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+The Project Gutenberg eBook, Die Schön Magelona, by Anonymus, Translated
+by Veit Warbeck
+
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
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+
+
+
+Title: Die Schön Magelona
+ eine fast lustige Historie von dem Ritter mit den silbern Schlüsseln und von der Schönen Magelona gar lustig zu lesen
+
+
+Author: Anonymus
+
+
+
+Release Date: December 6, 2011 [eBook #38239]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+
+***START OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SCHöN MAGELONA***
+
+
+E-text prepared by Norbert H. Langkau, Carlos Valiente, and the Online
+Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net)
+
+
+
+Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this
+ file which includes the original illustrations.
+ See 38239-h.htm or 38239-h.zip:
+ (http://www.gutenberg.org/files/38239/38239-h/38239-h.htm)
+ or
+ (http://www.gutenberg.org/files/38239/38239-h.zip)
+
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+Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+
+ Im Original nicht in Fraktur gedruckter Text wurde mit _
+ markiert.
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+ übernommen; lediglich offensichtliche Druckfehler wurden
+ korrigiert. Eine Liste der vorgenommenen Änderungen findet
+ sich am Ende des Textes.
+
+
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+DIE SCHÖN MAGELONA
+
+eine fast lustige Historie von dem Ritter mit
+den silbern Schlüsseln und von
+der Schönen Magelona
+
+gar lustig zu lesen
+
+[Illustration]
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+Im Insel-Verlag zu Leipzig
+
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+
+ Im Namen Unsers lieben Herrn Jesu Christi fanget
+ an die nach folgende Historie von dem teuern Ritter
+ Peter, eines Grafen Sohn aus Provincia, und von
+ der Schönen Magelona, eines Königs Tochter aus
+ Neapel. Welche Historie in die französische Sprach
+ ist gesatzt worden, als man zählet von
+ Christi, Unsers lieben Herrn, Geburt
+ tausend vierhundert dreiundfünfzig
+ Jahr.
+
+
+
+
+Nach der Himmelfahrt Unsers lieben Herrn Jesu Christi, als Frankreich
+mit anderen umliegenden Orten und Landen, Provincia, Langendoc und
+Aquitania, zu Christlichem Glauben kommen waren, da war ein Graf mit
+Namen Herr Johann Cerise, der hätt ein Weib, die war ein Tochter des
+Grafen Alvaro von Dalbara. Diese zwei hätten einen einigen Sohn, genannt
+Peter, der übertraf alle anderen in Waffen, Ritterspielen und anderen
+Sachen, also, daß er sich mehr göttlich dann menschlich erzeiget. Und
+ward freundlich und lieb gehalten, nicht allein von dem Adel, sondern
+auch von dem ganzen Lande. Seine Untertanen dankten GOTT dem
+Allmächtigen eines solchen Oberherrn. Auch hätten sein Vater, der Graf,
+und die Mutter sonst kein ander Freud, dann allein in ihrem Sohn, daß er
+so tapfer, so freundlich, so schön und so weise war.
+
+
+
+
+Wie eins mals ein Turnier geschah durch die edeln Freiherren aus Befehl
+des Grafen.
+
+ [Illustration]
+
+
+Die Freiherren und Edeln des Landes hielten eines Tags ein Turnier,
+darin der Peter den Preis erlanget vor allen anderen, wie wohl viel
+fremder und geübter Ritter auch darbei waren. Die wurden alle von dem
+Grafen geehret von wegen seines Sohnes, und redeten alle mancherlei
+unter einander, als dann sein Gerücht weit erschölle, und seines
+gleichen nicht wäre. In Sonderheit ließ sich einer vernehmen von der
+Schönen Magelona, eines Königs Tochter von Neapel, deren gleichen nicht
+sollt gefunden werden von Schönheit und Tugend; und übten sich auch
+viele in Ritterspielen, ihr darmit zu gefallen.
+
+Und es begab sich eines Tags, da kam einer zu dem Peter und saget ihm
+also: »Ihr sollet wandern und die Welt suchen und euch üben in
+Ritterspielen, damit ihr weiter erkannt würdet. So ihr mir des folget,
+werdet ihr ohn Zweifel einen schönen Buhlen überkommen.« Da solches der
+Peter vernahm, und hätt die Weil vor auch von der Schönen Magelona
+gehöret, setzt er sich selber für in seinem edeln Herzen, so er möchte
+Urlaub haben von Vater und Mutter, zu folgen und die Welt zu erfahren.
+
+ [Illustration]
+
+Nicht lang darnach, als der Hof vergangen war, bedacht sich Peter, wie
+er es anfahen wolle, daß er Urlaub erlange von Vater und Mutter, die
+sich seines Hinziehens nicht versahen. Und es begab sich eines Tags, daß
+er Vater und Mutter fand bei einander sitzen; und gedacht, da um Urlaub
+zu bitten. Fiel also auf beide seine Knie, und sprach zu ihnen:
+»Gnädiger Herr Vater, auch gnädige Frau Mutter, ich bitt euch
+untertänig, mir als euerm gehorsamen Sohn, zuzuhören. Ich seh und
+erkenne, wie ihr mich bisher erzogen und in großen Ehren gehalten. Hab
+auch viel verzehrt von dem Euern, mich aber nicht gebraucht, Preis zu
+erlangen und bekannt zu werden, als die anderen Herren. Hierum bitt ich,
+so es euch nicht entgegen, mir gnädiglich zu erlauben, der Welt Lauf zu
+erfahren. Wann mich gedauchet gänzlich, es werd euer Ehr und mein großer
+Nutz sein. Darum, mein aller liebster Herr Vater und Frau Mutter, bitt
+ich euch demütiglich, ihr wollet mir gnädiglich und gutwilliglich
+erlauben!«
+
+Als der Graf und die Mutter solchen Willen ihres Sohns vermerkten,
+wurden sie nicht klein beschwert und traurig. Doch antwortet ihm sein
+Vater und sprach: »Peter, lieber Sohn, du weißt, daß wir keinen andern
+Sohn haben, dann dich einigen, auch keinen Erben, dann dich. So es dann
+dir mißlünge (da GOTT vor sei), würde unser Grafschaft und Herrschaft
+ganz verloren werden.« Auch saget ihm sein Frau Mutter: »Es ist dir
+nicht vonnöten, die Welt zu suchen. Wann die, so die Welt suchen, tun
+es, Geld und Reichtum, auch der Herren und Fürsten Gnad, dardurch zu
+erlangen. So hast du, GOTT Lob, von Reichtum und Ehren in Waffen und
+Ritterschaft, auch Adel, Milde und Schönheit genug, als kein Fürst
+dieser Welt. Hast auch ein gut Gerücht überall durch dein Tapferkeit
+erlanget, zu dem ein schöne Landschaft, GOTT Lob. Warum begehrest du
+dann, ander Gut zu erlangen? Zeig doch an die Ursach, warum du willens
+seiest, uns also zu verlassen! Sieh an deines Vaters und mein Alter, und
+betrachte, wie wir kein ander Freud, noch Trost haben, dann allein von
+dir! Und so kein ander Ursach wäre, dich in deinem Fürnehmen zu
+verhindern, gedauchtet mich solche genugsam. Hierum bitt ich dich,
+liebster Sohn, als viel ein Mutter ihr Kind bitten kann, du wollest
+deines Hinziehens fürder schweigen!«
+
+Als der Peter solchen Willen seines Vaters und Mutter vermerket, ist er
+sehr erschrocken, jedoch hat er mit nieder geschlagenen Augen auf ein
+Neues angefangen und gesaget: »Ich bin der, so euch gehorsam und willig
+in allen Dingen sein will. Jedoch, so es euer beider guter Willen wäre,
+bitt ich nochmals von euch beiden gnädige Erlaubnis! In dem werdet ihr
+mir einen großen Gefallen tun. Ein junger Mensch mag nichts Bessers tun,
+dann sich üben und die Welt durch suchen. Derhalben ich wiederum auf das
+Untertänigst bitte, meines Hinziehens kein Beschwernis zu tragen,
+sondern zufrieden stehen.«
+
+
+
+
+Wie der Graf und die Gräfin ihrem Sohn Peter erlaubten, die Welt zu
+erfahren.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als der Graf und die Gräfin solchen Fürsatz und Willen ihres Sohns
+vernahmen, wußten sie nicht, was ihnen darinne zu tun geziemen wölle:
+ihrem Sohn sein Bitten und Begehr abzuschlagen, oder zuzusagen. Wann ihr
+Sohn Peter blieb also auf den Knien, beider Antwort anzuhören. Und als
+er vermerket ihr lang Stillschweigen, fing er wieder an zu bitten also:
+»Aller liebster Herr Vater, mein untertänigst Bitten ist nochmals, ihr
+wollet mir gnädiglich erlauben!«
+
+Darauf sein Vater also saget: »Liebster Sohn, dieweil du also einen
+großen Willen hast, die Welt zu sehen, so geben dein Frau Mutter und ich
+dir ein gnädige Erlaubnis. Doch gedenke, daß du nichts Übels handelst
+und tuest, das dem Adel entgegen sei! Hab GOTT den Allmächtigen lieb vor
+allen Dingen, und dien ihm alleweg! Hüt dich auch vor böser
+Gesellschaft, und komm, als zeitig dir möglich, herwieder! Nimm Pferd
+und Harnisch, Gold und Silber von dem Meinen, als viel dir vonnöten will
+sein!« Da solches der Peter von Vater und Mutter gehört, danket er ihnen
+beiden gar untertänig.
+
+In dem nahm ihn sein Frau Mutter auf einen Ort und gab ihm drei
+kostliche und hübsche Ringe, so eines großen Gelds geschatzt waren. Als
+er die selbigen empfangen, danket er seiner Frau Mutter aufs Demütigst.
+Und bereitet sich auf die Fahrt, nahm mit sich Edel und Unedel, ihm zu
+dienen. Nach dem nahm er Urlaub von Vater und Mutter, die ihm befahlen,
+gute Gesellschaft zu suchen, und die böse zu fliehen. Er sölle auch ihr
+beider eingedenk sein.
+
+Also zog Peter hinweg, als heimlich, so ihm möglich; und ritt so lang,
+bis er kam in die Stadt Neapel, da der König Magelon, der Schönen
+Magelona Vater, Hof hielt. Und zog zur Herberg auf einen Platz, genannt
+auf den heutigen Tag der Fürsten Platz. Als er nun in die Herberg kam,
+befraget er sich der Gewohnheit des königlichen Hofes, und begehret von
+seinem Wirt, unterrichtet zu werden, ob auch fremde namhafte Ritter am
+Hof wären. Berichtet ihn sein Wirt, wie daß vor kurzen Tagen einer an
+Hof kommen wär, dem der König große Ehr bewiese von wegen seiner großen
+Mannheit, mit Namen Herr Heinrich von Crappana genannt. Dem zu Gefallen
+der König bestallt hätt ein Turnier (oder Stechen) auf den nächst
+zukünftigen Sonntag. Fraget Peter weiter seinen Wirt, ob auch die
+Fremden zu Turnieren zugelassen würden. Antwortet ihm der Wirt, ja
+gerne, doch daß einer auf die Bahn gerüstet käme nach aller Notdurft.
+
+
+
+
+Wie Peter auf die Bahn kam, Ritterspiel zu üben, und stellet sich auf
+den niedrigsten Ort der Bahn als ein Fremder und Ausländer.
+
+ [Illustration]
+
+
+Den nach folgenden Sonntag stand Peter frühe auf, wann er begehret, die
+Schöne Magelona zu sehen, und höret Meß. Und ließ sich sein Pferd mit
+aller Zugehör versehen, des gleichen auch sein Kleidung. Wann er war
+willens, auf den Tag Ehre ein zu legen. Und ließ sich machen zween
+silbern Schlüssel auf seinen Helm, darbei er möchte erkannt werden, in
+der Ehr des Himmelsfürsten Sankt Peter; wann er liebet ihn, auch dieweil
+er den Namen von ihm hätt. Diese Schlüssel waren sehr kostlich und eines
+großen Gelds geschatzt. Ließ sich auch Schlüssel machen auf alle Decken
+seiner Pferd.
+
+Da sich die Zeit nahet, auf die Bahn zu ziehen, hätt der König, samt
+seinem Gemahel und Tochter, auch anderen Jungfrauen und Frauen, zu
+Morgen gessen. Und stiegen auf einen Schaustuhl, dem Turnieren zu zu
+sehen. Also kam Peter, samt einem Knecht und Knaben, auf die Bahn
+gezogen. Und hielt am niedrigsten Ort der Bahn, wann er war fremd und
+unbekannt, und kennet ihn niemand, der ihn herfür gezogen, und oben an
+gestellt hätte.
+
+Als nun die Zeit kam, die Musterung zu tun, sich vor Jungfrauen und
+Frauen in der Ordnung zu erzeigen, kam ein Herold, rief aus Befehl des
+Königs dieser Gestalt: wer da willens wäre, von wegen Jungfrauen und
+Frauen einen Spieß zu brechen, der sölle auf die Bahn ziehen. Als
+solches geschehen, kam herfür gezogen auf die Bahn Herr Heinrich von
+Crappana; gegen dem zog einer von des Königs Dienern. Den traf Herr
+Heinrich wohl, daß er am Sattel hing. Brach also seinen Spieß wohl. Es
+begab sich aber in dem, als des Königs Diener also getroffen war, daß er
+seinen Spieß von sich warf. Und begab sich ohn Gefahr, daß der Spieß
+Herrn Heinrichen von Crappana Pferd zwischen die Beine kam, darvon das
+Pferd mit Herrn Heinrichen zu fallen genötiget ward. Da huben die Freund
+des Königlichen an zu sagen, Herr Heinrich wäre redlich gefallen. Das
+tät Herrn Heinrichen sehr verdrießen; und wollt also nicht mehr treffen.
+
+Zum andern mal rufet der Herold aus Befehl des Königs, so ein ander
+wäre, der Lust hätte, einen Spieß zu brechen, der sölle auf die Bahn
+ziehen. Als solches der Peter vernahm, zog er auf die Bahn wider den
+Königlichen, der mit Herrn Heinrichen getroffen hätt, und gesaget, er
+hätte Herrn Heinrichen redlich herab gestochen. Von welcher Rede der
+Peter zornig und beweget ward; wann solches Reden mit Gewalt geschah,
+nach dem doch der Herr Heinrich ein berühmter Renner war. Und traf der
+Peter mit dem Königlichen, daß Pferd und Mann sich nicht enthalten
+mochten, und auf einem Haufen lagen. Also, daß sich alle Umsteher und
+Zuseher solches Treffens täten verwundern.
+
+Als solches der König gesehen, lobet und pries er den Ritter mit den
+silbern Schlüsseln; und hätte gerne erfahren, wer solcher fremder Ritter
+gewesen wäre. Schicket als bald seinen Herold zu ihm, zu erfahren, wer
+er wäre.
+
+Als nun der Herold zu dem Peter kam, zeiget er an, wie er vom König,
+seinem Herrn, zu ihm gesandt wäre, zu erfahren, wer er wäre, und wes
+Landes. Saget der Peter dem Herold: »Du sollst dem König sagen, deinem
+Herrn, und ihn bitten von meinen wegen, er wölle kein Ungefallen darab
+haben, so ich ihm meinen Namen zu wissen verhalte. Wann ich hab es
+gelobet, keinem Menschen zu bekennen, wie ich heiße. Doch sage dem König
+also: ich sei ein armer Edelmann aus Frankreich und suche die Welt, von
+Jungfrauen und Frauen Preis und Lob zu erlangen.« Also kam der Herold
+wieder zu dem König und zeiget ihm an, was er von dem Peter gehört und
+erfahren hätt. Da solches der König verstund, ward er zufrieden; und zu
+eignet solche Antwort seiner Höflichkeit, dieweil er nicht wollt berühmt
+sein.
+
+Darnach fing es der Peter recht an; wann ein jeder sich unterstund, das
+Beste zu tun mit ganzem Fleiß. Jedoch, auf das Kurzest darvon zu reden,
+tät der Peter das Beste, und stach die Fremden ledig alle herab. Aus
+solchem der König und alle anderen ihm das Lob gaben, daß er das Beste
+getan hätte. Und behielt also den Preis. Doch hätte der König gerne
+gewußt, so viel ihm möglich, wer er gewesen; des gleichen auch alle
+Umsteher. Das Gerüchte ging auch unter den Jungfrauen und Frauen von
+diesem Ritter mit den silbern Schlüsseln. Auch hätt die Schön Magelona
+große Acht auf den Peter und konnte sein nicht vergessen.
+
+Da es nun an ein Ende kam, zog jedermann wieder zu Herberg. Und Peter
+behielt den Preis von männiglich. Als er von der Bahn nach seiner
+Herberg zog, kamen zu ihm Herr Heinrich von Crappana, des gleichen ander
+mehr, und begleiteten den Peter bis in seine Herberge. In der selbigen
+Stunde überkam Herr Heinrich eine große Liebe zu dem Ritter mit den
+silbern Schlüsseln, und blieben darnach gute Gesellen.
+
+
+
+
+Wie viel Rennen und Stechen gehalten wurden aus Befehl des Königs von
+wegen seiner Tochter, der Schönen Magelona.
+
+ [Illustration]
+
+
+Viel Turnieren, Rennen und Stechen befahl der König zu Neapel aus
+Ansuchen seiner lieben Tochter, der Schönen Magelona. Die bat ihn sehr
+derwegen aus Liebe, die sie zu dem Ritter mit den silbern Schlüsseln
+trug, doch verborgen. Wann so der König des Ritters mit den silbern
+Schlüsseln ansichtig ward, gefiel er ihm allenthalben, sonderlich von
+wegen seiner Tugend, Adels und Höflichkeit. Und sprach zu Weilen wider
+sich selber: »Fürwahr, dieser Ritter wird nicht eines kleinen
+Geschlechts sein, wann all sein Wesen nicht anders anzeiget. Er ist auch
+würdig, daß wir ihm mehr Ehr erzeigen, dann ihm bisher von uns
+widerfahren ist.« Auf das befahl der König etzlichen seines Hofgesindes,
+sich zu befleißigen, zu erfahren, wer er wäre, und ihm darnach solches
+an zu zeigen. Was sie zu tun willig waren.
+
+Also begab sich eines Tags, daß ihn der König zum Mittagmahl fordert,
+mit ihm zu essen, auf daß er ehrlicher gehalten würde. Des ward der
+Ritter sehr erfreuet, der Hoffnung, des Königs Tochter, die Schöne
+Magelona, baß zu besehen, und nach allem Willen, wann er vor sie nicht
+wohl gesehen hätt. Als Zeit war, zu essen, kam der Ritter mit den
+silbern Schlüsseln. Hieß ihn der König, sein Gemahel und seine liebe
+Tochter, die Schön Magelona, sich zu ihm an seinen Tisch setzen, dem
+Ritter zu Gefallen und ihm darmit desto größer Ehr zu erzeigen. Da sie
+nun alle zu Tische gesessen, ward der Ritter gegenüber der Schönen
+Magelona gesetzet. Nun war die Mahlzeit von fremden Essen aufs Beste
+bestallt. Aber der Ritter achtet des Essens wenig, wann er war allein
+mit seinem ganzen Herzen geflissen, die Schöne Magelona genugsamlich zu
+beschauen, und in sich selber zu bedenken die übertreffliche Schönheit
+der Jungfrauen. Und speiset also sein Gesicht mit ihrem Anblick, und
+gedacht in seinem Herzen, es wär keine schöner auf Erden, dann die Schön
+Magelona. Also ward er entzündt in ihrer Lieb, und gedauchet ihn der
+selig, der ihre Lieb überkommen möchte. Doch schätzet er sich selber
+nicht für den, dem es widerfahren möchte, und hielt es bei sich selber
+für unmöglich, daß ihm solch Glück begegnen möchte. Und nicht weniger,
+wie ihm ward, geschah auch der Schönen Magelona in ihrem Herzen von dem
+Ritter.
+
+Als sie nun gegessen hätten, geschahen mancherlei Spiel und Kurzweil auf
+dem königlichen Saal. Und ging der König, samt seinem Gemahel, der
+Königin, kurzweilen; gab auch seiner lieben Tochter, der Schönen
+Magelona, Macht und Urlaub, mit den Rittern auf dem Saal zu reden. Also
+begab's sich, daß die Schön Magelona den Ritter mit den silbern
+Schlüsseln freundlich zu sich rufet. Da solches der Peter vernahm, kam
+er schnell und willig. Saget sie zu ihm: »Edeler Ritter, mein gnädiger
+Herr Vater, der König, hat ein groß Gefallen in allem euerm züchtigen
+Wesen, des gleichen auch die anderen alle, so herinne sind, auch von
+wegen eurer ritterlichen Sachen, Tugenden und adeligem Gemüte. Hierum,
+kommt oft herein kurzweilen! Wann mein gnädiger Herr Vater, des gleichen
+mein gnädige Frau Mutter und alle anderen, tragen ein groß Gefallen
+hierinne an euch, auch ich, mit samt anderen Jungfrauen und Frauen.«
+
+Als solches der Peter von der Schönen Magelona verstanden hätt,
+antwortet er ihr züchtiglich: »Gnädiges Fräulein, mir ist's allein nicht
+möglich, euerm Herrn Vater, dem König, meinem gnädigen Herrn, des
+gleichen meiner gnädigen Frauen, euer Gnaden Frau Mutter, und so auch
+euer Gnaden, der Ehren halben zu danken, so mir von ihren Gnaden
+unverdient erzeiget werden; dieweil mir, also einem armen Diener eines
+kleinen niedrigen Standes, so viel Ehr erzeiget wird. Wann ich hab auch
+nicht verdient, genannt zu werden der geringste Diener euer Gnaden
+Hofgesinds. Jedoch tu ich, hochgeboren gnädiges Fräulein, euer
+fürstlichen Gnaden demütig Danksagung, und will mich erbieten, solches
+zu verdienen. Ich will auch allwegen euer Gnaden untertäniger Diener
+sein, es sei, wo es wolle.«
+
+Da antwortet ihm die Schön Magelona: »Ich bedank mich euers Erbietens,
+will auch hinfür euch für meinen Diener halten.« Nach diesen Worten ging
+die Königin in ihre Kammer, und die Schön Magelona mit ihr, wie wohl
+ungerne. Doch am Abscheiden saget sie zu dem Ritter: »Edeler Ritter, ich
+bitt euch freundlich, ihr wöllet oft herein kommen kurzweilen; wann ich
+hätte wohl etwas mit euch in geheim zu reden von Ritterspielen und
+anderm, so in euer Heimat geschehen. Und beschweret mich nicht wenig,
+daß ich dies mals nicht Zeit habe, weiter mit euch zu reden.« Und nahm
+also von ihm Urlaub, und sah ihn ganz freundlich an; aus welchem Ansehen
+er tiefer verwundt ward in seinem Herzen dann vormals.
