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+The Project Gutenberg EBook of Der Spaziergang, by Robert Walser
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org/license
+
+
+Title: Der Spaziergang
+
+Author: Robert Walser
+
+Release Date: March 24, 2012 [EBook #39247]
+[Last updated: September 12, 2020]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SPAZIERGANG ***
+
+
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+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen;
+ lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste
+ der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original in Antiqua gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ Im Original fett gedruckter Text wurde mit ~ markiert.
+ ]
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+Schweizerische Erzähler / Band 9
+
+Die Einbandzeichnung ist nicht, wie auf der Rückseite des Buchtitels
+angegeben ist, von =Karl Walser=, sondern von ~Otto Baumberger~. Infolge
+von Beförderungszwischenfällen kam der Karl Walser erteilte Auftrag
+nicht zur Ausführung.
+
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+ Der Spaziergang
+
+ Von
+ Robert Walser
+
+ Frauenfeld und Leipzig
+ Verlag: Huber & Co.
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+Den Einband zeichnete Karl Walser, Berlin
+
+Copyright 1917 by Huber & Co., Frauenfeld & Leipzig
+
+Druck von Huber & Co. in Frauenfeld
+
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+
+Ich teile mit, daß ich eines schönen Vormittags, ich weiß nicht mehr
+genau, um wieviel Uhr, da mich die Lust, einen Spaziergang zu machen,
+ankam, den Hut auf den Kopf setzte, das Schreib- oder Geisterzimmer
+verließ, die Treppe hinunterlief, um auf die Straße zu eilen. Beifügen
+könnte ich, daß mir im Treppenhaus eine Frau begegnete, die wie eine
+Spanierin, Peruanerin oder Kreolin aussah. Sie trug etwelche bleiche,
+welke Majestät zur Schau. Ich muß mir jedoch auf das strengste
+verbieten, mich auch nur zwei Sekunden lang bei dieser Brasilianerin
+oder was sie sonst sein mochte, aufzuhalten; denn ich darf weder Raum
+noch Zeit verschwenden. So viel ich mich heute, wo ich dieses alles
+schreibe, noch zu erinnern vermag, befand ich mich, als ich auf die
+offene helle und heitere Straße trat, in einer romantisch-abenteuerlichen
+Gemütsverfassung, die mich tief beglückte. Die morgendliche
+Welt, die sich vor meinen Augen ausbreitete, erschien mir
+so schön, als sähe ich sie zum erstenmal. Alles, was ich erblickte,
+machte mir den angenehmen Eindruck der Freundlichkeit, Güte und Jugend.
+Rasch vergaß ich, daß ich oben in meiner Stube soeben noch düster über
+ein leeres Blatt Papier hingebrütet hatte. Alle Trauer, aller Schmerz
+und alle schweren Gedanken waren wie verschwunden, obschon ich einen
+gewissen Ernst, als Klang, noch immer vor mir und hinter mir lebhaft
+spürte. Freudig war ich auf alles gespannt, was mir auf dem Spaziergang
+etwa begegnen oder entgegentreten könnte. Meine Schritte waren gemessen
+und ruhig, und soviel ich weiß, ließ ich, indem ich so meines Weges
+ging, ziemlich viel würdevolles Wesen sehen. Meine Empfindungen liebe
+ich vor den Augen meiner Mitmenschen zu verbergen, ohne daß ich mich
+jedoch deswegen ängstlich bemühe, was ich für einen großen Fehler und
+für eine starke Dummheit halten würde. Ich war noch nicht zwanzig oder
+dreißig Schritte weit über einen weiten menschenbelebten Platz gegangen,
+als mir Herr Professor Meili, eine Kapazität allerersten Ranges, leicht
+begegnete. Wie die unumstürzliche Autorität schritt Herr Professor Meili
+ernst, feierlich und hoheitvoll daher; in der Hand trug er einen
+unbeugsamen wissenschaftlichen Spazierstock, der mir Grauen, Ehrfurcht
+und Respekt einflößte. Professor Meilis Nase war eine strenge,
+gebieterische, scharfe Adler- oder Habichtsnase, und der Mund war
+juristisch zugeklemmt und zugekniffen. Des berühmten Gelehrten Gangart
+glich einem ehernen Gesetz; Weltgeschichte und Abglanz von längst
+vorübergegangenen heroischen Taten blitzten aus Herrn Professor Meilis
+harten, hinter buschigen Augenbrauen verborgenen Augen hervor. Sein Hut
+glich einem unabsetzbaren Herrscher. Geheime Herrscher sind die
+stolzesten und härtesten. Im ganzen genommen betrug sich jedoch
+Professor Meili ganz milde, so als wenn er in keiner Hinsicht nötig
+gehabt hätte, merken zu lassen, welche Summen von Macht und Gewicht er
+personifizierte, und seine Gestalt erschien mir trotz aller
+Unerbittlichkeit und Härte sympathisch, weil ich mir sagen durfte, daß
+die, die nicht auf süße und schöne Art lächeln, ehrlich und zuverlässig
+sind. Gibt es ja bekanntlich Schurken, die die Lieben und Guten spielen,
+die das schreckliche Talent haben, zu den Untaten, die sie begehen,
+verbindlich und artig zu lächeln.
+
+Ich wittere etwas von einem Buchhändler und einem Buchladen; ebenso will
+bald, wie ich ahne und merke, ein Bäckerladen mit prahlerischen
+Goldbuchstaben zur Erwähnung und Geltung gelangen. Vorher aber habe ich
+noch einen Priester oder Pfarrer zu verzeichnen. Ein radfahrender oder
+fahrradelnder Stadtchemiker fährt mit freundlichem, gewichtigem Gesicht
+dicht am Spaziergänger, nämlich an mir, vorüber, ebenso ein Stabs- oder
+Regimentsarzt. Ein bescheidener Fußgänger darf nicht unbeachtet und
+unaufgezeichnet bleiben; denn er ersucht mich um gefällige Erwähnung. Es
+ist dies ein reichgewordener Althändler und Lumpensammler. Buben und
+Mädchen jagen im Sonnenlicht frei und ungezügelt umher. »Man lasse sie
+ruhig ungezügelt«, dachte ich; »das Alter wird sie einst schon schrecken
+und zügeln. Nur zu früh, leider Gottes.« Ein Hund erlabt sich am
+Brunnenwasser. Schwalben, scheint mir, zwitschern in der blauen Luft.
+Ein bis zwei elegante Damen in verblüffend kurzen Röcken und
+überraschend feinen hohen farbigen Stiefelchen machen sich doch wohl
+hoffentlich so gut bemerkbar wie irgend etwas anderes. Zwei Sommer- oder
+Strohhüte fallen auf. Die Sache mit den Herrenstrohhüten ist die:
+Plötzlich sehe ich nämlich zwei Hüte in der hellen zarten Luft, und
+unter den Hüten stehen zwei bessere Herren, die einander mittels
+schönen, artigen Hutlüftens und -schwenkens guten Morgen zu bieten
+scheinen. Die Hüte sind bei dieser Veranstaltung sichtlich wichtiger als
+ihre Träger und Besitzer. Im übrigen bittet man den Verfasser sehr
+ergeben, sich vor tatsächlich überflüssigen Spötteleien und Föppeleien
+zu hüten. Man ersucht ihn, ernsthaft zu bleiben, und hoffentlich hat er
+das jetzt ein für allemal verstanden.
+
+Da eine äußerst stattliche, reichhaltige Buchhandlung mir angenehm in
+die Augen fiel und ich Trieb und Lust spürte, ihr einen kurzen und
+flüchtigen Besuch abzustatten, so zögerte ich nicht, in den Laden mit
+sichtlich guter Manier einzutreten, wobei ich mir allerdings zu bedenken
+erlaubte, daß ich vielleicht mehr als Inspektor und Bücher-Revisor, als
+Erkundigungen-Einsammler und feiner Kenner denn als beliebter und
+gerngesehener reicher Einkäufer und guter Kunde in Frage käme. Mit
+höflicher, überaus vorsichtiger Stimme und in den begreiflicherweise
+gewähltesten Ausdrücken erkundigte ich mich nach dem Neusten und Besten
+auf dem Gebiet der schönen Literatur. »Darf ich«, fragte ich schüchtern,
+»das Gediegenste und Ernsthafteste und damit selbstverständlich zugleich
+auch das Meistgelesene und am raschesten Anerkannte und Gekaufte kennen
+und augenblicklich schätzen lernen? Sie würden mich zu ungewöhnlichem
+Dank in sehr hohem Grad verbinden, wenn Sie die weitgehende Gefälligkeit
+haben und mir das Buch gütig vorlegen wollten, das, wie ja sicher
+niemand so genau wissen wird wie gerade Sie, die höchste Gunst beim
+lesenden Publikum sowohl als bei der gefürchteten und daher ohne Zweifel
+auch umschmeichelten Kritik gefunden hat und ferner munter findet. Sie
+glauben garnicht, wie ich mich interessiere, sogleich zu erfahren,
+welches von allen den hier aufgestapelten und zur Schau gestellten
+Büchern oder Werken der Feder dieses fragliche Lieblingsbuch ist, dessen
+Anblick mich ja höchst wahrscheinlich, wie ich auf das allerlebhafteste
+vermuten muß, zum sofortigen freudigen, begeisterten Käufer machen wird.
+Das Verlangen, den Lieblingsschriftsteller der gebildeten Welt und sein
+bewundertes, stürmisch beklatschtes Meisterwerk zu sehen und wie gesagt
+vermutlich auch sogleich zu kaufen, gramselt und rieselt mir durch alle
+Glieder. Darf ich Sie höflich bitten, mir dieses erfolgreichste Buch zu
+zeigen, damit die Begierde, die sich meines gesamten Wesens bemächtigt
+hat, sich zufrieden gibt und aufhört, mich zu beunruhigen?« »Sehr gern«,
+sagte der Buchhändler. Er verschwand wie ein Pfeil aus dem
+Gesichtskreis, um jedoch im nächsten Augenblick schon wieder zu dem
+begierigen Käufer und Interessenten zurückzukehren und zwar mit dem
+meist gekauften und gelesenen Buch von wirklich bleibendem Wert in der
+Hand. Das kostbare Geistesprodukt trug er so sorgsam und feierlich, als
+trage er eine heilig machende Reliquie. Sein Gesicht war verzückt; die
+Miene strahlte höchste Ehrfurcht aus, und mit einem Lächeln auf den
+Lippen, wie es nur Gläubige und Innigstdurchdrungene zu lächeln
+vermögen, legte er mir auf die gewinnendste Art vor, was er
+daherbrachte. Ich betrachtete das Buch und fragte:
+
+»Können Sie schwören, daß dies das weitestverbreitete Buch des Jahres
+ist?«
+
+»Ohne Zweifel.«
+
+»Können Sie behaupten, daß dies das Buch ist, das man gelesen haben
+muß?«
+
+»Unbedingt.«
+
+»Ist das Buch wirklich auch gut?«
+
+»Was für eine gänzlich überflüssige und unstatthafte Frage.«
+
+»Ich danke Ihnen recht sehr«, sagte ich kaltblütig, ließ das Buch, das
+die absolut weiteste Verbreitung gefunden hatte, weil man es unbedingt
+gelesen haben mußte, lieber ruhig liegen, wo es lag, und entfernte mich
+geräuschlos, ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren. »Ungebildeter und
+unwissender Mensch!« rief mir freilich der Verkäufer in seinem
+berechtigten tiefen Verdruß nach. Ich ließ ihn jedoch reden und ging
+gemächlich weiter und zwar, wie ich sogleich näher auseinandersetzen und
+verständlich machen werde, direkt in die nächstgelegene imposante
+Bankanstalt.
+
+Wo ich nämlich meinte vorsprechen zu müssen, um über gewisse Wertpapiere
+zuverlässigen Aufschluß zu erhalten. »Im Vorbeigehen rasch in ein
+Geldinstitut hineinzuspringen«, dachte oder sagte ich für mich selber,
+»um über Finanzangelegenheiten zu verhandeln und Fragen vorzubringen,
+die man nur flüsternd vorträgt, ist hübsch und nimmt sich ungemein gut
+aus.«
+
+»Es ist gut und trifft sich prächtig, daß Sie persönlich zu uns kommen«,
+sagte mir am Schalter der verantwortungsvolle Beamte in sehr
+freundlicher Tonart, und er fügte, indem er fast schalkhaft, jedenfalls
+aber sehr angenehm und heiter lächelte, Folgendes hinzu:
+
+»Es ist, wie gesagt, gut, daß Sie gekommen sind. Soeben wollten wir uns
+brieflich an Sie wenden, um Ihnen, was jetzt mündlich geschehen kann,
+die für Sie ohne Frage erfreuliche Mitteilung zu machen, daß wir Sie aus
+Auftrag eines Vereines oder Kreises von Ihnen offenbar hold gesinnten
+gutherzigen und menschenfreundlichen Frauen mit
+
+ Franken Eintausend
+
+nicht belastet, sondern vielmehr, was Ihnen zweifellos wesentlich
+willkommener sein dürfte, bestens kreditiert haben, was wir Ihnen
+hiedurch bestätigen und wovon Sie, wenn Sie so gut sein wollen, prompt
+Notiz im Kopf oder, wo es Ihnen sonst paßt, nehmen wollen. Wir nehmen
+an, daß Ihnen diese Eröffnung lieb ist; denn Sie machen uns, offen
+gestanden, den Eindruck, der uns mit, wir möchten uns erlauben zu sagen,
+fast nur schon zu großer Deutlichkeit sagt, daß Sie Fürsorge delikater
+und schöner Natur geradezu bedenklich nötig haben. Das Geld steht von
+heute ab zu Ihrer Verfügung. Man sieht, daß eine starke Fröhlichkeit
+sich in diesem Augenblick über Ihre Gesichtszüge verbreitet. Ihre Augen
+leuchten; Ihr Mund hat in diesem Moment etwas Lachendes, mit welchem Sie
+vielleicht schon die längste Zeit nicht mehr gelacht haben, weil
+zudringliche tägliche Sorgen häßlicher Art Ihnen verboten haben, das zu
+tun, und weil Sie sich seit langer Zeit meistens vielleicht in trüber
+Laune befanden, da allerhand böse und traurige Gedanken Ihre Stirne
+umdüsterten. Reiben Sie sich nur immer vor Vergnügen die Hände, und
+seien Sie froh, daß einige edle, liebenswürdige Wohltäterinnen, durch
+den erhabenen Gedanken bewogen, daß Leid eindämmen schön und Not lindern
+gut sei, daran dachten, daß ein armer und erfolgloser Dichter (denn
+nicht wahr, das sind Sie doch?) der Unterstützung bedürfe. Zu der
+Tatsache, daß sich einige Menschen fanden, die sich herablassen wollten,
+sich Ihrer zu erinnern, und zu dem Umstand, daß nicht alle Leute sich
+gleichgültig über des vielfach verachteten Dichters Existenz
+hinwegsetzen, gratulieren wir Ihnen.«
+
+»Die mir von weichen und gütigen Feen- oder Frauenhänden gespendete,
+unvermutet zugeflossene Geldsumme«, sagte ich, »möchte ich ruhig bei
+Ihnen liegen lassen, wo sie ja einstweilen am besten aufgehoben ist, da
+Sie über die nötigen feuerfesten und diebsichern Kassenschränke
+verfügen, um Schätze vor jeglicher Vernichtung und vor jeglichem
+Untergang zu bewahren. Überdies zahlen Sie ja sogar noch Zinsen. Darf
+ich Sie um einen Empfangschein bitten? Ich stelle mir vor, daß ich die
+Freiheit habe, jederzeit nach Belieben und Bedürfnis von der großen
+Summe kleine Summen abzuheben. Bemerken möchte ich, daß ich sparsam bin.
+Ich werde mit der Gabe wie ein solider, zielbewußter Mann, d. h. äußerst
+vorsichtig umzugehen wissen, und den freundlichen Geberinnen werde ich
+in einem besonnenen und artigen Schreiben meinen Dank abzustatten haben,
+was ich schon morgen früh zu tun denke, damit es nicht durch Aufschieben
+vergessen wird. Die Annahme, die Sie vorhin so offen äußerten, daß ich
+arm sei, mag immerhin auf kluger und richtiger Beobachtung beruhen. Es
+genügt aber vollkommen, daß ich selber weiß, was ich weiß, und daß ich
+selbst es bin, der am besten über meine Person unterrichtet ist. Oft
+trügt der Schein, mein Herr, und ein Urteil über einen Menschen zu
+fällen, wird wohl am besten diesem Menschen selbst überlassen sein.
+Niemand kann einen Mann, der schon allerlei gesehen und erfahren hat, so
+gut kennen wie er selbst. Ich irrte zu Zeiten allerdings im Nebel und in
+tausenderlei Schwankungen und Verlegenheiten umher, und oft fühlte ich
+mich elendiglich verlassen. Aber ich denke, daß es schön ist, zu
+kämpfen. Nicht auf Freuden und Vergnügungen ist ein Mann stolz. Stolz
+und froh im Grunde der Seele machen ihn nur tapfer überstandene
+Anstrengungen und die geduldig ausgehaltenen Leiden. Doch hierüber
+verschwendet man nicht gerne Worte. Welcher redliche Mann war im Leben
+nie hilflos, und welches menschlichen Wesens Hoffnungen, Pläne, Träume
+sind im Laufe der Jahre gänzlich unzerstört geblieben? Wo ist die Seele,
+deren Sehnen, kühnes Wünschen, süße und hohe Vorstellungen von Glück in
+Erfüllung gingen, ohne daß sie sich Abzüge hat machen lassen müssen?«
+
+Quittung über eintausend Franken wurde mir aus- und eingehändigt, worauf
+sich der solide Geld-Einleger und Konto-Korrent-Mensch empfehlen und
+entfernen durfte, nämlich niemand anderer als ich. Von Herzen froh über
+das mir so zauberhaft, wie aus blauem Himmel zugefallene
+Kapital-Vermögen lief ich aus dem hohen, schönen Kassaraum fort, an die
+freie Luft hinaus, um den Spaziergang fortzusetzen.
+
+Anfügen will und kann und darf ich hoffentlich (da mir im Augenblick
+Neues und Gescheites nicht einfällt), daß ich eine höfliche, reizende
+Einladung von Frau Aebi in der Tasche mittrug. Die Einladekarte forderte
+mich ergebenst auf und ermunterte mich, punkt halb ein Uhr jedenfalls
+zum bescheidenen Mittagessen erscheinen zu wollen. Ich nahm mir fest
+vor, der Aufforderung zu gehorchen und bei der fraglichen
+schätzenswerten Person zur angegebenen Zeit prompt aufzutauchen.
