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Offensichtliche Fehler +wurden korrigiert, eine Liste der vorgenommenen Änderungen befindet +sich am Buchende. + + Textauszeichnungen wurden folgendermaßen ersetzt: + Sperrung: =gesperrter Text= + Antiquaschrift: _Antiquatext_ + + + + + Römerinnen + + Zwei Novellen + von + Stendhal + + + Im Insel-Verlag + zu Leipzig + + + + +Vanina Vanini + + +Es war an einem Frühlingsabend des Jahres 1829. Ganz Rom war in +Bewegung. Der Duca di Bracciano (der berühmte Bankier Torlonia) gab +in seinem neuen Palazzo an der Piazza di Venezia einen Ball. Was die +Künste Italiens, was der Luxus von Paris und London an Prunk und Pracht +nur aufbieten konnten, hatte zum Schmucke des Palastes beigetragen. +Britanniens kühle blonde Schönheiten waren ob der Ehre der Einladung +in Wallung geraten. Sie kamen in Menge, und die schönsten Römerinnen +machten ihnen den Ruhm ihrer Schönheit streitig. + +So war auch eine junge Dame in Begleitung ihres Vaters erschienen, +der man ihre römische Herkunft auf den ersten Blick an ihrem +ebenholzschwarzen Haar und ihren flammenden Augen ansah. Die allgemeine +Aufmerksamkeit wandte sich ihr zu. Aus jeder ihrer Bewegungen sprach +seltsamer Hochmut. + +Angesichts all des Glanzes waren die anwesenden Ausländer sichtlich +verblüfft. »Kein König in ganz Europa gibt solch ein Fest!« sagten +sie. + +Die europäischen Potentaten haben aber auch keine Paläste +in römischer Architektur, und sie müssen ihre Damen nach der +Hofrangordnung einladen, während der Duca di Torlonia nur hübsche +Frauen in sein Haus bittet. An diesem Abend hatte er dabei besonderes +Glück. Die Männer waren wie geblendet, und es war nur die Frage, +welche unter so vielen schönen Frauen die allerschönste sei. Eine +Zeitlang war man sich hierüber nicht einig; aber schließlich erklärte +man die Principessa Vanina Vanini, jene junge Dame mit dem tiefschwarzen +Haar und den Glutaugen, für die Königin des Abends. Alsobald strömten +Fremde wie Römer in den Saal, in dem sie sich gerade aufhielt. + +Gemäß dem Wunsche ihres Vaters, des Fürsten Asdrubale Vanini, +tanzte Vanina zunächst mit etlichen deutschen Prinzen aus regierenden +Häusern. Darauf ließ sie sich von einigen bildschönen hochvornehmen +Engländern auffordern. Das steife Gebaren dieser Gentlemen langweilte +sie. Mehr Vergnügen bereitete es ihr, den jungen, sichtlich maßlos +verliebten Livio Savelli zu quälen, den glänzendsten jungen Römer, +gleichfalls fürstlichen Blutes. Allerdings, einen Roman hätte man +ihm nicht zu lesen geben dürfen; er hätte ihn nach den ersten zwanzig +Seiten in die Ecke geworfen und behauptet, er bekäme Kopfschmerzen +davon. In Vaninas Augen war dies sein Fehler. + +Gegen Mitternacht verbreitete sich unter der Ballgesellschaft eine +Neuigkeit, die ziemliches Aufsehen erregte. Ein junger Karbonaro, der in +der Engelsburg gefangen gehalten worden war, hatte sich soeben gerettet. +Dank seiner Verkleidung und seiner romantischen Tollkühnheit war er bis +zu den Außenposten gedrungen. Mit einem Dolche war er auf die Soldaten +losgestürmt und, wenn auch verwundet, durchgekommen. Sbirren +folgten seinen Blutspuren durch die Gassen Roms. Man hoffte, ihn +wiedereinzufangen. + +Als diese Geschichte die Runde machte, führte Livio Savelli Vanina, +mit der er getanzt hatte, gerade zu ihrem Platz zurück. Im Banne +ihrer Schönheit und stolz auf den Eindruck, den sie ringsum machte, +flüsterte er ihr, fast toll vor Liebe, zu: + +»Bitte, sagen Sie mir einmal, wer könnte Ihnen denn eigentlich +gefallen?« + +»Der junge Karbonaro, der eben entronnen ist!« erwiderte ihm Vanina. +»Er hat zum mindesten etwas mehr getan, als sich bloß ins irdische +Dasein bemüht ...« + +Ihr Vater, der an die beiden herantrat, machte der Unterhaltung ein +Ende. + +Fürst Hasdrubal Vanini war ein reicher Mann, der sich von seinem +Verwalter seit zwanzig Jahren keine Abrechnung vorlegen ließ. Wer ihm +auf der Straße begegnete, hielt ihn für einen alten Schauspieler. +Seine beiden Söhne waren Jesuiten geworden und in Verrücktheit +gestorben. Der Fürst hatte sie vergessen. Sein größter Schmerz war +der Umstand, daß seine Tochter Vanina keine Lust zum Heiraten zeigte. +Sie war schon neunzehn Jahre alt und hatte die glänzendsten Partien +ausgeschlagen. Welchen Grund hatte sie dazu? Den nämlichen, der Sulla +zur Abdankung veranlaßte: sie verachtete die Römer. + +Am Tage nach dem Balle fiel es Vanina auf, daß ihr Vater, sonst der +sorgloseste Mensch von der Welt, der nie in seinem Leben von einem +Schlüssel Gebrauch gemacht hatte, die Türe zu einer kleinen Treppe +sorglich abschloß, die in ein Zimmer des dritten Stockes führte. +Dieses Gemach lag nach einer Terrasse hinaus, auf der Orangenbäume +standen. + +Vanina machte ein paar Besuche in der Stadt. Als sie wieder nach Hause +kam, war das Hauptportal des Palastes infolge der Vorbereitungen zu +einer Illumination versperrt. Der Wagen mußte deshalb durch das Hoftor +einfahren. Dabei überblickte Vanina die Rückfassade des Hauses und +sah, daß eins der Fenster des von ihrem Vater abgesperrten Zimmers +offen stand. + +Nachdem sie ihre Gesellschafterin weggeschickt hatte, stieg sie auf +den Oberboden des Palastes und fand nach langem Suchen ein vergittertes +Fensterchen, von dem aus man auf die Terrasse mit den Orangenbäumen +hinabsehen konnte. Das offene Fenster, das Vanina vom Hofe aus gesehen +hatte, lag von hier nicht weit. Ohne Zweifel war das Zimmer bewohnt. +Aber von wem? + +Am Tage darauf war Vanina im Besitze des Schlüssels zu einer Türe, die +auf die mit Orangenbäumen besetzte Terrasse ging. Wie ein Luchs schlich +sie an das Fenster, das noch immer offen stand. Der Vorhang war dicht +zugezogen. Trotzdem erspähte Vanina, daß im Hintergrunde des Gemaches +ein Bett stand und daß jemand darin lag. Unwillkürlich fuhr sie +zurück. Da erblickte sie einen Frauenrock auf einem der Stühle. +Nunmehr lugte sie schärfer nach der im Bette liegenden Person. Sie +war blond und sichtlich sehr jung. Vanina war überzeugt, es müsse +ein weibliches Wesen sein. Der auf den Stuhl geworfene Rock hatte +Blutflecke. Auch an den Frauenschuhen, die auf einem Tische standen, +waren Blutspuren zu sehen. + +Als die Unbekannte eine Bewegung machte, bemerkte Vanina, daß sie +verwundet war. Über ihrer Brust lag ein großes blutgetränktes Stück +Leinwand, nur mit Bändern befestigt. So sah ein von einem Wundarzt +angelegter Verband nicht aus! + +Vanina stellte fest, daß sich ihr Vater täglich um vier Uhr in seine +Zimmer zurückzog und regelmäßig kurz darauf die Kranke besuchte. +Er verließ sie stets sehr bald wieder und pflegte sodann zur Gräfin +Vitelleschi zu fahren. Sobald er fort war, ging Vanina hinauf nach der +Terrasse und beobachtete die Fremde. Ihre empfindsame Natur entflammte +sich rasch für die unglückliche junge Frau. Was für ein Abenteuer +hatte sie bestanden? Ihr blutiges Kleid war augenscheinlich von +Dolchstößen durchbohrt. Man konnte die Löcher zählen. + +Eines Tages sah Vanina die Unbekannte deutlicher. Ihre schönen blauen +Augen starrten gen Himmel. Offenbar betete sie. Sodann kamen ihr +Tränen. Die junge Prinzessin konnte sich kaum noch bezwingen. Am +liebsten hätte sie die Unglückliche angesprochen. + +Am nächsten Tage wagte sich Vanina draußen auf der Terrasse zu +verstecken, ehe ihr Vater kam. Von da aus beobachtete sie, wie Fürst +Hasdrubal ins Zimmer der Unbekannten trat. Er brachte einen Korb mit +Lebensmitteln und sah beunruhigt aus. Er sprach wenig und so leise, daß +die Lauschende die einzelnen Worte nicht verstand, obwohl das Fenster +offen war. Bald verschwand er wieder. + +»Die arme Frau muß furchtbare Feinde haben,« sagte sich Vanina. +»Mein sonst so sorgloser Vater wagt niemanden ins Geheimnis zu ziehen +und läßt sichs nicht verdrießen, täglich die enge steile Treppe +hinaufzugehen.« + +Eines Abends, als Vanina ihren Kopf zwischen die Vorhänge des offenen +Fensters hindurchsteckte, hatte die Unbekannte ihren Blick gerade dahin +gerichtet. Vanina sah sich entdeckt. + +»Ich habe Sie in mein Herz geschlossen!« rief sie aus. + +Die Unbekannte winkte ihr einzutreten. + +»Ich muß Sie vielmals um Entschuldigung bitten,« erklärte Vanina. +»Meine törichte Neugier mag Ihnen sehr ärgerlich sein. Ich schwöre +Ihnen Geheimhaltung, und wenn Sie es verlangen, komme ich niemals wieder +her.« + +»Wer sollte Ihren Anblick nicht als Glück empfinden?« erwiderte die +Fremde. »Wohnen Sie hier im Palaste?« + +»Gewiß!« antwortete Vanina. »Sie kennen mich also nicht! Ich bin +Vanina, die Tochter des Hauses.« + +Die Unbekannte machte ein erstauntes Gesicht und wurde rot. + +»Gönnen Sie mir die Hoffnung, Sie alle Tage hier zu sehen,« sagte +sie. »Nur möchte ich nicht, daß der Fürst von Ihren Besuchen +erfährt.« + +Vanina, die starkes Herzklopfen hatte, fand das Benehmen der Unbekannten +vornehm. Gewiß hatte die arme junge Frau irgendeinen Machthaber +beleidigt, oder vielleicht in einem Anfalle von Eifersucht ihren +Liebhaber umgebracht. Einen gemeinen Grund hatte ihr Unglück sicherlich +nicht. + +Die Unbekannte gestand ihr, daß sie an der Schulter verwundet sei. Die +Wunde reiche bis in die Brust und sei sehr schmerzhaft. + +»Und Sie haben keinen Wundarzt?« rief Vanina aus. + +»Wie Sie wissen, sind in Rom die Ärzte verpflichtet, der Polizei über +alle Wunden, die sie behandeln, genau zu rapportieren. Der Fürst hat +mir diesen Verband hier eigenhändig anzulegen geruht.« + +Mit vollendetem Geschick vermied die Unbekannte jegliche Rührseligkeit. +Vanina war toll verliebt. Etwas freilich störte die junge Prinzessin +stark. Sie machte nämlich die Wahrnehmung, daß die Fremde einmal +mitten in der doch so ernsten Unterhaltung Mühe hatte, eine plötzliche +Lachlust zu unterdrücken. + +»Ich möchte Ihren Namen gern wissen,« sagte Vanina zu ihr. + +»Ich heiße Clementina.« + +»Also, liebe Clementina, morgen um fünf komme ich wieder!« + +Am nächsten Tage traf Vanina ihre neue Freundin in verschlimmertem +Zustande an. + +»Ich werde einen Wundarzt holen lassen,« schlug Vanina vor, indem sie +die Kranke umarmte. + +»Lieber will ich sterben,« erwiderte diese, »als daß ich meinen +Wohltäter in Gefahr brächte.« + +Vanina redete ihr eifrig zu: + +»Der Wundarzt von Monsignore Savelli-Catanzara, dem Stadtkommandanten +Roms, ist der Sohn eines unsrer Dienstboten. Er ist uns ergeben und +braucht in seiner Stellung vor niemandem Furcht zu haben. Mein Vater tut +ihm unrecht, indem er ihn nicht für unbedingt zuverlässig hält. Ich +werde ihn rufen lassen ...« + +»Nein, nein! Ich will keinen Arzt!« rief die Unbekannte mit einer +Lebhaftigkeit, die Vanina hätte stutzig machen müssen. »Nur Sie +sollen kommen und mich besuchen. Und wenn es Gott gefällt, mich zu sich +zu rufen, so werde ich glücklich sterben in Ihren Armen.« + +Am folgenden Tage war ihr Befinden noch schlechter. Beim Weggehen sagte +Vanina: + +»Wenn Sie mich lieben, dann erlauben Sie mir, daß ich endlich einen +Wundarzt holen lasse.« + +»Wenn er kommt, ist mein Glück dahin.« + +»Ich muß es tun,« erklärte Vanina. + +Die Unbekannte hielt sie zurück, indem sie ohne ein Wort zu sagen +ihre Rechte ergriff und Küsse darauf drückte. Lange sprach keins +von beiden. Der Fremden standen Tränen in den Augen. Endlich gab sie +Vaninas Hand frei und sagte in einem Tone, als gehe sie in den Tod: + +»Ich muß Ihnen ein Geständnis machen. Vorgestern, als ich Ihnen +sagte, ich hieße Clementina, da hab ich gelogen. Ich bin ein +unglücklicher Karbonaro ...