, der Lords und der Gemeinen abgeändert werden.
+Der König sei ein Laie, fünf Sechstel der Lords seien Laien, und die
+Mitglieder des Hauses der Gemeinen seien sämmtlich Laien. Sei es nicht
+widersinnig zu behaupten, daß Laien nicht befugt seien, in einer
+Angelegenheit zu prüfen, über welche anerkanntermaßen Laien in letzter
+Instanz entscheiden müßten? Und könne etwas dem ganzen Geiste des
+Protestantismus mehr zuwider sein als die Ansicht, daß einer besonderen
+Kaste, und dieser Kaste allein, eine außergewöhnliche Urtheilsfähigkeit
+in geistlichen Dingen verliehen sei, daß Männer wie Selden, wie Hale,
+wie Boyle, weniger competent seien, über eine Collecte oder einen
+Glaubensartikel ein Urtheil abzugeben, als der jüngste und einfältigste
+Kaplan, der in einem abgelegenen Schlosse sein Leben mit Aletrinken und
+Beilkespielen hinbringe? Was Gott festgesetzt habe, könne keine irdische
+Macht, sei es eine weltliche oder eine geistliche, abändern, und in
+Dingen, welche menschliche Wesen festgesetzt hätten, habe ein Laie
+sicherlich ein eben so competentes Urtheil als ein Geistlicher. Daß die
+anglikanische Liturgie und das anglikanische Kirchengesetz rein
+menschlichen Ursprungs seien, erkenne das Parlament an, indem es die
+Revision und Verbesserung derselben einer Commission übertrage. Wie
+könne man da behaupten, daß in einer solchen Commission der Laienstand,
+der eine so große Mehrheit der Bevölkerung bilde, dessen Erbauung der
+Hauptzweck aller kirchlichen Einrichtungen sei und dessen unschuldige
+Neigungen bei Feststellung der öffentlichen Religionshandlungen
+sorgfältig zu Rathe gezogen werden müßten, nicht einen einzigen
+Vertreter zu haben brauche? Die Präcedenzfälle sprächen direct gegen
+diese gehässige Unterscheidung. Zu wiederholten Malen, seit das Licht
+der Reformation über England aufgegangen, seien durch ein Gesetz
+Commissionen ermächtigt worden, die Kirchengesetze zu revidiren, und bei
+jeder solchen Gelegenheit seien einige von den Commissaren Laien
+gewesen. Im gegenwärtigen Falle könne man gegen den vorgeschlagenen
+Modus noch besondere Einwendungen machen, denn der Zweck der Maßregel
+sei die Verhöhnung der Dissenters, und es sei daher äußerst
+wünschenswerth, daß die Commissare Männer wären, auf deren
+Unparteilichkeit und Mäßigung die Dissenters bauen könnten. Würden
+dreißig solcher Männer in den höheren Rangstufen des geistlichen Standes
+leicht zu finden sein? Es sei die Pflicht der Legislatur, zwischen zwei
+einander feindlich gegenüberstehenden Parteien, den nonconformistischen
+Theologen und den anglikanischen Theologen, zu entscheiden, und es würde
+demnach die gröbste Unbilligkeit sein, einer der beiden Parteien das
+Schiedsrichteramt zu übertragen.
+
+Aus diesen Gründen schlugen die Whigs ein Amendement des Inhalts vor,
+daß die Commission aus Geistlichen und Laien bestehen sollte. Der Kampf
+war heiß. Burnet, der eben seinen Sitz unter den Peers eingenommen hatte
+und dem darum zu thun gewesen zu sein scheint, fast um jeden Preis die
+Zuneigung seiner Amtsbrüder zu gewinnen, stritt mit dem ganzen ihm
+eignen Feuer für die gegenwärtige Fassung der Klausel. Bei der
+Abstimmung ergab sich eine völlig gleiche Stimmenzahl für und wider, und
+somit war, den Regeln des Hauses gemäß, das Amendement abgeworfen.[99]
+
+Endlich wurde die Comprehensionsbill ins Haus der Gemeinen gesandt. Hier
+würde sie leicht mit zwei Stimmen gegen eine durchgebracht worden sein,
+wenn sie von allen Freunden der Religionsfreiheit unterstützt worden
+wäre. Aber in dieser Angelegenheit konnten die Hochkirchlichen auf den
+Beistand eines großen Theils der Niederkirchlichen rechnen. Diejenigen
+Mitglieder, welche Nottingham's Plane wohlwollten, sahen, daß sie in der
+Minorität waren, und begannen daher, am Siege verzweifelnd, auf den
+Rückzug zu denken. Gerade in diesem Augenblicke wurde ein Antrag
+gestellt, der alle Stimmen für sich hatte. Nach dem herkömmlichen
+Gebrauche mußte gleichzeitig mit einem Parlamente eine Convocation
+einberufen werden, und man durfte wohl behaupten, daß der Rath einer
+Convocation dann am nöthigsten sein müßte, wenn es sich um Abänderungen
+in dem Ritual und der Disciplin der Kirche handelte. In Folge des
+unregelmäßigen Modus aber, nach welchem die Stände des Reichs während
+der Erledigung des Thrones zusammenberufen worden waren, gab es diesmal
+keine Convocation. Es wurde daher beantragt, daß das Haus dem Könige
+rathen solle, Maßregeln zur Abhülfe dieses Mangels zu ergreifen, und daß
+das Schicksal der Comprehensionsbill nicht entschieden werden solle, bis
+der Klerus Gelegenheit gehabt habe, durch das alte und rechtmäßige Organ
+seine Meinung auszusprechen.
+
+Dieser Antrag wurde mit allgemeiner Acclamation angenommen. Die Tories
+freuten sich, daß dem Priesterstande eine solche Ehre erzeugt wurde;
+diejenigen Whigs, welche gegen die Comprehensionsbill waren, freuten
+sich, sie zuverlässig für ein Jahr, wahrscheinlich aber für immer bei
+Seite gelegt zu sehen; und diejenigen Whigs, welche für die
+Comprehensionsbill waren, freuten sich, ohne Niederlage davon zu kommen.
+Viele unter ihnen hofften in der That, daß milde und freisinnige
+Rathschläge im geistlichen Senate vorherrschen würden. Eine Adresse,
+welche den König ersuchte die Convocation einzuberufen, wurde ohne
+Abstimmung angenommen, die Lords wurden zum Beitritt aufgefordert, sie
+traten bei, die Adresse wurde durch beide Häuser dem Könige überreicht,
+der König versprach, zur geeigneten Zeit den Wunsch seines Parlaments zu
+erfüllen, und Nottingham's Bill ward nicht wieder erwähnt.
+
+Viele mit der Geschichte der damaligen Zeit unvollkommen bekannte
+Schriftsteller haben aus diesem Verfahren gefolgert, daß das Haus der
+Gemeinen eine Versammlung von Hochkirchlichen gewesen sei; aber nichts
+ist gewisser, als daß zwei Drittel der Mitglieder entweder
+Niederkirchliche oder Nichtanhänger der Landeskirche waren. Wenige Tage
+vor dieser Zeit hatte ein an sich unbedeutender, als Kennzeichen der
+Gesinnung der Majorität aber höchst wichtiger Vorgang stattgefunden.
+Es war beantragt worden, daß das Haus dem alten Herkommen gemäß seine
+Sitzungen bis nach den Osterfeiertagen suspendiren solle. Die Puritaner
+und Latitudinarier machten Einwendungen dagegen, es entspann sich eine
+heftige Debatte, die Hochkirchlichen wagten es nicht, abstimmen zu
+lassen, und zum großen Ärgerniß vieler angesehenen Personen nahm der
+Sprecher am Ostermontag um neun Uhr seinen Stuhl ein und es wurde eine
+lange und lebhafte Sitzung gehalten.[100]
+
+Dies war indessen keineswegs der stärkste Beweis, den die Gemeinen dafür
+gaben, daß sie in der That weit entfernt waren eine besondere
+Ehrerbietung oder Liebe zur anglikanischen Hierarchie zu hegen. Die Bill
+zur Festsetzung der Eide war aber in einer dem Klerus günstigeren
+Fassung von den Lords ins Unterhaus gekommen. Allen weltlichen Beamten
+war bei Strafe der Absetzung vorgeschrieben, dem Könige und der Königin
+Treue zu schwören. Jeder Geistliche aber, der bereits eine Pfründe
+besaß, sollte dieselbe auch ohne zu schwören, behalten dürfen, wenn die
+Regierung keinen Grund sah, von ihm speciell eine Versicherung seiner
+Loyalität zu verlangen. Burnet hatte, theils ohne Zweifel aus der seinem
+Character eignen Gutherzigkeit und Großmuth, theils um seine Amtsbrüder
+zu gewinnen, diese Anordnung im Oberhause mit großer Energie
+unterstützt. Im Unterhause aber war die Stimmung gegen die jakobitischen
+Priester unbesiegbar. An dem nämlichen Tage, an welchem dieses Haus ohne
+Abstimmung die Adresse votirte, welche den König ersuchte, die
+Convocation einzuberufen, wurde eine Klausel vorgeschlagen und
+angenommen, welche von Jedem, der ein kirchliches oder akademisches Amt
+bekleidete, bei Strafe der Suspension verlangte, am 1. August 1689 die
+Eide zu leisten. Sechs Monate von diesem Tage an gerechnet, wurden dem
+sich Weigernden zur nochmaligen Überlegung bewilligt. Beharrte er auch
+dann noch auf seiner Weigerung, so sollte er am 1. Februar 1690
+definitiv abgesetzt werden.
+
+So abgeändert wurde die Bill den Lords zurückgeschickt. Diese aber
+blieben bei ihrem ursprünglichen Beschlusse. Conferenz auf Conferenz
+wurde gehalten, Vergleich auf Vergleich wurde vorgeschlagen. Aus den
+unvollkommenen Berichten, welche auf uns gekommen sind, geht hervor, daß
+jedes Argument zu Gunsten der Milde von Burnet energisch hervorgehoben
+wurde. Doch die Gemeinen blieben fest, die Zeit drängte, der ungewisse
+Zustand des Rechts machte sich in allen Zweigen des Staatsdienstes in
+nachtheiliger Weise fühlbar, und so gaben die Peers mit Widerstreben
+endlich nach. Zu gleicher Zeit fügten sie eine Klausel hinzu, durch
+welche der König ermächtigt wurde, von den verwirkten Pfründen einigen
+wenigen nicht schwörenden Geistlichen Geldunterstützungen zu gewähren.
+Die Anzahl der so begünstigten Geistlichen sollte zwölf nicht
+übersteigen und die bewilligte Unterstützung durfte höchstens ein
+Drittheil des verwirkten Einkommens betragen. Einige eifrige Whigs
+wollten selbst diese Vergünstigung nicht gelten lassen; doch die
+Gemeinen waren mit dem errungenen Siege zufrieden und dachten mit Recht,
+daß es ungefällig sein würde, wenn sie ein so geringfügiges Zugeständiß
+verweigerten.[101]
+
+ [Anmerkung 92: Siehe unter vielen anderen Schriften Dodwell's
+ +Cautionary Discourse+, seine +Vindication of the Deprived
+ Bishops+, seine +Defence of the Vindication+ und seine
+ +Paraenesis+, sowie Bisby's +Unity of Priesthood+, gedruckt 1692.
+ Ferner vergleiche man Hody's Gegenschriften, das Baroccianische
+ Manuscript und +Salomon and Abiathar, a Dialogue between Eucheres
+ and Dyscheres+.]
+
+ [Anmerkung 93: +Burnet II.+ 135. Der albernste von allen
+ Versuchen, zwischen den Absetzungen von 1559 und denen von 1689
+ einen Unterschied nachzuweisen, wurde von Dodwell gemacht. Siehe
+ seine +Doctrine of the Church of England concerning the
+ Independency of the Clergy on the lay Power, 1697+.]
+
+ [Anmerkung 94: Über diese Polemik sehe man +Burnet II. 7, 8, 9+;
+ +Grey's Debates, April 19, 22. 1689+; +Commons' Journals, April
+ 20, 22.+; +Lords' Journals, April 21.+]
+
+ [Anmerkung 95: +Lords' Journals, March 16. 1689.+]
+
+ [Anmerkung 96: +Burnet II. 7. 8.+]
+
+ [Anmerkung 97: Burnet sagt (II. 8.), daß der Antrag, den
+ Sacramentstest abzuschaffen, in beiden Häusern mit großer
+ Majorität verworfen worden sei. Hierin täuschte ihn jedoch sein
+ Gedächtniß, denn im Hause der Gemeinen fand keine andre Abstimmung
+ über den Gegenstand statt als die oben erwähnte. Bemerkenswerth
+ ist es, daß Gwyn und Rowe, welche die Stimmen der Majorität
+ zählten, zwei der entschiedensten Whigs im ganzen Hause waren.]
+
+ [Anmerkung 98: +Lords' Journals March 21. 1689.+]
+
+ [Anmerkung 99: +Lords' Journals, April 5. 1689+; +Burnet II. 10.+]
+
+ [Anmerkung 100: +Commons' Journals, March 28., April 1. 1689.+;
+ Pariser Gazette vom 23. April. Ein Theil der Stelle in der Pariser
+ Gazette verdient angeführt zu werden. +»Il y eut ce jour là+
+ (am 28. März) +une grande contestation dans la Chambre Basse, sur
+ la proposition qui fut faite de remettre les séances après les
+ fêtes de Pasques observées toujours par l'Eglise Anglicane.
+ Les Protestans conformistes furent de cet avis; et les
+ Presbytériens emportèrent à la pluralité des voix que les séances
+ recommenceroient le Lundy, seconde feste de Pasques.«+ Die
+ Niederkirchlichen werden von den damaligen französischen und
+ holländischen Schriftstellern häufig Presbyterianer genannt. Es
+ waren nicht zwanzig eigentliche Presbyterianer im Hause der
+ Gemeinen. Siehe +A. Smith and Cutler's plain Dialogue ahout Whig
+ and Tory, 1690.+]
+
+ [Anmerkung 101: Berichte über das was in den Conferenzen vorging,
+ findet man in den Protokollen der beiden Häuser, und sie sind
+ lesenswerth.]
+
+
+[_Die Bill zur Festsetzung des Krönungseides._] Diese Debatten wurden
+auf kurze Zeit durch die Feste und Feierlichkeiten der Krönung
+unterbrochen. Als der zu dieser wichtigen Ceremonie bestimmte Tag
+heranrückte, verwandelte sich das Haus der Gemeinen in einen Ausschuß
+behufs Festsetzung der Wortformel, durch welche unsere Landesherren
+hinfüro ihren Vertrag mit der Nation schließen sollten. Darüber waren
+alle Parteien einig, daß es angemessen sei, vom Könige den Eid zu
+verlangen, daß er in weltlichen Angelegenheiten dem Gesetz gemäß
+regieren und die Gerechtigkeit mit Milde üben wolle. Über die Ausdrücke
+des Eides aber, die sich auf die kirchlichen Institutionen des Landes
+bezogen, wurde viel debattirt. Sollte der höchste Beamte im Staate bloß
+einfach versprechen, die protestantische Religion aufrecht zu erhalten,
+wie sie durch das Gesetz aufgestellt war, oder sollte er versprechen,
+diese Religion aufrecht zu erhalten, wie sie später durch das Gesetz
+festgestellt werden würde? Die Majorität war für die erstere Phrase.
+Die andre wurde von denjenigen Whigs vorgezogen, welche für eine
+Comprehension waren. Es wurde jedoch allgemein zugestanden, daß beide
+Phrasen eigentlich gleichbedeutend seien und daß der Eid, mochte er
+lauten wie er wollte, den Souverain nur in seiner executiven Gewalt
+binden werde. Dies ging in der That aus der ganzen Natur des Actes klar
+hervor. Jeder Vertrag kann durch die freiwillige Zustimmung der Partei,
+welche allein die Erfüllung zu verlangen berechtigt ist, annullirt
+werden. Die strengsten Casuisten hatten es nie in Zweifel gestellt, daß
+ein Schuldner, der sich unter den feierlichsten Schwüren verpflichtet
+hat zu zahlen, rechtmäßigerweise die Zahlung unterlassen kann, wenn der
+Gläubiger ihn seiner Verbindlichkeit entheben will. Eben so klar ist es,
+daß keine von einem Könige durch die Stände seines Reichs verlangte
+Zusicherung ihm die Verpflichtung auferlegen kann, seine Zustimmung zu
+etwas zu verweigern, was diese Stände später einmal wünschen mögen.
+
+Es wurde eine mit den Beschlüssen des Ausschusses übereinstimmende Bill
+entworfen, welche rasch durch alle parlamentarischen Stadien ging. Nach
+der dritten Lesung erhob sich ein thörichtes Mitglied, um einen Zusatz
+zu beantragen, in welchem erklärt werde, daß der Eid den Souverain,
+nicht hindern solle, in eine etwaige Änderung im Ceremoniell der Kirche
+zu willigen, immer vorausgesetzt, daß das Episkopat und eine
+geschriebene Gebetsform beibehalten würden. Die plumpe Absurdität dieses
+Antrags wurde von mehreren ausgezeichneten Mitgliedern dargelegt. Eine
+solche Klausel, bemerkten sie ganz richtig, würde den König binden,
+während sie ihm freieren Spielraum geben sollte. Der Krönungseid, sagten
+sie, hat nicht den Zweck, ihn in seiner gesetzgebenden Gewalt zu
+behindern. Man lasse diesen Eid in seiner jetzigen Fassung, und kein
+Fürst kann ihn mißverstehen. Kein Fürst kann ernstlich glauben, die
+beiden Häuser wollten das Versprechen von ihm verlangen, daß er sein
+Veto gegen Gesetze einlegen werde, die sie späterhin für das Wohl des
+Landes nöthig erachten könnten. Sollte aber einmal ein Fürst den
+zwischen ihm und seinen Unterthanen abgeschlossenen Vertrag so
+wunderlich mißverstehen, dann wird jeder Theolog, jeder Jurist, den er
+um Rath fragt, ihn sogleich beruhigen. Würde dieser Antrag angenommen,
+so könnte man unmöglich leugnen, daß der Krönungseid bestimmt sei, den
+König zu verhindern, seine Zustimmung zu Bills zu geben, die ihm von den
+Lords und Gemeinen vorgelegt würden, und daraus würden sehr ernste
+Nachtheile hervorgehen. Diese Argumente wurden als unwiderleglich
+erkannt und der Zusatz ohne Abstimmung verworfen.[102]
+
+Jeder, der diese Debatten gelesen hat, muß vollständig überzeugt sein,
+daß die Staatsmänner, welche den Krönungseid entwarfen, den König in
+seiner gesetzgebenden Gewalt nicht zu binden gemeint waren.[103] Leider
+erwachte hundert Jahre später in einem zwar wackeren und gewissenhaften,
+aber von Natur beschränkten und starrsinnigen und durch Krankheit zu
+gleicher Seit geschwächten und aufgeregten Geiste ein Scrupel, den jene
+Staatsmänner für zu widersinnig hielten, als daß irgend ein menschliches
+Geschöpf ihn im Ernste hegen könne. Der Ehrgeiz und die Perfidie eines
+Tyrannen hat in der That selten größere Übel erzeugt als die waren,
+welche jene unselige Gewissenhaftigkeit über unser Land gebracht hat.
+Einen außerordentlichen günstigen Augenblick, einen Augenblick, in
+welchem Weisheit und Gerechtigkeit Völkerschaften und Secten, die
+einander lange feindlich gegenübergestanden, hätten versöhnen und die
+britischen Inseln zu einem wahrhaft Vereinigten Königreiche machen
+können, ließ man unbenutzt vorübergehen. Die einmal verlorne Gelegenheit
+kehrte nicht wieder. Zwei Generationen von Staatsmännern haben sich
+seitdem mit unvollkommenem Erfolge bemüht, den damals begangenen Fehler
+wieder gut zu machen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß einige von
+den schlimmen Folgen dieses Fehlers sich bis auf die spätere Nachwelt
+fortwährend fühlbar machen werden.
+
+ [Anmerkung 102: +Journals, March 28. 1689+; +Grey's Debates.+]
+
+ [Anmerkung 103: Ich will einige Äußerungen anführen, welche in den
+ gedrängten Berichten über diese Debatten der Nachwelt aufbewahrt
+ worden. Diese Neuerungen sind bezüglich des Sinnes, in welchem der
+ Eid von den Gesetzgebern, die ihn entworfen, verstanden wurde,
+ ganz entscheidend. Musgrave sagte: »Es ist kein Grund zur Aufnahme
+ dieses Vorbehalts. Es ist undenkbar, daß irgend eine von hier
+ ausgehende Bill jemals die gesetzgebende Gewalt vernichten werde.«
+ Finch sagte: »Die Worte: 'durch das Gesetz festgestellt' hindern
+ den König nicht, eine Bill zur Erleichterung der Dissenters
+ anzunehmen. Der Vorbehalt ruft den Scrupel erst hervor und giebt
+ Veranlassung dazu.« Sawyer sagte: »Dies ist der erste Vorbehalt
+ dieser Art, der je in einer Bill enthalten war. Er scheint die
+ gesetzgebende Gewalt anzugreifen.« Sir Robert Cotton sagte:
+ »Obgleich der Vorbehalt zweckmäßig und heilsam aussieht, scheint
+ er doch einen Fehler zu haben. Unfähig die Gesetze den Umständen
+ gemäß abzuändern! Dies ruft nicht einen, sondern mehrere Scrupel
+ hervor; als ob Ihr so an das kirchliche Regiment gebunden wäret,
+ daß Ihr keine neuen Gesetze ohne einen solchen Vorbehalt ins Leben
+ rufen könntet!« Sir Thomas Lee sagte: »Ich fürchte es wird dahin
+ kommen, daß auch andere Gesetze nicht ohne einen solchen Vorbehalt
+ geschaffen werden können, und deshalb möchte ich denselben
+ beseitigt wissen.«]
+
+
+[_Die Krönung._] Die Bill, durch welche die Eidformel festgestellt
+wurde, passirte das Oberhaus ohne Amendement. Alle Vorbereitungen waren
+getroffen, und am 11. April fand die Krönung statt. In einigen Punkten
+unterschied sie sich von gewöhnlichen Krönungen. Die Vertreter des Volks
+nahmen in Masse an der Ceremonie Theil und wurden im Schatzkammergebäude
+glänzend bewirthet. Marie, die jetzt nicht bloß Königin-Gemahlin,
+sondern auch regierende Königin war, wurde in allen Punkten gleich einem
+Könige inaugurirt, mit dem Schwerte gegürtet, auf den Thron gesetzt und
+ihr die Bibel, die Sporen und der Reichsapfel überreicht. Die weltlichen
+Großen des Reichs waren mit ihren Frauen und Töchtern zahlreich und
+glänzend vertreten. Es konnte nicht Wunder nehmen, daß die
+Whigaristokratie sich bemühte, den Triumph der Whigprinzipien zu
+erhöhen. Aber die Jakobiten sahen zu ihrem großen Leidwesen, daß viele
+Lords, die für eine Regentschaft gestimmt hatten, eine bedeutende Rolle
+bei der Feierlichkeit spielten. Die Krone des Königs wurde von Grafton,
+die der Königin von Somerset getragen. Das scharfe Schwert, das Emblem
+der weltlichen Justiz, trug Pembroke. Ormond war Großconstabel für den
+Tag und ritt durch den Saal zur Rechten des erblichen Kämpen, der
+dreimal seinen Handschuh auf den Boden warf und dreimal zum Kampfe auf
+Leben und Tod den Verräther herausforderte, der Wilhelm's und Mariens
+Recht bestreiten sollte. Unter den Edelfräuleins, welche die prachtvolle
+Schleppe der Königin trugen, befand sich ihre schöne und liebenswürdige
+Cousine, Lady Henriette Hyde, deren Vater, Rochester, bis zuletzt gegen
+den Beschluß gestritten hatte, der den Thron für erledigt erklärte.[104]
+Die Bischöfe waren allerdings nur spärlich zu sehen. Der Primas war
+nicht erschienen; er war durch Campton vertreten. Zur einen Seite
+Campton's trug Lloyd, Bischof von St. Asaph, der sich unter den sieben
+Bekennern des vorhergehenden Jahres ausgezeichnet hatte, den
+Hostienteller. Zur andren Seite ging Sprat, Bischof von Rochester,
+unlängst noch Mitglied der Hohen Commission, mit dem Kelche. Burnet, der
+jüngste Prälat, predigte mit seinem ganzen gewohnten Talent und mit mehr
+als gewohntem Takt und Urtheil. Sein würdevoller und beredter Vortrag
+war weder durch Schmeichelei noch durch boshafte Ausfälle verunziert.
+Es soll lebhaft applaudirt worden sein, und es ist in der That wohl zu
+glauben, daß der begeisterte Schluß seiner Rede, wo er den Himmel
+anflehte, das königliche Paar mit langem Leben und gegenseitiger Liebe,
+mit gehorsamen Unterthanen, weisen Räthen und treuen Bundesgenossen, mit
+tapferen Flotten und Armeen, mit Sieg, mit Frieden und schließlich mit
+ruhmvolleren und unvergänglicheren Kronen als welche zur Zeit auf dem
+Altare der Abtei glänzten, zu beglücken, das lauteste Beifallsgemurmel
+der Gemeinen erweckte.[105]
+
+Die Ceremonie nahm im Ganzen einen guten Verlauf und bewirkte ein wenn
+auch schwaches und vorübergehendes Wiederauflodern der Begeisterung vom
+vergangenen December. Der Tag war in London und an vielen anderen Orten
+ein allgemeiner Freudentag. Am Vormittag waren die Kirchen gefüllt. Der
+Nachmittag wurde mit allerhand Vergnügungen und Gelagen hingebracht und
+am Abend wurden Freudenfeuer angezündet, Raketen losgelassen und die
+Fenster illuminirt. Dessenungeachtet wußten die Jakobiten reichen Stoff
+zu Spötteleien und Sarkasmen zu entdecken oder zu erfinden. Sie
+beschwerten sich bitter darüber, daß der Weg von der Halle bis zum
+westlichen Thore der Abtei mit holländischen Soldaten besetzt gewesen
+sei. Sei es schicklich, daß ein englischer König den feierlichsten
+Vertrag mit der englischen Nation hinter einer dreifachen Hecke fremder
+Schwerter und Bajonette schließe? Kleine Händel, wie sie bei jeder
+öffentlichen Feierlichkeit zwischen den Schaulustigen und den zur
+Freihaltung der Communication Angestellten fast unvermeidlich vorkommen,
+wurden mit allen Kunstgriffen der Rhetorik übertrieben. Einer der
+fremden Söldlinge hatte mit seinem Pferde einen achtbaren Bürger
+zurückgetrieben, der sich vorgedrängt, um den königlichen Baldachin
+einen Augenblick zu sehen. Ein Andrer hatte mit dem Flintenkolben eine
+Frau in roher Weise zurückgestoßen. Auf solche Gründe hin wurden die
+Fremden mit den Lord Dänen verglichen, welche vor Zeiten durch ihren
+Übermuth die angelsächsische Bevölkerung zu Aufstand und Blutvergießen
+angereizt hatten. Das fruchtbarste Thema für den Tadel war jedoch die
+Krönungsmedaille, die allerdings eben so abgeschmackt entworfen als
+schlecht ausgeführt war. Der Hauptgegenstand des Reverses war ein Wagen,
+und der gemeine Mann konnte sich nicht erklären, was dieses Emblem mit
+Wilhelm und Marien zu thun hatte. Die mißvergnügten Witzlinge lösten die
+Schwierigkeit, indem sie sagten, der Künstler habe auf den Wagen
+anspielen wollen, den eine aller Kindesliebe bare und den Interessen
+eines ehrgeizigen Gemahls blindlings ergebene römische Prinzessin über
+die noch warmen Überreste ihres Vaters hatte fahren lassen.[106]
+
+ [Anmerkung 104: Lady Henriette, die ihr Oheim Clarendon in seinem
+ Tagebuche (Januar 1687/88) die »hübsche kleine Henriette« und »das
+ beste Kind von der Welt« nennt, verheirathete sich bald nachher
+ mit dem Earl von Dalkeith, dem ältesten Sohne des unglücklichen
+ Herzogs v. Monmouth.]
+
+ [Anmerkung 105: Die Predigt verdient gelesen zu werden. Siehe die
+ +London Gazette+ vom 14. April 1689; +Evelyn's Diary+; +Narcissus
+ Luttrell's Diary+, und die Depesche der holländischen Gesandten an
+ die Generalstaaten.]
+
+ [Anmerkung 106: Eine Probe von der Prosa, welche die Jakobiten
+ über diesen Gegenstand schrieben, findet man in den Somers'schen
+ Schriften. Die jakobitischen Verse waren meist zu unanständig,
+ als daß man sie anführen konnte. Ich wähle einige von den
+ glimpflichsten Zeilen aus einem sehr seltenen Spottgedicht:
+
+ Der elfte des Monats April erschien,
+ Da wälzt sich der Pöbel nach Westminster hin
+ Zu sehn wie ein Lumpenbündel man krönt:
+ Ein schöner König, fürwahr.
+ Dem Orangenbaum er entsprossen ist,
+ Doch wenn man im Buche des Schicksals liest
+ Wird einst ihm noch werden ein andrer Baum:
+ Ein schöner König, fürwahr.
+ Von Gestalt ist er nur zur Hälfte ein Mann,
+ Desto mehr ein Affe, das leugne wer kann;
+ Hat den Kopf einer Gans und des Kranich's Bein',
+ Ein schöner König, fürwahr.
+
+ Ein Franzos, Namens Le Noble, der seiner Schandthaten wegen aus
+ seinem Vaterlande verwiesen worden war, sich aber, von der
+ Polizei geduldet, in Paris versteckt hielt und im Dienste eines
+ Buchhändlers nothdürftig sein Leben fristete, veröffentlichte bei
+ dieser Gelegenheit zwei jetzt sehr seltene Pasquille: +»Le
+ Couronnement de Guillemot et de Guillemette, avec le Sermon du
+ grand Docteur Burnet«+ und +»Le Festin de Guillemot.«+ An Witz,
+ Geschmack und Verstand stehen Le Noble's Schriften dem angeführten
+ englischen Gedicht nicht nach. Er erzählt uns, daß der Erzbischof
+ von York und der Bischof von London einen Boxerkampf in der Abtei
+ aufführen, daß der Kämpe auf einem Esel durch die Halle ritt,
+ welcher stätig wurde und die königliche Tafel mit dem ganzen
+ Geschirr umstieß, und daß das Banket mit einer Schlägerei zwischen
+ den mit Stühlen und Bänken bewaffneten Peers und den mit
+ Bratspießen bewaffneten Köchen endete. Merkwürdigerweise fand
+ diese Art Witz Leser, und das Portrait des Autors wurde splendid
+ gestochen mit dem Motto: +»Latrantes ride: te tua fama manet.«+]
+
+
+[_Beförderungen._] Ehren wurden, wie gewöhnlich, auch bei dieser
+festlichen Gelegenheit freigebig gespendet. Drei Hosenbandorden, über
+welche die Krone zur Zeit verfügen konnte, wurden Devonshire, Ormond und
+Schomberg verliehen. Der Prinz Georg wurde zum Herzog von Cumberland
+ernannt. Mehrere hochstehende Männer erhielten neue Titel, mit denen wir
+sie von jetzt an bezeichnen müssen. Danby wurde Earl von Caermarthen,
+Churchill Earl von Marlborough und Bentinck Earl von Portland. Mordaunt
+ward zum Earl von Monmouth ernannt, nicht ohne einiges Murren von Seiten
+alter Exclusionisten, die sich noch immer mit Liebe ihres
+protestantischen Herzogs erinnerten und welche hofften, sein Urtel werde
+umgestoßen und seinen Nachkommen die Führung seines Titels gestattet
+werden. Man wunderte sich, daß der Name Halifax nicht auch auf der Liste
+der Beförderungen stand. Niemand konnte zweifeln, daß er sehr leicht ein
+blaues Band oder eine Herzogskrone hätte erlangen können, und obgleich
+er sich von den meisten seiner Zeitgenossen durch seine Verschmähung
+unrechtmäßigen Gewinns vortheilhaft auszeichnete, wußte man doch sehr
+wohl, daß er auf Ehrentitel mit einer Begierde brannte, der er sich
+selbst schämte und die seines glänzenden Geistes unwürdig war.
+Allerdings wurde sein Ehrgeiz damals durch Besorgnisse niedergeschlagen.
+Leuten, die sein Vertrauen besaßen, theilte er seine Befürchtung mit,
+daß schlimme Zeiten bevorständen. Für des Königs Leben könne man kein
+Jahr mehr stehen, die Regierung sei unter sich uneinig, die
+Geistlichkeit und das Heer unzufrieden, das Parlament von Factionen
+zerrissen; der Bürgerkrieg wüthe bereits in einem Theile des Landes und
+auswärtiger Krieg sei vor der Thür. In einem solchen Augenblick habe
+wohl jeder Minister, ob Whig oder Tory, Grund sich zu beunruhigen, aber
+weder ein Whig noch ein Tory habe so viel zu fürchten als der Trimmer,
+der nicht unwahrscheinlich die gemeinschaftliche Zielscheibe des Hasses
+beider Parteien werden würde. Aus diesen Gründen beschloß Halifax, sich
+jeder Ostentation von Macht und Einfluß zu enthalten, durch ein
+geflissentliches Zurschautragen von Mäßigung den Neid zu entwaffnen und
+durch Artigkeiten und Wohlthaten Personen an sich zu ziehen, deren
+Dankbarkeit ihm im Fall einer Contrerevolution von Nutzen sein konnten.
+Die nächsten drei Monate, sagte er, würden die Probezeit sein. Halte
+sich die Regierung den Sommer über, so werde sie wahrscheinlich fest
+stehen.[107]
+
+ [Anmerkung 107: +Reresby's Memoirs.+]
+
+
+[_Die Coalition gegen Frankreich._] Inzwischen gewannen Fragen der
+auswärtigen Politik eine immer größere Bedeutung. Das Werk, an welchem
+Wilhelm viele trübe und angstvolle Jahre hindurch unermüdlich gearbeitet
+hatte, war endlich vollbracht. Die große Coalition war zu Stande. Es war
+klar, daß ein verzweifelter Kampf bevorstand. Der Bedrücker Europa's
+sollte sich gegen das mit Karl II. von Spanien, mit dem Kaiser Leopold
+und mit dem deutschen und dem batavischen Bunde alliirten England
+vertheidigen, ohne wahrscheinlich einen andren Bundesgenossen zu haben
+als den Sultan, der an der Donau gegen das Haus Österreich Krieg führte.
+
+
+[_Die Verwüstung der Pfalz._] Ludwig hatte gegen das Ende des
+vergangenen Jahres die ungünstige Lage seiner Feinde zu seinem Vortheile
+benutzt und den ersten Schlag geführt, ehe sie darauf vorbereitet waren,
+ihn zu pariren. Doch dieser wenn auch schwere Schlag hatte nicht da
+getroffen, wo er hätte tödtlich werden können. Wären an der batavischen
+Grenze Feindseligkeiten ausgebrochen, so würde Wilhelm mit seiner Armee
+wahrscheinlich auf dem Continent zurückgehalten worden sein, und Jakob
+hätte ungestört in England fortregieren können. Glücklicherweise hatte
+Ludwig in einer Verblendung, welche viele fromme Protestanten aus voller
+Überzeugung dem gerechten Urtheile Gottes zuschrieben, den Punkt aus den
+Augen gelassen, von dem das Geschick der ganzen civilisirten Welt
+abhing, und hatte auf einer Seite, wo die glänzendsten Erfolge ihm
+nichts als eine Illumination und ein Tedeum eintragen konnten, einen
+großen Aufwand von Streitkräften, Schnelligkeit und Energie entfaltet.
+Eine französische Armee unter den Befehlen des Marschalls Duras war in
+die Pfalz und einige benachbarte Fürstenthümer eingefallen. Dieser
+Feldzug aber, konnte, obwohl er vollkommen glücklich ausgefallen war und
+obwohl die Geschicklichkeit und Energie, mit der er geleitet worden,
+allgemeine Bewunderung erregt hatten, keinen erheblichen Einfluß auf den
+Ausgang des herannahenden furchtbaren Kampfes ausüben. Frankreich sollte
+bald von allen Seiten angegriffen werden, und dann konnte Duras die
+Provinzen, welche er überfallen und überwältigt, unmöglich lange
+behaupten. Ein entsetzlicher Gedanke erwachte im Geiste Louvois', der in
+militärischen Angelegenheiten zu Versailles die erste Stimme hatte. Er
+war ein Mann, der sich durch Eifer für das was ihm im öffentlichen
+Interesse nöthig erschien, sowie durch Talent und durch Kenntniß alles
+dessen was sich auf die militärische Verwaltung bezog, auszeichnete,
+aber er besaß einen harten und grausamen Character. Wenn die Städte der
+Pfalz nicht zu behaupten waren, so konnten sie zerstört werden. Wenn der
+Boden der Pfalz den Franzosen keine Hülfsmittel lieferte, so konnte er
+so verwüstet werden, daß er wenigstens auch den Deutschen keine
+Hülfsmittel lieferte. Der hartherzige Staatsmann unterbreitete Ludwig
+seinen Plan, wahrscheinlich mit großer Behutsamkeit und einigen
+Auslassungen, und Ludwig genehmigte denselben in einer für seinen Ruhm
+verderblichen Stunde. Duras erhielt Befehl, eine der schönsten Gegenden
+Deutschland's in eine Wüste zu verwandeln. Funfzehn Jahre früher hatte
+Turenne einen Theil dieses herrlichen Landes verwüstet. Aber Turenne's
+Verheerungen waren, obgleich sie einen tiefen Schatten auf seinen Ruhm
+geworfen hatten, ein bloßes Kinderspiel im Vergleich mit den Greueln
+dieser zweiten Verwüstung. Der französische Oberbefehlshaber kündigte
+einer halben Million Menschen an, daß er ihnen eine dreitägige
+Gnadenfrist bewillige und daß sie bis dahin auf ihre Sicherheit bedacht
+sein müßten. Bald bedeckten sich die Landstraßen und Felder, welche
+damals tief in Schnee vergraben lagen, mit zahllosen Massen von Männern,
+Frauen und Kindern, die von ihrem heimathlichen Herde flohen. Viele
+kamen vor Hunger und Kälte um; aber es blieben genug am Leben, um alle
+Städte Europa's mit abgezehrten, schmutzigen Bettlern zu füllen, die
+einst wohlhabende Pächter und Handelsleute gewesen waren. Inzwischen
+begann das Zerstörungswerk. Von jedem Marktplatze, jedem Weiler, jeder
+Pfarrkirche und jedem Landsitze in den dem Untergange geweihten
+Provinzen loderten die Flammen empor. Die Felder, auf denen Getreide
+gesäet war, wurden umgepflügt. Die Obstbäume wurden umgehauen. Jede
+Hoffnung auf eine Ernte wurde auf der fruchtbaren Ebene in der Nähe der
+Stelle wo einst Frankenthal gestanden, von Grund aus zerstört. Kein
+Weinstock, kein Mandelbaum war an den Abhängen der sonnigen Hügel mehr
+zu sehen, welche das nicht mehr vorhandene Heidelberg umgaben. Kein
+Palast, kein Tempel, kein Kloster, kein Krankenhaus, kein Kunstwerk,
+kein Grabmal berühmter Verstorbener ward geschont. Das weit und breit
+berühmte Schloß des Kurfürsten von der Pfalz wurde in einen Schutthaufen
+verwandelt. Das anstoßende Hospital wurde geplündert. Die Vorräthe,
+die Medicamente und die Betten, auf denen die Kranken lagen, wurden
+vernichtet. In Mannheim wurden, selbst die Steine, aus denen die Stadt
+erbaut war, in den Rhein geworfen. Der prächtige Dom von Speier ging zu
+Grunde, mit ihm die marmornen Grabmäler von acht Cäsaren. Die Särge
+wurden aufgebrochen und die Asche in alle Winde verstreut.[108] Trier
+mit seiner herrlichen Brücke, seinem Amphitheater, seinen ehrwürdigen
+Kirchen, Klöstern und Collegien war zu demselben Schicksale ausersehen.
+Bevor aber dieses letzte Verbrechen verübt werden konnte, wurde Ludwig
+durch die Verwünschungen alter Nachbarvölker, durch das Stillschweigen
+und die Bestürzung seiner Schmeichler und durch die Vorstellungen seine
+Gemahlin auf bessere Gedanken gebracht. Er war seit mehr als zwei Jahren
+mit Franziska von Maintenon, der Gouvernante seiner natürlichen Kinder,
+heimlich vermählt. Es wird schwerlich eine zweite Frau gegeben haben,
+die bei einem so wenig romanhaften Character eine so romanhafte Laufbahn
+aufzuweisen hatte. Sie hatte ihre Jugendjahre in Armuth; und Dunkel
+hingebracht. Ihr erster Gatte hatte sich durch Verfassung burlesker
+Possen und Gedichte ernährt. Als sie die Aufmerksamkeit ihres Souverains
+auf sich zog, konnte sie sich nicht mehr der Jugend oder Schönheit
+rühmen, aber sie besaß in ungewöhnlichem Grade jene dauernderen Reize,
+welche gesetzte Männer, deren Leidenschaften das Alter gezähmt hat und
+deren Leben ein Leben voll Mühen und Sorgen ist, an einer
+Lebensgefährtin am höchsten schätzen. Ihr Character war einer von denen,
+die man sehr richtig mit dem sanften Grün verglichen hat, auf welchem
+das durch grelle, Farben und blendende Lichter ermüdete Auge mit
+Wohlgefallen ruht. Ein treffendes Urtheil, ein unerschöpflicher, doch
+nie überfluthender Strom verständiger, liebenswürdiger und geistvoller
+Rede, ein Temperament, dessen heitere Ruhe nicht einen Augenblick
+getrübt wurde, ein Takt, der den Takt ihres Geschlechts in eben dem Maße
+übertraf, wie der Takt ihres Geschlechts den des unsrigen übertrifft:
+dies waren die Eigenschaften, welche die Wittwe eines Possenreißers
+zuerst zur vertrauten Freundin, dann zur Gattin des mächtigsten aller
+Könige Europa's machten. Man sagte damals Ludwig sei nur mit Mühe durch
+Louvois' dringende Vorstellungen und Bitten abgehalten worden, sie zur
+Königin von Frankreich zu erklären. Es ist ausgemacht, daß sie Louvois
+als ihren Feind betrachtete, und ihr Haß gegen ihn, mit dem sich
+vielleicht auch bessere Gefühle verbanden, bestimmte sie, sich der
+unglücklichen Rheinbewohner anzunehmen. Sie appellirte an das Mitgefühl,
+das, obwohl durch manche verderbliche Einflüsse geschwächt, im Herzen
+ihres Gemahls noch nicht völlig erloschen war, und an die religiösen
+Gefühle, welche ihn nur zu oft zur Grausamkeit getrieben hatten, die
+aber im gegenwärtigen Falle auf Seiten der Humanität waren. Er ließ sich
+erweichen und Trier ward verschont.[109] Er mußte in der That wohl
+einsehen, daß er einen Fehler begangen hatte. Die Verwüstung der Pfalz
+hatte, während sie die Macht seiner Feinde nicht erheblich vermindert,
+ihre Erbitterung noch mehr angefacht und ihnen unerschöpflichen Stoff zu
+Schmähungen geliefert. Von allen Seiten erscholl das Geschrei nach
+Rache. Jedes Bedenken, das die eine oder die andre Linie des Hauses
+Österreich gehegt haben mochte, sich mit Protestanten zu verbünden, war
+völlig beseitigt. Ludwig beschuldigte den Kaiser und den katholischen
+König, die Sache der Kirche verrathen, sich mit einem Usurpator, der der
+erklärte Vorkämpfer des großen Schisma's war, verbündet und an dem
+abscheulichen Unrecht Theil genommen zu haben, das einem legitimen
+Souverain zugefügt worden, der sich keines andren Verbrechens als des
+Eifers für den wahren Glauben schuldig gemacht habe. Jakob schrieb
+herzbrechende Briefe nach Wien und Madrid, in denen er sein Unglück
+schilderte und den Beistand seiner königlichen Brüder, die auch im
+Glauben seine Brüder seien, gegen die unnatürlichen Kinder und die
+rebellischen Unterthanen erflehte, die ihn in's Exil getrieben hätten.
+Es war jedoch nicht schwer, auf Ludwig's Vorwürfe wie auf Jakob's Bitten
+eine plausible Antwort zu geben. Leopold und Karl erklärten, daß sie
+sich, selbst zum Zwecke der gerechten Selbstvertheidigung, nicht eher
+mit Ketzern verbündet hätten, als bis ihr Feind sich zum Zwecke eines
+ungerechten Angriffs mit Mohamedanern verbündet habe. Und dies sei noch
+nicht das Schlimmste. Nicht genug, daß der französische König den
+Moslems gegen die Christen beistehe, behandle er selbst die Christen mit
+einer Grausamkeit, welche sogar die Moslems empört haben würde. Man
+müsse seinen ungläubigen Verbündeten die Gerechtigkeit widerfahren
+lassen, daß sie an der Donau keine solchen Gewaltthätigkeiten gegen die
+Gebäude und die Mitglieder der heiligen katholischen Kirche verübt
+hätten, wie er, der sich den ältesten Sohn dieser Kirche nenne, sie am
+Rhein verübe. Aus diesen Gründen antworteten die Fürsten, an welche
+Jakob appellirt hatte, ihm damit, daß sie unter vielen Versicherungen
+der Bereitwilligkeit und des Mitleids an ihn selbst appellirten. Er sei
+gewiß zu gerecht, als daß er sie tadeln könnte, daß sie es für ihre
+erste Pflicht hielten, ihr eignes Volk gegen solche Gewaltthätigkeiten
+zu schützen, wie sie die Pfalz in eine Wüste verwandelt hätten, oder daß
+sie den Beistand der Protestanten gegen einen Feind anriefen, der kein
+Bedenken getragen habe, die Hülfe von Türken anzurufen.[110]
+
+ [Anmerkung 108: Über die Geschichte der Verwüstung der Pfalz sehe
+ man die Memoiren von La Fare, Dangeau, Frau von Lafayette, Villars
+ und Saint-Simon, sowie den +Monthly Mercury+ vom März und April
+ 1689. Der Pamphlet und Flugblätter sind zu viele, als daß ich sie
+ hier aufzählen könnte. Ein Blatt, betitelt: +»A true Account
+ of the barbarous Cruelties committed by the French in the
+ Palatinate in January and February last,«+ ist vielleicht das
+ interessanteste.]
+
+ [Anmerkung 109: Memoiren Saint-Simon's.]
+
+ [Anmerkung 110: Ich will einige Zeilen aus Leopold's Brief an
+ Jakob anführen: +»Nunc autem quo loco res nostrae sint, ut
+ Serenitati vestrae auxilium praestari possit a nobis, qui non
+ Turcico tantum bello impliciti, sed insuper etiam crudelissimo et
+ iniquissimo a Gallis, rerum suarum, ut putabant, in Anglia
+ securis, contra datam fidem impediti sumus, ipsimet Serenitati
+ vestrae judicandum relinquimus... Galli non tantum in nostrum et
+ totius Christianae orbis perniciem foedifraga arma cum juratis
+ Sanctae Crucis hostibus sociare fas sibi ducunt; sed etiam in
+ imperio, perfidiam perfidia cumulando, urbes deditione occupatas
+ contra datam fidem immensis tributis exhaurire, exhaustas
+ diripere, direptas funditus exscindere aut flammis delere, Palatia
+ Principum ab omni antiquitate inter saevissima bellorum incendia
+ intacta servata exurere, templa spoliare, dedititios in servitutem
+ more apud barbaros usitato abducere, denique passim, imprimis vero
+ etiam in Catholicorum dictionibus, alia horrenda, et ipsam
+ Turcorum tyrannidem superantia immanitatis et saevitiae exempla
+ edere pro ludo habent.«+]
+
+
+[_Kriegserklärung gegen Frankreich._] Während des Winters und der ersten
+Hälfte des Frühjahrs zogen die Frankreich feindlich gesinnten Mächte
+ihre Streitkräfte zu einer energischen Anstrengung zusammen und standen
+in fortdauernder Communication mit einander. Als die zu militärischen
+Operationen geeignete Zeit heranrückte, erschienen in rascher
+Aufeinanderfolge die feierlichen Berufungen beleidigter Nationen an den
+Gott der Schlachten. Das Manifest der Deutschen erschien im Februar, das
+der Generalstaaten im März, das des Hauses Brandenburg im April und das
+Spanien's im Mai.[111]
+
+Bei uns beschloß, sobald die Krönungsfeier vorüber war, das Haus der
+Gemeinen die Inbetrachtnahme der neuesten Schritte des Königs von
+Frankreich.[112] In der Debatte brach der Haß gegen den mächtigen,
+rücksichtslosen und herrschsüchtigen Ludwig, der seit zwanzig Jahren der
+Vasallenschaft in den Herzen der Engländer gohr, mit Heftigkeit hervor.
+Er wurde der allerchristlichste Türke, der allerchristlichste Verwüster
+der Christenheit, der allerchristlichste Barbar genannt, der gegen
+Christen Gewaltthätigkeiten verübt habe, deren seine ungläubigen
+Verbündeten sich geschämt haben würden.[113] Ein vornehmlich aus
+heftigen Whigs bestehender Ausschuß wurde mit der Abfassung eines
+Adreßentwurfs beauftragt. Johann Hampden, der glühendste Whig unter
+ihnen, erhielt den Vorsitz und arbeitete einen Entwurf aus, der zu lang,
+zu rhetorisch und zu vorwurfsvoll war, als daß er sich für den Mund des
+Sprechers wie für das Ohr des Königs hätte eignen können. Schmähungen
+gegen Ludwig würden bei der damaligen Stimmung des Hauses ungerügt
+hingegangen sein, wären sie nicht von harten Äußerungen über den
+Character und der Verwaltung Karl's II. begleitet gewesen, dessen die
+Tories, trotz aller seiner Fehler, mit liebevoller Zuneigung gedachten.
+Es fanden sich darin einige sehr deutliche Anspielungen auf Karl's
+Verkehr mit dem Hofe von Versailles und auf das fremde Weib, das dieser
+Hof ihm gesendet habe, um wie eine Schlange an seinem Busen zu liegen.
+Das Haus war mit gutem Grunde unzufrieden damit. Die Adresse wurde dem
+Ausschusse zurückgegeben, und nachdem sie kürzer und weniger wortreich
+und hämisch gefaßt worden, angenommen und überreicht.[114] Wilhelm's
+Aufmerksamkeit war auf die Nachtheile gelenkt, welche Frankreich ihm und
+seinem Königreiche zugefügt, und ihm die Versicherung gegeben, daß,
+sobald er zur Abstellung dieser Nachtheile die Waffen ergriffe, er von
+seinem Volke kräftig unterstützt werden würde. Er dankte den Gemeinen
+herzlich. Ehrgeiz, sagte er, werde ihn nie bestimmen, das Schwert zu
+ziehen; allein er habe keine Wahl, denn Frankreich habe bereits England
+angegriffen, und es sei nothwendig, das Recht der Selbstvertheidigung
+auszuüben. Wenige Tage darauf wurde der Krieg erklärt.[115]
+
+Unter den Gründen zu diesem Schritte, welche die Gemeinen in ihrer
+Adresse und der König in seinem Manifeste anführten, war der
+gewichtigste die Einmischung Ludwig's in die Angelegenheiten Irland's.
+In diesem Lande waren seit mehreren Monaten wichtige Ereignisse in
+rascher Aufeinanderfolge eingetreten. Der Augenblick ist jetzt gekommen,
+die Geschichte dieser Ereignisse mitzutheilen, eine Geschichte eben so
+reich an Verbrechen und erschütternden Begebenheiten, wie an Interesse
+und Belehrung.
+
+ [Anmerkung 111: Siehe die London Gazette vom 25. Febr.,
+ 11. März, 22. April, 2. Mai und die +Monthly Mercuries+. Einige
+ von den Erklärungen findet man in Dumont's +Corps Universel
+ Diplomatique+.]
+
+ [Anmerkung 112: +Commons' Journals, April 15. 16. 1689+.]
+
+ [Anmerkung 113: Oldmixon.]
+
+ [Anmerkung 114: +Commons' Journals, April 19. 24. 26. 1689+.]
+
+ [Anmerkung 115: Die Kriegserklärung ist vom 7. Mai datirt,
+ erschien aber erst am 13. in der London Gazette.]
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+
+
+ =Zwölftes Kapitel.=
+
+ _Wilhelm von Oranien._
+
+
+
+
+ =Inhalt.=
+
+ Seite
+ Zustand Irland's zur Zeit der Revolution 5
+ Die Civilgewalt in den Händen der Katholiken 5
+ Die Militärgewalt in den Händen der Katholiken 7
+ Gegenseitige Feindschaft zwischen den Engländern und Iren 7
+ Panischer Schrecken unter den Engländern 8
+ Geschichte der Stadt Kenmare 9
+ Enniskillen 12
+ Londonderry 13
+ Schließung der Thore von Londonderry 14
+ Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificiren 16
+ Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel 17
+ Die Temple werden zu Rathe gezogen 19
+ Richard Hamilton wird auf Temple's Wort nach Irland gesandt 19
+ Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich 20
+ Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen 21
+ Verwüstung des Landes 22
+ Die Protestanten im Süden unfähig Widerstand zu leisten 26
+ Enniskillen und Londonderry halten sich 27
+ Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster 27
+ Jakob entschließt sich nach Irland zu gehen 28
+ Unterstützung, welche Jakob von Ludwig gewährt wird 29
+ Wahl eines französischen Gesandten zum Begleiter Jakob's 30
+ Der Graf von Avaux 31
+ Jakob landet in Kinsale 32
+ Jakob's Einzug in Cork 33
+ Reise Jakob's von Cork nach Dublin 34
+ Unzufriedenheit in England 36
+ Parteispaltungen im Dubliner Schlosse 36
+ Jakob beschließt nach Ulster zu gehen 40
+ Jakob's Reise nach Ulster 41
+ Der Fall Londonderry's erwartet 43
+ Es kommt Succurs aus England 44
+ Verrätherei Lundy's 45
+ Die Bewohner von Londonderry beschließen sich
+ zu vertheidigen 45
+ Ihr Character 46
+ Londonderry belagert 50
+ Die Belagerung in eine Blokade verwandelt 52
+ Seegefecht in der Bantry-Bai 52
+ Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt in Dublin 53
+ Es wird eine Toleranzacte erlassen 57
+ Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten 57
+ Prägung schlechten Geldes 61
+ Die große Verurtheilungsacte 62
+ Jakob prorogirt sein Parlament 65
+ Verfolgung der Protestanten in Irland 65
+ Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England 67
+ Thaten der Enniskillener 69
+ Noth in Londonderry 70
+ Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke im Foylesee 70
+ Grausamkeit Rosen's 71
+ Die Hungersnoth in Londonderry steigt aufs Höchste 73
+ Angriff auf den Sperrbaum 74
+ Die Belagerung von Londonderry aufgehoben 76
+ Operationen gegen die Enniskillener 79
+ Schlacht bei Newton-Butler 80
+ Bestürzung der Irländer 81
+
+
+[_Zustand Irland's zur Zeit der Revolution._] Wilhelm hatte zu gleicher
+Zeit mit dem Titel eines Königs von England auch den eines Königs von
+Irland angenommen. Denn alle unsere Juristen betrachteten damals Irland
+als eine bloße Colonie, zwar wichtiger als Massachusetts, Virginien oder
+Jamaika, aber, wie diese, abhängig vom Mutterlande und verpflichtet,
+den Souverain anzuerkennen, den das Mutterland auf den Thron berufen
+hatte.[1]
+
+ [Anmerkung 1: Die allgemeine Ansicht der Engländer über diesen
+ Gegenstand spricht sich deutlich in einer kleinen Schrift aus,
+ betitelt: +»Aphorisms relating to the Kingdom of Ireland«+, welche
+ während der Erledigung des Thrones erschien.]
+
+
+[_Die Civilgewalt in den Händen der Katholiken._] Thatsächlich aber
+hatte die Revolution Irland von der Oberherrschaft der englischen
+Colonie emancipirt gefunden. Schon im Jahre 1686 hatte Jakob
+beschlossen, diese Insel zu einem Waffenplatze, der Großbritannien
+Respect einflößen könnte, und zu einem Asyle zu machen, wo die
+Mitglieder seiner Kirche eine Zuflucht finden könnten, wenn in
+Großbritannien sich ein Unglück ereignete. Zu dem Ende hatte er Alles
+aufgeboten, um das Verhältniß zwischen den Eroberern und der eingebornen
+Bevölkerung umzukehren. Die Ausführung seines Planes hatte er, trotz der
+Gegenvorstellungen seiner englischen Rathgeber, dem Vicekönig Tyrconnel
+übertragen. Im Herbst des Jahres 1688 war der Prozeß vollendet. Die
+höchsten Ämter bei der Staatsverwaltung, der Armee und den Gerichtshöfen
+waren fast ohne Ausnahme mit Papisten besetzt. Ein Rabulist, Namens
+Alexander Fitton, der einer Fälschung überführt, wegen schlechter
+Aufführung vom Hause der Lords zu Westminster mit einer Geldstrafe
+belegt worden war und viele Jahre im Gefängniß zugebracht hatte, dem es
+eben so sehr an juristischen Kenntnissen fehlte wie an gesundem
+Verstande und Scharfsinn, welche den Mangel an juristischen Kenntnissen
+zuweilen ersetzt haben, war Lordkanzler. Sein einziges Verdienst bestand
+darin, daß er vom protestantischen Glauben abgefallen war, und dieses
+Verdienst wurde für hinreichend erachtet, um selbst den Flecken seiner
+sächsischen Abstammung zu verwischen. Er zeigte sich bald des Vertrauens
+seiner Gönner würdig. Er erklärte auf der Richterbank, daß es unter
+vierzigtausend Ketzern nicht einen gebe, der nicht ein Schurke sei.
+Oftmals, nachdem er einen Rechtsfall angehört, bei dem die Interessen
+seiner Kirche im Spiele waren, verschob er seinen Ausspruch, um, wie er
+selbst eingestand, seinen Seelsorger, einen spanischen Priester, der
+wahrscheinlich im Escobar wohl belesen war, zu Rathe zu ziehen.[2]
+Thomas Nugent, ein Katholik, der sich im Gerichtssaale durch nichts als
+durch seinen irischen Accent und durch seine Schnitzer ausgezeichnet
+hatte, war Oberrichter der King's Bench.[3] Stephan Rice, ein Katholik,
+dessen Talente und Gelehrsamkeit selbst von den Feinden seiner Nation
+und Religion nicht bestritten wurden, dessen wohlbekannte Hostilität
+gegen die Ansiedlungsacte aber im Herzen aller Derjenigen, welche kraft
+dieser Acte Grundeigenthum besaßen, die ernstesten Besorgnisse erweckte,
+war erster Baron der Schatzkammer.[4] Richard Nagle, ein scharfsinniger
+und wohlbelesener Jurist, der in einem Jesuitencollegium erzogen war und
+der die Vorurtheile besaß, die man von seiner Erziehung erwarten konnte,
+war Generalfiskal.[5]
+
+Keating, ein höchst ehrenwerther Protestant war noch Oberrichter der
+Common Pleas; aber zwei römisch-katholische Richter standen ihm zur
+Seite. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der eine von diesen
+Richtern, Daly, ein verständiger, gemäßigter und rechtschaffner Mann
+war. Aber die Klagsachen, welche vor die Schranken der Common Pleas
+kamen, waren nicht von großem Belang. Selbst die King's Bench war damals
+fast verödet. Dagegen war das Schatzkammergericht mit Geschäften
+überhäuft, denn es war der einzige Gerichtshof in Dublin, von dem nicht
+nach England appellirt werden konnte, und folglich der einzige
+Gerichtshof, an welchem die Engländer ohne Hoffnung auf Abhülfe
+unterdrückt und ausgeplündert werden konnten. Rice sollte erklärt haben,
+daß sie von ihm genau das haben sollten, was das Gesetz nach strictester
+Auslegung ihnen gewähre, aber auch nicht mehr. Was aber seiner Ansicht
+nach das Gesetz nach strictester Auslegung ihnen gewährte, das konnten
+sie leicht aus einer Äußerung schließen, die er, bevor er Richter wurde,
+häufig im Munde führte. »Ich werde,« pflegte er zu sagen, »mit Sechsen
+durch die Ansiedlungsacte fahren.« Jetzt brachte er seine Drohung
+tagtäglich zur Ausführung. Alle Protestanten klagten, daß es
+gleichgültig sei, was für Beweise sie ihm vorlegten, daß die
+schamlosesten Lügen, die ehrlosesten Zeugenaussagen seines Schutzes
+gewiß sein könnten, wenn er sonst ihren Ansprüchen nicht gerecht werden
+wolle. Zu seinem Gerichtshofe drängten sich seine Landsleute in Masse
+mit Gesuchen um Vertreibung und Eigenthumsverletzung. Vor seinem
+Gerichtshofe griff die Regierung mit einem Male die Freibriefe alter
+irischen Städte und Landgemeinden an, und er fand ohne Mühe
+Vorwände, um alle diese Freibriefe für verwirkt zu erklären. Die
+Municipalcorporationen, etwa hundert an Zahl, waren als Bollwerke des
+reformirten Glaubens und des englischen Interesses eingeführt worden,
+und sie wurden daher von den irischen Katholiken mit einem Widerwillen
+betrachtet, den man nicht für unnatürlich oder unvernünftig halten kann.
+Wären diese Corporationen auf eine verständige und unparteiische Weise
+umgestaltet worden, so hätte die Unregelmäßigkeit des Verfahrens, durch
+welches ein so wünschenwerthes Resultat erzielt worden war, verziehen
+werden können. Aber es zeigte sich bald, daß ein exclusives System nur
+beseitigt worden war, um einem andren Platz zu machen. Die Burgflecken
+wurden der unumschränkten Autorität der Krone unterstellt. Städte, in
+denen fast jeder Hausvater ein englischer Protestant war, erhielten
+katholische Obrigkeiten. Viele von den neuen Aldermen hatten die Städte,
+zu deren Behörden sie ernannt werden, noch nie gesehen. Zu gleicher Zeit
+wurden die Sheriffs, denen die Vollziehung der richterlichen Befehle und
+die Ernennung der Juries zukam, fast immer aus der Kaste gewählt, welche
+bis vor ganz Kurzem von jedem öffentlichen Amte ausgeschlossen gewesen
+war. Man versicherte, daß einige von diesen wichtigen Beamten wegen
+Diebstahls in der Hand gebrandmarkt gewesen seien. Andere hatten im
+Dienste von Protestanten gestanden, und die Protestanten setzten mit
+bitterer Geringschätzung hinzu, daß die Grafschaft, der solche Beamte zu
+Theil würden, von Glück sagen könne, denn ein Diener, der das Geschirr
+eines englischen Gentleman gereinigt und sein Pferd geputzt habe, könne
+im Vergleich zu Vielen von der eingebornen Aristokratie, die ihr Leben
+mit Aufliegen und Marodiren hingebracht, für ein civilisirtes Geschöpf
+gelten. Solchen Sheriffs würde kein Colonist, selbst wenn er das
+unerhörte Glück gehabt hätte, einen ihm günstigen Ausspruch zu erlangen,
+eine Execution anzuvertrauen gewagt haben.[6]
+
+ [Anmerkung 2: +King's State of the Protestants of Ireland, II. 6+,
+ und +III. 3+.]
+
+ [Anmerkung 3: +King III. 3+. Clarendon nennt Nugent in einem
+ Briefe an Rochester (vom 1. Juni 1686) »einen höchst lästigen,
+ impertinenten Menschen.«]
+
+ [Anmerkung 4: +King, III. 3+.]
+
+ [Anmerkung 5: +King, II. 6+, und +III. 3+. Clarendon spricht in
+ einem Briefe an Ormond (vom 28. Sept. 1686) mit rühmender
+ Anerkennung von Nagle's Kenntnissen und Fähigkeiten; in seinem
+ Tagebuche aber (31. Jan. 1686/87) nennt er ihn »einen
+ habsüchtigen, ehrgeizigen Mann.«]
+
+ [Anmerkung 6: +King II. 5. 1.+; +III. 3. 5+. +A Short View of the
+ Methods made use of in Ireland for the Subversion and Destruction
+ of the Protestant Religion and Interests, by a Clergyman lately
+ escaped from thence, licensed Oct. 17, 1689+.]
+
+
+[_Die Militärgewalt in den Händen der Katholiken._] So war die
+Civilgewalt in Zeit von wenigen Monaten von der sächsischen auf die
+celtische Bevölkerung übertragen worden. Die Übertragung der
+Militärgewalt war nicht minder vollständig gewesen. Die Armee, welche
+unter Ormond's Befehlen das Hauptbollwerk des englischen Übergewichts
+gewesen war, existirte nicht mehr. Ganze Regimenter waren aufgelöst und
+neu organisirt worden. Sechstausend ihres Brodes beraubte
+protestantische Veteranen brüteten in ihrer Zurückgezogenheit über das
+ihnen zugefügte Unrecht, oder waren über den Kanal gegangen und hatten
+sich dem Banner Wilhelm's angeschlossen. Ihre Stellen wurden durch
+Männer besetzt, welche, nachdem sie lange unterdrückt worden, sich
+plötzlich aus Sklaven in Herren verwandelt sahen und es nun nicht
+erwarten konnten, die schwere Schuld der Unbilden und Kränkungen mit
+Wucherzinsen zurückzuzahlen. Man sagte, die neuen Soldaten seien nie an
+einem Engländer vorübergegangen, ohne ihn zu verwünschen und ihm ein
+Schimpfwort anzuhängen. Sie waren der Schrecken jedes protestantischen
+Gastwirths, denn von dem Augenblicke an wo sie unter sein Dach kamen,
+aßen und tranken sie Alles weg, ohne zu bezahlen, und verscheuchten
+durch ihr rohes Bramarbasiren anständigere Gäste von seiner Thür.[7]
+
+ [Anmerkung 7: +King, III. 2+. Ich kann nicht finden, daß Karl
+ Leslie, ein eifriger Vertheidiger der andren Partei, in seiner
+ Antwort an King, einer dieser Thatsachen widersprochen hätte. Er
+ verwirft sogar selbst Tyrconnel's Verwaltung. »Ich wünsche einem
+ Einwurfe zu begegnen, der sicherlich erhoben werden wird, daß ich
+ nämlich Alles was Lord Tyrconnel und andere Minister Jakob's,
+ besonders vor dieser Revolution, gethan haben und was mehr als
+ irgend etwas Andres dieselbe hervorgerufen hat, völlig
+ rechtfertigen wolle. Nein, davon bin ich weit entfernt. Ich bin
+ überzeugt, daß ihr Verfahren in vielen Punkten den Feinden König
+ Jakob's gegründetere Ursache zu klagen gab als alle anderen seiner
+ Regierung zur Last gelegten Verwaltungsfehler.« +Leslie's Answer
+ to King, 1692+.]
+
+
+[_Gegenseitige Feindschaft zwischen den Engländern und Iren._] So war
+der Zustand Irland's, als der Prinz von Oranien bei Torbay landete. Von
+diesem Augenblicke an, brachte jedes in Dublin anlangende Packetboot
+Nachrichten mit, welche die gegenseitige Furcht und Abneigung der
+feindlichen Stämme nur vermehren konnten. Sowohl der Colonist, der,
+nachdem er lange die Macht besessen und gemißbraucht, jetzt für einen
+Augenblick die Bitterkeit der Knechtschaft gekostet hatte, als auch der
+Eingeborne, der, nachdem er den bitteren Kelch der Knechtschaft bis zur
+Hefe geleert, endlich auf einen Augenblick die Macht besessen und
+gemißbraucht hatte, erkannten Beide, daß eine wichtige Krisis, eine
+Krisis wie die von 1641, bevorstehe. Die Mehrheit erwartete mit
+Ungeduld, in Tyrconnel einen Phelim O'Neil wieder erstehen zu sehen;
+die Minderheit erblickte in Wilhelm einen zweiten Oliver.
+
+Auf welcher Seite der erste Schlag erfolgte, dies war eine Frage, über
+welche Wilhelmiten und Jakobiten nachher mit viel Schärfe debattirten.
+Doch keine Frage konnte gleichgültiger sein. Die Geschichte muß beiden
+Parteien die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die keine von beiden der
+andren jemals zugestanden, und muß zugeben, daß beide triftige
+Beschwerden und heftige Provocationen zu ihrer Rechtfertigung anführen
+konnten. Beide waren durch ein Geschick, für welches keine von beiden
+verantwortlich war, in eine Lage versetzt worden, daß sie einander, da
+die menschliche Natur nun einmal so und nicht anders geschaffen ist,
+nothwendig als Feinde betrachten mußten. Drei Jahre lang hatte die
+Regierung, die sie hätte versöhnen können, systematisch Alles
+aufgeboten, ihre Feindschaft zu einer rasenden Wuth zu entflammen. Es
+war jetzt unmöglich, in Irland eine gerechte und wohlthätige Regierung
+herzustellen, eine Regierung, die keinen Racen- oder Sectenunterschied
+kannte, eine Regierung, welche die den neuen Grundeigenthümern durch das
+Gesetz gewährleisteten Rechte streng respectirte, zu gleicher Zeit aber
+durch eine vernünftige Liberalität das Mißgeschick der vorigen Gentry
+linderte. Eine solche Regierung hätte Jakob zur Zeit seiner Macht
+einsetzen können. Aber die günstige Gelegenheit war vorbei, ein
+gütlicher Vergleich war nicht mehr möglich, die beiden erbitterten
+Kasten waren gleichermaßen von der Nothwendigkeit überzeugt, daß sie
+entweder unterdrücken, oder unterdrückt werden müßten, und daß nur in
+Sieg, Rache und Herrschaft ihr Heil zu finden sei. Nur darin stimmten
+sie überein, daß sie jeden Vermittler, der es versuchen wollte, sie mit
+einander zu versöhnen, zurückwiesen.
+
+
+[_Panischer Schrecken unter den Engländern._] Seit einigen Wochen waren
+Excesse, Insulten, schlimme Gerüchte und panische Schrecken, die
+natürlichen Vorläufer des herannahenden furchtbaren Zusammenstoßes, an
+der Tagesordnung. Durch die ganze Insel verbreitete sich das Gerücht,
+daß am 9. December eine allgemeine Niedermetzelung der Engländer
+stattfinden solle. Tyrconnel ließ die vornehmsten Protestanten Dublin's
+in's Schloß kommen und rief in seiner gewohnten kräftigen Redeweise die
+ganze Rache des Himmels auf sich herab, wenn jenes Gerücht nicht eine
+verfluchte, niederträchtige Lüge wäre. Aus Wuth darüber, daß seine
+Flüche nicht die erwartete Wirkung hervorriefen, soll er seinen Hut und
+seine Perrücke vom Kopfe gerissen und ins Feuer geworfen haben.[8] Aber
+man kannte den lügenhaften Dick Talbot so genau, daß seine
+Verwünschungen und Gestikulationen die Besorgniß, die sie vermindern
+wollten, nur noch vermehrten. Seit Clarendon's Zurückberufung hatte
+fortwährend eine starke Auswanderung ängstlicher und friedliebender
+Leute aus den irischen Häfen nach England stattgefunden. Diese
+Auswanderung nahm jetzt zu. Es war nicht leicht, auf einem gutgebauten
+und bequemen Schiffe einen Platz zu erlangen. Aber viele Leute, deren
+Muth das Übermaß der Furcht bis zur Kühnheit steigerte, wollten sich
+lieber Wind und Wellen als den erbitterten Iren anvertrauen und setzten
+sich daher allen Gefahren einer Seereise über den St. Georgskanal und
+die Küste von Wales entlang in offenen Fahrzeugen und mitten im Winter
+aus. Die zurückbleibenden Engländer begannen sich in fast jeder
+Grafschaft eng aneinander anzuschließen. Jedes große Landhaus wurde eine
+Festung. Jeder, der nach Einbruch der Dunkelheit Einlaß begehrte, wurde
+durch ein Schießloch oder durch ein verrammeltes Fenster angerufen und
+wenn er ohne Parole und Erklärungen einzudringen versuchte, ward ihm
+eine Blunderbüchse vorgehalten. In der gefürchteten Nacht des 9.
+Decembers gab es von der Riesen-Chaussee bis zur Bantry-Bay kaum ein
+protestantisches Landhaus, in welchem vom frühen Untergang bis zum
+späten Aufgang der Sonne nicht bewaffnete Männer gewacht und Lichter
+gebrannt hätten.[9]
+
+ [Anmerkung 8: +A True and Impartial Account of the most material
+ Passages in Ireland since December 1688, by a Gentleman who was an
+ Eyewitness; licensed July 22, 1689.+]
+
+ [Anmerkung 9: +A True and Impartial Account etc. 1689+; +Leslie's
+ Answer to King, 1692.+]
+
+
+[_Geschichte der Stadt Kenmare._] Über die damaligen Vorgänge in einem
+Districte ist ein ausführlicher Bericht auf uns gekommen, nach dem man
+sich ein Bild von dem allgemeinen Zustande des Königreichs machen kann.
+Der südwestliche Theil von Kerry ist jetzt als die schönste Gegend der
+britischen Inseln bekannt. Die Berge, die Schluchten, die sich weit ins
+Meer hinaus erstreckenden Vorgebirge, die Felsen, auf denen Adler
+horsten, die Bäche, welche von den Gebirgspässen herniederrauschen, die
+Seen, von dichten Wäldern umsäumt, in denen das Hochwild Schutz findet,
+ziehen jeden Sommer Schaaren von Touristen herbei, welche des Treibens
+und der Vergnügungen der großen Städte überdrüssig sind. Die Schönheiten
+dieses Landes werden zwar nur zu häufig durch Nebel und Regen
+verschleiert, welche der Westwind von dem unermeßlichen Ocean
+herbeiführt. An den seltenen Tagen aber wo die Sonne in ihrem vollen
+Glanze strahlt, zeigt die Landschaft eine Frische und eine Wärme des
+Colorits, die man in unseren Breitengraden selten findet. Die Myrthe
+liebt den Boden, der Erdbeerbaum gedeiht hier besser als selbst an den
+sonnigen Gestaden Calabrien's.[10] Die Wiesen haben eine saftigere
+Färbung als anderwärts, die Hügel erglühen in prächtigerem Purpur, die
+Blätter der Stechpalme und des Epheus zeigen einen höheren Glanz, und
+Beeren von feurigerem Roth schimmern durch Laub von schönerem Grün. Aber
+während der größeren Hälfte des 17. Jahrhunderts war dieses Paradies der
+civilisirten Welt noch so wenig bekannt wie Spitzbergen oder Grönland.
+Wenn es ja einmal erwähnt wurde, sprach man davon als von einer
+traurigen Wüste, einem Chaos von Sümpfen, Dickichten und Abgründen, wo
+die Wölfe noch hausten und wo einige halbnackte Wilde, die kein Wort
+Englisch sprachen, sich unterirdische Baue in den Schlamm gruben und von
+Wurzeln und saurer Milch lebten.[11]
+
+Im Jahre 1670 endlich beschloß der menschenfreundliche und erleuchtete
+Sir Wilhelm Petty, in diesem wüsten Districte eine Niederlassung zu
+gründen. Er besaß dort eine große Herrschaft, die auf eine ihres
+Ahnherrn würdige Nachkommenschaft fortgeerbt ist. Man sagte damals, daß
+er auf die Verbesserung dieses Gutes nicht weniger als zehntausend Pfund
+Sterling verwendet habe. Die kleine Stadt, welche er gründete und die
+nach der Bucht von Kenmare benannt wurde, lag an der Spitze dieser Bucht
+am Fuße eines Bergrückens, auf dessen Gipfel der Reisende jetzt
+verweilt, um den lieblichsten der drei Seen von Killarney zu betrachten.
+Ein von einer Gesellschaft unternehmender Neuengländer, weit entfernt
+von den Wohnungen ihrer Landsleute in den Jagdgründen der rothen
+Indianer erbautes Dorf konnte kaum vollständiger außer dem Bereiche der
+Civilisation liegen als Kenmare. Von Petty's Ansiedelung bis nach dem
+nächsten englischen Wohnplatze hatte man zu Lande zwei Tage durch eine
+wilde und gefahrvolle Gegend zu reisen. Doch der Ort gedieh. Es wurden
+zweiundvierzig Häuser gebaut und die Bevölkerung belief sich auf
+hundertachtzig Seelen. Das Land um die Stadt herum war gut angebaut, der
+Viehstand war zahlreich und zwei kleine Bote vermittelten den Fischfang
+und Handel längs der Küste. Der Ertrag an Heringen, Pilchards, Makrelen
+und Lachsen war bedeutend und würde noch bedeutender gewesen sein, wäre
+nicht der Strand in der schönsten Jahreszeit mit Massen von Robben
+bedeckt gewesen, welche den Fischen der Bucht nachstellten. Die Robbe
+war jedoch kein unwillkommener Gast, denn ihre Haut war werthvoll und
+ihr Thran lieferte das Beleuchtungsmaterial für die langen Winterabende.
+Mit dem glücklichsten Erfolge wurde der Versuch gemacht, Eisenhütten
+anzulegen. Man bediente sich damals noch nicht der Steinkohlen zum
+Schmelzen und es wurde den Fabrikbesitzern von Kent und Sussex sehr
+schwer, sich Brennholz zu mäßigem Preise zu verschaffen. Die Umgebung
+von Kenmare war damals reich bewaldet, und Petty erkannte es als eine
+gewinnbringende Spekulation, Erz dahin zu transportiren. Die Freunde von
+Naturschönheiten bedauern noch heute den Verlust der Wälder von Eichen
+und Erdbeerbäumen, welche geschlagen wurden, um seine Hohöfen zu
+speisen. Außerdem war noch ein andrer Plan in seinem thätigen und
+intelligenten Kopfe entstanden. Einige von den benachbarten Inseln waren
+reich an buntem Marmor, roth und weißem und roth und grünem. Petty wußte
+wohl, mit welchen großen Kosten die alten Römer ihre Bäder und Tempel
+mit buntfarbigen Säulen schmückten, welche in den Marmorbrüchen
+Lakonien's und Afrika's gebrochen wurden, und er scheint die Hoffnung
+genährt zu haben, daß die Felsen seiner wilden Herrschaft in Kerry
+vielleicht Verzierungen für die Paläste von St. James-Square und für das
+Chor der St Paulskirche liefern könnten.[12]
+
+Die Ansiedler hatten von Anfang an erkannt, daß sie darauf vorbereitet
+sein müßten, das Recht der Selbstvertheidigung in einer Ausdehnung zu
+üben, die in einem wohleingerichteten Staate unnöthig und
+unverantwortlich gewesen sein würde. In den Hochlanden südlich vom Thale
+von Tralee war das Gesetz völlig machtlos. Kein Justizbeamter wagte sich
+gern in diese Gegenden. Ein Staatsbote, der im Jahre 1680 dort einen
+gerichtlichen Befehl zu vollziehen versuchte, wurde ermordet. Es scheint
+jedoch, daß bis zu Ende des Jahres 1688 die Bewohner von Kenmare durch
+ihre Einigkeit, ihre Intelligenz und ihren Muth hinreichend geschützt
+waren. Um diese Zeit aber begannen sich die Wirkungen der Politik
+Tyrconnel's selbst in diesem entlegenen Winkel Irland's fühlbar zu
+machen. In den Augen des Landvolks von Munster waren die Colonisten
+Fremdlinge und Ketzer. Die Gebäude, die Böte, die Maschinen, die
+Kornspeicher, die Meiereien und Hohöfen wurden von der eingebornen
+Bevölkerung ohne Zweifel mit dem Gemisch von Neid und Geringschätzung
+betrachtet, mit dem der Unwissende ganz natürlich auf die Triumphe der
+Wissenschaft herabsieht. Auch ist es gar nicht unwahrscheinlich, daß die
+Einwanderer sich der Fehler schuldig gemacht hatten, von denen
+civilisirte Menschen, die sich unter einem uncivilisirtem Volke
+niederlassen, selten frei bleiben. Es läßt sich wohl annehmen, daß die
+aus höherer Intelligenz entspringende Macht bald rücksichtslos zur Schau
+getragen, bald ungerecht ausgeübt wurde. Als sich daher jetzt von Altar
+zu Altar und von Hütte zu Hütte die Nachricht verbreitete, daß die
+Fremden vertrieben und ihre Häuser und Grundstücke den Söhnen des Landes
+als Beute preisgegeben werden sollten, begann ein förmlicher Raubkrieg.
+Schaaren von Plünderern zu dreißig, vierzig, ja siebzig Köpfen, theils
+mit Schießgewehren, theils mit Piken bewaffnet, durchstreiften die
+Umgegend der Stadt. Die Scheunen wurden geplündert, und Pferde wurden
+gestohlen. Bei einem einzigen Raubzuge wurden hundertvierzig Stück Vieh
+weggenommen und durch die Schluchten von Glengariff fortgeführt. In
+einer Nacht wurden sechs Wohnungen erbrochen und ausgeplündert. Endlich
+beschlossen die auf's Äußerste getriebenen Colonisten, lieber wie Männer
+zu sterben, als sich in ihren Betten ermorden zu lassen. Das Haus,
+welches Petty für seinen Agenten erbaut hatte, war das größte im Orte.
+Es stand auf einer felsigen Landzunge, an deren Ufern die Wogen der
+Bucht sich brachen. Hier versammelte sich die ganze Einwohnerschaft,
+bestehend aus fünfundsiebzig streitbaren Männern mit etwa hundert Frauen
+und Kindern. Sie besaßen sechzig Feuergewehre und eine gleiche Anzahl
+Piken und Schwerter. In aller Eile wurde rings um das Haus des Agenten
+ein funfzehn Fuß hoher und zwölf Fuß dicker Erdwall aufgeworfen.
+Die so eingefriedigte Bodenfläche war etwa einen halben Acker groß.
+Innerhalb dieses Walles wurden sämmtliche Waffen, Munitions- und
+Lebensmittelvorräthe zusammengebracht und mehrere schwache Breterhütten
+errichtet. Als diese Vorbereitungen getroffen waren, begannen die Männer
+von Kenmare kräftige Repressalien gegen ihre irischen Nachbarn zu üben;
+sie ergriffen Räuber, nahmen gestohlenes Eigenthum wieder und verfuhren
+einige Wochen lang in allen Stücken wie eine unabhängige Gemeinschaft.
+Die obrigkeitlichen Functionen wurden durch erwählte Beamte verrichtet,
+denen jedes Mitglied der Commun auf das Evangelium Treue gelobte.[13]
+
+Während die Bewohner des Städtchens Kenmare sich dergestalt regten,
+wurden von größeren Gemeinschaften ähnliche Vertheidigungsmaßregeln in
+größerem Maßstabe getroffen. Eine beträchtliche Anzahl Gentlemen und
+Freisassen verließ das platte Land und zog sich in die Städte, welche zu
+dem Zwecke gegründet und incorporirt worden waren, um die eingeborne
+Bevölkerung im Zaume zu halten, und die, obwohl unlängst unter das
+Regiment katholischer Behörden gestellt, doch noch hauptsächlich von
+Protestanten bewohnt waren. Eine ansehnliche Schaar bewaffneter
+Colonisten sammelte sich in Sligo, eine andre in Charleville, eine
+dritte in Mallow, eine vierte noch stärkere in Bandon.[14] Die
+wichtigsten Bollwerke der englischen Bevölkerung in dieser schlimmen
+Zeit waren jedoch Enniskillen und Londonderry.
+
+ [Anmerkung 10: In der Gegend von Killarney hat es Erdbeerbäume von
+ dreißig Fuß Höhe und fünfthalb Fuß Umfang gegeben. Siehe die
+ +Philosophical Transactions, 227.+]
+
+ [Anmerkung 11: In einer sehr ausführlichen Beschreibung der
+ britischen Inseln, welche 1690 in Nürnberg erschien, ist Kerry als
+ »an vielen Orten unwegsam und voller Wälder und Gebirge«
+ geschildert. Wölfe hausten noch in Irland. »Kein schädlich Thier
+ ist da außerhalb Wölff und Füchse.« Noch im Jahre 1710 wurde auf
+ Antrag der großen Jury von Kerry eine Abgabe zum Behufe der
+ Ausrottung der Wölfe in dieser Grafschaft erhoben. Siehe Smith's
+ +Ancient and Modern State of the County of Kerry, 1750+. Es ist
+ mir nie ein besseres Buch dieser Art und dieses Umfangs
+ vorgekommen. In einem 1719 erschienenen Gedicht, betitelt:
+ +Macdermot, or the Irish Fortune Hunter+, in sechs Gesängen, wird
+ die Wolfsjagd als ein sehr gewöhnliches Sportvergnügen
+ dargestellt. Unter Wilhelm's Regierung gab man Irland zuweilen den
+ Spottnamen Wolfsland. So wird in einem Gedicht über die Schlacht
+ von la Hogue, betitelt: +Advice to a Painter+, der Schrecken der
+ irischen Armee wie folgt geschildert:
+
+ Ein Nebel, der das Blut erstarren macht
+ Und Wolfland's Heulen dringt durch's ganze Lager.]
+
+ [Anmerkung 12: +Smith's Ancient and Modern State of Kerry.+]
+
+ [Anmerkung 13: +Exact Relation of the Persecution, Robberies, and
+ Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland, 1689+;
+ +Smith's Ancient and Modern State of Kerry, 1756.+]
+
+ [Anmerkung 14: +Ireland's Lamentation, licensed May 18. 1689.+]
+
+
+[_Enniskillen._] Enniskillen, obwohl die Hauptstadt der Grafschaft
+Fermanagh, war damals ein bloßes Dorf. Es war auf einer Insel des
+Flusses erbaut, welcher die unter dem gemeinschaftlichen Namen des
+Ernesees bekannten zwei schönen Wasserbecken mit einander verbindet.
+Der Strom und beide Seen waren auf allen Seiten von natürlichen Wäldern
+umgeben. Enniskillen bestand aus etwa achtzig Wohnhäusern, in deren
+Mitte sich ein altes Schloß erhob. Die Einwohner waren fast ohne
+Ausnahme Protestanten und stolz darauf, daß ihre Stadt während der
+furchtbaren Revolution, welche 1641 ausbrach, der protestantischen Sache
+treu geblieben. Anfangs December erhielten sie von Dublin die Anzeige,
+daß zwei Compagnien papistischer Infanterie demnächst bei ihnen ins
+Quartier gelegt werden würden. Die kleine Gemeinde war in der größten
+Bestürzung, um so mehr als man erfuhr, daß ein Predigermönch sich bemüht
+hatte, die irische Bevölkerung der Umgegend wider die Ketzer
+aufzureizen. Man faßte den kühnen Entschluß, die Truppen nicht
+einzulassen, mochte es kommen wie es wollte. Die Vertheidigungsmittel
+waren indessen sehr spärlich. Nicht zehn Pfund Pulver, nicht zwanzig
+brauchbare Schießgewehre konnten innerhalb der Festung aufgetrieben
+werden. Es wurden deshalb Boten mit dringenden Schreiben ausgesandt,
+welche die protestantische Gentry der Nachbarschaft aufforderten, zur
+Unterstützung herbeizueilen, und dem Aufrufe ward mit hochherziger
+Bereitwilligkeit Folge geleistet. Binnen wenigen Stunden hatten sich
+zweihundert Bewaffnete zu Fuß und hundertfunfzig Reiter versammelt.
+Tyrconnel's Soldaten waren schon im Anzuge. Sie führten einen
+beträchtlichen Vorrath von Waffen mit sich, welche unter das Landvolk
+vertheilt wurden. Die Bauern begrüßten das königliche Banner mit Jubel
+und schlossen sich in großer Anzahl dem Zuge an. Anstatt den Angriff zu
+erwarten, kamen die Bürger mit ihren Verbündeten muthig heraus und
+stellten sich den Eindringenden entgegen. Die Offiziere Jakob's hatten
+keinen Widerstand erwartet, und sie waren daher nicht wenig erstaunt,
+als sie eine Colonne Fußvolk, von einem starken Corps berittener
+Gentlemen und Freisassen flankirt, auf sich anrücken sahen. Die Bauern
+liefen entsetzt davon und die Soldaten traten den Rückzug so eilig an,
+daß er eine Flucht genannt werden konnte. Erst in Cavan, dreißig Meilen
+davon, machten sie wieder Halt.[15]
+
+Durch diesen leichten Sieg kühn gemacht, trafen die Protestanten
+Anordnungen zur Regierung und Vertheidigung von Enniskillen und der
+umliegenden Ortschaften. Gustav Hamilton, ein Gentleman, der in der
+Armee gedient, dem aber Tyrconnel unlängst sein Offizierspatent entzogen
+hatte, und der seitdem auf einem Gute in Fermanagh lebte, wurde zum
+Gouverneur ernannt und nahm seine Residenz im Schlosse. Zuverlässige
+Männer wurden in aller Eil angeworben und bewaffnet. Da es an Schwertern
+und Piken fehlte, mußten die Schmiede improvisirte Waffen anfertigen,
+bestehend aus Sensenklingen, welche an Stangen befestigt wurden.
+Sämmtliche Landhäuser rings um den Ernesee erhielten Besatzungen. Kein
+Papist durfte frei in der Stadt umhergehen, und der Mönch, den man
+beschuldigte, seine Beredtsamkeit gegen die Engländer aufgeboten zu
+haben, wurde ins Gefängniß geworfen.[16]
+
+ [Anmerkung 15: +A True Relation of the Actions of the Inniskilling
+ men, by Andrew Hamilton, Rector of Kilskerrie, and one of the
+ Prebends of the Diocese of Clogher, an Eyewitness thereof and
+ Actor therein, licensed Jan. 15. 1689/90. -- A Further Impartial
+ Account of die Actions of the Inniskilling men, by Captain William
+ Mac Cormick, one of the first that took up Arms, 1691.+]
+
+ [Anmerkung 16: +Hamilton's True Relation+; +Mac Cormick's Further
+ Impartial Account.+]
+
+
+[_Londonderry._] Die andre Hauptfeste des Protestantismus war eine Stadt
+von größerer Bedeutung. Achtzig Jahre früher, während der durch den
+letzten Kampf der Häuser O'Neil und O'Donnel gegen die Autorität Jakob's
+I. verursachten Unruhen war die ehemalige Stadt Derry von einem der
+eingebornen Häuptlinge überfallen, die Bewohner niedergemetzelt und die
+Häuser in Asche gelegt worden. Die Insurgenten wurden bald überwältigt
+und bestraft, die Regierung beschloß, die zerstörte Stadt wieder
+aufzubauen, der Lordmayor, die Aldermen und der Gemeinderath von London
+wurden zur Betheiligung an dem Werke aufgefordert und König Jakob I.
+überwies ihnen in ihrer corporativen Eigenschaft den von den Trümmern
+des alten Derry bedeckten Grund und Boden nebst ungefähr sechstausend
+englischen Ackern umliegenden Landes.[17]
+
+Dieser damals unangebaute und unbewohnte District ist jetzt ein
+blühender Sitz des Gewerbfleißes und des guten Geschmacks und macht
+selbst auf Augen, welche an den Anblick der üppigen Fluren und
+stattlichen Schlösser England's gewöhnt sind, einen wohlthuenden
+Eindruck. Bald erhob sich eine neue Stadt, die wegen ihrer Connection
+mit der Hauptstadt des Reichs Londonderry genannt wurde. Die Gebäude
+bedeckten den Gipfel und den Abhang einer Anhöhe, welche den breiten
+Strom des Foyle beherrschte, der zu jener Zeit von Schaaren wilder
+Schwäne besucht wurde.[18] Auf dem höchsten Punkte stand die Kathedrale,
+eine Kirche, die, obwohl zu einer Zeit erbaut, wo das Geheimniß der
+gothischen Architectur verloren gegangen war, und wenn auch nicht
+geeignet, einen Vergleich mit den ehrwürdigen Tempeln des Mittelalters
+auszuhalten, doch nicht ohne Anmuth und stattliches Ansehen ist. Unweit
+der Kathedrale erhob sich der Palast des Bischofs, dessen Sitz einer der
+bedeutendsten in Irland war. Die Stadt hatte eine fast elliptische Form
+und die Hauptstraßen bildeten ein Kreuz, dessen Arme auf einem Platze
+zusammentrafen, welcher der Diamant hieß. Die ursprünglichen Häuser sind
+theils umgebaut, theils so verändert, daß ihr anfänglicher Character
+nicht mehr zu erkennen ist; mancher derselben aber können sich jetzt
+Lebende noch erinnern. Sie waren meist zwei Stock hoch und mehrere
+hatten steinerne Treppen an der Außenseite. Die Stadt war von einer
+Mauer umgeben, deren Umfang nicht viel weniger als eine Meile betrug.
+Auf den Bastionen waren Feldschlangen und Falkonetts aufgepflanzt,
+welche die reichen Gilden London's der Colonie zum Geschenk gemacht
+hatten. Auf einigen dieser alten Geschütze, welche einer großen Sache
+denkwürdige Dienste geleistet haben, kann man noch heute die Devisen der
+Fischhändlergilde, der Weinhändlergilde und der Kleiderhändlergilde
+erkennen.[19]
+
+Die Einwohner waren Protestanten von angelsächsischem Geblüt. Zwar
+gehörten sie nicht alle einem Lande und einer Kirche an, aber Engländer
+und Schotten, Episkopalen und Presbyterianer scheinen im Allgemeinen in
+Freundschaft miteinander gelebt zu haben, eine Freundschaft, welche
+durch ihre gemeinsame Abneigung gegen die irische Race und gegen die
+papistische Religion genügend erklärt wird. Während des Aufstandes von
+1641 hatte Londonderry muthig gegen die eingebornen Häuptlinge Stand
+gehalten und war zu wiederholten Malen vergebens belagert worden.[20]
+Seit der Restauration entwickelte sich die Stadt mehr und mehr. Zur Zeit
+der Fluth konnten schwer beladene Schiffe bis an den Quai fahren.
+Die Fischereien nahmen einen großartigen Aufschwung. Die Netze sollen
+zuweilen so voll gewesen sein, daß man Massen von Fischen wieder ins
+Wasser werfen mußte. Das Gewicht der alljährlich gefangenen Lachse wurde
+auf elfmalhunderttausend Pfund geschätzt.[21]
+
+ [Anmerkung 17: +Concise View of the Irish Society, 1822+; Mr.
+ Heath's interessanter +Account of the Worshipful Company of
+ Grocers, Appendix 17.+]
+
+ [Anmerkung 18: +The Interest of England in the Preservation of
+ Ireland, licensed July 17. 1689.+]
+
+ [Anmerkung 19: Diese Dinge beobachtete oder erfuhr ich an Ort und
+ Stelle.]
+
+ [Anmerkung 20: Die besten Mittheilungen über die Ereignisse in
+ Londonderry während des 1641 begonnenen Kriegs habe ich in Dr.
+ Reid's +History of the Presbyterian Church in Ireland+ gefunden.]
+
+ [Anmerkung 21: +The Interest of England in the Preservation of
+ Ireland, 1689.+]
+
+
+[_Schließung der Thore von Londonderry._] Die Bevölkerung von
+Londonderry theilte die Besorgniß, welche gegen das Ende des Jahres 1688
+unter den in Irland ansässigen Protestanten allgemein verbreitet war. Es
+war bekannt, daß das eingeborne Landvolk der Umgegend sich mit Piken und
+Messern versah. Die Priester hatten in einem Tone, über den, wie sich
+nicht leugnen läßt, der puritanische Theil der angelsächsischen
+Bevölkerung wenig Recht hatte sich zu beklagen, über die Niedermetzelung
+der Amalekiter und über die Verdammungsurtheile, welche Saul sich
+dadurch zugezogen, daß er Einen von dem geachteten Stamme schonte, das
+Volk haranguirt. Gerüchte von verschiedenen Seiten und anonyme Briefe
+von verschiedener Hand bezeichneten den 9. December als den zur
+Vertilgung der Fremden festgesetzten Tag. Während die Gemüther der
+Bürger durch diese Gerüchte beunruhigt wurden, traf die Nachricht ein,
+daß ein Regiment von zwölfhundert Papisten unter dem Commando eines
+Papisten, Alexander Macdonnell, Earl von Antrim, von dem Vicekönig
+Befehl erhalten habe, Londonderry zu besetzen, und bereits von Coleraine
+abmarschirt sei. Die Bestürzung war groß. Einige waren für Schließung
+der Thore und Widerstand, Andere für Unterwerfung, noch Andere für
+Temporisiren. Der Gemeindekörper war, wie die anderen Corporationen
+Irland's, reorganisirt worden. Die Magistratsbeamten waren Männer von
+niederer Herkunft und unedlem Character. Nur ein einziges Mitglied von
+angelsächsischem Geblüt befand sich unter ihnen, und dieser Eine war
+Papist geworden. Zu einer solchen Behörde konnten die Einwohner kein
+Vertrauen haben.[22] Der Bischof, Hesekiel Hopkins, hielt fest an der
+Lehre vom Nichtwiderstande, die er viele Jahre gepredigt hatte, und
+ermahnte seine Herde, lieber geduldig zur Schlachtbank zu gehen, als die
+Schuld des Ungehorsams gegen den Gesalbten des Herrn auf sich zu
+laden.[23] Inzwischen rückte Antrim immer näher heran. Endlich sahen die
+Bürger von den Wällen herab seine Truppen auf dem jenseitigen Ufer des
+Foyle aufgestellt. Es existirte damals noch keine Brücke, nur eine Fähre
+unterhielt die regelmäßige Verbindung zwischen beiden Ufern, und
+vermittelst dieser Fähre setzte ein Detaschement von Antrim's Regiment
+über. Die Offiziere erschienen am Thore, zeigten einen an den Mayor und
+die Sheriffs gerichteten Befehl vor und begehrten Einlaß und Quartier
+für die Soldaten Seiner Majestät.
+
+Gerade in diesem Augenblicke eilten dreizehn junge Handwerker, ihren
+Namen nach meist schottischer Geburt oder Abstammung, in die Wachtstube,
+bewaffneten sich, ergriffen die Schlüssel der Stadt, stürzten nach dem
+Fährthore, verschlossen es angesichts der königlichen Offiziere und
+ließen das Fallgatter nieder. Jakob Morison, ein Bürger in reiferen
+Jahren, redete nun die unwillkommenen Gäste von der Höhe des Walles an
+und rieth ihnen wieder abzuziehen. Sie blieben, unter einander
+berathschlagend, draußen am Thore stehen, bis sie ihn oben rufen hörten:
+»Bringt eine große Kanone hierher!« Da endlich hielten sie es für
+gerathen, sich aus der Schußweite zu entfernen. Sie zogen ab, schifften
+sich wieder ein und kehrten zu ihren Kameraden ans jenseitige Flußufer
+zurück. Inzwischen hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer
+verbreitet, und die ganze Stadt war auf den Beinen. Die anderen Thore
+wurden ebenfalls verschlossen, überall auf den Wällen wurden
+Schildwachen ausgestellt, die Magazine wurden geöffnet, Gewehre und
+Schießpulver vertheilt und unter dem Schutze der einbrechenden
+Dunkelheit Boten an die protestantischen Gentlemen der benachbarten
+Grafschaften ausgesandt. Der Bischof machte vergeblich Vorstellungen.
+Die heftigen und waghalsigen jungen Schotten, welche bei dieser
+Gelegenheit mit kühnem Beispiele vorangegangen waren, scheinen in der
+That wenig Respect vor seinem Amte gehabt zu haben. Einer von ihnen
+unterbrach die Rede, durch welche er den militärischen Vorkehrungen
+Einhalt thun wollte, mit dem Ausrufe: »Eine gute Predigt, Mylord, eine
+sehr gute Predigt, wir haben nur jetzt gerade nicht Zeit sie
+anzuhören.«[24]
+
+Die Protestanten der Umgegend leisteten der Aufforderung Londonderry's
+bereitwillig Folge. Innerhalb der nächsten achtundvierzig Stunden kamen
+Hunderte zu Roß und zu Fuß auf verschiedenen Wegen zur Stadt, und
+Antrim, der sich entweder nicht für stark genug hielt, um einen Angriff
+zu wagen, oder nicht Lust hatte, ohne weiteres die Verantwortlichkeit
+für den Anfang eines Bürgerkriegs auf sich zu nehmen, zog sich mit
+seinen Truppen nach Coleraine zurück.
+
+ [Anmerkung 22: Meine Autorität für diesen ungünstigen Bericht über
+ die Corporation ist ein episches Gedicht, betitelt: +The
+ Londeriad+. Dieses merkwürdige Gedicht muß bald nach den
+ Ereignissen, auf die es Bezug hat, geschrieben sein, denn es ist
+ Robert Rochfort, dem Sprecher des Hauses der Gemeinen, gewidmet,
+ und Rochfort bekleidete dieses Amt von 1695 bis 1699. Der Dichter
+ hatte kein Erfindungstalent und besaß augenscheinlich eine genaue
+ Kenntniß der Stadt, die er besang; daher sind seine Knittelverse
+ nicht ohne geschichtlichen Werth. Er sagt:
+
+ Sie wählten für des Parlamentes Pforten
+ Nur Schuster, Fleischer und Consorten,
+ Die ganze Körperschaft enthielt nicht einen Mann
+ von brit'scher Abkunft, außer Buchanan.
+
+ Dieser Buchanan wird weiterhin geschildert als
+
+ Ein Schurke durch und durch,
+ Der längst zuvor schon seinen Rosenkranz gebetet.]
+
+ [Anmerkung 23: Siehe eine von ihm am 31. Januar 1689 zu Dublin
+ gehaltene Predigt. Der Text derselben ist: »Seid unterthan aller
+ menschlichen Ordnung um des Herrn willen.«]
+
+ [Anmerkung 24: +Walker's Account of the Siege of Derry, 1689+;
+ +Mackenzie's Narrative of the Siege of Londonderry, 1689+; +An
+ Apology for the Failures charged on the Reverend Mr. Walker's
+ Account of the late Siege of Derry, 1689+; +A Light to the Blind.+
+ Die letztgenannte Schrift, ein Manuscript im Besitze Lord
+ Fingal's, ist das Werk eines eifrigen Katholiken und eines
+ Todfeindes England's. Umfängliche Auszüge daraus finden sich unter
+ den Mackintosh-Manuscripten. Auf dem Titelblatte steht die
+ Jahrzahl 1711.]
+
+
+[_Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificieren._] Man hätte
+glauben können, daß der Widerstand Enniskillen's und Londonderry's
+Tyrconnel zu einem verzweifelten Schritte treiben werde. Und in der That
+wurde sein wildes und herrschsüchtiges Temperament auch anfangs durch
+die Nachricht in eine an Wahnsinn grenzende Wuth versetzt. Nachdem er
+aber seine Wuth, wie gewöhnlich, an seiner Perrücke ausgelassen, wurde
+er etwas ruhiger. Es waren ihm eben Nachrichten von sehr abkühlender
+Natur zugekommen. Der Prinz von Oranien marschirte unaufgehalten gegen
+London; fast jede Grafschaft und jede große Stadt hatte sich für ihn
+erklärt. Jakob, von seinen geschicktesten Heerführern und seinen
+nächsten Verwandten verlassen, hatte Commissarien abgeschickt, die mit
+den Eingedrungenen unterhandeln sollten, und hatte Ausschreiben zur
+Einberufung eines Parlaments erlassen. So lange das Ergebniß der in
+England schwebenden Unterhandlungen ungewiß war, durfte der Vicekönig es
+nicht wagen, an den widerspenstigen Protestanten Irland's blutige Rache
+zu nehmen. Er hielt es daher für gerathen, vorläufig eine Nachsicht und
+Mäßigung zu heucheln, die seinem Character durchaus fremd waren. William
+Stewart, Viscount von Mountjoy, wurde beauftragt, die englische
+Bevölkerung von Ulster zu beschwichtigen. Mountjoy, ein tapferer Soldat,
+ein ausgezeichneter Gelehrter, ein eifriger Protestant und dabei doch
+ein eifriger Tory, war eines von den wenigen Mitgliedern der
+Staatskirche, die in Irland noch ein Amt bekleideten. Er war
+Feldzeugmeister dieses Königreichs und Oberst eines Regiments, in
+welchem das englische Element noch ungewöhnlich stark vertreten war. In
+Dublin war er die Seele eines kleinen Kreises gelehrter und geistreicher
+Männer, die sich unter seinem Vorsitz zu einer Königlichen Societät
+vereinigt hatten, einer Nachbildung im Kleinen der Londoner Königlichen
+Societät. In Ulster, mit dem er in besonders enger Verbindung stand,
+genoß sein Name bei den Colonisten eines hohen Ansehens.[25] Er eilte
+mit seinem Regiment nach Londonderry und wurde mit offenen Armen
+empfangen, denn man wußte, daß er zwar ein entschiedener Anhänger der
+erblichen Monarchie, aber nicht minder ein treuer Freund des reformirten
+Glaubens war. Die Bürger gestatteten ihm bereitwillig, eine
+ausschließlich aus Protestanten bestehende kleine Garnison, unter dem
+Commando seines Oberstleutnants Robert Lundy, der den Titel eines
+Gouverneurs annahm, in der Stadt zurückzulassen.[26]
+
+Die Nachricht von Mountjoy's Besuch in Ulster war den Vertheidigern von
+Enniskillen höchst angenehm. Einige von dieser Stadt abgeordnete
+Gentlemen machten ihm ihre Aufwartung, um seine Unterstützung zu
+erbitten, wurden aber durch den Empfang, der ihnen zu Theil ward,
+enttäuscht. »Ich kann Euch nur den Rath geben,« sagte er, »daß Ihr Euch
+der Autorität des Königs unterwerfet.« -- »Wie, Mylord?« versetzte einer
+der Abgeordneten, »sollen wir uns geduldig abschlachten lassen?« -- »Der
+König,« sagte Mountjoy, »wird Euch beschützen.« -- »Wenn Alles was uns
+zu Ohren kommt wahr ist, wird es Sr. Majestät schwer genug werden, sich
+selbst zu schützen.« So endete die Conferenz ohne befriedigendes
+Resultat. Enniskillen behielt seine trotzige Haltung bei und Mountjoy
+kehrte nach Dublin zurück.[27]
+
+Unterdessen hatte es sich in der That klar herausgestellt, daß Jakob
+nicht einmal sich selbst schützen konnte. Man erfuhr in Irland, daß er
+geflohen, daß er angehalten worden, daß er wieder geflohen und daß der
+Prinz von Oranien im Triumph zu Westminster angelangt war, die
+Verwaltung des Reichs übernommen und eine Convention einberufen hatte.
+
+ [Anmerkung 25: Über Mountjoys Character und Stellung siehe
+ Clarendon's Briefe aus Irland, besonders den an Lord Dartmouth vom
+ 8. Febr. und den an Evelyn vom 24. Februar 1685/86. +»Bon officier
+ et homme d'esprit,«+ sagt Avaux.]
+
+ [Anmerkung 26: +Walker's Account+; +Light to the Blind.+]
+
+ [Anmerkung 27: +Mac Cormick's Further Impartial Account.+]
+
+
+[_Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel._] Die Lords und
+Gentlemen, auf deren Ansuchen der Prinz die Regierung übernommen hatte,
+waren ernstlich in ihn gedrungen, den Zustand Irland's sofort in
+Erwägung zu ziehen, und er hatte ihnen darauf die Versicherung gegeben,
+daß er sein Möglichstes thun werde, um die protestantische Religion und
+das englische Interesse in diesem Lande aufrecht zu erhalten. Seine
+Feinde beschuldigten ihn nachmals der völligen Nichtbeachtung dieses
+Versprechens, ja sie behaupteten sogar, er habe Irland absichtlich immer
+tiefer und tiefer in den Abgrund des Verderbens versinken lassen.
+Halifax, sagten sie, habe mit grausamem und perfidem Scharfsinn das
+Mittel ausgedacht, der Convention eine Art von Zwangsjacke anzulegen,
+und der Streich sei nur zu gut gelungen. Der Beschluß, welcher Wilhelm
+auf den Thron berief, würde nicht so leicht durchgegangen sein, wäre der
+Staat nicht von so großen Gefahren bedroht gewesen, und nur in Folge
+seiner eignen schmachvollen Unthätigkeit hätten diese Gefahren einen
+solchen Grad erreicht.[28] Da diese Anschuldigung durch keine Beweise
+unterstützt wird, sind Diejenigen, die sie wiederholen, wenigstens
+verpflichtet nachzuweisen, daß Wilhelm ein offenbar besserer Weg zu
+Gebote stand als der, welchen er einschlug, und das dürfte ihnen schwer
+werden. Ja, hätte er wenige Wochen nach seiner Ankunft in London eine
+große Armee nach Irland schicken können, so würde sich dieses Königreich
+vielleicht nach einem kurzen Kampfe, oder selbst ohne allen Kampf seiner
+Autorität unterworfen haben, und eine lange Reihe von Verbrechen und
+Drangsalen hätte abgewendet werden können. Aber die factiösen Redner und
+Pamphletisten, die ihn so unüberlegt tadelten, daß er keine solche Armee
+absendete, würden in nicht geringe Verlegenheit gekommen sein, wenn sie
+die nöthigen Truppen, Schiffe und Gelder hätten beschaffen sollen. Die
+englische Armee hatte ihm vor kurzem noch feindlich gegenübergestanden,
+ein Theil derselben war ihm noch immer abgeneigt, und das Ganze war im
+höchsten Grade desorganisirt. Von der Armee, die er aus Holland
+mitgebracht, war nicht ein Regiment entbehrlich. Er hatte den Schatz
+leer und den Gold der Flotte in Rückstand gefunden. Es stand nicht in
+seiner Macht, irgend einen Theil der Staatseinkünfte zu verpfänden.
+Wer ihm Geld lieh, lieh es ihm auf keine andre Sicherheit als auf sein
+bloßes Wort. Nur die patriotische Freigebigkeit der londoner Kaufleute
+hatte ihn in den Stand gesetzt, bis zum Zusammentritt der Convention die
+laufenden Regierungsausgaben zu bestreiten. Es ist also gewiß ungerecht,
+ihn zu tadeln, daß er unter solchen Umständen nicht auf der Stelle eine
+Flotte ausrüstete, welche hinreichte, ein Königreich zu erobern.
+
+Da er einsah, daß es, so lange die englische Regierung nicht befestigt
+war, nicht in seiner Macht stehen würde, mit bewaffneter Hand wirksam in
+die Angelegenheiten Irlands einzugreifen, beschloß er einen Versuch mit
+Unterhandlungen zu machen. Diejenigen, welche nach dem Ausgange
+urtheilten, behaupteten er habe bei dieser Gelegenheit nicht seinen
+gewohnten Scharfblick gezeigt. Sie sagten er hätte wissen sollen, daß es
+ungereimt sei, von Tyrconnel Unterwerfung zu erwarten. Dies war jedoch
+damals nicht die Ansicht gutunterrichteter Männer, deren Interesse
+hinreichende Gewähr für ihre Aufrichtigkeit bot. Eine zahlreiche
+Versammlung von Cavalieren und Gentlemen, welche in Irland Güter
+besaßen, wurde während des Interregnums im Hause des Herzogs von Ormond
+am St. James Square gehalten. Sie riethen dem Prinzen zu versuchen, ob
+der Vicekönig nicht zu einer ehrenvollen und vortheilhaften Kapitulation
+bewogen werden könnte.[29] Man hat in der That starken Grund zu glauben,
+daß Tyrconnel wirklich schwankte. Denn so heftig auch seine
+Leidenschaften waren, vergaß er darüber doch nie sein Interesse und er
+konnte wohl in Zweifel sein, ob es nicht in seinem Interesse liege, sich
+bei vorgerücktem Alter und abnehmender Gesundheit mit völliger
+Straflosigkeit für alle früheren Vergehen und mit hohem Range und großem
+Vermögen lieber von den Geschäften zurückzuziehen, als Leben und
+Eigenthum den Zufällen eines Kriegs gegen die ganze Macht England's
+preiszugeben. Es ist notorisch, daß er sich bereit zeigte nachzugeben.
+Er setzte sich in Communication mit dem Prinzen von Oranien und zog zum
+Schein Mountjoy und Andere zu Rathe, die sich zwar von ihrer
+Unterthanenpflicht gegen Jakob noch nicht losgesagt hatten, aber
+entschiedene Anhänger der Landeskirche und des Staatsverbandes mit
+England waren.
+
+ [Anmerkung 28: Burnet I. 897 und Swift's und Dartmouth's Noten.
+ Tutchin wiederholt im »Observator« diese grundlose Verleumdung.]
+
+ [Anmerkung 29: +Orange Gazette, Jan. 10. 1688/89.+]
+
+
+[_Die Temple werden zu Rathe gezogen._] Auf einer Seite, von welcher
+Wilhelm den einsichtsvollsten Rath zu erwarten berechtigt war, glaubte
+man fest an die Aufrichtigkeit der Versicherungen Tyrconnel's. Kein
+andrer britischer Staatsmann genoß damals in ganz Europa eines so hohen
+Rufes wie Sir Wilhelm Temple. Seine diplomatische Gewandtheit hatte
+zwanzig Jahre früher den Fortschritt der französischen Macht gehemmt. Er
+war ein treuer und nützlicher Freund der Vereinigten Provinzen und des
+Hauses Nassau gewesen, stand seit langer Zeit auf dem vertrautesten
+Freundschaftsfuße mit dem Prinzen von Oranien und hatte die Vermählung
+zu Stande gebracht, der England seine kürzliche Befreiung verdankte. Mit
+den Angelegenheiten Irland's galt Temple für besonders vertraut. Seine
+Familie hatte dort ansehnliche Besitzungen, und er selbst hatte mehrere
+Jahre daselbst zugebracht; er hatte die Grafschaft Carlow im Parlament
+vertreten und ein großer Theil seiner Einkünfte floß ihm aus einem
+einträglichen irischen Amte zu. Die höchste Stufe der Macht, des Ranges
+und des Reichthums würden ihm erreichbar gewesen sein, wenn er
+eingewilligt hätte, seine Zurückgezogenheit aufzugeben und der neuen
+Regierung seine Unterstützung und das Gewicht seines Namens zu leihen.
+Aber Macht, Rang und Reichthum hatten für seinen epikuräischen Character
+bei weitem weniger Reiz als Behaglichkeit und Ruhe. Er wies die
+lockendsten Anträge zurück und beschäftigte sich nach wie vor in
+ländlicher Abgeschiedenheit mit seinen Büchern, Tulpen und Ananas. Nach
+einigem Zaudern willigte er indessen ein, seinen ältesten Sohn Johann in
+Wilhelm's Dienste treten zu lassen. Während der Erledigung des Thrones
+war Johann Temple in wichtigen Geschäften verwendet worden und in
+Angelegenheiten, welche Irland betrafen, hatte seine Meinung, von der
+man füglich annehmen konnte, daß sie mit der seines Vaters
+übereinstimmte, großes Gewicht. Dieser junge Staatsmann schmeichelte
+sich, einen Agenten gefunden zu haben, der vortrefflich geeignet schien,
+die Unterhandlung mit Tyrconnel zu einem guten Ende zu führen.
+
+
+[_Richard Hamilton wird auf Temple's Wort nach Irland gesandt._] Dieser
+Agent gehörte einer angesehenen Familie an, die von einem schottischen
+Adelsgeschlecht abstammte, aber schon seit langer Zeit in Irland
+ansässig war und sich zum römischkatholischen Glauben bekannte. Unter
+der heiteren Schaar, die sich während der unmittelbar auf die
+Restauration folgenden Jahre des zügellosen Jubilirens in Whitehall
+tummelte, hatten die Hamilton eine hervorragende Rolle gespielt. Die
+schönen langen Locken, die strahlende Jugendfrische und die
+schmachtenden blauen Augen der liebenswürdigen Elisabeth entzücken uns
+noch heute auf dem Bilde Lely's. Sie hatte den Ruhm, keine geringe
+Eroberung zu machen. Ihrer üppigen Schönheit und ihrem schelmischen
+Geiste war es vorbehalten, den Widerwillen des kaltherzigen und
+spottsüchtigen Grammont gegen das unauflösliche Band zu besiegen. Einer
+ihrer Brüder, Anton, schrieb die Chronik jener glänzenden und
+leichtfertigen Gesellschaft, zu deren glänzendsten und leichtfertigsten
+Mitgliedern er gehört hatte. Er verdient das seltene Lob, als
+Nichtfranzos ein Werk geschrieben zu haben, das dem Geiste wie dem Style
+nach eines der vorzüglichsten französischen Bücher genannt werden muß.
+Ein andrer Bruder, Namens Richard, hatte sich in fremden Diensten einige
+militärische Erfahrung erworben. Sein Geist und seine Artigkeit hatten
+ihn selbst in dem glänzenden Cirkel von Versailles ausgezeichnet. Man
+munkelte, daß er es gewagt habe, den Blick zu einer hochgestellten Dame,
+der natürlichen Tochter des großen Königs, der Gemahlin eines legitimen
+Prinzen des Hauses Bourbon zu erheben und daß es geschienen, als ob die
+Aufmerksamkeiten ihres vermessenen Anbeters ihr nicht mißfallen
+hätten.[30] Der Verwegene war nachher in sein Vaterland zurückgekehrt,
+war zum Brigadegeneral in der irischen Armee ernannt und in dem irischen
+Geheimrath vereidigt worden. Als man die holländische Invasion
+erwartete, kam er mit den Truppen, welche Tyrconnel zur Verstärkung der
+königlichen Armee schickte, über den St. Georgskanal. Nach Jakob's
+Flucht unterwarfen sich diese Truppen dem Prinzen von Oranien. Jetzt
+schloß Richard Hamilton nicht nur ebenfalls Frieden mit der herrschenden
+Gewalt, sondern sprach auch die zuversichtliche Überzeugung aus, daß,
+wenn man ihn nach Dublin senden wolle, er die daselbst angeknüpften
+Unterhandlungen glücklich würde zu Ende führen können. Sollte ihm dies
+nicht gelingen, so versprach er auf sein Ehrenwort, in drei Wochen nach
+London zurückzukehren. Man wußte, daß er in Irland großen Einfluß hatte,
+seine Ehrenhaftigkeit war nie angezweifelt worden und er genoß die hohe
+Achtung der Familie Temple. Johann Temple erklärte, daß er für Richard
+Hamilton stehen könne wie für sich selbst. Diese Bürgschaft wurde für
+genügend erachtet und Hamilton ging nach Irland ab, nachdem er seine
+englischen Freunde versichert hatte, daß er Tyrconnel bald zur Vernunft
+bringen werde. Die Anerbietungen, die er den Katholiken und dem
+Vicekönig persönlich zu machen autorisirt war, waren höchst liberal.[31]
+
+ [Anmerkung 30: +Mémoires de Madame de la Fayette.+]
+
+ [Anmerkung 31: +Burnet I. 808+; +Life of James, II. 320+;
+ +Commons' Journals, July 29. 1689.+]
+
+
+[_Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich._] Es ist nicht
+unmöglich, daß Hamilton sich wirklich vorgenommen hatte, sein
+Versprechen zu erfüllen. Bei seiner Ankunft in Dublin aber sah er wohl,
+daß er eine Aufgabe übernommen hatte, der er nicht gewachsen war.
+Tyrconnel's Unschlüssigkeit, mochte sie nun wahr oder erheuchelt gewesen
+sein, war zu Ende. Er war zu der Überzeugung gelangt, daß ihm keine Wahl
+mehr blieb. Mit leichter Mühe hatte er die unwissenden und empfänglichen
+Irländer zur Wuth aufgestachelt. Zu beruhigen vermochte er sie nicht
+wieder. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, der Vicekönig
+correspondire mit den Engländern, und dieses Gerücht hatte die Nation in
+Flammen gesetzt. Das gemeine Volk sagte: wenn er es wagen sollte, sie
+für Geld und Ehrenstellen zu verkaufen, würden sie das Schloß verbrennen
+und ihn darin, und würden sich unter Frankreichs Schutz stellen.[32] Er
+sah sich genöthigt, die gleichviel ob wahre oder falsche Erklärung
+abzugeben, daß er nie daran gedacht, sich zu unterwerfen, und nur um
+Zeit zu gewinnen zum Schein Unterhandlungen angeknüpft habe. Ehe er sich
+jedoch offen gegen die englischen Ansiedler und gegen England selbst
+erklärte, was einen Krieg auf Tod und Leben zur Folge haben mußte,
+wünschte er sich Mountjoy's zu entledigen, der bislang der Sache Jakob's
+treu gewesen war, der aber, wie man sehr gut wußte, niemals eingewilligt
+haben würde, an der Beraubung und Unterdrückung der Colonisten Theil zu
+nehmen. Heuchlerische Versicherungen von Freundschaft und friedlichen
+Absichten wurden nicht gespart. Es sei eine heilige Pflicht, sagte
+Tyrconnel, das drohende Unheil abzuwenden. König Jakob selbst würde,
+wenn er den ganzen Sachverhalt kannte, nicht wünschen, daß seine
+irischen Freunde sich in diesem Augenblicke in ein Unternehmen
+einließen, das für sie verderblich werden müsse und ihm nichts nützen
+könne. Er würde ihnen daher erlauben, ja ihnen sogar befehlen, sich der
+Nothwendigkeit zu unterwerfen und ihre Kräfte für bessere Zeiten
+aufzusparen. Wenn sich ein loyaler, geschickter und wohl unterrichteter
+Mann von Gewicht nach Saint-Germains begebe und Sr. Majestät den Stand
+der Dinge auseinandersetze, so würde der König leicht zu überzeugen
+sein. Wolle nicht Mountjoy diese so ehrenvolle und wichtige Mission
+übernehmen? Mountjoy zauderte und gab zu verstehen, daß man Jemanden
+schicken sollte, von dem sich mit größerer Wahrscheinlichkeit erwarten
+lasse, daß er dem Könige angenehm sein werde. Tyrconnel aber erklärte
+fluchend und tobend, daß Irland in den Abgrund der Hölle versinken
+würde, wenn man König Jakob nicht wohl beriethe, und er bestand darauf,
+daß Mountjoy als Repräsentant der loyalen Mitglieder der Staatskirche
+nach Saint-Germains gehen und daß der erste Baron der Schatzkammer,
+Rice, ein in der königlichen Gunst sehr hoch stehender Katholik, ihn
+begleiten solle. Mountjoy gab nach und die beiden Gesandten reisten
+zusammen, aber mit ganz verschiedenen Instructionen versehen, ab. Rice
+war beauftragt, Jakob zu sagen, daß Mountjoy im Herzen ein Verräther und
+nur deshalb nach Frankreich geschickt worden sei, damit den Protestanten
+Irland's ein Lieblingsführer entzogen würde. Ferner sollte Rice den
+König versichern, daß er mit Ungeduld in Irland erwartet werde und daß
+er, wenn er sich daselbst mit einer französischen Heeresmacht zeigen
+wolle, seine gesunkene Größe bald wiederherstellen könne.[33] Außerdem
+war der erste Baron noch mit anderen Instructionen versehen, die
+wahrscheinlich selbst vor dem Hofe von Saint-Germains geheimgehalten
+wurden. Für den Fall, daß Jakob nicht geneigt sein sollte, sich an die
+Spitze der eingebornen Bevölkerung Irland's zu stellen, war Rice
+angewiesen, um eine Privataudienz bei Ludwig nachzusuchen und ihm den
+Vorschlag zu machen, Irland in eine französische Provinz zu
+verwandeln.[34]
+
+ [Anmerkung 32: Avaux an Ludwig, 25. März (4. April) 1689.]
+
+ [Anmerkung 33: +Clarke's Life of James, II. 321.+ Mountjoy's
+ Circulardepesche vom 10. Jan. 1688/89; +King IV. 8.+ In +»Light to
+ the Blind«+ wird Tyrconnel's »kluge Verstellung« gerühmt.]
+
+ [Anmerkung 34: Avaux an Ludwig, 13.(23.) April 1689.]
+
+
+[_Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen._] Sobald die beiden
+Gesandten abgereist waren, begann Tyrconnel sich auf den unvermeidlich
+gewordenen Kampf vorzubereiten, und der treulose Hamilton unterstützte
+ihn dabei auf das Kräftigste. Die irische Nation wurde zu den Waffen
+gerufen und sie leistete dem Aufrufe mit merkwürdiger Bereitwilligkeit
+und Begeisterung Folge. In die Flagge, welche auf dem Schlosse von
+Dublin wehte, waren die Worte gestickt: +»Now or never: now and for
+ever,«+ (jetzt oder nimmer: jetzt und für immer) und diese Worte fanden
+durch das ganze Land ein Echo.[35] Nie hat Europa in der neueren Zeit
+eine solche Erhebung eines ganzen Volks gesehen. Die Gewohnheiten des
+celtischen Bauern waren von der Art, daß er kein Opfer brachte, wenn er
+sein Kartoffelfeld mit dem Lager vertauschte. Er liebte Aufregung und
+Abenteuer, und scheute die Arbeit viel mehr als Gefahren. Seine
+nationalen und religiösen Gefühle waren seit drei Jahren durch die
+beständige Anwendung von Reizmitteln aufgestachelt worden. Auf jeder
+Messe und jedem Jahrmarkte hatte er gehört, daß bald eine gute Zeit
+kommen werde, daß die Tyrannen, welche sächsisch sprächen und in Häusern
+mit Schieferdächern wohnten, vertrieben werden und daß das Land dann
+wieder seinen eigenen Kindern gehören würde. Um die Torffeuer von
+hunderttausend Hütten waren allnächtlich rohe Balladen gesungen worden,
+welche die Befreiung des unterdrückten Volks verkündeten. Die Priester,
+welche größtentheils den alten Familien angehörten, die die
+Ansiedelungsacte zu Grunde gerichtet hatte, welche aber von der
+eingebornen Bevölkerung noch immer verehrt wurden, hatten von tausend
+Altären herab jedem Katholiken ans Herz gelegt, seine Anhänglichkeit an
+die wahre Religion durch Anschaffung von Waffen für den Tag zu beweisen,
+an welchem es nöthig werden dürfte, zum Heile ihrer Sache das Glück der
+Schlachten zu versuchen. Die Armee, welche unter Ormond nur aus acht
+Regimentern bestanden hatte, wurde jetzt auf achtundvierzig Regimenter
+gebracht, und die Reihen waren bald übervoll. Es war unmöglich, in
+kurzer Zeit nur ein Zehntel der benöthigten Anzahl guter Offiziere zu
+finden. Patente wurden mit verschwenderischer Freigebigkeit müßigen
+Aufliegern verliehen, welche Anspruch darauf machten, von guten irischen
+Familien abzustammen. Doch selbst auf diese Weise konnte der Bedarf an
+Hauptleuten und Leutnants nicht beschafft werden und viele Compagnien
+wurden von Schuhflickern, Schneidern und Lakaien befehligt.[36]
+
+ [Anmerkung 35: Gedruckter Brief aus Dublin vom 25. Febr. 1689:
+ +Mephibosheth and Ziba, 1689.+]
+
+ [Anmerkung 36: Die Verwandschaft der Priester mit den alten
+ irischen Familien ist in Petty's +Political Anatomy of Ireland+
+ erwähnt. Siehe auch: +Short View by a Clergyman lately escaped,
+ 1689+; +Ireland's Lamentation, by an English Protestant that
+ lately narrowly escaped with life from thence, 1689+; +A True
+ Account of the State of Ireland, by a person who with great
+ difficulty left Dublin, 1689+; +King II. 7.+ Avaux bestätigt Alles
+ was diese Schriftsteller über die irischen Offiziere sagen.]
+
+
+[_Verwüstung des Landes._] Die Löhnung der Soldaten war sehr gering. Der
+Gemeine hatte nur drei Pence den Tag. Davon bekam er nie mehr als die
+Hälfte baar ausgezahlt, und selbst diese Hälfte war oft in Rückstand.
+Aber ein viel verlockenderer Köter als dieser karge Lohn war die
+Aussicht auf unbegrenzte Zügellosigkeit. Wenn die Regierung ihm weniger
+gab als für seine Lebensbedürfnisse ausreichte, so nahm sie es dagegen
+nicht zu genau mit den Mitteln, durch welche er dem Mangel abzuhelfen
+suchte. Obwohl vier Fünftel der Bevölkerung Irland's Celten und
+Katholiken waren, so kamen doch vier Fünftel des irischen Eigenthums auf
+die protestantischen Engländer. Die Kornspeicher, die Keller, und vor
+Allem die Viehheerden der Minderheit wurden der Mehrheit preisgegeben.
+Denn die Bewaffnung war jetzt allgemein. Niemand wagte es mehr, ohne
+eine Waffe, sei es eine Pike, ein langes Messer, +skean+ genannt, oder
+wenigstens einen zugespitzten und im Feuer gehärteten Eschenholzstock,
+in der Messe zu erscheinen. Selbst die Frauen wurden von ihren
+Seelsorgern ermahnt, Skeans bei sich zu führen. Alle Schmiede,
+Zimmerleute und Schwertfeger waren fortwährend mit der Anfertigung von
+Gewehren und Klingen beschäftigt. Es war kaum möglich ein Pferd
+beschlagen zu lassen. Weigerte sich ein protestantischer Handwerker,
+an der Verfertigung von Kriegsgeräth Theil zu nehmen, das gegen seine
+Nation und Religion gebraucht werden sollte, so wurde er ins Gefängniß
+geworfen. Es läßt sich mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Ende Februar
+mindestens hunderttausend Irländer unter den Waffen standen. Nahe an
+funfzigtausend davon waren Soldaten; die übrigen waren Banditen; deren
+Gewaltthätigkeit und Zügellosigkeit die Regierung zum Schein
+mißbilligte, sich aber nicht bemühte, denselben Einhalt zu thun. Die
+Protestanten wurden nicht allein nicht beschützt, sondern sie durften
+sich nicht einmal selbst schützen. Es war beschlossen, daß sie inmitten
+einer bewaffneten und feindseligen Bevölkerung unbewaffnet bleiben
+sollten. Ein Tag wurde festgesetzt, an welchem sie alle ihre Schwerter
+und Feuergewehre in die Pfarrkirchen bringen sollten, und zu gleicher
+Zeit angekündigt, daß jedes protestantische Haus, in welchem nach diesem
+Tage eine Waffe gefunden würde, der Plünderung durch die Soldaten
+preisgegeben werden sollte. Man beklagte sich bitter über diese
+Maßregel, da der erste beste Schurke, der eine Lanzenspitze oder ein
+altes Pulverfaß in einem Winkel eines Hauses verberge, vollständigen
+Ruin über den Eigenthümer desselben bringen könne.[37]
+
+Der Oberrichter Keating, selbst Protestant und fast der einzige
+Protestant, der noch ein hohes Amt in Irland bekleidete, stritt muthig
+für die Sache der Gerechtigkeit und Ordnung wider die vereinte Macht der
+Regierung und des Pöbels. Bei den Frühjahrsassisen zu Wicklow schilderte
+er vom Richterstuhle herab in energischen Ausdrücken die traurige Lage
+des Landes. Ganze Grafschaften, sagte er, würden durch ein Gesindel
+verwüstet, das den Geiern und Raben gleiche, welche dem Marsche einer
+Armee folgen. Die meisten dieser Elenden seien gar keine Soldaten und
+handelten unter keiner dem Gesetze bekannten Autorität. Dennoch sei es
+nur zu offenbar, daß sie durch einige hohe Befehlshaber ermuthigt und
+protegirt würden. Wie könne sonst in geringer Entfernung von der
+Hauptstadt ein offner Markt für geraubtes Gut gehalten werden? Die
+Geschichten, welche Reisende von den Hottentotten am Kap der guten
+Hoffnung erzählten, sehe man in Leinster verwirklicht. Nichts sei
+gewöhnlicher, als daß ein rechtlicher Mann sich des Abends reich an
+Schaf- und Rinderheerden, die er durch den Fleiß und die Thätigkeit
+eines langen Lebens erworben, niederlege und am andren Morgen als
+Bettler erwache. Keating bemühte sich indessen mit nur geringem Erfolge,
+inmitten jener entsetzlichen Anarchie das Ansehen des Gesetzes aufrecht
+zu erhalten. Priester und Heerführer traten auf, um den Oberrichter
+einzuschüchtern und die Räuber in Schutz zu nehmen. Ein solcher Schurke
+kam straflos davon, weil kein Kläger gegen ihn aufzutreten wagte. Ein
+Andrer erklärte, daß er sich auf den Befehl seines Seelsorgers und nach
+dem Beispiele vieler höher stehender Leute, die er hier im Gerichtssaal
+sehe, bewaffnet habe. Nur zwei von den +Merry Boys+ (lustigen Burschen),
+wie man sie nannte, wurden überführt; die schlimmsten Verbrecher kamen
+ohne Strafe davon, und der Oberrichter sagte entrüstet zu den
+Geschwornen, daß die Schuld an dem Ruin des Landes vor ihrer Thür
+liege.[38]
+
+Wenn solche Gesetzlosigkeit in Wicklow herrschte, so kann man sich
+leicht vorstellen, wie es in uncultivirteren und vom Sitze der Regierung
+weiter entfernten Districten zugegangen sein muß. Keating war der
+einzige richterliche Beamte, der sich kräftig bemühte, dem Gesetze
+Ansehen zu verschaffen. In der That, der Oberrichter des höchsten
+Criminalgerichtshofes im Königreiche, Nugent, erklärte auf der
+Richterbank zu Cork, daß ohne Gewaltthätigkeit und Beraubung die
+Absichten der Regierung nicht durchgeführt werden könnten, und daß unter
+solchen Umständen Räubereien als ein nothwendiges Übel geduldet werden
+müßten.[39]
+
+Die Zerstörung von Eigenthum, welche binnen wenigen Wochen stattfand,
+wäre unglaublich, würde sie nicht durch einander fern stehende und ganz
+verschiedenen Interessen ergebene Zeugen bestätigt. Die Schilderungen
+von Protestanten, welche während jener Schreckensherrschaft mit
+Lebensgefahr nach England entkamen, und die von Gesandten, Commissarien
+und Heerführern Ludwig's stimmen genau, mitunter sogar wörtlich überein.
+Alle erklärten einstimmig, daß es vieler Jahre bedürfen werde, um die
+Verwüstungen wieder gut zu machen, welche das bewaffnete Landvolk in
+einigen Wochen angerichtet habe.[40] Mehrere von der sächsischen
+Aristokratie besaßen glänzend möblirte Schlösser mit Schränken, die von
+Silbergeschirr strotzten. All' dieser Reichthum verschwand. In einem
+Hause, welches für dreitausend Pfund Sterling Silberzeug enthalten
+hatte, blieb nicht ein einziger Löffel.[41] Der Hauptreichthum Irland's
+aber bestand in Vieh. Zahllose Schaf- und Rinderheerden bedeckten diesen
+ungeheuren, durch die Feuchtigkeit des Atlantischen Oceans befruchteten
+Wiesenteppich. Mehr als ein Gentleman besaß zwanzigtausend Stück Schafe
+und viertausend Rinder. Die Freibeuter, welche jetzt das Land überzogen,
+gehörten einer Klasse an, welche gewohnt war, von Kartoffeln und saurer
+Milch zu leben, und die das Fleisch jederzeit als einen nur den Reichen
+zu Gebote stehenden Luxus betrachtet hatten. Diese Leute schwelgten
+anfangs im Genusse von Rind- und Hammelfleisch, wie die rohen Horden,
+die sich vor Alters aus den Wäldern des Nordens über Italien ergossen,
+im Genusse der kostbarsten Weine schwelgten. Die Protestanten
+schilderten mit Abscheu und Ekel die unglaubliche Gefräßigkeit ihrer
+befreiten Sklaven. Die geschlachteten Thiere wurden halb roh und halb zu
+Kohle verbrannt, bald noch blutend, bald schon im Zustande der
+Verwesung, in Stücke zerrissen und ohne Salz, Brot oder Gemüse
+verschlungen. Diejenigen, welche gekochtes Fleisch vorzogen, machten,
+da es ihnen oft an Kesseln fehlte, mit gutem Erfolge den Versuch, einen
+ganzen Ochsen in seiner eignen Haut zu kochen. Es existirt noch eine
+alberne Tragikomödie, welche in diesem und dem darauffolgenden Jahre auf
+einem kleinen Theater zum Ergötzen des englischen Pöbels aufgeführt
+wurde. Ein Haufen halbnackter Wilder erschien, ein celtisches Lied
+brüllend und um einen Ochsen herumtanzend, auf der Bühne. Hierauf
+begannen sie von dem lebenden Thiere Stücke loszuschneiden und das
+blutende Fleisch auf die Kohlen zu werfen. Die Barbarei und
+Scheußlichkeit der Freßgelage der »Rapparees« war in der That so arg,
+daß die Dramatiker in Grub Street sie kaum zu karrikiren vermochten. Mit
+dem Eintritt der Fastenzeit hörten die Plünderer im Allgemeinen auf zu
+schwelgen, aber sie fuhren fort zu zerstören. Ein Bauer war im Stande
+eine Kuh zu tödten, bloß um ein Paar Schuhe zu bekommen. Oft wurde eine
+ganze Heerde Schafe oder fünfzig bis sechzig Stück Rinder geschlachtet,
+die Thiere abgezogen, die Vließe und Häute mitgenommen und die Cadaver
+liegen gelassen, um die Luft zu verpesten. Der französische Gesandte
+berichtete seinem Gebieter, daß in Zeit von sechs Wochen funfzigtausend
+Stück Hornvieh auf diese Art getödtet worden seien und nun im
+ganzen Lande unter freiem Himmel verfaulten. Die Zahl der in dem
+nämlichen Zeitraum geschlachteten Schafe soll sich auf drei- bis
+viermalhunderttausend Stück belaufen haben.[42]
+
+Jede Schätzung, die man jetzt von dem Werthe des Eigenthums machen kann,
+das während jenes furchtbaren Racenkampfes zerstört wurde, muß
+nothwendig sehr ungenau sein. Indessen fehlt es uns nicht gänzlich an
+Material zu einer solchen Schätzung. Die Quäker waren weder eine sehr
+zahlreiche noch eine sehr wohlhabende Klasse. Wir dürfen schwerlich
+annehmen, daß sie mehr als ein Fünfzigstel der protestantischen
+Bevölkerung Irland's bildeten oder daß sie mehr als ein Fünfzigstel des
+protestantischen Vermögens in Irland besaßen. Überdies wurden sie
+unzweifelhaft schonender behandelt als irgend eine andre protestantische
+Secte. Jakob war stets für sie eingenommen gewesen, sie gestehen selbst,
+daß Tyrconnel sein Möglichstes that, um sie zu schützen, und sie
+scheinen selbst vor den Augen der Rapparees Gnade gefunden zu haben.[43]
+Und doch schlugen die Quäker ihre pekuniären Verluste auf hunderttausend
+Pfund Sterling an.[44]
+
+ [Anmerkung 37: Im französischen Kriegsministerium befindet sich
+ ein Bericht über den Zustand Irland's im Februar 1689. In diesem
+ Bericht heißt es, daß die Zahl der als Soldaten eingereihten
+ Irländer fünfundvierzigtausend betrage, daß sie aber auf
+ hunderttausend gestiegen sein würde, wenn Alle die sich freiwillig
+ stellten, angenommen worden wären. Siehe auch: +The Sad and
+ Lamentable Condition of the Protestants in Ireland, 1689+;
+ +Hamilton's True Relation, 1690+; +The State of Papist and
+ Protestant Properties in the Kingdom of Ireland, 1689+; +A true
+ Representation to the King and People of England how Matters were
+ carried on all along in Ireland, licensed Aug. 16. 1689+; +Letter
+ from Dublin, 1689+; +Ireland's Lamentation, 1689+; +Compleat
+ History of the Life and Military Actions of Richard, Earl of
+ Tyrconnel, Generalissimo of all the Irish forces now in arms,
+ 1689.+]
+
+ [Anmerkung 38: Siehe die Verhandlungen in den +State Trials+.]
+
+ [Anmerkung 39: +King, III. 10.+]
+
+ [Anmerkung 40: Zehn Jahre, sagt der französische Gesandte; zwanzig
+ Jahre, sagt ein protestantischer Flüchtling.]