+
+Indem du dir, lieber gewogener Leser, die Mühe nimmst, sorgfältig mit
+dem Schreiber und Erfinder dieser Zeilen vorwärts in die helle,
+freundliche Morgenwelt hinaus zu marschieren, nicht eilig, sondern
+vielmehr ganz behaglich, sachlich, glatt, bedächtig und ruhig, gelangen
+wir beide vor die bereits vorgemerkte Bäckerei mit Goldinschrift, wo wir
+uns bewogen fühlen, entsetzt stehen zu bleiben, um auf betrübliche Weise
+über gröbliche Protzerei und über damit aufs engste verbundene traurige
+Verunstaltung des lieblichen Ländlichkeitsbildes zu staunen.
+
+Spontan rief ich aus: »Ziemlich entrüstet, bei Gott, darf ein ehrlicher
+Mensch angesichts solcher goldenen Firmeninschrift-Barbareien sein, die
+der Landschaft, in welcher wir stehen, ein Gepräge der Eigensucht,
+Geldgier, elenden, völlig nackten Seelenverrohung aufdrücken. Hat denn
+ein einfacher, redlicher Bäckermeister wirklich nötig, so großartig
+aufzutreten, mit seiner törichten Gold- und Silber-Ankündigung in der
+Sonne zu strahlen und blitzen wie ein Fürst oder wie eine putzsüchtige
+zweifelhafte Dame? Backe und knete er doch sein Brot in Ehren und in
+vernunftentsprechender Bescheidenheit. In was für einer Schwindelwelt
+fangen wir an zu leben oder haben wir bereits begonnen zu leben, wenn
+von Gemeinden, Nachbarschaft und öffentlicher Meinung nicht nur
+geduldet, sondern unglücklicherweise offenbar sogar noch gepriesen wird,
+was jeden guten Sinn, jeden Sinn für Vernunft und Gefälligkeit, jeden
+Schönheits- und Biedersinn beleidigt, was krankhaft großtut, sich ein
+lächerliches Lumpen-Ansehen verleiht, das auf hundert und mehr Meter
+Entfernung in die gute ehrliche Luft hinausschreit: »Ich bin der und
+der. Ich habe soundso viel Geld, und ich darf mir herausnehmen,
+unangenehm aufzufallen. Ich bin zwar sicherlich ein Lümmel und Tölpel
+und geschmackloser Kerl mit meinem häßlichen Prunken; aber es hat mir
+niemand zu verbieten, lümmelhaft und tölpelhaft zu sein.« Stehen
+goldene, weithin glitzernde, abscheulich leuchtende Buchstaben in irgend
+einem annehmbaren, ehrlich gerechtfertigten Verhältnis und in irgend
+einer gesunden verwandtschaftlichen Beziehung zu -- -- Brot? Mit
+nichten! Aber abscheuliche Großtuerei und Prahlerei haben an irgend
+einer Ecke, in irgend einem Winkel der Welt, zu irgend einer Stunde
+angefangen, haben, gleich einer beklagenswerten jämmerlichen
+Überschwemmung, Fortschritte um Fortschritte gemacht, Unrat, Schmutz und
+Torheit mit sich reißend, dieselben über die Welt verbreitend, und haben
+auch meinen ehrsamen Bäckermeister ergriffen, um seinen bisherigen guten
+Geschmack zu verderben, seine ihm angeborene Sittsamkeit zu unterwühlen.
+Ich gäbe viel, ich gäbe den linken Arm oder das linke Bein her, wenn ich
+durch ein solches Opfer wieder den alten feinen Sinn für Gediegenheit,
+die alte gute Genügsamkeit herbeiführen helfen, Land und Leuten wieder
+jene Ehrsamkeit und Bescheidenheit zurückgeben könnte, die sicher
+vielfach und zum Bedauern aller Menschen, die es redlich meinen,
+verloren gegangen sind. Zum Teufel mit der miserablen Sucht, mehr zu
+scheinen, als was man ist. Eine wahre Katastrophe ist das, die
+Kriegsgefahr, Tod, Elend, Haß und Verwundungen auf der Erde verbreitet
+und allem, was existiert, eine verwünschenswerte Maske von Bosheit und
+Häßlichkeit aufsetzt. So sei mir doch ein Handwerker kein Monsieur und
+eine einfache Frau keine Madam. Aber es will heute alles blenden und
+glitzern, neu und fein und schön sein, Monsieur sein und Madam sein, daß
+es ein Grauen ist. Doch kommt es vielleicht mit der Zeit auch noch
+einmal wieder anders. Ich will es hoffen.«
+
+Ich werde mich übrigens sogleich punkto herrenhaften Auftretens und
+hochherrschaftlichen Gebarens, wie man bald erfahren wird, selber beim
+Ohr nehmen. Auf was für eine Art wird sich zeigen. Es wäre nicht schön,
+wenn ich andere schonungslos kritisieren, mich selber aber nur ganz zart
+anfassen und so schonungsvoll wie möglich behandeln wollte. Ein
+Kritiker, der es so macht, ist nicht der wahre, und Schriftsteller
+sollen mit der Schriftstellerei keinen Mißbrauch treiben. Ich hoffe, daß
+dieser Satz allgemein gefällt, Genugtuung erweckt und warmen Beifall
+findet.
+
+Eine Arbeiter-gefüllte und arbeitsreiche Metallgießerei verursacht hier
+links vom Landschaftsweg auffälliges Getöse. Bei dieser Gelegenheit
+schäme ich mich aufrichtig, daß ich nur spaziere, wo so viele andere
+schuften und arbeiten. Ich schufte und schaffe freilich vielleicht dann
+zu einer Stunde, wo alle diese Arbeiter Feierabend haben und ausruhen.
+
+Ein Monteur auf dem Fahrrad, Kamerad vom Landwehrbataillon 134/III, ruft
+mir beiläufig zu: »Du spazierst wieder einmal, scheint mir, am
+heiterhellen Werktag.« Ich grüße ihn lachend und gebe mit Freuden zu,
+daß er recht hat, wenn er der Ansicht ist, daß ich spaziere.
+
+»Sie sehen es mir an, daß ich spaziere«, dachte ich im stillen und
+spazierte friedlich weiter, ohne mich im geringsten über das
+Ertapptwordensein zu ärgern, was ganz dumm gewesen wäre.
+
+In meinem hellgelben, geschenkt bekommenen Engländer-Anzug kam ich mir
+nämlich, muß ich offen gestehen, wie ein großer Lord, Grandseigneur, im
+Park auf und ab spazierender Marquis vor, trotzdem es doch nur eine halb
+ländliche, halb vorstadtmäßige schlichte liebe bescheidene und
+kleinliche Armutsgegend und Landstraße war, wo ich mich erging, und
+durchaus kein vornehmer Park, wie ich mir angemaßt habe anzudeuten, was
+ich sachte wieder zurückziehe, weil alles Parkhafte ganz aus der Luft
+gegriffen ist und hierher absolut nicht paßt. Kleinere und größere
+Fabriklein und mechanische Werkstätten lagen beliebig verstreut im
+Grünen. Fette warme Landwirtschaft gab hier herum gleichsam klopfender
+und hämmernder Industrie, die immer irgend etwas Zerarbeitetes und
+Mageres an sich hat, freundschaftlich den Arm. Nußbäume, Kirschbäume und
+Pflaumenbäume gaben dem weichen, rundlichen Weg etwas Anziehendes,
+Unterhaltsames und Zierliches. Ein Hund lag quer mitten auf der Straße,
+die ich an und für sich schon schön fand und liebte. Ich liebte
+überhaupt das meiste, was ich nach und nach sah, augenblicklich feurig.
+Eine andere kleine hübsche Hundeszene und Kinderszene war folgende: Ein
+großer, aber durchaus drolliger, humorvoller, ungefährlicher Kerl von
+Hund betrachtete still einen Knirps von Knaben, der auf einer Haustreppe
+kauerte, und der wegen der Aufmerksamkeit, die ihm das gutmütige, jedoch
+ein wenig schreckhaft aussehende Tier zu schenken beliebte, vor Angst
+jämmerlich brüllte und ein starkes, kindisches Geheul veranstaltete. Ich
+fand den Auftritt entzückend; aber einen andern Kinderauftritt im
+Landstraßentheater fand ich fast noch netter und entzückender. Zwei ganz
+kleine Kinderchen lagen auf der ziemlich staubigen Straße wie in einem
+Garten. Das eine Kind sagte zum andern: »Gib mir ein liebes Küßchen.«
+Das andere Kind gab ihm das dringlich Geforderte. Nun sagte es zu ihm:
+»So. Jetzt darfst du vom Boden aufstehen.« Es würde ihm also höchst
+wahrscheinlich ohne süßes Küßchen nicht erlaubt haben, was es ihm jetzt
+gestattete. »Wie paßt diese naive kleine Szene zu dem schönen blauen
+Himmel, der auf die frohe leichte helle Erde so göttlich herunterlacht!«
+sagte ich mir. »Kinder sind himmlisch, weil sie immer wie in einer Art
+Himmel sind. Wenn sie älter werden und aufwachsen, schwindet ihnen der
+Himmel, und sie fallen aus der Kindlichkeit dann in das trockene,
+berechnende Wesen und in die langweiligen Anschauungen der Erwachsenen.
+Für Kinder von armen Leuten ist die sommerliche Landstraße wie ein
+Spielzimmer. Wo sollen sie sonst sein, da ihnen die Gärten eigennützig
+zugesperrt sind? Wehe dahersausenden Automobilen, die kalt und bös in
+das Kinderspiel, in den kindlichen Himmel hineinfahren, daß kleine
+unschuldige menschliche Wesen in Gefahr kommen, zermalmt zu werden. Den
+schrecklichen Gedanken, daß ein Kind von solch einem plumpen
+Triumphwagen tatsächlich überfahren wird, will ich garnicht denken, weil
+mich sonst der Zorn zu groben Ausdrücken verleitete, mit denen man ja
+bekanntlich doch nie viel verrichtet.«
+
+Leuten, die in einem sausenden, staubaufwerfenden Automobil sitzen,
+zeige ich immer mein böses und hartes Gesicht, und sie verdienen auch
+kein besseres. Sie denken dann, daß ich ein Aufpasser und Polizist in
+Zivil sei, von hohen Obrigkeiten und Behörden beauftragt, auf das Fahren
+aufzupassen, mir die Nummer des Fahrzeugs zu merken und solche später zu
+hinterbringen. Ich schaue da stets finster auf die Räder, aufs Ganze und
+nie auf die Insassen, welche ich verachte und zwar keineswegs
+persönlich, sondern rein grundsätzlich; denn ich begreife nicht und
+werde niemals begreifen, daß es ein Vergnügen sein kann, so an allen
+Gebilden, Gegenständen, die unsere schöne Erde aufweist, vorüberzurasen,
+als wenn man toll geworden sei und rennen müsse, um nicht elend zu
+verzweifeln. In der Tat liebe ich die Ruhe und alles Ruhende. Ich liebe
+Sparsamkeit und Mäßigkeit und bin allem Gehetz und Gehast im tiefsten
+Innern in Gottes Namen abhold. Mehr als was wahr ist brauche ich nicht
+zu sagen. Und wegen dieser Worte wird das Automobilfahren sicher nicht
+mit einmal aufhören nebst luftverderbendem üblem Geruch, den sicherlich
+niemand besonders hochschätzt und liebt. Es wäre widernatürlich, wenn
+jemandes Nase lieben und mit Freuden einziehen würde, was für jede
+rechte Menschennase einfach manchmal, je nachdem man vielleicht gelaunt
+ist, empörend und abscheuerweckend ist. Schluß und nichts für ungut. Und
+nun weiter spaziert. Himmlisch schön und gut und uralt einfach ist es
+ja, zu Fuß zu gehen. Anzunehmen ist, daß das Schuhwerk und Stiefelzeug
+in Ordnung ist.
+
+Werden mir sehr geehrte Herrschaften, Gönnerschaften und Leserschaften,
+indem sie diesen vielleicht etwas zu feierlichen und hochdaherstolzierenden
+Stil wohlwollend hinnehmen und entschuldigen, nunmehr gütig
+erlauben, dieselben auf zwei besonders bedeutende Personen,
+Gestalten oder Figuren, nämlich erstlich oder besser erstens
+auf eine vermeintliche gewesene Schauspielerin und zweitens auf die
+jugendlichste vermutliche angehende Sängerin gebührend aufmerksam zu
+machen? Ich halte diese zwei Leute für denkbar wichtig und habe sie
+daher geglaubt zum voraus schon, bevor sie in Wirklichkeit auftreten und
+figurieren werden, ordentlich anmelden und ankündigen zu sollen, damit
+ein Geruch von Bedeutsamkeit und Ruhm den beiden zarten Geschöpfen
+vorauseile und dieselben bei ihrem Erscheinen mit all der Achtsamkeit
+und sorgfältigen Liebe empfangen und angeschaut werden können, womit man
+meiner geringfügigen Meinung nach solcherlei Wesen fast notwendigerweise
+auszeichnen muß. Gegen halb ein Uhr wird ja dann der Herr Verfasser
+bekanntermaßen, zum Lohn für seine vielfachen Strapazen, im Palazzo oder
+Haus der Frau Aebi essen, schwelgen und speisen. Bis dahin wird er
+indessen noch eine beträchtliche Strecke Weges zurückzulegen und noch
+manche Zeile zu schreiben haben. Aber man weiß ja zur Genüge, daß er
+ebenso gern spaziert als schreibt; letzteres allerdings vielleicht um
+eine Nüance weniger gern als ersteres.
+
+Vor einem bildsaubern und hübschen Haus sah ich, hart an der schönen
+Straße, eine Frau auf einer Bank sitzen, und kaum hatte ich sie
+erblickt, so erkühnte ich mich auch bereits sie anzusprechen, indem ich
+unter möglichst artigen und verbindlichen Wendungen Folgendes
+vorbrachte:
+
+»Verzeihen Sie, wenn sich mir, einem Ihnen völlig unbekannten Menschen,
+bei Ihrem Anblick die eifrige und sicherlich dreiste Frage auf die Lippe
+drängt, ob Sie nicht vielleicht ehemals Schauspielerin gewesen seien.
+Sie sehen nämlich ganz und gar wie eine einstmals verwöhnte, gefeierte
+große Schauspielerin und Bühnenkünstlerin aus. Gewiß wundern Sie sich
+mit größtem Recht über die so verblüffend waghalsige kecke Anrede und
+Anfrage; aber Sie haben ein so schönes Gesicht, ein so gefälliges,
+nettes, und ich muß beifügen, so interessantes Aussehen, zeigen eine so
+schöne, edle, gute Figur, schauen so grad und groß und ruhig vor sich
+hin, auf mich und überhaupt in die Welt hinein, daß ich mich unmöglich
+habe zwingen können, an Ihnen vorüberzugehen, ohne gewagt zu haben,
+Ihnen etwas Artiges und Schmeichelhaftes zu sagen, was Sie mir
+hoffentlich nicht übel nehmen werden, obschon ich fürchten muß, daß ich
+wegen meiner Leichtfertigkeit Strafe und Mißbilligung verdiene. Als ich
+Sie sah, kam ich augenblicklich auf den Gedanken, daß Sie Schauspielerin
+gewesen sein müßten, und heute, so dachte ich bei mir, sitzen Sie nun
+hier an der einfachen, wenn auch gleich schönen Straße, vor dem hübschen
+kleinen Laden, als dessen Inhaberin Sie mir vorkommen. Sie sind
+vielleicht bis heute noch von keinem Menschen hier so ohne alle Umstände
+angeredet worden. Ihr freundliches und zugleich anmutiges Äußeres, Ihre
+liebenswürdige, schöne Erscheinung, Ihre Ruhe, Ihre feine Gestalt und
+Ihr edles, munteres Aussehen bei vorgerücktem Alter, das Sie mir
+erlauben wollen anzumerken, haben mich ermutigt, ein zutrauliches
+Gespräch auf offener Straße mit Ihnen anzufangen. Auch hat der schöne
+Tag, dessen Freiheit und Heiterkeit mich beglücken, eine Fröhlichkeit in
+mir angezündet, mit welcher ich vielleicht der unbekannten Dame
+gegenüber etwas zu weit gegangen bin. Sie lächeln! Dann sind Sie also
+über die ungezwungene Sprache, die ich führe, keineswegs böse. Es dünkt
+mich, wenn ich so sagen darf, schön und gut, daß dann und wann zwei
+unbekannte Menschen frei und harmlos miteinander reden, wozu wir
+Bewohner dieses irrenden, seltsamen Planeten, der uns ein Rätsel ist, ja
+schließlich Mund und Zunge und die sprachliche Fähigkeit haben, welch
+letztere an und für sich schon so schön und seltsam ist. Jedenfalls
+haben Sie mir, als ich Sie sah, sogleich herzlich gut gefallen; doch ich
+muß mich nun respektvoll entschuldigen, und ich möchte Sie bitten,
+überzeugt zu sein, daß Sie mir die wärmste Ehrfurcht einflößen. Kann das
+offene Geständnis, daß ich sehr glücklich war, als ich Sie sah, Sie
+veranlassen, mir zu zürnen?«
+
+»Vielmehr muß es mich freuen«, sagte die schöne Frau heiter; »aber
+bezüglich Ihrer Vermutung muß ich Ihnen eine Enttäuschung bereiten. Ich
+bin nie Schauspielerin gewesen.«
+
+Worauf ich mich bewogen fühlte, zu sagen: »Ich bin vor einiger Zeit in
+diese Gegend aus kalten, traurigen, engen Verhältnissen, krank im
+Innern, ganz und gar ohne Glauben, ohne Zuversicht und Zutrauen, ohne
+jegliche schönere Hoffnung hergekommen, mit der Welt und mit mir selber
+entfremdet und verfeindet. Ängstlichkeit und Mißtrauen nahmen mich
+gefangen und begleiteten jeden meiner Schritte. Stück um Stück verlor
+ich dann das unedle, häßliche Vorurteil. Ich atmete hier wieder ruhiger
+und freier -- und wurde wieder ein schönerer, wärmerer, glücklicherer
+Mensch. Die Befürchtungen, die mir die Seele erfüllten, sah ich nach und
+nach verschwinden; Trauer und Öde im Herzen und die Hoffnungslosigkeit
+verwandelten sich allgemach in heitere Befriedigung und in einen
+angenehmen, lebhaften Anteil, den ich von Neuem fühlen lernte. Ich war
+tot, und jetzt ist es mir, als habe mich jemand gehoben und gefördert.
+Wo ich viel Unschönes, Hartes und Beunruhigendes erfahren zu müssen
+geglaubt habe, treffe ich den Liebreiz und die Güte an und finde ich
+alles Ruhige, Zutrauliche und Gute.«
+
+»Umso besser«, sagte die Frau mit freundlicher Miene und Stimme.
