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Langkau, Carlos Valiente, and the Online +Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net) + + + +Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this + file which includes the original illustrations. + See 38239-h.htm or 38239-h.zip: + (http://www.gutenberg.org/files/38239/38239-h/38239-h.htm) + or + (http://www.gutenberg.org/files/38239/38239-h.zip) + + +Anmerkungen zur Transkription: + + Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert. + + Im Original nicht in Fraktur gedruckter Text wurde mit _ + markiert. + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden + übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden + korrigiert. Eine Liste der vorgenommenen Änderungen findet + sich am Ende des Textes. + + + + +DIE SCHÖN MAGELONA + +eine fast lustige Historie von dem Ritter mit +den silbern Schlüsseln und von +der Schönen Magelona + +gar lustig zu lesen + +[Illustration] + + + + + + + +Im Insel-Verlag zu Leipzig + + + + + Im Namen Unsers lieben Herrn Jesu Christi fanget + an die nach folgende Historie von dem teuern Ritter + Peter, eines Grafen Sohn aus Provincia, und von + der Schönen Magelona, eines Königs Tochter aus + Neapel. Welche Historie in die französische Sprach + ist gesatzt worden, als man zählet von + Christi, Unsers lieben Herrn, Geburt + tausend vierhundert dreiundfünfzig + Jahr. + + + + +Nach der Himmelfahrt Unsers lieben Herrn Jesu Christi, als Frankreich +mit anderen umliegenden Orten und Landen, Provincia, Langendoc und +Aquitania, zu Christlichem Glauben kommen waren, da war ein Graf mit +Namen Herr Johann Cerise, der hätt ein Weib, die war ein Tochter des +Grafen Alvaro von Dalbara. Diese zwei hätten einen einigen Sohn, genannt +Peter, der übertraf alle anderen in Waffen, Ritterspielen und anderen +Sachen, also, daß er sich mehr göttlich dann menschlich erzeiget. Und +ward freundlich und lieb gehalten, nicht allein von dem Adel, sondern +auch von dem ganzen Lande. Seine Untertanen dankten GOTT dem +Allmächtigen eines solchen Oberherrn. Auch hätten sein Vater, der Graf, +und die Mutter sonst kein ander Freud, dann allein in ihrem Sohn, daß er +so tapfer, so freundlich, so schön und so weise war. + + + + +Wie eins mals ein Turnier geschah durch die edeln Freiherren aus Befehl +des Grafen. + + [Illustration] + + +Die Freiherren und Edeln des Landes hielten eines Tags ein Turnier, +darin der Peter den Preis erlanget vor allen anderen, wie wohl viel +fremder und geübter Ritter auch darbei waren. Die wurden alle von dem +Grafen geehret von wegen seines Sohnes, und redeten alle mancherlei +unter einander, als dann sein Gerücht weit erschölle, und seines +gleichen nicht wäre. In Sonderheit ließ sich einer vernehmen von der +Schönen Magelona, eines Königs Tochter von Neapel, deren gleichen nicht +sollt gefunden werden von Schönheit und Tugend; und übten sich auch +viele in Ritterspielen, ihr darmit zu gefallen. + +Und es begab sich eines Tags, da kam einer zu dem Peter und saget ihm +also: »Ihr sollet wandern und die Welt suchen und euch üben in +Ritterspielen, damit ihr weiter erkannt würdet. So ihr mir des folget, +werdet ihr ohn Zweifel einen schönen Buhlen überkommen.« Da solches der +Peter vernahm, und hätt die Weil vor auch von der Schönen Magelona +gehöret, setzt er sich selber für in seinem edeln Herzen, so er möchte +Urlaub haben von Vater und Mutter, zu folgen und die Welt zu erfahren. + + [Illustration] + +Nicht lang darnach, als der Hof vergangen war, bedacht sich Peter, wie +er es anfahen wolle, daß er Urlaub erlange von Vater und Mutter, die +sich seines Hinziehens nicht versahen. Und es begab sich eines Tags, daß +er Vater und Mutter fand bei einander sitzen; und gedacht, da um Urlaub +zu bitten. Fiel also auf beide seine Knie, und sprach zu ihnen: +»Gnädiger Herr Vater, auch gnädige Frau Mutter, ich bitt euch +untertänig, mir als euerm gehorsamen Sohn, zuzuhören. Ich seh und +erkenne, wie ihr mich bisher erzogen und in großen Ehren gehalten. Hab +auch viel verzehrt von dem Euern, mich aber nicht gebraucht, Preis zu +erlangen und bekannt zu werden, als die anderen Herren. Hierum bitt ich, +so es euch nicht entgegen, mir gnädiglich zu erlauben, der Welt Lauf zu +erfahren. Wann mich gedauchet gänzlich, es werd euer Ehr und mein großer +Nutz sein. Darum, mein aller liebster Herr Vater und Frau Mutter, bitt +ich euch demütiglich, ihr wollet mir gnädiglich und gutwilliglich +erlauben!« + +Als der Graf und die Mutter solchen Willen ihres Sohns vermerkten, +wurden sie nicht klein beschwert und traurig. Doch antwortet ihm sein +Vater und sprach: »Peter, lieber Sohn, du weißt, daß wir keinen andern +Sohn haben, dann dich einigen, auch keinen Erben, dann dich. So es dann +dir mißlünge (da GOTT vor sei), würde unser Grafschaft und Herrschaft +ganz verloren werden.« Auch saget ihm sein Frau Mutter: »Es ist dir +nicht vonnöten, die Welt zu suchen. Wann die, so die Welt suchen, tun +es, Geld und Reichtum, auch der Herren und Fürsten Gnad, dardurch zu +erlangen. So hast du, GOTT Lob, von Reichtum und Ehren in Waffen und +Ritterschaft, auch Adel, Milde und Schönheit genug, als kein Fürst +dieser Welt. Hast auch ein gut Gerücht überall durch dein Tapferkeit +erlanget, zu dem ein schöne Landschaft, GOTT Lob. Warum begehrest du +dann, ander Gut zu erlangen? Zeig doch an die Ursach, warum du willens +seiest, uns also zu verlassen! Sieh an deines Vaters und mein Alter, und +betrachte, wie wir kein ander Freud, noch Trost haben, dann allein von +dir! Und so kein ander Ursach wäre, dich in deinem Fürnehmen zu +verhindern, gedauchtet mich solche genugsam. Hierum bitt ich dich, +liebster Sohn, als viel ein Mutter ihr Kind bitten kann, du wollest +deines Hinziehens fürder schweigen!« + +Als der Peter solchen Willen seines Vaters und Mutter vermerket, ist er +sehr erschrocken, jedoch hat er mit nieder geschlagenen Augen auf ein +Neues angefangen und gesaget: »Ich bin der, so euch gehorsam und willig +in allen Dingen sein will. Jedoch, so es euer beider guter Willen wäre, +bitt ich nochmals von euch beiden gnädige Erlaubnis! In dem werdet ihr +mir einen großen Gefallen tun. Ein junger Mensch mag nichts Bessers tun, +dann sich üben und die Welt durch suchen. Derhalben ich wiederum auf das +Untertänigst bitte, meines Hinziehens kein Beschwernis zu tragen, +sondern zufrieden stehen.« + + + + +Wie der Graf und die Gräfin ihrem Sohn Peter erlaubten, die Welt zu +erfahren. + + [Illustration] + + +Als der Graf und die Gräfin solchen Fürsatz und Willen ihres Sohns +vernahmen, wußten sie nicht, was ihnen darinne zu tun geziemen wölle: +ihrem Sohn sein Bitten und Begehr abzuschlagen, oder zuzusagen. Wann ihr +Sohn Peter blieb also auf den Knien, beider Antwort anzuhören. Und als +er vermerket ihr lang Stillschweigen, fing er wieder an zu bitten also: +»Aller liebster Herr Vater, mein untertänigst Bitten ist nochmals, ihr +wollet mir gnädiglich erlauben!« + +Darauf sein Vater also saget: »Liebster Sohn, dieweil du also einen +großen Willen hast, die Welt zu sehen, so geben dein Frau Mutter und ich +dir ein gnädige Erlaubnis. Doch gedenke, daß du nichts Übels handelst +und tuest, das dem Adel entgegen sei! Hab GOTT den Allmächtigen lieb vor +allen Dingen, und dien ihm alleweg! Hüt dich auch vor böser +Gesellschaft, und komm, als zeitig dir möglich, herwieder! Nimm Pferd +und Harnisch, Gold und Silber von dem Meinen, als viel dir vonnöten will +sein!« Da solches der Peter von Vater und Mutter gehört, danket er ihnen +beiden gar untertänig. + +In dem nahm ihn sein Frau Mutter auf einen Ort und gab ihm drei +kostliche und hübsche Ringe, so eines großen Gelds geschatzt waren. Als +er die selbigen empfangen, danket er seiner Frau Mutter aufs Demütigst. +Und bereitet sich auf die Fahrt, nahm mit sich Edel und Unedel, ihm zu +dienen. Nach dem nahm er Urlaub von Vater und Mutter, die ihm befahlen, +gute Gesellschaft zu suchen, und die böse zu fliehen. Er sölle auch ihr +beider eingedenk sein. + +Also zog Peter hinweg, als heimlich, so ihm möglich; und ritt so lang, +bis er kam in die Stadt Neapel, da der König Magelon, der Schönen +Magelona Vater, Hof hielt. Und zog zur Herberg auf einen Platz, genannt +auf den heutigen Tag der Fürsten Platz. Als er nun in die Herberg kam, +befraget er sich der Gewohnheit des königlichen Hofes, und begehret von +seinem Wirt, unterrichtet zu werden, ob auch fremde namhafte Ritter am +Hof wären. Berichtet ihn sein Wirt, wie daß vor kurzen Tagen einer an +Hof kommen wär, dem der König große Ehr bewiese von wegen seiner großen +Mannheit, mit Namen Herr Heinrich von Crappana genannt. Dem zu Gefallen +der König bestallt hätt ein Turnier (oder Stechen) auf den nächst +zukünftigen Sonntag. Fraget Peter weiter seinen Wirt, ob auch die +Fremden zu Turnieren zugelassen würden. Antwortet ihm der Wirt, ja +gerne, doch daß einer auf die Bahn gerüstet käme nach aller Notdurft. + + + + +Wie Peter auf die Bahn kam, Ritterspiel zu üben, und stellet sich auf +den niedrigsten Ort der Bahn als ein Fremder und Ausländer. + + [Illustration] + + +Den nach folgenden Sonntag stand Peter frühe auf, wann er begehret, die +Schöne Magelona zu sehen, und höret Meß. Und ließ sich sein Pferd mit +aller Zugehör versehen, des gleichen auch sein Kleidung. Wann er war +willens, auf den Tag Ehre ein zu legen. Und ließ sich machen zween +silbern Schlüssel auf seinen Helm, darbei er möchte erkannt werden, in +der Ehr des Himmelsfürsten Sankt Peter; wann er liebet ihn, auch dieweil +er den Namen von ihm hätt. Diese Schlüssel waren sehr kostlich und eines +großen Gelds geschatzt. Ließ sich auch Schlüssel machen auf alle Decken +seiner Pferd. + +Da sich die Zeit nahet, auf die Bahn zu ziehen, hätt der König, samt +seinem Gemahel und Tochter, auch anderen Jungfrauen und Frauen, zu +Morgen gessen. Und stiegen auf einen Schaustuhl, dem Turnieren zu zu +sehen. Also kam Peter, samt einem Knecht und Knaben, auf die Bahn +gezogen. Und hielt am niedrigsten Ort der Bahn, wann er war fremd und +unbekannt, und kennet ihn niemand, der ihn herfür gezogen, und oben an +gestellt hätte. + +Als nun die Zeit kam, die Musterung zu tun, sich vor Jungfrauen und +Frauen in der Ordnung zu erzeigen, kam ein Herold, rief aus Befehl des +Königs dieser Gestalt: wer da willens wäre, von wegen Jungfrauen und +Frauen einen Spieß zu brechen, der sölle auf die Bahn ziehen. Als +solches geschehen, kam herfür gezogen auf die Bahn Herr Heinrich von +Crappana; gegen dem zog einer von des Königs Dienern. Den traf Herr +Heinrich wohl, daß er am Sattel hing. Brach also seinen Spieß wohl. Es +begab sich aber in dem, als des Königs Diener also getroffen war, daß er +seinen Spieß von sich warf. Und begab sich ohn Gefahr, daß der Spieß +Herrn Heinrichen von Crappana Pferd zwischen die Beine kam, darvon das +Pferd mit Herrn Heinrichen zu fallen genötiget ward. Da huben die Freund +des Königlichen an zu sagen, Herr Heinrich wäre redlich gefallen. Das +tät Herrn Heinrichen sehr verdrießen; und wollt also nicht mehr treffen. + +Zum andern mal rufet der Herold aus Befehl des Königs, so ein ander +wäre, der Lust hätte, einen Spieß zu brechen, der sölle auf die Bahn +ziehen. Als solches der Peter vernahm, zog er auf die Bahn wider den +Königlichen, der mit Herrn Heinrichen getroffen hätt, und gesaget, er +hätte Herrn Heinrichen redlich herab gestochen. Von welcher Rede der +Peter zornig und beweget ward; wann solches Reden mit Gewalt geschah, +nach dem doch der Herr Heinrich ein berühmter Renner war. Und traf der +Peter mit dem Königlichen, daß Pferd und Mann sich nicht enthalten +mochten, und auf einem Haufen lagen. Also, daß sich alle Umsteher und +Zuseher solches Treffens täten verwundern. + +Als solches der König gesehen, lobet und pries er den Ritter mit den +silbern Schlüsseln; und hätte gerne erfahren, wer solcher fremder Ritter +gewesen wäre. Schicket als bald seinen Herold zu ihm, zu erfahren, wer +er wäre. + +Als nun der Herold zu dem Peter kam, zeiget er an, wie er vom König, +seinem Herrn, zu ihm gesandt wäre, zu erfahren, wer er wäre, und wes +Landes. Saget der Peter dem Herold: »Du sollst dem König sagen, deinem +Herrn, und ihn bitten von meinen wegen, er wölle kein Ungefallen darab +haben, so ich ihm meinen Namen zu wissen verhalte. Wann ich hab es +gelobet, keinem Menschen zu bekennen, wie ich heiße. Doch sage dem König +also: ich sei ein armer Edelmann aus Frankreich und suche die Welt, von +Jungfrauen und Frauen Preis und Lob zu erlangen.« Also kam der Herold +wieder zu dem König und zeiget ihm an, was er von dem Peter gehört und +erfahren hätt. Da solches der König verstund, ward er zufrieden; und zu +eignet solche Antwort seiner Höflichkeit, dieweil er nicht wollt berühmt +sein. + +Darnach fing es der Peter recht an; wann ein jeder sich unterstund, das +Beste zu tun mit ganzem Fleiß. Jedoch, auf das Kurzest darvon zu reden, +tät der Peter das Beste, und stach die Fremden ledig alle herab. Aus +solchem der König und alle anderen ihm das Lob gaben, daß er das Beste +getan hätte. Und behielt also den Preis. Doch hätte der König gerne +gewußt, so viel ihm möglich, wer er gewesen; des gleichen auch alle +Umsteher. Das Gerüchte ging auch unter den Jungfrauen und Frauen von +diesem Ritter mit den silbern Schlüsseln. Auch hätt die Schön Magelona +große Acht auf den Peter und konnte sein nicht vergessen. + +Da es nun an ein Ende kam, zog jedermann wieder zu Herberg. Und Peter +behielt den Preis von männiglich. Als er von der Bahn nach seiner +Herberg zog, kamen zu ihm Herr Heinrich von Crappana, des gleichen ander +mehr, und begleiteten den Peter bis in seine Herberge. In der selbigen +Stunde überkam Herr Heinrich eine große Liebe zu dem Ritter mit den +silbern Schlüsseln, und blieben darnach gute Gesellen. + + + + +Wie viel Rennen und Stechen gehalten wurden aus Befehl des Königs von +wegen seiner Tochter, der Schönen Magelona. + + [Illustration] + + +Viel Turnieren, Rennen und Stechen befahl der König zu Neapel aus +Ansuchen seiner lieben Tochter, der Schönen Magelona. Die bat ihn sehr +derwegen aus Liebe, die sie zu dem Ritter mit den silbern Schlüsseln +trug, doch verborgen. Wann so der König des Ritters mit den silbern +Schlüsseln ansichtig ward, gefiel er ihm allenthalben, sonderlich von +wegen seiner Tugend, Adels und Höflichkeit. Und sprach zu Weilen wider +sich selber: »Fürwahr, dieser Ritter wird nicht eines kleinen +Geschlechts sein, wann all sein Wesen nicht anders anzeiget. Er ist auch +würdig, daß wir ihm mehr Ehr erzeigen, dann ihm bisher von uns +widerfahren ist.« Auf das befahl der König etzlichen seines Hofgesindes, +sich zu befleißigen, zu erfahren, wer er wäre, und ihm darnach solches +an zu zeigen. Was sie zu tun willig waren. + +Also begab sich eines Tags, daß ihn der König zum Mittagmahl fordert, +mit ihm zu essen, auf daß er ehrlicher gehalten würde. Des ward der +Ritter sehr erfreuet, der Hoffnung, des Königs Tochter, die Schöne +Magelona, baß zu besehen, und nach allem Willen, wann er vor sie nicht +wohl gesehen hätt. Als Zeit war, zu essen, kam der Ritter mit den +silbern Schlüsseln. Hieß ihn der König, sein Gemahel und seine liebe +Tochter, die Schön Magelona, sich zu ihm an seinen Tisch setzen, dem +Ritter zu Gefallen und ihm darmit desto größer Ehr zu erzeigen. Da sie +nun alle zu Tische gesessen, ward der Ritter gegenüber der Schönen +Magelona gesetzet. Nun war die Mahlzeit von fremden Essen aufs Beste +bestallt. Aber der Ritter achtet des Essens wenig, wann er war allein +mit seinem ganzen Herzen geflissen, die Schöne Magelona genugsamlich zu +beschauen, und in sich selber zu bedenken die übertreffliche Schönheit +der Jungfrauen. Und speiset also sein Gesicht mit ihrem Anblick, und +gedacht in seinem Herzen, es wär keine schöner auf Erden, dann die Schön +Magelona. Also ward er entzündt in ihrer Lieb, und gedauchet ihn der +selig, der ihre Lieb überkommen möchte. Doch schätzet er sich selber +nicht für den, dem es widerfahren möchte, und hielt es bei sich selber +für unmöglich, daß ihm solch Glück begegnen möchte. Und nicht weniger, +wie ihm ward, geschah auch der Schönen Magelona in ihrem Herzen von dem +Ritter. + +Als sie nun gegessen hätten, geschahen mancherlei Spiel und Kurzweil auf +dem königlichen Saal. Und ging der König, samt seinem Gemahel, der +Königin, kurzweilen; gab auch seiner lieben Tochter, der Schönen +Magelona, Macht und Urlaub, mit den Rittern auf dem Saal zu reden. Also +begab's sich, daß die Schön Magelona den Ritter mit den silbern +Schlüsseln freundlich zu sich rufet. Da solches der Peter vernahm, kam +er schnell und willig. Saget sie zu ihm: »Edeler Ritter, mein gnädiger +Herr Vater, der König, hat ein groß Gefallen in allem euerm züchtigen +Wesen, des gleichen auch die anderen alle, so herinne sind, auch von +wegen eurer ritterlichen Sachen, Tugenden und adeligem Gemüte. Hierum, +kommt oft herein kurzweilen! Wann mein gnädiger Herr Vater, des gleichen +mein gnädige Frau Mutter und alle anderen, tragen ein groß Gefallen +hierinne an euch, auch ich, mit samt anderen Jungfrauen und Frauen.« + +Als solches der Peter von der Schönen Magelona verstanden hätt, +antwortet er ihr züchtiglich: »Gnädiges Fräulein, mir ist's allein nicht +möglich, euerm Herrn Vater, dem König, meinem gnädigen Herrn, des +gleichen meiner gnädigen Frauen, euer Gnaden Frau Mutter, und so auch +euer Gnaden, der Ehren halben zu danken, so mir von ihren Gnaden +unverdient erzeiget werden; dieweil mir, also einem armen Diener eines +kleinen niedrigen Standes, so viel Ehr erzeiget wird. Wann ich hab auch +nicht verdient, genannt zu werden der geringste Diener euer Gnaden +Hofgesinds. Jedoch tu ich, hochgeboren gnädiges Fräulein, euer +fürstlichen Gnaden demütig Danksagung, und will mich erbieten, solches +zu verdienen. Ich will auch allwegen euer Gnaden untertäniger Diener +sein, es sei, wo es wolle.« + +Da antwortet ihm die Schön Magelona: »Ich bedank mich euers Erbietens, +will auch hinfür euch für meinen Diener halten.