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+The Project Gutenberg EBook of Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen, by Marie Curie
+
+This eBook is for the use of anyone anywhere in the United States and most
+other parts of the world at no cost and with almost no restrictions
+whatsoever. You may copy it, give it away or re-use it under the terms of
+the Project Gutenberg License included with this eBook or online at
+www.gutenberg.org. If you are not located in the United States, you'll have
+to check the laws of the country where you are located before using this ebook.
+
+Title: Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen
+ von Marie Curie, übersetzt und mit Litteratur-Ergänzungen
+ versehen von W. Kaufmann
+
+Author: Marie Curie
+
+Translator: Walter Kaufmann
+
+Release Date: November 6, 2011 [EBook #37945]
+[Most recently updated: December 15, 2020]
+
+Language: German
+
+Character set encoding: UTF-8
+
+*** START OF THIS PROJECT GUTENBERG EBOOK UNTERSUCHUNGEN UBER DIE RADIOAKTIVEN SUBSTANZEN ***
+
+
+
+
+Produced by R. S.
+
+
+
+
+Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen
+ Marie Curie
+ (übersetzt von W. Kaufmann)
+
+ Dritte unveränderte Auflage
+ 1904
+ Braunschweig
+ Friedrich Vieweg und Sohn
+
+Einleitung.
+-----------
+
+Die vorliegende Arbeit bezweckt, eine Übersicht über die Untersuchungen
+an radioaktiven Substanzen zu geben, die ich seit mehr als vier Jahren
+ausführe. Der Ausgangspunkt war eine Untersuchung der von Herrn
+Becquerel entdeckten Uranstrahlen. Die Resultate, zu welchen diese
+Arbeit mich führte, schienen eine so interessante Perspektive zu
+eröffnen, daß Herr Curie, unter Aufgabe seiner eigenen Arbeiten, sich
+mit mir vereinigte und wir gemeinsam auf das Ziel hinarbeiteten, die
+neuen radioaktiven Substanzen zu extrahiren und näher zu erforschen.
+
+Von Anfang unserer Untersuchungen an hielten wir uns für verpflichtet,
+Proben der von uns entdeckten und hergestellten Substanzen an einige
+Physiker zu verleihen, vor allen Dingen an Herrn Becquerel, den
+Entdecker der Uranstrahlen. So haben wir selbst die Untersuchungen
+andrer über die radioaktiven Substanzen erleichtert. Bald nach unsren
+ersten Veröffentlichungen befaßte sich auch Herr Giesel in Deutschland
+mit der Herstellung dieser Substanzen und verlieh ebenfalls Proben davon
+an mehrere deutsche Physiker. Später wurden die Substanzen in
+Deutschland und Frankreich in den Handel gebracht und die immer mehr
+zunehmende Wichtigkeit des Gegenstandes wurde die Veranlassung zu einer
+wissenschaftlichen Bewegung, so daß zahlreiche Arbeiten über die
+radioaktiven Körper erschienen sind und noch fortwährend erscheinen, vor
+allem im Ausland. Die verschiedenen französischen und ausländischen
+Arbeiten führen natürlich zum Teil zu gleichen Resultaten, wie bei jedem
+neuen und in Bildung begriffenen Wissenszweig. Das Aussehen der Frage
+ändert sich sozusagen von Tag zu Tag.
+
+Vom chemischen Standpunkt aus ist jedoch ein Punkt definitiv gesichert:
+Die Existenz eines neuen stark radioaktiven Elements, des Radiums. Die
+Herstellung des reinen Radiumchlorids und die Bestimmung des
+Atomgewichts des Radiums bilden den wichtigsten Teil meiner persönlichen
+Mitarbeit. Diese Arbeit fügt nicht nur den bisher bekannten einfachen
+Körpern mit Sicherheit einen neuen von sehr merkwürdigen Eigenschaften
+hinzu, sondern enthält auch die Darlegung und Rechtfertigung einer neuen
+Methode chemischer Untersuchungen. Diese auf der Radioaktivität, als
+einer dem Atom anhaftenden Eigenschaft, beruhende Methode ist es, die
+uns, Herrn Curie und mir, die Entdeckung des Radiums ermöglichte.
+
+Während vom chemischen Standpunkte aus die ursprünglich gestellte Frage
+als gelöst betrachtet werden kann, ist die Untersuchung der
+physikalischen Eigenschaften der radioaktiven Substanzen in voller
+Entwicklung begriffen. Gewisse wichtige Punkte stehen zwar bereits fest,
+aber eine große Anzahl von Schlüssen ist noch provisorischer Natur. Dies
+ist durchaus erklärlich, wenn man die Komplicirtheit der mit der
+Radioaktivität zusammenhängenden Phänomene und die Unterschiede zwischen
+den verschiedenen radioaktiven Substanzen bedenkt. Die Untersuchungen
+verschiedener Physiker, die sich mit diesen Substanzen beschäftigen,
+begegnen und durchkreuzen sich fortwährend. Wenn ich auch versuchen
+werde, mich auf das eigentliche Ziel meiner Arbeit zu beschränken und
+vor allem meine eigenen Untersuchungen darzulegen, so muß ich doch
+gleichzeitig die Resultate andrer Arbeiten mitteilen, deren Kenntniß
+unerläßlich ist.
+
+Außerdem hatte ich den Wunsch, diese Arbeit zu einer Übersicht des
+gegenwärtigen Standes der Frage zu gestalten.
+
+Die Ausführung dieser Untersuchungen geschah in dem Laboratorium der
+»École de physique et de chimie industrielles de la ville de Paris«, mit
+Erlaubniß von Herrn Schützenberger, dem leider verstorbenen Direktor
+dieser Schule, und von Herrn Lauth, dem gegenwärtigen Direktor. Für die
+wohlwollende Gastfreundschaft, die ich an dieser Anstalt genossen habe,
+spreche ich hierdurch meinen besten Dank aus.
+
+Historische Übersicht.
+----------------------
+
+Die Entdeckung der Erscheinung der Radioaktivität steht in engem
+Zusammenhang mit den an die Entdeckung der Röntgenstrahlen sich
+anschließenden Untersuchungen über die photographischen Wirkungen der
+phosphorescirenden und fluorescirenden Substanzen.
+
+Die ersten Röntgenröhren besaßen keine metallische Antikathode; die
+Quelle der Röntgenstrahlen befand sich auf der von den Kathodenstrahlen
+getroffenen Glaswand; gleichzeitig geriet diese Glaswand in den Zustand
+lebhafter Fluorescenz. Man konnte sich damals fragen, ob die Emission
+der Röntgenstrahlen nicht eine notwendige Begleiterscheinung der
+Fluorescenz wäre, unabhängig von der Ursache der letzteren. Diese Idee
+ist zuerst von Herrn H. Poincaré[1] ausgesprochen worden. Kurze Zeit
+darauf kündigte Herr Henry[2] an, daß er mit phosphorescirendem
+Zinksulfid photographische Wirkungen durch schwarzes Papier hindurch
+erhalten habe. Herr Niewenglowski[3] erhielt dieselbe Erscheinung mit
+belichtetem Calciumsulfid. Endlich erhielt Herr Troost[4] kräftige
+photographische Wirkungen mit künstlich hergestellter,
+phosphorescirender, hexagonaler Blende und zwar durch schwarzes Papier
+und dicken Carton hindurch.
+
+Die soeben citirten Experimente konnten trotz zahlreicher darauf
+gerichteter Bemühungen nicht wiederholt werden. Man kann also durchaus
+noch nicht als ausgemacht ansehen, daß das Zinksulfid und Calciumsulfid
+die Eigenschaft haben, unter der Einwirkung des Lichts unsichtbare
+Strahlen auszusenden, die schwarzes Papier durchdringen und auf die
+photographische Platte wirken.
+
+Herr Becquerel[5-10] machte ähnliche Versuche mit Uransalzen, von denen
+einige fluorescirend sind. Er erhielt starke photographische Wirkungen
+mit Urankaliumsulfat durch schwarzes Papier hindurch.
+
+Becquerel glaubte zuerst, daß das fluorescirende Salz sich ähnlich
+verhalte wie das Zink- und Calciumsulfid in den Versuchen von Henry,
+Niewenglowski und Troost. Aber die weiteren Versuche zeigten, daß das
+beobachtete Phänomen mit der Fluorescenz nichts zu tun hatte. Das Salz
+braucht durchaus nicht belichtet zu sein; ferner wirken das Uran und
+alle seine Verbindungen, ob fluorescirend oder nicht, in gleicher Weise,
+und das metallische Uran am allerstärksten. Becquerel fand sodann, daß
+die Uranverbindungen, auch wenn man sie in vollkommener Dunkelheit
+aufbewahrt, jahrelang fortfahren, auf die photographische Platte durch
+schwarzes Papier hindurch zu wirken. Er nahm an, daß das Uran und seine
+Verbindungen besondere Strahlen aussenden: Die Uranstrahlen. Er stellte
+fest, daß diese Strahlen durch dünne Metallschirme hindurchgehen und
+elektrisirte Körper entladen. Er machte ferner Versuche, aus denen er
+schloß, daß die Uranstrahlen reflektirt, gebrochen und polarisirt werden
+können.
+
+Die Arbeiten anderer Physiker (Elster und Geitel, Lord Kelvin, Schmidt,
+Rutherford, Beattie und Smoluchowski) haben die Resultate Becquerels
+bestätigt und erweitert, abgesehen von der Reflexion, der Brechung und
+Polarisation der Uranstrahlen, die sich in dieser Beziehung wie die
+Röntgenstrahlen verhalten; eine Tatsache, die zuerst von Rutherford und
+später von Becquerel selbst erkannt wurde.
+
+Erstes Kapitel. Radioaktivität des Uraniums und Thoriums. Radioaktive
+Mineralien.
+=================================================================================
+
+a) Becquerelstrahlen.
+---------------------
+
+Die von Herrn Becquerel entdeckten Uranstrahlen wirken auf gegen Licht
+geschützte photographische Platten; sie können alle festen, flüssigen
+und gasförmigen Körper durchdringen, vorausgesetzt, daß ihre Dicke
+genügend gering ist; die durchstrahlten Gase machen sie zu schwachen
+Leitern der Elektrizität[5-10].
+
+Diese Eigenschaften der Uranverbindungen entspringen keiner bekannten
+erregenden Ursache. Die Strahlung scheint selbsttätig zu sein, ihre
+Intensität nimmt durchaus nicht ab, wenn man die Uranverbindungen
+jahrelang in völliger Dunkelheit aufbewahrt; es handelt sich also nicht
+etwa um eine besondere vom Licht verursachte Phosphorescenz. Die
+Selbständigkeit und Konstanz der Uranstrahlen stellen eine ganz
+außergewöhnliche physikalische Erscheinung dar. Herr Becquerel[11] hat
+jahrelang ein Stück Uran in der Dunkelheit aufbewahrt und festgestellt,
+daß die Wirkung auf die photographische Platte am Schlusse dieser Zeit
+nicht merklich verändert war. Die Herren Elster und Geitel[12] haben
+einen ähnlichen Versuch gemacht und in gleicher Weise die Konstanz der
+Wirkung gefunden.
+
+Ich habe die Intensität der Uranstrahlen mittels der Leitfähigkeit der
+Luft gemessen. Die Methode der Messungen wird weiter unten auseinander
+gesetzt werden. Die erhaltenen Zahlen beweisen die Konstanz der
+Strahlung innerhalb der Genauigkeitsgrenzen der Versuche, d. h. auf 2
+bis 3 Proz.[13]
+
+Zu diesen Messungen wurde eine Metallplatte benutzt, die mit einer
+Schicht von Uranpulver bedeckt war. Die Platte wurde nicht in der
+Dunkelheit aufbewahrt, da dies nach den oben angeführten Beobachtungen
+ohne Einfluß ist. Die Zahl der mit dieser Platte ausgeführten
+Beobachtungen ist sehr groß und erstreckt sich gegenwärtig auf einen
+Zeitraum von fünf Jahren.
+
+Ferner untersuchte ich, ob auch irgend welche andre Substanzen sich
+ebenso wie die Uranverbindungen verhalten. Herr Schmidt[14]
+veröffentlichte zuerst, daß das Thor und seine Verbindungen die gleiche
+Eigenschaft haben; eine analoge und gleichzeitige Arbeit von mir ergab
+dasselbe Resultat. Ich[15] habe diese Arbeit publicirt, noch bevor ich
+Kenntniß von der Schmidtschen Veröffentlichung hatte.
+
+Das Uran, das Thor und ihre Verbindungen emittiren also
+Becquerelstrahlen. Ich habe die Substanzen, die eine derartige Strahlung
+aussenden, radioaktiv genannt[16], ein Name, der seitdem allgemein
+angenommen worden ist.
+
+Durch ihre photographischen und elektrischen Wirkungen sind die
+Becquerelstrahlen den Röntgenstrahlen verwandt; sie haben auch, wie die
+letzteren, die Fähigkeit, alle Körper zu durchdringen, aber ihr
+Durchdringungsvermögen ist außerordentlich verschieden; die Uran- und
+Thorstrahlen werden von Millimetern eines festen Körpers aufgehalten und
+können sich in Luft nicht weiter als auf einige Centimeter fortpflanzen;
+wenigstens gilt dies für den größten Teil der Strahlung.
+
+Die Arbeiten verschiedener Physiker, vor allem diejenigen von Herrn
+Rutherford[17], haben gezeigt, daß die Becquerelstrahlen einer regulären
+Reflexion, Brechung oder Polarisation nicht fähig sind.
+
+Das schwache Durchdringungsvermögen der Uran- und Thorstrahlen konnte
+dazu führen, sie eher mit den sekundären Röntgenstrahlen, die von
+Sagnac[18-21] näher untersucht sind, als mit den Röntgenstrahlen selbst
+zu vergleichen. Andrerseits kann man versuchen, die Becquerelstrahlen
+den in Luft sich fortpflanzenden Kathodenstrahlen (Lenardstrahlen) zur
+Seite zu stellen. Man weiß heute, daß diese verschiedenen Vergleiche
+alle ihre Berechtigung haben.
+
+b) Messung der Strahlungsintensität.
+------------------------------------
+
+[Fig. 1]
+
+Die benutzte Methode besteht in der Messung der Leitfähigkeit der Luft
+unter der Einwirkung der radioaktiven Substanzen. Diese Methode hat den
+Vorteil, schnell zu sein und vergleichbare Zahlen zu liefern. Der
+benutzte Apparat besteht im wesentlichen aus einem Plattenkondensator AB
+(Fig. 1). Die fein pulverisirte aktive Substanz ist auf der Platte B
+ausgebreitet und macht die Luft zwischen den Platten leitend. Um diese
+Leitfähigkeit zu messen, bringt man die Platte B auf ein hohes
+Potential, indem man sie mit dem einen Pol einer kleinen
+Akkumulatorenbatterie P verbindet, deren andrer Pol an Erde liegt. Da
+die Platte A durch den Draht GD an Erde gelegt ist, so entsteht ein
+elektrischer Strom zwischen den Platten. Das Potential der Platte A wird
+durch ein Elektrometer E gemessen. Unterbricht man in C die Verbindung
+mit der Erde, so ladet sich die Platte A und die Ladung bewirkt eine
+Ablenkung des Elektrometers. Die Geschwindigkeit der Ablenkung ist
+proportional der Stromintensität und kann zu ihrer Messung dienen.
+
+Es ist jedoch vorzuziehen, bei Ausführung der Messung die Ladung der
+Platte A zu kompensiren, so daß man das Elektrometer auf Null erhält.
+Die hier in Frage kommenden Ladungen sind außerordentlich schwach, sie
+können mit Hülfe eines piezoelektrischen Quarzes Q kompensirt werden,
+dessen eine Belegung mit A, die andre mit der Erde verbunden ist. Man
+unterwirft die Quarzplatte einer Zugkraft von bekannter
+Größe durch Aufsetzen von Gewichten auf eine Schale H: diese Zugkraft
+wird allmählich hervorgebracht und bewirkt eine allmähliche Entwicklung
+einer bekannten Elektrizitätsmenge während der Dauer der Messung. Der
+Vorgang kann derart regulirt werden, daß in jedem Augenblick eine
+Kompensation stattfindet zwischen der den Kondensator durchfließenden
+und der entgegengesetzten vom Quarz herrührenden Elektrizitätsmenge.[^1]
+
+Man kann so in absolutem Maße die während einer gegebenen Zeit den
+Kondensator durchfließende Elektrizitätsmenge, d. h. die
+Stromintensität, messen. Die Messung ist unabhängig von der
+Empfindlichkeit des Elektrometers.
+
+Wenn man eine gewisse Anzahl derartiger Messungen ausführt, so sieht
+man, daß die Radioaktivität ein ziemlich genau meßbares Phänomen ist.
+Sie variirt wenig mit der Temperatur und wird kaum von den Schwankungen
+der Zimmertemperatur beeinflußt; auch eine Belichtung der aktiven
+Substanz ist ohne Einfluß. Die Stromintensität zwischen den
+Kondensatorplatten wächst mit deren Oberfläche; für einen gegebenen
+Kondensator und gegebene Substanz wächst der Strom mit der
+Potentialdifferenz zwischen den Platten, mit dem Druck des Gases, das
+den Kondensator erfüllt, und mit dem Abstand der Platten (vorausgesetzt,
+daß dieser Abstand nicht gar zu groß im Verhältniß zum Durchmesser ist).
+Jedoch strebt der Strom für sehr hohe Potentialdifferenz einem praktisch
+konstanten Grenzwert zu. Dies ist der Sättigungs- oder Grenzstrom.
+Ferner variirt von einem gewissen ziemlich großen Abstand der Platten ab
+der Strom kaum mehr mit dem Abstand. Der unter diesen Bedingungen
+erhaltene Strom ist es, der bei meinen Untersuchungen als Maß der
+Radioaktivität genommen wurde, wenn sich der Kondensator in Luft von
+Atmosphärendruck befand.
+
+Ich gebe als Beispiel einige Kurven, die die Stromstärke als Funktion
+des mittleren Feldes zwischen den Platten für zwei verschiedene
+Plattenabstände darstellen. Platte B war mit einer sehr dünnen Schicht
+pulverisirten Uranmetalls bedeckt; die mit dem Elektrometer verbundene
+Platte A war mit einem Schutzring versehen.
+
+[Fig. 2]
+
+Fig. 2 zeigt, daß die Stromintensität für starke Potentialdifferenzen
+zwischen den Platten konstant wird. Fig. 3 stellt dieselbe Kurve in
+einem anderen Maßstabe dar und enthält bloß die Resultate für schwache
+Potentialdifferenzen; der Quotient aus Stromstärke und
+Potentialdifferenz ist für schwache Spannungen konstant und stellt die
+Initialleitfähigkeit zwischen den Platten dar. Man kann also zwei
+wichtige charakteristische Konstanten dieses Phänomens unterscheiden: 1.
+Die Initialleitfähigkeit für schwache Potentialdifferenzen, 2. den
+Grenzstrom für starke Potentialdifferenzen. Dieser Grenzstrom ist es,
+der als Maß für die Radioaktivität angenommen wurde.
+
+Außer der zwischen den Platten besonders hergestellten
+Potentialdifferenz existirt zwischen ihnen noch eine Kontaktkraft, und
+die Wirkungen dieser beiden Stromursachen addiren sich; infolgedessen
+ändert sich der Absolutwert des Stromes mit dem Vorzeichen der äußeren
+Potentialdifferenz. Jedoch ist für hohe Spannungen der Einfluß der
+Kontaktkraft zu vernachlässigen und die Stromstärke unabhängig von dem
+Vorzeichen des Feldes zwischen den Platten.
+
+[Fig. 3]
+
+Die Leitfähigkeit der Luft und andrer Gase unter der Einwirkung der
+Becquerelstrahlen ist von mehreren Physikern studirt worden.[22-24] Eine
+sehr vollständige Untersuchung des Gegenstandes veröffentlichte Herr
+Rutherford.[17] Die Gesetze der in Gasen durch Becquerelstrahlen
+hervorgerufenen Leitfähigkeit sind dieselben wie die bei
+Röntgenstrahlung gefundenen. Der Mechanismus der Erscheinung scheint in
+beiden Fällen derselbe zu sein. Die Theorie der Ionisation der Gase
+unter der Wirkung der Röntgen- oder Becquerelstrahlung giebt sehr guten
+Aufschluß über die beobachteten Tatsachen. Diese Theorie soll hier nicht
+weiter erörtert werden; ich erinnere nur an die Resultate, zu denen sie
+führt:
+
+1. Die Zahl der pro Sekunde im Gase producirten Ionen wird proportional
+ gesetzt der im Gase absorbirten Strahlungsenergie.
+
+2. Um den einer bestimmten Strahlung entsprechenden Grenzstrom zu
+ erhalten, muß man einerseits diese Strahlung vom Gase vollständig
+ absorbiren lassen, indem man einen genügend große absorbirende Masse
+ benutzt; andrerseits muß man zur Hervorbringung des Stromes alle
+ erzeugten Ionen benutzen, indem man ein so starkes Feld herstellt,
+ daß die Zahl der sich wieder vereinigenden Ionen nur einen
+ unwesentlichen Bruchteil der in derselben Zeit erzeugten Gesamtzahl
+ von Ionen beträgt, und diese fast vollständig von dem Strom zu den
+ Elektroden geführt werden. Das hierzu nötige elektrische Feld ist um
+ so höher, je stärker die Ionisation.
+
+Nach neueren Untersuchungen von Herrn Townsend[25] ist das Phänomen bei
+schwachem Gasdruck komplicirter. Der Strom scheint zuerst bei wachsender
+Potentialdifferenz einem konstanten Grenzwert zuzustreben, aber von
+einer gewissen Potentialdifferenz an beginnt der Strom wieder mit dem
+Felde zu wachsen und zwar äußerst schnell. Herr Townsend nimmt an, daß
+dieses Anwachsen von einer neuen Ionisation herrührt, die von den Ionen
+selbst erzeugt wird, wenn sie unter der Einwirkung des elektrischen
+Feldes eine genügend große Geschwindigkeit annehmen, damit ein
+Gasmolekül, wenn es von diesen Geschossen getroffen wird, zerbrochen und
+in die Ionen, aus denen es besteht, zerteilt wird. Ein starkes
+elektrisches Feld und schwacher Druck begünstigen diese Ionisation durch
+die schon vorhandenen Ionen, und sobald dies eintritt, wächst die
+Stromstärke dauernd mit dem mittleren Felde zwischen den Platten. Der
+Grenzstrom kann also nur erhalten werden, wenn die ionisirende Ursache
+einen gewissen Wert nicht überschreitet, so daß die Sättigung bereits
+bei Feldern erreicht wird, bei denen die Ionisation durch Ionenstoß noch
+nicht stattgefunden hat. Diese Bedingung ist bei meinen Versuchen
+erfüllt.
+
+Die Größenordnung des Sättigungsstromes, den man mit Uranverbindungen
+erhält, beträgt etwa 10^{-11} Ampère für einen Kondensator, dessen
+Platten 8 cm Durchmesser und 3 cm Abstand haben. Die Thoriumverbindungen
+geben Ströme von derselben Größenordnung und die Aktivitäten der Oxyde
+von Uran und Thor sind ganz analog.
+
+c) Radioaktivität der Uran- und Thorverbindungen.
+-------------------------------------------------
+
+Es folgen zunächst einige Zahlen, die ich mit verschiedenen
+Uranverbindungen erhalten habe; i bedeutet die Stromstärke in Ampère:
+
+ i⋅ 10^11
+ ------------------------------------------ --------------
+ Metallisches Uran (etwas kohlehaltig) 2,3
+ Schwarzes Uranoxyd, U_2O_5 2,6
+ Grünes Uranoxyd, U_2O_4 1,8
+ Uransäurehydrat 0,6
+ Natriumuranat 1,2
+ Kaliumuranat 1,2
+ Ammoniumuranat 1,3
+ Uranosulfat 0,7
+ Urankaliumsulfat 0,7
+ Uranylnitrat 0,7
+ Urankupferphosphat 0,9
+ Uranylsulfat 1,2
+
+Die Dicke der angewandten Schicht von Uranverbindungen hat wenig
+Einfluß, vorausgesetzt, daß die Schicht zusammenhängend ist. Einige
+Versuche hierüber ergaben:
+
+ Schichtdicke (mm) i⋅10^11
+ ---------------- ------------------- -------------
+ Uranoxyd 0,5 2,7
+ „ 3,0 3,0
+ Ammoniumuranat 0,5 1,3
+ „ 3,0 3,0
+
+Man kann hieraus schließen, daß die Absorption der Uranstrahlen durch
+die emittirende Substanz sehr stark ist, da die aus tieferen Schichten
+kommenden Strahlen keinen merklichen Effekt
+hervorbringen.
+
+Aus den Zahlen, die ich[15] mit Thorverbindungen erhalten habe, ergab
+sich folgendes:
+
+1. Die Dicke der angewandten Schicht ist von beträchtlichem Einfluß,
+ besonders beim Oxyd.
+
+2. Das Phänomen ist nur dann regelmäßig, wenn man eine sehr dünne
+ aktive Schicht benutzt (z. B. 0,25 mm). Wenn man dagegen eine dicke
+ Schicht (6 mm) benutzt, so erhält man zwischen weiten Grenzen
+ schwankende Zahlen, besonders im Falle des Oxyds:
+
+ Schichtdicke (mm) i⋅10^11
+ ------------ ------------------- ---------------
+ Thoroxyd 0,25 2,2
+ „ 0,5 2,5
+ „ 2,5 4,7
+ „ 3,0 5,5 im Mittel
+ „ 6,0 5,5 „ „
+ Thorsulfat 0,25 0,8
+
+Es ist hier also eine Ursache zu Unregelmäßigkeiten vorhanden, die bei
+den Uranverbindungen nicht existirt. Die mit einer Oxydschicht von 6 mm
+erhaltenen Zahlen variiren zwischen 3,7 und 7,3.
+
+Die Untersuchungen, die ich über die Absorption der Uran- und
+Thorstrahlen angestellt habe, ergaben, daß die Thorstrahlen ein größeres
+Durchdringungsvermögen besitzen als die Uranstrahlen, und daß die vom
+Thoroxyd in dicker Schicht emittirten Strahlen durchdringender sind als
+diejenigen, die es in dünner Schicht emittirt. Es wurden z. B. folgende
+Zahlen für den Bruchteil der Strahlung erhalten, den ein Aluminiumblatt
+von 0,01 mm Dicke hindurchläßt:
+
+ -------------------------------------------------------
+ Strahlende Substanz Vom Aluminium
+ durchgelassener Bruchteil
+ der Strahlung
+ --------------------------- ---------------------------
+ Uran 0,18
+
+ Uranoxyd, 0,20
+ U_2O_5
+
+ Ammoniumuranat 0,20
+
+ Urankupfersulfat 0,21
+
+ Thoroxyd, 0,25 mm dick 0,38
+
+ Thoroxyd, 0,5 mm dick 0,47
+
+ Thoroxyd, 3,0 mm dick 0,70
+
+ Thoroxyd, 6,0 mm dick 0,70
+
+ Thorsulfat, 0,25 mm dick 0,38
+ -------------------------------------------------------
+
+Bei den Uranverbindungen ist die Absorption dieselbe, welches auch immer
+die benutzte Verbindung sei, woraus der Schluß zu ziehen ist, daß die
+von den verschiedenen Verbindungen emittirten Strahlen von gleicher Art
+sind.
+
+Die Eigentümlichkeiten der Thorstrahlung sind bereits Gegenstand sehr
+ausführlicher Untersuchungen gewesen. Herr Owens[26] hat gezeigt, daß
+man einen konstanten Strom in einem geschlossenen Apparat erst nach
+ziemlich langer Zeit erhält, und daß die Stromstärke sehr stark durch
+die Wirkung eines Luftstroms reducirt wird (was bei den Uranverbindungen
+nicht der Fall ist). Herr Rutherford[27] hat analoge Versuche gemacht
+und sie dahin interpretirt, daß das Thor und seine Verbindungen nicht
+bloß Becquerelstrahlen aussenden, sondern auch eine aus außerordentlich
+feinen Partikeln bestehende Emanation, die einige Zeit lang nach ihrer
+Emission radioaktiv bleibt und von einem Luftstrom mit fortbewegt werden
+kann.
+
+Die Eigentümlichkeiten der Thorstrahlung, die sich auf die Schichtdicke
+und die Wirkung eines Luftstromes beziehen, sind eng verbunden mit der
+Erscheinung der inducirten Radioaktivität und ihrer Fortpflanzung von
+Schicht zu Schicht. Diese Erscheinung ist zuerst am Radium beobachtet
+worden und soll weiter unten beschrieben werden.
+
+Die Radioaktivität der Uran- und Thorverbindungen stellt eine
+Eigenschaft der Atome dar. Herr Becquerel[10] beobachtete bereits, daß
+alle Verbindungen des Urans aktiv sind, und schloß daraus, daß ihre
+Aktivität durch die Gegenwart des Elements Uran bedingt sei; er zeigte
+ferner, daß das Uran stärker aktiv ist als seine Salze. Ich habe von
+diesem Gesichtspunkt aus die Uran- und Thorverbindungen untersucht und
+eine große Anzahl von Messungen ihrer Aktivität unter verschiedenen
+Bedingungen ausgeführt. Es folgt aus allen diesen Messungen, daß die
+Radioaktivität dieser Substanzen tatsächlich eine Eigenschaft des Atoms
+ist. Sie scheint hier eng verknüpft mit der Anwesenheit der Atome der
+beiden betrachteten Elemente und wird weder durch Änderung des
+physikalischen Zustandes, noch durch chemische Umwandlungen zerstört.
+Die chemischen Verbindungen und Mischungen, welche Uran und Thor
+enthalten, sind um so aktiver, je mehr sie von diesen Metallen
+enthalten, indem jede unaktive Substanz einerseits als träge Beimengung
+wirkt, andrerseits einen Teil der Strahlung absorbirt.
+
+d) Ist die Radioaktivität der Atome eine allgemeine Erscheinung?
+----------------------------------------------------------------
+
+Wie bereits oben gesagt, habe ich danach gesucht, ob andre Substanzen
+außer den Uran- und Thorverbindungen aktiv wären. Ich ging bei diesen
+Untersuchungen von der Idee aus, daß es sehr wenig wahrscheinlich sei,
+daß die Radioaktivität als Eigenschaft der Atome betrachtet, nur einer
+bestimmten Art von Materie zukomme, unter Ausschluß aller übrigen. Die
+Messungen, die ich gemacht habe, erlaubten den Schluß, daß für die
+augenblicklich bekannten chemischen Elemente, incl. die allerseltensten
+und unsichersten, die von mir studirten Verbindungen wenigstens 100mal
+weniger aktiv in meinem Apparat wären als das metallische Uran. Von den
+bekannteren Elementen habe ich verschiedene Verbindungen untersucht, von
+den seltenen Körpern nur diejenigen Verbindungen, die ich mir gerade
+verschaffen konnte. Folgendes ist die Liste der Substanzen, die ich als
+Element oder in Verbindung untersucht habe:
+
+1. Alle Metalle und Nichtmetalle, die leicht erhältlich sind, und
+ einige seltenere in ziemlich reinem Zustand aus der Sammlung von
+ Herrn Etard an der ȃcole de physique et de chimie industrielles de
+ la ville de Paris«.
+
+2. Die folgenden seltenen Körper: Gallium, Germanium, Neodym,
+ Praseodym, Niobium, Skandium, Gadolinium, Erbium, Samarium und
+ Rubidium (von Herrn Demarçay geliehen); Yttrium, Ytterbium mit
+ Neoerbium (von Herrn Urbain geliehen).[^2]
+
+3. Eine große Anzahl von Gesteinen und Mineralien.
+
+Innerhalb der Empfindlichkeitsgrenze meines Apparates habe ich außer dem
+Uran und Thor keinen einfachen Körper gefunden, dessen Atome radioaktiv
+sind.[^3]
+
+Ich muß hier jedoch einige Worte bezüglich des Phosphors einfügen.
+Feuchter weißer Phosphor, zwischen die Kondensatorplatten gebracht,
+macht die Luft zwischen den Platten leitend.[28] Gleichwohl betrachte
+ich diesen Körper nicht als radioaktiv nach Art des Urans und Thors. Der
+Phosphor oxydirt sich nämlich hierbei und sendet Licht aus, während die
+Uran- und Thorverbindungen radioaktiv sind, ohne eine chemische Änderung
+zu erfahren, die mit den bekannten Mitteln nachweisbar wäre. Ferner ist
+der Phosphor weder in seiner roten Modifikation, noch in Verbindungen
+aktiv.
+
+In einer neuen Arbeit hat Herr Bloch[29] gezeigt, daß der Phosphor, wenn
+er sich an der Luft oxydirt, Ionen erzeugt, die sehr schwach beweglich
+sind, die Luft leitend machen und Kondensation des Wasserdampfes
+hervorrufen.
+
+Uran und Thor sind die beiden Elemente des größten Atomgewichts (240 und
+232), man findet sie häufig in denselben Mineralien.
+
+e) Radioaktive Mineralien.
+--------------------------
+
+Ich habe in meinem Apparat verschiedene Mineralien untersucht.[^4]
+
+Mehrere davon zeigten sich aktiv, z. B. die Pechblende, der Chalkolit,
+Autunit, Monazit, Thorit, Orangit, Fergusonit, Cleveit usw. Die folgende
+Tabelle enthält die Intensität i des mit metallischem Uran und mit
+verschiedenen Mineralien erhaltenen Stromes in Ampere:
+
+ i⋅ 10^11
+ ----------------------------------- ---------------------
+ Uran 7,3
+ Pechblende aus Johanngeorgenstadt 8,3
+ Pechblende aus Joachimsthal 7,0
+ Pechblende aus Pzibram 6,5
+ Pechblende aus Cornwallis 1,6
+ Cleveit 1,4
+ Chalcolit 5,2
+ Autunit 2,7
+ Verschiedene Thorite 0,1 0,3 0,7 1,5 1,4
+ Orangit 2,0
+ Monazit 0,5
+ Xenotim 0,03
+ Äschynit 0,7
+ Fergusonit (zwei Proben) 0,4 0,1
+ Samarskit 1,1
+ Niobit (zwei Proben) 0,1 0,3
+ Tantalit 0,02
+ Carnotit 6,2
+
+Carnotit ist ein neuerdings von Friedel und Cumenge entdecktes, aus
+Uranvanadat bestehendes Mineral. Der mit Orangit (einem
+Thoroxyd-haltigen Mineral) erhaltene Strom variirt stark mit der
+angewandten Schichtdicke; vermehrte man diese Dicke von 0,25 bis 6 mm,
+so wuchs der Strom von 1,8 auf 2,7.
+
+Alle Mineralien, die sich radioaktiv zeigen, enthalten Uran oder Thor,
+ihre Aktivität ist also nicht weiter erstaunlich, doch ist die
+Intensität der Erscheinung bei gewissen Materialien unerwartet groß. So
+findet man Pechblenden (uranoxydhaltiges Mineral), die viermal aktiver
+sind als metallisches Uran. Chalkolit (krystallisirtes
+Urankupferphosphat) ist zweimal aktiver als Uran. Autunit
+(Urancalciumphosphat) ist ebenso aktiv wie Uran. Diese Tatsachen waren
+in Widerspruch mit den früheren Betrachtungen, nach denen kein Mineral
+stärker aktiv hätte sein dürfen als Uran oder Thor.
+
+Um diesen Punkt aufzuklären, habe ich nach dem Debrayschen([30], p. 445)
+Verfahren künstlichen Chalkolit hergestellt unter Benutzung reiner
+Ausgangssubstanzen. Dieses Verfahren besteht in der Mischung einer
+Lösung von Urannitrat mit einer Lösung von Kupferphosphat in
+Phosphorsäure und Erhitzung auf 50 bis 60 Grad. Nach einiger Zeit bilden
+sich die Chalkolitkrystalle in der Flüssigkeit.
+
+Der so erhaltene Chalkolit besitzt eine durchaus normale, seiner
+Zusammensetzung entsprechende Aktivität; sie ist 2,5 mal kleiner als die
+des Urans.
+
+Es wurde hiernach sehr wahrscheinlich, daß die Pechblende, der
+Chalkolit, der Autunit ihre starke Aktivität einer kleinen Quantität
+beigemengter stark aktiver Substanz verdanken, die verschieden ist vom
+Uran, vom Thor und den überhaupt bekannten einfachen Körpern. Wenn sich
+dies wirklich so verhielte, glaubte ich, hoffen zu dürfen, diese
+Substanz mittels gewöhnlicher chemisch analytischer Verfahren aus dem
+Mineral extrahiren zu können.
+
+Zweites Kapitel. Die neuen radioaktiven Substanzen.
+===================================================
+
+a) Untersuchungsmethoden.
+-------------------------
+
+Die Resultate der Untersuchungen radioaktiver Mineralien, die im vorigen
+Kapitel erörtert wurden, veranlaßten Herrn Curie und mich zu dem
+Versuche, aus der Pechblende eine neue radioaktive Substanz zu
+extrahiren. Als Untersuchungsmethode konnten wir uns nur der
+Radioaktivität selbst bedienen, da wir kein andres Merkmal der
+hypothetischen Substanz kannten. In folgender Weise kann man die
+Radioaktivität für eine derartige Untersuchung benutzen: Man mißt die
+Aktivität eines Produkts und führt dann mit ihm eine chemische Trennung
+aus; man mißt die Aktivität aller hierbei erhaltenen Produkte und stellt
+fest, ob die radioaktive Substanz völlig in einem davon geblieben ist,
+oder ob sie sich in irgend einem Verhältnisse zwischen ihnen geteilt
+hat. Auf diese Weise hat man ein Erkennungsmittel, das in mancher
+Hinsicht mit der Spektralanalyse verglichen werden kann. Um
+vergleichbare Zahlen zu erhalten, muß man die Aktivität der Substanzen
+im festen und gut getrockneten Zustande untersuchen.
+
+b) Polonium, Radium, Aktinium.
+------------------------------
+
+Die Analyse der Pechblende führte uns unter Anwendung der eben
+erörterten Methode zu der Feststellung der Existenz zweier chemisch
+verschiedener, stark aktiver Substanzen in diesem Mineral, des
+Poloniums, das wir allein, und des Radiums, das wir zusammen mit Herrn
+Bémont entdeckt haben.[15,31]
+
+Das Polonium ist eine dem Wismut in chemisch analytischer Beziehung
+verwandte Substanz und begleitet dieses bei den Trennungen. Man erhält
+ein immer Polonium-reicheres Wismut durch eins der folgenden
+Fraktionirungsverfahren:
+
+1. Sublimation der Sulfide im Vakuum; das aktive Sulfid ist flüchtiger
+ als das des Wismuts.
+
+2. Ausfällung der salpetersauren Lösung mit Wasser; das
+ niedergeschlagene Subnitrat ist viel aktiver als das gelöst
+ zurückbleibende Salz.
+
+3. Ausfällung einer sehr stark sauren Chloridlösung mit
+ Schwefelwasserstoff. Die niedergeschlagenen Sulfide sind bedeutend
+ aktiver als das gelöst zurückbleibende Salz.
+
+Das Radium ist eine Substanz, die das aus der Pechblende extrahirte
+Baryum begleitet; es folgt dem Baryum in seinen Reaktionen und läßt sich
+von ihm durch den Löslichkeitsunterschied der Chloride in Wasser,
+alkoholhaltigem Wasser oder mit Salzsäure versetztem Wasser trennen. Wir
+bewirkten die Trennung der Chloride von Baryum und Radium, indem wir ihr
+Gemenge einer fraktionirten Krystallisation unterwarfen, wobei das
+Radiumchlorid weniger löslich war als das Baryumchlorid.
+
+Eine dritte stark radioaktive Substanz ist von Herrn Debierne[32,33] in
+der Pechblende festgestellt und von ihm als Aktinium bezeichnet worden.
+Das Aktinium begleitet gewisse in der Pechblende enthaltene Körper der
+Eisengruppe. Es scheint hauptsächlich dem Thorium verwandt, von dem es
+noch nicht getrennt werden konnte. Die Extraktion des Aktiniums aus der
+Pechblende ist eine sehr heikle Arbeit; die Trennungen sind im
+allgemeinen unvollständig.
+
+Alle drei neuen radioaktiven Substanzen finden sich in der Pechblende
+nur in ganz verschwindend kleiner Menge. Um sie in konzentrirtem
+Zustande zu erhalten, mußten wir die Behandlung von mehreren Tonnen
+Uranmineralrückständen unternehmen. Im Groben geschieht die Behandlung
+in einer Fabrik; hierauf folgt ein umständliches Reinigungs- und
+Koncentrirungsverfahren. So kommen wir dazu, aus den Tausenden von
+Kilogrammen von Ausgangssubstanz einige Decigramme von Endprodukten zu
+gewinnen, deren Aktivität im Verhältniß zu der des Minerals, aus dem sie
+stammen, ganz außerordentlich groß ist. Es ist klar, daß diese gesamte
+Arbeit langwierig, heikel und kostspielig ist.[^5]
+
+In Anschluß an unsere Arbeit wurden noch andere radioaktive Substanzen
+angekündigt. Herr Giesel[34,35] einerseits, die Herren Hofmann und
+Strauß[36] andrerseits teilten mit, daß wahrscheinlich noch eine dem
+Blei in seinen chemischen Eigenschaften verwandte radioaktive Substanz
+existire. Man weiß jedoch noch wenig über diese Substanz. Von allen
+diesen neuen radioaktiven Substanzen ist bis jetzt das Radium das
+einzige, das im Zustande eines reinen Salzes dargestellt wurde.
+
+c) Spektrum des Radiums.
+------------------------
+
+Es war von hervorragender Wichtigkeit, mit allen nur möglichen Mitteln
+die bei dieser Arbeit gemachte Hypothese der Existenz neuer radioaktiver
+Elemente zu kontrolliren. Im Falle des Radiums ergab die Spektralanalyse
+eine vollständige Bestätigung dieser Hypothese.
