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authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:09:34 -0700
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+<title>Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore&mdash;</title>
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+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der zunehmende Mond
+
+Author: Rabindranath Tagore
+
+Translator: Hans Effenberger
+
+Release Date: November 24, 2011 [EBook #38125]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
+
+
+
+
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+
+</pre>
+
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen.</p>
+</div>
+<div style="text-align: right; margin: 4em;">
+<img src="images/logo.png" width="100" height="100" alt=""/>
+</div>
+
+<p class="center page-break" style="font-size: large;">RABINDRANATH TAGORE</p>
+
+<h1>DER<br/>
+ZUNEHMENDE<br/>
+MOND</h1>
+
+<p class="center">KURT WOLFF VERLAG</p>
+
+<p class="center page-break italic">Copyright 1915</p>
+
+<p class="center italic">Kurt Wolff Verlag, Leipzig</p>
+
+<p class="center page-break italic">Berechtigte deutsche Übertragung von<br/>
+<span class="gesperrt">HANS EFFENBERGER</span><br/>
+nach der von Rabindranath Tagore<br/>
+selbst veranstalteten englischen Ausgabe</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a>DIE HÜTTE</h2>
+
+<p>Ich ging allein den Weg über das Feld,
+während der Sonnenuntergang sein letztes
+Gold wie ein Geizhals verbarg.</p>
+
+<p>Des Tages Licht sank tiefer und tiefer
+in die Dunkelheit, und das verwitwete
+Land, der Ernte brach, lag schweigend.</p>
+
+<p>Plötzlich stieg eines Knaben schrille
+Stimme in den Himmel. Er durchdrang
+ungesehn das Dunkel und ließ die Spur
+seines Liedes über der Stille des Abends.</p>
+
+<p>Seine Hütte lag im Dorf am Ende des
+öden Landes, hinter dem Zuckerrohrfeld,
+verborgen in den Schatten der Bananen
+und der schlanken Arēka-Palme,
+der Kokosnuß und der dunkelgrünen
+Brotfruchtbäume.</p>
+
+<p>Ich hielt einen Augenblick inne auf
+<a class="pagenum" name="Page_8" title="8"> </a>
+meinem einsamen Gang im Licht der
+Sterne und sah ausgebreitet vor mir die
+dunkelnde Erde, in ihren Armen zahllose
+Hütten mit Wiegen und Betten, Mutterherzen
+und Abendlampen und jungen
+Leben, froh von einer Freude, die nicht
+weiß, was sie der Welt bedeutet.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a>AM MEERUFER</h2>
+
+<p>Am Meerufer endloser Welten treffen
+sich Kinder.</p>
+
+<p>Der grenzenlose Himmel zu Häupten
+ist ohne Bewegung, und das ruhlose
+Wasser ist ungestüm.</p>
+
+<p>Am Meerufer endloser Welten treffen
+sich Kinder mit Jubeln und Tanzen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Sie bauen ihre Häuser aus Sand, und
+sie spielen mit leeren Muscheln. Aus welken
+Blättern flechten sie ihre Boote und
+lassen sie lächelnd über der ungeheuren
+Tiefe treiben. Kinder haben ihr Spiel am
+Meerufer der Welten.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Sie können nicht schwimmen, sie können
+nicht Netze werfen. Perlenfischer
+<a class="pagenum" name="Page_10" title="10"> </a>
+tauchen nach Perlen, Kaufleute segeln
+in ihren Schiffen, während Kinder Kiesel
+sammeln und sie wieder verstreun. Sie
+suchen nicht nach verborgenen Schätzen,
+sie können nicht Netze werfen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Das Meer schäumt auf in Gelächter,
+und fahl glänzt das Lächeln des Gestades.
+Todbringende Wellen singen verständnislose
+Balladen den Kindern, wie eine
+Mutter beim Einwiegen. Das Meer spielt
+mit Kindern, und fahl glänzt das Lächeln
+des Gestades.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Am Meerufer endloser Welten treffen
+sich Kinder. Sturm streicht am pfadlosen
+Himmel, Schiffe kentern in dem spurlosen
+Wasser, der Tod ist unterwegs, und
+<a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a>
+Kinder spielen. Am Meerufer endloser
+Welten ist das große Begegnen der Kinder.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a>DER URSPRUNG</h2>
+
+<p>Der Schlaf, der über des Kindleins
+Augen huscht &ndash; weiß jemand, woher
+der kommt? Ja, es geht ein Gerücht, daß
+er in dem Märchendorfe wohnt. Unter
+Waldesschatten, von Glühwürmern trüb
+erhellt, hängen zwei Zauberknospen. Von
+dort kommt er, des Kindleins Augen zu
+küssen.</p>
+
+<p>Das Lächeln, das auf des Kindleins
+Lippen flackert, wenn es schläft &ndash; weiß
+jemand, wo das geboren ward? Ja, es
+geht ein Gerücht, daß ein junger, blasser
+Strahl des zunehmenden Mondes den
+Saum einer schwindenden Herbstwolke
+berührte, und da wurde das Lächeln zuerst
+geboren in dem Traum eines taureinen
+Morgens &ndash; das Lächeln, das auf
+<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a>
+des Kindleins Lippen spielt, wenn es
+schläft.</p>
+
+<p>Die süße, sanfte Frische, die auf des
+Kindleins Gliedern blüht &ndash; weiß jemand,
+wo die so lange verborgen war? Ja, sie lag,
+als Mutter noch ein junges Mädchen war,
+ihr Herz durchdringend, im zarten und
+schweigenden Geheimnis der Liebe &ndash;
+die süße, sanfte Frische, die auf des Kindleins
+Gliedern aufgeblüht ist.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a>DES KINDCHENS WESEN</h2>
+
+<p>Wenn Kindchen nur wollte, könnte
+es in diesem Augenblick zum Himmel
+auffliegen.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es uns verläßt.</p>
+
+<p>Es liebt es, seinen Kopf auszuruhn an
+Mutters Brust und kann es niemals ertragen,
+wenn seine Augen sie nicht sehn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Kindchen kennt allerhand weise Worte,
+wenn auch Wenige auf Erden ihren Sinn
+verstehen können.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es niemals
+zu sprechen verlangt.</p>
+
+<p>Das einzige, das es verlangt, ist Mutters
+Worte von Mutters Lippen zu lernen.
+Darum schaut es so unschuldig drein.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a>Kindchen hatte einen Haufen Gold
+und Perlen und doch kam es wie ein
+Bettler in diese Welt.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es in solcher
+Verkleidung kam.</p>
+
+<p>Dieser liebe, kleine, nackte Bettler
+gibt vor, ganz hilflos zu sein, damit er um
+Mutters reiche Liebe betteln kann.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Kindchen war so frei von jeder Fessel im
+Lande des kleinen, zunehmenden Monds.</p>
+
+<p>Es war nicht umsonst, daß es seine
+Freiheit aufgab.</p>
+
+<p>Es weiß, daß Raum ist für endlose
+Freude in dem kleinen Winkel von Mutters
+Herzen und daß es viel süßer ist als
+Freiheit, in ihren lieben Armen gefangen
+und geherzt zu werden.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a>Kindchen wußte nichts vom Schreien.
+Es wohnte im Lande der vollkommenen
+Seligkeit.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es das Weinen
+erwählt hat.</p>
+
+<p>Wenn es auch mit dem Lächeln seines
+lieben Gesichtes Mutters sehnendes Herz
+zu sich zieht, so schlingen doch seine
+kleinen Schreie über winzige Kümmernisse
+das doppelte Band von Mitleid und
+Liebe.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a>DAS UNBEACHTETE SCHAUSPIEL</h2>
+
+<p>Ach, wer war's, der diesen kleinen
+Kittel bunt färbte, mein Kind, und Deine
+süßen Glieder mit diesem kleinen, roten
+Rock bedeckte?</p>
+
+<p>Du bist herausgekommen im Morgen,
+auf dem Hof zu spielen, torkelnd und taumelnd,
+wenn Du läufst.</p>
+
+<p>Aber wer war's, der diesen kleinen
+Kittel bunt färbte, mein Kind?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?</p>
+
+<p>Mutter steht auf der Schwelle und
+lächelt Dich an.</p>
+
+<p>Sie klatscht in ihre Hände, und ihre
+Spangen klirren, und Du tanzest mit Deinem
+Bambusstock in der Hand wie ein
+<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a>
+kleinwinziger Hirte.</p>
+
+<p>Aber was gibt's zu lachen, Du kleine
+Lebensknospe?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>O Bettler, was bettelst Du, Mutters
+Nacken mit Deinen beiden Händen umschlingend?</p>
+
+<p>O gieriges Herz, soll ich die Welt pflücken
+wie eine Frucht vom Himmel, um
+sie in Deine kleine, rosige Hand zu legen?</p>
+
+<p>O Bettler, um was bettelst Du denn?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner
+Fußschellen davon.</p>
+
+<p>Die Sonne lächelt und bewundert Dein
+Kleid.</p>
+
+<p>Der Himmel wacht über Dir, wenn
+Du schläfst in Mutters Armen, und der
+<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a>
+Morgen kommt auf Zehenspitzen an Dein
+Bett und küßt Deine Augen.</p>
+
+<p>Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner
+Fußschellen davon.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Feenkönigin der Träume kommt
+zu Dir durch den Dämmerhimmel geflogen.</p>
+
+<p>Die Weltenmutter sitzt bei Dir in Deiner
+Mutter Herzen.</p>
+
+<p>Er, der seine Musik den Sternen spielt,
+steht an Deinem Fenster mit seiner Flöte.</p>
+
+<p>Und die Feenkönigin der Träume
+kommt zu Dir durch den Dämmerhimmel
+geflogen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a>SCHLAFDIEBIN</h2>
+
+<p>Wer den Schlaf von Kindchens Augen
+stahl, muß ich wissen.</p>
+
+<p>Den Krug auf der Hüfte, ging Mutter