+
+Und ging also die Schön Magelona in ihre Kammer, mit samt anderen
+Jungfrauen und Frauen. Doch blieb der König bei den Herren auf dem Saal
+stehen und redet mit ihnen mancherlei. Da kam er zu dem Ritter mit den
+silbern Schlüsseln und bat ihn freundlich, so es ihm nicht entgegen
+wäre, wölle er ihm seinen Namen anzeigen, auch seinen Stand. Aber er
+konnte nichts anders von ihm erfahren, dann daß er ein armer Edelmann
+aus Frankreich wäre, und zöge, die Welt zu beschauen, und Ritterspiel
+üben. Als solches der König von ihm verstanden hätt, ließ er's auch
+darbei bleiben und hielt ihm's für eine große Tugend seines adeligen
+Gemüts. Und wollt ihn nicht mehr fragen, wann er vermerket wohl, daß es
+ihm entgegen war. Also nahm der König Urlaub und ging zu seiner Ruhe;
+des gleichen auch nahm der Ritter Urlaub von dem König und anderen
+Herren und tät sich in seine Herberg.
+
+
+
+
+Wie Peter betrachtet die übertreffliche Schöne der Königstochter.
+
+ [Illustration]
+
+
+Da nun der Peter von dem König in seine Herberg kam, ging er an einen
+heimlich verborgen Ort und fing an, zu betrachten und zu Herzen führen
+die freundliche Red und gnädiges Ansehen, auch die übertreffliche Schöne
+der Königstochter, der Schönen Magelona; mit welcher Schöne sie gezieret
+war also tief, daß er kein Rast noch Ruhe mehr hätt.
+
+Des gleichen wiederum, als bald die Schön Magelona in ihre Kammer war
+kommen, tät sie nicht viel weniger von dem Ritter gedenken, und hätte
+gern gewußt, wer er wäre, und wie er hieße. Und gedacht, so er eines
+großen und hohen Geschlechts wäre, wollt sie ihn desto lieber haben
+angesehen, dieweil er von ihren wegen an den Hof war kommen. Und
+gedauchet sie wohl, aus Anzeigen seines züchtigen und adeligen Wesens,
+er wäre nicht also geringe, als er sich schätzet. Und nahm sich für,
+ihre Liebe die sie zu ihm trug, in großer Geheime zu offenbaren ihrer
+Ammen, die ihr sonderlich heimlich und treu war.
+
+Eines Tags nahm sie die Amme auf einen Ort in ihrer Kammer und sprach zu
+ihr: »Meine liebste Amme, du hast mich allwegen lieb gehabt und mir
+große Lieb erzeiget, darum ich in kein Person dieser Welt also groß
+Vertrauen setze, dann in dich. Hierum will ich dir etwas sagen auf
+Vertrauen; allein, du wollest es heimlich halten, und mir deinen
+getreuen Rat mit teilen. Das wollt ich dir nimmermehr vergessen.« Also
+hub die Amme an und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Tochter, ich weiß
+in dieser Welt nichts, des ihr von mir begehret, das mir möglich ist,
+ich wollt es tun, und soll ich darum sterben. Derhalb, saget mir
+kecklich, und eröffnet mir euer Herz und Gemüt ohn alle Furcht.«
+
+Da hub die Schön Magelona an, zu ihr sprechen: »Ich hab mein Herz und
+Liebe ganz gesetzet in diesen jungen Ritter, der den vorigen Tag den
+Preis im Stechen erlanget hat. Ich kann auch oder mag darvor weder
+essen, trinken noch schlafen. Und so ich erführe, daß er eines hohen
+guten Herkommens wäre, wollt ich all mein Hoffnung in ihn setzen und ihn
+zu meinem Gemahel nehmen. Hierum begehr ich seinen Stand und Wesen zu
+erfahren.«
+
+Als solches die Amme von der Schönen Magelona vernahm, erschrak sie
+nicht ein wenig, und wußte nicht, was sie antworten solle. Doch saget
+sie wieder zu ihr: »Mein aller liebste Tochter und Fräulein, was saget
+ihr? Euch ist wohl bewußt euer hoher Stand; und so der mächtigste Herre
+dieser Welt euch überkäme, würde er sich nicht klein erfreuen. Ihr
+setzet euer Herz und Lieb in einen jungen fremden Ritter, der euch an
+Person und Herkommen unbekannt. Vielleicht begehret er wiederum von euch
+nichts mehr, dann euer Schmach und Schande, und verließe euch nach mals
+gar, so er solches zuwegen gebracht hätte. Darum bitt ich euch, mein
+aller liebste Tochter und Fräulein, ihr wollet solche Gedanken aus euerm
+Herzen schlagen und nicht mehr gedenken. Wann wo solches euer Herr
+Vater, der König, erführe, möchte euer Lieb töricht geacht und schädlich
+werden. Habet ein wenig Geduld! Wann so es GOTT geliebet, möget ihr in
+Kürz noch wohl ehrlich und reichlich vergeben werden.«
+
+Da dies alles die Schön Magelona von ihrer Ammen verstanden hätt und
+vermerket, daß sie nicht nach ihrem Gefallen wollt verwilligen, ward sie
+ganz traurig und betrübt in ihrem Herzen und Gemüt. Wann die Liebe hätt
+sie also überfallen und umgeben, daß sie ihrer selbst nicht mehr mächtig
+war. Und saget: »Ach, mein liebste Amme, ist das die Liebe, die du zu
+mir getragen hast! Willst du, daß ich sterbe also elendiglich, und daß
+ich ende mein Leben so erbärmlich aus Mangel der Hilf und guten Rats?
+Ach wehe! die Arzenei ist nicht weit zu suchen, sondern ist sehr nahe
+bei mir. Ich schicke dich doch nicht also ferne und weit von mir. Doch
+darfst keine Sorge vor meinem Herrn Vater und Mutter, auch vor mir
+haben, noch vor niemanden. Und so du tust, was ich dich heißen will, so
+ist mir geholfen. Wo du mir aber nicht folgest, sollst du mich in kurzer
+Zeit vor deinen Augen sehen sterben vor Unmut und Schmerzen.«
+
+Da die Schön Magelona solches geredt, fiel sie in einer schweren
+Ohnmacht auf ihr Bette. Als sie aber wieder zu ihr selber kam, sprach
+sie: »Wisse, liebste Amme, daß er eines hohen Stammes und Geschlechtes
+ist. Wann seine Tugend solches anzeiget, auch will er darum seinen Namen
+nicht anzeigen. Ich glaub aber gänzlich, so du von meinen wegen an ihn
+würdest begehren seinen Namen und Stand, er werde ihn dir nicht
+verhalten.«
+
+Als nun die Amme an der Schönen Magelona gesehen die große Lieb, die sie
+zu dem jungen Ritter trug, tröstet sie die Schöne Magelona und sprach:
+»Mein aller liebste Tochter und Fräulein, dieweil es euer Begehr und
+Willen ist, will ich mich also viel befleißen, damit ich von euert wegen
+mit ihm rede, und solches erfahre, wie ihr mir auf geleget. Seid nur
+getrost, und bekummert euch nicht mehr!«
+
+
+
+
+Wie die Amme in die Kirchen ging zu dem Ritter, mit ihm aus Befehl der
+Schönen Magelona zu reden.
+
+ [Illustration]
+
+
+Darnach ging die Amme in die Kirchen, den Ritter zu suchen. Und fand ihn
+alleine beten, und tät auch, als sie bete. Als bald sie das Gebet
+vollbracht, erbot ihr der Ritter Ehre; wann er kennet sie wohl und hätt
+sie vormals gesehen bei der Schönen Magelona. Da fing sie zu ihm an und
+sprach: »Herr Ritter, ich verwunder mich euer nicht ein wenig, daß ihr
+euern Stand und Wesen also heimlich haltet und verberget. Ich weiß wohl,
+daß mein Herr, der König, und seiner Gnaden Gemahel, und in Sonderheit
+die Schön Magelona eine große Freud hätten, zu erfahren, von wann und
+wer ihr wäret. So ihr dann geneiget wäret, der Schönen Magelona solches
+zu wissen zu tun, wollt ich's ihr nicht vorhalten. Ich weiß auch, ihr
+tätet in solchem ihr einen großen Gefallen; wann sie begehret es
+herzlich zu wissen.«
+
+Als der Ritter die Frauen also höret reden, ward er voller Gedanken,
+vermeinet er doch gänzlich, solche Reden kämen von der Schönen Magelona.
+Gab ihr also zur Antwort und saget: »Meine liebste Frau, ich sag euch
+großen Dank, daß ihr mit mir also freundlich geredt habt. Des gleichen
+danke ich auch allen, so meinen Namen zu wissen begehren, in Sonderheit
+meinem gnädigen Fräulein Magelona. Und so es euch geliebet und
+unbeschwerlich, wollet mich ihr befehlen, und von meinen wegen bitten,
+sie wölle kein Ungefallen darinne tragen, daß ich mich nicht offenbare.
+Wann die Weil ich von heimen gewesen, hab ich's keinem Menschen zu
+erkennen geben. Jedoch, dieweil sie die Kreatur ist auf Erden, der ich
+das aller Beste gönne in dieser Welt, auch ihr zu dienen und gehorsam zu
+sein erbötig, möget ihr also zu ihr sagen: nach dem sie also herzlich
+begehre, zu wissen meinen Namen, solle sie wissen, daß mein Geschlecht
+groß und hoch geadelt sei. Und bittet sie von meinen wegen freundlich,
+sie wölle an dem ein gut Begnügen haben. Und euch bitte ich aufs
+Freundlichst, ihr wollet von meinem kleinen Vermögen etwas nehmen und
+ihr mit bringen von meinen wegen. Wann ich selber ihr solches nicht darf
+überantworten. Daran tut ihr mir ein groß Gefallen.« Gab ihr also der
+drei Ringe einen, die ihm sein Mutter in seinem Hinziehen mit geben
+hätt.
+
+Da sie solchen Ring von dem Ritter empfangen hätt, sprach sie zu ihm:
+»Edeler Ritter, diesen Ring will ich ihr von euert wegen überantworten,
+auch darneben anzeigen, was wir mit einander geredt haben.« Also nahmen
+sie Urlaub von einander und schieden hinweg.
+
+Die Amme ging fröhlich hinweg von dem Ritter, darum, daß sie mit ihm war
+also zu reden kommen. Und redet zu ihr selber also: »Es mag wohl also
+sein, als mir die Schön Magelona angezeiget hat, daß er eines großen
+Geschlechts sein soll; wann er ist aller Zucht und Tugend voll.« In
+diesen Gedanken ging sie, bis sie kam zu der Schönen Magelona, welche
+ihrer Zukunft mit großen Freuden wartet. Da zog sie den Ring herfür und
+überantwortet ihr den mit Anzeigen, was sie mit einander geredt.
+
+Als die Schön Magelona des Ritters Erbieten hätt verstanden, und sah
+auch den kostlichen Ring, den ihr der Ritter überschicket hätt, sprach
+sie zu ihrer Ammen also: »Mein liebste Amme, hab ich dir nicht vormals
+gesaget, er würde sein eines hohen Geschlechts? Wann mein Herz saget
+mir's. Auch kannst du wohl gedenken, ob ein solcher kostlicher Ring möge
+sein eines Armen. Sicherlich, sage ich dir, das wird mein Glücke sein,
+und kann nicht anders werden. Wann ich will und begehre ihn zu haben und
+liebe ihn, ich will auch keinen andern lieben noch haben. Wann von
+Anbeginne, als ich ihn am ersten ersah, ergab sich mein Herze ihm
+alleine. Ich erkenne auch, daß er mir zu Lieb und Gefallen hieher kommen
+ist. Dieweil er dann eines hohen Geschlechts ist, ich auch weiß, daß er
+von meinen wegen hieher kommen ist, und er der schönste Ritter unter
+allen dieser Welt ist, wäre ich doch unhöflich und eines harten
+Herzens, wenn ich ihn nicht wiederum lieb hätte. Ich will auch ehe vor
+Schmerzen sterben, eh ich sein vergesse und ihn verlasse. Derhalb ich
+dich bitt, mein liebste Amme, du wollest ihm mein Gemüt und Willen zu
+erkennen geben, und in dem mir treulich raten. Und damit ich meine
+großen Schmerzen linder mache, bitt ich dich, du wollest mir diesen Ring
+lassen, wann ich hab große Freude, ihn an zu sehen.«
+
+Als solches die Amme von der Schönen Magelona vermerket, daß sie ihr
+Herze und Gemüt also bald wollte entdecken, ward sie traurig und sprach
+zu ihr: »Mein edelstes Fräulein und Tochter, auch aller freundlichstes
+Herz, ich bitt euch fleißig, ihr wollet solchem Fürsatz in euerm edeln
+Herzen keinen Fürgang lassen; wann es ja nicht loblich, noch ehrlich
+wäre, daß ihr, als eine hochgeboren Fürstin, euer Lieb also schnelle
+einem fremden unbekannten Ritter gebet.«
+
+Da solche Straf die Schön Magelona von ihrer Ammen höret, mochte sie es
+nicht länger dulden noch verschweigen, sondern sprach zu ihr mit
+bewegtem Gemüte: »Du sollst ihn hinfür nicht für einen Fremden schelten,
+wann ich auf Erdreich keinen lieber habe. Es wird mir ihn auch niemand
+aus meinen Gedanken und Herzen reden. Darum bitte ich dich freundlich,
+du wollest hinfür dieser Wort geschweigen, als lieb ich dir bin, und
+meine Gnad.«
+
+Da die Amme das alles vermerket hätt, wollt sie nichts mehr darwider
+reden. Doch saget sie zu ihr: »Mein liebstes Fräulein, was ich sage, tu
+ich von euert wegen, und euch zu Ehren. Wann alle Ding, so da
+unordentlich und schnelle geschehen, kommen nicht zu Ehren denen, die es
+tun; auch werden sie nicht gepriesen von denen, die es erfahren. Ich
+lobe es wohl, daß ihr ihn lieb habet, wann er ist es wohl würdig. Doch
+also, daß solches von euch ehrlich und züchtig geschehe, wie es sich
+dann gebühret. Und zweifelt gar nicht, ich will euch einen guten Rat
+geben und getreulich helfen. Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem
+Allmächtigen, diesen Dingen werde wohl geraten.«
+
+Als die Schön Magelona solche vernünftige Rede von ihrer Ammen vernommen
+hätt, ward sie ein wenig gestillet. Und saget ihr doch: »Mein aller
+liebste Amme, ich will alles tun, was ihr mir raten werdet.«
+
+Die selbe Nacht schlief die Schön Magelona ganz wohl mit ihrem Ring, den
+sie zum öftern Mal küsset aus großer Lieb; und tät mit herzlichem
+Seufzen an ihren liebsten Freund, den Ritter, gedenken bis nahe dem Tag.
+Darunter entschlief sie. Und da sie entschlafen war, da kam ihr für ein
+solcher Traum: es gedauchet sie, der Ritter und sie wären allein bei
+einander in einem lustigen Garten. Und sie saget zu ihm: »Ich bitte euch
+freundlich, von wegen der Liebe, so ihr gegen mir traget, ihr wollet mir
+sagen, von wannen ihr seid, und wes Geschlechts; wann ich liebe euch vor
+allen Menschen auf Erden. Darum begehre ich zu erfahren, wer der Ritter
+wäre, dem ich mein Lieb geben hätte, und von wannen her er wäre.«
+Gedauchet sie hernach, der Ritter antwortet ihr: »Edeles Fräulein, es
+ist noch nicht die Zeit kommen, mich gegen euch zu eröffnen. Darum, ich
+bitte euch, ihr wollet mich dessen auf dies mal überheben; wann ihr
+sollt es noch in kurzer Zeit erfahren.« Und darnach gedauchtet sie, der
+Ritter gebe ihr einen Ring, der war noch kostlicher dann der erste, den
+er ihr bei der Ammen geschickt hätte. Und lag also die Schön Magelona
+schlafend in großem Gefallen bis auf den Morgen des Tags. Und da sie
+erwachet, saget sie solchen Traum der Ammen, aus welchem Ansagen die
+Amme vermerket, daß sie all ihr Herze und Gedanken auf den Ritter
+geworfen hätt. Derhalben sie die Schöne Magelona tröstet auf das Beste,
+so sie konnte und vermocht.
+
+
+
+
+Wie eines Tags der Ritter die Amme in der Kirchen fand, und er zu ihr
+ging und saget ihr was heimlich.
