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+The Project Gutenberg EBook of Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
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+
+Title: Der zunehmende Mond
+
+Author: Rabindranath Tagore
+
+Translator: Hans Effenberger
+
+Release Date: November 24, 2011 [EBook #38125]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+
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+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
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+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original kursiv gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+RABINDRANATH TAGORE
+
+DER ZUNEHMENDE MOND
+
+KURT WOLFF VERLAG
+
+
+Copyright 1915
+
+Kurt Wolff Verlag, Leipzig
+
+
+Berechtigte deutsche Übertragung von HANS EFFENBERGER nach der von
+Rabindranath Tagore selbst veranstalteten englischen Ausgabe
+
+
+
+
+DIE HÜTTE
+
+
+Ich ging allein den Weg über das Feld, während der Sonnenuntergang sein
+letztes Gold wie ein Geizhals verbarg.
+
+Des Tages Licht sank tiefer und tiefer in die Dunkelheit, und das
+verwitwete Land, der Ernte brach, lag schweigend.
+
+Plötzlich stieg eines Knaben schrille Stimme in den Himmel. Er
+durchdrang ungesehn das Dunkel und ließ die Spur seines Liedes über der
+Stille des Abends.
+
+Seine Hütte lag im Dorf am Ende des öden Landes, hinter dem
+Zuckerrohrfeld, verborgen in den Schatten der Bananen und der schlanken
+Arêka-Palme, der Kokosnuß und der dunkelgrünen Brotfruchtbäume.
+
+Ich hielt einen Augenblick inne auf meinem einsamen Gang im Licht der
+Sterne und sah ausgebreitet vor mir die dunkelnde Erde, in ihren Armen
+zahllose Hütten mit Wiegen und Betten, Mutterherzen und Abendlampen und
+jungen Leben, froh von einer Freude, die nicht weiß, was sie der Welt
+bedeutet.
+
+
+
+
+AM MEERUFER
+
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder.
+
+Der grenzenlose Himmel zu Häupten ist ohne Bewegung, und das ruhlose
+Wasser ist ungestüm.
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder mit Jubeln und Tanzen.
+
+ * * * * *
+
+Sie bauen ihre Häuser aus Sand, und sie spielen mit leeren Muscheln. Aus
+welken Blättern flechten sie ihre Boote und lassen sie lächelnd über der
+ungeheuren Tiefe treiben. Kinder haben ihr Spiel am Meerufer der Welten.
+
+ * * * * *
+
+Sie können nicht schwimmen, sie können nicht Netze werfen. Perlenfischer
+tauchen nach Perlen, Kaufleute segeln in ihren Schiffen, während Kinder
+Kiesel sammeln und sie wieder verstreun. Sie suchen nicht nach
+verborgenen Schätzen, sie können nicht Netze werfen.
+
+ * * * * *
+
+Das Meer schäumt auf in Gelächter, und fahl glänzt das Lächeln des
+Gestades. Todbringende Wellen singen verständnislose Balladen den
+Kindern, wie eine Mutter beim Einwiegen. Das Meer spielt mit Kindern,
+und fahl glänzt das Lächeln des Gestades.
+
+ * * * * *
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder. Sturm streicht am
+pfadlosen Himmel, Schiffe kentern in dem spurlosen Wasser, der Tod ist
+unterwegs, und Kinder spielen. Am Meerufer endloser Welten ist das große
+Begegnen der Kinder.
+
+
+
+
+DER URSPRUNG
+
+
+Der Schlaf, der über des Kindleins Augen huscht -- weiß jemand, woher
+der kommt? Ja, es geht ein Gerücht, daß er in dem Märchendorfe wohnt.
+Unter Waldesschatten, von Glühwürmern trüb erhellt, hängen zwei
+Zauberknospen. Von dort kommt er, des Kindleins Augen zu küssen.
+
+Das Lächeln, das auf des Kindleins Lippen flackert, wenn es schläft --
+weiß jemand, wo das geboren ward? Ja, es geht ein Gerücht, daß ein
+junger, blasser Strahl des zunehmenden Mondes den Saum einer
+schwindenden Herbstwolke berührte, und da wurde das Lächeln zuerst
+geboren in dem Traum eines taureinen Morgens -- das Lächeln, das auf des
+Kindleins Lippen spielt, wenn es schläft.
+
+Die süße, sanfte Frische, die auf des Kindleins Gliedern blüht -- weiß
+jemand, wo die so lange verborgen war? Ja, sie lag, als Mutter noch ein
+junges Mädchen war, ihr Herz durchdringend, im zarten und schweigenden
+Geheimnis der Liebe -- die süße, sanfte Frische, die auf des Kindleins
+Gliedern aufgeblüht ist.
+
+
+
+
+DES KINDCHENS WESEN
+
+
+Wenn Kindchen nur wollte, könnte es in diesem Augenblick zum Himmel
+auffliegen.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es uns verläßt.
+
+Es liebt es, seinen Kopf auszuruhn an Mutters Brust und kann es niemals
+ertragen, wenn seine Augen sie nicht sehn.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen kennt allerhand weise Worte, wenn auch Wenige auf Erden ihren
+Sinn verstehen können.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es niemals zu sprechen verlangt.
+
+Das einzige, das es verlangt, ist Mutters Worte von Mutters Lippen zu
+lernen. Darum schaut es so unschuldig drein.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen hatte einen Haufen Gold und Perlen und doch kam es wie ein
+Bettler in diese Welt.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es in solcher Verkleidung kam.
+
+Dieser liebe, kleine, nackte Bettler gibt vor, ganz hilflos zu sein,
+damit er um Mutters reiche Liebe betteln kann.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen war so frei von jeder Fessel im Lande des kleinen, zunehmenden
+Monds.
+
+Es war nicht umsonst, daß es seine Freiheit aufgab.
+
+Es weiß, daß Raum ist für endlose Freude in dem kleinen Winkel von
+Mutters Herzen und daß es viel süßer ist als Freiheit, in ihren lieben
+Armen gefangen und geherzt zu werden.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen wußte nichts vom Schreien. Es wohnte im Lande der vollkommenen
+Seligkeit.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es das Weinen erwählt hat.
+
+Wenn es auch mit dem Lächeln seines lieben Gesichtes Mutters sehnendes
+Herz zu sich zieht, so schlingen doch seine kleinen Schreie über winzige
+Kümmernisse das doppelte Band von Mitleid und Liebe.
+
+
+
+
+DAS UNBEACHTETE SCHAUSPIEL
+
+
+Ach, wer war's, der diesen kleinen Kittel bunt färbte, mein Kind, und
+Deine süßen Glieder mit diesem kleinen, roten Rock bedeckte?
+
+Du bist herausgekommen im Morgen, auf dem Hof zu spielen, torkelnd und
+taumelnd, wenn Du läufst.
+
+Aber wer war's, der diesen kleinen Kittel bunt färbte, mein Kind?
+
+ * * * * *
+
+Was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?
+
+Mutter steht auf der Schwelle und lächelt Dich an.
+
+Sie klatscht in ihre Hände, und ihre Spangen klirren, und Du tanzest mit
+Deinem Bambusstock in der Hand wie ein kleinwinziger Hirte.
+
+Aber was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?
+
+ * * * * *
+
+O Bettler, was bettelst Du, Mutters Nacken mit Deinen beiden Händen
+umschlingend?
+
+O gieriges Herz, soll ich die Welt pflücken wie eine Frucht vom Himmel,
+um sie in Deine kleine, rosige Hand zu legen?
+
+O Bettler, um was bettelst Du denn?
+
+ * * * * *
+
+Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner Fußschellen davon.
+
+Die Sonne lächelt und bewundert Dein Kleid.
+
+Der Himmel wacht über Dir, wenn Du schläfst in Mutters Armen, und der
+Morgen kommt auf Zehenspitzen an Dein Bett und küßt Deine Augen.
+
+Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner Fußschellen davon.
+
+ * * * * *
+
+Die Feenkönigin der Träume kommt zu Dir durch den Dämmerhimmel geflogen.
+
+Die Weltenmutter sitzt bei Dir in Deiner Mutter Herzen.
+
+Er, der seine Musik den Sternen spielt, steht an Deinem Fenster mit
+seiner Flöte.
+
+Und die Feenkönigin der Träume kommt zu Dir durch den Dämmerhimmel
+geflogen.
+
+
+
+
+SCHLAFDIEBIN
+
+
+Wer den Schlaf von Kindchens Augen stahl, muß ich wissen.
+
+Den Krug auf der Hüfte, ging Mutter Wasser holen aus dem nahen Dorf.
+
+Es war Mittag. Der Kinder Spielzeit war vorüber. Im Teich die Enten
+schwiegen.
+
+Der Hirtenknab' lag eingeschlafen unter dem Schatten des Feigenbaums.
+
+Der Kranich stand ernst und still in dem Sumpf am Mangohain.
+
+Mittlerweile kam die Schlafdiebin, haschte den Schlaf von Kindchens
+Augen und flog davon.
+
+Als Mutter heimkehrte, fand sie Kindchen auf allen Vieren durchs Zimmer
+kriechen.
+
+ * * * * *
+
+Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, muß ich wissen. Ich muß sie finden
+und anketten. Ich muß dort in die schwarze Höhle schaun, wo durch Felsen
+und düstres Gestein ein kleiner Bach sickert.
