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Langkau and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +file was produced from images generously made available +by The Internet Archive/Canadian Libraries) + + + + + + + [ Anmerkungen zur Transkription: + + Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen; + lediglich offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. Eine Liste + der vorgenommenen Änderungen findet sich am Ende des Textes. + + Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert. + Griechischer Text wurde transliteriert und mit ~ markiert. + ] + + + + + DIE PHANTASIE + IN DER MALEREI + + VON + MAX LIEBERMANN + + BEI BRUNO CASSIRER + BERLIN 1916 + + + VIERTE AUFLAGE + + + + + DEN MANEN HUGO VON TSCHUDIS + UND ALFRED LICHTWARKS + + + + +INHALT + + + Seite + + Vorwort zur zweiten Auflage 7 + + Einleitung 9 + + Die Phantasie in der Malerei 19 + + Empfindung und Erfindung in der Malerei 41 + + Phantasie und Technik 53 + + + + +VORWORT ZUR ZWEITEN AUFLAGE + + +Wer, irregeführt durch den anspruchsvollen Titel meines Büchelchens, +eine wissenschaftliche Abhandlung über die Phantasie zu finden hofft, +wird arg enttäuscht werden. Ich habe die Erfahrungen und Beobachtungen, +die ich in einer ach! fast fünfzigjährigen Beschäftigung mit der Malerei +gesammelt habe, aufgezeichnet. + +Daß ich als Maler subjektiv über Malerei urteile, ist selbstverständlich. +Aber ich habe nicht beabsichtigt, etwa für die naturalistische +Malerei Propaganda zu machen -- denn deren hat sie nicht +nötig --, sondern ich schrieb die folgenden Seiten, um zu zeigen, daß +jede Malerei naturalistisch sein müsse, wenn sie gut ist. + +Es gibt keine blödsinnigere Behauptung, als die, welche man -- +wahrscheinlich gerade deswegen weil sie so blödsinnig ist -- täglich +liest und hört: der Naturalismus ist tot. Denn alle Kunst beruht auf der +Natur und alles Bleibende in ihr ist Natur. Nicht die den Künstler +umgebende nur, sondern vor allem seine eigene Natur. Wie er, der +Künstler, die Welt anschaut, mit seinen inneren und äußeren Sinnen -- +das nenne ich seine Phantasie -- die Gestaltung dieser seiner Phantasie +ist seine Kunst. Als Maler gehe ich von der Anschauung aus, daher +interessiert mich ausschließlich die gestaltende Phantasie, während mir +die schöpferische Phantasie im Kunstwerke Axiom ist. Sie ist göttliche +Eingebung, der nur auf dem Wege reinen Denkens beizukommen ist (wenn ihr +überhaupt beizukommen ist). Der gestaltenden Phantasie aber dürfen wir +hoffen, auf psychologisch-empirischem Wege nachspüren zu können. Oder +mit anderen Worten: wir dürfen versuchen wollen, aus der Technik den +Geist, der das Werk gezeugt hat, zu erklären. + +Daß wenige Wochen nach Erscheinen der ersten Auflage eine zweite nötig +geworden, ist ein erfreulicher Beweis, daß der Krieg wie andere +Vorurteile auch das Diktum Inter arma silent Musae hinweggefegt hat. + +_Berlin_, April 1916. + + MAX LIEBERMANN + + + + +EINLEITUNG + + »... daß das Studium der Natur und die Erfindung der + Phantasie im Nachahmen das Bleibende in allem sei ...« + + (Goethes Gespräch.) + + +In seinem Tagebuch stellt Delacroix die Behauptung auf, daß jede +Ästhetik mit einer Terminologie der Kunstausdrücke zu beginnen habe, da +Jeder darunter etwas anderes verstehe. Er unternimmt auch die Erklärung +einiger termini, aber er hört alsbald wieder damit auf, wahrscheinlich +weil er die Unmöglichkeit seines Unternehmens einsieht. + +Ich bin mir wohl bewußt, das Wort »Phantasie«, von dem die folgenden +Seiten handeln, in einem dem landläufigen abweichenden Sinne gebraucht +zu haben und ich hätte es gern mit einem passenderen Worte vertauscht, +wenn ich eins gefunden hätte. Im allgemeinen bezeichnet man mit +Phantasie die Einbildungen unsres Gehirns, das Imaginäre, das ein nicht +Existierendes vorzaubert. In dieser Bedeutung kann man Phantasie +überhaupt nicht anwenden auf die Malerei, die nichts erfinden kann oder +soll, was nicht in der Natur existiert oder wenigstens existieren +könnte. Ich möchte der Phantasie mehr die Bedeutung, die das Wort im +Griechischen hatte, beilegen: ~phainomenon~, Erscheinung. Der Maler will +das ihm vorschwebende Bild zur Erscheinung bringen, er will die +Erscheinung auf die Leinwand projizieren, wobei es ganz gleichgültig +ist, ob ihm das Bild vor seinem geistigen oder leiblichen Auge schwebt. +Denn beides ist im Grunde dasselbe: der Maler kann nur malen, was er zu +sehen glaubt, ob er sein Bild im Geiste oder in der Natur sieht. + +Aus der Phantasie malen steht also in keinem Gegensatze zum +Nach-der-Natur-malen, denn es sind nur zwei verschiedene Wege, die nach +demselben Ziele führen sollen. Noch falscher aber wäre die Annahme, die +nicht nur im Publikum, sondern leider auch in der Ästhetik immer noch +besteht, als ob der Maler, der _aus_ der Phantasie malt, mehr _mit_ der +Phantasie malt, als der, welcher nach der Natur malt. + +Je naturalistischer eine Malerei ist, desto phantasievoller muß sie +sein, denn die Phantasie des Malers liegt nicht -- wie noch ein Lessing +annahm -- in der Vorstellung von der Idee, sondern in der Vorstellung +von der Wirklichkeit oder wie Goethe es treffend ausdrückt: »Der Geist +des Wirklichen ist das wahrhaft Ideelle«. Daher bedeutet idealistische +Malerei im Gegensatze zur naturalistischen Malerei nur die verschiedene +Auffassung der Natur, aber keinen Qualitätsunterschied: die Qualität +beruht einzig und allein in der größeren oder geringeren Kraft der +Phantasie des Malers, mag er nun wie Raffael eine Madonna oder wie +Rembrandt einen geschlachteten Ochsen malen. Natürlich kann ich nicht +mit mathematischer Genauigkeit beweisen wollen, warum der eine Meister +mehr Phantasie hat als der andere. Ich kann nur sagen wollen, warum ich +ein Porträt von F. Hals für phantasievoller halte als einen Holbein. Und +wenn ich sage, daß ich in Franz Hals den phantasievollsten Maler sehe, +der je gelebt hat, so wird vielleicht klarer, was ich unter malerischer +Phantasie verstehe: die den malerischen Mitteln am meisten adäquate +Auffassung der Natur. Jede Kontur, jeder Pinselstrich ist Ausfluß einer +künstlerischen Konvention. Je suggestiver die Konvention wird, je +ausdrucksvoller durch die Form oder die Farbe oder durch beides zusammen +der Maler sein inneres Gesicht auf die Leinwand zu bringen imstande war, +desto größere, stärkere Phantasietätigkeit war zur Erzeugung seines +Werkes nötig. Ebensowenig wie man den physischen Zeugungsprozeß je +ergründen wird, ebensowenig wird der Schleier von dem künstlerischen +Zeugungsprozeß je fallen. Wie es Axiomata gibt, die nicht in Frage +gestellt werden dürfen, wenn man mathematische Fragen erörtern will, so +gibt es in der Ästhetik gewisse notwendige Voraussetzungen, über die +nicht zu diskutieren ist. Das Genie ist selbstverständliche +Voraussetzung und die Ästhetik kann sich nur damit beschäftigen wollen, +wie und auf welche Weise es sich äußert. Der heilige Augustinus +definiert die Kunst als das, was die großen Künstler hervorgebracht +haben. Fragt sich nur, welche Künstler man als die großen bezeichnet. +Und diese Frage wird nie endgültig gelöst werden, denn letzten Endes +entscheidet in ästheticis der Geschmack und nirgends gilt das post hoc +ergo propter hoc mehr als in der Ästhetik. + +Je mehr wir also in der Ästhetik beweisen wollen, desto mehr wird unsre +Untersuchung darauf hinauslaufen, unsren Geschmack als den richtigen dem +Leser hinzustellen. Wir beweisen unsren Geschmack mit unsrem Geschmack, +wir machen ihn also in derselben Sache zum Richter und zum Zeugen. +Alljährlich werden wir mit einer Unzahl jener kunsthistorischen Romane +beschenkt, die irgendeinen berühmten Maler oder Bildhauer zum Helden +haben, und an dem uns der Autor seine Ansichten über Kunst +exemplifiziert. Sie sind zwar ein erfreulicher Beweis für das Interesse +des Publikums an bildender Kunst -- denn wenn sie nicht gekauft würden, +wären sie nicht geschrieben und noch weniger gedruckt -- aber für das +Verständnis der Kunst sind sie eher schädlich als nützlich; denn sie +geben uns nur Meinungen und Empfindungen des Autors wieder, also lauter +Urteile, die keinen wissenschaftlichen Wert beanspruchen dürfen, da sie +nicht verstandesmäßig begründet werden können. + +In der Vorrede zur »Kritik der reinen Vernunft« sagt Kant, daß +Kopernikus, »der, nachdem es mit der Erklärung der Himmelsbewegung nicht +gut fort wollte, wenn er annahm, das ganze Sternenheer drehe sich um den +Zuschauer, versuchte, ob es nicht besser gelingen möchte, wenn er den +Zuschauer sich drehn und dagegen die Sterne in Ruhe ließ.