+
+ [Illustration]
+
+
+Eines Tages tät der Ritter also großen Fleiß, daß er der Schönen
+Magelona Ammen in der Kirchen fand, wann er wollt heimlich mit ihr
+reden. Als sie ihn vernahm, ging sie zu ihm, und zeiget an, wie die
+Schön Magelona ein groß Gefallen hätte an dem Ringe, den er ihr gesandt
+hätt, und tät ihm freundlich danken. Da antwortet ihr der Ritter und
+sprach: »Liebe Frau, ich habe euch den Ring geben, nicht der Schönen
+Magelona. Wann ich weiß wohl, daß eine solche kleine Gabe nicht würdig
+ist, einer solchen mächtigen Fürstin überschicket zu werden, als die
+Schön Magelona, mein gnädiges Fräulein, ist. Jedoch alles, mein Leib,
+Gut und Vermögen, ist ihr. Auch wißt, liebe Frau, daß ihre
+übertreffliche Schöne mein Herz also gefangen und verwundt hat, daß
+ich's euch nicht länger verbergen kann. Darum es gar vonnöten ist, euch
+dieses zu eröffnen als mein Anliegen. Wann so sie mir nicht Gnade
+erzeiget, so bin ich der unglückseligst Ritter der ganzen Welt. Liebe
+Frau, ich sage euch in großem Geheim mein Herze und Gemüt; wann ich weiß
+und erkenne, daß ihr eine große Freundin seid der Schönen Magelona. So
+es euch nun nicht entgegen wäre, bitt ich freundlich, ihr wollet mein
+Gemüte ihr anzeigen. Wie wohl ich's um euch nicht verdient habe, bin ich
+doch willens, solches treulich zu verdienen.«
+
+Sprach sie zu ihm: »Ich danke euch. Ich will auch alles, so ihr mir
+befohlen, treulich ihr anzeigen, verhoffe auch, eine gute Antwort euch
+wiederum zu bringen. Doch kann ich nicht verstehen, wie ihr solche Lieb
+vermeinet. Wann so ihr's verstündet für eine törichte und unzüchtige
+Liebe, so schweiget hinfürder, und redet nichts mehr davon.«
+
+Da sprach der Ritter zu ihr: »Liebe Frau, ich müßt eines bösen Todes
+sterben, so ich je an eine solche Lieb oder Schande gedacht habe;
+sondern an eine ehrliche züchtige und treuliche Liebe, darinne ich ihr
+gerne wollte dienen.«
+
+Als die Amme solches gehöret, saget sie: »Edeler Ritter, ich verheiß
+euch hiemit, die Sache gegen ihr treulich aus zu richten. Dieweil ihr
+aber itzunder mir anzeiget, ihr wolltet sie lieben aus züchtiger
+getreuer Liebe, warum verberget ihr dann euern Namen und Geschlecht vor
+ihr? Wann ihr möget vielleicht solches Adels und Geschlechtes sein, es
+würde zwischen euch mit GOTTes Hilf eine Eh beschlossen. Wann sie liebet
+euch aus ganzem Herzen, ihr hat auch getraumet von euch; und wann wir
+zwei bei einander alleine sein, so redet sie und ich alleine von euch.«
+
+Da er solches hört, sprach er zu ihr: »Liebste Frau, dieweil ihr mir
+also viel gesaget, bin ich erfreuet worden. Und bitte euch freundlich,
+ihr wollet verhelfen, damit ich mit ihr zu reden kommen möge. So will
+ich ihr sagen mein Geschlechte, und alles, so sie von mir zu wissen
+begehret. Ich verhoffe auch, so sie mich gehöret hat, sie werde mich
+nicht verachten. Aber einem andern Menschen sage ich's nicht,
+ausgenommen ihr alleine.«
+
+Da sprach die Amme zu dem Ritter: »Ich will's ihr sagen, wie ihr mich
+berichtet; will auch verhelfen, damit ihr mit ihr zu reden kommet.«
+
+Da ward der Ritter noch größer erfreuet ihrer Zusage und sprach:
+»Liebste Frau, ich danke euch eures Erbietens, und bitt euch freundlich,
+so es euch geliebet, ihr wollet diesen Ring, der wenig geacht ist, ihr
+von meinen wegen freundlich überantworten. Und so sie den selben von mir
+wird annehmen, werde ich's für eine sonderliche Gnade achten. Wann ich
+besorge, der vorige Ring sei nicht nach dem, als ihr wohl gebühret. Ihr
+wollet mich ihr auch untertäniglich befehlen.«
+
+Da sprach die Amme: »Dieweil ich also erkennet habe euer edeles Herz,
+will ich ihn überantworten von euert wegen. Will auch ihr befehlen und
+Fleiß fürwenden, damit ihr mit ihr zu reden kommet.«
+
+Da sprach der Ritter: »Ich dank euch euers Erbietens.«
+
+
+
+
+Wie die Amme wieder zu der Schönen Magelona kam.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als die Amme also von dem Ritter aus der Kirchen ihren Abschied nahm,
+ging sie des nächsten der Schönen Magelona Kammer zu. Die war sehr krank
+von großer Liebe, die sie zu dem Ritter hätt, und lag also zu Bette,
+wann sie mocht an keinem Ende Ruh haben. Und als bald sie die Ammen
+ersah, stund sie auf und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Amme, sei
+mir willkommen! Ach wehe! bringest du mir nicht gute Zeitung von ihm,
+den ich also liebe? Fürwahr, liebe Amme, gibst du mir nicht einen
+getreuen Rat, damit ich ihn sehe und mit ihm rede, so muß ich sterben.«
+
+Als die Amme solche Rede vernahm, saget sie zu ihr: »Mein edeles
+Fräulein und aller liebste Tochter, ich will euch einen solchen Rat
+geben, darvon ihr sollt fröhlich werden; und, ob GOTT will, werdet ihr
+erkennen und erfahren, daß ich euch von Herzen lieb habe.«
+
+Da die Schön Magelona solches von ihrer Ammen höret, sprang sie vor
+großen Freuden ihres Herzens aus dem Bette auf das Erdreich, halset und
+küsset sie und sprach zu ihr: »Mein aller liebste Amme, sage mir neue
+Zeitung!«
+
+Da fing die Amme ihr an zu sagen, wie der Ritter zu ihr wäre kommen, und
+hätte gesaget und angezeigt den großen Willen, den er zu ihr trüge, daß
+er vor Liebe schier müsse sterben. Und saget: »Glaubet mir fürwahr,
+aller liebste Tochter, habt ihr von seinen wegen große Schmerzen, so
+trägt er von euert wegen nicht weniger Schmerzen. Und ob aller Liebe,
+die er in euch gesetzt hat, ist die seine treulich und züchtig, auch
+ehrlich gegen euch; darum ich gar erfreuet bin. Und wisset, mein aller
+liebste Tochter, daß ich nie gehöret habe einen also jungen Ritter, der
+so weislich redet als er. Ohn allen Zweifel wird er eines großen und
+hohen Herkommens sein. Es hat auch diese Gestalt mit ihm: er begehret
+auf Erden nicht mehr, dann in geheim mit euch alleine zu reden. Da will
+er euch alles sein Anliegen und Wesen entdecken. Er will auch tun, was
+ihr ihm gebietet, und befiehlt sich euch in aller Untertänigkeit, und
+bittet, ihr wollet ihm einen Tag bestimmen und einen Ort, da er euch
+sein Herz und Gemüt möge eröffnen; wann er keinem Menschen sonst solches
+sagen will. Er bittet euch auch, ihr wollet diesen Ring gnädiglich von
+ihm annehmen und von seinen wegen behalten.«
+
+Da die Schön Magelona solche gute und fröhlich neue Zeitung höret, auch
+den Ring sah, der schöner und kostlicher war, dann der erste, da
+verwandelt sich ihr Farbe vor Freuden und ward rot. Und sprach zu der
+Ammen: »Wisse, du aller liebste Amme, daß dies der Ring ist, darvon mir
+getraumet hat die vorige Nacht; wann mein Herz saget mir nichts, das
+nicht geschähe. Und glaub sicherlich ohn allen Zweifel, daß dies der
+Ritter ist, der mein Gemahel und Mann soll werden. Ohn ihn kann ich auch
+kein Lust noch Freude haben. Darum ich dich freundlich bitte, du wollest
+Rat suchen und erdenken auf das Beste, so dir möglich, mit ihm zu reden;
+wann ich kann nicht länger verziehen. Hierum, mein aller liebste Amme,
+suche Mittel, daß ich ihn sehen möge nach meinem Gefallen, und mit ihm
+reden. Wann ich hab große Hoffnung, durch solche Mittel zu kommen zu
+einem seligen Ende meines Begehrens. Ich verheiße dir auch hiemit, du
+sollst es nicht entgelten.«
+
+Da verhieß ihr die Amme, nichts zu sparen und allen möglichen Fleiß für
+zu wenden, damit dies alles wohl ausgerichtet würde. Also blieb die
+Schön Magelona den ganzen Tag und die Nacht fröhlicher dann vorhin,
+beschauet und behielt ihre Ringe, so ihr von dem Ritter geschicket
+waren, und danket ihm in ihrem Herzen dieser Gaben. Itzunder stecket sie
+die Ring an ihre Finger, nach mals küsset sie die, und vertrieb also
+ihre Weil und Zeit darmit.
+
+
+
+
+Wie die Amme wieder mit dem Ritter zu reden kam.
+
+ [Illustration]
+
+
+Da es nun kam auf den anderen Tag, bemühet sich die Amme, den Ritter an
+zu sprechen, und fand ihn in der Kapellen, in welche er pfleget zu
+gehen. Und als er sie ersah, ward er fast fröhlich, wann er verhoffet,
+was von der Schönen Magelona zu erfahren. Stund auf und ging ihr
+entgegen, grüßet sie gar freundlich und höflich. Da antwortet sie ihm
+wieder und sprach: »GOTT gebe und verleihe euch zu überkommen, was euer
+Herze begehret.«
+
+Darnach fraget sie der Ritter, was die Schön Magelona begönne, und
+fraget, ob er in ihren Gnaden wäre. Da antwortet die Amme ihm und saget:
+»Edeler und aller liebster Ritter, glaubet mir sicherlich, daß itzunder
+in dieser Welt kein Ritter ist, der je Harnisch führet und Ritterspiel
+brauchet, der also glückselig ist als ihr. Selig ist auch gewesen die
+Stunde, da ihr hieher in dies Land seid gekommen; wann durch euer
+redlich Tapferkeit habet ihr erlanget und überkommen die schönste
+Jungfraue dieser Welt. Euch ist auch nie kein größer Glücke widerfahren,
+wann ihr habet gewonnen ihre Gnad und Liebe. Sie tut euch danksagen um
+den Ring, den ihr durch mich ihr neulich überschicket, will ihn auch von
+euert wegen behalten. Sie begehret auch, euch herzlich zu sehen und
+freundlich mit euch zu reden. Ich bin auch wohl zufrieden, daß solches
+geschehe. Jedoch werdet ihr mir verheißen bei Edelmanns Treue und
+Glauben, daß in euer Liebe nichts anders sei, dann Zucht und Ehr, wie
+dann geziemet einem jeden euers hohen Standes.«
+
+Als solches der edel Ritter von der Ammen verstanden, tät er als einer,
+in welchem alle Tugend waren. Und kniet nieder auf die Erden vor ein
+Kruzifix, und sprach: »Mein liebste Frau, ich verheiße und schwöre euch
+hie vor GOTT, meinem Schöpfer, daß mein Meinung und Gemüte nicht anders
+ist, dann Zucht und Ehr. Ich begehre auch, nichts anders zu erlangen, so
+es GOTTes Willen wäre, dann die Liebe der Schönsten Magelona zum
+heiligen Sakrament der Ehe, solche zu vollenden nach Gebrauch der
+heiligen christlichen Kirchen. Oder GOTT helfe mir nicht in dieser
+Welt! Amen.«
+
+Da die Amme solch Gelöbnis von ihm höret, gab sie ihm die Hand, und zog
+ihn wieder auf und sprach: »Fürwahr, edeler Ritter, ihr habet einen
+solchen Eid getan, darum euch billig zu glauben und vertrauen ist. Ihr
+sollet auch wissen, ich will solchen euern Willen der Schönen Magelona
+ohnangezeiget nicht lassen. Ich bitte auch den allmächtigen ewigen GOTT,
+Er wolle euch in diesem euerm Fürsatze behalten. Und so es Sein
+göttlicher Wille wäre, möchte ich wohl sprechen, daß in dieser Welt
+nicht werde gefunden ein Paar bei einander, so edel und ehrlich und
+züchtig, als ihr beide. Und darum, edeler Ritter, schicket euch darauf,
+und kommet morgen nach Mittag durch das kleine Pförtlin des Gartens zu
+der Schönen Magelona in ihre Kammer, darinne sie wird mit mir alleine
+sein. Doch will ich auch die Kammer raumen, damit ihr beide alleine bei
+einander seid. Da redet und erzählet euer Anliegen nach euers Herzens
+Begier!«
+
+Als solches der Ritter vernahm von der Ammen, ward er hochlich erfreut,
+und danket ihr der guten Botschaft, und schieden also von einander. Und
+kam die Amme wieder zu der Schönen Magelona, und saget ihr alles, wie
+sie es mit dem Ritter aus gerichtet hätte und beschlossen. Da sie
+solches höret, danket sie der Ammen gar freundlich, und wartet des
+Ritters mit herzlicher Begierde.
+
+
+
+
+Wie der Ritter zu der Schönen Magelona kam durch das kleine Pförtlin im
+Garten.
+
+ [Illustration]
+
+
+Auf den andern Tag, als die Zeit und Stunde vorhanden war, daß der
+Ritter zu der Schönen Magelona sollte kommen, nahm er der Stunde fleißig
+gewahr, und gedauchet ihn die Zeit lang sein. Kam doch zu dem Pförtlin
+bei dem Garten, das ihm angezeiget war, und fand es offen, wie ihm dann
+die Amme gesaget hätt. Also ging er hinein in die Kammer der Schönen
+Magelona mit großer Begier seines Herzens, und fand da die Schöne
+Magelona samt der Ammen beide alleine. Und als bald ihn die Schön
+Magelona ersah, verwandelt sich alles ihr Geblüte, und ward rot an ihrem
+Angesicht als eine Rose. Und hätte guten Willen gehabt, gegen ihm auf zu
+stehn, ihn in die Arme zu nehmen und zu küssen; wann die Liebe tät sie
+darzu reizen. Jedoch die Vernunft, die da soll regieren das Herze eines
+jeglichen adeligen Menschen, erzeiget ihm ihre Ehr, wie wohl ihr schönes
+Angesicht, auch ihre lieblich und freundlichen Augen nicht verbergen
+mochten die Liebe, so sie in ihrem Herzen trug gegen dem Ritter; und
+das Herze sprang ihr auf im Leib vor Freuden. Also hätt die Schön
+Magelona in ihr selbst zween Gedanken, und sah den Ritter sehr
+freundlich an.
+
+Der edel Ritter verwandelt auch nicht weniger seine Farbe, da er vor
+sich sah die aller Schönest und Liebste seines Herzens. Er wußte auch
+nicht, wie er an sollte fahen zu reden; wann er wußte nicht, ob er in
+Lüften oder auf Erdreich war; als dann die Liebe ihren Untertanen
+pfleget zu beweisen und tun. Jedoch kniet er nieder ganz schamhaftig vor
+sie und sprach: »Großmächtige hochgeboren Fürstin, der allmächtige GOTT
+verleihe euch Ehr und alles, das euer Herz begehret!«
+
+Als bald stund die Schön Magelona auf und nahm ihn bei der Hand, und
+saget zu ihm: »Edeler Ritter, seid mir willkommen!« Und hieß ihn, zu ihr
+sitzen. Da solches die Amme vermerket, ging sie in eine ander Kammer nah
+darbei. In dem fing die Schön Magelona an zu reden also: »Edeler Ritter,
+ich habe großen Gefallen in dem, daß ihr zu mir seid kommen. Wann ich
+hab großen Willen gehabt, mit euch zu reden, wie wohl es nicht geziemet
+einem jungen Menschen, als ich bin, alleine mit einem Mann heimlich zu
+reden, wie ich mich dann solches zu tun unterstanden habe. Jedoch habe
+ich wiederum angesehen euer edels Gemüte, das mich gesichert und keck
+gemacht hat, solches zu tun. Wisset auch, da ich euch den ersten Tag
+gesehen, hat euch mein Herze also bald Gutes gewollt. Wann alle Gutheit
+und Zucht, die in einem adeligen Menschen mögen sein, die werden
+vollkommenlich in euch befunden. Darum, edeler Herr, saget mir euer
+Geschlechte, Namen, Wesen und Stand; und verberget mir's nicht! Wann
+kein Mensch auf Erden ist, dem ich mehr Gutes gönne, dann euch. Hierum
+ich gerne erfahren wollt, wer ihr wäret, und aus was Landes Art, und
+warum ihr hieher kommen seid.«
+
+Da stund der Ritter auf und saget: »Großmächtige edelste Fürstin, ich
+bedanke mich des ersten untertäniglich euers freundlichen Willens und
+Gemüts, so ihr gegen mir erzeiget habet, mich in euer Gnade zu nehmen;
+wie wohl in mir kein Tugend ist, die solches um euch verdienet habe. Es
+ist auch billig, daß ihr von mir erfahret, wer ich sei, und warum ich
+herkommen. Doch bitt ich euch aufs Untertänigst, ihr wollet es niemand
+sagen, und also bei euch behalten. Wann es ist gewesen all mein Fürsatz,
+da ich von Heimat geritten, dies niemand zu offenbaren. Es ist auch
+bisher also verschwiegen geblieben. Allermächtigste edelste Fürstin,
+wisset, ich bin ein einiger Sohn des Grafen zu Provincien, der da ist
+ein Ohm des Königs von Frankreich. Ich bin auch von Vater und Mutter
+allein darum hinweg gezogen, euer Lieb zu erlangen. Wann ich habe hören
+sagen, wie kein schöner Fürstin sölle sein dann ihr, was dann die ganze
+Wahrheit ist. Man kann auch solche Schöne in euch nicht genugsam
+aussprechen. So bin ich her gekommen in kleiner Gesellschaft, wo dann
+sein große Herren, Fürsten und Edele, die in allen Dingen geschickter
+sind dann ich, und haben sich in mancherlei Ritterspielen erzeiget von
+euert wegen; und hab ich mir auch für gesatzet in meinem Herzen, wie
+wohl ich unter ihnen der wenigste, ob ich euer Gnad und Liebe möchte
+erlangen. Und das ist die ganze Wahrheit, die ihr von mir begehret zu
+erfahren. Ich hab auch bei mir beschlossen in meinem Herzen, niemand
+lieber zu haben dann euch, bis in meinen Tod.«
+
+Da er solches geredt hätt, gebot sie ihm, bei ihr nieder zu sitzen, und
+saget zu ihm: »Mein edeler Bruder und Herre, ich danke dem allmächtigen
+GOTT, meinem Schöpfer, daß Er uns verliehen hat einen solchen
+glückseligen Tag. Wann ich schätze mich für die Glückseligste dieser
+Welt, daß ich gefunden hab einen so adeligen Menschen eines solchen
+hohen und großen Geschlechtes, des gleichen nicht gefunden wird auf
+Erden in Tapferkeit, Zucht, Schöne und Weisheit. Dieweil dann dem also
+ist, daß wir zwei Liebhabende einander von Herzen lieben und geneigt
+sein, und ihr, mein edelster Herre, seid von meinen wegen hieher in dies
+Land kommen, und habet es baß ausgericht dann alle anderen, habet auch
+den Preis und Namen aller Ritterschaft, so darf ich mich wohl glückselig
+schätzen, daß ihr von meinen wegen Vater und Mutter, Land und Leute
+verlassen. Darum, edeler Ritter und Herre, will sich nicht geziemen, daß
+ihr euer Arbeit verlieret, die ihr also getreulich daran gesatzet habet.
+Und die Weil ihr mir euer Herze und Gemüt entdecket habet, ist es
+billig, ich tue euch also. Hierum, sehet hie euer Magelona ganz und gar.
+Und setze euch einen Meister und Herren meines Herzens; und bitt, ihr
+wollet solches heimlich, ehrlich und verborgen halten, bis zu der Zeit
+unsers Verlöbnis. Und seid meines teils sicher, daß ich lieber wollte
+bald den Tod leiden, dann mich und mein Herz gegen einem andern
+bewilligen.«
+
+In dem nahm sie eine gulden Ketten von ihrem Hals, daran hing ein
+kostlich Häftlin, und henket es ihm an seinen Hals und sprach: »Durch
+diese Ketten, aller liebster Freund und Gemahel, setz ich euch in Besitz
+meines Leibes, und verheiße euch treulich, wie einer Königstochter
+geziemet, keinen andern zu nehmen dann euch.«
+
+In dem nahm sie ihn freundlich in ihre Arme. Da kniet der Peter für sie
+nieder und sprach: »Mein aller liebste edelste Fürstin, die schönest
+unter allen dieser Welt, ich bin nicht würdig, euch darum Danksagung zu
+tun. Doch wie ihr gesaget habt, also bleib es darbei; ich bin es wohl
+zufrieden. Ich verheiße auch euch hiemit, euer Gebot und Befehl treulich
+zu erfüllen, so es GOTT gefällt. Und so es euch geliebet wäre, von euerm
+Gemahel zu empfahen diesen Ring, mein darbei zu gedenken.« (Dieser war
+der dritte Ring, welchen ihm gegeben hätt sein Mutter, als er von ihr
+hinweg zog; der dann kostlicher war, dann die zween anderen.)
+
+Also empfing die Schön Magelona den Ring gutwilliglich, und wendet sich
+wieder gegen ihm, ihn wieder in ihre Arme zu nehmen und zu küssen. Nach
+dem allem rufet sie der Ammen wieder. Da die zwei nun lang mit einander
+allein hätten geredt, beschlossen sie mit einander, wie sie oft und
+dicke möchten einander sehen.
+
+Also nahm der Peter Urlaub von der Schönen Magelona, und ging stille
+wieder in sein Herberge, doch fröhlicher, dann er gewohnet war. Und die
+Schön Magelona blieb also in ihrer Kammer bei der Ammen, und tät nichts
+der gleichen, ließ sichs auch gegen niemand merken.
+
+Oft und dicke darnach redet die Schön Magelona mit ihrer Ammen von ihrem
+aller liebsten Peter und sprach: »Was bedunket dich von meinem getreuen
+geliebten Ritter? Ich bitte dich freundlich, du wollest mir's sagen, und
+ganz nichts verhalten.« -- »Fürwahr,« saget die Amme, »mein liebstes
+Fräulein, er ist also schöne, züchtig, tapfer und freundlich in allen
+seinen Gebärden, daß mich gedunket, es möge nicht anders sein, er müsse
+von einem hohen Geschlecht sein.« Auf das antwortet ihr die Schön
+Magelona: »Habe ich dir nicht allwege recht gesaget? Wann mein Herz und
+Gemüte verstund es wohl. Darum ich mich begnügen lasse, daß ich in seine
+Kundschaft kommen bin, GOTT hab Lob! Wann es ist kein Tochter also hoch
+geboren auf Erden, so sie die Hälfte von ihm wüßte, als ich weiß, sie
+vermeine sich glückselig, so sie ihn möchte zu einem Liebsten haben.«
+
+Darauf antwortet ihr die Amme: »Liebstes Fräulein, es ist alles wahr,
+wie ihr saget. Doch bitt ich euch eines freundlich: ihr wollet nicht
+leichtfertig sein aus Liebe. Wann so ihr werdet zu Hofe sein bei anderen
+Jungfrauen und Frauen, des gleichen der Ritter, wollet euch nichts
+vernehmen, noch vermerken lassen. Wann so es von euch geschähe, würden
+euer Vater und Mutter solches leichtlich verstehen; daraus dann möchten
+entspringen zweierlei Übel: das erste, daß ihr schamhaftig würdet, und
+verlieren euers Vaters und Mutter Gunst; das ander, so sie es inne
+würden, möchte der Ritter getötet werden, darinne ihr ein Ursach an dem
+Tod eines solchen edeln Ritters wäret, der euch lieber hat, dann sich
+selbst. Und zum dritten, so würde ich auch gestrafet werden. Darum ich
+euch freundlich bitte, ihr wollet euch weislich halten, als einer hoch
+geboren Tochter zu tun gebühret.«
+
+Da sprach die Schön Magelona wider ihre Ammen: »Mein liebste Amme, in
+diesem und anderm will ich folgen deinem getreuen Rat, wann ich erkenne,
+daß du nur allerwegen treulich geraten hast. Und bitte dich freundlich,
+so du was an mir siehest, das mir nicht zu tun geziemet, du wollest
+mir's untersagen, oder mit einem Zeichen anzeigen. Wann ich will dir
+folgen als meiner liebsten Ammen und Mutter. Doch noch eins will ich
+dich freundlich bitten: so wir zwo alleine bei einander seien, du
+wollest mir vergönnen, zu reden von meinem liebsten Menschen; damit ich
+meine Zeit desto leichter verbringen möge, bis daß ich erkenne, wo es
+endlich hinaus wolle. Und vor allen Dingen bitte ich dich, du wollest
+raten und helfen, damit ich ihn oft möge sehen und mit ihm reden. Wann
+ich weiß kein ander Freud zu haben in dieser Welt; und so durch
+Unglücke, da GOTT vor sei, ihm was widerführe, wisse, mein liebste Amme,
+daß ich mir mit meiner eigenen Hand wollte den Tod tun.«
+
+Nun, da der Ritter wieder heim in sein Herberge war kommen, betrachtet
+er die große Freundlichkeit, die ihm widerfahren war, und lobet GOTT,
+daß ihm solches begegnet. Er vermeinet auch, GOTT hätte sonst keinem
+Ritter eine so hohe seltsame Freundlichkeit und Ehr zu gesandt als ihm.