+
+Ich muß suchen in dem Schlummerschatten des Bakulahains, wo Tauben in
+den Verstecken gurren und Elfenringe in der Stille der Sternennächte
+klirren. Des abends will ich in das flüsternde Schweigen des
+Bambuswaldes lugen, wo Leuchtkäfer ihr Licht verschwenden, und will
+jedes Wesen fragen, das ich treffe: »Kann einer mir sagen, wo die
+Schlafdiebin wohnt?«
+
+ * * * * *
+
+Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, muß ich wissen.
+
+Würd' ich ihr nicht ordentlich Bescheid sagen, wenn ich sie nur
+erwischen könnte! Ihr Nest würd' ich überfallen und sehn, wo sie all
+ihren gestohlenen Schlaf hütet. Ich würde es ganz plündern und ihn
+heimtragen.
+
+Ich würd' ihre zwei Flügel fest zusammenbinden, sie an das Ufer des
+Flusses setzen und sie dann die Fischerin spielen lassen zwischen den
+Binsen und Wasserlilien.
+
+Wenn abends das Markten vorüber ist, und die Dorfkinder ihren Müttern im
+Schoß sitzen, werden die Nachtvögel ihr spottend in die Ohren kreischen:
+
+»Wessen Schlaf stiehlst Du Dir jetzt?«
+
+
+
+
+DER ANFANG
+
+
+»Wo bin ich hergekommen, wo hast Du mich aufgelesen?« fragte das Kind
+seine Mutter.
+
+Sie antwortete halb weinend, halb lachend und drückte das Kind an ihre
+Brust:
+
+»Du warst verborgen in meinem Herzen als seine Sehnsucht, Liebling.
+
+Du warst in den Puppen meiner Kinderspiele; und wenn ich aus Lehm das
+Bildnis meines Gottes formte jeden Morgen, dann formte und vernichtete
+ich Dich.
+
+Du warst mit eingeschlossen in der Gottheit unsres Hauses; sie
+verehrend, verehrte ich Dich.
+
+In all meinem Hoffen und Lieben, in meinem Leben, in dem Leben meiner
+Mutter hast Du gelebt.
+
+Im Schoß des unsterblichen Geistes, der über unserm Hause waltet, bist
+Du genährt worden durch Menschenalter.
+
+In meiner Mädchenzeit, da mein Herz seine Blumenblätter aufschloß,
+schwebtest Du als ihr Duft darüber.
+
+Deine zarte Sanftheit blühte in meinen jugendlichen Gliedern wie ein
+Wolkenglühn vor Sonnenaufgang.
+
+Himmelserwählter Liebling, Zwilling des Morgenlichts, Du bist den Strom
+des irdischen Lebens heruntergeschwommen und zuletzt bist Du an meinem
+Herzen gestrandet.
+
+Ich schaue in Dein Gesicht, und Unfaßbares überkommt mich: Du, der allen
+gehört, bist mein geworden.
+
+Vor Angst, Dich zu verlieren, halt' ich Dich eng an meine Brust. Welcher
+Zauber hat den Schatz der Welt in diese meine schlanken Arme
+verstrickt!«
+
+
+
+
+KINDCHENS WELT
+
+
+Ich wünsche, ich könnte eine stille Ecke haben im Herzen von Kindchens
+ureigenster Welt.
+
+Ich weiß, sie hat Sterne, die zu ihm reden, und einen Himmel, der
+niedersteigt zu seinem Gesicht, um ihn mit seinen närrischen Wolken und
+Regenbogen zu vergnügen.
+
+Solche, die tun, als wären sie stumm und dreinschaun, als könnten sie
+sich niemals bewegen, kommen zu seinem Fenster gekrochen mit ihren
+Geschichten und mit Kästen voll herrlichem Spielzeug.
+
+ * * * * *
+
+Ich wünsche, ich könnte die Straße wandern, die durch Kindchens Gedanken
+führt, und weiter, hinaus über alle Schranken;
+
+Wo Sendboten unterwegs sind ohne Grund zwischen den Königreichen der
+Könige, die keine Geschichte kennt;
+
+Wo die Vernunft Drachen macht aus ihren Gesetzen und sie fliegen läßt,
+und die Wahrheit die Tat befreit von ihren Fesseln.
+
+
+
+
+WANN UND WARUM
+
+
+Wenn ich Dir buntes Spielzeug bringe, mein Kind, begreife ich, warum ein
+solches Spiel von Farben in den Wolken und auf dem Wasser ist, und warum
+die Blumen in Farben gemalt sind -- wenn ich Dir buntes Spielzeug
+schenke, mein Kind.
+
+Wenn ich singe, damit Du tanzest, weiß ich fürwahr, warum Musik in den
+Blättern ist, und warum Wellen ihrer Stimmen Chor zu dem Herzen der
+lauschenden Erde senden -- wenn ich singe, damit Du tanzest.
+
+Wenn ich Süßigkeiten bringe für Deine gierigen Händchen, weiß ich, warum
+Honig in dem Kelch der Blume ist, und warum Früchte heimlich mit süßem
+Saft gefüllt sind -- wenn ich Süßigkeiten bringe für Deine gierigen
+Händchen.
+
+Wenn ich Dein Gesicht küsse, damit Du lächelst, mein Liebling, begreife
+ich gewiß, welche Wonne vom Himmel träuft im Morgenlicht, und welch
+Entzücken die Sommerbrise meinem Körper bringt -- wenn ich Dich küsse,
+damit Du lächelst.
+
+
+
+
+VERLEUMDUNG
+
+
+Warum sind diese Tränen in Deinen Augen, mein Kind?
+
+Wie grausam von ihnen, Dich immer zu schelten, ohne Grund!
+
+Du hast Dir Finger und Wangen mit Tinte beschmiert beim Schreiben --
+heißen sie Dich darum schmutzig?
+
+O, pfui! Würden sie es wagen, den Vollmond schmutzig zu heißen, weil er
+sein Gesicht mit Tinte besudelt hat?
+
+ * * * * *
+
+Wegen jeder Kleinigkeit tadeln sie Dich, mein Kind. Sie sind bereit,
+Fehler zu finden, ohne Grund.
+
+Du zerreißest Deine Kleider beim Spielen -- heißen sie Dich darum
+unordentlich?
+
+O, pfui! Was würden sie einen Herbstmorgen heißen, der durch seine
+zerfetzten Wolken lächelt?
+
+ * * * * *
+
+Achte nicht darauf, was sie zu Dir sagen, mein Kind.
+
+Sie machen eine lange Liste Deiner Missetaten.
+
+Jeder weiß, wie Du Süßigkeiten liebst -- heißen sie Dich darum
+naschhaft?
+
+O, pfui! Was würden sie dann uns heißen, die Dich lieben?
+
+
+
+
+DER RICHTER
+
+
+Sagt von ihm, was ihr wollt, ich kenne doch meines Kindes Fehler.
+
+Ich lieb' ihn nicht, weil er gut ist, sondern weil er mein kleines Kind
+ist.
+
+Woher wollt ihr wissen, wie lieb er sein kann, wenn ihr versucht, seine
+Tugenden gegen seine Schwächen abzuwägen?
+
+Wenn ich ihn strafen muß, wird er um so mehr ein Teil meines Seins.
+
+Wenn ich Ursache bin, daß ihm die Tränen kommen, weint mein Herz mit
+ihm.
+
+Ich allein habe ein Recht, zu tadeln und zu strafen, denn der nur darf
+züchtigen, der liebt.
+
+
+
+
+SPIELZEUG
+
+
+Kind, wie glücklich sitzest Du im Staub und spielst mit einem
+zerbrochnen Zweig den ganzen Morgen.
+
+Ich lächle über Dein Spiel mit diesem kleinwinzigen, zerbrochnen
+Zweiglein.
+
+Ich bin eifrig bei meinen Rechnungen, stundenlang Zahlen
+zusammenzählend.
+
+Vielleicht schaust Du auf mich und denkst: »Was für ein dummes Spiel,
+=damit= Deinen Morgen zu verderben?«
+
+Kind, ich habe die Kunst vergessen, in Stöcke und Sandhügel vertieft zu
+sein.
+
+Ich suche nach teurem Spielzeug und sammle Klumpen von Gold und Silber.
+
+Was immer Du findest, Du schaffst Dir damit Deine frohen Spiele; ich
+verschwende meine Zeit und Kraft an Dinge, die ich niemals erreiche.
+
+In meinem schwanken Boot kämpf' ich, der Sehnsucht Meer zu durchkreuzen
+und vergesse, daß auch ich ein Spiel spiele.
+
+
+
+
+DER ASTRONOM
+
+
+Ich sagte nur: »Wenn sich des abends der runde Vollmond in den Zweigen
+jenes Kadambaums verwirrte, könnte ihn da jemand fangen?«
+
+Aber Dâdâ(1) lachte mich an und sagte: »Bubi, Du bist das dümmste Kind,
+das ich je gekannt habe.
+
+Der Mond ist, ach so weit von uns, wie könnte ihn denn einer da fangen?«
+
+ (1) Der ältere Bruder.