« Lassen wir +das Übersinnliche in der Kunst in Ruhe und stellen wir uns Kunst -- nach +der Etymologie des Wortes -- als Können vor. Vielleicht daß wir vom +Sinnlichen, das heißt der Technik, leichter in den Geist der Kunst +einzudringen vermögen. + +Nicht etwa, als ob ich, wie den Menschen in Körper und Seele, so die +Kunst in Geist und Technik zerlegen wollte: die Technik ist der Ausdruck +des Geistes. Niemand kann sagen, wo das Handwerk aufhört und das +Kunstwerk beginnt, denn beides ist in- und miteinander unlöslich +verwachsen. Ein Bild in Geist und Technik zerlegen wollen hieße ein +lyrisches Gedicht in Prosa auflösen oder nach A. v. Bergers witzigem +Worte: eine Statue sezieren wollen. + +Die Kunst ist des Künstlers Handwerk, das auszubilden die Aufgabe seines +Lebens ausmacht. Sie ausbilden heißt: seine Natur so restlos und +überzeugend als möglich durch die Mittel seiner Kunst zum Ausdruck zu +bringen. + +Der Inhalt der Kunst ist also die Persönlichkeit des Künstlers, das +sogenannte Genie. Dieses ist ein Geschenk der Götter, welches sie ihm in +die Wiege gelegt haben und für dessen Dasein wir ebensowenig einen +ontologischen Beweis führen können wie für das Dasein Gottes. Nur die +Vorstellung, die das Werk des Genies in uns auslöst, läßt uns mit +Notwendigkeit auf die Existenz des Genies schließen. + +Die Kunst dagegen ist das eigne Werk des Künstlers und da das Genie +unbewußt ihm innewohnt, ist es nur logisch, daß der Künstler nur an +seine Kunst, das heißt an die Technik denkt. Für ihn ist Kunst und +Handwerk identisch. Nicht in der Idee, sondern in der Ausführung der +Idee liegt die Kunst. Rembrandt antwortete seinen Schülern auf die +Frage, wie sie malen sollten: nehmt den Pinsel in die Hand und fanget +an. + +Zwischen der Abfassung der folgenden Aufsätze liegt ein Zeitraum von +mehr als zehn Jahren. Wenn ich sie jetzt ohne Änderungen, wie sie +erschienen sind, gesammelt herausgebe, so geschieht es in der Hoffnung, +daß sie auch heute noch aktuell und zur Klärung der Ansichten über Kunst +beizutragen imstande sind. Und waren je die ästhetischen Ansichten +verwirrter als heut? Wo ein jüngerer Kunstrichter aus den Schützengräben +Flanderns heraus schreibt, daß der Krieg nicht nur für die Existenz +Deutschlands, sondern über den Sieg des Expressionismus entscheidet. + +Je mehr sich die Ästhetik mit den Kunstrichtungen beschäftigt, desto +unfähiger erweist sie sich für ihre eigentliche Aufgabe, die Qualität +des Kunstwerks zu erforschen. Denn »Richtung« bedeutet nur eine +Zeitströmung, die grade Mode ist und von der nächsten Mode zum alten +Eisen geworfen wird. Sie ist die Losung, das Feldgeschrei im Kampfe der +jüngeren gegen die ältere Generation: Sie ist eine Zeit- aber keine +Wertbestimmung. Aber nicht das lautere Feldgeschrei entscheidet -- sonst +hätten die Expressionisten, Kubisten und Futuristen längst gewonnen -- +sondern wie im Kriege die stärkeren Bataillone, so entscheiden in der +Kunst nicht Richtungen den Sieg, sondern einzig und allein die stärkeren +Persönlichkeiten in ihnen. + +Ich schreibe als Maler, gleichsam mit dem Pinsel in der Hand und ich +suche daher die Wirkungen, die das Kunstwerk auf mich ausübt, so viel +als möglich aus den Mitteln, deren sich der Künstler bedient hat, zu +erklären. Natürlich bin ich einseitig und der Vorwurf, ich schriebe pro +domo, würde mich wenig rühren, weil ich glaube, daß es ein objektives +richtiges Kunsturteil überhaupt nicht geben kann. Aber auch die +Gerechtigkeit im Urteil über Kunst macht nur die Überzeugung: je stärker +und unverfälschter ich sie ausdrücke, desto gerechter bin ich. Auch +überlasse ich das Urteilen so viel als möglich dem Leser und dem -- +Berufskritiker; ich möchte klar machen, warum ich diese Malerei für gut +und jene für schlecht halte. Witzige mögen »die Kunst in 40 Minuten ein +Kunstkenner zu werden« schreiben. Der Künstler schreibt über seine Kunst +Bekenntnisse. + +Goethe sagt mal: »Poesie ist keine Kunst, weil alles auf dem Naturell +beruht.« Ebenso ist Malerei keine Kunst, alles hängt von der +Persönlichkeit des Künstlers ab. Der Inhalt der Kunst ist die +Persönlichkeit des Künstlers. + +Kunst kommt von Können, welches das Wollen als einen dem Künstler +innewohnenden Trieb einschließt (weshalb ich auch nicht an die faulen +oder verbummelten Genies glaube). Der Künstler _muß_ schaffen: die Kunst +ist sein Handwerk. + +Natura sive deus! Gott schuf den Menschen nach seinem Ebenbilde: der +Künstler schafft nach seinem Ebenbilde die Welt! was Goethe in die +schönen Worte kleidet: »Wie köstlich ists, wenn ein herrlicher +Menschengeist ausdrücken kann, was sich in ihm bespiegelt.« + + + + +DIE PHANTASIE IN DER MALEREI + + +Von der Malerei als Ding an sich will ich reden, nicht von der Musik +oder der Poesie in der Malerei; denn was nicht deines Amtes ist, davon +laß deinen Fürwitz. + +Ich will von der Malerei sprechen, die »von jedem Zweck genesen«, die +nichts sein will als -- Malerei: Von ihrem Geist, nicht von der +Überwindung ihrer technischen Schwierigkeiten, in der das Publikum +freilich und, wie ich fürchte, manche Maler immer noch ihren Wert +erblicken. + +Allerdings kommt Kunst von können, und daß das Können in keiner Kunst +mehr ausmacht als grade in der Malerei, soll keineswegs geleugnet +werden. + +Aber so hoch auch die Malerei, die gut gemacht ist, einzuschätzen ist: +gute Malerei ist nur die, die gut gedacht ist. Was bedeutet die +korrekteste Zeichnung, der virtuoseste Vortrag, die blendendste Farbe, +wenn all diesen äußerlichen Vorzügen das Innerliche, die Empfindung, +fehlt! Das Bild bleibt doch -- gemalte Leinwand. Erst die Phantasie kann +die Leinwand beleben, sie muß dem Maler die Hand führen, sie muß ihm im +wahren Sinne des Worts bis in die Fingerspitzen rollen. Obgleich +unsichtbar, ist sie in jedem Striche sichtbar, freilich nur für den, der +Augen hat zu sehen, nur für den, der sie empfindet. + +Ich will hier nicht etwa von dem Höllenspuk, der Phantastik reden, +sondern ich verstehe unter Phantasie den belebenden Geist des Künstlers, +der sich hinter jedem Strich seines Werkes verbirgt. Die Phantasie in +der bildenden Kunst geht von rein sinnlichen Voraussetzungen aus. Sie +ist die Vorstellung der ideellen Form für die reelle Erscheinung. Sie +ist das notwendige Kriterium für jedes Werk der bildenden Kunst, für das +idealistischste wie für das naturalistischste. Sie allein kann uns +überzeugen von der Wahrheit der Böcklinschen Fabelwesen wie des +Manetschen Spargelbundes. + +Wenn der kleine Moritz einen Kreis malt, dahinein zwei Punkte, zwischen +die einen senkrechten und darunter einen wagerechten Strich macht, so +ist das der bildliche Ausdruck seiner Phantasie für einen Kopf. Hat der +kleine Moritz Talent zum Zeichnen, so wird er die individuellen +Eigentümlichkeiten z. B. die große Nase seines Vaters oder den großen +Mund seiner Mutter beim Nachzeichnen gewaltig übertreiben. Aber hinter +dieser Karikatur steckt vielleicht mehr Phantasie als in dem +lebensgroßen Porträt in Öl des berühmten Professors so und so, der vor +lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht und dessen Phantasie durch +alles, was er gelernt hat, ertötet ist. Jedem meiner Kollegen wird +unzählige Male dasselbe passiert sein: der junge Mann -- noch häufiger +die junge Dame -- so bald sie sich ernstlich dem Studium der Malerei +widmen, machen es nicht nur nicht besser als früher, sondern im +Gegenteil viel schlechter, d. h. die Phantasie, die früher naiv den +_Eindruck_ der Natur wiederzugeben bestrebt war, wird allmählich von dem +Suchen nach Korrektheit verdrängt. Aus der phantasievollen, aber +unkorrekten wird die phantasielose aber korrekte Zeichnung. Mit anderen +Worten: der Buchstabe tötet den Geist, und nur die Talentvollsten können +ungestraft an ihrer Phantasie den akademischen Drill überstehen. + +Der alte Schadow pflegte seinen Schülern auf die Frage, wie sie malen +sollten, zu antworten: »setzt die richtige Farbe auf den richtigen +Fleck«. Schadow, der nicht nur Akademie-Direktor, sondern -- was nicht +immer zusammentrifft -- auch ein Künstler war, wußte, daß nur das +Handwerkmäßige der Malerei gelehrt und gelernt werden kann; seine +Definition in usum delphini verschweigt wohlweislich, was Malerei zur +Kunst macht: die Phantasietätigkeit des Malers, die darin besteht, für +das, was er -- und zwar nur er -- in der Natur oder im Geiste sieht, den +adäquaten Ausdruck zu finden. Natürlich vollzieht sich diese +Phantasietätigkeit völlig unbewußt im Künstler, denn Kunstwerke +_entstehen_: sie werden nicht gemacht, und das sicherste Mittel kein +Kunstwerk hervorzubringen, ist die Absicht, eins zu machen. Wie Saul +ausging, die Eselinnen seines Vaters zu suchen und ein Königreich fand, +so muß der Maler einzig und allein bestrebt sein, die richtige Farbe auf +den richtigen Fleck zu setzen: ist er ein Künstler, so -- findet er ein +Königreich. + +Ein Bund Spargel, ein Rosenbukett genügt für ein Meisterwerk, ein +häßliches oder ein hübsches Mädchen, ein Apoll oder ein mißgestalteter +Zwerg: aus allem läßt sich ein Meisterwerk machen, allerdings mit dem +nötigen Quantum Phantasie; sie allein macht aus dem Handwerk ein +Kunstwerk. + + * * * * * + +Die Phantasie, als das schöpferische Grundprinzip des gesamten geistigen +Lebens, ist für alle Künste dieselbe, aber in den verschiedenen Künsten +kommt sie auf verschiedene Weise zum Ausdruck. Obgleich nur die bildende +Kunst, als einzig räumliche unter den Künsten, imstande ist, die +Ausdehnung aus der Wirklichkeit mit zu übernehmen, ist sie doch deshalb +nicht materieller als Poesie oder Musik. Allerdings sind die Werke der +bildenden Kunst gleichsam faß- und tastbar und -- wie Gregor der Große +im Kampfe gegen die Bilderstürmer meinte: »Bilder sind die Bücher derer, +die nicht lesen können« -- daher werden sie für leichter verständlich +gehalten. Im Grunde jedoch ist die Kunst an einem Bilde genau ebenso nur +dem inneren Auge wahrnehmbar, wie die an einem Musikstücke nur dem +inneren Ohr. Denn was anders als die Phantasie des Künstlers +unterscheidet ein Werk des Phidias von einem Abguß über Natur? Daher ist +es für den Wert eines Werkes der bildenden Kunst ganz gleichgültig, was +es darstellt, nur die Erfindung und die Ausdrucksfähigkeit ihrer Form +macht seinen Wert aus. + +Der Satz, daß die gutgemalte Rübe besser sei als die schlechtgemalte +Madonna, gehört bereits zum eisernen Bestand der modernen Ästhetik. Aber +der Satz ist falsch; er müßte lauten: die gutgemalte Rübe ist ebenso gut +wie die _gut_gemalte Madonna. Wohlgemerkt als rein malerisches Produkt, +denn, zur Beruhigung frommer Gemüter sei's gesagt, es fällt mir beileibe +nicht ein, zwei ästhetisch so ungleichwertige Gegenstände miteinander +vergleichen zu wollen. Auch weiß ich wohl, daß die Darstellung einer +Madonna noch andere als rein malerische Ansprüche an den Künstler +stellt, und daß sie als künstlerische Aufgabe schwerer zu bewältigen ist +als ein Stilleben. Obgleich in einem Vierzeiler das Genie Goethes ebenso +sichtbar ist als im Faust, kann als künstlerische Leistung »Über allen +Gipfeln ist Ruh« doch nicht mit dem Faust verglichen werden. + +Aber die spezifisch malerische Phantasie des Künstlers kann sich in +einem Stilleben gerade deshalb stärker zeigen als in der Darstellung des +Menschen, weil das Bund Spargel nur durch die künstlerische Auffassung +interessiert, an dem Menschen, am Kopf oder an einem schönen +Frauenkörper interessiert uns -- namentlich an letzterem -- auch noch +der dargestellte Gegenstand. + +Der spezifisch malerische Gehalt eines Bildes ist um so größer, je +geringer das Interesse an seinem Gegenstande selbst ist; je restloser +der Inhalt eines Bildes in malerische Form aufgegangen ist, desto größer +der Maler. + +Also vom rein malerischen Standpunkt aus ist »die Übergabe von Breda« +des Velasquez in nichts wertvoller als eins seiner Küchenstilleben: ja +sogar könnte ein solches malerisch wertvoller sein, wenn Velasquez die +Küchengerätschaften besser gemalt hätte als die Heerführer auf dem +großen Historienbild. Worauf es hier allein ankommt, ist klar +auszudrücken, daß der Wert der Malerei absolut unabhängig vom Sujet ist, +und nur in der Kraft der malerischen Phantasie beruht. + +Hieraus folgt, daß gerade die naturalistische Malerei dieser +Phantasietätigkeit am meisten bedarf, weil sie nur durch die ihr eigene +Kraft wirken will; was freilich einer weit verbreiteten Ansicht im +Publikum durchaus widerspricht. Immer noch sehen die Gebildeten in der +naturalistischen Malerei nur eine geistlose Abschrift der Natur, etwa +eine Kunst, die von der Photographie, wenn sie erst mit der Form auch +die Farbe wiederzugeben gelernt hat, überwunden sein wird. Nein! selbst +die Konkurrenz der farbigen Photographie fürchten wir nicht: denn selbst +die vollendetste mechanische Wiedergabe der Natur kann höchstens zum +vollendeten Panoptikum, nie aber zur Kunst führen. Was der Gebildete an +der naturalistischen Kunst vermißt, ist die literarische Phantasie, weil +er die Malerei statt mit den Augen immer noch mit dem Verstande +betrachtet. Immer noch spukt in unseren Köpfen das berühmte Lessingsche +Diktum vom Raffael, der, wenn er auch ohne Arme geboren, der größte +Maler geworden wäre. Vielleicht der größte Dichter oder der größte +Musiker, jedenfalls aber nicht der größte Maler. Denn die Malerei +besteht nicht in der Erfindung von Gedanken, sondern in der Erfindung +der sichtbaren Form für den Gedanken. Woher käme es sonst, daß unter den +Tausenden von Madonnenbildern sich nur wenige Kunstwerke befinden? Oder +was interessiert uns am Porträt, das mein Freund Trübner witzig den +Parademarsch des Malers genannt hat, anders als die Kunst des Meisters, +das, was er sah -- und der Akzent liegt auf _er_ -- in die malerische +Form gebracht zu haben. Ich meine natürlich nicht eine bestehende Form, +die zur Formel geworden ist, wie z. B. die Raffaelische Form, die zur +akademischen verflacht ist, oder das Rembrandtsche clair-obscur, das +unter seinen Nachahmern zur hohlen malerischen Phrase geworden ist, +sondern ich spreche von der lebendigen Form, die jeder Künstler sich neu +schafft. Gerade in der Erschaffung neuer Formen liegt das Kriterium für +den schaffenden Künstler, für das Genie. Deshalb ist es ein Unsinn von +_einer_ Form, von der klassischen Form ~kat' exochên~ zu reden: es gibt +soviel klassische Formen als es klassische Künstler gegeben hat und noch +geben wird. Mit jedem Künstler vollendet sich die Form; und mit jedem +folgenden wird sie neu geboren. Die Erstarrung der Form zum Dogma wäre +Erstarrung der Kunst d. h. ihr Tod. Natürlich verstehe ich hier unter +Form nicht das Äußerliche an ihr, das Technische, etwa die Handschrift +des Künstlers. Ich spreche hier nur von der ideellen Form, die gleichsam +unsichtbar ist, die nur der Künstler sieht und zwar jeder ganz +verschieden. Wer die Kuh nur durch die Augen von Potter oder Troyon +sieht, ist kein schaffender Künstler, höchstens ein reproduzierender; +wer an der Kuh nicht neue Reize entdeckt -- ich sage das im direkten +Widerspruch zu meinem sonst sehr verehrten Freunde Muther --, besitzt +jedenfalls das zu einem Kuhmaler nötige Talent nicht. + + * * * * * + +Was jeder Künstler aus der Natur heraussieht, ist das Werk seiner +Phantasie. Setze zwanzig Maler vor dasselbe Modell und es werden zwanzig +ganz verschiedene Bilder auf der Leinwand entstehen, obgleich alle +zwanzig gleichermaßen bestrebt waren, die Natur, die sie vor sich sahen, +wiederzugeben. Wie sich im Kopfe des Künstlers die Welt widerspiegelt, +gerade das macht seine Künstlerschaft aus. + +Raffaels Phantasie war linear, sein Werk vollendet sich in der Linie, +seine Bilder sind höchstens geschmackvoll koloriert, die Malerei an +seinen Bildern ist Handwerk. Tizians Phantasie dagegen ist durchaus +malerisch; er sieht sein Bild als farbige Erscheinung, er komponiert mit +der Farbe. Sein berühmtestes Bild, »die himmlische und die irdische +Liebe«, ist sicherlich nur durch den koloristischen Gedanken erzeugt, +den nackten Frauenkörper durch Gegenüberstellen der bekleideten Gestalt +noch intensiver wirken zu lassen. Ob Tizian etwas anderes hat ausdrücken +wollen, weiß ich nicht, und ich glaube, die Kunstgelehrten wissen es +auch nicht. Jedenfalls ist der großartig klingende Titel ganz unpassend +und wahrscheinlich von einem geschäftskundigen Venezianer erfunden, der +seinen Landsmann den Raffaels und Michelangelos gegenüber nicht lumpen +lassen wollte: geradeso wie Böcklins Bilder »die Gefilde der Seligen« +und »das Spiel der Wellen« von Fritz Gurlitt getauft wurden. + +Des Velasquez Phantasie ist räumlich. Er denkt räumlich, und mit viel +größerem Rechte als