+
+ [Anmerkung 41: +Animadversions an the proposal for sending back
+ the nobility and gentry of Ireland, 1689/90.+]
+
+ [Anmerkung 42: +King, III. 10+; +The Sad Estate and Condition of
+ Ireland, as represented in a Letter from a Worthy Person who was
+ in Dublin on Friday last, March 4. 1689+; +Short View by a
+ Clergyman, 1689+; +Lamentation of Ireland, 1689+; +Compleat
+ History of the Life and Actions of Richard, Earl of Tyrconnel,
+ 1689+; +The Royal Voyage+, aufgeführt 1689 und 1690. Dieses Stück,
+ das, wenn ich nicht irre, in der Bartholomäusmesse gegeben wurde,
+ ist eines der interessantesten von einer interessanten Gattung von
+ Compositionen, welche zwar jedes literarischen Werthes ermangeln,
+ aber deshalb von Bedeutung sind, weil sie zeigen, was damals die
+ erfolgreichste Lockspeise für ein aus gemeinem Volke bestehendes
+ Publikum war. »Der Zweck dieses Schauspiels,« sagt der Verfasser
+ in seiner Vorrede, »ist namentlich der, den perfiden, gemeinen,
+ feigen und blutdürstigen Character der Irländer vor Augen zu
+ führen.« Was die flüchtigen Protestanten von der muthwilligen
+ Vernichtung des Viehes erzählen, wird von Avaux in einem vom
+ 13.(23.) April 1689 datirten Briefe an Ludwig, und von Desgrigny
+ in einem vom 17.(27.) Mai 1690 datirten Schreiben an Louvois
+ bestätigt. Die meisten Depeschen, welche Avaux während seines
+ Aufenthalts in Irland schrieb, sind in einem Werke enthalten,
+ das vor einigen Jahren im englischen auswärtigen Amte in wenigen
+ Exemplaren gedruckt wurde. Viele habe ich auch im französischen
+ Ministerium des Auswärtigen abgeschrieben. Die Briefe von
+ Desgrigny, der im Commissariat angestellt war, fand ich in der
+ Bibliothek des französischen Kriegsministeriums. Ich kann die
+ Bereitwilligkeit und Zuvorkommenheit, mit der mir die reichen und
+ vortrefflich geordneten Schätze interessanter Belehrung in Paris
+ geöffnet wurden, nicht genug rühmen.]
+
+ [Anmerkung 43: »Eine eigenthümliche Erscheinung, welche nie
+ vergessen werden darf, war, daß Diejenigen, welche damals (zu Ende
+ des Jahres 1688) an der Spitze der Regierung standen, uns zu
+ begünstigen und sich unsre Freundschaft bewahren zu wollen
+ schienen.« +History of the Rise and Progress of the People called
+ Quakers in Ireland, by Wight and Rutty, Dublin 1751.+ King wirft
+ in der That (III. 17.) den Quäkern vor, daß sie Verbündete und
+ Werkzeuge der Papisten gewesen seien.]
+
+ [Anmerkung 44: Wight and Rutty.]
+
+
+[_Die Protestanten in Süden unfähig Widerstand zu leisten._] In
+Leinster, Munster und Connaught war es den englischen Ansiedlern ihrer
+geringen und zersplitterten Anzahl wegen rein unmöglich, dem furchtbaren
+Andrange der eingebornen Bevölkerung einen erfolgreichen Widerstand
+entgegenzusetzen. Charleville, Mallow und Sligo fielen in die Gewalt der
+Eingebornen. Bandon, wo die Protestanten eine ansehnlichere Streitmacht
+zusammengezogen hatten, wurde durch den Generalleutnant Macarthy, einen
+Officier, der aus einer der vornehmsten celtischen Familien abstammte
+und unter einem angenommenen Namen lange in der französischen Armee
+gedient hatte, zur Übergabe gezwungen.[45] Die Bewohner von Kenmare
+hielten sich in ihrer kleinen Festung, bis sie von dreitausend regulären
+Soldaten angegriffen wurden und bis sie erfuhren, daß mehrere Kanonen
+herbeigeschafft würden, um den Erdwall zu zerstören, der das Haus des
+Agenten umgab. Da endlich wurde eine Capitulation abgeschlossen, und den
+Colonisten gestattet, sich auf einem mit Lebensmitteln und Wasser
+spärlich versehenen kleinen Fahrzeuge einzuschiffen. Sie hatten keinen
+erfahrenen Schiffer an Bord; doch nach einer vierzehntägigen Seereise,
+während der sie wie die Neger auf einem Sklavenschiffe zusammengepfercht
+waren und vor Hunger und Durst fast umkamen, erreichten sie wohlbehalten
+den Hafen von Bristol.[46] Wenn solcher Art das Schicksal der Städte
+war, so lag es auf der Hand, daß die Landsitze, welche die
+protestantischen Gutsbesitzer unlängst in den drei südlichen Provinzen
+befestigt hatten, sich nicht länger zu halten vermochten. Viele Familien
+unterwarfen sich, lieferten ihre Waffen ab und schätzten sich glücklich,
+daß sie mit dem Leben davon kamen. Viele beherzte und tapfere Gentlemen
+und Freisassen aber waren entschlossen lieber umzukommen, als sich zu
+ergeben. Sie packten das leicht transportable werthvolle Eigenthum
+zusammen, verbrannten das was sie nicht mitnehmen konnten und brachen
+wohl bewaffnet und beritten nach den Orten in Ulster auf, welche die
+Besten ihres Stammes und ihres Glaubens waren. Die Elite der
+protestantischen Bevölkerung von Munster und Connaught fand in
+Enniskillen ein Asyl. Die Tapferen und Entschlossenen von Leinster
+schlugen den Weg nach Londonderry ein.[47]
+
+ [Anmerkung 45: +Life of James, II. 327. Orig. Mem.+ Macarthy und
+ sein fingirter Name werden mehrere Male von Dongeau erwähnt.]
+
+ [Anmerkung 46: +Exact Relation of the Persecutions, Robberies and
+ Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland,
+ 1689+.]
+
+ [Anmerkung 47: +A true Representation to the King and People of
+ England how Matters were carried on all along in Ireland by the
+ late King James, licensed Aug. 16. 1689+; +A True Account of the
+ Present State of Ireland by a Person that with Great Difficulty
+ left Dublin, licensed June 8. 1689.+]
+
+
+[_Enniskillen und Londonderry halten sich._] Der Muth Enniskillen's und
+Londonderry's stieg angesichts der Gefahr immer höher und höher. An
+beiden Orten wurden die Nachrichten von dem was die Convention zu
+Westminster gethan, mit unbeschreiblicher Freude aufgenommen. Wilhelm
+und Marie wurden in Enniskillen mit einmüthigem Enthusiasmus und mit
+demjenigen Pomp proklamirt, den die kleine Stadt erschwingen konnte.[48]
+Lundy, der in Londonderry commandirte, durfte es nicht wagen, der
+allgemeinen Gesinnung der Bürger und seiner eigenen Soldaten
+entgegenzutreten. Er kündigte daher seinen Beitritt zu der neuen
+Regierung an und unterschrieb eine Erklärung, durch die er sich
+verpflichtete, treu zu dieser Regierung zu stehen, widrigenfalls er als
+ein Feigling und Verräther betrachtet sein wollte. Ein Schiff aus
+England brachte bald ein Patent von Wilhelm und Marien, das ihn in
+seinem Posten bestätigte.[49]
+
+ [Anmerkung 48: +Hamilton's Actions of the Inniskilling Men,
+ 1689.+]
+
+ [Anmerkung 49: +Walker's Account, 1689.+]
+
+
+[_Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster._] Die
+Protestanten von Ulster zur Unterwerfung zu zwingen, bevor Unterstützung
+aus England eintreffen konnte, war jetzt Tyrconnel's Hauptzweck. Eine
+starke Truppenmacht wurde unter dem Commando Richard Hamilton's nach dem
+Norden dirigirt. Dieser Mann hatte alle Verpflichtungen, welche einem
+Gentleman und Soldaten am heiligsten sind, mit Füßen getreten, war gegen
+seine Freunde, die Temple, meineidig geworden, hatte sein militärisches
+Ehrenwort gebrochen, und schämte sich jetzt nicht als General gegen eine
+Regierung ins Feld zu ziehen, der er sich als Gefangener zu stellen
+verpflichtet war. Sein Marsch hinterließ in dem Aussehen des Landes
+Spuren, welche auch dem sorglosesten Auge viele Jahre hindurch nicht
+unbemerkt bleiben konnten. Seine Armee war von einem Gesindel begleitet,
+das Keating sehr richtig mit den unsauberen Raubvögeln verglichen hatte,
+die sich jederzeit da sammeln, wo es stark nach Aas riecht. Der General
+erklärte, daß es sein aufrichtiger Wille sei, alle Protestanten, welche
+ruhig zu Hause blieben, vor Verderben und Gewaltthätigkeiten zu behüten,
+und gewährte ihnen mit größter Bereitwilligkeit von ihm eigenhändig
+unterschriebene Schutzbriefe. Aber diese Schutzbriefe erwiesen sich als
+nutzlos und er mußte eingestehen, daß er zwar seine Soldaten im Zaume
+halten könne, aber unter dem Pöbeltroß, der seiner Armee folgte, keine
+Ordnung zu halten vermöge. Das Land hinter ihm war eine Wüste, und bald
+war auch das Land vor ihm in gleichem Maße verödet. Denn bei der
+Nachricht von seiner Annäherung verbrannten die Colonisten ihre
+bewegliche Habe, rissen ihre Häuser nieder und zogen sich nach dem
+Norden zurück. Einige von ihnen versuchten es, bei Dromore Stand zu
+halten, aber sie wurden durchbrochen und auseinandergesprengt. Nun wurde
+die Flucht wild und tumultuarisch. Die Fliehenden brachen die Brücken ab
+und verbrannten die Fähren. Ganze Städte, die Sitze der protestantischen
+Bevölkerung, wurden zerstört, und kein einziger Bewohner blieb darin.
+Die Einwohner von Omagh zerstörten ihre Häuser so vollständig, daß kein
+Dach übrig blieb, das den Feind gegen Wind und Regen hätte schützen
+können. Die Bewohner von Cavan zogen sämmtlich nach Enniskillen. Es war
+ein regnerischer, stürmischer Tag und die Wege waren grundlos. Einen
+herzerschütternden Anblick gewährten die weinenden und ausgehungerten
+Frauen und Kinder, welche mitten unter den bewaffneten Männern bis an
+die Knie im Kothe waten mußten. Ganz Lisburn floh nach Antrim, und als
+der Feind heranrückte, strömte ganz Lisburn und Antrim zusammen nach
+Londonderry. Dreißigtausend Protestanten beider Geschlechter und jeden
+Alters waren hinter den Bollwerken der Zufluchtsstadt zusammengedrängt.
+Hier endlich, am Rande des Oceans, bis in das letzte Asyl gehetzt und zu
+einer Verzweiflung aufgestachelt, in der der Mensch sich umbringen läßt,
+sich aber so leicht nicht unterwirft, machte die herrschende Race Front,
+um dem andringenden Feinde die Spitze zu bieten.[50]
+
+ [Anmerkung 50: +Mackenzie's Narrative+; +Mac Cormick's Further
+ Impartial Account+; +Story's Impartial History of the Affairs of
+ Ireland, 1691+; +Apology for the Protestants of Ireland+; Brief
+ von Dublin vom 25. Febr. 1689; Avaux an Ludwig von 15.(25.) April
+ 1689.]
+
+
+[_Jakob entschließt sich nach Irland zu gehen._] Inzwischen waren
+Mountjoy und Rice in Frankreich angelangt. Mountjoy wurde sogleich
+festgenommen und in die Bastille geworfen. Jakob beschloß, der von Rice
+überbrachten Einladung nachzukommen, und bat Ludwig um ein französisches
+Hülfsheer. Dieser aber, obwohl er in allen Dingen, welche die
+persönliche Würde und Bequemlichkeit seiner königlichen Gäste betrafen,
+eine fast romantische Aufmerksamkeit und eine an Verschwendung grenzende
+Freigebigkeit bewies, hatte keine Lust, ein starkes Truppencorps nach
+Irland zu schicken. Er sah, daß Frankreich auf dem Continent einen
+langwierigen Krieg gegen eine mächtige Coalition zu bestehen haben
+werde, der ungeheure Ausgaben verursachen mußte, und so groß auch die
+Hülfsquellen des Landes waren, sah er doch ein, wie wichtig es war,
+nichts zu vergeuden. Er betrachtete die unglücklichen Verbannten, denen
+er eine so fürstliche Aufnahme hatte zu Theil werden lassen, mit
+aufrichtigem Mitleid und gutem Willen; doch bei allem Mitleid und gutem
+Willen konnte es seinem Scharfblicke nicht lange verborgen bleiben, daß
+sein Bruder von England der einfältigste und verderbteste Mensch von der
+Welt war. Jakob's Thorheit, seine Unfähigkeit, die Charactere der
+Menschen und die Zeichen der Zeit zu erkennen, sein Starrsinn, der sich
+gerade in solchen Fällen, wo die Klugheit zum Nachgeben rieth, am
+unbeugsamsten zeigte, und sein Schwanken, das immer am kläglichsten bei
+solchen Gelegenheiten hervortrat, welche Festigkeit erheischten, hatten
+seine Vertreibung aus England zur Folge gehabt und konnten auch über
+Frankreich großes Unheil bringen, wenn man seine Rathschläge blindlings
+befolgte. Als ein von Rebellen vertriebener legitimer Souverain, als ein
+von Ketzern verfolgter Bekenner des wahren Glaubens und als ein naher
+Verwandter des Hauses Bourbon, der um einen Platz am Herde dieses Hauses
+gebeten, hatte er Anspruch auf Gastfreundschaft, liebevolle Behandlung
+und Achtung. Es gehörte sich, daß ihm ein stattlicher Palast und ein
+großer Forst angewiesen wurde, daß die Haustruppen ihm die höchsten
+militärischen Ehren bezeigten und daß alle Hunde des Großjägermeisters
+und alle Falken des Großfalconiers zu seiner Verfügung standen. Wenn
+aber ein Fürst, der, an der Spitze einer großen Flotte und eines großen
+Landheeres, ein Reich verloren hatte, ohne einen Schlag zu thun, Pläne
+zu See- und Landfeldzügen vorschlug, wenn ein Fürst, der durch seine
+völlige Unkenntniß des Characters seiner eigenen Landsleute, seiner
+eigenen Soldaten, seiner eigenen Diener und seiner eigenen Kinder zu
+Grunde gegangen war, sich beikommen ließ, für den Eifer und die Treue
+des irischen Volks stehen zu wollen, dessen Sprache er nicht verstand
+und dessen Land er noch nie betreten, so mußten seine Vorschläge
+nothwendig mit Vorsicht aufgenommen werden. Dies waren die Ansichten
+Ludwig's und er wurde darin durch seinen Kriegsminister Louvois
+bestärkt, der aus privaten wie aus öffentlichen Gründen nicht wünschte,
+daß Jakob von einer starken Truppenmacht begleitet werde. Louvois haßte
+Lauzun und Lauzun war ein Günstling in Saint-Germain. Er trug den
+Hosenbandorden, ein Ehrenzeichen, das sehr selten Fremden, welche nicht
+souveraine Fürsten waren, verliehen worden ist. Man glaubte sogar am
+französischen Hofe, daß er, um ihn vor den anderen Rittern des höchsten
+aller europäischen Orden auszuzeichnen, mit dem nämlichen Georg decorirt
+worden sei, den Karl I. auf dem Schaffot den Händen Juxon's übergeben
+hatte.[51] Es war ihm außerdem Hoffnung gemacht worden, daß er, wenn
+französische Truppen nach Irland geschickt wurden, dieselben commandiren
+solle, und diese ehrgeizige Hoffnung wollte Louvois vereiteln.[52]
+
+ [Anmerkung 51: +Mémoires de Madame de la Fayette+; Frau von
+ Sévigné an Frau von Grignan vom 28. Febr. 1689.]
+
+ [Anmerkung 52: +Burnet II. 17+; +Clarke's Life of James, II.
+ 320--322.+]
+
+
+[_Unterstützung, welche Jakob von Ludwig gewährt wird._] Eine Armee
+wurde daher vor der Hand verweigert, sonst aber Alles bewilligt. Die in
+Brest liegende Flotte erhielt Befehl sich zum Absegeln bereit zu machen,
+Waffen für zehntausend Mann und große Massen von Munition wurden an Bord
+geschafft. Etwa vierhundert Kapitäns, Leutnants, Cadetten und Kanoniere
+wurden für den wichtigen Dienst, die neuauszuhebenden irischen Truppen
+zu organisiren und einzuüben, ausgewählt. Den Oberbefehl erhielt ein
+alter Kriegsveteran, der Graf von Rosen. Unter ihm standen Maumont mit
+dem Range eines Generalleutnants, und ein Brigadier Namens Pusignan.
+Eine halbe Million Kronen in Gold, eine Summe die ungefähr
+hundertzwölftausend Pfund Sterling entsprach, wurde nach Brest
+gesandt.[53] Für Jakob's persönliche Bequemlichkeit war mit einer
+Ängstlichkeit gesorgt, welche der einer liebenden Mutter glich, die
+ihren Sohn zu seinem ersten Feldzuge ausstattet. Das Ameublement für die
+Kajüte, das Lagergeräth, die Zelte, die Betten und das Tafelgeschirr,
+Alles war luxuriös und kostbar. Nichts was dem Verbannten angenehm oder
+nützlich sein konnte, war zu kostspielig für die Freigebigkeit oder zu
+geringfügig für die Aufmerksamkeit seines artigen und splendiden
+Wirthes. Am 15. Februar machte Jakob seinen Abschiedsbesuch in
+Versailles. Er wurde mit allen Beweisen von Achtung und Zuvorkommenheit
+in den Gebäuden und Anlagen herumgeführt. Die Wasserwerke waren ihm zu
+Ehren im Gange. Es war gerade die Carnevalszeit, und nie hatten der
+große Palast und die prächtigen Gärten einen heiterern Anblick gewährt.
+Am Abend erschienen die beiden Könige nach einer langen und ernsten
+Privatconferenz in einem glänzenden Cirkel von Herren und Damen. »Ich
+hoffe,« sagte Ludwig in seiner edelsten und liebenswürdigsten Weise,
+»daß wir scheiden, um uns in diesem Leben nie wieder zu begegnen. Dies
+ist der beste Wunsch, den ich für Sie hegen kann. Sollte jedoch ein
+böses Geschick Sie zur Rückkehr zwingen, so sein Sie versichert, daß Sie
+mich bis zum letzten Augenblicke so finden werden, wie Sie mich bisher
+gefunden haben.« Am 17. stattete Ludwig in Saint-Germains seinen
+Gegenbesuch ab. Im Augenblicke der letzten Umarmung sagte er mit seinem
+freundlichsten Lächeln: »Wir haben noch etwas vergessen: einen
+Brustharnisch für Sie. Sie sollen den meinigen haben.« Der Brustharnisch
+wurde herbeigebracht und gab den Schöngeistern des Hofes Gelegenheit zu
+geistreichen Anspielungen auf die von Vulcan verfertigte Rüstung, welche
+einst Achilles seinem schwächeren Freunde lieh. Jakob reiste nach Brest
+ab und seine durch Krankheit und Kummer niedergedrückte Gemahlin schloß
+sich mit ihrem Kinde ein um zu weinen und zu beten.[54]
+
+Mehrere von Jakob's eigenen Unterthanen begleiteten ihn oder folgten ihm
+schleunigst nach; die Vornehmsten darunter waren sein Sohn Berwick,
+Cartwright, Bischof von Chester, Powis, Dower und Melfort. Keiner von
+dem ganzen Gefolge war dem großbritannischen Volke so verhaßt als
+Melfort. Er war ein Apostat, Viele hielten ihn für einen nicht
+aufrichtigen Apostaten, und die anmaßende, willkürliche und drohende
+Sprache seiner Staatsschriften war selbst den Jakobiten zuwider. Daher
+war er ein Liebling seines Gebieters, denn in Jakob's Augen waren
+Unpopularität, Starrsinn und Unversöhnlichkeit die gewichtigsten
+Empfehlungen für einen Staatsmann.
+
+ [Anmerkung 53: Maumont's Instructionen.]
+
+ [Anmerkung 54: Dangeau vom 15.(25.) und 17.(27.) Febr. 1689; Frau
+ von Sévigné vom 18.(28.) Febr. und 10. Febr. (2. März); +Mémoires
+ de Madame de la Fayette.+]
+
+
+[_Wahl eines französischen Gesandten zum Begleiter Jakob's._] Welcher
+Franzos den König von England in der Eigenschaft eines Gesandten
+begleiten sollte, war ein Gegenstand ernster Berathung zu Versailles
+gewesen. Barillon konnte ohne auffallende Geringschätzung nicht
+übergangen werden. Aber seine Lässigkeit, sein Mangel an Energie und vor
+Allem die Leichtgläubigkeit, mit der er auf Sunderland's Versicherungen
+gehört, hatten auf Ludwig einen ungünstigen Eindruck gemacht. Was in
+Irland zu thun war, war keine Arbeit für einen Tändler oder Gimpel.
+Der Geschäftsträger Frankreich's in diesem Lande mußte mehr als den
+gewöhnlichen Functionen eines Gesandten gewachsen sein. Er war
+berechtigt und verpflichtet, in allen Zweigen der politischen und
+militärischen Verwaltung des Reichs, in welchem er den mächtigsten und
+freigebigsten Bundesgenossen vertreten sollte, gute Rathschläge zu
+geben. Barillon wurde daher übergangen. Er stellte sich als ob er seine
+Ungnade mit Fassung ertrüge. Wenn auch seine politische Laufbahn große
+Calamitäten über das Haus Stuart wie über das Haus Bourbon gebracht
+hatte, so war sie doch keineswegs ohne Gewinn für ihn selbst gewesen. Er
+sagte er sei alt und korpulent, er beneide jüngere Männer nicht um die
+Ehre, in den irischen Sümpfen von Kartoffeln und Whiskey zu leben, er
+wolle es versuchen, sich mit Rebhühnern, mit Champagner und mit der
+Gesellschaft der geistreichsten Männer und hübschesten Frauen von Paris
+zu trösten. Man sprach jedoch davon, daß er von sehr peinlichen Gefühlen
+gequält werde, die er zu verbergen sich bestrebte; seine Gesundheit und
+sein Frohsinn nahmen mehr und mehr ab und er versuchte es nun, in
+religiösen Übungen Trost zu finden. Manche Leute waren sehr erbaut durch
+die Frömmigkeit des alten Wüstlings; Andere aber schrieben seinen Tod,
+der bald nach seinem Rücktritt aus dem öffentlichen Leben erfolgte,
+der Scham und dem Ärger zu.[55]
+
+ [Anmerkung 55: Memoiren La Fare's und Saint-Simon's; Note von
+ Renaudot über die englischen Angelegenheiten, 1697, in den
+ französischen Archiven, Frau von Sévigné vom 20. Febr. (2. März)
+ und vom 11.(21.) März 1689; Brief von Frau von Coulanges an Herrn
+ von Coulanges vom 23. Juli 1691.]
+
+
+[_Der Graf von Avaux._] Der Graf von Avaux, dessen Scharfblick alle
+Pläne Wilhelm's durchschaut und der vergebens zu einer Politik gerathen
+hatte, die jene Pläne wahrscheinlich vereitelt haben würde, war der
+Mann, auf den Ludwig's Wahl fiel. In Bezug auf Talent und Befähigung
+wurde Avaux von keinem der vielen geschickten Diplomaten, welche sein
+Vaterland damals besaß, übertroffen. Sein Benehmen war ungemein
+anziehend, seine persönliche Erscheinung angenehm und sein Gemüth sanft
+und liebreich. Seine Manieren und seine Conversation waren die eines
+Cavaliers, der an dem elegantesten und prächtigsten aller Höfe erzogen
+worden, der diesen Hof sowohl in katholischen wie in protestantischen
+Ländern vertreten und der auf seinen Wanderungen die Kunst erlernt
+hatte, den Ton jeder Gesellschaft zu treffen, in welche der Zufall ihn
+führen mochte. Dabei war er höchst umsichtig und gewandt, fruchtbar an
+Auskunftsmitteln und geschickt in Entdeckung der schwachen Seiten eines
+Characters. Indessen war sein eigner Character nicht frei von Schwächen.
+Der Gedanke von plebejischer Herkunft zu sein, war die Qual seines
+Lebens. Er schmachtete nach dem Adel mit einer eben so bedauernswerthen
+als lächerlichen Sehnsucht. Bei aller seiner Geschicklichkeit, Erfahrung
+und ausgezeichneten Bildung stieg er doch zuweilen unter dem Einflusse
+seines geheimen Grames auf das Niveau von Molière's Jourdain herab und
+ergötzte boshafte Beobachter durch Scenen, welche eben so komisch waren
+wie die, in der der ehrliche Tuchhändler zum Mamamuschi gemacht
+wird.[56] Es möchte noch sein, wenn dies das Schlimmste gewesen wäre.
+Aber es ist nicht zuviel gesagt, wenn man behauptet, daß Avaux von dem
+Unterschiede zwischen Recht und Unrecht so wenig einen Begriff hatte wie
+ein unvernünftiges Thier. Ein Gefühl vertrat bei ihm die Stelle der
+Religion und Moral: eine abergläubische und unduldsame Ergebenheit für
+die Krone, der er diente. Dieses Gefühl durchdringt alle seine Depeschen
+und leuchtet aus allen seinen Gedanken und Worten hervor. Nichts was dem
+Interesse der französischen Monarchie förderlich sein konnte, schien ihm
+ein Verbrechen. Er hielt es in der That für ausgemacht, daß nicht nur
+die Franzosen, sondern alle Menschen dem Hause Bourbon eine natürliche
+Unterthanentreue schuldeten und daß Jeder, der Anstand nehme, das Glück
+und die Freiheit seines Vaterlandes dem Ruhme dieses Hauses aufzuopfern,
+ein Verräther sei. Während seines Aufenthalts im Haag bezeichnete er
+stets diejenigen Holländer, die sich Frankreich verkauft hatten, als den
+gutgesinnten Theil. In den Briefen, die er aus Irland schrieb, tritt das
+nämliche Gefühl noch stärker hervor. Er würde ein noch scharfsichtigerer
+Staatsmann gewesen sein, wenn er mehr mit den unter dem Volke
+herrschenden Gefühlen von moralischer Billigung und Mißbilligung
+sympathisirt hätte. Denn seine Gleichgültigkeit gegen alle Rücksichten
+der Gerechtigkeit und Nachsicht war so groß, daß er in seinen Plänen das
+Gewissen und das Zartgefühl seiner Mitmenschen gänzlich außer Acht
+ließ. Mehr als einmal empfahl er wissentlich so haarsträubende
+Abscheulichkeiten, daß selbst schlechte Menschen darüber empört waren.
+Es gelang ihnen aber nie, ihm ihre Bedenken nur begreiflich zu machen.
+Alle derartigen Vorstellungen hörte er mit einem cynischen Lächeln an
+und war selbst in Zweifel darüber, ob Die welche ihm den Text lasen
+wirklich solche Thoren waren, für die sie sich ausgaben, oder ob sie
+sich nur so stellten.
+
+Dies war der Mann, den Ludwig zum Begleiter und Aufseher Jakob's
+erwählte. Avaux war beauftragt, sich womöglich mit den Mißvergnügten im
+englischen Parlament in Verbindung zu setzen, und war ermächtigt,
+nöthigenfalls etwa hunderttausend Kronen unter sie zu vertheilen.
+
+ [Anmerkung 56: Siehe Saint-Simon's Erzählung der List,
+ durch welche Avaux sich in Stockholm für einen Ritter des
+ Heiligen-Geistordens auszugeben versuchte.]
+
+
+[_Jakob landet in Kinsale._] Jakob traf am 5. März in Brest ein, ging
+hier an Bord eines Kriegsschiffs, der St. Michael genannt, und segelte
+binnen achtundvierzig Stunden ab. Er hatte indessen bis zu seiner
+Abreise vollauf Zeit einige von den Fehlern zu zeigen, durch die er
+England und Schottland verloren hatte und durch die er auch Irland zu
+verlieren im Begriff stand. Avaux schrieb aus dem Hafen von Brest, daß
+es wohl nicht leicht sein werde, irgend eine wichtige Angelegenheit in
+Gemeinschaft mit dem König von England durchzuführen. Se. Majestät sei
+nicht im Stande ein Geheimniß zu bewahren, denn selbst die Matrosen des
+St. Michael hätten ihn bereits Dinge sagen hören, welche nur für die
+Ohren seiner vertrautesten Freunde hätten aufgespart werden sollen.[57]
+
+Die Reise ging glücklich und ohne Störung von statten und am Nachmittag
+des 12. März landete Jakob im Hafen von Kinsale. Die katholische
+Bevölkerung empfing ihn mit Äußerungen ungeheuchelter Freude, und die
+wenigen Protestanten, welche in diesem Theile des Landes geblieben
+waren, schlossen sich ihnen, vielleicht ebenfalls nicht unaufrichtig, zu
+seiner Begrüßung an. Denn obgleich ein Feind ihrer Religion, war er doch
+kein Feind ihrer Nation, und sie durften vernünftigerweise hoffen,
+daß auch der schlechteste König etwas mehr Achtung vor Gesetz und
+Eigenthumsrechten zeigen werde als die Merry Boys und Rapparees gezeigt
+hatten. Der Vikar von Kinsale befand sich auch unter Denen, die ihm ihre
+Aufwartung machten; er wurde vom Bischof von Chester vorgestellt und
+nicht unfreundlich aufgenommen.[58]
+
+Jakob erfuhr, daß seine Sache gut stehe. In den drei südlichen Provinzen
+des Landes waren die Protestanten entwaffnet und durch den Schrecken so
+wirksam niedergehalten, daß er von ihrer Seite nichts zu fürchten hatte.
+Im Norden zeigte sich ein Schein von Widerstand; aber Hamilton war im
+Anrücken gegen die Mißvergnügten, und es unterlag kaum einem Zweifel,
+daß sie leicht überwältigt werden würden. Ein Tag ward in Kinsale darauf
+verwendet, die Waffen und Munitionsvorräthe in Sicherheit zu bringen;
+nicht ohne Schwierigkeit verschaffte man sich die zur Beförderung
+einiger Reisenden nöthige Anzahl Pferde, und am 14. März brach Jakob
+nach Cork auf.[59]
+
+ [Anmerkung 57: Dieser Brief befindet sich in den Archiven des
+ französischen Ministeriums des Auswärtigen, fehlt aber in dem sehr
+ seltenen Bande, der in Downing Street gedruckt wurde.]
+
+ [Anmerkung 58: +A full and true Account of the Landing and
+ Reception of the late King James at Kinsale, in a Letter from
+ Bristol, licensed April 4. 1689+; +Leslie's Answer to King+;
+ +Ireland's Lamentation+; Avaux vom 13.(23.) März.]
+
+ [Anmerkung 59: Avaux vom 13.(23.) März 1689; +Life of James, II.
+ 327. Orig. Mem.+]
+
+
+[_Jakob's Einzug in Cork._] Wir würden sehr irren, wenn wir glaubten,
+daß die Straße, durch welche er in diese Stadt einzog, die geringste
+Ähnlichkeit gehabt habe mit dem stattlichen Zugange, der den Reisenden
+des 19. Jahrhunderts mit Bewunderung erfüllt. Gegenwärtig nimmt Cork,
+obwohl noch durch manche häßliche Überbleibsel aus früherer Zeit
+verunziert, unter den Hafenplätzen des Reichs keine geringe Stelle ein.
+Der Schiffsverkehr ist mehr als halb so stark als der Schiffsverkehr
+London's zur Zeit der Revolution war. Der Ertrag der Zölle übersteigt
+das ganze Einkommen, welches das gesammte Königreich Irland in den
+ruhigsten und blühendsten Zeiten den Stuarts lieferte. Die Stadt besitzt
+breite und schön gebaute Straßen, reizende Gärten, einen korinthischen
+Porticus, der einem Palladio Ehre machen würde, und ein gothisches
+Collegium, das würdig wäre in High Street zu Oxford zu stehen. Im Jahre
+1689 nahm die Stadt etwa den zehnten Theil der Bodenfläche ein, den sie
+jetzt bedeckt und war von schlammigen Wassergräben durchschnitten,
+welche längst überwölbt und bebaut sind. Ein öder Sumpf, in welchem der
+Jäger, der den Wasservögeln nachstellte, bei jedem Schritte tief in
+Wasser und Schlamm einsank, bedeckte das Areal, auf dem jetzt stattliche
+Gebäude und die Paläste großer Handelsgesellschaften stehen. Damals gab
+es nur eine einzige Straße, in der zwei Wagen einander ausweichen
+konnten. Von dieser Straße gingen zu beiden Seiten enge Gäßchen aus,
+schmutziger und übelriechender als selbst Diejenigen sich vorstellen
+können, die sich ihre Begriffe von Elend nach den ärmlichsten Theilen
+der Stadtviertel St. Giles und Whitechapel gebildet haben. Eines dieser
+Gäßchen, das vergleichsweise nicht mit Unrecht Broad Lane genannt wird,
+ist zehn Fuß breit. Aus diesen Straßen, gegenwärtig Sitzen von Hunger
+und Krankheit, die man der Hefe der Gesellschaft überlassen hat,
+strömten die Bürger herbei, um Jakob zu bewillkommnen. Er wurde von
+Macarthy, der in Munster das Obercommando führte, mit militärischen
+Ehren empfangen.
+
+Es war dem Könige unmöglich, sofort nach Dublin weiter zu reisen, denn
+die südlichen Grafschaften waren durch das Gesindel, welches die
+Priester zu den Waffen gerufen hatten, so vollständig verwüstet, daß die
+Transportmittel nicht leicht zu beschaffen waren. Pferde waren eine
+Seltenheit geworden; in einem großen Districte gab es nur zwei Wagen und
+diese erklärte Avaux für unbrauchbar. Es dauerte mehrere Tage, bis das
+von Frankreich mitgebrachte Geld, obwohl eben keine so ungeheure Masse,
+die paar Meilen Wegs, welche Cork von Kinsale trennten, mühsam
+transportirt werden konnte.[60]
+
+Während der König und sein Kriegsrath sich bemühten, Wagen und Pferde
+aufzutreiben, kam Tyrconnel von Dublin an. Seine Berichte lauteten
+ermuthigend. Den Widerstand Enniskillen's scheint er für kaum der
+Beachtung werth gehalten zu haben. Londonderry, sagte er, sei der
+einzige wichtige Punkt, den die Protestanten im Besitz hätten, und
+selbst Londonderry werde sich seiner Ansicht nach nur wenige Tage halten
+können.
+
+ [Anmerkung 60: Avaux vom 15.(25.) März 1689.]
+
+
+[_Reise Jakob's von Cork nach Dublin._] Endlich war Jakob im Stande sich
+von Cork nach der Hauptstadt zu begeben. Unterwegs machte der kluge und
+wachsame Avaux mancherlei Bemerkungen. Zuerst ging die Reise durch
+wildes Hochland, wo man sich nicht wundern durfte, nur wenige Spuren von
+Kunst und Industrie zu finden. Von Kilkenny aber bis vor die Thore von
+Dublin führte der Weg durch eine wellenförmige Ebene mit reicher
+natürlicher Vegetation. Dieser fruchtbare Distrikt hätte mit
+Viehheerden, mit Gemüsegärten und mit Kornfeldern bedeckt sein sollen,
+war aber eine unbebaute und unbevölkerte Wüste. Selbst in den Städten
+gab es nur wenig Handwerker. Manufacte waren kaum zu sehen, und wo sich
+solche fanden, waren sie nur zu enormen Preisen zu erlangen.[61] Dies
+Alles kam daher, weil die meisten englischen Einwohner geflüchtet und
+Kunst, Industrie und Kapital mit ihnen gegangen waren.
+
+Jakob erhielt auf seiner Reise vielfache Beweise von der
+Bereitwilligkeit des Landvolks, aber es waren Beweise, welche Männern,
+die an den Höfen Frankreich's und England's erzogen waren, sonderbar
+und unheilverkündend vorkommen mußten. Auf den Feldern sah man wenig
+Arbeiter; auf der Landstraße aber wimmelte es von mit Skeans, Knütteln
+und Halbpiken bewaffneten Rapparees, welche herbeiströmten, um den
+Befreier ihres Stammes zu sehen. Die Straße hatte ungefähr das Aussehen,
+als ob ein Jahrmarkt auf derselben gehalten würde. Spielleute kamen
+herbei und musicirten vor ihm in einer Weise, die sich stark von der der
+französischen Oper unterschied, und die Dorfbewohner führten nach dieser
+Musik wilde Tänze auf. Lange Friesmäntel, ähnlich denen, welche Spenser
+hundert Jahre früher als zu Lagerdecken für Rebellen und zu Mänteln für
+Diebe geeignet beschrieben hatte, waren auf den Weg gebreitet, den die
+Cavalcade ziehen mußte, und Kränze, in denen Krautstrünke die Stelle der
+Lorbeern vertraten, wurden der königlichen Hand dargereicht. Die Weiber
+wollten durchaus Se. Majestät küssen; aber sie müssen wenig Ähnlichkeit
+mit ihren heutigen Nachkommen gehabt haben, denn diese Aufmerksamkeit
+war ihm so widerlich, daß er seinem Gefolge befahl, sie in gemessener
+Entfernung zu halten.[62]
+
+Am 24. März zog er in Dublin ein. Diese Stadt war damals nach Umfang und
+Einwohnerzahl die zweite auf den britischen Inseln. Sie bestand aus
+sechs- bis siebentausend Häusern und hatte wahrscheinlich über
+dreißigtausend Einwohner.[63] An Wohlstand und Schönheit stand jedoch
+Dublin vielen englischen Städten nach. Von den eleganten und prächtigen
+Gebäuden, welche gegenwärtig beide Seiten des Liffey zieren, war damals
+noch kaum eines nur projectirt. Die Universität, ein Gebäude, das ganz
+anders aussah als das, welches sich jetzt auf der nämlichen Stelle
+erhebt, lag völlig außerhalb der Stadt.[64] Der Flächenraum, den jetzt
+Leinster House und Charlemont House, Sackville Street und Merrion Square
+einnehmen, war eine unbebaute Wiese. Die meisten Wohnhäuser waren von
+Holz und haben längst massiveren Gebäuden Platz gemacht. Das Schloß war
+1686 fast unbewohnbar gewesen. Clarendon hatte sich bitter beklagt, daß
+er keinen Gentleman in Pall Mall kenne, der nicht eine bequemere und
+freundlichere Wohnung habe, als der Vicekönig von Irland. Keine
+öffentliche Ceremonie könne unter dem viceköniglichen Dache auf
+anständige Weise abgehalten werden. Obgleich fortwährend neue
+Glasscheiben und Ziegel eingesetzt würden, dringe der Regen doch
+beständig in die Zimmer.[65] Tyrconnel hatte, seit er Vicekönig war,
+ein etwas bequemeres neues Gebäude aufführen lassen. Nach diesem Gebäude
+wurde der König mit festlichem Gepränge durch den südlichen Theil der
+Stadt geführt. Man hatte Alles aufgeboten, um dem Stadttheile, durch den
+er kommen mußte, einen festlichen und glänzenden Anstrich zu geben.
+Die gewöhnlich mit tiefem Koth bedeckten Straßen waren mit Sand und mit
+Zweigen und Blumen bestreut. Draperien und Teppiche hingen aus den
+Fenstern Derer, welche die Mittel zu solchem Luxus besaßen. Die Ärmeren
+ersetzten die kostbaren Stoffe durch Betttücher und Überzüge. Hier stand
+ein Trupp Mönche mit einem Kruzifix, dort eine Schaar von vierzig
+weißgekleideten Mädchen mit Blumensträußern, Stadtpfeifer und Harfner
+spielten die Melodie des Liedes: +»The King shall enjoy his own again.«+
+Der Vicekönig trug das Staatsschwert vor seinem Gebieter her. Die
+Richter, die Herolde, der Lord Mayor und die Aldermen erschienen in dem
+ganzen Pomp ihrer Amtswürde. Zu beiden Seiten waren Soldaten
+aufgestellt, um die Passage frei zu halten. Eine Reihe von zwanzig
+Karossen, welche öffentlichen Beamten gehörten, folgte dem Zuge. Vor dem
+Eingange ins Schloß kam dem Könige die Hostie unter einem von vier
+Bischöfen seiner Kirche getragenen Baldachin entgegen. Als er derselben
+ansichtig wurde, kniete er nieder und betete eine Weile. Dann erhob er
+sich wieder und ward in die Kapelle seines Palastes geführt, einst -- so
+sonderbar ist der Wechsel alles Irdischen -- die Reitbahn Heinrich
+Cromwell's. Hier wurde zur Feier der Ankunft Sr. Majestät ein Te Deum
+abgehalten. Am folgenden Morgen hielt er eine Geheimrathssitzung,
+entband den Oberrichter Keating von jedem ferneren Besuche des
+Staatsraths, ließ Avaux und den Bischof Cartwright vereidigen und erließ
+eine Proklamation, welche auf den 7. Mai ein Parlament nach Dublin
+berief.[66]
+
+ [Anmerkung 61: Avaux, 25. März (4. April) 1689.]
+
+ [Anmerkung 62: +A full and true Account of the Landing and
+ Reception of the late King James+; +Ireland's Lamentation+; +Light
+ to the Blind.+]
+
+ [Anmerkung 63: Siehe die Berechnungen Petty's, King's und
+ Davenant's. Wenn die durchschnittliche Zahl der Bewohner eines
+ Hauses in Dublin die nämliche war wie in London, so würde die
+ Bevölkerung von Dublin sich auf etwa vierunddreißigtausend Seelen
+ belaufen haben.]
+
+ [Anmerkung 64: Johann Dunton spricht von College Green bei Dublin.
+ Ich habe Briefe aus jener Zeit gesehen, die nach dem Collegium
+ _bei_ Dublin adressirt waren. Im Britischen Museum befinden sich
+ einige interessante alte Pläne von Dublin.]
+
+ [Anmerkung 65: Clarendon an Rochester, 8. Febr. 1685/86, 20.
+ April, 12. August und 30. November 1686.]
+
+ [Anmerkung 66: +Clarke's Life of James, II. 330.+; +Full and True
+ Account of the Landing and Reception etc.+; +Ireland's
+ Lamentation.+]
+
+
+[_Unzufriedenheit in England._] Als die Nachricht von Jakob's Ankunft in
+Irland in London eintraf, war die Angst und Bestürzung groß und mit
+ernster Unzufriedenheit gemischt. Der große Haufe, der den
+Schwierigkeiten, welche Wilhelm von allen Seiten umgaben, nicht
+hinreichend Rechnung trug, tadelte laut seine Sorglosigkeit. Allen
+Schmähungen der Unwissenden und Böswilligen setzte er, seiner Gewohnheit
+nach, nur eine unerschütterlich ernste Ruhe und das Stillschweigen der
+tiefsten Verachtung entgegen. Aber Wenige waren von der Natur mit einem
+so festen Character begabt wie der seinige und noch Wenigere hatten eine
+so lange und so harte Schule durchgemacht. Die Vorwürfe, welche seine
+von Jugend auf durch beide Extreme des Geschicks geprüfte Seelenstärke
+nicht zu erschüttern vermochten, schlugen einem weniger entschlossenen
+Herzen eine tiefe Wunde.
+
+Während alle Kaffeehausclubs einstimmig erklärten, daß schon längst eine
+Flotte und eine Armee hätten nach Dublin geschickt werden sollen, und
+sich wunderten, wie ein so berühmter Staatsmann wie Se. Majestät sich
+von einem Hamilton und Tyrconnel habe täuschen lassen können, ging ein
+Gentleman zur Wassertreppe des Temple, rief ein Boot herbei und befahl,
+ihn nach Greenwich zu fahren. Er nahm ein Briefcouvert aus der Tasche,
+schrieb mit Bleistift einige Zeilen darauf und legte das Papier nebst
+einem Silberstück als Fahrlohn auf die Bank. Als das Boot durch den
+dunklen Mittelbogen der London-Brücke fuhr, sprang er in's Wasser und
+verschwand. Er hatte auf das Couvert die Worte geschrieben: »Meine
+Thorheit, etwas zu unternehmen, was ich nicht durchführen konnte, hat
+dem Könige großen Schaden gebracht, der nicht mehr gut zu machen ist. --
+Es giebt keinen bequemeren Weg für mich als diesen. -- Möge er in seinen
+Unternehmungen glücklich sein. -- Möge der Himmel ihm seinen Segen
+geben.« Die Zeilen hatten keine Unterschrift, aber der Leichnam wurde
+bald gefunden und als der Johann Temple's erkannt. Er war jung und
+hochgebildet, war der Erbe eines angesehenen Namens, besaß eine
+liebenswürdige Gattin und ein großes Vermögen und die höchsten
+Staatsämter standen ihm offen. Das Publikum scheint überhaupt gar nicht
+gewußt zu haben, in welchem Umfange er für die Politik verantwortlich
+war, die der Regierung so viel Tadel zugezogen hatte. So streng der
+König auch war, besaß er doch ein viel zu edles Herz, als daß er einen
+Irrthum als ein Verbrechen hätte behandeln können. Er hatte den
+unglücklichen jungen Mann eben zum Kriegssekretär ernannt und seine
+Bestallung war in der Ausfertigung begriffen. Es ist nicht
+unwahrscheinlich, daß gerade die kalte Großmuth des Gebieters die Reue
+des Dieners unerträglich machte.[67]
+
+ [Anmerkung 67: +Clarendon's Diary+; +Reresby's Memoirs+;
+ +Narcissus Luttrell's Diary.+ Ich habe mich in Bezug auf Temple's
+ letzte Worte an die Angabe Luttrell's gehalten. Sie stimmt im
+ Wesentlichen mit der Clarendon's überein, hat aber mehr von der
+ bei einer solchen Gelegenheit sehr natürlichen Hast. Wenn irgend
+ etwas ein so tragisches Ereigniß lächerlich machen konnte, so
+ waren es die Wehklagen des Verfassers der »Londeriade«:
+
+ Dem Freunde sendet einen Brief der arme Knab'
+ und springt verzweifelnd in der Themse feuchtes Grab.]
+
+
+[_Parteispaltungen im Dubliner Schlosse._] Doch so groß auch die
+Unannehmlichkeiten waren, mit denen Wilhelm zu kämpfen hatte, diejenigen
+durch welche der Gleichmuth seines Schwiegervaters damals geprüft wurde,
+waren noch größer. Kein Hof in Europa war von mehr Hader und Intriguen
+zerrissen als solche innerhalb der Mauern des Dubliner Schlosses zu
+finden waren. Die zahlreichen kleinen Cabalen, welche ihren Ursprung in
+der Habgier, der Eifersucht und der Böswilligkeit Einzelner hatten, sind
+kaum der Erwähnung werth. Aber es bestand eine Ursache zu Zwiespalt,
+welche zu wenig beachtet worden ist und durch die sich Vieles erklären
+läßt, was in der Geschichte der damaligen Zeiten für räthselhaft
+gehalten wurde.
+
+Der englische Jakobitismus und der irische Jakobitismus hatten nichts
+mit einander gemein; der englische Jakobit war von hoher Begeisterung
+für das Haus Stuart beseelt, und in seinem Eifer für die Interessen
+dieses Hauses vergaß er nur zu oft die Interessen des Staats. Sieg,
+Frieden und Wohlstand erschienen dem unerschütterlichen Eidverweigerer
+als Übel, wenn sie darauf hinzielten, die Usurpation populär und
+permanent zu machen. Niederlage, Staatsbankerott, Hungersnoth und
+Invasion waren in seinen Augen öffentliche Wohlthaten, wenn sie die
+Aussicht auf eine Restauration vermehrten. Er würde lieber sein
+Vaterland als die letzte der Nationen unter Jakob II. oder Jakob III.
+gesehen haben, denn als den Beherrscher der Meere, den Schiedsrichter
+zwischen verfeindeten Potentaten, den Sitz der Künste und den
+Bienenstock der Industrie unter einem Prinzen des Hauses Nassau oder
+Braunschweig.
+
+Die Gesinnungen des irischen Jakobiten waren ganz andrer, und man muß es
+offen gestehen, edlerer Art. Die gestürzte Dynastie galt ihm nichts. Es
+war ihm nicht, wie dem Cavalier von Cheshire oder Shropshire, von der
+Wiege an gelehrt worden, treue Anhänglichkeit an jene Dynastie als die
+erste Pflicht eines Christen und eines Edelmannes zu betrachten. Alle
+seine Familientraditionen, alle Lehren, die er von seiner Amme und von
+seinen Priestern empfangen, hatten eine ganz andre Tendenz gehabt. Er
+war dazu angehalten worden, die fremden Beherrscher seines Vaterlandes
+mit dem Gefühle zu betrachten, mit dem der Jude Caesar, der Schotte
+Eduard I., der Castilianer Joseph Bonaparte, der Pole den russischen
+Autokraten betrachtet. Der hochadelige Milesier bildete sich etwas
+darauf ein, daß vom 12. bis zum 17. Jahrhundert jede Generation seiner
+Familie gegen die englische Krone unter Waffen gestanden hatte. Seine
+ältesten Ahnen hatten gegen Fitzstephen und De Burgh gekämpft, sein
+Urgroßvater hatte die Soldaten Elisabeth's in der Schlacht am Blackwater
+geschlagen. Sein Großvater hatte mit O'Donnel gegen Jakob I. conspirirt.
+Sein Vater hatte unter Phelim O'Neil gegen Karl I. gefochten. Die
+Confiscation des Familiengutes war durch eine Acte Karl's II. bestätigt
+worden. Kein Puritaner, der von Laud vor die Hohe Commission citirt
+worden war, der unter Cromwell bei Naseby gekämpft, der kraft der
+Conventikelacte verfolgt worden war und der sich wegen seiner
+Betheiligung an dem Ryehousecomplot hatte verbergen müssen, war dem
+Hause Stuart weniger zugethan als die O'Hara und die Macmahon, von deren
+Unterstützung das Schicksal dieses Hauses jetzt abzuhängen schien.
+
+Der feststehende Vorsatz dieser Männer war, das fremde Joch
+abzuschütteln, die sächsische Ansiedelung zu vertilgen, die
+protestantische Kirche zu zerstören und den Boden seinen früheren
+Eigenthümern zurückzugeben. Um diese Zwecke zu erreichen, würden sie
+sich ohne das mindeste Bedenken gegen Jakob erhoben haben, und um diese
+Zwecke zu erreichen, erhoben sie sich für ihn. Die irischen Jakobiten
+wünschten daher keineswegs, daß er wieder in Whitehall regieren möchte,
+denn sie mußten nothwendig einsehen, daß ein Beherrscher von Irland, der
+zugleich Beherrscher von England war, die Verwaltung des kleinen und
+ärmeren Königreichs nicht lange würde in directem Widerspruch mit der
+Gesinnung des größeren und reicheren leiten wollen, und, wenn er auch
+gewollt hätte, nicht würde leiten können. Ihr eigentlicher Wunsch war,
+daß beide Kronen völlig getrennt werden und daß ihre Insel, ob unter
+Jakob oder ohne Jakob kümmerte sie wenig, einen abgesonderten Staat
+unter dem mächtigen Schutze Frankreich's bilden möchte.
+
+Während eine Partei im Staatsrathe zu Dublin Jakob als ein bloßes
+Werkzeug zur Durchführung der Befreiung Irland's betrachtete,
+betrachtete eine andre Partei Irland als ein bloßes Werkzeug zur
+Herbeiführung der Restauration Jakob's. In den Augen der englischen und
+schottischen Lords und Gentlemen, die ihn von Brest aus begleitet
+hatten, war die Insel, auf der sie gegenwärtig weilten, nichts als eine
+Brücke, auf der sie nach Großbritannien zu gelangen hofften. Sie waren
+noch ebensosehr Verbannte, als sie es in Saint-Germains gewesen, und sie
+hielten sogar Saint-Germains für einen viel angenehmeren Verbannungsort
+als das Dubliner Schloß. Sie sympathisirten nicht mit der eingebornen
+Bevölkerung der entlegenen und halb barbarischen Region, in die ein
+sonderbarer Zufall sie geführt. Ja sie waren sogar durch gemeinsame
+Abkunft wie durch gemeinsame Sprache mit der Colonie verbunden, deren
+Ausrottung der Hauptzweck der eingebornen Bevölkerung war. Sie hatten in
+der That, wie die große Masse ihrer Landsleute, die eingebornen Irländer
+mit höchst ungerechter Verachtung angesehen, weil sie sie als den
+anderen europäischen Nationen nicht nur an erworbenen Kenntnissen,
+sondern auch an natürlicher Intelligenz und natürlichem Muth
+nachstehend, kurz als geborne Gibeoniten betrachteten, gegen die man
+sich sehr liberal gezeigt, indem man ihnen erlaubt hatte, für ein
+klügeres und mächtigeres Volk Holz zu hauen und Wasser zu tragen. Diese
+Politiker meinten auch -- und darin hatten sie unzweifelhaft Recht --
+daß, wenn es der Endzweck ihres Gebieters sei, den englischen Thron
+wieder zu erlangen, es Wahnsinn von ihm sein würde, sich der Führung der
+O und der Mac zu überlassen, welche England mit tödtlicher Feindschaft
+betrachteten. Ein Gesetz, das die irische Krone für unabhängig
+erklärte, ein Gesetz, das Mitren, Kirchengüter und Zehnten von der
+protestantischen auf die katholische Kirche übertrug, ein Gesetz, das
+zehn Millionen Acker Land von den Sachsen auf die Celten übertrug,
+würde, in Clare und Tipperary ohne Zweifel mit lautem Beifall
+aufgenommen werden. Aber welchen Eindruck würden diese Gesetze in
+Westminster, welchen in Oxford gemacht haben? Es wäre eine traurige
+Politik gewesen, sich Männer wie Clarendon und Beaufort, Ken und
+Sherlock zu entfremden, um den Beifall der Rapparees vom Allen-Moor zu
+erlangen.[68]
+
+So lagen die englischen und irischen Factionen im Rathe zu Dublin in
+einem Streite, der keine gütliche Beilegung zuließ. Avaux betrachtete
+inzwischen diesen Streit aus einem ihm ganz eigenthümlichen
+Gesichtspunkte. Sein Ziel war weder die Emancipation Irland's, noch die
+Wiedereinsetzung Jakob's, sondern die Größe der französischen Monarchie.
+Auf welchem Wege dieses Ziel am besten erreicht werden konnte, war
+allerdings ein sehr schwieriges Problem. Ein französischer Staatsmann
+mußte unzweifelhaft eine Contrerevolution in England wünschen. Eine
+solche Contrerevolution mußte nothwendig zur Folge haben, daß die Macht,
+welche Frankreich's furchtbarster Feind war, sein treuester
+Bundesgenosse wurde, daß Wilhelm zur Bedeutungslosigkeit herabsank und
+daß die europäische Coalition, deren Haupt er war, sich auflöste. Aber
+welche Aussicht war auf eine solche Contrerevolution? Die englischen
+Verbannten hofften allerdings, wie alle Verbannten, zuversichtlich auf
+eine baldige Rückkehr in ihr Vaterland. Jakob rühmte sich laut, daß
+seine Unterthanen jenseit des Kanals, obgleich durch die verführerischen
+Worte Religion, Freiheit und Eigenthum auf einen Augenblick irre
+geleitet, ihm im Grunde aufrichtig zugethan seien und sich um ihn
+schaaren würden, sobald er in ihrer Mitte erschiene. Aber der kluge
+Gesandte bemühte sich vergebens, einen haltbaren Grund für diese
+Hoffnungen zu entdecken. Er wußte gewiß, daß sie sich nicht auf eine aus
+irgend welchem Theile Großbritanniens angelangte Nachricht stützten und
+er betrachtete sie lediglich als Träume eines schwachen Geistes. Er
+hielt es für unwahrscheinlich, daß der Usurpator, dessen Talent und
+Entschlossenheit er während eines zehnjährigen ununterbrochenen Kampfes
+würdigen gelernt hatte, sich den durch so gewaltige Anstrengungen und
+durch so gelehrte Combinationen errungenen großen Preis leicht wieder
+werde entreißen lassen. Es mußte daher erwogen werden, welches
+Arrangement für Frankreich am vortheilhaftesten sein würde, im Fall es
+sich als unmöglich herausstellte, Wilhelm aus England zu vertreiben.
+Und es lag auf der Hand, daß, wenn Wilhelm nicht aus England vertrieben
+werden konnte, das für Frankreich vortheilhafteste Arrangement das sein
+mußte, welches man anderthalb Jahre früher, als Jakob keine Aussicht auf
+einen männlichen Erben hatte, im Sinne gehabt. Irland mußte von der
+englischen Krone losgetrennt, von den englischen Colonisten gesäubert,
+wieder mit der römischen Kirche vereinigt, unter den Schutz des Hauses
+Bourbon gestellt und in allen Beziehungen, den Namen ausgenommen, zu
+einer französischen Provinz gemacht werden. Im Kriege standen dann seine
+Hülfsquellen seinem Schutzherrn zur unumschränkten Verfügung; es
+lieferte seinem Heere Rekruten, bot seiner Flotte schöne Häfen dar,
+welche alle großen westlichen Kanäle des englischen Handels
+beherrschten, und die starke nationale und religiöse Antipathie, mit der
+seine eingeborne Bevölkerung die Bewohner der Nachbarinsel betrachtete,
+war eine hinreichende Garantie für ihre Treue gegen die Regierung,
+welche allein sie gegen die Sachsen schützen konnte.
+
+Im Ganzen genommen schien es daher Avaux, daß von den beiden Parteien,
+in welche der Dubliner Geheimrath gespalten war, die irische Partei
+diejenige sei, welche zu unterstützen im Interesse Frankreich's lag.
+In Folge dessen verband er sich innig mit den Häuptern dieser Partei,
+erlangte von ihnen die vollständigsten Aufschlüsse über Alles was sie
+beabsichtigten, und war bald im Stande seiner Regierung zu berichten,
+daß die Gentry sowohl als das gemeine Volk durchaus nicht abgeneigt
+seien, französisch zu werden.[69]
+
+Die Ansichten Louvois', unstreitig des größten Staatsmannes, den
+Frankreich seit Richelieu hervorgebracht hatte, scheinen mit denen
+Avaux' völlig übereingestimmt zu haben. Das Beste, schrieb Louvois,
+was König Jakob thun könne, sei, zu vergessen, daß er in Großbritannien
+regiert habe, und nur daran zu denken, Irland in eine gute Verfassung zu
+bringen und sich darin festzusetzen. Ob dies das wirkliche Interesse des
+Hauses Stuart war, darf wohl bezweifelt werden; jedenfalls aber war es
+das wirkliche Interesse des Hauses Bourbon.[70]
+
+Über die schottischen und englischen Verbannten, und besonders über
+Melfort, ließ sich Avaux beständig mit einer Schärfe aus, die man von
+einem so einsichtsvollen und erfahrenen Manne kaum hätte erwarten
+sollen. Melfort befand sich in einer eigenthümlich unglücklichen Lage.
+Er war ein Renegat, er war ein Todfeind der Freiheiten seines
+Vaterlandes, er besaß einen schlechten und tyrannischen Character, und
+doch war er in gewissem Sinne ein Patriot. Die Folge davon war, daß er
+allgemeiner verabscheut wurde als irgend einer seiner Zeitgenossen. Denn
+während sein Abfall und seine Willkürherrschaftsmaximen ihn zum
+Gegenstande des Abscheus für England und Schottland machten, wurde er
+wegen seiner ängstlichen Sorge für das Ansehen und die Integrität des
+Reichs auch von den Irländern und Franzosen verabscheut.
+
+Die erste zu entscheidende Frage war, ob Jakob in Dublin bleiben, oder
+ob er sich an die Spitze seiner Armee in Ulster stellen sollte. Über
+diese Frage geriethen die irischen und die britischen Factionen hart
+aneinander. Auf beiden Seiten wurden Gründe von keinem besonderen
+Gewicht geltend gemacht, denn keine der beiden Parteien wagte es, sich
+unumwunden darüber auszusprechen. Der eigentliche streitige Punkt war,
+ob der König in irischen oder in britischen Händen sein sollte. Blieb er
+in Dublin, so war es ihm kaum möglich, irgend einer Bill, die ihm von
+dem Parlament, welches er dahin berufen, vorgelegt wurde, seine
+Zustimmung zu verweigern. Er war dann gezwungen, unschuldige
+protestantische Gentlemen und Geistliche zu Hunderten zu berauben,
+vielleicht gar zu verurtheilen, und dadurch mußte er seiner Sache
+jenseit des St. Georgkanals nicht wieder gut zu machenden Schaden thun.
+Begab er sich hingegen nach Ulster, so war er nur wenige Segelstunden
+von Großbritannien entfernt. Sobald Londonderry gefallen war, und man
+war allgemein der Ansicht, daß es sich nicht lange werde halten können,
+konnte er sich mit einem Theile seiner Truppen einschiffen und in
+Schottland landen, wo seine Freunde für zahlreich gehalten wurden. War
+er aber einmal auf britischem Boden und unter britischen Anhängern, so
+lag es nicht mehr in der Macht der Engländer, seine Zustimmung zu ihren
+Beraubungs- und Racheplänen zu erzwingen.
+
+ [Anmerkung 68: Ein interessanter Brief vom Bischof Maloney an den
+ Bischof Tyrrel, den man im Anhange zu King's +State of the
+ Protestants+ findet, bringt viel Licht in den Streit zwischen
+ englischen und irischen Parteien in Jakob's Geheimen Rathe.]
+
+ [Anmerkung 69: Avaux, 25. März (4. April), 13.(23.) April 1689.
+ Ich habe mir jedoch weniger aus einem einzelnen Briefe als aus der
+ ganzen Tendenz und dem ganzen Geiste der Correspondenz Avaux'
+ meine Ansicht über seine Pläne gebildet.]
+
+ [Anmerkung 70: +»Il faut donc, oubliant qu'il a esté Roy
+ d'Angleterre et d'Ecosse, ne penser qu'à ce qui peut bonifier
+ l'Irlande, et luy faciliter les moyens d'y subsister.«+ Louvois an
+ Avaux. 3.(13.) Juni 1689.]
+
+
+[_Jakob beschließt nach Ulster zu gehen._] Die Debatten im Staatsrathe
+waren lang und heiß. Tyrconnel, der eben zum Herzog erhoben worden war,
+rieth seinem Gebieter in Dublin zu bleiben. Melfort drang in Se.
+Majestät, daß er nach Ulster gehen solle. Avaux bot seinen ganzen
+Einfluß zur Unterstützung Tyrconnel's auf; aber Jakob, dessen
+persönliche Neigung natürlich für die britische Seite der Frage war,
+beschloß dem Rathe Melfort's zu folgen.[71] Avaux fühlte sich tief
+gekränkt. In seinen officiellen Schreiben drückte er mit großer
+Bitterkeit seine Verachtung des Characters und des Verstandes des Königs
+aus. Über Tyrconnel, welcher gesagt hatte, er verzweifle an dem
+Glückssterne Jakob's und die eigentliche Frage schwebe zwischen dem
+Könige von Frankreich und dem Prinzen von Oranien, sprach sich der
+Gesandte in Worten aus, die ein warmes Lob sein sollten, aber vielleicht
+mit mehr Recht ein Tadel genannt werden dürften. »Wenn er ein Franzose
+wäre, könnte er keinen größeren Eifer für die Interessen Frankreich's an
+den Tag legen.«[72] Dagegen wurde Melfort's Benehmen mit einem Tadel
+bedacht, der einem Lobspruche sehr ähnlich steht: »Er ist weder ein
+guter Irländer, noch ein guter Franzos. Alle seine Neigungen
+concentriren sich auf sein Vaterland.«[73]
+
+ [Anmerkung 71: Siehe die Depeschen Avaux' vom April 1689; +Light
+ to the Blind.+]
+
+ [Anmerkung 72: Avaux, 6.(16.) April 1689.]
+
+ [Anmerkung 73: Avaux, 8.(18.) Mai 1689.]
+
+
+[_Jakob's Reise nach Ulster._] Da der König nun einmal beschlossen
+hatte, nach dem Norden zu gehen, so hielt Avaux es nicht für gerathen
+zurückzubleiben. Die königliche Reisegesellschaft brach auf, Tyrconnel
+in Dublin zurücklassend, und kam am 13. April in Charlemont an. Es war
+eine sonderbare Reise. Längs des ganzen Weges war das Land von der
+betriebsamen Bevölkerung verlassen und durch Räuberbanden verwüstet.
+»Es ist als wenn man durch die Wüsten Arabiens reiste,« sagte einer der
+französischen Offiziere.[74] Was die Colonisten nur irgend hatten
+fortbringen können, befand sich in Londonderry oder Enniskillen. Das
+Übrige war gestohlen oder vernichtet. Avaux schrieb seinem Hofe, daß er
+mehrere Meilen weit nach Heu für seine Pferde habe schicken müssen. Kein
+Landmann wagte es, etwas zum Verkauf zu bringen, aus Furcht daß es ihm
+unterwegs von einem Herumstreicher abgenommen werden möchte. Einmal
+mußte der Gesandte die Nacht in einer elenden Schenkstube voll
+rauchender Soldaten, ein andermal in einem demolirten Hause ohne Fenster
+oder Läden zum Schutze gegen den Regen zubringen. In Charlemont erlangte
+man mit großer Mühe und nur durch besondere Gunst einen Sack Hafermehl
+für die französische Gesandtschaft. Weizenbrot gab es nur auf der Tafel
+des Königs, der ein wenig Mehl von Dublin mitgenommen und dem Avaux
+einen Diener geliehen hatte, welcher das Backen verstand. Wer die Ehre
+hatte, zur königlichen Tafel geladen zu werden, bekam Brot und Wein
+zugemessen. Jeder Andre, so vornehm er immer sein mochte, aß Haferbrot
+und trank Wasser oder ein abscheuliches Bier, das aus Hafer, anstatt aus
+Gerste gebraut und mit einem namenlosen Kraute an Stelle des Hopfens
+gewürzt war.[75] Und die Fama sagte, daß die Gegend zwischen Charlemont
+und Strabane noch verödeter sein sollte als die Gegend zwischen Dublin
+und Charlemont. Es war unmöglich, einen großen Vorrath von Proviant mit
+sich zu führen. Die Wege waren so schlecht und die Pferde so schwach,
+daß die Baggagewagen alle weit zurückgeblieben waren. Es fehlte daher
+den Oberoffizieren der Armee an dem Nothwendigsten, und die Mißstimmung,
+eine natürliche Folge dieser Entbehrungen, wurde noch vermehrt durch die
+Theilnahmlosigkeit Jakob's, der es gar nicht zu bemerken schien, daß es
+seinen Begleitern an dem nöthigen Comfort gebrach.[76]
+
+Am 14. April reiste der König mit seinem Gefolge weiter nach Omagh. Es
+war regnerisch und windig, die Pferde vermochten kaum sich dem Sturme
+entgegen durch den Schmutz zu arbeiten, und der Weg war häufig von
+Gießbächen durchschnitten, welche fast Flüsse genannt werden konnten.
+Die Reisenden mußten mehrere Furthen passiren, wo das Wasser den Pferden
+bis an die Brust ging. Einige von der Gesellschaft waren ganz erschöpft
+von Hunger und Anstrengung. Das ganze Land ringsumher war eine
+grauenvolle Wildniß. Auf einer Strecke von vierzig Meilen zählte Avaux
+nur drei elende Hütten. Sonst war Alles Felsen, Sumpf und Moor. Als die
+Reisenden endlich Omagh erreichten, fanden sie es in Trümmern. Die
+Protestanten, welche die Mehrheit der Einwohner bildeten, waren geflohen
+und hatten kein Bund Stroh, kein Faß Branntwein zurückgelassen. Die
+Fenster waren zerbrochen, die Kamine zertrümmert, sogar die Schlösser
+und Riegel waren von den Thüren losgerissen.[77]
+
+Avaux hatte nicht aufgehört, den König zur Rückkehr nach Dublin
+aufzufordern; aber seine Vorstellungen waren bisher erfolglos geblieben.
+Jakob's Starrsinn war jedoch ein solcher, der mit männlicher
+Entschlossenheit nichts gemein hatte und über den zwar Vernunftgründe
+nichts vermochten, der aber durch Launen leicht zu erschüttern war. In
+Omagh erhielt er am Morgen des 16. April Briefe, die ihn sehr besorgt
+machten. Er erfuhr, daß ein starkes Corps Protestanten in Strabane unter
+Waffen stand und daß unweit der Mündung des Foylesees englische
+Kriegsschiffe gesehen worden waren. Drei Boten wurden in einer Minute an
+Avaux abgeschickt, um ihn in das verfallene Gemach zu bescheiden, in
+welchem das königliche Bett aufgeschlagen worden. Hier kündigte Jakob,
+halb angekleidet und mit der Miene eines Mannes, den ein vernichtender
+Schlag getroffen, ihm seinen Entschluß an, auf der Stelle nach Dublin
+zurückzueilen. Avaux vernahm diese Mittheilung mit Erstaunen und
+billigte den Entschluß des Königs. Melfort schien in völliger
+Verzweiflung zu sein. Die Reisenden kehrten also um und kamen spät am
+Abend wieder in Charlemont an. Hier empfing der König Depeschen ganz
+andren Inhalts wie die, welche ihn vor einigen Stunden erschreckt
+hatten. Die Protestanten, die sich bei Strabane gesammelt hatten, waren
+von Hamilton angegriffen worden. Unter einem rechtschaffenen Anführer
+würden sie wahrscheinlich Stand gehalten haben. Aber Lundy, der sie
+befehligte, hatte ihnen gesagt, daß Alles verloren sei, hatte ihnen
+geheißen, auf ihre Rettung bedacht zu sein, und hatte ihnen selbst das
+Beispiel zur Flucht gegeben.[78] In Folge dessen hatten sie sich in
+Unordnung nach Londonderry zurückgezogen. Die Correspondenten des Königs
+erklärten es für eine Unmöglichkeit, daß Londonderry sich halten könne.
+Se. Majestät brauche nur vor den Thoren zu erscheinen und sie würden
+augenblicklich geöffnet werden. Dies brachte Jakob wieder auf andere
+Gedanken, er machte sich Vorwürfe, daß er sich zur Rückkehr nach dem
+Süden hatte überreden lassen, und er bestellte seine Pferde, obgleich es
+schon spät Abends war. Die Pferde waren fast gänzlich erschöpft und
+ausgehungert; trotzdem aber wurden sie gesattelt. Melfort geleitete
+seinen Gebieter triumphirend ins Lager. Avaux erklärte nach erfolglosen
+Gegenvorstellungen, daß er entschlossen sei, nach Dublin zurückzukehren.
+Man darf annehmen, daß die großen Unbequemlichkeiten, die er bisher zu
+ertragen gehabt, einigen Antheil an diesem Entschlusse hatten, denn
+Klagen über diese Unbequemlichkeiten füllen einen großen Theil seiner
+Briefe, und in der That war auch der langjährige Aufenthalt in den
+Palästen Italiens, in den sauberen Zimmern und Gärten Holland's und in
+den prächtigen Pavillons der pariser Vorstädte eine schlechte
+Vorbereitung auf die verfallenen Hütten von Ulster. Seinem Gebieter aber
+führte er für seine Weigerung, mit nach dem Norden zu gehen, einen
+gewichtigeren Grund an. Jakob's Reise war im Widerspruch mit der
+einstimmigen Meinung der Irländer unternommen worden und hatte ernste
+Besorgnisse unter ihnen erweckt, sie fürchteten, daß er sie verlassen
+wolle, um eine Landung in Schottland zu versuchen, und sie wußten, daß
+er, war er einmal in Großbritannien gelandet, weder den Willen noch die
+Macht haben würde das zu thun, was sie am meisten wünschten. Indem sich
+nun Avaux weigerte, Jakob weiter zu begleiten, gab er ihnen einen
+Beweis, daß, wer sie auch sonst verrathen möchte, Frankreich ihr steter
+Freund bleiben werde.[79]
+
+Während Avaux sich auf dem Rückwege nach Dublin befand, eilte Jakob nach
+Londonderry. Er fand seine Armee einige Meilen südlich von der Stadt
+concentrirt. In seinem Gefolge befanden sich die französischen Generäle,
+welche mit ihm von Brest abgesegelt waren, und zwei von ihnen, Rosen und
+Maumont, wurden über Richard Hamilton gestellt.[80] Rosen war ein
+geborner Liefländer, der in früher Jugend ein Glückssoldat geworden, der
+sich zur Auszeichnung emporgekämpft hatte und der, obgleich ihm die den
+Hof von Versailles characterisirenden körperlichen und geistigen Vorzüge
+gänzlich abgingen, dennoch daselbst in hoher Gunst stand. Er besaß ein
+heftiges Temperament und rohe Manieren, und seine Sprache war ein
+seltsames Gemisch verschiedenartiger französischer und deutscher
+Dialecte. Selbst Diejenigen, welche die beste Meinung von ihm hegten und
+behaupteten, seine rauhe Außenseite berge einige gute Eigenschaften,
+mußten zugestehen, daß sein Äußeres gegen ihn sprach und daß es ihnen
+nicht angenehm sein würde, wenn sie im Dunklen an einem Waldsaume einer
+solchen Gestalt begegneten.[81] Das Wenige, was man von Maumont weiß,
+gereicht ihm zur Ehre.
+
+ [Anmerkung 74: Pusignan an Avaux, 30. März (9. April) 1689.]
+
+ [Anmerkung 75: Dieser traurige Bericht über das irische Bier ist
+ einer Depesche entlehnt, welche Desgrigny von Cork aus an Louvois
+ schrieb und die sich in den Archiven des französischen
+ Kriegsministeriums befindet.]
+
+ [Anmerkung 76: Avaux, 13.(23.), 20.(30.) April 1689.]
+
+ [Anmerkung 77: Avaux an Ludwig vom 15.(25.) April 1689, und an
+ Louvois von dem nämlichen Datum.]
+
+ [Anmerkung 78: +Commons' Journals, Aug. 12. 1689+; +MacKenzie's
+ Narrative.+]
+
+ [Anmerkung 79: Avaux, 17.(27.) April 1689. Die Geschichte dieses
+ sonderbaren Planwechsels ist in +Life of James, II. 330--332. Orig
+ Mem.+ ganz unrichtig erzählt.]
+
+ [Anmerkung 80: +Life of James, II. 334, 335. Orig. Mem.+]
+
+ [Anmerkung 81: Memoiren Saint-Simon's. Einige englische
+ Schriftsteller sind der irrigen Meinung, Rosen sei damals schon
+ Marschall von Frankreich gewesen. Dies wurde er erst 1703. Er war
+ lange Maréchal de Camp gewesen, was etwas ganz Andres ist, und war
+ kürzlich zum Generalleutnant befördert worden.]
+
+
+[_Der Fall Londonderry's erwartet._] Man erwartete im Lager allgemein,
+daß Londonderry ohne Schwertstreich fallen werde. Rosen prophezeite mit
+großer Zuversicht, der bloße Anblick der irischen Armee werde die
+Besatzung zur Übergabe bestimmen. Richard Hamilton aber, der den
+Character der Colonisten besser kannte, hatte schlimme Ahnungen. _Eines_
+wichtigen Bundesgenossen innerhalb der Mauern der Stadt waren die
+Belagerer gewiß. Der Gouverneur Lundy bekannte sich zwar zum
+protestantischen Glauben und hatte an der Proklamirung Wilhelm's und
+Mariens Theil genommen, aber er stand in geheimer Communication mit den
+Feinden seiner Kirche und der Souveraine, denen er Treue geschworen.
+Einige haben vermuthet, daß er ein verkappter Jakobit gewesen sei, und
+sich die Revolution nur deshalb zum Schein habe gefallen lassen, um
+desto leichter eine Restauration herbeiführen zu helfen, doch ist es
+wahrscheinlich, daß sein Verhalten eher der Zaghaftigkeit und
+Geistesarmuth als dem Eifer für irgend eine öffentliche Sache
+zuzuschreiben ist. Er scheint den Widerstand für hoffnungslos gehalten
+zu haben, und in der That mußten die Vertheidigungsmittel Londonderry's
+einem militärischen Auge kläglich vorkommen. Die Festungswerke bestanden
+aus einem mit Gras und Unkraut bewachsenen einfachen Walle; selbst vor
+den Thoren war kein Graben; die Zugbrücken waren seit langer Zeit
+vernachlässigt, die Ketten waren verrostet und kaum noch zu gebrauchen;
+die Brustwehren und Thürme waren nach einem Systeme erbaut, das Schülern
+Vauban's wohl ein Lächeln abzwingen konnte, und diese schwachen
+Vertheidigungswerke waren fast auf jeder Seite von Anhöhen beherrscht.
+Die Erbauer der Stadt hatten allerdings nie daran gedacht, daß sie eine
+regelmäßige Belagerung auszuhalten haben würde, und hatten sich damit
+begnügt, Werke anzulegen, welche hinreichten, die Einwohner gegen einen
+tumultuarischen Angriff der celtischen Bauern zu schützen. Avaux
+versicherte Louvois, daß ein einziges französisches Bataillon solche
+Vertheidigungswerke leicht erstürmen werde. Und selbst wenn der Platz
+trotz aller dieser Nachtheile im Stande sein sollte, eine Armee
+zurückzuschlagen, welche von der Kenntniß und Erfahrung von Generälen,
+die unter Condé und Turenne gedient hatten, geführt würde, so müsse doch
+der Hunger den Kampf bald beendigen. Die Lebensmittelvorräthe seien
+gering und die Bevölkerung sei durch eine Menge von Colonisten, welche
+vor der Wuth der Eingebornen geflohen, um das Sieben- bis Achtfache der
+gewöhnlichen Zahl vermehrt worden.[82]
+
+Lundy scheint daher von dem Augenblicke an, wo die irische Armee in
+Ulster einrückte, jeden Gedanken an einen ernsthaften Widerstand
+aufgegeben zu haben. Er sprach in einem so verzagten Tone, daß die
+Bürger und seine eignen Soldaten gegen ihn murrten. Er scheine es,
+sagten sie, darauf abgesehen zu haben, sie zu entmuthigen. Inzwischen
+rückte der Feind mit jedem Tage näher heran, und man erfuhr, daß Jakob
+selbst das Commando seiner Truppen zu übernehmen gedenke.
+
+ [Anmerkung 82: Avaux, 4.(14.) April 1689. Unter den Manuscripten
+ im britischen Museum befindet sich ein interessanter Bericht über
+ die Vertheidigungsmittel Londonderry's, der 1705 von einem
+ französischen Ingenieur, Namens Thomas, für den Herzog von Ormond
+ abgefaßt wurde.]
+
+
+[_Es kommt Succurs aus England._] Gerade in diesem Augenblicke zeigte
+sich ein Schimmer von Hoffnung. Am 14. April gingen englische Schiffe in
+der Bai vor Anker. Sie hatten zwei Regimenter an Bord, welche unter den
+Befehlen eines Obersten, Namens Cunningham, zur Verstärkung der Garnison
+abgesandt worden waren. Cunningham und mehrere von seinen Offizieren
+kamen ans Land, um sich mit Lundy zu besprechen. Dieser rieth ihnen
+davon ab, ihre Mannschaften landen zu lassen, indem die Stadt sich nicht
+halten könne. Noch mehr Truppen hineinzuwerfen, würde daher schlimmer
+als nutzlos sein, denn je zahlreicher die Besatzung sei, um so mehr
+Gefangene würden dem Feinde in die Hände fallen. Die beiden Regimenter
+könnten nichts besseres thun als nach England zurückzukehren. Er
+gedenke, sagte er, heimlich auf und davon zu gehen, und die Einwohner
+müßten dann zusehen, wie sie unter möglichst vortheilhaften Bedingungen
+kapituliren könnten.
+
+
+[_Verrätherei Lundy's._] Er ließ sich die Formalität eines Kriegsraths
+gefallen, von dem er aber alle diejenigen Offiziere ausschloß, deren
+Gesinnungen er als von den seinigen abweichend kannte. Einige, die sonst
+immer zu solchen Berathungen gezogen worden waren und die deshalb jetzt
+unaufgefordert kamen, wurden aus dem Zimmer gewiesen. Was der Gouverneur
+sagte, wurde von seinen Creaturen bestätigt. Cunningham und seine
+Kameraden durften es kaum wagen, ihre Ansicht der eines Mannes
+entgegenzusetzen, der natürlich viel bessere Lokalkenntniß hatte als sie
+und dem sie überdies zu gehorchen angewiesen waren. Einer der wackeren
+Soldaten erhob jedoch Einwürfe. »Bedenken Sie,« sagte er, »Londonderry
+aufgeben heißt Irland aufgeben.« Aber seine Einwendungen wurden mit
+Verachtung zurückgewiesen.[83] Der Kriegsrath ging auseinander,
+Cunningham kehrte mit seinen Offizieren auf die Schiffe zurück und traf
+Anstalten zur Abreise. Unterdessen schickte Lundy heimlich einen Boten
+ins Hauptquartier des Feindes, mit der Versicherung, daß die Stadt auf
+die erste Aufforderung ohne Kampf übergeben werden würde.
+
+ [Anmerkung 83: +Commons' Journals, Aug. 12. 1689.+]
+
+
+[_Die Bewohner von Londonderry beschließen sich zu vertheidigen._]
+Sobald aber das was im Kriegsrathe vorgegangen, in der Stadt ruchbar
+wurde, empörte sich der Geist der Soldaten und Bürger gegen den feigen
+und treulosen Anführer, der sie verrathen hatte. Viele von seinen
+eigenen Offizieren erklärten, daß sie sich nicht länger für verpflichtet
+hielten, ihm zu gehorchen. Drohende Stimmen ließen sich vernehmen, bald
+daß ihm der Hirnschädel eingeschlagen, bald daß er auf den Wällen der
+Stadt aufgehängt werden solle. Es wurde eine Deputation an Cunningham
+abgesandt, um ihn flehentlich zu bitten, das Commando der Stadt zu
+übernehmen. Er entschuldigte sich jedoch mit dem plausiblen Grunde, daß
+er Ordre habe, in allen Stücken den Befehlen des Gouverneurs Folge zu
+leisten.[84] Inzwischen ging das Gerücht, daß Einer nach dem Andren von
+Lundy's Vertrauten sich aus der Stadt stehle. Am Abend des 17. fand man,
+daß lange nach Einbruch der Dämmerung die Thore noch offen und die
+Schlüssel verschwunden waren. Die Offiziere, welche diese Entdeckung
+machten, nahmen es auf sich, die Parole zu ändern und die Wachen zu
+verstärken. Die Nacht ging jedoch ohne einen Angriff vorüber.[85]
+
+Nach einigen angstvollen Stunden brach der Morgen an. Die Irländer mit
+Jakob an ihrer Spitze, waren jetzt nur noch vier Meilen von der Stadt
+entfernt. Es wurde nun ein tumultuarischer Kriegsrath der angesehensten
+Einwohner zusammenberufen. Einige von ihnen sagten dem Gouverneur mit
+Heftigkeit gerade ins Gesicht, daß er sie verrathen habe. Er habe sie,
+riefen sie aus, ihrem erbittertsten Feinde verkauft und habe die Truppen
+nicht eingelassen, die der gute König Wilhelm zu ihrer Vertheidigung
+gesandt habe. Während der Wortwechsel seinen Höhepunkt erreicht hatte,
+meldeten die auf den Wällen ausgestellten Schildwachen, daß die Vorhut
+der feindlichen Armee in Sicht sei. Lundy hatte Befehl gegeben, daß
+nicht gefeuert werden sollte, aber seine Autorität war zu Ende. Zwei
+tapfere Soldaten, Major Heinrich Baker und Kapitain Adam Murray, riefen
+das Volk zu den Waffen. Sie wurden unterstützt durch die Beredtsamkeit
+eines bejahrten Geistlichen, Georg Walker, Rectors der Gemeinde
+Donaghmore, der mit vielen seiner Amtsbrüder in Londonderry ein Asyl
+gesucht hatte. Die ganze Bevölkerung der überfüllten Stadt war von einem
+Gefühle beseelt. Soldaten, Gentlemen, Freisassen und Handwerker eilten
+auf die Wälle und bemannten die Geschütze. Jakob, der sich, des Sieges
+gewiß, dem südlichen Thore bis auf hundert Schritt genähert hatte, wurde
+mit dem Geschrei: »Keine Übergabe!« und mit einer Kanonensalve von der
+nächsten Bastion empfangen. Ein Offizier von seinem Stabe fiel neben ihm
+todt nieder. Der König und seine Begleiter beeilten sich, aus dem
+Bereiche der Kanonenkugeln zu kommen. Lundy, der jetzt in der größten
+Gefahr schwebte, von denen die er verrathen hatte, in Stücken zerrissen
+zu werden, verbarg sich in einem entlegenen Gemache. Hier blieb er den
+Tag über, und während der Nacht entkam er unter dem großmüthigen und
+weisen Beistande Murray's und Walker's, als Lastträger verkleidet.[86]
+Noch jetzt wird der Theil des Walles gezeigt, wo er sich herunterließ,
+und noch lebende Leute rühmen sich die Früchte eines Birnbaumes gekostet
+zu haben, der ihm das Herabsteigen erleichtert hatte. Sein Name ist noch
+heutigen Tages den Protestanten im Norden Irland's ein Greuel und sein
+Bild wurde lange und wird vielleicht jetzt noch alljährlich mit
+ähnlichen Zeichen des Abscheus, wie sie in England dem Guy Faux zu Theil
+werden, aufgehängt und verbrannt.
+
+ [Anmerkung 84: Den besten Bericht über diese Vorgänge findet man
+ in den Verhandlungen des Hauses der Gemeinen vom 12. August 1689.
+ Siehe auch die Erzählungen von Walker und Mackenzie.]
+
+ [Anmerkung 85: +Mackenzie's Narrative.+]
+
+ [Anmerkung 86: Walker und Mackenzie.]
+
+
+[_Ihr Character._] Jetzt war Londonderry ohne alle militärische wie
+bürgerliche Obrigkeit. Niemand in der Stadt hatte das Recht einem Andern
+zu befehlen, die Vertheidigungsmittel waren schwach, die Vorräthe
+gering, und ein wüthender Tyrann stand mit einer zahlreichen Armee vor
+den Thoren. Drinnen aber herrschte ein Geist, der oft in Augenblicken
+verzweifelter Bedrängniß das gesunkene Glück von Nationen wieder
+aufgerichtet hat. Obwohl verrathen und verlassen, desorganisirt, von
+Hülfsmitteln entblößt und von Feinden umringt, war die edle Stadt doch
+noch immer keine leichte Eroberung. Was auch ein Ingenieur von der
+Stärke ihrer Mauern halten mochte: hinter diesen Mauern war der
+intelligenteste, muthigste und hochsinnigste Theil der englischen
+Bevölkerung von Leinster und Nordulster versammelt. Die Anzahl der
+waffenfähigen Männer betrug siebentausend Mann, und die ganze Welt hätte
+nicht siebentausend Männer liefern können, welche besser geeignet
+gewesen wären, einer furchtbaren Nothwendigkeit mit klarem Urtheil,
+unerschütterlichem Muthe und trotziger Geduld die Stirn zu bieten. Sie
+waren sämmtlich Protestanten und der Protestantismus der Mehrzahl hatte
+eine puritanische Färbung. Sie hatten viel Ähnliches von der nüchternen,
+entschlossenen und gottesfürchtigen Klasse, aus welcher Cromwell sein
+unbesiegbares Heer gebildet. Die eigenthümliche Lage aber, in die sie
+versetzt waren, hatte einige Eigenschaften in ihnen entwickelt, die im
+Mutterlande vielleicht nicht zur Geltung gekommen sein würden. Die
+englischen Bewohner Irland's waren eine aristokratische Kaste, die durch
+höhere Bildung, durch festes Zusammenhalten, durch rastlose Wachsamkeit
+und durch kaltblütige Unerschrockenheit in den Stand gesetzt worden war,
+eine zahlreiche und feindliche Bevölkerung in Unterwürfigkeit zu
+erhalten. Fast Jeder von ihnen war mehr oder weniger zu militärischen
+wie zu politischen Functionen herangebildet worden. Fast Jeder war mit
+dem Gebrauche der Waffen vertraut und gewohnt, an der Justizverwaltung
+Theil zu nehmen. Zeitgenössische Schriftsteller sagten, daß die
+Colonisten etwas von dem castilischen Stolze, aber nichts von der
+castilischen Indolenz hätten, daß sie ein ausgezeichnet reines und
+correctes Englisch sprächen und daß sie sowohl als Milizen wie als
+Geschworne hoch über ihres Gleichen im Mutterlande ständen.[87] Leute in
+der Lage der Angelsachsen in Irland haben zu allen Zeiten eigenthümliche
+Fehler und eigenthümliche Tugenden gehabt, die Fehler und Tugenden von
+Herren im Gegensatz zu den Fehlern und Tugenden von Sklaven. Das
+Mitglied eines dominirenden Stammes ist in seinem Verkehr mit dem
+unterworfenen Stamme zwar selten falsch -- denn Falschheit ist das
+Hülfsmittel des Schwachen -- aber gebieterisch, anmaßend und grausam.
+Gegen seine Brüder aber zeigt er sich im allgemeinen gerecht, gütig und
+selbst edel. Seine Selbstachtung bestimmt ihn alle seinem Stamme
+Angehörenden zu achten. Sein Interesse treibt ihn an, ein gutes
+Einvernehmen mit Denen zu unterhalten, deren prompten, kräftigen und
+muthigen Beistand er vielleicht einmal zur Erhaltung seines Eigenthums
+und seines Lebens bedürfen kann. Er ist stets der Wahrheit eingedenk,
+daß sein persönliches Wohl von dem Übergewicht der Klasse abhängt,
+der er angehört. Dadurch wird selbst sein Egoismus zum Gemeinsinn, und
+dieser Gemeinsinn wird durch Sympathie, durch das Verlangen nach Beifall
+und durch die Furcht vor Entehrung zu wilder Begeisterung aufgestachelt.
+Denn die einzige Meinung, auf die er Werth legt, ist die Meinung seiner
+Standesgenossen, und ihrer Ansicht nach ist treue Hingebung für die
+gemeinsame Sache die heiligste aller Pflichten. Der so constituirte
+Character hat zwei Seiten. Von der einen Seite angesehen, muß er von
+jedem Rechtschaffenen und Unbefangenen mit Mißbilligung betrachtet
+werden. Von der andren Seite gesehen, erzwingt er sich unwiderstehlich
+Beifall. Der Spartaner erregt unsren Abscheu, wenn er den unglücklichen
+Heloten schlägt und mit Füßen tritt. Den nämlichen Spartaner können wir
+nicht ohne Bewunderung betrachten, wenn wir ihn an dem Tage, von dem er
+wohl weiß, daß es sein letzter sein wird, im Engpaß von Thermopylä ruhig
+sein Haar ordnen sehen und seine lakonischen Scherze aussprechen hören.
+Dem oberflächlichen Beobachter mag es sonderbar vorkommen, daß soviel
+Böses und soviel Gutes beisammen gefunden werden können. In der That
+aber stehen dieses Gute und dieses Böse, die auf den ersten Anblick fast
+unvereinbar scheinen, in innigem Zusammenhange und haben einen
+gemeinsamen Ursprung. Weil der Spartaner gelernt hatte, sich als einem
+Herrschergeschlechte angehörend zu betrachten und auf jeden
+Nichtspartaner als auf einen tief unter ihm Stehenden herabzusehen,
+deshalb hatte er kein Mitgefühl für die elenden Sklaven, welche vor ihm
+im Staube krochen, und deshalb kam ihm nie, selbst nicht in der höchsten
+Noth, der Gedanke, sich einem fremden Herrn zu unterwerfen oder vor
+einem Feinde zu fliehen. Etwas von diesem nämlichen, aus Tyrannei und
+Heroismus zusammengesetzten Character hat man bei allen den Nationen
+gefunden, welche über zahlreichere Nationen dominirten. Nirgend aber hat
+sich im modernen Europa dieser Character so augenfällig gezeigt wie in
+Irland. Mit welcher Verachtung, mit welcher Abneigung die herrschende
+Minderzahl in diesem Lande lange Zeit die unterworfene Mehrzahl
+betrachtete, kann man am besten aus den gehässigen Gesetzen ersehen,
+welche noch zu einer Zeit, deren sich gegenwärtig Lebende erinnern, das
+irische Gesetzbuch schändeten. Diese Gesetze wurden endlich abgeschafft,
+aber der Geist, der sie zu Tage gefördert hatte, überlebte sie und macht
+sich noch jetzt zuweilen in Excessen Luft, welche dem Gemeinwohl zum
+größten Nachtheil und der protestantischen Religion zur Unehre
+gereichen. Dessenungeachtet kann man unmöglich leugnen, daß die
+englischen Colonisten mit leider zu vielen Fehlern einer herrschenden
+Kaste alle edelsten Tugenden einer solchen verbanden. Die Fehler haben
+sich ganz natürlich im schlimmsten Grade zu Zeiten des Gedeihens und der
+Ruhe gezeigt, wie die Tugenden sich am glänzendsten in Zeiten der Noth
+und Gefahr bewährt haben, und nie traten diese Tugenden sichtbarer in
+den Vordergrund als bei den Vertheidigern von Londonderry in dem
+Augenblicke da ihr Commandant sie im Stich gelassen und das Lager ihres
+Todfeindes vor den Mauern ihrer Stadt aufgeschlagen war.
+
+Sobald der erste Ausbruch der durch Lundy's Treulosigkeit erregten Wuth
+sich gelegt hatte, ergriffen Die, welche er verrathen, mit einer der
+berühmtesten Senate würdigen Kaltblütigkeit und Umsicht Maßregeln zur
+Aufrechthaltung der Ordnung und zur Vertheidigung der Stadt. Es wurden
+zwei Gouverneurs, Baker und Walker, erwählt. Baker übernahm das
+militärische Kommando, und Walker's specielles Geschäft bestand in der
+Erhaltung der inneren Ruhe und in der Vertheilung der Bedürfnisse aus
+den Magazinen.[88] Die kampffähigen Einwohner wurden in acht Regimenter
+eingetheilt und Obersten, Hauptleute und Subalternoffiziere ernannt. In
+wenigen Stunden kannte Jedermann seinen Posten und war bereit, sich beim
+ersten Trommelschlage auf denselben zu begeben. Das Verfahren, durch
+welches Cromwell in der vorhergehenden Generation unter seinen Soldaten
+eine so glühende und beharrliche Begeisterung erhalten hatte, wurde auch
+hier wieder mit nicht minder vollständigem Erfolge angewendet. Ein
+großer Theil des Tages ward mit Predigen und Beten hingebracht. Achtzehn
+Geistliche der Landeskirche und sieben bis acht nonconformistische
+Priester befanden sich in der Stadt. Sie alle strengten sich mit
+unermüdlichem Eifer an, den Muth des Volks zu heben und zu erhalten.
+Unter ihnen selbst herrschte für diese Zeit vollkommene Einigkeit. Aller
+Streit über Kirchenregiment, Stellungen und Ceremonien war vergessen.
+Der Bischof hatte sich, als er gesehen, daß seine Sermone über den
+passiven Gehorsam selbst von den Episkopalen bespöttelt wurden, zuerst
+nach Raphoe und dann nach England begeben, wo er jetzt in einer londoner
+Kapelle predigte.[89] Auf der andren Seite war ein schottischer
+Fanatiker, Namens Hewson, der die Presbyterianer ermahnt hatte, nicht
+mit Leuten, die sich weigerten den Covenant zu unterschreiben,
+gemeinschaftliche Sache zu machen, dem wohlverdienten Abscheu und Hohn
+der gesammten Protestanten verfallen.[90] Die Kathedrale gewährte einen
+eigenthümlichen Anblick. Auf der Höhe des breiten Thurmes, der jetzt
+durch einen von andrer Bauart ersetzt ist, waren Kanonen aufgefahren,
+unter den Bogengängen war Munition aufgehäuft und im Chore wurde jeden
+Morgen die Liturgie der anglikanischen Kirche verlesen. Am Nachmittag
+versammelten sich die Dissenters zu einem einfacheren Gottesdienst.[91]
+
+Jakob hatte vierundzwanzig Stunden gewartet, wahrscheinlich in der
+Hoffnung, daß Lundy seine Versprechungen erfüllen werde, und diese
+vierundzwanzig Stunden hatten hingereicht, um die Anstalten zur
+Vertheidigung Londonderry's zu vollenden. Am Abend des 19. April
+erschien ein Trompeter am südlichen Thore und fragte, ob die vom
+Gouverneur eingegangenen Verpflichtungen erfüllt werden würden. Die
+Antwort lautete, daß die Männer, welche diese Mauern bewachten, mit den
+Verpflichtungen des Gouverneurs nichts zu thun hätten und entschlossen
+wären, sich bis aufs Äußerste zu vertheidigen.
+
+Am folgenden Tage wurde ein Bote höheren Ranges gesandt: Claudius
+Hamilton, Lord Strabane, einer der wenigen römisch-katholischen Peers
+von Irland. Murray, der zum Obersten eines der acht Regimenter ernannt
+war, in welche die Besatzung eingetheilt worden, ging hinaus vor das
+Thor und es fand eine kurze Besprechung mit dem Parlamentair statt.
+Strabane war ermächtigt, große Versprechungen zu machen. Die Bürger
+sollten volle Verzeihung für alles Geschehene haben, wenn sie sich ihrem
+rechtmäßigen Landesherrn unterwürfen. Murray selbst sollte ein
+Oberstenpatent und tausend Pfund Sterling an Gelde bekommen. »Die Männer
+von Londonderry,« antwortete Murray, »haben nichts gethan, was der
+Verzeihung bedürfte, und erkennen keinen andren Souverain als König
+Wilhelm und Königin Marie an. Es dürfte nicht rathsam für Eure
+Lordschaft sein, noch lange hier zu verweilen oder in gleicher Absicht
+wiederzukommen. Gestatten Sie mir die Ehre, Sie bis über die Linien
+hinaus zu geleiten.«[92]
+
+Jakob war versichert worden und hatte mit Bestimmtheit erwartet, daß die
+Stadt sich ergeben würde, sobald sein Erscheinen vor den Mauern
+derselben zur Kenntniß der Einwohner gelangte. Als er sich jedoch in
+dieser Erwartung getäuscht sah, wollte er von Melfort's Rath nichts mehr
+wissen und er beschloß, sofort nach Dublin zurückzukehren. Rosen
+begleitete den König und die Leitung der Belagerung wurde Maumont
+übertragen. Unter ihm standen Richard Hamilton als Zweiter, und Pusignan
+als Dritter im Commando.
+
+ [Anmerkung 87: Siehe +The Character of the Protestants of Ireland,
+ 1689+, und +The Interest of England in the Preservation of
+ Ireland, 1689.+ Erstere Flugschrift ist das Werk eines Feindes,
+ letztere das eines warmen Freundes.]
+
+ [Anmerkung 88: Es entspann sich nachher ein müßiger Streit über
+ die Frage, ob Walker wirklich Gouverneur gewesen sei oder nicht.
+ Mir scheint es vollkommen unzweifelhaft, daß er es war.]
+
+ [Anmerkung 89: +Mackenzie's Narrative+; +Funeral Sermon on Bishop
+ Hopkins, 1690.+]
+
+ [Anmerkung 90: +Walker's True Account, 1689.+ Siehe auch +The
+ Apology for the True Account+ und +The Vindication of the True
+ Account+, beide in dem nämlichen Jahre erschienen. Ich habe diesen
+ Mann mit dem Namen bezeichnet, unter welchem er in Irland bekannt
+ war. Sein wirkliche Name aber war Houstoun. Er wird häufig in dem
+ wunderlichen Buche, betitelt: +Faithful Contendings Displayed+,
+ erwähnt.]
+
+ [Anmerkung 91: +A View of the Danger and Folly of being
+ publicspirited, by William Hamill, 1721.+]
+
+ [Anmerkung 92: Siehe +Walker's True Account+ und +Mackenzie's
+ Narrative.+]
+
+
+[_Londonderry belagert._] Die Operationen begannen nun ernstlich.
+Die Belagerer fingen damit an, daß sie die Stadt beschossen, und bald
+brannte sie an mehreren Stellen. Dächer und obere Stockwerke stürzten
+ein und erschlugen die Hausbewohner. Eine kurze Zeit lang schien die
+Besatzung, von der Viele noch niemals die Wirkung eines Bombardements
+gesehen, durch das Gekrach der einstürzenden Schornsteine und durch den
+Anblick der mit entstellten Leichnamen vermischten Trümmerhaufen
+entmuthigt zu werden. Aber das Vertrautwerden mit Gefahr und Greueln
+brachte binnen wenigen Stunden die natürliche Wirkung hervor. Der Muth
+des Volks steigerte sich bis zu einem solchen Grade, daß seine Anführer
+es für zweckmäßig hielten, die Offensive zu ergreifen. Am 21. April
+wurde unter Murray's Commando ein Ausfall gemacht. Die Irländer hielten
+ihrerseits entschlossen Stand und es kam zu einem heftigen und blutigen
+Kampfe. Maumont eilte an der Spitze eines Reitertrupps nach der Stelle,
+wo das Gefecht wüthete. Eine Flintenkugel traf ihn am Kopfe und streckte
+ihn todt nieder. Die Belagerer verloren außerdem noch mehrere andere
+Offiziere und ungefähr zweihundert Mann, bevor es gelang, die Colonisten
+in die Stadt zurückzuwerfen. Murray entkam mit knapper Noth. Sein Pferd
+war ihm unter dem Leibe getödtet worden und er war von Feinden umringt,
+aber er vertheidigte sich noch so lange gegen dieselben, bis einige von
+seinen Freunden, mit dem greisen Walker an der Spitze, aus dem Thore
+heraus stürzten und ihn befreiten.[93]
+
+Da Maumont gefallen war, übernahm Hamilton wieder das Commando der
+irischen Armee. Seine Thaten als Befehlshaber trugen keineswegs zur
+Erhöhung seines Ruhmes bei. Er war ein eleganter Cavalier und ein
+tapferer Soldat, aber auf den Titel eines großen Feldherrn konnte er
+keinen Anspruch machen; auch hatte er noch nie in seinem Leben eine
+Belagerung gesehen.[94] Pusignan besaß mehr Kenntniß und Energie, aber
+er überlebte Maumont um wenig mehr als vierzehn Tage. Am 6. Mai um vier
+Uhr Morgens unternahm die Besatzung einen zweiten Ausfall, eroberte
+mehrere Fahnen und tödtete viele von den Belagerern. Pusignan, welcher
+tapfer focht, wurde durch den Leib geschossen; die Wunde war von der
+Art, daß ein geschickter Chirurg sie wohl hätte heilen können; aber
+einen solchen gab es im irischen Lager nicht und die Verbindung mit
+Dublin war langwierig und unregelmäßig. So starb der Unglückliche unter
+bitteren Klagen über die rohe Unwissenheit und Nachlässigkeit, die seine
+Tage abgekürzt hatten. Ein Arzt, der expreß aus der Hauptstadt abgesandt
+worden, traf erst nach der Beerdigung ein. Wahrscheinlich in Folge
+dieses beklagenswerthen Unglücks richtete Jakob eine tägliche
+Postverbindung zwischen dem Schlosse von Dublin und Hamilton's
+Hauptquartier ein. Doch selbst auf diese Art wurden die Briefe nicht
+rasch befördert, denn die Couriere gingen zu Fuß und machten,
+wahrscheinlich aus Furcht vor den Enniskillenern, einen Umweg von einem
+Militärposten zum andren.[95]
+
+Der Mai verging, der Juni kam heran, und Londonderry hielt sich noch
+immer. Es hatten viele Ausfälle und Scharmützel mit verschiedenem
+Erfolge stattgehabt; im Ganzen aber war der Vortheil auf Seiten der
+Garnison gewesen. Mehrere hohe Offiziere waren als Gefangene in die
+Stadt gebracht worden, und zwei französische Fahnen, welche den
+Belagerern nach hartem Kampfe entrissen worden, waren als Trophäen in
+der Altarstätte der Kathedrale aufgehängt. Es schien nothwendig, die
+Belagerung in eine Blockade zu verwandeln. Ehe man aber die Hoffnung
+aufgab, die Stadt durch Waffengewalt zu nehmen, beschloß man noch einen
+energischen Versuch zu machen. Der zum Sturm ausersehene Punkt war ein
+Außenwerk, nicht weit vom südlichen Thore, welches der Windmühlenhügel
+hieß. Religiöse Anfeuerungsmittel wurden angewendet, um den gesunkenen
+Muth zu beleben. Viele Freiwillige verpflichteten sich eidlich in die
+Festungswerke einzudringen oder bei dem Versuche umzukommen. Kapitain
+Buttler, ein Sohn Lord Mountgarret's, übernahm es, die Eidgenossen zum
+Angriff zu führen. Die Colonisten waren in drei Reihen auf den Wällen
+aufgestellt. Die Hinteren hatten nur die Musketen der Vorderen zu laden.
+Die Irländer rückten kühn und mit einem entsetzlichen Geschrei heran,
+wurden aber nach einem langen und heißen Kampfe zurückgeschlagen. Im
+dichtesten Kugelregen sah man die Frauen von Londonderry, ihren Gatten
+und Brüdern Wasser und Munition reichend. An einer Stelle, wo der Wall
+nur sieben Fuß hoch war, gelang es Buttler und einigen seiner
+Eidgenossen, das Plateau zu erreichen; aber sie wurden sämmtlich
+getödtet oder gefangen genommen. Endlich, nachdem vierhundert Irländer
+gefallen waren, ließen ihre Anführer zum Rückzug blasen.[96]
+
+ [Anmerkung 93: Walker; Mackenzie; Avaux, 26. April (6. Mai) 1689.
+ Unter den Protestanten von Ulster herrscht die traditionelle
+ Meinung, Maumont sei von Murray's Hand gefallen; allein über
+ diesen Punkt ist der Bericht des französischen Gesandten an seinen
+ Gebieter entscheidend. In der That existiren über die Belagerung
+ von Londonderry fast eben so viele märchenhafte Geschichten wie
+ über die Belagerung von Troja. Die Sage von Murray und Maumont
+ datirt von 1689. In +The Royal Voyage+, welches Stück in jenem
+ Jahre aufgeführt wurde, wird der Kampf zwischen den beiden Helden
+ in folgenden wohlklingenden Strophen geschildert:
+
+ »Sie trafen sich, und auf den ersten Streich
+ Fiel Monsieur fluchend auf den staub'gen Grund
+ Und sterbend biß er noch in's Gras.«]
+
+ [Anmerkung 94: +Si c'est celuy qui est sorti de France le dernier,
+ qui s'appelloit Richard, il n'a jamais veu de siège, ayant
+ toujour's servi en Roussillon.+ -- Louvois an Avaux, 3.(13.) Juni
+ 1689.]
+
+ [Anmerkung 95: Walker; Mackenzie; Avaux an Louvois, 2.(12.),
+ 4.(14.) Mai 1689; Jakob an Hamilton vom 28. Mai (8. Juni) in der
+ Bibliothek der Royal Irish Academy. Louvois schrieb sehr entrüstet
+ an Avaux: +»La mauvaise conduite que l'on a tenue devant
+ Londonderry a cousté la vie à M. de Maumont et à M. de Pusignan.
+ Il ne faut pas que sa Majesté Britannique croye qu'en faisant tuer
+ des officiers generaux comme des soldats, on puisse ne l'en point
+ laisser manquer. Ces sortes de gens sont rares en tout pays et
+ doivent estre menagez.«+]
+
+ [Anmerkung 96: Walker; Mackenzie; Avaux, 16.(26.) Juni 1689.]
+
+
+[_Die Belagerung in eine Blokade verwandelt._] Es blieb nun nichts
+weiter übrig als die Wirkung des Hungers zu versuchen. Man wußte, daß
+die Lebensmittelvorräthe der Stadt nur gering waren, ja man wunderte
+sich sogar, daß sie so lange ausgereicht hatten. Jetzt wurden alle
+Maßregeln getroffen, um die fernere Zufuhr von Lebensmitteln
+abzuschneiden. Alle zur Stadt führenden Landwege wurden auf das
+Sorgfältigste bewacht. Auf der Südseite am linken Ufer des Foyle
+lagerten die Reiter, welche Lord Galmoy aus dem Barrowthale begleitet
+hatten. Ihr Anführer war von allen irischen Offizieren derjenige, den
+die Protestanten am meisten fürchteten und verabscheuten. Denn er hatte
+seine Mannschaft mit seltener Geschicklichkeit und Sorgfalt
+disciplinirt, und man erzählte sich haarsträubende Geschichten von
+seiner Grausamkeit und Perfidie. Lange Reihen Zelte, bedeckt mit der
+Infanterie Buttler's und O'Neils, Lord Slane's und Lord Gormanstown's,
+den Leuten aus Westmeath unter Nugent, den Leuten aus Kildare unter
+Eustace und den Leuten aus Kerry unter Cavanagh.[97] Der Fluß war mit
+Forts und Batterien besäumt, welche kein Schiff ohne große Gefahr
+passiren konnte. Nach einiger Zeit beschloß man, zur noch größeren
+Sicherheit ungefähr anderthalbe Meile unterhalb der Stadt eine Barrikade
+quer durch den Strom aufzuwerfen. Zu dem Ende wurden mehrere mit Steinen
+beladene Böte versenkt und eine Reihe Pfähle in den Grund des Flusses
+eingerammt. Starke Fichtenstämme, fest an einander gebunden, bildeten
+einen über eine Viertelmeile langen Sperrbaum, der mit fußdicken Tauen
+an beiden Ufern wohl befestigt war.[98] Ein großer Steinblock, an
+welchem das Tau am linken Ufer befestigt war, wurde viele Jahre später
+fortgeschafft, um behauen und zu einer Säule verarbeitet zu werden. Die
+Idee wurde jedoch wieder aufgegeben und die rohe Steinmasse liegt noch
+jetzt nicht weit von ihrem ursprünglichen Platze unter den Bäumen,
+welche ein reizendes Landhaus, Boom Hall genannt, beschatten. Dicht
+daneben befindet sich der Brunnen, aus dem die Belagerer tranken, und
+ein Stück weiter hin ist der Begräbnißplatz, wo sie ihre Gefallenen
+beerdigten und wo noch in unseren Tagen der Spaten des Gärtners in
+geringer Tiefe unter dem Rasen und den Blumen auf zahlreiche Schädel und
+Gebeine gestoßen ist.
+
+ [Anmerkung 97: Über die Disciplin der Galmoy'schen Reiter siehe
+ Avaux' Brief an Louvois vom 10.(20.) September. Entsetzliche
+ Geschichten von der Grausamkeit des Obersten sowohl wie seiner
+ Leute werden in der +Short View, by a Clergyman, 1689+, und in
+ mehreren anderen Flugschriften aus diesem Jahre erzählt. In Bezug
+ auf die Vertheilung der irischen Truppen sehe man die damals
+ erschienenen Pläne der Belagerung. Eine Liste der Regimenter, die
+ vermuthlich ein Seitenstück zu der im zweiten Buche der Iliade
+ vorkommenden Liste bilden sollte, findet man in der Londeriade.]
+
+ [Anmerkung 98: +Life of Admiral Sir John Leake, by Stephen M.
+ Leake, Clarencieux King at Arms, 1750.+ Von diesem Buche wurden
+ nur funfzig Exemplare gedruckt.]
+
+
+[_Seegefecht in der Bantry-Bai._] Während diese Ereignisse im Norden
+stattfanden, hielt Jakob seinen Hof in Dublin. Bei seiner Wiederankunft
+daselbst von Londonderry erhielt er die Nachricht, daß die französische
+Flotte unter dem Commando des Grafen von Chateau Renaud in der
+Bantry-Bai vor Anker gegangen sei und eine große Masse von
+Kriegsvorräthen sowie eine Geldsendung ans Land geschafft habe. Herbert,
+der eben mit einem englischen Geschwader nach jenen Gewässern abgegangen
+war, um die Verbindung zwischen der Bretagne und Irland abzuschneiden,
+erfuhr wo der Feind lag und segelte in die Bucht mit der Absicht, eine
+Schlacht zu liefern. Doch der Wind war ihm ungünstig, die feindliche
+Flotte war der seinigen weit überlegen, und nach einem kurzen Feuer,
+das auf keiner Seite erhebliche Verluste herbeiführte, hielt er es für
+rathsam, die hohe See wieder zu gewinnen, während die Franzosen sich
+tiefer in den Hafen zurückzogen. Er steuerte nach Scilly, wo er
+Verstärkungen zu finden hoffte, und Chateau Renaud, zufrieden mit dem
+Ruhme, den er sich erworben, und besorgt, daß er denselben durch
+längeres Verweilen wieder verlieren möchte, eilte trotz der dringenden
+Aufforderung Jakob's, nach Dublin zu kommen, nach Brest zurück.
+
+Beide Theile machten Anspruch auf den Sieg. Die Gemeinen zu Westminster
+beschlossen albernerweise ein Dankvotum für Herbert, Jakob ließ, nicht
+minder albernerweise, Freudenfeuer anzünden und ein Te Deum singen. Aber
+diese Freudenbezeigungen befriedigten Avaux keineswegs, denn seine
+Nationaleitelkeit war selbst noch stärker als die Klugheit und
+Courtoisie, durch die er sich auszeichnete. Er beschwerte sich, daß
+Jakob so ungerecht und undankbar sei, den Ausgang des kürzlichen
+Gefechts dem Widerstreben zuzuschreiben, mit dem die englischen Seeleute
+gegen ihren rechtmäßigen König und ihren alten Commandeur gefochten
+hätten, und daß Se. Majestät eben nicht sehr erfreut gewesen zu sein
+scheine, als er gehört habe, daß sie, von den siegreichen Franzosen
+verfolgt, über den Ocean flüchteten. Auch Dover sei ein schlechter
+Franzos. Er scheine sich eben so wenig über die Niederlage seiner
+Landsleute gefreut zu haben, und man habe ihn äußern hören, daß das
+Gefecht in der Bantry-Bai den Namen einer Schlacht nicht verdiene.[99]
+
+ [Anmerkung 99: Avaux, 8.(18.) Mai, 26. Mai (5. Juni) 1689; London
+ Gazette vom 9. Mai; +Life of James, II. 370+; +Burchet's Naval
+ Transactions+; +Commons' Journals May 18, 21.+ Aus den Memoiren
+ der Frau von la Fayette ersieht man, daß dieses unbedeutende
+ Treffen in Versailles nach Gebühr gewürdigt wurde.]
+
+
+[_Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt in Dublin._] Den Tag darauf,
+nachdem in Dublin zu Ehren dieses unentschiedenen Gefechts ein Te Deum
+gesungen worden war, eröffnete das von Jakob zusammenberufene Parlament
+seine Sitzungen. Die Zahl der weltlichen Peers von Irland betrug bei
+seiner Ankunft in diesem Königreiche ungefähr hundert. Davon kamen nicht
+mehr als vierzehn seiner Aufforderung nach, und von diesen vierzehn
+waren zehn Katholiken. Durch Umstoßen früherer Verurtheilungen und durch
+neue Creirungen wurden noch siebzehn Lords, sämmtlich Katholiken, ins
+Oberhaus gebracht. Die protestantischen Bischöfe von Meath, Ossory, Cork
+und Limerick erschienen, ob aus der aufrichtigen Überzeugung, daß sie
+rechtmäßigerweise selbst einem Tyrannen den Gehorsam nicht verweigern
+könnten, oder in der eitlen Hoffnung, daß selbst das Herz eines Tyrannen
+durch ihre Geduld erweicht werden möchte, in der Mitte ihrer Todfeinde.
+
+Das Haus der Gemeinen bestand fast ausschließlich aus Irländern und
+Papisten. Zugleich mit den königlichen Ausschreiben hatten die
+Wahlbeamten von Tyrconnel Briefe erhalten, in denen die Personen namhaft
+gemacht waren, die er gewählt zu sehen wünschte. Die größten Wahlkörper
+des Königreichs waren damals sehr klein, denn außer den Katholiken wagte
+kaum Jemand sein Gesicht zu zeigen, und katholische Freisassen gab es
+damals sehr wenige, in manchen Grafschaften nicht mehr als zehn bis
+zwölf. Selbst in so bedeutenden Städten wie Cork, Limerick und Galway
+überstieg die Zahl Derer, welche nach den neuen Städteordnungen
+stimmberechtigt waren, nicht vierundzwanzig. Ungefähr zweihundertfunfzig
+Mitglieder nahmen ihre Sitze ein, und davon waren nur sechs
+Protestanten.[100] Die Namenliste giebt hinreichenden Aufschluß über die
+politische und religiöse Gesinnung der Versammlung. Es war das einzige
+irische Parlament jener Zeit, das mit Dermots und Grohagans, mit O'Neils
+und O'Donovans, mit Macmahons, Macnamaras und Macgillicuddies angefüllt
+war. Die Führung übernahmen einige Männer, deren Fähigkeiten durch
+juristische Studien oder durch in fremden Ländern erworbene Erfahrung
+entwickelt worden waren. Dem Generalfiskal, Sir Richard Nagle, der die
+Grafschaft Cork vertrat, gaben selbst die Protestanten das Zeugniß eines
+scharfsinnigen und gelehrten Juristen. Franz Plowden, der Commissar für
+die Staatsrevenüen, der für Bannow im Parlamente saß und als erster
+Finanzbeamter fungirte, war ein Engländer, und da er ein Hauptagent des
+Jesuitenordens in Geldangelegenheiten gewesen, läßt sich wohl annehmen,
+daß er ein ausgezeichneter Geschäftsmann war.[101] Oberst Heinrich
+Luttrell, Mitglied für die Grafschaft Carlow, hatte lange in Frankreich
+gedient und von dort in sein Heimathland einen geschärften Verstand und
+verfeinerte Sitten, eine glatte Zunge, einige Geschicklichkeit im Kriege
+und sehr viel Geschicklichkeit im Intriguiren mitgebracht. Sein älterer
+Bruder, Oberst Simon Luttrell, Vertreter der Grafschaft Dublin und
+Militärgouverneur der Hauptstadt, hatte ebenfalls in Frankreich gelebt
+und spielte, obwohl er seinem Bruder Heinrich an Talent und Thätigkeit
+nachstand, doch eine sehr hervorragende Figur unter den Anhängern
+Jakob's. Das andre Mitglied für die Grafschaft Dublin war Oberst Patrick
+Sarsfield. Diesen tapferen Offizier betrachteten die Eingebornen als
+einen der Ihrigen, denn seine Vorfahren von Vaters Seite waren zwar
+ursprünglich Engländer, gehörten aber zu den ersten Colonisten, von
+denen man sprüchwörtlich sagte, daß sie irischer geworden seien als
+Irländer. Seine Mutter war von edlem celtischen Geblüt und er war ein
+treuer Anhänger des alten Glaubens. Als der Erbe eines Vermögens, das
+ihm etwa zweitausend Pfund jährlicher Einkünfte gewährte, war er einer
+der reichsten Katholiken des Landes. Von den Höfen und Feldlagern besaß
+er eine Kenntniß wie nur wenige seiner Landsleute. Er war lange Offizier
+bei der englischen Leibgarde gewesen, hatte viel mit Whitehall verkehrt
+und hatte unter Monmouth auf dem Continente und gegen Monmouth bei
+Sedgemoor tapfer gefochten. Er hatte, wie Avaux schrieb, mehr
+persönlichen Einfluß als irgend Jemand in Irland und war wirklich ein
+Gentleman von ausgezeichneten Verdiensten, tapfer, bieder, ehrenwerth,
+auf das Wohlbefinden seiner Leute im Quartier bedacht und am Tage der
+Schlacht stets an ihrer Spitze. Seine Unerschrockenheit, seine
+Freimüthigkeit, seine grenzenlose Gutherzigkeit, seine Statur, welche
+die gewöhnlicher Menschen hoch überragte, und die Körperkraft, welche er
+im Einzelkampfe entwickelte, hatten ihm die Zuneigung und Bewunderung
+der Massen erworben. Es ist bemerkenswerth, daß die Engländer ihn
+allgemein als einen tapferen, geschickten und hochherzigen Feind
+achteten und daß er selbst in den rohesten Possen, welche von gemeinen
+Comödianten in Smithfield aufgeführt wurden, stets von den entehrenden
+Beschuldigungen ausgenommen ward, welche man damals auf die irische
+Nation zu schleudern gewohnt war.[102]
+
+Doch solcher Männer waren nicht viele in dem Hause der Gemeinen, das
+sich zu Dublin versammelt hatte. Es ist kein Vorwurf für die irische
+Nation, eine Nation, welche seitdem ihr volles Contingent von beredten
+und gebildeten Senatoren gestellt hat, wenn man sagt, daß von allen
+Parlamenten, welche je auf den britischen Inseln zusammengetreten sind,
+Barebone's Parlament nicht ausgenommen, es dem von Jakob einberufenen am
+meisten an den Eigenschaften gebrach, die eine Legislatur besitzen muß.
+Die strenge Herrschaft einer feindlichen Kaste hatte die Geisteskräfte
+des irischen Gentleman gelähmt. War er so glücklich Grundeigenthum zu
+besitzen, so hatte er sein Leben in der Regel unter Jagd, Fischfang,
+Trinkgelagen und Liebeshändeln mit seinen Unterthanen zugebracht. War
+sein Vermögen confiscirt worden, so war er von Schloß zu Schloß und von
+Hütte zu Hütte gewandert, um kleine Geldbeiträge zu erheben und auf
+Kosten Anderer zu leben. Er hatte nie im Hause der Gemeinen gesessen,
+hatte niemals thätigen Antheil an einer Wahl genommen, und war nie
+Magistratsbeamter gewesen; kaum daß er einmal Mitglied einer großen Jury
+gewesen war. Daher fehlte es ihm an aller und jeder Erfahrung in
+öffentlichen Angelegenheiten. Der englische Squire war zwar auch kein
+besonders gelehrter und erleuchteter Politiker, aber im Vergleich mit
+dem katholischen Squire von Munster oder Connaught war er ein Staatsmann
+und Philosoph.
+
+Die Parlamente Irland's hatten damals kein bestimmtes Versammlungslocal.
+Sie kamen in der That so selten zusammen und gingen so bald wieder
+auseinander, daß es kaum der Mühe werth gewesen wäre, einen Palast zu
+ihrem ausschließlichen Gebrauche zu erbauen und einzurichten. Erst als
+die hannöversche Dynastie schon lange auf dem Throne saß, erstand in
+College Green ein Senatshaus, das mit den schönsten Bauwerken von Inigo
+Jones einen Vergleich aushält. An der Stelle wo jetzt der Porticus und
+die Kuppel der Four Courts auf den Liffey herniedersehen, stand
+im siebzehnten Jahrhundert ein altes Gebäude, das einst ein
+Dominikanerkloster gewesen, seit der Reformation aber den Männern des
+Gesetzes zur Benutzung angewiesen worden war und den Namen King's Inns
+führte. Dieses Gebäude war zur Aufnahme des Parlaments eingerichtet
+worden. Am 7. Mai nahm Jakob, in königliche Gewänder gekleidet und eine
+Krone tragend, seinen Sitz auf dem Throne im Hause der Lords ein und
+ließ die Gemeinen vor die Schranken entbieten.[103]
+
+Er sprach hierauf den Eingebornen Irland's seinen Dank dafür aus, daß
+sie treu zu ihm gehalten, als das Volk seiner anderen Königreiche ihn
+verlassen habe. Seinen Entschluß, alle religiösen Disabilitäten in allen
+seinen Landen abzuschaffen, erklärte er für unerschütterlich
+feststehend. Er forderte das Haus auf, die Ansiedelungsacte in Erwägung
+zu ziehen und die Beeinträchtigungen zu redressiren, über welche die
+alten Eigenthümer des Bodens sich zu beschweren Ursache hätten. Zum
+Schluß erkannte er in warmen Ausdrücken an, wie sehr er dem Könige von
+Frankreich verpflichtet sei.[104]
+
+Nach beendeter Thronrede ersuchte der Kanzler die Gemeinen, sich in ihre
+Kammer zurück zu begeben und einen Sprecher zu wählen. Sie wählten den
+Generalfiscal Nagle, und die Wahl wurde vom Könige bestätigt.[105]
+
+Die Gemeinen votirten nun zunächst Resolutionen, welche sowohl Jakob als
+Ludwig innigen Dank darbrachten. Es wurde sogar vorgeschlagen, durch
+eine Deputation Avaux eine Adresse überreichen zu lassen; der Sprecher
+aber setzte die grobe Unziemlichkeit eines solchen Schrittes
+auseinander, und sein Dazwischentreten hatte bei dieser Gelegenheit den
+gewünschten Erfolg.[106] Sonst war jedoch das Haus selten geneigt, auf
+Vernunftgründe zu hören. Die Debatten waren eitel Geschrei und Tumult.
+Der Richter Daly, ein Katholik, aber ein rechtschaffener und begabter
+Mann, konnte nicht umhin, die Unschicklichkeit und Thorheit zu beklagen,
+mit der die Mitglieder seiner Kirche das Werk der Gesetzgebung
+betrieben. Diese Herren, sagte er, seien kein Parlament, sondern ein
+bloßer Pöbelhaufen; sie glichen auf ein Haar den Fischern und
+Gemüsehändlern, welche in Neapel zu Ehren Masaniello's brüllten und die
+Mützen emporwarfen. Es sei schmerzlich, ein Mitglied nach dem andren
+tollen Unsinn über seine Verluste schwatzen und nach dem geraubten
+Vermögen schreien zu hören, während das Leben Aller und die
+Unabhängigkeit des gemeinsamen Vaterlandes in Gefahr seien. Diese Worte
+wurden privatim gesprochen, aber einige Ohrenbläser hinterbrachten sie
+den Gemeinen. Es brach ein heftiger Sturm los. Daly wurde vor die
+Schranken gefordert, und es unterlag kaum einem Zweifel, daß man mit
+Strenge gegen ihn verfahren würde. In dem Augenblicke aber als er die
+Schwelle überschritt, stürzte ein Mitglied mit dem Ausrufe herein: »Gute
+Nachrichten! Londonderry ist genommen!« Das ganze Haus erhob sich, alle
+Hüte flogen in die Luft, und drei laute Hurrahs ertönten. Jedes Herz
+wurde durch die frohe Botschaft zur Milde gestimmt. Niemand wollte in
+einem solchen Augenblick etwas von Bestrafung hören. Der Befehl zu
+Daly's Erscheinen wurde unter dem Rufe: »Keine Unterwürfigkeit! keine
+Unterwürfigkeit! wir verzeihen ihm!« wieder aufgehoben. Wenige Stunden
+später erfuhr man, daß Londonderry sich noch so hartnäckig hielt wie je
+zuvor. Dieser an sich unbedeutende Vorfall verdient erwähnt zu werden,
+weil er beweist, wie sehr es dem Hause der Gemeinen an den Eigenschaften
+fehlte, die in dem großen Rathe eines Landes gefunden werden müssen.
+Und diese Versammlung, die weder Erfahrung noch würdevollen Ernst, noch
+Mäßigung besaß, sollte jetzt über Fragen entscheiden, welche dem
+Scharfsinne der größten Staatsmänner viel zu schaffen gemacht haben
+würden.[107]
+
+ [Anmerkung 100: +King, III. 12+; +Memoirs of Ireland from the
+ Restoration, 1716.+ Listen beider Häuser findet man im Anhang zu
+ King.]
+
+ [Anmerkung 101: Beweise für Plowden's Connection mit den Jesuiten
+ fand ich in einem Briefbuche des Schatzamts unterm 12. Juni 1689.]
+
+ [Anmerkung 102: +»Sarsfield«+, schrieb Avaux unterm 11.(21.)
+ October 1689 an Louvois, +»n'est pas un homme de la naissance de
+ mylord Galloway«+ (vermuthlich Galmoy) +»ny de Makarty; mais c'est
+ un gentilhomme distingué par son mérite, qui a plus de crédit dans
+ ce royaume qu'aucun homme que je connaisse. Il a de la valeur,
+ mais surtout de l'honneur et de la probité à toute épreuve ...
+ homme qui sera toujours à la tête de ses troupes, et qui en aura
+ grand soin.«+ -- Leslie sagt in seiner +Answer to King+, daß die
+ irischen Protestanten Sarsfield's Rechtschaffenheit und Ehre
+ Gerechtigkeit widerfahren ließen. In der That wird Sarsfield
+ selbst in rohen Possen, wie die +Royal Flight+, gebührende
+ Anerkennung zu Theil.]
+
+ [Anmerkung 103: +Journal of the Parliament in Ireland, 1689.+ Der
+ Leser darf nicht glauben, daß dieses Tagebuch einen officiellen
+ Character habe. Es ist eine bloße Compilation von einem
+ protestantischen Pamphletisten und in London gedruckt.]
+
+ [Anmerkung 104: +Life of James, II. 335.+]
+
+ [Anmerkung 105: +Journal of the Parliament in Ireland.+]
+
+ [Anmerkung 106: Avaux, 20. Mai (5. Juni) 1689.]
+
+ [Anmerkung 107: +A True Account of the Present State of Ireland,
+ by a Person that with Great Difficulty left Dublin, 1689+; Brief
+ aus Dublin vom 12. Juni 1689; +Journal of the Parliament in
+ Ireland.+]
+
+
+[_Es wird eine Toleranzacte erlassen._] Jakob bestimmte sie zur
+Beschließung einer Acte, welche ihm und ihnen zur größten Ehre gereicht
+haben würde, hätte man nicht zahlreiche Beweise dafür, daß sie nur ein
+todter Buchstabe sein sollte. Es war dies eine Acte, welche allen
+christlichen Secten volle Gewissensfreiheit gewährte. Bei dieser
+Gelegenheit wurde eine Proklamation erlassen, welche in hochtrabenden
+Worten dem englischen Volke ankündigte, daß sein rechtmäßiger König
+jetzt augenfällig die Verleumder widerlegt habe, welche ihn beschuldigt
+hätten, nur um eines einzelnen Zweckes willen Eifer für die
+Glaubensfreiheit erheuchelt zu haben. Wenn er im Herzen zur Verfolgung
+geneigt wäre, würde er dann nicht die irischen Protestanten verfolgt
+haben? Es fehle ihm weder an Macht noch an Herausforderungen dazu.
+Dennoch habe er sowohl in Dublin, wo die Mitglieder seiner Kirche in der
+Majorität seien, wie auch in Westminster, wo sie in der Minorität
+gewesen, fest an den Grundsätzen gehalten, die er in seiner viel
+geschmähten Indulgenzerklärung ausgesprochen habe.[108] Zu seinem
+Unglück brachte der nämliche Wind, der seine schönen Reden nach England
+trug, zu gleicher Zeit auch den Beweis hinüber, daß seine Erklärungen
+nicht aufrichtig waren. Ein einzelnes, eines Turgot oder Franklin
+würdiges Gesetz nahm sich gar zu lächerlich aus inmitten einer Menge von
+Gesetzen, die einem Gardiner oder Alva Schande gemacht haben würden.
+
+ [Anmerkung 108: +Life of James, II. 361--363.+ Es wird dort
+ gesagt, die Proklamation sei ohne Vorwissen Jakob's erlassen
+ worden, er habe sie aber nachher gebilligt. Siehe Melwood's
+ +Answer to the Declaration, 1689.+]
+
+
+[_Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten._] Ein
+nothwendiger Vorläufer zu dem großen Beraubungs- und Mordwerke, das
+die Gesetzgeber von Dublin beabsichtigten, war eine Acte, welche die
+Autorität annullirte, die das englische Parlament als höchste Legislatur
+wie als höchster Appellhof bisher über Irland ausgeübt hatte.[109]
+Diese Acte wurde rasch angenommen und ihr folgten in schneller
+Aufeinanderfolge Confiscationen und Proscriptionen in gigantischem
+Maßstabe. Das persönliche Vermögen der Abwesenden,[110] welche über
+siebzehn Jahr alt waren, wurde dem Könige zugeschrieben. Wenn man sich
+in solcher Weise an Laieneigenthum vergriff, so stand nicht zu erwarten,
+daß die Dotationen, welche im Widerspruch mit jedem gesunden Prinzip an
+die Kirche der Minorität verschwendet worden waren, geschont werden
+würden. Diese Dotationen ohne Nachtheil für bestehende Interessen zu
+verringern, würde eine Reform gewesen sein, die eines guten Fürsten und
+eines guten Parlaments würdig gewesen wäre. Aber eine solche Reform
+genügte den rachsüchtigen Bigotten nicht, welche in King's Inns saßen.
+Durch eine summarische Acte wurde der größte Theil der Zehnten von der
+protestantischen auf die katholische Geistlichkeit übertragen, und die
+bisherigen Inhaber ohne einen Farthing Entschädigung dem Hungertode
+preis gegeben.[111] Ferner wurde eine Bill, welche die Ansiedlungsacte
+aufhob und viele tausend Quadratmeilen Landes von sächsischen auf
+celtische Grundeigenthümer übertrug, eingebracht und durch Acclamation
+angenommen.[112]
+
+Über eine solche Gesetzgebung kann man nicht streng genug urtheilen;
+aber für die Gesetzgeber lassen sich Entschuldigungen anführen, welche
+der Geschichtschreiber zu erwähnen verpflichtet ist. Sie handelten
+unbarmherzig, ungerecht und unklug; aber es wäre ungereimt, wollte man
+Erbarmen, Gerechtigkeit oder Weisheit von einer Klasse von Menschen
+erwarten, welche erst durch jahrelange Unterdrückung erniedrigt und dann
+durch die Freude über ihre plötzliche Erlösung der Besinnung beraubt und
+mit unwiderstehlicher Macht bewaffnet worden war. Die Vertreter der
+irischen Nation waren, mit wenigen Ausnahmen, roh und unwissend. Sie
+hatten in einem Zustande beständiger Gereiztheit gelebt, mit
+aristokratischen Gefühlen hatten sie eine knechtische Stellung
+eingenommen, mit dem höchsten Geburtsstolze waren sie tagtäglich
+Beleidigungen ausgesetzt gewesen, die den Zorn des geringsten Plebejers
+gereizt haben würden. Angesichts der Felder und Schlösser, die sie als
+ihr Eigenthum betrachteten, hatten sie froh sein müssen, wenn ein Bauer
+sie einlud, seine Milch- und Kartoffelmahlzeit zu theilen. Die heftigen
+Regungen von Haß und Habsucht, welche die Lage des eingebornen Gentleman
+fast nothwendig hervorrufen mußte, erschienen ihm in dem glänzenden
+Gewande des Patriotismus und der Frömmigkeit. Denn seine Feinde waren
+die Feinde seiner Nation, und die nämliche Tyrannei, welche ihn seines
+Erbes beraubt, hatte auch seine Kirche des großen Reichthums beraubt,
+den die Frömmigkeit einer früheren Zeit ihr gespendet. Welchen Gebrauch
+der Gewalt konnte man von einem ungebildeten und unerfahrenen Manne
+erwarten, der von heftigen Wünschen und Rachegelüsten erfüllt war,
+welche er irrig für heilige Pflichten ansah? Und was konnte man von
+einer Versammlung von einigen Hundert solcher Leute anders erwarten,
+als daß die Leidenschaften, welche jeder Einzelne so lange im Stillen
+genährt hatte, durch den Einfluß der Sympathie plötzlich zu einer
+furchtbaren Kraftäußerung heranreifen würden?
+
+Jakob hatte mit seinem Parlamente wenig mehr gemein als den Haß gegen
+die protestantische Religion. Er war ein Engländer. Der Aberglaube hatte
+nicht alles Nationalgefühl in seinem Herzen völlig erstickt und das
+Übelwollen, womit seine celtischen Anhänger den Volksstamm betrachteten,
+dem er entsprossen war, mußte ihm nothwendig mißfallen. Der
+Gesichtskreis seines Verstandes war klein. Da er jedoch in England
+regiert hatte und fortwährend dem Tage entgegensah, wo er wieder in
+England regieren würde, war es unmöglich, daß er den Horizont seiner
+Politik nicht mehr erweiterte als Diejenigen, welche nichts Andres als
+nur Irland im Auge hatten. Die wenigen irischen Protestanten, die ihm
+noch anhingen, und die britischen Edelleute, protestantische sowohl als
+katholische, die ihn ins Exil begleitet hatten, baten ihn dringend, die
+Heftigkeit des raubgierigen und rachsüchtigen Parlaments zu zügeln, das
+er zusammenberufen hatte. Ganz besonders drangen sie in ihn, daß er die
+Aufhebung der Ansiedlungsacte nicht zugeben solle. Mit welcher
+Sicherheit, fragten sie, könne Jemand sein Geld anlegen oder seinen
+Kindern einen Vermögensantheil zuschreiben, wenn er sich nicht auf
+bestimmte Gesetze und auf einen jahrelangen ununterbrochenen Besitz
+verlassen könne? Die militärischen Abenteurer, unter welche Cromwell den
+Grund und Boden vertheilt, könnten vielleicht als Unrechthandelnde
+betrachtet werden. Aber ein wie großer Theil ihrer Güter sei durch
+rechtsgültigen Kauf in andere Hände übergegangen! Wieviel Geld hätten
+die Grundbesitzer auf Hypothek, auf gesetzmäßige, gerichtlich vidimirte
+Verschreibung geliehen! Wie viele Kapitalisten seien im Vertrauen auf
+gesetzliche Bestimmungen und königliche Versprechungen von England
+herübergekommen und hätten ohne die mindeste Besorgniß wegen des
+Rechtstitels in Ulster und Leinster Land gekauft! Welche Summen hätten
+diese Kapitalisten während eines Vierteljahrhunderts auf Bauten,
+Drainirungen, Einhegungen und Anpflanzungen verwendet! Die Bedingungen
+des von Karl II. sanctionirten Compromisses möchten allerdings wohl
+nicht in jeder Beziehung gerecht sein; aber sollte eine Ungerechtigkeit
+durch eine noch monströsere Ungerechtigkeit wieder gut gemacht werden?
+Und welchen Eindruck würde voraussichtlich in England der Wehschrei von
+Tausenden unschuldiger englischer Familien hervorrufen, die ein
+englischer König zu Grunde gerichtet? Die Klagen einer solchen Masse von
+Duldern könnten die Restauration, der jeder loyale Unterthan mit
+Sehnsucht entgegensehe, verzögern, ja ganz verhindern, und selbst wenn
+Se. Majestät trotz dieser Klagen glücklich wieder eingesetzt werden
+sollte, würde er doch bis ans Ende seines Lebens die nachtheiligen
+Folgen der Ungerechtigkeit verspüren, zu deren Ausübung ihn schlimme
+Rathgeber jetzt drängten. Er würde finden, daß er durch den Versuch eine
+Klasse von Unzufriedenen zu beschwichtigen, eine andre geschaffen habe.
+Wenn er in Dublin dem Geschrei nach Aufhebung der Ansiedlungsacte
+nachgäbe, würde er sicherlich von dem Augenblicke an, wo er nach
+Westminster zurückkehre, mit einem eben so lauten und beharrlichen
+Geschrei nach Widerrufung dieser Aufhebung bestürmt werden. Er müsse
+doch wohl einsehen, daß kein auch noch so loyales englisches Parlament
+solche Gesetze fortbestehen lassen könne, wie sie jetzt vom irischen
+Parlament erlassen würden. Sei er entschlossen, die Partei Irland's
+gegen die allgemeine Stimme England's zu ergreifen? Wenn dies wäre, so
+könnte er sich nur auf eine abermalige Verbannung und Entsetzung gefaßt
+machen. Oder wolle er, wenn er das größere Königreich wieder habe, die
+Geschenke zurücknehmen, durch die er sich in seiner Noth die Hilfe des
+kleineren erkauft habe? Die bloße Vermuthung, daß er den Gedanken an
+eine solche unfürstliche und unmännliche Perfidie hegen könne, müsse
+schon als eine Beleidigung gegen ihn erscheinen. Allein was würde ihm
+Andres übrig bleiben? Und sei es nicht besser für ihn, er verweigere
+jetzt unbillige Zugeständnisse, als daß er diese Zugeständnisse nachher
+in einer Weise widerrufe, die ihm Vorwürfe zuziehen würden, welche einem
+edlen Character unerträglich sein müßten? Seine Lage sei allerdings
+kritisch; aber in diesem, wie in anderen Fällen, werde es sich zeigen,
+daß der Pfad der Gerechtigkeit auch der Pfad der Weisheit sei.[113]
+
+Obgleich sich Jakob in seiner Rede bei Eröffnung der Session gegen die
+Ansiedlungsacte erklärt hatte, sah er doch ein, daß diese Argumente
+unwiderleglich waren. Er hatte mehrere Conferenzen mit den leitenden
+Mitgliedern des Hauses der Gemeinen und empfahl dringend Mäßigung. Aber
+seine Vorstellungen stachelten die Leidenschaften, die er beschwichtigen
+wollte, nur noch mehr auf. Viele Mitglieder der eingebornen Gentry
+führten eine laute und heftige Sprache. Es sei unverschämt, sagten sie,
+von Rechten der Käufer zu sprechen. Wie könne Recht aus Unrecht
+hervorgehen? Leute, welche unrechtmäßig erworbenes Eigenthum kaufen
+könnten, müßten auch die Folgen ihrer Thorheit und Habsucht tragen. Es
+lag klar am Tage, daß das Unterhaus völlig unlenksam war. Vier Jahre
+früher hatte Jakob sich geweigert, dem dienstwilligsten Parlamente, das
+jemals in England getagt, das geringste Zugeständniß zu machen, und man
+hätte erwarten sollen, daß die Hartnäckigkeit, an der es ihm nie
+gefehlt, wenn sie ein Laster war, ihm auch jetzt nicht fehlen würde, wo
+sie eine Tugend gewesen wäre. Eine kurze Zeit lang schien er wirklich
+entschlossen, gerecht zu handeln. Er sprach sogar davon, das Parlament
+aufzulösen. Auf der andren Seite erklärten die Häupter der alten
+celtischen Familien ganz öffentlich, daß sie, wenn er ihnen ihr Erbe
+nicht zurückgebe, nicht für das seinige fechten würden. Seine eigenen
+Soldaten schmähten ihn in den Straßen von Dublin. Endlich beschloß er,
+sich, nicht mit Königsmantel und Krone, sondern in der Kleidung, in
+welcher er früher den Berathungen zu Westminster beizuwohnen pflegte,
+selbst ins Haus der Peers zu begeben und persönlich die Lords zu
+ersuchen, die Heftigkeit der Gemeinen zu zügeln. Aber als er eben zu
+diesem Zwecke in seinen Wagen steigen wollte, wurde er von Avaux
+zurückgehalten. Avaux nahm sich so eifrig wie nur irgend ein Irländer
+der Bills an, deren Einbringung die Gemeinen betrieben. Es war ihm
+genug, daß diese Bills Aussicht darauf eröffneten, die Feindschaft
+zwischen England und Irland unversöhnlich zu machen. Seine Vorstellungen
+bewogen Jakob, sich der offenen Opposition gegen die Aufhebung der
+Ansiedlungsacte zu enthalten. Indessen nährte der unglückliche Fürst
+doch noch immer eine schwache Hoffnung, daß das Gesetz, dessen Annahme
+die Gemeinen so eifrig wünschten, von den Peers verworfen oder
+wenigstens modificirt werden würde. Lord Granard, einer von den wenigen
+protestantischen Edelleuten, welche in diesem Parlamente saßen,
+verwendete sich energisch zu Gunsten des öffentlichen Vertrauens und der
+vernünftigen Politik. Der König ließ ihm seinen Dank dafür aussprechen.