+
+Ich sagte: »Dâdâ, wie närrisch Du bist! Wenn Mutter hinausschaut aus
+ihrem Fenster und herunter lächelt auf uns beim Spielen, würdest Du
+sagen, sie wäre weit weg?«
+
+Doch Dâdâ sagte: »Du bist ein einfältiges Kind! Bubi, wo würdest Du denn
+ein Netz hernehmen, groß genug, um den Mond damit zu fangen?«
+
+Ich sagte: »Sicherlich könntest Du ihn mit Deinen Händen fangen.«
+
+Aber Dâdâ lächelte und sagte: »Du bist das dümmste Kind, das ich kenne.
+Wenn er näher käme, würdest Du sehn wie groß der Mond ist.«
+
+Ich sagte: »Dâdâ, was für Unsinn sie in Deiner Schule lehren! Wenn
+Mutter ihr Gesicht herunterbeugt, um uns zu küssen, schaut ihr Gesicht
+sehr groß aus?«
+
+Dâdâ sagt aber doch: »Du bist ein dummes Kind.«
+
+
+
+
+WOLKEN UND WELLEN
+
+
+Mutter, das Volk, das in den Wolken droben wohnt, ruft mir zu:
+
+»Wir spielen vom Aufwachen bis der Tag endet.
+
+Wir spielen mit der goldnen Morgenröte, wir spielen mit dem silbernen
+Mond.«
+
+Ich frage: »Aber wie kann ich zu Euch hinaufgelangen?«
+
+Sie antworten: »Komm' an den Rand der Erde, heb' Deine Hände zum Himmel
+und du wirst aufgenommen werden in die Wolken.«
+
+»Meine Mutter wartet auf mich zu Hause«, sag' ich. »Wie kann ich sie
+verlassen und kommen?«
+
+Dann lächeln sie und schwimmen vorüber.
+
+Aber ich weiß ein schöneres Spiel als das, Mutter.
+
+Ich werde die Wolke sein und Du der Mond.
+
+Ich werde Dich verdecken mit meinen beiden Händen und unser Giebel wird
+der blaue Himmel sein.
+
+ * * * * *
+
+Das Volk, das in den Wellen wohnt, ruft mir zu:
+
+»Wir singen von Morgen bis Abend; wir wandern und wandern und wissen
+nicht, wohin wir gleiten.«
+
+Ich frage: »Wie soll ich mich denn zu Euch gesellen?«
+
+Sie sagen mir: »Komm' an den Rand des Ufers und steh' mit fest
+geschlossenen Augen und Du wirst davongetragen werden auf den Wellen.«
+
+Ich sage: »Meine Mutter braucht mich immer daheim des abends -- wie kann
+ich sie verlassen und gehn?«
+
+Dann lächeln sie, tanzen und gleiten vorüber.
+
+Aber ich weiß ein besseres Spiel als das.
+
+Ich will die Welle sein, und Du wirst eine fremde Küste sein.
+
+Ich werde rollen fort und fort und fort und an Deinem Schoß zerschellen
+mit Gelächter.
+
+Und niemand in der Welt wird wissen, wo wir beide sind.
+
+
+
+
+DIE CHAMPABLÜTE
+
+
+Denk' Dir, ich würde eine Champablüte, nur zum Scherz, und wüchse auf
+einem Ast hoch oben in jenem Baume und schütterte im Wind vor Lachen und
+tanzte auf den neu entkeimten Blättern; würdest Du mich kennen, Mutter?
+
+ * * * * *
+
+Du würdest rufen: »Kindchen, wo bist Du?«, und ich würde lachen für mich
+und ganz stille sein.
+
+Ich würde heimlich meine Blüte öffnen und Dir bei der Arbeit zuschaun.
+
+ * * * * *
+
+Wenn Du nach dem Bad, das nasse Haar über Deine Schultern gebreitet,
+durch den Schatten des Champabaumes gingest zu dem kleinen Hof, in dem
+Du Deine Gebete sagst, würdest Du den Duft der Blume merken, aber nicht
+wissen, daß er von mir käme.
+
+Wenn Du nach dem Mittagsmahl am Fenster säßest, Râmâyana lesend, und des
+Baumes Schatten über Haar und Schoß Dir fiele, würd' ich Dir meinen
+kleinwinzigen Schatten auf die Seite Deines Buches werfen, grad dahin,
+wo Du liest.
+
+Aber würdest Du raten, daß es der zarte Schatten Deines kleinen Kindes
+war?
+
+Wenn Du des abends zu den Kühen gingest, mit der brennenden Lampe in der
+Hand, würde ich plötzlich wieder auf die Erde niederfallen und noch
+einmal Dein eignes Kind sein und Dich bitten, mir eine Geschichte zu
+erzählen.
+
+»Wo bist Du gewesen, Du schlimmes Kind?«
+
+»Ich mag's nicht erzählen, Mutter.« Das würden Du und ich dann sagen.
+
+
+
+
+MÄRCHENLAND
+
+
+Wenn die Leute wüßten, wo meines Königs Palast ist, er würde
+entschwinden.
+
+Die Mauern sind von weißem Silber und das Dach von leuchtendem Gold.
+
+Die Königin lebt in einem Palast mit sieben Höfen und sie trägt ein
+Juwel, das war wert allen Reichtum von sieben Königreichen.
+
+Aber laß' es mich, Mutter, Dir flüsternd sagen, wo meines Königs Palast
+ist.
+
+Er ist da in der Ecke unsrer Terrasse, dort wo der Topf mit der
+Tulsispflanze steht.
+
+Die Prinzessin liegt schlafend an der weit weiten Küste der sieben
+unwegsamen Meere.
+
+Es gibt keinen in der Welt, der sie finden kann, als ich.
+
+Sie hat Spangen an ihren Armen und Perlentropfen in ihren Ohren; ihr
+Haar wallt nieder bis zum Boden.
+
+Sie wird aufwachen, wenn ich sie mit meinem Zauberstab berühre, und
+Edelsteine werden von ihren Lippen fallen, wenn sie lächelt.
+
+Aber laß' mich Dir ins Ohr flüstern, Mutter; sie ist da in der Ecke
+unsrer Terrasse, dort wo der Topf mit der Tulsispflanze steht.
+
+Wenn es Zeit für Dich ist, zum Flusse baden zu gehn, steig' hinauf zu
+der Terrasse auf dem Dach.
+
+Ich sitz' in der Ecke, wo die Schatten der Mauern zusammentreffen.
+
+Nur Miez darf mit mir kommen, denn sie weiß, wo der Barbier aus dem
+Märchen wohnt.
+
+Aber laß' mich, Mutter, Dir ins Ohr flüstern, wo der Barbier aus dem
+Märchen wohnt.
+
+Es ist da in der Ecke der Terrasse, wo der Topf mit der Tulsispflanze
+steht.
+
+
+
+
+DAS LAND DER VERBANNUNG
+
+
+Mutter, das Licht ist grau geworden am Himmel; ich weiß nicht, wie spät
+es ist.
+
+Mich freut mein Spiel nicht, da bin ich zu Dir gekommen. Es ist
+Sonnabend, unser Feiertag.
+
+Laß' Deine Arbeit, Mutter; sitz' hier beim Fenster und erzähl' mir, wo
+die Wüste von Tepântar in dem Märchen ist.
+
+ * * * * *
+
+Der Regenschatten hat den ganzen langen Tag zugedeckt.
+
+Der wilde Blitz zerkratzt den Himmel mit seinen Nägeln.
+
+Wenn die Wolken rollen und es donnert, lieb' ich es, mich zu fürchten im
+Herzen und mich an Dich zu schmiegen.
+
+Wenn der schwere Regen stundenlang auf die Bambusblätter plätschert, und
+unsre Fenster schüttern und klirren unter den Windstößen, sitz' ich gern
+allein im Zimmer, Mutter, mit Dir und hör' Dich erzählen von der Wüste
+Tepântar in dem Märchen.
+
+ * * * * *
+
+Wo liegt sie, Mutter, an der Küste welchen Meeres, am Fuße welcher
+Hügel, in wessen Königs Königreich?
+
+Da gibt's keine Hecken, die Felder zu grenzen, keinen Fußpfad hindurch,
+auf dem die Dorfbewohner des abends ihr Dorf erreichen oder die Frau,
+die dürres Holz im Walde sammelt, ihre Bürde zu Markte bringen kann. Mit
+Flecken gelben Grases im Sand und einem einzigen Baum, in dem das weise,
+alte Vogelpaar sein Nest hat, liegt die Wüste von Tepântar.
+
+ * * * * *
+
+Ich kann mir vorstellen, wie gerade an einem so wolkigen Tage der junge
+Königssohn auf grauem Roß allein durch die Wüste reitet, auf der Suche
+nach der Prinzessin, die im Palast des Riesen über dem unbekannten
+Wasser gefangen liegt.
+
+Wenn der Regennebel herunterrieselt am fernen Himmel und der Blitz
+aufzuckt wie ein plötzlicher Schmerz, denkt er da seiner unglücklichen
+Mutter, wie sie, vom König verstoßen, den Kuhstall fegt und ihre Augen
+wischt, während er durch die Wüste Tepântar reitet, wie das Märchen
+erzählt?
+
+ * * * * *
+
+Sieh', Mutter, es ist beinahe dunkel, ehe noch der Tag vorüber ist, und
+es gehn keine Wandrer drüben auf der Dorfstraße.