+
+Herr Demarçay war gern bereit, die Prüfung der neuen radioaktiven
+Substanz mittels der exakten Methode, welche er bei dem Studium
+photographirter Funkenspektra anwendet, auszuführen. Die Unterstützung
+durch einen so kompetenten Gelehrten war für uns eine große Wohltat. Wir
+bewahren ihm eine tiefe Dankbarkeit dafür, daß er sich mit dieser Arbeit
+befaßte. Die Resultate der Spektralanalyse haben uns Gewißheit
+verschafft zu einer Zeit, da wir noch Zweifel über die Interpretation
+unsrer Resultate hatten.[^6]
+
+Die ersten Proben von mäßig aktivem Radium-haltigen Baryumchlorid, die
+Demarçay untersuchte, zeigten ihm gleichzeitig mit den Baryumlinien eine
+neue Linie von merklicher Intensität und der Wellenlänge
+λ = 381,47 μμ im ultravioletten Spektrum. Mit den darauf
+hergestellten stärker aktiven Produkten sah Demarçay die Linie 381,47
+sich verstärken; gleichzeitig erschienen andre neue Linien und in dem
+Spektrum hatten die neuen Linien und die Baryumlinien vergleichbare
+Intensität. Eine weitere Koncentration lieferte ein Produkt, in dem das
+neue Spektrum vorherrscht, und einzig die allein noch sichtbaren
+stärksten drei Baryumlinien zeigen die Anwesenheit dieses Metalls als
+bloße Verunreinigung an. Dieses Produkt kann also als fast reines
+Radiumchlorid betrachtet werden. Endlich konnte ich durch eine neue
+Reinigung ein außerordentlich reines Radiumchlorid herstellen, in dessen
+Spektrum die Hauptlinien des Baryums kaum mehr sichtbar sind.
+
+Folgendes sind nach Demarçay[37-39] die Hauptlinien des Radiums für den
+Teil des Spektrums zwischen λ=500,0 und λ=350,0 Tausendstel
+Mikron (μμ). Die Intensität jeder Linie ist durch eine Zahl
+angegeben, wobei die stärkste Linie gleich 16 gesetzt ist.
+
+ Intensität
+ -------- ------------
+ 483,63 10
+ 472,69 5
+ 469,98 3
+ 469,21 7
+ 468,30 14
+ 464,19 4
+ 453,85 9
+ 443,61 8
+ 434,06 13
+ 381,47 16
+ 364,96 12
+
+Alle Linien sind deutlich und scharf; die drei Linien 381,47, 468,30 und
+434,06 sind stark, sie erreichen gleiche Intensität mit den stärksten
+bekannten Linien. Ferner bemerkt man in dem Spektrum zwei starke
+verwaschene Banden; die erste symmetrische erstreckt sich von 463,10 bis
+462,19 mit einem Maximum bei 462,75; die zweite stärkere ist nach dem
+Ultraviolett hin abgeschattet, sie beginnt plötzlich bei 446,37,
+erreicht ein Maximum bei 445,52, das sich bis 445,34 erstreckt und dann
+folgt eine verwaschene Bande, die, allmählich schwächer werdend, bis 439
+reicht.
+
+In dem weniger brechbaren, nicht photographirten Teil des
+Funkenspektrums liegt die einzige bemerkbare Linie bei (ungefähr) 566,5;
+sie ist jedoch viel schwächer als 482,63.
+
+Der Allgemeinanblick des Spektrums entspricht dem der Erdalkalimetalle,
+deren Spektra bekanntlich aus starken Linien und verwaschenen Banden
+bestehen.
+
+Nach Demarçay kann man das Radium zu den Körpern allerempfindlichster
+Spektralreaktion rechnen. Ich konnte aus meiner Koncentrirungsarbeit
+schließen, daß in der ersten Probe, die die Linie 381,47 deutlich
+zeigte, das Verhältniß des darin enthaltenen Radiums sehr klein sein
+mußte (vielleicht 0,02 Proz). Gleichwohl bedarf es einer 50mal größeren
+Aktivität als die des metallischen Urans, um die Hauptlinien des Radiums
+in den photographirten Spektren deutlich zu bemerken. Mit einem
+empindlichen Elektrometer kann man die Radioaktivität eines Produktes
+erkennen, die nur {}^{1}/_{100} der des metallischen Urans beträgt. Man
+sieht also, daß zur Erkennung der Anwesenheit des Radiums die
+Radioaktivität ein mehrere 1000mal empfindlicheres Zeichen ist als die
+Spektralreaktion.
+
+Das stark aktive Wismut-Polonium und das stark aktive Thorium-Aktinium,
+die von Demarçay geprüft wurden, ergaben bis jetzt nur die Linien des
+Wismuts und Thors.
+
+In einer neuen Veröffentlichung kündigt Herr Giesel,[40] der sich mit
+der Darstellung des Radiums befaßt hat, an, daß das Radiumbromid die
+Flamme rot färbt. Das Flammenspektrum des Radiums enthält zwei schöne
+rote Banden, eine Linie im Blaugrün und zwei schwache Linien im Violett.
+
+d) Abscheidung der neuen radioaktiven Substanzen.
+-------------------------------------------------
+
+Der erste Teil des Verfahrens besteht darin, daß man aus den
+Uranmineralien das Radium-haltige Baryum, das Poloniumhaltige Wismut und
+die das Aktinium enthaltenden seltenen Erden absondert. Wenn man diese
+drei Ausgangsprodukte erhalten hat, so sucht man aus jedem von ihnen die
+neue radioaktive Substanz zu isoliren. Dieser zweite Teil der Arbeit
+geschieht mittels einer Fraktionirungsmethode. Es ist bekanntlich sehr
+schwierig, ein Mittel zur vollkommenen Trennung zweier sehr verwandter
+Elemente zu finden. Die Fraktionirungsmethoden sind hier also
+unerläßlich. Außerdem darf man, wenn ein Element einem andren nur
+spurenweise beigemengt ist, eine vollkommene Trennungsmethode auf das
+Gemisch überhaupt nicht anwenden, selbst wenn man eine kennen würde. Man
+würde tatsächlich riskiren, die durch diese Operation abzuscheidende
+Spur von Substanz gänzlich zu verlieren.
+
+Ich habe mich speciell damit befaßt, das Radium und das Polonium zu
+isoliren. Nach einer Arbeit von mehreren Jahren bin ich jedoch nur mit
+dem ersten der beiden Körper zum Ziele gelangt.
+
+Da die Pechblende ein kostbares Mineral ist, haben wir darauf
+verzichtet, große Quantitäten davon zu behandeln. In Europa geschieht
+die Verarbeitung dieses Minerals im Bergwerk von Joachimsthal in Böhmen.
+Das zerkleinerte Mineral wird zuerst mit Soda geröstet und das Produkt
+dieses Verfahrens zuerst in warmem Wasser, dann in verdünnter
+Schwefelsäure ausgelaugt. Die Lösung enthält das Uran, dem die
+Pechblende ihren Wert verdankt. Der unlösliche Rückstand wird
+fortgeworfen. Dieser Rückstand enthält die radioaktiven Substanzen,
+seine Aktivität ist 4,5 mal größer als die des metallischen Urans. Die
+österreichische Regierung, der das Bergwerk gehört, hat uns
+freundlicherweise eine Tonne dieses Rückstandes zu unsrer Untersuchung
+zur Verfügung gestellt und das Bergwerk angewiesen, uns noch mehrere
+Tonnen der Substanz zu liefern.
+
+Es war durchaus nicht leicht, den Rückstand in der Fabrik mittels eines
+laboratoriumsmäßigen Verfahrens zu behandeln. Herr Debierne übernahm es,
+diese Frage zu studiren und die fabrikmäßige Behandlung zu organisiren.
+Der wichtigste Punkt der von ihm angegebenen Methode besteht darin, daß
+man durch Kochen der Substanz in koncentrirter Sodalösung die Sulfate in
+Karbonate verwandelt. Dieser Vorgang umgeht die sonst notwendige
+Schmelzung mit Soda.
+
+Der Rückstand enthält hauptsächlich die Sulfate von Blei und Calcium,
+ferner Silicium, Aluminium und Eisenoxyd. Außerdem finden sich in mehr
+oder weniger großer Menge beinahe alle Metalle (Kupfer, Wismut, Zink,
+Kobalt, Mangan, Nickel, Vanadium, Antimon, Thallium, die seltenen Erden,
+Niobium, Tantal, Arsen, Baryum usw.) darin vor. Das Radium befindet sich
+in dieser Mischung von Sulfaten als das am wenigsten lösliche. Um es
+aufzulösen, muß die Schwefelsäure so weit als möglich beseitigt werden.
+Dazu beginnt man die Behandlung des Rückstandes mit einer koncentrirten
+kochenden Natronlauge. Die mit dem Blei, Aluminium und Calcium
+verbundene Schwefelsäure geht großenteils als Natriumsulfat in Lösung,
+das durch Auswaschung mit Wasser beseitigt wird. Durch das Alkali
+entfernt man gleichzeitig das Blei, Silicium und Aluminium. Der
+unlösliche Teil wird dann mit Wasser gewaschen und der Einwirkung
+gewöhnlicher Salzsäure ausgesetzt. Diese Operation bewirkt den völligen
+Aufschluß der Substanz und löst sie zum größten Teil. Aus dieser Lösung
+kann man das Polonium und Aktinium ausscheiden: Ersteres wird durch
+Schwefelwasserstoff niedergeschlagen, letzteres findet sich in den
+Hydraten, die durch Ammoniak aus der Lösung niedergeschlagen werden,
+nachdem diese von den Sulfaten getrennt und oxydirt ist. Das Radium
+bleibt in dem unlöslichen Teil. Dieser Teil wird mit Wasser gewaschen,
+sodann mit einer koncentrirten, kochenden Sodalösung behandelt. Wenn nur
+wenige nicht angegriffene Sulfate zurückgeblieben sind, so bewirkt diese
+Operation eine vollkommene Verwandlung der Baryumsulfate in Karbonate.
+Man wäscht darauf die Substanz sehr gründlich mit Wasser aus und
+unterwirft sie der Einwirkung von Salzsäure, die durchaus frei von
+Schwefelsäure sein muß. Die Lösung, die das Radium, wie auch das
+Polonium und Aktinium enthält, wird filtrirt und mit Schwefelsäure
+niedergeschlagen. Man erhält so rohe Sulfate von Radium-haltigem Baryum,
+die auch Calcium, Blei und Eisen enthalten und ein wenig Aktinium mit
+sich gerissen haben. Die Lösung enthält noch ein wenig Aktinium und
+Polonium, die in derselben Weise getrennt werden können, wie von der
+ersten salzsauren Lösung.
+
+Aus einer Tonne Rückstand erhält man so 10 bis 20 kg rohe Sulfate, deren
+Aktivität 30- bis 60 mal größer ist als die des metallischen Urans. Man
+schreitet nunmehr zu ihrer Reinigung. Dazu kocht man sie in Soda und
+verwandelt sie in Chloride. Die Lösung wird mit Schwefelwasserstoff
+behandelt, woraus eine kleine Quantität aktiver Sulfide resultirt, die
+Polonium enthalten. Man filtrirt die Lösung, oxydirt sie durch die
+Wirkung von Chlor und schlägt sie mit reinem Ammoniak nieder. Die
+niedergeschlagenen Oxyde und Hydrate sind stark aktiv und zwar rührt die
+Aktivität vom Aktinium her. Die filtrirte Lösung wird mit Soda
+niedergeschlagen. Die niedergeschlagenen Karbonate der Erdalkalien
+werden gewaschen und in Chloride verwandelt. Diese Chloride werden zur
+Trockenheit eingedampft und mit koncentrirter reiner Salzsäure
+gewaschen. Das Chlorcalcium löst sich beinahe vollständig, während das
+Radium-haltige Chlorbaryum unlöslich bleibt. Man erhält so pro Tonne
+Ausgangssubstanz ungefähr 8 kg Radium-haltigen Baryums, dessen Aktivität
+ungefähr 60 mal größer ist als die des metallischen Urans. Dieses
+Chlorid ist reif zur Fraktionirung.
+
+e) Polonium.
+------------
+
+Wie bereits oben gesagt, schlägt man durch Einleitung von
+Schwefelwasserstoff in die verschiedenen im Laufe des Verfahrens
+erhaltenen salzsauren Lösungen aktive Sulfide nieder, deren Aktivität
+vom Polonium herrührt. Diese Sulfide enthalten hauptsächlich Wismut, ein
+wenig Kupfer und Blei. Letzteres Metall ist darin nur in geringem Maße
+enthalten, da es zum großen Teil durch die Natronlauge entfernt worden
+ist, und da sein Chlorid wenig löslich ist. Antimon und Arsen befinden
+sich nur in minimaler Menge in den Oxyden, da ihre Oxyde durch das
+Natron gelöst sind. Um hieraus stark aktive Sulfide zu erhalten,
+benutzte man folgendes Verfahren. Die stark sauren Chloridlösungen
+wurden durch Schwefelwasserstoff niedergeschlagen. Die hierbei
+anfallenden Sulfide sind stark aktiv, man benutzt sie zur Herstellung
+des Poloniums. In der Lösung bleiben die Substanzen, die bei Gegenwart
+eines Überschusses von Salzsäure nur unvollkommen niedergeschlagen
+werden (Wismut, Blei, Antimon). Um die Fällung zu vollenden, verdünnt
+man die Lösung mit Wasser, behandelt sie von neuem mit
+Schwefelwasserstoff und erhält ein zweites Quantum von Sulfiden, das
+viel weniger aktiv als das erste ist und im allgemeinen fortgeworfen
+wird. Zur weiteren Reinigung der Sulfide wäscht man sie mit
+Schwefelammonium, wodurch die übrig bleibenden Spuren von Antimon und
+Arsen beseitigt werden. Dann wäscht man sie mit Wasser, dem
+Ammoniumnitrat zugesetzt ist, und behandelt sie mit verdünnter
+Salpetersäure. Die Lösung ist niemals vollständig, man behält immer
+einen mehr oder weniger großen unlöslichen Rückstand, den man nach
+Gutdünken nochmals behandeln kann. Die Lösung wird auf ein kleines
+Volumen eingedampft und entweder durch Ammoniak oder durch viel Wasser
+niedergeschlagen. In beiden Fällen verbleiben Blei und Kupfer, im
+zweiten Fall auch ein wenig fast unaktives Wismut in Lösung.
+
+Der aus Oxyden oder Subnitraten bestehende Niederschlag wird in
+folgender Weise fraktionirt: Man löst den Niederschlag in Salpetersäure
+und fügt der Lösung Wasser zu bis zur Bildung einer genügenden Menge von
+Niederschlag. Bei dieser Operation muß man berücksichtigen, daß der
+Niederschlag sich zuweilen erst nach einiger Zeit bildet. Man trennt ihn
+von der überstehenden Flüssigkeit und löst ihn von neuem in
+Salpetersäure; beide so erhaltenen Flüssigkeitsmengen unterwirft man von
+neuem einer Füllung durch Wasser und so fort. Man vereinigt die
+verschiedenen Portionen nach Maßgabe ihrer Aktivität, indem man die
+Koncentration so weit wie möglich zu treiben sucht. Man erhält so eine
+kleine Quantität von Substanz, deren Aktivität enorm ist, die aber
+nichtsdestoweniger im Spektroskop bis jetzt nur die Linien des Wismut
+gegeben hat.
+
+Leider hat man wenig Aussicht, auf diesem Wege zu einer Isolirung des
+Poloniums zu gelangen. Die beschriebene Fraktionirungsmethode bietet
+große Schwierigkeiten, und dasselbe gilt von andren
+Fraktionirungsmethoden auf nassem Wege. Welches auch immer der
+angewandte Proceß sei, es bilden sich sehr leicht Verbindungen, die in
+verdünnten, wie in koncentrirten Säuren absolut unlöslich sind. Diese
+Verbindungen können nur aufgelöst werden, wenn man sie vorher in den
+metallischen Zustand überführt, z. B. durch Schmelzung mit Cyankalium.
+Da die Zahl der auszuführenden Operationen sowieso schon beträchtlich
+ist, so bietet dieser Umstand eine enorme Schwierigkeit für den
+Fortschritt der Fraktionirung; dieser Übelstand ist um so
+schwerwiegender, als das Polonium eine Substanz ist, die, einmal aus der
+Pechblende entfernt, allmählich an Aktivität einbüßt. Dieses Nachlassen
+der Aktivität ist übrigens langsam; so hat z. B. eine Probe von
+Polonium-haltigem Wismutnitrat in 11 Monaten nur die Hälfte seiner
+Aktivität eingebüßt.
+
+Beim Radium bietet sich keine analoge Schwierigkeit. Die Radioaktivität
+bleibt ein treuer Führer für die Koncentrirung; diese Koncentrirung
+selbst bietet keinerlei Schwierigkeit, und die Fortschritte der Arbeit
+konnten von Anfang an durch die Spektralanalyse kontrollirt werden.
+
+Als die weiter unten zu besprechenden Erscheinungen der inducirten
+Aktivität bekannt wurden, konnte man natürlich annehmen, daß das
+Polonium, das nur die Spektrallinien des Wismuts zeigt und dessen
+Aktivität mit der Zeit abnimmt, kein neues Element, sondern durch die
+Nachbarschaft des Radiums in der Pechblende inducirtes Wismut sei. Ich
+bin nicht davon überzeugt, daß diese Anschauung richtig sei. Im Laufe
+meiner langen Arbeit über das Polonium habe ich chemische Wirkungen
+konstatirt, die ich weder mit gewöhnlichem, noch mit durch Radium
+aktivirtem Wismut jemals beobachtet habe. Diese chemischen Effekte
+bestehen in erster Linie in der äußerst leichten Bildung unlöslicher
+Verbindungen, von denen oben die Rede war (speciell Subnitrate),
+zweitens in der Farbe und dem Aussehen der Niederschläge, die man durch
+Wasserzusatz zur Lösung von Poloniumhaltigem Wismutnitrat erhält. Diese
+Niederschläge sind manchmal weiß, aber meistens von einem mehr oder
+weniger lebhaftem Gelb, das bis zum tiefen Rot geht.
+
+Die Abwesenheit von anderen Spektrallinien als denen des Wismuts beweist
+durchaus nicht mit Sicherheit, daß die Substanz nur Wismut enthält, denn
+es giebt Körper, deren Spektralreaktion sehr wenig empfindlich ist.
+
+Es wäre nötig, eine kleine Quantität Polonium-haltigen Wismuts in
+möglichst großer Koncentration herzustellen und dieses chemisch zu
+untersuchen, vor allem bezüglich des Atomgewichts des Metalls. Diese
+Untersuchung konnte noch nicht ausgeführt werden, wegen der eben
+erwähnten Schwierigkeit bei der chemischen Arbeit.
+
+Wenn es erwiesen wäre, daß das Polonium ein neues Element ist, so wäre
+es darum nicht weniger wahr, daß dieses Element nicht beliebig lange im
+stark aktiven Zustande existiren kann, wenigstens sobald es von dem
+Mineral getrennt ist. Man kann also die Frage auf zwei verschiedene
+Weisen betrachten:
+
+1. Entweder ist die ganze Aktivität des Poloniums bloß von den
+ benachbarten radioaktiven Substanzen inducirt. Das Polonium hätte
+ dann also die Fähigkeit, seine Atome in langdauernder Form zu
+ induciren, eine Fähigkeit, die nicht allen Substanzen zuzukommen
+ scheint;[^7]
+
+2. oder die Aktivität ist eine dem Polonium selbst angehörige, die sich
+ unter gewissen Bedingungen von selbst zerstört, unter gewissen
+ anderen Bedingungen, die in dem Mineral realisirt sind, beständig
+ sein kann. Die Erscheinung der Atomaktivirung durch Kontakt ist so
+ wenig bekannt, daß es an jeder Grundlage mangelt, um sich eine
+ bestimmte Meinung in dieser Frage zu bilden.
+
+Ganz kürzlich ist eine Arbeit von Herrn Marckwald[42] über das Polonium
+erschienen. Marckwald taucht einen reinen Wismutstab in eine Lösung von
+Wismutchlorid, das durch Behandlung von Pechblendenrückständen erhalten
+ist. Nach einiger Zeit bedeckt sich der Stab mit einem stark aktiven
+Niederschlag und die Lösung enthält nur noch inaktives Wismut. Marckwald
+erhält ebenfalls einen sehr aktiven Niederschlag, wenn er Zinnchlorid
+einer Lösung von radioaktivem Wismutchlorid hinzufügt. Er schließt
+daraus, daß das aktive Element dem Tellur analog ist, und giebt ihm den
+Namen Radiotellur. Die aktive Substanz Marckwalds scheint mit dem
+Polonium identisch durch ihre Herkunft und durch die stark absorbirbaren
+Strahlen, die sie aussendet. Die Wahl eines neuen Namens für diese
+Substanz ist jedenfalls bei dem gegenwärtigen Stande der Frage noch
+unnötig.
+
+f) Herstellung des reinen Radiumchlorids.
+-----------------------------------------
+
+Der von mir angewandte Weg zur Aussonderung reinen Radiumchlorids aus
+dem Radium-haltigen Baryumchlorid besteht darin, daß man das Gemenge der
+Chloride einer fraktionirten Krystallisation unterwirft, zuerst in
+reinem Wasser, dann in Wasser, dem Salzsäure zugesetzt ist. Man benutzt
+also den Unterschied in der Löslichkeit der beiden Chloride, wobei das
+Radiumchlorid weniger löslich ist als das Baryumchlorid.
+
+Beim Beginn der Fraktionirung gebraucht man reines destillirtes Wasser;
+man löst das Chlorid auf und kocht die Lösung bis zur Sättigung ein.
+Dann läßt man durch Abkühlung in einer offenen Schale auskrystallisiren.
+Es bilden sich auf dem Grunde schöne festhaftende Krystalle, von denen
+die überstehende Mutterlauge leicht abgegossen werden kann. Wenn man
+eine Probe dieser Lösung zur Trockenheit eindampft, so findet man, daß
+das hierbei erhaltene Chlorid ungefähr fünfmal weniger aktiv ist als das
+auskrystallisirte. Man hat also das Chlorid in zwei Teile A und B
+geteilt, von denen A viel aktiver ist als B. Man erneuert mit jedem der
+Chloride A und B die Operation und erhält mit jedem von ihnen zwei neue
+Fraktionen. Wenn die Krystallisation beendet ist, vereinigt man den
+weniger aktiven Teil des Chlorids A mit dem stärker aktiven des
+Chlorids B, da diese merklich dieselbe Aktivität haben. Man hat jetzt
+also drei Teile, die man von neuem derselben Behandlung unterwirft; man
+läßt jedoch die Zahl der Portionen nicht dauernd wachsen, da sich in dem
+Maße, wie die Anzahl wächst, die Aktivität der am stärksten löslichen
+Portion vermindert. Wenn diese Portion eine nur noch ganz unbedeutende
+Aktivität besitzt, so entfernt man sie aus dem Verfahren. Hat man die
+gewünschte Anzahl von Portionen erhalten, so fraktionirt man auch die am
+wenigsten lösliche (an Radium reichste) Portion nicht weiter und
+entfernt sie aus dem Verfahren.
+
+Man operirt mit einer konstanten Anzahl von Portionen. Nach jeder Reihe
+von Operationen wird die Mutterlauge der einen Portion auf die Krystalle
+der nachfolgenden gegossen; aber wenn man nach einer Reihe die
+löslichste Portion entfernt hat, so macht man im Gegensatz dazu bei der
+nächsten Reihe eine neue Portion mit der löslichsten Fraktion und
+entfernt dagegen die Krystalle, die die am stärksten aktive Portion
+bilden. Durch die stete Abwechslung dieser beiden Operationen erhält man
+einen sehr regelmäßigen Fraktionirungsmechanismus, in dem die Zahl der
+Portionen und die Aktivität jeder von ihnen konstant bleiben; jede
+Portion ist hierbei ungefähr fünfmal aktiver als die folgende. An der
+einen Seite (am Ende) entfernt man hier ein fast unaktives Produkt,
+während man an der andren Seite (an der Spitze) ein an Radium
+angereichertes Chlorid erntet. Die in den Portionen enthaltene
+Substanzmenge wird natürlich immer geringer und die verschiedenen
+Portionen enthalten um so weniger Substanz, um so aktiver sie sind.
+Anfangs wurde mit sechs Portionen operirt und die Aktivität des am Ende
+entfernten Chlorids betrug nur noch 0.1 der des Urans.
+
+Wenn man so einen großen Teil der inaktiven Substanz eliminirt hat und
+die Portionen klein geworden sind, wird es zwecklos, eine so schwache
+Aktivität noch zu eliminiren; man schaltet also eine Portion am Ende der
+Fraktionsreihe aus und fügt an der Spitze eine Portion hinzu, die aus
+dem vorher gewonnenen aktiven Chlorid gebildet ist. Man wird jetzt also
+ein an Radium reicheres Chlorid ernten als vorher. Man fährt mit der
+Anwendung dieses Systems fort, bis die Krystalle an der Spitze der Reihe
+aus reinem Radiumchlorid bestehen. Wenn die Ausführung der Fraktionirung
+eine sehr vollkommene war, so bleiben nur sehr kleine Mengen aller
+Zwischenprodukte übrig.
+
+Wenn die Fraktionirung weit fortgeschritten und die in den einzelnen
+Portionen enthaltene Substanzmenge sehr klein geworden ist, so wird die
+Trennung durch Krystallisation weniger wirksam, da die Abkühlung zu
+schnell erfolgt und das Volumen der abzugießenden Lösung zu klein wird.
+Dann empfiehlt es sich, dem Wasser eine bestimmte Menge von Salzsäure
+hinzusetzen, die um so größer werden muß, je weiter die Fraktionirung
+fortschreitet.
+
+Der Vorteil dieses Zusatzes besteht in einer Vermehrung der
+Lösungsmenge, da die Chloride in verdünnter Salzsäure weniger löslich
+sind als in reinem Wasser. Außerdem wird aber auch die Fraktionirung
+hierdurch wirksamer; die Differenz zwischen den beiden Fraktionen eines
+bestimmten Produkts wird jetzt sehr beträchtlich; bei Anwendung von
+Wasser mit viel Salzsäure erhält man deshalb ausgezeichnete Trennungen
+und kann mit bloß drei oder vier Portionen auskommen. Es empiehlt sich,
+dieses Verfahren sogleich anzuwenden, sowie nur die Substanzmenge klein
+genug geworden ist, um es ohne Schwierigkeiten zu können.
+
+Die Krystalle, die sich aus stark saurer Lösung niederschlagen, haben
+die Form sehr langer Nadeln, die für das Baryumchlorid genau so aussehen
+wie für das Radiumchlorid. Beide sind doppelbrechend. Die Krystalle des
+Radium-haltigen Baryums schlagen sich farblos nieder, aber wenn die
+Menge des Radiums genügend groß wird, nehmen sie nach einiger Zeit eine
+gelbe Farbe an, die bis zum Orange geht, manchmal auch eine schöne rosa
+Färbung. Diese Färbung verschwindet beim Auflösen. Die Krystalle des
+reinen Radiums färben sich nicht oder wenigstens nicht so schnell; die
+Färbung scheint also an die gleichzeitige Anwesenheit von Baryum und
+Radium gebunden zu sein. Das Maximum der Färbung wird mit einer
+bestimmten Koncentration des Radiums erreicht, und man kann diese
+Eigenschaft benutzen, um den Fortschritt der Fraktionirung zu
+kontrolliren. Solange die aktivste Portion sich noch färbt, enthält sie
+eine merkliche Menge von Baryum, wenn sie selbst sich nicht mehr färbt,
+wohl aber die folgenden Portionen, so besteht sie im wesentlichen aus
+reinem Radiumchlorid.
+
+Ich habe manchmal die Bildung eines Krystallgemenges beobachtet, von dem
+ein Teil farblos blieb, wahrend der andre sich färbte. Es scheint
+möglich, die farblosen Krystalle durch Aussuchen abzutrennen, doch habe
+ich es nicht versucht.
+
+Gegen Schluß des Fraktionirungsverfahrens ist das Aktivitätsverhältniß
+der aufeinander folgenden Portionen nicht mehr dasselbe wie im Anfange
+und auch nicht mehr so regelmäßig; eine ernsthafte Störung im Gange des
+Verfahrens tritt jedoch nicht ein.
+
+Auch die fraktionirte Fällung einer wässrigen Lösung von Radium-haltigem
+Baryumchlorid durch Alkohol führt zur Isolirung des Radiumchlorids, das
+sich zuerst niederschlägt. Diese anfangs von mir angewandte Methode
+wurde später zu Gunsten der eben beschriebenen aufgegeben, die mehr
+Regelmäßigkeit besitzt.
+
+Gleichwohl habe ich manchmal die Fällung durch Alkohol benutzt, um
+Radiumchlorid zu reinigen, das eine kleine Spur von Baryumchlorid
+enthält. Letzteres bleibt in der leicht wässrigen alkoholischen Lösung
+zurück, und kann so entfernt werden.
+
+Herr Giesel der sich seit der Publikation unserer ersten Untersuchungen
+mit der Herstellung radioaktiver Körper befaßte, empfiehlt die Trennung
+des Radiums vom Baryum durch fraktionierte Krystallisation eines
+Gemenges der Bromide. Ich konnte feststellen, daß dieses Verfahren
+tatsächlich sehr vorteilhaft ist, besonders im Beginn der
+Fraktionierung.
+
+Welches Fraktionirungsverfahren man auch anwenden mag, jedenfalls sollte
+man es durch Messung der Aktivität kontrolliren. Dabei ist zu bemerken,
+daß eine Radiumverbindung, wenn sie aus dem gelösten Zustande in den
+festen übergeführt wird, sei es durch Fällung, sei es durch
+Krystallisation, im Beginn eine um so geringere Aktivität besitzt, je
+länger sie sich im Zustand der Lösung befand. Die Aktivität wächst
+sodann während mehrerer Monate bis zu einer stets gleichen Grenze. Der
+Endwert der Aktivität ist fünf- bis sechsmal größer als der Anfangswert.
+Diese Veränderungen, auf die ich weiter unten zurückkommen werde, müssen
+bei der Messung der Aktivität berücksichtigt werden. Wenn auch die
+Endaktivität besser definirt ist, so ist es doch praktischer, im Laufe
+eines chemischen Verfahrens die Anfangsaktivität des festen Produkts zu
+messen.
+
+Die Aktivität der stark aktiven Substanzen ist von einer ganz andren
+Größenordnung als die des Minerals, aus dem sie stammen (sie ist 10^4
+mal größer). Wenn man diese Radioaktivität mit der im Beginn dieser
+Arbeit erläuterten Methode mißt (Fig. 1), so kann man die dem Quarz zu
+erteilende Belastung nicht über eine gewisse Grenze vermehren. Diese
+Belastung betrug bei unsren Versuchen im Maximum 4000 g, entsprechend
+einer entwickelten Elektrizitätsmenge von 25 elektrostatischen
+Einheiten. Wir können also nur im Verhältniß von 1 zu 4000 variirende
+Aktivitäten mit ein und derselben Oberfläche der aktiven Substanz
+messen. Um den Meßbarkeitsbereich auszudehnen, lassen wir die Oberfläche
+in einem bestimmten Verhältniß sich ändern. Die aktive Substanz bedeckt
+dann auf der Platte B eine kreisförmige Zone von bekanntem Radius. Da
+die Aktivität unter diesen Bedingungen nicht genau der Oberfläche
+proportional ist, so bestimmt man empirisch Koefficienten, die eine
+Vergleichung der Aktivitäten bei ungleicher Oberfläche ermöglichen. Wenn
+auch dieses Hülfsmittel versagt, muß man zu absorbirenden Schirmen und
+andren entsprechenden Maßnahmen seine Zuflucht nehmen, auf die ich hier
+nicht näher eingehen will. Alle diese mehr oder weniger unvollkommenen
+Maßnahmen genügen jedoch, um eine Kontrolle bei den Untersuchungen zu
+haben.
+
+Wir haben auch den Strom im Kondensator gemessen, indem wir ihn in einen
+Kreis mit einer Batterie kleiner Akkumulatoren und einem empfindlichen
+Galvanometer schalteten. Die häufig notwendige Kontrolle der
+Galvanometerempfindlichkeit ließ uns von der Anwendung dieser Methode
+bei den laufenden Messungen absehen.
+
+g) Bestimmung des Atomgewichts des Radiums.
+-------------------------------------------
+
+Im Laufe meiner Arbeit habe ich mehrmals das Atomgewicht des in den
+Proben Radium-haltigen Baryumchlorids enthaltenen Metalls untersucht.
+Jedesmal, wenn ich nach Abschluß einer neuen Verarbeitung einen neuen
+Vorrat Radium-haltigen Baryumchlorids zu behandeln hatte, trieb ich die
+Koncentrirung so weit wie möglich, derart, daß ich 0,1 bis 0,5 g einer
+Substanz erhielt, in der fast die ganze Aktivität des Gemenges enthalten
+war. Aus dieser kleinen Substanzmenge füllte ich durch Alkohol oder
+Salzsäure einige Milligramm, die zur spektralanalytischen Untersuchung
+bestimmt wurden. Dank seiner ausgezeichneten Methode bedurfte Herr
+Demarçay nur dieser minimalen Substanzmenge, um eine Photographie des
+Funkenspektrums aufzunehmen. Mit dem übrig bleibenden Produkt führte ich
+eine Atomgewichtsbestimmung aus.
+
+Ich benutzte die klassische Methode, die darin besteht, daß man das in
+einer bestimmten Menge wasserfreien Chlorids enthaltene Chlor als
+Chlorsilber bestimmt. Als Kontrollversuch bestimmte ich das Atomgewicht
+des Baryums auf dieselbe Weise, unter denselben Bedingungen und mit
+derselben Substanzmenge, zuerst 0,5 g dann bloß 0,1 g. Die gefundenen
+Zahlen lagen stets zwischen 137 und 138. Die Methode liefert also selbst
+mit einer so kleinen Substanzmenge genügend gute Resultate.
+
+Die beiden ersten Bestimmungen wurden mit Chloriden gemacht, von denen
+das eine 230mal, das andre 600mal aktiver war als Uran. Diese beiden
+Versuche ergaben innerhalb der Fehlergrenze dieselbe Zahl, wie der
+Versuch mit reinem Baryumchlorid.
+
+Man konnte also die Auffindung einer Differenz nur bei Anwendung eines
+viel stärker aktiven Produkts erhoffen. Der folgende Versuch, der mit
+einem Chlorid, das 3500mal aktiver war als Uran, ausgeführt wurde, ließ
+zum erstenmal eine zwar kleine, aber sichere Differenz bemerken; ich
+fand für das mittlere Atomgewicht des in dem Chlorid enthaltenen Metalls
+140, was darauf hinwies, daß das Atomgewicht des Radiums viel höher sein
+mußte als das des Baryums. Als ich dann immer aktivere Produkte
+anwandte, die das Radiumspektrum in immer größeren Intensität zeigten,
+konstatirte ich auch, daß die erhaltenen Zahlen immer größer wurden, wie
+aus der folgenden Tabelle hervorgeht (A bedeutet die Aktivität des
+Chlorids, die des Urans gleich 1 gesetzt; M das gefundene Atomgewicht):
+
+ ------------------------------------------------------------------
+ A M
+ ---------- -------- ----------------------------------------------
+ 3500 140 Radiumspektrum sehr schwach
+
+ 4700 141
+
+ 7500 145,8 Radiumspektrum stark, aber Baryumspektrum noch
+ weit vorherrschend.
+
+ Größen- 173,8 Beide Spektren von ungefähr gleicher Stärke.
+ ordnung 225 Baryum nur noch spurenweise vorhanden.
+ 10^6
+ ------------------------------------------------------------------
+
+Die Zahlen der Spalte A sind nur als rohe Angaben zu betrachten. Die
+Auswertung der Aktivität stark aktiver Körper ist in der Tat aus weiter
+unten zu erörternden Gründen sehr schwierig.
+
+Im Laufe des oben beschriebenen Verfahrens erhielt ich im März 1902
+0,12 g eines Radiumchlorids, dessen spektralanalytische Untersuchung
+Herr Demarçay freundlichst ausführte. Dieses Radiumchlorid war nach
+Herrn Demarçays Meinung so gut wie rein; gleichwohl zeigte sein Spektrum
+die Hauptlinien des Baryums noch mit merklicher Stärke. Ich habe mit
+diesem Chlorid vier Einzelbestimmungen hintereinander ausgeführt, deren
+Resultate folgende sind:
+
+ ------------------------------------------------
+ Wasserfreies Chlorsilber (g) M
+ Radiumchlorid (g)
+ ---- ----------------- --------------- ---------
+ I 0,115 0 0,113 0 220,7
+
+ II 0,114 8 0,111 9 223,0
+
+ III 0,111 35 0,108 8 222,8
+
+ IV 0,109 25 0,108 45 223,1
+ ------------------------------------------------
+
+Ich unternahm sodann eine neue Reinigung des Chlorids und gelangte zu
+einer noch reineren Substanz, in deren Spektrum die beiden stärksten
+Baryumlinien nur noch sehr schwach sind. Unter Berücksichtigung der
+Empfindlichkeit der Spektralreaktion des Baryums meint Herr Demarçay,
+daß dieses gereinigte Chlorid nur noch minimale Spuren von Baryum
+enthält, die das Atomgewicht nicht mehr in angebbarem Betrage
+beeinflussen können. – Mit diesem vollkommen reinen Radiumchlorid machte
+ich drei Bestimmungen mit folgenden Resultaten:
+
+ ------------------------------------------------
+ Wasserfreies Chlorsilber (g) M
+ Radiumchlorid (g)
+ ---- ----------------- --------------- ---------
+ I 0,091 92 0,088 90 225,3
+
+ II 0,089 36 0,086 27 225,8
+
+ III 0,088 39 0,085 89 224,0
+ ------------------------------------------------
+
+Diese Zahlen ergeben als Mittel 225. Sie sind, ebenso wie die früheren,
+unter der Annahme berechnet, daß das Radium zweiwertig sei, daß also
+sein Chlorid die Formel \text{RaCl}_2 habe, und unter Zugrundelegung
+folgender Zahlen für das Silber und das Chlor: Ag = 107,8; Cl = 35,4.
+
+Aus diesen Versuchen folgt als Atomgewicht des Radiums 225.[43-45] Ich
+halte diese Zahl für auf eine Einheit genau.
+
+Die Wägungen wurden mit einer genau justirten Curieschen aperiodischen
+Wage gemacht, deren Empfindlichkeit {}^{1}/_{20} mg betrug. Diese direkt
+ablesbare Wage erlaubt die Ausführung sehr schneller Wägungen, was sehr
+wesentlich ist bei der Wägung von wasserfreien Radium- und
+Baryumchloriden, die selbst bei Anwesenheit von Trockenmitteln im
+Wagekasten langsam Wasser absorbiren. Die zu wägenden Substanzen
+befanden sich in einem Platintiegel, der seit langer Zeit im Gebrauch
+war; ich habe mich überzeugt, daß sein Gewicht sich während einer
+Operation nicht um {}^{1}/_{10} mg änderte.
+
+Das durch Krystallisation erhaltene, Krystallwasser enthaltende Chlorid
+wurde in den Tiegel gebracht und durch Erhitzung im Trockenschrank in
+Anhydrid verwandelt. Der Versuch ergiebt, daß, wenn das Chlorid einige
+Stunden auf 100° gehalten wurde, sein Gewicht sich nicht mehr ändert,
+selbst wenn man die Temperatur auf 200° erhöht und während einiger
+Stunden erhält. Das so erhaltene wasserfreie Chlorid bildet also einen
+wohldefinirten Körper.
+
+Ich teile einige Messungen hierüber mit: Das Chlorid (1 dg) wird bei 55°
+im Trockenschrank getrocknet und in einem Exsikkator mit
+Phosphorsäureanhydrid gestellt; es verliert dann langsam an Gewicht,
+woraus hervorgeht, daß es noch etwas Wasser enthält; während 12 Stunden
+betrug dieser Verlust etwa 3 mg. Man bringt das Chlorid wieder in den
+Trockenschrank und steigert die Temperatur auf 100°. Während dieser
+Operation verliert das Chlorid 6,3 mg. Während weiterer 3 Stunden und 15
+Minuten verliert es noch 2,5 mg. Man erhält die Temperatur 45 Minuten
+lang zwischen 100° und 120°, wodurch ein Gewichtsverlust von 0,1 mg
+entsteht. Weitere 30 Minuten auf 125° gelassen, verliert das Chlorid
+nichts. Sodann 30 Minuten auf 150° gehalten, verliert es 0,1 mg. Endlich
+4 Stunden lang auf 200° erhitzt, erfahrt es einen Gewichtsverlust von
+0,15 mg. Während aller dieser Operationen änderte sich das Gewicht des
+Tiegels um 0,05 mg.
+
+Nach jeder Bestimmung des Atomgewichts wurde das Radium folgendermaßen
+wieder in Chlorid zurückverwandelt: Die Flüssigkeit, die nach der
+Analyse Radium- und Silbernitrat im Überschuß enthielt, wurde mit reiner
+Salzsäure versetzt und das Chlorsilber durch Filtration beseitigt; dann
+wurde die Flüssigkeit mehrer Male mit einem Überschuß reiner Salzsäure
+zur Trockne eingedampft. Der Versuch ergiebt, daß man auf diese Weise
+die Salpetersäure vollständig beseitigen kann.
+
+Das zur Analyse dienende Chlorsilber war stets radioaktiv und
+selbstleuchtend. Ich überzeugte mich, daß es keine wägbare Menge von
+Radium mitgerissen habe, indem ich die darin enthaltene Silbermenge
+bestimmte. Zu diesem Zwecke wurde das in dem Tiegel enthaltene
+geschmolzene Chlorsilber durch Wasserstoff reducirt, der aus verdünnter
+Salzsäure und Zink hergestellt war; nach Auswaschung wurde der Tiegel
+mit dem darin enthaltenen metallischen Silber gewogen.