« + +Vanina war tief betroffen. Sie rückte ihren Stuhl zurück, und bald +darauf erhob sie sich. + +Der Kranke seufzte. + +»Ich weiß wohl,« sagte er, »mein Bekenntnis beraubt mich des +einzigen Glückes, das mich noch ans Leben bindet. Aber es wäre meiner +unwürdig, wenn ich Sie weiter täuschte. Ich heiße Pietro Missirilli +und bin neunzehn Jahre alt. Mein Vater ist ein armer Arzt in San Angelo +in Vado, und ich bin Karbonaro. Wir sind bei unsrer letzten Venta +überrumpelt worden. Man hat mich in Ketten von der Romagna nach Rom +geschleppt. Dreizehn Monate lag ich in einem Kerkerloche, Tag und Nacht +bei trübem Laternenlicht. Da geriet eine barmherzige Seele auf den +Gedanken, mich retten zu wollen. Man zog mir Frauenkleider an. So +entrann ich meiner Zelle und war schon an der Außenwache vorbei, da +hörte ich, daß einer der Posten auf die Karbonari schimpfte. Ich +verabreichte ihm eine Ohrfeige. Ich versichere Sie: das war nicht +etwa eitle Prahlerei. Es geschah aus Geistesabwesenheit. Nach dieser +Unbesonnenheit wurde ich durch die Straßen Roms verfolgt. Es war Nacht. +Ich bekam Bajonettstiche und schon verließen mich meine Kräfte ... +Da laufe ich in ein Haus, dessen Türe offen stand. Ich höre, wie +die Soldaten hinter mir die Treppe hinaufrennen. Ich springe in den +Nachbargarten und falle zu Boden, ein paar Schritte vor einer Dame, die +dort spazieren geht ...« + +»Das war die Contessa Vitelleschi, die Freundin meines Vaters ...« +unterbrach ihn Vanina. + +»Was! Sie hat es Ihnen erzählt?« rief Missirilli aus. »Wie dem auch +sei: diese Dame, deren Name nie genannt werden soll, hat mir das Leben +gerettet! Als die Soldaten in ihr Haus drangen, um mich zu ergreifen, +brachte mich Ihr Herr Vater in seinem Wagen hierher ... Es geht mir gar +nicht gut. Der Bajonettstich in der Schulter erschwert mir seit mehreren +Tagen das Atmen. Ich werde sterben ... und zwar, wenn ich Sie nicht +wiedersehe, in der unseligsten Stimmung ...« + +Vanina hatte geduldig zugehört. Eilends ging sie dann fort. Missirilli +glaubte in ihren schönen Augen nicht die Spur von Mitgefühl, sondern +nichts als gekränkten Stolz gesehen zu haben. + +In der Nacht stellte sich ein Wundarzt ein. Er kam allein. Missirilli +war in Verzweiflung. Er fürchtete, Vanina nie wiederzusehen. Er fragte +den Arzt aus. Der waltete seines Amtes, gab aber keine Antwort. Ebenso +schweigsam blieb er an den nächsten Tagen. + +Unverwandt ruhten Pietros Augen auf der Fenstertüre nach der Terrasse, +durch die Vanina eingetreten war. Er fühlte sich sterbensunglücklich. + +Einmal, gegen Mitternacht, kam es ihm vor, als husche ein Schatten über +die Terrasse. War das Vanina? + +Allnächtlich preßte Vanina ihre Wangen an die Fensterscheibe des +Gemachs des Karbonaro. + +»Wenn ich mit ihm spreche, bin ich verloren!« sagte sie sich. »Nein! +Ich darf das niemals wieder tun.« + +Nachdem sie diesen Entschluß gefaßt hatte, kam ihr wider willen die +Freundschaft in den Sinn, die sie für den jungen Mann gefühlt, als sie +ihn törichterweise noch für ein Weib gehalten hatte. »Erst habe ich +mich ihm so zärtlich und zutraulich gezeigt, und jetzt meide ich ihn +vollständig!« warf sie sich vor. + +In vernünftigen Augenblicken erschrak sie über den Wandel, der in +ihrer Seele vorgegangen war. Seit sich Missirilli entdeckt hatte, war +ihre ganze bisherige Gedankenwelt wie in Nebel verhüllt und in weite +Ferne gerückt. + +Noch waren keine acht Tage verronnen, als Vanina, bleich und zaghaft, +zusammen mit dem Arzt in das Gemach des Kranken trat. Sie verblieb nur +ein paar flüchtige Augenblicke. Aber nach einigen Tagen erschien sie +nochmals, wieder mit dem Arzte: aus Menschlichkeit. Und schließlich, +als es Missirilli wieder viel besser ging und Vanina nicht mehr den +Vorwand hatte, sich um sein Leben zu ängstigen, wagte sie eines Abends +allein zu kommen. + +Als Missirilli sie erblickte, war er namenlos glücklich; aber er +suchte seine Liebe zu verbergen. Um alles in der Welt wollte er die +Manneswürde nicht verletzen. Vanina war mit schamrotem Gesicht zu +ihm gegangen. Sie fürchtete, Liebesbeteuerungen zu hören. Um so mehr +wunderte sie sich über die edle, demütige, fast zu wenig zärtliche +Freundschaft, die er ihr erwies. Als sie von ihm schied, machte er +keinen Versuch, sie zurückzuhalten. + +Ein paar Tage später kam Vanina abermals. Pietro verhielt sich genau +wieder so. Er versicherte sie seiner verehrungsvollen Ehrerbietung und +ewigen Dankbarkeit. + +Da Vanina auch nicht das geringste getan hatte, was den jungen Karbonaro +hätte veranlassen können, seinen Gefühlen Zwang anzutun, so fragte +sie sich: »Bin ich der allein liebende Teil?« Voll Bitternis empfand +das bis dahin so stolze junge Mädchen, wie ungeheuerlich toll sie +war. Sie heuchelte Frohsinn und sogar Gleichgültigkeit. Sie erschien +seltener, brachte es indessen nicht über sich, den jungen Kranken gar +nicht mehr zu besuchen. + +Missirilli war halb wahnsinnig vor Liebe, aber er vergaß weder seine +niedere Herkunft noch das, was er sich selbst schuldig war. Er hatte +sich fest vorgenommen, nur dann aus sich herauszugehen und seine Liebe +zu verraten, wenn Vanina ihn acht Tage lang nicht besuchte. + +Der Hochmut der Prinzessin kämpfte den letzten Kampf. Schließlich +sagte sie sich: + +»Wenn ich ihn besuche, so tue ich das meinetwegen, weil es mir Freude +bereitet. Nie und nimmer werde ich ihm das Mitgefühl eingestehen, das +er in mir erweckt hat.« + +Fortan verweilte sie länger und länger bei Missirilli, aber er sprach +mit ihr, als ob ein Dutzend andrer Menschen dabei sei. + +Eines Abends, nachdem sie ihn den ganzen Tag über verwünscht und sich +gelobt hatte, noch kälter und herber denn bisher gegen ihn zu sein, +gestand sie ihm ihre Liebe. Bald hatte sie ihm nichts mehr zu versagen. + +Die Torheit war groß, aber Vanina war glückselig. Missirilli vergaß, +was er seiner Manneswürde schuldig zu sein wähnte. Er liebte, wie ein +Neunzehnjähriger unter Italiens Himmel zum ersten Male liebt. Er machte +alle Wirren der Liebe aus Leidenschaft durch; ja, er gestand der +stolzen jungen Fürstin, durch welche Politik er sie erobert hatte. Das +Übermaß ihres Glückes war ihm erstaunlich. + +Vier Monate eilten dahin. Eines Tages erklärte der Arzt seinen +Patienten für völlig wiederhergestellt. + +»Was soll ich nun beginnen?« fragte sich Missirilli. »Bei einer der +schönsten Römerinnen versteckt bleiben? Aber dann bilden sich die +schnöden Tyrannen, die mich dreizehn Monate lang im stockdunklen +Kerker haben schmachten lassen, am Ende gar ein, sie hätten meinen Mut +gebrochen. Italia, du hast wirklich kein Glück, da dich deine Kinder so +leicht im Stiche lassen!« + +Vanina zweifelte nicht daran, daß Pietro das höchste Glück darin +erblickte, stets mit ihr vereint zu bleiben. Dies schien in der Tat so +zu sein. Aber in seiner jungen Seele hatte ein bittres Wort des Generals +Bonaparte Widerhall gefunden und ihn von jeher in seinem Verhalten gegen +Frauen beeinflußt. Als Bonaparte im Jahre 1796 aus Brescia marschierte, +versicherten ihn die Häupter der Stadt, die ihm das Geleit bis ans +Stadttor gaben, die Brescianer liebten die Freiheit mehr denn alle +anderen Italiener. + +»Das weiß ich!« gab der Korse zur Antwort. »Das sagen sie mit +Vorliebe ihren Liebsten!« + +In beklommenem Tone erklärte Pietro: + +»Wenn die Nacht kommt, muß ich fort.« + +»Sieh aber zu, daß du bei Tagesanbruch wieder im Palast bist,« +erwiderte Vanina. »Ich werde aufbleiben.« + +»Bei Tagesanbruch bin ich schon mehrere Meilen weg von Rom.« + +»So!« sagte Vanina kalt. »Wohin gehst du?« + +»Nach der Romagna, um mich zu rächen.« + +»Da ich reich bin,« sagte Vanina im ruhigsten Tone, »nimmst du +hoffentlich Waffen und Geld von mir an.« + +Ein paar Sekunden schaute Missirilli sie starr an; dann fiel er ihr um +den Hals. + +»Stern meines Lebens!« rief er aus. »Deinetwegen könnte ich alles +vergessen, selbst meine Pflicht! Aber je edler dein Herz ist, um so mehr +mußt du mich verstehen!« + +Vanina begann heftig zu weinen. Sie kamen überein, daß Pietro erst am +übernächsten Tage Rom verlassen solle. + +Am andern Morgen sagte Vanina: + +»Pietro, du hast bereits mehrfach gesagt, eine bekannte +Persönlichkeit, ein römischer Fürst zum Beispiel, der über viel Geld +verfügt, könnte der Sache der Freiheit den größten Dienst leisten, +sobald Österreich einmal mit irgendeiner Großmacht im Kriege läge.« + +»Gewiß!« gab Missirilli erstaunt zur Antwort. + +»Höre! Mut hast du. Dir fehlt es nur an Macht. Ich biete dir meine +Hand und ein Jahreseinkommen von zweimalhunderttausend Lires. Die +Einwilligung meines Vaters verpflichte ich mich zu bringen.« + +Pietro sank ihr zu Füßen nieder. Vanina strahlte vor Freude. + +»Ich liebe dich von ganzem Herzen,« sagte er. »Aber ich bin ein armer +Diener meines Vaterlandes. Und je unglücklicher Italien ist, um +so treuer muß ich an ihm hängen. Um deines Vaters Einwilligung zu +erringen, müßte ich jahrelang eine traurige Rolle spielen ... Vanina, +ich schlage deine Hand aus!« + +Missirilli klammerte sich an seinen Patriotismus. Sein Mut brach fast +zusammen. + +»Es ist mein Unglück,« fuhr er fort, »daß ich dich mehr liebe als +das Leben. Rom verlassen zu sollen, ist mir fürchterlich. Ach, warum +ist Italien noch immer nicht von den Barbaren befreit! Mit welcher Wonne +würde ich dann mit dir über den Ozean gehen, um in Amerika zu leben!« + +Vanina stand da wie eine Marmorstatue. Pietro hatte ihre Hand +ausgeschlagen! Ihr Stolz bäumte sich. Dann aber warf sie sich in seine +Arme. + +»Nie bist du mir liebenswerter gewesen!« rief sie. »Mein +Landdoktorchen, ich bin doch dein auf ewig! Du bist ein ganzer Mann, ein +wahrer alter Römer!« + +Alle Zukunftsgedanken, alle die trübseligen Regungen des gesunden +Menschenverstandes waren zunichte. Vanina wie Pietro waren voll reinster +Liebe. + +Als sie wieder vernünftig zu reden vermochten, sagte die Principessa: + +»Ich werde dir sehr bald in die Romagna nachfolgen. Ich lasse mir die +Bäder von Poretto verordnen. In unserm Schlosse zu San Nicolo bei Forli +mache ich Station ...« + +»Dort will ich mein Leben mit dir verbringen!« beteuerte Missirilli. + +»Mein Schicksal ist fortan, alles aufs Spiel zu setzen,« sagte Vanina +und seufzte. »Ich werde mich für dich zugrunde richten. Was tuts? +Kannst du eine Entehrte lieben?« + +»Bist du nicht mein Weib?« sagte Missirilli. »Mein immerdar +angebetetes Weib! Ich werde dich lieben und schützen!« + +Vanina hatte gesellschaftliche Pflichten. Kaum war sie fort, da dünkte +es Missirilli, er habe sich wie ein Barbar benommen. + +»Was heißt Vaterland?« fragte er sich. »Es ist kein lebendiges +Wesen, dem wir für eine Wohltat Dank schuldeten. Wenn wir unsre +angebliche Pflicht ihm gegenüber nicht erfüllen, wird es nicht +unglücklich. Es kann uns nicht verfluchen. Vaterland und Freiheit, das +ist, nicht anders wie ein Mantel, ein Ding, das mir nützlich ist. Ich +muß es mir erwerben, wenn ich es nicht von meinem Vater ererbt habe. Im +Grunde liebe ich beides nur, weil es mir nützliche Dinge sind. Wenn +ich sie zu nichts gebrauchen könnte -- etwa wie einen Pelzmantel +im Hochsommer -- wozu wollte ich sie mir erwerben. Um einen so +ungeheuerlichen Preis? Vanina ist wunderschön. Sie hat eine erlesene +Seele. Andere werden um sie werben. Sie wird mich vergessen. Welche Frau +hätte es je bei einem Liebhaber belassen? Die römischen Fürsten, die +ich schlichter Bürger verachte, haben so manches vor mir voraus. Sie +=müssen= verführen. Ach, wenn ich scheide, so vergißt mich Vanina, +und ich habe sie auf ewig verloren!« + +Mitten in der Nacht kam sie zu ihm. Er gestand ihr seinen Wankelmut und +den Kampf, der zwischen seiner Liebe und dem großen Worte =Vaterland= +tobte. Vanina war glückselig. + +Sie sagte sich: »Hätte er die reine Wahl zwischen dem Vaterland und +mir, so entschiede er sich für mich.« + +Die Uhr des nahen Kirchturms schlug drei. Der Augenblick des letzten +Abschieds war gekommen. Pietro entriß sich den Armen seiner Geliebten. +Eben wollte er die kleine Treppe hinunterschleichen, als Vanina unter +Bezwingung ihrer Tränen zu ihm sagte: + +»Wenn dich eine arme Bäurin in einem Dorfe gepflegt hätte, würdest +du dich ihr nicht irgendwie erkenntlich zeigen? Vielleicht würdest du +sie bezahlen wollen ... Wir wissen nicht, was die Zukunft bringt. Du +begibst dich mitten unter deine Feinde. Schenk mir aus Dankbarkeit +drei Tage. Nimm an, ich wäre ein armes Weib, das du für deine Pflege +bezahltest!