+
+Da mir der Augenblick gekommen zu sein schien, die ziemlich mutwillig
+begonnene Unterhaltung zu beendigen und mich zu entfernen, so grüßte ich
+die Frau, die ich für eine Schauspielerin gehalten hatte, die jedoch
+jetzt leider keine große und berühmte Schauspielerin mehr war, weil sie
+selbst es für nötig gefunden hatte zu bestreiten, mit, ich darf wohl
+sagen, ausgesuchter, sehr sorgfältiger Höflichkeit, indem ich mich vor
+ihr verneigte, und ging friedlich, wie wenn weiter gar nichts geschehen
+wäre, weiter.
+
+Eine bescheidene Frage: Ist vielleicht nachgerade für ein zierliches
+Putzgeschäft unter grünen Bäumen hervorragendes Interesse und womöglich
+etlicher Beifall spärlich vorhanden?
+
+Ich glaube stark daran, und so wage ich die ganz ergebene Mitteilung zu
+machen, daß ich im Gehen und Vormarschieren auf dem schönsten aller Wege
+einen ziemlich albernen, jünglinghaften und lauten Freudeschrei aus
+einer Kehle ausstieß, die solches und ähnliches selber nicht für möglich
+hielt. Was sah und entdeckte ich Neues, Unerhörtes und Schönes? Ei, ganz
+einfach besagtes allerliebstes Putzgeschäft und Modesalon. Paris und
+Petersburg, Bukarest und Mailand, London und Berlin, alles, was elegant,
+liederlich und hauptstädtisch ist, trat mir nah, tauchte vor mir auf, um
+mich zu faszinieren und zu bezaubern. Aber in den Haupt- und Weltstädten
+fehlt der grüne sanfte Baumschmuck, der Schmuck und die Wohltat
+freundlicher Wiesen und vieler lieben zarten Blätter und nicht zuletzt
+der süße Blumenduft, und den hatte ich hier. »Das alles«, so nahm ich
+mir im stillen und während des Stillstehens vor, »schreibe ich bestimmt
+demnächst in ein Stück oder in eine Art Phantasie hinein, die ich ›Der
+Spaziergang‹ betiteln werde. Namentlich darf mir dieser Damenhutladen
+keineswegs darin fehlen. Ein hoher malerischer Reiz würde dem Stück
+sonst sicher abgehen, und diesen Mangel werde ich so gut zu vermeiden
+als zu umgehen und unmöglich zu machen wissen.« Die Federn, Bänder,
+künstlichen Früchte und Blumen auf den netten drolligen Hüten waren für
+mich fast ebenso anziehend und anheimelnd wie die Natur selber, die mit
+ihrem natürlichen Grün, mit ihren Naturfarben die künstlichen Farben und
+phantastischen Modeformen umrahmte und zart einschloß, derart, als sei
+das Putzgeschäft ein bloßes liebliches Gemälde. Ich rechne, wie gesagt,
+hiebei mit dem feinsten Verständnis seitens des Lesers, vor dem ich mich
+aufrichtig fürchte. Dieses elende Feiglingsgeständnis ist begreiflich.
+Es ist noch allen kühneren Autoren so gegangen.
+
+Gott! was erblickte ich, ebenfalls unter Blättern, für einen reizenden,
+niedlichen, entzückenden Fleischladen mit rosaroter Schweine-, Rind- und
+Kalbfleischware. Der Metzger hantierte im Ladeninnern, wo auch Käufer
+standen. Einen Schrei ist dieser Metzgerladen gewiß ebenso gut wert wie
+der Laden mit den Hüten. Drittens sei ein Spezereiladen sanft genannt.
+Zu allerlei Wirtschaften komme ich später, wie mir scheint, noch früh
+genug. Man kann mit Wirtshäusern zweifellos nicht spät genug am Tag
+anfangen, weil sich ja Folgen einstellen, die man kennt, und zwar leider
+jeder selber nur zur Genüge. Auch der Tugendhafteste darf nicht
+bestreiten, daß er gewisser Untugenden nie ganz Herr wird.
+Glücklicherweise jedoch ist man ja -- Mensch und als solcher leicht zu
+entschuldigen. Man beruft sich einfach auf die Schwachheit der
+Organisation.
+
+Hier habe ich mich wieder einmal neu zu orientieren. Ich setze voraus,
+daß mir Neueinrichtung und Umgruppierung so gut gelingen wie irgend
+einem Generalfeldmarschall, der alle Umstände überblickt und alle
+Zufälligkeiten und Rückschläge in das Netz seiner, es wird gestattet
+sein zu sagen, genialen Berechnung zieht. In den Tagesblättern liest
+solches ein fleißiger Mensch gegenwärtig täglich, und er merkt sich
+Ausdrücke, wie: Flankenstoß. Ich bin in letzter Zeit zu der Überzeugung
+gekommen, daß Kriegskunst und Kriegführung fast so schwer und
+geduldheischend sind wie Dichtkunst und umgekehrt. Auch Schriftsteller
+treffen oft, wie Generäle, langwierigste Vorbereitungen, ehe sie zum
+Angriff zu schreiten und eine Schlacht zu liefern wagen, oder mit andern
+Worten ein Machwerk oder Buch auf den Büchermarkt schleudern, was
+herausfordernd wirkt und mitunter zu gewaltigen Gegenangriffen mächtig
+reizt. Bücher locken Besprechungen hervor, und diese fallen manchmal so
+grimmig aus, daß das Buch sterben und der Verfasser verzweifeln muß!
+
+Befremden darf nicht, wenn ich sage, daß ich alle diese hoffentlich
+zierlichen netten Zeilen mit deutscher Reichsgerichtsfeder schreibe.
+Daher die sprachliche Kürze, Prägnanz und Schärfe, die an einigen
+Stellen zu spüren ist, worüber sich jetzt niemand weiter wundere.
+
+Aber wann komme ich wohl endlich zu dem wohlverdienten Schmaus bei
+meiner Frau Aebi? Ich fürchte, daß das noch ziemlich lange dauert, da
+noch erkleckliche Hindernisse wegzuräumen sind. Appetit wäre längst in
+Hülle und Fülle vorhanden.
+
+Indem ich wie ein besserer Strolch, feinerer Vagabund und Tagedieb oder
+Zeitverschwender und Landstreicher so des Weges ging, neben allerlei mit
+zufriedenem behaglichem Gemüse vollbepflanzten und vollgestopften Gärten
+vorbei, neben Blumen und Blumenduft vorbei, neben Obstbäumen und neben
+Bohnenstangen und Stauden voll Bohnen vorbei, neben hochaufragendem
+Getreide, wie Roggen, Hafer und Weizen vorbei, neben einem Holzplatz mit
+vielen Hölzern und Holzspänen vorbei, neben saftigem Gras und neben
+einem artig plätschernden Wässerchen, Fluß oder Bach vorbei, neben
+allerhand Leuten, wie lieben handeltreibenden Marktfrauen, hübsch
+vorbei, neben einem mit Lust- und Freudenfahnen geschmückten Vereinshaus
+ebenso gut wie an manchen andern gutmütigen und nützlichen Dingen
+vorbei, neben einem besonders schönen und lieben Feen-Apfelbäumchen
+vorbei und weiß der liebe Gott an was sonst noch allem Möglichen vorbei,
+wie z. B. auch an Erdbeerbüschen und Blüten oder besser bereits an den
+reifen roten Erdbeeren manierlich vorbei, währenddessen mich immer
+allerlei mehr oder weniger schöne und angenehme Gedanken stark
+beschäftigten, weil beim Spazieren viele Einfälle, Lichtblitze und
+Blitzlichter sich ganz von selber einmengen und einfinden, um sorgfältig
+verarbeitet zu werden, kam ein Mensch, ein Ungeheuer, ein Ungetüm mir
+entgegen, der mir die helle lichte Straße fast völlig verdunkelte, ein
+lang- und hochaufgeschossener unheimlicher Kerl, den ich leider nur
+allzu gut kannte, ein höchst sonderbarer Geselle, nämlich der Riese
+
+ Tomzack.
+
+An allen andern Orten und auf allen andern Wegen eher als hier auf dem
+lieben weichen Landweg würde ich ihn vermutet haben. Seine trauervolle,
+schauervolle Erscheinung, sein tragisches, ungeheures Wesen flößte mir
+Schrecken ein und nahm alle gute, schöne und helle Aussicht und alle
+Froheit und Freude von mir weg. Tomzack! Nicht wahr, lieber Leser, der
+Name allein klingt schon nach schrecklichen und schwermütigen Dingen.
+»Was verfolgst du mich, was hast du nötig, mir hier mitten auf meinem
+Weg zu begegnen, du Unglückseliger?« rief ich ihm entgegen; doch Tomzack
+gab mir keine Antwort. Groß schaute er mich an, d. h. er schaute nur so
+von hoch oben auf mich herab; denn er überragte mich an Länge und Höhe
+um ein Bedeutendes. Ich kam mir neben ihm wie ein Zwerg oder wie ein
+kleines armes schwaches Kind vor. Mit der größten Leichtigkeit hätte
+mich der Riese zertreten oder erdrücken können. Ah, ich wußte, wer er
+war. Für ihn gab es keine Ruhe. Ruhelos ging er in der Welt umher. In
+keinem sanften Bett schlief er, und in keinem wohnlichen heimeligen
+Hause durfte er wohnen. Er hauste überall und nirgends. Heimat hatte er
+keine, und irgend ein Heimatrecht besaß er keins. Ohne Vaterland und
+ohne Glück war er; gänzlich ohne Liebe, und ohne Menschenfreude mußte er
+leben. Anteil nahm er nicht, und auch an ihm und an seinem Treiben und
+Leben nahm niemand Anteil. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft waren
+ihm eine wesenlose Wüste, und das Leben war zu gering, zu klein, zu eng
+für ihn. Es gab keinerlei Bedeutung für ihn, und er selbst wieder
+bedeutete für niemanden etwas. Aus seinen großen Augen brach ein Glanz
+von Überwelten- oder Unterwelten-Gram. Ein unendlicher Schmerz sprach
+aus seinen müden schlaffen Bewegungen. Er war nicht tot und nicht
+lebendig, nicht alt und nicht jung. Hunderttausend Jahre alt schien er
+mir zu sein, und es schien mir, als müsse er ewig leben, um ewig nicht
+lebendig zu sein. Er starb jeden Augenblick und vermochte dennoch nicht
+zu sterben. Kein Grab mit Blumen gab es für ihn. Ich wich ihm aus und
+murmelte für mich: »Leb wohl, und laß es dir immerhin gut gehen, Freund
+Tomzack.«
+
+Ohne mich nach dem Phantom, nach dem bedauernswürdigen Koloß und
+Übermenschen weiter umzusehen, wozu ich wahrhaftig nicht die geringste
+Lust hatte, ging ich weiter und gelangte bald nachher, so in der
+weichen, warmen Luft ruhig weiterschreitend und den trüben Eindruck
+verwindend, den die fremdartige Mannes- oder vielmehr Riesengestalt auf
+mich gemacht hatte, in einen Tannenwald, durch den sich ein gleichsam
+lächelnder, schelmisch anmutiger Weg schlängelte, den ich mit Vergnügen
+verfolgte. Weg und Waldboden waren wie ein Teppich, und hier im
+Waldinnern war es still wie in einer glücklichen Menschenseele, wie in
+einem Tempelinnern, wie in einem Palast und verzauberten und verträumten
+Märchenschlosse, wie im Dornröschenschloß, wo alles schläft und schweigt
+seit Hunderten von langen Jahren. Tiefer drang ich hinein, und ich rede
+vielleicht ein wenig schön, wenn ich sage, daß ich mir wie ein Prinz mit
+goldenem Haar und den Körper bedeckt mit einer kriegerischen Rüstung
+erschien. Es war so feierlich im Wald, daß schöne und feierliche
+Einbildungen ganz von selber sich des empfindlichen Spaziergängers
+bemächtigten. Wie war ich über die süße Waldesstille und Ruhe glücklich!
+Von Zeit zu Zeit drang von außen her einiger schwacher Lärm in die
+liebliche Abgeschiedenheit und reizende Dunkelheit hinein, etwa ein
+Schlag, ein Pfiff oder sonst ein Geräusch, dessen ferner Schall die
+herrschende Geräuschlosigkeit nur noch erhöhte, die ich recht nach
+Herzenslust einatmete, und deren Wirkung ich förmlich trank und
+schlürfte. Da und dort in all der Schweigsamkeit und in all der Stille
+ließ ein Vogel aus dem liebreizenden und heiligen Verborgenen heraus
+seine heitere Stimme vernehmen. Ich stand so und horchte, und plötzlich
+befiel mich ein unsagbares Weltempfinden und ein damit verbundenes,
+gewaltsam aus der Seele hervorbrechendes Dankbarkeitsgefühl. Die Tannen
+standen kerzengerade wie Säulen da, und nicht das Geringste rührte sich
+im weiten zarten Walde, den allerlei unhörbare Stimmen zu durchklingen
+und zu durchhallen schienen. Töne aus der Vorwelt kamen, von ich weiß
+nicht woher, an mein Ohr. »O, so will denn auch ich gerne, wenn es sein
+soll, zu Ende gehen und sterben. Eine Erinnerung wird mich dann noch im
+Grabe beglücken, und eine Dankbarkeit wird mich im Tode beleben; ein
+Danksagen für die Genüsse, für die Freude, für das Entzücken; ein
+Danksagen für das Leben und eine Freude über die Freude.« Leises hohes
+Rauschen ließ sich, von oben aus den Tannwipfeln herabsäuselnd,
+vernehmen. »Hier müßte Lieben und Küssen göttlich schön sein«, sagte ich
+mir. Die bloßen Schritte auf dem angenehmen Boden wurden zum Genuß, und
+die Ruhe zündete in der fühlenden Seele Gebete an. »Hier tot zu sein und
+in der kühlen Walderde unauffällig begraben zu liegen, müßte süß sein.
+Ach, daß man den Tod im Tode fühlen und genießen dürfte! Vielleicht ist
+es so. Im Walde ein ruhiges kleines Grab zu haben, wäre schön.
+Vielleicht würde ich das Singen der Vögel und das Waldrauschen über mir
+hören. Ich wünschte mir das.« Herrlich fiel eine Sonnenstrahlen-Säule
+zwischen Eichenstämmen in den Wald herab, der mir wie ein liebes grünes
+Grab erschien. Bald trat ich wieder ins helle Freie hinaus und ins
+Leben.
+
+Es käme jetzt und träte hervor ein Wirtshaus, und zwar ein sehr feines,
+reizendes, schmeichelhaftes, ein Wirtshaus, nah am Rand des Waldes
+gelegen, aus dem ich soeben erst herauskam, ein Wirtshaus mit köstlichem
+Garten voll erquicklichem Schatten. Der Garten läge auf einem
+aussichtsreichen niedlichen Hügel, und dicht daneben läge oder stände
+ein künstlicher Extra-Aussichtshügel oder Rondell, wo man stehen und
+ziemlich lang sich über die prächtige Aussicht freuen könnte. Ein Glas
+Bier oder Wein wäre sicher auch nicht schlecht; aber der Mensch, der
+hier spaziert, besinnt sich rechtzeitig, daß er sich ja auf keinem gar
+so sehr anstrengenden Ausmarsch befindet. Das mühereiche Gebirge liegt
+weit in der bläulich glänzenden, weißumhauchten Ferne. Er muß sich
+ehrlich gestehen, daß sein Durst weder mordsmäßig noch heidenmäßig ist,
+da er bis jetzt verhältnismäßig nur kleine Strecken zurückzulegen gehabt
+hat. Handelt es sich doch hier mehr um zartes, sanftes Spazierengehen
+als um eine Reise und Wanderung, und mehr um einen feinen Rundgang als
+um einen Gewaltritt und -Marsch, und daher verzichtet er gerechter- so
+gut wie vernünftigerweise auf den Eintritt ins Lusthaus und
+Erquickungshaus und nimmt Abgang. Alle ernsthaften Leute, die dies
+lesen, werden seinem schönen Entschluß und seinem guten Willen gewiß
+reichen Beifall zollen. Nahm ich nicht bereits vor einer Stunde Anlaß,
+eine jugendliche Sängerin anzumelden? Sie tritt jetzt auf.
+
+Und zwar an einem Fenster zu ebener Erde.
+
+Ich kam nämlich jetzt aus der Waldabschwenkung wieder in den Hauptweg
+zurück und da hörte ich -- --
+
+Doch halt! und eine kleine Anstandspause gemacht. Schriftsteller, die
+ihren Beruf verstehen, nehmen denselben möglichst ruhig. Sie legen gern
+von Zeit zu Zeit die Feder ein wenig aus der Hand. Anhaltendes Schreiben
+ermüdet wie Erdarbeit.
+
+Was ich aus dem Fenster zu ebener Erde hörte, war der lieblichste,
+frischeste Volks- und Operngesang, der mir als Morgen-Ohrenschmaus und
+als Vormittagskonzert völlig unentgeltlich in die überraschten Ohren
+tönte. Ein junges Mädchen, das fast noch ein Schulmädchen und doch auch
+schon schlank und groß war, stand nämlich im hellen Kleid am ärmlichen
+Vorstadtfenster, und dieses Mädchen sang in die blaue Luft hinaus und
+hinauf einfach zum Entzücken. Auf das angenehmste betroffen und durch
+den unerwarteten Gesang bezaubert, blieb ich seitwärts stehen, um die
+Sängerin nicht zu stören und mich damit nicht der Zuhörerschaft sowie
+des Genusses zu berauben. Das Lied, das die Kleine sang, schien von
+glücklicher und lieblicher Art zu sein; die Töne klangen wie junges,
+unschuldiges Lebens- und Liebesglück selber; sie flogen, gleich
+Engelsgestalten mit schneeweißem Freudengefieder, in den Himmel, aus
+welchem sie wieder herunterzufallen und mit einem Lächeln zu sterben
+schienen. Es glich dem Sterben aus Kummer, dem Sterben vielleicht auch
+aus überzarter Freude, einem überglücklichen Lieben und Leben und einem
+Nichtlebenkönnen wegen zu reicher und schöner Vorstellung vom Leben, daß
+gewissermaßen der zärtliche, von Liebe und Glück überquellende,
+übermütig in das Dasein drängende Gedanke sich zu überstürzen und über
+sich selber zusammenzubrechen schien. Als das Mädchen mit dem ebenso
+einfachen wie reichen, reizenden Gesang, mit dem schmelzenden Mozart-
+oder Hirtinnen-Lied zu Ende gekommen war, trat ich zu ihr hin, grüßte
+sie, bat sie um Erlaubnis, ihr zu der schönen Stimme gratulieren zu
+dürfen, und machte ihr wegen des ungewöhnlich seelenvollen Vortrages
+mein Kompliment. Die kleine Gesangskünstlerin, die wie ein Reh oder wie
+eine Art Antilope in Mädchenform aussah, schaute mich mit schönen
+braunen Augen verwundert und fragend an. Sie hatte ein sehr feines,
+zartes Gesicht und lächelte einnehmend und artig. »Ihnen«, sagte ich zu
+ihr, »steht, wenn Sie Ihre schöne, junge, reiche Stimme zu pflegen und
+behutsam auszubilden wissen, wozu es sowohl Ihres eigenen wie des
+Verständnisses anderer bedarf, eine glänzende Zukunft und große Laufbahn
+bevor; denn Sie erscheinen mir, offen und ehrlich gestanden, wie die
+zukünftige große Opernsängerin selber! Ihr Wesen ist offenbar klug, Sie
+selber sind sanft und schmiegsam, und Sie besitzen, wenn mich meine
+Vermutungen nicht gänzlich trügen, eine ganz bestimmte Seelenkühnheit.