+
+Ich habe ferner durch einen Versuch konstatirt, daß das Gewicht des
+regenerirten Radiumchlorids ebenso groß war wie vor der Operation. Bei
+anderen Versuchen begann ich die neuen Operationen, ohne eine
+vollständige Verdampfung des Waschwassers abzuwarten.
+
+Diese Prüfungen besitzen nicht dieselbe Genauigkeit wie die direkten
+Versuche; sie erlaubten gleichwohl die Feststellung, daß kein merklicher
+Fehler untergelaufen war.
+
+Nach seinen chemischen Eigenschaften gehört das Radium zur Reihe der
+Erdalkalimetalle. Es bildet in dieser Reihe das höhere Homologe des
+Baryums. Nach seinem Atomgewicht kommt das Radium auch in der
+Mendelejeffschen Tabelle hinter das Baryum in die Kolumne der
+Erdalkalien und in die Zeile, die schon das Uran und das Thor enthält.
+
+h) Eigenschaften der Radiumsalze.
+---------------------------------
+
+Die Radiumsalze: Chlorid, Nitrat, Karbonat, Sulfat sehen, in festem
+Zustande dargestellt, ebenso aus wie die entsprechenden Baryumsalze, sie
+färben sich jedoch alle im Laufe der Zeit.
+
+Die Radiumsalze leuchten im Dunkeln.
+
+In ihren chemischen Eigenschaften verhalten sich Radiumsalze genau so,
+wie die entsprechenden Baryumsalze. Die Löslichkeit des Radiumchlorids
+ist jedoch geringer wie die des Baryumchlorids; die Löslichkeit der
+Nitrate in Wasser scheint merklich dieselbe.
+
+Die Radiumsalze sind der Sitz einer fortwährenden selbsttätigen
+Wärmeentwicklung.
+
+Reines Radiumchlorid ist paramagnetisch. Seine Magnetisirungszahl k
+(Verhältniß des magnetischen Moments der Masseneinheit zur
+Feldintensität) ist von den Herren Curie und Cheneveau[46] mittels eines
+eigens hierzu konstruirten Apparates gemessen worden. Die Messung
+geschah durch Vergleich mit der Magnetisirungszahl des Wassers unter
+Anbringung der Korrektion für den Magnetismus der Luft. Man fand so:
+k = 1,05 ⋅ 10^{-6}. Reines Baryumchlorid ist diamagnetisch,
+seine Magnetisirungszahl beträgt: k = -0,40 ⋅ 10^{-6}. Ganz
+entsprechend diesen Resu1taten findet man für ein Radium-haltiges
+Baryumchlorid mit etwa 17 Proz. Radiumchlorid diamagnetisches Verhalten
+und eine Magnetisirungszahl:[^8] k = -0,20 ⋅ 10^{-6}.
+
+i) Fraktionirung gewöhnlichen Baryumchlorids.
+---------------------------------------------
+
+Wir suchten festzustellen, ob das käufliche Baryumchlorid nicht kleine
+Spuren von Radiumchlorid enthielte, die zu gering waren, um mit unsrem
+Meßapparat wahrgenommen zu werden. Zu diesem Zwecke unternahmen wir die
+Fraktionirung einer großen Menge von käuflichem Baryumchlorid, in der
+Erwartung, eine etwa vorhandene Spur von Radiumchlorid dadurch
+konzentriren zu können.
+
+50 kg käuflichen Baryumchlorids wurden mit schwefelsäurefreier Salzsäure
+gefällt, wobei 20 kg gefällten Chlorids erhalten wurden. Dieses wurde in
+Wasser aufgelöst und wieder teilweise durch Salzsäure gefällt, wobei man
+8,5 kg Niederschlag erhielt. Dieses Chlorid wurde der beim
+Radium-haltigen Baryum angewandten Fraktionirungsmethode unterworfen,
+wobei man an der Spitze der Fraktionirung 10 g Chlorid geringster
+Löslichkeit ausschied. Dieses Chlorid zeigte in unsrem Meßapparat
+keinerlei Aktivität; es enthielt also kein Radium; dieser Körper ist
+demnach in den das Baryum liefernden Mineralien nicht enthalten.
+
+Drittes Kapitel. Strahlung der neuen radioaktiven Substanzen.
+=============================================================
+
+a) Methoden zur Untersuchung der Strahlen.
+------------------------------------------
+
+Um die von den radioaktiven Substanzen emittirte Strahlung zu
+untersuchen, kann man irgend eine Eigenschaft dieser Strahlung benutzen.
+Man kann also entweder die Wirkung der Strahlen auf die photographische
+Platte, oder ihre Eigenschaft, die Luft zu ionisiren und leitend zu
+machen, oder endlich ihre Fähigkeit, die Fluorescenz gewisser Substanzen
+zu erregen, benutzen. Ich werde im Folgenden, wenn ich von einem dieser
+verschiedenen Verfahren spreche, zur Abkürzung folgende Ausdrücke
+gebrauchen: Radiographische, elektrische, fluoroskopische Methode.
+
+Die beiden ersteren wurden von Anfang an zur Untersuchung der
+Uranstrahlen benutzt; die fluoroskopische Methode kann nur auf die
+neuen, stark aktiven Substanzen angewandt werden, denn die schwach
+radioaktiven Substanzen, wie Uran und Thor, bringen keine merkliche
+Fluorescenz hervor. Die elektrische Methode ist die einzige, die präcise
+Intensitätsmessungen erlaubt; die beiden andren sind von diesem
+Gesichtspunkte aus betrachtet hauptsächlich zur Erlangung qualitativer
+Resultate gegeignet, und können nur ganz grobe Intensitätsmessungen
+liefern. Die mit den drei betrachteten Methoden erhaltenen Resultate
+sind, wenn überhaupt, nur ganz roh mit einander vergleichbar und
+gestatten manchmal überhaupt keinen Vergleich. Die empfindliche Platte,
+das sich ionisirende Gas, der Fluorescenzschirm sind ebenso viele
+Empfänger, welche Strahlungsenergie absorbiren und in eine andre
+Energieform transformiren sollen; nämlich in chemische Energie,
+Ionenenergie oder in Lichtenergie. Jeder Empfänger absorbirt einen
+Bruchteil der Strahlung, dessen Größe wesentlich von seiner Natur
+abhängt. Es wird weiter unten gezeigt werden, daß die Strahlung
+zusammengesetzter Natur ist; die von den verschiedenen Empfängern
+absorbirten Strahlungsbruchteile können sehr quantitativ und qualitativ
+verschieden sein. Endlich ist es weder sicher, noch auch nur
+wahrscheinlich, daß die absorbierte Energie von dem Empfänger
+vollständig in die zur Beobachtung erwünschte Form transformirt wird:
+ein Teil dieser Energie kann in Wärme verwandelt werden, oder in
+Emission von Sekundärstrahlen, die je nachdem zur Hervorbringung der
+beobachteten Erscheinung angenommen werden oder nicht, oder in chemische
+Wirkungen, die verschieden sind von der zu beobachtenden usw., es hängt
+somit auch der Nutzeffekt des Empfängers bezüglich der bescheinigten
+Efficienz wesentlich von der Natur des Empfängers ab.
+
+Vergleichen wir zwei Proben radioaktiver Substanz mit einander, von
+denen die eine Radium, die andere Polonium enthält, und die in dem in
+Fig. 1 dargestellten Plattenapparat gleiche Activität zeigen. Bedeckt
+man beide mit einem dünnen Aluminiumblatt, so wird das zweite
+beträchtlich schwächer aktiv erscheinen als das erste und dasselbe wird
+bei Benutzung desselben Fluorescenzschirms für beide der Fall sein, wenn
+der Schirm genügend dick ist oder sich in einiger Entfernung von den
+beiden radioaktiven Substanzen befindet.
+
+b) Energie der Strahlung
+------------------------
+
+Welche Untersuchungsmethode man auch anwendet, man findet immer, daß die
+Strahlungsenergie der neuen radioaktiven Substanzen beträchtlich größer
+ist, als die des Urans und Thors. So wird z. B. eine photographische
+Platte bei kleiner Entfernung sozusagen augenblicklich beeinflußt,
+während eine Exposition von 24 Stunden nötig ist, wenn man mit Uran oder
+Thor operiert. Ein Fluorescenzschirm wird bei Berührung mit den neuen
+radioaktiven Substanzen lebhaft erhellt, während man mit Uran oder Thor
+keine Spur von Licht wahrnehmen kann. Endlich ist auch die Wirkung auf
+die Luft vielmals stärker, etwa im Verhältniß 10^6. Es ist jedoch,
+streng genommen, überhaupt nicht mehr möglich, die Totalintensität der
+Strahlung wie beim Uran mit der eingangs beschriebenen elektrischen
+Methode (Fig. 1) zu bestimmen. In der Tat wird beim Uran die Strahlung
+nahezu vollständig in der Luftschicht zwischen den Platten absorbirt,
+und der Grenzstrom wird bereits bei einer Spannung von 100 Volt
+erreicht. Dies ist jedoch nicht mehr bei den stark aktiven Substanzen
+der Fall. Ein Teil der Radiumstrahlung besteht aus sehr durchdringenden
+Strahlen, die den Kondensator und die Metallplatten durchsetzen und
+überhaupt nicht zur Ionisation der Luft zwischen den Platten ausgenutzt
+werden. Ferner kann der Grenzstrom durchaus nicht immer mit den
+verfügbaren Spannungen erreicht werden; so ist z. B. für das stark
+aktive Polonium der Strom noch zwischen 100 und 500 Volt der Spannung
+proportional. Die experimentellen Bedingungen, die den Messungen eine
+einfache Bedeutung geben, sind hier also nicht erfüllt, und die
+erhaltenen Zahlen können somit nicht als ein Maß der Totalstrahlung
+betrachtet werden; sie bieten in dieser Hinsicht nur eine grobe
+Annäherung.
+
+c) Zusammengesetzte Natur der Strahlung.
+----------------------------------------
+
+Die Arbeiten verschiedener Physiker (der Herren Becquerel, Meyer und v.
+Schweidler, Giesel, Villard, Rutherford, P. und S. Curie) haben gezeigt,
+daß die Strahlung der radioaktiven Substanzen sehr komplicirter Natur
+ist. Man kann drei Arten von Strahlung unterscheiden, die ich nach der
+von Herrn Rutherford angenommenen Bezeichnungsweise durch die Buchstaben
+α, β, γ unterscheiden will.
+
+1. Die α-Strahlen sind wenig durchdringende Strahlen, die den
+ Hauptteil der Strahlung auszumachen scheinen. Diese Strahlen sind
+ durch die Art ihrer Absorption in der Materie charakterisirt. Das
+ magnetische Feld wirkt sehr wenig auf sie, so daß man sie zuerst für
+ magnetisch unablenkbar gehalten hat. In einem sehr starken
+ Magnetfeld werden die α-Strahlen jedoch ein wenig abgelenkt;
+ die Ablenkung erfolgt in derselben Weise wie bei den
+ Kathodenstrahlen, aber im umgekehrten Sinne; dasselbe gilt für die
+ Kanalstrahlen in den Entladungsröhren.
+
+2. Die β-Strahlen sind im Ganzen weniger absorbirbar als die
+ vorigen. Sie werden im Magnetfelde in gleicher Weise und im gleichen
+ Sinne abgelenkt wie die Kathodenstrahlen.
+
+3. Die γ-Strahlen sind durchdringende Strahlen, die vom
+ Magnetfelde nicht beeinflußt werden, und den Röntgenstrahlen
+ vergleichbar sind.
+
+Die Strahlen einer Gruppe können ein in sehr weiten Grenzen variables
+Durchdringungsvermögen haben, wie aus den Versuchen mit β-Strahlen
+hervorgeht.
+
+[Fig. 4]
+
+Denken wir uns folgenden Versuch: Das Radium R befindet sich in einer
+kleinen Höhlung, die in einen Bleiblock P eingegraben ist (Fig. 4). Ein
+geradliniges und wenig sich verbreiterndes Strahlenbündel entweicht aus
+dem Troge. Nehmen wir an, daß in der Umgebung der Vertiefung ein
+gleichförmiges, sehr starkes magnetisches Feld erzeugt werde, senkrecht
+zur Zeichnungsebene und von vorn nach hinten gerichtet. Dann werden die
+drei Strahlengruppen von einander getrennt werden.
+
+Die wenig intensiven γ-Strahlen setzen ihren geradlinigen Weg fort,
+ohne eine Spur von Ablenkung. Die β-Strahlen werden wie
+Kathodenstrahlen abgelenkt und beschreiben kreisförmige Bahnen in der
+Zeichnungsebene, deren Krümmungsradius in weiten Grenzen variirt. Wenn
+der Trog auf eine photographische Platte AC aufgesetzt wird, so wird der
+von den β-Strahlen getroffene Teil BC der Platte beeinflußt. Die
+α-Strahlen endlich bilden ein sehr intensives Bündel, das nur wenig
+abgelenkt und ziemlich schnell in der Luft ebsorbirt wird. Diese
+Strahlen beschreiben in der Zeichnungsebene eine Bahn von sehr großem
+Krümmungsradius; der Sinn der Ablenkung ist der entgegengesetzte wie bei
+den β-Strahlen.
+
+Bedeckt man die Höhlung mit einem dünnen Aluminiumschirm (0,1 m dick),
+so werden die α-Strahlen großenteils absorbirt, die β-Strahlen
+viel weniger, und die γ-Strahlen überhaupt nicht in merklichem
+Maße.
+
+In der soeben beschriebenen Form kann der Versuch nicht wirklich
+ausgeführt werden; die Versuche, aus denen die Wirkung des Magnetfeldes
+auf die verschiedenen Strahlenarten hervorgeht, sollen weiter unten
+besprochen werden.
+
+d) Wirkung des Magnetfeldes.
+----------------------------
+
+Aus dem obigen ergiebt sich, daß die von den radioaktiven Substanzen
+emittirten Strahlen eine große Zahl von Eigenschaften mit den
+Kathodenstrahlen und den Röntgenstrahlen gemeinsam haben. Die
+Kathodenstrahlen ionisiren ebenso wie die Röntgenstrahlen die Luft,
+wirken auf die photographischen Platten, erregen Fluorescenz, erfahren
+keine regelmäßige Reflexion. Aber die Kathodenstrahlen unterscheiden
+sich von den Röntgenstrahlen darin, daß sie durch die Einwirkung eines
+Magnetfeldes aus ihrer geradlinigen Bahn abgelenkt werden, und daß sie
+eine negative elektrische Ladung mit sich führen.
+
+Die Tatsache, daß das magnetische Feld auf die Strahlung der
+radioaktiven Körper wirkt, wurde fast gleichzeitig von den Herren
+Giesel[48], Meyer und v. Schweidler[49-52] und Becquerel[11]
+entdeckt[^9]. Diese Physiker fanden, daß die Strahlen der radioaktiven
+Körper in derselben Weise und im selben Sinne abgelenkt werden wie die
+Kathodenstrahlen; ihre Beobachtungen bezogen sich auf die
+β-Strahlen.
+
+Herr Curie[54] zeigte, daß die Radiumstrahlung aus zwei wohl zu
+unterscheidenden Strahlengruppen besteht, von denen die eine im
+Magnetfelde stark ablenkbar ist (β-Strahlen), während die andre
+unempfindlich gegen die Wirkung des Feldes zu sein scheint (α- und
+γ-Strahlen, die unter der gemeinsamen Bezeichnung ablenkbare
+Strahlen zusammengefaßt wurden).
+
+Bei den von uns hergestellten Poloniumpräparaten hat Herr Becquerel
+keine Emission von Strahlen, die den Kathodenstrahlen entsprechen,
+beobachtet. Im Gegensatz hierzu hat Herr Giesel an einem von ihm
+hergestellten Poloniumpräparat zuerst die Wirkung des Magnetfeldes
+beobachtet. Unter allen von uns hergestellten Poloniumpräparaten hat
+keines jemals den Kathodenstrahlen analoge Strahlen gezeigt.
+
+Das Gieselsche Polonium emittirt die kathodenstrahlartige Strahlung nur
+im frisch hergestellten Zustande, es ist wahrscheinlich, daß diese
+Strahlung von der Erscheinung der inducirten Radioaktivität herrührt,
+von der weiter unten die Rede sein wird.
+
+Folgende Versuche dienten zum Nachweis, daß ein Teil der
+Radiumstrahlung, und zwar nur ein Teil aus leicht ablenkbaren Strahlen
+besteht (β-Strahlen). Die Versuche geschahen mittels der
+elektrischen Methode[54].
+
+[Fig. 5]
+
+Der radioaktive Körper A (Fig. 5) sendet Strahlen in der Richtung AD
+zwischen die Platten P und P'. Die Platte P wird auf einem Potential von
+500 Volt erhalten, die Platte P' ist mit einem Elektrometer und einem
+piezoelektrischen Quarz verbunden. Man mißt die Stärke des unter dem
+Einfluß der Strahlung die Luft durchfließenden Stromes. Mittels eines
+Elektromagneten kann man nach Belieben innerhalb des ganzen Bereiches
+EEEE ein magnetisches Feld erzeugen, das senkrecht zur Zeichnungsebene
+verläuft. Wenn die Strahlen auch nur schwach abgelenkt werden, so
+gelangen sie nicht mehr zwischen die Platten, und der Strom wird
+unterdrückt. Die Bahn der Strahlen ist durch die Bleimassen BB'B'' sowie
+durch die Polschuhe des Elektromagneten begrenzt; wenn die Strahlen
+abgelenkt werden, so werden sie von den Bleimassen B und B' absorbirt.
+
+Die erhaltenen Resultate hängen wesentlich von dem Abstand AD der
+Strahlungsquelle A von dem Beginn des Kondensators bei D ab. Ist die
+Entfernung AD ziemlich groß (größer als 7 cm), so wird der größte Teil
+(etwa 90 Proz.) der Radiumstrahlung, die den Kondensator erreicht, von
+einem Magnetfelde von 2500 Einheiten abgelenkt und unterdrückt. Diese
+Strahlen sind die β-Strahlen. Ist die Entfernung AD kleiner als
+65 mm, so wird ein weniger beträchtlicher Teil der Strahlen vom Felde
+abgelenkt; dabei wird dieser Teil bereits vollständig in einem Felde von
+2500 Einheiten abgelenkt, so daß eine Erhöhung der Feldstärke auf 7000
+Einheiten keine Vermehrung des beseitigten Bruchteiles der Strahlung
+hervorbringt.
+
+Der durch das Feld nicht abgelenkte Bruchteil der Strahlung ist um so
+größer, je kleiner die Entfernung zwischen der Strahlungsquelle und dem
+Kondensator. Für sehr kleine Abstände bilden die ablenkbaren Strahlen
+nur noch einen ganz geringen Bruchteil der Gesamtstrahlung.
+
+Die durchdringenden Strahlen bestehen also zum großen Teil aus
+ablenkbaren Strahlen von der Art der Kathodenstrahlen (β-Strahlen).
+
+Mit der soeben beschriebenen Anordnung konnte die Wirkung des
+Magnetfeldes auf die α-Strahlen bei den angewandten Feldstärken
+kaum beobachtet werden. Die sehr beträchtliche, scheinbar unablenkbare
+Strahlung, die man bei kleinem Abstande von der Strahlungsquelle
+beobachtete, bestand aus α-Strahlen; die bei großer Entfernung
+beobachtete unablenkbare Strahlung bestand aus γ-Strahlen.
+
+Filtrirt man das Bündel durch ein Absorptionsmittel (Aluminium, oder
+schwarzes Papier), so werden die hindurchgehenden Strahlen fast alle im
+Magnetfelde abgelenkt, so daß durch den Absorptionsschirm und das
+Magnetfeld zusammen fast die ganze Strahlung im Kondensator unterdrückt
+wird; der übrig bleibende Rest besteht nur noch aus γ-Strahlen,
+deren Menge gering ist. Die α-Strahlen werden von dem Schirm
+absorbirt.
+
+Ein Aluminiumblatt von 0,01 mm Dicke genügt, um fast alle schwer
+ablenkbaren Strahlen zu unterdrücken, wenn die Substanz sich ziemlich
+weit entfernt vom Kondensator befindet; für kleinere Abstände (34 und
+51 mm) sind zwei Aluminiumblätter von 1 bis 100 mm nötig, um dasselbe
+Resultat zu erreichen.
+
+Ähnliche Messungen mit ganz analogem Resultat wurden an vier strahlenden
+Substanzen (Chloriden und Karbonaten) von sehr verschiedener Aktivität
+gemacht.
+
+Man findet bei allen Präparaten, daß die magnetisch ablenkbaren
+durchdringenden Strahlen (β-Strahlen) nur einen geringen Bruchteil
+der Gesamtstrahlung ausmachen; sie kommen bei den Messungen nur wenig in
+Betracht, wenn man die Gesamtstrahlung benutzt, um die Luft leitend zu
+machen.
+
+Auch die Poloniumstrahlung kann mittels der elektrischen Methode
+beobachtet werden. Wenn man die Entfernung AD des Poloniums vom
+Kondensator variirt, so bemerkt man zuerst, so lange die Entfernung
+ziemlich groß ist, gar keinen Strom; nähert man das Polonium, so bemerkt
+man, daß für eine gewisse Entfernung, die bei dem untersuchten Präparat
+4 cm betrug, die Strahlung sich plötzlich mit großer Intensität
+bemerkbar macht; der Strom wächst dann gleichmäßig, wenn man das
+Polonium weiter nähert, doch bringt das Magnetfeld unter diesen
+Bedingungen keinen merklichen Effekt hervor. Es sieht so aus, als ob die
+Poloniumstrahlen im Raume begrenzt wären und in Luft kaum eine Art von
+Scheidewand überschritten, die die Substanz im Abstande von einigen
+Centimetern umgiebt.
+
+Ich muß hier einige wichtige allgemeine Einschränkungen bezüglich der
+Deutung der soeben beschriebenen Versuche machen. Wenn ich von dem durch
+den Magneten abgelenkten Bruchteil der Strahlung spreche, so handelt es
+sich dabei nur um diejenigen Strahlen, die im Stande sind, einen Strom
+im Kondensator zu erzeugen. Wenn man als Reagenz für die
+Becquerelstrahlen die Fluorescenz oder die Wirkung auf die
+photographische Platte benutzte, so würde der Bruchteil wahrscheinlich
+ein andrer werden; eine Intensitätsmessung hat eben im allgemeinen nur
+einen Sinn für die gerade angewandte Meßmethode.
+
+Die Poloniumstrahlen sind von der Art der α-Strahlen. Bei den
+soeben beschriebenen Versuchen wurde keinerlei Einfluß des Magnetfeldes
+auf diese Strahlen bemerkt, doch war die Anordnung derartig, daß eine
+schwache Ablenkung unbemerkbar bleiben mußte.
+
+Versuche mittels der radiographischen Methode bestätigten die Resultate
+der obigen Versuche. Benutzt man Radium als Strahlungsquelle und fängt
+die Strahlen auf einer Platte auf, die parallel zum ursprünglichen
+Strahlenbündel und senkrecht zum Felde steht, so erhält man die sehr
+scharfe Spur zweier durch das Feld getrennter Strahlenbündel, von denen
+das eine abgelenkt ist, das andre nicht. Die β-Strahlen bilden das
+abgelenkte Bündel; die nur sehr wenig abgelenkten α-Strahlen
+vermischen sich fast ganz mit dem unabgelenkten Bündel der
+α-Strahlen.
+
+e) Ablenkbare β-Strahlen.
+-----------------------------
+
+Es folgte aus den Versuchen der Herren Giesel und Meyer und v.
+Schweidler, daß die Strahlung der radioaktiven Körper wenigstens zum
+Teil vom Magnetfeld abgelenkt wird, und daß diese Ablenkung ebenso
+geschieht wie bei den Kathodenstrahlen. Herr Becquerel[55-57] hat die
+Wirkung des Feldes auf die Strahlen mittels der radiographischen Methode
+untersucht. Die benutzte Anordnung war die der Fig. 4. Das Radium befand
+sich in einer Bleischale P, die auf der Schichtseite einer in schwarzes
+Papier eingehüllten photographischen Platte AC stand. Das Ganze befand
+sich zwischen den Polen eines Elektromagneten, dessen Feld senkrecht zur
+Zeichnungsebene verlief.
+
+Wenn das Feld von vorn nach hinten gerichtet ist, so wird der Teil BC
+der Platte von Strahlen getroffen, die nach Zurücklegung kreisförmiger
+Bahnen auf die Platte zurückgeworfen werden und sie in rechtem Winkel
+schneiden. Diese Strahlen sind β-Strahlen.
+
+Becquerel zeigte, daß das Bild aus einem breiten diffusen Bande, einem
+richtigen kontinuirlichen Spektrum besteht, woraus hervorgeht, daß das
+von der Quelle ausgesandte ablenkbare Strahlenbündel aus einer
+unendlichen Zahl verschieden ablenkbarer Strahlen besteht. Bedeckt man
+die Schicht der Platte mit verschiedenen Absorptionsmitteln (Papier,
+Glas, Metalle), so wird ein Teil des Spektrums unterdrückt, und es
+ergiebt sich, daß diejenigen Strahlen, die am stärksten im Magnetfelde
+abgelenkt werden, oder anders ausgedrückt, diejenigen, deren Bahn den
+kleinsten Krümmungsradius hat, am stärksten absorbirt werden. Für jeden
+Schirm beginnt die Einwirkung auf die Platte erst bei einem gewissen
+Abstand von der Strahlungsquelle, und dieser Abstand ist um so größer,
+je stärker der Schirm absorbirt.
+
+f) Ladung der ablenkbaren Strahlen.
+-----------------------------------
+
+Die Kathodenstrahlen sind, wie Perrin[58,59] gezeigt hat, mit negativer
+Elektrizität geladen. Sie vermögen ferner nach den Versuchen der Herren
+Perrin und Lenard[60] ihre Ladung durch mit der Erde verbundene
+Metallschirme und durch isolirende Substanzen hindurch zu transportiren.
+An jeder Stelle, wo Kathodenstrahlen absorbirt werden, findet eine
+kontinuirliche Entwicklung negativer Elektrizität statt. Wir stellten
+fest, daß dasselbe für die ablenkbaren β-Strahlen des Radiums
+stattfindet. Die ablenkbaren β-Strahlen sind mit negativer
+Elektrizität geladen[61].
+
+Die radioaktive Substanz sei auf einer der Platten eines Kondensators
+ausgebreitet und die Platte zur Erde abgeleitet; die zweite mit dem
+Elektrometer verbundene Platte empfängt und absorbirt die von der
+Substanz emittirten Strahlen. Wenn die Strahlen geladen sind, so sollte
+man einen kontinuirlichen Elektrizitätszufluß zum Elektrometer erwarten.
+Als wir dieses Experiment in Luft ausführten, konnten wir keine Ladung
+der Strahlen nachweisen, aber in dieser Form ist der Versuch auch nicht
+empfindlich genug. Die Luft zwischen den Platten wird durch die Strahlen
+leitend gemacht, das Elektrometer ist also nicht mehr isolirt und kann
+nur ziemlich starke Ladungen anzeigen. Damit die α-Strahlen den
+Versuch nicht stören, kann man sie durch Bedeckung der Strahlungsquelle
+mit einem dünnen Metallschirm unterdrücken; das Resultat des Versuchs
+wird dadurch nicht geändert.[^10]
+
+Wir haben den Versuch in Luft ohne besseren Erfolg wiederholt, indem wir
+die Strahlen in das Innere eines mit dem Elektrometer verbundenen
+Faradayschen Cylinders eindringen ließen.[^11]
+
+Man konnte sich schon nach den vorangehenden Versuchen davon
+Rechenschaft geben, daß die Ladung der von dem angewandten Präparat
+ausgehenden Strahlung nur schwach sein konnte.
+
+Um eine schwache Elektrizitätsentwicklung auf einem die Strahlen
+absorbirenden Leiter zu konstatiren, muß der Leiter elektrisch gut
+isolirt sein; dazu muß man ihn aber vor der Einwirkung der Luft
+schützen, indem man ihn entweder in ein sehr vollkommen evakuirtes Gefäß
+bringt,[^12] oder ihn mit einem guten festen Dielektrikum umgiebt. Die
+letztere Anordnung wurde von uns benutzt.
+
+[Fig. 6]
+
+Eine leitende Scheibe MM (Fig. 6) ist durch einen Metallstab t mit dem
+Elektrometer verbunden; Scheibe und Stab sind vollständig von dem
+Isolirmittel iiii umgeben; das ganze ist von einer Metallhülle EEEE
+umgeben, die in leitender Verbindung mit der Erde steht. Auf einer Seite
+der Scheibe sind Isolirschicht pp und Metallhülle sehr dünn. Diese Seite
+ist der Strahlung des Radium-haltigen Baryumsalzes R ausgesetzt, das
+sich frei in einem Bleitrog befindet.[^13] Die von dem Radium emittirten
+Strahlen durchsetzen die Metallhülle und die isolirende Schicht pp und
+werden in der Metallscheibe MM absorbirt. Diese wird dadurch der Sitz
+einer kontinuirlichen und konstanten Entwicklung negativer Elektrizität,
+die man am Elektrometer konstatirt und mittels des piezoelektrischen
+Quarzes mißt.
+
+Der so erzeugte Strom ist sehr schwach. Mit sehr aktivem Radium-haltigen
+Baryumchlorid in einer Schicht von 2,5 cm Oberfläche und 0,2 cm Dicke
+erhält man einen Strom von der Größenordnung 10^{-11} Ampere, nachdem
+die benutzten Strahlen vor ihrer Absorption in der Scheibe MM eine
+Aluminiumschicht von 0,01 mm und eine Hartgummischicht von 0,3 mm Dicke
+durchsetzt haben.
+
+Wir haben hintereinander Blei, Kupfer und Zink für die Scheibe MM,
+Hartgummi und Paraffin als Isolirmittel benutzt; die erhaltenen
+Resultate waren dieselben. Der Strom wird schwächer, wenn man die
+Strahlungsquelle R entfernt, oder ein schwächer aktives Präparat
+benutzt.
+
+Dieselben Resultate erhielten wir, als wir die Scheibe MM durch einen
+mit Luft gefüllten, aber von einem Isolirmittel umhüllten Faradayschen
+Cylinder ersetzten. Die durch die dünne isolirende Platte pp
+verschlossene Öffnung des Cylinders befand sich der Strahlungsquelle
+gegenüber.
+
+Endlich haben wir auch den umgekehrten Versuch gemacht, der darin
+besteht, daß man den Bleitrog mit dem isolirenden Medium umgiebt und mit
+dem Elektrometer verbindet (Fig. 7), während das Ganze mit einer
+geerdeten Metallhülle umgeben ist.
+
+[Fig. 7]
+
+Bei dieser Anordnung beobachtet man am Elektrometer, daß das Radium eine
+positive Ladung von gleicher Größe annimmt, wie die negative bei dem
+ersten Versuch. Die Strahlen des Radiums durchdringen die dünne
+Schicht pp und nehmen beim Verlassen des inneren Leiters negative
+Elektrizität mit sich fort.
+
+Die α-Strahlen des Radiums kommen bei diesen Versuchen nicht in
+Betracht, da sie schon in sehr dünnen Schichten fester Substanz fast
+vollständig absorbirt werden. Die soeben beschriebene Methode eignet
+sich auch nicht für die Untersuchung der Poloniumstrahlen, da diese
+ebenfalls wenig Durchdringungsvermögen besitzen. Wir bemerkten keine
+Spur einer Ladung beim Polonium, das nur α-Strahlen emittirt; aus
+dem eben genannten Grunde kann man jedoch aus diesem Versuch keinen
+Schluß ziehen.
+
+Es findet also bei den ablenkbaren β-Strahlen des Radiums, ebenso
+wie bei den Kathodenstrahlen, ein Transport von Elektrizität statt. Nun
+hat man bisher niemals die Existenz elektrischer Ladungen gekannt, die
+nicht an Materie geknüpft waren. Man kam also dazu, sich für die
+Untersuchung der ablenkbaren β-Strahlen des Radiums derselben
+Theorie zu bedienen, die augenblicklich für die Kathodenstrahlen in
+Gebrauch ist. Nach dieser ballistischen Theorie, die von Sir W. Crookes
+aufgestellt, später von Herrn J. J. Thomson entwickelt und
+vervollständigt ist, bestehen die Kathodenstrahlen aus äußerst feinen
+Teilchen, die von der Kathode mit großer Geschwindigkeit
+fortgeschleudert werden und mit negativer Elektrizität geladen sind. Man
+kann also annehmen, daß das Radium negativ geladene Partikel in den Raum
+hinaussendet.
+
+Ein Radiumpräparat, das in einer dünnen, vollkommen isolirenden festen
+Hülle eingeschlossen ist, muß sich von selbst auf ein sehr hohes
+Potential laden. Nach der ballistischen Hypothese müßte dieses Potential
+so lange anwachsen, bis die Potentialdifferenz gegen die umgebenden
+Leiter genügend groß wird, um die Entfernung der emittirten
+elektrisirten Teilchen zu verhindern und sie zur Strahlungsquelle
+zurückzuführen.[^14]
+
+Wir haben durch Zufall ein derartiges Experiment gemacht. Ein sehr
+aktives Radiumpräparat war seit langem in einem Glasröhrchen
+eingeschlossen. Um das Röhrchen zu öffnen, machten wir einen Strich mit
+einem Glasmesser auf dem Glase. In diesem Moment hörten wir deutlich das
+Geräusch eines Funkens, und als wir darauf das Glas mit einer Lupe
+untersuchten, fanden wir, daß es an der durch den Strich geschwächten
+Stelle von einem Funken durchbohrt war. Dieser Vorgang ist durchaus
+vergleichbar mit der Durchbrechung des Glases einer zu stark geladenen
+Leydenerflasche.
+
+Die gleiche Erscheinung wiederholte sich mit einer andren Röhre. Ja,
+Herr Curie, der die Röhre hielt, spürte sogar im Moment, als der Funke
+übersprang, in seinen Fingern einen elektrischen Entladungsschlag.[^15]
+
+Gewisse Gläser sind sehr gute Isolatoren. Wenn man das Radium in ein
+zugeschmolzenes, gut isolirendes Röhrchen einschließt, kann man
+erwarten, daß in einem bestimmten Moment die Röhre von selbst durchbohrt
+wird. Das Radium ist das erste Beispiel eines Körpers, der sich von
+selbst elektrisch ladet.
+
+g) Wirkung des elektrischen Feldes auf die ablenkbaren β-Strahlen
+des Radiums.
+----------------------------------------------------------------------------------
+
+Da die ablenkbaren β-Strahlen des Radiums den Kathodenstrahlen
+vergleichbar sind, so müssen sie von einem elektrischen Felde in
+derselben Weise wie diese abgelenkt werden, d. h. wie ein negativ
+geladenes, träges Teilchen, das mit großer Geschwindigkeit in den Raum
+hinausgeschleudert wird. Die Existenz dieser Ablenkung wurde einerseits
+von Herrn Dorn,[64] andrerseits von Herrn Becquerel[57] nachgewiesen.
+
+Betrachten wir einen Strahl, der den Raum zwischen den beiden Platten
+eines Kondensators durchsetzt. Die Strahlrichtung sei parallel zu den
+Platten. Wenn man zwischen diesen ein elektrisches Feld erzeugt, so ist
+der Strahl der Einwirkung dieses gleichförmigen Feldes längs seines
+ganzen Weges l zwischen den Kondensatorplatten unterworfen. Infolge
+dieser Einwirkung wird der Strahl nach der positiven Platte hin
+abgelenkt und beschreibt einen Parabelbogen; wenn er das Feld verläßt,
+setzt er seinen Weg geradlinig fort in Richtung der Tangente an den
+Parabelbogen im Austrittspunkt. Man kann den Strahl auf einer
+photographischen Platte auffangen, die senkrecht zur ursprünglichen
+Richtung steht. Man beobachtet die Wirkung auf die Platte für das Feld
+Null und für eine bekannte Feldstärke, und leitet daraus den Wert δ
+der Ablenkung ab, die gleich der Entfernung der beiden Punkte ist, in
+denen die neue und die ursprüngliche Strahlrichtung dieselbe zur
+ursprünglichen Richtung senkrechte Ebene treffen. Wenn h die Entfernung
+dieser Ebene vom Kondensator, d. h. von der Grenze des Feldes ist, so
+erhält man durch eine einfache Rechnung:
+
+[delta = (e.F.l. (l/2 + h))/(m.v.v)] 
+
+wobei m die Masse des bewegten Teilchens, e seine Ladung, v seine
+Geschwindigkeit und F die Feldstärke bedeutet.
+
+Die Versuche Becquerels gestatteten ihm eine angenäherte Bestimmung
+von δ.
+
+h) Verhältniß von Ladung zur Masse eines vom Radium emittirten negativ
+geladenen Teilchens.
+-------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Ein träges Teilchen von der Masse m und der negativen Ladung e werde mit
+der Geschwindigkeit v in ein gleichförmiges Magnetfeld
+hineingeschleudert, das senkrecht zur ursprünglichen Geschwindigkeit
+verläuft; das Teilchen beschreibt dann in einer Ebene, die durch die
+Anfangsrichtung geht und senkrecht zum Felde steht, einen Kreisbogen vom
+Krümmungsradius ρ, für den, wenn H die Feldstärke bedeutet, die
+Beziehung gilt:
+
+Hρ = mv/e.
+
+Wenn man für ein und denselben Strahl die elektrische Ablenkung δ
+und den Krümmungsradius ρ in einem magnetischen Felde gemessen hat,
+so kann man aus den beiden Versuchen die Werte für e/m und die
+Geschwindigkeit v berechnen.
+
+Die Becquerelschen Versuche lieferten eine erste Annäherung hierfür. Sie
+ergaben für e/m einen angenäherten Wert von 10^7 absoluten
+elektromagnetischen Einheiten, und für v einen Wert von 1,6⋅10^{10}
+cm/sek. Diese Zahlen sind von derselben Größenordnung wie bei den
+Kathodenstrahlen.
+
+Genaue Untersuchungen über denselben Gegenstand wurden von Herrn
+Kaufmann[65-68] gemacht. Er unterwarf ein sehr feines Bündel von
+Radiumstrahlen der gleichzeitigen Einwirkung eines elektrischen und
+eines magnetischen Feldes, die beide gleichförmig und gleichgerichtet
+waren, und zwar senkrecht zur ursprünglichen Richtung des Bündels. Das
+Bild auf einer Platte, die senkrecht zur ursprünglichen Richtung und von
+der Quelle aus gerechnet jenseits der Grenzen des Feldes aufgestellt
+war, erhält die Form einer Kurve, von der jeder Punkt einem der Strahlen
+des ursprünglichen heterogenen Bündels entspricht. Die am stärksten
+durchdringenden und am wenigsten ablenkbaren Strahlen sind dabei
+diejenigen, deren Geschwindigkeit die größte ist.
+
+Aus den Versuchen Kaufmanns folgt, daß für die Radiumstrahlen, deren
+Geschwindigkeit wesentlich größer ist als die der Kathodenstrahlen, das
+Verhältniß e/m mit zunehmender Geschwindigkeit abnimmt.
+
+Nach den Arbeiten von J. J. Thomson[69] und Townsend[70] müssen wir
+annehmen, daß das bewegte Teilchen, aus dem der Strahl besteht, eine
+Ladung besitzt, die gleich ist derjenigen, die ein Wasserstoffatom in
+der Elektrolyse transportirt, daß also diese Ladung für alle Strahlen
+dieselbe ist. Man muß daraus schließen, daß die Masse des Teilchens mit
+zunehmender Geschwindigkeit wächst.
+
+Nun führen aber theoretische Betrachtungen zu der Anschauung, daß die
+Trägheit des Teilchens mit der Bewegung der Ladung eng zusammenhängt, da
+die Geschwindigkeit einer in Bewegung befindlichen Ladung nicht ohne
+Energieaufwand verändert werden kann. Anders ausgedrückt: Die Trägheit
+des Teilchens ist elektromagnetischen Ursprungs und die Masse des
+Teilchens ist wenigstens zum Teil eine scheinbare oder
+elektromagnetische Masse. Herr Abraham[71] geht noch weiter und nimmt
+an, daß die Masse des Teilchens völlig elektromagnetischen Ursprungs
+ist. Wenn man nach dieser Hypothese die Masse m für eine gegebene
+Geschwindigkeit v berechnet, so findet man, daß m unendlich groß wird,
+wenn v sich der Lichtgeschwindigkeit nähert und daß m einen konstanten
+Wert annimmt, wenn die Geschwindigkeit klein gegen die des Lichtes ist.
+Die Versuche Kaufmanns sind in Übereinstimmung mit dieser Theorie, deren
+Wichtigkeit groß ist, da sich die Möglichkeit voraussehen läßt, die
+Grundlagen der Mechanik auf der Dynamik kleiner geladener und in
+Bewegung befindlicher Centra aufzubauen.[^16]
+
+Folgendes sind die von Herrn Kaufmann für e/m und für v erhaltenen
+Zahlen[^17]:
+
+ -----------------------------------------------------------------
+ v⋅10^{-10} e/m⋅10^{-7} e/m⋅10^{-10} aus
+ beobachtet dem Wert von v
+ berechnet
+ ------------------- ---------------------- ----------------------
+ 2,90 0,692 0,722
+
+ 2,82 0,835 0,861
+
+ 2,74 0,972 0,953
+
+ 2,60 1,07 1,08
+
+ 2,48 1,16 1,18
+
+ 2,36 1,24 1,25
+
+ 2,24 1,29 1,32
+
+ 2,12 1,33 1,38
+
+ 0,53 1,865* 1,78
+
+ 0,00 --- 1,80
+ -----------------------------------------------------------------
+
+* (beobachtet von Simon[73] für Kathodenstrahlen.)