+Wasser holen aus dem nahen Dorf.</p>
+
+<p>Es war Mittag. Der Kinder Spielzeit
+war vorüber. Im Teich die Enten schwiegen.</p>
+
+<p>Der Hirtenknab' lag eingeschlafen unter
+dem Schatten des Feigenbaums.</p>
+
+<p>Der Kranich stand ernst und still in
+dem Sumpf am Mangohain.</p>
+
+<p>Mittlerweile kam die Schlafdiebin,
+haschte den Schlaf von Kindchens Augen
+und flog davon.</p>
+
+<p>Als Mutter heimkehrte, fand sie Kindchen
+auf allen Vieren durchs Zimmer
+kriechen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a>Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf,
+muß ich wissen. Ich muß sie finden und
+anketten. Ich muß dort in die schwarze
+Höhle schaun, wo durch Felsen und
+düstres Gestein ein kleiner Bach sickert.</p>
+
+<p>Ich muß suchen in dem Schlummerschatten
+des Bakulahains, wo Tauben in
+den Verstecken gurren und Elfenringe in
+der Stille der Sternennächte klirren. Des
+abends will ich in das flüsternde Schweigen
+des Bambuswaldes lugen, wo Leuchtkäfer
+ihr Licht verschwenden, und will
+jedes Wesen fragen, das ich treffe: »Kann
+einer mir sagen, wo die Schlafdiebin
+wohnt?«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf,
+muß ich wissen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_22" title="22"> </a>Würd' ich ihr nicht ordentlich Bescheid
+sagen, wenn ich sie nur erwischen
+könnte! Ihr Nest würd' ich überfallen
+und sehn, wo sie all ihren gestohlenen
+Schlaf hütet. Ich würde es ganz plündern
+und ihn heimtragen.</p>
+
+<p>Ich würd' ihre zwei Flügel fest zusammenbinden,
+sie an das Ufer des Flusses
+setzen und sie dann die Fischerin spielen
+lassen zwischen den Binsen und Wasserlilien.</p>
+
+<p>Wenn abends das Markten vorüber
+ist, und die Dorfkinder ihren Müttern im
+Schoß sitzen, werden die Nachtvögel ihr
+spottend in die Ohren kreischen:</p>
+
+<p>»Wessen Schlaf stiehlst Du Dir jetzt?«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_23" title="23"> </a>DER ANFANG</h2>
+
+<p>»Wo bin ich hergekommen, wo hast
+Du mich aufgelesen?« fragte das Kind
+seine Mutter.</p>
+
+<p>Sie antwortete halb weinend, halb
+lachend und drückte das Kind an ihre
+Brust:</p>
+
+<p>»Du warst verborgen in meinem Herzen
+als seine Sehnsucht, Liebling.</p>
+
+<p>Du warst in den Puppen meiner Kinderspiele;
+und wenn ich aus Lehm das
+Bildnis meines Gottes formte jeden Morgen,
+dann formte und vernichtete ich
+Dich.</p>
+
+<p>Du warst mit eingeschlossen in der
+Gottheit unsres Hauses; sie verehrend,
+verehrte ich Dich.</p>
+
+<p>In all meinem Hoffen und Lieben, in
+<a class="pagenum" name="Page_24" title="24"> </a>
+meinem Leben, in dem Leben meiner
+Mutter hast Du gelebt.</p>
+
+<p>Im Schoß des unsterblichen Geistes,
+der über unserm Hause waltet, bist Du
+genährt worden durch Menschenalter.</p>
+
+<p>In meiner Mädchenzeit, da mein Herz
+seine Blumenblätter aufschloß, schwebtest
+Du als ihr Duft darüber.</p>
+
+<p>Deine zarte Sanftheit blühte in meinen
+jugendlichen Gliedern wie ein Wolkenglühn
+vor Sonnenaufgang.</p>
+
+<p>Himmelserwählter Liebling, Zwilling
+des Morgenlichts, Du bist den Strom des
+irdischen Lebens heruntergeschwommen
+und zuletzt bist Du an meinem Herzen
+gestrandet.</p>
+
+<p>Ich schaue in Dein Gesicht, und Unfaßbares
+überkommt mich: Du, der allen
+<a class="pagenum" name="Page_25" title="25"> </a>
+gehört, bist mein geworden.</p>
+
+<p>Vor Angst, Dich zu verlieren, halt' ich
+Dich eng an meine Brust. Welcher Zauber
+hat den Schatz der Welt in diese
+meine schlanken Arme verstrickt!«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_26" title="26"> </a>KINDCHENS WELT</h2>
+
+<p>Ich wünsche, ich könnte eine stille Ecke
+haben im Herzen von Kindchens ureigenster
+Welt.</p>
+
+<p>Ich weiß, sie hat Sterne, die zu ihm
+reden, und einen Himmel, der niedersteigt
+zu seinem Gesicht, um ihn mit
+seinen närrischen Wolken und Regenbogen
+zu vergnügen.</p>
+
+<p>Solche, die tun, als wären sie stumm
+und dreinschaun, als könnten sie sich
+niemals bewegen, kommen zu seinem
+Fenster gekrochen mit ihren Geschichten
+und mit Kästen voll herrlichem Spielzeug.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich wünsche, ich könnte die Straße
+wandern, die durch Kindchens Gedanken
+<a class="pagenum" name="Page_27" title="27"> </a>
+führt, und weiter, hinaus über alle Schranken;</p>
+
+<p>Wo Sendboten unterwegs sind ohne
+Grund zwischen den Königreichen der
+Könige, die keine Geschichte kennt;</p>
+
+<p>Wo die Vernunft Drachen macht aus
+ihren Gesetzen und sie fliegen läßt, und
+die Wahrheit die Tat befreit von ihren
+Fesseln.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_28" title="28"> </a>WANN UND WARUM</h2>
+
+<p>Wenn ich Dir buntes Spielzeug bringe,
+mein Kind, begreife ich, warum ein solches
+Spiel von Farben in den Wolken und auf
+dem Wasser ist, und warum die Blumen
+in Farben gemalt sind &ndash; wenn ich Dir
+buntes Spielzeug schenke, mein Kind.</p>
+
+<p>Wenn ich singe, damit Du tanzest,
+weiß ich fürwahr, warum Musik in den
+Blättern ist, und warum Wellen ihrer
+Stimmen Chor zu dem Herzen der lauschenden
+Erde senden &ndash; wenn ich singe,
+damit Du tanzest.</p>
+
+<p>Wenn ich Süßigkeiten bringe für Deine
+gierigen Händchen, weiß ich, warum
+Honig in dem Kelch der Blume ist, und
+warum Früchte heimlich mit süßem Saft
+gefüllt sind &ndash; wenn ich Süßigkeiten bringe
+<a class="pagenum" name="Page_29" title="29"> </a>
+für Deine gierigen Händchen.</p>
+
+<p>Wenn ich Dein Gesicht küsse, damit
+Du lächelst, mein Liebling, begreife ich
+gewiß, welche Wonne vom Himmel träuft
+im Morgenlicht, und welch Entzücken
+die Sommerbrise meinem Körper bringt
+&ndash; wenn ich Dich küsse, damit Du
+lächelst.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_30" title="30"> </a>VERLEUMDUNG</h2>
+
+<p>Warum sind diese Tränen in Deinen
+Augen, mein Kind?</p>
+
+<p>Wie grausam von ihnen, Dich immer
+zu schelten, ohne Grund!</p>
+
+<p>Du hast Dir Finger und Wangen mit
+Tinte beschmiert beim Schreiben &ndash; heißen
+sie Dich darum schmutzig?</p>
+
+<p>O, pfui! Würden sie es wagen, den
+Vollmond schmutzig zu heißen, weil er
+sein Gesicht mit Tinte besudelt hat?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wegen jeder Kleinigkeit tadeln sie
+Dich, mein Kind. Sie sind bereit, Fehler
+zu finden, ohne Grund.</p>
+
+<p>Du zerreißest Deine Kleider beim Spielen
+&ndash; heißen sie Dich darum unordentlich?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_31" title="31"> </a>O, pfui! Was würden sie einen Herbstmorgen
+heißen, der durch seine zerfetzten
+Wolken lächelt?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Achte nicht darauf, was sie zu Dir
+sagen, mein Kind.</p>
+
+<p>Sie machen eine lange Liste Deiner
+Missetaten.</p>
+
+<p>Jeder weiß, wie Du Süßigkeiten liebst
+&ndash; heißen sie Dich darum naschhaft?</p>
+
+<p>O, pfui! Was würden sie dann uns
+heißen, die Dich lieben?</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_32" title="32"> </a>DER RICHTER</h2>
+
+<p>Sagt von ihm, was ihr wollt, ich kenne
+doch meines Kindes Fehler.</p>
+
+<p>Ich lieb' ihn nicht, weil er gut ist, sondern
+weil er mein kleines Kind ist.</p>
+
+<p>Woher wollt ihr wissen, wie lieb er
+sein kann, wenn ihr versucht, seine Tugenden
+gegen seine Schwächen abzuwägen?</p>
+
+<p>Wenn ich ihn strafen muß, wird er
+um so mehr ein Teil meines Seins.</p>
+
+<p>Wenn ich Ursache bin, daß ihm die
+Tränen kommen, weint mein Herz mit
+ihm.</p>
+
+<p>Ich allein habe ein Recht, zu tadeln
+und zu strafen, denn der nur darf züchtigen,
+der liebt.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_33" title="33"> </a>SPIELZEUG</h2>
+
+<p>Kind, wie glücklich sitzest Du im Staub
+und spielst mit einem zerbrochnen Zweig
+den ganzen Morgen.</p>
+
+<p>Ich lächle über Dein Spiel mit diesem
+kleinwinzigen, zerbrochnen Zweiglein.</p>
+
+<p>Ich bin eifrig bei meinen Rechnungen,
+stundenlang Zahlen zusammenzählend.</p>
+
+<p>Vielleicht schaust Du auf mich und
+denkst: »Was für ein dummes Spiel,
+<em class="gesperrt">damit</em> Deinen Morgen zu verderben?«</p>
+
+<p>Kind, ich habe die Kunst vergessen, in
+Stöcke und Sandhügel vertieft zu sein.</p>
+
+<p>Ich suche nach teurem Spielzeug und
+sammle Klumpen von Gold und Silber.</p>
+
+<p>Was immer Du findest, Du schaffst
+Dir damit Deine frohen Spiele; ich verschwende
+meine Zeit und Kraft an Dinge,
+<a class="pagenum" name="Page_34" title="34"> </a>
+die ich niemals erreiche.</p>
+
+<p>In meinem schwanken Boot kämpf' ich,
+der Sehnsucht Meer zu durchkreuzen und
+vergesse, daß auch ich ein Spiel spiele.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_35" title="35"> </a>DER ASTRONOM</h2>
+
+<p>Ich sagte nur: »Wenn sich des abends
+der runde Vollmond in den Zweigen jenes
+Kadambaums verwirrte, könnte ihn da
+jemand fangen?«</p>
+
+<p>Aber Dādā<a name="FNanchor_1" href="#Footnote_1" class="fnanchor">(1)</a> lachte mich an und sagte:
+»Bubi, Du bist das dümmste Kind, das
+ich je gekannt habe.</p>
+
+<p>Der Mond ist, ach so weit von uns,
+wie könnte ihn denn einer da fangen?«</p>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_1" href="#FNanchor_1" class="label">(1)</a>
+Der ältere Bruder.