+Feuer und offensichtlicher Adel des Herzens sind Ihnen eigen; das hörte
+ich soeben aus dem Liede, das Sie so schön und wahrhaft gut gesungen
+haben. Sie haben Talent, noch mehr: Sie haben unzweifelhaft Genie! und
+ich rede Ihnen da durchaus nichts Leeres und Unwahres vor. Es ist mir
+darum zu tun, Sie zu bitten, recht sorgsam acht auf Ihre edle Begabung
+zu geben, sie vor Verunstaltung, Verstümmelung, vorzeitigem
+gedankenlosem Verbrauch zu hüten. Einstweilen kann ich Ihnen nur
+aufrichtig sagen, daß Sie überaus schön singen und daß das etwas sehr
+Ernstes ist; denn es will viel bedeuten; es will vor allen Dingen
+bedeuten, daß man Sie auffordern soll, fleißig jeden Tag ein wenig
+weiter zu singen. Üben und singen Sie mit klugem, schönem Maßhalten. Sie
+selber kennen die Ausdehnung und den Umfang des Schatzes, den Sie
+besitzen, ganz gewiß nicht. In Ihrer gesanglichen Leistung tönt bereits
+ein hoher Grad von Natur, eine reiche Summe ahnungslosen lebendigen
+Wesens und Lebens und eine Fülle von Poesie und Menschlichkeit. Man
+glaubt Ihnen sagen zu dürfen und Ihnen die Versicherung geben zu müssen,
+daß Sie eine echte Sängerin deshalb zu werden in jedem Sinn versprechen,
+weil man glaubt, daß Sie ein Mensch sind, den es wahrhaft aus dem Wesen
+heraus drängt zu singen und der erst zu leben, sich seines Lebens freuen
+zu können scheint, sobald er beginnt zu singen, alle vorhandene
+Lebenslust derart in die Kunst des Gesanges hinüberleitend, daß alles
+menschlich und persönlich Bedeutende, alles Seelenvolle,
+Verständnisvolle in ein höheres Etwas, in ein Ideal hinaufsteigt. In
+einem schönen Gesang ist immer ein gleichsam zusammengedrängtes und
+-gepreßtes Erfahren, Empfinden und Fühlen, eine zur Explosion fähige
+Summe von beengtem Leben und von bewegter Seele, und mit solcher Art von
+Gesang vermag eine Frau, wenn sie sich die guten Umstände zunutze macht
+und an der Leiter, die die Zufälligkeiten bilden, hinaufgelangt, als
+Stern am Himmel der Tonkunst viele Gemüter zu bewegen, große Reichtümer
+zu gewinnen, ein Publikum zu stürmischen und begeisterten
+Beifallskundgebungen hinzureißen und die aufrichtige Liebe und
+Bewunderung von Königen und Königinnen an sich zu ziehen.«
+
+Ernst und staunend hörte das Mädchen den Worten, die ich sprach, zu, die
+ich indessen mehr nur zu meinem eigenen Vergnügen redete, als um von der
+Kleinen gewürdigt und begriffen zu werden, wozu ihr die nötige Reife
+fehlte.
+
+Von weitem sehe ich bereits einen Bahnübergang, den ich zu überschreiten
+haben werde; aber einstweilen bin ich noch nicht so weit; denn ich habe,
+muß man unbedingt wissen, vorher noch zwei bis drei wichtige
+Kommissionen zu besorgen und einige notwendige unumgängliche Abmachungen
+zu treffen. Über diese Kommissionen soll so umständlich und so genau wie
+möglich Bericht abgelegt oder abgestattet werden. Man wird mir huldreich
+gestatten, zu bemerken, daß ich im Vorbeigehen in einem eleganten
+Herren-Maßgeschäft oder Schneideratelier wegen eines neuen Anzuges, den
+ich anprobieren oder umändern lassen muß, tunlich vorzusprechen habe.
+Zweitens habe ich im Gemeindehaus oder Amthaus schwere Steuern zu
+entrichten, und drittens soll ich ja einen bemerkenswerten Brief auf die
+Post tragen und in den Briefkasten hinab werfen. Man sieht, wie viel ich
+zu erledigen habe und wie dieser scheinbar so bummelige und behagliche
+Spaziergang voll praktischer geschäftlicher Verrichtungen ist, und man
+wird daher wohl die Güte haben, Verzögerungen zu verzeihen, Verspätungen
+zu billigen und langfädige Auseinandersetzungen mit Berufs- und
+Kanzleimenschen gutzuheißen, ja vielleicht sogar als willkommene
+Beigaben und Beiträge zur Unterhaltung zu begrüßen. Wegen aller hieraus
+entstehenden Längen, Weiten und Breiten bitte ich zum voraus gebührend
+um gefällige Entschuldigung. Ist je ein Provinz- und Hauptstadt-Autor
+gegenüber seinem Leserzirkel schüchterner und höflicher gewesen? Ich
+glaube kaum, und daher fahre ich mit äußerst ruhigem Gewissen im
+Erzählen und Plaudern fort und melde folgendes:
+
+Um der tausend Gottes willen, es ist ja höchste Zeit, zu Frau Aebi zu
+springen, um zu dinieren oder mittag zu essen. Soeben schlägt es halb
+ein Uhr. Glücklicherweise wohnt mir die Dame in allernächster Nähe. Ich
+brauche nur glatt wie ein Aal ins Haus hinein zu schlüpfen wie in ein
+Schlupfloch und wie in eine Unterkunft für arme Hungrige und
+bedauerliche Heruntergekommene.
+
+ Frau Aebi
+
+empfing mich aufs liebenswürdigste. Meine Pünktlichkeit war ein
+Meisterwerk. Man weiß, wie Meisterwerke selten sind. Frau Aebi lächelte,
+als sie mich auftauchen sah, überaus artig. Sie bot mir auf eine
+herzliche und gewinnende Art, die mich sozusagen bezauberte, ihre nette
+kleine Hand dar und führte mich sogleich ins Eßzimmer, wo sie mich
+ersuchte, mich zu Tisch zu setzen, was ich natürlich mit dem denkbar
+größten Vergnügen und völlig unbefangen ausführte. Ohne die mindesten
+lächerlichen Umstände zu machen, fing ich harmlos und zwanglos an zu
+essen und wacker zuzugreifen und ahnte nicht von weitem, was mir zu
+erleben bevorstand. Ich fing also an, wacker zuzugreifen und tapfer zu
+essen. Derlei Tapferkeit kostet ja bekanntlich wenig Überwindung. Mit
+einigem Erstaunen merkte ich indessen, daß mir Frau Aebi dabei fast
+andächtig zuschaute. Es war dies einigermaßen auffällig. Offenbar war es
+für sie ergreifend, mir zuzuschauen, wie ich zugriff und aß. Mich
+überraschte diese sonderbare Erscheinung, der ich jedoch keine große
+Bedeutung beilegte. Als ich plaudern und Unterhaltung machen wollte,
+wehrte mir Frau Aebi ab, indem sie sagte, daß sie auf jederlei
+Unterhaltung mit der größten Freude verzichte. Das seltsame Wort machte
+mich stutzig, und es begann mir angst und bang zu werden. Ganz im
+geheimen fing ich an, vor Frau Aebi zu erschrecken. Als ich aufhören
+wollte, abzuschneiden und einzustecken, weil ich deutlich fühlte, daß
+ich satt sei, sagte sie mir mit fast zärtlicher Miene und Stimme, die
+ein mütterlicher Vorwurf leise durchzitterte: »Sie essen ja gar nicht.
+Warten Sie, ich will Ihnen hier noch ein recht saftiges, großes Stück
+abschneiden.« Ein Grauen durchrieselte mich, und ich erkühnte mich,
+höflich und artig einzuwenden, daß ich hauptsächlich hergekommen sei, um
+einigen Geist zu entfalten, worauf Frau Aebi unter einem liebreizenden
+Lächeln sagte, daß sie das keineswegs für nötig halte. »Ich vermag
+unmöglich, weiter zu essen«, sagte ich dumpf und gepreßt. Ich war schon
+nahe am Ersticken und schwitzte bereits vor Angst. Frau Aebi sagte: »Ich
+darf unmöglich zugeben, daß Sie schon aufhören wollen, abzuschneiden und
+einzustecken, und nimmermehr glaube ich, daß Sie wirklich satt sind. Sie
+sagen ganz bestimmt nicht die Wahrheit, wenn Sie sagen, daß Sie bereits
+am Ersticken seien. Ich bin verpflichtet, zu glauben, daß das nur
+Höflichkeiten sind. Auf jederlei geistreiches Geplauder verzichte ich,
+wie ich Ihnen schon gesagt habe, mit Vergnügen. Sie sind sicherlich
+hauptsächlich zu mir gekommen, um zu beweisen und zu bekunden, daß Sie
+Appetit haben und ein starker Esser sind. Diese Anschauung darf ich
+unter keinen Umständen preisgeben. Ich möchte Sie recht herzlich bitten,
+sich in das Unvermeidliche gutwillig zu schicken; denn ich kann Ihnen
+versichern, daß es für Sie keine andere Möglichkeit gibt, vom Tisch
+aufzustehen, als die, die darin besteht, daß Sie alles, was ich Ihnen
+abgeschnitten habe und fernerhin noch abschneiden werde, säuberlich
+aufessen und einstecken. Ich fürchte, daß Sie rettungslos verloren sind;
+denn Sie müssen wissen, daß es Hausfrauen gibt, die ihre Gäste so lange
+nötigen, zuzugreifen und einzupacken, bis dieselben zerbrechen. Ein
+jämmerliches, klägliches Schicksal steht Ihnen bevor; aber Sie werden es
+mutig ertragen. Wir alle müssen eines Tages irgend ein großes Opfer
+bringen. Gehorchen Sie und essen Sie. Gehorsamkeit ist ja so süß. Was
+schadet es, wenn Sie dabei zugrunde gehen. Hier dieses höchst delikate,
+zarte und große Stück werden Sie mir ganz gewiß noch vertilgen, ich weiß
+es. Nur Mut, mein bester Freund! Uns allen tut Kühnheit not. Was sind
+wir wert, wenn wir nur immer auf dem eigenen Willen beharren wollen.
+Nehmen Sie alle Ihre Kraft zusammen und zwingen Sie sich, Höchstes zu
+leisten, Schwerstes zu ertragen und Härtestes auszuhalten. Sie glauben
+nicht, wie es mich freut, Sie essen zu sehen, bis Sie die Besinnung
+verlieren. Sie stellen sich gar nicht vor, wie ich mich grämen würde,
+wenn Sie das vermeiden wollten; aber nicht wahr, das tun Sie nicht;
+nicht wahr, Sie beißen und greifen zu, auch wenn Sie schon bis in den
+Hals hinauf voll sind.«
+
+»Entsetzliche Frau, was muten Sie mir zu?« schrie ich, indem ich vom
+Tisch jählings aufsprang und Miene machte, auf und davon zu stürzen.
+Frau Aebi hielt mich jedoch zurück, lachte laut und herzlich und gestand
+mir, daß sie sich einen Scherz mit mir erlaubt habe, den ich so gut sein
+solle, ihr nicht übel zu nehmen. »Ich habe Ihnen nur ein Beispiel geben
+wollen, wie es gewisse Hausfrauen machen, die vor Liebenswürdigkeit
+gegenüber ihren Gästen fast überfließen.«
+
+Auch ich mußte natürlich lachen, und ich darf gestehen, daß mir Frau
+Aebi in ihrem Übermut sehr gut gefiel. Sie wollte mich für den ganzen
+Nachmittag in ihrer Umgebung haben und war fast ein wenig ungehalten,
+als ich ihr sagte, daß es leider für mich ein Ding der Unmöglichkeit
+sei, ihr länger Gesellschaft zu leisten, weil ich gewisse wichtige Dinge
+zu erledigen hätte, die ich nicht aufschieben dürfte. Es war äußerst
+schmeichelhaft für mich, Frau Aebi lebhaft bedauern zu hören, daß ich so
+rasch wieder davongehen müsse und wolle. Sie fragte mich, ob es wirklich
+so dringend nötig sei, auszureißen und zu entwischen, worauf ich ihr die
+heilige Versicherung ablegte, daß nur äußerste Dringlichkeiten im stande
+seien und die Kraft hätten, mich von so angenehmem Ort und von so
+anziehender, verehrenswürdiger Persönlichkeit so schnell wegzuziehen,
+mit welchen Worten ich mich von ihr verabschiedete.
+
+Es galt jetzt einen hartnäckigen, widerspenstigen, von der Unfehlbarkeit
+seines fraglos meisterlichen Könnens scheinbar in jeder Hinsicht
+überzeugten, von seinem Wert und seiner Leistungsfähigkeit vollkommen
+durchdrungenen, in diesen seinen Überzeugungen unerschütterlichen
+Schneider oder Marchand Tailleur zu besiegen, zu bändigen, zu
+überrumpeln und zu erschüttern. Schneidermeisterliche Festigkeit zu
+erlahmen muß als eine der schwierigsten und mühseligsten Aufgaben
+betrachtet werden, die die Kühnheit unternehmen und der waghalsige
+Entschluß vorwärts zu treiben entschlossen sein kann. Vor Schneidern und
+ihren Anschauungen habe ich überhaupt eine ständige, kräftige Furcht;
+ich schäme mich dieses traurigen Eingeständnisses in keiner Weise; denn
+Furcht ist hier erklärlich und verständlich. Ich war denn jetzt auch auf
+Schlimmes, wenn nicht sogar vielleicht auf das Schlimmste und Böseste
+gefaßt, und rüstete mich für diesen höchst gefährlichen Angriffskrieg
+mit Eigenschaften, wie Mut, Trotz, Zorn, Entrüstung, Verachtung oder gar
+Todesverachtung aus, mit welchen ohne Zweifel sehr schätzenswerten
+Waffen ich der beißenden Ironie und dem Spott hinter erheuchelter
+Treuherzigkeit erfolgreich und siegreich entgegentreten zu können
+hoffte. Es kam anders; aber ich will bis auf weiteres noch darüber
+schweigen, umso eher, als ich ja zuerst noch einen Brief zu befördern
+habe. Ich habe mich nämlich soeben entschlossen, zuerst auf die Post,
+dann zum Schneider und erst nachher die Staatssteuer bezahlen zu gehen.
+Die Post, ein appetitliches Gebäude, lag mir übrigens dicht vor der
+Nase; ich ging fröhlich hinein und erbat mir vom zuständigen Postbeamten
+eine Marke, die ich auf den Brief klebte. Indem ich denselben vorsichtig
+in den Kasten hinabgleiten ließ, erwog und prüfte ich im nachdenkenden
+Geist, was ich geschrieben hatte. Wie ich noch sehr gut wußte, lautete
+der Inhalt folgendermaßen:
+
+ Sehr zu achtender Herr!
+
+Die eigenartige Anrede dürfte Ihnen die Gewißheit beibringen, daß der
+Absender Ihnen ganz kalt gegenübersteht. Ich weiß, daß Achtung vor mir
+von Ihnen und denen, die Ihnen ähnlich sind, nicht zu erwarten ist; denn
+Sie und die, die Ihnen ähnlich sind, haben eine übergroße Meinung von
+sich selber, die sie verhindert, zur Einsicht und zur Rücksicht zu
+kommen. Ich weiß mit Bestimmtheit, daß Sie zu den Leuten gehören, die
+sich groß vorkommen, weil sie rücksichtslos und unhöflich sind, die sich
+mächtig dünken, weil sie Protektion genießen, und die weise zu sein
+meinen, weil ihnen das Wörtchen »weise« einfällt. Leute wie Sie erkühnen
+sich, gegenüber der Armut und gegenüber der Unbeschütztheit hart, frech,
+grob und gewalttätig zu sein. Leute wie Sie besitzen die
+außerordentliche Klugheit, zu meinen, daß es notwendig sei, überall an
+der Spitze zu stehen, allenortes ein Übergewicht zu besitzen und zu
+jeder Tageszeit zu triumphieren. Leute wie Sie merken nicht, daß das
+töricht ist, daß das weder im Bereich der Möglichkeit liegt noch
+wünschenswert sein kann. Leute wie Sie sind Protzen und sind jederzeit
+bereit, der Brutalität eifrig zu dienen. Leute wie Sie sind überaus
+mutig darin, daß sie jeden wahren Mut sorgfältig vermeiden, weil sie
+wissen, daß jeder wahre Mut Schaden zu bringen verspricht, und sie sind
+mutig darin, daß sie sich stets als die Guten und Schönen hinzustellen
+ungemein viel Lust und ungemein viel Eifer bekunden. Leute wie Sie
+respektieren weder das Alter noch das Verdienst, noch ganz bestimmt die
+Arbeit. Leute wie Sie respektieren das Geld, und der Respekt vor dem
+Geld verhindert sie, irgend etwas anderes hochzuachten. Wer redlich
+arbeitet und sich emsig abmüht, ist in den Augen von Leuten wie Sie ein
+ausgesprochener Esel. Ich irre mich nicht; denn mein kleiner Finger sagt
+mir, daß ich recht habe. Ich wage Ihnen ins Gesicht hinein zu sagen, daß
+Sie Ihr Amt mißbrauchen, weil Sie recht gut wissen, mit wie viel
+Umständen und Unannehmlichkeiten es verbunden wäre, Ihnen auf die Finger
+zu klopfen; aber in der Huld und Gnade, in der Sie stecken, und von
+günstigen Voraussetzungen umgeben, sind Sie dennoch höchst angefochten;
+denn Sie fühlen ohne Zweifel, wie sehr Sie schwanken. Sie hintergehen
+das Zutrauen, halten Ihr Wort nicht, schädigen ohne Besinnen den Wert
+und das Ansehen derer, die mit Ihnen verkehren, beuten schonungslos aus,
+wo Sie Wohltat zu stiften vorgeben, verraten den Dienst und verleumden
+den freundlichen Diener, sind höchst wankelmütig und unzuverlässig und
+zeigen Eigenschaften, die man an einem Mädchen, nicht aber an einem
+Mann, eilig entschuldigt. Verzeihen Sie, daß ich mir erlaube, Sie für
+sehr schwach zu halten, und genehmigen Sie mit der aufrichtigen
+Versicherung, daß ich es für rätlich halte, Ihnen in Zukunft
+geschäftlich völlig fern zu bleiben, das immerhin erforderliche Maß und
+den absolut gegebenen Grad von Achtung von einem Menschen, dem die
+Auszeichnung und das freilich bescheidene Vergnügen zufielen, Sie kennen
+zu lernen.