+»Wir Protestanten,« sagte Granard zu Powis, der im Auftrage des Königs
+zu ihm kam, »sind gering an Zahl. Wir können wenig thun. Se. Majestät
+sollte seinen Einfluß bei den Katholiken aufbieten.« -- »Se. Majestät«,
+entgegnete Powis mit einem Schwure, »wagt nicht zu sagen was er denkt.«
+Wenige Tage darauf begegnete Jakob Lord Granard, als dieser eben nach
+dem Parlamentshause ritt. »Wohin wollen Sie, Mylord?« fragte der König.
+»Sire«, antwortete Granard, »ich will meinen Protest gegen die Aufhebung
+der Ansiedlungsacte einreichen.« -- »Sie haben Recht,« versetzte der
+König, »aber ich bin in die Hände von Leuten gefallen, die mir das und
+noch vieles Andre aufzwingen werden.«[114]
+
+Jakob fügte sich dem Willen der Gemeinen; aber der ungünstige Eindruck,
+den sein kurzer und schwacher Widerstand auf sie gemacht, war durch
+seine Unterwerfung nicht zu verwischen. Sie betrachteten ihn mit großem
+Mißtrauen, sie waren überzeugt, daß er im Herzen ein Engländer sei und
+es verging kein Tag ohne ein Anzeichen von dieser Gesinnung. Sie
+beeilten sich nicht, ihm eine Geldunterstützung zu bewilligen. Eine
+Partei unter ihnen beabsichtigte eine Adresse, die ihn dringend
+auffordern sollte, Melfort als einen Feind ihrer Nation zu entlassen.
+Eine andre Partei entwarf eine Bill zur Absetzung aller protestantischen
+Bischöfe, selbst der vier, welche damals gerade im Parlamente saßen.
+Nicht ohne Mühe gelang es Avaux und Tyrconnel, deren Einfluß im
+Unterhause den des Königs bei weitem überwog, den Eifer der Majorität zu
+dämpfen.[115]
+
+ [Anmerkung 109: +Light to the Blind+; +An Act declaring that the
+ Parliament of England cannot bind Ireland against Writs of Error
+ and Appeals+, gedruckt in London, 1690.]
+
+ [Anmerkung 110: Das heißt derjenigen Irländer, welche nicht in
+ ihrem Vaterlande wohnten. -- Der Übersetzer.]
+
+ [Anmerkung 111: +An Act concerning Appropriate Tythes and other
+ Duties payable to Eclesiastical Dignitaries. London 1690.+]
+
+ [Anmerkung 112: +An Act for repealing the Acts of Settlement and
+ Explanation, and all Grants, and Certificates pursuant to them or
+ any of them. London 1690.+]
+
+ [Anmerkung 113: Siehe die Schrift, welche der Oberrichter Keating
+ dem König Jakob überreichte, und die Rede des Bischofs von Meath.
+ Beide befinden sich im Anhange zu King. +Life of James, II.
+ 357--361.+]
+
+ [Anmerkung 114: +Leslie's Answer to King+; Avaux, 26. Mai
+ (3. Juni) 1689; +Life of James, II. 358.+]
+
+ [Anmerkung 115: Avaux, 28. Mai (7. Juni) und 30. Juni (10. Juli).
+ Der Verfasser von +Light to the Blind+ verwirft entschieden die
+ den protestantischen Bischöfen, welche Jakob anhingen, bewiesene
+ Nachsicht.]
+
+[_Prägung schlechten Geldes._] Es ist bemerkenswerth, daß der König,
+während er das Vertrauen und die Zuneigung der irischen Gemeinen dadurch
+verlor, daß er auf der einen Seite die Institution des Eigenthums
+schwach gegen sie vertheidigte, auf einer andren Seite diese Institution
+mit einer Rücksichtslosigkeit angriff, welche womöglich noch stärker war
+als die ihrige. Er sah bald, daß kein Geld in seinen Schatz floß.
+Die Ursache war augenfällig genug. Mit dem Handel war es vorbei. Das
+bewegliche Kapital war in großen Massen aus der Insel weggezogen worden;
+von dem festen Kapital war viel zerstört, und das übrige lag todt da.
+Tausende von den Protestanten, welche den betriebsamsten und
+intelligentesten Theil der Bevölkerung bildeten, waren nach England
+ausgewandert. Tausend Andere hatten sich in die Städte geflüchtet, die
+sich noch für Wilhelm und Marien tapfer hielten. Von den in der Blüthe
+des Lebens stehenden katholischen Landleuten war die Mehrzahl in die
+Armee eingetreten oder hatte sich Plündererhorden angeschlossen. Die
+Armuth des Schatzes war die nothwendige Folge der Armuth des Landes;
+dem öffentlichen Wohlstande konnte nur durch Wiederherstellung des
+Privatwohlstandes aufgeholfen werden, und der Privatwohlstand konnte nur
+durch Jahre der Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt werden. Jakob war
+einfältig genug zu glauben, daß es ein rascheres und wirksameres Mittel
+gebe. Er glaubte sich ganz einfach dadurch mit einem Male aus seinen
+finanziellen Verlegenheiten reißen zu können, daß er einen Farthing
+einen Schilling nannte. Das Recht, Geld zu schlagen, war unstreitig eine
+Perle der Prärogative, und seiner Ansicht nach schloß das Recht, Geld zu
+schlagen, auch das Recht in sich, die Münzen zu verschlechtern. Töpfe,
+Pfannen, Thürhämmer, Kanonen, welche seit langer Zeit unbrauchbar waren,
+wurden in die Münze geschickt, und in Kurzem waren Massen geringhaltigen
+Geldes im Nominalwerthe von einer Million Pfund Sterling, die aber in
+Wirklichkeit nicht den sechsten Theil dieser Summe werth waren, in
+Circulation gesetzt. Ein königliches Edict erklärte diese Münzen als
+gesetzliches Zahlungsmittel bei allen Vorkommnissen. Eine Hypothek von
+tausend Pfund wurde durch einen Sack voll Rechenpfennige, die aus alten
+Kesseln verfertigt waren, abgelöst. Den Gläubigern, die sich beim
+Kanzleigerichtshofe beschwerten, sagte Fitton, sie sollten ihr Geld
+nehmen und stillschweigen. Von allen Klassen aber hatten die
+Kleinhändler von Dublin, welche größtentheils Protestanten waren, die
+schwersten Verluste. Zuerst erhöhten sie natürlich ihre Preise; aber die
+Magistratsbehörde der Stadt begegnete dieser ketzerischen Machination
+durch Ausgabe eines die Preise regulirenden Tarifs. Jeder, der der jetzt
+dominirenden Kaste angehörte, konnte in einen Laden gehen, ein drei
+Pence werthes Geldstück auf den Ladentisch legen und dafür Waaren im
+Werthe von einer halben Guinee mitnehmen. Von gesetzlicher Abhilfe war
+keine Rede. Die Leidenden schätzten sich sogar glücklich, wenn sie durch
+Aufopferung ihres Geschäftsvermögens Sicherheit für ihre Glieder und ihr
+Leben erkaufen konnten. Es gab keinen Bäckerladen in der Stadt, der
+nicht beständig von zwanzig bis dreißig Soldaten belagert gewesen wäre.
+Einige Personen, die das schlechte Geld nicht nehmen wollten, wurden von
+Soldaten festgenommen und vor den Generalprofoß geführt, der sie mit
+Flüchen und Verwünschungen überhäufte, sie in dunkle Zellen einsperren
+ließ und durch die Drohung, sie an ihren eigenen Thüren aufhängen zu
+wollen, ihren Widerstand bald besiegte. Von allen Plagen der damaligen
+Zeit machte keine einen tieferen und nachhaltigeren Eindruck auf die
+Gemüther der Protestanten Dublin's als die Plage des Kupfergeldes.[116]
+Den Erinnerungen an die Bestürzung und Noth, welche Jakob's Münzen
+verursacht hatten, muß zum Theil der beharrliche Widerstand
+zugeschrieben werden, den fünfunddreißig Jahre später zahlreiche, dem
+Hause Hannover treuergebene Klassen in der Angelegenheit des Wood'schen
+Patents der Regierung Georg's I. entgegensetzten.
+
+Es kann nicht bestritten werden, daß Jakob, indem er so aus eigner
+Machtvollkommenheit die Bedingungen aller Contracte im ganzen
+Königreiche umstürzte, sich eine Befugniß anmaßte, welche nur der
+gesammten Legislatur zukam. Dennoch remonstrirten die Gemeinen
+nicht dagegen. Es gab keine Befugniß, mochte sie auch noch so
+verfassungswidrig sein, die sie ihm nicht zuzugestehen bereit waren,
+so lange er sie zur Mißhandlung und Ausplünderung der englischen
+Bevölkerung anwendete. Dagegen respectirten sie keine auch noch so
+alte, noch so gesetzliche und noch so heilsame Prärogative, wenn sie
+besorgten, daß er sich derselben bedienen könnte, um die verabscheute
+Race zu beschützen. Sie ruhten nicht eher, als bis sie ihm die mit
+Widerstreben ertheilte Genehmigung eines empörenden Gesetzes, eines
+Gesetzes, das in der Geschichte der civilisirten Länder seines Gleichen
+nicht hat, der großen Verurtheilungsacte (+Bill of attainder+) erpreßt
+hatten.
+
+ [Anmerkung 116: +King, III. 11+; +Brief Memoirs by Haynes, Assay
+ Master of the Mint+, unter den Lansdownmanuscripten im britischen
+ Museum, Nr. 801. Ich habe mehrere solche Münzen gesehen. Die
+ Ausführung ist, in Berücksichtigung aller Umstände, überraschend
+ gut.]
+
+
+[_Die große Verurtheilungsacte._] Es wurde eine Liste zusammengestellt,
+welche zwischen zwei- und dreitausend Namen enthielt. An der Spitze
+standen die Hälfte der Peers von Irland. Dann kamen Baronets, Ritter,
+Geistliche, Squires, Kaufleute, Landwirthe, Handwerker, Frauen und
+Kinder. Eine Untersuchung fand nicht statt. Jedes Mitglied, das sich
+eines Gläubigers, eines Nebenbuhlers, eines Privatfeindes entledigen
+wollte, gab dem Sekretär den Namen an, und er wurde in der Regel ohne
+Discussion in die Liste eingetragen. Die einzige Debatte, von der eine
+Nachricht auf uns gekommen ist, bezog sich auf den Earl von Strafford.
+Er hatte Freunde im Hause, die es wagten, etwas zu seinen Gunsten
+anzuführen. Doch wenige Worte aus dem Munde Simon Luttrell's entschieden
+die Sache. »Ich habe,« sagte er, »den König einige harte Äußerungen über
+diesen Lord thun hören.« Dies wurde für genügend erachtet, und der Name
+Strafford nimmt in der langen Liste der Proscribirten die fünfte Stelle
+ein.[117]
+
+Es wurden bestimmte Tage festgesetzt, bis zu welchen Diejenigen, deren
+Namen auf der Liste standen, sich einer Justiz stellen mußten, wie sie
+damals gegen die englischen Protestanten in Dublin ausgeübt wurde.
+Befand sich die proscribirte Person in Irland, so mußte sie sich am 10.
+August stellen. War sie seit dem 5. November 1688 von Irland abwesend,
+so mußte sie sich am 1. September stellen. Hatte sie Irland vor dem 5.
+November 1688 verlassen, so mußte sie sich am 1. October stellen.
+Erschien sie an dem festgesetzten Tage nicht, so sollte sie ohne Prozeß
+aufgehängt, geschleift und geviertheilt und ihr Vermögen confiscirt
+werden. Es konnte einem Proscribirten physisch unmöglich sein, sich bis
+zu der durch die Acte festgesetzten Zeit zu stellen. Er konnte
+bettlägerig sein, er konnte sich in Westindien aufhalten oder er konnte
+im Gefängniß sitzen. Solche Fälle waren in der That notorisch vorhanden.
+Unter den verurtheilten Lords befand sich auch Mountjoy. Er war durch
+Tyrconnel's Niederträchtigkeit bewogen worden, vertrauensvoll nach
+Saint-Germains zu gehen, war in die Bastille geworfen worden, wo er noch
+saß, und das irische Parlament schämte sich nicht zu verfügen, daß, wenn
+er nicht binnen wenigen Wochen aus seiner Zelle entkommen und sich in
+Dublin stellen könne, er hingerichtet werden solle.[118]
+
+Da man nicht einmal vorgab, daß die Schuld der so Geächteten untersucht
+worden sei, da nicht ein Einziger unter ihnen zu seiner Vertheidigung
+angehört worden war, und da es ausgemacht war, daß es Vielen physisch
+unmöglich sein würde, rechtzeitig zu erscheinen, so lag es auf der Hand,
+daß nur eine umfassende Ausübung des königlichen Begnadigungsrechts die
+Verübung von so haarsträubenden Ungerechtigkeiten verhüten konnte, die
+selbst in der traurigen Geschichte der irländischen Wirren ohne Beispiel
+dastehen. Daher beschlossen die Gemeinen, daß das königliche
+Begnadigungsrecht beschränkt werden solle. Es wurden verschiedene
+Formalitäten ersonnen, welche die Erlangung von Begnadigungen erschweren
+und kostspielig machen sollten, und schließlich wurde verordnet, daß
+jede Begnadigung, die Se. Majestät nach dem letzten November 1689 irgend
+einer der vielen Hundert ohne Prozeß zum Tode verurtheilten Personen zu
+Theil werden ließe, durchaus ungültig und wirkungslos sein sollte. Sir
+Richard Nagle erschien im Ornate vor den Lords und überreichte die Bill
+mit einer der Gelegenheit würdigen Rede. »Viele von den hier
+Proscribirten,« sagte er, »sind durch uns genügende Beweise als
+Verräther überführt. In Betreff der Anderen haben wir den allgemeinen
+Ruf, in dem sie stehen, für maßgebend erachtet.«[119] Die Liste war mit
+so rücksichtsloser Barbarei zusammengestellt, daß selbst fanatische
+Royalisten, die zu der nämlichen Zeit ihr Vermögen, ihre Freiheit und
+ihr Leben für Jakob auf's Spiel setzten, nicht sicher vor der
+Proscription waren. Der gelehrteste Mann, dessen die jakobitische Partei
+sich rühmen konnte, war Heinrich Dodwell, Camdenianischer Professor an
+der Universität Oxford. In der Vertheidigung der erblichen Monarchie
+scheute er kein Opfer und keine Gefahr. Mit Bezug auf ihn sprach Wilhelm
+die denkwürdigen Worte aus: »Er hat sich vorgenommen ein Märtyrer zu
+werden, und ich habe mir vorgenommen, sein Vorhaben zu vereiteln.« Aber
+Jakob war gegen Freunde grausamer als Wilhelm gegen Feinde. Dodwell war
+Protestant und besaß etwas Grundeigenthum in Connaught; diese Verbrechen
+waren hinreichend, um ihn in die lange Liste Derer aufzunehmen, welche
+zum Galgen und zum Viertheilen verurtheilt waren.[120]
+
+Daß Jakob seine Zustimmung zu einer Bill geben werde, die ihm das
+Begnadigungsrecht entzog, hielten viele Leute für unmöglich. Er war vier
+Jahre früher lieber mit dem loyalsten Parlamente zerfallen, als daß er
+eine Prärogative aufgegeben hätte, die ihm nicht einmal gehörte. Es ließ
+sich daher wohl erwarten, daß er jetzt Alles daran setzen würde, um eine
+Prärogative zu behalten, die seine Vorgänger seit dem Bestehen der
+Monarchie zu allen Zeiten besessen hatten und die von den Whigs niemals
+bestritten worden war. Die strenge Miene und die erhobene Stimme, womit
+er die Torygentlemen zurechtgewiesen, die ihn in der Sprache der
+tiefsten Ehrerbietung und der innigsten Zuneigung beschworen, sich der
+Beobachtung der Gesetze nicht zu entziehen, würden jetzt an ihrem Platze
+gewesen sein. Er hätte wohl sehen können, daß der rechte Weg der
+weiseste war. Hätte er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit den Muth
+gehabt, zu erklären, daß er unschuldiges Blut nicht vergießen und selbst
+bezüglich der Schuldigen sich des Rechts nicht entäußern wolle, die
+Verurtheilungen durch Gnade zu mildern, so würde er in England mehr
+Herzen gewonnen haben, als er in Irland verloren hätte. Aber sein
+Unstern wollte jederzeit, daß er widerstand, wo er hätte nachgeben
+sollen, und daß er nachgab, wo er hätte widerstehen sollen. Das
+abscheulichste aller Gesetze erhielt seine Sanction, und seine Schuld
+wird nur sehr wenig dadurch gemildert, daß er diese Sanction mit einigem
+Widerstreben gab.
+
+Damit nichts fehlen möchte, um dieses große Verbrechen vollkommen zu
+machen, war man sorgfältig darauf bedacht zu verhüten, daß die
+verurtheilten Personen ihre Verurtheilung früher als nach Ablauf der in
+der Acte festgesetzten Gnadenfrist erfuhren. Die Liste der Namen wurde
+nicht veröffentlicht, sondern in Fitton's Cabinet sorgfältig
+verschlossen gehalten. Einige Protestanten, die es noch mit Jakob
+hielten, aber gern wissen wollten, ob einer ihrer Freunde oder
+Verwandten proscribirt war, gaben sich alle mögliche Mühe, um Einsicht
+in die Liste zu erlangen; aber Bitten, Vorstellungen und selbst
+Bestechungen waren erfolglos. Nicht ein einziges Exemplar kam ins
+Publikum, bis es für die Tausende, welche ohne Prozeß verurtheilt waren,
+zu spät war, Begnadigung zu erlangen.[121]
+
+ [Anmerkung 117: +King III. 12.+]
+
+ [Anmerkung 118: +An Act for the Attainder of divers Rebels and for
+ preserving the Interest of loyal Subjects, London 1690.+]
+
+ [Anmerkung 119: +King III. 13.+]
+
+ [Anmerkung 120: Sein Name steht in der ersten Columne auf Seite 30
+ derjenigen Ausgabe der Liste, welche am 26. März 1690 die
+ Druckerlaubniß erhielt. Ich hatte geglaubt, der Proscribirte müsse
+ ein andrer Heinrich Dodwell gewesen sein. Aber Bischof Kennet's
+ zweiter Brief an den Bischof von Carlisle vom Jahre 1716 hebt
+ jeden Zweifel über diesen Gegenstand.]
+
+ [Anmerkung 121: +A list of most of the Names of the Nobility,
+ Gentry and Commonalty of England and Ireland (amongst whom are
+ several Women and Children) who are all, by an Act of a Pretended
+ Parliament assembled in Dublin, attainted of High Treason, 1699+;
+ +An Account of the Transactions of the late King James in Ireland,
+ 1690+; +King, III. 13+; +Memoirs of Ireland 1716+.]
+
+
+[_Jakob prorogirt sein Parlament._] Gegen Ende des Monats Juli
+prorogirte Jakob die beiden Häuser. Sie waren aber zehn Wochen
+versammelt gewesen, und während dieses Zeitraums hatten sie auf das
+Vollständigste bewiesen, daß, so groß auch die Übel gewesen sind, welche
+das Übergewicht der Protestanten in Irland hervorgerufen, die durch das
+Übergewicht der Papisten erzeugten Übel noch größer gewesen sein würden.
+Daß die Colonisten, als sie den Sieg errungen hatten, ihn gröblich
+mißbrauchten und daß ihre Gesetzgebung viele Jahre lang ungerecht und
+tyrannisch war, ist sehr wahr. Aber nicht minder wahr ist es, daß sie
+das entsetzliche Beispiel, das ihr besiegter Feind während des kurzen
+Zeitraums gab, wo er im Besitz der Macht war, nie ganz erreichten.
+
+
+[_Verfolgung der Protestanten in Irland._] In der That, während Jakob
+sich laut rühmte, ein Gesetz erlassen zu haben, das allen
+Religionsgesellschaften völlige Gewissensfreiheit gewährte, wüthete in
+allen Provinzen, die seine Autorität anerkannten, eine eben so grausame
+Verfolgung wie die im Languedoc. Diejenigen, welche eine Entschuldigung
+für ihn zu finden wünschten, sagten, daß fast alle Protestanten, die
+sich noch in Munster, Connaught und Leinster aufhielten, seine Feinde
+seien und daß er sie nicht als Schismatiker, sondern als Rebellen von
+Gesinnung, denen es nur an einer Gelegenheit fehlte, Rebellen der That
+zu werden, der Unterdrückung und Beraubung preis gebe, und dieser
+Entschuldigung hätte man einiges Gewicht zugestehen können, wenn er sich
+ernstlich bemüht hätte, die wenigen Colonisten zu beschützen, welche
+zwar dem reformirten Glauben treu anhingen, aber doch noch immer an den
+Lehren vom Nichtwiderstande und von dem unveräußerlichen Erbrechte
+festhielten. Aber selbst diese ergebenen Royalisten sollten erfahren,
+daß ihre Ketzerei in seinen Augen ein Verbrechen war, das durch keine
+Dienste und durch keine Opfer gesühnt werden konnte. Einige Cavaliere,
+Mitglieder der anglikanischen Kirche, die ihn in Irland willkommen
+geheißen und in seinem Parlamente gesessen hatten, stellten ihm vor,
+daß, wenn die Verordnung, welche jedem Protestanten den Besitz irgend
+einer Waffe verbot, streng durchgeführt werden sollte, ihre Landhäuser
+den Rapparees preisgegeben sein würden, und erlangten von ihm die
+Erlaubniß, soviel Waffen behalten zu dürften, als sie für einige Diener
+brauchten. Allein Avaux machte Gegenvorstellungen. Die Erlaubniß, sagte
+er, werde gröblich gemißbraucht, man dürfe diesen protestantischen Lords
+nicht trauen, sie verwandelten ihre Häuser in Festungen, und Se.
+Majestät werde bald Ursache haben, seine Güte zu bereuen. Diese
+Vorstellungen gewannen die Oberhand und es wurden katholische Truppen in
+den verdächtigen Wohnungen einquartiert.[122]
+
+Noch härter war das Loos derjenigen protestantischen Geistlichen, welche
+mit verzweifelter Treue der Sache des Gesalbten des Herrn anhingen. Von
+allen anglikanischen Geistlichen scheint Cartwright derjenige gewesen zu
+sein, der sich der Gewogenheit Jakob's im bedeutendsten Maße erfreute.
+Ob Cartwright lange hätte ein Günstling bleiben können, ohne Apostat zu
+werden, steht zu bezweifeln. Er starb wenige Wochen nach seiner Ankunft
+in Irland, und von diesem Augenblicke an besaß seine Kirche keinen
+Verfechter ihrer Sache mehr. Indessen fuhren einige von ihren Prälaten
+und Priestern noch fort diejenigen Lehren zu predigen, die sie in den
+Tagen der Ausschließungsbill gepredigt hatten. Aber sie verrichteten
+ihre Functionen mit Gefahr ihres Lebens oder ihrer Glieder. Jeder, der
+einen Priesterrock trug, war eine Zielscheibe für die Beleidigungen und
+Gewaltthätigkeiten der Soldaten und Rapparees. In der Provinz wurde sein
+Haus geplündert, und er konnte von Glück sagen, wenn es ihm nicht über
+dem Kopfe angezündet wurde. In den Straßen von Dublin wurde er mit dem
+Rufe verfolgt: »Da geht so ein Teufel von Ketzer!« Bald wurde er zu
+Boden geschlagen, bald mit Stockprügeln regalirt.[123] Die Vorsteher der
+Universität zu Dublin, welche in der anglikanischen Lehre vom passiven
+Gehorsam erzogen waren, hatten Jakob bei seiner ersten Ankunft im
+Schlosse begrüßt und von ihm die Zusicherung erhalten, daß er sie im
+Genusse ihres Eigenthums und ihrer Vorrechte schützen werde. Sie wurden
+jetzt, ohne Prozeß, ohne Anklage, aus ihrem Hause geworfen. Die
+Communiongeräthe der Kapelle, die Bücher der Bibliothek, ja selbst die
+Stühle und Betten der Collegiaten wurden weggenommen. Ein Theil des
+Gebäudes wurde in ein Magazin, ein andrer in eine Kaserne, ein dritter
+in ein Gefängniß verwandelt. Simon Luttrell, welcher Gouverneur der
+Hauptstadt war, wurde mit großer Mühe und nur durch mächtige Fürsprache
+bewogen, die vertriebenen Fellows und Studenten ungehindert abziehen
+zu lassen. Er gestattete ihnen endlich in Freiheit zu bleiben unter
+der Bedingung, daß bei Todesstrafe nicht drei von ihnen sich
+versammelten.[124] Kein protestantischer Geistlicher wurde härter
+betroffen als Doctor Wilhelm King, Dechant zu St. Patrick. Er hatte sich
+seit langer Zeit durch die glühende Begeisterung ausgezeichnet, mit der
+er die Pflicht des passiven Gehorsams selbst gegen die schlechtesten
+Regenten eingeschärft. Zu einer späteren Zeit, als er eine Vertheidigung
+der Revolution geschrieben und von der neuen Regierung eine Mitra
+angenommen hatte, erinnerte man ihn daran, daß er die göttliche Rache
+auf die Usurpatoren herabgerufen und erklärt hatte, lieber hundert Mal
+den Tod erleiden zu wollen, ehe er der Sache des erblichen Rechts untreu
+würde. Er hatte gesagt, daß die wahre Religion wohl oft durch Verfolgung
+gekräftigt worden sei, aber nie durch Rebellion gekräftigt werden könne,
+daß der Tag, an welchem ein ganzer Karren voll von Geistlichen der
+Kirche von England für die Lehre vom Nichtwiderstande zum Galgen ginge,
+ein glorreicher Tag für diese Kirche sein würde, und daß es sein
+höchster Ehrgeiz sei, zu einer solchen Gesellschaft zu gehören.[125] Es
+ist nicht unwahrscheinlich, daß er, als er dies sagte, auch dachte wie
+er sprach. Aber wenn auch seine Grundsätze vielleicht gegen die Strenge
+und die Versprechungen Wilhelm's Stand gehalten haben würden, gegen
+Jakob's Undankbarkeit waren sie nicht probefest. Die menschliche Natur
+machte endlich ihre Rechte geltend. Nachdem King von der Regierung,
+deren fester Anhänger er war, zu wiederholten Malen ins Gefängniß
+geworfen, nachdem er in seiner eignen Kirche von den Soldaten insultirt
+und bedroht, nachdem ihm untersagt worden, auf seinem Kirchhofe zu
+begraben und auf seiner Kanzel zu predigen, nachdem er einem auf der
+Straße gegen ihn abgefeuerten Flintenschusse kaum mit dem Leben
+entronnen war, fing er an, die whiggistische Regierungstheorie für
+weniger unvernünftig und unchristlich zu halten, als sie ihm früher
+vorgekommen war, und er überredete sich, daß die unterdrückte Kirche mit
+Fug und Recht die Befreiung annehmen dürfe, wenn es Gott gefiele, ihr
+solche, gleichviel durch welche Mittel, zu senden.
+
+ [Anmerkung 122: Avaux, 27. Juli (6. August) 1689.]
+
+ [Anmerkung 123: +King's State of the Protestants in Ireland, III.
+ 19.+]
+
+ [Anmerkung 124: +King's State of the Protestants in Ireland, III.
+ 15.+]
+
+ [Anmerkung 125: +Leslie's Answer to King.+]
+
+
+[_Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England._] Es zeigte
+sich bald, daß Jakob wohlgethan haben würde, wenn er auf diejenigen
+Rathgeber gehört hätte, die ihm gesagt hatten, die Maßregeln, durch
+welche er sich in einem seiner drei Königreiche beliebt zu machen
+versuchte, würden ihn in den anderen verhaßt machen. Es war in mancher
+Hinsicht ein Glück für England, daß er, nachdem er aufgehört hatte,
+daselbst zu regieren, noch über ein Jahr in Irland regierte. Auf die
+Revolution war ein Umschwung der öffentlichen Meinung zu seinen Gunsten
+gefolgt. Hätte diese Reaction ihren ungestörten Fortgang genommen, so
+würde sie vielleicht angehalten haben, bis er wieder König war; aber sie
+wurde durch ihn selbst gewaltsam unterbrochen. Er wollte sein Volk
+nichts vergessen und nichts hoffen lassen; während es sich bemühte,
+Entschuldigungen für seine vergangenen Fehler aufzufinden, und sich
+einzureden suchte, daß er nicht wieder in diese Fehler verfallen werde,
+zwang er den Leuten gegen ihren Willen die Überzeugung auf, daß er
+unverbesserlich sei, daß die härtesten Strafen des Mißgeschicks ihn
+nichts gelehrt, und daß, wenn sie schwach genug sein sollten, ihn
+zurückzurufen, sie ihn bald wieder würden absetzen müssen. Umsonst
+schrieben die Jakobiten Pamphlets über die Grausamkeit, mit der er von
+seinen nächsten Blutsverwandten behandelt worden sei, über den
+herrschsüchtigen Character und die schroffen Manieren Wilhelm's, über
+die den Holländern zu Theil gewordenen Begünstigungen, über die
+drückenden Abgaben, über die Suspension der Habeas-Corpusacte und über
+die Gefahren, welche der Kirche von Seiten der Feindschaft der Puritaner
+und der Latitudinarier drohten. Jakob widerlegte diese Pamphlete viel
+wirksamer als die gewandtesten und beredtesten whiggistischen
+Schriftsteller zusammengenommen es vermocht haben würden. Jede Woche kam
+die Nachricht, daß er eine neue Acte zur Beraubung oder Ermordung der
+Protestanten erlassen hatte. Jeder Colonist, dem es gelang, von Leinster
+über das Meer nach Holyhead oder Bristol zu entkommen, brachte
+entsetzliche Berichte mit von der Tyrannei, unter der seine
+Glaubensbrüder seufzten. Welchen Eindruck diese Berichte auf die
+Protestanten unsrer Insel machten, kann man leicht aus der Thatsache
+schließen, daß sie den Unwillen Ronquillo's, eines Spaniers und bigotten
+Mitgliedes der römischen Kirche, erregten. Er schrieb seinem Hofe, daß,
+obwohl die englischen Gesetze gegen den Papismus streng erscheinen
+möchten, sie doch durch die Besonnenheit und Humanität der Regierung so
+sehr gemildert würden, daß sie ruhigen Leuten nicht lästig fielen, und
+er versicherte dem heiligen Stuhle, daß die Leiden eines Katholiken in
+London nichts seien im Vergleich zu den Leiden eines Protestanten in
+Irland.[126]
+
+Die englischen Flüchtlinge fanden in England herzliche Theilnahme und
+freigebige Unterstützung. Viele wurden in den Häusern von Freunden oder
+Verwandten aufgenommen; viele Andere aber verdankten die Mittel zu ihrem
+Unterhalt der Freigebigkeit von Fremden. Unter Denen, die sich an diesem
+Werke der Barmherzigkeit betheiligten, trug Niemand in reicherem Maße
+und mit weniger Ostentation dazu bei als die Königin. Das Haus der
+Gemeinen stellte dem Könige funfzehntausend Pfund zur Unterstützung
+derjenigen Flüchtlinge zur Verfügung, die derselben am dringendsten
+bedurften, und ersuchte ihn, den zum Militärdienste Befähigten
+Offizierspatente in der Armee zu geben.[127] Auch wurde eine Acte
+erlassen, welche bepfründete Geistliche, die aus Irland entflohen waren,
+zur Anstellung in England befähigt erklärte.[128] Doch die Theilnahme,
+welche die Nation diesen unglücklichen Gästen schenkte, war lau im
+Vergleich zu der Theilnahme, welche derjenige Theil der sächsischen
+Colonie erweckte, der in Ulster noch immer einen verzweifelten Kampf
+gegen eine erdrückende Übermacht unterhielt. Über diesen Gegenstand ließ
+sich auf unsrer Insel kaum eine einzige abweichende Stimme vernehmen.
+Whigs und Tories, ja selbst diejenigen Jakobiten, in denen der
+Jakobitismus noch nicht alles patriotische Gefühl erstickt hatte,
+priesen den Ruhm von Enniskillen und Londonderry. Das ganze Haus der
+Gemeinen war eines Sinnes. »Es ist jetzt nicht Zeit, die Kosten zu
+berechnen,« sagte der wackere Birch, der sich noch sehr wohl der Art der
+Kriegführung Olivers gegen die Irländer erinnerte. »Sollen wir diese
+braven Leute in Londonderry im Stich lassen? Wird nicht die ganze Welt
+Schimpf und Schande über uns rufen, wenn wir sie dem Untergange preis
+geben? Man hat die Einfahrt in den Fluß versperrt! Warum haben wir den
+Sperrbaum nicht längst zertrümmert? Sollen unsere Brüder fast angesichts
+England's, wenige Stunden Wegs von unseren Küsten umkommen?«[129] Howe,
+der Heftigste der einen Partei, erklärte, daß die Herzen des Volks für
+Irland schlügen. Seymour, das Haupt der andren Partei, erklärte, daß,
+obwohl er an der Einsetzung der neuen Regierung nicht Theil genommen,
+er sie von Herzen gern in Allem, was zur Erhaltung Irland's für nöthig
+erachtet werden möchte, unterstützen werde.[130] Die Gemeinen ernannten
+einen Ausschuß, der die Ursache der Verzögerungen und Fehlgriffe
+untersuchen sollte, welche den englischen Bewohnern von Ulster fast zum
+Verderben gereicht hätten. Die Offiziere, deren Verrätherei oder
+Feigheit das Publikum die Calamitäten Londonderry's zuschrieb, wurden
+gefänglich eingezogen. Lundy wurde in den Tower, Cunningham in das Gate
+House geschickt. Die öffentliche Aufregung wurde einigermaßen
+beschwichtigt durch die Ankündigung, daß noch vor Ablauf des Sommers
+eine Armee von hinreichender Stärke, um das englische Übergewicht
+wiederherzustellen, über den St. Georgskanal geschickt und daß Schomberg
+das Commando erhalten sollte. Vor der Hand wurde ein Armeecorps, das man
+zum Entsatz von Londonderry für genügend hielt, unter Kirke's Commando
+von Liverpool abgesandt. Die finstre Hartnäckigkeit, mit der dieser
+Mann, trotz königlicher Bitten, an seinem Glauben festgehalten, und der
+Antheil, den er an der Revolution genommen, hatten ihm vielleicht
+Anspruch auf eine Amnestie für frühere Verbrechen verschafft. Aber es
+ist schwer zu begreifen, warum die Regierung zu einem Posten von
+höchster Wichtigkeit einen Offizier wählte, der allgemein und mit Recht
+verhaßt war, der nie ein eminentes Feldherrntalent gezeigt und der, in
+Afrika sowohl wie in England, unter seinen Soldaten erwiesenermaßen eine
+nicht nur die Humanität empörende, sondern auch mit der Disciplin
+unverträgliche Zügellosigkeit geduldet hatte.
+
+ [Anmerkung 126: +»En comparazion de lo que se hace in Irlanda con
+ los Protestantes, es nada.«+ 29. April (9. Mai) 1689. -- +»Para
+ que vea Su Santitad que aqui estan los Catolicos mas benignamente
+ tratados que les Protestantes in Irlanda.«+ 19.(29.) Juni.]
+
+ [Anmerkung 127: +Commons' Journals, June 15. 1689.+]
+
+ [Anmerkung 128: +Stat. 1 W. & M. sess. I. c. 29.+]
+
+ [Anmerkung 129: +Grey's Debates, June 19. 1689.+]
+
+ [Anmerkung 130: +Ibid. June 22. 1689.+]
+
+
+[_Thaten der Enniskillener._] Am 16. Mai wurden Kirke's Truppen
+eingeschifft, und am 20. gingen sie unter Segel; aber widrige Winde
+verzögerten die Überfahrt und zwangen das Geschwader, lange vor der
+Insel Man liegen zu bleiben. Unterdessen vertheidigten sich die
+Protestanten von Ulster mit unerschütterlichem Muthe gegen eine große
+Übermacht. Die Enniskillener hatten nicht aufgehört, einen energischen
+Parteikrieg gegen die eingeborne Bevölkerung zu führen. Anfangs Mai
+marschirten sie einem starken Truppencorps aus Connaught entgegen, das
+in Donegal eingefallen war. Die Irländer wurden bald geschlagen und
+flohen mit einem Verlust von hundertzwanzig Todten und sechzig
+Gefangenen nach Sligo. Zwei kleine Geschütze und mehrere Pferde fielen
+den Siegern in die Hände. Durch diesen Sieg ermuthigt, fielen die
+Enniskillener bald darauf in die Grafschaft Cavan ein, trieben
+funfzehnhundert Mann von Jakob's Truppen vor sich her, nahmen und
+zerstörten das Schloß Ballincarrig, das für das festeste in diesem
+Theile des Königreichs galt, und nahmen die Piken und Gewehre der
+Besatzung mit sich. Der nächste Einfall erfolgte in Meath. Hier wurden
+dreitausend Rinder und zweitausend Schafe mit fortgeführt und auf der
+kleinen Insel des Ernesees in Sicherheit gebracht. Diese kühnen Thaten
+verbreiteten Schrecken bis vor die Thore Dublin's. Der Oberst Hugo
+Sutherland erhielt Befehl, mit einem Regiment Dragonern und zwei
+Regimentern Infanterie gegen Enniskillen zu marschiren. Er nahm Waffen
+für das eingeborne Landvolk mit und Viele schlossen sich seiner Fahne
+an. Die Enniskillener marschirten ihm entgegen. Er nahm jedoch keine
+Schlacht an, sondern zog sich zurück und ließ seine Vorräthe unter der
+Obhut eines Detachements von dreihundert Soldaten in Belturbet. Die
+Protestanten griffen Belturbet kräftig an, besetzten ein hochgelegenes
+Haus, das die Stadt beherrschte, und eröffneten von hier aus ein so
+wirksames Feuer, daß nach Verlauf von zwei Stunden die Besatzung sich
+ergab. Siebenhundert Flinten, eine bedeutende Quantität Schießpulver,
+eine Menge Pferde, viele Säcke Zwieback und viele Fässer Mehl wurden
+erbeutet und nach Enniskillen geschickt. Die Böte, welche diese
+werthvolle Beute brachten, wurden freudig bewillkommnet. Die Besorgniß
+vor einer Hungersnoth war dadurch beseitigt. Während die eingeborne
+Bevölkerung in vielen Grafschaften, wahrscheinlich in der Erwartung, daß
+sich das Maraudiren als eine unerschöpfliche Hilfsquelle erweisen werde,
+die Bodencultur völlig vernachlässigte, hatten die Colonisten, treu dem
+vorsorgenden und betriebsamen Character ihres Stammes, mitten im Kriege
+nicht versäumt, den Boden in der Umgebung ihrer Besten sorgfältig zu
+bebauen. Die Ernte war jetzt nicht mehr fern und bis zur Ernte reichten
+die dem Feinde abgenommenen Lebensmittel vollkommen aus.[131]
+
+ [Anmerkung 131: +Hamilton's True Relation+; +Mac Cormick's Further
+ Account+. Von der Insel im Allgemeinen sagt Avaux: +»On n'attend
+ rien de cette recolte cy, les paysans ayant presque tous pris les
+ armes.«+ -- Brief an Louvois vom 19.(29.) März 1689.]
+
+
+[_Noth in Londonderry._] Doch inmitten des Sieges und des Überflusses
+wurden die Enniskillener von ängstlicher Besorgniß um Londonderry
+gequält. Sie waren mit den Vertheidigern dieser Stadt nicht allein durch
+religiöse und nationale Sympathie, sondern auch durch ein gemeinsames
+Interesse verbunden. Denn es konnte keinem Zweifel unterliegen, daß,
+wenn Londonderry fiel, die ganze irische Armee augenblicklich mit
+unwiderstehlicher Macht gegen den Ernesee vorrücken würde. Doch was
+konnte man thun? Einige tapfere Männer waren dafür, einen verzweifelten
+Versuch zum Entsatz der belagerten Stadt zu machen; aber die Übermacht
+war zu groß. Es wurden indessen Detachements abgesandt, welche die
+Nachhut des Belagerungsheeres beunruhigten, die Zufuhren abschnitten und
+einmal die Pferde von drei ganzen Reitertrupps wegnahmen.[132] Die
+Postenkette aber, welche Londonderry auf der Landseite einschloß, war
+noch nicht durchbrochen, und auch der Fluß war noch immer versperrt und
+sorgfältig bewacht. In der Stadt war die Noth auf's höchste gestiegen.
+Schon am 8. Juni war fast kein andres Fleisch mehr zu haben als
+Pferdefleisch und selbst davon war der Vorrath nur gering. Dem Mangel
+mußte mit Talg abgeholfen werden, und auch dieser wurde mit karger Hand
+vertheilt.
+
+ [Anmerkung 132: +Hamilton's True Account.+]
+
+
+[_Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke im Foylesee._] Am 15. Juni
+zeigte sich ein Schimmer von Hoffnung. Die Schildwachen auf dem Thurme
+der Kathedrale erblickten in einer Entfernung von neun Meilen Segel in
+der Bucht des Foylesees. Man zählte dreißig Fahrzeuge verschiedener
+Größe. Man gab auf den Thürmen Signale, welche von den Mastspitzen
+erwiedert, aber auf beiden Seiten nur unvollkommen verstanden wurden.
+Endlich umging ein Bote von der Flotte die irischen Schildwachen,
+schwamm unter dem Sperrbaum hindurch, und benachrichtigte die Besatzung,
+daß Kirke mit Truppen, Waffen, Munition und Lebensmitteln zum Entsatz
+der Stadt aus England angelangt sei.[133]
+
+Mit der ängstlichsten Spannung harrte man in Londonderry der kommenden
+Dinge; aber auf wenige Stunden fieberhafter Freude folgten Wochen des
+größten Elends. Kirke hielt es nicht für gerathen, weder zu Lande noch
+zu Wasser einen Angriff auf die feindlichen Linien zu unternehmen und
+zog sich an die Einfahrt des Foylesees zurück, wo er mehrere Wochen
+unthätig vor Anker lag.
+
+Jetzt steigerte sich die Hungersnoth mit jedem Tage. Alle Häuser der
+Stadt wurden auf das Genaueste durchsucht, und einige Lebensmittel,
+welche von Leuten, die seitdem gestorben oder geflüchtet, in den Kellern
+verborgen worden waren, wurden entdeckt und in die Magazine geschafft.
+Der Vorrath von Kanonenkugeln war fast erschöpft, und man bediente sich
+anstatt derselben schon mit Blei überzogener Backsteine. Krankheiten
+stellten sich, wie immer, im Gefolge des Hungers ein. An einem Tage
+starben funfzehn Offiziere am Fieber und der Gouverneur Baker selbst
+gehörte zu Denen, die der Krankheit erlagen. Seine Stelle wurde durch
+den Obersten Johann Mitchelburne ersetzt.[134]
+
+Inzwischen wurde es in Dublin bekannt, daß Kirke mit seinem Geschwader
+an der Küste von Ulster lag. Die Bestürzung war groß im Schlosse. Schon
+vor dem Eintreffen dieser Nachricht hatte Avaux sich dahin
+ausgesprochen, daß Richard Hamilton den Schwierigkeiten der Situation
+nicht gewachsen sei. Es war daher beschlossen worden, daß Rosen den
+Oberbefehl übernehmen sollte, und er war unverzüglich nach dem
+Kriegsschauplatze abgegangen.[135]
+
+ [Anmerkung 133: Walker.]
+
+ [Anmerkung 134: Walker und Mackenzie.]
+
+ [Anmerkung 135: Avaux, 16.(26.) Juni 1689.]
+
+
+[_Grausamkeit Rosen's._] Am 19. Juni kam er im Hauptquartier des
+Belagerungsheeres an. Zuerst versuchte er die Wälle zu unterminiren;
+aber sein Vorhaben wurde entdeckt und er gezwungen, es nach einem
+hitzigen Gefecht, in welchem über hundert seiner Leute fielen, wieder
+aufzugeben. Jetzt stieg seine Wuth auf eine unglaubliche Höhe. Er, ein
+alter Soldat, ein zukünftiger Marschall von Frankreich, in der Schule
+der größten Generäle erzogen und seit vielen Jahren an eine
+kunstgerechte Kriegführung gewöhnt, sollte sich von einem Hausen von
+Landjunkern, Pächtern und Krämern beschämen lassen, welche nur durch
+einen Wall geschützt waren, den jeder gute Ingenieur auf den ersten
+Blick für unhaltbar erklären mußte! Er tobte und fluchte in einer nur
+ihm eigenen Sprache, zusammengesetzt aus allen Dialecten, welche vom
+baltischen bis zum atlantischen Meere gesprochen wurden. Er wollte die
+Stadt der Erde gleich machen, kein lebendes Wesen sollte geschont
+werden, nichts, selbst die Mädchen und Säuglinge nicht. Für die Anführer
+sei der Tod eine zu milde Strafe, die sollten gefoltert und lebendig
+gebraten werden. In seiner Wuth ließ er eine Bombe mit einem Schreiben,
+das eine furchtbare Drohung enthielt, in die Stadt werfen. Er sagte
+darin, er werde alle Protestanten, welche zwischen Charlemont und dem
+Meere auf ihren Wohnsitzen geblieben wären, Greise, Frauen und Kinder,
+von denen viele durch Bande des Blutes und der Freundschaft den
+Vertheidigern von Londonderry nahe standen, zu einem Haufen
+zusammentreiben. Kein Schutz, von welcher Autorität er auch ausgehen
+möge, solle respectirt werden. Die so zusammengeholte Menge solle unter
+die Mauern von Londonderry getrieben und hier angesichts ihrer
+Landsleute, ihrer Freunde und ihrer Verwandten, dem Hungertode preis
+gegeben werden. Dies war keine leere Drohung. Es wurden sofort nach
+allen Richtungen hin Truppenabtheilungen entsendet, um Schlachtopfer
+herbeizuholen. Am Morgen des 2. Juli bei Tagesanbruch wurden Hunderte
+von Protestanten, welche keines Vergehens beschuldigt, welche unfähig
+waren Waffen zu tragen und von denen viele Schutzbriefe besaßen, welche
+Jakob selbst ihnen gewährt hatte, vor die Thore der Stadt geschleppt.
+Man hoffte, der jammervolle Anblick werde den Muth der Colonisten
+brechen; aber er brachte keine andre Wirkung hervor, als daß er ihren
+Muth zu noch größerer Energie aufstachelte. Es wurde auf der Stelle ein
+Tagesbefehl erlassen, daß Niemand, bei Todesstrafe, das Wort Übergabe
+aussprechen solle, und Keiner sprach dieses Wort aus. Es befanden sich
+mehrere Gefangene hohen Ranges in der Stadt. Sie waren bis dahin gut
+behandelt worden und hatten die nämlichen Rationen erhalten, wie die
+Besatzung. Jetzt wurden sie in strenge Haft gebracht. Auf einer der
+Bastionen wurde ein Galgen errichtet und an Rosen ein Schreiben gesandt,
+das ihn aufforderte, sogleich einen Beichtvater in die Stadt zu
+schicken, der seine Freunde zum Tode vorbereiten sollte. Die Gefangenen
+schrieben ihrerseits in großer Angst an den wilden Liefländer, erhielten
+aber keine Antwort. Hierauf wendeten sie sich an ihren Landsmann,
+Richard Hamilton. Sie seien bereit, sagten sie, für ihren König ihr Blut
+zu vergießen, aber es scheine ihnen hart, in Folge der Barbarei ihrer
+eigenen Waffengefährten den schimpflichen Tod der Diebe zu sterben.
+Hamilton war, obwohl ein Mann von laxen Grundsätzen, nicht grausam.
+Rosen's Unmenschlichkeit hatte seinen tiefen Abscheu erregt, da er aber
+nur der Zweite im Commando war, so durfte er es nicht wagen, Alles offen
+auszusprechen was er dachte. Er machte jedoch energische Vorstellungen.
+Einige irische Offiziere fühlten bei dieser Gelegenheit wie es braven
+Männern ziemte, und erklärten unter Thränen des Mitleids und Unwillens,
+daß sie zeitlebens das Geschrei der unglücklichen Frauen und Kinder
+hören würden, welche mit der Lanzenspitze herbeigetrieben worden waren,
+um zwischen dem Lager und der Stadt Hungers zu sterben. Rosen beharrte
+zweimalvierundzwanzig Stunden in seinem Plane, viele unglückliche
+Geschöpfe kamen in dieser Zeit um; aber Londonderry hielt sich so tapfer
+als je, und er sah ein, daß sein Verbrechen nur Haß und Schmähungen
+erzeugen werde. So gab er endlich nach und ließ die noch Lebenden wieder
+abziehen. Die Besatzung entfernte in Folge dessen alsbald den Galgen,
+der auf der Bastion errichtet worden war.[136]
+
+Als die Nachricht von diesen Vorgängen nach Dublin gelangte, entsetzte
+sich Jakob, obwohl durchaus nicht zum Mitleid geneigt, über eine
+Grausamkeit, von der die Bürgerkriege England's noch kein Beispiel
+aufzuweisen hatten, und vernahm mit großem Mißfallen, daß von ihm
+gewährte und mit seinem Ehrenwort verbürgte Schutzbriefe öffentlich für
+null und nichtig erklärt worden waren. Er beklagte sich darüber gegen
+den französischen Gesandten und äußerte mit einer durch die Gelegenheit
+vollkommen gerechtfertigten Entrüstung, daß Rosen ein barbarischer
+Moskowiter sei. Melfort konnte sich nicht enthalten hinzuzusetzen, daß,
+wenn Rosen ein Engländer gewesen wäre, er gehängt worden sein würde.
+Avaux begriff diese weibische Sentimentalität nicht. Seiner Ansicht nach
+war durchaus nichts Verwerfliches geschehen, und es wurde ihm schwer
+sich zu beherrschen, als er den König und den Sekretär einen Act
+heilsamer Strenge in starken Ausdrücken tadeln hörte.[137] Der
+französische Gesandte und der französische General waren einander in der
+That würdig. In der äußeren Erscheinung und den Manieren war allerdings
+ein großer Unterschied zwischen dem hübschen, eleganten und
+feingebildeten Diplomaten, dessen Gewandtheit und Liebenswürdigkeit an
+den elegantesten Höfen Europa's in hohem Rufe gestanden, und dem
+militärischen Abenteurer, dessen Aussehen und Stimme Alle, die mit ihm
+in Berührung kamen, daran erinnerte, daß er in einem halbwilden Lande
+geboren war, daß er sich vom gemeinen Soldaten emporgeschwungen hatte
+und daß er einmal wegen Marodirens zum Tode verurtheilt worden war.
+
+Rosen wurde nach Dublin zurückberufen, und Richard Hamilton erhielt
+wieder den Oberbefehl. Er versuchte mildere Mittel als die, welche
+seinem Vorgänger so harten Tadel zugezogen. Keine List, keine Lüge, von
+der sich erwarten ließ, daß sie die ausgehungerte Garnison entmuthigen
+würde, ward gespart. Eines Tages erscholl durch das ganze irische Lager
+ein allgemeines Freudengeschrei. Die Vertheidiger von Londonderry
+erfuhren bald, daß die Armee Jakob's wegen des Falles von Enniskillen in
+so freudiger Aufregung sei. Man sagte ihnen, daß sie nun keine Aussicht
+auf Entsatz mehr hätten, und ermahnte sie durch Kapituliren ihr Leben zu
+retten. Sie willigten ein zu unterhandeln. Allein sie verlangten freien
+Abzug unter Waffen und in militärischer Ordnung zu Wasser oder zu Lande
+nach ihrer Wahl. Für die Einhaltung dieser Bedingungen verlangten sie
+Geiseln und bestanden darauf, daß diese Geiseln auf die im Foylesee
+liegende Flotte gebracht werden sollten. Auf solche Bedingungen durfte
+Hamilton nicht eingehen; die Gouverneurs aber wollten davon nichts
+nachlassen; die Unterhandlung wurde abgebrochen und der Kampf begann von
+neuem.[138]
+
+ [Anmerkung 136: +Walker+; +Mackenzie+; +Light to die Blind, King,
+ III. 13+; +Leslie's Answer to King+; +Life of James, II. 366.+ Ich
+ muß sagen, daß King bei dieser Gelegenheit ungerecht gegen Jakob
+ ist.]
+
+ [Anmerkung 137: +Leslie's Answer to King+; Avaux, 5.(15.) Juli
+ 1689. +»Je trouvay l'expression bien forte: mais je ne voulois
+ rien répondre, car le Roy s'estoit desja fort emporté.«+]
+
+ [Anmerkung 138: Mackenzie.]
+
+
+[_Die Hungersnoth in Londonderry steigt auf's Höchste._] So war
+inzwischen der Juli weit vorgerückt und die Lage der Stadt wurde von
+Stunde zu Stunde fürchterlicher. Die Einwohner waren mehr durch Hunger
+und Krankheit, als durch das feindliche Feuer gelichtet worden. Doch war
+dieses Feuer jetzt heftiger und anhaltender als je. Eines der Thore und
+eine der Bastionen waren in Trümmer geschossen, aber die am Tage
+gemachten Breschen wurden des Nachts mit rastloser Thätigkeit wieder
+ausgebessert und jeder Angriff noch immer zurückgeschlagen. Aber die
+kämpfende Mannschaft der Besatzung war so erschöpft, daß sie sich kaum
+noch auf den Füßen halten konnte. Einige fielen im Gefecht gegen den
+Feind aus bloßer Schwäche zu Boden. Es war nur noch ein ganz kleines
+Quantum Getreide vorhanden, das mundvollweise vertheilt wurde. Dagegen
+hatte man einen beträchtlichen Vorrath gesalzener Häute, und durch Nagen
+an denselben beschwichtigte die Garnison die Qualen des Hungers. Hunde,
+mit dem Blute der Gefallenen gemästet, welche unbeerdigt rings um die
+Stadt lagen, waren ein Luxus, den nur Wenige bezahlen konnten. Der Preis
+einer einzigen Pfote war fünf Schilling sechs Pence. Neun Pferde waren
+noch am Leben, aber eben nur noch am Leben. Sie waren so abgemagert, daß
+man nur wenig Fleisch von ihnen zu erhalten hoffen durfte. Man beschloß
+jedoch sie zu schlachten, um sie zu verzehren. Die Leute starben so
+massenhaft, daß es den Überlebenden unmöglich war, sie ordentlich zu
+begraben. Es gab kaum einen Keller, in dem nicht ein Leichnam verweste.
+Die Noth war so gräßlich, daß man auf die Ratten, welche in diese
+grauenvollen Höhlen kamen, um zu schmausen, eifrig Jagd machte und sie
+gierig verschlang. Ein im Flusse gefangener kleiner Fisch war nicht mit
+Geld zu erkaufen; der einzige Preis, für den ein solcher Schatz zu
+erlangen war, waren einige Händevoll Hafermehl. Der Aussatz, wie er
+durch ungewohnte und ungesunde Kost erzeugt wird, machte das Leben zu
+einer fortwährenden Qual. Die ganze Stadt wurde durch den Gestank
+verpestet, den die Körper der Todten und Halbtodten verbreiteten.
+Daß unter Leuten, welche solches Elend erduldeten, Beispiele von
+Unzufriedenheit und Insubordination vorkamen, war unvermeidlich. Einmal
+hatte man Walker in dem Verdachte, daß er irgendwo Lebensmittel
+versteckt halte und im Geheimen schwelge, während er Andere ermahnte,
+für die gute Sache muthig zu leiden. Eine genaue Durchsuchung seines
+Hauses erwies seine vollkommene Unschuld; er erlangte seine Popularität
+wieder, und die Garnison, mit dem Tode vor Augen, drängte sich nach der
+Kathedrale, um ihn predigen zu hören, sog mit Wonne seine eindringlichen
+Worte ein und verließ das Gotteshaus mit leichenhaften Gesichtern und
+schwankenden Schritten, aber mit noch ungebrochenem Muthe. Es wurden
+allerdings einige geheime Complotte geschmiedet; einige obscure
+Verräther setzten sich mit dem Feinde in Verbindung. Aber solches
+Treiben mußte sorgfältig verborgen gehalten werden, und Niemand wagte
+öffentlich andere Worte als Worte des Trotzes und der hartnäckigen
+Entschlossenheit auszusprechen. Selbst in dieser entsetzlichen Noth war
+der allgemeine Ruf: »Keine Übergabe!« Und es fehlte nicht an Stimmen,
+welche leise hinzusetzten: »Zuerst die Pferde und die Häute, dann die
+Gefangenen, dann Einer den Andren!« Es wurde später halb scherzweise,
+aber nicht ohne eine fürchterliche Beimischung von Ernst erzählt, daß
+ein wohlbeleibter Bürger, dessen Körperumfang mit den ihn umgebenden
+Skeletten seltsam contrastirte, es für rathsam hielt, sich vor den
+zahlreichen Augen zu verbergen, die ihn mit cannibalischen Blicken
+verfolgten, sobald er sich auf der Straße zeigte.[139]
+
+Die Leiden der Garnison wurden nicht wenig dadurch vermehrt, daß die
+englischen Schiffe während dieser ganzen Zeit weit draußen im Foylesee
+zu sehen waren. Jede Communication zwischen der Flotte und der Stadt war
+fast unmöglich. Ein Taucher, der den Sperrbaum zu passiren versucht
+hatte, war ertrunken. Ein Andrer wurde ergriffen und aufgehängt. Die
+Signalsprache war kaum verständlich. Am 13. Juli jedoch kam ein in einen
+Rockknopf genähtes Stück Papier in Walker's Hände. Es war ein Brief von
+Kirke und enthielt die Zusicherung baldiger Erlösung. Aber mehr als
+vierzehn Tage des größten Elends waren seitdem verstrichen, und die
+Herzen auch der Sanguinischsten begannen zu verzweifeln. Keine Kunst
+vermochte es einzurichten, daß die Lebensmittel noch zwei Tage
+ausreichten.[140]
+
+ [Anmerkung 139: +Walker's Account.+ »Der fette Mann in
+ Londonderry« wurde eine sprüchwörtliche Bezeichnung für eine
+ Person, deren Wohlstand den Neid und die Habgier seiner minder
+ glücklichen Nebenmenschen erweckte.]
+
+ [Anmerkung 140: So lautete, nach Narcissus Luttrell, der Bericht
+ des Kapitains Withers, eines Offiziers, der sich später sehr
+ auszeichnete und auf den Pope eine Grabschrift machte.]
+
+
+[_Angriff auf den Sperrbaum._] Gerade in diesem Augenblicke erhielt
+Kirke eine Depesche aus England mit dem bestimmten Befehl, Londonderry
+zu entsetzen. In Folge dessen entschloß er sich endlich einen Versuch zu
+machen, den er, soweit es sich beurtheilen läßt, schon sechs Wochen
+früher mit mindestens gleicher Aussicht auf Erfolg hätte unternehmen
+können.[141]
+
+Unter den Kauffahrteischiffen, welche unter seinem Geleite in den
+Foylesee gekommen waren, befand sich eines, welches der Mountjoy hieß.
+Der Patron desselben, Micajah Browning, gebürtig aus Londonderry, hatte
+eine bedeutende Ladung Lebensmittel aus England mitgebracht. Er hatte
+sich zu wiederholten Malen sehr nachdrücklich über die Unthätigkeit des
+Geschwaders ausgesprochen; endlich erbot er sich, den gefährlichen
+Versuch, seinen Mitbürgern Unterstützung zu bringen, zuerst zu
+unternehmen, und sein Anerbieten wurde angenommen. Andreas Douglas,
+Kapitain des Phönix, der eine große Quantität Mehl aus Schottland an
+Bord hatte, erklärte sich bereit, die Gefahr und die Ehre zu theilen.
+Die Fregatte Dartmouth von sechsunddreißig Kanonen, unter den Befehlen
+des Kapitains Johann Leake, der später ein berühmter Admiral wurde,
+sollte die beiden Kauffahrer begleiten.
+
+Es war der 30. Juli. Die Sonne war eben untergegangen, die Abendpredigt
+in der Kathedrale war vorüber und die muthlose Versammlung war
+auseinandergegangen, als die Schildwachen auf dem Thurme die Segel der
+drei Schiffe den Foyle heraufkommen sahen. Das irische Lager gerieth
+bald in Alarm. Mehrere Meilen weit auf beiden Ufern des Flusses waren
+die Belagerer auf den Beinen. Die Schiffe waren in der größten Gefahr,
+denn der Wasserstand war niedrig und das einzige schiffbare Fahrwasser
+zog sich sehr nahe am linken Ufer hin, wo sich das Hauptquartier des
+Feindes befand und wo die Batterien am zahlreichsten waren. Leake
+erfüllte seine Pflicht mit einer Geschicklichkeit und einem Muthe, die
+seines edlen Berufes würdig waren, setzte seine Fregatte dem feindlichen
+Feuer aus, um die Kauffahrer zu decken und ließ seine Geschütze sehr
+wirksam spielen. Endlich erreichte das kleine Geschwader die
+gefährlichste Stelle. Hier segelte der Mountjoy voran und fuhr gerade
+auf den Sperrbaum los. Die mächtige Barrikade krachte und brach; aber
+der Stoß war so heftig gewesen, daß der Mountjoy zurückprallte und im
+Schlamme festsaß. Ein Triumphgeschrei erscholl auf beiden Ufern und die
+Irländer eilten zu ihren Böten, um das gestrandete Schiff zu entern;
+aber der Dartmouth schickte ihnen eine wohlgezielte Breitseite zu, die
+sie in Unordnung brachte. In diesem Augenblicke fuhr der Phönix gegen
+die Bresche an, welche der Mountjoy gemacht hatte, und war im Nu auf der
+andren Seite der Sperrung. Mittlerweile stieg die Fluth rasch, der
+Mountjoy wurde wieder flott und bald hatte auch er die zerbrochenen
+Balken und schwimmenden Sparren wohlbehalten passirt. Aber sein wackerer
+Kapitain war nicht mehr. Eine Kugel von einer der Batterien hatte ihn
+getroffen, und er starb den beneidenswerthesten Tod, angesichts der
+Stadt, die sein Geburts- und Wohnort war und die er so eben durch seinen
+Muth und seine Selbstverleugnung von der fürchterlichsten Art des
+Unterganges gerettet hatte. Die Dunkelheit war schon vor dem Beginn des
+Kampfes am Sperrbaum hereingebrochen; aber die abgemagerte,
+geisterbleiche Menge, welche die Wälle der Stadt bedeckte, sah den Blitz
+und hörte den Donner der Geschütze. Als der Mountjoy auf den Grund lief
+und das Triumphgeschrei der Irländer auf beiden Ufern ertönte, brach den
+armen Belagerten das Herz. Einer, der die namenlose Angst jenes
+Augenblicks ertragen hatte, erzählt uns, daß sie einander leichenblaß
+vor Entsetzen anstarrten. Und selbst nachdem die Barrikade passirt war,
+durchlebten sie noch eine fürchterliche halbe Stunde angstvoller
+Ungewißheit. Es war zehn Uhr, als die Schiffe am Quai anlangten. Die
+ganze Bevölkerung hatte sich hier versammelt, um sie zu bewillkommnen.
+Eine Verschanzung von mit Erde gefüllten Fässern wurde eiligst
+errichtet, um den Landungsplatz vor den Batterien des andren Flußufers
+zu schützen, und dann ging es an's Ausladen. Zuerst wurden Fässer,
+welche sechstausend Bushels Mehl enthielten, an's Ufer gerollt. Dann
+kamen große Käse, Tonnen voll Rindfleisch, Speckseiten, Kübel mit
+Butter, Säcke mit Erbsen, und Zwieback und Branntweingebinde. Einige
+Stunden vorher war jedem der Kämpfer ein halbes Pfund Talg und
+dreiviertel Pfund gesalzene Haut mit karger Genauigkeit zugewogen
+worden. Die Ration, welche nun Jeder erhielt, bestand aus drei Pfund
+Mehl, zwei Pfund Fleisch und einer Pinte Erbsen. Man kann leicht denken,
+mit welchen Thränen der Freude bei den Mahlzeiten dieses Abends das
+Tischgebet gesprochen wurde. Von Schlaf war auf beiden Seiten des Walles
+wenig die Rede. Die Freudenfeuer flackerten lustig den ganzen Wallgürtel
+entlang. Die irischen Geschütze brüllten die ganze Nacht durch, und die
+ganze Nacht hindurch antworteten die Glocken der geretteten Stadt den
+irischen Geschützen mit herausforderndem Geläute. Auch noch den ganzen
+31. Juli spielten die feindlichen Batterien. Aber bald nach
+Sonnenuntergang sah man im Lager Flammen auflodern und als der Morgen
+des 1. Augusts zu grauen begann, bezeichnete nur noch eine Reihe
+rauchender Trümmer die Stätte, welche die Zelte der Belagerer kürzlich
+eingenommen, und die Bürger sahen in weiter Ferne die lange Colonne von
+Piken und Standarten, die sich das linke Ufer des Foyle entlang auf
+Strabane zurückzog.[142]
+
+ [Anmerkung 141: Die Depesche, welche Kirke den bestimmten Befehl
+ brachte, den Sperrbaum anzugreifen, war von Schomberg
+ unterzeichnet, der bereits zum Oberbefehlshaber sämmtlicher
+ englischen Streitkräfte in Irland ernannt war. Eine Abschrift
+ davon befindet sich unter den Nairne'schen Manuscripten in der
+ Bodlejanischen Bibliothek. Wodrow schreibt auf keine andre
+ Autorität hin als das Gerede einer Landgemeinde in Dumbartonshire,
+ den Entsatz Londonderry's den Ermahnungen eines heldenmüthigen
+ schottischen Predigers, Namens Gordon zu. Ich möchte glauben,
+ daß ein peremtorischer Befehl von Schomberg weit mehr Einfluß auf
+ Kirke hatte, als die vereinte Beredtsamkeit einer ganzen Synode
+ von presbyterianischen Geistlichen.]
+
+ [Anmerkung 142: +Walker+; +Mackenzie+; +Histoire de la Revolution
+ d'Irlande, Amsterdam 1691+; +London Gazette, Aug. 5.(15.) 1689+;
+ Brief von Buchan unter den Nairne'schen Manuscripten; +Life of Sir
+ John Leake+; +The Londeriad+; +Observations on Mr. Walker's
+ Account of the Siege of Londonderry, licensed Oct. 4. 1689.+]
+
+
+[_Die Belagerung von Londonderry aufgehoben._] So endete diese große
+Belagerung, die denkwürdigste in den Annalen der britischen Inseln.
+Sie hatte hundertfünf Tage gedauert und die Garnison war von einem
+Effectivbestande von ungefähr siebentausend Mann auf etwa dreitausend
+reducirt worden. Der Verlust der Belagerer kann nicht genau angegeben
+werden. Walker schätzte ihn auf achttausend Mann. Aus den Depeschen
+Avaux' geht mit Gewißheit hervor, daß die Regimenter, welche von der
+Blokade zurückkehrten, dergestalt zusammengeschmolzen waren, daß viele
+von ihnen nicht mehr als zweihundert Mann zählten. Von sechsunddreißig
+französischen Artilleristen, welche die Kanonade geleitet hatten, waren
+einunddreißig getödtet oder dienstunfähig gemacht.[143] Die Angriffs-
+wie die Vertheidigungsmittel waren unzweifelhaft von der Art, daß sie
+die großen Heerführer des Continents zum Lachen gereizt haben würden;
+aber eben dieser Umstand verleiht der Geschichte des ganzen Kampfes ein
+so eigenthümliches Interesse. Es war ein Kampf nicht zwischen
+Ingenieuren, sondern zwischen zwei Nationen, und der Sieg blieb der
+Nation, welche zwar an Zahl der andren nachstand, ihr aber in
+Civilisation, in Fähigkeit zur Selbstherrschaft und in Beharrlichkeit
+überlegen war.[144]
+
+Sobald es bekannt wurde, daß die irische Armee abgezogen war, eilte eine
+Deputation aus der Stadt in den Foylesee und lud Kirke ein, das Commando
+zu übernehmen. Er kam in Begleitung eines zahlreichen Gefolges von
+Offizieren und wurde mit militärischem Gepränge von den beiden
+Gouverneurs empfangen, welche ihm die Autorität abtraten, die sie im
+Drange der Nothwendigkeit auf sich genommen hatten. Er verweilte nur
+wenige Tage, zeigte aber in dieser kurzen Zeit genug von den
+unverbesserlichen Fehlern seines Characters, um sich die Achtung einer
+durch strenge Moralität und glühenden Gemeinsinn ausgezeichneten
+Bevölkerung zu verscherzen. Es erfolgte jedoch kein offener Ausbruch,
+denn die Stadt war in der heitersten Stimmung. Von der Flotte waren
+solche Massen Lebensmittel gelandet worden, daß in allen Häusern ein nie
+gekannter Überschuß herrschte. Wenige Tage vorher wäre man froh gewesen,
+wenn man für zwanzig Pence einen Bissen halbverfaultes, von den Knochen
+eines verhungerten Pferdes losgekratztes Fleisch bekommen hätte. Jetzt
+wurde ein Pfund Rindfleisch für anderthalb Pence verkauft. Unterdessen
+waren alle Hände damit beschäftigt, die nur leicht mit Erde bedeckten
+Leichname zu entfernen, die Löcher auszufüllen, welche die Bomben in den
+Erdboden gerissen hatten, und die zerschossenen Dächer der Häuser
+auszubessern. Die Erinnerung an die überstandenen Gefahren und
+Entbehrungen und das Bewußtsein, sich um die englische Nation und um
+alle protestantischen Kirchen verdient gemacht zu haben, erfüllte die
+Herzen der Bewohner mit einem ehrenwerthen Stolze. Dieser Stolz ward
+noch erhöht, als sie von Wilhelm ein Schreiben erhielten, welches in den
+wohlwollendsten Ausdrücken die Verpflichtung anerkannte, die er den
+wackeren und getreuen Bürgern seiner guten Stadt schulde. Die ganze
+Einwohnerschaft strömte nach dem Diamantplatze, um die königliche
+Zuschrift verlesen zu hören. Am Schlusse gaben sämmtliche Kanonen auf
+den Wällen eine Freudensalve, welche von allen auf dem Flusse liegenden
+Schiffen erwiedert wurde, dann wurden Alefässer aufgeschlagen und unter
+lautem Jubel und Gewehrsalven auf die Gesundheit Ihrer Majestäten
+getrunken.
+
+Fünf Generationen sind seitdem vorübergegangen und noch immer ist den
+Protestanten von Ulster der Wall von Londonderry das was die Trophäe von
+Marathon den Athenern war. Auf weite Entfernung den Foyle hinauf und
+hinunter sieht man eine hohe Säule auf einer Bastion, welche viele
+Wochen lang das heftigste Feuer des Feindes auszuhalten hatte. Auf der
+Spitze dieser Säule steht die Statue Walker's, wie er zur Zeit der
+letzten und furchtbarsten Noth durch seine Beredtsamkeit den sinkenden
+Muth seiner Brüder wieder belebte. In der einen Hand hält er eine Bibel,
+die andre zeigt hinaus auf den Fluß und scheint die Blicke seiner
+ausgehungerten Zuhörer auf die englischen Mastspitzen in der fernen
+Bucht hinlenken zu wollen. Ein solches Denkmal war wohlverdient, doch
+kaum nöthig, denn die ganze Stadt ist bis auf diesen Tag ein Denkmal der
+großen Befreiung. Der Wall ist sorgfältig erhalten und keine Rücksicht
+der Gesundheit oder Zweckmäßigkeit würde von den Einwohnern für
+ausreichend gehalten werden, um die Zerstörung dieser geheiligten Mauern
+zu rechtfertigen, die in schlimmer Zeit ihrem Stamme und ihrer Religion
+Schutz gewährten.[145] Der Kamm der Festungswerke bildet einen
+angenehmen Spaziergang. Die Bastionen sind in kleine Gärten verwandelt,
+und hier und da blicken unter den Blumen und Sträuchern die alten
+Feldschlangen hervor, welche mit Blei überzogene Backsteinkugeln in die
+irischen Reihen sendeten. Ein alterthümliches Geschütz, ein Geschenk der
+londoner Fischhändlergilde, zeichnete sich während der hundertfünf
+denkwürdigen Tage durch seinen lauten Knall aus und führt noch jetzt den
+Namen +Roaring Meg+ (brüllende Margarethe). Die Kathedrale ist mit
+Reliquien und Trophäen angefüllt. In der Vorhalle befindet sich eine
+riesige Bombe, eine von den vielen hunderten, welche in die Stadt
+geworfen wurden. Über dem Altare sieht man noch die französischen
+Fahnenstöcke, welche bei einem verzweifelten Ausfalle von der Garnison
+erobert wurden. Die weißen Feldzeichen des Hauses Bourbon sind längst in
+Staub zerfallen; aber sie sind durch neue Banner, das Werk der schönsten
+Hände von Ulster, ersetzt. Der Tag, an welchem die Thore geschlossen und
+der Tag, an welchem die Belagerung aufgehoben wurde, sind bis auf unsre
+Zeit alljährlich durch Geschützsalven, Umzüge, Festmahle und Predigten
+gefeiert worden. Lundy ist +in effigie+ hingerichtet und das Schwert,
+das der Sage nach das Schwert Maumont's sein soll, bei feierlichen
+Gelegenheiten im Triumphe umhergetragen worden. Noch heute giebt es
+einen Walkerclub und einen Murrayclub. Die einfachen Gräber der
+protestantischen Anführer sind sorgfältig ausgesucht, wiederhergestellt
+und verschönert worden. Es ist unmöglich, die Gesinnung nicht zu achten,
+welche aus diesen Zeichen von Pietät spricht. Es ist eine Gesinnung,
+welche dem edleren und reineren Theile der menschlichen Natur angehört
+und welche die Stärke der Staaten nicht wenig vermehrt. Ein Volk, das
+nicht stolz ist auf die großen Thaten ferner Vorfahren, wird nie etwas
+vollbringen, was würdig wäre, von fernen Nachkommen mit Stolz in
+Andenken gehalten zu werden. Doch kann der Moralist oder der Staatsmann
+unmöglich mit ungetrübtem Wohlgefallen die Festlichkeiten, durch welche
+Londonderry das Gedächtniß seiner Befreiung feiert, sowie die Ehren
+betrachten, die es seinen Befreiern erzeigt. Leider haben sich zugleich
+mit dem Ruhme seiner tapferen Kämpfer auch deren Animositäten
+fortgeerbt. Die Fehler, welche man gewöhnlich bei herrschenden Kasten
+und Secten findet, haben sich bei seinen Festlichkeiten nicht selten
+unverhohlen gezeigt, und selbst in die Ausdrücke frommer Dankbarkeit,
+welche von seinen Kanzeln herab erschollen, haben sich nur zu oft Worte
+des Zornes und des herausfordernden Trotzes gemischt.
+
+Die irische Armee, die sich nach Strabane zurückgezogen hatte, blieb
+dort nur sehr kurze Zeit. Der Muth der Truppen war durch den ungünstigen
+Ausgang der Belagerung von Londonderry schon niedergedrückt und wurde
+bald völlig gebrochen durch die Nachricht von einem anderweitigen harten
+Schlage.
+
+ [Anmerkung 143: Avaux an Seignelay, 18.(28.) Juli; an Ludwig,
+ 9.(19.) August.]
+
+ [Anmerkung 144: »Man sieht hieraus, wie man es die ganze Zeit her
+ hat sehen können, daß die Kaufleute von Londonderry zu ihrer
+ Vertheidigung mehr Geschick hatten, als die berühmten Offiziere
+ der irischen Armee zu ihren Angriffen.« +Light to the Blind.+ Der
+ Verfasser dieses Werkes ist wüthend auf die irischen Kanoniere. Er
+ ist der Meinung, daß der Sperrbaum nie durchbrochen worden wäre,
+ wenn sie ihre Pflicht gethan hätten. Waren sie betrunken? oder
+ waren sie Verräther? Er kommt zu keiner Entscheidung über seinen
+ Punkt. »Herr,« ruft er aus, »der Du in den Herzen der Menschen
+ liesest, wir überlassen es Deiner Barmherzigkeit, in dieser
+ Angelegenheit zu richten.« Inzwischen stürzten jene Kanoniere
+ Irland ins Verderben.]
+
+ [Anmerkung 145: In einer vor mehr als sechzig Jahren unter dem
+ Titel +»Derriana«+ erschienenen Sammlung findet sich ein
+ interessanter Brief über diesen Gegenstand.]
+
+
+[_Operationen gegen die Enniskillener._] Drei Wochen vor dieser Zeit
+hatte der Herzog von Berwick über eine Abtheilung der Enniskillener
+einen Vortheil errungen und, nach ihrem eignen Eingeständniß, mehr als
+funfzig von ihnen getödtet oder gefangen genommen. Sie hofften auf
+einige Unterstützung von Kirke, an den sie eine Deputation abgesandt
+hatten, und beharrten noch immer auf der Zurückweisung aller vom Feinde
+angebotenen Bedingungen. Es wurde daher in Dublin beschlossen, sie von
+mehreren Seiten zu gleicher Zeit anzugreifen, Macarthy, der für seine in
+Munster geleisteten Dienste mit dem Titel eines Viscount von Mountcashel
+belohnt worden war, marschirte von Osten her mit drei Regimentern
+Infanterie, zwei Regimentern Dragoner und einigen Reitertrupps gegen den
+Ernesee. Ein andres starkes Truppencorps, das unweit der Mündung des
+Flusses Drowes lagerte, sollte gleichzeitig vom Westen her vorrücken,
+und der Herzog von Berwick sollte mit soviel Reitern und Dragonern, als
+das Belagerungsheer von Londonderry entbehren konnte, von der Nordseite
+kommen. Die Enniskillener waren über den ganzen Plan, der zu ihrem
+Verderben angelegt worden, nicht vollständig unterrichtet; aber sie
+wußten, daß Macarthy mit einer größeren Streitmacht, als sie je in's
+Feld stellen konnten, unterwegs war. Ihre Angst wurde einigermaßen
+gemildert durch die Zurückkunft der Deputation, die sie an Kirke
+abgeschickt hatten. Kirke konnte keine Soldaten entbehren, aber er
+sandte ihnen etwas Waffen und Munition nebst einigen erfahrenen
+Offizieren, unter denen der Oberst Wolseley und der Oberstleutnant Berry
+die vornehmsten waren. Diese Offiziere sollten zur See um die Küste von
+Donegal herum und den Ernesee heraufkommen. Am Sonntag, den 29. Juli
+erfuhr man, daß ihr Boot sich der Insel Enniskillen nähere. Die ganze
+männliche und weibliche Bevölkerung kam an's Ufer, um sie zu
+bewillkommnen. Nur mit Mühe erreichten sie das Schloß durch die sich um
+sie drängenden Menschenmassen, welche Gott dafür dankten, daß das theure
+alte England die Engländer nicht ganz vergessen hatte, die im Herzen von
+Irland seine Sache gegen eine große Übermacht aufrecht erhielten.
+
+Wolseley scheint für seinen Posten in jeder Hinsicht wohlbefähigt
+gewesen zu sein. Er war ein unerschütterlicher Protestant, hatte sich
+unter den Leuten von Yorkshire ausgezeichnet, welche für den Prinzen von
+Oranien und ein freies Parlament aufgestanden waren, und hatte, wenn
+anders dies auf Wahrheit beruht, seinen Eifer für die Freiheit und den
+reinen Glauben dadurch bethätigt, daß er den Mayor von Scarborough,
+der eine Rede zu Gunsten des Königs Jakob gehalten, auf den Marktplatz
+führen und hier in einem Betttuche tüchtig prellen ließ.[146] Dieser
+heftige Haß gegen den Papismus war in den Augen der Enniskillener die
+erste aller Qualificationen für das Commando, und Wolseley hatte deren
+noch andere und gewichtigere. Obgleich er eine regelmäßige militärische
+Ausbildung genossen hatte, scheint er doch vorzugsweise zur Führung
+irregulärer Truppen befähigt gewesen zu sein. Kaum hatte er das
+Obercommando übernommen, so erhielt er die Nachricht, daß Mountcashel
+das Schloß Crum belagert habe. Crum war die Grenzfeste der Protestanten
+von Fermanagh. Die Trümmer der alten Festungswerke gehören jetzt zu den
+Zierden eines schönen Parks, der auf einem den Ernesee beherrschenden
+waldigen Vorgebirge angelegt ist. Wolseley beschloß, den belagerten
+Platz zu entsetzen. Er schickte Berry mit soviel Truppen als
+augenblicklich aufbrechen konnten, voraus und versprach, baldigst mit
+einem stärkeren Corps nachzufolgen.
+
+ [Anmerkung 146: +Bernardi's Life of Himself, 1787.+]
+
+
+[_Schlacht bei Newton Butler._] Nachdem Berry einige Meilen weit
+marschirt war, stieß er auf dreizehn Compagnieen von Macarthy's
+Dragonern unter dem Commando Anton Hamilton's, des Glänzendsten und
+Gebildetsten von allen seines Namens, aber als Soldat viel weniger
+glücklich denn als Hofmann, als Liebesheld und als Schriftsteller.
+Hamilton's Dragoner ergriffen beim ersten Feuer die Flucht; er wurde
+schwer verwundet, und sein Nachfolger im Commando wurde todtgeschossen.
+Macarthy eilte Hamilton sofort zu Hülfe und zu gleicher Zeit kam
+Wolseley zur Unterstützung Berry's an. Die beiden feindlichen Armeen
+standen einander nun gegenüber. Macarthy hatte ungefähr fünftausend Mann
+und mehrere Geschütze. Die Enniskillener zählten nicht dreitausend Mann,
+und sie waren so eilig ausgerückt, daß sie nur auf einen Tag
+Lebensmittel mitgenommen hatten. Es war daher durchaus nothwendig,
+daß sie entweder sofort losschlugen oder sich zurückzogen. Wolseley
+beschloß, die Meinung seiner Leute darüber zu hören, und dieser
+Entschluß, der unter gewöhnlichen Verhältnissen eines Generals höchst
+unwürdig gewesen wäre, war vollkommen gerechtfertigt durch die
+eigenthümliche Zusammensetzung und Stimmung der kleinen Armee, welche
+aus Gentlemen und Freisassen bestand, die nicht um Sold, sondern für ihr
+Grundeigenthum, ihre Frauen, ihre Kinder und ihren Gott kämpften.
+Die Mannschaften wurden unter's Gewehr gerufen und ihnen die Frage
+vorgelegt: »Vorrücken oder Zurückgehen?« Die Antwort war der einstimmige
+Ruf: »Vorrücken!« Hierauf gab Wolseley das Feldgeschrei: »Kein
+Papismus«, das mit lautem Beifall begrüßt wurde, und traf dann sofort
+seine Anstalten zum Angriff. Als er vorrückte, begann der Feind zu
+seinem großen Erstaunen sich zurückzuziehen. Die Enniskillener wollten
+ihn mit aller Hast verfolgen, aber ihr Anführer, der eine Schlinge
+vermuthete, zügelte ihren Eifer und verbot ihnen auf das Bestimmteste,
+ihre Reihen aufzulösen. So zog sich die eine Armee in guter Ordnung
+durch das Städtchen Newton Butler zurück und die andre folgte in eben so
+guter Ordnung. Ungefähr eine Meile jenseit dieser Stadt machten die
+Irländer Front und Halt. Ihre Stellung war gut gewählt. Sie waren auf
+einer Anhöhe aufgestellt, an deren Fuße sich ein tiefer Sumpf befand.
+Eine schmale gepflasterte Hochstraße war der einzige Weg, auf dem die
+Reiterei der Enniskillener vorgehen konnte, denn zur Rechten und Linken
+waren Sumpflachen und Torfgruben, welche den Pferden keinen festen Grund
+darboten. Macarthy postirte seine Kanonen so, daß ihr Feuer diesen Weg
+bestrich.
+
+Wolseley commandirte seine Infanterie zum Angriff. Sie arbeitete sich
+durch den Sumpf, gewann wieder festen Boden und warf sich auf die
+Geschütze. Hier entspann sich nun ein kurzer und verzweifelter Kampf.
+Die irischen Kanoniere hielten tapfer bei ihren Feldstücken aus, bis sie
+sämmtlich niedergehauen waren. Jetzt kamen die Enniskillener Reiter,
+welche nicht mehr Gefahr liefen, durch das Feuer der Artillerie
+niedergemäht zu werden, rasch den Dammweg herauf. Die irischen Dragoner,
+welche schon am Morgen Reißaus genommen hatten, wurden abermals von
+einem panischen Schrecken ergriffen und galoppirten, ohne einen Schlag
+gethan zu haben, vom Schlachtfelde. Die schwere Reiterei folgte ihrem
+Beispiele. Das Entsetzen der Fliehenden war so groß, daß viele von ihnen
+ihre Pferde so lange spornten, bis sie stürzten und dann die Flucht zu
+Fuß fortsetzten, nachdem sie Carabiner, Säbel und selbst Waffenröcke als
+beim Laufen hinderlich weggeworfen hatten. Als die Infanterie sich so
+verlassen sah, warf sie ebenfalls Piken und Gewehre fort und suchte ihr
+Heil in der Flucht. Die Sieger gaben sich nun der blutdürstigen Wildheit
+hin, welche gewöhnlich die Bürgerkriege Irland's befleckt hat. Das
+Gemetzel war fürchterlich. Nahe an funfzehnhundert der Besiegten wurden
+niedergemacht. Etwa fünfhundert Andere schlugen, da sie die Gegend nicht
+kannten, einen Weg ein, der nach dem Ernesee führte. Der See war vor
+ihnen, der Feind im Rücken; sie sprangen in's Wasser und ertranken.
+Macarthy, von seinen Truppen verlassen, stürzte sich mitten unter die
+Verfolger und war nahe daran, den Tod zu finden, den er suchte. Er war
+an mehreren Stellen verwundet und zu Boden geschlagen; noch einen
+Augenblick, und ein Flintenkolben würde ihm das Lebenslicht ausgeblasen
+haben, wäre er nicht erkannt und gerettet worden. Die Colonisten hatten
+nur zwanzig Todte und fünfzig Verwundete. Sie machten vierhundert
+Gefangene und erbeuteten sieben Kanonen, vierzehn Fässer Schießpulver,
+sowie sämmtliche Trommeln und Fahnen des besiegten Feindes.[147]
+
+ [Anmerkung 147: +Hamilton's True Account+; +Mac Cormick's Further
+ Account+; +London Gazette, Aug. 22. 1689+; +Life of James+; Avaux
+ an Ludwig vom 4.(14.) August, und an Lourois von dem nämlichen
+ Datum. Story erwähnt eines Gerüchts, daß der panische Schrecken
+ unter den Irländern durch das Versehen eines Offiziers verursacht
+ worden sei, welcher »Rechts um kehrt Euch!« (+Right about face+)
+ anstatt »Augen rechts!« (+Right face+) commandirte. Weder Avaux
+ noch Jakob hatten etwas von diesem Versehen erfahren. In der That,
+ die Dragoner, welche das Beispiel der Flucht gegeben hatten, waren
+ nicht gewohnt, erst das Commando zu erwarten, ehe sie einem Feinde
+ den Rücken kehrten. Sie waren schon einmal an dem nämlichen Tage
+ davon gelaufen. Avaux giebt eine sehr einfache Erzählung der
+ Niederlage. +»Ces mesmes dragons qui avoient fuy le matin
+ laschèrent le pied avec lout le reste de la cavalerie, sans tirer
+ un coup de pistolet; et ils s'enfuirent tous avec une telle
+ épouvante qu'ils jettèrent mousquetons, pistolets, et espées; et
+ la plupart d'eux, ayant erevé leurs chevaux, se deshabillèrent
+ pour aller plus viste à pied.«+]
+
+
+[_Bestürzung der Irländer._] Die Schlacht bei Newton Butler wurde an
+demselben Nachmittage gewonnen, an welchem die durch den Foyle geworfene
+Barrikade durchbrochen wurde. In Strabane traf die Nachricht die auf dem
+Rückzuge von Londonderry begriffene celtische Armee. Der Schrecken und
+die Verwirrung waren groß; die Zelte wurden abgebrochen, ganze
+Wagenladungen Kriegsvorräthe wurden in den Mourne geworfen, und die
+entsetzten Irländer flohen unter Zurücklassung vieler Kranker und
+Verwundeter, die sie der Gnade der siegreichen Protestanten preisgaben,
+nach Omagh und von da weiter nach Charlemont. Sarsfield, welcher in
+Sligo commandirte, sah sich gezwungen, diese Stadt aufzugeben, welche
+alsbald von einer Abtheilung Kirke'scher Truppen besetzt wurde.[148]
+Dublin war in großer Bestürzung. Jakob ließ Äußerungen fallen, welche
+seine Absicht verriethen, nach dem Continent zu fliehen. Schlimme
+Nachrichten stürmten in der That rasch hintereinander auf ihn ein. Fast
+zu der nämlichen Zeit, als er erfuhr, daß eine seiner Armeen die
+Belagerung von Londonderry aufgehoben hatte und daß eine andre bei
+Newton Butler geschlagen worden war, empfing er kaum minder
+entmuthigende Botschaften aus Schottland.
+
+Es wird jetzt nöthig, den Gang der Ereignisse zu erzählen, denen
+Schottland seine politische und religiöse Freiheit, seinen Aufschwung
+und seine Civilisation verdankt.
+
+ [Anmerkung 148: +Hamilton's True Account.+]
+
+
+
+
+Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.
+
+
+ * * * * *
+ * * * *
+ * * * * *
+
+
+Druckfehler und Unregelmässigkeiten
+
+Rechtschreibungsformen wie »funfzig« : »fünfzig« oder »Urtel« :
+»Urtheil« sind ungeändert. Die Namen »Dover« und »Dower« sind ebenso
+ungeändert (auch wenn es um die selbe Person handelt). Weitere:
+
+ Geschicht(s)schreiber
+ angesehen(d)ste
+ Heimath(s)land
+ Betttuch [immer mit drei »t«]
+
+
+XI. Kapitel
+
+ Petre wieder in den Staatsrath berufen [Peter]
+ Interessen des Staats berührten [beührten]
+ die nöthigen Vorlagen zu beschaffen [nöthgen]
+ sich ... aus seinem Palaste entfernt gehabt [entfert]
+ die Nation zur Zeit der Revolution gespalten war [Revolultion]
+ sie ungetheilt und wie Ein Mann handelten [_ungeändert_]
+ des Hauses der Gemeinen seien sämmtlich Laien [sämmtich]
+ [Anm. 94] Burnet II. 7, 8, 9 [7, 8, 9,]
+ [Anm. 104] dem Earl von Dalkeith [Dalekith]
+ das Ende des vergangenen Jahres die [vergangenenen]
+
+
+ XII. Kapitel
+
+ Rice sollte erklärt haben [erkärt]
+ die Bevölkerung belief sich auf hundertachtzig Seelen [Bevölkrung]
+ [_Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu pacificieren._]
+ [pacifiren; _Inhalt hat »pacificieren«_]
+ William Stewart, Viscount von Mountjoy, wurde beauftragt [Montjoy]
+ und vortheilhaften Kapitulation bewogen werden könnte.[29]
+ [_Anmerkungszeichen ***) fehlt: aus Englische Ausgabe erschafft_]
+ von dem lebenden Thiere Stücke loszuschneiden [loszuscheiden]
+ [Anm. 50] Mac Cormick's Further Impartial Account [Mac Cormack's]
+ Cunningham und mehrere von seinen Offizieren [Cunnigham]
+ [Anm. 94] ayant toujour's servi [_ungeändert_]
+ [Anm. 102] in rohen Possen, wie die +Royal Flight+ [Fligth]
+ [Anm. 109] +Light to the Blind+ ... against Writs of Error
+ [Ligth ... Wits of Error]
+ »Ich habe,« sagte er [_« fehlt_]
+ der Protestanten in Irland hervorgerufen [herorgerufen]
+ in Munster, Connaught und Leinster [Connaugth]
+ und dem militärischen Abenteurer [miltärischen]
+ begann der Feind zu seinem großen Erstaunen [Erstauen]
+
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
+Thronbesteigung Jakob's des Zweiten., by Thomas Babington Macaulay
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT ***
+
+***** This file should be named 39562-8.txt or 39562-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/3/9/5/6/39562/
+
+Produced by Louise Hope, Delphine Lettau and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License available with this file or online at
+ www.gutenberg.org/license.
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/39562-8.zip b/39562-8.zip
new file mode 100644
index 0000000..5c12f3a
--- /dev/null
+++ b/39562-8.zip
Binary files differ
diff --git a/39562-h.zip b/39562-h.zip
new file mode 100644
index 0000000..2a08d53
--- /dev/null
+++ b/39562-h.zip
Binary files differ
diff --git a/39562-h/39562-h.htm b/39562-h/39562-h.htm
new file mode 100644
index 0000000..26dd54f
--- /dev/null
+++ b/39562-h/39562-h.htm
@@ -0,0 +1,11639 @@
+<!DOCTYPE HTML PUBLIC "-//W3C//DTD HTML 4.01 Transitional//EN"
+"http://www.w3.org/TR/html4/loose.dtd">
+<html>
+<head>
+<meta http-equiv = "Content-Type" content = "text/html; charset=UTF-8">
+
+<title>Macaulay’s Geschichte von England, VI</title>
+
+
+<style type = "text/css">
+
+/* same edition as volume 1 only */
+
+body {margin-left: 10%; margin-right: 10%;}
+
+div.wholetext {padding: 0; margin: 0;}
+/* dummy div for language */
+
+div.titlepage {padding: 2em 0;}
+div.chapterhead {padding: 6em 2em; width: 20em; margin: 2em auto;
+border-top: 1px solid #000; border-bottom: 1px solid #000;}
+
+hr {width: 80%; margin-top: 1em; margin-bottom: 1em; text-align: center;
+height: 1px; color: #000; background-color: #000;}
+hr.small {width: 30%;}
+hr.tiny {width: 20%;}
+hr.micro {width: 10%;}
+
+em {font-style: normal; letter-spacing: 0.2em; margin-right: -.2em;}
+
+div.mynote a {text-decoration: none;}
+table.toc a {text-decoration: none;}
+table.toc a:link {color: #006; background-color: inherit;}
+table.toc a:visited {color: #003; background-color: inherit;}
+a.tag {text-decoration: none; vertical-align: .3em; font-size: 80%;
+padding-left: .25em; line-height: .1em;}
+
+h1, h2, h3, h4, h5, h6 {text-align: center; font-style: normal;
+font-weight: normal; line-height: 1.5; margin-top: .5em;
+margin-bottom: .5em;}
+
+h1 {font-size: 250%;}
+h2 {font-size: 175%;}
+h3 {font-size: 150%;}
+div.titlepage h3 {margin-top: 1em;}
+h4 {font-size: 120%; margin-top: 3em;}
+div.titlepage h4, div.chapterhead h4 {margin-top: .5em;}
+h5 {font-size: 100%;}
+h5.sans {font-family: sans-serif; font-size: 108%;}
+h6 {font-size: 85%;}
+
+.four {font-size: 120%; margin-top: 3em;}
+.five {font-size: 100%;}
+.six {font-size: 85%;}
+
+p {margin-top: .5em; margin-bottom: 0em; line-height: 1.2;}
+
+p.illustration {text-align: center; margin-top: 1em;
+margin-bottom: 1em;}
+p.section {margin-top: 2em;}
+p.center {text-align: center;}
+p.inset {padding-left: 2em;}
+
+div.verse {margin: .5em 2em;}
+div.verse p {margin-top: 0; margin-left: 4em; text-indent: -4em;}
+div.verse p.indent2 {text-indent: 0;}
+
+/* footnotes */
+
+p.footnote, div.footnote {margin: 1em 2em 2em;}
+div.footnote p, p.footnote {font-size: 92%;}
+div.footnote p.continue {margin-top: .25em; text-indent: 1em;}
+
+
+/* tables */
+
+table {margin-left: auto; margin-right: auto; margin-top: 1em;
+margin-bottom: 1em; font-size: inherit; font-family: inherit;
+border-collapse: collapse;}
+
+td {vertical-align: top; text-align: left; padding: .2em .1em;}
+
+td.seite {text-align: right; font-size: 88%;}
+
+td.number {text-align: right; vertical-align: bottom;
+padding-left: 2em;}
+
+table.toc {width: 90%; margin-bottom: 4em;}
+table.toc p {margin-top: 0em; margin-left: 2em;
+text-indent: -2em; line-height: normal;}
+
+
+/* sidenotes */
+
+span.heading {width: 25%; float: left; clear: left; padding: .25em;
+margin: .25em .5em .25em 0; font-weight: bold; border: 1px solid #999;}
+
+
+/* text formatting */
+
+span.extended {letter-spacing: 0.33em; margin-right: -.33em;}
+span.antiqua {font-family: sans-serif; font-size: 95%;}
+
+/* correction popup */
+
+ins.correction {text-decoration: none; border-bottom: thin dotted red;}
+
+/* page number */
+
+span.pagenum {position: absolute; right: 2%; font-size: small;
+font-weight: normal; font-style: normal; text-align: right;
+text-indent: 0em; font-family: serif;}
+
+/* Transcriber's Note */
+
+.mynote {background-color: #DDE; color: #000;
+font-family: sans-serif; font-size: 90%;}
+
+div.mynote {margin: 1em 5%; padding: .5em 1em 1em;}
+p.mynote {margin: 1em 5%; padding: 1em;}
+
+</style>
+</head>
+
+<body>
+
+
+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
+Thronbesteigung Jakob's des Zwe, by Thomas Babington Macaulay
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Geschichte von England seit der Thronbesteigung Jakob's des Zweiten.
+ Sechster Band: enthaltend Kapitel 11 und 12
+
+Author: Thomas Babington Macaulay
+
+Translator: Wilhelm Hartwig Beseler
+
+Release Date: April 29, 2012 [EBook #39562]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT ***
+
+
+
+
+Produced by Louise Hope, Delphine Lettau and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+<div class = "wholetext" lang = "de">
+
+<div class = "mynote">
+
+<p><a name = "start" id = "start">Dieser Text</a> benutzt die
+UTF-8-Kodierung (Unicode). Wenn die Apostrophe, Anführungs&shy;zeichen
+und die Umlaute in diesem Absatz als seltsame Zeichen dargestellt
+werden, könnte es auch an Ihrem inkompa&shy;tiblen Browser oder an
+fehlenden Fonts (Zeichen&shy;sätzen) liegen. Stellen Sie zunächst
+sicher, dass der „Zeichensatz“ oder „Datei-Kodierung“ auf Unicode
+(UTF-8) eingestellt ist. Eventuell ist es auch nötig, die
+Standard&shy;schrift Ihres Browser zu ändern.</p>
+
+<p>Einige Druckfehler sind korrigiert und mit <ins class = "correction"
+title = "wie so">popups</ins> notiert. Recht&shy;schreibungs&shy;formen
+wie »funfzig« : »fünfzig« oder »Urtel« : »Urtheil« sind ungeändert. Die
+Namen »Dover« und »Dower« sind ebenso ungeändert (auch wenn es um die
+selbe Person handelt). Weitere:</p>
+
+<p class = "inset">
+Geschicht(s)schreiber<br>
+angesehen(d)ste<br>
+Heimath(s)land<br>
+Betttuch <i>immer mit drei »t«</i></p>
+
+<hr class = "small">
+
+<p class = "center"><a href = "#kap_XI">11. Kapitel</a><br>
+<a href = "#inhalt_XI">Inhalt</a></p>
+
+<p class = "center"><a href = "#kap_XII">12. Kapitel</a><br>
+<a href = "#inhalt_XII">Inhalt</a></p>
+
+</div>
+
+<div class = "titlepage">
+
+<h2>Thomas Babington Macaulay’s</h2>
+
+<h1>Geschichte von England</h1>
+
+<h3 class = "six"><em>seit der</em></h3>
+
+<h3 class = "four"><em>Thronbesteigung Jakob’s des Zweiten</em>.</h3>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class = "tiny">
+
+<h3 class = "five"><b>Aus dem Englischen.</b></h3>
+
+<hr class = "tiny">
+
+<h5>Vollständige und wohlfeilste</h5>
+
+<h5 class = "sans"><b>Stereotyp-Ausgabe.</b></h5>
+
+<hr class = "micro">
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h5><b>Sechster Band:</b></h5>
+
+<h6>enthaltend Kapitel 11 und 12.</h6>
+
+<p>&nbsp;<br>&nbsp;</p>
+
+<p class = "illustration">
+<img src = "images/floral.png" width = "178" height = "9"
+alt = "----"></p>
+
+<h5><b>Leipzig, 1856.</b></h5>
+
+<h6>G. &nbsp; H. &nbsp; <span class = "extended">Friedlein</span>.</h6>
+
+</div>
+
+
+<a name = "kap_XI" id = "kap_XI">&nbsp;</a>
+<div class = "chapterhead">
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_1" id = "pageXI_1">
+XI.1</a></span>
+
+<h4><b>Elftes Kapitel.</b></h4>
+
+<hr class = "tiny">
+
+<h4><em>Wilhelm von Oranien</em>.</h4>
+
+</div>
+
+<a name = "pageXI_2" id = "pageXI_2">&nbsp;</a>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_3" id = "pageXI_3">
+XI.3</a></span>
+
+<h4><a name = "inhalt_XI" id = "inhalt_XI">
+<b><span class = "extended">Inhalt</span>.</b></a></h4>
+
+<hr class = "micro">
+
+<table class = "toc" summary = "inhaltsverzeichniss">
+<tr>
+<td></td>
+<td class = "seite">Seite</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_1">Wilhelm und Marie</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_5">5</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_2">Festlichkeiten durch ganz England</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_6">6</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_3">Festlichkeiten in Holland</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_6">6</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_4">Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der
+Armee</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_6">6</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_5">Reaction der öffentlichen Meinung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_7">7</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_6">Stimmung der Tories</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_9">9</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_7">Stimmung der Whigs</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_11">11</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_8">Ministerielle Einrichtungen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_12">12</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_9">Wilhelm sein eigner Minister des
+Auswärtigen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_13">13</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_10">Danby</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_14">14</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_11">Halifax</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_15">15</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_12">Nottingham</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_15">15</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_13">Shrewsbury</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_17">17</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_14">Die Admiralität</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_17">17</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_15">Das Schatzamt</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_17">17</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_16">Das große Siegel</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_18">18</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_17">Die Richter</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_18">18</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_18">Der Hofstaat</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_19">19</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_19">Untergeordnete Ernennungen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_21">21</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_20">Die Convention in ein Parlament
+verwandelt</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_22">22</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_21">Die Mitglieder der beiden Häuser werden
+aufgefordert die Eide zu leisten</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_25">25</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_22">Fragen bezüglich des Einkommens</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_26">26</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_23">Abschaffung der Herdsteuer</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_28">28</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_24">Entschädigung der Vereinigten
+Provinzen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_29">29</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_25">Meuterei in Ipswich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_29">29</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_26">Die erste Meutereibill</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_32">32</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_27">Suspension der Habeas-Corpus-Acte</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_35">35</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_28">Unpopularität Wilhelm’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_36">36</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_29">Popularität Mariens</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_38">38</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_30">Das Hoflager wird von Whitehall nach
+Hampton-Court verlegt</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_40">40</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_31">Der Hof in Kensington</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_42">42</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_32">Wilhelm’s ausländische Günstlinge</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_43">43</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_33">Allgemeine schlechte Verwaltung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_44">44</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_34">Uneinigkeit unter den Staatsdienern</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_46">46</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_35">Das Departement der auswärtigen
+Angelegenheiten</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_49">49</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_36">Religionsstreitigkeiten</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_50">50</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_37">Die Hochkirchenpartei</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_51">51</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_38">Die Niederkirchenpartei</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_52">52</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><span class = "pagenum"><a name = "pageXI_4" id = "pageXI_4">
+XI.4</a></span>
+<a href = "#secXI_39">Wilhelm’s Pläne bezüglich der
+Kirchenverfassung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_53">53</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_40">Burnet, Bischof von Salisbury</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_54">54</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_41">Nottingham’s Pläne in Bezug auf die
+kirchliche Verfassung</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_56">56</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_42">Die Toleranzbill</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_58">58</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_43">Die Comprehensionsbill</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_63">63</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_44">Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und
+Suprematseide</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_69">69</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXI_45">Die Bill zur Festsetzung des
+Krönungseides</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_79">79</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_46">Die Krönung</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_81">81</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_47">Beförderungen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_83">83</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_48">Die Coalition gegen Frankreich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_84">84</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_49">Die Verwüstung der Pfalz</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_84">84</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXI_50">Kriegserklärung gegen Frankreich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXI_87">87</a></td>
+</tr>
+</table>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_5" id = "pageXI_5">
+XI.5</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm und Marie.</span>
+<a name = "secXI_1" id = "secXI_1">Die</a> Revolution war vollendet und
+die Decrete der Convention allenthalben mit Unterwerfung aufgenommen
+worden. London, seit fünfzig ereignißvollen Jahren treu der Sache der
+bürgerlichen Freiheit und des reformirten Glaubens, erklärte zuerst den
+neuen Herrschern seine Ergebenheit. Nachdem der erste Wappenherold unter
+den Fenstern von Whitehall den neuen Herrscher ausgerufen, ritt er mit
+feierlichem Gepränge den Strand entlang bis Temple Bar. Ihm folgten die
+Scepterträger der beiden Häuser, die beiden Sprecher Halifax und Powle
+und ein langer Zug von Equipagen mit Cavalieren und Gentlemen. Die
+Magistratsbeamten der City hielten ihre Thore geöffnet und schlossen
+sich der Prozession an. Vier Regimenter Miliz bildeten durch Ludgate
+Hill, um die St. Paulskirche herum und Cheapside entlang Spalier. Die
+Straßen, die Fenster und selbst die Dächer waren mit Zuschauern gefüllt.
+Alle Glocken von der Westminsterabtei bis zum Tower ließen ihr
+fröhliches Geläute ertönen. Vor der Börse wurde die Proclamation unter
+dem Jubel der versammelten Bürger bei Trompetenschall zum zweiten Male
+verlesen.</p>
+
+<p>Am Abend war jedes Fenster von Whitechapel bis Picadilly erleuchtet.
+Die Prunkgemächer des Palastes waren geöffnet und mit einer glänzenden
+Versammlung von Höflingen gefüllt, welche gekommen waren, dem Könige und
+der Königin die Hand zu küssen. Es waren die Whigs, die sich, von Glück
+und Siegesfreude strahlend, hier versammelt hatten. Einigen unter ihnen
+konnte man es wohl verzeihen, wenn sich ein Gefühl befriedigter Rache in
+ihre Freude mischte. Die am schwersten Gekränkte aber von Allen, welche
+die schlimmen Zeiten überlebt hatten, fehlte. Lady Russel war, während
+ihre Freunde sich in den Gallerien von Whitehall drängten, zu Haus
+geblieben, um an Den zu denken, der, wenn er noch gelebt hätte, bei der
+Feier dieses hochwichtigen Tages eine nicht unbedeutende Rolle gespielt
+haben würde. Ihre Tochter jedoch, welche einige Monate zuvor die
+Gemahlin des Lord Cavendish geworden, ließ sich durch dessen Mutter, die
+Gräfin von Devonshire, dem Königspaare vorstellen. Es existirt noch ein
+Brief, in welchem die junge Dame den Jubel der Bevölkerung, den
+Lichterglanz in den Straßen, das Gedränge in dem Empfangszimmer, die
+Schönheit Mariens und den Ausdruck, der die strengen Züge Wilhelm’s
+veredelte und milderte, mit großer Lebendigkeit schildert. Die
+interessanteste Stelle darin ist die, wo die Verwaiste die wehmüthige
+Freude gesteht, mit der sie die verspätete Bestrafung des Mörders ihres
+Vaters mit ansah.<a class = "tag" name = "tagXI_1" id = "tagXI_1" href =
+"#noteXI_1">1</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_1" id = "noteXI_1" href = "#tagXI_1">1.</a>
+Brief von Lady Cavendish an Sylvia. Lady Cavendish hatte, wie die
+meisten jungen Damen jener Generation, beständig die Romane der Scudery
+im Kopfe. Sie selbst ist Dorinda, ihre Correspondentin, in der man ihre
+Cousine Johanna Allington vermuthete, ist Sylvia; Wilhelm ist Armanzor
+und Maria ist Phenixana. <span class = "antiqua">London Gazette,
+Febr.&nbsp;14. 1688/89; Narcissus Luttrell’s Diary</span>. Luttrell’s
+Tagebuch, das ich sehr oft citiren werde, befindet sich in der
+Bibliothek des Allerseelen-Collegiums, dessen Vorsteher ich zu großem
+Danke verpflichtet bin für die Bereitwilligkeit, mit der er mir die
+Benutzung dieses werthvollen Manuscripts gestattete.</p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_6" id = "pageXI_6">
+XI.6</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Festlichkeiten durch ganz England.</span>
+<a name = "secXI_2" id = "secXI_2">Dem</a> Beispiele London’s folgten
+auch die Provinzialstädte. Drei Wochen lang waren die Spalten der
+Journale mit Berichten über die Festlichkeiten gefüllt, durch die sich
+die öffentliche Freude kund gab: Cavalcaden von Gentlemen und
+Freisassen, Prozessionen von Sheriffs und Bailiffs im scharlachnen
+Amtskleide, Umzüge eifriger Protestanten mit orangefarbenen Fahnen und
+Bändern, Geschützsalven, Freudenfeuer, Illuminationen, Musikfeste,
+Bälle, Gastmähler, Rinnen und Röhren in denen Ale und Claret flossen.<a
+class = "tag" name = "tagXI_2" id = "tagXI_2" href =
+"#noteXI_2">2</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_2" id = "noteXI_2" href = "#tagXI_2">2.</a>
+Siehe die <span class = "antiqua">London Gazette</span> vom Februar und
+März 1688/89. und N. Luttrell’s Tagebuch.</p>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Festlichkeiten in Holland.</span>
+<a name = "secXI_3" id = "secXI_3">Noch</a> herzlicher war die Freude
+unter den Holländern, als sie erfuhren, daß der erste Beamte ihrer
+Republik auf einen Thron erhoben worden. Wilhelm hatte am Tage seines
+Regierungsantritts an die Generalstaaten geschrieben, daß die
+Veränderung in seiner Stellung die Liebe zu seinem Vaterlande nicht
+geschmälert und daß seine neue Würde ihn hoffentlich in den Stand setzen
+werde, seine älteren Pflichten wirksamer zu erfüllen als je. Die
+olicharchische Partei, welche den Lehren Calvin’s und dem Hause Oranien
+stets feindlich gesinnt gewesen, murmelte zwar leise, Sr. Majestät müsse
+das Statthalteramt niederlegen. Aber all’ dieses Gemurmel wurde von dem
+Zujauchzen eines Volks übertäubt, das stolz war auf das Genie und das
+Glück seines großen Landsmannes. Es ward ein Tag zu Dankesbezeigungen
+bestimmt, und in allen Städten der sieben Provinzen äußerte sich die
+allgemeine Freude in Festlichkeiten, deren Kosten hauptsächlich durch
+freiwillige Gaben bestritten wurden. Alle Klassen nahmen Theil daran;
+der ärmste Tagelöhner konnte sich betheiligen, indem er einen
+Triumphbogen errichten half oder Reisig zu einem Freudenfeuer trug.
+Selbst die ruinirten Hugenotten konnten durch ihre Geschicklichkeit und
+ihre Erfindungsgabe mitwirken. Eine Kunst, die sie mit sich in die
+Verbannung genommen, war die Feuerwerkerei, und so erleuchteten sie
+jetzt zu Ehren des siegreichen Vorkämpfers ihres Glaubens die Kanäle von
+Amsterdam durch prachtvolle Feuerwerke.<a class = "tag" name = "tagXI_3"
+id = "tagXI_3" href = "#noteXI_3">3</a></p>
+
+<p>Dem flüchtigen Beobachter konnte es scheinen, als hätte Wilhelm
+damals einer der beneidenswerthesten Menschen sein müssen; in der That
+aber war er einer der sorgenvollsten und unglücklichsten. Er wußte wohl,
+daß die Schwierigkeiten seiner Aufgabe erst begannen. Schon war die so
+glänzend angebrochene Morgenröthe seines Glücks umwölkt und viele
+Anzeichen verkündeten einen dunklen, stürmischen Tag.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_3" id = "noteXI_3" href = "#tagXI_3">3.</a>
+Wagenaar, 61. Er führt die Protokolle der Generalstaaten vom 2. März
+1689 an. <span class = "antiqua">London Gazette, April 11. 1689</span>;
+<span class = "antiqua">Monthly Mercury, April 1689</span>.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unzufriedenheit der Geistlichkeit und der Armee.</span>
+<a name = "secXI_4" id = "secXI_4">Man</a> machte die Bemerkung, daß
+zwei wichtige Stände wenig oder keinen Theil an den Festlichkeiten
+nähmen, durch welche in ganz England die Einsetzung der neuen Regierung
+gefeiert wurde. Nur sehr selten sah man einen Priester oder einen
+Soldaten unter den Leuten, die sich um die Marktsäulen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_7" id = "pageXI_7">
+XI.7</a></span>
+versammelten, wo der König und die Königin ausgerufen wurden. Der
+Berufsstolz der Geistlichkeit und des Heeres war tief verletzt worden.
+Die Lehre vom Nichtwiderstande war den anglikanischen Geistlichen theuer
+gewesen; sie war ihr unterscheidendes Kennzeichen, sie war ihr
+Lieblingsthema. Wenn wir nach dem auf uns gekommenen Theile ihrer
+öffentlichen Vorträge urtheilen dürfen, so hatten sie über die Pflicht
+des passiven Gehorsams mindestens eben so oft und eifrig gepredigt, wie
+über die Dreieinigkeit und die Sühne.<a class = "tag" name = "tagXI_4"
+id = "tagXI_4" href = "#noteXI_4">4</a> Ihre Anhänglichkeit an ihren
+politischen Glauben war zwar hart geprüft und auf eine kurze Zeit
+erschüttert worden; aber mit Jakob’s Tyrannei waren auch die bittern
+Gefühle verschwunden, welche diese Tyrannei in ihnen geweckt hatte. Der
+Pfarrer eines Kirchspiels war natürlich nicht geneigt, sich einer Sache
+anzuschließen, die ein thatsächlicher Triumph über die Grundsätze war,
+die seine Gemeinde ihn an jedem Jahrestage des Märtyrertodes<a class =
+"tag" name = "tagXI_5" id = "tagXI_5" href = "#noteXI_5">5</a> und der
+Restauration hatte verkündigen hören.</p>
+
+<p>Auch die Soldaten waren mißvergnügt. Sie haßten zwar den Papismus und
+hatten den verbannten König nicht geliebt; aber sie fühlten nur zu wohl,
+daß sie in dem kurzen Feldzuge, der das Schicksal ihres Vaterlandes
+entschieden, eine ruhmlose Rolle gespielt hatten. Vierzig schöne
+Regimenter, eine reguläre Armee, wie noch nie zuvor eine unter dem
+Banner England’s gefochten, hatten sich über Hals und Kopf vor einem
+Eindringling zurückgezogen und sich ihm dann ohne Schwertstreich
+unterworfen. Diese große Streitmacht war bei der jüngsten Veränderung
+von gar keinem Einflusse gewesen; sie hatte eben so wenig etwas gethan,
+Wilhelm abzuwehren, als ihn ins Land zu bringen. Die Bauern, welche mit
+Heugabeln bewaffnet und auf Karrengäulen reitend, im Gefolge Lovelace’s
+oder Delamere’s umhergezogen waren, hatten einen größeren Theil an der
+Revolution genommen als jene glänzenden Haustruppen, deren Federhüte,
+geflickte Röcke und curbettirende Schlachtrosse die Londoner so oft in
+Hyde Park bewundert. Die Verstimmung der Armee wurde noch vermehrt durch
+die Spötteleien der Fremden, welche weder durch Befehle noch durch
+Strafen völlig unterdrückt werden konnten.<a class = "tag" name =
+"tagXI_6" id = "tagXI_6" href = "#noteXI_6">6</a> An verschiedenen Orten
+äußerte sich der Unmuth, den man bei einer tapferen und von Ehrgefühl
+beseelten Gemeinschaft von Männern unter solchen Umständen wohl erwarten
+darf, in beruhigender Weise. Ein in Cirencester liegendes Bataillon
+löschte die Freudenfeuer aus, ließ den König Jakob hoch leben und trank
+auf den Untergang seiner Tochter und seines Neffen. Die Garnison von
+Plymouth störte die Festlichkeiten in der Grafschaft Cornwall, es kam zu
+Schlägereien, und ein Mann wurde dabei getödtet.<a class = "tag" name =
+"tagXI_7" id = "tagXI_7" href = "#noteXI_7">7</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_4" id = "noteXI_4" href = "#tagXI_4">4.</a>
+„Ich kann mit Bestimmtheit behaupten,“ sagt ein Schriftsteller, der in
+der Westminsterschule erzogen war, „daß auf eine Predigt über die Buße,
+den Glauben und die Erneuerung des heiligen Geistes, die ich hörte, drei
+von der andern Art kamen, und es ist schwer zu sagen, ob Jesus Christus
+oder König Karl I. öfter erwähnt und gepriesen wurde.“ &mdash; <span
+class = "antiqua">Bisset’s Modern Fanatick, 1710</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_5" id = "noteXI_5" href = "#tagXI_5">5.</a>
+Karl’s I. &mdash; D. Übersetzer.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_6" id = "noteXI_6" href = "#tagXI_6">6.</a>
+<span class = "antiqua">Gazette de Paris</span>, 26. Jan. (5. Febr.)
+1689; <span class = "antiqua">Orange Gazette, Jan.&nbsp;10.
+1688/89</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_7" id = "noteXI_7" href = "#tagXI_7">7.</a>
+<span class = "antiqua">Grey’s Debates</span>, Howe’s Rede vom 26. Febr.
+1688/89; Boscawen’s Rede vom 1. März; <span class = "antiqua">Narcissus
+Luttrell’s Diary</span>, 23&mdash;27. Febr.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Reaction der öffentlichen Meinung.</span>
+<a name = "secXI_5" id = "secXI_5">Die</a> Mißstimmung der
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_8" id = "pageXI_8">
+XI.8</a></span>
+Geistlichkeit und der Armee konnte auch den Unaufmerksamsten nicht
+entgehen, denn beide Stände zeichneten sich von den übrigen Klassen
+durch in die Augen fallende Eigenthümlichkeiten in der Kleidung aus.
+„Die Schwarzröcke und die Rothröcke,“ sagte ein heftiger Whig im Hause
+der Gemeinen, „sind der Fluch der Nation.“<a class = "tag" name =
+"tagXI_8" id = "tagXI_8" href = "#noteXI_8">8</a> Die Unzufriedenheit
+beschränkte sich jedoch nicht auf die Schwarzröcke und Rothröcke. Die
+Begeisterung, mit welcher Leute aller Stände Wilhelm zu Weihnachten in
+London bewillkommnet, hatte noch vor Ende Februar bedeutend
+nachgelassen. Der neue König selbst hatte, in dem Augenblicke als sein
+Ruhm und sein Glück den höchsten Punkt erreicht, die kommende Reaction
+vorhergesagt. Diese Reaction hätte allerdings auch ein minder
+scharfsichtiger Beobachter der menschlichen Dinge voraussehen können,
+denn sie muß hauptsächlich einem Gesetz zugeschrieben werden, das eben
+so feststeht wie die Gesetze, welche die Aufeinanderfolge der
+Jahreszeiten und den Wechsel der Passatwinde regeln. Es liegt in der
+Natur des Menschen, gegenwärtige Übel zu hoch, und gegenwärtiges Gute zu
+niedrig anzuschlagen, sich nach dem was er nicht hat zu sehnen, und mit
+dem was er hat unzufrieden zu sein. Dieser Hang, wie er sich bei dem
+Individuum zeigt, ist oft von lachenden und von weinenden Philosophen
+besprochen worden. Er war ein Lieblingsthema Horaz’ und Pascal’s,
+Voltaire’s und Johnson’s. Seinem Einflusse auf das Schicksal großer
+Gemeinschaften können die meisten Revolutionen und Gegenrevolutionen,
+von denen die Geschichte erzählt, zugeschrieben werden. Hundert
+Generationen sind seit der ersten großen nationalen Emancipation, von
+welcher Nachricht auf uns gekommen ist, vorübergegangen. In dem ältesten
+der Bücher lesen wir, daß ein Volk, unter einem grausamen Joche in den
+Staub gebeugt, von strengen Zuchtmeistern zur Arbeit gepeitscht, ohne
+nur Stroh zu einem Lager zu erhalten, und doch gezwungen die tägliche
+Anzahl Bausteine zu liefern, des Lebens müde ward und einen zum Himmel
+schreienden Jammerruf ertönen ließ. Die Sklaven wurden wunderbar
+befreit, und im Augenblicke ihrer Befreiung stimmten sie eine Dankes-
+und Siegeshymne an; doch schon nach wenig Stunden begannen sie ihre
+Sklaverei zurückzuwünschen und gegen den Anführer zu murren, der sie von
+dem leckeren Tische des Hauses der Knechtschaft hinweggelockt in die öde
+Wüste, die sie noch von dem Lande trennte, wo Milch und Honig fließen
+sollten. Seitdem ist die Geschichte jedes großen Befreiers eine
+Wiederholung der Geschichte Moses gewesen. Auf Freudenbezeigungen wie
+die am Ufer des rothen Meeres ist jederzeit, bis auf den heutigen Tag,
+sehr bald ein Murren wie das an den Wassern der Zwietracht gefolgt.<a
+class = "tag" name = "tagXI_9" id = "tagXI_9" href = "#noteXI_9">9</a>
+Die gerechteste und heilsamste Revolution muß viele Leiden
+hervorbringen. Die gerechteste und heilsamste Revolution kann nicht all’
+das Gute schaffen, das Leute von mangelhafter Bildung und sanguinischem
+Temperament von ihr erwarteten. Selbst der Weiseste vermag nicht, so
+lange sie noch neu ist, die Übel, die sie hervorgerufen, gegen die Übel,
+die sie beseitigt, mit vollkommener Genauigkeit abzuwägen.
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_9" id = "pageXI_9">
+XI.9</a></span>
+Denn die Übel, die sie hervorgerufen, werden gefühlt, die Übel aber, die
+sie beseitigt, werden nicht mehr gefühlt.</p>
+
+<p>So war es damals in England. Das Publikum war, wie immer während des
+Zustandes von Abkühlung, der auf Fieberanfälle folgt, mißmuthig, schwer
+zu befriedigen, unzufrieden mit sich selbst und unzufrieden mit denen,
+welche noch kürzlich seine Lieblinge gewesen. Der Waffenstillstand
+zwischen den beiden großen Parteien war zu Ende. Obwohl getrennt durch
+die Erinnerung an Alles was während eines Kampfes von einem halben
+Jahrhundert gethan und gelitten worden, hatte eine gemeinsame Gefahr sie
+auf einige Monate mit einander verbunden. Jetzt war die Gefahr vorüber,
+die Verbindung war aufgelöst und der alte Groll brach wieder in seiner
+ganzen Stärke hervor.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_8" id = "noteXI_8" href = "#tagXI_8">8.</a>
+<span class = "antiqua">Grey’s Debates, Febr. 26. 1688/89.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_9" id = "noteXI_9" href = "#tagXI_9">9.</a>
+Dieser Vergleich findet sich in zahlreichen Predigten und Flugschriften
+aus der Zeit Wilhelm’s III. Es existirt auch eine schwache Nachahmung
+von <span class = "antiqua">Absalom and Ahitophel</span>, betitelt:
+<span class = "antiqua">The Murmurers</span>. Wilhelm ist Moses; Cora,
+Dathan und Abiram Bischöfe, die den Eid verweigern; Balaam, glaube ich,
+Dryden, und Phineas Shrewsbury.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Stimmung der Tories.</span>
+<a name = "secXI_6" id = "secXI_6">Jakob</a> war während der letzten
+Jahre seiner Regierung von den Tories noch mehr gehaßt worden als von
+den Whigs, und zwar nicht ohne Grund, denn den Whigs war er nur ein
+Feind, den Tories aber war er ein treuloser und undankbarer Freund
+gewesen. Doch die alten royalistischen Gefühle, welche in der Zeit
+seiner gesetzlosen Herrschaft erloschen zu sein schienen, waren durch
+sein Mißgeschick zum Theil wieder geweckt worden. Viele Lords und
+Gentlemen, welche im December für den Prinzen von Oranien und ein freies
+Parlament zu den Waffen gegriffen, sagten zwei Monate später, sie hätten
+sich mit fortreißen lassen, sie hätten zu großes Vertrauen in die
+Erklärung Sr. Hoheit gesetzt und hätten in ihm eine Uneigennützigkeit
+vermuthet, die, wie es sich jetzt zeige, nicht in seinem Charakter
+liege. Sie hätten dem König Jakob zu seinem eigenen Besten einen
+leichten Zwang auflegen, die Jesuiten und Renegaten, die ihn irre
+geleitet, bestrafen und von ihm eine Garantie für die Aufrechthaltung
+der bürgerlichen und kirchlichen Institutionen des Reichs erlangen,
+nicht aber ihn entthronen und verbannen wollen. Für seine schlechte
+Verwaltung fand man Entschuldigungsgründe. Sei es ein Wunder, daß er,
+durch Rebellen, welche dem Namen Protestanten Schande machten, schon als
+Knabe seinem Vaterlande entrissen, und gezwungen seine Jugend in Ländern
+zu verleben, wo die römisch-katholische Religion herrschte, durch diesen
+verführerischen Aberglauben angezogen worden? Sei es ein Wunder, daß
+sein Charakter durch die Verfolgungen und Verleumdungen einer
+unversöhnlichen Partei härter und strenger geworden als man anfangs
+geglaubt, und daß er, als die, welche es versucht hatten, seine Ehre zu
+vernichten und ihn seines Geburtsrechts zu berauben, endlich in seiner
+Gewalt waren, die Gerechtigkeit nicht genügend durch Nachsicht gemildert
+habe? Was endlich die schlimmste ihm zur Last gelegte Anschuldigung
+betreffe: daß er durch Adoptirung eines untergeschobenen Kindes seinen
+Töchtern ihr rechtmäßiges Erbe habe entziehen wollen, &mdash; worauf
+gründe sich diese Anklage? Bloß auf geringfügige Umstände, die man wohl
+auf Rechnung des Zufalls oder der mit seinem Charakter nur zu sehr im
+Einklang stehenden Unbesonnenheit schreiben könne. Habe wohl je der
+einfältigste Dorfrichter einen Menschen ins Gefängniß geworfen, ohne
+stärkere Beweise zu verlangen, als die, auf welche hin das englische
+Volk seinen König des niedrigsten und abscheulichsten Betrugs schuldig
+erklärt habe? Allerdings habe er einige große Fehler begangen, und es
+sei nichts gerechter und verfassunggemäßer, als daß seine Rathgeber und
+Creaturen wegen dieser Fehler zur strengen Rechenschaft gezogen würden;
+auch verdiene von allen diesen Rathgebern und Creaturen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_10" id = "pageXI_10">
+XI.10</a></span>
+Niemand mehr bestraft zu werden als die Rundkopf-Sectirer, deren
+Schmeichelei ihn ermuthigt habe, in der verderblichen Ausübung der
+Dispensationsgewalt zu beharren. Es sei ein Grundgesetz des Landes, daß
+der König nicht Unrecht thun könne und daß, wenn Kraft seiner Autorität
+Unrecht gethan werde, seine Rathgeber und Werkzeuge dafür verantwortlich
+seien. Diese große und wesentliche Regel unsrer Verfassung sei jetzt
+umgedreht worden. Die Speichellecker, welche von Rechtswegen zu
+bestrafen gewesen seien, erfreuten sich der Straflosigkeit, und der
+König, der von Rechtswegen nicht zu bestrafen sei, werde mit
+schonungsloser Strenge bestraft. Sei es anders möglich, als daß die
+Cavaliere England’s, die Söhne der Krieger, welche unter Ruprecht
+gekämpft, bitteren Schmerz und Unwillen empfänden, wenn sie an das
+Schicksal ihres rechtmäßigen Lehnsherrn dächten, des Erben einer langen
+Reihe von Fürsten, der erst unlängst mit allem Glanze in Whitehall auf
+den Thron erhoben worden und jetzt ein Verbannter, ein Bittender, ein
+Bettler sei? Sein Unglück sei größer als selbst das des gefeierten
+Märtyrers, dessen Sprößling er sei. Der Vater sei durch erklärte
+Todfeinde hingeschlachtet worden, der Untergang des Sohnes sei das Werk
+seiner eigenen Kinder. Gewiß hätte die Strafe, wenn sie auch verdient
+sei, durch andere Hände auferlegt werden sollen. Und sei sie denn
+wirklich ganz verdient? Sei der unglückliche Mann nicht eher schwach und
+unbesonnen als schlecht? Besitze er nicht einige von den Eigenschaften
+eines vortrefflichen Fürsten? Man könne zwar nicht sagen, daß er
+ausgezeichnete Fähigkeiten habe, aber er sei thätig, er sei sparsam, er
+habe tapfer gefochten, er sei sein eigner Marineminister gewesen und
+habe als solcher seine Sache recht gut gemacht; er habe ferner, bevor
+seine geistlichen Leiter einen verhängnißvollen Einfluß auf ihn
+gewonnen, für einen Mann von strenger Gerechtigkeit gegolten, und
+endlich habe er, wenn er nicht von ihnen irre geführt worden sei, fast
+immer die Wahrheit gesprochen und ehrlich gehandelt. Bei so vielen
+Tugenden habe er, wenn er ein Protestant, ja selbst wenn er ein
+gemäßigter Katholik gewesen wäre, glücklich und ruhmvoll regieren
+können. Vielleicht sei es noch nicht zu spät für ihn, seine Fehler
+wieder gut zu machen. Man könne ihn wohl schwerlich für so verblendet
+und verderbt halten, daß er aus der empfangenen furchtbaren Lehre nicht
+Nutzen ziehen sollte, und wenn diese Lehre die Wirkung gehabt habe, die
+man vernünftigerweise davon erwarten dürfe, so werde England unter
+seinem rechtmäßigen Herrscher noch immer ein größeres Maß von Glück und
+Ruhe genießen können, als es von der Verwaltung des besten und
+tüchtigsten Usurpators zu erwarten habe.</p>
+
+<p>Wir würden denen, welche diese Sprache führten, sehr Unrecht thun,
+wenn wir annähmen, daß sie, als Gesammtheit, aufgehört hätten, den
+Papismus und Despotismus mit Abscheu zu betrachten. Wohl mag es einige
+Zeloten darunter gegeben haben, welche den Gedanken, ihrem Könige
+Bedingungen vorzuschreiben, nicht ertragen konnten und die bereit waren,
+ihn zurückzurufen ohne die geringste Zusicherung von seiner Seite, daß
+nicht augenblicklich die Indulgenzerklärung wieder publicirt, die hohe
+Commission wieder eingesetzt, <ins class = "correction" title =
+"Original hat »Peter«">Petre</ins> wieder in den Staatsrath berufen und
+die Fellows des Magdalenencollegiums wieder vertrieben werden sollten.
+Allein die Zahl dieser Männer war klein. Um so größer war dagegen die
+Zahl derjenigen Royalisten, welche bereit gewesen wären, sich aufs neue
+um Jakob zu schaaren, wenn er seine Irrthümer eingesehen und versprochen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_11" id = "pageXI_11">
+XI.11</a></span>
+hätte, die Gesetze zu beobachten. Es ist eine bemerkenswerthe Thatsache,
+daß zwei talentvolle und erfahrene Staatsmänner, welche eine Hauptrolle
+in der Revolution gespielt hatten, wenige Tage nach derselben offen ihre
+Besorgniß äußerten, daß eine Restauration nahe bevorstehe. „Wenn König
+Jakob ein Protestant wäre,“ sagte Halifax zu Reresby, „so könnten wir
+ihn keine vier Monate außer Landes halten.“ &mdash; „Wenn König Jakob,“
+sagte Danby um dieselbe Zeit zu dem nämlichen Manne, „dem Lande in
+Sachen der Religion nur einige Genugthuung geben wollte, was er leicht
+thun könnte, so würde es sehr schwer sein, ihm die Spitze zu bieten.“<a
+class = "tag" name = "tagXI_10" id = "tagXI_10" href =
+"#noteXI_10">10</a> Zum Glück für England war Jakob, wie immer, sein
+eigener schlimmster Feind. Kein Wort, aus dem man hätte abnehmen können,
+daß er sich wegen der Vergangenheit tadele oder daß er in Zukunft
+verfassunggemäß zu regieren gedenke, war aus ihm heraus zu bringen.
+Jeder Brief, jedes Gerücht, das seinen Weg von Saint-Germains nach
+England fand, ließ einsichtsvolle Männer fürchten, daß, wenn er in
+seiner gegenwärtigen Stimmung wieder zur Macht gelangen sollte, die
+zweite Tyrannei schlimmer sein würde, als die erste. So mußten denn die
+Tories in ihrer Gesammtheit, wenn auch ungern, eingestehen, daß sie für
+den Augenblick nur die Wahl hatten zwischen Wilhelm und dem öffentlichen
+Ruin. Daher ließen sie sich die neue Regierung unmuthig gefallen, ohne
+jedoch die Hoffnung ganz aufzugeben, daß der eigentlich rechtmäßige
+König früher oder später der Stimme der Vernunft noch Gehör geben werde,
+und ohne für den factischen König eine Spur von Loyalität zu
+empfinden.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_10" id = "noteXI_10" href = "#tagXI_10">10.</a>
+<span class = "antiqua">Reresby’s Memoirs.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Stimmung der Whigs.</span>
+<a name = "secXI_7" id = "secXI_7">Es</a> ist die Frage, ob der neuen
+Regierung während der ersten Monate ihres Bestehens die Zuneigung der
+Whigs nicht gefährlicher war als die Abneigung der Tories. Offene
+Feindschaft kann kaum nachtheiliger sein als mäkelnde, eifersüchtige,
+anspruchsvolle Zuneigung, und solcher Art war die, welche die Whigs dem
+Herrscher ihrer Wahl erwiesen. Sie lobten und priesen ihn laut, sie
+waren bereit, ihn mit Gut und Blut gegen fremde und einheimische Feinde
+zu unterstützen. Aber ihre Zuneigung zu ihm war eine ganz
+eigenthümliche. Eine Loyalität wie die, welche die tapferen Edelleute
+beseelte, die für Karl I. kämpften, oder wie die, welche Karl II. den
+durch eine zwanzigjährige schlechte Verwaltung hervorgerufenen Gefahren
+und Schwierigkeiten entrissen: einem solchen Gefühl waren die Lehren
+Milton’s und Sidney’s nicht günstig, so wenig als ein durch einen
+Aufstand eben erst zur Macht gelangter Fürst hoffen durfte, es
+einzuflößen. Die whiggistische Regierungstheorie geht dahin, daß der
+König für das Volk, nicht das Volk für den König da ist; daß das Recht
+eines Königs in keinem andren Sinne göttlich ist als wie das Recht eines
+Parlamentsmitgliedes, eines Richters, eines Geschwornen, eines Mayors
+und eines Constabels; daß, so lange der erste Beamte im Staate den
+Gesetzen gemäß regiert, ihm Gehorsam und Ehrerbietung bezeigt werden
+muß; daß aber, sobald er die Gesetze verletzt, ihm Widerstand geleistet
+werden darf, und daß er, wenn er die Gesetze gröblich, systematisch und
+beharrlich verletzt, abgesetzt werden muß. Von der Richtigkeit dieser
+Principien hing die Gerechtigkeit von Wilhelm’s Anspruch auf den Thron
+ab. Es liegt auf der Hand, daß
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_12" id = "pageXI_12">
+XI.12</a></span>
+zwischen Unterthanen, welche diesen Principien huldigten, und einem
+Herrscher, dessen Thronbesteigung der Sieg dieser Principien gewesen
+war, ein ganz andres Verhältniß stattfinden mußte als das, welches
+zwischen den Stuarts und den Cavalieren bestand. Die Whigs liebten
+Wilhelm zwar, aber sie liebten ihn nicht als König, sondern als
+Parteiführer, und es war nicht schwer vorauszusehen, daß ihr
+Enthusiasmus bald nachlassen würde, wenn er sich etwa weigerte, der
+bloße Führer ihrer Partei zu sein, und versuchen sollte, den König der
+ganzen Nation zu spielen. Zum Dank für die Hingebung, die sie seiner
+Sache bewiesen, verlangten sie von ihm, daß er einer der Ihrigen, ein
+zuverlässiger, eifriger Whig sei, daß er seine Gunst nur Whigs zu Theil
+werden lasse, daß er allen alten Groll und Haß der Whigs zu seinem
+eignen mache, und es stand mit nur zu gutem Grunde zu befürchten, daß,
+wenn er diese Erwartung täuschte, der einzige Theil der Nation, der
+seiner Sache eifrig zugethan war, ihm entfremdet werden würde.<a class =
+"tag" name = "tagXI_11" id = "tagXI_11" href = "#noteXI_11">11</a></p>
+
+<p>Dies waren die Schwierigkeiten, von denen er sich im Augenblicke
+seiner Erhebung umringt sah. Wo es einen guten Ausweg gab, hatte er
+selten verfehlt, denselben zu wählen, jetzt aber hatte er nur die Wahl
+zwischen Wegen, die alle mit gleicher Wahrscheinlichkeit zum Verderben
+führten. Von der einen Partei durfte er keine aufrichtige Unterstützung
+erwarten, und die aufrichtige Unterstützung der andern konnte er sich
+nur dadurch erhalten, daß er selbst der entschiedenste Parteimann in
+seinem Königreiche, ein Shaftesbury auf dem Throne wurde. Verfolgte er
+die Tories, so verwandelte sich ihre Verstimmung unfehlbar in Wuth;
+gewährte er ihnen seine Gunst, so war es noch keineswegs gewiß, ob er
+dadurch ihre Zuneigung gewann, während es nur zu wahrscheinlich war, daß
+er dann seinen Halt im Herzen der Whigs verlieren werde. Etwas mußte er
+indeß thun, etwas mußte er wagen: es mußte ein Geheimrath vereidigt und
+alle wichtigen Staats- und Justizämter mußten besetzt werden. Es hierbei
+<span class = "extended">Allen</span> recht zu machen, war unmöglich, es
+war schon schwer genug, es <span class = "extended">Jemandem</span>
+recht zu machen; doch etwas mußte geschehen.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_11" id = "noteXI_11" href = "#tagXI_11">11.</a>
+Hier, wie in vielen anderen Fällen, unterlasse ich es, meine Quellen
+anzuführen, weil ihrer zu viele sind. Meine Angaben über die Stimmung
+und gegenseitige Stellung der politischen und religiösen Parteien unter
+der Regierung Wilhelm’s III. sind nicht aus einem einzelnen Werke,
+sondern aus Tausenden vergessener Abhandlungen, Predigten und Satyren,
+kurz aus ganzen Literatur geschöpft, die in alten Bibliotheken
+modert.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ministerielle Einrichtungen.</span>
+<a name = "secXI_8" id = "secXI_8">Was</a> man jetzt ein Ministerium
+nennt, das gedachte er nicht zu bilden. Überhaupt lernte England ein
+solches Ministerium erst kennen, als er einige Jahre auf dem Throne saß.