+
+Der Hirtenknab' ist frühe heimgekommen von der Weide und die Menschen
+haben ihre Felder verlassen, um auf Matten zu sitzen unter der
+Dachtraufe ihrer Hütten, nach den dräuenden Wolken spähend.
+
+Mutter, ich habe alle meine Bücher in dem Spinde gelassen -- heiße mich
+nicht, jetzt meine Aufgaben machen.
+
+Wenn ich aufwachse und groß wie mein Vater bin, werde ich alles lernen,
+was gelernt werden muß. Aber nur heute gerade, erzähle mir, Mutter, wo
+die Wüste von Tepântar ist, von der das Märchen erzählt.
+
+
+
+
+DER REGENTAG
+
+
+Tückische Wolken ballen sich rasch über der schwarzen Franse des Waldes.
+
+O Kind, geh' nicht hinaus!
+
+Die Palmenreihe am See schlägt ihre Häupter wider den schrecklichen
+Himmel; die Krähen mit ihren schmutzigen Schwingen sitzen still auf den
+Tamarindenzweigen, und das östliche Ufer des Flusses geistert in einem
+verdunkelten Glühn.
+
+ * * * * *
+
+Unsre Kuh muht laut, an den Zaun gebunden.
+
+O Kind, wart' hier, bis ich sie in den Stall bringe.
+
+Menschen drängen hinaus auf das überschwemmte Feld, um die Fische zu
+fangen, die aus den überflutenden Teichen entkommen; das Regenwasser
+rinnt in Rillen durch die engen Gassen, wie ein lachender Junge, der
+seiner Mutter davongerannt ist, um sie zu necken.
+
+ * * * * *
+
+Horch', irgendwer ruft nach dem Bootsmann an der Furt.
+
+O Kind, des Tages Licht ist trüb' und die Arbeit an der Fähre ruht.
+
+Der Himmel scheint rasch zu reiten auf dem wildstürzenden Regen; das
+Wasser im Fluß ist laut und ungestüm; Frauen sind früh nach Haus geeilt
+vom Ganges mit ihren gefüllten Krügen.
+
+ * * * * *
+
+Die Abendlampen müssen fertiggemacht werden.
+
+O Kind, geh' nicht hinaus!
+
+Die Straße zum Markt ist einsam, die Gasse zum Fluß ist schlüpfrig. Der
+Wind stöhnt und wütet in den Bambuszweigen wie ein wildes Tier, in einem
+Netz verfangen.
+
+
+
+
+PAPIERSCHIFFCHEN
+
+
+Tag für Tag laß' ich meine Papierschiffchen, eins nach dem andern, den
+eilenden Strom hinunterschwimmen.
+
+In großen, schwarzen Buchstaben schreib' ich meinen Namen darauf und den
+Namen des Dorfes, wo ich lebe.
+
+Ich hoffe, daß irgendwer in einem fremden Land sie finden wird und
+wissen, wer ich bin.
+
+Ich belade meine kleinen Boote mit Shiuliblumen aus unserm Garten und
+hoffe, daß diese Blüten der Dämmerung heil ans Land getrieben werden zur
+Nacht.
+
+Ich lichte meine Papierschiffchen und schaue hinauf in den Himmel und
+sehe die kleinen Wolken ihre weißen, blähenden Segel setzen.
+
+Ich weiß nicht, wer von meinen Gespielen im Himmel sie hinunterschickt
+durch die Luft, damit sie wettlaufen mit meinen Booten!
+
+Wenn Nacht kommt, vergrabe ich mein Gesicht in meine Arme und träume,
+daß meine Papierschiffchen weiter und weiter treiben unter den
+Mitternachtssternen.
+
+Die Schlafelfen segeln darin, und die Ladung sind ihre Körbe voll
+Träume.
+
+
+
+
+DER SEEMANN
+
+
+Das Boot des Bootsmannes Madhu ist an der Werft von Rajgunj verankert.
+
+Es ist unnütz beladen mit indischem Flachs und liegt schon so lange
+zwecklos da.
+
+Wenn er mir nur sein Boot leihen wollte, ich würd' es mit hundert
+Rudrern bemannen und Segel hissen, fünf oder sechs oder sieben.
+
+Ich würd' es nicht nach dummen Märkten steuern.
+
+Ich würde über die sieben Meere segeln und die dreizehn Flüsse des
+Märchenlandes.
+
+ * * * * *
+
+Gelt Mutter, Du würdest nicht weinen, um mich in einer Ecke?
+
+Ich geh' nicht in den Wald wie Râmachandra, um erst nach vierzehn Jahren
+heimzukehren.
+
+Ich werde der Märchenprinz sein und mein Boot füllen, mit allem, was mir
+gefällt.
+
+Ich werde meinen Freund Ashu mit mir nehmen. Wir werden frohlustig über
+die sieben Meere segeln und die dreizehn Flüsse des Märchenlands.
+
+ * * * * *
+
+Wir werden die Segel setzen im frühen Morgenlicht.
+
+Wenn Du des mittags am Teiche badest, werden wir im Land eines fremden
+Königs sein.
+
+Wir werden die Furt von Tipurni passieren und hinter uns lassen die
+Wüste von Tepântar.
+
+Wenn wir heimkommen, wird es anfangen zu dunkeln, und ich werde Dir von
+allem erzählen, was wir gesehen haben.
+
+Ich werde die sieben Meere kreuzen und die dreizehn Flüsse des
+Märchenlandes.
+
+
+
+
+DAS ANDERE UFER
+
+
+Ich möchte hinübergehn an das Ufer des Flusses drüben,
+
+Wo jene Boote angeseilt sind an die Bambuspfähle in einer Reihe;
+
+Wo Männer in ihren Booten überfahren in der Frühe, mit Pflügen auf ihren
+Schultern, ihre Felder weit draußen zu ackern;
+
+Wo die Kuhhirten ihre blökenden Kälber über den Strom schwimmen lassen
+nach den Uferweiden;
+
+Von wo sie alle heimkommen am Abend und lassen auf der Insel, der von
+Unkraut überwucherten, die heulenden Schakale zurück.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.
+
+ * * * * *
+
+Sie sagen, es sind seltsame Sümpfe verborgen hinter jenem Ufer,
+
+Wo Schwärme wilder Enten hinkommen, wenn die Regen vorüber sind, und
+dickes Rohr wächst um die Ränder, da Wasservögel ihre Eier legen;
+
+Wo Schnepfen mit ihren tanzenden Schwänzen ihre kleinen Zehenmale in den
+reinen, weichen Schlamm drücken;
+
+Wo im Abend die hohen Gräser, mit weißen Blüten behelmt, den Mondstrahl
+einladen, auf ihren Wogen zu spielen.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.
+
+ * * * * *
+
+Ich werde hinüber- und herüberfahren von Ufer zu Ufer, und alle die
+Jungen und Mädchen im Dorf werden mich anstaunen, während sie baden.
+
+Wenn die Sonne des Himmels Mitte erklimmt und der Morgen in den Mittag
+vergeht, werde ich nach Hause gelaufen kommen und sagen: »Mutter, ich
+habe Hunger!«
+
+Wenn der Tag um ist und die Schatten unter den Bäumen kauern, werd' ich
+im Dämmern heimkommen.
+
+Ich werde nie weggehen von Dir, in die Stadt arbeiten, wie Vater.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.
+
+
+
+
+DIE BLUMENSCHULE
+
+
+Wenn Sturmwolken am Himmel rumoren und Junischauer herunterkommen,
+
+Kommt der feuchte Ostwind über die Heide marschiert, um seinen Dudelsack
+im Bambusgeröhr zu pfeifen.
+
+Dann kommen auf einmal Scharen von Blumen heraus -- weiß niemand woher
+-- und tanzen auf dem Gras in wilder Lust.
+
+ * * * * *
+
+Mutter, wirklich, ich denke, die Blumen gehn unter der Erde zur Schule.
+
+Sie machen ihre Aufgaben bei geschlossenen Türen, und wenn sie
+herauskommen wollen, zu spielen, eh' ihre Zeit ist, läßt sie der Lehrer
+in einer Ecke stehn.
+
+ * * * * *
+
+Wenn die Regen kommen, haben sie ihre Ferien.
+
+Zweige prasseln zusammen im Walde, und die Blätter rascheln im wilden
+Wind, die Donnerwolken klatschen ihre Riesenhände, und die Blumenkinder
+stürzen heraus in Kleidern rosig und gelb und weiß.
+
+ * * * * *
+
+Weißt Du, Mutter, ihre Heimat ist im Himmel, wo die Sterne sind.
+
+Hast Du nicht gemerkt, wie gierig sie sind, dahin zu gelangen? Weißt Du
+nicht, warum sie in solcher Eile sind?
+
+Freilich, ich kann's erraten, zu wem sie ihre Hände erheben: sie haben
+ihre Mutter, wie ich die meine hab'.
+
+
+
+
+DER KAUFMANN
+
+
+Stell' Dir vor, Mutter, daß Du zu Hause bleiben müßtest, und ich müßte
+in fremde Länder reisen.
+
+Stell' Dir vor, daß mein Boot bereitliegt an der Brücke, voll geladen.
