summaryrefslogtreecommitdiff
diff options
context:
space:
mode:
authorRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:09:34 -0700
committerRoger Frank <rfrank@pglaf.org>2025-10-14 20:09:34 -0700
commit04707786e8ae5e51886efb5886bec29868d61bca (patch)
tree7ba4e65bb1702f1e970db93a5f50a8154458390c
initial commit of ebook 38125HEADmain
-rw-r--r--.gitattributes3
-rw-r--r--38125-0.txt2211
-rw-r--r--38125-0.zipbin0 -> 30428 bytes
-rw-r--r--38125-8.txt2211
-rw-r--r--38125-8.zipbin0 -> 30179 bytes
-rw-r--r--38125-h.zipbin0 -> 79835 bytes
-rw-r--r--38125-h/38125-h.htm2961
-rw-r--r--38125-h/images/logo.pngbin0 -> 7385 bytes
-rw-r--r--38125-h/images/titelseite.jpgbin0 -> 40297 bytes
-rw-r--r--LICENSE.txt11
-rw-r--r--README.md2
11 files changed, 7399 insertions, 0 deletions
diff --git a/.gitattributes b/.gitattributes
new file mode 100644
index 0000000..6833f05
--- /dev/null
+++ b/.gitattributes
@@ -0,0 +1,3 @@
+* text=auto
+*.txt text
+*.md text
diff --git a/38125-0.txt b/38125-0.txt
new file mode 100644
index 0000000..f705355
--- /dev/null
+++ b/38125-0.txt
@@ -0,0 +1,2211 @@
+The Project Gutenberg EBook of Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der zunehmende Mond
+
+Author: Rabindranath Tagore
+
+Translator: Hans Effenberger
+
+Release Date: November 24, 2011 [EBook #38125]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden übernommen.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original kursiv gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+RABINDRANATH TAGORE
+
+DER ZUNEHMENDE MOND
+
+KURT WOLFF VERLAG
+
+
+Copyright 1915
+
+Kurt Wolff Verlag, Leipzig
+
+
+Berechtigte deutsche Übertragung von HANS EFFENBERGER nach der von
+Rabindranath Tagore selbst veranstalteten englischen Ausgabe
+
+
+
+
+DIE HÜTTE
+
+
+Ich ging allein den Weg über das Feld, während der Sonnenuntergang sein
+letztes Gold wie ein Geizhals verbarg.
+
+Des Tages Licht sank tiefer und tiefer in die Dunkelheit, und das
+verwitwete Land, der Ernte brach, lag schweigend.
+
+Plötzlich stieg eines Knaben schrille Stimme in den Himmel. Er
+durchdrang ungesehn das Dunkel und ließ die Spur seines Liedes über der
+Stille des Abends.
+
+Seine Hütte lag im Dorf am Ende des öden Landes, hinter dem
+Zuckerrohrfeld, verborgen in den Schatten der Bananen und der schlanken
+Arēka-Palme, der Kokosnuß und der dunkelgrünen Brotfruchtbäume.
+
+Ich hielt einen Augenblick inne auf meinem einsamen Gang im Licht der
+Sterne und sah ausgebreitet vor mir die dunkelnde Erde, in ihren Armen
+zahllose Hütten mit Wiegen und Betten, Mutterherzen und Abendlampen und
+jungen Leben, froh von einer Freude, die nicht weiß, was sie der Welt
+bedeutet.
+
+
+
+
+AM MEERUFER
+
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder.
+
+Der grenzenlose Himmel zu Häupten ist ohne Bewegung, und das ruhlose
+Wasser ist ungestüm.
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder mit Jubeln und Tanzen.
+
+ * * * * *
+
+Sie bauen ihre Häuser aus Sand, und sie spielen mit leeren Muscheln. Aus
+welken Blättern flechten sie ihre Boote und lassen sie lächelnd über der
+ungeheuren Tiefe treiben. Kinder haben ihr Spiel am Meerufer der Welten.
+
+ * * * * *
+
+Sie können nicht schwimmen, sie können nicht Netze werfen. Perlenfischer
+tauchen nach Perlen, Kaufleute segeln in ihren Schiffen, während Kinder
+Kiesel sammeln und sie wieder verstreun. Sie suchen nicht nach
+verborgenen Schätzen, sie können nicht Netze werfen.
+
+ * * * * *
+
+Das Meer schäumt auf in Gelächter, und fahl glänzt das Lächeln des
+Gestades. Todbringende Wellen singen verständnislose Balladen den
+Kindern, wie eine Mutter beim Einwiegen. Das Meer spielt mit Kindern,
+und fahl glänzt das Lächeln des Gestades.
+
+ * * * * *
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder. Sturm streicht am
+pfadlosen Himmel, Schiffe kentern in dem spurlosen Wasser, der Tod ist
+unterwegs, und Kinder spielen. Am Meerufer endloser Welten ist das große
+Begegnen der Kinder.
+
+
+
+
+DER URSPRUNG
+
+
+Der Schlaf, der über des Kindleins Augen huscht -- weiß jemand, woher
+der kommt? Ja, es geht ein Gerücht, daß er in dem Märchendorfe wohnt.
+Unter Waldesschatten, von Glühwürmern trüb erhellt, hängen zwei
+Zauberknospen. Von dort kommt er, des Kindleins Augen zu küssen.
+
+Das Lächeln, das auf des Kindleins Lippen flackert, wenn es schläft --
+weiß jemand, wo das geboren ward? Ja, es geht ein Gerücht, daß ein
+junger, blasser Strahl des zunehmenden Mondes den Saum einer
+schwindenden Herbstwolke berührte, und da wurde das Lächeln zuerst
+geboren in dem Traum eines taureinen Morgens -- das Lächeln, das auf des
+Kindleins Lippen spielt, wenn es schläft.
+
+Die süße, sanfte Frische, die auf des Kindleins Gliedern blüht -- weiß
+jemand, wo die so lange verborgen war? Ja, sie lag, als Mutter noch ein
+junges Mädchen war, ihr Herz durchdringend, im zarten und schweigenden
+Geheimnis der Liebe -- die süße, sanfte Frische, die auf des Kindleins
+Gliedern aufgeblüht ist.
+
+
+
+
+DES KINDCHENS WESEN
+
+
+Wenn Kindchen nur wollte, könnte es in diesem Augenblick zum Himmel
+auffliegen.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es uns verläßt.
+
+Es liebt es, seinen Kopf auszuruhn an Mutters Brust und kann es niemals
+ertragen, wenn seine Augen sie nicht sehn.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen kennt allerhand weise Worte, wenn auch Wenige auf Erden ihren
+Sinn verstehen können.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es niemals zu sprechen verlangt.
+
+Das einzige, das es verlangt, ist Mutters Worte von Mutters Lippen zu
+lernen. Darum schaut es so unschuldig drein.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen hatte einen Haufen Gold und Perlen und doch kam es wie ein
+Bettler in diese Welt.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es in solcher Verkleidung kam.
+
+Dieser liebe, kleine, nackte Bettler gibt vor, ganz hilflos zu sein,
+damit er um Mutters reiche Liebe betteln kann.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen war so frei von jeder Fessel im Lande des kleinen, zunehmenden
+Monds.
+
+Es war nicht umsonst, daß es seine Freiheit aufgab.
+
+Es weiß, daß Raum ist für endlose Freude in dem kleinen Winkel von
+Mutters Herzen und daß es viel süßer ist als Freiheit, in ihren lieben
+Armen gefangen und geherzt zu werden.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen wußte nichts vom Schreien. Es wohnte im Lande der vollkommenen
+Seligkeit.
+
+Es ist nicht umsonst, daß es das Weinen erwählt hat.
+
+Wenn es auch mit dem Lächeln seines lieben Gesichtes Mutters sehnendes
+Herz zu sich zieht, so schlingen doch seine kleinen Schreie über winzige
+Kümmernisse das doppelte Band von Mitleid und Liebe.
+
+
+
+
+DAS UNBEACHTETE SCHAUSPIEL
+
+
+Ach, wer war's, der diesen kleinen Kittel bunt färbte, mein Kind, und
+Deine süßen Glieder mit diesem kleinen, roten Rock bedeckte?
+
+Du bist herausgekommen im Morgen, auf dem Hof zu spielen, torkelnd und
+taumelnd, wenn Du läufst.
+
+Aber wer war's, der diesen kleinen Kittel bunt färbte, mein Kind?
+
+ * * * * *
+
+Was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?
+
+Mutter steht auf der Schwelle und lächelt Dich an.
+
+Sie klatscht in ihre Hände, und ihre Spangen klirren, und Du tanzest mit
+Deinem Bambusstock in der Hand wie ein kleinwinziger Hirte.
+
+Aber was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?
+
+ * * * * *
+
+O Bettler, was bettelst Du, Mutters Nacken mit Deinen beiden Händen
+umschlingend?
+
+O gieriges Herz, soll ich die Welt pflücken wie eine Frucht vom Himmel,
+um sie in Deine kleine, rosige Hand zu legen?
+
+O Bettler, um was bettelst Du denn?
+
+ * * * * *
+
+Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner Fußschellen davon.
+
+Die Sonne lächelt und bewundert Dein Kleid.
+
+Der Himmel wacht über Dir, wenn Du schläfst in Mutters Armen, und der
+Morgen kommt auf Zehenspitzen an Dein Bett und küßt Deine Augen.
+
+Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner Fußschellen davon.
+
+ * * * * *
+
+Die Feenkönigin der Träume kommt zu Dir durch den Dämmerhimmel geflogen.
+
+Die Weltenmutter sitzt bei Dir in Deiner Mutter Herzen.
+
+Er, der seine Musik den Sternen spielt, steht an Deinem Fenster mit
+seiner Flöte.
+
+Und die Feenkönigin der Träume kommt zu Dir durch den Dämmerhimmel
+geflogen.
+
+
+
+
+SCHLAFDIEBIN
+
+
+Wer den Schlaf von Kindchens Augen stahl, muß ich wissen.
+
+Den Krug auf der Hüfte, ging Mutter Wasser holen aus dem nahen Dorf.
+
+Es war Mittag. Der Kinder Spielzeit war vorüber. Im Teich die Enten
+schwiegen.
+
+Der Hirtenknab' lag eingeschlafen unter dem Schatten des Feigenbaums.
+
+Der Kranich stand ernst und still in dem Sumpf am Mangohain.
+
+Mittlerweile kam die Schlafdiebin, haschte den Schlaf von Kindchens
+Augen und flog davon.
+
+Als Mutter heimkehrte, fand sie Kindchen auf allen Vieren durchs Zimmer
+kriechen.
+
+ * * * * *
+
+Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, muß ich wissen. Ich muß sie finden
+und anketten. Ich muß dort in die schwarze Höhle schaun, wo durch Felsen
+und düstres Gestein ein kleiner Bach sickert.
+
+Ich muß suchen in dem Schlummerschatten des Bakulahains, wo Tauben in
+den Verstecken gurren und Elfenringe in der Stille der Sternennächte
+klirren. Des abends will ich in das flüsternde Schweigen des
+Bambuswaldes lugen, wo Leuchtkäfer ihr Licht verschwenden, und will
+jedes Wesen fragen, das ich treffe: »Kann einer mir sagen, wo die
+Schlafdiebin wohnt?«
+
+ * * * * *
+
+Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, muß ich wissen.
+
+Würd' ich ihr nicht ordentlich Bescheid sagen, wenn ich sie nur
+erwischen könnte! Ihr Nest würd' ich überfallen und sehn, wo sie all
+ihren gestohlenen Schlaf hütet. Ich würde es ganz plündern und ihn
+heimtragen.
+
+Ich würd' ihre zwei Flügel fest zusammenbinden, sie an das Ufer des
+Flusses setzen und sie dann die Fischerin spielen lassen zwischen den
+Binsen und Wasserlilien.
+
+Wenn abends das Markten vorüber ist, und die Dorfkinder ihren Müttern im
+Schoß sitzen, werden die Nachtvögel ihr spottend in die Ohren kreischen:
+
+»Wessen Schlaf stiehlst Du Dir jetzt?«
+
+
+
+
+DER ANFANG
+
+
+»Wo bin ich hergekommen, wo hast Du mich aufgelesen?« fragte das Kind
+seine Mutter.
+
+Sie antwortete halb weinend, halb lachend und drückte das Kind an ihre
+Brust:
+
+»Du warst verborgen in meinem Herzen als seine Sehnsucht, Liebling.
+
+Du warst in den Puppen meiner Kinderspiele; und wenn ich aus Lehm das
+Bildnis meines Gottes formte jeden Morgen, dann formte und vernichtete
+ich Dich.
+
+Du warst mit eingeschlossen in der Gottheit unsres Hauses; sie
+verehrend, verehrte ich Dich.
+
+In all meinem Hoffen und Lieben, in meinem Leben, in dem Leben meiner
+Mutter hast Du gelebt.
+
+Im Schoß des unsterblichen Geistes, der über unserm Hause waltet, bist
+Du genährt worden durch Menschenalter.
+
+In meiner Mädchenzeit, da mein Herz seine Blumenblätter aufschloß,
+schwebtest Du als ihr Duft darüber.
+
+Deine zarte Sanftheit blühte in meinen jugendlichen Gliedern wie ein
+Wolkenglühn vor Sonnenaufgang.
+
+Himmelserwählter Liebling, Zwilling des Morgenlichts, Du bist den Strom
+des irdischen Lebens heruntergeschwommen und zuletzt bist Du an meinem
+Herzen gestrandet.
+
+Ich schaue in Dein Gesicht, und Unfaßbares überkommt mich: Du, der allen
+gehört, bist mein geworden.
+
+Vor Angst, Dich zu verlieren, halt' ich Dich eng an meine Brust. Welcher
+Zauber hat den Schatz der Welt in diese meine schlanken Arme
+verstrickt!«
+
+
+
+
+KINDCHENS WELT
+
+
+Ich wünsche, ich könnte eine stille Ecke haben im Herzen von Kindchens
+ureigenster Welt.
+
+Ich weiß, sie hat Sterne, die zu ihm reden, und einen Himmel, der
+niedersteigt zu seinem Gesicht, um ihn mit seinen närrischen Wolken und
+Regenbogen zu vergnügen.
+
+Solche, die tun, als wären sie stumm und dreinschaun, als könnten sie
+sich niemals bewegen, kommen zu seinem Fenster gekrochen mit ihren
+Geschichten und mit Kästen voll herrlichem Spielzeug.
+
+ * * * * *
+
+Ich wünsche, ich könnte die Straße wandern, die durch Kindchens Gedanken
+führt, und weiter, hinaus über alle Schranken;
+
+Wo Sendboten unterwegs sind ohne Grund zwischen den Königreichen der
+Könige, die keine Geschichte kennt;
+
+Wo die Vernunft Drachen macht aus ihren Gesetzen und sie fliegen läßt,
+und die Wahrheit die Tat befreit von ihren Fesseln.
+
+
+
+
+WANN UND WARUM
+
+
+Wenn ich Dir buntes Spielzeug bringe, mein Kind, begreife ich, warum ein
+solches Spiel von Farben in den Wolken und auf dem Wasser ist, und warum
+die Blumen in Farben gemalt sind -- wenn ich Dir buntes Spielzeug
+schenke, mein Kind.
+
+Wenn ich singe, damit Du tanzest, weiß ich fürwahr, warum Musik in den
+Blättern ist, und warum Wellen ihrer Stimmen Chor zu dem Herzen der
+lauschenden Erde senden -- wenn ich singe, damit Du tanzest.
+
+Wenn ich Süßigkeiten bringe für Deine gierigen Händchen, weiß ich, warum
+Honig in dem Kelch der Blume ist, und warum Früchte heimlich mit süßem
+Saft gefüllt sind -- wenn ich Süßigkeiten bringe für Deine gierigen
+Händchen.
+
+Wenn ich Dein Gesicht küsse, damit Du lächelst, mein Liebling, begreife
+ich gewiß, welche Wonne vom Himmel träuft im Morgenlicht, und welch
+Entzücken die Sommerbrise meinem Körper bringt -- wenn ich Dich küsse,
+damit Du lächelst.
+
+
+
+
+VERLEUMDUNG
+
+
+Warum sind diese Tränen in Deinen Augen, mein Kind?
+
+Wie grausam von ihnen, Dich immer zu schelten, ohne Grund!
+
+Du hast Dir Finger und Wangen mit Tinte beschmiert beim Schreiben --
+heißen sie Dich darum schmutzig?
+
+O, pfui! Würden sie es wagen, den Vollmond schmutzig zu heißen, weil er
+sein Gesicht mit Tinte besudelt hat?
+
+ * * * * *
+
+Wegen jeder Kleinigkeit tadeln sie Dich, mein Kind. Sie sind bereit,
+Fehler zu finden, ohne Grund.
+
+Du zerreißest Deine Kleider beim Spielen -- heißen sie Dich darum
+unordentlich?
+
+O, pfui! Was würden sie einen Herbstmorgen heißen, der durch seine
+zerfetzten Wolken lächelt?
+
+ * * * * *
+
+Achte nicht darauf, was sie zu Dir sagen, mein Kind.
+
+Sie machen eine lange Liste Deiner Missetaten.
+
+Jeder weiß, wie Du Süßigkeiten liebst -- heißen sie Dich darum
+naschhaft?
+
+O, pfui! Was würden sie dann uns heißen, die Dich lieben?
+
+
+
+
+DER RICHTER
+
+
+Sagt von ihm, was ihr wollt, ich kenne doch meines Kindes Fehler.
+
+Ich lieb' ihn nicht, weil er gut ist, sondern weil er mein kleines Kind
+ist.
+
+Woher wollt ihr wissen, wie lieb er sein kann, wenn ihr versucht, seine
+Tugenden gegen seine Schwächen abzuwägen?
+
+Wenn ich ihn strafen muß, wird er um so mehr ein Teil meines Seins.
+
+Wenn ich Ursache bin, daß ihm die Tränen kommen, weint mein Herz mit
+ihm.
+
+Ich allein habe ein Recht, zu tadeln und zu strafen, denn der nur darf
+züchtigen, der liebt.
+
+
+
+
+SPIELZEUG
+
+
+Kind, wie glücklich sitzest Du im Staub und spielst mit einem
+zerbrochnen Zweig den ganzen Morgen.
+
+Ich lächle über Dein Spiel mit diesem kleinwinzigen, zerbrochnen
+Zweiglein.
+
+Ich bin eifrig bei meinen Rechnungen, stundenlang Zahlen
+zusammenzählend.
+
+Vielleicht schaust Du auf mich und denkst: »Was für ein dummes Spiel,
+=damit= Deinen Morgen zu verderben?«
+
+Kind, ich habe die Kunst vergessen, in Stöcke und Sandhügel vertieft zu
+sein.
+
+Ich suche nach teurem Spielzeug und sammle Klumpen von Gold und Silber.
+
+Was immer Du findest, Du schaffst Dir damit Deine frohen Spiele; ich
+verschwende meine Zeit und Kraft an Dinge, die ich niemals erreiche.
+
+In meinem schwanken Boot kämpf' ich, der Sehnsucht Meer zu durchkreuzen
+und vergesse, daß auch ich ein Spiel spiele.
+
+
+
+
+DER ASTRONOM
+
+
+Ich sagte nur: »Wenn sich des abends der runde Vollmond in den Zweigen
+jenes Kadambaums verwirrte, könnte ihn da jemand fangen?«
+
+Aber Dādā(1) lachte mich an und sagte: »Bubi, Du bist das dümmste Kind,
+das ich je gekannt habe.
+
+Der Mond ist, ach so weit von uns, wie könnte ihn denn einer da fangen?«
+
+ (1) Der ältere Bruder.
+
+Ich sagte: »Dādā, wie närrisch Du bist! Wenn Mutter hinausschaut aus
+ihrem Fenster und herunter lächelt auf uns beim Spielen, würdest Du
+sagen, sie wäre weit weg?«
+
+Doch Dādā sagte: »Du bist ein einfältiges Kind! Bubi, wo würdest Du denn
+ein Netz hernehmen, groß genug, um den Mond damit zu fangen?«
+
+Ich sagte: »Sicherlich könntest Du ihn mit Deinen Händen fangen.«
+
+Aber Dādā lächelte und sagte: »Du bist das dümmste Kind, das ich kenne.
+Wenn er näher käme, würdest Du sehn wie groß der Mond ist.«
+
+Ich sagte: »Dādā, was für Unsinn sie in Deiner Schule lehren! Wenn
+Mutter ihr Gesicht herunterbeugt, um uns zu küssen, schaut ihr Gesicht
+sehr groß aus?«
+
+Dādā sagt aber doch: »Du bist ein dummes Kind.«
+
+
+
+
+WOLKEN UND WELLEN
+
+
+Mutter, das Volk, das in den Wolken droben wohnt, ruft mir zu:
+
+»Wir spielen vom Aufwachen bis der Tag endet.
+
+Wir spielen mit der goldnen Morgenröte, wir spielen mit dem silbernen
+Mond.«
+
+Ich frage: »Aber wie kann ich zu Euch hinaufgelangen?«
+
+Sie antworten: »Komm' an den Rand der Erde, heb' Deine Hände zum Himmel
+und du wirst aufgenommen werden in die Wolken.«
+
+»Meine Mutter wartet auf mich zu Hause«, sag' ich. »Wie kann ich sie
+verlassen und kommen?«
+
+Dann lächeln sie und schwimmen vorüber.
+
+Aber ich weiß ein schöneres Spiel als das, Mutter.
+
+Ich werde die Wolke sein und Du der Mond.
+
+Ich werde Dich verdecken mit meinen beiden Händen und unser Giebel wird
+der blaue Himmel sein.
+
+ * * * * *
+
+Das Volk, das in den Wellen wohnt, ruft mir zu:
+
+»Wir singen von Morgen bis Abend; wir wandern und wandern und wissen
+nicht, wohin wir gleiten.«
+
+Ich frage: »Wie soll ich mich denn zu Euch gesellen?«
+
+Sie sagen mir: »Komm' an den Rand des Ufers und steh' mit fest
+geschlossenen Augen und Du wirst davongetragen werden auf den Wellen.«
+
+Ich sage: »Meine Mutter braucht mich immer daheim des abends -- wie kann
+ich sie verlassen und gehn?«
+
+Dann lächeln sie, tanzen und gleiten vorüber.
+
+Aber ich weiß ein besseres Spiel als das.
+
+Ich will die Welle sein, und Du wirst eine fremde Küste sein.
+
+Ich werde rollen fort und fort und fort und an Deinem Schoß zerschellen
+mit Gelächter.
+
+Und niemand in der Welt wird wissen, wo wir beide sind.
+
+
+
+
+DIE CHAMPABLÜTE
+
+
+Denk' Dir, ich würde eine Champablüte, nur zum Scherz, und wüchse auf
+einem Ast hoch oben in jenem Baume und schütterte im Wind vor Lachen und
+tanzte auf den neu entkeimten Blättern; würdest Du mich kennen, Mutter?
+
+ * * * * *
+
+Du würdest rufen: »Kindchen, wo bist Du?«, und ich würde lachen für mich
+und ganz stille sein.
+
+Ich würde heimlich meine Blüte öffnen und Dir bei der Arbeit zuschaun.
+
+ * * * * *
+
+Wenn Du nach dem Bad, das nasse Haar über Deine Schultern gebreitet,
+durch den Schatten des Champabaumes gingest zu dem kleinen Hof, in dem
+Du Deine Gebete sagst, würdest Du den Duft der Blume merken, aber nicht
+wissen, daß er von mir käme.
+
+Wenn Du nach dem Mittagsmahl am Fenster säßest, Rāmāyana lesend, und des
+Baumes Schatten über Haar und Schoß Dir fiele, würd' ich Dir meinen
+kleinwinzigen Schatten auf die Seite Deines Buches werfen, grad dahin,
+wo Du liest.
+
+Aber würdest Du raten, daß es der zarte Schatten Deines kleinen Kindes
+war?
+
+Wenn Du des abends zu den Kühen gingest, mit der brennenden Lampe in der
+Hand, würde ich plötzlich wieder auf die Erde niederfallen und noch
+einmal Dein eignes Kind sein und Dich bitten, mir eine Geschichte zu
+erzählen.
+
+»Wo bist Du gewesen, Du schlimmes Kind?«
+
+»Ich mag's nicht erzählen, Mutter.« Das würden Du und ich dann sagen.
+
+
+
+
+MÄRCHENLAND
+
+
+Wenn die Leute wüßten, wo meines Königs Palast ist, er würde
+entschwinden.
+
+Die Mauern sind von weißem Silber und das Dach von leuchtendem Gold.
+
+Die Königin lebt in einem Palast mit sieben Höfen und sie trägt ein
+Juwel, das war wert allen Reichtum von sieben Königreichen.
+
+Aber laß' es mich, Mutter, Dir flüsternd sagen, wo meines Königs Palast
+ist.
+
+Er ist da in der Ecke unsrer Terrasse, dort wo der Topf mit der
+Tulsispflanze steht.
+
+Die Prinzessin liegt schlafend an der weit weiten Küste der sieben
+unwegsamen Meere.
+
+Es gibt keinen in der Welt, der sie finden kann, als ich.
+
+Sie hat Spangen an ihren Armen und Perlentropfen in ihren Ohren; ihr
+Haar wallt nieder bis zum Boden.
+
+Sie wird aufwachen, wenn ich sie mit meinem Zauberstab berühre, und
+Edelsteine werden von ihren Lippen fallen, wenn sie lächelt.
+
+Aber laß' mich Dir ins Ohr flüstern, Mutter; sie ist da in der Ecke
+unsrer Terrasse, dort wo der Topf mit der Tulsispflanze steht.
+
+Wenn es Zeit für Dich ist, zum Flusse baden zu gehn, steig' hinauf zu
+der Terrasse auf dem Dach.
+
+Ich sitz' in der Ecke, wo die Schatten der Mauern zusammentreffen.
+
+Nur Miez darf mit mir kommen, denn sie weiß, wo der Barbier aus dem
+Märchen wohnt.
+
+Aber laß' mich, Mutter, Dir ins Ohr flüstern, wo der Barbier aus dem
+Märchen wohnt.
+
+Es ist da in der Ecke der Terrasse, wo der Topf mit der Tulsispflanze
+steht.
+
+
+
+
+DAS LAND DER VERBANNUNG
+
+
+Mutter, das Licht ist grau geworden am Himmel; ich weiß nicht, wie spät
+es ist.
+
+Mich freut mein Spiel nicht, da bin ich zu Dir gekommen. Es ist
+Sonnabend, unser Feiertag.
+
+Laß' Deine Arbeit, Mutter; sitz' hier beim Fenster und erzähl' mir, wo
+die Wüste von Tepāntar in dem Märchen ist.
+
+ * * * * *
+
+Der Regenschatten hat den ganzen langen Tag zugedeckt.
+
+Der wilde Blitz zerkratzt den Himmel mit seinen Nägeln.
+
+Wenn die Wolken rollen und es donnert, lieb' ich es, mich zu fürchten im
+Herzen und mich an Dich zu schmiegen.
+
+Wenn der schwere Regen stundenlang auf die Bambusblätter plätschert, und
+unsre Fenster schüttern und klirren unter den Windstößen, sitz' ich gern
+allein im Zimmer, Mutter, mit Dir und hör' Dich erzählen von der Wüste
+Tepāntar in dem Märchen.
+
+ * * * * *
+
+Wo liegt sie, Mutter, an der Küste welchen Meeres, am Fuße welcher
+Hügel, in wessen Königs Königreich?
+
+Da gibt's keine Hecken, die Felder zu grenzen, keinen Fußpfad hindurch,
+auf dem die Dorfbewohner des abends ihr Dorf erreichen oder die Frau,
+die dürres Holz im Walde sammelt, ihre Bürde zu Markte bringen kann. Mit
+Flecken gelben Grases im Sand und einem einzigen Baum, in dem das weise,
+alte Vogelpaar sein Nest hat, liegt die Wüste von Tepāntar.
+
+ * * * * *
+
+Ich kann mir vorstellen, wie gerade an einem so wolkigen Tage der junge
+Königssohn auf grauem Roß allein durch die Wüste reitet, auf der Suche
+nach der Prinzessin, die im Palast des Riesen über dem unbekannten
+Wasser gefangen liegt.
+
+Wenn der Regennebel herunterrieselt am fernen Himmel und der Blitz
+aufzuckt wie ein plötzlicher Schmerz, denkt er da seiner unglücklichen
+Mutter, wie sie, vom König verstoßen, den Kuhstall fegt und ihre Augen
+wischt, während er durch die Wüste Tepāntar reitet, wie das Märchen
+erzählt?
+
+ * * * * *
+
+Sieh', Mutter, es ist beinahe dunkel, ehe noch der Tag vorüber ist, und
+es gehn keine Wandrer drüben auf der Dorfstraße.
+
+Der Hirtenknab' ist frühe heimgekommen von der Weide und die Menschen
+haben ihre Felder verlassen, um auf Matten zu sitzen unter der
+Dachtraufe ihrer Hütten, nach den dräuenden Wolken spähend.
+
+Mutter, ich habe alle meine Bücher in dem Spinde gelassen -- heiße mich
+nicht, jetzt meine Aufgaben machen.
+
+Wenn ich aufwachse und groß wie mein Vater bin, werde ich alles lernen,
+was gelernt werden muß. Aber nur heute gerade, erzähle mir, Mutter, wo
+die Wüste von Tepāntar ist, von der das Märchen erzählt.
+
+
+
+
+DER REGENTAG
+
+
+Tückische Wolken ballen sich rasch über der schwarzen Franse des Waldes.
+
+O Kind, geh' nicht hinaus!
+
+Die Palmenreihe am See schlägt ihre Häupter wider den schrecklichen
+Himmel; die Krähen mit ihren schmutzigen Schwingen sitzen still auf den
+Tamarindenzweigen, und das östliche Ufer des Flusses geistert in einem
+verdunkelten Glühn.
+
+ * * * * *
+
+Unsre Kuh muht laut, an den Zaun gebunden.
+
+O Kind, wart' hier, bis ich sie in den Stall bringe.
+
+Menschen drängen hinaus auf das überschwemmte Feld, um die Fische zu
+fangen, die aus den überflutenden Teichen entkommen; das Regenwasser
+rinnt in Rillen durch die engen Gassen, wie ein lachender Junge, der
+seiner Mutter davongerannt ist, um sie zu necken.
+
+ * * * * *
+
+Horch', irgendwer ruft nach dem Bootsmann an der Furt.
+
+O Kind, des Tages Licht ist trüb' und die Arbeit an der Fähre ruht.
+
+Der Himmel scheint rasch zu reiten auf dem wildstürzenden Regen; das
+Wasser im Fluß ist laut und ungestüm; Frauen sind früh nach Haus geeilt
+vom Ganges mit ihren gefüllten Krügen.
+
+ * * * * *
+
+Die Abendlampen müssen fertiggemacht werden.
+
+O Kind, geh' nicht hinaus!
+
+Die Straße zum Markt ist einsam, die Gasse zum Fluß ist schlüpfrig. Der
+Wind stöhnt und wütet in den Bambuszweigen wie ein wildes Tier, in einem
+Netz verfangen.
+
+
+
+
+PAPIERSCHIFFCHEN
+
+
+Tag für Tag laß' ich meine Papierschiffchen, eins nach dem andern, den
+eilenden Strom hinunterschwimmen.
+
+In großen, schwarzen Buchstaben schreib' ich meinen Namen darauf und den
+Namen des Dorfes, wo ich lebe.
+
+Ich hoffe, daß irgendwer in einem fremden Land sie finden wird und
+wissen, wer ich bin.