+Er verwundert sich auch in sich selbst der übertrefflichen Schöne der
+Magelona. Daraus er verursacht ward, mehr zu Hof zu kommen, dann sein
+Brauch war. Doch hielt er sich ganz weislich und stille gegen dem König
+und anderen, damit er nicht vermerket würde. Also, daß ihn jedermann
+lieb gewann am Hofe, nicht allein die großen Herren, sondern auch das
+gemein Hofgesinde. Und wann er die Zeit vermerket, darinne er unvermerkt
+sein Augen mochte speisen, sah er die Schöne Magelona freundlich an.
+Solches geschah alles von ihm weislich heimlich und verborgen. Wann er
+dann Befehl hätt von dem König oder der Königin, zu reden und kurzweilen
+mit der Schönen Magelona, so ging er auch hinzu. Also vertrieben die
+zwei dann ihr Zeit mit einander.
+
+
+
+
+Wie Herr Friedrich, von der Krone genannt, hinweg zog aus Rom, gen
+Neapel zu kommen, allda Ritterspiel zu üben von wegen der Schönen
+Magelona.
+
+ [Illustration]
+
+
+Der Zeit war ein reicher und edeler Ritter aus dem Land Romania, der war
+sehr mächtig, und von wegen seiner Macht und Redlichkeit ward er sehr
+gepriesen, mit Namen Herr Friedrich von der Krone. Der selbe gewann eine
+Lieb zu der Schönen Magelona, aber sie hätt sein gar keine Gnad. Eines
+mals satzet er sich für, Ritterspiel zu üben in der Stadt Neapel; wann
+er vertrauet in seine Macht und Stärke, dardurch Preis und auch die Huld
+der Schönen Magelona zu überkommen, die dann sein wenig achtet. Auf das
+tät er eine Bitt an den König von Neapel, er wölle ihm Ritterspiel zu
+üben vergünnen. Also ward es ihm von dem König zu gesaget. Und ward aus
+gerufen in Frankreich und um liegenden Orten ein Stechen dieser Gestalt:
+welche Ritter willens wären, zu stechen aus Liebe der Jungfrauen oder
+Frauen, sollten erscheinen in der Stadt Neapel am Tage Unser Frauen
+Geburt. Da würde man sehen, wer sie lieb hätte.
+
+Aus solcher Ursach wurden viel Fürsten und Herren zu erscheinen beweget,
+und waren die Namen der Trefflichsten diese nach folgenden: zum ersten
+kam eingezogen Herr Antoni, ein Bruder des Herzogen von Savoyen, zum
+andern Herr Friedrich, ein Bruder des Markgrafen von Montferrat, zum
+dritten Herr Eduard, des Herzogen von Bourbon Bruder, zum vierten Herr
+Peter, ein Neff des Königs zu Böheim, zum fünften Herr Heinrich, ein
+Sohn des Königs von Engelland, zum sechsten Herr Jacob, des Grafen von
+Provincia Bruder, ein Vetter des Ritters mit den silbern Schlüsseln, wie
+wohl er ihn auf dies mal nicht erkennet; und viel ander mehr. In der
+Stadt Neapel waren auch der edel Ritter Peter von Provincia und sein
+Geselle, Herr Heinrich von Crappana, und ander, deren Namen von wegen
+der Menge aus geblieben. Alle Obgenannten lagen sechs Tage stille in Ruh
+in der Stadt, ehe das Stechen anfing. Es wird auch in keiner Historien
+gefunden, daß je also viel guter Leute wären auf einmal in dieser Stadt
+gewesen. Darum der König Magelon ihnen allen viel Zucht und Ehr bewies.
+
+Als nun kam der Tag Unser lieben Frauen Geburt, stunden sie frühe auf
+und hörten Meß. Nach dem bereiteten sie sich zu, ein jeglicher nach dem
+Besten, und ritten auf einen Platz, Cathonie genannt, da der König auf
+gestiegen war auf einen hohen Schaustuhl, samt anderen Fürsten und
+Herren. Und auf einem andern Stuhl stund die Königin mit ihrer Tochter,
+der Schönen Magelona, und anderen Jungfrauen und Frauen, dem Stechen zu
+zu sehen. Und waren gar lustig zu sehen so viel schöner Jungfrauen und
+Frauen, unter welchen allen die Schön Magelona herfür leuchtet, als der
+Morgenstern am Anfang des Tages.
+
+Da verharrten die Ritter alle auf den königlichen Befehl, und der erste,
+der sich ließ sehen mit der Pracht, das war Herr Friederich von der
+Krone, von wes wegen das Stechen angefangen. Nach ihm kam geritten Herr
+Antoni, und darnach alle anderen, ein jeglicher in seiner Ordnung. Und
+die Schön Magelona hätt allwegen ein Auge gewandt auf ihren freundlichen
+Peter, der da kam mit den Letzten.
+
+Als solches geschehen, befahl der König seinem Herold, aus zu rufen, daß
+das Stechen sein solle freundlich, mit Liebe, ohne Schmähung des andern;
+das dann durch den Herold geschah, und daß hinfür ein jeglicher das
+Beste tät.
+
+Da fing an Herr Friedrich von der Kron, zu sagen also laut, daß es
+jedermann wohl verstehen mocht: »Ich will auf den heutigen Tag erzeigen
+mein Stärke und Vermögen, von wegen der edeln und schönen Magelona, aus
+ganzen meinen Kräften.« Und zog darmit der erste auf die Bahn. Wider ihn
+kam auf die Bahn Herr Heinrich, des Königs von Engelland Sohn, ein
+schöner Ritter. Und trafen beide so wohl, daß beider Spieß brachen.
+Jedoch, wäre man Herrn Heinrichen nicht zu Hilfe kommen, wäre er
+gefallen; wann er war ein wenig taumelig. Nach diesem Herrn Heinrich kam
+einer, genannt Lancelot von Valois, der vom ersten Treffen Herrn
+Friederichen herab ledig stach. Da kam der edel Peter von Provincia
+wider den Lancelot, wann sein edels Herz und Gemüte mochte nicht länger
+verziehen. Er ward von jedermann genannt der Ritter mit den Schlüsseln,
+wann niemand wußte seinen Namen, noch Geschlechte. Und trafen einander
+also heftig, daß die Pferde mit ihnen beiden zu Boden fielen. Da ward
+gesaget von dem König und anderen, daß die zween sehr stark und mächtig
+wären. Und tät der König ihnen als bald befehlen, sie sollten ihre
+Pferde verwechseln und andere nehmen, ob sie wollten, und noch einmal
+mit einander treffen, damit man sehe, wer unter ihnen den Preis erlange.
+Das als bald von ihnen beiden geschah, und saßen wieder auf. Es darf
+nicht Fragens, ob die Schön Magelona mit einem traurigen Herzen habe
+GOTT gebeten für ihren liebsten Peter, damit ihm nichts widerführe, und
+damit ihm der Preis werde.
+
+Da nun die zween wieder auf gesessen wären, zugen sie zum andern mal
+auf die Bahn, da dann ein jeglicher den Preis zu erlangen sich befliß.
+Und begegneten wieder einander, der Gestalt, daß der Peter dem Lancelot
+den Arm entzwei brach; und stieß ihn also aus großen Kräften zu der
+Erden, daß der König vermeinet, er wäre tot. Und ward also von der Bahn
+von den Seinen in sein Herberge getragen.
+
+Da kam wider den edeln Peter Herr Antoni von Savoyen, der nicht also
+stark war als der Lancelot, und den der Peter leichtlich zu Boden stieß.
+Nach dem kam gezogen Herr Jacob von Provincia, sein Vetter. Peter
+erkennet ihn wohl, aber er ward von seinem Vetter nicht erkannt. Da nun
+der edel Peter seines Vaters Bruder sah sich zu dem Spiele schicken,
+saget er zu dem Herold: »Gehe hin, und sage jenem Ritter, daß er nicht
+wider mich komme. Wann er hat mir eins mals einen Dienst getan in der
+Ritterschaft, darum ich ihm schuldig, wiederum zu dienen. Ich wollte ihm
+ungern einen Verdruß tun. Sage ihm auch darbei, ich lasse ihn bitten, er
+wölle mein verschonen. So bin ich gutwillig, offenlich zu bekennen, daß
+er ein besser Ritter sei dann ich.«
+
+Solches richtet der Herold aus, wie ihm dann befohlen war. Da das Herr
+Jacob verstund, ward er zornig; wann er ein guter Ritter war. Er hätt
+auch den edeln Peter zu Ritter geschlagen mit eigener Hand, darum ihm
+dann der edel Peter die Ehre gab. Da fing Herr Jacob an zu sagen zu dem
+Herold: »Sage dem Ritter, wer er ist, habe ich ihm je Liebs getan, ich
+sage ihn hiemit frei, quitt, ledig und los. Noch mehr, so er sich gegen
+mir nicht wehret, will ich ihn halten für einen, der kleine Kraft in ihm
+hat.« Das dann der Herold dem edeln Peter wieder saget. Da solches der
+edel Peter von seinem Vetter vernahm, ward er auch zornig. Und
+beschweret ihn nicht ein wenig, daß er mit seinem Vetter mußte treffen.
+Doch mußte er es tun, damit er nicht von den Leuten erkannt werde. Als
+es an ein Treffen ging, da führet der edel Peter seine Stangen die Quere
+über, wann er wollt seinen Vetter nicht treffen. Aber sein Vetter
+verschonet sein nicht, und traf ihn auf seine Brust und zerbrach seine
+Stangen und fiel auf den Sattel seines Pferdes. Aber der edel Peter
+verwandt sich nicht, ihn gedauchet auch, eine Feder hätt ihn an
+gerühret. Das nahm der König gewahr, und sah wohl, daß solches der
+Ritter mit den Schlüsseln getan hätt aus Höflichkeit. Doch wußte er
+nicht, warum es geschah; aber die Schön Magelona verstund es bald, warum
+der Peter solches tät. Doch schickten sich die beiden zu dem andern
+Treffen, und tät der Peter nicht anders, dann wie vor. Aber sein Vetter
+sparet es nicht, und traf ihn also heftiglich, daß er sich selber am
+Peter ledig herab stach. Der Peter hätt auch darum nie keinen Stegreif
+geraumet und am Treffen beweget, darum sie sich alle verwunderten. Da
+das Herr Jacob gesehen hätt, und auch empfunden, daß er also stark war,
+und hätt ihn nicht mögen bewegen, auch, daß er von ihm nicht getroffen
+war, tät er sich verwundern, und wollt nicht wieder kommen; also zog er
+ab. Er wußte auch nicht, daß es sein Vetter, der edel Peter, wäre
+gewesen.
+
+Darnach kam gezogen auf die Bahn Herr Eduard von Bourbon, ein tapferer
+und starker Ritter. Aber des ersten Treffens stieß ihn der edel Peter,
+Roß und Mann, zur Erden, mit also großen Kräften, daß die Umsteher sich
+des Peters verwunderten, und ihn hochachteten.
+
+Nach diesem kam Herr Friederich von Montferrat und brach seine Stangen
+auf dem Peter. Aber der Peter traf ihn oben an sein Gardebras bei der
+Schulter und stieß ihm's hinweg. Und, daß ich's kurz mache: alle Ritter,
+die noch vorhanden waren, stieß der Ritter mit den Schlüsseln herab,
+und behielt also den Preis.
+
+Da niemand mehr vorhanden war, der mit ihm wollte treffen, schlug er
+sein Visier auf und ritt zum König. Da ihn der König ersah, befahl er,
+durch Rat seiner Herren und Räte, dem Herold, aus zu rufen, wie daß der
+Ritter mit den Schlüsseln den Preis und die Ehre hätt erlanget, und daß
+er sich am besten gehalten unter allen anderen. Und dem Ritter Peter
+sagten die Königin und Schön Magelona, samt anderen Jungfrauen und
+Frauen, viel Danks. Also zog ein jeglicher heim in sein Herberge und zog
+sich aus. Doch ließ der König aus rufen durch den Herold, ein jeglicher
+sölle gen Hof kommen, mit ihm das Morgenmahl zu empfahen; das sie dann
+alle täten.
+
+Als sie gen Hof kamen, danket ihnen der König und bewies ihnen allen
+große Ehre. Als sich der edel Peter hätt aus gezogen, ging er auch gen
+Hof. Da ihn der König ersah, ging er ihm entgegen, umfing ihn und
+sprach: »Mein liebster Freund, ich dank euch der Ehren, die ihr mir heut
+bewiesen habet. Wann ich darf mich wohl beruhmen, es sei kein Fürste auf
+Erden, der einen solchen Ritter habe an seinem Hofe, mit Zucht und
+Ehren, auch Tapferkeit gezieret, als ich an euch habe. Es ist auch nicht
+vonnöten, daß ich euch lobe, wann euer Werk bezeuget es selber, des
+gleichen alle Fürsten und Herren, so itzunder hie sein. Ich bitte GOTT
+den Allmächtigen, Er wolle euch zu dem verhelfen, was euer Herze
+begehret; wann fürwahr, ihr seid des würdig.«
+
+Den selben Tag ward der Ritter ehrlich und wohl gehalten von dem König
+und allen anderen; wann wer mit ihm mochte zu reden kommen, der
+gedauchet sich seiner Gesellschaft erfreuet. Und je mehr man ihn sah, je
+lieber man ihn sah; wann er war ein schöner holdseliger junger Gesell,
+darzu war er weiß wie eine Lilie, und hätt freundliche Augen und gelbes
+Haar als Gold. Darum jedermann saget, GOTT hätte ihm viel sonderlicher
+Tugend verliehen.
+
+Nach dem allem vergaß der König der Verwundeten nicht, und schicket bald
+nach seinen Wundärzten, den besten; und ließ den Lancelot verbinden, der
+hart wundt war. Die Ärzte täten in kurzer Zeit also großen Fleiß, damit
+der Lancelot wieder geheilet und gesund war. Also hielt der König
+funfzehen Tag offenen Hof zu Ehren den Fürsten, die dar kommen waren.
+Und ging die Rede allein von dem Ritter mit den Schlüsseln. Da solches
+die Schön Magelona höret, ward sie hochlich erfreuet, ließ sich's doch
+nicht merken.
+
+
+
+
+Wie die Fürsten und Herren wieder heim zogen, doch zornig, dieweil sie
+nicht erfahren mochten, wer der Ritter wäre.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als sich das Stechen und die Freude geendet hätt, zogen die Fürsten und
+Herren wieder heim, doch zornig; wann sie mochten nicht erfahren, wer
+der Ritter war, der das Beste in dem Stechen hätt getan unter so viel
+Fürsten und Herren. Da sie nun heim kamen, da redeten sie viel von dem
+Ritter mit den Schlüsseln.
+
+Als nun solches alles sich hätt verlaufen, da kam der edel Peter zu der
+Schönen Magelona; wann sie mochten nicht lange von einander sein, so sie
+es schicken konnten. Und als sie bei einander waren, da lobet ihn die
+Schön Magelona sehr. Aber der Peter saget ihr wieder, er hätte solches
+getan nicht von sich selber, sondern ihre Schöne hätte es getan und ihn
+darzu gedrungen, und von ihr käme der Preis und die Ehre.
+
+Da sie genug mit einander hätten geredet von mancherlei, da wollt der
+Peter sie versuchen, und sprach zu ihr: »Edelste aller liebste schönste
+Magelona, ihr wisset, daß ich von euert wegen lang aus bin blieben von
+Vater und Mutter. Darum, aller liebstes Lieb, dieweil ihr des ein Ursach
+seid, wollt ich euch bitten, ihr wollet mir erlauben, heim zu reiten, so
+es euch gefiele. Wann ich bin es sicher, daß sie große Sorg und
+Schmerzen für mich tragen, dieweil sie nicht wissen, wo ich bin. Ich
+mache mir auch solcher Beschwernis ein Gewissen.« Solches tät der Peter
+allein, zu erfahren, wie sie sich darinne wollt halten.
+
+Als die Schön Magelona hätt vernommen ihres liebsten Peters Rede,
+stunden ihr alsbald die Augen voller Wassers, und begunnten die heißen
+Zähren, ihr das schöne Angesicht naß zu machen, und verwandelt sich all
+ihr Farbe, und ward ganz bleich. Und sprach mit schwerem Seufzen und
+Weinen zum Peter: »Fürwahr, aller liebster Peter, alles das, so ihr mir
+gesaget, ist wahr und billig. Wann die Natur gebietet, daß sich der Sohn
+gebe untertan und gehorsam dem Vater und Mutter, damit er nichts wider
+sie handele, das ihnen entgegen sei. Aber mich tut beschweren, daß ihr
+euer aller Liebste wollt hinter euch lassen, die ohn euch weder Ruh noch
+Rast mag haben in dieser Welt. Ich laß euch auch fürwahr wissen, so ihr
+von mir hin ziehet, ihr werdet balde von meinem Tod erfahren; also durch
+euert wegen werde ich sterben. Darum, mein aller liebster Herr und
+Freund, ich bitte euch freundlich, ihr wollet mir euer Hinziehen nicht
+verbergen. Wann als bald ihr hinziehet, will ich mich auch darzu
+schicken. Wann ich weiß wohl, daß ich nicht lang darnach werde leben;
+also wäret ihr ein Ursach meines Todes. So es aber vonnöten ist, daß ihr
+hin ziehet, bitte ich euch freundlich, mein aller liebstes Lieb, ihr
+wollet mich mit euch nehmen, und nicht hinter euch lassen zu meinem
+großen Schaden.«
+
+Als nun der Peter die Schöne Magelona kläglich höret reden, ging es ihm
+nahe zu Herzen, und gedauchet ihn, sein Herz wolle ihm in seinem Leibe
+springen. Und saget zu ihr: »Ach, Magelona, mein aller liebstes Lieb,
+weinet nicht, und bekummert euch nicht mehr! Wann ich hab mir für
+gesatzet, nimmer aus diesem Lande zu ziehen, sondern das Ende zu
+erharren, wie es mit uns ergehen werde. Ich wollte auch den Tod viel
+lieber leiden, dann euch verlassen. So ihr aber mit mir wollet, so seid
+sicher, daß ich euch in aller Zucht und Ehr will führen, und stäte
+halten die Zusage, die ich euch getan vor dieser Zeit.«
+
+Als die Schön Magelona solches von dem Peter verstund, ward sie wieder
+erfreuet, und saget zu ihm: »Mein edeler Herr und Freund, dieweil ihm
+also ist, als ihr anzeiget, so rate ich, wir ziehen von dannen aufs
+Kürzest und Heimlichst, so es geschehen mag. Von wegen zweier Ursachen:
+die erste ist, daß es ist zu besorgen, ihr werdet verdrossen, länger zu
+verziehen, und daß ihr endlich kein Lust mehr hättet, hie zu bleiben,
+und zöget hin und ließet mich hinter euch. Die ander ist, daß mein Vater
+mich willens hat, in Kürze zu verheiraten und vergeben. Daraus ich
+empfinde, daß er mir eher wird den Tod geben; wann ich will keinem
+andern vertraut sein dann euch. Darum, mein aller liebstes Lieb, bitt
+ich euch freundlich, ihr wollet aufs Kürzest dartun und Mittel suchen,
+damit wir mit einander hin kommen; wann hie länger zu verziehen, möchte
+uns schädlich sein. Wann ich hab mein Herze ganz in euch gesatzet, daß
+ich euch nimmer wollte verlassen. So habt ihr auch gesaget, ihr wollet
+mich züchtiglich und ehrlich halten bis zu unserm Verlöbnis.«
+
+Da fing der Peter auf ein Neues an, schwur und verhieß ihr's, also zu
+halten. Also beschlossen sie, den dritten Tag nach dem ersten Schlaf mit
+einander hinweg zu ziehen. In dem sollt sich der Peter schicken mit
+aller Notdurft, und sollte kommen mit den Pferden zu dem kleinen
+Pförtlin bei dem Garten und allda ihr harren. Sie bat ihn auch fleißig,
+er wölle gute starke Pferd mitbringen, damit sie auf das Schnellest aus
+dem Lande ihres Vaters kämen. Wann sie sprach: »So mein Vater solches
+inne würde, so wird er uns nach folgen; und so er uns überkäme, so
+besorge ich, er würde uns beide töten lassen.«
+
+Also nahm der Peter Urlaub und seinen Abschied von der Schönen Magelona,
+und bat sie freundlich, sie wölle geschickt sein, und nicht lang
+verziehen. Von diesem Rat und Beschluß wußte die Amme gar nichts; wann
+sie war nicht darbei gewesen, als sie es beschlossen hätten. Auch wollte
+die Schön Magelona nicht, daß sie es sollte wissen. Wann sie hätt große
+Sorg, sie würde es nicht verschweigen, sondern solches verhindern; darum
+hielt sie es heimlich. Der Peter ging also von ihr hinweg in seine
+Herberg, und schicket alles, das ihm vonnöten war, doch verborgen. Und
+ließ seine Pferd auf das Beste beschlagen.
+
+
+
+
+Wie Peter die Schön Magelona hinweg führet.