+
+Nun denk' gut nach, Mutter, eh' Du sagst, was ich mitbringen soll für
+Dich, wenn ich zurückkomme.
+
+ * * * * *
+
+Mutter, willst Du Haufen und Haufen von Gold?
+
+Dort an den Ufern goldener Ströme sind Felder voll goldener Ernten.
+
+Und in den Schatten des Waldpfads tropfen die goldnen Champablüten auf
+den Weg.
+
+Ich will sie sammeln, alle für Dich, in vielen hundert Körben.
+
+Mutter, willst Du Perlen so groß wie Regentropfen im Herbst?
+
+Ich will hinüberfahren nach der Perleninsel.
+
+Dort zittern im frühen Morgenlicht Perlen auf den Wiesenblumen, Perlen
+tropfen ins Gras, und Perlen sind verspritzt im Sand vom Gischt der
+wilden Meereswogen.
+
+Mein Bruder soll ein Paar Rösser haben mit Flügeln, um mit den Wolken zu
+fliegen.
+
+Für Vater werd' ich eine Zauberfeder mitbringen, die, ohne daß er es
+weiß, von selber schreiben wird.
+
+Für dich, Mutter, muß ich das Kästlein und das Kleinod haben, das sieben
+Königen ihre Königreiche kostet.
+
+
+
+
+MITGEFÜHL
+
+
+Wenn ich nur ein kleines Hündchen wäre, nicht Dein Kindchen, Mutter
+lieb, würdest Du »Nein« zu mir sagen, wenn ich es wagte, von Deiner
+Schüssel zu essen?
+
+Würdest Du mich wegjagen, zu mir sagend: »Mach' Dich fort, Du garstiges,
+kleines Hündchen?«
+
+Dann geh', Mutter, geh'! Ich will nie mehr zu Dir kommen, wenn Du mich
+rufst, und mich nicht mehr von Dir füttern lassen.
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich nur ein kleiner, grüner Papagei wäre und nicht Dein Kindchen,
+Mutter lieb, würdest Du mich an der Kette halten, damit ich nicht
+wegfliegen kann?
+
+Würdest Du mir mit dem Finger drohen und sagen: »Was für ein undankbarer
+Racker von einem Vogel! Er knabbert an seiner Kette Tag und Nacht?«
+
+Dann geh', Mutter, geh'! Ich will fortlaufen in den Wald; ich will nicht
+mehr, daß Du mich wieder in Deine Arme nimmst.
+
+
+
+
+BERUF
+
+
+Wenn der Gong zehn schlägt des morgens und ich wandre unsre Gasse zur
+Schule,
+
+Treffe ich jeden Tag den Händler, schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«
+
+Es gibt nichts, das ihn zur Eile treibt, es gibt keinen Weg, den er
+nehmen, keinen Ort, nach dem er gehen, keine Zeit, zu der er heimkommen
+muß.
+
+Ich wünschte, ich wäre ein Händler und verbrächte meinen Tag auf der
+Straße, schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich um vier des nachmittags zurückkomme aus der Schule,
+
+Kann ich durch das Tor jenes Hauses den Gärtner die Erde graben sehn.
+
+Er tut, was er will mit seinem Spaten, beschmutzt seine Kleider mit
+Staub, keiner stellt ihn zur Rede, wenn er gebraten wird in der Sonne
+oder naß wird.
+
+Ich wünschte, ich wäre ein Gärtner, drauflosgrabend im Garten, und
+keiner hielte mich ab vom Graben.
+
+ * * * * *
+
+Just wenn es dunkel wird am Abend und meine Mutter mich zu Bett schickt,
+
+Kann ich durch das offne Fenster den Wächter sehn auf und abschreiten.
+
+Die Gasse ist dunkel und einsam, und die Straßenlampe steht wie ein
+Riese mit einem roten Auge im Kopf.
+
+Der Wächter schwingt seine Laterne und schreitet mit seinem Schatten zur
+Seite und geht nicht =ein=mal zu Bett in seinem Leben.
+
+Ich wünschte, ich wäre ein Wächter, die Straßen schreitend alle Nacht,
+und scheuchte die Schatten mit meiner Laterne.
+
+
+
+
+ÜBERLEGEN
+
+
+Mutter, Dein Töchterchen ist dumm! Sie ist so schrecklich kindisch!
+
+Sie weiß nicht den Unterschied zwischen den Lichtern auf der Straße und
+den Sternen.
+
+Wenn wir »Essen« mit Kieseln spielen, glaubt sie, sie sind wirkliche
+Speise und versucht, sie in ihren Mund zu stecken.
+
+Wenn ich ein Buch aufmache vor ihr und sie ihr ABC lernen heiße,
+zerreißt sie die Blätter mit ihren Händen und brüllt vor Freude über
+nichts. Das ist die Art, wie Dein Töchterchen ihre Aufgaben macht.
+
+Wenn ich den Kopf über sie schüttle in Ärger und sie schelte und sie
+schlimm nenne, lacht sie und hält es für einen Hauptspaß.
+
+Jeder weiß, daß Vater fort ist, aber wenn ich im Spiel laut »Vater«
+rufe, schaut sie herum in Aufregung und denkt, daß Vater nahe ist.
+
+Wenn ich Schule spiele mit den Eseln, die unser Wäschemann bringt, um
+Wäsche zu holen, und ich drohe ihr, daß ich der Lehrer bin, wird sie
+kreischen ohne Grund und mich Dâdâ nennen.
+
+Dein Töchterchen will den Mond fangen. Sie ist so drollig, sie nennt:
+Ganesh Ganush.
+
+Mutter, Dein Töchterchen ist dumm, sie ist so schrecklich kindisch!
+
+
+
+
+DER KLEINE GROSSE MANN
+
+
+Ich bin klein, weil ich ein kleines Kind bin. Ich werde groß sein, wenn
+ich so alt bin wie mein Vater ist.
+
+Mein Lehrer wird kommen und sagen: »Es ist spät; bring' Deine Tafel und
+Deine Bücher.«
+
+Ich werd' ihm antworten: »Weißt Du nicht, daß ich so groß bin wie Vater?
+Und ich muß keine Stunden mehr haben.«
+
+Mein Lehrer wird sich wundern und sagen: »Er kann seine Bücher lassen,
+wenn er will, er ist ja erwachsen.«
+
+ * * * * *
+
+Ich werde mich anziehn und zum Jahrmarkt spazieren, wo das Gewühl am
+dichtesten ist.
+
+Mein Onkel wird auf mich zugestürzt kommen und sagen: »Du wirst verloren
+gehn, mein Junge; laß' mich Dich tragen.«
+
+Ich werde antworten: »Kannst Du nicht sehen, Onkel, ich bin so groß wie
+Vater. Ich muß allein auf den Jahrmarkt gehn.«
+
+Onkel wird sagen: »Ja, er kann gehn, wohin er will; er ist erwachsen.«
+
+ * * * * *
+
+Mutter wird vom Bade kommen, wenn ich meiner Amme Geld gebe; denn ich
+weiß, wie sich die Büchse aufmachen läßt mit meinem Schlüssel.
+
+Mutter wird sagen: »Was hast Du vor, Du schlimmes Kind?«
+
+Ich werd' ihr erwidern: »Mutter, weißt Du nicht, ich bin so groß wie
+Vater und ich muß meiner Amme Silber geben.«
+
+Mutter wird zu sich sagen: »Er kann Geld geben, wem er will; er ist ja
+erwachsen.«
+
+ * * * * *
+
+In der Ferienzeit im Oktober wird Vater heimkommen und, weil er meint,
+daß ich noch ein kleines Kind bin, wird er für mich aus der Stadt kleine
+Schuhe und kleine seidene Röcklein mitbringen.
+
+Ich werde sagen: »Vater, gib sie meinem Dâdâ, denn ich bin so groß wie
+Du bist.«
+
+Vater wird denken und sagen: »Er kann seine eignen Kleider kaufen, wenn
+er will; er ist ja erwachsen.«
+
+
+
+
+ZWÖLF UHR
+
+
+Mutter, ich will jetzt aufhören mit meinen Aufgaben. Ich habe den ganzen
+Morgen über meinen Büchern gesessen.
+
+Du sagst, es ist erst zwölf Uhr. Angenommen, es ist nicht später: kannst
+Du Dir niemals denken, es ist Nachmittag, wenn es nur zwölf Uhr ist?
+
+Ich kann mir leicht vorstellen jetzt, daß die Sonne den Rand jenes
+Reisfeldes erreicht hat, und daß die alte Fischerfrau Kräuter sammelt
+für ihr Nachtmahl, drüben am Teich.
+
+Ich kann meine Augen fest zumachen und denken, daß die Schatten dunkler
+werden unter dem Madarbaum und das Wasser im Teich glänzend schwarz
+aussieht.
+
+Wenn zwölf Uhr in der Nacht kommen kann, warum kann die Nacht nicht
+kommen, wenn es zwölf Uhr ist?
+
+
+
+
+SCHRIFTSTELLEREI
+
+
+Du sagst, daß Vater eine Menge Bücher schreibt, aber was er schreibt,
+versteh' ich nicht.
+
+Er hat Dir den ganzen Abend vorgelesen, aber konntest Du wirklich
+herausbekommen, was er meinte?