von Degas hätte ich von Velasquez sagen können: er +komponiert mit dem Raum. Sein Bild entsteht aus der räumlichen +Phantasie. Wie die Figur in dem Raum steht, wie der Kopf, die Hände, die +Gewänder als große Lokaltöne im Raum wirken, das macht sein Bild aus. + +Wieder anders Rembrandt, dessen Phantasie sich in Licht und Schatten +verkörpert. Die Wogen des Lichtes, die seine Bilder durchfluten, ergeben +und bestimmen die Komposition. Seine Bilder sind auf den Gang des +Lichtes komponiert, er erfindet für den Gang des Lichtes. So z. B. ist +das kleine Mädchen mit dem Hahn auf der »Nachtwache« nur als heller +Fleck im Bilde verständlich, oder man sehe seine Zeichnungen nach +anderen Meistern, wie er z. B. aus dem »Grafen Castiglione« des Raffael +durch Andeutung des Lichtes und des Schattens sofort einen echten +Rembrandt macht. + +Der Maler, dessen Phantasie linear ist, kann nicht Kolorist sein oder +umgekehrt. Das eine oder das andere, die Zeichnung oder die Farbe, muß +in jedem Werke die Hauptsache bilden, und Raffael und Rembrandt sich in +demselben Werke vorzustellen, ist ein Unding. Weil Raffaels Phantasie +linear war und nicht etwa, weil er weniger gut als Tizian oder Rembrandt +malte, war er ein weniger großer Maler als jene. Auch zeichnete Tizian +oder Rembrandt nicht etwa schlechter als Raffael, sondern weil dieser +beider Phantasie malerisch war, mußten sie ihre zeichnerischen +Qualitäten den malerischen gegenüber unterdrücken. Poesie und Musik sind +zeitliche Künste, daher kann sich in einem Gedicht oder in einem +Musikstück des Künstlers Phantasie nacheinander in verschiedener +Richtung äußern, aber in der bildenden Kunst, als einer räumlichen, muß +sie sich nach einer Richtung hin konzentrieren, sonst verlöre das Werk +seinen einheitlichen Charakter, d. h. es wäre kein Kunstwerk mehr. +Dieser Einheitlichkeit muß der Maler alles opfern: das liebevollst +durchgeführte Detail, das technisch gelungenste Stück, die geistreichste +Einzelheit. Savoir faire des sacrifices, wie es im Pariser +Atelier-Jargon heißt. Das, was dir als Hauptsache erscheint -- nicht +etwa was die Hauptsache ist -- zusammenfassen, und alles, was dir +nebensächlich erscheint, unterdrücken. Als jemand den père Corot fragte, +wie er's anfinge, nur die großen Massen in der Natur zu sehen, +antwortete er: »ganz einfach, um die großen Massen zu sehen, müssen Sie +mit den Augen blinzeln, um aber die Details zu sehen, müssen Sie die +Augen -- schließen«. + +Mehr noch als in dem, was er malt, zeigt sich des Künstlers Phantasie in +dem, was er nicht malt. Je näher die Hieroglyphe -- und alle bildende +Kunst ist Hieroglyphe -- dem sinnlichen Eindruck der Natur kommt, desto +größere Phantasietätigkeit war erforderlich, sie zu erfinden. Der Maler +hat nur die Farbenskala von schwarz zu weiß auf der Palette: aus ihr +soll er Leben, Licht und Luft auf die Leinwand zaubern, ein paar +Striche, ein paar unvermittelt nebeneinandergesetzte Farbenflecke sollen +aus der richtigen Entfernung dem Beschauer den Eindruck der Natur +suggerieren. Nur die Phantasie des Künstlers kann dieses Wunder +bewirken, nicht etwa die Geschicklichkeit des Taschenspielers. Man sehe +das Porträt des Papstes Innocenz in Rom: zwei dunkle Flecken, die die +Augen bedeuten, mit ein paar Strichen ist die Nase und der Mund +hineingezeichnet, und mit den wenigen Strichen und Farben, die wohl, wie +die Überlieferung berichtet, in einer Stunde gemacht sein können, steht +der ganze Mann vor uns, mit seiner Klugheit, seiner Habsucht und seinen +sonstigen verbrecherischen Gelüsten. Die ganze päpstliche Macht +erscheint vor uns und der Papst, der ihrer spottet. Und des Velasquez +Papstbildnis nicht gesehen zu haben, heißt in Rom gewesen sein und den +Papst nicht gesehen haben. + + * * * * * + +Mein alter Lehrer Steffeck hatte ganz recht, wenn er sagte: Was man +nicht aus dem Kopf malen kann, kann man überhaupt nicht malen. Wir malen +nicht die Natur, wie sie ist, sondern wie sie uns erscheint, d. h. wir +malen aus dem Gedächtnis. + +Das Modell kann der Maler nicht abmalen, sondern nur benutzen, es kann +sein Gedächtnis unterstützen, wie etwa der Souffleur den Schauspieler +unterstützt. Aber wehe dem Schauspieler, der sich auf ihn verlassen muß. +Dann ist er nicht mehr Herr seiner Rolle, sondern Knecht des -- +Souffleurs. Ob und inwieweit der Maler nach der Natur arbeitet oder +nicht, hängt davon ab, was er erstrebt. Aber Delacroix oder Böcklin, die +(wenigstens in ihren Bildern) nie nach der Natur gemalt haben, ebenso +wie Manet und Leibl, die jeden Strich nach der Natur malten, haben aus +dem Gedächtnis gemalt. Nur prozedierten sie auf verschiedene Weise. +Böcklin malte die Rosenhecke oder die Pappel, die er vor Tagen oder +Wochen vielleicht so lange studiert hatte, bis sich auch die kleinste +Einzelheit seinem Gedächtnis eingeprägt hatte. Leibl, dessen ganze Kunst +Pietät vor der Natur war, mußte die fünf oder sechs Bauern, die er in +den »Dorfpolitikern« malte, zusammensitzen haben. Aber Böcklin wie Leibl +malten aus der Phantasie: nur war die des einen von der des anderen +himmelweit verschieden; wessen die grössere, ist hier nicht die Frage. +Es genügt festzustellen, daß der Naturalist ebenso wie der Idealist die +Natur nur benutzt. Den Künstler macht nicht der Naturalist, der alles +nach der Natur malt, aber ebensowenig der Idealist, der nur nicht nach +der Natur malt. Nur das, was seine Phantasie aus der Natur heraussieht +und darstellt, macht den Künstler, und daher muß seine spezifisch +malerische Phantasie um so stärker sein, je näher er dem sinnlichen +Eindruck der Natur kommt, d. h. je mehr er im eigentlichen Sinne Maler +ist. Seine Phantasie ist viel reicher als die des Zeichners, denn man +kann wohl ein großer Zeichner sein, ohne ein großer Maler zu sein, aber +nicht umgekehrt. + +Delacroix fürchtete noch eine Gotteslästerung auszusprechen, als er +Rembrandt dem Raffael gleichzustellen wagte. Heutzutage hat sich das +wohl geändert, immerhin wird auch heute noch »der Gebildete«, wenn er +sich einigermaßen respektiert, Raffael als den größten Maler, der je +gewesen, ansprechen: was wohl daher kommt, daß das Kunsturteil von den +Kunstgelehrten gemacht wird, die als Gelehrte mehr mit dem Verstande als +mit den Augen urteilen. Die Schönheiten der Form sind mathematisch +nachzuweisen, aber die Schönheiten der Farbe kann man nur empfinden. Und +man kann ein sehr großer Kunstgelehrter sein, ohne etwas von Kunst zu +verstehen. + +Die Malerei ist nicht etwa bloß ein Problem der Technik, die gelernt +werden kann, sondern eine reine Phantasietätigkeit. Natürlich muß jeder +Maler sein Handwerk verstehen, wie jeder Schneider oder Schuster sein +Metier ordentlich gelernt haben muß. Aber den Wert eines Bildes nach +seiner technischen Vollendung schätzen zu wollen, wäre ebenso töricht, +als ein Gedicht nach der Korrektheit der Verse oder der Reinheit der +Reime zu beurteilen. Dem lieben Gott sei's gedankt: in der Kunst macht +der Rock noch nicht den Mann. + +Allerdings hat in den bildenden Künsten das Handwerk eine um so größere +Bedeutung, als der bildende Künstler seine Konzeption ganz allein und +unmittelbar zum Ausdruck bringt: nur das Werk von des Meisters eigener +Hand ist das Meisterwerk. + +Den vatikanischen Torso, den »Innocenz« des Velasquez können wir ganz +nur im Original genießen: ob wir den »Faust« in einem der Millionen von +Drucken oder in Goethes Originalhandschrift lesen, ist für unseren Genuß +ganz gleichgültig. + +Selbst die vollendetste Lichtdruckreproduktion nach einer Zeichnung oder +Radierung Rembrandts, in der jeder Punkt, jeder Strich und jeder Fleck +photographisch getreu wiedergegeben ist, bleibt eine tote Kopie; nur die +eigenhändige Niederschrift kann uns des Meisters Geist zeigen. Nichts +verbirgt sein Werk unseren indiskreten Blicken; wir können dem Meister +bei der Arbeit folgen, wir sehen, welche Partien ihm auf den ersten +Anhieb gelungen und die Stellen, bei denen er sich gequält, die er +abgekratzt und übermalt hat, bis sie ihm endlich genügten. + +Doch was wir nicht sehen können, selbst wenn wir Velasquez oder +Rembrandt beim Malen über die Schulter zugeschaut hätten, ist die +Hauptsache, nämlich ihre Phantasie, die ihnen beim Malen die Hand +geführt hat und nur insofern ist die Technik von künstlerischem Werte, +als sie die -- Handlangerin seines künstlichen Wissens und Wollens ist, +d. h. sie muß individuell sein. Sonst hat