+
+ [Illustration]
+
+
+Nun, da es kam um die bestimmte Zeit auf den ersten Schlaf, kam der
+Peter zu dem Pförtlin des Gartens mit dreien Pferden, unter welchen
+eines war geladen mit Wein und Brot und ander Speise auf zween Tage,
+damit sie nicht durften Essen suchen oder Trinken in den Herbergen. Er
+fand die Schöne Magelona ganz alleine, die hätt zu sich genommen Gold
+und Silber, was ihr vonnöten war. Und saß auf ein schönes gutes englisch
+Zelterlin, das da sanft ging von Vorteil. Darnach saß der Peter auf ein
+schönes gutes Pferd, und ritten beide eilends ohn Abstehn die ganz Nacht
+über, bis daß der Tag anbrach.
+
+Da nun der Tag kam, suchet der Peter die Hölzer gegen dem Meer zu,
+damit sie nicht gesehen würden von jemand, und damit man von ihnen
+nichts möchte erfahren. Und da sie nun tief genug im Holz waren, da hub
+der Peter die Schöne Magelona von dem Pferde herunter, und zog hernach
+den Pferden ihre Zäume ab und ließ sie weiden und grasen. Und ging er
+und sie sitzen auf das grüne Gras unter einen Schatten. Und sagten von
+ihrer Abenteuer, und baten GOTT fleißig, daß Er sie wolle beschützen und
+endlich führen, da sie hin begehrten, ihr Fürnehmen zu verbringen. Und
+als sie beide lang mit einander hätten geredt, da überkam die Schön
+Magelona großen Willen, zu schlafen und ein wenig zu ruhen, wann sie
+hätt die ganze Nacht nicht geschlafen, auch war sie müde worden von dem
+Reiten. Also leget sie ihr Haupt in des Peters Schoß und fing an zu
+schlafen.
+
+
+
+
+Wie man das Hinwegziehen des Ritters und der Schönen Magelona erfuhr,
+und wie sie an allen Orten gesucht wurden.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als es nun Tag worden, kam die Amme in die Kammer der Schönen Magelona,
+und tät allda lange Zeit verharren, wann sie vermeinet, sie schliefe
+noch. Und da sie sah, daß die Zeit vorüber war, in der sie gewohnet war,
+auf zu stehen, gedachte sie, dieweil sie also lang verzöge, sie würde
+schwach sein. Also ging sie für das Bette, da fand sie niemand, sondern
+das Bette war noch unzerbrochen, daran man kein Zeichen finden mochte,
+daß etwann wer darinne gelegen. Des erschrak sie sehr, und gedacht in
+ihr selber, daß sie der Peter hätte hin geführet. Und ging als bald in
+die Herberg des Peter, und fraget nach ihm; da erfuhr sie, daß er hin
+war. Da fing die Amme an, sich so jammerlich zu stellen, daß sie
+vermeinet zu sterben. Und ging als bald in der Königin Kammer, und saget
+ihr, wie sie die Schöne Magelona hätte gesuchet in ihrem Bette, aber
+hätte sie nicht gefunden, sie wüßte auch nicht, wo sie wäre.
+
+Als solches die Königin von der Ammen höret, erschrak sie und ward
+zornig, ließ sie überall suchen, so lang, bis solches der König erfuhr.
+Und kam das Geschrei, der Ritter mit den Schlüsseln wäre hinweg. Da
+gedacht sich der König, der Ritter hätte sie mit sich hin geführet. Und
+ließ der König als bald mit Macht auf bieten, nach zu folgen und zu
+suchen; und so man den Ritter überkäme, gebot er, man sölle ihm ihn
+lebendig bringen. Wann er wollt ihn strafen, damit die ganze Welt darvon
+wüßte zu sagen.
+
+Da nun die Untertanen hätten verstanden den Willen ihres Herren, gingen
+sie heim. Und nahmen ihr Harnisch und Waffen, zerteilten sich hin und
+wieder auf dem Wege und suchten mit großem Fleiß. Und blieben der König
+und die Königin unmutig bei einander; wann der ganze Hof ward betrübet,
+in Sonderheit die Königin; die wollt verzweifeln und schrie und weinet
+gar jammerlich.
+
+In dem schicket der König nach der Ammen, und saget ihr: »Es mag nicht
+gesein! Du mußt etwas darvon wissen, daß dann kein Mensch!« Da fiel die
+gute Amme dem König zu Füßen und sprach: »Aller gnädigster Herr, so ihr
+in mir möget finden, daß ich in dieser Sachen einerlei schuldig bin, so
+bin ich zufrieden, daß ihr mich lasset töten eines grausamen Todes, wie
+ihn euer Hof erkennen wird. Dann als bald ich solches erfahren, hab
+ich's meiner gnädigen Frauen, der Königin, angezeiget.«
+
+Da ging der König in sein Gemach, aß und trunk nichts den ganzen Tag vor
+Trauern. Es war auch erbarmlich, zu sehen der Königin Wesen, samt
+anderen Jungfrauen und Frauen des Hofes, auch durch die ganze Stadt
+Neapel.
+
+Nun suchten die Untertanen hin und her treulich, aber sie konnten nichts
+finden, noch erfahren von den Zweien. Und kamen also eines teils in
+sechs Tagen wieder, die anderen in fünfzehen Tagen. Erfuhren und funden
+nichts, darum der König fast zornig ward.
+
+Nun wollen wir hie verlassen, weiter von dem König zu sagen; und wollen
+uns wenden, zu sagen von der Schönen Magelona, die da lag im Holze und
+schlief.
+
+
+
+
+Wie die Schön Magelona entschlief in dem Schoße des Peter, und wie er
+große Lust hätt, sie schlafend an zu schauen, doch zu Ende zornig ward,
+als ihr hernach hören werdet.
+
+ [Illustration]
+
+
+Wie ihr oben gehört habt, daß die Schön Magelona in dem Schoße des Peter
+entschlief, da hätt der Peter keine größer Lust, dann im Anschauen
+seiner aller Liebsten; er kunnt sich auch nicht ersättigen der Schöne,
+die er da vor sich sah. Und da er sie genug besehen hätt, ihren schönen
+roten Mund, auch das Angesicht, da kunnt er sich nicht enthalten,
+schnüret auf ihre Brust, zu beschauen auch ihre schneeweiße Brust, die
+weißer war zu sehen, dann ein Kristall; griff an ihre schönen Brüstlin.
+Als er solches tät, ward er in der Liebe ganz entzundet und verzucket.
+Gedauchet ihn, er wäre im Himmel, gedacht auch, Unglücke möchte ihm
+nichts schaden. Doch diese Lust blieb ihm nicht lang; wann darnach
+erlitt er unübertreffliche Pein, als ihr hernach werdet vernehmen.
+
+Da nun der Peter die Schöne Magelona wohl besehen hätt, da sah er
+ungefähr einen roten Zendel zusammen gewickelt zwischen ihren Brüstlin
+liegen. Da überkam ihn große Lust, zu erfahren, was es wäre, und nahm es
+heraus und wickelt es auf. Da fand er darinnen liegen die drei schönen
+Ringe, die er ihr geben, und die sie also lieb hätt und auf hub von
+seinen wegen. Da sie nun der Peter gesehen hätt, wickelt er's wieder in
+den Zendel wie vor und leget sie neben sich auf die Seiten auf einen
+Stein und begunnt, die Schöne Magelona wieder an zu sehen, und ward also
+verzucket in der Liebe, daß er nicht wußt, wo er war.
+
+Aber GOTT der Allmächtig erzeiget ihm, wie daß in dieser Welt kein
+Freude wäre ohn Traurigkeit, und schicket darhin einen Vogel, der da
+lebet von dem Raub. Der ersah den Zendel, und vermeinet, es wäre
+Fleisch, erwischet ihn und flog darvon.
+
+
+
+
+Wie Peter dem Vogel nach folget und warf zu ihm mit Steinen, aber der
+Vogel ließ den Zendel ins Meer fallen.
+
+ [Illustration]
+
+
+Da der Peter solches ersah, daß ihm der Vogel die Ringe hätt hinweg
+geführet, ward er zornig; wann er gedacht, so es die Schön Magelona, die
+er dann ungerne erzürnen wollt, erführe, es würde ihr nicht gefallen. Er
+leget seinen Mantel säuberlich unter ihr Haupt, damit sie nicht erwache,
+und folget dem Vogel nach, warf mit Steinen nach ihm; wann er verhoffet,
+er wölle die Ringe ihm wieder ab jagen. Und trieb es so lang, bis der
+Vogel den Zendel mit den Ringen ließ in das Meer fallen. Dann saß er auf
+einen kleinen Felsen nahe bei dem Erdreich. Jedoch zwischen dem Felsen
+und Erdreich war eine große Menge des Wassers, es mochte keiner hinüber
+kommen, von Sorge wegen, daß er nicht ersaufe. Auf dem Felsen saß der
+Vogel, und wurf der Peter mit Steinen zu ihm, und dränget ihn also sehr,
+daß er die Ringe ließ ins Meer fallen, und flog darvon.
+
+Da mochte der Peter nicht hinüber vor Wasser, er wäre sonst ersoffen,
+wie wohl es nicht weit war von dem Lande. Da fing der Peter an, hin und
+her zu suchen, ob er möchte was finden, darinne er sicher hinüber kommen
+möchte. Und sprach wider sich selber: »O mein GOTT, was habe ich getan!
+Hätte ich die Ringe liegen lassen an ihrem Orte, da sie wohl und sicher
+lagen! Ich meine, sie werden mir wohl bezahlt, des gleichen der Schönen
+Magelona. Wann ich lang aus bleibe, wird sie mich suchen.«
+
+Also suchet der Peter so lang am Gestad, bis er fand einen kleinen alten
+Kahn, welchen die Fischer verlassen hätten, dieweil er nichts nutze mehr
+war. Der Peter stieg hinein und ward wieder erfreuet; aber sein Freude
+währet nicht lang. Wann er nahm einen Stecken in die Hände, den er
+ohngefähr hätt gefunden, und leitet sich darmit hinüber gegen dem
+Felsen.
+
+Aber GOTT der Allmächtig, der alle Ding machet nach Seinem Göttlichen
+Willen, schicket, daß ein großer Wind auf stund; der nahm den Peter mit
+Gewalt und führet ihn auf das hohe Meer über seinen Willen. Da er sah,
+daß er je länger, je mehr von dem Erdreich kam, und wußte ihm nicht
+wider zu stehn, und tät betrachten die große Gefährlichkeit des Todes,
+darinne er war, und daß er hätte die Schöne Magelona, die er mehr liebet
+dann sich selbst, also verlassen in dem Holze liegen schlafen, und
+besorget, sie würde sterben eines bösen Todes, und würde verzweifeln
+ohne Hilf und Rat, gedachte er, sich selber in das Meer zu werfen. Wann
+sein edels Herze mochte nicht mehr dulden, noch erleiden solchen
+Schmerz. Doch der, so da versuchet, die Menschen dieser Welt durch
+mancherlei Trübsal und Leiden zu leiten zu der Geduld, wollte nicht über
+ihn verhängen, daß ihm was an seinem Leib widerführe.
+
+Da kam der Peter wieder zu sich selber als ein rechter christlicher
+Mensch, und rief an GOTT den Allmächtigen und sprach wider sich selber
+also: »Ach, böse bin ich! Warum will ich mich selbst töten, die Weil ich
+dem Tod also nahe bin, der da zu mir laufet, mich zu fahen! Ich darf ihn
+nicht suchen. O allmächtiger, ewiger, gütiger GOTT, ich bitte Dich, Du
+wollest mir vergeben alle meine Sünde, und was ich je wider Dich
+gehandelt habe. Wann wider Dich, o allmächtiger GOTT, habe ich
+gesündiget, daß ich wohl eines ärgern Todes schuldig wäre dann dieses. O
+GOTT, erbarme Dich mein! Ich will ihn auch gerne leiden, ich wollte ihn
+auch lieber leiden, so ich wüßte, daß mein aller liebster Gemahel keinen
+Schmerz leiden sollt. Aber es kann nicht gesein. Ach wehe, ach wehe,
+mein aller liebste und schönste Magelona, ein Tochter eines mächtigen
+Königs, wie wird euer Leib und Herze erleiden mögen, sich alleine in
+der Wüsten zu finden, dieweil er also zärtlich erzogen ist! Ach wehe und
+aber wehe, bin ich nicht ein falscher und ungetreuer Mensch, daß ich
+euch hab aus geführet aus dem Hause euers Vaters und Mutter, da ihr also
+reichlich und zärtlich gehalten waret! Ach wehe, mein aller liebster und
+edelster Gemahel, nun bin ich des Todes, wann ich kann ihm nicht
+entgehn. Um mich ist es ein kleiner, aber um euch ein großer Schaden;
+wann fürwahr, ihr seid die schönest auf Erden. O allmächtiger, ewiger,
+gütiger GOTT, ich befehle sie Dir in Deinen Schutz und Schirm! Du
+wollest sie bewahren vor allem Übel! Du weißt wohl, daß zwischen uns
+beiden ist kein unordentlich Lieb gewesen. Darum, o GOTT, aller
+betrübten Menschen ein Zuflucht, ich bitte Dich, Du wollest ihr helfen,
+und sie nicht verlassen; wann sie hat einen guten reinen Fürsatz gehabt.
+Du wollest sie nicht lassen verderben, und meine Seele lassen zu Deiner
+Seligkeit kommen, aus Deiner grundlosen Barmherzigkeit Dich über mich
+erbarmen! O aller liebste Magelona, ich werde euch nicht mehr sehen,
+noch ihr mich, unser Verlöbnis und Ehe hat ein kurze Zeit gewähret. Ach,
+wollt GOTT, ich wäre tot vor zweien Tagen vergangen gewesen, und ihr
+wäret wieder in euers Vaters Hause!«
+
+Also weinet und beklaget der edel Peter mehr die Schöne Magelona dann
+sich selber. Er saß in der Mitten des Schifflins und wartet des Todes,
+wo ihn das Meer hin würf; wann er ließ es frei gehen, wo es hin wollten
+führen die Wellen des Meers. Er hätt auch Wassers genug bei sich in dem
+Kahn und ward gar naß. In dieser Gefährlichkeit blieb der Peter von
+Morgen an bis auf den Mittag.
+
+Es begab sich auch, daß ein Raubschiff kam der Mohren, die sein
+ansichtig wurden, und sahen ihn alleine darher fahren, wie ihn der Wind
+führet. Sie zogen ihm zu, fingen ihn und satzten ihn in ihr Schiff. Aber
+der Peter war vor Leid halb tot, er erkennet sich selber nicht wohl und
+wußte nicht, wo er war. Da nun der Patron des Schiffes den Peter recht
+an sah, gefiel er ihm wohl; wann er war wohl gekleidet und schön. Und
+gedacht in sich selber, er wölle ihn dem Sultan schenken. Sie schifften
+so viel Tagreisen, bis sie kamen gen Alexandria.
+
+ [Illustration]
+
+Als sie darhin kamen, da schenket der Patron den Peter dem Sultan. Da
+ihn der Sultan ersehen hätt, da gefiel er ihm wohl, und danket dem
+Patron. Der Peter trug die gulden Ketten allwegen an seinem Halse, die
+ihm die Schön Magelona hätt geben; darum gedauchet den Sultan, daß er
+eines großen Geschlechts wäre. Er ließ ihn auch fragen durch einen
+Dolmetschen, ob er zu Tische dienen könne. Da antwortet ihm der Peter,
+ja. Also befahl der Sultan, man sölle ihn der Weise unterrichten. Der
+Peter lernet also wohl, daß er's ihnen allen vor tät. Auch gab GOTT der
+Allmächtige dem Sultan die Gnade, daß er den Peter lieb gewann, und
+also sehr, als wäre er sein eigener geborener Sohn gewesen.
+
+Der Peter war auch nicht ein ganzes Jahr bei ihm, so unterstund er sich,
+aus Gnaden GOTTes des Allmächtigen, die Sprache wohl zu lernen, und
+redet gut mohrisch und griechisch. Und war also züchtig und freundlich,
+daß ihn jedermann am Hofe lieb gewann, als wäre er ihr eigener Sohn
+gewesen, oder Bruder. Es war auch seines gleichen nicht am Hofe mit
+aller Geschicklichkeit, daß alles durch ihn geschehen mußte bei dem
+Sultan. Das, was ihm befohlen war, zu tun und aus zu richten, das tät er
+mit ganzem Fleiß, derhalben er herfür gezogen ward. In dieser Ehren war
+der Peter bei dem Sultan.
+
+Jedoch mochte er nie fröhlich werden, wann sein Herze war ihm allwegen
+schwere, so er gedacht an seine aller liebste Magelona; und hätte
+gewollt, er wäre in dem Meer ersoffen, darmit er solcher Schmerzen
+erlediget wäre worden. Also gedacht der Peter an sein traurig Leben,
+doch ließ er sich nichts merken, wie wohl sein Herze allwegen bei GOTT
+wäre; und tät ihn oft bitten, dieweil er ihm geholfen hätte aus der
+großen Fährlichkeit des Meers, daß er ihm auch helfe und Gnad verliehe,
+damit er das heilige Sakrament der Ehe möchte empfahen, eh er stürbe. Er
+gab auch viel Almosen den armen Christen von wegen seiner aller liebsten
+Magelona, und verhoffet, GOTT werde sie nicht verlassen.
+
+Nun wollen wir von ihm lassen zu reden, und von der Schönen Magelona
+sagen.
+
+
+
+
+Wie die Schön Magelona lag auf des Peters Mantel und schlief, und da sie
+erwachet, da fand sie sich alleine in dem Holz.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als nun die Schön Magelona nach Lust hätt geschlafen, (wann sie war müde
+und hätt die ganze Nacht gewachet, des sie nicht gewohnet war), wachet
+sie auf, und gedacht, sie wäre bei ihrem aller liebsten Peter, und
+vermeinet, sie hätte ihr Haupt in seinem Schoße. Da saß sie auf und
+saget: »Mein aller liebster Peter, ich habe wohl geschlafen, ich glaube
+gänzlich, ich habe euch verdrießlich gemachet.« Und sah um sich, so fand
+sie niemand. Sie stund auf und erschrak sehre, fing an, mit lauter
+Stimme zu rufen durch das Holz: »Peter! Peter!« Aber niemand wollte ihr
+antworten.
+
+Da sie niemand höret noch sah, wäre nicht Wunder gewesen, daß sie von
+allen ihren Sinnen kommen wäre. Da fing sie an zu weinen, und ging also
+durch das Holz rufen: »Peter! Peter!« als laut sie immer rufen mochte.
+Da sie nun lang hätt gerufen und gesuchet, da ward sie heiser im Halse
+von dem Rufen, und stieg ihr ein Schmerz und Wehe in das Haupt, daß sie
+vermeinet, allda zu sterben. Und fiel also in einer Ohnmacht auf die
+Erden, als wäre sie tot.
+
+Darinne blieb sie eine lange Zeit, und als sie wieder zu ihr selber kam,
+da setzet sie sich nieder, und fing an die jammerlichsten Klagen, die je
+ein Mensch gehöret. Und saget: »Ach, mein aller liebster Peter, mein
+liebstes Lieb und Hoffnung, wo hab ich euch verloren! Warum seid ihr von
+mir geschieden, und habt mich also verlassen, euer getreue Gesellin? Ihr
+wisset doch wohl, daß ich ohn euch nicht habe wollen leben in meines
+Vaters Hause, da ich also reichlich gehalten ward. Ach wehe und aber
+wehe, wie möget ihr gedenken, daß ich möge leben in dieser Wildnis und
+Wüsten! Ach wehe, mein edelster Herre, in welcher Irrung gehet ihr um,
+daß ihr mich also verlassen habet in diesem rauhen Busch, darinne ich
+eines jammerlichen Todes sterben werde! Ach wehe und aber wehe, was habe
+ich euch zu Mißfallen getan, daß ihr mich habt geführet aus meines
+Vaters Haus, des Königs von Neapel, mich also in großen Ängsten und
+Schmerzen zu töten! Habt ihr doch mir also große Liebe erzeiget! Ach,
+mein aller liebster Peter, habt ihr an mir etwas gefunden, das euch
+nicht hätte gefallen? Fürwahr, ich hab mich zu viel gegen euch
+entdecket. Ich hab solches getan aus großer Liebe, die ich zu euch
+getragen habe; wann nimmer mehr kommet mir ein Mensch also tief in mein
+Herze als ihr. Ach, edelster Peter, wo ist euer Adel, wo ist euer edels
+Herze, wo ist euer Glauben und Zusage! Fürwahr, ihr seid der greulichste
+Mensch auf Erden, der je von einer Mutter geboren ward, wie wohl mein
+Herze nichts Böses von euch kann und vermag zu sagen. Ach wehe, was kann
+ich mehr für euch tun! Fürwahr, ihr seid der ander Jason, und ich die
+ander Medea.«
+
+Ging also verzweifelt hin und her und suchet den Peter durch das Holz,
+und kam, da sie die Pferde fand. Als sie die Pferde ersah, da fing sie
+an, auf ein Neues zu klagen und weinen. Und saget: »Fürwahr, mein aller
+liebster Peter, ich erkenne itzt, daß ihr nicht mit Willen seid von mir
+geschieden; des bin ich ganz sicher. Ach wehe, mein getreuer Liebhaber,
+und ich Ungetreue, daß ich euch also geschmähet habe! Darum mein Herze
+betrübet ist bis in den Tod. Ach, welch Abenteuer hat uns von einander
+geschieden? Seid ihr tot, warum bin ich mit euch auch nicht tot!
+Fürwahr, es ist keiner armen Tochter nie ein so groß Unglücke wider
+fahren als mir. Ach Glücke, du verfolgest itzunder nicht die Getreuen
+und Frommen, und je höher die Personen sein, je mehr du mit ihnen zu
+kriegen hast. O gütiger GOTT, der Du bist ein Licht aller Ungetrosten
+und Verlaßnen, ich bitte Dich, Du wollest mich arme Jungfrauen trösten.