+
+Fast bereute ich nun, diesen Buschklepperbrief, als welcher er mir
+nachträglich beinahe vorkommen wollte, der Post zur Beförderung und
+Überbringung anvertraut zu haben; denn keiner geringeren als einer
+leitenden einflußreichen Person hatte ich, bitterbösen Kriegszustand
+heraufbeschwörend, den Abbruch der diplomatischen, besser:
+wirtschaftlichen Beziehungen auf so ideale Art angekündigt. Immerhin
+ließ ich dem Fehdebrief jetzt den Lauf, indem ich mich damit tröstete,
+daß ich mir sagte, daß der Mensch oder sehr zu achtender Herr ja die
+Botschaft vielleicht überhaupt gar nicht lese, weil er schon beim Lesen
+und Kosten des zweiten oder dritten Wortes wahrscheinlich die Lektüre
+recht satt habe und den flammenden Erguß vermutlich, ohne viel Zeit und
+Kraft zu verlieren, in den alles Unwillkommene verschlingenden und
+beherbergenden Papierkorb werfe. »Überdies vergißt sich so etwas
+innerhalb eines halben oder Vierteljahres naturgemäß«, folgerte und
+philosophierte ich und marschierte kuragös zum Schneider.
+
+Derselbe saß fröhlich und anscheinend mit dem ruhigsten Gewissen der
+Welt in seinem zierlichen Modesalon oder Werkstatt, die mit
+feinduftenden Tüchern und Tuchresten vollgepfropft und gestopft war. In
+einem Vogelbauer oder Käfig lärmte, um das Idyll vollkommen zu machen,
+ein Vogel, und ein eifriger verschmitzter Lehrling war brav mit
+Zuschneiden beschäftigt. Herr Schneidermeister Dünn stand, als er meiner
+ansichtig wurde, vom Sitzplatz, auf welchem er emsig mit der Nähnadel
+focht, höflich auf, um den Ankömmling artig willkommen zu heißen. »Sie
+kommen wegen Ihres nächstdem durch meine Firma an Sie fix und fertig
+abzuliefernden, ohne Zweifel tadellos sitzenden Anzuges«, sagte er,
+indem er mir nur fast ein wenig zu kameradschaftlich die Hand gab, die
+ich mich indessen durchaus nicht scheute, kräftig zu schütteln. »Ich
+komme«, gab ich zurück, »um unverzagt und hoffnungsfroh zur Anprobe zu
+schreiten, indem ich mancherlei befürchte.«
+
+Herr Dünn sagte, daß er alle meine Befürchtungen für überflüssig halte
+und daß er für Sitz und Schnitt garantiere, und indem er das sagte,
+geleitete er mich in eine Nebenstube, aus welcher er selber sich sofort
+zurückzog. Er garantierte und beteuerte wiederholt, was mir nicht recht
+gefallen wollte. Rasch waren die Probe und die damit auf das innigste
+verknüpfte Enttäuschung fertig. Ich rief, indessen ich einen
+überschäumenden Verdruß niederzukämpfen versuchte, heftig und gewaltsam
+nach Herrn Dünn, dem ich mit möglichst großer Gelassenheit und vornehmer
+Unzufriedenheit den vernichtenden Ausruf entgegenschleuderte: »Dachte
+ich es mir doch!«
+
+»Mein allerliebster werter Herr, regen Sie sich nicht unnützerweise
+auf!«
+
+Mühsam genug brachte ich hervor: »Wohl gibt es hier in Hülle und Fülle
+Anlaß, sich aufzuregen und untröstlich zu sein. Behalten Sie Ihre höchst
+unpassenden Beschwichtigungen für sich, und hören Sie gütigst auf, mich
+beruhigen zu wollen; denn was Sie getan haben, um einen tadellosen Anzug
+herzustellen, ist im höchsten Grad beunruhigend. Alle gehegten zarten
+oder unzarten Befürchtungen bewahrheiten sich, und die schlimmsten
+Ahnungen sind in Erfüllung gegangen. Wie können Sie für tadellosen Sitz
+und Schnitt zu garantieren wagen, und wie ist es möglich, daß Sie den
+Mut haben, mir zu versichern, daß Sie Meister in Ihrem Berufe sind, wo
+Sie bei nur einiger dünngesäter Ehrlichkeit und beim geringfügigsten Maß
+von Aufrichtigkeit und Aufmerksamkeit ohne weiteres werden zugestehen
+müssen, daß ich vollkommenes Pech habe und daß der durch Ihre werte und
+ausgezeichnete Firma mir zu liefernde tadellose Anzug total verpfuscht
+ist?«
+
+»Den Ausdruck ›verpfuscht‹ verbitte ich mir verbindlich.«
+
+»Ich will mich fassen, Herr Dünn.«
+
+»Ich danke Ihnen und freue mich herzlich über diesen so angenehmen
+Vorsatz.«
+
+»Sie werden mir erlauben, von Ihnen zu verlangen, daß Sie an diesem
+Anzug, der, gestützt auf die soeben stattgefundene sorgfältige Anprobe
+Haufen von Fehlern, Mängeln und Gebrechen aufweist, bedeutende
+Änderungen vornehmen werden.«
+
+»Das kann man.«
+
+»Die Unzufriedenheit, der Verdruß und die Trauer, die ich empfinde,
+drängen mich, Ihnen zu sagen, daß Sie mir Ärger bereitet haben.«
+
+»Ich schwöre Ihnen, daß mir das leid tut.«
+
+»Der Eifer, den Sie zeigen, zu schwören, daß es Ihnen leid tut, mich
+geärgert und in die allerschlechteste Stimmung versetzt zu haben, ändert
+am fehlerhaften Anzug nicht das Geringste, dem ich mich weigere, auch
+nur den kleinsten Grad von Anerkennung zu zollen, und dessen Annahme ich
+energisch zurückweise, da von Beifall und Zustimmung keine Rede sein
+kann. Bezüglich des Rockes fühle ich deutlich, daß er mich zum buckligen
+und daher häßlichen Menschen macht, eine Verunstaltung, mit der ich mich
+unter keinen Umständen einverstanden erklären kann. Ich fühle mich
+vielmehr bewogen, gegen eine so boshafte Ausstattung und Verzierung
+meines Körpers zu protestieren. Die Ärmel leiden an einer
+bedenkenerregenden Überfülle von Länge, und die Weste zeichnet sich
+dadurch in hervorragender Weise aus, daß sie den Eindruck hervorruft und
+den unangenehmen Schein erweckt, als habe ihr Träger einen dicken Bauch.
+Die Hose oder das Beinkleid ist einfach abscheulich. Zeichnung und
+Entwurf der Hose flößen mir ein aufrichtig empfundenes Grauen ein. Wo
+dieses ganz elende, dumme und lächerliche Kunstwerk von Beinkleid eine
+gewisse Weite besitzen sollte, weist es eine einschnürende Enge auf, und
+wo es eng sein sollte, ist es mehr als weit. Ihre Leistung, Herr Dünn,
+ist alles in allem phantasielos, und Ihr Werk beweist einen Mangel an
+Intelligenz. An diesem Anzug haftet etwas Erbärmliches, etwas
+Kleinliches, etwas Albernes, etwas Hausbackenes, etwas Lächerliches und
+etwas Ängstliches. Der, der ihn angefertigt hat, darf sicherlich nicht
+zu den schwungvollen Naturen gezählt werden. Bedauerlich ist eine
+derartige gänzliche Abwesenheit jeden Talentes.«
+
+Herr Dünn besaß die Unverfrorenheit, mir zu sagen: »Ich verstehe Ihre
+Entrüstung nicht und werde nie zu bewegen sein, sie zu verstehen. Die
+zahlreichen heftigen Vorwürfe, die Sie mir machen zu müssen glauben,
+sind mir unbegreiflich und werden mir sehr wahrscheinlich stets
+unbegreiflich sein. Der Anzug sitzt sehr gut. Niemand wird mich irgend
+etwas anderes glauben machen. Die Überzeugung, die ich habe, daß Sie
+ungemein vorteilhaft darin aussehen, erkläre ich für unerschütterlich.
+An gewisse denselben auszeichnende Eigentümlichkeiten und
+Eigenartigkeiten werden Sie sich in kurzer Zeit gewöhnt haben. Höchste
+Staatsbeamte bestellen bei mir ihren überaus schätzenswerten Bedarf;
+ebenso lassen Herren Gerichtspräsidenten huldvoll bei mir arbeiten.
+Dieser sicherlich schlagende Beweis meiner Leistungsfähigkeit genüge
+Ihnen. Auf überspannte Erwartungen und Vorstellungen vermag ich nicht
+einzugehen, und auf anmaßliche Forderungen läßt sich Schneidermeister
+Dünn keineswegs ein. Besser situierte Leute und vornehmere Herren wie
+Sie sind mit meiner Gewandtheit und Fertigkeit in jeder Hinsicht
+zufrieden gewesen. Diese Anspielung dürfte Sie entwaffnen.«
+
+Da ich einsehen mußte, daß es unmöglich sei, irgend etwas auszurichten,
+und da ich mir sagen mußte, daß meine vielleicht nur allzu feurige und
+ungestüme Attacke sich in eine schmerzliche und schmähliche Niederlage
+verwandelt hatte, so zog ich meine Truppen aus dem unglücklichen Gefecht
+zurück, brach weich ab und flog beschämt davon. Solchergestalt endete
+das kühne Abenteuer mit dem Schneider. Ohne mich nach irgend welchen
+andern Dingen umzuschauen, eilte ich auf die Gemeindekasse oder auf das
+Steuerbureau wegen der Steuern; aber hier muß ich einen gröblichen
+Irrtum berichtigen.
+
+Es handelte sich nämlich, wie mir jetzt nachträglich einfällt, nicht um
+Zahlung, sondern lediglich einstweilen um eine mündliche Besprechung mit
+dem Herrn Präsidenten der löblichen Steuerkommission und um Eingabe oder
+Abgabe einer feierlichen Erklärung. Man nehme mir den Irrtum nicht übel
+und höre freundlich, was ich hierüber zu sagen haben werde. So gut wie
+der standhafte und unerschütterliche Schneidermeister Dünn
+Tadellosigkeit versprach und garantierte, verspreche und garantiere ich
+in Bezug auf die abzulegende Steuer-Erklärung Exaktheit und
+Ausführlichkeit sowohl wie Knappheit und Kürze.
+
+Ich springe sofort in die bezügliche scharmante Situation hinein:
+»Erlauben Sie mir, Ihnen zu sagen«, sagte ich frei und offen zum
+Steuermann oder hohen Steuerbeamten, der mir sein obrigkeitliches Ohr
+schenkte, um dem Bericht, den ich abstattete, mit gehöriger
+Aufmerksamkeit zu folgen, »daß ich als armer Schriftsteller und
+Federführer oder _Homme de Lettres_ ein sehr fragwürdiges Einkommen
+genieße. Von irgend welcher Vermögens-Anhäufung kann natürlich bei mir
+nicht die Spur zu sehen und zu finden sein. Ich stelle das zu meinem
+großen Bedauern fest, ohne indessen über die klägliche Tatsache zu
+verzweifeln oder zu weinen. Ich schlüpfe notdürftig durch, wie man sagt.
+Luxus treibe ich keinen; das vermögen Sie mir auf den ersten Blick
+anzusehen. Das Essen, das ich esse, kann als hinlänglich und spärlich
+bezeichnet werden. Es ist Ihnen eingefallen zu glauben, daß ich Herr und
+Gebieter von vielerlei Einkünften sei; ich bin aber genötigt, diesem
+Glauben und allen diesen Vermutungen höflich aber entschieden
+entgegenzutreten und die schlichte, nackte Wahrheit zu sagen, und diese
+lautet auf alle Fälle, daß ich überaus frei von Reichtümern, dagegen
+aber vollbehangen von jeder Art Armut bin, was Sie die Güte haben und
+vormerken wollen. Sonntags darf ich mich auf der Straße gar nicht
+blicken lassen, weil ich kein Sonntagskleid habe. An solidem und
+sparsamem Lebenswandel ähnele ich einer Feldmaus. Ein Sperling hat mehr
+Aussichten, wohlhabend zu werden als gegenwärtiger Berichterstatter und
+Steuerzahler. Ich habe Bücher geschrieben, die dem Publikum leider nicht
+gefallen, und die Folgen davon sind herzbeklemmend. Ich zweifle keinen
+Augenblick, daß Sie das einsehen und daß Sie infolgedessen meine
+finanzielle Lage verstehen. Bürgerliche Stellung und bürgerliches
+Ansehen besitze ich nicht; das ist sonnenklar. Verpflichtungen einem
+Menschen gegenüber, wie ich bin, scheint es überhaupt keine zu geben.
+Das lebhafte Interesse für die schöne Literatur ist überaus spärlich
+vertreten, und die schonungslose Kritik, die jedermann an unsereins
+Werken glaubt üben und pflegen zu dürfen, bildet eine weitere starke
+Ursache der Schädigung und hemmt wie ein Hemmschuh die Verwirklichung
+irgend eines bescheidenen Wohlstandes. Wohl gibt es gütige Gönner und
+freundliche Gönnerinnen, die mich von Zeit zu Zeit in der edelsten Art
+unterstützen; aber eine Gabe ist kein Einkommen, und eine Unterstützung
+ist kein Vermögen. Aus allen diesen sprechenden und doch wohl
+überzeugenden Gründen, mein hochgeehrter Herr, möchte ich Sie ersuchen,
+von jederlei Steuererhöhung, die Sie mir angekündigt haben, abzusehen,
+und ich muß Sie bitten, wenn nicht beschwören, meine Zahlungskraft so
+niedrig einzuschätzen wie nur immer möglich.«
+
+Der Herr Vorsteher oder Herr Taxator sagte: »Man sieht Sie aber immer
+spazieren!«
+
+»Spazieren«, gab ich zur Antwort, »muß ich unbedingt, um mich zu beleben
+und um die Verbindung mit der lebendigen Welt aufrecht zu halten, ohne
+deren Empfinden ich keinen halben Buchstaben mehr schreiben und nicht
+das leiseste Gedicht in Vers oder Prosa mehr hervorbringen könnte. Ohne
+Spazieren wäre ich tot, und mein Beruf, den ich leidenschaftlich liebe,
+wäre vernichtet. Ohne Spazieren und Bericht-Auffangen könnte ich auch
+keinen Bericht mehr abstatten und nicht den winzigsten Aufsatz mehr,
+geschweige denn eine ganze lange Novelle verfassen. Ohne Spazieren würde
+ich ja gar keine Beobachtungen und gar keine Studien machen können. Ein
+so gescheiter und aufgeweckter Mann wie Sie darf und wird das
+augenblicklich begreifen. Auf einem schönen und weitschweifigen
+Spaziergang fallen mir tausend brauchbare nützliche Gedanken ein. Zu
+Hause eingeschlossen, würde ich elendiglich verkommen und verdorren.
+Spazieren ist für mich nicht nur gesund und schön, sondern auch dienlich
+und nützlich. Ein Spaziergang fördert mich beruflich und macht mir
+zugleich auch noch persönlich Spaß und Freude; er erquickt und tröstet
+und freut mich, ist mir ein Genuß und hat gleichzeitig die Eigenschaft,
+daß er mich zu weiterem Schaffen reizt und anspornt, indem er mir
+zahlreiche kleine und große Gegenständlichkeiten als Stoff darbietet,
+den ich später zu Hause emsig und eifrig bearbeite. Ein Spaziergang ist
+immer voll sehenswerter und fühlenswerter bedeutender Erscheinungen. Von
+Gebilden und lebendigen Gedichten, von Zaubereien und Naturschönheiten
+wimmelt es auf netten Spaziergängen meistens, und seien sie noch so
+klein. Naturkunde und Landeskunde öffnen sich reizvoll und anmutvoll vor
+den Sinnen und Augen des aufmerksamen Spaziergängers, der freilich nicht
+mit niedergeschlagenen, sondern mit offenen und ungetrübten Augen
+spazieren muß, wenn ihm der schöne Sinn und der heitere, edle Gedanke
+des Spazierganges aufgehen soll. Bedenken Sie, wie der Dichter verarmen
+und kläglich scheitern muß, wenn nicht die mütterliche und väterliche
+und kindlich schöne Natur ihn immer wieder von neuem mit dem Quell des
+Guten und Schönen erfrischt. Bedenken Sie, wie für den Dichter der
+Unterricht und die heilige goldene Belehrung, die er draußen im
+spielenden Freien schöpft, immer wieder von der größten Bedeutung sind.