« + +Missirilli blieb. + +Endlich verließ er Rom mit einem Paß, der auf einer ausländischen +Gesandtschaft erkauft war. So gelangte er in seine Heimat. Die Freude +der Seinen war groß. Man hatte ihn tot gewähnt. Seine Freunde wollten +zur Feier seiner Wiederkehr sogleich ein paar Karabinieri töten. So +hießen die Gendarmen im Kirchenstaat. + +Missirilli hielt sie davon ab: + +»Tötet ohne Not keinen Italiener, der sich auf das Waffenhandwerk +versteht. Unser Vaterland ist keine Insel wie das glückliche +Britannien. Es fehlt uns an Soldaten, um die Einmischungen der +europäischen Monarchen abzuwehren.« + +Kurz darauf ward Missirilli von Karabinieri angehalten. Zwei von ihnen +schoß er mit den Pistolen nieder, die ihm Vanina gegeben hatte. + +Jetzt setzte man einen Preis auf seinen Kopf aus. + +Vanina erschien nicht in der Romagna, so daß sich Missirilli vergessen +wähnte. In seiner Eitelkeit verletzt, begann er sich häufig Gedanken +über den Standesunterschied zu machen, der ihn von seiner Geliebten +trennte. In einem Anfall von zärtlicher Sehnsucht nach dem verlorenen +Glücke geriet er auf den Einfall, nach Rom zurückzukehren, um +nachzusehen, was Vanina treibe. Dieser tolle Gedanke triumphierte über +das, was ihn seine Pflicht deuchte ... + +Da läutete eines Abends die Glocke eines Bergkirchleins den Angelus auf +seltsame Weise. Es klang, als würde der Glöckner mitten beim Läuten +abgerufen. Dies war das Zeichen zur Venta der Gruppe Karbonari, zu der +Missirilli gehörte, seit er in seine Heimat zurückgekehrt war. + +In der folgenden Nacht versammelten sich alle Verschwörer in einer +Einsiedelei im Gebirge. Die beiden Einsiedler waren durch Opium +eingeschläfert worden, so daß sie nicht wahrnahmen, wozu man ihr +Häuschen benutzte. Missirilli kam in trüber Stimmung hin. Er erfuhr, +daß das Haupt der Venta verhaftet worden und daß er, trotzdem er erst +zwanzig Jahre zählte, zum Führer des Geheimbundes gewählt war, der +Männer zu seinen Mitgliedern zählte, die Fünfziger waren und bereits +seit Murats Expedition vom Jahre 1815 an der Verschwörung teilnahmen. + +Als Pietro die unverhoffte Ehre entgegennahm, pochte sein Herz heftig, +und als er wieder allein war, faßte er den Entschluß, nicht mehr +der jungen Römerin zu gedenken, die ihn offenbar vergessen hatte. Er +gelobte sich, all sein Tun und Denken der Pflicht zu weihen, =Italien +von den Barbaren= zu befreien. + +Man weiß, daß dieses geflügelte Wort von Petrarka stammt, von Julius +dem Zweiten und Machiavell wiederholt und zu guter Letzt vom Grafen +Alfieri von neuem auf das Banner geschrieben worden ist. + +Zwei Tage danach ersah Missirilli aus einem der Ankunfts- und +Abgangs-Rapporte, die man ihm als Karbonariführer von allen Orten der +Umgegend regelmäßig zusandte, daß die Prinzessin Vanina Vanini eben +in ihrem Schlosse zu San Nicolo eingetroffen war. Beim Lesen ihres +Namens erfüllte sich seine Seele eher mit Wankelmut denn mit Freude. +Wohl glaubte er, seine Treue gegen das Vaterland sei felsenfest, dieweil +er sich vornahm, nicht noch am nämlichen Abend nach dem Schlosse San +Nicolo hinzueilen. Aber es war nicht an dem. Die Sehnsucht nach +Vanina, die er zu bezwingen sich Mühe gab, zog ihn doch von der vollen +Erfüllung seiner Pflicht ab. Am Tage darauf suchte er Vanina auf. + +Sie liebte ihn noch genau so wie in Rom. Aber ihr Vater, der sie +verheiraten wollte, hatte ihre Abreise verzögert. + +Vanina brachte zweitausend Zechinen mit. Dieser unerwartete Zuschuß +festigte Pietros Ansehen in seiner neuen Würde in erstaunlicher +Weise. Man bestellte Dolche in Korfu. Ferner bestach man in Forli den +Geheimsekretär des päpstlichen Legaten, der mit der Verfolgung der +Karbonari betraut war, wodurch man die Liste der Pfarrer in die Hände +bekam, die für die Regierung spionierten. + +Um diese Zeit bildete sich eine der am wenigsten törichten +Verschwörungen, die je im unglücklichen Italien versucht worden sind. +Einzelheiten hierüber würden zu weit abseits führen. So viel aber sei +erwähnt: wenn das Unternehmen von Erfolg gekrönt worden wäre, hätte +Missirilli einen guten Teil des Ruhmes für sich beanspruchen können. +Es wäre sein Verdienst gewesen, daß sich auf ein zu gebendes Zeichen +mehrere Tausend Rebellen erhoben und sich gutbewaffnet einem höheren +Führer zur Verfügung gestellt hätten. Der entscheidende Augenblick +war bereits ganz nahe: da wurde die ganze Verschwörung durch die +Verhaftung der Rädelsführer völlig lahmgelegt, wie dies meist zu +geschehen pflegt. + +Vanina weilte noch nicht lange in der Romagna, aber schon glaubte sie +zu erkennen, daß die Liebe zum Vaterlande jede andere Leidenschaft im +Herzen ihres Geliebten verjagt habe. Die hochmütige stolze Römerin war +empört. Umsonst versuchte sie sich Vernunft zu predigen. Sie verfiel +dem düstersten Kummer. Ja, sie ertappte sich bei einer Verwünschung +der Freiheit ihres Vaterlandes. + +Eines Tages begab sie sich nach Forli, um Missirilli aufzusuchen. Bis +dahin war ihr Hochmut stärker gewesen. Jetzt war sie nicht mehr Herrin +ihres Herzeleids. + +»Wahrlich,« sagte sie zu ihm, »du liebst mich, als seien wir +Eheleute. Das ist nicht nach meinem Geschmack.« + +Alsbald flossen ihre Tränen, Tränen der Scham, sich so weit erniedrigt +zu haben, daß sie Worte des Vorwurfs geäußert hatte. Missirilli +antwortete auf diesen Ausbruch wie just ein Mann, der ganz andre Dinge +im Kopfe hat. Plötzlich bekam Vanina den Gedanken, ihn zu verlassen und +nach Rom zurückzukehren. Es bereitete ihr grausame Freude, sich für +die Schwachheit zu strafen, nicht stumm geblieben zu sein. In wenigen +Augenblicken des Schweigens war ihr Entschluß gefaßt. Sie hätte sich +Missirilli nicht für ebenbürtig gehalten, wenn sie ihn nicht hätte +verlassen wollen. Und schon weidete sie sich an der Vorstellung, +wie schmerzlich überrascht er wohl wäre, wenn er sie vergeblich im +Schlosse zu San Nicolo suchte. + +Der Gedanke, daß sie die Liebe des Mannes, für den sie so viele +Torheiten begangen, nicht hatte erringen können, ließ sie nicht los. +Jetzt brach sie das Stillschweigen und begann alles erdenkliche, um +ihm ein paar Liebesworte abzulocken. Zerstreut sagte er ihr einige +überzärtliche Dinge. Aber mit viel herzlicherem Tone sprach er alsbald +von seinem politischen Vorhaben. Schmerzerfüllt rief er aus: + +»Wenn mir auch diese Unternehmung mißglückt, wenn die Regierung +abermals dahinter kommt, dann mache ich nicht mehr mit!« + +Vanina hörte regungslos zu. Seit einer Stunde hatte sie das Gefühl, +daß sie den Geliebten zum letzten Male sähe. Was er eben gesagt hatte, +brachte ihre Gedanken in eine neue, verhängnisvolle Richtung. + +Vanina sagte sich: »Die Karbonari haben von mir ein paar tausend +Zechinen bekommen. Niemand zweifelt daran, daß ich die Verschwörung +begünstige.« + +Sie verlor sich in Grübeleien, von denen sie sich nur losriß, um +Pietro zu sagen: + +»Willst du vierundzwanzig Stunden mit mir im Schloß San Nicolo +verbringen? Die Venta wird wohl deine Anwesenheit eine Nacht entbehren +können. Morgen früh werden wir im Parke des Schlosses spazieren gehen. +Das wird deine Erregung mildern und dir die Kaltblütigkeit verschaffen, +die du bei deiner großen Unternehmung nötig hast.« + +Pietro willigte ein. + +Alsbald verließ ihn Vanina unter dem Vorwande, die Vorbereitungen zur +Fahrt nach San Nicolo zu treffen. Sie eilte zu einer ihrer früheren +Kammerjungfern, die geheiratet und einen kleinen Handel in Forli +begonnen hatte. Bei dieser Frau schrieb sie in ein Gebetbuch, das sie +im Schlafzimmer liegen sah, in aller Hast die genaue Ortsangabe, wo die +Verschwörer in der kommenden Nacht ihre Venta abhalten wollten. +Ihre Denunziation schloß mit den Worten: »Die Versammlung wird aus +folgenden neunzehn Teilnehmern bestehen: ....« Es folgten die Namen und +Wohnungsangaben. + +Als Vanina die Liste fertig hatte, in der einzig und allein Missirillis +Name fehlte, sagte sie zu der Frau, deren Zuverlässigkeit ihr sicher +war: + +»Bring dieses Buch zum Kardinal-Legaten. Er soll lesen, was +hineingeschrieben worden ist, und dir das Buch dann zurückgeben. Hier +hast du zehn Zechinen. Wenn der Legat jemals deinen Namen erfährt, +bist du des Todes. Aber du rettest mir das Leben, wenn du ihm das darin +beschriebene Blatt zu lesen gibst.« + +Alles ging tadellos nach Erwarten. Der Legat war dermaßen furchtsam, +daß er auf die Rolle eines großen Herrn verzichtete. Er erlaubte der +Frau aus dem Volke, die ihn so dringend zu sprechen begehrte, maskiert +vor ihm zu erscheinen, allerdings mit gebundenen Händen. So wurde +die Krämersfrau vor den Machthaber geführt. Als sie eintrat, saß er +verschanzt hinter einem mit grünem Tuche überzogenen großen Tische. + +Der Legat las das beschriebene Blatt des Gebetbuches, wobei er es weit +von sich abhielt, aus Angst vor einem Gifte. Alsdann reichte er es der +Frau zurück. Auch ließ er sie nicht verfolgen. + +Vanina hatte auf die Wiederkehr ihrer ehemaligen Jungfer gewartet. Keine +dreiviertel Stunde, nachdem sie den Geliebten verlassen, stellte sie +sich wieder bei ihm ein, fest überzeugt, daß er ihr fortan allein +gehöre. Sie erzählte ihm, in der Stadt herrsche ungewöhnliche +Bewegung. Karabinieripatrouillen ritten durch Gassen, in die sie sonst +nie kämen. + +»Wenn du mir Gehör schenken willst,« fügte sie hinzu, »so brechen +wir sofort nach San Nicolo auf.« + +Missirilli war damit einverstanden. Zu Fuß erreichten sie den Wagen der +Prinzessin, der ebenso wie ihre Gesellschaftsdame, eine verschwiegene, +gutbezahlte Vertraute, eine halbe Wegstunde vor der Stadt wartete. + +Im Schlosse von San Nicolo angelangt, war Vanina zärtlicher denn je zu +Pietro. Die sonderbare Tat lastete auf ihrem Gemüt. Und so kamen ihr +ihre Liebesworte selber wie Komödie vor. Der Verrat am Tage zuvor hatte +ihr keine Skrupel bereitet. In den Armen des Geliebten sagte sie sich: + +»Ich brauche ihm nur ein einziges Wort zuzurufen, und von Stund an +haßt er mich bis in alle Ewigkeit!« + +Mitten in der Nacht drang einer von Vaninas Dienern plötzlich in das +Zimmer. Ohne daß es Vanina geahnt, war auch er Karbonaro. Missirilli +hatte also Geheimnisse vor ihr, sogar in derlei Nebensachen. Sie +erbebte. + +Der Mann meldete Pietro, daß in Forli in der Nacht die Häuser +von neunzehn Karbonari umstellt worden seien. Im Augenblick, da die +Verschwörer von der Venta heimkehrten, habe man sie verhaftet. Von +den Überrumpelten hätten sich trotz alledem neun retten können. Zehn +seien von den Karabinieri nach der Zitadelle abgeführt. Beim Betreten +des Burghofes habe sich einer der Gefangenen in den tiefen Brunnen +gestürzt. Er sei tot. + +Vanina verlor völlig ihre Fassung. Zum Glück bemerkte es Pietro nicht; +sonst hätte er ihr die Untat an den Augen abgelesen. + +Der Diener berichtete einige weitere Einzelheiten. Die ganze Garnison +von Forli sei alarmiert. Als er hinaus war, versank Missirilli in +Nachdenken, aber nur ein paar Minuten. + +»Im Augenblick ist nichts zu machen,« erklärte er. + +Vanina war halbtot. Sie zitterte unter den Blicken des Geliebten. + +»Was regt dich denn das so auf?« fragte er. Aber schon dachte er +wieder an andre Dinge und sah Vanina nicht weiter an. + +Gegen Mittag wagte sie ihm zu sagen: + +»Schon wieder eine entdeckte Venta! Ich denke, du hast nun für eine +Weile genug ...« + +»Übergenug!« unterbrach er sie und lachte, daß es Vanina graute. + +Sie machte dem Pfarrer von San Nicolo einen Anstandsbesuch. Er konnte +ein Spion der Jesuiten sein. Als sie um sieben Uhr zum Pranzo wieder +heimkam, fand sie das Gelaß leer, das sie dem Geliebten zum Versteck +angewiesen hatte. Außer sich suchte sie ihn sofort im ganzen Schlosse. +Er war nicht mehr da. In ihrer Verzweiflung lief sie nochmals in seine +Stube. Jetzt erst fand sie einen Zettel, auf dem geschrieben stand: + +»Ich stelle mich dem Legaten, weil ich an unsrer Sache verzweifle. Der +Himmel ist wider uns. Wer mag uns verraten haben? Offenbar der Schurke, +der sich in den Brunnen gestürzt hat. Da mein Leben dem armen Italien +nichts nützt, so will ich nicht, daß mich meine Kameraden allein +auf freiem Fuße sehen und sich am Ende gar einbilden, ich sei der +Verräter. Lebe wohl! Wenn Du mich liebst, so sei darauf bedacht, mich +zu rächen! Wenn Du den Verräter entdecken solltest, so vernichte den +Nichtswürdigen, und wäre es mein Vater!