+Unter den Plantagenets, den Tudors und den Stuarts hatte es wohl
+Minister, aber kein Ministerium gegeben. Die Diener der Krone standen
+nicht, wie jetzt, in einem solidarischen Verhältnisse zu einander, man
+erwartete nicht von ihnen, daß sie, selbst in Fragen von höchster
+Bedeutung, gleicher Meinung seien. Oft waren sie sogar politische und
+persönliche Feinde und machten kein Geheimniß aus ihrer Feindschaft. Es
+galt noch nicht für nachtheilig und unschicklich, daß sie einander
+schwerer Verbrechen beschuldigten und daß Einer des Andren Kopf
+verlangte. Niemand hatte den Lordkanzler Clarendon heftiger angeklagt
+als Coventry, ein Mitglied der Schatzcommission. Niemand hatte den
+Lordschatzmeister
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_13" id = "pageXI_13">
+XI.13</a></span>
+Danby heftiger angeklagt als Winnington, der Generalprokurator. Nur ein
+Einigungspunkt war zwischen den Regierungsmitgliedern: ihr gemeinsames
+Oberhaupt, der Souverain. Die Nation betrachtete ihn als das wirkliche
+Oberhaupt der Verwaltung und tadelte ihn streng, wenn er seine hohen
+Functionen auf einen Unterthan übertrug. Clarendon sagt uns, daß den
+Engländern seiner Zeit nichts so verhaßt gewesen sei als ein
+Premierminister. Sie würden, meint er, lieber unter einem Usurpator wie
+Oliver stehen, der factisch wie nominell erster Beamter im Staate war,
+als unter einem rechtmäßigen Könige, der sie an einen Großwessier
+verwies. Eine der Hauptbeschuldigungen, welche die Vaterlandspartei
+gegen Karl II. erhoben, bestand darin, daß er zu indolent und
+vergnügungssüchtig sei, um die Rechnungsablagen des Staatshaushaltes und
+die Inventuren der militärischen Vorrathsmagazine sorgfältig zu prüfen.
+Als Jakob auf den Thron kam, beschloß er, keinen Lordgroßadmiral, kein
+Admiralitätscollegium zu ernennen, sondern die ganze Leitung der
+Marineangelegenheiten selbst in die Hand zu nehmen, und diese
+Einrichtung, welche heutzutage von Männern aller Parteien für im
+höchsten Grade verfassungswidrig und nachtheilig erklärt werden würde,
+fand damals allgemeinen Beifall selbst bei Solchen, die nicht geneigt
+waren, seine Handlungsweise in einem günstigen Lichte zu betrachten. Wie
+vollständig das Verhältniß, in welchem der König zu seinem Parlamente
+und zu seinen Ministern stand, durch die Revolution verändert worden
+war, erkannten anfangs selbst die erleuchtetsten Staatsmänner nicht. Man
+glaubte allgemein, daß die Regierung, wie in früherer Zeit, wieder durch
+von einander unabhängige Beamte geleitet werden und daß Wilhelm die
+Oberaufsicht über dieselben führen werde. Auch erwartete man
+zuversichtlich, daß ein Fürst von Wilhelm’s Befähigung und Erfahrung
+viele wichtige Geschäfte ohne allen fremden Rath und Beistand besorgen
+werde.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm sein eigner Minister des Auswärtigen.</span>
+<a name = "secXI_9" id = "secXI_9">Man</a> hatte daher nichts zu
+erinnern, als man erfuhr, daß Wilhelm die Leitung der auswärtigen
+Angelegenheiten sich selbst vorbehalten habe. Allerdings blieb auch kaum
+etwas Andres übrig, denn mit der einzigen Ausnahme Sir Wilhelm Temple’s,
+den nichts bewogen haben würde, aus seiner Zurückgezogenheit wieder ins
+öffentliche Leben zu treten, gab es damals keinen Engländer, der sich
+als fähig erwiesen hatte, eine wichtige Unterhandlung mit fremden
+Mächten zu einem ersprießlichen und ehrenvollen Ende zu führen. Viele
+Jahre waren verstrichen, seit England sich mit Gewicht und Würde in die
+Angelegenheiten der großen Republik der Nationen eingemischt. Die
+Aufmerksamkeit der geschicktesten englischen Staatsmänner war lange fast
+ausschließlich durch Zerwürfnisse in Bezug auf die bürgerliche und
+kirchliche Verfassung ihres eigenen Landes in Anspruch genommen worden.
+Die Streitigkeiten wegen der papistischen Verschwörung und der
+Ausschließungsbill, wegen der Habeas-Corpusacte und der Testacte hatten
+einen Überfluß, man könnte fast sagen eine Fluth von solchen Talenten
+erzeugt, welche in einer durch innere Spaltungen zerrissenen
+Gesellschaft Männer zu Macht und Ansehen erheben. Das ganze Festland
+hatte keine so geschickten und schlauen Parteiführer, keine so gewandten
+parlamentarischen Taktiker, keine so schlagfertigen und beredten
+Wortführer aufzuweisen als in Westminster versammelt waren. Aber es
+bedurfte einer ganz andren Schule, um einen Minister des Auswärtigen zu
+bilden, und die Revolution hatte England plötzlich in eine Lage
+versetzt, in welcher
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_14" id = "pageXI_14">
+XI.14</a></span>
+die Dienste eines großen Ministers für die auswärtigen Angelegenheiten
+unentbehrlich waren.</p>
+
+<p>Wilhelm eignete sich ganz vorzüglich zur Ausfüllung dieses Postens,
+dem die vollendetsten Staatsmänner seines Reiches nicht gewachsen waren.
+Er hatte sich schon seit geraumer Zeit als Unterhändler ausgezeichnet.
+Er war der Schöpfer und die Seele der europäischen Coalition gegen das
+Übergewicht Frankreichs. Der leitende Faden, ohne den es gefährlich war,
+das große und verwickelte Labyrinth der festländischen Politik zu
+betreten, war in seinen Händen. Daher wagten es seine englischen Räthe,
+so talentvoll und thätig sie sonst waren, während seiner Regierung nur
+selten, sich in den Theil der Staatsgeschäfte einzumischen, die er zu
+seinem speciellen Departement erwählt hatte.<a class = "tag" name =
+"tagXI_12" id = "tagXI_12" href = "#noteXI_12">12</a></p>
+
+<p>Die innere Verwaltung England’s konnte dagegen nur unter dem Beirathe
+und der Mitwirkung englischer Minister geleitet werden. Die Wahl, welche
+Wilhelm bei Ernennung dieser Minister traf, bewies, daß er sich
+vorgenommen hatte, keine Partei auszuschließen, die geneigt war, seinen
+Thron zu stützen. Den Tag darauf, nachdem ihm im Bankethause die Krone
+überreicht worden, wurde der Geheime Rath vereidigt. Die meisten Räthe
+waren Whigs; doch standen auch die Namen mehrerer ausgezeichneter Tories
+auf der Liste.<a class = "tag" name = "tagXI_13" id = "tagXI_13" href =
+"#noteXI_13">13</a> Die vier höchsten Staatsämter wurden vier Edelleuten
+übertragen, welche die vier Hauptklassen der Politiker
+repräsentirten.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_12" id = "noteXI_12" href = "#tagXI_12">12.</a>
+Folgende Stelle aus einer damaligen Schrift drückt die allgemeine
+Ansicht über diesen Punkt aus: „Die auswärtigen Angelegenheiten kennt er
+besser als wir; in Bezug auf die einheimischen Staatsgeschäfte aber
+bringt es ihm keine Unehre, wenn wir ihm über sein Verhältniß zu uns,
+über die Natur desselben und über das was er am zweckmäßigsten zu thun
+hat, unsre Meinung sagen.“ &mdash; <span class = "antiqua">An Honest
+Commoner’s Speech</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_13" id = "noteXI_13" href = "#tagXI_13">13.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Febr. 18. 1688/88.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Danby.</span>
+<a name = "secXI_10" id = "secXI_10">In</a> praktischer Befähigung und
+geschäftlicher Erfahrung war keiner seiner Zeitgenossen Danby überlegen.
+Er hatte ein starkes Anrecht auf die Dankbarkeit des neuen
+Herrscherpaares, denn durch seine Geschicklichkeit war ihre Vermählung
+trotz unbesiegbar scheinender Schwierigkeiten zu Stande gebracht worden.
+Die Feindschaft, die er stets gegen Frankreich gehegt, war eine kaum
+minder gewichtige Empfehlung. Er hatte die Einladung vom 30. Juni
+unterzeichnet, hatte den Aufstand im Norden veranstaltet und geleitet
+und hatte in der Convention seinen ganzen Einfluß und seine ganze
+Beredtsamkeit wider den Regentschaftsplan aufgeboten. Trotzdem
+betrachteten ihn die Whigs mit unüberwindlichem Mißtrauen und
+Widerwillen. Sie konnten es nicht vergessen, daß er in schlimmen Tagen
+der erste Minister des Staats, das Haupt der Cavaliere, der Vorkämpfer
+der Prärogative, der Verfolger der Dissenters gewesen. Selbst indem er
+ein Rebell wurde, hatte er nicht aufgehört ein Tory zu sein. Wohl hatte
+er das Schwert gegen die Krone gezogen, aber nur zur Vertheidigung der
+Kirche. Wohl hatte er in der Convention durch seinen Widerstand gegen
+den Regentschaftsplan Gutes gewirkt, auf der andren Seite aber hatte er
+geschadet durch beharrliche Aufrechthaltung des Satzes, daß der Thron
+nicht erledigt und die Stände nicht berechtigt seien, über die Besetzung
+desselben zu entscheiden. Die Whigs waren daher der Meinung, er müsse
+sich für seine neuerlichen Verdienste dadurch reichlich belohnt
+erachten, daß man ihm die Strafe für die ihm zehn Jahre früher
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_15" id = "pageXI_15">
+XI.15</a></span>
+zur Last gelegten Vergehen erlasse. Er dagegen schätzte seine unleugbar
+eminenten Talente und Dienste nach ihrem vollen Werthe und hielt sich
+für berechtigt zu dem hohen Posten eines Lordschatzmeisters, den er
+früher bekleidet. Seine Erwartung wurde jedoch getäuscht. Wilhelm
+erachtete es grundsätzlich für wünschenswerth, die Macht und das
+Patronat des Schatzamts unter mehrere Commissarien zu theilen. Er war
+der erste König von England, der vom Beginn bis zum Schlusse seiner
+Regierung den weißen Stab niemals den Händen eines einzelnen Unterthanen
+anvertraute. Danby ward die Wahl freigestellt zwischen der
+Präsidentschaft im Geheimen Rathe und einem Staatssekretariat. Er
+entschied sich verdrüßlich für die Präsidentschaft und während die Whigs
+murrten, als sie ihn so hoch gestellt sahen, bemühte er sich kaum,
+seinen Aerger darüber zu verbergen, daß er nicht noch höher gestellt
+worden war.<a class = "tag" name = "tagXI_14" id = "tagXI_14" href =
+"#noteXI_14">14</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_14" id = "noteXI_14" href = "#tagXI_14">14.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Febr. 18. 1688/89; Reresby’s
+Memoirs.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Halifax.</span>
+<a name = "secXI_11" id = "secXI_11">Halifax,</a> der Ausgezeichnetste
+unter der kleinen Partei die sich rühmte, daß sie zwischen den Whigs und
+Tories das Gleichgewicht erhielt, übernahm das Geheimsiegel und blieb
+nach wie vor Sprecher im Hause der Lords.<a class = "tag" name =
+"tagXI_15" id = "tagXI_15" href = "#noteXI_15">15</a> Er hatte sich
+durch streng gesetzliche Opposition gegen die letzte Regierung
+hervorgethan und mit großer Gewandtheit gegen die Dispensationsgewalt
+gesprochen und geschrieben; aber er hatte von dem Invasionsplane nichts
+wissen wollen, er hatte, selbst als die Holländer schon auf dem vollen
+Marsche gegen London waren, noch darauf hingearbeitet, eine Versöhnung
+zu Stande zu bringen, und er hatte Jakob erst dann verlassen, als dieser
+den Thron verließ. Von dem Augenblicke der schimpflichen Flucht aber
+hatte der scharfblickende Trimmer in der Überzeugung, daß ein gütlicher
+Vergleich nicht mehr möglich sei, einen entscheidenden Entschluß gefaßt.
+Er hatte sich in der Convention glänzend hervorgethan, und es war ein
+besonders glücklicher Griff, daß man ihn zu dem Ehrenamte ernannt, dem
+Prinzen und der Prinzessin von Oranien im Namen aller Stände England’s
+die Krone zu überreichen, denn soweit man überhaupt sagen kann, daß
+unsre Revolution den Charakter eines einzelnen Geistes trug, trug sie
+sicherlich den Charakter des großen, aber besonnenen Geistes Halifax’.
+Doch die Whigs waren nicht in der Stimmung, einen neueren Dienst als
+Ersatz für ein altes Vergehen anzunehmen, und das Vergehen Halifax’ war
+in der That ein arges gewesen. Vor langer Zeit hatte er während eines
+harten Freiheitskampfes in ihren vordersten Reihen gestritten, und als
+sie endlich siegten, als Whitehall in ihrer Gewalt zu sein schien, als
+sich eine nahe Aussicht auf Herrschaft und Rache eröffnete, da war er,
+und mit ihm das Glück, ins feindliche Lager übergegangen. In der großen
+Debatte über die Ausschließungsbill hatte seine Beredtsamkeit sie zu
+Boden geschmettert und der verzagten Hofpartei neuen Lebensmuth
+eingeflößt. Allerdings war er, obgleich er sie in den Tagen ihres
+übermüthigen Glücks verlassen, zur Zeit der Noth in ihre Reihen
+zurückgekehrt; aber jetzt, da die Noth vorüber war, vergaßen sie, daß er
+zu ihnen zurückgekehrt, und erinnerten sich nur noch, daß er sie
+verlassen hatte.<a class = "tag" name = "tagXI_16" id = "tagXI_16" href
+= "#noteXI_16">16</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_15" id = "noteXI_15" href = "#tagXI_15">15.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Febr. 18. 1688/89; Lords’
+Journals.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_16" id = "noteXI_16" href = "#tagXI_16">16.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 4.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Nottingham.</span>
+<a name = "secXI_12" id = "secXI_12">Der</a> Ärger, mit dem sie Danby im
+Staatsrathe
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_16" id = "pageXI_16">
+XI.16</a></span>
+präsidiren und Halifax das Geheimsiegel führen sahen, wurde nicht
+vermindert durch die Nachricht, daß Nottingham zum Staatssekretär
+ernannt sei. Einige von den eifrigen Kirchenmännern, welche nie
+aufgehört hatten, die Lehre vom Nichtwiderstande zu predigen, in deren
+Augen die Revolution nicht zu rechtfertigen war, die für eine
+Regentschaft gestimmt und bis zuletzt bei der Behauptung geblieben
+waren, daß der englische Thron nicht einen Augenblick erledigt sein
+könne, hielten es gleichwohl für ihre Pflicht, sich der Entscheidung der
+Convention zu unterwerfen. Sie hatten, sagten sie, sich nie gegen Jakob
+aufgelehnt und Wilhelm nicht gewählt; da sie aber jetzt einen Fürsten
+auf dem Thron sahen, den sie allerdings nie darauf gesetzt haben würden,
+waren sie der Meinung, daß kein göttliches oder menschliches Gesetz es
+ihnen zur Pflicht machte, den Kampf weiter fortzusetzen. Sie glaubten in
+der Bibel sowohl wie im Gesetzbuche Vorschriften zu finden, die nicht
+mißverstanden werden könnten. Die Bibel befiehlt Gehorsam gegen die
+bestehenden Gewalten an. Das Gesetzbuch enthält einen Paragraphen,
+welcher besagt, daß kein Unterthan deshalb als ein Übelthäter betrachtet
+werden solle, weil er sich dem im factischen Besitz des Thrones
+befindlichen Könige anschließe. Aus diesen Gründen glaubten Viele, die
+zur Einsetzung der neuen Regierung nicht mitgewirkt hatten, daß sie
+derselben ihre Unterstützung gewähren könnten, ohne weder Gott noch
+einen Menschen zu beleidigen. Einer der ausgezeichnetsten Staatsmänner
+dieser Schule war Nottingham. Auf sein Ansuchen hatte die Convention,
+bevor der Thron besetzt war, den Unterthaneneid dergestalt umgeändert,
+daß er und seine Meinungsgenossen diesen Eid unbedenklich leisten
+konnten. „Meine Grundsätze,“ sagte er, „gestatten mir nicht, mich bei
+der Wahl eines Königs zu betheiligen. Ist aber ein König einmal gewählt,
+so gebieten mir meine Grundsätze, ihm einen strengeren Gehorsam zu
+bezeigen, als er von Denen erwarten darf, die ihn gewählt haben.“ Zum
+Erstaunen einiger von Denen, die ihn am meisten schätzten, willigte er
+jetzt ein, im Staatsrathe zu sitzen und die Sekretariatssiegel
+anzunehmen. Wilhelm hoffte ohne Zweifel, diese Ernennung werde von der
+Geistlichkeit und der toryistischen Landgentry als eine genügende
+Bürgschaft dafür angesehen werden, daß er gegen die Kirche nichts Böses
+im Sinne habe. Selbst Burnet, der späterhin eine starke Abneigung gegen
+Nottingham fühlte, gestand in einigen bald nach der Revolution
+geschriebenen Abhandlungen, daß der König richtig geurtheilt und daß der
+zur Unterstützung der neuen Herrscher ehrlich verwendete Einfluß des
+toryistischen Staatssekretärs England vor großen Calamitäten bewahrt
+habe.<a class = "tag" name = "tagXI_17" id = "tagXI_17" href =
+"#noteXI_17">17</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_17" id = "noteXI_17" href = "#tagXI_17">17.</a>
+Diese Abhandlungen finden sich in einem Handschriftenbande, der zur
+Harley’schen Sammlung gehört und mit der Nummer 6584 bezeichnet ist. Sie
+bilden thatsächlich die ersten Entwürfe zu einem großen Theile von
+Burnet’s <span class = "antiqua">History of His Own Times</span>. Die
+Zeitpunkte, zu welchen die verschiedenen Theile dieses höchst
+merkwürdigen und interessanten Werkes abgefaßt wurden, sind angegeben.
+Fast das Ganze wurde vor Mariens Tode geschrieben. Erst zehn Jahre
+später begann Burnet seine Geschichte der Regierung Wilhelm’s für den
+Druck vorzubereiten. Während dieses Zeitraums hatten sich seine
+Ansichten, über Menschen sowohl als Dinge, sehr geändert. Deshalb ist
+der erste Entwurf so außerordentlich werthvoll, denn er enthält manche
+Thatsachen, die er nachher auszulassen für räthlich hielt, und einige
+Urtheile, welche er später zu ändern Ursache fand. Ich muß jedoch
+gestehen, daß mir seine ersten Ansichten gewöhnlich besser gefallen.
+Wenn seine Geschichte einmal neu gedruckt würde, sollte sie mit diesem
+Manuscriptbande sorgfältig verglichen werden. Überall wo ich mich auf
+diese Handschrift beziehe, kann der Leser annehmen, daß sie etwas
+enthält, was sich in seiner gedruckten Geschichte nicht findet.</p>
+
+<p class = "continue">
+Über Nottingham’s Ernennung siehe <span class = "antiqua">Burnet II.
+8</span>, <span class = "antiqua">London Gazette, March&nbsp;7.
+1688/89</span> und <span class = "antiqua">Clarendon’s Diary,
+Febr.&nbsp;15</span>.</p>
+</div>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_17" id = "pageXI_17">
+XI.17</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Shrewsbury.</span>
+<a name = "secXI_13" id = "secXI_13">Der</a> andre Staatssekretär war
+Shrewsbury.<a class = "tag" name = "tagXI_18" id = "tagXI_18" href =
+"#noteXI_18">18</a> Seit Menschengedenken hatte kein so junger Mann
+einen so hohen Posten bei der Regierung bekleidet. Er hatte eben erst
+sein achtundzwanzigstes Lebensjahr zurückgelegt. Gleichwohl erblickte
+Niemand, mit Ausnahme der feierlichen Formalisten bei der spanischen
+Gesandtschaft, in seiner Jugend ein Hinderniß für seine Ernennung.<a
+class = "tag" name = "tagXI_19" id = "tagXI_19" href =
+"#noteXI_19">19</a> Er hatte sich schon durch die hervorragende Rolle,
+die er bei der Befreiung seines Vaterlandes gespielt, einen Platz in der
+Geschichte gesichert. Seine Talente, seine Kenntnisse, sein
+liebenswürdiges Benehmen und sein sanfter Charakter machten ihn
+allgemein beliebt. Besonders die Whigs beteten ihn fast an. Niemand
+ahnete, daß er mit vielen großen und gewinnenden Eigenschaften solche
+Fehler des Geistes und Herzens verband, welche den Rest seines unter so
+günstigen Auspicien begonnenen Lebens ihm selbst zur Last und seinem
+Lande fast nutzlos machen sollten.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_18" id = "noteXI_18" href = "#tagXI_18">18.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, Febr. 18. 1688/89.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_19" id = "noteXI_19" href = "#tagXI_19">19.</a>
+Don Pedro de Ronquillo macht diese Bemerkung.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Admiralität.</span>
+<a name = "secXI_14" id = "secXI_14">Die</a> Leitung der
+Marineangelegenheiten und der Finanzen wurde Collegien übertragen.
+Herbert ward erster Commissar der Admiralität. Er hatte unter der
+vorigen Regierung Reichthum und Würden aufgegeben, als er sah, daß er
+sie mit Ehren und mit gutem Gewissen nicht behalten konnte; er hatte die
+denkwürdige Einladung nach dem Haag überbracht und die holländische
+Flotte auf der Fahrt von Helvoetsluys nach Torbay befehligt. In Bezug
+auf Muth und Berufstüchtigkeit genoß er eines hohen Rufes. Wohl wußte
+man, daß er auch seine Thorheiten und Fehler begangen, aber sein
+neuerliches Benehmen in einer Zeit schwerer Prüfung hatte Alles wieder
+gut gemacht und berechtigte zu der Hoffnung, daß seine fernere Laufbahn
+eine ruhmvolle sein werde. Ihm zur Seite im Admiralitätscollegium
+standen zwei ausgezeichnete Mitglieder des Hauses der Gemeinen: Wilhelm
+Sacheverell, ein Whigveteran, der sich bei seiner Partei eines großen
+Ansehens erfreute, und Sir Johann Lowther, ein rechtschaffener und
+äußerst gemäßigter Tory, der in Bezug auf Vermögen und parlamentarische
+Bedeutung unter der englischen Gentry eine der ersten Stellen einnahm.<a
+class = "tag" name = "tagXI_20" id = "tagXI_20" href =
+"#noteXI_20">20</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_20" id = "noteXI_20" href = "#tagXI_20">20.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, March 11. 1688/89.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Das Schatzamt.</span>
+<a name = "secXI_15" id = "secXI_15">An</a> die Spitze der Finanzen
+wurde Mordaunt, einer der heftigsten Whigs, gestellt, warum, ist schwer
+zu sagen. Sein romanhafter Muth, sein ruheloser Geist, seine
+excentrischen Einfälle, sein Hang zu verzweifelten Wagnissen und
+staunenerregenden Effecten waren eben keine Eigenschaften, die ihm bei
+finanziellen Operationen und Unterhandlungen von besonderem Nutzen sein
+konnten. Der zweite Schatzcommissar und zugleich Kanzler der
+Schatzkammer war Delamere, ein womöglich noch heftigerer Whig als
+Mordaunt. Außerdem saßen zwei whiggistische Mitglieder des Hauses der
+Gemeinen in dem Collegium: Sir Heinrich Capel, Bruder jenes Earls von
+Essex, der sich im Tower entleibte, und Richard Hampden, der Sohn des
+großen Führers des Langen Parlaments. Der Commissar aber, auf dem die
+Hauptlast der Geschäfte ruhte,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_18" id = "pageXI_18">
+XI.18</a></span>
+war Godolphin. Dieser schweigsame, einsichtsvolle, fleißige und
+harmlose, für keine Regierung schwärmende, aber jeder Regierung
+nützliche Mann war nach und nach ein fast unentbehrlicher Theil der
+Staatsmaschiene geworden. Obgleich ein Anhänger der Landeskirche, hatte
+er sich doch an einem von Jesuiten geleiteten Hofe emporgeschwungen.
+Obwohl er für eine Regentschaft gestimmt hatte, war er doch das
+wirkliche Oberhaupt eines mit Whigs angefüllten Schatzamtes. Seine
+Fähigkeiten und Kenntnisse, welche unter der vorigen Regierung die
+Mängel Bellasyse’s und Dower’s ausgeglichen hatten, waren auch jetzt
+nöthig, um die Mängel Mordaunt’s und Delamere’s zu übertragen.<a class =
+"tag" name = "tagXI_21" id = "tagXI_21" href = "#noteXI_21">21</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_21" id = "noteXI_21" href = "#tagXI_21">21.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, March 11. 1688/89.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Das große Siegel.</span>
+<a name = "secXI_16" id = "secXI_16">Die</a> Verleihung des großen
+Siegels hatte einige Schwierigkeiten. Der König wünschte es zuerst
+Nottingham anzuvertrauen, dessen Vater es mehrere Jahre mit großer
+Auszeichnung geführt hatte.<a class = "tag" name = "tagXI_22" id =
+"tagXI_22" href = "#noteXI_22">22</a> Nottingham aber lehnte es ab, und
+es wurde deshalb Halifax angetragen, der es ebenfalls ablehnte. Beide
+Lords fühlten ohne Zweifel, daß dies ein Amt sei, das sie nicht mit
+Ehren für sich selbst und mit Nutzen für den Staat verwalten konnten. In
+alten Zeiten war das Staatssiegel zwar größtentheils in den Händen von
+Nichtjuristen gewesen. Selbst noch im siebzehnten Jahrhundert hatten es
+zwei ausgezeichnete Männer geführt, welche in keinem Rechtscollegium
+studirt hatten. Dechant Williams war Lordsiegelbewahrer Jakob’s&nbsp;I.,
+Shaftesbury Lordkanzler Karls II. gewesen; aber solche Ernennungen
+konnten nicht länger ohne ernste Nachtheile stattfinden. Die Billigkeit
+hatte sich allmälig zu einer verwickelten Wissenschaft ausgebildet,
+welche kein menschlicher Verstand ohne lange und angestrengte Studien
+ausüben konnte, selbst Shaftesbury hatte bei all’ seinem scharfen
+Verstande seinen Mangel an technischen Kenntnissen schmerzlich
+gefühlt,<a class = "tag" name = "tagXI_23" id = "tagXI_23" href =
+"#noteXI_23">23</a> und während der fünfzehn Jahre, welche verstrichen
+waren, seitdem er das Siegel niedergelegt, waren diese technischen
+Kenntnisse seinen Nachfolgern immer nothwendiger geworden. Daher wagte
+es weder Nottingham, obwohl er einen Schatz juristischer Kenntnisse
+besaß, wie man ihn selten bei einem Manne findet, der die
+Rechtswissenschaft nicht studirt hat, noch Halifax, obgleich er bei den
+Gerichtssitzungen des Hauses der Lords oft die Versammlung durch sein
+treffendes Urtheil und durch seine scharfe Logik in Erstaunen gesetzt,
+das höchste Amt, das ein englischer Laie bekleiden kann, anzunehmen.
+Nach langem Zaudern wurde das Siegel einer Commission von
+ausgezeichneten Juristen, mit Maynard an der Spitze, übertragen.<a class
+= "tag" name = "tagXI_24" id = "tagXI_24" href = "#noteXI_24">24</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_22" id = "noteXI_22" href = "#tagXI_22">22.</a>
+Ich habe mich an die mir am wahrscheinlichsten dünkende Erzählung der
+Sache gehalten. Man ist aber in Zweifel gewesen, ob Nottingham
+aufgefordert wurde, Kanzler, oder nur erster Commissar des großen
+Siegels zu werden. Vergleiche Burnet, II. 3, und Boyer’s <span class =
+"antiqua">History of William, 1702</span>. Narcissus Luttrell spricht zu
+wiederholten Malen, sogar noch am Schlusse des Jahres 1692, von
+Nottingham als muthmaßlichem Kanzler.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_23" id = "noteXI_23" href = "#tagXI_23">23.</a>
+Roger North erzählt einen ergötzlichen Fall von Shaftesbury’s
+Verlegenheit.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_24" id = "noteXI_24" href = "#tagXI_24">24.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, March 4. 1688/89.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Richter.</span>
+<a name = "secXI_17" id = "secXI_17">Die</a> Wahl der Richter machte der
+neuen Regierung Ehre. Jedes Mitglied des Geheimraths wurde aufgefordert
+eine Liste einzureichen. Diese Listen wurden miteinander verglichen und
+zwölf Männer von hervorragendem Talent und Verdienst ausgewählt.<a class
+= "tag" name = "tagXI_25" id = "tagXI_25" href = "#noteXI_25">25</a>
+Pollexfen hatte
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_19" id = "pageXI_19">
+XI.19</a></span>
+in Folge seiner juristischen Kenntnisse und seiner whiggistischen
+Grundsätze Anspruch auf den höchsten Platz. Aber man erinnerte sich, daß
+er in den westlichen Grafschaften bei den Assisen, welche auf die
+Schlacht von Sedgemoor folgten, als Commissar der Krone fungirt hatte.
+Es geht zwar aus den Berichten über die Untersuchungen hervor, daß er,
+wenn er überhaupt von der Krone bevollmächtigt war, so wenig that als er
+konnte und daß er es den Richtern überließ, Zeugen und Gefangene
+einzuschüchtern. Dessenungeachtet aber war sein Name in der öffentlichen
+Meinung mit den blutigen Assisen untrennbar verbunden. Er konnte daher
+nicht füglich an die Spitze des höchsten Criminalgerichtshofes gestellt
+werden.<a class = "tag" name = "tagXI_26" id = "tagXI_26" href =
+"#noteXI_26">26</a> Nachdem er einige Wochen als Generalfiskal fungirt,
+ward er zum Oberrichter der Common Pleas ernannt. Sir John Holt, ein
+noch junger Mann, aber ausgezeichnet durch Gelehrsamkeit,
+Rechtschaffenheit und Muth, wurde Oberrichter der King’s Bench, Sir
+Robert Atkyns, ein ausgezeichneter Jurist, der einige Jahre in
+ländlicher Zurückgezogenheit zugebracht, der aber in Westminster Hall
+noch immer eines großen Rufes genoß, wurde zum ersten Baron<a class =
+"tag" name = "tagXI_27" id = "tagXI_27" href = "#noteXI_27">27</a>
+ernannt. Powell, der wegen seiner ehrenwerthen Erklärung zu Gunsten der
+Bischöfe abgesetzt worden war, nahm seinen Sitz unter den Richtern
+wieder ein. Treby wurde Pollexfen’s Nachfolger als Generalfiskal, und
+Somers wurde zum Prokurator ernannt.<a class = "tag" name = "tagXI_28"
+id = "tagXI_28" href = "#noteXI_28">28</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_25" id = "noteXI_25" href = "#tagXI_25">25.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 5.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_26" id = "noteXI_26" href = "#tagXI_26">26.</a>
+<span class = "antiqua">The Protestant Mask taken off from the Jesuited
+Englishman, 1692</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_27" id = "noteXI_27" href = "#tagXI_27">27.</a>
+Die Richter der Schatzkammer werden Barons genannt. Der Übersetzer.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_28" id = "noteXI_28" href = "#tagXI_28">28.</a>
+Diese Ernennungen wurden erst am 6. Mai in der Gazette bekannt gemacht,
+einige derselben aber waren schon früher erfolgt.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der Hofstaat.</span>
+<a name = "secXI_18" id = "secXI_18">Zwei</a> der höchsten Ämter im
+königlichen Hofstaate wurden mit zwei englischen Cavalieren besetzt,
+welche ganz geeignet waren, die Zierde eines Hofes zu werden. Der
+hochherzige und kenntnißreiche Devonshire ward zum Obersthofmeister
+ernannt. Niemand hatte in der entscheidenden Crisis für England mehr
+gethan und gewagt. Indem er England’s Freiheiten wiederhergestellt,
+hatte er auch das Vermögen seines eigenen Hauses wiedererlangt. Seine
+Schuldverschreibung über dreißigtausend Pfund wurde unter den Papieren
+gefunden, welche Jakob in Whitehall zurückgelassen, und von Wilhelm
+vernichtet.<a class = "tag" name = "tagXI_29" id = "tagXI_29" href =
+"#noteXI_29">29</a></p>
+
+<p>Dorset wurde Lordkammerherr und verwendete den Einfluß und das
+Patronat seiner Stellung, wie schon seit langer Zeit seine Privatmittel,
+zur Aufmunterung des Genies und zur Linderung des Mißgeschicks. Eine der
+ersten Maßregeln, die er zu ergreifen gezwungen war, muß einem Mann von
+so edlem Charakter und so warmer Theilnahme für alles Ausgezeichnete in
+Künsten und Wissenschaften, sehr schmerzlich gewesen sein. Dryden konnte
+nicht länger Hofdichter bleiben. Das Publikum würde es nicht geduldet
+haben, unter den Dienern Sr. Majestät einen Papisten zu sehen, und
+Dryden war nicht nur ein Papist, sondern ein Apostat. Außerdem hatte er
+die Schuld seines Glaubensabfalls noch dadurch erschwert, daß er die
+Kirche, die er verlassen, verleumdet und verspottet hatte. Er hatte sie,
+wie man scherzweise sagte, behandelt, wie die heidnischen Verfolger des
+Alterthums ihre Kinder behandelten. Er hatte sie in die Haut
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_20" id = "pageXI_20">
+XI.20</a></span>
+eines wilden Thieres gekleidet und sie dann zur öffentlichen Belustigung
+gehetzt.<a class = "tag" name = "tagXI_30" id = "tagXI_30" href =
+"#noteXI_30">30</a> Er wurde entlassen, erhielt aber von der Privatgüte
+des freigebigen Kammerherrn eine seinem zurückgezogenen Gehalt
+gleichkommende Pension. Dessenungeachtet fuhr der abgesetzte <span class
+= "antiqua">poeta laureatus</span>, der eben so arm an Edelsinn wie
+reich an Geistesgaben war, Jahr aus Jahr ein fort, den nicht erlittenen
+Verlust zu beklagen, bis endlich sein Gejammer Äußerungen wohlverdienter
+Verachtung von Seiten ehrenwerther Jakobiten hervorrief, welche ihren
+Grundsätzen Alles aufgeopfert hatten, ohne deshalb ein bittendes oder
+klagendes Wort laut werden zu lassen.<a class = "tag" name = "tagXI_31"
+id = "tagXI_31" href = "#noteXI_31">31</a></p>
+
+<p>Im königlichen Hofstaat wurden auch einige von den holländischen
+Edelleuten angestellt, die sich der besonderen Gunst des Königs
+erfreuten. Bentinck bekam das hohe Amt des ersten Kammerherrn mit einem
+jährlichen Gehalt von fünftausend Pfund; Zulestein erhielt die
+Oberaufsicht über die königliche Garderobe, und Oberstallmeister ward
+Auverquerque, ein tapferer Soldat, der das Blut der Nassau und das Blut
+der Horn in sich vereinigte und der mit gerechtem Stolze ein kostbares
+Schwert trug, welches ihm die Generalstaaten in Anerkennung des Muthes
+verliehen hatten, mit dem er an dem blutigen Tage von Saint-Denis
+Wilhelm das Leben gerettet.</p>
+
+<p>Das Amt des Vicekammerherrn der Königin wurde einem Manne zu Theil,
+der sich eben erst im öffentlichen Leben bemerkbar gemacht hatte und
+dessen Name in der Geschichte dieser Regierung häufig vorkommen wird.
+Johann Howe, oder, wie er gewöhnlich genannt wurde, Jack Howe, war von
+dem Burgflecken Cirencester zur Convention gesandt worden. Seine äußere
+Erscheinung war die eines Mannes, dessen Körper durch die unablässige
+Thätigkeit eines ruhelosen und reizbaren Geistes aufgerieben worden. Er
+war lang, hager und bleich, und sein unruhiges, stechendes Auge hatte
+einen Ausdruck von Wildheit und Verschlagenheit. Er war seit mehreren
+Jahren als kleiner Dichter bekannt, und einige der zügellosesten
+Spottlieder, welche in den Kaffeehäusern circulirten, wurden ihm
+zugeschrieben. Im Hause der Gemeinen aber entfalteten sich seine Talente
+wie sein giftiges Wesen am auffallendsten. Er war noch keine drei Wochen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_21" id = "pageXI_21">
+XI.21</a></span>
+Mitglied desselben, als er sich schon durch seine Sprachgewandtheit,
+seine beißende Schärfe und seine Hartnäckigkeit bemerkbar gemacht hatte.
+Scharfsinn, Energie und Kühnheit erhoben ihn bald zu dem Range eines
+bevorzugten Menschen. Seine Feinde &mdash; und er hatte viele Feinde
+&mdash; sagten jedoch, daß er seine persönliche Sicherheit selbst in der
+heftigsten Aufregung nicht aus den Augen lasse und die Soldaten mit
+einer Rücksicht behandle, die er gegen Damen oder Bischöfe niemals
+zeige. Aber Niemand besaß in größerem Maße den gefährlichen Muth, der
+dem Widerwillen und dem Hasse trotzt und sogar darum buhlt. Keine
+Schicklichkeitsgründe vermochten ihn in Schranken zu halten, sein Haß
+war unversöhnlich, und er besaß eine merkwürdige Geschicklichkeit darin,
+die schwachen Seiten starker Geister herauszufinden. Alle seine großen
+Zeitgenossen fühlten gelegentlich seinen Stachel. Einmal schlug dieser
+Stachel eine Wunde, die sogar Wilhelm aus seiner ruhigen Fassung brachte
+und ihm die Äußerung entlockte, daß er wohl wünschte ein Privatmann zu
+sein, damit er Mr. Howe zu einer kurzen Unterredung hinter Montague
+House einladen könne. Gegenwärtig jedoch gehörte Howe zu den eifrigsten
+Stützen der neuen Regierung und richtete alle seine Sarkasmen und
+Ausfälle gegen die Mißvergnügten.<a class = "tag" name = "tagXI_32" id =
+"tagXI_32" href = "#noteXI_32">32</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_29" id = "noteXI_29" href = "#tagXI_29">29.</a>
+Kennet’s <span class = "antiqua">Funeral Sermon on the first Duke of
+Devonshire</span>, und <span class = "antiqua">Memoirs of the Family of
+Cavendish, 1708</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_30" id = "noteXI_30" href = "#tagXI_30">30.</a>
+Siehe ein Gedicht betitelt: <span class = "antiqua">A Votive Tablet to
+the King and Queen</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_31" id = "noteXI_31" href = "#tagXI_31">31.</a>
+Siehe Prior’s Widmung seiner Gedichte an Dorset’s Sohn und Nachfolger,
+und Dryden’s <span class = "antiqua">Essay on Satire</span> als
+Einleitung zu den Übersetzungen aus Juvenal. In Collier’s <span class =
+"antiqua">Short View of the Stage</span> wird Dryden’s weibische
+Klagsucht bitter verhöhnt. In Blackmore’s <span class = "antiqua">Prince
+Arthur</span>, ein Gedicht, das bei aller seiner Werthlosigkeit einige
+interessante Anspielungen auf zeitgenössische Personen und Dinge
+enthält, kommen folgende Strophen vor:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Der Dichter Chor an seiner Thüre stand</p>
+<p>Und harrt’ der milden Spende seiner Hand.</p>
+<p>Auch Laurus zeigt sich in dem magren Schwarm,</p>
+<p>Der alte Barde voller Groll und Harm;</p>
+<p>Verlangt Gehör und drängt und stößt mit Fuß und Arm.</p>
+<p>Das Haus Sakil’s, der Musen Schloß, erklang</p>
+<p>Von endlosem Geschrei und lautem Sang.</p>
+<p>Dem guten Sakil selbst Laurus gern seinen Segen schenkt,</p>
+<p>Doch Sakil’s Fürst und Gott er stets mit Flüchen nur bedenkt,</p>
+<p>Sakil ohn’ Unterschied sein Brot vertheilt,</p>
+<p>Den Schmeichler hasset er, des Dichters Noth er heilt.</p>
+</div>
+
+<p>Ich brauche wohl nicht zu sagen, daß Sakil Sackville und daß Laurus
+eine Umschreibung des bekannten Spottnamens Bayes ist.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_32" id = "noteXI_32" href = "#tagXI_32">32.</a>
+Kaum ein andrer Mann der damaligen Zeit wird in Flugschriften und
+Satiren häufiger erwähnt als Howe. In der berüchtigten <span class =
+"antiqua">Petition of Legion</span> wird er „das schamlose Ärgerniß der
+Parlamente“ genannt. Merkwürdig ist auch was Mackay über ihn sagt. In
+einem 1690 geschriebenen Gedicht, daß ich nur als Manuscript gesehen
+habe, kommt folgende Stelle vor.</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>„Zuerst Jack Howe mit seinem furchtbaren Talent;</p>
+<p>Glücklich das Weib, das seinem Spottlied entgeht;</p>
+<p>Gegen die Damen sein Muth keine Grenzen kennt;</p>
+<p>Vor dem Dragoner er mit gezogenem Hute steht.“</p>
+</div>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Untergeordnete Ernennungen.</span>
+<a name = "secXI_19" id = "secXI_19">Die</a> niederen Stellen bei allen
+öffentlichen Ämtern wurden unter beide Parteien vertheilt; der größere
+Antheil aber kam auf die Whigs. Einige Personen, die dem Namen Whig
+wenig Ehre machten, wurden in der That glänzend für Dienste belohnt, die
+kein braver Mann geleistet haben würde. Wildman wurde zum
+Generalpostmeister ernannt, und Ferguson erhielt eine einträgliche
+Sinekure bei der Steuererhebung. Das Amt des Schatz-Prokurators war eben
+so wichtig als verhaßt. Dieser Beamte hatte politische Prozesse zu
+führen, die Beweise zu sammeln, den Anwalt der Krone zu instruiren,
+dafür zu sorgen, daß die Gefangenen nicht gegen ungenügende Bürgschaft
+in Freiheit gesetzt wurden, und darauf zu sehen, daß die Juries nicht
+aus regierungsfeindlichen Personen zusammengesetzt wurden. Zu den Zeiten
+Karl’s und Jakob’s waren die Schatz-Prokuratoren mit nur zu gutem Grunde
+beschuldigt worden, daß sie gegen dem Hofe mißliebige Personen die
+empörendsten Chikanen anwendeten. Die neue Regierung hätte hier eine
+Wahl treffen sollen, die über jeden Verdacht erhaben war. Leider
+entschieden sich Mordaunt und Delamere für Aaron Smith, einen hämischen
+und characterlosen Politiker, der in den Tagen der papistischen
+Verschwörung der Rechtsbeistand des Titus Oates und in das
+Ryehousecomplot tief verwickelt gewesen war. Richard Hampden, ein Mann
+von entschiedenen Ansichten, aber von gemäßigter Gesinnung, erhob
+Einwendungen gegen diese Ernennung. Aber seine Einwürfe wurden nicht
+beachtet. Die Jakobiten, welche Smith haßten und auch Ursache dazu
+hatten,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_22" id = "pageXI_22">
+XI.22</a></span>
+behaupteten er habe seine Stelle dadurch erlangt, daß er den Lords des
+Schatzes die Hölle heiß gemacht, und besonders ihnen gedroht habe, es
+würde Hampden das Leben kosten, wenn sie seine (Smith’s) gerechten
+Ansprüche nicht befriedigten.<a class = "tag" name = "tagXI_33" id =
+"tagXI_33" href = "#noteXI_33">33</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_33" id = "noteXI_33" href = "#tagXI_33">33.</a>
+<span class = "antiqua">Sprat’s True Account</span>; <span class =
+"antiqua">Letter to Chief Justice Holt, 1694</span>; <span class =
+"antiqua">Letter to Secretary Trenchard, 1694.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Convention in ein Parlament verwandelt.</span>
+<a name = "secXI_20" id = "secXI_20">Es</a> vergingen einige Wochen, ehe
+die vorerwähnten Ernennungen öffentlich bekannt gemacht wurden, und
+währenddem hatte sich viel Wichtiges ereignet. Sobald der neue
+Geheimrath vereidigt war, mußte demselben eine ernste und dringliche
+Frage vorgelegt werden. Konnte die gegenwärtig tagende Convention in ein
+Parlament verwandelt werden? Die Whigs, welche eine überwiegende
+Majorität im Unterhause hatten, waren sämmtlich für die Bejahung dieser
+Frage. Die Tories dagegen, welche wußten, daß die öffentliche Stimmung
+sich während des letzten Monats bedeutend verändert hatte, und von einer
+allgemeinen Wahl eine ansehnliche Verstärkung hofften, waren für die
+Verneinung. Sie behaupteten, daß zum Bestehen eines Parlaments
+königliche Ausschreiben unerläßlich seien. Die Convention sei nicht
+durch solche Ausschreiben einberufen worden und dieser ursprüngliche
+Mangel könne jetzt nicht nachgeholt werden; daher seien die beiden
+Häuser bloße Privatklubbs und müßten sofort auseinandergehen.</p>
+
+<p>Darauf wurde ihnen erwiedert, das königliche Ausschreiben sei eine
+bloße Formalität und es würde der unvernünftigste Irrwahn sein, wenn man
+um einer hohlen Form willen das Wesen unserer Gesetze und Freiheiten
+bedenklichen Zufällen aussetzen wollte. Wo immer man den Souverain, die
+geistlichen und weltlichen Peers und die von den Wahlkörpern des Reichs
+frei gewählten Volksvertreter versammelt sähe, habe man das Wesen eines
+Parlaments. Ein solches Parlament sei jetzt da, und könne es wohl etwas
+Thörichteres geben, als es zu einem Zeitpunkte aufzulösen, wo jede
+Stunde kostbar sei, wo zahlreiche wichtige Angelegenheiten sofortige
+gesetzmäßige Erledigung verlangten, und wo dem Staate Gefahren drohten,
+welche nur durch die vereinten Anstrengungen des Königs, der Lords und
+der Gemeinen abgewendet werden könnten? Ein Jakobit könne sich
+allerdings aus haltbaren Gründen weigern, diese Convention als ein
+Parlament anzuerkennen, denn er sei der Ansicht, daß sie von vornherein
+eine ungesetzliche Versammlung gewesen, daß alle ihre Beschlüsse
+ungültig und die Souveraine, die sie eingesetzt, Usurpatoren seien. Mit
+welcher Consequenz aber könne irgend einer von Denen, welche
+behaupteten, es müsse unverweilt durch Ausschreiben unter dem großen
+Siegel Wilhelm’s und Marien’s ein neues Parlament einberufen werden, die
+Autorität in Frage stellen, welche Wilhelm und Marien auf den Thron
+gesetzt habe? Wer Wilhelm als rechtmäßigen König ansähe, müsse
+nothwendig auch die Körperschaft von der dieser König sein Recht habe,
+als rechtmäßigen Großen Rath des Landes betrachten. Nach dem nämlichen
+Grundsatze könnten Diejenigen, welche ihn zwar nicht als einen
+rechtmäßigen König betrachteten, aber doch der Überzeugung seien, daß
+sie ihm als factischen Könige den Huldigungseid leisten dürften,
+sicherlich auch die Convention als ein factisch bestehendes Parlament
+anerkennen. Es liege auf der Hand, daß die Convention die Urquelle sei,
+aus der die Autorität aller zukünftigen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_23" id = "pageXI_23">
+XI.23</a></span>
+Parlamente abgeleitet werden und daß von der Rechtsgültigkeit der
+Beschlüsse der Convention die Rechtsgültigkeit jedes zukünftigen
+Gesetzes abhängen müsse. Wie könne der Strom höher steigen als die
+Quelle? Sei es nicht eine Absurdität, wenn man behaupten wolle, die
+Convention sei die höchste Macht im Staate, und doch eine Null, sie sei
+eine Legislatur für den höchsten aller Zwecke, und doch keine Legislatur
+für die geringfügigsten Zwecke; sie sei befugt, den Thron für erledigt
+zu erklären, die Thronfolge abzuändern, die Grenzen der Verfassung zu
+bestimmen, und doch nicht befugt, die unbedeutendste Verordnung zur
+Ausbesserung eines Hafendammes oder zur Erbauung einer Pfarrkirche zu
+erlassen?</p>
+
+<p>Diese Argumente würden selbst dann von großem Gewicht gewesen sein,
+wenn alle Präcedenzfälle für die entgegengesetzte Meinung gesprochen
+hätten. In der That aber bot unsre Geschichte nur einen Fall dar,
+welcher überhaupt hier angezogen werden konnte, und dieser Fall sprach
+entschieden zu Gunsten des Satzes, daß königliche Ausschreiben zum
+Bestehen eines Parlaments nicht unbedingt nöthig seien. Kein königliches
+Ausschreiben hatte die Convention einberufen, welche Karl II.
+zurückrief. Gleichwohl war jene Convention noch nach seiner Restauration
+beisammen geblieben, hatte Gesetze gegeben, das Budget aufgestellt, eine
+Amnestieacte erlassen und die Lehnsdienstleistungen abgeschafft. Diese
+Maßnahmen waren durch eine Autorität sanctionirt worden, von der keine
+Partei im Staate ohne Ehrerbietung sprechen konnte. Hale hatte
+wesentlichen Theil daran genommen und hatte stets behauptet, daß sie
+streng gesetzlich seien. Auch Clarendon, so wenig er geneigt war, irgend
+eine, die Rechte der Krone oder das Ansehen des Siegels, dessen Bewahrer
+er war, beeinträchtigende Doctrin zu begünstigen, hatte erklärt, daß,
+wenn Gott der Nation zu einem äußerst kritischen Zeitpunkte ein gutes
+Parlament gegeben habe, es die größte Thorheit sein würde, technische
+Mängel in dem Instrument zu suchen, durch welches ein solches Parlament
+zusammenberufen sei. Konnte irgend ein Tory behaupten, daß die
+Convention von 1660 ehrwürdigeren Ursprungs gewesen sei als die von
+1689? War ein Schreiben, das der erste Prinz von Geblüt auf Ansuchen der
+gesammten Pairie und Hunderter von Gentlemen, welche Grafschaften und
+Städte vertraten, erlassen hatte, nicht eine mindestens eben so gute
+Vollmacht als ein Beschluß des Rumpfparlaments?</p>
+
+<p>Schwächere Gründe als diese würden den Whigs, welche die Majorität
+des Geheimen Raths bildeten, genügt haben. Der König begab sich demnach
+am fünften Tage nach seiner Proklamirung mit königlichem Gepränge in das
+Haus der Lords und nahm seinen Sitz auf dem Throne ein. Die Gemeinen
+wurden hereingerufen und er erinnerte nun seine Zuhörer mit vielen
+huldvollen Ausdrücken an die gefährliche Lage des Landes, und ermahnte
+sie, diejenigen Schritte zu thun, welche unnöthigen Verzögerungen im
+Gange der Staatsgeschäfte vorbeugen könnten. Seine Rede wurde von den
+zahlreich versammelten Gentlemen mit dem leisen Gemurmel aufgenommen,
+durch welches unsere Vorfahren ihren Beifall zu erkennen zu geben
+pflegten und das oft an geheiligteren Stätten als die Kammer der Peers
+war, gehört wurde.<a class = "tag" name = "tagXI_34" id = "tagXI_34"
+href = "#noteXI_34">34</a> Sobald er sich wieder entfernt
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_24" id = "pageXI_24">
+XI.24</a></span>
+hatte, wurde eine die Convention für ein Parlament erklärende Bill auf
+den Tisch der Lords gelegt und ohne weiteres von ihnen angenommen. Bei
+den Gemeinen dagegen gab es eine heiße Debatte. Das Haus erklärte sich
+zu einem Comité, und die Aufregung war so groß daß, nachdem die
+Autorität des Sprechers beseitigt war, die Ordnung kaum noch aufrecht
+erhalten werden konnte. Es wurden scharfe persönliche Ausfälle
+gewechselt. Der Ausruf „Hört ihn!“ den man ursprünglich nur zur Dämpfung
+ordnungswidrigen Geräusches und um die Mitglieder daran zu erinnern, daß
+es ihre Pflicht sei, der Discussion aufmerksam zu folgen, gebraucht
+hatte, war nach und nach das geworden was er jetzt ist, nämlich ein
+Ausruf, welcher je nach der Betonung, die man ihm gab, Bewunderung,
+Zustimmung, Entrüstung oder Hohn ausdrückte. Bei dieser Gelegenheit
+riefen die Whigs so geräuschvoll Hört! Hört! daß die Tories sich über
+Unschicklichkeit beklagten. Seymour, der Führer der Minorität, erklärte,
+daß von Freiheit der Debatte nicht mehr die Rede sein könne, wenn
+solcher Lärm geduldet werde. Einige alte whiggistische Mitglieder
+fühlten sich dadurch veranlaßt, ihn zu erinnern, daß, wenn er den
+Vorsitz führte, zuweilen ein gleiches Geschrei gehört und nicht verboten
+worden sei. So gereizt und erbittert indeß beide Parteien auch waren,
+bekundeten doch die beiderseitigen Reden die hohe Achtung vor Gesetz und
+verjährtem Recht, welche seit langer Zeit ein characteristischer Zug der
+Engländer ist und die, wenn sie auch zuweilen in Pedanterie und
+Aberglauben ausartet, immerhin ihr Gutes hat. Selbst in dieser wichtigen
+Krisis, als die Nation sich noch in der Gährung einer Revolution befand,
+erörterten unsere Staatsmänner ausführlich und ernst alle Umstände,
+welche bei der Absetzung Eduard’s II. und Richard’s II. obgewaltet, und
+untersuchten mit ängstlicher Genauigkeit, ob die Versammlung, welche,
+mit dem Erzbischof Lanfranc an der Spitze, Robert von der Normandie vom
+Throne ausschloß und Wilhelm den Rothen darauf setzte, nachher noch
+fortfuhr, als gesetzgebender Körper des Landes zu wirken oder nicht. Es
+wurde viel über die Geschichte der Ausschreiben, viel über die
+Etymologie des Wortes Parlament gesagt. Bemerkenswerth ist es, daß der
+alte Maynard derjenige Redner war, der die Sache von dem
+staatsmännischsten Gesichtspunkte auffaßte. Er hatte während der
+bürgerlichen Zwistigkeiten von fünfzig ereignißvollen Jahren gelernt,
+daß Fragen, welche die höchsten Interessen des Staats <ins class =
+"correction" title = "Original hat »beührten«">berührten</ins>, nicht
+durch Wortklaubereien und durch Brocken von juristischem Französisch und
+juristischem Latein entschieden werden konnten, und da er
+anerkanntermaßen der scharfsinnigste und gelehrteste englische Jurist
+war, durfte er seine Gedanken und Gesinnungen unumwunden aussprechen,
+ohne Gefahr zu laufen, der Ignoranz oder Anmaßung beschuldigt zu werden.
+Er verwarf die ganze Büchergelehrsamkeit, welche einige in solchen
+Dingen weit weniger erfahrene Männer als er in die Discussion gezogen
+hatten, als kleinlich und übel angebracht. „Wir stehen,“ sagte er, „in
+diesem Augenblicke nicht auf dem gebahnten Wege. Wenn wir daher
+entschlossen sind, nur auf diesem Wege fortzugehen, so werden wir gar
+nicht vorwärts kommen. Wer in einer Revolution sich vornimmt, nichts zu
+thun was nicht streng der herkömmlichen Form gemäß ist, gleicht einem
+Menschen, der sich in der Wildniß verirrt hat und beständig nur ruft: Wo
+ist die Landstraße? ich will nur auf der Landstraße gehen! &mdash; In
+einer Wildniß muß man denjenigen Weg einschlagen, auf dem man nach Hause
+gelangt. In einer Revolution
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_25" id = "pageXI_25">
+XI.25</a></span>
+müssen wir das höchste Gesetz, das Wohl des Staates, zur Richtschnur
+nehmen.“ Ein andrer Rundkopfveteran, der Oberst Birch, sprach in
+gleichem Sinne und argumentirte mit großer Gewandtheit und Schärfe aus
+dem Präcedenzfalle von 1660. Seymour und seine Anhänger wurden im Comité
+geschlagen und wagten es nicht, das Haus über den Bericht abstimmen zu
+lassen. Die Bill ging rasch durch und erhielt am zehnten Tage nach
+Wilhelm’s und Mariens Thronbesteigung die königliche Zustimmung.<a class
+= "tag" name = "tagXI_35" id = "tagXI_35" href = "#noteXI_35">35</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_34" id = "noteXI_34" href = "#tagXI_34">34.</a>
+Van Citters, 19. Febr. (1. März) 1688/89.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_35" id = "noteXI_35" href = "#tagXI_35">35.</a>
+<span class = "antiqua">Stat. 1 W. &amp; M. sess. I. c. 1</span>. Siehe
+die Protokolle der beiden Häuser und <span class = "antiqua">Grey’s
+Debates</span>. Die Beweisführung zu Gunsten der Bill ist in der Pariser
+Gazette vom 5. und 12. März 1689 gut zusammengefaßt.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Mitglieder der beiden Häuser werden aufgefordert die Eide zu
+leisten.</span>
+<a name = "secXI_21" id = "secXI_21">Das</a> Gesetz, welches die
+Convention in ein Parlament verwandelte, enthielt einen Paragraphen,
+welcher bestimmte, daß nach dem 1. März in keinem der beiden Häuser
+Jemand Sitz und Stimme haben solle, der nicht dem neuen Königspaare den
+Huldigungseid geleistet habe. Diese Verordnung brachte die ganze
+Gesellschaft in große Aufregung. Die Anhänger der verbannten Dynastie
+hofften und sagten mit Bestimmtheit voraus, daß die Eidverweigerer
+zahlreich sein würden. Die Minorität in beiden Häusern, meinten sie,
+werde der Sache der erblichen Monarchie treu bleiben. Es werde
+vielleicht hier und da einen Verräther geben, die große Masse Derer
+aber, welche für eine Regentschaft gestimmt hatten, werde fest bleiben.
+Zwei Bischöfe höchstens würden die Usurpatoren anerkennen. Seymour werde
+sich eher aus dem öffentlichen Leben zurückziehen, als seinen
+Grundsätzen untreu werden, Grafton habe sich schon vorgenommen, nach
+Frankreich zu entfliehen und seinem Oheim zu Füßen zu fallen. Solche
+Gerüchte machten während der letzten Hälfte des Februar durch alle
+Kaffeehäuser die Runde. Die Aufregung im Publikum war so groß, daß, wenn
+ein angesehener Mann zwei Tage hintereinander an seinen gewohnten
+Aufenthaltsorten vermißt wurde, man sich gleich zuraunte, er sei nach
+Saint-Germains entwichen.<a class = "tag" name = "tagXI_36" id =
+"tagXI_36" href = "#noteXI_36">36</a></p>
+
+<p>Der zweite März kam heran und das Resultat schlug die Befürchtungen
+der einen Partei nieder und zerstörte die Hoffnungen der andren. Der
+Primas hielt sich zwar mit einigen seiner Suffraganen beharrlich fern,
+aber drei Bischöfe und dreiundsiebzig weltliche Peers leisteten die
+Eide. Bei der nächsten Sitzung des Oberhauses fanden sich noch einige
+Prälaten mehr ein; kurz, binnen einer Woche hatten ungefähr hundert
+Lords die Bedingungen zur Einnahme ihrer Plätze erfüllt. Andere, welche
+durch Krankheit verhindert waren zu erscheinen, sandten Entschuldigungen
+und Versicherungen ihrer Anhänglichkeit an Ihre Majestäten. Grafton
+widerlegte alle über ihn in Umlauf gebrachten Märchen, indem er gleich
+am ersten Tage zur Eidesleistung erschien. Zwei Mitglieder der
+kirchlichen Commission, Mulgrave und Sprat, beeilten sich ihren Fehler
+dadurch gut zu machen, daß sie Wilhelm Treue und Gehorsam schworen.
+Beaufort, der lange als Typus eines Royalisten der alten Schule gegolten
+hatte, unterwarf sich nach kurzem Schwanken. Aylesbury und Dartmouth,
+obwohl zwei heftige Jakobiten, trugen eben so wenig Bedenken, den
+Huldigungseid zu leisten, als
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_26" id = "pageXI_26">
+XI.26</a></span>
+sie nachher Bedenken trugen, ihn zu brechen.<a class = "tag" name =
+"tagXI_37" id = "tagXI_37" href = "#noteXI_37">37</a> Die Hyde schlugen
+verschiedene Richtungen ein. Rochester fügte sich dem Gesetz; Clarendon
+aber zeigte sich widerspenstig. Viele fanden es sonderbar, daß der
+Bruder, der so lange zu Jakob gehalten, bis dieser flüchtete, sich
+weniger hartnäckig erwies, als der Bruder, der im holländischen Lager
+gewesen war. Die Erklärung ist vielleicht darin zu suchen, daß Rochester
+durch Verweigerung der Eide viel mehr verloren haben würde als
+Clarendon. Clarendon’s Einkünfte hingen nicht vom Belieben der Regierung
+ab; Rochester aber hatte einen Jahrgehalt von viertausend Pfund, den er
+fortzubeziehen nicht hoffen durfte, wenn er sich weigerte, das neue
+Herrscherpaar anzuerkennen. Er hatte in der That so viele Feinde, daß es
+sogar einige Monate zweifelhaft schien, ob man ihm unter irgend welchen
+Bedingungen die glänzende Belohnung lassen werde, die er sich durch
+Verfolgung der Whigs und durch einen Sitz in der Hohen Commission
+erworben hatte. Vor diesem harten Schlage für seine Vermögensumstände
+wurde er durch die Verwendung Burnet’s bewahrt, den er schwer beleidigt
+und der sich jetzt rächte wie es einem christlichen Priester ziemte.<a
+class = "tag" name = "tagXI_38" id = "tagXI_38" href =
+"#noteXI_38">38</a></p>
+
+<p>Im Unterhause wurden am zweiten März vierhundert Mitglieder
+vereidigt, darunter auch Seymour. Durch seinen Abfall ward der Muth der
+Jakobiten gebrochen, und die Minorität folgte mit sehr wenigen Ausnahmen
+seinem Beispiele.<a class = "tag" name = "tagXI_39" id = "tagXI_39" href
+= "#noteXI_39">39</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_36" id = "noteXI_36" href = "#tagXI_36">36.</a>
+Van Citters sowohl als Ronquillo erwähnen die ängstliche Spannung,
+welche bis zum Bekanntwerden des Resultats in London herrschte.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_37" id = "noteXI_37" href = "#tagXI_37">37.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, March 1688/89</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_38" id = "noteXI_38" href = "#tagXI_38">38.</a>
+Siehe die Briefe, welche Rochester und Lady Ranelagh bei dieser
+Gelegenheit an Burnet schrieben.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_39" id = "noteXI_39" href = "#tagXI_39">39.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, March 2. 1688, 89</span>.
+Ronquillo schrieb: <span class = "antiqua">„Es de gran consideracion que
+Seimor haya tomado el juramento; porque es el arrengador y el director
+principal, en la casa de los Comunes, de los Anglicanos.“</span> 8.(18.)
+März 1688/89.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Fragen bezüglich des Einkommens.</span>
+<a name = "secXI_22" id = "secXI_22">Schon</a> vor dem zur Eidesabnahme
+bestimmten Tage hatten die Gemeinen eine wichtige Frage zu berathen
+begonnen, welche keinen Aufschub gestattete. Während des Interregnums
+hatte Wilhelm als provisorisches Haupt der Verwaltung die Steuern
+erhoben und sie für den Staatsdienst verwendet, ein Verfahren, dessen
+Angemessenheit von Niemandem, der die Revolution billigte, bestritten
+werden konnte. Jetzt aber war die Revolution vorüber, der Thron war
+wieder besetzt, die Häuser waren versammelt, das Gesetz war in voller
+Kraft, und es wurde nöthig, ohne Verzug zu entscheiden, zu welchem
+Einkommen die Regierung berechtigt war.</p>
+
+<p>Niemand leugnete, daß alle Ländereien und erblichen Besitzungen der
+Krone mit dieser auf die neuen Herrscher übergegangen waren. Eben so
+wenig leugnete Jemand, daß alle Einkünfte, welche der Krone auf eine
+bestimmte Anzahl Jahre bewilligt worden, verfassunggemäß bis zum Ablauf
+des Termins beansprucht werden durften. Allein das Parlament hatte Jakob
+große Revenüen auf Lebenszeit verwilligt und ob diese von Wilhelm und
+Marien in Anspruch genommen werden konnten, so lange Jakob noch lebte,
+das war eine Frage, über welche die Ansichten getheilt waren.</p>
+
+<p>Holt, Treby, Pollexfen und überhaupt alle angesehenen Whigjuristen,
+mit Ausnahme Somers’, meinten, diese Einkünfte seien dem vorigen Könige
+in seiner politischen Eigenschaft, aber auf seine natürliche Lebenszeit,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_27" id = "pageXI_27">
+XI.27</a></span>
+bewilligt worden, und sie seien daher, so lange er in einem fremden
+Lande zubringe, an Wilhelm und Marien zu bezahlen. Aus einem sehr
+gedrängten und unzusammenhängenden Berichte über die Debatte geht
+hervor, daß Somers von dieser Ansicht abwich. Er war der Meinung, daß,
+wenn die Parlamentsacte, welche die in Rede stehenden Abgaben
+aufgebürdet, ihrem Geiste nach ausgelegt würde, das Wort Leben als
+gleichbedeutend mit dem Worte Regierung betrachtet werden müsse, und daß
+sonach die Frist, auf welche diese Abgaben der Krone bewilligt worden,
+erloschen sei. Dies war unzweifelhaft die richtige Meinung, denn es war
+geradezu widersinnig, Jakob’s Interesse bei dieser Verwilligung als zu
+gleicher Zeit mit seiner Person und auch mit seinem Amte verknüpft zu
+betrachten, in einem Athem zu sagen, die Kaufleute von London und
+Bristol müßten Geld hergeben, weil er physisch noch lebe, und seine
+Nachfolger müßten dieses Geld bekommen, weil er politisch todt sei. Das
+Haus theilte entschieden die Ansicht Somers’. Die Mitglieder waren im
+Allgemeinen für die Vornahme einer großen Reform, denn man sah ein, daß
+ohne eine solche die Rechtserklärung nur eine unvollkommene Garantie für
+die öffentliche Freiheit sein würde. Während des Kampfes, den fünfzehn
+aufeinanderfolgende Parlamente gegen vier aufeinanderfolgende Könige
+geführt, war die Macht des Geldes die Hauptwaffe der Gemeinen gewesen,
+und wenn sich die Vertreter des Volks einmal verleiten ließen, diese
+Waffe aufzugeben, hatten sie jedesmal sehr bald Ursache gehabt, ihre
+allzu leichtgläubige Loyalität zu bereuen. In der Zeit der stürmischen
+Freude, welche auf die Restauration folgte, war Karl II. fast durch
+Acclamation ein großes Einkommen auf Lebenszeit bewilligt worden. Doch
+schon nach einigen Monaten gab es kaum einen ehrenwerthen Cavalier im
+Lande, der sich nicht gesagt hätte, daß die Zahlmeister der Nation
+weiser gehandelt haben würden, wenn sie die Mittel zur Abstellung der
+Mißbräuche, welche alle Zweige der Verwaltung schändeten, in ihrer Hand
+behalten hätten. Jakob II. hatte von seinem unterwürfigen Parlamente
+ohne eine opponirende Stimme ein Einkommen erlangt, welches hingereicht
+haben würde, die gewöhnlichen Staatsausgaben für seine ganze Lebenszeit
+zu bestreiten, und noch ehe er dieses Einkommen ein halbes Jahr
+genossen, machte sich die Mehrzahl Derer, welche so freigebig gegen ihn
+gewesen, bittere Vorwürfe wegen ihrer Liberalität. Wenn man der
+Erfahrung, einer langen und schmerzlichen Erfahrung, trauen durfte, so
+gab es keine wirksame Sicherheit gegen schlechte Verwaltung, sobald der
+Souverain nicht genöthigt war, sich öfters an seinen Großen Rath um
+Geldunterstützung zu wenden. Fast alle rechtschaffenen und
+einsichtsvollen Männer stimmten daher darin überein, daß wenigstens ein
+Theil der Zuschüsse nur auf kurze Termine verwilligt werden dürften. Und
+welcher Zeitpunkt war wohl geeigneter zur Einführung dieses neuen Modus
+als das Jahr 1689, der Anfang einer neuen Regierung, einer neuen
+Dynastie, einer neuen Ära in der constitutionellen Verwaltung? Die
+Meinung über diesen Gegenstand war so mächtig und allgemein, daß die
+abweichende Minorität nachgab. Es wurde zwar kein formeller Beschluß
+gefaßt, aber das Haus verfuhr nach der Annahme, daß die Jakob auf
+Lebenszeit bewilligten Einkünfte durch seine Abdankung aufgehoben
+seien.<a class = "tag" name = "tagXI_40" id = "tagXI_40" href =
+"#noteXI_40">40</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_28" id = "pageXI_28">
+XI.28</a></span>
+<p>Es war unmöglich, ohne Untersuchung und Berathung eine neue
+Feststellung des Einkommens vorzunehmen. Die Schatzkammer wurde daher
+angewiesen, die <ins class = "correction"
+title = "Original hat »nöthgen«">nöthigen</ins> Vorlagen zu beschaffen, welche das Haus in den
+Stand setzten, die öffentlichen Ausgaben und Einnahmen abzuschätzen.
+Inzwischen wurde den augenblicklichen Bedürfnissen des Staats mit
+geziemender Liberalität genügt. Eine durch directe monatliche Besteurung
+zu erhebende außerordentliche Unterstützung wurde dem Könige gewährt. Es
+wurde eine Verordnung erlassen, welche alle Diejenigen, die seit seiner
+Landung in seinem Namen die Jakob zugesprochenen Abgaben erhoben, für
+schuldlos erklärte, und die erloschenen Abgaben wurden noch auf einige
+Monate verlängert.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_40" id = "noteXI_40" href = "#tagXI_40">40.</a>
+<span class = "antiqua">Grey’s Debates, Febr. 25, 26, 27.
+1688/89.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Abschaffung der Herdsteuer.</span>
+<a name = "secXI_23" id = "secXI_23">Auf</a> seinem ganzen Marsche von
+Torbay bis London war Wilhelm von dem niederen Volke mit Bitten bestürmt
+worden, daß er es von der unerträglichen Last des Herdgeldes befreien
+möchte. Diese Abgabe scheint in der That alle die schlimmsten Übelstände
+in sich vereinigt zu haben, die man irgend einer Steuer zur Last legen
+kann. Sie war unverhältnißmäßig, und zwar in der verderblichsten Weise,
+denn sie lastete schwer auf dem Armen, und leicht auf dem Reichen. Ein
+Landmann, dessen ganzes Besitzthum keine zwanzig Pfund werth war, mußte
+zehn Schilling bezahlen, während der Herzog von Ormond oder der Herzog
+von Newcastle, deren Güter eine halbe Million werth waren, nur vier bis
+fünf Pfund bezahlten. Die Einsammler waren ermächtigt, das Innere jedes
+Hauses im Lande zu untersuchen, die Familien bei ihrer Mahlzeit zu
+stören, die Thüren der Schlafzimmer zu erbrechen, und, wenn die
+verlangte Summe nicht pünktlich bezahlt wurde, den Tisch, auf dem den
+armen Kindern ihr Gerstenbrot zugeschnitten wurde, oder das Kissen unter
+dem Haupte der Wöchnerin wegzunehmen und zu verkaufen. Eben so wenig
+vermochte das Schatzamt den Herdgeldmann wirksam daran zu hindern, daß
+er seine Vollmacht mit Härte ausübte, denn die Steuer war verpachtet und
+die Regierung war in Folge dessen genöthigt, die Gewaltthätigkeiten und
+Erpressungen, welche zu allen Zeiten den Namen Zöllner sprüchwörtlich zu
+dem verhaßtesten von der Welt gemacht haben, stillschweigend hingehen zu
+lassen.</p>
+
+<p>Auf Wilhelm hatten die vernommenen Klagen und Beschwerden einen so
+erschütternden Eindruck gemacht, daß er den Gegenstand bei einer der
+ersten Sitzungen des Geheimen Raths zur Sprache brachte. Er forderte das
+Haus der Gemeinen durch eine Botschaft auf, zu erwägen, ob zweckmäßigere
+Einrichtungen den Mißbräuchen, welche so große Unzufriedenheit erregt
+hätten, wirksam abhelfen könnten, und setzte hinzu, daß er gern in die
+gänzliche Abschaffung der Steuer willigen würde, wenn es sich
+herausstellen sollte, daß die Mißbräuche von der Steuer unzertrennlich
+seien.<a class = "tag" name = "tagXI_41" id = "tagXI_41" href =
+"#noteXI_41">41</a> Diese Mittheilung ward mit lautem Beifall
+aufgenommen. Allerdings gab es einige Finanzmänner der alten Schule,
+welche murmelten, daß Mitleid mit den Armen wohl etwas Schönes sei, daß
+aber kein Theil der Staatseinkünfte so pünktlich auf den Tag einginge
+als das Herdgeld, daß die Goldschmiede nicht immer bewogen werden
+könnten, auf die Sicherheit des nächsten Quartals der Zölle oder der
+Accise zu leihen, daß es aber nicht schwer sei, auf eine
+Herdgeldverschreibung Vorschüsse zu erhalten. Im
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_29" id = "pageXI_29">
+XI.29</a></span>
+Hause der Gemeinen wagten die so Denkenden es nicht, ihre Stimmen gegen
+die allgemeine Ansicht zu erheben; im Hause der Lords aber entspann sich
+ein Kampf, dessen Ausgang eine Zeitlang zweifelhaft schien. Endlich aber
+erwirkte der kräftig angewendete Einfluß des Hofes eine Acte, kraft
+welcher die Kaminsteuer als ein Zeichen von Sklaverei erklärt und unter
+vielen Dankesversicherungen gegen den König für alle Seiten abgeschafft
+wurde.<a class = "tag" name = "tagXI_42" id = "tagXI_42" href =
+"#noteXI_42">42</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_41" id = "noteXI_41" href = "#tagXI_41">41.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals</span> und <span class =
+"antiqua">Grey’s Debates, March 1. 1688/89</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_42" id = "noteXI_42" href = "#tagXI_42">42.</a>
+<span class = "antiqua">Stat. 1 W. &amp; M. sess. I. c. 10.</span>;
+<span class = "antiqua">Burnet II. 13.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Entschädigung der Vereinigten Provinzen.</span>
+<a name = "secXI_24" id = "secXI_24">Die</a> Gemeinen bewilligten nach
+kurzer Debatte und ohne Abstimmung sechsmalhunderttausend Pfund zu dem
+Zwecke, die Kosten der Expedition, welche England befreit hatte, den
+Vereinigten Provinzen zurückzuerstatten. Die Leichtigkeit, mit der diese
+bedeutende Summe einem schlauen, thätigen und sparsamen Volke bewilligt
+ward, das in politischer Beziehung unser Bundesgenosse, in commercieller
+Hinsicht aber unser gefährlichster Nebenbuhler war, erregte außerhalb
+der Kammern einiges Murren und war mehrere Jahre lang ein Lieblingsthema
+für die Sarkasmen der toryistischen Tagesschriftsteller.<a class = "tag"
+name = "tagXI_43" id = "tagXI_43" href = "#noteXI_43">43</a> Die
+Freigebigkeit des Hauses war jedoch leicht zu erklären. An dem nämlichen
+Tage, an welchem dieser Gegenstand berathen wurde, trafen in Westminster
+beunruhigende Nachrichten ein und überzeugten Viele, die zu einer andren
+Zeit geneigt gewesen wären, jede von den Holländern eingeschickte
+Rechnung einer strengen Prüfung zu unterwerfen, daß unser Land die
+Dienste fremder Truppen noch nicht entbehren konnte.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_43" id = "noteXI_43" href = "#tagXI_43">43.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, March 15. 1688/89.</span>
+Noch im Jahre 1713 spielte Arbuthnot im fünften Theile des <span class =
+"antiqua">John Bull</span> mit viel Witz auf diesen Gegenstand an. „Was
+Euren <span class = "antiqua">Venire Facias</span> betrifft,“ sagt John
+zu Nick Frog, „so habe ich Euch für einen schon bezahlt.“</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Meuterei in Ipswich.</span>
+<a name = "secXI_25" id = "secXI_25">Frankreich</a> hatte den
+Generalstaaten den Krieg erklärt und die Generalstaaten hatten in Folge
+dessen vom Könige von England die Unterstützung verlangt, die er durch
+den Vertrag von Nimwegen zu leisten verpflichtet war.<a class = "tag"
+name = "tagXI_44" id = "tagXI_44" href = "#noteXI_44">44</a> Er hatte
+einige Bataillone nach Harwich verordert, um sich dort zur Überfahrt
+nach dem Festlande bereit zu halten. Die alten Soldaten Jakob’s waren
+meist in einer sehr schlechten Stimmung, und dieser Befehl übte keine
+besänftigende Wirkung aus. Am größten war die Unzufriedenheit in dem
+Regimente, das gegenwärtig als das erste der Linie bezeichnet wird.
+Obgleich dieses Regiment der englischen Armee angehörte, hatte es doch
+seit der Zeit, da es zuerst unter dem großen Gustav kämpfte, fast
+ausschließlich aus Schotten bestanden, und die Schotten haben nie
+verfehlt, in jedem Lande, wohin ihr abenteuerlicher und ehrgeiziger Sinn
+sie führte, die geringste ihrem Heimathlande bewiesene Geringschätzung
+zu fühlen und zu ahnden. Offiziere wie Gemeine murmelten, daß der
+Beschluß einer ausländischen Versammlung in ihren Augen nichts gelte.
+Wenn sie überhaupt ihres Treuschwurs für König Jakob VII. entbunden
+werden könnten, so müsse dies durch die Stände von Edinburg, nicht durch
+die Convention von Westminster geschehen. Ihr Unmuth wuchs, als sie
+erfuhren, daß Schomberg zu ihrem Obersten ernannt war. Vielleicht hätten
+sie es sich zur Ehre schätzen sollen, den Namen des größten Soldaten
+Europa’s zu führen, aber bei aller seiner Tapferkeit und militärischen
+Tüchtigkeit war er doch nicht ihr
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_30" id = "pageXI_30">
+XI.30</a></span>
+Landsmann, und während der sechsundfunfzig Jahre, welche verstrichen
+waren, seitdem sich ihr Regiment in Deutschland seine ersten Lorbeern
+verdiente, war es nie von einem Andren als einem Hopburn oder einem
+Douglas commandirt worden. In dieser gereizten Stimmung erhielten sie
+Befehl, zu den Streitkräften zu stoßen, die sich in Harwich sammelten.
+Es wurde viel gemurrt, doch kam es zu keinem Ausbruch, bis das Regiment
+in Ipswich anlangte. Hier gaben zwei Hauptleute, welche eifrige Anhänger
+des verbannten Königs waren, das Zeichen zur Empörung. Der Marktplatz
+füllte sich bald mit hin und her rennenden Pikenmännern und Musketiren.
+Schüsse wurden aufs Gerathewohl nach allen Richtungen hin abgefeuert.
+Diejenigen Offiziere, welche die Meuterer im Zaume zu halten versuchten,
+wurden überwältigt und entwaffnet. Endlich gelang es den Leitern des
+Aufstandes, einige Ordnung herzustellen und sie marschirten nun an der
+Spitze ihrer Anhänger aus Ipswich ab. Die kleine Armee bestand aus etwa
+achthundert Mann. Sie hatten vier Kanonen mitgenommen und sich der
+Kriegskasse bemächtigt, die eine bedeutende Summe Geldes enthielt. Eine
+halbe Meile von der Stadt wurde Halt gemacht, eine allgemeine Berathung
+gepflogen und beschlossen, daß die Meuterer in ihr Heimathsland
+zurückeilen und mit ihrem rechtmäßigen Könige leben und sterben wollten.
+Demgemäß brachen sie in Eilmärschen nach dem Norden auf.<a class = "tag"
+name = "tagXI_45" id = "tagXI_45" href = "#noteXI_45">45</a></p>
+
+<p>Als die Nachricht in London eintraf, war die Bestürzung groß. Es
+hieß, daß auch bei anderen Regimentern sich beunruhigende Symptome
+gezeigt hätten und besonders daß ein in Harwich liegendes Füsilircorps
+große Lust zu haben scheine, dem in Ipswich gegebenen Beispiele zu
+folgen. „Wenn diese Schotten,“ sagte Halifax zu Reresby, „nicht auf
+Unterstützung rechnen können, so sind sie verloren; haben sie aber im
+Einverständniß mit Anderen gehandelt, dann ist die Gefahr in der That
+sehr ernst.“<a class = "tag" name = "tagXI_46" id = "tagXI_46" href =
+"#noteXI_46">46</a> Das Wahre scheint zu sein, daß eine Verschwörung
+bestand, die in vielen Heerestheilen Verzweigungen hatte, daß aber die
+Verschwörer durch die Festigkeit der Regierung und des Parlaments im
+Schach gehalten wurden. Es ward eben eine Ausschußsitzung des Geheimen
+Raths gehalten, als die Nachricht von dem Aufstande in London eintraf.
+Wilhelm Harbord, der Vertreter des Burgfleckens Launceston, welcher
+Mitglied des Ausschusses war, wurde von seinen Collegen ersucht, sich
+sogleich in das Haus der Gemeinen zu begeben und dort das Vorgefallene
+mitzutheilen. Er ging, erhob sich auf seinem Platze und erzählte seine
+Geschichte. Der Geist der Versammlung trug der Lage der Dinge gebührende
+Rechnung. Howe war der Erste, der kräftiges Einschreiten verlangte.
+„Ersuchet den König,“ sagte er, „seine holländischen Truppen gegen diese
+Leute zu entsenden. Ich wüßte nicht, wem man sonst trauen könnte.“
+&mdash; „Die Sache ist kein Spaß,“ sagte der alte Birch, welcher Oberst
+im Dienste des Parlaments gewesen war und das mächtigste und berühmteste
+Haus der Gemeinen, das es je gegeben, durch dessen eigene Soldaten
+zweimal hatte säubern und zweimal hatte auseinandersprengen sehen; „wenn
+Ihr das Übel um sich greifen laßt, werdet Ihr binnen wenigen Tagen eine
+Armee auf dem Halse haben. Ersuchet den König, auf der Stelle Reiter und
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_31" id = "pageXI_31">
+XI.31</a></span>
+Fußvolk abzusenden, und zwar seine eigenen Leute, auf die er sich
+verlassen kann, damit dieses Volk mit einem Schlage niedergeworfen
+wird.“ Jetzt fingen auch die Männer der langen Robe Feuer. „Das Wissen
+meines Berufs ist hier unnütz,“ sagte Treby. „Es kommt hier darauf an,
+der Gewalt mit Gewalt entgegenzutreten und im Felde das zu behaupten,
+was wir im Senate gethan haben.“ &mdash; „Schreibt an die Sheriffs,“
+sprach Oberst Mildmay, Mitglied für Essex, „und laßt die Miliz
+aufbieten. Es sind ihrer Hundertfunfzigtausend Mann und lauter gute
+Engländer; sie werden Euch nicht im Stiche lassen.“ Es wurde
+beschlossen, daß alle in der Armee angestellten Mitglieder des Hauses
+vom Besuche des Parlaments dispensirt werden sollten, damit sie sich
+unverzüglich auf ihre militärischen Posten begeben könnten. Sodann wurde
+einstimmig eine Adresse votirt, welche den König ersuchte, energische
+Maßregeln zur Unterdrückung des Aufstandes zu ergreifen und eine
+Proklamation zu erlassen, welche die öffentliche Rache auf die Rebellen
+herabrief. Ein Mitglied deutete darauf hin, daß es vielleicht gut sei,
+wenn Sr. Majestät Denen, die sich im Guten unterwürfen, Verzeihung
+zusichere; allein das Haus verwarf wohlweislich diesen Vorschlag. „Es
+ist jetzt nicht der Augenblick,“ wurde sehr richtig bemerkt, „zu einer
+Nachsicht, die wie Furcht aussehen würde.“ Die Adresse wurde sogleich
+ins Haus der Lords gesandt und von diesen genehmigt. Zwei Peers, zwei
+Grafschaftsvertreter und zwei Abgeordnete von Burgflecken wurden damit
+an den Hof geschickt. Wilhelm empfing sie sehr gnädig und sagte ihnen,
+daß er bereits die nöthigen Befehle gegeben habe. In der That waren auch
+schon mehrere Regimenter Reiterei und Dragoner unter dem Commando
+Ginkell’s, eines der tapfersten und geschicktesten Offiziere der
+holländischen Armee, nach dem Norden entsendet worden.<a class = "tag"
+name = "tagXI_47" id = "tagXI_47" href = "#noteXI_47">47</a></p>
+
+<p>Mittlerweile eilten die Aufständischen durch die Gegend zwischen
+Cambridge und dem Wash. Ihr Weg führte über eine weite, öde Moorstrecke,
+die mit der ganzen Feuchtigkeit von dreizehn Grafschaften gesättigt war
+und auf welcher den größten Theil des Jahres ein grauer Nebel lagerte,
+über den sich der viele Meilen im Umkreise sichtbare prächtige Thurm von
+Ely erhob. In dieser traurigen, mit großen Schwärmen wilder Vögel
+bedeckten Gegend führte damals ein halbwildes Volk, bekannt unter dem
+Namen der Breedlings, ein amphibienartiges Leben, von einem Eiland
+festen Grund und Bodens zum andren theils watend theils rudernd.<a class
+= "tag" name = "tagXI_48" id = "tagXI_48" href = "#noteXI_48">48</a> Die
+Straße gehörte zu den schlechtesten der ganzen Insel und als sich das
+Gerücht von der Annäherung der Rebellen verbreitete, wurden sie von dem
+Landvolke absichtlich noch mehr verschlechtert. Brücken wurden
+abgebrochen und Baumstämme quer über die Straßen gelegt, um das
+Fortschaffen der Kanonen zu erschweren. Dessenungeachtet drangen die
+schottischen Veteranen nicht nur mit großer Eil vor, sondern es gelang
+ihnen auch, ihre Artillerie mit fort zu bringen. So erreichten sie die
+Grafschaft Lincoln, und als sie nicht mehr weit voll Sleafort entfernt
+waren, erfuhren
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_32" id = "pageXI_32">
+XI.32</a></span>
+sie, daß Ginkell mit einer unüberwindlichen Truppenmacht ihnen hart auf
+den Fersen sei. Von Sieg konnte so wenig die Rede sein wie von
+Entkommen. Die tapfersten Krieger konnten gegen eine vierfache Übermacht
+nichts ausrichten, das vortrefflichste Fußvolk konnte einer Reiterschaar
+nicht entrinnen. Da indessen die Anführer wohl wußten, daß sie keinen
+Pardon zu erwarten hatten, drangen sie in ihre Mannschaften, das Glück
+einer Schlacht zu versuchen. Eine fast von allen Seiten von Sümpfen und
+Teichen eingeschlossene Stelle war in dieser Gegend leicht gefunden.
+Hier wurden die Insurgenten aufgestellt und die Kanonen an der einzigen
+Seite aufgefahren, die man durch natürliche Vertheidigungsmittel nicht
+hinreichend gedeckt glaubte. Ginkell befahl den Angriff an einer Stelle
+zu unternehmen, die sich außer dem Bereiche der Geschütze befand, und
+seine Dragoner sprangen muthig ins Wasser, obwohl es so tief war, daß
+ihre Pferde schwimmen mußten. Jetzt sank den Rebellen der Muth. Sie
+versuchten zu parlamentiren, ergaben sich aber schließlich auf Gnade und
+Ungnade und wurden unter starker Bedeckung nach London gebracht. Ihr
+Leben war verwirkt, denn sie hatten sich nicht blos der Meuterei, welche
+damals kein legales Verbrechen war, sondern des bewaffneten Widerstandes
+gegen den König schuldig gemacht. Wilhelm unterließ jedoch mit weiser
+Nachsicht, das Blut selbst der Strafbarsten zu vergießen. Einige von den
+Haupträdelsführern wurden vor die nächsten Assisen von Bury gestellt und
+des Hochverraths überwiesen; aber ihr Leben ward geschont. Die Übrigen
+erhielten einfach den Befehl, zu ihrer Pflicht zurückzukehren. Das vor
+Kurzem so aussätzige Regiment ging gehorsam nach dem Continent und
+zeichnete sich dort in vielen beschwerlichen Feldzügen durch Treue,
+Disciplin und Tapferkeit aus.<a class = "tag" name = "tagXI_49" id =
+"tagXI_49" href = "#noteXI_49">49</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_44" id = "noteXI_44" href = "#tagXI_44">44.</a>
+Wagenaar LXI.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_45" id = "noteXI_45" href = "#tagXI_45">45.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, March 15. 1688/89.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_46" id = "noteXI_46" href = "#tagXI_46">46.</a>
+<span class = "antiqua">Reresby’s Memoirs.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_47" id = "noteXI_47" href = "#tagXI_47">47.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals</span> und <span class =
+"antiqua">Grey’s Debates, March 15. 1688/89, London Gazette, March
+18</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_48" id = "noteXI_48" href = "#tagXI_48">48.</a>
+Über den Zustand dieser Gegend zu Ende des 17. und zu Anfang des 18.
+Jahrhunderts siehe <span class = "antiqua">Pepys’ Diary</span> vom 18.
+Sept. 1663 und <span class = "antiqua">Tour through the whole Island of
+Great Britain</span>, 1724.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_49" id = "noteXI_49" href = "#tagXI_49">49.</a>
+<span class = "antiqua">London Gazette, March 25. 1689</span>; Van
+Citters an die Generalstaaten vom 22. März (1.&nbsp;April); Briefe von
+Nottingham im Staatsarchive vom 23. Juli und 9. Aug. 1689; <span class =
+"antiqua">Historical Record of the First Regiment of Foot</span>, auf
+Befehl der Regierung gedruckt. Siehe auch eine interessante Abschweifung
+in der <span class = "antiqua">Compleat History of the Life and Military
+Actions of Richard, Earl of Tyrconnel</span>, 1689.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die erste Meutereibill.</span>
+<a name = "secXI_26" id = "secXI_26">Dieser</a> Vorfall erleichterte
+eine wichtige Veränderung in unsrer Politik, eine Veränderung, welche
+zwar über kurz oder lang hätte vorgenommen werden müssen, die aber doch
+so leicht nicht hätte durchgeführt werden können, außer in einem
+Augenblicke der höchsten Gefahr. Die Zeit war endlich gekommen, wo es
+nöthig wurde, einen gesetzlichen Unterschied zwischen dem Soldaten und
+dem Bürger zu machen. Unter den Plantagenets und den Tudors hatte es
+kein stehendes Heer gegeben, und das stehende Heer, das England unter
+den letzten Königen des Hauses Stuart besessen, war von allen Parteien
+im Staate mit einem starken und nicht unbegründeten Widerwillen
+betrachtet worden. Das gemeine Recht gewährte dem Souverain nicht die
+Mittel, seine Truppen gebührend im Zaume zu halten, denn das Parlament,
+das sie als bloße Werkzeuge der Tyrannei betrachtete, hatte keine Lust
+gehabt, diese Mittel durch Gesetze zu bewilligen. Jakob hatte zwar seine
+bestochenen und servilen Richter dahin gebracht, daß sie einigen
+veralteten Gesetzen eine Auslegung gaben, die ihn in den Stand setzte,
+die Desertion mit einer Kapitalstrafe zu belegen. Allein diese Auslegung
+wurde von alten angesehenen Juristen als irrig betrachtet, und wäre sie
+auch richtig gewesen,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_33" id = "pageXI_33">
+XI.33</a></span>
+so würde sie doch bei weitem nicht alles das geboten haben, was zur
+Aufrechthaltung der militärischen Disciplin nöthig war. Selbst Jakob
+wagte es nicht, auf das Erkenntniß eines Kriegsgerichts hin die
+Todesstrafe zu verhängen. Der Deserteur wurde wie ein gewöhnlicher
+Verbrecher behandelt, vor die Assisen gestellt, auf die von einer großen
+Jury herausgefundenen Klagegründe hin von einer kleinen Jury
+abgeurtheilt, und es stand ihm frei, jeden in der Anklageacte zu
+entdeckenden Formfehler zu seinem Gunsten zu benutzen.</p>
+
+<p>Indem die Revolution die Stellung des Fürsten und des Parlaments zu
+einander veränderte, hatte sie auch die gegenseitige Stellung der Armee
+und der Nation verändert. Der König und die Gemeinen waren jetzt einig
+und beide wurden durch die größte Militärmacht bedroht, die es seit dem
+Untergange des römischen Reichs in Europa gegeben hatte. Binnen wenigen
+Wochen konnten dreißigtausend sieggewohnte, von geschickten und
+erfahrenen Feldherren angeführte Veteranen aus den Häfen der Normandie
+und der Bretagne an unsere Küsten übersetzen. Daß eine solche
+Truppenmacht eine dreifache Anzahl von Milizen ohne große Schwierigkeit
+auseinandersprengen würde, konnte Niemand bezweifeln, der vom Kriege
+etwas verstand. Man mußte also reguläre Soldaten haben, und wenn man
+solche haben mußte, so war es im Interesse ihres eigenen wirksamen
+Bestehens, wie zur Sicherheit jeder andren Klasse durchaus nothwendig,
+daß sie unter einer strengen Disciplin gehalten wurden. Eine schlecht
+disciplinirte Armee ist zu allen Zeiten nichts weiter als eine
+kostspieligere und zügellosere Miliz gewesen, ohnmächtig gegen einen
+auswärtigen Feind und nur dem Lande selbst gefährlich, zu dessen
+Vertheidigung sie unterhalten wird. Es muß demnach eine strenge
+Grenzlinie zwischen den Soldaten und der übrigen Gesellschaft gezogen
+werden. Im Interesse der öffentlichen Freiheit müssen sie, inmitten der
+Freiheit, unter eine despotische Zucht gestellt werden. Sie müssen einem
+schärferen Strafcodex und einer nachdrücklicheren Prozeßordnung
+unterworfen sein, als nach denen die ordentlichen Gerichtshöfe
+verfahren. Gewisse Handlungen, welche bei dem Bürger unschuldig sind,
+müssen bei dem Soldaten Verbrechen sein. Gewisse Handlungen, welche bei
+dem Bürger mit Geldbuße oder Gefängniß geahndet werden, müssen bei dem
+Soldaten mit dem Tode bestraft werden. Die Maschinerie, vermittelst
+welcher die Gerichtshöfe die Schuld oder Unschuld eines angeklagten
+Bürgers feststellen, ist zu langsam und zu verwickelt, um auf einen
+angeklagten Soldaten Anwendung finden zu können, denn die militärische
+Insubordination ist von allen vorkommenden Krankheiten des Staatskörpers
+diejenige, welche die promptesten und eingreifendsten Gegenmittel
+erheischt. Wird das Übel nicht gleich im Keime erstickt, so breitet es
+sich aus, und weit kann es sich nicht ausbreiten ohne Gefahr für die
+eigentlichen Lebensnerven der Gesellschaft. Im Interesse des Gemeinwohls
+muß daher in Feldlagern eine summarische Gerichtsbarkeit von furchtbarer
+Ausdehnung strengen Tribunalen, aus Männern des Schwerts bestehend,
+übertragen werden.</p>
+
+<p>Obgleich es aber gewiß war, daß das Land zu jenem Zeitpunkte ohne
+berufsmäßige Soldaten nicht sicher sein konnte, und eben so gewiß, daß
+berufsmäßige Soldaten schlimmer als nutzlos sein mußten, wenn sie nicht
+unter ein willkürlicheres und strengeres Regiment gestellt wurden als
+andere Leute, so konnte doch ein Haus der Gemeinen es nicht ohne große
+Besorgniß wagen, die Existenz eines stehenden Heeres anzuerkennen und
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_34" id = "pageXI_34">
+XI.34</a></span>
+die Mittel zur Unterhaltung desselben zu bewilligen. Es gab kaum einen
+bedeutenden Staatsmann, der nicht oft die Überzeugung ausgesprochen
+hätte, daß unsre Verfassung und ein stehendes Heer nicht nebeneinander
+bestehen könnten. Die Whigs hatten es bei jeder Gelegenheit wiederholt,
+daß stehende Heere die freien Institutionen der Nachbarvölker vernichtet
+hätten. Eben so oft hatten die Tories es wiederholt, daß auf unsrer
+Insel ein stehendes Heer die Kirche umgestürzt, die Gentry tyrannisirt
+und den König gemordet habe. Kein Führer der einen wie der andren Partei
+konnte darauf antragen, daß ein solches Heer fortan eine bleibende
+Staatseinrichtung sein sollte, ohne sich der Beschuldigung grober
+Inconsequenz auszusetzen. Die Meuterei von Ipswich und der panische
+Schrecken, den dieselbe hervorgerufen, erleichterten die Durchführung
+eines Schrittes, der außerdem höchst schwierig gewesen sein würde. Es
+ward eine kurze Bill eingebracht, welche mit der bündigen Erklärung
+begann, daß das englische Recht von stehenden Heeren und Kriegsgerichten
+nichts wisse. Hierauf wurde verordnet, daß in Anbetracht der großen
+Gefahren, welche in diesem Augenblicke dem Staate drohten, kein Mann,
+der im besoldeten Dienst der Krone stehe, bei Todesstrafe oder
+derjenigen milderen Strafe, die ein Kriegsgericht für genügend halten
+würde, seine Fahnen verlassen oder sich gegen seine vorgesetzten
+Offiziere auflehnen dürfe. Dieses Gesetz sollte nur sechs Monate in
+Kraft bleiben, und viele von Denen, welche dafür stimmten, glaubten
+wahrscheinlich, daß es nach Ablauf dieser Frist als erloschen betrachtet
+werden würde. Die Bill ging rasch und leicht durch. Im Hause der
+Gemeinen wurde nicht eine einzige Abstimmung darüber vorgenommen. Eine
+mildernde Clausel, welche ein eigenthümliches Licht auf die damaligen
+Sitten wirft, wurde nach der dritten Lesung als Zusatz angefügt. Diese
+Clausel bestimmte, daß ein Kriegsgericht zu keiner andren Zeit als in
+den Stunden zwischen sechs Uhr Morgens und ein Uhr Nachmittags ein
+Todesurtheil fällen sollte. Man speiste damals zeitiger als jetzt, und
+es war nur zu wahrscheinlich, daß ein Gentleman unmittelbar nach Tisch
+in einem Zustande sein werde, in welchem ihm das Leben seiner
+Mitmenschen nicht füglich anvertraut werden konnte. Mit diesem
+Amendement wurde die erste und conciseste von unseren zahlreichen
+Meutereibills den Lords zugeschickt, durchlief dort binnen wenigen
+Stunden alle parlamentarischen Stadien und ward vom Könige genehmigt.<a
+class = "tag" name = "tagXI_50" id = "tagXI_50" href =
+"#noteXI_50">50</a></p>
+
+<p>So geschah ohne eine einzige abweichende Stimme im Parlamente, und
+ohne das leiseste Murren unter dem Volke, der erste Schritt zu einer
+Veränderung, welche zum Wohle des Staates nothwendig geworden war, die
+aber zur Zeit jede Partei im Staate mit der größten Besorgniß und dem
+entschiedensten Widerwillen betrachtete. Die sechs Monate vergingen und
+die öffentliche Gefahr war noch immer dieselbe. Die zur Aufrechthaltung
+der militärischen Disciplin nöthige Gewalt wurde der Krone nochmals auf
+kurze Zeit zugestanden. Die Vollmacht erlosch wieder, und wieder wurde
+sie erneuert. So versöhnte die Gewohnheit ganz allmälig die öffentliche
+Meinung mit den einst so verhaßten Namen: stehendes Heer und
+Kriegsgericht. Die Erfahrung bewies, daß in einem wohleingerichteten
+Staate berufsmäßige Soldaten einem auswärtigen Feinde Respect einflößen
+und doch der bürgerlichen Gewalt gehorsam sein könnten. Was zuerst
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_35" id = "pageXI_35">
+XI.35</a></span>
+als Ausnahme geduldet worden, begann nun als Regel betrachtet zu werden.
+Keine Session verging mehr ohne eine Meutereibill. Als es endlich klar
+wurde, daß eine politische Umgestaltung von höchster Wichtigkeit in
+einer Weise stattfand, daß man es kaum bemerkte, da erhoben einige
+Aufwiegler, welche die Hand der Regierung schwächen wollten, und auch
+einige ehrenwerthe Männer, die eine aufrichtige, obwohl unverständige
+Achtung vor jeder alten constitutionellen Tradition hegten und nicht
+begreifen konnten, daß eine Einrichtung, die auf der einen Stufe des
+gesellschaftlichen Fortschritts schädlich ist, auf einer andren Stufe
+unerläßlich sein kann, ein lautes Geschrei. Dieses Geschrei wurde jedoch
+mit den Jahren immer schwächer und schwächer. Die mit jedem Frühjahr
+wiederkehrende Debatte über die Meutereibill wurde bald nur noch als
+eine Gelegenheit betrachtet, bei welcher hoffnungsvolle junge Redner,
+die eben aus dem Christchurch-Collegium kamen, debutiren und erzählen
+konnten, wie die Garden des Pisistratus sich der Citadelle von Athen
+bemächtigten und wie die prätorianischen Cohorten das Römische Reich an
+Didius verkauften. Endlich wurden diese Declamationen zu lächerlich, um
+immer aufs neue wiederholt zu werden. Der altfränkischste,
+überspannteste Politiker konnte unter der Regierung Georg’s III.
+schwerlich noch behaupten, daß man keine regulären Truppen brauche, oder
+daß das gewöhnliche Recht, von den ordentlichen Gerichtshöfen
+gehandhabt, unter solchen Truppen die Disciplin mit Erfolg aufrecht
+erhalten könne. Da alle Parteien über das allgemeine Prinzip einig
+waren, so ging eine lange Reihe von Meutereibills ohne Discussion durch,
+ausgenommen wenn ein einzelner Artikel des Militärstrafgesetzbuches
+einer Abänderung bedurfte. Dem Umstande, daß die Armee so allmälig und
+fast unmerklich eine der Institutionen England’s geworden, ist es
+vielleicht zuzuschreiben, daß sie in so vollkommenem Einklange mit allen
+anderen Institutionen gehandelt hat, in hundertsechzig Jahren nicht ein
+einziges Mal dem Throne untreu oder dem Gesetze ungehorsam geworden ist,
+nicht ein einziges Mal sich gegen die Gerichtshöfe aufgelehnt oder die
+Wahlkörper durch Drohungen eingeschüchtert hat. Bis auf den heutigen Tag
+jedoch fahren die Stände des Reichs mit lobenswerthem Mißtrauen fort,
+der in den Tagen der Revolution gezogenen Grenze von Zeit zu Zeit einen
+Markstein beizufügen. Jedes Jahr wiederholen sie feierlich den in der
+Rechtserklärung ausgesprochenen Grundsatz und bewilligen dann dem
+Souveraine die außerordentliche Befugniß, eine gewisse Anzahl Soldaten
+auf die Dauer weiterer zwölf Monate nach bestimmten Regeln zu
+unterhalten.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_50" id = "noteXI_50" href = "#tagXI_50">50.</a>
+<span class = "antiqua">Stat. 1. W. &amp; M. sess. I. c. 5.</span>;
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals</span>; <span class =
+"antiqua">March 28. 1689.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Suspension der Habeas-Corpus-Acte.</span>
+<a name = "secXI_27" id = "secXI_27">In</a> der nämlichen Woche, in
+welcher die erste Meutereibill auf den Tisch der Gemeinen niedergelegt
+wurde, ging ein andres durch den noch unbefestigten Zustand des
+Königreichs nöthig gewordenes temporäres Gesetz durch. Seit Jakob’s
+Flucht waren viele Personen, welche muthmaßlich an seinen ungesetzlichen
+Handlungen starken Antheil gehabt oder in Complots zu seiner
+Restauration verwickelt gewesen, verhaftet und eingekerkert worden.
+Während der Vacanz des Thrones konnten diese Leute aus der
+Habeas-Corpus-Acte keinen Nutzen ziehen, denn die Maschinerie, durch
+welche allein diese Acte in Ausführung gebracht werden konnte, existirte
+nicht mehr, und während des ganzen Hilariustermins waren alle
+Gerichtshöfe in Westminster-Hall geschlossen geblieben. Jetzt, wo die
+ordentlichen Gerichte ihre Thätigkeit wieder beginnen sollten, fürchtete
+man, daß alle diejenigen Gefangenen,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_36" id = "pageXI_36">
+XI.36</a></span>
+deren Prozesse nicht sogleich erledigt werden konnten, ihre Freiheit
+verlangen und erhalten würden. Es wurde deshalb eine Bill eingebracht,
+welche den König ermächtigte, solche Leute, bei denen er schlimme
+Absichten gegen seine Regierung vermuthete, einige Wochen lang in Haft
+zu halten. Diese Bill ward in beiden Häusern mit wenig oder keiner
+Opposition angenommen.<a class = "tag" name = "tagXI_51" id = "tagXI_51"
+href = "#noteXI_51">51</a> Allein die Mißvergnügten außerhalb der
+Kammern unterließen nicht zu bemerken, daß die Habeas-Corpus-Acte unter
+der vorigen Regierung nicht einen Tag suspendirt worden sei. Es sei
+Mode, Jakob einen Tyrannen und Wilhelm einen Befreier zu nennen. Dennoch
+habe der Befreier, noch ehe er einen Monat auf dem Throne gesessen, die
+Engländer eines kostbaren Rechtes beraubt, das der Tyrann respectirt
+habe.<a class = "tag" name = "tagXI_52" id = "tagXI_52" href =
+"#noteXI_52">52</a> Es ist dies ein Vorwurf, der jede aus einer
+Volksrevolution hervorgegangene Regierung fast unvermeidlich trifft. Die
+Menschen halten sich natürlich für berechtigt, von einer solchen
+Regierung eine mildere und freisinnigere Verwaltung zu verlangen, als
+man sie von einer alten und tief eingewurzelten Macht erwartet.
+Gleichwohl kann eine solche Regierung, da sie stets viele thätige
+Feinde, aber nicht die aus der Rechtmäßigkeit und Verjährung
+hervorgehende Stärke hat, sich anfangs nur durch eine Wachsamkeit und
+Strenge halten, deren eine alte und tief eingewurzelte Macht nicht
+bedarf. Außerordentliche und unregelmäßige Vertheidigungen der
+öffentlichen Freiheit sind zuweilen nothwendig; aber, obgleich
+nothwendig, ziehen sie doch fast immer einige zeitweilige Verkürzungen
+eben dieser Freiheit nach sich, und jede solche Verkürzung ist ein
+fruchtbares und plausibles Thema für Spott und Schmähung.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_51" id = "noteXI_51" href = "#tagXI_51">51.</a>
+<span class = "antiqua">Stat. 1 W. &amp; M. sess. I. c. 2.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_52" id = "noteXI_52" href = "#tagXI_52">52.</a>
+Ronquillo vom 8.(18.) März 1689.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unpopularität Wilhelm’s.</span>
+<a name = "secXI_28" id = "secXI_28">Leider</a> war es nur zu
+wahrscheinlich, daß die gegen Wilhelm gerichteten Sarkasmen und
+Schmähungen ein geneigtes Ohr finden würden. Jede der beiden großen
+Parteien hatte ihre Gründe, unzufrieden mit ihm zu sein, und in einigen
+Beschwerden stimmten beide Parteien mit einander überein. Sein Benehmen
+gab fast allgemeinen Anstoß. In der That eignete er sich viel besser
+dazu, eine Nation zu retten, als einen Hof zu zieren. In den höchsten
+staatsmännischen Talenten kam ihm unter seinen Zeitgenossen Keiner
+gleich. Er hatte Pläne entworfen, die an Großartigkeit und Kühnheit
+denen eines Richelieu nicht nachstanden, und er hatte sie mit einem Takt
+und einer Besonnenheit durchgeführt, die eines Mazarin würdig waren.
+Zwei Länder, die Sitze der bürgerlichen Freiheit und des reformirten
+Glaubens, waren durch seine Weisheit und durch seinen Muth vor den
+schlimmsten Gefahren behütet worden. Holland hatte er von fremden,
+England von einheimischen Feinden befreit. Anscheinend unübersteigliche
+Hindernisse hatten sich zwischen ihm und seinen Plänen aufgethürmt, und
+sein Genie hatte diese Hindernisse in Schrittsteine verwandelt. Seine
+Geschicklichkeit hatte es dahin zu bringen gewußt, daß die Erbfeinde
+seines Hauses ihm halfen einen Thron besteigen und daß die Verfolger
+seines Glaubens ihm behülflich waren, seinen Glauben gegen Verfolgung zu
+schützen. Flotten und Heere, welche aufgeboten worden waren ihm
+Widerstand zu leisten, hatten sich ohne einen Kampf seinen Befehlen
+unterworfen. Politische und kirchliche Parteien, durch tödtlichen Haß
+getrennt, hatten ihn als ihr gemeinsames
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_37" id = "pageXI_37">
+XI.37</a></span>
+Oberhaupt anerkannt. Ohne Blutvergießen, ohne Verheerungen hatte er
+einen Sieg errungen, im Vergleich mit dem alle Siege Gustav’s und
+Turenne’s unbedeutend waren. Binnen wenigen Wochen hatte er die
+gegenseitige Stellung sämmtlicher Staaten Europa’s verändert und das
+Gleichgewicht wiederhergestellt, welches durch das Übergewicht einer
+Macht gestört worden war. Fremde Völker ließen seinen eminenten
+Eigenschaften volle Gerechtigkeit widerfahren. In jedem festländischen
+Staate, wo es protestantische Gemeinden gab, sandte man heiße Dankgebete
+zu Gott, der aus dem Stamme seiner Diener, Moritz’ des Befreiers von
+Deutschland, und Wilhelm’s des Befreiers von Holland, einen dritten
+Befreier, den weisesten und mächtigsten von allen, hatte hervorgehen
+lassen. In Wien, in Madrid, ja selbst in Rom ward der tapfere und
+scharfsinnige Ketzer als das Haupt des großen Bundes gegen das Haus
+Bourbon geehrt, und sogar in Versailles war der Haß, den man gegen ihn
+empfand, stark mit Bewunderung gemischt.</p>
+
+<p>Bei uns wurde er minder günstig beurtheilt. In der That, unsere
+Vorfahren betrachteten ihn in dem allerschlechtesten Lichte. Die
+Franzosen, die Deutschen und die Italiener sahen ihn aus einer solchen
+Entfernung, daß sie nur das Große erkannten und daß seine kleinen Fehler
+ihnen entgingen. Den Holländern stand er nahe, denn er war selbst ein
+Holländer. In seinem Verkehr mit ihnen wurde er von der
+vortheilhaftesten Seite betrachtet; bei ihnen fühlte er sich vollkommen
+heimisch, und unter ihnen hatte er sich seine ersten und theuersten
+Freunde gewählt. Den Engländern aber erschien er unter einem höchst
+ungünstigen Gesichtspunkte. Er stand ihnen zu gleicher Zeit zu nahe und
+zu fern. Er lebte mitten unter ihnen, so daß die geringsten Eigenheiten
+seines Charakters und seiner Sitten ihnen nicht entgehen konnten;
+dennoch aber lebte er abgesondert von ihnen und war in ihren Augen in
+Sprache, Neigungen und Gewohnheiten entschieden ein Fremdling.</p>
+
+<p>Es war seit langer Zeit eine der Hauptfunctionen unserer Regenten, an
+der Spitze der Londoner Gesellschaft zu stehen. Diese Function hatte
+Karl II. mit ungeheurem Glück ausgeübt. Seine Leutseligkeit, seine
+hübschen Anekdoten, die Art und Weise, wie er tanzte und Ball spielte,
+der Ton seines herzlichen Lachens, waren jedem Londoner bekannt. Einmal
+sah man ihn unter den Ulmen von St. James Park mit Dryden über Poesie
+plaudern;<a class = "tag" name = "tagXI_53" id = "tagXI_53" href =
+"#noteXI_53">53</a> ein andermal lag sein rechter Arm auf Durfey’s
+Schulter und der linke ruhte auf einem andren, während sein Begleiter
+<span class = "antiqua">„Phillida, Phillida“</span> oder <span class =
+"antiqua">„To horse, brave boys, to Newmarket, to horse“</span> sang.<a
+class = "tag" name = "tagXI_54" id = "tagXI_54" href =
+"#noteXI_54">54</a> Auch Jakob war, obwohl viel weniger lebhaft und
+leutselig, doch ebenfalls zugänglich und gegen Leute, die ihm nicht in
+den Weg traten, sogar artig. Diese Geselligkeit aber ging Wilhelm
+gänzlich ab. Er verließ nur selten sein Arbeitskabinet, und wenn er
+einmal in den Empfangszimmern erschien, so stand er ernst und sinnend
+unter dem Schwarme der Cavaliere und Hofdamen, ohne daß ein Scherz, oder
+nur ein Lächeln seinen Lippen entschlüpfte. Sein unfreundliches
+Aussehen, sein Stillschweigen und die kurzen, trocknen Antworten, die er
+gab, wenn er
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_38" id = "pageXI_38">
+XI.38</a></span>
+nicht länger schweigen konnte, entfremdeten ihm Adel und Gentry, welche
+gewohnt waren, von ihren königlichen Gebietern auf die Schulter
+geklopft, Jack oder Harry gerufen, wegen gewonnener Wetten
+beglückwünscht und mit bekannten Schauspielerinnen aufgezogen zu werden.
+Die Frauen vermißten die ihrem Geschlecht gebührenden Huldigungen. Sie
+bemerkten, daß der König selbst mit der Frau, der er so viel verdankte
+und die er aufrichtig liebte und achtete, in einem etwas gebieterischen
+Tone sprach.<a class = "tag" name = "tagXI_55" id = "tagXI_55" href =
+"#noteXI_55">55</a> Es amüsirte und verdroß sie zugleich, wie er, als
+die Prinzessin Anna einmal bei ihm speiste und die ersten grünen Erbsen
+auf die Tafel kamen, den ganzen Inhalt der Schüssel verzehrte, ohne
+Ihrer Königlichen Hoheit einen Löffelvoll davon anzubieten, und sie
+erklärten, dieser große Feldherr und Staatsmann sei nicht viel besser
+als ein niederländischer Bär.<a class = "tag" name = "tagXI_56" id =
+"tagXI_56" href = "#noteXI_56">56</a></p>
+
+<p>Ein Mangel, der ihm als ein Verbrechen angerechnet wurde, war sein
+schlechtes Englisch. Er sprach unsre Sprache, aber nicht gut. Sein
+Accent war ausländisch, seine Aussprache entbehrte der Eleganz und sein
+Vokabularium schien nicht umfänglicher zu sein, als es zur Erledigung
+von Geschäften nöthig war. Dem Umstande, daß es ihm schwer wurde sich
+auszudrücken und daß er sich seiner schlechten Aussprache bewußt war,
+müssen seine Schweigsamkeit und seine kurzen Antworten, die so großes
+Ärgerniß gaben, theilweis zugeschrieben werden. Unsre Literatur zu
+goutiren oder zu verstehen war er unfähig. Nicht ein einziges Mal
+während seiner ganzen Regierung erschien er im Theater.<a class = "tag"
+name = "tagXI_57" id = "tagXI_57" href = "#noteXI_57">57</a> Die
+Dichter, welche pindarische Verse zu seinem Lobe schrieben, beklagten
+sich, daß ihre sublimen Poesien über seinen Horizont gingen,<a class =
+"tag" name = "tagXI_58" id = "tagXI_58" href = "#noteXI_58">58</a> Wer
+indessen die panegyrischen Oden jener Zeit kennt, wird vielleicht der
+Meinung sein, daß er durch seine Unbekanntschaft damit nicht viel
+verlor.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_53" id = "noteXI_53" href = "#tagXI_53">53.</a>
+Man vergleiche was Spence darüber in seinen <span class =
+"antiqua">Anecdotes of the Origin of Dryden’s Medals</span> sagt.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_54" id = "noteXI_54" href = "#tagXI_54">54.</a>
+<span class = "antiqua">Guardian, No. 67</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_55" id = "noteXI_55" href = "#tagXI_55">55.</a>
+Man hat zahlreiche Beweise, daß Wilhelm zwar ein sehr liebevoller aber
+nicht immer galanter Gemahl war. Doch keinen Glauben verdient die
+Anekdote, welche in dem Briefe erzählt wird, den Dalrymple 1773
+thörichterweise als von Nottingham herrührend veröffentlichte, in der
+Ausgabe von 1790 aber wohlweislich wegließ. Wie Jemand, der die
+geringste Kenntniß von der Geschichte der damaligen Zeit hatte, sich so
+gröblich irren konnte, ist schwer zu begreifen, besonders da die
+Handschrift durchaus keine Ähnlichkeit mit der Nottingham’s hat, welche
+Dalrymple genau kannte. Der Brief ist offenbar ein gewöhnlicher
+Neuigkeitsbrief, von einem Scribenten verfaßt, der den König und die
+Königin nur bei einer öffentlichen Gelegenheit gesehen und dessen
+Anekdoten sich auf keine bessere Autorität gründen als auf
+Kaffeehausgeschwätz.</p>
+</div>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_56" id = "noteXI_56" href = "#tagXI_56">56.</a>
+Ronquillo; Burnet, II, 2.; <span class = "antiqua">The Duchess of
+Marlborough’s Vindication</span>. In einem Hirtendialog zwischen
+Philander und Palämon, der 1691 erschien, wird das Mißfallen erwähnt,
+mit welchem die vornehmen Damen Wilhelm betrachteten. Philander
+sagt:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Der Mann sollt’ haben doch etwas mehr Verstand</p>
+<p>Sonst fällt er noch ein zweites Mal durch schwache Frauenhand.</p>
+</div>
+
+<p><a name = "noteXI_57" id = "noteXI_57" href = "#tagXI_57">57.</a>
+Tutchin’s <span class = "antiqua">Observator</span> vom 16. November
+1706.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_58" id = "noteXI_58" href = "#tagXI_58">58.</a>
+Prior, dem Wilhelm viel Gutes erwies und der sich sehr dankbar dafür
+zeigte, sagt uns, daß der König poetische Lobreden nicht verstand. Die
+Stelle findet sich in einer höchst interessanten Handschrift, welche
+Lord Lansdowne besitzt.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Popularität Mariens.</span>
+<a name = "secXI_29" id = "secXI_29">Seine</a> Gemahlin that allerdings
+ihr Möglichstes, um das Fehlende zu ergänzen, und sie war in der That
+vortrefflich geeignet, an der Spitze eines Hofes zu stehen. Sie war
+nicht nur von Geburt, sondern auch in ihren Neigungen und Gesinnungen
+eine Engländerin. Sie besaß ein hübsches Gesicht, eine majestätische
+Haltung, ein sanftes, heiteres Gemüth und leutselige, gewinnende
+Manieren. Ihr Geist war, obwohl sehr unvollkommen ausgebildet, ungemein
+lebhaft;
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_39" id = "pageXI_39">
+XI.39</a></span>
+ihrer Unterhaltung fehlte es nicht an weiblichem Witz und Muthwillen und
+ihre Briefe waren so gut abgefaßt, daß sie wohl verdient hätten,
+orthographisch richtig geschrieben zu sein. Sie fand viel Geschmack an
+den leichteren Zweigen der Literatur und trug nicht wenig dazu bei,
+unter den vornehmen Damen Bücher in Aufnahme zu bringen. Die makellose
+Reinheit ihres Privatlebens und die strenge Gewissenhaftigkeit, mit der
+sie ihre religiösen Pflichten erfüllte, waren um so achtungswerther, als
+sie durchaus frei war von Tadelsucht und den bösen Leumund eben so wenig
+unterstützte wie das Laster. In dem Mißfallen an üblen Nachreden stimmte
+sie zwar mit ihrem Gemahl vollkommen überein; aber Beide äußerten ihr
+Mißfallen auf verschiedene und sehr charakteristische Weise. Wilhelm
+beobachtete das tiefste Stillschweigen, warf aber dem Verleumder einen
+Blick zu, daß ihm, wie Jemand sagte, der einem solchen Blick einmal
+begegnet war, sich aber wohl hütete, ihm zum zweiten Male zu begegnen,
+die Geschichte im Halse stecken blieb.<a class = "tag" name = "tagXI_59"
+id = "tagXI_59" href = "#noteXI_59">59</a> Marie suchte dem Geschwätz
+über Entführungen, Zweikämpfe und Spielschulden dadurch ein Ende zu
+machen, daß sie die Schwätzer sehr ruhig aber doch nachdrücklich fragte,
+ob sie ihre Lieblingspredigt, die des Doctors Tillotson über den bösen
+Leumund, gelesen hätten. Ihre Wohlthaten spendete sie mit freigebiger
+Hand und richtigem Takt, und obgleich sie nie damit prahlte, wußte man
+doch, daß sie ihre eigenen Bedürfnisse einschränkte, um Protestanten zu
+unterstützen, welche die Verfolgung aus Frankreich und Irland vertrieben
+hatte und die in den Mansarden London’s darbten. Ihr Benehmen war so
+liebenswürdig, daß die Ehrenwertheren unter Denen, welche die Art und
+Weise ihrer Erhebung auf den Thron mißbilligten, und selbst unter Denen,
+die sie als Königin gar nicht anerkennen wollten, allgemein mit Achtung
+und Liebe von ihr sprachen. In den jakobitischen Libellen der damaligen
+Zeit, die an Gift und Galle Alles was die neuere Zeit derartiges
+hervorgebracht, weit hinter sich zurücklassen, wird ihrer nicht oft mit
+Strenge gedacht. Sie äußerte sogar selbst zuweilen ihre Verwunderung
+darüber, daß Pasquillanten, die sonst nichts achteten, doch ihren Namen
+respectirten. Gott, sagte sie, kenne ihre schwachen Seiten. Sie sei zu
+empfindlich gegen Schmähungen und Verleumdungen, er habe ihr gnädig eine
+Prüfung erspart, die über ihre Kräfte gehe, und der beste Dank, den sie
+ihm dafür bezeigen könne, bestehe darin, daß sie keine boshaften
+Ausfälle über den Charakter Anderer dulde. Überzeugt, daß sie das volle
+Vertrauen und die ganze
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_40" id = "pageXI_40">
+XI.40</a></span>
+Zuneigung ihres Gemahls besaß, brach sie seinen scharfen Reden bald
+durch sanfte, bald durch scherzhafte Antworten die Spitze ab und
+verwendete die ganze Macht ihrer vielen liebenswürdigen Eigenschaften
+dazu, ihm die Herzen des Volks zu gewinnen.<a class = "tag" name =
+"tagXI_60" id = "tagXI_60" href = "#noteXI_60">60</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_59" id = "noteXI_59" href = "#tagXI_59">59.</a>
+<span class = "antiqua">Mémoires originaux sur le règne et la cour de
+Frédéric&nbsp;I., Roi de Prusse, écrits par Christophe, Comte de Dohna.
+Berlin 1833.</span> Es ist auffällig, daß dieses interessante Werk in
+England fast unbekannt ist. Das einzige Exemplar, das mir zu Gesicht
+gekommen, erhielt ich durch die Gefälligkeit des Sir Robert Adair. <span
+class = "antiqua">„Le Roi,“</span> sagt Dohna, <span class =
+"antiqua">„avoit une autre qualité très estimable, qui est celle de
+n’aimer point qu’on rendit de mauvais offices à personne par des
+railleries.“</span> Der Marquis de la Forêt versuchte es einst, Se.
+Majestät auf Kosten eines englischen Cavaliers zu unterhalten. <span
+class = "antiqua">„Ce prince,“</span> schreibt Dohna, <span class =
+"antiqua">„prit son air sévère, et, le regardant sans mot dire lui fit
+rentrer les paroles dans le ventre. Le Marquis m’en fit ses plaintes
+quelques heures après. J’ai mal pris ma bisque’, dit-il; j’ai cru faire
+l’agréable sur le chapitre de Milord&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;.&nbsp;., mais
+j’ai trouvé à qui parler, et j’ai attrapé un regard du roi qui m’a fait
+passer l’envie de rire.“</span> Dohna glaubte Wilhelm werde es mit dem
+Rufe eines Franzosen weniger genau nehmen, und versuchte ebenfalls das
+Experiment. Aber, sagt er, <span class = "antiqua">„j’eus à peu près le
+même sort que M. de la Forêt.“</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_60" id = "noteXI_60" href = "#tagXI_60">60.</a>
+Vergleiche den Bericht des Whigs Burnet über Marien mit dem was der Tory
+Evelyn in seinem Tagebuche unterm 8. März 1694/95, und mit dem, was der
+Eidverweigerer über sie sagt, der 1695 den Brief an Erzbischof Tennison
+in Bezug auf ihren Tod schrieb. Der Eindruck, den Wilhelm’s Schroffheit
+und Zurückhaltung und Mariens Anmuth und Liebenswürdigkeit auf das Volk
+machten, spricht sich in den Überresten der Straßenpoesie jener Zeit
+aus. Folgendes eheliche Gespräch kann man noch auf dem Originalblatte
+lesen:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Dann sprach Marie, unsre gnäd’ge Königin:</p>
+<p>Mein hoher König und Gemahl, wo wollt Ihr hin?</p>
+<p>Drauf sagt er rasch: Den nenn’ ich keinen Mann,</p>
+<p>Der sein Geheimniß einem Weib vertrauet an.</p>
+<p>Die Kön’gin hierauf spricht bescheiden:</p>
+<p>Der güt’ge Himmel woll’ Euch denn geleiten,</p>
+<p>Euch schützen vor Gefahr, mein fürstlicher Gemahl,</p>
+<p>Das wird mein bester Trost sein allzumal.</p>
+</div>
+
+<p>Diese Strophen befinden sich in einer werthvollen Sammlung, welche
+Mr. Richard Holer anlegte und die jetzt Eigenthum des Mr. Broderip ist,
+der so gefällig war, sie mir zu leihen. In einem der zügellosesten
+jakobitischen Pasquille vom Jahre 1689 wird Wilhelm, seiner Gemahlin
+gegenüber, als ein „Bauerlümmel“ bezeichnet, über den sie sich nur
+lustig mache.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Das Hoflager wird von Whitehall nach Hampton Court verlegt.</span>
+<a name = "secXI_30" id = "secXI_30">Hätte</a> sie noch lange die beste
+Gesellschaft London’s um sich versammelt, so würde ihre Freundlichkeit
+und Leutseligkeit wahrscheinlich noch viel dazu beigetragen haben, den
+ungünstigen Eindruck, den sein finstres und abstoßendes Wesen machte, zu
+verwischen. Leider war es ihm jedoch seiner Gesundheit wegen unmöglich,
+in Whitehall zu residiren. Die Luft von Westminster, vermischt mit den
+feuchten Ausdünstungen des Flusses, der bei Springfluthen die Höfe des
+Palastes überschwemmte, mit dem Steinkohlenrauche von
+zweimalhunderttausend Schornsteinen und mit den mephitischen Dünsten des
+Kothes, den man damals ungehindert in den Straßen sich anhäufen ließ,
+war ihm unerträglich, denn er hatte eine schwache Brust und
+außerordentlich feine Geruchsnerven. Sein unheilbares Asthma machte
+reißende Fortschritte, und seine Ärzte erklärten es für unmöglich, daß
+er das Ende des Jahres erleben könne. Sein Gesicht war so leichenhaft,
+daß er kaum noch zu erkennen war. Diejenigen, welche mit ihm zu
+verkehren hatten, hörten ihn mit Entsetzen nach Athem ringen und husten,
+daß ihm die Thränen über die Wangen liefen.<a class = "tag" name =
+"tagXI_61" id = "tagXI_61" href = "#noteXI_61">61</a> Und sein Geist, so
+stark er übrigens war, litt mit dem Körper. Wohl war sein Urtheil noch
+so klar und scharf als je; aber seit einigen Monaten war eine merkliche
+Erschlaffung der Energie eingetreten, durch die er sich früher
+ausgezeichnet hatte; selbst seine holländischen Freunde flüsterten
+einander zu, daß er nicht mehr der Nämliche sei, der er im
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_41" id = "pageXI_41">
+XI.41</a></span>
+Haag gewesen.<a class = "tag" name = "tagXI_62" id = "tagXI_62" href =
+"#noteXI_62">62</a> Es war schlechterdings nothwendig, daß er London
+verließ, und er verlegte daher seine Residenz in die reinere Luft von
+Hampton Court. Dieses von dem prachtliebenden Wolsey begonnene Schloß
+war ein schönes Muster der Architectur, welche unter den ersten Tutors
+in England blühte; die Gemächer desselben aber waren nach den Begriffen
+des 17. Jahrhunderts nicht ganz geeignet für eine königliche Wohnung.
+Unsere Souveraine hatten daher seit der Restauration diese Residenz nur
+selten und nur dann benutzt, wenn sie einige Zeit recht eingezogen leben
+wollten. Da aber Wilhelm gesonnen war, das verlassene Gebäude zu seinem
+Hauptwohnsitze zu erwählen, mußte er Bauten und Anpflanzungen vornehmen,
+was ihm im Grunde gar nicht unlieb war. Denn, wie die Mehrzahl seiner
+Landsleute, fand er Vergnügen daran, ein Landhaus auszuschmücken, und
+nächst der Jagd waren Baukunst und Gärtnerei seine
+Lieblingszerstreuungen. Er hatte bereits in einer sandigen Haide von
+Geldern ein Paradies geschaffen, das viele Neugierige aus Holland und
+Westphalen herbeizog. Marie hatte den Grundstein zu dem Schlosse gelegt,
+und Bentinck hatte die Anlage der Fischteiche geleitet. Es gab dort
+Wasserfälle und Grotten, eine große Orangerie und ein Vogelhaus, das
+Hondekoeter zahlreiche Exemplare buntgefiederter Vögel lieferte.<a class
+= "tag" name = "tagXI_63" id = "tagXI_63" href = "#noteXI_63">63</a> Der
+König sehnte sich in seiner glänzenden Verbannung nach dieser
+Lieblingsresidenz und fand einigen Trost darin, daß er sich an den Ufern
+der Themse ein zweites Loo schaffen konnte. Bald war eine große
+Bodenfläche mit regelmäßigen Alleen und Gartenanlagen bedeckt. Viel
+müßiger Scharfsinn wurde aufgeboten, um das verwickelte grüne Labyrinth
+anzulegen, das fünf Generationen von Londoner Sonntagsbesuchern mit
+Staunen und Freude erfüllt hat. Dreißigjährige Linden wurden aus den
+benachbarten Wäldern dahin verpflanzt, um die Alleen zu beschatten.
+Künstliche Springbrunnen warfen ihren Wasserstrahl zwischen den
+Blumenbeeten empor. Ein neues Residenzschloß, zwar nicht vom reinsten
+Styl, aber stattlich, geräumig und bequem, erstand unter Wren’s Leitung.
+Das Wandgetäfel war mit dem reichen und zarten Schnitzwerk eines Gibbons
+verziert. Die Treppenhäuser entzückten das Auge durch Verrio’s herrliche
+Fresken. In jedem Winkel des Gebäudes zeigte sich ein Überfluß von
+reizenden Tändeleien, welche englischen Augen noch ungewohnt waren.
+Marie hatte aus dem Haag eine Liebhaberei für chinesisches Porzellan
+mitgebracht, und sie legte jetzt in Hampton Court eine große Sammlung
+häßlicher Figuren und Gefäße an, auf denen Häuser, Bäume, Brücken und
+Mandarine in haarsträubendstem Widerspruch mit allen Regeln der
+Perspective abgemalt waren. Diese Mode, welche so von der
+liebenswürdigen Königin eingeführt wurde, verbreitete sich rasch und
+weit. Nach wenigen Jahren enthielt fast jedes vornehme Haus im
+Königreiche ein Museum solcher grotesker Spielereien. Selbst
+Staatsmänner und Generäle schämten sich nicht des Rufes, den Werth von
+Theekannen und Drachen richtig schätzen zu können, und die Satyriker
+wiederholten lange Zeit hindurch, daß eine schöne Dame ihr buntbemaltes
+Porzellangeschirr eben so hoch halte als
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_42" id = "pageXI_42">
+XI.42</a></span>
+ihren Affen und viel höher als ihren Gatten.<a class = "tag" name =
+"tagXI_64" id = "tagXI_64" href = "#noteXI_64">64</a> Doch der neue
+Palast wurde auch mit Kunstwerken andrer Art ausgeschmückt. Es ward eine
+Gallerie für die Cartons von Raphael gegründet. Diese herrlichen Bilder,
+damals und noch heute die schönsten diesseits der Alpen, waren durch
+Cromwell vor dem Schicksale bewahrt worden, das die meisten anderen
+Meisterwerke der Sammlung Karl’s I. getroffen; aber man hatte sie viele
+Jahre in ihren hölzernen Kisten ruhen lassen. Jetzt wurden sie aus dem
+Dunkel hervorgezogen, um von den Künstlern mit Bewunderung und
+Verzweiflung betrachtet zu werden. Die Kosten der Bauten und
+Einrichtungen von Hampton Court waren ein Gegenstand bitterer Beschwerde
+für viele Tories, welche die grenzenlose Verschwendung, mit der Karl II.
+die Wohnung der Herzogin von Portsmouth gebaut und umgebaut, möblirt und
+anders möblirt, nur sehr mild getadelt hatten.<a class = "tag" name =
+"tagXI_65" id = "tagXI_65" href = "#noteXI_65">65</a> Die Kosten waren
+jedoch nicht der Hauptgrund der Unzufriedenheit, welche Wilhelm’s
+Residenzwechsel erregte. Es gab keinen Hof mehr in Westminster;
+Whitehall, einst der tägliche Sammelplatz der Vornehmen und Mächtigen,
+der Schönen und Heiteren, der Ort, wohin Dandies kamen, um ihre neuen
+Perrücken zu zeigen, Ritter der Galanterie, um mit schönen Damen zu
+liebäugeln, Politiker, um ihr Glück zu verfolgen, Müßiggänger, um
+Neuigkeiten zu hören, Landedelleute, um die königliche Familie zu sehen,
+war jetzt, zur lebhaftesten Zeit des Jahres, während London mit Fremden
+und Einheimischen gefüllt und das Parlament versammelt war, gänzlich
+verödet. Eine einsame Schildwache schritt auf dem von Gras überwucherten
+Pflaster vor dem Eingange auf und ab, der einst zu eng gewesen war für
+die sich begegnenden Ströme der kommenden und gehenden Höflinge. Die
+Dienste, welche die Hauptstadt dem Könige geleistet, waren groß und noch
+neu, und man meinte, er habe diese Dienste wohl besser vergelten können,
+als damit, daß er London behandelte, wie Ludwig Paris behandelt habe.
+Halifax hatte den Muth, dies anzudeuten; aber wenige Worte, die keine
+Erwiederung zuließen, brachten ihn zum Schweigen. „Wollen Sie, daß ich
+sterbe?“ sagte Wilhelm in gereiztem Tone.<a class = "tag" name =
+"tagXI_66" id = "tagXI_66" href = "#noteXI_66">66</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_61" id = "noteXI_61" href = "#tagXI_61">61.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 2.</span>; <span class =
+"antiqua">Burnet M.S. Harl. 6584.</span> Ronquillo spricht sich noch
+viel umständlicher aus: <span class = "antiqua">„Nada se ha visto
+desfigurado</span>; <span class = "antiqua">y, quantas veces he estado
+con el, le he visto toser tanto que se le saltaban las lagrimas,
+y&nbsp;se ponia moxado y arrancando; y&nbsp;confiesan los medicos que es
+una asma incurable.“</span> 8.(18.) März 1689. Avaux schrieb in
+demselben Sinne aus Irland: <span class = "antiqua">„La santé de
+l’usurpateur est fort mauvaise. L’on ne croit pas qu’il vive un
+an.“</span> 8.(18.) April.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_62" id = "noteXI_62" href = "#tagXI_62">62.</a>
+<span class = "antiqua">„Hasta decir los mismos Hollandeses que lo
+desconozean“</span>, sagt Ronquillo. <span class = "antiqua">„Il est
+absolument mal propre pour le rôle qu’il a à jouer à l’heure qu’il
+est,“</span> sagt Avaux. <span class = "antiqua">„Slothful and
+sickly,“</span> sagt Evelyn, 29. März 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_63" id = "noteXI_63" href = "#tagXI_63">63.</a>
+Siehe Harris’ Beschreibung von Loo, 1699.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_64" id = "noteXI_64" href = "#tagXI_64">64.</a>
+Wer die Werke Pope’s und Addison’s kennt, wird sich ihrer Sarkasmen über
+diese Mode erinnern. Lady Marie Wortley Montague schlug sich auf die
+andre Seite. „Alte Chinoiserien,“ sagt sie, „machen Niemandes Geschmack
+Unehre, da der Herzog von Argyle Gefallen daran fand, dessen Einsicht
+niemals, weder von seinen Freunden noch von seinen Feinden, in Zweifel
+gezogen worden ist.“</p>
+
+<p><a name = "noteXI_65" id = "noteXI_65" href = "#tagXI_65">65.</a>
+Über die Bauten in Hampton Court siehe <span class = "antiqua">Evelyn’s
+Diary, Juli 16. 1689</span>; <span class = "antiqua">The Tour through
+Great Britain, 1724</span>; <span class = "antiqua">the British
+Apelles</span>; <span class = "antiqua">Horace Walpole on Modern
+Gardening</span>; <span class = "antiqua">Burnet II. 2, 3.</span></p>
+
+<p class = "continue">
+Als Evelyn 1662 in Hampton Court war, waren die Cartons noch nicht zu
+sehen. Die Triumphe von Andrea Montegna galten damals für die schönsten
+Gemälde des Palastes.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_66" id = "noteXI_66" href = "#tagXI_66">66.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet, II. 2</span>; <span class =
+"antiqua">Reresby’s Memoirs.</span> Ronquillo schreibt wiederholt in
+diesem Sinne. Zum Beispiel: <span class = "antiqua">„Bien quisiera que
+el Rey fuese mas comunicable, y&nbsp;se acomodase un poco mas al humor
+sociable de los Ingleses, y&nbsp;que estubiera en Londres: pero es
+cierto que sus achaques no se lo permiten.“</span> 8.(18.) Juli 1689.