« Nach diesen Worten ging +die Königin in ihre Kammer, und die Schön Magelona mit ihr, wie wohl +ungerne. Doch am Abscheiden saget sie zu dem Ritter: »Edeler Ritter, ich +bitt euch freundlich, ihr wöllet oft herein kommen kurzweilen; wann ich +hätte wohl etwas mit euch in geheim zu reden von Ritterspielen und +anderm, so in euer Heimat geschehen. Und beschweret mich nicht wenig, +daß ich dies mals nicht Zeit habe, weiter mit euch zu reden.« Und nahm +also von ihm Urlaub, und sah ihn ganz freundlich an; aus welchem Ansehen +er tiefer verwundt ward in seinem Herzen dann vormals. + +Und ging also die Schön Magelona in ihre Kammer, mit samt anderen +Jungfrauen und Frauen. Doch blieb der König bei den Herren auf dem Saal +stehen und redet mit ihnen mancherlei. Da kam er zu dem Ritter mit den +silbern Schlüsseln und bat ihn freundlich, so es ihm nicht entgegen +wäre, wölle er ihm seinen Namen anzeigen, auch seinen Stand. Aber er +konnte nichts anders von ihm erfahren, dann daß er ein armer Edelmann +aus Frankreich wäre, und zöge, die Welt zu beschauen, und Ritterspiel +üben. Als solches der König von ihm verstanden hätt, ließ er's auch +darbei bleiben und hielt ihm's für eine große Tugend seines adeligen +Gemüts. Und wollt ihn nicht mehr fragen, wann er vermerket wohl, daß es +ihm entgegen war. Also nahm der König Urlaub und ging zu seiner Ruhe; +des gleichen auch nahm der Ritter Urlaub von dem König und anderen +Herren und tät sich in seine Herberg. + + + + +Wie Peter betrachtet die übertreffliche Schöne der Königstochter. + + [Illustration] + + +Da nun der Peter von dem König in seine Herberg kam, ging er an einen +heimlich verborgen Ort und fing an, zu betrachten und zu Herzen führen +die freundliche Red und gnädiges Ansehen, auch die übertreffliche Schöne +der Königstochter, der Schönen Magelona; mit welcher Schöne sie gezieret +war also tief, daß er kein Rast noch Ruhe mehr hätt. + +Des gleichen wiederum, als bald die Schön Magelona in ihre Kammer war +kommen, tät sie nicht viel weniger von dem Ritter gedenken, und hätte +gern gewußt, wer er wäre, und wie er hieße. Und gedacht, so er eines +großen und hohen Geschlechts wäre, wollt sie ihn desto lieber haben +angesehen, dieweil er von ihren wegen an den Hof war kommen. Und +gedauchet sie wohl, aus Anzeigen seines züchtigen und adeligen Wesens, +er wäre nicht also geringe, als er sich schätzet. Und nahm sich für, +ihre Liebe die sie zu ihm trug, in großer Geheime zu offenbaren ihrer +Ammen, die ihr sonderlich heimlich und treu war. + +Eines Tags nahm sie die Amme auf einen Ort in ihrer Kammer und sprach zu +ihr: »Meine liebste Amme, du hast mich allwegen lieb gehabt und mir +große Lieb erzeiget, darum ich in kein Person dieser Welt also groß +Vertrauen setze, dann in dich. Hierum will ich dir etwas sagen auf +Vertrauen; allein, du wollest es heimlich halten, und mir deinen +getreuen Rat mit teilen. Das wollt ich dir nimmermehr vergessen.« Also +hub die Amme an und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Tochter, ich weiß +in dieser Welt nichts, des ihr von mir begehret, das mir möglich ist, +ich wollt es tun, und soll ich darum sterben. Derhalb, saget mir +kecklich, und eröffnet mir euer Herz und Gemüt ohn alle Furcht.« + +Da hub die Schön Magelona an, zu ihr sprechen: »Ich hab mein Herz und +Liebe ganz gesetzet in diesen jungen Ritter, der den vorigen Tag den +Preis im Stechen erlanget hat. Ich kann auch oder mag darvor weder +essen, trinken noch schlafen. Und so ich erführe, daß er eines hohen +guten Herkommens wäre, wollt ich all mein Hoffnung in ihn setzen und ihn +zu meinem Gemahel nehmen. Hierum begehr ich seinen Stand und Wesen zu +erfahren.« + +Als solches die Amme von der Schönen Magelona vernahm, erschrak sie +nicht ein wenig, und wußte nicht, was sie antworten solle. Doch saget +sie wieder zu ihr: »Mein aller liebste Tochter und Fräulein, was saget +ihr? Euch ist wohl bewußt euer hoher Stand; und so der mächtigste Herre +dieser Welt euch überkäme, würde er sich nicht klein erfreuen. Ihr +setzet euer Herz und Lieb in einen jungen fremden Ritter, der euch an +Person und Herkommen unbekannt. Vielleicht begehret er wiederum von euch +nichts mehr, dann euer Schmach und Schande, und verließe euch nach mals +gar, so er solches zuwegen gebracht hätte. Darum bitt ich euch, mein +aller liebste Tochter und Fräulein, ihr wollet solche Gedanken aus euerm +Herzen schlagen und nicht mehr gedenken. Wann wo solches euer Herr +Vater, der König, erführe, möchte euer Lieb töricht geacht und schädlich +werden. Habet ein wenig Geduld! Wann so es GOTT geliebet, möget ihr in +Kürz noch wohl ehrlich und reichlich vergeben werden.« + +Da dies alles die Schön Magelona von ihrer Ammen verstanden hätt und +vermerket, daß sie nicht nach ihrem Gefallen wollt verwilligen, ward sie +ganz traurig und betrübt in ihrem Herzen und Gemüt. Wann die Liebe hätt +sie also überfallen und umgeben, daß sie ihrer selbst nicht mehr mächtig +war. Und saget: »Ach, mein liebste Amme, ist das die Liebe, die du zu +mir getragen hast! Willst du, daß ich sterbe also elendiglich, und daß +ich ende mein Leben so erbärmlich aus Mangel der Hilf und guten Rats? +Ach wehe! die Arzenei ist nicht weit zu suchen, sondern ist sehr nahe +bei mir. Ich schicke dich doch nicht also ferne und weit von mir. Doch +darfst keine Sorge vor meinem Herrn Vater und Mutter, auch vor mir +haben, noch vor niemanden. Und so du tust, was ich dich heißen will, so +ist mir geholfen. Wo du mir aber nicht folgest, sollst du mich in kurzer +Zeit vor deinen Augen sehen sterben vor Unmut und Schmerzen.« + +Da die Schön Magelona solches geredt, fiel sie in einer schweren +Ohnmacht auf ihr Bette. Als sie aber wieder zu ihr selber kam, sprach +sie: »Wisse, liebste Amme, daß er eines hohen Stammes und Geschlechtes +ist. Wann seine Tugend solches anzeiget, auch will er darum seinen Namen +nicht anzeigen. Ich glaub aber gänzlich, so du von meinen wegen an ihn +würdest begehren seinen Namen und Stand, er werde ihn dir nicht +verhalten.« + +Als nun die Amme an der Schönen Magelona gesehen die große Lieb, die sie +zu dem jungen Ritter trug, tröstet sie die Schöne Magelona und sprach: +»Mein aller liebste Tochter und Fräulein, dieweil es euer Begehr und +Willen ist, will ich mich also viel befleißen, damit ich von euert wegen +mit ihm rede, und solches erfahre, wie ihr mir auf geleget. Seid nur +getrost, und bekummert euch nicht mehr!« + + + + +Wie die Amme in die Kirchen ging zu dem Ritter, mit ihm aus Befehl der +Schönen Magelona zu reden. + + [Illustration] + + +Darnach ging die Amme in die Kirchen, den Ritter zu suchen. Und fand ihn +alleine beten, und tät auch, als sie bete. Als bald sie das Gebet +vollbracht, erbot ihr der Ritter Ehre; wann er kennet sie wohl und hätt +sie vormals gesehen bei der Schönen Magelona. Da fing sie zu ihm an und +sprach: »Herr Ritter, ich verwunder mich euer nicht ein wenig, daß ihr +euern Stand und Wesen also heimlich haltet und verberget. Ich weiß wohl, +daß mein Herr, der König, und seiner Gnaden Gemahel, und in Sonderheit +die Schön Magelona eine große Freud hätten, zu erfahren, von wann und +wer ihr wäret. So ihr dann geneiget wäret, der Schönen Magelona solches +zu wissen zu tun, wollt ich's ihr nicht vorhalten. Ich weiß auch, ihr +tätet in solchem ihr einen großen Gefallen; wann sie begehret es +herzlich zu wissen.« + +Als der Ritter die Frauen also höret reden, ward er voller Gedanken, +vermeinet er doch gänzlich, solche Reden kämen von der Schönen Magelona. +Gab ihr also zur Antwort und saget: »Meine liebste Frau, ich sag euch +großen Dank, daß ihr mit mir also freundlich geredt habt. Des gleichen +danke ich auch allen, so meinen Namen zu wissen begehren, in Sonderheit +meinem gnädigen Fräulein Magelona. Und so es euch geliebet und +unbeschwerlich, wollet mich ihr befehlen, und von meinen wegen bitten, +sie wölle kein Ungefallen darinne tragen, daß ich mich nicht offenbare. +Wann die Weil ich von heimen gewesen, hab ich's keinem Menschen zu +erkennen geben. Jedoch, dieweil sie die Kreatur ist auf Erden, der ich +das aller Beste gönne in dieser Welt, auch ihr zu dienen und gehorsam zu +sein erbötig, möget ihr also zu ihr sagen: nach dem sie also herzlich +begehre, zu wissen meinen Namen, solle sie wissen, daß mein Geschlecht +groß und hoch geadelt sei. Und bittet sie von meinen wegen freundlich, +sie wölle an dem ein gut Begnügen haben. Und euch bitte ich aufs +Freundlichst, ihr wollet von meinem kleinen Vermögen etwas nehmen und +ihr mit bringen von meinen wegen. Wann ich selber ihr solches nicht darf +überantworten. Daran tut ihr mir ein groß Gefallen.« Gab ihr also der +drei Ringe einen, die ihm sein Mutter in seinem Hinziehen mit geben +hätt. + +Da sie solchen Ring von dem Ritter empfangen hätt, sprach sie zu ihm: +»Edeler Ritter, diesen Ring will ich ihr von euert wegen überantworten, +auch darneben anzeigen, was wir mit einander geredt haben.« Also nahmen +sie Urlaub von einander und schieden hinweg. + +Die Amme ging fröhlich hinweg von dem Ritter, darum, daß sie mit ihm war +also zu reden kommen. Und redet zu ihr selber also: »Es mag wohl also +sein, als mir die Schön Magelona angezeiget hat, daß er eines großen +Geschlechts sein soll; wann er ist aller Zucht und Tugend voll.« In +diesen Gedanken ging sie, bis sie kam zu der Schönen Magelona, welche +ihrer Zukunft mit großen Freuden wartet. Da zog sie den Ring herfür und +überantwortet ihr den mit Anzeigen, was sie mit einander geredt. + +Als die Schön Magelona des Ritters Erbieten hätt verstanden, und sah +auch den kostlichen Ring, den ihr der Ritter überschicket hätt, sprach +sie zu ihrer Ammen also: »Mein liebste Amme, hab ich dir nicht vormals +gesaget, er würde sein eines hohen Geschlechts? Wann mein Herz saget +mir's. Auch kannst du wohl gedenken, ob ein solcher kostlicher Ring möge +sein eines Armen. Sicherlich, sage ich dir, das wird mein Glücke sein, +und kann nicht anders werden. Wann ich will und begehre ihn zu haben und +liebe ihn, ich will auch keinen andern lieben noch haben. Wann von +Anbeginne, als ich ihn am ersten ersah, ergab sich mein Herze ihm +alleine. Ich erkenne auch, daß er mir zu Lieb und Gefallen hieher kommen +ist. Dieweil er dann eines hohen Geschlechts ist, ich auch weiß, daß er +von meinen wegen hieher kommen ist, und er der schönste Ritter unter +allen dieser Welt ist, wäre ich doch unhöflich und eines harten +Herzens, wenn ich ihn nicht wiederum lieb hätte. Ich will auch ehe vor +Schmerzen sterben, eh ich sein vergesse und ihn verlasse. Derhalb ich +dich bitt, mein liebste Amme, du wollest ihm mein Gemüt und Willen zu +erkennen geben, und in dem mir treulich raten. Und damit ich meine +großen Schmerzen linder mache, bitt ich dich, du wollest mir diesen Ring +lassen, wann ich hab große Freude, ihn an zu sehen.« + +Als solches die Amme von der Schönen Magelona vermerket, daß sie ihr +Herze und Gemüt also bald wollte entdecken, ward sie traurig und sprach +zu ihr: »Mein edelstes Fräulein und Tochter, auch aller freundlichstes +Herz, ich bitt euch fleißig, ihr wollet solchem Fürsatz in euerm edeln +Herzen keinen Fürgang lassen; wann es ja nicht loblich, noch ehrlich +wäre, daß ihr, als eine hochgeboren Fürstin, euer Lieb also schnelle +einem fremden unbekannten Ritter gebet.« + +Da solche Straf die Schön Magelona von ihrer Ammen höret, mochte sie es +nicht länger dulden noch verschweigen, sondern sprach zu ihr mit +bewegtem Gemüte: »Du sollst ihn hinfür nicht für einen Fremden schelten, +wann ich auf Erdreich keinen lieber habe. Es wird mir ihn auch niemand +aus meinen Gedanken und Herzen reden. Darum bitte ich dich freundlich, +du wollest hinfür dieser Wort geschweigen, als lieb ich dir bin, und +meine Gnad.« + +Da die Amme das alles vermerket hätt, wollt sie nichts mehr darwider +reden. Doch saget sie zu ihr: »Mein liebstes Fräulein, was ich sage, tu +ich von euert wegen, und euch zu Ehren. Wann alle Ding, so da +unordentlich und schnelle geschehen, kommen nicht zu Ehren denen, die es +tun; auch werden sie nicht gepriesen von denen, die es erfahren. Ich +lobe es wohl, daß ihr ihn lieb habet, wann er ist es wohl würdig. Doch +also, daß solches von euch ehrlich und züchtig geschehe, wie es sich +dann gebühret. Und zweifelt gar nicht, ich will euch einen guten Rat +geben und getreulich helfen. Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem +Allmächtigen, diesen Dingen werde wohl geraten.« + +Als die Schön Magelona solche vernünftige Rede von ihrer Ammen vernommen +hätt, ward sie ein wenig gestillet. Und saget ihr doch: »Mein aller +liebste Amme, ich will alles tun, was ihr mir raten werdet.« + +Die selbe Nacht schlief die Schön Magelona ganz wohl mit ihrem Ring, den +sie zum öftern Mal küsset aus großer Lieb; und tät mit herzlichem +Seufzen an ihren liebsten Freund, den Ritter, gedenken bis nahe dem Tag. +Darunter entschlief sie. Und da sie entschlafen war, da kam ihr für ein +solcher Traum: es gedauchet sie, der Ritter und sie wären allein bei +einander in einem lustigen Garten. Und sie saget zu ihm: »Ich bitte euch +freundlich, von wegen der Liebe, so ihr gegen mir traget, ihr wollet mir +sagen, von wannen ihr seid, und wes Geschlechts; wann ich liebe euch vor +allen Menschen auf Erden. Darum begehre ich zu erfahren, wer der Ritter +wäre, dem ich mein Lieb geben hätte, und von wannen her er wäre.« +Gedauchet sie hernach, der Ritter antwortet ihr: »Edeles Fräulein, es +ist noch nicht die Zeit kommen, mich gegen euch zu eröffnen. Darum, ich +bitte euch, ihr wollet mich dessen auf dies mal überheben; wann ihr +sollt es noch in kurzer Zeit erfahren.« Und darnach gedauchtet sie, der +Ritter gebe ihr einen Ring, der war noch kostlicher dann der erste, den +er ihr bei der Ammen geschickt hätte. Und lag also die Schön Magelona +schlafend in großem Gefallen bis auf den Morgen des Tags. Und da sie +erwachet, saget sie solchen Traum der Ammen, aus welchem Ansagen die +Amme vermerket, daß sie all ihr Herze und Gedanken auf den Ritter +geworfen hätt. Derhalben sie die Schöne Magelona tröstet auf das Beste, +so sie konnte und vermocht. + + + + +Wie eines Tags der Ritter die Amme in der Kirchen fand, und er zu ihr +ging und saget ihr was heimlich. + + [Illustration] + + +Eines Tages tät der Ritter also großen Fleiß, daß er der Schönen +Magelona Ammen in der Kirchen fand, wann er wollt heimlich mit ihr +reden. Als sie ihn vernahm, ging sie zu ihm, und zeiget an, wie die +Schön Magelona ein groß Gefallen hätte an dem Ringe, den er ihr gesandt +hätt, und tät ihm freundlich danken. Da antwortet ihr der Ritter und +sprach: »Liebe Frau, ich habe euch den Ring geben, nicht der Schönen +Magelona. Wann ich weiß wohl, daß eine solche kleine Gabe nicht würdig +ist, einer solchen mächtigen Fürstin überschicket zu werden, als die +Schön Magelona, mein gnädiges Fräulein, ist. Jedoch alles, mein Leib, +Gut und Vermögen, ist ihr. Auch wißt, liebe Frau, daß ihre +übertreffliche Schöne mein Herz also gefangen und verwundt hat, daß +ich's euch nicht länger verbergen kann. Darum es gar vonnöten ist, euch +dieses zu eröffnen als mein Anliegen. Wann so sie mir nicht Gnade +erzeiget, so bin ich der unglückseligst Ritter der ganzen Welt. Liebe +Frau, ich sage euch in großem Geheim mein Herze und Gemüt; wann ich weiß +und erkenne, daß ihr eine große Freundin seid der Schönen Magelona. So +es euch nun nicht entgegen wäre, bitt ich freundlich, ihr wollet mein +Gemüte ihr anzeigen. Wie wohl ich's um euch nicht verdient habe, bin ich +doch willens, solches treulich zu verdienen.« + +Sprach sie zu ihm: »Ich danke euch. Ich will auch alles, so ihr mir +befohlen, treulich ihr anzeigen, verhoffe auch, eine gute Antwort euch +wiederum zu bringen. Doch kann ich nicht verstehen, wie ihr solche Lieb +vermeinet. Wann so ihr's verstündet für eine törichte und unzüchtige +Liebe, so schweiget hinfürder, und redet nichts mehr davon.« + +Da sprach der Ritter zu ihr: »Liebe Frau, ich müßt eines bösen Todes +sterben, so ich je an eine solche Lieb oder Schande gedacht habe; +sondern an eine ehrliche züchtige und treuliche Liebe, darinne ich ihr +gerne wollte dienen.« + +Als die Amme solches gehöret, saget sie: »Edeler Ritter, ich verheiß +euch hiemit, die Sache gegen ihr treulich aus zu richten. Dieweil ihr +aber itzunder mir anzeiget, ihr wolltet sie lieben aus züchtiger +getreuer Liebe, warum verberget ihr dann euern Namen und Geschlecht vor +ihr? Wann ihr möget vielleicht solches Adels und Geschlechtes sein, es +würde zwischen euch mit GOTTes Hilf eine Eh beschlossen. Wann sie liebet +euch aus ganzem Herzen, ihr hat auch getraumet von euch; und wann wir +zwei bei einander alleine sein, so redet sie und ich alleine von euch.« + +Da er solches hört, sprach er zu ihr: »Liebste Frau, dieweil ihr mir +also viel gesaget, bin ich erfreuet worden. Und bitte euch freundlich, +ihr wollet verhelfen, damit ich mit ihr zu reden kommen möge. So will +ich ihr sagen mein Geschlechte, und alles, so sie von mir zu wissen +begehret. Ich verhoffe auch, so sie mich gehöret hat, sie werde mich +nicht verachten. Aber einem andern Menschen sage ich's nicht, +ausgenommen ihr alleine.« + +Da sprach die Amme zu dem Ritter: »Ich will's ihr sagen, wie ihr mich +berichtet; will auch verhelfen, damit ihr mit ihr zu reden kommet.« + +Da ward der Ritter noch größer erfreuet ihrer Zusage und sprach: +»Liebste Frau, ich danke euch eures Erbietens, und bitt euch freundlich, +so es euch geliebet, ihr wollet diesen Ring, der wenig geacht ist, ihr +von meinen wegen freundlich überantworten. Und so sie den selben von mir +wird annehmen, werde ich's für eine sonderliche Gnade achten. Wann ich +besorge, der vorige Ring sei nicht nach dem, als ihr wohl gebühret. Ihr +wollet mich ihr auch untertäniglich befehlen.« + +Da sprach die Amme: »Dieweil ich also erkennet habe euer edeles Herz, +will ich ihn überantworten von euert wegen. Will auch ihr befehlen und +Fleiß fürwenden, damit ihr mit ihr zu reden kommet.« + +Da sprach der Ritter: »Ich dank euch euers Erbietens.