+Behalte und behüte mir meine Sinne, meinen Verstand und Vernunft, damit
+ich nicht verliere Leib und Seele! Lasse mich sehen meinen aller
+liebsten Herrn und Gemahel zuvor, ehe ich sterbe! Ach wehe, möchte ich
+erfahren, wo er wäre. Und so ich ihn wüßte zu Ende der Welt, ich wollte
+ihm nach folgen. Ohn allen Zweifel glaube ich, diese Widerwärtigkeit hat
+uns geben der Böse Geist, dieweil unser Lieb ist nicht gewesen
+unordentlich noch zerbrochen, und dieweil wir nicht haben willigen
+wöllen in seine böse Anfechtung. Und halte es darfür, daß er ihn darum
+geführet habe in ein fremd Land, unser beider guten Willen zu brechen.«
+
+Solche Wort saget die Schön Magelona in ihr selbst und beklaget ihr
+Unglücke und ihren aller liebsten Peter. Ging also hin und her durch das
+Holz wie eine verlassene Frau, und horchet, ob sie etwas möchte hören
+nah oder weit. Darnach stieg sie auf einen Baum und sah sich um, ob sie
+möchte etwas sehen und erkennen, und sah nichts auf Erdreich, dann Holz
+am Land und Port des Meers, und auf der andern Seiten sah sie nichts
+anders, dann das tiefe Meer.
+
+Also blieb die Schön Magelona ganz traurig und beschwert diesen ganzen
+Tag ohn Trinken und Essen. Da nun die Nacht kam, suchet sie einen großen
+Baum, auf den stieg sie mit großer Marter und Pein. Darauf blieb sie die
+ganze Nacht sitzen, aber sie ruhet und schlief wenig; wann sie hätt
+große Sorge vor den wilden Tieren, die würden ihr einen Schaden zu
+fügen. Und also vertrieb sie die ganze Nacht: itzt weinet sie, darnach
+gedacht sie, wo er möchte hin kommen sein, und darnach gedacht sie, was
+sie tun wölle, oder wo hinaus. Wann sie hätt sich in ihrem Herzen für
+gesatzet, sie wölle nicht wieder heim ziehen zu Vater und Mutter, wann
+sie forcht den Zorn ihres Vaters. Und beschloß endlich bei ihr selbst,
+sie wölle ihren aller liebsten Peter suchen durch die Welt.
+
+
+
+
+Wie die Schön Magelona herab stieg von dem Baum und kam, da sie die
+Pferde fand, band sie auf und ließ sie laufen.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als nun der Tag herfür brach, da stieg sie vom Baum und ging an den Ort,
+da sie die Pferde fand, die da noch angebunden waren, band sie auf mit
+weinenden Augen und saget: »Als ich in mir gedenke, wie euer Herr ist
+verloren und mich in der Welt tut suchen, also will ich auch, daß ihr in
+die Welt laufet, wo ihr hin wollet.« Und zog ihnen die Zäume ab, und
+ließ sie also laufen durch das Holz, wo sie hin wollten. Und ging
+darnach also lang im Holze, und suchet einen Weg, bis sie fand die
+Landstraße, die da ging gen Rom.
+
+Und da sie sich auf der Landstraßen fand, wandt sie sich wieder bald dem
+Holze zu und suchet einen Ort, wo es dichte war, und setzet sich hinein.
+Der Ort war hoch gelegen, darum sie möchte sehen, wer hin und wider
+ginge; aber sie mochte man nicht sehen. Da sie nun eine Zeit lang da
+blieb, da sah sie auf dem Wege eine Pilgerin kommen.
+
+Der rufet sie zu ihr; die kam als bald und fraget, was sie begehre. Da
+bat sie die Pilgerin, sie wölle ihr geben ihren Rock und die anderen
+Kleider um ihre schönen Kleider. Da solches die Pilgerin höret, gedacht
+sie bei sich selber, sie wäre nicht alleine im Holz ohn Leute, und
+vermeinet, die Schön Magelona spotte ihr. Und sprach: »Gnädige liebe
+Frau, so ihr wohl bekleidet seid, sollt ihr darum der armen Leute
+Christi nicht spotten! Wann solcher schöner Rock, den ihr an traget,
+zieret euch den Leib; aber mein Rock, hoffe ich, werde mir meine Seel
+zieren.« Da sprach die Schön Magelona zu ihr: »Mein liebe Schwester, ich
+bitte dich, du wollest keinen Verdruß haben. Wann ich sag es aus gutem
+Herzen, und will gerne mit dir frei markten.«
+
+Nun, als solches die Pilgerin verstund, daß sie redet aus einem guten
+Herzen ohn allen Spott, da zog sie sich aus und gab ihr die Kleider, des
+gleichen die schön Magelona die ihren; und bekleidet sich mit den
+Kleidern der Pilgerin also wohl, daß man ihr nicht viel von dem
+Angesicht mochte sehen. Und was sie nicht verbergen mocht, da nahm sie
+einen nassen Speichel und Erdreich und beschmieret sich, damit sie nicht
+erkannt würde.
+
+
+
+
+Wie die Schön Magelona gen Rom kam in der Pilgerin Kleidern, und wie sie
+ihr Gebet tät vor dem Hohen Altar von St. Peters Kirchen.
+
+ [Illustration]
+
+
+Die Schön Magelona nahm ihren Weg gen Rom in diesen Kleidern, und ging
+also lang, bis sie in die Stadt kam. Als bald sie dar kam, ging sie des
+ersten Gangs in Sankt Peters Kirchen. Und kniet für den Hohen Altar und
+fing an, inniglich zu weinen und seufzen. Verbracht also ihr Gebet, und
+saget: »O allmächtiger ewiger GOTT, Jesu Christe, der mich hast aus
+Deiner Mildigkeit gesatzet in große Lust, und hast mich zu gesellet dem
+Edelsten dieser Welt, den ich mehr geliebet habe dann kein Mensch, und
+durch Dein Macht und Gewalt hast verschaffet, daß wir von einander sein
+geschieden durch Abenteuer; mein GOTT, es ist unser Sünden Schuld,
+dieweil wir Sünder sein. Jedoch, o allmächtiger, ewiger GOTT, es
+gedünket mich, Du solltest ihn mir nicht geben haben, dieweil Du mir ihn
+wieder hättest also wollen nehmen. Hierum bitte ich Dich aufs Demütigest
+bei Deiner Menschwerdung, als Du uns gleich bist worden, doch ohn alle
+Sünde, und durch Dein milde Barmherzigkeit, es sei Dein Willen und
+Gefallen, Du wollest mir meinen aller liebsten Peter und Gemahel wieder
+geben, dem ich durch Dein Göttliche Schickung bin verehlicht worden. O
+Du gütiger Jesu Christe, der Du bist ein Tröster aller Betrübten, ich
+bitte Dich, Du wollest diese, Deine arme Tochter, trösten! Wann ich
+wende mich zu Dir aus gutem Herzen und Willen. Ach, Du gütiger und
+getreuer GOTT, ich bitte Dich, Du wollest behüten meinen aller liebsten
+und getreuesten Gemahel Peter, der Dich in allem seinem Tun und Wesen
+hat geehret. So er lebendig ist, Du wollest verhelfen, daß er zu mir
+komme, und ich zu ihm! Und daß wir hinfür mögen unser Leben enden in
+gutem Frieden und getreuem Sakrament der Ehe! Hilf, daß wir nicht also
+verloren um ziehen in dieser Welt! Hilf, daß unser getreue Lieb nicht
+also schnödiglich verloren werde! Erzeige uns beiden Dein milde
+Barmherzigkeit!«
+
+Als sie ihr Gebet hätt also vollendet, da stund sie auf, und wollt in
+ein Herberg gehn. Da ersah sie ihren Vetter in die Kirchen treten, der
+da war ihrer Mutter Bruder, und sie tät suchen in großer Ehr und
+Gesellschaft. Darob sie sehr erschrak, doch nahmen sie ihr nicht wahr;
+wann es kunnt sie unter ihnen keiner erkennen in dieser Kleidung. Und
+ging also wie eine Pilgerin in das Spital. Darinne blieb sie fünfzehen
+Tage wie eine arme Pilgerin, und ging alle Tag in die Kirchen Sankt
+Peters und verbracht allda ihr Gebet in großer Traurigkeit und großem
+Weinen. Und verhoffet, GOTT der Allmächtig würde sie endlich erhören.
+
+In dem, als sie allda blieb, da fiel ihr zu, sie wölle in das Land
+Provincia ziehen; wann sie verhoffet, da von ihrem aller liebsten Peter
+desto eher etwas zu hören. Und beschloß also bei sich, und machet sich
+auf den Weg, und zog also lang, bis sie kam in ein Stadt, genannt Genua.
+Da erfraget sie den Weg gen Provincia, welcher der kurzest und sicherst
+wäre. Und ward ihr geraten, sie sölle auf dem Meer fahren; der Weg wäre
+der kurzest und sicherst.
+
+Und als sie an den Port des Meeres ging, da fand sie zu allem Glücke ein
+Schiff ganz zubereit, das wollt gehn zu einem Port, genannt
+Toten-Wasser. Sie überkam mit dem Patron und zog mit ihm darhin. Als sie
+nun darhin kam, da ging sie eines Tags durch die Stadt wie eine arme
+Pilgerin. Da rufet ihr eine fromme Frau und nahm sie in ihr Haus um
+GOTTes willen. Und aßen und tranken miteinander den selben Tag. Da
+fraget die gute Frau die Schöne Magelona viel von ihrer Wallfahrt. Also
+saget sie ihr, wie sie käme von Rom wallfahrten. Darnach fraget sie
+wieder die Schön Magelona von der Gewohnheit und Eigenschaft des Landes,
+und ob fremde Leute möchten sicher wandern.
+
+Da saget sie ihr: »Wisset, liebe Pilgerin, daß wir haben einen Herrn
+dieses Landes von hinnen bis gen Aragonia, und heißet unser Herr der
+Graf von Provincia. Er ist mächtig und hält sein Land in gutem Fried,
+also, daß nie kein Mensch vernommen hat, daß jemand wäre ein Verdruß
+geschehen; wann er befiehlt, Sicherheit und Gerechtigkeit zu halten in
+seinem Lande. Er und die Gräfin sein also freundlich und holdselig gegen
+den armen Leuten, daß es Wunder ist. Aber sie sein sehr betrübt und
+zornig, und wir alle mit ihnen, als die Untertanen, von ihres Sohns
+wegen, der Peter genannt, der da ist der edelst Ritter dieser Welt; wann
+er ist bei zwei Jahren von hinnen gezogen, sich zu üben in der Welt in
+Ritterspielen, und seit dieser Zeit ist nichts mehr von ihm gehört
+worden. Sie besorgen alleine, er sei tot, oder ihm sei ein großes
+Unglück wider fahren, was dann ein großer Schaden wäre.« Und fing an
+also zu erzählen die Guttaten und Tugend des edeln Ritters.
+
+Als solches die Schön Magelona vermerket, und höret von dem Grafen und
+der Gräfin, und daß der Peter nicht heim kommen war, da erkennet sie,
+daß der Peter nicht williglich von ihr kommen war, und daß solches hätte
+ein böses Unglücke getan. Und fing an, aus Mitleiden zu weinen. Und die
+gute Frau, da sie bei war, vermeinet, sie weine aus Mitleiden, und hielt
+sie desto lieber; und mußte die Nacht bei ihr schlafen.
+
+
+
+
+Wie die Schön Magelona sich füget auf einen Port der Heiden, zu dienen
+den armen Leuten in einem kleinen Spital, und wartet, ob sie von ihrem
+lieben Peter was möchte erfahren.
+
+ [Illustration]
+
+
+Die selbe Nacht setzet sich die Schön Magelona im Herzen für, dieweil
+der Peter nicht heim kommen war, sie wölle sich an einen Ort wenden, da
+sie dem allmächtigen GOTT andächtiglich möchte dienen, damit sie ihr
+Jungfrauschaft desto baß möchte unbeflecket behalten. Und verhoffet, daß
+sie da von ihrem aller liebsten Peter eher etwas möchte erfahren, dann
+anders wo. Und tät also fragen, ob in dem Lande wäre ein Ort, da man
+andächtiglich möchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin, saget, daß
+nahe wäre ein Insel des heidnischen Ports, dar alle Schiff und
+Kaufmannschaft hin kämen aus allen Landen. Darhin kämen auch viel armer
+Menschen, krank und schwach.
+
+Also ging die Schön Magelona, den Ort zu beschauen, und gefiel ihr wohl.
+Ließ von dem Geld, das sie hätt, ein klein Kirchlein bauen und ein klein
+Spital mit dreien Betten. In der Kirchen ließ sie machen einen Altar in
+der Ehre Sankt Peters, ihrem aller liebsten Peter zu Gefallen, und gab
+der Kirchen den Namen: St. Peter von Magelon.
+
+Da nun die Kirche, auch das Spital gebauet war, da tät sie sich hinein
+und dienet den armen kranken Menschen mit großer Andacht; und führet
+also ein scharfes Leben, daß die Leute der Insel und auch die
+Umliegenden sie hielten für eine heilige Fraue; man nennet sie auch die
+heilige Pilgerin. Es kam groß Opfer von viel Leuten in das Kirchlein.
+Und ward also weit bekannt, daß der Graf und die Gräfin, des Peters
+Vater und Mutter, selber in großer Andacht kamen, die Kirchen zu
+besuchen.
+
+Also begab sich eines Tags, daß sie alle beide dar kamen, die Kirchen
+und Spital zu besuchen, und sahen der Spitalerin Wesen. Sagten wider
+einander, sie müsse eine heilige Frau sein. Als die Spitalerin die zwei
+ersah, ging sie zu ihnen als eine, die sich wohl zu halten wußte, und
+erbot ihnen Ehr und befahl sich ihnen beiden. Ob dem empfingen der Graf
+und die Gräfin ein groß Gefallen, und gefiel ihnen ihre Weise wohl.
+
+Darnach zog die Gräfin die Spitalmeisterin auf einen Ort, und redeten
+viel mit einander von mancherlei Dingen, und kam also weit, daß die
+Gräfin ihr saget, wie sie betrübet wäre um ihren Sohn, und fing also an,
+herzlich zu weinen. Die Spitalerin tröstet sie auf das Beste, so sie
+mocht, wie wohl nötiger wäre gewesen, sich selber zu trösten, dann die
+Gräfin. Jedoch ward die Gräfin durch die Spitalerin gar gestillet, und
+saget zu ihr, sie hätte ein groß Gefallen in ihren Reden, und sprach,
+sie wölle oft zu ihr kommen; und alles, was sie bedürfe, das sölle sie
+begehren, das wölle sie ihr nicht versagen. Darum saget ihr die
+Spitalerin großen Dank.
+
+Also zog die Gräfin wieder heim, und bat die Spitalerin, sie wölle GOTT
+treulich bitten, damit sie erführe, wo ihr Sohn wäre. Das zu tun verhieß
+ihr die Spitalerin mit gutem Herzen, und schieden also von einander. Und
+die Spitalerin ging hin und wartet der armen Leute, wie sie dann
+Gewohnheit hätt, und führet ein hart Leben.
+
+
+
+
+Wie die Fischer an dem Ort eines Tags fischeten und fingen einen schönen
+Fisch, Meerwolf geheißen, und von wegen seiner Schöne schenkten sie ihn
+dem Grafen und der Gräfin.
+
+ [Illustration]
+
+
+Eines Tages begab es sich, daß die Fischer des selben Ortes fischten in
+dem Meer, und fingen einen Fisch, Meerwolf genannt, der sehr schön war,
+darum schenkten sie ihn dem Grafen und der Gräfin, die ihn mit großem
+Dank empfingen.
+
+Als nun der Fisch durch die Diener in die Küchen ward getragen, ihn zu
+zu bereiten, da fand der, so ihn bereitet, in des Fisches Bauch einen
+Zendel, der war rot, in Gestalt eines Ballen oder Apfels. Und da sie
+solches sahen, da nahm's eine Maid und bracht's der Gräfin zu besehen,
+und saget: »Gnädige Frau, wir haben das gefunden in dem Fische.«
+
+Das nahm die Gräfin und wickelt es auf und fand darinne liegen die drei
+Ringe, die sie ihrem liebsten Sohn Peter gegeben hätt, als er von ihr
+war gezogen. Und als sie die gesehen hätt, da kannt sie die Ringe, fing
+an, inniglich zu weinen und großen Unmut und Trauern zu führen. Und
+sprach: »Ach wehe, allmächtiger ewiger GOTT, nun bin ich sicher und
+genugsamlich berichtet, daß mein aller liebster Sohn tot ist. Nun bin
+ich aller meiner Hoffnung beraubt, ich werde ihn nimmer mehr sehen. O
+allmächtiger ewiger gütiger GOTT, was hat diese unschuldige Kreatur
+verwirket, daß ihn der Fisch hat verschlucket!«
+
+Da die Gräfin also heulet und schrie, in dem kam der Graf, und als er
+das Geschrei erhöret, erschrak er sehr, und fraget, was das wäre, und
+ging also in ihre Kammer zu ihr. Als ihn die Gräfin ersah, saget sie zu
+ihm kläglich und weinend: »Ach wehe, wehe, wie bringet uns ein
+unvernünftig Tier also böse Mär von unserem liebsten Sohn Peter, die
+nicht ärger sein möchten!« Und fing an, ihm zu sagen, wie sie hätten
+gefunden einen Zendel, darinne waren gelegen die drei Ringe, die sie ihm
+hätt gegeben, als er hinweg von ihnen zog. Und zeiget die Ringe dem
+Grafen.
+
+Als er die ersah, da erkennet er sie als bald; und ward also betrübet,
+daß er sein Haupt leget auf das Bette, und fing an, kläglich zu weinen,
+wohl eine halbe Stunde. Darnach, als ein tugendreicher und beherzter
+Herre, kam er zu der Gräfin und tröstet sie auf das Beste, als er
+vermocht. Und sprach zu ihr: »Wisse, liebe Hausfrau, daß dieser Sohn
+nicht unser, sondern GOTT des Allmächtigen gewesen; wann Er hat ihn uns
+geben. Nun itzunder hat es Ihm wieder gefallen, mit ihm zu schaffen nach
+Seinem Göttlichen Willen, als mit Seinem eigenen Dinge. Darum söllen wir
+nicht zornig oder traurig sein. Hierum bitte ich dich, du wollest ab
+stellen deinen Unmut und Schmerz, und GOTT loben, daß Er ihn uns hat
+geschicket und geben. Und so du das wirst tun, so tust du ein Gefallen
+GOTT dem Allmächtigen und mir.«
+
+Also bald befahl er seinen Dienern, hinweg zu nehmen die kostlichen
+schönen Teppich seines Palastes, und hieß, dar henken schwarzes Tuch
+durch sein ganzes Haus. Als solches die Untertanen erfuhren, wurden sie
+all traurig; wann sie hätten den jungen Grafen sehr lieb.
+
+Nicht lang darnach hätt die Gräfin Willen, zu ziehen zu der Spitalerin,
+die Kirchen und Spital zu besuchen, und der Spitalmeisterin ihr Not zu
+klagen. Als sie zu ihr kommen und ihr Gebet in der Kirchen verbracht
+hätt, nahm sie die Spitalerin bei der Hand und führte sie in einen
+Betstuhl. Fing an, mit großem Seufzen und Schmerz ihr zu sagen, wie es
+ergangen wäre, und zu erzählen, wie daß sie kein Hoffnung mehr hätte,
+ihren liebsten Sohn zu sehen.
+
+Als die Spitalerin solches von der Gräfin verstanden hätt, fing sie an,
+inniglich mit ihr zu weinen, und sprach: »Gnädige Frau, ich bitte euch,
+so ihr die Ringe habet, ihr wollet mich sie sehen lassen.«
+
+Die Gräfin zog's herfür und gab's ihr zu besehen. Da sie die Ringe
+ersah, erkennet sie die selben balde. Und wäre nicht Wunder gewesen, daß
+ihr Herz vor Leide wäre zerbrochen in ihrem Leibe. Jedoch, wie eine
+tugendreiche und weise Tochter, die ihre Hoffnung alleine in GOTT
+setzet, saget sie: »Gnädige Frau, ihr sollet euch nicht bekummern; wann
+die Dinge, so nicht gewiß sein, sollen anders verhoffet werden. Wie wohl
+das die Ringe sein, die ihr eueren liebsten Sohn geben habet, so kann
+und mag es doch wohl sein, daß er sie verloren hat, oder einer andern
+Person geben. Darum ich euch bitte, ihr wollet euch nicht mehr betrüben
+oder bekummern. Darinne werdet ihr euerem Herrn zu Gefallen tun; wann
+ihr mehret ihm seine Schmerzen, als bald er euch siehet betrübet und
+traurig. Und kehret euch gegen GOTT dem Allmächtigen, und danket Ihm um
+alles, das Er euch erzeiget!«
+
+Also tröstet die Spitalmeisterin die Gräfin auf das Beste, so sie
+vermocht, wie wohl ihrer Schmerzen nicht weniger waren, dann der Gräfin;
+sie wäre auch wohl Trostes notdürftiger gewesen.
+
+Die Gräfin gab große Gaben in das Spital, GOTT für die Seele ihres Sohns
+zu bitten, so er tot wäre; so nicht, daß sie etwas Guts von ihm erführe,
+und zog also wieder heim. Und die Spitalerin blieb also fast traurig,
+und fiel auf ihre Knie für den Altar Sankt Peters und bat GOTT, so er
+lebendig wäre, ihn zu führen in aller Sicherheit zu seinen Freunden. Wo
+er aber tot wäre, wolle sich GOTT seiner armen Seelen erbarmen und ihr
+gnädig sein. Und blieb also lang in ihrem Gebete.