+Avaux schreibt um dieselbe Zeit aus Irland an Croissy: <span class =
+"antiqua">„Le Prince d’Orange est toujours à Hampton Court, et jamais à
+la ville: et le peuple est fort mal satisfait de cette manière bizarre
+et retirée.“</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der Hof in Kensington.</span>
+<a name = "secXI_31" id = "secXI_31">Es</a> zeigte sich bald, daß
+Hampton Court zu weit vom Hause der Lords und der Gemeinen wie von den
+öffentlichen Ämtern entfernt war, um der gewöhnliche Wohnsitz des
+Souverains
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_43" id = "pageXI_43">
+XI.43</a></span>
+werden zu können. Anstatt jedoch nach Whitehall zurückzukehren, beschloß
+Wilhelm, eine andre Residenz zu beziehen, welche zur Leitung der
+Regierungsgeschäfte nahe genug bei der Hauptstadt lag, doch aber nicht
+so nahe, um im Bereiche der Atmosphäre zu sein, in der er keine Nacht
+zubringen konnte ohne Gefahr, zu ersticken. Einmal dachte er an Holland
+House, die Villa der vornehmen Familie Rich, und er residirte wirklich
+einige Wochen daselbst.<a class = "tag" name = "tagXI_67" id =
+"tagXI_67" href = "#noteXI_67">67</a> Endlich aber entschied er sich für
+Kensington House, den Landsitz des Earl von Nottingham. Es wurde für
+achtzehntausend Guineen angekauft, und dem Ankaufe folgten neue Bauten,
+neue Anpflanzungen, neue Geldausgaben und neue Unzufriedenheit.<a class
+= "tag" name = "tagXI_68" id = "tagXI_68" href = "#noteXI_68">68</a>
+Gegenwärtig wird Kensington House als zu London gehörend betrachtet;
+damals aber war es ein Landsitz und konnte zu jenen Zeiten der
+Straßenräuber und nächtlichen Ruhestörer, der kothigen Straßen und
+schlechten Beleuchtung, nicht füglich der Sammelplatz der vornehmen
+Gesellschaft sein.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_67" id = "noteXI_67" href = "#tagXI_67">67.</a>
+Mehrere von seinen Briefen an Heinsius sind von Holland House
+datirt.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_68" id = "noteXI_68" href = "#tagXI_68">68.</a>
+<span class = "antiqua">Narcissus Luttrell’s Diary</span>; <span class =
+"antiqua">Evelyn’s Diary, Feb.&nbsp;25. 1689/90.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm’s ausländische Günstlinge.</span>
+<a name = "secXI_32" id = "secXI_32">Es</a> war wohl bekannt, daß der
+König, der die englische Noblesse und Gentry so unfreundlich behandelte,
+in einem kleinen Kreise seiner Landsleute herablassend, vertraulich und
+selbst heiter sein, seine Gedanken in fröhlicher Unterhaltung
+aussprechen und sein Glas oft, vielleicht zu oft, füllen konnte, und
+dies erschwerte in den Augen unserer Vorfahren seine Schuld. Unsere
+Vorfahren hätten jedoch so viel gesunden Sinn und Gerechtigkeitsliebe
+haben sollen, um zuzugestehen, daß der Patriotismus, den sie an sich
+selbst als eine Tugend betrachteten, bei ihm kein Fehler sein konnte. Es
+war ungerecht ihn deshalb zu tadeln, daß er die Liebe, die er zu seinem
+Geburtslande hegte, nicht mit einem Male auf unsre Insel übertrug. Wenn
+er in den Hauptsachen seine Pflicht gegen England erfüllte, konnte man
+es ihm wohl nachsehen, daß er für Holland eine zärtliche Vorliebe
+bewahrte. Eben so wenig verdient es einen Vorwurf, daß er in den Tagen
+seiner Größe Gefährten nicht entfernte, die in seiner Kindheit mit ihm
+gespielt, ihm durch alle Wechselfälle des Jünglings- und des
+Mannesalters treu zur Seite gestanden, welche den ekelhaftesten und
+gefährlichen Ansteckungen trotzend, an seinem Krankenlager gewacht, im
+heißesten Schlachtgewühl sich zwischen ihn und die französischen
+Schwerter geworfen, und deren Anhänglichkeit nicht dem Statthalter oder
+dem Könige, sondern einfach Wilhelm von Nassau galt. Auch darf man
+hinzusetzen, daß seine alten Freunde, wenn er sie mit seinen neuen
+Höflingen verglich, in seiner Achtung steigen mußten. Alle seine
+holländischen Kameraden verdienten, ohne Ausnahme, sein Vertrauen bis
+ans Ende seines Lebens. Wohl konnten sie mit ihm schmollen, und, wenn
+sie schmollten, hart und mürrisch sein; niemals aber, mochten sie auch
+noch so erzürnt und unwillig sein, hörten sie auf seine Geheimnisse zu
+bewahren, und mit der Treue wahrer Edelleute und Soldaten über seine
+Interessen zu wachen. Unter seinen englischen Rathgebern war solche
+Treue selten.<a class = "tag" name = "tagXI_69" id = "tagXI_69" href =
+"#noteXI_69">69</a> Es ist traurig, aber nicht mehr als
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_44" id = "pageXI_44">
+XI.44</a></span>
+gerecht anzuerkennen, daß er nur zu guten Grund hatte, von unsrem
+Nationalcharacter eine schlechte Meinung zu hegen. Dieser Character war
+zwar im Wesentlichen so wie er immer gewesen ist. Wahrheitsliebe,
+Biederkeit und männliche Unerschrockenheit waren damals wie noch jetzt
+den Engländern vorzugsweise eigen. Aber so allgemein verbreitet diese
+Eigenschaften unter der Masse des Volks sein mochten, in der Klasse,
+welche Wilhelm am besten kannte, waren sie nur selten zu finden. Der
+Maßstab der Ehre und Tugend war während seiner Regierung unter unseren
+Staatsmännern sehr tief gesunken. Seine Vorfahren hatten ihm einen mit
+allen Lastern der Restauration befleckten Hof hinterlassen, einen Hof,
+der von Schmarotzern wimmelte, welche bereit waren, beim ersten Umschlag
+des Glücks ihn zu verlassen, wie sie seinen Oheim verlassen hatten. Wohl
+fand sich hier und da unter dem schamlosen Haufen ein Mann von wahrer
+Rechtschaffenheit und echtem Gemeinsinn. Aber selbst ein solcher Mann
+konnte nicht lange in solcher Umgebung leben, ohne daß seine strengen
+Grundsätze und sein Gefühl für Recht und Unrecht in die größte Gefahr
+geriethen. Es war ungerecht, einen von Schmeichlern und Verräthern
+umgebenen Fürsten deshalb zu tadeln, daß er einige Diener in seiner Nähe
+behalten wollte, die er hinreichend erprobt hatte, um überzeugt zu sein,
+daß sie ihm bis zum Tode treu bleiben würden.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_69" id = "noteXI_69" href = "#tagXI_69">69.</a>
+De Foe entschuldigt Wilhelm im zweiten Theile seines <span class =
+"antiqua">True Born Englishman</span> folgendermaßen:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Wir tadeln Wilhelm, daß er hat zu viel Gefallen</p>
+<p>An Deutschland’s, Frankreich’s, Holland’s Söhnen allen</p>
+<p>Und selten mittheilt Großes von dem Staat</p>
+<p>Den Männern, welche sitzen in seinem brit’schen Rath.</p>
+<p>Der Grund davon ist nicht schwer beizubringen:</p>
+<p>Weil wir nur gar zu oft ihn hintergingen.</p>
+<p>Und in der That, das Narrenhaus ihm würd’ gebühren,</p>
+<p>Wenn er getraut hätt’ England’s Cavalieren.</p>
+<p>Die Fremden stets gehorsam mit ihm zogen,</p>
+<p>Und nur von Engländern er immer ward betrogen.</p>
+</div>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Allgemeine schlechte Verwaltung.</span>
+<a name = "secXI_33" id = "secXI_33">Und</a> dies war nicht der einzige
+Punkt, in welchem unsere Vorfahren sich ungerecht gegen ihn zeigten. Sie
+hatten erwartet, daß ein so ausgezeichneter Feldherr und Staatsmann,
+sobald er an der Spitze der Regierung stände, einen glänzenden Beweis
+&mdash; was für einen wußten sie selbst nicht recht &mdash; von Genie
+und Thatkraft geben werde. Unglücklicherweise ging während der ersten
+Monate seiner Regierung fast Alles schlecht. Seine bitter getäuschten
+Unterthanen maßen ihm die Schuld bei und begannen zu zweifeln, ob er den
+Ruf verdiene, den er sich beim ersten Eintritt ins öffentliche Leben
+geschaffen und den der glänzende Erfolg seiner letzten großen
+Unternehmung auf den höchsten Punkt gesteigert hatte. Wären sie in einer
+Stimmung gewesen, um unbefangen urtheilen zu können, so würden sie
+eingesehen haben, daß er für die schlechte Verwaltung, über die sie sich
+mit gutem Grunde beschwerten, nicht verantwortlich war. Er konnte für
+jetzt nur mit der Maschinerie arbeiten, die er vorgefunden hatte, und
+diese Maschinerie war eitel Rost und Verfall. Von der Zeit der
+Restauration bis zur Zeit der Revolution war die erfolgreiche Thätigkeit
+jedes Zweiges der Verwaltung fast beständig durch Nachlässigkeit und
+Betrug gehemmt worden. Ehrenstellen und öffentliche Ämter, Peers- und
+Baronetstitel, Regimenter, Fregatten, Gesandtschaftsposten,
+Gouverneursstellen, Commissariate, Pachtungen von Krongütern,
+Lieferungscontracte auf Bekleidungsstücke, Lebensmittel und Munition,
+Begnadigungen für
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_45" id = "pageXI_45">
+XI.45</a></span>
+begangene Mordthaten, Diebstähle und Brandstiftungen wurden in Whitehall
+fast eben so offen verkauft wie Spargel in Coventgarden oder Heringe in
+Billingsgate. Kupplerisches Volk hatte beständig in den Umgebungen des
+Hofes nach Kundschaft umhergespäht, und unter ihnen hatten zu Karl’s
+Zeiten die Courtisanen, zu Jakob’s Zeiten die Priester das meiste Glück
+gehabt. Von dem Palaste aus, welcher der Hauptsitz dieser Pestilenz
+gewesen war, hatte sich die Ansteckung über alle Ämter und über alle
+Klassen der Beamten verbreitet und überall Schwäche und Desorganisation
+hervorgerufen. Die Verderbtheit machte so reißende Fortschritte, daß
+acht Jahre nach der Zeit, da Oliver Cromwell der Schiedsrichter Europa’s
+gewesen, der Donner der Kanonen de Ruyters im Tower von London gehört
+wurde. Die Krebsschäden, die jene große Demüthigung über das Land
+gebracht, hatten seitdem immer tiefer und immer weiter um sich
+gegriffen. Man muß Jakob die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß er
+einige von den gröbsten Mißbräuchen, welche die Marineverwaltung
+schändeten, abgeschafft hatte. Doch trotz seiner Reformbestrebungen
+entlockte die Marineverwaltung Männern, welche das Seewesen Frankreich’s
+und Holland’s kannten, nur ein mitleidiges Achselzucken. Noch schlechter
+war die Militärverwaltung. Die Höflinge ließen sich von den Obersten
+bestechen, die Obersten betrogen die Soldaten, die Kriegscommissare
+schickten lange Rechnungen über Dinge ein, welche nie geliefert worden
+waren, die Arsenalinspectoren verkauften die öffentlichen Vorräthe und
+steckten den Erlös in ihre Tasche. Obgleich aber diese Krebsschäden
+unter der Regierung Karl’s und Jakob’s entstanden und zur Reife gediehen
+waren, machten sie sich doch erst unter Wilhelm’s Regierung ernstlich
+fühlbar. Denn Karl und Jakob hatten sich damit begnügt, die Vasallen und
+Pensionäre eines mächtigen und ehrgeizigen Nachbars zu sein; sie
+unterwarfen sich seinem Übergewicht, sie vermieden mit kleinmüthiger
+Ängstlichkeit Alles, was ihn hätte beleidigen können, und so beugten sie
+auf Kosten der Unabhängigkeit und Würde der alten, ruhmvollen Krone,
+welche zu tragen sie nicht werth waren, einem Kampfe vor, der sofort
+gezeigt haben würde, wie ohnmächtig unter ihrer verkehrten Regierung das
+einst mächtige Reich geworden war. Es lag weder in Wilhelm’s Macht noch
+in seinem Character, in die Fußtapfen ihrer schimpflichen Politik zu
+treten. Nur durch Waffengewalt konnte die Freiheit und die Religion
+England’s gegen den furchtbarsten Feind geschützt werden, der unsre
+Insel bedroht hatte, seitdem die Hebriden mit den Trümmern der Armada
+bedeckt worden. Der Staatskörper, der im Zustande der Ruhe einen
+oberflächlichen Anschein von Gesundheit und Kraft gezeigt hatte, war
+jetzt in die Nothwendigkeit versetzt, jeden Nerv zu einem Kampfe auf
+Leben und Tod anzuspannen, und es zeigte sich sofort, daß er der
+Anstrengung nicht gewachsen war. Gleich nach den ersten Versuchen
+stellte sich eine völlige Muskelerschlaffung, ein gänzlicher Mangel an
+Übung und Erfahrung heraus. Diese Versuche schlugen, mit kaum einer
+Ausnahme, fehl, und jeden Fehlschlag legte das Volk nicht <span class =
+"extended">den</span> Regenten, deren schlechte Verwaltung die Gebrechen
+des Staats hervorgerufen, sondern <span class = "extended">dem</span>
+Regenten zur Last, unter welchem die Gebrechen des Staats sichtbar
+wurden.</p>
+
+<p>Wäre Wilhelm ein so unumschränkter Herrscher gewesen als Ludwig, so
+hätte er allerdings diejenigen energischen Heilmittel anwenden können,
+welche der englischen Staatsverwaltung sehr bald die Elasticität
+wiedergegeben haben würde, die ihr seit Oliver’s Tode fehlte. Aber die
+augenblickliche
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_46" id = "pageXI_46">
+XI.46</a></span>
+Beseitigung tief eingewurzelter Mißbräuche war eine Aufgabe, welche weit
+über die Kraft eines schon durch das Gesetz, und noch mehr durch die
+Schwierigkeiten seiner Stellung sehr eingeengten Fürsten ging.<a class =
+"tag" name = "tagXI_70" id = "tagXI_70" href = "#noteXI_70">70</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_70" id = "noteXI_70" href = "#tagXI_70">70.</a>
+Ronquillo war so einsichtsvoll und gerecht, Einräumungen zu machen,
+welche die Engländer nicht machten. Nachdem er in einem Schreiben vom
+1.(11.) März 1689 den traurigen Zustand des Heer- und Seewesens
+geschildert, sagt er: <span class = "antiqua">„De esto no tiene culpa el
+Principe de Oranges; per que pensar que se han de poder volver en dos
+meses tres Reynes de abaxo arriba es una extravagancia.“</span> Der
+Lordpräsident Stair sagt in einem ungefähr vier Wochen später aus London
+datirten Briefe, daß die Verzögerungen in der englischen Verwaltung den
+Ruhm des Königs geschmälert hätten, „doch ohne seine Schuld.“</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Uneinigkeit unter den Staatsdienern.</span>
+<a name = "secXI_34" id = "secXI_34">Einige</a> der größten
+Schwierigkeiten seiner Lage entsprangen aus dem Benehmen der Minister,
+auf die er sich als Neuling in den Details der englischen
+Staatsangelegenheiten hinsichtlich der ihm nöthigen Aufschlüsse über
+Menschen und Dinge verlassen mußte. Es fehlte seinen vornehmsten
+Rathgebern zwar nicht an Befähigung; aber die eine Hälfte ihrer
+Befähigung wurde dazu angewendet, der andren Hälfte entgegenzuwirken.
+Zwischen dem Lord-Präsidenten und dem Geheimsiegelbewahrer bestand eine
+tief eingewurzelte Feindschaft.<a class = "tag" name = "tagXI_71" id =
+"tagXI_71" href = "#noteXI_71">71</a> Diese Feindschaft hatte zwölf
+Jahre vor der Zeit begonnen, als Danby Lord Schatzmeister, ein Verfolger
+der Nonconformisten und hartnäckiger Vertheidiger der Kronrechte wurde,
+und als Halifax als einer der beredtesten Führer der Vaterlandspartei
+zur Auszeichnung gelangte. Unter der Regierung Jakob’s hatten beide
+Staatsmänner der Opposition angehört, und ihre gemeinsame Feindschaft
+gegen Frankreich und gegen Rom, gegen die Hohe Commission und gegen das
+Dispensationsrecht hatte eine anscheinende Aussöhnung herbeigeführt;
+sobald sie aber wieder zusammen im Amte waren, erwachte die alte
+Abneigung von neuem. Man hätte meinen sollen, daß der Haß der Whigpartei
+gegen Beide ein festeres Zusammenhalten zwischen ihnen bewirken müßte;
+in Wahrheit aber sah Jeder von ihnen mit Wohlgefallen die dem Andren
+drohende Gefahr. Danby bemühte sich, eine starke Phalanx von Tories um
+sich zu schaaren. Unter dem Vorwande geschwächter Gesundheit zog er sich
+vom Hofe zurück, kam selten in den Staatsrath, dem zu präsidiren seine
+Pflicht war, brachte viel Zeit auf dem Lande zu, und nahm kaum einen
+andren Antheil an den Staatsgeschäften, als daß er über alle Maßregeln
+der Regierung mäkelte und spottete, auf seinen Privatvortheil spekulirte
+und seinen persönlichen Günstlingen Stellen verschaffte.<a class = "tag"
+name = "tagXI_72" id = "tagXI_72" href = "#noteXI_72">72</a> In Folge
+dieses Abfalls wurde Halifax Premierminister, insoweit man unter dieser
+Regierung einen Minister überhaupt Premierminister nennen konnte. Eine
+ungeheure Geschäftslast fiel auf ihn, und er war nicht im Stande, diese
+Last zu tragen. An Geist und Beredtsamkeit, an umfassendem Verständniß
+und scharfer Unterscheidungsgabe hatte er unter den Staatsmännern seiner
+Zeit nicht seines Gleichen. Aber eben diese Fruchtbarkeit, eben dieser
+Scharfsinn, die seiner Unterhaltung, seinen Reden und seinen Schriften
+einen besondern Reiz verliehen, machten ihn zur schnellen Entscheidung
+praktischer Fragen untauglich. Gerade sein ungewöhnlicher Scharfsinn
+machte ihn langsam, denn er sah so viele Gründe für und wider jedes
+mögliche Verfahren,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_47" id = "pageXI_47">
+XI.47</a></span>
+daß er mehr Zeit brauchte, um zu einem Entschlusse zu kommen, als ein
+beschränkter Kopf gebraucht haben würde. Anstatt mit seinem ersten
+Gedanken zufrieden zu sein, replicirte er sich selbst immer und immer
+wieder. Wer ihn sprechen hörte, mußte zugeben, daß er wie ein Engel
+sprach; aber wenn er Alles was sich sagen ließ erschöpft hatte und zum
+Handeln kam, war nur zu oft der rechte Augenblick zum Handeln
+vorüber.</p>
+
+<p>Inzwischen bemühten sich die beiden Staatssekretäre fortwährend,
+ihren Gebieter nach direct einander entgegengesetzten Richtungen zu
+ziehen. Jeder Plan, jede Person, welche der Eine empfahl, ward von dem
+Andren verworfen. Nottingham wurde nicht müde zu wiederholen, daß die
+alte Rundkopfpartei, die Partei, welche Karl I. um’s Leben gebracht und
+gegen das Leben Karl’s II. conspirirt hatte, im Prinzip republikanisch
+und daß die Tories die einzig wahren Freunde der Monarchie seien.
+Shrewsbury entgegnete, daß die Tories wohl Freunde der Monarchie sein
+könnten, daß sie aber Jakob als ihren Monarchen betrachteten. Nottingham
+erzählte beständig im königlichen Kabinet von tollen Hirngespinnsten,
+mit denen sich einige alte Kalbskopfesser, die Überreste der einst
+mächtigen Partei Bradshaw’s und Ireton’s, in den Wirthshäusern der City
+noch immer beschäftigten. Shrewsbury zeigte wüthende Pasquille vor,
+welche die Jakobiten tagtäglich in den Kaffeehäusern vertheilten. „Jeder
+Whig,“ sagte der Torysekretär, „ist ein Feind der Prärogative Eurer
+Majestät.“ &mdash; „Jeder Tory,“ sagte der Whigsekretär, „ist ein Feind
+des Rechtstitels Eurer Majestät.“<a class = "tag" name = "tagXI_73" id =
+"tagXI_73" href = "#noteXI_73">73</a></p>
+
+<p>Auch im Schatzamte gab es nichts als Eifersüchteleien und
+Zänkereien.<a class = "tag" name = "tagXI_74" id = "tagXI_74" href =
+"#noteXI_74">74</a> Der erste Commissar, Mordaunt, und der Kanzler der
+Schatzkammer, Delamere, waren zwar Beide eifrige Whigs; aber obgleich
+sie dem nämlichen politischen Glauben anhingen, waren sie doch von ganz
+verschiedenem Character. Mordaunt war flatterhaft, verschwendrisch und
+großmüthig. Die Schöngeister der damaligen Zeit witzelten über die Art
+und Weise, wie er von Hampton-Court nach der Börse und von der Börse
+zurück nach Hampton-Court flog; man konnte nicht begreifen wie er Zeit
+fand zu seinem Anzuge, zu den Staatsgeschäften, zu Liebschaften und zum
+Balladendichten.<a class = "tag" name = "tagXI_75" id = "tagXI_75" href
+= "#noteXI_75">75</a> Delamere war finster und empfindlich, streng in
+seinen Privatsitten und pünktlich in seinen Andachtsübungen, aber gierig
+nach unedlem Gewinn. Die beiden ersten Finanzbeamten wurden daher Feinde
+und harmonirten nur in dem Hasse gegen ihren Collegen Godolphin. Wie kam
+er in dieser Zeit des protestantischen Übergewichts nach Whitehall, er,
+der mit Papisten im Amte gesessen, der sich kein Gewissen daraus gemacht
+hatte, Maria von Modena in den Götzendienst der Messe zu begleiten? Der
+kränkendste Umstand aber war, daß Godolphin, obgleich sein Name in der
+Commission die dritte Stelle einnahm, thatsächlich der erste Lord des
+Schatzes war. Denn in financiellem Wissen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_48" id = "pageXI_48">
+XI.48</a></span>
+und in Geschäftserfahrung waren Mordaunt und Delamere im Vergleich zu
+ihm wahre Schulknaben, und dies erkannte Wilhelm sehr bald.<a class =
+"tag" name = "tagXI_76" id = "tagXI_76" href = "#noteXI_76">76</a></p>
+
+<p>Ähnliche Fehden wütheten auch in den übrigen großen Amtscollegien wie
+in allen untergeordneten Schichten der Staatsdiener. In jedem Zollhause,
+in jedem Arsenale gab es einen Shrewsbury und einen Nottingham, einen
+Delamere und einen Godolphin. Die Whigs beklagten sich, daß es keinen
+Verwaltungszweig gäbe, in welchem nicht Creaturen der gestürzten Partei
+zu finden wären. Umsonst führe man zur Rechtfertigung an, daß diese
+Männer in den Geschäftsdetails erfahren, daß sie im Besitz amtlicher
+Traditionen seien und daß die Freunde der Freiheit, nachdem sie
+Jahrelang von den öffentlichen Ämtern ausgeschlossen gewesen, unmöglich
+befähigt sein könnten, mit einem Male die ganze Leitung der Geschäfte
+auf sich zu nehmen. Die Erfahrung habe allerdings ihren Werth,
+sicherlich aber sei die erste aller Qualificationen eines Dieners die
+Treue, und kein Tory könne ein wahrhaft treuer Diener der neuen
+Regierung sein. Wenn König Wilhelm klug wäre, so würde er sich lieber
+auf Neulinge, die von Eifer für sein Interesse und für seine Ehre
+beseelt wären, als auf Veteranen verlassen, welche zwar Geschick und
+Kenntnisse besitzen könnten, dieses Geschick und diese Kenntnisse aber
+zur Herbeiführung seines Untergangs anwenden würden.</p>
+
+<p>Die Tories dagegen beklagten sich, daß ihr Antheil an der Regierung
+in keinem Verhältniß zu ihrer Anzahl und zu ihrem Gewicht im Lande
+stehe, daß überall alte und nützliche Staatsdiener um keines andren
+Verbrechens willen, als weil sie Freunde der Monarchie und der Kirche
+wären, von ihren Posten vertrieben worden seien, um Ryehouseverschwörern
+und Conventikelbesuchern Platz zu machen. Diese Emporkömmlinge,
+wohlerfahren in der Kunst der Parteibewegungen, aber unwissend in Allem
+was zu ihrem neuen Beruf gehöre, würden erst anfangen etwas zu lernen,
+wenn sie durch ihre Fehler die Nation ruinirt hätten. Von einem
+hochgestellten Beamten müsse man doch sicherlich mehr verlangen, als daß
+er nur ein Rebell und Schismatiker sei. Was solle aus den Finanzen, was
+aus der Marine werden, wenn Whigs, die nicht den einfachsten
+Rechnungsabschluß verständen, das Staatseinkommen verwalten, wenn Whigs,
+die in ihrem Leben kein Seemagazin betreten, die Flotte ausrüsten
+sollten?<a class = "tag" name = "tagXI_77" id = "tagXI_77" href =
+"#noteXI_77">77</a></p>
+
+<p>Das Wahre ist, daß die Beschuldigungen, welche die beiden Parteien
+gegen einander erhoben, in beträchtlicher Ausdehnung wohl begründet, der
+Tadel aber, den Beide auf Wilhelm warfen, ungerecht war. Geschäftliche
+Erfahrung war fast ausschließlich nur unter den Tories, aufrichtige
+Anhänglichkeit an die neue Ordnung der Dinge fast nur unter den Whigs zu
+finden. Der König konnte nichts dafür, daß Kenntniß und Eifer, welche
+vereinigt einen schätzbaren Diener des Staats bilden, damals nur
+getrennt oder gar nicht vorhanden waren. Stellte er Leute der einen
+Partei an,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_49" id = "pageXI_49">
+XI.49</a></span>
+so lief er große Gefahr, Fehlgriffe zu thun. Stellte er Leute der andren
+Partei an, so lief er große Gefahr, verrathen zu werden. Stellte er
+Leute beider Parteien an, so war immer noch einige Gefahr, daß er
+Fehlgriffe that oder Verräther wählte, und zu diesen Gefahren kam dann
+noch die Gewißheit der Uneinigkeit. Er konnte Whigs und Tories
+nebeneinanderstellen, sie zu verschmelzen lag nicht in seiner Macht.
+Mochten sie auch in dem nämlichen Amte, an dem nämlichen Pulte arbeiten,
+sie waren und blieben Feinde und stimmten nur darin überein, daß sie
+gegen den Fürsten murrten, der es versuchen wollte, den Vermittler
+zwischen ihnen zu spielen. Unter solchen Umständen mußte die Verwaltung,
+die fiscalische, wie die militärische und maritime, unvermeidlich
+schwach und schwankend sein; nichts konnte ganz auf die richtige Art und
+ganz zur rechten Zeit geschehen; die Uneinigkeiten, von denen kaum eine
+Staatsbehörde frei war, mußten Calamitäten erzeugen und jede Calamität
+mußte die Spaltung verschlimmern, aus der sie entstanden war.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_71" id = "noteXI_71" href = "#tagXI_71">71.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 4.</span>; <span class =
+"antiqua">Reresby’s Memoirs.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_72" id = "noteXI_72" href = "#tagXI_72">72.</a>
+<span class = "antiqua">Reresby’s Memoirs</span>; <span class =
+"antiqua">Burnet MS. Harl. 6584.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_73" id = "noteXI_73" href = "#tagXI_73">73.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 3, 4, 15.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_74" id = "noteXI_74" href = "#tagXI_74">74.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 5.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_75" id = "noteXI_75" href = "#tagXI_75">75.</a>
+</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Woher nimmt er die Stunden, sagt,</p>
+<p>Die er dem Hofe widmet und der Stadt,</p>
+<p>Den Staatsgeschäften und der Liebe Macht,</p>
+<p>Der Eitelkeit und auch der Geistes Saat?</p>
+</div>
+
+<p><span class = "antiqua">The Modern Lampooners. Ein Gedicht von
+1690.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_76" id = "noteXI_76" href = "#tagXI_76">76.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 4.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_77" id = "noteXI_77" href = "#tagXI_77">77.</a>
+Ronquillo nennt die Whigbeamten <span class = "antiqua">„Gente que no
+tienen practica ni experiencia.“</span> Er setzt hinzu: <span class =
+"antiqua">„Y de esto proce de el pasarse un mes y un otro, sin
+executarse nada.“</span> 24. Juni 1689. In einem der unzähligen
+„Gespräche“, welche damals erschienen, wirft der toryistische
+Interlocutor die Frage auf: „Meint Ihr, die Regierung würde mit
+Geschäftsunkundigen besser daran sein?“ Der Whig antwortet: „Besser
+unwissende Freunde als vielwissende Feinde.“</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Das Departement der auswärtigen Angelegenheiten.</span>
+<a name = "secXI_35" id = "secXI_35">Ein</a> Departement gab es jedoch,
+das gut verwaltet wurde: das Departement der auswärtigen
+Angelegenheiten. Hier leitete Wilhelm Alles, ohne weder den Rath noch
+den Beistand irgend eines englischen Staatsmannes in Anspruch zu nehmen.
+Nur einen unschätzbaren Gehülfen hatte er zur Seite: Anton Heinsius,
+welcher einige Wochen nach Beendigung der Revolution Großpensionär von
+Holland wurde. Heinsius war als Mitglied der Partei, welche auf die
+Macht des Hauses Oranien eifersüchtig war und gern auf
+freundschaftlichem Fuße mit Frankreich stehen wollte, ins öffentliche
+Leben eingetreten. Im Jahre 1681 aber war er mit einer diplomatischen
+Mission nach Versailles geschickt worden, und ein kurzer Aufenthalt
+daselbst hatte eine vollständige Änderung in seinen Ansichten
+herbeigeführt. Bei näherer Bekanntschaft wurde er beunruhigt durch die
+Macht und gereizt durch die Anmaßung dieses Hofes, von dem er, so lange
+er ihn aus der Entfernung gesehen, eine vortheilhafte Meinung gehegt
+hatte. Er fand, daß sein Vaterland verachtet wurde, er sah seine
+Religion verfolgt, und sein officieller Character schützte ihn nicht vor
+einigen persönlichen Kränkungen, die er bis zum letzten Tage seiner
+langen Laufbahn nicht vergaß. Als treuer Anhänger Wilhelm’s und
+unversöhnlicher Feind Ludwig’s kehrte er nach Hause zurück.<a class =
+"tag" name = "tagXI_78" id = "tagXI_78" href = "#noteXI_78">78</a></p>
+
+<p>Das Amt des Großpensionärs war immer ein wichtiges Amt, ganz
+besonders aber dann, wenn der Statthalter vom Haag abwesend war. Wären
+Heinsius’ politische Ansichten noch dieselben gewesen wie früher, so
+hätten alle großen Pläne Wilhelm’s scheitern können. Zum Glück aber
+bestand zwischen diesen beiden ausgezeichneten Männern eine vollkommene
+Freundschaft, die bis zu dem Tage, wo der Tod sie löste, nicht einen
+Augenblick durch Argwohn oder Mißhelligkeiten getrübt wurde. Über alle
+großen Fragen der europäischen Politik waren sie gleicher Meinung, und
+sie correspondirten lebhaft und rückhaltlos mit einander, denn es hielt
+zwar schwer, ehe Wilhelm Jemandem Vertrauen schenkte, wem er es aber
+schenkte, dem schenkte er es ganz. Die Correspondenz ist noch vorhanden
+und gereicht Beiden zur größten Ehre. Die Briefe des Königs würden
+allein schon zur Genüge beweisen, daß er einer der größten Staatsmänner
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_50" id = "pageXI_50">
+XI.50</a></span>
+war, welche Europa hervorgebracht hat. So lange er lebte, begnügte sich
+der Großpensionär damit, der gehorsamste, zuverlässigste und
+verschwiegenste Diener zu sein; nach dem Ableben des Gebieters aber
+erwies sich der Diener als befähigt, die Stelle des Gebieters mit
+seltenem Geschick zu vertreten, und er war in ganz Europa als ein
+Mitglied des großen Triumvirats berühmt, das den Stolz Ludwig’s XIV.
+demüthigte.<a class = "tag" name = "tagXI_79" id = "tagXI_79" href =
+"#noteXI_79">79</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_78" id = "noteXI_78" href = "#tagXI_78">78.</a>
+<span class = "antiqua">Négociations de M. le Comte d’Avaux, 4. Mars
+1683</span>; <span class = "antiqua">Torcy’s Memoirs.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_79" id = "noteXI_79" href = "#tagXI_79">79.</a>
+Die Originalcorrespondenz zwischen Wilhelm und Heinsius ist holländisch.
+Eine französische Übersetzung sämmtlicher Briefe Wilhelm’s, und eine
+englische Übersetzung einiger Briefe Heinsius’ befinden sich unter den
+Mackintosh-Manuscripten. Der Baron Sirtema de Grovestins, dem die
+Originale zu Gebote standen, führt in seiner <span class =
+"antiqua">„Histoire des luttes et rivalités entre les puissances
+maritimes et la France“</span> häufig Stellen daraus an. Zwischen seiner
+Version und der meinigen ist zwar im Style ein bedeutender Unterschied,
+im Wesentlichen aber ein sehr geringer.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Religionsstreitigkeiten.</span>
+<a name = "secXI_36" id = "secXI_36">Die</a> auswärtige Politik
+England’s, von Wilhelm persönlich, in innigem Einverständniß mit
+Heinsius, geleitet, war damals außerordentlich geschickt und
+erfolgreich. In jedem andren Verwaltungszweige aber waren die aus der
+gegenseitigen Erbitterung der Parteien entspringenden Nachtheile nur zu
+sichtbar. Und dies war noch nicht Alles. Zu den aus der gegenseitigen
+Erbitterung der politischen Parteien entspringenden Übeln gesellten sich
+andere Übel, welche aus dem gegenseitigen Hasse der Religionssecten
+entsprangen.</p>
+
+<p>Das Jahr 1689 bildet in der kirchlichen Geschichte England’s eine
+nicht minder wichtige Epoche als in der bürgerlichen. In diesem Jahre
+wurde die erste gesetzliche Indulgenz gegen die Dissenters bewilligt. In
+diesem Jahre wurde der letzte ernstliche Versuch gemacht, die
+Presbyterianer in den Schooß der englischen Landeskirche zu bringen. Von
+diesem Jahre datirt ein neues Schisma, trotz früherer ähnlicher Vorgänge
+von Männern hervorgerufen, welche stets erklärt hatten, daß sie
+Kirchenspaltungen mit besonderem Abscheu und Präcedenzfälle mit
+besonderer Verehrung betrachteten. In diesem Jahre begann der lange
+Kampf zwischen zwei großen Parteien von Conformisten. Diese beiden
+Parteien hatten zwar seit der Reformation von jeher unter verschiedenen
+Formen in der anglikanischen Kirche existirt, aber bis nach der
+Reformation standen sie einander nicht in regelmäßiger und permanenter
+Schlachtordnung gegenüber und waren daher nicht unter bestimmten Namen
+bekannt. Kurz nach Wilhelm’s Thronbesteigung begannen sie die
+Hochkirchenpartei und die Niederkirchenpartei genannt zu werden und
+lange vor dem Ende seiner Regierung waren diese Bezeichnungen allgemein
+gebräuchlich.<a class = "tag" name = "tagXI_80" id = "tagXI_80" href =
+"#noteXI_80">80</a></p>
+
+<p>Im Sommer des Jahres 1688 hatte es den Anschein gehabt, als ob die
+Spaltungen, welche so lange den großen Körper der englischen
+Protestanten zerrissen, fast ihre Endschaft erreicht hätten. Die
+Streitigkeiten über Bischöfe und Synoden, über geschriebene Gebete und
+extemporirte Gebete, über weiße Röcke und schwarze Röcke, über
+Besprengen und Eintauchen, über Knien und Sitzen, waren auf kurze Zeit
+eingestellt. Die dichtgedrängte Phalanx, welche damals gegen die
+Papisterei im Felde stand, füllte den ganzen Zwischenraum aus, welcher
+Sancroft von Bunyan
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_51" id = "pageXI_51">
+XI.51</a></span>
+trennte. Prälaten, die sich noch vor Kurzem als Verfolger der religiösen
+Freiheit ausgezeichnet hatten, erklärten sich jetzt zu Freunden
+derselben und ermahnten ihren Klerus, stets in gastfreundlichem und
+dienstbereiten Verkehr mit den Separatisten zu leben. Separatisten auf
+der andren Seite, welche noch vor kurzem Mitren und Batistärmel für die
+Livree des Antichrist erklärt hatten, erleuchteten zu Ehren der Prälaten
+ihre Fenster und warfen Holz in die Freudenfeuer.</p>
+
+<p>Diese Gesinnungen steigerten sich fortdauernd, bis sie ihren
+Höhepunkt an dem denkwürdigen Tage erreichten, an welchem der gemeinsame
+Unterdrücker endlich Whitehall verließ und eine mit orangefarbenen
+Bändern geschmückte zahllose Menge zu St. James den gemeinsamen Befreier
+begrüßte. Als die Londoner Geistlichkeit, mit Compton an der Spitze,
+herbeikam, um dem Manne, dessen Gott sich als Werkzeug zur Rettung der
+Kirche und des Staats bedient, ihren Dank auszusprechen, schlossen sich
+dem Zuge auch einige hervorragende nonconformistische Geistliche an.
+Viele gute Menschen freuten sich zu hören, daß fromme und gelehrte
+presbyterianische Geistliche im Gefolge eines Bischofs gegangen, mit
+brüderlicher Freundlichkeit von ihm begrüßt und im Empfangszimmer von
+ihm seine lieben und geachteten Freunde genannt worden waren, die zwar
+durch einige Meinungsverschiedenheiten in unwichtigen Punkten von ihm
+getrennt, durch christliche Liebe und gemeinsamen Eifer für das
+Wesentliche des reformirten Glaubens aber mit ihm verbunden seien. Nie
+hatte es zuvor und nie hat es seitdem in England einen zweiten solchen
+Tag gegeben. Der Strom der Gefühle war schon im Umschlagen begriffen,
+und die Ebbe trat noch rascher ein als die Fluth eingetreten war.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_80" id = "noteXI_80" href = "#tagXI_80">80.</a>
+Obwohl diese ganz angemessenen Benennungen meines Wissens in keinem
+während der ersten Regierungsjahre Wilhelm’s gedruckten Buche vorkommen,
+nehme ich doch keinen Anstand, mich derselben bei Darstellung der
+Ereignisse jener Jahre zu bedienen, wie es auch von Anderen geschehen
+ist.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Hochkirchenpartei.</span>
+<a name = "secXI_37" id = "secXI_37">In</a> Zeit von wenigen Stunden
+begann der Hochkirchliche, von zärtlicher Liebe für den Feind, dessen
+Tyrannei jetzt nicht mehr gefürchtet ward, und von Abneigung gegen die
+Bundesgenossen, deren Dienste entbehrlich geworden waren, erfüllt zu
+werden. Es war leicht, beide Gefühle zu befriedigen, indem man die
+schlechte Verwaltung des verbannten Königs den Dissenters zur Last legt.
+Sr. Majestät &mdash; so lautete jetzt die Sprache nur zu vieler
+anglikanischer Geistlichen &mdash; würde ein vortrefflicher Regent
+gewesen sein, wäre er nicht zu vertrauensvoll, und zu nachsichtig
+gewesen. Er habe sein Vertrauen einer Klasse von Leuten geschenkt
+gehabt, die seine Stellung, seine Familie und seine Person mit
+unversöhnlicher Erbitterung haßten. Durch den vergeblichen Versuch, ihre
+Zuneigung zu gewinnen, habe er sich zu Grunde gerichtet. Er habe sie, in
+Widerspruch mit dem Gesetz und dem einmüthigen Sinne der alten
+royalistischen Partei, von dem Drucke des Strafcodex befreit, habe ihnen
+gestattet, Gott auf ihre eigene armselige und geschmacklose Weise
+öffentlich zu verehren, habe sie zur Richterbank und in den Geheimrath
+zugelassen, ihnen Pelzroben, goldene Ketten, Gehalte und Pensionen
+gewährt. Zum Dank für seine Liberalität seien diese Leute, welche einst
+so trotzig in ihrem Gebahren und so unbändig in ihrer Opposition selbst
+gegen die rechtmäßige Autorität gewesen, die niedrigsten Schmeichler
+geworden. Sie hätten ihm noch Beifall zugejauchzt und ihn ermuthigt, als
+schon die ergebensten Freunde seines Hauses sich voll Scham und Kummer
+aus seinem Palaste <ins class = "correction"
+title = "Original hat »entfert«">entfernt</ins> gehabt. Wer habe die Religion und die Freiheit
+seines Vaterlandes schändlicher verkauft als Titus? Wer habe eifriger
+für die Dispensationsgewalt gestritten als Alsop? Wer habe ungestümer
+auf die Verfolgung der sieben Bischöfe gedrungen als Lobb?
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_52" id = "pageXI_52">
+XI.52</a></span>
+Welcher nach einer Dechanei lüsterne Kaplan habe, selbst wenn er am 30.
+Januar oder am 29. Mai in Anwesenheit des Königs gepredigt, jemals
+plumpere Schmeicheleien zu Tage gebracht, als man sie leicht in den
+Adressen auffinden könne, durch welche dissentirende
+Glaubensgesellschaften ihren Dank für die ungesetzliche
+Indulgenzerklärung ausgedrückt hätten? Sei es zu verwundern, wenn ein
+Fürst, der nie juristische Werke studirt, nur seine rechtmäßige
+Prärogative auszuüben geglaubt habe, als er so durch eine Partei
+ermuthigt worden sei, welche jederzeit mit ihrem Hasse gegen
+willkürliche Gewalt geprahlt habe? Durch solche Leitung irregeführt, sei
+er immer weiter auf dem falschen Wege fortgeschritten, habe er sich
+endlich Herzen entfremdet, welche früher ihr bestes Blut zu seiner
+Vertheidigung vergossen haben würden, habe er keine anderen Stützen
+behalten als seine alten Feinde, und, als der Tag der Gefahr gekommen,
+habe er gefunden, daß die Gesinnungen seiner alten Feinde gegen ihn noch
+die nämlichen waren wie zu der Zeit, da sie ihn seines Erbes zu berauben
+versucht und gegen sein Leben conspirirt hatten. Jeder Verständige habe
+längst gewußt, daß die Sectirer keine Liebe zur Monarchie hegten; jetzt
+habe es sich gezeigt, daß sie eben so wenig Liebe zur Freiheit hegten.
+Ihren Händen Gewalt anzuvertrauen, werde ein Mißgriff sein, der der
+Nation nicht minder verderblich werden müsse als dem Throne. Wenn es, um
+etwas übereilt gegebene Zusicherungen zu erfüllen, für nöthig erachtet
+werden sollte, ihnen Erleichterung zu gewähren, so müsse jedes
+Zugeständniß von Beschränkungen und Vorsichtsmaßregeln begleitet sein.
+Vor Allem dürfe Niemandem, der ein Feind der kirchlichen Verfassung des
+Landes sei, irgend eine Betheiligung an der Civilverwaltung gestattet
+werden.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Niederkirchenpartei.</span>
+<a name = "secXI_38" id = "secXI_38">Zwischen</a> den Nonconformisten
+und den strengen Conformisten stand die Niederkirchenpartei. Diese
+Partei enthielt und enthält noch jetzt zwei ganz verschiedene Elemente:
+ein puritanisches und ein latitudinarisches Element. Über fast jede
+Frage, die sich auf die kirchliche Verfassung wie auf das Ceremoniell
+des öffentlichen Gottesdienstes bezog, waren jedoch der puritanische
+Niederkirchliche und der latitudinarische Niederkirchliche vollkommen
+einig. Sie sahen in der bestehenden Kirchenverfassung und in dem
+bestehenden Ceremoniell keinen Mangel, keinen Übelstand, der es ihnen
+hätte zur Pflicht machen können, Dissenters zu werden.
+Nichtsdestoweniger waren sie der Meinung, daß die Verfassung sowohl wie
+das Ceremoniell Mittel und nicht Zwecke seien und daß der wesentliche
+Geist des Christenthums ohne Bischöfe und ohne ein allgemeines Gebetbuch
+bestehen könne. Als Jakob auf dem Throne saß, waren sie die
+Hauptwerkzeuge zur Bildung der großen Coalition gegen Papisterei und
+Tyrannei gewesen und sie führten 1689 noch dieselbe versöhnliche
+Sprache, die sie 1688 geführt hatten. Die Gewissensscrupel der
+Nonconformisten tadelten sie mild. Es sei unzweifelhaft eine große
+Schwäche zu glauben, daß es etwas Sündhaftes sein könne, einen weißen
+Chorrock zu tragen, ein Kreuz zu schlagen, oder an dem Geländer eines
+Altars zu knieen. Die höchste Autorität aber habe die unzweideutigsten
+Vorschriften darüber erlassen, wie solche Schwäche zu behandeln sei. Der
+schwache Bruder sei nicht zu verdammen, nicht zu verachten; Gläubige von
+stärkerem Geiste seien gehalten, ihn durch große Nachgiebigkeit zu
+beschwichtigen und sorgfältig jeden Stein des Anstoßes, der ihn
+Veranlassung geben könne, Andersdenkende zu verletzen, aus seinem Wege
+zu entfernen. Ein Apostel habe erklärt, daß er, obwohl er selbst gegen
+den
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_53" id = "pageXI_53">
+XI.53</a></span>
+Genuß von thierischer Nahrung und Wein kein Bedenken hege, doch lieber
+Pflanzen essen und Wasser trinken wolle, als daß er dem Geringsten
+seiner Heerde ein Ärgerniß gäbe. Was würde er wohl von Kirchenfürsten
+gedacht haben, welche um eines Gewandes, einer Geberde oder einer
+Stellung willen nicht nur die Kirche gespalten, sondern alle Gefängnisse
+England’s mit Männern von orthodoxem Glauben und frommem Lebenswandel
+gefüllt hätten? Die tadelnden Bemerkungen, welche die Hochkirchlichen
+über das neuerliche Benehmen der Dissenters gemacht, wurden von den
+Niederkirchlichen für höchst ungerecht erklärt. Das Wunder liege nicht
+darin, daß einige wenige Nonconformisten dankbar eine Indulgenz
+angenommen hätten, die, so gesetzwidrig sie auch gewesen, doch ihnen die
+Thüren ihrer Kerker geöffnet und ihre häusliche Ruhe gesichert habe,
+sondern darin, daß die Nonconformisten im allgemeinen der Sache einer
+Verfassung treu geblieben seien, von deren Wohlthaten sie lange
+ausgeschlossen gewesen. Es sei höchst unbillig, die Fehler einiger
+weniger Individuen einer ganzen großen Partei zur Last zu legen. Selbst
+unter den Bischöfen der Landeskirche habe Jakob Werkzeuge und
+Schmeichler gefunden. Das Benehmen Cartwright’s und Parker’s sei viel
+weniger zu entschuldigen gewesen, als das Alsop’s und Lobb’s. Gleichwohl
+würden Diejenigen, welche die Dissenters für die Fehler Alsop’s und
+Lobb’s verantwortlich hielten, es ohne Zweifel für sehr unvernünftig
+erklären, wenn man die Landeskirche für die weit größere Schuld
+Cartwright’s und Parker’s verantwortlich machen wolle.</p>
+
+<p>Die Geistlichen der Niederkirche waren eine Minorität, und zwar keine
+große Minorität ihres Standes; ihr Gewicht aber stand weit über dem
+Verhältniß ihrer Anzahl, denn sie waren in der Hauptstadt stark
+vertreten, sie hatten daselbst großen Einfluß und das Durchschnittsmaß
+ihrer Intelligenz und wissenschaftlichen Bildung war bei ihnen höher als
+bei ihrem Stande im allgemeinen. Wir wurden ihre numerische Stärke
+wahrscheinlich noch zu hoch anschlagen, wenn wir sie auf ein Zehntel der
+gesammten Geistlichkeit schätzten. Es wird jedoch schwerlich bestritten
+werden können, daß sie in ihrer Mitte eben so viele Männer von
+ausgezeichneter Beredtsamkeit und Gelehrsamkeit zählten, als sich unter
+den übrigen neun Zehnteln zusammengenommen fanden. Unter den Laien, die
+sich der herrschenden Landeskirche angeschlossen, war das Verhältniß der
+Parteien ziemlich gleich. Die Linie, welche sie trennte, war in der That
+sehr wenig unterschieden von der Linie, welche die Whigs und Tories
+trennte. Im Hause der Gemeinen, welches gewählt worden war, als die
+Whigs die Oberhand hatten, war die Niederkirchenpartei entschieden
+überwiegend; bei den Lords aber herrschte ein fast genaues Gleichgewicht
+und es bedurfte nur sehr geringfügiger Umstände, um die Wagschale
+emporzuschnellen.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm’s Pläne bezüglich der Kirchenverfassung.</span>
+<a name = "secXI_39" id = "secXI_39">Das</a> Oberhaupt der
+Niederkirchenpartei war der König. Er war als Presbyterianer erzogen
+worden, seiner rationalen Überzeugung nach war er ein Latitudinarier,
+und persönlicher Ehrgeiz sowohl als auch höhere Beweggründe vermochten
+ihn, zwischen den protestantischen Secten als Vermittler aufzutreten.
+Sein Bestreben war auf die Einführung dreier großer Reformen in den die
+kirchlichen Angelegenheiten betreffenden Gesetzen gerichtet. Sein erster
+Zweck war, den Dissenters die Erlaubniß zur freien und ungestörten
+Abhaltung ihres Gottesdienstes zu erwirken. Sein zweiter Zweck war, in
+dem anglikanischen Ritual und Kirchenregiment solche
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_54" id = "pageXI_54">
+XI.54</a></span>
+Abänderungen vorzunehmen, welche die gemäßigten Nonconformisten gewinnen
+konnten, ohne Diejenigen zu verletzen, denen jenes Ritual und
+Kirchenregiment theuer war. Sein dritter Zweck war, den Protestanten
+ohne Unterschied der Secten bürgerliche Ämter zugänglich zu machen. Alle
+drei Zwecke waren gut, aber nur der erste war zur Zeit erreichbar. Für
+den zweiten kam er zu spät, für den dritten zu früh.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Burnet, Bischof von Salisbury.</span>
+<a name = "secXI_40" id = "secXI_40">Wenige</a> Tage nach seiner
+Thronbesteigung that er einen Schritt, welcher seine Gesinnungen in
+Bezug auf Kirchenregiment und öffentlichen Gottesdienst unverkennbar
+andeutete. Er fand nur einen Bischofsstuhl unbesetzt. Seth Ward, der
+viele Jahre hindurch das Kirchspiel von Salisbury verwaltet und sich als
+einer von den Begründern der Königlichen Societät ehrenvoll
+ausgezeichnet hatte, starb, nachdem er seine Fähigkeiten längst
+überlebt, während das Land durch die Wahlen für die Convention bewegt
+wurde, ohne zu wissen, daß große Ereignisse, von denen nicht das
+unwichtigste unter seinem eignen Dache stattgefunden, seine Kirche und
+sein Vaterland vom Untergange gerettet hatten. Die Wahl eines
+Nachfolgers war nicht leicht. Diese Wahl mußte unvermeidlich von der
+Nation als ein Prognostikon von höchster Bedeutung betrachtet werden.
+Außerdem mußte die Anzahl der Geistlichen, die sich während der
+Streitigkeiten der letzten drei Jahre durch Gelehrsamkeit,
+Beredtsamkeit, Muth und Rechtschaffenheit ausgezeichnet hatten, den
+König in Verlegenheit setzen. Burnet erhielt den Vorzug. Sein Anrecht
+war unzweifelhaft groß; aber Wilhelm würde gewiß eine ruhigere Regierung
+gehabt haben, wenn er mit der wohlverdienten Beförderung seines Kaplans
+noch einige Zeit gewartet und die erste hohe geistliche Würde, welche
+nach der Revolution durch die Krone zu vergeben war, einem der neuen
+Regierung ergebenen, aber dem Klerus nicht allgemein verhaßten berühmten
+Theologen verliehen hätte. Unglücklicherweise war Burnet’s Name der
+großen Mehrzahl der anglikanischen Geistlichen verhaßt. Obwohl er, dem
+Prinzip nach, keineswegs zur extremen Fraction der latitudinarischen
+Partei gehörte, so wurde er doch vom Volke als die Personifikation des
+Latitudinarismus betrachtet. Diese Auszeichnung verdankte er der
+hervorragenden Stellung, die er in der Literatur und der Politik
+einnahm, der Gewandtheit seiner Zunge und seiner Feder und vor Allem der
+Offenheit und Unerschrockenheit seines Characters, einer Offenheit,
+welche kein Geheimniß bewahren konnte, und einer Unerschrockenheit, die
+vor keiner Gefahr zurückbebte. Er hegte nur eine geringe Meinung von der
+Gesammtheit seiner geistlichen Brüder und mit seiner gewohnten
+Indiscretion ließ er sich oft verleiten, diese Meinung auszusprechen.
+Dafür haßten sie ihn aber auch mit einer Erbitterung, die auf ihre
+Nachfolger überging und noch jetzt, nach anderthalbem Jahrhundert, nicht
+nachzulassen scheint.</p>
+
+<p>Sobald der Beschluß des Königs bekannt wurde, fragte man sich
+überall: Was wird der Erzbischof thun? Sancroft hatte sich von der
+Convention fern gehalten, er hatte sich geweigert, einen Sitz im
+Geheimen Rathe einzunehmen, er hatte aufgehört zu confirmiren, zu
+ordiniren und einzusetzen, und nur selten sah man ihn außerhalb der
+Mauern seines Palastes zu Lambeth. Bei jeder Gelegenheit erklärte er,
+daß er sich noch immer durch seinen alten Unterthaneneid gebunden
+erachte. Burnet betrachtete er als ein Ärgerniß für den Priesterstand,
+als einen Presbyterianer im Chorrock. Der Prälat, der seine Hände auf
+dieses unwürdige Haupt legte, würde mehr als eine große Sünde begehen.
+Er würde an
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_55" id = "pageXI_55">
+XI.55</a></span>
+geheiligter Stätte und vor einer großen Versammlung von Gläubigen zu
+gleicher Zeit einen Usurpator als König anerkennen und einem
+Schismatiker den Rang eines Bischofs verleihen. Eine Zeit lang erklärte
+Sancroft mit Bestimmtheit, er werde der Anordnung Wilhelm’s nicht Folge
+leisten. Lloyd von St. Asaph, der gemeinschaftliche Freund des
+Erzbischofs und des neuerwählten Bischofs, drang umsonst mit Bitten und
+Vorstellungen in ihn. Nottingham, der von allen der neuen Regierung
+anhängenden Laien am besten mit dem Klerus stand, bot seinen Einfluß
+ebenfalls auf, doch mit keinem besseren Erfolge. Die Jakobiten sagten
+überall, daß sie des guten alten Primas gewiß seien, daß er den Muth
+eines Märtyrers habe und daß er entschlossen sei, in der Sache der
+Monarchie und der Kirche der äußersten Strenge der Gesetze zu trotzen,
+mit denen die willfährigen Parlamente des 16. Jahrhunderts das
+königliche Supremat geschützt hatten. Er hielt sich in der That lange;
+im letzten Augenblicke aber sank ihm der Muth, und er sah sich nach
+einem Auswege um. Zum Glück ließ sich sein Gewissen eben so oft durch
+kindische Auskunftsmittel beruhigen, wie es durch kindische Bedenken
+beunruhigt wurde. Ein kindischerer Ausweg als der, zu welchem er bei
+dieser Gelegenheit griff, ist in allen Werken der Casuisten nicht zu
+finden. Er wollte nicht persönlich Theil an der Feierlichkeit nehmen; er
+wollte nicht öffentlich für den Prinzen und die Prinzessin als König und
+Königin beten; er wollte nicht ihr Mandat verlangen, die Verlesung
+desselben anbefehlen und dann für die Befolgung sorgen. Aber er stellte
+eine Vollmacht aus, welche drei seiner Suffraganen, gleichviel welche,
+ermächtigte, in seinem Namen und als seine Delegaten die Sünden zu
+begehen, die er selbst nicht begehen mochte. Die Vorwürfe aller Parteien
+brachten ihn bald dahin, daß er sich seiner selbst schämte. Nun
+versuchte er es, die Augenscheinlichkeit seines Fehlers durch Mittel zu
+verdecken, welche noch schimpflicher waren als der Fehler selbst. Er
+entfernte aus den öffentlichen Acten, die er in seiner Verwahrung hatte,
+das Dokument, durch welches er seine Amtsbrüder ermächtigt, anstatt
+seiner zu handeln, und wurde nur mit Mühe bewogen, es wieder
+herauszugeben.<a class = "tag" name = "tagXI_81" id = "tagXI_81" href =
+"#noteXI_81">81</a></p>
+
+<p>Burnet war indessen kraft dieses Dokuments zum Bischofe geweiht
+worden. Als er das nächste Mal Marien besuchte, erinnerte sie ihn an die
+Unterredungen, welche sie im Haag über die wichtigen Pflichten und die
+große Verantwortlichkeit der Bischöfe mit einander gepflogen hatten.
+„Ich hoffe,“ sagte sie, „daß Sie Ihre Ansichten praktisch ausüben
+werden.“ Ihre Hoffnung wurde nicht getäuscht. Was man auch von Burnet’s
+Meinungen in Bezug auf Civil- und Kirchenverfassung, oder von der
+Gesinnung und dem Urtheil denken mag, welche er bei Verfechtung dieser
+Meinungen an den Tag legte, auch der böswilligste Parteigeist konnte
+nicht zu leugnen wagen, daß er seine Heerde mit einem Eifer, einer
+Sorgfalt und einer Uneigennützigkeit hütete, die den reinsten Zeiten der
+Kirche würdig waren. Seine geistliche Oberherrschaft erstreckte sich
+über Wiltshire und Berkshire. Diese Grafschaften theilte er in
+Distrikte, die er fleißig besuchte. Jeden Sommer verwendete er etwa zwei
+Monate darauf, täglich von Kirche zu Kirche zu predigen, zu katechisiren
+und zu
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_56" id = "pageXI_56">
+XI.56</a></span>
+confirmiren. Als er starb, gab es in seinem Kirchspiele keinen Winkel,
+wo das Volk nicht sieben bis acht Mal Gelegenheit gehabt hatte, seine
+Belehrungen zu empfangen und seinen Rath zu erbitten. Das schlechteste
+Wetter, die grundlosesten Wege hielten ihn nicht ab, diese Pflichten zu
+erfüllen. Einmal als die Flüsse ausgetreten waren, setzte er sich lieber
+der größten Lebensgefahr aus, als daß er die Erwartung einer
+Landgemeinde, welche eine Predigt von dem Bischof zu hören hoffte,
+getäuscht hätte. Die Armuth der niederen Geistlichkeit war fortwährend
+ein Gegenstand der Besorgniß für sein menschenfreundliches und edles
+Herz. Er war unermüdlich und zuletzt glücklich in seinen Bemühungen,
+ihnen von Seiten der Krone die unter dem Namen „Königin Anna’s
+Schenkung“ bekannte Unterstützung zu verschaffen.<a class = "tag" name =
+"tagXI_82" id = "tagXI_82" href = "#noteXI_82">82</a> Wenn er durch
+seine Diöcese reiste, war er ganz besonders darauf bedacht, ihnen nicht
+zur Last zu fallen. Anstatt sich von ihnen bewirthen zu lassen,
+bewirthete er sie. Er nahm sein Hauptquartier stets in einem
+Marktflecken, hielt daselbst offene Tafel und bemühte sich, durch seine
+schlichte Gastfreundschaft und liebevolle Freigebigkeit die Herzen Derer
+zu gewinnen, welche gegen seine Lehren eingenommen waren. Wenn er eine
+dürftig besoldete Pfarrstelle vergab, und er hatte deren viele zu
+vergeben, pflegte er dem Einkommen aus seiner eigenen Tasche zwanzig
+Pfund jährlich zuzulegen. Zehn vielversprechende junge Leute, deren
+jedem er dreißig Pfund jährlich aussetzte, studirten unter seinen Augen
+in Salisbury Theologie. Obwohl er mehrere Kinder hatte, hielt er sich
+doch nicht für berechtigt, Schätze für sie zu sammeln. Ihre Mutter hatte
+ihm ein anständiges Vermögen zugebracht; mit diesem Vermögen, sagte er
+immer, müßten sie sich begnügen. Er könne sich nicht um ihretwillen der
+Sünde schuldig machen, aus Einkünften, welche der Christenliebe und
+Wohlthätigkeit geweiht seien, ein Vermögen zu sammeln. Solche Tugenden
+werden in den Augen vernünftiger und vorurtheilsfreier Menschen gewiß
+vollkommenen Ersatz für jeden Fehler bieten, der ihm mit Grund zur Last
+gelegt werden kann.<a class = "tag" name = "tagXI_83" id = "tagXI_83"
+href = "#noteXI_83">83</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_81" id = "noteXI_81" href = "#tagXI_81">81.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 8.</span>; <span class =
+"antiqua">Birch’s Life of Tillotson</span>; <span class = "antiqua">Life
+of Kettlewell, part III. section 62.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_82" id = "noteXI_82" href = "#tagXI_82">82.</a>
+Swift, der unter dem Namen Gregor Misosarum schrieb, sagt boshafter und
+ehrloser Weise von Burnet, er habe der Kirche diese Schenkung nicht
+gegönnt. Es kann Swift nicht unbekannt gewesen sein, daß die Kirche
+diese Schenkung hauptsächlich Burnet’s beharrlicher Fürsprache
+verdankte.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_83" id = "noteXI_83" href = "#tagXI_83">83.</a>
+Siehe die Biographie Burnet’s am Schlusse des zweiten Bandes seiner
+Geschichte, seine handschriftlichen Memoiren, Harl. 6584., seine
+Denkschriften über die Erstlinge und Zehnten, und Somers’ Briefe an ihn
+über diesen Gegenstand. Auch vergleiche man was Dr. King, obwohl
+Jakobit, so gerecht war in seinen <span class =
+"antiqua">Anecdotes</span> zu sagen. Ein höchst ehrenvolles Zeugniß für
+Burnet’s Tugenden, von einem andren Jakobiten, der ihn heftig
+angegriffen, und gegen den er sich äußerst großmüthig gezeigt hatte, von
+dem gelehrten und freimüthigen Thomas Baker, findet man im <span class =
+"antiqua">Gentleman’s Magazine</span> für August und September 1791.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Nottingham’s Pläne in Bezug auf die kirchliche Verfassung.</span>
+<a name = "secXI_41" id = "secXI_41">Als</a> er seinen Sitz im Hause der
+Lords einnahm, fand er diese Versammlung mit der Berathung kirchlicher
+Gesetze beschäftigt. Ein Staatsmann, der als treuer Anhänger der
+Landeskirche bekannt war, hatte es unternommen, die Sache der Dissenters
+zu vertheidigen. Kein Unterthan im ganzen Reiche nahm mit Bezug auf die
+religiösen Parteien eine so wichtige und gebietende Stellung ein als
+Nottingham. Mit dem Einflusse, welchen Rang, Reichthum und amtliche
+Würde verleihen, verband er den noch höheren Einfluß der
+wissenschaftlichen Bildung, der Beredtsamkeit
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_57" id = "pageXI_57">
+XI.57</a></span>
+und der Rechtschaffenheit. Sein orthodoxer Glaube, die Regelmäßigkeit
+seiner Andachtsübungen und die Reinheit seiner Sitten gaben seinen
+Ansichten über Fragen, welche die Interessen des Christenthums
+berührten, ein besonderes Gewicht. Von allen Ministern des neuen
+Herrscherpaares genoß er am meisten das Vertrauen der Geistlichkeit.
+Shrewsbury war sicherlich ein Whig und wahrscheinlich ein Freidenker,
+denn er hatte eine Religion verloren, und es war nicht deutlich zu
+erkennen, ob er eine andre gefunden. Halifax war seit vielen Jahren des
+Skepticismus, Deismus und Atheismus beschuldigt worden. Danby’s
+Anhänglichkeit an das Episkopat und die Liturgie war mehr politischer
+als religiöser Natur. Nottingham aber war ein Sohn, den die Landeskirche
+mit Stolz den Ihrigen nannte. In Folge dessen konnten Vorschläge, die,
+wenn sie von seinen Collegen ausgegangen wären, unfehlbar einen
+panischen Schrecken unter der Geistlichkeit hervorgerufen haben würden,
+wenn er sie machte, eine günstige Aufnahme selbst bei den Universitäten
+und Kapiteln finden. Die Freunde der religiösen Freiheit sehnten sich
+mit gutem Grunde nach seiner Mitwirkung, und er war auch, bis zu einem
+gewissen Punkte, nicht abgeneigt, Hand in Hand mit ihnen zu gehen. Er
+war entschieden für eine Toleranz; er war sogar für eine Comprehension,
+wie man es damals nannte, das heißt er wünschte einige Abänderungen in
+dem anglikanischen Kirchenregiment und Ritual vorzunehmen, um dadurch
+die Bedenken der gemäßigten Presbyterianer zu heben. Aber die Testacte
+wollte er nicht aufgeben. Der einzige Fehler, den er an dieser Acte
+fand, war, daß sie nicht nachdrücklich genug sei und Schlupfwege offen
+lasse, durch die sich Schismatiker zuweilen in bürgerliche Ämter
+einschlichen. In der That war er gerade deshalb geneigt, in einige
+Abänderungen in der Liturgie zu willigen, weil er keine Lust hatte, sich
+von der Testacte zu trennen. Er meinte, wenn der Eingang in die
+Staatskirche nur ein klein wenig erweitert werde, würden sehr viele
+Leute, welche bis dahin zaudernd auf der Schwelle gestanden, sich
+hereindrängen. Diejenigen, welche dann noch draußen blieben, würden
+nicht zahlreich oder mächtig genug sein, um ein weiteres Zugeständniß
+erzwingen zu können, und würden sich gern mit einer bloßen Toleranz
+abfinden lassen.<a class = "tag" name = "tagXI_84" id = "tagXI_84" href
+= "#noteXI_84">84</a></p>
+
+<p>Die Ansicht der Niederkirchlichen bezüglich der Testacte war von der
+seinigen durchaus verschieden. Vielen von ihnen aber schien es von
+höchster Wichtigkeit, seine Unterstützung bei den großen Fragen der
+Toleranz und der Comprehension zu erlangen. Aus den zerstreuten
+fragmentarischen Mittheilungen, welche auf uns gekommen sind, geht
+hervor, daß ein Vergleich zu Stande kam. Es ist gewiß, daß Nottingham es
+auf sich nahm, eine Toleranzbill und eine Comprehensionsbill
+einzubringen und sich nach besten Kräften zu bemühen, daß beide Bills im
+Hause der Lords angenommen würden. Und sehr wahrscheinlich ist es, daß
+einige von den leitenden Whigs in Anerkennung dieses großen Dienstes
+einwilligten, die Testacte vor der Hand unverändert fortbestehen zu
+lassen.</p>
+
+<p>Die Abfassung der Toleranzbill sowohl als der Comprehensionsbill
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_58" id = "pageXI_58">
+XI.58</a></span>
+hatte keine Schwierigkeiten. Vor neun oder zehn Jahren, als das
+Königreich von Angst vor einem papistischen Complot erfüllt und die
+Protestanten allgemein geneigt waren, sich gegen den gemeinsamen Feind
+zu verbinden, war die Lage der Dissenters vielfach discutirt worden. Die
+Regierung war damals bereit gewesen, der Whigpartei umfassende
+Zugeständnisse zu machen, unter der Bedingung, daß die Krone nach dem
+regelmäßigen Gange forterben dürfe. Zwei Gesetzentwürfe, von denen der
+eine den öffentlichen Gottesdienst der Nonconformisten gestattete, der
+andre einige Abänderungen in dem öffentlichen Gottesdienste der
+Staatskirche traf, waren vorbereitet worden und würden wahrscheinlich
+von beiden Häusern ohne Schwierigkeit angenommen worden sein, hätten
+nicht Shaftesbury und seine Coadjutoren sich geweigert, auf irgendwelche
+Bedingungen zu hören, und sich, indem sie nach Unerreichbarem die Hand
+ausstreckten, Vortheile entgehen lassen, welche leicht zu erlangen
+gewesen wären. An der Abfassung dieser Gesetzentwürfe hatte Nottingham,
+damals ein thätiges Mitglied des Hauses der Gemeinen, einen starken
+Antheil gehabt. Jetzt zog er sie aus dem Dunkel hervor, in welchem sie
+seit der Auflösung des Oxforder Parlaments geblieben waren, und legte
+sie mit einigen unbedeutenden Abänderungen auf den Tisch der Lords.<a
+class = "tag" name = "tagXI_85" id = "tagXI_85" href =
+"#noteXI_85">85</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_84" id = "noteXI_84" href = "#tagXI_84">84.</a>
+Oldmixon möchte uns glauben machen, daß Nottingham damals nicht
+abgeneigt gewesen sei, die Testacte aufzugeben. Aber Oldmixon’s
+Behauptung, welche durch keine Beweise unterstützt wird, ist von gar
+keinem Gewicht, und alle Zeugnisse, die er anführt, sprechen gegen seine
+Behauptung.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_85" id = "noteXI_85" href = "#tagXI_85">85.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 6</span>; Van Citters an die
+Generalstaaten, 1.(11.) März 1689; <span class = "antiqua">King
+William’s Toleration being an explanation of that liberty of conscience
+which may be expected from His Majesty’s Declaration, with a Bill for
+Comprehensions and Indulgence, drawn up in order to an Act of
+Parliament, licensed March 25. 1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Toleranzbill.</span>
+<a name = "secXI_42" id = "secXI_42">Die</a> Toleranzbill ging in beiden
+Häusern nach kurzer Debatte durch. Dieses berühmte Gesetz, das lange
+Zeit als die große Charte der Religionsfreiheit betrachtet wurde, ist
+seitdem umfassend modificirt worden und der jetzigen Generation fast nur
+dem Namen nach bekannt. Der Name wird jedoch von Vielen, welche
+vielleicht mit Verwunderung und Enttäuschung den wahren Character des
+Gesetzes kennen lernen werden, das sie in Ehren zu halten gewohnt waren,
+noch immer mit Achtung genannt.</p>
+
+<p>Mehrere Gesetze, welche zwischen der Thronbesteigung der Königin
+Elisabeth und der Revolution erlassen worden waren, schrieben Jedermann
+bei strengen Strafen vor, dem Gottesdienste der Kirche England’s
+beizuwohnen und sich des Besuchs von Conventikeln zu enthalten. Die
+Toleranzacte widerrief keines dieser Gesetze, sondern bestimmte nur, daß
+sie auf Niemanden Anwendung finden sollten, der seine Loyalität durch
+Ablegung der Unterthanen- und Suprematseide und seinen protestantischen
+Glauben durch Unterzeichnung der Erklärung gegen die Transsubstantiation
+bezeuge.</p>
+
+<p>Die so gewährte Erleichterung kam sowohl den dissentirenden Laien als
+den dissentirenden Geistlichen zu Gute. Der dissentirende Klerus aber
+hatte noch einige besondere Ursachen zu Beschwerden. Die
+Conformitätsacte hatte Jedem eine Geldbuße von hundert Pfund auferlegt,
+der sich, ohne die bischöfliche Ordination empfangen zu haben, anmaßen
+sollte, das Abendmahl zu reichen. Die Fünfmeilenacte hatte viele fromme
+und gelehrte Geistliche von ihren Wohnplätzen und ihren Freunden
+vertrieben, um in unbekannten Dörfern, welche auf keiner Landkarte zu
+finden waren, unter Bauern zu leben. Die Conventikelacte hatte
+denjenigen Geistlichen, welche vor Separatistenversammlungen predigen
+sollten, schwere
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_59" id = "pageXI_59">
+XI.59</a></span>
+Geldbuße auferlegt, und in directem Widerspruche mit dem humanen Geiste
+unsres gemeinen Rechts waren die Gerichtshöfe angewiesen, diese Acte in
+umfassender Ausdehnung und zur wirksamen Unterdrückung des Dissents wie
+zur Aufmunterung der Angeber zu handhaben. Diese strengen Gesetze waren
+nicht aufgehoben, sondern nur, mit vielen Bedingungen und Vorbehalten,
+gemildert. Es war vorgeschrieben, daß jeder dissentirende Geistliche,
+ehe er seine Amtsverrichtungen ausüben durfte, mit eigenhändiger
+Namensunterschrift seinen Glauben an die Artikel der englischen
+Staatskirche, mit wenigen Ausnahmen, feierlich erklären müsse. Die
+Punkte, zu denen seine Zustimmung nicht verlangt wurde, waren: daß die
+Kirche die Befugniß habe, das Ceremoniell zu reguliren, daß die in dem
+Homilienbuche aufgestellten Lehren richtig seien, und daß die Ceremonie
+der Ordination nichts Abergläubisches und Abgöttisches an sich habe.
+Erklärte er sich für einen Baptisten, so brauchte er außerdem nicht zu
+versichern, daß die Taufe der Kinder ein lobenswerther Gebrauch sei.
+Wenn ihm aber seine Überzeugung nicht gestattete, vierunddreißig von den
+neununddreißig Artikeln und den größten Theil von noch zwei anderen
+Artikeln zu unterschreiben, so durfte er nicht predigen, ohne sich allen
+den Strafen auszusetzen, welche die Cavaliere zur Zeit ihrer Macht und
+ihrer Rache ersonnen hatten, um die schismatischen Prediger zu quälen
+und zu Grunde zu richten.</p>
+
+<p>Die Lage der Quäker war von der der übrigen Dissenters verschieden,
+und zwar zu ihrem Nachtheile. Der Presbyterianer, der Independent und
+der Baptist hatten keine Bedenken wegen des Suprematseides. Der Quäker
+aber weigerte sich, denselben zu leisten, nicht weil er gegen den Satz,
+daß fremde Fürsten und Prälaten in England keine Rechtsgewalt haben,
+etwas einzuwenden gehabt hätte, sondern weil sein Gewissen ihm nicht
+gestattete, auf irgend etwas zu schwören. Daher war er der Strenge eines
+Theiles des Strafcodex ausgesetzt, welcher schon lange bevor das
+Quäkerthum existirte von den Parlamenten Elisabeth’s gegen die
+Römisch-Katholischen ausgearbeitet worden war. Die Toleranzacte erlaubte
+den Mitgliedern dieser harmlosen Secte, ihre Zusammenkünfte in Frieden
+abzuhalten, unter der Bedingung, daß sie drei Urkunden unterzeichneten:
+eine Erklärung gegen die Transsubstantiation, ein Versprechen der Treue
+gegen die Regierung, und ein christliches Glaubensbekenntniß. Die
+Einwendungen, welche der Quäker gegen die athanasianische Phraseologie
+machte, hatten ihm die Beschuldigung des Socinianismus zugezogen, und
+die starke Sprache, in der er zuweilen behauptete, daß er seine Kenntniß
+von überirdischen Dingen unmittelbarer Eingebung von Oben verdanke,
+hatte den Verdacht erweckt, daß er von der Autorität der heiligen
+Schrift nicht viel halte. Es wurde daher von ihm verlangt, daß er seinen
+Glauben an die Göttlichkeit des Sohnes und des heiligen Geistes, wie
+auch an die Inspiration des Alten und Neuen Testaments erklären
+solle.</p>
+
+<p>Dies waren die Bedingungen, unter denen die protestantischen
+Dissenters in England zum ersten Male Gott nach ihrer Überzeugung
+verehren durften. Es war ihnen ganz zweckmäßigerweise untersagt, ihre
+Versammlungen bei verschlossenen Thüren zu halten; eine Klausel aber,
+welche es für strafbar erklärte, ein Bethaus zu betreten, in der Absicht
+die Versammlung zu belästigen, schützte sie gegen feindliches
+Eindringen.</p>
+
+<p>Als ob die erwähnten Beschränkungen und Vorsichtsmaßregeln noch nicht
+ausreichend gewesen wären, wurde nachdrücklich erklärt, daß die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_60" id = "pageXI_60">
+XI.60</a></span>
+Legislatur gegen keinen Papisten oder irgend Jemanden, der die Lehre von
+der Dreieinigkeit, wie sie in den Formularen der englischen Landeskirche
+aufgestellt ist, verwerfe, die geringste Nachsicht zu üben gedenke.</p>
+
+<p>Von allen Acten, die jemals von einem Parlamente erlassen wurden, ist
+die Toleranzacte vielleicht diejenige, welche auf die eigenthümlichen
+Mängel und auf die eigenthümlichen Vorzüge der englischen Gesetzgebung
+das grellste Licht wirft. Die Staatswissenschaft ist in einer Hinsicht
+der Mathematik vollkommen analog. Der Mathematiker kann leicht darthun,
+daß eine gewisse Kraft, welche vermittelst eines Hebels oder eines
+Flaschenzugs angewendet wird, zum Heben einer gewissen Last ausreicht.
+Seine Demonstration gründet sich auf die Voraussetzung, daß die
+Maschinerie von der Art ist, daß keine Last sie biegen oder zerbrechen
+kann. Wenn aber der Mechaniker, der vermittelst wirklicher Balken und
+Seile eine große Masse wirklicher Steine zu heben hat, sich auf den
+Lehrsatz, den er in Werken über Dynamik findet, unbedingt verlassen und
+die Unvollkommenheit seines Materials nicht mit in Anschlag bringen
+wollte, so würde sein ganzer Apparat von Balken, Rädern und Seilen bald
+zusammenstürzen, und er würde mit all’ seinen mathematischen Kenntnissen
+als ein viel schlechterer Baumeister erfunden werden wie die bemalten
+Barbaren, welche Stonehenge erbauten, obgleich sie von dem
+Parallelogramm der Kräfte in ihrem Leben nichts gehört hatten. Wie sich
+der Mechaniker zu dem Mathematiker verhält, so verhält sich der
+praktische Staatsmann zu dem theoretischen Staatsmann. Es ist allerdings
+höchst wichtig, daß Gesetzgeber und Regierende die Theorie des Regierens
+genau kennen, wie es höchst wichtig ist, daß der Baumeister, der einen
+Obelisk auf sein Piedestal stellen oder eine Röhrenbrücke über einen
+Meeresarm legen soll, in der Theorie des Gleichgewichts und der Bewegung
+bewandert sei. Wie aber der, welcher wirklich zu bauen hat, an Vieles
+denken muß, wovon d’Alembert und Euler nie etwas erwähnt haben, so muß
+auch Der, welcher wirklich regieren soll, sich beständig durch
+Erwägungen leiten lassen, von denen in den Schriften Adam Smith’s oder
+Jeremias Bentham’s keine Rede ist. Der vollkommene Gesetzgeber hält die
+rechte Mitte zwischen dem Theoretiker, der nichts sieht als allgemeine
+Grundsätze, und dem bloßen Praktiker, der nur specielle Umstände ins
+Auge faßt. An Gesetzgebern, bei denen das spekulative Element bis zur
+völligen Ausschließung des praktischen vorherrschte, ist die Welt
+während der letzten achtzig Jahre auffallend fruchtbar gewesen. Ihrer
+Weisheit verdanken Europa und Amerika Dutzende von abortiven
+Verfassungen, welche gerade lange genug gelebt haben, um ein trauriges
+Aufsehen zu machen, und die dann unter krampfhaften Zuckungen
+verschieden sind. In der englischen Gesetzgebung aber hat das praktische
+Element vor dem spekulativen stets, und nicht selten ungebührlich
+vorgeherrscht. Nichts auf die Symmetrie, und viel auf die Zweckmäßigkeit
+zu geben; niemals eine Anomalie blos deshalb zu beseitigen, weil sie
+eine Anomalie ist; niemals eine Neuerung einzuführen, außer wenn sich
+ein Nachtheil fühlbar macht, und Neuerungen nur in so weit einzuführen
+als zur Hebung des Nachtheils nothwendig ist; niemals einen Vorschlag zu
+machen, der sich weiter erstreckte, als auf den speciellen Fall, für
+welchen Abhülfe zu schaffen ist: dies sind die Regeln, welche vom
+Zeitalter Johann’s bis zum Zeitalter Victoria’s die Verhandlungen
+unserer zweihundertfunfzig Parlamente geleitet haben. Unser nationaler
+Widerwille gegen alles Abstracte in der Staatswissenschaft ist
+allerdings so groß, daß
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_61" id = "pageXI_61">
+XI.61</a></span>
+er ein Fehler wird. Doch ist es vielleicht ein Fehler zum Guten. Daß wir
+bei der Verbesserung unserer Gesetze viel zu langsam gegangen sind, muß
+zugegeben werden. Obwohl aber in anderen Ländern gelegentlich ein
+rascherer Fortschritt stattgefunden haben mag, so würde es doch nicht
+leicht sein, ein andres Land zu nennen, in welchem so wenig Rückschritt
+stattgefunden hätte.</p>
+
+<p>Die Toleranzacte kommt dem Typus eines großen englischen Gesetzes
+sehr nahe. Einen Juristen, der in der Theorie der Gesetzgebung wohl
+bewandert, mit der Stimmung der Secten und Parteien aber, in welche die
+Nation zur Zeit der <ins class = "correction"
+title = "Original hat »Revolultion«">Revolution</ins> gespalten war, nicht genau bekannt wäre,
+würde jene Acte als ein wahres Chaos von Absurditäten und Widersprüchen
+erscheinen. Sie wird eine Prüfung nach richtigen allgemeinen Prinzipien
+nicht vertragen. Noch mehr, sie wird gar keine Prüfung nach irgend
+welchem, gleichviel ob richtigen oder falschen Prinzip vertragen. Das
+richtige Prinzip ist unzweifelhaft, daß ein rein theologischer Irrthum
+von der Civilobrigkeit nicht bestraft werden darf. Dieses Prinzip
+erkennt die Toleranzacte nicht nur nicht an, sondern sie leugnet es
+sogar positiv. Kein einziges von den harten Gesetzen, welche die Tudors
+oder die Stuarts gegen die Nonconformisten erlassen, ist aufgehoben.
+Verfolgung ist nach wie vor die allgemeine Regel; Toleranz ist die
+Ausnahme. Und dies ist noch nicht Alles. Die der Überzeugung gewählte
+Freiheit wird in der launenhaftesten Weise gewährt. Ein Quäker erlangt
+dadurch, daß er ein Glaubensbekenntniß in allgemeinen Ausdrücken ablegt,
+den vollen Genuß der Acte, ohne einen der neununddreißig Artikel zu
+unterschreiben. Ein Independentengeistlicher, der vollkommen bereit ist,
+die von dem Quäker verlangte Erklärung abzugeben, der aber wegen sechs
+oder sieben Artikeln Zweifel hegt, bleibt dem Strafgesetz unterworfen.
+Howe ist straffällig, wenn er predigt, ohne zuvor seine Zustimmung zu
+der anglikanischen Lehre vom Abendmahl feierlich erklärt zu haben. Penn,
+der das Abendmahl ganz verwirft, kann völlig ungehindert predigen, ohne
+irgend eine Erklärung über den Gegenstand abzugeben.</p>
+
+<p>Dies sind einige von den unleugbaren Fehlern, welche Jedem auffallen
+müssen, der die Toleranzacte nach dem Maßstabe der gesunden Vernunft
+betrachtet, welcher in allen Ländern und zu allen Zeiten der nämliche
+ist. Aber gerade diese Fehler können sich vielleicht als Vorzüge
+herausstellen, wenn wir die Leidenschaften und Vorurtheile Derer in
+Betracht ziehen, für welche die Toleranzacte erlassen wurde. Dieses an
+Widersprüchen, die jeder Stümper in der Politik entdecken kann,
+überreiche Gesetz leistete, was ein von den größten Meistern in der
+Staatswissenschaft auf das <ins class = "correction" title =
+"ungeändert">Geschicktste</ins> ausgearbeitetes Gesetz vielleicht nicht
+geleistet haben würde. Daß die obenangeführten Bestimmungen lästig,
+kindisch, einander widersprechend und mit der wahren Theorie der
+Religionsfreiheit nicht im Einklange sind, läßt sich nicht leugnen.
+Alles was zu ihrer Vertheidigung angeführt werden kann, ist, daß sie
+eine große Menge Hebel beseitigte, ohne eine große Menge Vorurtheile zu
+verletzen; daß sie mit einem Male und für immer, ohne eine einzige
+Abstimmung in einem der beiden Parlamentshäuser, ohne einen einzigen
+Straßenaufstand und fast ohne hörbares Murren selbst von Seiten der
+bigotteren Klassen, einer Verfolgung ein Ende machte, welche vier
+Generationen hindurch gewüthet, zahllose Herzen gebrochen, zahllose
+Herde verödet, die Gefängnisse mit Menschen gefüllt, welche für diese
+Welt zu gut waren, und Tausende von rechtschaffenen,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_62" id = "pageXI_62">
+XI.62</a></span>
+fleißigen und gottesfürchtigen Landleuten und Handwerkern, welche den
+eigentlichen Kern einer Nation bilden, über den Ocean getrieben hatte,
+um unter den Wigwams rothhäutiger Indianer und den Lagerplätzen der
+Panther eine Zufluchtsstätte zu suchen. Solche Vertheidigungsgründe
+mögen einigen oberflächlichen Theoretikern vielleicht schwach vorkommen,
+Staatsmänner aber werden sie ohne Zweifel für vollkommen ausreichend
+erklären.</p>
+
+<p>Die Engländer von 1689 waren keineswegs geneigt, das Prinzip gelten
+zu lassen, daß religiöser Irrthum ungestraft bleiben dürfe. Dieses
+Prinzip war gerade damals unpopulärer als je, denn es war erst vor
+wenigen Monaten arglistiger Weise als Vorwand benutzt worden, um die
+Landeskirche zu verfolgen, die Grundgesetze des Reichs mit Füßen zu
+treten, Freigüter einzuziehen und die bescheidene Ausübung des
+Petitionsrechts als ein Verbrechen zu behandeln. Wenn damals eine Bill
+entworfen worden wäre, welche allen Protestanten völlige
+Gewissensfreiheit gewahrt hätte, so kann man mit Gewißheit behaupten,
+daß Nottingham eine solche Bill niemals eingebracht, daß alle Bischöfe,
+Burnet nicht ausgenommen, dagegen gestimmt haben würden, daß sie jeden
+Sonntag von zehntausend Kanzeln herab als eine Beleidigung gegen Gott
+und gegen alle Christen und als ein Freibrief für die ärgsten Ketzer und
+Gottesleugner bezeichnet worden wäre, daß Bates und Baxter sie eben so
+heftig verdammt haben würden als Ken und Sherlock, daß sie in der Hälfte
+der englischen Städte vom Pöbel verbrannt worden, daß sie nie ein
+Landesgesetz geworden wäre und daß sie schon das Wort Toleranz der
+Mehrheit des Volks auf viele Jahre hinaus verhaßt gemacht haben würde.
+Und dennoch, wenn eine solche Bill durchgegangen wäre, was würde sie
+mehr bewirkt haben als die Toleranzacte bewirkte?</p>
+
+<p>Es ist wahr, die Toleranzacte erkannte die Verfolgung als Regel an
+und gewährte die Gewissensfreiheit nur als Ausnahme. Aber eben so wahr
+ist es, daß die Regel nur gegen einige Hundert protestantischer
+Dissenters in Kraft blieb und daß die Wohlthat der Ausnahme sich auf
+Hunderttausende erstreckte.</p>
+
+<p>Es ist wahr, daß es theoretisch widersinnig war, von Howe die
+Unterzeichnung von vierunddreißig oder fünfunddreißig der anglikanischen
+Artikel zu verlangen, bevor er predigen durfte, und Penn predigen zu
+lassen, ohne daß er einen einzigen dieser Artikel unterzeichnete. Aber
+eben so wahr ist es, daß Beide, Penn wie Howe, unter jenem Gesetz nicht
+minder volle Freiheit zu predigen erlangten, als sie sie unter dem
+weisesten Codex genossen haben würden, den ein Beccaria oder Jefferson
+hätte ausarbeiten können.</p>
+
+<p>Die Berathung der Bill ging leicht von Statten. Nur ein Amendement
+von Wichtigkeit wurde vorgeschlagen. Einige eifrige Kirchenmänner im
+Hause der Gemeinen sagten, daß es wohl wünschenswerth sein dürfte, die
+Toleranz nur auf einen Zeitraum von sieben Jahren zu bewilligen und so
+eine Garantie für das gute Verhalten der Nonconformisten zu erlangen.
+Dieser Antrag aber wurde so ungünstig aufgenommen, daß Die, welche ihn
+gestellt hatten, es nicht wagten, das Haus darüber abstimmen zu
+lassen.<a class = "tag" name = "tagXI_86" id = "tagXI_86" href =
+"#noteXI_86">86</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_63" id = "pageXI_63">
+XI.63</a></span>
+<p>Der König gab mit voller Befriedigung seine Zustimmung, die Bill
+wurde Gesetz und die puritanischen Geistlichen drängten sich in allen
+Grafschaften zu den Quartalsitzungen, um zu schwören und zu
+unterzeichnen. Viele von ihnen mochten ihre Zustimmung zu den Artikeln
+allerdings wohl mit einigen stillschweigenden Vorbehalten erklären.
+Baxter aber wollte sein ängstliches Gewissen nicht gestatten den Schritt
+zu thun, bevor er eine Erklärung über den Sinn, in welchem er jeden
+Punkt verstand, zu Protokoll gegeben hatte. Das Schriftstück, welches er
+dem Gerichtshofe, vor dem er die Eide leistete, überreichte, ist noch
+vorhanden und enthält zwei Stellen von besonderem Interesse. Er
+erklärte, daß seine Billigung des athanasianischen Glaubensbekenntnisses
+sich auf denjenigen Theil beschränke, der ein wirkliches
+Glaubensbekenntniß sei, und daß er den Verdammungssätzen nicht
+beistimme. Ebenso erklärte er, daß er durch Unterschreibung des
+Artikels, der über Alle, welche behaupten, man könne auch ohne Christi
+Vermittlung selig werden, ein Anathema verhängt, Diejenigen nicht
+verdammt haben wolle, welche die Hoffnung hegen, daß aufrichtige und
+tugendhafte Ungläubige an den Wohlthaten der Erlösung Theil haben
+können. Viele von den dissentirenden Geistlichen London’s erklärten ihre
+Verpflichtung zu diesen mildherzigen Gesinnungen.<a class = "tag" name =
+"tagXI_87" id = "tagXI_87" href = "#noteXI_87">87</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_86" id = "noteXI_86" href = "#tagXI_86">86.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, May 17. 1689</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_87" id = "noteXI_87" href = "#tagXI_87">87.</a>
+Sense of the subscribed articles by the Ministers of London, 1690;
+Calamy’s Historical Additions to Baxter’s Life.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Comprehensionsbill.</span>
+<a name = "secXI_43" id = "secXI_43">Die</a> Geschichte der
+Comprehensionsbill bildet einen auffallenden Contrast zur Geschichte der
+Toleranzbill. Beide Bills hatten einen gemeinsamen Ursprung und, in
+bedeutender Ausdehnung, auch einen gemeinsamen Zweck. Sie wurden zu
+gleicher Zeit entworfen und zu gleicher Zeit bei Seite gelegt; sie
+geriethen zusammen in Vergessenheit und wurden nach Verlauf mehrerer
+Jahre zusammen wieder vor die Augen der Welt gebracht. Beide wurden von
+dem nämlichen Peer auf den Tisch des Oberhauses niedergelegt und beide
+wurden dem nämlichen Ausschusse überwiesen. Bald aber begann es sich zu
+zeigen, daß sie ein ganz verschiedenes Schicksal haben würden. Die
+Comprehensionsbill war zwar ein besseres Probestück legislativer
+Geschicklichkeit, als die Toleranzbill, war aber nicht, wie diese, den
+Bedürfnissen, Gefühlen und Vorurtheilen der lebenden Generation
+angepaßt. In Folge dessen wurde die Comprehensionsbill, während die
+Toleranzbill von allen Seiten Unterstützung fand, von allen Seiten
+angegriffen und zuletzt selbst von Denen, die sie eingebracht hatten,
+lau und schwach vertheidigt. Um die nämliche Zeit, wo die Toleranzbill
+unter allgemeiner Zustimmung der Staatsmänner Gesetz wurde, ward die
+Comprehensionsbill unter nicht minder allgemeiner Zustimmung fallen
+gelassen. Die Toleranzbill nimmt heute noch unter den wichtigen
+Gesetzen, welche in unsrer Verfassungsgeschichte Epochen bezeichnen,
+eine Stelle ein. Die Comprehensionsbill ist vergessen. Kein Sammler von
+Alterthümern hat sie der Aufbewahrung werth gehalten. Ein einziges
+Exemplar, das nämliche, welches Nottingham den Peers vorlegte, befindet
+sich noch unter unseren Parlamentsacten, ist aber nur einigen wenigen
+jetzt lebenden Personen zu Gesicht gekommen. Es ist ein glücklicher
+Umstand, daß aus diesem Exemplare fast die ganze Geschichte der Bill zu
+ersehen ist. Trotz der Durchstreichungen und hineincorrigirten
+Änderungen sind die ursprünglichen Worte leicht
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_64" id = "pageXI_64">
+XI.64</a></span>
+von denen zu unterscheiden, welche im Ausschuß oder bei der
+Berichterstattung hineingeschrieben wurden.<a class = "tag" name =
+"tagXI_88" id = "tagXI_88" href = "#noteXI_88">88</a></p>
+
+<p>Die erste Klausel, wie sie bei Einbringung der Bill lautete, entband
+alle Geistlichen der Landeskirche der Nothwendigkeit, die neununddreißig
+Artikel zu unterschreiben. An die Stelle der Artikel war folgende
+Erklärung gesetzt: „Ich billige die Lehre und den Gottesdienst und das
+Regiment der Staatskirche England’s, wie sie gesetzlich bestehen, als
+alles zur Seligkeit Nothwendige enthaltend, und verspreche in der
+Ausübung meines geistlichen Amtes demgemäß zu predigen und zu handeln.“
+Eine andre Klausel gewährte den Mitgliedern der beiden Universitäten
+gleiche Begünstigung.</p>
+
+<p>Ferner war bestimmt, daß jeder Geistliche, der nach
+presbyterianischer Weise ordinirt worden, ohne nochmalige Ordination
+alle Rechte eines Priesters der Landeskirche erlangen konnte. Er mußte
+jedoch in seine neuen Functionen durch Händeauflegen seitens eines
+Bischofs eingeführt werden, welcher dabei folgende Formel auszusprechen
+hatte: „Empfange die Ermächtigung, das Wort Gottes zu predigen, die
+Sakramente darzureichen und alle anderen geistlichen Amtsverrichtungen
+in der Kirche von England auszuüben.“ Der so Aufgenommene war zur
+Bekleidung jedes Rectorats oder Vikariats im Königreiche befähigt.</p>
+
+<p>Dann folgten Klauseln, welche bestimmten, daß ein Geistlicher, außer
+in einigen wenigen Kirchen von besonderem Ansehen, den Chorrock tragen
+könne oder nicht, wie er es für gut fände, daß das Zeichen des Kreuzes
+bei der Taufe weggelassen werden dürfe, daß die Kinder ohne Pathen oder
+Pathinnen getauft werden dürften, wenn die Eltern es wünschten, und daß
+Leute, denen es Gewissensscrupel machte, das Abendmahl knieend zu
+empfangen, es sitzend empfangen dürften.</p>
+
+<p>Der Schlußsatz war in Form einer Petition gefaßt. Es war darin
+vorgeschlagen, daß die beiden Häuser den König und die Königin ersuchen
+sollten, eine Ordre zu erlassen, welche dreißig Theologen der
+Landeskirche ermächtigte, die Liturgie, die Kirchengesetze und die
+Einrichtung der geistlichen Gerichtshöfe zu untersuchen und die sich bei
+der Untersuchung als wünschenswerth herausstellenden Änderungen
+anzuempfehlen.</p>
+
+<p>Die Bill durchlief ruhig die ersten Stadien. Compton, welcher
+thatsächlich Primas war, seit Sancroft sich in Lambeth eingeschlossen
+hatte, unterstützte Nottingham aufs Kräftigste.<a class = "tag" name =
+"tagXI_89" id = "tagXI_89" href = "#noteXI_89">89</a> Im Ausschusse aber
+zeigte es sich, daß es eine starke Partei von Hochkirchlichen gab,
+welche entschlossen waren, kein einziges Wort, keine einzige Formalität
+aufzugeben, denen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_65" id = "pageXI_65">
+XI.65</a></span>
+es schien, daß Gebete ohne den Chorrock keine Gebete, der Täufling ohne
+das Zeichen des Kreuzes kein Christ, und Brod und Wein keine Denkzeichen
+der Erlösung und keine Gnadenvehikel seien, wenn sie nicht knieend
+empfangen würden. Warum, fragten diese Männer, sollte der gehorsame und
+treue Sohn der Landeskirche den Verdruß haben, in ihre majestätischen
+Chöre die unehrerbietigen Gebräuche eines Conventikels eingeführt zu
+sehen? Warum sollten seine Gefühle, seine Vorurtheile, wenn es wirklich
+Vorurtheile wären, weniger berücksichtigt werden als die Launen der
+Schismatiker? Wenn, wie Burnet und Leute wie Burnet nicht müde wurden zu
+wiederholen, einem schwachen Bruder Nachsicht gebühre, gebühre sie
+demjenigen Bruder, dessen Schwäche in seiner übergroßen Liebe zu einem
+alten, einfachen und schönen Ritual bestehe, das von Kindheit an in
+seiner Phantasie mit dem Erhabensten und Theuersten eng verbunden sei,
+weniger als dem Bruder, dessen grämlicher und streitsüchtiger Geist
+beständig auf läppische Einwendungen gegen harmlose und heilsame
+Gebräuche sinne? Aber die Bedenklichkeit des Puritaners sei wahrlich
+nicht die Art der Bedenklichkeit, welche der Apostel den Gläubigen zu
+respectiren befohlen habe. Sie entspringe nicht aus einer krankhaften
+Zartheit des Gewissens, sondern aus Tadelsucht und geistlichem Hochmuth,
+und wer das Neue Testament studirt habe, dem könne es unmöglich
+entgangen sein, daß, während es unsre Pflicht sei Alles zu vermeiden was
+dem Schwachen ein Ärgerniß geben könne, göttliche Vorschrift und
+göttliches Beispiel uns lehrten, dem anmaßenden und lieblosen Pharisäer
+kein Zugeständniß zu machen. Sollte Alles was nicht zum Wesen der
+Religion gehöre, aufgegeben werden, sobald es einem Haufen Zeloten,
+denen Eigendünkel und Neuerungssucht die Köpfe verdreht hätte, nicht
+mehr gefalle? Bemaltes Glas, Musik, Feiertage und Festtage gehörten
+nicht zum Wesen der Religion. Sollten auf Verlangen der einen Schaar
+Fanatiker die Fenster der Kapelle von King’s College zerbrochen werden?
+Sollte einer andren zu Gefallen die Orgel von Exeter verstummen? Sollten
+alle Dorfglocken schweigen, weil Tribulation Wholesome oder Diakonus
+Ananias sie für profan hielten? Sollte das Christfest kein Freudentag
+mehr sein? Sollte die Passionswoche nicht länger eine Zeit der
+Demüthigung bleiben? Diese Änderungen waren allerdings noch nicht
+vorgeschlagen worden. Wenn wir aber, argumentirten die Hochkirchlichen,
+einmal zugeben, daß etwas Harmloses und Erbauliches abgeschafft werde,
+weil es einigen beschränkten Köpfen und Grämlingen Anstoß giebt, wo
+sollen wir dann einhalten? Und ist es nicht wahrscheinlich, daß wir,
+indem wir so versuchen, ein Schisma zu heilen, ein andres hervorrufen
+können? Alle die Dinge, welche die Puritaner als Flecken der Kirche
+betrachten, werden von einem großen Theile der Bevölkerung zu den
+Schönheiten derselben gerechnet. Kann sie nicht, indem sie aufhört
+einigen mürrischen Rigoristen Ärgerniß zu geben, zu gleicher Zeit ihren
+Einfluß auf die Herzen Vieler verlieren, die sich jetzt an ihren
+Gebräuchen erfreuen? Steht nicht zu befürchten, daß für jeden
+Proselyten, den sie aus dem Bethause an sich zieht, zehn ihrer alten
+Söhne ihren verstümmelten Riten und des Schmuckes beraubten Tempeln den
+Rücken kehren und daß diese neuen Separatisten sich entweder zu einer
+viel mächtigeren Secte als die, welche wir jetzt zu versöhnen suchen,
+zusammenschaaren oder in der Heftigkeit ihres Abscheues vor einer kalten
+und unwürdigen Gottesverehrung sich verleiten lassen, zu dem feierlichen
+und glänzenden Götzendienst Rom’s überzugehen?</p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_66" id = "pageXI_66">
+XI.66</a></span>
+<p>Es ist bemerkenswerth, daß Die, welche diese Sprache führten,
+keineswegs geneigt waren, für die doctrinellen Artikel der Staatskirche
+zu streiten. In Wahrheit hat seit den Zeiten Jakob’s I. die große
+Partei, welche besonders für die anglikanische Kirchenverfassung und das
+anglikanische Ritual eingenommen war, sich immer stark zum Arminianismus
+hingeneigt und daher nie sehr fest an einem Glaubensbekenntniß gehangen,
+das von Reformatoren entworfen war, welche in Fragen der metaphysischen
+Theologie im Allgemeinen mit Calvin übereinstimmten. Eines von den
+characteristischen Kennzeichen dieser Partei ist die Geneigtheit, welche
+sie stets an den Tag gelegt hat, sich bei Punkten der dogmatischen
+Theologie lieber auf die aus Rom stammende Liturgie als auf die aus Genf
+stammenden Artikel und Homilien zu berufen. Die calvinistischen
+Mitglieder der Kirche haben dagegen stets behauptet, daß die
+wohlerwogene Meinung derselben über solche Punkte vielmehr in einer
+Homilie oder in einer Dankeshymne zu finden sei. Es scheint nicht, daß
+bei den Debatten über die Comprehensionsbill ein einziger
+Hochkirchlicher seine Stimme gegen die Klausel erhob, welche den Klerus
+der Nothwendigkeit entband, die Artikel zu unterschreiben und die in den
+Homilien enthaltene Doctrin für richtig zu erklären. Die Erklärung,
+welche in dem ursprünglichen Entwurf an die Stelle der Artikel gesetzt
+war, wurde sogar in der Berichterstattung sehr gemildert. Nach dem
+schließlichen Wortlaute der Klausel war den Dienern der Landeskirche
+vorgeschrieben zu erklären, nicht daß sie ihre Verfassung <span class =
+"extended">billigten</span>, sondern bloß daß sie sich derselben
+unterwürfen. Wäre die Bill Gesetz geworden, so würden die dissentirenden
+Prediger die Einzigen im ganzen Königreiche geworden sein, welche die
+Artikel zu unterschreiben gehabt hätten.<a class = "tag" name =
+"tagXI_90" id = "tagXI_90" href = "#noteXI_90">90</a></p>
+
+<p>Die Leichtigkeit mit der die eifrigen Freunde der Landeskirche das
+Glaubensbekenntniß derselben aufgaben, contrastirt auffallend mit der
+Begeisterung, mit der sie für die Verfassung und das Ritual derselben
+stritten. Die Klausel, welche presbyterianischen Geistlichen gestattete,
+ohne bischöfliche Ordination Pfründen zu besitzen, wurde verworfen. Die
+Klausel, welche skrupulösen Personen gestattete, sitzend zu
+communiciren, entging mit genauer Noth dem nämlichen Schicksale. Im
+Ausschusse wurde sie weggestrichen und bei der Berichterstattung nur mit
+großer Mühe wieder aufgenommen. Die Majorität der anwesenden Peers war
+gegen die vorgeschlagene Begünstigung und nur die Stellvertreter gaben
+gerade noch den entgegengesetzten Ausschlag.</p>
+
+<p>Inzwischen begann es sich jedoch zu zeigen, daß der Bill, welche die
+Anhänger der Hochkirche so heftig angriffen, von ganz andrer Seite
+Gefahren drohten. Die nämlichen Gründe, welche Nottingham bewogen hatten
+eine Comprehension zu unterstützen, machten dieselbe für eine große
+Anzahl von Dissenters zu einem Gegenstande der Besorgniß und Abneigung.
+Das Wahre ist, daß die Zeit für einen solchen Plan vorüber war. Wäre
+Elisabeth hundert Jahre früher, als die Spaltung unter den Protestanten
+noch neu war, so weise gewesen, von dem Verlangen der Beobachtung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_67" id = "pageXI_67">
+XI.67</a></span>
+einiger weniger Formen abzustehen, welche ein großer Theil ihrer
+Unterthanen als papistisch betrachtete, so hatte sie vielleicht die
+entsetzlichen Calamitäten verhüten können, welche vierzig Jahre nach
+ihrem Tode die Kirche heimsuchten. Aber eine Kirchenspaltung hat in der
+Regel die Tendenz, sich zu vergrößern. Hätte Leo X., als die
+Erpressungen und Betrügereien der Ablaßkrämer zuerst den Unwillen
+Sachsen’s erregten, diesem Unwesen mit kräftiger Hand gesteuert, so ist
+es nicht unwahrscheinlich, daß Luther im Schooße der römischen Kirche
+gestorben sein würde. Aber man ließ die Gelegenheit unbenutzt
+vorübergehen, und als wenige Jahre später der Vatikan durch
+Nachgiebigkeit in dem ursprünglichen Streitpunkte gern den Frieden
+erkauft haben würde, war der ursprüngliche Gegenstand des Streits fast
+vergessen. Der durch einen einzelnen Mißbrauch geweckte Prüfungsgeist
+hatte tausende entdeckt oder zu entdecken geglaubt; Controversen
+erzeugten Controversen, jeder Versuch, den einen Streit beizulegen,
+endigte damit, daß er einen andren hervorrief, und schließlich machte
+ein allgemeines Concil, das man während der ersten Stadien des Übels für
+ein untrügliches Heilmittel gehalten hatte, die Sache völlig
+hoffnungslos. In dieser Beziehung wie in vielen anderen gleicht die
+Geschichte des Puritanismus in England genau der Geschichte des
+Protestantismus in Europa. Das Parlament von 1689 konnte durch Duldung
+eines Gewandes oder einer Stellung der Nonconformität eben so wenig ein
+Ende machen, wie die Doctoren von Trient durch Regulirung des Ablasses
+die teutonischen Völker mit dem Papstthum versöhnen konnten. Im 16.
+Jahrhundert war das Quäkerthum noch unbekannt und es gab im ganzen
+Reiche nicht eine einzige Independenten- oder Baptistengemeinde. Zur
+Zeit der Revolution bildeten die Independenten, Baptisten und Quäker die
+Majorität der Dissenters und diese Secten konnten nicht durch
+Bedingungen gewonnen werden, welche der entschiedenste Niederkirchliche
+zu bieten geneigt gewesen wäre. Der Independent war der Ansicht, daß
+eine Landeskirche, welche durch was immer für eine Centralgewalt, ob
+Papst, Patriarch, König, Bischof oder Synode, regiert wurde, eine nicht
+schriftgemäße Institution und daß jede Gemeinschaft von Gläubigen unter
+Christi Autorität eine souveraine Gesellschaft sei. Der Baptist war noch
+unnachgiebiger als der Independent, und der Quäker noch unnachgiebiger
+als der Baptist. Daher würden Concessionen, welche vor Zeiten der
+Nonconformität ein Ende gemacht hätten, jetzt noch nicht die Hälfte der
+Nonconformisten befriedigt haben, und jedem Nonconformisten, den kein
+Zugeständniß befriedigen konnte, mußte nothwendig darum zu thun sein,
+daß auch keiner seiner Glaubensbrüder zu befriedigen war. Je liberaler
+die Bedingungen der Comprehension waren um so größer war die Besorgniß
+jedes Separatisten, welcher wußte, daß er in keinem Falle comprehensirt
+werden konnte. Es war also nur wenig Hoffnung, daß die Dissenters, auch
+wenn sie ungetheilt und wie <ins class = "correction" title =
+"ungeändert">Ein</ins> Mann handelten, von der Legislatur volle
+Zulassung zu bürgerlichen Rechten erlangen würden, und jede Hoffnung,
+diese Zulassung zu erlangen, mußte aufgegeben werden, wenn es Nottingham
+mit Hülfe einiger wohlmeinender aber kurzsichtiger Freunde der
+Religionsfreiheit möglich werden sollte, seinen Plan durchzuführen. Wenn
+seine Bill durchging, so erfolgte unzweifelhaft ein erheblicher Abfall
+von der Dissenterschaft, und jeder Abfall mußte von einer ohnehin schon
+in der Minderzahl befindlichen, unterdrückten und gegen mächtige Feinde
+kämpfenden Klasse schwer empfunden
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_68" id = "pageXI_68">
+XI.68</a></span>
+werden. Überdies mußte jeder Proselyt doppelt gezählt werden, einmal als
+Verlust für die Partei, welche gerade jetzt nur zu schwach war, und
+einmal als Gewinn für die schon zu starke Gegenpartei. Die Kirche war
+nur zu gut im Stande, allen Secten im Königreiche die Spitze zu bieten,
+und wenn diese Secten durch einen bedeutenden Abfall gelichtet und die
+Kirche durch einen bedeutenden Zugang verstärkt werden sollte, so war es
+offenbar mit aller Aussicht auf eine Milderung der Testacte vorbei und
+nur zu wahrscheinlich, daß die Toleranzacte bald wieder zurückgenommen
+werden würde.</p>
+
+<p>Selbst diejenigen presbyterianischen Geistlichen, deren
+Gewissensscrupel zu heben die Comprehensionsbill insbesondere bestimmt
+war, hegten keineswegs einhellig den Wunsch, sie angenommen zu sehen.
+Die talentvollsten und beredtsamsten Prediger waren seit dem Erscheinen
+der Indulgenzerklärung sehr angenehm in der Hauptstadt und anderen
+großen Städten placirt und sollten jetzt unter der sicheren Garantie
+einer Parlamentsacte die Duldung genießen, welche unter der
+Indulgenzerklärung gesetzwidrig und unsicher gewesen war. Die Lage
+dieser Männer war von der Art, daß die große Mehrzahl der Geistlichen
+der Landeskirche sie mit Recht beneiden konnten. In der That, nur wenige
+Parochialgeistliche waren so reichlich mit Bequemlichkeiten und Genüssen
+bedacht, als der Lieblingsprediger einer großen Nonconformistengemeinde
+in der City. Die freiwilligen Beiträge seiner wohlhabenden Zuhörer,
+bestehend aus Aldermen und Rathsherren, Kaufleuten, welche nach
+Westindien und der Levante Handel trieben, Ältesten der Fischhändler-
+und Goldschmiedgilden, setzten ihn in den Stand, Grundeigenthümer zu
+werden oder auf Hypotheken auszuleihen. Das feinste Tuch aus Blackwell
+Hall und das beste Geflügel von Leadenhall Market wurden ihm häufig ins
+Haus gebracht, sein Einfluß auf seine Gemeinde war ungeheuer. Kein
+Mitglied einer Separatistengesellschaft ging so leicht ein
+Compagniegeschäft ein, oder verheirathete seine Tochter, oder brachte
+seinen Sohn in die Lehre, oder gab seine Stimme bei einer Wahl ab, ohne
+seinen Seelsorger zu Rathe zu ziehen. In allen politischen und
+religiösen Fragen war der Geistliche das Orakel seiner Gemeinde. Seit
+vielen Jahren pflegte man im Volke zu sagen, daß ein ausgezeichneter
+Dissentergeistlicher nur seinen Sohn Advokat oder Arzt werden zu lassen
+brauche, um gewiß zu sein, daß er als Advokat Klienten und als Arzt
+Patienten haben werde. Während ein gewöhnliches Dienstmädchen in der
+Regel als die für einen Kaplan der Landeskirche passende Lebensgefährtin
+betrachtet wurde, galt es für ausgemacht, daß die Wittwen und Töchter
+reicher Bürger vorzugsweise den nonconformistischen Pastoren zukamen.
+Ein angesehener presbyterianischer Rabbi konnte somit wohl daran
+zweifeln, ob er in weltlicher Beziehung durch eine Comprehension etwas
+gewinnen werde. Er konnte allerdings eine Pfarre oder eine Vikarstelle
+bekleiden, wenn er eine bekam; inzwischen aber wurde er dem Mangel
+preisgegeben, sein Versammlungshaus wurde geschlossen, seine Gemeinde
+zerstreute sich unter die Pfarrkirchen, und wenn ihm eine Pfründe
+verliehen wurde, so bot sie ihm wahrscheinlich nur einen kärglichen
+Ersatz für das verlorne Einkommen. Eben so wenig durfte er hoffen, als
+Diener der anglikanischen Kirche die Autorität und das Ansehen zu
+erlangen, die er bisher genossen hatte. Von einem großen Theile dieser
+Kirche würde er stets als ein Überläufer betrachtet werden. Es
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_69" id = "pageXI_69">
+XI.69</a></span>
+war daher im Ganzen genommen sehr natürlich, wenn er da gelassen zu
+werden wünschte wo er war.<a class = "tag" name = "tagXI_91" id =
+"tagXI_91" href = "#noteXI_91">91</a></p>
+
+<p>In Folge dessen entstand eine Spaltung in der Whigpartei. Der eine
+Theil war für die Entbindung der Dissenters von der Testacte und für
+Aufgeben der Comprehensionsbill, der andre Theil war für Unterstützung
+der Comprehensionsbill und für Verschiebung der Angelegenheit wegen der
+Testacte bis zu einer passenderen Zeit. Die Wirkung dieser Spaltung
+unter den Freunden der religiösen Freiheit war, daß die Anhänger der
+Hochkirche, obgleich sie im Hause der Gemeinen eine Minorität und im
+Hause der Lords keine Majorität bildeten, beiden gefürchteten Reformen
+mit Erfolg zu opponiren vermochten. Die Comprehensionsbill wurde nicht
+angenommen und die Testacte wurde nicht widerrufen.</p>
+
+<p>Gerade in dem Augenblicke als die beiden Fragen des Testes und der
+Comprehension sich in eine Weise mit einander zu verwickeln begannen,
+welche einen aufgeklärten und rechtschaffenen Staatsmann wohl in
+Verlegenheit setzen konnte, gesellte sich dazu noch eine dritte Frage
+von hoher Wichtigkeit.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_88" id = "noteXI_88" href = "#tagXI_88">88.</a>
+Die Bill befindet sich in den Archiven des Hauses der Lords. Es ist
+befremdend, daß diese große Sammlung wichtiger Dokumente selbst von
+unseren gewissenhaftesten und fleißigsten Geschichtsforschern ganz
+unbeachtet gelassen worden ist. Sie wurde mir durch einen meiner
+werthesten Freunde, Mr. John Lefevre, geöffnet und die Güte des Mr.
+Thoms unterstützte mich wesentlich bei meinen Nachforschungen.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_89" id = "noteXI_89" href = "#tagXI_89">89.</a>
+Unter den Tanner’schen Manuscripten in der Bodlejanischen Bibliothek
+befindet sich ein höchst interessanter Brief von Compton an Sancroft
+über die Toleranzbill und die Comprehensionsbill. „Dies,“ sagt Compton,
+„sind zwei wichtige Werke, bei denen die Existenz unsrer Kirche
+interessirt ist, und ich hoffe, Sie werden sich aus dem Parlamente
+Exemplare davon holen lassen. Denn obgleich wir unter einer Eroberung
+stehen, hat Gott uns doch Gnade geschenkt vor den Augen unserer
+Herrscher, und wir können unsre Kirche aufrecht halten, wenn wir
+wollen.“ Sancroft scheint nicht darauf geantwortet zu haben.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_90" id = "noteXI_90" href = "#tagXI_90">90.</a>
+Die Abneigung der Hochkirchlichen gegen die Artikel ist Gegenstand einer
+interessanten Flugschrift, welche 1689 unter dem Titel erschien: <span
+class = "antiqua">A&nbsp;Dialogue between Timothy and Titus</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_91" id = "noteXI_91" href = "#tagXI_91">91.</a>
+Tom Brown sagt in seiner derb komischen Manier von den damaligen
+presbyterianischen Geistlichen, ihr Predigen „bringe Geld ein, mit Geld
+kaufe man Grundbesitz und Grundbesitz sei ein Genuß, nach dem jedem von
+ihnen gelüste, trotz ihres scheinheiligen Gewinsels. Wären die
+Quartalbeiträge nicht, so würde es kein Schisma und keine Separation
+mehr geben.“ Er fragt, wie es denkbar sei, daß sie, „wenn sie sich
+während der Spaltung wie Gentlemen ständen, jemals Lehren predigen
+würden, welche den Bruch heilen könnten?“ &mdash; <span class =
+"antiqua">Brown’s Amusements, Serious and Comical.</span> &mdash; Einige
+interessante Beispiele von dem Einflusse, den die vornehmsten
+Dissentergeistlichen ausübten, finden sich in Hawkins’ <span class =
+"antiqua">Life of Johnson</span>. In dem „Tagebuche eines Bürgers, der
+sich zur Ruhe gesetzt hat“ (<span class = "antiqua">Spectator
+317</span>.) erlaubt sich Addison einige sehr gute Witze über den
+Gegenstand. Der Mr. Nisby, dessen Ansichten über den Frieden, den
+Großvezier und den gezuckerten Kaffee mit so großem Respect angeführt
+werden, und der so freigebig mit Marksknochen, Ochsenfleisch und einer
+Flasche von Brooks &amp; Hellier regalirt wird, ist John Nesbit, ein
+sehr beliebter Prediger, der zur Zeit der Revolution Pastor einer
+Dissentergemeinde in Hare Court, Aldergate Street, wurde. In Wilson’s
+<span class = "antiqua">History and Antiquities of Dissenting Churches
+and Meeting Houses in London, Westminster and Southwark</span> findet
+man mehrere Beispiele von nonconformistischen Predigern angeführt,
+welche um diese Zeit zu hübschem Vermögen gelangten, meist durch
+Heirathen, wie es scheint.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Bill zur Festsetzung der Huldigungs- und Suprematseide.</span>
+<a name = "secXI_44" id = "secXI_44">Die</a> seitherigen Huldigungs- und
+Suprematseide enthielten einige Ausdrücke, welche den Whigs stets
+mißfallen hatten, und wieder andere, welche Tories, die der neuen
+Ordnung der Dinge aufrichtig zugethan waren, für unanwendbar auf Fürsten
+hielten, welche das erbliche Recht nicht besaßen. Die Convention hatte
+daher, als der Thron noch erledigt war, die Huldigungs- und
+Suprematseide entworfen, durch die wir noch heute unsrem Souverain unsre
+Loyalität bezeugen. Durch die Acte, welche die Convention in ein
+Parlament verwandelte, wurde den Mitgliedern beider Häuser
+vorgeschrieben, die neuen Eide zu leisten. Bezüglich der anderen
+öffentlichen Beamten war es schwer zu sagen, wie das Gesetz stand. Die
+eine Wortformel war durch ordnungmäßig angenommene und noch nicht
+ordnungmäßig aufgehobene Gesetze vorgeschrieben. Eine andre Formel war
+durch die Rechtserklärung vorgeschrieben, ein Instrument, das zwar
+revolutionär und regelwidrig war, das aber wohl als jedem andren Gesetze
+an Autorität gleichstehend angesehen werden konnte. Die Praxis
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_70" id = "pageXI_70">
+XI.70</a></span>
+war in eben so großer Verwirrung als das Gesetz. Es wurde daher als
+nothwendig erkannt, daß die Legislatur unverzüglich eine Acte erließe,
+welche die alten Eide abschaffte und zugleich bestimmte, wann und von
+wem die neuen Eide geleistet werden sollten.</p>
+
+<p>Die Bill, welche diese wichtige Frage erledigte, ging vom Oberhause
+aus. Die meisten Bestimmungen boten der Meinungsverschiedenheit wenig
+Spielraum. Man war allgemein darüber einverstanden, daß in Zukunft
+Niemand ein bürgerliches, militärisches, geistliches oder akademisches
+Amt erhalten solle, der nicht Wilhelm und Marien die Eide geleistet
+habe. Eben so allgemein war man damit einverstanden, daß Jeder, der
+bereits ein bürgerliches oder militärisches Amt bekleidete, aus
+demselben entfernt werden sollte, wenn er nicht an oder vor dem 1.
+August 1689 die Eide leistete. Die heftigsten Leidenschaften beider
+Parteien aber wurden durch die Frage erregt, ob Personen, welche bereits
+kirchliche oder akademische Ämter inne hatten, gehalten sein sollten,
+dem Könige und der Königin, bei Strafe der Absetzung, Treue zu schwören.
+Niemand konnte sagen, welchen Eindruck ein Gesetz machen würde, das
+allen Mitgliedern eines großen, mächtigen und geheiligten Standes
+vorschrieb, unter der feierlichsten religiösen Bekräftigung eine
+Erklärung abzugeben, welche als ein förmlicher Widerruf alles dessen was
+sie seit vielen Jahren geschrieben und gepredigt hatten, angesehen
+werden konnte. Der Primas und einige der angesehensten Bischöfe waren
+schon aus dem Parlamente weggeblieben und ließen ohne Zweifel eher ihre
+Paläste und Einkünfte im Stiche, als daß sie die neuen Souveraine
+anerkannten. Dem Beispiele dieser hohen Prälaten folgten vielleicht eine
+Menge Geistlicher niederen Ranges, Hunderte von Canonici, Präbendarien
+und Collegiaten und Tausende von Pfarrern. Einem solchen Ereignisse
+konnte kein Tory, mochte er auch mit sich selbst völlig im Klaren
+darüber sein, daß er dem factischen Könige rechtmäßigerweise den
+Huldigungseid leisten könne, ohne die schmerzlichsten Regungen von
+Theilnahme für die Dulder und von Besorgniß für die Kirche
+entgegensehen.</p>
+
+<p>Einige Personen gingen so weit zu leugnen, daß ein Parlament
+überhaupt befugt sei, ein Gesetz zu erlassen, welches einem Bischofe bei
+Strafe der Absetzung vorschreibe, den Eid zu leisten. Keine irdische
+Macht, sagten sie, könne das Band zerreißen, das den Nachfolger der
+Apostel an seine Diöcese knüpfe. Was Gott zusammengefügt habe, könne der
+Mensch nicht trennen. Könige und Senate könnten Worte auf Pergament
+kritzeln und Figuren in Wachs drücken; aber diese Worte und Figuren
+könnten den Lauf der geistlichen Welt so wenig ändern wie den Lauf der
+physischen Welt. Wie der Schöpfer des Weltalls eine gewisse Ordnung
+festgesetzt habe, nach welcher es ihm gefalle, Winter und Sommer, Saat-
+und Erntezeit zu senden, eben so habe er eine gewisse Ordnung
+festgesetzt, nach der er seiner katholischen Kirche seine Gnade zu Theil
+werden lasse, und die letztere Ordnung sei, wie die erstere, unabhängig
+von den Gewalthabern und Fürsten der Welt. Eine Legislatur könne die
+Namen der Monate ändern, könne den Juni December und den December Juni
+nennen, aber trotz aller Legislatur werde Schnee fallen, wenn die Sonne
+im Steinbock, und Blumen blühen, wenn sie im Krebs stände. Eben so könne
+die Legislatur befehlen, daß Ferguson oder Muggleton im Palaste zu
+Lambeth wohnen, auf dem Throne Augustin’s sitzen, Euer Gnaden genannt
+werden und bei Prozessionen vor dem ersten Herzoge gehen solle, trotz
+der
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_71" id = "pageXI_71">
+XI.71</a></span>
+Legislatur aber werde Sancroft, so lange er lebe, der einzig wahre
+Erzbischof von Canterbury, und Derjenige, der sich die erzbischöflichen
+Functionen anzumaßen wage, ein Schismatiker sein. Diese Doctrin wurde
+mit Gründen bewiesen, welche dem Knospen des Machtkrauts und einer
+gewissen Platte entlehnt waren, die Jakob der Kleine nach einer Legende
+des 4. Jahrhunderts auf der Stirn zu tragen pflegte. Ein von der
+Absetzung der Bischöfe handelndes Manuscript wurde um diese Zeit in der
+Bodlejanischen Bibliothek entdeckt und Gegenstand einer heftigen
+Polemik. Die eine Partei meinte, Gott habe dieses kostbare Werk
+wunderbarerweise an’s Licht gezogen, um seine Kirche in einem äußerst
+kritischen Augenblicke zu leiten. Die andre Partei wunderte sich, wie
+man dem Unsinne eines namenlosen Scribenten des 13. Jahrhunderts die
+geringste Wichtigkeit beilegen könne. Es wurde viel geschrieben über die
+Absetzungen des Chrisostomus und des Photius, des Nikolaus Mysticus und
+des Cosmas Atticus. Mit besonderem Eifer aber wurde der Fall des
+Abjathar discutirt, den Salomo wegen Verraths aus dem Priesteramte
+entfernte. Keine geringe Quantität Gelehrsamkeit und Scharfsinn wurde
+auf den Versuch verwendet, zu beweisen, daß Abjathar, obgleich er den
+Leibrock trug und nach dem Urim antwortete, nicht wirklich Hoherpriester
+gewesen sei, daß er nur dann fungirt habe, wenn sein Vorgesetzter Zadoc
+durch Krankheit oder durch eine ceremonielle Entweihung abgehalten
+worden sei und daß daher die Handlung Salomo’s kein Präcedenzfall sei,
+der dem Könige Wilhelm das Recht gebe, einen wirklichen Bischof
+abzusetzen.<a class = "tag" name = "tagXI_92" id = "tagXI_92" href =
+"#noteXI_92">92</a></p>
+
+<p>Doch eine solche Argumentation, obwohl durch zahlreiche Citate aus
+der Mischna und aus Maimonides unterstützt, war im allgemeinen selbst
+eifrigen Kirchenmännern nicht genügend. Denn sie ließ eine kurze, aber
+einem einfachen Manne, der von griechischen Vätern und levitischen
+Genealogien nichts wußte, vollkommen verständliche Antwort zu. Ob König
+Salomo einen Hohenpriester abgesetzt habe, darüber konnte noch ein
+Zweifel obwalten; aber es unterlag nicht dem geringsten Zweifel, daß die
+Königin Elisabeth mehr als die Hälfte der Bischöfe England’s ihrer
+Bisthümer beraubt hatte. Es war notorisch, daß vierzehn Prälaten ohne
+irgend welche Procedur bei einem geistlichen Gerichtshofe durch eine
+Parlamentsacte abgesetzt worden waren, weil sie das Supremat der Königin
+nicht hatten anerkennen wollen. Waren diese Absetzungen null und nichtig
+gewesen? War Bonner bis an sein Lebensende der einzig wahre Bischof von
+London geblieben? War sein Nachfolger ein Usurpator gewesen? Waren
+Parker und Jewel Schismatiker gewesen? Hatte sich die Convocation von
+1562, welche die Doctrin der englischen Staatskirche endgültig
+festgestellt, selbst außer dem Schooße der Kirche Christi befunden? Es
+konnte nichts Lächerlicheres geben als die Verlegenheit der Polemiker,
+welche eine Vertheidigung Elisabeth’s auffinden sollten, die nicht auch
+eine Vertheidigung Wilhelm’s war. Einige Zeloten gaben allerdings den
+eitlen Versuch auf, zwischen zwei Fällen einen Unterschied zu machen,
+zwischen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_72" id = "pageXI_72">
+XI.72</a></span>
+denen, wie der einfachste Verstand einsah, kein Unterschied war, und
+gestanden offen zu, daß die Absetzungen von 1559 nicht zu rechtfertigen
+seien. Doch, sagte man, solle sich darüber Niemand beunruhigen, denn
+wenn auch die englische Kirche einmal schismatisch gewesen sei, so sei
+sie doch wieder katholisch geworden, als die von Elisabeth abgesetzten
+Bischöfe aufgehört hätten zu leben.<a class = "tag" name = "tagXI_93" id
+= "tagXI_93" href = "#noteXI_93">93</a> Die Tories waren indessen nicht
+allgemein geneigt zuzugeben, daß die Religionsgesellschaft, an der sie
+mit Liebe hingen, aus einem ungesetzlichen Bruche der Einheit entstanden
+sei. Sie faßten daher tieferen und haltbareren Grund. Sie behandelten
+die Frage als eine Frage der Humanität und Zeitgemäßheit. Sie sprachen
+viel von dem Danke, den die Nation dem Priesterstande schuldig sei, von
+dem Muthe und der Treue, womit dieser Stand, vom Primas bis herab zum
+jüngsten Diakonus, neuerdings die bürgerliche und kirchliche Verfassung
+des Reichs vertheidigt habe, von dem denkwürdigen Sonntage, an welchem
+in allen hundert Kirchen der Hauptstadt kaum ein Sklave zu finden
+gewesen war, der die Indulgenzerklärung verlesen hätte; von dem
+schwarzen Freitage, an welchem die Barke der sieben Prälaten unter den
+Segenswünschen und dem lauten Schluchzen einer zahlreichen Volksmenge
+durch das Wasserthor des Tower einfuhr. Die Festigkeit, mit der die
+Geistlichkeit, trotz aller Drohungen und Versuchungen, unlängst gethan
+habe, was sie ihrer Überzeugung nach für Recht gehalten, habe die
+Freiheit und die Religion England’s gerettet. Müsse man nicht Nachsicht
+gegen sie üben, wenn sie sich jetzt weigerten etwas zu thun, wovon sie
+ihrer festen Überzeugung nach fürchteten, daß es Unrecht sei? Und was
+ist für Gefahr dabei, sagte man, wenn sie nachsichtig behandelt werden?
+Kein Mensch wird so albern sein vorzuschlagen, daß man ihnen gestatten
+solle, gegen die Regierung zu complottiren oder das Volk aufzuwiegeln.
+Sie stehen unter dem Gesetze wie andere Leute. Machen sie sich des
+Verraths schuldig, so hänge man sie auf. Machen sie sich der Empörung
+schuldig, so lege man ihnen Geldbußen und Gefängnißstrafe auf.
+Unterlassen sie bei ihrem öffentlichen Gottesdienste für den König
+Wilhelm, für die Königin Marie und für das unter diesen
+allerreligiösesten Souverainen versammelte Parlament zu beten, so bringe
+man die Strafbestimmungen der Uniformitätsacte in Anwendung. Genügt das
+noch nicht, so ermächtige man Se. Majestät, von irgend einem Geistlichen
+die Eide zu verlangen, und werden die Eide verweigert, so möge Absetzung
+erfolgen. Auf diese Weise kann jeder eidverweigernde Bischof oder
+Pfarrer, der zwar gesetzlich nicht zu überführen ist, doch aber in dem
+Verdachte steht, gegen die bestehende Ordnung der Dinge zu intriguiren,
+zu schreiben und zu sprechen, sofort seines Amtes entsetzt werden. Warum
+aber darauf bestehen, einen frommen und fleißigen Diener der Religion zu
+vertreiben, der gegen die Regierung nie einen Finger erhebt oder ein
+Wort ausspricht und der bei jedem Morgen- und Abendgottesdienste aus
+vollem Herzen um einen Segen für die von der Vorsehung über ihn
+gesetzten Regenten fleht, der aber einen Eid nicht leisten will, durch
+welchen er dem Volke das Recht zuzugestehen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_73" id = "pageXI_73">
+XI.73</a></span>
+glaubt, einen Souverain abzusetzen? Wir thun gewiß Alles was nothwendig
+ist, wenn wir Leute dieser Art der Gnade des Fürsten preisgeben, dem sie
+Treue zu schwören sich weigern. Ist er geneigt, sich ihre Scrupel
+gefallen zu lassen, will er sie, trotz ihrer Vorurtheile, als
+unschuldige und nützliche Mitglieder der Gesellschaft betrachten, wer
+hat ein Recht, sich darüber zu beklagen?</p>
+
+<p>Die Whigs stritten heftig für die entgegengesetzte Ansicht. Sie
+analysierten mit einem durch Haß noch erhöhten Scharfsinn die Ansprüche
+der Geistlichkeit auf die öffentliche Dankbarkeit und gingen mitunter so
+weit, es gänzlich in Abrede zu stellen, daß der Stand sich im
+vorhergehenden Jahre um die Nation verdient gemacht habe. Es sei wohl
+wahr, daß Bischöfe und Priester gegen die Tyrannei des vorigen Königs
+aufgestanden seien, aber eben so wahr sei es, daß er, hätten sie sich
+nicht so hartnäckig der Ausschließungsbill widersetzt, niemals König
+geworden wäre und daß er, ohne ihre Schmeichelei und ihre Lehre vom
+passiven Gehorsam, es nie gewagt haben würde, sich solcher Tyrannei
+schuldig zu machen. Ihre Hauptthätigkeit habe seit einem
+Vierteljahrhundert darin bestanden, das Volk kriechen und den Fürsten
+dominiren zu lehren. Sie hätten das Blut Russel’s, Sidney’s und jedes
+muthigen, rechtschaffenen Engländers auf ihrem Gewissen, der
+hingeschlachtet worden sei, weil er das Land vom Papismus und
+Despotismus zu befreien versucht habe. Nie hätten sie einen Laut gegen
+Willkürherrschaft vernehmen lassen, bis die Willkürherrschaft sie selbst
+in ihrem Eigenthum und ihrer amtlichen Stellung zu bedrohen angefangen
+habe. Dann hätten sie freilich ihre alten Gemeinplätze von Unterwerfung
+unter Nero vergessen und nicht gesäumt, sich zu retten. Zugegeben,
+sagten diese eifrigen Disputanten, daß sie, indem sich selbst retteten,
+auch die Verfassung retteten. Sollen wir deshalb vergessen, daß sie sie
+vorher gefährdet hatten? und sollen wir sie dafür belohnen, indem wir
+ihnen jetzt gestatten, sie zu vernichten? Wir haben hier eine Klasse von
+Leuten vor uns, die mit dem Staate eng verwachsen ist. Ein großer Theil
+der Bodenerzeugnisse ist ihnen zu ihrem Unterhalte angewiesen. Ihre
+Oberhäupter haben Sitze in der gesetzgebenden Versammlung, große
+Landgüter und prächtige Paläste. Durch diesen privilegirten Stand wird
+die große Masse des Volks allwöchentlich vom Sitze der Autorität herab
+belehrt. Diesem privilegirten Stande ist die oberste Leitung der
+liberalen Erziehung übertragen. Oxford und Cambridge, Westminster,
+Winchester und Eton stehen unter priesterlicher Direction. Die
+Priesterschaft wird in bedeutendem Umfange den Character des hohen Adels
+und der Gentry der nächsten Generation bilden. Einige Mitglieder der
+höheren Geistlichkeit haben zahlreiche und einträgliche Pfründen zu
+vergeben. Andere haben das Privilegium, Richter zu ernennen, welche
+hochwichtige, die Freiheit, das Eigenthum und den Ruf der Unterthanen
+Ihrer Majestäten berührende Fragen entscheiden. Und ein vom Staate so
+begünstigter Stand soll dem Staate keine Bürgschaft geben? Nach welchem
+Prinzipe kann behauptet werden, daß es unnöthig sei, von einem
+Erzbischof von Canterbury oder einem Bischof von Durham das Gelöbniß der
+Treue gegen die Regierung zu verlangen, das nach Aller Überzeugung von
+jedem Laien verlangt werden muß, der der Krone in der bescheidensten
+amtlichen Stellung dient? Jeder Acciseinnehmer, jeder Zollbeamte, der
+den Eid verweigert, soll seines Brodes beraubt werden. Für diese
+geringen Märtyrer des passiven Gehorsams und des erblichen Rechts hat
+Niemand ein
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_74" id = "pageXI_74">
+XI.74</a></span>
+Wort. Ein geistlicher Magnat aber, der sich weigert zu schwören, soll
+Einkünfte, Patronat und Macht behalten dürfen, welche denen eines hohen
+Staatsbeamten gleichkommen. Man sagt es sei überflüssig, von einem
+Geistlichen die Eide zu verlangen, weil er bestraft werden könne, wenn
+er die Gesetze übertrete. Warum wendet man das nämliche Argument nicht
+auch zu Gunsten der Laien an? Und warum trägt der Geistliche Bedenken,
+die Eide zu leisten, wenn es sein ernster Wille ist, die Gesetze zu
+beobachten? Das Gesetz schreibt ihm vor, Wilhelm und Marien als König
+und Königin zu bezeichnen, dies an der heiligsten Stätte und bei
+Ausübung des feierlichsten aller religiösen Gebräuche zu thun. Das
+Gesetz verlangt von ihm zu beten, daß eine besondere Vorsehung über dem
+erlauchten Paare walte, daß es jeden Feind besiegen und daß sein
+Parlament durch Gottes Hand dahin geleitet werden möge, diejenigen
+Maßregeln anzuordnen, welche seine Sicherheit, seine Ehre und sein
+Wohlergehen fördern können. Können wir glauben, daß sein Gewissen ihm
+gestatte, dies Alles zu thun, nicht aber zu versprechen, daß er ein
+treuer Unterthan des Herrscherpaares sein wolle?</p>
+
+<p>Auf den Vorschlag, daß die eidverweigernden Geistlichen der Gnade des
+Königs preisgegeben werden sollten, erwiederten die Whigs mit einigem
+Rechte, daß kein gegen Se. Majestät ungerechterer Plan ersonnen werden
+könne. Die Angelegenheit, sagten sie, ist von nationaler Bedeutung, es
+ist eine Angelegenheit, an der jeder Engländer, der nicht der Sklave
+Frankreich’s und Rom’s sein will, das größte Interesse hat. In einem
+solchen Falle ist es der Stände des Reichs unwürdig, vor der
+Verantwortlichkeit, für das Gemeinwohl zu sorgen, zurückzuschrecken,
+sich selbst womöglich das Lob der Nachsicht und Liberalität zu
+verschaffen und dem Souverain das gehässige Werk der Proscription zu
+überlassen. Ein Gesetz, das von allen öffentlichen Beamten,
+bürgerlichen, wie militärischen und kirchlichen, ohne Unterschied der
+Person, die Eide verlangt, ist wenigstens unparteiisch. Es schließt
+jeden Verdacht der Parteilichkeit, des persönlichen Hasses, der geheimen
+Espionage und Ohrenbläserei aus. Wenn aber der Regierung ein
+willkürliches Schalten zugestanden wird, wenn der eine eidverweigernde
+Priester eine einträgliche Pfründe behalten darf, während man einen
+andren mit Weib und Kindern auf die Straße setzt, so wird jede Absetzung
+als ein Act der Grausamkeit betrachtet und dem Souverain und dessen
+Ministern als ein Verbrechen angerechnet werden.<a class = "tag" name =
+"tagXI_94" id = "tagXI_94" href = "#noteXI_94">94</a></p>
+
+<p>So hatte das Parlament in einem und dem nämlichen Augenblicke zu
+entscheiden, welche Quantität von Erleichterung dem Gewissen der
+Dissenters gewährt und welche Quantität von Zwang dem Gewissen des
+Klerus der Landeskirche auferlegt werden sollte. Der König hoffte, daß
+es in seiner Macht stehen werde, einen allen Parteien angenehmen
+Vergleich zu Stande zu bringen. Er schmeichelte sich, daß die Tories
+bewogen werden könnten, den Dissenters ein Zugeständniß zu machen, unter
+der Bedingung, daß die Whigs mild gegen die Jakobiten verführen. Er
+beschloß, die Wirkung seiner persönlichen Intervention zu versuchen. Der
+Zufall wollte, daß er wenige Stunden, nachdem die Lords die
+Comprehensionsbill zum zweiten Male und die Bill wegen der Eide zum
+ersten Male
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_75" id = "pageXI_75">
+XI.75</a></span>
+verlesen hatten, Gelegenheit hatte, sich ins Parlament zu verfügen, um
+zu einem Gesetze seine Zustimmung zu geben. Er sprach vom Throne herab
+zu beiden Häusern und äußerte den ernstlichen Wunsch, daß sie
+einwilligen möchten, die bestehenden Gesetze dergestalt zu modificiren,
+daß die öffentlichen Ämter allen Protestanten zugänglich würden.<a class
+= "tag" name = "tagXI_95" id = "tagXI_95" href = "#noteXI_95">95</a> Man
+wußte wohl, daß er, wenn die Legislatur seinem Verlangen willfahrte,
+Geistliche, welche bereits Pfründen besaßen, im Genusse derselben zu
+lassen gedachte, ohne daß sie ihm den Huldigungseid leisteten. Sein
+Verfahren bei dieser Gelegenheit verdient unzweifelhaft das Lob der
+Uneigennützigkeit. Es gereicht ihm zur Ehre, daß er seinen Unterthanen
+Gewissensfreiheit zu erkaufen suchte, indem er ein Bollwerk seiner
+eignen Krone aufgab. Aber man muß gestehen, daß er weniger Klugheit als
+Tugendhaftigkeit bewies. Wenn Burnet gut unterrichtet war, so war
+Richard Hampden der einzige Engländer seines Geheimraths,<a class =
+"tag" name = "tagXI_96" id = "tagXI_96" href = "#noteXI_96">96</a> den
+er befragte, und Richard Hampden war, obgleich ein höchst ehrenwerther
+Mann, doch so weit davon entfernt, für die Whigpartei stehen zu können,
+daß er nicht einmal für seinen eignen Sohn Johann bürgen konnte, dessen
+von Haus aus rachsüchtiger Character durch den Stachel der Reue und
+Scham bis zum Ingrimm aufgereizt worden war. Der König überzeugte sich
+bald, daß die beiden Parteien einander mit einer Energie haßten, die
+ihrer Liebe fehlte. Die Whigs waren zwar fast einhellig der Meinung, daß
+der Sakramentstest abgeschafft werden müsse, sie waren aber keineswegs
+darin einig, daß der Augenblick dazu gut gewählt sei, und selbst
+diejenigen Whigs, welche am sehnlichsten wünschten, die Nonconformisten
+unverzüglich von der Nichtbefähigung zu bürgerlichen Ämtern entbunden zu
+sehen, waren fest entschlossen, sich die Gelegenheit zur Demüthigung und
+Bestrafung der Klasse nicht entgehen zu lassen, deren Mitwirkung
+hauptsächlich der furchtbare Umschwung der öffentlichen Stimmung
+zuzuschreiben war, der auf die Auflösung des Oxforder Parlaments folgte.