« + + + + +Wie die Amme wieder zu der Schönen Magelona kam. + + [Illustration] + + +Als die Amme also von dem Ritter aus der Kirchen ihren Abschied nahm, +ging sie des nächsten der Schönen Magelona Kammer zu. Die war sehr krank +von großer Liebe, die sie zu dem Ritter hätt, und lag also zu Bette, +wann sie mocht an keinem Ende Ruh haben. Und als bald sie die Ammen +ersah, stund sie auf und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Amme, sei +mir willkommen! Ach wehe! bringest du mir nicht gute Zeitung von ihm, +den ich also liebe? Fürwahr, liebe Amme, gibst du mir nicht einen +getreuen Rat, damit ich ihn sehe und mit ihm rede, so muß ich sterben.« + +Als die Amme solche Rede vernahm, saget sie zu ihr: »Mein edeles +Fräulein und aller liebste Tochter, ich will euch einen solchen Rat +geben, darvon ihr sollt fröhlich werden; und, ob GOTT will, werdet ihr +erkennen und erfahren, daß ich euch von Herzen lieb habe.« + +Da die Schön Magelona solches von ihrer Ammen höret, sprang sie vor +großen Freuden ihres Herzens aus dem Bette auf das Erdreich, halset und +küsset sie und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Amme, sage mir neue +Zeitung!« + +Da fing die Amme ihr an zu sagen, wie der Ritter zu ihr wäre kommen, und +hätte gesaget und angezeigt den großen Willen, den er zu ihr trüge, daß +er vor Liebe schier müsse sterben. Und saget: »Glaubet mir fürwahr, +aller liebste Tochter, habt ihr von seinen wegen große Schmerzen, so +trägt er von euert wegen nicht weniger Schmerzen. Und ob aller Liebe, +die er in euch gesetzt hat, ist die seine treulich und züchtig, auch +ehrlich gegen euch; darum ich gar erfreuet bin. Und wisset, mein aller +liebste Tochter, daß ich nie gehöret habe einen also jungen Ritter, der +so weislich redet als er. Ohn allen Zweifel wird er eines großen und +hohen Herkommens sein. Es hat auch diese Gestalt mit ihm: er begehret +auf Erden nicht mehr, dann in geheim mit euch alleine zu reden. Da will +er euch alles sein Anliegen und Wesen entdecken. Er will auch tun, was +ihr ihm gebietet, und befiehlt sich euch in aller Untertänigkeit, und +bittet, ihr wollet ihm einen Tag bestimmen und einen Ort, da er euch +sein Herz und Gemüt möge eröffnen; wann er keinem Menschen sonst solches +sagen will. Er bittet euch auch, ihr wollet diesen Ring gnädiglich von +ihm annehmen und von seinen wegen behalten.« + +Da die Schön Magelona solche gute und fröhlich neue Zeitung höret, auch +den Ring sah, der schöner und kostlicher war, dann der erste, da +verwandelt sich ihr Farbe vor Freuden und ward rot. Und sprach zu der +Ammen: »Wisse, du aller liebste Amme, daß dies der Ring ist, darvon mir +getraumet hat die vorige Nacht; wann mein Herz saget mir nichts, das +nicht geschähe. Und glaub sicherlich ohn allen Zweifel, daß dies der +Ritter ist, der mein Gemahel und Mann soll werden. Ohn ihn kann ich auch +kein Lust noch Freude haben. Darum ich dich freundlich bitte, du wollest +Rat suchen und erdenken auf das Beste, so dir möglich, mit ihm zu reden; +wann ich kann nicht länger verziehen. Hierum, mein aller liebste Amme, +suche Mittel, daß ich ihn sehen möge nach meinem Gefallen, und mit ihm +reden. Wann ich hab große Hoffnung, durch solche Mittel zu kommen zu +einem seligen Ende meines Begehrens. Ich verheiße dir auch hiemit, du +sollst es nicht entgelten.« + +Da verhieß ihr die Amme, nichts zu sparen und allen möglichen Fleiß für +zu wenden, damit dies alles wohl ausgerichtet würde. Also blieb die +Schön Magelona den ganzen Tag und die Nacht fröhlicher dann vorhin, +beschauet und behielt ihre Ringe, so ihr von dem Ritter geschicket +waren, und danket ihm in ihrem Herzen dieser Gaben. Itzunder stecket sie +die Ring an ihre Finger, nach mals küsset sie die, und vertrieb also +ihre Weil und Zeit darmit. + + + + +Wie die Amme wieder mit dem Ritter zu reden kam. + + [Illustration] + + +Da es nun kam auf den anderen Tag, bemühet sich die Amme, den Ritter an +zu sprechen, und fand ihn in der Kapellen, in welche er pfleget zu +gehen. Und als er sie ersah, ward er fast fröhlich, wann er verhoffet, +was von der Schönen Magelona zu erfahren. Stund auf und ging ihr +entgegen, grüßet sie gar freundlich und höflich. Da antwortet sie ihm +wieder und sprach: »GOTT gebe und verleihe euch zu überkommen, was euer +Herze begehret.« + +Darnach fraget sie der Ritter, was die Schön Magelona begönne, und +fraget, ob er in ihren Gnaden wäre. Da antwortet die Amme ihm und saget: +»Edeler und aller liebster Ritter, glaubet mir sicherlich, daß itzunder +in dieser Welt kein Ritter ist, der je Harnisch führet und Ritterspiel +brauchet, der also glückselig ist als ihr. Selig ist auch gewesen die +Stunde, da ihr hieher in dies Land seid gekommen; wann durch euer +redlich Tapferkeit habet ihr erlanget und überkommen die schönste +Jungfraue dieser Welt. Euch ist auch nie kein größer Glücke widerfahren, +wann ihr habet gewonnen ihre Gnad und Liebe. Sie tut euch danksagen um +den Ring, den ihr durch mich ihr neulich überschicket, will ihn auch von +euert wegen behalten. Sie begehret auch, euch herzlich zu sehen und +freundlich mit euch zu reden. Ich bin auch wohl zufrieden, daß solches +geschehe. Jedoch werdet ihr mir verheißen bei Edelmanns Treue und +Glauben, daß in euer Liebe nichts anders sei, dann Zucht und Ehr, wie +dann geziemet einem jeden euers hohen Standes.« + +Als solches der edel Ritter von der Ammen verstanden, tät er als einer, +in welchem alle Tugend waren. Und kniet nieder auf die Erden vor ein +Kruzifix, und sprach: »Mein liebste Frau, ich verheiße und schwöre euch +hie vor GOTT, meinem Schöpfer, daß mein Meinung und Gemüte nicht anders +ist, dann Zucht und Ehr. Ich begehre auch, nichts anders zu erlangen, so +es GOTTes Willen wäre, dann die Liebe der Schönsten Magelona zum +heiligen Sakrament der Ehe, solche zu vollenden nach Gebrauch der +heiligen christlichen Kirchen. Oder GOTT helfe mir nicht in dieser +Welt! Amen.« + +Da die Amme solch Gelöbnis von ihm höret, gab sie ihm die Hand, und zog +ihn wieder auf und sprach: »Fürwahr, edeler Ritter, ihr habet einen +solchen Eid getan, darum euch billig zu glauben und vertrauen ist. Ihr +sollet auch wissen, ich will solchen euern Willen der Schönen Magelona +ohnangezeiget nicht lassen. Ich bitte auch den allmächtigen ewigen GOTT, +Er wolle euch in diesem euerm Fürsatze behalten. Und so es Sein +göttlicher Wille wäre, möchte ich wohl sprechen, daß in dieser Welt +nicht werde gefunden ein Paar bei einander, so edel und ehrlich und +züchtig, als ihr beide. Und darum, edeler Ritter, schicket euch darauf, +und kommet morgen nach Mittag durch das kleine Pförtlin des Gartens zu +der Schönen Magelona in ihre Kammer, darinne sie wird mit mir alleine +sein. Doch will ich auch die Kammer raumen, damit ihr beide alleine bei +einander seid. Da redet und erzählet euer Anliegen nach euers Herzens +Begier!« + +Als solches der Ritter vernahm von der Ammen, ward er hochlich erfreut, +und danket ihr der guten Botschaft, und schieden also von einander. Und +kam die Amme wieder zu der Schönen Magelona, und saget ihr alles, wie +sie es mit dem Ritter aus gerichtet hätte und beschlossen. Da sie +solches höret, danket sie der Ammen gar freundlich, und wartet des +Ritters mit herzlicher Begierde. + + + + +Wie der Ritter zu der Schönen Magelona kam durch das kleine Pförtlin im +Garten. + + [Illustration] + + +Auf den andern Tag, als die Zeit und Stunde vorhanden war, daß der +Ritter zu der Schönen Magelona sollte kommen, nahm er der Stunde fleißig +gewahr, und gedauchet ihn die Zeit lang sein. Kam doch zu dem Pförtlin +bei dem Garten, das ihm angezeiget war, und fand es offen, wie ihm dann +die Amme gesaget hätt. Also ging er hinein in die Kammer der Schönen +Magelona mit großer Begier seines Herzens, und fand da die Schöne +Magelona samt der Ammen beide alleine. Und als bald ihn die Schön +Magelona ersah, verwandelt sich alles ihr Geblüte, und ward rot an ihrem +Angesicht als eine Rose. Und hätte guten Willen gehabt, gegen ihm auf zu +stehn, ihn in die Arme zu nehmen und zu küssen; wann die Liebe tät sie +darzu reizen. Jedoch die Vernunft, die da soll regieren das Herze eines +jeglichen adeligen Menschen, erzeiget ihm ihre Ehr, wie wohl ihr schönes +Angesicht, auch ihre lieblich und freundlichen Augen nicht verbergen +mochten die Liebe, so sie in ihrem Herzen trug gegen dem Ritter; und +das Herze sprang ihr auf im Leib vor Freuden. Also hätt die Schön +Magelona in ihr selbst zween Gedanken, und sah den Ritter sehr +freundlich an. + +Der edel Ritter verwandelt auch nicht weniger seine Farbe, da er vor +sich sah die aller Schönest und Liebste seines Herzens. Er wußte auch +nicht, wie er an sollte fahen zu reden; wann er wußte nicht, ob er in +Lüften oder auf Erdreich war; als dann die Liebe ihren Untertanen +pfleget zu beweisen und tun. Jedoch kniet er nieder ganz schamhaftig vor +sie und sprach: »Großmächtige hochgeboren Fürstin, der allmächtige GOTT +verleihe euch Ehr und alles, das euer Herz begehret!« + +Als bald stund die Schön Magelona auf und nahm ihn bei der Hand, und +saget zu ihm: »Edeler Ritter, seid mir willkommen!« Und hieß ihn, zu ihr +sitzen. Da solches die Amme vermerket, ging sie in eine ander Kammer nah +darbei. In dem fing die Schön Magelona an zu reden also: »Edeler Ritter, +ich habe großen Gefallen in dem, daß ihr zu mir seid kommen. Wann ich +hab großen Willen gehabt, mit euch zu reden, wie wohl es nicht geziemet +einem jungen Menschen, als ich bin, alleine mit einem Mann heimlich zu +reden, wie ich mich dann solches zu tun unterstanden habe. Jedoch habe +ich wiederum angesehen euer edels Gemüte, das mich gesichert und keck +gemacht hat, solches zu tun. Wisset auch, da ich euch den ersten Tag +gesehen, hat euch mein Herze also bald Gutes gewollt. Wann alle Gutheit +und Zucht, die in einem adeligen Menschen mögen sein, die werden +vollkommenlich in euch befunden. Darum, edeler Herr, saget mir euer +Geschlechte, Namen, Wesen und Stand; und verberget mir's nicht! Wann +kein Mensch auf Erden ist, dem ich mehr Gutes gönne, dann euch. Hierum +ich gerne erfahren wollt, wer ihr wäret, und aus was Landes Art, und +warum ihr hieher kommen seid.« + +Da stund der Ritter auf und saget: »Großmächtige edelste Fürstin, ich +bedanke mich des ersten untertäniglich euers freundlichen Willens und +Gemüts, so ihr gegen mir erzeiget habet, mich in euer Gnade zu nehmen; +wie wohl in mir kein Tugend ist, die solches um euch verdienet habe. Es +ist auch billig, daß ihr von mir erfahret, wer ich sei, und warum ich +herkommen. Doch bitt ich euch aufs Untertänigst, ihr wollet es niemand +sagen, und also bei euch behalten. Wann es ist gewesen all mein Fürsatz, +da ich von Heimat geritten, dies niemand zu offenbaren. Es ist auch +bisher also verschwiegen geblieben. Allermächtigste edelste Fürstin, +wisset, ich bin ein einiger Sohn des Grafen zu Provincien, der da ist +ein Ohm des Königs von Frankreich. Ich bin auch von Vater und Mutter +allein darum hinweg gezogen, euer Lieb zu erlangen. Wann ich habe hören +sagen, wie kein schöner Fürstin sölle sein dann ihr, was dann die ganze +Wahrheit ist. Man kann auch solche Schöne in euch nicht genugsam +aussprechen. So bin ich her gekommen in kleiner Gesellschaft, wo dann +sein große Herren, Fürsten und Edele, die in allen Dingen geschickter +sind dann ich, und haben sich in mancherlei Ritterspielen erzeiget von +euert wegen; und hab ich mir auch für gesatzet in meinem Herzen, wie +wohl ich unter ihnen der wenigste, ob ich euer Gnad und Liebe möchte +erlangen. Und das ist die ganze Wahrheit, die ihr von mir begehret zu +erfahren. Ich hab auch bei mir beschlossen in meinem Herzen, niemand +lieber zu haben dann euch, bis in meinen Tod.« + +Da er solches geredt hätt, gebot sie ihm, bei ihr nieder zu sitzen, und +saget zu ihm: »Mein edeler Bruder und Herre, ich danke dem allmächtigen +GOTT, meinem Schöpfer, daß Er uns verliehen hat einen solchen +glückseligen Tag. Wann ich schätze mich für die Glückseligste dieser +Welt, daß ich gefunden hab einen so adeligen Menschen eines solchen +hohen und großen Geschlechtes, des gleichen nicht gefunden wird auf +Erden in Tapferkeit, Zucht, Schöne und Weisheit. Dieweil dann dem also +ist, daß wir zwei Liebhabende einander von Herzen lieben und geneigt +sein, und ihr, mein edelster Herre, seid von meinen wegen hieher in dies +Land kommen, und habet es baß ausgericht dann alle anderen, habet auch +den Preis und Namen aller Ritterschaft, so darf ich mich wohl glückselig +schätzen, daß ihr von meinen wegen Vater und Mutter, Land und Leute +verlassen. Darum, edeler Ritter und Herre, will sich nicht geziemen, daß +ihr euer Arbeit verlieret, die ihr also getreulich daran gesatzet habet. +Und die Weil ihr mir euer Herze und Gemüt entdecket habet, ist es +billig, ich tue euch also. Hierum, sehet hie euer Magelona ganz und gar. +Und setze euch einen Meister und Herren meines Herzens; und bitt, ihr +wollet solches heimlich, ehrlich und verborgen halten, bis zu der Zeit +unsers Verlöbnis. Und seid meines teils sicher, daß ich lieber wollte +bald den Tod leiden, dann mich und mein Herz gegen einem andern +bewilligen.« + +In dem nahm sie eine gulden Ketten von ihrem Hals, daran hing ein +kostlich Häftlin, und henket es ihm an seinen Hals und sprach: »Durch +diese Ketten, aller liebster Freund und Gemahel, setz ich euch in Besitz +meines Leibes, und verheiße euch treulich, wie einer Königstochter +geziemet, keinen andern zu nehmen dann euch.« + +In dem nahm sie ihn freundlich in ihre Arme. Da kniet der Peter für sie +nieder und sprach: »Mein aller liebste edelste Fürstin, die schönest +unter allen dieser Welt, ich bin nicht würdig, euch darum Danksagung zu +tun. Doch wie ihr gesaget habt, also bleib es darbei; ich bin es wohl +zufrieden. Ich verheiße auch euch hiemit, euer Gebot und Befehl treulich +zu erfüllen, so es GOTT gefällt. Und so es euch geliebet wäre, von euerm +Gemahel zu empfahen diesen Ring, mein darbei zu gedenken.« (Dieser war +der dritte Ring, welchen ihm gegeben hätt sein Mutter, als er von ihr +hinweg zog; der dann kostlicher war, dann die zween anderen.) + +Also empfing die Schön Magelona den Ring gutwilliglich, und wendet sich +wieder gegen ihm, ihn wieder in ihre Arme zu nehmen und zu küssen. Nach +dem allem rufet sie der Ammen wieder. Da die zwei nun lang mit einander +allein hätten geredt, beschlossen sie mit einander, wie sie oft und +dicke möchten einander sehen. + +Also nahm der Peter Urlaub von der Schönen Magelona, und ging stille +wieder in sein Herberge, doch fröhlicher, dann er gewohnet war. Und die +Schön Magelona blieb also in ihrer Kammer bei der Ammen, und tät nichts +der gleichen, ließ sichs auch gegen niemand merken. + +Oft und dicke darnach redet die Schön Magelona mit ihrer Ammen von ihrem +aller liebsten Peter und sprach: »Was bedunket dich von meinem getreuen +geliebten Ritter? Ich bitte dich freundlich, du wollest mir's sagen, und +ganz nichts verhalten.« -- »Fürwahr,« saget die Amme, »mein liebstes +Fräulein, er ist also schöne, züchtig, tapfer und freundlich in allen +seinen Gebärden, daß mich gedunket, es möge nicht anders sein, er müsse +von einem hohen Geschlecht sein.« Auf das antwortet ihr die Schön +Magelona: »Habe ich dir nicht allwege recht gesaget? Wann mein Herz und +Gemüte verstund es wohl. Darum ich mich begnügen lasse, daß ich in seine +Kundschaft kommen bin, GOTT hab Lob! Wann es ist kein Tochter also hoch +geboren auf Erden, so sie die Hälfte von ihm wüßte, als ich weiß, sie +vermeine sich glückselig, so sie ihn möchte zu einem Liebsten haben.« + +Darauf antwortet ihr die Amme: »Liebstes Fräulein, es ist alles wahr, +wie ihr saget. Doch bitt ich euch eines freundlich: ihr wollet nicht +leichtfertig sein aus Liebe. Wann so ihr werdet zu Hofe sein bei anderen +Jungfrauen und Frauen, des gleichen der Ritter, wollet euch nichts +vernehmen, noch vermerken lassen. Wann so es von euch geschähe, würden +euer Vater und Mutter solches leichtlich verstehen; daraus dann möchten +entspringen zweierlei Übel: das erste, daß ihr schamhaftig würdet, und +verlieren euers Vaters und Mutter Gunst; das ander, so sie es inne +würden, möchte der Ritter getötet werden, darinne ihr ein Ursach an dem +Tod eines solchen edeln Ritters wäret, der euch lieber hat, dann sich +selbst. Und zum dritten, so würde ich auch gestrafet werden. Darum ich +euch freundlich bitte, ihr wollet euch weislich halten, als einer hoch +geboren Tochter zu tun gebühret.« + +Da sprach die Schön Magelona wider ihre Ammen: »Mein liebste Amme, in +diesem und anderm will ich folgen deinem getreuen Rat, wann ich erkenne, +daß du nur allerwegen treulich geraten hast. Und bitte dich freundlich, +so du was an mir siehest, das mir nicht zu tun geziemet, du wollest +mir's untersagen, oder mit einem Zeichen anzeigen. Wann ich will dir +folgen als meiner liebsten Ammen und Mutter. Doch noch eins will ich +dich freundlich bitten: so wir zwo alleine bei einander seien, du +wollest mir vergönnen, zu reden von meinem liebsten Menschen; damit ich +meine Zeit desto leichter verbringen möge, bis daß ich erkenne, wo es +endlich hinaus wolle. Und vor allen Dingen bitte ich dich, du wollest +raten und helfen, damit ich ihn oft möge sehen und mit ihm reden. Wann +ich weiß kein ander Freud zu haben in dieser Welt; und so durch +Unglücke, da GOTT vor sei, ihm was widerführe, wisse, mein liebste Amme, +daß ich mir mit meiner eigenen Hand wollte den Tod tun.