die Technik höchstens +kunstgewerblichen Wert, und von diesem kunstgewerblichen Standpunkt aus +können wir sie an einem Bilde ebenso bewundern, wie an einer +chinesischen Cloisonné- oder Lackarbeit. + +Aber die Rückkehr zur Tradition der altmeisterlichen Technik als +Allheilmittel der Kunst zu empfehlen -- wie das immer und ewig geschieht +-- hieße neuen Wein in alte Schläuche füllen. + + * * * * * + +In dem Kunstwerk macht die Technik nicht die Güte aus, man könnte sie +höchstens als notwendig bezeichnen; wie der Körper dem Geiste notwendig +ist. Und insofern ein schöner Geist in einem schönen Körper dem in einem +häßlichen vorzuziehen ist, ist auch das elegant vorgetragene Kunstwerk +dem unbeholfen vorgetragenen vorzuziehen. Schreiblehrer beurteilen die +Güte der Handschrift nach der Kalligraphie der Buchstaben; wir nennen +Bismarcks Handschrift schön, weil sie charakteristisch ist. + +Die Technik ist gut, die möglichst prägnant das ausdrückt, was der +Meister ausdrücken wollte; sonst ist sie schlecht und wäre sie noch so +virtuos. + +Überhaupt spricht man viel zu viel von ihr: die Technik muß man gar +nicht sehen, ebenso wenig wie man die Toilette an einer schönen Frau +sehen darf. Wie sie nur dazu da ist, um die Schönheit der Trägerin in um +so helleres Licht zu setzen, darf die Technik nur die Schleppenträgerin +der Kunst sein, jeder Künstler soll malen, wie ihm der Schnabel +gewachsen ist; was allerdings heutzutage schwer ist, denn, wie Schwind +sagt, »bis man weiß, daß man einen Schnabel hat, ist er vom vielen +Anstoßen schon ganz verbogen«. + +Und nun gar die Forderung zur altmeisterlichen Technik zurückzukehren! +Als ob die Technik die Ursache und nicht die Folge einer Kunstanschauung +wäre. Ist die Technik eines Van Eyk nicht bedingt durch die Sachlichkeit +seiner Naturanschauung? Hätte Franz Hals sich der Technik eines Holbein +bedienen können, oder mußte er nicht vielmehr eine mehr andeutende als +ausführende Technik erfinden, die seiner geistreichen Auffassung des +Momentanen entsprach? Wer die Technik eines Meisters nachahmt, wird ihm +höchstens abgucken, wie er sich räuspert und wie er spuckt. Ein +mittelmäßiges à la Rembrandt gemaltes Bild ist nicht besser, als ein +ebenso mittelmäßiges, das à la Manet gemalt ist. + +Überhaupt verbirgt sich hinter dem Verlangen nach altmeisterlicher Kunst +ein gut Teil Heuchelei: es entspringt nicht sowohl aus Liebe für die +alte, sondern vielmehr aus Haß gegen die moderne Kunst. + +Natürlich fällt auch in den bildenden Künsten kein Meister vom Himmel. +Eher fällt schon eine Exzellenz vom Himmel, wie Menzel, als man ihm zu +seinem neuen Titel gratulierte, geantwortet haben soll. + +Ein jeder Meister steht auf den Schultern seiner Vorgänger: das ist aber +nicht seine Meisterschaft, sondern seine Schülerschaft. Erst nach +Überwindung der Technik kann aus dem Schüler ein Meister werden, und nur +in diesem Sinne ist der bekannte Satz, daß man zum Künstler geboren, zum +Maler aber erst erzogen werden müsse, zu verstehen. Der Maler muß sein +Leben lang arbeiten, um der Technik Herr zu werden; aber nicht um ihrer +selbst willen, sondern um mittels der Technik seiner Phantasie einen +möglichst vollendeten Ausdruck geben zu können. + +Der Vortrag des Meisters kann nachgeahmt werden -- und die vielen +falschen Rembrandts sind der beste Beweis dafür -- aber nur der +Rembrandt ist echt, in dem du seines Geistes Hauch verspürst. Und sollte +ein mittelmäßiges Bild wirklich echt sein, von Rembrandts eigener Hand +signiert und von sämtlichen Kunstpäpsten als authentisch attestiert, so +würde das nur beweisen, daß der gute Rembrandt auch einmal geschlafen +habe. Was kümmert uns die Echtheit eines Kunstwerkes! Was des Meisters +würdig, ist echt. + +Weil in den bildenden Künsten die Form Mittel und Zweck, also eines ist, +ist es in ihnen natürlich schwerer zu entscheiden, als z. B. in der +Poesie, wo das Handwerk aufhört und die Kunst anfängt; daher triumphiert +oft genug über wahre Kunst Kunstfertigkeit, und ebenso oft wird der +Stein, den die Bauleute verwarfen, zum Eckstein. Denn vollendete +Technik, Eleganz des Vortrags, kurz, das Äußerliche des Bildes +schmeicheln sich dem Auge leichter ein als das Werk des Genies, dessen +rauhe Außenseite oft den goldenen Kern verbirgt. So wundert es mich +keineswegs, daß man etwa die Porträts van der Helsts denen eines +Rembrandt vorgezogen hat. Wenn Rembrandt heute lebte und ein Prinz sich +bei ihm malen ließe, so wäre er wahrscheinlich mit seinem Konterfei +ebenso wenig zufrieden wie der Prinz von Nassau, der sein Porträt für zu +schwarz, für zu gepatzt und wohl auch für nicht vorteilhaft genug +aufgefaßt ansah, und so den armen Rembrandt um seine vornehme Kundschaft +brachte. Allerdings vom Handwerksstandpunkt aus ist der »Nachtwache« die +»Schützenmahlzeit« des van der Helst vorzuziehen. Da ist alles tadellos. +Und auch heute noch würden nicht nur Prinzen, wenn sie nicht fürchteten +sich zu blamieren, einen van der Helst vorziehen. + +Es kommt nicht allein darauf an, was einer ansieht, sondern auch darauf, +wer was ansieht, und auch in der Kunst gilt das Sprichwort: niemand ist +groß in den Augen seines Kammerdieners; womit ich nicht etwa auf die +kleinen Schwächen großer Meister anspielen will. Wer das Kunstwerk mit +den Augen des Kammerdieners betrachtet, wird es nie begreifen. »Nichts +ist an sich schön; erst unsere Auffassung macht es dazu.« Wer Phidias +mit den Augen des Professors Trendelenburg anschaut, sieht vielleicht in +den Marmorgruppen der Siegesallee Werke des griechischen Bildhauers. Die +Breite des malerischen Vortrags macht noch keinen Velasquez und das +Helldunkel noch keinen Rembrandt: das ist gleichsam nur das irdische +Teil an ihnen. + +Das Unsterbliche an den Werken der Kunst ist ihr Geist, der Geist, +welcher dem inneren Auge des Malers, bevor er den ersten Pinselstrich +auf die Leinwand gesetzt hat, das Werk vollendet zeigt. + +Und wie der Geist ist die Kunst unbegrenzt, soweit die Ausdrucksfähigkeit +ihrer technischen Mittel reicht. Ihre Ausdrucksfähigkeit +vergrößern, heißt das Bereich der Kunst erweitern, das Bereich +der allein wahren Kunst, die von der Hand geboren, aber von +der Phantasie gezeugt ist. + + + + +EMPFINDUNG UND ERFINDUNG IN DER MALEREI + + +Neulich meinte Wöfflin in einem kleinen Aufsatz über das Zeichnen, daß +jeder, der einen Kopf gut zeichnen könnte, auch gut zu schreiben +verstände. Ob das nicht zu viel behauptet ist, will ich als Maler nicht +untersuchen, aber das glaube ich mit Recht behaupten zu dürfen, daß +einer, der keinen Strich zeichnen kann, unfähig ist über Malerei zu +schreiben. Was würden die Musiker sagen, wenn ein Maler, der nicht +einmal die »Wacht am Rhein« oder »Heil dir im Siegerkranz« auf dem +Klavier nachklimpern kann, sich herausnehmen würde über Musik zu +ästhetisieren! + +Das ästhetische Urteil über Malerei ist von Schriftstellern gemacht. Nie +würde ein Maler, auch wenn er Lessings Geist hätte, das geistreiche und +gerade deshalb so gefährliche Paradoxon vom Raffael ohne Hände erfunden +haben. Oder gar aus dem Laokoon, der immer noch, und mit gutem Recht, +die ästhetische Bibel der Gebildeten ist, das Diktum: »der Maler, der +nach der Beschreibung eines Thomson eine schöne Landschaft darstellt, +hat mehr getan, als der sie gerade von der Natur kopiert«. Der +Schriftsteller versteht in der Gedankenmalerei die literarische +Phantasie, und daher stellt er sie über die sinnliche Malerei, die er +nicht versteht, und aus Unkenntnis ihrer Wesenheit nicht verstehen kann. + +Malerei ist Nachahmung der Natur, der sie ihre Stoffe entlehnt, aber sie +bleibt ohne die schöpferische Phantasie geistlose Kopie, und es ist +daher ganz gleichgültig, ob der Maler einen Sonnenuntergang aus der +Tiefe seines Gemüts oder nach einem Gedicht des Thomson oder nach der +Natur malt. Mit andern Worten: nicht der Idealist steht -- wie Lessing +meint -- höher als der Realist, sondern die Stärke der Phantasie macht +den größeren Künstler. + +Für den Maler liegt die Phantasie allein innerhalb der sinnlichen +Anschauung der Natur: jedenfalls haben alle großen Maler von den +Ägyptern, Griechen und Römern bis zu Rembrandt und Velasquez, Manet und +Menzel sich innerhalb dieser Grenzen gehalten. Zwischen dem Kleckser, +der einen Sonnenuntergang malt und einem Claude Lorrain oder Claude +Monet ist nur ein Qualitätsunterschied. Die Größe des Talents eines +Künstlers beruht