+</p>
+</div>
+
+<p>Ich sagte: »Dādā, wie närrisch Du bist!
+Wenn Mutter hinausschaut aus ihrem
+Fenster und herunter lächelt auf uns
+beim Spielen, würdest Du sagen, sie wäre
+weit weg?«</p>
+
+<p>Doch Dādā sagte: »Du bist ein einfältiges
+Kind! Bubi, wo würdest Du denn
+<a class="pagenum" name="Page_36" title="36"> </a>
+ein Netz hernehmen, groß genug, um den
+Mond damit zu fangen?«</p>
+
+<p>Ich sagte: »Sicherlich könntest Du ihn
+mit Deinen Händen fangen.«</p>
+
+<p>Aber Dādā lächelte und sagte: »Du
+bist das dümmste Kind, das ich kenne.
+Wenn er näher käme, würdest Du sehn
+wie groß der Mond ist.«</p>
+
+<p>Ich sagte: »Dādā, was für Unsinn sie
+in Deiner Schule lehren! Wenn Mutter
+ihr Gesicht herunterbeugt, um uns zu
+küssen, schaut ihr Gesicht sehr groß aus?«</p>
+
+<p>Dādā sagt aber doch: »Du bist ein
+dummes Kind.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_37" title="37"> </a>WOLKEN UND WELLEN</h2>
+
+<p>Mutter, das Volk, das in den Wolken
+droben wohnt, ruft mir zu:</p>
+
+<p>»Wir spielen vom Aufwachen bis der
+Tag endet.</p>
+
+<p>Wir spielen mit der goldnen Morgenröte,
+wir spielen mit dem silbernen Mond.«</p>
+
+<p>Ich frage: »Aber wie kann ich zu Euch
+hinaufgelangen?«</p>
+
+<p>Sie antworten: »Komm' an den Rand
+der Erde, heb' Deine Hände zum Himmel
+und du wirst aufgenommen werden in
+die Wolken.«</p>
+
+<p>»Meine Mutter wartet auf mich zu
+Hause«, sag' ich. »Wie kann ich sie verlassen
+und kommen?«</p>
+
+<p>Dann lächeln sie und schwimmen vorüber.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_38" title="38"> </a>Aber ich weiß ein schöneres Spiel als
+das, Mutter.</p>
+
+<p>Ich werde die Wolke sein und Du der
+Mond.</p>
+
+<p>Ich werde Dich verdecken mit meinen
+beiden Händen und unser Giebel wird
+der blaue Himmel sein.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Das Volk, das in den Wellen wohnt,
+ruft mir zu:</p>
+
+<p>»Wir singen von Morgen bis Abend;
+wir wandern und wandern und wissen
+nicht, wohin wir gleiten.«</p>
+
+<p>Ich frage: »Wie soll ich mich denn zu
+Euch gesellen?«</p>
+
+<p>Sie sagen mir: »Komm' an den Rand
+des Ufers und steh' mit fest geschlossenen
+Augen und Du wirst davongetragen
+<a class="pagenum" name="Page_39" title="39"> </a>
+werden auf den Wellen.«</p>
+
+<p>Ich sage: »Meine Mutter braucht mich
+immer daheim des abends &ndash; wie kann
+ich sie verlassen und gehn?«</p>
+
+<p>Dann lächeln sie, tanzen und gleiten
+vorüber.</p>
+
+<p>Aber ich weiß ein besseres Spiel als das.</p>
+
+<p>Ich will die Welle sein, und Du wirst
+eine fremde Küste sein.</p>
+
+<p>Ich werde rollen fort und fort und fort
+und an Deinem Schoß zerschellen mit
+Gelächter.</p>
+
+<p>Und niemand in der Welt wird wissen,
+wo wir beide sind.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_40" title="40"> </a>DIE CHAMPABLÜTE</h2>
+
+<p>Denk' Dir, ich würde eine Champablüte,
+nur zum Scherz, und wüchse auf
+einem Ast hoch oben in jenem Baume
+und schütterte im Wind vor Lachen und
+tanzte auf den neu entkeimten Blättern;
+würdest Du mich kennen, Mutter?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Du würdest rufen: »Kindchen, wo bist
+Du?«, und ich würde lachen für mich
+und ganz stille sein.</p>
+
+<p>Ich würde heimlich meine Blüte öffnen
+und Dir bei der Arbeit zuschaun.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn Du nach dem Bad, das nasse
+Haar über Deine Schultern gebreitet,
+durch den Schatten des Champabaumes
+gingest zu dem kleinen Hof, in dem
+<a class="pagenum" name="Page_41" title="41"> </a>
+Du Deine Gebete sagst, würdest Du
+den Duft der Blume merken, aber nicht
+wissen, daß er von mir käme.</p>
+
+<p>Wenn Du nach dem Mittagsmahl
+am Fenster säßest, Rāmāyana lesend,
+und des Baumes Schatten über Haar und
+Schoß Dir fiele, würd' ich Dir meinen
+kleinwinzigen Schatten auf die Seite
+Deines Buches werfen, grad dahin, wo
+Du liest.</p>
+
+<p>Aber würdest Du raten, daß es der
+zarte Schatten Deines kleinen Kindes
+war?</p>
+
+<p>Wenn Du des abends zu den Kühen
+gingest, mit der brennenden Lampe in
+der Hand, würde ich plötzlich wieder
+auf die Erde niederfallen und noch einmal
+Dein eignes Kind sein und Dich
+<a class="pagenum" name="Page_42" title="42"> </a>
+bitten, mir eine Geschichte zu erzählen.</p>
+
+<p>»Wo bist Du gewesen, Du schlimmes
+Kind?«</p>
+
+<p>»Ich mag's nicht erzählen, Mutter.«
+Das würden Du und ich dann sagen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_43" title="43"> </a>MÄRCHENLAND</h2>
+
+<p>Wenn die Leute wüßten, wo meines
+Königs Palast ist, er würde entschwinden.</p>
+
+<p>Die Mauern sind von weißem Silber
+und das Dach von leuchtendem Gold.</p>
+
+<p>Die Königin lebt in einem Palast mit
+sieben Höfen und sie trägt ein Juwel, das
+war wert allen Reichtum von sieben
+Königreichen.</p>
+
+<p>Aber laß' es mich, Mutter, Dir flüsternd
+sagen, wo meines Königs Palast ist.</p>
+
+<p>Er ist da in der Ecke unsrer Terrasse,
+dort wo der Topf mit der Tulsispflanze
+steht.</p>
+
+<p>Die Prinzessin liegt schlafend an der
+weit weiten Küste der sieben unwegsamen
+Meere.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_44" title="44"> </a>Es gibt keinen in der Welt, der sie finden
+kann, als ich.</p>
+
+<p>Sie hat Spangen an ihren Armen und
+Perlentropfen in ihren Ohren; ihr Haar
+wallt nieder bis zum Boden.</p>
+
+<p>Sie wird aufwachen, wenn ich sie mit
+meinem Zauberstab berühre, und Edelsteine
+werden von ihren Lippen fallen,
+wenn sie lächelt.</p>
+
+<p>Aber laß' mich Dir ins Ohr flüstern,
+Mutter; sie ist da in der Ecke unsrer
+Terrasse, dort wo der Topf mit der Tulsispflanze
+steht.</p>
+
+<p>Wenn es Zeit für Dich ist, zum Flusse
+baden zu gehn, steig' hinauf zu der Terrasse
+auf dem Dach.</p>
+
+<p>Ich sitz' in der Ecke, wo die Schatten
+der Mauern zusammentreffen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_45" title="45"> </a>Nur Miez darf mit mir kommen, denn
+sie weiß, wo der Barbier aus dem Märchen
+wohnt.</p>
+
+<p>Aber laß' mich, Mutter, Dir ins Ohr
+flüstern, wo der Barbier aus dem Märchen
+wohnt.</p>
+
+<p>Es ist da in der Ecke der Terrasse, wo
+der Topf mit der Tulsispflanze steht.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_46" title="46"> </a>DAS LAND DER VERBANNUNG</h2>
+
+<p>Mutter, das Licht ist grau geworden
+am Himmel; ich weiß nicht, wie spät es ist.</p>
+
+<p>Mich freut mein Spiel nicht, da bin ich
+zu Dir gekommen. Es ist Sonnabend,
+unser Feiertag.</p>
+
+<p>Laß' Deine Arbeit, Mutter; sitz' hier
+beim Fenster und erzähl' mir, wo die
+Wüste von Tepāntar in dem Märchen ist.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Der Regenschatten hat den ganzen
+langen Tag zugedeckt.</p>
+
+<p>Der wilde Blitz zerkratzt den Himmel
+mit seinen Nägeln.</p>
+
+<p>Wenn die Wolken rollen und es donnert,
+lieb' ich es, mich zu fürchten im
+Herzen und mich an Dich zu schmiegen.</p>
+
+<p>Wenn der schwere Regen stundenlang
+<a class="pagenum" name="Page_47" title="47"> </a>
+auf die Bambusblätter plätschert, und
+unsre Fenster schüttern und klirren unter
+den Windstößen, sitz' ich gern allein im
+Zimmer, Mutter, mit Dir und hör' Dich
+erzählen von der Wüste Tepāntar in dem
+Märchen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wo liegt sie, Mutter, an der Küste
+welchen Meeres, am Fuße welcher Hügel,
+in wessen Königs Königreich?</p>
+
+<p>Da gibt's keine Hecken, die Felder zu
+grenzen, keinen Fußpfad hindurch, auf
+dem die Dorfbewohner des abends ihr
+Dorf erreichen oder die Frau, die dürres
+Holz im Walde sammelt, ihre Bürde zu
+Markte bringen kann. Mit Flecken gelben
+Grases im Sand und einem einzigen
+Baum, in dem das weise, alte Vogelpaar
+<a class="pagenum" name="Page_48" title="48"> </a>
+sein Nest hat, liegt die Wüste von Tepāntar.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich kann mir vorstellen, wie gerade
+an einem so wolkigen Tage der junge
+Königssohn auf grauem Roß allein durch
+die Wüste reitet, auf der Suche nach der
+Prinzessin, die im Palast des Riesen über
+dem unbekannten Wasser gefangen liegt.</p>
+
+<p>Wenn der Regennebel herunterrieselt
+am fernen Himmel und der Blitz aufzuckt
+wie ein plötzlicher Schmerz, denkt er da
+seiner unglücklichen Mutter, wie sie, vom
+König verstoßen, den Kuhstall fegt und
+ihre Augen wischt, während er durch die
+Wüste Tepāntar reitet, wie das Märchen
+erzählt?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_49" title="49"> </a>Sieh', Mutter, es ist beinahe dunkel,
+ehe noch der Tag vorüber ist, und es gehn
+keine Wandrer drüben auf der Dorfstraße.</p>
+
+<p>Der Hirtenknab' ist frühe heimgekommen
+von der Weide und die Menschen
+haben ihre Felder verlassen, um auf Matten
+zu sitzen unter der Dachtraufe ihrer
+Hütten, nach den dräuenden Wolken
+spähend.</p>
+
+<p>Mutter, ich habe alle meine Bücher
+in dem Spinde gelassen &ndash; heiße mich
+nicht, jetzt meine Aufgaben machen.</p>
+
+<p>Wenn ich aufwachse und groß wie
+mein Vater bin, werde ich alles lernen,
+was gelernt werden muß. Aber nur heute
+gerade, erzähle mir, Mutter, wo die
+Wüste von Tepāntar ist, von der das
+Märchen erzählt.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_50" title="50"> </a>DER REGENTAG</h2>
+
+<p>Tückische Wolken ballen sich rasch
+über der schwarzen Franse des Waldes.</p>
+
+<p>O Kind, geh' nicht hinaus!</p>
+
+<p>Die Palmenreihe am See schlägt ihre
+Häupter wider den schrecklichen Himmel;
+die Krähen mit ihren schmutzigen
+Schwingen sitzen still auf den Tamarindenzweigen,