+
+Ich belade meine kleinen Boote mit Shiuliblumen aus unserm Garten und
+hoffe, daß diese Blüten der Dämmerung heil ans Land getrieben werden zur
+Nacht.
+
+Ich lichte meine Papierschiffchen und schaue hinauf in den Himmel und
+sehe die kleinen Wolken ihre weißen, blähenden Segel setzen.
+
+Ich weiß nicht, wer von meinen Gespielen im Himmel sie hinunterschickt
+durch die Luft, damit sie wettlaufen mit meinen Booten!
+
+Wenn Nacht kommt, vergrabe ich mein Gesicht in meine Arme und träume,
+daß meine Papierschiffchen weiter und weiter treiben unter den
+Mitternachtssternen.
+
+Die Schlafelfen segeln darin, und die Ladung sind ihre Körbe voll
+Träume.
+
+
+
+
+DER SEEMANN
+
+
+Das Boot des Bootsmannes Madhu ist an der Werft von Rajgunj verankert.
+
+Es ist unnütz beladen mit indischem Flachs und liegt schon so lange
+zwecklos da.
+
+Wenn er mir nur sein Boot leihen wollte, ich würd' es mit hundert
+Rudrern bemannen und Segel hissen, fünf oder sechs oder sieben.
+
+Ich würd' es nicht nach dummen Märkten steuern.
+
+Ich würde über die sieben Meere segeln und die dreizehn Flüsse des
+Märchenlandes.
+
+ * * * * *
+
+Gelt Mutter, Du würdest nicht weinen, um mich in einer Ecke?
+
+Ich geh' nicht in den Wald wie Rāmachandra, um erst nach vierzehn Jahren
+heimzukehren.
+
+Ich werde der Märchenprinz sein und mein Boot füllen, mit allem, was mir
+gefällt.
+
+Ich werde meinen Freund Ashu mit mir nehmen. Wir werden frohlustig über
+die sieben Meere segeln und die dreizehn Flüsse des Märchenlands.
+
+ * * * * *
+
+Wir werden die Segel setzen im frühen Morgenlicht.
+
+Wenn Du des mittags am Teiche badest, werden wir im Land eines fremden
+Königs sein.
+
+Wir werden die Furt von Tipurni passieren und hinter uns lassen die
+Wüste von Tepāntar.
+
+Wenn wir heimkommen, wird es anfangen zu dunkeln, und ich werde Dir von
+allem erzählen, was wir gesehen haben.
+
+Ich werde die sieben Meere kreuzen und die dreizehn Flüsse des
+Märchenlandes.
+
+
+
+
+DAS ANDERE UFER
+
+
+Ich möchte hinübergehn an das Ufer des Flusses drüben,
+
+Wo jene Boote angeseilt sind an die Bambuspfähle in einer Reihe;
+
+Wo Männer in ihren Booten überfahren in der Frühe, mit Pflügen auf ihren
+Schultern, ihre Felder weit draußen zu ackern;
+
+Wo die Kuhhirten ihre blökenden Kälber über den Strom schwimmen lassen
+nach den Uferweiden;
+
+Von wo sie alle heimkommen am Abend und lassen auf der Insel, der von
+Unkraut überwucherten, die heulenden Schakale zurück.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.
+
+ * * * * *
+
+Sie sagen, es sind seltsame Sümpfe verborgen hinter jenem Ufer,
+
+Wo Schwärme wilder Enten hinkommen, wenn die Regen vorüber sind, und
+dickes Rohr wächst um die Ränder, da Wasservögel ihre Eier legen;
+
+Wo Schnepfen mit ihren tanzenden Schwänzen ihre kleinen Zehenmale in den
+reinen, weichen Schlamm drücken;
+
+Wo im Abend die hohen Gräser, mit weißen Blüten behelmt, den Mondstrahl
+einladen, auf ihren Wogen zu spielen.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.
+
+ * * * * *
+
+Ich werde hinüber- und herüberfahren von Ufer zu Ufer, und alle die
+Jungen und Mädchen im Dorf werden mich anstaunen, während sie baden.
+
+Wenn die Sonne des Himmels Mitte erklimmt und der Morgen in den Mittag
+vergeht, werde ich nach Hause gelaufen kommen und sagen: »Mutter, ich
+habe Hunger!«
+
+Wenn der Tag um ist und die Schatten unter den Bäumen kauern, werd' ich
+im Dämmern heimkommen.
+
+Ich werde nie weggehen von Dir, in die Stadt arbeiten, wie Vater.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.
+
+
+
+
+DIE BLUMENSCHULE
+
+
+Wenn Sturmwolken am Himmel rumoren und Junischauer herunterkommen,
+
+Kommt der feuchte Ostwind über die Heide marschiert, um seinen Dudelsack
+im Bambusgeröhr zu pfeifen.
+
+Dann kommen auf einmal Scharen von Blumen heraus -- weiß niemand woher
+-- und tanzen auf dem Gras in wilder Lust.
+
+ * * * * *
+
+Mutter, wirklich, ich denke, die Blumen gehn unter der Erde zur Schule.
+
+Sie machen ihre Aufgaben bei geschlossenen Türen, und wenn sie
+herauskommen wollen, zu spielen, eh' ihre Zeit ist, läßt sie der Lehrer
+in einer Ecke stehn.
+
+ * * * * *
+
+Wenn die Regen kommen, haben sie ihre Ferien.
+
+Zweige prasseln zusammen im Walde, und die Blätter rascheln im wilden
+Wind, die Donnerwolken klatschen ihre Riesenhände, und die Blumenkinder
+stürzen heraus in Kleidern rosig und gelb und weiß.
+
+ * * * * *
+
+Weißt Du, Mutter, ihre Heimat ist im Himmel, wo die Sterne sind.
+
+Hast Du nicht gemerkt, wie gierig sie sind, dahin zu gelangen? Weißt Du
+nicht, warum sie in solcher Eile sind?
+
+Freilich, ich kann's erraten, zu wem sie ihre Hände erheben: sie haben
+ihre Mutter, wie ich die meine hab'.
+
+
+
+
+DER KAUFMANN
+
+
+Stell' Dir vor, Mutter, daß Du zu Hause bleiben müßtest, und ich müßte
+in fremde Länder reisen.
+
+Stell' Dir vor, daß mein Boot bereitliegt an der Brücke, voll geladen.
+
+Nun denk' gut nach, Mutter, eh' Du sagst, was ich mitbringen soll für
+Dich, wenn ich zurückkomme.
+
+ * * * * *
+
+Mutter, willst Du Haufen und Haufen von Gold?
+
+Dort an den Ufern goldener Ströme sind Felder voll goldener Ernten.
+
+Und in den Schatten des Waldpfads tropfen die goldnen Champablüten auf
+den Weg.
+
+Ich will sie sammeln, alle für Dich, in vielen hundert Körben.
+
+Mutter, willst Du Perlen so groß wie Regentropfen im Herbst?
+
+Ich will hinüberfahren nach der Perleninsel.
+
+Dort zittern im frühen Morgenlicht Perlen auf den Wiesenblumen, Perlen
+tropfen ins Gras, und Perlen sind verspritzt im Sand vom Gischt der
+wilden Meereswogen.
+
+Mein Bruder soll ein Paar Rösser haben mit Flügeln, um mit den Wolken zu
+fliegen.
+
+Für Vater werd' ich eine Zauberfeder mitbringen, die, ohne daß er es
+weiß, von selber schreiben wird.
+
+Für dich, Mutter, muß ich das Kästlein und das Kleinod haben, das sieben
+Königen ihre Königreiche kostet.
+
+
+
+
+MITGEFÜHL
+
+
+Wenn ich nur ein kleines Hündchen wäre, nicht Dein Kindchen, Mutter
+lieb, würdest Du »Nein« zu mir sagen, wenn ich es wagte, von Deiner
+Schüssel zu essen?
+
+Würdest Du mich wegjagen, zu mir sagend: »Mach' Dich fort, Du garstiges,
+kleines Hündchen?«
+
+Dann geh', Mutter, geh'! Ich will nie mehr zu Dir kommen, wenn Du mich
+rufst, und mich nicht mehr von Dir füttern lassen.
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich nur ein kleiner, grüner Papagei wäre und nicht Dein Kindchen,
+Mutter lieb, würdest Du mich an der Kette halten, damit ich nicht
+wegfliegen kann?
+
+Würdest Du mir mit dem Finger drohen und sagen: »Was für ein undankbarer
+Racker von einem Vogel! Er knabbert an seiner Kette Tag und Nacht?«
+
+Dann geh', Mutter, geh'! Ich will fortlaufen in den Wald; ich will nicht
+mehr, daß Du mich wieder in Deine Arme nimmst.
+
+
+
+
+BERUF
+
+
+Wenn der Gong zehn schlägt des morgens und ich wandre unsre Gasse zur
+Schule,
+
+Treffe ich jeden Tag den Händler, schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«
+
+Es gibt nichts, das ihn zur Eile treibt, es gibt keinen Weg, den er
+nehmen, keinen Ort, nach dem er gehen, keine Zeit, zu der er heimkommen
+muß.
+
+Ich wünschte, ich wäre ein Händler und verbrächte meinen Tag auf der
+Straße, schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich um vier des nachmittags zurückkomme aus der Schule,
+
+Kann ich durch das Tor jenes Hauses den Gärtner die Erde graben sehn.
+
+Er tut, was er will mit seinem Spaten, beschmutzt seine Kleider mit
+Staub, keiner stellt ihn zur Rede, wenn er gebraten wird in der Sonne
+oder naß wird.
+
+Ich wünschte, ich wäre ein Gärtner, drauflosgrabend im Garten, und
+keiner hielte mich ab vom Graben.
+
+ * * * * *
+
+Just wenn es dunkel wird am Abend und meine Mutter mich zu Bett schickt,
+
+Kann ich durch das offne Fenster den Wächter sehn auf und abschreiten.
+
+Die Gasse ist dunkel und einsam, und die Straßenlampe steht wie ein
+Riese mit einem roten Auge im Kopf.
+
+Der Wächter schwingt seine Laterne und schreitet mit seinem Schatten zur
+Seite und geht nicht =ein=mal zu Bett in seinem Leben.
+
+Ich wünschte, ich wäre ein Wächter, die Straßen schreitend alle Nacht,
+und scheuchte die Schatten mit meiner Laterne.
+
+
+
+
+ÜBERLEGEN
+
+
+Mutter, Dein Töchterchen ist dumm! Sie ist so schrecklich kindisch!
+
+Sie weiß nicht den Unterschied zwischen den Lichtern auf der Straße und
+den Sternen.
+
+Wenn wir »Essen« mit Kieseln spielen, glaubt sie, sie sind wirkliche
+Speise und versucht, sie in ihren Mund zu stecken.
+
+Wenn ich ein Buch aufmache vor ihr und sie ihr ABC lernen heiße,
+zerreißt sie die Blätter mit ihren Händen und brüllt vor Freude über
+nichts. Das ist die Art, wie Dein Töchterchen ihre Aufgaben macht.
+
+Wenn ich den Kopf über sie schüttle in Ärger und sie schelte und sie
+schlimm nenne, lacht sie und hält es für einen Hauptspaß.
+
+Jeder weiß, daß Vater fort ist, aber wenn ich im Spiel laut »Vater«
+rufe, schaut sie herum in Aufregung und denkt, daß Vater nahe ist.
+
+Wenn ich Schule spiele mit den Eseln, die unser Wäschemann bringt, um
+Wäsche zu holen, und ich drohe ihr, daß ich der Lehrer bin, wird sie
+kreischen ohne Grund und mich Dādā nennen.
+
+Dein Töchterchen will den Mond fangen. Sie ist so drollig, sie nennt:
+Ganesh Ganush.
+
+Mutter, Dein Töchterchen ist dumm, sie ist so schrecklich kindisch!
+
+
+
+
+DER KLEINE GROSSE MANN
+
+
+Ich bin klein, weil ich ein kleines Kind bin. Ich werde groß sein, wenn
+ich so alt bin wie mein Vater ist.
+
+Mein Lehrer wird kommen und sagen: »Es ist spät; bring' Deine Tafel und
+Deine Bücher.«
+
+Ich werd' ihm antworten: »Weißt Du nicht, daß ich so groß bin wie Vater?
+Und ich muß keine Stunden mehr haben.«
+
+Mein Lehrer wird sich wundern und sagen: »Er kann seine Bücher lassen,
+wenn er will, er ist ja erwachsen.«
+
+ * * * * *
+
+Ich werde mich anziehn und zum Jahrmarkt spazieren, wo das Gewühl am
+dichtesten ist.
+
+Mein Onkel wird auf mich zugestürzt kommen und sagen: »Du wirst verloren
+gehn, mein Junge; laß' mich Dich tragen.«
+
+Ich werde antworten: »Kannst Du nicht sehen, Onkel, ich bin so groß wie
+Vater. Ich muß allein auf den Jahrmarkt gehn.«
+
+Onkel wird sagen: »Ja, er kann gehn, wohin er will; er ist erwachsen.«
+
+ * * * * *
+
+Mutter wird vom Bade kommen, wenn ich meiner Amme Geld gebe; denn ich
+weiß, wie sich die Büchse aufmachen läßt mit meinem Schlüssel.
+
+Mutter wird sagen: »Was hast Du vor, Du schlimmes Kind?«
+
+Ich werd' ihr erwidern: »Mutter, weißt Du nicht, ich bin so groß wie
+Vater und ich muß meiner Amme Silber geben.«
+
+Mutter wird zu sich sagen: »Er kann Geld geben, wem er will; er ist ja
+erwachsen.«
+
+ * * * * *
+
+In der Ferienzeit im Oktober wird Vater heimkommen und, weil er meint,
+daß ich noch ein kleines Kind bin, wird er für mich aus der Stadt kleine
+Schuhe und kleine seidene Röcklein mitbringen.
+
+Ich werde sagen: »Vater, gib sie meinem Dādā, denn ich bin so groß wie
+Du bist.«
+
+Vater wird denken und sagen: »Er kann seine eignen Kleider kaufen, wenn
+er will; er ist ja erwachsen.«
+
+
+
+
+ZWÖLF UHR
+
+
+Mutter, ich will jetzt aufhören mit meinen Aufgaben. Ich habe den ganzen
+Morgen über meinen Büchern gesessen.
+
+Du sagst, es ist erst zwölf Uhr. Angenommen, es ist nicht später: kannst
+Du Dir niemals denken, es ist Nachmittag, wenn es nur zwölf Uhr ist?
+
+Ich kann mir leicht vorstellen jetzt, daß die Sonne den Rand jenes
+Reisfeldes erreicht hat, und daß die alte Fischerfrau Kräuter sammelt
+für ihr Nachtmahl, drüben am Teich.
+
+Ich kann meine Augen fest zumachen und denken, daß die Schatten dunkler
+werden unter dem Madarbaum und das Wasser im Teich glänzend schwarz
+aussieht.
+
+Wenn zwölf Uhr in der Nacht kommen kann, warum kann die Nacht nicht
+kommen, wenn es zwölf Uhr ist?
+
+
+
+
+SCHRIFTSTELLEREI
+
+
+Du sagst, daß Vater eine Menge Bücher schreibt, aber was er schreibt,
+versteh' ich nicht.
+
+Er hat Dir den ganzen Abend vorgelesen, aber konntest Du wirklich
+herausbekommen, was er meinte?
+
+Welch schöne Märchen, Mutter, kannst =Du= uns erzählen! Warum kann Vater
+nicht solche schreiben?
+
+Hat er niemals von seiner eignen Mutter Märchen gehört von Riesen und
+Elfen und Prinzessinnen?
+
+Hat er sie alle vergessen?
+
+ * * * * *
+
+Oft, wenn er spät kommt zum Baden, mußt Du gehn und ihn hundertmal
+rufen.
+
+Du wartest und hältst sein Essen warm für ihn, und er schreibt weiter
+und vergißt.
+
+Vater spielt immer Büchermachen.
+
+Wenn ich je spielen gehe in Vaters Zimmer, kommst Du und rufst mich:
+»Was für ein schlimmes Kind!«
+
+Wenn ich den leisesten Lärm mache, sagst Du: »Siehst Du nicht, daß Vater
+arbeitet?«
+
+Was hat das für Sinn, schreiben und immer schreiben?
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich Vaters Feder oder Bleistift nehme und in sein Buch schreibe,
+gerade wie er -- a, b, c, d, e, f, g, h, i, --, warum wirst Du dann böse
+mit mir, Mutter?
+
+Du sagst nie ein Wort, wenn Vater schreibt.
+
+ * * * * *
+
+Wenn mein Vater solche Haufen Papier verschwendet, Mutter, scheint es
+Dich gar nicht zu stören.
+
+Wenn ich aber nur =einen= Bogen nehme, um mir ein Schiff draus zu
+machen, sagst Du: »Kind, wie Du einen quälst!«
+
+Was hältst Du von Vaters Bogen und Bogenverderben mit schwarzen Zeichen,
+über und über auf beiden Seiten?
+
+
+
+
+DER BÖSE POSTBOTE
+
+
+Warum sitzest Du hier auf dem Boden so still und schweigend, sag' mir,
+Mutter lieb?
+
+Der Regen kommt herein durch das offene Fenster, macht Dich ganz naß,
+und Du merkst es gar nicht.
+
+Hörst Du den Gong vier schlagen? Es ist Zeit für meinen Bruder, daß er
+heimkommt aus der Schule.
+
+Was ist Dir geschehn, daß Du so fremd ausschaust?
+
+Hast Du heut keinen Brief von Vater bekommen?
+
+Ich sah den Postboten Briefe bringen in seinem Sack, für jeden fast in
+der Stadt.
+
+Nur Vaters Briefe behält er, um sie selber zu lesen. Ich bin gewiß, der
+Postbote ist ein böser Mann.
+
+ * * * * *
+
+Aber sei nicht unglücklich darüber, Mutter lieb.
+
+Morgen ist Markttag im nächsten Dorf. Du sagst Deinem Mädchen, daß sie
+Federn und Papier kauft.
+
+Ich selbst will Vaters Briefe schreiben; Du wirst nicht einen einzigen
+Fehler finden.
+
+Ich werde vom A drauf los bis zum K schreiben.
+
+Doch, Mutter, was lächelst Du?
+
+Du glaubst nicht, daß ich so schön schreiben kann wie Vater?
+
+Aber ich werde mein Papier sorgfältig linieren und alle Buchstaben schön
+groß schreiben.
+
+Wenn ich mein Schreiben fertig habe, meinst Du, werd' ich so dumm sein
+und es hineinwerfen in des gräßlichen Postboten Sack?
+
+Ich werd' es Dir selber bringen, ganz rasch, und Dir Brief für Brief
+meine Schrift lesen helfen.
+
+Ich weiß, der Postbote gibt Dir nicht gern die wirklich netten Briefe.
+
+
+
+
+DER HELD
+
+
+Mutter, denk' Dir, wir reisen und kommen durch ein fremdes und
+gefährliches Land.
+
+Du reisest in einem Palankin, und ich trabe neben Dir auf einem roten
+Pferd.
+
+Es ist Abend, und die Sonne geht unter. Die Wüste von Joradighi liegt
+fahl und grau vor uns. Das Land ist öd und brach.
+
+Du bist erschreckt und denkst: »Ich weiß nicht, wohin wir geraten sind.«
+
+Ich sage zu Dir: »Mutter, hab' keine Angst.«
+
+ * * * * *
+
+Die Wiese prickelt vor spitzigem Gras, und drüber läuft ein schmaler,
+holpriger Pfad.
+
+Kein Vieh ist zu sehn auf dem weiten Feld; es ist in seine Ställe
+heimgekehrt.
+
+Es wird dunkel und düster auf Land und Himmel, und wir können's nicht
+sagen, wohin wir gehn.
+
+Plötzlich rufst Du und fragst mich flüsternd: »Was für ein Licht ist
+dort am Ufer?«
+
+ * * * * *
+
+Just da gellt ein furchtbarer Schrei, und Gestalten kommen laufend auf
+uns zu.
+
+Du sitzest zusammengekauert in Deinem Palankin und wiederholst betend
+die Namen der Götter.
+
+Die Träger, vor Schrecken zitternd verstecken sich im Dornenbusch.
+
+Ich schrei' Dir zu: »Hab' keine Angst, Mutter, ich bin da!«
+
+ * * * * *
+
+Mit langen Stöcken in den Händen und ganz wild flatterndem Haar um ihre
+Schädel kommen sie näher und näher.
+
+Ich schreie: »Seht Euch vor, Ihr Schurken! Einen Schritt weiter und Ihr
+seid des Todes!«
+
+Sie stoßen noch einmal ein schreckliches Geheul aus und stürzen
+vorwärts.
+
+Du packst meine Hand und sagst: »Lieber Junge, um Himmels willen, halt'
+Dich fern von ihnen!«
+
+Ich sage: »Mutter, gib Du nur Obacht auf mich.«
+
+ * * * * *
+
+Dann sporn' ich mein Roß zu wildem Galopp, und mein Schwert und Schild
+klirren aneinander.
+
+Der Kampf wird so gräßlich, Mutter, daß Dich ein kalter Schauer
+überliefe, wenn Du ihn sehen könntest von Deinem Palankin.
+
+Viele von ihnen fliehn, und eine große Zahl ist in Stücke gehaun.
+
+Ich weiß, Du denkst, ganz versunken in Dich, Dein Junge muß tot sein in
+dieser Stunde.
+
+Aber ich komme zu Dir, ganz mit Blut befleckt und sage: »Mutter, nun ist
+der Kampf vorüber.«
+
+Du kommst heraus und küssest mich, drückst mich an Dein Herz und sagst
+zu Dir selbst:
+
+»Ich weiß nicht, was ich tun würde, wenn ich nicht meinen Jungen zum
+Geleit hätte.«
+
+ * * * * *
+
+Tausend nutzlose Dinge geschehen Tag für Tag, warum könnte nicht so
+etwas zufällig wahr werden?
+
+Es würde wie eine Geschichte in einem Buch sein.
+
+Mein Bruder würde sagen: »Ist das möglich? Ich dachte immer, er wäre so
+zart!«
+
+Unsre Dorfleute würden alle in Verwunderung sagen: »War es nicht ein
+Glück, daß der Junge mit seiner Mutter war?«
+
+
+
+
+DAS ENDE
+
+
+Es ist Zeit für mich, zu gehen, Mutter. Ich gehe.
+
+Wenn Du im fahlen Dunkel der einsamen Dämmerung Deine Arme ausstreckst
+nach Deinem Kindchen im Bett, werde ich sagen: »Kindchen ist nicht da!«
+-- Mutter, ich gehe.
+
+Ich werde ein zarter Lufthauch werden und Dich liebkosen; und ich werde
+das Kräuseln auf dem Wasser sein, wenn Du badest, und Dich küssen und
+wieder küssen.
+
+In der Sturmnacht, wenn der Regen auf die Blätter prasselt, wirst du
+mein Flüstern hören in Deinem Bett, und mein Lachen wird mit dem Blitz
+durchs offne Fenster in Dein Zimmer leuchten.
+
+Wenn Du wach liegst, an Dein Kindchen denkend bis spät in die Nacht,
+werd' ich singen zu Dir von den Sternen: »Schlaf, Mutter, schlaf.«
+
+Auf den irrenden Mondstrahlen werd' ich mich über Dein Bett stehlen und
+auf Deiner Brust liegen, während Du schläfst.
+
+Ich werde ein Traum werden und durch die kleine Öffnung Deiner
+Augenlider werd' ich in die Tiefen Deines Schlafes schlüpfen; und wenn
+Du aufwachst und bestürzt herumschaust, werd' ich wie ein glitzernder
+Leuchtkäfer hinaus ins Dunkle schwirren.
+
+Wenn zum großen Puja-Feste die Nachbarskinder kommen und herumspielen im
+Haus, werd' ich in die Musik der Flöte schmelzen und in Deinem Herzen
+schlagen den ganzen Tag.
+
+Die liebe Muhme wird kommen mit Puja-Geschenken und wird fragen: »Wo ist
+unser Kindchen, Schwester?«
+
+Mutter, Du wirst ihr leise sagen: »Er ist in den Sternen meiner Augen,
+er ist in meinem Körper und in meiner Seele.«
+
+
+
+
+KOMM ZURÜCK!
+
+
+Die Nacht war schwarz als =sie= fortging, und sie schliefen.
+
+Die Nacht ist schwarz jetzt, und ich rufe nach =ihr=: »Komm zurück, mein
+Liebling; die Welt liegt im Schlaf; und niemand würde wissen, wenn Du
+kämst für eine Weile, während die Sterne den Sternen zublinken.«
+
+ * * * * *
+
+Sie ging weg, als die Bäume in Knospen standen und der Lenz jung war.
+
+Nun sind die Blumen in voller Blüte und ich rufe: »Komm zurück, mein
+Liebling. Die Kinder sammeln Blumen und verstreun sie in unbekümmertem
+Spiel. Und wenn Du kämest und nähmest =eine= kleine Blüte, es würde sie
+keiner vermissen.«
+
+Die damals spielten, spielen noch, so verschwenderisch ist Leben.
+
+Ich lauschte ihrem Plaudern und rufe: »Komm zurück, mein Liebling; denn
+Mutters Herz ist voll bis an den Rand mit Liebe, und wenn Du kämest, nur
+einen einzigen kleinen Kuß zu haschen von ihr, es würde Dir's niemand
+neiden.«
+
+
+
+
+DER ERSTE JASMIN
+
+
+Ah, dieser Jasmin, dieser weiße Jasmin!
+
+Mir ist wie am ersten Tag, da ich meine Hände füllte mit diesem Jasmin,
+diesem weißen Jasmin.
+
+Ich habe die Sonne geliebt, den Himmel und die grüne Erde.
+
+Ich habe das rieselnde Rauschen des Flusses gehört durch das Dunkel der
+Mitternacht;
+
+Herbstsonnenuntergänge sind zu mir gekommen an eines Weges Biegung in
+einsamer Öde wie eine Braut, den Schleier hebend zum Empfang des
+Geliebten.
+
+Und doch ist mein Erinnern noch süß von dem ersten weißen Jasmin, den
+ich in meiner Hand hielt, als ich ein Kind war.
+
+ * * * * *
+
+Manch' froher Tag ist in mein Leben gekommen, und ich habe gelacht mit
+Spaßmachern in festlichen Nächten.
+
+An grauen Regenmorgen hab' ich manch' müßig Lied gesummt.
+
+Ich habe um meinen Nacken getragen den Abendkranz aus Bakulas, von
+Händen der Liebe geflochten.
+
+Und doch ist mein Herz süß von dem Erinnern an den ersten frischen
+Jasmin, der meine Hände füllte, als ich ein Kind war.
+
+
+
+
+DER FEIGENBAUM
+
+
+O Du zottelköpfiger Feigenbaum am Ufer des Teichs, hast Du den kleinen
+Jungen vergessen wie die Vögel, die in Deinen Zweigen genistet haben und
+Dich verließen?
+
+Erinnerst Du Dich nicht, wie er am Fenster saß und sich wunderte über
+das Gewirr Deiner Wurzeln, die unter die Erde tauchten?
+
+Die Frauen kamen immer, ihre Krüge zu füllen am Teich, und Dein
+riesiger, schwarzer Schatten räkelte sich über das Wasser wie Schlaf,
+der sich anstrengt, aufzuwachen.
+
+Sonnenlicht tanzte auf den Wasserwirbeln wie ruhlose, winzige
+Weberschiffchen, die eine goldne Tapete wirken.
+
+Zwei Enten schwammen am verwilderten Rande über ihren Schatten und der
+Junge saß still und sann.
+
+Er wollte der Wind sein und durch Deine rauschenden Zweige blasen, Dein
+Schatten sein und mit dem Tage länger werden auf dem Wasser, ein Vogel
+sein und auf Deinem höchsten Wipfel sitzen, und wie jene Enten unter
+Unkraut und Schatten schwimmen.
+
+
+
+
+SEGNUNG
+
+
+Segne dies kleine Herz, diese weiße Seele, die des Himmels Kuß für
+unsere Erde gewonnen hat.
+
+Er liebt das Licht der Sonne, er liebt den Anblick von seiner Mutter
+Antlitz.
+
+Er hat mich gelehrt, den Staub verachten und nach Gold trachten.
+
+Schließ' ihn an Dein Herz und segne ihn.
+
+ * * * * *
+
+Er ist in dieses Land der hundert Kreuzwege gekommen.
+
+Ich weiß nicht, wieso er Dich wählte aus der Menge, an Dein Tor kam und
+Deine Hand faßte, um seinen Weg zu fragen.
+
+Er wird Dir folgen, lachend und plaudernd und ohne Zweifel im Herzen.
+
+Erfüll' sein Vertrauen, führe ihn zum Rechten und segne ihn.
+
+ * * * * *
+
+Leg' Deine Hand auf sein Haupt und bete: wenn auch die Wogen unten
+bedrohlich werden, so möge doch der Odem von oben kommen und seine Segel
+füllen und ihn in den Hafen des Friedens wehn.
+
+Vergiß' ihn nicht in Deinem Hasten, laß' ihn an Dein Herz kommen und
+segne ihn.
+
+
+
+
+DAS GESCHENK
+
+
+Ich möchte Dir was schenken, mein Kind, denn wir treiben auf dem Strom
+der Welt.
+
+Unsre Leben werden auseinandergehn und unsre Liebe wird vergessen
+werden.
+
+Aber ich bin nicht so töricht, zu hoffen, ich könnte Dein Herz mit
+meinen Geschenken kaufen.
+
+Jung ist Dein Leben, Dein Pfad lang, und Du trinkst die Liebe, die wir
+Dir bringen, auf einen Zug, kehrst Dich um und läufst weg von uns.
+
+Du hast Dein Spiel und Deine Gespielen. Was tut's, wenn Du nicht Zeit,
+nicht Sinn für uns hast.
+
+Fürwahr, wir haben Muße genug im Alter, die Tage zu zählen, die
+vergangen sind, in unseren Herzen zu hätscheln, was unsre Hände für
+immer verloren haben.
+
+Der Fluß läuft schnell mit einem Lied, alle Schranken durchbrechend.
+Aber der Berg steht und erinnert sich und folgt ihm mit seiner Liebe.
+
+
+
+
+MEIN LIED
+
+
+Dies Lied von mir will seine Musik winden um Dich, mein Kind, wie die
+zärtlichen Arme der Liebe.
+
+Dies Lied von mir will Deine Stirn berühren wie ein Segenskuß.
+
+Wenn Du allein bist, wird es an Deiner Seite sitzen und Dir ins Ohr
+flüstern; bist Du in der Menge, wird es Dich einfrieden mit
+Entrücktheit.
+
+Mein Lied wird ein Flügelpaar für Deine Träume sein, es wird Dein Herz
+an die Grenze des Unbekannten reißen.
+
+Es wird wie der getreue Stern zu Häupten sein, wenn finstre Nacht über
+Deiner Straße liegt.
+
+Mein Lied wird in den Sternen Deiner Augen sitzen und Deinen Blick in
+das Herz der Dinge führen.
+
+Und wenn meine Stimme still ist im Tod, wird mein Lied in Dein lebendes
+Herz sprechen.
+
+
+
+
+DER ENGEL
+
+
+Sie schreien und kämpfen, sie zweifeln und verzweifeln, sie wissen kein
+Ende ihren Zänken.
+
+Laß' Dein Leben unter sie kommen wie eine Flamme Licht, mein Kind, ohne
+Flackern und rein, und entzücke sie zum Schweigen.
+
+Sie sind grausam in ihrer Gier und ihrem Neid; ihre Worte sind wie
+verborgene Messer, dürstend nach Blut.