+
+Herr Kaufmann schloß aus seinen Versuchen, daß der Grenzwert von e/m für
+Radiumstrahlen sehr kleiner Geschwindigkeit[^18] derselbe sein würde,
+wie für Kathodenstrahlen.
+
+Seine genauesten Messungen hat Kaufmann mit einem ihm von uns zur
+Verfügung gestellten kleinen Körnchen reinen Radiumchlorides gemacht.
+
+Nach den Versuchen Kaufmanns besitzen gewisse Teile der β-Strahlung
+des Radiums eine Geschwindigkeit, die der des Lichtes ganz nahe kommt.
+Es ist verständlich, daß diese so schnellen Strahlen ein sehr großes
+Durchdringungsvermögen der Materie gegenüber besitzen.
+
+i) Wirkung des Magnetfeldes auf die α-Strahlen.
+----------------------------------------------------
+
+In einer neueren Arbeit kündigte Herr Rutherford[74] an, daß in einem
+sehr starken elektrischen oder magnetischen Felde die α-Strahlen
+des Radiums schwach abgelenkt werden, derart, wie es bei schnell
+bewegten, positiv geladenen Teilchen der Fall sein würde. Rutherford
+schloß aus seinen Versuchen, daß die Geschwindigkeit der α-Strahlen
+von der Größenordnung 2,5⋅10^9 cm/sek und das Verhältniß e/m von der
+Größenordnung 6⋅10^3 wäre, d. h. 10^4mal kleiner als die ablenkbaren
+β-Strahlen. Weiter unten soll gezeigt werden, daß diese Schlüsse
+Rutherfords mit den bisher bekannten Eigenschaften der α-Strahlen
+in Einklang sind und zum Teil wenigstens von dem Absorptionsgesetz
+dieser Strahlen Rechenschaft geben.
+
+Die Versuche Rutherfords wurden von Herrn Becquerel[75,76] bestätigt.
+Becquerel zeigte ferner, daß die Poloniumstrahlen sich im Magnetfelde
+ebenso wie die α-Strahlen des Radiums verhielten und bei gleicher
+Feldstärke denselben Krümmungsradius anzunehmen scheinen wie diese. Aus
+den Becquerelschen Versuchen folgt ferner, daß die α-Strahlen kein
+magnetisches Spektrum zu bilden scheinen, sondern sich wie eine homogene
+Strahlung verhalten, bei der alle Strahlen gleich stark abgelenkt
+werden.[^19]
+
+k) Wirkung des Magnetfeldes auf die Strahlen andrer radioaktiver
+Substanzen.
+----------------------------------------------------------------------------
+
+Es wurde im Vorangehenden gezeigt, daß das Radium drei Strahlenarten
+emittirt, nämlich α-Strahlen, die den Kanalstrahlen,
+β-Strahlen, die den Kathodenstrahlen verwandt sind, und nicht
+ablenkbare durchdringende γ-Strahlen. Das Polonium emittirt nur
+α-Strahlen. Von den andren radioaktiven Körpern scheint das
+Aktinium sich wie das Radium zu verhalten, doch ist die Untersuchung der
+Strahlung dieses Körpers noch nicht so weit fortgeschritten, wie die der
+Radiumstrahlung. Von den schwach radioaktiven Körpern weiß man jetzt,
+daß das Uran und das Thor sowohl α-Strahlen, als auch ablenkbare
+β-Strahlen emittiren (Becquerel, Rutherford).
+
+l) Verhältniß der ablenkbaren β-Strahlen in der Radiumstrahlung.
+--------------------------------------------------------------------
+
+Wie bereits gesagt, vermehrt sich die relative Intensität der
+β-Strahlen mit zunehmender Entfernung von der Strahlungsquelle.
+Dennoch treten diese Strahlen niemals allein auf, und für große
+Entfernungen beobachtet man immer auch das Vorhandensein von
+γ-Strahlen. Das Vorhandensein nicht ablenkbarer, sehr
+durchdringender Strahlen in der Radiumstrahlung wurde zuerst von Herrn
+Villard[78] beobachtet. Diese Strahlen bilden nur einen geringen Anteil
+der Strahlung, wenn man sie mit der elektrischen Methode mißt, und ihr
+Vorhandensein entging uns bei unsren ersten Versuchen, sodaß wir damals
+mit Unrecht glaubten, daß bei großer Entfernung die Strahlung nur
+ablenkbare Strahlen enthielte.
+
+Folgendes sind die numerischen Resultate, die bei Versuchen nach der
+elektrischen Methode mit einem Apparat entsprechend dem der Fig. 5
+erhalten wurden. Das Radium war von dem Kondensator nur durch die
+umgebende Luft getrennt. Ich bezeichne mit d den Abstand der
+Strahlungsquelle vom Kondensator. Setzt man den Strom, der ohne
+Magnetfeld für jede einzelne Entfernung erhalten wurde, gleich 100, so
+bedeuten die Zahlen der zweiten Zeile den bei Erregung des Feldes
+übrigbleibenden Strom. Diese Zahlen können als der prozentuale Anteil
+der α- und γ-Strahlen betrachtet werden, da die Ablenkung der
+α-Strahlen bei der benutzten Anordnung kaum bemerkbar sein konnte.
+
+Bei großen Entfernungen hat man keine α-Strahlen mehr und die
+unabgelenkte Strahlung besteht dann nur noch aus γ-Strahlen.
+
+Versuche bei kleinem Abstand:
+
+ -------------------------------- ----- ----- ----- -----
+ d in cm 3,4 5,1 6,0 6,5
+ Unabgelenkte Strahlen in Proz. 74 56 33 11
+ -------------------------------- ----- ----- ----- -----
+
+Versuche bei großem Abstand, mit einem bedeutend aktiveren Präparat als
+bei der vorigen Reihe:
+
+ -------------------------------- ---- ---- ---- ---- ---- ----- -----
+ d in cm 14 30 53 80 98 124 157
+ Unabgelenkte Strahlen in Proz. 12 14 17 14 16 14 11
+ -------------------------------- ---- ---- ---- ---- ---- ----- -----
+
+Man sieht, daß von einer gewissen Entfernung an der Anteil der nicht
+abgelenkten Strahlen in der Strahlung annähernd konstant ist. Diese
+Strahlen gehören wahrscheinlich alle zu den γ-Strahlen. Die
+Unregelmäßigkeiten der Zahlen in der zweiten Zeile wollen übrigens nicht
+viel bedeuten, wenn man bedenkt daß die Totalintensität des Stromes in
+den beiden äußersten Versuchen im Verhältniß 660 zu 10 stand. Die
+Messungen konnten bis zu einer Entfernung von 1,57 m von der
+Strahlungsquelle ausgedehnt werden, und wir wären jetzt im Stande, noch
+weiter zu gehen.
+
+Bei der folgenden Versuchsreihe war das Radium in einem sehr engen
+Glasröhrchen eingeschlossen, das unter dem Kondensator und parallel zu
+den Platten sich befand. Die emittirten Strahlen hatten, ehe sie zu dem
+Kondensator gelangten, eine gewisse Glas- und Luftschicht zu passiren:
+
+ -------------------------------- ----- ----- ----- ----- ----- ----- ------ ------ ------
+ d in cm 2,5 3,3 4,1 5,9 7,5 9,6 11,8 13,9 17,2
+ Unabgelenkte Strahlen in Proz. 88 33 21 16 14 10 9 9 10
+ -------------------------------- ----- ----- ----- ----- ----- ----- ------ ------ ------
+
+Wie in den früheren Versuchen konvergiren die Zahlen der zweiten Zeile
+gegen einen konstanten Grenzwert, wenn die Entfernung d wächst, aber die
+Grenze wird praktisch schon für einen kleineren Abstand erreicht als in
+den früheren Reihen, weil die α-Strahlen in dem Glase stärker
+absorbirt werden, als die β- und γ-Strahlen.
+
+Auch folgender Versuch zeigt, daß eine dünne Aluminiumschicht (von
+0,01 mm Dicke) hauptsächlich die α-Strahlen absorbirt. Wenn das
+Präparat 5 cm vom Kondensator entfernt war, so fand man, durch Erregung
+des Magnetfeldes, daß das Verhältniß der übrigen Strahlen zu den
+β-Strahlen 71 Proz. betrug. Bedeckt man das Präparat mit dem
+Aluminiumblatt, so findet man, daß bei derselben Entfernung die
+durcbgelassene Strahlung fast vollständig vom Magnetfeld abgelenkt wird,
+weil die α-Strahlen von dem Blatt absorbirt worden sind. Dasselbe
+Resultat erhält man mit Papier als Absorptionsschirm.
+
+Der größte Teil der Radiumstrahlung besteht aus α-Strahlen, die
+wahrscheinlich hauptsächlich von der Oberfläche der strahlenden Substanz
+emittirt werden. Wenn man die Dicke der strahlenden Schicht variirt, so
+wächst die Stromstärke mit dieser Dicke; die Vermehrung ist aber nicht
+für die Gesamtheit der Strahlen der Zunahme der Dicke proportional; sie
+ist für die β-Strahlen viel beträchtlicher als für die
+α-Strahlen, derart, daß der relative Anteil der β-Strahlen mit
+wachsender Schichtdicke zunimmt. Wenn die Strahlungsquelle sich 5 cm vom
+Kondensator entfernt befindet, so findet man für eine Dicke der aktiven
+Schicht von 0,4 mm, daß die Gesamtstrahlung durch die Zahl 28 gegeben
+ist und der Anteil der β-Strahlen 29 Proz. beträgt. Macht man die
+Schicht 2 mm dick, d. h. fünfmal dicker, so erhält man eine
+Gesamtstrahlung gleich 102 und einen Anteil der β-Strahlen von
+45 Proz. Die bei dieser Entfernung beobachtete Gesamtstrahlung ist also
+auf das 3,6fache und die ablenkbare β-Strahlung auf das 5fache
+gestiegen.
+
+Die vorstehenden Versuche wurden mittels der elektrischen Methode
+ausgeführt. Benutzt man die radiographische Methode, so scheinen gewisse
+Resultate mit dem Vorstehenden in Widerspruch. Bei den Versuchen von
+Herrn Villard wurde ein der Wirkung des Magnetfeldes ausgesetztes Bündel
+von Radiumstrahlen auf einem Satze von photographischen Platten
+aufgefangen. Das unablenkbare und durchdringende γ-Strahlenbündel
+durchsetzte alle Platten und zeichnete seine Spur auf allen. Das
+abgelenkte β-Bündel wirkte nur auf die erste Platte ein. Dieses
+Bündel scheint also keine Strahlen von großem Durchdringungsvermögen zu
+enthalten.
+
+Im Gegensatz dazu besteht bei unsren Versuchen ein in Luft sich
+fortpflanzendes Bündel bei den größten der Beobachtung zugänglichen
+Entfernungen zu ungefähr {}^{9}/_{10} aus ablenkbaren β-Strahlen,
+und dasselbe ist der Fall, wenn die Strahlungsquelle in eine kleine
+zugeschmolzene Glasröhre eingeschlossen ist. Bei den Versuchen Villards
+wirken diese ablenkbaren und durchdringenden β-Strahlen nicht mehr
+auf die hinteren Platten ein, weil sie von dem ersten festen Hinderniß,
+das sie treffen, nach allen Seiten diffundirt werden und dadurch
+aufhören ein begrenztes Bündel zu bilden. Bei unsren Versuchen wurden
+die von dem Radium emittirten und das Glas durchsetzenden Strahlen
+wahrscheinlich auch von dem Glas diffundirt; da aber die Röhre sehr
+klein war, so wirkte sie selbst als Strahlenquelle für die von ihrer
+Oberfläche ausgehenden ablenkbaren β-Strahlen und wir konnten
+dieselben bis zu großen Entfernungen von der Röhre beobachten.
+
+Die Kathodenstrahlen der Entladungsröhren können nur sehr dünne Schirme
+durchdringen (Aluminiumschirme bis zu 0,01 mm Dicke). Ein
+Strahlenbündel, das senkrecht auf den Schirm trifft, wird nach allen
+Seiten zerstreut; aber die Zerstreuung ist um so weniger beträchtlich,
+je dünner der Schirm, und für sehr dünne Schirme existirt ein
+austretendes Bündel, das merklich in die Verlängerung des einfallenden
+Bündels fällt[79].
+
+Die ablenkbaren β-Strahlen des Radiums verhalten sich ähnlich, doch
+ist die Veränderung, die das Bündel bei einem Schirm von derselben Dicke
+erfährt, viel weniger groß. Nach den Versuchen Becquerels werden die
+stark ablenkbaren β-Strahlen des Radiums (d. h. diejenigen, deren
+Geschwindigkeit klein ist) von einem Aluminiumschirm von 0,1 mm Dicke
+stark zerstreut; die durchdringenderen und weniger ablenkbaren Strahlen
+jedoch (kathodenstrahlartige mit großer Geschwindigkeit) durchdringen
+denselben Schirm ohne merkliche Zerstreuung und ohne Deformation des
+Bündels, und zwar unabhängig von der Neigung des Schirmes gegen das
+Bündel. Die sehr schnellen β-Strahlen durchdringen ohne Zerstreuung
+eine ziemlich dicke Schicht von Paraffin (einige Centimeter) und man
+kann in dieser Schicht die Krümmung des Bündels unter der Einwirkung
+eines Magnetfeldes verfolgen. Je dicker der Schirm ist und je
+absorbirender seine Substanz, um so mehr wird das ursprüngliche
+ablenkbare Bündel verändert, weil in dem Maße, wie die Schichtdicke
+wächst, die Zerstreuung beginnt, sich an immer durchdringenderen
+Strahlen bemerkbar zu machen.
+
+Die Luft bewirkt eine Zerstreuung der β-Strahlen, die zwar für die
+stark ablenkbaren Strahlen sehr bemerkbar ist, jedoch viel weniger in
+Betracht kommt als die von gleichen Dicken fester Körper hervorgerufene.
+Deshalb breiten sich die β-Stahlen des Radiums in Luft auf große
+Entfernungen hin aus.
+
+m) Durchdringungsvermögen der Strahlung der radioaktiven Substanzen.
+--------------------------------------------------------------------
+
+Vom Beginn der Untersuchungen über die radioaktiven Substanzen an
+beschäftigte man sich mit der Absorption, die verschiedene Schirme auf
+die Strahlung dieser Körper ausüben. In einer ersten Notiz über diesen
+Gegenstand veröffentlichte ich[15] einige Zahlen, die am Beginn dieser
+Schrift mitgeteilt sind und aus denen das relative
+Durchdringungsvermögen der Uran- und Thorstrahlung zu ersehen ist. Herr
+Rutherford[17] untersuchte specieller die Uranstrahlung und wies ihre
+Heterogenität nach. Herr Owens[26] kam zu demselben Schluß bezüglich der
+Thorstrahlung. Als sodann die Entdeckung der stark aktiven Substanzen
+erfolgte, wurde das Durchdringungsvermögen ihrer Strahlen sogleich von
+mehreren Physikern untersucht (Becquerel[80], Meyer und
+v. Schweidler[81], Curie, Rutherford). Die ersten Beobachtungen zeigten
+unzweifelhaft die Heterogenität der Strahlung, die ein allgemeines
+Phänomen zu sein und allen radioaktiven Stoffen zuzukommen scheint. Man
+befindet sich da Strahlungsquellen gegenüber, die eine Gesamtheit von
+Strahlen emittiren, deren jeder sein eigenes Durchdringungsvermögen hat.
+Die Frage komplicirt sich noch dadurch, daß man untersuchen muß, in
+welchem Maße die Natur der Strahlung beim Hindurchgang durch materielle
+Körper modificirt werden kann, und daß infolgedessen jede Messungsreihe
+eine präcise Bedeutung nur für die gerade angewandte Versuchsordnung
+hat.
+
+Unter Berücksichtigung dieser Einschränkungen kann man versuchen, die
+verschiedenen Versuche miteinander zu vergleichen und die Gesamtheit der
+Resultate darzustellen.
+
+Die radioaktiven Körper emittiren eine Strahlung, die sich in Luft und
+im Vakuum fortpflanzt; die Fortpflanzung ist geradlinig; diese Tatsache
+wird durch die Schärfe und die Form der Schatten bewiesen, die man
+erhält, wenn man für die Strahlung undurchsichtige Körper zwischen die
+Quelle und die photographische Platte oder den als Empfänger dienenden
+Fluorescenzschirm stellt, wobei die Quelle klein sein muß gegen die
+Entfernung vom Empfänger. Verschiedene Versuche, die die geradlinige
+Ausbreitung der Strahlung des Urans, des Radiums und des Poloniums
+beweisen, sind von Herrn Becquerel[82,83] ausgeführt worden.
+
+Es ist interessant, die Entfernung von der Quelle zu bestimmen, bis zu
+der die Strahlen sich in Luft fortpflanzen können, Wir stellten fest,
+daß das Radium Strahlen aussendet, die in mehreren Metern Abstand in
+Luft beobachtet werden konnten. Bei einigen unsrer elektrischen
+Messungen fand eine Einwirkung der Strahlungsquelle auf die Luft im
+Kondensator noch bei einer Entfernung von 2 bis 3 m statt. Ebenso haben
+wir Fluorescenzwirkungen und photographische Wirkungen noch bei
+Entfernungen von derselben Größenordnung erhalten.
+
+Diese Versuche können nur mit sehr intensiven Strahlungsquellen
+ausgeführt werden, da, abgesehen von der Absorption der Luft, die
+Wirkung auf den Empfänger im umgekehrten Verhältniß des
+Entfernungsquadrats variirt, wenn die Quelle von kleinen Dimensionen
+ist. Diese sich in große Entfernung vom Radium ausbreitende Strahlung
+enthält ebensowohl kathodenstrahlartige wie nicht ablenkbare Strahlen;
+die ablenkbaren Strahlen sind jedoch in der Mehrzahl, gemäß den oben
+angeführten Versuchen. Der größte Teil der Strahlen dagegen (die
+α-Strahlen) ist in Luft auf einen Abstand von etwa 7 cm von der
+Quelle begrenzt.
+
+Ich machte einige Versuche mit Radium, das in einem kleinen Glasgefäß
+eingeschlossen war. Die aus diesem Gefäß hervorkommenden Strahlen
+durchmaßen einen gewissen Luftraum und wurden in einem Kondensator
+aufgefangen, der in gewöhnlicher Weise zur Messung ihres
+Ionisationsvermögens mittels der elektrischen Methode diente. Man
+veränderte die Entfernung d der Quelle vom Kondensator und maß den im
+Kondensator erhaltenen Sättigungsstrom. Folgendes sind die Resultate
+einer Messungsreihe:
+
+ d cm i i⋅ d^2⋅ 10^{-3}
+ ------ ------- -------------------------
+ 10 127,0 13
+ 20 38,0 15
+ 30 17,4 16
+ 40 10,5 17
+ 50 6,9 17
+ 60 4,7 17
+ 70 3,8 19
+ 100 1,65 17
+
+Von einem gewissen Abstand an ändert sich die Intensität der Strahlung
+merklich wie das Quadrat der Entfernung vom Kondensator.
+
+Die Poloniumstrahlung breitet sich in Luft nur bis zu einer Entfernung
+von einigen Centimetern (4 bis 6 cm) von der Strahlungsquelle aus.
+
+Betrachtet man die Absorption der Strahlung durch feste Körper, so
+findet man auch dabei einen fundamentalen Unterschied zwischen dem
+Radium und dem Polonium. Das Radium emittirt Strahlen, die eine dicke
+Schicht fester Körper zu durchdringen vermögen, z. B. einige Centimeter
+Blei oder Glas. Die Strahlen, die eine große Schichtdicke eines festen
+Körpers durchsetzt haben, sind außerordentlich durchdringend, und man
+kann sie praktisch überhaupt nicht vollständig durch irgend einen Körper
+absorbiren lassen. Aber diese Strahlen bilden nur einen geringen
+Bruchteil der Totalstrahlung, die im Gegensatz hierzu zum größten Teil
+bereits durch eine dünne Schicht fester Substanz absorbirt wird.
+
+Das Polonium dagegen emittirt äußerst absorbirbare Strahlen, die nur
+sehr dünne Schichten fester Körper durchdringen können. Ich gebe als
+Beispiel einige Zahlen über die Absorption, die ein Aluminiumblatt von
+0,01 mm Dicke hervorbringt. Dieses Blatt wurde über die Substanz gedeckt
+und war beinahe mit ihr in Berührung. Die direkte und die von dem Blatt
+durchgelassene Strahlung wurden mittels der elektrischen Methode
+(Fig. 1) gemessen; der Sättigungsstrom wurde in allen Fällen merklich
+erreicht. Ich bezeichne mit a die Aktivität der strahlenden Substanz,
+die des Urans gleich 1 gesetzt.
+
+ ---------------------------------------------------------------
+ a Von dem Blatt
+ durchgelassener
+ Bruchteil der
+ Strahlung
+ ------------------------------------ -------- -----------------
+ Radium-haltiges Baryumchlorid 57 0,32
+
+ Radium-haltiges Baryumbromid 43 0,30
+
+ Radium-haltiges Baryumchlorid 1200 0,30
+
+ Radium-haltiges Baryumsulfat 5000 0,29
+
+ Radium-haltiges Baryumsulfat 10000 0,32
+
+ Metallisches Wismut-Polonium —— 0,22
+
+ Uranverbindungen —— 0,20
+
+ Thorverbindungen in dünner Schicht —— 0,38
+ ---------------------------------------------------------------
+
+Man sieht hieraus, daß Radium-haltige Verbindungen von ganz
+verschiedener Aktivität ganz analoge Resultate geben, wie ich es bereits
+im Anfang dieser Arbeit für die Uran- und Thorverbindungen gezeigt habe.
+Man sieht auch, wenn man die Gesamtstrahlung ins Auge faßt, daß dann für
+die betrachtete absorbirende Schicht die verschiedenen strahlenden
+Substanzen sich nach abnehmendem Durchdringungsvermögen ihrer Strahlen
+in folgender Reihenfolge ordnen: Thor, Radium, Polonium, Uran.
+
+Diese Resultate sind in Übereinstimmung mit denen, die Herr
+Rutherford[84] in einer Arbeit über diesen Gegenstand veröffentlichte.
+
+Rutherford findet übrigens, daß die Reihenfolge dieselbe ist, wenn Luft
+die absorbirende Substanz bildet. Es ist jedoch wahrscheinlich, daß
+diese Reihenfolge keine absolute Bedeutung hat und nicht unabhängig von
+der Natur und der Dicke des betrachteten Schirms besteht. Der Versuch
+zeigt ja tatsächlich, daß das Absorptionsgesetz für Polonium und Radium
+sehr verschieden ist, und daß man bei letzterem die Absorption jeder der
+drei Strahlenarten für sich betrachten muß.
+
+Das Polonium ist besonders zur Untersuchung der α-Strahlen
+geeignet, da die in unsrem Besitz befindlichen Präparate keinerlei andre
+Strahlen emittiren. Ich machte eine erste Versuchsreihe mit frisch
+hergestellten und sehr stark aktiven Poloniumpräparaten.
+
+Ich[44] fand, daß die Poloniumstrahlen um so absorbirbarer sind, je
+dicker die schon durchstrahlte Schicht von Materie ist. Dieses
+merkwürdige Absorptionsgesetz steht im Widerspruch mit dem für die
+andren Strahlungen bekannten.
+
+Ich benutzte für diese Untersuchung unsren elektrischen Meßapparat in
+folgender Anordnung:
+
+[Fig. 8]
+
+Die beiden Platten eines Kondensators PP und P'P' (Fig. 8) stehen
+horizontal und sind durch einen mit der Erde verbundenen Metallkasten
+BBBB geschirmt. Der aktive Körper A befindet sich in einer dicken
+Metallbüchse CCCC, die an der Platte P'P’ befestigt ist, und wirkt auf
+die Luft im Kondensator durch ein Metallnetz T hindurch; nur die das
+Metallgewebe durchsetzenden Strahlen werden zur Stromerzeugung benutzt,
+da das Feld an dem Gewebe endigt, Die Entfernung AT des aktiven Körpers
+von dem Gewebe ist veränderlich. Das Feld zwischen den Platten wird
+durch eine Batterie erzeugt; der Strom wird mittels eines Elektrometers
+und einen piezoelektrischen Quarzes gemessen. Indem man in A auf den
+aktiven Körper verschiedene Schirme aufsetzt und die Entfernung AT
+variirt, kann man die Absorption von Strahlen messen, die in Luft mehr
+oder weniger große Wege zurückgelegt haben.
+
+Folgendes sind die mit Polonium erhaltenen Resultate:
+
+Für einen gewissen Wert der Entfernung AT (4 cm und darüber) erhält man
+keinen Strom; die Strahlen dringen nicht in den Kondensator ein.
+Vermindert man den Abstand AT, so macht sich das Auftreten der Strahlen
+im Kondensator ziemlich plötzlich bemerkbar, derart, daß man durch eine
+sehr kleine Verringerung der Entfernung von einem sehr schwachen zu
+einem sehr merklichen Strome übergeht; von da ab wächst der Strom
+regelmäßig, wenn man den strahlenden Körper dem Gewebe T weiter
+annähert.
+
+Wenn man die strahlende Substanz mit einem Alumiumblatt von 0,01 mm
+Dicke bedeckt, so ist die dadurch hervorgerufene Absorption um so
+größer, je größer die Entfernung AT.
+
+Legt man auf das erste Aluminiumblatt ein gleiches zweites, so absorbirt
+jedes Blatt einen Bruchteil der auffallenden Strahlung; dieser Bruchteil
+ist für das zweite Blatt größer als für das erste, so daß das zweite
+stärker absorbirend erscheint.
+
+Die folgende Tabelle enthält: In der ersten Zeile die Abstände zwischen
+dem Polonium und dem Gewebe T in Centimetern; in der zweiten Zeile den
+Anteil der von einem Aluminiumblatt durchgelassenen Strahlung in
+Prozenten; in der dritten Zeile den von zwei gleichen Aluminiumblättern
+durchgelassenen Anteil in Prozenten:
+
+ ------------------------------------ ---- ---- ---- ----- -----
+ Entfernung AT 3,5 2,5 1,9 1,45 0,5
+
+ Von einem Blatt durchgelassene 0,0 0,0 5,0 10,0 25,0
+ Strahlung in Prozenten
+
+ Von zwei Blättern durchgelassene 0,0 0,0 0,0 0,0 0,7
+ Strahlung in Prozenten
+ ------------------------------------ ---- ---- ---- ----- -----
+
+Bei diesen Versuchen war der Abstand zwischen den Platten P und P' 3 cm.
+Man sieht, daß die Zwischenschaltung des Aluminiumblattes in größerer
+Entfernung die Strahlung in höherem Maße schwächt als in kleinerer
+Entfernung.
+
+Dieser Effekt ist noch ausgesprochener, als aus den obigen Zahlen
+hervorzugehen scheint. So bedeutet z. B. die Durchdringung von 25 Proz.
+für den Abstand 0,5 den Mittelwert des Durchdringungsvermögens für alle
+Strahlen, die diese Entfernung überschreiten, wobei dasjenige für die
+äußersten Strahlen sehr schwach ist. Wenn man nur die Strahlen zwischen
+0,5 und 1 cm auffinge, so würde man eine noch größere Durchdringung
+erhalten. Und in der Tat, wenn man die Platten P und P' einander auf
+0,5 cm nähert, so beträgt der von einem Aluminiumblatt durchgelassene
+Bruchteil der ursprünglichen Strahlung (für AT: 0,5 cm) 47 Proz. und bei
+zwei Blättern 5 Proz.
+
+Ich machte kürzlich eine neue Versuchsreihe mit denselben
+Poloniumpräparaten, deren Aktivität unterdessen beträchtlich abgenommen
+hatte, da zwischen beiden Versuchsreihen ein Zeitraum von drei Jahren
+lag.
+
+Bei den alten Versuchen war das Polonium als Subnitrat verwandt; bei den
+neuen bestand es aus metallischen Körnern, die durch Schmelzung des
+Subnitrats mit Cyankalium erhalten waren. Ich stellte fest, daß die
+Poloniumstrahlung ihre wesentlichsten Charaktere behalten hatte, und
+fand auch einige neue Resultate. Folgende Bruchteile der Strahlung
+wurden für verschiedene Entfernungen AT von einem aus vier dünnen
+Schichten von Blattaluminium gebildeten Schirm durchgelassen:
+
+ ------------------------------------ ---- ---- ----
+ Entfernung AT in Centimetern 0 1,5 2,6
+
+ Vom Schirm durchgelassene Proz. der 76 66 39
+ Strahlung
+ ------------------------------------ ---- ---- ----
+
+Ich konstatirte ferner, daß die von einem bestimmten Schirm absorbirte
+Strahlung mit der Dicke der schon vorher von der Strahlung durchlaufenen
+festen Schicht wächst, doch gilt dies nur von einer bestimmten
+Entfernung AT ab. Wenn diese Entfernung Null ist (das Polonium also
+dicht an dem Netz, außerhalb oder innerhalb des Kondensators), so
+beobachtet man, daß von mehreren aufeinander gelegten gleichen Schirmen
+jeder denselben Bruchteil der auffallenden Strahlung absorbirt, oder
+anders ausgedrückt, daß die Intensität der Strahlung als Funktion der
+durchstrahlten Schichtdicke nach einem Exponentialgesetz abfällt, wie es
+für eine homogene und von der Schicht in ihrer Natur nicht veränderte
+Strahlung der Fall ist.
+
+Ich teile einige Zahlenwerte über diese Versuche mit:
+
+Bei einem Abstand AT = 1,5 cm läßt ein dünnes Aluminiumblatt 0,51 der
+auftretenden Strahlung durch, wenn es allein vorhanden ist, und bloß
+0,34, wenn ein zweites gleiches Blatt darunter liegt.
+
+Dagegen läßt dasselbe Blatt bei einer Entfernung AT = 0 in beiden Fällen
+denselben Bruchteil der auffallenden Strahlung hindurch; und zwar
+beträgt der Bruchteil 0,71, ist also viel größer als im ersten Falle.
+
+Die folgenden Zahlen wurden für einen Abstand AT = 0 und eine Schicht
+von aufeinander liegenden sehr dünnen Blättern als Größe des von jedem
+Blatt hindurchgelasaenen Bruchteils der auf ihn fallenden Strahlung
+erhalten:
+
+ ------------------------------------------------------------
+ Neun aufeinander liegende Sieben aufeinander liegende
+ dünne Kupferblätter dünne Aluminiumblätter
+ ---------------------------- -------------------------------
+ 0,72 0,69
+
+ 0,78 0,94
+
+ 0,75 0,95
+
+ 0,77 0,91
+
+ 0,70 0,92
+
+ 0,77 0,93
+
+ 0,69 0,91
+
+ 0,79
+
+ 0,68
+ ------------------------------------------------------------
+
+Unter Berücksichtigung der Schwierigkeiten bei der Verwendung sehr
+dünner Absorptionsschirme und ihrer genauen Übereinanderschichtung
+können die Zahlen in jeder Spalte als konstant angesehen werden; nur die
+erste Zahl in der Reihe für Aluminium zeigt eine stärkere Absorption an
+als die folgenden Zahlen.
+
+Die α-Strahlen des Radiums verhalten sich wie die Poloniumstrahlen.
+Man kann diese Strahlen beinahe rein beobachten, wenn man die viel
+ablenkbareren β-Strahlen durch ein Magnetfeld zur Seite wirft; die
+γ-Strahlen kommen praktisch neben den α-Strahlen kaum in
+Betracht. Man kann jedoch nur von einem gewissen Abstand von der Quelle
+an so verfahren. Bei einem Versuch dieser Art wurden die folgenden
+Resultate erhalten. Es wurde der von einem Aluminiumblatt von 0,01 mm
+Dicke hindurchgelassene Bruchteil der Strahlung gemessen; dieses Blatt
+befand sich immer an derselben Stelle, dicht über der Strahlungsquelle.
+Man beobachtete mit dem in Fig. 5 dargestellten Apparat den Strom im
+Kondensator für verschiedene Werte des Abstandes AD, einmal mit, das
+andre Mal ohne den Schirm.
+
+ ------------------------------------ ---- ---- ----
+ Abstand AD 6,0 5,1 3,4
+
+ Vom Aluminium durchgelassene 3 7 24
+ Prozente der Strahlung
+ ------------------------------------ ---- ---- ----
+
+Auch hier werden also die Strahlen, die am weitesten durch Luft gegangen
+sind, vom Aluminium am stärksten absorbirt. Es besteht somit eine
+weitgehende Analogie zwischen den absorbirbaren α-Strahlen des
+Radiums und den Poloniumstrahlen.
+
+Die ablenkbaren β-Strahlen und die nicht ablenkbaren γ-Strahlen
+sind dagegen ganz andrer Natur. Die Versuche mehrerer Physiker, vor
+allem der Herren Meyer und v. Schweidler[81] ergeben deutlich, daß, wenn
+man die Gesamtstrahlung des Radiums betrachtet, das
+Durchdringungsvermögen mit der bereits durchstrahlten Sohichtdicke
+wächst, wie es auch für die Röntgenstrahlen der Fall ist. Bei diesen
+Versuchen kommen die α-Strahlen kaum in Betracht, weil diese
+Strahlen praktisch schon durch sehr dünne Schirme beseitigt werden. Was
+hindurchgeht, das sind einerseits die mehr oder weniger diffundirten
+β-Strahlen, anderseits die wahrscheinlich den Röntgenstrahlen
+analogen γ-Strahlen.
+
+Ich teile einige Resultate meiner diesbezüglichen Versuche mit:
+
+Das Radium ist in einem Glasgefäß eingeschlossen. Die austretenden
+Strahlen durchlaufen eine Luftschicht von 30 cm und werden in einer
+Reihe von Glasplatten von je 1,3 mm Dicke aufgefangen; die erste Platte
+läßt 49 Proz. der auffallenden Strahlung hindurch, die zweite 84 Proz.
+und die dritte 85 Proz.
+
+Bei einer andren Versuchsreihe befand sich das Radium in einem Glasgefäß
+in 10 cm Abstand von dem auffangenden Kondensator. Auf das Gefäß wurden
+eine Reihe von Bleiplatten gelegt, die jede eine Dicke von 0,115 mm
+hatten. Das Verhaltniß der hindurchgelassenen zur auffallenden Strahlung
+für jede der aufeinander folgenden Platten ist durch folgende
+Zahlenreihe gegeben:
+
+0,40 0,60 0,72 0,79 0,89 0,92 0,94 0,94 0,97
+
+Für eine Reihe von vier Bleischirmen von je 1,5 mm Dicke wird das
+Verhaltniß der durchgelassenen zur auffallenden Strahlung durch folgende
+Zahlen gegeben:
+
+0,09 0,78 0,84 0,82.
+
+Aus diesen Versuchen geht hervor, daß bei einem Anwachsen der
+Schichtdicke von 0,1 mm bis zu 6 mm das Durchdringungsvermögen der
+Strahlung dauernd zunimmt. Ich fand unter gleichen Versuchsbedingungen,
+daß ein Bleischirm von 1,8 cm Dicke 2 Proz. der auf ihn fallenden
+Strahlung hindurchläßt; ein Bleischirm von 5,3 cm Dicke läßt noch
+0,4 Proz. der auffallenden Strahlung hindurch. Ich konstatirte ferner,
+daß die von einem Bleischirm von 1,5 mm Dicke hindurchgelassene
+Strahlung zum großen Teil aus ablenkbaren (kathodenstrahlartigen)
+Strahlen bestand. Letztere sind also nicht nur im stande, große
+Entfernungen in Luft zu durchlaufen, sondern auch beträchtliche
+Schichtdicken von so stark absorbirenden festen Körpern wie Blei.
+
+Wenn man mit dem in Fig. 2 dargestellten Apparat die Absorption der
+Gesamtstrahlung des Radiums durch ein Aluminiumblatt von 0,01 mm Dicke
+beobachtet, wobei das Blatt sich immer in derselben Entfernung von der
+strahlenden Substanz befindet, während die Entfernung AD des
+Kondensators verändert wird, so bilden die erhaltenen Resultate die
+Übereinanderlagerung der von den drei Strahlengruppen herrührenden
+Ergebnisse. Beobachtet man bei großem Abstand, so überwiegen die
+durchdringenden Strahlen und die Absorption ist schwach; beobachtet man
+bei kleinem Abstand, so überwiegen die α-Strahlen und die
+Absorption ist um so schwächer, je mehr man sich der Substanz nähert;
+für eine mittlere Entfernung hat die Absorption ein Maximum und das
+Durchdringungsvermögen ein Minimum.
+
+ ------------------------------------ ---- ---- ---- ---- ----
+ Abstand AD 7,1 6,5 6,0 5,1 3,4
+
+ Vom Aluminium durchgelassene 91 82 58 41 48
+ Prozente der Strahlung
+ ------------------------------------ ---- ---- ---- ---- ----
+
+Gleichwohl zeigen gewisse Absorptionsversuche doch eine gewisse Analogie
+zwischen den α-Strahlen und den ablenkbaren β-Strahlen.
+
+So fand z. B. Herr Becquerel, daß die absorbirende Wirkung eines festen
+Schirmes auf die β-Strahlen zunimmt, wenn man die Entfernung des
+Schirmes von der Quelle vergrößert; wenn man also die Strahlen der
+Einwirkung eines Magnetfeldes unterwirft, wie in Fig. 4, so läßt ein
+unmittelbar auf die Strahlungsquelle gelegter Schirm einen größeren Teil
+des magnetischen Spektrums bestehen als ein auf die photographische
+Platte gelegter Schirm. Diese Veränderung der Absorptionswirkung des
+Schirmes mit der Entfernung desselben von der Quelle ist ganz analog
+dem, was für die α-Strahlen gefunden; sie wurde von den Herren
+Meyer und v. Schweidler bestätigt, die sich der fluoroskopischen Methode
+bedienten; Herr Curie und ich beobachteten dieselbe Tatsache mit der
+elektrischen Methode. Die Entstehungsbedingungen dieses Phänomens sind
+noch nicht näher untersucht. Wenn man jedoch das Radium in ein
+Glasröhrchen einschließt und in ziemlich große Entfernung vom
+Kondensator bringt, der von einer dünnen Aluminiumhülle umgeben ist, so
+ist es gleichgültig, ob man den Schirm bei der Quelle oder beim
+Kondensator aufstellt; der erhaltene Strom ist in beiden Fällen
+derselbe.
+
+Die Untersuchung der α-Strahlen hatte mich[44] zu der Ansicht
+geführt, daß diese Strahlen sich wie Projektile verhalten, die mit einer
+gewissen Geschwindigkeit fortgeschleudert werden und beim Passiren von
+Hindernissen an Geschwindigkeit verlieren. Gleichwohl besitzen diese
+Strahlen geradlinige Fortpflanzung, wie Herr Becquerel durch folgenden
+Versuch nachwies. Das die Strahlen emittirende Polonium befand sich in
+einer sehr feinen geradlinigen Vertiefung, die in ein Kartonblatt
+eingeschnitten war. Man hatte also eine lineare Strahlungsquelle. Ein
+Kupferdraht von 1,5 mm Durchmesser befand sich parallel zur Quelle in
+einem Abstand von 4,9 mm. Eine photographische Platte war parallel
+hierzu in einem Abstand von 8,65 mm aufgestellt. Nach einer Exposition
+von 10 Minuten erschien der geometrische Schatten des Drahtes in
+durchaus vollkommener Form, in den vorausberechneten Dimensionen und mit
+einem sehr feinen Halbschatten auf jeder Seite, der durchaus der Breite
+der Quelle entsprach. Der Versuch gelang ebenso, wenn man auf den Draht
+ein doppeltes Aluminiumblatt legte, das die Strahlen durchdringen
+mußten.
+
+Es handelt sich also um Strahlen, die scharfe geometrische Schatten
+geben können. Der Versuch mit dem Aluminium zeigt, daß die Strahlen
+durch das Blatt nicht diffundirt werden und daß dieses auch nicht in
+nennenswerter Menge Sekundärstrahlen analog den sekundären
+Röntgenstrahlen emittirt.
+
+Die Versuche Rutherfords zeigen, daß die Projektile, aus denen die
+α-Strahlen bestehen, im Magnetfeld abgelenkt werden, als seien sie
+positiv geladen. Die Ablenkung im Magnetfeld ist um so schwächer, je
+größer der Ausdruck mv/e ist, wobei m die Masse, v die Geschwindigkeit
+und e die Ladung des Teilchens bedeutet. Die Kathodenstrahlen des
+Radiums werden schwach abgelenkt, weil ihre Geschwindigkeit enorm ist;
+sie haben ferner ein großes Durchdringungsvermögen, weil die Teilchen
+gleichzeitig große Geschwindigkeit und sehr kleine Masse haben. Teilchen
+dagegen, die bei gleicher Ladung und kleinerer Geschwindigkeit eine viel
+größere Masse haben, werden zwar ebenso schwach ablenkbar im Magnetfelde
+sein, anderseits aber notwendig sehr absorbirbare Strahlen ergeben. Aus
+den Versuchen von Rutherford scheint hervorzugehen, daß dies für die
+α-Strahlen der Fall ist.
+
+Um eine Wirkung der α-Strahlen handelt es sich wahrscheinlich bei
+dem schönen Versuch mit dem Crookesschen Spinthariskop[85]. Dieser
+Apparat besteht im wesentlichen aus einem Körnchen Radiumsalz, das am
+Ende eines Metalldrahtes vor einem Schirm aus phosphorescirendem
+Zinksulfid befestigt ist.
+Die Entfernung des Kornes vom Schirm ist sehr klein (etwa ⅓ mm) und man
+beobachtet mit einer Lupe die dem Radium zugewandte Seite des Schirmes.