+Ohne Spazieren und damit verbundene Naturanschauung, ohne diese ebenso
+liebliche wie ermahnungsreiche Erkundigung fühle ich mich wie verloren
+und bin es auch. Höchst liebevoll und aufmerksam muß der, der spaziert,
+jedes kleinste lebendige Ding, sei es ein Kind, ein Hund, eine Mücke,
+ein Schmetterling, ein Spatz, ein Wurm, eine Blume, ein Mann, ein Haus,
+ein Baum, eine Hecke, eine Schnecke, eine Maus, eine Wolke, ein Berg,
+ein Blatt oder auch nur ein armes weggeworfenes Fetzchen Schreibpapier,
+auf das vielleicht ein liebes gutes Schulkind seine ersten ungefügen
+Buchstaben geschrieben hat, studieren und betrachten. Die höchsten und
+niedrigsten, die ernstesten und lustigsten Dinge sind ihm gleicherweise
+lieb und schön und wert. Keinerlei empfindsamliche Eigenliebe und
+Leichtverletzlichkeit darf er mit sich tragen. Uneigennützig und
+unegoistisch muß er seinen sorgsamen Blick überallhin schweifen und
+herumstreifen lassen; ganz nur im Anschauen und Merken der Dinge muß er
+stets fähig sein aufzugehen, und sich selber, seine eigenen Klagen,
+Bedürfnisse, Mängel, Entbehrungen hat er, gleich dem wackeren,
+dienstbereiten und aufopferungsfreudigen erprobten Feldsoldaten,
+hintanzustellen, gering zu achten und zu vergessen. Im andern Fall
+spaziert er nur mit halber Aufmerksamkeit und mit halbem Geist, und das
+ist nichts wert. Er muß jederzeit des Mitleides, des Mitempfindens und
+der Begeisterung fähig sein, und er ist es hoffentlich. Er muß in den
+hohen Enthusiasmus hinaufzudringen und sich in die tiefste und kleinste
+Alltäglichkeit herunterzusenken und zu neigen vermögen, und er kann es
+vermutlich. Treues, hingebungsvolles Aufgehen und Sichverlieren in die
+Gegenstände und eifrige Liebe zu allen Erscheinungen und Dingen machen
+ihn aber dafür glücklich, wie jede Pflichterfüllung den Pflichtbewußten
+glücklich und reich im Innersten macht. Geist, Hingabe und Treue
+beseligen ihn und heben ihn hoch über seine eigene unscheinbare
+Spaziergängerperson hinaus, die nur zu oft im Geruch und schlechten Rufe
+des Vagabundierens und unnützen Herumstreichens steht. Seine
+mannigfaltigen Studien bereichern und belustigen, besänftigen und
+veredeln ihn und streifen mitunter, so unwahrscheinlich das auch klingen
+mag, hart an exakte Wissenschaft, die dem scheinbar leichtfertigen
+Bummler niemand zutraut. Wissen Sie, daß ich hartnäckig und zäh im Kopfe
+arbeite und oft im besten Sinn tätig bin, wo es den Anschein hat, als ob
+ich ein gedankenlos und arbeitslos im Blauen oder im Grünen mich
+verlierender, saumseliger, träumerischer und träger, schlechtesten
+Eindruck machender Erztagedieb und leichtfertiger Mensch ohne
+Verantwortung sei? Geheimnisvoll und heimlich schleichen dem
+Spaziergänger allerlei schöne feinsinnige Spaziergangsgedanken nach,
+derart, daß er mitten im fleißigen, achtsamen Gehen innehalten,
+stillstehen und horchen muß, daß er über und über von seltsamen
+Eindrücken und bezaubernder Geistergewalt benommen und betreten ist und
+er das Gefühl hat, als müsse er plötzlich in die Erde hinabsinken oder
+als öffne sich vor seinen geblendeten, verwirrten Denker- und
+Dichteraugen ein Abgrund. Der Kopf will ihm abfallen, und die sonst so
+lebendigen Arme und Beine sind ihm wie erstarrt. Land und Leute, Töne
+und Farben, Gesichter und Gestalten, Wolken und Sonnenschein drehen sich
+wie Schemen rund um ihn herum, und er muß sich fragen: »Wo bin ich?«
+Erde und Himmel fließen und stürzen mit einmal in ein blitzendes,
+schimmerndes, übereinanderwogendes, undeutliches Nebelgebilde zusammen;
+das Chaos beginnt, und die Ordnungen verschwinden. Mühsam versucht der
+Erschütterte seine gesunde Besinnung aufrecht zu halten; es gelingt ihm,
+und er spaziert vertrauensvoll weiter. Halten Sie es für ganz und gar
+unmöglich, daß ich auf einem weichen geduldigen Spaziergang Riesen
+antreffe, Professoren die Ehre habe zu sehen, mit Buchhändlern und
+Bankbeamten im Vorbeigehen verkehre, mit angehenden jugendlichen
+Sängerinnen und ehemaligen Schauspielerinnen rede, bei geistreichen
+Damen zu Mittag speise, durch Wälder streife, gefährliche Briefe
+befördere und mich mit tückischen ironischen Schneidermeistern wild
+herumschlage? Das alles kann vorkommen, und ich glaube, daß es in der
+Tat vorgekommen ist. Den Spaziergänger begleitet stets etwas
+Merkwürdiges, Gedankenvolles und Phantastisches, und er wäre dumm, wenn
+er dieses Geistige nicht beachten oder gar von sich fortstoßen würde;
+aber das tut er nicht; er heißt vielmehr alle sonderbaren,
+eigentümlichen Erscheinungen willkommen, befreundet und verbrüdert sich
+mit ihnen, weil sie ihn entzücken, macht sie zu gestaltenhaften
+wesenvollen Körpern, gibt ihnen Bildung und Seele, wie sie ihrerseits
+ihn beseelen und bilden. Ich verdiene mit einem Wort mein tägliches Brot
+durch Denken, Grübeln, Bohren, Graben, Sinnen, Dichten, Untersuchen,
+Forschen und Spazieren so sauer wie irgend einer. Indem ich vielleicht
+die allervergnügteste Miene schneide, bin ich höchst ernsthaft und
+gewissenhaft, und wo ich weiter nichts als zärtlich und schwärmerisch zu
+sein scheine, bin ich ein solider Fachmann! Ich hoffe, daß alle diese
+eingehenden Aufklärungen Sie von meinen ehrlichen Bestrebungen
+überzeugen und Sie vollauf befriedigen.«
+
+Der Beamte sagte: »Gut!«, und er fügte bei: »Ihr Gesuch betreffs
+Bewilligung möglichst niedrig zu veranschlagenden Steuersatzes werden
+wir näher prüfen und Ihnen diesbezüglich baldige abschlägige oder
+einwilligende Mitteilung machen. Für freundlich abgelegten
+Wahrheitsbericht und eifrig geleistete ehrliche Aussagen dankt man
+Ihnen. Sie dürfen einstweilen abtreten und Ihren Spaziergang
+fortsetzen.«
+
+Da ich in Gnaden entlassen war, so eilte ich freudig fort und war bald
+wieder im Freien. Freiheitsbegeisterungen ergriffen mich und rissen mich
+hin. Ich komme jetzt endlich, nach so manchem tapfer bestandenem
+Abenteuer und nach so manchem mehr oder weniger siegreich überwundenen
+schwierigen Hindernis, zu dem längst angemeldeten und vorausgesagten
+Eisenbahnübergang, wo ich eine Weile stehen bleiben und niedlich warten
+mußte, bis etwa allmählich der Zug gütigst die hohe Gnade gehabt hätte,
+säuberlich vorüberzufahren. Allerlei männliches und weibliches Volk
+jeglichen Alters und Charakters stand und wartete wie ich an der Stange.
+Die korpulente, nette Bahnwärtersfrau stand still wie eine Statue da und
+musterte uns Herumstehende und Wartende gründlich. Der vorbeisausende
+Eisenbahnzug war voll Militär, und alle zu den Fenstern
+herausschauenden, dem lieben teuren Vaterland Dienste weihenden und
+widmenden Soldaten, diese ganze fahrende Soldatenschule einerseits und
+das unnütze Zivilpublikum anderseits grüßten und winkten einander
+gegenseitig freundlich und patriotisch, eine Bewegung, die rund herum
+liebliche Stimmungen verbreitete. Da der Übergang frei geworden war,
+gingen ich und alle andern friedlich und ruhig weiter, und nun schien
+mir jederlei Umgebung mit einmal noch tausendmal schöner als vorher
+geworden zu sein. Der Spaziergang schien immer schöner, reicher und
+größer werden zu wollen. Hier beim Bahnübergang schien mir der Höhepunkt
+oder etwas wie das Zentrum zu sein, von wo aus es leise wieder sinken
+würde. Ich ahnte bereits etwas vom beginnenden sanften Abendabhang.
+Etwas wie goldene Wehmutwonne und süßer Schwermutzauber hauchte wie ein
+stiller, hoher Gott umher. »Hier ist es jetzt himmlisch schön«, sagte
+ich zu mir selber. Wie ein bezauberndes, Tränen heraufbeschwörendes
+Abschiedlied lag das zarte Land mit seinen lieben, bescheidenen Wiesen,
+Gärten und Häusern da. Tönend drangen leise uralte Volksklagen und
+Leiden des guten, armen Volkes aus allen Seiten daher. Geister mit
+entzückenden Gestalten und Gewändern tauchten groß und weich auf, und
+die liebe, gute Landstraße strahlte himmelblau und weiß und goldig.
+Rührung und Entzücken flogen wie aus dem Himmel niederstürzende
+Engelsbilder über die golden gefärbten, rosig angehauchten kleinen
+Armutshäuser, die der Sonnenschein zärtlich umarmte und umrahmte. Liebe
+und Armut und silberner-goldener Hauch gingen und schwebten Hand in
+Hand. Es war mir zumut, als rufe mich jemand Liebes beim Namen oder als
+küsse und tröste mich jemand. Gott der Allmächtige, unser gnädiger Herr,
+trat auf die Straße, um sie zu verherrlichen und himmlisch schön zu
+machen. Einbildungen aller Art und Illusionen machten mich glauben, daß
+Jesus Christus heraufgestiegen sei und jetzt mitten unter den Leuten und
+mitten durch die liebenswürdige Gegend wandere und umher wandle. Häuser,
+Gärten und Menschen verwandelten sich in Klänge, alles Gegenständliche
+schien sich in eine Seele und in eine Zärtlichkeit verwandelt zu haben.
+Süßer Silberschleier und Seelennebel schwamm in alles und legte sich um
+alles. Die Weltseele hatte sich geöffnet, und alles Leid, alle
+menschlichen Enttäuschungen, alles Böse, alles Schmerzhafte schienen zu
+entschwinden, um von nun an nie mehr wieder zu erscheinen. Frühere
+Spaziergänge traten mir vor die Augen; aber das wundervolle Bild der
+bescheidenen Gegenwart wurde zur überragenden Empfindung. Die Zukunft
+verblaßte, und die Vergangenheit zerrann. Ich glühte und blühte selber
+im glühenden, blühenden Augenblick. Aus näheren und weiteren
+Entfernungen trat Großes und Gutes mit herrlicher Gebärde, Beglückungen
+und Bereicherungen silberhell hervor, und ich phantasierte mitten in der
+schönen Gegend von nichts anderem als nur eben von ihr. Alle übrigen
+Phantasien sanken zusammen und verschwanden in der Bedeutungslosigkeit.
+Ich hatte die ganze reiche Erde dicht vor mir und schaute doch nur auf
+das Kleinste und Bescheidenste. Mit Liebesgebärden hob sich und senkte
+sich der Himmel. Ich war ein Inneres geworden und spazierte wie in einem
+Innern; alles Äußere wurde zum Traum, das bisher Verstandene zum
+Unverständlichen. An der Oberfläche herab stürzte ich in die fabelhafte
+Tiefe, die ich im Augenblick als das Gute erkannte. Was wir verstehen
+und lieben, das versteht und liebt auch uns. Ich war nicht mehr ich
+selber, war ein anderer und doch gerade darum erst recht wieder ich
+selbst. Im süßen Liebeslichte erkannte ich oder glaubte ich erkennen zu
+sollen, daß vielleicht der innerliche Mensch der einzige sei, der
+wahrhaft existiert. Der Gedanke griff mich an: »Wo wollten wir armen
+Menschen sein, wenn es keine treue Erde gäbe? Was hätten wir noch, wenn
+wir dieses Schöne und Gute nicht hätten? Wo sollte ich sein, wenn ich
+nicht hier sein dürfte? Hier habe ich alles, und anderswo hätte ich
+nichts.«
+
+Was ich sah, war ebenso klein und arm wie groß und bedeutend, ebenso
+bescheiden wie reizend, ebenso nah wie gut und ebenso lieblich wie warm.
+An zwei Häusern, die wie lebendige, gemütliche Nachbarsgestalten nah
+beieinander im hellen Sonnenlicht lagen, hatte ich große Freude. Eine
+Freude kam auf die andere, und in der weichen, zutraulichen Luft
+schwebte ein Behagen auf und ab und zitterte es wie von verhaltenem
+Vergnügen. Eines der beiden kleinen, feinen Häuser war das Wirtshaus zum
+»Bären«; der Bär war im Wirtshausschild trefflich und drollig
+abgebildet. Kastanienbäume überschatteten das zierliche, gutmütige Haus,
+das sicher von lieben, netten, freundlichen Leuten bewohnt war; sah doch
+das Haus nicht wie manche Bauwerke hochmütig, sondern wie die
+Zutraulichkeit und Treue selber aus. Überall, wohin das Auge blickte,
+lag dichte, zufriedene Gartenpracht und schwebte grünes, dichtes Gewirr
+von artigen Blättern. Das zweite Haus oder Häuschen glich in seiner
+sichtlichen Lieblichkeit und Niedrigkeit einem kindlich schönen Blatt
+aus einem Bilderbuch, einer süßen Illustration, so reizend und seltsam
+stellte es sich dar. Die Welt rund um das Häuschen erschien vollkommen
+gut und schön. Ich verliebte mich in das bildschöne, kleine Hauswesen
+allsogleich bis über die Ohren und wäre von Herzen gern hineingegangen,
+um mich einzunisten und einzumieten und für immer im Zauberhäuschen und
+Kleinod zu wohnen, und mich wohlzufühlen; aber gerade die schönsten
+Wohnungen sind leider Gottes meistens besetzt, und wer für seinen
+anspruchsvollen Geschmack eine passende Wohnung sucht, dem geht es
+schlecht, weil, was leer steht und zu haben ist, oft greulich ist und
+Grauen erregt. Das schöne Häuschen war sicherlich von einem
+alleinstehenden Frauchen oder Großmütterchen bewohnt; es duftete danach
+und schaute so danach aus. Wenn es gestattet ist, zu sagen, so melde ich
+ferner, daß an der Wand des Häuschens Wandmalereien oder erhabene
+Fresken strotzten, die himmlisch fein und lustig waren und eine
+Schweizeralpenlandschaft darstellten, auf der wieder ein Haus und zwar
+ein Berner-Oberländerhaus stand, nämlich gemalt. Gut war die Malerei an
+sich wahrhaftig keineswegs. Solches behaupten zu wollen wäre keck.
+Herrlich kam sie mir aber trotzdem vor. Simpel und einfältig, wie sie
+war, entzückte sie mich; mich entzückt eigentlich jedes noch so dumme
+und ungeschickte Stück Malerei, weil jedes Stück Malerei erstens an
+Emsigkeit und Fleiß und zweitens an Holland erinnert. Ist denn nicht
+jede Musik, auch die kärglichste, für den schön, der das Wesen und die
+Existenz der Musik liebt? Ist nicht fast jeder beliebige Mensch, auch
+der böseste und unangenehmste, für den Freund der Menschen
+liebenswürdig? Gemalte Landschaft mitten in der wirklichen Landschaft
+ist kapriziös, pikant. Das wird niemand bestreiten können. Den
+Tatbestand, daß ein altes Mütterchen in dem Häuschen wohne, nagelte und
+heftete ich übrigens gewiß nicht fest und vermochte ich durchaus nicht
+aufzunehmen. Mich nimmt aber nur wunder, warum ich hier Worte wie
+»Tatbestand« in den Mund zu nehmen wage, wo alles so weich und voll
+Menschennatur ist oder wenigstens sein soll wie Empfindungen und
+Ahnungen eines Mutterherzens. Übrigens war das Häuschen graublau
+angestrichen und hatte hellgolden-grüne Fensterläden, die zu lächeln
+schienen, und rund herum in einem Zaubergärtchen dufteten die schönsten
+Blumen. Über ein Lust- und Gartenhäuschen neigte und krümmte sich in
+entzückender Anmut ein Rosenstrauch und -Busch voll der schönsten Rosen.
+
+Falls ich nicht krank, sondern gesund und munter bin, was ich hoffe und
+woran ich nicht zweifeln will, kam ich, indem ich behaglich weiterging,
+vor ein ländliches Friseurgeschäft, mit dessen Inhalt und Inhaber ich
+mich jedoch, wie mir scheint, nicht Grund habe abzugeben, da ich der
+Meinung bin, daß es noch nicht dringend nötig ist, mir das Haar
+schneiden zu lassen, was ja vielleicht ganz hübsch und spaßhaft wäre.
+Ferner kam ich an einer Schusterwerkstatt vorbei, die mich an den
+genialen aber unglücklichen Dichter Lenz erinnerte, der während der Zeit
+seiner Geistes- und Gemütszerrüttung Schuhe machen lernte und machte.
+Schaute ich nicht auch im Vorbeigehen in ein Schulhaus und in eine
+freundliche Schulstube hinein, wo gerade die gestrenge Schullehrerin
+examinierte und kommandierte? Bei dieser Gelegenheit sei darauf
+hingewiesen, wie sehr der Spaziergänger im Flug und im Nu wünschte,
+wieder ein Kind und ein unfolgsamer, spitzbübischer Schulknabe sein zu
+dürfen, wieder zur Schule gehen und eine wohlverdiente Tracht Hiebe zur
+Strafe für begangene Unartigkeiten und Untaten einernten und in Empfang
+nehmen zu können. Da wir von Prügel reden, sei gerade noch erwähnt und
+beigeflochten, wir seien der Meinung, daß ein Landmann ehrlich und
+tüchtig durchgeprügelt zu werden verdiente, der nicht zaudert, den
+Schmuck der Landschaft und die Schönheit seines eigenen Heimwesens,
+nämlich seinen hohen, alten Nußbaum umzuhauen, um schnödes, schlechtes,
+törichtes Geld damit zu erhandeln. Ich kam nämlich an einem bildhübschen
+Bauernhaus mit hohem, herrlich-mächtigem Nußbaum vorbei; da stieg mir
+der Prügel- und Handelsgedanke auf. »Dieser hohe, majestätische Baum«,
+rief ich hell aus, »der das Haus so wunderbar beschützt und verschönt,
+es in eine so ernste und fröhliche Heimeligkeit und traute
+Heimatlichkeit einspinnt, dieser Baum, sage ich, ist eine Gottheit, ein
+Heiligtum, und tausend Peitschenhiebe dem gefühllosen und ruchlosen
+Besitzer, der all diesen goldenen, himmlisch grünen Blätterzauber
+verschwinden zu machen wagen darf, damit er seinen Gelddurst, das
+Gemeinste und Schnödeste, was es auf Erden gibt, befriedige. Solche
+Trottel sollte man aus der Gemeinde ausstoßen. Nach Sibirien oder nach
+Feuerland mit solchen Schändern und Umstürzern des Schönen. Doch es gibt
+gottlob auch Bauern, die Herz und Sinn für etwas Zartes und Gutes
+haben.«
+
+Ich bin vielleicht in Bezug auf den Baum, den Geiz, den Bauer, den
+Transport nach Sibirien und die Prügel, die anscheinend der Bauer
+verdient, weil er den Baum fällt, etwas zu weit gegangen und muß
+gestehen, daß ich mich habe hinreißen lassen, zu zürnen. Freunde von
+schönen Bäumen werden indessen meinen Unmut begreifen und meinem so
+lebhaft zum Ausdruck gebrachten Bedauern beistimmen. Die tausend
+Peitschenhiebe nehme ich meinetwegen gerne zurück. Dem Ausdruck
+»Trottel« versage selbst ich den Beifall. Ich mißbillige das grobe Wort
+und bitte den Leser deswegen um Entschuldigung. Da ich mich bereits
+mehrmals entschuldigen mußte, so habe ich im höflichen um Verzeihung
+Bitten schon eine gewisse Übung erlangt. »Gefühlloser und ruchloser
+Besitzer« hätte ich ebenfalls nicht nötig gehabt zu sagen. Es sind dies
+geistige Erhitzungen, die vermieden werden müssen. Das ist klar. Den
+Schmerz um eines schönen, hohen, alten Baumes Sturz lasse ich stehen und
+eine böse Miene mache ich hierüber sicher, woran mich niemand verhindern
+darf. »Aus der Gemeinde ausstoßen« ist unvorsichtig gesprochen, und was
+die Geldgier betrifft, die ich als gemein bezeichnet habe, so nehme ich
+an, daß auch ich bereits ein oder das andere mal hindiesbezüglich schwer
+gefrevelt, gefehlt und gesündigt habe und daß gewisse Elendigkeiten und
+Gemeinheiten auch mir durchaus nicht fremd und unbekannt geblieben sind.