+
+Nun wollen wir auf hören, zu reden von dem Grafen, der Gräfin und der
+Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da war am Hofe des
+Sultans.
+
+
+
+
+Wie der Peter eine lange Zeit blieb an dem Hofe des Sultans, und durch
+seine Geschicklichkeit regieret er den Sultan und den ganzen Hof; wann
+jedermann hätt ihn lieb.
+
+ [Illustration]
+
+
+Der Peter blieb eine Zeit lang an dem Hofe des Sultans zu Babilonien,
+und ward von ihm geliebet, als wäre er gewesen sein eigener Sohn. Der
+Sultan mochte auch kein Freude haben, der Peter wäre dann bei ihm. Doch
+hätt der Peter allwegen sein Herze zu der Schönen Magelona; wann er
+wußte nicht, wo sie hin war kommen. Also nahm er sich eines Tags für,
+Erlaubnis zu nehmen von seinem Herrn, seinen Vater und Mutter zu
+besuchen.
+
+Und begab sich eins mals, daß der Sultan ein groß Feste hielt; und war
+fröhlich und gab vielen Menschen große Gaben. Da ersah der Peter die
+Zeit, und fiel für ihm auf seine Knie und sprach also: »Herr, ich bin
+lange Zeit gewesen an euerm Hofe, und durch euer sonderliche Gnade bin
+ich in viel Sachen, so ich euch für getragen, von euch erhört worden.
+Hab auch viel anderen Leuten ihre Sachen aus gerichtet, aber mir meiner
+halben zu geben, habe ich euch noch nie gebeten. Darum ich auf dies mal
+euer Gnaden bitten wollte, mir etwas zu geben, so ich nun begehren
+werde, und mir solches nicht ab zu schlagen.«
+
+Als ihn der Sultan sah also demütiglich bitten, sprach er zu ihm:
+»Lieber Peter, es ist nicht weniger: was du für einen andern begehret
+hast, habe ich dir gütlich bewilliget; wie viel mehr, so du für dich
+selber willst bitten, will ich mit einem fröhlichen Herzen dir geben,
+was du begehrest. Darum begehre, was du willst; es soll dir von mir
+nicht ab geschlagen werden.«
+
+Solcher gnädigen Vertröstung ward der Peter herzlich erfreuet, und saget
+zu ihm: »Gnädiger Herre, ich begehre nicht mehr von euch, dann ihr
+wollet mir gnädiglich heim zu ziehen erlauben, Vater und Mutter, auch
+andere meine Freund zu besuchen! Wann die Weil ich bin an diesem Hofe
+gewesen, habe ich nichts von ihnen mögen erfahren. Darum bitte ich euch,
+mir gütlich und gnädiglich zu erlauben, und meiner Bitten keine
+Beschwerung zu haben!«
+
+Als der Sultan solches vom Peter vernahm, ward er unwillig, und saget zu
+ihm: »Lieber Peter, guter Freund, ich bitte dich, du wollest deines
+Hinziehens nicht mehr gedenken. Wann du magst nirgend hin kommen, da du
+baß gehalten würdest, dann bei mir. Du wirst auch keinen Freund finden,
+der dir also viel Gutes erweiset, als ich. Wann ich will dich nach mir
+machen den Gewaltigsten meines ganzen Landes. Und so es mir bewußt
+gewesen wäre, daß du willens gewesen, solches von mir zu begehren, ich
+hätte dir's nicht zu gesaget, sondern dein Begehren ab geschlagen; wann
+dein Hinziehen wird mich unwillig machen. Jedoch, dieweil ich dir
+solches habe zu gesaget, will ich's halten. Willst du von mir ziehen, so
+zeuch hin! Doch wirst du mir verheißen, so du Vater und Mutter besucht
+hast, du wollest wieder zu mir her kommen. Und so du also tust, wirst du
+tun als ein Weiser.«
+
+Das verhieß ihm dann der Peter zu halten. Nach dem ließ der Sultan einen
+Befehlbrief durch sein Land aus gehen und gab ihn dem Peter. Darin stund
+geschrieben, in welchen Ort des Mohrenlandes er käme, sollte man den
+Peter halten als ihn selber, und daß man ihm in allem behilflich wäre,
+des er begehre. Und mit dem gab ihm der Sultan Gold und Silber in
+großer Menge und ander Kleinod.
+
+Also nahm der Peter, da es ihm gelegen war, Urlaub von dem Sultan und
+zog hinweg, und von seinem Abziehen weineten viele, die ihn lieb hätten.
+Er kam in kurzer Zeit gen Alexandria. Da er dar kam, zeiget er seinen
+Brief allda dem Statthalter des Sultans. Als er den Brief verlesen hätt,
+da erbot er dem Peter große Ehr, und führet ihn in eine kostliche
+Herberge, die mit allem, so man haben wollt, versehen war. Da versah er
+sich mit allem dem, so ihm vonnöten war. Und nahm den Schatz, den ihm
+der Sultan geben hätt, und ließ sich vierzehen Lägel machen, die auf
+beiden Seiten gefüllet mochten werden mit Salz, und in die Mitten leget
+er den Schatz. Als sie zu gericht waren, ging er an den Port des Meeres
+und fand zu Glücke allda ein Schiff, das wollte gehen in Provincien, und
+war mit allem bereit, als bald darvon zu fahren.
+
+ [Illustration]
+
+Da redet der Peter mit dem Patron des Schiffes, ob er ihn wölle mit ihm
+nehmen mit den vierzehen Lägeln. Und saget, er wölle sie in ein Spital
+geben; des wölle er ihm seinen Willen sagen. Als der Patron des Schiffes
+den Peter hätt vernommen, antwortet er ihm und saget, er wäre des wohl
+zufrieden, daß er mit ihm zöge; aber der vierzehen Lägel halben wölle er
+ihm raten, er ließe sie hinter sich und führe sie nicht mit. Wann so er
+in Provincia käme, fünde er allwegen Salz in gutem Kauf. Doch antwortet
+ihm wieder der Peter, er solle sich darum nicht bekummern; wann er wölle
+ihn gut bezahlen, alleine, daß er's ihm führe; wann er wollt's darhin
+führen, wo es ihm gut gedunket. Als der Patron die Antwort des Peter
+gehört, schwieg er stille und war darmit zufrieden. Der Peter bezahlet
+den Patron wohl. Da saget ihm der Patron, er sölle sein Salz in das
+Schiff legen, und was er mit sich gedächte zu führen. Wann mit GOTTes
+Hilfe wollt er bald hinweg fahren, so guter Wind auf stünde.
+
+Diese Nacht hätten sie guten Wind, und ließen die Segel auf ziehen und
+kamen glücklich in eine Insel, Sagona geheißen. Und funden allda süß
+Wasser. Der Peter war müde, stieg auf das Land, wollt nicht auf dem Meer
+bleiben. Da er auf das Land kam, ging er auf der Insel hin und wieder,
+und als er ging, da fand er die schönsten Blumen. Also setzet er sich
+mitten hinein und vergaß also sein Leides ein Teil. Da fand er unter den
+Blumen eine, die war die schönste ob allen, von Farben und Geschmack. Er
+brach sie ab, und als bald kam ihm in Sinn die Schön Magelona. Da fing
+er an zu sagen: »Wie diese Blume übertrifft alle anderen Blumen, also
+auch übertrifft die Schön Magelona alle anderen Jungfrauen und Frauen
+mit Schöne.« Und fing also an, herzlich zu weinen und zu empfinden
+großen Schmerz in seinem Herzen; und gedacht, wo sie hin wäre kommen.
+In diesen Gedanken ward er schläfrig und leget sich schlafen.
+
+Die Weil stund auf ein guter Wind. Da ließ der Patron rufen, jedermann
+solle zu Schiff gehen. Da der Patron sah, daß der Peter nicht vorhanden
+war, befahl er, ihn zu suchen; aber man konnte ihn nicht finden. Sie
+riefen laut, aber er schlief zu hart, daß er's nicht höret. Als sie ihn
+nicht funden, da wollt der Patron, dieweil er guten Wind hätt, die Zeit
+nicht versaumen, und hieß, die Segel auf spannen; und fuhren also
+darvon. Der Peter aber blieb liegen schlafen.
+
+Sie schifften also lange, bis sie kamen an den Port, so Port der Heiden
+genannt ist, und da luden sie das Schiff ab. Als sie nun die vierzehen
+Lägel funden, sagten sie zu dem Patron: »Was söllen wir tun mit den
+Lägeln des Edelmanns, der auf der Insel Sagona ist hinter uns geblieben,
+dieweil er gesaget, er wölle sie in ein Spital geben.« Da wurden sie
+eins unter einander, die Lägel zu geben in das Spital Sankt Peters; wann
+sie vermeinten, sie könnten es nicht baß anlegen. Da ging der Patron zu
+der Spitalmeisterin und saget ihr, daß der Herr der Lägel wäre verloren
+worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT für seine
+Seele bitten.
+
+
+
+
+Wie die Spitalmeisterin einen großen Schatz fand von Gold, Silber und
+Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital
+gegeben wurden.
+
+ [Illustration]
+
+
+Es begab sich eines Tages, daß die Spitalmeisterin Salzes notdürftig
+war. Also nahm sie ein Lägel, machte es auf, da fund sie in der Mitte
+einen großen Schatz von Gold. Darvon erschrak sie, und nahm ein
+anderes, brach es auch auf, da fund sie auch, wie in dem ersten. Da
+saget sie bei ihr selber: »Ach, armer Mensch, GOTT der Allmächtig hab
+dein arme Seel! Wann ich sehe wohl, daß ich nicht alleine mit Schmerzen,
+Unmut und Trübsal umgeben bin.« Darnach nahm sie die anderen Lägel alle
+und schlug sie auf, da fand sie einen großen Schatz.
+
+Als bald ließ sie Maurer und ander Werkleut berufen und fing an, die
+Kirchen größer zu machen; und machet also ein schöne Kirchen und ein
+Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das
+Geschrei so weit, daß viel Volkes dar kam. Und brachten groß Almosen und
+Opfer, und verwunderten sich darob, daß die Spitalerin also kostlich
+wußte zu bauen; wann man hätt sich bei ihr keines Geldes versehen.
+
+
+
+
+Wie der Graf und die Gräfin kamen, zu besuchen die Kirchen, Sankt Peters
+von Magelon genannt.
+
+ [Illustration]
+
+
+Der Graf und die Gräfin kamen auch, die Kirchen zu besuchen in großer
+Andacht und hörten allda Meß, darnach redeten sie mit der Spitalerin.
+Die Spitalerin tröstet sie beide auf das Beste, so sie vermocht, und
+sprach, sie sollten nicht zweifeln ob den Geschicken GOTTes, wann GOTT
+der Allmächtig möchte sie wohl noch erfreuen mit ihrem Sohn Peter, wie
+wohl sie selber des Trostes notdürftiger gewesen. Wann die zwei hätten
+alleine einen Schmerz ob des Verlusts ihres lieben Sohnes, was da
+menschlich ist. Aber die Schön Magelona hätt verloren ihr Königreich und
+hätt auch kein Hoffnung mehr darzu. Des gleichen war sie kommen in
+Ungnaden ihres Vaters und Mutter, zu dem hätt sie verloren ihren aller
+liebsten Gemahel Peter, darum sie dann wohl billig betrübt war. Nach dem
+zogen der Graf und die Gräfin wieder heim. Nun wöllen wir schweigen des
+Grafen, auch der Spitalerin, und wollen reden von dem Peter, der da lag
+in der Inseln und schlief.
+
+
+
+
+Wie der Peter entschlafen in der Inseln liegen blieb, da er seiner
+liebsten und getreusten Magelona gedacht.
+
+ [Illustration]
+
+
+Der Peter blieb also eine gute Zeit schlafend in der Inseln liegen,
+darnach wachet er auf. Da sah er, daß es Nacht war. Des verwundert er
+sich und stund bald auf, ging zu dem Meer, da er das Schiff hätt
+verlassen. Als er das Schiff nicht sah, da gedacht er, die Nacht betrüge
+ihn, daß er's nicht sehen möchte. Und fing an, laut zu rufen, aber
+niemand antwortet ihm.
+
+Da überkam er also einen großen Schmerz in seinem Herzen, daß er aufs
+Erdreich hernieder fiel, als wäre er ganz tot, und verlor ganz sein
+Vernunft. Und fing darnach an, herzlich zu weinen, und sprach: »O
+allmächtiger ewiger gütiger GOTT, werde ich nicht eins mals meiner Tage
+erledigt! Kann ich nicht sterben! Welcher Mensch ist auf Erden, den das
+Unglücke also verfolget, als ich verfolget werde! O allmächtiger ewiger
+GOTT, ist es nicht genug gewesen, daß ich also erbärmlich hab verloren
+die aller schönest Magelona, meinen getreusten Gemahel! Darnach ward
+ich durch Glücke gesatzet in Dienstbarkeit eines Heiden, eines Feindes
+des Christlichen Glaubens, dem ich gedient habe ohn meinen Dank eine
+lange Zeit. Itzunder vermeinet ich, zu trösten Vater und Mutter, so bin
+ich hieher in diese Wüsten kommen, darinne ich keinen menschlichen Trost
+finde. Darum mir der Tod nutzer wäre dann das Leben. Jedoch,
+allmächtiger GOTT, dieweil Du mir solches zu schickest, will ich's
+williglich von Dir empfahen, und verhoffe, durch diesen Tod werden sich
+alle meine Schmerzen leichtern und mindern.«
+
+ [Illustration]
+
+In solcher Weise weinet und beklaget sich der Peter die ganze Nacht bis
+an den Tag, und suchet in der Inseln, ob er möchte ersehen ein Schiff,
+das ihm aus der Inseln möchte helfen. Aber er mochte nichts ersehen. Da
+er sich mit dieser Trübsal umgeben sah, da gedachte er an GOTT; wann er
+vermeinet sich nahe zu seinem Ende, und bat Ihn, Er möge sich erbarmen
+über seine arme Seele.
+
+In dem, da schicket GOTT der Allmächtig, der die Seinen nicht verlasset,
+daß ein Fischerschiff kam, darauf man süßes Wasser holen wollte. Als
+die Fischer in die Insel kamen, fanden sie den Peter gestrackt liegen,
+als ob er tot wäre. Also sie solches ersahen, hätten sie ein Mitleiden
+mit ihm, und gaben ihm zu essen Spezerei und Konfekt und zu trinken. Und
+legten ihn auf ihr Bette, und deckten ihn warm zu aufs Beste, als sie
+mochten.
+
+Da er nun ein wenig wieder zu sich selber kam, da trugen sie ihn in das
+Schifflein und fuhren in eine Stadt, Crapona genannt. Da halfen sie ihm
+in das Spital und gingen also von ihm, und befahlen ihn dem
+Spitalmeister.
+
+ [Illustration]
+
+Nach dem er eine Zeit lang in dem Spital war und mochte wieder essen und
+trinken, sein Sach auch von Tag zu Tag besser ward, da wandert er in der
+Stadt um hin und wieder, ob er möchte gesunder werden. Aber die großen
+Schmerzen seines Herzens mochten solches nicht leiden und betrübten ihn
+zu sehr, daß er in der Stadt krank liegen blieb bei neun Monaten, und
+war auch dannoch nicht heil und gesund.
+
+Eines Tags begab es sich, daß er spazieren ging an das Meer, wie er
+gewohnet war, und sah ein Schiff am Port, zu dem ging er. Da höret er
+die Schiffleut die Sprach seines Vaterlands reden. Da fraget er sie,
+wann sie heim wieder wollten fahren. Sagten sie ihm, auf das Längste in
+zweien Tagen. Da kam der Peter zu dem Patron und bat ihn um GOTTes
+willen, er wölle ihn mit ihm führen; er wäre auch aus dem Lande und wäre
+lange Zeit krank gelegen. Antwortet ihm der Patron, er wäre es willig zu
+tun um GOTTes willen, dieweil er ein Landsmann wäre, jedoch müßte er mit
+ihm fahren gen Toten-Wasser in der Inseln, genannt der Heiden Port. Da
+war er wohl zufrieden, und stieg also zu Schiffe.
+
+In dem begab es sich eins mals, daß die Gesellen des Schiffs redeten von
+der Kirchen Sankt Peters von Magelon und dem Spital. Da der Peter höret
+reden und nennen Magelon, verwundert er sich und fraget, wo solche
+Kirche wäre an welchem Ende. Also sagten sie ihm, es wäre eine
+andächtige Statt und läge in der Insel, genannt der Heiden Port, da dann
+eine schöne Kirchen gebauet wäre und ein Spital, darinne GOTT viel
+Mirakel bewiese. Und sagten dem Peter: »Wir raten euch, daß ihr euch
+darhin verheißet, wann ohn allen Zweifel werdet ihr Gesundheit erlangen,
+so ihr euch gelobet von Grund euers Herzens.«
+
+Als solches der Peter von den Schiffgesellen gehöret hätt, da verhieß er
+GOTT, er wölle in dem Spital einen ganzen Monat bleiben, eh er sich zu
+erkennen gebe Vater und Mutter, bis er gesund würde von seiner Krankheit
+und was höre von seiner liebsten Magelona, wie wohl er glaubet, sie wäre
+tot vor dieser Zeit.
+
+Die Schiffleute schifften also lang, bis sie sicher kamen an den Port
+der Heiden, und luden den Peter allda ab. Als nun der Peter auf dem
+Lande war, ging er als bald in die Kirchen und danket GOTT dem
+Allmächtigen, daß Er ihm geholfen, bis darhin sicher zu kommen. Da er
+nun gebetet hätt, da ging er, sich zu legen in das Spital als ein
+Kranker, damit er seinem Verheißen genug tät.
+
+Als nun die Spitalerin nach ihrem Gebrauch um ging, die Kranken zu
+besuchen, da ersah sie ihn, daß er neulich war kommen. Und hieß ihn auf
+stehen, wusch ihm seine Händ und Füße und küsset ihn, wie sie gewohnt
+war, und bracht ihm zu essen. Darnach leget sie ihm schöne weiße Tücher
+unter und hieß ihn, sich darein legen. Und sprach zu ihm: »Alles, was
+ihr notdürftig seid, das begehret! Soll euch gegeben werden, damit ihr
+bald gesund werdet.« Also pfleget sie allen Kranken zu tun, die zu ihr
+kamen.
+
+
+
+
+Wie der Peter lag in einem Spital in der Inseln, der Heiden Port
+genannt, des die Schön Magelona ein Stifterin war.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als der Peter in diesem Spital ein Zeit lang ruhet, nahm er an seiner
+Gesundheit sehr zu, wann die Spitalerin tät sein wohl warten. Er
+verwundert sich auch ihrer großen Mühe und Arbeit, die sie ihm tät, und
+saget in seinem Herzen: »Ohn Zweifel soll diese Frau eine heilige Person
+sein.«
+
+Nun begab sich eines Tages, daß der Peter gedacht an seine aller liebste
+Magelona, und fing an, bitterlich zu seufzen und weinen, und sprach: »O
+allmächtiger ewiger GOTT, so Du mich durch Deine Mildigkeit ließest
+wissen von meinem aller liebsten Gemahel, der Schönen Magelona, wollte
+ich meines Leides alles vergessen und geduldiglich getragen haben. Wie
+wohl, allmächtiger GOTT, ich verdient und verschuldet habe, Ärgers zu
+leiden. Wann ich bin gewesen ein Ursach ihres Hinziehens von Vater und
+Mutter und ihrem Königreich. Auch bin ich ein Ursach, daß die wilden
+Tier sie haben gefressen, die doch also hübsch und schön war, und so
+GOTT sie aus sonderer Gnaden nicht hat behütet. Und ob sie tot wäre, so
+bitte ich Dich, Du wollest mich auch nicht lang in dieser Welt lassen
+leben; wann ohn sie wird mein Leben aller Schmerzen voll sein. Ich
+begehre lieber, zu sterben als zu leben ohn sie.« Als er solches saget,
+da ließ er einen großen Seufzer.
+
+Nun ging die Magelona von einem Kranken zum andern, wie sie gewohnet
+war, und als sie kam zum Peter und solches Seufzen von ihm vernahm, da
+gedacht sie, ihm fehle was, oder wäre wieder schwach geworden. Und
+sprach zu ihm: »Lieber guter Freund, was fehlet euch? So ihr was wollt
+haben, zeiget es an! Es soll euch werden, und da will ich kein Geld
+sparen.«
+
+Da danket ihr der Peter und antwortet, es fehle ihm gar nichts. Und wie
+der Kranken und Betrübten Gewohnheit ist, wann sie gedenken an ihr
+Unglücke, so beklagen sie sich und haben kein größer Leichterung ihres
+Herzens, dann also zu betrachten. Als die Spitalerin ihn höret reden von
+dem Unglücke, da fing sie an, ihn freundlich zu trösten, und fraget ihn
+um sein Trübsal.