+
+Geh' und stelle Dich unter ihre schelen Herzen, mein Kind, und laß'
+Deine milden Augen auf sie fallen wie der verzeihende Abendfriede über
+den Streit des Tags.
+
+Laß' sie Dein Antlitz sehn, mein Kind, und so den Sinn aller Dinge
+erkennen; laß' sie Dich lieben und so einander lieben.
+
+Komm' und wohne im Busen der Unendlichkeit, mein Kind. Mit Sonnenaufgang
+öffne und erhebe Dein Herz wie eine blühende Blume, und zum Untergang
+neige Dein Haupt und vollende im Schweigen des Tages Gottesdienst.
+
+
+
+
+DER LETZTE VERTRAG
+
+
+»Komm und miete mich«, schrie ich, als ich des Morgens auf der
+steingepflasterten Straße ging.
+
+Das Schwert in der Hand, kam der König in seinem Wagen.
+
+Er hielt meine Hand und sagte: »Ich will Dich mieten mit meiner Macht.«
+
+Aber seine Macht war mir nichts wert, und er fuhr davon in seinem Wagen.
+
+ * * * * *
+
+In der Hitze des Mittags lehnten die Häuser mit geschlossenen Türen.
+
+Ich wanderte entlang die krumme Gasse.
+
+Ein alter Mann kam heraus mit seinem Sack voll Gold.
+
+Er sann nach und sagte: »Ich will Dich mieten mit meinem Geld.«
+
+Er wog seine Münzen, eine nach der andern, aber ich wandte mich fort.
+
+ * * * * *
+
+Abend war's. Die Gartenhecke stand ganz in Blüte.
+
+Das liebliche Mädchen kam heraus und sagte: »Ich will Dich mieten mit
+einem Lächeln.«
+
+Ihr Lächeln blaßte und schmolz in Tränen, und sie ging zurück allein im
+Dunkel.
+
+ * * * * *
+
+Die Sonne glitzerte im Sand, und die Meereswellen brachen landeinwärts.
+
+Ein Kind saß da, mit Muscheln spielend.
+
+Es hob seinen Kopf und schien mich zu kennen und sagte: »Ich miete Dich
+mit Nichts.«
+
+Von da an machte mich dieser Vertrag, im Kinderspiel geschlossen, zum
+freien Mann.
+
+
+
+
+ANMERKUNGEN UND NACHWORT DES ÜBERSETZERS
+
+
+Zu Seite
+
+7: _Arēka-Palme_ (malayisch arik). Eine Abart, Arēca cātechu, die
+Betelpalme, trägt orangerote, hühnereigroße Früchte, deren Kern, mit den
+Blättern des Betelpfeffers umwickelt, gekaut wird.
+
+_Kokos-Palme_ (von spanisch coca »Nuß« oder portugiesisch coco »Popanz«
+wegen der gesichtsähnlichen, daher schreckhaften Früchte). Die Kokosnuß
+gehört in Indien zu den heiligsten Früchten, die der Göttin der
+Wohlfahrt, Sriphāla, geweiht sind.
+
+_Brotfruchtbaum_ (englisch jack-fruit aus malayisch chakka; sanskrit
+pānasa). Die kopfgroßen Früchte werden roh und geröstet genossen. 2 bis
+3 Bäume versorgen einen Menschen ein Jahr mit Nahrung.
+
+20: _Feigenbaum_ (englisch banyan tree, sanskrit vaṭa; ficus indica).
+Die Luftwurzeln der Äste greifen in den Boden ein und werden zu neuen
+Stämmen. So wächst der Baum nach allen Seiten hin durch Jahrtausende und
+bildet einen Wald, der Tausende von Menschen aufnimmt. Er ist der Zeit,
+Kāla, heilig und gilt als Sinnbild der Unsterblichkeit. Beim Pflanzen
+des Baumes wird gewöhnlich das Gebet gesprochen: »Möchte ich so viele
+Jahre im Himmel weilen als dieser Baum auf Erden wächst.«
+
+_Mango_ (malayisch māngāy, sanskrit āmra; magnifera indica).
+Gelbblühender Baum mit gelblichen, bis zu einem Kilo schweren Früchten,
+die ein beliebtes Obst sind. Der Ārmra gilt als Inkarnation der
+Liebesgöttin. Nach einer Legende übte die Göttin Pārvati unter einem
+Mangobaum Buße, dort, wo jetzt der Ṡaiva-Tempel steht. Hier erschien ihr
+ihr Gatte Ṡiva, der als Ekāmranātha »der unvergleichliche Herr des
+Mangobaums« verehrt wird.
+
+21: _Bakula_ (mimusops elengi), Baum mit wohlriechenden Blättern und
+Blüten, die ein ätherisches Öl liefern. Die süßen Früchte sind eßbar.
+
+35: _Kadam_ (sanskrit Kadamba; nauclea cadamba), Liane mit
+orangefarbener duftender Blüte.
+
+_Dādā_ (Hindustani), Großvater väterlicherseits, dann auf jede ältere
+Person angewendet, hier: der ältere Bruder.
+
+40: _Champa_ (sanskrit champaka; michelia champaka), den Magnolien
+ähnliche Holzgewächse mit duftenden, zarten, weißen und gelben Blüten,
+die Götzenbildern dargebracht werden, besonders am 14. Iyeshṭh (ungefähr
+unserm Juni entsprechend). Das wohlriechende Champakaöl ist sehr
+beliebt.
+
+41: _Rāmāyana_ (sanskrit ayana = gehend, vonay = gehen), »Die Taten des
+Rama«. Das große Sanskrit-Epos, das dem Vālmiki zugeschrieben wird und
+im 5. Jahrh. v. Chr. entstanden sein dürfte. Vgl. Alex. Baumgartner, das
+Rāmāyana und die Rāma-Literatur der Inder. Freiburg 1894.
+
+43: _Tulsi_ (sanskrit tulasi; ocimum sanctum), heiliges Basilikum. In
+Ostindien berühmteste Arzneipflanze, der Legende nach aus dem Haar einer
+Nymphe erzeugt, die Vishnu in seiner Inkarnation als Krishna liebte.
+Vaisnawa-Rosenkränze bestehen aus 108 Perlen von diesem Holz.
+Alljährlich wird in Indien eine Art Vermählungszeremonie zwischen dieser
+Pflanze und einem Salagramammoniten (versteinerte, ausgestorbene
+Tintenschneckenart, Symbol des Vishnu und als Amulett weiblicher
+Fruchtbarkeit) als Sinnbild der Muschelinkarnation Vishnus vollzogen.
+
+50: _Tamarinde_ (arabisch tamr hindi, indische Dattel; tamarindus
+indica), bis zu 25 Metern hoher, immergrüner Baum mit gelblichen,
+purpurgeäderten Blüten. Die Frucht wird als Obst, Nahrungs- und
+Arzneimittel verwendet.
+
+53: _Shiuli_ (bengali; nyctanthes arbor tristis), Gattung der Oleaceen.
+Bis zu 9 Metern hoher Baum oder Strauch, vom Jasmin hauptsächlich durch
+Blütenfarbe (Röhre und Schlund orange, sonst weiß) und Fruchtform
+verschieden. Tropische Zierpflanze mit wohlriechenden, nur nachts
+geöffneten Blüten, die zum Färben von Speisen und zur Bereitung von
+ätherischem Öl dienen.
+
+55: _Indischer Flachs_ (englisch jute, bengali jūto »die Haarflechte«;
+corchorus olitorius). Die Faser wird zur Erzeugung von Matten und groben
+Sackleinen, Jute, verwendet.
+
+56: _Rāmachandra._ Das Wort chandra wird oft an Namen angefügt, um die
+Schönheit auszudrücken. Der Retter der Welt, der triumphierende
+Dämonentöter, der rührendste Dulder, in den sich Vishnu bei seiner
+siebenten Herabkunft verwandelte. Rāmas vierzehnjährige Verbannung mit
+seiner Gattin Sitā wird im zweiten und dritten Gesange des Rāmāyana
+geschildert.
+
+71: _Ganesh_ (Sanskrit Ganeça »der Anführer des Gefolges« Shivas, als
+dessen Sohn er gilt). Er wird oft mit seinem Bruder, dem Kriegsgott
+Skanda verehrt. Er ist der Entferner von Hindernissen, die Verkörperung
+allen Erfolges. Indische Handschriften pflegen mit einer an ihn sich
+richtenden Verehrungsformel zu beginnen, damit er den hindernden Einfluß
+böser Dämonen vom Schreiben abwehre: so ist der Schein entstanden, als
+sei Ganesha eigentlich ein Gott der Wissenschaft. Sein in Indien
+unendlich verbreitetes Bild zeigt ihn mit einem Elefantenkopf, oft auf
+einer Ratte reitend.
+
+75: _Madar_ (sanskrit mandāra; erythrina indica), Dadapbaum, als Stütze
+in Pfeffer-, als Schattenbaum in Kaffeeplantagen verwendet. Mit meist
+scharlachroten Blütentrauben, zur Gattung der Korallenbäume gehörig.
+
+83: _Palankin_ Tragsänfte.
+
+89: _Puja_ (sanskrit) bedeutet Verehrung überhaupt. Als Fest ist das
+Durgāpūjā oder Navarātra gemeint, die »Neun Nächte«, beginnt am ersten
+und endet am zehnten Tag der lichten Hälfte von Āṡvina (September-Oktober).
+Es wird namentlich in Bengal gefeiert als Erinnerung an
+den Sieg von Durgā, Shivas Frau, über einen büffelköpfigen
+Dämon. Ihr Bild wird mit zehn bewaffneten Armen dargestellt, ihr rechter
+Fuß auf einem Löwen ruhend, ihr linker auf dem Büffeldämon. Nach
+neuntägiger Verehrung wird dieses Götzenbild am zehnten Tage ins Wasser
+gestürzt.
+
+Näheres vgl. Monier-Williams, Brāmanism and Hindūism or Religious
+Thought and Life in India. London, 1891.
+
+ * * * * *
+
+Die Gedichte 2, 3 und 9 sind mit den Gedichten 60-62 der Sammlung
+»Gitanjali« identisch.
+
+Es scheint mir wichtig, zu betonen, daß die englische, von Tagore selbst
+geschaffene Form als die beste europäische Mittlerin seiner Gedanken und
+Gefühle zu gelten hat. Selbst die Kunst eines Rückert könnte uns die
+Umdichtung aus dem bengalischen Urtext nicht so nahebringen, wie eine
+möglichste Nachbildung der englischen Umdichtung uns rühren kann.
+
+Bei den Anmerkungen danke ich wieder vieles der Freundlichkeit des
+Berliner Sanskritisten, Herrn Professor Heinrich Lüders.
+
+
+GEDRUCKT BEI POESCHEL & TREPTE IN LEIPZIG
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+***** This file should be named 38125-0.txt or 38125-0.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/3/8/1/2/38125/
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+https://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/38125-0.zip b/38125-0.zip
new file mode 100644
index 0000000..9ee21d0
--- /dev/null
+++ b/38125-0.zip
Binary files differ
diff --git a/38125-8.txt b/38125-8.txt
new file mode 100644
index 0000000..0a77fc0
--- /dev/null
+++ b/38125-8.txt
@@ -0,0 +1,2211 @@
+The Project Gutenberg EBook of Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der zunehmende Mond
+
+Author: Rabindranath Tagore
+
+Translator: Hans Effenberger
+
+Release Date: November 24, 2011 [EBook #38125]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: ISO-8859-1
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
+
+
+
+
+
+
+ [ Anmerkungen zur Transkription:
+
+ Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden bernommen.
+
+ Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit = markiert.
+ Im Original kursiv gedruckter Text wurde mit _ markiert.
+ ]
+
+
+
+
+RABINDRANATH TAGORE
+
+DER ZUNEHMENDE MOND
+
+KURT WOLFF VERLAG
+
+
+Copyright 1915
+
+Kurt Wolff Verlag, Leipzig
+
+
+Berechtigte deutsche bertragung von HANS EFFENBERGER nach der von
+Rabindranath Tagore selbst veranstalteten englischen Ausgabe
+
+
+
+
+DIE HTTE
+
+
+Ich ging allein den Weg ber das Feld, whrend der Sonnenuntergang sein
+letztes Gold wie ein Geizhals verbarg.
+
+Des Tages Licht sank tiefer und tiefer in die Dunkelheit, und das
+verwitwete Land, der Ernte brach, lag schweigend.
+
+Pltzlich stieg eines Knaben schrille Stimme in den Himmel. Er
+durchdrang ungesehn das Dunkel und lie die Spur seines Liedes ber der
+Stille des Abends.
+
+Seine Htte lag im Dorf am Ende des den Landes, hinter dem
+Zuckerrohrfeld, verborgen in den Schatten der Bananen und der schlanken
+Arka-Palme, der Kokosnu und der dunkelgrnen Brotfruchtbume.
+
+Ich hielt einen Augenblick inne auf meinem einsamen Gang im Licht der
+Sterne und sah ausgebreitet vor mir die dunkelnde Erde, in ihren Armen
+zahllose Htten mit Wiegen und Betten, Mutterherzen und Abendlampen und
+jungen Leben, froh von einer Freude, die nicht wei, was sie der Welt
+bedeutet.
+
+
+
+
+AM MEERUFER
+
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder.
+
+Der grenzenlose Himmel zu Hupten ist ohne Bewegung, und das ruhlose
+Wasser ist ungestm.
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder mit Jubeln und Tanzen.
+
+ * * * * *
+
+Sie bauen ihre Huser aus Sand, und sie spielen mit leeren Muscheln. Aus
+welken Blttern flechten sie ihre Boote und lassen sie lchelnd ber der
+ungeheuren Tiefe treiben. Kinder haben ihr Spiel am Meerufer der Welten.
+
+ * * * * *
+
+Sie knnen nicht schwimmen, sie knnen nicht Netze werfen. Perlenfischer
+tauchen nach Perlen, Kaufleute segeln in ihren Schiffen, whrend Kinder
+Kiesel sammeln und sie wieder verstreun. Sie suchen nicht nach
+verborgenen Schtzen, sie knnen nicht Netze werfen.
+
+ * * * * *
+
+Das Meer schumt auf in Gelchter, und fahl glnzt das Lcheln des
+Gestades. Todbringende Wellen singen verstndnislose Balladen den
+Kindern, wie eine Mutter beim Einwiegen. Das Meer spielt mit Kindern,
+und fahl glnzt das Lcheln des Gestades.
+
+ * * * * *
+
+Am Meerufer endloser Welten treffen sich Kinder. Sturm streicht am
+pfadlosen Himmel, Schiffe kentern in dem spurlosen Wasser, der Tod ist
+unterwegs, und Kinder spielen. Am Meerufer endloser Welten ist das groe
+Begegnen der Kinder.
+
+
+
+
+DER URSPRUNG
+
+
+Der Schlaf, der ber des Kindleins Augen huscht -- wei jemand, woher
+der kommt? Ja, es geht ein Gercht, da er in dem Mrchendorfe wohnt.
+Unter Waldesschatten, von Glhwrmern trb erhellt, hngen zwei
+Zauberknospen. Von dort kommt er, des Kindleins Augen zu kssen.
+
+Das Lcheln, das auf des Kindleins Lippen flackert, wenn es schlft --
+wei jemand, wo das geboren ward? Ja, es geht ein Gercht, da ein
+junger, blasser Strahl des zunehmenden Mondes den Saum einer
+schwindenden Herbstwolke berhrte, und da wurde das Lcheln zuerst
+geboren in dem Traum eines taureinen Morgens -- das Lcheln, das auf des
+Kindleins Lippen spielt, wenn es schlft.
+
+Die se, sanfte Frische, die auf des Kindleins Gliedern blht -- wei
+jemand, wo die so lange verborgen war? Ja, sie lag, als Mutter noch ein
+junges Mdchen war, ihr Herz durchdringend, im zarten und schweigenden
+Geheimnis der Liebe -- die se, sanfte Frische, die auf des Kindleins
+Gliedern aufgeblht ist.
+
+
+
+
+DES KINDCHENS WESEN
+
+
+Wenn Kindchen nur wollte, knnte es in diesem Augenblick zum Himmel
+auffliegen.
+
+Es ist nicht umsonst, da es uns verlt.
+
+Es liebt es, seinen Kopf auszuruhn an Mutters Brust und kann es niemals
+ertragen, wenn seine Augen sie nicht sehn.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen kennt allerhand weise Worte, wenn auch Wenige auf Erden ihren
+Sinn verstehen knnen.
+
+Es ist nicht umsonst, da es niemals zu sprechen verlangt.
+
+Das einzige, das es verlangt, ist Mutters Worte von Mutters Lippen zu
+lernen. Darum schaut es so unschuldig drein.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen hatte einen Haufen Gold und Perlen und doch kam es wie ein
+Bettler in diese Welt.
+
+Es ist nicht umsonst, da es in solcher Verkleidung kam.
+
+Dieser liebe, kleine, nackte Bettler gibt vor, ganz hilflos zu sein,
+damit er um Mutters reiche Liebe betteln kann.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen war so frei von jeder Fessel im Lande des kleinen, zunehmenden
+Monds.
+
+Es war nicht umsonst, da es seine Freiheit aufgab.
+
+Es wei, da Raum ist fr endlose Freude in dem kleinen Winkel von
+Mutters Herzen und da es viel ser ist als Freiheit, in ihren lieben
+Armen gefangen und geherzt zu werden.
+
+ * * * * *
+
+Kindchen wute nichts vom Schreien. Es wohnte im Lande der vollkommenen
+Seligkeit.
+
+Es ist nicht umsonst, da es das Weinen erwhlt hat.
+
+Wenn es auch mit dem Lcheln seines lieben Gesichtes Mutters sehnendes
+Herz zu sich zieht, so schlingen doch seine kleinen Schreie ber winzige
+Kmmernisse das doppelte Band von Mitleid und Liebe.
+
+
+
+
+DAS UNBEACHTETE SCHAUSPIEL
+
+
+Ach, wer war's, der diesen kleinen Kittel bunt frbte, mein Kind, und
+Deine sen Glieder mit diesem kleinen, roten Rock bedeckte?
+
+Du bist herausgekommen im Morgen, auf dem Hof zu spielen, torkelnd und
+taumelnd, wenn Du lufst.
+
+Aber wer war's, der diesen kleinen Kittel bunt frbte, mein Kind?
+
+ * * * * *
+
+Was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?
+
+Mutter steht auf der Schwelle und lchelt Dich an.
+
+Sie klatscht in ihre Hnde, und ihre Spangen klirren, und Du tanzest mit
+Deinem Bambusstock in der Hand wie ein kleinwinziger Hirte.
+
+Aber was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?
+
+ * * * * *
+
+O Bettler, was bettelst Du, Mutters Nacken mit Deinen beiden Hnden
+umschlingend?
+
+O gieriges Herz, soll ich die Welt pflcken wie eine Frucht vom Himmel,
+um sie in Deine kleine, rosige Hand zu legen?
+
+O Bettler, um was bettelst Du denn?
+
+ * * * * *
+
+Der Wind trgt lustig das Klingen Deiner Fuschellen davon.
+
+Die Sonne lchelt und bewundert Dein Kleid.
+
+Der Himmel wacht ber Dir, wenn Du schlfst in Mutters Armen, und der
+Morgen kommt auf Zehenspitzen an Dein Bett und kt Deine Augen.
+
+Der Wind trgt lustig das Klingen Deiner Fuschellen davon.
+
+ * * * * *
+
+Die Feenknigin der Trume kommt zu Dir durch den Dmmerhimmel geflogen.
+
+Die Weltenmutter sitzt bei Dir in Deiner Mutter Herzen.
+
+Er, der seine Musik den Sternen spielt, steht an Deinem Fenster mit
+seiner Flte.
+
+Und die Feenknigin der Trume kommt zu Dir durch den Dmmerhimmel
+geflogen.
+
+
+
+
+SCHLAFDIEBIN
+
+
+Wer den Schlaf von Kindchens Augen stahl, mu ich wissen.
+
+Den Krug auf der Hfte, ging Mutter Wasser holen aus dem nahen Dorf.
+
+Es war Mittag. Der Kinder Spielzeit war vorber. Im Teich die Enten
+schwiegen.
+
+Der Hirtenknab' lag eingeschlafen unter dem Schatten des Feigenbaums.
+
+Der Kranich stand ernst und still in dem Sumpf am Mangohain.
+
+Mittlerweile kam die Schlafdiebin, haschte den Schlaf von Kindchens
+Augen und flog davon.
+
+Als Mutter heimkehrte, fand sie Kindchen auf allen Vieren durchs Zimmer
+kriechen.
+
+ * * * * *
+
+Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, mu ich wissen. Ich mu sie finden
+und anketten. Ich mu dort in die schwarze Hhle schaun, wo durch Felsen
+und dstres Gestein ein kleiner Bach sickert.
+
+Ich mu suchen in dem Schlummerschatten des Bakulahains, wo Tauben in
+den Verstecken gurren und Elfenringe in der Stille der Sternennchte
+klirren. Des abends will ich in das flsternde Schweigen des
+Bambuswaldes lugen, wo Leuchtkfer ihr Licht verschwenden, und will
+jedes Wesen fragen, das ich treffe: Kann einer mir sagen, wo die
+Schlafdiebin wohnt?
+
+ * * * * *
+
+Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf, mu ich wissen.
+
+Wrd' ich ihr nicht ordentlich Bescheid sagen, wenn ich sie nur
+erwischen knnte! Ihr Nest wrd' ich berfallen und sehn, wo sie all
+ihren gestohlenen Schlaf htet. Ich wrde es ganz plndern und ihn
+heimtragen.
+
+Ich wrd' ihre zwei Flgel fest zusammenbinden, sie an das Ufer des
+Flusses setzen und sie dann die Fischerin spielen lassen zwischen den
+Binsen und Wasserlilien.
+
+Wenn abends das Markten vorber ist, und die Dorfkinder ihren Mttern im
+Scho sitzen, werden die Nachtvgel ihr spottend in die Ohren kreischen:
+
+Wessen Schlaf stiehlst Du Dir jetzt?
+
+
+
+
+DER ANFANG
+
+
+Wo bin ich hergekommen, wo hast Du mich aufgelesen? fragte das Kind
+seine Mutter.
+
+Sie antwortete halb weinend, halb lachend und drckte das Kind an ihre
+Brust:
+
+Du warst verborgen in meinem Herzen als seine Sehnsucht, Liebling.
+
+Du warst in den Puppen meiner Kinderspiele; und wenn ich aus Lehm das
+Bildnis meines Gottes formte jeden Morgen, dann formte und vernichtete
+ich Dich.
+
+Du warst mit eingeschlossen in der Gottheit unsres Hauses; sie
+verehrend, verehrte ich Dich.
+
+In all meinem Hoffen und Lieben, in meinem Leben, in dem Leben meiner
+Mutter hast Du gelebt.
+
+Im Scho des unsterblichen Geistes, der ber unserm Hause waltet, bist
+Du genhrt worden durch Menschenalter.
+
+In meiner Mdchenzeit, da mein Herz seine Blumenbltter aufschlo,
+schwebtest Du als ihr Duft darber.
+
+Deine zarte Sanftheit blhte in meinen jugendlichen Gliedern wie ein
+Wolkenglhn vor Sonnenaufgang.
+
+Himmelserwhlter Liebling, Zwilling des Morgenlichts, Du bist den Strom
+des irdischen Lebens heruntergeschwommen und zuletzt bist Du an meinem
+Herzen gestrandet.
+
+Ich schaue in Dein Gesicht, und Unfabares berkommt mich: Du, der allen
+gehrt, bist mein geworden.
+
+Vor Angst, Dich zu verlieren, halt' ich Dich eng an meine Brust. Welcher
+Zauber hat den Schatz der Welt in diese meine schlanken Arme
+verstrickt!
+
+
+
+
+KINDCHENS WELT
+
+
+Ich wnsche, ich knnte eine stille Ecke haben im Herzen von Kindchens
+ureigenster Welt.
+
+Ich wei, sie hat Sterne, die zu ihm reden, und einen Himmel, der
+niedersteigt zu seinem Gesicht, um ihn mit seinen nrrischen Wolken und
+Regenbogen zu vergngen.
+
+Solche, die tun, als wren sie stumm und dreinschaun, als knnten sie
+sich niemals bewegen, kommen zu seinem Fenster gekrochen mit ihren
+Geschichten und mit Ksten voll herrlichem Spielzeug.
+
+ * * * * *
+
+Ich wnsche, ich knnte die Strae wandern, die durch Kindchens Gedanken
+fhrt, und weiter, hinaus ber alle Schranken;
+
+Wo Sendboten unterwegs sind ohne Grund zwischen den Knigreichen der
+Knige, die keine Geschichte kennt;
+
+Wo die Vernunft Drachen macht aus ihren Gesetzen und sie fliegen lt,
+und die Wahrheit die Tat befreit von ihren Fesseln.
+
+
+
+
+WANN UND WARUM
+
+
+Wenn ich Dir buntes Spielzeug bringe, mein Kind, begreife ich, warum ein
+solches Spiel von Farben in den Wolken und auf dem Wasser ist, und warum
+die Blumen in Farben gemalt sind -- wenn ich Dir buntes Spielzeug
+schenke, mein Kind.
+
+Wenn ich singe, damit Du tanzest, wei ich frwahr, warum Musik in den
+Blttern ist, und warum Wellen ihrer Stimmen Chor zu dem Herzen der
+lauschenden Erde senden -- wenn ich singe, damit Du tanzest.
+
+Wenn ich Sigkeiten bringe fr Deine gierigen Hndchen, wei ich, warum
+Honig in dem Kelch der Blume ist, und warum Frchte heimlich mit sem
+Saft gefllt sind -- wenn ich Sigkeiten bringe fr Deine gierigen
+Hndchen.
+
+Wenn ich Dein Gesicht ksse, damit Du lchelst, mein Liebling, begreife
+ich gewi, welche Wonne vom Himmel truft im Morgenlicht, und welch
+Entzcken die Sommerbrise meinem Krper bringt -- wenn ich Dich ksse,
+damit Du lchelst.
+
+
+
+
+VERLEUMDUNG
+
+
+Warum sind diese Trnen in Deinen Augen, mein Kind?
+
+Wie grausam von ihnen, Dich immer zu schelten, ohne Grund!
+
+Du hast Dir Finger und Wangen mit Tinte beschmiert beim Schreiben --
+heien sie Dich darum schmutzig?
+
+O, pfui! Wrden sie es wagen, den Vollmond schmutzig zu heien, weil er
+sein Gesicht mit Tinte besudelt hat?
+
+ * * * * *
+
+Wegen jeder Kleinigkeit tadeln sie Dich, mein Kind. Sie sind bereit,
+Fehler zu finden, ohne Grund.
+
+Du zerreiest Deine Kleider beim Spielen -- heien sie Dich darum
+unordentlich?
+
+O, pfui! Was wrden sie einen Herbstmorgen heien, der durch seine
+zerfetzten Wolken lchelt?
+
+ * * * * *
+
+Achte nicht darauf, was sie zu Dir sagen, mein Kind.
+
+Sie machen eine lange Liste Deiner Missetaten.
+
+Jeder wei, wie Du Sigkeiten liebst -- heien sie Dich darum
+naschhaft?
+
+O, pfui! Was wrden sie dann uns heien, die Dich lieben?
+
+
+
+
+DER RICHTER
+
+
+Sagt von ihm, was ihr wollt, ich kenne doch meines Kindes Fehler.
+
+Ich lieb' ihn nicht, weil er gut ist, sondern weil er mein kleines Kind
+ist.
+
+Woher wollt ihr wissen, wie lieb er sein kann, wenn ihr versucht, seine
+Tugenden gegen seine Schwchen abzuwgen?
+
+Wenn ich ihn strafen mu, wird er um so mehr ein Teil meines Seins.
+
+Wenn ich Ursache bin, da ihm die Trnen kommen, weint mein Herz mit
+ihm.
+
+Ich allein habe ein Recht, zu tadeln und zu strafen, denn der nur darf
+zchtigen, der liebt.
+
+
+
+
+SPIELZEUG
+
+
+Kind, wie glcklich sitzest Du im Staub und spielst mit einem
+zerbrochnen Zweig den ganzen Morgen.
+
+Ich lchle ber Dein Spiel mit diesem kleinwinzigen, zerbrochnen
+Zweiglein.
+
+Ich bin eifrig bei meinen Rechnungen, stundenlang Zahlen
+zusammenzhlend.
+
+Vielleicht schaust Du auf mich und denkst: Was fr ein dummes Spiel,
+=damit= Deinen Morgen zu verderben?
+
+Kind, ich habe die Kunst vergessen, in Stcke und Sandhgel vertieft zu
+sein.
+
+Ich suche nach teurem Spielzeug und sammle Klumpen von Gold und Silber.
+
+Was immer Du findest, Du schaffst Dir damit Deine frohen Spiele; ich
+verschwende meine Zeit und Kraft an Dinge, die ich niemals erreiche.
+
+In meinem schwanken Boot kmpf' ich, der Sehnsucht Meer zu durchkreuzen
+und vergesse, da auch ich ein Spiel spiele.
+
+
+
+
+DER ASTRONOM
+
+
+Ich sagte nur: Wenn sich des abends der runde Vollmond in den Zweigen
+jenes Kadambaums verwirrte, knnte ihn da jemand fangen?
+
+Aber Dd(1) lachte mich an und sagte: Bubi, Du bist das dmmste Kind,
+das ich je gekannt habe.
+
+Der Mond ist, ach so weit von uns, wie knnte ihn denn einer da fangen?
+
+ (1) Der ltere Bruder.
+
+Ich sagte: Dd, wie nrrisch Du bist! Wenn Mutter hinausschaut aus
+ihrem Fenster und herunter lchelt auf uns beim Spielen, wrdest Du
+sagen, sie wre weit weg?
+
+Doch Dd sagte: Du bist ein einfltiges Kind! Bubi, wo wrdest Du denn
+ein Netz hernehmen, gro genug, um den Mond damit zu fangen?
+
+Ich sagte: Sicherlich knntest Du ihn mit Deinen Hnden fangen.
+
+Aber Dd lchelte und sagte: Du bist das dmmste Kind, das ich kenne.
+Wenn er nher kme, wrdest Du sehn wie gro der Mond ist.
+
+Ich sagte: Dd, was fr Unsinn sie in Deiner Schule lehren! Wenn
+Mutter ihr Gesicht herunterbeugt, um uns zu kssen, schaut ihr Gesicht
+sehr gro aus?
+
+Dd sagt aber doch: Du bist ein dummes Kind.
+
+
+
+
+WOLKEN UND WELLEN
+
+
+Mutter, das Volk, das in den Wolken droben wohnt, ruft mir zu:
+
+Wir spielen vom Aufwachen bis der Tag endet.
+
+Wir spielen mit der goldnen Morgenrte, wir spielen mit dem silbernen
+Mond.
+
+Ich frage: Aber wie kann ich zu Euch hinaufgelangen?
+
+Sie antworten: Komm' an den Rand der Erde, heb' Deine Hnde zum Himmel
+und du wirst aufgenommen werden in die Wolken.
+
+Meine Mutter wartet auf mich zu Hause, sag' ich. Wie kann ich sie
+verlassen und kommen?
+
+Dann lcheln sie und schwimmen vorber.
+
+Aber ich wei ein schneres Spiel als das, Mutter.
+
+Ich werde die Wolke sein und Du der Mond.
+
+Ich werde Dich verdecken mit meinen beiden Hnden und unser Giebel wird
+der blaue Himmel sein.
+
+ * * * * *
+
+Das Volk, das in den Wellen wohnt, ruft mir zu:
+
+Wir singen von Morgen bis Abend; wir wandern und wandern und wissen
+nicht, wohin wir gleiten.