+und das östliche Ufer des
+Flusses geistert in einem verdunkelten
+Glühn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Unsre Kuh muht laut, an den Zaun
+gebunden.</p>
+
+<p>O Kind, wart' hier, bis ich sie in den
+Stall bringe.</p>
+
+<p>Menschen drängen hinaus auf das überschwemmte
+Feld, um die Fische zu fangen,
+<a class="pagenum" name="Page_51" title="51"> </a>
+die aus den überflutenden Teichen
+entkommen; das Regenwasser rinnt in
+Rillen durch die engen Gassen, wie ein
+lachender Junge, der seiner Mutter davongerannt
+ist, um sie zu necken.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Horch', irgendwer ruft nach dem
+Bootsmann an der Furt.</p>
+
+<p>O Kind, des Tages Licht ist trüb' und
+die Arbeit an der Fähre ruht.</p>
+
+<p>Der Himmel scheint rasch zu reiten
+auf dem wildstürzenden Regen; das
+Wasser im Fluß ist laut und ungestüm;
+Frauen sind früh nach Haus geeilt vom
+Ganges mit ihren gefüllten Krügen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Abendlampen müssen fertiggemacht
+werden.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_52" title="52"> </a>O Kind, geh' nicht hinaus!</p>
+
+<p>Die Straße zum Markt ist einsam, die
+Gasse zum Fluß ist schlüpfrig. Der Wind
+stöhnt und wütet in den Bambuszweigen
+wie ein wildes Tier, in einem Netz
+verfangen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_53" title="53"> </a>PAPIERSCHIFFCHEN</h2>
+
+<p>Tag für Tag laß' ich meine Papierschiffchen,
+eins nach dem andern, den eilenden
+Strom hinunterschwimmen.</p>
+
+<p>In großen, schwarzen Buchstaben
+schreib' ich meinen Namen darauf und
+den Namen des Dorfes, wo ich lebe.</p>
+
+<p>Ich hoffe, daß irgendwer in einem
+fremden Land sie finden wird und wissen,
+wer ich bin.</p>
+
+<p>Ich belade meine kleinen Boote mit
+Shiuliblumen aus unserm Garten und
+hoffe, daß diese Blüten der Dämmerung
+heil ans Land getrieben werden zur
+Nacht.</p>
+
+<p>Ich lichte meine Papierschiffchen und
+schaue hinauf in den Himmel und sehe
+die kleinen Wolken ihre weißen, blähenden
+<a class="pagenum" name="Page_54" title="54"> </a>
+Segel setzen.</p>
+
+<p>Ich weiß nicht, wer von meinen Gespielen
+im Himmel sie hinunterschickt
+durch die Luft, damit sie wettlaufen mit
+meinen Booten!</p>
+
+<p>Wenn Nacht kommt, vergrabe ich
+mein Gesicht in meine Arme und träume,
+daß meine Papierschiffchen weiter und
+weiter treiben unter den Mitternachtssternen.</p>
+
+<p>Die Schlafelfen segeln darin, und die
+Ladung sind ihre Körbe voll Träume.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_55" title="55"> </a>DER SEEMANN</h2>
+
+<p>Das Boot des Bootsmannes Madhu ist
+an der Werft von Rajgunj verankert.</p>
+
+<p>Es ist unnütz beladen mit indischem
+Flachs und liegt schon so lange zwecklos
+da.</p>
+
+<p>Wenn er mir nur sein Boot leihen
+wollte, ich würd' es mit hundert Rudrern
+bemannen und Segel hissen, fünf oder
+sechs oder sieben.</p>
+
+<p>Ich würd' es nicht nach dummen
+Märkten steuern.</p>
+
+<p>Ich würde über die sieben Meere segeln
+und die dreizehn Flüsse des Märchenlandes.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Gelt Mutter, Du würdest nicht weinen,
+um mich in einer Ecke?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_56" title="56"> </a>Ich geh' nicht in den Wald wie Rāmachandra,
+um erst nach vierzehn Jahren
+heimzukehren.</p>
+
+<p>Ich werde der Märchenprinz sein und
+mein Boot füllen, mit allem, was mir
+gefällt.</p>
+
+<p>Ich werde meinen Freund Ashu mit
+mir nehmen. Wir werden frohlustig über
+die sieben Meere segeln und die dreizehn
+Flüsse des Märchenlands.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wir werden die Segel setzen im frühen
+Morgenlicht.</p>
+
+<p>Wenn Du des mittags am Teiche badest,
+werden wir im Land eines fremden
+Königs sein.</p>
+
+<p>Wir werden die Furt von Tipurni passieren
+und hinter uns lassen die Wüste
+<a class="pagenum" name="Page_57" title="57"> </a>
+von Tepāntar.</p>
+
+<p>Wenn wir heimkommen, wird es
+anfangen zu dunkeln, und ich werde Dir
+von allem erzählen, was wir gesehen
+haben.</p>
+
+<p>Ich werde die sieben Meere kreuzen
+und die dreizehn Flüsse des Märchenlandes.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_58" title="58"> </a>DAS ANDERE UFER</h2>
+
+<p>Ich möchte hinübergehn an das Ufer
+des Flusses drüben,</p>
+
+<p>Wo jene Boote angeseilt sind an die
+Bambuspfähle in einer Reihe;</p>
+
+<p>Wo Männer in ihren Booten überfahren
+in der Frühe, mit Pflügen auf ihren Schultern,
+ihre Felder weit draußen zu ackern;</p>
+
+<p>Wo die Kuhhirten ihre blökenden
+Kälber über den Strom schwimmen
+lassen nach den Uferweiden;</p>
+
+<p>Von wo sie alle heimkommen am
+Abend und lassen auf der Insel, der von
+Unkraut überwucherten, die heulenden
+Schakale zurück.</p>
+
+<p>Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich
+gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_59" title="59"> </a>Sie sagen, es sind seltsame Sümpfe
+verborgen hinter jenem Ufer,</p>
+
+<p>Wo Schwärme wilder Enten hinkommen,
+wenn die Regen vorüber sind,
+und dickes Rohr wächst um die Ränder,
+da Wasservögel ihre Eier legen;</p>
+
+<p>Wo Schnepfen mit ihren tanzenden
+Schwänzen ihre kleinen Zehenmale in
+den reinen, weichen Schlamm drücken;</p>
+
+<p>Wo im Abend die hohen Gräser, mit
+weißen Blüten behelmt, den Mondstrahl
+einladen, auf ihren Wogen zu spielen.</p>
+
+<p>Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich
+gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich werde hinüber- und herüberfahren
+von Ufer zu Ufer, und alle die Jungen
+<a class="pagenum" name="Page_60" title="60"> </a>
+und Mädchen im Dorf werden mich anstaunen,
+während sie baden.</p>
+
+<p>Wenn die Sonne des Himmels Mitte
+erklimmt und der Morgen in den Mittag
+vergeht, werde ich nach Hause gelaufen
+kommen und sagen: »Mutter, ich habe
+Hunger!«</p>
+
+<p>Wenn der Tag um ist und die Schatten
+unter den Bäumen kauern, werd' ich im
+Dämmern heimkommen.</p>
+
+<p>Ich werde nie weggehen von Dir, in
+die Stadt arbeiten, wie Vater.</p>
+
+<p>Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich
+gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_61" title="61"> </a>DIE BLUMENSCHULE</h2>
+
+<p>Wenn Sturmwolken am Himmel rumoren
+und Junischauer herunterkommen,</p>
+
+<p>Kommt der feuchte Ostwind über die
+Heide marschiert, um seinen Dudelsack
+im Bambusgeröhr zu pfeifen.</p>
+
+<p>Dann kommen auf einmal Scharen
+von Blumen heraus &ndash; weiß niemand
+woher &ndash; und tanzen auf dem Gras in
+wilder Lust.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Mutter, wirklich, ich denke, die Blumen
+gehn unter der Erde zur Schule.</p>
+
+<p>Sie machen ihre Aufgaben bei geschlossenen
+Türen, und wenn sie herauskommen
+wollen, zu spielen, eh' ihre Zeit
+ist, läßt sie der Lehrer in einer Ecke stehn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_62" title="62"> </a>Wenn die Regen kommen, haben sie
+ihre Ferien.</p>
+
+<p>Zweige prasseln zusammen im Walde,
+und die Blätter rascheln im wilden Wind,
+die Donnerwolken klatschen ihre Riesenhände,
+und die Blumenkinder stürzen
+heraus in Kleidern rosig und gelb und
+weiß.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Weißt Du, Mutter, ihre Heimat ist im
+Himmel, wo die Sterne sind.</p>
+
+<p>Hast Du nicht gemerkt, wie gierig sie
+sind, dahin zu gelangen? Weißt Du nicht,
+warum sie in solcher Eile sind?</p>
+
+<p>Freilich, ich kann's erraten, zu wem
+sie ihre Hände erheben: sie haben ihre
+Mutter, wie ich die meine hab'.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_63" title="63"> </a>DER KAUFMANN</h2>
+
+<p>Stell' Dir vor, Mutter, daß Du zu
+Hause bleiben müßtest, und ich müßte
+in fremde Länder reisen.</p>
+
+<p>Stell' Dir vor, daß mein Boot bereitliegt
+an der Brücke, voll geladen.</p>
+
+<p>Nun denk' gut nach, Mutter, eh' Du
+sagst, was ich mitbringen soll für Dich,
+wenn ich zurückkomme.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Mutter, willst Du Haufen und Haufen
+von Gold?</p>
+
+<p>Dort an den Ufern goldener Ströme
+sind Felder voll goldener Ernten.</p>
+
+<p>Und in den Schatten des Waldpfads
+tropfen die goldnen Champablüten auf
+den Weg.</p>
+
+<p>Ich will sie sammeln, alle für Dich, in
+<a class="pagenum" name="Page_64" title="64"> </a>
+vielen hundert Körben.</p>
+
+<p>Mutter, willst Du Perlen so groß wie
+Regentropfen im Herbst?</p>
+
+<p>Ich will hinüberfahren nach der Perleninsel.</p>
+
+<p>Dort zittern im frühen Morgenlicht
+Perlen auf den Wiesenblumen, Perlen
+tropfen ins Gras, und Perlen sind verspritzt
+im Sand vom Gischt der wilden
+Meereswogen.</p>
+
+<p>Mein Bruder soll ein Paar Rösser haben
+mit Flügeln, um mit den Wolken zu fliegen.</p>
+
+<p>Für Vater werd' ich eine Zauberfeder
+mitbringen, die, ohne daß er es weiß, von
+selber schreiben wird.</p>
+
+<p>Für dich, Mutter, muß ich das Kästlein
+und das Kleinod haben, das sieben
+Königen ihre Königreiche kostet.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_65" title="65"> </a>MITGEFÜHL</h2>
+
+<p>Wenn ich nur ein kleines Hündchen
+wäre, nicht Dein Kindchen, Mutter lieb,
+würdest Du »Nein« zu mir sagen, wenn
+ich es wagte, von Deiner Schüssel zu essen?</p>
+
+<p>Würdest Du mich wegjagen, zu mir
+sagend: »Mach' Dich fort, Du garstiges,
+kleines Hündchen?«</p>
+
+<p>Dann geh', Mutter, geh'! Ich will nie
+mehr zu Dir kommen, wenn Du mich
+rufst, und mich nicht mehr von Dir füttern
+lassen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn ich nur ein kleiner, grüner Papagei