+Das Auge bemerkt dann auf dem Schirme einen wahrhaften Regen von
+Lichtpunkten, die fortwährend erscheinen und wieder verschwinden. Der
+Schirm sieht aus wie der gestirnte Himmel. In den dem Radium
+benachbarten Punkten befinden die Lichtpunkte sich näher aneinander, und
+in unmittelbarer Nähe des Radiums erscheint das Leuchten kontinuirlich.
+
+Durch einen Luftstrom scheint das Phänomen nicht beeinflußt zu werden;
+es tritt auch im Vakuum auf; ein noch so dünner Schirm zwischen dem
+Radium und dem Leuchtschirm unterdrückt es; die Erscheinung scheint also
+von den absorbirbarsten α-Strahlen des Radiums herzurühren.
+
+Man kann sich vorstellen, daß das Erscheinen eines solchen Lichtpunktes
+auf dem phosphorescirenden Schirm von dem Stoße eines einzelnen
+Projektils herrühre. Von diesem Gesichtspunkte aus hätte man es hier
+also zum erstenmal mit einer Erscheinung zu tun, bei der man die
+Einzelwirkung eines Teilchens beobachten kann, dessen Dimensionen von
+der Größenordnung derjenigen eines Atome sind.[^20]
+
+Der Anblick der Lichtpunkte entspricht etwa dem von Sternen oder stark
+erleuchteten ultramikroskopischen Teilchen[87], die auf der Netzhaut
+keine scharfen Bilder erzeugen, sondern nur Beugungsscheibchen; dies ist
+in guter Übereinstimmung mit der Anschauung, daß jeder winzige
+Lichtpunkt von dem Stoß eines einzelnen Atoms herrührt.
+
+Die nicht ablenkbaren durchdringenden γ-Strahlen scheinen ganz
+andrer Natur und mehr den Röntgenstrahlen analog zu sein. Es ist jedoch
+durch nichts bewiesen, daß nicht auch wenig durchdringende Strahlen
+gleicher Art in der Radiumstrahlung enthalten sein können, denn sie
+könnten durch die übrige Strahlung verdeckt sein.
+
+Man sieht hieraus, ein wie komplicirtes Phänomen die Strahlung der
+radioaktiven Körper ist. Die Schwierigkeiten vermehren sich noch
+dadurch, daß man untersuchen muß, ob die Strahlen durch die Materie bloß
+selektiv absorbirt, oder ob sie auch mehr oder weniger weitgehend
+umgewandelt werden.
+
+Man weiß erst sehr wenig über diese Frage. Wenn man jedoch annimmt, daß
+die Radiumstrahlung Strahlen von der Art der Röntgen- und der
+Kathodenstrahlen enthält, so kann man erwarten, daß diese Strahlung beim
+Durchschreiten von Schirmen transformirt wird. Es ist in der Tat
+bekannt:
+
+1. Daß Kathodenstrahlen, die durch ein Aluminiumfenster aus der
+ Entladungsröhre heraustreten (Lenardscher Versuch) im Aluminium
+ stark diffundirt werden und gleichzeitig einen
+ Geschwindigkeitsverlust erfahren[88]; so verlieren z. B.
+ Kathodenstrahlen von einer Geschwindigkeit v = 1,4 ⋅ 10^{10}
+ cm/sec 10 Proz. ihrer Geschwindigkeit beim Hindurchgang durch
+ 0,01 mm dickes Aluminium[79].
+
+2. Daß Kathodenstrahlen beim Auftreffen auf ein Hinderniß
+ Röntgenstrahlen erzeugen.
+
+3. Daß Röntgenstrahlen beim Auftreffen auf ein festes Hinderniß
+ Sekundärstrahlen erzeugen, die zum Teil aus Kathodenstrahlen
+ bestehen[89-91].
+
+Man kann also nach Analogie die Existenz all dieser soeben beschriebenen
+Erscheinungen bei der Strahlung der radioaktiven Körper voraussetzen.
+
+Bei der Untersuchung des Hindurchganges der Poloniumstrahlen durch einen
+Aluminiumschirm beobachtete Herr Becquerel[80] weder die Produktion von
+Sekundärstrahlen, noch eine Umwandlung in kathodenstrahlartige Strahlen.
+
+Ich versuchte, eine Transformation der Poloniumstrahlen mittels der
+Methode der Vertauschung der Schirme nachzuweisen. Wenn zwei
+übereinander gelegte Schirme E_1 und E_2, von den Strahlen durchdrungen
+werden, so muß die Reihenfolge, in der sie durchlaufen werden,
+gleichgültig sein, falls die Strahlen hierbei nicht umgewandelt werden;
+wenn dagegen jeder Schirm die hindurchgelassenen Strahlen transformirt,
+so ist die Reihenfolge der Schirme nicht gleichgültig. Wenn z. B. die
+Strahlen beim Hindurchgang durch Blei in absorbirbarere verwandelt
+werden, das Aluminium dagegen diese Wirkung nicht in gleichem Maße
+besitzt, dann muß das System Blei-Aluminium undurchsichtiger erscheinen
+als das System Aluminium-Blei; bei Röntgenstrahlen ist dies tatsächlich
+der Fall.
+
+Meine Versuche ergeben das Auftreten dieser Erscheinung bei den
+Poloniumstrahlen. Der benutzte Apparat war der in Fig. 8 dargestellte.
+Das Polonium befand sich in der Büchse CCCC und die natürlich sehr
+dünnen Schirme wurden auf das Metallnetz T gelegt.
+
+ Benutzte Schirme Dicke Beobachtete Stromstärke
+ ------------------ ------- -------------------------
+ Aluminium 0,01 +
+ Messing 0,005 17,9
+ Messing 0,005 +
+ Aluminium 0,01 6,7
+ Aluminium 0,01 +
+ Zinn 0,005 150,0
+ Zinn 0,005 +
+ Aluminium 0,01 125,0
+ Zinn 0,005 +
+ Messing 0,005 13,9
+ Messing 0,005 +
+ Zinn 0,005 4,4
+
+Die Resultate beweisen also, daß die Strahlung durch feste Schirme
+umgewandelt wird. Dieser Schluß ist in Übereinstimmung mit den
+Versuchen, nach denen von zwei identischen Metallblättern, die
+übereinander gelegt sind, das erste weniger absorbirend erscheint als
+das zweite. Es ist hiernach wahrscheinlich, daß die transformirende
+Wirkung eines Schirmes um so größer ist, je weiter sich der Schirm von
+der Quelle entfernt befindet. Dieser Punkt ist jedoch noch nicht
+sichergestellt, und die Natur der Umwandlung noch nicht im einzelnen
+untersucht.
+
+Ich wiederholte dieselben Versuche mit einem sehr aktiven Radiumsalz.
+Das Ergebniß war negativ. Ich beobachtete nur ganz unwesentliche
+Änderungen in der Intensität der Strahlung bei der Umkehrung der
+Schirme. Folgende Schirmsysteme wurden untersucht:
+
+ ----------------------------------------
+ Dicke Dicke
+ mm mm
+ ------------ ------ -------------- -----
+ Aluminium 0,55 und Platin 0,01
+
+ " 0,55 und Blei 0,1
+
+ " 0,55 und Zinn 0,005
+
+ " 1,07 und Kupfer 0,05
+
+ " 0,55 und Messing 0,005
+
+ " 1,07 und " 0,005
+
+ " 0,15 und Platin 0,01
+
+ " 0,15 und Zink 0,05
+
+ " 0,15 und Blei 0,1
+ ----------------------------------------
+
+Das System Blei-Aluminium zeigte sich ein wenig undurchsichtiger als das
+System Aluminium-Blei, doch war der Unterschied nicht groß.
+
+Ich konnte also auf diese Weise eine merkliche Umwandlung der
+Radiumstrahlen nicht nachweisen. Gleichwohl beobachtete Herr Becquerel
+bei verschiedenen radiographischen Versuchen sehr kräftige Wirkungen,
+die von zerstreuten oder sekundären Strahlen herrührten, welch letztere
+von den die Radiumstrahlen auffangenden Schirmen emittirt wurden. Die
+wirksamste Substanz für die Emission von Sekundärstrahlen scheint das
+Blei zu sein.
+
+n) Ionisirende Wirkung der Radiumstrahlen auf isolirende Flüssigkeiten.
+-----------------------------------------------------------------------
+
+Herr Curie[92] hat gezeigt, daß die Radium- und die Röntgenstrahlen auf
+flüssige Dielektrika wie auf Luft wirken, indem sie ihnen eine gewisse
+elektrische Leitfähigkeit erteilen. Die Versuchsanordnung war folgende
+(Fig. 9):
+
+[Fig. 9]
+
+Die zu untersuchende Flüssigkeit befand sich in einem metallischen
+Gefäß CDEF, in das ein dünnes Kupferrohr AB eintauchte; diese beiden
+Metallteile dienen als Elektroden. Das Gefäß wird mittels einer Batterie
+kleiner Akkumulatoren, deren einer Pol an Erde liegt, auf einem
+bekannten Potential erhalten. Die Röhre AB ist mit dem Elektrometer
+verbunden. Wenn ein Strom die Flüssigkeit durchfließt, so erhält man das
+Elektrometer mit Hülfe des pi"e{}zoelektrischen Quarzes auf Null und
+mißt dadurch den Strom. Das Kupferrohr MNM'N' ist mit der Erde verbunden
+und dient als Schutzmantel, um einen Strom durch die Luft hindurch
+abzufangen. Ein Gefäß mit Radium-haltigem Baryumsalz kann in die
+Röhre AB eingesenkt werden; die Strahlen wirken auf die Flüssigkeit,
+nachdem sie das Glas des Gefäßes und die Metallwände der Röhre
+durchsetzt haben. Man kann das Radium auch wirken lassen, indem man das
+Glasgefäß unter den Boden DE legt.
+
+Wenn man mit Röntgenstrahlen operirt, so läßt man sie durch den Boden DE
+eindringen.
+
+Die Zunahme der Leitfähigkeit unter der Einwirkung der Radium- oder
+Röntgenstrahlen scheint für alle Dielektrika stattzufinden; um jedoch
+den Effekt nachweisen zu können, muß die eigene Leitfähigkeit der
+Flüssigkeit genügend schwach sein, um nicht die Wirkung der Strahlen zu
+verdecken.
+
+Für Radium- und für Röntgenstrahlen hat Herr Curie Effekte von gleicher
+Größenordnung erhalten.
+
+Wenn man mit derselben Anordnung die Leitfähigkeit der Luft oder eines
+andren Gases unter der Einwirkung der Becquerelstrahlen untersucht, so
+findet man, daß die Stromstärke nur so lange der Potentialdifferenz der
+Elektroden proportional ist, als diese nicht einige Volt überschreitet;
+bei höheren Spannungen dagegen wächst der Strom immer weniger schnell
+und der Sättigungsstrom wird praktisch bei einer Spannung von 100 Volt
+erreicht.
+
+Die mit demselben Apparat und demselben sehr aktiven Präparat
+untersuchten Flüssigkeiten verhalten sich anders; die Stromstärke ist
+der Spannung proportional, wenn diese von 0 bis 450 Volt variirt, selbst
+wenn die Entfernung der Elektroden nicht größer ist als 6 mm. Man kann
+also die von einem Radiumsalz in verschiedenen Flüssigkeiten unter
+gleichen Bedingungen erzeugte Leitfähigkeit vergleichen. Die Zahlen der
+folgenden Tabelle geben die Leitfähigkeiten in reciproken Ohms pro
+Kubikcentimeter:
+
+ --------------------- -------------------
+ Schwefelkohlenstoff 20,0⋅10^{-14}
+ Petroläther 15,0⋅10^{-14}
+ Amylen 14,0⋅10^{-14}
+ Chlorkohlenstoff 8,0⋅10^{-14}
+ Benzin 4,0⋅10^{-14}
+ Flüssige Luft 1,3⋅10^{-14}
+ Vaselinöl 1,6⋅10^{-14}
+ --------------------- -------------------
+
+Man kann jedoch annehmen, daß die Flüssigkeiten und die Gase ein
+ähnliches Verhalten zeigen, und daß für die Flüssigkeiten die
+Proportionalitat zwischen Spannung und Strom nur bis zu höheren
+Spannungen reicht als für die Gase. Man könnte demnach in Analogie mit
+den Erscheinungen bei Gasen versuchen, diese Grenze herabzudrücken,
+indem man eine viel schwächere Strahlung anwendet. Der Versuch
+bestätigte diese Annahme; benutzte man ein 150mal weniger aktives
+strahlendes Präparat als das zu den ersten Versuchen dienende, so
+ergaben sich für Spannungen von 50, 100, 200 und 400 Volt die relativen
+Stromstärken 109, 185, 255, 335. Die Proportionalität besteht nicht
+mehr, aber der Strom wächst noch stark, wenn man die Spannungsdifferenz
+verdoppelt.
+
+Manche von den untersuchten Flüssigkeiten sind fast vollkommene
+Isolatoren, wenn sie auf konstanter Temperatur erhalten und vor der
+Einwirkung der Strahlen geschützt werden. Hierzu gehören: Flüssige Luft,
+Petroläther, Vaselinöl, Amylen. Es ist hier also sehr leicht, den Effekt
+der Strahlen zu untersuchen. Vaselinöl ist viel weniger empfindlich
+gegen die Strahlen als Petroläther. Vielleicht kann man diese Tatsache
+mit der verschiedenen Flüchtigkeit der beiden Kohlenwasserstoffe in
+Verbindung bringen. Flüssige Luft, die in dem Versuchsgefäß eine Zeit
+lang gekocht hat, ist empfindlicher als frisch eingegossene; die von den
+Strahlen erzeugte Leitfähigkeit ist im ersten Falle um ein Viertel
+größer. Herr Curie untersuchte die Wirkung der Strahlen auf Amylen und
+Petroläther bei +10° und −17°. Die von der Strahlung herrührende
+Leitfähigkeit vermindert sich bloß um ein Zehntel, wenn man von 10°
+und −17° übergeht.
+
+Bei Versuchen mit veränderlicher Temperatur der Flüssigkeit kann man
+entweder das Radium auf der Temperatur der Umgebung halten oder es auf
+dieselbe Temperatur bringen wie die Flüssigkeit; man erhält in beiden
+Fällen dasselbe Resultat. Dies bedeutet, daß die Radiumstrahlung sich
+nicht mit der Temperatur verändert und selbst bei der Temperatur der
+flüssigen Luft noch ihren Wert behält. Diese Tatsache wurde durch
+direkte Messungen bestätigt.[^21]
+
+o) Verschiedene Wirkungen, und Anwendungen der ionisirenden Wirkung der
+Strahlung radioaktiver Körper.
+------------------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Die Strahlen der neuen radioaktiven Körper bewirken eine starke
+Ionisirung der Luft. Man kann durch die Wirkung des Radiums leicht die
+Kondensation des übersättigten Wasserdampfes hervorrufen, genau so, wie
+sie unter der Einwirkung von Röntgen- und Kathodenstrahlen stattfindet.
+
+Unter dem Einfluß der von den neuen radioaktiven Substanzen emittirten
+Strahlen wird die Funkenlänge zwischen zwei metallischen Leitern für
+eine gegebene Potentialdifferenz vergrößert; oder anders ausgedrückt,
+der Funkenübergang wird durch die Strahlen erleichtert.
+
+Diese Erscheinung rührt von den durchdringendsten Strahlen her. Wenn man
+nämlich das Radium mit einem Bleischirm von 2 cm Dicke umgiebt, so wird
+seine Wirkung auf den Funken nicht merklich geschwächt, obgleich die
+durch das Blei hindurchgehende Strahlung nur ein kleiner Bruchteil der
+Gesamtstrahlung ist.
+
+Macht man durch die Einwirkung radioaktiver Substanzen die Luft in der
+Umgebung zweier metallischer Leiter, von denen der eine mit der Erde,
+der andre mit einem gut isolirten Elektrometer verbunden ist, leitend,
+so nimmt das Elektrometer eine dauernde Ablenkung an, an der man die
+elektromotorische Kraft der galvanischen Kette messen kann, die durch
+die Luft und die zwei Metalle gebildet wird (kontakt-elektromotorische
+Kraft der beiden Metalle, wenn sie durch Luft getrennt sind). Diese
+Methode wurde von Lord Kelvin[95] angewandt, wobei Uran die strahlende
+Substanz war; eine ähnliche Methode war früher von Perrin[96,97]
+angewandt worden, der die ionisirende Wirkung der Röntgenstrahlen
+benutzte.
+
+Man kann die radioaktiven Substanzen zum Studium der atmosphärischen
+Elektrizität benutzen. Die aktive Substanz befindet sich in einer
+kleinen dünnen Aluminiumbüchse am Ende eines Metallstabes, der mit dem
+Elektrometer verbunden ist. Die Luft wird in der Umgebung des Stabendes
+leitend und der Stab nimmt das Potential der umgebenden Luft an. Das
+Radium ersetzt so vorteilhaft die Flammen oder die Kelvinschen
+Tropfapparate, die bis dahin allgemein zur Untersuchung der
+atmosphärischen Elektrizität benutzt wurden[98,99].
+
+p) Fluorescenz- und Lichtwirkungen.
+-----------------------------------
+
+Die von den neuen radioaktiven Substanzen emittirten Strahlen erregen
+die Fluorescenz gewisser Körper. Herr Curie und ich haben diese
+Erscheinung zuerst entdeckt, indem wir das Polonium durch ein dünnes
+Aluminiumblatt hindurch auf eine Schicht von Baryumplatincyanür wirken
+ließen. Derselbe Versuch gelingt noch leichter mit genügend aktivem
+Radium-haltigen Baryum. Wenn die Substanz stark radioaktiv ist, so ist
+die erzeugte Fluorescenz sehr schön.
+
+Die Zahl der Körper, die unter der Einwirkung der Becquerelstrahlen
+phosphorescirend oder fluorescirend werden können, ist sehr groß. Herr
+Becquerel untersuchte die Wirkung auf Uransalze, Diamant, Blende usw.
+Herr Bary[100] zeigte, daß die Salze der Alkalien und der alkalischen
+Erden, die unter der Wirkung des Lichtes und der Röntgenstrahlen
+fluoresciren, es auch unter der Wirkung der Radiumstrahlen tun. Man kann
+ferner die Fluorescenz von Papier, Baumwolle, Glas usw. in der Nähe des
+Radiums beobachten. Von verschiedenen Glassorten ist das Thüringerglas
+besonders helleuchtend. Metalle scheinen nicht leuchtend zu werden.
+
+Das Baryumplatincyanür ist am geeignetsten zur Untersuchung der
+Strahlung der radioaktiven Körper mittels der fluoroskopischen Methode.
+Man kann die Wirkung der Radiumstrahlen auf Entfernungen bis über 2 m
+verfolgen. Phosphorescirendes Zinksulfid wird außerordentlich hell, doch
+hat dieser Körper die Unbequemlichkeit, seine Leuchtkraft einige Zeit
+nach dem Aufhören der Einwirkung der Strahlen zu bewahren.
+
+Die Fluorescenzwirkung auf dem Schirme kann auch beobachtet werden, wenn
+das Radium vom Schirme durch absorbirende Körper getrennt ist. Wir
+beobachteten das Leuchten eines Baryumplatincyanür-Schirmes durch den
+menschlichen Körper hindurch. Die Wirkung ist jedoch unvergleichlich
+viel stärker, wenn der Schirm unmittelbar auf dem Radium liegt und durch
+keinen festen Körper von ihm getrennt ist. Alle Strahlengruppen scheinen
+im stande zu sein, die Fluorescenz hervorzubringen.
+
+Um die Wirkung des Poloniums zu beobachten, muß man die Substanz dicht
+an den fluorescirenden Schirm heranbringen, ohne Zwischenschaltung eines
+festen Schirmes oder wenigstens nur eines äußerst dünnen.
+
+Das Leuchten der den radioaktiven Substanzen ausgesetzten
+fluorescirenden Körper nimmt mit der Zeit ab. Gleichzeitig erleidet die
+fluorescirende Substanz eine Veränderung. Ich gebe einige Beispiele:
+
+Die Radiumstrahlen verwandeln das Baryumplatincyanür in eine braune
+weniger hell leuchtende Modifikation. (Eine analoge Wirkung der
+Röntgenstrahlen wurde von Herrn Villard beschrieben.) Sie verändern
+ferner das Urankaliumsulfat, indem sie es gelb färben. Das verwandelte
+Baryumplatincyanür wird durch die Wirkung des Lichtes teilweise
+regenerirt. Man lege das Radium unter eine Schicht von
+Baryumplatincyanür, das auf Papier ausgebreitet ist, dann wird das
+Baryumplatincyanür leuchtend; wenn man das System in der Dunkelheit
+aufbewahrt, so verändert sich das Baryumplatincyanür und die Leuchtkraft
+sinkt beträchtlich. Setzt man dagegen das Ganze dem Licht aus, so wird
+das Platinsalz teilweise regenerirt, und wenn man sich in die Dunkelheit
+zurückbegiebt, so erscheint das Leuchten wieder ziemlich stark. Man hat
+also durch Kombination eines radioaktiven mit einem fluorescirenden
+Körper ein System hergestellt, das sich wie ein phosphorescirender
+Körper von langer Phosphorescenzdauer verhält.
+
+Glas, das unter der Wirkung des Radiums fluorescirt, färbt sich braun
+bis violett. Gleichzeitig vermindert sich seine Fluorescenz. Erhitzt man
+das so veränderte Glas, so entfärbt es sich, und in dem Maße, wie die
+Entfärbung fortschreitet, emittirt das Glas Licht. Nachher hat das Glas
+seine Fähigkeit zu fluoresciren im gleichen Maße wie vor der Veränderung
+wiedergewonnen.
+
+Zinksulfid, das der Wirkung der Radiumstrahlen genügend lange ausgesetzt
+war, erschöpft sich allmählich und verliert seine Fähigkeit unter der
+Wirkung des Radiums oder des Lichtes zu phosphoresciren.
+
+Diamant phosphorescirt unter der Wirkung des Radiums und kann dadurch
+von den Imitationen in Straß unterschieden werden, die nur schwach
+leuchten.
+
+Alle Radium-haltigen Baryumverbindungen werden selbstleuchtend[101,102].
+Die wasserfreien und trocknen Haloidsalze emittiren ein besonders
+starkes Licht. Dieses Leuchten ist bei hellem Tageslicht nicht zu sehen,
+doch bemerkt man es leicht im Halbdunkel oder in einem mit Gas
+erleuchteten Zimmer. Das Licht kann ziemlich stark sein, so daß man beim
+Lichte einer geringen Substanzmenge im Dunkeln lesen kann. Das Licht
+geht von der ganzen Masse des Präparates aus, während bei einem
+gewöhnlichen phosphorescirenden Körper das Licht nur von der
+vorbelichteten Oberfläche ausgeht. Bei feuchter Luft verlieren die
+Radium-haltigen Präparate einen großen Teil ihrer Leuchtkraft, gewinnen
+sie jedoch durch Trocknen wieder (Giesel). Das Leuchtvermögen scheint
+dauernd zu sein. Nach mehreren Jahren scheint in dem Leuchten schwach
+aktiver Präparate, die in verschlossenen Röhren in der Dunkelheit
+aufbewahrt waren, keine Veränderung eingetreten zu sein. Bei sehr
+aktivem Radium-haltigen Baryumchlorid verändert sich im Laufe einiger
+Monate die Farbe des Lichtes; sie wird mehr violett und nimmt
+beträchtlich ab; gleichzeitig erfährt das Präparat einige Veränderungen;
+löst man das Salz in Wasser auf und trocknet es wieder, so erhält man
+wieder das ursprüngliche Leuchtvermögen.
+
+Die Lösungen Radium-haltiger Baryumverbindungen, die einen starken
+Anteil Radium enthalten, leuchten ebenfalls; man kann dies beobachten,
+wenn man die Lösung in eine Kapsel aus Platin bringt, die, weil selbst
+nichtleuchtend, das schwache Licht der Lösung beobachten läßt.
+
+Wenn eine Lösung Radium-haltigen Baryums ausgeschiedene Krystalle
+enthält, so leuchten diese in der Lösung, und zwar viel stärker als die
+Lösung selbst, so daß es aussieht, als leuchteten sie allein.
+
+Herr Giesel[102] hat Radium-haltiges Baryumplatincyanür hergestellt.
+Wenn das Salz auskrystallisirt, so sieht es aus wie gewöhnliches
+Baryumplatincyanür und leuchtet sehr stark. Aber allmählich färbt sich
+das Salz von selbst und nimmt eine braune Farbe an, wobei gleichzeitig
+die Krystalle dichroitisch werden. In diesem Zustands ist das Salz viel
+weniger leuchtend, obgleich seine Aktivität zugenommen hat. Das von
+Giesel hergestellte Radiumplatincyanür verändert sich noch viel
+schneller.
+
+Die Radiumverbindungen sind die ersten Beispiele von Substanzen, die von
+selbst leuchten.
+
+q) Entwicklung von Wärme durch Radiumsalze.
+-------------------------------------------
+
+Ganz neuerdings haben die Herren Curie und Laborde[103] gefunden, daß
+die Radiumsalze der Sitz einer fortwährenden selbsttätigen
+Wärmeentwicklung sind. Diese Wärmeentwicklung hat zur Folge, daß die
+Radiumsalze sich dauernd auf einer höheren Temperatur befinden als die
+Umgebung; der Temperaturüberschuß hängt natürlich von der thermischen
+Isolation der Substanz ab. Der Temperaturüberschuß kann durch einen ganz
+rohen Versuch mit zwei gewöhnlichen Quecksilberthermometern nachgewiesen
+werden. Man benutzt zwei gleich große Dewar-sche Vakuumgefäße (wie sie
+zum Aufbewahren von flüssiger Luft gebraucht werden.
+Anm. d. Übersetzers). In eines der beiden Gefäße bringt man ein
+Glasröhrchen mit 7 dg reinen Radiumbromids; in das andre bringt man ein
+ähnliches Röhrchen mit irgend einer inaktiven Substanz, etwa
+Baryumchlorid. Die Temperatur jedes der beiden Gefäße wird von dem
+Thermometer angezeigt, das man in unmittelbare Nähe der Röhrchen bringt.
+Die Öffnung der Gefäße wird mit Watte verschlossen. Wenn sich das
+Temperaturgleichgewicht hergestellt hat, so zeigt das Thermometer, das
+sich in der Nähe des Radiums befindet, dauernd eine höhere Temperatur an
+als das andre; der beobachtete Unterschied betrug 3°.
+
+Man kann die vom Radium entwickelte Wärmemenge mit dem Bunsenschen
+Eiskalorimeter messen. Bringt man ein Röhrchen mit Radiumsalz in das
+Kalorimeter, so beobachtet man eine fortwährende Wärmezufuhr, die sofort
+aufhört, wenn man das Radium entfernt. Die Messung mit einem bereits vor
+längerer Zeit hergestellten Radiumsalz ergab, daß jedes Gramm Radium pro
+Stunde etwa 80 kleine Kalorien entwickelt. Das Radium entwickelt also
+während einer Stunde genügend viel Wärme, um eine gleich schwere
+Eismenge zu schmelzen, und ein Atomgramm (225 g) Radium würde in einer
+Stunde 18 000 Kalorien entwickeln, d. i. eine Wärmemenge, die
+vergleichbar ist mit der von einem Atomgramm (1 g) Wasserstoff bei
+seiner Verbrennung entwickelten. Eine derartige Wärmeentwicklung läßt
+sich durch keine gewöhnliche chemische Reaktion erklären, um so mehr,
+als der Zustand des Radiums jahrelang derselbe zu bleiben scheint. Man
+könnte annehmen, daß die Wärmeentwicklung von einer Umwandlung des
+Radiumatoms selbst herrührt, eine Umwandlung, die natürlich sehr langsam
+vor sich gehen muß. Wenn dem so
+ist, so müßte man annehmen, daß die bei der Bildung und Umwandlung von
+Atomen auftretenden Wärmemengen sehr groß sind und alles bis dahin
+bekannte übertreffen.
+
+Man kann die vom Radium entwickelte Wärmemenge auch bestimmen, indem man
+sie dazu benutzt, ein verflüssigtes Gas zum Sieden zu bringen, und die
+sich entwickelnde Gasmenge mißt. Man kann den Versuch mit Methylchlorid
+ausführen (bei −21°). Die Herren Dewar und Curie führten den Versuch mit
+flüssigem Sauerstoff (bei −180°) und mit flüssigem Wasserstoff (bei
+−252°) aus. Der Wasserstoff eignet sich besonders gut zu dem Versuch.
+Ein mit einem Vakuummantel umgebenes Reagenzgläschen enthält den
+flüssigen Wasserstoff H (Fig. 10) und ist mit einem Rohr t versehen,
+mittels dessen das Gas über Wasser in einem geteilten Rohr E aufgefangen
+werden kann. A taucht mit seinem Mantel in ein Bad von flüssigem
+Wasserstoff H'. Unter diesen Umständen findet in A keine Gasentwicklung
+statt. Führt man dagegen in den im Reagenzgläschen enthaltenen flüssigen
+Wasserstoff ein Röhrchen mit etwa 7 dg Radiumbromid ein, so entsteht
+eine fortwährende Gasentwicklung, so daß man pro Minute 73 ccm Gas
+auffängt.
+
+[Fig. 10]
+
+Ein frisch hergestelltes festes Radiumsalz entwickelt nur relativ wenig
+Wärme; die Wärmeentwicklung wächst jedoch fortwährend und strebt einer
+Grenze zu, die jedoch nach einem Monat noch nicht völlig erreicht ist.
+Wenn man ein Radiumsalz auflöst, und die Lösung in ein verschlossenes
+Röhrchen bringt, so ist die von der Lösung entwickelte Wärmemenge zuerst
+schwach; sie vermehrt sich sodann und wird nach Verlauf eines Monats
+ziemlich konstant; die Wärmeentwicklung ist dann dieselbe, wie die des
+festen Salzes.
+
+Wenn sich das Radiumsalz, dessen Wärmeentwicklung man im Bunsenschen
+Eiskalorimeter mißt, in einem Glasröhrchen befindet, so durchdringen
+gewisse, sehr wenig absorbirbare Strahlen das Röhrchen und das
+Kalorimeter, ohne darin absorbirt zu werden. Um zu untersuchen, ob diese
+Strahlen eine merkliche Energiemenge mit sich führen, kann man die
+Messung wiederholen, nachdem man das Röhrchen mit einer 2 mm dicken
+Bleischicht umgeben hat; man findet, daß unter diesen Bedingungen die
+Wärmeentwicklung des Salzes um etwa 4 Proz. zugenommen hat; die vom
+Radium in Form sehr durchdringender Strahlen emittirte Energie ist also
+durchaus nicht zu vernachlässigen.
+
+r) Chemische Wirkungen der neuen radioaktiven Substanzen. Färbungen.
+--------------------------------------------------------------------
+
+Die von stark aktiven Körpern emittirten Strahlen sind im Stande,
+gewisse Umänderungen und chemische Reaktionen hervorzurufen. Die
+Strahlen der Radium-haltigen Präparate wirken färbend auf Glas und
+Porzellan[104]. Die meist braune oder violette Färbung des Glases ist
+sehr intensiv; sie entsteht in der Masse des Glases selbst und bleibt
+nach Entfernung des Radiums bestehen. Alle Gläser färben sich in mehr
+oder weniger langer Zeit und die Anwesenheit von Blei ist hierzu nicht
+nötig. Man kann diese Tatsache mit der neuerdings gemachten Beobachtung
+in Verbindung bringen, daß die Glaswände von lange in Gebrauch
+befindlichen Röntgenröhren sich färben.
+
+Herr Giesel zeigte, daß die krystallisirten Haloidsalze der Alkalien
+(Steinsalz, Sylvin) sich unter dem Einfluß des Radiums ebenso färben,
+wie unter der Wirkung der Kathodenstrahlen. Gleichartige Färbungen
+erhält man nach Giesel[105], wenn man die Salze in Natriumdampf erhitzt.
+
+Ich untersuchte die Färbung einer Reihe von Gläsern von bekannter
+Zusammensetzung, die mir hierfür von Herrn Le Chatelier freundlichst
+überlassen wurden. Ich beobachtete keine großen Unterschiede in der
+Färbung. Sie ist im allgemeinen violett, gelb, braun oder grau. Sie
+scheint an die Anwesenheit von Alkalimetallen geknüpft. Mit reinen
+krystallisirten Alkalisalzen erhält man lebhaftere und mehr
+veränderliche Farben; das ursprünglich weiße Salz wird blau, grün,
+gelbbraun usw.
+
+Herr Becquerel zeigte, daß weißer Phosphor durch die Wirkung des Radiums
+in die rote Modifikation verwandelt wird.
+
+Papier wird durch die Radiumwirkung verändert und gefärbt. Es wird
+zerbrechlich, zerfällt und gleicht schließlich einem vielmaschigen
+Siebe.
+
+Unter gewissen Umständen findet in der Nähe stark aktiver Verbindungen
+Ozonentwicklung statt. Strahlen, die von einem verschlossenen Röhrchen
+mit Radium ausgehen, entwickeln in der durchstrahlten Luft kein Ozon.
+Dagegen tritt ein sehr starker Ozongeruch auf, wenn man das Röhrchen
+öffnet. Im allgemeinen entwickelt sich Ozon in der Luft, wenn diese in
+direkter Verbindung mit dem Radium steht. Die Verbindung selbst durch
+einen sehr engen Kanal ist ausreichend; es scheint, als ob die
+Ozonentwicklung mit der Fortpflanzung der inducirten Radioaktivität
+verknüpft sei, von der später die Rede sein wird.
+
+Die Radium-haltigen Verbindungen scheinen sich im Laufe der Zeit zu
+verändern, wahrscheinlich unter der Einwirkung ihrer eigenen Strahlung.
+Oben war gezeigt worden, daß die Krystalle von Radium-haltigem Baryum im
+Moment des Ausfallens farblos sind und allmählich sich gelb bis orange,
+manchmal auch rosa färben; diese Färbung verschwindet beim Auflösen.
+Radium-haltiges Baryumchlorid entwickelt Oxydationsstufen des Chlors;
+das Bromid entwickelt Brom. Diese langsamen Umänderungen machen sich im
+allgemeinen erst einige Zeit nach der Herstellung des festen Produktes
+bemerkbar, das gleichzeitig sein Aussehen und seine Farbe ändert und
+gelb bis violett wird. Auch das emittirte Licht wird mehr violett.
+
+Die reinen Radiumsalze scheinen dieselben Umwandlungen zu erfahren wie
+die Baryum-haltigen. Doch färben sich die aus saurer Lösung
+niedergeschlagenen reinen Chloridkrystalle noch nicht merklich in einer
+Zeit, die ausreicht, um den Baryum-haltigen Chloridkrystallen eine
+intensive Färbung zu erteilen.
+
+s) Gasentwicklung in Gegenwart von Radiumsalzen.
+------------------------------------------------
+
+Eine Lösung von Radiumbromid entwickelt fortwährend Gase[106]. Diese
+Gase bestehen hauptsächlich aus Wasserstoff und Sauerstoff in einem
+Mengenverhältniß, das nahezu der Zusammensetzung des Wassers entspricht;
+man kann deshalb annehmen, daß in Gegenwart der Radiumsalze sich das
+Wasser zersetzt. Die festen Radiumsalze (Chlorid und Bromid) geben
+ebenfalls zu einer fortwährenden Gasentwicklung Anlaß. Diese Gase werden
+in dem festen Salze okkludirt und entwickeln sich ziemlich reichlich,
+wenn man das Salz auflöst. Man findet in dem Gasgemenge Wasserstoff,
+Sauerstoff, Kohlensäure, Helium. Im Spektrum der Gase bemerkt man noch
+einige unbekannte Linien[107-109].
+
+Den Gasentwicklungen kann man auch zwei Unfälle zuschreiben, die sich
+bei den Versuchen des Herrn Curie ereigneten. Ein sehr dünnes
+zugeschmolzenes Glasröhrchen, das beinahe vollständig mit festem
+trocknen Radiumbromid gefüllt war, explodirte zwei Monate nach der
+Verschließung unter der Einwirkung einer leichten Erhitzung. Die
+Explosion rührte wahrscheinlich von dem Drucke der eingeschlossenen Gase
+her. Bei einem andren Versuche kommunicirte eine Röhre mit ziemlich
+altem Radiumchlorid mit einem größeren Reservoir, das sehr weit evakuirt
+war. Als das Röhrchen rasch auf etwa 300° erhitzt wurde, explodirte das
+Salz; das Röhrchen wurde zerbrochen und das Salz weit umhergeschleudert.
+Im Augenblick der Explosion konnte in der Röhre gar kein merklicher
+Druck herrschen. Der Apparat war übrigens vorher einer versuchsweisen
+Erhitzung unter gleichen Versuchsbedingungen, aber ohne Radium,
+unterworfen gewesen, ohne daß ein derartiger Unfall eingetreten wäre.
+
+Diese Versuche zeigen, daß es gefährlich ist, altes Radiumsalz zu
+erhitzen, und daß es ferner gefährlich ist, das Radium lange Zeit
+hindurch in einer geschlossenen Röhre aufzubewahren.
+
+t) Entstehung von Thermoluminescenz
+-----------------------------------
+
+Gewisse Körper wie z. B. Flußspat werden leuchtend, wenn man sie
+erwärmt: sie sind thermoluminescirend; ihre Leuchtfähigkeit erschöpft
+sich nach einiger Zeit; sie erlangen jedoch ihre Fähigkeit, durch
+Erwärmung zu leuchten, wieder durch die Einwirkung eines Funkens oder
+des Radiums. Das Radium vermag also die thermoluminescirenden
+Eigenschaften dieser Körper wieder herzustellen[80]. Bei der Erhitzung
+erfährt der Flußspat eine Umwandlung, die von einer Lichtemission
+begleitet ist. Wenn der Flußspat sodann der Wirkung des Radiums
+ausgesetzt wird, so findet eine Umwandlung im entgegengesetzten Sinne
+statt, die ebenfalls von einer Lichtemission begleitet ist.
+
+Ein durchaus analoges Phänomen findet statt, wenn man das Glas der
+Radiumwirkung aussetzt. Auch dort entsteht eine Unformung des Glases,
+während es unter der Wirkung der Radiumstrahlen leuchtet: diese
+Umformung wird ganz sicher bewiesen durch die dabei auftretende und sich
+stetig vermehrende Färbung. Erhitzt man sodann das veränderte Glas, so
+findet die umgekehrte Umwandlung statt, das Glas entfärbt sich und
+hierbei findet eine Lichtentwicklung statt. Es ist wohl sehr
+wahrscheinlich, daß man es hierbei mit einer chemischen Modifikation zu
+tun hat und daß die Lichtentwicklung an diese Modifikation geknüpft ist.
+Diese Erscheinung könnte allgemeiner Natur sein. Es könnte sein, daß die
+Fluorescenz unter der Einwirkung des Radiums und das Leuchten der
+Radium-haltigen Substanzen notwendig mit einer chemischen oder
+physikalischen Umwandlung der das Licht emittirenden Substanz verknüpft
+sind.
+
+u) Radiographieen
+-----------------
+
+Die radiographische Wirkung der neuen radioaktiven Substanzen ist sehr
+intensiv. Gleichwohl muß das anzuwendende Verfahren beim Polonium ein
+ganz anderes sein als beim Radium. Das Polunium wirkt nur auf sehr
+kleine Entfernungen und wird durch feste Schirme sehr geschwächt; die
+Wirkung läßt sich praktisch leicht durch einen dünnen Schirm
+unterdrücken. (1 mm Glas). Das Radium wirkt auf viel größere
+Entfernungen. Die radiographische Wirkung der Radiumstrahlen läßt sich
+in Luft noch auf Entfernungen von über 2 m beobachten, selbst wenn das
+strahlende Präparat in einem Glasröhrchen eingeschlossen ist. Die unter
+diesen Bedingungen wirkenden Strahlen gehören zur β- und
+γ-Gruppe. Dank den Unterschieden in der Durchlässigkeit
+verschiedener Körper für die Strahlen kann man, wie bei den
+Röntgenstrahlen mit verschiedenen Objekten, Radiographieen erhalten. Die
+Metalle sind im allgemeinen undurchsichtig, nur Aluminium ist sehr
+durchlässig. Zwischen Fleisch und Knochen besteht kein merklicher
+Unterschied in der Durchlässigkeit. Man kann mit großer Entfernung und
+sehr kleinen Strahlungsquellen arbeiten und erhält dann sehr scharfe
+Radiographieen. Es ist für die Schönheit der Bilder sehr vorteilhaft,
+die β-Strahlen durch ein Magnetfeld zur Seite zu werfen und nur die
+γ-Strahlen zu benutzen. Die β-Strahlen werden nämlich beim
+Durchstrahlen des abzubildenden Objektes einigermaßen diffundiert und
+rufen einen gewissen Schleier hervor. Wenn man sie unterdrückt, so muß
+man längere Zeit exponieren, erhält aber dafür schönere Besultate. Zur
+Radiographie eines Portemonais gebraucht man einen Tag mit einigen
+Centigrammen Radiumsalz als Strahlungsquelle, die in einer Glasröhre in
+1 m Abstand von der empfindlichen Platte sich befinden, während das
+Objekt sich vor der Platte befindet. Befindet ich die Quelle in 20 cm
+Abstand von der Platte, so erhält man dasselbe Resultat in einer Stunde.
+In unmittelbarer Nachbarschaft der Strahlungsquelle wird die Platte
+augenblicklich beeinflußt.
+
+[Fig. 11]
+
+v) Physiologische Wirkungen.
+----------------------------
+
+Die Radiumstrahlen üben eine Wirkung auf die Epidermis aus. Diese
+Wirkung wurde von Herrn Walkhoff[110] beobachtet und von Herrn
+Giesel[34] bestätigt, später auch von den Herren Becquerel und
+Curie[111].