+
+Ich frage: Wie soll ich mich denn zu Euch gesellen?
+
+Sie sagen mir: Komm' an den Rand des Ufers und steh' mit fest
+geschlossenen Augen und Du wirst davongetragen werden auf den Wellen.
+
+Ich sage: Meine Mutter braucht mich immer daheim des abends -- wie kann
+ich sie verlassen und gehn?
+
+Dann lcheln sie, tanzen und gleiten vorber.
+
+Aber ich wei ein besseres Spiel als das.
+
+Ich will die Welle sein, und Du wirst eine fremde Kste sein.
+
+Ich werde rollen fort und fort und fort und an Deinem Scho zerschellen
+mit Gelchter.
+
+Und niemand in der Welt wird wissen, wo wir beide sind.
+
+
+
+
+DIE CHAMPABLTE
+
+
+Denk' Dir, ich wrde eine Champablte, nur zum Scherz, und wchse auf
+einem Ast hoch oben in jenem Baume und schtterte im Wind vor Lachen und
+tanzte auf den neu entkeimten Blttern; wrdest Du mich kennen, Mutter?
+
+ * * * * *
+
+Du wrdest rufen: Kindchen, wo bist Du?, und ich wrde lachen fr mich
+und ganz stille sein.
+
+Ich wrde heimlich meine Blte ffnen und Dir bei der Arbeit zuschaun.
+
+ * * * * *
+
+Wenn Du nach dem Bad, das nasse Haar ber Deine Schultern gebreitet,
+durch den Schatten des Champabaumes gingest zu dem kleinen Hof, in dem
+Du Deine Gebete sagst, wrdest Du den Duft der Blume merken, aber nicht
+wissen, da er von mir kme.
+
+Wenn Du nach dem Mittagsmahl am Fenster sest, Rmyana lesend, und des
+Baumes Schatten ber Haar und Scho Dir fiele, wrd' ich Dir meinen
+kleinwinzigen Schatten auf die Seite Deines Buches werfen, grad dahin,
+wo Du liest.
+
+Aber wrdest Du raten, da es der zarte Schatten Deines kleinen Kindes
+war?
+
+Wenn Du des abends zu den Khen gingest, mit der brennenden Lampe in der
+Hand, wrde ich pltzlich wieder auf die Erde niederfallen und noch
+einmal Dein eignes Kind sein und Dich bitten, mir eine Geschichte zu
+erzhlen.
+
+Wo bist Du gewesen, Du schlimmes Kind?
+
+Ich mag's nicht erzhlen, Mutter. Das wrden Du und ich dann sagen.
+
+
+
+
+MRCHENLAND
+
+
+Wenn die Leute wten, wo meines Knigs Palast ist, er wrde
+entschwinden.
+
+Die Mauern sind von weiem Silber und das Dach von leuchtendem Gold.
+
+Die Knigin lebt in einem Palast mit sieben Hfen und sie trgt ein
+Juwel, das war wert allen Reichtum von sieben Knigreichen.
+
+Aber la' es mich, Mutter, Dir flsternd sagen, wo meines Knigs Palast
+ist.
+
+Er ist da in der Ecke unsrer Terrasse, dort wo der Topf mit der
+Tulsispflanze steht.
+
+Die Prinzessin liegt schlafend an der weit weiten Kste der sieben
+unwegsamen Meere.
+
+Es gibt keinen in der Welt, der sie finden kann, als ich.
+
+Sie hat Spangen an ihren Armen und Perlentropfen in ihren Ohren; ihr
+Haar wallt nieder bis zum Boden.
+
+Sie wird aufwachen, wenn ich sie mit meinem Zauberstab berhre, und
+Edelsteine werden von ihren Lippen fallen, wenn sie lchelt.
+
+Aber la' mich Dir ins Ohr flstern, Mutter; sie ist da in der Ecke
+unsrer Terrasse, dort wo der Topf mit der Tulsispflanze steht.
+
+Wenn es Zeit fr Dich ist, zum Flusse baden zu gehn, steig' hinauf zu
+der Terrasse auf dem Dach.
+
+Ich sitz' in der Ecke, wo die Schatten der Mauern zusammentreffen.
+
+Nur Miez darf mit mir kommen, denn sie wei, wo der Barbier aus dem
+Mrchen wohnt.
+
+Aber la' mich, Mutter, Dir ins Ohr flstern, wo der Barbier aus dem
+Mrchen wohnt.
+
+Es ist da in der Ecke der Terrasse, wo der Topf mit der Tulsispflanze
+steht.
+
+
+
+
+DAS LAND DER VERBANNUNG
+
+
+Mutter, das Licht ist grau geworden am Himmel; ich wei nicht, wie spt
+es ist.
+
+Mich freut mein Spiel nicht, da bin ich zu Dir gekommen. Es ist
+Sonnabend, unser Feiertag.
+
+La' Deine Arbeit, Mutter; sitz' hier beim Fenster und erzhl' mir, wo
+die Wste von Tepntar in dem Mrchen ist.
+
+ * * * * *
+
+Der Regenschatten hat den ganzen langen Tag zugedeckt.
+
+Der wilde Blitz zerkratzt den Himmel mit seinen Ngeln.
+
+Wenn die Wolken rollen und es donnert, lieb' ich es, mich zu frchten im
+Herzen und mich an Dich zu schmiegen.
+
+Wenn der schwere Regen stundenlang auf die Bambusbltter pltschert, und
+unsre Fenster schttern und klirren unter den Windsten, sitz' ich gern
+allein im Zimmer, Mutter, mit Dir und hr' Dich erzhlen von der Wste
+Tepntar in dem Mrchen.
+
+ * * * * *
+
+Wo liegt sie, Mutter, an der Kste welchen Meeres, am Fue welcher
+Hgel, in wessen Knigs Knigreich?
+
+Da gibt's keine Hecken, die Felder zu grenzen, keinen Fupfad hindurch,
+auf dem die Dorfbewohner des abends ihr Dorf erreichen oder die Frau,
+die drres Holz im Walde sammelt, ihre Brde zu Markte bringen kann. Mit
+Flecken gelben Grases im Sand und einem einzigen Baum, in dem das weise,
+alte Vogelpaar sein Nest hat, liegt die Wste von Tepntar.
+
+ * * * * *
+
+Ich kann mir vorstellen, wie gerade an einem so wolkigen Tage der junge
+Knigssohn auf grauem Ro allein durch die Wste reitet, auf der Suche
+nach der Prinzessin, die im Palast des Riesen ber dem unbekannten
+Wasser gefangen liegt.
+
+Wenn der Regennebel herunterrieselt am fernen Himmel und der Blitz
+aufzuckt wie ein pltzlicher Schmerz, denkt er da seiner unglcklichen
+Mutter, wie sie, vom Knig verstoen, den Kuhstall fegt und ihre Augen
+wischt, whrend er durch die Wste Tepntar reitet, wie das Mrchen
+erzhlt?
+
+ * * * * *
+
+Sieh', Mutter, es ist beinahe dunkel, ehe noch der Tag vorber ist, und
+es gehn keine Wandrer drben auf der Dorfstrae.
+
+Der Hirtenknab' ist frhe heimgekommen von der Weide und die Menschen
+haben ihre Felder verlassen, um auf Matten zu sitzen unter der
+Dachtraufe ihrer Htten, nach den druenden Wolken sphend.
+
+Mutter, ich habe alle meine Bcher in dem Spinde gelassen -- heie mich
+nicht, jetzt meine Aufgaben machen.
+
+Wenn ich aufwachse und gro wie mein Vater bin, werde ich alles lernen,
+was gelernt werden mu. Aber nur heute gerade, erzhle mir, Mutter, wo
+die Wste von Tepntar ist, von der das Mrchen erzhlt.
+
+
+
+
+DER REGENTAG
+
+
+Tckische Wolken ballen sich rasch ber der schwarzen Franse des Waldes.
+
+O Kind, geh' nicht hinaus!
+
+Die Palmenreihe am See schlgt ihre Hupter wider den schrecklichen
+Himmel; die Krhen mit ihren schmutzigen Schwingen sitzen still auf den
+Tamarindenzweigen, und das stliche Ufer des Flusses geistert in einem
+verdunkelten Glhn.
+
+ * * * * *
+
+Unsre Kuh muht laut, an den Zaun gebunden.
+
+O Kind, wart' hier, bis ich sie in den Stall bringe.
+
+Menschen drngen hinaus auf das berschwemmte Feld, um die Fische zu
+fangen, die aus den berflutenden Teichen entkommen; das Regenwasser
+rinnt in Rillen durch die engen Gassen, wie ein lachender Junge, der
+seiner Mutter davongerannt ist, um sie zu necken.
+
+ * * * * *
+
+Horch', irgendwer ruft nach dem Bootsmann an der Furt.
+
+O Kind, des Tages Licht ist trb' und die Arbeit an der Fhre ruht.
+
+Der Himmel scheint rasch zu reiten auf dem wildstrzenden Regen; das
+Wasser im Flu ist laut und ungestm; Frauen sind frh nach Haus geeilt
+vom Ganges mit ihren gefllten Krgen.
+
+ * * * * *
+
+Die Abendlampen mssen fertiggemacht werden.
+
+O Kind, geh' nicht hinaus!
+
+Die Strae zum Markt ist einsam, die Gasse zum Flu ist schlpfrig. Der
+Wind sthnt und wtet in den Bambuszweigen wie ein wildes Tier, in einem
+Netz verfangen.
+
+
+
+
+PAPIERSCHIFFCHEN
+
+
+Tag fr Tag la' ich meine Papierschiffchen, eins nach dem andern, den
+eilenden Strom hinunterschwimmen.
+
+In groen, schwarzen Buchstaben schreib' ich meinen Namen darauf und den
+Namen des Dorfes, wo ich lebe.
+
+Ich hoffe, da irgendwer in einem fremden Land sie finden wird und
+wissen, wer ich bin.
+
+Ich belade meine kleinen Boote mit Shiuliblumen aus unserm Garten und
+hoffe, da diese Blten der Dmmerung heil ans Land getrieben werden zur
+Nacht.
+
+Ich lichte meine Papierschiffchen und schaue hinauf in den Himmel und
+sehe die kleinen Wolken ihre weien, blhenden Segel setzen.
+
+Ich wei nicht, wer von meinen Gespielen im Himmel sie hinunterschickt
+durch die Luft, damit sie wettlaufen mit meinen Booten!
+
+Wenn Nacht kommt, vergrabe ich mein Gesicht in meine Arme und trume,
+da meine Papierschiffchen weiter und weiter treiben unter den
+Mitternachtssternen.
+
+Die Schlafelfen segeln darin, und die Ladung sind ihre Krbe voll
+Trume.
+
+
+
+
+DER SEEMANN
+
+
+Das Boot des Bootsmannes Madhu ist an der Werft von Rajgunj verankert.
+
+Es ist unntz beladen mit indischem Flachs und liegt schon so lange
+zwecklos da.
+
+Wenn er mir nur sein Boot leihen wollte, ich wrd' es mit hundert
+Rudrern bemannen und Segel hissen, fnf oder sechs oder sieben.
+
+Ich wrd' es nicht nach dummen Mrkten steuern.
+
+Ich wrde ber die sieben Meere segeln und die dreizehn Flsse des
+Mrchenlandes.
+
+ * * * * *
+
+Gelt Mutter, Du wrdest nicht weinen, um mich in einer Ecke?
+
+Ich geh' nicht in den Wald wie Rmachandra, um erst nach vierzehn Jahren
+heimzukehren.
+
+Ich werde der Mrchenprinz sein und mein Boot fllen, mit allem, was mir
+gefllt.
+
+Ich werde meinen Freund Ashu mit mir nehmen. Wir werden frohlustig ber
+die sieben Meere segeln und die dreizehn Flsse des Mrchenlands.
+
+ * * * * *
+
+Wir werden die Segel setzen im frhen Morgenlicht.
+
+Wenn Du des mittags am Teiche badest, werden wir im Land eines fremden
+Knigs sein.
+
+Wir werden die Furt von Tipurni passieren und hinter uns lassen die
+Wste von Tepntar.
+
+Wenn wir heimkommen, wird es anfangen zu dunkeln, und ich werde Dir von
+allem erzhlen, was wir gesehen haben.
+
+Ich werde die sieben Meere kreuzen und die dreizehn Flsse des
+Mrchenlandes.
+
+
+
+
+DAS ANDERE UFER
+
+
+Ich mchte hinbergehn an das Ufer des Flusses drben,
+
+Wo jene Boote angeseilt sind an die Bambuspfhle in einer Reihe;
+
+Wo Mnner in ihren Booten berfahren in der Frhe, mit Pflgen auf ihren
+Schultern, ihre Felder weit drauen zu ackern;
+
+Wo die Kuhhirten ihre blkenden Klber ber den Strom schwimmen lassen
+nach den Uferweiden;
+
+Von wo sie alle heimkommen am Abend und lassen auf der Insel, der von
+Unkraut berwucherten, die heulenden Schakale zurck.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so wrd' ich gern Bootsmann bei der Fhre werden,
+wenn ich einmal gro bin.
+
+ * * * * *
+
+Sie sagen, es sind seltsame Smpfe verborgen hinter jenem Ufer,
+
+Wo Schwrme wilder Enten hinkommen, wenn die Regen vorber sind, und
+dickes Rohr wchst um die Rnder, da Wasservgel ihre Eier legen;
+
+Wo Schnepfen mit ihren tanzenden Schwnzen ihre kleinen Zehenmale in den
+reinen, weichen Schlamm drcken;
+
+Wo im Abend die hohen Grser, mit weien Blten behelmt, den Mondstrahl
+einladen, auf ihren Wogen zu spielen.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so wrd' ich gern Bootsmann bei der Fhre werden,
+wenn ich einmal gro bin.
+
+ * * * * *
+
+Ich werde hinber- und herberfahren von Ufer zu Ufer, und alle die
+Jungen und Mdchen im Dorf werden mich anstaunen, whrend sie baden.
+
+Wenn die Sonne des Himmels Mitte erklimmt und der Morgen in den Mittag
+vergeht, werde ich nach Hause gelaufen kommen und sagen: Mutter, ich
+habe Hunger!
+
+Wenn der Tag um ist und die Schatten unter den Bumen kauern, werd' ich
+im Dmmern heimkommen.
+
+Ich werde nie weggehen von Dir, in die Stadt arbeiten, wie Vater.
+
+Mutter, erlaubst Du's, so wrd' ich gern Bootsmann bei der Fhre werden,
+wenn ich einmal gro bin.
+
+
+
+
+DIE BLUMENSCHULE
+
+
+Wenn Sturmwolken am Himmel rumoren und Junischauer herunterkommen,
+
+Kommt der feuchte Ostwind ber die Heide marschiert, um seinen Dudelsack
+im Bambusgerhr zu pfeifen.
+
+Dann kommen auf einmal Scharen von Blumen heraus -- wei niemand woher
+-- und tanzen auf dem Gras in wilder Lust.
+
+ * * * * *
+
+Mutter, wirklich, ich denke, die Blumen gehn unter der Erde zur Schule.
+
+Sie machen ihre Aufgaben bei geschlossenen Tren, und wenn sie
+herauskommen wollen, zu spielen, eh' ihre Zeit ist, lt sie der Lehrer
+in einer Ecke stehn.
+
+ * * * * *
+
+Wenn die Regen kommen, haben sie ihre Ferien.
+
+Zweige prasseln zusammen im Walde, und die Bltter rascheln im wilden
+Wind, die Donnerwolken klatschen ihre Riesenhnde, und die Blumenkinder
+strzen heraus in Kleidern rosig und gelb und wei.
+
+ * * * * *
+
+Weit Du, Mutter, ihre Heimat ist im Himmel, wo die Sterne sind.
+
+Hast Du nicht gemerkt, wie gierig sie sind, dahin zu gelangen? Weit Du
+nicht, warum sie in solcher Eile sind?
+
+Freilich, ich kann's erraten, zu wem sie ihre Hnde erheben: sie haben
+ihre Mutter, wie ich die meine hab'.
+
+
+
+
+DER KAUFMANN
+
+
+Stell' Dir vor, Mutter, da Du zu Hause bleiben mtest, und ich mte
+in fremde Lnder reisen.
+
+Stell' Dir vor, da mein Boot bereitliegt an der Brcke, voll geladen.
+
+Nun denk' gut nach, Mutter, eh' Du sagst, was ich mitbringen soll fr
+Dich, wenn ich zurckkomme.
+
+ * * * * *
+
+Mutter, willst Du Haufen und Haufen von Gold?
+
+Dort an den Ufern goldener Strme sind Felder voll goldener Ernten.
+
+Und in den Schatten des Waldpfads tropfen die goldnen Champablten auf
+den Weg.
+
+Ich will sie sammeln, alle fr Dich, in vielen hundert Krben.
+
+Mutter, willst Du Perlen so gro wie Regentropfen im Herbst?
+
+Ich will hinberfahren nach der Perleninsel.
+
+Dort zittern im frhen Morgenlicht Perlen auf den Wiesenblumen, Perlen
+tropfen ins Gras, und Perlen sind verspritzt im Sand vom Gischt der
+wilden Meereswogen.
+
+Mein Bruder soll ein Paar Rsser haben mit Flgeln, um mit den Wolken zu
+fliegen.
+
+Fr Vater werd' ich eine Zauberfeder mitbringen, die, ohne da er es
+wei, von selber schreiben wird.
+
+Fr dich, Mutter, mu ich das Kstlein und das Kleinod haben, das sieben
+Knigen ihre Knigreiche kostet.
+
+
+
+
+MITGEFHL
+
+
+Wenn ich nur ein kleines Hndchen wre, nicht Dein Kindchen, Mutter
+lieb, wrdest Du Nein zu mir sagen, wenn ich es wagte, von Deiner
+Schssel zu essen?
+
+Wrdest Du mich wegjagen, zu mir sagend: Mach' Dich fort, Du garstiges,
+kleines Hndchen?
+
+Dann geh', Mutter, geh'! Ich will nie mehr zu Dir kommen, wenn Du mich
+rufst, und mich nicht mehr von Dir fttern lassen.
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich nur ein kleiner, grner Papagei wre und nicht Dein Kindchen,
+Mutter lieb, wrdest Du mich an der Kette halten, damit ich nicht
+wegfliegen kann?
+
+Wrdest Du mir mit dem Finger drohen und sagen: Was fr ein undankbarer
+Racker von einem Vogel! Er knabbert an seiner Kette Tag und Nacht?
+
+Dann geh', Mutter, geh'! Ich will fortlaufen in den Wald; ich will nicht
+mehr, da Du mich wieder in Deine Arme nimmst.
+
+
+
+
+BERUF
+
+
+Wenn der Gong zehn schlgt des morgens und ich wandre unsre Gasse zur
+Schule,
+
+Treffe ich jeden Tag den Hndler, schreiend: Ringe, kristallne Ringe!
+
+Es gibt nichts, das ihn zur Eile treibt, es gibt keinen Weg, den er
+nehmen, keinen Ort, nach dem er gehen, keine Zeit, zu der er heimkommen
+mu.
+
+Ich wnschte, ich wre ein Hndler und verbrchte meinen Tag auf der
+Strae, schreiend: Ringe, kristallne Ringe!
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich um vier des nachmittags zurckkomme aus der Schule,
+
+Kann ich durch das Tor jenes Hauses den Grtner die Erde graben sehn.
+
+Er tut, was er will mit seinem Spaten, beschmutzt seine Kleider mit
+Staub, keiner stellt ihn zur Rede, wenn er gebraten wird in der Sonne
+oder na wird.
+
+Ich wnschte, ich wre ein Grtner, drauflosgrabend im Garten, und
+keiner hielte mich ab vom Graben.
+
+ * * * * *
+
+Just wenn es dunkel wird am Abend und meine Mutter mich zu Bett schickt,
+
+Kann ich durch das offne Fenster den Wchter sehn auf und abschreiten.
+
+Die Gasse ist dunkel und einsam, und die Straenlampe steht wie ein
+Riese mit einem roten Auge im Kopf.
+
+Der Wchter schwingt seine Laterne und schreitet mit seinem Schatten zur
+Seite und geht nicht =ein=mal zu Bett in seinem Leben.
+
+Ich wnschte, ich wre ein Wchter, die Straen schreitend alle Nacht,
+und scheuchte die Schatten mit meiner Laterne.
+
+
+
+
+BERLEGEN
+
+
+Mutter, Dein Tchterchen ist dumm! Sie ist so schrecklich kindisch!
+
+Sie wei nicht den Unterschied zwischen den Lichtern auf der Strae und
+den Sternen.
+
+Wenn wir Essen mit Kieseln spielen, glaubt sie, sie sind wirkliche
+Speise und versucht, sie in ihren Mund zu stecken.
+
+Wenn ich ein Buch aufmache vor ihr und sie ihr ABC lernen heie,
+zerreit sie die Bltter mit ihren Hnden und brllt vor Freude ber
+nichts. Das ist die Art, wie Dein Tchterchen ihre Aufgaben macht.
+
+Wenn ich den Kopf ber sie schttle in rger und sie schelte und sie
+schlimm nenne, lacht sie und hlt es fr einen Hauptspa.
+
+Jeder wei, da Vater fort ist, aber wenn ich im Spiel laut Vater
+rufe, schaut sie herum in Aufregung und denkt, da Vater nahe ist.
+
+Wenn ich Schule spiele mit den Eseln, die unser Wschemann bringt, um
+Wsche zu holen, und ich drohe ihr, da ich der Lehrer bin, wird sie
+kreischen ohne Grund und mich Dd nennen.
+
+Dein Tchterchen will den Mond fangen. Sie ist so drollig, sie nennt:
+Ganesh Ganush.
+
+Mutter, Dein Tchterchen ist dumm, sie ist so schrecklich kindisch!
+
+
+
+
+DER KLEINE GROSSE MANN
+
+
+Ich bin klein, weil ich ein kleines Kind bin. Ich werde gro sein, wenn
+ich so alt bin wie mein Vater ist.
+
+Mein Lehrer wird kommen und sagen: Es ist spt; bring' Deine Tafel und
+Deine Bcher.
+
+Ich werd' ihm antworten: Weit Du nicht, da ich so gro bin wie Vater?
+Und ich mu keine Stunden mehr haben.
+
+Mein Lehrer wird sich wundern und sagen: Er kann seine Bcher lassen,
+wenn er will, er ist ja erwachsen.
+
+ * * * * *
+
+Ich werde mich anziehn und zum Jahrmarkt spazieren, wo das Gewhl am
+dichtesten ist.
+
+Mein Onkel wird auf mich zugestrzt kommen und sagen: Du wirst verloren
+gehn, mein Junge; la' mich Dich tragen.
+
+Ich werde antworten: Kannst Du nicht sehen, Onkel, ich bin so gro wie
+Vater. Ich mu allein auf den Jahrmarkt gehn.
+
+Onkel wird sagen: Ja, er kann gehn, wohin er will; er ist erwachsen.
+
+ * * * * *
+
+Mutter wird vom Bade kommen, wenn ich meiner Amme Geld gebe; denn ich
+wei, wie sich die Bchse aufmachen lt mit meinem Schlssel.
+
+Mutter wird sagen: Was hast Du vor, Du schlimmes Kind?
+
+Ich werd' ihr erwidern: Mutter, weit Du nicht, ich bin so gro wie
+Vater und ich mu meiner Amme Silber geben.
+
+Mutter wird zu sich sagen: Er kann Geld geben, wem er will; er ist ja
+erwachsen.
+
+ * * * * *
+
+In der Ferienzeit im Oktober wird Vater heimkommen und, weil er meint,
+da ich noch ein kleines Kind bin, wird er fr mich aus der Stadt kleine
+Schuhe und kleine seidene Rcklein mitbringen.
+
+Ich werde sagen: Vater, gib sie meinem Dd, denn ich bin so gro wie
+Du bist.
+
+Vater wird denken und sagen: Er kann seine eignen Kleider kaufen, wenn
+er will; er ist ja erwachsen.
+
+
+
+
+ZWLF UHR
+
+
+Mutter, ich will jetzt aufhren mit meinen Aufgaben. Ich habe den ganzen
+Morgen ber meinen Bchern gesessen.
+
+Du sagst, es ist erst zwlf Uhr. Angenommen, es ist nicht spter: kannst
+Du Dir niemals denken, es ist Nachmittag, wenn es nur zwlf Uhr ist?
+
+Ich kann mir leicht vorstellen jetzt, da die Sonne den Rand jenes
+Reisfeldes erreicht hat, und da die alte Fischerfrau Kruter sammelt
+fr ihr Nachtmahl, drben am Teich.
+
+Ich kann meine Augen fest zumachen und denken, da die Schatten dunkler
+werden unter dem Madarbaum und das Wasser im Teich glnzend schwarz
+aussieht.
+
+Wenn zwlf Uhr in der Nacht kommen kann, warum kann die Nacht nicht
+kommen, wenn es zwlf Uhr ist?
+
+
+
+
+SCHRIFTSTELLEREI
+
+
+Du sagst, da Vater eine Menge Bcher schreibt, aber was er schreibt,
+versteh' ich nicht.
+
+Er hat Dir den ganzen Abend vorgelesen, aber konntest Du wirklich
+herausbekommen, was er meinte?
+
+Welch schne Mrchen, Mutter, kannst =Du= uns erzhlen! Warum kann Vater
+nicht solche schreiben?
+
+Hat er niemals von seiner eignen Mutter Mrchen gehrt von Riesen und
+Elfen und Prinzessinnen?
+
+Hat er sie alle vergessen?
+
+ * * * * *
+
+Oft, wenn er spt kommt zum Baden, mut Du gehn und ihn hundertmal
+rufen.
+
+Du wartest und hltst sein Essen warm fr ihn, und er schreibt weiter
+und vergit.
+
+Vater spielt immer Bchermachen.
+
+Wenn ich je spielen gehe in Vaters Zimmer, kommst Du und rufst mich:
+Was fr ein schlimmes Kind!
+
+Wenn ich den leisesten Lrm mache, sagst Du: Siehst Du nicht, da Vater
+arbeitet?
+
+Was hat das fr Sinn, schreiben und immer schreiben?
+
+ * * * * *
+
+Wenn ich Vaters Feder oder Bleistift nehme und in sein Buch schreibe,
+gerade wie er -- a, b, c, d, e, f, g, h, i, --, warum wirst Du dann bse
+mit mir, Mutter?
+
+Du sagst nie ein Wort, wenn Vater schreibt.
+
+ * * * * *
+
+Wenn mein Vater solche Haufen Papier verschwendet, Mutter, scheint es
+Dich gar nicht zu stren.
+
+Wenn ich aber nur =einen= Bogen nehme, um mir ein Schiff draus zu
+machen, sagst Du: Kind, wie Du einen qulst!
+
+Was hltst Du von Vaters Bogen und Bogenverderben mit schwarzen Zeichen,
+ber und ber auf beiden Seiten?
+
+
+
+
+DER BSE POSTBOTE
+
+
+Warum sitzest Du hier auf dem Boden so still und schweigend, sag' mir,
+Mutter lieb?
+
+Der Regen kommt herein durch das offene Fenster, macht Dich ganz na,
+und Du merkst es gar nicht.
+
+Hrst Du den Gong vier schlagen? Es ist Zeit fr meinen Bruder, da er
+heimkommt aus der Schule.
+
+Was ist Dir geschehn, da Du so fremd ausschaust?
+
+Hast Du heut keinen Brief von Vater bekommen?
+
+Ich sah den Postboten Briefe bringen in seinem Sack, fr jeden fast in
+der Stadt.
+
+Nur Vaters Briefe behlt er, um sie selber zu lesen. Ich bin gewi, der
+Postbote ist ein bser Mann.
+
+ * * * * *
+
+Aber sei nicht unglcklich darber, Mutter lieb.
+
+Morgen ist Markttag im nchsten Dorf. Du sagst Deinem Mdchen, da sie
+Federn und Papier kauft.
+
+Ich selbst will Vaters Briefe schreiben; Du wirst nicht einen einzigen
+Fehler finden.
+
+Ich werde vom A drauf los bis zum K schreiben.
+
+Doch, Mutter, was lchelst Du?
+
+Du glaubst nicht, da ich so schn schreiben kann wie Vater?
+
+Aber ich werde mein Papier sorgfltig linieren und alle Buchstaben schn
+gro schreiben.
+
+Wenn ich mein Schreiben fertig habe, meinst Du, werd' ich so dumm sein
+und es hineinwerfen in des grlichen Postboten Sack?
+
+Ich werd' es Dir selber bringen, ganz rasch, und Dir Brief fr Brief
+meine Schrift lesen helfen.
+
+Ich wei, der Postbote gibt Dir nicht gern die wirklich netten Briefe.
+
+
+
+
+DER HELD
+
+
+Mutter, denk' Dir, wir reisen und kommen durch ein fremdes und
+gefhrliches Land.
+
+Du reisest in einem Palankin, und ich trabe neben Dir auf einem roten
+Pferd.
+
+Es ist Abend, und die Sonne geht unter. Die Wste von Joradighi liegt
+fahl und grau vor uns. Das Land ist d und brach.
+
+Du bist erschreckt und denkst: Ich wei nicht, wohin wir geraten sind.
+
+Ich sage zu Dir: Mutter, hab' keine Angst.
+
+ * * * * *
+
+Die Wiese prickelt vor spitzigem Gras, und drber luft ein schmaler,
+holpriger Pfad.
+
+Kein Vieh ist zu sehn auf dem weiten Feld; es ist in seine Stlle
+heimgekehrt.
+
+Es wird dunkel und dster auf Land und Himmel, und wir knnen's nicht
+sagen, wohin wir gehn.
+
+Pltzlich rufst Du und fragst mich flsternd: Was fr ein Licht ist
+dort am Ufer?
+
+ * * * * *
+
+Just da gellt ein furchtbarer Schrei, und Gestalten kommen laufend auf
+uns zu.
+
+Du sitzest zusammengekauert in Deinem Palankin und wiederholst betend
+die Namen der Gtter.
+
+Die Trger, vor Schrecken zitternd verstecken sich im Dornenbusch.
+
+Ich schrei' Dir zu: Hab' keine Angst, Mutter, ich bin da!
+
+ * * * * *
+
+Mit langen Stcken in den Hnden und ganz wild flatterndem Haar um ihre
+Schdel kommen sie nher und nher.
+
+Ich schreie: Seht Euch vor, Ihr Schurken! Einen Schritt weiter und Ihr
+seid des Todes!
+
+Sie stoen noch einmal ein schreckliches Geheul aus und strzen
+vorwrts.
+
+Du packst meine Hand und sagst: Lieber Junge, um Himmels willen, halt'
+Dich fern von ihnen!
+
+Ich sage: Mutter, gib Du nur Obacht auf mich.
+
+ * * * * *
+
+Dann sporn' ich mein Ro zu wildem Galopp, und mein Schwert und Schild
+klirren aneinander.
+
+Der Kampf wird so grlich, Mutter, da Dich ein kalter Schauer
+berliefe, wenn Du ihn sehen knntest von Deinem Palankin.
+
+Viele von ihnen fliehn, und eine groe Zahl ist in Stcke gehaun.
+
+Ich wei, Du denkst, ganz versunken in Dich, Dein Junge mu tot sein in
+dieser Stunde.
+
+Aber ich komme zu Dir, ganz mit Blut befleckt und sage: Mutter, nun ist
+der Kampf vorber.
+
+Du kommst heraus und kssest mich, drckst mich an Dein Herz und sagst
+zu Dir selbst:
+
+Ich wei nicht, was ich tun wrde, wenn ich nicht meinen Jungen zum
+Geleit htte.