+
+Da saget ihr der Peter alles sein Anliegen, doch nennet er niemand und
+sprach: »Es ist gewesen ein reicher Sohn, der höret reden von einer
+schönen Jungfrauen in fremden Landen; der verließ Vater und Mutter und
+zog hin, sie zu sehen. Also gab ihm das Glücke, daß er ihr Lieb erlanget
+ganz heimlich, daß es niemand vernahm. Er nahm sie zu der Ehe und führet
+sie heimlich hinweg von Vater und Mutter. Darnach verließ er sie, in
+einem wilden Walde schlafend liegen, zu überkommen seine Ringe.« Und
+zeiget ihr alles seine Geschichte an bis auf die Zeit, da er kommen war
+in das Spital. Durch solche Wort die Schön Magelona wohl verstund, daß
+er der Peter, ihr aller liebster Gemahel, war, den sie so oft zu sehen
+begehret hätt; und erkennet ihn in allen seinen Gebärden. Und von großer
+Freude fing sie an zu weinen. Doch wollte sie sich zur Zeit noch nicht
+gegen ihm entdecken; aber aufs Freundlichste, so sie zu tun vermochte,
+fing sie da an, mit ihm also zu reden:
+
+
+
+
+Wie die Schön Magelona mit ihrem aller liebsten Gemahel Peter redet und
+ihn tröstet in seiner Widerwärtigkeit.
+
+ [Illustration]
+
+
+»Aller liebster Freund, ihr sollet euch nicht mißtrösten, sondern sollet
+euch zu GOTT dem Allmächtigen wenden; wann, ohn allen Zweifel, so ihr
+GOTT werdet an rufen, werdet ihr nicht verlassen, sondern erhört von
+Ihm werden, und alles das erlangen, so ihr begehret. Ihr werdet auch,
+ohn allen Zweifel, euern liebsten Gemahel, wieder überkommen, die ihr
+also herzlich und getreulich geliebet habt. Wann glaubet mir fürwahr,
+wie euch GOTT der Allmächtig hat beschützet vor dem Tode in euern großen
+Fährlichkeiten, die ihr erlitten habt, also wird Er euch auch wiederum
+helfen. Und dieweil Er euch hat zu geschicket Anfechtung und
+Widerwärtigkeit, also wird Er euch auch geben alle Freude, so ihr Ihm
+vertrauet. Darum bittet GOTT von Grund euers Herzens, daß Er solches tu!
+Ich will auch von euert wegen GOTT selber bitten.«
+
+Als der Peter solche Tröstung gehört hätt, da stund er auf und danket
+ihr. Also ging die Spitalerin in die Kirchen und kniet für den Altar und
+fing an zu weinen aus großen Freuden, die sie in ihrem Herzen hätt. Und
+danket GOTT dem Allmächtigen, daß Er ihr solche Gnade mit geteilet, daß
+sie erlebet hätt, ihren aller liebsten Gemahel vor ihrem Ende zu sehen.
+
+Und als sie ihr Gebet geendet, da ließ sie sich königliche Kleider
+machen, wann sie hätt Geldes genug und hätt auch wohl gelernt, solche an
+zu geben zu machen, wie ihr dann zu tragen gebühret. Und ließ darnach
+ihre Kammer schön zu richten und schmücken auf das Kostlichest.
+
+Und da alle Ding bereit waren, da ging sie zu dem Peter und saget zu
+ihm: »Mein liebster Freund, kommet mit mir! Ich hab euch bestallt ein
+Bad, euch zu waschen euer Füße und Bein, das euch hilflich sein soll.
+Wann ich hab eine gute Hoffnung zu GOTT dem Allmächtigen, meinem
+Schöpfer, Er werde euch gnädiglich erhören, frisch und gesund machen.«
+
+Er ging mit ihr in die Kammer. Da hieß sie ihn, nieder sitzen und
+verziehen, bis sie wieder zu ihm käme. Also ging sie in ihre kostliche
+Kammer und bekleidet sich ganz in die königlichen Kleider und setzet
+doch den Schleier wieder auf wie vor, als sie gewohnet war zu tragen,
+und daraus man ihr nichts mochte sehen dann alleine die Augen und die
+Nasen. Aber unter dem Schleier hätt sie ihr schönes Haar, das ihr ging
+bis auf das Erdreich und das da leuchtet als das Gold, schön zu
+gerichtet.
+
+Ging also zum Peter und sprach: »Edeler Ritter Peter, seid fröhlich!
+Wann sehet hie vor euch stehen euern aller liebsten Gemahel und treue
+Freundin, die Magelona, von deren wegen ihr also viel erlitten habt. Ich
+hab auch nicht weniger erlitten von euert wegen. Ich bin die, so ihr,
+allein schlafend liegen, verlassen habet in dem Holze und wilden Walde;
+und ihr seid der, so mich hat heraus geführet aus dem Hause meines
+Vaters, des Königs von Neapel. Ich bin die, der ihr verheißen habt alle
+Ehr und Zucht bis zu Beschluß unserer Ehe. Ich bin auch die, so euch
+diese gulden Ketten an euern Hals hat gehenket, und euch die Gewalt
+übergeben über meinen Leib. Ich bin die, der ihr gegeben habt die drei
+Ringe, die also kostlich sein gewesen. Hierum, mein aller liebster Herr
+und Gemahel, sehet mich an, ob ich die sei, oder nicht, die ihr tut von
+Herzen begehren.«
+
+In dem warf sie ihren Schleier von ihrem Haupt auf die Erden, da fiel
+ihr schönes Haar herab als das Gold.
+
+
+
+
+Wie der Peter erkennet die Schöne Magelona, seinen getreuen Gemahel.
+
+ [Illustration]
+
+
+Nun, da der Peter von Provincia sah die Schöne Magelona ohn einen
+Schleier, da erkennet er sie erst recht, daß sie die war, die er also
+lang gesuchet hätt. Und stund auf, fiel ihr um den Hals und tät sie
+freundlich küssen in rechter guter Liebe; und fingen an, beide zu weinen
+vor Freuden. In solcher Gestalt blieben sie lang bei einander, und kunnt
+keins kein Wort reden vor großen Freuden.
+
+Doch nach mals setzten sich die zwei zusammen, und erzählet eines dem
+andern sein Unglück. Ich weiß die Hälfte nicht zu erzählen der Freuden,
+die sie hätten, und geb solches einem jeglichen selber zu bedenken.
+Solche Ding lassen sich auch baß bedenken, dann schreiben. Jedoch
+mochten sie sich nicht ersättigen ihres Küssens und Erzählens und
+richteten den ganzen Tag nichts aus, dann küssen und einander zu klagen.
+Es begab sich auch, daß die Schön Magelona ihm an zeiget, wie sie die
+vierzehen Lägel hätt empfangen mit dem Schatz, die er verloren hätt; und
+saget ihm, wie sie die Hälfte hätt verbauet an dem Gotteshaus, was zu
+hören der edel Peter erfreuet war.
+
+Nach dem beschlossen sie mit einander, wie sie diese Sachen dem Grafen
+und der Gräfin wollten zu wissen tun. Doch saget der Peter der Schönen
+Magelona, er hätte gelobet, einen Monat in dem Spital zu bleiben, und
+die Zeit wäre noch nicht vergangen. Saget ihm die Schön Magelona: »Mein
+aller liebster Herr und Gemahel, wann es euch gefiele, wollte ich zu dem
+Grafen und der Gräfin gehen und freundlich bitten, sie wollten zu mir
+kommen auf den Tag, so euer Gelöbnis sich endet. Und so sie dann kämen,
+wollte ich sie führen in diese Kammer; da wollten wir uns ihnen zu
+erkennen geben.«
+
+Da solches der Peter höret, gefiel es ihm wohl. Also verschaffet die
+Schön Magelona, daß der Peter mußte schlafen in ihrer Kammer, aber sie
+lag in einer andern und dienet ihm wohl. In dieser Nacht schlief die
+Schön Magelona nicht viel vor Freuden, die sie in ihrem Herzen trug. Und
+begehret, daß bald Tag würde, damit sie den Grafen trösten möchte seines
+Leidens; wann sie wußte wohl, daß sie sehr betrübt waren, das sie dann
+beschweret. Es waren auch an dem Monat, den der Peter hätt gelobet,
+nicht mehr vorhanden dann vier Tage, daß er sich gegen Vater und Mutter
+nicht wollte zu erkennen geben.
+
+Da nun der Tag kam, daß sein Gelöbnis aus ging, da kleidet sich die
+Schön Magelona wieder mit ihren Kleidern, die sie zu tragen gewohnet war
+in dem Spital; und ging darnach in die Kammer zu dem Peter, der dann
+auch vor großen Freuden die Nacht hätt wenig schlafen mögen, und nahm
+Urlaub von ihm. Zog also zu dem Grafen und der Gräfin, die ihr viel Ehr
+erboten und sie freundlich empfingen, wann sie hätten sie sehr lieb. Und
+hießen die Spitalerin, zu ihnen nieder sitzen in der Mitten ihrer
+beiden.
+
+Da fing die Spitalerin an zu sagen: »Gnädiger Herr, auch gnädige Frau,
+ich bin zu euch kommen, euch ein Gesicht zu eröffnen, das ich gesehen
+habe die vergangen Nacht; das soll euch erfreuen, daß ihr möget in
+Hoffnung leben, wann kein Mensch soll verzweifeln an GOTT. Es gedauchet
+mich, daß Christus, unser Erlöser, zu mir kam und führet einen schönen
+jungen Ritter bei seiner Hand und sprach zu mir: 'Dieser ist der, darum
+du, auch dein Herr und Fraue, so lang haben gebeten.' Solches hab ich
+euch nicht wollen verhalten, wann ich weiß wohl, daß ihr betrübt seid um
+euern Sohn. Aber glaubet sicherlich, ihr werdet ihn sehen in kurzer
+Zeit, lebendig und gesund. Darum bitte ich euch, ihr wollet hinweg
+lassen nehmen euer schwarzen Trauerkleider und auf lassen hängen die
+Kleider der Freuden.«
+
+Da solches der Graf und die Gräfin von der Spitalerin hätten verstanden,
+da wurden sie fröhlich, wie wohl ihnen schwer ward zu glauben, daß der
+Peter noch lebe. Doch der Spitalerin zu Gefallen befahlen sie, die
+schwarzen Trauerkleider hinweg zu nehmen. Und baten die Spitalerin, sie
+sölle mit ihnen zu Morgen essen. Aber ihr Herze vermocht ihnen solches
+nicht zu zu sagen; darum sprach sie, sie hätte darheim zu tun; und bat
+sie freundlich, sie beide wollten auf den nächsten Sonntag bei Sankt
+Peter in ihrer Kirchen erscheinen; wann sie hätt gänzlich gute Hoffnung
+zu GOTT dem Allmächtigen, daß sie würden erfreuet werden, ehe sie von
+einander ab schieden. Und nahm also Urlaub von ihnen; und sie verhießen
+ihr, zu ihr zu kommen.
+
+Nach dem kam die Magelona wieder zu dem Peter, der ihrer harret mit
+großer Begier; und zeiget ihm an, wie sie es hätte aus gerichtet. Sie
+versehe sich gänzlich, Vater und Mutter würden nicht außen bleiben.
+Darnach ließ die Schön Magelona viel Kleider machen für den Peter und
+sie.
+
+
+
+
+Wie der Graf mit der Gräfin kam in das Spital Sankt Peters auf den
+angezeigten Tag.
+
+ [Illustration]
+
+
+Als nun der Sonntag kam, da nahm der Graf die Gräfin und sein Gesinde,
+und zogen zu Sankt Peter von Magelon und hörten da Messe. Als die Messe
+ein Ende hätt, nahm die Spitalerin den Graf und die Gräfin ein jegliches
+auf ein Seiten und sprach zu ihnen, sie wölle gerne mit ihnen etwas in
+geheim reden, doch müßten sie mit ihr in ihre Kammer kommen; darein sie
+dann gerne bewilligten.
+
+Als sie zu der Kammer kamen, da sprach die Spitalerin zu ihnen:
+»Gnädiger Herr, auch gnädige Fraue, so ihr euern Sohn sähet, möchtet ihr
+ihn erkennen?« Da sprachen sie, ja.
+
+Als sie in die Kammer kamen und der Peter sein Vater und Mutter ersah,
+da kniet er für sie nieder. Da sie ihn sahen und erkannten, da liefen
+sie zu ihm und fielen ihm um den Hals und küßten ihn freundlich; doch
+vermochten sie ein lange Zeit kein Wort zu sprechen.
+
+Also ging das Geschrei aus, wie des Grafen Sohn wieder kommen wäre. Da
+kamen Edel und Unedel und empfingen ihn und erboten ihm große Ehre, und
+ward jedermann fröhlich. Nach dem allem redeten der Graf, sein Vater,
+und Mutter mit dem Peter und fragten ihn mancherlei, wie es ihm ergangen
+wäre. In mittler Zeit ging die Schön Magelona in ihre Kammer und
+bekleidet sich auf das Kostlichest, als ihr dann zu tun wohl gebühret.
+Und kam darnach also gekleidet, so balde sie mocht, wieder zu ihnen.
+
+Als sie die Schön Magelona ersahen, verwunderten sich der Graf und die
+Gräfin, wo her die schöne Jungfrau käme, die ihnen unbekannt war. Also
+stund der Peter auf, umfing sie freundlich und küsset sie. Da solches
+die Leute ersahen, da verwunderten sich alle. Nach dem nahm sie der
+Peter bei ihrem Arme und sprach zu Vater und Mutter: »Gnädiger Herr
+Vater, auch Frau Mutter, diese Jungfrau ist die, von deren wegen ich von
+euch bin gezogen, und wisset, daß sie ist ein Tochter des Königs von
+Neapel.«
+
+Da gingen sie ihr entgegen und umfingen sie freundlich und dankten GOTT
+dem Allmächtigen.
+
+
+
+
+Wie das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, daß der Peter wäre
+wieder heim kommen, und wie sie ein Fest hielten vierzehen Tage lang.
+
+ [Illustration]
+
+
+Das Geschrei kam durch das ganze Land Provincia, wie daß der Peter
+wieder heim kommen wäre, und wie er wäre in der Kirchen Sankt Peters von
+Magelon. Da sah man Edel und Unedel zu Roß und Fuße kommen, und geschah
+also ein Turnier von dem Adel des Landes, dem Peter zu Gefallen; die
+anderen tanzten und waren fröhlich.
+
+Da nun Vater und Mutter gehört hätten das Unglück ihres Sohns und der
+Schönen Magelona, daraus ihnen GOTT der Allmächtig hätt geholfen, da
+nahm der Graf seinen Sohn Peter bei der Hand und führet ihn für den
+Altar Sankt Peters in die Kirchen. Des gleichen tät auch die Gräfin der
+Schönen Magelona, und knieten nieder und dankten GOTT dem Allmächtigen.
+Da sie ihr Gebet verbracht hätten, sprach der Graf zu seinem Sohn Peter
+also: »Ich will, dieweil die Jungfrau von deinen wegen hat also viel
+erlitten, du wollest sie zu der Ehe nehmen.« Antwortet ihm der Peter:
+»Aller liebster Vater, da ich sie führet aus dem Hause ihres Vaters, war
+es mein Wille, sie zu ehelichen. Doch aus Befehl eurer und meiner Frau
+Mutter, bin ich zufrieden, sie itzunder offenlich zur Kirchen zu
+führen.«
+
+ [Illustration]
+
+Also gab sie ein Bischof zusammen. Und die Gräfin gab dem Peter einen
+schönen Ring, darmit er sie ehelicht. Also hielt sich groß Fest und
+Freude durch das ganze Land vierzehen Tag lang, und gefiel jedermann die
+Schön Magelona wohl. Sie sagten auch, es möchte in keinem Menschen also
+viel Tugend erfunden werden, als in ihr. Da richtet man mancherlei
+Kurzweil an, und unterstund ein jeglicher sich, das Beste zu tun, damit
+er die Liebe gegen seinem Herrn beweiset.
+
+
+
+
+Wie nach diesem ehelichen Beilager der Graf und die Gräfin lebten zehen
+Jahr und darnach starben.
+
+
+Als nun das ehelich Beilager ganz vergangen war, da lebten der Graf und
+die Gräfin zehen Jahr in gutem Frieden. Da sie nun gestorben waren, ließ
+der Peter sie beide ehrlich begraben in die Kirchen Sankt Peters zu
+Magelon.
+
+Nach ihnen lebten der Peter und die Schön Magelona acht Jahr und zeugten
+einen schönen Sohn mit einander, der da tapfer und keck war. Und als die
+Historien an zeigen, ward er darnach König zu Neapel und Graf zu
+Provincien.
+
+Der Peter und die Schön Magelona führten bei einander ein freundlich und
+glückselig Leben; und als sie starben, da wurden sie auch begraben in
+die Kirchen Sankt Peters. Und noch auf den heutigen Tag stehet, da die
+Schön Magelona ein Spital hätt gestiftet, eine schöne Kirche in der Ehr
+der Heiligen Dreifaltigkeit, die uns wölle erfreuen in unseren
+Anfechtungen in dieser Welt, und endlich uns führen zu besitzen das
+Ewige Leben. Amen.
+
+ * * * * *
+
+Hie endet sich das Buch und die Historia von dem Peter, der ein Sohn
+gewesen des Grafen von Provincia, und der Schönen Magelona, die da ist
+gewesen ein Tochter des Königs zu Neapel.
+
+
+
+
+Nachwort
+
+
+Das Motiv des Magelona-Romans ist orientalischen Ursprungs und auch aus
+einer Erzählung der Tausend und einen Nächte bekannt. Wahrscheinlich ist
+es auf dem Wege mündlicher Tradition aus den sarazenischen Siedelungen
+am Nordrand des Mittelmeers in Südfrankreich eingedrungen und dann
+nordwärts gewandert. Noch um die Mitte des vorigen Jahrhunderts wurde es
+als Märchen aus dem Volksmund aufgezeichnet[A].
+
+ Fußnote A: Cosquin, _Contes populaires de la Lorraine_, Paris _s. a._,
+ Nr. 40.
+
+Ob der Geschichte in der vorliegenden Gestalt eine langsame Entwicklung
+voraus ging, ist unbekannt. Dem ersten Lyoner Druck von 1480 gehen nur
+einige, wenige Jahre ältere Handschriften vorauf. Die Geschichte datiert
+sich selbst aus dem Jahr 1453; und aus demselben Satz des Eingangs
+glaubt man, auf eine ältere, wohl provenzalische Form zurückschließen zu
+dürfen.
+
+Veit Warbeck, der Verdeutscher der Magelona, war ein Schwabe,
+bürgerlichen Herkommens, hatte mehrere Jahre an der Pariser Hochschule
+studiert und war mit französischer Art und Literatur wohl vertraut
+geworden. Als Prinzenerzieher und vielgewandter Diplomat stand er in
+kursächsischen Diensten und wußte sich in einer Zeit, als bei den
+mitteldeutschen Fürstenhäusern politische und verwandtschaftliche
+Beziehungen nach Frankreich sich anknüpften, gut geschätzt zu machen.
+Die Magelona übersetzte er wahrscheinlich zum Vergnügen seines
+Landesherrn, für den er auch eine ziemliche französische Bücherei
+zusammenbrachte. Erst 1535, nach dem Tode seines Freundes, ließ Spalatin
+die Magelona mit einer Vorrede drucken »zu Augsburg, durch Heinrich
+Steiner«. Für die Verbreitung des Romans in Deutschland zeugen, neben
+den zahlreichen Drucken, viele Erwähnungen bei den Schriftstellern des
+16. Jahrhunderts. Schon 1539 hat ein Ungenannter die Magelona
+dramatisiert, Hans Sachs bearbeitete sie in Jahresfrist dreimal, und der
+Frankfurter Buchführer Michael Harder verkaufte von dem Buch in einer
+Fastenmesse 176 Stück.
+
+ * * * * *
+
+Dieser Ausgabe liegt die Originalhandschrift Warbecks vom Jahre 1527
+zugrunde, welche Johannes Bolte 1894 zu Weimar herausgegeben hat. Bei
+den geringen Umgestaltungen, die dieser Text erfahren hat, wurde der
+Nürnberger Druck von 1744 (Bolte Nr. 23) mit zu Rate gezogen.
+
+Die Holzschnitte sind einem Leipziger Druck von 1598 (Bolte Nr. 15)
+entnommen. Sie wurden später immer wieder verwandt und stehen noch,
+recht abgebraucht oder durch schlechte Kopien (für verlorene Stöcke)
+ergänzt, in den Nürnberger Drucken von 1678 und 1744. Da aber auch die
+Leipziger Ausgabe die Ordnung schon verwirrt hat, muß man einen ihr
+vorausgehenden, heute verlorenen Druck annehmen. Sie mögen zuerst um
+1580 in einem Frankfurter Druck für Feyrabend oder Jobin gestanden
+haben. Etliche Stöcke tragen das Zeichen des um diese Zeit für
+Frankfurter Verleger tätigen Tobias Stimmer. Die früheren Einzeldrucke
+der Magelona sind mit Holzschnitten aus anderen Büchern illustriert.
+
+
+ =Druck von Breitkopf=
+ =und Härtel in Leipzig=
+
+
+
+
+ * * * * *
+
+
+
+
+Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei
+jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile
+steht.
+
+Zuseher solches Teffens täten verwundern.
+Zuseher solches Treffens täten verwundern.
+
+andächtiglich möchte Gott dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin
+andächtiglich möchte GOTT dienen. Die gute Frau, ihre Wirtin
+
+worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle Gott
+worden, darum er sie wölle geben in das Spital, sie sölle GOTT
+
+Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um Gottes willen in das Spital
+Kleinoden in den Lägeln des Peter, die um GOTTes willen in das Spital
+
+Spital, darinne der Dienst Gottes fleißig bestellet ward. Und kam das
+Spital, darinne der Dienst GOTTes fleißig bestellet ward. Und kam das
+
+
+
+***END OF THE PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE SCHöN MAGELONA***
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+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
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+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
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+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at http://www.gutenberg.org/fundraising/pglaf.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at http://www.gutenberg.org/about/contact
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations.
+To donate, please visit:
+http://www.gutenberg.org/fundraising/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart is the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
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