auf der Größe seiner Naturanschauung und zwar auf der +Größe der spezifisch malerischen Anschauung. Sonst hätte Goethe ein +ebenso großer Maler wie Dichter sein müssen. Wie die zahllosen Blätter, +die das Goethehaus aufbewahrt, beweisen, hat es ihm weder an Fleiß noch +an handwerksmäßiger Geschicklichkeit gefehlt, und wenn er trotz heißem +Bemühen zeitlebens in der bildenden Kunst ein mittelmäßiger Dilettant +geblieben ist, so liegt der Grund einfach darin, daß seine Phantasie -- +als die eines geborenen Dichters -- nur mit dem Worte zu gestalten +imstande war. + +Die Phantasie des Künstlers gestaltet nicht nur in dem Material, sondern +für das Material seiner speziellen Kunst, sonst kommt gemalte Poesie +oder poetische Malerei, d. h. Unsinn heraus. Daher ist auch nur aus dem +Material heraus eine richtige Wertung der Kunst möglich: der Genuß an +der Kunst steht jedem Empfänglichen offen, aber für die Kritik ist die +Kenntnis des Materials und der Technik unerläßlich. + +Einst fragte mich Virchow, während er mir zu seinem Porträt saß, ob ich +nach einer vorgefaßten Meinung male, und auf meine Antwort, daß ich +intuitiv die Farben nebeneinander setzte, entschuldigte sich der damals +schon greise Gelehrte ob seiner Frage. Alles, fügte er hinzu, in der +Kunst wie in der Wissenschaft, nämlich da, wo sie anfinge Wissenschaft +zu werden, wo sie Neues entdeckte, sei Intuition. »Als ich meinen Satz +Cellula e Cellula gefunden hatte, war es erst Späteren vorbehalten, ihn +zu beweisen.« Letzten Endes ist die Kunst unergründlich und wird es +immer bleiben. Auch ist es gut so, denn wenn wir ihr Geheimnis +ergründeten, wäre es mit ihr vorbei. Den künstlerischen Zeugungsprozeß +kann man ebensowenig ergründen wollen wie den physischen. Es wird ewig +ein Rätsel bleiben, wie dem Künstler die Idee zu seinem Werke kommt, +denn die Natur ist nur der äußere Anlaß für das Werk. Aber man kann die +Gehirntätigkeit des Künstlers während seiner Arbeit beobachten, und den +Weg, den seine Phantasie zurücklegt, von der Auffassung des Gegenstandes +bis zu dessen Wiedergabe auf der Leinewand verfolgen. Der Künstler sieht +die Gegenstände durch seine Phantasie. Er sieht, was er zu sehen sich +einbildet, oder wie Goethe es ebenso treffend, wie schön ausdrückt: wer +die Natur schildert, schildert nur sich, und die Feinheit und Stärke +seines Gefühls. + +Der alte Schwind antwortete auf die Frage, wie er seine Zeichnungen +mache: »ich nehme einen Bleistift in die Hand, und da fällt mir halt was +ein«. Unter dem Pinsel wird die Form geboren, und die Maler mit den +großartigen Ideen sind immer schlechte Maler. + +Die Erfindung des Malers beruht in der Ausführung und dieser Ausspruch, +der eigens für den Impressionismus geprägt zu sein scheint, und der von +dem englischen Maler Blake aus der ersten Hälfte des vorigen +Jahrhunderts herrührt, ist nicht nur für Manets Spargelbund gültig, +sondern ebenso für Michelangelos Erschaffung Adams in der Sixtina. In +der Erfindung des Sujets kann die Erfindung Michelangelos nicht liegen, +denn die steht in der Bibel: »und Gott der Herr machte den Menschen aus +einem Erdenkloß und er blies ihm ein den lebendigen Odem in seine Nase. +Und also ward der Mensch eine lebendige Seele«. Daß er uns die biblische +Erzählung überzeugend ad oculus demonstriert, darin liegt Michelangelos +Genie: wir glauben den Odem Gottes in Adam übergehen zu sehen. + +Ein witziger Maler, den man vor seinem Bilde fragte, was er habe malen +wollen, antwortete: »wenn ich es sagen könnte, hätte ich es nicht zu +malen gebraucht«. _Er_findung ist _Em_pfindung: aus ihr ergibt sich +Technik und Stil. Daher ist es Blödsinn -- was man jeden Tag hören oder +lesen muß -- zu sagen: »das Bild des Professors X. ist ausgezeichnet +gemalt, nur leider ohne Phantasie«. Dann ist es eben schlecht gemalt. +Aber ebenso blödsinnig: »das Bild ist sehr phantasievoll, aber schlecht +gemalt«. Dann ist es vielleicht von poetischer oder musikalischer, aber +nicht von malerischer Phantasie. Ein Bild ist gut, d. h. malerisch +erdacht, wenn es mit den malerischen Ausdrucksmitteln darzustellen ist, +und das malerisch nicht gut erdachte Bild kann überhaupt nicht gut +gemalt werden. Also sind technische Schwierigkeiten immer nur Fehler in +der Konzeption. Die schönsten Stücke Malerei wie die »Bohèmienne« oder +der »Papst Innocenz« sind die technisch einfachsten. + +Wer technische Schwierigkeiten eines Werkes sieht, ist überhaupt kein +Künstler. Der echte Künstler gleicht dem Reiter über den Bodensee: erst +nach Vollendung des Werkes entdeckt er voller Grauen die +Schwierigkeiten, die zu überwinden waren, und er würde sein Werk nicht +unternommen haben, wenn er sie vorher erkannt hätte. + +In der bildenden Kunst ist geistige Vollendung zugleich technische +Vollendung, denn in ihr sind Inhalt und Form nicht nur eins, sondern +identisch. Es ist daher ein müßiges Spiel mit Worten das Kunstwerk in +zwei Bestandteile zerlegen zu wollen: in ihm ist die Phantasie +materialisiert und umgekehrt die Technik vergeistigt worden. + +Wenn Rembrandt sagt, daß das Werk vollendet sei, sobald der Künstler +ausgedrückt hat, was er hat ausdrücken wollen, so heißt das nichts +anderes, als daß die Arbeit des Künstlers reine Phantasietätigkeit ist. +Gut malen heißt also mit Phantasie malen und die schönste, breiteste, +flächigste Malerei bleibt äußerliche Virtuosität, wenn sie nicht der +Ausdruck der künstlerischen Anschauung ist. Die Phantasie hört also +nicht da auf, wo die Arbeit beginnt -- wie noch ein Lessing annahm, -- +sondern sie muß dem Maler bis zum letzten Pinselstrich die Hand führen. +Weshalb ist denn oft die flüchtigste Skizze vollendeter als das fertige +Bild? Weil die in ein paar Stunden entstandene Skizze von der Phantasie +erzeugt ist, während die wochen-, ja monatelange Arbeit am Bilde die +Phantasie ertötet hat. Nicht etwa die Technik, sondern die Phantasie ist +die Ursache, daß nur die al Primamalerei was taugt, denn die Phantasie +ist ebensowenig eine Heringsware wie die Begeisterung: nur das unter dem +frischen Eindruck der momentanen Phantasie flüssig ineinander gemalte +Stück hat inneres Leben. + +Daher gibt es keine Technik per se, sondern so viele Techniken als es +Künstler gibt. Und ohne eigene Technik kann es keine eigene Kunst geben. +Franz Hals' Technik entspringt ebenso seiner Naturauffassung wie die des +Velasquez der seinigen: Beide malten einfach, was sie sahen. Unbewußt +kam in ihre Malweise ihre Persönlichkeit. + +Man sehe sich die »Bohèmienne« oder den »Innocenz« auf die angewandten +Mittel an: das Handwerksmäßige daran kann jeder Malklassenschüler. Auch +weiß man, daß der Papst dem Velasquez zu dem Kopfe in Petersburg, der +noch schöner sein soll als der in Rom, nur eine Stunde gesessen hat; und +Franz Hals hat sicher nicht viel länger an der »Bohèmienne« gearbeitet. +Gebt einem Stümper eine Stunde lang die Phantasie eines Franz Hals oder +Velasquez, und aus seiner Stümperei wird ein Meisterwerk. Aber Hals und +Velasquez hatten keine Kunsttheorien; sie malten, was sie selber sahen, +und nicht, was andere vor ihnen gesehen hatten: sie waren naiv. Sie +malten nur mit ihrem malerischen unbewußten Gefühl und nicht mit dem +Verstande. Sie warteten nicht die Stimmung ab, sondern die Stimmung kam, +wenn sie den Pinsel in die Hand nahmen. + +Manet oder Leibl dachten malerisch. Sie suchten nicht das sogenannte +Malerische in der Natur, sondern sie faßten die Natur malerisch auf: die +Natur war für sie der Canevas für ihr Bild. Feuerbach, Marées oder +Böcklin übersetzten ihre Stimmungen oder Gedanken in die Sprache der +Malerei: zum Ausdruck ihrer Sentiments bedienten sie sich der Natur. +Derselbe Gegensatz wie zwischen dem naiven und sentimentalen Dichter +besteht auch in der Malerei: der naive Maler geht von der Erscheinung +aus, der sentimentale vom Gedanken. + +Aber gerade das Primäre ist das Entscheidende; wie der wahre Dichter nur +vom Erlebnis ausgeht, so geht das wahre malerische Ingenium nur von der +sinnlichen Erscheinung aus. Letzten Endes ist jeder Maler Porträtmaler, +der Wirklichkeitsmaler Franz Hals oder Velasquez ebenso wie der Maler +der »inneren Gesichte« Albrecht Dürer oder gar wie Rembrandt, unter +dessen Pinsel die Bildnisse der Korporalschaft des Banning Cocq zur +»Nachtwache«, dem phantasievollsten Bilde der Welt, wurden. Daß dieses +Gruppenbildnis einer Schützengilde bis heutigen Tages die »Nachtwache« +heißt, das beweist am schlagendsten, daß in der Malerei die Erfindung +nur in der Ausführung beruht. + +Kunst ist Kern und Schale in einem Male: die Phantasie muß nicht nur die +Vorstellung von dem Bilde erzeugen, sondern zugleich die +Ausdrucksmittel, durch die der Maler seine Vorstellung auf die Leinwand +zu projizieren imstande ist. + +Irgend ein Corneliusschüler erzählte, daß er München in aller +Hergottsfrühe umkreiste, um sich in weihevolle Stimmung zu versetzen, +bevor er an die Arbeit ging, und ins Atelier gekommen, »floß der +Contour«. Aber Heinrich v. Kleist läßt in einer Betrachtung über +Berliner Kunstzustände im Jahr 1811 einen Vater seinem Sohne sagen: »du +schreibst mir, daß du eine Madonna malst, und daß du jedesmal, bevor du +zum Pinsel greifst, das Abendmahl nehmen möchtest. Laß dir von deinem +alten Vater sagen, daß dies eine falsche Begeisterung ist, und daß es +mit einer gemeinen, aber übrigens rechtschaffenen Lust an dem Spiele, +deine Einbildungen auf die Leinewand zu bringen, völlig abgemacht ist.