+
+Welch schöne Märchen, Mutter, kannst =Du= uns erzählen! Warum kann Vater
+nicht solche schreiben?
+
+Hat er niemals von seiner eignen Mutter Märchen gehört von Riesen und
+Elfen und Prinzessinnen?
+
+Hat er sie alle vergessen?
+
+ * * * * *
+
+Oft, wenn er spät kommt zum Baden, mußt Du gehn und ihn hundertmal
+rufen.
+
+Du wartest und hältst sein Essen warm für ihn, und er schreibt weiter
+und vergißt.
+
+Vater spielt immer Büchermachen.
+
+Wenn ich je spielen gehe in Vaters Zimmer, kommst Du und rufst mich:
+»Was für ein schlimmes Kind!«
+
+Wenn ich den leisesten Lärm mache, sagst Du: »Siehst Du nicht, daß Vater
+arbeitet?«
+
+Was hat das für Sinn, schreiben und immer schreiben?
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich Vaters Feder oder Bleistift nehme und in sein Buch schreibe,
+gerade wie er -- a, b, c, d, e, f, g, h, i, --, warum wirst Du dann böse
+mit mir, Mutter?
+
+Du sagst nie ein Wort, wenn Vater schreibt.
+
+ * * * * *
+
+Wenn mein Vater solche Haufen Papier verschwendet, Mutter, scheint es
+Dich gar nicht zu stören.
+
+Wenn ich aber nur =einen= Bogen nehme, um mir ein Schiff draus zu
+machen, sagst Du: »Kind, wie Du einen quälst!«
+
+Was hältst Du von Vaters Bogen und Bogenverderben mit schwarzen Zeichen,
+über und über auf beiden Seiten?
+
+
+
+
+DER BÖSE POSTBOTE
+
+
+Warum sitzest Du hier auf dem Boden so still und schweigend, sag' mir,
+Mutter lieb?
+
+Der Regen kommt herein durch das offene Fenster, macht Dich ganz naß,
+und Du merkst es gar nicht.
+
+Hörst Du den Gong vier schlagen? Es ist Zeit für meinen Bruder, daß er
+heimkommt aus der Schule.
+
+Was ist Dir geschehn, daß Du so fremd ausschaust?
+
+Hast Du heut keinen Brief von Vater bekommen?
+
+Ich sah den Postboten Briefe bringen in seinem Sack, für jeden fast in
+der Stadt.
+
+Nur Vaters Briefe behält er, um sie selber zu lesen. Ich bin gewiß, der
+Postbote ist ein böser Mann.
+
+ * * * * *
+
+Aber sei nicht unglücklich darüber, Mutter lieb.
+
+Morgen ist Markttag im nächsten Dorf. Du sagst Deinem Mädchen, daß sie
+Federn und Papier kauft.
+
+Ich selbst will Vaters Briefe schreiben; Du wirst nicht einen einzigen
+Fehler finden.
+
+Ich werde vom A drauf los bis zum K schreiben.
+
+Doch, Mutter, was lächelst Du?
+
+Du glaubst nicht, daß ich so schön schreiben kann wie Vater?
+
+Aber ich werde mein Papier sorgfältig linieren und alle Buchstaben schön
+groß schreiben.
+
+Wenn ich mein Schreiben fertig habe, meinst Du, werd' ich so dumm sein
+und es hineinwerfen in des gräßlichen Postboten Sack?
+
+Ich werd' es Dir selber bringen, ganz rasch, und Dir Brief für Brief
+meine Schrift lesen helfen.
+
+Ich weiß, der Postbote gibt Dir nicht gern die wirklich netten Briefe.
+
+
+
+
+DER HELD
+
+
+Mutter, denk' Dir, wir reisen und kommen durch ein fremdes und
+gefährliches Land.
+
+Du reisest in einem Palankin, und ich trabe neben Dir auf einem roten
+Pferd.
+
+Es ist Abend, und die Sonne geht unter. Die Wüste von Joradighi liegt
+fahl und grau vor uns. Das Land ist öd und brach.
+
+Du bist erschreckt und denkst: »Ich weiß nicht, wohin wir geraten sind.«
+
+Ich sage zu Dir: »Mutter, hab' keine Angst.«
+
+ * * * * *
+
+Die Wiese prickelt vor spitzigem Gras, und drüber läuft ein schmaler,
+holpriger Pfad.
+
+Kein Vieh ist zu sehn auf dem weiten Feld; es ist in seine Ställe
+heimgekehrt.
+
+Es wird dunkel und düster auf Land und Himmel, und wir können's nicht
+sagen, wohin wir gehn.
+
+Plötzlich rufst Du und fragst mich flüsternd: »Was für ein Licht ist
+dort am Ufer?«
+
+ * * * * *
+
+Just da gellt ein furchtbarer Schrei, und Gestalten kommen laufend auf
+uns zu.
+
+Du sitzest zusammengekauert in Deinem Palankin und wiederholst betend
+die Namen der Götter.
+
+Die Träger, vor Schrecken zitternd verstecken sich im Dornenbusch.
+
+Ich schrei' Dir zu: »Hab' keine Angst, Mutter, ich bin da!«
+
+ * * * * *
+
+Mit langen Stöcken in den Händen und ganz wild flatterndem Haar um ihre
+Schädel kommen sie näher und näher.
+
+Ich schreie: »Seht Euch vor, Ihr Schurken! Einen Schritt weiter und Ihr
+seid des Todes!«
+
+Sie stoßen noch einmal ein schreckliches Geheul aus und stürzen
+vorwärts.
+
+Du packst meine Hand und sagst: »Lieber Junge, um Himmels willen, halt'
+Dich fern von ihnen!«
+
+Ich sage: »Mutter, gib Du nur Obacht auf mich.«
+
+ * * * * *
+
+Dann sporn' ich mein Roß zu wildem Galopp, und mein Schwert und Schild
+klirren aneinander.
+
+Der Kampf wird so gräßlich, Mutter, daß Dich ein kalter Schauer
+überliefe, wenn Du ihn sehen könntest von Deinem Palankin.
+
+Viele von ihnen fliehn, und eine große Zahl ist in Stücke gehaun.
+
+Ich weiß, Du denkst, ganz versunken in Dich, Dein Junge muß tot sein in
+dieser Stunde.
+
+Aber ich komme zu Dir, ganz mit Blut befleckt und sage: »Mutter, nun ist
+der Kampf vorüber.«
+
+Du kommst heraus und küssest mich, drückst mich an Dein Herz und sagst
+zu Dir selbst:
+
+»Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn ich nicht meinen Jungen zum
+Geleit hätte.«
+
+ * * * * *
+
+Tausend nutzlose Dinge geschehen Tag für Tag, warum könnte nicht so
+etwas zufällig wahr werden?
+
+Es würde wie eine Geschichte in einem Buch sein.
+
+Mein Bruder würde sagen: »Ist das möglich? Ich dachte immer, er wäre so
+zart!«
+
+Unsre Dorfleute würden alle in Verwunderung sagen: »War es nicht ein
+Glück, daß der Junge mit seiner Mutter war?«
+
+
+
+
+DAS ENDE
+
+
+Es ist Zeit für mich, zu gehen, Mutter. Ich gehe.
+
+Wenn Du im fahlen Dunkel der einsamen Dämmerung Deine Arme ausstreckst
+nach Deinem Kindchen im Bett, werde ich sagen: »Kindchen ist nicht da!«
+-- Mutter, ich gehe.
+
+Ich werde ein zarter Lufthauch werden und Dich liebkosen; und ich werde
+das Kräuseln auf dem Wasser sein, wenn Du badest, und Dich küssen und
+wieder küssen.
+
+In der Sturmnacht, wenn der Regen auf die Blätter prasselt, wirst du
+mein Flüstern hören in Deinem Bett, und mein Lachen wird mit dem Blitz
+durchs offne Fenster in Dein Zimmer leuchten.
+
+Wenn Du wach liegst, an Dein Kindchen denkend bis spät in die Nacht,
+werd' ich singen zu Dir von den Sternen: »Schlaf, Mutter, schlaf.«
+
+Auf den irrenden Mondstrahlen werd' ich mich über Dein Bett stehlen und
+auf Deiner Brust liegen, während Du schläfst.
+
+Ich werde ein Traum werden und durch die kleine Öffnung Deiner
+Augenlider werd' ich in die Tiefen Deines Schlafes schlüpfen; und wenn
+Du aufwachst und bestürzt herumschaust, werd' ich wie ein glitzernder
+Leuchtkäfer hinaus ins Dunkle schwirren.
+
+Wenn zum großen Puja-Feste die Nachbarskinder kommen und herumspielen im
+Haus, werd' ich in die Musik der Flöte schmelzen und in Deinem Herzen
+schlagen den ganzen Tag.
+
+Die liebe Muhme wird kommen mit Puja-Geschenken und wird fragen: »Wo ist
+unser Kindchen, Schwester?«
+
+Mutter, Du wirst ihr leise sagen: »Er ist in den Sternen meiner Augen,
+er ist in meinem Körper und in meiner Seele.«
+
+
+
+
+KOMM ZURÜCK!
+
+
+Die Nacht war schwarz als =sie= fortging, und sie schliefen.