« + +Halb von Sinnen und in den Tod unglücklich sank Vanina in einen Stuhl. +Sie war keines Wortes mächtig. Die tränenlosen Augen brannten ihr. +Schließlich fiel sie in die Knie. + +»Allmächtiger!« betete sie. »Nimm mein Gelübde an! Ich will den +nichtswürdigen Verräter strafen. Aber vorher muß ich Pietro die +Freiheit verschaffen!« + +Eine Stunde später war sie unterwegs nach Rom. Ihr Vater hatte sie +schon lange zur Heimkehr gedrängt und hatte in ihrer Abwesenheit dem +Principe Livio Savelli ihre Hand fest versprochen. Kaum war Vanina +wieder zu Hause, als der Fürst zaghaft davon zu sprechen begann. Zu +seinem großen Erstaunen ging Vanina sofort darauf ein. Noch am selbigen +Abend ward ihr Savelli im Hause der Gräfin Vitelleschi feierlich als +Bräutigam zugeführt. + +Vanina zeigte sich ihm sehr gesprächig. Er war der eleganteste Mensch +und besaß die schönsten Pferde; aber wenn man ihn auch für sehr +intelligent hielt, so galt er doch für derartig leichtsinnig, daß er +der Regierung niemals verdächtig werden konnte. Damit rechnete Vanina. +Wenn sie ihm den Kopf verdrehte, konnte sie ihn bequem zu allerhand +gebrauchen. Ihm, dem Neffen des Monsignore Savelli-Catanzara, des +Stadtkommandanten und Polizeipräsidenten von Rom, wagte kein Spion +nachzustellen. + +Nachdem Vanina den galanten Livio mehrere Tage auf das beste behandelt +hatte, erklärte sie ihm, sie werde nie seine Gattin. Er wäre ihr viel +zu leichtsinnig. + +»Wenn Sie nicht das reine Kind wären,« sagte sie zu ihm, »hätten +die Beamten Ihres Onkels keine Geheimnisse vor Ihnen. Wissen Sie zum +Beispiel, was mit den Karbonari geschehen wird, die man neulich in Forli +erwischt hat?« + +Nach zwei Tagen kam Livio und meldete Vanina, alle in Forli verhafteten +Karbonari seien entwischt. + +Vanina sah ihn mit ihren großen schwarzen Augen eindringlich an, +lächelte bitter und unsagbar verächtlich und würdigte ihn den ganzen +Abend keines Wortes. Zwei Tage danach kam Livio abermals und gestand, +man habe ihn vor zwei Tagen falsch unterrichtet. + +»Jetzt aber«, erzählte er, »habe ich mir einen Schlüssel zum +Arbeitszimmer meines Onkels verschafft. Aus den Akten, die ich daselbst +in den Händen gehabt habe, weiß ich, daß eine Kommission von +Kardinälen und hochangesehenen Prälaten in einer Geheimsitzung +erörtert hat, ob es besser sei, den Karbonari in Ravenna oder in Rom +den Prozeß zu machen. Die neun in Forli festgenommenen Verschwörer +und ihr Führer, ein gewisser Missirilli, der so dumm gewesen ist, sich +selbst zu stellen, werden augenblicklich im Kastell San Leo gefangen +gehalten ...« + +Bei den Worten »so dumm« kniff Vanina den jungen Fürsten mit aller +Kraft in den Arm. + +»Ich will die offiziellen Akten selber einsehen. Nehmen Sie mich mit +in das Arbeitszimmer Ihres Onkels! Sie haben sich jedenfalls beim Lesen +geirrt.« + +Livio erschrak zu Tode. Vanina forderte etwas geradezu Unmögliches +von ihm; aber ihr seltsames Wesen verdoppelte seine Verliebtheit. Nach +einigen Tagen konnte Vanina, als Lakai verkleidet, in der kleidsamen +Livree der Casa Savelli, eine halbe Stunde lang in den geheimsten +Papieren des Polizeipräsidenten herumkramen. Als sie den »Tagesbericht +über pp. Pietro Missirilli« las, empfand sie einen Anflug von Glück. +Kaum vermochten ihre zitternden Hände das Schriftstück zu halten. Als +sie den Namen des Geliebten las, ward sie fast ohnmächtig. + +Als sie den Palast des Polizeipräsidenten wieder verließen, durfte +Livio sie küssen. + +»Sie bestehen die Proben, die ich Ihnen auferlege, recht gut,« +erklärte ihm Vanina. + +Im Besitze dieses Lobes hätte der junge Principe Vanina zu Gefallen den +Vatikan angesteckt. + +Am Abend war Ball in der französischen Gesandtschaft. Vanina tanzte +viel und fast stets mit Livio. Er war trunken vor Glück. Vanina durfte +ihn nicht zur Besinnung kommen lassen. Des war sie entschlossen. + +»Mein Vater ist manchmal wunderlich,« sagte sie eines Tages zu ihm. +»Heute morgen hat er zwei von seinen Leuten von dannen gejagt. Sie sind +weinend zu mir gekommen. Der eine hat mich gebeten, ihm eine Stelle bei +Ihrem Onkel, dem Stadtkommandanten von Rom, zu verschaffen. Der andre, +ein ehemaliger napoleonischer Artillerist, möchte auf der Engelsburg +angestellt werden.« + +»Ich nehme sie alle beide in meine Dienste,« erklärte der junge +Principe eifrig. + +»Habe ich Sie darum gebeten?« fragte Vanina hochmütig. »Ich habe +Ihnen die Bitte der beiden armen Schelme wörtlich wiederholt. Sie +sollen bekommen, was sie wünschen, und nichts andres!« + +Das war nichts weniger als einfach. Monsignore Catanzara war ein höchst +eigenwilliger Herr, der nur Leute in sein Haus nahm, die er sehr gut +kannte. + +Inmitten von tausend äußerlichen Vergnügungen ward Vanina von Reue +gequält. Sie fühlte sich grenzenlos unglücklich. Die so langsame +Entwicklung der Dinge brachte sie beinahe um. Der Bankier ihres Vaters +hatte ihr Geld versorgt. Sollte sie aus dem Vaterhause fliehen, nach der +Romagna gehen und ihren Geliebten zu befreien suchen? So unvernünftig +dieser Gedanke war, so hätte sie ihn doch wohl ausgeführt, wenn sich +der Zufall nicht ihrer erbarmt hätte. + +Livio vermeldete ihr: + +»Missirilli und seine neun Mitverschworenen werden nach Rom +überführt, nachdem sie in Ravenna abgeurteilt worden sind. Das hat +mein Onkel heute abend beim Papste durchgesetzt. Sie und ich, wir +sind in ganz Rom die einzigen, die dieses Geheimnis wissen. Sind Sie +zufrieden mit mir?« + +»Sie werden ein Mann!« erwiderte Vanina. »Schenken Sie mir Ihr +Bild!« + +Am Tage, ehe Missirilli in Rom eintreffen sollte, fand Vanina einen +Vorwand, nach Civita Castellana zu fahren. Im Gefängnis dieser Stadt +wurden Gefangene, die man von der Romagna nach Rom beförderte, stets +eine Nacht verquartiert. In der Tat sah Vanina ihren Missirilli, als er +aus dem Gefängnis herausgebracht ward. Er saß kettenbelastet auf einem +Karren für sich. Er kam ihr sehr bleich, aber durchaus nicht gebrochen +vor. Eine alte Frau warf ihm ein Veilchensträußchen zu. Pietro +lächelte ihr Dank zu. + +Nachdem Vanina den Geliebten gesehen hatte, fühlte sie sich erstarkt +und von neuem Mut beseelt. Bereits seit geraumer Zeit hatte sie den +Abbate Cari, den Almosenier der Engelsburg, in der Pietro nunmehr +eingekerkert war, in seiner Karriere ein gutes Stück vorwärts +gebracht, indem sie ihn zum Beichtvater genommen. Er war ein gutmütiger +Mensch. Es ist in Rom nicht unwichtig, Beichtiger einer Prinzessin zu +sein, deren Onkel Stadtkommandant ist. + +Mit den Karbonari von Forli wurde nunmehr kurzer Prozeß gemacht. +Ärgerlich darüber, daß die Sache nach Rom abgewälzt worden war, +sorgte die reaktionäre Partei dafür, daß die Kommission, der das +Urteil oblag, aus den ehrgeizigsten Prälaten bestand. Den Vorsitz +führte der Polizeipräsident. + +Das Gesetz gegen den Karbonarismus ist klipp und klar. Den Rebellen von +Forli blieb keine Hoffnung. Trotzdem verteidigten sie ihr Leben durch +alle nur möglichen Ausflüchte. Die Richter verurteilten sie nicht nur +zum Tode, sondern obendrein zu allerlei schrecklichen Nebenstrafen. Es +sollten ihnen die Hände abgehauen werden usw. Der Polizeipräsident, +der keine Streberei mehr nötig hatte (man vertauscht diesen Posten nur +mit dem Kardinalshut), hatte kein Begehr nach abgehauenen Händen. +Als er das Urteil Seiner Heiligkeit vorlegte, befürwortete er +die Verwandlung sämtlicher Strafen in bloßes Gefängnis. Nur mit +Missirilli ward eine Ausnahme gemacht. In diesem jungen Manne erblickte +der Polizeipräsident einen gefährlichen Fanatiker. Überdies hatte er +wegen der Ermordung der beiden Karabinieri den Tod verdient. + +Vanina erfuhr das Urteil und dessen Umwandlung wenige Augenblicke, +nachdem Monsignore Catanzara den Vatikan verlassen hatte. + +Als er am Abend darauf gegen Mitternacht in seinen Palast zurückkam, +war sein Kammerdiener nicht zur Stelle. Erstaunt klingelte Catanzara +mehrmals. Endlich erschien ein alter gebrechlicher Lakai. Der Präsident +verlor die Geduld und beschloß, sich selbst auszukleiden. Als der +Diener hinaus war, verschloß er die Tür. + +Es war sehr heiß. Er zog den Rock aus und warf ihn achtlos auf +einen Stuhl, warf ihn aber mit solcher Wucht, daß er über den Stuhl +hinwegflog, gegen den Musselinvorhang eines der Fenster. Da ward die +Form eines hinter dem Vorhang stehenden Menschen erkennbar. + +Monsignore stürzte nach dem Nachttisch und ergriff seine Pistole. Als +er sich dem Fenster näherte, trat ein junger Mann in der Livree des +Hauses hervor, ebenfalls eine Pistole in der Hand. + +Catanzara erhob die seine und wollte losdrücken. Da rief ihm der junge +Mann lachend zu: + +»Monsignore, erkennen Sie Vanina Vanini nicht?« + +»Was soll der schlechte Scherz?« fragte er zornig. + +»Sprechen wir in aller Ruhe!« sagte die Principessa. »Übrigens ist +Ihre Pistole entladen.« + +Der betroffene Präsident überzeugte sich von der Tatsache. Dann zog er +einen Dolch aus seiner Westentasche. + +»Setzen wir uns, Monsignore!« schlug Vanina mit einer entzückend +gebieterischen Gebärde vor und nahm ruhig auf einem Sofa Platz. + +»Sind Sie wenigstens allein?« fragte der Polizeipräsident. + +»Gänzlich allein! Das schwör' ich Ihnen,« rief Vanina. + +Monsignore stellte dies genauestens fest, indem er im ganzen Zimmer +herumging und alles durchsuchte. Darauf setzte er sich in einen +Lehnstuhl, drei Schritte von Vanina entfernt. + +Sie sagte im friedlichsten Tone: + +»Welches Interesse könnte ich wohl haben, einem politisch +maßvollen Manne nach dem Leben zu trachten, damit an seine Stelle +höchstwahrscheinlich ein jähzorniger Schwachkopf träte, der imstande +wäre, sich und die anderen zugrunde zu richten?« + +»Was wollen Sie eigentlich, Principessa?« fragte Catanzara ärgerlich. +»Die Geschichte paßt mir nicht. Sie hat schon lange genug gedauert.« + +Hochmütig und ihre Grazie plötzlich verlassend, entgegnete ihm Vanina: + +»Was ich noch zu sagen habe, ist für Sie wichtiger als für mich. Man +will, daß der Karbonaro Missirilli mit dem Leben davonkommt. Wenn er +hingerichtet wird, ist es binnen acht Tagen auch um Sie geschehen. Ich +selbst habe keinerlei Interesse an der Sache. Die Torheit, die Ihnen +unangenehm ist, begehe ich erstens zu meinem Vergnügen und zweitens, +um einer meiner Freundinnen gefällig zu sein ...« Indem sie ihren +früheren artigen Ton wieder annahm, fuhr sie fort: »Auch wollte ich +einem klugen Manne einen Dienst erweisen, der demnächst mein Onkel wird +und offenbar den Glanz seines Hauses noch strahlender machen kann.« + +Der Polizeipräsident verlor seine ärgerliche Miene. Vaninas Schönheit +trug zweifellos zu diesem plötzlichen Stimmungswechsel bei. Monsignore +Catanzaras Vorliebe für hübsche Frauen war stadtbekannt, und in ihrer +Maskerade als Lakai mit straffsitzenden seidenen Strümpfen, roter Weste +und kokettem himmelblauen silberbetreßten Rocke, die Pistole in der +Hand, sah Vanina verführerisch aus. + +»Meine liebe Nichte _in spe_,« sagte Catanzara, fast lachend. »Sie +begehen eine große Torheit. Es wird wohl nicht die letzte sein.« + +Vanina erwiderte: + +»Ich hoffe, ein so kluger Grandseigneur wird mein Geheimnis wahren, +besonders vor Ihrem Neffen Livio. Um Sie darauf zu verpflichten, +verehrter Onkel, und wenn Sie dem Schützling meiner Freundin das Leben +retten wollen, sollen Sie einen Kuß von mir bekommen.