« + + + + +PHANTASIE UND TECHNIK + + »Ohne Hände gibt es keine Maler, + und ohne brauchbare, keine gute.« + + RUMOHR. + + +Kaiser Wilhelm ließ als junger Prinz von irgendeinem Hofmaler sein +Bildnis malen und als er es besah, fragte er den Professor: Habe ich +denn so große Augen? und auf die Antwort des Malers, daß er die Augen +von Königl. Hoheit so groß sähe, erwiderte der Prinz: Dann begreife ich +nicht, daß Sie Maler geworden sind. + +Die Phantasie ist immer Voraussetzung, und ebensowenig zu beweisen, wie +daß 2 × 2 = 4 ist. Die ästhetische Betrachtung kann nur ergründen +wollen, wie sich die Form für das Werk unter der Hand des Künstlers +gestaltet, nicht aber den Prozeß, der in seinem Kopfe vorausgeht. Jeder +Künstler, ob er Maler, Musiker oder Dichter ist, muß von der Anschauung +ausgehen: Die Vision, die äußere wie die innere, ist das Primäre, und +aus der Wiedergabe der Vision geht erst der Gedanke hervor. Der +Schriftsteller aber will seinem Gedanken Ausdruck geben, der Gedanke ist +also das Primäre und die Form das Sekundäre. Natürlich ist ein Bild, das +der Maler aus der Natur konzipiert und nach der Natur malt, deshalb noch +nicht gut, aber ein Bild, das aus der Idee entstanden, kann nicht gut +sein. + +Denn in aller Kunst muß sich aus der Form erst der Gedanke entwickeln. +Die Form des Gedankens muß dem Dichter schon vorschweben, ehe der +Gedanke selbst erscheint (Lichtenberg), um wie viel mehr in der +bildenden Kunst und in der Musik, wo Form und Gedanke identisch sind. + +Als der Jenenser Student Goethen fragte, wie er zu seinem Stile gelangt +wäre, antwortete er: Ich habe die Dinge auf mich wirken lassen. Tizian +oder Tintoretto, Rembrandt und F. Hals, Velasquez und Manet hätten +dieselbe Antwort geben können auf die Frage, wie sie zu ihrer Malerei +gelangt wären. Daß der Künstler in irgendeinem xbeliebigen Modell den +Kaiser Augustus oder Napoleon sieht, ist das Werk seiner Phantasie und +ebenso unerforschlich wie das psychische Moment im menschlichen +Zeugungsprozeß; aber wie wir den physiologischen Prozeß zu ergründen +versuchen dürfen, so können wir nachforschen, wie der Künstler seine +Phantasie gleichsam materialisiert durch seine Technik und in ihr. +Technik heißt hier natürlich nicht das Handwerksmäßige, das jeder +Künstler selbstverständlich gelernt haben muß, sondern Technik bedeutet +hier das Ausdrucksmittel der Phantasie. Die Technik projiziert die +künstlerische Phantasie auf die Bildfläche und diese Projektion ist die +Kunst. + +Die Griechen hatten für Kunst und Handwerk nur das eine Wort ~hê technê~: +Beide sind desselben Ursprungs. Wehe der Kunst, die ihres Ursprungs +vergißt! Die von der Malerei verlangt, was nur Poesie oder Musik zu +leisten vermögen. Wie der Dichter für das Wort, der Musiker für den Ton, +so muß der Maler für sein Ausdrucksmittel erfinden. Man vergleiche eine +Silberstiftzeichnung Rembrandts mit einer seiner in Sepia lavierten +Zeichnungen: wie er jedem Material durch diese adäquate Behandlung +gerade die höchste Wirkung entlockt. Der Meister verlangt nicht vom +Stifte, was nur der Pinsel hergibt oder umgekehrt. + +Aber wie sich aus dem Affen nie der Mensch entwickeln kann, obgleich +beide derselben Abstammung sind, so kann nie aus dem vollendetsten +Handwerker der Künstler werden ohne den göttlichen Funken der Phantasie. +Das Genie ist notwendige Voraussetzung jedes Kunstwerkes; aber dieses +kann sich nur auf handwerklicher Basis gestalten. Künstler und +Handwerker prozedieren gleicherweise, einer wie der andere will nur sein +Handwerk bestmöglich ausüben. Ist aber der Handwerker nebenbei noch ein +Phidias oder ein Raffael, so wird aus seinem Handwerk -- ihm natürlich +unbewußt -- das ideale Kunstwerk. Ideal in dem Sinne, daß sich der +Künstler in seinem Werke vollendet. Ein objektives Ideal ist eine +contradictio in adjecto: Wären Phidias oder Raffael das Ideal an sich, +so könnten es Rembrandt und Velasquez nicht auch sein. + +Jedes Kunstwerk ist ideal und real zugleich, insofern der Künstler vom +sinnlichen Natureindruck ausgeht, also ist die Bezeichnung von +idealistischer oder realistischer Kunst ein Pleonasmus: mit ihrer +Qualität hat weder die eine noch die andere etwas zu tun. Sie können +höchstens das Stoffliche bezeichnen, wie man etwa das bürgerliche +Schauspiel vom historischen unterscheidet. Aber auch der rückständigste +Professor wird nicht »Maria Stuart« oder die »Jungfrau von Orleans«, +weil sie historische Dramen sind, dem bloß bürgerlichen Schauspiel +»Kabale und Liebe« vorziehen wollen. + +Mein verstorbener Freund Jettel pflegte jedem, der ihn besuchte -- und +welcher deutsche Maler, der im letzten Viertel des verflossenen +Jahrhunderts nach Paris kam, hat ihn nicht besucht! -- die Geschichte +von dem Wiener Akademiedirektor zu erzählen, wie der Meisterschüler den +Karton zu seinem ersten Bilde »Luther schlägt die Thesen an die +Schloßkirche zu Wittenberg« zeichnet. Nach monatelangem Korrigieren und +Ändern ist endlich der Karton fertig, und die Komposition wird auf die +Leinwand gepaust: Luther schwingt den Hammer, während die Menge ihm +begeistert zujauchzt. Als der Direktor zur Korrektur kommt, lobt er die +Komposition, aber er meint, daß es der Erhabenheit des weltgeschichtlichen +Moments nicht angemessen sei, daß Luther eigenhändig den +Hammer schwinge. Das müsse einer seiner Jünger tun. Dem braven +Schüler leuchtet es ein, und die Komposition wird demgemäß verändert: +Während Luther die Menge haranguiert, schwingt der Nächststehende den +Hammer; als der Meister wieder kommt, billigt er die Änderung, aber er +meint, daß nicht der Luther Nächststehende, sondern dessen Nachbar die +Thesen anschlagen müsse, um nicht die Aufmerksamkeit des Beschauers von +der Gestalt Luthers, der doch die Hauptperson im Bilde sei, abzulenken. +So gehts durch ein viertel oder ein halbes Jahr weiter, bei jedem +Besuche im Atelier des Schülers meint der Direktor, daß der Nächste den +Hammer schwingen müsse, bis alle der Reihe nach den Hammer geschwungen +haben und der Direktor zu dem Schlusse kommt, daß in der furchtbaren +Erregung des weltgeschichtlichen Moments Luther den Hammer selbst in die +Hand nehmen und die Thesen eigenhändig anschlagen würde. + +Alles in der Kunst ist Qualität, und die Qualität des Kunstwerkes hängt +von dem Quantum von Phantasie, die es erzeugte, ab, denn nur die von der +Phantasie erzeugte Form ist lebendig. Aber die Phantasie erfindet nicht +die Form -- denn die ist von Anbeginn der Kunst vorhanden, wie in der +Poesie das Wort und in der Musik der Ton, sondern den Ausdruck für die +Form, das heißt die Technik. Nicht die Form ist das Originelle, sondern +die künstlerische Originalität beruht darin, wie die Phantasie zur Form +geworden ist. Jeder Künstler, auch der größte, übernimmt die +traditionellen Formen seiner Zeit und seiner Umgebung. Die frühen +Raffaels oder Rembrandts gleichen den Bildern ihrer Meister (so sehr, +daß man sie für die ihrer Meister angesprochen hat). Sie suchen nicht +etwa neue Ausdrucksformen, das heißt eine neue Technik, sondern ihre +neue Technik ergibt sich aus ihrer künstlerischen Individualität. +Hieraus ergibt sich der neue Stil eines jeden Meisters. + +In der Musik heißt Virtuose, wer die fremde Komposition vorzutragen +imstande ist. Mit demselben Rechte könnte man die Maler, die keine +originelle Ausdrucksweise besitzen, Virtuosen nennen, nur kann man +leider nicht