+
+ * * * * *
+
+Tausend nutzlose Dinge geschehen Tag fr Tag, warum knnte nicht so
+etwas zufllig wahr werden?
+
+Es wrde wie eine Geschichte in einem Buch sein.
+
+Mein Bruder wrde sagen: Ist das mglich? Ich dachte immer, er wre so
+zart!
+
+Unsre Dorfleute wrden alle in Verwunderung sagen: War es nicht ein
+Glck, da der Junge mit seiner Mutter war?
+
+
+
+
+DAS ENDE
+
+
+Es ist Zeit fr mich, zu gehen, Mutter. Ich gehe.
+
+Wenn Du im fahlen Dunkel der einsamen Dmmerung Deine Arme ausstreckst
+nach Deinem Kindchen im Bett, werde ich sagen: Kindchen ist nicht da!
+-- Mutter, ich gehe.
+
+Ich werde ein zarter Lufthauch werden und Dich liebkosen; und ich werde
+das Kruseln auf dem Wasser sein, wenn Du badest, und Dich kssen und
+wieder kssen.
+
+In der Sturmnacht, wenn der Regen auf die Bltter prasselt, wirst du
+mein Flstern hren in Deinem Bett, und mein Lachen wird mit dem Blitz
+durchs offne Fenster in Dein Zimmer leuchten.
+
+Wenn Du wach liegst, an Dein Kindchen denkend bis spt in die Nacht,
+werd' ich singen zu Dir von den Sternen: Schlaf, Mutter, schlaf.
+
+Auf den irrenden Mondstrahlen werd' ich mich ber Dein Bett stehlen und
+auf Deiner Brust liegen, whrend Du schlfst.
+
+Ich werde ein Traum werden und durch die kleine ffnung Deiner
+Augenlider werd' ich in die Tiefen Deines Schlafes schlpfen; und wenn
+Du aufwachst und bestrzt herumschaust, werd' ich wie ein glitzernder
+Leuchtkfer hinaus ins Dunkle schwirren.
+
+Wenn zum groen Puja-Feste die Nachbarskinder kommen und herumspielen im
+Haus, werd' ich in die Musik der Flte schmelzen und in Deinem Herzen
+schlagen den ganzen Tag.
+
+Die liebe Muhme wird kommen mit Puja-Geschenken und wird fragen: Wo ist
+unser Kindchen, Schwester?
+
+Mutter, Du wirst ihr leise sagen: Er ist in den Sternen meiner Augen,
+er ist in meinem Krper und in meiner Seele.
+
+
+
+
+KOMM ZURCK!
+
+
+Die Nacht war schwarz als =sie= fortging, und sie schliefen.
+
+Die Nacht ist schwarz jetzt, und ich rufe nach =ihr=: Komm zurck, mein
+Liebling; die Welt liegt im Schlaf; und niemand wrde wissen, wenn Du
+kmst fr eine Weile, whrend die Sterne den Sternen zublinken.
+
+ * * * * *
+
+Sie ging weg, als die Bume in Knospen standen und der Lenz jung war.
+
+Nun sind die Blumen in voller Blte und ich rufe: Komm zurck, mein
+Liebling. Die Kinder sammeln Blumen und verstreun sie in unbekmmertem
+Spiel. Und wenn Du kmest und nhmest =eine= kleine Blte, es wrde sie
+keiner vermissen.
+
+Die damals spielten, spielen noch, so verschwenderisch ist Leben.
+
+Ich lauschte ihrem Plaudern und rufe: Komm zurck, mein Liebling; denn
+Mutters Herz ist voll bis an den Rand mit Liebe, und wenn Du kmest, nur
+einen einzigen kleinen Ku zu haschen von ihr, es wrde Dir's niemand
+neiden.
+
+
+
+
+DER ERSTE JASMIN
+
+
+Ah, dieser Jasmin, dieser weie Jasmin!
+
+Mir ist wie am ersten Tag, da ich meine Hnde fllte mit diesem Jasmin,
+diesem weien Jasmin.
+
+Ich habe die Sonne geliebt, den Himmel und die grne Erde.
+
+Ich habe das rieselnde Rauschen des Flusses gehrt durch das Dunkel der
+Mitternacht;
+
+Herbstsonnenuntergnge sind zu mir gekommen an eines Weges Biegung in
+einsamer de wie eine Braut, den Schleier hebend zum Empfang des
+Geliebten.
+
+Und doch ist mein Erinnern noch s von dem ersten weien Jasmin, den
+ich in meiner Hand hielt, als ich ein Kind war.
+
+ * * * * *
+
+Manch' froher Tag ist in mein Leben gekommen, und ich habe gelacht mit
+Spamachern in festlichen Nchten.
+
+An grauen Regenmorgen hab' ich manch' mig Lied gesummt.
+
+Ich habe um meinen Nacken getragen den Abendkranz aus Bakulas, von
+Hnden der Liebe geflochten.
+
+Und doch ist mein Herz s von dem Erinnern an den ersten frischen
+Jasmin, der meine Hnde fllte, als ich ein Kind war.
+
+
+
+
+DER FEIGENBAUM
+
+
+O Du zottelkpfiger Feigenbaum am Ufer des Teichs, hast Du den kleinen
+Jungen vergessen wie die Vgel, die in Deinen Zweigen genistet haben und
+Dich verlieen?
+
+Erinnerst Du Dich nicht, wie er am Fenster sa und sich wunderte ber
+das Gewirr Deiner Wurzeln, die unter die Erde tauchten?
+
+Die Frauen kamen immer, ihre Krge zu fllen am Teich, und Dein
+riesiger, schwarzer Schatten rkelte sich ber das Wasser wie Schlaf,
+der sich anstrengt, aufzuwachen.
+
+Sonnenlicht tanzte auf den Wasserwirbeln wie ruhlose, winzige
+Weberschiffchen, die eine goldne Tapete wirken.
+
+Zwei Enten schwammen am verwilderten Rande ber ihren Schatten und der
+Junge sa still und sann.
+
+Er wollte der Wind sein und durch Deine rauschenden Zweige blasen, Dein
+Schatten sein und mit dem Tage lnger werden auf dem Wasser, ein Vogel
+sein und auf Deinem hchsten Wipfel sitzen, und wie jene Enten unter
+Unkraut und Schatten schwimmen.
+
+
+
+
+SEGNUNG
+
+
+Segne dies kleine Herz, diese weie Seele, die des Himmels Ku fr
+unsere Erde gewonnen hat.
+
+Er liebt das Licht der Sonne, er liebt den Anblick von seiner Mutter
+Antlitz.
+
+Er hat mich gelehrt, den Staub verachten und nach Gold trachten.
+
+Schlie' ihn an Dein Herz und segne ihn.
+
+ * * * * *
+
+Er ist in dieses Land der hundert Kreuzwege gekommen.
+
+Ich wei nicht, wieso er Dich whlte aus der Menge, an Dein Tor kam und
+Deine Hand fate, um seinen Weg zu fragen.
+
+Er wird Dir folgen, lachend und plaudernd und ohne Zweifel im Herzen.
+
+Erfll' sein Vertrauen, fhre ihn zum Rechten und segne ihn.
+
+ * * * * *
+
+Leg' Deine Hand auf sein Haupt und bete: wenn auch die Wogen unten
+bedrohlich werden, so mge doch der Odem von oben kommen und seine Segel
+fllen und ihn in den Hafen des Friedens wehn.
+
+Vergi' ihn nicht in Deinem Hasten, la' ihn an Dein Herz kommen und
+segne ihn.
+
+
+
+
+DAS GESCHENK
+
+
+Ich mchte Dir was schenken, mein Kind, denn wir treiben auf dem Strom
+der Welt.
+
+Unsre Leben werden auseinandergehn und unsre Liebe wird vergessen
+werden.
+
+Aber ich bin nicht so tricht, zu hoffen, ich knnte Dein Herz mit
+meinen Geschenken kaufen.
+
+Jung ist Dein Leben, Dein Pfad lang, und Du trinkst die Liebe, die wir
+Dir bringen, auf einen Zug, kehrst Dich um und lufst weg von uns.
+
+Du hast Dein Spiel und Deine Gespielen. Was tut's, wenn Du nicht Zeit,
+nicht Sinn fr uns hast.
+
+Frwahr, wir haben Mue genug im Alter, die Tage zu zhlen, die
+vergangen sind, in unseren Herzen zu htscheln, was unsre Hnde fr
+immer verloren haben.
+
+Der Flu luft schnell mit einem Lied, alle Schranken durchbrechend.
+Aber der Berg steht und erinnert sich und folgt ihm mit seiner Liebe.
+
+
+
+
+MEIN LIED
+
+
+Dies Lied von mir will seine Musik winden um Dich, mein Kind, wie die
+zrtlichen Arme der Liebe.
+
+Dies Lied von mir will Deine Stirn berhren wie ein Segensku.
+
+Wenn Du allein bist, wird es an Deiner Seite sitzen und Dir ins Ohr
+flstern; bist Du in der Menge, wird es Dich einfrieden mit
+Entrcktheit.
+
+Mein Lied wird ein Flgelpaar fr Deine Trume sein, es wird Dein Herz
+an die Grenze des Unbekannten reien.
+
+Es wird wie der getreue Stern zu Hupten sein, wenn finstre Nacht ber
+Deiner Strae liegt.
+
+Mein Lied wird in den Sternen Deiner Augen sitzen und Deinen Blick in
+das Herz der Dinge fhren.
+
+Und wenn meine Stimme still ist im Tod, wird mein Lied in Dein lebendes
+Herz sprechen.
+
+
+
+
+DER ENGEL
+
+
+Sie schreien und kmpfen, sie zweifeln und verzweifeln, sie wissen kein
+Ende ihren Znken.
+
+La' Dein Leben unter sie kommen wie eine Flamme Licht, mein Kind, ohne
+Flackern und rein, und entzcke sie zum Schweigen.
+
+Sie sind grausam in ihrer Gier und ihrem Neid; ihre Worte sind wie
+verborgene Messer, drstend nach Blut.
+
+Geh' und stelle Dich unter ihre schelen Herzen, mein Kind, und la'
+Deine milden Augen auf sie fallen wie der verzeihende Abendfriede ber
+den Streit des Tags.
+
+La' sie Dein Antlitz sehn, mein Kind, und so den Sinn aller Dinge
+erkennen; la' sie Dich lieben und so einander lieben.
+
+Komm' und wohne im Busen der Unendlichkeit, mein Kind. Mit Sonnenaufgang
+ffne und erhebe Dein Herz wie eine blhende Blume, und zum Untergang
+neige Dein Haupt und vollende im Schweigen des Tages Gottesdienst.
+
+
+
+
+DER LETZTE VERTRAG
+
+
+Komm und miete mich, schrie ich, als ich des Morgens auf der
+steingepflasterten Strae ging.
+
+Das Schwert in der Hand, kam der Knig in seinem Wagen.
+
+Er hielt meine Hand und sagte: Ich will Dich mieten mit meiner Macht.
+
+Aber seine Macht war mir nichts wert, und er fuhr davon in seinem Wagen.
+
+ * * * * *
+
+In der Hitze des Mittags lehnten die Huser mit geschlossenen Tren.
+
+Ich wanderte entlang die krumme Gasse.
+
+Ein alter Mann kam heraus mit seinem Sack voll Gold.
+
+Er sann nach und sagte: Ich will Dich mieten mit meinem Geld.
+
+Er wog seine Mnzen, eine nach der andern, aber ich wandte mich fort.
+
+ * * * * *
+
+Abend war's. Die Gartenhecke stand ganz in Blte.
+
+Das liebliche Mdchen kam heraus und sagte: Ich will Dich mieten mit
+einem Lcheln.
+
+Ihr Lcheln blate und schmolz in Trnen, und sie ging zurck allein im
+Dunkel.
+
+ * * * * *
+
+Die Sonne glitzerte im Sand, und die Meereswellen brachen landeinwrts.
+
+Ein Kind sa da, mit Muscheln spielend.
+
+Es hob seinen Kopf und schien mich zu kennen und sagte: Ich miete Dich
+mit Nichts.
+
+Von da an machte mich dieser Vertrag, im Kinderspiel geschlossen, zum
+freien Mann.
+
+
+
+
+ANMERKUNGEN UND NACHWORT DES BERSETZERS
+
+
+Zu Seite
+
+7: _Arka-Palme_ (malayisch arik). Eine Abart, Arca ctechu, die
+Betelpalme, trgt orangerote, hhnereigroe Frchte, deren Kern, mit den
+Blttern des Betelpfeffers umwickelt, gekaut wird.
+
+_Kokos-Palme_ (von spanisch coca Nu߫ oder portugiesisch coco Popanz
+wegen der gesichtshnlichen, daher schreckhaften Frchte). Die Kokosnu
+gehrt in Indien zu den heiligsten Frchten, die der Gttin der
+Wohlfahrt, Sriphla, geweiht sind.
+
+_Brotfruchtbaum_ (englisch jack-fruit aus malayisch chakka; sanskrit
+pnasa). Die kopfgroen Frchte werden roh und gerstet genossen. 2 bis
+3 Bume versorgen einen Menschen ein Jahr mit Nahrung.
+
+20: _Feigenbaum_ (englisch banyan tree, sanskrit vata; ficus indica).
+Die Luftwurzeln der ste greifen in den Boden ein und werden zu neuen
+Stmmen. So wchst der Baum nach allen Seiten hin durch Jahrtausende und
+bildet einen Wald, der Tausende von Menschen aufnimmt. Er ist der Zeit,
+Kla, heilig und gilt als Sinnbild der Unsterblichkeit. Beim Pflanzen
+des Baumes wird gewhnlich das Gebet gesprochen: Mchte ich so viele
+Jahre im Himmel weilen als dieser Baum auf Erden wchst.
+
+_Mango_ (malayisch mngy, sanskrit mra; magnifera indica).
+Gelbblhender Baum mit gelblichen, bis zu einem Kilo schweren Frchten,
+die ein beliebtes Obst sind. Der rmra gilt als Inkarnation der
+Liebesgttin. Nach einer Legende bte die Gttin Prvati unter einem
+Mangobaum Bue, dort, wo jetzt der Saiva-Tempel steht. Hier erschien ihr
+ihr Gatte Siva, der als Ekmrantha der unvergleichliche Herr des
+Mangobaums verehrt wird.
+
+21: _Bakula_ (mimusops elengi), Baum mit wohlriechenden Blttern und
+Blten, die ein therisches l liefern. Die sen Frchte sind ebar.
+
+35: _Kadam_ (sanskrit Kadamba; nauclea cadamba), Liane mit
+orangefarbener duftender Blte.
+
+_Dd_ (Hindustani), Grovater vterlicherseits, dann auf jede ltere
+Person angewendet, hier: der ltere Bruder.
+
+40: _Champa_ (sanskrit champaka; michelia champaka), den Magnolien
+hnliche Holzgewchse mit duftenden, zarten, weien und gelben Blten,
+die Gtzenbildern dargebracht werden, besonders am 14. Iyeshth (ungefhr
+unserm Juni entsprechend). Das wohlriechende Champakal ist sehr
+beliebt.
+
+41: _Rmyana_ (sanskrit ayana = gehend, vonay = gehen), Die Taten des
+Rama. Das groe Sanskrit-Epos, das dem Vlmiki zugeschrieben wird und
+im 5. Jahrh. v. Chr. entstanden sein drfte. Vgl. Alex. Baumgartner, das
+Rmyana und die Rma-Literatur der Inder. Freiburg 1894.
+
+43: _Tulsi_ (sanskrit tulasi; ocimum sanctum), heiliges Basilikum. In
+Ostindien berhmteste Arzneipflanze, der Legende nach aus dem Haar einer
+Nymphe erzeugt, die Vishnu in seiner Inkarnation als Krishna liebte.
+Vaisnawa-Rosenkrnze bestehen aus 108 Perlen von diesem Holz.
+Alljhrlich wird in Indien eine Art Vermhlungszeremonie zwischen dieser
+Pflanze und einem Salagramammoniten (versteinerte, ausgestorbene
+Tintenschneckenart, Symbol des Vishnu und als Amulett weiblicher
+Fruchtbarkeit) als Sinnbild der Muschelinkarnation Vishnus vollzogen.
+
+50: _Tamarinde_ (arabisch tamr hindi, indische Dattel; tamarindus
+indica), bis zu 25 Metern hoher, immergrner Baum mit gelblichen,
+purpurgederten Blten. Die Frucht wird als Obst, Nahrungs- und
+Arzneimittel verwendet.
+
+53: _Shiuli_ (bengali; nyctanthes arbor tristis), Gattung der Oleaceen.
+Bis zu 9 Metern hoher Baum oder Strauch, vom Jasmin hauptschlich durch
+Bltenfarbe (Rhre und Schlund orange, sonst wei) und Fruchtform
+verschieden. Tropische Zierpflanze mit wohlriechenden, nur nachts
+geffneten Blten, die zum Frben von Speisen und zur Bereitung von
+therischem l dienen.
+
+55: _Indischer Flachs_ (englisch jute, bengali jto die Haarflechte;
+corchorus olitorius). Die Faser wird zur Erzeugung von Matten und groben
+Sackleinen, Jute, verwendet.
+
+56: _Rmachandra._ Das Wort chandra wird oft an Namen angefgt, um die
+Schnheit auszudrcken. Der Retter der Welt, der triumphierende
+Dmonentter, der rhrendste Dulder, in den sich Vishnu bei seiner
+siebenten Herabkunft verwandelte. Rmas vierzehnjhrige Verbannung mit
+seiner Gattin Sit wird im zweiten und dritten Gesange des Rmyana
+geschildert.
+
+71: _Ganesh_ (Sanskrit Ganea der Anfhrer des Gefolges Shivas, als
+dessen Sohn er gilt). Er wird oft mit seinem Bruder, dem Kriegsgott
+Skanda verehrt. Er ist der Entferner von Hindernissen, die Verkrperung
+allen Erfolges. Indische Handschriften pflegen mit einer an ihn sich
+richtenden Verehrungsformel zu beginnen, damit er den hindernden Einflu
+bser Dmonen vom Schreiben abwehre: so ist der Schein entstanden, als
+sei Ganesha eigentlich ein Gott der Wissenschaft. Sein in Indien
+unendlich verbreitetes Bild zeigt ihn mit einem Elefantenkopf, oft auf
+einer Ratte reitend.
+
+75: _Madar_ (sanskrit mandra; erythrina indica), Dadapbaum, als Sttze
+in Pfeffer-, als Schattenbaum in Kaffeeplantagen verwendet. Mit meist
+scharlachroten Bltentrauben, zur Gattung der Korallenbume gehrig.
+
+83: _Palankin_ Tragsnfte.
+
+89: _Puja_ (sanskrit) bedeutet Verehrung berhaupt. Als Fest ist das
+Durgpj oder Navartra gemeint, die Neun Nchte, beginnt am ersten
+und endet am zehnten Tag der lichten Hlfte von svina (September-Oktober).
+Es wird namentlich in Bengal gefeiert als Erinnerung an
+den Sieg von Durg, Shivas Frau, ber einen bffelkpfigen
+Dmon. Ihr Bild wird mit zehn bewaffneten Armen dargestellt, ihr rechter
+Fu auf einem Lwen ruhend, ihr linker auf dem Bffeldmon. Nach
+neuntgiger Verehrung wird dieses Gtzenbild am zehnten Tage ins Wasser
+gestrzt.
+
+Nheres vgl. Monier-Williams, Brmanism and Hindism or Religious
+Thought and Life in India. London, 1891.
+
+ * * * * *
+
+Die Gedichte 2, 3 und 9 sind mit den Gedichten 60-62 der Sammlung
+Gitanjali identisch.
+
+Es scheint mir wichtig, zu betonen, da die englische, von Tagore selbst
+geschaffene Form als die beste europische Mittlerin seiner Gedanken und
+Gefhle zu gelten hat. Selbst die Kunst eines Rckert knnte uns die
+Umdichtung aus dem bengalischen Urtext nicht so nahebringen, wie eine
+mglichste Nachbildung der englischen Umdichtung uns rhren kann.
+
+Bei den Anmerkungen danke ich wieder vieles der Freundlichkeit des
+Berliner Sanskritisten, Herrn Professor Heinrich Lders.
+
+
+GEDRUCKT BEI POESCHEL & TREPTE IN LEIPZIG
+
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+***** This file should be named 38125-8.txt or 38125-8.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/3/8/1/2/38125/
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+https://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
diff --git a/38125-8.zip b/38125-8.zip
new file mode 100644
index 0000000..46a90cf
--- /dev/null
+++ b/38125-8.zip
Binary files differ
diff --git a/38125-h.zip b/38125-h.zip
new file mode 100644
index 0000000..37b50d6
--- /dev/null
+++ b/38125-h.zip
Binary files differ
diff --git a/38125-h/38125-h.htm b/38125-h/38125-h.htm
new file mode 100644
index 0000000..b4e3bee
--- /dev/null
+++ b/38125-h/38125-h.htm
@@ -0,0 +1,2961 @@
+<!DOCTYPE html PUBLIC "-//W3C//DTD XHTML 1.0 Strict//EN"
+"http://www.w3.org/TR/xhtml1/DTD/xhtml1-strict.dtd">
+<html xmlns="http://www.w3.org/1999/xhtml" lang="de" xml:lang="de">
+<head>
+<meta http-equiv="Content-Type" content="text/html;charset=utf-8"/>
+<meta http-equiv="Content-Style-Type" content="text/css"/>
+<title>Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore&mdash;</title>
+<link rel="coverpage" href="images/titelseite.jpg"/>
+<style type="text/css">
+<!--
+p
+{
+ text-align: justify;
+ text-indent: 1.5em;
+}
+
+p.center,
+p.no-indent,
+#tnote p
+{
+ text-indent: 0;
+}
+
+p.hanging-indent
+{
+ padding-left: 1.5em;
+ text-indent: -1.5em;
+}
+
+p.no-indent
+{
+ padding-left: 1.5em;
+}
+
+h1,
+h2
+{
+ text-align: center;
+ clear: both;
+ font-weight: normal;
+}
+
+h1
+{
+ font-size: x-large;
+ margin: 1em auto 6em auto;
+ line-height: 1.6em;
+}
+
+h2
+{
+ font-size: large;
+ margin: 6em auto 1em auto;
+ line-height: 1.5em;
+}
+
+a:link,
+a:visited
+{
+ text-decoration: none;
+}
+
+hr
+{
+ visibility: hidden;
+ margin: 1.5em auto;
+}
+
+.center
+{
+ text-align: center;
+}
+
+.italic
+{
+ font-style: italic;
+}
+
+a[title].pagenum
+{
+ position: absolute;
+ right: 3%;
+}
+
+a[title].pagenum:after
+{
+ content: attr(title);
+ border: 1px solid silver;
+ display: inline;
+ font-size: x-small;
+ text-align: right;
+ color: #808080;
+ background-color: inherit;
+ font-style: normal;
+ padding: 1px 4px 1px 4px;
+ font-variant: normal;
+ font-weight: normal;
+ text-decoration: none;
+ text-indent: 0;
+ letter-spacing: 0;
+}
+
+#tnote
+{
+ max-width: 95%;
+ border: 1px dashed #808080;
+ background-color: #fafafa;
+ text-align: justify;
+ padding: 0 0.75em;
+ margin: 6em auto;
+}
+
+@page
+{
+ margin: 0.25em;
+}
+
+@media screen
+{
+ body
+ {
+ width: 80%;
+ max-width: 30em;
+ margin: auto;
+ }
+
+ p
+ {
+ margin: 0.75em auto;
+ }
+
+ #tnote
+ {
+ max-width: 24em;
+ }
+
+ .page-break
+ {
+ margin-top: 8em;
+ }
+
+ .page-break-after
+ {
+ margin-bottom: 8em;
+ }
+}
+
+@media screen, print
+{
+ .gesperrt,
+ .gesperrt-left-part
+ {
+ letter-spacing: 0.2em;
+ }
+
+ .gesperrt
+ {
+ margin-right: -0.2em;
+ }
+
+ em.gesperrt,
+ em.gesperrt-left-part
+ {
+ font-style: normal;
+ }
+}
+
+@media print, handheld
+{
+ p
+ {
+ margin: 0;
+ }
+
+ #tnote
+ {
+ background-color: white;
+ border: none;
+ width: 100%;
+ }
+
+ #tnote p
+ {
+ margin: 0.25em 0;
+ }
+
+ .pagenum
+ {
+ display: none;
+ }
+
+ a:link,
+ a:visited
+ {
+ color: black;
+ }
+
+ #tnote,
+ h2,
+ .footnotes,
+ .page-break
+ {
+ page-break-before: always;
+ }
+
+ .page-break-after
+ {
+ page-break-after: always;
+ }
+}
+
+@media handheld
+{
+ body
+ {
+ margin: 0;
+ padding: 0;
+ width: 100%;
+ }
+}
+-->
+</style>
+<!--[if lt IE 8]>
+<style type="text/css">
+a[title].pagenum
+{
+ position: static;
+}
+</style>
+<![endif]-->
+</head>
+<body>
+
+
+<pre>
+
+The Project Gutenberg EBook of Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+
+Title: Der zunehmende Mond
+
+Author: Rabindranath Tagore
+
+Translator: Hans Effenberger
+
+Release Date: November 24, 2011 [EBook #38125]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+
+
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
+
+
+
+
+
+
+</pre>
+
+
+
+<div id="tnote">
+<p class="center"><b>Anmerkungen zur Transkription:</b></p>
+<p>Schreibweise und Interpunktion des Originaltextes wurden
+übernommen.</p>
+</div>
+<div style="text-align: right; margin: 4em;">
+<img src="images/logo.png" width="100" height="100" alt=""/>
+</div>
+
+<p class="center page-break" style="font-size: large;">RABINDRANATH TAGORE</p>
+
+<h1>DER<br/>
+ZUNEHMENDE<br/>
+MOND</h1>
+
+<p class="center">KURT WOLFF VERLAG</p>
+
+<p class="center page-break italic">Copyright 1915</p>
+
+<p class="center italic">Kurt Wolff Verlag, Leipzig</p>
+
+<p class="center page-break italic">Berechtigte deutsche Übertragung von<br/>
+<span class="gesperrt">HANS EFFENBERGER</span><br/>
+nach der von Rabindranath Tagore<br/>
+selbst veranstalteten englischen Ausgabe</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_7" title="7"> </a>DIE HÜTTE</h2>
+
+<p>Ich ging allein den Weg über das Feld,
+während der Sonnenuntergang sein letztes
+Gold wie ein Geizhals verbarg.</p>
+
+<p>Des Tages Licht sank tiefer und tiefer
+in die Dunkelheit, und das verwitwete
+Land, der Ernte brach, lag schweigend.</p>
+
+<p>Plötzlich stieg eines Knaben schrille
+Stimme in den Himmel. Er durchdrang
+ungesehn das Dunkel und ließ die Spur
+seines Liedes über der Stille des Abends.</p>
+
+<p>Seine Hütte lag im Dorf am Ende des
+öden Landes, hinter dem Zuckerrohrfeld,
+verborgen in den Schatten der Bananen
+und der schlanken Arēka-Palme,
+der Kokosnuß und der dunkelgrünen
+Brotfruchtbäume.</p>
+
+<p>Ich hielt einen Augenblick inne auf
+<a class="pagenum" name="Page_8" title="8"> </a>
+meinem einsamen Gang im Licht der
+Sterne und sah ausgebreitet vor mir die
+dunkelnde Erde, in ihren Armen zahllose
+Hütten mit Wiegen und Betten, Mutterherzen
+und Abendlampen und jungen
+Leben, froh von einer Freude, die nicht
+weiß, was sie der Welt bedeutet.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_9" title="9"> </a>AM MEERUFER</h2>
+
+<p>Am Meerufer endloser Welten treffen
+sich Kinder.</p>
+
+<p>Der grenzenlose Himmel zu Häupten
+ist ohne Bewegung, und das ruhlose
+Wasser ist ungestüm.</p>
+
+<p>Am Meerufer endloser Welten treffen
+sich Kinder mit Jubeln und Tanzen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Sie bauen ihre Häuser aus Sand, und
+sie spielen mit leeren Muscheln. Aus welken
+Blättern flechten sie ihre Boote und
+lassen sie lächelnd über der ungeheuren
+Tiefe treiben. Kinder haben ihr Spiel am
+Meerufer der Welten.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Sie können nicht schwimmen, sie können
+nicht Netze werfen. Perlenfischer
+<a class="pagenum" name="Page_10" title="10"> </a>
+tauchen nach Perlen, Kaufleute segeln
+in ihren Schiffen, während Kinder Kiesel
+sammeln und sie wieder verstreun. Sie
+suchen nicht nach verborgenen Schätzen,
+sie können nicht Netze werfen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Das Meer schäumt auf in Gelächter,
+und fahl glänzt das Lächeln des Gestades.
+Todbringende Wellen singen verständnislose
+Balladen den Kindern, wie eine
+Mutter beim Einwiegen. Das Meer spielt
+mit Kindern, und fahl glänzt das Lächeln
+des Gestades.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Am Meerufer endloser Welten treffen
+sich Kinder. Sturm streicht am pfadlosen
+Himmel, Schiffe kentern in dem spurlosen
+Wasser, der Tod ist unterwegs, und
+<a class="pagenum" name="Page_11" title="11"> </a>
+Kinder spielen. Am Meerufer endloser
+Welten ist das große Begegnen der Kinder.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_12" title="12"> </a>DER URSPRUNG</h2>
+
+<p>Der Schlaf, der über des Kindleins
+Augen huscht &ndash; weiß jemand, woher
+der kommt? Ja, es geht ein Gerücht, daß
+er in dem Märchendorfe wohnt. Unter
+Waldesschatten, von Glühwürmern trüb
+erhellt, hängen zwei Zauberknospen. Von
+dort kommt er, des Kindleins Augen zu
+küssen.</p>
+
+<p>Das Lächeln, das auf des Kindleins
+Lippen flackert, wenn es schläft &ndash; weiß
+jemand, wo das geboren ward? Ja, es
+geht ein Gerücht, daß ein junger, blasser
+Strahl des zunehmenden Mondes den
+Saum einer schwindenden Herbstwolke
+berührte, und da wurde das Lächeln zuerst
+geboren in dem Traum eines taureinen
+Morgens &ndash; das Lächeln, das auf
+<a class="pagenum" name="Page_13" title="13"> </a>
+des Kindleins Lippen spielt, wenn es
+schläft.</p>
+
+<p>Die süße, sanfte Frische, die auf des
+Kindleins Gliedern blüht &ndash; weiß jemand,
+wo die so lange verborgen war? Ja, sie lag,
+als Mutter noch ein junges Mädchen war,
+ihr Herz durchdringend, im zarten und
+schweigenden Geheimnis der Liebe &ndash;
+die süße, sanfte Frische, die auf des Kindleins
+Gliedern aufgeblüht ist.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_14" title="14"> </a>DES KINDCHENS WESEN</h2>
+
+<p>Wenn Kindchen nur wollte, könnte
+es in diesem Augenblick zum Himmel
+auffliegen.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es uns verläßt.</p>
+
+<p>Es liebt es, seinen Kopf auszuruhn an
+Mutters Brust und kann es niemals ertragen,
+wenn seine Augen sie nicht sehn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Kindchen kennt allerhand weise Worte,
+wenn auch Wenige auf Erden ihren Sinn
+verstehen können.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es niemals
+zu sprechen verlangt.</p>
+
+<p>Das einzige, das es verlangt, ist Mutters
+Worte von Mutters Lippen zu lernen.