« + +In diesem halb scherzhaften Tone, mit dem die vornehmen Römerinnen die +wichtigsten Angelegenheiten zu behandeln verstehen, führte Vanina die +Unterhaltung fort. Dadurch wurde aus der Pistolenszene schließlich +eine Art Besuch, den die künftige Principessa Savelli ihrem Onkel, dem +Stadtkommandanten von Rom, machte. + +Wenn Monsignore Catanzara auch den Gedanken, man könne ihn durch +Furcht einschüchtern, stolz von sich wies, so war er doch bald so +weit umgestimmt, daß er seiner Nichte genau darlegte, welche großen +Schwierigkeiten es mit sich brachte, dem Karbonaro das Leben zu +erhalten. Schließlich aber versprach er ihr beinahe Missirillis +Rettung. + +»Unser Geschäft ist gemacht!« frohlockte Vanina. »Zur Besiegelung +haben Sie hier Ihren Lohn!« + +Sie fiel ihm um den Hals, und Monsignore nahm seinen Lohn entgegen. + +»Meine liebe Vanina,« sagte er, »Sie müssen wissen, daß ich kein +Freund vom Blutvergießen bin. Außerdem bin ich noch jung, wenngleich +ich Ihnen wohl recht alt erscheine. Ich kann sehr wohl noch die Zeit +erleben, wo das heute vergossene Blut auf mein Haupt kommt.« + +Es schlug zwei Uhr, als Monsignore Catanzara die schöne Vanina nach dem +Gartenpförtchen seines Palastes geleitete. + +Zwei Tage darauf erschien er vor dem Papst, ein wenig über sein +Anliegen verlegen. + +Seine Heiligkeit empfing ihn mit den Worten: + +»Vor allem erwarte ich, daß Sie mir eine Begnadigung unterbreiten. +Einer der Karbonari von Forli ist zum Tode verurteilt. Der Gedanke daran +hat mich nicht schlafen lassen. Der Mann muß gerettet werden!« + +Als der Polizeipräsident sah, daß der Papst dasselbe wollte wie +er, machte er allerlei Einwände. Schließlich setzte er aber eine +Verfügung auf, die der Papst ganz gegen seine Gewohnheit _motu proprio_ +unterzeichnete. + +Vanina glaubte zwar an die Möglichkeit, die Begnadigung ihres Geliebten +zu erreichen, aber sie befürchtete, man könne ihn vergiften. Schon am +Tage vor der Begnadigung erhielt Missirilli durch den Abbate Cari ein +paar Pakete Zwiebäcke und die Warnung, die Gefängniskost nicht mehr +anzurühren. + +Nunmehr erfuhr Vanina, daß die gefangenen Karbonari wieder nach dem +Kastell San Leo überführt werden sollten. Sofort faßte sie den +Entschluß, Pietro bei seinem Durchzuge durch Civita Castellana zu +sehen. Vierundzwanzig Stunden vor den Gefangenen langte sie daselbst an, +wo sie mit dem Abbate Cari zusammentraf, der bereits einige Tage dort +verweilte. Er hatte den Kerkermeister dazu gebracht, daß Missirilli +um Mitternacht in der Gefängniskapelle der Messe beiwohnen durfte. Ja, +wenn Missirilli damit einverstanden wäre, sich Arme und Beine in +Ketten legen zu lassen, so war der Kerkermeister bereit, sich in den +Hintergrund der Kapelle zurückzuziehen, allerdings ohne den Gefangenen +außer Sehweite zu lassen. Hören konnte er da nichts von dem, was mit +Missirilli gesprochen werden würde. + +Endlich kam der Tag, an dem sich Vaninas Schicksal entscheiden sollte. +Ganz früh am Morgen schloß sie sich in der Gefängniskapelle ein. Sie +litt tausend Qualen. Immer wieder fragte sie sich, ob Missirillis Liebe +groß genug sei, um ihr zu verzeihen. Sie hatte seine Mitverschworenen +denunziert, aber ihm selbst hatte sie das Leben gerettet. Jedesmal, +wenn die Vernunft in ihres Herzens Kämpfen die Oberhand gewann, war sie +voller Hoffnung, er würde einwilligen, mit ihr zusammen aus Italien zu +fliehen. Wenn sie auch Böses getan hatte, so war es doch aus Übermaß +von Liebe geschehen. + +Als es vier Uhr schlug, hörte Vanina von weitem auf dem +Straßenpflaster die Hufschläge der Karabinieri. Bei jedem einzelnen +Schlag erzitterte ihr Herz. Bald vernahm sie auch das Rollen der Karren, +auf denen die Gefangenen befördert wurden. + +Auf dem kleinen Platze vor dem Gefängnis machte der Zug halt. Vanina +beobachtete, wie zwei Karabinieri Missirilli herunterhoben. Er befand +sich allein in einem der Karren und war derart mit Ketten belastet, daß +er sich nicht rühren konnte. + +»Er ist wenigstens noch am Leben,« sagte sich Vanina, Tränen in den +Augen. »Man hat ihn nicht mit Gift aus der Welt geschafft.« + +Der Abend war grauenhaft. Die düstere Kapelle ward nur beleuchtet durch +eine hochhängende Altarlampe, an der man mit dem Öl sparte. +Vaninas Augen irrten über die Grabmäler etlicher Grandseigneurs des +Mittelalters, die vor Zeiten im benachbarten Kerker umgekommen waren. +Die Steinbilder starrten sie grimmig an. Längst waren alle Geräusche +verstummt. Vanina war einsam und allein, in ihre finsteren Grübeleien +versunken. + +Kurz nachdem es Mitternacht geschlagen hatte, vernahm sie ein leises +Geräusch, als ob eine Fledermaus durch den Raum schwirre. Sie wollte +ein paar Schritte machen, sank aber halb ohnmächtig an die Balustrade +des Altars. Im nämlichen Augenblick sah sie dicht vor sich zwei +nebelhafte Gestalten, deren Herannahen sie nicht gehört hatte. Es war +der Kerkermeister mit Missirilli. Der letztere war mit Ketten geradezu +umwickelt. + +Der Kerkermeister klappte seine Laterne auf und stellte sie in Vaninas +Nähe auf die Altarbalustrade. Dann zog er sich nach der Tür zurück. +Kaum war er verschwunden, da fiel Vanina dem Gefesselten um den Hals. +Sie drückte ihn an sich, aber sie spürte nichts als seine kalten +harten Ketten. So empfand sie nicht die geringste Freude. Aber ihrem +Schmerze darüber folgte noch ein viel schlimmerer. Missirillis Benehmen +war so eisig, daß Vanina einen Augenblick lang glaubte, er wisse alle +ihre Übeltaten. + +Schließlich begann er zu sprechen: + +»Liebe Vanina, ich bedaure, daß du dich in mich verliebt hast. +Vergeblich suche ich an mir nach Vorzügen, durch die ich deine Liebe +verdient hätte ... Reden wir von christlicheren Dingen! Vergessen wir +die Illusionen, die uns einstmals in die Irre geführt haben! Ich +darf nicht mehr der Deine sein. Das fortgesetzte Unglück, das meine +Unternehmungen verfolgt, hat seine Ursache vielleicht darin, daß ich +mich dauernd im Zustande der Todsünde befunden habe. Es fällt +mir schwer, das alles vom Standpunkte der nüchternen Vernunft zu +beurteilen. Warum ward ich in jener verhängnisvollen Nacht in Forli +nicht ebenso verhaftet wie meine Genossen? Warum war ich in der Stunde +der Gefahr nicht auf meinem Posten? Warum hat meine Abwesenheit den +allerschrecklichsten Verdacht aufkommen lassen: ich hätte eine andre +Leidenschaft als die Befreiung Italiens?« + +Vanina vermochte sich nicht von ihrer Verwunderung zu erholen, +Missirilli so gewandelt zu sehen. Er sah eigentlich nicht magerer aus +als früher, aber er erschien ihr wie zehn Jahre älter geworden. Sie +schob diese Veränderung auf die schlechte Behandlung, die er offenbar +in der Gefangenschaft erfahren hatte. In Tränen ausbrechend, sagte sie: + +»Ach, die Kerkermeister haben ihr Wort nicht gehalten, dich gut zu +behandeln!« + +In Wirklichkeit hatten sich angesichts des sicheren Todes in der Seele +des jungen Karbonaro allerhand fromme Skrupel zu seiner Leidenschaft +für die Befreiung Italiens gesellt. Allmählich begriff Vanina, daß +die erstaunliche Veränderung, die sie an ihrem Geliebten wahrnahm, +rein innerlicher Art war, keineswegs aber die Wirkung von schlechter +körperlicher Behandlung. Wenn sie erst schon geglaubt hatte, ihr +Schmerz sei ungeheuer, so fühlte sie ihn jetzt ins Maßlose wachsen. + +Missirilli war verstummt. Vanina erstickte fast vor Schluchzen. Ein +wenig bewegt begann er von neuem: + +»Vanina, wenn ich hienieden etwas geliebt habe, so bist du das gewesen! +Aber gottlob hat mein Dasein nur noch ein Ziel: den Tod, sei es im +Kerker, sei es bei neuen Versuchen für Italiens Freiheit!« + +Wiederum herrschte Stillschweigen. Vanina vermochte kein Wort +hervorzubringen. Das sah man ihr an. Vergeblich machte sie +Anstrengungen, zu reden. Missirilli fuhr fort: + +»Liebe Vanina, die Pflicht ist grausam, aber wenn ihre Erfüllung gar +nicht schwer wäre: wo gäbe es dann Heldentum? Gib mir dein Wort, daß +du nie wieder den Versuch machen wirst, mich zu sehen!« + +Soweit das ihm seine Ketten gestatteten, machte er eine Bewegung und +reichte Vanina die Finger. + +»Wenn du dem, der dir lieb und wert war, Gehör schenkst, so sei +vernünftig und heirate irgendeinen angesehenen Mann, den dir dein Vater +wählen wird! Mach ihm kein peinliches Geständnis! Aber ebensowenig +versuche, mich wiederzusehen! Seien wir fortan einander fremd! Du hast +dem Wohle des Vaterlandes eine beträchtliche Summe gespendet. Wird +es je von seinen Tyrannen befreit, so wird dir dieses Geld aus dem +Nationalgut getreulich wiedererstattet.« + +Vanina war trostlos. Während Pietro so sprach, hatten seine Augen nur +einmal aufgeleuchtet: bei dem Worte =Vaterland=. + +Schließlich brach der Stolz der jungen Römerin durch. Sie hatte sich +mit einem Päckchen Diamanten und etlichen kleinen Feilen versehen. Dies +bot sie Missirilli an, ohne ihm etwas zu erwidern. + +»Ich nehme es an,« sagte der Karbonaro, »denn das erheischt +meine Pflicht. Ich muß zu entkommen suchen. Aber ich werde dich nie +wiedersehen. Das schwöre ich dir angesichts deiner neuen Wohltat! Lebe +wohl, Vanina! Versprich mir, niemals an mich zu schreiben und keinen +Versuch zu machen, mich wiederzusehen! Laß mich ganz dem Vaterlande! +Ich bin für dich gestorben. Lebe wohl!« + +»Nein!« rief Vanina in Raserei. »Du sollst erfahren, was ich getan, +aus Liebe zu dir!« + +Nun erzählte sie ihm alle ihre Handlungen von dem Augenblick ab, da +Missirilli das Schloß von San Nicolo verlassen hatte, um sich dem +Legaten zu stellen. Als sie ihren Bericht beendet hatte, sagte sie: + +»Aber alles das ist noch nichts. Aus Liebe zu dir hab ich noch mehr +getan!« + +Jetzt erzählte sie ihm ihren Verrat. + +»Bestie du!« schrie Missirilli voller Empörung. Er stürzte auf sie +los, um sie mit seinen Ketten zu erschlagen. Es wäre ihm auch gelungen, +wäre nicht der Kerkermeister bei seinem ersten Aufschrei herbeigeeilt. +Er packte den Wütenden. + +»Bestie! Dir will ich nichts zu danken haben! Da!« + +Er warf ihr die Feilen und die Edelsteine, so gut er konnte, vor die +Füße. + +Sodann ward er rasch abgeführt. + +Vanina blieb besinnungslos zurück. Dann kehrte sie heim nach Rom. Kurz +darauf vermeldeten die Zeitungen ihre Heirat mit Livio Savelli. + + + + +Die Fürstin von Campobasso + + +Es war im Jahre 1726, also zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts, in +Rom. Der Nepotismus trieb seine übelsten Blüten. Aber zu keiner Zeit +war der römische Hof glänzender gewesen. Benedikt der Dreizehnte aus +dem Hause Orsini regierte, oder vielmehr sein Neffe, der Fürst von +Campobasso, der im Namen des Papstes alle Geschäfte führte, die +großen wie die kleinen. Von überallher strömten die Fremden in die +ewige Stadt. Italienische Nobili und spanische Granden, damals noch im +Überflusse des Goldes der Neuen Welt, kamen in Scharen. Jeder Reiche +und jeder Machthaber stand über den Gesetzen. Galanterie und Prunk +waren offenkundig die einzigen Betätigungen im Gewimmel der Fremden und +der Einheimischen. + +Die beiden Nichten des Papstes, die Gräfin Orsini und die Fürstin +von Campobasso, teilten sich in die Macht ihres Onkels und in die +Huldigungen des Hofes. Die Schönheit beider Frauen wäre aufgefallen, +selbst wenn sie der Hefe des Volkes angehört hätten. Die Orsini, wie +man in Rom familiär zu sagen pflegte, war heiter und lebenslustig, die +Campobasso verträumt und fromm. Aber gerade diese zarte Seele war +der wildesten Leidenschaft fähig. Ohne erklärte Feindinnen zu sein, +wiewohl sie sich tagtäglich beim Papste trafen und sich oft besuchten, +waren die beiden Damen Nebenbuhlerinnen in allem, in ihrer Schönheit, +ihrem Ansehen, ihrem Reichtum. + +Die Gräfin Orsini war weniger schön, aber sie war verführerisch, +leichtlebig, tatenlustig, intrigant. Sie hatte Liebhaber, aber ihr Herz +blieb ewig frei. Keiner herrschte länger denn einen Tag. Ihr Glück +bestand darin, zweihundert Menschen in ihren Sälen zu empfangen und +unter ihnen als Königin zu erscheinen. Arg spottete sie ihrer Kusine, +der Campobasso. Diese hatte die Ausdauer gehabt, sich drei Jahre lang +allerorts mit einem spanischen Granden zu zeigen, bis sie ihm zu guter +Letzt sagen ließ, er möge Rom binnen vierundzwanzig Stunden verlassen, +wenn ihm sein Leben lieb sei. »Seit dieser Großtat«, scherzte die +Orsini, »hat meine erhabene Kusine das Lachen ganz verlernt. Das ist +nun schon etliche Monate her. Zweifellos geht die Ärmste an Mißmut +oder Liebessehnsucht langsam zugrunde. Und ihr Gatte, dieser Schlaukopf, +verfehlt nicht, Seiner Heiligkeit, unserm Onkel, diese Gemütsöde als +das Ideal frommen In-sich-gehens zu preisen. Ich denke, eines schönen +Tages unternimmt die fromme Büßerin eine Wallfahrt nach Hispania.