« + +Nun, da der Ritter wieder heim in sein Herberge war kommen, betrachtet +er die große Freundlichkeit, die ihm widerfahren war, und lobet GOTT, +daß ihm solches begegnet. Er vermeinet auch, GOTT hätte sonst keinem +Ritter eine so hohe seltsame Freundlichkeit und Ehr zu gesandt als ihm. +Er verwundert sich auch in sich selbst der übertrefflichen Schöne der +Magelona. Daraus er verursacht ward, mehr zu Hof zu kommen, dann sein +Brauch war. Doch hielt er sich ganz weislich und stille gegen dem König +und anderen, damit er nicht vermerket würde. Also, daß ihn jedermann +lieb gewann am Hofe, nicht allein die großen Herren, sondern auch das +gemein Hofgesinde. Und wann er die Zeit vermerket, darinne er unvermerkt +sein Augen mochte speisen, sah er die Schöne Magelona freundlich an. +Solches geschah alles von ihm weislich heimlich und verborgen. Wann er +dann Befehl hätt von dem König oder der Königin, zu reden und kurzweilen +mit der Schönen Magelona, so ging er auch hinzu. Also vertrieben die +zwei dann ihr Zeit mit einander. + + + + +Wie Herr Friedrich, von der Krone genannt, hinweg zog aus Rom, gen +Neapel zu kommen, allda Ritterspiel zu üben von wegen der Schönen +Magelona. + + [Illustration] + + +Der Zeit war ein reicher und edeler Ritter aus dem Land Romania, der war +sehr mächtig, und von wegen seiner Macht und Redlichkeit ward er sehr +gepriesen, mit Namen Herr Friedrich von der Krone. Der selbe gewann eine +Lieb zu der Schönen Magelona, aber sie hätt sein gar keine Gnad. Eines +mals satzet er sich für, Ritterspiel zu üben in der Stadt Neapel; wann +er vertrauet in seine Macht und Stärke, dardurch Preis und auch die Huld +der Schönen Magelona zu überkommen, die dann sein wenig achtet. Auf das +tät er eine Bitt an den König von Neapel, er wölle ihm Ritterspiel zu +üben vergünnen. Also ward es ihm von dem König zu gesaget. Und ward aus +gerufen in Frankreich und um liegenden Orten ein Stechen dieser Gestalt: +welche Ritter willens wären, zu stechen aus Liebe der Jungfrauen oder +Frauen, sollten erscheinen in der Stadt Neapel am Tage Unser Frauen +Geburt. Da würde man sehen, wer sie lieb hätte. + +Aus solcher Ursach wurden viel Fürsten und Herren zu erscheinen beweget, +und waren die Namen der Trefflichsten diese nach folgenden: zum ersten +kam eingezogen Herr Antoni, ein Bruder des Herzogen von Savoyen, zum +andern Herr Friedrich, ein Bruder des Markgrafen von Montferrat, zum +dritten Herr Eduard, des Herzogen von Bourbon Bruder, zum vierten Herr +Peter, ein Neff des Königs zu Böheim, zum fünften Herr Heinrich, ein +Sohn des Königs von Engelland, zum sechsten Herr Jacob, des Grafen von +Provincia Bruder, ein Vetter des Ritters mit den silbern Schlüsseln, wie +wohl er ihn auf dies mal nicht erkennet; und viel ander mehr. In der +Stadt Neapel waren auch der edel Ritter Peter von Provincia und sein +Geselle, Herr Heinrich von Crappana, und ander, deren Namen von wegen +der Menge aus geblieben. Alle Obgenannten lagen sechs Tage stille in Ruh +in der Stadt, ehe das Stechen anfing. Es wird auch in keiner Historien +gefunden, daß je also viel guter Leute wären auf einmal in dieser Stadt +gewesen. Darum der König Magelon ihnen allen viel Zucht und Ehr bewies. + +Als nun kam der Tag Unser lieben Frauen Geburt, stunden sie frühe auf +und hörten Meß. Nach dem bereiteten sie sich zu, ein jeglicher nach dem +Besten, und ritten auf einen Platz, Cathonie genannt, da der König auf +gestiegen war auf einen hohen Schaustuhl, samt anderen Fürsten und +Herren. Und auf einem andern Stuhl stund die Königin mit ihrer Tochter, +der Schönen Magelona, und anderen Jungfrauen und Frauen, dem Stechen zu +zu sehen. Und waren gar lustig zu sehen so viel schöner Jungfrauen und +Frauen, unter welchen allen die Schön Magelona herfür leuchtet, als der +Morgenstern am Anfang des Tages. + +Da verharrten die Ritter alle auf den königlichen Befehl, und der erste, +der sich ließ sehen mit der Pracht, das war Herr Friederich von der +Krone, von wes wegen das Stechen angefangen. Nach ihm kam geritten Herr +Antoni, und darnach alle anderen, ein jeglicher in seiner Ordnung. Und +die Schön Magelona hätt allwegen ein Auge gewandt auf ihren freundlichen +Peter, der da kam mit den Letzten. + +Als solches geschehen, befahl der König seinem Herold, aus zu rufen, daß +das Stechen sein solle freundlich, mit Liebe, ohne Schmähung des andern; +das dann durch den Herold geschah, und daß hinfür ein jeglicher das +Beste tät. + +Da fing an Herr Friedrich von der Kron, zu sagen also laut, daß es +jedermann wohl verstehen mocht: »Ich will auf den heutigen Tag erzeigen +mein Stärke und Vermögen, von wegen der edeln und schönen Magelona, aus +ganzen meinen Kräften.« Und zog darmit der erste auf die Bahn. Wider ihn +kam auf die Bahn Herr Heinrich, des Königs von Engelland Sohn, ein +schöner Ritter. Und trafen beide so wohl, daß beider Spieß brachen. +Jedoch, wäre man Herrn Heinrichen nicht zu Hilfe kommen, wäre er +gefallen; wann er war ein wenig taumelig. Nach diesem Herrn Heinrich kam +einer, genannt Lancelot von Valois, der vom ersten Treffen Herrn +Friederichen herab ledig stach. Da kam der edel Peter von Provincia +wider den Lancelot, wann sein edels Herz und Gemüte mochte nicht länger +verziehen. Er ward von jedermann genannt der Ritter mit den Schlüsseln, +wann niemand wußte seinen Namen, noch Geschlechte. Und trafen einander +also heftig, daß die Pferde mit ihnen beiden zu Boden fielen. Da ward +gesaget von dem König und anderen, daß die zween sehr stark und mächtig +wären. Und tät der König ihnen als bald befehlen, sie sollten ihre +Pferde verwechseln und andere nehmen, ob sie wollten, und noch einmal +mit einander treffen, damit man sehe, wer unter ihnen den Preis erlange. +Das als bald von ihnen beiden geschah, und saßen wieder auf. Es darf +nicht Fragens, ob die Schön Magelona mit einem traurigen Herzen habe +GOTT gebeten für ihren liebsten Peter, damit ihm nichts widerführe, und +damit ihm der Preis werde. + +Da nun die zween wieder auf gesessen wären, zugen sie zum andern mal +auf die Bahn, da dann ein jeglicher den Preis zu erlangen sich befliß. +Und begegneten wieder einander, der Gestalt, daß der Peter dem Lancelot +den Arm entzwei brach; und stieß ihn also aus großen Kräften zu der +Erden, daß der König vermeinet, er wäre tot. Und ward also von der Bahn +von den Seinen in sein Herberge getragen. + +Da kam wider den edeln Peter Herr Antoni von Savoyen, der nicht also +stark war als der Lancelot, und den der Peter leichtlich zu Boden stieß. +Nach dem kam gezogen Herr Jacob von Provincia, sein Vetter. Peter +erkennet ihn wohl, aber er ward von seinem Vetter nicht erkannt. Da nun +der edel Peter seines Vaters Bruder sah sich zu dem Spiele schicken, +saget er zu dem Herold: »Gehe hin, und sage jenem Ritter, daß er nicht +wider mich komme. Wann er hat mir eins mals einen Dienst getan in der +Ritterschaft, darum ich ihm schuldig, wiederum zu dienen. Ich wollte ihm +ungern einen Verdruß tun. Sage ihm auch darbei, ich lasse ihn bitten, er +wölle mein verschonen. So bin ich gutwillig, offenlich zu bekennen, daß +er ein besser Ritter sei dann ich.« + +Solches richtet der Herold aus, wie ihm dann befohlen war. Da das Herr +Jacob verstund, ward er zornig; wann er ein guter Ritter war. Er hätt +auch den edeln Peter zu Ritter geschlagen mit eigener Hand, darum ihm +dann der edel Peter die Ehre gab. Da fing Herr Jacob an zu sagen zu dem +Herold: »Sage dem Ritter, wer er ist, habe ich ihm je Liebs getan, ich +sage ihn hiemit frei, quitt, ledig und los. Noch mehr, so er sich gegen +mir nicht wehret, will ich ihn halten für einen, der kleine Kraft in ihm +hat.« Das dann der Herold dem edeln Peter wieder saget. Da solches der +edel Peter von seinem Vetter vernahm, ward er auch zornig. Und +beschweret ihn nicht ein wenig, daß er mit seinem Vetter mußte treffen. +Doch mußte er es tun, damit er nicht von den Leuten erkannt werde. Als +es an ein Treffen ging, da führet der edel Peter seine Stangen die Quere +über, wann er wollt seinen Vetter nicht treffen. Aber sein Vetter +verschonet sein nicht, und traf ihn auf seine Brust und zerbrach seine +Stangen und fiel auf den Sattel seines Pferdes. Aber der edel Peter +verwandt sich nicht, ihn gedauchet auch, eine Feder hätt ihn an +gerühret. Das nahm der König gewahr, und sah wohl, daß solches der +Ritter mit den Schlüsseln getan hätt aus Höflichkeit. Doch wußte er +nicht, warum es geschah; aber die Schön Magelona verstund es bald, warum +der Peter solches tät. Doch schickten sich die beiden zu dem andern +Treffen, und tät der Peter nicht anders, dann wie vor. Aber sein Vetter +sparet es nicht, und traf ihn also heftiglich, daß er sich selber am +Peter ledig herab stach. Der Peter hätt auch darum nie keinen Stegreif +geraumet und am Treffen beweget, darum sie sich alle verwunderten. Da +das Herr Jacob gesehen hätt, und auch empfunden, daß er also stark war, +und hätt ihn nicht mögen bewegen, auch, daß er von ihm nicht getroffen +war, tät er sich verwundern, und wollt nicht wieder kommen; also zog er +ab. Er wußte auch nicht, daß es sein Vetter, der edel Peter, wäre +gewesen. + +Darnach kam gezogen auf die Bahn Herr Eduard von Bourbon, ein tapferer +und starker Ritter. Aber des ersten Treffens stieß ihn der edel Peter, +Roß und Mann, zur Erden, mit also großen Kräften, daß die Umsteher sich +des Peters verwunderten, und ihn hochachteten. + +Nach diesem kam Herr Friederich von Montferrat und brach seine Stangen +auf dem Peter. Aber der Peter traf ihn oben an sein Gardebras bei der +Schulter und stieß ihm's hinweg. Und, daß ich's kurz mache: alle Ritter, +die noch vorhanden waren, stieß der Ritter mit den Schlüsseln herab, +und behielt also den Preis. + +Da niemand mehr vorhanden war, der mit ihm wollte treffen, schlug er +sein Visier auf und ritt zum König. Da ihn der König ersah, befahl er, +durch Rat seiner Herren und Räte, dem Herold, aus zu rufen, wie daß der +Ritter mit den Schlüsseln den Preis und die Ehre hätt erlanget, und daß +er sich am besten gehalten unter allen anderen. Und dem Ritter Peter +sagten die Königin und Schön Magelona, samt anderen Jungfrauen und +Frauen, viel Danks. Also zog ein jeglicher heim in sein Herberge und zog +sich aus. Doch ließ der König aus rufen durch den Herold, ein jeglicher +sölle gen Hof kommen, mit ihm das Morgenmahl zu empfahen; das sie dann +alle täten. + +Als sie gen Hof kamen, danket ihnen der König und bewies ihnen allen +große Ehre. Als sich der edel Peter hätt aus gezogen, ging er auch gen +Hof. Da ihn der König ersah, ging er ihm entgegen, umfing ihn und +sprach: »Mein liebster Freund, ich dank euch der Ehren, die ihr mir heut +bewiesen habet. Wann ich darf mich wohl beruhmen, es sei kein Fürste auf +Erden, der einen solchen Ritter habe an seinem Hofe, mit Zucht und +Ehren, auch Tapferkeit gezieret, als ich an euch habe. Es ist auch nicht +vonnöten, daß ich euch lobe, wann euer Werk bezeuget es selber, des +gleichen alle Fürsten und Herren, so itzunder hie sein. Ich bitte GOTT +den Allmächtigen, Er wolle euch zu dem verhelfen, was euer Herze +begehret; wann fürwahr, ihr seid des würdig.« + +Den selben Tag ward der Ritter ehrlich und wohl gehalten von dem König +und allen anderen; wann wer mit ihm mochte zu reden kommen, der +gedauchet sich seiner Gesellschaft erfreuet. Und je mehr man ihn sah, je +lieber man ihn sah; wann er war ein schöner holdseliger junger Gesell, +darzu war er weiß wie eine Lilie, und hätt freundliche Augen und gelbes +Haar als Gold. Darum jedermann saget, GOTT hätte ihm viel sonderlicher +Tugend verliehen. + +Nach dem allem vergaß der König der Verwundeten nicht, und schicket bald +nach seinen Wundärzten, den besten; und ließ den Lancelot verbinden, der +hart wundt war. Die Ärzte täten in kurzer Zeit also großen Fleiß, damit +der Lancelot wieder geheilet und gesund war. Also hielt der König +funfzehen Tag offenen Hof zu Ehren den Fürsten, die dar kommen waren. +Und ging die Rede allein von dem Ritter mit den Schlüsseln. Da solches +die Schön Magelona höret, ward sie hochlich erfreuet, ließ sich's doch +nicht merken. + + + + +Wie die Fürsten und Herren wieder heim zogen, doch zornig, dieweil sie +nicht erfahren mochten, wer der Ritter wäre. + + [Illustration] + + +Als sich das Stechen und die Freude geendet hätt, zogen die Fürsten und +Herren wieder heim, doch zornig; wann sie mochten nicht erfahren, wer +der Ritter war, der das Beste in dem Stechen hätt getan unter so viel +Fürsten und Herren. Da sie nun heim kamen, da redeten sie viel von dem +Ritter mit den Schlüsseln. + +Als nun solches alles sich hätt verlaufen, da kam der edel Peter zu der +Schönen Magelona; wann sie mochten nicht lange von einander sein, so sie +es schicken konnten. Und als sie bei einander waren, da lobet ihn die +Schön Magelona sehr. Aber der Peter saget ihr wieder, er hätte solches +getan nicht von sich selber, sondern ihre Schöne hätte es getan und ihn +darzu gedrungen, und von ihr käme der Preis und die Ehre. + +Da sie genug mit einander hätten geredet von mancherlei, da wollt der +Peter sie versuchen, und sprach zu ihr: »Edelste aller liebste schönste +Magelona, ihr wisset, daß ich von euert wegen lang aus bin blieben von +Vater und Mutter. Darum, aller liebstes Lieb, dieweil ihr des ein Ursach +seid, wollt ich euch bitten, ihr wollet mir erlauben, heim zu reiten, so +es euch gefiele. Wann ich bin es sicher, daß sie große Sorg und +Schmerzen für mich tragen, dieweil sie nicht wissen, wo ich bin. Ich +mache mir auch solcher Beschwernis ein Gewissen.« Solches tät der Peter +allein, zu erfahren, wie sie sich darinne wollt halten. + +Als die Schön Magelona hätt vernommen ihres liebsten Peters Rede, +stunden ihr alsbald die Augen voller Wassers, und begunnten die heißen +Zähren, ihr das schöne Angesicht naß zu machen, und verwandelt sich all +ihr Farbe, und ward ganz bleich. Und sprach mit schwerem Seufzen und +Weinen zum Peter: »Fürwahr, aller liebster Peter, alles das, so ihr mir +gesaget, ist wahr und billig. Wann die Natur gebietet, daß sich der Sohn +gebe untertan und gehorsam dem Vater und Mutter, damit er nichts wider +sie handele, das ihnen entgegen sei. Aber mich tut beschweren, daß ihr +euer aller Liebste wollt hinter euch lassen, die ohn euch weder Ruh noch +Rast mag haben in dieser Welt. Ich laß euch auch fürwahr wissen, so ihr +von mir hin ziehet, ihr werdet balde von meinem Tod erfahren; also durch +euert wegen werde ich sterben. Darum, mein aller liebster Herr und +Freund, ich bitte euch freundlich, ihr wollet mir euer Hinziehen nicht +verbergen. Wann als bald ihr hinziehet, will ich mich auch darzu +schicken. Wann ich weiß wohl, daß ich nicht lang darnach werde leben; +also wäret ihr ein Ursach meines Todes. So es aber vonnöten ist, daß ihr +hin ziehet, bitte ich euch freundlich, mein aller liebstes Lieb, ihr +wollet mich mit euch nehmen, und nicht hinter euch lassen zu meinem +großen Schaden.« + +Als nun der Peter die Schöne Magelona kläglich höret reden, ging es ihm +nahe zu Herzen, und gedauchet ihn, sein Herz wolle ihm in seinem Leibe +springen. Und saget zu ihr: »Ach, Magelona, mein aller liebstes Lieb, +weinet nicht, und bekummert euch nicht mehr! Wann ich hab mir für +gesatzet, nimmer aus diesem Lande zu ziehen, sondern das Ende zu +erharren, wie es mit uns ergehen werde. Ich wollte auch den Tod viel +lieber leiden, dann euch verlassen. So ihr aber mit mir wollet, so seid +sicher, daß ich euch in aller Zucht und Ehr will führen, und stäte +halten die Zusage, die ich euch getan vor dieser Zeit.« + +Als die Schön Magelona solches von dem Peter verstund, ward sie wieder +erfreuet, und saget zu ihm: »Mein edeler Herr und Freund, dieweil ihm +also ist, als ihr anzeiget, so rate ich, wir ziehen von dannen aufs +Kürzest und Heimlichst, so es geschehen mag. Von wegen zweier Ursachen: +die erste ist, daß es ist zu besorgen, ihr werdet verdrossen, länger zu +verziehen, und daß ihr endlich kein Lust mehr hättet, hie zu bleiben, +und zöget hin und ließet mich hinter euch. Die ander ist, daß mein Vater +mich willens hat, in Kürze zu verheiraten und vergeben. Daraus ich +empfinde, daß er mir eher wird den Tod geben; wann ich will keinem +andern vertraut sein dann euch. Darum, mein aller liebstes Lieb, bitt +ich euch freundlich, ihr wollet aufs Kürzest dartun und Mittel suchen, +damit wir mit einander hin kommen; wann hie länger zu verziehen, möchte +uns schädlich sein. Wann ich hab mein Herze ganz in euch gesatzet, daß +ich euch nimmer wollte verlassen. So habt ihr auch gesaget, ihr wollet +mich züchtiglich und ehrlich halten bis zu unserm Verlöbnis.« + +Da fing der Peter auf ein Neues an, schwur und verhieß ihr's, also zu +halten. Also beschlossen sie, den dritten Tag nach dem ersten Schlaf mit +einander hinweg zu ziehen. In dem sollt sich der Peter schicken mit +aller Notdurft, und sollte kommen mit den Pferden zu dem kleinen +Pförtlin bei dem Garten und allda ihr harren. Sie bat ihn auch fleißig, +er wölle gute starke Pferd mitbringen, damit sie auf das Schnellest aus +dem Lande ihres Vaters kämen. Wann sie sprach: »So mein Vater solches +inne würde, so wird er uns nach folgen; und so er uns überkäme, so +besorge ich, er würde uns beide töten lassen.