+Darum schaut es so unschuldig drein.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_15" title="15"> </a>Kindchen hatte einen Haufen Gold
+und Perlen und doch kam es wie ein
+Bettler in diese Welt.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es in solcher
+Verkleidung kam.</p>
+
+<p>Dieser liebe, kleine, nackte Bettler
+gibt vor, ganz hilflos zu sein, damit er um
+Mutters reiche Liebe betteln kann.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Kindchen war so frei von jeder Fessel im
+Lande des kleinen, zunehmenden Monds.</p>
+
+<p>Es war nicht umsonst, daß es seine
+Freiheit aufgab.</p>
+
+<p>Es weiß, daß Raum ist für endlose
+Freude in dem kleinen Winkel von Mutters
+Herzen und daß es viel süßer ist als
+Freiheit, in ihren lieben Armen gefangen
+und geherzt zu werden.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_16" title="16"> </a>Kindchen wußte nichts vom Schreien.
+Es wohnte im Lande der vollkommenen
+Seligkeit.</p>
+
+<p>Es ist nicht umsonst, daß es das Weinen
+erwählt hat.</p>
+
+<p>Wenn es auch mit dem Lächeln seines
+lieben Gesichtes Mutters sehnendes Herz
+zu sich zieht, so schlingen doch seine
+kleinen Schreie über winzige Kümmernisse
+das doppelte Band von Mitleid und
+Liebe.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_17" title="17"> </a>DAS UNBEACHTETE SCHAUSPIEL</h2>
+
+<p>Ach, wer war's, der diesen kleinen
+Kittel bunt färbte, mein Kind, und Deine
+süßen Glieder mit diesem kleinen, roten
+Rock bedeckte?</p>
+
+<p>Du bist herausgekommen im Morgen,
+auf dem Hof zu spielen, torkelnd und taumelnd,
+wenn Du läufst.</p>
+
+<p>Aber wer war's, der diesen kleinen
+Kittel bunt färbte, mein Kind?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Was gibt's zu lachen, Du kleine Lebensknospe?</p>
+
+<p>Mutter steht auf der Schwelle und
+lächelt Dich an.</p>
+
+<p>Sie klatscht in ihre Hände, und ihre
+Spangen klirren, und Du tanzest mit Deinem
+Bambusstock in der Hand wie ein
+<a class="pagenum" name="Page_18" title="18"> </a>
+kleinwinziger Hirte.</p>
+
+<p>Aber was gibt's zu lachen, Du kleine
+Lebensknospe?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>O Bettler, was bettelst Du, Mutters
+Nacken mit Deinen beiden Händen umschlingend?</p>
+
+<p>O gieriges Herz, soll ich die Welt pflücken
+wie eine Frucht vom Himmel, um
+sie in Deine kleine, rosige Hand zu legen?</p>
+
+<p>O Bettler, um was bettelst Du denn?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner
+Fußschellen davon.</p>
+
+<p>Die Sonne lächelt und bewundert Dein
+Kleid.</p>
+
+<p>Der Himmel wacht über Dir, wenn
+Du schläfst in Mutters Armen, und der
+<a class="pagenum" name="Page_19" title="19"> </a>
+Morgen kommt auf Zehenspitzen an Dein
+Bett und küßt Deine Augen.</p>
+
+<p>Der Wind trägt lustig das Klingen Deiner
+Fußschellen davon.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Feenkönigin der Träume kommt
+zu Dir durch den Dämmerhimmel geflogen.</p>
+
+<p>Die Weltenmutter sitzt bei Dir in Deiner
+Mutter Herzen.</p>
+
+<p>Er, der seine Musik den Sternen spielt,
+steht an Deinem Fenster mit seiner Flöte.</p>
+
+<p>Und die Feenkönigin der Träume
+kommt zu Dir durch den Dämmerhimmel
+geflogen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_20" title="20"> </a>SCHLAFDIEBIN</h2>
+
+<p>Wer den Schlaf von Kindchens Augen
+stahl, muß ich wissen.</p>
+
+<p>Den Krug auf der Hüfte, ging Mutter
+Wasser holen aus dem nahen Dorf.</p>
+
+<p>Es war Mittag. Der Kinder Spielzeit
+war vorüber. Im Teich die Enten schwiegen.</p>
+
+<p>Der Hirtenknab' lag eingeschlafen unter
+dem Schatten des Feigenbaums.</p>
+
+<p>Der Kranich stand ernst und still in
+dem Sumpf am Mangohain.</p>
+
+<p>Mittlerweile kam die Schlafdiebin,
+haschte den Schlaf von Kindchens Augen
+und flog davon.</p>
+
+<p>Als Mutter heimkehrte, fand sie Kindchen
+auf allen Vieren durchs Zimmer
+kriechen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_21" title="21"> </a>Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf,
+muß ich wissen. Ich muß sie finden und
+anketten. Ich muß dort in die schwarze
+Höhle schaun, wo durch Felsen und
+düstres Gestein ein kleiner Bach sickert.</p>
+
+<p>Ich muß suchen in dem Schlummerschatten
+des Bakulahains, wo Tauben in
+den Verstecken gurren und Elfenringe in
+der Stille der Sternennächte klirren. Des
+abends will ich in das flüsternde Schweigen
+des Bambuswaldes lugen, wo Leuchtkäfer
+ihr Licht verschwenden, und will
+jedes Wesen fragen, das ich treffe: »Kann
+einer mir sagen, wo die Schlafdiebin
+wohnt?«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wer stahl von Kindchens Augen Schlaf,
+muß ich wissen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_22" title="22"> </a>Würd' ich ihr nicht ordentlich Bescheid
+sagen, wenn ich sie nur erwischen
+könnte! Ihr Nest würd' ich überfallen
+und sehn, wo sie all ihren gestohlenen
+Schlaf hütet. Ich würde es ganz plündern
+und ihn heimtragen.</p>
+
+<p>Ich würd' ihre zwei Flügel fest zusammenbinden,
+sie an das Ufer des Flusses
+setzen und sie dann die Fischerin spielen
+lassen zwischen den Binsen und Wasserlilien.</p>
+
+<p>Wenn abends das Markten vorüber
+ist, und die Dorfkinder ihren Müttern im
+Schoß sitzen, werden die Nachtvögel ihr
+spottend in die Ohren kreischen:</p>
+
+<p>»Wessen Schlaf stiehlst Du Dir jetzt?«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_23" title="23"> </a>DER ANFANG</h2>
+
+<p>»Wo bin ich hergekommen, wo hast
+Du mich aufgelesen?« fragte das Kind
+seine Mutter.</p>
+
+<p>Sie antwortete halb weinend, halb
+lachend und drückte das Kind an ihre
+Brust:</p>
+
+<p>»Du warst verborgen in meinem Herzen
+als seine Sehnsucht, Liebling.</p>
+
+<p>Du warst in den Puppen meiner Kinderspiele;
+und wenn ich aus Lehm das
+Bildnis meines Gottes formte jeden Morgen,
+dann formte und vernichtete ich
+Dich.</p>
+
+<p>Du warst mit eingeschlossen in der
+Gottheit unsres Hauses; sie verehrend,
+verehrte ich Dich.</p>
+
+<p>In all meinem Hoffen und Lieben, in
+<a class="pagenum" name="Page_24" title="24"> </a>
+meinem Leben, in dem Leben meiner
+Mutter hast Du gelebt.</p>
+
+<p>Im Schoß des unsterblichen Geistes,
+der über unserm Hause waltet, bist Du
+genährt worden durch Menschenalter.</p>
+
+<p>In meiner Mädchenzeit, da mein Herz
+seine Blumenblätter aufschloß, schwebtest
+Du als ihr Duft darüber.</p>
+
+<p>Deine zarte Sanftheit blühte in meinen
+jugendlichen Gliedern wie ein Wolkenglühn
+vor Sonnenaufgang.</p>
+
+<p>Himmelserwählter Liebling, Zwilling
+des Morgenlichts, Du bist den Strom des
+irdischen Lebens heruntergeschwommen
+und zuletzt bist Du an meinem Herzen
+gestrandet.</p>
+
+<p>Ich schaue in Dein Gesicht, und Unfaßbares
+überkommt mich: Du, der allen
+<a class="pagenum" name="Page_25" title="25"> </a>
+gehört, bist mein geworden.</p>
+
+<p>Vor Angst, Dich zu verlieren, halt' ich
+Dich eng an meine Brust. Welcher Zauber
+hat den Schatz der Welt in diese
+meine schlanken Arme verstrickt!«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_26" title="26"> </a>KINDCHENS WELT</h2>
+
+<p>Ich wünsche, ich könnte eine stille Ecke
+haben im Herzen von Kindchens ureigenster
+Welt.</p>
+
+<p>Ich weiß, sie hat Sterne, die zu ihm
+reden, und einen Himmel, der niedersteigt
+zu seinem Gesicht, um ihn mit
+seinen närrischen Wolken und Regenbogen
+zu vergnügen.</p>
+
+<p>Solche, die tun, als wären sie stumm
+und dreinschaun, als könnten sie sich
+niemals bewegen, kommen zu seinem
+Fenster gekrochen mit ihren Geschichten
+und mit Kästen voll herrlichem Spielzeug.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich wünsche, ich könnte die Straße
+wandern, die durch Kindchens Gedanken
+<a class="pagenum" name="Page_27" title="27"> </a>
+führt, und weiter, hinaus über alle Schranken;</p>
+
+<p>Wo Sendboten unterwegs sind ohne
+Grund zwischen den Königreichen der
+Könige, die keine Geschichte kennt;</p>
+
+<p>Wo die Vernunft Drachen macht aus
+ihren Gesetzen und sie fliegen läßt, und
+die Wahrheit die Tat befreit von ihren
+Fesseln.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_28" title="28"> </a>WANN UND WARUM</h2>
+
+<p>Wenn ich Dir buntes Spielzeug bringe,
+mein Kind, begreife ich, warum ein solches
+Spiel von Farben in den Wolken und auf
+dem Wasser ist, und warum die Blumen
+in Farben gemalt sind &ndash; wenn ich Dir
+buntes Spielzeug schenke, mein Kind.</p>
+
+<p>Wenn ich singe, damit Du tanzest,
+weiß ich fürwahr, warum Musik in den
+Blättern ist, und warum Wellen ihrer
+Stimmen Chor zu dem Herzen der lauschenden
+Erde senden &ndash; wenn ich singe,
+damit Du tanzest.</p>
+
+<p>Wenn ich Süßigkeiten bringe für Deine
+gierigen Händchen, weiß ich, warum
+Honig in dem Kelch der Blume ist, und
+warum Früchte heimlich mit süßem Saft
+gefüllt sind &ndash; wenn ich Süßigkeiten bringe
+<a class="pagenum" name="Page_29" title="29"> </a>
+für Deine gierigen Händchen.</p>
+
+<p>Wenn ich Dein Gesicht küsse, damit
+Du lächelst, mein Liebling, begreife ich
+gewiß, welche Wonne vom Himmel träuft
+im Morgenlicht, und welch Entzücken
+die Sommerbrise meinem Körper bringt
+&ndash; wenn ich Dich küsse, damit Du
+lächelst.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_30" title="30"> </a>VERLEUMDUNG</h2>
+
+<p>Warum sind diese Tränen in Deinen
+Augen, mein Kind?</p>
+
+<p>Wie grausam von ihnen, Dich immer
+zu schelten, ohne Grund!</p>
+
+<p>Du hast Dir Finger und Wangen mit
+Tinte beschmiert beim Schreiben &ndash; heißen
+sie Dich darum schmutzig?</p>
+
+<p>O, pfui! Würden sie es wagen, den
+Vollmond schmutzig zu heißen, weil er
+sein Gesicht mit Tinte besudelt hat?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wegen jeder Kleinigkeit tadeln sie
+Dich, mein Kind. Sie sind bereit, Fehler
+zu finden, ohne Grund.</p>
+
+<p>Du zerreißest Deine Kleider beim Spielen
+&ndash; heißen sie Dich darum unordentlich?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_31" title="31"> </a>O, pfui! Was würden sie einen Herbstmorgen
+heißen, der durch seine zerfetzten
+Wolken lächelt?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Achte nicht darauf, was sie zu Dir
+sagen, mein Kind.</p>
+
+<p>Sie machen eine lange Liste Deiner
+Missetaten.</p>
+
+<p>Jeder weiß, wie Du Süßigkeiten liebst
+&ndash; heißen sie Dich darum naschhaft?</p>
+
+<p>O, pfui! Was würden sie dann uns
+heißen, die Dich lieben?</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_32" title="32"> </a>DER RICHTER</h2>
+
+<p>Sagt von ihm, was ihr wollt, ich kenne
+doch meines Kindes Fehler.</p>
+
+<p>Ich lieb' ihn nicht, weil er gut ist, sondern
+weil er mein kleines Kind ist.</p>
+
+<p>Woher wollt ihr wissen, wie lieb er
+sein kann, wenn ihr versucht, seine Tugenden
+gegen seine Schwächen abzuwägen?</p>
+
+<p>Wenn ich ihn strafen muß, wird er
+um so mehr ein Teil meines Seins.</p>
+
+<p>Wenn ich Ursache bin, daß ihm die
+Tränen kommen, weint mein Herz mit
+ihm.</p>
+
+<p>Ich allein habe ein Recht, zu tadeln
+und zu strafen, denn der nur darf züchtigen,
+der liebt.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_33" title="33"> </a>SPIELZEUG</h2>
+
+<p>Kind, wie glücklich sitzest Du im Staub
+und spielst mit einem zerbrochnen Zweig
+den ganzen Morgen.</p>
+
+<p>Ich lächle über Dein Spiel mit diesem
+kleinwinzigen, zerbrochnen Zweiglein.</p>
+
+<p>Ich bin eifrig bei meinen Rechnungen,
+stundenlang Zahlen zusammenzählend.</p>
+
+<p>Vielleicht schaust Du auf mich und
+denkst: »Was für ein dummes Spiel,
+<em class="gesperrt">damit</em> Deinen Morgen zu verderben?«</p>
+
+<p>Kind, ich habe die Kunst vergessen, in
+Stöcke und Sandhügel vertieft zu sein.</p>
+
+<p>Ich suche nach teurem Spielzeug und
+sammle Klumpen von Gold und Silber.</p>
+
+<p>Was immer Du findest, Du schaffst
+Dir damit Deine frohen Spiele; ich verschwende
+meine Zeit und Kraft an Dinge,
+<a class="pagenum" name="Page_34" title="34"> </a>
+die ich niemals erreiche.</p>
+
+<p>In meinem schwanken Boot kämpf' ich,
+der Sehnsucht Meer zu durchkreuzen und
+vergesse, daß auch ich ein Spiel spiele.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_35" title="35"> </a>DER ASTRONOM</h2>
+
+<p>Ich sagte nur: »Wenn sich des abends
+der runde Vollmond in den Zweigen jenes
+Kadambaums verwirrte, könnte ihn da
+jemand fangen?«</p>
+
+<p>Aber Dādā<a name="FNanchor_1" href="#Footnote_1" class="fnanchor">(1)</a> lachte mich an und sagte:
+»Bubi, Du bist das dümmste Kind, das
+ich je gekannt habe.</p>
+
+<p>Der Mond ist, ach so weit von uns,
+wie könnte ihn denn einer da fangen?«</p>
+
+<div class="footnote">
+<p><a name="Footnote_1" href="#FNanchor_1" class="label">(1)</a>
+Der ältere Bruder.
+</p>
+</div>
+
+<p>Ich sagte: »Dādā, wie närrisch Du bist!
+Wenn Mutter hinausschaut aus ihrem
+Fenster und herunter lächelt auf uns
+beim Spielen, würdest Du sagen, sie wäre
+weit weg?«</p>
+
+<p>Doch Dādā sagte: »Du bist ein einfältiges
+Kind! Bubi, wo würdest Du denn
+<a class="pagenum" name="Page_36" title="36"> </a>
+ein Netz hernehmen, groß genug, um den
+Mond damit zu fangen?«</p>
+
+<p>Ich sagte: »Sicherlich könntest Du ihn
+mit Deinen Händen fangen.«</p>
+
+<p>Aber Dādā lächelte und sagte: »Du
+bist das dümmste Kind, das ich kenne.
+Wenn er näher käme, würdest Du sehn
+wie groß der Mond ist.«</p>
+
+<p>Ich sagte: »Dādā, was für Unsinn sie
+in Deiner Schule lehren! Wenn Mutter
+ihr Gesicht herunterbeugt, um uns zu
+küssen, schaut ihr Gesicht sehr groß aus?«</p>
+
+<p>Dādā sagt aber doch: »Du bist ein
+dummes Kind.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_37" title="37"> </a>WOLKEN UND WELLEN</h2>
+
+<p>Mutter, das Volk, das in den Wolken
+droben wohnt, ruft mir zu:</p>
+
+<p>»Wir spielen vom Aufwachen bis der
+Tag endet.</p>
+
+<p>Wir spielen mit der goldnen Morgenröte,
+wir spielen mit dem silbernen Mond.«</p>
+
+<p>Ich frage: »Aber wie kann ich zu Euch
+hinaufgelangen?«</p>
+
+<p>Sie antworten: »Komm' an den Rand
+der Erde, heb' Deine Hände zum Himmel
+und du wirst aufgenommen werden in
+die Wolken.«</p>
+
+<p>»Meine Mutter wartet auf mich zu
+Hause«, sag' ich. »Wie kann ich sie verlassen
+und kommen?«</p>
+
+<p>Dann lächeln sie und schwimmen vorüber.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_38" title="38"> </a>Aber ich weiß ein schöneres Spiel als
+das, Mutter.</p>
+
+<p>Ich werde die Wolke sein und Du der
+Mond.</p>
+
+<p>Ich werde Dich verdecken mit meinen
+beiden Händen und unser Giebel wird
+der blaue Himmel sein.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Das Volk, das in den Wellen wohnt,
+ruft mir zu:</p>
+
+<p>»Wir singen von Morgen bis Abend;
+wir wandern und wandern und wissen
+nicht, wohin wir gleiten.«</p>
+
+<p>Ich frage: »Wie soll ich mich denn zu
+Euch gesellen?«</p>
+
+<p>Sie sagen mir: »Komm' an den Rand
+des Ufers und steh' mit fest geschlossenen
+Augen und Du wirst davongetragen
+<a class="pagenum" name="Page_39" title="39"> </a>
+werden auf den Wellen.«</p>
+
+<p>Ich sage: »Meine Mutter braucht mich
+immer daheim des abends &ndash; wie kann
+ich sie verlassen und gehn?«</p>
+
+<p>Dann lächeln sie, tanzen und gleiten
+vorüber.</p>
+
+<p>Aber ich weiß ein besseres Spiel als das.</p>
+
+<p>Ich will die Welle sein, und Du wirst
+eine fremde Küste sein.</p>
+
+<p>Ich werde rollen fort und fort und fort
+und an Deinem Schoß zerschellen mit
+Gelächter.</p>
+
+<p>Und niemand in der Welt wird wissen,
+wo wir beide sind.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_40" title="40"> </a>DIE CHAMPABLÜTE</h2>
+
+<p>Denk' Dir, ich würde eine Champablüte,
+nur zum Scherz, und wüchse auf
+einem Ast hoch oben in jenem Baume
+und schütterte im Wind vor Lachen und
+tanzte auf den neu entkeimten Blättern;
+würdest Du mich kennen, Mutter?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Du würdest rufen: »Kindchen, wo bist
+Du?«, und ich würde lachen für mich
+und ganz stille sein.</p>
+
+<p>Ich würde heimlich meine Blüte öffnen
+und Dir bei der Arbeit zuschaun.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn Du nach dem Bad, das nasse
+Haar über Deine Schultern gebreitet,
+durch den Schatten des Champabaumes
+gingest zu dem kleinen Hof, in dem
+<a class="pagenum" name="Page_41" title="41"> </a>
+Du Deine Gebete sagst, würdest Du
+den Duft der Blume merken, aber nicht
+wissen, daß er von mir käme.</p>
+
+<p>Wenn Du nach dem Mittagsmahl
+am Fenster säßest, Rāmāyana lesend,
+und des Baumes Schatten über Haar und
+Schoß Dir fiele, würd' ich Dir meinen
+kleinwinzigen Schatten auf die Seite
+Deines Buches werfen, grad dahin, wo
+Du liest.</p>
+
+<p>Aber würdest Du raten, daß es der
+zarte Schatten Deines kleinen Kindes
+war?</p>
+
+<p>Wenn Du des abends zu den Kühen
+gingest, mit der brennenden Lampe in
+der Hand, würde ich plötzlich wieder
+auf die Erde niederfallen und noch einmal
+Dein eignes Kind sein und Dich
+<a class="pagenum" name="Page_42" title="42"> </a>
+bitten, mir eine Geschichte zu erzählen.</p>
+
+<p>»Wo bist Du gewesen, Du schlimmes
+Kind?«</p>
+
+<p>»Ich mag's nicht erzählen, Mutter.«
+Das würden Du und ich dann sagen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_43" title="43"> </a>MÄRCHENLAND</h2>
+
+<p>Wenn die Leute wüßten, wo meines
+Königs Palast ist, er würde entschwinden.</p>
+
+<p>Die Mauern sind von weißem Silber
+und das Dach von leuchtendem Gold.</p>
+
+<p>Die Königin lebt in einem Palast mit
+sieben Höfen und sie trägt ein Juwel, das
+war wert allen Reichtum von sieben
+Königreichen.</p>
+
+<p>Aber laß' es mich, Mutter, Dir flüsternd
+sagen, wo meines Königs Palast ist.</p>
+
+<p>Er ist da in der Ecke unsrer Terrasse,
+dort wo der Topf mit der Tulsispflanze
+steht.</p>
+
+<p>Die Prinzessin liegt schlafend an der
+weit weiten Küste der sieben unwegsamen
+Meere.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_44" title="44"> </a>Es gibt keinen in der Welt, der sie finden
+kann, als ich.</p>
+
+<p>Sie hat Spangen an ihren Armen und
+Perlentropfen in ihren Ohren; ihr Haar
+wallt nieder bis zum Boden.</p>
+
+<p>Sie wird aufwachen, wenn ich sie mit
+meinem Zauberstab berühre, und Edelsteine
+werden von ihren Lippen fallen,
+wenn sie lächelt.</p>
+
+<p>Aber laß' mich Dir ins Ohr flüstern,
+Mutter; sie ist da in der Ecke unsrer
+Terrasse, dort wo der Topf mit der Tulsispflanze
+steht.</p>
+
+<p>Wenn es Zeit für Dich ist, zum Flusse
+baden zu gehn, steig' hinauf zu der Terrasse
+auf dem Dach.</p>
+
+<p>Ich sitz' in der Ecke, wo die Schatten
+der Mauern zusammentreffen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_45" title="45"> </a>Nur Miez darf mit mir kommen, denn
+sie weiß, wo der Barbier aus dem Märchen
+wohnt.</p>
+
+<p>Aber laß' mich, Mutter, Dir ins Ohr
+flüstern, wo der Barbier aus dem Märchen
+wohnt.</p>
+
+<p>Es ist da in der Ecke der Terrasse, wo
+der Topf mit der Tulsispflanze steht.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_46" title="46"> </a>DAS LAND DER VERBANNUNG</h2>
+
+<p>Mutter, das Licht ist grau geworden
+am Himmel; ich weiß nicht, wie spät es ist.</p>
+
+<p>Mich freut mein Spiel nicht, da bin ich
+zu Dir gekommen. Es ist Sonnabend,
+unser Feiertag.</p>
+
+<p>Laß' Deine Arbeit, Mutter; sitz' hier
+beim Fenster und erzähl' mir, wo die
+Wüste von Tepāntar in dem Märchen ist.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Der Regenschatten hat den ganzen
+langen Tag zugedeckt.</p>
+
+<p>Der wilde Blitz zerkratzt den Himmel
+mit seinen Nägeln.</p>
+
+<p>Wenn die Wolken rollen und es donnert,
+lieb' ich es, mich zu fürchten im
+Herzen und mich an Dich zu schmiegen.</p>
+
+<p>Wenn der schwere Regen stundenlang
+<a class="pagenum" name="Page_47" title="47"> </a>
+auf die Bambusblätter plätschert, und
+unsre Fenster schüttern und klirren unter
+den Windstößen, sitz' ich gern allein im
+Zimmer, Mutter, mit Dir und hör' Dich
+erzählen von der Wüste Tepāntar in dem
+Märchen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wo liegt sie, Mutter, an der Küste
+welchen Meeres, am Fuße welcher Hügel,
+in wessen Königs Königreich?</p>
+
+<p>Da gibt's keine Hecken, die Felder zu
+grenzen, keinen Fußpfad hindurch, auf
+dem die Dorfbewohner des abends ihr
+Dorf erreichen oder die Frau, die dürres
+Holz im Walde sammelt, ihre Bürde zu
+Markte bringen kann. Mit Flecken gelben
+Grases im Sand und einem einzigen
+Baum, in dem das weise, alte Vogelpaar
+<a class="pagenum" name="Page_48" title="48"> </a>
+sein Nest hat, liegt die Wüste von Tepāntar.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich kann mir vorstellen, wie gerade
+an einem so wolkigen Tage der junge
+Königssohn auf grauem Roß allein durch
+die Wüste reitet, auf der Suche nach der
+Prinzessin, die im Palast des Riesen über
+dem unbekannten Wasser gefangen liegt.</p>
+
+<p>Wenn der Regennebel herunterrieselt
+am fernen Himmel und der Blitz aufzuckt
+wie ein plötzlicher Schmerz, denkt er da
+seiner unglücklichen Mutter, wie sie, vom
+König verstoßen, den Kuhstall fegt und
+ihre Augen wischt, während er durch die
+Wüste Tepāntar reitet, wie das Märchen
+erzählt?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_49" title="49"> </a>Sieh', Mutter, es ist beinahe dunkel,
+ehe noch der Tag vorüber ist, und es gehn
+keine Wandrer drüben auf der Dorfstraße.</p>
+
+<p>Der Hirtenknab' ist frühe heimgekommen
+von der Weide und die Menschen
+haben ihre Felder verlassen, um auf Matten
+zu sitzen unter der Dachtraufe ihrer
+Hütten, nach den dräuenden Wolken
+spähend.</p>
+
+<p>Mutter, ich habe alle meine Bücher
+in dem Spinde gelassen &ndash; heiße mich
+nicht, jetzt meine Aufgaben machen.</p>
+
+<p>Wenn ich aufwachse und groß wie
+mein Vater bin, werde ich alles lernen,
+was gelernt werden muß. Aber nur heute
+gerade, erzähle mir, Mutter, wo die
+Wüste von Tepāntar ist, von der das
+Märchen erzählt.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_50" title="50"> </a>DER REGENTAG</h2>
+
+<p>Tückische Wolken ballen sich rasch
+über der schwarzen Franse des Waldes.</p>
+
+<p>O Kind, geh' nicht hinaus!</p>
+
+<p>Die Palmenreihe am See schlägt ihre
+Häupter wider den schrecklichen Himmel;
+die Krähen mit ihren schmutzigen
+Schwingen sitzen still auf den Tamarindenzweigen,
+und das östliche Ufer des
+Flusses geistert in einem verdunkelten
+Glühn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Unsre Kuh muht laut, an den Zaun
+gebunden.</p>
+
+<p>O Kind, wart' hier, bis ich sie in den
+Stall bringe.</p>
+
+<p>Menschen drängen hinaus auf das überschwemmte
+Feld, um die Fische zu fangen,
+<a class="pagenum" name="Page_51" title="51"> </a>
+die aus den überflutenden Teichen
+entkommen; das Regenwasser rinnt in
+Rillen durch die engen Gassen, wie ein
+lachender Junge, der seiner Mutter davongerannt
+ist, um sie zu necken.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Horch', irgendwer ruft nach dem
+Bootsmann an der Furt.</p>
+
+<p>O Kind, des Tages Licht ist trüb' und
+die Arbeit an der Fähre ruht.</p>
+
+<p>Der Himmel scheint rasch zu reiten
+auf dem wildstürzenden Regen; das
+Wasser im Fluß ist laut und ungestüm;
+Frauen sind früh nach Haus geeilt vom
+Ganges mit ihren gefüllten Krügen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Abendlampen müssen fertiggemacht
+werden.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_52" title="52"> </a>O Kind, geh' nicht hinaus!</p>
+
+<p>Die Straße zum Markt ist einsam, die
+Gasse zum Fluß ist schlüpfrig. Der Wind
+stöhnt und wütet in den Bambuszweigen
+wie ein wildes Tier, in einem Netz
+verfangen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_53" title="53"> </a>PAPIERSCHIFFCHEN</h2>
+
+<p>Tag für Tag laß' ich meine Papierschiffchen,
+eins nach dem andern, den eilenden
+Strom hinunterschwimmen.</p>
+
+<p>In großen, schwarzen Buchstaben
+schreib' ich meinen Namen darauf und
+den Namen des Dorfes, wo ich lebe.</p>
+
+<p>Ich hoffe, daß irgendwer in einem
+fremden Land sie finden wird und wissen,
+wer ich bin.</p>
+
+<p>Ich belade meine kleinen Boote mit
+Shiuliblumen aus unserm Garten und
+hoffe, daß diese Blüten der Dämmerung
+heil ans Land getrieben werden zur
+Nacht.</p>
+
+<p>Ich lichte meine Papierschiffchen und
+schaue hinauf in den Himmel und sehe
+die kleinen Wolken ihre weißen, blähenden
+<a class="pagenum" name="Page_54" title="54"> </a>
+Segel setzen.</p>
+
+<p>Ich weiß nicht, wer von meinen Gespielen
+im Himmel sie hinunterschickt
+durch die Luft, damit sie wettlaufen mit
+meinen Booten!</p>
+
+<p>Wenn Nacht kommt, vergrabe ich
+mein Gesicht in meine Arme und träume,
+daß meine Papierschiffchen weiter und
+weiter treiben unter den Mitternachtssternen.</p>
+
+<p>Die Schlafelfen segeln darin, und die
+Ladung sind ihre Körbe voll Träume.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_55" title="55"> </a>DER SEEMANN</h2>
+
+<p>Das Boot des Bootsmannes Madhu ist
+an der Werft von Rajgunj verankert.</p>
+
+<p>Es ist unnütz beladen mit indischem
+Flachs und liegt schon so lange zwecklos
+da.</p>
+
+<p>Wenn er mir nur sein Boot leihen
+wollte, ich würd' es mit hundert Rudrern
+bemannen und Segel hissen, fünf oder
+sechs oder sieben.</p>
+
+<p>Ich würd' es nicht nach dummen
+Märkten steuern.</p>
+
+<p>Ich würde über die sieben Meere segeln
+und die dreizehn Flüsse des Märchenlandes.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Gelt Mutter, Du würdest nicht weinen,
+um mich in einer Ecke?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_56" title="56"> </a>Ich geh' nicht in den Wald wie Rāmachandra,
+um erst nach vierzehn Jahren
+heimzukehren.</p>
+
+<p>Ich werde der Märchenprinz sein und
+mein Boot füllen, mit allem, was mir
+gefällt.</p>
+
+<p>Ich werde meinen Freund Ashu mit
+mir nehmen. Wir werden frohlustig über
+die sieben Meere segeln und die dreizehn
+Flüsse des Märchenlands.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wir werden die Segel setzen im frühen
+Morgenlicht.</p>
+
+<p>Wenn Du des mittags am Teiche badest,
+werden wir im Land eines fremden
+Königs sein.</p>
+
+<p>Wir werden die Furt von Tipurni passieren
+und hinter uns lassen die Wüste
+<a class="pagenum" name="Page_57" title="57"> </a>
+von Tepāntar.</p>
+
+<p>Wenn wir heimkommen, wird es
+anfangen zu dunkeln, und ich werde Dir
+von allem erzählen, was wir gesehen
+haben.</p>
+
+<p>Ich werde die sieben Meere kreuzen
+und die dreizehn Flüsse des Märchenlandes.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_58" title="58"> </a>DAS ANDERE UFER</h2>
+
+<p>Ich möchte hinübergehn an das Ufer
+des Flusses drüben,</p>
+
+<p>Wo jene Boote angeseilt sind an die
+Bambuspfähle in einer Reihe;</p>
+
+<p>Wo Männer in ihren Booten überfahren
+in der Frühe, mit Pflügen auf ihren Schultern,
+ihre Felder weit draußen zu ackern;</p>
+
+<p>Wo die Kuhhirten ihre blökenden
+Kälber über den Strom schwimmen
+lassen nach den Uferweiden;</p>
+
+<p>Von wo sie alle heimkommen am
+Abend und lassen auf der Insel, der von
+Unkraut überwucherten, die heulenden
+Schakale zurück.</p>
+
+<p>Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich
+gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_59" title="59"> </a>Sie sagen, es sind seltsame Sümpfe
+verborgen hinter jenem Ufer,</p>
+
+<p>Wo Schwärme wilder Enten hinkommen,
+wenn die Regen vorüber sind,
+und dickes Rohr wächst um die Ränder,
+da Wasservögel ihre Eier legen;</p>
+
+<p>Wo Schnepfen mit ihren tanzenden
+Schwänzen ihre kleinen Zehenmale in
+den reinen, weichen Schlamm drücken;</p>
+
+<p>Wo im Abend die hohen Gräser, mit
+weißen Blüten behelmt, den Mondstrahl
+einladen, auf ihren Wogen zu spielen.</p>
+
+<p>Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich
+gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich werde hinüber- und herüberfahren
+von Ufer zu Ufer, und alle die Jungen
+<a class="pagenum" name="Page_60" title="60"> </a>
+und Mädchen im Dorf werden mich anstaunen,
+während sie baden.</p>
+
+<p>Wenn die Sonne des Himmels Mitte
+erklimmt und der Morgen in den Mittag
+vergeht, werde ich nach Hause gelaufen
+kommen und sagen: »Mutter, ich habe
+Hunger!«</p>
+
+<p>Wenn der Tag um ist und die Schatten
+unter den Bäumen kauern, werd' ich im
+Dämmern heimkommen.</p>
+
+<p>Ich werde nie weggehen von Dir, in
+die Stadt arbeiten, wie Vater.</p>
+
+<p>Mutter, erlaubst Du's, so würd' ich
+gern Bootsmann bei der Fähre werden,
+wenn ich einmal groß bin.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_61" title="61"> </a>DIE BLUMENSCHULE</h2>
+
+<p>Wenn Sturmwolken am Himmel rumoren
+und Junischauer herunterkommen,</p>
+
+<p>Kommt der feuchte Ostwind über die
+Heide marschiert, um seinen Dudelsack
+im Bambusgeröhr zu pfeifen.</p>
+
+<p>Dann kommen auf einmal Scharen
+von Blumen heraus &ndash; weiß niemand
+woher &ndash; und tanzen auf dem Gras in
+wilder Lust.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Mutter, wirklich, ich denke, die Blumen
+gehn unter der Erde zur Schule.</p>
+
+<p>Sie machen ihre Aufgaben bei geschlossenen
+Türen, und wenn sie herauskommen
+wollen, zu spielen, eh' ihre Zeit
+ist, läßt sie der Lehrer in einer Ecke stehn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_62" title="62"> </a>Wenn die Regen kommen, haben sie
+ihre Ferien.</p>
+
+<p>Zweige prasseln zusammen im Walde,
+und die Blätter rascheln im wilden Wind,
+die Donnerwolken klatschen ihre Riesenhände,
+und die Blumenkinder stürzen
+heraus in Kleidern rosig und gelb und
+weiß.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Weißt Du, Mutter, ihre Heimat ist im
+Himmel, wo die Sterne sind.</p>
+
+<p>Hast Du nicht gemerkt, wie gierig sie
+sind, dahin zu gelangen? Weißt Du nicht,
+warum sie in solcher Eile sind?</p>
+
+<p>Freilich, ich kann's erraten, zu wem
+sie ihre Hände erheben: sie haben ihre
+Mutter, wie ich die meine hab'.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_63" title="63"> </a>DER KAUFMANN</h2>
+
+<p>Stell' Dir vor, Mutter, daß Du zu
+Hause bleiben müßtest, und ich müßte
+in fremde Länder reisen.</p>
+
+<p>Stell' Dir vor, daß mein Boot bereitliegt
+an der Brücke, voll geladen.</p>
+
+<p>Nun denk' gut nach, Mutter, eh' Du
+sagst, was ich mitbringen soll für Dich,
+wenn ich zurückkomme.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Mutter, willst Du Haufen und Haufen
+von Gold?</p>
+
+<p>Dort an den Ufern goldener Ströme
+sind Felder voll goldener Ernten.</p>
+
+<p>Und in den Schatten des Waldpfads
+tropfen die goldnen Champablüten auf
+den Weg.</p>
+
+<p>Ich will sie sammeln, alle für Dich, in
+<a class="pagenum" name="Page_64" title="64"> </a>
+vielen hundert Körben.</p>
+
+<p>Mutter, willst Du Perlen so groß wie
+Regentropfen im Herbst?</p>
+
+<p>Ich will hinüberfahren nach der Perleninsel.</p>
+
+<p>Dort zittern im frühen Morgenlicht
+Perlen auf den Wiesenblumen, Perlen
+tropfen ins Gras, und Perlen sind verspritzt
+im Sand vom Gischt der wilden
+Meereswogen.</p>
+
+<p>Mein Bruder soll ein Paar Rösser haben
+mit Flügeln, um mit den Wolken zu fliegen.</p>
+
+<p>Für Vater werd' ich eine Zauberfeder
+mitbringen, die, ohne daß er es weiß, von
+selber schreiben wird.</p>
+
+<p>Für dich, Mutter, muß ich das Kästlein
+und das Kleinod haben, das sieben
+Königen ihre Königreiche kostet.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_65" title="65"> </a>MITGEFÜHL</h2>
+
+<p>Wenn ich nur ein kleines Hündchen
+wäre, nicht Dein Kindchen, Mutter lieb,
+würdest Du »Nein« zu mir sagen, wenn
+ich es wagte, von Deiner Schüssel zu essen?</p>
+
+<p>Würdest Du mich wegjagen, zu mir
+sagend: »Mach' Dich fort, Du garstiges,
+kleines Hündchen?«</p>
+
+<p>Dann geh', Mutter, geh'! Ich will nie
+mehr zu Dir kommen, wenn Du mich
+rufst, und mich nicht mehr von Dir füttern
+lassen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn ich nur ein kleiner, grüner Papagei
+wäre und nicht Dein Kindchen,
+Mutter lieb, würdest Du mich an der
+Kette halten, damit ich nicht wegfliegen
+kann?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_66" title="66"> </a>Würdest Du mir mit dem Finger drohen
+und sagen: »Was für ein undankbarer
+Racker von einem Vogel! Er knabbert
+an seiner Kette Tag und Nacht?«</p>
+
+<p>Dann geh', Mutter, geh'! Ich will fortlaufen
+in den Wald; ich will nicht mehr,
+daß Du mich wieder in Deine Arme
+nimmst.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_67" title="67"> </a>BERUF</h2>
+
+<p>Wenn der Gong zehn schlägt des
+morgens und ich wandre unsre Gasse
+zur Schule,</p>
+
+<p>Treffe ich jeden Tag den Händler,
+schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«</p>
+
+<p>Es gibt nichts, das ihn zur Eile treibt,
+es gibt keinen Weg, den er nehmen,
+keinen Ort, nach dem er gehen, keine
+Zeit, zu der er heimkommen muß.</p>
+
+<p>Ich wünschte, ich wäre ein Händler
+und verbrächte meinen Tag auf der Straße,
+schreiend: »Ringe, kristallne Ringe!«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn ich um vier des nachmittags
+zurückkomme aus der Schule,</p>
+
+<p>Kann ich durch das Tor jenes Hauses
+den Gärtner die Erde graben sehn.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_68" title="68"> </a>Er tut, was er will mit seinem Spaten,
+beschmutzt seine Kleider mit Staub, keiner
+stellt ihn zur Rede, wenn er gebraten
+wird in der Sonne oder naß wird.</p>
+
+<p>Ich wünschte, ich wäre ein Gärtner,
+drauflosgrabend im Garten, und keiner
+hielte mich ab vom Graben.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Just wenn es dunkel wird am Abend
+und meine Mutter mich zu Bett schickt,</p>
+
+<p>Kann ich durch das offne Fenster
+den Wächter sehn auf und abschreiten.</p>
+
+<p>Die Gasse ist dunkel und einsam, und
+die Straßenlampe steht wie ein Riese
+mit einem roten Auge im Kopf.</p>
+
+<p>Der Wächter schwingt seine Laterne
+und schreitet mit seinem Schatten zur
+<a class="pagenum" name="Page_69" title="69"> </a>
+Seite und geht nicht <em class="gesperrt-left-part">ein</em>mal zu Bett in
+seinem Leben.</p>
+
+<p>Ich wünschte, ich wäre ein Wächter,
+die Straßen schreitend alle Nacht, und
+scheuchte die Schatten mit meiner Laterne.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_70" title="70"> </a>ÜBERLEGEN</h2>
+
+<p>Mutter, Dein Töchterchen ist dumm!