+wäre und nicht Dein Kindchen,
+Mutter lieb, würdest Du mich an der
+Kette halten, damit ich nicht wegfliegen
+kann?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_66" title="66"> </a>Würdest Du mir mit dem Finger drohen
+und sagen: »Was für ein undankbarer
+Racker von einem Vogel! Er knabbert
+an seiner Kette Tag und Nacht?«</p>
+
+<p>Dann geh', Mutter, geh'! Ich will fortlaufen
+in den Wald; ich will nicht mehr,
+daß Du mich wieder in Deine Arme
+nimmst.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_67" title="67"> </a>BERUF</h2>
+
+<p>Wenn der Gong zehn schlägt des
+morgens und ich wandre unsre Gasse
+zur Schule,</p>
+
+<p>Treffe ich jeden Tag den Händler,
+schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«</p>
+
+<p>Es gibt nichts, das ihn zur Eile treibt,
+es gibt keinen Weg, den er nehmen,
+keinen Ort, nach dem er gehen, keine
+Zeit, zu der er heimkommen muß.</p>
+
+<p>Ich wünschte, ich wäre ein Händler
+und verbrächte meinen Tag auf der Straße,
+schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn ich um vier des nachmittags
+zurückkomme aus der Schule,</p>
+
+<p>Kann ich durch das Tor jenes Hauses
+den Gärtner die Erde graben sehn.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_68" title="68"> </a>Er tut, was er will mit seinem Spaten,
+beschmutzt seine Kleider mit Staub, keiner
+stellt ihn zur Rede, wenn er gebraten
+wird in der Sonne oder naß wird.</p>
+
+<p>Ich wünschte, ich wäre ein Gärtner,
+drauflosgrabend im Garten, und keiner
+hielte mich ab vom Graben.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Just wenn es dunkel wird am Abend
+und meine Mutter mich zu Bett schickt,</p>
+
+<p>Kann ich durch das offne Fenster
+den Wächter sehn auf und abschreiten.</p>
+
+<p>Die Gasse ist dunkel und einsam, und
+die Straßenlampe steht wie ein Riese
+mit einem roten Auge im Kopf.</p>
+
+<p>Der Wächter schwingt seine Laterne
+und schreitet mit seinem Schatten zur
+<a class="pagenum" name="Page_69" title="69"> </a>
+Seite und geht nicht <em class="gesperrt-left-part">ein</em>mal zu Bett in
+seinem Leben.</p>
+
+<p>Ich wünschte, ich wäre ein Wächter,
+die Straßen schreitend alle Nacht, und
+scheuchte die Schatten mit meiner Laterne.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_70" title="70"> </a>ÜBERLEGEN</h2>
+
+<p>Mutter, Dein Töchterchen ist dumm!
+Sie ist so schrecklich kindisch!</p>
+
+<p>Sie weiß nicht den Unterschied zwischen
+den Lichtern auf der Straße und
+den Sternen.</p>
+
+<p>Wenn wir »Essen« mit Kieseln spielen,
+glaubt sie, sie sind wirkliche Speise und
+versucht, sie in ihren Mund zu stecken.</p>
+
+<p>Wenn ich ein Buch aufmache vor ihr
+und sie ihr ABC lernen heiße, zerreißt sie
+die Blätter mit ihren Händen und brüllt
+vor Freude über nichts. Das ist die Art, wie
+Dein Töchterchen ihre Aufgaben macht.</p>
+
+<p>Wenn ich den Kopf über sie schüttle
+in Ärger und sie schelte und sie schlimm
+nenne, lacht sie und hält es für einen
+Hauptspaß.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_71" title="71"> </a>Jeder weiß, daß Vater fort ist, aber
+wenn ich im Spiel laut »Vater« rufe,
+schaut sie herum in Aufregung und denkt,
+daß Vater nahe ist.</p>
+
+<p>Wenn ich Schule spiele mit den
+Eseln, die unser Wäschemann bringt,
+um Wäsche zu holen, und ich drohe ihr,
+daß ich der Lehrer bin, wird sie kreischen
+ohne Grund und mich Dādā nennen.</p>
+
+<p>Dein Töchterchen will den Mond
+fangen. Sie ist so drollig, sie nennt: Ganesh
+Ganush.</p>
+
+<p>Mutter, Dein Töchterchen ist dumm,
+sie ist so schrecklich kindisch!</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_72" title="72"> </a>DER KLEINE GROSSE MANN</h2>
+
+<p>Ich bin klein, weil ich ein kleines Kind
+bin. Ich werde groß sein, wenn ich so alt
+bin wie mein Vater ist.</p>
+
+<p>Mein Lehrer wird kommen und sagen:
+»Es ist spät; bring' Deine Tafel und Deine
+Bücher.«</p>
+
+<p>Ich werd' ihm antworten: »Weißt Du
+nicht, daß ich so groß bin wie Vater? Und
+ich muß keine Stunden mehr haben.«</p>
+
+<p>Mein Lehrer wird sich wundern und
+sagen: »Er kann seine Bücher lassen,
+wenn er will, er ist ja erwachsen.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich werde mich anziehn und zum Jahrmarkt
+spazieren, wo das Gewühl am dichtesten
+ist.</p>
+
+<p>Mein Onkel wird auf mich zugestürzt
+<a class="pagenum" name="Page_73" title="73"> </a>
+kommen und sagen: »Du wirst verloren
+gehn, mein Junge; laß' mich Dich tragen.«</p>
+
+<p>Ich werde antworten: »Kannst Du
+nicht sehen, Onkel, ich bin so groß wie
+Vater. Ich muß allein auf den Jahrmarkt
+gehn.«</p>
+
+<p>Onkel wird sagen: »Ja, er kann gehn,
+wohin er will; er ist erwachsen.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Mutter wird vom Bade kommen, wenn
+ich meiner Amme Geld gebe; denn ich
+weiß, wie sich die Büchse aufmachen läßt
+mit meinem Schlüssel.</p>
+
+<p>Mutter wird sagen: »Was hast Du vor,
+Du schlimmes Kind?«</p>
+
+<p>Ich werd' ihr erwidern: »Mutter, weißt
+Du nicht, ich bin so groß wie Vater und
+ich muß meiner Amme Silber geben.«</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_74" title="74"> </a>Mutter wird zu sich sagen: »Er kann
+Geld geben, wem er will; er ist ja erwachsen.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>In der Ferienzeit im Oktober wird
+Vater heimkommen und, weil er meint,
+daß ich noch ein kleines Kind bin, wird
+er für mich aus der Stadt kleine Schuhe
+und kleine seidene Röcklein mitbringen.</p>
+
+<p>Ich werde sagen: »Vater, gib sie meinem
+Dādā, denn ich bin so groß wie Du
+bist.«</p>
+
+<p>Vater wird denken und sagen: »Er
+kann seine eignen Kleider kaufen, wenn
+er will; er ist ja erwachsen.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_75" title="75"> </a>ZWÖLF UHR</h2>
+
+<p>Mutter, ich will jetzt aufhören mit
+meinen Aufgaben. Ich habe den ganzen
+Morgen über meinen Büchern gesessen.</p>
+
+<p>Du sagst, es ist erst zwölf Uhr. Angenommen,
+es ist nicht später: kannst Du
+Dir niemals denken, es ist Nachmittag,
+wenn es nur zwölf Uhr ist?</p>
+
+<p>Ich kann mir leicht vorstellen jetzt,
+daß die Sonne den Rand jenes Reisfeldes
+erreicht hat, und daß die alte Fischerfrau
+Kräuter sammelt für ihr Nachtmahl,
+drüben am Teich.</p>
+
+<p>Ich kann meine Augen fest zumachen
+und denken, daß die Schatten dunkler
+werden unter dem Madarbaum und das
+Wasser im Teich glänzend schwarz aussieht.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_76" title="76"> </a>Wenn zwölf Uhr in der Nacht kommen
+kann, warum kann die Nacht nicht
+kommen, wenn es zwölf Uhr ist?</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_77" title="77"> </a>SCHRIFTSTELLEREI</h2>
+
+<p>Du sagst, daß Vater eine Menge Bücher
+schreibt, aber was er schreibt, versteh'
+ich nicht.</p>
+
+<p>Er hat Dir den ganzen Abend vorgelesen,
+aber konntest Du wirklich herausbekommen,
+was er meinte?</p>
+
+<p>Welch schöne Märchen, Mutter, kannst
+<em class="gesperrt">Du</em> uns erzählen! Warum kann Vater
+nicht solche schreiben?</p>
+
+<p>Hat er niemals von seiner eignen
+Mutter Märchen gehört von Riesen und
+Elfen und Prinzessinnen?</p>
+
+<p>Hat er sie alle vergessen?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Oft, wenn er spät kommt zum Baden,
+mußt Du gehn und ihn hundertmal
+rufen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_78" title="78"> </a>Du wartest und hältst sein Essen warm
+für ihn, und er schreibt weiter und vergißt.</p>
+
+<p>Vater spielt immer Büchermachen.</p>
+
+<p>Wenn ich je spielen gehe in Vaters
+Zimmer, kommst Du und rufst mich:
+»Was für ein schlimmes Kind!«</p>
+
+<p>Wenn ich den leisesten Lärm mache,
+sagst Du: »Siehst Du nicht, daß Vater
+arbeitet?«</p>
+
+<p>Was hat das für Sinn, schreiben und
+immer schreiben?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn ich Vaters Feder oder Bleistift
+nehme und in sein Buch schreibe, gerade
+wie er &ndash; a, b, c, d, e, f, g, h, i, &ndash;,
+warum wirst Du dann böse mit mir,
+Mutter?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_79" title="79"> </a>Du sagst nie ein Wort, wenn Vater
+schreibt.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn mein Vater solche Haufen Papier
+verschwendet, Mutter, scheint es Dich
+gar nicht zu stören.</p>
+
+<p>Wenn ich aber nur <em class="gesperrt">einen</em> Bogen
+nehme, um mir ein Schiff draus zu
+machen, sagst Du: »Kind, wie Du einen
+quälst!«</p>
+
+<p>Was hältst Du von Vaters Bogen und
+Bogenverderben mit schwarzen Zeichen,
+über und über auf beiden Seiten?</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_80" title="80"> </a>DER BÖSE POSTBOTE</h2>
+
+<p>Warum sitzest Du hier auf dem Boden
+so still und schweigend, sag' mir, Mutter
+lieb?</p>
+
+<p>Der Regen kommt herein durch das
+offene Fenster, macht Dich ganz naß,
+und Du merkst es gar nicht.</p>
+
+<p>Hörst Du den Gong vier schlagen? Es
+ist Zeit für meinen Bruder, daß er heimkommt
+aus der Schule.</p>
+
+<p>Was ist Dir geschehn, daß Du so fremd
+ausschaust?</p>
+
+<p>Hast Du heut keinen Brief von Vater
+bekommen?</p>
+
+<p>Ich sah den Postboten Briefe bringen
+in seinem Sack, für jeden fast in der
+Stadt.</p>
+
+<p>Nur Vaters Briefe behält er, um sie
+<a class="pagenum" name="Page_81" title="81"> </a>
+selber zu lesen. Ich bin gewiß, der Postbote
+ist ein böser Mann.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Aber sei nicht unglücklich darüber,
+Mutter lieb.</p>
+
+<p>Morgen ist Markttag im nächsten Dorf.