+
+Die Nacht ist schwarz jetzt, und ich rufe nach =ihr=: »Komm zurück, mein
+Liebling; die Welt liegt im Schlaf; und niemand würde wissen, wenn Du
+kämst für eine Weile, während die Sterne den Sternen zublinken.«
+
+ * * * * *
+
+Sie ging weg, als die Bäume in Knospen standen und der Lenz jung war.
+
+Nun sind die Blumen in voller Blüte und ich rufe: »Komm zurück, mein
+Liebling. Die Kinder sammeln Blumen und verstreun sie in unbekümmertem
+Spiel. Und wenn Du kämest und nähmest =eine= kleine Blüte, es würde sie
+keiner vermissen.«
+
+Die damals spielten, spielen noch, so verschwenderisch ist Leben.
+
+Ich lauschte ihrem Plaudern und rufe: »Komm zurück, mein Liebling; denn
+Mutters Herz ist voll bis an den Rand mit Liebe, und wenn Du kämest, nur
+einen einzigen kleinen Kuß zu haschen von ihr, es würde Dir's niemand
+neiden.«
+
+
+
+
+DER ERSTE JASMIN
+
+
+Ah, dieser Jasmin, dieser weiße Jasmin!
+
+Mir ist wie am ersten Tag, da ich meine Hände füllte mit diesem Jasmin,
+diesem weißen Jasmin.
+
+Ich habe die Sonne geliebt, den Himmel und die grüne Erde.
+
+Ich habe das rieselnde Rauschen des Flusses gehört durch das Dunkel der
+Mitternacht;
+
+Herbstsonnenuntergänge sind zu mir gekommen an eines Weges Biegung in
+einsamer Öde wie eine Braut, den Schleier hebend zum Empfang des
+Geliebten.
+
+Und doch ist mein Erinnern noch süß von dem ersten weißen Jasmin, den
+ich in meiner Hand hielt, als ich ein Kind war.
+
+ * * * * *
+
+Manch' froher Tag ist in mein Leben gekommen, und ich habe gelacht mit
+Spaßmachern in festlichen Nächten.
+
+An grauen Regenmorgen hab' ich manch' müßig Lied gesummt.
+
+Ich habe um meinen Nacken getragen den Abendkranz aus Bakulas, von
+Händen der Liebe geflochten.
+
+Und doch ist mein Herz süß von dem Erinnern an den ersten frischen
+Jasmin, der meine Hände füllte, als ich ein Kind war.
+
+
+
+
+DER FEIGENBAUM
+
+
+O Du zottelköpfiger Feigenbaum am Ufer des Teichs, hast Du den kleinen
+Jungen vergessen wie die Vögel, die in Deinen Zweigen genistet haben und
+Dich verließen?
+
+Erinnerst Du Dich nicht, wie er am Fenster saß und sich wunderte über
+das Gewirr Deiner Wurzeln, die unter die Erde tauchten?
+
+Die Frauen kamen immer, ihre Krüge zu füllen am Teich, und Dein
+riesiger, schwarzer Schatten räkelte sich über das Wasser wie Schlaf,
+der sich anstrengt, aufzuwachen.
+
+Sonnenlicht tanzte auf den Wasserwirbeln wie ruhlose, winzige
+Weberschiffchen, die eine goldne Tapete wirken.
+
+Zwei Enten schwammen am verwilderten Rande über ihren Schatten und der
+Junge saß still und sann.
+
+Er wollte der Wind sein und durch Deine rauschenden Zweige blasen, Dein
+Schatten sein und mit dem Tage länger werden auf dem Wasser, ein Vogel
+sein und auf Deinem höchsten Wipfel sitzen, und wie jene Enten unter
+Unkraut und Schatten schwimmen.
+
+
+
+
+SEGNUNG
+
+
+Segne dies kleine Herz, diese weiße Seele, die des Himmels Kuß für
+unsere Erde gewonnen hat.
+
+Er liebt das Licht der Sonne, er liebt den Anblick von seiner Mutter
+Antlitz.
+
+Er hat mich gelehrt, den Staub verachten und nach Gold trachten.
+
+Schließ' ihn an Dein Herz und segne ihn.
+
+ * * * * *
+
+Er ist in dieses Land der hundert Kreuzwege gekommen.
+
+Ich weiß nicht, wieso er Dich wählte aus der Menge, an Dein Tor kam und
+Deine Hand faßte, um seinen Weg zu fragen.
+
+Er wird Dir folgen, lachend und plaudernd und ohne Zweifel im Herzen.
+
+Erfüll' sein Vertrauen, führe ihn zum Rechten und segne ihn.
+
+ * * * * *
+
+Leg' Deine Hand auf sein Haupt und bete: wenn auch die Wogen unten
+bedrohlich werden, so möge doch der Odem von oben kommen und seine Segel
+füllen und ihn in den Hafen des Friedens wehn.
+
+Vergiß' ihn nicht in Deinem Hasten, laß' ihn an Dein Herz kommen und
+segne ihn.
+
+
+
+
+DAS GESCHENK
+
+
+Ich möchte Dir was schenken, mein Kind, denn wir treiben auf dem Strom
+der Welt.
+
+Unsre Leben werden auseinandergehn und unsre Liebe wird vergessen
+werden.
+
+Aber ich bin nicht so töricht, zu hoffen, ich könnte Dein Herz mit
+meinen Geschenken kaufen.
+
+Jung ist Dein Leben, Dein Pfad lang, und Du trinkst die Liebe, die wir
+Dir bringen, auf einen Zug, kehrst Dich um und läufst weg von uns.
+
+Du hast Dein Spiel und Deine Gespielen. Was tut's, wenn Du nicht Zeit,
+nicht Sinn für uns hast.
+
+Fürwahr, wir haben Muße genug im Alter, die Tage zu zählen, die
+vergangen sind, in unseren Herzen zu hätscheln, was unsre Hände für
+immer verloren haben.
+
+Der Fluß läuft schnell mit einem Lied, alle Schranken durchbrechend.
+Aber der Berg steht und erinnert sich und folgt ihm mit seiner Liebe.
+
+
+
+
+MEIN LIED
+
+
+Dies Lied von mir will seine Musik winden um Dich, mein Kind, wie die
+zärtlichen Arme der Liebe.
+
+Dies Lied von mir will Deine Stirn berühren wie ein Segenskuß.
+
+Wenn Du allein bist, wird es an Deiner Seite sitzen und Dir ins Ohr
+flüstern; bist Du in der Menge, wird es Dich einfrieden mit
+Entrücktheit.
+
+Mein Lied wird ein Flügelpaar für Deine Träume sein, es wird Dein Herz
+an die Grenze des Unbekannten reißen.
+
+Es wird wie der getreue Stern zu Häupten sein, wenn finstre Nacht über
+Deiner Straße liegt.
+
+Mein Lied wird in den Sternen Deiner Augen sitzen und Deinen Blick in
+das Herz der Dinge führen.
+
+Und wenn meine Stimme still ist im Tod, wird mein Lied in Dein lebendes
+Herz sprechen.
+
+
+
+
+DER ENGEL
+
+
+Sie schreien und kämpfen, sie zweifeln und verzweifeln, sie wissen kein
+Ende ihren Zänken.
+
+Laß' Dein Leben unter sie kommen wie eine Flamme Licht, mein Kind, ohne
+Flackern und rein, und entzücke sie zum Schweigen.
+
+Sie sind grausam in ihrer Gier und ihrem Neid; ihre Worte sind wie
+verborgene Messer, dürstend nach Blut.
+
+Geh' und stelle Dich unter ihre schelen Herzen, mein Kind, und laß'
+Deine milden Augen auf sie fallen wie der verzeihende Abendfriede über
+den Streit des Tags.
+
+Laß' sie Dein Antlitz sehn, mein Kind, und so den Sinn aller Dinge
+erkennen; laß' sie Dich lieben und so einander lieben.
+
+Komm' und wohne im Busen der Unendlichkeit, mein Kind. Mit Sonnenaufgang
+öffne und erhebe Dein Herz wie eine blühende Blume, und zum Untergang
+neige Dein Haupt und vollende im Schweigen des Tages Gottesdienst.
+
+
+
+
+DER LETZTE VERTRAG
+
+
+»Komm und miete mich«, schrie ich, als ich des Morgens auf der
+steingepflasterten Straße ging.
+
+Das Schwert in der Hand, kam der König in seinem Wagen.
+
+Er hielt meine Hand und sagte: »Ich will Dich mieten mit meiner Macht.«
+
+Aber seine Macht war mir nichts wert, und er fuhr davon in seinem Wagen.
+
+ * * * * *
+
+In der Hitze des Mittags lehnten die Häuser mit geschlossenen Türen.
+
+Ich wanderte entlang die krumme Gasse.
+
+Ein alter Mann kam heraus mit seinem Sack voll Gold.
+
+Er sann nach und sagte: »Ich will Dich mieten mit meinem Geld.«
+
+Er wog seine Münzen, eine nach der andern, aber ich wandte mich fort.
+
+ * * * * *
+
+Abend war's. Die Gartenhecke stand ganz in Blüte.
+
+Das liebliche Mädchen kam heraus und sagte: »Ich will Dich mieten mit
+einem Lächeln.«
+
+Ihr Lächeln blaßte und schmolz in Tränen, und sie ging zurück allein im
+Dunkel.