+Sie ist so schrecklich kindisch!</p>
+
+<p>Sie weiß nicht den Unterschied zwischen
+den Lichtern auf der Straße und
+den Sternen.</p>
+
+<p>Wenn wir »Essen« mit Kieseln spielen,
+glaubt sie, sie sind wirkliche Speise und
+versucht, sie in ihren Mund zu stecken.</p>
+
+<p>Wenn ich ein Buch aufmache vor ihr
+und sie ihr ABC lernen heiße, zerreißt sie
+die Blätter mit ihren Händen und brüllt
+vor Freude über nichts. Das ist die Art, wie
+Dein Töchterchen ihre Aufgaben macht.</p>
+
+<p>Wenn ich den Kopf über sie schüttle
+in Ärger und sie schelte und sie schlimm
+nenne, lacht sie und hält es für einen
+Hauptspaß.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_71" title="71"> </a>Jeder weiß, daß Vater fort ist, aber
+wenn ich im Spiel laut »Vater« rufe,
+schaut sie herum in Aufregung und denkt,
+daß Vater nahe ist.</p>
+
+<p>Wenn ich Schule spiele mit den
+Eseln, die unser Wäschemann bringt,
+um Wäsche zu holen, und ich drohe ihr,
+daß ich der Lehrer bin, wird sie kreischen
+ohne Grund und mich Dādā nennen.</p>
+
+<p>Dein Töchterchen will den Mond
+fangen. Sie ist so drollig, sie nennt: Ganesh
+Ganush.</p>
+
+<p>Mutter, Dein Töchterchen ist dumm,
+sie ist so schrecklich kindisch!</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_72" title="72"> </a>DER KLEINE GROSSE MANN</h2>
+
+<p>Ich bin klein, weil ich ein kleines Kind
+bin. Ich werde groß sein, wenn ich so alt
+bin wie mein Vater ist.</p>
+
+<p>Mein Lehrer wird kommen und sagen:
+»Es ist spät; bring' Deine Tafel und Deine
+Bücher.«</p>
+
+<p>Ich werd' ihm antworten: »Weißt Du
+nicht, daß ich so groß bin wie Vater? Und
+ich muß keine Stunden mehr haben.«</p>
+
+<p>Mein Lehrer wird sich wundern und
+sagen: »Er kann seine Bücher lassen,
+wenn er will, er ist ja erwachsen.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Ich werde mich anziehn und zum Jahrmarkt
+spazieren, wo das Gewühl am dichtesten
+ist.</p>
+
+<p>Mein Onkel wird auf mich zugestürzt
+<a class="pagenum" name="Page_73" title="73"> </a>
+kommen und sagen: »Du wirst verloren
+gehn, mein Junge; laß' mich Dich tragen.«</p>
+
+<p>Ich werde antworten: »Kannst Du
+nicht sehen, Onkel, ich bin so groß wie
+Vater. Ich muß allein auf den Jahrmarkt
+gehn.«</p>
+
+<p>Onkel wird sagen: »Ja, er kann gehn,
+wohin er will; er ist erwachsen.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Mutter wird vom Bade kommen, wenn
+ich meiner Amme Geld gebe; denn ich
+weiß, wie sich die Büchse aufmachen läßt
+mit meinem Schlüssel.</p>
+
+<p>Mutter wird sagen: »Was hast Du vor,
+Du schlimmes Kind?«</p>
+
+<p>Ich werd' ihr erwidern: »Mutter, weißt
+Du nicht, ich bin so groß wie Vater und
+ich muß meiner Amme Silber geben.«</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_74" title="74"> </a>Mutter wird zu sich sagen: »Er kann
+Geld geben, wem er will; er ist ja erwachsen.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>In der Ferienzeit im Oktober wird
+Vater heimkommen und, weil er meint,
+daß ich noch ein kleines Kind bin, wird
+er für mich aus der Stadt kleine Schuhe
+und kleine seidene Röcklein mitbringen.</p>
+
+<p>Ich werde sagen: »Vater, gib sie meinem
+Dādā, denn ich bin so groß wie Du
+bist.«</p>
+
+<p>Vater wird denken und sagen: »Er
+kann seine eignen Kleider kaufen, wenn
+er will; er ist ja erwachsen.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_75" title="75"> </a>ZWÖLF UHR</h2>
+
+<p>Mutter, ich will jetzt aufhören mit
+meinen Aufgaben. Ich habe den ganzen
+Morgen über meinen Büchern gesessen.</p>
+
+<p>Du sagst, es ist erst zwölf Uhr. Angenommen,
+es ist nicht später: kannst Du
+Dir niemals denken, es ist Nachmittag,
+wenn es nur zwölf Uhr ist?</p>
+
+<p>Ich kann mir leicht vorstellen jetzt,
+daß die Sonne den Rand jenes Reisfeldes
+erreicht hat, und daß die alte Fischerfrau
+Kräuter sammelt für ihr Nachtmahl,
+drüben am Teich.</p>
+
+<p>Ich kann meine Augen fest zumachen
+und denken, daß die Schatten dunkler
+werden unter dem Madarbaum und das
+Wasser im Teich glänzend schwarz aussieht.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_76" title="76"> </a>Wenn zwölf Uhr in der Nacht kommen
+kann, warum kann die Nacht nicht
+kommen, wenn es zwölf Uhr ist?</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_77" title="77"> </a>SCHRIFTSTELLEREI</h2>
+
+<p>Du sagst, daß Vater eine Menge Bücher
+schreibt, aber was er schreibt, versteh'
+ich nicht.</p>
+
+<p>Er hat Dir den ganzen Abend vorgelesen,
+aber konntest Du wirklich herausbekommen,
+was er meinte?</p>
+
+<p>Welch schöne Märchen, Mutter, kannst
+<em class="gesperrt">Du</em> uns erzählen! Warum kann Vater
+nicht solche schreiben?</p>
+
+<p>Hat er niemals von seiner eignen
+Mutter Märchen gehört von Riesen und
+Elfen und Prinzessinnen?</p>
+
+<p>Hat er sie alle vergessen?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Oft, wenn er spät kommt zum Baden,
+mußt Du gehn und ihn hundertmal
+rufen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_78" title="78"> </a>Du wartest und hältst sein Essen warm
+für ihn, und er schreibt weiter und vergißt.</p>
+
+<p>Vater spielt immer Büchermachen.</p>
+
+<p>Wenn ich je spielen gehe in Vaters
+Zimmer, kommst Du und rufst mich:
+»Was für ein schlimmes Kind!«</p>
+
+<p>Wenn ich den leisesten Lärm mache,
+sagst Du: »Siehst Du nicht, daß Vater
+arbeitet?«</p>
+
+<p>Was hat das für Sinn, schreiben und
+immer schreiben?</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn ich Vaters Feder oder Bleistift
+nehme und in sein Buch schreibe, gerade
+wie er &ndash; a, b, c, d, e, f, g, h, i, &ndash;,
+warum wirst Du dann böse mit mir,
+Mutter?</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_79" title="79"> </a>Du sagst nie ein Wort, wenn Vater
+schreibt.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Wenn mein Vater solche Haufen Papier
+verschwendet, Mutter, scheint es Dich
+gar nicht zu stören.</p>
+
+<p>Wenn ich aber nur <em class="gesperrt">einen</em> Bogen
+nehme, um mir ein Schiff draus zu
+machen, sagst Du: »Kind, wie Du einen
+quälst!«</p>
+
+<p>Was hältst Du von Vaters Bogen und
+Bogenverderben mit schwarzen Zeichen,
+über und über auf beiden Seiten?</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_80" title="80"> </a>DER BÖSE POSTBOTE</h2>
+
+<p>Warum sitzest Du hier auf dem Boden
+so still und schweigend, sag' mir, Mutter
+lieb?</p>
+
+<p>Der Regen kommt herein durch das
+offene Fenster, macht Dich ganz naß,
+und Du merkst es gar nicht.</p>
+
+<p>Hörst Du den Gong vier schlagen? Es
+ist Zeit für meinen Bruder, daß er heimkommt
+aus der Schule.</p>
+
+<p>Was ist Dir geschehn, daß Du so fremd
+ausschaust?</p>
+
+<p>Hast Du heut keinen Brief von Vater
+bekommen?</p>
+
+<p>Ich sah den Postboten Briefe bringen
+in seinem Sack, für jeden fast in der
+Stadt.</p>
+
+<p>Nur Vaters Briefe behält er, um sie
+<a class="pagenum" name="Page_81" title="81"> </a>
+selber zu lesen. Ich bin gewiß, der Postbote
+ist ein böser Mann.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Aber sei nicht unglücklich darüber,
+Mutter lieb.</p>
+
+<p>Morgen ist Markttag im nächsten Dorf.
+Du sagst Deinem Mädchen, daß sie Federn
+und Papier kauft.</p>
+
+<p>Ich selbst will Vaters Briefe schreiben;
+Du wirst nicht einen einzigen Fehler
+finden.</p>
+
+<p>Ich werde vom A drauf los bis zum K
+schreiben.</p>
+
+<p>Doch, Mutter, was lächelst Du?</p>
+
+<p>Du glaubst nicht, daß ich so schön
+schreiben kann wie Vater?</p>
+
+<p>Aber ich werde mein Papier sorgfältig
+linieren und alle Buchstaben schön groß
+<a class="pagenum" name="Page_82" title="82"> </a>
+schreiben.</p>
+
+<p>Wenn ich mein Schreiben fertig habe,
+meinst Du, werd' ich so dumm sein und
+es hineinwerfen in des gräßlichen Postboten
+Sack?</p>
+
+<p>Ich werd' es Dir selber bringen, ganz
+rasch, und Dir Brief für Brief meine
+Schrift lesen helfen.</p>
+
+<p>Ich weiß, der Postbote gibt Dir nicht
+gern die wirklich netten Briefe.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_83" title="83"> </a>DER HELD</h2>
+
+<p>Mutter, denk' Dir, wir reisen und kommen
+durch ein fremdes und gefährliches
+Land.</p>
+
+<p>Du reisest in einem Palankin, und ich
+trabe neben Dir auf einem roten Pferd.</p>
+
+<p>Es ist Abend, und die Sonne geht unter.
+Die Wüste von Joradighi liegt fahl und
+grau vor uns. Das Land ist öd und brach.</p>
+
+<p>Du bist erschreckt und denkst: »Ich
+weiß nicht, wohin wir geraten sind.«</p>
+
+<p>Ich sage zu Dir: »Mutter, hab' keine
+Angst.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Wiese prickelt vor spitzigem Gras,
+und drüber läuft ein schmaler, holpriger
+Pfad.</p>
+
+<p>Kein Vieh ist zu sehn auf dem weiten
+<a class="pagenum" name="Page_84" title="84"> </a>
+Feld; es ist in seine Ställe heimgekehrt.</p>
+
+<p>Es wird dunkel und düster auf Land
+und Himmel, und wir können's nicht
+sagen, wohin wir gehn.</p>
+
+<p>Plötzlich rufst Du und fragst mich
+flüsternd: »Was für ein Licht ist dort am
+Ufer?«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Just da gellt ein furchtbarer Schrei, und
+Gestalten kommen laufend auf uns zu.</p>
+
+<p>Du sitzest zusammengekauert in Deinem
+Palankin und wiederholst betend
+die Namen der Götter.</p>
+
+<p>Die Träger, vor Schrecken zitternd
+verstecken sich im Dornenbusch.</p>
+
+<p>Ich schrei' Dir zu: »Hab' keine Angst,
+Mutter, ich bin da!«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_85" title="85"> </a>Mit langen Stöcken in den Händen
+und ganz wild flatterndem Haar um ihre
+Schädel kommen sie näher und näher.</p>
+
+<p>Ich schreie: »Seht Euch vor, Ihr Schurken!
+Einen Schritt weiter und Ihr seid
+des Todes!«</p>
+
+<p>Sie stoßen noch einmal ein schreckliches
+Geheul aus und stürzen vorwärts.</p>
+
+<p>Du packst meine Hand und sagst:
+»Lieber Junge, um Himmels willen, halt'
+Dich fern von ihnen!«</p>
+
+<p>Ich sage: »Mutter, gib Du nur Obacht
+auf mich.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Dann sporn' ich mein Roß zu wildem
+Galopp, und mein Schwert und Schild
+klirren aneinander.</p>
+
+<p>Der Kampf wird so gräßlich, Mutter,
+<a class="pagenum" name="Page_86" title="86"> </a>
+daß Dich ein kalter Schauer überliefe,
+wenn Du ihn sehen könntest von Deinem
+Palankin.</p>
+
+<p>Viele von ihnen fliehn, und eine große
+Zahl ist in Stücke gehaun.</p>
+
+<p>Ich weiß, Du denkst, ganz versunken
+in Dich, Dein Junge muß tot sein in dieser
+Stunde.</p>
+
+<p>Aber ich komme zu Dir, ganz mit Blut
+befleckt und sage: »Mutter, nun ist der
+Kampf vorüber.«</p>
+
+<p>Du kommst heraus und küssest mich,
+drückst mich an Dein Herz und sagst zu
+Dir selbst:</p>
+
+<p>»Ich weiß nicht, was ich tun würde,
+wenn ich nicht meinen Jungen zum Geleit
+hätte.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_87" title="87"> </a>Tausend nutzlose Dinge geschehen
+Tag für Tag, warum könnte nicht so
+etwas zufällig wahr werden?</p>
+
+<p>Es würde wie eine Geschichte in einem
+Buch sein.</p>
+
+<p>Mein Bruder würde sagen: »Ist das
+möglich? Ich dachte immer, er wäre so
+zart!«</p>
+
+<p>Unsre Dorfleute würden alle in Verwunderung
+sagen: »War es nicht ein
+Glück, daß der Junge mit seiner Mutter
+war?«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_88" title="88"> </a>DAS ENDE</h2>
+
+<p>Es ist Zeit für mich, zu gehen, Mutter.
+Ich gehe.</p>
+
+<p>Wenn Du im fahlen Dunkel der einsamen
+Dämmerung Deine Arme ausstreckst
+nach Deinem Kindchen im Bett,
+werde ich sagen: »Kindchen ist nicht
+da!« &ndash; Mutter, ich gehe.</p>
+
+<p>Ich werde ein zarter Lufthauch werden
+und Dich liebkosen; und ich werde
+das Kräuseln auf dem Wasser sein, wenn
+Du badest, und Dich küssen und wieder
+küssen.</p>
+
+<p>In der Sturmnacht, wenn der Regen
+auf die Blätter prasselt, wirst du mein
+Flüstern hören in Deinem Bett, und mein
+Lachen wird mit dem Blitz durchs offne
+Fenster in Dein Zimmer leuchten.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_89" title="89"> </a>Wenn Du wach liegst, an Dein Kindchen
+denkend bis spät in die Nacht, werd'
+ich singen zu Dir von den Sternen:
+»Schlaf, Mutter, schlaf.«</p>
+
+<p>Auf den irrenden Mondstrahlen werd'
+ich mich über Dein Bett stehlen und auf
+Deiner Brust liegen, während Du schläfst.</p>
+
+<p>Ich werde ein Traum werden und
+durch die kleine Öffnung Deiner Augenlider
+werd' ich in die Tiefen Deines
+Schlafes schlüpfen; und wenn Du aufwachst
+und bestürzt herumschaust,
+werd' ich wie ein glitzernder Leuchtkäfer
+hinaus ins Dunkle schwirren.</p>
+
+<p>Wenn zum großen Puja-Feste die
+Nachbarskinder kommen und herumspielen
+im Haus, werd' ich in die Musik
+der Flöte schmelzen und in Deinem
+<a class="pagenum" name="Page_90" title="90"> </a>
+Herzen schlagen den ganzen Tag.</p>
+
+<p>Die liebe Muhme wird kommen mit
+Puja-Geschenken und wird fragen: »Wo
+ist unser Kindchen, Schwester?«</p>
+
+<p>Mutter, Du wirst ihr leise sagen: »Er
+ist in den Sternen meiner Augen, er ist in
+meinem Körper und in meiner Seele.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_91" title="91"> </a>KOMM ZURÜCK!</h2>
+
+<p>Die Nacht war schwarz als <em class="gesperrt">sie</em> fortging,
+und sie schliefen.</p>
+
+<p>Die Nacht ist schwarz jetzt, und ich
+rufe nach <em class="gesperrt">ihr</em>: »Komm zurück, mein
+Liebling; die Welt liegt im Schlaf; und
+niemand würde wissen, wenn Du kämst
+für eine Weile, während die Sterne den
+Sternen zublinken.«</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Sie ging weg, als die Bäume in Knospen
+standen und der Lenz jung war.</p>
+
+<p>Nun sind die Blumen in voller Blüte
+und ich rufe: »Komm zurück, mein Liebling.
+Die Kinder sammeln Blumen und
+verstreun sie in unbekümmertem Spiel.
+Und wenn Du kämest und nähmest
+<em class="gesperrt">eine</em> kleine Blüte, es würde sie keiner
+<a class="pagenum" name="Page_92" title="92"> </a>
+vermissen.«</p>
+
+<p>Die damals spielten, spielen noch, so
+verschwenderisch ist Leben.</p>
+
+<p>Ich lauschte ihrem Plaudern und rufe:
+»Komm zurück, mein Liebling; denn
+Mutters Herz ist voll bis an den Rand
+mit Liebe, und wenn Du kämest, nur
+einen einzigen kleinen Kuß zu haschen
+von ihr, es würde Dir's niemand neiden.«</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_93" title="93"> </a>DER ERSTE JASMIN</h2>
+
+<p>Ah, dieser Jasmin, dieser weiße Jasmin!</p>
+
+<p>Mir ist wie am ersten Tag, da ich
+meine Hände füllte mit diesem Jasmin,
+diesem weißen Jasmin.</p>
+
+<p>Ich habe die Sonne geliebt, den Himmel
+und die grüne Erde.</p>
+
+<p>Ich habe das rieselnde Rauschen des
+Flusses gehört durch das Dunkel der
+Mitternacht;</p>
+
+<p>Herbstsonnenuntergänge sind zu mir
+gekommen an eines Weges Biegung in
+einsamer Öde wie eine Braut, den Schleier
+hebend zum Empfang des Geliebten.</p>
+
+<p>Und doch ist mein Erinnern noch süß
+von dem ersten weißen Jasmin, den ich in
+meiner Hand hielt, als ich ein Kind war.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_94" title="94"> </a>Manch' froher Tag ist in mein Leben
+gekommen, und ich habe gelacht mit
+Spaßmachern in festlichen Nächten.</p>
+
+<p>An grauen Regenmorgen hab' ich
+manch' müßig Lied gesummt.</p>
+
+<p>Ich habe um meinen Nacken getragen
+den Abendkranz aus Bakulas, von Händen
+der Liebe geflochten.</p>
+
+<p>Und doch ist mein Herz süß von dem
+Erinnern an den ersten frischen Jasmin,
+der meine Hände füllte, als ich ein Kind
+war.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_95" title="95"> </a>DER FEIGENBAUM</h2>
+
+<p>O Du zottelköpfiger Feigenbaum am
+Ufer des Teichs, hast Du den kleinen
+Jungen vergessen wie die Vögel, die in
+Deinen Zweigen genistet haben und Dich
+verließen?</p>
+
+<p>Erinnerst Du Dich nicht, wie er am
+Fenster saß und sich wunderte über das
+Gewirr Deiner Wurzeln, die unter die
+Erde tauchten?</p>
+
+<p>Die Frauen kamen immer, ihre Krüge
+zu füllen am Teich, und Dein riesiger,
+schwarzer Schatten räkelte sich über das
+Wasser wie Schlaf, der sich anstrengt,
+aufzuwachen.</p>
+
+<p>Sonnenlicht tanzte auf den Wasserwirbeln
+wie ruhlose, winzige Weberschiffchen,
+die eine goldne Tapete wirken.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_96" title="96"> </a>Zwei Enten schwammen am verwilderten
+Rande über ihren Schatten
+und der Junge saß still und sann.</p>
+
+<p>Er wollte der Wind sein und durch
+Deine rauschenden Zweige blasen, Dein
+Schatten sein und mit dem Tage länger
+werden auf dem Wasser, ein Vogel sein
+und auf Deinem höchsten Wipfel sitzen,
+und wie jene Enten unter Unkraut und
+Schatten schwimmen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_97" title="97"> </a>SEGNUNG</h2>
+
+<p>Segne dies kleine Herz, diese weiße
+Seele, die des Himmels Kuß für unsere
+Erde gewonnen hat.</p>
+
+<p>Er liebt das Licht der Sonne, er liebt
+den Anblick von seiner Mutter Antlitz.</p>
+
+<p>Er hat mich gelehrt, den Staub verachten
+und nach Gold trachten.</p>
+
+<p>Schließ' ihn an Dein Herz und segne ihn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Er ist in dieses Land der hundert Kreuzwege
+gekommen.</p>
+
+<p>Ich weiß nicht, wieso er Dich wählte
+aus der Menge, an Dein Tor kam und
+Deine Hand faßte, um seinen Weg zu
+fragen.</p>
+
+<p>Er wird Dir folgen, lachend und plaudernd
+und ohne Zweifel im Herzen.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_98" title="98"> </a>Erfüll' sein Vertrauen, führe ihn zum
+Rechten und segne ihn.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Leg' Deine Hand auf sein Haupt und
+bete: wenn auch die Wogen unten bedrohlich
+werden, so möge doch der Odem
+von oben kommen und seine Segel füllen
+und ihn in den Hafen des Friedens wehn.</p>
+
+<p>Vergiß' ihn nicht in Deinem Hasten,
+laß' ihn an Dein Herz kommen und segne
+ihn.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_99" title="99"> </a>DAS GESCHENK</h2>
+
+<p>Ich möchte Dir was schenken, mein
+Kind, denn wir treiben auf dem Strom
+der Welt.</p>
+
+<p>Unsre Leben werden auseinandergehn
+und unsre Liebe wird vergessen werden.</p>
+
+<p>Aber ich bin nicht so töricht, zu hoffen,
+ich könnte Dein Herz mit meinen Geschenken
+kaufen.</p>
+
+<p>Jung ist Dein Leben, Dein Pfad lang,
+und Du trinkst die Liebe, die wir Dir
+bringen, auf einen Zug, kehrst Dich um
+und läufst weg von uns.</p>
+
+<p>Du hast Dein Spiel und Deine Gespielen.