so leicht wie in der Musik den Komponisten vom Virtuosen in +der bildenden Kunst trennen, wo die Erfindung die Ausführung ist. Die +Fagerolles, die nur reproduzierende Künstler sind, gelten oft sogar mehr +als die Claude, die sie kopieren. + +Aber Meister ist nur, der seine eigenen Gedanken in eigener Sprache +auszudrücken imstande ist. Daher haben die geborenen großen Maler, je +älter sie wurden, desto schöner gemalt. Nicht etwa, daß ihre Hand mit +den Jahren geschickter wurde, im Gegenteil: sie werfen die +Geschicklichkeit des Handgelenks, die den Jüngling freut und über die +mangelnde Originalität hinwegtäuscht, mit Verachtung von sich und zwar +so, daß noch ein Karl Justi in seinem Pamphlet gegen die Moderne die +Alterswerke eines Rembrandt oder F. Hals senil nennen konnte. Der +Meister ist der Überwinder der Technik. Man vergleiche auf Rembrandts +Anatomie im Haag den Leichnam mit dem Stück auf der leider angebrannten +Anatomie des Dr. Deisman in Amsterdam, wie die Technik sich vereinfacht +hat, wie jedes Detail unterdrückt wird. Wir sehen nur noch das +Wesentliche, den Typus des Kadavers und -- schaudern, wie wenn wir +plötzlich vor einer Leiche stehen. Wohl sehen wir im Haag einen der +schönsten Rembrandts, aber der 26jährige macht noch Malerei, die +freilich wunderbar herrlich ist. Aber 25 Jahre später malt Rembrandt +nicht mehr ein Bild, sondern seine Seele auf die Leinwand. Genau +dasselbe bei F. Hals: in Haarlem kann man vor den Doelenstücken seine +Entwicklung während eines halben Jahrhunderts von Stufe zu Stufe +verfolgen, vom Rubensschüler, der die Technik seines Meisters sklavisch +kopiert, bis zum 80jährigen Meister, der in den zwei Bildern der +Vorsteher und der Vorsteherinnen eines Waisenhauses das höchste und +schönste leistet, was die Malerei hervorgebracht hat. In diesen +»senilen« Werken ist allerdings nichts mehr von Technik zu merken, denn +jeder Pinselstrich und jeder Farbfleck ist Leben geworden. Wie der Kopf +des greisen Mommsen ganz durchgeistigt schien, nur noch Seele, so ist in +den beiden Altersschöpfungen von Hals nichts Materielles mehr: der Geist +hat die Technik vernichtet. + +Dasselbe Phänomen bei Tizian. Zwischen der Dornenkrönung in Paris und +der in München liegen rund 30 Jahre: die Komposition ist absolut +dieselbe geblieben, aber aus der Malerei ist Leben geworden. Nur die +Phantasie kann dieses Wunder bewirkt haben: sie hat die Technik +vergeistigt. Oder mit anderen Worten: aus dem Maler, der die Natur +nachahmt, wird der Künstler, der ein Neues schafft, das heißt: der +Künstler, der eine neue Technik schafft. + +Jede neue Kunst ist also letzten Endes neue Technik. Man vergleiche das +Hohe Lied mit einem lyrischen Gedicht Goethes oder den ägyptischen +Dorfschulzen im Museum in Kairo mit einer Bronze Rodins: obgleich 5000 +Jahre dazwischen liegen, das Ringen des menschlichen Geistes nach +demselben Ausdruck. Nur mit verschiedenen Mitteln, d. h. mit veränderter +Technik. + +Sein Talent hat der Künstler vom lieben Gott: Was er aber daraus macht +mittelst seiner Technik, das ist _seine_ Kunst. Daher ist es nicht etwa +öde Fachsimpelei à la Tessman, sondern der gesundeste Instinkt, wenn der +Künstler sich Zeit seines Lebens nur mit der Technik beschäftigt. Für +ihn ist die Technik die Kunst. »Lieber Junge, die überraschenden +Wirkungen, welche viele nur dem Naturgenie zuschreiben, erzielt man oft +ganz leicht durch richtige Anwendung und Auflösung der Septimenakkorde.« +Was für Beethoven Technik ist, erscheint uns als Ausfluss seines Genies +und zwar ganz folgerichtig, denn die Technik ist ja Ausfluss des Genies +oder sollte es wenigstens sein. Bei Rodin spiegelt sich die ganze Welt +in der Oberfläche des Kunstwerkes. + +Die Technik fängt erst an, künstlerisch zu werden, wo sie persönlich +wird, daher kann man nur das Handwerksmäßige, das Kunstgewerbliche an +ihr lehren und lernen. Daher gibt es keine Technik ~kat' exochên~. +Raffael malt wie Perugino, F. Hals wie Rubens und Rembrandt wie sein +Lehrer Lastmann, solange sie Schüler waren. Als aber Raffael er +geworden, malt er raffaelisch wie Hals halsisch und wie Rembrandt +rembrandtisch malten, sobald sie Hals und Rembrandt geworden. Es ist +durchaus zu verstehn, daß die jungen Leute heutzutage Cézanne oder van +Gogh nachahmen: ihr Fehler beruht nur darin, daß sie die Hieroglyphe +ihres Vorbildes kopieren, ohne zu wissen, was sie bedeutet, wie die +Mönche im Mittelalter die griechischen und lateinischen Texte +abschrieben, ohne sie zu verstehen. -- + +Der bekannte Gehirnanatom Edinger berichtet den merkwürdigen Fall, daß +ein Schreiner nach einer Verletzung der Gehirnrinde wieder völlig +genesen war, nur die Funktion des Hobelns war ihm durch seine Erkrankung +abhanden gekommen: Hand und Herz gehören nun mal in der Malerei zusammen +und die Vorstellung vom Raffael ohne Hände ist nicht nur wider die +Natur, sondern wider die Kunst. Denn im Künstler löst erst die Form die +Idee aus. + + +Druck von W. Drugulin in Leipzig + + + + + [ Im folgenden werden alle geänderten Textzeilen angeführt, wobei + jeweils zuerst die Zeile wie im Original, danach die geänderte Zeile + steht. + + Phantasie verstehe: die den malerischen Mitteln am meisten ädaquate + Phantasie verstehe: die den malerischen Mitteln am meisten adäquate + + Auffassung der Natur. Jeder Kontur, jeder Pinselstrich ist Ausfluß einer + Auffassung der Natur. Jede Kontur, jeder Pinselstrich ist Ausfluß einer + + schwarz, für zu gapatzt und wohl auch für nicht vorteilhaft genug + schwarz, für zu gepatzt und wohl auch für nicht vorteilhaft genug + + brachte. Allerdings vom Handwerksstandgunkt aus ist der »Nachtwache« die + brachte. Allerdings vom Handwerksstandpunkt aus ist der »Nachtwache« die + + »Nachtwache« dem phantasievollsten Bilde der Welt, wurden. Daß dieses + »Nachtwache«, dem phantasievollsten Bilde der Welt, wurden. Daß dieses + + ] + + + + + +End of Project Gutenberg's Die Phantasie in der Malerei, by Max Liebermann + +*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DIE PHANTASIE IN DER MALEREI *** + +***** This file should be named 38158-8.txt or 38158-8.zip ***** +This and all associated files of various formats will be found in: + http://www.gutenberg.org/3/8/1/5/38158/ + +Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau and the Online +Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This +file was produced from images generously made available +by The Internet Archive/Canadian Libraries) + + +Updated editions will replace the previous one--the old editions +will be renamed. + +Creating the works from public domain print editions means that no +one owns a United States copyright in these works, so the Foundation +(and you!) can copy and distribute it in the United States without +permission and without paying copyright royalties. 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It exists +because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from +people in all walks of life. + +Volunteers and financial support to provide volunteers with the +assistance they need, are critical to reaching Project Gutenberg-tm's +goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will +remain freely available for generations to come. In 2001, the Project +Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure +and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations. +To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation +and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4 +and the Foundation web page at http://www.pglaf.org. + + +Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive +Foundation + +The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit +501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the +state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal +Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification +number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at +http://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg +Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent +permitted by U.S. federal laws and your state's laws. + +The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S. +Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered +throughout numerous locations. Its business office is located at +809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email +business@pglaf.org. 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