« + +Also nahm der Peter Urlaub und seinen Abschied von der Schönen Magelona, +und bat sie freundlich, sie wölle geschickt sein, und nicht lang +verziehen. Von diesem Rat und Beschluß wußte die Amme gar nichts; wann +sie war nicht darbei gewesen, als sie es beschlossen hätten. Auch wollte +die Schön Magelona nicht, daß sie es sollte wissen. Wann sie hätt große +Sorg, sie würde es nicht verschweigen, sondern solches verhindern; darum +hielt sie es heimlich. Der Peter ging also von ihr hinweg in seine +Herberg, und schicket alles, das ihm vonnöten war, doch verborgen. Und +ließ seine Pferd auf das Beste beschlagen. + + + + +Wie Peter die Schön Magelona hinweg führet. + + [Illustration] + + +Nun, da es kam um die bestimmte Zeit auf den ersten Schlaf, kam der +Peter zu dem Pförtlin des Gartens mit dreien Pferden, unter welchen +eines war geladen mit Wein und Brot und ander Speise auf zween Tage, +damit sie nicht durften Essen suchen oder Trinken in den Herbergen. Er +fand die Schöne Magelona ganz alleine, die hätt zu sich genommen Gold +und Silber, was ihr vonnöten war. Und saß auf ein schönes gutes englisch +Zelterlin, das da sanft ging von Vorteil. Darnach saß der Peter auf ein +schönes gutes Pferd, und ritten beide eilends ohn Abstehn die ganz Nacht +über, bis daß der Tag anbrach. + +Da nun der Tag kam, suchet der Peter die Hölzer gegen dem Meer zu, +damit sie nicht gesehen würden von jemand, und damit man von ihnen +nichts möchte erfahren. Und da sie nun tief genug im Holz waren, da hub +der Peter die Schöne Magelona von dem Pferde herunter, und zog hernach +den Pferden ihre Zäume ab und ließ sie weiden und grasen. Und ging er +und sie sitzen auf das grüne Gras unter einen Schatten. Und sagten von +ihrer Abenteuer, und baten GOTT fleißig, daß Er sie wolle beschützen und +endlich führen, da sie hin begehrten, ihr Fürnehmen zu verbringen. Und +als sie beide lang mit einander hätten geredt, da überkam die Schön +Magelona großen Willen, zu schlafen und ein wenig zu ruhen, wann sie +hätt die ganze Nacht nicht geschlafen, auch war sie müde worden von dem +Reiten. Also leget sie ihr Haupt in des Peters Schoß und fing an zu +schlafen. + + + + +Wie man das Hinwegziehen des Ritters und der Schönen Magelona erfuhr, +und wie sie an allen Orten gesucht wurden. + + [Illustration] + + +Als es nun Tag worden, kam die Amme in die Kammer der Schönen Magelona, +und tät allda lange Zeit verharren, wann sie vermeinet, sie schliefe +noch. Und da sie sah, daß die Zeit vorüber war, in der sie gewohnet war, +auf zu stehen, gedachte sie, dieweil sie also lang verzöge, sie würde +schwach sein. Also ging sie für das Bette, da fand sie niemand, sondern +das Bette war noch unzerbrochen, daran man kein Zeichen finden mochte, +daß etwann wer darinne gelegen. Des erschrak sie sehr, und gedacht in +ihr selber, daß sie der Peter hätte hin geführet. Und ging als bald in +die Herberg des Peter, und fraget nach ihm; da erfuhr sie, daß er hin +war. Da fing die Amme an, sich so jammerlich zu stellen, daß sie +vermeinet zu sterben. Und ging als bald in der Königin Kammer, und saget +ihr, wie sie die Schöne Magelona hätte gesuchet in ihrem Bette, aber +hätte sie nicht gefunden, sie wüßte auch nicht, wo sie wäre. + +Als solches die Königin von der Ammen höret, erschrak sie und ward +zornig, ließ sie überall suchen, so lang, bis solches der König erfuhr. +Und kam das Geschrei, der Ritter mit den Schlüsseln wäre hinweg. Da +gedacht sich der König, der Ritter hätte sie mit sich hin geführet. Und +ließ der König als bald mit Macht auf bieten, nach zu folgen und zu +suchen; und so man den Ritter überkäme, gebot er, man sölle ihm ihn +lebendig bringen. Wann er wollt ihn strafen, damit die ganze Welt darvon +wüßte zu sagen. + +Da nun die Untertanen hätten verstanden den Willen ihres Herren, gingen +sie heim. Und nahmen ihr Harnisch und Waffen, zerteilten sich hin und +wieder auf dem Wege und suchten mit großem Fleiß. Und blieben der König +und die Königin unmutig bei einander; wann der ganze Hof ward betrübet, +in Sonderheit die Königin; die wollt verzweifeln und schrie und weinet +gar jammerlich. + +In dem schicket der König nach der Ammen, und saget ihr: »Es mag nicht +gesein! Du mußt etwas darvon wissen, daß dann kein Mensch!« Da fiel die +gute Amme dem König zu Füßen und sprach: »Aller gnädigster Herr, so ihr +in mir möget finden, daß ich in dieser Sachen einerlei schuldig bin, so +bin ich zufrieden, daß ihr mich lasset töten eines grausamen Todes, wie +ihn euer Hof erkennen wird. Dann als bald ich solches erfahren, hab +ich's meiner gnädigen Frauen, der Königin, angezeiget.« + +Da ging der König in sein Gemach, aß und trunk nichts den ganzen Tag vor +Trauern. Es war auch erbarmlich, zu sehen der Königin Wesen, samt +anderen Jungfrauen und Frauen des Hofes, auch durch die ganze Stadt +Neapel. + +Nun suchten die Untertanen hin und her treulich, aber sie konnten nichts +finden, noch erfahren von den Zweien. Und kamen also eines teils in +sechs Tagen wieder, die anderen in fünfzehen Tagen. Erfuhren und funden +nichts, darum der König fast zornig ward. + +Nun wollen wir hie verlassen, weiter von dem König zu sagen; und wollen +uns wenden, zu sagen von der Schönen Magelona, die da lag im Holze und +schlief. + + + + +Wie die Schön Magelona entschlief in dem Schoße des Peter, und wie er +große Lust hätt, sie schlafend an zu schauen, doch zu Ende zornig ward, +als ihr hernach hören werdet. + + [Illustration] + + +Wie ihr oben gehört habt, daß die Schön Magelona in dem Schoße des Peter +entschlief, da hätt der Peter keine größer Lust, dann im Anschauen +seiner aller Liebsten; er kunnt sich auch nicht ersättigen der Schöne, +die er da vor sich sah. Und da er sie genug besehen hätt, ihren schönen +roten Mund, auch das Angesicht, da kunnt er sich nicht enthalten, +schnüret auf ihre Brust, zu beschauen auch ihre schneeweiße Brust, die +weißer war zu sehen, dann ein Kristall; griff an ihre schönen Brüstlin. +Als er solches tät, ward er in der Liebe ganz entzundet und verzucket. +Gedauchet ihn, er wäre im Himmel, gedacht auch, Unglücke möchte ihm +nichts schaden. Doch diese Lust blieb ihm nicht lang; wann darnach +erlitt er unübertreffliche Pein, als ihr hernach werdet vernehmen. + +Da nun der Peter die Schöne Magelona wohl besehen hätt, da sah er +ungefähr einen roten Zendel zusammen gewickelt zwischen ihren Brüstlin +liegen. Da überkam ihn große Lust, zu erfahren, was es wäre, und nahm es +heraus und wickelt es auf. Da fand er darinnen liegen die drei schönen +Ringe, die er ihr geben, und die sie also lieb hätt und auf hub von +seinen wegen. Da sie nun der Peter gesehen hätt, wickelt er's wieder in +den Zendel wie vor und leget sie neben sich auf die Seiten auf einen +Stein und begunnt, die Schöne Magelona wieder an zu sehen, und ward also +verzucket in der Liebe, daß er nicht wußt, wo er war. + +Aber GOTT der Allmächtig erzeiget ihm, wie daß in dieser Welt kein +Freude wäre ohn Traurigkeit, und schicket darhin einen Vogel, der da +lebet von dem Raub. Der ersah den Zendel, und vermeinet, es wäre +Fleisch, erwischet ihn und flog darvon. + + + + +Wie Peter dem Vogel nach folget und warf zu ihm mit Steinen, aber der +Vogel ließ den Zendel ins Meer fallen. + + [Illustration] + + +Da der Peter solches ersah, daß ihm der Vogel die Ringe hätt hinweg +geführet, ward er zornig; wann er gedacht, so es die Schön Magelona, die +er dann ungerne erzürnen wollt, erführe, es würde ihr nicht gefallen. Er +leget seinen Mantel säuberlich unter ihr Haupt, damit sie nicht erwache, +und folget dem Vogel nach, warf mit Steinen nach ihm; wann er verhoffet, +er wölle die Ringe ihm wieder ab jagen. Und trieb es so lang, bis der +Vogel den Zendel mit den Ringen ließ in das Meer fallen. Dann saß er auf +einen kleinen Felsen nahe bei dem Erdreich. Jedoch zwischen dem Felsen +und Erdreich war eine große Menge des Wassers, es mochte keiner hinüber +kommen, von Sorge wegen, daß er nicht ersaufe. Auf dem Felsen saß der +Vogel, und wurf der Peter mit Steinen zu ihm, und dränget ihn also sehr, +daß er die Ringe ließ ins Meer fallen, und flog darvon. + +Da mochte der Peter nicht hinüber vor Wasser, er wäre sonst ersoffen, +wie wohl es nicht weit war von dem Lande. Da fing der Peter an, hin und +her zu suchen, ob er möchte was finden, darinne er sicher hinüber kommen +möchte. Und sprach wider sich selber: »O mein GOTT, was habe ich getan! +Hätte ich die Ringe liegen lassen an ihrem Orte, da sie wohl und sicher +lagen! Ich meine, sie werden mir wohl bezahlt, des gleichen der Schönen +Magelona. Wann ich lang aus bleibe, wird sie mich suchen.« + +Also suchet der Peter so lang am Gestad, bis er fand einen kleinen alten +Kahn, welchen die Fischer verlassen hätten, dieweil er nichts nutze mehr +war. Der Peter stieg hinein und ward wieder erfreuet; aber sein Freude +währet nicht lang. Wann er nahm einen Stecken in die Hände, den er +ohngefähr hätt gefunden, und leitet sich darmit hinüber gegen dem +Felsen. + +Aber GOTT der Allmächtig, der alle Ding machet nach Seinem Göttlichen +Willen, schicket, daß ein großer Wind auf stund; der nahm den Peter mit +Gewalt und führet ihn auf das hohe Meer über seinen Willen. Da er sah, +daß er je länger, je mehr von dem Erdreich kam, und wußte ihm nicht +wider zu stehn, und tät betrachten die große Gefährlichkeit des Todes, +darinne er war, und daß er hätte die Schöne Magelona, die er mehr liebet +dann sich selbst, also verlassen in dem Holze liegen schlafen, und +besorget, sie würde sterben eines bösen Todes, und würde verzweifeln +ohne Hilf und Rat, gedachte er, sich selber in das Meer zu werfen. Wann +sein edels Herze mochte nicht mehr dulden, noch erleiden solchen +Schmerz. Doch der, so da versuchet, die Menschen dieser Welt durch +mancherlei Trübsal und Leiden zu leiten zu der Geduld, wollte nicht über +ihn verhängen, daß ihm was an seinem Leib widerführe. + +Da kam der Peter wieder zu sich selber als ein rechter christlicher +Mensch, und rief an GOTT den Allmächtigen und sprach wider sich selber +also: »Ach, böse bin ich! Warum will ich mich selbst töten, die Weil ich +dem Tod also nahe bin, der da zu mir laufet, mich zu fahen! Ich darf ihn +nicht suchen. O allmächtiger, ewiger, gütiger GOTT, ich bitte Dich, Du +wollest mir vergeben alle meine Sünde, und was ich je wider Dich +gehandelt habe. Wann wider Dich, o allmächtiger GOTT, habe ich +gesündiget, daß ich wohl eines ärgern Todes schuldig wäre dann dieses. O +GOTT, erbarme Dich mein! Ich will ihn auch gerne leiden, ich wollte ihn +auch lieber leiden, so ich wüßte, daß mein aller liebster Gemahel keinen +Schmerz leiden sollt. Aber es kann nicht gesein. Ach wehe, ach wehe, +mein aller liebste und schönste Magelona, ein Tochter eines mächtigen +Königs, wie wird euer Leib und Herze erleiden mögen, sich alleine in +der Wüsten zu finden, dieweil er also zärtlich erzogen ist! Ach wehe und +aber wehe, bin ich nicht ein falscher und ungetreuer Mensch, daß ich +euch hab aus geführet aus dem Hause euers Vaters und Mutter, da ihr also +reichlich und zärtlich gehalten waret! Ach wehe, mein aller liebster und +edelster Gemahel, nun bin ich des Todes, wann ich kann ihm nicht +entgehn. Um mich ist es ein kleiner, aber um euch ein großer Schaden; +wann fürwahr, ihr seid die schönest auf Erden. O allmächtiger, ewiger, +gütiger GOTT, ich befehle sie Dir in Deinen Schutz und Schirm! Du +wollest sie bewahren vor allem Übel! Du weißt wohl, daß zwischen uns +beiden ist kein unordentlich Lieb gewesen. Darum, o GOTT, aller +betrübten Menschen ein Zuflucht, ich bitte Dich, Du wollest ihr helfen, +und sie nicht verlassen; wann sie hat einen guten reinen Fürsatz gehabt. +Du wollest sie nicht lassen verderben, und meine Seele lassen zu Deiner +Seligkeit kommen, aus Deiner grundlosen Barmherzigkeit Dich über mich +erbarmen! O aller liebste Magelona, ich werde euch nicht mehr sehen, +noch ihr mich, unser Verlöbnis und Ehe hat ein kurze Zeit gewähret. Ach, +wollt GOTT, ich wäre tot vor zweien Tagen vergangen gewesen, und ihr +wäret wieder in euers Vaters Hause!« + +Also weinet und beklaget der edel Peter mehr die Schöne Magelona dann +sich selber. Er saß in der Mitten des Schifflins und wartet des Todes, +wo ihn das Meer hin würf; wann er ließ es frei gehen, wo es hin wollten +führen die Wellen des Meers. Er hätt auch Wassers genug bei sich in dem +Kahn und ward gar naß. In dieser Gefährlichkeit blieb der Peter von +Morgen an bis auf den Mittag. + +Es begab sich auch, daß ein Raubschiff kam der Mohren, die sein +ansichtig wurden, und sahen ihn alleine darher fahren, wie ihn der Wind +führet. Sie zogen ihm zu, fingen ihn und satzten ihn in ihr Schiff. Aber +der Peter war vor Leid halb tot, er erkennet sich selber nicht wohl und +wußte nicht, wo er war. Da nun der Patron des Schiffes den Peter recht +an sah, gefiel er ihm wohl; wann er war wohl gekleidet und schön. Und +gedacht in sich selber, er wölle ihn dem Sultan schenken. Sie schifften +so viel Tagreisen, bis sie kamen gen Alexandria. + + [Illustration] + +Als sie darhin kamen, da schenket der Patron den Peter dem Sultan. Da +ihn der Sultan ersehen hätt, da gefiel er ihm wohl, und danket dem +Patron. Der Peter trug die gulden Ketten allwegen an seinem Halse, die +ihm die Schön Magelona hätt geben; darum gedauchet den Sultan, daß er +eines großen Geschlechts wäre. Er ließ ihn auch fragen durch einen +Dolmetschen, ob er zu Tische dienen könne. Da antwortet ihm der Peter, +ja. Also befahl der Sultan, man sölle ihn der Weise unterrichten. Der +Peter lernet also wohl, daß er's ihnen allen vor tät. Auch gab GOTT der +Allmächtige dem Sultan die Gnade, daß er den Peter lieb gewann, und +also sehr, als wäre er sein eigener geborener Sohn gewesen. + +Der Peter war auch nicht ein ganzes Jahr bei ihm, so unterstund er sich, +aus Gnaden GOTTes des Allmächtigen, die Sprache wohl zu lernen, und +redet gut mohrisch und griechisch. Und war also züchtig und freundlich, +daß ihn jedermann am Hofe lieb gewann, als wäre er ihr eigener Sohn +gewesen, oder Bruder. Es war auch seines gleichen nicht am Hofe mit +aller Geschicklichkeit, daß alles durch ihn geschehen mußte bei dem +Sultan. Das, was ihm befohlen war, zu tun und aus zu richten, das tät er +mit ganzem Fleiß, derhalben er herfür gezogen ward. In dieser Ehren war +der Peter bei dem Sultan. + +Jedoch mochte er nie fröhlich werden, wann sein Herze war ihm allwegen +schwere, so er gedacht an seine aller liebste Magelona; und hätte +gewollt, er wäre in dem Meer ersoffen, darmit er solcher Schmerzen +erlediget wäre worden. Also gedacht der Peter an sein traurig Leben, +doch ließ er sich nichts merken, wie wohl sein Herze allwegen bei GOTT +wäre; und tät ihn oft bitten, dieweil er ihm geholfen hätte aus der +großen Fährlichkeit des Meers, daß er ihm auch helfe und Gnad verliehe, +damit er das heilige Sakrament der Ehe möchte empfahen, eh er stürbe. Er +gab auch viel Almosen den armen Christen von wegen seiner aller liebsten +Magelona, und verhoffet, GOTT werde sie nicht verlassen. + +Nun wollen wir von ihm lassen zu reden, und von der Schönen Magelona +sagen. + + + + +Wie die Schön Magelona lag auf des Peters Mantel und schlief, und da sie +erwachet, da fand sie sich alleine in dem Holz. + + [Illustration] + + +Als nun die Schön Magelona nach Lust hätt geschlafen, (wann sie war müde +und hätt die ganze Nacht gewachet, des sie nicht gewohnet war), wachet +sie auf, und gedacht, sie wäre bei ihrem aller liebsten Peter, und +vermeinet, sie hätte ihr Haupt in seinem Schoße. Da saß sie auf und +saget: »Mein aller liebster Peter, ich habe wohl geschlafen, ich glaube +gänzlich, ich habe euch verdrießlich gemachet.« Und sah um sich, so fand +sie niemand. Sie stund auf und erschrak sehre, fing an, mit lauter +Stimme zu rufen durch das Holz: »Peter! Peter!« Aber niemand wollte ihr +antworten. + +Da sie niemand höret noch sah, wäre nicht Wunder gewesen, daß sie von +allen ihren Sinnen kommen wäre. Da fing sie an zu weinen, und ging also +durch das Holz rufen: »Peter! Peter!« als laut sie immer rufen mochte. +Da sie nun lang hätt gerufen und gesuchet, da ward sie heiser im Halse +von dem Rufen, und stieg ihr ein Schmerz und Wehe in das Haupt, daß sie +vermeinet, allda zu sterben. Und fiel also in einer Ohnmacht auf die +Erden, als wäre sie tot. + +Darinne blieb sie eine lange Zeit, und als sie wieder zu ihr selber kam, +da setzet sie sich nieder, und fing an die jammerlichsten Klagen, die je +ein Mensch gehöret. Und saget: »Ach, mein aller liebster Peter, mein +liebstes Lieb und Hoffnung, wo hab ich euch verloren! Warum seid ihr von +mir geschieden, und habt mich also verlassen, euer getreue Gesellin? Ihr +wisset doch wohl, daß ich ohn euch nicht habe wollen leben in meines +Vaters Hause, da ich also reichlich gehalten ward. Ach wehe und aber +wehe, wie möget ihr gedenken, daß ich möge leben in dieser Wildnis und +Wüsten! Ach wehe, mein edelster Herre, in welcher Irrung gehet ihr um, +daß ihr mich also verlassen habet in diesem rauhen Busch, darinne ich +eines jammerlichen Todes sterben werde! Ach wehe und aber wehe, was habe +ich euch zu Mißfallen getan, daß ihr mich habt geführet aus meines +Vaters Haus, des Königs von Neapel, mich also in großen Ängsten und +Schmerzen zu töten! Habt ihr doch mir also große Liebe erzeiget! Ach, +mein aller liebster Peter, habt ihr an mir etwas gefunden, das euch +nicht hätte gefallen? Fürwahr, ich hab mich zu viel gegen euch +entdecket. Ich hab solches getan aus großer Liebe, die ich zu euch +getragen habe; wann nimmer mehr kommet mir ein Mensch also tief in mein +Herze als ihr. Ach, edelster Peter, wo ist euer Adel, wo ist euer edels +Herze, wo ist euer Glauben und Zusage! Fürwahr, ihr seid der greulichste +Mensch auf Erden, der je von einer Mutter geboren ward, wie wohl mein +Herze nichts Böses von euch kann und vermag zu sagen. Ach wehe, was kann +ich mehr für euch tun! Fürwahr, ihr seid der ander Jason, und ich die +ander Medea.« + +Ging also verzweifelt hin und her und suchet den Peter durch das Holz, +und kam, da sie die Pferde fand. Als sie die Pferde ersah, da fing sie +an, auf ein Neues zu klagen und weinen. Und saget: »Fürwahr, mein aller +liebster Peter, ich erkenne itzt, daß ihr nicht mit Willen seid von mir +geschieden; des bin ich ganz sicher. Ach wehe, mein getreuer Liebhaber, +und ich Ungetreue, daß ich euch also geschmähet habe! Darum mein Herze +betrübet ist bis in den Tod. Ach, welch Abenteuer hat uns von einander +geschieden? Seid ihr tot, warum bin ich mit euch auch nicht tot! +Fürwahr, es ist keiner armen Tochter nie ein so groß Unglücke wider +fahren als mir. Ach Glücke, du verfolgest itzunder nicht die Getreuen +und Frommen, und je höher die Personen sein, je mehr du mit ihnen zu +kriegen hast. O gütiger GOTT, der Du bist ein Licht aller Ungetrosten +und Verlaßnen, ich bitte Dich, Du wollest mich arme Jungfrauen trösten. +Behalte und behüte mir meine Sinne, meinen Verstand und Vernunft, damit +ich nicht verliere Leib und Seele! Lasse mich sehen meinen aller +liebsten Herrn und Gemahel zuvor, ehe ich sterbe! Ach wehe, möchte ich +erfahren, wo er wäre. Und so ich ihn wüßte zu Ende der Welt, ich wollte +ihm nach folgen. Ohn allen Zweifel glaube ich, diese Widerwärtigkeit hat +uns geben der Böse Geist, dieweil unser Lieb ist nicht gewesen +unordentlich noch zerbrochen, und dieweil wir nicht haben willigen +wöllen in seine böse Anfechtung. Und halte es darfür, daß er ihn darum +geführet habe in ein fremd Land, unser beider guten Willen zu brechen.