+Was tut's, wenn Du nicht Zeit,
+nicht Sinn für uns hast.</p>
+
+<p>Fürwahr, wir haben Muße genug im
+Alter, die Tage zu zählen, die vergangen
+<a class="pagenum" name="Page_100" title="100"> </a>
+sind, in unseren Herzen zu hätscheln, was
+unsre Hände für immer verloren haben.</p>
+
+<p>Der Fluß läuft schnell mit einem Lied,
+alle Schranken durchbrechend. Aber der
+Berg steht und erinnert sich und folgt ihm
+mit seiner Liebe.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_101" title="101"> </a>MEIN LIED</h2>
+
+<p>Dies Lied von mir will seine Musik
+winden um Dich, mein Kind, wie die
+zärtlichen Arme der Liebe.</p>
+
+<p>Dies Lied von mir will Deine Stirn berühren
+wie ein Segenskuß.</p>
+
+<p>Wenn Du allein bist, wird es an Deiner
+Seite sitzen und Dir ins Ohr flüstern;
+bist Du in der Menge, wird es Dich einfrieden
+mit Entrücktheit.</p>
+
+<p>Mein Lied wird ein Flügelpaar für
+Deine Träume sein, es wird Dein Herz
+an die Grenze des Unbekannten reißen.</p>
+
+<p>Es wird wie der getreue Stern zu Häupten
+sein, wenn finstre Nacht über Deiner
+Straße liegt.</p>
+
+<p>Mein Lied wird in den Sternen Deiner
+Augen sitzen und Deinen Blick in das
+<a class="pagenum" name="Page_102" title="102"> </a>
+Herz der Dinge führen.</p>
+
+<p>Und wenn meine Stimme still ist im
+Tod, wird mein Lied in Dein lebendes
+Herz sprechen.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_103" title="103"> </a>DER ENGEL</h2>
+
+<p>Sie schreien und kämpfen, sie zweifeln
+und verzweifeln, sie wissen kein Ende
+ihren Zänken.</p>
+
+<p>Laß' Dein Leben unter sie kommen
+wie eine Flamme Licht, mein Kind, ohne
+Flackern und rein, und entzücke sie zum
+Schweigen.</p>
+
+<p>Sie sind grausam in ihrer Gier und
+ihrem Neid; ihre Worte sind wie verborgene
+Messer, dürstend nach Blut.</p>
+
+<p>Geh' und stelle Dich unter ihre schelen
+Herzen, mein Kind, und laß' Deine milden
+Augen auf sie fallen wie der verzeihende
+Abendfriede über den Streit des Tags.</p>
+
+<p>Laß' sie Dein Antlitz sehn, mein Kind,
+und so den Sinn aller Dinge erkennen; laß'
+sie Dich lieben und so einander lieben.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_104" title="104"> </a>Komm' und wohne im Busen der Unendlichkeit,
+mein Kind. Mit Sonnenaufgang
+öffne und erhebe Dein Herz wie
+eine blühende Blume, und zum Untergang
+neige Dein Haupt und vollende im
+Schweigen des Tages Gottesdienst.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_105" title="105"> </a>DER LETZTE VERTRAG</h2>
+
+<p>»Komm und miete mich«, schrie ich,
+als ich des Morgens auf der steingepflasterten
+Straße ging.</p>
+
+<p>Das Schwert in der Hand, kam der
+König in seinem Wagen.</p>
+
+<p>Er hielt meine Hand und sagte: »Ich
+will Dich mieten mit meiner Macht.«</p>
+
+<p>Aber seine Macht war mir nichts wert,
+und er fuhr davon in seinem Wagen.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>In der Hitze des Mittags lehnten die
+Häuser mit geschlossenen Türen.</p>
+
+<p>Ich wanderte entlang die krumme
+Gasse.</p>
+
+<p>Ein alter Mann kam heraus mit seinem
+Sack voll Gold.</p>
+
+<p>Er sann nach und sagte: »Ich will
+<a class="pagenum" name="Page_106" title="106"> </a>
+Dich mieten mit meinem Geld.«</p>
+
+<p>Er wog seine Münzen, eine nach der
+andern, aber ich wandte mich fort.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Abend war's. Die Gartenhecke stand
+ganz in Blüte.</p>
+
+<p>Das liebliche Mädchen kam heraus
+und sagte: »Ich will Dich mieten mit
+einem Lächeln.«</p>
+
+<p>Ihr Lächeln blaßte und schmolz in
+Tränen, und sie ging zurück allein im
+Dunkel.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Sonne glitzerte im Sand, und die
+Meereswellen brachen landeinwärts.</p>
+
+<p>Ein Kind saß da, mit Muscheln spielend.</p>
+
+<p>Es hob seinen Kopf und schien mich
+<a class="pagenum" name="Page_107" title="107"> </a>
+zu kennen und sagte: »Ich miete Dich
+mit Nichts.«</p>
+
+<p>Von da an machte mich dieser Vertrag,
+im Kinderspiel geschlossen, zum freien
+Mann.</p>
+
+<h2><a class="pagenum" name="Page_109" title="109"> </a>ANMERKUNGEN UND NACHWORT DES ÜBERSETZERS</h2>
+
+<p class="hanging-indent"><a class="pagenum" name="Page_110" title="110"> </a>Zu Seite</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_7">7</a>: <i>Arēka-Palme</i> (malayisch arik). Eine
+Abart, Arēca cātechu, die Betelpalme,
+trägt orangerote, hühnereigroße
+Früchte, deren Kern, mit den
+Blättern des Betelpfeffers umwickelt,
+gekaut wird.</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Kokos-Palme</i> (von spanisch coca
+»Nuß« oder portugiesisch coco »Popanz«
+wegen der gesichtsähnlichen,
+daher schreckhaften Früchte). Die
+Kokosnuß gehört in Indien zu den
+heiligsten Früchten, die der Göttin
+der Wohlfahrt, Sriphāla, geweiht sind.</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Brotfruchtbaum</i> (englisch jack-fruit
+aus malayisch chakka; sanskrit pānasa).
+Die kopfgroßen Früchte werden
+roh und geröstet genossen. 2 bis
+3 Bäume versorgen einen Menschen
+ein Jahr mit Nahrung.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_20">20</a>: <i>Feigenbaum</i> (englisch banyan tree,
+<a class="pagenum" name="Page_111" title="111"> </a>
+sanskrit vaṭa; ficus indica). Die Luftwurzeln
+der Äste greifen in den Boden
+ein und werden zu neuen Stämmen.
+So wächst der Baum nach allen
+Seiten hin durch Jahrtausende und
+bildet einen Wald, der Tausende von
+Menschen aufnimmt. Er ist der Zeit,
+Kāla, heilig und gilt als Sinnbild der
+Unsterblichkeit. Beim Pflanzen des
+Baumes wird gewöhnlich das Gebet
+gesprochen: »Möchte ich so viele
+Jahre im Himmel weilen als dieser
+Baum auf Erden wächst.«</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Mango</i> (malayisch māngāy, sanskrit
+āmra; magnifera indica). Gelbblühender
+Baum mit gelblichen, bis zu einem
+Kilo schweren Früchten, die ein beliebtes
+Obst sind. Der Ārmra gilt als
+Inkarnation der Liebesgöttin. Nach
+einer Legende übte die Göttin Pārvati
+unter einem Mangobaum Buße,
+<a class="pagenum" name="Page_112" title="112"> </a>
+dort, wo jetzt der Ṡaiva-Tempel steht.
+Hier erschien ihr ihr Gatte Ṡiva, der
+als Ekāmranātha »der unvergleichliche
+Herr des Mangobaums« verehrt
+wird.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_21">21</a>: <i>Bakula</i> (mimusops elengi), Baum mit
+wohlriechenden Blättern und Blüten,
+die ein ätherisches Öl liefern. Die
+süßen Früchte sind eßbar.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_35">35</a>: <i>Kadam</i> (sanskrit Kadamba; nauclea
+cadamba), Liane mit orangefarbener
+duftender Blüte.</p>
+
+<p class="no-indent"><i>Dādā</i> (Hindustani), Großvater väterlicherseits,
+dann auf jede ältere Person
+angewendet, hier: der ältere Bruder.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_40">40</a>: <i>Champa</i> (sanskrit champaka; michelia
+champaka), den Magnolien ähnliche
+Holzgewächse mit duftenden,
+zarten, weißen und gelben Blüten,
+die Götzenbildern dargebracht werden,
+<a class="pagenum" name="Page_113" title="113"> </a>
+besonders am 14. Iyeshṭh (ungefähr
+unserm Juni entsprechend).
+Das wohlriechende Champakaöl ist
+sehr beliebt.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_41">41</a>: <i>Rāmāyana</i> (sanskrit ayana = gehend,
+vonay = gehen), »Die Taten des Rama«.
+Das große Sanskrit-Epos, das
+dem Vālmiki zugeschrieben wird und
+im 5. Jahrh. v. Chr. entstanden sein
+dürfte. Vgl. Alex. Baumgartner, das
+Rāmāyana und die Rāma-Literatur
+der Inder. Freiburg 1894.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_43">43</a>: <i>Tulsi</i> (sanskrit tulasi; ocimum sanctum),
+heiliges Basilikum. In Ostindien
+berühmteste Arzneipflanze,
+der Legende nach aus dem Haar einer
+Nymphe erzeugt, die Vishnu in seiner
+Inkarnation als Krishna liebte. Vaisnawa-Rosenkränze
+bestehen aus 108
+Perlen von diesem Holz. Alljährlich
+wird in Indien eine Art Vermählungszeremonie
+<a class="pagenum" name="Page_114" title="114"> </a>
+zwischen dieser Pflanze
+und einem Salagramammoniten (versteinerte,
+ausgestorbene Tintenschneckenart,
+Symbol des Vishnu
+und als Amulett weiblicher Fruchtbarkeit)
+als Sinnbild der Muschelinkarnation
+Vishnus vollzogen.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_50">50</a>: <i>Tamarinde</i> (arabisch tamr hindi, indische Dattel;
+tamarindus indica),
+bis zu 25 Metern hoher, immergrüner
+Baum mit gelblichen, purpurgeäderten
+Blüten. Die Frucht wird als
+Obst, Nahrungs- und Arzneimittel
+verwendet.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_53">53</a>: <i>Shiuli</i> (bengali; nyctanthes arbor tristis),
+Gattung der Oleaceen. Bis zu
+9 Metern hoher Baum oder Strauch,
+vom Jasmin hauptsächlich durch
+Blütenfarbe (Röhre und Schlund
+orange, sonst weiß) und Fruchtform
+verschieden. Tropische Zierpflanze
+<a class="pagenum" name="Page_115" title="115"> </a>
+mit wohlriechenden, nur nachts geöffneten
+Blüten, die zum Färben von
+Speisen und zur Bereitung von ätherischem
+Öl dienen.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_55">55</a>: <i>Indischer Flachs</i> (englisch jute, bengali
+jūto »die Haarflechte«; corchorus
+olitorius). Die Faser wird zur Erzeugung
+von Matten und groben Sackleinen,
+Jute, verwendet.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_56">56</a>: <i>Rāmachandra.</i> Das Wort chandra
+wird oft an Namen angefügt, um die
+Schönheit auszudrücken. Der Retter
+der Welt, der triumphierende Dämonentöter,
+der rührendste Dulder,
+in den sich Vishnu bei seiner siebenten
+Herabkunft verwandelte. Rāmas
+vierzehnjährige Verbannung mit seiner
+Gattin Sitā wird im zweiten und
+dritten Gesange des Rāmāyana geschildert.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a class="pagenum" name="Page_116" title="116"> </a><a href="#Page_71">71</a>: <i>Ganesh</i> (Sanskrit Ganeça »der Anführer
+des Gefolges« Shivas, als dessen
+Sohn er gilt). Er wird oft mit seinem
+Bruder, dem Kriegsgott Skanda verehrt.
+Er ist der Entferner von Hindernissen,
+die Verkörperung allen Erfolges.
+Indische Handschriften pflegen
+mit einer an ihn sich richtenden Verehrungsformel
+zu beginnen, damit er
+den hindernden Einfluß böser Dämonen
+vom Schreiben abwehre: so
+ist der Schein entstanden, als sei Ganesha
+eigentlich ein Gott der Wissenschaft.
+Sein in Indien unendlich verbreitetes
+Bild zeigt ihn mit einem
+Elefantenkopf, oft auf einer Ratte
+reitend.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_75">75</a>: <i>Madar</i> (sanskrit mandāra; erythrina
+indica), Dadapbaum, als Stütze in
+Pfeffer-, als Schattenbaum in Kaffeeplantagen
+verwendet. Mit meist scharlachroten
+<a class="pagenum" name="Page_117" title="117"> </a>
+Blütentrauben, zur Gattung
+der Korallenbäume gehörig.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_83">83</a>: <i>Palankin</i> Tragsänfte.</p>
+
+<p class="hanging-indent"><a href="#Page_89">89</a>: <i>Puja</i> (sanskrit) bedeutet Verehrung
+überhaupt. Als Fest ist das Durgāpūjā
+oder Navarātra gemeint, die
+»Neun Nächte«, beginnt am ersten
+und endet am zehnten Tag der lichten
+Hälfte von Āṡvina (September-Oktober).
+Es wird namentlich in Bengal
+gefeiert als Erinnerung an den Sieg
+von Durgā, Shivas Frau, über einen
+büffelköpfigen Dämon. Ihr Bild wird
+mit zehn bewaffneten Armen dargestellt,
+ihr rechter Fuß auf einem
+Löwen ruhend, ihr linker auf dem
+Büffeldämon. Nach neuntägiger Verehrung
+wird dieses Götzenbild am
+zehnten Tage ins Wasser gestürzt.</p>
+
+<p class="no-indent">Näheres vgl. Monier-Williams, Brāmanism
+<a class="pagenum" name="Page_118" title="118"> </a>
+and Hindūism or Religious
+Thought and Life in India. London,
+1891.</p>
+
+<hr class="thought-break"/>
+
+<p>Die Gedichte <a href="#Page_9">2</a>, <a href="#Page_12">3</a> und <a href="#Page_28">9</a> sind mit den
+Gedichten 60&ndash;62 der Sammlung »Gitanjali«
+identisch.</p>
+
+<p>Es scheint mir wichtig, zu betonen,
+daß die englische, von Tagore selbst geschaffene
+Form als die beste europäische
+Mittlerin seiner Gedanken und Gefühle
+zu gelten hat. Selbst die Kunst eines
+Rückert könnte uns die Umdichtung
+aus dem bengalischen Urtext nicht so
+nahebringen, wie eine möglichste Nachbildung
+der englischen Umdichtung uns
+rühren kann.</p>
+
+<p><a class="pagenum" name="Page_119" title="119"> </a>Bei den Anmerkungen danke ich wieder
+vieles der Freundlichkeit des Berliner
+Sanskritisten, Herrn Professor Heinrich
+Lüders.</p>
+
+<p class="center page-break page-break-after italic"><a class="pagenum" name="Page_120" title="120"> </a>GEDRUCKT BEI POESCHEL &amp; TREPTE IN LEIPZIG</p>
+
+
+
+
+
+
+
+
+<pre>
+
+
+
+
+
+End of Project Gutenberg's Der zunehmende Mond, by Rabindranath Tagore
+
+*** END OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK DER ZUNEHMENDE MOND ***
+
+***** This file should be named 38125-h.htm or 38125-h.zip *****
+This and all associated files of various formats will be found in:
+ https://www.gutenberg.org/3/8/1/2/38125/
+
+Produced by Jana Srna and the Online Distributed
+Proofreading Team at https://www.pgdp.net (This file was
+produced from images generously made available by The
+Internet Archive/Canadian Libraries)
+
+
+Updated editions will replace the previous one--the old editions
+will be renamed.
+
+Creating the works from public domain print editions means that no
+one owns a United States copyright in these works, so the Foundation
+(and you!) can copy and distribute it in the United States without
+permission and without paying copyright royalties. Special rules,
+set forth in the General Terms of Use part of this license, apply to
+copying and distributing Project Gutenberg-tm electronic works to
+protect the PROJECT GUTENBERG-tm concept and trademark. Project
+Gutenberg is a registered trademark, and may not be used if you
+charge for the eBooks, unless you receive specific permission. If you
+do not charge anything for copies of this eBook, complying with the
+rules is very easy. You may use this eBook for nearly any purpose
+such as creation of derivative works, reports, performances and
+research. They may be modified and printed and given away--you may do
+practically ANYTHING with public domain eBooks. Redistribution is
+subject to the trademark license, especially commercial
+redistribution.
+
+
+
+*** START: FULL LICENSE ***
+
+THE FULL PROJECT GUTENBERG LICENSE
+PLEASE READ THIS BEFORE YOU DISTRIBUTE OR USE THIS WORK
+
+To protect the Project Gutenberg-tm mission of promoting the free
+distribution of electronic works, by using or distributing this work
+(or any other work associated in any way with the phrase "Project
+Gutenberg"), you agree to comply with all the terms of the Full Project
+Gutenberg-tm License (available with this file or online at
+https://gutenberg.org/license).
+
+
+Section 1. General Terms of Use and Redistributing Project Gutenberg-tm
+electronic works
+
+1.A. By reading or using any part of this Project Gutenberg-tm
+electronic work, you indicate that you have read, understand, agree to
+and accept all the terms of this license and intellectual property
+(trademark/copyright) agreement. If you do not agree to abide by all
+the terms of this agreement, you must cease using and return or destroy
+all copies of Project Gutenberg-tm electronic works in your possession.
+If you paid a fee for obtaining a copy of or access to a Project
+Gutenberg-tm electronic work and you do not agree to be bound by the
+terms of this agreement, you may obtain a refund from the person or
+entity to whom you paid the fee as set forth in paragraph 1.E.8.
+
+1.B. "Project Gutenberg" is a registered trademark. It may only be
+used on or associated in any way with an electronic work by people who
+agree to be bound by the terms of this agreement. There are a few
+things that you can do with most Project Gutenberg-tm electronic works
+even without complying with the full terms of this agreement. See
+paragraph 1.C below. There are a lot of things you can do with Project
+Gutenberg-tm electronic works if you follow the terms of this agreement
+and help preserve free future access to Project Gutenberg-tm electronic
+works. See paragraph 1.E below.
+
+1.C. The Project Gutenberg Literary Archive Foundation ("the Foundation"
+or PGLAF), owns a compilation copyright in the collection of Project
+Gutenberg-tm electronic works. Nearly all the individual works in the
+collection are in the public domain in the United States. If an
+individual work is in the public domain in the United States and you are
+located in the United States, we do not claim a right to prevent you from
+copying, distributing, performing, displaying or creating derivative
+works based on the work as long as all references to Project Gutenberg
+are removed. Of course, we hope that you will support the Project
+Gutenberg-tm mission of promoting free access to electronic works by
+freely sharing Project Gutenberg-tm works in compliance with the terms of
+this agreement for keeping the Project Gutenberg-tm name associated with
+the work. You can easily comply with the terms of this agreement by
+keeping this work in the same format with its attached full Project
+Gutenberg-tm License when you share it without charge with others.
+
+1.D. The copyright laws of the place where you are located also govern
+what you can do with this work. Copyright laws in most countries are in
+a constant state of change. If you are outside the United States, check
+the laws of your country in addition to the terms of this agreement
+before downloading, copying, displaying, performing, distributing or
+creating derivative works based on this work or any other Project
+Gutenberg-tm work. The Foundation makes no representations concerning
+the copyright status of any work in any country outside the United
+States.
+
+1.E. Unless you have removed all references to Project Gutenberg:
+
+1.E.1. The following sentence, with active links to, or other immediate
+access to, the full Project Gutenberg-tm License must appear prominently
+whenever any copy of a Project Gutenberg-tm work (any work on which the
+phrase "Project Gutenberg" appears, or with which the phrase "Project
+Gutenberg" is associated) is accessed, displayed, performed, viewed,
+copied or distributed:
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere at no cost and with
+almost no restrictions whatsoever. You may copy it, give it away or
+re-use it under the terms of the Project Gutenberg License included
+with this eBook or online at www.gutenberg.org
+
+1.E.2. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is derived
+from the public domain (does not contain a notice indicating that it is
+posted with permission of the copyright holder), the work can be copied
+and distributed to anyone in the United States without paying any fees
+or charges. If you are redistributing or providing access to a work
+with the phrase "Project Gutenberg" associated with or appearing on the
+work, you must comply either with the requirements of paragraphs 1.E.1
+through 1.E.7 or obtain permission for the use of the work and the
+Project Gutenberg-tm trademark as set forth in paragraphs 1.E.8 or
+1.E.9.
+
+1.E.3. If an individual Project Gutenberg-tm electronic work is posted
+with the permission of the copyright holder, your use and distribution
+must comply with both paragraphs 1.E.1 through 1.E.7 and any additional
+terms imposed by the copyright holder. Additional terms will be linked
+to the Project Gutenberg-tm License for all works posted with the
+permission of the copyright holder found at the beginning of this work.
+
+1.E.4. Do not unlink or detach or remove the full Project Gutenberg-tm
+License terms from this work, or any files containing a part of this
+work or any other work associated with Project Gutenberg-tm.
+
+1.E.5. Do not copy, display, perform, distribute or redistribute this
+electronic work, or any part of this electronic work, without
+prominently displaying the sentence set forth in paragraph 1.E.1 with
+active links or immediate access to the full terms of the Project
+Gutenberg-tm License.
+
+1.E.6. You may convert to and distribute this work in any binary,
+compressed, marked up, nonproprietary or proprietary form, including any
+word processing or hypertext form. However, if you provide access to or
+distribute copies of a Project Gutenberg-tm work in a format other than
+"Plain Vanilla ASCII" or other format used in the official version
+posted on the official Project Gutenberg-tm web site (www.gutenberg.org),
+you must, at no additional cost, fee or expense to the user, provide a
+copy, a means of exporting a copy, or a means of obtaining a copy upon
+request, of the work in its original "Plain Vanilla ASCII" or other
+form. Any alternate format must include the full Project Gutenberg-tm
+License as specified in paragraph 1.E.1.
+
+1.E.7. Do not charge a fee for access to, viewing, displaying,
+performing, copying or distributing any Project Gutenberg-tm works
+unless you comply with paragraph 1.E.8 or 1.E.9.
+
+1.E.8. You may charge a reasonable fee for copies of or providing
+access to or distributing Project Gutenberg-tm electronic works provided
+that
+
+- You pay a royalty fee of 20% of the gross profits you derive from
+ the use of Project Gutenberg-tm works calculated using the method
+ you already use to calculate your applicable taxes. The fee is
+ owed to the owner of the Project Gutenberg-tm trademark, but he
+ has agreed to donate royalties under this paragraph to the
+ Project Gutenberg Literary Archive Foundation. Royalty payments
+ must be paid within 60 days following each date on which you
+ prepare (or are legally required to prepare) your periodic tax
+ returns. Royalty payments should be clearly marked as such and
+ sent to the Project Gutenberg Literary Archive Foundation at the
+ address specified in Section 4, "Information about donations to
+ the Project Gutenberg Literary Archive Foundation."
+
+- You provide a full refund of any money paid by a user who notifies
+ you in writing (or by e-mail) within 30 days of receipt that s/he
+ does not agree to the terms of the full Project Gutenberg-tm
+ License. You must require such a user to return or
+ destroy all copies of the works possessed in a physical medium
+ and discontinue all use of and all access to other copies of
+ Project Gutenberg-tm works.
+
+- You provide, in accordance with paragraph 1.F.3, a full refund of any
+ money paid for a work or a replacement copy, if a defect in the
+ electronic work is discovered and reported to you within 90 days
+ of receipt of the work.
+
+- You comply with all other terms of this agreement for free
+ distribution of Project Gutenberg-tm works.
+
+1.E.9. If you wish to charge a fee or distribute a Project Gutenberg-tm
+electronic work or group of works on different terms than are set
+forth in this agreement, you must obtain permission in writing from
+both the Project Gutenberg Literary Archive Foundation and Michael
+Hart, the owner of the Project Gutenberg-tm trademark. Contact the
+Foundation as set forth in Section 3 below.
+
+1.F.
+
+1.F.1. Project Gutenberg volunteers and employees expend considerable
+effort to identify, do copyright research on, transcribe and proofread
+public domain works in creating the Project Gutenberg-tm
+collection. Despite these efforts, Project Gutenberg-tm electronic
+works, and the medium on which they may be stored, may contain
+"Defects," such as, but not limited to, incomplete, inaccurate or
+corrupt data, transcription errors, a copyright or other intellectual
+property infringement, a defective or damaged disk or other medium, a
+computer virus, or computer codes that damage or cannot be read by
+your equipment.
+
+1.F.2. LIMITED WARRANTY, DISCLAIMER OF DAMAGES - Except for the "Right
+of Replacement or Refund" described in paragraph 1.F.3, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation, the owner of the Project
+Gutenberg-tm trademark, and any other party distributing a Project
+Gutenberg-tm electronic work under this agreement, disclaim all
+liability to you for damages, costs and expenses, including legal
+fees. YOU AGREE THAT YOU HAVE NO REMEDIES FOR NEGLIGENCE, STRICT
+LIABILITY, BREACH OF WARRANTY OR BREACH OF CONTRACT EXCEPT THOSE
+PROVIDED IN PARAGRAPH 1.F.3. YOU AGREE THAT THE FOUNDATION, THE
+TRADEMARK OWNER, AND ANY DISTRIBUTOR UNDER THIS AGREEMENT WILL NOT BE
+LIABLE TO YOU FOR ACTUAL, DIRECT, INDIRECT, CONSEQUENTIAL, PUNITIVE OR
+INCIDENTAL DAMAGES EVEN IF YOU GIVE NOTICE OF THE POSSIBILITY OF SUCH
+DAMAGE.
+
+1.F.3. LIMITED RIGHT OF REPLACEMENT OR REFUND - If you discover a
+defect in this electronic work within 90 days of receiving it, you can
+receive a refund of the money (if any) you paid for it by sending a
+written explanation to the person you received the work from. If you
+received the work on a physical medium, you must return the medium with
+your written explanation. The person or entity that provided you with
+the defective work may elect to provide a replacement copy in lieu of a
+refund. If you received the work electronically, the person or entity
+providing it to you may choose to give you a second opportunity to
+receive the work electronically in lieu of a refund. If the second copy
+is also defective, you may demand a refund in writing without further
+opportunities to fix the problem.
+
+1.F.4. Except for the limited right of replacement or refund set forth
+in paragraph 1.F.3, this work is provided to you 'AS-IS' WITH NO OTHER
+WARRANTIES OF ANY KIND, EXPRESS OR IMPLIED, INCLUDING BUT NOT LIMITED TO
+WARRANTIES OF MERCHANTIBILITY OR FITNESS FOR ANY PURPOSE.
+
+1.F.5. Some states do not allow disclaimers of certain implied
+warranties or the exclusion or limitation of certain types of damages.
+If any disclaimer or limitation set forth in this agreement violates the
+law of the state applicable to this agreement, the agreement shall be
+interpreted to make the maximum disclaimer or limitation permitted by
+the applicable state law. The invalidity or unenforceability of any
+provision of this agreement shall not void the remaining provisions.
+
+1.F.6. INDEMNITY - You agree to indemnify and hold the Foundation, the
+trademark owner, any agent or employee of the Foundation, anyone
+providing copies of Project Gutenberg-tm electronic works in accordance
+with this agreement, and any volunteers associated with the production,
+promotion and distribution of Project Gutenberg-tm electronic works,
+harmless from all liability, costs and expenses, including legal fees,
+that arise directly or indirectly from any of the following which you do
+or cause to occur: (a) distribution of this or any Project Gutenberg-tm
+work, (b) alteration, modification, or additions or deletions to any
+Project Gutenberg-tm work, and (c) any Defect you cause.
+
+
+Section 2. Information about the Mission of Project Gutenberg-tm
+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
+electronic works in formats readable by the widest variety of computers
+including obsolete, old, middle-aged and new computers. It exists
+because of the efforts of hundreds of volunteers and donations from
+people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future generations.
+To learn more about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+and how your efforts and donations can help, see Sections 3 and 4
+and the Foundation web page at https://www.pglaf.org.
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive
+Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Its 501(c)(3) letter is posted at
+https://pglaf.org/fundraising. Contributions to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation are tax deductible to the full extent
+permitted by U.S. federal laws and your state's laws.
+
+The Foundation's principal office is located at 4557 Melan Dr. S.
+Fairbanks, AK, 99712., but its volunteers and employees are scattered
+throughout numerous locations. Its business office is located at
+809 North 1500 West, Salt Lake City, UT 84116, (801) 596-1887, email
+business@pglaf.org. Email contact links and up to date contact
+information can be found at the Foundation's web site and official
+page at https://pglaf.org
+
+For additional contact information:
+ Dr. Gregory B. Newby
+ Chief Executive and Director
+ gbnewby@pglaf.org
+
+
+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
+Project Gutenberg-tm depends upon and cannot survive without wide
+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
+with these requirements. We do not solicit donations in locations
+where we have not received written confirmation of compliance. To
+SEND DONATIONS or determine the status of compliance for any
+particular state visit https://pglaf.org
+
+While we cannot and do not solicit contributions from states where we
+have not met the solicitation requirements, we know of no prohibition
+against accepting unsolicited donations from donors in such states who
+approach us with offers to donate.
+
+International donations are gratefully accepted, but we cannot make
+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including including checks, online payments and credit card
+donations. To donate, please visit: https://pglaf.org/donate
+
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic
+works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project Gutenberg-tm
+concept of a library of electronic works that could be freely shared
+with anyone. For thirty years, he produced and distributed Project
+Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of volunteer support.
+
+
+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
+editions, all of which are confirmed as Public Domain in the U.S.
+unless a copyright notice is included. Thus, we do not necessarily
+keep eBooks in compliance with any particular paper edition.
+
+
+Most people start at our Web site which has the main PG search facility:
+
+ https://www.gutenberg.org
+
+This Web site includes information about Project Gutenberg-tm,
+including how to make donations to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation, how to help produce our new eBooks, and how to
+subscribe to our email newsletter to hear about new eBooks.
+
+
+</pre>
+
+</body>
+</html>
diff --git a/38125-h/images/logo.png b/38125-h/images/logo.png
new file mode 100644
index 0000000..decad4d
--- /dev/null
+++ b/38125-h/images/logo.png
Binary files differ
diff --git a/38125-h/images/titelseite.jpg b/38125-h/images/titelseite.jpg
new file mode 100644
index 0000000..5cf08e7
--- /dev/null
+++ b/38125-h/images/titelseite.jpg
Binary files differ
diff --git a/LICENSE.txt b/LICENSE.txt
new file mode 100644
index 0000000..6312041
--- /dev/null
+++ b/LICENSE.txt
@@ -0,0 +1,11 @@
+This eBook, including all associated images, markup, improvements,
+metadata, and any other content or labor, has been confirmed to be
+in the PUBLIC DOMAIN IN THE UNITED STATES.
+
+Procedures for determining public domain status are described in
+the "Copyright How-To" at https://www.gutenberg.org.
+
+No investigation has been made concerning possible copyrights in
+jurisdictions other than the United States. Anyone seeking to utilize
+this eBook outside of the United States should confirm copyright
+status under the laws that apply to them.
diff --git a/README.md b/README.md
new file mode 100644
index 0000000..3eb7f94
--- /dev/null
+++ b/README.md
@@ -0,0 +1,2 @@
+Project Gutenberg (https://www.gutenberg.org) public repository for
+eBook #38125 (https://www.gutenberg.org/ebooks/38125)