+Die Jane, die South, die Sherlock in die Lage zu versetzen, daß sie
+entweder verhungern oder öffentlich und mit dem Evangelium auf den
+Lippen alle prahlerischen Erklärungen vieler Jahre widerrufen mußten:
+das war eine zu köstliche Rache, als daß man sie sich hätte entgehen
+lassen können. Der Tory dagegen achtete und bemitleidete aufrichtig
+diejenigen Geistlichen, die sich wegen der Eide Gewissensscrupel
+machten. Der Test aber war seiner Ansicht nach für die Sicherheit der
+herrschenden Religion wesentlich nothwendig und durfte nicht aufgegeben
+werden zu dem Zwecke, einen wenn auch noch so ausgezeichneten Mann von
+einem wenn auch noch so schweren Ungemach zu befreien. Es würde
+allerdings ein schmerzlicher Tag für die Kirche sein, wenn die
+Bischofsbank, die Kapitelhäuser der Kathedralen und die Hallen der
+Collegien einige durch ihre Frömmigkeit und Gelehrsamkeit berühmte
+Männer vermißten. Aber ein noch viel schmerzlicherer Tag würde es für
+die Kirche sein, wenn ein Independent den weißen Stab trüge, oder ein
+Baptist auf dem Wollsack säße. Jede Partei suchte Denen zu dienen, für
+die sie sich interessirte, aber keine von beiden wollte ihren Feinden
+günstige Bedingungen zugestehen. Die Folge davon war
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_76" id = "pageXI_76">
+XI.76</a></span>
+daß die Nonconformisten vom Staatsdienste ausgeschlossen blieben und die
+Eidverweigerer von den kirchlichen Ämtern vertrieben wurden.</p>
+
+<p>Im Hause der Gemeinen hielt kein Mitglied es für zweckmäßig, die
+Aufhebung der Testacte zu beantragen. Aber es wurde Erlaubniß gegeben,
+eine Bill zur Aufhebung der Corporationsacte einzubringen, die kurz nach
+der Restauration vom Cavalierparlamente erlassen worden war und eine
+Bestimmung enthielt, welche allen Municipalbeamten vorschrieb, das
+heilige Abendmahl nach den Formen der englischen Kirche zu empfangen.
+Als diese Bill in Begriff war dem Ausschusse überwiesen zu werden,
+beantragten die Tories, daß der Ausschuß bedeutet werden sollte, in dem
+Gesetz über das Sacrament keine Änderung vorzunehmen. Diejenigen Whigs,
+welche eifrig für die Comprehension waren, müssen durch diesen Antrag in
+große Verlegenheit gesetzt worden sein. Für denselben zu stimmen wäre
+eine prinzipielle Inconsequenz gewesen; dagegen zu stimmen hätte so viel
+geheißen als mit Nottingham brechen. Es wurde ein Mittelweg gefunden.
+Die Vertagung der Debatte wurde beantragt, mit 116 gegen 114 Stimmen
+angenommen und der Gegenstand nicht wieder in Anregung gebracht.<a class
+= "tag" name = "tagXI_97" id = "tagXI_97" href = "#noteXI_97">97</a> Im
+Hause der Lords wurde ein Antrag auf Abschaffung des Sacramentstestes
+gestellt, aber mit großer Majorität verworfen. Viele von Denen, welche
+die Bill im Prinzip für richtig hielten, erachteten sie für nicht
+zeitgemäß. Es wurde ein Protest aufgesetzt, aber nur von einigen wenigen
+minder angesehenen Peers unterzeichnet. Es ist ein auffallender Umstand,
+daß zwei bedeutende Häupter der Whigpartei, welche in der Regel ihre
+parlamentarischen Pflichten sehr gewissenhaft erfüllten, bei dieser
+Gelegenheit abwesend waren.<a class = "tag" name = "tagXI_98" id =
+"tagXI_98" href = "#noteXI_98">98</a></p>
+
+<p>Auf die Debatte über den Test folgte im Oberhause bald eine Debatte
+über die letzte Klausel der Comprehensionsbill. Diese Klausel bestimmte,
+daß dreißig Bischöfe und Priester beauftragt werden sollten, die
+Liturgie und die Kirchengesetze zu revidiren und Abänderungen
+vorzuschlagen. Über diesen Punkt waren die whiggistischen Peers fast
+Alle eines Sinnes. Sie waren in großer Zahl anwesend und sprachen warm.
+Warum, fragten sie, sollten nur Mitglieder des Priesterstandes mit
+dieser Revision beauftragt werden? Gehöre der Laienstand nicht auch zur
+englischen Kirche? Wenn die Commission ihren Bericht erstattet habe,
+würden Laien über die darin enthaltenen Änderungsvorschläge zu
+entscheiden haben. Keine Zeile im allgemeinen Gebetbuche könne anders
+als durch die Autorität des Königs, der Lords und der Gemeinen
+abgeändert werden. Der König sei ein Laie, fünf Sechstel der Lords seien
+Laien, und die Mitglieder des Hauses der Gemeinen seien <ins class =
+"correction" title = "Original hat »sämmtich«">sämmtlich</ins> Laien.
+Sei es nicht widersinnig zu behaupten, daß Laien nicht befugt seien, in
+einer Angelegenheit zu prüfen, über welche anerkanntermaßen Laien in
+letzter Instanz entscheiden müßten? Und könne etwas dem ganzen Geiste
+des Protestantismus mehr zuwider sein als die Ansicht, daß einer
+besonderen Kaste, und dieser Kaste allein,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_77" id = "pageXI_77">
+XI.77</a></span>
+eine außergewöhnliche Urtheilsfähigkeit in geistlichen Dingen verliehen
+sei, daß Männer wie Selden, wie Hale, wie Boyle, weniger competent
+seien, über eine Collecte oder einen Glaubensartikel ein Urtheil
+abzugeben, als der jüngste und einfältigste Kaplan, der in einem
+abgelegenen Schlosse sein Leben mit Aletrinken und Beilkespielen
+hinbringe? Was Gott festgesetzt habe, könne keine irdische Macht, sei es
+eine weltliche oder eine geistliche, abändern, und in Dingen, welche
+menschliche Wesen festgesetzt hätten, habe ein Laie sicherlich ein eben
+so competentes Urtheil als ein Geistlicher. Daß die anglikanische
+Liturgie und das anglikanische Kirchengesetz rein menschlichen Ursprungs
+seien, erkenne das Parlament an, indem es die Revision und Verbesserung
+derselben einer Commission übertrage. Wie könne man da behaupten, daß in
+einer solchen Commission der Laienstand, der eine so große Mehrheit der
+Bevölkerung bilde, dessen Erbauung der Hauptzweck aller kirchlichen
+Einrichtungen sei und dessen unschuldige Neigungen bei Feststellung der
+öffentlichen Religionshandlungen sorgfältig zu Rathe gezogen werden
+müßten, nicht einen einzigen Vertreter zu haben brauche? Die
+Präcedenzfälle sprächen direct gegen diese gehässige Unterscheidung. Zu
+wiederholten Malen, seit das Licht der Reformation über England
+aufgegangen, seien durch ein Gesetz Commissionen ermächtigt worden, die
+Kirchengesetze zu revidiren, und bei jeder solchen Gelegenheit seien
+einige von den Commissaren Laien gewesen. Im gegenwärtigen Falle könne
+man gegen den vorgeschlagenen Modus noch besondere Einwendungen machen,
+denn der Zweck der Maßregel sei die Verhöhnung der Dissenters, und es
+sei daher äußerst wünschenswerth, daß die Commissare Männer wären, auf
+deren Unparteilichkeit und Mäßigung die Dissenters bauen könnten. Würden
+dreißig solcher Männer in den höheren Rangstufen des geistlichen Standes
+leicht zu finden sein? Es sei die Pflicht der Legislatur, zwischen zwei
+einander feindlich gegenüberstehenden Parteien, den nonconformistischen
+Theologen und den anglikanischen Theologen, zu entscheiden, und es würde
+demnach die gröbste Unbilligkeit sein, einer der beiden Parteien das
+Schiedsrichteramt zu übertragen.</p>
+
+<p>Aus diesen Gründen schlugen die Whigs ein Amendement des Inhalts vor,
+daß die Commission aus Geistlichen und Laien bestehen sollte. Der Kampf
+war heiß. Burnet, der eben seinen Sitz unter den Peers eingenommen hatte
+und dem darum zu thun gewesen zu sein scheint, fast um jeden Preis die
+Zuneigung seiner Amtsbrüder zu gewinnen, stritt mit dem ganzen ihm
+eignen Feuer für die gegenwärtige Fassung der Klausel. Bei der
+Abstimmung ergab sich eine völlig gleiche Stimmenzahl für und wider, und
+somit war, den Regeln des Hauses gemäß, das Amendement abgeworfen.<a
+class = "tag" name = "tagXI_99" id = "tagXI_99" href =
+"#noteXI_99">99</a></p>
+
+<p>Endlich wurde die Comprehensionsbill ins Haus der Gemeinen gesandt.
+Hier würde sie leicht mit zwei Stimmen gegen eine durchgebracht worden
+sein, wenn sie von allen Freunden der Religionsfreiheit unterstützt
+worden wäre. Aber in dieser Angelegenheit konnten die Hochkirchlichen
+auf den Beistand eines großen Theils der Niederkirchlichen rechnen.
+Diejenigen Mitglieder, welche Nottingham’s Plane wohlwollten, sahen, daß
+sie in der Minorität waren, und begannen daher, am Siege verzweifelnd,
+auf den Rückzug zu denken. Gerade in diesem Augenblicke
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_78" id = "pageXI_78">
+XI.78</a></span>
+wurde ein Antrag gestellt, der alle Stimmen für sich hatte. Nach dem
+herkömmlichen Gebrauche mußte gleichzeitig mit einem Parlamente eine
+Convocation einberufen werden, und man durfte wohl behaupten, daß der
+Rath einer Convocation dann am nöthigsten sein müßte, wenn es sich um
+Abänderungen in dem Ritual und der Disciplin der Kirche handelte. In
+Folge des unregelmäßigen Modus aber, nach welchem die Stände des Reichs
+während der Erledigung des Thrones zusammenberufen worden waren, gab es
+diesmal keine Convocation. Es wurde daher beantragt, daß das Haus dem
+Könige rathen solle, Maßregeln zur Abhülfe dieses Mangels zu ergreifen,
+und daß das Schicksal der Comprehensionsbill nicht entschieden werden
+solle, bis der Klerus Gelegenheit gehabt habe, durch das alte und
+rechtmäßige Organ seine Meinung auszusprechen.</p>
+
+<p>Dieser Antrag wurde mit allgemeiner Acclamation angenommen. Die
+Tories freuten sich, daß dem Priesterstande eine solche Ehre erzeugt
+wurde; diejenigen Whigs, welche gegen die Comprehensionsbill waren,
+freuten sich, sie zuverlässig für ein Jahr, wahrscheinlich aber für
+immer bei Seite gelegt zu sehen; und diejenigen Whigs, welche für die
+Comprehensionsbill waren, freuten sich, ohne Niederlage davon zu kommen.
+Viele unter ihnen hofften in der That, daß milde und freisinnige
+Rathschläge im geistlichen Senate vorherrschen würden. Eine Adresse,
+welche den König ersuchte die Convocation einzuberufen, wurde ohne
+Abstimmung angenommen, die Lords wurden zum Beitritt aufgefordert, sie
+traten bei, die Adresse wurde durch beide Häuser dem Könige überreicht,
+der König versprach, zur geeigneten Zeit den Wunsch seines Parlaments zu
+erfüllen, und Nottingham’s Bill ward nicht wieder erwähnt.</p>
+
+<p>Viele mit der Geschichte der damaligen Zeit unvollkommen bekannte
+Schriftsteller haben aus diesem Verfahren gefolgert, daß das Haus der
+Gemeinen eine Versammlung von Hochkirchlichen gewesen sei; aber nichts
+ist gewisser, als daß zwei Drittel der Mitglieder entweder
+Niederkirchliche oder Nichtanhänger der Landeskirche waren. Wenige Tage
+vor dieser Zeit hatte ein an sich unbedeutender, als Kennzeichen der
+Gesinnung der Majorität aber höchst wichtiger Vorgang stattgefunden. Es
+war beantragt worden, daß das Haus dem alten Herkommen gemäß seine
+Sitzungen bis nach den Osterfeiertagen suspendiren solle. Die Puritaner
+und Latitudinarier machten Einwendungen dagegen, es entspann sich eine
+heftige Debatte, die Hochkirchlichen wagten es nicht, abstimmen zu
+lassen, und zum großen Ärgerniß vieler angesehenen Personen nahm der
+Sprecher am Ostermontag um neun Uhr seinen Stuhl ein und es wurde eine
+lange und lebhafte Sitzung gehalten.<a class = "tag" name = "tagXI_100"
+id = "tagXI_100" href = "#noteXI_100">100</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_79" id = "pageXI_79">
+XI.79</a></span>
+<p>Dies war indessen keineswegs der stärkste Beweis, den die Gemeinen
+dafür gaben, daß sie in der That weit entfernt waren eine besondere
+Ehrerbietung oder Liebe zur anglikanischen Hierarchie zu hegen. Die Bill
+zur Festsetzung der Eide war aber in einer dem Klerus günstigeren
+Fassung von den Lords ins Unterhaus gekommen. Allen weltlichen Beamten
+war bei Strafe der Absetzung vorgeschrieben, dem Könige und der Königin
+Treue zu schwören. Jeder Geistliche aber, der bereits eine Pfründe
+besaß, sollte dieselbe auch ohne zu schwören, behalten dürfen, wenn die
+Regierung keinen Grund sah, von ihm speciell eine Versicherung seiner
+Loyalität zu verlangen. Burnet hatte, theils ohne Zweifel aus der seinem
+Character eignen Gutherzigkeit und Großmuth, theils um seine Amtsbrüder
+zu gewinnen, diese Anordnung im Oberhause mit großer Energie
+unterstützt. Im Unterhause aber war die Stimmung gegen die jakobitischen
+Priester unbesiegbar. An dem nämlichen Tage, an welchem dieses Haus ohne
+Abstimmung die Adresse votirte, welche den König ersuchte, die
+Convocation einzuberufen, wurde eine Klausel vorgeschlagen und
+angenommen, welche von Jedem, der ein kirchliches oder akademisches Amt
+bekleidete, bei Strafe der Suspension verlangte, am 1. August 1689 die
+Eide zu leisten. Sechs Monate von diesem Tage an gerechnet, wurden dem
+sich Weigernden zur nochmaligen Überlegung bewilligt. Beharrte er auch
+dann noch auf seiner Weigerung, so sollte er am 1. Februar 1690
+definitiv abgesetzt werden.</p>
+
+<p>So abgeändert wurde die Bill den Lords zurückgeschickt. Diese aber
+blieben bei ihrem ursprünglichen Beschlusse. Conferenz auf Conferenz
+wurde gehalten, Vergleich auf Vergleich wurde vorgeschlagen. Aus den
+unvollkommenen Berichten, welche auf uns gekommen sind, geht hervor, daß
+jedes Argument zu Gunsten der Milde von Burnet energisch hervorgehoben
+wurde. Doch die Gemeinen blieben fest, die Zeit drängte, der ungewisse
+Zustand des Rechts machte sich in allen Zweigen des Staatsdienstes in
+nachtheiliger Weise fühlbar, und so gaben die Peers mit Widerstreben
+endlich nach. Zu gleicher Zeit fügten sie eine Klausel hinzu, durch
+welche der König ermächtigt wurde, von den verwirkten Pfründen einigen
+wenigen nicht schwörenden Geistlichen Geldunterstützungen zu gewähren.
+Die Anzahl der so begünstigten Geistlichen sollte zwölf nicht
+übersteigen und die bewilligte Unterstützung durfte höchstens ein
+Drittheil des verwirkten Einkommens betragen. Einige eifrige Whigs
+wollten selbst diese Vergünstigung nicht gelten lassen; doch die
+Gemeinen waren mit dem errungenen Siege zufrieden und dachten mit Recht,
+daß es ungefällig sein würde, wenn sie ein so geringfügiges Zugeständiß
+verweigerten.<a class = "tag" name = "tagXI_101" id = "tagXI_101" href =
+"#noteXI_101">101</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_92" id = "noteXI_92" href = "#tagXI_92">92.</a>
+Siehe unter vielen anderen Schriften Dodwell’s <span class =
+"antiqua">Cautionary Discourse</span>, seine <span class =
+"antiqua">Vindication of the Deprived Bishops</span>, seine <span class
+= "antiqua">Defence of the Vindication</span> und seine <span class =
+"antiqua">Paraenesis</span>, sowie Bisby’s <span class = "antiqua">Unity
+of Priesthood</span>, gedruckt 1692. Ferner vergleiche man Hody’s
+Gegenschriften, das Baroccianische Manuscript und <span class =
+"antiqua">Salomon and Abiathar, a&nbsp;Dialogue between Eucheres and
+Dyscheres</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_93" id = "noteXI_93" href = "#tagXI_93">93.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II.</span> 135. Der albernste von allen
+Versuchen, zwischen den Absetzungen von 1559 und denen von 1689 einen
+Unterschied nachzuweisen, wurde von Dodwell gemacht. Siehe seine <span
+class = "antiqua">Doctrine of the Church of England concerning the
+Independency of the Clergy on the lay Power, 1697</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_94" id = "noteXI_94" href = "#tagXI_94">94.</a>
+Über diese Polemik sehe man <span class = "antiqua">Burnet II. 7, 8,
+<ins class = "correction" title = "Original hat »9,;«">9</ins></span>;
+<span class = "antiqua">Grey’s Debates, April 19, 22. 1689</span>; <span
+class = "antiqua">Commons’ Journals, April 20, 22.</span>; <span class =
+"antiqua">Lords’ Journals, April 21.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_95" id = "noteXI_95" href = "#tagXI_95">95.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, March 16. 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_96" id = "noteXI_96" href = "#tagXI_96">96.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 7. 8.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_97" id = "noteXI_97" href = "#tagXI_97">97.</a>
+Burnet sagt (II. 8.), daß der Antrag, den Sacramentstest abzuschaffen,
+in beiden Häusern mit großer Majorität verworfen worden sei. Hierin
+täuschte ihn jedoch sein Gedächtniß, denn im Hause der Gemeinen fand
+keine andre Abstimmung über den Gegenstand statt als die oben erwähnte.
+Bemerkenswerth ist es, daß Gwyn und Rowe, welche die Stimmen der
+Majorität zählten, zwei der entschiedensten Whigs im ganzen Hause
+waren.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_98" id = "noteXI_98" href = "#tagXI_98">98.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals March 21. 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_99" id = "noteXI_99" href = "#tagXI_99">99.</a>
+<span class = "antiqua">Lords’ Journals, April 5. 1689</span>; <span
+class = "antiqua">Burnet II. 10.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_100" id = "noteXI_100" href = "#tagXI_100">100.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, March 28., April 1.
+1689.</span>; Pariser Gazette vom 23. April. Ein Theil der Stelle in der
+Pariser Gazette verdient angeführt zu werden. <span class =
+"antiqua">„Il y eut ce jour là</span> (am&nbsp;28. März) <span class =
+"antiqua">une grande contestation dans la Chambre Basse, sur la
+proposition qui fut faite de remettre les séances après les fêtes de
+Pasques observées toujours par l’Eglise Anglicane. Les Protestans
+conformistes furent de cet avis; et les Presbytériens emportèrent à la
+pluralité des voix que les séances recommenceroient le Lundy, seconde
+feste de Pasques.“</span> Die Niederkirchlichen werden von den damaligen
+französischen und holländischen Schriftstellern häufig Presbyterianer
+genannt. Es waren nicht zwanzig eigentliche Presbyterianer im Hause der
+Gemeinen. Siehe <span class = "antiqua">A. Smith and Cutler’s plain
+Dialogue ahout Whig and Tory, 1690.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_101" id = "noteXI_101" href = "#tagXI_101">101.</a>
+Berichte über das was in den Conferenzen vorging, findet man in den
+Protokollen der beiden Häuser, und sie sind lesenswerth.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Bill zur Festsetzung des Krönungseides.</span>
+<a name = "secXI_45" id = "secXI_45">Diese</a> Debatten wurden auf kurze
+Zeit durch die Feste und Feierlichkeiten der Krönung unterbrochen. Als
+der zu dieser wichtigen Ceremonie bestimmte Tag heranrückte, verwandelte
+sich das Haus der Gemeinen in einen Ausschuß behufs Festsetzung der
+Wortformel, durch welche unsere Landesherren hinfüro ihren Vertrag mit
+der Nation schließen sollten. Darüber waren alle Parteien einig, daß es
+angemessen sei, vom Könige den Eid zu verlangen, daß er in weltlichen
+Angelegenheiten dem Gesetz gemäß regieren und die Gerechtigkeit mit
+Milde üben wolle. Über die Ausdrücke des
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_80" id = "pageXI_80">
+XI.80</a></span>
+Eides aber, die sich auf die kirchlichen Institutionen des Landes
+bezogen, wurde viel debattirt. Sollte der höchste Beamte im Staate bloß
+einfach versprechen, die protestantische Religion aufrecht zu erhalten,
+wie sie durch das Gesetz aufgestellt war, oder sollte er versprechen,
+diese Religion aufrecht zu erhalten, wie sie später durch das Gesetz
+festgestellt werden würde? Die Majorität war für die erstere Phrase. Die
+andre wurde von denjenigen Whigs vorgezogen, welche für eine
+Comprehension waren. Es wurde jedoch allgemein zugestanden, daß beide
+Phrasen eigentlich gleichbedeutend seien und daß der Eid, mochte er
+lauten wie er wollte, den Souverain nur in seiner executiven Gewalt
+binden werde. Dies ging in der That aus der ganzen Natur des Actes klar
+hervor. Jeder Vertrag kann durch die freiwillige Zustimmung der Partei,
+welche allein die Erfüllung zu verlangen berechtigt ist, annullirt
+werden. Die strengsten Casuisten hatten es nie in Zweifel gestellt, daß
+ein Schuldner, der sich unter den feierlichsten Schwüren verpflichtet
+hat zu zahlen, rechtmäßigerweise die Zahlung unterlassen kann, wenn der
+Gläubiger ihn seiner Verbindlichkeit entheben will. Eben so klar ist es,
+daß keine von einem Könige durch die Stände seines Reichs verlangte
+Zusicherung ihm die Verpflichtung auferlegen kann, seine Zustimmung zu
+etwas zu verweigern, was diese Stände später einmal wünschen mögen.</p>
+
+<p>Es wurde eine mit den Beschlüssen des Ausschusses übereinstimmende
+Bill entworfen, welche rasch durch alle parlamentarischen Stadien ging.
+Nach der dritten Lesung erhob sich ein thörichtes Mitglied, um einen
+Zusatz zu beantragen, in welchem erklärt werde, daß der Eid den
+Souverain, nicht hindern solle, in eine etwaige Änderung im Ceremoniell
+der Kirche zu willigen, immer vorausgesetzt, daß das Episkopat und eine
+geschriebene Gebetsform beibehalten würden. Die plumpe Absurdität dieses
+Antrags wurde von mehreren ausgezeichneten Mitgliedern dargelegt. Eine
+solche Klausel, bemerkten sie ganz richtig, würde den König binden,
+während sie ihm freieren Spielraum geben sollte. Der Krönungseid, sagten
+sie, hat nicht den Zweck, ihn in seiner gesetzgebenden Gewalt zu
+behindern. Man lasse diesen Eid in seiner jetzigen Fassung, und kein
+Fürst kann ihn mißverstehen. Kein Fürst kann ernstlich glauben, die
+beiden Häuser wollten das Versprechen von ihm verlangen, daß er sein
+Veto gegen Gesetze einlegen werde, die sie späterhin für das Wohl des
+Landes nöthig erachten könnten. Sollte aber einmal ein Fürst den
+zwischen ihm und seinen Unterthanen abgeschlossenen Vertrag so
+wunderlich mißverstehen, dann wird jeder Theolog, jeder Jurist, den er
+um Rath fragt, ihn sogleich beruhigen. Würde dieser Antrag angenommen,
+so könnte man unmöglich leugnen, daß der Krönungseid bestimmt sei, den
+König zu verhindern, seine Zustimmung zu Bills zu geben, die ihm von den
+Lords und Gemeinen vorgelegt würden, und daraus würden sehr ernste
+Nachtheile hervorgehen. Diese Argumente wurden als unwiderleglich
+erkannt und der Zusatz ohne Abstimmung verworfen.<a class = "tag" name =
+"tagXI_102" id = "tagXI_102" href = "#noteXI_102">102</a></p>
+
+<p>Jeder, der diese Debatten gelesen hat, muß vollständig überzeugt
+sein, daß die Staatsmänner, welche den Krönungseid entwarfen, den König
+in seiner gesetzgebenden Gewalt nicht zu binden gemeint waren.<a class =
+"tag" name = "tagXI_103" id = "tagXI_103" href = "#noteXI_103">103</a>
+Leider
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_81" id = "pageXI_81">
+XI.81</a></span>
+erwachte hundert Jahre später in einem zwar wackeren und gewissenhaften,
+aber von Natur beschränkten und starrsinnigen und durch Krankheit zu
+gleicher Seit geschwächten und aufgeregten Geiste ein Scrupel, den jene
+Staatsmänner für zu widersinnig hielten, als daß irgend ein menschliches
+Geschöpf ihn im Ernste hegen könne. Der Ehrgeiz und die Perfidie eines
+Tyrannen hat in der That selten größere Übel erzeugt als die waren,
+welche jene unselige Gewissenhaftigkeit über unser Land gebracht hat.
+Einen außerordentlichen günstigen Augenblick, einen Augenblick, in
+welchem Weisheit und Gerechtigkeit Völkerschaften und Secten, die
+einander lange feindlich gegenübergestanden, hätten versöhnen und die
+britischen Inseln zu einem wahrhaft Vereinigten Königreiche machen
+können, ließ man unbenutzt vorübergehen. Die einmal verlorne Gelegenheit
+kehrte nicht wieder. Zwei Generationen von Staatsmännern haben sich
+seitdem mit unvollkommenem Erfolge bemüht, den damals begangenen Fehler
+wieder gut zu machen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß einige von
+den schlimmen Folgen dieses Fehlers sich bis auf die spätere Nachwelt
+fortwährend fühlbar machen werden.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_102" id = "noteXI_102" href = "#tagXI_102">102.</a>
+<span class = "antiqua">Journals, March 28. 1689</span>; <span class =
+"antiqua">Grey’s Debates.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXI_103" id = "noteXI_103" href = "#tagXI_103">103.</a>
+Ich will einige Äußerungen anführen, welche in den gedrängten Berichten
+über diese Debatten der Nachwelt aufbewahrt worden. Diese Neuerungen
+sind bezüglich des Sinnes, in welchem der Eid von den Gesetzgebern, die
+ihn entworfen, verstanden wurde, ganz entscheidend. Musgrave sagte: „Es
+ist kein Grund zur Aufnahme dieses Vorbehalts. Es ist undenkbar, daß
+irgend eine von hier ausgehende Bill jemals die gesetzgebende Gewalt
+vernichten werde.“ Finch sagte: „Die Worte: ‚durch das Gesetz
+festgestellt‘ hindern den König nicht, eine Bill zur Erleichterung der
+Dissenters anzunehmen. Der Vorbehalt ruft den Scrupel erst hervor und
+giebt Veranlassung dazu.“ Sawyer sagte: „Dies ist der erste Vorbehalt
+dieser Art, der je in einer Bill enthalten war. Er scheint die
+gesetzgebende Gewalt anzugreifen.“ Sir Robert Cotton sagte: „Obgleich
+der Vorbehalt zweckmäßig und heilsam aussieht, scheint er doch einen
+Fehler zu haben. Unfähig die Gesetze den Umständen gemäß abzuändern!
+Dies ruft nicht einen, sondern mehrere Scrupel hervor; als ob Ihr so an
+das kirchliche Regiment gebunden wäret, daß Ihr keine neuen Gesetze ohne
+einen solchen Vorbehalt ins Leben rufen könntet!“ Sir Thomas Lee sagte:
+„Ich fürchte es wird dahin kommen, daß auch andere Gesetze nicht ohne
+einen solchen Vorbehalt geschaffen werden können, und deshalb möchte ich
+denselben beseitigt wissen.“</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Krönung.</span>
+<a name = "secXI_46" id = "secXI_46">Die</a> Bill, durch welche die
+Eidformel festgestellt wurde, passirte das Oberhaus ohne Amendement.
+Alle Vorbereitungen waren getroffen, und am 11. April fand die Krönung
+statt. In einigen Punkten unterschied sie sich von gewöhnlichen
+Krönungen. Die Vertreter des Volks nahmen in Masse an der Ceremonie
+Theil und wurden im Schatzkammergebäude glänzend bewirthet. Marie, die
+jetzt nicht bloß Königin-Gemahlin, sondern auch regierende Königin war,
+wurde in allen Punkten gleich einem Könige inaugurirt, mit dem Schwerte
+gegürtet, auf den Thron gesetzt und ihr die Bibel, die Sporen und der
+Reichsapfel überreicht. Die weltlichen Großen des Reichs waren mit ihren
+Frauen und Töchtern zahlreich und glänzend vertreten. Es konnte nicht
+Wunder nehmen, daß die Whigaristokratie sich bemühte, den Triumph der
+Whigprinzipien zu erhöhen. Aber die Jakobiten sahen zu ihrem großen
+Leidwesen, daß viele Lords, die für eine Regentschaft gestimmt hatten,
+eine bedeutende Rolle bei der Feierlichkeit spielten. Die Krone des
+Königs wurde von Grafton, die der Königin von Somerset getragen. Das
+scharfe Schwert, das Emblem der weltlichen Justiz, trug Pembroke. Ormond
+war Großconstabel für den Tag und ritt durch den Saal zur Rechten des
+erblichen Kämpen, der dreimal seinen Handschuh auf den Boden warf
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_82" id = "pageXI_82">
+XI.82</a></span>
+und dreimal zum Kampfe auf Leben und Tod den Verräther herausforderte,
+der Wilhelm’s und Mariens Recht bestreiten sollte. Unter den
+Edelfräuleins, welche die prachtvolle Schleppe der Königin trugen,
+befand sich ihre schöne und liebenswürdige Cousine, Lady Henriette Hyde,
+deren Vater, Rochester, bis zuletzt gegen den Beschluß gestritten hatte,
+der den Thron für erledigt erklärte.<a class = "tag" name = "tagXI_104"
+id = "tagXI_104" href = "#noteXI_104">104</a> Die Bischöfe waren
+allerdings nur spärlich zu sehen. Der Primas war nicht erschienen; er
+war durch Campton vertreten. Zur einen Seite Campton’s trug Lloyd,
+Bischof von St. Asaph, der sich unter den sieben Bekennern des
+vorhergehenden Jahres ausgezeichnet hatte, den Hostienteller. Zur andren
+Seite ging Sprat, Bischof von Rochester, unlängst noch Mitglied der
+Hohen Commission, mit dem Kelche. Burnet, der jüngste Prälat, predigte
+mit seinem ganzen gewohnten Talent und mit mehr als gewohntem Takt und
+Urtheil. Sein würdevoller und beredter Vortrag war weder durch
+Schmeichelei noch durch boshafte Ausfälle verunziert. Es soll lebhaft
+applaudirt worden sein, und es ist in der That wohl zu glauben, daß der
+begeisterte Schluß seiner Rede, wo er den Himmel anflehte, das
+königliche Paar mit langem Leben und gegenseitiger Liebe, mit gehorsamen
+Unterthanen, weisen Räthen und treuen Bundesgenossen, mit tapferen
+Flotten und Armeen, mit Sieg, mit Frieden und schließlich mit
+ruhmvolleren und unvergänglicheren Kronen als welche zur Zeit auf dem
+Altare der Abtei glänzten, zu beglücken, das lauteste Beifallsgemurmel
+der Gemeinen erweckte.<a class = "tag" name = "tagXI_105" id =
+"tagXI_105" href = "#noteXI_105">105</a></p>
+
+<p>Die Ceremonie nahm im Ganzen einen guten Verlauf und bewirkte ein
+wenn auch schwaches und vorübergehendes Wiederauflodern der Begeisterung
+vom vergangenen December. Der Tag war in London und an vielen anderen
+Orten ein allgemeiner Freudentag. Am Vormittag waren die Kirchen
+gefüllt. Der Nachmittag wurde mit allerhand Vergnügungen und Gelagen
+hingebracht und am Abend wurden Freudenfeuer angezündet, Raketen
+losgelassen und die Fenster illuminirt. Dessenungeachtet wußten die
+Jakobiten reichen Stoff zu Spötteleien und Sarkasmen zu entdecken oder
+zu erfinden. Sie beschwerten sich bitter darüber, daß der Weg von der
+Halle bis zum westlichen Thore der Abtei mit holländischen Soldaten
+besetzt gewesen sei. Sei es schicklich, daß ein englischer König den
+feierlichsten Vertrag mit der englischen Nation hinter einer dreifachen
+Hecke fremder Schwerter und Bajonette schließe? Kleine Händel, wie sie
+bei jeder öffentlichen Feierlichkeit zwischen den Schaulustigen und den
+zur Freihaltung der Communication Angestellten fast unvermeidlich
+vorkommen, wurden mit allen Kunstgriffen der Rhetorik übertrieben. Einer
+der fremden Söldlinge hatte mit seinem Pferde einen achtbaren Bürger
+zurückgetrieben, der sich vorgedrängt, um den königlichen Baldachin
+einen Augenblick zu sehen. Ein Andrer hatte mit dem Flintenkolben eine
+Frau in roher Weise zurückgestoßen. Auf solche Gründe hin wurden die
+Fremden mit den Lord Dänen verglichen, welche vor Zeiten durch ihren
+Übermuth
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_83" id = "pageXI_83">
+XI.83</a></span>
+die angelsächsische Bevölkerung zu Aufstand und Blutvergießen angereizt
+hatten. Das fruchtbarste Thema für den Tadel war jedoch die
+Krönungsmedaille, die allerdings eben so abgeschmackt entworfen als
+schlecht ausgeführt war. Der Hauptgegenstand des Reverses war ein Wagen,
+und der gemeine Mann konnte sich nicht erklären, was dieses Emblem mit
+Wilhelm und Marien zu thun hatte. Die mißvergnügten Witzlinge lösten die
+Schwierigkeit, indem sie sagten, der Künstler habe auf den Wagen
+anspielen wollen, den eine aller Kindesliebe bare und den Interessen
+eines ehrgeizigen Gemahls blindlings ergebene römische Prinzessin über
+die noch warmen Überreste ihres Vaters hatte fahren lassen.<a class =
+"tag" name = "tagXI_106" id = "tagXI_106" href =
+"#noteXI_106">106</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_104" id = "noteXI_104" href = "#tagXI_104">104.</a>
+Lady Henriette, die ihr Oheim Clarendon in seinem Tagebuche (Januar
+1687/88) die „hübsche kleine Henriette“ und „das beste Kind von der
+Welt“ nennt, verheirathete sich bald nachher mit dem Earl von <ins class
+= "correction" title = "Original hat »Dalekith«">Dalkeith</ins>, dem
+ältesten Sohne des unglücklichen Herzogs v. Monmouth.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_105" id = "noteXI_105" href = "#tagXI_105">105.</a>
+Die Predigt verdient gelesen zu werden. Siehe die <span class =
+"antiqua">London Gazette</span> vom 14. April 1689; <span class =
+"antiqua">Evelyn’s Diary</span>; <span class = "antiqua">Narcissus
+Luttrell’s Diary</span>, und die Depesche der holländischen Gesandten an
+die Generalstaaten.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_106" id = "noteXI_106" href = "#tagXI_106">106.</a>
+Eine Probe von der Prosa, welche die Jakobiten über diesen Gegenstand
+schrieben, findet man in den Somers’schen Schriften. Die jakobitischen
+Verse waren meist zu unanständig, als daß man sie anführen konnte. Ich
+wähle einige von den glimpflichsten Zeilen aus einem sehr seltenen
+Spottgedicht:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Der elfte des Monats April erschien,</p>
+<p>Da wälzt sich der Pöbel nach Westminster hin</p>
+<p>Zu sehn wie ein Lumpenbündel man krönt:</p>
+<p class = "indent2">Ein schöner König, fürwahr.</p>
+<p>Dem Orangenbaum er entsprossen ist,</p>
+<p>Doch wenn man im Buche des Schicksals liest</p>
+<p>Wird einst ihm noch werden ein andrer Baum:</p>
+<p class = "indent2">Ein schöner König, fürwahr.</p>
+<p>Von Gestalt ist er nur zur Hälfte ein Mann,</p>
+<p>Desto mehr ein Affe, das leugne wer kann;</p>
+<p>Hat den Kopf einer Gans und des Kranich’s Bein’,</p>
+<p class = "indent2">Ein schöner König, fürwahr.</p>
+</div>
+
+<p>Ein Franzos, Namens Le Noble, der seiner Schandthaten wegen aus
+seinem Vaterlande verwiesen worden war, sich aber, von der Polizei
+geduldet, in Paris versteckt hielt und im Dienste eines Buchhändlers
+nothdürftig sein Leben fristete, veröffentlichte bei dieser Gelegenheit
+zwei jetzt sehr seltene Pasquille: <span class = "antiqua">„Le
+Couronnement de Guillemot et de Guillemette, avec le Sermon du grand
+Docteur Burnet“</span> und <span class = "antiqua">„Le Festin de
+Guillemot.“</span> An Witz, Geschmack und Verstand stehen Le Noble’s
+Schriften dem angeführten englischen Gedicht nicht nach. Er erzählt uns,
+daß der Erzbischof von York und der Bischof von London einen Boxerkampf
+in der Abtei aufführen, daß der Kämpe auf einem Esel durch die Halle
+ritt, welcher stätig wurde und die königliche Tafel mit dem ganzen
+Geschirr umstieß, und daß das Banket mit einer Schlägerei zwischen den
+mit Stühlen und Bänken bewaffneten Peers und den mit Bratspießen
+bewaffneten Köchen endete. Merkwürdigerweise fand diese Art Witz Leser,
+und das Portrait des Autors wurde splendid gestochen mit dem Motto:
+<span class = "antiqua">„Latrantes ride: te tua fama manet.“</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Beförderungen.</span>
+<a name = "secXI_47" id = "secXI_47">Ehren</a> wurden, wie gewöhnlich,
+auch bei dieser festlichen Gelegenheit freigebig gespendet. Drei
+Hosenbandorden, über welche die Krone zur Zeit verfügen konnte, wurden
+Devonshire, Ormond und Schomberg verliehen. Der Prinz Georg wurde zum
+Herzog von Cumberland ernannt. Mehrere hochstehende Männer erhielten
+neue Titel, mit denen wir sie von jetzt an bezeichnen müssen. Danby
+wurde Earl von Caermarthen, Churchill Earl von Marlborough und Bentinck
+Earl von Portland. Mordaunt ward zum Earl von Monmouth ernannt, nicht
+ohne einiges Murren von Seiten alter Exclusionisten, die sich noch immer
+mit Liebe ihres protestantischen Herzogs erinnerten und welche hofften,
+sein Urtel werde umgestoßen und seinen Nachkommen die Führung seines
+Titels gestattet werden. Man wunderte sich, daß der Name Halifax nicht
+auch auf der Liste der Beförderungen stand. Niemand konnte zweifeln, daß
+er sehr leicht ein blaues Band oder eine Herzogskrone hätte erlangen
+können, und obgleich er sich von den meisten seiner Zeitgenossen durch
+seine Verschmähung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_84" id = "pageXI_84">
+XI.84</a></span>
+unrechtmäßigen Gewinns vortheilhaft auszeichnete, wußte man doch sehr
+wohl, daß er auf Ehrentitel mit einer Begierde brannte, der er sich
+selbst schämte und die seines glänzenden Geistes unwürdig war.
+Allerdings wurde sein Ehrgeiz damals durch Besorgnisse niedergeschlagen.
+Leuten, die sein Vertrauen besaßen, theilte er seine Befürchtung mit,
+daß schlimme Zeiten bevorständen. Für des Königs Leben könne man kein
+Jahr mehr stehen, die Regierung sei unter sich uneinig, die
+Geistlichkeit und das Heer unzufrieden, das Parlament von Factionen
+zerrissen; der Bürgerkrieg wüthe bereits in einem Theile des Landes und
+auswärtiger Krieg sei vor der Thür. In einem solchen Augenblick habe
+wohl jeder Minister, ob Whig oder Tory, Grund sich zu beunruhigen, aber
+weder ein Whig noch ein Tory habe so viel zu fürchten als der Trimmer,
+der nicht unwahrscheinlich die gemeinschaftliche Zielscheibe des Hasses
+beider Parteien werden würde. Aus diesen Gründen beschloß Halifax, sich
+jeder Ostentation von Macht und Einfluß zu enthalten, durch ein
+geflissentliches Zurschautragen von Mäßigung den Neid zu entwaffnen und
+durch Artigkeiten und Wohlthaten Personen an sich zu ziehen, deren
+Dankbarkeit ihm im Fall einer Contrerevolution von Nutzen sein konnten.
+Die nächsten drei Monate, sagte er, würden die Probezeit sein. Halte
+sich die Regierung den Sommer über, so werde sie wahrscheinlich fest
+stehen.<a class = "tag" name = "tagXI_107" id = "tagXI_107" href =
+"#noteXI_107">107</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXI_107" id = "noteXI_107" href = "#tagXI_107">107.</a>
+<span class = "antiqua">Reresby’s Memoirs.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Coalition gegen Frankreich.</span>
+<a name = "secXI_48" id = "secXI_48">Inzwischen</a> gewannen Fragen der
+auswärtigen Politik eine immer größere Bedeutung. Das Werk, an welchem
+Wilhelm viele trübe und angstvolle Jahre hindurch unermüdlich gearbeitet
+hatte, war endlich vollbracht. Die große Coalition war zu Stande. Es war
+klar, daß ein verzweifelter Kampf bevorstand. Der Bedrücker Europa’s
+sollte sich gegen das mit Karl II. von Spanien, mit dem Kaiser Leopold
+und mit dem deutschen und dem batavischen Bunde alliirten England
+vertheidigen, ohne wahrscheinlich einen andren Bundesgenossen zu haben
+als den Sultan, der an der Donau gegen das Haus Österreich Krieg
+führte.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Verwüstung der Pfalz.</span>
+<a name = "secXI_49" id = "secXI_49">Ludwig</a> hatte gegen das Ende des
+<ins class = "correction"
+title = "Original hat »vergangenenen«">vergangenen</ins> Jahres die ungünstige Lage seiner
+Feinde zu seinem Vortheile benutzt und den ersten Schlag geführt, ehe
+sie darauf vorbereitet waren, ihn zu pariren. Doch dieser wenn auch
+schwere Schlag hatte nicht da getroffen, wo er hätte tödtlich werden
+können. Wären an der batavischen Grenze Feindseligkeiten ausgebrochen,
+so würde Wilhelm mit seiner Armee wahrscheinlich auf dem Continent
+zurückgehalten worden sein, und Jakob hätte ungestört in England
+fortregieren können. Glücklicherweise hatte Ludwig in einer Verblendung,
+welche viele fromme Protestanten aus voller Überzeugung dem gerechten
+Urtheile Gottes zuschrieben, den Punkt aus den Augen gelassen, von dem
+das Geschick der ganzen civilisirten Welt abhing, und hatte auf einer
+Seite, wo die glänzendsten Erfolge ihm nichts als eine Illumination und
+ein Tedeum eintragen konnten, einen großen Aufwand von Streitkräften,
+Schnelligkeit und Energie entfaltet. Eine französische Armee unter den
+Befehlen des Marschalls Duras war in die Pfalz und einige benachbarte
+Fürstenthümer eingefallen. Dieser Feldzug aber, konnte, obwohl er
+vollkommen glücklich ausgefallen war und obwohl die Geschicklichkeit und
+Energie, mit der er geleitet worden,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_85" id = "pageXI_85">
+XI.85</a></span>
+allgemeine Bewunderung erregt hatten, keinen erheblichen Einfluß auf den
+Ausgang des herannahenden furchtbaren Kampfes ausüben. Frankreich sollte
+bald von allen Seiten angegriffen werden, und dann konnte Duras die
+Provinzen, welche er überfallen und überwältigt, unmöglich lange
+behaupten. Ein entsetzlicher Gedanke erwachte im Geiste Louvois’, der in
+militärischen Angelegenheiten zu Versailles die erste Stimme hatte. Er
+war ein Mann, der sich durch Eifer für das was ihm im öffentlichen
+Interesse nöthig erschien, sowie durch Talent und durch Kenntniß alles
+dessen was sich auf die militärische Verwaltung bezog, auszeichnete,
+aber er besaß einen harten und grausamen Character. Wenn die Städte der
+Pfalz nicht zu behaupten waren, so konnten sie zerstört werden. Wenn der
+Boden der Pfalz den Franzosen keine Hülfsmittel lieferte, so konnte er
+so verwüstet werden, daß er wenigstens auch den Deutschen keine
+Hülfsmittel lieferte. Der hartherzige Staatsmann unterbreitete Ludwig
+seinen Plan, wahrscheinlich mit großer Behutsamkeit und einigen
+Auslassungen, und Ludwig genehmigte denselben in einer für seinen Ruhm
+verderblichen Stunde. Duras erhielt Befehl, eine der schönsten Gegenden
+Deutschland’s in eine Wüste zu verwandeln. Funfzehn Jahre früher hatte
+Turenne einen Theil dieses herrlichen Landes verwüstet. Aber Turenne’s
+Verheerungen waren, obgleich sie einen tiefen Schatten auf seinen Ruhm
+geworfen hatten, ein bloßes Kinderspiel im Vergleich mit den Greueln
+dieser zweiten Verwüstung. Der französische Oberbefehlshaber kündigte
+einer halben Million Menschen an, daß er ihnen eine dreitägige
+Gnadenfrist bewillige und daß sie bis dahin auf ihre Sicherheit bedacht
+sein müßten. Bald bedeckten sich die Landstraßen und Felder, welche
+damals tief in Schnee vergraben lagen, mit zahllosen Massen von Männern,
+Frauen und Kindern, die von ihrem heimathlichen Herde flohen. Viele
+kamen vor Hunger und Kälte um; aber es blieben genug am Leben, um alle
+Städte Europa’s mit abgezehrten, schmutzigen Bettlern zu füllen, die
+einst wohlhabende Pächter und Handelsleute gewesen waren. Inzwischen
+begann das Zerstörungswerk. Von jedem Marktplatze, jedem Weiler, jeder
+Pfarrkirche und jedem Landsitze in den dem Untergange geweihten
+Provinzen loderten die Flammen empor. Die Felder, auf denen Getreide
+gesäet war, wurden umgepflügt. Die Obstbäume wurden umgehauen. Jede
+Hoffnung auf eine Ernte wurde auf der fruchtbaren Ebene in der Nähe der
+Stelle wo einst Frankenthal gestanden, von Grund aus zerstört. Kein
+Weinstock, kein Mandelbaum war an den Abhängen der sonnigen Hügel mehr
+zu sehen, welche das nicht mehr vorhandene Heidelberg umgaben. Kein
+Palast, kein Tempel, kein Kloster, kein Krankenhaus, kein Kunstwerk,
+kein Grabmal berühmter Verstorbener ward geschont. Das weit und breit
+berühmte Schloß des Kurfürsten von der Pfalz wurde in einen Schutthaufen
+verwandelt. Das anstoßende Hospital wurde geplündert. Die Vorräthe, die
+Medicamente und die Betten, auf denen die Kranken lagen, wurden
+vernichtet. In Mannheim wurden, selbst die Steine, aus denen die Stadt
+erbaut war, in den Rhein geworfen. Der prächtige Dom von Speier ging zu
+Grunde, mit ihm die marmornen Grabmäler von acht Cäsaren. Die Särge
+wurden aufgebrochen und die Asche in alle Winde verstreut.<a class =
+"tag" name = "tagXI_108" id = "tagXI_108" href = "#noteXI_108">108</a>
+Trier mit seiner
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_86" id = "pageXI_86">
+XI.86</a></span>
+herrlichen Brücke, seinem Amphitheater, seinen ehrwürdigen Kirchen,
+Klöstern und Collegien war zu demselben Schicksale ausersehen. Bevor
+aber dieses letzte Verbrechen verübt werden konnte, wurde Ludwig durch
+die Verwünschungen alter Nachbarvölker, durch das Stillschweigen und die
+Bestürzung seiner Schmeichler und durch die Vorstellungen seine Gemahlin
+auf bessere Gedanken gebracht. Er war seit mehr als zwei Jahren mit
+Franziska von Maintenon, der Gouvernante seiner natürlichen Kinder,
+heimlich vermählt. Es wird schwerlich eine zweite Frau gegeben haben,
+die bei einem so wenig romanhaften Character eine so romanhafte Laufbahn
+aufzuweisen hatte. Sie hatte ihre Jugendjahre in Armuth; und Dunkel
+hingebracht. Ihr erster Gatte hatte sich durch Verfassung burlesker
+Possen und Gedichte ernährt. Als sie die Aufmerksamkeit ihres Souverains
+auf sich zog, konnte sie sich nicht mehr der Jugend oder Schönheit
+rühmen, aber sie besaß in ungewöhnlichem Grade jene dauernderen Reize,
+welche gesetzte Männer, deren Leidenschaften das Alter gezähmt hat und
+deren Leben ein Leben voll Mühen und Sorgen ist, an einer
+Lebensgefährtin am höchsten schätzen. Ihr Character war einer von denen,
+die man sehr richtig mit dem sanften Grün verglichen hat, auf welchem
+das durch grelle, Farben und blendende Lichter ermüdete Auge mit
+Wohlgefallen ruht. Ein treffendes Urtheil, ein unerschöpflicher, doch
+nie überfluthender Strom verständiger, liebenswürdiger und geistvoller
+Rede, ein Temperament, dessen heitere Ruhe nicht einen Augenblick
+getrübt wurde, ein Takt, der den Takt ihres Geschlechts in eben dem Maße
+übertraf, wie der Takt ihres Geschlechts den des unsrigen übertrifft:
+dies waren die Eigenschaften, welche die Wittwe eines Possenreißers
+zuerst zur vertrauten Freundin, dann zur Gattin des mächtigsten aller
+Könige Europa’s machten. Man sagte damals Ludwig sei nur mit Mühe durch
+Louvois’ dringende Vorstellungen und Bitten abgehalten worden, sie zur
+Königin von Frankreich zu erklären. Es ist ausgemacht, daß sie Louvois
+als ihren Feind betrachtete, und ihr Haß gegen ihn, mit dem sich
+vielleicht auch bessere Gefühle verbanden, bestimmte sie, sich der
+unglücklichen Rheinbewohner anzunehmen. Sie appellirte an das Mitgefühl,
+das, obwohl durch manche verderbliche Einflüsse geschwächt, im Herzen
+ihres Gemahls noch nicht völlig erloschen war, und an die religiösen
+Gefühle, welche ihn nur zu oft zur Grausamkeit getrieben hatten, die
+aber im gegenwärtigen Falle auf Seiten der Humanität waren. Er ließ sich
+erweichen und Trier ward verschont.<a class = "tag" name = "tagXI_109"
+id = "tagXI_109" href = "#noteXI_109">109</a> Er mußte in der That wohl
+einsehen, daß er einen Fehler begangen hatte. Die Verwüstung der Pfalz
+hatte, während sie die Macht seiner Feinde nicht erheblich vermindert,
+ihre Erbitterung noch mehr angefacht und ihnen unerschöpflichen Stoff zu
+Schmähungen geliefert. Von allen Seiten erscholl das Geschrei nach
+Rache. Jedes Bedenken, das die eine oder die andre Linie des Hauses
+Österreich gehegt haben mochte, sich mit Protestanten zu verbünden, war
+völlig beseitigt. Ludwig beschuldigte den Kaiser und den katholischen
+König, die Sache der Kirche verrathen, sich mit einem Usurpator,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_87" id = "pageXI_87">
+XI.87</a></span>
+der der erklärte Vorkämpfer des großen Schisma’s war, verbündet und an
+dem abscheulichen Unrecht Theil genommen zu haben, das einem legitimen
+Souverain zugefügt worden, der sich keines andren Verbrechens als des
+Eifers für den wahren Glauben schuldig gemacht habe. Jakob schrieb
+herzbrechende Briefe nach Wien und Madrid, in denen er sein Unglück
+schilderte und den Beistand seiner königlichen Brüder, die auch im
+Glauben seine Brüder seien, gegen die unnatürlichen Kinder und die
+rebellischen Unterthanen erflehte, die ihn in’s Exil getrieben hätten.
+Es war jedoch nicht schwer, auf Ludwig’s Vorwürfe wie auf Jakob’s Bitten
+eine plausible Antwort zu geben. Leopold und Karl erklärten, daß sie
+sich, selbst zum Zwecke der gerechten Selbstvertheidigung, nicht eher
+mit Ketzern verbündet hätten, als bis ihr Feind sich zum Zwecke eines
+ungerechten Angriffs mit Mohamedanern verbündet habe. Und dies sei noch
+nicht das Schlimmste. Nicht genug, daß der französische König den
+Moslems gegen die Christen beistehe, behandle er selbst die Christen mit
+einer Grausamkeit, welche sogar die Moslems empört haben würde. Man
+müsse seinen ungläubigen Verbündeten die Gerechtigkeit widerfahren
+lassen, daß sie an der Donau keine solchen Gewaltthätigkeiten gegen die
+Gebäude und die Mitglieder der heiligen katholischen Kirche verübt
+hätten, wie er, der sich den ältesten Sohn dieser Kirche nenne, sie am
+Rhein verübe. Aus diesen Gründen antworteten die Fürsten, an welche
+Jakob appellirt hatte, ihm damit, daß sie unter vielen Versicherungen
+der Bereitwilligkeit und des Mitleids an ihn selbst appellirten. Er sei
+gewiß zu gerecht, als daß er sie tadeln könnte, daß sie es für ihre
+erste Pflicht hielten, ihr eignes Volk gegen solche Gewaltthätigkeiten
+zu schützen, wie sie die Pfalz in eine Wüste verwandelt hätten, oder daß
+sie den Beistand der Protestanten gegen einen Feind anriefen, der kein
+Bedenken getragen habe, die Hülfe von Türken anzurufen.<a class = "tag"
+name = "tagXI_110" id = "tagXI_110" href = "#noteXI_110">110</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_108" id = "noteXI_108" href = "#tagXI_108">108.</a>
+Über die Geschichte der Verwüstung der Pfalz sehe man die Memoiren von
+La Fare, Dangeau, Frau von Lafayette, Villars und Saint-Simon, sowie den
+<span class = "antiqua">Monthly Mercury</span> vom März und April 1689.
+Der Pamphlet und Flugblätter sind zu viele, als daß ich sie hier
+aufzählen könnte. Ein Blatt, betitelt: <span class = "antiqua">„A true
+Account of the barbarous Cruelties committed by the French in the
+Palatinate in January and February last,“</span> ist vielleicht das
+interessanteste.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_109" id = "noteXI_109" href = "#tagXI_109">109.</a>
+Memoiren Saint-Simon’s.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_110" id = "noteXI_110" href = "#tagXI_110">110.</a>
+Ich will einige Zeilen aus Leopold’s Brief an Jakob anführen: <span
+class = "antiqua">„Nunc autem quo loco res nostrae sint, ut Serenitati
+vestrae auxilium praestari possit a nobis, qui non Turcico tantum bello
+impliciti, sed insuper etiam crudelissimo et iniquissimo a Gallis, rerum
+suarum, ut putabant, in Anglia securis, contra datam fidem impediti
+sumus, ipsimet Serenitati vestrae judicandum relinquimus... Galli non
+tantum in nostrum et totius Christianae orbis perniciem foedifraga arma
+cum juratis Sanctae Crucis hostibus sociare fas sibi ducunt; sed etiam
+in imperio, perfidiam perfidia cumulando, urbes deditione occupatas
+contra datam fidem immensis tributis exhaurire, exhaustas diripere,
+direptas funditus exscindere aut flammis delere, Palatia Principum ab
+omni antiquitate inter saevissima bellorum incendia intacta servata
+exurere, templa spoliare, dedititios in servitutem more apud barbaros
+usitato abducere, denique passim, imprimis vero etiam in Catholicorum
+dictionibus, alia horrenda, et ipsam Turcorum tyrannidem superantia
+immanitatis et saevitiae exempla edere pro ludo habent.“</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Kriegserklärung gegen Frankreich.</span>
+<a name = "secXI_50" id = "secXI_50">Während</a> des Winters und der
+ersten Hälfte des Frühjahrs zogen die Frankreich feindlich gesinnten
+Mächte ihre Streitkräfte zu einer energischen Anstrengung zusammen und
+standen in fortdauernder Communication mit einander. Als die zu
+militärischen Operationen geeignete Zeit heranrückte, erschienen in
+rascher Aufeinanderfolge die feierlichen Berufungen beleidigter Nationen
+an den Gott der Schlachten. Das Manifest der Deutschen erschien im
+Februar, das der Generalstaaten im März, das des Hauses Brandenburg im
+April und das Spanien’s im Mai.<a class = "tag" name = "tagXI_111" id =
+"tagXI_111" href = "#noteXI_111">111</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXI_88" id = "pageXI_88">
+XI.88</a></span>
+<p>Bei uns beschloß, sobald die Krönungsfeier vorüber war, das Haus der
+Gemeinen die Inbetrachtnahme der neuesten Schritte des Königs von
+Frankreich.<a class = "tag" name = "tagXI_112" id = "tagXI_112" href =
+"#noteXI_112">112</a> In der Debatte brach der Haß gegen den mächtigen,
+rücksichtslosen und herrschsüchtigen Ludwig, der seit zwanzig Jahren der
+Vasallenschaft in den Herzen der Engländer gohr, mit Heftigkeit hervor.
+Er wurde der allerchristlichste Türke, der allerchristlichste Verwüster
+der Christenheit, der allerchristlichste Barbar genannt, der gegen
+Christen Gewaltthätigkeiten verübt habe, deren seine ungläubigen
+Verbündeten sich geschämt haben würden.<a class = "tag" name =
+"tagXI_113" id = "tagXI_113" href = "#noteXI_113">113</a> Ein
+vornehmlich aus heftigen Whigs bestehender Ausschuß wurde mit der
+Abfassung eines Adreßentwurfs beauftragt. Johann Hampden, der glühendste
+Whig unter ihnen, erhielt den Vorsitz und arbeitete einen Entwurf aus,
+der zu lang, zu rhetorisch und zu vorwurfsvoll war, als daß er sich für
+den Mund des Sprechers wie für das Ohr des Königs hätte eignen können.
+Schmähungen gegen Ludwig würden bei der damaligen Stimmung des Hauses
+ungerügt hingegangen sein, wären sie nicht von harten Äußerungen über
+den Character und der Verwaltung Karl’s II. begleitet gewesen, dessen
+die Tories, trotz aller seiner Fehler, mit liebevoller Zuneigung
+gedachten. Es fanden sich darin einige sehr deutliche Anspielungen auf
+Karl’s Verkehr mit dem Hofe von Versailles und auf das fremde Weib, das
+dieser Hof ihm gesendet habe, um wie eine Schlange an seinem Busen zu
+liegen. Das Haus war mit gutem Grunde unzufrieden damit. Die Adresse
+wurde dem Ausschusse zurückgegeben, und nachdem sie kürzer und weniger
+wortreich und hämisch gefaßt worden, angenommen und überreicht.<a class
+= "tag" name = "tagXI_114" id = "tagXI_114" href = "#noteXI_114">114</a>
+Wilhelm’s Aufmerksamkeit war auf die Nachtheile gelenkt, welche
+Frankreich ihm und seinem Königreiche zugefügt, und ihm die Versicherung
+gegeben, daß, sobald er zur Abstellung dieser Nachtheile die Waffen
+ergriffe, er von seinem Volke kräftig unterstützt werden würde. Er
+dankte den Gemeinen herzlich. Ehrgeiz, sagte er, werde ihn nie
+bestimmen, das Schwert zu ziehen; allein er habe keine Wahl, denn
+Frankreich habe bereits England angegriffen, und es sei nothwendig, das
+Recht der Selbstvertheidigung auszuüben. Wenige Tage darauf wurde der
+Krieg erklärt.<a class = "tag" name = "tagXI_115" id = "tagXI_115" href
+= "#noteXI_115">115</a></p>
+
+<p>Unter den Gründen zu diesem Schritte, welche die Gemeinen in ihrer
+Adresse und der König in seinem Manifeste anführten, war der
+gewichtigste die Einmischung Ludwig’s in die Angelegenheiten Irland’s.
+In diesem Lande waren seit mehreren Monaten wichtige Ereignisse in
+rascher Aufeinanderfolge eingetreten. Der Augenblick ist jetzt gekommen,
+die Geschichte dieser Ereignisse mitzutheilen, eine Geschichte eben so
+reich an Verbrechen und erschütternden Begebenheiten, wie an Interesse
+und Belehrung.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXI_111" id = "noteXI_111" href = "#tagXI_111">111.</a>
+Siehe die London Gazette vom 25. Febr., 11. März, 22. April, 2. Mai und
+die <span class = "antiqua">Monthly Mercuries</span>. Einige von den
+Erklärungen findet man in Dumont’s <span class = "antiqua">Corps
+Universel Diplomatique</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_112" id = "noteXI_112" href = "#tagXI_112">112.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, April 15. 16.
+1689</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_113" id = "noteXI_113" href = "#tagXI_113">113.</a>
+Oldmixon.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_114" id = "noteXI_114" href = "#tagXI_114">114.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, April 19. 24. 26.
+1689</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXI_115" id = "noteXI_115" href = "#tagXI_115">115.</a>
+Die Kriegserklärung ist vom 7. Mai datirt, erschien aber erst am 13. in
+der London Gazette.</p>
+</div>
+
+
+
+
+<a name = "kap_XII" id = "kap_XII">&nbsp;</a>
+<div class = "chapterhead">
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_1" id = "pageXII_1">
+XII.1</a></span>
+
+<h4><b>Zwölftes Kapitel.</b></h4>
+
+<hr class = "tiny">
+
+<h4><em>Wilhelm von Oranien</em>.</h4>
+
+</div>
+
+<a name = "pageXII_2" id = "pageXII_2">&nbsp;</a>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_3" id = "pageXII_3">
+XII.3</a></span>
+
+<h4><a name = "inhalt_XII" id = "inhalt_XII">
+<b><span class = "extended">Inhalt</span>.</b></a></h4>
+
+<hr class = "micro">
+
+<table class = "toc" summary = "inhaltsverzeichniss">
+<tr>
+<td></td>
+<td class = "seite">Seite</td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_1">Zustand Irland’s zur Zeit der
+Revolution</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_5">5</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_2">Die Civilgewalt in den Händen der
+Katholiken</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_5">5</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_3">Die Militärgewalt in den Händen der
+Katholiken</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_7">7</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_4">Gegenseitige Feindschaft zwischen den
+Engländern und Iren</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_7">7</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_5">Panischer Schrecken unter den
+Engländern</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_8">8</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_6">Geschichte der Stadt Kenmare</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_9">9</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_7">Enniskillen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_12">12</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_8">Londonderry</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_13">13</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_9">Schließung der Thore von Londonderry</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_14">14</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_10">Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu
+pacificiren</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_16">16</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_11">Wilhelm tritt in Unterhandlung mit
+Tyrconnel</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_17">17</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_12">Die Temple werden zu Rathe gezogen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_19">19</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_13">Richard Hamilton wird auf Temple’s Wort
+nach Irland gesandt</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_19">19</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_14">Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach
+Frankreich</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_20">20</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_15">Tyrconnel ruft das irische Volk zu den
+Waffen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_21">21</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_16">Verwüstung des Landes</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_22">22</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_17">Die Protestanten im Süden unfähig
+Widerstand zu leisten</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_26">26</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_18">Enniskillen und Londonderry halten
+sich</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_27">27</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_19">Richard Hamilton marschirt mit einer Armee
+nach Ulster</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_27">27</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_20">Jakob entschließt sich nach Irland zu
+gehen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_28">28</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_21">Unterstützung, welche Jakob von Ludwig
+gewährt wird</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_29">29</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_22">Wahl eines französischen Gesandten zum
+Begleiter Jakob’s</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_30">30</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_23">Der Graf von Avaux</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_31">31</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_24">Jakob landet in Kinsale</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_32">32</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_25">Jakob’s Einzug in Cork</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_33">33</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_26">Reise Jakob’s von Cork nach Dublin</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_34">34</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_27">Unzufriedenheit in England</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_36">36</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_28">Parteispaltungen im Dubliner
+Schlosse</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_36">36</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_29">Jakob beschließt nach Ulster zu
+gehen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_40">40</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_30">Jakob’s Reise nach Ulster</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_41">41</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_31">Der Fall Londonderry’s erwartet</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_43">43</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_32">Es kommt Succurs aus England</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_44">44</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_33">Verrätherei Lundy’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_45">45</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_34">Die Bewohner von Londonderry beschließen
+sich zu vertheidigen</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_45">45</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_35">Ihr Character</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_46">46</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_36">Londonderry belagert</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_50">50</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_37">Die Belagerung in eine Blokade
+verwandelt</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_52">52</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_38">Seegefecht in der Bantry-Bai</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_52">52</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_39">Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt
+in Dublin</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_53">53</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><span class = "pagenum"><a name = "pageXII_4" id = "pageXII_4">
+XII.4</a></span>
+<a href = "#secXII_40">Es wird eine Toleranzacte erlassen</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_57">57</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_41">Acte zur Confiscation des Eigenthums der
+Protestanten</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_57">57</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_42">Prägung schlechten Geldes</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_61">61</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_43">Die große Verurtheilungsacte</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_62">62</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_44">Jakob prorogirt sein Parlament</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_65">65</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_45">Verfolgung der Protestanten in
+Irland</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_65">65</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_46">Wirkung der aus Irland kommenden
+Nachrichten in England</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_67">67</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_47">Thaten der Enniskillener</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_69">69</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_48">Noth in Londonderry</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_70">70</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_49">Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke
+im Foylesee</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_70">70</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_50">Grausamkeit Rosen’s</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_71">71</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_51">Die Hungersnoth in Londonderry steigt aufs
+Höchste</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_73">73</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_52">Angriff auf den Sperrbaum</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_74">74</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><p><a href = "#secXII_53">Die Belagerung von Londonderry
+aufgehoben</a></p></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_76">76</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_54">Operationen gegen die Enniskillener</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_79">79</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_55">Schlacht bei Newton-Butler</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_80">80</a></td>
+</tr>
+<tr>
+<td><a href = "#secXII_56">Bestürzung der Irländer</a></td>
+<td class = "number"><a href = "#pageXII_81">81</a></td>
+</tr>
+</table>
+
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_5" id = "pageXII_5">
+XII.5</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Zustand Irland’s zur Zeit der Revolution.</span>
+<a name = "secXII_1" id = "secXII_1">Wilhelm</a> hatte zu gleicher Zeit
+mit dem Titel eines Königs von England auch den eines Königs von Irland
+angenommen. Denn alle unsere Juristen betrachteten damals Irland als
+eine bloße Colonie, zwar wichtiger als Massachusetts, Virginien oder
+Jamaika, aber, wie diese, abhängig vom Mutterlande und verpflichtet, den
+Souverain anzuerkennen, den das Mutterland auf den Thron berufen
+hatte.<a class = "tag" name = "tagXII_1" id = "tagXII_1" href =
+"#noteXII_1">1</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_1" id = "noteXII_1" href = "#tagXII_1">1.</a>
+Die allgemeine Ansicht der Engländer über diesen Gegenstand spricht sich
+deutlich in einer kleinen Schrift aus, betitelt: <span class =
+"antiqua">„Aphorisms relating to the Kingdom of Ireland“</span>, welche
+während der Erledigung des Thrones erschien.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Civilgewalt in den Händen der Katholiken.</span>
+<a name = "secXII_2" id = "secXII_2">Thatsächlich</a> aber hatte die
+Revolution Irland von der Oberherrschaft der englischen Colonie
+emancipirt gefunden. Schon im Jahre 1686 hatte Jakob beschlossen, diese
+Insel zu einem Waffenplatze, der Großbritannien Respect einflößen
+könnte, und zu einem Asyle zu machen, wo die Mitglieder seiner Kirche
+eine Zuflucht finden könnten, wenn in Großbritannien sich ein Unglück
+ereignete. Zu dem Ende hatte er Alles aufgeboten, um das Verhältniß
+zwischen den Eroberern und der eingebornen Bevölkerung umzukehren. Die
+Ausführung seines Planes hatte er, trotz der Gegenvorstellungen seiner
+englischen Rathgeber, dem Vicekönig Tyrconnel übertragen. Im Herbst des
+Jahres 1688 war der Prozeß vollendet. Die höchsten Ämter bei der
+Staatsverwaltung, der Armee und den Gerichtshöfen waren fast ohne
+Ausnahme mit Papisten besetzt. Ein Rabulist, Namens Alexander Fitton,
+der einer Fälschung überführt, wegen schlechter Aufführung vom Hause der
+Lords zu Westminster mit einer Geldstrafe belegt worden war und viele
+Jahre im Gefängniß zugebracht hatte, dem es eben so sehr an juristischen
+Kenntnissen fehlte wie an gesundem Verstande und Scharfsinn, welche den
+Mangel an juristischen Kenntnissen zuweilen ersetzt haben, war
+Lordkanzler. Sein einziges Verdienst bestand darin, daß er vom
+protestantischen Glauben abgefallen war, und dieses Verdienst wurde für
+hinreichend erachtet, um selbst den Flecken seiner sächsischen
+Abstammung zu verwischen. Er zeigte sich bald des Vertrauens seiner
+Gönner würdig. Er erklärte auf der Richterbank, daß es unter
+vierzigtausend Ketzern nicht einen gebe, der nicht ein Schurke sei.
+Oftmals, nachdem er einen Rechtsfall angehört, bei dem die Interessen
+seiner Kirche im Spiele waren, verschob er seinen Ausspruch, um, wie er
+selbst eingestand, seinen Seelsorger, einen spanischen Priester, der
+wahrscheinlich im Escobar wohl belesen war, zu Rathe zu ziehen.<a class
+= "tag" name = "tagXII_2" id = "tagXII_2" href = "#noteXII_2">2</a>
+Thomas Nugent, ein Katholik, der sich im Gerichtssaale durch nichts als
+durch seinen irischen Accent und durch seine
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_6" id = "pageXII_6">
+XII.6</a></span>
+Schnitzer ausgezeichnet hatte, war Oberrichter der King’s Bench.<a class
+= "tag" name = "tagXII_3" id = "tagXII_3" href = "#noteXII_3">3</a>
+Stephan Rice, ein Katholik, dessen Talente und Gelehrsamkeit selbst von
+den Feinden seiner Nation und Religion nicht bestritten wurden, dessen
+wohlbekannte Hostilität gegen die Ansiedlungsacte aber im Herzen aller
+Derjenigen, welche kraft dieser Acte Grundeigenthum besaßen, die
+ernstesten Besorgnisse erweckte, war erster Baron der Schatzkammer.<a
+class = "tag" name = "tagXII_4" id = "tagXII_4" href =
+"#noteXII_4">4</a> Richard Nagle, ein scharfsinniger und wohlbelesener
+Jurist, der in einem Jesuitencollegium erzogen war und der die
+Vorurtheile besaß, die man von seiner Erziehung erwarten konnte, war
+Generalfiskal.<a class = "tag" name = "tagXII_5" id = "tagXII_5" href =
+"#noteXII_5">5</a></p>
+
+<p>Keating, ein höchst ehrenwerther Protestant war noch Oberrichter der
+Common Pleas; aber zwei römisch-katholische Richter standen ihm zur
+Seite. Es darf nicht unerwähnt bleiben, daß der eine von diesen
+Richtern, Daly, ein verständiger, gemäßigter und rechtschaffner Mann
+war. Aber die Klagsachen, welche vor die Schranken der Common Pleas
+kamen, waren nicht von großem Belang. Selbst die King’s Bench war damals
+fast verödet. Dagegen war das Schatzkammergericht mit Geschäften
+überhäuft, denn es war der einzige Gerichtshof in Dublin, von dem nicht
+nach England appellirt werden konnte, und folglich der einzige
+Gerichtshof, an welchem die Engländer ohne Hoffnung auf Abhülfe
+unterdrückt und ausgeplündert werden konnten. Rice sollte <ins class =
+"correction" title = "Original hat »erkärt«">erklärt</ins> haben, daß
+sie von ihm genau das haben sollten, was das Gesetz nach strictester
+Auslegung ihnen gewähre, aber auch nicht mehr. Was aber seiner Ansicht
+nach das Gesetz nach strictester Auslegung ihnen gewährte, das konnten
+sie leicht aus einer Äußerung schließen, die er, bevor er Richter wurde,
+häufig im Munde führte. „Ich werde,“ pflegte er zu sagen, „mit Sechsen
+durch die Ansiedlungsacte fahren.“ Jetzt brachte er seine Drohung
+tagtäglich zur Ausführung. Alle Protestanten klagten, daß es
+gleichgültig sei, was für Beweise sie ihm vorlegten, daß die
+schamlosesten Lügen, die ehrlosesten Zeugenaussagen seines Schutzes
+gewiß sein könnten, wenn er sonst ihren Ansprüchen nicht gerecht werden
+wolle. Zu seinem Gerichtshofe drängten sich seine Landsleute in Masse
+mit Gesuchen um Vertreibung und Eigenthumsverletzung. Vor seinem
+Gerichtshofe griff die Regierung mit einem Male die Freibriefe alter
+irischen Städte und Landgemeinden an, und er fand ohne Mühe Vorwände, um
+alle diese Freibriefe für verwirkt zu erklären. Die
+Municipalcorporationen, etwa hundert an Zahl, waren als Bollwerke des
+reformirten Glaubens und des englischen Interesses eingeführt worden,
+und sie wurden daher von den irischen Katholiken mit einem Widerwillen
+betrachtet, den man nicht für unnatürlich oder unvernünftig halten kann.
+Wären diese Corporationen auf eine verständige und unparteiische Weise
+umgestaltet worden, so hätte die Unregelmäßigkeit des Verfahrens, durch
+welches ein so wünschenwerthes Resultat erzielt worden war, verziehen
+werden können. Aber es zeigte sich bald, daß ein exclusives System nur
+beseitigt worden war, um einem andren Platz zu
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_7" id = "pageXII_7">
+XII.7</a></span>
+machen. Die Burgflecken wurden der unumschränkten Autorität der Krone
+unterstellt. Städte, in denen fast jeder Hausvater ein englischer
+Protestant war, erhielten katholische Obrigkeiten. Viele von den neuen
+Aldermen hatten die Städte, zu deren Behörden sie ernannt werden, noch
+nie gesehen. Zu gleicher Zeit wurden die Sheriffs, denen die Vollziehung
+der richterlichen Befehle und die Ernennung der Juries zukam, fast immer
+aus der Kaste gewählt, welche bis vor ganz Kurzem von jedem öffentlichen
+Amte ausgeschlossen gewesen war. Man versicherte, daß einige von diesen
+wichtigen Beamten wegen Diebstahls in der Hand gebrandmarkt gewesen
+seien. Andere hatten im Dienste von Protestanten gestanden, und die
+Protestanten setzten mit bitterer Geringschätzung hinzu, daß die
+Grafschaft, der solche Beamte zu Theil würden, von Glück sagen könne,
+denn ein Diener, der das Geschirr eines englischen Gentleman gereinigt
+und sein Pferd geputzt habe, könne im Vergleich zu Vielen von der
+eingebornen Aristokratie, die ihr Leben mit Aufliegen und Marodiren
+hingebracht, für ein civilisirtes Geschöpf gelten. Solchen Sheriffs
+würde kein Colonist, selbst wenn er das unerhörte Glück gehabt hätte,
+einen ihm günstigen Ausspruch zu erlangen, eine Execution anzuvertrauen
+gewagt haben.<a class = "tag" name = "tagXII_6" id = "tagXII_6" href =
+"#noteXII_6">6</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_2" id = "noteXII_2" href = "#tagXII_2">2.</a>
+<span class = "antiqua">King’s State of the Protestants of Ireland, II.
+6</span>, und <span class = "antiqua">III. 3</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_3" id = "noteXII_3" href = "#tagXII_3">3.</a>
+<span class = "antiqua">King III. 3</span>. Clarendon nennt Nugent in
+einem Briefe an Rochester (vom 1. Juni 1686) „einen höchst lästigen,
+impertinenten Menschen.“</p>
+
+<p><a name = "noteXII_4" id = "noteXII_4" href = "#tagXII_4">4.</a>
+<span class = "antiqua">King, III. 3</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_5" id = "noteXII_5" href = "#tagXII_5">5.</a>
+<span class = "antiqua">King, II. 6</span>, und <span class =
+"antiqua">III. 3</span>. Clarendon spricht in einem Briefe an Ormond
+(vom 28. Sept. 1686) mit rühmender Anerkennung von Nagle’s Kenntnissen
+und Fähigkeiten; in seinem Tagebuche aber (31.&nbsp;Jan. 1686/87) nennt
+er ihn „einen habsüchtigen, ehrgeizigen Mann.“</p>
+
+<p><a name = "noteXII_6" id = "noteXII_6" href = "#tagXII_6">6.</a>
+<span class = "antiqua">King II. 5. 1.</span>; <span class =
+"antiqua">III. 3. 5</span>. <span class = "antiqua">A Short View of the
+Methods made use of in Ireland for the Subversion and Destruction of the
+Protestant Religion and Interests, by a Clergyman lately escaped from
+thence, licensed Oct.&nbsp;17, 1689</span>.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Militärgewalt in den Händen der Katholiken.</span>
+<a name = "secXII_3" id = "secXII_3">So</a> war die Civilgewalt in Zeit
+von wenigen Monaten von der sächsischen auf die celtische Bevölkerung
+übertragen worden. Die Übertragung der Militärgewalt war nicht minder
+vollständig gewesen. Die Armee, welche unter Ormond’s Befehlen das
+Hauptbollwerk des englischen Übergewichts gewesen war, existirte nicht
+mehr. Ganze Regimenter waren aufgelöst und neu organisirt worden.
+Sechstausend ihres Brodes beraubte protestantische Veteranen brüteten in
+ihrer Zurückgezogenheit über das ihnen zugefügte Unrecht, oder waren
+über den Kanal gegangen und hatten sich dem Banner Wilhelm’s
+angeschlossen. Ihre Stellen wurden durch Männer besetzt, welche, nachdem
+sie lange unterdrückt worden, sich plötzlich aus Sklaven in Herren
+verwandelt sahen und es nun nicht erwarten konnten, die schwere Schuld
+der Unbilden und Kränkungen mit Wucherzinsen zurückzuzahlen. Man sagte,
+die neuen Soldaten seien nie an einem Engländer vorübergegangen, ohne
+ihn zu verwünschen und ihm ein Schimpfwort anzuhängen. Sie waren der
+Schrecken jedes protestantischen Gastwirths, denn von dem Augenblicke an
+wo sie unter sein Dach kamen, aßen und tranken sie Alles weg, ohne zu
+bezahlen, und verscheuchten durch ihr rohes Bramarbasiren anständigere
+Gäste von seiner Thür.<a class = "tag" name = "tagXII_7" id = "tagXII_7"
+href = "#noteXII_7">7</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_7" id = "noteXII_7" href = "#tagXII_7">7.</a>
+<span class = "antiqua">King, III. 2</span>. Ich kann nicht finden, daß
+Karl Leslie, ein eifriger Vertheidiger der andren Partei, in seiner
+Antwort an King, einer dieser Thatsachen widersprochen hätte. Er
+verwirft sogar selbst Tyrconnel’s Verwaltung. „Ich wünsche einem
+Einwurfe zu begegnen, der sicherlich erhoben werden wird, daß ich
+nämlich Alles was Lord Tyrconnel und andere Minister Jakob’s, besonders
+vor dieser Revolution, gethan haben und was mehr als irgend etwas Andres
+dieselbe hervorgerufen hat, völlig rechtfertigen wolle. Nein, davon bin
+ich weit entfernt. Ich bin überzeugt, daß ihr Verfahren in vielen
+Punkten den Feinden König Jakob’s gegründetere Ursache zu klagen gab als
+alle anderen seiner Regierung zur Last gelegten Verwaltungsfehler.“
+<span class = "antiqua">Leslie’s Answer to King, 1692</span>.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Gegenseitige Feindschaft zwischen den Engländern und Iren.</span>
+<a name = "secXII_4" id = "secXII_4">So</a> war der Zustand Irland’s,
+als der Prinz von Oranien bei
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_8" id = "pageXII_8">
+XII.8</a></span>
+Torbay landete. Von diesem Augenblicke an, brachte jedes in Dublin
+anlangende Packetboot Nachrichten mit, welche die gegenseitige Furcht
+und Abneigung der feindlichen Stämme nur vermehren konnten. Sowohl der
+Colonist, der, nachdem er lange die Macht besessen und gemißbraucht,
+jetzt für einen Augenblick die Bitterkeit der Knechtschaft gekostet
+hatte, als auch der Eingeborne, der, nachdem er den bitteren Kelch der
+Knechtschaft bis zur Hefe geleert, endlich auf einen Augenblick die
+Macht besessen und gemißbraucht hatte, erkannten Beide, daß eine
+wichtige Krisis, eine Krisis wie die von 1641, bevorstehe. Die Mehrheit
+erwartete mit Ungeduld, in Tyrconnel einen Phelim O’Neil wieder erstehen
+zu sehen; die Minderheit erblickte in Wilhelm einen zweiten Oliver.</p>
+
+<p>Auf welcher Seite der erste Schlag erfolgte, dies war eine Frage,
+über welche Wilhelmiten und Jakobiten nachher mit viel Schärfe
+debattirten. Doch keine Frage konnte gleichgültiger sein. Die Geschichte
+muß beiden Parteien die Gerechtigkeit widerfahren lassen, die keine von
+beiden der andren jemals zugestanden, und muß zugeben, daß beide
+triftige Beschwerden und heftige Provocationen zu ihrer Rechtfertigung
+anführen konnten. Beide waren durch ein Geschick, für welches keine von
+beiden verantwortlich war, in eine Lage versetzt worden, daß sie
+einander, da die menschliche Natur nun einmal so und nicht anders
+geschaffen ist, nothwendig als Feinde betrachten mußten. Drei Jahre lang
+hatte die Regierung, die sie hätte versöhnen können, systematisch Alles
+aufgeboten, ihre Feindschaft zu einer rasenden Wuth zu entflammen. Es
+war jetzt unmöglich, in Irland eine gerechte und wohlthätige Regierung
+herzustellen, eine Regierung, die keinen Racen- oder Sectenunterschied
+kannte, eine Regierung, welche die den neuen Grundeigenthümern durch das
+Gesetz gewährleisteten Rechte streng respectirte, zu gleicher Zeit aber
+durch eine vernünftige Liberalität das Mißgeschick der vorigen Gentry
+linderte. Eine solche Regierung hätte Jakob zur Zeit seiner Macht
+einsetzen können. Aber die günstige Gelegenheit war vorbei, ein
+gütlicher Vergleich war nicht mehr möglich, die beiden erbitterten
+Kasten waren gleichermaßen von der Nothwendigkeit überzeugt, daß sie
+entweder unterdrücken, oder unterdrückt werden müßten, und daß nur in
+Sieg, Rache und Herrschaft ihr Heil zu finden sei. Nur darin stimmten
+sie überein, daß sie jeden Vermittler, der es versuchen wollte, sie mit
+einander zu versöhnen, zurückwiesen.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Panischer Schrecken unter den Engländern.</span>
+<a name = "secXII_5" id = "secXII_5">Seit</a> einigen Wochen waren
+Excesse, Insulten, schlimme Gerüchte und panische Schrecken, die
+natürlichen Vorläufer des herannahenden furchtbaren Zusammenstoßes, an
+der Tagesordnung. Durch die ganze Insel verbreitete sich das Gerücht,
+daß am 9. December eine allgemeine Niedermetzelung der Engländer
+stattfinden solle. Tyrconnel ließ die vornehmsten Protestanten Dublin’s
+in’s Schloß kommen und rief in seiner gewohnten kräftigen Redeweise die
+ganze Rache des Himmels auf sich herab, wenn jenes Gerücht nicht eine
+verfluchte, niederträchtige Lüge wäre. Aus Wuth darüber, daß seine
+Flüche nicht die erwartete Wirkung hervorriefen, soll er seinen Hut und
+seine Perrücke vom Kopfe gerissen und ins Feuer geworfen haben.<a class
+= "tag" name = "tagXII_8" id = "tagXII_8" href = "#noteXII_8">8</a>
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_9" id = "pageXII_9">
+XII.9</a></span>
+Aber man kannte den lügenhaften Dick Talbot so genau, daß seine
+Verwünschungen und Gestikulationen die Besorgniß, die sie vermindern
+wollten, nur noch vermehrten. Seit Clarendon’s Zurückberufung hatte
+fortwährend eine starke Auswanderung ängstlicher und friedliebender
+Leute aus den irischen Häfen nach England stattgefunden. Diese
+Auswanderung nahm jetzt zu. Es war nicht leicht, auf einem gutgebauten
+und bequemen Schiffe einen Platz zu erlangen. Aber viele Leute, deren
+Muth das Übermaß der Furcht bis zur Kühnheit steigerte, wollten sich
+lieber Wind und Wellen als den erbitterten Iren anvertrauen und setzten
+sich daher allen Gefahren einer Seereise über den St. Georgskanal und
+die Küste von Wales entlang in offenen Fahrzeugen und mitten im Winter
+aus. Die zurückbleibenden Engländer begannen sich in fast jeder
+Grafschaft eng aneinander anzuschließen. Jedes große Landhaus wurde eine
+Festung. Jeder, der nach Einbruch der Dunkelheit Einlaß begehrte, wurde
+durch ein Schießloch oder durch ein verrammeltes Fenster angerufen und
+wenn er ohne Parole und Erklärungen einzudringen versuchte, ward ihm
+eine Blunderbüchse vorgehalten. In der gefürchteten Nacht des 9.
+Decembers gab es von der Riesen-Chaussee bis zur Bantry-Bay kaum ein
+protestantisches Landhaus, in welchem vom frühen Untergang bis zum
+späten Aufgang der Sonne nicht bewaffnete Männer gewacht und Lichter
+gebrannt hätten.<a class = "tag" name = "tagXII_9" id = "tagXII_9" href
+= "#noteXII_9">9</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_8" id = "noteXII_8" href = "#tagXII_8">8.</a>
+<span class = "antiqua">A True and Impartial Account of the most
+material Passages in Ireland since December 1688, by a Gentleman who was
+an Eyewitness; licensed July 22, 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_9" id = "noteXII_9" href = "#tagXII_9">9.</a>
+<span class = "antiqua">A True and Impartial Account etc. 1689</span>;
+<span class = "antiqua">Leslie’s Answer to King, 1692.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Geschichte der Stadt Kenmare.</span>
+<a name = "secXII_6" id = "secXII_6">Über</a> die damaligen Vorgänge in
+einem Districte ist ein ausführlicher Bericht auf uns gekommen, nach dem
+man sich ein Bild von dem allgemeinen Zustande des Königreichs machen
+kann. Der südwestliche Theil von Kerry ist jetzt als die schönste Gegend
+der britischen Inseln bekannt. Die Berge, die Schluchten, die sich weit
+ins Meer hinaus erstreckenden Vorgebirge, die Felsen, auf denen Adler
+horsten, die Bäche, welche von den Gebirgspässen herniederrauschen, die
+Seen, von dichten Wäldern umsäumt, in denen das Hochwild Schutz findet,
+ziehen jeden Sommer Schaaren von Touristen herbei, welche des Treibens
+und der Vergnügungen der großen Städte überdrüssig sind. Die Schönheiten
+dieses Landes werden zwar nur zu häufig durch Nebel und Regen
+verschleiert, welche der Westwind von dem unermeßlichen Ocean
+herbeiführt. An den seltenen Tagen aber wo die Sonne in ihrem vollen
+Glanze strahlt, zeigt die Landschaft eine Frische und eine Wärme des
+Colorits, die man in unseren Breitengraden selten findet. Die Myrthe
+liebt den Boden, der Erdbeerbaum gedeiht hier besser als selbst an den
+sonnigen Gestaden Calabrien’s.<a class = "tag" name = "tagXII_10" id =
+"tagXII_10" href = "#noteXII_10">10</a> Die Wiesen haben eine saftigere
+Färbung als anderwärts, die Hügel erglühen in prächtigerem Purpur, die
+Blätter der Stechpalme und des Epheus zeigen einen höheren Glanz, und
+Beeren von feurigerem Roth schimmern durch Laub von schönerem Grün. Aber
+während der größeren Hälfte des 17. Jahrhunderts war dieses Paradies der
+civilisirten Welt noch so wenig bekannt wie Spitzbergen oder Grönland.
+Wenn es ja einmal erwähnt wurde, sprach man davon als von einer
+traurigen Wüste, einem Chaos von Sümpfen, Dickichten und Abgründen, wo
+die Wölfe noch hausten und wo einige halbnackte Wilde,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_10" id = "pageXII_10">
+XII.10</a></span>
+die kein Wort Englisch sprachen, sich unterirdische Baue in den Schlamm
+gruben und von Wurzeln und saurer Milch lebten.<a class = "tag" name =
+"tagXII_11" id = "tagXII_11" href = "#noteXII_11">11</a></p>
+
+<p>Im Jahre 1670 endlich beschloß der menschenfreundliche und
+erleuchtete Sir Wilhelm Petty, in diesem wüsten Districte eine
+Niederlassung zu gründen. Er besaß dort eine große Herrschaft, die auf
+eine ihres Ahnherrn würdige Nachkommenschaft fortgeerbt ist. Man sagte
+damals, daß er auf die Verbesserung dieses Gutes nicht weniger als
+zehntausend Pfund Sterling verwendet habe. Die kleine Stadt, welche er
+gründete und die nach der Bucht von Kenmare benannt wurde, lag an der
+Spitze dieser Bucht am Fuße eines Bergrückens, auf dessen Gipfel der
+Reisende jetzt verweilt, um den lieblichsten der drei Seen von Killarney
+zu betrachten. Ein von einer Gesellschaft unternehmender Neuengländer,
+weit entfernt von den Wohnungen ihrer Landsleute in den Jagdgründen der
+rothen Indianer erbautes Dorf konnte kaum vollständiger außer dem
+Bereiche der Civilisation liegen als Kenmare. Von Petty’s Ansiedelung
+bis nach dem nächsten englischen Wohnplatze hatte man zu Lande zwei Tage
+durch eine wilde und gefahrvolle Gegend zu reisen. Doch der Ort gedieh.
+Es wurden zweiundvierzig Häuser gebaut und die <ins class = "correction"
+title = "Original hat »Bevölkrung«">Bevölkerung</ins> belief sich auf
+hundertachtzig Seelen. Das Land um die Stadt herum war gut angebaut, der
+Viehstand war zahlreich und zwei kleine Bote vermittelten den Fischfang
+und Handel längs der Küste. Der Ertrag an Heringen, Pilchards, Makrelen
+und Lachsen war bedeutend und würde noch bedeutender gewesen sein, wäre
+nicht der Strand in der schönsten Jahreszeit mit Massen von Robben
+bedeckt gewesen, welche den Fischen der Bucht nachstellten. Die Robbe
+war jedoch kein unwillkommener Gast, denn ihre Haut war werthvoll und
+ihr Thran lieferte das Beleuchtungsmaterial für die langen Winterabende.
+Mit dem glücklichsten Erfolge wurde der Versuch gemacht, Eisenhütten
+anzulegen. Man bediente sich damals noch nicht der Steinkohlen zum
+Schmelzen und es wurde den Fabrikbesitzern von Kent und Sussex sehr
+schwer, sich Brennholz zu mäßigem Preise zu verschaffen. Die Umgebung
+von Kenmare war damals reich bewaldet, und Petty erkannte es als eine
+gewinnbringende Spekulation, Erz dahin zu transportiren. Die Freunde von
+Naturschönheiten bedauern noch heute den Verlust der Wälder von Eichen
+und Erdbeerbäumen, welche geschlagen wurden, um seine Hohöfen zu
+speisen. Außerdem war noch ein andrer Plan in seinem thätigen und
+intelligenten Kopfe entstanden. Einige von den benachbarten Inseln waren
+reich an buntem Marmor, roth und weißem und roth und
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_11" id = "pageXII_11">
+XII.11</a></span>
+grünem. Petty wußte wohl, mit welchen großen Kosten die alten Römer ihre
+Bäder und Tempel mit buntfarbigen Säulen schmückten, welche in den
+Marmorbrüchen Lakonien’s und Afrika’s gebrochen wurden, und er scheint
+die Hoffnung genährt zu haben, daß die Felsen seiner wilden Herrschaft
+in Kerry vielleicht Verzierungen für die Paläste von St. James-Square
+und für das Chor der St Paulskirche liefern könnten.<a class = "tag"
+name = "tagXII_12" id = "tagXII_12" href = "#noteXII_12">12</a></p>
+
+<p>Die Ansiedler hatten von Anfang an erkannt, daß sie darauf
+vorbereitet sein müßten, das Recht der Selbstvertheidigung in einer
+Ausdehnung zu üben, die in einem wohleingerichteten Staate unnöthig und
+unverantwortlich gewesen sein würde. In den Hochlanden südlich vom Thale
+von Tralee war das Gesetz völlig machtlos. Kein Justizbeamter wagte sich
+gern in diese Gegenden. Ein Staatsbote, der im Jahre 1680 dort einen
+gerichtlichen Befehl zu vollziehen versuchte, wurde ermordet. Es scheint
+jedoch, daß bis zu Ende des Jahres 1688 die Bewohner von Kenmare durch
+ihre Einigkeit, ihre Intelligenz und ihren Muth hinreichend geschützt
+waren. Um diese Zeit aber begannen sich die Wirkungen der Politik
+Tyrconnel’s selbst in diesem entlegenen Winkel Irland’s fühlbar zu
+machen. In den Augen des Landvolks von Munster waren die Colonisten
+Fremdlinge und Ketzer. Die Gebäude, die Böte, die Maschinen, die
+Kornspeicher, die Meiereien und Hohöfen wurden von der eingebornen
+Bevölkerung ohne Zweifel mit dem Gemisch von Neid und Geringschätzung
+betrachtet, mit dem der Unwissende ganz natürlich auf die Triumphe der
+Wissenschaft herabsieht. Auch ist es gar nicht unwahrscheinlich, daß die
+Einwanderer sich der Fehler schuldig gemacht hatten, von denen
+civilisirte Menschen, die sich unter einem uncivilisirtem Volke
+niederlassen, selten frei bleiben. Es läßt sich wohl annehmen, daß die
+aus höherer Intelligenz entspringende Macht bald rücksichtslos zur Schau
+getragen, bald ungerecht ausgeübt wurde. Als sich daher jetzt von Altar
+zu Altar und von Hütte zu Hütte die Nachricht verbreitete, daß die
+Fremden vertrieben und ihre Häuser und Grundstücke den Söhnen des Landes
+als Beute preisgegeben werden sollten, begann ein förmlicher Raubkrieg.
+Schaaren von Plünderern zu dreißig, vierzig, ja siebzig Köpfen, theils
+mit Schießgewehren, theils mit Piken bewaffnet, durchstreiften die
+Umgegend der Stadt. Die Scheunen wurden geplündert, und Pferde wurden
+gestohlen. Bei einem einzigen Raubzuge wurden hundertvierzig Stück Vieh
+weggenommen und durch die Schluchten von Glengariff fortgeführt. In
+einer Nacht wurden sechs Wohnungen erbrochen und ausgeplündert. Endlich
+beschlossen die auf’s Äußerste getriebenen Colonisten, lieber wie Männer
+zu sterben, als sich in ihren Betten ermorden zu lassen. Das Haus,
+welches Petty für seinen Agenten erbaut hatte, war das größte im Orte.
+Es stand auf einer felsigen Landzunge, an deren Ufern die Wogen der
+Bucht sich brachen. Hier versammelte sich die ganze Einwohnerschaft,
+bestehend aus fünfundsiebzig streitbaren Männern mit etwa hundert Frauen
+und Kindern. Sie besaßen sechzig Feuergewehre und eine gleiche Anzahl
+Piken und Schwerter. In aller Eile wurde rings um das Haus des Agenten
+ein funfzehn Fuß hoher und zwölf Fuß dicker Erdwall aufgeworfen. Die so
+eingefriedigte Bodenfläche war etwa einen halben Acker groß. Innerhalb
+dieses Walles wurden sämmtliche Waffen, Munitions- und
+Lebensmittelvorräthe
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_12" id = "pageXII_12">
+XII.12</a></span>
+zusammengebracht und mehrere schwache Breterhütten errichtet. Als diese
+Vorbereitungen getroffen waren, begannen die Männer von Kenmare kräftige
+Repressalien gegen ihre irischen Nachbarn zu üben; sie ergriffen Räuber,
+nahmen gestohlenes Eigenthum wieder und verfuhren einige Wochen lang in
+allen Stücken wie eine unabhängige Gemeinschaft. Die obrigkeitlichen
+Functionen wurden durch erwählte Beamte verrichtet, denen jedes Mitglied
+der Commun auf das Evangelium Treue gelobte.<a class = "tag" name =
+"tagXII_13" id = "tagXII_13" href = "#noteXII_13">13</a></p>
+
+<p>Während die Bewohner des Städtchens Kenmare sich dergestalt regten,
+wurden von größeren Gemeinschaften ähnliche Vertheidigungsmaßregeln in
+größerem Maßstabe getroffen. Eine beträchtliche Anzahl Gentlemen und
+Freisassen verließ das platte Land und zog sich in die Städte, welche zu
+dem Zwecke gegründet und incorporirt worden waren, um die eingeborne
+Bevölkerung im Zaume zu halten, und die, obwohl unlängst unter das
+Regiment katholischer Behörden gestellt, doch noch hauptsächlich von
+Protestanten bewohnt waren. Eine ansehnliche Schaar bewaffneter
+Colonisten sammelte sich in Sligo, eine andre in Charleville, eine
+dritte in Mallow, eine vierte noch stärkere in Bandon.<a class = "tag"
+name = "tagXII_14" id = "tagXII_14" href = "#noteXII_14">14</a> Die
+wichtigsten Bollwerke der englischen Bevölkerung in dieser schlimmen
+Zeit waren jedoch Enniskillen und Londonderry.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_10" id = "noteXII_10" href = "#tagXII_10">10.</a>
+In der Gegend von Killarney hat es Erdbeerbäume von dreißig Fuß Höhe und
+fünfthalb Fuß Umfang gegeben. Siehe die <span class =
+"antiqua">Philosophical Transactions, 227.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_11" id = "noteXII_11" href = "#tagXII_11">11.</a>
+In einer sehr ausführlichen Beschreibung der britischen Inseln, welche
+1690 in Nürnberg erschien, ist Kerry als „an vielen Orten unwegsam und
+voller Wälder und Gebirge“ geschildert. Wölfe hausten noch in Irland.
+„Kein schädlich Thier ist da außerhalb Wölff und Füchse.“ Noch im Jahre
+1710 wurde auf Antrag der großen Jury von Kerry eine Abgabe zum Behufe
+der Ausrottung der Wölfe in dieser Grafschaft erhoben. Siehe Smith’s
+<span class = "antiqua">Ancient and Modern State of the County of Kerry,
+1750</span>. Es ist mir nie ein besseres Buch dieser Art und dieses
+Umfangs vorgekommen. In einem 1719 erschienenen Gedicht, betitelt: <span
+class = "antiqua">Macdermot, or the Irish Fortune Hunter</span>, in
+sechs Gesängen, wird die Wolfsjagd als ein sehr gewöhnliches
+Sportvergnügen dargestellt. Unter Wilhelm’s Regierung gab man Irland
+zuweilen den Spottnamen Wolfsland. So wird in einem Gedicht über die
+Schlacht von la Hogue, betitelt: <span class = "antiqua">Advice to a
+Painter</span>, der Schrecken der irischen Armee wie folgt
+geschildert:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Ein Nebel, der das Blut erstarren macht</p>
+<p>Und Wolfland’s Heulen dringt durch’s ganze Lager.</p>
+</div>
+
+<p><a name = "noteXII_12" id = "noteXII_12" href = "#tagXII_12">12.</a>
+<span class = "antiqua">Smith’s Ancient and Modern State of
+Kerry.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_13" id = "noteXII_13" href = "#tagXII_13">13.</a>
+<span class = "antiqua">Exact Relation of the Persecution, Robberies,
+and Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland,
+1689</span>; <span class = "antiqua">Smith’s Ancient and Modern State of
+Kerry, 1756.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_14" id = "noteXII_14" href = "#tagXII_14">14.</a>
+<span class = "antiqua">Ireland’s Lamentation, licensed May 18.
+1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Enniskillen.</span>
+<a name = "secXII_7" id = "secXII_7">Enniskillen,</a> obwohl die
+Hauptstadt der Grafschaft Fermanagh, war damals ein bloßes Dorf. Es war
+auf einer Insel des Flusses erbaut, welcher die unter dem
+gemeinschaftlichen Namen des Ernesees bekannten zwei schönen
+Wasserbecken mit einander verbindet. Der Strom und beide Seen waren auf
+allen Seiten von natürlichen Wäldern umgeben. Enniskillen bestand aus
+etwa achtzig Wohnhäusern, in deren Mitte sich ein altes Schloß erhob.
+Die Einwohner waren fast ohne Ausnahme Protestanten und stolz darauf,
+daß ihre Stadt während der furchtbaren Revolution, welche 1641 ausbrach,
+der protestantischen Sache treu geblieben. Anfangs December erhielten
+sie von Dublin die Anzeige, daß zwei Compagnien papistischer Infanterie
+demnächst bei ihnen ins Quartier gelegt werden würden. Die kleine
+Gemeinde war in der größten Bestürzung, um so mehr als man erfuhr, daß
+ein Predigermönch sich bemüht hatte, die irische Bevölkerung der
+Umgegend wider die Ketzer aufzureizen. Man faßte den kühnen Entschluß,
+die Truppen nicht einzulassen, mochte es kommen wie es wollte. Die
+Vertheidigungsmittel waren indessen sehr spärlich. Nicht zehn Pfund
+Pulver, nicht zwanzig brauchbare Schießgewehre konnten innerhalb der
+Festung aufgetrieben werden. Es wurden deshalb Boten mit dringenden
+Schreiben ausgesandt, welche die protestantische Gentry der
+Nachbarschaft aufforderten, zur Unterstützung herbeizueilen, und dem
+Aufrufe ward mit hochherziger Bereitwilligkeit Folge geleistet. Binnen
+wenigen Stunden hatten sich zweihundert Bewaffnete zu Fuß und
+hundertfunfzig Reiter versammelt. Tyrconnel’s Soldaten waren schon im
+Anzuge. Sie führten einen beträchtlichen Vorrath von Waffen mit sich,
+welche unter das Landvolk vertheilt wurden. Die Bauern begrüßten das
+königliche Banner mit Jubel und schlossen sich in großer Anzahl
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_13" id = "pageXII_13">
+XII.13</a></span>
+dem Zuge an. Anstatt den Angriff zu erwarten, kamen die Bürger mit ihren
+Verbündeten muthig heraus und stellten sich den Eindringenden entgegen.
+Die Offiziere Jakob’s hatten keinen Widerstand erwartet, und sie waren
+daher nicht wenig erstaunt, als sie eine Colonne Fußvolk, von einem
+starken Corps berittener Gentlemen und Freisassen flankirt, auf sich
+anrücken sahen. Die Bauern liefen entsetzt davon und die Soldaten traten
+den Rückzug so eilig an, daß er eine Flucht genannt werden konnte. Erst
+in Cavan, dreißig Meilen davon, machten sie wieder Halt.<a class = "tag"
+name = "tagXII_15" id = "tagXII_15" href = "#noteXII_15">15</a></p>
+
+<p>Durch diesen leichten Sieg kühn gemacht, trafen die Protestanten
+Anordnungen zur Regierung und Vertheidigung von Enniskillen und der
+umliegenden Ortschaften. Gustav Hamilton, ein Gentleman, der in der
+Armee gedient, dem aber Tyrconnel unlängst sein Offizierspatent entzogen
+hatte, und der seitdem auf einem Gute in Fermanagh lebte, wurde zum
+Gouverneur ernannt und nahm seine Residenz im Schlosse. Zuverlässige
+Männer wurden in aller Eil angeworben und bewaffnet. Da es an Schwertern
+und Piken fehlte, mußten die Schmiede improvisirte Waffen anfertigen,
+bestehend aus Sensenklingen, welche an Stangen befestigt wurden.
+Sämmtliche Landhäuser rings um den Ernesee erhielten Besatzungen. Kein
+Papist durfte frei in der Stadt umhergehen, und der Mönch, den man
+beschuldigte, seine Beredtsamkeit gegen die Engländer aufgeboten zu
+haben, wurde ins Gefängniß geworfen.<a class = "tag" name = "tagXII_16"
+id = "tagXII_16" href = "#noteXII_16">16</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_15" id = "noteXII_15" href = "#tagXII_15">15.</a>
+<span class = "antiqua">A True Relation of the Actions of the
+Inniskilling men, by Andrew Hamilton, Rector of Kilskerrie, and one of
+the Prebends of the Diocese of Clogher, an Eyewitness thereof and Actor
+therein, licensed Jan.&nbsp;15. 1689/90. &mdash; A Further Impartial
+Account of die Actions of the Inniskilling men, by Captain William Mac
+Cormick, one of the first that took up Arms, 1691.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_16" id = "noteXII_16" href = "#tagXII_16">16.</a>
+<span class = "antiqua">Hamilton’s True Relation</span>; <span class =
+"antiqua">Mac Cormick’s Further Impartial Account.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Londonderry.</span>
+<a name = "secXII_8" id = "secXII_8">Die</a> andre Hauptfeste des
+Protestantismus war eine Stadt von größerer Bedeutung. Achtzig Jahre
+früher, während der durch den letzten Kampf der Häuser O’Neil und
+O’Donnel gegen die Autorität Jakob’s I. verursachten Unruhen war die
+ehemalige Stadt Derry von einem der eingebornen Häuptlinge überfallen,
+die Bewohner niedergemetzelt und die Häuser in Asche gelegt worden. Die
+Insurgenten wurden bald überwältigt und bestraft, die Regierung
+beschloß, die zerstörte Stadt wieder aufzubauen, der Lordmayor, die
+Aldermen und der Gemeinderath von London wurden zur Betheiligung an dem
+Werke aufgefordert und König Jakob I. überwies ihnen in ihrer
+corporativen Eigenschaft den von den Trümmern des alten Derry bedeckten
+Grund und Boden nebst ungefähr sechstausend englischen Ackern
+umliegenden Landes.<a class = "tag" name = "tagXII_17" id = "tagXII_17"
+href = "#noteXII_17">17</a></p>
+
+<p>Dieser damals unangebaute und unbewohnte District ist jetzt ein
+blühender Sitz des Gewerbfleißes und des guten Geschmacks und macht
+selbst auf Augen, welche an den Anblick der üppigen Fluren und
+stattlichen Schlösser England’s gewöhnt sind, einen wohlthuenden
+Eindruck. Bald erhob sich eine neue Stadt, die wegen ihrer Connection
+mit der Hauptstadt des Reichs Londonderry genannt wurde. Die Gebäude
+bedeckten den Gipfel und den Abhang einer Anhöhe, welche den breiten
+Strom des Foyle beherrschte, der zu jener Zeit von Schaaren wilder
+Schwäne
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_14" id = "pageXII_14">
+XII.14</a></span>
+besucht wurde.<a class = "tag" name = "tagXII_18" id = "tagXII_18" href
+= "#noteXII_18">18</a> Auf dem höchsten Punkte stand die Kathedrale,
+eine Kirche, die, obwohl zu einer Zeit erbaut, wo das Geheimniß der
+gothischen Architectur verloren gegangen war, und wenn auch nicht
+geeignet, einen Vergleich mit den ehrwürdigen Tempeln des Mittelalters
+auszuhalten, doch nicht ohne Anmuth und stattliches Ansehen ist. Unweit
+der Kathedrale erhob sich der Palast des Bischofs, dessen Sitz einer der
+bedeutendsten in Irland war. Die Stadt hatte eine fast elliptische Form
+und die Hauptstraßen bildeten ein Kreuz, dessen Arme auf einem Platze
+zusammentrafen, welcher der Diamant hieß. Die ursprünglichen Häuser sind
+theils umgebaut, theils so verändert, daß ihr anfänglicher Character
+nicht mehr zu erkennen ist; mancher derselben aber können sich jetzt
+Lebende noch erinnern. Sie waren meist zwei Stock hoch und mehrere
+hatten steinerne Treppen an der Außenseite. Die Stadt war von einer
+Mauer umgeben, deren Umfang nicht viel weniger als eine Meile betrug.
+Auf den Bastionen waren Feldschlangen und Falkonetts aufgepflanzt,
+welche die reichen Gilden London’s der Colonie zum Geschenk gemacht
+hatten. Auf einigen dieser alten Geschütze, welche einer großen Sache
+denkwürdige Dienste geleistet haben, kann man noch heute die Devisen der
+Fischhändlergilde, der Weinhändlergilde und der Kleiderhändlergilde
+erkennen.<a class = "tag" name = "tagXII_19" id = "tagXII_19" href =
+"#noteXII_19">19</a></p>
+
+<p>Die Einwohner waren Protestanten von angelsächsischem Geblüt. Zwar
+gehörten sie nicht alle einem Lande und einer Kirche an, aber Engländer
+und Schotten, Episkopalen und Presbyterianer scheinen im Allgemeinen in
+Freundschaft miteinander gelebt zu haben, eine Freundschaft, welche
+durch ihre gemeinsame Abneigung gegen die irische Race und gegen die
+papistische Religion genügend erklärt wird. Während des Aufstandes von
+1641 hatte Londonderry muthig gegen die eingebornen Häuptlinge Stand
+gehalten und war zu wiederholten Malen vergebens belagert worden.<a
+class = "tag" name = "tagXII_20" id = "tagXII_20" href =
+"#noteXII_20">20</a> Seit der Restauration entwickelte sich die Stadt
+mehr und mehr. Zur Zeit der Fluth konnten schwer beladene Schiffe bis an
+den Quai fahren. Die Fischereien nahmen einen großartigen Aufschwung.
+Die Netze sollen zuweilen so voll gewesen sein, daß man Massen von
+Fischen wieder ins Wasser werfen mußte. Das Gewicht der alljährlich
+gefangenen Lachse wurde auf elfmalhunderttausend Pfund geschätzt.<a
+class = "tag" name = "tagXII_21" id = "tagXII_21" href =
+"#noteXII_21">21</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_17" id = "noteXII_17" href = "#tagXII_17">17.</a>
+<span class = "antiqua">Concise View of the Irish Society, 1822</span>;
+Mr. Heath’s interessanter <span class = "antiqua">Account of the
+Worshipful Company of Grocers, Appendix 17.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_18" id = "noteXII_18" href = "#tagXII_18">18.</a>
+<span class = "antiqua">The Interest of England in the Preservation of
+Ireland, licensed July 17. 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_19" id = "noteXII_19" href = "#tagXII_19">19.</a>
+Diese Dinge beobachtete oder erfuhr ich an Ort und Stelle.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_20" id = "noteXII_20" href = "#tagXII_20">20.</a>
+Die besten Mittheilungen über die Ereignisse in Londonderry während des
+1641 begonnenen Kriegs habe ich in Dr. Reid’s <span class =
+"antiqua">History of the Presbyterian Church in Ireland</span>
+gefunden.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_21" id = "noteXII_21" href = "#tagXII_21">21.</a>
+<span class = "antiqua">The Interest of England in the Preservation of
+Ireland, 1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Schließung der Thore von Londonderry.</span>
+<a name = "secXII_9" id = "secXII_9">Die</a> Bevölkerung von Londonderry
+theilte die Besorgniß, welche gegen das Ende des Jahres 1688 unter den
+in Irland ansässigen Protestanten allgemein verbreitet war. Es war
+bekannt, daß das eingeborne Landvolk der Umgegend sich mit Piken und
+Messern versah. Die Priester hatten in einem Tone, über den, wie sich
+nicht leugnen läßt, der puritanische Theil der angelsächsischen
+Bevölkerung wenig Recht hatte sich zu beklagen, über die Niedermetzelung
+der Amalekiter und über die Verdammungsurtheile, welche Saul sich
+dadurch zugezogen, daß er Einen von dem geachteten Stamme schonte, das
+Volk haranguirt. Gerüchte von verschiedenen Seiten und
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_15" id = "pageXII_15">
+XII.15</a></span>
+anonyme Briefe von verschiedener Hand bezeichneten den 9. December als
+den zur Vertilgung der Fremden festgesetzten Tag. Während die Gemüther
+der Bürger durch diese Gerüchte beunruhigt wurden, traf die Nachricht
+ein, daß ein Regiment von zwölfhundert Papisten unter dem Commando eines
+Papisten, Alexander Macdonnell, Earl von Antrim, von dem Vicekönig
+Befehl erhalten habe, Londonderry zu besetzen, und bereits von Coleraine
+abmarschirt sei. Die Bestürzung war groß. Einige waren für Schließung
+der Thore und Widerstand, Andere für Unterwerfung, noch Andere für
+Temporisiren. Der Gemeindekörper war, wie die anderen Corporationen
+Irland’s, reorganisirt worden. Die Magistratsbeamten waren Männer von
+niederer Herkunft und unedlem Character. Nur ein einziges Mitglied von
+angelsächsischem Geblüt befand sich unter ihnen, und dieser Eine war
+Papist geworden. Zu einer solchen Behörde konnten die Einwohner kein
+Vertrauen haben.<a class = "tag" name = "tagXII_22" id = "tagXII_22"
+href = "#noteXII_22">22</a> Der Bischof, Hesekiel Hopkins, hielt fest an
+der Lehre vom Nichtwiderstande, die er viele Jahre gepredigt hatte, und
+ermahnte seine Herde, lieber geduldig zur Schlachtbank zu gehen, als die
+Schuld des Ungehorsams gegen den Gesalbten des Herrn auf sich zu
+laden.<a class = "tag" name = "tagXII_23" id = "tagXII_23" href =
+"#noteXII_23">23</a> Inzwischen rückte Antrim immer näher heran. Endlich
+sahen die Bürger von den Wällen herab seine Truppen auf dem jenseitigen
+Ufer des Foyle aufgestellt. Es existirte damals noch keine Brücke, nur
+eine Fähre unterhielt die regelmäßige Verbindung zwischen beiden Ufern,
+und vermittelst dieser Fähre setzte ein Detaschement von Antrim’s
+Regiment über. Die Offiziere erschienen am Thore, zeigten einen an den
+Mayor und die Sheriffs gerichteten Befehl vor und begehrten Einlaß und
+Quartier für die Soldaten Seiner Majestät.</p>
+
+<p>Gerade in diesem Augenblicke eilten dreizehn junge Handwerker, ihren
+Namen nach meist schottischer Geburt oder Abstammung, in die Wachtstube,
+bewaffneten sich, ergriffen die Schlüssel der Stadt, stürzten nach dem
+Fährthore, verschlossen es angesichts der königlichen Offiziere und
+ließen das Fallgatter nieder. Jakob Morison, ein Bürger in reiferen
+Jahren, redete nun die unwillkommenen Gäste von der Höhe des Walles an
+und rieth ihnen wieder abzuziehen. Sie blieben, unter einander
+berathschlagend, draußen am Thore stehen, bis sie ihn oben rufen hörten:
+„Bringt eine große Kanone hierher!“ Da endlich hielten sie es für
+gerathen, sich aus der Schußweite zu entfernen. Sie zogen ab, schifften
+sich wieder ein und kehrten zu ihren Kameraden ans jenseitige Flußufer
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_16" id = "pageXII_16">
+XII.16</a></span>
+zurück. Inzwischen hatte sich die Nachricht wie ein Lauffeuer
+verbreitet, und die ganze Stadt war auf den Beinen. Die anderen Thore
+wurden ebenfalls verschlossen, überall auf den Wällen wurden
+Schildwachen ausgestellt, die Magazine wurden geöffnet, Gewehre und
+Schießpulver vertheilt und unter dem Schutze der einbrechenden
+Dunkelheit Boten an die protestantischen Gentlemen der benachbarten
+Grafschaften ausgesandt. Der Bischof machte vergeblich Vorstellungen.
+Die heftigen und waghalsigen jungen Schotten, welche bei dieser
+Gelegenheit mit kühnem Beispiele vorangegangen waren, scheinen in der
+That wenig Respect vor seinem Amte gehabt zu haben. Einer von ihnen
+unterbrach die Rede, durch welche er den militärischen Vorkehrungen
+Einhalt thun wollte, mit dem Ausrufe: „Eine gute Predigt, Mylord, eine
+sehr gute Predigt, wir haben nur jetzt gerade nicht Zeit sie
+anzuhören.“<a class = "tag" name = "tagXII_24" id = "tagXII_24" href =
+"#noteXII_24">24</a></p>
+
+<p>Die Protestanten der Umgegend leisteten der Aufforderung
+Londonderry’s bereitwillig Folge. Innerhalb der nächsten achtundvierzig
+Stunden kamen Hunderte zu Roß und zu Fuß auf verschiedenen Wegen zur
+Stadt, und Antrim, der sich entweder nicht für stark genug hielt, um
+einen Angriff zu wagen, oder nicht Lust hatte, ohne weiteres die
+Verantwortlichkeit für den Anfang eines Bürgerkriegs auf sich zu nehmen,
+zog sich mit seinen Truppen nach Coleraine zurück.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_22" id = "noteXII_22" href = "#tagXII_22">22.</a>
+Meine Autorität für diesen ungünstigen Bericht über die Corporation ist
+ein episches Gedicht, betitelt: <span class = "antiqua">The
+Londeriad</span>. Dieses merkwürdige Gedicht muß bald nach den
+Ereignissen, auf die es Bezug hat, geschrieben sein, denn es ist Robert
+Rochfort, dem Sprecher des Hauses der Gemeinen, gewidmet, und Rochfort
+bekleidete dieses Amt von 1695 bis 1699. Der Dichter hatte kein
+Erfindungstalent und besaß augenscheinlich eine genaue Kenntniß der
+Stadt, die er besang; daher sind seine Knittelverse nicht ohne
+geschichtlichen Werth. Er sagt:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Sie wählten für des Parlamentes Pforten</p>
+<p>Nur Schuster, Fleischer und Consorten,</p>
+<p>Die ganze Körperschaft enthielt nicht einen Mann</p>
+<p>von brit’scher Abkunft, außer Buchanan.</p>
+</div>
+
+<p>Dieser Buchanan wird weiterhin geschildert als</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Ein Schurke durch und durch,</p>
+<p>Der längst zuvor schon seinen Rosenkranz gebetet.</p>
+</div>
+
+<p><a name = "noteXII_23" id = "noteXII_23" href = "#tagXII_23">23.</a>
+Siehe eine von ihm am 31. Januar 1689 zu Dublin gehaltene Predigt. Der
+Text derselben ist: „Seid unterthan aller menschlichen Ordnung um des
+Herrn willen.“</p>
+
+<p><a name = "noteXII_24" id = "noteXII_24" href = "#tagXII_24">24.</a>
+<span class = "antiqua">Walker’s Account of the Siege of Derry,
+1689</span>; <span class = "antiqua">Mackenzie’s Narrative of the Siege
+of Londonderry, 1689</span>; <span class = "antiqua">An Apology for the
+Failures charged on the Reverend Mr. Walker’s Account of the late Siege
+of Derry, 1689</span>; <span class = "antiqua">A Light to the
+Blind.</span> Die letztgenannte Schrift, ein Manuscript im Besitze Lord
+Fingal’s, ist das Werk eines eifrigen Katholiken und eines Todfeindes
+England’s. Umfängliche Auszüge daraus finden sich unter den
+Mackintosh-Manuscripten. Auf dem Titelblatte steht die Jahrzahl
+1711.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Mountjoy wird abgesandt, um Ulster zu <ins class = "correction"
+title = "Original hat »pacifiren« aber Inhalt hat »pacificieren«">pacificieren</ins>.</span>
+<a name = "secXII_10" id = "secXII_10">Man</a> hätte glauben können, daß
+der Widerstand Enniskillen’s und Londonderry’s Tyrconnel zu einem
+verzweifelten Schritte treiben werde. Und in der That wurde sein wildes
+und herrschsüchtiges Temperament auch anfangs durch die Nachricht in
+eine an Wahnsinn grenzende Wuth versetzt. Nachdem er aber seine Wuth,
+wie gewöhnlich, an seiner Perrücke ausgelassen, wurde er etwas ruhiger.
+Es waren ihm eben Nachrichten von sehr abkühlender Natur zugekommen. Der
+Prinz von Oranien marschirte unaufgehalten gegen London; fast jede
+Grafschaft und jede große Stadt hatte sich für ihn erklärt. Jakob, von
+seinen geschicktesten Heerführern und seinen nächsten Verwandten
+verlassen, hatte Commissarien abgeschickt, die mit den Eingedrungenen
+unterhandeln sollten, und hatte Ausschreiben zur Einberufung eines
+Parlaments erlassen. So lange das Ergebniß der in England schwebenden
+Unterhandlungen ungewiß war, durfte der Vicekönig es nicht wagen, an den
+widerspenstigen Protestanten Irland’s blutige Rache zu nehmen. Er hielt
+es daher für gerathen, vorläufig eine Nachsicht und Mäßigung zu
+heucheln, die seinem Character durchaus fremd waren. William Stewart,
+Viscount von <ins class = "correction"
+title = "Original hat »Montjoy«">Mountjoy</ins>, wurde beauftragt, die englische Bevölkerung
+von Ulster zu beschwichtigen. Mountjoy, ein tapferer Soldat, ein
+ausgezeichneter Gelehrter, ein eifriger Protestant und dabei doch ein
+eifriger Tory, war eines von den wenigen Mitgliedern der Staatskirche,
+die in Irland noch ein Amt bekleideten. Er war Feldzeugmeister dieses
+Königreichs und Oberst eines Regiments, in welchem das
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_17" id = "pageXII_17">
+XII.17</a></span>
+englische Element noch ungewöhnlich stark vertreten war. In Dublin war
+er die Seele eines kleinen Kreises gelehrter und geistreicher Männer,
+die sich unter seinem Vorsitz zu einer Königlichen Societät vereinigt
+hatten, einer Nachbildung im Kleinen der Londoner Königlichen Societät.
+In Ulster, mit dem er in besonders enger Verbindung stand, genoß sein
+Name bei den Colonisten eines hohen Ansehens.<a class = "tag" name =
+"tagXII_25" id = "tagXII_25" href = "#noteXII_25">25</a> Er eilte mit
+seinem Regiment nach Londonderry und wurde mit offenen Armen empfangen,
+denn man wußte, daß er zwar ein entschiedener Anhänger der erblichen
+Monarchie, aber nicht minder ein treuer Freund des reformirten Glaubens
+war. Die Bürger gestatteten ihm bereitwillig, eine ausschließlich aus
+Protestanten bestehende kleine Garnison, unter dem Commando seines
+Oberstleutnants Robert Lundy, der den Titel eines Gouverneurs annahm, in
+der Stadt zurückzulassen.<a class = "tag" name = "tagXII_26" id =
+"tagXII_26" href = "#noteXII_26">26</a></p>
+
+<p>Die Nachricht von Mountjoy’s Besuch in Ulster war den Vertheidigern
+von Enniskillen höchst angenehm. Einige von dieser Stadt abgeordnete
+Gentlemen machten ihm ihre Aufwartung, um seine Unterstützung zu
+erbitten, wurden aber durch den Empfang, der ihnen zu Theil ward,
+enttäuscht. „Ich kann Euch nur den Rath geben,“ sagte er, „daß Ihr Euch
+der Autorität des Königs unterwerfet.“ &mdash; „Wie, Mylord?“ versetzte
+einer der Abgeordneten, „sollen wir uns geduldig abschlachten lassen?“
+&mdash; „Der König,“ sagte Mountjoy, „wird Euch beschützen.“ &mdash;
+„Wenn Alles was uns zu Ohren kommt wahr ist, wird es Sr. Majestät schwer
+genug werden, sich selbst zu schützen.“ So endete die Conferenz ohne
+befriedigendes Resultat. Enniskillen behielt seine trotzige Haltung bei
+und Mountjoy kehrte nach Dublin zurück.<a class = "tag" name =
+"tagXII_27" id = "tagXII_27" href = "#noteXII_27">27</a></p>
+
+<p>Unterdessen hatte es sich in der That klar herausgestellt, daß Jakob
+nicht einmal sich selbst schützen konnte. Man erfuhr in Irland, daß er
+geflohen, daß er angehalten worden, daß er wieder geflohen und daß der
+Prinz von Oranien im Triumph zu Westminster angelangt war, die
+Verwaltung des Reichs übernommen und eine Convention einberufen
+hatte.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_25" id = "noteXII_25" href = "#tagXII_25">25.</a>
+Über Mountjoys Character und Stellung siehe Clarendon’s Briefe aus
+Irland, besonders den an Lord Dartmouth vom 8. Febr. und den an Evelyn
+vom 24. Februar 1685/86. <span class = "antiqua">„Bon officier et homme
+d’esprit,“</span> sagt Avaux.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_26" id = "noteXII_26" href = "#tagXII_26">26.</a>
+<span class = "antiqua">Walker’s Account</span>; <span class =
+"antiqua">Light to the Blind.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_27" id = "noteXII_27" href = "#tagXII_27">27.</a>
+<span class = "antiqua">Mac Cormick’s Further Impartial
+Account.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wilhelm tritt in Unterhandlung mit Tyrconnel.</span>
+<a name = "secXII_11" id = "secXII_11">Die</a> Lords und Gentlemen, auf
+deren Ansuchen der Prinz die Regierung übernommen hatte, waren ernstlich
+in ihn gedrungen, den Zustand Irland’s sofort in Erwägung zu ziehen, und
+er hatte ihnen darauf die Versicherung gegeben, daß er sein Möglichstes
+thun werde, um die protestantische Religion und das englische Interesse
+in diesem Lande aufrecht zu erhalten. Seine Feinde beschuldigten ihn
+nachmals der völligen Nichtbeachtung dieses Versprechens, ja sie
+behaupteten sogar, er habe Irland absichtlich immer tiefer und tiefer in
+den Abgrund des Verderbens versinken lassen. Halifax, sagten sie, habe
+mit grausamem und perfidem Scharfsinn das Mittel ausgedacht, der
+Convention eine Art von Zwangsjacke anzulegen, und der Streich sei nur
+zu gut gelungen. Der Beschluß, welcher Wilhelm auf den Thron berief,
+würde nicht so leicht durchgegangen sein, wäre der Staat nicht von so
+großen Gefahren bedroht gewesen, und nur in Folge seiner eignen
+schmachvollen Unthätigkeit hätten diese Gefahren einen solchen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_18" id = "pageXII_18">
+XII.18</a></span>
+Grad erreicht.<a class = "tag" name = "tagXII_28" id = "tagXII_28" href
+= "#noteXII_28">28</a> Da diese Anschuldigung durch keine Beweise
+unterstützt wird, sind Diejenigen, die sie wiederholen, wenigstens
+verpflichtet nachzuweisen, daß Wilhelm ein offenbar besserer Weg zu
+Gebote stand als der, welchen er einschlug, und das dürfte ihnen schwer
+werden. Ja, hätte er wenige Wochen nach seiner Ankunft in London eine
+große Armee nach Irland schicken können, so würde sich dieses Königreich
+vielleicht nach einem kurzen Kampfe, oder selbst ohne allen Kampf seiner
+Autorität unterworfen haben, und eine lange Reihe von Verbrechen und
+Drangsalen hätte abgewendet werden können. Aber die factiösen Redner und
+Pamphletisten, die ihn so unüberlegt tadelten, daß er keine solche Armee
+absendete, würden in nicht geringe Verlegenheit gekommen sein, wenn sie
+die nöthigen Truppen, Schiffe und Gelder hätten beschaffen sollen. Die
+englische Armee hatte ihm vor kurzem noch feindlich gegenübergestanden,
+ein Theil derselben war ihm noch immer abgeneigt, und das Ganze war im
+höchsten Grade desorganisirt. Von der Armee, die er aus Holland
+mitgebracht, war nicht ein Regiment entbehrlich. Er hatte den Schatz
+leer und den Gold der Flotte in Rückstand gefunden. Es stand nicht in
+seiner Macht, irgend einen Theil der Staatseinkünfte zu verpfänden. Wer
+ihm Geld lieh, lieh es ihm auf keine andre Sicherheit als auf sein
+bloßes Wort. Nur die patriotische Freigebigkeit der londoner Kaufleute
+hatte ihn in den Stand gesetzt, bis zum Zusammentritt der Convention die
+laufenden Regierungsausgaben zu bestreiten. Es ist also gewiß ungerecht,
+ihn zu tadeln, daß er unter solchen Umständen nicht auf der Stelle eine
+Flotte ausrüstete, welche hinreichte, ein Königreich zu erobern.</p>
+
+<p>Da er einsah, daß es, so lange die englische Regierung nicht
+befestigt war, nicht in seiner Macht stehen würde, mit bewaffneter Hand
+wirksam in die Angelegenheiten Irlands einzugreifen, beschloß er einen
+Versuch mit Unterhandlungen zu machen. Diejenigen, welche nach dem
+Ausgange urtheilten, behaupteten er habe bei dieser Gelegenheit nicht
+seinen gewohnten Scharfblick gezeigt. Sie sagten er hätte wissen sollen,
+daß es ungereimt sei, von Tyrconnel Unterwerfung zu erwarten. Dies war
+jedoch damals nicht die Ansicht gutunterrichteter Männer, deren
+Interesse hinreichende Gewähr für ihre Aufrichtigkeit bot. Eine
+zahlreiche Versammlung von Cavalieren und Gentlemen, welche in Irland
+Güter besaßen, wurde während des Interregnums im Hause des Herzogs von
+Ormond am St. James Square gehalten. Sie riethen dem Prinzen zu
+versuchen, ob der Vicekönig nicht zu einer ehrenvollen und
+vortheilhaften Kapitulation bewogen werden könnte. <ins class =
+"correction"
+title = "Anmerkungszeichen ***) fehlt: aus Englische Ausgabe erschafft"><a class = "tag" name = "tagXII_29" id = "tagXII_29"
+href = "#noteXII_29">29</a></ins> Man hat in der That starken Grund zu
+glauben, daß Tyrconnel wirklich schwankte. Denn so heftig auch seine
+Leidenschaften waren, vergaß er darüber doch nie sein Interesse und er
+konnte wohl in Zweifel sein, ob es nicht in seinem Interesse liege, sich
+bei vorgerücktem Alter und abnehmender Gesundheit mit völliger
+Straflosigkeit für alle früheren Vergehen und mit hohem Range und großem
+Vermögen lieber von den Geschäften zurückzuziehen, als Leben und
+Eigenthum den Zufällen eines Kriegs gegen die ganze Macht England’s
+preiszugeben. Es ist notorisch, daß er sich bereit zeigte nachzugeben.
+Er setzte sich in Communication
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_19" id = "pageXII_19">
+XII.19</a></span>
+mit dem Prinzen von Oranien und zog zum Schein Mountjoy und Andere zu
+Rathe, die sich zwar von ihrer Unterthanenpflicht gegen Jakob noch nicht
+losgesagt hatten, aber entschiedene Anhänger der Landeskirche und des
+Staatsverbandes mit England waren.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_28" id = "noteXII_28" href = "#tagXII_28">28.</a>
+Burnet I. 897 und Swift’s und Dartmouth’s Noten. Tutchin wiederholt im
+„Observator“ diese grundlose Verleumdung.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_29" id = "noteXII_29" href = "#tagXII_29">29.</a>
+<span class = "antiqua">Orange Gazette, Jan. 10. 1688/89.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Temple werden zu Rathe gezogen.</span>
+<a name = "secXII_12" id = "secXII_12">Auf</a> einer Seite, von welcher
+Wilhelm den einsichtsvollsten Rath zu erwarten berechtigt war, glaubte
+man fest an die Aufrichtigkeit der Versicherungen Tyrconnel’s. Kein
+andrer britischer Staatsmann genoß damals in ganz Europa eines so hohen
+Rufes wie Sir Wilhelm Temple. Seine diplomatische Gewandtheit hatte
+zwanzig Jahre früher den Fortschritt der französischen Macht gehemmt. Er
+war ein treuer und nützlicher Freund der Vereinigten Provinzen und des
+Hauses Nassau gewesen, stand seit langer Zeit auf dem vertrautesten
+Freundschaftsfuße mit dem Prinzen von Oranien und hatte die Vermählung
+zu Stande gebracht, der England seine kürzliche Befreiung verdankte. Mit
+den Angelegenheiten Irland’s galt Temple für besonders vertraut. Seine
+Familie hatte dort ansehnliche Besitzungen, und er selbst hatte mehrere
+Jahre daselbst zugebracht; er hatte die Grafschaft Carlow im Parlament
+vertreten und ein großer Theil seiner Einkünfte floß ihm aus einem
+einträglichen irischen Amte zu. Die höchste Stufe der Macht, des Ranges
+und des Reichthums würden ihm erreichbar gewesen sein, wenn er
+eingewilligt hätte, seine Zurückgezogenheit aufzugeben und der neuen
+Regierung seine Unterstützung und das Gewicht seines Namens zu leihen.
+Aber Macht, Rang und Reichthum hatten für seinen epikuräischen Character
+bei weitem weniger Reiz als Behaglichkeit und Ruhe. Er wies die
+lockendsten Anträge zurück und beschäftigte sich nach wie vor in
+ländlicher Abgeschiedenheit mit seinen Büchern, Tulpen und Ananas. Nach
+einigem Zaudern willigte er indessen ein, seinen ältesten Sohn Johann in
+Wilhelm’s Dienste treten zu lassen. Während der Erledigung des Thrones
+war Johann Temple in wichtigen Geschäften verwendet worden und in
+Angelegenheiten, welche Irland betrafen, hatte seine Meinung, von der
+man füglich annehmen konnte, daß sie mit der seines Vaters
+übereinstimmte, großes Gewicht. Dieser junge Staatsmann schmeichelte
+sich, einen Agenten gefunden zu haben, der vortrefflich geeignet schien,
+die Unterhandlung mit Tyrconnel zu einem guten Ende zu führen.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Richard Hamilton wird auf Temple’s Wort nach Irland gesandt.</span>
+<a name = "secXII_13" id = "secXII_13">Dieser</a> Agent gehörte einer
+angesehenen Familie an, die von einem schottischen Adelsgeschlecht
+abstammte, aber schon seit langer Zeit in Irland ansässig war und sich
+zum römischkatholischen Glauben bekannte. Unter der heiteren Schaar, die
+sich während der unmittelbar auf die Restauration folgenden Jahre des
+zügellosen Jubilirens in Whitehall tummelte, hatten die Hamilton eine
+hervorragende Rolle gespielt. Die schönen langen Locken, die strahlende
+Jugendfrische und die schmachtenden blauen Augen der liebenswürdigen
+Elisabeth entzücken uns noch heute auf dem Bilde Lely’s. Sie hatte den
+Ruhm, keine geringe Eroberung zu machen. Ihrer üppigen Schönheit und
+ihrem schelmischen Geiste war es vorbehalten, den Widerwillen des
+kaltherzigen und spottsüchtigen Grammont gegen das unauflösliche Band zu
+besiegen. Einer ihrer Brüder, Anton, schrieb die Chronik jener
+glänzenden und leichtfertigen Gesellschaft, zu deren glänzendsten und
+leichtfertigsten Mitgliedern er gehört hatte. Er verdient das seltene
+Lob, als Nichtfranzos ein Werk geschrieben zu haben, das dem Geiste wie
+dem Style nach eines der vorzüglichsten französischen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_20" id = "pageXII_20">
+XII.20</a></span>
+Bücher genannt werden muß. Ein andrer Bruder, Namens Richard, hatte sich
+in fremden Diensten einige militärische Erfahrung erworben. Sein Geist
+und seine Artigkeit hatten ihn selbst in dem glänzenden Cirkel von
+Versailles ausgezeichnet. Man munkelte, daß er es gewagt habe, den Blick
+zu einer hochgestellten Dame, der natürlichen Tochter des großen Königs,
+der Gemahlin eines legitimen Prinzen des Hauses Bourbon zu erheben und
+daß es geschienen, als ob die Aufmerksamkeiten ihres vermessenen
+Anbeters ihr nicht mißfallen hätten.<a class = "tag" name = "tagXII_30"
+id = "tagXII_30" href = "#noteXII_30">30</a> Der Verwegene war nachher
+in sein Vaterland zurückgekehrt, war zum Brigadegeneral in der irischen
+Armee ernannt und in dem irischen Geheimrath vereidigt worden. Als man
+die holländische Invasion erwartete, kam er mit den Truppen, welche
+Tyrconnel zur Verstärkung der königlichen Armee schickte, über den St.
+Georgskanal. Nach Jakob’s Flucht unterwarfen sich diese Truppen dem
+Prinzen von Oranien. Jetzt schloß Richard Hamilton nicht nur ebenfalls
+Frieden mit der herrschenden Gewalt, sondern sprach auch die
+zuversichtliche Überzeugung aus, daß, wenn man ihn nach Dublin senden
+wolle, er die daselbst angeknüpften Unterhandlungen glücklich würde zu
+Ende führen können. Sollte ihm dies nicht gelingen, so versprach er auf
+sein Ehrenwort, in drei Wochen nach London zurückzukehren. Man wußte,
+daß er in Irland großen Einfluß hatte, seine Ehrenhaftigkeit war nie
+angezweifelt worden und er genoß die hohe Achtung der Familie Temple.
+Johann Temple erklärte, daß er für Richard Hamilton stehen könne wie für
+sich selbst. Diese Bürgschaft wurde für genügend erachtet und Hamilton
+ging nach Irland ab, nachdem er seine englischen Freunde versichert
+hatte, daß er Tyrconnel bald zur Vernunft bringen werde. Die
+Anerbietungen, die er den Katholiken und dem Vicekönig persönlich zu
+machen autorisirt war, waren höchst liberal.<a class = "tag" name =
+"tagXII_31" id = "tagXII_31" href = "#noteXII_31">31</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_30" id = "noteXII_30" href = "#tagXII_30">30.</a>
+<span class = "antiqua">Mémoires de Madame de la Fayette.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_31" id = "noteXII_31" href = "#tagXII_31">31.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet I. 808</span>; <span class =
+"antiqua">Life of James, II. 320</span>; <span class =
+"antiqua">Commons’ Journals, July 29. 1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Tyrconnel schickt Mountjoy und Rice nach Frankreich.</span>
+<a name = "secXII_14" id = "secXII_14">Es</a> ist nicht unmöglich, daß
+Hamilton sich wirklich vorgenommen hatte, sein Versprechen zu erfüllen.
+Bei seiner Ankunft in Dublin aber sah er wohl, daß er eine Aufgabe
+übernommen hatte, der er nicht gewachsen war. Tyrconnel’s
+Unschlüssigkeit, mochte sie nun wahr oder erheuchelt gewesen sein, war
+zu Ende. Er war zu der Überzeugung gelangt, daß ihm keine Wahl mehr
+blieb. Mit leichter Mühe hatte er die unwissenden und empfänglichen
+Irländer zur Wuth aufgestachelt. Zu beruhigen vermochte er sie nicht
+wieder. Es hatte sich das Gerücht verbreitet, der Vicekönig
+correspondire mit den Engländern, und dieses Gerücht hatte die Nation in
+Flammen gesetzt. Das gemeine Volk sagte: wenn er es wagen sollte, sie
+für Geld und Ehrenstellen zu verkaufen, würden sie das Schloß verbrennen
+und ihn darin, und würden sich unter Frankreichs Schutz stellen.<a class
+= "tag" name = "tagXII_32" id = "tagXII_32" href = "#noteXII_32">32</a>
+Er sah sich genöthigt, die gleichviel ob wahre oder falsche Erklärung
+abzugeben, daß er nie daran gedacht, sich zu unterwerfen, und nur um
+Zeit zu gewinnen zum Schein Unterhandlungen angeknüpft habe. Ehe er sich
+jedoch offen gegen die englischen Ansiedler und gegen England selbst
+erklärte, was einen Krieg auf
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_21" id = "pageXII_21">
+XII.21</a></span>
+Tod und Leben zur Folge haben mußte, wünschte er sich Mountjoy’s zu
+entledigen, der bislang der Sache Jakob’s treu gewesen war, der aber,
+wie man sehr gut wußte, niemals eingewilligt haben würde, an der
+Beraubung und Unterdrückung der Colonisten Theil zu nehmen.