« + +Solche Wort saget die Schön Magelona in ihr selbst und beklaget ihr +Unglücke und ihren aller liebsten Peter. Ging also hin und her durch das +Holz wie eine verlassene Frau, und horchet, ob sie etwas möchte hören +nah oder weit. Darnach stieg sie auf einen Baum und sah sich um, ob sie +möchte etwas sehen und erkennen, und sah nichts auf Erdreich, dann Holz +am Land und Port des Meers, und auf der andern Seiten sah sie nichts +anders, dann das tiefe Meer. + +Also blieb die Schön Magelona ganz traurig und beschwert diesen ganzen +Tag ohn Trinken und Essen. Da nun die Nacht kam, suchet sie einen großen +Baum, auf den stieg sie mit großer Marter und Pein. Darauf blieb sie die +ganze Nacht sitzen, aber sie ruhet und schlief wenig; wann sie hätt +große Sorge vor den wilden Tieren, die würden ihr einen Schaden zu +fügen. Und also vertrieb sie die ganze Nacht: itzt weinet sie, darnach +gedacht sie, wo er möchte hin kommen sein, und darnach gedacht sie, was +sie tun wölle, oder wo hinaus. Wann sie hätt sich in ihrem Herzen für +gesatzet, sie wölle nicht wieder heim ziehen zu Vater und Mutter, wann +sie forcht den Zorn ihres Vaters. Und beschloß endlich bei ihr selbst, +sie wölle ihren aller liebsten Peter suchen durch die Welt. + + + + +Wie die Schön Magelona herab stieg von dem Baum und kam, da sie die +Pferde fand, band sie auf und ließ sie laufen. + + [Illustration] + + +Als nun der Tag herfür brach, da stieg sie vom Baum und ging an den Ort, +da sie die Pferde fand, die da noch angebunden waren, band sie auf mit +weinenden Augen und saget: »Als ich in mir gedenke, wie euer Herr ist +verloren und mich in der Welt tut suchen, also will ich auch, daß ihr in +die Welt laufet, wo ihr hin wollet.« Und zog ihnen die Zäume ab, und +ließ sie also laufen durch das Holz, wo sie hin wollten. Und ging +darnach also lang im Holze, und suchet einen Weg, bis sie fand die +Landstraße, die da ging gen Rom. + +Und da sie sich auf der Landstraßen fand, wandt sie sich wieder bald dem +Holze zu und suchet einen Ort, wo es dichte war, und setzet sich hinein. +Der Ort war hoch gelegen, darum sie möchte sehen, wer hin und wider +ginge; aber sie mochte man nicht sehen. Da sie nun eine Zeit lang da +blieb, da sah sie auf dem Wege eine Pilgerin kommen. + +Der rufet sie zu ihr; die kam als bald und fraget, was sie begehre. Da +bat sie die Pilgerin, sie wölle ihr geben ihren Rock und die anderen +Kleider um ihre schönen Kleider. Da solches die Pilgerin höret, gedacht +sie bei sich selber, sie wäre nicht alleine im Holz ohn Leute, und +vermeinet, die Schön Magelona spotte ihr. Und sprach: »Gnädige liebe +Frau, so ihr wohl bekleidet seid, sollt ihr darum der armen Leute +Christi nicht spotten! Wann solcher schöner Rock, den ihr an traget, +zieret euch den Leib; aber mein Rock, hoffe ich, werde mir meine Seel +zieren.« Da sprach die Schön Magelona zu ihr: »Mein liebe Schwester, ich +bitte dich, du wollest keinen Verdruß haben. Wann ich sag es aus gutem +Herzen, und will gerne mit dir frei markten.« + +Nun, als solches die Pilgerin verstund, daß sie redet aus einem guten +Herzen ohn allen Spott, da zog sie sich aus und gab ihr die Kleider, des +gleichen die schön Magelona die ihren; und bekleidet sich mit den +Kleidern der Pilgerin also wohl, daß man ihr nicht viel von dem +Angesicht mochte sehen. Und was sie nicht verbergen mocht, da nahm sie +einen nassen Speichel und Erdreich und beschmieret sich, damit sie nicht +erkannt würde. + + + + +Wie die Schön Magelona gen Rom kam in der Pilgerin Kleidern, und wie sie +ihr Gebet tät vor dem Hohen Altar von St. Peters Kirchen. + + [Illustration] + + +Die Schön Magelona nahm ihren Weg gen Rom in diesen Kleidern, und ging +also lang, bis sie in die Stadt kam. Als bald sie dar kam, ging sie des +ersten Gangs in Sankt Peters Kirchen. Und kniet für den Hohen Altar und +fing an, inniglich zu weinen und seufzen. Verbracht also ihr Gebet, und +saget: »O allmächtiger ewiger GOTT, Jesu Christe, der mich hast aus +Deiner Mildigkeit gesatzet in große Lust, und hast mich zu gesellet dem +Edelsten dieser Welt, den ich mehr geliebet habe dann kein Mensch, und +durch Dein Macht und Gewalt hast verschaffet, daß wir von einander sein +geschieden durch Abenteuer; mein GOTT, es ist unser Sünden Schuld, +dieweil wir Sünder sein. Jedoch, o allmächtiger, ewiger GOTT, es +gedünket mich, Du solltest ihn mir nicht geben haben, dieweil Du mir ihn +wieder hättest also wollen nehmen. Hierum bitte ich Dich aufs Demütigest +bei Deiner Menschwerdung, als Du uns gleich bist worden, doch ohn alle +Sünde, und durch Dein milde Barmherzigkeit, es sei Dein Willen und +Gefallen, Du wollest mir meinen aller liebsten Peter und Gemahel wieder +geben, dem ich durch Dein Göttliche Schickung bin verehlicht worden. O +Du gütiger Jesu Christe, der Du bist ein Tröster aller Betrübten, ich +bitte Dich, Du wollest diese, Deine arme Tochter, trösten! Wann ich +wende mich zu Dir aus gutem Herzen und Willen. Ach, Du gütiger und +getreuer GOTT, ich bitte Dich, Du wollest behüten meinen aller liebsten +und getreuesten Gemahel Peter, der Dich in allem seinem Tun und Wesen +hat geehret. So er lebendig ist, Du wollest verhelfen, daß er zu mir +komme, und ich zu ihm! Und daß wir hinfür mögen unser Leben enden in +gutem Frieden und getreuem Sakrament der Ehe! Hilf, daß wir nicht also +verloren um ziehen in dieser Welt! Hilf, daß unser getreue Lieb nicht +also schnödiglich verloren werde! Erzeige uns beiden Dein milde +Barmherzigkeit!« + +Als sie ihr Gebet hätt also vollendet, da stund sie auf, und wollt in +ein Herberg gehn. Da ersah sie ihren Vetter in die Kirchen treten, der +da war ihrer Mutter Bruder, und sie tät suchen in großer Ehr und +Gesellschaft. Darob sie sehr erschrak, doch nahmen sie ihr nicht wahr; +wann es kunnt sie unter ihnen keiner erkennen in dieser Kleidung. Und +ging also wie eine Pilgerin in das Spital. Darinne blieb sie fünfzehen +Tage wie eine arme Pilgerin, und ging alle Tag in die Kirchen Sankt +Peters und verbracht allda ihr Gebet in großer Traurigkeit und großem +Weinen. Und verhoffet, GOTT der Allmächtig würde sie endlich erhören. + +In dem, als sie allda blieb, da fiel ihr zu, sie wölle in das Land +Provincia ziehen; wann sie verhoffet, da von ihrem aller liebsten Peter +desto eher etwas zu hören. Und beschloß also bei sich, und machet sich +auf den Weg, und zog also lang, bis sie kam in ein Stadt, genannt Genua. +Da erfraget sie den Weg gen Provincia, welcher der kurzest und sicherst +wäre. Und ward ihr geraten, sie sölle auf dem Meer fahren; der Weg wäre +der kurzest und sicherst. + +Und als sie an den Port des Meeres ging, da fand sie zu allem Glücke ein +Schiff ganz zubereit, das wollt gehn zu einem Port, genannt +Toten-Wasser. Sie überkam mit dem Patron und zog mit ihm darhin. Als sie +nun darhin kam, da ging sie eines Tags durch die Stadt wie eine arme +Pilgerin. Da rufet ihr eine fromme Frau und nahm sie in ihr Haus um +GOTTes willen. Und aßen und tranken miteinander den selben Tag. Da +fraget die gute Frau die Schöne Magelona viel von ihrer Wallfahrt. Also +saget sie ihr, wie sie käme von Rom wallfahrten. Darnach fraget sie +wieder die Schön Magelona von der Gewohnheit und Eigenschaft des Landes, +und ob fremde Leute möchten sicher wandern. + +Da saget sie ihr: »Wisset, liebe Pilgerin, daß wir haben einen Herrn +dieses Landes von hinnen bis gen Aragonia, und heißet unser Herr der +Graf von Provincia. Er ist mächtig und hält sein Land in gutem Fried, +also, daß nie kein Mensch vernommen hat, daß jemand wäre ein Verdruß +geschehen; wann er befiehlt, Sicherheit und Gerechtigkeit zu halten in +seinem Lande. Er und die Gräfin sein also freundlich und holdselig gegen +den armen Leuten, daß es Wunder ist. Aber sie sein sehr betrübt und +zornig, und wir alle mit ihnen, als die Untertanen, von ihres Sohns +wegen, der Peter genannt, der da ist der edelst Ritter dieser Welt; wann +er ist bei zwei Jahren von hinnen gezogen, sich zu üben in der Welt in +Ritterspielen, und seit dieser Zeit ist nichts mehr von ihm gehört +worden. Sie besorgen alleine, er sei tot, oder ihm sei ein großes +Unglück wider fahren, was dann ein großer Schaden wäre.« Und fing an +also zu erzählen die Guttaten und Tugend des edeln Ritters. + +Als solches die Schön Magelona vermerket, und höret von dem Grafen und +der Gräfin, und daß der Peter nicht heim kommen war, da erkennet sie, +daß der Peter nicht williglich von ihr kommen war, und daß solches hätte +ein böses Unglücke getan. Und fing an, aus Mitleiden zu weinen. Und die +gute Frau, da sie bei war, vermeinet, sie weine aus Mitleiden, und hielt +sie desto lieber; und mußte die Nacht bei ihr schlafen. + + + + +Wie die Schön Magelona sich füget auf einen Port der Heiden, zu dienen +den armen Leuten in einem kleinen Spital, und wartet, ob sie von ihrem +lieben Peter was möchte erfahren. + + [Illustration] + + +Die selbe Nacht setzet sich die Schön Magelona im Herzen für, dieweil +der Peter nicht heim kommen war, sie wölle sich an einen Ort wenden, da +sie dem allmächtigen GOTT andächtiglich möchte dienen, damit sie ihr +Jungfrauschaft desto baß möchte unbeflecket behalten. Und verhoffet, daß +sie da von ihrem aller liebsten Peter eher etwas möchte erfahren, dann +anders wo. Und tät also fragen, ob in dem Lande wäre ein Ort, da man +andächtiglich möchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin, saget, daß +nahe wäre ein Insel des heidnischen Ports, dar alle Schiff und +Kaufmannschaft hin kämen aus allen Landen. Darhin kämen auch viel armer +Menschen, krank und schwach. + +Also ging die Schön Magelona, den Ort zu beschauen, und gefiel ihr wohl. +Ließ von dem Geld, das sie hätt, ein klein Kirchlein bauen und ein klein +Spital mit dreien Betten. In der Kirchen ließ sie machen einen Altar in +der Ehre Sankt Peters, ihrem aller liebsten Peter zu Gefallen, und gab +der Kirchen den Namen: St. Peter von Magelon. + +Da nun die Kirche, auch das Spital gebauet war, da tät sie sich hinein +und dienet den armen kranken Menschen mit großer Andacht; und führet +also ein scharfes Leben, daß die Leute der Insel und auch die +Umliegenden sie hielten für eine heilige Fraue; man nennet sie auch die +heilige Pilgerin. Es kam groß Opfer von viel Leuten in das Kirchlein. +Und ward also weit bekannt, daß der Graf und die Gräfin, des Peters +Vater und Mutter, selber in großer Andacht kamen, die Kirchen zu +besuchen. + +Also begab sich eines Tags, daß sie alle beide dar kamen, die Kirchen +und Spital zu besuchen, und sahen der Spitalerin Wesen. Sagten wider +einander, sie müsse eine heilige Frau sein. Als die Spitalerin die zwei +ersah, ging sie zu ihnen als eine, die sich wohl zu halten wußte, und +erbot ihnen Ehr und befahl sich ihnen beiden. Ob dem empfingen der Graf +und die Gräfin ein groß Gefallen, und gefiel ihnen ihre Weise wohl. + +Darnach zog die Gräfin die Spitalmeisterin auf einen Ort, und redeten +viel mit einander von mancherlei Dingen, und kam also weit, daß die +Gräfin ihr saget, wie sie betrübet wäre um ihren Sohn, und fing also an, +herzlich zu weinen. Die Spitalerin tröstet sie auf das Beste, so sie +mocht, wie wohl nötiger wäre gewesen, sich selber zu trösten, dann die +Gräfin. Jedoch ward die Gräfin durch die Spitalerin gar gestillet, und +saget zu ihr, sie hätte ein groß Gefallen in ihren Reden, und sprach, +sie wölle oft zu ihr kommen; und alles, was sie bedürfe, das sölle sie +begehren, das wölle sie ihr nicht versagen. Darum saget ihr die +Spitalerin großen Dank. + +Also zog die Gräfin wieder heim, und bat die Spitalerin, sie wölle GOTT +treulich bitten, damit sie erführe, wo ihr Sohn wäre. Das zu tun verhieß +ihr die Spitalerin mit gutem Herzen, und schieden also von einander. Und +die Spitalerin ging hin und wartet der armen Leute, wie sie dann +Gewohnheit hätt, und führet ein hart Leben. + + + + +Wie die Fischer an dem Ort eines Tags fischeten und fingen einen schönen +Fisch, Meerwolf geheißen, und von wegen seiner Schöne schenkten sie ihn +dem Grafen und der Gräfin. + + [Illustration] + + +Eines Tages begab es sich, daß die Fischer des selben Ortes fischten in +dem Meer, und fingen einen Fisch, Meerwolf genannt, der sehr schön war, +darum schenkten sie ihn dem Grafen und der Gräfin, die ihn mit großem +Dank empfingen. + +Als nun der Fisch durch die Diener in die Küchen ward getragen, ihn zu +zu bereiten, da fand der, so ihn bereitet, in des Fisches Bauch einen +Zendel, der war rot, in Gestalt eines Ballen oder Apfels. Und da sie +solches sahen, da nahm's eine Maid und bracht's der Gräfin zu besehen, +und saget: »Gnädige Frau, wir haben das gefunden in dem Fische.« + +Das nahm die Gräfin und wickelt es auf und fand darinne liegen die drei +Ringe, die sie ihrem liebsten Sohn Peter gegeben hätt, als er von ihr +war gezogen. Und als sie die gesehen hätt, da kannt sie die Ringe, fing +an, inniglich zu weinen und großen Unmut und Trauern zu führen. Und +sprach: »Ach wehe, allmächtiger ewiger GOTT, nun bin ich sicher und +genugsamlich berichtet, daß mein aller liebster Sohn tot ist. Nun bin +ich aller meiner Hoffnung beraubt, ich werde ihn nimmer mehr sehen. O +allmächtiger ewiger gütiger GOTT, was hat diese unschuldige Kreatur +verwirket, daß ihn der Fisch hat verschlucket!« + +Da die Gräfin also heulet und schrie, in dem kam der Graf, und als er +das Geschrei erhöret, erschrak er sehr, und fraget, was das wäre, und +ging also in ihre Kammer zu ihr. Als ihn die Gräfin ersah, saget sie zu +ihm kläglich und weinend: »Ach wehe, wehe, wie bringet uns ein +unvernünftig Tier also böse Mär von unserem liebsten Sohn Peter, die +nicht ärger sein möchten!« Und fing an, ihm zu sagen, wie sie hätten +gefunden einen Zendel, darinne waren gelegen die drei Ringe, die sie ihm +hätt gegeben, als er hinweg von ihnen zog. Und zeiget die Ringe dem +Grafen. + +Als er die ersah, da erkennet er sie als bald; und ward also betrübet, +daß er sein Haupt leget auf das Bette, und fing an, kläglich zu weinen, +wohl eine halbe Stunde. Darnach, als ein tugendreicher und beherzter +Herre, kam er zu der Gräfin und tröstet sie auf das Beste, als er +vermocht. Und sprach zu ihr: »Wisse, liebe Hausfrau, daß dieser Sohn +nicht unser, sondern GOTT des Allmächtigen gewesen; wann Er hat ihn uns +geben. Nun itzunder hat es Ihm wieder gefallen, mit ihm zu schaffen nach +Seinem Göttlichen Willen, als mit Seinem eigenen Dinge. Darum söllen wir +nicht zornig oder traurig sein. Hierum bitte ich dich, du wollest ab +stellen deinen Unmut und Schmerz, und GOTT loben, daß Er ihn uns hat +geschicket und geben. Und so du das wirst tun, so tust du ein Gefallen +GOTT dem Allmächtigen und mir.« + +Also bald befahl er seinen Dienern, hinweg zu nehmen die kostlichen +schönen Teppich seines Palastes, und hieß, dar henken schwarzes Tuch +durch sein ganzes Haus. Als solches die Untertanen erfuhren, wurden sie +all traurig; wann sie hätten den jungen Grafen sehr lieb. + +Nicht lang darnach hätt die Gräfin Willen, zu ziehen zu der Spitalerin, +die Kirchen und Spital zu besuchen, und der Spitalmeisterin ihr Not zu +klagen. Als sie zu ihr kommen und ihr Gebet in der Kirchen verbracht +hätt, nahm sie die Spitalerin bei der Hand und führte sie in einen +Betstuhl. Fing an, mit großem Seufzen und Schmerz ihr zu sagen, wie es +ergangen wäre, und zu erzählen, wie daß sie kein Hoffnung mehr hätte, +ihren liebsten Sohn zu sehen. + +Als die Spitalerin solches von der Gräfin verstanden hätt, fing sie an, +inniglich mit ihr zu weinen, und sprach: »Gnädige Frau, ich bitte euch, +so ihr die Ringe habet, ihr wollet mich sie sehen lassen.« + +Die Gräfin zog's herfür und gab's ihr zu besehen. Da sie die Ringe +ersah, erkennet sie die selben balde. Und wäre nicht Wunder gewesen, daß +ihr Herz vor Leide wäre zerbrochen in ihrem Leibe. Jedoch, wie eine +tugendreiche und weise Tochter, die ihre Hoffnung alleine in GOTT +setzet, saget sie: »Gnädige Frau, ihr sollet euch nicht bekummern; wann +die Dinge, so nicht gewiß sein, sollen anders verhoffet werden. Wie wohl +das die Ringe sein, die ihr eueren liebsten Sohn geben habet, so kann +und mag es doch wohl sein, daß er sie verloren hat, oder einer andern +Person geben. Darum ich euch bitte, ihr wollet euch nicht mehr betrüben +oder bekummern. Darinne werdet ihr euerem Herrn zu Gefallen tun; wann +ihr mehret ihm seine Schmerzen, als bald er euch siehet betrübet und +traurig. Und kehret euch gegen GOTT dem Allmächtigen, und danket Ihm um +alles, das Er euch erzeiget!« + +Also tröstet die Spitalmeisterin die Gräfin auf das Beste, so sie +vermocht, wie wohl ihrer Schmerzen nicht weniger waren, dann der Gräfin; +sie wäre auch wohl Trostes notdürftiger gewesen. + +Die Gräfin gab große Gaben in das Spital, GOTT für die Seele ihres Sohns +zu bitten, so er tot wäre; so nicht, daß sie etwas Guts von ihm erführe, +und zog also wieder heim. Und die Spitalerin blieb also fast traurig, +und fiel auf ihre Knie für den Altar Sankt Peters und bat GOTT, so er +lebendig wäre, ihn zu führen in aller Sicherheit zu seinen Freunden. Wo +er aber tot wäre, wolle sich GOTT seiner armen Seelen erbarmen und ihr +gnädig sein. Und blieb also lang in ihrem Gebete. + +Nun wollen wir auf hören, zu reden von dem Grafen, der Gräfin und der +Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da war am Hofe des +Sultans. + + + + +Wie der Peter eine lange Zeit blieb an dem Hofe des Sultans, und durch +seine Geschicklichkeit regieret er den Sultan und den ganzen Hof; wann +jedermann hätt ihn lieb. + + [Illustration] + + +Der Peter blieb eine Zeit lang an dem Hofe des Sultans zu Babilonien, +und ward von ihm geliebet, als wäre er gewesen sein eigener Sohn. Der +Sultan mochte auch kein Freude haben, der Peter wäre dann bei ihm. Doch +hätt der Peter allwegen sein Herze zu der Schönen Magelona; wann er +wußte nicht, wo sie hin war kommen. Also nahm er sich eines Tags für, +Erlaubnis zu nehmen von seinem Herrn, seinen Vater und Mutter zu +besuchen. + +Und begab sich eins mals, daß der Sultan ein groß Feste hielt; und war +fröhlich und gab vielen Menschen große Gaben. Da ersah der Peter die +Zeit, und fiel für ihm auf seine Knie und sprach also: »Herr, ich bin +lange Zeit gewesen an euerm Hofe, und durch euer sonderliche Gnade bin +ich in viel Sachen, so ich euch für getragen, von euch erhört worden. +Hab auch viel anderen Leuten ihre Sachen aus gerichtet, aber mir meiner +halben zu geben, habe ich euch noch nie gebeten. Darum ich auf dies mal +euer Gnaden bitten wollte, mir etwas zu geben, so ich nun begehren +werde, und mir solches nicht ab zu schlagen.