+
+Wenn man auf die Haut eine Celluloid- oder eine sehr dünne Gummikapsel
+legt, die sehr aktives Radiumsalz enthält, und einige Zeit darauf liegen
+läßt, so entsteht eine Rötung der Haut, entweder sofort oder nach
+Verlauf einer um so längeren Zeit, je schwächer und je kürzer dauernd
+die Einwirkung war; dieser rote Fleck erscheint an der Stelle, die der
+Wirkung ausgesetzt war; die lokale Veränderung der Haut ähnelt in
+Aussehen und Entwicklung einer Verbrennung. In manchen Fällen bildet
+sich eine Blase. Wenn die Exposition sehr lange gedauert hat, so bildet
+sich ein sehr schwer heilendes Geschwür. Bei einem Versuch ließ Herr
+Curie ein relativ wenig aktives Präparat 10 Stunden lang wirken. Die
+Rötung zeigte sich sofort und später entstand eine Wunde, die vier
+Monate zur Heilung erforderte. Die Epidermis war lokal zerstört und
+konnte sich nur sehr langsam und schwierig unter Entstehung einer sehr
+deutlichen Narbe neu bilden. Eine Radiumverbrennung nach halbstündiger
+Expositionsdauer erschien nach zwei Wochen, bildete eine Blase und
+heilte nach weiteren zwei Wochen. Eine andre Verbrennung, durch eine
+Exposition von nur acht Minuten hervorgerufen, verursachte einen roten
+Fleck, der nach zwei Monaten erschien und nur unbedeutende Wirkung
+hatte.
+
+Die Wirkung des Radiums auf die Haut kann durch Metalle hindurch
+stattfinden; doch wird sie hierdurch geschwächt. Um sich vor der Wirkung
+zu schützen, soll man es vermeiden, das Radium lange bei sich
+herumzutragen, außer wenn man es in eine Bleihülle einschließt.
+
+Die Wirkung des Radiums auf die Haut wurde von Herrn Dr. Danlos am
+Hospital Saint-Louis darauf hin untersucht, ob es zur Behandlung
+gewisser Hautkrankheiten geeignet sei, eine Methode, die der Behandlung
+mit Röntgenstrahlen oder mit ultraviolettem Lichte analog ist. Das
+Radium giebt in dieser Hinsicht ermutigende Resultate; die durch die
+Radiumwirkung stellenweise zerstörte Epidermis stellt sich in gesundem
+Zustande wieder her. Die Wirkung des Radiums ist tiefergehend als die
+des Lichtes, und seine Anwendung ist leichter als die des Lichtes und
+der Röntgenstrahlen. Die Untersuchung der Anwendungsbedingungen ist
+natürlich etwas langwierig, weil man den Effekt der Anwendung nicht
+unmittelbar beurteilen kann.
+
+Herr Giesel bemerkte die Wirkung des Radiums auf Pflanzenblätter. Die
+der Wirkung unterworfenen Blätter werden gelb und zerfallen.
+
+Herr Giesel entdeckte ferner die Wirkung der Strahlen auf das Auge. Wenn
+man in der Dunkelheit ein strahlendes Präparat in die Nähe des
+geschlossenen Augenlides oder der Schläfe bringt, so hat man die
+Empfindung einer das Auge erfüllenden Helligkeit. Die Erscheinung ist
+von den Herren Himstedt und Nagel[112] näher untersucht worden. Diese
+Physiker zeigten, daß alle Medien des Auges unter der Wirkung des
+Radiums fluorescirend werden, wodurch sich die beobachtete
+Lichtempfindung erklärt. Blinde, deren Netzhaut intakt ist, sind gegen
+die Einwirkung des Radiums empfindlich, während solche mit kranker
+Netzhaut keine von den Strahlen herrührende Lichtempfindung verspüren.
+
+Die Radiumstrahlen verhindern oder hemmen die Entwicklung von
+Bakterienkulturen, doch ist diese Wirkung nicht sehr stark[113].
+Neuerdings zeigte Herr Danysz[114], daß die Radiumstrahlen energisch auf
+Rückenmark und Gehirn wirken. Nach einer Einwirkung von einer Stunde
+entstehen Lähmungen bei den Versuchstieren, die meistens nach einigen
+Tagen sterben.
+
+w) Wirkung der Temperatur auf die Strahlung.
+--------------------------------------------
+
+Man weiß noch wenig darüber, in welcher Weise die Emission der
+radioaktiven Substanzen sich mit der Temperatur ändert. Doch ist
+bekannt, daß die Emission bei tiefen Temperaturen bestehen bleibt. Herr
+Curie[115] senkte ein Gefäß mit Radiumhaltigem Baryumchlorid in flüssige
+Luft. Das Leuchten des strahlenden Präparates bleibt hierbei bestehen.
+Im Moment, wo man die Röhre aus dem Kältebade herauszieht, scheint sie
+sogar stärker zu leuchten als vorher. Bei der Temperatur der flüssigen
+Luft fährt das Radium fort, die Fluorescenz des Urankaliumsulfats zu
+erregen. Herr Curie stellte durch elektrische Messungen, die in einiger
+Entfernung von der Strahlungsquelle ausgeführt wurden, fest, daß die
+Strahlung dieselbe Intensität besitzt, wenn das Radium sich auf der
+Temperatur der Umgebung befindet, wie wenn es sich in dem Gefäß mit
+flüssiger Luft befindet. Bei diesen Versuchen befand sich das Radium auf
+dem Boden einer einseitig geschlossenen Röhre. Die Strahlen traten durch
+das offene Ende der Röhre aus, passirten einen gewissen Luftraum und
+wurden in einem Kondensator aufgefangen. Man maß die Wirkung der
+Strahlen auf die Luft des Kondensators, indem man die Röhre entweder in
+freier Luft ließ oder sie bis zu einer gewissen Höhe mit flüssiger Luft
+umgab. Das erhaltene Resultat war in beiden Fällen dasselbe.
+
+Wenn man das Radium auf eine hohe Temperatur erhitzt, so bleibt die
+Radioaktivität bestehen. Frisch gesehmolzenes (bei etwa 800°)
+Radium-Baryumchlorid ist radioaktiv und leuchtend. Längere Erhitzung auf
+hohe Temperatur hat jedoch eine zeitweise Abnahme der Radioaktivität des
+Präparates zur Folge. Diese Abnahme ist sehr bedeutend, sie kann 75
+Proz. der Gesamtstrahlung betragen. Die relative Abnahme ist weniger
+bedeutend für die absorbirbaren als für die durchdringenden Strahlen,
+die durch die Erhitzung fast unterdrückt werden. Mit der Zeit nimmt die
+Strahlung des Präparates wieder die frühere Stärke und Zusammensetzung
+an; dieser Zustand wird etwa nach Verlauf von zwei Monaten nach der
+Erhitzung erreicht.
+
+Viertes Kapitel. Inducirte Radioaktivität.
+==========================================
+
+a) Mitteilung der Radioaktivität an ursprünglich inaktive Substanzen.
+---------------------------------------------------------------------
+
+Im Laufe unserer Untersuchungen über die radioaktiven Körper bemerkten
+wir, Herr Curie und ich[116], daß jede Substanz, die sich einige Zeit in
+der Nachbarschaft eines Radium-haltigen Salzes befindet, selbst
+radioaktiv wird. Bei unserer ersten hierauf bezüglichen Publikation
+befaßten wir uns mit dem Nachweis, daß die so von ursprünglich inaktiven
+Substanzen erworbene Radioaktivität nicht etwa von einem Transport
+radioaktiven Staubes herrührt, der sich an der Oberfläche dieser
+Substanzen niedergeschlagen hätte. Diese jetzt ganz gesicherte Tatsache
+wird klar bewiesen durch die im Folgenden beschriebenen Versuche, und
+vor allen Dingen durch die Gesetze, nach denen die in ursprünglich
+inaktiven Stoffen hervorgerufene Radioaktivität verschwindet, wenn man
+sie der Einwirkung des Radiums entzieht.
+
+Wir haben der so entdeckten neuen Erscheinung den Namen inducirte
+Radioaktivität gegeben.
+
+In derselben Arbeit haben wir die Hauptmerkmale der inducirten
+Radioaktivität angegeben. Wir haben Platten von verschiedenen Substanzen
+aktivirt, indem wir sie in die Nachbarschaft fester Radium-haltiger
+Salze brachten und haben die Radioaktivität dieser Platten mittels der
+elektrischen Methode untersucht. Dabei beobachteten wir folgende
+Tatsachen:
+
+1. Die Aktivität einer der Wirkung des Radiums ausgesetzten Platte
+ wächst mit der Expositionsdauer und nähert sich asymptotisch einem
+ gewissen Grenzwert.
+
+2. Die Aktivität einer Platte, die vom Radium aktivirt und dann dieser
+ Einwirkung entzogen wird, verschwindet nach einigen Tagen. Der
+ Abfall der inducirten Aktivität gegen Null erfolgt nach einem
+ asymptotischen Gesetz.
+
+3. Bei sonst gleichen Bedingungen ist die von einem bestimmten
+ Radium-haltigen Präparat auf verschiedenen Platten inducirte
+ Radioaktivität unabhängig von der Natur der Platten. Glas, Papier,
+ Metalle aktivirten sich in gleicher Stärke.
+
+4. Die auf einer bestimmten Platte von verschiedenen Radium-haltigen
+ Präparaten inducirte Radioaktivität hat einen um so höheren
+ Grenzwert, je aktiver das Präparat ist.
+
+Kurze Zeit darauf veröffentlichte Herr Rutherford[27,117] eine Arbeit,
+aus der folgt, daß die Thorverbindungen die Erscheinung der inducirten
+Radioaktivität hervorrufen können. Rutherford fand für diese Erscheinung
+dieselben Gesetze, wie die oben genannten, und entdeckte ferner die
+wichtige Tatsache, daß Körper, die negativ elektrisch geladen sind, sich
+stärker aktiviren als andere. Rutherford beobachtete ferner, daß Luft,
+die über Thorium-Oxyd gestrichen war, 10 Minuten lang eine merkliche
+Leitfähigkeit bewahrte. Die Luft teilt in diesem Zustande inducirte
+Radioaktivität an inaktive Substanzen mit, vor allem an solche, die
+negativ geladen sind. Rutherford interpretirte seine Versuche durch die
+Annahme, daß die Thorverbindungen, und vor allem das Oxyd, eine
+besondere radioaktive Emanation aussenden, die von Luftströmen mit
+fortgerissen wird und positiv geladen ist. Diese Emanation soll die
+Ursache der inducirten Radioaktivität sein. Herr Dorn[64] hat die
+Versuche, die Rutherford mit Thoroxyd gemacht hatte, mit Radium-haltigen
+Baryumsalzen wiederholt.
+
+Herr Debierne[33,118] zeigte, daß das Aktinium in äußerst starkem Maße
+induzirte Aktivität in benachbarten Körpern hervorruft. Ebenso wie bei
+dem Thorium findet eine starke Mitnahme der Aktivität durch Luftströme
+statt.
+
+Die inducirte Aktivität zeigt sehr veränderliches Aussehen und wenn man
+die Aktivirung einer Substanz in der Nähe von Radium in freier Luft
+bewirkt, so erhält man sehr unregelmäßige Resultate. Die Herren Curie
+und Debierne[119] bemerkten, daß die Erscheinung im Gegensatz hierzu
+sehr regelmäßig ist, wenn man mit einem geschlossenen Gefäß arbeitet.
+Sie haben deshalb die Aktivirung im geschlossenen Gefäß untersucht.
+
+b) Aktivirung in geschlossenem Gefäß.
+-------------------------------------
+
+Die inducirte Radioaktivität ist sowohl stärker, wie auch regelmäßiger,
+wenn man in einem geschlossenen Gefäß arbeitet. Die aktive Substanz
+befindet sich in einem kleinen Glaßgefäß a (Fig. 12) mit einer Offnung
+bei o in der Mitte einer geschlossenen Umhüllung. Verschiedene Platten
+A, B, C, D, E, die sich in der Umhüllung befinden, werden nach einer
+eintägigen Exposition radioaktiv. Bei gleichen Dimensionen ist die
+Radioaktivität dieselbe, unabhängig von der Natur der Platten (Blei,
+Kupfer, Aluminium, Glas, Hartgummi, Wachs, Pappdeckel, Paraffin). Die
+Aktivität einer Fläche einer dieser Platten ist um so größer, je größer
+der freie Raum vor dieser Fläche ist.
+
+[Fig. 12]
+
+Wiederholt man den vorigen Versuch mit völlig geschlossenem Gefäß a, so
+erhält man keine inducirte Aktivität.
+
+Die Strahlung des Radiums kommt bei der Hervorrufung der inducirten
+Radioaktivität nicht direkt in Betracht, so wird z. B. bei dem vorigen
+Versuch die durch den dicken Bleischirm PP geschützte Platte D ebenso
+aktiv wie B und E.
+
+Die Radioaktivität überträgt sich in der Luft von Punkt zu Punkt von der
+strahlenden Substanz bis zum zu aktivirenden Körper. Sie kann sich
+selbst durch sehr enge Kapillarröhren weithin fortpflanzen.
+
+Die inducirte Aktivität ist gleichzeitig intensiver und regelmäßiger,
+wenn man das feste Radium-haltige Salz durch eine wässrige Lösung
+ersetzt.
+
+Flüssigkeiten können inducirte Radioaktivität annehmen. Man kann z. B.
+reines Wasser radioaktiv machen, wenn man es in das Innere einer
+geschlossenen Hülle stellt, die außerdem eine Lösung Radium-haltigen
+Salzes enthält.
+
+Manche Körper werden leuchtend, wenn man sie in ein Aktivirungsgefäß
+bringt (phosphorescirende und fluorescirende Körper (Glas, Papier,
+Baumwolle, Wasser, Salzlösungen). Phosphorescirendes Zinksulfid leuchtet
+unter diesen Bedingungen besonders stark. Die Radioaktivität dieser
+leuchtenden Körper ist jedoch dieselbe, wie die eines Metallstücks oder
+eines andren Körpers, der sich unter gleichen Bedingungen aktivirt, ohne
+leuchtend zu werden.
+
+Welches auch immer die im geschlossenen Gefäß zu aktivirende Substanz
+ist, sie nimmt eine mit der Zeit wachsende Aktivität an, und erreicht
+schließlich einen Grenzwert, der immer derselbe ist, wenn man mit
+derselben aktivirenden Substanz und derselben Versuchsanordnung
+arbeitet.
+
+Der Grenzwert der inducirten Radioaktivität ist unabhängig von der Natur
+des Gases, das sich in dem Aktivirungsgefäß befindet (Luft, Wasserstoff,
+Kohlensäure).
+
+Der Grenzwert der inducirten Aktivität in einem bestimmten Gefäß hängt
+bloß von der darin in Lösung befindlichen Radiummenge ab, und scheint
+ihr proportional zu sein.
+
+c) Rolle der Gase bei den Erscheinungen der inducirten Radioaktivität.
+Emanation.
+---------------------------------------------------------------------------------
+
+Die Gase in einem Aktivirungsgefäß, das Radium in fester Form oder in
+Lösung enthält, sind radioaktiv. Diese Aktivität bleibt bestehen, wenn
+man das Gas durch eine Röhre absaugt und in einem Probiergläschen
+auffängt. Die Wände des letzteren werden dann selbst radioaktiv und
+leuchten im Dunklen. Aktivität und Lichtemission des Gläschens
+verschwinden nachher vollständig, aber sehr langsam, und man kann die
+Radioaktivität noch nach einem Monat konstatiren.
+
+Vom Beginn unsrer Untersuchungen an haben wir, Herr Curie und ich[120],
+aus der Pechblende durch Erhitzung ein stark radioaktives Gas extrahirt,
+die Aktivität ist jedoch ebenso wie bei dem vorigen Versuch schließlich
+vollständig verschwunden. Im Spektrum dieses Gases haben wir keine neue
+Linie bemerkt.[^22]
+
+Die inducirte Radioaktivität breitet sich also beim Radium, Thorium und
+Aktinium von Punkt zu Punkt durch das Gas hindurch aus, vom aktiven
+Körper bis zu den Wänden des Aktivirungsgefäßes, und die aktivirende
+Eigenschaft wird mit dem Gase selbst fortgeführt, wenn man dieses aus
+den Gefäßen heraussaugt.
+
+Wenn man die Radioaktivität Radium-haltiger Stoffe mit der elektrischen
+Methode mißt (mit dem in Fig. 1 dargestellten Apparat), so wird auch die
+Luft zwischen den Platten radioaktiv; gleichwohl bemerkt man beim
+Hindurchschicken eines Luftstromes zwischen den Platten keine merkliche
+Verminderung des Stromes, woraus hervorgeht, daß die im Raume zwischen
+den Platten ausgebreitete Radioaktivität wenig gegen die des festen
+Radiums selbst in Betracht kommt.
+
+Ganz anders verhält es sich beim Thor. Die Unregelmäßigkeiten, die ich
+bei der Messung der Radioaktivität der Thorverbindungen bemerkte, kamen
+daher, daß ich damals mit einem offenen Luftkondensator arbeitete; der
+geringste Luftstrom bringt hier aber eine beträchtliche Änderung in der
+Stromintensität hervor, weil die in der Nachbarschaft des Thors
+verbreitete Aktivität wesentlich gegen die der Substanz selbst in
+Betracht kommt.
+
+Noch ausgesprochener ist dieser Effekt beim Aktinium. Ein stark aktives
+Aktiniumpräparat erscheint viel weniger aktiv, wenn man einen Luftstrom
+über die Substanz schickt.
+
+Die radioaktive Energie ist also im Gase in einer besonderen Form
+enthalten. Herr Rutherford nimmt an, daß gewisse radioaktive Körper
+fortwährend ein materielles radioaktives Gas entwickeln, das er mit dem
+Namen "Emanation" bezeichnet. Dieses Gas hätte die Eigenschaft, die
+Körper in dem Raume, in dem es verbreitet ist, radioaktiv zu machen. Die
+eine Emanation aussendenden Körper sind: Radium, Thorium, Aktinium.
+
+d) Entaktivirung fester aktivirter Körper in freier Luft.
+---------------------------------------------------------
+
+Ein fester Körper, der in einem Aktivirungsgefäß durch Radium während
+genügend langer Zeit aktivirt worden ist, und dann aus dem Gefäß
+herausgenommen wird, entaktivirt sich an freier Luft nach einem
+Exponentialgesetz, das für alle Körper dasselbe und durch folgende
+Formel darstellbar ist[121]:
+
+[I = I0.[a.e^(-t/theta1) - (a-1).e^(-t/theta2)]] 
+
+Hierbei ist I_0 die Anfangsintensität der Strahlung im Moment, wo man
+die Platte aus dem Gefäß herausnimmt, I die Intensität zur Zeit t; a ist
+ein Zahlenkoeffizient a = 4,20; θ_1 und θ_2 sind
+Zeitkonstanten und zwar: θ_1 = 2420 Sekunden, θ_2 =
+1860 Sekunden. Nach Verlauf von zwei bis drei Stunden verwandelt sich
+dieses Gesetz merklich in ein einfaches Exponentialgesetz, da der
+Einfluß des zweiten Exponentialgliedes dann unmerklich geworden ist. Das
+Entaktivirungsgesetz ist demnach derart, daß die Strahlungsintensität in
+28 Minuten auf die Hälfte ihres Wertes sinkt. Dieses Gesetz kann als
+charakteristisch für die Entaktivirung fester Körper gelten, die durch
+Radium aktivirt sind.
+
+Durch Aktinium aktivirte feste Körper entaktiviren sich nach einem
+ähnlichen Gesetz wie das vorige, doch ist die Entaktivirung etwas
+langsamer[122].
+
+Durch Thorium aktivirte feste Körper entaktiviren sich viel langsamer;
+die Strahlungsintensität sinkt in 11 Stunden auf die Hälfte[117].
+
+e) Entaktivirung in geschlossenem Gefäß. Zerstörungsgeschwindigkeit der
+Emanation.
+----------------------------------------------------------------------------------
+
+Ein vom Radium aktivirtes und dann der Einwirkung entzogenes
+geschlossenes Gefäß entaktivirt sich nach einem viel langsamer
+verlaufenden Gesetz, als der Entaktivirung in freier Luft
+entspricht.[123] Man kann z. B. den Versuch so machen, daß man eine
+Glasröhre im Innern aktivirt, indem man sie während einer gewissen Zeit
+mit einer Lösung eines Radiumsalzes kommuniciren läßt. Man schmilzt dann
+die Röhre an der Lampe zu und mißt die Intensität der die Wände
+durchdringenden Strahlung während der Dauer der Entaktivirung.
+
+Die Entaktivirung erfolgt nach einem Exponentialgesetz, das sehr genau
+durch die Formel
+
+I = I_0 ⋅ e^{-t/θ}
+
+dargestellt wird. Hierbei bedeutet:
+
+ -------- ------------------------------------------------------------
+ I_0 die Anfangsintensität der Strahlung;
+ I die Intensität der Strahlung zur Zeit I;
+ θ eine Zeitkonstante, und zwar θ = 4,97 ⋅ 10^3 Sek.
+ -------- ------------------------------------------------------------
+
+Die Intensität der Strahlung sinkt in vier Tagen auf die Hälfte.
+
+Dieses Entaktivirungsgesetz ist völlig unveränderlich und gänzlich
+unabhängig von den Versuchsbedingungen (Größe des Gefäßes, Natur seiner
+Wände, Gasfüllung, Aktivirungsdauer usw.). Das Entaktivirungsgesetz
+bleibt dasselbe in einem Temperaturbereich von −180° bis +450°. Dieses
+Entaktivirungsgesetz ist also ganz charakteristisch und kann zur
+Definition einer völlig unabhängigen Zeiteinheit dienen.
+
+Bei diesen Versuchen ist es die in dem Gase angehäufte radioaktive
+Energie, die die Aktivität der Wände unterhält. In der Tat konstatirt
+man, wenn man das Gas durch Auspumpen des Gefäßes entfernt, daß sich die
+Wände von diesem Augenblick an nach dem schnelleren Gesetz entaktiviren,
+so daß die Intensität der Strahlung in 28 Minuten auf die Hälfte sinkt.
+Dasselbe Resultat erhält man, wenn man die aktivirte Luft im Gefäß durch
+gewöhnliche Luft ersetzt.
+
+Das Entaktivirungsgesetz mit dem Abfall auf die Hälfte in vier Tagen ist
+also charakteristisch für das Verschwinden der im Gase angehäuften
+radioaktiven Energie. Wenn man sich der Rutherfordschen Ausdrucksweise
+bedient, kann man sagen, daß die Emanation des Radiums mit der Zeit von
+selbst verschwindet und nach vier Tagen nur noch die Hälfte beträgt.
+
+Die Thoriumemanation ist andrer Natur und verschwindet viel rascher. Das
+Aktivirungsvermögen sinkt in ungefähr 70 Sekunden auf die Hälfte.
+
+Die Emanation des Aktiniums verschwindet noch schneller; ihr Betrag
+sinkt in wenigen Sekunden auf die Hälfte.
+
+f) Natur der Emanationen.
+-------------------------
+
+Nach Herrn Rutherford ist die Emanation ein materielles radioaktives
+Gas, das aus den radioaktiven Körpern entweicht. In der Tat verhält sich
+die Radiumemanation in vielen Beziehungen wie ein gewöhnliches Gas.
+
+Wenn man zwei Glasbehälter miteinander verbindet, von denen der eine
+Emanation enthält, der andre dagegen nicht, so teilt sich die Emanation
+zwischen beiden Behältern wie ein gewöhnliches Gas: Wenn beide Behälter
+auf gleicher Temperatur sind, so teilt sich die Emanation zwischen ihnen
+im Verhältniß der Volumina; wenn sie auf verschiedenen Temperaturen
+sind, so teilt sie sich wie ein Gas, das dem Mariotte-Gay-Lussacschen
+Gesetze gehorcht. Bei diesen Versuchen wurde die Menge der in einem
+Gefäß enthaltenen Emanation durch die Strahlung seiner Wände bestimmt,
+unter Berücksichtigung der zeitlichen Abnahme der Strahlungsintensität
+der Emanation[124].
+
+Die Emanation diffundirt längs enger Röhren nach den Gesetzen für die
+Diffusion gewöhnlicher Gase; der Diffusionskoeffizient ist nahe gleich
+dem der Kohlensäure[124].
+
+Bei der Temperatur der flüssigen Luft kondensirt sich die
+Radiumemanation[125]. Wenn man von zwei Emanation enthaltenden
+kommunicirenden Gefäßen das eine in flüssige Luft taucht, so kondensirt
+sich die ganze in beiden vorhandene Emanation in dem kalten Gefäß.
+
+Die Emanation des Radiums unterscheidet sich von einem gewöhnlichen Gase
+dadurch, daß sie sich von selbst zerstört, wenn man sie in einem
+geschlossenen Rohre aufbewahrt; wenigstens beobachtet man unter diesen
+Umständen das Verschwinden der radioaktiven Eigenschaften. Diese
+Eigenschaft der Radioaktivität ist übrigens bis jetzt die einzige, durch
+die die Emanation sich für uns bemerkbar macht, denn man hat bisher mit
+Sicherheit weder ein charakteristisches Spektrum der Emanation noch
+einen Gasdruck derselben nachweisen können.
+
+Ganz neuerdings haben jedoch die Herren Ramsay und Soddy[107] in dem
+Spektrum der vom Radium entwickelten Gase neue Linien gefunden, die
+ihrer Ansicht nach der Emanation angehören könnten. Sie haben ferner
+konstatirt, daß die vom Radium gewonnenen Gase Helium enthalten, und daß
+dieses Gas in der Emanation des Radiums von selbst sich bildet. Wenn
+diese äußerst wichtigen Resultate sich bestätigen sollten, so würde man
+die Emanation als ein instabiles Gas zu betrachten haben, und das Helium
+wäre vielleicht eines der Produkte der freiwilligen Zersetzung des
+Gases.
+
+Die Emanationen des Radiums und des Thoriums scheinen von einer Reihe
+sehr energischer chemischer Agentien nicht beeinflußt zu werden; die
+Herren Rutherford und Soddy[126,127] teilen sie deshalb der Argongruppe
+zu.
+
+g) Änderung der Aktivität aktivirter Flüssigkeiten und Radium-haltiger
+Lösungen.
+--------------------------------------------------------------------------------
+
+Eine beliebige Flüssigkeit wird radioaktiv, wenn man ein mit ihr
+gefülltes Gefäß in einen Aktivirungsraum hineinstellt. Wenn man die
+Flüssigkeit wieder herausnimmt und an freier Luft stehen läßt, so
+entaktivirt sie sich schnell und überträgt dabei ihre Radioaktivität an
+die umgebenden Gase und festen Körper. Schließt man eine aktivirte
+Flüssigkeit in ein geschlossenes Gefäß ein, so entaktivirt sie sich viel
+langsamer und die Aktivität sinkt dann in vier Tagen auf die Hälfte,
+genau wie es für ein Gas in geschlossenem Gefäß der Fall sein würde. Man
+kann diese Tatsache erklären, indem man annimmt, daß die radioaktive
+Energie in der Flüssigkeit in derselben Form angehäuft ist wie im Gase
+(als Emanation).
+
+Eine Lösung Radium—haltigen Salzes verhält sich zum Teil ähnlich. Vor
+allem ist es bemerkenswert, daß eine Lösung von Radiumsalz, die sich
+seit einiger Zeit in einem geschlossenen Raume befindet, nicht stärker
+aktiv ist als reines Wasser, das sich in einem Gefäß innerhalb desselben
+Raumes befindet, sobald sich das Strahlungsgleichgewicht hergestellt
+hat. Wenn man die Radiumlösung aus dem Raume entfernt und an freier Luft
+in weit offenem Gefäß stehen läßt, so verbreitet sich die Aktivität im
+Raume aus, und die Lösung wird beinahe inaktiv, obgleich sie noch immer
+das Radium enthält. Wenn man dann diese entaktivirte Lösung in eine
+geschlossene Flasche bringt, so gewinnt sie allmählich, in etwa zwei
+Wochen, wieder einen Grenzwert der Aktivität, der beträchtlich sein
+kann. Dagegen gewinnt eine aktivirt gewesene und an der Luft
+entaktivirte Flüssigkeit, die kein Radium enthält, ihre Aktivität in
+einem geschlossenen Gefäß nicht wieder.
+
+h) Theorie der Radioaktivität.
+------------------------------
+
+Die Herren Curie und Debierne[128] stellten folgende sehr allgemeine
+Theorie auf, die es gestattet, die Versuchsresultate über die inducirte
+Radioaktivität in Zusammenhang zu bringen; die Resultate selbst, die
+soeben besprochen sind, stellen reine Tatsachen dar, die von jeder
+Hypothese unabhängig sind.
+
+Man kann annehmen, daß jedes Radiumatom als eine konstante und
+kontinuirliche Energiequelle wirkt, ohne daß man sich hierbei vorläufig
+Rechenschaft zu geben braucht, woher die Energie stammt. Die radioaktive
+Energie, die sich im Radium anhäuft, hat das Bestreben, sich auf zwei
+verschiedene Weisen zu zerstreuen:
+
+1. Durch Strahlung (elektrisch geladene und ungeladene Strahlen).
+
+2. Durch Leitung, d. h. durch direkte Übertragung von Punkt zu Punkt an
+ die umgebenden Körper, wobei Gase und Flüssigkeiten als
+ Zwischenträger dienen können (Entwicklung von Emanation und
+ Umwandlung in inducirte Radioaktivität).
+
+Der Verlust an radioaktiver Energie sowohl durch Strahlung wie durch
+Leitung wächst mit der in dem radioaktiven Körper angesammelten
+Energiemenge. Es muß sich notwendig ein Gleichgewicht herstellen, wenn
+dieser soeben genannte zweifache Verlust den vom Radium herrührenden
+kontinuirlichen Zufluß kompensirt. Diese Anschauungsweise entspricht der
+bei den Wärmeerscheinungen üblichen. Wenn im Innern eines Körpers aus
+irgend einem Grunde eine kontinuirliche und konstante Wärmeentwicklung
+stattfindet, so häuft sich die Wärme in dem Körper an und die Temperatur
+steigt, bis der Wärmeverlust durch Strahlung und Leitung mit dem
+fortwährenden Zufluß im Gleichgewicht ist.
+
+Im allgemeinen findet, abgesehen von einigen besonderen Fällen, keine
+Übertragung der Radioaktivität durch feste Körper hindurch statt. Wenn
+man eine Lösung in geschlossenem Gefäß aufbewahrt, so bleibt bloß der
+Verlust durch Strahlung übrig und die Radioaktivität nimmt einen
+erhöhten Wert an.
+
+Wenn dagegen die Lösung sich in einem offenen Gefäß befindet, so wird
+der Verlust an Aktivität durch Leitung von Punkt zu Punkt beträchtlich,
+und wenn der Gleichgewichtszustand erreicht ist, so ist die
+Strahlungsenergie der Lösung nur noch sehr schwach.
+
+Die Strahlungsenergie eines festen Radium-haltigen Salzes vermindert
+sich an der Luft nicht merklich, weil eine Fortpflanzung der
+Radioaktivität in festen Körpern nicht stattfindet, und deshalb nur eine
+sehr dünne Oberflächenschicht an der Erzeugung der inducirten
+Radioaktivität teilnimmt. In der Tat konstatirt man, daß eine Lösung
+desselben radioaktiven Präparates viel intensivere inducirte
+Radioaktivität hervorbringt. Bei einem festen Salze sammelt sich die
+Energie der Radioaktivität in dem Salze an und zerstreut sich
+hauptsächlich durch Strahlung. Wenn dagegen das Salz seit einigen Tagen
+in Wasser aufgelöst ist, so hat sich die radioaktive Energie zwischen
+dem Wasser und dem Salze geteilt; wenn man sie dann durch Destillation
+trennt, so nimmt das Wasser einen großen Teil der Aktivität mit, und das
+feste Salz ist viel (10- bis 15 mal) weniger aktiv als vor der
+Auflösung. Nachher gewinnt das feste Salz allmählich seine ursprüngliche
+Aktivität wieder.
+
+Man kann versuchen, die vorstehende Theorie noch weiter zu präzisiren,
+indem man sich vorstellt, daß die Radioaktivität des Radiums selbst auf
+dem Umwege über die in Form der Emanation emittirte Energie entsteht.
+
+Man kann annehmen, daß jedes Radiumatom eine kontinuirliche und
+konstante Quelle von Emanation ist. Gleichzeitig mit ihrer Erzeugung
+erfährt diese Energieform eine fortschreitende Umwandlung in die
+radioaktive Energie der Becquerelstrahlung; die Geschwindigkeit dieser
+Umformung ist proportional der angehäuften Menge von Emanation.
+
+Wenn eine Radium-haltige Lösung in ein Gefäß eingeschlossen ist, so kann
+die Emanation sich innerhalb des Gefäßes und auf den Wänden ausbreiten.
+An dieser Stelle wird sie also in Strahlung verwandelt, während die
+Lösung nur wenig Becquerelstrahlen emittirt, – die Strahlung ist in
+gewissem Sinne exteriorisirt. Beim festen Salz dagegen häuft sich die
+Emanation, da sie nicht entweichen kann, an und wird auf derselben
+Stelle, wo sie entstanden ist, in Becquerelstrahlen verwandelt; diese
+Strahlung erreicht dadurch einen höheren Betrag[129].
+
+Wenn diese Theorie der Radioaktivität allgemein sein sollte, so müßte
+man annehmen, daß alle radioaktiven Körper Emanation aussenden. Dies ist
+für Radium, Thorium und Aktinium konstatirt worden; der letztgenannte
+Körper besitzt diese Fähigkeit in enormem Maße selbst in festem
+Zustande. Uran und Polonium scheinen keine Emanation zu entwickeln,
+obgleich sie Becquerelstrahlen emittiren. Diese Körper erzeugen auch
+keine inducirte Radioaktivität in geschlossenen Gefäßen, wie die
+vorgenannten. Diese Tatsache ist mit der obigen Theorie nicht in
+absolutem Widerspruch. Wenn nämlich das Uran und das Polonium
+Emanationen emittirten, die sich sehr schnell zerstörten, so würde es
+sehr schwer sein, die Fortführung dieser Emanationen durch Luft und die
+Erzeugung inducirter Radioaktivität auf benachbarten Körpern zu
+beobachten. Eine derartige Hypothese hat durchaus nichts
+unwahrscheinliches an sich, da die Zeiten, während denen die Emanationen
+des Radiums und Thoriums auf die Hälfte sinken, sich zu einander wie
+5000 zu 1 verhalten. Es wird übrigens noch gezeigt werden, daß unter
+gewissen Umständen das Uran inducirte Radioaktivität erzeugen kann.
+
+i) Andre Form der inducirten Radioaktivität.
+--------------------------------------------
+
+Nach dem Entaktivirungsgesetz aktivirter fester Körper in freier Luft
+ist die Strahlungsenergie nach Verlauf eines Tages beinahe unmerklich.
+
+Gewisse Körper machen jedoch eine Ausnahme hiervon; dazu gehören
+Celluloid, Paraffin, Kautschuk usw. Wenn diese Körper längere Zeit
+aktivirt worden sind, so entaktiviren sie sich viel langsamer als das
+Gesetz verlangt, und es bedarf manchmal einer Zeit von 15 bis 20 Tagen,
+bis die Aktivität unmerklich wird. Es scheint, als ob diese Körper die
+Fähigkeit hätten, sich mit radioaktiver Energie in Gestalt von Emanation
+zu imprägniren; sie verlieren sie dann allmählich, indem sie inducirte
+Radioaktivität in ihrer Umgebung erzeugen.
+
+k) Langsam entstehende inducirte Radioaktivität.
+------------------------------------------------
+
+Man beobachtet noch eine ganz andre Form inducirter Radioaktivität, die
+auf allen Körpern zu entstehen scheint, wenn sie Monate lang in einem
+Aktivirungsgefäß gelegen haben. Wenn diese Körper aus dem Gefäß
+herausgenommen werden, so sinkt die Aktivität zuerst nach dem
+gewöhnlichen Gesetz (auf die Hälfte in einer halben Stunde); wenn aber
+die Aktivität auf etwa {}^{1}/_{20 000} des Anfangswertes gesunken ist,
+so vermindert sie sich nicht mehr, oder wenigstens nur noch äußerst
+langsam, manchmal tritt sogar eine Vermehrung ein. Wir besitzen Platten
+aus Kupfer, Glas, Aluminium, die eine derartige Restaktivität seit über
+sechs Monaten bewahren.
+
+Diese Erscheinungen der inducirten Aktivität scheinen ganz andrer Natur
+als die gewöhnlichen zu sein und zeigen eine viel langsamere
+Entwicklung.
+
+Sowohl für die Entwicklung wie für das Verschwinden dieser Form der
+inducirten Radioaktivität ist eine beträchtliche Zeit nötig.
+
+l) Inducirte Radioaktivität auf mit Radium zusammen gelösten Substanzen.
+------------------------------------------------------------------------
+
+Wenn man ein radioaktives Mineral, das Radium enthält, behufs Extraktion
+dieses Körpers behandelt, so erhält man, solange das Verfahren noch
+nicht weit vorgeschritten ist, chemische Trennungen, bei denen die
+Radioaktivität sich vollständig in einem der Reaktionsprodukte befindet,
+während das andre Produkt vollständig inaktiv ist. Man trennt so auf der
+einen Seite die strahlenden Produkte, die mehrere 100mal aktiver sein
+können als das Uran, auf der andren Seite Kupfer, Arsenik, Antimon usw.,
+die absolut inaktiv eind. Gewisse andre Körper dagegen (Eisen, Blei)
+ließen sich niemals in völlig inaktivem Zustande trennen. Wenn die
+Konzentration der strahlenden Körper zunimmt, wird das Verhalten ein
+andres; keine Trennung liefert dann völlig inaktive Produkte mehr; alle
+von einer Trennung herrührenden Portionen sind immer in verschiedenem
+Grade aktiv.
+
+Nach der Entdeckung der inducirten Radioaktivität versuchte Herr
+Giesel[130] zuerst gewöhnliches inaktives Wismut zu aktiviren, indem er
+es mit sehr aktivem Radium zusammen in Lösung hielt. Er erhielt so
+radioaktiven Wismut und schloß daraus, daß das aus der Pechblende
+gewonnene Polonium wahrscheinlich Wismut sei, das durch die
+Nachbarschaft des in der Pechblende enthaltenen Radiums aktivirt sei.
+
+Ich habe ebenfalls aktivirtes Wismut hergestellt, indem ich Wismut mit
+sehr aktivem Radiumsalz in Lösung hielt.
+
+Die Schwierigkeiten dieses Versuches bestehen in der außerordentlichen
+Sorgfalt, die man anwenden muß, um das Radium aus der Lösung zu
+entfernen. Wenn man bedenkt, welche unmeßbar kleine Menge von Radium
+genügt, um in einem Gramm Materie eine sehr merkliche Radioaktivität
+hervorzubringen, so glaubt man, das aktivirte Produkt niemals genug
+gewaschen und gereinigt zu haben. Jede Reinigung aber zieht eine
+Verminderung der Aktivität des aktivirten Produktes nach sich, sei es,
+daß man wirklich Spuren von Radium entfernt, sei es, daß die unter
+diesen Bedingungen inducirte Radioaktivität den chemischen Umwandlungen
+nicht widersteht.
+
+Die Resultate, die ich erhalte, scheinen jedoch mit Sicherheit zu
+ergeben, daß eine Aktivirung stattfindet und nach der Abtrennung des
+Radiums bestehen bleibt. So finde ich nach sorgfältiger Reinigung des
+aktivirten Wismutnitrates, daß bei einer fraktionirten Fällung der
+Nitratlösung mit Wasser es sich fraktionirt wie Polonium, indem seine
+aktiveren Bestandteile zuerst ausfallen.
+
+Wenn die Reinigung ungenügend ist, so findet das Gegenteil statt, was
+darauf hinweist, daß sich in dem aktivirten Wismut noch Spuren von
+Radium befinden. Ich erhielt so aktivirtes Wismut, bei dem der Sinn der
+Fraktionirung eine große Reinheit anzeigte, und das 2000mal aktiver war
+als Uran. Dieses Wismut verminderte seine Aktivität mit der Zeit. Ein
+andrer Teil desselben Präparate dagegen, der mit denselben
+Vorsichtsmaßregeln hergestellt war und sich im gleichen Sinne
+fraktionirte, bewahrte seine Aktivität ohne merkliche Verminderung seit
+einer Zeit, die gegenwärtig ungefähr drei Jahre beträgt.
+
+Diese Aktivität ist 150mal grösser als die Urans. Ich aktivirte in
+gleicher Weise Blei und Silber, indem ich sie mit Radium in Lösung
+hielt. Meistens sinkt die so erhaltene inducirte Radioaktivität kaum mit
+der Zeit, dagegen widersteht sie im allgemeinen nicht aufeinander
+folgenden chemischen Umwandlungen des aktivirten Körpers. Herr
+Debierne[131] hat Baryum aktivirt, indem er es mit Aktinium zusammen in
+Lösung hielt. Dieses Baryum bleibt nach verschiedenen chemischen
+Umwandlungen aktiv, seine Aktivität ist also eine ziemlich stabile des
+Atoms. Das aktivirte Baryumchlorid fraktionirt sich wie Radium-haltiges
+Baryumchlorid; die aktivsten Teile sind in Wasser und in verdünnter
+Salzsäure am wenigsten löslich. Das getrocknete Chlorid ist
+selbstleuchtend; seine Becquerelstrahlung ist analog der des
+Radium-haltigen Baryums. Herr Debierne erhielt aktivirtes Baryumchlorid,
+das 1000mal aktiver war als Uran. Gleichwohl hatte dieses Baryum nicht
+alle Eigenschaften des Radiums angenommen, denn es zeigte im Spektroskop
+keine der stärksten Radiumlinien. Ausserdem verminderte sich seine
+Aktivität mit der Zeit und nach drei Wochen war es dreimal schwächer als
+im Anfang.