+Heuchlerische Versicherungen von Freundschaft und friedlichen Absichten
+wurden nicht gespart. Es sei eine heilige Pflicht, sagte Tyrconnel, das
+drohende Unheil abzuwenden. König Jakob selbst würde, wenn er den ganzen
+Sachverhalt kannte, nicht wünschen, daß seine irischen Freunde sich in
+diesem Augenblicke in ein Unternehmen einließen, das für sie verderblich
+werden müsse und ihm nichts nützen könne. Er würde ihnen daher erlauben,
+ja ihnen sogar befehlen, sich der Nothwendigkeit zu unterwerfen und ihre
+Kräfte für bessere Zeiten aufzusparen. Wenn sich ein loyaler,
+geschickter und wohl unterrichteter Mann von Gewicht nach Saint-Germains
+begebe und Sr. Majestät den Stand der Dinge auseinandersetze, so würde
+der König leicht zu überzeugen sein. Wolle nicht Mountjoy diese so
+ehrenvolle und wichtige Mission übernehmen? Mountjoy zauderte und gab zu
+verstehen, daß man Jemanden schicken sollte, von dem sich mit größerer
+Wahrscheinlichkeit erwarten lasse, daß er dem Könige angenehm sein
+werde. Tyrconnel aber erklärte fluchend und tobend, daß Irland in den
+Abgrund der Hölle versinken würde, wenn man König Jakob nicht wohl
+beriethe, und er bestand darauf, daß Mountjoy als Repräsentant der
+loyalen Mitglieder der Staatskirche nach Saint-Germains gehen und daß
+der erste Baron der Schatzkammer, Rice, ein in der königlichen Gunst
+sehr hoch stehender Katholik, ihn begleiten solle. Mountjoy gab nach und
+die beiden Gesandten reisten zusammen, aber mit ganz verschiedenen
+Instructionen versehen, ab. Rice war beauftragt, Jakob zu sagen, daß
+Mountjoy im Herzen ein Verräther und nur deshalb nach Frankreich
+geschickt worden sei, damit den Protestanten Irland’s ein
+Lieblingsführer entzogen würde. Ferner sollte Rice den König versichern,
+daß er mit Ungeduld in Irland erwartet werde und daß er, wenn er sich
+daselbst mit einer französischen Heeresmacht zeigen wolle, seine
+gesunkene Größe bald wiederherstellen könne.<a class = "tag" name =
+"tagXII_33" id = "tagXII_33" href = "#noteXII_33">33</a> Außerdem war
+der erste Baron noch mit anderen Instructionen versehen, die
+wahrscheinlich selbst vor dem Hofe von Saint-Germains geheimgehalten
+wurden. Für den Fall, daß Jakob nicht geneigt sein sollte, sich an die
+Spitze der eingebornen Bevölkerung Irland’s zu stellen, war Rice
+angewiesen, um eine Privataudienz bei Ludwig nachzusuchen und ihm den
+Vorschlag zu machen, Irland in eine französische Provinz zu
+verwandeln.<a class = "tag" name = "tagXII_34" id = "tagXII_34" href =
+"#noteXII_34">34</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_32" id = "noteXII_32" href = "#tagXII_32">32.</a>
+Avaux an Ludwig, 25. März (4. April) 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_33" id = "noteXII_33" href = "#tagXII_33">33.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 321.</span>
+Mountjoy’s Circulardepesche vom 10. Jan. 1688/89; <span class =
+"antiqua">King IV. 8.</span> In <span class = "antiqua">„Light to the
+Blind“</span> wird Tyrconnel’s „kluge Verstellung“ gerühmt.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_34" id = "noteXII_34" href = "#tagXII_34">34.</a>
+Avaux an Ludwig, 13.(23.) April 1689.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Tyrconnel ruft das irische Volk zu den Waffen.</span>
+<a name = "secXII_15" id = "secXII_15">Sobald</a> die beiden Gesandten
+abgereist waren, begann Tyrconnel sich auf den unvermeidlich gewordenen
+Kampf vorzubereiten, und der treulose Hamilton unterstützte ihn dabei
+auf das Kräftigste. Die irische Nation wurde zu den Waffen gerufen und
+sie leistete dem Aufrufe mit merkwürdiger Bereitwilligkeit und
+Begeisterung Folge. In die Flagge, welche auf dem Schlosse von Dublin
+wehte, waren die Worte gestickt: <span class = "antiqua">„Now or never:
+now and
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_22" id = "pageXII_22">
+XII.22</a></span>
+for ever,“</span> (jetzt oder nimmer: jetzt und für immer) und diese Worte
+fanden durch das ganze Land ein Echo.<a class = "tag" name = "tagXII_35"
+id = "tagXII_35" href = "#noteXII_35">35</a> Nie hat Europa in der
+neueren Zeit eine solche Erhebung eines ganzen Volks gesehen. Die
+Gewohnheiten des celtischen Bauern waren von der Art, daß er kein Opfer
+brachte, wenn er sein Kartoffelfeld mit dem Lager vertauschte. Er liebte
+Aufregung und Abenteuer, und scheute die Arbeit viel mehr als Gefahren.
+Seine nationalen und religiösen Gefühle waren seit drei Jahren durch die
+beständige Anwendung von Reizmitteln aufgestachelt worden. Auf jeder
+Messe und jedem Jahrmarkte hatte er gehört, daß bald eine gute Zeit
+kommen werde, daß die Tyrannen, welche sächsisch sprächen und in Häusern
+mit Schieferdächern wohnten, vertrieben werden und daß das Land dann
+wieder seinen eigenen Kindern gehören würde. Um die Torffeuer von
+hunderttausend Hütten waren allnächtlich rohe Balladen gesungen worden,
+welche die Befreiung des unterdrückten Volks verkündeten. Die Priester,
+welche größtentheils den alten Familien angehörten, die die
+Ansiedelungsacte zu Grunde gerichtet hatte, welche aber von der
+eingebornen Bevölkerung noch immer verehrt wurden, hatten von tausend
+Altären herab jedem Katholiken ans Herz gelegt, seine Anhänglichkeit an
+die wahre Religion durch Anschaffung von Waffen für den Tag zu beweisen,
+an welchem es nöthig werden dürfte, zum Heile ihrer Sache das Glück der
+Schlachten zu versuchen. Die Armee, welche unter Ormond nur aus acht
+Regimentern bestanden hatte, wurde jetzt auf achtundvierzig Regimenter
+gebracht, und die Reihen waren bald übervoll. Es war unmöglich, in
+kurzer Zeit nur ein Zehntel der benöthigten Anzahl guter Offiziere zu
+finden. Patente wurden mit verschwenderischer Freigebigkeit müßigen
+Aufliegern verliehen, welche Anspruch darauf machten, von guten irischen
+Familien abzustammen. Doch selbst auf diese Weise konnte der Bedarf an
+Hauptleuten und Leutnants nicht beschafft werden und viele Compagnien
+wurden von Schuhflickern, Schneidern und Lakaien befehligt.<a class =
+"tag" name = "tagXII_36" id = "tagXII_36" href =
+"#noteXII_36">36</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_35" id = "noteXII_35" href = "#tagXII_35">35.</a>
+Gedruckter Brief aus Dublin vom 25. Febr. 1689: <span class =
+"antiqua">Mephibosheth and Ziba, 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_36" id = "noteXII_36" href = "#tagXII_36">36.</a>
+Die Verwandschaft der Priester mit den alten irischen Familien ist in
+Petty’s <span class = "antiqua">Political Anatomy of Ireland</span>
+erwähnt. Siehe auch: <span class = "antiqua">Short View by a Clergyman
+lately escaped, 1689</span>; <span class = "antiqua">Ireland’s
+Lamentation, by an English Protestant that lately narrowly escaped with
+life from thence, 1689</span>; <span class = "antiqua">A True Account of
+the State of Ireland, by a person who with great difficulty left Dublin,
+1689</span>; <span class = "antiqua">King II. 7.</span> Avaux bestätigt
+Alles was diese Schriftsteller über die irischen Offiziere sagen.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Verwüstung des Landes.</span>
+<a name = "secXII_16" id = "secXII_16">Die</a> Löhnung der Soldaten war
+sehr gering. Der Gemeine hatte nur drei Pence den Tag. Davon bekam er
+nie mehr als die Hälfte baar ausgezahlt, und selbst diese Hälfte war oft
+in Rückstand. Aber ein viel verlockenderer Köter als dieser karge Lohn
+war die Aussicht auf unbegrenzte Zügellosigkeit. Wenn die Regierung ihm
+weniger gab als für seine Lebensbedürfnisse ausreichte, so nahm sie es
+dagegen nicht zu genau mit den Mitteln, durch welche er dem Mangel
+abzuhelfen suchte. Obwohl vier Fünftel der Bevölkerung Irland’s Celten
+und Katholiken waren, so kamen doch vier Fünftel des irischen Eigenthums
+auf die protestantischen Engländer. Die Kornspeicher, die Keller, und
+vor Allem die Viehheerden der Minderheit wurden der Mehrheit
+preisgegeben. Denn die Bewaffnung war jetzt allgemein. Niemand wagte
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_23" id = "pageXII_23">
+XII.23</a></span>
+es mehr, ohne eine Waffe, sei es eine Pike, ein langes Messer, <span
+class = "antiqua">skean</span> genannt, oder wenigstens einen
+zugespitzten und im Feuer gehärteten Eschenholzstock, in der Messe zu
+erscheinen. Selbst die Frauen wurden von ihren Seelsorgern ermahnt,
+Skeans bei sich zu führen. Alle Schmiede, Zimmerleute und Schwertfeger
+waren fortwährend mit der Anfertigung von Gewehren und Klingen
+beschäftigt. Es war kaum möglich ein Pferd beschlagen zu lassen.
+Weigerte sich ein protestantischer Handwerker, an der Verfertigung von
+Kriegsgeräth Theil zu nehmen, das gegen seine Nation und Religion
+gebraucht werden sollte, so wurde er ins Gefängniß geworfen. Es läßt
+sich mit Wahrscheinlichkeit annehmen, daß Ende Februar mindestens
+hunderttausend Irländer unter den Waffen standen. Nahe an funfzigtausend
+davon waren Soldaten; die übrigen waren Banditen; deren Gewaltthätigkeit
+und Zügellosigkeit die Regierung zum Schein mißbilligte, sich aber nicht
+bemühte, denselben Einhalt zu thun. Die Protestanten wurden nicht allein
+nicht beschützt, sondern sie durften sich nicht einmal selbst schützen.
+Es war beschlossen, daß sie inmitten einer bewaffneten und feindseligen
+Bevölkerung unbewaffnet bleiben sollten. Ein Tag wurde festgesetzt, an
+welchem sie alle ihre Schwerter und Feuergewehre in die Pfarrkirchen
+bringen sollten, und zu gleicher Zeit angekündigt, daß jedes
+protestantische Haus, in welchem nach diesem Tage eine Waffe gefunden
+würde, der Plünderung durch die Soldaten preisgegeben werden sollte. Man
+beklagte sich bitter über diese Maßregel, da der erste beste Schurke,
+der eine Lanzenspitze oder ein altes Pulverfaß in einem Winkel eines
+Hauses verberge, vollständigen Ruin über den Eigenthümer desselben
+bringen könne.<a class = "tag" name = "tagXII_37" id = "tagXII_37" href
+= "#noteXII_37">37</a></p>
+
+<p>Der Oberrichter Keating, selbst Protestant und fast der einzige
+Protestant, der noch ein hohes Amt in Irland bekleidete, stritt muthig
+für die Sache der Gerechtigkeit und Ordnung wider die vereinte Macht der
+Regierung und des Pöbels. Bei den Frühjahrsassisen zu Wicklow schilderte
+er vom Richterstuhle herab in energischen Ausdrücken die traurige Lage
+des Landes. Ganze Grafschaften, sagte er, würden durch ein Gesindel
+verwüstet, das den Geiern und Raben gleiche, welche dem Marsche einer
+Armee folgen. Die meisten dieser Elenden seien gar keine Soldaten und
+handelten unter keiner dem Gesetze bekannten Autorität. Dennoch sei es
+nur zu offenbar, daß sie durch einige hohe Befehlshaber ermuthigt und
+protegirt würden. Wie könne sonst in geringer Entfernung von der
+Hauptstadt ein offner Markt für geraubtes Gut gehalten werden? Die
+Geschichten, welche Reisende von den Hottentotten am Kap der guten
+Hoffnung erzählten, sehe man in Leinster verwirklicht. Nichts sei
+gewöhnlicher, als daß ein rechtlicher Mann sich des Abends reich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_24" id = "pageXII_24">
+XII.24</a></span>
+an Schaf- und Rinderheerden, die er durch den Fleiß und die Thätigkeit
+eines langen Lebens erworben, niederlege und am andren Morgen als
+Bettler erwache. Keating bemühte sich indessen mit nur geringem Erfolge,
+inmitten jener entsetzlichen Anarchie das Ansehen des Gesetzes aufrecht
+zu erhalten. Priester und Heerführer traten auf, um den Oberrichter
+einzuschüchtern und die Räuber in Schutz zu nehmen. Ein solcher Schurke
+kam straflos davon, weil kein Kläger gegen ihn aufzutreten wagte. Ein
+Andrer erklärte, daß er sich auf den Befehl seines Seelsorgers und nach
+dem Beispiele vieler höher stehender Leute, die er hier im Gerichtssaal
+sehe, bewaffnet habe. Nur zwei von den <span class = "antiqua">Merry
+Boys</span> (lustigen Burschen), wie man sie nannte, wurden überführt;
+die schlimmsten Verbrecher kamen ohne Strafe davon, und der Oberrichter
+sagte entrüstet zu den Geschwornen, daß die Schuld an dem Ruin des
+Landes vor ihrer Thür liege.<a class = "tag" name = "tagXII_38" id =
+"tagXII_38" href = "#noteXII_38">38</a></p>
+
+<p>Wenn solche Gesetzlosigkeit in Wicklow herrschte, so kann man sich
+leicht vorstellen, wie es in uncultivirteren und vom Sitze der Regierung
+weiter entfernten Districten zugegangen sein muß. Keating war der
+einzige richterliche Beamte, der sich kräftig bemühte, dem Gesetze
+Ansehen zu verschaffen. In der That, der Oberrichter des höchsten
+Criminalgerichtshofes im Königreiche, Nugent, erklärte auf der
+Richterbank zu Cork, daß ohne Gewaltthätigkeit und Beraubung die
+Absichten der Regierung nicht durchgeführt werden könnten, und daß unter
+solchen Umständen Räubereien als ein nothwendiges Übel geduldet werden
+müßten.<a class = "tag" name = "tagXII_39" id = "tagXII_39" href =
+"#noteXII_39">39</a></p>
+
+<p>Die Zerstörung von Eigenthum, welche binnen wenigen Wochen stattfand,
+wäre unglaublich, würde sie nicht durch einander fern stehende und ganz
+verschiedenen Interessen ergebene Zeugen bestätigt. Die Schilderungen
+von Protestanten, welche während jener Schreckensherrschaft mit
+Lebensgefahr nach England entkamen, und die von Gesandten, Commissarien
+und Heerführern Ludwig’s stimmen genau, mitunter sogar wörtlich überein.
+Alle erklärten einstimmig, daß es vieler Jahre bedürfen werde, um die
+Verwüstungen wieder gut zu machen, welche das bewaffnete Landvolk in
+einigen Wochen angerichtet habe.<a class = "tag" name = "tagXII_40" id =
+"tagXII_40" href = "#noteXII_40">40</a> Mehrere von der sächsischen
+Aristokratie besaßen glänzend möblirte Schlösser mit Schränken, die von
+Silbergeschirr strotzten. All’ dieser Reichthum verschwand. In einem
+Hause, welches für dreitausend Pfund Sterling Silberzeug enthalten
+hatte, blieb nicht ein einziger Löffel.<a class = "tag" name =
+"tagXII_41" id = "tagXII_41" href = "#noteXII_41">41</a> Der
+Hauptreichthum Irland’s aber bestand in Vieh. Zahllose Schaf- und
+Rinderheerden bedeckten diesen ungeheuren, durch die Feuchtigkeit des
+Atlantischen Oceans befruchteten Wiesenteppich. Mehr als ein Gentleman
+besaß zwanzigtausend Stück Schafe und viertausend Rinder. Die
+Freibeuter, welche jetzt das Land überzogen, gehörten einer Klasse an,
+welche gewohnt war, von Kartoffeln und saurer Milch zu leben, und die
+das Fleisch jederzeit als einen nur den Reichen zu Gebote stehenden
+Luxus betrachtet hatten. Diese Leute schwelgten anfangs im Genusse von
+Rind- und Hammelfleisch, wie die rohen Horden, die sich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_25" id = "pageXII_25">
+XII.25</a></span>
+vor Alters aus den Wäldern des Nordens über Italien ergossen, im Genusse
+der kostbarsten Weine schwelgten. Die Protestanten schilderten mit
+Abscheu und Ekel die unglaubliche Gefräßigkeit ihrer befreiten Sklaven.
+Die geschlachteten Thiere wurden halb roh und halb zu Kohle verbrannt,
+bald noch blutend, bald schon im Zustande der Verwesung, in Stücke
+zerrissen und ohne Salz, Brot oder Gemüse verschlungen. Diejenigen,
+welche gekochtes Fleisch vorzogen, machten, da es ihnen oft an Kesseln
+fehlte, mit gutem Erfolge den Versuch, einen ganzen Ochsen in seiner
+eignen Haut zu kochen. Es existirt noch eine alberne Tragikomödie,
+welche in diesem und dem darauffolgenden Jahre auf einem kleinen Theater
+zum Ergötzen des englischen Pöbels aufgeführt wurde. Ein Haufen
+halbnackter Wilder erschien, ein celtisches Lied brüllend und um einen
+Ochsen herumtanzend, auf der Bühne. Hierauf begannen sie von dem
+lebenden Thiere Stücke <ins class = "correction"
+title = "Original hat »loszuscheiden«">loszuschneiden</ins> und das blutende Fleisch auf die
+Kohlen zu werfen. Die Barbarei und Scheußlichkeit der Freßgelage der
+„Rapparees“ war in der That so arg, daß die Dramatiker in Grub Street
+sie kaum zu karrikiren vermochten. Mit dem Eintritt der Fastenzeit
+hörten die Plünderer im Allgemeinen auf zu schwelgen, aber sie fuhren
+fort zu zerstören. Ein Bauer war im Stande eine Kuh zu tödten, bloß um
+ein Paar Schuhe zu bekommen. Oft wurde eine ganze Heerde Schafe oder
+fünfzig bis sechzig Stück Rinder geschlachtet, die Thiere abgezogen, die
+Vließe und Häute mitgenommen und die Cadaver liegen gelassen, um die
+Luft zu verpesten. Der französische Gesandte berichtete seinem Gebieter,
+daß in Zeit von sechs Wochen funfzigtausend Stück Hornvieh auf diese Art
+getödtet worden seien und nun im ganzen Lande unter freiem Himmel
+verfaulten. Die Zahl der in dem nämlichen Zeitraum geschlachteten Schafe
+soll sich auf drei- bis viermalhunderttausend Stück belaufen haben.<a
+class = "tag" name = "tagXII_42" id = "tagXII_42" href =
+"#noteXII_42">42</a></p>
+
+<p>Jede Schätzung, die man jetzt von dem Werthe des Eigenthums machen
+kann, das während jenes furchtbaren Racenkampfes zerstört wurde, muß
+nothwendig sehr ungenau sein. Indessen fehlt es uns nicht gänzlich an
+Material zu einer solchen Schätzung. Die Quäker waren weder eine sehr
+zahlreiche noch eine sehr wohlhabende Klasse. Wir dürfen schwerlich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_26" id = "pageXII_26">
+XII.26</a></span>
+annehmen, daß sie mehr als ein Fünfzigstel der protestantischen
+Bevölkerung Irland’s bildeten oder daß sie mehr als ein Fünfzigstel des
+protestantischen Vermögens in Irland besaßen. Überdies wurden sie
+unzweifelhaft schonender behandelt als irgend eine andre protestantische
+Secte. Jakob war stets für sie eingenommen gewesen, sie gestehen selbst,
+daß Tyrconnel sein Möglichstes that, um sie zu schützen, und sie
+scheinen selbst vor den Augen der Rapparees Gnade gefunden zu haben.<a
+class = "tag" name = "tagXII_43" id = "tagXII_43" href =
+"#noteXII_43">43</a> Und doch schlugen die Quäker ihre pekuniären
+Verluste auf hunderttausend Pfund Sterling an.<a class = "tag" name =
+"tagXII_44" id = "tagXII_44" href = "#noteXII_44">44</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_37" id = "noteXII_37" href = "#tagXII_37">37.</a>
+Im französischen Kriegsministerium befindet sich ein Bericht über den
+Zustand Irland’s im Februar 1689. In diesem Bericht heißt es, daß die
+Zahl der als Soldaten eingereihten Irländer fünfundvierzigtausend
+betrage, daß sie aber auf hunderttausend gestiegen sein würde, wenn Alle
+die sich freiwillig stellten, angenommen worden wären. Siehe auch: <span
+class = "antiqua">The Sad and Lamentable Condition of the Protestants in
+Ireland, 1689</span>; <span class = "antiqua">Hamilton’s True Relation,
+1690</span>; <span class = "antiqua">The State of Papist and Protestant
+Properties in the Kingdom of Ireland, 1689</span>; <span class =
+"antiqua">A true Representation to the King and People of England how
+Matters were carried on all along in Ireland, licensed Aug.&nbsp;16.
+1689</span>; <span class = "antiqua">Letter from Dublin, 1689</span>;
+<span class = "antiqua">Ireland’s Lamentation, 1689</span>; <span class
+= "antiqua">Compleat History of the Life and Military Actions of
+Richard, Earl of Tyrconnel, Generalissimo of all the Irish forces now in
+arms, 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_38" id = "noteXII_38" href = "#tagXII_38">38.</a>
+Siehe die Verhandlungen in den <span class = "antiqua">State
+Trials</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_39" id = "noteXII_39" href = "#tagXII_39">39.</a>
+<span class = "antiqua">King, III. 10</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_40" id = "noteXII_40" href = "#tagXII_40">40.</a>
+Zehn Jahre, sagt der französische Gesandte; zwanzig Jahre, sagt ein
+protestantischer Flüchtling.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_41" id = "noteXII_41" href = "#tagXII_41">41.</a>
+<span class = "antiqua">Animadversions an the proposal for sending back
+the nobility and gentry of Ireland, 1689/90.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_42" id = "noteXII_42" href = "#tagXII_42">42.</a>
+<span class = "antiqua">King, III. 10</span>; <span class =
+"antiqua">The Sad Estate and Condition of Ireland, as represented in a
+Letter from a Worthy Person who was in Dublin on Friday last, March 4.
+1689</span>; <span class = "antiqua">Short View by a Clergyman,
+1689</span>; <span class = "antiqua">Lamentation of Ireland,
+1689</span>; <span class = "antiqua">Compleat History of the Life and
+Actions of Richard, Earl of Tyrconnel, 1689</span>; <span class =
+"antiqua">The Royal Voyage</span>, aufgeführt 1689 und 1690. Dieses
+Stück, das, wenn ich nicht irre, in der Bartholomäusmesse gegeben wurde,
+ist eines der interessantesten von einer interessanten Gattung von
+Compositionen, welche zwar jedes literarischen Werthes ermangeln, aber
+deshalb von Bedeutung sind, weil sie zeigen, was damals die
+erfolgreichste Lockspeise für ein aus gemeinem Volke bestehendes
+Publikum war. „Der Zweck dieses Schauspiels,“ sagt der Verfasser in
+seiner Vorrede, „ist namentlich der, den perfiden, gemeinen, feigen und
+blutdürstigen Character der Irländer vor Augen zu führen.“ Was die
+flüchtigen Protestanten von der muthwilligen Vernichtung des Viehes
+erzählen, wird von Avaux in einem vom 13.(23.) April 1689 datirten
+Briefe an Ludwig, und von Desgrigny in einem vom 17.(27.) Mai 1690
+datirten Schreiben an Louvois bestätigt. Die meisten Depeschen, welche
+Avaux während seines Aufenthalts in Irland schrieb, sind in einem Werke
+enthalten, das vor einigen Jahren im englischen auswärtigen Amte in
+wenigen Exemplaren gedruckt wurde. Viele habe ich auch im französischen
+Ministerium des Auswärtigen abgeschrieben. Die Briefe von Desgrigny, der
+im Commissariat angestellt war, fand ich in der Bibliothek des
+französischen Kriegsministeriums. Ich kann die Bereitwilligkeit und
+Zuvorkommenheit, mit der mir die reichen und vortrefflich geordneten
+Schätze interessanter Belehrung in Paris geöffnet wurden, nicht genug
+rühmen.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_43" id = "noteXII_43" href = "#tagXII_43">43.</a>
+„Eine eigenthümliche Erscheinung, welche nie vergessen werden darf, war,
+daß Diejenigen, welche damals (zu&nbsp;Ende des Jahres 1688) an der
+Spitze der Regierung standen, uns zu begünstigen und sich unsre
+Freundschaft bewahren zu wollen schienen.“ <span class =
+"antiqua">History of the Rise and Progress of the People called Quakers
+in Ireland, by Wight and Rutty, Dublin 1751.</span> King wirft in der
+That (III.&nbsp;17.) den Quäkern vor, daß sie Verbündete und Werkzeuge
+der Papisten gewesen seien.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_44" id = "noteXII_44" href = "#tagXII_44">44.</a>
+Wight and Rutty.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Protestanten in Süden unfähig Widerstand zu leisten.</span>
+<a name = "secXII_17" id = "secXII_17">In</a> Leinster, Munster und
+Connaught war es den englischen Ansiedlern ihrer geringen und
+zersplitterten Anzahl wegen rein unmöglich, dem furchtbaren Andrange der
+eingebornen Bevölkerung einen erfolgreichen Widerstand entgegenzusetzen.
+Charleville, Mallow und Sligo fielen in die Gewalt der Eingebornen.
+Bandon, wo die Protestanten eine ansehnlichere Streitmacht
+zusammengezogen hatten, wurde durch den Generalleutnant Macarthy, einen
+Officier, der aus einer der vornehmsten celtischen Familien abstammte
+und unter einem angenommenen Namen lange in der französischen Armee
+gedient hatte, zur Übergabe gezwungen.<a class = "tag" name =
+"tagXII_45" id = "tagXII_45" href = "#noteXII_45">45</a> Die Bewohner
+von Kenmare hielten sich in ihrer kleinen Festung, bis sie von
+dreitausend regulären Soldaten angegriffen wurden und bis sie erfuhren,
+daß mehrere Kanonen herbeigeschafft würden, um den Erdwall zu zerstören,
+der das Haus des Agenten umgab. Da endlich wurde eine Capitulation
+abgeschlossen, und den Colonisten gestattet, sich auf einem mit
+Lebensmitteln und Wasser spärlich versehenen kleinen Fahrzeuge
+einzuschiffen. Sie hatten keinen erfahrenen Schiffer an Bord; doch nach
+einer vierzehntägigen Seereise, während der sie wie die Neger auf einem
+Sklavenschiffe zusammengepfercht waren und vor Hunger und Durst fast
+umkamen, erreichten sie wohlbehalten den Hafen von Bristol.<a class =
+"tag" name = "tagXII_46" id = "tagXII_46" href = "#noteXII_46">46</a>
+Wenn solcher Art das Schicksal der Städte war, so lag es auf der Hand,
+daß die Landsitze, welche die protestantischen Gutsbesitzer unlängst in
+den drei südlichen Provinzen befestigt hatten, sich nicht länger zu
+halten vermochten. Viele Familien unterwarfen sich, lieferten ihre
+Waffen ab und schätzten sich glücklich, daß sie mit dem Leben davon
+kamen. Viele beherzte und tapfere Gentlemen und Freisassen aber waren
+entschlossen lieber umzukommen, als sich zu ergeben. Sie packten das
+leicht transportable werthvolle Eigenthum zusammen, verbrannten das was
+sie nicht mitnehmen konnten und brachen wohl bewaffnet und beritten nach
+den Orten in Ulster auf, welche die Besten ihres Stammes und ihres
+Glaubens waren. Die Elite der protestantischen Bevölkerung von Munster
+und Connaught fand in Enniskillen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_27" id = "pageXII_27">
+XII.27</a></span>
+ein Asyl. Die Tapferen und Entschlossenen von Leinster schlugen den Weg
+nach Londonderry ein.<a class = "tag" name = "tagXII_47" id =
+"tagXII_47" href = "#noteXII_47">47</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_45" id = "noteXII_45" href = "#tagXII_45">45.</a>
+<span class = "antiqua">Life of James, II. 327. Orig. Mem.</span>
+Macarthy und sein fingirter Name werden mehrere Male von Dongeau
+erwähnt.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_46" id = "noteXII_46" href = "#tagXII_46">46.</a>
+<span class = "antiqua">Exact Relation of the Persecutions, Robberies
+and Losses sustained by the Protestants of Killmare in Ireland,
+1689</span>.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_47" id = "noteXII_47" href = "#tagXII_47">47.</a>
+<span class = "antiqua">A true Representation to the King and People of
+England how Matters were carried on all along in Ireland by the late
+King James, licensed Aug.&nbsp;16. 1689</span>; <span class =
+"antiqua">A True Account of the Present State of Ireland by a Person
+that with Great Difficulty left Dublin, licensed June 8.
+1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Enniskillen und Londonderry halten sich.</span>
+<a name = "secXII_18" id = "secXII_18">Der</a> Muth Enniskillen’s und
+Londonderry’s stieg angesichts der Gefahr immer höher und höher. An
+beiden Orten wurden die Nachrichten von dem was die Convention zu
+Westminster gethan, mit unbeschreiblicher Freude aufgenommen. Wilhelm
+und Marie wurden in Enniskillen mit einmüthigem Enthusiasmus und mit
+demjenigen Pomp proklamirt, den die kleine Stadt erschwingen konnte.<a
+class = "tag" name = "tagXII_48" id = "tagXII_48" href =
+"#noteXII_48">48</a> Lundy, der in Londonderry commandirte, durfte es
+nicht wagen, der allgemeinen Gesinnung der Bürger und seiner eigenen
+Soldaten entgegenzutreten. Er kündigte daher seinen Beitritt zu der
+neuen Regierung an und unterschrieb eine Erklärung, durch die er sich
+verpflichtete, treu zu dieser Regierung zu stehen, widrigenfalls er als
+ein Feigling und Verräther betrachtet sein wollte. Ein Schiff aus
+England brachte bald ein Patent von Wilhelm und Marien, das ihn in
+seinem Posten bestätigte.<a class = "tag" name = "tagXII_49" id =
+"tagXII_49" href = "#noteXII_49">49</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_48" id = "noteXII_48" href = "#tagXII_48">48.</a>
+<span class = "antiqua">Hamilton’s Actions of the Inniskilling Men,
+1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_49" id = "noteXII_49" href = "#tagXII_49">49.</a>
+<span class = "antiqua">Walker’s Account, 1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Richard Hamilton marschirt mit einer Armee nach Ulster.</span>
+<a name = "secXII_19" id = "secXII_19">Die</a> Protestanten von Ulster
+zur Unterwerfung zu zwingen, bevor Unterstützung aus England eintreffen
+konnte, war jetzt Tyrconnel’s Hauptzweck. Eine starke Truppenmacht wurde
+unter dem Commando Richard Hamilton’s nach dem Norden dirigirt. Dieser
+Mann hatte alle Verpflichtungen, welche einem Gentleman und Soldaten am
+heiligsten sind, mit Füßen getreten, war gegen seine Freunde, die
+Temple, meineidig geworden, hatte sein militärisches Ehrenwort
+gebrochen, und schämte sich jetzt nicht als General gegen eine Regierung
+ins Feld zu ziehen, der er sich als Gefangener zu stellen verpflichtet
+war. Sein Marsch hinterließ in dem Aussehen des Landes Spuren, welche
+auch dem sorglosesten Auge viele Jahre hindurch nicht unbemerkt bleiben
+konnten. Seine Armee war von einem Gesindel begleitet, das Keating sehr
+richtig mit den unsauberen Raubvögeln verglichen hatte, die sich
+jederzeit da sammeln, wo es stark nach Aas riecht. Der General erklärte,
+daß es sein aufrichtiger Wille sei, alle Protestanten, welche ruhig zu
+Hause blieben, vor Verderben und Gewaltthätigkeiten zu behüten, und
+gewährte ihnen mit größter Bereitwilligkeit von ihm eigenhändig
+unterschriebene Schutzbriefe. Aber diese Schutzbriefe erwiesen sich als
+nutzlos und er mußte eingestehen, daß er zwar seine Soldaten im Zaume
+halten könne, aber unter dem Pöbeltroß, der seiner Armee folgte, keine
+Ordnung zu halten vermöge. Das Land hinter ihm war eine Wüste, und bald
+war auch das Land vor ihm in gleichem Maße verödet. Denn bei der
+Nachricht von seiner Annäherung verbrannten die Colonisten ihre
+bewegliche Habe, rissen ihre Häuser nieder und zogen sich nach dem
+Norden zurück. Einige von ihnen versuchten es, bei Dromore Stand zu
+halten, aber sie wurden durchbrochen und auseinandergesprengt. Nun wurde
+die Flucht wild und tumultuarisch. Die Fliehenden brachen die Brücken ab
+und verbrannten die Fähren. Ganze
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_28" id = "pageXII_28">
+XII.28</a></span>
+Städte, die Sitze der protestantischen Bevölkerung, wurden zerstört, und
+kein einziger Bewohner blieb darin. Die Einwohner von Omagh zerstörten
+ihre Häuser so vollständig, daß kein Dach übrig blieb, das den Feind
+gegen Wind und Regen hätte schützen können. Die Bewohner von Cavan zogen
+sämmtlich nach Enniskillen. Es war ein regnerischer, stürmischer Tag und
+die Wege waren grundlos. Einen herzerschütternden Anblick gewährten die
+weinenden und ausgehungerten Frauen und Kinder, welche mitten unter den
+bewaffneten Männern bis an die Knie im Kothe waten mußten. Ganz Lisburn
+floh nach Antrim, und als der Feind heranrückte, strömte ganz Lisburn
+und Antrim zusammen nach Londonderry. Dreißigtausend Protestanten beider
+Geschlechter und jeden Alters waren hinter den Bollwerken der
+Zufluchtsstadt zusammengedrängt. Hier endlich, am Rande des Oceans, bis
+in das letzte Asyl gehetzt und zu einer Verzweiflung aufgestachelt, in
+der der Mensch sich umbringen läßt, sich aber so leicht nicht
+unterwirft, machte die herrschende Race Front, um dem andringenden
+Feinde die Spitze zu bieten.<a class = "tag" name = "tagXII_50" id =
+"tagXII_50" href = "#noteXII_50">50</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_50" id = "noteXII_50" href = "#tagXII_50">50.</a>
+<span class = "antiqua">Mackenzie’s Narrative</span>; <span class =
+"antiqua">Mac <ins class = "correction"
+title = "Original hat »Cormack’s«">Cormick’s</ins> Further Impartial Account</span>; <span
+class = "antiqua">Story’s Impartial History of the Affairs of Ireland,
+1691</span>; <span class = "antiqua">Apology for the Protestants of
+Ireland</span>; Brief von Dublin vom 25. Febr. 1689; Avaux an Ludwig von
+15.(25.) April 1689.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob entschließt sich nach Irland zu gehen.</span>
+<a name = "secXII_20" id = "secXII_20">Inzwischen</a> waren Mountjoy und
+Rice in Frankreich angelangt. Mountjoy wurde sogleich festgenommen und
+in die Bastille geworfen. Jakob beschloß, der von Rice überbrachten
+Einladung nachzukommen, und bat Ludwig um ein französisches Hülfsheer.
+Dieser aber, obwohl er in allen Dingen, welche die persönliche Würde und
+Bequemlichkeit seiner königlichen Gäste betrafen, eine fast romantische
+Aufmerksamkeit und eine an Verschwendung grenzende Freigebigkeit bewies,
+hatte keine Lust, ein starkes Truppencorps nach Irland zu schicken. Er
+sah, daß Frankreich auf dem Continent einen langwierigen Krieg gegen
+eine mächtige Coalition zu bestehen haben werde, der ungeheure Ausgaben
+verursachen mußte, und so groß auch die Hülfsquellen des Landes waren,
+sah er doch ein, wie wichtig es war, nichts zu vergeuden. Er betrachtete
+die unglücklichen Verbannten, denen er eine so fürstliche Aufnahme hatte
+zu Theil werden lassen, mit aufrichtigem Mitleid und gutem Willen; doch
+bei allem Mitleid und gutem Willen konnte es seinem Scharfblicke nicht
+lange verborgen bleiben, daß sein Bruder von England der einfältigste
+und verderbteste Mensch von der Welt war. Jakob’s Thorheit, seine
+Unfähigkeit, die Charactere der Menschen und die Zeichen der Zeit zu
+erkennen, sein Starrsinn, der sich gerade in solchen Fällen, wo die
+Klugheit zum Nachgeben rieth, am unbeugsamsten zeigte, und sein
+Schwanken, das immer am kläglichsten bei solchen Gelegenheiten
+hervortrat, welche Festigkeit erheischten, hatten seine Vertreibung aus
+England zur Folge gehabt und konnten auch über Frankreich großes Unheil
+bringen, wenn man seine Rathschläge blindlings befolgte. Als ein von
+Rebellen vertriebener legitimer Souverain, als ein von Ketzern
+verfolgter Bekenner des wahren Glaubens und als ein naher Verwandter des
+Hauses Bourbon, der um einen Platz am Herde dieses Hauses gebeten, hatte
+er Anspruch auf Gastfreundschaft, liebevolle Behandlung und Achtung. Es
+gehörte sich, daß ihm ein stattlicher Palast und ein großer Forst
+angewiesen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_29" id = "pageXII_29">
+XII.29</a></span>
+wurde, daß die Haustruppen ihm die höchsten militärischen Ehren
+bezeigten und daß alle Hunde des Großjägermeisters und alle Falken des
+Großfalconiers zu seiner Verfügung standen. Wenn aber ein Fürst, der, an
+der Spitze einer großen Flotte und eines großen Landheeres, ein Reich
+verloren hatte, ohne einen Schlag zu thun, Pläne zu See- und
+Landfeldzügen vorschlug, wenn ein Fürst, der durch seine völlige
+Unkenntniß des Characters seiner eigenen Landsleute, seiner eigenen
+Soldaten, seiner eigenen Diener und seiner eigenen Kinder zu Grunde
+gegangen war, sich beikommen ließ, für den Eifer und die Treue des
+irischen Volks stehen zu wollen, dessen Sprache er nicht verstand und
+dessen Land er noch nie betreten, so mußten seine Vorschläge nothwendig
+mit Vorsicht aufgenommen werden. Dies waren die Ansichten Ludwig’s und
+er wurde darin durch seinen Kriegsminister Louvois bestärkt, der aus
+privaten wie aus öffentlichen Gründen nicht wünschte, daß Jakob von
+einer starken Truppenmacht begleitet werde. Louvois haßte Lauzun und
+Lauzun war ein Günstling in Saint-Germain. Er trug den Hosenbandorden,
+ein Ehrenzeichen, das sehr selten Fremden, welche nicht souveraine
+Fürsten waren, verliehen worden ist. Man glaubte sogar am französischen
+Hofe, daß er, um ihn vor den anderen Rittern des höchsten aller
+europäischen Orden auszuzeichnen, mit dem nämlichen Georg decorirt
+worden sei, den Karl I. auf dem Schaffot den Händen Juxon’s übergeben
+hatte.<a class = "tag" name = "tagXII_51" id = "tagXII_51" href =
+"#noteXII_51">51</a> Es war ihm außerdem Hoffnung gemacht worden, daß
+er, wenn französische Truppen nach Irland geschickt wurden, dieselben
+commandiren solle, und diese ehrgeizige Hoffnung wollte Louvois
+vereiteln.<a class = "tag" name = "tagXII_52" id = "tagXII_52" href =
+"#noteXII_52">52</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_51" id = "noteXII_51" href = "#tagXII_51">51.</a>
+<span class = "antiqua">Mémoires de Madame de la Fayette</span>; Frau
+von Sévigné an Frau von Grignan vom 28. Febr. 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_52" id = "noteXII_52" href = "#tagXII_52">52.</a>
+<span class = "antiqua">Burnet II. 17</span>; <span class =
+"antiqua">Clarke’s Life of James, II. 320&mdash;322.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unterstützung, welche Jakob von Ludwig gewährt wird.</span>
+<a name = "secXII_21" id = "secXII_21">Eine</a> Armee wurde daher vor
+der Hand verweigert, sonst aber Alles bewilligt. Die in Brest liegende
+Flotte erhielt Befehl sich zum Absegeln bereit zu machen, Waffen für
+zehntausend Mann und große Massen von Munition wurden an Bord geschafft.
+Etwa vierhundert Kapitäns, Leutnants, Cadetten und Kanoniere wurden für
+den wichtigen Dienst, die neuauszuhebenden irischen Truppen zu
+organisiren und einzuüben, ausgewählt. Den Oberbefehl erhielt ein alter
+Kriegsveteran, der Graf von Rosen. Unter ihm standen Maumont mit dem
+Range eines Generalleutnants, und ein Brigadier Namens Pusignan. Eine
+halbe Million Kronen in Gold, eine Summe die ungefähr
+hundertzwölftausend Pfund Sterling entsprach, wurde nach Brest
+gesandt.<a class = "tag" name = "tagXII_53" id = "tagXII_53" href =
+"#noteXII_53">53</a> Für Jakob’s persönliche Bequemlichkeit war mit
+einer Ängstlichkeit gesorgt, welche der einer liebenden Mutter glich,
+die ihren Sohn zu seinem ersten Feldzuge ausstattet. Das Ameublement für
+die Kajüte, das Lagergeräth, die Zelte, die Betten und das
+Tafelgeschirr, Alles war luxuriös und kostbar. Nichts was dem Verbannten
+angenehm oder nützlich sein konnte, war zu kostspielig für die
+Freigebigkeit oder zu geringfügig für die Aufmerksamkeit seines artigen
+und splendiden Wirthes. Am 15. Februar machte Jakob seinen
+Abschiedsbesuch in Versailles. Er wurde mit allen Beweisen von Achtung
+und Zuvorkommenheit in den Gebäuden und Anlagen herumgeführt. Die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_30" id = "pageXII_30">
+XII.30</a></span>
+Wasserwerke waren ihm zu Ehren im Gange. Es war gerade die
+Carnevalszeit, und nie hatten der große Palast und die prächtigen Gärten
+einen heiterern Anblick gewährt. Am Abend erschienen die beiden Könige
+nach einer langen und ernsten Privatconferenz in einem glänzenden Cirkel
+von Herren und Damen. „Ich hoffe,“ sagte Ludwig in seiner edelsten und
+liebenswürdigsten Weise, „daß wir scheiden, um uns in diesem Leben nie
+wieder zu begegnen. Dies ist der beste Wunsch, den ich für Sie hegen
+kann. Sollte jedoch ein böses Geschick Sie zur Rückkehr zwingen, so sein
+Sie versichert, daß Sie mich bis zum letzten Augenblicke so finden
+werden, wie Sie mich bisher gefunden haben.“ Am 17. stattete Ludwig in
+Saint-Germains seinen Gegenbesuch ab. Im Augenblicke der letzten
+Umarmung sagte er mit seinem freundlichsten Lächeln: „Wir haben noch
+etwas vergessen: einen Brustharnisch für Sie. Sie sollen den meinigen
+haben.“ Der Brustharnisch wurde herbeigebracht und gab den Schöngeistern
+des Hofes Gelegenheit zu geistreichen Anspielungen auf die von Vulcan
+verfertigte Rüstung, welche einst Achilles seinem schwächeren Freunde
+lieh. Jakob reiste nach Brest ab und seine durch Krankheit und Kummer
+niedergedrückte Gemahlin schloß sich mit ihrem Kinde ein um zu weinen
+und zu beten.<a class = "tag" name = "tagXII_54" id = "tagXII_54" href =
+"#noteXII_54">54</a></p>
+
+<p>Mehrere von Jakob’s eigenen Unterthanen begleiteten ihn oder folgten
+ihm schleunigst nach; die Vornehmsten darunter waren sein Sohn Berwick,
+Cartwright, Bischof von Chester, Powis, Dower und Melfort. Keiner von
+dem ganzen Gefolge war dem großbritannischen Volke so verhaßt als
+Melfort. Er war ein Apostat, Viele hielten ihn für einen nicht
+aufrichtigen Apostaten, und die anmaßende, willkürliche und drohende
+Sprache seiner Staatsschriften war selbst den Jakobiten zuwider. Daher
+war er ein Liebling seines Gebieters, denn in Jakob’s Augen waren
+Unpopularität, Starrsinn und Unversöhnlichkeit die gewichtigsten
+Empfehlungen für einen Staatsmann.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_53" id = "noteXII_53" href = "#tagXII_53">53.</a>
+Maumont’s Instructionen.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_54" id = "noteXII_54" href = "#tagXII_54">54.</a>
+Dangeau vom 15.(25.) und 17.(27.) Febr. 1689; Frau von Sévigné vom
+18.(28.) Febr. und 10. Febr. (2.&nbsp;März); <span class =
+"antiqua">Mémoires de Madame de la Fayette.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wahl eines französischen Gesandten zum Begleiter Jakob’s.</span>
+<a name = "secXII_22" id = "secXII_22">Welcher</a> Franzos den König von
+England in der Eigenschaft eines Gesandten begleiten sollte, war ein
+Gegenstand ernster Berathung zu Versailles gewesen. Barillon konnte ohne
+auffallende Geringschätzung nicht übergangen werden. Aber seine
+Lässigkeit, sein Mangel an Energie und vor Allem die Leichtgläubigkeit,
+mit der er auf Sunderland’s Versicherungen gehört, hatten auf Ludwig
+einen ungünstigen Eindruck gemacht. Was in Irland zu thun war, war keine
+Arbeit für einen Tändler oder Gimpel. Der Geschäftsträger Frankreich’s
+in diesem Lande mußte mehr als den gewöhnlichen Functionen eines
+Gesandten gewachsen sein. Er war berechtigt und verpflichtet, in allen
+Zweigen der politischen und militärischen Verwaltung des Reichs, in
+welchem er den mächtigsten und freigebigsten Bundesgenossen vertreten
+sollte, gute Rathschläge zu geben. Barillon wurde daher übergangen. Er
+stellte sich als ob er seine Ungnade mit Fassung ertrüge. Wenn auch
+seine politische Laufbahn große Calamitäten über das Haus Stuart wie
+über das Haus Bourbon gebracht hatte, so war sie doch keineswegs ohne
+Gewinn für ihn selbst gewesen. Er sagte er sei alt und korpulent, er
+beneide jüngere Männer nicht um
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_31" id = "pageXII_31">
+XII.31</a></span>
+die Ehre, in den irischen Sümpfen von Kartoffeln und Whiskey zu leben,
+er wolle es versuchen, sich mit Rebhühnern, mit Champagner und mit der
+Gesellschaft der geistreichsten Männer und hübschesten Frauen von Paris
+zu trösten. Man sprach jedoch davon, daß er von sehr peinlichen Gefühlen
+gequält werde, die er zu verbergen sich bestrebte; seine Gesundheit und
+sein Frohsinn nahmen mehr und mehr ab und er versuchte es nun, in
+religiösen Übungen Trost zu finden. Manche Leute waren sehr erbaut durch
+die Frömmigkeit des alten Wüstlings; Andere aber schrieben seinen Tod,
+der bald nach seinem Rücktritt aus dem öffentlichen Leben erfolgte, der
+Scham und dem Ärger zu.<a class = "tag" name = "tagXII_55" id =
+"tagXII_55" href = "#noteXII_55">55</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_55" id = "noteXII_55" href = "#tagXII_55">55.</a>
+Memoiren La Fare’s und Saint-Simon’s; Note von Renaudot über die
+englischen Angelegenheiten, 1697, in den französischen Archiven, Frau
+von Sévigné vom 20. Febr. (2.&nbsp;März) und vom 11.(21.) März 1689;
+Brief von Frau von Coulanges an Herrn von Coulanges vom 23. Juli
+1691.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der Graf von Avaux.</span>
+<a name = "secXII_23" id = "secXII_23">Der</a> Graf von Avaux, dessen
+Scharfblick alle Pläne Wilhelm’s durchschaut und der vergebens zu einer
+Politik gerathen hatte, die jene Pläne wahrscheinlich vereitelt haben
+würde, war der Mann, auf den Ludwig’s Wahl fiel. In Bezug auf Talent und
+Befähigung wurde Avaux von keinem der vielen geschickten Diplomaten,
+welche sein Vaterland damals besaß, übertroffen. Sein Benehmen war
+ungemein anziehend, seine persönliche Erscheinung angenehm und sein
+Gemüth sanft und liebreich. Seine Manieren und seine Conversation waren
+die eines Cavaliers, der an dem elegantesten und prächtigsten aller Höfe
+erzogen worden, der diesen Hof sowohl in katholischen wie in
+protestantischen Ländern vertreten und der auf seinen Wanderungen die
+Kunst erlernt hatte, den Ton jeder Gesellschaft zu treffen, in welche
+der Zufall ihn führen mochte. Dabei war er höchst umsichtig und gewandt,
+fruchtbar an Auskunftsmitteln und geschickt in Entdeckung der schwachen
+Seiten eines Characters. Indessen war sein eigner Character nicht frei
+von Schwächen. Der Gedanke von plebejischer Herkunft zu sein, war die
+Qual seines Lebens. Er schmachtete nach dem Adel mit einer eben so
+bedauernswerthen als lächerlichen Sehnsucht. Bei aller seiner
+Geschicklichkeit, Erfahrung und ausgezeichneten Bildung stieg er doch
+zuweilen unter dem Einflusse seines geheimen Grames auf das Niveau von
+Molière’s Jourdain herab und ergötzte boshafte Beobachter durch Scenen,
+welche eben so komisch waren wie die, in der der ehrliche Tuchhändler
+zum Mamamuschi gemacht wird.<a class = "tag" name = "tagXII_56" id =
+"tagXII_56" href = "#noteXII_56">56</a> Es möchte noch sein, wenn dies
+das Schlimmste gewesen wäre. Aber es ist nicht zuviel gesagt, wenn man
+behauptet, daß Avaux von dem Unterschiede zwischen Recht und Unrecht so
+wenig einen Begriff hatte wie ein unvernünftiges Thier. Ein Gefühl
+vertrat bei ihm die Stelle der Religion und Moral: eine abergläubische
+und unduldsame Ergebenheit für die Krone, der er diente. Dieses Gefühl
+durchdringt alle seine Depeschen und leuchtet aus allen seinen Gedanken
+und Worten hervor. Nichts was dem Interesse der französischen Monarchie
+förderlich sein konnte, schien ihm ein Verbrechen. Er hielt es in der
+That für ausgemacht, daß nicht nur die Franzosen, sondern alle Menschen
+dem Hause Bourbon eine natürliche Unterthanentreue schuldeten und daß
+Jeder, der Anstand nehme,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_32" id = "pageXII_32">
+XII.32</a></span>
+das Glück und die Freiheit seines Vaterlandes dem Ruhme dieses Hauses
+aufzuopfern, ein Verräther sei. Während seines Aufenthalts im Haag
+bezeichnete er stets diejenigen Holländer, die sich Frankreich verkauft
+hatten, als den gutgesinnten Theil. In den Briefen, die er aus Irland
+schrieb, tritt das nämliche Gefühl noch stärker hervor. Er würde ein
+noch scharfsichtigerer Staatsmann gewesen sein, wenn er mehr mit den
+unter dem Volke herrschenden Gefühlen von moralischer Billigung und
+Mißbilligung sympathisirt hätte. Denn seine Gleichgültigkeit gegen alle
+Rücksichten der Gerechtigkeit und Nachsicht war so groß, daß er in
+seinen Plänen das Gewissen und das Zartgefühl seiner Mitmenschen
+gänzlich außer Acht ließ. Mehr als einmal empfahl er wissentlich so
+haarsträubende Abscheulichkeiten, daß selbst schlechte Menschen darüber
+empört waren. Es gelang ihnen aber nie, ihm ihre Bedenken nur
+begreiflich zu machen. Alle derartigen Vorstellungen hörte er mit einem
+cynischen Lächeln an und war selbst in Zweifel darüber, ob Die welche
+ihm den Text lasen wirklich solche Thoren waren, für die sie sich
+ausgaben, oder ob sie sich nur so stellten.</p>
+
+<p>Dies war der Mann, den Ludwig zum Begleiter und Aufseher Jakob’s
+erwählte. Avaux war beauftragt, sich womöglich mit den Mißvergnügten im
+englischen Parlament in Verbindung zu setzen, und war ermächtigt,
+nöthigenfalls etwa hunderttausend Kronen unter sie zu vertheilen.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_56" id = "noteXII_56" href = "#tagXII_56">56.</a>
+Siehe Saint-Simon’s Erzählung der List, durch welche Avaux sich in
+Stockholm für einen Ritter des Heiligen-Geistordens auszugeben
+versuchte.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob landet in Kinsale.</span>
+<a name = "secXII_24" id = "secXII_24">Jakob</a> traf am 5. März in
+Brest ein, ging hier an Bord eines Kriegsschiffs, der St. Michael
+genannt, und segelte binnen achtundvierzig Stunden ab. Er hatte indessen
+bis zu seiner Abreise vollauf Zeit einige von den Fehlern zu zeigen,
+durch die er England und Schottland verloren hatte und durch die er auch
+Irland zu verlieren im Begriff stand. Avaux schrieb aus dem Hafen von
+Brest, daß es wohl nicht leicht sein werde, irgend eine wichtige
+Angelegenheit in Gemeinschaft mit dem König von England durchzuführen.
+Se. Majestät sei nicht im Stande ein Geheimniß zu bewahren, denn selbst
+die Matrosen des St. Michael hätten ihn bereits Dinge sagen hören,
+welche nur für die Ohren seiner vertrautesten Freunde hätten aufgespart
+werden sollen.<a class = "tag" name = "tagXII_57" id = "tagXII_57" href
+= "#noteXII_57">57</a></p>
+
+<p>Die Reise ging glücklich und ohne Störung von statten und am
+Nachmittag des 12. März landete Jakob im Hafen von Kinsale. Die
+katholische Bevölkerung empfing ihn mit Äußerungen ungeheuchelter
+Freude, und die wenigen Protestanten, welche in diesem Theile des Landes
+geblieben waren, schlossen sich ihnen, vielleicht ebenfalls nicht
+unaufrichtig, zu seiner Begrüßung an. Denn obgleich ein Feind ihrer
+Religion, war er doch kein Feind ihrer Nation, und sie durften
+vernünftigerweise hoffen, daß auch der schlechteste König etwas mehr
+Achtung vor Gesetz und Eigenthumsrechten zeigen werde als die Merry Boys
+und Rapparees gezeigt hatten. Der Vikar von Kinsale befand sich auch
+unter Denen, die ihm ihre Aufwartung machten; er wurde vom Bischof von
+Chester vorgestellt und nicht unfreundlich aufgenommen.<a class = "tag"
+name = "tagXII_58" id = "tagXII_58" href = "#noteXII_58">58</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_33" id = "pageXII_33">
+XII.33</a></span>
+<p>Jakob erfuhr, daß seine Sache gut stehe. In den drei südlichen
+Provinzen des Landes waren die Protestanten entwaffnet und durch den
+Schrecken so wirksam niedergehalten, daß er von ihrer Seite nichts zu
+fürchten hatte. Im Norden zeigte sich ein Schein von Widerstand; aber
+Hamilton war im Anrücken gegen die Mißvergnügten, und es unterlag kaum
+einem Zweifel, daß sie leicht überwältigt werden würden. Ein Tag ward in
+Kinsale darauf verwendet, die Waffen und Munitionsvorräthe in Sicherheit
+zu bringen; nicht ohne Schwierigkeit verschaffte man sich die zur
+Beförderung einiger Reisenden nöthige Anzahl Pferde, und am 14. März
+brach Jakob nach Cork auf.<a class = "tag" name = "tagXII_59" id =
+"tagXII_59" href = "#noteXII_59">59</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_57" id = "noteXII_57" href = "#tagXII_57">57.</a>
+Dieser Brief befindet sich in den Archiven des französischen
+Ministeriums des Auswärtigen, fehlt aber in dem sehr seltenen Bande, der
+in Downing Street gedruckt wurde.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_58" id = "noteXII_58" href = "#tagXII_58">58.</a>
+<span class = "antiqua">A full and true Account of the Landing and
+Reception of the late King James at Kinsale, in a Letter from Bristol,
+licensed April 4. 1689</span>; <span class = "antiqua">Leslie’s Answer
+to King</span>; <span class = "antiqua">Ireland’s Lamentation</span>;
+Avaux vom 13.(23.) März.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_59" id = "noteXII_59" href = "#tagXII_59">59.</a>
+Avaux vom 13.(23.) März 1689; <span class = "antiqua">Life of James, II.
+327. Orig. Mem.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob’s Einzug in Cork.</span>
+<a name = "secXII_25" id = "secXII_25">Wir</a> würden sehr irren, wenn
+wir glaubten, daß die Straße, durch welche er in diese Stadt einzog, die
+geringste Ähnlichkeit gehabt habe mit dem stattlichen Zugange, der den
+Reisenden des 19. Jahrhunderts mit Bewunderung erfüllt. Gegenwärtig
+nimmt Cork, obwohl noch durch manche häßliche Überbleibsel aus früherer
+Zeit verunziert, unter den Hafenplätzen des Reichs keine geringe Stelle
+ein. Der Schiffsverkehr ist mehr als halb so stark als der
+Schiffsverkehr London’s zur Zeit der Revolution war. Der Ertrag der
+Zölle übersteigt das ganze Einkommen, welches das gesammte Königreich
+Irland in den ruhigsten und blühendsten Zeiten den Stuarts lieferte. Die
+Stadt besitzt breite und schön gebaute Straßen, reizende Gärten, einen
+korinthischen Porticus, der einem Palladio Ehre machen würde, und ein
+gothisches Collegium, das würdig wäre in High Street zu Oxford zu
+stehen. Im Jahre 1689 nahm die Stadt etwa den zehnten Theil der
+Bodenfläche ein, den sie jetzt bedeckt und war von schlammigen
+Wassergräben durchschnitten, welche längst überwölbt und bebaut sind.
+Ein öder Sumpf, in welchem der Jäger, der den Wasservögeln nachstellte,
+bei jedem Schritte tief in Wasser und Schlamm einsank, bedeckte das
+Areal, auf dem jetzt stattliche Gebäude und die Paläste großer
+Handelsgesellschaften stehen. Damals gab es nur eine einzige Straße, in
+der zwei Wagen einander ausweichen konnten. Von dieser Straße gingen zu
+beiden Seiten enge Gäßchen aus, schmutziger und übelriechender als
+selbst Diejenigen sich vorstellen können, die sich ihre Begriffe von
+Elend nach den ärmlichsten Theilen der Stadtviertel St. Giles und
+Whitechapel gebildet haben. Eines dieser Gäßchen, das vergleichsweise
+nicht mit Unrecht Broad Lane genannt wird, ist zehn Fuß breit. Aus
+diesen Straßen, gegenwärtig Sitzen von Hunger und Krankheit, die man der
+Hefe der Gesellschaft überlassen hat, strömten die Bürger herbei, um
+Jakob zu bewillkommnen. Er wurde von Macarthy, der in Munster das
+Obercommando führte, mit militärischen Ehren empfangen.</p>
+
+<p>Es war dem Könige unmöglich, sofort nach Dublin weiter zu reisen,
+denn die südlichen Grafschaften waren durch das Gesindel, welches die
+Priester zu den Waffen gerufen hatten, so vollständig verwüstet, daß die
+Transportmittel nicht leicht zu beschaffen waren. Pferde waren eine
+Seltenheit geworden; in einem großen Districte gab es nur zwei Wagen und
+diese erklärte Avaux für unbrauchbar. Es dauerte mehrere Tage, bis das
+von Frankreich mitgebrachte Geld, obwohl eben keine so ungeheure Masse,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_34" id = "pageXII_34">
+XII.34</a></span>
+die paar Meilen Wegs, welche Cork von Kinsale trennten, mühsam
+transportirt werden konnte.<a class = "tag" name = "tagXII_60" id =
+"tagXII_60" href = "#noteXII_60">60</a></p>
+
+<p>Während der König und sein Kriegsrath sich bemühten, Wagen und Pferde
+aufzutreiben, kam Tyrconnel von Dublin an. Seine Berichte lauteten
+ermuthigend. Den Widerstand Enniskillen’s scheint er für kaum der
+Beachtung werth gehalten zu haben. Londonderry, sagte er, sei der
+einzige wichtige Punkt, den die Protestanten im Besitz hätten, und
+selbst Londonderry werde sich seiner Ansicht nach nur wenige Tage halten
+können.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_60" id = "noteXII_60" href = "#tagXII_60">60.</a>
+Avaux vom 15.(25.) März 1689.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Reise Jakob’s von Cork nach Dublin.</span>
+<a name = "secXII_26" id = "secXII_26">Endlich</a> war Jakob im Stande
+sich von Cork nach der Hauptstadt zu begeben. Unterwegs machte der kluge
+und wachsame Avaux mancherlei Bemerkungen. Zuerst ging die Reise durch
+wildes Hochland, wo man sich nicht wundern durfte, nur wenige Spuren von
+Kunst und Industrie zu finden. Von Kilkenny aber bis vor die Thore von
+Dublin führte der Weg durch eine wellenförmige Ebene mit reicher
+natürlicher Vegetation. Dieser fruchtbare Distrikt hätte mit
+Viehheerden, mit Gemüsegärten und mit Kornfeldern bedeckt sein sollen,
+war aber eine unbebaute und unbevölkerte Wüste. Selbst in den Städten
+gab es nur wenig Handwerker. Manufacte waren kaum zu sehen, und wo sich
+solche fanden, waren sie nur zu enormen Preisen zu erlangen.<a class =
+"tag" name = "tagXII_61" id = "tagXII_61" href = "#noteXII_61">61</a>
+Dies Alles kam daher, weil die meisten englischen Einwohner geflüchtet
+und Kunst, Industrie und Kapital mit ihnen gegangen waren.</p>
+
+<p>Jakob erhielt auf seiner Reise vielfache Beweise von der
+Bereitwilligkeit des Landvolks, aber es waren Beweise, welche Männern,
+die an den Höfen Frankreich’s und England’s erzogen waren, sonderbar und
+unheilverkündend vorkommen mußten. Auf den Feldern sah man wenig
+Arbeiter; auf der Landstraße aber wimmelte es von mit Skeans, Knütteln
+und Halbpiken bewaffneten Rapparees, welche herbeiströmten, um den
+Befreier ihres Stammes zu sehen. Die Straße hatte ungefähr das Aussehen,
+als ob ein Jahrmarkt auf derselben gehalten würde. Spielleute kamen
+herbei und musicirten vor ihm in einer Weise, die sich stark von der der
+französischen Oper unterschied, und die Dorfbewohner führten nach dieser
+Musik wilde Tänze auf. Lange Friesmäntel, ähnlich denen, welche Spenser
+hundert Jahre früher als zu Lagerdecken für Rebellen und zu Mänteln für
+Diebe geeignet beschrieben hatte, waren auf den Weg gebreitet, den die
+Cavalcade ziehen mußte, und Kränze, in denen Krautstrünke die Stelle der
+Lorbeern vertraten, wurden der königlichen Hand dargereicht. Die Weiber
+wollten durchaus Se. Majestät küssen; aber sie müssen wenig Ähnlichkeit
+mit ihren heutigen Nachkommen gehabt haben, denn diese Aufmerksamkeit
+war ihm so widerlich, daß er seinem Gefolge befahl, sie in gemessener
+Entfernung zu halten.<a class = "tag" name = "tagXII_62" id =
+"tagXII_62" href = "#noteXII_62">62</a></p>
+
+<p>Am 24. März zog er in Dublin ein. Diese Stadt war damals nach Umfang
+und Einwohnerzahl die zweite auf den britischen Inseln. Sie bestand aus
+sechs- bis siebentausend Häusern und hatte wahrscheinlich über
+dreißigtausend Einwohner.<a class = "tag" name = "tagXII_63" id =
+"tagXII_63" href = "#noteXII_63">63</a> An Wohlstand und Schönheit stand
+jedoch
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_35" id = "pageXII_35">
+XII.35</a></span>
+Dublin vielen englischen Städten nach. Von den eleganten und prächtigen
+Gebäuden, welche gegenwärtig beide Seiten des Liffey zieren, war damals
+noch kaum eines nur projectirt. Die Universität, ein Gebäude, das ganz
+anders aussah als das, welches sich jetzt auf der nämlichen Stelle
+erhebt, lag völlig außerhalb der Stadt.<a class = "tag" name =
+"tagXII_64" id = "tagXII_64" href = "#noteXII_64">64</a> Der
+Flächenraum, den jetzt Leinster House und Charlemont House, Sackville
+Street und Merrion Square einnehmen, war eine unbebaute Wiese. Die
+meisten Wohnhäuser waren von Holz und haben längst massiveren Gebäuden
+Platz gemacht. Das Schloß war 1686 fast unbewohnbar gewesen. Clarendon
+hatte sich bitter beklagt, daß er keinen Gentleman in Pall Mall kenne,
+der nicht eine bequemere und freundlichere Wohnung habe, als der
+Vicekönig von Irland. Keine öffentliche Ceremonie könne unter dem
+viceköniglichen Dache auf anständige Weise abgehalten werden. Obgleich
+fortwährend neue Glasscheiben und Ziegel eingesetzt würden, dringe der
+Regen doch beständig in die Zimmer.<a class = "tag" name = "tagXII_65"
+id = "tagXII_65" href = "#noteXII_65">65</a> Tyrconnel hatte, seit er
+Vicekönig war, ein etwas bequemeres neues Gebäude aufführen lassen. Nach
+diesem Gebäude wurde der König mit festlichem Gepränge durch den
+südlichen Theil der Stadt geführt. Man hatte Alles aufgeboten, um dem
+Stadttheile, durch den er kommen mußte, einen festlichen und glänzenden
+Anstrich zu geben. Die gewöhnlich mit tiefem Koth bedeckten Straßen
+waren mit Sand und mit Zweigen und Blumen bestreut. Draperien und
+Teppiche hingen aus den Fenstern Derer, welche die Mittel zu solchem
+Luxus besaßen. Die Ärmeren ersetzten die kostbaren Stoffe durch
+Betttücher und Überzüge. Hier stand ein Trupp Mönche mit einem Kruzifix,
+dort eine Schaar von vierzig weißgekleideten Mädchen mit
+Blumensträußern, Stadtpfeifer und Harfner spielten die Melodie des
+Liedes: <span class = "antiqua">„The King shall enjoy his own
+again.“</span> Der Vicekönig trug das Staatsschwert vor seinem Gebieter
+her. Die Richter, die Herolde, der Lord Mayor und die Aldermen
+erschienen in dem ganzen Pomp ihrer Amtswürde. Zu beiden Seiten waren
+Soldaten aufgestellt, um die Passage frei zu halten. Eine Reihe von
+zwanzig Karossen, welche öffentlichen Beamten gehörten, folgte dem Zuge.
+Vor dem Eingange ins Schloß kam dem Könige die Hostie unter einem von
+vier Bischöfen seiner Kirche getragenen Baldachin entgegen. Als er
+derselben ansichtig wurde, kniete er nieder und betete eine Weile. Dann
+erhob er sich wieder und ward in die Kapelle seines Palastes geführt,
+einst &mdash; so sonderbar ist der Wechsel alles Irdischen &mdash; die
+Reitbahn Heinrich Cromwell’s. Hier wurde zur Feier der Ankunft Sr.
+Majestät ein Te Deum abgehalten. Am folgenden Morgen hielt er eine
+Geheimrathssitzung, entband den Oberrichter Keating von jedem ferneren
+Besuche des Staatsraths, ließ Avaux und den Bischof Cartwright
+vereidigen und erließ eine Proklamation, welche auf den 7. Mai ein
+Parlament nach Dublin berief.<a class = "tag" name = "tagXII_66" id =
+"tagXII_66" href = "#noteXII_66">66</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_61" id = "noteXII_61" href = "#tagXII_61">61.</a>
+Avaux, 25. März (4. April) 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_62" id = "noteXII_62" href = "#tagXII_62">62.</a>
+<span class = "antiqua">A full and true Account of the Landing and
+Reception of the late King James</span>; <span class =
+"antiqua">Ireland’s Lamentation</span>; <span class = "antiqua">Light to
+the Blind.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_63" id = "noteXII_63" href = "#tagXII_63">63.</a>
+Siehe die Berechnungen Petty’s, King’s und Davenant’s. Wenn die
+durchschnittliche Zahl der Bewohner eines Hauses in Dublin die nämliche
+war wie in London, so würde die Bevölkerung von Dublin sich auf etwa
+vierunddreißigtausend Seelen belaufen haben.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_64" id = "noteXII_64" href = "#tagXII_64">64.</a>
+Johann Dunton spricht von College Green bei Dublin. Ich habe Briefe aus
+jener Zeit gesehen, die nach dem Collegium <span class =
+"extended">bei</span> Dublin adressirt waren. Im Britischen Museum
+befinden sich einige interessante alte Pläne von Dublin.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_65" id = "noteXII_65" href = "#tagXII_65">65.</a>
+Clarendon an Rochester, 8. Febr. 1685/86, 20. April, 12. August und 30.
+November 1686.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_66" id = "noteXII_66" href = "#tagXII_66">66.</a>
+<span class = "antiqua">Clarke’s Life of James, II. 330.</span>; <span
+class = "antiqua">Full and True Account of the Landing and Reception
+etc.</span>; <span class = "antiqua">Ireland’s Lamentation.</span></p>
+</div>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_36" id = "pageXII_36">
+XII.36</a></span>
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Unzufriedenheit in England.</span>
+<a name = "secXII_27" id = "secXII_27">Als</a> die Nachricht von Jakob’s
+Ankunft in Irland in London eintraf, war die Angst und Bestürzung groß
+und mit ernster Unzufriedenheit gemischt. Der große Haufe, der den
+Schwierigkeiten, welche Wilhelm von allen Seiten umgaben, nicht
+hinreichend Rechnung trug, tadelte laut seine Sorglosigkeit. Allen
+Schmähungen der Unwissenden und Böswilligen setzte er, seiner Gewohnheit
+nach, nur eine unerschütterlich ernste Ruhe und das Stillschweigen der
+tiefsten Verachtung entgegen. Aber Wenige waren von der Natur mit einem
+so festen Character begabt wie der seinige und noch Wenigere hatten eine
+so lange und so harte Schule durchgemacht. Die Vorwürfe, welche seine
+von Jugend auf durch beide Extreme des Geschicks geprüfte Seelenstärke
+nicht zu erschüttern vermochten, schlugen einem weniger entschlossenen
+Herzen eine tiefe Wunde.</p>
+
+<p>Während alle Kaffeehausclubs einstimmig erklärten, daß schon längst
+eine Flotte und eine Armee hätten nach Dublin geschickt werden sollen,
+und sich wunderten, wie ein so berühmter Staatsmann wie Se. Majestät
+sich von einem Hamilton und Tyrconnel habe täuschen lassen können, ging
+ein Gentleman zur Wassertreppe des Temple, rief ein Boot herbei und
+befahl, ihn nach Greenwich zu fahren. Er nahm ein Briefcouvert aus der
+Tasche, schrieb mit Bleistift einige Zeilen darauf und legte das Papier
+nebst einem Silberstück als Fahrlohn auf die Bank. Als das Boot durch
+den dunklen Mittelbogen der London-Brücke fuhr, sprang er in’s Wasser
+und verschwand. Er hatte auf das Couvert die Worte geschrieben: „Meine
+Thorheit, etwas zu unternehmen, was ich nicht durchführen konnte, hat
+dem Könige großen Schaden gebracht, der nicht mehr gut zu machen ist.
+&mdash; Es giebt keinen bequemeren Weg für mich als diesen. &mdash; Möge
+er in seinen Unternehmungen glücklich sein. &mdash; Möge der Himmel ihm
+seinen Segen geben.“ Die Zeilen hatten keine Unterschrift, aber der
+Leichnam wurde bald gefunden und als der Johann Temple’s erkannt. Er war
+jung und hochgebildet, war der Erbe eines angesehenen Namens, besaß eine
+liebenswürdige Gattin und ein großes Vermögen und die höchsten
+Staatsämter standen ihm offen. Das Publikum scheint überhaupt gar nicht
+gewußt zu haben, in welchem Umfange er für die Politik verantwortlich
+war, die der Regierung so viel Tadel zugezogen hatte. So streng der
+König auch war, besaß er doch ein viel zu edles Herz, als daß er einen
+Irrthum als ein Verbrechen hätte behandeln können. Er hatte den
+unglücklichen jungen Mann eben zum Kriegssekretär ernannt und seine
+Bestallung war in der Ausfertigung begriffen. Es ist nicht
+unwahrscheinlich, daß gerade die kalte Großmuth des Gebieters die Reue
+des Dieners unerträglich machte.<a class = "tag" name = "tagXII_67" id =
+"tagXII_67" href = "#noteXII_67">67</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_67" id = "noteXII_67" href = "#tagXII_67">67.</a>
+<span class = "antiqua">Clarendon’s Diary</span>; <span class =
+"antiqua">Reresby’s Memoirs</span>; <span class = "antiqua">Narcissus
+Luttrell’s Diary.</span> Ich habe mich in Bezug auf Temple’s letzte
+Worte an die Angabe Luttrell’s gehalten. Sie stimmt im Wesentlichen mit
+der Clarendon’s überein, hat aber mehr von der bei einer solchen
+Gelegenheit sehr natürlichen Hast. Wenn irgend etwas ein so tragisches
+Ereigniß lächerlich machen konnte, so waren es die Wehklagen des
+Verfassers der „Londeriade“:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>Dem Freunde sendet einen Brief der arme Knab’</p>
+<p>und springt verzweifelnd in der Themse feuchtes Grab.</p>
+</div>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Parteispaltungen im Dubliner Schlosse.</span>
+<a name = "secXII_28" id = "secXII_28">Doch</a> so groß auch die
+Unannehmlichkeiten waren, mit denen Wilhelm zu kämpfen hatte, diejenigen
+durch welche der Gleichmuth seines Schwiegervaters damals geprüft wurde,
+waren noch größer. Kein Hof in Europa war von mehr
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_37" id = "pageXII_37">
+XII.37</a></span>
+Hader und Intriguen zerrissen als solche innerhalb der Mauern des
+Dubliner Schlosses zu finden waren. Die zahlreichen kleinen Cabalen,
+welche ihren Ursprung in der Habgier, der Eifersucht und der
+Böswilligkeit Einzelner hatten, sind kaum der Erwähnung werth. Aber es
+bestand eine Ursache zu Zwiespalt, welche zu wenig beachtet worden ist
+und durch die sich Vieles erklären läßt, was in der Geschichte der
+damaligen Zeiten für räthselhaft gehalten wurde.</p>
+
+<p>Der englische Jakobitismus und der irische Jakobitismus hatten nichts
+mit einander gemein; der englische Jakobit war von hoher Begeisterung
+für das Haus Stuart beseelt, und in seinem Eifer für die Interessen
+dieses Hauses vergaß er nur zu oft die Interessen des Staats. Sieg,
+Frieden und Wohlstand erschienen dem unerschütterlichen Eidverweigerer
+als Übel, wenn sie darauf hinzielten, die Usurpation populär und
+permanent zu machen. Niederlage, Staatsbankerott, Hungersnoth und
+Invasion waren in seinen Augen öffentliche Wohlthaten, wenn sie die
+Aussicht auf eine Restauration vermehrten. Er würde lieber sein
+Vaterland als die letzte der Nationen unter Jakob II. oder Jakob III.
+gesehen haben, denn als den Beherrscher der Meere, den Schiedsrichter
+zwischen verfeindeten Potentaten, den Sitz der Künste und den
+Bienenstock der Industrie unter einem Prinzen des Hauses Nassau oder
+Braunschweig.</p>
+
+<p>Die Gesinnungen des irischen Jakobiten waren ganz andrer, und man muß
+es offen gestehen, edlerer Art. Die gestürzte Dynastie galt ihm nichts.
+Es war ihm nicht, wie dem Cavalier von Cheshire oder Shropshire, von der
+Wiege an gelehrt worden, treue Anhänglichkeit an jene Dynastie als die
+erste Pflicht eines Christen und eines Edelmannes zu betrachten. Alle
+seine Familientraditionen, alle Lehren, die er von seiner Amme und von
+seinen Priestern empfangen, hatten eine ganz andre Tendenz gehabt. Er
+war dazu angehalten worden, die fremden Beherrscher seines Vaterlandes
+mit dem Gefühle zu betrachten, mit dem der Jude Caesar, der Schotte
+Eduard I., der Castilianer Joseph Bonaparte, der Pole den russischen
+Autokraten betrachtet. Der hochadelige Milesier bildete sich etwas
+darauf ein, daß vom 12. bis zum 17. Jahrhundert jede Generation seiner
+Familie gegen die englische Krone unter Waffen gestanden hatte. Seine
+ältesten Ahnen hatten gegen Fitzstephen und De Burgh gekämpft, sein
+Urgroßvater hatte die Soldaten Elisabeth’s in der Schlacht am Blackwater
+geschlagen. Sein Großvater hatte mit O’Donnel gegen Jakob I. conspirirt.
+Sein Vater hatte unter Phelim O’Neil gegen Karl I. gefochten. Die
+Confiscation des Familiengutes war durch eine Acte Karl’s II. bestätigt
+worden. Kein Puritaner, der von Laud vor die Hohe Commission citirt
+worden war, der unter Cromwell bei Naseby gekämpft, der kraft der
+Conventikelacte verfolgt worden war und der sich wegen seiner
+Betheiligung an dem Ryehousecomplot hatte verbergen müssen, war dem
+Hause Stuart weniger zugethan als die O’Hara und die Macmahon, von deren
+Unterstützung das Schicksal dieses Hauses jetzt abzuhängen schien.</p>
+
+<p>Der feststehende Vorsatz dieser Männer war, das fremde Joch
+abzuschütteln, die sächsische Ansiedelung zu vertilgen, die
+protestantische Kirche zu zerstören und den Boden seinen früheren
+Eigenthümern zurückzugeben. Um diese Zwecke zu erreichen, würden sie
+sich ohne das mindeste Bedenken gegen Jakob erhoben haben, und um diese
+Zwecke zu erreichen, erhoben sie sich für ihn. Die irischen Jakobiten
+wünschten daher keineswegs, daß er wieder in Whitehall regieren möchte,
+denn sie mußten nothwendig einsehen,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_38" id = "pageXII_38">
+XII.38</a></span>
+daß ein Beherrscher von Irland, der zugleich Beherrscher von England
+war, die Verwaltung des kleinen und ärmeren Königreichs nicht lange
+würde in directem Widerspruch mit der Gesinnung des größeren und
+reicheren leiten wollen, und, wenn er auch gewollt hätte, nicht würde
+leiten können. Ihr eigentlicher Wunsch war, daß beide Kronen völlig
+getrennt werden und daß ihre Insel, ob unter Jakob oder ohne Jakob
+kümmerte sie wenig, einen abgesonderten Staat unter dem mächtigen
+Schutze Frankreich’s bilden möchte.</p>
+
+<p>Während eine Partei im Staatsrathe zu Dublin Jakob als ein bloßes
+Werkzeug zur Durchführung der Befreiung Irland’s betrachtete,
+betrachtete eine andre Partei Irland als ein bloßes Werkzeug zur
+Herbeiführung der Restauration Jakob’s. In den Augen der englischen und
+schottischen Lords und Gentlemen, die ihn von Brest aus begleitet
+hatten, war die Insel, auf der sie gegenwärtig weilten, nichts als eine
+Brücke, auf der sie nach Großbritannien zu gelangen hofften. Sie waren
+noch ebensosehr Verbannte, als sie es in Saint-Germains gewesen, und sie
+hielten sogar Saint-Germains für einen viel angenehmeren Verbannungsort
+als das Dubliner Schloß. Sie sympathisirten nicht mit der eingebornen
+Bevölkerung der entlegenen und halb barbarischen Region, in die ein
+sonderbarer Zufall sie geführt. Ja sie waren sogar durch gemeinsame
+Abkunft wie durch gemeinsame Sprache mit der Colonie verbunden, deren
+Ausrottung der Hauptzweck der eingebornen Bevölkerung war. Sie hatten in
+der That, wie die große Masse ihrer Landsleute, die eingebornen Irländer
+mit höchst ungerechter Verachtung angesehen, weil sie sie als den
+anderen europäischen Nationen nicht nur an erworbenen Kenntnissen,
+sondern auch an natürlicher Intelligenz und natürlichem Muth
+nachstehend, kurz als geborne Gibeoniten betrachteten, gegen die man
+sich sehr liberal gezeigt, indem man ihnen erlaubt hatte, für ein
+klügeres und mächtigeres Volk Holz zu hauen und Wasser zu tragen. Diese
+Politiker meinten auch &mdash; und darin hatten sie unzweifelhaft Recht
+&mdash; daß, wenn es der Endzweck ihres Gebieters sei, den englischen
+Thron wieder zu erlangen, es Wahnsinn von ihm sein würde, sich der
+Führung der O und der Mac zu überlassen, welche England mit tödtlicher
+Feindschaft betrachteten. Ein Gesetz, das die irische Krone für
+unabhängig erklärte, ein Gesetz, das Mitren, Kirchengüter und Zehnten
+von der protestantischen auf die katholische Kirche übertrug, ein
+Gesetz, das zehn Millionen Acker Land von den Sachsen auf die Celten
+übertrug, würde, in Clare und Tipperary ohne Zweifel mit lautem Beifall
+aufgenommen werden. Aber welchen Eindruck würden diese Gesetze in
+Westminster, welchen in Oxford gemacht haben? Es wäre eine traurige
+Politik gewesen, sich Männer wie Clarendon und Beaufort, Ken und
+Sherlock zu entfremden, um den Beifall der Rapparees vom Allen-Moor zu
+erlangen.<a class = "tag" name = "tagXII_68" id = "tagXII_68" href =
+"#noteXII_68">68</a></p>
+
+<p>So lagen die englischen und irischen Factionen im Rathe zu Dublin in
+einem Streite, der keine gütliche Beilegung zuließ. Avaux betrachtete
+inzwischen diesen Streit aus einem ihm ganz eigenthümlichen
+Gesichtspunkte. Sein Ziel war weder die Emancipation Irland’s, noch die
+Wiedereinsetzung
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_39" id = "pageXII_39">
+XII.39</a></span>
+Jakob’s, sondern die Größe der französischen Monarchie. Auf welchem Wege
+dieses Ziel am besten erreicht werden konnte, war allerdings ein sehr
+schwieriges Problem. Ein französischer Staatsmann mußte unzweifelhaft
+eine Contrerevolution in England wünschen. Eine solche Contrerevolution
+mußte nothwendig zur Folge haben, daß die Macht, welche Frankreich’s
+furchtbarster Feind war, sein treuester Bundesgenosse wurde, daß Wilhelm
+zur Bedeutungslosigkeit herabsank und daß die europäische Coalition,
+deren Haupt er war, sich auflöste. Aber welche Aussicht war auf eine
+solche Contrerevolution? Die englischen Verbannten hofften allerdings,
+wie alle Verbannten, zuversichtlich auf eine baldige Rückkehr in ihr
+Vaterland. Jakob rühmte sich laut, daß seine Unterthanen jenseit des
+Kanals, obgleich durch die verführerischen Worte Religion, Freiheit und
+Eigenthum auf einen Augenblick irre geleitet, ihm im Grunde aufrichtig
+zugethan seien und sich um ihn schaaren würden, sobald er in ihrer Mitte
+erschiene. Aber der kluge Gesandte bemühte sich vergebens, einen
+haltbaren Grund für diese Hoffnungen zu entdecken. Er wußte gewiß, daß
+sie sich nicht auf eine aus irgend welchem Theile Großbritanniens
+angelangte Nachricht stützten und er betrachtete sie lediglich als
+Träume eines schwachen Geistes. Er hielt es für unwahrscheinlich, daß
+der Usurpator, dessen Talent und Entschlossenheit er während eines
+zehnjährigen ununterbrochenen Kampfes würdigen gelernt hatte, sich den
+durch so gewaltige Anstrengungen und durch so gelehrte Combinationen
+errungenen großen Preis leicht wieder werde entreißen lassen. Es mußte
+daher erwogen werden, welches Arrangement für Frankreich am
+vortheilhaftesten sein würde, im Fall es sich als unmöglich
+herausstellte, Wilhelm aus England zu vertreiben. Und es lag auf der
+Hand, daß, wenn Wilhelm nicht aus England vertrieben werden konnte, das
+für Frankreich vortheilhafteste Arrangement das sein mußte, welches man
+anderthalb Jahre früher, als Jakob keine Aussicht auf einen männlichen
+Erben hatte, im Sinne gehabt. Irland mußte von der englischen Krone
+losgetrennt, von den englischen Colonisten gesäubert, wieder mit der
+römischen Kirche vereinigt, unter den Schutz des Hauses Bourbon gestellt
+und in allen Beziehungen, den Namen ausgenommen, zu einer französischen
+Provinz gemacht werden. Im Kriege standen dann seine Hülfsquellen seinem
+Schutzherrn zur unumschränkten Verfügung; es lieferte seinem Heere
+Rekruten, bot seiner Flotte schöne Häfen dar, welche alle großen
+westlichen Kanäle des englischen Handels beherrschten, und die starke
+nationale und religiöse Antipathie, mit der seine eingeborne Bevölkerung
+die Bewohner der Nachbarinsel betrachtete, war eine hinreichende
+Garantie für ihre Treue gegen die Regierung, welche allein sie gegen die
+Sachsen schützen konnte.</p>
+
+<p>Im Ganzen genommen schien es daher Avaux, daß von den beiden
+Parteien, in welche der Dubliner Geheimrath gespalten war, die irische
+Partei diejenige sei, welche zu unterstützen im Interesse Frankreich’s
+lag. In Folge dessen verband er sich innig mit den Häuptern dieser
+Partei, erlangte von ihnen die vollständigsten Aufschlüsse über Alles
+was sie beabsichtigten, und war bald im Stande seiner Regierung zu
+berichten, daß die Gentry sowohl als das gemeine Volk durchaus nicht
+abgeneigt seien, französisch zu werden.<a class = "tag" name =
+"tagXII_69" id = "tagXII_69" href = "#noteXII_69">69</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_40" id = "pageXII_40">
+XII.40</a></span>
+<p>Die Ansichten Louvois’, unstreitig des größten Staatsmannes, den
+Frankreich seit Richelieu hervorgebracht hatte, scheinen mit denen
+Avaux’ völlig übereingestimmt zu haben. Das Beste, schrieb Louvois, was
+König Jakob thun könne, sei, zu vergessen, daß er in Großbritannien
+regiert habe, und nur daran zu denken, Irland in eine gute Verfassung zu
+bringen und sich darin festzusetzen. Ob dies das wirkliche Interesse des
+Hauses Stuart war, darf wohl bezweifelt werden; jedenfalls aber war es
+das wirkliche Interesse des Hauses Bourbon.<a class = "tag" name =
+"tagXII_70" id = "tagXII_70" href = "#noteXII_70">70</a></p>
+
+<p>Über die schottischen und englischen Verbannten, und besonders über
+Melfort, ließ sich Avaux beständig mit einer Schärfe aus, die man von
+einem so einsichtsvollen und erfahrenen Manne kaum hätte erwarten
+sollen. Melfort befand sich in einer eigenthümlich unglücklichen Lage.
+Er war ein Renegat, er war ein Todfeind der Freiheiten seines
+Vaterlandes, er besaß einen schlechten und tyrannischen Character, und
+doch war er in gewissem Sinne ein Patriot. Die Folge davon war, daß er
+allgemeiner verabscheut wurde als irgend einer seiner Zeitgenossen. Denn
+während sein Abfall und seine Willkürherrschaftsmaximen ihn zum
+Gegenstande des Abscheus für England und Schottland machten, wurde er
+wegen seiner ängstlichen Sorge für das Ansehen und die Integrität des
+Reichs auch von den Irländern und Franzosen verabscheut.</p>
+
+<p>Die erste zu entscheidende Frage war, ob Jakob in Dublin bleiben,
+oder ob er sich an die Spitze seiner Armee in Ulster stellen sollte.
+Über diese Frage geriethen die irischen und die britischen Factionen
+hart aneinander. Auf beiden Seiten wurden Gründe von keinem besonderen
+Gewicht geltend gemacht, denn keine der beiden Parteien wagte es, sich
+unumwunden darüber auszusprechen. Der eigentliche streitige Punkt war,
+ob der König in irischen oder in britischen Händen sein sollte. Blieb er
+in Dublin, so war es ihm kaum möglich, irgend einer Bill, die ihm von
+dem Parlament, welches er dahin berufen, vorgelegt wurde, seine
+Zustimmung zu verweigern. Er war dann gezwungen, unschuldige
+protestantische Gentlemen und Geistliche zu Hunderten zu berauben,
+vielleicht gar zu verurtheilen, und dadurch mußte er seiner Sache
+jenseit des St. Georgkanals nicht wieder gut zu machenden Schaden thun.
+Begab er sich hingegen nach Ulster, so war er nur wenige Segelstunden
+von Großbritannien entfernt. Sobald Londonderry gefallen war, und man
+war allgemein der Ansicht, daß es sich nicht lange werde halten können,
+konnte er sich mit einem Theile seiner Truppen einschiffen und in
+Schottland landen, wo seine Freunde für zahlreich gehalten wurden. War
+er aber einmal auf britischem Boden und unter britischen Anhängern, so
+lag es nicht mehr in der Macht der Engländer, seine Zustimmung zu ihren
+Beraubungs- und Racheplänen zu erzwingen.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_68" id = "noteXII_68" href = "#tagXII_68">68.</a>
+Ein interessanter Brief vom Bischof Maloney an den Bischof Tyrrel, den
+man im Anhange zu King’s <span class = "antiqua">State of the
+Protestants</span> findet, bringt viel Licht in den Streit zwischen
+englischen und irischen Parteien in Jakob’s Geheimen Rathe.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_69" id = "noteXII_69" href = "#tagXII_69">69.</a>
+Avaux, 25. März (4. April), 13.(23.) April 1689. Ich habe mir jedoch
+weniger aus einem einzelnen Briefe als aus der ganzen Tendenz und dem
+ganzen Geiste der Correspondenz Avaux’ meine Ansicht über seine Pläne
+gebildet.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_70" id = "noteXII_70" href = "#tagXII_70">70.</a>
+<span class = "antiqua">„Il faut donc, oubliant qu’il a esté Roy
+d’Angleterre et d’Ecosse, ne penser qu’à ce qui peut bonifier l’Irlande,
+et luy faciliter les moyens d’y subsister.“</span> Louvois an
+Avaux.&nbsp;3.(13.) Juni 1689.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob beschließt nach Ulster zu gehen.</span>
+<a name = "secXII_29" id = "secXII_29">Die</a> Debatten im Staatsrathe
+waren lang und heiß. Tyrconnel, der eben zum Herzog erhoben worden war,
+rieth seinem Gebieter in Dublin zu bleiben. Melfort drang in Se.
+Majestät, daß er nach Ulster gehen solle. Avaux bot seinen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_41" id = "pageXII_41">
+XII.41</a></span>
+ganzen Einfluß zur Unterstützung Tyrconnel’s auf; aber Jakob, dessen
+persönliche Neigung natürlich für die britische Seite der Frage war,
+beschloß dem Rathe Melfort’s zu folgen.<a class = "tag" name =
+"tagXII_71" id = "tagXII_71" href = "#noteXII_71">71</a> Avaux fühlte
+sich tief gekränkt. In seinen officiellen Schreiben drückte er mit
+großer Bitterkeit seine Verachtung des Characters und des Verstandes des
+Königs aus. Über Tyrconnel, welcher gesagt hatte, er verzweifle an dem
+Glückssterne Jakob’s und die eigentliche Frage schwebe zwischen dem
+Könige von Frankreich und dem Prinzen von Oranien, sprach sich der
+Gesandte in Worten aus, die ein warmes Lob sein sollten, aber vielleicht
+mit mehr Recht ein Tadel genannt werden dürften. „Wenn er ein Franzose
+wäre, könnte er keinen größeren Eifer für die Interessen Frankreich’s an
+den Tag legen.“<a class = "tag" name = "tagXII_72" id = "tagXII_72" href
+= "#noteXII_72">72</a> Dagegen wurde Melfort’s Benehmen mit einem Tadel
+bedacht, der einem Lobspruche sehr ähnlich steht: „Er ist weder ein
+guter Irländer, noch ein guter Franzos. Alle seine Neigungen
+concentriren sich auf sein Vaterland.“<a class = "tag" name =
+"tagXII_73" id = "tagXII_73" href = "#noteXII_73">73</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_71" id = "noteXII_71" href = "#tagXII_71">71.</a>
+Siehe die Depeschen Avaux’ vom April 1689; <span class = "antiqua">Light
+to the Blind.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_72" id = "noteXII_72" href = "#tagXII_72">72.</a>
+Avaux, 6.(16.) April 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_73" id = "noteXII_73" href = "#tagXII_73">73.</a>
+Avaux, 8.(18.) Mai 1689.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob’s Reise nach Ulster.</span>
+<a name = "secXII_30" id = "secXII_30">Da</a> der König nun einmal
+beschlossen hatte, nach dem Norden zu gehen, so hielt Avaux es nicht für
+gerathen zurückzubleiben. Die königliche Reisegesellschaft brach auf,
+Tyrconnel in Dublin zurücklassend, und kam am 13. April in Charlemont
+an. Es war eine sonderbare Reise. Längs des ganzen Weges war das Land
+von der betriebsamen Bevölkerung verlassen und durch Räuberbanden
+verwüstet. „Es ist als wenn man durch die Wüsten Arabiens reiste,“ sagte
+einer der französischen Offiziere.<a class = "tag" name = "tagXII_74" id
+= "tagXII_74" href = "#noteXII_74">74</a> Was die Colonisten nur irgend
+hatten fortbringen können, befand sich in Londonderry oder Enniskillen.
+Das Übrige war gestohlen oder vernichtet. Avaux schrieb seinem Hofe, daß
+er mehrere Meilen weit nach Heu für seine Pferde habe schicken müssen.
+Kein Landmann wagte es, etwas zum Verkauf zu bringen, aus Furcht daß es
+ihm unterwegs von einem Herumstreicher abgenommen werden möchte. Einmal
+mußte der Gesandte die Nacht in einer elenden Schenkstube voll
+rauchender Soldaten, ein andermal in einem demolirten Hause ohne Fenster
+oder Läden zum Schutze gegen den Regen zubringen. In Charlemont erlangte
+man mit großer Mühe und nur durch besondere Gunst einen Sack Hafermehl
+für die französische Gesandtschaft. Weizenbrot gab es nur auf der Tafel
+des Königs, der ein wenig Mehl von Dublin mitgenommen und dem Avaux
+einen Diener geliehen hatte, welcher das Backen verstand. Wer die Ehre
+hatte, zur königlichen Tafel geladen zu werden, bekam Brot und Wein
+zugemessen. Jeder Andre, so vornehm er immer sein mochte, aß Haferbrot
+und trank Wasser oder ein abscheuliches Bier, das aus Hafer, anstatt aus
+Gerste gebraut und mit einem namenlosen Kraute an Stelle des Hopfens
+gewürzt war.<a class = "tag" name = "tagXII_75" id = "tagXII_75" href =
+"#noteXII_75">75</a> Und die Fama sagte, daß die Gegend zwischen
+Charlemont und Strabane noch verödeter sein sollte als die Gegend
+zwischen Dublin und Charlemont. Es war unmöglich, einen großen Vorrath
+von Proviant mit sich zu führen. Die Wege
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_42" id = "pageXII_42">
+XII.42</a></span>
+waren so schlecht und die Pferde so schwach, daß die Baggagewagen alle
+weit zurückgeblieben waren. Es fehlte daher den Oberoffizieren der Armee
+an dem Nothwendigsten, und die Mißstimmung, eine natürliche Folge dieser
+Entbehrungen, wurde noch vermehrt durch die Theilnahmlosigkeit Jakob’s,
+der es gar nicht zu bemerken schien, daß es seinen Begleitern an dem
+nöthigen Comfort gebrach.<a class = "tag" name = "tagXII_76" id =
+"tagXII_76" href = "#noteXII_76">76</a></p>
+
+<p>Am 14. April reiste der König mit seinem Gefolge weiter nach Omagh.
+Es war regnerisch und windig, die Pferde vermochten kaum sich dem Sturme
+entgegen durch den Schmutz zu arbeiten, und der Weg war häufig von
+Gießbächen durchschnitten, welche fast Flüsse genannt werden konnten.
+Die Reisenden mußten mehrere Furthen passiren, wo das Wasser den Pferden
+bis an die Brust ging. Einige von der Gesellschaft waren ganz erschöpft
+von Hunger und Anstrengung. Das ganze Land ringsumher war eine
+grauenvolle Wildniß. Auf einer Strecke von vierzig Meilen zählte Avaux
+nur drei elende Hütten. Sonst war Alles Felsen, Sumpf und Moor. Als die
+Reisenden endlich Omagh erreichten, fanden sie es in Trümmern. Die
+Protestanten, welche die Mehrheit der Einwohner bildeten, waren geflohen
+und hatten kein Bund Stroh, kein Faß Branntwein zurückgelassen. Die
+Fenster waren zerbrochen, die Kamine zertrümmert, sogar die Schlösser
+und Riegel waren von den Thüren losgerissen.<a class = "tag" name =
+"tagXII_77" id = "tagXII_77" href = "#noteXII_77">77</a></p>
+
+<p>Avaux hatte nicht aufgehört, den König zur Rückkehr nach Dublin
+aufzufordern; aber seine Vorstellungen waren bisher erfolglos geblieben.
+Jakob’s Starrsinn war jedoch ein solcher, der mit männlicher
+Entschlossenheit nichts gemein hatte und über den zwar Vernunftgründe
+nichts vermochten, der aber durch Launen leicht zu erschüttern war. In
+Omagh erhielt er am Morgen des 16. April Briefe, die ihn sehr besorgt
+machten. Er erfuhr, daß ein starkes Corps Protestanten in Strabane unter
+Waffen stand und daß unweit der Mündung des Foylesees englische
+Kriegsschiffe gesehen worden waren. Drei Boten wurden in einer Minute an
+Avaux abgeschickt, um ihn in das verfallene Gemach zu bescheiden, in
+welchem das königliche Bett aufgeschlagen worden. Hier kündigte Jakob,
+halb angekleidet und mit der Miene eines Mannes, den ein vernichtender
+Schlag getroffen, ihm seinen Entschluß an, auf der Stelle nach Dublin
+zurückzueilen. Avaux vernahm diese Mittheilung mit Erstaunen und
+billigte den Entschluß des Königs. Melfort schien in völliger
+Verzweiflung zu sein. Die Reisenden kehrten also um und kamen spät am
+Abend wieder in Charlemont an. Hier empfing der König Depeschen ganz
+andren Inhalts wie die, welche ihn vor einigen Stunden erschreckt
+hatten. Die Protestanten, die sich bei Strabane gesammelt hatten, waren
+von Hamilton angegriffen worden. Unter einem rechtschaffenen Anführer
+würden sie wahrscheinlich Stand gehalten haben. Aber Lundy, der sie
+befehligte, hatte ihnen gesagt, daß Alles verloren sei, hatte ihnen
+geheißen, auf ihre Rettung bedacht zu sein, und hatte ihnen selbst das
+Beispiel zur Flucht gegeben.<a class = "tag" name = "tagXII_78" id =
+"tagXII_78" href = "#noteXII_78">78</a> In Folge dessen hatten sie sich
+in Unordnung nach Londonderry zurückgezogen. Die Correspondenten des
+Königs erklärten es für eine Unmöglichkeit,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_43" id = "pageXII_43">
+XII.43</a></span>
+daß Londonderry sich halten könne. Se. Majestät brauche nur vor den
+Thoren zu erscheinen und sie würden augenblicklich geöffnet werden. Dies
+brachte Jakob wieder auf andere Gedanken, er machte sich Vorwürfe, daß
+er sich zur Rückkehr nach dem Süden hatte überreden lassen, und er
+bestellte seine Pferde, obgleich es schon spät Abends war. Die Pferde
+waren fast gänzlich erschöpft und ausgehungert; trotzdem aber wurden sie
+gesattelt. Melfort geleitete seinen Gebieter triumphirend ins Lager.
+Avaux erklärte nach erfolglosen Gegenvorstellungen, daß er entschlossen
+sei, nach Dublin zurückzukehren. Man darf annehmen, daß die großen
+Unbequemlichkeiten, die er bisher zu ertragen gehabt, einigen Antheil an
+diesem Entschlusse hatten, denn Klagen über diese Unbequemlichkeiten
+füllen einen großen Theil seiner Briefe, und in der That war auch der
+langjährige Aufenthalt in den Palästen Italiens, in den sauberen Zimmern
+und Gärten Holland’s und in den prächtigen Pavillons der pariser
+Vorstädte eine schlechte Vorbereitung auf die verfallenen Hütten von
+Ulster. Seinem Gebieter aber führte er für seine Weigerung, mit nach dem
+Norden zu gehen, einen gewichtigeren Grund an. Jakob’s Reise war im
+Widerspruch mit der einstimmigen Meinung der Irländer unternommen worden
+und hatte ernste Besorgnisse unter ihnen erweckt, sie fürchteten, daß er
+sie verlassen wolle, um eine Landung in Schottland zu versuchen, und sie
+wußten, daß er, war er einmal in Großbritannien gelandet, weder den
+Willen noch die Macht haben würde das zu thun, was sie am meisten
+wünschten. Indem sich nun Avaux weigerte, Jakob weiter zu begleiten, gab
+er ihnen einen Beweis, daß, wer sie auch sonst verrathen möchte,
+Frankreich ihr steter Freund bleiben werde.<a class = "tag" name =
+"tagXII_79" id = "tagXII_79" href = "#noteXII_79">79</a></p>
+
+<p>Während Avaux sich auf dem Rückwege nach Dublin befand, eilte Jakob
+nach Londonderry. Er fand seine Armee einige Meilen südlich von der
+Stadt concentrirt. In seinem Gefolge befanden sich die französischen
+Generäle, welche mit ihm von Brest abgesegelt waren, und zwei von ihnen,
+Rosen und Maumont, wurden über Richard Hamilton gestellt.<a class =
+"tag" name = "tagXII_80" id = "tagXII_80" href = "#noteXII_80">80</a>
+Rosen war ein geborner Liefländer, der in früher Jugend ein Glückssoldat
+geworden, der sich zur Auszeichnung emporgekämpft hatte und der,
+obgleich ihm die den Hof von Versailles characterisirenden körperlichen
+und geistigen Vorzüge gänzlich abgingen, dennoch daselbst in hoher Gunst
+stand. Er besaß ein heftiges Temperament und rohe Manieren, und seine
+Sprache war ein seltsames Gemisch verschiedenartiger französischer und
+deutscher Dialecte. Selbst Diejenigen, welche die beste Meinung von ihm
+hegten und behaupteten, seine rauhe Außenseite berge einige gute
+Eigenschaften, mußten zugestehen, daß sein Äußeres gegen ihn sprach und
+daß es ihnen nicht angenehm sein würde, wenn sie im Dunklen an einem
+Waldsaume einer solchen Gestalt begegneten.<a class = "tag" name =
+"tagXII_81" id = "tagXII_81" href = "#noteXII_81">81</a> Das Wenige, was
+man von Maumont weiß, gereicht ihm zur Ehre.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_74" id = "noteXII_74" href = "#tagXII_74">74.</a>
+Pusignan an Avaux, 30. März (9. April) 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_75" id = "noteXII_75" href = "#tagXII_75">75.</a>
+Dieser traurige Bericht über das irische Bier ist einer Depesche
+entlehnt, welche Desgrigny von Cork aus an Louvois schrieb und die sich
+in den Archiven des französischen Kriegsministeriums befindet.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_76" id = "noteXII_76" href = "#tagXII_76">76.</a>
+Avaux, 13.(23.), 20.(30.) April 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_77" id = "noteXII_77" href = "#tagXII_77">77.</a>
+Avaux an Ludwig vom 15.(25.) April 1689, und an Louvois von dem
+nämlichen Datum.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_78" id = "noteXII_78" href = "#tagXII_78">78.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, Aug. 12. 1689</span>; <span
+class = "antiqua">MacKenzie’s Narrative.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_79" id = "noteXII_79" href = "#tagXII_79">79.</a>
+Avaux, 17.(27.) April 1689. Die Geschichte dieses sonderbaren
+Planwechsels ist in <span class = "antiqua">Life of James, II.
+330&mdash;332. Orig Mem.</span> ganz unrichtig erzählt.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_80" id = "noteXII_80" href = "#tagXII_80">80.</a>
+<span class = "antiqua">Life of James, II. 334, 335. Orig.
+Mem.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_81" id = "noteXII_81" href = "#tagXII_81">81.</a>
+Memoiren Saint-Simon’s. Einige englische Schriftsteller sind der irrigen
+Meinung, Rosen sei damals schon Marschall von Frankreich gewesen. Dies
+wurde er erst 1703. Er war lange Maréchal de Camp gewesen, was etwas
+ganz Andres ist, und war kürzlich zum Generalleutnant befördert
+worden.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Der Fall Londonderry’s erwartet.</span>
+<a name = "secXII_31" id = "secXII_31">Man</a> erwartete im Lager
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_44" id = "pageXII_44">
+XII.44</a></span>
+allgemein, daß Londonderry ohne Schwertstreich fallen werde. Rosen
+prophezeite mit großer Zuversicht, der bloße Anblick der irischen Armee
+werde die Besatzung zur Übergabe bestimmen. Richard Hamilton aber, der
+den Character der Colonisten besser kannte, hatte schlimme Ahnungen.
+<span class = "extended">Eines</span> wichtigen Bundesgenossen innerhalb
+der Mauern der Stadt waren die Belagerer gewiß. Der Gouverneur Lundy
+bekannte sich zwar zum protestantischen Glauben und hatte an der
+Proklamirung Wilhelm’s und Mariens Theil genommen, aber er stand in
+geheimer Communication mit den Feinden seiner Kirche und der Souveraine,
+denen er Treue geschworen. Einige haben vermuthet, daß er ein verkappter
+Jakobit gewesen sei, und sich die Revolution nur deshalb zum Schein habe
+gefallen lassen, um desto leichter eine Restauration herbeiführen zu
+helfen, doch ist es wahrscheinlich, daß sein Verhalten eher der
+Zaghaftigkeit und Geistesarmuth als dem Eifer für irgend eine
+öffentliche Sache zuzuschreiben ist. Er scheint den Widerstand für
+hoffnungslos gehalten zu haben, und in der That mußten die
+Vertheidigungsmittel Londonderry’s einem militärischen Auge kläglich
+vorkommen. Die Festungswerke bestanden aus einem mit Gras und Unkraut
+bewachsenen einfachen Walle; selbst vor den Thoren war kein Graben; die
+Zugbrücken waren seit langer Zeit vernachlässigt, die Ketten waren
+verrostet und kaum noch zu gebrauchen; die Brustwehren und Thürme waren
+nach einem Systeme erbaut, das Schülern Vauban’s wohl ein Lächeln
+abzwingen konnte, und diese schwachen Vertheidigungswerke waren fast auf
+jeder Seite von Anhöhen beherrscht. Die Erbauer der Stadt hatten
+allerdings nie daran gedacht, daß sie eine regelmäßige Belagerung
+auszuhalten haben würde, und hatten sich damit begnügt, Werke anzulegen,
+welche hinreichten, die Einwohner gegen einen tumultuarischen Angriff
+der celtischen Bauern zu schützen. Avaux versicherte Louvois, daß ein
+einziges französisches Bataillon solche Vertheidigungswerke leicht
+erstürmen werde. Und selbst wenn der Platz trotz aller dieser Nachtheile
+im Stande sein sollte, eine Armee zurückzuschlagen, welche von der
+Kenntniß und Erfahrung von Generälen, die unter Condé und Turenne
+gedient hatten, geführt würde, so müsse doch der Hunger den Kampf bald
+beendigen. Die Lebensmittelvorräthe seien gering und die Bevölkerung sei
+durch eine Menge von Colonisten, welche vor der Wuth der Eingebornen
+geflohen, um das Sieben- bis Achtfache der gewöhnlichen Zahl vermehrt
+worden.<a class = "tag" name = "tagXII_82" id = "tagXII_82" href =
+"#noteXII_82">82</a></p>
+
+<p>Lundy scheint daher von dem Augenblicke an, wo die irische Armee in
+Ulster einrückte, jeden Gedanken an einen ernsthaften Widerstand
+aufgegeben zu haben. Er sprach in einem so verzagten Tone, daß die
+Bürger und seine eignen Soldaten gegen ihn murrten. Er scheine es,
+sagten sie, darauf abgesehen zu haben, sie zu entmuthigen. Inzwischen
+rückte der Feind mit jedem Tage näher heran, und man erfuhr, daß Jakob
+selbst das Commando seiner Truppen zu übernehmen gedenke.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_82" id = "noteXII_82" href = "#tagXII_82">82.</a>
+Avaux, 4.(14.) April 1689. Unter den Manuscripten im britischen Museum
+befindet sich ein interessanter Bericht über die Vertheidigungsmittel
+Londonderry’s, der 1705 von einem französischen Ingenieur, Namens
+Thomas, für den Herzog von Ormond abgefaßt wurde.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Es kommt Succurs aus England.</span>
+<a name = "secXII_32" id = "secXII_32">Gerade</a> in diesem Augenblicke
+zeigte sich ein Schimmer von Hoffnung. Am 14. April gingen
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_45" id = "pageXII_45">
+XII.45</a></span>
+englische Schiffe in der Bai vor Anker. Sie hatten zwei Regimenter an
+Bord, welche unter den Befehlen eines Obersten, Namens Cunningham, zur
+Verstärkung der Garnison abgesandt worden waren. <ins class =
+"correction" title = "Original hat »Cunnigham«">Cunningham</ins> und
+mehrere von seinen Offizieren kamen ans Land, um sich mit Lundy zu
+besprechen. Dieser rieth ihnen davon ab, ihre Mannschaften landen zu
+lassen, indem die Stadt sich nicht halten könne. Noch mehr Truppen
+hineinzuwerfen, würde daher schlimmer als nutzlos sein, denn je
+zahlreicher die Besatzung sei, um so mehr Gefangene würden dem Feinde in
+die Hände fallen. Die beiden Regimenter könnten nichts besseres thun als
+nach England zurückzukehren. Er gedenke, sagte er, heimlich auf und
+davon zu gehen, und die Einwohner müßten dann zusehen, wie sie unter
+möglichst vortheilhaften Bedingungen kapituliren könnten.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Verrätherei Lundy’s.</span>
+<a name = "secXII_33" id = "secXII_33">Er</a> ließ sich die Formalität
+eines Kriegsraths gefallen, von dem er aber alle diejenigen Offiziere
+ausschloß, deren Gesinnungen er als von den seinigen abweichend kannte.
+Einige, die sonst immer zu solchen Berathungen gezogen worden waren und
+die deshalb jetzt unaufgefordert kamen, wurden aus dem Zimmer gewiesen.
+Was der Gouverneur sagte, wurde von seinen Creaturen bestätigt.
+Cunningham und seine Kameraden durften es kaum wagen, ihre Ansicht der
+eines Mannes entgegenzusetzen, der natürlich viel bessere Lokalkenntniß
+hatte als sie und dem sie überdies zu gehorchen angewiesen waren. Einer
+der wackeren Soldaten erhob jedoch Einwürfe. „Bedenken Sie,“ sagte er,
+„Londonderry aufgeben heißt Irland aufgeben.“ Aber seine Einwendungen
+wurden mit Verachtung zurückgewiesen.<a class = "tag" name = "tagXII_83"
+id = "tagXII_83" href = "#noteXII_83">83</a> Der Kriegsrath ging
+auseinander, Cunningham kehrte mit seinen Offizieren auf die Schiffe
+zurück und traf Anstalten zur Abreise. Unterdessen schickte Lundy
+heimlich einen Boten ins Hauptquartier des Feindes, mit der
+Versicherung, daß die Stadt auf die erste Aufforderung ohne Kampf
+übergeben werden würde.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_83" id = "noteXII_83" href = "#tagXII_83">83.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, Aug. 12. 1689.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Bewohner von Londonderry beschließen sich zu vertheidigen.</span>
+<a name = "secXII_34" id = "secXII_34">Sobald</a> aber das was im
+Kriegsrathe vorgegangen, in der Stadt ruchbar wurde, empörte sich der
+Geist der Soldaten und Bürger gegen den feigen und treulosen Anführer,
+der sie verrathen hatte. Viele von seinen eigenen Offizieren erklärten,
+daß sie sich nicht länger für verpflichtet hielten, ihm zu gehorchen.
+Drohende Stimmen ließen sich vernehmen, bald daß ihm der Hirnschädel
+eingeschlagen, bald daß er auf den Wällen der Stadt aufgehängt werden
+solle. Es wurde eine Deputation an Cunningham abgesandt, um ihn
+flehentlich zu bitten, das Commando der Stadt zu übernehmen. Er
+entschuldigte sich jedoch mit dem plausiblen Grunde, daß er Ordre habe,
+in allen Stücken den Befehlen des Gouverneurs Folge zu leisten.<a class
+= "tag" name = "tagXII_84" id = "tagXII_84" href = "#noteXII_84">84</a>
+Inzwischen ging das Gerücht, daß Einer nach dem Andren von Lundy’s
+Vertrauten sich aus der Stadt stehle. Am Abend des 17. fand man, daß
+lange nach Einbruch der Dämmerung die Thore noch offen und die Schlüssel
+verschwunden waren. Die Offiziere, welche diese Entdeckung machten,
+nahmen es auf sich, die Parole zu
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_46" id = "pageXII_46">
+XII.46</a></span>
+ändern und die Wachen zu verstärken. Die Nacht ging jedoch ohne einen
+Angriff vorüber.<a class = "tag" name = "tagXII_85" id = "tagXII_85"
+href = "#noteXII_85">85</a></p>
+
+<p>Nach einigen angstvollen Stunden brach der Morgen an. Die Irländer
+mit Jakob an ihrer Spitze, waren jetzt nur noch vier Meilen von der
+Stadt entfernt. Es wurde nun ein tumultuarischer Kriegsrath der
+angesehensten Einwohner zusammenberufen. Einige von ihnen sagten dem
+Gouverneur mit Heftigkeit gerade ins Gesicht, daß er sie verrathen habe.
+Er habe sie, riefen sie aus, ihrem erbittertsten Feinde verkauft und
+habe die Truppen nicht eingelassen, die der gute König Wilhelm zu ihrer
+Vertheidigung gesandt habe. Während der Wortwechsel seinen Höhepunkt
+erreicht hatte, meldeten die auf den Wällen ausgestellten Schildwachen,
+daß die Vorhut der feindlichen Armee in Sicht sei. Lundy hatte Befehl
+gegeben, daß nicht gefeuert werden sollte, aber seine Autorität war zu
+Ende. Zwei tapfere Soldaten, Major Heinrich Baker und Kapitain Adam
+Murray, riefen das Volk zu den Waffen. Sie wurden unterstützt durch die
+Beredtsamkeit eines bejahrten Geistlichen, Georg Walker, Rectors der
+Gemeinde Donaghmore, der mit vielen seiner Amtsbrüder in Londonderry ein
+Asyl gesucht hatte. Die ganze Bevölkerung der überfüllten Stadt war von
+einem Gefühle beseelt. Soldaten, Gentlemen, Freisassen und Handwerker
+eilten auf die Wälle und bemannten die Geschütze. Jakob, der sich, des
+Sieges gewiß, dem südlichen Thore bis auf hundert Schritt genähert
+hatte, wurde mit dem Geschrei: „Keine Übergabe!“ und mit einer
+Kanonensalve von der nächsten Bastion empfangen. Ein Offizier von seinem
+Stabe fiel neben ihm todt nieder. Der König und seine Begleiter beeilten
+sich, aus dem Bereiche der Kanonenkugeln zu kommen. Lundy, der jetzt in
+der größten Gefahr schwebte, von denen die er verrathen hatte, in
+Stücken zerrissen zu werden, verbarg sich in einem entlegenen Gemache.
+Hier blieb er den Tag über, und während der Nacht entkam er unter dem
+großmüthigen und weisen Beistande Murray’s und Walker’s, als Lastträger
+verkleidet.<a class = "tag" name = "tagXII_86" id = "tagXII_86" href =
+"#noteXII_86">86</a> Noch jetzt wird der Theil des Walles gezeigt, wo er
+sich herunterließ, und noch lebende Leute rühmen sich die Früchte eines
+Birnbaumes gekostet zu haben, der ihm das Herabsteigen erleichtert
+hatte. Sein Name ist noch heutigen Tages den Protestanten im Norden
+Irland’s ein Greuel und sein Bild wurde lange und wird vielleicht jetzt
+noch alljährlich mit ähnlichen Zeichen des Abscheus, wie sie in England
+dem Guy Faux zu Theil werden, aufgehängt und verbrannt.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_84" id = "noteXII_84" href = "#tagXII_84">84.</a>
+Den besten Bericht über diese Vorgänge findet man in den Verhandlungen
+des Hauses der Gemeinen vom 12. August 1689. Siehe auch die Erzählungen
+von Walker und Mackenzie.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_85" id = "noteXII_85" href = "#tagXII_85">85.</a>
+<span class = "antiqua">Mackenzie’s Narrative.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_86" id = "noteXII_86" href = "#tagXII_86">86.</a>
+Walker und Mackenzie.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ihr Character.</span>
+<a name = "secXII_35" id = "secXII_35">Jetzt</a> war Londonderry ohne
+alle militärische wie bürgerliche Obrigkeit. Niemand in der Stadt hatte
+das Recht einem Andern zu befehlen, die Vertheidigungsmittel waren
+schwach, die Vorräthe gering, und ein wüthender Tyrann stand mit einer
+zahlreichen Armee vor den Thoren. Drinnen aber herrschte ein Geist, der
+oft in Augenblicken verzweifelter Bedrängniß das gesunkene Glück von
+Nationen wieder aufgerichtet hat. Obwohl verrathen und verlassen,
+desorganisirt, von Hülfsmitteln entblößt und von Feinden umringt, war
+die edle Stadt doch noch immer keine leichte Eroberung. Was auch ein
+Ingenieur von der Stärke ihrer Mauern halten mochte: hinter diesen
+Mauern war der intelligenteste, muthigste und hochsinnigste Theil der
+englischen Bevölkerung von Leinster
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_47" id = "pageXII_47">
+XII.47</a></span>
+und Nordulster versammelt. Die Anzahl der waffenfähigen Männer betrug
+siebentausend Mann, und die ganze Welt hätte nicht siebentausend Männer
+liefern können, welche besser geeignet gewesen wären, einer furchtbaren
+Nothwendigkeit mit klarem Urtheil, unerschütterlichem Muthe und
+trotziger Geduld die Stirn zu bieten. Sie waren sämmtlich Protestanten
+und der Protestantismus der Mehrzahl hatte eine puritanische Färbung.
+Sie hatten viel Ähnliches von der nüchternen, entschlossenen und
+gottesfürchtigen Klasse, aus welcher Cromwell sein unbesiegbares Heer
+gebildet. Die eigenthümliche Lage aber, in die sie versetzt waren, hatte
+einige Eigenschaften in ihnen entwickelt, die im Mutterlande vielleicht
+nicht zur Geltung gekommen sein würden. Die englischen Bewohner Irland’s
+waren eine aristokratische Kaste, die durch höhere Bildung, durch festes
+Zusammenhalten, durch rastlose Wachsamkeit und durch kaltblütige
+Unerschrockenheit in den Stand gesetzt worden war, eine zahlreiche und
+feindliche Bevölkerung in Unterwürfigkeit zu erhalten. Fast Jeder von
+ihnen war mehr oder weniger zu militärischen wie zu politischen
+Functionen herangebildet worden. Fast Jeder war mit dem Gebrauche der
+Waffen vertraut und gewohnt, an der Justizverwaltung Theil zu nehmen.
+Zeitgenössische Schriftsteller sagten, daß die Colonisten etwas von dem
+castilischen Stolze, aber nichts von der castilischen Indolenz hätten,
+daß sie ein ausgezeichnet reines und correctes Englisch sprächen und daß
+sie sowohl als Milizen wie als Geschworne hoch über ihres Gleichen im
+Mutterlande ständen.<a class = "tag" name = "tagXII_87" id = "tagXII_87"
+href = "#noteXII_87">87</a> Leute in der Lage der Angelsachsen in Irland
+haben zu allen Zeiten eigenthümliche Fehler und eigenthümliche Tugenden
+gehabt, die Fehler und Tugenden von Herren im Gegensatz zu den Fehlern
+und Tugenden von Sklaven. Das Mitglied eines dominirenden Stammes ist in
+seinem Verkehr mit dem unterworfenen Stamme zwar selten falsch &mdash;
+denn Falschheit ist das Hülfsmittel des Schwachen &mdash; aber
+gebieterisch, anmaßend und grausam. Gegen seine Brüder aber zeigt er
+sich im allgemeinen gerecht, gütig und selbst edel. Seine Selbstachtung
+bestimmt ihn alle seinem Stamme Angehörenden zu achten. Sein Interesse
+treibt ihn an, ein gutes Einvernehmen mit Denen zu unterhalten, deren
+prompten, kräftigen und muthigen Beistand er vielleicht einmal zur
+Erhaltung seines Eigenthums und seines Lebens bedürfen kann. Er ist
+stets der Wahrheit eingedenk, daß sein persönliches Wohl von dem
+Übergewicht der Klasse abhängt, der er angehört. Dadurch wird selbst
+sein Egoismus zum Gemeinsinn, und dieser Gemeinsinn wird durch
+Sympathie, durch das Verlangen nach Beifall und durch die Furcht vor
+Entehrung zu wilder Begeisterung aufgestachelt. Denn die einzige
+Meinung, auf die er Werth legt, ist die Meinung seiner Standesgenossen,
+und ihrer Ansicht nach ist treue Hingebung für die gemeinsame Sache die
+heiligste aller Pflichten. Der so constituirte Character hat zwei
+Seiten. Von der einen Seite angesehen, muß er von jedem Rechtschaffenen
+und Unbefangenen mit Mißbilligung betrachtet werden. Von der andren
+Seite gesehen, erzwingt er sich unwiderstehlich Beifall. Der Spartaner
+erregt unsren Abscheu, wenn er den unglücklichen Heloten schlägt und mit
+Füßen tritt. Den nämlichen Spartaner
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_48" id = "pageXII_48">
+XII.48</a></span>
+können wir nicht ohne Bewunderung betrachten, wenn wir ihn an dem Tage,
+von dem er wohl weiß, daß es sein letzter sein wird, im Engpaß von
+Thermopylä ruhig sein Haar ordnen sehen und seine lakonischen Scherze
+aussprechen hören. Dem oberflächlichen Beobachter mag es sonderbar
+vorkommen, daß soviel Böses und soviel Gutes beisammen gefunden werden
+können. In der That aber stehen dieses Gute und dieses Böse, die auf den
+ersten Anblick fast unvereinbar scheinen, in innigem Zusammenhange und
+haben einen gemeinsamen Ursprung. Weil der Spartaner gelernt hatte, sich
+als einem Herrschergeschlechte angehörend zu betrachten und auf jeden
+Nichtspartaner als auf einen tief unter ihm Stehenden herabzusehen,
+deshalb hatte er kein Mitgefühl für die elenden Sklaven, welche vor ihm
+im Staube krochen, und deshalb kam ihm nie, selbst nicht in der höchsten
+Noth, der Gedanke, sich einem fremden Herrn zu unterwerfen oder vor
+einem Feinde zu fliehen. Etwas von diesem nämlichen, aus Tyrannei und
+Heroismus zusammengesetzten Character hat man bei allen den Nationen
+gefunden, welche über zahlreichere Nationen dominirten. Nirgend aber hat
+sich im modernen Europa dieser Character so augenfällig gezeigt wie in
+Irland. Mit welcher Verachtung, mit welcher Abneigung die herrschende
+Minderzahl in diesem Lande lange Zeit die unterworfene Mehrzahl
+betrachtete, kann man am besten aus den gehässigen Gesetzen ersehen,
+welche noch zu einer Zeit, deren sich gegenwärtig Lebende erinnern, das
+irische Gesetzbuch schändeten. Diese Gesetze wurden endlich abgeschafft,
+aber der Geist, der sie zu Tage gefördert hatte, überlebte sie und macht
+sich noch jetzt zuweilen in Excessen Luft, welche dem Gemeinwohl zum
+größten Nachtheil und der protestantischen Religion zur Unehre
+gereichen. Dessenungeachtet kann man unmöglich leugnen, daß die
+englischen Colonisten mit leider zu vielen Fehlern einer herrschenden
+Kaste alle edelsten Tugenden einer solchen verbanden. Die Fehler haben
+sich ganz natürlich im schlimmsten Grade zu Zeiten des Gedeihens und der
+Ruhe gezeigt, wie die Tugenden sich am glänzendsten in Zeiten der Noth
+und Gefahr bewährt haben, und nie traten diese Tugenden sichtbarer in
+den Vordergrund als bei den Vertheidigern von Londonderry in dem
+Augenblicke da ihr Commandant sie im Stich gelassen und das Lager ihres
+Todfeindes vor den Mauern ihrer Stadt aufgeschlagen war.</p>
+
+<p>Sobald der erste Ausbruch der durch Lundy’s Treulosigkeit erregten
+Wuth sich gelegt hatte, ergriffen Die, welche er verrathen, mit einer
+der berühmtesten Senate würdigen Kaltblütigkeit und Umsicht Maßregeln
+zur Aufrechthaltung der Ordnung und zur Vertheidigung der Stadt. Es
+wurden zwei Gouverneurs, Baker und Walker, erwählt. Baker übernahm das
+militärische Kommando, und Walker’s specielles Geschäft bestand in der
+Erhaltung der inneren Ruhe und in der Vertheilung der Bedürfnisse aus
+den Magazinen.<a class = "tag" name = "tagXII_88" id = "tagXII_88" href
+= "#noteXII_88">88</a> Die kampffähigen Einwohner wurden in acht
+Regimenter eingetheilt und Obersten, Hauptleute und Subalternoffiziere
+ernannt. In wenigen Stunden kannte Jedermann seinen Posten und war
+bereit, sich beim ersten Trommelschlage auf denselben zu begeben. Das
+Verfahren, durch welches Cromwell in der vorhergehenden Generation unter
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_49" id = "pageXII_49">
+XII.49</a></span>
+seinen Soldaten eine so glühende und beharrliche Begeisterung erhalten
+hatte, wurde auch hier wieder mit nicht minder vollständigem Erfolge
+angewendet. Ein großer Theil des Tages ward mit Predigen und Beten
+hingebracht. Achtzehn Geistliche der Landeskirche und sieben bis acht
+nonconformistische Priester befanden sich in der Stadt. Sie alle
+strengten sich mit unermüdlichem Eifer an, den Muth des Volks zu heben
+und zu erhalten. Unter ihnen selbst herrschte für diese Zeit vollkommene
+Einigkeit. Aller Streit über Kirchenregiment, Stellungen und Ceremonien
+war vergessen. Der Bischof hatte sich, als er gesehen, daß seine Sermone
+über den passiven Gehorsam selbst von den Episkopalen bespöttelt wurden,
+zuerst nach Raphoe und dann nach England begeben, wo er jetzt in einer
+londoner Kapelle predigte.<a class = "tag" name = "tagXII_89" id =
+"tagXII_89" href = "#noteXII_89">89</a> Auf der andren Seite war ein
+schottischer Fanatiker, Namens Hewson, der die Presbyterianer ermahnt
+hatte, nicht mit Leuten, die sich weigerten den Covenant zu
+unterschreiben, gemeinschaftliche Sache zu machen, dem wohlverdienten
+Abscheu und Hohn der gesammten Protestanten verfallen.<a class = "tag"
+name = "tagXII_90" id = "tagXII_90" href = "#noteXII_90">90</a> Die
+Kathedrale gewährte einen eigenthümlichen Anblick. Auf der Höhe des
+breiten Thurmes, der jetzt durch einen von andrer Bauart ersetzt ist,
+waren Kanonen aufgefahren, unter den Bogengängen war Munition aufgehäuft
+und im Chore wurde jeden Morgen die Liturgie der anglikanischen Kirche
+verlesen. Am Nachmittag versammelten sich die Dissenters zu einem
+einfacheren Gottesdienst.<a class = "tag" name = "tagXII_91" id =
+"tagXII_91" href = "#noteXII_91">91</a></p>
+
+<p>Jakob hatte vierundzwanzig Stunden gewartet, wahrscheinlich in der
+Hoffnung, daß Lundy seine Versprechungen erfüllen werde, und diese
+vierundzwanzig Stunden hatten hingereicht, um die Anstalten zur
+Vertheidigung Londonderry’s zu vollenden. Am Abend des 19. April
+erschien ein Trompeter am südlichen Thore und fragte, ob die vom
+Gouverneur eingegangenen Verpflichtungen erfüllt werden würden. Die
+Antwort lautete, daß die Männer, welche diese Mauern bewachten, mit den
+Verpflichtungen des Gouverneurs nichts zu thun hätten und entschlossen
+wären, sich bis aufs Äußerste zu vertheidigen.</p>
+
+<p>Am folgenden Tage wurde ein Bote höheren Ranges gesandt: Claudius
+Hamilton, Lord Strabane, einer der wenigen römisch-katholischen Peers
+von Irland. Murray, der zum Obersten eines der acht Regimenter ernannt
+war, in welche die Besatzung eingetheilt worden, ging hinaus vor das
+Thor und es fand eine kurze Besprechung mit dem Parlamentair statt.
+Strabane war ermächtigt, große Versprechungen zu machen. Die Bürger
+sollten volle Verzeihung für alles Geschehene haben, wenn sie sich ihrem
+rechtmäßigen Landesherrn unterwürfen. Murray selbst sollte ein
+Oberstenpatent und tausend Pfund Sterling an Gelde bekommen. „Die Männer
+von Londonderry,“ antwortete Murray, „haben nichts gethan, was der
+Verzeihung bedürfte, und erkennen keinen andren Souverain als König
+Wilhelm und Königin Marie an. Es dürfte nicht rathsam für Eure
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_50" id = "pageXII_50">
+XII.50</a></span>
+Lordschaft sein, noch lange hier zu verweilen oder in gleicher Absicht
+wiederzukommen. Gestatten Sie mir die Ehre, Sie bis über die Linien
+hinaus zu geleiten.“<a class = "tag" name = "tagXII_92" id = "tagXII_92"
+href = "#noteXII_92">92</a></p>
+
+<p>Jakob war versichert worden und hatte mit Bestimmtheit erwartet, daß
+die Stadt sich ergeben würde, sobald sein Erscheinen vor den Mauern
+derselben zur Kenntniß der Einwohner gelangte. Als er sich jedoch in
+dieser Erwartung getäuscht sah, wollte er von Melfort’s Rath nichts mehr
+wissen und er beschloß, sofort nach Dublin zurückzukehren. Rosen
+begleitete den König und die Leitung der Belagerung wurde Maumont
+übertragen. Unter ihm standen Richard Hamilton als Zweiter, und Pusignan
+als Dritter im Commando.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_87" id = "noteXII_87" href = "#tagXII_87">87.</a>
+Siehe <span class = "antiqua">The Character of the Protestants of
+Ireland, 1689</span>, und <span class = "antiqua">The Interest of
+England in the Preservation of Ireland, 1689.</span> Erstere Flugschrift
+ist das Werk eines Feindes, letztere das eines warmen Freundes.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_88" id = "noteXII_88" href = "#tagXII_88">88.</a>
+Es entspann sich nachher ein müßiger Streit über die Frage, ob Walker
+wirklich Gouverneur gewesen sei oder nicht. Mir scheint es vollkommen
+unzweifelhaft, daß er es war.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_89" id = "noteXII_89" href = "#tagXII_89">89.</a>
+<span class = "antiqua">Mackenzie’s Narrative</span>; <span class =
+"antiqua">Funeral Sermon on Bishop Hopkins, 1690.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_90" id = "noteXII_90" href = "#tagXII_90">90.</a>
+<span class = "antiqua">Walker’s True Account, 1689.</span> Siehe auch
+<span class = "antiqua">The Apology for the True Account</span> und
+<span class = "antiqua">The Vindication of the True Account</span>,
+beide in dem nämlichen Jahre erschienen. Ich habe diesen Mann mit dem
+Namen bezeichnet, unter welchem er in Irland bekannt war. Sein wirkliche
+Name aber war Houstoun. Er wird häufig in dem wunderlichen Buche,
+betitelt: <span class = "antiqua">Faithful Contendings Displayed</span>,
+erwähnt.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_91" id = "noteXII_91" href = "#tagXII_91">91.</a>
+<span class = "antiqua">A View of the Danger and Folly of being
+publicspirited, by William Hamill, 1721.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_92" id = "noteXII_92" href = "#tagXII_92">92.</a>
+Siehe <span class = "antiqua">Walker’s True Account</span> und <span
+class = "antiqua">Mackenzie’s Narrative.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Londonderry belagert.</span>
+<a name = "secXII_36" id = "secXII_36">Die</a> Operationen begannen nun
+ernstlich. Die Belagerer fingen damit an, daß sie die Stadt beschossen,
+und bald brannte sie an mehreren Stellen. Dächer und obere Stockwerke
+stürzten ein und erschlugen die Hausbewohner. Eine kurze Zeit lang
+schien die Besatzung, von der Viele noch niemals die Wirkung eines
+Bombardements gesehen, durch das Gekrach der einstürzenden Schornsteine
+und durch den Anblick der mit entstellten Leichnamen vermischten
+Trümmerhaufen entmuthigt zu werden. Aber das Vertrautwerden mit Gefahr
+und Greueln brachte binnen wenigen Stunden die natürliche Wirkung
+hervor. Der Muth des Volks steigerte sich bis zu einem solchen Grade,
+daß seine Anführer es für zweckmäßig hielten, die Offensive zu
+ergreifen. Am 21. April wurde unter Murray’s Commando ein Ausfall
+gemacht. Die Irländer hielten ihrerseits entschlossen Stand und es kam
+zu einem heftigen und blutigen Kampfe. Maumont eilte an der Spitze eines
+Reitertrupps nach der Stelle, wo das Gefecht wüthete. Eine Flintenkugel
+traf ihn am Kopfe und streckte ihn todt nieder. Die Belagerer verloren
+außerdem noch mehrere andere Offiziere und ungefähr zweihundert Mann,
+bevor es gelang, die Colonisten in die Stadt zurückzuwerfen. Murray
+entkam mit knapper Noth. Sein Pferd war ihm unter dem Leibe getödtet
+worden und er war von Feinden umringt, aber er vertheidigte sich noch so
+lange gegen dieselben, bis einige von seinen Freunden, mit dem greisen
+Walker an der Spitze, aus dem Thore heraus stürzten und ihn befreiten.<a
+class = "tag" name = "tagXII_93" id = "tagXII_93" href =
+"#noteXII_93">93</a></p>
+
+<p>Da Maumont gefallen war, übernahm Hamilton wieder das Commando der
+irischen Armee. Seine Thaten als Befehlshaber trugen keineswegs zur
+Erhöhung seines Ruhmes bei. Er war ein eleganter Cavalier und ein
+tapferer Soldat, aber auf den Titel eines großen Feldherrn konnte er
+keinen Anspruch machen; auch hatte er noch nie in seinem Leben eine
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_51" id = "pageXII_51">
+XII.51</a></span>
+Belagerung gesehen.<a class = "tag" name = "tagXII_94" id = "tagXII_94"
+href = "#noteXII_94">94</a> Pusignan besaß mehr Kenntniß und Energie,
+aber er überlebte Maumont um wenig mehr als vierzehn Tage. Am 6. Mai um
+vier Uhr Morgens unternahm die Besatzung einen zweiten Ausfall, eroberte
+mehrere Fahnen und tödtete viele von den Belagerern. Pusignan, welcher
+tapfer focht, wurde durch den Leib geschossen; die Wunde war von der
+Art, daß ein geschickter Chirurg sie wohl hätte heilen können; aber
+einen solchen gab es im irischen Lager nicht und die Verbindung mit
+Dublin war langwierig und unregelmäßig. So starb der Unglückliche unter
+bitteren Klagen über die rohe Unwissenheit und Nachlässigkeit, die seine
+Tage abgekürzt hatten. Ein Arzt, der expreß aus der Hauptstadt abgesandt
+worden, traf erst nach der Beerdigung ein. Wahrscheinlich in Folge
+dieses beklagenswerthen Unglücks richtete Jakob eine tägliche
+Postverbindung zwischen dem Schlosse von Dublin und Hamilton’s
+Hauptquartier ein. Doch selbst auf diese Art wurden die Briefe nicht
+rasch befördert, denn die Couriere gingen zu Fuß und machten,
+wahrscheinlich aus Furcht vor den Enniskillenern, einen Umweg von einem
+Militärposten zum andren.<a class = "tag" name = "tagXII_95" id =
+"tagXII_95" href = "#noteXII_95">95</a></p>
+
+<p>Der Mai verging, der Juni kam heran, und Londonderry hielt sich noch
+immer. Es hatten viele Ausfälle und Scharmützel mit verschiedenem
+Erfolge stattgehabt; im Ganzen aber war der Vortheil auf Seiten der
+Garnison gewesen. Mehrere hohe Offiziere waren als Gefangene in die
+Stadt gebracht worden, und zwei französische Fahnen, welche den
+Belagerern nach hartem Kampfe entrissen worden, waren als Trophäen in
+der Altarstätte der Kathedrale aufgehängt. Es schien nothwendig, die
+Belagerung in eine Blockade zu verwandeln. Ehe man aber die Hoffnung
+aufgab, die Stadt durch Waffengewalt zu nehmen, beschloß man noch einen
+energischen Versuch zu machen. Der zum Sturm ausersehene Punkt war ein
+Außenwerk, nicht weit vom südlichen Thore, welches der Windmühlenhügel
+hieß. Religiöse Anfeuerungsmittel wurden angewendet, um den gesunkenen
+Muth zu beleben. Viele Freiwillige verpflichteten sich eidlich in die
+Festungswerke einzudringen oder bei dem Versuche umzukommen. Kapitain
+Buttler, ein Sohn Lord Mountgarret’s, übernahm es, die Eidgenossen zum
+Angriff zu führen. Die Colonisten waren in drei Reihen auf den Wällen
+aufgestellt. Die Hinteren hatten nur die Musketen der Vorderen zu laden.
+Die Irländer rückten kühn und mit einem entsetzlichen Geschrei heran,
+wurden aber nach einem langen und heißen Kampfe zurückgeschlagen. Im
+dichtesten Kugelregen sah man die Frauen von Londonderry, ihren Gatten
+und Brüdern Wasser und Munition reichend. An einer Stelle, wo der Wall
+nur sieben Fuß hoch war, gelang es Buttler und einigen seiner
+Eidgenossen, das Plateau zu erreichen; aber sie wurden sämmtlich
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_52" id = "pageXII_52">
+XII.52</a></span>
+getödtet oder gefangen genommen. Endlich, nachdem vierhundert Irländer
+gefallen waren, ließen ihre Anführer zum Rückzug blasen.<a class = "tag"
+name = "tagXII_96" id = "tagXII_96" href = "#noteXII_96">96</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_93" id = "noteXII_93" href = "#tagXII_93">93.</a>
+Walker; Mackenzie; Avaux, 26. April (6. Mai) 1689. Unter den
+Protestanten von Ulster herrscht die traditionelle Meinung, Maumont sei
+von Murray’s Hand gefallen; allein über diesen Punkt ist der Bericht des
+französischen Gesandten an seinen Gebieter entscheidend. In der That
+existiren über die Belagerung von Londonderry fast eben so viele
+märchenhafte Geschichten wie über die Belagerung von Troja. Die Sage von
+Murray und Maumont datirt von 1689. In <span class = "antiqua">The Royal
+Voyage</span>, welches Stück in jenem Jahre aufgeführt wurde, wird der
+Kampf zwischen den beiden Helden in folgenden wohlklingenden Strophen
+geschildert:</p>
+
+<div class = "verse">
+<p>„Sie trafen sich, und auf den ersten Streich</p>
+<p>Fiel Monsieur fluchend auf den staub’gen Grund</p>
+<p>Und sterbend biß er noch in’s Gras.“</p>
+</div>
+
+<p><a name = "noteXII_94" id = "noteXII_94" href = "#tagXII_94">94.</a>
+<span class = "antiqua">Si c’est celuy qui est sorti de France le
+dernier, qui s’appelloit Richard, il n’a jamais veu de siège, ayant <ins
+class = "correction" title = "ungeändert">toujour’s</ins> servi en
+Roussillon.</span> &mdash; Louvois an Avaux, 3.(13.) Juni 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_95" id = "noteXII_95" href = "#tagXII_95">95.</a>
+Walker; Mackenzie; Avaux an Louvois, 2.(12.), 4.(14.) Mai 1689; Jakob an
+Hamilton vom 28. Mai (8.&nbsp;Juni) in der Bibliothek der Royal Irish
+Academy. Louvois schrieb sehr entrüstet an Avaux: <span class =
+"antiqua">„La mauvaise conduite que l’on a tenue devant Londonderry a
+cousté la vie à M. de Maumont et à M. de Pusignan. Il ne faut pas que sa
+Majesté Britannique croye qu’en faisant tuer des officiers generaux
+comme des soldats, on puisse ne l’en point laisser manquer. Ces sortes
+de gens sont rares en tout pays et doivent estre menagez.“</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_96" id = "noteXII_96" href = "#tagXII_96">96.</a>
+Walker; Mackenzie; Avaux, 16.(26.) Juni 1689.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Belagerung in eine Blokade verwandelt.</span>
+<a name = "secXII_37" id = "secXII_37">Es</a> blieb nun nichts weiter
+übrig als die Wirkung des Hungers zu versuchen. Man wußte, daß die
+Lebensmittelvorräthe der Stadt nur gering waren, ja man wunderte sich
+sogar, daß sie so lange ausgereicht hatten. Jetzt wurden alle Maßregeln
+getroffen, um die fernere Zufuhr von Lebensmitteln abzuschneiden. Alle
+zur Stadt führenden Landwege wurden auf das Sorgfältigste bewacht. Auf
+der Südseite am linken Ufer des Foyle lagerten die Reiter, welche Lord
+Galmoy aus dem Barrowthale begleitet hatten. Ihr Anführer war von allen
+irischen Offizieren derjenige, den die Protestanten am meisten
+fürchteten und verabscheuten. Denn er hatte seine Mannschaft mit
+seltener Geschicklichkeit und Sorgfalt disciplinirt, und man erzählte
+sich haarsträubende Geschichten von seiner Grausamkeit und Perfidie.