+Mit diesen Sätzen mache ich Flaumacherpolitik, wie man sie schöner gar
+nicht zu sehen bekommen kann; aber ich halte diese Politik für eine
+Notwendigkeit. Der Anstand gebietet uns, acht zu geben, daß wir mit uns
+selber ebenso streng verfahren wie mit andern, und daß wir andere ebenso
+milde und gelinde beurteilen wie uns selber, und letzteres tun wir ja
+bekanntlich jederzeit unwillkürlich. Ist es nicht geradezu reizend, wie
+ich hier Fehler sauber korrigiere und Verstöße abglätte? Indem ich
+Eingeständnisse mache, erweise ich mich als friedfertig, und indem ich
+Eckiges abrunde und Hartes weich mache, bin ich ein feiner, zarter
+Abschwächer, zeige ich Sinn für gute Tonart und bin ich diplomatisch.
+Blamiert habe ich mich immerhin; aber ich hoffe, man anerkenne den guten
+Willen.
+
+Wenn jetzt jemand noch sagt, daß ich ein rücksichtsloser Mensch,
+Machtmensch und Machthaber sei, der blind drauflos geht, so behaupte
+ich, d. h. wage ich zu hoffen, daß ich das Recht habe, zu behaupten, daß
+sich die Person, die das sagt, bös irrt. So zart und sanft wie ich hat
+vielleicht noch nie ein Autor beständig an den Leser gedacht.
+
+So, und nun kann ich mit Palais oder Adelspalästen dienstfertig
+aufwarten und zwar wie folgt: Ich trumpfe förmlich auf; denn mit solch
+einem halbverfallenen Edelsitz und Patrizierhaus, mit einem
+altersgrauen, parkumgebenen, stolzen Rittersitz und Herrenhaus wie das
+ist, das jetzt hier auftaucht, kann man Staat machen, Aufsehen erregen,
+Neid erwecken, Bewunderung hervorrufen und Ehre einheimsen. Mancher arme
+aber feine Literat wohnte mit Herzenslust und höchstem Vergnügen in
+solch einem Schloß oder Burg mit Hof und Einfahrt für hochherrschaftliche,
+wappengeschmückte Wagen. Mancher arme aber genußfreudige
+Maler träumt von zeitweiligem Aufenthalt auf köstlichen,
+altertümlichen Landsitzen. Manches gebildete, aber vielleicht bettelarme
+Stadtmädchen denkt mit wehmütigem Entzücken und mit idealem Eifer an
+Teiche, Grotten, hohe Gemächer und Sänften und sich selbst bedient von
+eilfertigen Dienern und edelmütigen Rittern. Auf dem Herrenhause, das
+ich da sah, d. h. mehr an als auf ihm, war die Jahreszahl 1709 zu sehen
+und zu lesen, was mein Interesse natürlich lebhaft erhöhte. Mit einem
+gewissen Entzücken schaute ich als Natur- und Altertumsforscher in den
+verträumten, alten, sonderbaren Garten hinein, wo ich in einem Bassin
+mit reizend plätscherndem Springbrunnen den seltsamsten meterlangen
+Fisch, nämlich einen einsamen Wels, leicht entdeckte und konstatierte.
+Ebenso sah und entdeckte ich und stellte ich mit romantischer Wonne fest
+einen Gartenpavillon im maurischen oder arabischen Stil, schön und reich
+mit Himmelblau, geheimnisvollem Sternen-Silber, Gold, Braun und edlem,
+ernstem Schwarz bemalt. Ich vermutete und witterte mit höchst feinem
+Verständnis sogleich heraus, daß der Pavillon ungefähr im Jahr 1858
+entstanden sein und errichtet worden sein dürfte, ein Ermitteln, Erraten
+und Herausriechen, das mich vielleicht berechtigt, diesbetreffs einmal
+einen einschlägigen Vortrag oder eine Vorlesung im Rathaussaal vor
+vielem beifallfreudigem Publikum mit ziemlich stolzem Gesicht und
+selbstbewußter Miene zuversichtlich abzuhalten. Den Vortrag erwähnte
+sehr wahrscheinlich dann die Presse, was mir selbstverständlich nur lieb
+sein könnte; denn sie erwähnt manchmal allerlei mit keinem
+Sterbenswörtchen. Indem ich den arabischen oder persischen
+Gartenpavillon studierte, fiel mir ein, zu denken: »Wie schön muß es
+hier des Nachts sein, wenn alles mit einem beinahe undurchdringlichen
+Dunkel umflort ist, alles ringsherum still, schwarz und lautlos ist,
+Tannen aus dem Dunkel leise hervorragen, mitternächtliches Empfinden den
+einsamen Wanderer festhält, und nun eine Lampe, die süßen, gelben Schein
+verbreitet, in den Pavillon hineingetragen wird von einer schönen,
+reizgeschmückten, edlen Frau, die dann, von einem eigentümlichen
+Geschmack getrieben und von seltsamer Seelenanwandlung bewogen, auf dem
+Piano, womit in diesem Fall natürlich unser Gartenhaus ausgestattet zu
+sein hat, Lieder zu spielen beginnt, wozu sie, falls der Traum erlaubt
+ist, mit entzückend schöner, reiner Stimme singt. Wie würde man da
+lauschen, wie würde man da träumen, wie würde man über die Nachtmusik
+glücklich sein.«
+
+Aber es war nicht Mitternacht und weit und breit weder ein ritterliches
+Mittelalter noch ein Jahr Fünfzehn- oder Siebzehnhundert, sondern heller
+Tag und Werktag, und ein Trupp Leute nebst einem der unhöflichsten und
+unritterlichsten, barschesten und impertinentesten Automobile, die mir
+je begegneten, störten mich an der Fülle meiner gelehrten und
+romantischen Betrachtungen sehr und warfen mich im Handumdrehen aus
+aller Schloßpoesie und Vergangenheitsträumerei heraus, derartig, daß ich
+unwillkürlich ausrief: »Zwar sehr grob ist das, wie man mich hier
+hindert, die feinsten Studien zu machen und mich in die vornehmsten
+Vertiefungen zu versenken. Ich könnte entrüstet sein; aber statt dessen
+will ich lieber sanftmütig sein und manierlich leiden und dulden. Süß
+ist der Gedanke an das vorübergegangene Schöne und Holde, süß ist das
+edle blasse Gemälde untergegangener, ertrunkener Schönheit; aber der
+Mitwelt und den Mitmenschen hat man keinen Grund deswegen den Rücken zu
+kehren, und man darf nicht glauben, daß man berechtigt sei, Leuten und
+Einrichtungen zu grollen, weil sie die Stimmung nicht berücksichtigen,
+die derjenige hat, der sich an Geschichtliches und Gedankliches
+verliert.«
+
+»Ein Gewittersturm«, dachte ich im Weitergehen, »wäre hier schön.
+Hoffentlich erlebe ich bei guter Gelegenheit einen solchen.« An einen
+guten, ehrlichen, kohlrabenschwarzen Hund, der am Weg lag, richtete ich
+folgende spaßhafte Ansprache: »Kommt dir scheinbar gänzlich unbelehrten
+und unkultivierten Burschen wirklich nicht im entferntesten in den Sinn,
+aufzustehen und mich mit deiner pechschwarzen Tatze zu grüßen, wo du mir
+doch am Schritt und am ganzen übrigen Gehaben ansehen mußt, daß ich ein
+Mensch bin, der volle sieben gute Jahre lang in der Welt- und Hauptstadt
+gelebt hat, und der während dieser Zeit aus dem Verkehr und angenehmen
+Umgang mit ausschließlich gebildeten Menschen fast keine Minute,
+geschweige denn Stunde oder gar Monat und Woche lang herausgekommen ist?
+In welche Schule bist du, ruppiger Gesell, denn eigentlich gegangen?
+Wie? Und nicht einmal eine kleine Antwort gibst du mir? Bleibst ruhig
+liegen, schaust mich ruhig an, verziehst keine Miene und bleibst
+unbeweglich wie ein Monument? Schäme dich!«
+
+Tatsächlich jedoch gefiel mir der Hund, der in der treuherzigen
+Wachsamkeit und in der humorvollen Ruhe und Gelassenheit, die er zur
+Schau trug, prächtig aussah, ungemein gut, und weil er mich so fröhlich
+anblinzelte, redete ich mit ihm, und weil er ja doch wohl kein Wort
+verstand, durfte ich mir herausnehmen, ihn zu schelten, was aber, wie
+man aus der Possierlichkeit der Redeweise gemerkt haben wird, jedenfalls
+nicht böse gemeint sein konnte.
+
+Beim Anblick eines höchst soigniert dahertrabenden und wackelig
+stolzierenden feinen steifen Herrn hatte ich den wehmütigen Gedanken:
+»Und vernachlässigte kleine arme schlechtgekleidete Kinder? Ist es
+möglich, daß so ein schöngekleideter, grandios aufgeputzter, glänzend
+ausstaffierter und austapezierter, ring- und schmuckbehangener,
+geschniegelter und gewichster Herr keinen Augenblick an arme junge
+Geschöpfe denkt, die oft genug in Fetzen einhergehen, traurigen Mangel
+an Pflege und Säuberlichkeit offenbaren und kläglich verwahrlost sind?
+Geniert sich der Pfau nicht ein bißchen? Fühlt sich der Herr Erwachsene,
+der so schön einhergeht, beim Anblick der schmutzigen, fleckigen Kleinen
+ganz und gar nicht betroffen? Mich dünkt, es dürfte kein erwachsener
+Mensch Lust zeigen, geputzt aufzutreten, solange es immer noch Kinder
+gibt, denen jeder äußere Schmuck mangelt.«
+
+Aber man könnte mit ebenso viel Recht sagen, daß niemand ins Konzert
+gehen oder eine Theatervorstellung besuchen oder sonstwelche Lustbarkeit
+genießen sollte, solange es Gefängnisse und Strafanstalten mit
+unglücklichen Gefangenen in der Welt gibt. Dies geht selbstverständlich
+zu weit. Und wenn jemand mit Genießen und mit aller Lebenslust solange
+warten wollte, bis die Welt endlich keine unglücklichen armen Menschen
+mehr aufweisen würde, so müßte er bis an das graue unausdenkbare Ende
+aller Tage und bis ans eisigkalte, öde Ende der Welt warten, und bis
+dahin dürfte ihm die Lust und das Leben selber gründlich vergangen sein.
+
+Eine zerzauste, zerarbeitete, zermürbte, wankende Arbeiterin, die
+auffällig müde und geschwächt und doch hastig daherkam, weil sie
+offenbar rasch noch allerlei zu verrichten hatte, mahnte mich im
+Augenblick an feingepflegte, verwöhnte Töchterchen oder höhere Töchter,
+die oft nicht wissen oder zu wissen scheinen, mit welcher Art zierlicher
+vornehmer Beschäftigung oder Zerstreuung sie ihren Tag zu verbringen
+haben, und die vielleicht nie rechtschaffen müde sind, die tagelang,
+wochenlang darüber nachdenken, was sie tragen könnten, um den Glanz
+ihres Bildes zu erhöhen, und die lange Betrachtungen darüber anzustellen
+Zeit in Hülle und Fülle haben, was sie bewerkstelligen sollen, damit
+mehr und immer mehr übertriebene kränkliche Finessen ihre Person und ihr
+süßes, zuckerbäckerhaftes Figürchen einhüllen.
+
+Aber ich bin ja meistens selber ein Liebhaber und Verehrer solcher
+liebenswürdiger, bis ins äußerste gepflegter, mondscheinhaft schöner,
+zarter Mädchenpflanzen. Ein reizendes Backfischchen könnte mir befehlen,
+was ihm einfiele, ich würde ihm blindlings gehorchen. O wie ist die
+Schönheit schön und das Hinreißende hinreißend!
+
+Wieder komme ich auf Architektur und Baukunst zu sprechen, wobei ein
+Stückchen oder Fleckchen Kunst und Literatur zu berücksichtigen sein
+wird.
+
+Vorher eine Bemerkung: Alte edle würdige Häuser, historische Stätten und
+Bauten mit Blümchen-Ornamentik zu beputzen, kündigt denkbar schlechten
+Geschmack an. Wer das tut oder tun läßt, sündigt gegen den Geist des
+Würdigen und Schönen und verletzt die schöne Erinnerung an unsere ebenso
+tapferen wie edlen Vorfahren. Zweitens bekränze und bestecke man nie
+Brunnen-Architekturen mit Blumen. Blumen sind an sich freilich schön;
+aber sie sind nicht dazu da, um die edle Strenge und strenge Schönheit
+von Steinbildern zu verlalifaren und zu verwischen. Überhaupt kann die
+Vorliebe für Blumen in dumme Blumensucht ausarten. Persönlichkeiten,
+Magistrate, die dies angeht, mögen sich autoritativen Ortes erkundigen,
+ob ich recht habe, und sich hernach hübsch danach gütig verhalten.
+
+Um zwei schöne und interessante Gebäulichkeiten zu erwähnen, die mich
+stark fesselten und meine Aufmerksamkeit in ungewöhnlichem Grad in
+Anspruch nahmen, sei gesagt, daß ich nämlich, indem ich so meinen Weg
+weiter verfolgte, vor eine entzückende seltsame Kapelle kam, die ich
+sogleich die Brentano-Kapelle nannte, weil ich sah, daß sie aus der
+phantasieumwobenen, goldumhauchten, halb hellen und halb dunklen Zeit
+der Romantiker stammte. Der große wilde stürmische dunkle Roman »Godwin«
+von Brentano fiel mir ein. Hohe schlanke Bogenfenster gaben dem höchst
+originellen, sonderbaren Gebäude ein zartes, liebliches Ansehen und
+verliehen ihm den Geist des Zaubervollen, den Zauber der Innigkeit und
+des gedankenhaften Lebens. Feurige tiefsinnige Landschaftschilderungen
+von eben erwähntem Dichter kamen mir in Erinnerung, namentlich die
+Beschreibung deutscher Eichenwälder. Bald darauf stand ich vor der Villa
+genannt »Terrasse«, die mich an den Maler Karl Stauffer-Bern, der hier
+zeitweise wohnte und hauste, und gleichzeitig an gewisse sehr vornehme
+edle Baulichkeiten mahnte, die an der Tiergartenstraße zu Berlin stehen,
+die um des strengen, hoheitvollen und schlicht-klassischen Stiles
+willen, den sie zum Ausdruck bringen, sympathisch und sehenswürdig sind.
+Das Staufferhaus und die Brentano-Kapelle stellten sich mir als
+Denkmäler zweier streng von einander getrennter Welten dar, die beide
+auf ihre eigentümliche Art anmutig, unterhaltend und bedeutend sind.
+Hier die gemessene, kühle Eleganz, dort der übermütige, tiefsinnige
+Traum, hier etwas Feines und Schönes und dort etwas Feines und Schönes,
+aber als Wesen und Bildung völlig verschieden, obwohl einander der Zeit
+nach nah. Es fängt jetzt auf meinem Spaziergang allmählich an zu
+abenden, und das stille Ende, scheint mir, sei nicht mehr gar so fern.
+
+Einige Alltäglichkeiten und Verkehrserscheinungen sind hier vielleicht
+ganz am Platz, nämlich etwa der Reihe nach: eine stattliche
+Klavierfabrik nebst andern Fabriken und Etablissementen, eine
+Pappelallee dicht neben einem schwärzlichen Fluß, Männer, Frauen,
+Kinder, elektrische Straßenbahnwagen, ihr Krächzen und der ausschauende
+verantwortliche Feldherr oder Führer, ein Trupp reizend gescheckter und
+gefleckter blaßfarbiger Kühe, Bauernfrauen auf Bauernwagen und
+dazugehöriges Rädergeroll und Peitschenknallen, etliche schwerbepackte,
+hochaufgetürmte Lastwagen, Bierwagen und Bierfässer, heimkehrende, aus
+der Fabrik hervorströmende und -brechende Arbeiter, das Überwältigende
+dieses Massen-Anblicks und -Artikels und seltsame Gedanken hierauf
+bezüglich; Güterwagen mit Gütern vom Güterbahnhof herfahrend, ein ganzer
+fahrender und wandernder Zirkus mit Elefanten, Pferden, Hunden, Zebras,
+Giraffen, in Löwenkäfigen eingesperrten grimmigen Löwen, mit Singalesen,
+Indianern, Tigern, Affen und einherkriechenden Krokodilen,
+Seiltänzerinnen und Eisbären und all dem nötigen Reichtum an Gefolge,
+Dienerschaft, Artistenpack und -Personal, weiter: Jungens mit hölzernen
+Waffen bewaffnet, die den europäischen Krieg nachahmen, indem sie
+sämtliche Kriegsfurien entfesseln, ein kleiner Galgenstrick, der das
+Lied »Hunderttausend Frösche« singt, worauf er mächtig stolz ist;
+ferner: Holzer und Waldmenschen mit Karren voll Holz, zwei bis drei
+Prachtschweine, wobei sich die lebhafte Phantasie des Beschauers die
+Köstlichkeit und Annehmlichkeit eines herrlich duftenden, fertig
+zubereiteten Schweinebratens gierig ausmalt, was ja verständlich ist;
+ein Bauernhaus mit Sinnspruch über der Einfahrt, zwei Böhminnen,
+Galizierinnen, Slavinnen, Wendinnen oder gar Zigeunerinnen in roten
+Stiefeln und mit pechschwarzen Augen und dito Haar, bei welchem
+fremdartigen Anblick man vielleicht an den Gartenlauberoman »Die
+Zigeunerfürstin« denkt, der zwar in Ungarn spielt, was aber wenig
+ausmacht, oder an »Preziosa«, die ja zwar spanischen Ursprungs ist, was
+man aber nicht gar so genau zu nehmen braucht. Ferner an Läden: Papier-,
+Fleisch-, Uhren-, Schuh-, Hut-, Eisen-, Tuch-, Kolonialwaren-,
+Spezerei-, Galanterie-, Mercerie-, Bäcker- und Zuckerbäckerläden. Und
+überall, auf allen diesen Dingen liebe Abendsonne. Ferner viel Lärm und
+Geräusch, Schulen und Schullehrer, letztere mit Gewicht und Würde im
+Gesicht, Landschaft und Luft und viele Malerei. Ferner nicht zu
+übersehen oder zu vergessen: Aufschriften und Ankündigungen wie »Persil«
+oder »Maggis unübertroffene Suppenrollen« oder »Continental-Gummiabsatz
+enorm haltbar« oder »Grundstück zu verkaufen« oder »Die beste
+Milch-Schokolade« oder ich weiß wahrhaftig nicht, was sonst noch alles.