+Du sagst Deinem Mädchen, daß sie Federn
+und Papier kauft.</p>
+
+<p>Ich selbst will Vaters Briefe schreiben;
+Du wirst nicht einen einzigen Fehler
+finden.</p>
+
+<p>Ich werde vom A drauf los bis zum K
+schreiben.</p>
+
+<p>Doch, Mutter, was lächelst Du?</p>
+
+<p>Du glaubst nicht, daß ich so schön
+schreiben kann wie Vater?</p>
+
+<p>Aber ich werde mein Papier sorgfältig
+linieren und alle Buchstaben schön groß
+<a class="pagenum" name="Page_82" title="82"> </a>
+schreiben.</p>
+
+<p>Wenn ich mein Schreiben fertig habe,
+meinst Du, werd' ich so dumm sein und
+es hineinwerfen in des gräßlichen Postboten
+Sack?</p>
+
+<p>Ich werd' es Dir selber bringen, ganz
+rasch, und Dir Brief für Brief meine
+Schrift lesen helfen.</p>
+
+<p>Ich weiß, der Postbote gibt Dir nicht
+gern die wirklich netten Briefe.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_83" title="83"> </a>DER HELD</h2>
+
+<p>Mutter, denk' Dir, wir reisen und kommen
+durch ein fremdes und gefährliches
+Land.</p>
+
+<p>Du reisest in einem Palankin, und ich
+trabe neben Dir auf einem roten Pferd.</p>
+
+<p>Es ist Abend, und die Sonne geht unter.
+Die Wüste von Joradighi liegt fahl und
+grau vor uns. Das Land ist öd und brach.</p>
+
+<p>Du bist erschreckt und denkst: »Ich
+weiß nicht, wohin wir geraten sind.«</p>
+
+<p>Ich sage zu Dir: »Mutter, hab' keine
+Angst.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Wiese prickelt vor spitzigem Gras,
+und drüber läuft ein schmaler, holpriger
+Pfad.</p>
+
+<p>Kein Vieh ist zu sehn auf dem weiten
+<a class="pagenum" name="Page_84" title="84"> </a>
+Feld; es ist in seine Ställe heimgekehrt.</p>
+
+<p>Es wird dunkel und düster auf Land
+und Himmel, und wir können's nicht
+sagen, wohin wir gehn.</p>
+
+<p>Plötzlich rufst Du und fragst mich
+flüsternd: »Was für ein Licht ist dort am
+Ufer?«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Just da gellt ein furchtbarer Schrei, und
+Gestalten kommen laufend auf uns zu.</p>
+
+<p>Du sitzest zusammengekauert in Deinem
+Palankin und wiederholst betend
+die Namen der Götter.</p>
+
+<p>Die Träger, vor Schrecken zitternd
+verstecken sich im Dornenbusch.</p>
+
+<p>Ich schrei' Dir zu: »Hab' keine Angst,
+Mutter, ich bin da!«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_85" title="85"> </a>Mit langen Stöcken in den Händen
+und ganz wild flatterndem Haar um ihre
+Schädel kommen sie näher und näher.</p>
+
+<p>Ich schreie: »Seht Euch vor, Ihr Schurken!
+Einen Schritt weiter und Ihr seid
+des Todes!«</p>
+
+<p>Sie stoßen noch einmal ein schreckliches
+Geheul aus und stürzen vorwärts.</p>
+
+<p>Du packst meine Hand und sagst:
+»Lieber Junge, um Himmels willen, halt'
+Dich fern von ihnen!«</p>
+
+<p>Ich sage: »Mutter, gib Du nur Obacht
+auf mich.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Dann sporn' ich mein Roß zu wildem
+Galopp, und mein Schwert und Schild
+klirren aneinander.</p>
+
+<p>Der Kampf wird so gräßlich, Mutter,
+<a class="pagenum" name="Page_86" title="86"> </a>
+daß Dich ein kalter Schauer überliefe,
+wenn Du ihn sehen könntest von Deinem
+Palankin.</p>
+
+<p>Viele von ihnen fliehn, und eine große
+Zahl ist in Stücke gehaun.</p>
+
+<p>Ich weiß, Du denkst, ganz versunken
+in Dich, Dein Junge muß tot sein in dieser
+Stunde.</p>
+
+<p>Aber ich komme zu Dir, ganz mit Blut
+befleckt und sage: »Mutter, nun ist der
+Kampf vorüber.«</p>
+
+<p>Du kommst heraus und küssest mich,
+drückst mich an Dein Herz und sagst zu
+Dir selbst:</p>
+
+<p>»Ich weiß nicht, was ich tun würde,
+wenn ich nicht meinen Jungen zum Geleit
+hätte.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_87" title="87"> </a>Tausend nutzlose Dinge geschehen
+Tag für Tag, warum könnte nicht so
+etwas zufällig wahr werden?</p>
+
+<p>Es würde wie eine Geschichte in einem
+Buch sein.</p>
+
+<p>Mein Bruder würde sagen: »Ist das
+möglich? Ich dachte immer, er wäre so
+zart!«</p>
+
+<p>Unsre Dorfleute würden alle in Verwunderung
+sagen: »War es nicht ein
+Glück, daß der Junge mit seiner Mutter
+war?«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_88" title="88"> </a>DAS ENDE</h2>
+
+<p>Es ist Zeit für mich, zu gehen, Mutter.
+Ich gehe.</p>
+
+<p>Wenn Du im fahlen Dunkel der einsamen
+Dämmerung Deine Arme ausstreckst
+nach Deinem Kindchen im Bett,
+werde ich sagen: »Kindchen ist nicht
+da!« &ndash; Mutter, ich gehe.</p>
+
+<p>Ich werde ein zarter Lufthauch werden
+und Dich liebkosen; und ich werde
+das Kräuseln auf dem Wasser sein, wenn
+Du badest, und Dich küssen und wieder
+küssen.</p>
+
+<p>In der Sturmnacht, wenn der Regen
+auf die Blätter prasselt, wirst du mein
+Flüstern hören in Deinem Bett, und mein
+Lachen wird mit dem Blitz durchs offne
+Fenster in Dein Zimmer leuchten.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_89" title="89"> </a>Wenn Du wach liegst, an Dein Kindchen
+denkend bis spät in die Nacht, werd'
+ich singen zu Dir von den Sternen:
+»Schlaf, Mutter, schlaf.«</p>
+
+<p>Auf den irrenden Mondstrahlen werd'
+ich mich über Dein Bett stehlen und auf
+Deiner Brust liegen, während Du schläfst.</p>
+
+<p>Ich werde ein Traum werden und
+durch die kleine Öffnung Deiner Augenlider
+werd' ich in die Tiefen Deines
+Schlafes schlüpfen; und wenn Du aufwachst
+und bestürzt herumschaust,
+werd' ich wie ein glitzernder Leuchtkäfer
+hinaus ins Dunkle schwirren.</p>
+
+<p>Wenn zum großen Puja-Feste die
+Nachbarskinder kommen und herumspielen
+im Haus, werd' ich in die Musik
+der Flöte schmelzen und in Deinem
+<a class="pagenum" name="Page_90" title="90"> </a>
+Herzen schlagen den ganzen Tag.</p>
+
+<p>Die liebe Muhme wird kommen mit
+Puja-Geschenken und wird fragen: »Wo
+ist unser Kindchen, Schwester?«</p>
+
+<p>Mutter, Du wirst ihr leise sagen: »Er
+ist in den Sternen meiner Augen, er ist in
+meinem Körper und in meiner Seele.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_91" title="91"> </a>KOMM ZURÜCK!</h2>
+
+<p>Die Nacht war schwarz als <em class="gesperrt">sie</em> fortging,
+und sie schliefen.</p>
+
+<p>Die Nacht ist schwarz jetzt, und ich
+rufe nach <em class="gesperrt">ihr</em>: »Komm zurück, mein
+Liebling; die Welt liegt im Schlaf; und
+niemand würde wissen, wenn Du kämst
+für eine Weile, während die Sterne den
+Sternen zublinken.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Sie ging weg, als die Bäume in Knospen
+standen und der Lenz jung war.</p>
+
+<p>Nun sind die Blumen in voller Blüte
+und ich rufe: »Komm zurück, mein Liebling.