« + +Die Campobasso war indessen himmelweit davon entfernt, sich nach +ihrem spanischen Herzog zu sehnen. Sie hatte sich während seiner +Regierungszeit zu Tode gelangweilt. Hätte sie Verlangen nach ihm +gefühlt, so hätte sie ihn einfach wieder holen lassen. Sie gehörte zu +den in Rom nicht raren Menschenkindern, die in der Alltäglichkeit wie +in der Leidenschaft immerdar natürlich und naiv sind. Obgleich kaum +dreiundzwanzig Jahre alt und in der vollen Blüte ihrer Schönheit, war +sie in der Tat fanatisch fromm. Es geschah, daß sie vor ihrem Onkel auf +die Knie sank und seinen päpstlichen Segen erflehte. Man weiß sattsam +genug, daß der gute Benedikt der Dreizehnte von jedweder Gewissenslast, +mit Ausnahme von zwei oder drei Todsünden, auch ohne Beichte +absolvierte. Er weinte vor Rührung. »Stehe auf, liebe Nichte!« sprach +er. »Du bedarfst meines Segens nicht. In den Augen des Herrn stehst du +höher als ich.« + +Hierin täuschte sich Seine Heiligkeit trotz aller Unfehlbarkeit. Und +mit ihm ganz Rom. Die Campobasso war toll verliebt. Ihr neuer Liebhaber +liebte sie ebenso leidenschaftlich wie sie ihn. Aber trotzdem war sie +tief unglücklich. + +Seit mehreren Monaten sah sie bei sich fast täglich den Attaché +Chevalier von Senecé, einen Neffen des Herzogs von Saint-Aignan, des +damaligen Gesandten Ludwigs des Fünfzehnten in Rom. + +Der junge Senecé war als Sohn einer Favoritin des Regenten Philipp von +Orleans der Empfänger ausgesuchter Ehren. Er war kaum zweiundzwanzig +Jahre alt und schon längst Oberst. In seinem Wesen hatte er etwelche +dandyhafte Angewohnheiten, aber er war nicht anmaßend. Heiterkeit, +nimmermüde Vergnügungssucht, Unbesonnenheit, Schneid und Gutmütigkeit +waren die Haupteigenschaften seines eigenartigen Charakters, und man +konnte zum Lobe seiner Nation sagen, daß er ein vollauf mustergültiger +Vertreter von ihr war. Gerade das typisch Gallische hatte die Fürstin +vom ersten Augenblick an bestochen. »Ich traue dir nicht über den +Weg,« sagte sie einmal zu ihm. »Du bist Franzose. Und eines erkläre +ich dir im voraus: An dem Tage, wo Rom erfährt, daß ich dich manchmal +heimlich bei mir habe, weiß ich, daß du mich verraten hast. Dann ist +meine Liebe aus.« + +Sie hatte mit der Liebe gespielt und war dabei der wildesten +Leidenschaft verfallen. Auch Senecé hatte sie geliebt, wie bereits +gesagt, aber das Einvernehmen beider währte bereits acht Monate, und +in der Zeit, da sich die Liebe einer Italienerin verdoppelt, stirbt +die eines Franzosen. Die Eitelkeit tröstete den Chevalier ein wenig +in seiner Langenweile. Bereits hatte er zwei oder drei Porträts der +Fürstin nach Paris gesandt. Übrigens war er von Jugend auf in jeder +Hinsicht ein begnadetes Glückskind, so daß er seine sorglose Natur +selbst in Dingen der Eitelkeit nicht verleugnete, die doch sonst die +Herzen seiner Landsleute nicht in Ruhe läßt. + +Senecé hatte für den Charakter seiner Geliebten nicht das geringste +Verständnis. Infolgedessen kam ihm ihre Bizarrerie bisweilen spaßig +vor. Sehr oft, ganz besonders am Festtage der Heiligen Balbina, deren +Namen sie trug, hatte er die Herzenskämpfe und Gewissensbisse dieser +aufrichtig frommen Schwärmerin zu beschwichtigen. Bei aller Liebe +und Leidenschaft hatte sie, gerade wie eine Frau aus dem Volke, ihren +Glauben nicht vergessen. Der Chevalier hatte diese Regung nur mit Gewalt +besiegt und mußte sie so immer von neuem besiegen. + +Dies Hindernis war das erste, das dem mit allen Gaben des Zufalls +überschütteten jungen Mann in seinem Leben begegnete. Es war der +Anlaß, daß er der Fürstin gegenüber zärtlich und aufmerksam blieb. +Von Zeit zu Zeit hielt er es für seine Pflicht, sie zu lieben. + +Er hatte in Rom nur einen Vertrauten. Das war sein Gesandter, der Herzog +von Saint-Aignan, dem er durch die Campobasso, der er alles erzählte, +ein paarmal Dienste leistete. Nicht zu vergessen: die Wichtigkeit, die +er dadurch in den Augen des Gesandten gewann, schmeichelte ihm ungemein. + +Die Campobasso war auch hierin so ganz anders als Senecé. Die +gesellschaftlichen Vorzüge des Geliebten machten gar keinen Eindruck +auf sie. Geliebt oder nicht geliebt werden war ihr ein und alles. »Ich +opfre ihm auf ewig mein Seelenheil,« dachte sie oft bei sich. »Er +ist ein Ausländer. Ein Ketzer. Er kann mir derlei Opfer gar nicht +entgelten.« Aber wenn dann der Chevalier erschien, in seinem Frohsinn, +der so entzückend und so ungezwungen war, dann staunte sie wie vor +einem Wunder und ließ sich so gern bezaubern. Bei seinem Anblicke +vergaß sie alles, was sie sich vorgenommen hatte ihm zu sagen, und alle +ihre düsteren Gedanken waren verflogen. Das war für sie ein Zustand, +den ihre erdenferne Seele noch nie erlebt hatte. Er dauerte weiter, +wenn Senecé längst von ihr wieder fort war. Schließlich ward sie sich +klar, daß sie ohne den Geliebten nicht denken, nicht leben konnte. + +Die Mode, die in Rom zwei Jahrhunderte hindurch die Spanier bevorzugt +hatte, begann sich schon damals den Franzosen zuzuwenden. Man fing an, +ihren Charakter zu verstehen, der Freude und Glück überall hinträgt, +wo er sich zeigt. Diesen Charakter gab es einstmals nur in Frankreich. +Seit der großen Revolution von 1789 ist er nirgends mehr zu finden. +Denn ein so beständiger Frohsinn gedeiht nur bei Sorglosigkeit. +Heutzutage gibt es in Frankreich für niemanden mehr eine sichere +Laufbahn und ruhige Lebensentwicklung, nicht einmal mehr für das Genie, +das so seltene. Zwischen den Angehörigen der Kaste Senecés und dem +Reste der Nation herrscht Kriegszustand. Auch in Rom war es damals bei +weitem anders als in unsren Tagen. Im Jahre 1726 ahnte man nichts von +dem allen, was sich daselbst zwei Menschenalter später zutragen sollte, +als das Volk, von etlichen Pfaffen bestochen, den Jakobiner Basseville +umbrachte, der die Hauptstadt der Christenheit angeblich zivilisieren +wollte. + +Dem Chevalier gegenüber hatte die Campobasso, was ihr noch +nie widerfahren, die Vernunft verloren. Dinge, die der gesunde +Menschenverstand nicht billigt, hatten sie himmelhoch jauchzend und zu +Tode betrübt gemacht. Nachdem Senecé einmal die Religiosität ihres +strengen ehrlichen Herzens besiegt hatte, also etwas, was ihr hehrer +und höher gewesen als die irdische Vernunft -- seitdem war ihre Liebe +lodernde Leidenschaft geworden. + +Die Fürstin hatte einem Monsignore Ferraterra ihr Wohlwollen geschenkt +und sich vorgenommen, ihn emporzubringen. Ihr ward ganz seltsam zumute, +als Ferraterra ihr eines Tages vermeldete, Senecé ginge nicht nur +auffällig viel zur Orsini, sondern er wäre auch daran schuld, daß +die Gräfin ihrem offiziellen Liebhaber, einem berühmten Sänger, den +Laufpaß gegeben hatte. + +Es war an dem Abend, da die Campobasso diese schicksalsschwere Nachricht +erhalten hatte. + +Regungslos saß sie im Erdgeschoß ihres Palastes in einem riesigen +Lehnstuhl von vergoldetem Leder. Neben ihr, auf einem Tischchen mit +schwarzer Marmorplatte, stand ein mächtiger zweiarmiger Leuchter auf +hohem Fuß, ein Meisterwerk von Benvenuto Cellini. Das Licht der dicken +Kerzen durchhellte das weite Gemach und ließ Einzelheiten aus der +Finsternis hervortreten. An den Wänden hingen Gemälde, vom Alter +gedunkelt; denn die Zeit der großen Meister war längst vorüber. + +Der Fürstin gegenüber, fast zu ihren Füßen, auf einem niedrigen +Ebenholzschemel, der mit massivem Goldzierat geschmückt war, hockte +die rassige Gestalt des jungen Franzosen. Die Römerin schaute ihn an. +Ununterbrochen. Seit er den Saal betreten, hatte sie noch kein Wort an +ihn gerichtet. Sonst war sie ihm immer entgegengeeilt und ihm in die +Arme geflogen. + +Im Jahre 1726 war Paris bereits die Königin der Eleganz und des +Schicks. Der Chevalier ließ sich von dort durch die Post regelmäßig +allerlei kommen, was das schmucke Aussehen auch des feschesten Franzosen +noch erhöht. Senecé hatte seine weltmännische Schulung durch die +großen Mondänen am Hofe des Regenten und unter der Anleitung des +berüchtigten Canillac, eines Roués am Hofe Philipps, empfangen. Aber +trotz seiner bei einem Manne seines Ranges so natürlichen Sicherheit +war er einigermaßen verlegen. Seine Miene verriet es deutlich. Er sah +ihr ins Gesicht. Ihr schönes blondes Haar war nicht ganz in Ordnung. +Ihre großen schwarzblauen Augen starrten ihn an. Aber er verstand +nicht, was ihr düsterer Ausdruck besagte. Sann sie auf tödliche Rache? +Oder war es nur der tiefe Ernst leidenschaftlicher Liebe? + +»Also du liebst mich nicht mehr?« stieß sie endlich hervor. + +Dieser Kriegserklärung folgte neues langes Schweigen. + +Es fiel der Fürstin schwer, auf diesen verführerischen entzückenden +Mann verzichten zu sollen. Wenn sie ihm keine Szene machte, war er stets +bereit, ihr tausend Torheiten zu sagen. Des war sie überzeugt. Aber sie +war viel zu stolz, als daß sie die Aussprache hinausgeschoben hätte. +Eine gefallsüchtige Frau ist eifersüchtig aus Eigenliebe. Eine +leichtlebige, weil sie das so gewohnt ist. Eine Frau jedoch, die +wahrhaftig und leidenschaftlich liebt, hegt das Bewußtsein ihrer +Rechte. + +Die sonderbare Art ihres Blickes, die der römischen Leidenschaft +eigentümlich ist, belustigte Senecé. Er sah in eine Tiefe voller +Geheimnisse und Rätsel. Das war Seelennacktheit. Die Orsini besaß +diesen Reiz nicht. + +Trotz dieser Entdeckung dauerte dem jungen Franzosen das Stillschweigen +über die Maßen an. Da er in der Kunst, die geheime Innenwelt eines +italienischen Herzens zu ergründen, so gar kein Meister war, fand er +seine ruhige vernünftige Miene wieder und geriet in sein gewohntes +Wohlbehagen. Das heißt: einen Kummer hatte er in diesem Augenblick +doch. Beim Durchschreiten des Kellerganges, der aus einem Nachbarhause +in den tiefgelegenen Saal führte, in dem die Fürstin ihn empfing, war +an der blitzsauberen Stickerei seines wunderfeinen, erst gestern aus +Paris angekommenen Rockes eine Spinnewebe hängengeblieben. Das verdroß +ihn. Vor Spinnen hatte er Abscheu. + +Senecé bildete sich ein, in den Augen der Geliebten die Stille vor dem +Sturm zu erkennen. »Um einen Auftritt zu vermeiden,« dachte er, »gehe +ich ihren Vorwürfen aus dem Wege. Dann brauche ich nicht Rede und +Antwort zu stehen.« Dann aber, in einem Stimmungsmischmasch von +Ärgerlichkeit und Ernst, sagte er sich folgendes: + +»Wäre hier nicht eine günstige Gelegenheit da, ihr die Wahrheit leise +anzudeuten? Sie wirft die Frage aus freien Stücken auf. Damit ist schon +der halbe Verdruß überstanden. Ganz bestimmt: ich bin wirklich nicht +für die Liebe geschaffen. Aber nie habe ich etwas Schöneres gesehen +als diese Frau mit ihren Sphinxaugen. Sie hat schlechte Manieren. Sie +läßt mich durch abscheuliche Keller schleichen. Andrerseits ist sie +die Nichte des Souveräns, an dessen Hof mich mein König und Herr +gesandt hat. Mehr noch: sie ist blond in einem Lande, wo alle Frauen +brünett sind. Das ist ein ganz besonderer Vorzug. Es vergeht kein Tag, +an dem ich nicht hörte, daß sie himmlisch schön sei, und das sagen +Leute, deren Zeugnis unparteiisch ist, Leute, die nicht im entferntesten +ahnen, daß sie mit dem glücklichen Besitzer so vieler Reize sprechen. +Was die Macht anbelangt, die ein Mann über seine Geliebte haben soll, +so brauche ich mir in dieser Hinsicht keine Sorgen zu machen. Wenn ich +es darauf ankommen lassen wollte, so genügt ein einzig Wort und ich +entführe sie aus diesem Palaste mit seinen Goldmöbeln, weg von ihrem +Onkel und all dem Glanz seines Hofes, nach Frankreich, nach einem meiner +Güter, in einen Winkel der Provinz, in ein obskures Dasein ... Hol mich +der Teufel: die Aussicht auf diese selbstlose Treue veranlaßt mich zu +dem festen Entschluß, sie lieber nicht zu fordern. Die Orsini ist lange +nicht so hübsch. Wenn sie mich liebt, liebt sie mich eben. Vielleicht +ein bißchen mehr als den Kastraten Butafoco, den sie gestern in +Gnaden entlassen hat, mir zu Ehren. Aber sie ist ein Weltkind. Sie hat +Lebensart. Man kann bei ihr im Wagen vorfahren. Und eins weiß ich ganz +bestimmt: eine Szene wird sie mir niemals machen. Dazu liebt sie mich +viel zu wenig.