« + +Als ihn der Sultan sah also demütiglich bitten, sprach er zu ihm: +»Lieber Peter, es ist nicht weniger: was du für einen andern begehret +hast, habe ich dir gütlich bewilliget; wie viel mehr, so du für dich +selber willst bitten, will ich mit einem fröhlichen Herzen dir geben, +was du begehrest. Darum begehre, was du willst; es soll dir von mir +nicht ab geschlagen werden.« + +Solcher gnädigen Vertröstung ward der Peter herzlich erfreuet, und saget +zu ihm: »Gnädiger Herre, ich begehre nicht mehr von euch, dann ihr +wollet mir gnädiglich heim zu ziehen erlauben, Vater und Mutter, auch +andere meine Freund zu besuchen! Wann die Weil ich bin an diesem Hofe +gewesen, habe ich nichts von ihnen mögen erfahren. Darum bitte ich euch, +mir gütlich und gnädiglich zu erlauben, und meiner Bitten keine +Beschwerung zu haben!« + +Als der Sultan solches vom Peter vernahm, ward er unwillig, und saget zu +ihm: »Lieber Peter, guter Freund, ich bitte dich, du wollest deines +Hinziehens nicht mehr gedenken. Wann du magst nirgend hin kommen, da du +baß gehalten würdest, dann bei mir. Du wirst auch keinen Freund finden, +der dir also viel Gutes erweiset, als ich. Wann ich will dich nach mir +machen den Gewaltigsten meines ganzen Landes. Und so es mir bewußt +gewesen wäre, daß du willens gewesen, solches von mir zu begehren, ich +hätte dir's nicht zu gesaget, sondern dein Begehren ab geschlagen; wann +dein Hinziehen wird mich unwillig machen. Jedoch, dieweil ich dir +solches habe zu gesaget, will ich's halten. Willst du von mir ziehen, so +zeuch hin! Doch wirst du mir verheißen, so du Vater und Mutter besucht +hast, du wollest wieder zu mir her kommen. Und so du also tust, wirst du +tun als ein Weiser.« + +Das verhieß ihm dann der Peter zu halten. Nach dem ließ der Sultan einen +Befehlbrief durch sein Land aus gehen und gab ihn dem Peter. Darin stund +geschrieben, in welchen Ort des Mohrenlandes er käme, sollte man den +Peter halten als ihn selber, und daß man ihm in allem behilflich wäre, +des er begehre. Und mit dem gab ihm der Sultan Gold und Silber in +großer Menge und ander Kleinod. + +Also nahm der Peter, da es ihm gelegen war, Urlaub von dem Sultan und +zog hinweg, und von seinem Abziehen weineten viele, die ihn lieb hätten. +Er kam in kurzer Zeit gen Alexandria. Da er dar kam, zeiget er seinen +Brief allda dem Statthalter des Sultans. Als er den Brief verlesen hätt, +da erbot er dem Peter große Ehr, und führet ihn in eine kostliche +Herberge, die mit allem, so man haben wollt, versehen war. Da versah er +sich mit allem dem, so ihm vonnöten war. Und nahm den Schatz, den ihm +der Sultan geben hätt, und ließ sich vierzehen Lägel machen, die auf +beiden Seiten gefüllet mochten werden mit Salz, und in die Mitten leget +er den Schatz. Als sie zu gericht waren, ging er an den Port des Meeres +und fand zu Glücke allda ein Schiff, das wollte gehen in Provincien, und +war mit allem bereit, als bald darvon zu fahren. + + [Illustration] + +Da redet der Peter mit dem Patron des Schiffes, ob er ihn wölle mit ihm +nehmen mit den vierzehen Lägeln. Und saget, er wölle sie in ein Spital +geben; des wölle er ihm seinen Willen sagen. Als der Patron des Schiffes +den Peter hätt vernommen, antwortet er ihm und saget, er wäre des wohl +zufrieden, daß er mit ihm zöge; aber der vierzehen Lägel halben wölle er +ihm raten, er ließe sie hinter sich und führe sie nicht mit. Wann so er +in Provincia käme, fünde er allwegen Salz in gutem Kauf. Doch antwortet +ihm wieder der Peter, er solle sich darum nicht bekummern; wann er wölle +ihn gut bezahlen, alleine, daß er's ihm führe; wann er wollt's darhin +führen, wo es ihm gut gedunket. Als der Patron die Antwort des Peter +gehört, schwieg er stille und war darmit zufrieden. Der Peter bezahlet +den Patron wohl. Da saget ihm der Patron, er sölle sein Salz in das +Schiff legen, und was er mit sich gedächte zu führen. Wann mit GOTTes +Hilfe wollt er bald hinweg fahren, so guter Wind auf stünde. + +Diese Nacht hätten sie guten Wind, und ließen die Segel auf ziehen und +kamen glücklich in eine Insel, Sagona geheißen. Und funden allda süß +Wasser. Der Peter war müde, stieg auf das Land, wollt nicht auf dem Meer +bleiben. Da er auf das Land kam, ging er auf der Insel hin und wieder, +und als er ging, da fand er die schönsten Blumen. Also setzet er sich +mitten hinein und vergaß also sein Leides ein Teil. Da fand er unter den +Blumen eine, die war die schönste ob allen, von Farben und Geschmack. Er +brach sie ab, und als bald kam ihm in Sinn die Schön Magelona. Da fing +er an zu sagen: »Wie diese Blume übertrifft alle anderen Blumen, also +auch übertrifft die Schön Magelona alle anderen Jungfrauen und Frauen +mit Schöne.« Und fing also an, herzlich zu weinen und zu empfinden +großen Schmerz in seinem Herzen; und gedacht, wo sie hin wäre kommen. +In diesen Gedanken ward er schläfrig und leget sich schlafen. + +Die Weil stund auf ein guter Wind. Da ließ der Patron rufen, jedermann +solle zu Schiff gehen. Da der Patron sah, daß der Peter nicht vorhanden +war, befahl er, ihn zu suchen; aber man konnte ihn nicht finden. Sie +riefen laut, aber er schlief zu hart, daß er's nicht höret. Als sie ihn +nicht funden, da wollt der Patron, dieweil er guten Wind hätt, die Zeit +nicht versaumen, und hieß, die Segel auf spannen; und fuhren also +darvon. Der Peter aber blieb liegen schlafen. + +Sie schifften also lange, bis sie kamen an den Port, so Port der Heiden +genannt ist, und da luden sie das Schiff ab. Als sie nun die vierzehen +Lägel funden, sagten sie zu dem Patron: »Was söllen wir tun mit den +Lägeln des Edelmanns, der auf der Insel Sagona ist hinter uns geblieben, +dieweil er gesaget, er wölle sie in ein Spital geben.« Da wurden sie +eins unter einander, die Lägel zu geben in das Spital Sankt Peters; wann +sie vermeinten, sie könnten es nicht baß anlegen. Da ging der Patron zu +der Spitalmeisterin und saget ihr, daß der Herr der Lägel wäre verloren +worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT für seine +Seele bitten. + + + + +Wie die Spitalmeisterin einen großen Schatz fand von Gold, Silber und +Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital +gegeben wurden. + + [Illustration] + + +Es begab sich eines Tages, daß die Spitalmeisterin Salzes notdürftig +war. Also nahm sie ein Lägel, machte es auf, da fund sie in der Mitte +einen großen Schatz von Gold. Darvon erschrak sie, und nahm ein +anderes, brach es auch auf, da fund sie auch, wie in dem ersten. Da +saget sie bei ihr selber: »Ach, armer Mensch, GOTT der Allmächtig hab +dein arme Seel! Wann ich sehe wohl, daß ich nicht alleine mit Schmerzen, +Unmut und Trübsal umgeben bin.« Darnach nahm sie die anderen Lägel alle +und schlug sie auf, da fand sie einen großen Schatz. + +Als bald ließ sie Maurer und ander Werkleut berufen und fing an, die +Kirchen größer zu machen; und machet also ein schöne Kirchen und ein +Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das +Geschrei so weit, daß viel Volkes dar kam. Und brachten groß Almosen und +Opfer, und verwunderten sich darob, daß die Spitalerin also kostlich +wußte zu bauen; wann man hätt sich bei ihr keines Geldes versehen. + + + + +Wie der Graf und die Gräfin kamen, zu besuchen die Kirchen, Sankt Peters +von Magelon genannt. + + [Illustration] + + +Der Graf und die Gräfin kamen auch, die Kirchen zu besuchen in großer +Andacht und hörten allda Meß, darnach redeten sie mit der Spitalerin. +Die Spitalerin tröstet sie beide auf das Beste, so sie vermocht, und +sprach, sie sollten nicht zweifeln ob den Geschicken GOTTes, wann GOTT +der Allmächtig möchte sie wohl noch erfreuen mit ihrem Sohn Peter, wie +wohl sie selber des Trostes notdürftiger gewesen. Wann die zwei hätten +alleine einen Schmerz ob des Verlusts ihres lieben Sohnes, was da +menschlich ist. Aber die Schön Magelona hätt verloren ihr Königreich und +hätt auch kein Hoffnung mehr darzu. Des gleichen war sie kommen in +Ungnaden ihres Vaters und Mutter, zu dem hätt sie verloren ihren aller +liebsten Gemahel Peter, darum sie dann wohl billig betrübt war. Nach dem +zogen der Graf und die Gräfin wieder heim. Nun wöllen wir schweigen des +Grafen, auch der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da lag +in der Inseln und schlief. + + + + +Wie der Peter entschlafen in der Inseln liegen blieb, da er seiner +liebsten und getreusten Magelona gedacht. + + [Illustration] + + +Der Peter blieb also eine gute Zeit schlafend in der Inseln liegen, +darnach wachet er auf. Da sah er, daß es Nacht war. Des verwundert er +sich und stund bald auf, ging zu dem Meer, da er das Schiff hätt +verlassen. Als er das Schiff nicht sah, da gedacht er, die Nacht betrüge +ihn, daß er's nicht sehen möchte. Und fing an, laut zu rufen, aber +niemand antwortet ihm. + +Da überkam er also einen großen Schmerz in seinem Herzen, daß er aufs +Erdreich hernieder fiel, als wäre er ganz tot, und verlor ganz sein +Vernunft. Und fing darnach an, herzlich zu weinen, und sprach: »O +allmächtiger ewiger gütiger GOTT, werde ich nicht eins mals meiner Tage +erledigt! Kann ich nicht sterben! Welcher Mensch ist auf Erden, den das +Unglücke also verfolget, als ich verfolget werde! O allmächtiger ewiger +GOTT, ist es nicht genug gewesen, daß ich also erbärmlich hab verloren +die aller schönest Magelona, meinen getreusten Gemahel! Darnach ward +ich durch Glücke gesatzet in Dienstbarkeit eines Heiden, eines Feindes +des Christlichen Glaubens, dem ich gedient habe ohn meinen Dank eine +lange Zeit. Itzunder vermeinet ich, zu trösten Vater und Mutter, so bin +ich hieher in diese Wüsten kommen, darinne ich keinen menschlichen Trost +finde. Darum mir der Tod nutzer wäre dann das Leben. Jedoch, +allmächtiger GOTT, dieweil Du mir solches zu schickest, will ich's +williglich von Dir empfahen, und verhoffe, durch diesen Tod werden sich +alle meine Schmerzen leichtern und mindern.« + + [Illustration] + +In solcher Weise weinet und beklaget sich der Peter die ganze Nacht bis +an den Tag, und suchet in der Inseln, ob er möchte ersehen ein Schiff, +das ihm aus der Inseln möchte helfen. Aber er mochte nichts ersehen. Da +er sich mit dieser Trübsal umgeben sah, da gedachte er an GOTT; wann er +vermeinet sich nahe zu seinem Ende, und bat Ihn, Er möge sich erbarmen +über seine arme Seele. + +In dem, da schicket GOTT der Allmächtig, der die Seinen nicht verlasset, +daß ein Fischerschiff kam, darauf man süßes Wasser holen wollte. Als +die Fischer in die Insel kamen, fanden sie den Peter gestrackt liegen, +als ob er tot wäre. Also sie solches ersahen, hätten sie ein Mitleiden +mit ihm, und gaben ihm zu essen Spezerei und Konfekt und zu trinken. Und +legten ihn auf ihr Bette, und deckten ihn warm zu aufs Beste, als sie +mochten. + +Da er nun ein wenig wieder zu sich selber kam, da trugen sie ihn in das +Schifflein und fuhren in eine Stadt, Crapona genannt. Da halfen sie ihm +in das Spital und gingen also von ihm, und befahlen ihn dem +Spitalmeister. + + [Illustration] + +Nach dem er eine Zeit lang in dem Spital war und mochte wieder essen und +trinken, sein Sach auch von Tag zu Tag besser ward, da wandert er in der +Stadt um hin und wieder, ob er möchte gesunder werden. Aber die großen +Schmerzen seines Herzens mochten solches nicht leiden und betrübten ihn +zu sehr, daß er in der Stadt krank liegen blieb bei neun Monaten, und +war auch dannoch nicht heil und gesund. + +Eines Tags begab es sich, daß er spazieren ging an das Meer, wie er +gewohnet war, und sah ein Schiff am Port, zu dem ging er. Da höret er +die Schiffleut die Sprach seines Vaterlands reden. Da fraget er sie, +wann sie heim wieder wollten fahren. Sagten sie ihm, auf das Längste in +zweien Tagen. Da kam der Peter zu dem Patron und bat ihn um GOTTes +willen, er wölle ihn mit ihm führen; er wäre auch aus dem Lande und wäre +lange Zeit krank gelegen. Antwortet ihm der Patron, er wäre es willig zu +tun um GOTTes willen, dieweil er ein Landsmann wäre, jedoch müßte er mit +ihm fahren gen Toten-Wasser in der Inseln, genannt der Heiden Port. Da +war er wohl zufrieden, und stieg also zu Schiffe. + +In dem begab es sich eins mals, daß die Gesellen des Schiffs redeten von +der Kirchen Sankt Peters von Magelon und dem Spital. Da der Peter höret +reden und nennen Magelon, verwundert er sich und fraget, wo solche +Kirche wäre an welchem Ende. Also sagten sie ihm, es wäre eine +andächtige Statt und läge in der Insel, genannt der Heiden Port, da dann +eine schöne Kirchen gebauet wäre und ein Spital, darinne GOTT viel +Mirakel bewiese. Und sagten dem Peter: »Wir raten euch, daß ihr euch +darhin verheißet, wann ohn allen Zweifel werdet ihr Gesundheit erlangen, +so ihr euch gelobet von Grund euers Herzens.« + +Als solches der Peter von den Schiffgesellen gehöret hätt, da verhieß er +GOTT, er wölle in dem Spital einen ganzen Monat bleiben, eh er sich zu +erkennen gebe Vater und Mutter, bis er gesund würde von seiner Krankheit +und was höre von seiner liebsten Magelona, wie wohl er glaubet, sie wäre +tot vor dieser Zeit. + +Die Schiffleute schifften also lang, bis sie sicher kamen an den Port +der Heiden, und luden den Peter allda ab. Als nun der Peter auf dem +Lande war, ging er als bald in die Kirchen und danket GOTT dem +Allmächtigen, daß Er ihm geholfen, bis darhin sicher zu kommen. Da er +nun gebetet hätt, da ging er, sich zu legen in das Spital als ein +Kranker, damit er seinem Verheißen genug tät. + +Als nun die Spitalerin nach ihrem Gebrauch um ging, die Kranken zu +besuchen, da ersah sie ihn, daß er neulich war kommen. Und hieß ihn auf +stehen, wusch ihm seine Händ und Füße und küsset ihn, wie sie gewohnt +war, und bracht ihm zu essen. Darnach leget sie ihm schöne weiße Tücher +unter und hieß ihn, sich darein legen. Und sprach zu ihm: »Alles, was +ihr notdürftig seid, das begehret! Soll euch gegeben werden, damit ihr +bald gesund werdet.« Also pfleget sie allen Kranken zu tun, die zu ihr +kamen. + + + + +Wie der Peter lag in einem Spital in der Inseln, der Heiden Port +genannt, des die Schön Magelona ein Stifterin war. + + [Illustration] + + +Als der Peter in diesem Spital ein Zeit lang ruhet, nahm er an seiner +Gesundheit sehr zu, wann die Spitalerin tät sein wohl warten. Er +verwundert sich auch ihrer großen Mühe und Arbeit, die sie ihm tät, und +saget in seinem Herzen: »Ohn Zweifel soll diese Frau eine heilige Person +sein.« + +Nun begab sich eines Tages, daß der Peter gedacht an seine aller liebste +Magelona, und fing an, bitterlich zu seufzen und weinen, und sprach: »O +allmächtiger ewiger GOTT, so Du mich durch Deine Mildigkeit ließest +wissen von meinem aller liebsten Gemahel, der Schönen Magelona, wollte +ich meines Leides alles vergessen und geduldiglich getragen haben. Wie +wohl, allmächtiger GOTT, ich verdient und verschuldet habe, Ärgers zu +leiden. Wann ich bin gewesen ein Ursach ihres Hinziehens von Vater und +Mutter und ihrem Königreich. Auch bin ich ein Ursach, daß die wilden +Tier sie haben gefressen, die doch also hübsch und schön war, und so +GOTT sie aus sonderer Gnaden nicht hat behütet. Und ob sie tot wäre, so +bitte ich Dich, Du wollest mich auch nicht lang in dieser Welt lassen +leben; wann ohn sie wird mein Leben aller Schmerzen voll sein. Ich +begehre lieber, zu sterben als zu leben ohn sie.« Als er solches saget, +da ließ er einen großen Seufzer. + +Nun ging die Magelona von einem Kranken zum andern, wie sie gewohnet +war, und als sie kam zum Peter und solches Seufzen von ihm vernahm, da +gedacht sie, ihm fehle was, oder wäre wieder schwach geworden. Und +sprach zu ihm: »Lieber guter Freund, was fehlet euch? So ihr was wollt +haben, zeiget es an! Es soll euch werden, und da will ich kein Geld +sparen.« + +Da danket ihr der Peter und antwortet, es fehle ihm gar nichts. Und wie +der Kranken und Betrübten Gewohnheit ist, wann sie gedenken an ihr +Unglücke, so beklagen sie sich und haben kein größer Leichterung ihres +Herzens, dann also zu betrachten. Als die Spitalerin ihn höret reden von +dem Unglücke, da fing sie an, ihn freundlich zu trösten, und fraget ihn +um sein Trübsal. + +Da saget ihr der Peter alles sein Anliegen, doch nennet er niemand und +sprach: »Es ist gewesen ein reicher Sohn, der höret reden von einer +schönen Jungfrauen in fremden Landen; der verließ Vater und Mutter und +zog hin, sie zu sehen. Also gab ihm das Glücke, daß er ihr Lieb erlanget +ganz heimlich, daß es niemand vernahm. Er nahm sie zu der Ehe und führet +sie heimlich hinweg von Vater und Mutter. Darnach verließ er sie, in +einem wilden Walde schlafend liegen, zu überkommen seine Ringe.« Und +zeiget ihr alles seine Geschichte an bis auf die Zeit, da er kommen war +in das Spital. Durch solche Wort die Schön Magelona wohl verstund, daß +er der Peter, ihr aller liebster Gemahel, war, den sie so oft zu sehen +begehret hätt; und erkennet ihn in allen seinen Gebärden. Und von großer +Freude fing sie an zu weinen. Doch wollte sie sich zur Zeit noch nicht +gegen ihm entdecken; aber aufs Freundlichste, so sie zu tun vermochte, +fing sie da an, mit ihm also zu reden: + + + + +Wie die Schön Magelona mit ihrem aller liebsten Gemahel Peter redet und +ihn tröstet in seiner Widerwärtigkeit. + + [Illustration] + + +»Aller liebster Freund, ihr sollet euch nicht mißtrösten, sondern sollet +euch zu GOTT dem Allmächtigen wenden; wann, ohn allen Zweifel, so ihr +GOTT werdet an rufen, werdet ihr nicht verlassen, sondern erhört von +Ihm werden, und alles das erlangen, so ihr begehret. Ihr werdet auch, +ohn allen Zweifel, euern liebsten Gemahel, wieder überkommen, die ihr +also herzlich und getreulich geliebet habt. Wann glaubet mir fürwahr, +wie euch GOTT der Allmächtig hat beschützet vor dem Tode in euern großen +Fährlichkeiten, die ihr erlitten habt, also wird Er euch auch wiederum +helfen. Und dieweil Er euch hat zu geschicket Anfechtung und +Widerwärtigkeit, also wird Er euch auch geben alle Freude, so ihr Ihm +vertrauet. Darum bittet GOTT von Grund euers Herzens, daß Er solches tu! +Ich will auch von euert wegen GOTT selber bitten.