+Wollte man so aufzählen, bis alles getreulich aufgezählt wäre, so käme
+man an kein Ende. Einsichtige fühlen und merken das. Ein Plakat oder
+Tafel fiel mir vorzüglich auf; der Inhalt war folgender:
+
+ Kostgängerei
+
+oder feine Herrenpension empfiehlt feinen oder wenigstens besseren
+Herren ihre prima Küche, die derartig ist, daß wir mit ruhigem Gewissen
+sagen können, sie befriedige den verwöhntesten Gaumen und entzücke den
+lebhaftesten Appetit. Auf allzu hungrige Mägen möchten wir indessen
+lieber verzichten zu reflektieren. Die Kochkunst, die wir darbieten,
+entspricht höherer Erziehung, womit wir angedeutet haben möchten, daß es
+uns lieb sein wird, nur wirklich gebildete Herren an unserer Tafel
+schmausen zu sehen. Kerlen, die ihren Wochen- und Monatslohn vertrinken
+und daher nicht prompt zu zahlen imstande sind, wünschen wir nicht im
+entferntesten zu begegnen; vielmehr halten wir inbezug auf unsere sehr
+geehrte Kostgängerschaft auf zarten Anstand und gefällige Manieren.
+Reizende, artige Töchter pflegen bei uns an den köstlich gedeckten, mit
+Blumen aller Art geschmückten, appetitlichen Tischen zu servieren. Wir
+sprechen das aus, damit Herren Reflektanten einsehen, wie nötig es ist,
+sich von dem Augenblick an fein zu benehmen und tatsächlich flott und
+proper aufzuführen, wo der allfällige Herr Pensionär seinen Fuß in
+unsere estimable, respektable Pension setzt. Mit Wüstlingen und
+Raufbolden, mit Prahlhelden und Großtuern wollen wir ganz entschieden
+nichts zu schaffen haben. Solche, die Anlaß zu haben glauben, sich zu
+sagen, daß sie zu dieser Sorte gehören, wollen die Güte haben, unserem
+Institut ersten Ranges fern zu bleiben und uns mit ihrer unangenehmen
+Gegenwart zu verschonen. Jeder nette, zarte, höfliche, artige, feine,
+zuvorkommende, freundliche, fröhliche, aber nicht übermäßig freudige und
+fröhliche, sondern eher leise, vor allen Dingen aber zahlungsfähige,
+solide, pünktlich zahlende Herr hingegen wird uns in der Tat in jeder
+Hinsicht willkommen sein, und er soll auf das feinste bedient und auf
+das allerhöflichste und schönste behandelt sein; das versprechen wir
+ehrlich und denken es auch allezeit zu halten, daß es eine Lust ist. Ein
+solcher netter, reizender Herr soll auf unserer Tafel so ausgesuchte
+Leckerbissen finden, wie er die größte Mühe haben würde, sie andernortes
+anzutreffen; denn tatsächlich gehen aus unserer exquisiten Küche
+Meisterwerke der Kochkunst hervor; das wird jeder Gelegenheit haben zu
+bestätigen, der es mit unserer vornehmen Herrenkostgängerei versuchen
+will, wozu wir ihn auffordern und jederzeit ermuntern. Das Essen, das
+wir auf den Tisch setzen, übersteigt sowohl an Güte wie an Menge jeden
+einigermaßen gesunden Begriff, und keine noch so lebhafte Phantasie und
+menschliche Einbildungskraft ist fähig, sich die delikaten und
+mundwässernden Bissen auch nur annähernd vorzustellen, die wir zu
+verabfolgen und vor die freudig erstaunten Gesichter unserer Herren
+Eßmannschaften zu stellen gewöhnt sind. Aber es kommen, wie bereits
+mehrmals betont, nur bessere Herren in Betracht, und man erlaube uns
+gütig, um Irrtümer zu vermeiden und Zweifel zu beseitigen, unsere
+diesbezügliche Auffassung kurz kundzutun. In unseren Augen ist nur
+derjenige ein besserer Herr, der von Feinheit und Bessersein strotzt und
+der in jeder Beziehung halt einfach viel besser ist als andere schlichte
+Leute. Leute, die weiter nichts als schlicht sind, passen uns durchaus
+nicht. Ein besserer Herr ist nach unserer Meinung nur der, der sich
+ziemlich viel eitles und albernes Zeug einbildet und der sich vor allen
+Dingen einzubilden vermag, daß seine Nase besser ist als irgend eines
+beliebigen andern guten und vernünftigen Menschen Nase. Das Betragen
+eines bessern Herrn spricht diese eigentümliche Voraussetzung deutlich
+aus, und hierauf verlassen wir uns. Wer nur gut, grad und ehrlich ist
+und weiter keinen andern bedeutsamen Vorzug aufweist, der bleibe uns
+bitte fern; denn er scheint uns kein feinerer und besserer Herr zu sein.
+Für die Auswahl von nur feinsten und gediegensten besseren Herren
+besitzen wir das feinste Verständnis. Wir merken es sofort am Gang, an
+der Tonart, an der Art, Unterhaltung zu machen, am Gesicht, an den
+Bewegungen und namentlich an der Kleidung, am Hut, am Stock, an der
+Blume im Knopfloch, die entweder existiert oder nicht, ob ein Herr zu
+den besseren Herren zu zählen sei oder nicht. Der Scharfblick, den wir
+hierin besitzen, grenzt an Zauberei, und wir wagen zu behaupten, daß wir
+uns in diesen Stücken eine gewisse Genialität zumuten. So, nun weiß man,
+mit welcher Art von Leuten wir rechnen, und kommt ein Mensch zu uns, dem
+wir von weitem ansehen, daß er sich für uns und unsere Pension nicht
+eignet, so sagen wir ihm: »Wir bedauern sehr, und es tut uns recht
+leid.«
+
+Zwei bis drei Leser werden vielleicht in die Wahrscheinlichkeit dieses
+Plakates einige Zweifel setzen, indem sie sich sagen werden, daß man
+nicht recht daran glauben könne.
+
+Vielleicht sind da oder dort Wiederholungen vorgekommen. Ich möchte aber
+bekennen, daß ich Natur und Menschenleben als eine ebenso schöne wie
+reizende Flucht von Wiederholungen anschaue, und ich möchte außerdem
+bekennen, daß ich eben diese Erscheinung als Schönheit und als Segen
+betrachte. Es gibt freilich manchenortes durch Überreizung verdorbene,
+sensationslüsterne Neuigkeitenschnapper und -Lecker, Menschen, die fast
+jede Minute nach irgend noch niedagewesenen Genüssen lüsten. Für
+solcherlei Leute dichtet der Dichter keinesfalls, wie der Musiker nicht
+Musik für sie macht und der Maler nicht für sie malt. Im großen und
+ganzen dünkt mich das stetige Bedürfnis nach Genuß und Kost von immer
+wieder gänzlich neuen Dingen ein Zug von Kleinheit, Mangel an innerem
+Leben, Naturentfremdung und mittelmäßiger oder mangelhafter
+Auffassungsgabe zu sein. Kleine Kinder sind es, denen man immer irgend
+etwas Neues und Anderes vorführen muß, damit sie nur nicht unzufrieden
+sind. Der ernsthafte Schriftsteller fühlt sich nicht berufen,
+Anhäufungen des Stofflichen zu besorgen, nervöser Gier behender Diener
+zu sein, und er fürchtet sich folgerichtigerweise nicht vor einigen
+natürlichen Wiederholungen, obgleich er sich selbstverständlich stets
+Mühe gibt, zu viele Ähnlichkeiten fleißig zu verhüten.
+
+Es war nun Abend geworden, und da gelangte ich auf einem hübschen,
+stillen Weg oder Seitenweg, der unter Bäumen hinlief, zum See hinaus,
+und hier endete der Spaziergang. In einem Erlenwäldchen, am Rand des
+Wassers, war eine Knaben- und Mädchenschule versammelt, und der Herr
+Pfarrer oder Lehrer erteilte inmitten der Abendnatur Naturunterricht und
+Anschauungslehre. Mir fielen, indem ich langsam weiterging, zweierlei
+Menschengestalten ein. Vielleicht infolge gewisser umfassender Ermüdung
+dachte ich an ein schönes Mädchen und daran, wie ich so allein in der
+weiten Welt sei und daß das nicht ganz recht sein könne. Selbstvorwürfe
+rührten mich von hinten an und traten mir von vorn in den Weg, und ich
+hatte stark zu kämpfen. Gewisse böse Erinnerungen bemächtigten sich
+meiner. Selbstanklagen machten mir urplötzlich das Herz schwer. Indessen
+suchte und sammelte ich in der Umgebung, teils in einem Wäldchen, teils
+im Felde, Blumen. Sanft und leise fing es an zu regnen, wodurch das
+zarte Land noch zarter und stiller wurde. Mir war es, als weine es, und
+während ich Blumen sammelte, horchte ich auf das leise Weinen, das auf
+die Blätter herabrieselte. Warmer, schwacher Sommerregen, wie bist du
+süß! »Warum sammle ich hier Blumen«, fragte ich mich und schaute
+nachdenklich zu Boden, und der zarte Regen vergrößerte meine
+Nachdenklichkeit, die er bis zur Trauer steigerte. Alte vergangene
+Verfehlungen fielen mir ein, Treubruch, Haß, Trotz, Falschheit,
+Hinterlist, Bosheit und vielerlei heftige, unschöne Auftritte.
+Ungezügelte Leidenschaft, wilde Wünsche, und wie ich gar manchen Leuten
+wehgetan hatte, wie ich Unrecht getan hatte. Wie eine Schaubühne voll
+dramatischer Szenen öffnete sich mir das vorübergegangene Leben, und ich
+mußte über meine zahlreichen Schwächen, über alle Unfreundlichkeiten und
+Lieblosigkeiten, die ich hatte fühlen lassen, unwillkürlich staunen. Da
+trat mir die zweite Gestalt vor die Augen, und ich sah plötzlich den
+alten, müden, armen, verlassenen Mann wieder, den ich vor einigen Tagen
+in einem Wald am Boden liegen gesehen hatte, und zwar so erbärmlich,
+blaß und zum Sterben kläglich, so leidvoll und todesmatt, daß mich der
+traurige und seelenbeengende Anblick tief erschreckt hatte. Diesen müden
+Mann schaute ich jetzt im Geiste, und es wurde mir schwach davon. Ich
+fühlte das Bedürfnis, mich irgendwo hinzulegen, und da gerade ein
+freundliches, trauliches Uferplätzchen in der Nähe war, so machte ich es
+mir, gewissermaßen erschöpft wie ich war, auf dem weichen Boden unter
+dem treuherzigen Geäste eines Baumes bequem. Erde, Luft und Himmel
+anschauend, kam mich der betrübliche, unweigerliche Gedanke an, daß ich
+zwischen Himmel und Erde ein armer Gefangener sei, daß alle Menschen auf
+diese Art und Weise kläglich gefangen seien, daß es für alle nur den
+einen finsteren Weg gebe, nämlich in das Loch hinab, in die Erde, daß es
+keinen andern Weg in die andere Welt gebe als den, der durch das Grab
+geht. »So muß denn alles, alles, dieses ganze reiche Leben, die
+freundlichen, gedankenvollen Farben, dieses Entzücken, diese
+Lebensfreude und Lebenslust, alle diese menschlichen Bedeutungen,
+Familie, Freund und Geliebte, diese helle, zärtliche Luft voll göttlich
+schöner Bilder, die Vater- und Mutterhäuser und lieben, sanften Straßen
+eines Tages vergehen und sterben, die hohe Sonne, der Mond, und die
+Herzen und Augen der Menschen.« Lange dachte ich darüber nach und bat im
+stillen die Menschen, denen ich vielleicht weh getan haben mochte, um
+Verzeihung. Lange lag ich in undeutlichen Gedanken da, bis mir wieder
+das Mädchen einfiel, das so schön und jugendfrisch war, so süße, gute,
+reine Augen hatte. Ich stellte mir recht lebhaft vor, wie reizend ihr
+kindlich-hübscher Mund sei, wie hübsch ihre Wangen, und wie ihre
+körperliche Erscheinung mich mit ihrer melodischen Weichheit bezaubere,
+wie ich vor einiger Zeit sie etwas fragte, wie sie im Zweifel und
+Unglauben die schönen Augen niederschlug, und daran, wie sie »nein«
+sagte, als ich sie fragte, ob sie an meine aufrichtige Liebe, Zuneigung,
+Hingabe und Zärtlichkeit glaube. Die Umstände hatten ihr befohlen, zu
+reisen, und sie war fortgegangen. Vielleicht würde ich sie noch
+rechtzeitig haben überzeugen können, daß ich es gut mit ihr meine, daß
+ihre liebenswürdige Person mir wichtig und daß es mir aus vielen schönen
+Gründen daran gelegen sei, sie glücklich zu machen und damit mich
+selbst; aber ich gab mir weiter keine Mühe mehr, und sie ging fort. Wozu
+dann die Blumen? »Sammelte ich Blumen, um sie auf mein Unglück zu
+legen?«, fragte ich mich, und der Strauß fiel mir aus der Hand. Ich
+hatte mich erhoben, um nach Hause zu gehen; denn es war schon spät, und
+alles war dunkel.
+
+
+
+
+Von =Robert Walser= sind erschienen:
+
+
+~Fritz Kochers Aufsätze~ / Inselverlag.
+
+~Geschwister Tanner~, Roman / Bruno Cassirer, Berlin.
+
+~Der Gehülfe~, Roman / Bruno Cassirer, Berlin.
+
+~Jakob v. Gunten~, Roman / Bruno Cassirer, Berlin.
+
+~Gedichte~ / Bruno Cassirer, Berlin.
+
+~Aufsätze~ / Kurt Wolff, Leipzig.
+
+~Geschichten~ / Kurt Wolff, Leipzig.
+
+
+
+
+Schweizerische Erzähler
+
+Die zeitgenössische Novellendichtung der Schweiz in Einzelausgaben
+
+
+ Jedes Werkchen in Pappband mit Farbschnitt ~80 Rappen~
+
+
+Zwei Urteile:
+
+Diese Sammlung, die Wohlfeilheit, Anmut der Ausstattung und Erlesenheit
+des Inhalts vereinigt, ist ein Zeugnis der zum Bewußtsein erwachten
+nationalschweizerischen Literatur.
+
+ Frankfurter Ztg.
+
+Die sechs allerliebsten Oktavbändchen sind eine solche Augenwonne, daß
+man um Worte des Lobes vom Morgen- bis zum Abendstern nicht verlegen
+wäre. Manche meisterliche Gabe hält sie zusammen, sodaß man gleich so
+unbescheiden ist, sich alle sechs zu wünschen, als Anfang einer
+zierlichen kleinen Schweizerbibliothek, die sich ihr Programm und ihre
+weitern Ueberraschungen offen hält.
+
+ Neue Zürcher Zeitung
+
+
+Die erste Gruppe
+
+Titel und Deckelzeichnung sind den besten Rahmentiteln des 18.
+Jahrhunderts nachgeahmt, der Zeit, die das Gewand des Buches mit größter
+Innigkeit behandelte, in der das Buch das bevorzugte Angebinde zwischen
+Liebenden war.
+
+ =Inhalt=:
+
+ 1. Band: ~Maria Thurnheer von Paul Ilg.~
+ 2. Band: ~Drei altmodische Liebesgeschichten von Meinrad Lienert.~
+ 3. Band: ~Daniel Pfund von Alfred Huggenberger.~
+ 4. Band: ~Schalkhafte Geschichten von Felix Möschlin.~
+ 5. Band: ~In der Glücksschaukel. Drei Novellen von Olga Amberger.~
+ 6. Band: ~Bauz. Zwei Erzählungen von Albert Steffen.~
+
+
+Die zweite Gruppe
+
+Ihre Ausstattung legt vom Buchgeschmack der jüngsten Gegenwart Zeugnis
+ab. Die bedeutendsten Buchkünstler Deutschlands (Ehmke, Preetorius,
+Tiemann, Walser) und der Schweiz (Baumberger, Cardinaux) sind hier in
+einen hochinteressanten Wettbewerb getreten: jeder hat die
+Deckelzeichnung eines andern Bändchens übernommen.
+
+ =Inhalt=:
+
+ 7. Band: ~Der Lästerer von Ernst Zahn.~
+ 8. Band: ~Das verlassene Dorf. Zwei Geschichten aus dem Wallis von
+ Johannes Jegerlehner.~
+ 9. Band: ~Der Spaziergang von Robert Walser.~
+ 10. Band: ~Füsilier Wipf. Eine Geschichte aus dem Grenzdienst von
+ Robert Faesi.~
+ 11. Band: ~Leiden. Erzählungen von Ruth Waldstetter.~
+ 12. Band: ~Odil. Zwei Erzählungen von Max Pulver.~
+
+ =Verlag: Huber & Co.= / =Frauenfeld= und =Leipzig=
+
+
+
+
+ [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+ jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+ steht.
+
+ Gemütsverfassung, die mich tief beglückte. Die morgenliche
+ Gemütsverfassung, die mich tief beglückte. Die morgendliche
+
+ Kriegsgefahr Tod, Elend, Haß und Verwundungen auf der Erde verbreitet
+ Kriegsgefahr, Tod, Elend, Haß und Verwundungen auf der Erde verbreitet
+
+ wehrte mir Frau Aebi ab, imdem sie sagte, daß sie auf jederlei
+ wehrte mir Frau Aebi ab, indem sie sagte, daß sie auf jederlei
+
+ entgegenzutreten und die schlichte, nakte Wahrheit zu sagen, und diese
+ entgegenzutreten und die schlichte, nackte Wahrheit zu sagen, und diese
+
+ ist nichts wert, Er muß jederzeit des Mitleides, des Mitempfindens und
+ ist nichts wert. Er muß jederzeit des Mitleides, des Mitempfindens und
+
+ ~Fritz Kochlers Aufsätze~ / Inselverlag.
+ ~Fritz Kochers Aufsätze~ / Inselverlag.
+
+ ~Der Gehilfe~, Roman / Bruno Cassirer, Berlin.
+ ~Der Gehülfe~, Roman / Bruno Cassirer, Berlin.
+
+ ]
+
+
+
+
+
+
+End of the Project Gutenberg EBook of Der Spaziergang, by Robert Walser
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER SPAZIERGANG ***
+
+***** This file should be named 39247-0.txt or 39247-0.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ http://www.gutenberg.org/3/9/2/4/39247/
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was
+produced from scanned images of public domain material
+from the Google Print project.)
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
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+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
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+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
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+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
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+License terms from this work, or any files containing a part of this
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+electronic work, or any part of this electronic work, without
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+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
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+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
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+
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+ and discontinue all use of and all access to other copies of
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+
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+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
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+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit: http://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
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