« + +Während des langen Schweigens hatte die Fürstin ihren starren Blick +nicht abgewandt von der sonnigen Stirn des jungen Franzosen. + +»Ich sehe ihn zum letzten Male,« klagte sie bei sich. Und urplötzlich +warf sie sich in seine Arme und drückte heiße Küsse auf seine Stirn +und auf seine Augen, die längst nicht mehr leuchteten, wenn er sich bei +ihr einstellte. + +Der Chevalier hätte sich selber verachtet, hätte er nicht +augenblicklich all seine Pläne, mit ihr zu brechen, vergessen. Sie +freilich, sie war zu erregt und empört, um von ihrer Eifersucht zu +lassen. Im nächsten Augenblick sah Senecé zu seiner Verwunderung, daß +Tränen der Wut über ihre Wangen jagten. Halblaut redete sie mit +sich selbst: »Wie? Ich erniedrige mich so sehr, daß ich ihm seinen +Wankelmut vorwerfe! Ich, die ich mir geschworen habe, mir nie etwas +davon anmerken zu lassen! Ach, meine Niedrigkeit ist noch viel +schlimmer. Ich muß der Leidenschaft nachgeben, mit der mich dieser +Verführer vergiftet hat! Ach, ich verworfene, verworfene, verworfene +Fürstin! Ich muß ein Ende machen.« + +Sie trocknete ihre Tränen und gab sich den Anschein, als beruhige sie +sich. + +»Chevalier,« sagte sie fast friedsam, »wir müssen ein Ende machen! +Sie gehen oft zur Gräfin ...« + +Hier ward sie totenbleich. + +»Wenn du sie liebst, so gehe alle Tage hin! Meinetwegen. Aber komme nie +wieder hierher ...« + +Sie hielt inne, als ob es ihr schwer fiele, weiter zu reden. Sie wartete +auf ein Wort des Chevaliers. Aber dieses Wort ward nicht gesprochen. +Sie mußte einen leichten Krampf in sich überwinden, und aus +aufeinandergebissenen Zähnen drangen ihre weiteren Worte hervor: + +»Das ist mein Todesurteil und das Ihre!« + +Diese Drohung machte die schwankende Seele des Chevaliers wieder +fest. Zunächst war er über den unvermittelten Wandel von zärtlicher +Liebkosung zu Zorn erstaunt gewesen. Jetzt begann er zu lachen. + +Rasche Röte überflutete die Wangen der Fürstin, bis sie scharlachrot +wurden. »Jetzt erstickt sie vor Wut,« dachte Senecé. »Sie kriegt +einen Schlaganfall.« + +Er eilte auf sie zu, um ihr das Kleid am Halse zu öffnen. Sie stieß +ihn zurück, mit einer Entschlossenheit und einer Kraft, die er nicht +gewohnt war. Später erinnerte er sich, daß sie mit sich selber +gesprochen hatte, als er den Versuch gemacht, sie in seine Arme zu +nehmen. Im Moment trat er ein wenig zurück, ohne recht zu wissen, +warum. Seine halb unbewußte Diskretion war unnötig. Offenbar sah +sie ihn gar nicht mehr. Er war ihr tausend Meilen fern. Halblaut, aus +zusammengepreßter Kehle, stammelte sie: »Er beschimpft mich. Er höhnt +mich. Ich weiß, jung wie er ist, und bei der Plauderhaftigkeit, die +hierzulande herrscht, wird er der Orsini meine ganze Würdelosigkeit +erzählen, meine Selbsterniedrigung ... Ich bin meiner nicht mehr +sicher. Ich habe nicht einmal mehr die Macht über mich, vor seinen +hübschen Augen kalt zu bleiben ...« + +Wiederum ward sie schweigsam. Der Chevalier langweilte sich +gräßlich. Endlich erhob sich die Fürstin und sagte abermals in noch +unheilvollerem Tone: + +»Wir müssen ein Ende machen!« + +Senecé, der unter ihren Küssen auf den Gedanken einer ernsten +Erklärung verzichtet hatte, sagte ein paar Scherzworte, die ein +Ereignis betrafen, über das man in Rom zurzeit gerade viel redete. + +»Lassen Sie mich, Chevalier!« unterbrach sie ihn unwillig. »Ich +fühle mich nicht wohl.« + +»Diese Frau ist mißlaunig,« dachte Senecé bei sich und beeilte sich +zu gehorchen. »Nichts ist so ansteckend wie schlechte Laune.« + +Die Fürstin folgte ihm mit den Augen, bis er aus dem Saale verschwunden +war. Mit bitterem Lächeln sagte sie sich: + +»Und ich wollte blindlings über mein Lebensgeschick entscheiden! Es +war ein Glück, daß mich seine unangebrachten Scherze aufgerüttelt +haben. Wie beschränkt ist dieser Mann! Wie kann ich ein Wesen lieben, +das mich so wenig versteht? Er will mich durch einen Scherz erheitern, +zu einer Stunde, da mein und sein Leben auf dem Spiele steht! Ach, wie +klar wird mir hierbei das unheimliche dunkle Element in meiner Natur, +das mein Unglück ist!« + +Sie fuhr wild aus ihrem Lehnstuhl auf. + +»Wie herrlich waren seine Augen, als er mir jene heiteren Worte +sagte! Ja, ich kann es nicht leugnen: die Absicht des armen Jungen war +liebenswert. Er kennt den Unglückszug meines Charakters. Er wollte +mich über das schwarze Herzeleid hinwegtrösten, das mich quält. Andre +hätten mich nach dem Grund gefragt. Liebenswürdiger Franzose! Mein +Gott, was wußte ich vom Glück, eh ich ihn liebte?« + +Der Gedanke an die guten Seiten ihres Geliebten verführte sie zu +köstlicher Träumerei. Dann aber fielen ihr die Vorzüge der Gräfin +Orsini ein. Wiederum ward ihr die Seele finster. Die Qualen der +schrecklichsten Eifersucht peinigten ihr das Herz. In Wahrheit stand sie +seit zwei Monaten im Banne düsterer Vorahnung. Erträgliche Augenblicke +hatte sie nur in der Gegenwart des Chevaliers gehabt, und doch hatte +sie ihm beinahe immer, wenn sie in seinen Armen gelegen, bittere Worte +gesagt. + +Der Abend war furchtbar für sie. Erschöpft und durch den Schmerz +gewissermaßen sanfter gestimmt, erwog sie den Gedanken, noch einmal +mit dem Chevalier zu reden. »Er hat wohl gesehen, daß ich empört +bin, aber er kennt den Grund meiner Klage nicht. Vielleicht liebt er die +Gräfin gar nicht. Vielleicht geht er nur zu ihr, weil er als Fremder +die geselligen Zustände des Landes kennen lernen, insonderheit in der +Familie des Herrschers verkehren muß. Wenn ich mir Senecé offiziell in +mein Haus einführen lasse, wenn er vor aller Augen hierher kommen +kann, dann bleibt er vielleicht ebenso stundenlang bei mir wie bei der +Orsini.« + +»Nein!« rief sie in Raserei. »Ich erniedrige mich, wenn ich spreche. +Er würde mich verachten. Weiter käme nichts dabei heraus. Der +Flattersinn der Orsini, den ich in meiner Tollheit oft verachtet habe, +ist wahrlich angenehmer als mein Charakter, zumal in den Augen eines +Franzosen. Ich bin dazu geschaffen, mürrisch mit einem Spanier +dahinzuleben. Was ist verrückter, als immer ernst zu sein, als ob die +Tatsachen des Daseins nicht schon an und für sich ernst genug wären! +Was soll aus mir werden, wenn ich meinen Chevalier nicht mehr habe, der +frohes Leben in mich bringt, der die warme Sonne in mein Herz trägt, +die sonst nicht drinnen scheint?« + +Sie hatte befohlen, niemanden vorzulassen außer Monsignore Ferraterra. +Er kam, um ihr Bericht zu erstatten, was sich im Hause der Gräfin +Orsini bis ein Uhr nachts zugetragen hatte. Der Prälat hatte der +Fürstin in ihrer Liebesgeschichte ehrlich gedient. Er zweifelte +seit gestern nicht mehr, daß Senecé sehr bald mit der Orsini die +allerintimsten Beziehungen haben würde, ja, vielleicht bereits hätte. + +Sein Gedankengang war nun folgender: + +»Die Fürstin wird mir mehr nützen, wenn sie sich von ihrer Sünde +kehrt, denn als Dame der großen Welt. Dort wird sie immer einen haben, +der ihr lieber ist als ich, einen Liebhaber. Eines Tages kann diese +Rolle ein Römer spielen. Er kann einen nahen Verwandten haben, der +Kardinal werden will. Bekehre ich sie aber zu einem frommen Wandel, +so wird sie immer zuerst an ihren Gewissensrat denken, und bei ihrem +leidenschaftlichen Sinn ... was kann ich da nicht alles von ihrem Onkel +erhoffen!« + +So wiegte sich der ehrgeizige Prälat in den verlockendsten +Zukunftsträumen. Im Geiste sah er, wie sich die Fürstin dem Papste +zu Füßen warf und den Kardinalshut für ihn erbat. Seine Heiligkeit +würde ihr dies allergnädigst gewähren, schon aus Erkenntlichkeit +gegen ihn. Er hatte nämlich die Absicht, sobald die Fürstin +bekehrt wäre, Benedikt dem Dreizehnten unwiderlegliche Beweise ihres +Verhältnisses mit dem jungen Ausländer vorzulegen. Der Papst, fromm, +sittenstreng und voller Abscheu vor den Franzosen, würde demjenigen +ewige Dankbarkeit bewahren, der eine Seiner Heiligkeit so mißfällige +Sache aus der Welt geschafft hätte. + +Ferraterra gehörte dem Hochadel von Ferrara an. Er war reich und schon +über fünfzig Jahre alt. Durch die nahe Aussicht auf den Kardinalshut +vollbrachte er Wunder. Alsbald änderte er seine Rolle bei der +Campobasso. Der Prälat, der sich in Senecés Charakter schlecht +zurechtfand, hielt ihn für ehrgeizig. Es war zwei Monate her, daß der +Chevalier die Fürstin vernachlässigte. Ihm zu nahe zu treten, dünkte +ihn gefährlich. + +Der Prälat hatte eine sehr lange Zwiesprache mit der vor Liebe +und Eifersucht tollen Fürstin. Er begann mit einem ausführlichen +Geständnis der traurigen Wahrheit. Nach dieser wuchtigen Einleitung +war es nicht schwierig, die religiösen und moralischen Gefühle, die +im Herzensgrund der Römerin schlummerten, in Bewegung zu bringen. Es war +echte Frömmigkeit in ihr. + +»Jedwede gottlose Leidenschaft muß mit Unglück und Schande enden!« +sagte Ferraterra salbungsvoll. + +Als er den Palazzo Campobasso verließ, war es hellichter Tag. Er hatte +der Bußfertigen das Gelübde abgenommen, Senecé an diesem Tage nicht +einzulassen. + +Dies zu versprechen, war der Fürstin nicht schwer gefallen. Sie wollte +fromm sein. Außerdem fürchtete sie, sich in den Augen des Geliebten +verächtlich zu machen, wenn sie sich schwach zeigte. + +Ihr Entschluß hielt bis vier Uhr nachmittags an. Das war die Stunde, +da der Chevalier sie zu besuchen pflegte. In der Tat erschien er auf dem +Wege, der an der Rückfront des Palazzo Campobasso vorbeiführte. Als +er das Zeichen bemerkte, das ihm kundtat, sein Eintritt sei unmöglich, +ging er höchst zufrieden von dannen, zur Orsini. + +Die Einsame fühlte, wie der Wahnsinn sie langsam überkam. In ihrem +Hirn jagten sich die seltsamsten Pläne und Entschlüsse. Plötzlich +lief sie wie eine Rasende die große Treppe ihres Hauses hinunter, +befahl ihren Wagen und rief dem Kutscher zu: + +»Palazzo Orsini!« + +Das Übermaß ihres Leids zwang sie, ohne rechten Willen, ihre Kusine +aufzusuchen. Sie traf sie in einer Gesellschaft von fünfzig Personen. +Alles, was in Rom Witz und Ehrgeiz hatte, ging im Palazzo Orsini ein und +aus. Im Palazzo Campobasso fand man nicht so leicht Eingang. + +Das plötzliche Erscheinen der Fürstin erregte großes Aufsehen. +Ehrerbietig machte ihr alle Welt Platz. Sie bemerkte das gar nicht. Sie +sah nichts als ihre Rivalin und staunte sie an. Zu ihrer Qual und Pein +fand sie eine Menge reizender Dinge an ihr. Stumm und versonnen saß sie +da. + +Nach ein paar Höflichkeitsphrasen begann die Orsini wie vorerst in +ihrer witzigen, munteren losen Art zu plaudern. Die Campobasso dachte +bei sich: + +»Dieser Frohsinn paßt tausendmal besser zum Chevalier als meine tolle +grüblerische Liebe.