+Die Kinder sammeln Blumen und
+verstreun sie in unbekümmertem Spiel.
+Und wenn Du kämest und nähmest
+<em class="gesperrt">eine</em> kleine Blüte, es würde sie keiner
+<a class="pagenum" name="Page_92" title="92"> </a>
+vermissen.«</p>
+
+<p>Die damals spielten, spielen noch, so
+verschwenderisch ist Leben.</p>
+
+<p>Ich lauschte ihrem Plaudern und rufe:
+»Komm zurück, mein Liebling; denn
+Mutters Herz ist voll bis an den Rand
+mit Liebe, und wenn Du kämest, nur
+einen einzigen kleinen Kuß zu haschen
+von ihr, es würde Dir's niemand neiden.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_93" title="93"> </a>DER ERSTE JASMIN</h2>
+
+<p>Ah, dieser Jasmin, dieser weiße Jasmin!</p>
+
+<p>Mir ist wie am ersten Tag, da ich
+meine Hände füllte mit diesem Jasmin,
+diesem weißen Jasmin.</p>
+
+<p>Ich habe die Sonne geliebt, den Himmel
+und die grüne Erde.</p>
+
+<p>Ich habe das rieselnde Rauschen des
+Flusses gehört durch das Dunkel der
+Mitternacht;</p>
+
+<p>Herbstsonnenuntergänge sind zu mir
+gekommen an eines Weges Biegung in
+einsamer Öde wie eine Braut, den Schleier
+hebend zum Empfang des Geliebten.</p>
+
+<p>Und doch ist mein Erinnern noch süß
+von dem ersten weißen Jasmin, den ich in
+meiner Hand hielt, als ich ein Kind war.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_94" title="94"> </a>Manch' froher Tag ist in mein Leben
+gekommen, und ich habe gelacht mit
+Spaßmachern in festlichen Nächten.</p>
+
+<p>An grauen Regenmorgen hab' ich
+manch' müßig Lied gesummt.</p>
+
+<p>Ich habe um meinen Nacken getragen
+den Abendkranz aus Bakulas, von Händen
+der Liebe geflochten.</p>
+
+<p>Und doch ist mein Herz süß von dem
+Erinnern an den ersten frischen Jasmin,
+der meine Hände füllte, als ich ein Kind
+war.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_95" title="95"> </a>DER FEIGENBAUM</h2>
+
+<p>O Du zottelköpfiger Feigenbaum am
+Ufer des Teichs, hast Du den kleinen
+Jungen vergessen wie die Vögel, die in
+Deinen Zweigen genistet haben und Dich
+verließen?</p>
+
+<p>Erinnerst Du Dich nicht, wie er am
+Fenster saß und sich wunderte über das
+Gewirr Deiner Wurzeln, die unter die
+Erde tauchten?</p>
+
+<p>Die Frauen kamen immer, ihre Krüge
+zu füllen am Teich, und Dein riesiger,
+schwarzer Schatten räkelte sich über das
+Wasser wie Schlaf, der sich anstrengt,
+aufzuwachen.</p>
+
+<p>Sonnenlicht tanzte auf den Wasserwirbeln
+wie ruhlose, winzige Weberschiffchen,
+die eine goldne Tapete wirken.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_96" title="96"> </a>Zwei Enten schwammen am verwilderten
+Rande über ihren Schatten
+und der Junge saß still und sann.</p>
+
+<p>Er wollte der Wind sein und durch
+Deine rauschenden Zweige blasen, Dein
+Schatten sein und mit dem Tage länger
+werden auf dem Wasser, ein Vogel sein
+und auf Deinem höchsten Wipfel sitzen,
+und wie jene Enten unter Unkraut und
+Schatten schwimmen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_97" title="97"> </a>SEGNUNG</h2>
+
+<p>Segne dies kleine Herz, diese weiße
+Seele, die des Himmels Kuß für unsere
+Erde gewonnen hat.</p>
+
+<p>Er liebt das Licht der Sonne, er liebt
+den Anblick von seiner Mutter Antlitz.</p>
+
+<p>Er hat mich gelehrt, den Staub verachten
+und nach Gold trachten.</p>
+
+<p>Schließ' ihn an Dein Herz und segne ihn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Er ist in dieses Land der hundert Kreuzwege
+gekommen.</p>
+
+<p>Ich weiß nicht, wieso er Dich wählte
+aus der Menge, an Dein Tor kam und
+Deine Hand faßte, um seinen Weg zu
+fragen.</p>
+
+<p>Er wird Dir folgen, lachend und plaudernd
+und ohne Zweifel im Herzen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_98" title="98"> </a>Erfüll' sein Vertrauen, führe ihn zum
+Rechten und segne ihn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Leg' Deine Hand auf sein Haupt und
+bete: wenn auch die Wogen unten bedrohlich
+werden, so möge doch der Odem
+von oben kommen und seine Segel füllen
+und ihn in den Hafen des Friedens wehn.</p>
+
+<p>Vergiß' ihn nicht in Deinem Hasten,
+laß' ihn an Dein Herz kommen und segne
+ihn.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_99" title="99"> </a>DAS GESCHENK</h2>
+
+<p>Ich möchte Dir was schenken, mein
+Kind, denn wir treiben auf dem Strom
+der Welt.</p>
+
+<p>Unsre Leben werden auseinandergehn
+und unsre Liebe wird vergessen werden.</p>
+
+<p>Aber ich bin nicht so töricht, zu hoffen,
+ich könnte Dein Herz mit meinen Geschenken
+kaufen.</p>
+
+<p>Jung ist Dein Leben, Dein Pfad lang,
+und Du trinkst die Liebe, die wir Dir
+bringen, auf einen Zug, kehrst Dich um
+und läufst weg von uns.</p>
+
+<p>Du hast Dein Spiel und Deine Gespielen.
+Was tut's, wenn Du nicht Zeit,
+nicht Sinn für uns hast.</p>
+
+<p>Fürwahr, wir haben Muße genug im
+Alter, die Tage zu zählen, die vergangen
+<a class="pagenum" name="Page_100" title="100"> </a>
+sind, in unseren Herzen zu hätscheln, was
+unsre Hände für immer verloren haben.</p>
+
+<p>Der Fluß läuft schnell mit einem Lied,
+alle Schranken durchbrechend. Aber der
+Berg steht und erinnert sich und folgt ihm
+mit seiner Liebe.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_101" title="101"> </a>MEIN LIED</h2>
+
+<p>Dies Lied von mir will seine Musik
+winden um Dich, mein Kind, wie die
+zärtlichen Arme der Liebe.</p>
+
+<p>Dies Lied von mir will Deine Stirn berühren
+wie ein Segenskuß.</p>
+
+<p>Wenn Du allein bist, wird es an Deiner
+Seite sitzen und Dir ins Ohr flüstern;
+bist Du in der Menge, wird es Dich einfrieden
+mit Entrücktheit.</p>
+
+<p>Mein Lied wird ein Flügelpaar für
+Deine Träume sein, es wird Dein Herz
+an die Grenze des Unbekannten reißen.</p>
+
+<p>Es wird wie der getreue Stern zu Häupten
+sein, wenn finstre Nacht über Deiner
+Straße liegt.</p>
+
+<p>Mein Lied wird in den Sternen Deiner
+Augen sitzen und Deinen Blick in das
+<a class="pagenum" name="Page_102" title="102"> </a>
+Herz der Dinge führen.</p>
+
+<p>Und wenn meine Stimme still ist im
+Tod, wird mein Lied in Dein lebendes
+Herz sprechen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_103" title="103"> </a>DER ENGEL</h2>
+
+<p>Sie schreien und kämpfen, sie zweifeln
+und verzweifeln, sie wissen kein Ende
+ihren Zänken.</p>
+
+<p>Laß' Dein Leben unter sie kommen
+wie eine Flamme Licht, mein Kind, ohne
+Flackern und rein, und entzücke sie zum
+Schweigen.</p>
+
+<p>Sie sind grausam in ihrer Gier und
+ihrem Neid; ihre Worte sind wie verborgene
+Messer, dürstend nach Blut.</p>
+
+<p>Geh' und stelle Dich unter ihre schelen
+Herzen, mein Kind, und laß' Deine milden
+Augen auf sie fallen wie der verzeihende
+Abendfriede über den Streit des Tags.</p>
+
+<p>Laß' sie Dein Antlitz sehn, mein Kind,
+und so den Sinn aller Dinge erkennen; laß'
+sie Dich lieben und so einander lieben.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_104" title="104"> </a>Komm' und wohne im Busen der Unendlichkeit,
+mein Kind. Mit Sonnenaufgang
+öffne und erhebe Dein Herz wie
+eine blühende Blume, und zum Untergang
+neige Dein Haupt und vollende im
+Schweigen des Tages Gottesdienst.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_105" title="105"> </a>DER LETZTE VERTRAG</h2>
+
+<p>»Komm und miete mich«, schrie ich,
+als ich des Morgens auf der steingepflasterten
+Straße ging.</p>
+
+<p>Das Schwert in der Hand, kam der
+König in seinem Wagen.</p>
+
+<p>Er hielt meine Hand und sagte: »Ich
+will Dich mieten mit meiner Macht.«</p>
+
+<p>Aber seine Macht war mir nichts wert,
+und er fuhr davon in seinem Wagen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>In der Hitze des Mittags lehnten die
+Häuser mit geschlossenen Türen.</p>
+
+<p>Ich wanderte entlang die krumme
+Gasse.</p>
+
+<p>Ein alter Mann kam heraus mit seinem
+Sack voll Gold.</p>
+
+<p>Er sann nach und sagte: »Ich will
+<a class="pagenum" name="Page_106" title="106"> </a>
+Dich mieten mit meinem Geld.«</p>
+
+<p>Er wog seine Münzen, eine nach der
+andern, aber ich wandte mich fort.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Abend war's. Die Gartenhecke stand
+ganz in Blüte.</p>
+
+<p>Das liebliche Mädchen kam heraus
+und sagte: »Ich will Dich mieten mit
+einem Lächeln.«</p>
+
+<p>Ihr Lächeln blaßte und schmolz in
+Tränen, und sie ging zurück allein im
+Dunkel.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Sonne glitzerte im Sand, und die
+Meereswellen brachen landeinwärts.</p>
+
+<p>Ein Kind saß da, mit Muscheln spielend.</p>
+
+<p>Es hob seinen Kopf und schien mich
+<a class="pagenum" name="Page_107" title="107"> </a>
+zu kennen und sagte: »Ich miete Dich
+mit Nichts.«</p>
+
+<p>Von da an machte mich dieser Vertrag,
+im Kinderspiel geschlossen, zum freien
+Mann.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_109" title="109"> </a>ANMERKUNGEN UND NACHWORT DES ÜBERSETZERS</h2>
+
+<p class="hanging-indent"><a class="pagenum" name="Page_110" title="110"> </a>Zu Seite</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_7">7</a>: <i>Arēka-Palme</i> (malayisch arik). Eine
+Abart, Arēca cātechu, die Betelpalme,
+trägt orangerote, hühnereigroße
+Früchte, deren Kern, mit den
+Blättern des Betelpfeffers umwickelt,
+gekaut wird.</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Kokos-Palme</i> (von spanisch coca
+»Nuß« oder portugiesisch coco »Popanz«
+wegen der gesichtsähnlichen,
+daher schreckhaften Früchte). Die
+Kokosnuß gehört in Indien zu den
+heiligsten Früchten, die der Göttin
+der Wohlfahrt, Sriphāla, geweiht sind.</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Brotfruchtbaum</i> (englisch jack-fruit
+aus malayisch chakka; sanskrit pānasa).