+
+Über die Aktivirung der Körper in Lösung mit radioaktiven Substanzen
+müssen noch ausgedehnte Untersuchungen gemacht werden. Es scheint, als
+ob man je nach den Versuchsbedingungen mehr oder weniger stabile Formen
+von dem Atom anhaftender inducirter Radioaktivität erhalten könne. Die
+unter diesen Bedingungen erhaltene inducirte Radioaktivität ist sogar
+vielleicht dieselbe, wie die sich langsam entwickelnde Form, die man
+durch lange dauernde Aktivirung aus der Ferne im Aktivirungsgefäß
+erhält. Man muß sich auch fragen, bis zu welchem Grade die dem Atom
+anhaltende inducirte Radioaktivität die chemische Natur des Atomes
+afficirt, und ob sie die chemischen Eigenschaften desselben
+vorübergehend oder dauernd modificiren kann.
+
+Die chemische Untersuchung der aus der Ferne aktivirten Körper ist
+dadurch erschwert, daß die Aktivirung auf eine sehr dünne
+Oberflächenschicht beschränkt ist, und daß deshalb die von der
+Umwandlung etwa betroffene Substanzmenge äußerst gering ist.
+
+Inducirte Radioaktivität kann auch erhalten werden, wenn man gewisse
+Substanzen mit Uran zusammen gelöst erhält. Der Versuch gelingt mit
+Baryum. Wenn man, wie es Debierne machte, der Uran und Baryum
+enthaltenden Lösung Schwefelsäure zusetzt, so reißt das
+niedergeschlagene Baryumsulfat die Aktivität mit sich; gleichzeitig
+verliert das Uran seine Aktivität zum Teil. Herr Becquerel fand, daß man
+bei mehrmaliger Wiederholung dieses Verfahrens fast inaktives Uran
+erhält. Man könnte danach glauben, daß man durch dieses Verfallen einen
+vom Uran verschiedenen Körper abgetrennt hat, dessen Anwesenheit die
+Aktivität des Urans hervorbrachte. Dem ist Jedoch nicht so, denn nach
+einigen Monaten gewinnt das Uran seine anfängliche Aktivität wieder; das
+niedergeschlagene Baryumsulfat dagegen verliert die seinige.
+
+Ein ähnliches Phänomen findet beim Thorium statt. Herr Rutherford
+schlägt eine Lösung von Thoriumsalz durch Ammoniak nieder; er trennt die
+Lösung ab und dampft zur Trockenheit ein. Er erhält so einen sehr
+aktiven Rückstand, während das niedergeschlagene Thorium sich weniger
+aktiv zeigt als vorher. Dieser aktive Rückstand, dem Rutherford den
+Namen Thorium-X giebt, verliert seine Aktivität mit der Zeit, während
+das Thor seine ursprüngliche Aktivität wiedergewinnt.[132]
+
+Es scheint, daß bezüglich der inducirten Radioaktivität in Lösungen die
+verschiedenen Körper sich nicht alle gleich verhalten, und daß einige
+unter ihnen viel empfänglicher für die Aktivirung sind als andre.
+
+m) Zerstreuung radioaktiven Staubes und inducirte Aktivität des
+Laboratoriums.
+------------------------------------------------------------------------------
+
+Bei den Untersuchungen stark radioaktiver Substanzen muß man besondere
+Vorsichtsmaßregeln anwenden, wenn man dauernd feine Messungen ausführen
+will. Die verschiedenen im chemischen Laboratorium gebrauchten
+Gegenstände, ebenso wie die zu den physikalischen Versuchen dienenden,
+werden bald alle radioaktiv und wirken auf die photographische Platte
+durch schwarzes Papier hindurch. Der Staub, die Zimmerluft, die Kleider
+sind radioaktiv. In dem Laboratorium, in dem wir arbeiten, ist das Übel
+dermaßen akut geworden, daß wir keinen Apparat mehr in gut isolirendem
+Zustande halten können.
+
+Es ist also gut, wenn man besondere Vorsichtsmaßregeln anwendet, um so
+viel als möglich die Zerstreuung radioaktiven Staubes und das Auftreten
+inducirter Radioaktivität zu vermeiden.
+
+Die chemischen Gerätschaften dürfen niemals in den physikalischen
+Arbeitsraum gebracht werden, und man muß soviel als möglich vermeiden,
+aktive Substanzen in diesem Raume liegen zu lassen. Vor Beginn dieser
+Untersuchungen hatten wir die Gewohnheit, bei elektrostatischen
+Versuchen die verschiedenen Apparate durch Drähte zu verbinden, die
+durch an Erde gelegte Metallröhren gegen jede äußere elektrische Störung
+geschirmt waren. Bei Untersuchungen über radioaktive Körper ist diese
+Anordnung durchaus fehlerhaft; die Luft wird leitend, die Isolation
+zwischen Draht und Schutzrohr wird schlecht, und die unvermeidliche
+elektromotorische Kontaktkraft zwischen Draht und Röhre sucht einen
+Strom durch die Luft hindurch hervorzubringen und das Elektrometer
+abzulenken. Wir verlegen jetzt die Drähte unter völligem Ausschluß der
+Luft, indem wir sie z. B. in die Mitte von mit Paraffin oder einem
+andren Isolirmittel gefüllten Röhren legen. Es wäre auch vorteilhaft,
+bei diesen Versuchen vollständig geschlossene Elektrometer zu verwenden.
+
+n) Aktivirung ohne Mitwirkung radioaktiver Substanzen
+-----------------------------------------------------
+
+Verschiedene Versuche wurden gemacht, um eine Aktivirung ohne
+Zuhilfenahme radioaktiver Substanzen hervorzurufen.
+
+Herr Villard[133] unterwarf ein Stück Wismut als Antikathode einer
+Entladungsröhre der Einwirkung von Kathodenstrahlen; das Wismut wurde
+dadurch radioaktiv, jedoch in äußerst schwachem Grade, denn es bedurfte
+einer Exposition von acht Tagen, um eine photographische Wirkung zu
+erzielen.
+
+Herr Mc.Lennan[134] exponirt verschiedene Salze der Wirkung von
+Kathodenstrahlen und erhitzt sie sodann leicht. Diese Salze erwerben
+dadurch die Fähigkeit, positiv geladene Körper zu entladen.
+
+Untersuchungen dieser Art bieten ein großes Interesse. Wenn es möglich
+wäre, durch Anwendung bekannter physikalischer Agentien ursprünglich
+inaktiven Körpern eine merkliche Radioaktivität zu erteilen, so könnten
+wir hoffen, dadurch die Ursache der spontanen Radioaktivität gewisser
+Körper aufzufinden.
+
+o) Änderung der Aktivität radioaktiver Körper; Wirkung der Auflösung.
+---------------------------------------------------------------------
+
+Das Polonium vermindert, wie bereits gesagt, seine Aktivität mit der
+Zeit. Diese Abnahme ist langsam und scheint nicht für alle Proben gleich
+schnell vor sich zu gehen. Eine Probe von Wismut-Poloniumnitrat verlor
+die Hälfte ihrer Aktivität in 11 Monaten und 95 Proz. in 33 Monaten.
+Andre Proben verhielten sich ähnlich. Eine Probe von metallischem
+Wismut-Polonium wurde aus einem Subnitrat hergestellt, das nach seiner
+Herstellung 100 000 mal aktiver war als Uran. Dieses Metall ist jetzt
+nur noch ein mäßig aktiver Körper (2000 mal aktiver als Uran). Seine
+Aktivität wird von Zeit zu Zeit gemessen. Während sechs Monaten hat es
+67 Proz. seiner Aktivität verloren.
+
+Der Aktivitätsverlust scheint durch chemische Reaktionen nicht
+beschleunigt zu werden. Bei schnellen chemischen Operationen konstatirt
+man im allgemeinen keinen beträchtlichen Verlust an Aktivität.
+
+Im Gegensatz zu dem Verhalten des Poloniums scheinen die Radium-haltigen
+Salze eine permanente Radioaktivität zu besitzen, die im Verlauf einiger
+Jahre keine nennenswerte Einbuße erleidet.
+
+Wenn man ein festes Radiumsalz frisch hergestellt hat, so besitzt es
+anfangs noch keine konstante Radioaktivität. Seine Aktivität wächst vom
+Augenblick der Herstellung an und erreicht einen merklich
+unveränderlichen Grenzwert nach etwa einem Monat. Das Gegenteil findet
+für die Lösung statt. Wenn man sie frisch hergestellt hat, so ist sie
+zuerst sehr aktiv, aber an freier Luft stehen gelassen entaktivirt sie
+sich schnell und nimmt schließlich einen Grenzwert an, der bedeutend
+schwächer sein kann als der Anfangswert. Diese Änderungen der Aktivität
+wurden zuerst von Giesel[102] beobachtet. Sie lassen sich vom Standpunkt
+der Emanationstheorie leicht erklären. Die Aktivitätsverminderung der
+Lösung entspricht dem Verlust an Emanation, die sich im Raume zerstreut;
+diese Verminderung wird stark verlangsamt, wenn man die Lösung im
+geschlossenen Gefäß aufbewahrt. Eine an freier Luft entaktivirte Lösung
+nimmt eine viel größere Aktivität wieder an, wenn man sie in ein
+zugeschmolzenes Gefäß einschließt. Die Zeit, die das Wachstum der
+Aktivität eines nach vorheriger Auflösung in festen Zustand
+übergeführten Salzes gebraucht, ist nötig zur Aufspeicherung der im
+festen Salz neu entstehenden Emanation.
+
+Ich teile einige Versuche hierüber mit:
+
+Eine Lösung von Radium-Baryumchlorid stand zwei Tage lang an der Luft
+und wurde dabei 300 mal weniger aktiv. Eine Lösung befindet sich im
+geschlossenen Gefäß; man öffnet das Gefäß und gießt die Lösung in eine
+Schale; eine Messung der Radioaktivität ergiebt:
+
+ --------------------------------- ------
+ Aktivität sofort nach Ausgießen 67
+ Aktivität nach zwei Stunden 20
+ Aktivität nach zwei Tagen 0,25
+ --------------------------------- ------
+
+Eine Lösung von Radium-Baryumchlorid, die an freier Luft gestanden hat,
+wird in ein Glasröhrchen eingeschlossen. Eine Messung der Strahlung der
+Röhre ergab:
+
+ ------------------------- -----
+ Aktivität unmittelbar 27
+ Aktivität nach 2 Tagen 61
+ Aktivität nach 3 Tagen 70
+ Aktivität nach 4 Tagen 81
+ Aktivität nach 7 Tagen 100
+ Aktivität nach 11 Tagen 100
+ ------------------------- -----
+
+Die Anfangsaktivität eines festen Salzes nach seiner Herstellung ist um
+so schwächer, je länger es in Lösung befindlich war. Um so größer ist
+die an das Lösungsmittel übertragene Aktivität. Die folgenden Zahlen
+stellen die Anfangsaktivitäten eines Chlorides dar, dessen Endaktivität
+gleich 800 ist, und das während einer gegebenen Zeit in Lösung gehalten
+wurde; man trocknete dann das Salz und maß seine Aktivität unmittelbar
+darauf:
+
+ ----------------------------------------------------------------- -----
+ Endaktivität 800
+ Anfangsaktivität nach Auflösung und sofortiger Trocknung 440
+ Anfangsaktivität nach 5tägiger Lösung und sofortiger Trocknung 120
+ Anfangsaktivität nach 18tägiger Lösung und sofortiger Trocknung 130
+ Anfangsaktivität nach 32tägiger Lösung und sofortiger Trocknung 114
+ ----------------------------------------------------------------- -----
+
+Bei diesem Versuch befand sich die Lösung in einem bloß mit einem
+Uhrglas bedeckten Gefäß.
+
+Aus demselben Salz stellte ich zwei Lösungen her, die ich in fest
+verschlossenem Gefäß 13 Monate lang aufbewahrte; die eine dieser
+Lösungen war 8 mal konzentrirter als die andre.
+
+Anfangsaktivität des Salzes unmittelbar nach der Trocknung:
+
+ ------------------------------ -----
+ aus der konzentrirten Lösung 200
+ aus der verdünnten Lösung 100
+ ------------------------------ -----
+
+Die Entaktivirung des Salzes ist also um so größer, je größer die Menge
+des Lösungsmittels, da die an die Flüssigkeit übertragene radioaktive
+Energie ein größeres Flüssigkeitsvolumen zu sättigen und einen größeren
+Raum zu erfüllen hat. Die beiden Proben desselben Salzes, die eine so
+verschiedene Anfangsaktivität hatten, vermehrten übrigens ihre Aktivität
+mit sehr verschiedener Anfangsgeschwindigkeit; nach einem Tage hatten
+sie dieselbe Aktivität, und das weitere Anwachsen hatte für beide bis
+zum Grenzwert genau gleichen Verlauf.
+
+Wenn die Lösung sehr verdünnt ist, so erfolgt die Entaktivirung sehr
+schnell, wie die folgenden Versuche zeigen: Drei gleiche Portionen
+desselben Salzes werden in gleichen Wassermengen aufgelöst. Die erste
+Lösung a wird eine Stunde lang an freier Luft gelassen, dann getrocknet.
+Die zweite Lösung b wird eine Stunde lang mit einem Luftstrome
+durchspült, dann getrocknet. Die dritte Lösung c wird 13 Tage lang an
+freier Luft gelassen, dann getrocknet. Die Anfangsaktivitäten der drei
+Salze sind:
+
+ ---------------- -------
+ Für den Teil a 145,2
+ Für den Teil b 141,6
+ Für den Teil c 102,6
+ ---------------- -------
+
+Die Endaktivität des Salzes beträgt ungefähr 470. Man sieht also, daß
+der größte Teil des Effektes schon nach einer Stunde erreicht ist. Die
+relative Salzmenge in der Lösung betrug ungefähr 0,5 zu 100.
+
+Die radioaktive Energie breitet sich in Emanationsform schwer vom festen
+Radium in die Luft aus; denselben Widerstand erfährt sie auch beim
+Übergang vom festen Radium in eine Flüssigkeit. Wenn man Radiumsulfat
+während eines ganzen Tages mit Wasser schüttelt, so ist seine Aktivität
+nach dieser Operation merklich dieselbe, wie die einer Portion desselben
+Sulfats, das sich an freier Luft befunden hat.
+
+Erzeugt man ein Vakuum über Radium-haltigem Salz, so entfernt man
+dadurch alle disponible Emanation. Gleichwohl wurde die Aktivität eines
+Radium-haltigen Chlorides, das wir sechs Tage lang im Vakuum erhielten,
+hierdurch nicht merklich geschwächt. Dieser Versuch zeigt, daß die
+Radioaktivität des Salzes hauptsächlich von im Innern der Körner
+aufgespeicherter radioaktiver Energie besteht, die durch Erzeugung eines
+Vakuums nicht entfernt werden kann.
+
+Der Aktivitätsverlust, den das Radium bei der Auflösung erfährt, ist
+relativ größer für die durchdringenden als für die absorbirbaren
+Strahlen, wie aus folgenden Beispielen hervorgeht:
+
+Ein Radium-haltiges Chlorid, das seine Endaktivität 470 erreicht hat,
+wird aufgelöst und bleibt eine Stunde lang in Lösung; dann wird es
+getrocknet und die Anfangsaktivität mit der elektrischen Methode
+gemessen. Man findet, daß die totale Anfangsstrahlung 0,3 der totalen
+Endstrahlung beträgt. Macht man die Intensitätsmessung nach Bedeckung
+der Substanz mit einem Aluminiumschirm von 0,01 mm Dicke, so findet man,
+daß die den Schirm durchdringende Anfangsstrahlung 0,17 der den­selben
+Schirm durchdringenden Endstrahlung beträgt.
+
+Wenn das Salz 13 Tage lang in Lösung war, so findet man für die totale
+Anfangsstrahlung 0,22 der totalen Endstrahlung, und für die eine 0,01 mm
+dicke Aluminiumschicht durchdringende Anfangsstrahlung 0,13 der
+Endstrahlung.
+
+In beiden Fällen ist das Verhältniß der Anfangsintensität nach der
+Auflösung zur Endintensität für die Gesamtstrahlung 1,7 mal größer als
+für die 0,01 mm Aluminium durchdringende Strahlung.
+
+Hierzu ist jedoch zu vermerken, daß man es nicht vermeiden kann, daß
+während der Zeitdauer der Trocknung das Präparat sich in einem schlecht
+definirtem Zustande sich befindet, in dem es weder fest noch völlig
+flüssig ist. Ebenso wenig läßt sich eine Erhitzung des Präparates behufs
+schnellerer Entfernung des Wassers vermeiden.
+
+Aus diesen beiden Gründen ist es kaum möglich, dem wahren Anfangszustand
+des aus dem gelösten in den festen Zustand übergehenden Präparates zu
+bestimmen. Bei den eben beschriebenen Versuchen waren gleiche Mengen
+strahlender Substanz in gleichen Wassermengen aufgelöst; die Lösungen
+wurden dann unter möglichst gleichen Bedingungen zur Trockne eingedampft
+und ohne die Erhitzung über 120° bis 130° zu treiben.
+
+[Fig. 13]
+
+Ich untersuchte das Gesetz, nach dem die Aktivität eines festen
+Radium-haltigen Salzes zunimmt, vom Augenblick der völligen Trocknung an
+bis zu der Zeit, wo es seinen Grenzwert erreicht hat. Die folgenden
+Tabellen enthalten die Intensität I der Strahlung als Funktion der Zeit;
+dabei wird die Endstrahlung gleich 100 gesetzt und die Zeit vom
+Augenblick der völligen Trocknung an gerechnet. Die Tabelle I (Fig. 13,
+Kurve I) bezieht sich auf die Gesamtstrahlung. Die Tabelle II (Fig. 13,
+Kurve II) bezieht sich nur auf die durchdringenden Strahlen (die 3 cm
+Luft und 0,01 mm Aluminium durchsetzt haben).
+
+Tabelle I
+
+ Zeit I
+ --------- -----
+ 0 Tage 21
+ 1 Tag 25
+ 3 Tage 44
+ 5 Tage 60
+ 10 Tage 78
+ 19 Tage 93
+ 33 Tage 100
+ 67 Tage 100
+
+Tabelle II
+
+ Zeit I
+ --------- -----
+ 0 Tage 1,3
+ 1 Tag 19
+ 3 Tage 43
+ 6 Tage 60
+ 15 Tage 70
+ 23 Tage 88
+ 46 Tage 94
+
+Ich machte mehrere andre Messungsreihen derselben Art, die jedoch nicht
+in völliger Übereinstimmung sind, wenn auch der allgemeine Verlauf der
+Erscheinung derselbe ist. Es ist schwierig, sehr regelmäßige Resultate
+zu erhalten. Man kann jedoch sagen, daß die Neubildung der Aktivität
+etwa einen Monat gebraucht und daß die durchdringenden Strahlen von der
+Auflösung am meisten betroffen werden.
+
+Die Anfangsintensität der Strahlung, die 3&nbsp:cm Luft und 0,01 mm
+Aluminium durchdringt, beträgt nur 1 Proz. der Endstrahlung, während die
+Anfangsintensität der Gesamtstrahlung 21 Proz. des Endwertes beträgt.
+
+Ein frisch getrocknetes Radium-haltiges Salz besitzt dieselbe Fähigkeit,
+inducirte Radioaktivität hervorzurufen (läßt also die­selbe
+Emanationsmenge nach außen entweichen), wie eine Probe desselben Salzes,
+das nach Herstellung im festen Zustande lange genug gelegen hat, um die
+Endaktivität zu erreichen. Die Strahlungsaktivität beider Präparate kann
+dabei sehr verschieden sein; das erste ist z. B. fünfmal weniger aktiv
+als das zweite.
+
+p) Änderung der Aktivität der radioaktiven Körper; Wirkung der
+Erhitzung.
+-------------------------------------------------------------------------
+
+Wenn man eine Radium-haltige Verbindung erhitzt, so entwickelt sich
+Emanation und der Körper verliert an Aktivität. Der Verlust ist um so
+größer, je stärker und gleichzeitig länger dauernd die Erhitzung war.
+Wenn man z. B. ein Radium-haltiges Salz eine Stunde lang auf 130°
+erhitzt, so entzieht man ihm dadurch 10 Proz. seiner Gesamtstrahlung;
+dagegen bringt eine 10 Minuten lange Erhitzung auf 400° keinen
+merklichen Effekt hervor. Eine Erhitzung auf Rotglut während einiger
+Stunden zerstört 77 Froz. der Totalstrahlung.
+
+Der Aktivitätsverlust durch Erhitzung ist größer für die durchdringenden
+als für die absorbirbaren Strahlen. So zerstört eine Erhitzung von
+einigen Stunden Dauer etwa 77 Proz. der Gesamtstrahlung; dieselbe
+Erhitzung zerstört aber fast vollständig (zu 99 Proz.) die Strahlung,
+die 3 cm Luft und 0,1 mm Aluminium zu durchdringen vermag. Wenn man das
+Radium-Baryumchlorid einige Stunden lang geschmolzen erhält (bei 800°),
+so zerstört man 98 Proz. der durch 0,3 mm Aluminium hindurchgehenden
+Strahlung. Man kann sagen, daß die durchdringenden Strahlen nach einer
+starken und lang dauernden Erhitzung praktisch nicht mehr existiren.
+
+Dieser Aktivitätsverlust eines Radium-haltigen Salzes durch Erhitzen ist
+nicht von Dauer; die Aktivität des Salzes erneuert sich von selbst bei
+gewöhnlicher Temperatur und strebt einem Grenzwert zu. Ich beobachtete
+die merkwürdige Tatsache, daß diese Grenze höher ist als die
+Endaktivität vor der Erhitzung, wenigstens verhält es sich so mit dem
+Chlorid. Ich teile einige Beispiele mit: Ein Präparat von
+Radium-Baryumchlorid, das nach seiner Herstellung in festem Zustande
+längst seine Endaktivität erreicht hatte, besitzt eine Totalstrahlung,
+die durch die Zahl 470 ausgedrückt ist, und eine Strahlung, die 0,01 mm
+dickes Aluminium durchdringt, gleich 157. Dieses Präparat wird einige
+Stunden lang auf Rotglut erhitzt. Zwei Monate nach der Erhitzung
+erreicht es eine Endaktivität, die für die Gesamtstrahlung 690 und für
+die durch 0,01 mm Aluminium hindurchgehende 227 beträgt. Die
+Totalstrahlung und die durch 0,01 mm Aluminium hindurchgehende haben
+sich also im Verhältniß 690:470 bezw. 227:156 vermehrt. Beide Brüche
+sind merklich einander gleich und zwar gleich 1,45.
+
+Ein Präparat von Radium-Baryumchlorid, das nach Herstellung in festem
+Zustande eine Endaktivität gleich 62 erreicht hat, wird einige Stunden
+lang im geschmolzenen Zustande erhalten; dann wird das geschmolzene
+Präparat pulverisirt. Dieses Präparat erreicht eine Endaktivität gleich
+140, d. h. über zweimal mehr, als es ohne die starke Erhitzung erreicht
+haben würde.
+
+[Fig. 14]
+
+Ich untersuchte das Gesetz, nach dem die Aktivitätszunahme der Radium
+Verbindungen nach der Erhitzung vor sich geht. Ich gebe als Beispiel die
+Resultate zweier Messungsreihen. Die Zahlen der Tabellen I und II
+bedeuten die Intensität I der Strahlung als Funktion der Zeit; die
+Endintensität der Strahlung ist gleich 100 gesetzt, und die Zeit vom
+Aufhören der Erhitzung an gerechnet. Tabelle I (Fig. 14, Kurve I)
+bezieht sich auf die Gesamtstrahlung eines Radium-Baryumchlorids.
+Tabelle II (Fig. 14, Kurve II) bezieht sich auf die durchdringende
+Strahlung eines Radium-Baryumsulfates, bei dem man die Intensität der
+durch 3 cm Luft und 0,01 mm Aluminium hindurchgegangenen Strahlung maß.
+Beide Präparate waren 7 Stunden lang auf Kirschrotglut erhitzt.
+
+Tabelle I
+
+ Zeit I
+ --------- ------
+ 0 Tage 16,2
+ 0,6 " 25,4
+ 1 Tag 27,4
+ 2 Tage 38
+ 3 Tage 46,3
+ 4 Tage 54
+ 6 Tage 67,5
+ 10 Tage 84
+ 24 Tage 95
+ 57 Tage 100
+
+Tabelle II
+
+ Zeit I
+ --------- ------
+ 0 Tage 0,8
+ 0,7 " 13
+ 1 Tag 18
+ 1,9 " 26,4
+ 6 Tage 46,2
+ 10 Tage 55,5
+ 14 Tage 64
+ 18 Tage 71,8
+ 27 Tage 81
+ 36 Tage 91
+ 50 Tage 95,5
+ 57 Tage 99
+ 84 Tage 100
+
+Ich habe noch verschiedene andre Bestimmungen gemacht, aber ebenso wie
+für die Wiederentstehung der Aktivität nach der Auflösung stimmen die
+Resultate der verschiedenen Reihen nicht gut überein.
+
+Die Wirkung der Erhitzung bleibt nicht bestehen, wenn man das erhitzt
+gewesene Salz auflöst. Von zwei Proben derselben Radium-haltigen
+Substanz von der Aktivität 1800 wurde die eine stark erhitzt und ihre
+Aktivität dadurch auf 670 reducirt. In diesem Moment wurden beide Proben
+aufgelöst und 20 Stunden in Lösung gelassen; ihre nachherige
+Anfangsaktivität in festem Zustande betrug für das nicht erhitzte 460
+und für das erhitzte 420; es bestand somit kein großer Unterschied in
+der Aktivität beider Präparate.
+
+Wenn dagegen die beiden Präparate nicht genügend lange in Lösung
+bleiben, wenn man sie z. B. unmittelbar nach der Auflösung wieder
+trocknet, so ist das nicht erhitzte Präparat viel aktiver als das
+erhitzte; eine gewisse Zeit ist also nötig, damit die Auflösung die
+Wirkung der Erhitzung zum Verschwinden bringt. Ein Präparat von der
+Aktivität 3200 wurde erhitzt und hatte nach der Erhitzung nur noch die
+Aktivität 1030. Dieses Präparat wurde gleichzeitig mit einer nicht
+erhitzten Probe derselben Substanz aufgelöst und sofort wieder
+getrocknet. Die Anfangsaktivität betrug 1450 für das nicht erhitzte und
+760 für das erhitzte.
+
+Bei den festen Radium-haltigen Salzen wird die Fähigkeit, die inducirte
+Radioaktivität zu erregen, durch die Erhitzung stark beeinflußt. Während
+der Erhitzung entwickeln die Radium-haltigen Verbindungen mehr Emanation
+als bei gewöhnlicher Temperatur; wenn man sie dann aber wieder auf
+Zimmertemperatur abkühlt, so ist nicht nur ihre Aktivität viel geringer
+als vorher, sondern auch ihr Aktivirungsvermögen hat sich beträchtlich
+verringert. Während der auf die Erhitzung folgenden Zeit nimmt die
+Radioaktivität des Körpers zu und kann sogar den ursprünglichen Wert
+überschreiten. Auch das Aktivirungsvermögen stellt sich zum Teil wieder
+her; nach längerer Erhitzung auf Rotglut jedoch ist das
+Aktivirungsvermögen fast völlig beseitigt und vermag sich nicht wieder
+von selbst im Laufe der Zeit herzustellen. Man kann aber einem
+Radium-haltigen Salz sein ursprüngliches Aktivirungsvermögen wieder
+geben, wenn man es in Wasser auflöst und im Heizbad bei einer Temperatur
+von 120° trocknet. Es scheint also, als ob die Calcinirung die Wirkung
+habe, das Salz in einen besonderen physikalischen Zustand zu versetzen,
+in dem es die Emanation viel schwerer abgiebt als dasselbe nicht auf
+hohe Temperatur erhitzte feste Präparat; daraus folgt ganz natürlich,
+daß das Salz eine höhere Endaktivität erreicht, als es vor der Erhitzung
+besaß[^23]. Um das Salz in den früheren Zustand zurückzuversetzen,
+genügt es, es aufzulösen und wieder zu trocknen, ohne dabei über 150° zu
+erhitzen.
+
+Ich teile einige Beispiele mit:
+
+Ich bezeichne mit a den Endwert der inducirten Aktivität, die in einem
+geschlossenen Gefäß auf einer Kupferplatte erzeugt wird, und zwar von
+einem Baryum-Radiumkarbonat von der Aktivität 1600. Für das nicht
+erhitzte Präparat werde a = 100 gesetzt. Man findet:
+
+ ---------------------------- ---------
+ 1 Tag nach der Erhitzung a = 3,3
+ 4 Tag nach der Erhitzung a = 7,1
+ 10 Tage nach der Erhitzung a = 15
+ 20 Tage nach der Erhitzung a = 15
+ 27 Tage nach der Erhitzung a = 15
+ ---------------------------- ---------
+
+Die Radioaktivität des Präparates hatte sich durch die Erhitzung um 90
+Proz. vermindert, hatte aber nach einem Monat ihren alten Wert schon
+wieder gewonnen.
+
+Der folgende gleichartige Versuch wurde mit einem Radium-Baryumchlorid
+von der Aktivität 3000 gemacht. Das Aktivirungsvermögen wurde ebenso wie
+bei dem vorhergehenden Versuch bestimmt.
+
+Aktivirungsvermögen des nicht erhitzten Präparates a = 100.
+
+Aktivirungsvermögen des Präparates nach einer dreistündigen Erhitzung
+auf Rotglut:
+
+ ---------------------------- ---------
+ 2 Tag nach der Erhitzung a = 2,3
+ 5 Tag nach der Erhitzung a = 7,0
+ 11 Tage nach der Erhitzung a = 8,2
+ 18 Tage nach der Erhitzung a = 8,2
+ ---------------------------- ---------
+
+Aktivirungsvermögen des nicht erhitzten Präparates nach Auflösung und
+Wiedertrocknung bei 150° a = 92.
+
+Aktivirungsvermögen des erhitzten Präparates nach Auflösung und
+Wiedertrocknung bei 150° a = 105.
+
+q) Theoretische Deutung der Aktivitätsänderungen der Radiumsalze nach
+Auflösung oder Erhitzung.
+-----------------------------------------------------------------------------------------------
+
+Die soeben beschriebenen Tatsachen können zum Teil wenigstens erklärt
+werden, wenn man sich der Theorie bedient, nach der das Radium Energie
+in Form von Emanation producirt, die sich dann ihrerseits in
+Strahlungsenergie verwandelt. Wenn man ein Radiumsalz auflöst, so
+verbreitet sich die von ihm erzeugte Emanation außerhalb der Lösung aus
+und erzeugt Radioaktivität außerhalb der Quelle, von der sie stammt;
+wenn man die Lösung verdampft, so ist das erhaltene feste Salz wenig
+aktiv, denn es enthält nur wenig Emanation. Allmählich häuft sich die
+Emanation in dem Salze an, dessen Aktivität bis zu einem Grenzwert
+wächst, der dann erreicht ist, wenn die Erzeugung von Emanation durch
+das Radium den Verlust durch Abgabe nach außen und durch Umwandlung in
+Becquerelstrahlen kompensirt.
+
+Wenn man ein Radiumsalz erhitzt, so wird seine Abgabe von Emanation nach
+außen sehr verstärkt und die Erscheinungen der inducirten Radioaktivität
+sind intensiver, als wenn das Salz sich auf Zimmertemperatur befindet.
+Wenn aber das Salz auf die gewöhnliche Temperatur zurückgebracht wird,
+so ist es erschöpft wie in dem Fall der Auflösung, es enthält nur wenig
+Emanation mehr und seine Aktivität ist gering. Allmählich sammelt sich
+die Emanation von neuem im festen Salze an, und die Strahlung nimmt zu.
+
+Man kann annehmen, daß die Emanationserzeugung des Radiums zeitlich
+konstant ist, und daß ein Teil nach außen entweicht, während der übrige
+Teil im Radium selbst in Becquerelstrahlung transformirt wird. Wenn das
+Radium zur Rotglut erhitzt war, so verliert es einen großen Teil seines
+Aktivirungsvermögens; anders ausgedrückt: es wird die Abgabe von
+Emanation nach außen hin vermindert. Infolgedessen muß der im Radium
+selbst ausgenutzte Bruchteil der Emanation stärker sein, und das
+Präparat eine höhere Aktivität erreichen.
+
+Man kann versuchen, das theoretische Gesetz der Aktivitätszunahme eines
+gelöst oder erhitzt gewesenen Salzes aufzustellen. Wir nehmen an, daß
+die Intensität der Strahlung des Radiums in jedem Augenblick der im
+Radium vorhandenen Emanationsmenge q proportional ist. Man weiß, daß die
+Emanation sich von selbst zerstört nach einem derartigen Gesetze, das
+man in jedem Augenblick hat:
+
+1) q=q_0 ⋅ e^{-t/δ},
+
+wo q_0 die zur Zeit t = 0 vorhandene Emanationsmenge, und die
+Zeitkonstante δ = 4,97 ⋅ 10^5 Sek.
+
+Sei andrerseits Δ die von dem Radium in jedem Augenblick gelieferte
+Emanationsmenge, eine Größe, die ich als konstant annehmen will. Wir
+wollen untersuchen, was passiren würde, wenn keine Emanation nach außen
+entwiche. Die erzeugte Emanation würde dann völlig verbraucht, um im
+Radium Strahlung zu erzeugen. Man hat aber nach Gleichung 1):
+
+dq/dt=-q_0/δ ⋅ e^{-t/δ},
+
+somit würde im Gleichgewichtszustande das Radium eine gewisse Menge von
+Emanation Q enthalten, die gegeben wäre durch:
+
+2) Δ = Q/δ oder Q=Δ⋅δ;
+
+und die Strahlung des Radiums wäre dann proportional mit Q.
+
+Nehmen wir an, man brächte das Radium in Bedingungen, unter denen es
+Emanation nach außen verliert; das erreicht man, indem man es auflöst
+oder erhitzt. Das Gleichgewicht wird gestört sein und die Aktivität wird
+sich vermindern. Sobald man aber die Ursache für den Emanationsverlust
+beseitigt (den Körper in den festen Zustand zurückführt oder die
+Erhitzung unterbricht), so häuft sich die Emanation von neuem im Radium
+an und wir haben eine Periode, während der die Erzeugungsgeschwindigkeit
+Δ größer ist als die Zerstörungsgeschwindigkeit q/Δ. Man hat
+dann:
+
+dq/dt = Δ - q/δ = (Q-q)/δ ,
+
+oder
+
+d/dt (Q-q) = -(Q-q)/δ
+
+und
+
+3) Q-q = (Q-q_0)⋅ e^{-t/δ},
+
+wobei q_0 die zur Zeit t im Radium vorhandene Emanation.
+
+Nach Formel 3) wächst der Überschuß (Q — q) an Emanation, den das Radium
+im Gleichgewichtszustande über den zu einem gegebenen Zeitpunkt
+vorhandenen Betrag enthält, nach einem Exponentialgesetz, das identisch
+ist mit dem für das spontane Verschwinden der Emanation geltenden. Da
+aber die Strahlung des Radiums proportional der Emanationsmenge ist, so
+muß der Überschuß der Endintensität über die momentane Intensität der
+Strahlung nach demselben Gesetz abnehmen; der Überschuß muß also in etwa
+vier Tagen auf die Hälfte sinken.
+
+Die vorliegende Theorie ist unvollständig, da der Emanationsverlust
+durch Abgabe nach außen vernachlässigt ist. Es ist jedoch schwer zu
+sagen, wie man die Abhängigkeit dieses Vorgangs von der Zeit anzusetzen
+hat. Vergleicht man die Resultate der Versuche mit denen der
+unvollständigen Theorie, so findet man keine befriedigende
+Übereinstimmung; man gewinnt jedoch die Überzeugung, daß die fragliche
+Theorie wenigstens einen Teil der Wahrheit enthält. Das Gesetz, nach dem
+der Überschuß der Endaktivität über die gerade vorhandene in 4 Tagen auf
+die Hälfte abnehmen soll, stellt die Reaktivirung nach vorausgegangener
+Erhitzung für etwa 10 Tage mit ziemlicher Annäherung dar. Im Falle der
+Reaktivirung nach vorheriger Auflösung scheint dasselbe Gesetz annähernd
+zu passen für einen gewissen Zeitraum, der 2 bis 3 Tage nach der
+Trocknung des Präparates beginnt und 10 bis 15 Tage dauert. Die
+Erscheinungen sind übrigens komplicirt; das beschriebene Gesetz sagt
+nichts darüber, warum die durchdringenden Strahlen in stärkerem
+Verhaltniß geschwächt werden als die absorbirbaren.
+
+Fünftes Kapitel. Natur und Ursache der Erscheinungen der Radioaktivität
+=======================================================================
+
+Von Beginn der Untersuchungen über die radioaktiven Körper an, als die
+Eigenschaften dieser Körper noch kaum bekannt waren, stellte die
+Selbsttätigkeit ihrer Strahlung ein Problem von größtem Interesse für
+die Physiker dar. Heutzutage haben wir in der Kenntniß der radioaktiven
+Körper große Fortschritte gemacht und können einen radioaktiven Körper
+von großer Intensität, das Radium, isoliren. Die Ausnutzung der
+merkwürdigen Eigenschaften des Radiums erlaubte eine tiefgehende
+Untersuchung der von den radioaktiven Körpern ausgehenden Strahlung; die
+verschiedenen bisher untersuchten Strahlengruppen bieten Analogien mit
+den in Entladungsröhren vorkommenden Strahlen, Kathoden-, Röntgen- und
+Kanalstrahlen. Dieselben Strahlengruppen findet man auch in den von
+Röntgenstrahlen erzeugten Sekundärstrahlen wieder[89,90], sowie in der
+Strahlung der inducirt aktiven Körper.
+
+Wenn aber auch die Natur der Strahlung gegenwärtig besser bekannt ist,
+so bleibt doch die Ursache der selbsttätigen Strahlung geheimnißvoll,
+und die Erscheinung ist für uns noch immer ein Rätsel und ein Gegenstand
+tiefsten Erstaunens.
+
+Die selbsttätig radioaktiven Körper und vor allem das Radium stellen
+Energiequellen dar. Ihre Energieproduktion wird uns bemerkbar durch die
+Becquerelstrahlung, durch die chemischen und optischen Effekte und die
+fortwährende Wärmeentwicklung.
+
+Man hat sich oft gefragt, ob die Energie in den radioaktiven Körpern
+selbst erzeugt wird, oder ob diese Körper sie von äußeren Quellen
+entlehnen. Keine von den zahlreichen Hypothesen, die aus diesen beiden
+Gesichtspunkten entsprungen sind, hat bis jetzt eine experimentelle
+Bestätigung erfahren.
+
+Man kann annehmen, daß die radioaktive Energie früher einmal angehäuft
+worden ist und sich allmählich erschöpft wie eine Phosphorescenz von
+langer Dauer. Man kann sich vorstellen, daß die Entwicklung radioaktiver
+Energie mit einer Umwandlung des strahlenden Atoms selbst, das sich in
+einem Entwicklungszustande befindet, verbunden ist; die Tatsache, daß
+das Radium kontinuirlich Wärme entwickelt, spricht zu Gunsten dieser
+Anschauung. Man kann annehmen, daß die Umwandlung von einem
+Gewichtsverlust begleitet ist und von einer Emission materieller
+Teilchen, aus denen die Strahlung besteht. Die Energiequelle kann ferner
+in der Gravitationsenergie gesucht werden. Endlich kann man sich
+vorstellen, daß der Raum fortwährend von einer noch unbekannten
+Strahlung durchsetzt werde, die bei ihrem Durchgang durch radioaktive
+Körper aufgehalten und in die radioaktive Energie umgewandelt wird.
+
+Man kann für und wider jede dieser Anschauungsweisen viele Gründe
+vorbringen, und meistens haben die Versuche, die Konsequenzen dieser
+Hypothesen experimentell zu verificiren, negative Resultate gegeben. Die
+radioaktive Energie des Radiums und des Urans scheint sich bis jetzt
+nicht zu erschöpfen und überhaupt keine merkliche Veränderung mit der
+Zeit zu erfahren. Demarçay hat eine Probe reinen Radiumchlorids in einem
+Intervall von fünf Monaten spektroskopisch untersucht; er beobachtete am
+Ende der fünf Monate keine Veränderung des Spektrums. Die Hauptlinie des
+Baryums, die im Spektrum sichtbar war und die spurenweise Anwesenheit
+von Baryum anzeigte, hatte sich in dem betrachteten Zeitraum nicht
+verstärkt; das Radium hatte sich also nicht in merklicher Weise in
+Baryum verwandelt.
+
+Die von Herrn Heydweiller[135] angekündigten Gewichtsänderungen der
+Radiumverbindungen können noch nicht als gesicherte Tatsache betrachtet
+werden.
+
+Die Herren Elster und Geitel[136] fanden, daß die Radioaktivität des
+Urans sich auf dem Grunde eines 850 m tiefen Schachtes nicht ändert;
+eine Erdschicht von dieser Dicke brächte also keine Änderung in der
+hypothetischen Primärstrahlung, die die Radioaktivität des Urans
+verursachen sollte, hervor.
+
+Wir haben die Radioaktivität des Urans zur Mittags- und zur
+Mitternachtszeit untersucht, von dem Gedanken ausgehend, daß die
+hypothetische Primärstrahlung ihre Quelle in der Sonne habe und beim
+Durchgang durch die Erde teilweise absorbirt werde. Der Versuch ergab
+keinen Unterschied beider Messungen.
+
+Die neuesten Untersuchungen sprechen zu Gunsten der Hypothese einer
+Umwandlung des Radiumatoms; diese Hypothese ist bereits im Beginn der
+Untersuchungen über die Radioaktivität ausgesprochen worden[13]; sie
+wurde von Herrn Rutherford frei übernommen, der annahm, daß die
+Emanation des Radiums ein materielles Gas sei, das eines der
+Spaltungsprodukte des Radiums darstelle[125].