+
+ * * * * *
+
+Die Sonne glitzerte im Sand, und die Meereswellen brachen landeinwärts.
+
+Ein Kind saß da, mit Muscheln spielend.
+
+Es hob seinen Kopf und schien mich zu kennen und sagte: »Ich miete Dich
+mit Nichts.«
+
+Von da an machte mich dieser Vertrag, im Kinderspiel geschlossen, zum
+freien Mann.
+
+
+
+
+ANMERKUNGEN UND NACHWORT DES ÜBERSETZERS
+
+
+Zu Seite
+
+7: _Arêka-Palme_ (malayisch arik). Eine Abart, Arêca câtechu, die
+Betelpalme, trägt orangerote, hühnereigroße Früchte, deren Kern, mit den
+Blättern des Betelpfeffers umwickelt, gekaut wird.
+
+_Kokos-Palme_ (von spanisch coca »Nuß« oder portugiesisch coco »Popanz«
+wegen der gesichtsähnlichen, daher schreckhaften Früchte). Die Kokosnuß
+gehört in Indien zu den heiligsten Früchten, die der Göttin der
+Wohlfahrt, Sriphâla, geweiht sind.
+
+_Brotfruchtbaum_ (englisch jack-fruit aus malayisch chakka; sanskrit
+pânasa). Die kopfgroßen Früchte werden roh und geröstet genossen. 2 bis
+3 Bäume versorgen einen Menschen ein Jahr mit Nahrung.
+
+20: _Feigenbaum_ (englisch banyan tree, sanskrit vata; ficus indica).
+Die Luftwurzeln der Äste greifen in den Boden ein und werden zu neuen
+Stämmen. So wächst der Baum nach allen Seiten hin durch Jahrtausende und
+bildet einen Wald, der Tausende von Menschen aufnimmt. Er ist der Zeit,
+Kâla, heilig und gilt als Sinnbild der Unsterblichkeit. Beim Pflanzen
+des Baumes wird gewöhnlich das Gebet gesprochen: »Möchte ich so viele
+Jahre im Himmel weilen als dieser Baum auf Erden wächst.«
+
+_Mango_ (malayisch mângây, sanskrit âmra; magnifera indica).
+Gelbblühender Baum mit gelblichen, bis zu einem Kilo schweren Früchten,
+die ein beliebtes Obst sind. Der Ârmra gilt als Inkarnation der
+Liebesgöttin. Nach einer Legende übte die Göttin Pârvati unter einem
+Mangobaum Buße, dort, wo jetzt der Saiva-Tempel steht. Hier erschien ihr
+ihr Gatte Siva, der als Ekâmranâtha »der unvergleichliche Herr des
+Mangobaums« verehrt wird.
+
+21: _Bakula_ (mimusops elengi), Baum mit wohlriechenden Blättern und
+Blüten, die ein ätherisches Öl liefern. Die süßen Früchte sind eßbar.
+
+35: _Kadam_ (sanskrit Kadamba; nauclea cadamba), Liane mit
+orangefarbener duftender Blüte.
+
+_Dâdâ_ (Hindustani), Großvater väterlicherseits, dann auf jede ältere
+Person angewendet, hier: der ältere Bruder.
+
+40: _Champa_ (sanskrit champaka; michelia champaka), den Magnolien
+ähnliche Holzgewächse mit duftenden, zarten, weißen und gelben Blüten,
+die Götzenbildern dargebracht werden, besonders am 14. Iyeshth (ungefähr
+unserm Juni entsprechend). Das wohlriechende Champakaöl ist sehr
+beliebt.
+
+41: _Râmâyana_ (sanskrit ayana = gehend, vonay = gehen), »Die Taten des
+Rama«. Das große Sanskrit-Epos, das dem Vâlmiki zugeschrieben wird und
+im 5. Jahrh. v. Chr. entstanden sein dürfte. Vgl. Alex. Baumgartner, das
+Râmâyana und die Râma-Literatur der Inder. Freiburg 1894.
+
+43: _Tulsi_ (sanskrit tulasi; ocimum sanctum), heiliges Basilikum. In
+Ostindien berühmteste Arzneipflanze, der Legende nach aus dem Haar einer
+Nymphe erzeugt, die Vishnu in seiner Inkarnation als Krishna liebte.
+Vaisnawa-Rosenkränze bestehen aus 108 Perlen von diesem Holz.
+Alljährlich wird in Indien eine Art Vermählungszeremonie zwischen dieser
+Pflanze und einem Salagramammoniten (versteinerte, ausgestorbene
+Tintenschneckenart, Symbol des Vishnu und als Amulett weiblicher
+Fruchtbarkeit) als Sinnbild der Muschelinkarnation Vishnus vollzogen.
+
+50: _Tamarinde_ (arabisch tamr hindi, indische Dattel; tamarindus
+indica), bis zu 25 Metern hoher, immergrüner Baum mit gelblichen,
+purpurgeäderten Blüten. Die Frucht wird als Obst, Nahrungs- und
+Arzneimittel verwendet.
+
+53: _Shiuli_ (bengali; nyctanthes arbor tristis), Gattung der Oleaceen.
+Bis zu 9 Metern hoher Baum oder Strauch, vom Jasmin hauptsächlich durch
+Blütenfarbe (Röhre und Schlund orange, sonst weiß) und Fruchtform
+verschieden. Tropische Zierpflanze mit wohlriechenden, nur nachts
+geöffneten Blüten, die zum Färben von Speisen und zur Bereitung von
+ätherischem Öl dienen.
+
+55: _Indischer Flachs_ (englisch jute, bengali jûto »die Haarflechte«;
+corchorus olitorius). Die Faser wird zur Erzeugung von Matten und groben
+Sackleinen, Jute, verwendet.
+
+56: _Râmachandra._ Das Wort chandra wird oft an Namen angefügt, um die
+Schönheit auszudrücken. Der Retter der Welt, der triumphierende
+Dämonentöter, der rührendste Dulder, in den sich Vishnu bei seiner
+siebenten Herabkunft verwandelte. Râmas vierzehnjährige Verbannung mit
+seiner Gattin Sitâ wird im zweiten und dritten Gesange des Râmâyana
+geschildert.
+
+71: _Ganesh_ (Sanskrit Ganeça »der Anführer des Gefolges« Shivas, als
+dessen Sohn er gilt). Er wird oft mit seinem Bruder, dem Kriegsgott
+Skanda verehrt. Er ist der Entferner von Hindernissen, die Verkörperung
+allen Erfolges. Indische Handschriften pflegen mit einer an ihn sich
+richtenden Verehrungsformel zu beginnen, damit er den hindernden Einfluß
+böser Dämonen vom Schreiben abwehre: so ist der Schein entstanden, als
+sei Ganesha eigentlich ein Gott der Wissenschaft. Sein in Indien
+unendlich verbreitetes Bild zeigt ihn mit einem Elefantenkopf, oft auf
+einer Ratte reitend.
+
+75: _Madar_ (sanskrit mandâra; erythrina indica), Dadapbaum, als Stütze
+in Pfeffer-, als Schattenbaum in Kaffeeplantagen verwendet. Mit meist
+scharlachroten Blütentrauben, zur Gattung der Korallenbäume gehörig.
+
+83: _Palankin_ Tragsänfte.
+
+89: _Puja_ (sanskrit) bedeutet Verehrung überhaupt. Als Fest ist das
+Durgâpûjâ oder Navarâtra gemeint, die »Neun Nächte«, beginnt am ersten
+und endet am zehnten Tag der lichten Hälfte von Âsvina (September-Oktober).
+Es wird namentlich in Bengal gefeiert als Erinnerung an
+den Sieg von Durgâ, Shivas Frau, über einen büffelköpfigen
+Dämon. Ihr Bild wird mit zehn bewaffneten Armen dargestellt, ihr rechter
+Fuß auf einem Löwen ruhend, ihr linker auf dem Büffeldämon. Nach
+neuntägiger Verehrung wird dieses Götzenbild am zehnten Tage ins Wasser
+gestürzt.
+
+Näheres vgl. Monier-Williams, Brâmanism and Hindûism or Religious
+Thought and Life in India. London, 1891.
+
+ * * * * *
+
+Die Gedichte 2, 3 und 9 sind mit den Gedichten 60-62 der Sammlung
+»Gitanjali« identisch.
+
+Es scheint mir wichtig, zu betonen, daß die englische, von Tagore selbst
+geschaffene Form als die beste europäische Mittlerin seiner Gedanken und
+Gefühle zu gelten hat. Selbst die Kunst eines Rückert könnte uns die
+Umdichtung aus dem bengalischen Urtext nicht so nahebringen, wie eine
+möglichste Nachbildung der englischen Umdichtung uns rühren kann.
+
+Bei den Anmerkungen danke ich wieder vieles der Freundlichkeit des
+Berliner Sanskritisten, Herrn Professor Heinrich Lüders.
+
+
+GEDRUCKT BEI POESCHEL & TREPTE IN LEIPZIG
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
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+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
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+such as creation of derivative works, reports, performances and
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+redistribution.
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+
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+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
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+
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+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
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+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
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+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
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+
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+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
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+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
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+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
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+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
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+ https://www.gutenberg.org
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+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.