+Die kopfgroßen Früchte werden
+roh und geröstet genossen. 2 bis
+3 Bäume versorgen einen Menschen
+ein Jahr mit Nahrung.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_20">20</a>: <i>Feigenbaum</i> (englisch banyan tree,
+<a class="pagenum" name="Page_111" title="111"> </a>
+sanskrit vaṭa; ficus indica). Die Luftwurzeln
+der Äste greifen in den Boden
+ein und werden zu neuen Stämmen.
+So wächst der Baum nach allen
+Seiten hin durch Jahrtausende und
+bildet einen Wald, der Tausende von
+Menschen aufnimmt. Er ist der Zeit,
+Kāla, heilig und gilt als Sinnbild der
+Unsterblichkeit. Beim Pflanzen des
+Baumes wird gewöhnlich das Gebet
+gesprochen: »Möchte ich so viele
+Jahre im Himmel weilen als dieser
+Baum auf Erden wächst.«</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Mango</i> (malayisch māngāy, sanskrit
+āmra; magnifera indica). Gelbblühender
+Baum mit gelblichen, bis zu einem
+Kilo schweren Früchten, die ein beliebtes
+Obst sind. Der Ārmra gilt als
+Inkarnation der Liebesgöttin. Nach
+einer Legende übte die Göttin Pārvati
+unter einem Mangobaum Buße,
+<a class="pagenum" name="Page_112" title="112"> </a>
+dort, wo jetzt der Ṡaiva-Tempel steht.
+Hier erschien ihr ihr Gatte Ṡiva, der
+als Ekāmranātha »der unvergleichliche
+Herr des Mangobaums« verehrt
+wird.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_21">21</a>: <i>Bakula</i> (mimusops elengi), Baum mit
+wohlriechenden Blättern und Blüten,
+die ein ätherisches Öl liefern. Die
+süßen Früchte sind eßbar.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_35">35</a>: <i>Kadam</i> (sanskrit Kadamba; nauclea
+cadamba), Liane mit orangefarbener
+duftender Blüte.</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Dādā</i> (Hindustani), Großvater väterlicherseits,
+dann auf jede ältere Person
+angewendet, hier: der ältere Bruder.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_40">40</a>: <i>Champa</i> (sanskrit champaka; michelia
+champaka), den Magnolien ähnliche
+Holzgewächse mit duftenden,
+zarten, weißen und gelben Blüten,
+die Götzenbildern dargebracht werden,
+<a class="pagenum" name="Page_113" title="113"> </a>
+besonders am 14. Iyeshṭh (ungefähr
+unserm Juni entsprechend).
+Das wohlriechende Champakaöl ist
+sehr beliebt.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_41">41</a>: <i>Rāmāyana</i> (sanskrit ayana = gehend,
+vonay = gehen), »Die Taten des Rama«.
+Das große Sanskrit-Epos, das
+dem Vālmiki zugeschrieben wird und
+im 5. Jahrh. v. Chr. entstanden sein
+dürfte. Vgl. Alex. Baumgartner, das
+Rāmāyana und die Rāma-Literatur
+der Inder. Freiburg 1894.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_43">43</a>: <i>Tulsi</i> (sanskrit tulasi; ocimum sanctum),
+heiliges Basilikum. In Ostindien
+berühmteste Arzneipflanze,
+der Legende nach aus dem Haar einer
+Nymphe erzeugt, die Vishnu in seiner
+Inkarnation als Krishna liebte. Vaisnawa-Rosenkränze
+bestehen aus 108
+Perlen von diesem Holz. Alljährlich
+wird in Indien eine Art Vermählungszeremonie
+<a class="pagenum" name="Page_114" title="114"> </a>
+zwischen dieser Pflanze
+und einem Salagramammoniten (versteinerte,
+ausgestorbene Tintenschneckenart,
+Symbol des Vishnu
+und als Amulett weiblicher Fruchtbarkeit)
+als Sinnbild der Muschelinkarnation
+Vishnus vollzogen.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_50">50</a>: <i>Tamarinde</i> (arabisch tamr hindi, indische Dattel;
+tamarindus indica),
+bis zu 25 Metern hoher, immergrüner
+Baum mit gelblichen, purpurgeäderten
+Blüten. Die Frucht wird als
+Obst, Nahrungs- und Arzneimittel
+verwendet.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_53">53</a>: <i>Shiuli</i> (bengali; nyctanthes arbor tristis),
+Gattung der Oleaceen. Bis zu
+9 Metern hoher Baum oder Strauch,
+vom Jasmin hauptsächlich durch
+Blütenfarbe (Röhre und Schlund
+orange, sonst weiß) und Fruchtform
+verschieden. Tropische Zierpflanze
+<a class="pagenum" name="Page_115" title="115"> </a>
+mit wohlriechenden, nur nachts geöffneten
+Blüten, die zum Färben von
+Speisen und zur Bereitung von ätherischem
+Öl dienen.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_55">55</a>: <i>Indischer Flachs</i> (englisch jute, bengali
+jūto »die Haarflechte«; corchorus
+olitorius). Die Faser wird zur Erzeugung
+von Matten und groben Sackleinen,
+Jute, verwendet.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_56">56</a>: <i>Rāmachandra.</i> Das Wort chandra
+wird oft an Namen angefügt, um die
+Schönheit auszudrücken. Der Retter
+der Welt, der triumphierende Dämonentöter,
+der rührendste Dulder,
+in den sich Vishnu bei seiner siebenten
+Herabkunft verwandelte. Rāmas
+vierzehnjährige Verbannung mit seiner
+Gattin Sitā wird im zweiten und
+dritten Gesange des Rāmāyana geschildert.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a class="pagenum" name="Page_116" title="116"> </a><a href="#Page_71">71</a>: <i>Ganesh</i> (Sanskrit Ganeça »der Anführer
+des Gefolges« Shivas, als dessen
+Sohn er gilt). Er wird oft mit seinem
+Bruder, dem Kriegsgott Skanda verehrt.
+Er ist der Entferner von Hindernissen,
+die Verkörperung allen Erfolges.
+Indische Handschriften pflegen
+mit einer an ihn sich richtenden Verehrungsformel
+zu beginnen, damit er
+den hindernden Einfluß böser Dämonen
+vom Schreiben abwehre: so
+ist der Schein entstanden, als sei Ganesha
+eigentlich ein Gott der Wissenschaft.
+Sein in Indien unendlich verbreitetes
+Bild zeigt ihn mit einem
+Elefantenkopf, oft auf einer Ratte
+reitend.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_75">75</a>: <i>Madar</i> (sanskrit mandāra; erythrina
+indica), Dadapbaum, als Stütze in
+Pfeffer-, als Schattenbaum in Kaffeeplantagen
+verwendet. Mit meist scharlachroten
+<a class="pagenum" name="Page_117" title="117"> </a>
+Blütentrauben, zur Gattung
+der Korallenbäume gehörig.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_83">83</a>: <i>Palankin</i> Tragsänfte.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_89">89</a>: <i>Puja</i> (sanskrit) bedeutet Verehrung
+überhaupt. Als Fest ist das Durgāpūjā
+oder Navarātra gemeint, die
+»Neun Nächte«, beginnt am ersten
+und endet am zehnten Tag der lichten
+Hälfte von Āṡvina (September-Oktober).
+Es wird namentlich in Bengal
+gefeiert als Erinnerung an den Sieg
+von Durgā, Shivas Frau, über einen
+büffelköpfigen Dämon. Ihr Bild wird
+mit zehn bewaffneten Armen dargestellt,
+ihr rechter Fuß auf einem
+Löwen ruhend, ihr linker auf dem
+Büffeldämon. Nach neuntägiger Verehrung
+wird dieses Götzenbild am
+zehnten Tage ins Wasser gestürzt.</p>
+
+<p class="no-indent">Näheres vgl. Monier-Williams, Brāmanism
+<a class="pagenum" name="Page_118" title="118"> </a>
+and Hindūism or Religious
+Thought and Life in India. London,
+1891.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Gedichte <a href="#Page_9">2</a>, <a href="#Page_12">3</a> und <a href="#Page_28">9</a> sind mit den
+Gedichten 60&ndash;62 der Sammlung »Gitanjali«
+identisch.</p>
+
+<p>Es scheint mir wichtig, zu betonen,
+daß die englische, von Tagore selbst geschaffene
+Form als die beste europäische
+Mittlerin seiner Gedanken und Gefühle
+zu gelten hat. Selbst die Kunst eines
+Rückert könnte uns die Umdichtung
+aus dem bengalischen Urtext nicht so
+nahebringen, wie eine möglichste Nachbildung
+der englischen Umdichtung uns
+rühren kann.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_119" title="119"> </a>Bei den Anmerkungen danke ich wieder
+vieles der Freundlichkeit des Berliner
+Sanskritisten, Herrn Professor Heinrich
+Lüders.</p>
+
+<p class="center page-break page-break-after italic"><a class="pagenum" name="Page_120" title="120"> </a>GEDRUCKT BEI POESCHEL &amp; TREPTE IN LEIPZIG</p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
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+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
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+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
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+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
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