+
+Die neuen Versuche der Herren Ramsay und Soddy laufen auf den Beweis
+hinaus, daß die Emanation ein instabiles Gas ist, das sich von selbst
+unter Bildung von Helium zerstört. Andrerseits ließe sich die
+fortwährende Wärmeentwicklung des Radiums nicht durch eine gewöhnliche
+chemische Reaktion erklären, während sie sehr wohl ihren Ursprung in
+einer Umwandlung des Atoms haben könnte.
+
+Bedenken wir endlich noch, daß die neuen radioaktiven Substanzen sich
+immer in den Uranmineralien vorfinden, und daß wir vergeblich in dem
+käuflichen Baryum nach Radium gesucht haben (s. S. 38), daß also das
+Vorkommen des Radiums an das des Urans gebunden zu sein scheint. Die
+Uranmineralien enthalten ferner Argon und Helium und dieses
+Zusammentreffen ist wohl kaum einem Zufall zuzuschreiben. Das
+gleichzeitige Vorkommen dieser verschiedenen Körper in denselben
+Mineralien führt zu der Annahme, daß die Gegenwart der einen für die
+Bildung der andren notwendig ist.
+
+* * * * *
+
+Literarische Ergänzungen
+========================
+
+(bis Oktober 1903).[^24]
+
+A. Originalarbeiten.
+--------------------
+
+Adam, E. P. "Water Radioactivity." Phil. Mag. (6) 6, 568 (1903). -- IV
+
+Akroyd, W. "A new case of phosphoreseence induced by radiumbromide."
+Nature 68, 269 (1903).
+
+Allan, S. J. "Radioactivity of freshly fallen snow." Phys. Rev. 16,
+237(1903). -- IV
+
+Armstrong, H. E. "The assumed Radioactivity of ordinary materials."
+Nature 67, 414 (1903). -- Id u. IIb
+
+v. Aubel, E. "Action des corps radioactifs sur la conductibilité
+ électrique da sélènium." Compt. rend. 136, 929 (1903). -- IVm
+
+Barker, G. F. "Radioactivity of thorium minerals." Sill. Journ. 16,
+161(1903) -- I u. IV
+
+Baur, E. "Die Bedeutung der Becquerelstrahlen für die Chemie." Naturw.
+Rdsch. 16, 338 u. 355 (1901). -- IIb
+
+Becker, A. "Über die Leitfähigkeit fester Isolatoren unter dem Einfluß
+von Radiumstrahlen." Ann. d. Phys. (4) 12, 124 (1903). -- IIIn
+
+Becquerel, H. "Strahlung des Poloniums und Radiums." Compt. rend. 136,
+431 (1903). Ref.: Naturw. Rdsch. 18, 225 (1903). -- IIIc u. d
+
+— "Sur le rayonnement du polonium et sur le rayonnement secondaire qu'il
+produit." Compt. rend. 136, 977 (1903). -- III
+
+— "Conductibilité et ionisation résiduelle de la paraffine solide sous
+l'influence du rayonnement du radium." Compt. rend. 136, 1173 (1903). --
+IIIn
+
+— "Sur une propriété des rayons α du radium." Compt. rend. 136, 1517
+(1908). -- IIIi
+
+— "Sur la phosphorescence oscillante que présentent certaines substances
+sous l'action du radium." Compt. rend. 137, 629 (1903). -- IIIm
+
+Bleckrode, L. "Über einige Versuche mit flüssiger Luft; Radioaktivität
+des Poloniums." Ann. d. Phys. (4) 12, 218 (1903). -- IIIw
+
+Bumstead, H. A. und Wheeler, L. P. "Note on a radioactive gas in surface
+water." Sill. Journ. (4) 16, 328 (1903). -- IV
+
+Cooke, H. L. "Penetrating radiation from the earth's surface." Science
+(N. S.) 17, 183 (1903). Phil. Mag. (6) 6, 403 (1903). -- IV, Id
+
+Cook Gates, F. "Effect of heat on exited Radioactivity." Phys. Rev. 16,
+300 (1903). -- IVp
+
+des Coudres, Th. "Zur elektrostatischen Ablenkbarkeit der
+Rutherfordstrahlen." Phys. Zeitschr. 4, 483 (1903). -- IIIi
+
+Crookes, W. "Certain properties of the emanation of Radium". Chem. News
+87, 241 (1903). -- IV
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+— "The mystery of radium." Chem. news 87, 158 (1903). -- V
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+IV
+
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+
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+IIg
+
+Curie, P. u. S. "Sur les corps radioactifs." Compt. rend. 134, 85
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+
+Darwin, G. H. "Radioactivity and the age of the sun." Nature 68, 496
+(1903). -- V
+
+Debierne, A. "Sur la production de la radioactivité induite par
+l'actinium." Compt. rend. 136, 446, 671 (1903). -- IV u. IIb
+
+Dorn, E. "Versuch über die zeitliche Gewichtsänderung von Radium." Phys.
+Zeitschr. 4, 530 (1903). -- V
+
+Durack, J. J. E. "Specifische Ionisation durch Radiumelektronen." Phil.
+Mag. (6) 5, 550 (1903). -- Ib
+
+Ebert, H. "Über die Möglichkeit, radioaktive Emanationen in flüssiger
+Luft anzureichern." Münchener Sitz.-Ber. 33, 133 (1903). -- IVf
+
+— u. Ewers, P. "Über die dem Erdboden entstammende radioaktive
+Emanation." Phys. Zeitschr. 4, 162 (1902). -- IV
+
+Elster, J. u. Geitel, H. "Über eine fernere Analogie in dem elektrischen
+Verhalten der natürlichen und der durch Becquerelstrahlen leitend
+gemachten Luft." Phys. Zeitschr. 2, 590 (1901). -- IV
+
+— "Über die durch atmosphärische Luft inducirte Radioaktivität." Phys.
+Zeitschr. 3, 76 (1901). -- IIb
+
+— "Über die radioaktive Emanation in der atmosphärischen Luft." Phys.
+Zeitschr. 4, 522 (1903). -- IV
+
+Everett, J.D. "Analogue to the action of radium." Nature 67, 535 (1903).
+
+Exner, S. "Einige Beobachtungen über die vom Radium in tierischen
+Geweben erzeugte Phosphorescenz." Chem. Centralbl. 2, 276 (1903).
+Centralbl. f. Physiol. 17, 178 (1903). -- IIIp
+
+Forch, C. "Bewirken radioaktive Substanzen eine Absorption von
+Gravitationsenergie?" Phys. Zeitschr. 4, 318 (1903). -- V
+
+Geigel, R. "Über die Absorption von Gravitationsenergie durch
+radioaktive Substanzen." Ann. d. Phys. (4) 10, 429 (1903). -- V
+
+Giesel, F. "Über radioaktive Stoffe." Chem. Ber. 34, 3772 (1901). -- IIb
+
+— "Über radioaktives Blei." Chem. Ber. 35, 102 (1902). -- IIb
+
+— "Über radioaktive Stoffe." Chem. Ber. 35, 3608 (1602). -- IIb
+
+— "Über den Emanationskörper aus Pechblende und über Radium." Chem. Ber.
+36, 342 (1903). -- IIb u. IV
+
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+Tafel, J. "Über die Wirkungen von Kanalstrahlen auf Zinkoxyd." Ann. d.
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+
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+
+Townsend, J. S. "Specific ionisation by corpuscles of radium." Phil.
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+
+Wilde, H. "On the resolution of elementary substances in their ultimates
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+
+Wilson, C. T. B. "Further experiments of radioactivity from rain."
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+
+— "On radioactivity from snow." Cambr. Proc. 12, 85 (1903). -- IV
+
+Wilson, W. E. "Radioactivity and solar energy." Nature 68, 222 (1903).
+-- V
+
+B. Zusammenfassende Darstellungen.
+----------------------------------
+
+Becquerel, H. "Die Radioaktivität der Materie." Rev. génér. des sciences
+13, 603 (1902). Nature 63, 396 (1901).
+
+— "Recherches sur une propriété de la matière (activité radiante
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+
+Curie, P. "Radium." Roy. Instit. 1903. Electrician 51, 403 (1903).
+
+Elster, J. "Über die Fortschritte auf dem Gebiet der Becquerelstrahlen."
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+
+Einzelnachweise und Fußnoten
+============================
+
+[1] H. Poincaré, “Les rayons cathodiques et les rayons Röntgen.” In:
+Revue générale des sciences pures et appliquées 1896, 7, 52-59.
+
+[2] C. Henry, “Augmentation du rendement photographique des rayons
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+122, 312 − http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f312.
+
+[3] G.-H. Niewenglowski, “Sur la propriétés qu’ont les radiations émises
+par les corps phosphorescents, de traverser certains corps opaques à la
+lumière solaire, et sur les expériences de M. G. Le Bon.” In: Comptes
+rendus 1896, 122, 385-386 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f387.
+
+[4] Troost, “Sur l’emploi de la blende hexagonale artificelle pour
+remplacer les ampoules de Crookes.” In: Comptes rendus 1896, 122, 564 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f566.
+
+[5] H. Becquerel, “Sur les radiations émises par phosphorescence.” In:
+Comptes rendus 1896, 122, 420-421 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f422.
+
+[6] H. Becquerel, “Sur les radiations invisibles émises par les corps
+phosphorescents.” In: Comptes rendus 1896, 122, 501-503 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f503.
+
+[7] H. Becquerel, “Sur quelques propriétés nouvelles des radiations
+invisibles émises par divers corps phosphorescents.” In: Comptes rendus
+1896, 122, 559-564 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f561.
+
+[8] H. Becquerel, “Sur les radiations invisibles émises par les sels
+d’uranium.” In: Comptes rendus 1896, 122, 689-694 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f691.
+
+[9] H. Becquerel, “Sur les propriétés différents des radiations
+invisibles émises par les sels d’uranium, et du rayonnement de la paroi
+anticathodique d’un tube de Crookes.” In: Comptes rendus 1896, 122,
+762-767 − http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f764.
+
+[10] H. Becquerel, “Émission de radiations nouvelles par l’uranium
+métallique.” In: Comptes rendus 1896, 122, 1086-1088 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30780.image.f1088.
+
+[11] H. Becquerel, “Note sur quelques propriétés du rayonnement de
+l’uranium et des corps radio-actifs.” In: Comptes rendus 1899, 128, 771
+− http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30841.image.f771.
+
+[12] J. Elster, H. Geitel, “Versuche über Hyperphosphorescenz.” In:
+Beiblätter zu den Annalen der Physik und Chemie 1897, 21, 455.
+
+[13] M. Skłodowska-Curie, “Les rayons de Becquerel et le Polonium.” In:
+Revue générale des sciences pures et appliquées 1899, 10, 41-50.
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+[14] G. C. Schmidt, “Ueber die von den Thorverbindungen und einigen
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+Chemie 1898, 65, 141-151 −
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+
+[15] M. Skłodowska-Curie, “Rayons émis par les composés de l’uranium et
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+[16] P. Curie, M. Skłodowska-Curie, “Sur une substance nouvelle
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+
+[19] G. Sagnac, “Émission de rayons secondaires par l’air sous
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+
+[20] G. Sagnac, “Émission de différents rayons inégalement absorbables,
+dans la transformation des rayons X par un même corps” In: Comptes
+rendus 1899, 128, 300-303 −
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+
+[21] G. Sagnac, “Sur la transformation des rayons X par les différents
+corps” In: Comptes rendus 1899, 128, 546-552 −
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+
+[22] H. Becquerel, “Sur la loi de la décharge dans l’air de l’uranium
+électrisé” In: Comptes rendus 1897, 124, 800-803 −
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+[26] R. B. Owens, “Thorium radiation” In: Philosophical Magazine 1899,
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+[27] E. Rutherford, “A radio-active substance emitted from thorium
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+[28] J. und G. H. Elster, “Ueber Ozonbildung an glühenden Platinflächen
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+[29] E. Bloch, “L’ionisation par le phosphore et par les actions
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+[30] H. Debray, “Mémoire sur la production d’un certain nombre de
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+[31] P. Curie, M. Skłodowska-Curie, G. Bémont, “Sur une nouvelle
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+[32] A.-L. Debierne, “Sur une nouvelle matière radio-active” In: Comptes
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+
+[33] A.-L. Debierne, “Sur un nouvel élément radio-actif: l’actinium” In:
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+[34] F. Giesel, “Über radioactive Stoffe” In: Berichte der deutschen
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+[35] F. Giesel, “Über radioactive Stoffe” In: Berichte der deutschen
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+[36] H. und Strauss, “Radioactives Blei und radioactive seltene Erden”
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+[37] E.-A. Demarçay, “Sur le spectre d’une substance radio-active” In:
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+[38] E.-A. Demarçay, “Sur le spectre du Radium” In: Comptes rendus 1899,
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+[39] E.-A. Demarçay, “Sur le spectre du radium” In: Comptes rendus 1900,
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+
+[40] F. Giesel, “Über Radiumbromid und sein Flammenspektrum” In:
+Physikalische Zeitschrift 1902, 3, 614-615.
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+[41] F. Giesel, “Ueber Polonium und die inducirende Eigenschaft des
+Radiums” In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1903, 36,
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+[42] W. Marckwald, “Ueber das radioactive Wismuth (Polonium)” In:
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+
+[43] M. Skłodowska-Curie, “Sur le poids atomique du métal dans le
+chlorure de baryum radifère” In: Comptes rendus 1899, 129, 760-762 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3085b.image.f760.
+
+[44] M. Skłodowska-Curie, “Sur la pénétration des rayons de Becquerel
+non déviables par le champ magnétique” In: Comptes rendus 1900, 130,
+76-79 − http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f76.
+
+[45] M. Curie, “Sur le poids atomique du radium” In: Comptes rendus
+1902, 135, 161-163.
+
+[46] P. Curie, Chenevau, In: Bulletin des séances de la Société
+Française de physique 1903.
+
+[47] S. Meyer, “Magnetisirungszahlen anorganischer Verbindungen” In:
+Annalen der Physik und Chemie 1899, 69, 236-263 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15310h.image.f246.
+
+[48] F. Giesel, “Ueber die Ablenkbarkeit der Becquerelstrahlen im
+magnetischen Felde” In: Annalen der Physik und Chemie 1899, 69, 834-836
+− http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15310h.image.f882.
+
+[49] S. Meyer, E. Schweidler, “Über das Verhalten von Radium und
+Polonium im magnetischen Felde” In: Anzeiger der kaiserl. Akad. d. Wiss.
+Wien, mathem.-naturw. Kl. 1899, 22, 1-4.
+
+[50] S. Meyer, E. Schweidler, “Weitere Notizen über das Verhalten von
+Radium im magnetischen Felde” In: Anzeiger der kaiserl. Akad. d. Wiss.
+Wien, mathem.-naturw. Kl. 1899, 23, 1-2.
+
+[51] S. Meyer, E. Schweidler, “Über das Verhalten von Radium und
+Polonium im magnetischen Felde (I. Mitteilung)” In: Physikalische
+Zeitschrift 1899, 1, 90-91.
+
+[52] S. Meyer, E. Schweidler, “Über das Verhalten von Radium und
+Polonium im magnetischen Felde (II. Mitteilung)” In: Physikalische
+Zeitschrift 1899, 1, 113-114.
+
+[53] J. Elster, H. Geitel, “Über den Einfluß eines magnetischen Feldes
+auf die durch die Becquerelstrahlen bewirkte Leitfähigkeit der Luft” In:
+Verhandlungen der Deutschen Physikalischen Gesellschaft 1899, 1,
+136-138.
+
+[54] P. Curie, “Action du champ magnétique sur les rayons de Becquerel.
+Rayons déviés et non déviés” In: Comptes rendus 1900, 130, 73-75 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f73.
+
+[55] H. Becquerel, “Contribution à l’étude du rayonnement du radium” In:
+Comptes rendus 1900, 130, 206-211 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f206.
+
+[56] H. Becquerel, “Sur la dispersion du rayonnement du radium dans un
+champ magnétique” In: Comptes rendus 1900, 130, 372-376 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f372.
+
+[57] H. Becquerel, “Déviation du rayonnement du radium dans un champ
+électrique” In: Comptes rendus 1900, 130, 809-815 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f809.
+
+[58] J. Perrin, “Nouvelles propriétés des rayons cathodiques” In:
+Comptes rendus 1895, 121, 1130-1134 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3077p.image.f1130.
+
+[59] J. Perrin, “Rayons cathodiques et rayons de Röntgen. Étude
+expérimentale” In: Annales du chimie et physique 1897, 11, 496-555 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k34911p.image.f494.
+
+[60] P. Lenard, “Ueber die electrostatischen Eigenschaften der
+Kathodenstrahlen” In: Annalen der Physik und Chemie 1898, 64, 279-289 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15305x.image.f291.
+
+[61] P. Curie, M. Curie, “Sur la charge électrique des rayons déviables
+du radium” In: Comptes rendus 1900, 130, 647-653 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.f647.
+
+[62] W. Wien, In: Physikalische Zeitschrift 1903, 4, 624.
+
+[63] E. Dorn, “Eine merkwürdige Beobachtung mit Radium.” In:
+Physikalische Zeitschrift 1903, 4, 507.
+
+[64] E. Dorn, In: Abh. d. naturf. Ges. zu Halle 1900, 22, 44.
+
+[65] W. Kaufmann, “Die magnetische und elektrische Ablenkbarkeit der
+Becquerelstrahlen und die scheinbare Masse der Elektronen.” In: Gött.
+Nachr. 1901, 143-155.
+
+[66] W. Kaufmann, “Die elektromagnetische Masse des Elektrons.” In:
+Gött. Nachr. 1902, 291-296.
+
+[67] W. Kaufmann, “Die elektromagnetische Masse des Elektrons.” In:
+Physikalische Zeitschrift 1902, 54-57.
+
+[68] W. Kaufmann, “Über die elektromagnetische Masse der Elektronen.”
+In: Gött. Nachr. 1903, 90-103.
+
+[69] J. J. Thomson, “On the charge of electricity carried by the ions
+produced by Röntgen rays” In: Philosophical Magazine 1898, 48, 528-545 −
+http://dx.doi.org/10.1080/14786449808621229.
+
+[70] J. S. Townsend, “The Diffusion of Ions Produced in Air by the
+Action of a Radio-Active Substance,...” In: Philosophical Transactions
+1900, 195, 259-278 − http://dx.doi.org/10.1098/rsta.1900.0028.
+
+[71] M. Abraham, “Dynamik des Elektrons.” In: Gött. Nachr. 1902, 20-41.
+
+[72] P. Langevin, Recherches Sur Les Gaz Ionisés, 1902.
+
+[73] S. Simon, “Ueber das Verhältniss der elektrischen Ladung zur Masse
+der Kathodenstrahlen” In: Annalen der Physik und Chemie 1899, 69,
+589-611 − http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15310h.image.f617.
+
+[74] E. Rutherford, “The magnetic and electrical deflection of the
+lightly absorbed radium radiation.” In: Physikalische Zeitschrift 1902,
+4, 235-240.
+
+[75] H. Becquerel, “Sur la déviabilité magnétique et la nature de
+certains rayons émis par le radium et le polonium” In: Comptes rendus
+1903, 136, 199-203 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f199.
+
+[76] H. Becquerel, “Sur le rayonnement du polonium et du radium” In:
+Comptes rendus 1903, 136, 431-434 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f431.
+
+[77] T. des Coudres, “Zur Elektrostatischen Ablenkbarkeit der
+Rutherfordstrahlen” In: Physikalische Zeitschrift 1903, 4, 483.
+
+[78] P. Villard, “Sur la réflexion et la réfraction des rayons
+cathodiques et des rayons déviables du radium” In: Comptes rendus 1900,
+130, 1010-1012 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f1010.
+
+[79] T. des Coudres, In: Physikalische Zeitschrift 1902, 4, 140.
+
+[80] H. Becquerel, in Rapports Présentés Au Congrès International De
+Physique, 1900, pp. 47-78.
+
+[81] S. Meyer, E. Schweidler, “Versuche über die Absorption von
+Radiumstrahlen” In: Physikalische Zeitschrift 1900, 1, 209-211.
+
+[82] H. Becquerel, “Sur la transmission du rayonnement du radium au
+travers des corps” In: Comptes rendus 1900, 130, 979-984 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f979.
+
+[83] H. Becquerel, “Sur la transparence de l’aluminium pour le
+rayonnement du radium” In: Comptes rendus 1900, 130, 1154-1157 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f1154.
+
+[84] E. Rutherford, H. T. Brooks, “Comparison of the radiations from
+radioactive substances” In: Philosophical Magazine 1902, 4, 1-23 −
+http://dx.doi.org/10.1080/14786440209462814.
+
+[85] W. Crookes, “Certain Properties of the Emanations of Radium” In:
+Chemical News 1903, 87, 241.
+
+[86] H. Becquerel, “Sur la phosphorescence scintillante que présentent
+certaines substances sous l’action des rayons du radium” In: Comptes
+rendus 1903, 137, 629.
+
+[87] H. Siedentopf, R. Zsigmondy, “Uber Sichtbarmachung und
+Größenbestimmung ultramikoskopischer Teilchen, mit besonderer Anwendung
+auf Goldrubingläser” In: Annalen der Physik und Chemie 1902, 315, 1-39 −
+http://dx.doi.org/10.1002/andp.19023150102.
+
+[88] G. Leithäuser, E. Warburg, “Über den Geschwindigkeitsverlust,
+welchen die Kathodenstrahlen beim Durchgang durch dünne Metallschichten
+erleiden” In: Sitzungsberichte der Königlich Preussischen Akademie der
+Wissenschaften zu Berlin. Phys.-math.Klasse 1902, 1, 267-269.
+
+[89] G. Sagnac, De L’optique Des Rayons De Röntgen Et Des Rayons
+Secondaires Qui En Dérivent ..., 1900.
+
+[90] P. Curie, G. Sagnac, “Électrisation négative des rayons secondaires
+produits au moyen des rayons Röntgen” In: Comptes rendus 1900, 130,
+1013-1016 − http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.f1013.
+
+[91] E. Dorn, “Versuche über Sekundärstrahlen” In: Archives
+néerlandaises des sciences exactes et naturelles 1900, 5, 595-608.
+
+[92] P. Curie, “Conductibilité des diélectriques liquides sous
+l’influence des rayons du radium et des rayons de Röntgen” In: Comptes
+rendus 1902, 134, 420-423 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30902.image.f420.
+
+[93] H. Becquerel, “Conductibilité et ionisation résiduelle de la
+paraffine solide sous l’influence du rayonnement du radium” In: Comptes
+rendus 1903, 136, 1173-1176 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f1173.
+
+[94] A. Becker, “Über die Leitfähigkeit fester Isolatoren unter dem
+Einfluss von Radiumstrahlen” In: Annalen der Physik und Chemie 1903, 12,
+124-143 − http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k153215.image.f132.
+
+[95] Kelvin, Beattie, Smoluchowski, “Electric equilibrium between
+uranium and an insulated metal in its neighbourhood” In: Nature 1897,
+55, 447-448.
+
+[96] J. Perrin, “Application des rayons de Röntgen à la mesure des
+forces électromotrices de contact” In: Comptes rendus 1897, 124, 496-498
+− http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3080s.image.f496.
+
+[97] J. Perrin, Rayons Cathodiques Et Rayons De Röntgen, 1897.
+
+[98] A. Paulsen, in Rapports Présentés Au Congrès International De
+Physique, 1900, p. 438.
+
+[99] M.-A. Witkowski, “Note sur l’électricité atmosphérique à Zakopane
+dans les Tatras” In: Bull. de l’Académie des Sciences de Cracovie 1902.
+
+[100] P. Bary, “Fluorescence de certains composés métalliques soumis aux
+rayons Röntgen et Becquerel” In: Comptes rendus 1900, 130, 776-778 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3086n.image.f776.
+
+[101] Curie, In: Bulletin des séances de la Société Française de
+physique 1099.
+
+[102] F. Giesel, “Einiges über das Verhalten des radioactiven Baryts und
+über Polonium” In: Annalen der Physik und Chemie 1899, 69, 91-94 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15310h.image.f101.
+
+[103] P. Curie, A. Laborde, “Sur la chaleur dégagée spontanément par les
+sels de radium” In: Comptes rendus 1903, 136, 673-675 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f673.
+
+[104] P. Curie, M. Curie, “Effets chimiques produits par les rayons de
+Becquerel” In: Comptes rendus 1899, 129, 823-825 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3085b.image.f823.
+
+[105] F. Giesel, “Über künstliche Färbung von Krystallen der Haloïdsalze
+der Alkalimetalle durch Einwirkung von Kalium- und Natriumdampf” In:
+Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1897, 30, 156-158 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k907462.image.f160.
+
+[106] F. Giesel, “Ueber den Emanationskörper aus Pechblende und über
+Radium” In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 1903, 36,
+342-347 − http://dx.doi.org/10.1002/cber.19030360177.
+
+[107] W. Ramsay, F. Soddy, “Versuche über Radioaktivität und die
+Entstehung von Helium aus Radium” In: Physikalische Zeitschrift 1903, 4,
+651.
+
+[108] W. Ramsay, F. Soddy, “Experiments in radio-activity, and the
+production of helium from radium” In: Nature 1903, 68, 354-355.
+
+[109] W. Ramsay, F. Soddy, “Experiments in Radioactivity, and the
+Production of Helium from Radium” In: Proc R Soc Lond 1903, 72, 204-207
+− http://dx.doi.org/10.1098/rspl.1903.0040.
+
+[110] O. Walkhoff, “Unsichtbare, photographisch wirksame Strahlen” In:
+Photographische Rundschau 1900, 28, 189-191 −
+http://de.wikisource.org/wiki/Unsichtbare,_photographisch_wirksame_Strahlen.
+
+[111] H. Becquerel, “Sur quelques effets chimiques produits par le
+rayonnement du radium” In: Comptes rendus 1901, 132, 709-712 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3089k.image.langFR.f709.
+
+[112] F. Himstedt, W. A. Nagel, “Ueber die Einwirkung der Becquerel- und
+der Röntgenstrahlen auf das Auge” In: Ann. d. Phys. (4) 1901, 4, 537-552
+− http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15314w.image.f619.
+
+[113] E. Aschkinass, W. Caspari, “Ueber die Wirkung der
+Becquerelstrahlen auf Bacterien” In: Ann. d. Phys. (4) 1901, 6, 570-574
+− http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k15316k.image.f583.
+
+[114] M. J. Danysz, “De l’action pathogène des rayons et des émanations
+émis par le radium sur différents tissus et différents organismes” In:
+Comptes rendus 1903, 136, 461-464 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f461.
+
+[115] P. Curie, In: Bulletin des séances de la Société Française de
+physique 1900.
+
+[116] P. Curie, M. Curie, “Sur la radio-activité provoquée par les
+rayons de Becquerel” In: Comptes rendus 1899, 129, 714-716 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3085b.image.f714.
+
+[117] E. Rutherford, “Radioactivity produced in Substances by the action
+of Thorium Compounds” In: Philosophical Magazine 1900, 49, 161-192.
+
+[118] A.-L. Debierne, “Sur la radioactivité induite provoquée par les
+sels d’actinium” In: Comptes rendus 1903, 136, 446-449 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f446.
+
+[119] P. Curie, A.-L. Debierne, “Sur la radio-activité induite provoquée
+par les sels de radium” In: Comptes rendus 1901, 132, 548-551 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k30888.image.f584.
+
+[120] P. Curie, M. Curie, in Rapports Présentés Au Congrès International
+De Physique, 1900, pp. 79-114.
+
+[121] P. Curie, J. Danne, “Sur la disparition de la radioactivité
+induite par le radium sur les corps solides” In: Comptes rendus 1903,
+136, 364-366 − http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f364.
+
+[122] A.-L. Debierne, “Sur la production de la radioactivité induite par
+l’actinium” In: Comptes rendus 1903, 136, 671-673 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f671.
+
+[123] P. Curie, In: Comptes rendus 1902, 135, 857.
+
+[124] P. Curie, J. Danne, “Sur l’émanation du radium et son coefficient
+de diffusion dans l’air” In: Comptes rendus 1903, 136, 1314-1316 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f1314.
+
+[125] E. Rutherford, F. Soddy, “Condensation of the radioactive
+emanations” In: Philosophical Magazine (6) 1903, 5, 561-576 −
+http://dx.doi.org/10.1080/14786440309462959.
+
+[126] E. Rutherford, F. Soddy, “The cause and nature of radioactivity.
+Part II” In: Philosophical Magazine (6) 1902, 4, 569-585 −
+http://dx.doi.org/10.1080/14786440209462881.
+
+[127] E. Rutherford, F. Soddy, “A comparative study of the radioactivity
+of radium and thorium” In: Philosophical Magazine (6) 1903, 5, 445-457 −
+http://dx.doi.org/10.1080/14786440309462943.
+
+[128] P. Curie, A.-L. Debierne, “Sur la radio-activité des sels de
+radium” In: Comptes rendus 1901, 133, 276-279 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3089k.image.f276.
+
+[129] P. Curie, “Sur la radioactivité induite et sur l’émanation du
+radium” In: Comptes rendus 1903, 136, 223-226 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3091c.image.f223.
+
+[130] F. Giesel, “Einiges über Radium-Baryum-Salze und deren Strahlen”
+In: Verhandlungen der deutschen physikalischen Gesellschaft 1900, 2,
+9-10.
+
+[131] A.-L. Debierne, “Sur du baryum radio-actif artificiel” In: Comptes
+rendus 1900, 131, 333-335 −
+http://gallica.bnf.fr/ark:/12148/bpt6k3087z.image.f333.
+
+[132] E. Rutherford, F. Soddy, “Die Ursache und Natur der Radioactivität
+I” In: Zeitschrift für physikalische Chemie 1902, 42, 81-109.
+
+[133] P. Villard, In: Bulletin des séances de la Société Française de
+physique 1900.
+
+[134] J. C. McLennan, “On a kind of radioactivity imparted to certain
+salts by cathode rays” In: Philosophical Magazine (6) 1902, 3, 195-203 −
+http://dx.doi.org/10.1080/14786440209462754.
+
+[135] A. Heydweiller, “Zeitliche Gewichtsänderungen radioaktiver
+Substanz” In: Physikalische Zeitschrift (4) 1902, 2, 81.
+
+[136] J. und G. H. Elster, “Versuche an Becquerelstrahlen” In: Annalen
+der Physik und Chemie 1898, 302, 735-740 −
+http://dx.doi.org/10.1002/andp.18983021209.
+
+[^1]: Man erreicht dieses Resultat leicht, indem man das Gewicht in der
+ Hand hält, und es nur ganz allmählich auf die Platte H niedersinken
+ läßt, so daß man den Lichtzeiger des Elektrometers auf Null erhält.
+ Mit ein wenig Übung erlangt man leicht den hierzu nötigen Handgriff.
+ Diese Methode zur Messung schwacher Ströme ist von Herrn J. Curie in
+ seiner Doktorarbeit beschrieben worden.
+
+[^2]: Ich bin den genannten Forschern, denen ich die bei meinen
+ Untersuchungen benutzten Proben verdanke, zu großem Danke
+ verpflichtet. Ich danke auch Herrn Moissan, der mir das für meine
+ Versuche nötige metallische Uran gab.
+
+[^3]: Neuere Versuche (siehe litterarische Ergänzungen) haben ergeben,
+ daß die Radioaktivität doch allgemein verbreitet zu sein scheint.
+ Die in Frage kommenden Aktivitäten sind jedoch mehrere 1000mal
+ schwächer als die des Urans. (Anmerk. d. Übers.)
+
+[^4]: Mehrere Mineralproben sind mir aus der Museumssammlung durch Herrn
+ Lacroix freundlichst zur Verfügung gestellt worden.
+
+[^5]: Wir haben zahlreiche Verpflichtungen gegen alle, die uns bei
+ dieser Arbeit zu Hülfe gekommen sind. Wir danken herzlich den Herren
+ Mascart und Michel Lévy für ihre wohlwollende Unterstützung. Dank
+ der freundlicher Vermittlung des Herrn Prof. Sueß hat die
+ österreichische Verwaltung in liebenwürdigster Weise die erste Tonne
+ vorbehandelter Rückstände zu unsrer Verfügung gestellt (aus der
+ Staatswerkstatt Joachimsthal in Böhmen). Die Akademie der
+ Wissenschaften zu Paris, die »Société d‘Encouragement pour
+ l'industrie nationale« und ein anonymer Geber haben uns die Mittel
+ zur Behandlung einer gewissen Quantität von Substanz gegeben. Unser
+ freund, Herr Debierne, hat die Behandlung des Minerals geleitet, die
+ in der Fabrik der »Société centrale de produits chimiques«
+ ausgeführt wurde. Diese Gesellschaft hatte sich bereit erklärt, die
+ Behandlung ohne Nutzen für sich auszuführen. Allen diesen sprechen
+ wir unsren aufrichtigsten Dank aus.
+
+ Ganz neuerdings hat das »Institut de France« 20 000 Frcs. zur
+ Extraktion radioaktiver Substanzen zu unsrer Verfügung gestellt.
+ Dank dieser Summe konnten wir die Behandlung von fünf Tonnen Mineral
+ unternehmen.
+
+[^6]: Wir hatten kürzlich den Schmerz, diesen ausgezeichneten Gelehrten
+ zu verlieren, mitten in seinen schönen Untersuchungen über die
+ seltenen Erden und die Spektroskopie, deren Methoden man wegen ihrer
+ Vollendung und Präcision nicht genug bewundern kann. Wir bewahren
+ der vollendeten Liebenswürdigkeit, mit der er an unsrer Arbeit
+ teilgenommen hat, ein inniges Andenken.
+
+[^7]: Siehe auch neuere Versuche von F. Giesel.[41] (Anm. d. Übers.)
+
+[^8]: Im Jahre 1899 teilte Herr St. Meyer[47] mit, daß radiumhaltiges
+ Baryumkarbonat paramagnetisch sei. Herr Meyer hatte jedoch mit einem
+ sehr wenig Radium enthaltenden Präparat gearbeitet, dessen Gehalt an
+ Radium wahrscheinlich höchstens ein Tausendstel betrug. Das Präparat
+ hätte sich demnach diamagnetisch zeigen müssen. Wahrscheinlich
+ enthielt der Körper eine kleine eisenhaltige Verunreinigung.
+
+[^9]: Siehe auch Elster und Geitel.[53]
+
+[^10]: Genau gesagt, bemerkt man bei diesen Versuchen immer eine
+ Ablenkung am Elektrometer, doch kann man leicht feststellen, daß
+ diese Ablenkung die Wirkung der elektromotorischen Kontaktkraft ist,
+ die zwischen der mit dem Elektrometer verbundenen Platte und den
+ benachbarten Leitern besteht; infolge der Leitfähigkeit der von den
+ Radiumstrahlen durchstrahlten Luft bringt diese Kraft eine Ablenkung
+ des Elektrometers hervor.
+
+[^11]: Die Anbringung des Faradayschen Cylinders ist nicht notwendig,
+ sie könnte jedoch gewisse Vorteile bieten, falls die Strahlung von
+ den getroffenen Wänden eine starke diffuse Zersetzung erführe. Man
+ könnte dann hoffen, die etwa vorhandenen diffus zerstreuten Strahlen
+ aufzufangen und auszunutzen.
+
+[^12]: Versuche im Vakuum hat neuerdings Herr W. Wien ausgeführt[62].
+ (Anm. d. Übers.)
+
+[^13]: Die isolirende Schicht muß völlig kontinuirlich sein. Jede
+ luftgefüllte Spalte, die von dem inneren Leiter bis zur metallischen
+ Hülle reicht, giebt zu einem Stroms Veranlassung, der von den
+ Kontaktelektromotorischen Kräften herrührt und die durch das Radium
+ leitend gemachte Luft durchfließt.
+
+[^14]: In Wirklichkeit wird wegen der stets unvollkommenen Isolation
+ schon bei schwächeren Ladungen ein stationärer Zustand erreicht.
+ (Anm. d. Übers.)
+
+[^15]: Siehe auch [63].
+
+[^16]: Einige Ausführungen über diesen Gegenstand sowie eine sehr
+ vollständige Untersuchung über die geladenen Centra (Eiektronen oder
+ Korpuskeln) nebst Citaten der zugehörigen Arbeiten befindet sich in
+ der Dissertation von Herrn Langevin[72].
+
+[^17]: Berechnet nach [68], Tab. III.
+
+[^18]: wenn solche beobachtet wären. (Anm. des Übersetzers)
+
+[^19]: S. a. des Coudres[77] (Anm. d. Übers.)
+
+[^20]: Über die Deutung dieser Erscheinung s. a. eine neuere Arbeit von
+ H. Becquerel[86], der das blitzartige Aufleuchten durch
+ Umwandlungsvorgänge in den bestrahlten Krystallen und dadurch
+ verursachte elektrische Entladungen erklärt. (Anm. d. Übers.)
+
+[^21]: Versuche über Leitfähigkeit fester Isolatoren bei Bestrahlung mit
+ Radiumstrahlen sind von H. Becquerel[93] und A. Becker[94]
+ ausgeführt worden. (Anm. d. Übers.)
+
+[^22]: Über die Spektra der aktiven Gase (`Emanationen'') sind
+ neuerdings Untersuchungen von Ramsay und Soddy ausgeführt worden.
+ Siehe S. 101. (Anm. d. Übers.)
+
+[^23]: Siehe auch weiter unten S. 120. Anm. d. Übers.
+
+[^24]: Die beigeschriebenen römischen Zahlen und Buchstaben beziehen
+ sich auf die entsprechenden Kapitel und Abschnitte des Buches. Wo
+ keine Zahl angegeben, ist der Inhalt allgemeinerer Natur oder eine
+ Ermittelung nicht möglich gewesen. Die hier, sowie im Text des
+ Buches benutzten Abkürzungen für die Namen der Zeitschriften
+ entsprechen den in den "Fortschritten der Physik" gebräuchlichen.
+
+
+
+Anmerkungen zur Transkription
+-----------------------------
+
+Die Transkription fußt größtenteils auf einem Exemplar des Buchs, das
+von den University of Michigan Libraries zum Scan bereitgestellt wurde.
+Dessen Scan besorgte Google Books. Aufgrund der suboptimalen Qualität
+weniger Seiten wurde das vom Hathi Trust eingescannte Exemplar
+zusätzlich herangezogen. Wir verwendeten Tesseract und ABBYY Mac für
+die OCR. Pandoc konvertierte nach plain text und HTML.
+
+Die Rechtschreibung wurde belassen, kleinere Fehler ausgebessert. Das
+Tabellenformat musste an markdown angepasst werden. Die Einzelnachweise
+wurden nachrecherchiert und, wo vorhanden, mit URL versehen und als
+bibtex-Datenbank verarbeitet.
+
+Der markdown-Quelltext, die bibtex-Datenbank und alle anderen
+Hilfsdateien einschließlich der ursprünglichen Seitenbilder befinden
+sich auf github.com/rwst/book-curie-radio-de. Dort können Fehler
+gemeldet und gepatcht werden. R.S.
+
+
+
+
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+
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+without further opportunities to fix the problem.
+
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+
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+
+Project Gutenberg-tm is synonymous with the free distribution of
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+computers including obsolete, old, middle-aged and new computers. It
+exists because of the efforts of hundreds of volunteers and donations
+from people in all walks of life.
+
+Volunteers and financial support to provide volunteers with the
+assistance they need are critical to reaching Project Gutenberg-tm's
+goals and ensuring that the Project Gutenberg-tm collection will
+remain freely available for generations to come. In 2001, the Project
+Gutenberg Literary Archive Foundation was created to provide a secure
+and permanent future for Project Gutenberg-tm and future
+generations. To learn more about the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation and how your efforts and donations can help, see
+Sections 3 and 4 and the Foundation information page at
+www.gutenberg.org
+
+
+
+Section 3. Information about the Project Gutenberg Literary Archive Foundation
+
+The Project Gutenberg Literary Archive Foundation is a non profit
+501(c)(3) educational corporation organized under the laws of the
+state of Mississippi and granted tax exempt status by the Internal
+Revenue Service. The Foundation's EIN or federal tax identification
+number is 64-6221541. Contributions to the Project Gutenberg Literary
+Archive Foundation are tax deductible to the full extent permitted by
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+volunteers and employees are scattered throughout numerous
+locations. Its business office is located at 809 North 1500 West, Salt
+Lake City, UT 84116, (801) 596-1887. Email contact links and up to
+date contact information can be found at the Foundation's web site and
+official page at www.gutenberg.org/contact
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+For additional contact information:
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+ Dr. Gregory B. Newby
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+ gbnewby@pglaf.org
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+Section 4. Information about Donations to the Project Gutenberg
+Literary Archive Foundation
+
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+spread public support and donations to carry out its mission of
+increasing the number of public domain and licensed works that can be
+freely distributed in machine readable form accessible by the widest
+array of equipment including outdated equipment. Many small donations
+($1 to $5,000) are particularly important to maintaining tax exempt
+status with the IRS.
+
+The Foundation is committed to complying with the laws regulating
+charities and charitable donations in all 50 states of the United
+States. Compliance requirements are not uniform and it takes a
+considerable effort, much paperwork and many fees to meet and keep up
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+any statements concerning tax treatment of donations received from
+outside the United States. U.S. laws alone swamp our small staff.
+
+Please check the Project Gutenberg Web pages for current donation
+methods and addresses. Donations are accepted in a number of other
+ways including checks, online payments and credit card donations. To
+donate, please visit: www.gutenberg.org/donate
+
+Section 5. General Information About Project Gutenberg-tm electronic works.
+
+Professor Michael S. Hart was the originator of the Project
+Gutenberg-tm concept of a library of electronic works that could be
+freely shared with anyone. For forty years, he produced and
+distributed Project Gutenberg-tm eBooks with only a loose network of
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+Project Gutenberg-tm eBooks are often created from several printed
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