+Lange Reihen Zelte, bedeckt mit der Infanterie Buttler’s und O’Neils,
+Lord Slane’s und Lord Gormanstown’s, den Leuten aus Westmeath unter
+Nugent, den Leuten aus Kildare unter Eustace und den Leuten aus Kerry
+unter Cavanagh.<a class = "tag" name = "tagXII_97" id = "tagXII_97" href
+= "#noteXII_97">97</a> Der Fluß war mit Forts und Batterien besäumt,
+welche kein Schiff ohne große Gefahr passiren konnte. Nach einiger Zeit
+beschloß man, zur noch größeren Sicherheit ungefähr anderthalbe Meile
+unterhalb der Stadt eine Barrikade quer durch den Strom aufzuwerfen. Zu
+dem Ende wurden mehrere mit Steinen beladene Böte versenkt und eine
+Reihe Pfähle in den Grund des Flusses eingerammt. Starke Fichtenstämme,
+fest an einander gebunden, bildeten einen über eine Viertelmeile langen
+Sperrbaum, der mit fußdicken Tauen an beiden Ufern wohl befestigt war.<a
+class = "tag" name = "tagXII_98" id = "tagXII_98" href =
+"#noteXII_98">98</a> Ein großer Steinblock, an welchem das Tau am linken
+Ufer befestigt war, wurde viele Jahre später fortgeschafft, um behauen
+und zu einer Säule verarbeitet zu werden. Die Idee wurde jedoch wieder
+aufgegeben und die rohe Steinmasse liegt noch jetzt nicht weit von ihrem
+ursprünglichen Platze unter den Bäumen, welche ein reizendes Landhaus,
+Boom Hall genannt, beschatten. Dicht daneben befindet sich der Brunnen,
+aus dem die Belagerer tranken, und ein Stück weiter hin ist der
+Begräbnißplatz, wo sie ihre Gefallenen beerdigten und wo noch in unseren
+Tagen der Spaten des Gärtners in geringer Tiefe unter dem Rasen und den
+Blumen auf zahlreiche Schädel und Gebeine gestoßen ist.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_97" id = "noteXII_97" href = "#tagXII_97">97.</a>
+Über die Disciplin der Galmoy’schen Reiter siehe Avaux’ Brief an Louvois
+vom 10.(20.) September. Entsetzliche Geschichten von der Grausamkeit des
+Obersten sowohl wie seiner Leute werden in der <span class =
+"antiqua">Short View, by a Clergyman, 1689</span>, und in mehreren
+anderen Flugschriften aus diesem Jahre erzählt. In Bezug auf die
+Vertheilung der irischen Truppen sehe man die damals erschienenen Pläne
+der Belagerung. Eine Liste der Regimenter, die vermuthlich ein
+Seitenstück zu der im zweiten Buche der Iliade vorkommenden Liste bilden
+sollte, findet man in der Londeriade.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_98" id = "noteXII_98" href = "#tagXII_98">98.</a>
+<span class = "antiqua">Life of Admiral Sir John Leake, by Stephen M.
+Leake, Clarencieux King at Arms, 1750.</span> Von diesem Buche wurden
+nur funfzig Exemplare gedruckt.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Seegefecht in der Bantry-Bai.</span>
+<a name = "secXII_38" id = "secXII_38">Während</a> diese Ereignisse im
+Norden stattfanden, hielt Jakob seinen Hof in Dublin. Bei seiner
+Wiederankunft daselbst von Londonderry erhielt er die Nachricht, daß die
+französische Flotte unter dem Commando des Grafen von Chateau Renaud in
+der Bantry-Bai vor Anker gegangen sei und eine große Masse von
+Kriegsvorräthen sowie eine Geldsendung ans Land geschafft habe.
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_53" id = "pageXII_53">
+XII.53</a></span>
+Herbert, der eben mit einem englischen Geschwader nach jenen Gewässern
+abgegangen war, um die Verbindung zwischen der Bretagne und Irland
+abzuschneiden, erfuhr wo der Feind lag und segelte in die Bucht mit der
+Absicht, eine Schlacht zu liefern. Doch der Wind war ihm ungünstig, die
+feindliche Flotte war der seinigen weit überlegen, und nach einem kurzen
+Feuer, das auf keiner Seite erhebliche Verluste herbeiführte, hielt er
+es für rathsam, die hohe See wieder zu gewinnen, während die Franzosen
+sich tiefer in den Hafen zurückzogen. Er steuerte nach Scilly, wo er
+Verstärkungen zu finden hoffte, und Chateau Renaud, zufrieden mit dem
+Ruhme, den er sich erworben, und besorgt, daß er denselben durch
+längeres Verweilen wieder verlieren möchte, eilte trotz der dringenden
+Aufforderung Jakob’s, nach Dublin zu kommen, nach Brest zurück.</p>
+
+<p>Beide Theile machten Anspruch auf den Sieg. Die Gemeinen zu
+Westminster beschlossen albernerweise ein Dankvotum für Herbert, Jakob
+ließ, nicht minder albernerweise, Freudenfeuer anzünden und ein Te Deum
+singen. Aber diese Freudenbezeigungen befriedigten Avaux keineswegs,
+denn seine Nationaleitelkeit war selbst noch stärker als die Klugheit
+und Courtoisie, durch die er sich auszeichnete. Er beschwerte sich, daß
+Jakob so ungerecht und undankbar sei, den Ausgang des kürzlichen
+Gefechts dem Widerstreben zuzuschreiben, mit dem die englischen Seeleute
+gegen ihren rechtmäßigen König und ihren alten Commandeur gefochten
+hätten, und daß Se. Majestät eben nicht sehr erfreut gewesen zu sein
+scheine, als er gehört habe, daß sie, von den siegreichen Franzosen
+verfolgt, über den Ocean flüchteten. Auch Dover sei ein schlechter
+Franzos. Er scheine sich eben so wenig über die Niederlage seiner
+Landsleute gefreut zu haben, und man habe ihn äußern hören, daß das
+Gefecht in der Bantry-Bai den Namen einer Schlacht nicht verdiene.<a
+class = "tag" name = "tagXII_99" id = "tagXII_99" href =
+"#noteXII_99">99</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_99" id = "noteXII_99" href = "#tagXII_99">99.</a>
+Avaux, 8.(18.) Mai, 26. Mai (5. Juni) 1689; London Gazette vom 9. Mai;
+<span class = "antiqua">Life of James, II. 370</span>; <span class =
+"antiqua">Burchet’s Naval Transactions</span>; <span class =
+"antiqua">Commons’ Journals May 18, 21.</span> Aus den Memoiren der Frau
+von la Fayette ersieht man, daß dieses unbedeutende Treffen in
+Versailles nach Gebühr gewürdigt wurde.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ein von Jakob einberufenes Parlament tagt in Dublin.</span>
+<a name = "secXII_39" id = "secXII_39">Den</a> Tag darauf, nachdem in
+Dublin zu Ehren dieses unentschiedenen Gefechts ein Te Deum gesungen
+worden war, eröffnete das von Jakob zusammenberufene Parlament seine
+Sitzungen. Die Zahl der weltlichen Peers von Irland betrug bei seiner
+Ankunft in diesem Königreiche ungefähr hundert. Davon kamen nicht mehr
+als vierzehn seiner Aufforderung nach, und von diesen vierzehn waren
+zehn Katholiken. Durch Umstoßen früherer Verurtheilungen und durch neue
+Creirungen wurden noch siebzehn Lords, sämmtlich Katholiken, ins
+Oberhaus gebracht. Die protestantischen Bischöfe von Meath, Ossory, Cork
+und Limerick erschienen, ob aus der aufrichtigen Überzeugung, daß sie
+rechtmäßigerweise selbst einem Tyrannen den Gehorsam nicht verweigern
+könnten, oder in der eitlen Hoffnung, daß selbst das Herz eines Tyrannen
+durch ihre Geduld erweicht werden möchte, in der Mitte ihrer
+Todfeinde.</p>
+
+<p>Das Haus der Gemeinen bestand fast ausschließlich aus Irländern und
+Papisten. Zugleich mit den königlichen Ausschreiben hatten die
+Wahlbeamten von Tyrconnel Briefe erhalten, in denen die Personen namhaft
+gemacht waren, die er gewählt zu sehen wünschte. Die größten Wahlkörper
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_54" id = "pageXII_54">
+XII.54</a></span>
+des Königreichs waren damals sehr klein, denn außer den Katholiken wagte
+kaum Jemand sein Gesicht zu zeigen, und katholische Freisassen gab es
+damals sehr wenige, in manchen Grafschaften nicht mehr als zehn bis
+zwölf. Selbst in so bedeutenden Städten wie Cork, Limerick und Galway
+überstieg die Zahl Derer, welche nach den neuen Städteordnungen
+stimmberechtigt waren, nicht vierundzwanzig. Ungefähr zweihundertfunfzig
+Mitglieder nahmen ihre Sitze ein, und davon waren nur sechs
+Protestanten.<a class = "tag" name = "tagXII_100" id = "tagXII_100" href
+= "#noteXII_100">100</a> Die Namenliste giebt hinreichenden Aufschluß
+über die politische und religiöse Gesinnung der Versammlung. Es war das
+einzige irische Parlament jener Zeit, das mit Dermots und Grohagans, mit
+O’Neils und O’Donovans, mit Macmahons, Macnamaras und Macgillicuddies
+angefüllt war. Die Führung übernahmen einige Männer, deren Fähigkeiten
+durch juristische Studien oder durch in fremden Ländern erworbene
+Erfahrung entwickelt worden waren. Dem Generalfiskal, Sir Richard Nagle,
+der die Grafschaft Cork vertrat, gaben selbst die Protestanten das
+Zeugniß eines scharfsinnigen und gelehrten Juristen. Franz Plowden, der
+Commissar für die Staatsrevenüen, der für Bannow im Parlamente saß und
+als erster Finanzbeamter fungirte, war ein Engländer, und da er ein
+Hauptagent des Jesuitenordens in Geldangelegenheiten gewesen, läßt sich
+wohl annehmen, daß er ein ausgezeichneter Geschäftsmann war.<a class =
+"tag" name = "tagXII_101" id = "tagXII_101" href =
+"#noteXII_101">101</a> Oberst Heinrich Luttrell, Mitglied für die
+Grafschaft Carlow, hatte lange in Frankreich gedient und von dort in
+sein Heimathland einen geschärften Verstand und verfeinerte Sitten, eine
+glatte Zunge, einige Geschicklichkeit im Kriege und sehr viel
+Geschicklichkeit im Intriguiren mitgebracht. Sein älterer Bruder, Oberst
+Simon Luttrell, Vertreter der Grafschaft Dublin und Militärgouverneur
+der Hauptstadt, hatte ebenfalls in Frankreich gelebt und spielte, obwohl
+er seinem Bruder Heinrich an Talent und Thätigkeit nachstand, doch eine
+sehr hervorragende Figur unter den Anhängern Jakob’s. Das andre Mitglied
+für die Grafschaft Dublin war Oberst Patrick Sarsfield. Diesen tapferen
+Offizier betrachteten die Eingebornen als einen der Ihrigen, denn seine
+Vorfahren von Vaters Seite waren zwar ursprünglich Engländer, gehörten
+aber zu den ersten Colonisten, von denen man sprüchwörtlich sagte, daß
+sie irischer geworden seien als Irländer. Seine Mutter war von edlem
+celtischen Geblüt und er war ein treuer Anhänger des alten Glaubens. Als
+der Erbe eines Vermögens, das ihm etwa zweitausend Pfund jährlicher
+Einkünfte gewährte, war er einer der reichsten Katholiken des Landes.
+Von den Höfen und Feldlagern besaß er eine Kenntniß wie nur wenige
+seiner Landsleute. Er war lange Offizier bei der englischen Leibgarde
+gewesen, hatte viel mit Whitehall verkehrt und hatte unter Monmouth auf
+dem Continente und gegen Monmouth bei Sedgemoor tapfer gefochten. Er
+hatte, wie Avaux schrieb, mehr persönlichen Einfluß als irgend Jemand in
+Irland und war wirklich ein Gentleman von ausgezeichneten Verdiensten,
+tapfer, bieder, ehrenwerth, auf das Wohlbefinden seiner Leute im
+Quartier bedacht und am Tage der Schlacht stets an ihrer Spitze. Seine
+Unerschrockenheit, seine Freimüthigkeit, seine grenzenlose
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_55" id = "pageXII_55">
+XII.55</a></span>
+Gutherzigkeit, seine Statur, welche die gewöhnlicher Menschen hoch
+überragte, und die Körperkraft, welche er im Einzelkampfe entwickelte,
+hatten ihm die Zuneigung und Bewunderung der Massen erworben. Es ist
+bemerkenswerth, daß die Engländer ihn allgemein als einen tapferen,
+geschickten und hochherzigen Feind achteten und daß er selbst in den
+rohesten Possen, welche von gemeinen Comödianten in Smithfield
+aufgeführt wurden, stets von den entehrenden Beschuldigungen ausgenommen
+ward, welche man damals auf die irische Nation zu schleudern gewohnt
+war.<a class = "tag" name = "tagXII_102" id = "tagXII_102" href =
+"#noteXII_102">102</a></p>
+
+<p>Doch solcher Männer waren nicht viele in dem Hause der Gemeinen, das
+sich zu Dublin versammelt hatte. Es ist kein Vorwurf für die irische
+Nation, eine Nation, welche seitdem ihr volles Contingent von beredten
+und gebildeten Senatoren gestellt hat, wenn man sagt, daß von allen
+Parlamenten, welche je auf den britischen Inseln zusammengetreten sind,
+Barebone’s Parlament nicht ausgenommen, es dem von Jakob einberufenen am
+meisten an den Eigenschaften gebrach, die eine Legislatur besitzen muß.
+Die strenge Herrschaft einer feindlichen Kaste hatte die Geisteskräfte
+des irischen Gentleman gelähmt. War er so glücklich Grundeigenthum zu
+besitzen, so hatte er sein Leben in der Regel unter Jagd, Fischfang,
+Trinkgelagen und Liebeshändeln mit seinen Unterthanen zugebracht. War
+sein Vermögen confiscirt worden, so war er von Schloß zu Schloß und von
+Hütte zu Hütte gewandert, um kleine Geldbeiträge zu erheben und auf
+Kosten Anderer zu leben. Er hatte nie im Hause der Gemeinen gesessen,
+hatte niemals thätigen Antheil an einer Wahl genommen, und war nie
+Magistratsbeamter gewesen; kaum daß er einmal Mitglied einer großen Jury
+gewesen war. Daher fehlte es ihm an aller und jeder Erfahrung in
+öffentlichen Angelegenheiten. Der englische Squire war zwar auch kein
+besonders gelehrter und erleuchteter Politiker, aber im Vergleich mit
+dem katholischen Squire von Munster oder Connaught war er ein Staatsmann
+und Philosoph.</p>
+
+<p>Die Parlamente Irland’s hatten damals kein bestimmtes
+Versammlungslocal. Sie kamen in der That so selten zusammen und gingen
+so bald wieder auseinander, daß es kaum der Mühe werth gewesen wäre,
+einen Palast zu ihrem ausschließlichen Gebrauche zu erbauen und
+einzurichten. Erst als die hannöversche Dynastie schon lange auf dem
+Throne saß, erstand in College Green ein Senatshaus, das mit den
+schönsten Bauwerken von Inigo Jones einen Vergleich aushält. An der
+Stelle wo jetzt der Porticus und die Kuppel der Four Courts auf den
+Liffey herniedersehen, stand im siebzehnten Jahrhundert ein altes
+Gebäude, das einst ein Dominikanerkloster gewesen, seit der Reformation
+aber den Männern des Gesetzes zur Benutzung angewiesen worden war und
+den Namen King’s Inns führte. Dieses Gebäude war zur Aufnahme des
+Parlaments
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_56" id = "pageXII_56">
+XII.56</a></span>
+eingerichtet worden. Am 7. Mai nahm Jakob, in königliche Gewänder
+gekleidet und eine Krone tragend, seinen Sitz auf dem Throne im Hause
+der Lords ein und ließ die Gemeinen vor die Schranken entbieten.<a class
+= "tag" name = "tagXII_103" id = "tagXII_103" href =
+"#noteXII_103">103</a></p>
+
+<p>Er sprach hierauf den Eingebornen Irland’s seinen Dank dafür aus, daß
+sie treu zu ihm gehalten, als das Volk seiner anderen Königreiche ihn
+verlassen habe. Seinen Entschluß, alle religiösen Disabilitäten in allen
+seinen Landen abzuschaffen, erklärte er für unerschütterlich
+feststehend. Er forderte das Haus auf, die Ansiedelungsacte in Erwägung
+zu ziehen und die Beeinträchtigungen zu redressiren, über welche die
+alten Eigenthümer des Bodens sich zu beschweren Ursache hätten. Zum
+Schluß erkannte er in warmen Ausdrücken an, wie sehr er dem Könige von
+Frankreich verpflichtet sei.<a class = "tag" name = "tagXII_104" id =
+"tagXII_104" href = "#noteXII_104">104</a></p>
+
+<p>Nach beendeter Thronrede ersuchte der Kanzler die Gemeinen, sich in
+ihre Kammer zurück zu begeben und einen Sprecher zu wählen. Sie wählten
+den Generalfiscal Nagle, und die Wahl wurde vom Könige bestätigt.<a
+class = "tag" name = "tagXII_105" id = "tagXII_105" href =
+"#noteXII_105">105</a></p>
+
+<p>Die Gemeinen votirten nun zunächst Resolutionen, welche sowohl Jakob
+als Ludwig innigen Dank darbrachten. Es wurde sogar vorgeschlagen, durch
+eine Deputation Avaux eine Adresse überreichen zu lassen; der Sprecher
+aber setzte die grobe Unziemlichkeit eines solchen Schrittes
+auseinander, und sein Dazwischentreten hatte bei dieser Gelegenheit den
+gewünschten Erfolg.<a class = "tag" name = "tagXII_106" id =
+"tagXII_106" href = "#noteXII_106">106</a> Sonst war jedoch das Haus
+selten geneigt, auf Vernunftgründe zu hören. Die Debatten waren eitel
+Geschrei und Tumult. Der Richter Daly, ein Katholik, aber ein
+rechtschaffener und begabter Mann, konnte nicht umhin, die
+Unschicklichkeit und Thorheit zu beklagen, mit der die Mitglieder seiner
+Kirche das Werk der Gesetzgebung betrieben. Diese Herren, sagte er,
+seien kein Parlament, sondern ein bloßer Pöbelhaufen; sie glichen auf
+ein Haar den Fischern und Gemüsehändlern, welche in Neapel zu Ehren
+Masaniello’s brüllten und die Mützen emporwarfen. Es sei schmerzlich,
+ein Mitglied nach dem andren tollen Unsinn über seine Verluste schwatzen
+und nach dem geraubten Vermögen schreien zu hören, während das Leben
+Aller und die Unabhängigkeit des gemeinsamen Vaterlandes in Gefahr
+seien. Diese Worte wurden privatim gesprochen, aber einige Ohrenbläser
+hinterbrachten sie den Gemeinen. Es brach ein heftiger Sturm los. Daly
+wurde vor die Schranken gefordert, und es unterlag kaum einem Zweifel,
+daß man mit Strenge gegen ihn verfahren würde. In dem Augenblicke aber
+als er die Schwelle überschritt, stürzte ein Mitglied mit dem Ausrufe
+herein: „Gute Nachrichten! Londonderry ist genommen!“ Das ganze Haus
+erhob sich, alle Hüte flogen in die Luft, und drei laute Hurrahs
+ertönten. Jedes Herz wurde durch die frohe Botschaft zur Milde gestimmt.
+Niemand wollte in einem solchen Augenblick etwas von Bestrafung hören.
+Der Befehl zu Daly’s Erscheinen wurde unter dem Rufe: „Keine
+Unterwürfigkeit! keine Unterwürfigkeit! wir verzeihen ihm!“ wieder
+aufgehoben. Wenige Stunden später
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_57" id = "pageXII_57">
+XII.57</a></span>
+erfuhr man, daß Londonderry sich noch so hartnäckig hielt wie je zuvor.
+Dieser an sich unbedeutende Vorfall verdient erwähnt zu werden, weil er
+beweist, wie sehr es dem Hause der Gemeinen an den Eigenschaften fehlte,
+die in dem großen Rathe eines Landes gefunden werden müssen. Und diese
+Versammlung, die weder Erfahrung noch würdevollen Ernst, noch Mäßigung
+besaß, sollte jetzt über Fragen entscheiden, welche dem Scharfsinne der
+größten Staatsmänner viel zu schaffen gemacht haben würden.<a class =
+"tag" name = "tagXII_107" id = "tagXII_107" href =
+"#noteXII_107">107</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_100" id = "noteXII_100" href =
+"#tagXII_100">100.</a>
+<span class = "antiqua">King, III. 12</span>; <span class =
+"antiqua">Memoirs of Ireland from the Restoration, 1716.</span> Listen
+beider Häuser findet man im Anhang zu King.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_101" id = "noteXII_101" href =
+"#tagXII_101">101.</a>
+Beweise für Plowden’s Connection mit den Jesuiten fand ich in einem
+Briefbuche des Schatzamts unterm 12. Juni 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_102" id = "noteXII_102" href =
+"#tagXII_102">102.</a>
+<span class = "antiqua">„Sarsfield“</span>, schrieb Avaux unterm
+11.(21.) October 1689 an Louvois, <span class = "antiqua">„n’est pas un
+homme de la naissance de mylord Galloway“</span> (vermuthlich Galmoy)
+<span class = "antiqua">„ny de Makarty; mais c’est un gentilhomme
+distingué par son mérite, qui a plus de crédit dans ce royaume qu’aucun
+homme que je connaisse. Il a de la valeur, mais surtout de l’honneur et
+de la probité à toute épreuve ... homme qui sera toujours à la tête de
+ses troupes, et qui en aura grand soin.“</span> &mdash; Leslie sagt in
+seiner <span class = "antiqua">Answer to King</span>, daß die irischen
+Protestanten Sarsfield’s Rechtschaffenheit und Ehre Gerechtigkeit
+widerfahren ließen. In der That wird Sarsfield selbst in rohen Possen,
+wie die <span class = "antiqua">Royal <ins class = "correction" title =
+"Original hat »Fligth«">Flight</ins></span>, gebührende Anerkennung zu
+Theil.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_103" id = "noteXII_103" href =
+"#tagXII_103">103.</a>
+<span class = "antiqua">Journal of the Parliament in Ireland,
+1689.</span> Der Leser darf nicht glauben, daß dieses Tagebuch einen
+officiellen Character habe. Es ist eine bloße Compilation von einem
+protestantischen Pamphletisten und in London gedruckt.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_104" id = "noteXII_104" href =
+"#tagXII_104">104.</a>
+<span class = "antiqua">Life of James, II. 335.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_105" id = "noteXII_105" href =
+"#tagXII_105">105.</a>
+<span class = "antiqua">Journal of the Parliament in Ireland.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_106" id = "noteXII_106" href =
+"#tagXII_106">106.</a>
+Avaux, 20. Mai (5. Juni) 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_107" id = "noteXII_107" href =
+"#tagXII_107">107.</a>
+<span class = "antiqua">A True Account of the Present State of Ireland,
+by a Person that with Great Difficulty left Dublin, 1689</span>; Brief
+aus Dublin vom 12. Juni 1689; <span class = "antiqua">Journal of the
+Parliament in Ireland.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Es wird eine Toleranzacte erlassen.</span>
+<a name = "secXII_40" id = "secXII_40">Jakob</a> bestimmte sie zur
+Beschließung einer Acte, welche ihm und ihnen zur größten Ehre gereicht
+haben würde, hätte man nicht zahlreiche Beweise dafür, daß sie nur ein
+todter Buchstabe sein sollte. Es war dies eine Acte, welche allen
+christlichen Secten volle Gewissensfreiheit gewährte. Bei dieser
+Gelegenheit wurde eine Proklamation erlassen, welche in hochtrabenden
+Worten dem englischen Volke ankündigte, daß sein rechtmäßiger König
+jetzt augenfällig die Verleumder widerlegt habe, welche ihn beschuldigt
+hätten, nur um eines einzelnen Zweckes willen Eifer für die
+Glaubensfreiheit erheuchelt zu haben. Wenn er im Herzen zur Verfolgung
+geneigt wäre, würde er dann nicht die irischen Protestanten verfolgt
+haben? Es fehle ihm weder an Macht noch an Herausforderungen dazu.
+Dennoch habe er sowohl in Dublin, wo die Mitglieder seiner Kirche in der
+Majorität seien, wie auch in Westminster, wo sie in der Minorität
+gewesen, fest an den Grundsätzen gehalten, die er in seiner viel
+geschmähten Indulgenzerklärung ausgesprochen habe.<a class = "tag" name
+= "tagXII_108" id = "tagXII_108" href = "#noteXII_108">108</a> Zu seinem
+Unglück brachte der nämliche Wind, der seine schönen Reden nach England
+trug, zu gleicher Zeit auch den Beweis hinüber, daß seine Erklärungen
+nicht aufrichtig waren. Ein einzelnes, eines Turgot oder Franklin
+würdiges Gesetz nahm sich gar zu lächerlich aus inmitten einer Menge von
+Gesetzen, die einem Gardiner oder Alva Schande gemacht haben würden.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_108" id = "noteXII_108" href = "#tagXII_108">108.</a>
+<span class = "antiqua">Life of James, II. 361&mdash;363.</span> Es wird
+dort gesagt, die Proklamation sei ohne Vorwissen Jakob’s erlassen
+worden, er habe sie aber nachher gebilligt. Siehe Melwood’s <span class
+= "antiqua">Answer to the Declaration, 1689.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Acte zur Confiscation des Eigenthums der Protestanten.</span>
+<a name = "secXII_41" id = "secXII_41">Ein</a> nothwendiger Vorläufer zu
+dem großen Beraubungs- und Mordwerke, das die Gesetzgeber von Dublin
+beabsichtigten, war eine Acte, welche die Autorität annullirte, die das
+englische Parlament als höchste Legislatur wie als höchster Appellhof
+bisher über Irland ausgeübt hatte.<a class = "tag" name = "tagXII_109"
+id = "tagXII_109" href = "#noteXII_109">109</a> Diese Acte wurde rasch
+angenommen und ihr folgten in schneller Aufeinanderfolge Confiscationen
+und Proscriptionen in gigantischem Maßstabe. Das persönliche Vermögen
+der Abwesenden,<a class = "tag" name = "tagXII_110" id = "tagXII_110"
+href = "#noteXII_110">110</a> welche über siebzehn Jahr alt waren, wurde
+dem Könige zugeschrieben. Wenn man sich in solcher Weise an
+Laieneigenthum vergriff, so stand nicht zu erwarten, daß die Dotationen,
+welche im Widerspruch mit jedem gesunden Prinzip an die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_58" id = "pageXII_58">
+XII.58</a></span>
+Kirche der Minorität verschwendet worden waren, geschont werden würden.
+Diese Dotationen ohne Nachtheil für bestehende Interessen zu verringern,
+würde eine Reform gewesen sein, die eines guten Fürsten und eines guten
+Parlaments würdig gewesen wäre. Aber eine solche Reform genügte den
+rachsüchtigen Bigotten nicht, welche in King’s Inns saßen. Durch eine
+summarische Acte wurde der größte Theil der Zehnten von der
+protestantischen auf die katholische Geistlichkeit übertragen, und die
+bisherigen Inhaber ohne einen Farthing Entschädigung dem Hungertode
+preis gegeben.<a class = "tag" name = "tagXII_111" id = "tagXII_111"
+href = "#noteXII_111">111</a> Ferner wurde eine Bill, welche die
+Ansiedlungsacte aufhob und viele tausend Quadratmeilen Landes von
+sächsischen auf celtische Grundeigenthümer übertrug, eingebracht und
+durch Acclamation angenommen.<a class = "tag" name = "tagXII_112" id =
+"tagXII_112" href = "#noteXII_112">112</a></p>
+
+<p>Über eine solche Gesetzgebung kann man nicht streng genug urtheilen;
+aber für die Gesetzgeber lassen sich Entschuldigungen anführen, welche
+der Geschichtschreiber zu erwähnen verpflichtet ist. Sie handelten
+unbarmherzig, ungerecht und unklug; aber es wäre ungereimt, wollte man
+Erbarmen, Gerechtigkeit oder Weisheit von einer Klasse von Menschen
+erwarten, welche erst durch jahrelange Unterdrückung erniedrigt und dann
+durch die Freude über ihre plötzliche Erlösung der Besinnung beraubt und
+mit unwiderstehlicher Macht bewaffnet worden war. Die Vertreter der
+irischen Nation waren, mit wenigen Ausnahmen, roh und unwissend. Sie
+hatten in einem Zustande beständiger Gereiztheit gelebt, mit
+aristokratischen Gefühlen hatten sie eine knechtische Stellung
+eingenommen, mit dem höchsten Geburtsstolze waren sie tagtäglich
+Beleidigungen ausgesetzt gewesen, die den Zorn des geringsten Plebejers
+gereizt haben würden. Angesichts der Felder und Schlösser, die sie als
+ihr Eigenthum betrachteten, hatten sie froh sein müssen, wenn ein Bauer
+sie einlud, seine Milch- und Kartoffelmahlzeit zu theilen. Die heftigen
+Regungen von Haß und Habsucht, welche die Lage des eingebornen Gentleman
+fast nothwendig hervorrufen mußte, erschienen ihm in dem glänzenden
+Gewande des Patriotismus und der Frömmigkeit. Denn seine Feinde waren
+die Feinde seiner Nation, und die nämliche Tyrannei, welche ihn seines
+Erbes beraubt, hatte auch seine Kirche des großen Reichthums beraubt,
+den die Frömmigkeit einer früheren Zeit ihr gespendet. Welchen Gebrauch
+der Gewalt konnte man von einem ungebildeten und unerfahrenen Manne
+erwarten, der von heftigen Wünschen und Rachegelüsten erfüllt war,
+welche er irrig für heilige Pflichten ansah? Und was konnte man von
+einer Versammlung von einigen Hundert solcher Leute anders erwarten, als
+daß die Leidenschaften, welche jeder Einzelne so lange im Stillen
+genährt hatte, durch den Einfluß der Sympathie plötzlich zu einer
+furchtbaren Kraftäußerung heranreifen würden?</p>
+
+<p>Jakob hatte mit seinem Parlamente wenig mehr gemein als den Haß gegen
+die protestantische Religion. Er war ein Engländer. Der Aberglaube hatte
+nicht alles Nationalgefühl in seinem Herzen völlig erstickt und das
+Übelwollen, womit seine celtischen Anhänger den Volksstamm betrachteten,
+dem er entsprossen war, mußte ihm nothwendig mißfallen. Der
+Gesichtskreis seines Verstandes war klein. Da er jedoch in England
+regiert
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_59" id = "pageXII_59">
+XII.59</a></span>
+hatte und fortwährend dem Tage entgegensah, wo er wieder in England
+regieren würde, war es unmöglich, daß er den Horizont seiner Politik
+nicht mehr erweiterte als Diejenigen, welche nichts Andres als nur
+Irland im Auge hatten. Die wenigen irischen Protestanten, die ihm noch
+anhingen, und die britischen Edelleute, protestantische sowohl als
+katholische, die ihn ins Exil begleitet hatten, baten ihn dringend, die
+Heftigkeit des raubgierigen und rachsüchtigen Parlaments zu zügeln, das
+er zusammenberufen hatte. Ganz besonders drangen sie in ihn, daß er die
+Aufhebung der Ansiedlungsacte nicht zugeben solle. Mit welcher
+Sicherheit, fragten sie, könne Jemand sein Geld anlegen oder seinen
+Kindern einen Vermögensantheil zuschreiben, wenn er sich nicht auf
+bestimmte Gesetze und auf einen jahrelangen ununterbrochenen Besitz
+verlassen könne? Die militärischen Abenteurer, unter welche Cromwell den
+Grund und Boden vertheilt, könnten vielleicht als Unrechthandelnde
+betrachtet werden. Aber ein wie großer Theil ihrer Güter sei durch
+rechtsgültigen Kauf in andere Hände übergegangen! Wieviel Geld hätten
+die Grundbesitzer auf Hypothek, auf gesetzmäßige, gerichtlich vidimirte
+Verschreibung geliehen! Wie viele Kapitalisten seien im Vertrauen auf
+gesetzliche Bestimmungen und königliche Versprechungen von England
+herübergekommen und hätten ohne die mindeste Besorgniß wegen des
+Rechtstitels in Ulster und Leinster Land gekauft! Welche Summen hätten
+diese Kapitalisten während eines Vierteljahrhunderts auf Bauten,
+Drainirungen, Einhegungen und Anpflanzungen verwendet! Die Bedingungen
+des von Karl II. sanctionirten Compromisses möchten allerdings wohl
+nicht in jeder Beziehung gerecht sein; aber sollte eine Ungerechtigkeit
+durch eine noch monströsere Ungerechtigkeit wieder gut gemacht werden?
+Und welchen Eindruck würde voraussichtlich in England der Wehschrei von
+Tausenden unschuldiger englischer Familien hervorrufen, die ein
+englischer König zu Grunde gerichtet? Die Klagen einer solchen Masse von
+Duldern könnten die Restauration, der jeder loyale Unterthan mit
+Sehnsucht entgegensehe, verzögern, ja ganz verhindern, und selbst wenn
+Se. Majestät trotz dieser Klagen glücklich wieder eingesetzt werden
+sollte, würde er doch bis ans Ende seines Lebens die nachtheiligen
+Folgen der Ungerechtigkeit verspüren, zu deren Ausübung ihn schlimme
+Rathgeber jetzt drängten. Er würde finden, daß er durch den Versuch eine
+Klasse von Unzufriedenen zu beschwichtigen, eine andre geschaffen habe.
+Wenn er in Dublin dem Geschrei nach Aufhebung der Ansiedlungsacte
+nachgäbe, würde er sicherlich von dem Augenblicke an, wo er nach
+Westminster zurückkehre, mit einem eben so lauten und beharrlichen
+Geschrei nach Widerrufung dieser Aufhebung bestürmt werden. Er müsse
+doch wohl einsehen, daß kein auch noch so loyales englisches Parlament
+solche Gesetze fortbestehen lassen könne, wie sie jetzt vom irischen
+Parlament erlassen würden. Sei er entschlossen, die Partei Irland’s
+gegen die allgemeine Stimme England’s zu ergreifen? Wenn dies wäre, so
+könnte er sich nur auf eine abermalige Verbannung und Entsetzung gefaßt
+machen. Oder wolle er, wenn er das größere Königreich wieder habe, die
+Geschenke zurücknehmen, durch die er sich in seiner Noth die Hilfe des
+kleineren erkauft habe? Die bloße Vermuthung, daß er den Gedanken an
+eine solche unfürstliche und unmännliche Perfidie hegen könne, müsse
+schon als eine Beleidigung gegen ihn erscheinen. Allein was würde ihm
+Andres übrig bleiben? Und sei es nicht besser für ihn, er verweigere
+jetzt unbillige Zugeständnisse, als daß er diese Zugeständnisse nachher
+in einer Weise widerrufe,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_60" id = "pageXII_60">
+XII.60</a></span>
+die ihm Vorwürfe zuziehen würden, welche einem edlen Character
+unerträglich sein müßten? Seine Lage sei allerdings kritisch; aber in
+diesem, wie in anderen Fällen, werde es sich zeigen, daß der Pfad der
+Gerechtigkeit auch der Pfad der Weisheit sei.<a class = "tag" name =
+"tagXII_113" id = "tagXII_113" href = "#noteXII_113">113</a></p>
+
+<p>Obgleich sich Jakob in seiner Rede bei Eröffnung der Session gegen
+die Ansiedlungsacte erklärt hatte, sah er doch ein, daß diese Argumente
+unwiderleglich waren. Er hatte mehrere Conferenzen mit den leitenden
+Mitgliedern des Hauses der Gemeinen und empfahl dringend Mäßigung. Aber
+seine Vorstellungen stachelten die Leidenschaften, die er beschwichtigen
+wollte, nur noch mehr auf. Viele Mitglieder der eingebornen Gentry
+führten eine laute und heftige Sprache. Es sei unverschämt, sagten sie,
+von Rechten der Käufer zu sprechen. Wie könne Recht aus Unrecht
+hervorgehen? Leute, welche unrechtmäßig erworbenes Eigenthum kaufen
+könnten, müßten auch die Folgen ihrer Thorheit und Habsucht tragen. Es
+lag klar am Tage, daß das Unterhaus völlig unlenksam war. Vier Jahre
+früher hatte Jakob sich geweigert, dem dienstwilligsten Parlamente, das
+jemals in England getagt, das geringste Zugeständniß zu machen, und man
+hätte erwarten sollen, daß die Hartnäckigkeit, an der es ihm nie
+gefehlt, wenn sie ein Laster war, ihm auch jetzt nicht fehlen würde, wo
+sie eine Tugend gewesen wäre. Eine kurze Zeit lang schien er wirklich
+entschlossen, gerecht zu handeln. Er sprach sogar davon, das Parlament
+aufzulösen. Auf der andren Seite erklärten die Häupter der alten
+celtischen Familien ganz öffentlich, daß sie, wenn er ihnen ihr Erbe
+nicht zurückgebe, nicht für das seinige fechten würden. Seine eigenen
+Soldaten schmähten ihn in den Straßen von Dublin. Endlich beschloß er,
+sich, nicht mit Königsmantel und Krone, sondern in der Kleidung, in
+welcher er früher den Berathungen zu Westminster beizuwohnen pflegte,
+selbst ins Haus der Peers zu begeben und persönlich die Lords zu
+ersuchen, die Heftigkeit der Gemeinen zu zügeln. Aber als er eben zu
+diesem Zwecke in seinen Wagen steigen wollte, wurde er von Avaux
+zurückgehalten. Avaux nahm sich so eifrig wie nur irgend ein Irländer
+der Bills an, deren Einbringung die Gemeinen betrieben. Es war ihm
+genug, daß diese Bills Aussicht darauf eröffneten, die Feindschaft
+zwischen England und Irland unversöhnlich zu machen. Seine Vorstellungen
+bewogen Jakob, sich der offenen Opposition gegen die Aufhebung der
+Ansiedlungsacte zu enthalten. Indessen nährte der unglückliche Fürst
+doch noch immer eine schwache Hoffnung, daß das Gesetz, dessen Annahme
+die Gemeinen so eifrig wünschten, von den Peers verworfen oder
+wenigstens modificirt werden würde. Lord Granard, einer von den wenigen
+protestantischen Edelleuten, welche in diesem Parlamente saßen,
+verwendete sich energisch zu Gunsten des öffentlichen Vertrauens und der
+vernünftigen Politik. Der König ließ ihm seinen Dank dafür aussprechen.
+„Wir Protestanten,“ sagte Granard zu Powis, der im Auftrage des Königs
+zu ihm kam, „sind gering an Zahl. Wir können wenig thun. Se. Majestät
+sollte seinen Einfluß bei den Katholiken aufbieten.“ &mdash; „Se.
+Majestät“, entgegnete Powis mit einem Schwure, „wagt nicht zu sagen was
+er denkt.“ Wenige Tage darauf begegnete Jakob Lord Granard, als dieser
+eben nach dem Parlamentshause ritt.
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_61" id = "pageXII_61">
+XII.61</a></span>
+„Wohin wollen Sie, Mylord?“ fragte der König. „Sire“, antwortete
+Granard, „ich will meinen Protest gegen die Aufhebung der
+Ansiedlungsacte einreichen.“ &mdash; „Sie haben Recht,“ versetzte der
+König, „aber ich bin in die Hände von Leuten gefallen, die mir das und
+noch vieles Andre aufzwingen werden.“<a class = "tag" name =
+"tagXII_114" id = "tagXII_114" href = "#noteXII_114">114</a></p>
+
+<p>Jakob fügte sich dem Willen der Gemeinen; aber der ungünstige
+Eindruck, den sein kurzer und schwacher Widerstand auf sie gemacht, war
+durch seine Unterwerfung nicht zu verwischen. Sie betrachteten ihn mit
+großem Mißtrauen, sie waren überzeugt, daß er im Herzen ein Engländer
+sei und es verging kein Tag ohne ein Anzeichen von dieser Gesinnung. Sie
+beeilten sich nicht, ihm eine Geldunterstützung zu bewilligen. Eine
+Partei unter ihnen beabsichtigte eine Adresse, die ihn dringend
+auffordern sollte, Melfort als einen Feind ihrer Nation zu entlassen.
+Eine andre Partei entwarf eine Bill zur Absetzung aller protestantischen
+Bischöfe, selbst der vier, welche damals gerade im Parlamente saßen.
+Nicht ohne Mühe gelang es Avaux und Tyrconnel, deren Einfluß im
+Unterhause den des Königs bei weitem überwog, den Eifer der Majorität zu
+dämpfen.<a class = "tag" name = "tagXII_115" id = "tagXII_115" href =
+"#noteXII_115">115</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_109" id = "noteXII_109" href =
+"#tagXII_109">109.</a>
+<span class = "antiqua"><ins class = "correction"
+title = "Original hat »Ligth«">Light</ins> to the Blind</span>; <span class = "antiqua">An Act
+declaring that the Parliament of England cannot bind Ireland against
+<ins class = "correction" title = "Original hat »Wits«">Writs</ins> of
+Error and Appeals</span>, gedruckt in London, 1690.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_110" id = "noteXII_110" href =
+"#tagXII_110">110.</a>
+Das heißt derjenigen Irländer, welche nicht in ihrem Vaterlande wohnten.
+&mdash; Der Übersetzer.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_111" id = "noteXII_111" href =
+"#tagXII_111">111.</a>
+<span class = "antiqua">An Act concerning Appropriate Tythes and other
+Duties payable to Eclesiastical Dignitaries. London 1690.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_112" id = "noteXII_112" href =
+"#tagXII_112">112.</a>
+<span class = "antiqua">An Act for repealing the Acts of Settlement and
+Explanation, and all Grants, and Certificates pursuant to them or any of
+them. London 1690.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_113" id = "noteXII_113" href =
+"#tagXII_113">113.</a>
+Siehe die Schrift, welche der Oberrichter Keating dem König Jakob
+überreichte, und die Rede des Bischofs von Meath. Beide befinden sich im
+Anhange zu King. <span class = "antiqua">Life of James, II.
+357&mdash;361.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_114" id = "noteXII_114" href =
+"#tagXII_114">114.</a>
+<span class = "antiqua">Leslie’s Answer to King</span>; Avaux, 26. Mai
+(3.&nbsp;Juni) 1689; <span class = "antiqua">Life of James, II.
+358.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_115" id = "noteXII_115" href =
+"#tagXII_115">115.</a>
+Avaux, 28. Mai (7. Juni) und 30. Juni (10. Juli). Der Verfasser von
+<span class = "antiqua">Light to the Blind</span> verwirft entschieden
+die den protestantischen Bischöfen, welche Jakob anhingen, bewiesene
+Nachsicht.</p>
+</div>
+
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Prägung schlechten Geldes.</span>
+<a name = "secXII_42" id = "secXII_42">Es</a> ist bemerkenswerth, daß
+der König, während er das Vertrauen und die Zuneigung der irischen
+Gemeinen dadurch verlor, daß er auf der einen Seite die Institution des
+Eigenthums schwach gegen sie vertheidigte, auf einer andren Seite diese
+Institution mit einer Rücksichtslosigkeit angriff, welche womöglich noch
+stärker war als die ihrige. Er sah bald, daß kein Geld in seinen Schatz
+floß. Die Ursache war augenfällig genug. Mit dem Handel war es vorbei.
+Das bewegliche Kapital war in großen Massen aus der Insel weggezogen
+worden; von dem festen Kapital war viel zerstört, und das übrige lag
+todt da. Tausende von den Protestanten, welche den betriebsamsten und
+intelligentesten Theil der Bevölkerung bildeten, waren nach England
+ausgewandert. Tausend Andere hatten sich in die Städte geflüchtet, die
+sich noch für Wilhelm und Marien tapfer hielten. Von den in der Blüthe
+des Lebens stehenden katholischen Landleuten war die Mehrzahl in die
+Armee eingetreten oder hatte sich Plündererhorden angeschlossen. Die
+Armuth des Schatzes war die nothwendige Folge der Armuth des Landes; dem
+öffentlichen Wohlstande konnte nur durch Wiederherstellung des
+Privatwohlstandes aufgeholfen werden, und der Privatwohlstand konnte nur
+durch Jahre der Ruhe und Sicherheit wiederhergestellt werden. Jakob war
+einfältig genug zu glauben, daß es ein rascheres und wirksameres Mittel
+gebe. Er glaubte sich ganz einfach dadurch mit einem Male aus seinen
+finanziellen Verlegenheiten reißen zu können, daß er einen Farthing
+einen Schilling nannte. Das Recht, Geld zu schlagen, war unstreitig eine
+Perle der Prärogative, und seiner Ansicht nach schloß das Recht, Geld zu
+schlagen, auch das Recht in sich, die Münzen zu verschlechtern. Töpfe,
+Pfannen, Thürhämmer, Kanonen, welche seit langer Zeit unbrauchbar waren,
+wurden in die Münze geschickt, und in Kurzem waren Massen geringhaltigen
+Geldes im Nominalwerthe von einer Million Pfund Sterling, die
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_62" id = "pageXII_62">
+XII.62</a></span>
+aber in Wirklichkeit nicht den sechsten Theil dieser Summe werth waren,
+in Circulation gesetzt. Ein königliches Edict erklärte diese Münzen als
+gesetzliches Zahlungsmittel bei allen Vorkommnissen. Eine Hypothek von
+tausend Pfund wurde durch einen Sack voll Rechenpfennige, die aus alten
+Kesseln verfertigt waren, abgelöst. Den Gläubigern, die sich beim
+Kanzleigerichtshofe beschwerten, sagte Fitton, sie sollten ihr Geld
+nehmen und stillschweigen. Von allen Klassen aber hatten die
+Kleinhändler von Dublin, welche größtentheils Protestanten waren, die
+schwersten Verluste. Zuerst erhöhten sie natürlich ihre Preise; aber die
+Magistratsbehörde der Stadt begegnete dieser ketzerischen Machination
+durch Ausgabe eines die Preise regulirenden Tarifs. Jeder, der der jetzt
+dominirenden Kaste angehörte, konnte in einen Laden gehen, ein drei
+Pence werthes Geldstück auf den Ladentisch legen und dafür Waaren im
+Werthe von einer halben Guinee mitnehmen. Von gesetzlicher Abhilfe war
+keine Rede. Die Leidenden schätzten sich sogar glücklich, wenn sie durch
+Aufopferung ihres Geschäftsvermögens Sicherheit für ihre Glieder und ihr
+Leben erkaufen konnten. Es gab keinen Bäckerladen in der Stadt, der
+nicht beständig von zwanzig bis dreißig Soldaten belagert gewesen wäre.
+Einige Personen, die das schlechte Geld nicht nehmen wollten, wurden von
+Soldaten festgenommen und vor den Generalprofoß geführt, der sie mit
+Flüchen und Verwünschungen überhäufte, sie in dunkle Zellen einsperren
+ließ und durch die Drohung, sie an ihren eigenen Thüren aufhängen zu
+wollen, ihren Widerstand bald besiegte. Von allen Plagen der damaligen
+Zeit machte keine einen tieferen und nachhaltigeren Eindruck auf die
+Gemüther der Protestanten Dublin’s als die Plage des Kupfergeldes.<a
+class = "tag" name = "tagXII_116" id = "tagXII_116" href =
+"#noteXII_116">116</a> Den Erinnerungen an die Bestürzung und Noth,
+welche Jakob’s Münzen verursacht hatten, muß zum Theil der beharrliche
+Widerstand zugeschrieben werden, den fünfunddreißig Jahre später
+zahlreiche, dem Hause Hannover treuergebene Klassen in der Angelegenheit
+des Wood’schen Patents der Regierung Georg’s I. entgegensetzten.</p>
+
+<p>Es kann nicht bestritten werden, daß Jakob, indem er so aus eigner
+Machtvollkommenheit die Bedingungen aller Contracte im ganzen
+Königreiche umstürzte, sich eine Befugniß anmaßte, welche nur der
+gesammten Legislatur zukam. Dennoch remonstrirten die Gemeinen nicht
+dagegen. Es gab keine Befugniß, mochte sie auch noch so
+verfassungswidrig sein, die sie ihm nicht zuzugestehen bereit waren, so
+lange er sie zur Mißhandlung und Ausplünderung der englischen
+Bevölkerung anwendete. Dagegen respectirten sie keine auch noch so alte,
+noch so gesetzliche und noch so heilsame Prärogative, wenn sie
+besorgten, daß er sich derselben bedienen könnte, um die verabscheute
+Race zu beschützen. Sie ruhten nicht eher, als bis sie ihm die mit
+Widerstreben ertheilte Genehmigung eines empörenden Gesetzes, eines
+Gesetzes, das in der Geschichte der civilisirten Länder seines Gleichen
+nicht hat, der großen Verurtheilungsacte (<span class = "antiqua">Bill
+of attainder</span>) erpreßt hatten.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_116" id = "noteXII_116" href = "#tagXII_116">116.</a>
+<span class = "antiqua">King, III. 11</span>; <span class =
+"antiqua">Brief Memoirs by Haynes, Assay Master of the Mint</span>,
+unter den Lansdownmanuscripten im britischen Museum, Nr. 801. Ich habe
+mehrere solche Münzen gesehen. Die Ausführung ist, in Berücksichtigung
+aller Umstände, überraschend gut.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die große Verurtheilungsacte.</span>
+<a name = "secXII_43" id = "secXII_43">Es</a> wurde eine Liste
+zusammengestellt, welche zwischen zwei- und dreitausend Namen enthielt.
+An
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_63" id = "pageXII_63">
+XII.63</a></span>
+der Spitze standen die Hälfte der Peers von Irland. Dann kamen Baronets,
+Ritter, Geistliche, Squires, Kaufleute, Landwirthe, Handwerker, Frauen
+und Kinder. Eine Untersuchung fand nicht statt. Jedes Mitglied, das sich
+eines Gläubigers, eines Nebenbuhlers, eines Privatfeindes entledigen
+wollte, gab dem Sekretär den Namen an, und er wurde in der Regel ohne
+Discussion in die Liste eingetragen. Die einzige Debatte, von der eine
+Nachricht auf uns gekommen ist, bezog sich auf den Earl von Strafford.
+Er hatte Freunde im Hause, die es wagten, etwas zu seinen Gunsten
+anzuführen. Doch wenige Worte aus dem Munde Simon Luttrell’s entschieden
+die Sache. „Ich habe<ins class = "correction" title = "“ fehlt">,“</ins>
+sagte er, „den König einige harte Äußerungen über diesen Lord thun
+hören.“ Dies wurde für genügend erachtet, und der Name Strafford nimmt
+in der langen Liste der Proscribirten die fünfte Stelle ein.<a class =
+"tag" name = "tagXII_117" id = "tagXII_117" href =
+"#noteXII_117">117</a></p>
+
+<p>Es wurden bestimmte Tage festgesetzt, bis zu welchen Diejenigen,
+deren Namen auf der Liste standen, sich einer Justiz stellen mußten, wie
+sie damals gegen die englischen Protestanten in Dublin ausgeübt wurde.
+Befand sich die proscribirte Person in Irland, so mußte sie sich am 10.
+August stellen. War sie seit dem 5. November 1688 von Irland abwesend,
+so mußte sie sich am 1. September stellen. Hatte sie Irland vor dem 5.
+November 1688 verlassen, so mußte sie sich am 1. October stellen.
+Erschien sie an dem festgesetzten Tage nicht, so sollte sie ohne Prozeß
+aufgehängt, geschleift und geviertheilt und ihr Vermögen confiscirt
+werden. Es konnte einem Proscribirten physisch unmöglich sein, sich bis
+zu der durch die Acte festgesetzten Zeit zu stellen. Er konnte
+bettlägerig sein, er konnte sich in Westindien aufhalten oder er konnte
+im Gefängniß sitzen. Solche Fälle waren in der That notorisch vorhanden.
+Unter den verurtheilten Lords befand sich auch Mountjoy. Er war durch
+Tyrconnel’s Niederträchtigkeit bewogen worden, vertrauensvoll nach
+Saint-Germains zu gehen, war in die Bastille geworfen worden, wo er noch
+saß, und das irische Parlament schämte sich nicht zu verfügen, daß, wenn
+er nicht binnen wenigen Wochen aus seiner Zelle entkommen und sich in
+Dublin stellen könne, er hingerichtet werden solle.<a class = "tag" name
+= "tagXII_118" id = "tagXII_118" href = "#noteXII_118">118</a></p>
+
+<p>Da man nicht einmal vorgab, daß die Schuld der so Geächteten
+untersucht worden sei, da nicht ein Einziger unter ihnen zu seiner
+Vertheidigung angehört worden war, und da es ausgemacht war, daß es
+Vielen physisch unmöglich sein würde, rechtzeitig zu erscheinen, so lag
+es auf der Hand, daß nur eine umfassende Ausübung des königlichen
+Begnadigungsrechts die Verübung von so haarsträubenden Ungerechtigkeiten
+verhüten konnte, die selbst in der traurigen Geschichte der irländischen
+Wirren ohne Beispiel dastehen. Daher beschlossen die Gemeinen, daß das
+königliche Begnadigungsrecht beschränkt werden solle. Es wurden
+verschiedene Formalitäten ersonnen, welche die Erlangung von
+Begnadigungen erschweren und kostspielig machen sollten, und schließlich
+wurde verordnet, daß jede Begnadigung, die Se. Majestät nach dem letzten
+November 1689 irgend einer der vielen Hundert ohne Prozeß zum Tode
+verurtheilten Personen zu Theil werden ließe, durchaus ungültig und
+wirkungslos sein sollte. Sir Richard Nagle erschien im Ornate vor den
+Lords und überreichte die Bill
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_64" id = "pageXII_64">
+XII.64</a></span>
+mit einer der Gelegenheit würdigen Rede. „Viele von den hier
+Proscribirten,“ sagte er, „sind durch uns genügende Beweise als
+Verräther überführt. In Betreff der Anderen haben wir den allgemeinen
+Ruf, in dem sie stehen, für maßgebend erachtet.“<a class = "tag" name =
+"tagXII_119" id = "tagXII_119" href = "#noteXII_119">119</a> Die Liste
+war mit so rücksichtsloser Barbarei zusammengestellt, daß selbst
+fanatische Royalisten, die zu der nämlichen Zeit ihr Vermögen, ihre
+Freiheit und ihr Leben für Jakob auf’s Spiel setzten, nicht sicher vor
+der Proscription waren. Der gelehrteste Mann, dessen die jakobitische
+Partei sich rühmen konnte, war Heinrich Dodwell, Camdenianischer
+Professor an der Universität Oxford. In der Vertheidigung der erblichen
+Monarchie scheute er kein Opfer und keine Gefahr. Mit Bezug auf ihn
+sprach Wilhelm die denkwürdigen Worte aus: „Er hat sich vorgenommen ein
+Märtyrer zu werden, und ich habe mir vorgenommen, sein Vorhaben zu
+vereiteln.“ Aber Jakob war gegen Freunde grausamer als Wilhelm gegen
+Feinde. Dodwell war Protestant und besaß etwas Grundeigenthum in
+Connaught; diese Verbrechen waren hinreichend, um ihn in die lange Liste
+Derer aufzunehmen, welche zum Galgen und zum Viertheilen verurtheilt
+waren.<a class = "tag" name = "tagXII_120" id = "tagXII_120" href =
+"#noteXII_120">120</a></p>
+
+<p>Daß Jakob seine Zustimmung zu einer Bill geben werde, die ihm das
+Begnadigungsrecht entzog, hielten viele Leute für unmöglich. Er war vier
+Jahre früher lieber mit dem loyalsten Parlamente zerfallen, als daß er
+eine Prärogative aufgegeben hätte, die ihm nicht einmal gehörte. Es ließ
+sich daher wohl erwarten, daß er jetzt Alles daran setzen würde, um eine
+Prärogative zu behalten, die seine Vorgänger seit dem Bestehen der
+Monarchie zu allen Zeiten besessen hatten und die von den Whigs niemals
+bestritten worden war. Die strenge Miene und die erhobene Stimme, womit
+er die Torygentlemen zurechtgewiesen, die ihn in der Sprache der
+tiefsten Ehrerbietung und der innigsten Zuneigung beschworen, sich der
+Beobachtung der Gesetze nicht zu entziehen, würden jetzt an ihrem Platze
+gewesen sein. Er hätte wohl sehen können, daß der rechte Weg der
+weiseste war. Hätte er bei dieser hochwichtigen Gelegenheit den Muth
+gehabt, zu erklären, daß er unschuldiges Blut nicht vergießen und selbst
+bezüglich der Schuldigen sich des Rechts nicht entäußern wolle, die
+Verurtheilungen durch Gnade zu mildern, so würde er in England mehr
+Herzen gewonnen haben, als er in Irland verloren hätte. Aber sein
+Unstern wollte jederzeit, daß er widerstand, wo er hätte nachgeben
+sollen, und daß er nachgab, wo er hätte widerstehen sollen. Das
+abscheulichste aller Gesetze erhielt seine Sanction, und seine Schuld
+wird nur sehr wenig dadurch gemildert, daß er diese Sanction mit einigem
+Widerstreben gab.</p>
+
+<p>Damit nichts fehlen möchte, um dieses große Verbrechen vollkommen zu
+machen, war man sorgfältig darauf bedacht zu verhüten, daß die
+verurtheilten Personen ihre Verurtheilung früher als nach Ablauf der in
+der Acte festgesetzten Gnadenfrist erfuhren. Die Liste der Namen wurde
+nicht veröffentlicht, sondern in Fitton’s Cabinet sorgfältig
+verschlossen gehalten. Einige Protestanten, die es noch mit Jakob
+hielten, aber gern wissen wollten,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_65" id = "pageXII_65">
+XII.65</a></span>
+ob einer ihrer Freunde oder Verwandten proscribirt war, gaben sich alle
+mögliche Mühe, um Einsicht in die Liste zu erlangen; aber Bitten,
+Vorstellungen und selbst Bestechungen waren erfolglos. Nicht ein
+einziges Exemplar kam ins Publikum, bis es für die Tausende, welche ohne
+Prozeß verurtheilt waren, zu spät war, Begnadigung zu erlangen.<a class
+= "tag" name = "tagXII_121" id = "tagXII_121" href =
+"#noteXII_121">121</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_117" id = "noteXII_117" href =
+"#tagXII_117">117.</a>
+<span class = "antiqua">King III. 12.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_118" id = "noteXII_118" href =
+"#tagXII_118">118.</a>
+<span class = "antiqua">An Act for the Attainder of divers Rebels and
+for preserving the Interest of loyal Subjects, London 1690.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_119" id = "noteXII_119" href =
+"#tagXII_119">119.</a>
+<span class = "antiqua">King III. 13.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_120" id = "noteXII_120" href =
+"#tagXII_120">120.</a>
+Sein Name steht in der ersten Columne auf Seite 30 derjenigen Ausgabe
+der Liste, welche am 26. März 1690 die Druckerlaubniß erhielt. Ich hatte
+geglaubt, der Proscribirte müsse ein andrer Heinrich Dodwell gewesen
+sein. Aber Bischof Kennet’s zweiter Brief an den Bischof von Carlisle
+vom Jahre 1716 hebt jeden Zweifel über diesen Gegenstand.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_121" id = "noteXII_121" href =
+"#tagXII_121">121.</a>
+<span class = "antiqua">A list of most of the Names of the Nobility,
+Gentry and Commonalty of England and Ireland (amongst whom are several
+Women and Children) who are all, by an Act of a Pretended Parliament
+assembled in Dublin, attainted of High Treason, 1699</span>; <span class
+= "antiqua">An Account of the Transactions of the late King James in
+Ireland, 1690</span>; <span class = "antiqua">King, III. 13</span>;
+<span class = "antiqua">Memoirs of Ireland 1716</span>.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Jakob prorogirt sein Parlament.</span>
+<a name = "secXII_44" id = "secXII_44">Gegen</a> Ende des Monats Juli
+prorogirte Jakob die beiden Häuser. Sie waren aber zehn Wochen
+versammelt gewesen, und während dieses Zeitraums hatten sie auf das
+Vollständigste bewiesen, daß, so groß auch die Übel gewesen sind, welche
+das Übergewicht der Protestanten in Irland <ins class = "correction"
+title = "Original hat »herorgerufen«">hervorgerufen</ins>, die durch das
+Übergewicht der Papisten erzeugten Übel noch größer gewesen sein würden.
+Daß die Colonisten, als sie den Sieg errungen hatten, ihn gröblich
+mißbrauchten und daß ihre Gesetzgebung viele Jahre lang ungerecht und
+tyrannisch war, ist sehr wahr. Aber nicht minder wahr ist es, daß sie
+das entsetzliche Beispiel, das ihr besiegter Feind während des kurzen
+Zeitraums gab, wo er im Besitz der Macht war, nie ganz erreichten.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Verfolgung der Protestanten in Irland.</span>
+<a name = "secXII_45" id = "secXII_45">In</a> der That, während Jakob
+sich laut rühmte, ein Gesetz erlassen zu haben, das allen
+Religionsgesellschaften völlige Gewissensfreiheit gewährte, wüthete in
+allen Provinzen, die seine Autorität anerkannten, eine eben so grausame
+Verfolgung wie die im Languedoc. Diejenigen, welche eine Entschuldigung
+für ihn zu finden wünschten, sagten, daß fast alle Protestanten, die
+sich noch in Munster, <ins class = "correction"
+title = "Original hat »Connaugth«">Connaught</ins> und Leinster aufhielten, seine Feinde seien
+und daß er sie nicht als Schismatiker, sondern als Rebellen von
+Gesinnung, denen es nur an einer Gelegenheit fehlte, Rebellen der That
+zu werden, der Unterdrückung und Beraubung preis gebe, und dieser
+Entschuldigung hätte man einiges Gewicht zugestehen können, wenn er sich
+ernstlich bemüht hätte, die wenigen Colonisten zu beschützen, welche
+zwar dem reformirten Glauben treu anhingen, aber doch noch immer an den
+Lehren vom Nichtwiderstande und von dem unveräußerlichen Erbrechte
+festhielten. Aber selbst diese ergebenen Royalisten sollten erfahren,
+daß ihre Ketzerei in seinen Augen ein Verbrechen war, das durch keine
+Dienste und durch keine Opfer gesühnt werden konnte. Einige Cavaliere,
+Mitglieder der anglikanischen Kirche, die ihn in Irland willkommen
+geheißen und in seinem Parlamente gesessen hatten, stellten ihm vor,
+daß, wenn die Verordnung, welche jedem Protestanten den Besitz irgend
+einer Waffe verbot, streng durchgeführt werden sollte, ihre Landhäuser
+den Rapparees preisgegeben sein würden, und erlangten von ihm die
+Erlaubniß, soviel Waffen behalten zu dürften, als sie für einige Diener
+brauchten. Allein Avaux machte Gegenvorstellungen. Die Erlaubniß, sagte
+er, werde gröblich gemißbraucht, man dürfe diesen protestantischen Lords
+nicht trauen, sie verwandelten ihre Häuser in Festungen, und Se.
+Majestät werde bald Ursache haben, seine Güte zu bereuen. Diese
+Vorstellungen gewannen die Oberhand und es wurden katholische Truppen in
+den verdächtigen Wohnungen einquartiert.<a class = "tag" name =
+"tagXII_122" id = "tagXII_122" href = "#noteXII_122">122</a></p>
+
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_66" id = "pageXII_66">
+XII.66</a></span>
+<p>Noch härter war das Loos derjenigen protestantischen Geistlichen,
+welche mit verzweifelter Treue der Sache des Gesalbten des Herrn
+anhingen. Von allen anglikanischen Geistlichen scheint Cartwright
+derjenige gewesen zu sein, der sich der Gewogenheit Jakob’s im
+bedeutendsten Maße erfreute. Ob Cartwright lange hätte ein Günstling
+bleiben können, ohne Apostat zu werden, steht zu bezweifeln. Er starb
+wenige Wochen nach seiner Ankunft in Irland, und von diesem Augenblicke
+an besaß seine Kirche keinen Verfechter ihrer Sache mehr. Indessen
+fuhren einige von ihren Prälaten und Priestern noch fort diejenigen
+Lehren zu predigen, die sie in den Tagen der Ausschließungsbill
+gepredigt hatten. Aber sie verrichteten ihre Functionen mit Gefahr ihres
+Lebens oder ihrer Glieder. Jeder, der einen Priesterrock trug, war eine
+Zielscheibe für die Beleidigungen und Gewaltthätigkeiten der Soldaten
+und Rapparees. In der Provinz wurde sein Haus geplündert, und er konnte
+von Glück sagen, wenn es ihm nicht über dem Kopfe angezündet wurde. In
+den Straßen von Dublin wurde er mit dem Rufe verfolgt: „Da geht so ein
+Teufel von Ketzer!“ Bald wurde er zu Boden geschlagen, bald mit
+Stockprügeln regalirt.<a class = "tag" name = "tagXII_123" id =
+"tagXII_123" href = "#noteXII_123">123</a> Die Vorsteher der Universität
+zu Dublin, welche in der anglikanischen Lehre vom passiven Gehorsam
+erzogen waren, hatten Jakob bei seiner ersten Ankunft im Schlosse
+begrüßt und von ihm die Zusicherung erhalten, daß er sie im Genusse
+ihres Eigenthums und ihrer Vorrechte schützen werde. Sie wurden jetzt,
+ohne Prozeß, ohne Anklage, aus ihrem Hause geworfen. Die
+Communiongeräthe der Kapelle, die Bücher der Bibliothek, ja selbst die
+Stühle und Betten der Collegiaten wurden weggenommen. Ein Theil des
+Gebäudes wurde in ein Magazin, ein andrer in eine Kaserne, ein dritter
+in ein Gefängniß verwandelt. Simon Luttrell, welcher Gouverneur der
+Hauptstadt war, wurde mit großer Mühe und nur durch mächtige Fürsprache
+bewogen, die vertriebenen Fellows und Studenten ungehindert abziehen zu
+lassen. Er gestattete ihnen endlich in Freiheit zu bleiben unter der
+Bedingung, daß bei Todesstrafe nicht drei von ihnen sich versammelten.<a
+class = "tag" name = "tagXII_124" id = "tagXII_124" href =
+"#noteXII_124">124</a> Kein protestantischer Geistlicher wurde härter
+betroffen als Doctor Wilhelm King, Dechant zu St. Patrick. Er hatte sich
+seit langer Zeit durch die glühende Begeisterung ausgezeichnet, mit der
+er die Pflicht des passiven Gehorsams selbst gegen die schlechtesten
+Regenten eingeschärft. Zu einer späteren Zeit, als er eine Vertheidigung
+der Revolution geschrieben und von der neuen Regierung eine Mitra
+angenommen hatte, erinnerte man ihn daran, daß er die göttliche Rache
+auf die Usurpatoren herabgerufen und erklärt hatte, lieber hundert Mal
+den Tod erleiden zu wollen, ehe er der Sache des erblichen Rechts untreu
+würde. Er hatte gesagt, daß die wahre Religion wohl oft durch Verfolgung
+gekräftigt worden sei, aber nie durch Rebellion gekräftigt werden könne,
+daß der Tag, an welchem ein ganzer Karren voll von Geistlichen der
+Kirche von England für die Lehre vom Nichtwiderstande zum Galgen ginge,
+ein glorreicher Tag für diese Kirche sein würde, und daß es sein
+höchster Ehrgeiz sei, zu einer solchen Gesellschaft zu gehören.<a class
+= "tag" name = "tagXII_125" id = "tagXII_125" href =
+"#noteXII_125">125</a> Es ist nicht unwahrscheinlich, daß er, als er
+dies sagte, auch dachte wie er sprach. Aber wenn auch seine Grundsätze
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_67" id = "pageXII_67">
+XII.67</a></span>
+vielleicht gegen die Strenge und die Versprechungen Wilhelm’s Stand
+gehalten haben würden, gegen Jakob’s Undankbarkeit waren sie nicht
+probefest. Die menschliche Natur machte endlich ihre Rechte geltend.
+Nachdem King von der Regierung, deren fester Anhänger er war, zu
+wiederholten Malen ins Gefängniß geworfen, nachdem er in seiner eignen
+Kirche von den Soldaten insultirt und bedroht, nachdem ihm untersagt
+worden, auf seinem Kirchhofe zu begraben und auf seiner Kanzel zu
+predigen, nachdem er einem auf der Straße gegen ihn abgefeuerten
+Flintenschusse kaum mit dem Leben entronnen war, fing er an, die
+whiggistische Regierungstheorie für weniger unvernünftig und
+unchristlich zu halten, als sie ihm früher vorgekommen war, und er
+überredete sich, daß die unterdrückte Kirche mit Fug und Recht die
+Befreiung annehmen dürfe, wenn es Gott gefiele, ihr solche, gleichviel
+durch welche Mittel, zu senden.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_122" id = "noteXII_122" href =
+"#tagXII_122">122.</a>
+Avaux, 27. Juli (6. August) 1689.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_123" id = "noteXII_123" href =
+"#tagXII_123">123.</a>
+<span class = "antiqua">King’s State of the Protestants in Ireland, III.
+19.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_124" id = "noteXII_124" href =
+"#tagXII_124">124.</a>
+<span class = "antiqua">King’s State of the Protestants in Ireland, III.
+15.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_125" id = "noteXII_125" href =
+"#tagXII_125">125.</a>
+<span class = "antiqua">Leslie’s Answer to King.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Wirkung der aus Irland kommenden Nachrichten in England.</span>
+<a name = "secXII_46" id = "secXII_46">Es</a> zeigte sich bald, daß
+Jakob wohlgethan haben würde, wenn er auf diejenigen Rathgeber gehört
+hätte, die ihm gesagt hatten, die Maßregeln, durch welche er sich in
+einem seiner drei Königreiche beliebt zu machen versuchte, würden ihn in
+den anderen verhaßt machen. Es war in mancher Hinsicht ein Glück für
+England, daß er, nachdem er aufgehört hatte, daselbst zu regieren, noch
+über ein Jahr in Irland regierte. Auf die Revolution war ein Umschwung
+der öffentlichen Meinung zu seinen Gunsten gefolgt. Hätte diese Reaction
+ihren ungestörten Fortgang genommen, so würde sie vielleicht angehalten
+haben, bis er wieder König war; aber sie wurde durch ihn selbst
+gewaltsam unterbrochen. Er wollte sein Volk nichts vergessen und nichts
+hoffen lassen; während es sich bemühte, Entschuldigungen für seine
+vergangenen Fehler aufzufinden, und sich einzureden suchte, daß er nicht
+wieder in diese Fehler verfallen werde, zwang er den Leuten gegen ihren
+Willen die Überzeugung auf, daß er unverbesserlich sei, daß die
+härtesten Strafen des Mißgeschicks ihn nichts gelehrt, und daß, wenn sie
+schwach genug sein sollten, ihn zurückzurufen, sie ihn bald wieder
+würden absetzen müssen. Umsonst schrieben die Jakobiten Pamphlets über
+die Grausamkeit, mit der er von seinen nächsten Blutsverwandten
+behandelt worden sei, über den herrschsüchtigen Character und die
+schroffen Manieren Wilhelm’s, über die den Holländern zu Theil
+gewordenen Begünstigungen, über die drückenden Abgaben, über die
+Suspension der Habeas-Corpusacte und über die Gefahren, welche der
+Kirche von Seiten der Feindschaft der Puritaner und der Latitudinarier
+drohten. Jakob widerlegte diese Pamphlete viel wirksamer als die
+gewandtesten und beredtesten whiggistischen Schriftsteller
+zusammengenommen es vermocht haben würden. Jede Woche kam die Nachricht,
+daß er eine neue Acte zur Beraubung oder Ermordung der Protestanten
+erlassen hatte. Jeder Colonist, dem es gelang, von Leinster über das
+Meer nach Holyhead oder Bristol zu entkommen, brachte entsetzliche
+Berichte mit von der Tyrannei, unter der seine Glaubensbrüder seufzten.
+Welchen Eindruck diese Berichte auf die Protestanten unsrer Insel
+machten, kann man leicht aus der Thatsache schließen, daß sie den
+Unwillen Ronquillo’s, eines Spaniers und bigotten Mitgliedes der
+römischen Kirche, erregten. Er schrieb seinem Hofe, daß, obwohl die
+englischen Gesetze gegen den Papismus streng erscheinen möchten, sie
+doch durch die Besonnenheit und Humanität der Regierung so sehr
+gemildert würden, daß sie ruhigen Leuten nicht lästig fielen, und er
+versicherte dem heiligen Stuhle, daß die Leiden eines
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_68" id = "pageXII_68">
+XII.68</a></span>
+Katholiken in London nichts seien im Vergleich zu den Leiden eines
+Protestanten in Irland.<a class = "tag" name = "tagXII_126" id =
+"tagXII_126" href = "#noteXII_126">126</a></p>
+
+<p>Die englischen Flüchtlinge fanden in England herzliche Theilnahme und
+freigebige Unterstützung. Viele wurden in den Häusern von Freunden oder
+Verwandten aufgenommen; viele Andere aber verdankten die Mittel zu ihrem
+Unterhalt der Freigebigkeit von Fremden. Unter Denen, die sich an diesem
+Werke der Barmherzigkeit betheiligten, trug Niemand in reicherem Maße
+und mit weniger Ostentation dazu bei als die Königin. Das Haus der
+Gemeinen stellte dem Könige funfzehntausend Pfund zur Unterstützung
+derjenigen Flüchtlinge zur Verfügung, die derselben am dringendsten
+bedurften, und ersuchte ihn, den zum Militärdienste Befähigten
+Offizierspatente in der Armee zu geben.<a class = "tag" name =
+"tagXII_127" id = "tagXII_127" href = "#noteXII_127">127</a> Auch wurde
+eine Acte erlassen, welche bepfründete Geistliche, die aus Irland
+entflohen waren, zur Anstellung in England befähigt erklärte.<a class =
+"tag" name = "tagXII_128" id = "tagXII_128" href =
+"#noteXII_128">128</a> Doch die Theilnahme, welche die Nation diesen
+unglücklichen Gästen schenkte, war lau im Vergleich zu der Theilnahme,
+welche derjenige Theil der sächsischen Colonie erweckte, der in Ulster
+noch immer einen verzweifelten Kampf gegen eine erdrückende Übermacht
+unterhielt. Über diesen Gegenstand ließ sich auf unsrer Insel kaum eine
+einzige abweichende Stimme vernehmen. Whigs und Tories, ja selbst
+diejenigen Jakobiten, in denen der Jakobitismus noch nicht alles
+patriotische Gefühl erstickt hatte, priesen den Ruhm von Enniskillen und
+Londonderry. Das ganze Haus der Gemeinen war eines Sinnes. „Es ist jetzt
+nicht Zeit, die Kosten zu berechnen,“ sagte der wackere Birch, der sich
+noch sehr wohl der Art der Kriegführung Olivers gegen die Irländer
+erinnerte. „Sollen wir diese braven Leute in Londonderry im Stich
+lassen? Wird nicht die ganze Welt Schimpf und Schande über uns rufen,
+wenn wir sie dem Untergange preis geben? Man hat die Einfahrt in den
+Fluß versperrt! Warum haben wir den Sperrbaum nicht längst zertrümmert?
+Sollen unsere Brüder fast angesichts England’s, wenige Stunden Wegs von
+unseren Küsten umkommen?“<a class = "tag" name = "tagXII_129" id =
+"tagXII_129" href = "#noteXII_129">129</a> Howe, der Heftigste der einen
+Partei, erklärte, daß die Herzen des Volks für Irland schlügen. Seymour,
+das Haupt der andren Partei, erklärte, daß, obwohl er an der Einsetzung
+der neuen Regierung nicht Theil genommen, er sie von Herzen gern in
+Allem, was zur Erhaltung Irland’s für nöthig erachtet werden möchte,
+unterstützen werde.<a class = "tag" name = "tagXII_130" id =
+"tagXII_130" href = "#noteXII_130">130</a> Die Gemeinen ernannten einen
+Ausschuß, der die Ursache der Verzögerungen und Fehlgriffe untersuchen
+sollte, welche den englischen Bewohnern von Ulster fast zum Verderben
+gereicht hätten. Die Offiziere, deren Verrätherei oder Feigheit das
+Publikum die Calamitäten Londonderry’s zuschrieb, wurden gefänglich
+eingezogen. Lundy wurde in den Tower, Cunningham in das Gate House
+geschickt. Die öffentliche Aufregung wurde einigermaßen beschwichtigt
+durch die Ankündigung, daß noch vor Ablauf des Sommers eine Armee von
+hinreichender Stärke, um
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_69" id = "pageXII_69">
+XII.69</a></span>
+das englische Übergewicht wiederherzustellen, über den St. Georgskanal
+geschickt und daß Schomberg das Commando erhalten sollte. Vor der Hand
+wurde ein Armeecorps, das man zum Entsatz von Londonderry für genügend
+hielt, unter Kirke’s Commando von Liverpool abgesandt. Die finstre
+Hartnäckigkeit, mit der dieser Mann, trotz königlicher Bitten, an seinem
+Glauben festgehalten, und der Antheil, den er an der Revolution
+genommen, hatten ihm vielleicht Anspruch auf eine Amnestie für frühere
+Verbrechen verschafft. Aber es ist schwer zu begreifen, warum die
+Regierung zu einem Posten von höchster Wichtigkeit einen Offizier
+wählte, der allgemein und mit Recht verhaßt war, der nie ein eminentes
+Feldherrntalent gezeigt und der, in Afrika sowohl wie in England, unter
+seinen Soldaten erwiesenermaßen eine nicht nur die Humanität empörende,
+sondern auch mit der Disciplin unverträgliche Zügellosigkeit geduldet
+hatte.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_126" id = "noteXII_126" href =
+"#tagXII_126">126.</a>
+<span class = "antiqua">„En comparazion de lo que se hace in Irlanda con
+los Protestantes, es nada.“</span> 29. April (9.&nbsp;Mai) 1689. &mdash;
+<span class = "antiqua">„Para que vea Su Santitad que aqui estan los
+Catolicos mas benignamente tratados que les Protestantes in
+Irlanda.“</span> 19.(29.) Juni.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_127" id = "noteXII_127" href =
+"#tagXII_127">127.</a>
+<span class = "antiqua">Commons’ Journals, June 15. 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_128" id = "noteXII_128" href =
+"#tagXII_128">128.</a>
+<span class = "antiqua">Stat. 1 W. &amp; M. sess. I. c. 29.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_129" id = "noteXII_129" href =
+"#tagXII_129">129.</a>
+<span class = "antiqua">Grey’s Debates, June 19. 1689.</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_130" id = "noteXII_130" href =
+"#tagXII_130">130.</a>
+<span class = "antiqua">Ibid. June 22. 1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Thaten der Enniskillener.</span>
+<a name = "secXII_47" id = "secXII_47">Am</a> 16. Mai wurden Kirke’s
+Truppen eingeschifft, und am 20. gingen sie unter Segel; aber widrige
+Winde verzögerten die Überfahrt und zwangen das Geschwader, lange vor
+der Insel Man liegen zu bleiben. Unterdessen vertheidigten sich die
+Protestanten von Ulster mit unerschütterlichem Muthe gegen eine große
+Übermacht. Die Enniskillener hatten nicht aufgehört, einen energischen
+Parteikrieg gegen die eingeborne Bevölkerung zu führen. Anfangs Mai
+marschirten sie einem starken Truppencorps aus Connaught entgegen, das
+in Donegal eingefallen war. Die Irländer wurden bald geschlagen und
+flohen mit einem Verlust von hundertzwanzig Todten und sechzig
+Gefangenen nach Sligo. Zwei kleine Geschütze und mehrere Pferde fielen
+den Siegern in die Hände. Durch diesen Sieg ermuthigt, fielen die
+Enniskillener bald darauf in die Grafschaft Cavan ein, trieben
+funfzehnhundert Mann von Jakob’s Truppen vor sich her, nahmen und
+zerstörten das Schloß Ballincarrig, das für das festeste in diesem
+Theile des Königreichs galt, und nahmen die Piken und Gewehre der
+Besatzung mit sich. Der nächste Einfall erfolgte in Meath. Hier wurden
+dreitausend Rinder und zweitausend Schafe mit fortgeführt und auf der
+kleinen Insel des Ernesees in Sicherheit gebracht. Diese kühnen Thaten
+verbreiteten Schrecken bis vor die Thore Dublin’s. Der Oberst Hugo
+Sutherland erhielt Befehl, mit einem Regiment Dragonern und zwei
+Regimentern Infanterie gegen Enniskillen zu marschiren. Er nahm Waffen
+für das eingeborne Landvolk mit und Viele schlossen sich seiner Fahne
+an. Die Enniskillener marschirten ihm entgegen. Er nahm jedoch keine
+Schlacht an, sondern zog sich zurück und ließ seine Vorräthe unter der
+Obhut eines Detachements von dreihundert Soldaten in Belturbet. Die
+Protestanten griffen Belturbet kräftig an, besetzten ein hochgelegenes
+Haus, das die Stadt beherrschte, und eröffneten von hier aus ein so
+wirksames Feuer, daß nach Verlauf von zwei Stunden die Besatzung sich
+ergab. Siebenhundert Flinten, eine bedeutende Quantität Schießpulver,
+eine Menge Pferde, viele Säcke Zwieback und viele Fässer Mehl wurden
+erbeutet und nach Enniskillen geschickt. Die Böte, welche diese
+werthvolle Beute brachten, wurden freudig bewillkommnet. Die Besorgniß
+vor einer Hungersnoth war dadurch beseitigt. Während die eingeborne
+Bevölkerung in vielen Grafschaften, wahrscheinlich in der Erwartung, daß
+sich das Maraudiren als eine unerschöpfliche Hilfsquelle erweisen werde,
+die Bodencultur völlig vernachlässigte, hatten die Colonisten, treu dem
+vorsorgenden und betriebsamen Character ihres Stammes, mitten im Kriege
+nicht versäumt,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_70" id = "pageXII_70">
+XII.70</a></span>
+den Boden in der Umgebung ihrer Besten sorgfältig zu bebauen. Die Ernte
+war jetzt nicht mehr fern und bis zur Ernte reichten die dem Feinde
+abgenommenen Lebensmittel vollkommen aus.<a class = "tag" name =
+"tagXII_131" id = "tagXII_131" href = "#noteXII_131">131</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_131" id = "noteXII_131" href = "#tagXII_131">131.</a>
+<span class = "antiqua">Hamilton’s True Relation</span>; <span class =
+"antiqua">Mac Cormick’s Further Account</span>. Von der Insel im
+Allgemeinen sagt Avaux: <span class = "antiqua">„On n’attend rien de
+cette recolte cy, les paysans ayant presque tous pris les armes.“</span>
+&mdash; Brief an Louvois vom 19.(29.) März 1689.</p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Noth in Londonderry.</span>
+<a name = "secXII_48" id = "secXII_48">Doch</a> inmitten des Sieges und
+des Überflusses wurden die Enniskillener von ängstlicher Besorgniß um
+Londonderry gequält. Sie waren mit den Vertheidigern dieser Stadt nicht
+allein durch religiöse und nationale Sympathie, sondern auch durch ein
+gemeinsames Interesse verbunden. Denn es konnte keinem Zweifel
+unterliegen, daß, wenn Londonderry fiel, die ganze irische Armee
+augenblicklich mit unwiderstehlicher Macht gegen den Ernesee vorrücken
+würde. Doch was konnte man thun? Einige tapfere Männer waren dafür,
+einen verzweifelten Versuch zum Entsatz der belagerten Stadt zu machen;
+aber die Übermacht war zu groß. Es wurden indessen Detachements
+abgesandt, welche die Nachhut des Belagerungsheeres beunruhigten, die
+Zufuhren abschnitten und einmal die Pferde von drei ganzen Reitertrupps
+wegnahmen.<a class = "tag" name = "tagXII_132" id = "tagXII_132" href =
+"#noteXII_132">132</a> Die Postenkette aber, welche Londonderry auf der
+Landseite einschloß, war noch nicht durchbrochen, und auch der Fluß war
+noch immer versperrt und sorgfältig bewacht. In der Stadt war die Noth
+auf’s höchste gestiegen. Schon am 8. Juni war fast kein andres Fleisch
+mehr zu haben als Pferdefleisch und selbst davon war der Vorrath nur
+gering. Dem Mangel mußte mit Talg abgeholfen werden, und auch dieser
+wurde mit karger Hand vertheilt.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_132" id = "noteXII_132" href = "#tagXII_132">132.</a>
+<span class = "antiqua">Hamilton’s True Account.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Ankunft des Expeditionscorps unter Kirke im Foylesee.</span>
+<a name = "secXII_49" id = "secXII_49">Am</a> 15. Juni zeigte sich ein
+Schimmer von Hoffnung. Die Schildwachen auf dem Thurme der Kathedrale
+erblickten in einer Entfernung von neun Meilen Segel in der Bucht des
+Foylesees. Man zählte dreißig Fahrzeuge verschiedener Größe. Man gab auf
+den Thürmen Signale, welche von den Mastspitzen erwiedert, aber auf
+beiden Seiten nur unvollkommen verstanden wurden. Endlich umging ein
+Bote von der Flotte die irischen Schildwachen, schwamm unter dem
+Sperrbaum hindurch, und benachrichtigte die Besatzung, daß Kirke mit
+Truppen, Waffen, Munition und Lebensmitteln zum Entsatz der Stadt aus
+England angelangt sei.<a class = "tag" name = "tagXII_133" id =
+"tagXII_133" href = "#noteXII_133">133</a></p>
+
+<p>Mit der ängstlichsten Spannung harrte man in Londonderry der
+kommenden Dinge; aber auf wenige Stunden fieberhafter Freude folgten
+Wochen des größten Elends. Kirke hielt es nicht für gerathen, weder zu
+Lande noch zu Wasser einen Angriff auf die feindlichen Linien zu
+unternehmen und zog sich an die Einfahrt des Foylesees zurück, wo er
+mehrere Wochen unthätig vor Anker lag.</p>
+
+<p>Jetzt steigerte sich die Hungersnoth mit jedem Tage. Alle Häuser der
+Stadt wurden auf das Genaueste durchsucht, und einige Lebensmittel,
+welche von Leuten, die seitdem gestorben oder geflüchtet, in den Kellern
+verborgen worden waren, wurden entdeckt und in die Magazine geschafft.
+Der Vorrath von Kanonenkugeln war fast erschöpft, und man bediente sich
+anstatt derselben schon mit Blei überzogener Backsteine. Krankheiten
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_71" id = "pageXII_71">
+XII.71</a></span>
+stellten sich, wie immer, im Gefolge des Hungers ein. An einem Tage
+starben funfzehn Offiziere am Fieber und der Gouverneur Baker selbst
+gehörte zu Denen, die der Krankheit erlagen. Seine Stelle wurde durch
+den Obersten Johann Mitchelburne ersetzt.<a class = "tag" name =
+"tagXII_134" id = "tagXII_134" href = "#noteXII_134">134</a></p>
+
+<p>Inzwischen wurde es in Dublin bekannt, daß Kirke mit seinem
+Geschwader an der Küste von Ulster lag. Die Bestürzung war groß im
+Schlosse. Schon vor dem Eintreffen dieser Nachricht hatte Avaux sich
+dahin ausgesprochen, daß Richard Hamilton den Schwierigkeiten der
+Situation nicht gewachsen sei. Es war daher beschlossen worden, daß
+Rosen den Oberbefehl übernehmen sollte, und er war unverzüglich nach dem
+Kriegsschauplatze abgegangen.<a class = "tag" name = "tagXII_135" id =
+"tagXII_135" href = "#noteXII_135">135</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_133" id = "noteXII_133" href =
+"#tagXII_133">133.</a>
+Walker.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_134" id = "noteXII_134" href =
+"#tagXII_134">134.</a>
+Walker und Mackenzie.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_135" id = "noteXII_135" href =
+"#tagXII_135">135.</a>
+Avaux, 16.(26.) Juni 1689.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Grausamkeit Rosen’s.</span>
+<a name = "secXII_50" id = "secXII_50">Am</a> 19. Juni kam er im
+Hauptquartier des Belagerungsheeres an. Zuerst versuchte er die Wälle zu
+unterminiren; aber sein Vorhaben wurde entdeckt und er gezwungen, es
+nach einem hitzigen Gefecht, in welchem über hundert seiner Leute
+fielen, wieder aufzugeben. Jetzt stieg seine Wuth auf eine unglaubliche
+Höhe. Er, ein alter Soldat, ein zukünftiger Marschall von Frankreich, in
+der Schule der größten Generäle erzogen und seit vielen Jahren an eine
+kunstgerechte Kriegführung gewöhnt, sollte sich von einem Hausen von
+Landjunkern, Pächtern und Krämern beschämen lassen, welche nur durch
+einen Wall geschützt waren, den jeder gute Ingenieur auf den ersten
+Blick für unhaltbar erklären mußte! Er tobte und fluchte in einer nur
+ihm eigenen Sprache, zusammengesetzt aus allen Dialecten, welche vom
+baltischen bis zum atlantischen Meere gesprochen wurden. Er wollte die
+Stadt der Erde gleich machen, kein lebendes Wesen sollte geschont
+werden, nichts, selbst die Mädchen und Säuglinge nicht. Für die Anführer
+sei der Tod eine zu milde Strafe, die sollten gefoltert und lebendig
+gebraten werden. In seiner Wuth ließ er eine Bombe mit einem Schreiben,
+das eine furchtbare Drohung enthielt, in die Stadt werfen. Er sagte
+darin, er werde alle Protestanten, welche zwischen Charlemont und dem
+Meere auf ihren Wohnsitzen geblieben wären, Greise, Frauen und Kinder,
+von denen viele durch Bande des Blutes und der Freundschaft den
+Vertheidigern von Londonderry nahe standen, zu einem Haufen
+zusammentreiben. Kein Schutz, von welcher Autorität er auch ausgehen
+möge, solle respectirt werden. Die so zusammengeholte Menge solle unter
+die Mauern von Londonderry getrieben und hier angesichts ihrer
+Landsleute, ihrer Freunde und ihrer Verwandten, dem Hungertode preis
+gegeben werden. Dies war keine leere Drohung. Es wurden sofort nach
+allen Richtungen hin Truppenabtheilungen entsendet, um Schlachtopfer
+herbeizuholen. Am Morgen des 2. Juli bei Tagesanbruch wurden Hunderte
+von Protestanten, welche keines Vergehens beschuldigt, welche unfähig
+waren Waffen zu tragen und von denen viele Schutzbriefe besaßen, welche
+Jakob selbst ihnen gewährt hatte, vor die Thore der Stadt geschleppt.
+Man hoffte, der jammervolle Anblick werde den Muth der Colonisten
+brechen; aber er brachte keine andre Wirkung hervor, als daß er ihren
+Muth zu noch größerer Energie aufstachelte. Es wurde auf der Stelle ein
+Tagesbefehl erlassen, daß Niemand, bei Todesstrafe, das Wort Übergabe
+aussprechen solle, und Keiner sprach
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_72" id = "pageXII_72">
+XII.72</a></span>
+dieses Wort aus. Es befanden sich mehrere Gefangene hohen Ranges in der
+Stadt. Sie waren bis dahin gut behandelt worden und hatten die nämlichen
+Rationen erhalten, wie die Besatzung. Jetzt wurden sie in strenge Haft
+gebracht. Auf einer der Bastionen wurde ein Galgen errichtet und an
+Rosen ein Schreiben gesandt, das ihn aufforderte, sogleich einen
+Beichtvater in die Stadt zu schicken, der seine Freunde zum Tode
+vorbereiten sollte. Die Gefangenen schrieben ihrerseits in großer Angst
+an den wilden Liefländer, erhielten aber keine Antwort. Hierauf wendeten
+sie sich an ihren Landsmann, Richard Hamilton. Sie seien bereit, sagten
+sie, für ihren König ihr Blut zu vergießen, aber es scheine ihnen hart,
+in Folge der Barbarei ihrer eigenen Waffengefährten den schimpflichen
+Tod der Diebe zu sterben. Hamilton war, obwohl ein Mann von laxen
+Grundsätzen, nicht grausam. Rosen’s Unmenschlichkeit hatte seinen tiefen
+Abscheu erregt, da er aber nur der Zweite im Commando war, so durfte er
+es nicht wagen, Alles offen auszusprechen was er dachte. Er machte
+jedoch energische Vorstellungen. Einige irische Offiziere fühlten bei
+dieser Gelegenheit wie es braven Männern ziemte, und erklärten unter
+Thränen des Mitleids und Unwillens, daß sie zeitlebens das Geschrei der
+unglücklichen Frauen und Kinder hören würden, welche mit der
+Lanzenspitze herbeigetrieben worden waren, um zwischen dem Lager und der
+Stadt Hungers zu sterben. Rosen beharrte zweimalvierundzwanzig Stunden
+in seinem Plane, viele unglückliche Geschöpfe kamen in dieser Zeit um;
+aber Londonderry hielt sich so tapfer als je, und er sah ein, daß sein
+Verbrechen nur Haß und Schmähungen erzeugen werde. So gab er endlich
+nach und ließ die noch Lebenden wieder abziehen. Die Besatzung entfernte
+in Folge dessen alsbald den Galgen, der auf der Bastion errichtet worden
+war.<a class = "tag" name = "tagXII_136" id = "tagXII_136" href =
+"#noteXII_136">136</a></p>
+
+<p>Als die Nachricht von diesen Vorgängen nach Dublin gelangte,
+entsetzte sich Jakob, obwohl durchaus nicht zum Mitleid geneigt, über
+eine Grausamkeit, von der die Bürgerkriege England’s noch kein Beispiel
+aufzuweisen hatten, und vernahm mit großem Mißfallen, daß von ihm
+gewährte und mit seinem Ehrenwort verbürgte Schutzbriefe öffentlich für
+null und nichtig erklärt worden waren. Er beklagte sich darüber gegen
+den französischen Gesandten und äußerte mit einer durch die Gelegenheit
+vollkommen gerechtfertigten Entrüstung, daß Rosen ein barbarischer
+Moskowiter sei. Melfort konnte sich nicht enthalten hinzuzusetzen, daß,
+wenn Rosen ein Engländer gewesen wäre, er gehängt worden sein würde.
+Avaux begriff diese weibische Sentimentalität nicht. Seiner Ansicht nach
+war durchaus nichts Verwerfliches geschehen, und es wurde ihm schwer
+sich zu beherrschen, als er den König und den Sekretär einen Act
+heilsamer Strenge in starken Ausdrücken tadeln hörte.<a class = "tag"
+name = "tagXII_137" id = "tagXII_137" href = "#noteXII_137">137</a> Der
+französische Gesandte und der französische General waren einander in der
+That würdig. In der äußeren Erscheinung und den Manieren war allerdings
+ein großer Unterschied zwischen dem hübschen, eleganten und
+feingebildeten Diplomaten,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_73" id = "pageXII_73">
+XII.73</a></span>
+dessen Gewandtheit und Liebenswürdigkeit an den elegantesten Höfen
+Europa’s in hohem Rufe gestanden, und dem <ins class = "correction"
+title = "Original hat »miltärischen«">militärischen</ins> Abenteurer,
+dessen Aussehen und Stimme Alle, die mit ihm in Berührung kamen, daran
+erinnerte, daß er in einem halbwilden Lande geboren war, daß er sich vom
+gemeinen Soldaten emporgeschwungen hatte und daß er einmal wegen
+Marodirens zum Tode verurtheilt worden war.</p>
+
+<p>Rosen wurde nach Dublin zurückberufen, und Richard Hamilton erhielt
+wieder den Oberbefehl. Er versuchte mildere Mittel als die, welche
+seinem Vorgänger so harten Tadel zugezogen. Keine List, keine Lüge, von
+der sich erwarten ließ, daß sie die ausgehungerte Garnison entmuthigen
+würde, ward gespart. Eines Tages erscholl durch das ganze irische Lager
+ein allgemeines Freudengeschrei. Die Vertheidiger von Londonderry
+erfuhren bald, daß die Armee Jakob’s wegen des Falles von Enniskillen in
+so freudiger Aufregung sei. Man sagte ihnen, daß sie nun keine Aussicht
+auf Entsatz mehr hätten, und ermahnte sie durch Kapituliren ihr Leben zu
+retten. Sie willigten ein zu unterhandeln. Allein sie verlangten freien
+Abzug unter Waffen und in militärischer Ordnung zu Wasser oder zu Lande
+nach ihrer Wahl. Für die Einhaltung dieser Bedingungen verlangten sie
+Geiseln und bestanden darauf, daß diese Geiseln auf die im Foylesee
+liegende Flotte gebracht werden sollten. Auf solche Bedingungen durfte
+Hamilton nicht eingehen; die Gouverneurs aber wollten davon nichts
+nachlassen; die Unterhandlung wurde abgebrochen und der Kampf begann von
+neuem.<a class = "tag" name = "tagXII_138" id = "tagXII_138" href =
+"#noteXII_138">138</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_136" id = "noteXII_136" href =
+"#tagXII_136">136.</a>
+<span class = "antiqua">Walker</span>; <span class =
+"antiqua">Mackenzie</span>; <span class = "antiqua">Light to die Blind,
+King, III. 13</span>; <span class = "antiqua">Leslie’s Answer to
+King</span>; <span class = "antiqua">Life of James, II. 366.</span> Ich
+muß sagen, daß King bei dieser Gelegenheit ungerecht gegen Jakob
+ist.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_137" id = "noteXII_137" href =
+"#tagXII_137">137.</a>
+<span class = "antiqua">Leslie’s Answer to King</span>; Avaux, 5.(15.)
+Juli 1689. <span class = "antiqua">„Je trouvay l’expression bien forte:
+mais je ne voulois rien répondre, car le Roy s’estoit desja fort
+emporté.“</span></p>
+
+<p><a name = "noteXII_138" id = "noteXII_138" href =
+"#tagXII_138">138.</a>
+Mackenzie.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Hungersnoth in Londonderry steigt auf’s Höchste.</span>
+<a name = "secXII_51" id = "secXII_51">So</a> war inzwischen der Juli
+weit vorgerückt und die Lage der Stadt wurde von Stunde zu Stunde
+fürchterlicher. Die Einwohner waren mehr durch Hunger und Krankheit, als
+durch das feindliche Feuer gelichtet worden. Doch war dieses Feuer jetzt
+heftiger und anhaltender als je. Eines der Thore und eine der Bastionen
+waren in Trümmer geschossen, aber die am Tage gemachten Breschen wurden
+des Nachts mit rastloser Thätigkeit wieder ausgebessert und jeder
+Angriff noch immer zurückgeschlagen. Aber die kämpfende Mannschaft der
+Besatzung war so erschöpft, daß sie sich kaum noch auf den Füßen halten
+konnte. Einige fielen im Gefecht gegen den Feind aus bloßer Schwäche zu
+Boden. Es war nur noch ein ganz kleines Quantum Getreide vorhanden, das
+mundvollweise vertheilt wurde. Dagegen hatte man einen beträchtlichen
+Vorrath gesalzener Häute, und durch Nagen an denselben beschwichtigte
+die Garnison die Qualen des Hungers. Hunde, mit dem Blute der Gefallenen
+gemästet, welche unbeerdigt rings um die Stadt lagen, waren ein Luxus,
+den nur Wenige bezahlen konnten. Der Preis einer einzigen Pfote war fünf
+Schilling sechs Pence. Neun Pferde waren noch am Leben, aber eben nur
+noch am Leben. Sie waren so abgemagert, daß man nur wenig Fleisch von
+ihnen zu erhalten hoffen durfte. Man beschloß jedoch sie zu schlachten,
+um sie zu verzehren. Die Leute starben so massenhaft, daß es den
+Überlebenden unmöglich war, sie ordentlich zu begraben. Es gab kaum
+einen Keller, in dem nicht ein Leichnam verweste. Die Noth war so
+gräßlich, daß man auf die Ratten, welche in diese grauenvollen Höhlen
+kamen, um zu schmausen, eifrig Jagd machte und sie gierig verschlang.
+Ein im
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_74" id = "pageXII_74">
+XII.74</a></span>
+Flusse gefangener kleiner Fisch war nicht mit Geld zu erkaufen; der
+einzige Preis, für den ein solcher Schatz zu erlangen war, waren einige
+Händevoll Hafermehl. Der Aussatz, wie er durch ungewohnte und ungesunde
+Kost erzeugt wird, machte das Leben zu einer fortwährenden Qual. Die
+ganze Stadt wurde durch den Gestank verpestet, den die Körper der Todten
+und Halbtodten verbreiteten. Daß unter Leuten, welche solches Elend
+erduldeten, Beispiele von Unzufriedenheit und Insubordination vorkamen,
+war unvermeidlich. Einmal hatte man Walker in dem Verdachte, daß er
+irgendwo Lebensmittel versteckt halte und im Geheimen schwelge, während
+er Andere ermahnte, für die gute Sache muthig zu leiden. Eine genaue
+Durchsuchung seines Hauses erwies seine vollkommene Unschuld; er
+erlangte seine Popularität wieder, und die Garnison, mit dem Tode vor
+Augen, drängte sich nach der Kathedrale, um ihn predigen zu hören, sog
+mit Wonne seine eindringlichen Worte ein und verließ das Gotteshaus mit
+leichenhaften Gesichtern und schwankenden Schritten, aber mit noch
+ungebrochenem Muthe. Es wurden allerdings einige geheime Complotte
+geschmiedet; einige obscure Verräther setzten sich mit dem Feinde in
+Verbindung. Aber solches Treiben mußte sorgfältig verborgen gehalten
+werden, und Niemand wagte öffentlich andere Worte als Worte des Trotzes
+und der hartnäckigen Entschlossenheit auszusprechen. Selbst in dieser
+entsetzlichen Noth war der allgemeine Ruf: „Keine Übergabe!“ Und es
+fehlte nicht an Stimmen, welche leise hinzusetzten: „Zuerst die Pferde
+und die Häute, dann die Gefangenen, dann Einer den Andren!“ Es wurde
+später halb scherzweise, aber nicht ohne eine fürchterliche Beimischung
+von Ernst erzählt, daß ein wohlbeleibter Bürger, dessen Körperumfang mit
+den ihn umgebenden Skeletten seltsam contrastirte, es für rathsam hielt,
+sich vor den zahlreichen Augen zu verbergen, die ihn mit cannibalischen
+Blicken verfolgten, sobald er sich auf der Straße zeigte.<a class =
+"tag" name = "tagXII_139" id = "tagXII_139" href =
+"#noteXII_139">139</a></p>
+
+<p>Die Leiden der Garnison wurden nicht wenig dadurch vermehrt, daß die
+englischen Schiffe während dieser ganzen Zeit weit draußen im Foylesee
+zu sehen waren. Jede Communication zwischen der Flotte und der Stadt war
+fast unmöglich. Ein Taucher, der den Sperrbaum zu passiren versucht
+hatte, war ertrunken. Ein Andrer wurde ergriffen und aufgehängt. Die
+Signalsprache war kaum verständlich. Am 13. Juli jedoch kam ein in einen
+Rockknopf genähtes Stück Papier in Walker’s Hände. Es war ein Brief von
+Kirke und enthielt die Zusicherung baldiger Erlösung. Aber mehr als
+vierzehn Tage des größten Elends waren seitdem verstrichen, und die
+Herzen auch der Sanguinischsten begannen zu verzweifeln. Keine Kunst
+vermochte es einzurichten, daß die Lebensmittel noch zwei Tage
+ausreichten.<a class = "tag" name = "tagXII_140" id = "tagXII_140" href
+= "#noteXII_140">140</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_139" id = "noteXII_139" href =
+"#tagXII_139">139.</a>
+<span class = "antiqua">Walker’s Account.</span> „Der fette Mann in
+Londonderry“ wurde eine sprüchwörtliche Bezeichnung für eine Person,
+deren Wohlstand den Neid und die Habgier seiner minder glücklichen
+Nebenmenschen erweckte.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_140" id = "noteXII_140" href =
+"#tagXII_140">140.</a>
+So lautete, nach Narcissus Luttrell, der Bericht des Kapitains Withers,
+eines Offiziers, der sich später sehr auszeichnete und auf den Pope eine
+Grabschrift machte.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Angriff auf den Sperrbaum.</span>
+<a name = "secXII_52" id = "secXII_52">Gerade</a> in diesem Augenblicke
+erhielt Kirke eine Depesche aus England mit dem bestimmten Befehl,
+Londonderry zu entsetzen. In Folge dessen entschloß er sich endlich
+einen Versuch zu machen, den er, soweit es sich beurtheilen läßt, schon
+sechs
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_75" id = "pageXII_75">
+XII.75</a></span>
+Wochen früher mit mindestens gleicher Aussicht auf Erfolg hätte
+unternehmen können.<a class = "tag" name = "tagXII_141" id =
+"tagXII_141" href = "#noteXII_141">141</a></p>
+
+<p>Unter den Kauffahrteischiffen, welche unter seinem Geleite in den
+Foylesee gekommen waren, befand sich eines, welches der Mountjoy hieß.
+Der Patron desselben, Micajah Browning, gebürtig aus Londonderry, hatte
+eine bedeutende Ladung Lebensmittel aus England mitgebracht. Er hatte
+sich zu wiederholten Malen sehr nachdrücklich über die Unthätigkeit des
+Geschwaders ausgesprochen; endlich erbot er sich, den gefährlichen
+Versuch, seinen Mitbürgern Unterstützung zu bringen, zuerst zu
+unternehmen, und sein Anerbieten wurde angenommen. Andreas Douglas,
+Kapitain des Phönix, der eine große Quantität Mehl aus Schottland an
+Bord hatte, erklärte sich bereit, die Gefahr und die Ehre zu theilen.
+Die Fregatte Dartmouth von sechsunddreißig Kanonen, unter den Befehlen
+des Kapitains Johann Leake, der später ein berühmter Admiral wurde,
+sollte die beiden Kauffahrer begleiten.</p>
+
+<p>Es war der 30. Juli. Die Sonne war eben untergegangen, die
+Abendpredigt in der Kathedrale war vorüber und die muthlose Versammlung
+war auseinandergegangen, als die Schildwachen auf dem Thurme die Segel
+der drei Schiffe den Foyle heraufkommen sahen. Das irische Lager gerieth
+bald in Alarm. Mehrere Meilen weit auf beiden Ufern des Flusses waren
+die Belagerer auf den Beinen. Die Schiffe waren in der größten Gefahr,
+denn der Wasserstand war niedrig und das einzige schiffbare Fahrwasser
+zog sich sehr nahe am linken Ufer hin, wo sich das Hauptquartier des
+Feindes befand und wo die Batterien am zahlreichsten waren. Leake
+erfüllte seine Pflicht mit einer Geschicklichkeit und einem Muthe, die
+seines edlen Berufes würdig waren, setzte seine Fregatte dem feindlichen
+Feuer aus, um die Kauffahrer zu decken und ließ seine Geschütze sehr
+wirksam spielen. Endlich erreichte das kleine Geschwader die
+gefährlichste Stelle. Hier segelte der Mountjoy voran und fuhr gerade
+auf den Sperrbaum los. Die mächtige Barrikade krachte und brach; aber
+der Stoß war so heftig gewesen, daß der Mountjoy zurückprallte und im
+Schlamme festsaß. Ein Triumphgeschrei erscholl auf beiden Ufern und die
+Irländer eilten zu ihren Böten, um das gestrandete Schiff zu entern;
+aber der Dartmouth schickte ihnen eine wohlgezielte Breitseite zu, die
+sie in Unordnung brachte. In diesem Augenblicke fuhr der Phönix gegen
+die Bresche an, welche der Mountjoy gemacht hatte, und war im Nu auf der
+andren Seite der Sperrung. Mittlerweile stieg die Fluth rasch, der
+Mountjoy wurde wieder flott und bald hatte auch er die zerbrochenen
+Balken und schwimmenden Sparren wohlbehalten passirt. Aber sein wackerer
+Kapitain war nicht mehr. Eine Kugel von einer der Batterien hatte ihn
+getroffen, und er starb den beneidenswerthesten Tod, angesichts der
+Stadt,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_76" id = "pageXII_76">
+XII.76</a></span>
+die sein Geburts- und Wohnort war und die er so eben durch seinen Muth
+und seine Selbstverleugnung von der fürchterlichsten Art des Unterganges
+gerettet hatte. Die Dunkelheit war schon vor dem Beginn des Kampfes am
+Sperrbaum hereingebrochen; aber die abgemagerte, geisterbleiche Menge,
+welche die Wälle der Stadt bedeckte, sah den Blitz und hörte den Donner
+der Geschütze. Als der Mountjoy auf den Grund lief und das
+Triumphgeschrei der Irländer auf beiden Ufern ertönte, brach den armen
+Belagerten das Herz. Einer, der die namenlose Angst jenes Augenblicks
+ertragen hatte, erzählt uns, daß sie einander leichenblaß vor Entsetzen
+anstarrten. Und selbst nachdem die Barrikade passirt war, durchlebten
+sie noch eine fürchterliche halbe Stunde angstvoller Ungewißheit. Es war
+zehn Uhr, als die Schiffe am Quai anlangten. Die ganze Bevölkerung hatte
+sich hier versammelt, um sie zu bewillkommnen. Eine Verschanzung von mit
+Erde gefüllten Fässern wurde eiligst errichtet, um den Landungsplatz vor
+den Batterien des andren Flußufers zu schützen, und dann ging es an’s
+Ausladen. Zuerst wurden Fässer, welche sechstausend Bushels Mehl
+enthielten, an’s Ufer gerollt. Dann kamen große Käse, Tonnen voll
+Rindfleisch, Speckseiten, Kübel mit Butter, Säcke mit Erbsen, und
+Zwieback und Branntweingebinde. Einige Stunden vorher war jedem der
+Kämpfer ein halbes Pfund Talg und dreiviertel Pfund gesalzene Haut mit
+karger Genauigkeit zugewogen worden. Die Ration, welche nun Jeder
+erhielt, bestand aus drei Pfund Mehl, zwei Pfund Fleisch und einer Pinte
+Erbsen. Man kann leicht denken, mit welchen Thränen der Freude bei den
+Mahlzeiten dieses Abends das Tischgebet gesprochen wurde. Von Schlaf war
+auf beiden Seiten des Walles wenig die Rede. Die Freudenfeuer flackerten
+lustig den ganzen Wallgürtel entlang. Die irischen Geschütze brüllten
+die ganze Nacht durch, und die ganze Nacht hindurch antworteten die
+Glocken der geretteten Stadt den irischen Geschützen mit
+herausforderndem Geläute. Auch noch den ganzen 31. Juli spielten die
+feindlichen Batterien. Aber bald nach Sonnenuntergang sah man im Lager
+Flammen auflodern und als der Morgen des 1. Augusts zu grauen begann,
+bezeichnete nur noch eine Reihe rauchender Trümmer die Stätte, welche
+die Zelte der Belagerer kürzlich eingenommen, und die Bürger sahen in
+weiter Ferne die lange Colonne von Piken und Standarten, die sich das
+linke Ufer des Foyle entlang auf Strabane zurückzog.<a class = "tag"
+name = "tagXII_142" id = "tagXII_142" href = "#noteXII_142">142</a></p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_141" id = "noteXII_141" href =
+"#tagXII_141">141.</a>
+Die Depesche, welche Kirke den bestimmten Befehl brachte, den Sperrbaum
+anzugreifen, war von Schomberg unterzeichnet, der bereits zum
+Oberbefehlshaber sämmtlicher englischen Streitkräfte in Irland ernannt
+war. Eine Abschrift davon befindet sich unter den Nairne’schen
+Manuscripten in der Bodlejanischen Bibliothek. Wodrow schreibt auf keine
+andre Autorität hin als das Gerede einer Landgemeinde in Dumbartonshire,
+den Entsatz Londonderry’s den Ermahnungen eines heldenmüthigen
+schottischen Predigers, Namens Gordon zu. Ich möchte glauben, daß ein
+peremtorischer Befehl von Schomberg weit mehr Einfluß auf Kirke hatte,
+als die vereinte Beredtsamkeit einer ganzen Synode von
+presbyterianischen Geistlichen.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_142" id = "noteXII_142" href =
+"#tagXII_142">142.</a>
+<span class = "antiqua">Walker</span>; <span class =
+"antiqua">Mackenzie</span>; <span class = "antiqua">Histoire de la
+Revolution d’Irlande, Amsterdam 1691</span>; <span class =
+"antiqua">London Gazette, Aug.&nbsp;5.(15.) 1689</span>; Brief von
+Buchan unter den Nairne’schen Manuscripten; <span class = "antiqua">Life
+of Sir John Leake</span>; <span class = "antiqua">The Londeriad</span>;
+<span class = "antiqua">Observations on Mr. Walker’s Account of the
+Siege of Londonderry, licensed Oct.&nbsp;4. 1689.</span></p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Die Belagerung von Londonderry aufgehoben.</span>
+<a name = "secXII_53" id = "secXII_53">So</a> endete diese große
+Belagerung, die denkwürdigste in den Annalen der britischen Inseln. Sie
+hatte hundertfünf Tage gedauert und die Garnison war von einem
+Effectivbestande von ungefähr siebentausend Mann auf etwa dreitausend
+reducirt worden. Der Verlust der Belagerer kann nicht genau angegeben
+werden. Walker schätzte ihn auf achttausend Mann. Aus den Depeschen
+Avaux’ geht mit Gewißheit hervor, daß die Regimenter, welche von der
+Blokade zurückkehrten, dergestalt zusammengeschmolzen waren, daß viele
+von ihnen nicht mehr als zweihundert Mann zählten. Von sechsunddreißig
+französischen Artilleristen, welche die Kanonade geleitet hatten,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_77" id = "pageXII_77">
+XII.77</a></span>
+waren einunddreißig getödtet oder dienstunfähig gemacht.<a class = "tag"
+name = "tagXII_143" id = "tagXII_143" href = "#noteXII_143">143</a> Die
+Angriffs- wie die Vertheidigungsmittel waren unzweifelhaft von der Art,
+daß sie die großen Heerführer des Continents zum Lachen gereizt haben
+würden; aber eben dieser Umstand verleiht der Geschichte des ganzen
+Kampfes ein so eigenthümliches Interesse. Es war ein Kampf nicht
+zwischen Ingenieuren, sondern zwischen zwei Nationen, und der Sieg blieb
+der Nation, welche zwar an Zahl der andren nachstand, ihr aber in
+Civilisation, in Fähigkeit zur Selbstherrschaft und in Beharrlichkeit
+überlegen war.<a class = "tag" name = "tagXII_144" id = "tagXII_144"
+href = "#noteXII_144">144</a></p>
+
+<p>Sobald es bekannt wurde, daß die irische Armee abgezogen war, eilte
+eine Deputation aus der Stadt in den Foylesee und lud Kirke ein, das
+Commando zu übernehmen. Er kam in Begleitung eines zahlreichen Gefolges
+von Offizieren und wurde mit militärischem Gepränge von den beiden
+Gouverneurs empfangen, welche ihm die Autorität abtraten, die sie im
+Drange der Nothwendigkeit auf sich genommen hatten. Er verweilte nur
+wenige Tage, zeigte aber in dieser kurzen Zeit genug von den
+unverbesserlichen Fehlern seines Characters, um sich die Achtung einer
+durch strenge Moralität und glühenden Gemeinsinn ausgezeichneten
+Bevölkerung zu verscherzen. Es erfolgte jedoch kein offener Ausbruch,
+denn die Stadt war in der heitersten Stimmung. Von der Flotte waren
+solche Massen Lebensmittel gelandet worden, daß in allen Häusern ein nie
+gekannter Überschuß herrschte. Wenige Tage vorher wäre man froh gewesen,
+wenn man für zwanzig Pence einen Bissen halbverfaultes, von den Knochen
+eines verhungerten Pferdes losgekratztes Fleisch bekommen hätte. Jetzt
+wurde ein Pfund Rindfleisch für anderthalb Pence verkauft. Unterdessen
+waren alle Hände damit beschäftigt, die nur leicht mit Erde bedeckten
+Leichname zu entfernen, die Löcher auszufüllen, welche die Bomben in den
+Erdboden gerissen hatten, und die zerschossenen Dächer der Häuser
+auszubessern. Die Erinnerung an die überstandenen Gefahren und
+Entbehrungen und das Bewußtsein, sich um die englische Nation und um
+alle protestantischen Kirchen verdient gemacht zu haben, erfüllte die
+Herzen der Bewohner mit einem ehrenwerthen Stolze. Dieser Stolz ward
+noch erhöht, als sie von Wilhelm ein Schreiben erhielten, welches in den
+wohlwollendsten Ausdrücken die Verpflichtung anerkannte, die er den
+wackeren und getreuen Bürgern seiner guten Stadt schulde. Die ganze
+Einwohnerschaft strömte nach dem Diamantplatze, um die königliche
+Zuschrift verlesen zu hören. Am Schlusse gaben sämmtliche Kanonen auf
+den Wällen eine Freudensalve, welche von allen auf dem Flusse liegenden
+Schiffen erwiedert wurde, dann wurden Alefässer aufgeschlagen und unter
+lautem Jubel und Gewehrsalven auf die Gesundheit Ihrer Majestäten
+getrunken.</p>
+
+<p>Fünf Generationen sind seitdem vorübergegangen und noch immer ist
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_78" id = "pageXII_78">
+XII.78</a></span>
+den Protestanten von Ulster der Wall von Londonderry das was die Trophäe
+von Marathon den Athenern war. Auf weite Entfernung den Foyle hinauf und
+hinunter sieht man eine hohe Säule auf einer Bastion, welche viele
+Wochen lang das heftigste Feuer des Feindes auszuhalten hatte. Auf der
+Spitze dieser Säule steht die Statue Walker’s, wie er zur Zeit der
+letzten und furchtbarsten Noth durch seine Beredtsamkeit den sinkenden
+Muth seiner Brüder wieder belebte. In der einen Hand hält er eine Bibel,
+die andre zeigt hinaus auf den Fluß und scheint die Blicke seiner
+ausgehungerten Zuhörer auf die englischen Mastspitzen in der fernen
+Bucht hinlenken zu wollen. Ein solches Denkmal war wohlverdient, doch
+kaum nöthig, denn die ganze Stadt ist bis auf diesen Tag ein Denkmal der
+großen Befreiung. Der Wall ist sorgfältig erhalten und keine Rücksicht
+der Gesundheit oder Zweckmäßigkeit würde von den Einwohnern für
+ausreichend gehalten werden, um die Zerstörung dieser geheiligten Mauern
+zu rechtfertigen, die in schlimmer Zeit ihrem Stamme und ihrer Religion
+Schutz gewährten.<a class = "tag" name = "tagXII_145" id = "tagXII_145"
+href = "#noteXII_145">145</a> Der Kamm der Festungswerke bildet einen
+angenehmen Spaziergang. Die Bastionen sind in kleine Gärten verwandelt,
+und hier und da blicken unter den Blumen und Sträuchern die alten
+Feldschlangen hervor, welche mit Blei überzogene Backsteinkugeln in die
+irischen Reihen sendeten. Ein alterthümliches Geschütz, ein Geschenk der
+londoner Fischhändlergilde, zeichnete sich während der hundertfünf
+denkwürdigen Tage durch seinen lauten Knall aus und führt noch jetzt den
+Namen <span class = "antiqua">Roaring Meg</span> (brüllende Margarethe).
+Die Kathedrale ist mit Reliquien und Trophäen angefüllt. In der Vorhalle
+befindet sich eine riesige Bombe, eine von den vielen hunderten, welche
+in die Stadt geworfen wurden. Über dem Altare sieht man noch die
+französischen Fahnenstöcke, welche bei einem verzweifelten Ausfalle von
+der Garnison erobert wurden. Die weißen Feldzeichen des Hauses Bourbon
+sind längst in Staub zerfallen; aber sie sind durch neue Banner, das
+Werk der schönsten Hände von Ulster, ersetzt. Der Tag, an welchem die
+Thore geschlossen und der Tag, an welchem die Belagerung aufgehoben
+wurde, sind bis auf unsre Zeit alljährlich durch Geschützsalven, Umzüge,
+Festmahle und Predigten gefeiert worden. Lundy ist <span class =
+"antiqua">in effigie</span> hingerichtet und das Schwert, das der Sage
+nach das Schwert Maumont’s sein soll, bei feierlichen Gelegenheiten im
+Triumphe umhergetragen worden. Noch heute giebt es einen Walkerclub und
+einen Murrayclub. Die einfachen Gräber der protestantischen Anführer
+sind sorgfältig ausgesucht, wiederhergestellt und verschönert worden. Es
+ist unmöglich, die Gesinnung nicht zu achten, welche aus diesen Zeichen
+von Pietät spricht. Es ist eine Gesinnung, welche dem edleren und
+reineren Theile der menschlichen Natur angehört und welche die Stärke
+der Staaten nicht wenig vermehrt. Ein Volk, das nicht stolz ist auf die
+großen Thaten ferner Vorfahren, wird nie etwas vollbringen, was würdig
+wäre, von fernen Nachkommen mit Stolz in Andenken gehalten zu werden.
+Doch kann der Moralist oder der Staatsmann unmöglich mit ungetrübtem
+Wohlgefallen die Festlichkeiten, durch welche Londonderry das Gedächtniß
+seiner Befreiung feiert, sowie die Ehren betrachten, die es seinen
+Befreiern erzeigt. Leider haben sich zugleich mit dem Ruhme seiner
+tapferen Kämpfer auch deren Animositäten fortgeerbt. Die Fehler,
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_79" id = "pageXII_79">
+XII.79</a></span>
+welche man gewöhnlich bei herrschenden Kasten und Secten findet, haben
+sich bei seinen Festlichkeiten nicht selten unverhohlen gezeigt, und
+selbst in die Ausdrücke frommer Dankbarkeit, welche von seinen Kanzeln
+herab erschollen, haben sich nur zu oft Worte des Zornes und des
+herausfordernden Trotzes gemischt.</p>
+
+<p>Die irische Armee, die sich nach Strabane zurückgezogen hatte, blieb
+dort nur sehr kurze Zeit. Der Muth der Truppen war durch den ungünstigen
+Ausgang der Belagerung von Londonderry schon niedergedrückt und wurde
+bald völlig gebrochen durch die Nachricht von einem anderweitigen harten
+Schlage.</p>
+
+<div class = "footnote">
+<p><a name = "noteXII_143" id = "noteXII_143" href =
+"#tagXII_143">143.</a>
+Avaux an Seignelay, 18.(28.) Juli; an Ludwig, 9.(19.) August.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_144" id = "noteXII_144" href =
+"#tagXII_144">144.</a>
+„Man sieht hieraus, wie man es die ganze Zeit her hat sehen können, daß
+die Kaufleute von Londonderry zu ihrer Vertheidigung mehr Geschick
+hatten, als die berühmten Offiziere der irischen Armee zu ihren
+Angriffen.“ <span class = "antiqua">Light to the Blind.</span> Der
+Verfasser dieses Werkes ist wüthend auf die irischen Kanoniere. Er ist
+der Meinung, daß der Sperrbaum nie durchbrochen worden wäre, wenn sie
+ihre Pflicht gethan hätten. Waren sie betrunken? oder waren sie
+Verräther? Er kommt zu keiner Entscheidung über seinen Punkt. „Herr,“
+ruft er aus, „der Du in den Herzen der Menschen liesest, wir überlassen
+es Deiner Barmherzigkeit, in dieser Angelegenheit zu richten.“
+Inzwischen stürzten jene Kanoniere Irland ins Verderben.</p>
+
+<p><a name = "noteXII_145" id = "noteXII_145" href =
+"#tagXII_145">145.</a>
+In einer vor mehr als sechzig Jahren unter dem Titel <span class =
+"antiqua">„Derriana“</span> erschienenen Sammlung findet sich ein
+interessanter Brief über diesen Gegenstand.</p>
+</div>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Operationen gegen die Enniskillener.</span>
+<a name = "secXII_54" id = "secXII_54">Drei</a> Wochen vor dieser Zeit
+hatte der Herzog von Berwick über eine Abtheilung der Enniskillener
+einen Vortheil errungen und, nach ihrem eignen Eingeständniß, mehr als
+funfzig von ihnen getödtet oder gefangen genommen. Sie hofften auf
+einige Unterstützung von Kirke, an den sie eine Deputation abgesandt
+hatten, und beharrten noch immer auf der Zurückweisung aller vom Feinde
+angebotenen Bedingungen. Es wurde daher in Dublin beschlossen, sie von
+mehreren Seiten zu gleicher Zeit anzugreifen, Macarthy, der für seine in
+Munster geleisteten Dienste mit dem Titel eines Viscount von Mountcashel
+belohnt worden war, marschirte von Osten her mit drei Regimentern
+Infanterie, zwei Regimentern Dragoner und einigen Reitertrupps gegen den
+Ernesee. Ein andres starkes Truppencorps, das unweit der Mündung des
+Flusses Drowes lagerte, sollte gleichzeitig vom Westen her vorrücken,
+und der Herzog von Berwick sollte mit soviel Reitern und Dragonern, als
+das Belagerungsheer von Londonderry entbehren konnte, von der Nordseite
+kommen. Die Enniskillener waren über den ganzen Plan, der zu ihrem
+Verderben angelegt worden, nicht vollständig unterrichtet; aber sie
+wußten, daß Macarthy mit einer größeren Streitmacht, als sie je in’s
+Feld stellen konnten, unterwegs war. Ihre Angst wurde einigermaßen
+gemildert durch die Zurückkunft der Deputation, die sie an Kirke
+abgeschickt hatten. Kirke konnte keine Soldaten entbehren, aber er
+sandte ihnen etwas Waffen und Munition nebst einigen erfahrenen
+Offizieren, unter denen der Oberst Wolseley und der Oberstleutnant Berry
+die vornehmsten waren. Diese Offiziere sollten zur See um die Küste von
+Donegal herum und den Ernesee heraufkommen. Am Sonntag, den 29. Juli
+erfuhr man, daß ihr Boot sich der Insel Enniskillen nähere. Die ganze
+männliche und weibliche Bevölkerung kam an’s Ufer, um sie zu
+bewillkommnen. Nur mit Mühe erreichten sie das Schloß durch die sich um
+sie drängenden Menschenmassen, welche Gott dafür dankten, daß das theure
+alte England die Engländer nicht ganz vergessen hatte, die im Herzen von
+Irland seine Sache gegen eine große Übermacht aufrecht erhielten.</p>
+
+<p>Wolseley scheint für seinen Posten in jeder Hinsicht wohlbefähigt
+gewesen zu sein. Er war ein unerschütterlicher Protestant, hatte sich
+unter den Leuten von Yorkshire ausgezeichnet, welche für den Prinzen von
+Oranien und ein freies Parlament aufgestanden waren, und hatte, wenn
+anders dies auf Wahrheit beruht, seinen Eifer für die Freiheit und den
+reinen Glauben dadurch bethätigt, daß er den Mayor von Scarborough, der
+eine Rede zu Gunsten des Königs Jakob gehalten, auf den Marktplatz
+führen und hier in einem Betttuche tüchtig prellen ließ.<a class = "tag"
+name = "tagXII_146" id = "tagXII_146" href = "#noteXII_146">146</a>
+Dieser heftige
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_80" id = "pageXII_80">
+XII.80</a></span>
+Haß gegen den Papismus war in den Augen der Enniskillener die erste
+aller Qualificationen für das Commando, und Wolseley hatte deren noch
+andere und gewichtigere. Obgleich er eine regelmäßige militärische
+Ausbildung genossen hatte, scheint er doch vorzugsweise zur Führung
+irregulärer Truppen befähigt gewesen zu sein. Kaum hatte er das
+Obercommando übernommen, so erhielt er die Nachricht, daß Mountcashel
+das Schloß Crum belagert habe. Crum war die Grenzfeste der Protestanten
+von Fermanagh. Die Trümmer der alten Festungswerke gehören jetzt zu den
+Zierden eines schönen Parks, der auf einem den Ernesee beherrschenden
+waldigen Vorgebirge angelegt ist. Wolseley beschloß, den belagerten
+Platz zu entsetzen. Er schickte Berry mit soviel Truppen als
+augenblicklich aufbrechen konnten, voraus und versprach, baldigst mit
+einem stärkeren Corps nachzufolgen.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_146" id = "noteXII_146" href = "#tagXII_146">146.</a>
+<span class = "antiqua">Bernardi’s Life of Himself, 1787.</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Schlacht bei Newton Butler.</span>
+<a name = "secXII_55" id = "secXII_55">Nachdem</a> Berry einige Meilen
+weit marschirt war, stieß er auf dreizehn Compagnieen von Macarthy’s
+Dragonern unter dem Commando Anton Hamilton’s, des Glänzendsten und
+Gebildetsten von allen seines Namens, aber als Soldat viel weniger
+glücklich denn als Hofmann, als Liebesheld und als Schriftsteller.
+Hamilton’s Dragoner ergriffen beim ersten Feuer die Flucht; er wurde
+schwer verwundet, und sein Nachfolger im Commando wurde todtgeschossen.
+Macarthy eilte Hamilton sofort zu Hülfe und zu gleicher Zeit kam
+Wolseley zur Unterstützung Berry’s an. Die beiden feindlichen Armeen
+standen einander nun gegenüber. Macarthy hatte ungefähr fünftausend Mann
+und mehrere Geschütze. Die Enniskillener zählten nicht dreitausend Mann,
+und sie waren so eilig ausgerückt, daß sie nur auf einen Tag
+Lebensmittel mitgenommen hatten. Es war daher durchaus nothwendig, daß
+sie entweder sofort losschlugen oder sich zurückzogen. Wolseley
+beschloß, die Meinung seiner Leute darüber zu hören, und dieser
+Entschluß, der unter gewöhnlichen Verhältnissen eines Generals höchst
+unwürdig gewesen wäre, war vollkommen gerechtfertigt durch die
+eigenthümliche Zusammensetzung und Stimmung der kleinen Armee, welche
+aus Gentlemen und Freisassen bestand, die nicht um Sold, sondern für ihr
+Grundeigenthum, ihre Frauen, ihre Kinder und ihren Gott kämpften. Die
+Mannschaften wurden unter’s Gewehr gerufen und ihnen die Frage
+vorgelegt: „Vorrücken oder Zurückgehen?“ Die Antwort war der einstimmige
+Ruf: „Vorrücken!“ Hierauf gab Wolseley das Feldgeschrei: „Kein
+Papismus“, das mit lautem Beifall begrüßt wurde, und traf dann sofort
+seine Anstalten zum Angriff. Als er vorrückte, begann der Feind zu
+seinem großen <ins class = "correction"
+title = "Original hat »Erstauen«">Erstaunen</ins> sich zurückzuziehen. Die Enniskillener
+wollten ihn mit aller Hast verfolgen, aber ihr Anführer, der eine
+Schlinge vermuthete, zügelte ihren Eifer und verbot ihnen auf das
+Bestimmteste, ihre Reihen aufzulösen. So zog sich die eine Armee in
+guter Ordnung durch das Städtchen Newton Butler zurück und die andre
+folgte in eben so guter Ordnung. Ungefähr eine Meile jenseit dieser
+Stadt machten die Irländer Front und Halt. Ihre Stellung war gut
+gewählt. Sie waren auf einer Anhöhe aufgestellt, an deren Fuße sich ein
+tiefer Sumpf befand. Eine schmale gepflasterte Hochstraße war der
+einzige Weg, auf dem die Reiterei der Enniskillener vorgehen konnte,
+denn zur Rechten und Linken waren Sumpflachen und Torfgruben, welche den
+Pferden keinen festen Grund darboten. Macarthy postirte seine Kanonen
+so, daß ihr Feuer diesen Weg bestrich.</p>
+
+<p>Wolseley commandirte seine Infanterie zum Angriff. Sie arbeitete
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_81" id = "pageXII_81">
+XII.81</a></span>
+sich durch den Sumpf, gewann wieder festen Boden und warf sich auf die
+Geschütze. Hier entspann sich nun ein kurzer und verzweifelter Kampf.
+Die irischen Kanoniere hielten tapfer bei ihren Feldstücken aus, bis sie
+sämmtlich niedergehauen waren. Jetzt kamen die Enniskillener Reiter,
+welche nicht mehr Gefahr liefen, durch das Feuer der Artillerie
+niedergemäht zu werden, rasch den Dammweg herauf. Die irischen Dragoner,
+welche schon am Morgen Reißaus genommen hatten, wurden abermals von
+einem panischen Schrecken ergriffen und galoppirten, ohne einen Schlag
+gethan zu haben, vom Schlachtfelde. Die schwere Reiterei folgte ihrem
+Beispiele. Das Entsetzen der Fliehenden war so groß, daß viele von ihnen
+ihre Pferde so lange spornten, bis sie stürzten und dann die Flucht zu
+Fuß fortsetzten, nachdem sie Carabiner, Säbel und selbst Waffenröcke als
+beim Laufen hinderlich weggeworfen hatten. Als die Infanterie sich so
+verlassen sah, warf sie ebenfalls Piken und Gewehre fort und suchte ihr
+Heil in der Flucht. Die Sieger gaben sich nun der blutdürstigen Wildheit
+hin, welche gewöhnlich die Bürgerkriege Irland’s befleckt hat. Das
+Gemetzel war fürchterlich. Nahe an funfzehnhundert der Besiegten wurden
+niedergemacht. Etwa fünfhundert Andere schlugen, da sie die Gegend nicht
+kannten, einen Weg ein, der nach dem Ernesee führte. Der See war vor
+ihnen, der Feind im Rücken; sie sprangen in’s Wasser und ertranken.
+Macarthy, von seinen Truppen verlassen, stürzte sich mitten unter die
+Verfolger und war nahe daran, den Tod zu finden, den er suchte. Er war
+an mehreren Stellen verwundet und zu Boden geschlagen; noch einen
+Augenblick, und ein Flintenkolben würde ihm das Lebenslicht ausgeblasen
+haben, wäre er nicht erkannt und gerettet worden. Die Colonisten hatten
+nur zwanzig Todte und fünfzig Verwundete. Sie machten vierhundert
+Gefangene und erbeuteten sieben Kanonen, vierzehn Fässer Schießpulver,
+sowie sämmtliche Trommeln und Fahnen des besiegten Feindes.<a class =
+"tag" name = "tagXII_147" id = "tagXII_147" href =
+"#noteXII_147">147</a></p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_147" id = "noteXII_147" href = "#tagXII_147">147.</a>
+<span class = "antiqua">Hamilton’s True Account</span>; <span class =
+"antiqua">Mac Cormick’s Further Account</span>; <span class =
+"antiqua">London Gazette, Aug.&nbsp;22. 1689</span>; <span class =
+"antiqua">Life of James</span>; Avaux an Ludwig vom 4.(14.) August, und
+an Lourois von dem nämlichen Datum. Story erwähnt eines Gerüchts, daß
+der panische Schrecken unter den Irländern durch das Versehen eines
+Offiziers verursacht worden sei, welcher „Rechts um kehrt Euch!“ (<span
+class = "antiqua">Right about face</span>) anstatt „Augen rechts!“
+(<span class = "antiqua">Right face</span>) commandirte. Weder Avaux
+noch Jakob hatten etwas von diesem Versehen erfahren. In der That, die
+Dragoner, welche das Beispiel der Flucht gegeben hatten, waren nicht
+gewohnt, erst das Commando zu erwarten, ehe sie einem Feinde den Rücken
+kehrten. Sie waren schon einmal an dem nämlichen Tage davon gelaufen.
+Avaux giebt eine sehr einfache Erzählung der Niederlage. <span class =
+"antiqua">„Ces mesmes dragons qui avoient fuy le matin laschèrent le
+pied avec lout le reste de la cavalerie, sans tirer un coup de pistolet;
+et ils s’enfuirent tous avec une telle épouvante qu’ils jettèrent
+mousquetons, pistolets, et espées; et la plupart d’eux, ayant erevé
+leurs chevaux, se deshabillèrent pour aller plus viste à
+pied.“</span></p>
+
+<p class = "section">
+<span class = "heading">
+Bestürzung der Irländer.</span>
+<a name = "secXII_56" id = "secXII_56">Die</a> Schlacht bei Newton
+Butler wurde an demselben Nachmittage gewonnen, an welchem die durch den
+Foyle geworfene Barrikade durchbrochen wurde. In Strabane traf die
+Nachricht die auf dem Rückzuge von Londonderry begriffene celtische
+Armee. Der Schrecken und die Verwirrung waren groß; die Zelte wurden
+abgebrochen, ganze Wagenladungen Kriegsvorräthe wurden in den Mourne
+geworfen, und die entsetzten Irländer flohen unter Zurücklassung vieler
+<span class = "pagenum"><a name = "pageXII_82" id = "pageXII_82">
+XII.82</a></span>
+Kranker und Verwundeter, die sie der Gnade der siegreichen Protestanten
+preisgaben, nach Omagh und von da weiter nach Charlemont. Sarsfield,
+welcher in Sligo commandirte, sah sich gezwungen, diese Stadt
+aufzugeben, welche alsbald von einer Abtheilung Kirke’scher Truppen
+besetzt wurde.<a class = "tag" name = "tagXII_148" id = "tagXII_148"
+href = "#noteXII_148">148</a> Dublin war in großer Bestürzung. Jakob
+ließ Äußerungen fallen, welche seine Absicht verriethen, nach dem
+Continent zu fliehen. Schlimme Nachrichten stürmten in der That rasch
+hintereinander auf ihn ein. Fast zu der nämlichen Zeit, als er erfuhr,
+daß eine seiner Armeen die Belagerung von Londonderry aufgehoben hatte
+und daß eine andre bei Newton Butler geschlagen worden war, empfing er
+kaum minder entmuthigende Botschaften aus Schottland.</p>
+
+<p>Es wird jetzt nöthig, den Gang der Ereignisse zu erzählen, denen
+Schottland seine politische und religiöse Freiheit, seinen Aufschwung
+und seine Civilisation verdankt.</p>
+
+<p class = "footnote">
+<a name = "noteXII_148" id = "noteXII_148" href = "#tagXII_148">148.</a>
+<span class = "antiqua">Hamilton’s True Account.</span></p>
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<hr class = "small">
+
+<p>&nbsp;</p>
+
+<h6>Stereotypie und Druck von Philipp Reclam jun. in Leipzig.</h6>
+
+</div>
+<!-- end overall German div -->
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Geschichte von England seit der
+Thronbesteigung Jakob's des Zwe, by Thomas Babington Macaulay
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK GESCHICHTE VON ENGLAND SEIT ***
+
+***** This file should be named 39562-h.htm or 39562-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/3/9/5/6/39562/
+
+Produced by Louise Hope, Delphine Lettau and the Online
+Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License available with this file or online at
+ www.gutenberg.org/license.
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS', WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTABILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation information page at www.gutenberg.org
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at 809
+North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email
+contact links and up to date contact information can be found at the
+Foundation's web site and official page at www.gutenberg.org/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit www.gutenberg.org/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For forty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
+</body>
+</html>
diff --git a/39562-h/images/floral.png b/39562-h/images/floral.png
new file mode 100644
index 0000000..43c6737
--- /dev/null
+++ b/39562-h/images/floral.png
Binary files differ
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..4e116b5
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #39562 (https://www.gutenberg.org/ebooks/39562)