« + +In einer ihr selber unerklärlichen Aufwallung von Bewunderung und Haß +fiel sie der Gräfin um den Hals. Sie hatte für nichts Augen als für +den Charme ihrer Kusine. Aus der Nähe wie von ferne schien sie ihr in +gleichem Maße anbetungswürdig. Sie verglich ihr Haar, ihren Teint, +ihre Augen mit den eigenen. Das Ergebnis dieser wunderlichen Prüfung +war, daß die Fürstin an sich selbst alles häßlich und abscheulich +fand. An ihrer Rivalin hingegen dünkte sie alles unvergleichlich und +köstlich. + +Starr und finster saß die Campobasso inmitten der schwatzenden und +gestikulierenden Menschenmenge wie eine Basaltstatue. Man kam und ging, +laut und lärmend. Alles das verursachte ihr Unbehagen, geradezu Pein. +Da hörte sie, daß man den Chevalier von Senecé meldete. Es wurde ihr +ganz seltsam zumute. + +Zu Beginn ihrer heimlichen Beziehungen war sie mit ihm übereingekommen, +daß er in Gesellschaft wenig mit ihr reden und sich so benehmen solle, +wie sich das für einen ausländischen Diplomaten geziemt, der einer +Nichte des Souveräns, bei dem er beglaubigt ist, just zwei- oder +dreimal den Monat begegnet. + +Senecé begrüßte die Fürstin mit dem gewohnten Respekt und Ernst. +Sodann gesellte er sich wieder zur Gräfin Orsini, bei der er den +heiteren, fast vertraulichen Ton anschlug, dessen man sich vor +einer lebhaften Frau bedient, die einen gern und täglich sieht. Die +Campobasso war zu Tode verwundet. + +»Die Gräfin zeigt mir, wie ich hätte sein sollen,« sagte sie +sich und ging hinweg. Sie hatte die letzte Leidensstation erreicht. +Unglücklicher konnte kein menschliches Wesen werden. Sie war +entschlossen, Gift zu nehmen. Alle Wonnen, die ihr der Geliebte je +geschenkt, vermochten die Wagschale mit den grenzenlosen Herzensqualen +nicht zu halten, die sie in der Nacht heimsuchten. Römerinnen haben +tausendmal mehr Leidenschaft als andere Frauen. + +Am nächsten Tage kam Senecé wiederum am Palast vorüber. Wiederum +grüßte ihn das Zeichen der Ablehnung. Wiederum ging er fröhlich von +dannen. Trotzdem war er gekränkt. + +»Also war das neulich doch der Laufpaß!« meinte er, und seine +Eitelkeit flüsterte ihm zu: »Du mußt sie in Tränen sehen!« + +Bei dem Gedanken, ein so schönes Weib, die Nichte Seiner Heiligkeit, +auf immerdar verloren zu haben, empfand er eine verliebte Regung. Er +kroch in den wenig sauberen Kellergang, der ihm jedesmal gräßlich +unangenehm war, und trat die Tür ein, die zu dem Saale des +Erdgeschosses führte, in dem ihn die Fürstin zu empfangen pflegte. + +»Unerhört!« rief die Fürstin, die in diesem Raume ihrem Leid +nachhing. »Sie wagen es, hier zu erscheinen?« + +»Ihre Entrüstung ist Heuchelei!« dachte der junge Franzose bei sich. +»Diesen Saal betritt sie nur, wenn sie meiner harrt.« + +Der Chevalier ergriff ihre Hand. Sie zitterte. Ihre Augen füllten sich +mit Tränen. Er sah sie an. Nie war sie ihm hübscher erschienen. Im +Augenblick liebte er sie. Sie aber vergaß alle die frommen Gelübde der +letzten zwei Tage und warf sich in seine Arme. »Und dieses Glück soll +fortan die Orsini haben!« rief sie. + +Senecé, der wie immer die römische Seele mißverstand, wähnte, sie +wolle sich von ihm in guter Freundschaft trennen, wolle einen Bruch +unter Wahrung des äußeren Scheins. Dies wäre so recht nach seinem +Sinn gewesen. »Als Attaché der königlichen Gesandtschaft«, sagte +er sich, »wäre es inkorrekt von mir, wenn ich mir die Nichte des +Souveräns, bei dem ich beglaubigt bin, zur Todfeindin machte. Viel +fehlte dazu nicht.« Im voraus stolz auf den glücklichen Ausgang, zu +dem er es höchstwahrscheinlich, wie er meinte, bringen würde, begann +er der Fürstin Vernunft zu predigen. Sie würden im angenehmsten Verein +leben. Warum sollten sie nicht sehr glücklich sein? Was hätte sie +ihm eigentlich vorzuwerfen? Die Liebe mache einer guten traulichen +Freundschaft Platz. Er bäte inständig um das Vorrecht, von Zeit +zu Zeit an diesen lieben, alten Ort zurückkehren zu dürfen. Ihre +Beziehungen würden immer zärtlich sein ... + +Zuerst verstand ihn die Fürstin nicht. Als sie endlich zu ihrem +Entsetzen begriff, erstarrte sie. Unbeweglich, stieren Blicks stand sie +da. Schließlich, bei seiner letzten Torheit, »den immer zärtlichen +Beziehungen«, unterbrach sie ihn mit dumpfer, wie aus der untersten +Tiefe ihres Herzens dringender Stimme, wobei sie langsam Wort für Wort +betonte: + +»Sie wollen wohl sagen, Sie finden mich immer noch hübsch genug, um +mich als Dirne zu gebrauchen!« + +»Aber beste, teuerste Freundin,« erwiderte ihr Senecé in +ungeheuchelter Verwunderung, »habe ich denn Ihre Eigenliebe verletzt? +Wie kann es Ihnen nur in den Sinn kommen, Worte des Vorwurfs zu +äußern? Glücklicherweise ahnt ja kein Mensch etwas von unserm +Einverständnis. Ich bin ein Edelmann. Ich gebe Ihnen von neuem mein +Ehrenwort: niemals soll ein lebendes Wesen von dem Glück erfahren, das +Sie mir geschenkt haben!« + +»Auch die Orsini nicht?« fragte sie in so kühlem Tone, daß des +Chevaliers Verblendung weiterwährte. Naiv gab er die Antwort: + +»Habe ich Ihnen je die Namen derer genannt, die ich vielleicht geliebt +habe, ehe ich Ihr Sklave ward?« + +»Bei aller meiner Hochachtung vor Ihrem Ehrenworte, stehe ich hier doch +vor einer Gefahr, die ich vermeiden möchte.« + +Das klang so fest und feierlich, daß der junge Franzose endlich +stutzte. + +»Leben Sie wohl, Chevalier!« + +Ihre Stimme zitterte mit einem Male. Aber schon wiederholte sie klar und +bestimmt: + +»Leben Sie wohl, Chevalier!« + +Er ging. + +Die Fürstin ließ Ferraterra holen. + +»Es gilt, mich zu rächen!« erklärte sie ihm. + +Der Prälat war hocherfreut. + +»Jetzt gibt sie sich in meine Hände!« frohlockte er. »Nun ist sie +mein für ewig!« + +Zwei Tage später, nach einem erdrückend heißen Tage, ging Senecé um +Mitternacht auf dem Korso spazieren, um frische Luft zu schöpfen. Ganz +Rom war auf den Beinen. Als er wieder in seinen Wagen steigen wollte, +vermochte ihm sein Diener kaum zu antworten. Er war betrunken. Der +Kutscher war verschwunden. Der Diener meldete ihm lallend, der Kutscher +hätte einen Streit mit einem »Feinde« gehabt. + +»Großartig! Mein Kutscher hat Feinde!« lachte der Chevalier und +schickte sich an, zu Fuß nach Haus zu gehen. + +Unterwegs, kaum zwei oder drei Straßen vom Korso weg, nahm er wahr, +daß er verfolgt wurde. Drei, vier oder fünf Männer blieben jedesmal +stehen, sobald er haltmachte. Wenn er weiterging, setzten auch sie ihren +Weg fort. + +»Ich könnte einen Bogen machen und auf einer andern Straße nach dem +Korso zurückkehren,« überlegte sich Senecé. »Unsinn!« meinte er +dann wieder. »Was stören mich diese Kerle? Ich bin ja bewaffnet.« + +Er nahm den blanken Dolch in die Hand. + +Mit diesen Gedanken schritt Senecé weiter, durch mehrere abgelegene +Straßen, von denen eine immer einsamer war als die andere. Er hörte, +daß die Männer hinter ihm schneller gingen. Er spähte nach +vorwärts. Da bemerkte er gerade vor sich eine kleine Kirche, die den +Franziskanermönchen gehörte. Seltsamer Schimmer leuchtete hinter den +hohen Fenstern. + +Senecé stürzte auf das Portal und pochte mit dem Holzknauf stark an +die Tür. Die Männer, die ihm nachgegangen, waren fünfzig Schritt +von ihm entfernt. Jetzt begannen sie auf ihn zuzulaufen. In diesem +Augenblick öffnete ein Mönch die Tür. Senecé trat eilends in die +Kirche. Der Mönch schlug die Tür rasch zu. Gleich darauf donnerten die +Banditen mit den Füßen gegen die Türe. + +»Gottlose Buben!« murmelte der Mönch. + +Senecé gab ihm eine Zechine. + +»Offenbar wollten sie mir ans Leben,« sagte er. + +Die Kirche strahlte im Glanze von mindestens tausend Kerzen. + +»Seltsam! Messe zu dieser Stunde?« fragte der Chevalier den Mönch. + +»Zu Befehlen, Eccellenza! Mit besonderer Erlaubnis Seiner Eminenz des +Herrn Kardinal-Vikar.« + +Das Chor der kleinen Kirche -- genannt _San Francesco a Ripa_ -- war +auf das prächtigste zu einer Trauerfeier hergerichtet. Man sang die +Totenmesse. + +»Wer ist der Verstorbene?« erkundigte sich Senecé. »Ein Fürst?« + +»Ich glaube,« antwortete der Priester. »Denn man hat nichts gespart. +Wahrlich, das ist Geld- und Lichtverschwendung! Der Herr Pfarrer hat uns +übrigens erzählt, der Entschlafene sei ohne das Sakrament gestorben.« + +Senecé ging näher heran und erblickte ein Wappenschild von +französischer Form. Seine Neugier steigerte sich. Er trat dicht an +den aufgebahrten Sarg und erkannte sein eigenes Wappen und las die +lateinische Inschrift: + + +---------------------------+ + | _NOBILIS HOMO | + | IOANNES NOBERTVS SENECE | + | EQVES | + | DECESSIT ROMAE | + | A. D. MDCCXXVI_ | + +---------------------------+ + +Zu deutsch: Der edle Herr Johann Norbert Chevalier von Senecé, +gestorben zu Rom im Jahre des Herrn 1726. + +»So habe ich also den Vorzug, meiner eigenen Leichenfeier +beizuwohnen,« sagte sich Senecé halblaut. »Bisher hat sich meines +Wissens nur Kaiser Karl der Fünfte dieses Vergnügen geleistet. Mir +scheint, hier weiter zu verweilen ist vom Übel.« + +Er gab dem Mesner ein zweites Goldstück. + +»Pater, laßt mich durch das Hinterpförtchen Eures Klosters hinaus!« + +»Sehr gern, Eccellenza!« erwiderte der Mönch. + +Kaum war der Chevalier auf der Straße, da begann er, in der Linken den +Dolch, in der Rechten sein Pistol, zu laufen, was er nur konnte. +Bald hörte er wiederum hinter sich Verfolger. Als er vor seinem Haus +anlangte, schien ihm die Türe verschlossen zu sein. Ein Mann stand +davor. + +»Jetzt gibts einen Kampf!« dachte der junge Franzose. Eben wollte er +den Dastehenden niederknallen, da gewahrte er, daß es sein Kammerdiener +war. + +»Schließ auf!« rief er ihm zu. + +Die Türe war offen. Beide huschten hinein und verriegelten die Türe. + +»Gnädiger Herr,« meldete der Diener. »Ich habe Euer Gnaden überall +gesucht. Ich habe Trauriges zu berichten. Der arme Johann, der Kutscher, +ist erdolcht worden. Die Mörder stießen Flüche auf Euer Gnaden aus. +Der Dolchstoß hat dem gnädigen Herrn gegolten ...« + +Der Diener wollte noch mehr sagen. Da schlugen ein halbes Dutzend +Flintenschüsse gleichzeitig durch eins der offenen Fenster, die von der +Halle des Hauses nach dem Garten hinaus gingen. + +Senecé und sein Kammerdiener stürzten tot nieder, beide von mehreren +Kugeln durchbohrt. + +Zwei Jahre später stand die Fürstin von Campobasso im Gerücht, die +frömmste Frau Roms zu sein. Monsignore Ferraterra war längst Kardinal. + + + + +Bemerkung des Übersetzers + + +Die beiden Novellen, die Stendhals Ideal in der _arte di novellare_ so +recht repräsentieren, den kahlen reflexionslosen Chronikenstil, sind +um die gleiche Zeit, um 1829, wie sein großer Roman »Rot und Schwarz« +entstanden. Beide gehen sie auf tatsächliche Geschehnisse zurück. +Beider Heldinnen sind Schwestern der Mathilde von La Mole, gleichsam +Vorstudien. Stendhals »Vanina Vanini« hat Paul Heyse den Stoff zu +einem vieraktigen Trauerspiel »Vanina Vanini« (gedruckt 1896) gegeben. + + Arthur Schurig. + + + + +Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig + + + + +Änderungen + + Seitenangabe + originaler Text + geänderter Text + + Seite 4 + In Vaninis Augen war dies sein Fehler. + In Vaninas Augen war dies sein Fehler. + + Seite 39 + »Monsignore, erkennen Sie Vanina Vanini nicht!« + »Monsignore, erkennen Sie Vanina Vanini nicht?« + + Seite 68 + Gefühle, die im Herzensgrund der Römerin schlummerte + Gefühle, die im Herzensgrund der Römerin schlummerten + + Seite 69 + für nichts Augen als für die Charme ihrer Kusine + für nichts Augen als für den Charme ihrer Kusine + + Seite 74 + schickte sich an, zu Fuß nach Haus zugehen + schickte sich an, zu Fuß nach Haus zu gehen + + + + + + +End of the Project Gutenberg EBook of Römerinnen, by Stendhal + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK RÖMERINNEN *** + +***** This file should be named 38547-8.txt or 38547-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + https://www.gutenberg.org/3/8/5/4/38547/ + +Produced by Norbert H. Langkau and the Online Distributed +Proofreading Team at https://www.pgdp.net + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you +do not charge anything for copies of this eBook, complying with the +rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose +such as creation of derivative works, reports, performances and +research. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at https://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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