« + +Als der Peter solche Tröstung gehört hätt, da stund er auf und danket +ihr. Also ging die Spitalerin in die Kirchen und kniet für den Altar und +fing an zu weinen aus großen Freuden, die sie in ihrem Herzen hätt. Und +danket GOTT dem Allmächtigen, daß Er ihr solche Gnade mit geteilet, daß +sie erlebet hätt, ihren aller liebsten Gemahel vor ihrem Ende zu sehen. + +Und als sie ihr Gebet geendet, da ließ sie sich königliche Kleider +machen, wann sie hätt Geldes genug und hätt auch wohl gelernt, solche an +zu geben zu machen, wie ihr dann zu tragen gebühret. Und ließ darnach +ihre Kammer schön zu richten und schmücken auf das Kostlichest. + +Und da alle Ding bereit waren, da ging sie zu dem Peter und saget zu +ihm: »Mein liebster Freund, kommet mit mir! Ich hab euch bestallt ein +Bad, euch zu waschen euer Füße und Bein, das euch hilflich sein soll. +Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem Allmächtigen, meinem +Schöpfer, Er werde euch gnädiglich erhören, frisch und gesund machen.« + +Er ging mit ihr in die Kammer. Da hieß sie ihn, nieder sitzen und +verziehen, bis sie wieder zu ihm käme. Also ging sie in ihre kostliche +Kammer und bekleidet sich ganz in die königlichen Kleider und setzet +doch den Schleier wieder auf wie vor, als sie gewohnet war zu tragen, +und daraus man ihr nichts mochte sehen dann alleine die Augen und die +Nasen. Aber unter dem Schleier hätt sie ihr schönes Haar, das ihr ging +bis auf das Erdreich und das da leuchtet als das Gold, schön zu +gerichtet. + +Ging also zum Peter und sprach: »Edeler Ritter Peter, seid fröhlich! +Wann sehet hie vor euch stehen euern aller liebsten Gemahel und treue +Freundin, die Magelona, von deren wegen ihr also viel erlitten habt. Ich +hab auch nicht weniger erlitten von euert wegen. Ich bin die, so ihr, +allein schlafend liegen, verlassen habet in dem Holze und wilden Walde; +und ihr seid der, so mich hat heraus geführet aus dem Hause meines +Vaters, des Königs von Neapel. Ich bin die, der ihr verheißen habt alle +Ehr und Zucht bis zu Beschluß unserer Ehe. Ich bin auch die, so euch +diese gulden Ketten an euern Hals hat gehenket, und euch die Gewalt +übergeben über meinen Leib. Ich bin die, der ihr gegeben habt die drei +Ringe, die also kostlich sein gewesen. Hierum, mein aller liebster Herr +und Gemahel, sehet mich an, ob ich die sei, oder nicht, die ihr tut von +Herzen begehren.« + +In dem warf sie ihren Schleier von ihrem Haupt auf die Erden, da fiel +ihr schönes Haar herab als das Gold. + + + + +Wie der Peter erkennet die Schöne Magelona, seinen getreuen Gemahel. + + [Illustration] + + +Nun, da der Peter von Provincia sah die Schöne Magelona ohn einen +Schleier, da erkennet er sie erst recht, daß sie die war, die er also +lang gesuchet hätt. Und stund auf, fiel ihr um den Hals und tät sie +freundlich küssen in rechter guter Liebe; und fingen an, beide zu weinen +vor Freuden. In solcher Gestalt blieben sie lang bei einander, und kunnt +keins kein Wort reden vor großen Freuden. + +Doch nach mals setzten sich die zwei zusammen, und erzählet eines dem +andern sein Unglück. Ich weiß die Hälfte nicht zu erzählen der Freuden, +die sie hätten, und geb solches einem jeglichen selber zu bedenken. +Solche Ding lassen sich auch baß bedenken, dann schreiben. Jedoch +mochten sie sich nicht ersättigen ihres Küssens und Erzählens und +richteten den ganzen Tag nichts aus, dann küssen und einander zu klagen. +Es begab sich auch, daß die Schön Magelona ihm an zeiget, wie sie die +vierzehen Lägel hätt empfangen mit dem Schatz, die er verloren hätt; und +saget ihm, wie sie die Hälfte hätt verbauet an dem Gotteshaus, was zu +hören der edel Peter erfreuet war. + +Nach dem beschlossen sie mit einander, wie sie diese Sachen dem Grafen +und der Gräfin wollten zu wissen tun. Doch saget der Peter der Schönen +Magelona, er hätte gelobet, einen Monat in dem Spital zu bleiben, und +die Zeit wäre noch nicht vergangen. Saget ihm die Schön Magelona: »Mein +aller liebster Herr und Gemahel, wann es euch gefiele, wollte ich zu dem +Grafen und der Gräfin gehen und freundlich bitten, sie wollten zu mir +kommen auf den Tag, so euer Gelöbnis sich endet. Und so sie dann kämen, +wollte ich sie führen in diese Kammer; da wollten wir uns ihnen zu +erkennen geben.« + +Da solches der Peter höret, gefiel es ihm wohl. Also verschaffet die +Schön Magelona, daß der Peter mußte schlafen in ihrer Kammer, aber sie +lag in einer andern und dienet ihm wohl. In dieser Nacht schlief die +Schön Magelona nicht viel vor Freuden, die sie in ihrem Herzen trug. Und +begehret, daß bald Tag würde, damit sie den Grafen trösten möchte seines +Leidens; wann sie wußte wohl, daß sie sehr betrübt waren, das sie dann +beschweret. Es waren auch an dem Monat, den der Peter hätt gelobet, +nicht mehr vorhanden dann vier Tage, daß er sich gegen Vater und Mutter +nicht wollte zu erkennen geben. + +Da nun der Tag kam, daß sein Gelöbnis aus ging, da kleidet sich die +Schön Magelona wieder mit ihren Kleidern, die sie zu tragen gewohnet war +in dem Spital; und ging darnach in die Kammer zu dem Peter, der dann +auch vor großen Freuden die Nacht hätt wenig schlafen mögen, und nahm +Urlaub von ihm. Zog also zu dem Grafen und der Gräfin, die ihr viel Ehr +erboten und sie freundlich empfingen, wann sie hätten sie sehr lieb. Und +hießen die Spitalerin, zu ihnen nieder sitzen in der Mitten ihrer +beiden. + +Da fing die Spitalerin an zu sagen: »Gnädiger Herr, auch gnädige Frau, +ich bin zu euch kommen, euch ein Gesicht zu eröffnen, das ich gesehen +habe die vergangen Nacht; das soll euch erfreuen, daß ihr möget in +Hoffnung leben, wann kein Mensch soll verzweifeln an GOTT. Es gedauchet +mich, daß Christus, unser Erlöser, zu mir kam und führet einen schönen +jungen Ritter bei seiner Hand und sprach zu mir: 'Dieser ist der, darum +du, auch dein Herr und Fraue, so lang haben gebeten.' Solches hab ich +euch nicht wollen verhalten, wann ich weiß wohl, daß ihr betrübt seid um +euern Sohn. Aber glaubet sicherlich, ihr werdet ihn sehen in kurzer +Zeit, lebendig und gesund. Darum bitte ich euch, ihr wollet hinweg +lassen nehmen euer schwarzen Trauerkleider und auf lassen hängen die +Kleider der Freuden.« + +Da solches der Graf und die Gräfin von der Spitalerin hätten verstanden, +da wurden sie fröhlich, wie wohl ihnen schwer ward zu glauben, daß der +Peter noch lebe. Doch der Spitalerin zu Gefallen befahlen sie, die +schwarzen Trauerkleider hinweg zu nehmen. Und baten die Spitalerin, sie +sölle mit ihnen zu Morgen essen. Aber ihr Herze vermocht ihnen solches +nicht zu zu sagen; darum sprach sie, sie hätte darheim zu tun; und bat +sie freundlich, sie beide wollten auf den nächsten Sonntag bei Sankt +Peter in ihrer Kirchen erscheinen; wann sie hätt gänzlich gute Hoffnung +zu GOTT dem Allmächtigen, daß sie würden erfreuet werden, ehe sie von +einander ab schieden. Und nahm also Urlaub von ihnen; und sie verhießen +ihr, zu ihr zu kommen. + +Nach dem kam die Magelona wieder zu dem Peter, der ihrer harret mit +großer Begier; und zeiget ihm an, wie sie es hätte aus gerichtet. Sie +versehe sich gänzlich, Vater und Mutter würden nicht außen bleiben. +Darnach ließ die Schön Magelona viel Kleider machen für den Peter und +sie. + + + + +Wie der Graf mit der Gräfin kam in das Spital Sankt Peters auf den +angezeigten Tag. + + [Illustration] + + +Als nun der Sonntag kam, da nahm der Graf die Gräfin und sein Gesinde, +und zogen zu Sankt Peter von Magelon und hörten da Messe. Als die Messe +ein Ende hätt, nahm die Spitalerin den Graf und die Gräfin ein jegliches +auf ein Seiten und sprach zu ihnen, sie wölle gerne mit ihnen etwas in +geheim reden, doch müßten sie mit ihr in ihre Kammer kommen; darein sie +dann gerne bewilligten. + +Als sie zu der Kammer kamen, da sprach die Spitalerin zu ihnen: +»Gnädiger Herr, auch gnädige Fraue, so ihr euern Sohn sähet, möchtet ihr +ihn erkennen?« Da sprachen sie, ja. + +Als sie in die Kammer kamen und der Peter sein Vater und Mutter ersah, +da kniet er für sie nieder. Da sie ihn sahen und erkannten, da liefen +sie zu ihm und fielen ihm um den Hals und küßten ihn freundlich; doch +vermochten sie ein lange Zeit kein Wort zu sprechen. + +Also ging das Geschrei aus, wie des Grafen Sohn wieder kommen wäre. Da +kamen Edel und Unedel und empfingen ihn und erboten ihm große Ehre, und +ward jedermann fröhlich. Nach dem allem redeten der Graf, sein Vater, +und Mutter mit dem Peter und fragten ihn mancherlei, wie es ihm ergangen +wäre. In mittler Zeit ging die Schön Magelona in ihre Kammer und +bekleidet sich auf das Kostlichest, als ihr dann zu tun wohl gebühret. +Und kam darnach also gekleidet, so balde sie mocht, wieder zu ihnen. + +Als sie die Schön Magelona ersahen, verwunderten sich der Graf und die +Gräfin, wo her die schöne Jungfrau käme, die ihnen unbekannt war. Also +stund der Peter auf, umfing sie freundlich und küsset sie. Da solches +die Leute ersahen, da verwunderten sich alle. Nach dem nahm sie der +Peter bei ihrem Arme und sprach zu Vater und Mutter: »Gnädiger Herr +Vater, auch Frau Mutter, diese Jungfrau ist die, von deren wegen ich von +euch bin gezogen, und wisset, daß sie ist ein Tochter des Königs von +Neapel.« + +Da gingen sie ihr entgegen und umfingen sie freundlich und dankten GOTT +dem Allmächtigen. + + + + +Wie das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, daß der Peter wäre +wieder heim kommen, und wie sie ein Fest hielten vierzehen Tage lang. + + [Illustration] + + +Das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, wie daß der Peter +wieder heim kommen wäre, und wie er wäre in der Kirchen Sankt Peters von +Magelon. Da sah man Edel und Unedel zu Roß und Fuße kommen, und geschah +also ein Turnier von dem Adel des Landes, dem Peter zu Gefallen; die +anderen tanzten und waren fröhlich. + +Da nun Vater und Mutter gehört hätten das Unglück ihres Sohns und der +Schönen Magelona, daraus ihnen GOTT der Allmächtig hätt geholfen, da +nahm der Graf seinen Sohn Peter bei der Hand und führet ihn für den +Altar Sankt Peters in die Kirchen. Des gleichen tät auch die Gräfin der +Schönen Magelona, und knieten nieder und dankten GOTT dem Allmächtigen. +Da sie ihr Gebet verbracht hätten, sprach der Graf zu seinem Sohn Peter +also: »Ich will, dieweil die Jungfrau von deinen wegen hat also viel +erlitten, du wollest sie zu der Ehe nehmen.« Antwortet ihm der Peter: +»Aller liebster Vater, da ich sie führet aus dem Hause ihres Vaters, war +es mein Wille, sie zu ehelichen. Doch aus Befehl eurer und meiner Frau +Mutter, bin ich zufrieden, sie itzunder offenlich zur Kirchen zu +führen.« + + [Illustration] + +Also gab sie ein Bischof zusammen. Und die Gräfin gab dem Peter einen +schönen Ring, darmit er sie ehelicht. Also hielt sich groß Fest und +Freude durch das ganze Land vierzehen Tag lang, und gefiel jedermann die +Schön Magelona wohl. Sie sagten auch, es möchte in keinem Menschen also +viel Tugend erfunden werden, als in ihr. Da richtet man mancherlei +Kurzweil an, und unterstund ein jeglicher sich, das Beste zu tun, damit +er die Liebe gegen seinem Herrn beweiset. + + + + +Wie nach diesem ehelichen Beilager der Graf und die Gräfin lebten zehen +Jahr und darnach starben. + + +Als nun das ehelich Beilager ganz vergangen war, da lebten der Graf und +die Gräfin zehen Jahr in gutem Frieden. Da sie nun gestorben waren, ließ +der Peter sie beide ehrlich begraben in die Kirchen Sankt Peters zu +Magelon. + +Nach ihnen lebten der Peter und die Schön Magelona acht Jahr und zeugten +einen schönen Sohn mit einander, der da tapfer und keck war. Und als die +Historien an zeigen, ward er darnach König zu Neapel und Graf zu +Provincien. + +Der Peter und die Schön Magelona führten bei einander ein freundlich und +glückselig Leben; und als sie starben, da wurden sie auch begraben in +die Kirchen Sankt Peters. Und noch auf den heutigen Tag stehet, da die +Schön Magelona ein Spital hätt gestiftet, eine schöne Kirche in der Ehr +der Heiligen Dreifaltigkeit, die uns wölle erfreuen in unseren +Anfechtungen in dieser Welt, und endlich uns führen zu besitzen das +Ewige Leben. Amen. + + * * * * * + +Hie endet sich das Buch und die Historia von dem Peter, der ein Sohn +gewesen des Grafen von Provincia, und der Schönen Magelona, die da ist +gewesen ein Tochter des Königs zu Neapel. + + + + +Nachwort + + +Das Motiv des Magelona-Romans ist orientalischen Ursprungs und auch aus +einer Erzählung der Tausend und einen Nächte bekannt. Wahrscheinlich ist +es auf dem Wege mündlicher Tradition aus den sarazenischen Siedelungen +am Nordrand des Mittelmeers in Südfrankreich eingedrungen und dann +nordwärts gewandert. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde es +als Märchen aus dem Volksmund aufgezeichnet[A]. + + Fußnote A: Cosquin, _Contes populaires de la Lorraine_, Paris _s. a._, + Nr. 40. + +Ob der Geschichte in der vorliegenden Gestalt eine langsame Entwicklung +voraus ging, ist unbekannt. Dem ersten Lyoner Druck von 1480 gehen nur +einige, wenige Jahre ältere Handschriften vorauf. Die Geschichte datiert +sich selbst aus dem Jahr 1453; und aus demselben Satz des Eingangs +glaubt man, auf eine ältere, wohl provenzalische Form zurückschließen zu +dürfen. + +Veit Warbeck, der Verdeutscher der Magelona, war ein Schwabe, +bürgerlichen Herkommens, hatte mehrere Jahre an der Pariser Hochschule +studiert und war mit französischer Art und Literatur wohl vertraut +geworden. Als Prinzenerzieher und vielgewandter Diplomat stand er in +kursächsischen Diensten und wußte sich in einer Zeit, als bei den +mitteldeutschen Fürstenhäusern politische und verwandtschaftliche +Beziehungen nach Frankreich sich anknüpften, gut geschätzt zu machen. +Die Magelona übersetzte er wahrscheinlich zum Vergnügen seines +Landesherrn, für den er auch eine ziemliche französische Bücherei +zusammenbrachte. Erst 1535, nach dem Tode seines Freundes, ließ Spalatin +die Magelona mit einer Vorrede drucken »zu Augsburg, durch Heinrich +Steiner«. Für die Verbreitung des Romans in Deutschland zeugen, neben +den zahlreichen Drucken, viele Erwähnungen bei den Schriftstellern des +16. Jahrhunderts. Schon 1539 hat ein Ungenannter die Magelona +dramatisiert, Hans Sachs bearbeitete sie in Jahresfrist dreimal, und der +Frankfurter Buchführer Michael Harder verkaufte von dem Buch in einer +Fastenmesse 176 Stück. + + * * * * * + +Dieser Ausgabe liegt die Originalhandschrift Warbecks vom Jahre 1527 +zugrunde, welche Johannes Bolte 1894 zu Weimar herausgegeben hat. Bei +den geringen Umgestaltungen, die dieser Text erfahren hat, wurde der +Nürnberger Druck von 1744 (Bolte Nr. 23) mit zu Rate gezogen. + +Die Holzschnitte sind einem Leipziger Druck von 1598 (Bolte Nr. 15) +entnommen. Sie wurden später immer wieder verwandt und stehen noch, +recht abgebraucht oder durch schlechte Kopien (für verlorene Stöcke) +ergänzt, in den Nürnberger Drucken von 1678 und 1744. Da aber auch die +Leipziger Ausgabe die Ordnung schon verwirrt hat, muß man einen ihr +vorausgehenden, heute verlorenen Druck annehmen. Sie mögen zuerst um +1580 in einem Frankfurter Druck für Feyrabend oder Jobin gestanden +haben. Etliche Stöcke tragen das Zeichen des um diese Zeit für +Frankfurter Verleger tätigen Tobias Stimmer. Die früheren Einzeldrucke +der Magelona sind mit Holzschnitten aus anderen Büchern illustriert. + + + =Druck von Breitkopf= + =und Härtel in Leipzig= + + + + + * * * * * + + + + +Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei +jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile +steht. + +Zuseher solches Teffens täten verwundern. +Zuseher solches Treffens täten verwundern. + +andächtiglich möchte Gott dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin +andächtiglich möchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin + +worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle Gott +worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT + +Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um Gottes willen in das Spital +Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital + +Spital, darinne der Dienst Gottes fleißig bestellet ward. Und kam das +Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das + + + +***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SCHöN MAGELONA*** + + +******* This file should be named 38239-8.txt or 38239-8.zip ******* + + +This and all associated files of various formats will be found in: +http://www.gutenberg.org/dirs/3/8/2/3/38239 + + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. Special rules, +set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to +copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to +protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project +Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you +charge for the eBooks, unless you receive specific permission. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact +information can be found at the Foundation's web site and official +page at http://www.gutenberg.org/about/contact + +For additional contact information: + Dr. Gregory B. Newby + Chief Executive and Director + gbnewby@pglaf.org + +Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation + +Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide +spread public support and donations to carry out its mission of +increasing the number of public domain and licensed works that can be +freely distributed in machine readable form accessible by the widest +array of equipment including outdated equipment. Many small donations +($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt +status with the IRS. + +The Foundation is committed to complying with the laws regulating +charities and charitable donations in all 50 states of the United +States. 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